Anzeigen=Preise. Für den Raum der einspaltigen Millimeterzeile 10 Pfg. Von Inserenten des Verbreitungsgebietes direkt aufgegebene Kleine und Geschäftsanzeigen 6 Ufa., Familienanzeigen, Stellen= und Wohnungsgesuche bei sofortiger Bezahlung 4 Pfg. Reklamen je Millimeterzeile 50 Pfg. Die Anzeigen des B. H. Vb., erscheinen ohne Mehrkosten im Hörd. Vbl. Rotationsdruck und Verlag des Volksblattes(May& Comp., Dto.=Hörde), Geschäftsstelle in Hombruch, Bahnhofstraße 17.— Fernruf: 26226 Dortmund. Tägliche Zeitung für Barop=Hombruch und die Nachbargemeinden. Freiwillige Unfall=Unterstützung entsprechend den Bedingungen. Erscheint täglich. Bezugspreis wöchentlich 45 Pfg. Falls wir in der Herausgabe der Zeitung durch höhere Gewalt, Papiermänges oder sonstiges Versagen der Lieserungsmittel gehindert sind, hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder au Rückzahlung des Bezugspreises. Verantwortlicher Hauptschriftleiter H. Timmermann, Dtd.=Hölde. Verantwortlich für Lokales und Provinz W. Treese, Dtd.=Hörde. Anschriften: An die Redaktion bezw. an die Geschaftsstelle in Hombruch, Bahnhofstraße 12.— Fernruf: 26226 Dortmund. Nr. 54(1. Blatt.) Mittwoch, den 5. März 1930. 3. Jahrgang. Kompromiß im Werden Optimistischere Auffassung.— Neuer In Berliner politischen Kreisen wird der Verlauf der gestrigen Kabinettssitzung als Bestätigung einer optimistischeren Beurteilung angesehen, die die parlamentarische Lage erfahren hat. Man hat den Eindruck, daß dem Kabinett vom Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer ein neuer Vorschlag vorgelegt worden ist. Die lange Dauer der gestrigen Kabinettsberatungen spricht auch dafür, daß der Vorschlag mit allem Ernst und mit aller Ausführlichkeit diskutiert wurde. Der neue Vorschlag wird aus guten Gründen geheim gehalten. Man kann aber annehmen, daß er den Forderungen der Deutschen Volkspartei nach einer späteren Ausgaben= und Steuersenkung Rechnung trägt und auf der anderen Seite für die Reorganisation der Arbeitslosenversicherungsanstalt einen Weg sucht, auf dem die sozialdemokratischen Bedenken berücksichtigt werden. Auf diese Weise dürfte man ohne eine weitere Erhöhung der direkten Steuern auskommen. Jedenfalls hält man es in politischen Kreisen nicht für ausgeschlossen, daß es heute gelingt, ein Kompromis herbeizuführen, durch das die Regierungskrise der letzten Tage beseitigt wird. * Der Kompromisvorschlag des Reichsfinanzministers. In politischen Kreisen verlautet, daß der Kompromißvorschlag zur Deckung des FehlbeVorschlag Moldenhauers.— Heute Beschlußfassung des Kabinetts. sich aus mehreren Teilen zu trages im Etat sammensetzt. Zu dem Plan einer Beitragserhöhung für die Arbeitslosenversicherung kommt noch der Gedanke, 20 Millionen aus dem Rücklagefond der Bank für Industrieobligationen zu entnehmen, und 30 Millionen durch eine freiwillige Umlage der Wirtschaft aufzubringen. Eine besondere Rolle spielt auch die Frage, ob das Defizit in der bisher angegebenen Höhe überhaupt richtig ist. Außerdem denkt man daran, auch auf anderen Gebieten noch Teileinsparungen zu machen. All diese Möglichkeiten haben in parlamentarischen Kreisen den Eindruck verstärkt, daß das Kompromiß im Kabinett zumindest stark im Werden ist, so daß der Schwerpunkt, von Einzelheiten abgesehen, jetzt in der Frage liegt, ob die Fraktionen bereit sind, ebenfalls zuzustimmen. Die Verhandlungen so len am heutigen Mittwoch abgeschlossen wirden. * Kein Notopfer! Das Projekt des Notopfers wird nach der gestrigen Kabinettssitzung als erledigt betrachtet. Der Plan, der das Reichskabinett beschäftigte, sieht offenbar eine Deckung des 100 Millionen=Defizits der Arbeitslosenversicherung durch eine Beitragserhöhung vor, wobei natürlich die Frage, wie diese Beitragserhöhung im einzelnen aussieht, verschieden geregelt werden kann: Die Beratungen hierüber dürften heute weitergehen. Politisch gesehen, kommt es darauf an, eine Brücke zwischen den wirtschaftlichen Forderungen der Deutschen Volkspartei und den sozialen der Sozialdemokratie zu schlagen. Das soll in der Form geschehen, daß der Deutschen Volkspartei die Erhöhung der direkten Steuern erspart und die Ausgaben= und Steuersenkung für das nächste Etatsjahr garantiert wird. Auf der anderen Seite soll wohl eine Beitragserhöhung für die Arbeitslosenversicherung die Sorgen, die sich die Sozialdemokratie um das Weiterbestehen dieses Versicherungswerkes macht, beheben. Ob es möglich sein wird, nicht nur die Mitglieder des Kabinetts, sondern auch die Fraktionen unter diesem gemeinsamen Nenner zu versammeln, muß man allerdings noch abwarten. * Reichskanzler Müller ergreift die Initiative. Reichskanzler Müller hat, der„DAZ“ zufolge, in Ausführung der Beschlüsse seines Fraktionsvorstandes die Initiative ergriffen, um eine Vorwegnahme des Youngplanes und eine Zurückstellung der Finanzfragen bis nach Sicherung des Youngplanes zu gewährleisten. „Hungermärsche" am 6. März. Neuer Kommunistenaufmarsch.— Gegendemonstrationen der Nationalsozialisten. Großer Alarm der Berliner Po izei. Am Montag abend hat in Berlin eine Sitzung der kommunistischen Parteifunktionäre stattgefunden. Auf Anordnung des europäischen Sekretariats der„Roten Gewerkschaftsinternationale“, der„Kommunistischen Jugend=Internationale“ und des„Westeuropäischen Büros der Komintern“ hat auch die Berliner Kommunistische Parteileitung für den 6. März Hungermärsche aus der Umgebung Berlins nach der Reichshauptstadt angesetzt. Gleichzeitig sollen auch innerhalb Berlins unter Umgehung des Demonstrationsverbotes derartige Hungermärsche und Umzüge stattfinden, die sich auf die größeren Betriebe und die Arbeitslosennachweise konzentrieren sollen, wo Parteifunktionäre an ihre Genossen Ansprachen halten werden. Für diese Märsche ist ein genauer Plan ausgearbeitet worden, der sich im übrigen mit den Demonstrationen vom 1. Februar deckt. Das Demonstrationsverbot soll in der Weise umgangen werden, daß auf ein verabredetes Zeichen in allen Teilen Berlins größere und kleinere Ansammlungen sich bilden, die dann wiederum auf ein verabredetes Zeichen sich in Marsch setzen sollen. Durch diese Taktik soll erreicht werden, daß die Polizei überrascht und mürbe gemacht wird und nicht einheitlich vorgehen kann. Es heißt, daß auch die Nationalsozialisten für den 6. März Umzüge und Demonstrationen planen. Sie haben die Anweisung erhalten,„sich am 6. März auf der Straße bereit zu halten". Dadurch ist die Gefahr geschaffen, daß es zwischen Anhängern der kommunistischen und nationalsozialistischen Partei zu Zusammenstößen kommt. Die Polizei hat dementsprechend ihre Maßnahmen getroffen. Für den 6. März ist für die Berliner Polizei die große Alarmstufe angeordnet worden, nach der sich alle Offiziere und Mannschaften in den Kasernen auf zuhalten haben. In den Nachmittagstunden wird bereits ein starker Patrouillendienst auf der Straße einsetzen. * Vier litanische Kommunistinnen aus dem Zuchthaus entflohen. Dieser Tage sind aus dem Gefängnis in Zarasi vier Kommunistinnen, die zum Teil zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden waren, entwichen. Die vier Frauen befanden sich in Einzelhaft unter starker Bewachung. Da es ihnen trotzdem gelungen ist, auszubrechen, muß man annehmen, daß sie bei der Flucht Hilfe Außenstehender gehabt haben. Der Leipziger Waffendiebstahl. Die Ein Wassen waren„verkauft“.— Lagerverwalter brauchte Geld. In der Angelegenheit des Leipziger Wafsendiebstahls ist ein Angestellter des Standortkommandos verhaftet worden, der mit der Lagerung und Ueberraschung der Waffen zu tun hatte. Es ist ihm nachgewiesen worden, daß er schon seit Januar Verbindungen mit der lommunistischen Partei unterhalten hat. Nur dadurch ist es möglich gewesen, daß trotz der Bewachung die Waffen gestohlen werden konnten. Von der Kriminalpolizei wird mitgeteilt. daß die bisherigen Ermittlungen folgendes vorläufiges Ergebnis gehabt haben: Etwa Ende Januar hat der Tarifangestellte Pestner, der als Lagerverwalter bei der Reichswehr beschäftigt war und sich in Geldschwierigkeiten befand, dem Büro der Sächsischen Arbeiterwehr im Franz Mehring=Haus Waffen der Reichszum Kauf angeboten die Bekanntschaft mir wehr für 2000 Mark Pestner wurde darauf Geranntschaf.—. dem Mitglied der Kommunistischen Partei und früheren Rot=Frontkämpfer Ernst Döring vermittelt, der im wesentlichen die Verhandlungen geführt hat. Er gab dem Pestner noch vor der Ausführung des Diebstahls 300 Mark. nach der Tat weitere 500 Mark. Die restlichen 1200 Mark sollte Pestner noch erhalten. Die Waffen sind bereits am Abend des 22. Februar auf Lastkraftwagen aus dem Lagergebäude abbefördert worden. Die Behauptung, der ganze Diebstahl ginge auf die Tätigkeit eines Spitzels zurück, entbehrt der Begründung. Vielmehr war der erste Anlaß zu dem Diebstahl die Geldnot des Pestner, der zweifellos über seine Verhältnisse gelebt hat. Döring und Pestner konnten festgenommen werden. 100 Menschen ertrunken? Ueberschwemmungen ungewöhnlichen Ausmaßes in Südfrankreich.— Seit 1875 nicht derartige Regenfälle. Wie Havas aus Montaubau berichtet, ist im Laufe der Nacht in Moissac ein Damm gebrochen. Das zwei Stadtteile überflutende Wasser hat zahlreiche Menschenleben gefordert. Noch nicht bestätigten Gerüchten zufolge soll die Zahl der Toten jetzt 100 betragen. In den vom Wasser bedrohten und nach und nach einstürzenden Häusern befinden sich noch Bewohner. Die unermüdlich durchgeführten Rettungsarbeiten gehen nur langsam vorwärts. Der durch die Ueberschwemmungskatastrophe allein im Departement Tarn angerichtete Schaden wird auf 30 Millionen Francs veranschlagt. Der französische Ministerpräsident Tardieu erklärte, daß er der Kammer einen Gesetzentwurf zur schleunigen Bewilligung von 100 Millionen für die Geschädigten vorlegen werde. * Die Stadt Montauban ist von allen Seiten von jedem Verkehr abgeschnitten. In merreren Stadttierteln sind Häuser eingestürzt. Etwa 11. Soldaten, die bei den Rettungsund Bergungsarbeiten mitgewirkt haben, fehllen beim Appell. Zeugen wollen gesehen haben, wie zwe. von ihnen bei den Rettungsarbeiten ertranken. Die Stadt Montauban hat zurzeit weder Trinkwasser, noch Gas, noch elektrischen Strom. Ein Rettungsboot zerschellte an einer Mauer, einer der Insassen ertrank. Infolge der kritischen Lage sollen die Behörden sogar eine vorläusige Aussetzung der Rettungsarbeiten angeordnet haben, um nicht weitere Menschenleben aufs Spiel zu setzen. Ein Automobil ist, als es eine Brücke in der Nähe von Montauban passierte, infolge des plötzlichen Einsturzes der Brücke von den Fluten verschlungen worden. Die bei Toulouse gelegene Ortschaft Villemur am Tarn ist außerordentlich schwer heimgesucht worden. Sie ist ebenfalls vollständig vom Verkehr abgeschnitten. 600 Arbeiter sitzen in einer Fabrik, die überschwemmt ist, fest. Auf den Straßen in der Nähe von Toulouse steht das Wasser teilweise bis zu fünf Meter hoch. Zwei Hängebrücken sind weggeschwemmt worden. Die Regengüsse halten an, und die Flut steigt weiter. Zahlreiche Häuser sind bereits eingestürzt. In der Umgebung von Albi sind drei Brücken eingestürzt und drei Personen ums Leben gekommen. Bei Carcassonne ist ein Tunnel an der Strecke Bordeaux=Cette infolge anhaltender Regengüsse eingestürzt. Die Reisenden werden mit Postautos weiterbefördert. * Weitere Meldungen berichten noch fo'gende Einzelheiten: In Villemur ist das Rathaus eingestürzt. Die Stadt Castres steht völlig unter Wasser. Drei Häuser sind eingestürzt. Drei Einwohner sind ertrunken. Mazumet und Cahuzac hatten je einen Toten. In der Stadt St. Sulvice sind nicht weniger als 21 Häuser eingestürzt. Der Canal du Midi ist über seine Ufer getreten. Zwischen Narbonne und Cacassonne liegt jeder Verkehr still. In Bessieres stürzten 15 Häuser ein. Auch die Eisenbahnverbindungen Toulouse--Languedoc und Toulouse—Narbonne sind unterbrochen. Seit dem Jahre 1875 waren derartig heitige Regengüsse nicht zu verzeichnen, wie sie in den letzten Tagen auftraten. * Felssturz und Springflut auf Madeira. Ein furchtbarer Felssturz an der Meeresküste verursachte eine Art Springflut, durch die mehrere Personen ums Leben kamen. Viele andere wurden verletzt. Eine Krankenschwester erstochen. Auf der Spur des Düsseldorfer Mörders? Aus Holland kommt die Meldung von einem Mord, der in seiner Ausführung eigentümlich der Düsseldorfer Mordserie ähnelt und vielleicht zur Festnahme des Massenmörders führen wird. Bei einem Spaziergang in der Nähe des Sanatoriums Hora bei Bennekom wurden zwei Krankenschwestern von einem Mann angesprochen und mit einem Messer bedroht. Der einen Schwester gelang es, zu entfliehen, nachdem sie erhebliche Stichwunden an den Armen davongetragen hatte. Als sie kurze Zeit später mit Polizeibeamten an den Tatort zurückkehrte, fand sie ihre Freundin Christine Koperberg aus Arnheim, tot auf. Sie war durch Stiche mit dem Messer in den Rücken ermordet worden. Als mutmaßlichen Täter hat die holländische Polizei einen gewissen Jan Hoek verhaftet, einen Reisenden in Nähmaschinen, der bereits vor fünf Jahren wegen eines Sittlichkeitsdeliktes verurteilt worden war. Jan Hoek wurde mit der Begleiterin der Getöteten konfrontiert, wobei diese ihn auf das bestimmteste als den Mörder bezeichnete. Der Messedienstag. Wenn sich auch der Geschäftsverkehr im Innern der Messehäuser und innerhalb der Maschinenhalle auf dem Gelände am Völkerschlachtdenkmal in Leipzig abspielt, so läßt der Straßenverkehr doch deutlich erkennen, daß diese Frühjahrsmesse besser besucht ist als die vorfährige. Der Beginn der Fachtagungen auf der technischen Messe bringt jetzt zahlreiche Interessenten nach Leipzig. Ob der von vielen erwartete Preissturz in der Messe wirklich eintreten wird, ist noch sehr zweifelhaft, da die Preise schon sehr gedrückt sind. Der Besuch und das Geschäftsinteresse hat in allen Messehäusern zugenommen. Erheblich besser geworden gegenüber dem Vorjahre ist die Nachfrage in der Spielworenindustrie, aber auch nur da, wo neue Muster oder neue Ausstattung und Herrichtung alter Muster der Kauflust Anreiz bieten. Einzelne Schlager haben, wie immer, einen überraschenden Erfolg. Bezeichnend ist das Interesse für Zinnsoldaten. Kinderuniformen und auch wieder für Indianerkleidung, was auf das Wiederaufleben alter Kinderromantik schließen läßt. Ein ernsthaftes Kaufinteresse zeigt sich für Porzellan und Steingutgeschirr, in mittlerer Preislage. Die Möbelmesse ist nach wie vor gut besucht. Auch auf der Textilmesse herrscht teilweise lebhafter Verkehr, wobei aparte Modeneuheiten bevorzugt bleiben. Der Besuch der technischen Messe ist auf 1½ Wochen verlängert worden. Viele Ausländer warten erfahrungsgemäß mit ihrer Auftragserteilung bis zum letzten Tag, weshalb sich auch ein vorzeitiges Einpacken stets als verhängnisvoll erwiesen hat. Vorläufig scheint aber die technische Messe noch nicht ihren Höhepunkt erreicht zu haben. Politischer Mord in Paris? Ein serbischer Kommunistensendling ermordet. Der angebliche südslawische Journalist Verner wurde in Paris ermordet. Die Polizei sieht sich bei der Untersuchung des Mordes bisher einem undurchdringlichen Dunkel gegenüber. Ueber die Persönlichkeit des Ermordeten ist nichts Näheres zu erfahren, da Verner nicht der französischen Sprache mächtig war, und während seines dreimonatigen Aufenthalts in Paris weder polizeilich gemeldet war, noch sich bei der Gesandtschaft seines Landes vorgestellt hat. Die Polizei ist daher lediglich auf die Hinterlassenschaft des Ermordeten angewiesen. Aus zahlreichen kommunistischen Zeitungen, gefälschten Personalausweisen usw. glaubt sie den Schluß ziehen zu können, daß Verner im Auftrage serbischer Kommunisten in Paris tätig war und von zwei serbischen Nationalisten getötet worden ist. Bombenanschlag in Pirot. In Pirot warfen zwei unbekannte Täter durch die Fenster des Hotels„National“ zwei Bomben und sofort darauf zwei Bomben auf die Straße vor dem Hotel, wo sich ein zahlreiches Publikum befand Im Innern des Hotels wurden neun Personen verletzt und auf der Straße 16, alles Einheimische. Acht der Verletzten mußten im Krankenhaus behalten werden, während die übrigen nach Anlegung von Verbänden nach Hause entlassen wurden. Von den acht im Krankenhaus Behaltenen starb einer. Die Attentäter entflohen im Gedränge aus der Stadt gegen die bulgarische Grenze. Kleine Nachrichten. Zur 400=Jahrfeier der Confessio Augustana hat der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses, D. Dr. Kapler, an 64 Kirchenverbände und Kirchen Einladungen ergehen lassen. Bei der allgemeinen Volkszählung in Lettland, die Mitte Februar stattfand, wurden 1 895000 Einwohner gezählt, davon in Riga 375000. Im Südwesten der Provinz Kwangst wurde eine katholische Missionsstation an der indochinesischen Grenze von Kommunisten überfallen und niedergebrannt. Barop-Kombruck und Nachbargemeinden. 5. März 1930. Ein Emscher=Stausee? Wie man hört, soll die Emschergenossenschaft beabsichtigen, das alte Rombergsche Rennbahngelände zur Klärung des schmutzicen Emscherwassers in einen Staufee zu veiwandeln Es wird nun vorgeschlagen, den Staufee vom Phönix noch weiter bis zur Beroper Straße auszudehnen. Ein weiterer Vorschlag geht dahin, nicht das bereits verschmutzte Emscherwasser in den Stausee zu leiten, sondern das noch nicht verunreinigte Die Berechnung des Abzugs bei Rückzahlung der Hypothek.— Es sind stets volle Monate zu berechnen. Beschluß des Obersten Landesgerichts München.— Von Justizoberinspektor Karl Fuchs. Aschermittwoch. Nach der allheit der Faschingszeit, die in anderen Strichen unseres Vaterlandes mit Rosenmontag und Fastnachtsdienstag ihren Gipfel erklimmt, bricht in der Nacht zum Aschermittwoch das närrische Treiben ab. Heute noch Schellengeläute, morgen Asche über dem Haupt, als Symbol der Nichtigkeit alles Irdischen. Vielleicht liegt der tiefere Sinn dieses krassen Szenenwechsels auf der Schaubühne des Lebens darin, daß man auch im Ueberschwang von Glück und Frohsinn sich ständig bereit halten soll, auch ein Gegensätzliches mit der gleichen Schicksalsergebenheit hinzunehmen. Freudvoll und leidvoll, wie die Lose aus dem Füllhorn Fortunas fallen. Aschermittwoch sollte der Tag der Ab= und Einkehr sein. In den letzten Wochen hatte man, gewissermaßen zum seelischen Ausgleich, Spritztouren gemacht durch die Schlösser, die im Monde liegen. Man war Vergnügungsreisender in der Scheinwelt einer künstlichen Sonnenseite gewesen. Aschermittwoch bläst:„Das Ganze halt!“ und zum Rückzug in die Quartiere der Wirklichkeit. Das Tempo mäßigt sich aus dem beschwingten Tanzschritt in den schwereren Gang der„Tretmühle des Alltags“. Glitzernder Schein wird zum illusionslosen Sein. Die Larve der Vermummung, die man wie einen Schutzschild zwischen sich und die Umwelt gesetzt hatte, fällt, und das rätselvolle Sphinrgesicht der „gleichgestellten Uhr“ blickt uns Entschließungen heischend in seiner ganzen Nüchternheit wieder an. Aschermittwoch! Die Fastenzeit beginnt. Fasten ist Kampf mit den selbstischen Trieben. Ist Uebung im Entsagenkönnen. Nicht schrankenloses Scheffeln irgendwelcher Genüsse verschönt die Daseinsinhalte, sondern Beschränkung auf wertvolle Auswahl meistert„das Glück der Erdenkinder". Deshalb will Aschermittwoch noch lange keine mönchige Weltflucht fordern, sondern Selbstbesinnung und Maßhalten in allen Dingen. * Ein weiteres Jahr Gewerbesteuerverordnung. Da anzunehmen ist, daß der seit längerer Zeit dem Reichstage vorliegende Gewerbesteuerrahmengesetzentwurf im Laufe dieses Jahres verabschiedet werden wird und die Veranlagung zur Gewerbesteuer für das Rechnungsjahr 1931 nach den Bestimmungen dieses Gesetzes erfolgen wird, erscheint es angezeigt, die Gewerbesteuerverordnung, deren Geltungsdauer mit dem 31. März 1930 abläuft, auf ein weiteres Jahr unverändert zu verlängern. Die zuständigen Minister haben dementsprechend einen Gesetzentwurf über die Regelung der Gewerbesteuer für das Rechnungsjahr 1930 dem Staatsrat zur gutachtlichen Aeußerung zugeleitet. Jedoch ist mit Rücksicht auf das Gesetz zur Aenderung des Einkommensteuer= und Körperschaftssteuergesetzes vom 29. Juni 1929, das unter gewissen Voraussetzungen die Anrechnung des sogenannten Verlustvertrages vorsieht, eine Entscheidung über die Frage, ob und in welchem Umfange sich die Vorschrift des Reichsgesetzes auf die Ermittlung des Ertrages auswirkt, nicht zu umgehen. Der Artikel 1 des neuen Gesetzentwurfes paßt daher den„Verlustvertrag“ der Einkommensteuer durch die Einführung des Begriffs„Gewerbeverlust" der Gewerbesteuer an. Er weicht aber in zwei Beziehungen von der Einkommensteuerregelung bewußt ab: Die Vorschrift des§ 15 Abs. 1 Nr. 4 ist. nur anzuwenden bei Steuerpflichtigen, die Bücher ühren; ferner ist der Verlustvertrag nur insoweit zu berücksichtigen, als der Gewinn des nachfolgenden Jahres zur Beseitigung des Verlustes verwendet worden ist. Von beiden Voraussetzungen sieht der Entwurf ab. * Deutscher Städtetag und Kinderschutz. Der Wohlfahrtsausschuß des Deutschen Städtetages hat Richtlinien für ein Zusammenarbeiten der behördlichen Stellen im Kinderschutz bei Kinderarbeit aufgestellt. In den Richtlinien wird gemäß der Auffassung des Reichsjugendwohlfahrtsgesetzes über die Kinderarbeit das Jugendamt in den Mittelpunkt für den Kinderschutz gestellt. Bei der Ausstellung von Arbeitskarten für Kinder ist das Jugendamt heranzuziehen und es ist eingehend zu prüfen, ob für das Kind gesundheitliche oder sittliche Gefährdung oder Ausbeutung durch die Arbeit zu befürchten ist usw. Zur Vornahme dieser Prüfung haben Jugendamt, Wohlfahrtsamt und Schulaussichtsbehörde mit dem Arbeitsschutzamt (Gewerbeamt, Polizei) zusammenzuwirken. Wenn vor Erteilung der polizeilichen Genehmigung für die Beschäftigung von Kindern bei Lichtspielaufnahmen, Musikaufführungen, Theatervorstellungen usw. das Jugendamt nicht gehört werden kann, so ist die Genehmigung als „jederzeit wideruflich“ zu erteilen und dem Jugendamt sofort Mitteilung zu machen. Jugendamt, Schule und Arbeitsschutzamt teilen sich gegenseitig alle Fälle von Kindergefährdung durch Arbeit mit. Soweit diese Richtlinien nicht auf gesetzlicher Grundlage beruhen, sollen sie durch Vereinbarung zwischen den beteiligten Behörden Wirksamkeit gesetzt werden. Der Gläubiger einer Hypothek kann die Zahlung des Aufwertungsbetrages nach§ 25 des Aufwertungsgesetzes nicht vor dem 1. Jan. 1932 verlangen, jedoch ist der Schuldner bezw. der Grundstückseigentümer berechtigt, den Aufwertungsbetrag nebst den fälligen Zinsen schon vor diesem Termin zurückzuzahlen. Der Rückzahlung muß eine dreimonarige Kündigung vorausgehen. Bei vorzeitiger Zahlung kann der Schuldner einen Zwischenzins von 7 v. H. jährlich abziehen. Ueber die Höhe des nach Abzug des Zwischenzinses zu entrichtenden Betrages entscheidet auf Antrag die Aufwertungsstelle. Um dieser die nicht unerhebliche Rechenarbeit abzunehmen, ist der Durchführungsverordnung eine Tabelle beigegeben worden, die später durch die Verordnung vom 20. Januar 1927 (RGBl. 27 S. 49) ersetzt wurde. Als Zeit der Rückzahlung ist dort stets der erste Tag des Monats angenommen. Die Unklarheit oarüber, ob der für den Monatsersten angegebene Satz auch maßgebend ist, wenn die Rückzahlung nicht am Monatsersten, sondern im Laufe des Monats erfolgte, hat bisher unter den Beteiligten manche Verstimmung hervorgerufen. Den Aufwertungsstellen hat sie viel Kopfzerbrechen bereitet, weil es bisher an einer höchstrichterlichen Entscheidung fehlte und auch im Schrifttum die Frage verschieden beantwortet wird. Teils wird die Anschauung vertreten, daß bei der Rückzahlung an einem anderen Tage als dem Monatsersten der Zwischenzins von der Aufwertungsstelle selbständig zu berechnen sei. In einem solchen Falle sei es aber zulässig, die Differenz zwischen den für den Ersten des Monats der Rückzahlung und dem Ersten des nächstfolgenden Monats angegebenen Werten verhältnismäßig zu teilen. Eine andere Meinung geht dahin, daß in einem solchen Falle die Tabelle überhaupt keine Anwendung finden könne und die Beteiligten, bezw. die Aufwertungsstelle, verpflichtet seien, den Bauwert besonders zu berechnen. Mit diesen Fragen hat sich nunmehr das Oberste Landesgericht München in seinem Beschluß vom 16. November 1929 befaßt. Von den Milben kennt man gewöhnlich nur die Käsemilbe, allenfalls weiß man noch, daß es eine Krätzmilbe gibt. In Wirklichkeit sind diese Arten sehr zahlreich. Sie sind nahe Verwandte der Svinnen, zeichnen sich aber durch besondere Kleinheit aus; die meisten sind kleiner als ein Millimeter und können nur durch Vergrößerung=Pläter erkannt und beobachtet werden. An sich sind die Milben keine Schmarotzer, sie nähren sich von pflanzlichen oder tierischen Stoffen. Fast alle Tiere tragen als harmlose, unschädliche Bewohner ihrer Haut und ihres Haar= oder Federkleides Milben mit sich herum, die sich von den Abscheidungen der Haut ernähren, so auch die Haarbalgmilbe, die niemals Krankheiten errest. Die ein ige Ausn hme bilden die Krätzemilben. die beim Menschen und Ter die bekannte juckende Hautkrankheit verursachen und typische Schmarotzer sind. Die verbreitetste Art von Milben aber sind die Schimmelmilben. Ueberall, wo Schimmel entsteht, fehlen auch die Milben nicht, die sich davon ernähren. Und Schimmel bildet sich überall, viel häufiger, als man glaubt. Die gewöhnlichen Schimmelarten an Wänden und auf Speisen sind bekannt. Aber auch in feuchtgewordenen Betten in den Bettfedern, in feuchten pflanzlichen Stoffen, in feuchtem Getreide, Mehl, auf Obst usw. bilden sich Schimmelarten, die wieder die Nahrung für besondere Arten von Miloen sind. Diese Milben und ihre verstäubten Produkte sind in vielen Fällen die Ursache von außerordentlich heftigen Krankheitszuständen. Es handelt sich hierbei um mit dem verstäubten Schimmel eingeatmete Substanzen, die bei besonders duzu disponierten Menschen die stärksten Asthmafälle verursachen lönnen. Es ist das Verdienst des Asthmaforschers Dr. Grimm in Reichenhall, Aufklärung über diese Quelie von Bronchialasthma geschaffen zu haben. Man wußte schon lange, daß das Asthma und das schmutzige Wasser aber um den Stausee herumzuleiten. Es handelt sich dabei um ein Miltionenprojekt. Ob man leicht daran geht, kann bezweiselt werden, obwohl der Stausee eine herrliche Anlage im Anschluß an das Volksparkgelände sein würde. * Mandatniederlegung. Der bisherige Stadtverordnete Generaldirektor Dr. Ing. Springorum in Dortmund hat sein Mandat als Stadtverordneter niedergelegt, weil er durch die Uebernahme des Vorsitzes in dem„Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen“ nunmehr derartig in Anspruch genommen zu sein glaubt, daß es ihm neben keiner beruflichen Inanspruchnahme nicht mehr möglich ist, die Zeit für die ordnungsgemäße Ausübung seines Stadtverordnetenmandates zu erübrigen. Es lehnt zunächst die oben vertretenen Anschauungen ab, da es nicht als im Sinne der gesetzlichen Vorschrift gelegen angesehen werden kann, daß eine derart willkürliche Berechnungsart, wie sie die verhältnismäßige Teilung der in der Tabelle angegebenen Werte ist, Platz greift. Eine Berechnung ohne Benutzung der Tabelle aber wäre, weil Zinseszinsen in Betracht kommen, außerordentlich mühsam und nur den Rechnungsverständigen ermöglicht. Der Zweck der unter Berücksichtigung der Zinseszinsen hergestellten Tabelle ist aber gerade darauf gerichtet, daß eine den Beteiligten und den Aufwertungsstellen nicht zumutbare Rechnungsarbeit erspart wird. Vielmehr ist die in der Tabelle enthaltene Festsetzung der Barwertsätze nicht lediglich als Hilfsmittel gedacht. Der Gesetzgeber hat durch Aufstellung der Tabelle(ähnlich wie bei der zum Aufwertungsgesetz) eine die Aufwertungsstelle und die Beteiligten bindende Festsetzung treffen wollen. Die festgesetzten Barwertsätze sind nicht Grenzwerte, innerhalb deren Zwischenwerte herausgerechnet werden dürsen, sondern es dürfen als Rückzahlungszinsen nur volle Monate(ohne Abstellung auf einen bestimmten Monatstag) in Betracht gezogen werden. Daher ist eine Berechnung von Zwischenwerten innerhalb eines Monats nicht zugelassen, es hat vielmehr der für den Ersten eines jeden Monats festgestellte Barwert für den ganzen Monat des Rückzahlungszeitpunktes einheitlich zu gelten. Nach der Tabelle beträgt bei einer monatlichen Zahlung der Zinsen der Barwert einer am 1. Januar 1932 fälligen Aufwertungsforderung am 1. Januar— also für den Monat Bei längeren Zahlungsperioden tritt für jeden Monat, für den am Auszahlungstermin noch keine Zinsen gezahlt sind, ein Zuschlag von 0,42 v. H. hinzu. eine sogenannte Ueberempfindlichkeitskrankheit ist, ähnlich wie das bekannte Heusieber. Während man bei diesem als Ursache bestimmt nur die eingeatmeten Vollenkörner zur Zeit der Grasblüte ansehen muß, gab es beim Asthma annähernd 100 Substanzen, die beim Einatmen asthmaerregend wirken können. So ist es bekannt, daß der Haarstaub von Gänse= und Hühnerfedern, serner der Staub aller möglichen Getreide und Mehlarten, der Staub von Baumwolle und Polstermöbeln auf dafür empfängliche Menschen asthmaerregend wirken kann. Die Entdeckung, daß dieser Staub immer mit den Milben der betreffenden Substanz vermengt ist, bringt nun in diese Verhältnisse einiges Licht Nicht der Staub an sich ist die Ursache des Asthmaanfalles, sondern seine Vermengung mit den Milben, Und da die Milben, wie der Schimmel, von dem sie sich nähren, allgegenwärtig sind, so ist es kein Wunder, wenn es so viele Veranlassungen zum Ausbruch des Asthmas gibt Die einzige Ursache des Asthmas bilden die Milben deshalb aber keineswegs. Es gibt deren noch mehr, alle aber hängen sie mit der Einatmung von Staub zusammen, wie die grundlegenden Forschungen des holländischen Professors von Leeuwen bewiesen haben. Gelingt es dem Asthmatiker, seine Einatmungsluft von allen Staubpartikelchen zu reinigen, so ist seine Krankheit wie weggeblasen. Die Milben können auch rein äußerlich dem Menschen unangenehm werden. So ist die hautreizende Wirkung einer in feuchtem Mehl vorkommenden Milbe als sogenannte Bäckerkrätze, Milben im Federkleid des Geflügels als Vogelkrätze Lekannt Resselausschläge bei Baumwollarbeitern als Folgen von Milben hat man mehrfach beobachtet; dazu kommt noch eine ganze Anzahl juckender Ausschläze, deren Ursiche nicht bekannt ist deren Entstehung man aber ebenfalls auf Milben zurückführen muß. Menglinghausen, 5. März.(Keine Stille legungsgefahr.) Gleich der nun stillgelegten Kokereianlage„Giesbert“ hat die Kokereianlage der Zeche„Kaiser Friedrich" trotz Stillegung der Kohlenproduktion ihren Betrieb aufrecht erhalten. Das hier verbreitete Gerücht, daß auch die Kokereianlage„Kaiser Friedrich“ in Kürze stillgelegt wird, bewahrheitet sich nach erfolgter Anfrage an maßgebender Stelle nicht. Die yier noch beschäftigten zahlreichen Arbeiter brauchen also vorerst keine Stillegung zu befürchten. +t Dellingholen, Juburg Wellinghofen, 5. März.(Schade um die Eier.) Großes Pech hatte auf der Verbandsstraße ein Händler, der wohl nach auswärts zum Markt wollte. In der Nähe der Stadtwaldung ging ihm ein Rad am Wagen entzwei, und eine Kiste mit Eiern fiel vom Wagen auf die Straße Allzu viel von der nahrhaften Ware war nicht heil geblieben, und eine große Fläche von Eigelb kennzeichnete die Straßenstelle. Dem Händler entstand ein großer Schaden. Bittermark, 5. März.(Besichtigung.) Vor einigen Tagen fand durch einige Herren des Verkehrsamtes eine Besichtigung der früheren Gemeinden Wellinghofen, Syburg, Kirchhörde statt, um sich an Ort und Stelle zu informieren über die geäußerten Wünsche hinsichtlich der Wegebauten und des Straßenbahn= und Autobusverkehrs. ** * Kündigungen beim Hörder Verein. Hörde, 5. März. Infolge Auftragsmangels wurde beim Hörder Verein einem Teil der Belegschaft gekündigt. Es handelt sich u. a. um die Arbeiterschaft des Blockwalzwerkes, und zwar um die Schicht der Fertigstraße. Hier kommen etwa 60 Leute. in Frage. Im Thomaswerk sind es etwa 100 Leute, die von den Kündigungen betroffen werden. In den Maschinenabteilungen stehen für heute noch Kündigungen bevor, sodaß damit zu rechnen ist, daß insgesamt etwa 200 Leute in den nächsten Tagen arbeitslos und der Erwerbslosenfürsorge überwiesen werden müssen. Die übrigen Betriebe sind noch so weit beschäftigt, daß vorläufig mit Stillegungen und Betriebseinschränkungen nicht gerechnet zu werden braucht. * Geisecke, 5. März.(Neues Staubecken.) Unterhalb der neuen Ruhrbrücke am Wellenbad wurde die Ruhr gestaut, so daß hier ein neues Staubecken entstand. Da die Brunnen für die Wasserversorgung westlich der neuen Brücke im allgemeinen nicht genügend Wasser lieferten, sucht man durch Aufstauen des Wassers den Grundwasserspiegel zu heben. Vorher war versucht worden, durch Legen von Eisenrohren den Sammelbrunnen mehr Wasser zuzubringen. Im letzten trockenen Sommer sah man sich zudem genötigt, durch Oberflächenberieselung den Wasserspiegel zu heben. Große Behelfspumpstationen waren angelegt, um das Wasser aus der Ruhr in die angrenzenden Wiesen zu pumpen. Wie wir erfahren, steht damit im Zusammenhang, daß sämtlichen Viehhaltern das Weiden von Vieh auf den Ruhrweiden an den fraglichen Stellen gekündigt worden ist. 1t Der Aplerbecker Bezirk Aplerbeck, 5. März.(Umzug in die Notwohnung.) Ein Menschenauslauf von etwa 100 Personen entstand am Dienstag auf der Friedrichstraße in Aplerbeck. Aus einem Hause dieser Straße wurde auf Grund einer Räumungsklage ein Arbeiter G. von der städtischen Polizei herausgesetzt; ihm war eine Notwohnung in der Präidentenstraße in Aplerbeck zugewiesen. Er weigerte sich aber, in diese Wohnung zu ziehen. Die Möbel waren bereits auf einen Wagen geladen und sollten in die Notwohnung überführt werden. Dieses versuchte G. zu verhindern, indem er sich den Pferden in die Zügel war und als er hier weggerissen wurde, vor die Räder des Wagens werfen wollte. Er wurde darau festgenommen und bis zur Abfahrt des Wagens aus der Wache behalten. Aplerbeck, 5. März.(Grober Unfug.) Ein gewisser B. aus Aplerbeck stellte sich am Dienstag nachmittag in angetrunkenem Zustande mitten auf dem Fahrdamm der Präsidentenstraße, hielt vorbeikommende Fahrzeuge an und belästigte in ungehöriger Weise Passanten. Der Aufforderung eines Polizeibeamten, diesen Unfug zu unterlassen, leistete er keine Folge und wurde dem Beamten gegenüber frech. Als ihn der Beamte darauf mit Gewalt von der Straße wegschaffen wollte, setzte er heftigen Widerstand entgegen, griff den Beamten tätlich an und versetzte ihm einige Schläge ins Gesicht. Der Beamte brachte ihn aber trotzdem auf die Wache. Hier verweigerte er die Angabe seiner Personalien, woran er festgesetzt wurde. Nachdem er ausgenüchtert war, gab er die Personalien an und wurde entlassen. Es wurde gegen ihn eine Anzeige wegen groben Unfugs und wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt vorgelegt. Aplerbeck, 5. März.(Fahrraddiebstahl.) Einem Lehrmädchen wurde ein neues Damenrad gestohlen. Der Täter scheint mit den örtlichen Verhältnissen vertraut gewesen zu sein. Das Rad wird wie folgt beschrieben: Marke: Perfekt, schwarzer Rahmenbau, gelbe Felgen, Kometfreilauf, gelber Sattel. und Milben. Neue Forschungen über die Entstehung des Bronchialasthmas. Fahrlässige Tötung. Der tödliche Motorradunfall der Josefine Nierhaus. Aplerbek, 5 März. Am 9. September 1919 ereignete sich gegen 21,15 Uhr auf der Landstraße zwischen Aplerbeck und Asseln ein schwerer Motorradunsall, dem ein blühendes Menschenleben zum Opfer fiel. Der Motorradfahrer Heinrich Wennemann aus Aplerbeck hatte die ebenfalls aus Aplerbeck stammende Hausangestellte Josesine Nierhaus auf seinem Soziussitz mitgenommen, um sie nach Asseln zurückzubringen, wo sie in Stellung war, nachdem sie ihre Angehörigen in Aplerbeck besucht hatte. Bei der völligen Dunkelheit, die an jenem Abend herrschte, fuhr ein Pferdefuhrwerk des Obst= und Gemüsehändlers Müller, das von dessen Kutscher Wilhelm Westermann aus Dortmund gelenkt wurde, unbeleuchtet auf der salschen Straßenseite. Der Motorradfahrer, der das herannahende Fuhrwerk im Liteel seines Scheinwerfers erst im letzten Augenblick bemerkte, versuchte vergeblich, auszuweichen. Er wurde von dem Fuhrwerk angefahren und stürzte gefährlich. Bei diesem Sturz erlitt Josesine Nierhaus keine Zerreißung der Lunge und des Herzens neben anderen inneren Verletzungen, sodaß der Tod fast auf der Stelle eintrat. Vergeblich versuchte Westermann, der nun als Angeklagter wegen fahrlässiger Tötung vor dem Schöffengericht stand, sich zu entschuldigen. Er Westlalen und Kkeinland. sei auf den Schienen der Straßenbahn gefahren, weil daneben ein starker Autoverkehr herrschte. Die Kerze in seiner Wagenlaterne sei immer wieder ausgegangen, weil das Glas beschädigt wav. Das wiederholte Anstecken sei er mit der Zeit leid geworden. Das Gericht stellte außerdem fest, daß sowohl Westermann wie auch die übrigen Wageninsassen stark angetrunken gewesen sind. Ungeachtet der fehlenden Beleuchtung hat das Fuhrwerk ein ziemlich scharfes Tempo eingeschlagen und durch die Innehaltung der falschen Straßenseite eine ganz grobe Fahrlässigkeit bekundet. Der Staatsanwalt beantragte 5 Monate Gefängnis, der Vertreter des Nebenklägers Wennemann unterstützte diesen Antrag, forderte aber keine Buße, weil W. sich seine Ansprüche für einen inzwischen eingeleiteten Schadenersatzprozeß vorbehalten will. W. selbst ist bei dem Unall auch verletzt worden. Obwohl der Angeklagte um eine mildere Beurteilung bat, erkannte das Gericht doch gemäß dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf eine Gefängnisstrafe von 5 Monaten, von welcher der Angeklagte jedoch nur 2 Monate verbüßen soll. Für den Rest der Strafe wird ihm eine Bewährungsfrist von 3 Jahren zugebilligt. Kolzwickede, Ooterliche Holzwickede, 5. März.(Instandsetzung der Schwarzen Weges.) Der Schwarze Weg, die Verbindungsstraße zwischen der Stein= und Landstroner=Straße, gehört zu den aus dem eingemeindeten Ortsteil übernommenen Wegen. Schon seit Jahren befindet sich der Weg in einer sehr schlechten Verfassung. Die Instandsetzungsarbeiten sind jetzt ausgenommen worden. Holzwickede, 5. März.(Keine Anleihen mehr.) Ein neuerdings herausgegebener ministerieller Erlaß verbietet den Regierungen, solchen Gemeinden Anleihen zu genehmigen, die mit kurzfristigen Schuldverschreibungen belastet sind. Dazu zählt auch unsere Gemeinde. Es wird also unserer Gemeindevertretung nicht möglich sein, für außerordentliche ausgaben, wie Wegebau, Schulbau und dergl. irgendwelche Anleihen zu bekommen. Es wird natürlich das Bestreben der Gemeindeväter sein, sobald wie möglich die kurzfristigen in langfristige Anleihen umzuwandeln. Der Anfang dazu ist ja bereits gemacht. Das langfristige Geld steht zudem zu einem niedrigeren Zinsfuß, sodaß auch durch die Umwandlung wesentliche Ersparnisse hereingebracht werden können. Wie wir erfahren, ist Holzwickede die einzige Gemeinde im Amt Unna=Kamen, die über kurzfristige Anleihen(Zinsfuß 11,85 Prozent) verfügt. Holzwickede, 5. März.(Es wird weiter rationatisiert.) Die Einsparungen auf der Reichsbahn sollen noch weiter erfolgen. In der letzten Zeit konnten wir des öfteren über Personalwechsel berichten. Diese Maßnahmen zielten fast restlos auf Einsparungen irgendwelcher Stellen ab. Wie verlautet, sollen demnächst auch noch bei den Bahnmeistereien weitere Personalverschiebungen mit dem Zwecke der Lasten verminderung stattfinden. Es ist damit zu rechnen, daß von den beiden Bahnmeistereien eine aufgehoben wird, und daß die verbleibende neben dem hiesigen Bahnhof die Strecke Holzwickede—Schwerte mit zu übernehmen hat. Holzwickede, 5. März.(Nette Haushälterin.) Ein hiesiger Witwer hielt sich zur Führung seines Haushaltes eine Haushälterin. Nachdem ihr Brotherr am 1. ds. Ms. seine Bezüge nach Hause gebracht hatte, suchte sie in deren Besitz zu kommen, kaufte sich für das Geld neue Kleider und verschwand. Alt=Dortmund Bilanz der Westfalenhalle. In der Bilanz vom 30. April 1929 erscheinen als Vermögen: 1017,27 Mk. Kasse und Postscheck=Guthaben, 577 562,21 Mk. Bankguthaben, und Forderungen(und zwar in laufender Rechnung 277565 21 Mk., mit besonderer Bestimmung 300000 Mk.), 140000 Mark Beteiligung und Darlehen, 5687371,20 Mk. Grundstücke und Gebäude, 567246,19 Mk. Inrentarien, unter Verbindlichkeiten: Akienkapital 4000000 Mk.. Reservefonds(Agio) 17 682,02 Mk., Erneuerungsfonds a) aus Vorjahren 130 949,55 Mk., 5) Zugang 1928/29: 77 359,30 Mk., 208 308,85 Mk., Gläubiger 38 622,40 Mk., Hypotheien 2 708 586,60 Mk. Nach der Gewinn= und Verlustrechnung vom 30. Juni 1929 betrugen im abgelaufenen Jahre die Kosten 249392,02 Mi., Zinsen u. Steuern 264 286,06 Mk., Erneuerungsfonds 77 359,30 Mk., welchen an Erfolg und Vergütungen 573037,38 Mk. gegenüberstehen. Hyänen der Großstadt. Der Hilfsarbeiter Josef B. aus Arnsberg kam nach Dortmund, um hier sein Krankengeld abzuholen. Nachdem er dieses hatte, besuchte er mehrere Wirtschaften. In einer Wirtschaft am Steinplatz lernte er eine Maria A. mit ihrem „Cousin“ kennen. Man unterhielt sich zusammen, und im Verlaufe des Gesprächs erzählte B. den beiden auch den Zweck seiner Anwesenheit in Dortmund. Als man darauf eine Wirtschaft in der Brückstraße besuchte, gesellte sich zu den Dreten noch drei weitere Bekannte der A. In dieser Gesellschaft blieb B. bis gegen 4 Uhr morgens im Lokal. Als man endlich aufbrechen wollte und sich alle an die Theke stellten, umfaßten plötzlich zwei der Männer den B., während ihm ein dritter die Briestasche aus der Tasche zog und davonlief. Eigenartigermeise veranlaßte die A. sofort die Benachrichtigung der Polizei, der es bald gelang, den angeblichen Dieb, einen gewissen Alber Str. noch in derselben Nacht festzunehmen. Dieser ist der Polizei als Taschendieb bereits gut bekannt. Die A. und der angebliche„Cousin“ wurden von der Polizei wegen Verdachts der Begünstigung ebenfalls festgenommen. Alle drei wurden dem Vernehmungsrichter vorgeführt. Nach der hier erfolgten Vernehmung wurden die A. und der „Cousin“ auf freien Fuß gesetzt, während Str. in das Gerichtsgefängnis eingeliefert wurde. Die Namen der beiden weiteren Personen, die sich nach dem Diebstahl aus dem Staube machten, wollen die Festgenommenen nicht kennen. Die Kriminalpolizei fahndet nach ihnen. * (Rücksichtsloser Kraftwagenführer.) Am Dienstag wurde auf der Kaiserstraße der Aufseher Hermann B. aus der Humboldstraße, der an dieser Stelle bei Straßenreparaturen beschältigt war, von einem vorbeikommenden Hanomag angefahren und zu Boden geworfen. Er erlitt hierbei einen Unterschenkelbruch. Der Führer einer Kraftdroschke brachte den Verletzten in die Städtischen Krankenanstalten. Der Führer des Hanomags blendete nach dem Unfall das Licht seines Wagens ab und fuhr eiligst davon. Die Nummer seines Wagens konnte von Zeugen festgestellt und der Polizei mitgeteilt werden. Diese stellte Ermittlungen nach dem Eigentümer des Wagens an und es gelang ihr auch, diesen. der auch als Führer des Wagens in Frage kommt, in der Person eines Kaufmanns J. aus Dortmund festzustellen. (Gesamtunsälle im 4. Bierteljahr 1929 im Oberbergamtsbezirt Dortmund.) Das Oberbergamt teilt mit: Im vierten Vierteljahr 1929 waren im Bezirk des Oberbergamts Dortmund 17413 Unfälle zu verzeichnen, das sind auf 1000 Beschäftigte 49,239 Unfälle. Die Zahl der tödlichen Unfälle betrug 196, das sind auf 1000 Beschäftigte 0,554. Die Unfallziffer im Vierteljahresdurchschnitt 1929 lautet 17618(51,436), tödliche Unsäle 172(0,502). Kleine Nachrichten. Die französische Ausgabe des deutschen Frontbuches„Krieg" von Ludwig Renn hat, wenige Wochen nach Herausgabe, bereits eine Auflage von 115000 Exemplaren erreicht.— Nach dem Maskenball vergiftet. Iserlohn, 5. März. In den Morgenstunden hat sich in ihrem Zimmer im Bahnhofshotel die 21jährige Hausangestellte Elfriede Arndt mit Zyankali vergiftet. Das Mädchen, das schon früher einen Selbstmordversuch gemacht hatte, war bis gegen 6 Uhr mit einem Bekannten auf dem Maskenball gewesen, kam in ausgeregtem Zustande nach Hause, legte sich sofort zu Bett und war kurze Zeit darauf tot. Ein Arzt stellte fest, daß sich das Mädchen mit Zyankali vergiftet hatte. Wie die Selbstmörderin in den Besitz des gefährlichen Giftes gekommen ist, konnte noch nicht geklärt werden. Eigentümlich aber ist es, daß der Bekannte bis zur Stunde noch nicht ermittelt werden konnte. Man nimml an, daß er geflohen ist. * Münster, 5. März.(Brand eines großen Getreide peichers.) Aus bisher unbekannter Ursache entstand in dem 5. Stockwerk des großen Ge.rei elagerhau es der weitbekannten Cetreidefirma J. Fechtheim u. Co. am Stadthafen ein sehr gefährlicher Brand, der sich auch rasch auf das 6. Stockwerk ausdehnte. Die städtische Berufsfeuerwehr und die Freiw. Feuerwehr schnell zur Stelle und griffen das Feuer unter der Führung des Branddirektors und Magi stratsbaurats Verfürth zunächst von innen und dann von außen mit Hilfe von zwei 26 Meter hohen Magirusleitern und den beiden städtischen Motorspritzen an. Nach drei Stunden eifriger Arbeit hatte die Feuerwehr den Brand in der Hand. Gegen 12½ Uhr konnte sie unter Hinterlassung einer starken Brandwache wieder abrücken. Zwar sind die beiden Stockwerke schwer beschädigt worden, aber die Feuerwehr hat verhindern können, daß der Brand weiter vordrang. Viel Getreide, namentlich Gerste, ist durch Nässe und Qualm für menschlichen und tierischen Genuß unbrauchbar gemacht worden. Höxter, 5. März.(Ein Weserlied=Denkmal. Seit 22 Jahren ist die Errichtung eines Weserlied=Denkmals in Hann=Münden geplant. Jezt endlich scheint der Plan greifbare Formen anzunehmen. Das in der Vorkriegszeit angesammelte Kapital von etwa 12000 Mark ist zwar durch die Inflation vollkommen verloren gegangen, aber den Freunden des Weserlied=Denkmals=Gedanken ist es gelungen, aufs neue rund 5300 AA für den Zweck zu sammeln. Von dem Mündener Architekten Fritz Grosche ist ein neuer Entwurf ausgearbeitet worden. Es wird ein einfaches Rondell geschaffen, das Raum für eine größere Anzahl Sänger bietet. Die Stützmauer ist vorn tischhoch erhöht, während die Rückwand nach dem Entwurf treppenartig absteigt und in einen Pfeiler eingepaßt werden soll, als Träger für die bereits vorhundenen Eberleinschen Bronze=Plaketten, des Schaffungsdichters Dingelstedt und des Komponisten Pressel. * Ein Stadtverordneter als Brandstifter. Gladbeck, 5. März. Im Arbeitsamt der Stadt Gladbeck brach ein Brand aus. Von Leuten, die vom Karneval kamen, wurde das Feuer bemerkt und der Feuerwehr gelang es, den Brand, der in den Kellerräumen begonnen hatte, zu löschen. Bereits in der vergangenen Woche hatte es in den Büroräumen gebrannt. Auch diesmal war das Feuer vorsätzlich angelegt worden. Die Fußböden und die Büromöbeln waren mit Petroleum übergossen und angebrannt. Im Laufe des Tages wurde unter dem dringenden Verdacht, den Brand angelegt zu haben, der sozialdemokratische Stadtverordnete und Angestellte des Arbeitsamtes Prell festgenommen. * Köln, 5. März.(Die Verkehrsunfälle in Köln am Rosenmontag.) Wie der Polizeibericht ausweist, wurden am Rosenmontag sechs Verkehrsunfälle gemeldet, wobei fünf Personen schwere Verletzungen erlitten. Auf dem Mühlenbach wurde ein 10jähriger Schüler von einer Kraftdroschke angefahren und schwer am Kopfe verletzt. In Fühlingen fuhr ein Motorrad auf ein unbeleuchtetes Fuhrwerk. Der Motorradfahrer und seine Beifahrerin erlitten schwere Verletzungen und mußten dem Krankenhause zugeführt werden. Am Barbarossaplatz wurde eine Hausangestellte von einem Straßenbahnzug angefahren. Gleichfalls wurde auch in der Venloerstraße ein junges Mädchen von auswärts von einer Straßenbahn angefahren. * Flammentod eines Fabrikbesitzers. Wesel, 5. März. Der Besitzer der Chemischen Fabrik Otto Reeh u. Co. ist bei einem Schadenfeuer in den Büroräumen der Firma in den Flammen umgekommen. Reeh scheint versucht zu haben, den Ofen mit einer leicht entzündbaren Flüssigkeit in Gang zu bringen, wobei eine Explosion eintrat. Der Brand konnte in kurzer Zeit abgelöscht werden. Als man in die Räume eindrang, fand man die Leiche des Firmeninhabers völlig verkohlt vor dem Ofen. Das Gebäude, eine ehemalige Kaserne, ist durch den Brand nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. * Wesel, 5. März.(Nach der Karnevalsfeier in den Rhein gesprungen.) Ein von auswärts zugereister junger Mann feierte hier kräftig Karneval und versuchte, nachdem die Festlichkeit beendet war, durch einen Sprung in den Rhein seinem Leben ein Ende zu machen. Eine PolizeiStreife stellte den Lebensmüden und brachte ihn in Schutzhaft. * Schwerer Verkehrsunfall. Ein Kind tot, eine Hausangestellte schwer verletzt. Mannheim, 5. März. An einer Straßenbahnhaltestelle in Neu=Ostheim wurde die Hausangestellte des Bankdirektors Hahn mit dem vier Jahre alten Söhnchen des Direktors beim Ueberqueren der Straße hinter dem haltenden Straßenbahnwagen von einem in entgegenkommender Richtung kommenden Lastauto überfahren. Dem Kinde wurde der Kopf zerdrückt. Der Hausangestellten wurden beide Beine abgefahren. Die schwerverletzte Hausangestellte wurde in hoffnungslosem Zustande dem Krankenhause zugeführt. Der neue Innenminister. Der preußische Minister des Innern, Professor Dr. Waentig, gewährte einem Vertreter des Sozialdemokratischen Pressedienstes, eine. Unterredung, in welcher er sich über seine künftigen politischen Absichten äußerte. Der Kurs, so führte Dr. Waentig aus, der im preußischen Innenministerium unter meinen Amtsvorgängern Severing und Grzeinski gesteuert wurde, wird nach wie vor gehalten. Vornehmste Aufgaben des preußischen Ministers des Innern sind die Sicherung und Festigung der Republik, der Schutz der demokratischen Verfassung. Es wird mein Bestreben sein, die republikanische Personalpolitik, die Demokratisierung der Verwaltung, die Severing und Grzesinski so erfolgreich begonnen und fortgeführt haben, mit allem Nachdruck weiter zu fördern. Forderungen des Mieterbundes. Eine Entschließung des Gesamtvorstandes. In Berlin tagte der Gesamtvorstand des Reichsbundes Deutscher Mieter, der eine Entschließung saßte, in der es u. a. heißt: „Der in Berlin versammelte Gesamtvorstand des Reichsbundes Deutscher Mieter begrüßt die Verlängerung der Mieterschutzgesetzgebung, ohne damit jedoch die in den Jahren 1926 und 1928 beschlossenen Versch'echterungen dieser Gesetzgebung irgendwie als berechtigt anzuerkennen. Gleichzeitig gibt der Gesamtvorstand seinem lebhaften Befremden darüber Ausdruck, daß die Reichstagsmehrheit dem einmütigen Beschluß säntlicher Länderregierungen, die Verlängerung bis zum 30. Juni 1932 auszusprechen, nicht zugestimmt, sondern die Verlängerung nur bis zum 30. Juni 1931 beschlossen hat. Kölner Karneval 1930. Mit dem Rosenmontag erreicht das Faschingstreiben im Westen und Süden Deutschlands seinen Höhepunkt. In Köln wohnten bei herrlichem, fast sommerlichem Wetter eine halbe Million Menschen dem Rosenmontagszuge bei, der diesmal nach dem Motto:„Die Welt im Jahre 2000“ zusammengestellt war.— Eine lustige Vagabundentruppe im Kölner Festzuge. Aus dem Reiche Senatspräsident Grützner aus der sozialdemokratischen Partei Deutschland ausgeschlossen. Der sozialdemokratische Parteivorstand hat in seiner Sitzung vom 4. März einstimmig beschlossen, den Senatspräsidenten beim Oberverwaltungsgericht, Grützner, aus der Partei auszuschließen. Er erklärt, daß die Behauptung Grützners, er habe vom Parteivorstand für sein Vorgehen gegen den Minister Grzesinski freie Hand erhalten, auf Unwahrheit beruht. Wirtschalt und Randet Viehverkaufshalle Lehrte 4. März 1930. Auftrieb: 1218 Stück Ferkel und Läuferschweine. Es kosteten im Großhandel: Ferkel (Durchschnittsqualität): 6—8 Wochen alt 39—48 Mark, 8—12 Wochen alt 49—62 Mark.— Läuferschweine: 8—4 Monate alt 63—70 Mark, 4—6 Monate alt bis 95 Mark. Marktverlauf: Zuerst etwas lebhafter, nachher abflauend. Wie wird das Wetter morgen? Das festländische Hochdruckgebiet hat sich weiter zurückgezogen, doch beeinflußt uns der westliche Tiefdruck noch nicht merklich. In Deutschland herrschte teils heiteres, teils nebliges Wetter bei Temperaturen zwischen plus 13 und minus 2 Grad. Heute vormittag waren es plus 6 Grad. Wetteraussichten bis Dounerstag. Wechselnde Bewölkung, vorhiegend trocken, ziemlich mild. Ihre Vermählung geben bekannt: Karl Rediker Dora Rediker geb. Bromm. Dtd.-Hörde Am Heedbrink 15 Berghofermark 1598 den 5. März 1930. Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme beim Heimgange unseres lieben Entschlafenen sagen wir allen, besonders dem Reichsbanner SchwarzRot-Gold und Herrn Pastor Vohwinkel für seine trostreichen Worte unsern herzlichsten Dank.(1592 Frau Ziecorra und Sohn. Dt.-Hörde, den 5. März 1930. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unserer lieben Entschlafenen sagen wir hiermit allen unseren herzlichen Dank. Besonderen Dank Herrn Pastor Lemke für seine trostreichen Worte am Grabe und der evgl. Frauenhilfe. 1585 Wilhelm Kleine nebst Kindern. Dtd.-Berghofermark, 5. März 1930. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unserer lieben Verstorbenen sagen wir hiermit allen, besonders der Firma Karstadt, den Angestellten derselben, dem Sportklub 09 Aplerbeck, der Jungmädchen-Spielgruppe Aplerbeckermark unseren herzlichsten Dank. Familie Otto Scheffer Familie Kiel. t.-Aplerbeck, den 4. März 1930. 1477 hörder Fleisch-Halle Täglich frische Rinder=Suppentnochen mit Fleisch, per Pfd. 20 Pf. 1593 Rindergehirn per Pfd. 40 Rinderwurn per Pfd. 30 Pf. Tägl. frische Knoblauch=Würstchen 1.— früh. Wiesenstr., Telephon 40970. Bollwerkstraße 3 vorm. Zwangsversteigerung. Am Donnerstag, den 6. März 1930,—— 11 Uhr, sollen im Pfandlokale beim Wirt Herrn Wilberg in D.=Schüren, Dorfstraße: 1 Wandbild. 1 Kutschwagen und 1 Fuchsstute öffentlich, meistbietend gegen Barzahlung ver steigert werden. Dt.=Hörde, den 4. März 1930. Ridder, Gerichtsvollzieher kr. A., Dortmund=Hörde, Bollwerkstr. 1. Bekanntmachung. Die Gewerkschaften Glückaussegen I, II, III, IV, V und VI sind aufgelöst. Die Gläubiger der genannten Gewerkschaften werden aufgefordert, sich bei ihnen zu melden. 1590 Bochum, den 4. März 1930. Die Liqnidatoren der Gewerkschaften Glückaufsegen I—VI: Kellermann. Dietze. Stets einfach war sein Leben, Er dachte nie an sich, Nur für die Seinen streben, War seine höchste Pflicht. Plötzlich und unerwartet entschlief Samstag abend 6 Uhr nach kurzem, schwerem Leiden, infolge Unglücksfalles, mein innigstgeliebter Mann, der treusorgende Vater meiner beiden Kinder, unser guter Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Bergmann Johann Wiemhoff Im Alter von 30 Jahren. Um stille Teilnahme bitten die trauernden Hinterbliebenen: Elfriede Wiemhoff geb. Klemp nebst Kindern Anneliese und Friedchen. Dortmund-Schüren, den 1. März 1930. Die Beerdigung findet Donnerstag nachm. 5 Uhr vom Trauerhause, Vorstadt 56, aus statt. Friseuse Stets einfach war sein Leben, Nie dachte er an sich, Nur für die Seinen streben War seine höchste Pflicht. Was Gott tut das ist wohlgetan. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute morgen 8½ Uhr meinen innigstgeliebten Gatten, unsern guten Vater, Großvater, Schwiegervater Urgroßvater und Onkel, den wohlachtbaren Robert Heissner im Alter von fast 80 Jahren zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Dieses zeigen tiefbetrübt an: Die trauernden Hinterbliebenen. Lücklemberg, Annen, Dortmund, Wellinghofen, Wermelskirchen und Mesenhohl, den 2. März 1930. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. d. Mts., nachm. 4 Uhr, vom Trauerhause, Lücklemberg Nr. 62, aus statt.(1586 Sollte jemand aus Versehen keine besondere Nachricht erhalten haben, so diene diese als solche.(1585 für Lang= und Kurzhaar Wasserwellen gesucht. Angebote unter F. 199 an die Geschäftsstelle der „Ruhrpost“, Schwerte, Bahnhofstraße 1594 chen für halbe Tage zum 15. des Monats oder 1. April gesucht. Zeugnisse erforderlich. 1#91 Hörde, Piepenstockplatz Nr. 3, 1. Etage. Ein sauberes Morgenmädchen für sof. gesucht.(1583 Frau Hinterberg, Hintere Schildstr. 7. Tücht., ehrl. Morgenmädchen evtl. auch für ganzen Tag sofort gesucht. Frau Härtel, Dortmund,(1584 Hagenerstr. 64. Inserieren in dieser Zeitung bringt Erfolg. gehört ein gutes Kopfkissen. Das beste Kissen ist das patentierte Ballonkissen (O. R. P. 472081) In einem guten Federbett genügt schon ein kurzer Schlaf, um vollständig ausgeruht zu sein. Kaufen Sie deshalb nur gute Federn! 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März 1930 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne M. über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 5000 M. 23576 12 Gewinne zu 3000 M. 8028 115769 125504 150504 344923 380146 20 Gewinne zu 2000 M. 28799 204692 225406 276491 296911 298673 312975 333501 354484 386828 42 Gewinne zu 1000 M. 8246 21081 27501 30841 48382 56396 110259 141260 175466 186469 201154 214092 231079 280072 293439 323608 331467 337785 361628 366654 375373 106 Gewinne zu 500 M. 229 695 30818 32101 35203 36325 47059 47864 54845 55440 64301 76766 82571 90086 97874 123259 126889 130091 131961 142062 160263 157798 158918 158948 159691 162651 162828 168253 173139 175962 179111 196479 198687 200968 212606 219848 231572 240731 247612 250691 256654 292258 321027 327363 327875 333622 339248 353386 365202 380042 382104 394047 398649 218 Gewinne zu 300 M. 10449 17405 21963 24976 25007 28080 28578 30813 32817 36987 41387 44760 49078 60821 54285 66854 59332 65926 66105 69678 70394 72117 73560 83940 86740 86961 87599 97198 97495 105333 112726 114646 114893 117017 122540 132326 135725 137530 139768 140256 140619 144326 144776 147209 151487 153130 158413 161910 164851 168196 171569 173008 183206 184172 192084 202350 213279 213375 216032 215491 216500 228014 229505 232728 237430 237846 261570 258732 263164 266870 270724 272873 285366 287470 287475 290734 291229 297678 299992 300007 300538 314074 314814 314901 317795 319582 321248 323170 328612 332504 333199 335900 336887 338309 342370 345979 348959 353067 365234 367008 368726 369009 371274 371714 377506 392606 393297 399205 399262 On der heutigen Nachmittagsziebung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 5000(. 39236 8 Oewinne zu 3000 M. 232626 258821 802162 329110 8 Gewinne zu 2000 M. 18156 63010 213744 842112 36 Oewinne in 1000 M. 37612 64316 67671 69283 73953 94999 105182 161190 190333 196476 225545 275062 280603 288747 354059 384739 389219 396865 72 Gewinne zu 500 M. 4845 11787 26606 28926 81626 84451 95571 96806 112086 124779 145532 154494 161636 163657 164665 166293 167857 172731 190939 198588 213199 229830 265384 292104 302796 304331 304699 306387 309964 339316 346580 358114 972996 373739 376318 387409 160 Gewinne an 300 an 23827 27635 33960 34826 41263 47669 48672 49398 65259 65246 70786 72065 72346 76384 79281 82985 89133 92268 105066 107686 108866 111763 117063 123801 127877 132366 133047 133698 133968 136601 36627 139154 146681 166640 158708 159382 72567 172836 176008 176436 182486 185207 86299 204605 208728 209246 209874 226692 228918 241926 242176 256230 266425 263744 264685 268607 278084 28500S 291081 297682 300482 316371 917064 334642 33809C 338710 362460 366426 367207 366968 967646 968431 378029 382898 384229 Zweites Vo Zwei Wochen Krise gespielt— n stürzte Kabinett T feiert. Einige de Tardieus gingen a besondere der Fin Arbeitsminister Lo teren zu trennen, geworden sein; de aber opfern, wei waren, die den E geführt haben. P mehr der der Kammer die 9 machen. Nach besonde Schaffung neuer der Bildung des verbunden war, Grundsatz ist aber Persönlichkeiten, a ihm Gefolgschaft Kabinett zu kett Finc Auf 1930 de Bund helm K rischen über„ baues“: Der Vortrage zierung des Wohr Kriege. Ueber die tiger Finanzierut auseinander. Sich der Beteiligung d Zustand erreicht erwünschten mäßi führt, der alle unserem Ve währleistet. auf dem Gebiete thekenbanken viel Allein trotz schw kredits sind die B bau zugeführt m des Realkredits öffentlich=rechtlich drohungen des P Grundlage bildet. 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Paul Reynaud wird sich nunmehr der undankbaren Aufgabe unterziehen. der Kammer die Finanzreform mundgerecht zu machen. # Nach besonderer Sparsamkeit sieht diese Schaffung neuer Posten und Pöstchen, die mit der Bildung des neuen Kabinetts Tardien verbunden war, nicht gerade aus. Tardieus Grundsatz ist aber offenbar. möglichst viele Persönlichkeiten aus den Parteien, die ihm Gefolgschaft leisten, materiell an sein Kabinett zu ketten. Wer einen Posten zu verlieren hat, mag von Krisen im allgemeinen nichts wissen. Die Schaffung eines Oberkommissariats für„Tourismus“ zeigt auch, daß es noch immer unbegrenzte Möglichkeiten zur Schaffung neuer Aemter gibt. Warum soll man also nicht bei künftigen Krisen die Zahl der Kabinettsmitglieder noch weiter erhöhen? Für ein so reiches Land wie Frankreich sind 18 Minister und 15 Unterstaatssekretäre noch viel zu wenig. Es fehlt unbedingt noch ein Fußballminister, ein Unterstaatssekretär für Tennis und ein Oberkommissar für Denksport. * Tardieu erklärte Pressevertretern, daß er sich in Zukunft darauf beschränken werde wöchentlich einen oder zwei Tage am Verhandlungstisch in London zu verbringen. Offenbar fürchtet er, daß er durch längere Abwesenheit von der Hauptstadt zum Schaden seines Kabinetts den Kontakt mit der Kammer verlieren würde. Aus der Erklärung Tardieus kann man im übrigen den Schluß ziehen, daß der französische Ministerpräsident noch mit einer längeren Dauer der Londoner Flottenkonferenz rechnet. Abitur, oder? Das Ziel der Mittelschule. Im Rathause zu Bremen tagte eine Interessengemeinschaft ländlicher Mittelschulen. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand die Frage der Finanzierung. Es wurde mitgeteilt, daß eine Reihe von Mittelschulen schon namhafte Zuschüsse aus der Landesmittelschulklasse erhalten haben. Mehrere Kreisausschüsse haben, um der finanziellen Krise, in der sich fast alle Mittelschulen befinden, zu begegnen, sich bereitgefunden, Mittel zur Verfügung zu stellen, zum Teil Beträge bis zu 5000 Mark. Wie aus der Debatte weiter hervorging, sind die Schulgeldsätze in den einzelnen Mittelschulen sehr verschieden. Sehr unterschiedlich ist auch die Staffelung des Schulgeldes nach der Kinderzahl. Eine feste Norm für alle Mittelschulen festzulegen, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Ein heiß umstrittener Punkt der Aussprache war Finanzierung des Wohnungsbaues Durch Planwirtschaft ist die Frage nicht zu lösen!“ Auf der Werkbesitzerversammlung 1930 des Deutschen Zement= Bundes sprach Dr. Friedrich Wilhelm Kärcher, Direktor der Bayerischen Hypotheken= und Wechselbank, über„Finanzierung des Wohnungsbaues“: Der Vortragende umriß zunächst die Finanzierung des Wohnungsbaues heute und vor dem Kriege. Ueber die einzuschlagenden Wege künftiger Finanzierung gehen die Meinungen stark auseinander. Sicher ist, daß nur bei entsprechender Beteiligung des Privatkapitals wieder jener Zustand erreicht werden kann, der zu dem so erwünschten mäßigen Ueberschuß in Wohnungen führt, der allen die Freizügigkeit in unserem Vaterlande wieder gewährleistet. Man hat in der letzten Zeit auf dem Gebiete des Wohnungsbaues den Hypothekenbanken vielfach ein Versagen vorgeworfen. Allein trotz schwerster Hemmungen des Realkredits sind die Beträge, die von dem Wohnungsbau zugeführt wurden, wesentlich. Als Fesseln des Realkredits stellen sich heute vor allem die öffentlich=rechtlichen Beschränkungen und Bedrohungen des Privateigentums dar, das die Grundlage jedes gesunden Realkredits bildet. Gerade in der letzten Zeit sind mehrere Gesetze und Gesetzentwürfe erlassen bezw. vorgelget worden, die den Realkredit auf das schwerste gefährden und bedrohen. Hiervon wurden vom Vortragenden zunächst das Gebäude=Entschuldungs=Steuergesetz wie auch die Industriebelastung und die Straßensicherungskosten angeführt. Der Redner ging ferner ein auf das preußische Städtebaugesetz. Alle derartigen gesetzlichen Maßnahmen stellen Eingriffe in das Eigentum dar, die z. B. das Ausland nicht versteht. Weitere schwerste Hemmungen des Pfandbriefabsatzes liegen in der Kapitalertragssteuer. Die Beseitigung der Steuer ausschließlich für die neuen Emissionen genügt nicht, sondern diese muß auch für die älteren Pfandbriefreihen fallen. Als Mittel zur Förderung des Pfandbriefabsatzes abgelehnt wurde dagegen der Vorschlag einer Ausstattung der Emissionspapiere der Grundkreditanstalten mit Staatsgarantie. Zur Förderung der Deckungsfinanzierung ist die Wiederherstellung der mangelnden Rentabilität des Gesamtbaues erforderlich. Der Redner hält die allmähliche Erhöhung der Altmieten auf 150 Prozent für notwendig. Die heutige Wohnungsnot ist vielfach überhaupt keine Raumnot mehr, sondern ein Mangel an billigen Wohnungen. Die z. T. im Verhältnis zum Einkommen der Bewerber zu großen und zu teuren Neubauwohnungen sind teils nur schwer, teils nur in der Form vermietbar, daß der Wohnungsinhaber wiederum untervermietet. Der Kampf um die Rentabilität der Wohnungen ist daher heutzutage vielfach zum Kampfum das Quadratmeter geworden. Die Deckungsfinanzierung wird weiter gefördert durch Senkung der Zinssätze. Daher sind die Hypothekenbanken Gegner des 9prozentigen Pfandbriefes. Für den Wohnungsbau heißt die Parole nicht Erhöhung, sondern Senkung der Zinssätze. Nur eine solche kann dazu führen, auch bei einer niedrigen Miete den Wohnungsbau wieder voll rentabel zu machen. Die Lage ist keineswegs so hoffnungslos. wie dies vielfach dargestellt wird. Zunächst ist festzustellen, daß der Pfandbriefabsatz im Verhältnis zur Vorkriegszeit keineswegs geringer geworden ist und daß auch das allgemein für schlecht gehaltene Jahr 1929 wohl keineswegs unter den Friedensdurchschnitt der Pfandbriefmehrung geführt hat. Eine Klippe allerdings droht dem Kapitalmarkt noch: die Fälligkeitstermine der Aufwertungshypotheken in den Jahren 1932 und 1938. Es erscheint unumgängliche Notwendigkeit, bei den Wohnungsmarkt versehenden Großgläubigern, d. h. den privaten und öffentlichen Versicherungsanstalten, den privaten und öffentlichen Grundkreditanstalten sowie den Sparkassen für eine angemessene Erhöhung des Zinssatzes Sorge zu tragen. Andernfalls würde die Umschuldung den Kapitalmarkt längere Zeit so beschäftigen, daß an die Finanzierung von Wohnungsneubauten nicht zu denken wäre. Besondere Sorge bereitet die Frage der Beschaffung zweiter Hypotheken nach Ueberführung des Wohnungsbaues in die private Wirtschaft. Der Vortragende hält die hierfür vorgeschlagene Schaffung gemischtwirtschaftlicher Unternehmungen für unzweckmäßig und glaubt, daß nach Wiederherstellung der Rente wie vor dem Kriege die zweiten Hypotheken in ausreichendem Umfange von Privatpersonen und kleineren Banken gegeben werden würden, da dem größeren Risiko, das durch individuellere Behandlung gemildert werden könnte, auch ein höherer Zinssatz entspräche. Die Wiederherstellung der Rentabilität der Neubauten würde auch das Eigenkapital in stärkerem Maße als bisher dem Wohnungsneubau zuführen. Und sie würde bessere Ergebnisse zeitigen, als die anerkennenswerten bisherigen Bemühungen, die Beschaffung der Baustelle, die meist dem Eigentümer überlassen bleibt, durch Bestellung von Heimstätten bisherigen Rechts und von Erbbaurechten zu erleichtern. Was die Erbbaurechts=Verordnung betrifft, so wäre hier anzustreben eine Ausdehnung des Schutzes des öffentlichen Glaubens des Grundbuchs. Die Rückkehr zur freien Wirtschaft wird auch die Gewährung der Zwischenkredite, die heute hauptsächlich außer von Kreditanstalten in dankenswerter Weise von der Deutschen Bau= und Bodenbank gegeben werden, durch Private fördern. Nicht durch Planwirtschaft, die mit Milliardenziffern den künftigen Wohnungsbau zu meistern sucht, sondern durch Privatwirtschaft, die mit Pfennigen rechnet, ist die Frage der Wohnungsbaufinanzierung zu lösen. Es ist nur zu lösen durch eine Wirtschaftspolitik, die das Vertrauen auf die Grundlage jedes Realkredits, auf das Privateigentum, in vollem Umfange wiederherstellt und die dieses Eigentum allmählich in schonendster und vorsichtigster Form wieder wirtschaftlich gestaltet. auch„das Ziel“ der Mittelschule. Die Mehrzahl der Redner hielt an dem eigentlichen Ziel der Mittelschule, die Schüler für die praktische Berufsarbeit vorzubilden, fest und wollte die Vorbereitung der Schüler für eine Lehranstalt nur als ein Nebenziel der Mittelschulen gelten lassen. Es solle Aufgabe der Mittelschule sein, in erster Linie die allgemeinen Ziele der Mittelschule zu verfolgen, d. h. solche Schüler heranzubilden, die einen kaufmännischen oder gewerblichen Beruf ergreifen wollen. Es wurde auch auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die den Mittelschülern beim Uebergang in eine höhere Lehranstalt gemacht würden. Man musse sich mit aller Energie dafür einsetzen, daß gute Schüler der 1. Klasse unbedingt in die Obersekunda einer höheren Lehranstalt ausgenommen würden und nicht, wie das heute vielfach geschehe, in die Untersekunda einrangiert würden. Die Zuerkennung der Gleichberechtigung der mittleren Reife der Mittelschule mit der höherer Lehranstalten sei die einzige Lösung der Krise, von der alle Mittelschulen befallen sind. Gelinge es nicht, dieses Ziel zu erreichen, so würde eine große Anzahl Mittelschulen nicht mehr lebensfähig bleiben. Es wurde auch von verschiedenen Seiten Kritik an der Forderung der Reichsbehörden nach dem Abiturientenexamen bei der mittleren Beamtenlaufbahn geübt und der Hoffnung dabei Ausdruck gegeben, daß diese mittlere Beamtenlaufbahn auch für die Mittelschüler entsprechend dem Entwurs des preußischen Staatsministeriums geöffnet werde. Die mittlere Reife sei sowieso durch Zugeständnisse, die man den Handelsschulen gemacht habe, arg entwertet worden. Wenn der vorliegende Entwurf Gesetzeskraft erhalten solle, sei man um den Bestand der Mittelschule auch nicht mehr besorgt. Die Justiz will sparen. Der Andrang zum juristischen Studium. Der Hauptausschuß des Preuzischen Landtages begann die Vurberatung des Haushalts der Justizverwaltung. Justizminister Dr. Schmidt verwies auf die Denkschrift der preußischen Staatsregierung an den Reichskanzler, in der zur Verminderung des Zuschußbedarfs der Justizverwaltung folgende Ersparnisse vorgeschlagen werden: die Erhöhung der Zuständigkeit des Amtsgerichts in Zivilsachen auf 1000 Mark und die Erhöhung der Berufungssumme in Zirilsachen auf 200 Mark. Nicht berücksichtigt selen die Wünsche hinsichtlich der ArmenAnwalts=Gebühren, die für den Zuschußbedarf ganz erheblich ins Gewicht fallen. Die Gesamtausgaben für Armen=Anwalts=Gebühren betragen für 1929 mehr als 20 Millionen Mark. 2ls bedenklich bezeichnete der Minister das starke Anmachsen des Zustroms zum höheren Justizdienst. Die Zahl der Studenten der Rechtswissenschaft sei im Winter 1928/1929 mehr als doppelt so groß wie vor zehn Jahren. Vom Thema wird nicht gesprochen. Das Thema ist heute, morgen und darüber hinaus auf lange Zeiten: Bewußtes klares Vorbereiten und Erdenkung wie Bereitstellung aller verfügbaren Mittel zur Durchsetzung des deutschen Aufstiegs. Erkenntnis der Schwierigkeiten, die einem deutschen Vorwärtskommen heute und morgen und immerdar durch die eigenen Volksgenossen, durch die Feinde und durch die unberechenbaren Launen des Schicksals entgegenstehen. Energische Aufwertung des Glaubens an Deutschland in Deutschland selber bis zur Erzeugung eines stahlharten, selbstbewußten und seiner selbst sicheren Willens, bis zur Berufung der Nation zu den höchsten Führerposten innerhalb der kultivierten und unkultivierten Welt. Statt dessen: Das deutsche Leben verrollt in einer Sitzungs=, Reden= und Versammlungslawine mit zwar stetig steigendem Lärm aber doch ohne jedes imponierende Getöse. Allerorten entwickeln„Halbgötter“, intellektuelle Dummköpfe, die ihr Wissen wie den„neuen Pariser Schmuck“ tragen, Ansichten, Meinungen und Mächlereien vor dem geduldigen Volke, aber sie tun nicht das Geringste, um irgend etwas für die Nation zu tun. Sie handeln nur für sich und ihren kleinen Kram. Aus diesem Meer von Wortschaum ragen nur sich selber bedeutungsvoll die Häupter von nicht alzu wenig Wüstenpredigern. Mit weniger originellen als glühenden Worten prophezeien sie den allgemeinen europäischen Untergang, in dem sie, ihrer Charakteranlage entsprechend, Deutschland noch eine besonders unangenehme Form des Unterganges verkünden. Deutschland wird erst von den äußeren Feinden ausgesagt, dann wird eine Hälfte der Deutschen von der anderen Hälfte umgebracht. Die Parteistellung der Umbringenden wie der Umgebrachten richtet sich nach dem Standpunkt des Verkünders. Neben diesen„Wüstenpredigern“ finden sich noch diejenigen, die augenblicklich satt sind. Sie sind nicht zahlreich, aber breit und wichtig: Sie erklären alles für herrlich geordnet. Die ganze Kritik sei nur Nörgelei. Deutschland werde reicher mit jedem Tag. Ein amerikanischer Reisen der, der sich fast 14 Tage in Deutschland ausge halten habe, hätte endlich erklärt, Deut'chland gehe einer wahrhaft amerikanischen„prosperity“ entgegen.„Wenn man deutsche Werte fixe, könne man nur Geld verlieren.“ Von Jucundus. Es gibt keinen erdenkbaren Unsinn, der als Meinung über Deutschland, wenn nur mit dem geeigneten Etikette versehen, nicht im In= und Auslande geglaubt wird. Diese Verwirrung ist im letzten auch ein wichtiger psychologischer Grund dafür, daß Deutschland noch immer keine auswärtige Politik auf lange Sicht machen kann und sie trotz alles Geredes über Außenpolitik auch selbst in Versailles in der höchsten Gefahr der Nation nicht gemacht hat. Jede außenpoltische Endwirkung wurde und wird durch die Innenpolitik immer illusorisch. Diese Verwirung ist keine natürliche Verwirrung, kein geistiger Mangel der Nation, sondern sie ist eine der wichtigsten taktischen Kriegsmittel im Parteikampf um die Machtkrippen. Das deutsche Volk ist sehr wohl in seiner überwiegenden Mehrheit imstande, klar zu denken und die Probleme seines Daseins zu verstehen. Sie dürfen ihm nur nicht systematisch verschleiert werden. Die Parteien stehen vor ihren Wählern wie die Zauberkünstler in der Dorfscheune. Sie machen sich stark, als könnten sie lebendige Tauben verzehren, als könnten sie mindestens Deutschland regieren und alles gut machen, was immer die anderen schlecht machen. Sie tun so, als ob sie dem erstaunten Publikum das Geld aus der Nase ziehen könnten und stecken doch nur den gleichen Schein von einer Tasche in die andere. Sie wollen nachher, es ist immer noch vom Zauberkünstler die Rede, vom Bauern oder vom Krämer für ihren blauen Dunst zu einem fetten Essen eingeladen werden und sind, alles in allem genommen, keine Zauberer, sondern Spaßmacher, die Kleingeld dafür haben wollen. So können die Dinge in Deutschland nicht weiter laufen. Es wird sicher nicht genug Leute der oben bezeichneten Art geben, die den Einwand machen, warum können sie eigentlich nicht so weiter laufen? Diesen Leuten sollte geantwortet werden: weil dieser Verlauf der Dinge, dieser Ablauf staatlichen Lebens die Ehre und Würde der Nation verletzt. Wenn nun diese Leute nach einigen Ausflüchten geantwortet haben, was ist Ehre und Würde der Nation? Dann kann die Unterhaltung abgebrochen werden, und man kann zur sachlichen Seite der Probleme überzugehen versuchen. Die Themata der Gegenwart, der deutschen Gegenwart, sind rasch aufgezählt: Es handelt sich um die Rettung der deutschen Landwirtschaft, um die Rettung des deutschen Ostens, die damit in organischer Verbindung steht, um die Finanzreform, die auch mit den vorhergehenden Dingen in organischer Verbindung steht, um die Verwaltungsreform und um die Wurzel des heutigen Uebels, um eine durchgreifende Staatsreform, die gleichfalls mit all den vorher genannten Dingen in organischer Verbindung steht. Weiter droht als lebensgefährdendes und auch volkspsychologisch wichtiges Problem die Sozialversicherung, insbesondere die Arbeitslosenversicherung als ein alle übrigen Reformversuche gefährdendes Problem im innerpolitischen deutschen Horizont. Da läßt man es ruhig stehen und allmählich zu einer schwarzen Gewitterwolke aufwachsen, die einmal wie ein Taifun mit den deutschen Finanzen herumwirbeln wird. Vom Thema darf trotz allem nicht gesprochen werden, es darf nur um das Thema herumgeredet werden oder mit den Schreckschußpistolen der Koalitionsauflösung unter großen Gesten gespielt werden. Der Wähler ist das goldene Kalb der Gewählten, und wenn man auch nicht um ihn tanzt, so berücksichtigt man ihn und möchte möglichst viel von ihm haben. Nun wimmeln alle Schubladen in allen Aemtern von Exposés über die Reichsreform, die Arbeitslosenversicherungsreform und sämtliche anderen Reformer. Es wimmelt von Vorschlägen zur„Rettung der Landwirtschaft", zur Rettung des deutschen Ostens“. Es wimmelt außer bei den Aemtern, auch bei den Parlamentariern und bei einzelnen hochbegabten Ministern. Das Wimmeln geht bis zu hunderttausend Privatleuten, die zukünftigen Politiker aus eigenem Recht nicht eingeschlossen, herunter„Das Wimmeln will nicht enden. Trotz dieser Reformwilligkeit, man kann schon sagen Reformwütigkeit, vom Thema darf nicht gesprochen werden, Papier ist Papier, und alle diese Geisteskinder werden von ihren Vätern nur in die Welt gesetzt, weil andere Väter auch Kinder in die Welt setzen. So geht es nicht weiter! Vom Thema muß heute, morgen und jeden Tag gründlich, deutlich und mit Willenskraft gesprochen werden. Es muß ein Plan gefaßt, es muß gehandelt und vor allem, es muß nicht gewurstelt, sondern es muß regiert werden! Kölner Hirtenbrief. Gegen die Religionsverfolgungen in Sowjetrußland. Am Schluß seines Fastenhirtenbriefes geht der Erzbischof von Köln, Kardinal Schulte, auf die Religionsverfolgungen in Sowjetrußland ein. Er sagt, nach der„Germania", darüber u. a.: „In dem gewaltigen Russenreich ist der Unglaube des Bolschewismus bereits daran gegangen, einen planmäßigen Vernichtungskampf mit unglaublicher Grausamkeit gegen Kirche und Christentum zu führen und überhaupt gegen alle und jede Religion, die vom Sinn des Lebens, vom Ziel und Ende der Menschen edler und höher denkt, als er. Daß hunderttausende von unschuldigen Kindern durch seine unmenschlichen Maßnahmen in den Tod getrieben wurden, kümmert die gottlosen Machthaber nicht; ebensowenig haben sie noch menschliches Empfinden für die zahllosen Armen und Unglücklichen, die den fanatischen Hassern der Religion nicht vollkommen zu Willen sind und darum hingerichtet oder gemordet werden. Die Not des russischen Volkes und die sittliche Verkommenheit, in die es hineingetrieben wird, sind nicht zu beschreiben.“ Der Kardinal erinnert sodann an den Protest des Papstes und sagt weiter: „Alle Zeichen der Zeit deuten darauf, daß die Stunde nahe ist, wo die Völker sich entscheiden müssen, ob der Unglaube oder der christliche Glaube ihnen die maßgebende Antwort auf die Frage aller Fragen nach dem Sinn des Lebens geben soll. Der Unglaube, der Euch heute bekämpft, ist der Geist vom Geiste der gottlosen Führer in Rußland. Auch in Deutschland sind sozialistische und kommunistische Kreise längst an der Arbeit, nach russischem Vorbild die christliche Ehe und Familie zu zertrümmern, die Jugend religionsfeindlich zu erziehen und indirektem Widerspruch zu christlicher Sitte und Sittlichkeit. Auslandsnachrichten Großbritannien soll trockengelegt werden. Wie die„Sunday Expreß“ hört, beabsichticen die Anhänger der britischen Prohibitionsbewegung mit Unterstützung von amerikanischer Scite in Kürze einen großzügigen Prohibitionsseld ug in Großbritannimn durchzuführen. Der Feldzug soll zwei Jahre dauern und mit der völligen Trockenlegung Großbritanniens enden. Leipziger Frühjahrsmesse. Großer Fremdenzustrom.— 25 fremde Staaten als Aussteller.— „ Gute Aussichten. Die Leipziger Frühjahrsmesse hatte auch diesmal wieder einen ungeheuren Fremdenzustrom nach der Messestadt gebracht. Hunderttausende von Messebesuchern und Schaulustigen wogten durch die reklamegeschmückten Straßen, nur langsam konnten sich die zahllosen Kraftwagen einen Weg durch die Menschenmassen bahnen, während oben über den Dächern Reklameluftschiff und Flugzeuge ihre Kreise zogen. Viel beachtet wurden wiederum die originellin Reklameumzüge, auch die Messehäuser selbst voten äußerst wirkungsvolle Reklamebilder. Was den Umfang der Messe anbelangt, so kann man in einzelnen Zweigen von einer weiteren Ausdebnung sprechen. Insgesamt ist allerdings die Zahl der Aussteller um etwa 5 Prozent gegenüber der vorjährigen Messe zurückgeblieben. Der Charakter der Leipziger Messe als internationale Messe kommt in zunehmendem Maße zum Ausdruck. In diesem Jahre sind nicht weniger als 25 fremde Staaten als Aussteller beteiligt. Eine weitere Ausdehnung hat insbesondere die Technische und Bau=Messe genommen, und hier lenkr vor allem die Stahlbauindustrie die Aufmerksamkeit der Messebesucher auf sich. Große Anziehungskraft auf die Besucher haben auch das Haus der Elektrotechnik, sowie die wiedererstandene Bugra, auf der neben den erstklassigen deutschen Erzeugnissen auch ausländische Verlage vertreten sind. Auch die Spielzeug=Ausstellung und das Grassi=Museum, in dem die Textilmesse ihr Unterkommen gefunden hat, waren das Ziel vieler Messegäste. Für das erste waren es allerdings meist„Sehleute“, die sich stets am ersten Tage in großer Menge einfinden. Das richtige„Geschäft“ komnt am zweiten und dritten Tage in Gang. Man verspricht sich sehr viel von dem Ausland Der Zustrom ausländischer Besucher dürfte nämlich in diesem Jahre das Vorjahr wiederum wesentlich übertreffen. Die Ansichten der Aussteller über den Verlauf der Frühjahrsmesse sind verhältnismäßig optimistisch. Die Einbürgerung von Ausländern. Ueberwiegend Deutschstämmige. Wie der Antwort des preußischen Ministers des Innern auf eine Kleine Anfrage zu entnehmen ist, trifft es nicht zu, daß in Preußen Aus länder deutschen Stammes in Bezug auf die Ein bürgerung schlechter behandelt werden als Ostausländer nicht deutscher Herkunft. Diese werden vielmehr entsprechend dem Beschlusse des Preußischen Landtages vom 6. April 1927 in der Regel erst nach einem mindestens zehnjährigen Aufenthalt im Reichsgebiet eingebürgert, während von deutschstämmigen Ausländern eine solche Aufenthaltsdauer nicht gefordert wird. Wie die Antwort des Ministers auf die Kleine An frage ferner mitteilt, sind seit 1919 in Preußen 107599 Ausländer eingebürgert worden. Dar unter sind 96864 Deutschstämmige, 7654 Ostaus länder nichtdeutscher Herkunft und 3081 sonstige Fremdstämmige. Ghandi stellt ein Ultimatum. Indiens Unabhängigkeitskampf. Der Führer der indischen Unabhängigkeitspartei, Ghandi, hat, wie der„Daily Telegraph“ aus Neu=Delhi berichtet, dem Vizekönig von Judien durch Sonderkuriere ein achttägiges Ultimatum überbringen lassen. Die im Falle der Ablehnung der indischen Forderungen in Aussicht genommenen Maßnahmen Ghandis werden nicht näher dargelegt, so daß Ghandi selbst die Entscheidung darüber überlassen bleibt, welche Teile des Befreiungs=Programms, wie z. B. Steuerstreik, Boykott der Regierungsbeamten oder Widerstand der Landbevölkerung gegen die Verwaltungsmaßnahmen der Regierung, er zunächst durch führen will.— In Neu=Delhi ist ein Ausschuß von 29 Führern aller Parteien gebildet worden, um darüber zu beraten, auf welchem Wege am schnellsten das Ziel der Herstellung der Dominienverfassung für Indien erreicht werden kann. Der Ausschuß wird zum erstenmal am 29. März in Neu=Delhi tagen und wahrschern lich dann zu einer All=Parteien=Konferenz ausgedehnt werden. schen Internationale nach einem Vortrag des das Bürgertum die führende Rolle zufalle. Führers der KPD., Thälmann, beschlossen, die kommunistische Bewegung in Deutschland mit allen Mitteln zu unterstützen, da der KPD. in dem Kampf des deutschen Proletariats gegen Die revolutionäre Bewegung, die in der deutschen Arbeiterklasse und der KPD. verkörpert sei, sei reif für den sozialen Kampf, der unter Führung der KPD. durchgeführt werden müsse Aus dem Reiche Moskau sinanziert den Bürgerkrieg in Deutschland. Wie aus Moskau gemeldet wird, hat das Präsidium des Vollzugskomitees der kommunistiWestlalen und Rheinlaus. Ausdem Industriegebiet Hagen, 5. März.(Ein Wohnhaus niedergebrannt.— Drei Familien obdachlos.) Die Feuerwehr wurde nach der Bremke gerufen, wo das Wohnhaus Grundschöttelerstraße 11, das der Firraa Harkort gehört, in hellen Flammen stand. Bei Eintreffen der Feuerwehr war kaum noch etwas zu retten, sodaß das Wohnhaus fast ganz niederbrannte. Große Heuund Strohvorräte fielen den Flammen zum Opfen Auch zwei Ziegen kamen in den Flammen um. Die Möbel der Hausbewohner konnten gerettet werden, doch ist der Schaden insofern groß, als die Einwohner nicht versichert sind Bochum, 5. März.(Mit dem Messer auf die Kostwirtin.) In einem Hause in der Bleichstraße wurde eine Kostwirtin von einem Maler, der seinerzeit bei ihr als Untermieter gewohnt hatte, durch mehrere Messerstiche schwer verletzt. Die Frau mußte dem Krankenhaus zugeführt werden Der Täter, der von der Polizei festgenommen wurde, hatte bereits Ende vorigen Jahres die Frau mit dem Messer bedroht. Damals ist die Frau in schwerster Bedrängnis aus dem Fenster der ersten Etage auf die Straße gestürzt, ohne sich allerdings nennenswerte Verletzungen zuzuziehen. Das Todesopfer einer Spritzfahrt. Essen, 5. März. Am Abend des 1. Dezember vorigen Jahres ereignete sich in Bredeney ein schweres Verkehrsunglück, das jetzt ein Nachspiel vor dem Schöffengericht hatte. Es war an einem Sonntagnachmittag. Der 24 Jahre alte Bonbonkocher Karl Keller aus Essen, der in dem Fabrikbetriebe seines Vaters tälig ist, holte ein Auto aus der Garage und unternahm eine Spritzfahr: durch die Gegend, zu der er mehrere befreundete Personen einlud. Nachdem man reichlich dem Alkohol zugesprochen hatte, wurde abends die Heimfahrt angetreten. Die ganze Gesellschaft war betrunken und nicht zum wenigsten der Chauffeur Keller. Mit einer Geschwindigkeit von 70 bis 80 km raste das Auto die Landstraße dahin. In Bredeney an einer Straßenkreuzung sah der Chauffeur plötzlich einen Nadfahrer vor sich, der ebenfalls in Richtung Essen fuhr In seiner Betrunkenheit fuhr er auf den Radfahrer los, der mit furchtbater Wucht auf den Boden geschleudert wurde und besinnungslos auf der Straße liegen blieb Fußgänger fanden ihn und veranlaßten seine Ueberführung in dak Krankenhaus. Dort starb der Mann gleich nach der Einlieferung. Es handelt sich um den 40 Jahre alten Gartenarbeiter Albert Schulz aus Essen. Als der Lenker von einem Insassen aufmerk'am gemacht wurde, daß er einen Menschen überfahren hatte, reagierte er nicht und raste davon. Schon am folgenden Tage wurde er ermittelt und festgenommen. Der Kriftwagenführer hatte nämlich das Pech gehabt, daß bei dem Zusammenstoß das Erkennungs=eichen vom Auto gerissen worden war, das man später am Schauplatz der Kata strophe aufsand. Er stand jetzt unter der Anklage der fahrlässigen Tötung vor dem Strafrichter. Dos Schöfsengericht verurteille ihn zu einem Jahr, zwei Monaten Gefängnis. Sturm auf die Straßenbahn. Essen. 5 März. In den Nachmittagsstunden des 3. März vorigen Jahres bewegte sich ein langer Zug nationalsozialistischer Parteimitglieder durch die Bredeneyerstraße. An einer abschüssigen Stelle nahte plötzlich aus der Rückseite ein aus 3 Wagen bestehender Straßenbahnzue heran, der das Klingelzeichen gab. Der Führer des nationalsozialistischen Zuges ließ daraut seine Leute vom Straßenbahngleise wegreten. Bevor dieser Besehl restlos ausgeführt war, rannte der Straßenbahnzug in eine Gruppe Teilnehmer hinein, die sich noch auf dem Gleise befanden. Eine Anzahl der Leute wurde zur Seite geschleudert bezw. von der Straßenbahn mitgeschleift. Sie kamen mit weniger gefährlichen Verletzungen davon. Es mutet wie ein Wunder an, daß es keine Tote und Verwundete gegeben hat. Als der S.rußenbahnzue zum Stehen gebracht war, kam es zu einer wilden Prügelei, die sich zum Teil im Straßenbahnwagen abspielte. Sämtliche Fensterscheiben des Straßenbahnwagens gingen in Trümmer. Das alarmierte Ueberfalliommando mußte eingreifen, die Gummirnstppel kamen zum Vorschein und den Musikanten im Zuge wurden sogar die Instrumente zerschlagen Schließlich gelang es dem Ueverfallkommando die Ruhe wieder herzuelen. Die Nationallozialisten hatten an#eno men, d ß der Sr ßenlähnfüh er ab iltlch in den Zug hineingefahren sei. In der Folgezeit verurteille das erweiserte Schöffengericht den Führer des nationalsozialistischen Zuges wegen Körperverletzung, Wit erstandes u. Hausfriedenkoruchs zu zwei Monaten. Gesän nis, der mitangekl gte Gruppenführer und der Strazenbahnführer, denen fahrlässige Körperverletzung zur Last gelegt war, erzielten ihre Freisprechung. In der jetzigen Berufungsverhandlung vor der groben Strafkammer wurde das erstinstanzliche Urteil aufgehoben. Der Gruppenführer erhielt 30 Mark Geldstrafe und der Führer des Zuges statt 2 Monate Gefängnis 150 Mart Geldstrase Der S.rasenbahnführer behiel" seinen Freispruch Er gab unwiderlegt an, daß in dem verhängnisvollen Augenblick die Motordremsen in den beiden Anhängerwagen versagt haben, sodaß er die Gewalt über den Straßenbahnzug verlor. kurz darauf aus dem Autobus und entkam Eine Ledertasche mit 400 Kl. Silbergeld ließ er dabei im Autobus zurück. Hamborn, 5. März.(Unterschlagung.) Ein Reisender aus der Alleestraße hatte bei einer Firma 4800 Mark unterschlagen und war mit dem Gelde nach Paris geflüchtet. Er ist jetzt wieder nach hier zurückgekehrt und hat sich selbst der Kriminalpolizei gestellt. Duisburg=Buchholz, 5. März.(Belde Veine abgefahren.) Auf dem Gelände der Mannesmann=Werke geriet ein Rangierer unter die Räder eines Werkzuges. Dem Unglücklichen wurden beide Beine abgefahren. In hoffnungslosem Zustande wurde er dem Krankenhaus zugeführt, wo er bald darauf starb. Wie Der Düsseldorfer Mörderbrief bei Magnus Hirschfeld beschlagnahmt. Düsseldorf, 5. März. Der von dem Düsseldorfer Blatt„Freiheit“ vor einigen Tagen veröffentlichte sogenannte Mörderbrief, der von der Redaktion des Blattes an den Leiter des sexualwissenschaftlichen Instituts, Sanitätsrat Dr. Magnus Hirschfeld, in Berlin zur Begutachtung eingesandt worden war, ist von der Kriminalpolizei im Auftrage der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft bei Sanitätsrat Hirschfeld beschlaanahmt und der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft zugeleitet worden. Sanitätsrat Hirschfeld hat gegen die Maßnahme Einspruch erhoben, da er als Arzt zur Verschwiegenheit verpflichtet sei. Er will, wie es heißt, auf gerichtlichem Wege klären, ob die Polizei zu ihrer Maßnahme berechtigt war. Sanitätsrat Hirschfeld vertritt übrigens die Ansicht, daß es sich bei dem 16 Seiten langen Schriftstück um eine Mystifikation handelt. Münster, Minden, Kauerland Essen 5. März.(Motorradunglück.— Ein Toter, ein Schwerverletzter) Am Montag fuhr der 33 Jahr= alte Kaufmann Jakob Schaak, Elsen Rheinischestraße wohnhaft, in der Meisenburgstraße von hinten auf ein Pserdefuhrwerk. Der Anprall war so stark, daß Schaak auf der Stelle getötet wurde Der Mitfahrer trug schwere Kopfverletzungen davon und mußte den städtischen Krankenanstalten zugeführt werden. Lebensgefahr besteht bei diesem zur Zeit nicht. Essen, 5. März.(Friedhofsschänder an der Arbeit.) Nachts wurden von noch unbekannten Tätern auf dem Friedhof in der Frankenstraße eine große Anzahl Grabsteine, etwa 70 Stück, zertrümmert bezw. beschädigt. Essen, 5. März.(Ueberfall auf ein Ehepaar.) Abends besuchte ein Ehepaar ein Tanzlokal in Essen=Frintrop. Dort erschien auch ein den Eheleuten bekannter Bergmann, der stark angetrunken war. Er belästigte das Ehepaar und mußte schließlich auf Geheiß des Wirtes das Lokal verlassen. Als die Eheleute nach Hause gehen wollten, wurden sie auf der Straße von dem Bergmann angehalten. Der Ehemann erhielt einen Stoß und fiel zur Erde. Er sprang schnell auf und begab sich zur nächsten Polizeiwache. Die Ehefrau war inzwischen eiligst in ihre Lohnung gelaufen, und hatte eine alte Schußwaffe aus dem Keller geholt, um sie ihrem Mann zu bringen. Als sie ihre Wohnung verlassen hatte, kam der Bergmann mit einer zweiten Person auf sie zu. Sie flüchtete auf einen dunklen Hof, dorch wurde sie dort von den Verfolgern ergriffen. Bei dem Handgemenge entlud sich die Schußwaffe und das Geschoß drang dem Bergmann in die linke Schläfe. Der Verletzte wurde sofort dem Krankenhause zugeführt. Hamborn, 5. März.(Er bestiehlt seinen früheren Brotgeber.) Bei einem Einbruch in der Wohnung eines Pferdemetzgers in der Bergstr. wurde diesem eine Geldkasette mit 7000 Mark Bargeld gestohlen. Als Täter kommt ein am Vortage von dem Metzger entlassener Gehilfe namens Fritz Köpf in Frage, den der Bestohlene später auf dem Duisburger Bahnhof stellen konnte. Er war bereit, mit dem Bestohlenen nach Hamborn zurückzufahren, sprang aber Lippstadt, 5. März.(Zwei Motorräder stieken zusammen.) Auf der Chaussee SchmerlebeckHorn stieß der Sohn des Gastwirts Spiegel aus Horn mit dem Motorradfahrer Schwarzenberg aus Lippstadt zusammen. Spiegel erlitt einen schweren Schädelbruch und war auf der Stelle tot. Schwarzenberg wurde so schwer verletzt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Der Beifahrer Spiegels kam mit leichteren Verletzungen davon. Von Rhein und Mosel Gladbach=Rheydt, 5. März.(Unter die Straßenbahn geraten und getötet.) Ein Mädchen im Alter von etwa 23 Jahren benutzte die Straßenbahn, um sich wahrscheinlich zu einer Karnevaldfeier nach Schiefbahn bringen zu lassen. In der Annahme den Bestimmungsort bereits überfahren zu haben, sprang das Mädchen ab und geriet unter den Anhängewagen, der es uuf der Stelle tötete. Viersen, 5. März.(Ein Kind Opfer eines Autounglücks.) Bei dem Versuch, seinen Wagen in die Garage zu fahren, überführ ein Chauffeur ein 4½ Jahre altes Kind, das auf der Stelle getötet wurde Der Chauffeur versuchte, nach der Tat zu fliehen, konnte aber von einem Polizeibeamten in seiner Wohnung verhaftet werden. Cleve, 5. März.(Beim Revolverputzen erschossen.) In der Depotkaserne in dem holländischen Ort Appeldoorn war ein Gendarm mit dem Putzen seines Revolvers beschäftigt. Dabei ging ein Schuß los, wodurch sein Kamerad getroffen wurde und bald darauf seinen Verletzungen erlag. Aachen, 5. März.(Eine Spielhölle in Aachen ausgehoben.) In einer der letzten Nächte durchsuchte ein Aufgebot von Kriminalbeamten ganz unvermutet eine Restauration. deren Inhaber schon seit längerer Zeit im Verdacht stand. gewerbsmäßiges Glückspiel zu betreiben Ehe überhaupt jemand wußte, was vorging, hatten die Beamten den Inhalt und die Einrichtung der Kasse mit Beschlag belegt. Die Spieler waren meist junge Leute, die bei Tage keiner geregelten Beschäftigung nachgingen. Auch viele Wohlfahrtsunterstützungsempfänger befanden sich unter ihnen. Dieser werden nach dem strafgerichtlichen Verfahren auch noch den Verlust der Unterstützung tragen müssen. Der Geiger Roman von 5 Fritz Poppenberger der Roland-Bar Copyright by Martin Feuchtwanger Halle(Saale) 16 Protopoff hatte aufmerksam zugehört.„Sie haben recht. Doch ich setze in Chevalier das größte Vertrauen. Ich sagte Ihnen ja schon... ein selten gutes Tier.“ „Aber achtzehnhundert Meter?“ „Um so besser. Chevalier ist ein Steher und hat einen prächtigen Endspurt.“ „Ich wünsche mir, Sie würden recht behalten. Aber ich zweifle. Jetzt eile ich auf die Tribüne. Will sehen, wie die Wetten stehen. Hals= und Beinbruch!“ Ilse sah Protopoff warm an, und ihr Blick strafte den zuletzt ausgesprochenen Wunsch Lügen. Ilse hatte im Gedränge ihren Vater wiedergefunden. Dieser war rot vor Aufregung.„Wie soll man wetten? Das Rennen ist ganz offen.“ „Wette auf Chevalier“, meinte Ilse lachend. „Dann wäre ich verrückt— Reinhold, wie legen Sie mir Jaguar?“ sagte Merling dann zu einem vorbeieilenden Buchmacher. „Am liebsten überhaupt nicht. Aber weil Sie es sind, gebe ich Ihnen noch 1:1?“ Bei solchen Odds wette ich nicht. Und wie legen Sie Panfy?“ „Auch 1:1.“ „##l Sie der Teufel!“ Nun mischte sich Ilse in das Gespräch.„Und Chevalier?“ fragte sie erwartungsvoll. Reinhold lachte breit.„Wie Sie wollen!" „Bitte, geben Sie mir 200:1!“ „Nun, das kann ich nicht, man kann nie wissen. Aber im Ring steht er 26:1. Ich gebe Ihnen 30:1.“ „Gut“, sagte Ilse, öffnete ihre Handtasche, und überreichte dem Buchmacher einen Tausender. Reinhold kratzte sich in seinem spärlichen, struppigen Haar.„Auf soviel habe ich nicht gerechnet. Aber meinetwegen...“ Das Publikum drängte zu den Tafeln, auf denen die Namen der reitenden Jockeis ausgeschrieben wurden. Als bei Nummer 8— diese Nummer hatte Chevalier— der unbekannte Name Mihailow aufgeschrieben wurde, fiel Ilses Pferd auf 40:1. Man hätte es aber bei den Buchmachern noch weit besser bekommen können. Der Beginn des Rennens nahte heran. Die Pferde wurden in die Bahn geführt, und gingen in einem großen Kreise um die Gruppe der Klubmitglieder und Rennstallbesitzer, die die letzte Musterung hielten. Ilse war zu aufgeregt, um sich mit Warbach unterhalten zu können. Die Nervosität ihres Vaters steckte sie an. Deswegen stand sie abseits, neben dem Richterhäuschen, und blickte auf die Pferde. Der Rennleiter ging mit seiner roten Fahne auf die gegenüberliegende Seite der Bahn, wo der Start für 1800 Meter zu erfolgen hatte. Die Jockeis bestiegen ihre Pferde. Nur Chevalier hatte noch niemandem im Sattel Ratlos blickte der Stallbursche, der ihn führte, in die Richtung zum Paddock. Unruhig, nur mit Mühe ein Zittern am ganzen Körper unterdrückend, preßte Ilse die Fingernägel in das weiche Holz der Barriere. Wo ist Protovoff? Hatte er im letzten Augenein Angst bekommen? Nur mit aller Energie unterdrückte Ilse einen Schwächeanfall. Hat er mich nur zum Besten gehalten? Welche Blamage! Natürlich hat er sich einen Witz erlaubt. Wie konnte ich auch nur glauben, daß ein wildfremder Mensch, ein Bargeiger, ein Pferd bei einem Rennen reiten wird. Entsetzlich. Was wird die Rennleitung sagen, wenn ich jetzt Chevalier nicht starten lasse! Und die Leute! Gott sei Dank, er kommt! Aufatmend erblickte Ilse Protopoff, der schnellen Schritts, von dem Paddock kommend, auf Chevalier zuging. Er klopfte dem Pferde den Hals, prüfte den Gurt, verlängerte noch schnell die Steigbügel um ein Geringes, und schwang sich gewandt auf das Pferd. Die Klubmitglieder steckten die Köpfe zusammen.„Wer ist der Jockei?“—„Die Tochter des Parvenus hat doch erst vor einigen Wochen den Engländer Barson engagiert?“—„Noch beim zweiten Rennen ritt Barson!"— „Ein Wahnsinn überhaupt, ein Pferd zweimal starten zu lassen.“—„Sonderbar, sonderba“ Der Aufgalopp bewies, daß es ein Rennen der Favoriten war. Alle gefielen. Nur Chevalier erwarb sich keine Freunde. Er war unruhig, und sein Reiter konnte oder wollte ihn nicht laufen lassen. Im Schritt ging Chevalier dem Startplatz zu. Eine Gruppe von witzigen Turffreunden meinte, Chevalier gebe sich schon vor dem Rennen geschlagen.„Und wer mag dieser neue Künstler von einem Jockei sein?“—„Den haben wir ja noch nie auf der Bahn gesehen.“—„Na gut, daß ich nicht auf Chevalier gesetzt habe; der Stall Merling hat mich schon ohnehin fast arm gemacht.“ So hörte man von allen Seiten sagen. Ilse war auf die Tribüne gegangen.„Wie konntest du nur Chevalier nochmals starten lassen? Und wer ist denn der Jockei? Ich kann ihn zwar nicht genau sehen; aber ich kenne ihn scheinbar nicht", fragte sie der Vater.(Forts. f.) Ruhrs Der Erwerb der durch die Gelsenkirch das damit verfolgte daß die Idee einer g Krupp als erledigt hütte ist nunmehr kirchener Berg auf! werke übergeg mit Vertretern der Kassel, die in Hatt sind die Fragen in den, daß man bis gelangen will. 6 wahrscheinlich zur neue Aktiengesellsch stahl A.=G. zu grür dorf bereits eine mens gegründet, u verhandlungen ni# sein. 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Es besteht die Idee, die auch wahrscheinlich zur Durchführung gelangt, eine neue Aktiengesellschaft unter dem Namen Ruhrstahl A.=G. zu gründen, und man hat in Düsseldorf bereits eine Mantelgesellschaft dieses Namens gegründet, um bei den erforderlichen Nachverhandlungen nicht mehr weiter behindert zu sein. Eingebracht werden in diese neue Gesellschaft die Henrichshütte in Hattingen selbst, ferner die Gußstahlwerke Witten sowie die Rheinisch=Westfälischen Stahlund Walzwerke, ohne die Hagener Gußstahlwerke, die bekanntlich von den Vereinigten Stahlwerken nicht mit übernommen worden sind. Der Hauptaktionär ist Ver. Stahlwerke A.=G., aber es kann auch als sicher angenommen werden, daß die Henschel u. Sohn A.=G. in Kassel an diesem neuen größeren Gebilde beteiligt bleibt. 23 6% Dividende bei der Harpener Bergbau A. G. In der heutigen Sitzung des Aufsichtsrates der Harpener Bergbau A. G. wurde beschlossen, der Generalversammlung, die am 5. April stattfinden wird, die Verteilung einer Dividende von 6 Proz. vorzuschlagen. Um die deutsche Weizeneinfuhr nach England. In den der neuen englischen Reichspartei Lord Beanerbrooks nahestehenden Krei en verlautet, daß nunmehr ernste Anstrengungen gemacht werden sollen, um die Einfuhr deutschen Weizens nach Großbritannien zu verhindern. Dieser Teil der Kampagne Lord Beaverbrooks ist vorläusig am stärksten, unbeschadet der Tatsache, daß einer solchen Unterbindung der Einsuhr deutschen Weizens die Bestimmungen des deut ch=enolischen Hnesvetr ges enggn stehen. Ueber so„nebensächliche“. Dinge wie Verlräge und die ablehnende Haltung der britischen Dominien geht Lord Beaverbrook vorläusig ohne viel Rücksicht hinweg. „Beide sind zu beklagen!“ Das arme Europa sowohl— wie das reiche Amerika. — Reparationen und Welthandel. Die heutige Zeit steht im Zeichen eines weitgehenden Rückgangs der Rohstoffpreise. Fast alle Welthandelswaren sind, teilweise sogar recht erheblich, davon betroffen worden, so außer allen Arten von Getreide wichtige Nahrungsmittel wie Kaffee, Zucker, Kakao und Tee, dann Kautschuk und Erdöl, ferner die meisten der Metalle, vor allem Silber und Zink, schließlich Wolle und Baumwolle. Der nachfolgende Ueberblick des bekannten Bremer Baumwollhauses H. Bischo'ff u. Co. über die augenblickliche Lage des Weltbaumwollmarktes gibt eine bemerkenswerte Beurteilung der tieferen Ursachen der rückläufigen Baumwollpreisbewegung, die in vieler Hinsicht auch für den Rückgang anderer Rohstofspreise zutrifft, und die vor allem den Widersinn des ganzen Reparationszahlungsgetriebes treffend zum Ausdruck bringt. Der Bericht lautet folgendermaßen: „Die niedrigen Preise für Baumwolle und Weizen beschäftigen in hohem Maße die Oeffentlichkeit wie auch die Regierung in Amerika. Die letztere hat augenscheinlich drastische Maßregeln ins Auge gefaßt, dem für die Landwirtschaft verderblichen Zustande entgegenzutreten. Große Ankäuse von Weizen sind bereits eingeleitet, für Baumwolle ist Gleiches in Aussicht genommen. Weitere Maßregeln werden erwogen, man spricht sogar davon, die Baumwollbörsen, welche den Rückgang gemacht haben sollen, zeitweilig zu schließen. Dieser Gedanke ist natürlich unsinnig und wird gewiß nicht ausgeführt werden. Uns wundert nur, daß man, da man die Ursache der Entwertung so gründlich untersucht, bisher kein Wort über den offensichtlichen Grund geäußert hat. Die letzten drei Baumwollernten waren keineswegs übermäßig groß, im Gegenteil, größere Ziffern haben wir schon vor dem Kriege gekannt. Der stark verminderte Verbrauch Europas ist allein Schuld daran, daß Baumwolle keine keine Freunde hat. Es ist die breite Masse des Volkes, welche früher mehr Baumwolle verbrauchte als heute. Ein großer Teil des Verdienstes der Massen wird jetzt zu Steuern und Abgaben verwendet, und dieser Teil des Verdienstes fehlt im Haushalt. In Kleidung und Nahrung wird zwangsweise geknausert, und die der Wirtschaft abgerungenen Summen wandern in Gestalt von Zinsen und Reparationen nach Amerika. Hier gelangen sie in die Hände der oberen Hunderttansend, wo sie freilich wirtschaftlich wieder Verwendung finden, aber ganz gewiß gelangen sie nicht an diejenige Bevölkerung, welche Landwirtschaft betreibt. Die ungeheure Geldverschiebung, welche jetzt vor sich geht und in der Geschichte nicht ihresgleichen hat, bringt unvermutele Wirkungen hervor. Die Masse des amerikanischen Volkes hat nichts von dem Gelde, welches ins Land fließt, im Gegenteil, sie entbehrt eine Hauptnährquelle, nämlich die gute kauffähige Kundschaft Europas. Die Kriegsleiden müssen also nachträglich alle Länder durchkosten, selbst die begünstigten. Eine weitere Verschlimmerung dieser Verhältnisse ist selbstverständlich möglich, denn die Geldverschiebung hat ihren Douevunkt noch lange nicht erreicht. Armes Europa, reiches Amerika, beide sind zu beklagen!“ Moralisches Aktienrecht. Ueber„Die wirtschaftliche und moralische Bedeutung der Aktienrechtsreform“ führte in der Vereinigung für Aktienrecht der Jesuitenpater Prof. Dr. von Nell=Breuning, Frankfurt am Main, kürzlich im wesentlichen folgendes aus: „Ein ganz unbefangener Leser der§§ 178 bis 319 HGB. wird wohl kaum auf den Gedanken verfallen können. in dem, was ihm aus dem Leben als A.=G. Lekannt ist, jenes Gebilde wiederfinden zu wollen, von dem das Gesetz unter dem gleichen Namen spricht. Die A.=G. der heutigen Wirklichkeit und die A.=G. des HGB. haben in der Tat gewisse Aeußerlichkeiten miteinander gemein, sind aber im übrigen wesensverschieden. Mit dieser Feststellung ist über die Notwenbigkeit einer Aktienrechtsreform eigentlich schon alles gesagt. Leben und Recht müssen wieder zusammengebracht werden. Fraglich kann nur sein, wie weit das Recht dem Leben entgegenzukommen habe und wie weit das Leben zur Rechtsordnung zurückzurufen sei. Zwei Ursachen haben vor allem die Auseinanderentwicklung von papierenem Aktien recht und lebendigem Aktienwesen herbeigeführt. An erster Stelle die konzentrationskapitalistische Entwicklung, die unsere ganze Wirtschaftsverfassung, die der Theorie nach freie Konkurrenzwirtschaft ist und von der Rechtsordnung— wenigstens der Privatrechtsordnung— als solche vorausgesetzt wird, in neuartige Formen der Gebundenheit einen Neofeudalismus überführt hat. Der Gesetzgeber des HGB. zielt auf die aus physischen Aktionärpersönlichkeiten zusammengesetzte A.=G. als selbständiges Rechts= und Wirtschaftssubjekt im allgemeinen, freien Wirtschaftsverkehr; das HGB. bringt das Recht der individuellen A.=G. zur Darstellung. Das Recht der heutigen A.=G. des wirklichen Lebens ist Konzernrecht. Eine Aktienrechtsreform, die nicht schöpferisch Konzernrecht gestaltet, wird darum nie etwas anderes sein können als ein neuer Flicken auf ein altes, längst ausgewachsenes Kleid. An zweiter Stelle steht eine nicht ernst genug zu nehmende Entwicklung in der Wissenschaft, die immer mehr aus uninteressierter, nur vom Streben nach Wahrheitserkenntnis getriebener Forschung zum Mittel wirtschaftlicher Interessenvertretung, zur Waffe im wirtschaftlichen Interessenkampfe geworden ist. Selbstverständlich steht es jeder wirtschaftlichen Gruppe frei, ihre von ihr selbst in ehrlicher Ueberzeugung als berechtigt angesehenen Interessen mit allen Mitteln wissenschaftlicher Methode zu vertreten. Etwas anderes aber ist die Indienstnahme der sog. objektiven Wissenschaft für wirtschaftliche Interessen mit dem äußeren Schein der Unabhängigkeit trotz innerer Bindungen. Findet die Einseitigkeit der Syndici=Sachverständigkeit nicht mehr ihre Korrektur in der unantastbaren Autorität und Integrität rein objektiver Wissenschaft, dann wird sie zur Gefahr. Das aktienrechtliche Gebiet aber ist geradezu der Tummelplatz geworden für eine neue Art Jurisprudenz. Ein erfreulicher Umschwung ist dagegen festzustellen. Es gab eine Zeit, die ihre höchste Weisheit auszusprechen wußte in dem Satz:„Mit Sittensprüchlein baut man keine Eisenbahnen“. Heute fühlt man sich nicht mehr so erhaben über die Moral; im Gegenteil, man erkennt und anerkennt den eminent moralischen und moralpädagogischen Charakter wirtschaftspolitischer gesetzgeberischer Maßnahmen, in unserem Falle der Aktienrechtsreform. Nur auf sittlich zuverlässige Persönlichkeiten kann eine ehrbare, kaufmännisch ehrenhafte Geschäftsgebarung gegründet wieden Keine noch so vortreffliche Aktienrechtsreform kann uns solche Persönlichkeiten ersetzen, noch auch sie herbeizwingen. Wohl aber kann und soll die Aktienrechtsreform der Ehrbarkeit in der geschäftlichen Gebarung förderlich sein. unehrenhaften Machenschaften dagegen die Wege verlegen. Vor allemn soll das Gesetz durch überzeugende, richtung weisende Rechtsgedanken, die es einprägsam und möglichst volkstümlich zum Ausdruck bringt, dem Denken der Wirtscha#t##krise die richtigen Wege weisen und so mittelbar einen moralischen und moralpädagogischen Einfluß ausüben, der umfassender, nachhaltiger und wirksamer ist als selbst der rechtliche Zwang. Von der Leipziger Frühjahrs=Messe. Unter reger Beteiligung wurde am Sonntag die diesjährige Leipziger FrühjahrsMesse eröffnet. Die Zahl der reichsdeutschen Aussteller ist etwas zurückgegangen, hingegen ist die Zahl der ausländischen Kollektivausstellungen gestiegen. Auch in diesem Jahre bringt die Messe zahlreiche Neuheiten und sehr viel Sehenswertes.— Unser Bild zeigt links: eine Nachbildung der„Bremen“ aus Wolle, die auf der Textil=Messe zu sehen ist; rechts: ein automatischer springender Straßenstampfer. Runstund Wissenschaft essante Funde aus der Steinzeit in Ammendorf. Vom Landeshauptmann der Provinz Sachsen wird mitgeteilt: Bei Ausschachtungsarbeiten zu einem Neubau in der Grünstraße in Ammendorf, am Hochufer der Elster, in der Nähe der Eisenbahnbrücke, wurde eine sog. Abfallgrube aus der Vorzeit angeschnitten. Ihre Untersuchung durch die Landesanstalt für Vorgeschichte=Halle ergab, daß sie außer einem fast unversehrt erhaltenen Krügchen und vielen Tonscherben, die aus der Jüngeren Steinzeit stammen, auch angebrannte Knochenreste von Haustieren, und zwar Schwein, Rind und Schaf oder Ziege enthielt. Besonders überraschend war, daß auf dem Grund der etwa 1½ Meter tiefen, zylinderförmigen Grube unter einer dicken Aschenschicht neben angekohlten Tierknochen auch Teile eines menschlichen Skeletts, ebenfalls in angekohltem Zustand gefunden wurden, die offenbar einem kräftigen, männlichen Individuum angehörten. Es dürfte sich dabei entweder um eine„Teilbestattung“ oder aber, da die Knochen teilweise zerschlagen waren, um die Ueberreste einer Art Opferung gehandelt haben, also um einen Fall von„Kannibalismus“, der aber, wie auch bei den lebenden„Primitiven“ nicht aus Nahrungsmangel, sondern aus bestimmten geistigen kultisch=religiösen Vorstellungen zu verstehen ist. So zeigt auch dieser äußerlich„unscheinbare“ Fund wiederum deutlich, daß wir niemals achtlos an den Urkunden, die uns der Boden aus fernen Jahrtausenden erhalten hat— der Fund ist mindestens 4500 Jahre alt— vorübergehen sollen, sondern stets dafür sorgen, daß alle diese Funde fachgemäß untersucht und geborgen werden. Der Ammendorfer Fund wurde der Landesanstalt für Vorgeschichte=Halle überwiesen. Purteien und Verbände Der Standpunkt der Deutschen Volkspartei. Das Reichskabinett hat wieder einmal die Vertagung gewählt, um noch einen Spielraum für die Entscheidung zu gewinnen. Man hofft offenbar, daß es noch gelingen werde, die Parteien auf den demokratischen Vermittlungsvorschlag zusammen zu führen. Dieser sieht eine Art Zwangsleihe auf die Einkommensteuerpflichtigen vor, und zwar dergestalt, daß die in diesem Jahr geleistete Mehrzahlung im nächsten Jahr automatisch auf die Steuerzahlung verechnet werden soll. Der Standpunkt der Deutschen Volkspartei ist in einer Erklärung festgelegt worden, die nach der Sitzung des Reichsausschutes bekanntgegeben wurde. Darin heißt es: „Nachdem die Entwicklung der Finanz= und Kassenlage des Reiches die von allen Seiten als notwendig erkannte Senkung der direkten Steuern für das Jahr 1930 unmöglich gemacht hat, muß die gesetzliche Festlegung einer soichen Senkung für das Jahr 1931 gefordert werden. Unvereinbar hiermit wäre eine neue Erhöhung der direkten Steuern, gleichviel unter welcher Bezeichnung sie erfolgt. Das sogenannte Notopfer würde außerdem den Willen zur Reform auf der Ausgabenseite des Reichshaushalts im Keime ersticken. Im Zusammenhang mit dem Reichshaushalt für 1930 müssen daher folgende Maßnahmen getroffen werden: Gesetzliche Sicherung der Ausgabensenkung im Reich, in Ländern und Gemeinden, insbesondere auch durch Sanierung der Arbeitslosenversicherung; unter Vermeidung jeder weiteren Erhöhung von direkten Steuern, gesetzliche Festlegung einer Senkung dieser Steuern vom Beginn des nächsten Haushaltsjal.res ab.“ Mit dieser Erklärung hat sich die Deutsche Volkspartei eigentlich auch schon gegen den demokratischen Kompromißvorschlag festgelegt. Was wir bringen, ist das Richtige •• Frohe Mienen, wohin wir kommen. Die Zusammenarbeit von Eckstein-Halpaus hat den Betrieb vereinfacht. die Leistung gesteigert, die Mischung verbessert. Kein Wunder, dass die neue Ulmenried in der gelbroten Packung solchen Anklang findet! Frischaus der Fabrik — schon geraucht! Das ist schon die richtige Zigarette! ULMENRIED SPI. * 1 Spiel, Sport, Jurnen. Fußball. Union Schwerte 2.— Menden 2. 1:2. Im Freundschaftskampf hatten die Reserve Mannschaften beider Liga=Vereine ihre Kräfte gemessen. Den Mendenern ging der Ruf voraus, die stärkste Reserve=Elf der hiesigen Ligavereine zu besitzen. Im Verlauf des Spieles bewiesen sie das, wenn sich auch Union als ein ebenbürtiger Gegner bewährte.— Union 1. Jad. spielte gegen Iserlohn 05 1. Jad. 4:2 und Union 2. Jgd. gegen Iserlohn 05 2. Jgd. 2:0, während Union 3. Jad. gegen Iserlohn 24 mit 0:1 eine Niederlage einstecken mußte. Voxen. Am 6. April, 25. Boxkampftag in der Westfalenhalle. Die Westfalenhalle veranstaltek ihren nächsten Groß=Boxkampftag am Sonntag, den 6. April, der als Jubiläums=Tag steigt. Schwimmen. Rekordzeiten beim Pariser Damen=Schwimmfest. Das Pariser internationale DamenSchwimmfest stand im Zeichen großartiger sportlicher Leistungen. Eine große Anzahl von Damen=Schwimmrekorden wurde verbessert. In großer Form zeigte sich wieder die holländische Olympiasiegerin Maria Braun, die im 200 m Freistil in 2:42,2 einen neuen Europarekord aufstellte und damit die letzte Bestleistung von Reni Erkens(2:47,8) um über 5 Sekunden verbesserte. Auch die Engländerin Fräulein Cooper blieb als zweite in 2:47 noch hinter der letzten Europarekordzeit zurück und schlug damit gleich einen Landesrekord. Die als Dritte eingekommene Französin Fräulein Godard verbesserte die bisherige Landesbestleistung von Fräulein Salgado um über 4 Sekunden auf 2:50,4. Die wichtigsten Prüfungen wurden von den Ausländern gewonnen. Fräulein Delval=Rotterdam holte sich das 200 m Brustschwimmen in 3:32,6. Rotterdam gewann die 3X60 m Stafel in 2:22,6. Rad=Sport. Berliner Sechstagerennen. Der 4. Tag des 23. Berliner Sechstagerennens nahm nach Aufhebung der Neutrali= sation am Dienstag nachmittag einen ruhigen Verlauf. Zunächst wurden die am Ende des Feldes liegenden Belgier Charlier—Duray aus dem Rennen genommen, so daß nur noch elf Paare die Weiterfahrt bestretten. Im Verlaufe des Abends unternahmen die weit zurückliegenden Mannschaften mehrere Vorstöße, die aber ohne jeglichen Erfolg blieben. Gegen 11 Uhr können van Kempen—Buschenhagen und Gooßens—Deneef eine Runde ausholen. Der Stand des Rennens um 11 Uhr abends war folgender: 1. van Kempen—Buschenhagen 94 Punkte; 2. Gooßens—Deenef 93 P.; 3. Rieger—Kroschel 64 Punkte. Eine Runde zurück: 4. Preuß—Resiger 137 Punkte. Drei Runden zurück: 5. Krüger—Funda 163 P.; 6. Ehmer—Tietz 123 P. Vier Runden zurück: 7. Pijnenburg—Gvebel 233 P.; 8. Petri—Hürtgen 92 P.; 9. Choury— Fabre 38 P. Sechs Runden zurück: 10. Manthey—Schin 122 P. Sieben Runden zurück: 11. Meyer—Stübecke 139 P. Nach 96 Stunden waren 2323,680 Kilometer zurückgelegt. Glas aus und fiel im nächsten Augenblick tot zu Boden. Hierauf ergriff Mangold den Rest des Zyankalis, schüttete ihn in sein Glas und versuchte, sich gleichfalls zu vergisten. Mit schweren inneren Verbrennungen wurde er ins Krankenhaus gebracht, wo es aber gelang, ihn am Leben zu erhalten. Augenblicklich befindet er sich in Untersuchungshaft, wo er den wilden Mann spielt und immer wieder schreit:„Ich bin der Mörder der Lu“. Stimmen aus dem Leserkreise Zuschr solche, mit bristen . dteser Rudrik werden Zuderesse aufgenommen, m##hattion bisles Blattes sicht ein [Eingesandt. von allgemet— beren, Frdat# 2000 Stunden Tanz. Vom Bausparen. Newyorker Sechstage=Rennen. Das 48. Newyorker Sechstage=Rennen nahm auch in der Nacht zum Dienstag wieder einen jagdenreichen Verlauf. Der Stand des Rennens wurde vollkommen verändert. In der Spitze lagen am Dienstag morgen Belloni—Debaers 79 Punkte(880,300 Klm.), MacNamera—Winter 57 P., Letourneur—Broccardo 35 P.— Dülberg—Spencer liegen drei Runden und Dorn— Maczinski sogar 6 Runden zurück an siebenter bezw. elfter Stelle. Einem Dauertanz von ungewöhnlichem Ausmaß selbst für amerikanische Rekordbegriffe haben jetzt nach langem, heißem Bemühen die Detroiter Behörden ein Ende gemacht. In einem Vergnügungslokal sind am 18. November mehrere Paare zum Tanze angetreten und haben seitdem mit nur wenigen streng geregelten Ruhepausen von jeweils einigen Minuten durchgetanzt, ohne zu schlafen, so behauptet wenigstens die Leitung des fraglichen Unternehmens, während die Nörgler wissen wollen, daß den Teilnehmern trotz allem heimlich Gelegenheit geboten war, von ihren Strapazen vorübergehend auszuruhen. Den Behörden ging — wie man verstehen kann— die Sache gegen den Strich. Sie versuchten, zu intervenieren. Dies erwies sich als schwerer, als es auf den ersten Blick aussah. Der Fall war juristisch noch nicht vorgesehen. So half man sich, indem man die Gesetze zum Schutz gewerblich beschäftigter Frauen heranzog und auf dieser Grundlage die Schließung des Betriebes erzwingen wollte. Dies erwies sich als ein Fehlschlag. Was tun? Nun stellte man fest, daß den Tanzpaaren von der Galerie Münzen zugewofen wurden und kam auf den Gedanken, den neuen Angriff gegen die Tanzwut unter dem Schutze der Gesetze zur Bekämpfung der Bettelei zu unternehmen, die zum Teil recht streng sind. Diesmal gelang es. Das Lokal wurde geschlossen und Tänzer und Tänzerinnen in ihre Betten geschickt, nachdem sie— wie mit der üblichen Genauigkeit berichtet wird, 2570 Stunden und 35 Minuten auf dem Parkett unterwegs gewesen waren. Die neuen Europameister im Ringen. In den Kämpfen um die Europameisterschaft der Amateurringer in Stockholm, die sich am Montag bis nach Mitternacht hinzogen, erlitt der Titelverteidiger im Schwergewicht Gehring(Deutschland) seine zweite Niederlage durch den Finnen Nyström, der überlegener Punktsieger wurde. In der gleichen Gewichtsklasse verlor der Tscheche Urban in 8.03 durch Ein: drücken der Brücke gegen den Schweden Richthoff. Einen weiteren Erfolg hatte Finnland im Weltergewicht durch Nordling zu verzeichnen, der den Ungarn. E. Zambory knapp nach Punkten bezwang. Die Endkämpfe der Europameisterschaft im Ringen wurden am Dienstag vor vollem Hause bei Anwesenheit des schwedischen Thronfolgers im Stockholmer Zirkus zum Abschluß gebracht. Die Kämpfe verliefen äußerst interessant und wurden bei der Gleichwertigkeit der Ringer größtenteils bis zur kleinsten Punktentscheidung durchgeführt. Die deutschen Vertreter im Welter= und Bantamgewicht unterlagen beide Male nach Punkten. Im Weltergewicht traf der Deutsche Meister Földeak=Hamburg auf den Ungarn Zambory. Die beiden Ringer kämpften äußerst erbittert und waren sich völlig gleichwertig. Zum Schlusse entschieden sich die Schiedsrichter für Zambory. Im zweiten Kampf im Weltergewicht verlor Földeak gegen den Finnen Nordling nach Punkten. Im Bantamgewicht wurde Brendel von dem schwedischen Meister Thuvisson nach Punkten glatt geschlagen. Im Federgewicht schlug der Olnmpiasieger Pihlajamaki=Finnland den Titelverteidiger Martinssen=Norwegen nach kurzer Zeit durch Hüftschwung in 1.23 Minuten. Im Leichtgewicht konnte Malmberg=Schweden nach erbittertem und durchaus gleichwertigem Kampf über FäliEstland die Punktentscheidung erreichen. Im Halbschwergewicht konnte Westergreen=Schweden über Rosenquist=Finnland knapp siegen und im Kampfe um den dritten und vierten Platz unterlag der Kreuznacher Müller dem Dänen Hansen nach 15.02 Min. und Richthoff=Schweden schlug im Schwergewicht Nyström=Finnland nach Punkten. Im Mittelgewicht konnte KokkinenFinnland einen schnellen Sieg in 2.45 Min. über Kullisar=Estland davontragen. Das genaue Ergebnis der Europameisterschaftskämpfe 1930 war: Bantamgewicht: 1. Harold ThuvissonSchweden, 2. J. Brendel=Deutschland, 3. Loszo Szekfu=Ungarn. Federgewicht: 1. Pihlajamäki=Finnland, 2. Martinsson=Norwegen. 3. ZamboryUngarn. Leichtgewicht: 1. Malmberg=Schweden, 2. Vali=Estland, 3. Karpathy=Ungarn. Weltergewicht: 1. Nordling=Estland, 2. Zambory=Ungarn, 3. Földeak=Deutschland. Mittelgewicht: 1. Kokkinen=Finnland, 2. Johannssen=Schweden, 3. Kullisar=Estland. Halbschwergewicht: 1. WestergreenSchweden, 2. Hansen=Dänemark, 3. RosenquistFinnland. Schwergewicht: 1. Richthoff=Schweden, 2. Nyström=Finnland, 3. Gehring=Deutschland. Aus aller Welt. Pola Regris Juwelen. Sie kann sich wieder schmücken. Pola Negri bekommt ihre Juwelen wieder. Bekanntlich hatte der Filmmanager Rachmann Schmuck der Filmschauspielerin, als sie vor einigen Wochen in Berlin weilte, auf Grund eines Prozesses mit Arrest belegen lassen. Gegen diese Pfändung hatte Pola Negri Einspruch erhoben. In der Gerichtsverhandlung einigten sich die Parteien dohin, daß Pola Negri gegen Freigabe der Juwelen 21000 Mark als Sicherheit hinterlegen wird. Die endgültige Entscheidung wird in dem Hauptprozeß gesällt werden. Rachmann klagt gegen Pola Negri wegen Vertragsbruches einen Schadenersatzanspruch von 300000 Mark ein. ∆ Vizekonsul als Paßfälscher. warrn Hall, Vizekonsul der Vereinigten Staaten in Warschau, der während eines Urlaubs in Washington unter dem dringenden Verdacht verhaftet wurde, Fälschungen von Pässen und Mädchenhandel betrieben zu haben. Geheimnisvoller Gifttod einer Tänzerin. Selbstmordversuch des Täters. Wie erst jetzt bekannt wird, ist vor einigen Tagen die 21jährige Tänzerin Lu Bruglacher auf eigenartige Weise ums Leben gekommen. Mit 18 Jahren ließ sich Fräulein B. zur Tänzerin ausbilden und wurde auch sofort an das Pforzheimer Theater verpflichtet. Durch ihr frisches Wesen wurde sie bald der Liebling des Publikums. Am Theater hatte sich ein junger Statist namens Mangold in die Tänzerin verliebt, fand aber keine Gegenliebe bei ihr. Mangold ließ aber in seinen Bemühungen nicht nach und trug zu irgend einem Zwecke stets Zyankali bei sich. Auf einem Ausflug der Pfortzheimer Schauspieler saß Mangold neben Lu Bruglacher und zog beim allgemeinen Scherzen und Lachen plötzlich sein Zyankali=Fläschchen hervor. Was sich darauf abspielte, ist aus den Aussagen bisher noch nicht einwandfrei hervorgegangen. Ohne zu wissen, was für ein starkes Gift das Fläschchen enthielt, hat allem Anschein nach das junge Mädchen einen Teil des Inhalts in ihr Bierglas geschüttete. Mit dem lachenden Zuruf an ihre Kollegen:„Prost, liebe Kinder“ trank sie das Forschungsexpeditionen amerikanischer Damen. Frau Rudyard Boulton, eine junge Amerikanerin aus Pittsburg, wird sich demnächst nach Mittelafrika begeben, um an Ort und Stelle die Negermusik der Eingeborenen von Nyassa einem gründlichen Studium zu unterziehen. Die musikalische Expedition zur Erforschung der inkünstlerischen Fähigkeiten der eingeborenen Neger ist von dem Gatten der wißbegierigen Dame ausgerüstet worden. Gleichzeitig hat sich in Newyork Frau Oscar Strauß nach dem schwirzen Erdteil eingeschifft. Der Zweck ihrer Reise gilt der Sammlung seltener Vogelarten zur Bereicherung der Sammlungen der amerikanischen naturgeschichtlichen Museen. Konzert und Iheater Hörde, 4. März.(Evg. Volksbühne.) Unter den dramatischen Werken Ernst v. Wildenbruchs nimmt seine„Rebensteinerin“ ohne Zweifel die erste Stelle ein. Tausend Aufführungen im ersten Jahre! Das ist eine Zahl wie sie nur wenigen Bühnenwerken beschied. wurde. Mannhaftigkeit, Stolz, Treue und Heldenmut, deutsches Wesen, deutsche Art, wo kommen sie prägnanter zum Ausdruck als in seinen„Quitzows“ und der „Rebensteinerin".„Nicht wenig Mut gehört dazu, von Amateuren im Rampenlicht eine solche Sache zu verarbeiten. Da bedarf es ganzer Seele und wärmster Hingabe. In der Titelrolle feierte vor Jahren Erna Hrubesch vom Theater der Stadt Dortmund große Triumphe." Emil Binder, der große Künstler, der vor kurzer Zeit sein 25jähriges Bühnenjubiläum beging, erschütterte durch die gigantischen Ausmaße seines Nunnenmachers. Vor 5 Jahren brachte es die Ev. Volksbühne, die demnächst auf ein zehnjähriges Bestehen zurückblicken kann, mit gutem Erfolge heraus. Rückhaltlos zollten Presse und Publikum der Titelhalterin und dem Verein ihre Anerkennung. Dreimal stellte Erna Müller ihr Können unter Beweis, dreimal zeigte die Ev. Volksbühne ihren ernsten, ehrlichen Willen deutschen Kunstwerken gegenüber. Eine stattliche Anhängerschar hat diese kleine Theatergemeinde im Laufe der Jahre um sich gesammelt und sie hofft, diesen Kreis noch erweitern zu können. Zum letzten Male in dieser Spielzeit am 30. ds. Mts., tritt die kampferprobte Schar auf den Plan. Erna Müller mit ihren alten Getreuen im Rampenlicht. Ihr Können haben sie sich selbst erworben. Nichts ist ihnen gezeigt worden, Herz und Seele weisen den Weg und das sind gute Lehrmeister. Söhne und Töchter aus werktätigem Volke, das sind die Träger und Erhalter dieser Volksbühnen=Gemeinschaft. Der Vorverkauf der Eintrittskarten hat begonnen. Hörde, 5. März. Wohnungsnot. Wohnungselend! Wer hätte von diesen Schrecken der Gegenwart noch nicht gehört! Diese Not der Nachkriegszeit beheben heißt eine soziale Tat von größtem segensreichen Ausmaße tun. Die letzte Wohnungszählung im Deutschen Reiche hat ergeben, daß allein in den Orten mit 5000 und mehr Einwohnern rund 800 000 Familien keine Wohnung haben. Welch eine furchtbare soziale und sittliche Not offenbart sich in dieser Zahl! Sie besagt, daß bei einer Gesamtzahl von ungefähr 8.6 Millionen Wohnurgen in diesen Städten 8.5 Prozent der dortigen Familien keine eigene Wohnung besitzen. Wie sind demgegenüber die Wohnungsverhältnisse im Auslande? Es unterliegt keinem Zweifel, daß der hochprozentige Gesundheitszustand der Engländer und Amerikaner zu einem überwiegend großen Teil auf die in diesen Ländern außerordentlich günstigen Wohnverhältnisse zurückzuführen ist. Diese günstigen Wohnverhältnisse sind vor allem das Ergebnis eines beharrlichen Willens und zäher Spararbeit in zielbewußt arbeitenden und gut aufgebauten Bausparorganisationen. In England wohnen heute etwa 83 Prozent aller Familien in Eigenheimen. In Amerika bestehen heute etwa 13.000 solcher Organisationen, die über gewaltige Kapitalien verfügen. Diese Organisationen konnten allein im Jahre 1926 etwa 500000 Eigenheime finanzieren, die einen Wert von rund 8 Milliarden Mark darstellen. Sollte, was in anderen Ländern möglich ist, bei uns unmöglich sein? Nein, auch in Deutschland kann ähnliches erreicht werden auf dem gleichen Wege, nämlich durch gemeinschaftliches Bausparen. Auf diesem Wege ist vor allem eine Gesellschaft bahnbrechend vorangegangen. Die Bausparkasse der Gemeinschaft der Freunde war es, die den Weg jener amerikanischen und englischen Organisationen-.. in Deutschland zuerst gezeigt und zielbewußt beschritten hat. Sie hat die fremdländische Spar= und Bauweise den deutschen Verhältnissen angepaßt und in kurzer Zeit große Erfolge erzielt. Im Jahre 1924 gegründet, hat diese Bausparkasse bis Ende 1929 8084 Bausparern Baugelder im Gesamtbetrage von annähernd 120,8 Millionen Mark zur Verfügung gestellt,— Zahlen, die mit den laufenden Baugeldzuteilungen ständig wachsen. Welches Vertrauen diese Bausparkasse in weitesten Kreisen genießt, zeigt u. a. der Umstand, daß große Organisationen(Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften Deutschlands, Reichsverband der katholischen Arbeiterund Arbeiterinnenvereine, Gemeinnützige Aktiengesellschaft„Deutscher Heimbau". Berlin, Verband„Wohnungsbau und Siedlung“ G. m. b. H. Köln=Rhein), sich mit genannter Bausparkasse zu gemeinnütziger Arbeit zusammengeschlossen haben. Das preußische Wohlfahrtsministerium begrüßt diesen Zusammenschluß. Wer sich über Einzelheiten der Bausparkasse der Gemeinschaft der Freunde unterrichten möchte, der versäume nicht, am 9. März abends 8 Uhr die Versammlung des Evangel. Männervereins im evangel. Gemeindehaus Dortmund=Hörde zu besuchen. An Hand eines Lichtbildervortrages wird ein Generalvertreter dieser Gesellschaft alle gewünschten Auskünfte geben. Jedermann ist herzlichst willkommen. Pastor Hochdahl. Aus den Kirchengemeinden. Hörde, 5. März. Heute abend, Mittwoch, den 5. März, Bibelstunde um 8 Uhr in evang. Gemeindehause. Jedermann ist herzlichst eingeladen. Der Frauenchor 3 hält während der Passionszeit seine Uebungsstunden nicht Freitags, sondern Montags um 8 Uhr. Nächste Chorstunde am 10. März. Pastor Hochdahl. Redaktions=Briefkasten. Die Mode des Frühjahrs, die an der Riviera bereits seit Wochen getragen wird, hält jetzt allmählich auch bei uns in Deutschland ihren Einzug. Die soeben erschienene erste März= Ausgabe des Althoff=Magazins schildert in Wort und Bild die Grundzüge der neuen modischen Entwicklung für die Dame und den Herrn in bezug auf Stoffe, Farbe, Schnitt und die mancherlei Feinheiten, die ein Merkmal wahrer Eleganz sind. In interessanter Weise wird sodann in einem Aufsatz die Entstehung der Mode geschildert und gezeigt, wie diese von den Ateliers der Pariser Haute Eonture ihren Weg hinaus in die Welt nimmt. Ein prachtvolles Titelbild und ein mit schönen Illustrationen versehener Artikel„Locarno. die Friedensstadt“, fügt zur modischen auch landschaftliche Frühlingsstimmung, und der weitere Teil des Heftes bringt ebenfalls wiederum Unterhaltendes und Anregendes für jedes Glied der Familie. N. N. H. 343. Soweit aus Ihrer Anfrage zu entnehmen ist, lebten Sie mit Ihrem Gatten in Gütergemeinschaft. Diese ist nach dem Tode zwischen Ihnen und den Kindern fortgesetzt. Ohne deren Zustimmung können Sie das Grundstück nicht veräußern.— Beim Tode eines Ehegatten erbt der Ueberlebende(Mann oder Frau), wenn kein Testament vorhanden. stets 3 des Nachlasses, während den Kindern zu gleichen Teilen zufallen. M. H. Da Ihr Sohn minderjährig ist, ist die Bestellung der Zither ungültig. Sie haben Ihre Pflicht erfüllt, indem Sie den Verkäufer auf die Rechtsungültigkeit hinwiesen und Sie sind berechtigt, den angezahlten Betrag zurückzufordern. Geht Ihnen dieser zu, dann geben Sie die Zither wieder heraus. F. R. 200. Die Tätigkeit, welche Sie ausgeübt haben, ist, soweit sich das nach Ihrer Mitteilung beurteilen läßt, ihrer Natur nach nicht auf einen Teil des Jahres beschränkt und deshalb auch nicht als Saisonarbeiter anzusprechen. 87 ROO # 9 von Karrch. Gerirchund Puß e SSchlacke. ohne Grus-Hohe Heizkran, altbewwährt: Sauber. billis, allbedehrt.“ rikefts +40“ AO 12 Ss 1— 8 e — □ S 2— 2 23— — B „Wieso— gerade ich? Ich denke, das gili dem Fremden— dem—“ „I wo!". Die Senftöpfe wackelten abermals. „Ich hab's gestern schon zu meiner Frau gesag: So nas, hab' ich gesagt, sollt man nicht für möglich halten! Besonders die Nase— „Was ist denn mit meiner Nase?“ „ auch die Augen und der Mund— sogar d. Zahnlücke rechts...“ „Ja, was meinen Sie denn?“ „Also unser verflossener Bürgermeister— voriges Jahr ist er zurückgetreten— so was von Aehnlichkeit, wie Sie und der... So was hab' ich noch nicht erlebt. Wenn er nicht Strohmeyer heißen tät’ und sie ganz anders, tät' ich, weiß Gott, sagen: Sie sind Zwillinge miteinander. Ich bestätigte dem Wirt, daß Herr Bürgermeister Strohmeyer von Dinglingen und ich nicht Zwillinge miteinander seien und erkundigte mich weiter nach diesem sicher sehr sympathischen Manne, der mir so ähnlich sah. „Also der war sehr beliebt hier— verstehen Sie— mit allen Leuten hat der gut gestanden, ja. Und hier, dort in dem Stuhl, wo die Roßhaare rauskommen, hat er manchen Schoppen getrunken, ja. Und deshalb— verstehen Sie— die Leute haben halt alle— genau, wie mein Hausknecht gestern— ja, haben halt alle geglaubt, die wo Sie gegrüßt haben, Sie sind der Strohmeyer." „So, so. Das ist allerdings...“ Meine Freude an der Freundlichkeit der Bürger erkaltete etwas. Außerdem hätte ich's gern gesehen, wenn das Frühstück gekommen wäre. „Ja, und warum ist denn der so allgemein beliebte Hderr hier weggegangen? Oder lebt er noch hier?“ „Nein, nein. Er ist ins Hessische gemacht. Ja, wissen Sie, das war so. Da ist der Nachtwächter hier— der eine von den beiden Nachtwächtern,— der Paulmüller, der trinkt, verstehen Sie. Und den hat der Herr Bürgermeister Strohmeyer mehrmals abends in der Gosse— verstehn Sie—... Und da hat er ihn— das hätten Sie doch auch, nicht wahr?... schließlich ist ein Nachtwächter nachts nicht zum Saufen da— das sag' ich sogar als Wirt— oder—!“ „Gewiß nicht. Und da hat der Herr Strohmeyer den Herrn Paulmüller abgesägt?“ „Hat er. Nun aber stellen Sie sich vor— nun hat der Strohmeyer keine ruhige Stunde mehr gehabt. Wo ihn der Paulmüller gesehen hat, hat er hinter ihm hergeschimpft. Auf der Straße ist er ihm in den Weg getreten. Ins Rathaus ist er gekommen und hat randaliert. Geldstrafen? Ha, da hat er sich pfänden lassen — und noch doller geschimpft. Schließlich ist er tätlich geworden—“ „Gegen Herrn Strohmeyer?“ „Ja— mehrmals. Er hat auch gebrummt dafür. Aber er hat geäußert:„Egal— wo ich ihn treff', den Strohmeyer— ich hau' ihm eine runter'. Da hat dann schließlich— der Klügere gibt nach— der Strohmeyer sein Amt niedergelegt und ist verzogen. Geerbt hat er auch.“ „Wieso, auch,— ich habe nicht geerbt. Aber —“ mir war nicht wohl zumute.—„Sagen Sie, lebt dieser Herr Paulmüller, der gewesene Nachtwächter, noch hier?“ „Frellich Und säuft, wie doll. Ja da müssen Ste sich nun in acht nehmen... die Aehnlichkeit! Wenn der Sie sieht, der Paulmüller! Na, also, hören Sie, der grüßt nicht,— der haut!" Die Senstöpfe wackelten. „Das wäre ja... Erlauben Sie, wo hält sich denn dieser Herr Paulmüller meist auf?“ „Immer auf der Gasse— wenn er nicht gerade in der Kneipe sitzt. Immer unterwegs. Den können Sie überall treffen. Bloß nicht bei der Arbeit. Sicher. Aber häuen Sie man feste wieder! Nur nichts gefallen lassen!“ „Aber micht geht doch die ganze Sache gar nichts an?!“ „Danach fragt der nischt. Nein— die Aehnlichkeit, die Aehnlichkeit!“ Und der Wirt vom „Römischen Kaiser" versank in das Wunder meines Anblicks... Da kam der Kaffee. Er war nicht gut, aber heiß. Und ich beschloß, ihn nicht vier Wochen lang zu trinken. Denn, wenn es auch Zeiten gibt, wo einem alle Menschen zu viel sind, und man mit sich selber auch nicht zum besten auskommt— zur Abwechslung sich von Herrn Paulmüller in Dinglingen verhauen zu lassen, weil man dem Herrn Strohmeyer so ähnlich sieht, das ist auch nicht jedermanns Sache. Abschied von Hans. Skizze von Rudolf Naujok. Der Bauer Kerschies trat mit geschultertemn Gewehr aus seiner Haustür auf den Hof, über dem die Morgensonne lag. Drüben am Stallgebäude schlich der alte Bandze entlang. „He, Bandze, laß den Hans heraus!“ rief der Bauer über den Hof Der Alte nickte und öffnete umständlich das Doppeltor des Pferdestalles. Nach einer Weile erschien der schmale Kopf eines alten Pferdes im Türrahmen; zögernd folgte ein abgehärmter Körper.„Hans!“ schrie der Bauer und ließ zwischen den Fingern einen gellenden Pfiff ertönen. Mit jähem Ruck riß das Pferd den Kopf hoch, äugte so gespannt wie in alter Zeit über den sonnenhellen Hof und versuchte in leichtem Trabe seinen Heern zu erreichen. Doch blieb es nach einigen Schritten erschöpft stehen, ein Zittern lief über den knochigen Körper; dann kam es ganz langsam und mit gesenktem Kopfe auf den Bauern zu. Dem wurde es warm ums Herz, als er die müden Schritte sah, er kraute den alten Freund liebevoll hinter den Ohren, klopfte ihm den Hals und rieb sein Gesicht an seinem knochigen Schädel:„Hanske, min Hanske!“ Die Bäuerin trat aus der Haustür und reichte dem Pferde ein paar Stücke Zucker. Es nahm sie mit den dicken, beweglichen Lippen behutsam aus der flachen Hand der Frau, etwas müde und so, als täte es ihr damit einen Gefallen. Sie streichelte ihm zärtlich den Hals und strich ihm die zerzausten Haare zurecht. Als der Bauer diese Bewegung seiner Frau sah, erinnerte er sich plötzlich an seine Brautzeit. Damals, vor dreizehn Jahren, hatte sie seinem Hans auch Zucker aus der flachen Hand gereicht und den vollen, biegsamen Hals des Tieres geklopft, wenn er abends von ihr Abschied nahm, um heim zu reiten. Ganz deutlich sah er das weite Kleid seiner Frau am Hoftore wehen. Besorgt lächelnd schaute sie ihm nach; denn sie waren beide jung und übermütig damals, der Hans und auch er. Die Frau mochte jetzt dieselbe Erinnerung haben, sie legte ihre Wang: an das müde Pferdeantlitz und sagte leise:„Au, Wiedersehen, Hans!“ Dann hob sie die Schürze vor die Augen und lief in das Haus. „So, Hans, jetzt müssen wir gehen.“ Sie gingen durch das geöffnete Hoftor, voran der Herr, hinterher langsam und willig das Pferd. Plötzlich erinnerte sich der Bauer an etwas und drehte sich um.„Ja Hans, Du hast uns auch zur Kirche gefahren, als unser Hochzeitstag war, ganz stolz und sicher. Das tatest Du, treues Tier! Und dann den Martin und die Anna zur Tause. Als ich den kleine Martin— er schrie jämmerlich— einmal auf Deinen breiten Rücken setzte, gingst Du so langsam und ruhig, als wüßtest Du, daß Du den Sohn Deines Herrn trügst. Das sollte Dir unvergessen bleiben.“ Die großen Augen des Tieres sahen den Bauern ruhig und ein wenig müde an, so als wollten sie sagen:„Das stimmt wohl schon, aber was soll das alles?“ Hinter der Scheune wuchs ein kleines Kiefernwäldchen, und hier hatten die Knechte schon gestern eine tiefe Grube ausgeworfen. Jetzt standen sie mit ihren Spaten herum und warteten. Der Bauer kam gesenkten Hauptes von seinem Hose, und hinterher humpelte wie ein treuer Hund das Pferd.„Es ist schwer, sich von einem Wesen zu trennen, das uns so innig verbunden ist", dachte der Bauer. Zwei Jahre schon gab er seinem Lieblingspferde, dem anhänglichen Gefährten seiner Jugendtage, das wohlverdiente Gnadenbrot. Aber länger ging es nicht mehr. Bauernnot überall! Es reichte knapp für die Pferde, die im Gespann standen. Er führte das Pserd vor die Grube und trat etwa zehn Schritte zurück. Das Tier sah sich mit einer hilflosen Geste um und schien sich zu wundern daß alle von ihm fort gingen. Dann schnupperte es suchend am Boden entlang, ob dieses vielleicht der Sinn des seltsamen Morgenganges sei. Der Bauer entsicherte das Gewehr.„Hans!“ rief er und ließ seinen gewohnten Pfiff ertönen. Mit jähem Ruck riß sich das Pserd herum und schaute hocherhobenen Hauptes und mit klaren, aufgerissenen Augen zu seinem Herrn hinüber. Es sah in diesem Augenblick wunderbar jung und gespannt aus. Dann knallte es zweimal scharf hinter einander. Das Pferd beugte ganz langsam, fast demütig seine Knie und rutschte mit dem Vorderteil seines Körpers in die sandige Grube hinein. Der Bauer hängte das Gewehr um und schritt mit langen Schritten seinem Hofe zu. Er war ein guter Schütze und wußte, er hatte seinem Hans kein bißchen wehe getan. Als die Nachmittagssonne schien, lag am Waldesrand ein frisch aufgeworfener Hügel. Martin und Anna, die Kinder des Bauern, schmückten ihn mit Blumen, denn die Mutter hatte sie dumit beauftragt. Sie spielten und lachten dabei und hatten bald vergessen, daß da unten ein treuer Freund ihres Hauses lag. Was tut es? Einmal, nach Jahren, wird Mertin auch zu einer Frau reiten, die er liebt, und Anna steht dann am Hoftore und streichelt das Pferd ihres Geliebten, und ihr weißes Kleid weht. t Bedeutung der einzelnen Wörter. a) von links nach rechts: 1 ehemalige deutsche Kolonie, 6 deutscher Philosoph, 8 Waldund Feldgott, 10 Insel in der Irischen See, 12 Molch, 14 Teil des Gesichts, 15 Gesangstück, 16 Schieferfelsen, 18 weiblicher Vorname, 20 Gutschein, 21 Fluß in Norddeutschland, 22 Stadt in der Provinz Sachsen; b) von oben nach unten: 2 Vorfahr, 3 Ringelwurm, 4 Stadt in Württemberg, 5 Teil des Spinnrades, 7 Teil des Funkgeräts, 9 Doppelsalz, 11 leichtes Kriegsschiff, 12 Fett, 13 Monat 17 Voranschlag, 19 Göttin des Unheils, 20 tür kischer Ehrentitel. 13356 Auflösung des Kreuzworträtsels aus der vorigen Mittwoch=Heim=Nummer. a) von links nach rechts: 1 Kork, 4 List, 7 Hegel, 8 Emir, 10 Iler, 12 Sinn, 13 Mode, 14 Odem, 17 Stab, 20 Lena, 21 Aera, 22 Duene. 23 Ares, 24 Drau— b) von oben nach unten: 1 Kies, 2 Rhin, 3 Kern, 4 Leim, 5 Illo, 6 Taxe, 9 Milde, 11 Edgar, 14 Olga, 15 Ende, 16 Maus, 17 Sand, 18 Teer, 19 Bakn. Der Ruf aus der Vergangenheit. 16. Fortsetzung. Roman von Anny von Pauhuys.(Nachbruck verboten. Copyright 1929 by Karl Köhler u. Co, Berlin=Zehlendorf. Frau Niemann lächelte ihr zu.„Ich will deiner Mutter viel Schmeichelhaftes über dich sagen, da gehst du besser hinaus, sonst wirst du zu eitel!“ Eva lächelte und ging sofort. Ernst Schreiber saß in der Wirtsstube, Eva suchte ihn auf. Sein altes Gesicht erhellte sich. „Willst mir ein bißchen Gesellschaft leisten, Kleines? Sage, was will die Madam, daß sie plötzlich unser Haus findet?“ Eva zuckte die Schultern. „Ganz genau weiß ich es auch nicht, Vater.“ Der Alte, der nun zweiundneunzig Jahre zählte, brummte:„Hätte nun auch wegbleiben können! Habe immer den Gedanken gehabt, wie Mutter auch, wir sind ihr nicht gut genug, der Madam. Sie duldete nur die Kinderfreundschaft, weil sie ihrem verwöhnten Mädchen den Umgang mit dir nicht verbieten mochte.“ Sie saßen dann still nebeneinander, der ganz alte Mann und das ganz junge Mädchen, sprachen nichts, sondern sannen vor sich hin. Der Kachelosen spendete angenehme Wärme, die alte Standuhr tickte hart und schwerfällig. Der ganz alte Mann und das ganz junge Mädchen aber dachten darüber nach, was die beiden Frauen drüben im Wohnzimmer wohl besprechen mochten. Lucie Niemann und Charlotte Schreiber redeten sich in heiße Begeisterung hinein. „Evas Spiel gestern abend hat Aufsehen gemacht! Passen Sie auf. Frau Schreiber, in nächster Zeit wird sie sich vor Einladungen gar nicht zu retten wissen. Meine Gäste redeten gestern abend von nichts anderem mehr als von Eva. Sogar die Neuigkeit von Margots Verlobung unterbrach nur flüchtig das Entzücken über die junge Künstlerin. Charlotte Schreiber nickte. „Ich freue mich, daß Evas Spiel so sehr gefiel, und nun wünsche ich Margot viel Glück zur Verlobung, richten Sie es ihr bitte aus, falls ich sie nicht mehr sehe. Eva erzählte mir die Neuigkeit, aber wir unterhielten uns nicht daciser, mein Mädchen war gestern Wend durch ihr gewissermaßen erstes Auftreten ein bißchen durcheinander.“ „Sehr begreiflich,“ äußerte sich die Besucherin.„uno nun, liebe Frau Schreiber, bitte ich Sie, mich auch recht bald einmal zu besuchen. Unsere Kinder sind Freundinnen, da müssen auch wir ab und zu eine Tasse Kaffee zusammen trinken.“ Charlotte Schreiber gab nicht gleich Antwort. Nach einem Weilchen sagte sie:„Ich werde Ihnen, ehe Sie gehen, meinen Mann vorstellen. Aber ich bereite Sie vor, nicht zu erschrecken, wenn Sie ihn sehen, denn er ist ein halbes Jahrhundert älter als ich. Eigentlich liegt mir am Urteil meiner Mitmenschen wenig oder gar Auf was Gutes warte gern, Ist dein guter Tag auch fern; Ein zu schnell gekommenes Glück Flieht oft schneller noch zurück. nichts, aber vielleicht soll ich bei Ihnen doch lieber eine Ausnahme machen. Und deshalb will ich Ihnen kurz erzählen, daß ich einst, als junge Witwe mit meinem Kind auf dem Arm, den Tod im Kanal suchte und von Ernst Schreiber gerettet wurde.“ Lucie Niemann überlief es eisig. „Sie— wollten? Aber mein Himmel, so ctwas tut man doch nicht!“ preßte sie aufrichtig entsetzt hervor. Die blonde Frau lächelte überlegen. „Ich glaube, Menschen wie Sie können kein Verstehen dafür haben.“ Um ihre Lippen zuckte es.„Ich will Ihnen erzählen, weshalb ich meinen zweiten Mann heiratete. Nicht weil er mir und meinem Kinde das Leben rettete, sondern weil er mir die Ehe anbot, um mich vor eklem Klatsch zu behüten und Eva eine sichere Zukunft zu geben.“ Sie faltete leicht die Hände im Schoße und beschwor noch einmal den Tag herauf, an dem ihr Ernst Schreiber angeboten hatte, seine Frau zu werden, damit sie Ruhe fände und sie schloß:„Der alte Mann hat mir und Eva alle Not und Sorge ferngehalten, und ich sehe in ihm meinen besten Freund auf Erden.“ Sie sah die andere nachdenklich an. „Ich hätte auß Ihnen davon nicht zu sprechen brauchen, aber ich möchte, daß Sie das eigenartige Verhältnis zwischen dem gütigsten Menschen und mir richtig auffassen und alles richtig sehen, nicht verzerrt.“ Da ergriff Lucie Niemann die Rechte der blonden Frau. „Tausend Tank für Ihre Aufrichtigkeit! Ich bitte Sie jetzt sehr darum, mich Herrn Schreiber vorzustellen.“ Lucie Niemann schämte sich. Auch sie hatte eklem Klatsch ihr Ohr geliehen, hatte Schmutz und Widerliches dort gesehen, wo es nur Reinheit und Klarheit gab. Frau Charlotte holte ihren Mann. Trotz seiner zweiundneunzig Jahre war seine Gestalt nur wenig gebeugt. Er grüßte kurz und hatte Mißtrauen in den Augen. Eva rief die Mutter ab, da das Mädchen in der Küche sie etwas fragen wollte. Da waren der Alte und Lucie Niemann ein paar Minuten lang allein. Das Mißtrauen in seinen Augen brannte heller. „Weshalb tauchen Sie so urplötzlich im „Nixenweibchen“ auf, gnädige Frau? Ich finde, Sie kommen beleidigend spät.“ Die Dame saß etwas verlegen da. Auf einen so unumwundenen Vorwurf war sie nicht gefaßt gewesen. Aber sie hatte den Mut der Naturen, die wohl irren, ja mitlästern können, aber wenn sie ihr Unrecht einsehen, es auch bekennen. „Ich bereue es sehr, Herr Schreiber, Ihre Gattin erst heute kennen gelernt zu haben. Man warf mir viel Klatsch in den Weg hierher. Ich bedaure meine Feigheit.“ Er zog die Lippen wunderlich in die Höhe, und das Mißtrauensflämmchen erlosch in seinen Augen. „Lassen Sie es gut sein, gnädige Frau, ich freue mich, daß Sie überhaupt noch kamen. Im übrigen: Wir sind allesamt Sünder! So pflegte mein Vater zu sagen, wenn man ihm zuviel von den Schwächen des lieben Nächsten erzählte. Und mein Vater war Pfarrer.“— Einige Tage danach machte die blonde Frau ihren Gegenbesuch in dem Haus am Waldesrande, und Lucie Niemann war entzückt von dem Wesen dieser Frau, von der sie sich ein so völlig anderes Bild gemacht hatte. Von nun an sah man sich öfter, und wo Lucie Niemann nur Gelegenheit fand, lobte sie Evas Mutter, machte andere Damen neugierig auf sie, denn sie wollte, daß Charlotte in alle den Häusern Gleichberechtigter Eingang fand, in denen sie selbst verkehrte. Aber da schob ihr die blonde Frau ein Hindernis vor. Sie sagte sehr ruhig und freudlich:„Ich weiß, gnädige Frau, Sie wollen, daß ich von nun an zur sogenannten Gesellschaft unserer Stadt zähle und eingeladen werde, wohin man Sie einlädt. Ich erkenne das als eine Art Freundschaftsdienst von Ihnen an, aber ich bitte Sie herzlich, sich keine Mühe zu geben. Ich selbst verspüre nicht das geringste Verlangen danach, gesellschaftlich etwas mitzumachen, dazu habe ich zu lange, ich darf wohl sagen, immer, allem ferngestanden, was man Gesellschaftsleben nennt. Und dann, bedenken Sie, ich bin immer noch die Wirtin der Kanalkneipe„Zum Nixenweibchen“, ich darf es weder der Frau Bürgermeister, noch der Frau Landgerichtsrat, weder der Frau Professor, noch der Frau Direktor und wie die Damen alle betitelt sein mögen, zumuten, mich als gleichberechtigt zu empfangen. Gelingt es Ihnen aber, auf Grund Ihrer vorzüglichen Beziehungen zur hiesige Gesellschaft, es durchzudrücken, daß man mich hier oder dort einlädt, dann wird man mich sicher fühlen lassen, daß es sich nur um einen Gnadenakt handelt.“ Aber ich bitte Sie, liebe Frau Schreiber, dazu haben die Damen doch zuviel Taktgefühl!“ versuchte Lucie Niemann, den letzten Grund zu entkräftigen. Zugegeben", antwortete die blonde Frau, „aber wenn man es mich nichtMerken läßt, wird man mich innerlich doch nicht für voll nehmen. Und schon der Gedanke bringt mich in Harnisch, denn ich habe meinen Stolz.“ Sie lächelte. „Lassen Sie es dabei bewenden, daß Sie mich manchmal einladen, wenn Sie möglichst wenig, am besten, wenn Sie gar keine Gäste haben. Dann wollen wir von unseren Mädeln reden, denn unsere Kinder sind doch unser Bestes, was wir haben, und alles andere ist matt und nebensächlich dagegen.“ Lucie Niemann fügte sich den Wünschen Charlotte Schreibers, und sie wanderte oft den Kanal hinunter und machte Besuch im„Nixenweibchen.“ Besonders gern unterhielt sie sich mit dem alten Mann. Und zuweilen spielte dann Eva, und Margot saß auch dabei und lauschte andächtig mit den anderen. Im allgemeinen hatte sie mit ihrer Ausstattung zu tun, denn im Frühling sollte schon die Hochzeit sein. Der Verdacht, daß es zwischen ihrem Verlobten und Eva einmal so etwas wie Liebe gegeben haben könnte, dieser Verdacht hatte sich nie mehr in ihr geregt. Sie fand ihn längst albern und lächerlich. Als Werner Goetz gelegentlich bei Lucie Niemann Evas Mutter kennen lernte, war er sehr erstaunt. Auch er hatte sich diese Frau, die Krögers Jochen ein„Flittchen“ genannt hatte, ganz anders vorgestellt. Eine verschminkte Alte mit verlebten Zügen und verfärbtem Haar, so hatte er sich ihr Aeußeres gedacht. Und nun lernte er eine Dame kennen, die ihn stark an Eva erinnerte, die noch schlank und zierlich war und sich mit vornehmer, damenhafter Einfachheit kleidete. Diese Frau war im ganzen Leben kein „Flittchen“ in dem Sinne gewesen, wie der alte Kutscher es durch seine verächtliche Betonung des Wortes gemeint hatte. Als Eva die Mutter fragte, wie ihr Margots Verlobter gefiele, hatte die Aeltere lange mit der Antwort gezögert. Endlich faßte sie ihr Urteil dahin zusammen, daß sie Werner Goetz für einen selbstsüchtigen Menschen hielte, der Margot nicht so liebe, wie sie ihn. Eva verwunderte sich über die Menschenkenntnis ihrer Mutter, denn das Urteil über ihn stimmte. Niemand wußte das so genau als sie. 19. Eva befan“ sich nun auf Reisen. Sie spielte fast allabendlich mit Professor Mertens in einer anderen Stadt, und sie schrieb kurze, aber glückliche Briese nach Hause oder sandte Kritiken heim. Frau Professor Mertens war mütterlich gut, und der Cellovirtuose übte oft mit ihr. Sie fühlte sich schon so wohltuend sicher, wenn sie des Abends vor das Publikum hintrat. Ernst Schreiber machte eines Tages seiner Frau den Vorschlag, daß man die Wirtschaft verkaufen sollte. „Wir haben es ja eigentlich gar nicht mehr nötig, noch zu verdienen, Lottchen“, meinte er. „Und für die Zukunft Evas ist's vielleicht besser, wenn das„Nixenweibchen“ so bald wie möglich der Vergangenheit angehört. Ich trage mich schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken, und da ich weiß, daß der Berger, der die kleine Kneipe an der Chaussee nach Liepe hat, ganz wild danach ist, das„Nixenweibchen zu kaufen, schlage ich vor, wir treten mit ihm in Unterhandlung. In der Schicklerstraße ist ein reizendes Häuschen zu haben, am Garten fließt die Schwärze vorbei, und wir würden den Kanal nicht so vermissen. Wie denkst du darüber, Lottchen?" Er blinzelte.„Wir waren lange genug hier, und wenn du auch als Wirtin immer deine Pflicht getan hast, so weiß ich doch, daß du ausatmen und noch einmal ganz lebensfroh werden wirst, wenn du nichts mehr mit dem Schnapsausschank und dem Füllen der Bierseidel zu tun hast, wenn du mit keiner Kellnerin mehr abzurechnen brauchst.“ Frau Charlotte sah ein bißchen nachdenklich aus. „Im allgemeinen hast du recht, aber ich glaube, es wird mir doch schwer werden, aus diesem Hause zu gehen, das meine Zuflucht geworden ist.“ Und dann besprachen sich die beiden hin und her, und eines Tages ging das Haus am Kanal mit der Wirtschaft„Zum Nirenweibchen“ in andere Hände über. Das kleine Haus in der Schicklerstraße, an dessen Gartenseite die Schwärze vorüberfloß, war dafür von Ernst Schreiber angelauft worden. Eva erfuhr die Neuigkeit durch einen Brief der Mutter, und sie freute sich sehr darüber. Ihre Mutter hatte niemals in die Wirtschaft hineingepaßt, das war ihr erster Gedanke, als sie von der Veränderung hörte. Ende März kehrte Eva von ihrer Konzertreise mit Professor Mertens zurück. Eine andere, als sie gegangen war, kam sie heim in die kleine Stadt. Wohl zuckte ihr Herz noch schmerzhaft auf, wenn sie des Mannes gedachte, der in ihr nur ein Spielzeug für seine müßigen Stunden gesehen hatte, der keine, aber auch gar keine Achtung vor ihr gehabt hatte. Aber die angestrengten Wochen, die sie hinter sich hatte, waren eine starke Ablenkung gewesen. Sie hatte sich nicht um ihr wehes Herz kümmern dürfen, sie hatte immer über der Lage stehen müssen, wie es ihr Lehrer, Professor Wenka, von jedem Künstler verlangte. Und der Beifall des Publikums, die Lobesworte des berühmten Cellisten, der sie in den Konzertsaal eingeführt hatte, waren wie starke Taue gewesen, an die sie sich angeklammert hatte. Nun kam sie heim. Ein wenig schmaler war sie geworden, aber in ihren Augen lag noch der Glanz der Künstlererfolge, die ihr geworden waren. Sie war einen Zug früher angelangt, als man sie erwartete, und sie freute sich auf diese Ueberraschung, die sie den Ellern bereiten wollte. Sie stieg in eine am Bahnhof haltende, offene Droschke, Frühlingsluft empsing sie, die herbe Frühlingsluft der Mark. Ein Auto fuhr in der Eisenbahnstraße an ihr vorüber. Zwei Augenpaare hasteten flüchtig ineinander. Werner Goetz war an Eva vorübergefahren. Er hatte eine Bewegung gemacht, seinen Hut zu lüften, aber das reizende Gesichtchen in der offenen, alten Rumpeldroschke war plötzlich wie zu Stein erstarrt und wandte sich ab. Werner Goetz saß mißmutig in den Lederkissen des eleganten Autos. Eine persönliche Begegnung mit Eva Jansen würde sich, nun sie zurückgekehrt war, kaum vermeiden lassen. Wenn er aus ihrem eigenen Munde auch wußte, daß er keine Bloßstellung von ihr zu fürchten hatte, so war ihm doch wohler gewesen, als sie verreist war. Sich selb,t traute er nicht. Denn so flüchtig er das liebliche Gesicht auch eben gesehen hatte, der Augenblick hatte doch genügt, Gedanken in ihm zu erwecken, die er längst gestorben wähnte und die auch sterben mußten, sonst brachte er seinen ganzen, sauber zusammengestellten Zukunftsplan in Unordnung. (Forts. folgt.) Griechisch. „Doktor, sagen Sie mir. was mir fehlt. Aber nicht auf griechisch=lateinisch, sondern in einfacher, verständlicher Sprache.“ „Ihnen fehlt gar nichts— Sie sind ein Fresfer, Säufer und Faultier.“ „Danke schön. Aber nun auf griechisch— daß ich's meiner Frau sagen kann.“ Letzte Wintertage im Gebirge. Kirchlein in Vent(Aetztaler Alven). Schnee. Skizze von Harry Wien. Zum vierten Male ging die Studentin Meta Pohl aus ihrem Zimmer hinüber in das der Regine Forster und sah nach, ob sie von ihrem Spaziergang zurückgekehrt war. Wieder vergeblich. Da beschloß sie, nicht mehr in ihr eigenes Zimmer zurückzukehren, sondern hier zu warten. Sie trat ans Fenster und sah hinaus. Draußen war alles verschneit. Eine merkwürdige, perlblasse Helle stand zwischen Himmel und Erde und schuf eine Atmosphäre des Unwirklichen. Alles sah aus wie herausgehoben aus einem Traum oder wie ein Bühnenbild, die Szene für irgend ein Erlebnis, das nun hier vor erstaunten und gutgläubigen Augen vox sich gehen sollte. Als die Studentin so am Fenster stand und in die weiße Welt hinausstarrte, um die sich schon die Ahnung des kommenden Dunkels zu breiten begann, fühlte sie in ihrem Herzen eine Angst aufsteigen. Und auf einmal wußte lie: diese Angst kam gar nicht erst jetzt. Sie hatte sie schon den ganzen Nachmittag empfunden. Ja, sie hämmerte schon in ihren feinsten Nerven, als der Student sagte:„Wollen wir einen weiten Spaziergang machen durch den Schnee, Regine? Ich liebe den Winter, ich liebe den Schnee über alles.“ Da brauste das Blut in Metas Ohren so eigentümlich. Da spürte sie eine Schwäche in ihren Knien, so daß sie sich am liebsten an die Wand gelehnt hätte. Aber dann überkam sie der Aerger über sich selbst. Vor kaum einer Viertelstunde hatte sie Regine und Ullrich erklärt, daß sie heute unbedingt arbeiten, einen Artikel für eine Zeitung schreiben müsse. So wußte Ullrich sie beschäftigt und forderte sie gar nicht erst auf. Als Regine fragte:„Will denn Meta nicht mitkommen?", da mußte sie, um sich vor Ullrich nicht lächerlich zu machen, weiter behaupten, daß dieser Artikel ihr so viel wichtiger wäre als ein Spaziergang durch den Winterwald. Die beiden waren gegangen. Sie hatte ihnen nachgesehen und sich gestehen müssen, daß es gut aussah, wie die jungen, hochgewachsenen, fast gleich großen Gestalten nebeneinander schritten. Ihr selbst war nichts anderes übrig geblieben, als heimzugehen und nun, da sie den beiden nicht mehr nacheilen konnte, den Artikel zu schreiben und immer hinauszuhorchen, ob sie noch nicht die Schritte der Heimkehrenden vernahm. Viele Gedanken zogen der Studentin durch den Kopf, als sie am Fenster stand und zusah, wie sich der Schnee in großen Flocken von dem bleichen Himmel löste und in weißen, erstarrten Tropfen herabfiel. Regine und Ullrich! Nun gingen sie dahin, allein, frei, in der Einsamkeit und dem ungeheuren Schweigen, das aus großen Flächen, Schnees betäubend emporzusteigen scheint. Nun waren sie sich wieder ganz nahe, so wie sie es gewesen, bevor Meta Pohl zwischen ihre Seelen und ihre Gedanken trat. O sie, die beiden Ahnungslosen, hatten nichts davon gemerkt, wie sich Meta mit Absicht zwischen sie drängte und sie im Laufe der Zeit heimlich und leise auseinandersprengte, wie es wohl wachsendem Gras schließlich gelingen kann, so schwach es auch scheint, zwei Quadersteine, die eng aneinandergelehnt sind, mit sanfter, doch zäher Gewalt voneinander zu drängen. Meta hatte Ullrich vom ersten Augenblick an geliebt. Und auch sofort den Entschluß gefaßt, diese beiden von denen sie fühlte, daß sie zusammen gehörten, von einander zu entfernen. Es war ihr so gut gelungen. Ueber Erwarten gut! Sie hatte beiden die Suggestion zu vermitteln gewußt, daß ihre Herzen Meta zugetan waren. Sie lenkte beide nach ihrem Willen wie Kinder, und diese beiden großen Menschen mit dem arglosen Gemüt hatten sich ihr gefügt. Meta hatte nicht mehr daran gezweifelt, daß es noch in diesem Jahre zwischen Ullrich und ihr zu einer Verlobung kommen würde. Allerdings rechnete sie damit, daß dann vielleicht Regine jäh erwachen und sehend werden würde. Ullrich nicht! Den wollte Meta schon umgarnen. Er sollte blind bleiben und nicht merken, daß er die falsche Braut erwählt. Aber Meta war sich auch bewußt, daß ein stolzer Mensch wie Regine geschwiegen hätte und daß kein Wort von deim Verrat, den die falsche Freundin an ihrer Liebe begangen, über ihre Lippen gekommen wäre. Regine würde, wenn Meta sie richtig einschätzte, fliehen und aus ihrem und Ullrichs Gesichtskreis auf Lebenszeit verschwinden. Was kümmerten sie Reginens Leiden, Reginens todwundes Herz. Ihrem Egoismus würde es genügen, das ersehnte Ziel erreicht zu haben. Meta preßte die Stirn gegen die Fensterscheibe und krampfte die Hände ineinander. Sie ahnte deutlich, heute griff das Schicksal zerstörend in ihr kunstvolles Gespinst, heute kam der Tag der Vergeltung. Es war Metas größte Torheit gewesen, diese beiden, bei denen sie ein Alleinsein immer verhütet hatte, gemeinsam hinaus in den Schnee zu schicken. Sie fühlte, dort draußen, zwischen den beschneiten Feldern und dem vereisten Fluß, in der eisig reinen Luft, würde es in den beiden klar werden. Und sicherlich hielten sie sich diesmal so fest an den Händen und ketteten die Herzen so unauflöslich aneinder, daß es keinem Wesen auf Gottes Erdboden gelingen würde, sie zu trennen. Meta stand und wartere.... Der Himmel überzog sich wie mit dunklem Rauch. Der Schnee fiel dichter. Vor dem Hause wurde die Laterne entzündet. Und endlich kamen zwei. Unter der Laterne blieben sie stehen. Der Mann nahm zärtlich und behutsam den Kopf des Mädchens zwischen seine beiden Hände und küßte die Augen. Meta schlich über den Korridor hinüber in ihr Zimmer. Sie schloß es ab und legte sich nieder, ohne Licht zu machen. Morgen, in der Frühe, werde ich den Koffer packen und heimreisen, dachte sie. Fort! Nur fort und Ullrich nicht mehr begegnen und nicht Regine. Als sie endlich vor Erschöpfung einschlief, sah sie im Traume noch immer Schnee endlos niederfallen. Die weichen, großen, erstarrten Flocken deckten alles zu: Wald und Wiese und Fluß. Die Stadt, das Haus, in dem sie wohnte— und auch sie. 4 Eine kleine Erholung. Von Rudolf Presber. Es gibt Zeiten, in denen einem alle Menschen zu viel sind. Und mit sich selber kommt man auch nicht zum besten aus. In einer solchen Zeit telegraphierte ich an das Hotel„Römischer Kaiser" in Dinglingen— ich hatte mal einen Prospekt davon in der Eisenbahn gefunden— ob ich für vier Wochen ein freundliches Zimmer mit voller Pension haben könne. Das konnte ich haben; denn es schien, daß nicht allzu viel Leute den Prospekt vom „Römischen Kaiser" in Dinglingen in der Eisenbahn fanden. Oder sie lasen ihn nicht. Oder sie mißtrauten ihm. Ich aber fuhr nach Dinglingen; denn ich kannte dort niemanden. Ich wollte allein sein, von niemanden gekannt, gefragt, beobachtet, bemuttert. Als ich im„Römischen Kaiser" in Dinglingen ankam, rieb sich der Wirt die Hände— alle Wirte in kleinen Städten reiben sich beim Empfang der Gäste die Hände— und der Piccolo, der unternehmend neben ihm stand, schwenkte eine blütenweiße Serviette. Am nächsten Morgen— es war ein wunderschöner Spätsommermorgen, und die ganze Welt schien in flüssig Silber getaucht— stand ich früh auf. Der„Römische Kaiser“ schlief noch. Ich stieg, da das Haus fest verschlossen, durch ein Fenster ins Freie und beschloß, auf meinem Morgengang über den Marktplatz nach dem Fluß zu wandern. Auf der Straße war es still. Nur ein Milchmädchen beschattete, als es mich kommen sah, die Augen mit der Hand, dann verklärte sich sein Gesicht, und sie unternahm mitten auf dem Bürgersteig etwas, was sich wie ein verunglückter Knicks ansah. Ich zog dankend den Hut. Das ist ein guter Anfang dacht' ich. Ich bin gern in einer Stadt, wo höfliche Leute wohnen. Steh da, auch der Bäckerjunge hörte auf zu pseifen— das war gut, denn er pfiff sehr falsch - und grüßte mich. Das freute mich wirklich. Es war ein gutes Zeichen. Gerade Burschen in diesem Alter neigen sonst zur Unmanier. Hübsche keilne Häuschen mit grünen Läden. So was hab' ich gern. Gerade stieß eine ältliche Dame so einen grünen Laden auf, daß er mir beinahe an die Nase flog. Die Dame hatte die Locken noch gewickelt, und trug eine geblümte Nachtjacke. Sehr sauber, aber nicht eigentlich anmutig war sie anzusehen. Aber sie nickte mir sehr freundlich zu:„Ei, guten Morgen“— dann aber schien sie sich auf die gewickelten Locken und die geblümte Nachtjacke zu besinnen, und mit einem„Hu“ des verschämten Erschreckens verschwand sie. Ein paar Jungen gingen zur Schule. Ob sie mich auch—? Nein. Aber sie stießen sich an und sahen mir nach. Hatte ich etwas an mir, das—oder fiel ihnen der Fremde auf? Im Bäckerladen wurden frische Semmel ausgelegt. Sie rochen so fein. Ich trat ein. „Große Ehre“, sagte das Fräulein— oder es war nicht gerade ein Fräulein, sie ging in Holzpantoffeln und hatte rote dicke Hände— „Große Ehre“. Sie packte mir die Semmeln in weißes Papier und dann in Zeitungspapier, und dazu strahlte sie mich an. „Schönes Wetter“, äußerte ich mit einem Drang der Leutseligkeit.„Gleich dreiviertel acht", sagte sie. Vielleicht verstand sie meinen Dialekt nicht. Oder sie hörte schwer. Aber sie war außerordentlich steundlich, und ich konnte sie nur mit Mühe abhalten, die Semmeln auch noch einmal in Packpapier einzuwickeln. Am Fluß angelte ein einsamer Mann. Er schien sich selbst nicht viel vom Fang zu versprechen; denn er hatte die Augen geschlossen und ließ die Angelschnur im Wasser schleifen. Als meine Schritte näher kamen, wachte er auf, lüftete die Schirmmütze und wünschte mir einen „Guten Morgen“. Die Aussicht am Fluß erwies sich als bescheidener, als ich mir gedacht. Das Wasser selbst war trübe und roch nicht schön. Von der im Prospekt des„Römischen Kaisers“ gerühmten herrlichen Umgebung konnte man wenig ahnen. Aber so liebe, freundliche Bewohner, dacht' ich, die ersetzen viel; obschon— das viele Grüßen— schon wieder hatten mich zwei Herren gegrüßt, die gerade aus dem Bäckerladen traten, und der Stadtsergeant, oder Magistratsbote oder was er in seiner altväterlichen Unisorm vorstellte, stand gar stramm und nahm die Hand nicht von der Mütze, bis ich um die Straßenecke beim„Römischen Kaiser“ gebogen war. An der rot und weiß gewürfelten Kaffeedecke im Gastzimmer wartete sich's sehr behaglich auf das Frühstück. Es dauerte zwar etwas lange, aber die Fliegen waren zahlreich und unterhaltsam. Auch kam der Wirt und setzte sich zu mir. Er begann, aufgeräumt und behaglich, ein Gespräch und nahm sich um meine Antworten besser hören zu können, die Watte aus den Ohren.— Ich rühmte die Freundlichkeit der Bürger. Er meinte, das lasse sich ertragen. Ich erklärte ihm, daß ich zwar von Berlin nicht verwöhnt sei, daß ich aber glaube, auch ein Verwöhnter könne zufrieden sein, wenn er, wie ich, auf seinem Morgengang von Milchmädchen und Bäcker, von Angler und Barbier und sogar vom Stadtsergeanten so einen freundlichen Guten Morgen geboten bekomme. „Sie? Das will ich glauben.“ Der Wirt schlug sich auf die Schenkel, daß die Seuftöpfe auf allen Tischen wackelten„Sie!“