lung der Militär1884 werden alle siesigen Stadtgebiet Militärpflichtigen, 8 Jahres 1864 gebereits überschritten, ch nicht vor einer Erungsbehörde gestellt, estellt, über ihr Miltnis aber noch keine mung erhalten haben, irdert, sich bei Versetzlichen Strafen in Januar bis 1. Feres in dem hiesigen r Nr. 8, unter Vordurts= resp. Losungsn. Für die abweflichtigen müssen die der, Lehr= oder Broteldung bewirken. 3. Januar 1884. er Magistrat. enbericht. 8. Januar 1884. abl der Papiere brachte eine wettere Steigerung, en die leitenden Werte Erhöhung. Nur für nbahnen zeigte sich die schwankend und zum kan wollte wissen, daß n wegen Verstaatlichung burger Bahn den ErBörse nicht entsprechen Kreditaktien 534—5½ 549½—52 1/.— Lom9½—8, Mecklenburger „ Mainzer 108—7¼ 21¼—19—½, Marien= 98½. Elbetholbahn Gotthardbahn 85¼.— ogesellschaft 196¾/—5, 147——7¼, Laura—13 ¼, Dortmunder 82½, Ungarn 75½— om 8. Jannar 1884 lin. Januar. Das Geschäft oduktenbörse nahm nur imensionen an und war 1 Allgemeinen gedrückt. ärtigen Plätzen lagen zuNotierungen vor. Innamentlich Weizen in den dährend sich Roggen beskonnte. Hafer war bei eschäft kaum im Preise öl unterlag einem Preiswar reichlich zugeführt, ng konnte trotzdem etwas une waren im mäßigem an. Weizen, 1. Qual Qugl. 17,20; Landroggen, ) 2. Qual. 13,40; Gerste. Hafer 14,00; Raps, 1. Qual. 31,50; Kartoffeln ro 100 Kil. Strob 32.00 Heu.60 pro 50 Kil. tieen von 100 Ztr. 70.00, faßweise 71,00 M. Ge.00 M. höher als Rübsl. 12.00 M. per 1000 kg. uß 00—.— pr. 100 Kilo. pro 50 Kilo.— Preise Januar. Petroleum ruh. Febr..95. März 9,10. lug.=Dezbr..75. Vombautosr is Hoffmann, Bielefeld. E„ pe 0 Bestellgebühr: Jus 9. vierteljährlich für Bielefeld und durch die Agenten.80., abgeholt auf der 8. Jahrgang. Expedition 1,60 Mk., durch die Post 2 Mk. Bielefeld, Freitag, 11. Jannar 1884. (Erscheint sechsmal wöchentlich.) Anzeigegebühr: für die ein spaltige Peit=Zeile oder deren Raum 12 Pf., für auswärts 15 Pf., Minimum 50 Pf., Reklamen 30 Pf. pr. einsp. Z. Ne 9. 8. Jahrgang. Die neue hat, neben anderen Vorzügen, auch den, daß die Privat=Versicherungsgesellschaften dabei ganz außer Berücksichtigung gestellt werden. Einen Vorzug nennen wir diese Thatsache deshalb, weil es gegen die gute Sitte und allgemein menschliches Gefühl ist, an dem Unfall der Nebenmenschen— wie die„Germania“ sehr richtig sagt— Prozentchen verdienen zu wollen. Allerdings hat auch das Privatkapital Anspruch auf Verdienst(in Zinsen, Dividenden u. s..) und kein vernünftiger Mensch wird dem Kapital, das ja ein außerordentlich wichtiger Faktor des sozialen und wirtschaftl. Volkslebens ist, auf seinen berechtigten Wegen und in seinen anerkennenswerten Bestrebungen hinderlich und entgegen sein wollen. Die Spekulation auf das Unglück im Erwerbsleben der Arbeiter ist dagegen weder berechtigt noch anerkennenswert, sondern— es sei wiederholt — eine sittliche Verirrung, eine wirtschaftliche und soziale Ungehörigkeit. Das lehrt ein einziger Blick in die Geschichte des Haftpflichtgesetzes vom Jahre 1871. Die Prozesse zwischen den verunglückten Arbeitern und den Versicherungsgesellschaften sind ja kaum zu zählen. Und das ist sehr natürlich. Die Privatgesellschaften sind ganz gewiß nicht aus Rücksichten der Humanität oder gar des praktischen Christentums gegründet worden. Sie sind vielmehr eine Kapitalanlage, die man möglichst gewinnbringend einzurichten und zu führen bemüht ist. Ausgangspunkt und Zielpunkt dieser Gesellschaften ist und bleibt der Kapital= ertrag, der Gewinn von Dividenden. Die Hilfe für den verunglückten Arbeiter durch die dem Haftpflichtgesetz entflossenen Privat=Versicherungsanstalten kann nur in zweiter Linie und ds mittelbare### sehr fragliche Folge in Betracht kommen. Denn wo bleibt der Gewinn, wenn die Hilfe eine gründliche und wirkliche sein soll? Die Gesellschaften wollen aber natürlich sehr viel verdienen und so— wie auch das eben genannte Berliner Blatt schlußfolgert—„entziehen sie sich der Zahlung so weit als möglich, so daß es vielfach fast Regel war, daß sie nicht durch die Lage der Dinge, sondern erst durch einen Prozeß sich überzeugen ließen, daß wirklich ein Haftpflichtfall, also die Pflicht der Zahlung vorliege.“ Wäre die Privatversicherung im Bestand geblieben neben der in Aussicht genommenen berufsgenossenschaftlichen Versicherung auf Gegenseitigkeit, so könnte unmöglich auf Versicherungszwang erkannt werden. Da würden ja die Arbeiter zur Kundschaft für die Privatgesellschaften gepreßt und das Gesetz müßte als Schlepper für das Kapital angesehen werden. „Dazu kommt— wie das genannte Berliner Blatt abermals sehr richtig bemerkt— zum Ueberfluß noch, daß ja gegen die Unfallversicherungs. erwerbsgesellschaften ja nicht ein Zwang ausgesprochen werden kann, alle Versicherungen anzunehmen. Sie würden also die günstigeren Versicherungen abschließen, die riskanteren dagegen ablehnen, und für letztere würde dann, sollte die Unfallversicherung für gewisse Erwerbszweige wirklich allgemein werden— und das muß doch der Fall sein— doch die Unfallversicherung auf Gegenseitigkeit oder gar die Staatsversicherung eintreten müssen.“ Diese Möglichkeit, welche nichts anderes wäre als eine wirtschaftliche Zwickmühle zu gunsten des Kapitals, ist denn auch richtig schon bei der letzten Versicherungsvorlage auf der linken Seite ausspintisiert worden und wird man dort, da alte Liebe nicht rostet, sich durch die Beziehungen zum Kapital auch angetrieben fühlen, wiederholt auf diesen Gedanken zurückzukommen. Wir hoffen: Umsonst! Das Zustandekommen eines guten Unfallversicherungsgesetzes scheint uns diesmal gesdert in ein.— Lagesbericht. Deutsches P. Berlin, 9. Januar.(Die Abneigung einzelner europäischer Länder), darunter auch des Deutschen Reiches, der amerikanischen Trichine auf Unkosten des leiblichen Wohlergehens der eigenen Staatsangehörigen Asyl zu gewähren, ist von den trausatlantischen Schweinshandel=Interessenten sehr übel vermerkt worden. Auf ihre Anregung wird denn auch wohl die telegraphisch signalisierte Einbringung einer Bill im nordamerikanischen Repräsentantenhause zurückzuführen sein, mittels welcher ein Repressalienkrieg der Union gegen die europäischen Widersacher des Imports von gesundheitsschädlichen amerikanischen Schweinefleischwaren angebahnt werden soll. Bekanntlich behaupten die awerikanischen Schweinezüchter und Schweinehändler, und die von ihnen beeinflußte Presse schwört Stein und Bein auf diese Behauptung, daß die von ihnen zum Essen hergestellten Präparate völlig tadellos in gesundheitlicher Hinsicht seien, daß die dawider geltend gemachten Bedenken gegen besseres Wissen erhoben würden, und sich mithin der Ausschluß des amerikanischen Schweinefleisches aus den betreffenden europäischen Staaten, namentlich auch aus Deutschland, als eine dem amerikanischen Geschäft zugefügte Chikane charakterisiere. Die gänzliche Hinfälligkeit dieser Behauptung ist wiederholt an der amerikanischen Presse selbst entlehnten, besonders drastischen Beispielen nachgewiesen. Umso gespannter wird man sein dürfen, wie die Urheber der eingangs erwähnten Bill es anstellen werden, ihrem nackten Krämereigennutz ein passables Mäntelchen umzuhängen. Denn daß die transatlantische Spekulation in gesundheitsschädlichem Schweinefleisch ihre Frivolität so weit treiben werde, mit dürren Worten für die nordamerikanische Trichine bei Vermeidung von Zwangsmaßregeln eine Art völkerrechtlichen Freibrief in Anspruch zu nehmen, wollen wir trotz der sprichwörtlichen Rücksichtslosigkeit des Staub=Systems der Herren Yankees einstweilen doch nicht glauben. Berlin, 9. Januar.(Vom Hofe.) Se. Majestät der Kaiser nahm heute Morgen Vorträge und dann militärische Meldungen entgegen und arbeitete mit dem Chef des Zivilkabinetts. Nach der Spazierfahrt machte der Kaiser der Fürstin Schwarzburg=Sondershausen einen Besuch und empfingen später die Majestäten den Besuch der Fürstin und ihres Gemahls im Kgl. Palais. Vor dem Diner hatte der Kaiser noch eine Konferenz mit dem Vizepräsidenten des Staatsministeriums und Minister des Innern v. Puttkamer.— Am Freitag findet bei dem Prinzen und der Prinzessin Wilhelm im Stadtschlosse zu Potsdam ein größeres Ballfest statt, zu dem zahlreiche Einladungen ergangen sind.— Durch verschiedene Blätter äluft die Nachricht von der bevorstehenden Ehescheidung eines Prinzen des Königlichen Hauses von seiner mahlin; man bringt die schon mehrmonatliche Abwesenheit der Prinzessin Friedrich Karl hiermit in Verbindung. (Koadjutor Ledochowskys.) In parlamentarischen Kreisen wird es als richtig bezeichnet, daß die Mitteilung des„Kuryer Poznanski“, wonach die von der Kurie als Koadjutor für Posen vorgeschlagene, von der preußischen Regierung als persona ingrata bezeichnete Persönlichkeit der Prinz Edmund Radziwill wäre, (Kirchenpolitisches.) Ein Berichterstatter der„Post“ hatte am 3. Januar eine Audtenz bei dem Papste, welche er in dem genannten Blatte ausführlich beschreibt. Nachdem er den Eingang zu den Gemächern des Papstes geschildert, berichtet er, wie er in den Empfangssaal Leo XIII. geführt worden sei, dasselbe Kabinett, in welchem der Papst den deutschen Kronprinzen empfangen. Es ist ein einfensteriges Zimmer, ganz in Rot ausgestattet, an dessen einer Seite sich ein Thronsessel mit überragendem Baldachin befindet, während an der gegenüberliegenden Wand ein altarähnlicher Tisch aufgestellt ist, vor welchem Papst Les in weißer Soutane stand, auf der Brust an goldener Kette ein einfaches goldenes Kreuz und an der rechten Hand einen prächtigen Ring. Als der Berichterstatter eingetreten und von dem Hofmarschall mit dem Papste allein gelassen worden war, brachte der Papst gleich die Rede— er sprach französisch— auf den Besuch des Kronprinzen und lassen wir den Bericht der„Post“ hier auszüglich Der Paps bemerkte, daß sich an den ersten Basuch des hohen Herrn in Rom 1853 eine für ihn sehr denkwürdige Erinnerung knüpfe; er war eben Kardinal geworden, als der damalige Prinz Friedrich Wilhelm aus den Zimmern Pius kam. Abends war der Kardinal in einer Gesellschaft mit dem Prinzen beim Fürsten Doria zusammen. Der Kronprinz habe sich dessen wohl erinnert; er habe in Madrid zum dortigen Nuntius Rampolla geäußert, daß der Papst Fremder für ihn sei. Es habe ihn gefreut, den Kronprinzen wiederzusehen, namentlich unter den gegenwärtigen Verhältnissen. Der Papst sprach sich im vollsten Ausdrucke über die Persönlichkeit des hohen Herrn aus, seine gewinnende würdevolle Erscheinung, seine offene vertrauenerregende Miene, die Rechtlichkeit seines Sinnes, die Klarheit seines Geistes.„Das sind Eigenschaften, die dem künftigen Kaiser von Deutschland für seine große Aufgabe nur förderlich sein können, so sehr ich auch dem gegenwärtigen Kaiser in seinem undachtzigsten Jahre ein langes Leben noch wünsche. Ich habe dem Kronprinzen die katholische Bevölkerung Preußens ans Herz gelegt.“ Der Papst wiederholte diese Worte. Aber er sprach in dem Momente so leise, daß Berichterstatter, um ganz korrekt zu sein, zweifelhaft ist, ob er sagte, daß der Kronprinz eine Hoffnung durchblicken ließ, daß sich die gegenwärtigen Icrungen mit dem römischen Stuhle mit der Zeit wohl friedlich gestalten würden, oder ob der Papst mit dem Worte nur seinen eigenen Wunsch ausdrückte. Aber er wiederholte dieses Ansherzlegen der katholischen Bevölkerung Preußens und sprach dabei von einem künftigen guten Verhältnisse.„Man hat,“ fuhr er fort,„in Deutschland ein Vorurteil gegen den Papst. Mit großem Unrecht. Der Papst will nicht den Unfrieden. Ich empfange Katholiken und empfange Protestanten, weil sie Christen sind. Obgleich sie nicht unserer Kirche angehören, segne ich sie, in der Hoffnung, sie als Söhne unserer Kirche aufnehmen zu können.“ An der ganzen Unterredung, welche eine halbe Stunde dauerte, ist jedenfalls das Wichtigste, daß der Papst verschiedentlich auf die kirchenpolitischen Fragen zurückkam und dabei dem Wunsch Ausdruck gab, daß sich die Verhältnisse zwischen Preußen und dem päpstlichen Stuhle bessern möchten. Mit dem Wunsche der glücklichen Heimkehr entließ der Papst den Berichterstatter.— Auch anderweite Nachrichten, wie z. B. die, daß die Begnadigung des Bischofs von Münster nahe bevorstehend sei und für Ledochowsky ein Koadjutor gewählt werden solle, lassen erkennen, daß die Sturmzeiten des Kulturkampfes ihren letzten Stunden entgegengehen. (Ueber die Handwerkerverbände) schrieb unlängst das„D. Tagebl.: „Von den erfreulichen Erscheinungen in der inneren Politik, die das verflossene Jahr aufzuweisen hat, ist nicht an letzter Stelle das neue Leben zu erwähnen, welches aus den Ruinen des Handwerks aufzublühen beginnt. Es scheint wirklich, als habe sich die Regierung in ihren Hoffnungen nicht getäuscht, als sie die Einführung der obligatorischen Innung zur Zeit wegen jeglichen Mangels eine: Organisation und der überaus großen Schwierigkeit der Grenzregulierung zwischen Fabrik= und Handwerksbetrieb für unmöglich haltend, Verbesserungen der Gewerbeordnung herbeiführle, die, vom Handwerkerstande selbst ausgiebig benutzt, erst einmal wieder klare Verhältnisse und freie Organisationen schaffen sollten, an die sich weitere gesetzgeberische Maßnahmen anschließen könnten.— Es hat sich in der That gezeigt, daß die Gewerbefreiheit noch nicht ganz die Handwerker zu unfreien Lohnarbeitern herabgedrückt hat, und daß es nur einer mäßigen Bethätigung der Fürsorge der Regierung bedurfte, um eine kräftige und gesunde Bewegung unter den Handwerkern entstehen zu lassen. So haben wir einen deutschen Stellmacherbund, einen Bund der deutschen Drechsler, die Verbände der Schmiede, Schornsteinseger, Tischler, Schneider und seit September dieses Jahres auch einen deutschen Schuhmacher=Innungsbund. Mancher dieser Verbände zählt seine Mitglieder nach Tausenden, der zuletzt gegründete deutsche Schuhmacher=Innungsbund zählt in den 4 Monaten seines Bestehens allein schon über sechstausend Mitglieder und täglich werden neue Anschlüsse gemeldet. Es regt sich mächtig im lieben deutschen Vaterlande unter unseren braven Handwerkern; boffen wir, daß der Kampf dieser viel geprüften Männer gegen die Gefahren des Manchestertums nicht nur ein nachhaltiger, sondern auch ein flegreicher sein möge.“ (Verschiedenes.) Die Kaiser= WilhelmSpende hat im Jahre 1882—83 einen Ueberschuß von 60096 Mk. gehabt.— Die japanesische Regierung hat bei der deutschen die Bitte eingebracht, ihr drei Beamte für die innere Verwaltung des Landes zu überlassen. Die Beamten erhalten den Rang und Titel eines japanesischen Staatsrats und ein Gehalt, welches dem eines mittelstaatlichen Ministers entspricht. Zu den ausersehenen Herren gehört auch der im landwirtschaftlichen Ministerium beschäftigte Regierungs=Assessor Humpendink aus Dortmund, welcher auf drei Jahre zunächst nach Japan gehen wird. Göttingen, 9. Jannar.(Reichstagswahl.) Bis jetzt sind für den national=liberalen Kandidaten Rabbethge 5120, für den Welfen v. Ohlenhusen 5285 Stimmen abgegeben und fehlen in einigen Bezirken die Resultate noch, jedoch gilt die Wahl des Welfen als gesichert. Der national=liberale Kandidat hat nahezu 2000 Stimmen mehr als bei der letzten Wahl. * Frankfurt a.., 9. Januar.(Die Sozialdemokraten) gedachten den großen Eindruck, den die Rede des Abg. Prof. A. Wagner, die dieser am 2. Januar in Frankfurt a. M. über Sozialpolitik gehalten, in allen Kreisen hinterlassen hat, dadurch zu verwischen, daß der sozialdemokratische Abg. Frohme ebenfalls in Frankfurt a. M. auch über Sozialpolttik am 7. Januar eine Rede halten sollte. Frohme besitzt nämlich genug Größenwahn, um sich einzubilden, daß er einen Prof. Wagner widerlegen könnte. Dieselbe Geschichte, wie damals, als der Kukuk mit der Nachtigal um die Wette singen wollte! Den Sozialdemokraten ist aber die Abhaltung ihrer Versammlung untersagt worden. Das begreift jeder, welcher weiß, daß unter den Sozialdemokraten Frankfurts und der Umgegend viele Anhänger des wüsten Most zu finden sind. Auch hat der neuliche Brief der 3 obersten Führer der deutschen Sozialdemokraten an ihre Gesinnungsgenossen in Frankreich, worin sie ihre Zustimmung zu den Grundsätzen der Revolution bekundet haben, deutlich genug geredet. Die Polizei würde geradezu ihre Pflicht versäumen, wenn sie dem Unterwühlen des Bodens, auf dem alle Ordnung ruht, ruhig zusehen wollte. Die Sozialdemokraten haben es sich selber zuzuschreiben, wenn das Sozialistengesetz nicht aufgehoben wird. Königreich Sachsen.(Welch enorme Summen) nach dem bisherigen, im größten Teile von Deutschland übereinstimmenden Verfahren bei Zwangsverkäufen an Hypothekenkapitalien verloren worden sind, das läßt sich daraus erkennen, daß allein im Königreich Sachsen bei den in den drei Jahren vom 1. Oktober 1879 bis Ende 1882 zur Zwangsversteigerung gekommenen Grundstücken(es fanden 4463 Subhastationen statt) nach den vom sächsischen Justizministerium angestellten Erhebungen gegen 30 Mill. von 123 Millionen Mark, mit welchen die versteigerten Grundstücke belastet waren, wirklich ungedeckt geblieben sind. Dem sächsischen Landtag ist deshalb ein Gesetzentwurf vorgelegt, der den jetzigen Zustand beseitigen soll, nach welchem der Zwangsverkauf eines Grundstückes zu jedem Preis, also ohne Rücksicht stattfinden darf, ob die den Ansprüchen des Gläubigers, der ihn herbeiführt, im Range vorangehenden hypothekarischen Forderungen vom Kaufpreis gedeckt werden oder nicht; er soll ferner dem Uebelstand abhelfen, daß man, wie es bisher geschah, beim Zwaugsverkaufe auch die dem beantragenden Gläubiger vorgehenden Hypotheken auch insoweit zum Erlöschen kommen läßt, als deren Tilgung von den Gläubigern nicht begehrt wird. München, 8. Januar.(Der Abgeordnete Oberst Berg) ist gestern Abend, als er das Stenogramm seiner am Vormittag gehaltenen Rede revidierte, von einem Schlaganfall getroffen worden und gestorben. Ausland. Italien.(Gedächtnisfeier für Viktor Emanuel.) Die Leiche des Königs Viktor Emanuel, des ersten Königs des geeinigten Italiens, ist am Sonnabend nach dem Pautheon übergeführt worden und fand am Mittwoch eine Gedächtnisfeier dortselbst statt, der auch die königliche Familie beiwohnte. Von außerhalb waren mindestens 12000 Personen herbeigekommen, um den Festzug zu sehen, der sich, aus 25000 Menschen mit 1500 Fahnen und 80 Musikkapellen bestehend, nach dem Pantheon begab. Die Spitze des Zuges bildete die städttsche Vertretung, das Zentralkomitee der Wallfahrer, Senatoren, Abgeordnete und Abgesandte der italienischen Kolonieen. Um 11 Uhr erreichte der Zug das Pantheon. Die Kirche war schwarz ausgeschlagen und mit Wachskerzen und Spiritusflammen erleuchtet. Das Grabmal Viktor Emanuels umstanden Veteranen, unmittelbar vor demselben war ein Grenadier aus der Zeit Karl Alberts aufgestellt, an welchen der König einige wohlwollende Worte richtete. Der Zug bewegte 46-.480 sich langsam an dem Grabe vorbei, auf welches die hierzu erwählten Kommissionen Kränze in allen Größen legten. Unter denselben ragten-besonders ein prachtvoller Kranz des königlichen Hauses, sowie die Kränze der Stadt Rom und der Territorialarmee durch ihre Schönheit hervor. Das Grabmal verschwand ganz unter Blumenspenden. In der Kirche waren sämtliche Mitglieder der römischen Kommunal= und Provinzialräte mit geringer Ausnahme, sowie eine große Anzahl italienischer Bürgermeister anwesend. Während die Spitze des Zuges das Pantheon verließ und sich außerhalb desselben allmählich auflöste, waren die Mitte des Zuges und die letzten Teilnehmer noch im Anmarsche nach dem Pantheon begriffen. Im Zuge wurde beson ders die Gruppe derjenigen, welche an den Unabhängigkeitskämpfen teilgenommen, durch begeisterte Zurufe ausgezeichnet. Frankreich.(Hetzereien gegen Deutschland. Bei einigen Blättern ist es gewissermaßer zur Gewohnheit geworden, nach gewissen Zwischtentäumen immer wieder einmal den Hetzton gegen Deutschland anzuschlagen. Ansch##nd durch einige in der letzten Zeit erfolgte Ausweisungen von Franzosen aus Elsaß=Lothringen veranlaßt, muß in der„ France“ Elsaß=Lothringen wieder einmal herhalten, um dem genannten Blatt Stoff zur Verdächtigung Deutschlands zu geben. Die„France“ meint,„daß den Franzosen der Aufenthalt in Elsaß=Lothringen jetzt ziemlich unmöglich gemacht sei, denn die Herren Deutschen hätten als alleinige Herren des Landes ganzeigentümliche Maßregeln getroffen, die sie in sehr liebenswürdiger Weise anwendeten. In jeder Stadt, in jedem Dorfe hätten sie Bauden von bezahlten Spionen, die durch blindes Denunzieren ihren Eifer kundgeben wollten. Jedenfalls müsse man gewichtige Gründe haben, wenn man sich den Gefahren in Elsaß=Lothringen, einem fast unbewohnbar gewordenen Lande, aussetzen wolle.“ Die„France" muß ihre Leser für wenig intelligent verschleißen, wenn sie ihnen solche Dummheiten sagen darf; daß die an der Spitze der Zivilisation spozierende Nation sich aber solche Mährchen aufbinden läßt, ist ein Beweis dafür, daß bei einem großen Teile derselben der Haß gegen Deutsch= land den Verstand trübt. Wenn eine deutsche Zeitung solch ungereimtes Zeug von Frank reich schriebe, würde sie ausgelacht. (Die Reformvorschläge) Fercys wollen Abschaffung der Senatoren auf Lebenszeit, jedoch Belassung der jetzt in diesen Stellen befindlichen Senatoren, sowie die Aufnahme der Listenabstimmung für die Deputiertenkammer in die Verfassung. (Aus Tongking) kommen jetzt Nachrichten des Generals Courbet über den Verlust des Feindes bei der Besetzung von Sontay; die Schwarzflaggen sollen 400 Tote und 600 Verundete, darunter die Anführer, sowie 89 Kanonen und eine Menge Munition eingebüßt haben. Der französische Verlust an Menschenleben stellt sich somit nicht viel niedriger als der des Feindes. Ferner wird gemeldet, daß am 28. vor. Mts. ein Kampf zwischen Anamiten und einem von diesen angefallenen frauzösischen Posten von 50 Mann stattgefunden hat, wobei die Franzosen 100 Feinde kampfunfähig gemacht haben sollen. (Denkmal für Gambetta.) Der Gedanke, zu Ehren Gambettas ein Denkmal zu errichten, geht seiner Verwirklichung entgegen. Ein von den Freunden Gambettas erlassener Aufruf fordert die Bildhauer Frankreichs auf, bis zum 1. Juni d. J. Modelle für das Denkmal, welches etwa 350000 Franks kosten darf, einzusenden. Die öffentliche Ausstellung sämtlicher Entwürfe wird vom 3. bis zum 15. Juni stattfinden und die Wahl in den ersten acht Tagen getroffen werden, so nämlich, daß die Jury drei Modelle auszeichnen, unter denen dann später, wenn sie in verdoppeltem Format ausgefühet sind, eine engere Wahl entscheiden soll. Die beiden Künstler, deren Werk nicht bevorzugt wird, erhalten Prämien von je sechs; bis viertausend Franken; eine Prämie von zehntausend Franken ist überdies für den Bildhauer ausgesetzt, der die meisten Stimmen des Preisgerichts vereinigt hätte, aber schließlich doch nicht mit der Ausführung betraut würde. P. Spanien.(Krisis.) Noch ist die Entscheidung der in Spanien schwebenden politischen Krise nicht gefallen, es scheint aber nicht, als könne dieselbe länger hinausgeschoben werden. In der letzten Sitzung der Kortes erklärte der Minister der auswäctigen Angelegenheiten, wenn die Spaltung unter den liberalen Parteien fortdauere, so sei es möglich, daß die Gewalt in die Hände der großen und mächtigen conservativen Partei übergehe, welche als eine geeinigte in Spanien bestehe. Die prinzipielle Bedeutung dieser Erklärung springt in die Augen. Ihre Spitze richtet sich in erster Linie gegen die sagastistische Kortesmehrheit, deren bisherige Haltung dem Ministerium Posada de Herrera seine parlamentarische Existenz im höchsten Grade erschwert, wo nicht direkt in Frage stellt. Denn als Herr Posada die ministerielle Erbschaft Sagastas antrat, geschah dies in der Voraussetzung, daß die Anhänger des zurückgetretenen Kabinetts dem Experiment auf die Regierungsfähigkeit der dynastischen Linken keine Schwierigkeiten in den Weg legen würden. Die inzwischen gemachten Erfahrungen haben gezeigt, daß das Kabinett der Linken sich dies betreffs in schwerem Irrtum befand. Das gestrige Auftreten der Regierung in den Kortes zeigt ferner, daß die unter der Hand vorgenommenen Schritte zwischen der Regierung und den Kortes, die unbedingt notwendige Uebereinkunft zu schaffen, ebenfalls gescheitert sind, so daß der direkte Appell an den politischen Instinkt der liberalen Parteien wohl als der letzte Versuch des Kabinetts Posada betrachtet werden darf, den Hereinbruch der Krise aufzuhalten. Die Drohung mit dem eventuellen Regierungsantritt der„großen und mächtigen conservativen Partei“ ist darauf berechnet, den Anhängern Sagastas Schrecken einzuflößen. Das Vertrauen zu der Wirkung des angewandten Mittels muß aber wohl kein allzugroßes sein, andernfalls man nicht einsieht, weshalb die am Ruder befiadlichen Politiker sich desselben erst jetzt, wo ihnen das Wasser schon bis an den Hals reicht, bedienen. Die Klärung der Lage indessen wird dadurch auf jeden Fall beschleunigt und einem Zustande der Ungewißheit ein Ende gemacht, der jenseits der Pyrenden nachgerade als allgemeiner Notstand empfunden wurde. Spanien.(Deutsches Exerzierreglement.) Schon während der Anwesenheit des deutschen Kronprinzen in Spanien wurde vielfach darüber gesprochen, daß König Alfons die Absicht habe, das deutsche Exerzierreglement in der spanischen Armee einzuführen und hatten auch mehrere höhere spanische Offiziere mit dem Geueral Grafen Blumenthal über diesen Punkt Unterredungen, in welchen sie denselben fragten, ob er die Kommandierung älterer Offiziere aller Waffengattungen nach Deutschland behufs Bekanntwerden mit dem deutschen Reglement für vorteilhaft halte. General von Blumenthal soll jedoch die Kommandierung älterer Offiziere für nicht praktisch erklärt, vielmehr befürwortet haben, daß jüngere befähigte Offiziere nach Deutschland kämen, die dann ihre Erfahrungen bei eingetretenem Avancement verwerten könnten. Ob überhaupt Kommandierungen jüngerer Offiziere nach Deutschland erfolgen werden, muß in der nächsten Zeit sich entscheiden. Großbritannien.(Feuische Verschwörung.) Durch die Nachricht, daß man in Leicester einer fenischen Verschwörung auf die Spur gekommen sei, ist die Stadt und die nächste Umgebung in große Aufregung versetzt. Die Leicester durchschneidende Midland=Eisenbahnstrecke wird bewacht, namentlich in der Nacht zum Sonntag, weil es hieß, der in der Nacht von London kommende Eilzug solle in die Luft gesprengt werden. Es waren in jener Nacht umfassende Vorkehrungen getroffen, um jeden Versuch eines Attentats zu vereiteln und ist bis jetzt auch noch kein Unheil angerichtet vorden..., 96) hat Jurd e. (Das Ansehen Englanos) har durch die Gladstonesche Politik des ungerechten Annektierens und hinterlistigen Uebervorteilens anderer Nationen und Völker nicht nur bei den kultivierten Staaten sehr gelitten, sondern auch in den halbzivilisierten Ländern. Einen Beweis hierfür gibt das Ultimatum, welches die Abgesandten der Transvaal=Republik an den Lord Derby zu richten sich erlaubten. In demselben erklären die Delegierten, daß es ihnen gestattet sein müsse, das Betschuanaland zu annektieren; die nach dem Norden führende Handelsstraße wollen sie für neutral erklären. „Im Falle die britische Regierung diesen Bestimmungen ihre Zustimmung vorenthalten sollie,“ heißt es dann weiter angeblich in dem Ultimatum,„so wird die Transvaal=Regierung handeln, als ob England die Forderungen anerkannt hätte, und überläßt es der britischen Regierung, ihre gegenteilige Meinung in der ihr entsprechend scheinenden Weise geltend zu machen." Dieser drohenden, oder vielmehr verächtlichen Wendung gegenüber erklärt die „Times“ in einem Artikel, der eigens zur Rechtfertigung der von den Transvaal=Delegierten angeschlagenen Tonart geschrieben sein scheint: England müsse einfach annehmen, was die Boeren verlangen, wenn es sonst nicht abermals einen Krieg führen wolle, und dies sei niemandes Wunsch. Allerdings stehen nicht alle englischen Blätter auf dem„vorurteilslosen“ Standpunkt der„Times", und namentlich der„Globe“ erinnert an das, den Betschuanas gegebene Versprechen, die den Boeren zu überliefern ein Verbrechen wäre. Das Ultimatum der Transvaal=Republik soll übrigens im englischen Ministerrat bereits beraten worden sein. Rußland.(Empfang bei Hofe.) Am russischen Neujahrstage findet im Winterpalais zu St. Petersburg große-Auffahrt zum Gottesdienst und Beglückwünschung der Kaiserlichen Majestäten statt. Aegypten.(Die Kabinettskrisis.) Der Khedive hat das Rücktrittsgesuch des Ministeriums angenommen, dasselbe wird jedoch bis zur Neubildung eines anderen Kabinetts die Geschäfte weiter führen. In dem Rücktrittsgesuch sagen die Minister u.., daß sie kein Recht hätten, den Sudan, welcher ein Aegypten anvertrautes Besitztum der Pforte sei, dem Wunsche Englands zufolge aufzugeben. Das Verlangen Englands, Aegypten solle den Vorschlägen der englischen Regierung ohne weiteres folgen, verstoße gegen die Verfassung, welche besage, daß der Khedive mit den Ministern und durch die Minister regiere. Da die Minister daran durch England gehindert würden, so müßten sie, um nicht gegen die Verfassung zu handeln, ihre Entlassung geben. — Armes Aegypteu; es hat sich einmal mit den Engländern eingelassen und muß jetzt auch die Folgen tragen. Wollte sich nur jemand finden, der der Türkei mit Geldmitteln an die Hand ginge, um die Expedition nach dem Sudan zur Ausführung zu bringen, dann würde England ein gewichtiger Stein in den Weg geworfen. Aber auch so dürften die Interessen Englands in Aegypten schwer gefährdet sein durch den immer anwachsenden Aufstand, der, einer Lawine gleich, schließlich auch die englischen Truppen in Aegypten und den ganzen englischen Einfluß dortselbst über den Haufen werfen kann...e, Amerika.(Unglua.) In Beueville, im Staate Illinois, ist am Montag das Nonnenkloster„Zur unbefleckten Empfänguis“ abgebrannt. Die Insassen wurden von einer großartigen Furcht ergriffen; mehrere Zöglinge und Lehrerinnen, welche sich durch einen Sprung aus dem Fenster zu retten versuchten, wurden getötet oder tötlich verletzt, andere sind verbrannt. Soweit bis jetzt bekannt, sind 22 Zöglinge und 5 Nonnen umgekommen. (Trauergottesdienst.) Am Donnerstag sollte im Emanueltempel in Newyork ein Trauergottesdienst für Eduard Lasker stattfinden, bei dem der bekannte Karl Schurz Leichenrede halten wird. Preußischer Landtag. Abgeordneten haus. (21. Plenarsitzung.) Berlin, 9. Januar. Das Haus ist schwach besetzt. Am Ministertische: Minister der öffentlichen Arbeiten und mehrere Kommissare. Präsident v. Köller eröffnet die Sitzung um 11¼ Uhr. Anf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend den weiteren Erwerb von Privat=Eisenbahnen für den Stagt. m Zunächst werden die einzeinen Vortlage mit den verschiedenen Bihnen ohne besondere Debatte genehmigt, wober die Tarif=Frage, sowie die Stelle ung der Eisenb ihnbeamten zur Sprache kommen. Abg. Dr. v. Heydebrand und der Lasa will die vielbesprochene Tarifangelegenheit nicht in die allgemeine Debatte ziehen, betont jedoch die Notwendigkeit, die anormalen Tartfe zu beseitigen und Normaltarife einzuführen, und hofft, daß dies in absehbarer Zeit durchgeführt werde. Abg. Büchtemann äußert sich eingehend über die Dienstverhältnisse der Eisenbahnbeamten und wünscht: Anrechnung der Dienstzelt vom 17. statt vom 20. Lebensjahre, Verkürzung der Probezeit von 5 auf 3½ bezw. 4 Jahre, sowie Uebernahme der Privatbahnbeamten in den Staatsdienst auf Grund ihrer im Privatdienst erworbenen Anziennitätsverhältnisse. Regierungs=Kommissar Geh. Rat Brefeld erklärt, daß die Aufstellung der Anziennitätsliste nach Maßgabe der Examensablegung seitens der einzelnen Kandidaten stattfindet. Je nach den verschiedenen Dienst=Kategorieen habe dem Examen eine Probezeit voranzugehen, die gerade um ihrer Verschiedenheit willen nicht als Dienstzeit gerechnet werden dürfe. Was die pekuntäre Stellung der neu zu übernehmenden Privatbahnbeamten in den Staatsdienst betreffe, so möge man doch nur bedenken, daß dafür 6 Millionen mehr ausgegeben würden. An der Debatte beteiligen sich noch die Dr. v. Heydebrand, Dr. Hemacher und Büchtemann, worauf der Eisenbahnminister Maybach mit einem Schlußwort antwortete. Die Frage, ob 5 Jahre Probedienstzeit nicht zu hoch gegriffen sei, lasse sich allerdings erwägen. Dagegen habe der Etat einer PriAus dem Stift. Erzählungen von E. Hartner. Viktorine hatte das Gefühl, daß sie den Knaben anreden, nach seinen Eltern fragen und ihren Besuch in Aussicht stellen müsse, aber der Gedanke, daß sich sofort die halbe Schule um sie versammeln werde, verwirrte sie wieder, sie grüßte hastig und beschleunigte ihren Schritt. Der Justizrat reichte ihr freundlich die Hand, nachdem er die Gräfin begrüßt hatte, versicherte, daß man nicht nach ihrem Befinden zu fragen brauche, da sie blühend sei, wie eine Maienrose, und fügte, zur Gräfin gewendet, hinzu, wie sehr es ihn freue, die Tochter seines langjährigen Freundes gerade unter ihrem Schutz zu wissen. Mit dem geschäftlichen Teil des Besuches schien der Justizrat weniger einverstanden zu sein, wenigstens verfinsterten sich seine Mienen zusehends, während die Gräfin ihr Anliegen auseinandersetzte. Er gab ihr zu bedenken, ob sie nicht lieber die Sache ihrem Gemahl anvertrauen wolle, und als dieses entschieden zurückgewiesen wurde, bat er noch um kurzen Aufschub, damit er erst an seinen Geschäftsfreund in Paris schreiben und von diesem Nachricht einziehen könne, welcher Art die Schulden des jungen Grafen seien. Seien es abgelaufene Wechselschulden, so ließe sich mit den Gläubigern vielleicht ein Arrangement treffen. Die Gräfin erwiderte etwas gereizt, ihr Sohn schreibe ausdrücklich, es seien Rechnungen für entnommene Gegenstände und wolle auch nichts davon hören, daß man bei den Lieferanten wegen Zurücknahme und einer Abschlagszahlung anfragen könne. Nun wurde der Geschäftsmann auch seinerseits gereizt und verstummte. Die Verhandlung wurde kurz und geschäftsmäßig erledigt, und auch dagegen erhob der Justizrat keine Einsprache mehr, daß das Geld direkt an die Adresse des jungen Grafen und nicht an die Gläubiger geschickt werden solle, obgleich es Viktoriens scharfem Blick nicht entging, daß er unzufrieden damit zögerte. „Es ist doch wunderbar,“ sagte die Gräfin, als sie wieder auf der Straße waren,„daß wir Frauen immer bevormundet werden! Wenn ich meinem Sohne eine Summe Geldes schenken will, die mein freies Eigenium ist, so sollte man doch meinen, das sei eine Angelegenheit, die nur mich und ihn angeht, und doch hätte nicht viel gefehlt, daß dieser väterliche Justizrat sich geweigert hätte, meine Anordnung auszuführen!“ „Ich glaube, daß er es gut meint!" bemerkte Viktorine schüchtern. „Gewiß thut er das, aber dieses ewige Bevormunden wird einem auf die Dauer auch lästig,“ sagte die Gräfin zwischen Aerger und Lachen schwankend.„Nun wollen wir aber an unsere Einkäufe gehen!“ Viktorine hatte sich eigentlich auf eine halbe Stunde beurlauben wollen, um dem Pfarrer ihren schuldigen Besuch zu machen, allein sie fand den Augenblick nicht für geeignet dafür, und verschob es bis nach den Kommissionen. Natürlich nahmen dieselben mehr Zeit in Anspruch, als man berechnet hatte, und da die Gräfin die Löwenwirtin nicht gerne warten lassen wollte, beeilte man sich schließlich sehr, um in das Gasthaus zurückzukehren. Während des Essens wurde der Wagen angespannt und Viktorine fuhr fort, ohne in ihrer Heimatstadt einen Besuch gemacht, oder mit irgend jemand ein vertrauliches Wort gewechselt zu haben. „Denke dir,“ sagte die Frau Pfarrerin am Abend dieses Tages zu ihrem Manne,„heute ist Viktorine in der Stadt gewesen. Wie findest du das?“ Der Pfarrer sah von seinen Büchern auf. „Weißt du es sicher, liebes Kind?“ „Ganz sicher, Heinrich hat sie gesehen und gegrüßt. Und eben war die Löwenwirtin bier. Sie ist mit der Gräfin schon vor elf angekommen, dann sind sie bis zwei in der Stadt gewesen und haben im Löwen zu Mittag gegessen. Ich verlange gewiß keinen Dank,“ schloß sie mit hochroten Wangen,„aber wirklich, Johannes, das hast du nicht um dieses junge Mädchen verdient!“ Der Pfarrer war aufgestanden und ging im Zimmer auf und nieder.„Laß uns nicht vorschnell richten, liebes Kind! Wer weiß, wie sehr sie an ihre Herrin gebunden ist! Vielleicht wäre sie gern ein wenig zu uns gekommen!“ „So hätte sie uns durch Heinrich oder die Wirtin einen Gruß und ein Wort der Enschuldigung senden können!" entgegnete die gekränkte Frau.„Nein, nein, Johannes, alles was recht ist! In diesem jungen Mädchen steckt ein Hochmut, der sich noch einmal schwer rächen wird. Jetzt steigt ihr der Grafenstolz Zur selben Zeit fragte der Graf seine Gemadlin:„Und wie hat dir unser Fräulein bei zu (Fortsetzung folgt.) * eurer heutigen Tour gefallen? Flossen die Thränen literweise, als sie ihr Vaterhaus und die alten Freunde wiedersah?“ „Du wirst es mir kaum glauben, Hugo,“ erwiderte die Gräfin,„aber sie blieb vollkommen kalt. Ob sie innerlich etwas empfunden hat, weiß ich nicht, äußerlich war ihr jedenfalls nichts anzumerken, als eine vornehm kühle Zurückbaltung.... Grsz.4n8.5 8i „Nun,“ versetzte der Graf lacheno,„es wird gut sein, wenn sie Eberhards Tollheiten gegenüber die vornehme Haltung behält!“ „Wo denkst du hin, Hugo!“ sagte die Gräfin ärgerlich.„Eberhard und unsere Erzieherin!“ „Nun, nun, nun!“ rief der Graf.„Erhebe deinen Sohn nur nicht gleich bis in die Wolken! Du mußt nicht vergessen, daß„unsere Erzieherin“ ein sehr schönes Mädchen ist und unser Sohn leider ein nur allzu lockerer Vogel!“ Von diesem Tage an war in Viktorinens Stellung zu der Gräfin eine unmerkliche Verschiebung eingetreten, die sie mehr fühlte als bemerkte. Die Gräfin hatte sie ins Vertrauen gezogen, sie teilte ein Geheimnis mit ihr. Die Gräfin hatte ihrer Verschwiegenheit, ihrer Zuverlässigkeit vertraut, sie fuhr fort, ihr kleine Zeichen besonderer Gunst zu erteilen. Ihr Geschmack, ihr Urteil wurde bei der Auswahl der Weihnachtsgeschenke zu Rate gezogen, und die Gräfin fand, daß ihre beiderseitige Ansicht in den meisten Fällen zusammentraf. vatbahn für die Regierung lediglich die Bedeutung eines Direktivs und könne für die Grundsätze der Uebernahme nicht maßgebend sein. Im übrigen werde er(der Minister) dafür sorgen, daß die neu zu übernehmenden Privateisenbahnbeamten sich im Staatsdienste wohlfühlten. Dem Abg. v. Heydebrand antwortet der Minister dahin, daß die Gleichstellung der oberschlesischen Bahn bezüglich der Tarife baldthunlichst herbeigeführt werde, und daß gerade das Bestreben, auch dieser Gegend die Wohlthaten des Tarifs zu sichern, ihn(den Minister) bestimmt habe, mit der Verstaatlichung jener Bahn vorzugehen.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Dem Abg. Schmidt=Stettin, welcher den Ausbau des Sekundärbahnnetzes zur Sprache bringt, erklärt der Minister, daß eine bezügliche Vorlage in der Ausarbeitung begriffen sei und, die Allerhöchste Genehmigung vorausgesetzt, in nicht zu ferner Zeit dem Hause zugehen werde.— Auf eine Anfrage des Abg. v. Uechtritz-Steinzurch antwortet der Minister, daß mit der Verstaatlichung der Breslau=Freiburger Bahn der PersonenVerkehr zwischen Breslau und Berlin sich günstiger gestalten werde. Die einzelnen Paragraphen des Gesetzentwurfs werden nach den Beschlüssen der Kommission ohne erhebliche Debatte genehmigt. Eine lebhaftere Diskussion knüpfte sich erst an den§ 5, zu welchem sowohl seitens der Kommission, als auch des Abg. v. Strombeck und Gen. Abänderungs=Anträge vorliegen. Dieser Paragraph lautet nach der RegierungsVorlage: „§ 5. Der Minister der öffentlichen Arbeiten und der Finanzminister werden ermächtigt, demnächst die Auflösung der Oberschlesischen, der Breslau=Schweidnitz=Freiburger, der Rechte=Oderufer und der Altona=Kieler Eisenbahngesellschaft, nach Maßgabe der im§ 1 ad 1 bis 3 und 5 bezeichneten Verträge herbeizuführen und bei der Auflösung der im§ 1 ad 1 bis 5 bezeichneten Gesellschaften unter Verwendung der im§ 2 sub a bish bewilligten Mittel den Kaufpreis für den Erwerb der Bahnen zu zahlen. „Der Finanzminister wird ferner ermächtigt, die bisher begebenen Anleihen dieser Gesellschaften zum Betrage von 359820300 Mk., soweit diesel' en nicht inzwischen getilgt sind, zur Rückzahlung beziehungsweise zum Umtausche gegen Staatsschuldverschreibungen zu kündigen, auch die hierzu erforderlichen Geldbeträge durch Veräußerung eines entsprechenden Betrages von Staatsschuldverschreibungen aufzubringen.“ Hierzu beantragt die Kommission, den zweiten Absatz dahin zu gestalten: „Der Finanzminister wird ferner ermächtigt, die bisher begebenen und noch zu begebenden Anleihen dieser Gesellschaften, soweit dieselben nicht inzwischen getilgt sind...“ Dagegen will der Antrag v. Strombeck und Genossen den zweiten Absatz des§ 5 dahin gefaßt wissen: „Die Kündigung der bischer begebenen und noch zu begebenden Prioritätsanleihen dieser Gesellschaften erfolgt, ssoweit diese Prioritätsanleihen nicht - incwischen m Wege der in den Emissionsprivilegien vorgeschriebenen allmählichen Amortisation getilgt werden, unter Einhaltung der in den Emissionsprivilegien festgestellten Kündigungsbeding= ungen durch Gesetz." Nachdem der Abg. v. Strombeck(Zentrum) seinen Antrag dahin begründet, daß man mit der Erteilung so großer Vollmachten an den Finanz= minister das Recht der Volksvertretung gefährde, erhebt sich eine längere Debatte, in welche der Finanzminister v. Scholz wiederholt eingreift und an der sich die Abgg. v. Wedell=Malchow, Dr. Hammacher, Rintelen, Büchtemann und Dr. Windthorst beteiligen. Letzterer betont nachdrücklich die große Schuldenlast, welche aus der EisenbahnVerstaatlichung dem Lande erwachse und welche namentlich im Falle eines Krieges sich fühlbar machen werde. Finanzmintster v. Scholz verwahrt sich gegen die Unterstellung des Vorredners, als ob er eine Allgewalt erstrebe. Es könne sich nur darum handeln, ob das Haus den Minister in die Lage setze, Konvertierungen vornehmen zu können oder nicht. Wenn der Abg. Windthorst seine— des Ministers— Eigenschaft in den Vordergrund gestellt und damit gemeint habe, daß er vor allem das soziale Interesse vertrete, so wolle er ihn daran erinnern, daß er in erster Linie Staatsminister sei und in diesem Sinne die volkswirtschaftlichen Gesichtspunkte ebenso im Auge habe, als die fiskalen. Darauf wird der§ 5 nach dem Vorschlage der Kommission genehmigt und ebenso die übrigen Paragraphen des Gesetzentwurfs. Nächste Sitzung morgen(Donnerstag) 12 Uhr: Tagesordnung: Rechnungssachen, sowie erste Beratung der Landgüterordnung für Schlesien und erste Beratung des neuen Jagdgesetzes. Schluß kurs naoch 2 Uhr. Zur Gewerbeordnung. Die Minister für Handel und Gewerbe und des Innern haben zur Ausführung des Reichsgesetzes vom 1. Juli 1883, betreffend Abänderung der Gewerbeordnung, eine Anweisung erlassen, welche folgendes bestimmt: 1) Unter der Behörde, welche Ausnahmen von dem Verbot, im Umherziehen Waren zu versteigern oder im Wege des Glücksspiels oder der Ausspielung(Lotterie) abzusetzen, zulassen darf, und unter der höheren Verwaltungsbehörde sind, soweit nicht für besondere Fälle etwas anderes bestimmt ist, die Regierungspräsidenten, für den Stadtkreis Berlin der Polizeipräsident, in den Provinzen Posen, Schleswig=Holstein, Hannover, Westfalen, Hefsen=Nassau und in der Rheinprovinz bis zu demjenigen Zeitpunkte, zu welchem in denselben das Gesetz über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 in Kraft gesetzt wird, die Regierungsabteilungen des Innern(Landdrosteien) zu verstehen. 2) Auf die Erteilung oder Versagung der Legitimationskarten für reichsangehörige Handlungsreisende(§ 44e) sowie auf die Erteilung oder Versagung der Wandergewerbescheine, der Austeilung derselben und der Genehmigung, bei dem Gewerbebetrieb im Umherziehen andere Personen von Ort zu Ort mitzuführen, finden für den örtlichen und zeitlichen Geltungsbereich des Gesetzes über die Zuständigkeit der Verwaltungsund Verwaltungsgerichts=Behörden vom 1. August 1883 der§ 117 desselben, im Aörigen die zur Ausführung der Gewerbeordnung erlassenen Anweisungen vom 4. September und 24. November 1869 mit folgenden Maßgaben Anwendung: An die Stelle der bisherigen Legitimationsscheine treten die Legitimationskarten, an die Stelle der Legitimationsscheine zum Gewerbebetrieb im Umherziehen die Wandergewerbescheine; von unteren Verwaltungsbehörden werden Wanderscheine nicht mehr erteilt; in den Fällen des§ 57, Nr. 5 a. a.., ist nach§ 63, Abs. 2 a. a. O. nur die Beschwerde an die unmittelbar vorgesetzte Aufsichtsbehörde, nicht das Verwaltungs=Streitverfahren oder das Verfahren nach§§ 20, 21 der Gewerbeordnung zulässig; eine Beschränkung des im§ 59, 2 für den daselbst erwähnten Gewerbetrieb bestimmten räumlichen Gebiets durch die Verwaltungsbehörden ist unzulässig; Anträge wegen Erteilung von Wandergewerbe=Scheinen können sowohl an die Polizei=Behörde des Wohnorts gerichtet werden. 3) Die von den höheren Verwaltungsbehörden einschließlich der Bezirksausschüsse unmittelbar vorgesetzte Aufsichtsbehörde ist der Oberpräsident. 4) Für den örtlichen und zeitlichen Geltungsbereich des Gesetzes über die Zuständigkeit der Verwaltungs= und Verwaltungsgerichts=Behörden vom 1. August 1883 werden die durch dasselbe nicht geregelten Zuständigkeiten gemäß§ 121 a. a. O. durch Köntgliche Verordnung besuimmt. Bis zu demjenigen Zeitpunkt, in welchem die Gesetze über die allgemeine Landesverwaltung und über die Zuständigkeit der Verwaltungs= und Verwaltungsgerichts=Behörden und die auf Grund des§ 121 des letzteren ergangene Allerhöchste Verordnung (vergl. den vorstehenden Absatz 4) in Kraft treten, finden für die durch die bisherigen Vorschriften der Landesgesetze nicht ausreichend geregelten gewerblichen Angelegenheiten die Abschnitte D und E der zur Ausführung der Gewerbeordnung erlassenen Anweisung vom 4. September 1869 mit der Maßgabe Anwendung, daß für den Geltungsbereich des Organisationsgesetzes vom 26. Juli 1880 an die Stelle der Regierungsabteilung des Innern in den Fällen, in welchen dieselbe öffentlich und mündlich zu verhandeln hat, das Plenum der Regierung, im übrigen der Regierungspräsident iritt. Lokales und Provinzielles. Bielefeld, 9. Januar.(Sitzung der Strafkammer des Landgerichts.) Der Wiesenbauer P. von Theesen war wegen mehrerer Vergehen zur Untersuchung gezogen. Es wurde nur wegen eines Falles verhandelt, nämlich wegen eines Diebstahls bei einem Mitbewohner. Der Gerichtshof verurteilte denselben wegen Diebstahls zu 14 Tagen Gefängnis, welche Strafe wegen der erlittenen Haft aber für verbüßt zu erklären.— Die noch nicht 14 Jahr alte R. aus hiesiger Feldmark war wegen Diebstahls und deren Mutter wegen Hehlerei angeklagt. Erstere gestand, einer hiesigen Witwe, wofür sie Ausgänge besorgt, nach und nach verschiedene Haushaliungsgegenstände 2c. weggenommen und im elterlichen Hause versteckt zu haben. Letztere behauptet, den Versteck erst später entdeckt und dann auch gleich Anzeige gemacht zu haben. Das Gericht erkannte, daß die erstere, weil sie die erforderliche Einsicht nicht besessen, von den verübten Diebstählen in 3 Fällen freizusprechen, dieselbe aber in eine Erziehungsoder Besserungsanstalt unterzubringen, daß die Mutter von der ihr vorgeworfenen Hehlerei freizusprechen.— Die unverehelichte K. aus Gütersloh, schon bestraft, war geständig, ein Nesselkleid gestohlen zu haben. Der Staatsanwalt beantragte 4 Monate Gefängnis. Der Gerichtshof erkannte aber wegen Diebstahls im wiederholten Rückfalle unter Annahme mildernder Umstände auf 6 Monate.— Der Tischlergeselle H. aus Bremen, zuletzt in Herford, war geständig, seinem Nebengesellen aus einem Koffer ca. 25 Mark weggenommen zu haben. Der Gerichtshof erkannte nach dem Antrage des Staatsanwalts wegen einfachen Diebstahls im wiederholten Rückfalle in 2 Fällen auf eine Gesamtürafe von 1 Jahr Zuchthaus. ng. Tecklenburg, 9. Januar. Verschiedenes.) Der Geburtstag Ulrich Zwinglis am 1. Januar ist nach der allgemeinen großartigen Feier des Luther=Geburtstags in unserem Ländchen ganz still vorübergezogen, abgesehen davon, daß wohl an den meisten Orten auch dieser Bedeutung des Tages in den Neujahrs=Predigten Erwähnung geschehen ist.— Für das auf dem Pommer=Esche Schacht zu errichtende Rettungshaus thut sich erfreulicher Weise ein zunehmendes Interesse kund. Es liegt nunmehr ein Gesuch um Zuwendung einer Unterstützung seitens der Provinz den betieffenden Behörden vor und sobald die, wie zu hoffen steht, bejahende Antwort auf dasselbe erfolgt, wird die Eröffnung des Rettungshauses stattfinden.— Die Umwahl eines Teiles der Gemeinde=Verordneten in Westerkappeln hat folgendes Resultat ergeben: In der Stadt Kappeln sind die ausscheidenden Gemeinde=Verordneten Kaufmann Echelmeier und Dr. med. Lammers wiedergewählt worden. In der Landgemeinde wurden die Kolonen Rottmann, Dieckmann und Spieker wieder=, sowie Kolon Grothaus neugewählt.— Der Termin zur Ersatzwahl eines Landtags=Abgeordneten an Stelle des verstorbenen Geh. Justizrat Marcard für den Kreis Tecklenburg ist auf den 17. Januar höheren Ortes festgesetzt worden. e Münster, 9. Januar.(Die PrüfungsKommission) für Lehrer an Mittelschulen und für Rektoren besteht für das Jahr 1884 aus den Herren Regierungs= und Schulrat Dr. van Endert als Vorsitzendem, Seminar=Direktor Dr. Kraß, Gymnasiallehrer Brungert, Gymnasiallehrer Dr. v. Schulz und Kreis=Schulinspektor Feldhaar als Mitgliedern.— Die Prüfung zur Zulassung zum einjährig=freiwilligen Militärdienst findet am 3. und 4. März statt. Gesuche sind bis zum 2. Feu. Aus dem 8. Januar.(Verschiedenes.) Am 1. Februar wird das Bahnpostamt Nr. 22 von Rheine nach Münster verlegt und ist damit eine Versetzung von 8 Beamten und 12 Unterbeamten verbunden: Besonders schwer wird durch diese Versetzungen die evangelische Gemeinde betroffen, die unter den Versetzten viele Mitglieder zählt.— In Rheine wurde in der Sylvesternacht der Polizeidiener mit. tels eines scharfen Instruments nicht unerheblich am Kopfe verwundet, der zweite Fall innerhalb 1½ Jahren, indem zu der Zeit einem Polizeidie% niich d# ner das Auge ausgeschlagen wurde, so daß derselbe jetzt noch nicht dienstfähig ist. Die Sylvesternacht wird leider überhaupt zu allerlei Unfug benutzt, wobei auch die Veranstalter selbst, z. B. beim sogenannten Neujahrsschießen selbst, den Schaden zu tragen haben; so schoß sich in diesem Jahre in Südlohn ein junger Mann ein Glied vom Finger vollständig ab. In Oelde und benachbarten Orten besteht für die genannte Nacht die Unsitte, daß mit Peitschen geknallt und den Eheleuten, wo der Kindersegen ausbleibt, ein Hufeisen vor die Thür genagelt wird.— Auf der letzten Treibjagd im Forstbezirk„Bergen“ in den Landsberg=Velenschen Jagden wurden 276 Hasen, 2 Schnepfen, ein Fuchs und 26 Kaninchen geschossen. Bald dürften auch Wildscheine zur Jagdbeute gehören, wenigstens sind solche im östlichen Teile unseres Bezirks, wohin sie aus den Wäldern des Osning gekommen sind, gesehen worden. Hoffentlich gelingt es, einer Vermehrung der Tiere durch rechtzeitiges Abschießen zum Nutzen der Landwirtschaft vorzubeugen.— In Südlohn passierte ein Ockonom mit seinem mit zwei Pferden bespannten Gefährt eine über einen Mühlenteich führende Brücke, welche mit einem Geländer nicht versehen war. Das eine Pferd scheute, bog nach links und Pferde und Wagen nebst dem Führer des Gefährtes stürzten in die Tiefe; letzterem gelang es, sich zu retten, doch die Pferde, Tiere im Werte von 1500 Mark, kamen um. n. Hamm, 9. Januar.(WohlthätigkeitsKonzert.) Zu gunsten der Lehrer=Witwen= und Waisen=Kasse soll demnächst in der großen evangelischen Kirche hierselbst ein Konzert stattfinden, in welchem der evangelische Kirchenchor, eine Solistin und andere Kräfte mitwirken werden. Das Konzert verspricht einen seltenen musikalischen Genuß. (Herr Generalsuperintendent Nebe) weilte vorgestern in unserer Stadt und wohnte in mehreren Klassen des Gymnasiums dem Religionsunterrichte bet.„ n- Arnsberg, 8. Januar.(Personulien) aus dem Regierungsbezirk Arnsberg: Der zum Beigeordneten der Stadt Hilchenbach, Kreises Siegen, gewählte Gerbereibesitzer Friedrich Giersbach zu Hilchenbach als solcher bestätigt. Der bisherige Gemeindeverordnete Tugendhold Plate zu Kierspe zum ersten, der Direktor Leopold Heuser zu Rönsahl zum zweiten Beigeordneten des Amtes Kierspe im Kreise Altena ernannt. Der Rentner Schulie-Bulmke zu Schalke zum zweiten Beigeordneten des Amtes Schalle, Landkreises Bochum, ernannt. Dem Lehrer Franz Josef Schäfers aus Rüthen, Kreis Lippstadt, die bisher von ihm provisorisch verwaltete Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Menzel, Kreis Lippstadt, dem Lehrer Anion Berghoff aus Belecke, Kreis Arnsberg, die bisher von ihm provisorisch verwaltete Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Schmallenbeig, Kreis Meschede, dem Lehrer Wilhelm Funke zu Obermarsbeig eine Lehrerstelle an der katholischen Schule daselbst, Kreis Brilon, dem Lehrer Franz Grafe aus Mülheim, Kreis Arnsberg, die bishe: von ihm provisorisch verwaltete Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Dreislar, dem Lehrer Franz Schulte aus Grevenstein, Kreis Arnsberg, die bisher von ihm provisorisch verwaltete Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Hallenberg, dem Lehrer Johann Wicker zu Züschen die bisher von ihm provisorisch verwaltete Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Züschen, dem Lehrer Josef Schmies zu Hellmeringhausen die bisher von ihm provisorisch verwaltete Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Hellmeringhausen, und dem Lehrer Eduard Dieckmann aus Hamm die bisher von ihm provisorisch verwaltete Lehrerstelle an der katholischen Schule zu Braunshaufen definitiv verliehen worden. Dortmund, 8. Januar.(Schwurgericht.) Eine schöne Gesellschaft befand sich gestern auf der Anklagebank des Schwurgerichts. Angeklagt waren der Fuhrknecht Friedr. Buddendiek, 23 Jahre alt, der Dreher Heinrich Langkemper, 19 Jahre alt, der Bergmann Adolf Bruchhausen, 19 Jahre alt, alle brei aus Dortmund. Ferner war wegen Hilfeleistung angeklagt die getrennt von ihrem Manne ledende Ehefrau Schreiner Theod. Hauschopp aus Hörde. Als Fünfter im Bunde war der Arbeiter Franz Lappe aus Dortmund mit angeklagt, indes hat sich dieser durch die Flucht seiner Verhaftung und Aburteilung entzogen. Die Angeklagten Lappe und Buddendiek trafen am 24. Juli v. J. mit einem Dreher Preß zusammen, welchen sie im Zuchthause kennen gelernt hatten und begaben sich die drei, nachdem Preß eine von einem Diebstahl herrührende goldene Damenuhr versetzt, in eine Wirtschaft, wo sie mit Bruchhausen, Langkemper und der Hauschopp zusammen trafen und flott zechten, dann noch andere Kneipen aufsuchten und schließlich nach der Wohnung des Buddendiek gingen. Unterwegs wurde von Lappe versucht, dem Preß die Uhr zu entreißen, jedoch setzte dieser sich zur Wehr, so daß die anderen Komplizen den Preß festhielten, was dem Lappe gestattete, den Preß auszurauben. Nachdem dies geschehen, wurde Preß noch durchgeprügelt, mit einem Messer bearbeitet und dann blutend liegen gelassen. Die Geschworenen sprachen sämtliche Angeklagte des Raubes resp. der Beihilfe für schuldig und verurteilte das Gericht demnach Buddendiek zu 6 Jahren Zuchthaus und 6 Jahren Ehrverlust, Langkemper und Bruchhausen zu je 4 Jahren Gefängnis und Ehrverlust auf gleiche Dauer und die Hauschopp zu 3 Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust, sprach auch bei Buddendiek und der Hauschopp die Zulässigkeit der Polizeiaussicht aus. (Verunglückt.) Der Bergarbeiter W. von hier geriet dieser Tage beim Rangieren von Eisenbahnwaggons auf Zeche„Minister Stein“ zwischen die Puffer zweier Wagen, wodurch er eine schwere Schulterquetschung und einen Rippenbruch davontrug, so daß er in das Krankenhaus hierselbst gebracht werden mußte. Glücklicherweise scheint eine Lebensgefahr nicht vorzuliegen, was im Interesse der Frau und 5 unmündigen Kinder des Verletzten sehr erfreulich:ft. g. Witten, 9. Jmuar.(Zwei gefährliche Menschen) wurden von der hiesigen Polizei in Sicherheit gebracht; die Leute, zwei Bergleute, drangen vor einigen Abenden ohne alle Veranlassung in die Wohnung eines in der Krengeldanzstraße wohnenden Arbeiters und mißhandelten denselben mit einem eigentümlichen Schlaginstrument, welches sie durch Einknoten einer Mutterschraube und schwerer Schnapsgläser in das Taschentuch sich konsrutert hatten. Der Ueberfallene trug mehrett“ Wunden davon, welche der nach der Verhaftung der rohen Menschen herbeigerufene Arzt zunähen mußte. Die Roheit wird hoffentlich exemplarisch bestraft werden. (Unglücksfall.) Beim Rangieren kam dieser Tage ein Arbeiter zwischen die Puffer und wurde an der Brust so stark gequetscht, daß an seinem Aufkommen gezweifelt werden muß. g. Hagen, 9. Januar.(Witwen= und Waisenkasse für Kommunalbeamte.) Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich in ihrer am Montag abgehaltenen Sitzung auch mit der zu bildenden Wewen= und Waisenkasse für Kommunalbeamte der Provinz Westfalen. Die Provinzialverwaltung will zu dem Zweck 100000 Mark beisteuern, falls eine bemerkenswerte Anzahl von Gemeindeverbänden sich zum Beitritt zu der Kasse bereit erklärt; der Provinzialverband will außer der Dotation auch noch die unentgeltliche Verwaltung der Fonds übernehmen, so daß also die Bedingungen seinerseits sehr günstig gestellt sind; dagegen fordert das Statut, welches an die einzelnen Gemeinden versandt ist, daß jeder Beamte 3 pEt. seines Gehalts und die Stadt ebenfalls 3 pCt. zahlen soll. Dieser letzte Absatz beschäftigte speziell die Stadtverordnetenversammlung, welcher noch mitgeteilt wurde, daß der Stadt durch den städtischen Zuschuß etwa 1200 Mark jährliche Kosten entstehen würden. Im allgeineinen sprach man sich dem Gedanken der Fürsorge für die Witwen und Waisen der Kommunalbeamten gegenüber sympathisch aus, jedoch verwies die Versammlung die Vorlage zur Vorberatung an die verstärkte Finanzkommission. g. Bochum, 8. Januar.(Verunglückt.) Heute Vormittag gegen 7 Uhr wurde in der Nähe der Einfahrt des Bergisch=Märkischen Bahnhofes in der Richtung nach Eppendorf ein Hilfsbremser von einem Güterzuge erfaßt und so schrecklich überfahren, daß der Tod sofort eintrat. (Anklage infolge von Gewissensbissen.) Aus Wattenscheid wird folgendes gemeldet:„Schwere Gewissensbisse, ein Mord, sollen einen Deserteur, Sappelt aus Schlesien(früher in Wattenscheid) zur Rückkehr nach Wesel und freiwilligen Gestellung gedrängt haben. Nachdem S. am 12. Dezember nach mehrjährigen unstäten Fahrten aufgegriffen und in Wesel beim 56. Inf.=Reg. eingestellt war, desertierte er bereits am 15. wieder, meldete sich aver am 18. Dezember freiwillig beim Regiments=Kommando mit der Anzeige,„daß er im April oder Mai 1881(in einer Feiertagsnacht) in einer Wiese nahe bei der„Engelsburg" bei Bochum einen Menschen ermordet und vor Gewissensbissen keine Ruhe habe.“ In der That ist am Ostermontag(18. April 1881) bei der Engelsburg der Maurer Karoß aus Lütgendort= mund ermordet gefunden. Wegen dieser That ist der 21 jährige Beigmann Günther von Ehrenfeld bei Bochum wegen„Totschlag“ zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Ob dieser, welcher die That stets geleugnet hat, unschuldig verurteilt ist, oder ob Sappelt mitbeteiligt war, wird die weitere Untersuchung ergeben. Diese Sensationsnachricht kann die„Watt. Ztg." bestätigen und ist der Selbstankläger, begleitet von zwei Soldaten mit geladenem Gewehr und dem Auditeur, in Wattenscheid eingetroffen, um in Gegenwart dortiger Gerichtspersonen zum Thatorte gebracht zu werden. Man darf auf die weitere Entwickelung der Angelegenheit mit Recht gespannt sein. -I. Elberfeld, 8. Januar.(Ein Bubenstreich), welcher die schrecklichsten Folgen hätte haben können, aber noch rechtzeitig entdeckt wurde, ist in der Nähe der Einfahrt zum Bahnhof Steinbeck verübt worden. Am Sonntag Abend waren gegen 200 Schienennägel, welche zur Befestigung der Schienen auf den eichenen Schwellen dienen, ausgezogen und gestohlen worden. Glücklicherweise wurde das Fehlen der Nägel von dem beir. Bahnwärter bemerkt, sonst hätte der Bubenstreich schreckliches Unglück herbeigeführt. Die ruchlosen Thäter wird man hoffentlich entdecken. -k. Essen, 9. Januar.(Erhängt.) Ein Geschäftsführer B. aus Holtbausen war des wissentlichen Meineids und der Verleitung zum Meineide angeklagt und sollte sich dieserhalb am 12. d. M. vor dem Schwurgericht verantworten. Er hat es aber vorgezogen, sich der weltlichen Strafe zu entziehen und sich in der Gefängniszelle erhängt; der Gefäugniswärter fand die mittels eines Taschentuches an der Thürangel hängende Leiche am Morgen beim Betreten der Zelle. Der Seldstmörder war ein Mann von einigen 60 Jahren. V Vom Rhein.(Verschiedenes.) In Hilden wurden am Sonntag Abend zwei Personen bei dem Versuche, falsche Einmarkstücke auszugeben, abgefaßt und andern Tags in das Gefängnis abgeliefert.— In Uerdingen in der älteste Bürger, Herr Rentner Louschen, früher längere Jahre Mitglied des Stadtrats, im Alter von 98 Jahren gestorben.— Eugen Richter hat auf seiner eben beendeten Agitationsreise auch Oberstein besucht, wo er von Gesangvereinen angesungen wurde und als großer Herr von dem Fenster seines Zimmers herab huldvoll dankte. Wie das Gerücht behauptet, soll er bei seiner nächsten Anwesenheit dortselbst von weißgekleideten Jungfrauen empfangen und auf Blumen bestreuten Wegen nach seinem Absteigequartter geleitet werden, während die Schuljugend Spalier bilden soll.— In Niederaden hat sich ein 80jähriger Greis durch Ertränken das Leben genommen. Daß der Mann dabei mit Ueberlegung gehandelt, geht daraus hervor, daß er in seiner blauen Bluse Ziegelsteine eingebunden hatte.— Ueber die Qualität des neuen Weines liest man in einer Weinzeitung folgendes:„Heute ist der 1883er in seiner Entwickelung meistens so weit vorgeschritten, daß ein Urteil über die Gähre und das Leben dieses Jahrgangs möglich ist. Erfahrene Weinprober sind der Ansicht: daß der 1883er im allgemeinen eine gute Gähre und recht hübsches Leben zeigt. Freilich weiß heute auch jedermann, daß der 1883er große Unterschiede in der Reife aufweist. Wo aber gute Gähre und hübsches Liben als typische Eigenschaften des Jahrganges hervorragen, da pflegt in der Regel eine gute Fortentwicklung des Weines in Aussicht zu stehen, und es kann deswegen heute keinem Zweifel mehrzunterliegen, daß das Jahr 4883, wenn es auch nicht gleichmäßig guten Wein brachte, vellenweise treffliche Qualitäten, im allgemeinen aber doch eine sehr verwendbare Handelsware gezeitigt hat.“ 1— Heute Morgen starb sanft nach langem, mit Geduld ertragenen Leiden unser lieber Bruder, Schwager und Onkel, Aeinhard Zuubeholt, im Alter von 22 Jahren. Um stilles Beileid bitten Bielefeld, 9. Januar 1884. die trauernden Geschwister. Die Beerdigung findet am Sonntag Nachmittag 1 Uhr vom Sterbehause, Viktoriastr. 155, zum Erbbegräbnis in Dornberg, aus statt. Heute Morgen entschlief sanft nach kurzem, schweren Leiden meine geliebte Tochter Soa Camphausen. Bielefeld, 10. Januar 1884. Luise Krohn, geb. Koch. Der diesjährige WUDVENAHC Gesn„„ ist für die Dauer dieses Monats eröffnet und lassen wir es uns besonders angelegen sein, durch enorm billige Preise in den besten Waren unsere geehrten Abnehmer zu befriedigen. Während dieser Zeit wird nur gegen Bar verkauft und werden Sayette und Strickgarne pfundweise, sowie Maschinenrollen nur per Dutzend zu Ausverkaufspreisen abgegeben. Bielefeld, im Januar 1884. Freimuth& Co. „ gg Postkarten mit Antmort nach Handelsregister des Königlichen Amtsgerichts zu Bielefeld. In unser Gesellschaftsregister ist bei Nr. 407 zu der Gesellschaftsfirma Wm. Mohr (Gesellschafter Hermann G. Just und Maufred W. Just) folgender Vermerk eingetragen: Die Firma der Gesellschaft ist in Gebrüder Just verändert. Bekanntmachung. Schildesche, d. 9. Januar 1884. Die Militärpflichtigen, welche im Jahre 1864 außerhalb der Amtsbezirke Schildesche und Jöllenbeck geboren sind, sich aber jetzt hier aufhalten, sowie diejenigen, welche von den Gemeinde=Vorstehern zur Anmeldung nicht aufgefordert sind, haben sich bis 1. Febr. d. J. zur Aufnahme in die Militär=Stammrolle beim Amte unter Vorlegung ihres Geburtsscheines, zu melden. Sind Kantonisten an der Meldung persönlich verhindert, so muß dies von den Eltern, Vormündern oder Dienstherren geschehen. Das Unterlassen der Aumeldung wird mit Strafe bis 30 Mark evt. Haft geahndet. Der Amtmann. Meyer. Bekanntmachung. Die Militärpflichtigen, welche im Jahre 1864 außerhalb des Amtsbezirks geboren sind, sich aber jetzt hier aufhalten, sowie diejenigen, welche von den Gemeindevorstehern zur Gestellung nicht aufgefordert sind, haben sich in den Vormittagsstunden vom 15. Januar bis zum 1. Februar er. auf dem Amtsbüreau hier zur Aufnahme in die Rekrutierungs=Stammrollen unter Vorlegung ihres Geburtsscheines zu melden. Sind Kautonisten an der Meldung persönlich verhindert, so muß dieses von den Eltern, Vormündern oder Dienstherren geschehen. Das Unterlassen der Anmeldung zieht Strafe bis zu 30 M. nach sich. Borgholzhausen, 8. Januar 1884. Der Amtmann. Keßler. Kontor-Utensilien, Briefpapier, Kouverts mit Firma empfiehlt F. Eilers. Ziehung 15. Januar 1884. Kölner Dombau-Lose& Shl. (Liste und Frankatur 20 Pfg.) Hauptgewinne: 75000, 30000, 15000 M u. 8. W. bares Geld ohne Abzug sind zu beziehen durch R. Roggenbach in Coburg. Zerbung 15., 16. u. 17. Jannar. Alner Dombaulost, Hruntg. 75000., im ganzen 315000 M. obrie Abzug Kinderheilstätten=Lose à 1 M. Hauptgewinne: 30000, 20000, 2 X 10000, zus. 4434 Gewinne von 350000 Mark. Alle 3 Orizinallose inkl. Frankatur und 3 Gewianlinen 7 M. 40 Pf. Wiederverkäufer erhalten Lose in Komnission. A. Eulenberg, Haupt=Kollekteur, Eldeifeld. Erledigte Stellen für Zivilversorgungsberechtigte im VII. Armee-Korps. Die Liste enthält der Reihe nach folgende Mitteilungen: 1) Laufende Nummer. 2) Die Vakanz tritt ein: wann? wo? bei welcher Beyörde? 3) Nähere Bezeichnung der Stelle. 4) Bezeichnung der Anforderungen, welche an die Bewerber gestellt wirden. 5) Dauer der etwa der Anstellung vorangehenden Probezeit. 6) Ob die Anstellung auf Lebenszeit oder auf Kündigung erfolgt. 7) Betrag der zu bestellenden Kaution und ob dieselbe durch Gehaltsabzüge gedeckt weiden kann. 8) Einkommen der Stelle. 9) Ob Aussicht auf Verbesserungen vorhanden. 10) Bemerkungen. 1. 2) 1. April 1884, Dortmund, Postamt, 3) Postschaffner, 4) Gewandtheit, Zuverlässigkeit, feste Gesundbeit, 5) 6 Monate, 6) auf 4 wöchentliche Kündigung, 7) 400., ja, 8) 800 M. Gehalt und 180 M. Wohnungsgeldzuschuß, 9) ja. 2. 2) 1. Februar 1884, Elberfeld, Königliche Eisenbahn Direktion, 3) Bureaudiener, 4) körperliche Gewandtheit und Rünigken, gefälliges Aeußere und Benehmen, Kenntnis der Gegenstände des Volksunterrichts, insbesondere deutsch Lesen und Schreiben, ersteres auch in lateinischen Buchstaben, und Rechnen in den 4 Spezies mit ganzen benannten Zahlen, 5) 6 Monate, 6) nach Ablauf der Probezeit und bei zufriedenstellender Dienstführung im etatsmäßigen Verhältnis auf Kündigung, 7) vorläufig keine, 8) beim Eintritt 75 M. am Monatsschluß zahlbare diätarische Remuneration, 9) bei der itatsmäßigen Anstellung wird der Wohnungsgeldzuschuß gewährt; das Maximalgehalt der Bureaudiener beirägt 1050 M. jährlich, 10) dem Bewerber wird für seine Person, Familic und Effekten freie Fahrt resp. freier Transport auf preußischen Staats= und unter preußischer Staatsverwaltung stehenden Privatbahnen bei der Einberufung bewilligt; dem Bewerbungsgesuche sind anzuschließen: Lebenslauf, beglaubigte Abschrift des Zivilversorgungsscheins und Führungsatteste. 3. 2) 1. April 1884, Hagen i.., Bürgermeisteramt, 3) Vollziehungsbeamter, 4) Rüstigkeit, Nüchternheit und Zuverlässigkeit; außerdem muß Bewerber genügende Kenntnisse im Schreiben, Lesen und Rechnen besitzen, 5)—, 6) auf Künhigung, 7) 500., welche gleich zu erlegen sind, 8) Gebühren zum Betrage von jährlich etwa 1100., 9)—, 10) den Bewerbungen sind Zvilversorgungs. schein und sonstige Atteste über bisherige Beschäftigung 2c. beizufügen. 4. 2) 1. Fedruar 1884, Herford, Direktion der Gefangenanstalt, 3) zwei Strafanstaltsaufseher, 4) gute Volksschulbildung, vollkommene körperliche und geistige Rüstigkeit, Energie und Umsicht; Beweiber darf das 40. Lebensjahr nicht überschritten haben, 5) 6 Monate, 6) vorläufig auf Kündigung, später auf Lebenszeit, 7)—, 8) jährlich je 900 M. und freie Wohnung oder Mietsentschädigung von 180 M, 9) das Gehalt steigt bis zu 1200., 10) Kenntnis eines Handwerks ist sehr erwünscht; an Papieren sind einzuschicken: Zivilversergungsschein, Militärpaß, Polizei=Führungsattest, ärztliches Attest, selbstverfaßter und selbstgeschriebener Lebenslauf nebst Ausweis über die bisherige Beschäftigung; Bewerbungen, in denen eine der angegebenen Bedingungen nicht erfüllt ist, bleiben unberücksichtigt. 5. 2) 1. Februar 1884, Herford, Direktion der Gefangenanstalt, 3) Lazarettaufseher, 4) gute Volksschulbildung, vollkommene körperliche und geistige Rüstigkeit, Energie und Umsicht; Bewerber darf das 40. Lebensjahr nicht überschritten, muß aber das Examen zum Lazarettgehilfen 1. Klasse resp. Ober=Lazaretigehilfen bestanden haben, 5) 6 Monate, 6) vorläufig auf Kündigung, später auf Lebenszeit, 7)—, 8) jährlich 900 Mk. und freie Wohnung oder Mietsent schädigung von 180 Mark, 9) das Gehalt steigt bis zu 1200 Mk., 10) Kenntnis eines Handwerks ist sehr erwünscht; an Papieren sind einzuschicken: Zivilversorgungsschein, Militärpaß, Poltzei=Führungsattest, ärztliches Attest, selbstverfaßter und selbstgeschriebener Lebenslauf nebst Ausweis über die bisherige Beschäftigung; Bewerbungen, in denen eine der angegebenen Bedingungen nicht erfüllt ist, bleiben unberücksichtigt. 6. 2) 1. April 1884, Hohenhausen, Fürstliches Amtsgericht zu Hohenhausen, 3) Hilfsschreiber, 4) gute Handschrift, sowie genügende geistige Begabung, 5)—, 2) 1. April 1884, Hörter, Regierung in Minden, 3) Maschinist auf dem fiskalischen Wesei=Dampfbagger, 4) der Beweiber muß womöglich Schlosser und mit der Behandlung von Dampfmaschinen vertraut sein, auch eine solche Schul bildung besitzen, daß er schriftliche Rapporte erstatten kann, 5) 1 Jahr, 6) auf Lebenszeit, 7) keine, 8) vorläufig auf 1140 Mk. Gehalt und 108 Mk. Wohnungsgeldzuschuß, 9) das Gehalt steigt bis zu 1350 Mt. jährlich,„Mänher Emden) 8. 2) sofort, Rheine, Königliches Eisenbahn=Betriebsamt(Deunnter=Emven), 3) Bodenmeistergehilfe, 4) körperliche Gesundheit und Rustigkeit, namentlich les Seh= und Hörvermögen, Fähigkeit, deutsch zu lesen und zu schreiben, Rechnen der 4 Spezies, auch mit gewöhnlichen und Dezimalbrüchen, 5) 1 Jahr, 6) nach einjähriger Probedienstleistung und bestandener Bodenmeister=Prüfung auf 4wöchentliche Kündigung, nach Anstellung als Bodenmeister und fünfjähriger tadelloser Dienstzeit auf Lebenszeit, 7) 450 Mark, kann durch Gehaltsabzüge gedeckt werden, 8) zunächst 75 Mk. monatlich postnumerando, 9) nach 6 Monaten Erhöhung der R muneration auf 87,50 Mk., die etatsmäßige Anstellung als Bodenmeister, womit ein Jahresgehalt von 1050 bis 1350 Mk. und der tarifmäßige Wohnungsgeldzuschuß verbunden ist, erfolgt nach Maßgabe der Anciennetät und der eintretenden Vakanzen, 10) vor der Annahme ist eine Vorprüfung abzulegen, welche entweder bei dem annellenden oder bei dem, dem Wohnorte des Bewerbers zunächst gelegenen Betriebsamte erfolgt; zu dieser, sowie zum Dienstantritt wird freie Eisenbahnfahrt und event. freier Transport der Haushaltungseffekten auf den preußischen Staats= und unter Staatsverwaltung stehenden Eisenbahnen bewilligt; dem Bewerdungsgesuche sind der Zivilversorgungsschein und die sonstigen Militair= und Personalpapiere beizufügen. Am Dienstag, den 15..— nachmittags 2 Uhr, läßt Oekonom Meyer Dietrich zu Theßen: 60 Haufen gutes buchenes Brennholz, sowie mehrere Buchen auf dem Stamme zu Nutz- und Brennholz meistbietend gegen Kredit verkaufen. Schildesche, 10. Januar 1884. Huwendiek. Nutz= und Brennholz=Verkäuf. Am Mittwoch, den1 6. d.., nachmitt. 1 Uhr, werden auf Meyer zu Müdehorst's Hofe zu NiederDornberg: 30—40 Haufen dickes buchenes Brennholz, sowie 40 Stück Eichen auf dem Stamme, zu Balken, Sparren und sonstigem Bauund Nutzholze passend, als auch 25—30 Urn. Tannen, zu Sparren, Leiterbäumen, Baumstangen, Ricker etc. verwendbar, und 24 Stück Erlen und Pappeln zu Holzschuh meistbietend gegen Kredit verkauft. Schildesche, 7. Januar 1884. Berlin., 30. Dez. 1883. mit Antwort nach Haiti. Denjenigen Ländern des Weltpostvereins, nach welchen Postkarten mit Antwort abgesandt werden können, ist neuerdings auch Haiti hinzugetreten. Das Porto für derartige Postkarten beträgt 20 Pf. Der Staatssekretär des Reichs Postamts. Stephan. Am Montag, den 14. d.., nachmittags 1 Uhr, läßt der Oekonom Arnd in Lämershagen: circa 50 Haufen dickes Buchen- Brennholz, eine Partie dicke Fichten zu Nutzholz und einige Urn. Sichten zu Ricker geeignet meistbietend auf Kredit verkaufen. Heepen, den 9. Januar 1884. Niebuhr. Vorzgl. Magd. Sauerkrant, weichkochende Hülsenfrüchte, große, gute Salz= und Essig=Gurken, eingemachte rote Beeten, tafelfertige Preißelbeeren. Hermann Stromfeldt. Für mein Manufaktur, Kolonial=, Eisen= u. Holzgeschäft suche ich pr. Ostern einen Tehrting. Enger, im Januar 1884. Eduard Heckewerth. Fast verschenkt! Das von der Massaverwaltung der fallierten grossen Vereinigten Britaniasilber-Fabrik übernommene Riesenlager wird wegen eingegangenen, grossen Zahlungsverpflichtungen und baldigster Räumung der Lokalitäten um 75 Prozent unter dem Erzeugungspreise verkauft, daher also: Fast verschenkt. Für nur 15 Mark(sage fünfz-hn Reichsmark), also kaum die Hälfte des Wertes vom blossen Arbeitslohne erhält jedermann nachstehendes Ausserst prachtund effektvolles Britaniasilber-Speiseservice, welches früher sogar im Engrospreise 60 Mark kostete, aus dem feinsten, gediegensten BritaniaSilber, welches das einzige Metall ist, das ewig weiss bleibt, und von dem echten Silber selbst nach Jahren nicht zu unterscheiden ist und wird für das Weissbleiben der Bestecke garantiert. 6 Stck. Britaniasilber Tafelmesser mit echt engl. Stahlklingen, Stück Britaniasilber Gabeln, feinste Qualität, Stück Britaniasilber Speiselöffel schwerster Qualität, 6 Stück Britaniasilber Kaffeelöffel, massive Qualität, 6 Stück Britaniasilber Theelöffel, feinste Qualität, 1 Stück Britaniasilber Suppenschöpfer, superfein, schwer, 1 Stück Britaniasilber Milchschöpfer, gross, massio, 6 Stück grosse, massive Britaniasilber Dessertlöffel, auch als Kinderlöffel zu benützen, 2 Stück Britaniasilber Tafel40 Stügh leuchter, prachtvoll, Scück aufs solideste gearbeitet, welche eine Zierde für die feinste Tafel bilden und kostet alles zusammen nur fünfzehn Mark. Geehrte Aufträge werden gegen Nachnahme(Postvorschuss) oder vorherige Geldeinsendung, so lange der Vorrat reicht, effektuiert durch das Vereinigte BritaniasilberFabriks-Depôt J. SILBERBERG Wien, Stadt, Fleischmarkt 16. NB. Tausende Anerkennungsschreiben höchster Herrschaften über die vorzügliche Qualltät unserer Artikel sind in unserem Besitze, die wir leider wegen Raumbeschränkung hier nicht veröffentlichen können, und liegen selbe zur gefl. Einsicht in unserem Depôt auf. Neuß, den 10. Januar. Weizen 19,20 Roggen 15,40. Gerste 1550. Hafer 14,00. Buchweizen—.—. Rudol 70.00 M. pr. 100 Kilogr Bremen, 10. Januar. Petroleum nied. Loko 8,75. Febr. 880. März 8,90. April 9,00. Aug.=Dezbr. 9,60. Verantwortlicher Redakteur und Verleger H. Dietz in Bielefeld.— Druck Scheusischr. Houl. Pratbumingr. Ketzer.. von R. Mainz Nachfolger. Kolner Vombaulöst 4 Louis Hoffmann, Bielefeld.