Erscheint täglich un Ausnahme des Sonn= und gesetzl. FeiertagAbonnementspreis Ins Haus, mit der täglichen Unterhaktungsbeflage d dem Sseitigen„Illustrierten Sonntagsblatt“ 65 Pfg. Monat, durch die Poßt bezogen für 3 Monate 2,00 Ml. Rolationsdruck und Verlag, sowis für die Inserate verantwortlich: Bikter Scauter, Dortmund. verbunden——— mit dem Dortmund u. Hörde. Mit Bekanntmachungen der städtischen####s und Militär-, sowie anderer Behörden. Expedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 160. Lokak-Anzeiger für Inserate die 8 gespeltene Reionelzeile oder Raum 35 pie. Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 30 Vig. Dei wwangsweiser Beitreidung der Irsertionsgedühren durch Klage od. Konkursverfahren wird der bewilligte Radatt dinfänsd Orftlllungsort Dortmund. Lag n und Blägen Adernedmen Wir beige Gatauch. ür die Redaktion verantwortlich: ax Sonuemann. Dortmund. Nr. 3. Dortmund, Dienstag, den 5. Januar 1915. 32. Jahrg. Schlechtes Wetter in Ost und in Polen.— Lebhafte Tätigkeit im Der heutige Bericht der obersten Heeresleitung. Großes Hauptquartier. 5. Jan. Vormittags.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Nördlich Arras sprengten unsere Truppen einen Schützengraben von 200 Meter Länge und machten dabei einige Gefangene. Spätere Gegenaneriffe des Gegners scheiterten. In den Argonnen wurde nmehrere französische Vorstöße zurückgewiesen. Eein französischer Angriff zwischen Steinbach und Uffholz wurde im Bajonettkampf abgeschlagen. Oestlicher Kriegsschauplatz. In Ostpreußen und im nördlichen Polen ist die Lage unverändert. Unsere Angriffe östlich der Bzura bei Kozlow=Biskupi und füdlich machen Fortschritte. Auch nordöstlich Bolimow drangen unsere Truppen östlich der Rawka über Humin und Höhen nördlich davon vor. Weiter südlich bis zur Pilica sowie auf dem rechten Pilica=Ufer hat sich nichts verändert. Der Zustand der Wege und ungünstiges Wetter hinderten unsere Bewegungen. Oberste Heeresleitung. Das Allerneueste. vom englischen Oberhause. WTB. London, 5. Januar. Der parlamentarische Berichterstatter der Times erfährt, daß das Oberhaus in der bevorstehenden kurzen Sitzung an den Minister Fragen über den Verlauf des Krieges während der letzten Wochen stellen werde Kitchener werde Gelegenheit haben, von neuem eine Erklärung abzugeben. Weiterhin wird sich das Oberhaus mit der Retrutierung und Ausstattung der neuen Armeen und dem noch immer ungelösten Problem, wie Informationen nach Deutschland durchdringen können, befassen. Die Regierung wird wahrscheinlich aufgefordert werden. über die Prinzipien, von denen sie sich bei der Organisation der Hilfsquellen des Landes für die Fortsetzung des Krieges auf dem Kontinent leiten läßt, klare Auskunft zu erteilen. Strenge Auswahl. WTB. Lyon, 5. Januar. Der Nouveliste meldet aus Paris: Die Rekrutierungsarbeiten für die Jahrestlasse 1916 haben begonnen. Die Untersuchungskommissionen erhielten den Auftrag, nur solche Leute in die Armee einzurethen, die trotz ihrer Jugend die Strapazen des Feldzuges auszuhalten vermögen. Starker Schneefall. Hannover, 5. Dez. Seit gesteen Vormittag herrscht hier ununterbrochen starker Schneefall. Unler der Last des Schnees sind vielfach Drähte gerissen. Der Fernsprechverkehr hat unter großen Störungen zu leiden. Verhaftung einer russischen Spionin. WTB. Sosia, 5. Jan. Die Zeitung Dnewik berichtet über die sensationelle Verhaftung einer russtschen Spionin. Sie hatte einen russischen Namen angenommen und der russischen Gesandtschaft auf von dieser gesandte Fragebogen regelmäßige Spionageberichte geliefert. Von unseren Dreibunds, freunden“. (b. Triest, 5. Jan. Nach einer Meldung aus Venedig kam es nach einer Vereinsversammlung zu Zusammenstößen zwischen Nationalisten und Sozialbem=kraten. Die Nationalisten behielten die Oberhand und zogen zum belgischen Konsulat, um dort eine Kundgebung zu veranstalten. Als sie zum deutschen Kensulat ziehen wollten, wurden sie verstreut. Die Franzosen erobern das Dorf Steinbach. Wie der vergangene Sonnabend so war auch der Sonntag auf dem westlichen Kriegsschauplatze von Artilleriekämpfen beherrscht. Nur an einem Punkte unternahmen die Franzosen einen heftigen Angriff und diesmal blühte ihnen der Erfolg. Sie eroberten das oberelsässische Dorf Steinbach zwischen Thann und Mülhausen, das sie am 15. Dezember verloren hatten. Steinbach hat zur Deckung der französischen Stellung bei Thann immerhin eine gewisse Bedeutung, ebenso wie auch die Höhe westlich Sennheim. die ja ebenfalls von den Franzosen genommen worden ist. Sennheim liegt an der Straße, die nach Mülhausen führt. Aber dieses Erfolges bei Sennheim sind die Franzosen nicht froh geworden. Die Unseren haben die Franzosen mit dem Bajonett von der Höhe vertrieben und gleichzeitig ist auch Steinbach von neuem angegriffen worden. Joffre entschuldigt die geringen Erfolge seines Vorstoßes, nicht nur im Oberelsaß, mit dem Regen. Wertvoll dabei ist für uns, daß der französische Oberbefehlshaber zugibt, daß die Tätigkeit seiner Truppen sich verlangsamt hat. Das hört sich nicht an, als ob er seine Truppen absichtlich zurückhalte, um zu einem Hauptschlage auszuholen. Es spricht daraus vielmehr die Sorge, die Franzosen zweifelten schon heute an dem Erfolge seiner Offensive, und er müsse sie unter allen Umständen beruhigen und dazu bietet ihm das Regenwetter ein bequemes Mittel. Daß die ungünstigen Witterungsverhältnisse in der Tat die kriegerischen Vorgänge sehr beeinflussen, soll natürlich nicht bestritten werden. Nur ausschlaggebend dürfen sie nicht sein. Die Kämpfe in Polen. Wie im Westen so beeinträchtigten auch im Osten die ungünstigen Witterungsverhältnisse die kriegerlschen Ereignisse. Tagelang hatten unsere Truppen unter der Ungunst des Wetters arg zu leiden, und doch hat unser Angriff ununterbrochen Fortschritte gemacht. Dagegen hatte ein russischer Angriffsversuch in Galizien ein für den Angreifer höchst betrübliches Ergebnis. Die Russen kamen nicht vorwärts, aber die österreichisch=ungarischen Truppen gingen ihrerseits zum Angriff über und nahmen eine wichtige Höhe südlich Gorlice, in der Nähe von Biala. Der mißglückte Angriff bei Gorlice währte den ganzen Tag. Das beweist, wie zäh die Russen um die Sicherung ihrer rückwärtigen Verbindungen in Galizien kämpfen. Ein Vorstoß der Russen über die Karpathen hinaus wird von Tag zu Tag unwahrscheinlicher und undurchführbarer. „* WTB. Wien, 5. Jan. Amtlich wird verlautbart vom 4. Januar: In den hartnäckigen Kämpfen im Raume südlich Gorlice, die sich unter den schwierigsten Witterungsverhältnissen abspielten, sicherten sich unsere braven Truppen durch Besitzuahme einer wichtigen Höheulinie eine günstige Basis für die weiteren Ereignisse. In den Karpathen keine Veränderungen. Im oberen Ungiale nur kleinere Gesechte. Während der Kämpfe in der Weibnachtszeit wurden am nördlichen Kriegsschauplatz 37 Offiziere und 12698 Mann gefangen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. v. Höfer, Feldmarschalleutnant. bb. Wie dem Lokalanzeiger telegraphiert wird, drahtet das Reutersche Bureau aus Petersburg, daß die Deutschen am 3. Januar abends versucht hätten, nach dem rechten Ufer der Weichsel überzusetzen. WTB. Budapest. 5. Jan. Nach dem„Pester Lloyd“ gestaltet sich die militärische Lage in den Karpathen andauernd gunstig. Dem Vordringen der russischen Truppen ist zum größten Teil Einhalt gevoten worden. Wo sie ungarisches Gebiet betreten konnten, wurden sie hart an der Grenze zum Stehen gebracht. WIB. Wien, 5. Jan. Der Kriegsberichterstatter der „Sonn= und Montagszeitung" telegraphierte am 3. Januar abends seinem Blatte: Die russische Offensive in Westgalizien schien ursprünglich eine Umfassung unserer Kräfte über Neusande gegen Krakau zu bezwecken, was eine ähnliche Situation geschaffen hätte wie in der Schlacht bei Limanowa. Nunmehr steht fest, daß die Russen auf unsere Karpathenkräfte drücken, um ungehinvert frontal vom Dunajee über Bochnia gegen Krakau vorzustoßen. Diese Absicht scheiterte an unseren günstigen Stellungen am Dunajee, wo wiederholte Angriffe der Russen— der heftigste gestern— unter furchtbaren Verlusten zu. sammengebrochen sind. Der Vorstoß der Russen gegen den Uszoler Patz ist ebenfalls, wie die Kämpfe in den Ostkarpathen, von untergeordneter Bedeutung. Ungarischen Blättern zufolge haben in den jüngsten Tagen heftige Kämpfe in den Karpathen stattgefunden, in denen die russische Armee, insbesondere bei Oekermezos und im Latorezatal, schwere VerInste erlitten haben. TU. Wien, 5. Jan. Aus Ungvar wird dem„Magyar Oszak“ gemeldet: Nach der Uszoker Niederlage der Russen haben unfere Truppen während der Verfolgung des Feindes die ungarische Grenze überschritten. Die Angriffsversuche der Russen wurden abgewiesen. Der Feind hat vorgestern auf der Also Veneczke eine Niederlage erlitten, so daß die russische Armee nach Osten zu flüchten sich genötigt sah. Bei Berick sind die Kämpfe im Gange. Der Feind ist auch hier im Rückzuge begriffen. Deutsche Verwaltung in Polen. WIB. Berlin, 5. Jan. Für die von den deutschen Truppen besetzten Gebietstelle von Russisch=Polen ist eine Zivilverwaltung mit Wirkung vom 5. Januar 1915 eingesetzt worden. Zum Verwaltungschef ist der Regierungspräsident z. D. v. Brandenstein unter Beilegung des Prädikats Exzellenz ernannt. Der Verwaltungschef wird seinen Sitz zunächst in Posen nehmen. ** Die Kraftleistung unserer Verbündeten. WTB. Wien, 4. Jan. Die Wiener Sonn= und Montagszeitung schreibt: Unsere tapferen Armeen haben die russische Heereswoge in ihrem Vormarsch ins Herz Deutschlands und der Monarchte aufgehaletn und damit eine Tat vollbracht, die nicht nur das Staunen der Zeitgenossen hervor ruft, sondern in der Kriegsgeschichte durch Jahrhunderte als ruhmvollste Leistung einer Minderheit gegen eine Ueberzahl gepriesen werden. wird. Gleschzeitig haben wir auch durch kluges Zusammenfassen unserer bürgerlichen Widerstandskraft der Ausbreitung der sozialen Not eine Schranke gezogen, und so uns dem wirtschaftlichen Verfall erfolgreich entgegengestellt. Wohl vorbereitete soziale Fürsorge schaltete diese Gefahr sowohl in Deutschland, als auch in Oesterreich=Ungarn vollständig aus. Die staatliche Unterstützungen für die Familien der Einberufenen, die rechtzeitige Fürsorge für die Beschäftigung der Arbeitslosen, die sorgfältige Ausnützung aller produktiven Kräfte im Dienst der militärischen und staatlichen Aufgaben hat uns vor dem Gespenst einer sozialen und wirtschaftlichen Krisis behütet und die Schrecken und Sorgen des Krieges vermindert, die militärische Leistungsfähigkeit in einer alle Berechnungen übersteigendem Maß gesteigert und vor allem das Zutrauen in die eigne wirtschaftliche und soziale Kraft gefestigt, und es hervorgerufen und gesteigert, wo es etwa gefehlt hat. Geradezu überwältigend ist aber der Triumph, den sowohl Deutschland als auch die Monarchie auf sinanziellem Gebiete gefeiert haben. Die Zeichnungen und die Einzahlungen auf die Kriegsanleihen lieferten den Beweis unserer finanziellen Unabhängigkeit vom Auslande. Haben unsere Gegner uns schon am Beginn des Krieges verhöhnt, daß unsere Widerstandskraft nur allzubald an dem Fehlen der finanziellen Mittel erlahmen werde, deren der Krieg bedarf, so sehen sie nun, daß diese Mittel einen solchen Umfang haben, daß von ihrer Erschöpfung keine Rede sein kann. Mehr als 3 Milliarden Kronen wurden für die Kriegsanleihe in Oesterreich=Ungarn gezeichnet. Dabei wurden die Einlagen bei den Banken und Sparkassen nur im Betrage von 10 Prozent in Anspruch genommen. (Fin Beweis für die kinanzielle Kraft der Bevölkerung Ein Beweis für die finanzielle Kraft der Bevölkerung der Monarchie, die erst bei dieser Gelegenheit zum ersten Male zum allgemeinen Bewußtsein gekommen ist. Wie groß dieser Erfolg ist, und wie stark er auf unsere Feinde gewirkt hat, beweisen ihre fortwährenden Versuche, ihn herabzusetzen und zu verkleinern. Das kräftige Menschenmaterial, reichlich und musterhaft ausgerüstet, sorgfältig, und gewissenhaft mil tärisch eingeübt, das wir in den letzten Tagen des verflossenen Jahres an die Front schickten, ist ein Beweis, daß auch auf diesem Gebiet der Monarchie Hilfsquellen zur Verfügung stehen, die alle Berechnungen unserer Gegner zu Schanden machen. Schon sind die neuen Einberufungsordres veröffentlicht und die eben verlassenen Uebungsplätze der abgegangenen Truppen werden von neuen Eingerückten besiedelt. Schon stehen auch Mannschaften bereit, die auch diese Neueingerückten in angemessener Zeit wieder ablösen werden. Wie zerschmetternd diese Kraftleistung der Monarchie auf unsere Feinde wirkt, beweist die Tatsache, daß die Ententepresse täglich ihre Leser durch Nachrichten über revolutionäre Vorgänge in Budapest, Wien oder sonstwo in der Monarchie zu trösten sucht Die heftigen Kämpfe an der Bzura und Nawka. TU. Genf, 5. Jan., 4 Uhr nachts. Nach einer hier eingetroffenen Meldung nimmt in Polen am Laufe der Bzura und Rawka die Schlacht mit großer Heftigkeit ihren Fortgang. Man berichtet von fürchterlichen Angriffen, die die Deutschen mit Warschau als Ziel an der Bzura unternommen haben. Mit großer Erbitterung toben die Kämpfe östlich von Lowitsch. Ueberall macht sich ein gewaltiger Kraftaufwand der Deutschen bemerkbar, um die ruissische Front zu durchbrechen. Russische Berichte über die Kämpfe in Polen. TU. Rotterdam, 5. Jan., 4 Uhr nachts. Reuter meldet aus Petersburg: Die Deutschen versuchten am Samstag, am rechten Weichselufer festen Fuß zu fassen, wurden aber zurückgeschlagen. Russischerseits wird zugegeben, daß die Russen nordöstlich von Rawa an Boden verloren haben. Nachts zwischen 1 und 2 Uhr machten sie wütende Gegenangriffe, vermochten aber nur einen Teil des verlorenen Terrains wiederzugewinnen. In einem amtlichen Bericht wird von einigen Gesechten nordöstlich von Malogog gesprochen, während vorgestern von Einzelkämpfen nordwestlich dieses Ortes die Rede war. Der Warschauer „Times“=Korrespondent berichtet vom 31. Dezember: Die Deutschen nahmen gestern mit großer Heftigkeit die Offensive an der Bzura wieder auf. Ihr Ziel war vermutlich Sochatschew. Dieser Angriff, der vermutlich der Ilowstellung zur Stütze diente, wurde nicht erwartet. Der Kampf begann morgens früh. Im Laufe des Tages machten die Deutschen auf die russische Stellung fünfzig Sturmangriffe nacheinander. Die letzte Meldung, die von einem eben eingetroffenen Offizier herrührt, besagt, daß bis jetzt alle Angriffe unter schweren Verlusten für die Deutschen abgewiesen seien. Da die Deutschen über eine offene Fläche gegen die russische Flußstellung aufmarschieren mußten, ist es möglich, daß ihre Verluste erheblich sind. Alle Meldungen darüber sind aber mit Vorbehalt aufzunehmen. Derselbe Offizier erklärt, daß die Deutschen mit unglaublicher Tapferkeit kämpften, aber wegen der Anstrengungen der letzten Wochen der Erschöpfung nahe sein dürften. Man drückt in Warschau jetzt die Hoffnung aus, daß die Russen nicht zum weiteren Rückzuge gezwungen sein werden. Sollte dies doch der Fall sein, so dürfte dieser Umstand nicht beunruhigend wirken, denn, wie ich aus guter Quelle erfahre, ist im Feldzugsplan die Bzuralinie nur als vorübergehende Widerstandslinie gedacht, während die Blonielinie als eigentliche feste Verteidigungslinie geplant ist. Mildes Wetter in Polen. Mailand, 5. Jan. Der„Corriere“ gibt den Bericht des „Times“=Korrespondenten aus Warschau wieder: In Polen ist das Wetter von einer Milde sondergleichen, aber es regnet und die Straßen sind nichts weiter als tiefer Morast und die Felder machen ein Weiterkommen der schweren Artillerie direkt unmöglich. Es ist kein daß das Wetter die Ursache des Stillstandes der deutschen Offensive ist, aber das Wetter kann sich mit jedem Tagverändern, und mit der Kälte wird auch sicherlich di Offensive wieder ausgenommen werden. Einstweilen haben die Deutschen Zeit, sich mit Munition und Reserven wieder zu versorgen, bevor sie einen neuen Angriff unternehmen, und möglicherweise wird der deutsche Generalstab den Waffenstillstand benutzen, um einen neuen Plan vorzubereiten. Während der Ruhepause verstärken die Deutschen auch immerwährend die Schlachtfront mit frischen Truppen. Die Deutschen haben an der Front der Bzura hervorragende Befestigungen. Der russische Landungsversuch bei Jaffa. WTB. Konstantinovel, 5. Jan. Ueber die russtschen Landungsversuche bei Jaffa wird aus glaubwürdiger Quelle berichtet, daß von dem türtischen Blockhause aus das Feuer gegen den Kreuzer„Askold“ eröffnet worden ist, wodurch einige Seesoldaten getötet wurden. Der„Askold“ entsandte ein mit einem Maschinengewehr ausgerüstetes Boot, um die Leichen der gefallenen Seesoldaten aufzulesen. Auf türkischer Seite gab es weder Tote noch Verwundete. Die Forts von Namur und Lüttich wiederhergestellt. 7U. Amsterdam, 5. Jan. Aus London meldet das elsblad“: Bei Namur und Lüttich sind die is durch die Deutschen wiederhergestellt Englische Verluste. Die englische Verlustliste vom 31. Dezember enthält die Namen von 75 Offizieren und 580 Mann. Getötct sind 25 bezw. 52, gestorben 2 bezw. 49, verwundet 27 beziv 831, vermißt werden 15 bezw. 148. Verwundet und vermißt sind vier Offiziere, gesangengenommen zwei. Die Verluste der indischen Streitkräfte werden als schwer anFrankreichs Hilferuf nach den Japauern. WTB. Poris, 5. Jan. Clemenceau erklärt im„Homme Enchalns“, er glaube zu wissen, daß die Frage einer sapanischen Intervention ernsthaft geprüft werde und sordert nochmals dringend eine Intervention. Es sei ndisch, einzig und allein auf den Erfolg des berüchtigden Aufreibungskriegs zu vertrauen, der die Verbündeten ebenso wie die Feinde aufreibe. Der Schützengrabenkrieg könne niemals lediglich durch die Erschöpfung des Gegners zum Siege führen. Die Regierung, die den Beweis großer Tätigkeit erbracht habe, müsse auch die Kontrolle über militurische Altionen ausüben, ohne daß dadurch die Entschlußfreiheit des Oberkommandanten eingeschränkt werde. Sie sei schließlich an der Macht, um zu regieren, nicht um eine große Pose zu übernehmen. Wenn die Regierung glaube, die militärische Aktion gehe sie nichts an und sie habe alle Energie aufgewendet, so sei es nicht verwunderlich, wenn sie weder über die Vorbereitung zur Offensive, noch über die etwalgen Ersolge des Kampfes bis zum äußersten Bescheid wisse, dessen Dauer niemand ermessen könne. Die deutschen Fortschritte in Flandern und Frankreich. bb. Berlin, 3. Jan., 12 Uhr mittags. Aus Flandern und Ostfrankreich werden starke Schäden durch deutsche Fliegerbomben gemeldet. Nächst Furneß, dem Hauptquartier des Königs Albert, sind getroffen, Remiremont und Umgebung. Die Militärtransporte wurden durch Tauben beschossen und schwer beschädigt. Infolge geschickt kombinierter und hartnäckig durchgeführter Tag= und Nachtangriffe sind die Deutschen bei Arras, Albert und Roye, im Woevregebiet und auf den Maßhöhen höchst erfolgreich gewesen. Gegen unsere schwere Artillerie in der Umgebung von Reims sind erbitterte Kämpfe im Gange. Im Gruerie=Gehölz im Argonnerwalde, wo die Deutschen neulich starke Fortschritte machten, wurden diese Fortschritte fortgesetzt Cransport indischer Cruppen von Aegupten nach Nordfrankreich. TU. Rom, 4. Jan. Ein Brief des„Giornale d'Italia“ Kairo berichtet: Sämtliche nach Aegypten dirigierten schen Truppen wurden Hals über Kopf nach Frankreich geschickt. Der Grund des Truppenwechsels ist die Furcht der Engländer, daß die muselmanischen Indier nicht gegen ihre Glaubensgenossen kämpfen würden. Ein französisches Konzentrationslager in italienischer Beleuchtung. TU. Rom, 5. Jan. In dem durchaus franzosenfreundlichen„Corriere della Sera“ wird das Konzentrationslager von Rochefort geschildert, wo an 800 Deutsche und Oesterreicher untergebracht sind. Das Lager besteht in einer Kaserne, wo die Zivilgefangenen schlimmer als Sträflinge behandelt und gehalten werden. Die Leute, unter denen viele Gebildete sind, welche die Grenze nicht mehr rechtzeitig erreichen konnten, schlasen seit Kriegsbeginn auf demselben nicht erneuerten Stroh, ohne Decken und erhalten ganz ungenügende Nahrung.„Corriere della Sera“ wendet sich an die französische Regierung, sie möge wenigstens die Oesterreicher italienischer Nationalität freilassen, was eine großmütige Geste Frankreichs wäre. Uebrigens werde ihnen das Nahen entscheidender Ereignisse wohl ohnehin bald die Kerkertüren öffnen. Zum Untergang des„Formidable“. 7U. London, 5. Jan. Von dem torpedierten Linienschiff„Formidable“ sind noch 13 Mann gerettet worden, die in einem Kutter bei Lymeregis angespült wurden. Der Kutter hatte schwere Stunden durchmachen müssen, ehe er das Land erreichte. Ursprünglich hatten sich 60 Mann an Bord befunden, die von dem untergegangenen Kriegsschiff herabgesprungen waren. Infolge Entkräftigung starben nach und nach eine Reihe von ihnen, und nachdem der Kutter 21 Stunden unterwegs gewesen war, bis er von einem Küstenwächter entdeckt wurde, befanden sich noch 20 Lebende und sechs Tote an Bord. An Land starben dann sieben Mann ebenfalls insolge vollständiger Erschöpfung. Die übrigen Geretteten wurden zur Pflege in ein Krankenhaus gebracht. WTB. Paris, 5. Jan. Ueber den Untergang des englischen Linienschiffes„Formidable“ schreibt das„Echo de Paris“: Die Vergeltung wird nicht lange auf sich warten lassen.— Der„Temps“ erinnert an Churchills Worte, daß England jeden Monat einen Ueberdreadnought verlieren könne, odne daß seine Vorherrschaft zur See erschüttert werde.—„Liberté“ meint: Die Kühnheit, mit der die deutschen Unterseeboote vorgehen, müsse unbedingt gebündigt werden.—„Lyon Republique“ erklärt: Deutschland gleiche die Unterlegenheit seiner Hochseeflotte durch seine hervorragende Ausrüftung für den Unterseekrieg aus. Es müßten andere Maßregeln angewandt werden, um diesen plötzlichen mörderischen Angriffen entgegenzutreten. WTB. Londen, 5. Jan. Meldung des Reuterschen Bureaus. Ueber den Untergang des„Jormidable“ sagt ein geretteter Matrofe folgendes aus: Die meisten hatten sich zur Ruhe begeben, als die Explosion erfolgte. Nachdem der Kapitän erkannt hatte, daß etwas Ernsthaftes geschehen war, gab er Besehl, die Boote auszusetzen. Das war allein am Steuerbord möglich, va das Schiff nach vieser Seite überholte. Als die Geretteten das Schiff verließen, sahen sie viele auf dem Achterdeck, von denen die metsten ihre Pseise oder eine Zigarette muchten. Der Kapitän stand mit seinem Hunde neben sich auf der Brücke, eine Zigarette im Munde. Seine letzten Worte waren: Haltet euch gut, Leute, alles geht gut, keine Panik, zeigt euch als Briten. Der Matrose wurde nach dem Untergang des Schiffes betäubt aufgefischt. bb. Rotterdam. 4. Jan. Die„Times“ melden über den Untergang der„Formidable“ folgendes: Die englische Nation wird mit tieser Betrübnis, jedoch mit unerschüttterlichem Vertrauen den Verlust des Schlachtschiffes „Formidable“ aufnehmen. Obschon dieses Kriegsschiff nicht mehr in der ersten Schlachtlinie gebraucht wurde, war die„Fblmoadle“ immer noch ein gut brauchbares und schnelles Schiff. Die„Iv#moavie“ hat bereits seit Ausbruch des Krieges viele große Taten verrichtet, und es würde Unsinn sein, zu sagen, daß ihr Verlust nicht von Belang sei. Wir wünschen unsere Schiffe nicht zu verlieren. und wenn eins zugrunde geht, dann ist es ebenso unsinnig, zu sagen, daß so etwas nicht geschehen könne Und wenn das so ist, dann dürfen wir nicht darüber klage FR-6 945 R (SermalneP * 7%— Nasspas am Gondrechu bor Apremont VIITEY X Commergg.— #. oUl he-S ae Karte zu den Kämpfen in den Argonnen Deutsche Hilfskreuzer an der Arbeit. TU. Basel. 5. Jan. Den„Baseler Nachrichten“ zufolge ist in Mailand eine Meldung aus Schanghai eingetrossen, daß der Hafenkapitän von Rangoon in Siam die die benachbarten Gewässer befahrenden Schisse vor dem Dreimaster„Agasha“ gewarnt habe, welcher mit den deutschen Resten der Besatzung der„Emden“ und vier Maschinengewehren an Bord seine Operationen gegen die Handelsschiffahrt fortsetze und bereits viele Küstenfahrzeuge versenkt habe. Auch der Kohlendampfer„Oxford“ sei von den Deutschen genommen und in einen Hilfskreuzer umgewandelt worden. Diese Schisse seien der Verfolgung durch die Flotte der Verbündeten bisher entronnen. Die„Baseler Nachrichten“. melden weiter, daß der Kommandant von Windau verboten habe, bei Dunkelheit nach der Seeseite Licht zu brennen. TU. London, 5. Jan. Die Marineabteilung des Board of Trade empfing im vergangenen Monat Berichte über den Verlust von 35 britischen Dampfschiffen mit 119 Personen und 32 britischen Segelschiffen mit einem Verlust von 25 Personen. Fünf Dampfer mit einem Gesamtgehalt von 15795 Tonnen wurden durch deutsche Kriegsschiffe zum Sinken gebracht, sieben weitere Dampfer mit insgesamt 7432 Tonnen mit 25 Personen sanken durch Minen Der heilige Krieg. Wie in Polen, so sind auch im Kautasus die Russen in die Verteidigung gedrängt worden. Südlich wie nördlich von Kars stehen bereits osmanische Truppen; Saykamisch an der Straße Erzerum=Kars wie Ardagan, ein wichtiger Straßen=Knotenpunkt nördlich Kars. sind jetzt unbestritten im Besitz der Türken. Die Russen haben auch in diesen Kämpfen mit dem osmanischen Erbfeinde viel Gesangene verloren. Sie müssen jetzt allen Ernstes mit einer Belagerung von Kars rechnen. WTB. Konstantinopel. 5. Januar. Der Major im Generalstab, Suleiman Askart, wurde unter gleichzeitiger Beförderung zum Obersten zum Wali von Bassore und zum Kommandanten der dort garnisonierenden 38. Division ernannt. Der Wali von Mossil, Suleiman Nasib Bey, wurde zum Wali von Bagdad ernannt. An seine Stelle ist der interimistische Wali von Bagdad, Reschid, berufen worden. Dschefdet Bey wurde zum Wali von Wan ernannt. WTB. Konstantinovel, 4. Januar. Die Postund Telegraphenverwaltung kündigte die Eröffnung eines Telegraphenamtes in der kaukasischen Stadt Olty an, das öffentliche Telegramme befördert. WTB. Konstantinopel, 5. Jan. Der Sultan empfing gestern Nachmittag eine Abordnung des deutschen Roten Kreuzes. Der Empfang trug einen überaus herzlichen Charakter. Geographiekenntnis der Franzosen. Der Maire von Einoille bei Luneville war in Ulm als Geisel. Nach seiner Freilassung erzählt er dem Pariser„Journal“ folgende Geschichte. Ueber dem Lager der Franzosen in Ulm war die deutsche Fahne gehißt. Das paßte den Württembergern nicht, sie entfernten sie und pflanzten die württembergische auf. Diese wurde aber von den anderen ebenfallt hinuntergeholt. Nun weht keine Fahne mehr. Soweit zeugt die Erzählung von blübender Phantasie: denn daß sie nicht stimmt, ist jedem Deutschen klar. Der Maire aber schließt sodann aus dem erzählten Vorgange, daß unter den Westfalen separatistische, also Lostrennungsbestrebungen im Wachsen sind. Westfalen! Und das ist kein Druckfehler. Die Franzosen haben vom Königreich Westfalen gehört und stellen sich daher Westfalen als einen sehr großen Teil Deutschlands vor, der mindestens von Hannover bis Stuttgart reicht. Man trifft diese Meinung bei Franzosen, mit denen man sich unterhält, häufig an. Auch die Redaktton des„Journal“ weiß es offenbar nicht besser. König Ludwig III. Ehrentag. Am 7. Januar wird Bayerns König 70 Jahre alt. Welch ein ereignisreiches Jahr ist das zweite seines Königtums geworden! Wie 1870 tst des Landes rüstige Kriegerschar an die Grenze des Franzmannes hinausgestürmt, die treue Wacht zu hüten. Diesesmal nicht die am Rheinstrome, die damals bei Weißenburg und Wörth ihre Feuertause bestand, sondern weiter draußen im Lothringer Lande. Aber wieder waren es die Bayern, von denen uns die erste frohe Siegeskunde kam. In der heißen Schlacht von Saarburg und Dieuze machte der Erbe der Bayernkrone durch die von ihm geführte Armee den Boden der damals zurückgewonnenen Westmark von einem neuen Feindeseinbruche frei(20=21. August). Daß jener große Erfolg nicht die schnellen Früchte des Wörther geitigte, daß das kühne Virdringen gleich hinter der französischen Grenze an der Kette der Sperrforts eine lange hemmende Schranke fand, war nicht die Schuld Kronprinz Rupprechts und seiner Bayern. Vielleicht war es auch gut für die moralische Erziehung des Bayernvolkes, daß es in schon bald 5 Monaten eines zahen Stellungskampfes die höhere Tugend des Ausharrens, der Standhaftigkeit in schwierigen Umständen zu der einfacheren des mutigen Draufgehens hinzulernen mußte. Des Lebens ungemischte Freude wird nun einmal aus dieser Welt den Völkern so wenig wie den einzelnen zutetl. In dem Festjubel der Saarburger Schlacht fiel nach wenigen Tagen der schrille Mißklang eines Todesfalles im Königshause, der den noch nicht zur Kriegsmannbarkeit herangereiften ältesten Sohn des kronprinzlichen Siegers mit unbarmherziger Sense durch tückische Krankheit hinwegmähte. König Ludwig ist persönlich, trotz seines hohen Alters, zu wiederholten Malen ins Feld hinausgefahren, seinen tapferen Bayernscharen den verdienten königlichen Tank zu sagen. Mit welchem Jubel werden die Truppen den geliebten alten Herrn begrüßt haben. Im Felde, wie daheim in Stadt und Land und auf hoher Alp schlägt das bayrische Herz mit Begeisterung für sein angestammtes Herrscherh aus und dessen gegenwärtigen Vertreter insonderheit. Aber auch wir anderen deutschen Stämme vereinigen unsere Stimmen an diesem Ehrentage mit den Bajuvaren zu dem aufrichtigen herzlichen Wunsche:, Lang lebe König Ludwig 3. und walte Bayerns in alter Frische seines echt deutschen Fühlens und Wirkens. Geburtstagserlaß des Königs von Bayern. WTB. München, 5. Jan. Wie die„Korrespondenz Hoffmann“ meldet, hat der König an den Staatsminister ein Handschreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt: Seit nun fünf Monaten stehen Deutschlands beste Söhne in schwerem Kampfe vor dem Feinde. Ich habe den dringenden Wunsch ausgesprochen, daß von größeren Festlichkeiten aus Anlaß meines 70. Geburtstages Abstand genommen werde. Dieser Wunsch hat überall verständnisvolle Aufnahme gefunden. Mit stolzer und freudiger Anerkennung blicke ich auf die tapfere bayrische Armee, die in heldenmütigem Kampfe sich als würdiges Glied des deutschen Heeres erwiesen hat. Mit stiller Wehmut gedenke ich der Helden, die ihr Blut für das Vaterland vergossen haben. In einem langen Leben war mein Bemühen darauf gerichtet, das Land und seine Bedürfnisse kennen zu lernen. Felsenfest ist meine Zuversicht, daß ein siegreiches Niederringen aller Feinde uns einen dauernden Frieden sichert, der wert ist der schweren Opfer. Gott schütze mein liebes Bayern, er schirme Kaiser und Reich und verleihe den Deutschen und dem in treuer Waffenbrüderschaft verbundenen österreichisch=ungarischen Heer den Sieg über unsere Feinde.— Aus Anlaß seines Geburtstages hat der König 100000 Mark zur Verfügung gestellt zur Fürsorge für die Angehörigen der Kriegsteilnehmer und zur Linderung der durch den Krieg verursachten Notlage Deutsches Reich Lehen Sie, das ist ein Geschäft! Eine Versammlung von Viehhändlern in Frankfurt a. M. hat sich mit der Schlachtviehlieferung für eine Armeekonservensabrik beschäftigt. In der Versammlung wurde behauptet, daß der Mann, der sich ein Monopol auf diese Lieferung zu sichern gewußt habe, dabei einen wöchentlichen Verdienst von 32000 Mark(1) erziele. Wir sind nicht in der Lage, diese immerhin von Sachverständigen aufgestellte Behauptung auf ihre Richtigkeit nachzuprüfen. Dringend erforderlich erscheint es uns aber, daß die Behörde diesen Dingen gründlich nachgehe. Alles, mus recht ist— aber ein Kriegsvrosit von 32000 Mark wöchentlich scheint uns nicht recht zu sein, bemerkt die„Welt am Montag" dazu. Lokales und provinzielles. Dortmund. 5. Januar. —: Ritter des Eisernen Kreuzes. Von den im Felde stehenden 79 Mitgliedern des Allgemeinen Turnvereins Dorstfeld erhielten bereits 5 das Eiserne Kreuz, nämlich: Gefr. Faller im Inf.Reg. 16, Feldwebel=Ltn. Starke im Landw.-Ins.= Reg. 34, Unteroffizier Hartwig im Pionier=Btl. 7, Unteroffizter Stegmann im Inf.=Reg. 16, Unteroffizier Thöne im Res.=Inf.=Reg. 94.— Ferner wurden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet Musketier Fritz Gernhardt im Inf.=Reg. 127 unter gleichzeitiger Ernennung zum Gefreiten und Bergassessor Fritz Kirchner beim hiesigen Oberbergamt, Reserveleutnant bei der Matrosenartillerie, unter gleichzeitiger Beförderung zum Oberleutnant. Letzterer, zur Zeit schwer verwundet, ist der Schwiegersohn des Ziegeleibesitzers Wilhelm Schröer, hier, Kaiser=Wilhelm=Allee 90.— Auch der Gefreite Heinrich Dirbusch, L. Komp., Inf.=Reg. Nr. 18, Sohn des Eisenbahnbürodieners Dirbusch. Schwanenstraße 68, hierselbst, wurde für besondere Tapferkett im Westen mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. —: Bischöfliche Erlauonis zur Arbeit, Da es sich bezüglich der Kohle versorgung der Bevölkerung, der Industrie sowie der Heeresverwaltung um die Frage eines nationalen Notstandes handelt, hat der Bischof von Paderborn den Vergarbeitern die Arbeit am Dreikönigsfeste(6. Januar) gestattet. Feier des kaiserlichen Geburtstages. Vom Büro des Königlichen Staatsministeriums ist folgende Notiz ergangen:„Bei dem Ernste der Zeit sollen an dem bevorstehenden Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers und Königs größere öffentliche Feste, die den Charakter von Vergnügungen haben. — wie z. B. Festessen, Theatervorstellungen oder Tanzbelustigungen— durchweg unterbleiben. Dagegen sind der Bedeutung des Tages entsprechende kirchliche Feiern in Aussicht genommen, und es ist darauf hinzuwirken, daß sie für alle Konsessionen in weitestem Umfange veranstaltet werden". Von seiten des Königlichen Kriegsministeriums ist an das Königliche Oberkommando in den Marken und an die stellvertretenden Generalkommandos folgender Erlaß ergangen:„1. Der Tag ist ein Festag, bei dessen Feien den Zeitverhältnissen Rechnung getragen werden muß 2 Großer Zapfenstreich und Wecken finden nicht statt, dagegen sind Militärgottesdienste abzuhalten Wo solche nicht stattfinden können, ist Teilnahme der Truppen am Gottesdienst der Zivilgemeinden nach näherer Vereinbarung mit den Zivil= und geistlichen Behörden vorzusehen. 3. Apell mit einer dem Tage entsprechenden Ansprache sind abzuhalten. 4. Die üblichen Mannschaftsfeiern wie sonst, insonderheit Tanz und offizielle Festessen, sind ausgeschlossen. : Dienstjubiläum. Der bei der städt. Steuerkasse tätige Stadtsekretär Ewald Hensel volllendete gestern eine 25=jährige ununterbrochene Tätigkeit im Dienste der hiesigen Stadtverwaltung. Aus diesem Anlaß ist dem Genannten von seiner vorgesetzten Behörde ein in anerkennenden Worten gehalteneg umunsschreihen und di. übliche Ehrengabe — Dank. Der Stadtverwaltung ging Agendes Dankschreiven zu: Eisenbahn=Betriebs=Kompagnie Nr. 19. Laon, den 23. Dezember 1914. Die Eisenbahn=Betriebs=Komp. Nr. 19 spricht für die ihr freundlichst überwiesenen Liebesgaben den herzlichsten Dank aus. Den Angehörigen der Kompagnie ist durch den überaus praktisch zusammengestellten Inhalt der Pakete eine recht große Freude bereitet worden. Die Kompagnie bittet, den gütigen Gebern den Dank der freudig überraschten Empfänger sehr gefälligst übermitteln zu wollen. gez. Bathmann, Oberleutnant der Res. und Kompagnie=Führer. —: Die städtischerseits eingerichtete militärische Vorbereitung ist nunmehr auch auf den bereits ausgehobenen ungedienten Landsturm ausgedehnt worden Die zur Teilnahme bereiten Landsturmpflichtigen werden den schon bestehenden Alterskompagnien als besondere Abteilungen angegliedert werden. Nachdem die Meldeversammlungen Sonntag, den 3. Jan. d. J. stattgefunden haben, wird die Eröffnung dieser Abteilungen am Mittwoch, den 6. Januar 1915, geschehen und zwar von 830 Uhr an, in der Turnhalle der Hermannschule, Adlerstr. 44 und in der Turnhalle des Lyzeums, Kronprinzenstraße 13. Weitere Meldungen werden dort sowie in der Geschäftsstelle, Nikolaistr. 2, Zimmer 348, entgegengenommen. Für Lindenhorst und Eving, sowie für Huckarde, Rahm Wischlingen, Deusen werden besondere Abteilungen im Anschluß an die schon bestehenden Kompagnien zu Eving bezw. zu Huckarde gebildet werden. Wegen der Abteilung in Eving erfolgt nähere Bekanntmachung. Die Eröffnung der Abteilung in Huckarde findet am Donnerstag, den 7. Januar abends 8,30 in der Wirtschaft Andrä statt —: Zum Rechnungsrat ernannt wurde der seit 1893 hier amtierende Landgerichtssekretär Heinrich Brinkmann. —: Feldpostbriefe nach dem Feldheer im Gewicht von über 250 Gramm bis 500 Gramm werden für die Zeit vom 11. bis einschließlich 17. Jan. 1915 von neuem zugelassen. Die Gebühr beträgt 20 Pfg. Die Sendungen müssen dauerhaft verpackt sein. Nur sehr starke Pappkasten, festes Packpapier oder dauerhafte Leinwand sind zu verwenden. — Bei der Dortmunder Sparkasse war im Monat Dezember eine Zunahme des Einlagelapitals von 936 391,78 Mark zu verzinsen. Die Mehreinlagen im Sparverkehr beziffern sich auf 1 396516,73 Mk. Im Scheckverkehr übersteigen die Rückzahlungen die Einzahlungen um 460 124,86 Mark. Der Einlagebestand stieg zuzüglich der zuzuschreibenden Zinsen auf rund 115 Millionen Mark. —( In der gestrigen Sitzung des Litteraturvereins fand eine angeregte Aussprache über litterarische und Bildungsfragen, die der Krieg hervorruft, statt. In der nächsten Versammlung wird, gegen der versandten Mitteilung, Herr W. Jahn berichten. Sein Gegenstand lautet:„Von uns über Börries nach Münchhausen.“ —: Astronomischer Verein. Morgen, Mittwoch, den 6. Januar wird abends 8,30 Uhr im Saale des„Nordstern"(Union=Bräu, Eingang von der Kölnischen Straße) Herr Oberlehrer Dr. Lindow einen Vortrag über„Das Sternenbild des Orion“ halten. * Berabofen, 4. Jan. Eine besondere Auszeichnung wurde dem Sohne des Fabrikarbeiters G. Fliege, von hier, für sein tapferes Verhalten auf dem östlichen Kriegsschauplatze zuteil. Derselbe erhielt nämlich das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse und wurde zum Vizefeldwebel befördert. Die ganze Gemeinde kann stolz darauf sein, solch' tapfere Krieger zu besitzen. = Hombruch. 4. Jan. Das Eiserne Kreuz erhielten hwegen Tapferkeit auf dem östlichen Kriegsschauplatz der Unteroffizier d. R. Postschaffner Jos. Jung, sowie der Reservist Bernh. Bredenbeck von hier. Velen, 6. Jan. In den gräflich Landsbergschen Moorkulturen sollen in der nächsten Zeit Kriegsgefangene zu Kultivierungsarbeiten eintressen. beste Cigarette " Aschederg, 3. Jan. Unter den auf der esigen Eisenbahnstrecke beschäftigten ausländischen Ar#tern entstand in vergangener Nacht eine Schlägerei, ###bei ein aus Russisch=Polen stammender Arbeiter erstochen wurde. Fünf der Beteiligten sind bereits verhaftet. = Koblenz. 4. Jan. Ein 18 Jahre alter Kaufmann war in einer Wirtschaft an einem Harmonium beschäftigt, als ein Landwehrmann mit geladenem aber nicht gesichertem Gewehr eintrat. Plötzlich entlud sich ein Schuß, der den jungen Mann so in den Hals traf, daß er sofort dot war. = Saarbrücken, 5. Januar. Nach Mitteilung von zuständiger Stelle hat die Meldung von Bombenwürfen aus Liesdorf bei Saarlouis keine Bestätigung gefanden. = Luxemburg, 5. Januar. Wegen Beraubung eines mit Liebesgaben beladenen Waggons wurden mehrere auf der Bahnstrecke beschäftigte Rottenarbeiter verhaftet. : Weimar, 5. Januar. Im Thüringer Wald berrscht seit gestern Schneesturm. Der Schnee liegt an manchen Stellen 60 Zentimeter hoch. Der Verkehr ist gestört. Mit Schneepflügen werden die Wege mühsam wiederhergestellt. = Berlin, 5. Januar. Geheimer Admiralitätsrat Rottok vom Reichsmarineamt ist in Berlin=Friedenuu gestorben. Berlin, 4. Januu.. Die Gemeindebehörden Berlins haben, nur die Sympathie für das türlische Volk zu bekunden, für den Roten Halbmond eine Spende von 20000 Mark bewilligt. = Zabrze, 5. Dez. Wie die Stadt Zabrze hat setzt auch der ganze Landtreis um die landesherrliche Genehmigung zur Aenderung seines Namens in Hindenburg O. S. nachgesucht. General von Hindenburg hat dem Landrat und dem Polizeidirektor zu Zabrze sein Einverständnis ausgesprochen. Die erste Fahrt des Vereinslazarettzuges V 2 der Zweigvereine vom Roten Kreuz Essen und Dortmund. Der Vereinslazarettzug trat am 27. Tezember 1914. mittagk 12 Uhr 18 Minuten, von Essen aus seine erste Fahrt an. Der Zug fuhr über Aachen, Lüttich nach Verwik in Belgien, woselbst er die ersten Verwundeten aufnahm. In Verwil konnten die Teilactmer des Zuges den Geschützdonner und teilweise auch die Trompetensignale deutlich vernehmen. Die durch den anhaltenden heftigen Kanonendonner verursachte Erschütterung war zeitweise derartig, daß die Lazarettwagen erzitterten und in dem Küchenwagen sich die Töpfe bewegten. Von Verwik aus ging die Fahrt am 29. Tezember 1914 nach Menines weiter, wo wiederum Verwundete ausgenommen wurden. Dann uhr der Zug über Coutrai, St. Catharine nach Ingelmünster weiter; einige Kilometer hinter diesem Ort wurden nochmals Verwundete eingeladen. Am 30. Dezember trat der Lazarettzug, nachdem er insgesamt 285 Schwerverwundete ausgenommen hatte,##daß er voll belegt war, über Gent, Mecheln, Löwen, Lüttich die Rückfahrt an. Einer der Verwundeten starb unterwegs; seine Leiche wurde in Coutrai ausgeladen. Am Silvester Abend gegen 11 Uhr langte der Zug wieder in Essen an. Hier wurden 172 Schwerverwundete aus dem Zuge herausgenimmen und den Essener Lazaretten überwiesen. Die übrigen Verwundeten wurden mit dem Lazarettzug weiter nach Wattenscheid befördert und dem dortigen Lazarett zugeführt. Der Lazarettzug ist gestern Mittag von Wattenscheid nach Essen überführt worden, um dort erst gründlich gereinigt und desinfiziert zu werden; ebenso wird dort die gebrauchte Bettwäsche gewaschen. Nach einigen Tagen wird der Zug seine nächste Fahrt antreten. Von Dortmund haben an der Fahrt teilgenommen Dr. med. Faubel, als leitender Arzt, Dr. med. Remmets als Chirurg, Krankenschwester Lina Schmitt vom städtischen Luisenhospital als Operationsschwester, Restaurateur Curt Hähnel vom Kölnischen Hof als Küchenchef, ferner 2 Hilfsköche und 15 Sanitäter. Herr Hähnel hat sich dem Unternehmen in dankensierter Weise unentgeltlich zur Verfügung gestellt und schou bei der Einrichtung des Lazarettzuges schätzenswerte Tienste geleistet. Das Aerzte= und Pflegepersonal ist während der Rückfahrt außerordentlich in Anspruch genommen worden. Fast während der ganzen Fahrt mußten oyne Unterlaß Verbände angelegt werden, da es sich in der Hauptsache um Schwerverwundete handelte. Auch das Kücherpersonal ist sehr angestrengt worden und hat drei Tage lang auf Nachtruhe verzichten müssen. Nichtsdestoweniger ist man in den Kreisen der Fahrtteilnehmer über die erste Fahrt recht befriedigt und sieht mit Erwartung und Vertrauen der nächsten Ausreise entgegen. ist noch zu erwähnen, daß der Lazacettzug während seiner Fahrt in Belgien von dem Inspekteur der freiwilligen Krankenpflege, Fürsten zu SolmsBaruch, und seinem Stabe besichtigt worden ist. Die Herren sollen sich sehr lobend über die Einrichtung und Ausstattung des Lazarettzuges ausgesprochen haben. Letzte Telegramme. Ein neuer Dreiverbands=Kriegsrat. bb Für Mitte Januar ist verschiedenen Blättermeldungen zufolge ein neuer Kriegsrat des Treiverbandes in Calais geplant, an dem Joffre, French, König Albert und Kitchener teilnehmen werden. „K“=Brot für den Kaiser. WTB. Berlin. 4. Jan. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, werden auf Befehl des Kaisers für den Kaiser selbst und dessen Umgebung im Großen Hauptquartier die Anordnungen der Behörden für Mischung des Mehles mit Kartoffelzusatz zur Bereitung von Grau= und Schwarzbrot streng befolgt. Dieses sogenannte K=Brot wird bereits seit Anfang Novomber hergestellt unter einem Zusatz von 5 Pr. zent Kartoffelflocken und 10 Prozent Kartoffelmehl. zusammen 15 Prozent Zusatz und erfreut sich allgemeiner Beliebtheit. Die Schlacht bei St. Georges. bb. Eine Schilderung der Schlacht bei St. George, einem Torfe, das am Ufer der Dser liegt, wird von der Bossischen Zeitung gebracht: Als die Deutschen nach hartnäckigem Gefecht von der einen Seite der Yser zur anderen übergingen, wurden die Verbündeetn durch ein heftiges Artilleriesener festgehalten und es entspannen sich die Gefechte vom 27. Dezember, deren furchtbares Artilleriefeuer fünf Stunden dauerte. Dann wurde ein Angriff mit Flößen versucht. Abends 10 Uhr gelang es endlich einigen tausend Mann, über die Yser zu kommen. Mit gefälltem Bajonett durch den Morast watend, versuchten die Franzosen und Engländer die deutschen Laufgräben zu stürmen. Es gelang ihnen nicht. Das Illtal ist franzoseurein. Aus Honfol im Berner Jura wird dem Lokalanzeiger gemeldet: Aus dem Illtale und seinen Anhöhen sind nunmehr die Franzosen vollständig verdrängt. Sie haben ihr Hauptquartier in der Richtung gegen Belfort verlegt. Westlich Mülhausen wurden alle französischen Versuche, aus Thann auszuschwärmen, abgewiesen. Ihre Angriffe, zum Teil sehr gut von der schweizerischen Grenze zu beobachten, endigten alle mit negativem Erfolg. Man glaubt, daß die Franzosen demnächst das Largtal räumen werden. Fliegertaten. Der„Daily Mail“ wird dem Berliner Tageblatt zufolge aus Dünkirchen bestätigt, daß die deutschen Flieger am Nachmittage des 2. Januar wieder über den Vororten Coudeterque und Rosendaal erschienen und eine Anzahl Bomben auf die dort befindlichen Munition= und Proviantläger der Enaländer warfen, bedeutenden Materialschaden anrichteten In Coudekerque, das besonders stark zu leiden hotte, verursachte eine Bombe eine Feuersbrunst, die einen Teil des Ortes zerstörte. In beiden Orten wurden insgesamt 100 Personen getötet resd. verwundet. die Schweizer lehnen sich gegen England auf. Frankfurt, a. M., 5. Januar. Der Frankfurter Zeitung wird aus Zürich gemeldet: Die Neue Zücicher Zeitung bringt unter der Ueberschrift„Wohin steuern wir?“ einen geharnischten Protes'artikel gegen die wirtschaftliche Schädigung der Schweiz durch die englische Willkür, die die Einfuhr der für die Schweiz bestimmten Verbrauchsartikel verhindere. Ganz gemeines Raubgefindel. Budavest, 5. Januar. Die Polizei hat eine größere Dieebsbande entdeckt, die mit Hilfe des wachthabenden Polizeikommissars größere Warenmengen vom Engelfelder Güterbahnhof im Werte von mehreren hunderttausend Kronen fortgeschafft hat und sich der Hilfe von 25 Hehlern bediente. Die Mitglieder der Diebesbande und die Hehler befinden sich im Poltzeigewahrsam. Die Hehler sind alle vermögend. Das Ende der Umsturzbewegung in Paragnay. Buenos Aires. 5. Jan. Die Regierung erhielt einen Bericht der argentinischen Gesandtschaft Asuncion, daß die Umsturzbewegung in Paraguay# rstickt i. Abteilungen Aufständischer überschritten die argentinische Grenze und sind entwaffnet worden. Die Verelnigten Staaten und Japan. Berlin, 5. Januar. Die„Morningpost“ berichtet: Nach einer Meldung des„Herain“ aus Newyork ist im Senat ein neuer Antrag von 26 Senatoren eingegangen auf Herbeiführung von Maßnahmen der Vereinigten Staaten gegen eine dauernde Festsetzung der Japaner in der Südsee. Eine große Lawine. Innsbruck, 4. Januar. Auf den Berghöhen von Ligolo bei Trient ging eine große Schneelawine nieder, von der dort beschäftigte Arbeiter begraben wurden. Sechs Arbeiter konnten sich teilweise erheblich verletzt, retten; drei werden vermißt, sie sind zweifellos tot. Die Nachforschungen nach ihnen sind bisher ergebnislos geblieben. Russische Barbarei. Konstantinovel, 4. Januar. Während des Rückzuges von türkischem Gebiet haben die Russen. wie der Wali von Erserum auf einer Rundreise feststellte, 40 muselmanische Dörfer, die sie besetzt hatten, vollständig niedergebrannt und viele Einwohner ermordet. In drei Törfern wurden allein 75 Personen ermordet. Meuterei der russischen Schwarzenmeer=Flotte. bb. Wien, 5. Januul. Wie aus Odessa gemelde wirtd, macht sich unter den Matrosen der russischen Schwarzen Meerflotte eine revolutionäre Bewegung bemerkbar. 57 Matrosen sind zu längeren Kerkerstrafen verurteilt worden. Italienische Konterbande WTB Basel, 2. Jan. Die Baseler Nachrichten melden: Bei einer Exportfirma in Turin sind 400 000 Uniformen beschlagnahmt worden, die für Serbien bestimmt waren, da ihre Ausfuhr eine Umgehung des Ausfuhrverbots für Wollstoffe darstellt WTB Buenos=Aires, 2. Jan. La Prensa bringt ein Telegramm aus der Grenzstadt Formosa, wonach in Paraguay eine Revolution ausgebrochen ist. Der Ausstand habe mit der Meuterei eines Artillerie=Regiments begonnen Der Präsident se' gesangen genommen worden. Einmaliger Sonder-Verkauf! 4enorm billige MäntelDienstag, den 5., Mittwoch, den 6., Bonnerstag, den 7., Freitag, den 8. Januar 1915. Die enorm billigen Preise verstehen sich nur solange Vorrat. Die wochenschrift für Politik, : L i t e r a t u r u n d K u n s t: Herausgegeben von Dr. Fr. 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Außerordentliche Rontrollversammlung. Alle Unteroffiziere und Mannschaften des Beurlaubtenstandes der Reserve, Landwehr(Seewehr) 1. und 2. Aufgebots und der Ersatz=Reserve haben sich wie folgt am Sonnabend, den 9. Januar 1915 auf dem Hofe des Bezirkskommandos 1 Dortmund, Balkenstraße 40, zu stellen: 9 Uhr vormittags die gesamte Infanterie, Jäger und Maschinengewehrtruppen und=Kompagnien; 10 Uhr vormittags die gesamte Kavallerie, Feldartillerie, Fußartillerie. Pioniere, Verkehrstruppen— Eisenbahn=, Telegraphen=, Luftschiffer=, Kraftfahr= und Fliegertruppen— Train einschließlich Oelonomiehandwerker, Sanitäts= und Beterinär=Personal, Militärbäcker, Krankenträger, Wafsenmeister=(Büchsenmacher=) Gehilfen, Kramenwärter und Zahlmeisterpersonal, Marine und Arbeitssoldaten; 11 Uhr vormittaas die gesamten Unteroffiziere und Mannschaften der Garde und die Ersatzreservisten aller Waffengattungen. Dieser Befehl gilt auch: 1 für die bei den bisherigen Untersuchungen nach der Mobilmachung vorübergehend für längere oder kürzere Zeit feld= oder garnisondienstunfähig befundenen Unteroffiziere und Mannschaften; 9. für die im Frieden bereits als zeitig oder dauernd felddienstunfähig oder nur noch garnisondienstfähig bezeichneten Personen; 3 für die von den Ersatztruppenteilen beurlaubten und bisher noch nicht wieder eingezogenen Unteroffizieren und Mannschaften; Dieser Befehl gilt nicht: 1. für die bei der Eisenbahn und Post beschäftigten Personen, soweit sie dem Bezirkskommando als unabkömmlich bezeichnet sind; 2. für die außerhalb Dortmunds an Kriegsaufträgen arbeitenden Mannschaften des beurl. Standes, soweit sie dem Bezirkskommando als unabkömmlich bezeichnet sind. Weitere Befreiungen finden nicht statt. Wer der Einberufung nicht Folge leistet, unpünktlich oder angetrunken erscheint, sowie wer sich Ungehorsams gegen vorstehenden Befehl schuldig macht, wird nach den Kriegsgesetzen bestraft. Sämtliche Unteroffiziere und Mannschaften werden nach beendeter Kontrollversammlung entlassen. Milttärpapiere sind mitzubringen. Dortmund, den 4. Januar 1915. Königliches Bezirkskommando I Dortmund. Graf Berghe von Trips. Neues Jahr— Neues Glück! Die Ziehung der Deutschen 7364 Gewinne im Gesamtwerte von Luftfanrer-Lotterie: findet unwiderruflich diese Woche Donnerstag bis Samstag in Ziehuagssaale der Königlichen General-Lotterie-Direktion statt. Lose 3 Mark go Pig. gr 1###e Jülichers Glückskollekte Dortmund, nur Münsterstrasse 4.— 200000 m 60000m 30000 m 20000 m 10000m 4555 HauptLotterie-Bank Telephon 1723. Städtische Kinderbewahranstalt Missundestrasse 5. Wie bisher werden Kinder von etwa 4 Jahren ab zur Verpflegung und Beaussichtigung aufgenommen. Anmeldungen nimmt die Vorsteherin, Fräulein Kröning, bei welcher auch die Aufnahme=Bedingungen eingesehen werden können, entgegen. Dortmund, Kuhstrasse 12. Nur noch 3 Tager Vorführung des Kolossalfilms: Julius StadttheaterDortmund Dienstag, den 5. Januar 1913, 7½—10. Erm. Opernpreise. Hänsel und Gretel. Hierauf; Tänze. Mittwoch, den 6. Januar 1915. 7½-10¼. Erm. Schauspielpr. Großstadtluft. der grösste Soldatenkaiser der Meltgeschichte. Grandioser Kriegsfilm. 7000 Flitisirkende.— 2 FIII. Herstellungsbosten. Heute 5 und 8 Uhr. Eintrittspreise: Sperrsits 1.50, 1. Plats 0.90, 2. Platz 0.50. 24 Grüne Rabattmarken nimmt in Zahlung Jacobis Schubwaren-Haus nur Dortmund 35 Kuckelke 35 Ecke Schwanenwall. Drückende Not 4899 bringt während des Krieges die zu erwartende Preissteigerung für mancherlei Lebenebedarf und die vielfache Minderung des Einkommens. Dovpelte Not gibt's unter diesen Umständen, wo in der Familie ein Glied an der Trunksucht leidet. Wo das der Fall ist, wende man sich um kostenlosen Rat mündlich oder schriftlich an das Guttemplerheim, Ostwoll 46, 1 Treppe Wer hilft mit? für das Rote Kreuz, die Verwundeten, Darbenden, Flüchtenden, usw. usw. durch Kauf und Verbreitung von„Das deutsche Lied“ für 1 Singst. m. Klav., Preis 30 Pfa., gegen Einsend. des Betrages. Prediger Dr. Wallfisch, Königsberg i. Pr., Festungshilfslazarett UI. Börsenhalle, Hintertragheim 33. Bekanntmachung. für den Landwehrbezirk 1I Dortmund Auf Befehl des stellvertr. Generalkommandos sind für die Unteroffiziere und Mannschaften des Beurlaubtenstandes am 9. Januar 1915 Kontrollversammlungen abzuhalten. Sämtliche Unteroffiziere und Mannschaften der Reserve, der Land= und Seewehr 1. und 2. Aufgebots und der Ersatzreserve— ausgenommen Landsturm— haben sich daher im Gewerbeverein in Dortmund, Kuh. straße 12(beim Stadttheater) wie folgt, zu melden: Sonnabend, den 9. Januar 1915. vormittags 9 Uhr: Jäger und Maschinengewehrtruppen, Kavallerie, Feldartillerie, Fußartillerie, Pioniere, Verkehrstruppen, Train, Sanitäts= und Veterinärpersonal und sonstige Mannschaften. Sonnabend, den 9. Januar 1915. vormittags 10.15 Uhr: Insanterie. Sonnabend, den 9. Januar 1915. vormittags 11.30 Uhr: Ersatz=Reserve. Es haben auch diejenigen Personen zu erscheinen, welche auf kürzere oder längere Zeit vom Waffendienst zurückgestellt worden sind. Personen, welche im Eisenbahndienst angestellt oder beschäftigt sind, sind von der Gestellung entbunden. Leute, welche sich im Krankenhause befinden oder sonst durch Krankheit am Erscheinen verhindert sind, haben eine Bescheinigung des behandelnden Arztes bis zum 9. Januar 1915 dem Bezirkskommando einzusenden. Die Militärpapiere sind mitzubringen. Wer der Einberufung nicht Folge leistet, oder unpünktlich oder betrunken erscheint, sowie wer sich des Ungehorsams gegen vorstehende Befehle schuldig macht, wird nach den Kriegsgesetzen bestraft. Befreiungen finden unter keinen Umständen statt, Dortmund, den 3. Januar 1915. Königliches Bezirkskommando II. Bekanntmachung Auf Grund des Paragraph 9, Absatz 2, des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb vom 7. Juni 1909(R. G. Bl. S. 499) wird nach Anhörung der Handels= und Gewerbevertretungen für den Umfang des Regierungsbezirks Arnsberg in Abänderung von Paragraph 4, Absatz 2, meiner Bekanntmachung vom 11 Juli 1913— 1. 19 Nr. 835— Amtsblatt Seite 436 bestimmt, daß die Saison= bezw. Inventurvexkäufe nicht vor dem 10. Januar bezw. 10. Juli beginnen dürfen. Arnsbera, den 28. Dezember 1914. Der Regierungspräsident: In Bertretung: gez. Pfesser. Couverts mit Firmenau druck in jeder Preislage liefert die Buchdruckerei dieser Zeitung. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und gesetzl. ei ins nd dem ro Monat, durch Abonnementspreis Abonnementspreis haus, mit der täglichen Unterhaltungsdetlage Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inserate verantwortlich: Biktos Schauzer, Dortmund. uue Obsee Lokak-Anzeiger für Mit Bekanntmachungen der städtischen Expedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11. mit dem Dortmund u. Hörde. und Militär-, sowie anderer Behörden. — Fernsprech=Auschluß Nr. 160. Inserete die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Pie Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 30 Vig. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren zurg Klage od. Konkursverfahren wird der bewilligte Radatt dinfa#l# erfüllungsort Dortmund. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriedenen Tagen und Olätzen übernehmen wir keine Garantis. ür die Redaktion verantwortlich: x Sonuemaun. Dortmund. Nr. 3. Dortmund, Dienstag, den 5. Januar 1915. 32. Jahrg. W Zweites Blatt. Sitzung der Stadtverordneten. Dortmund, den 4. Januar 1915. Die erste Sitzung im neuen Jahre wird um 6 Uhr abends durch den Stadtverordnetenvorsteher Herrn Geheimret Tewaag eröffnet. Dieser begrüßte die Versamm.ung mit folgenden kurzen Worten: Meine Herren! Ich begrüße Sie beim Eintritt in das neue Jahr und würsche Ihnen allen, daß es uns bald einen ehrenvollen Frieden bringen möge! Tagesordnung: Wahlen. 1. Als Stadtverordnetenvorsteher für 1915 wird Herr Geheimrat Tewaag einstimmig wiedergewählt. 2. Stellvertr. Stadtverordnetenvorsteher bleibt auch für das Jahr 1915 Herr Justizrat Pork. 3. Die Wahl zweier Beisitzer für das Jahr 1915 fällt auf die Herren Köster und Suhrmann. 4. Zum Schriftführer für 1915 wird Herr Justiz= rat Raude gewählt. 5. Stellvertretender Schriftführer wicd Herr Stadiv. Bormann. 6. Der Rechnungsprüfungsausschuß wird für 1915 wiedergewählt. 8. Dem Antrage des Magistrats gemäß werden die erforderlichen Ergänzungs= und Ersatzwahlen zu den städtischen Verwaltungsdeputationen und Kommissionen vorgenommen, und zwar werden sämtliche Mitglieder wiedergewählt. Nur für die Gesundheitskommission SW wird anstelle des Herrn Bickhoff Herr Stadtv. Heinrich Petri gewählt. Herr Oberbürgermeister Dr. Eichhoff macht hiersei folgende Ausführungen: Meine Herren! Sie haben in den beiden letzten Wochen in der Presse gelesen, daß in vielen deutschen Städten erhebliche Geldsummen als„Hindenburgspende für das Ostheer" zur Verfügung gestellt worden sind. Die vom Vorstand des Deutschen Städtetages angeregte„Hindenburgspende“ soll zur Anschaffung von leichten Pelzstücken für die wackeren Soldaten des Ostheeres verwendet werden. Die Heeresverwaltung sorgt nur für die großen Pelze, die im Wachtdienst und im Fahrdienst getragen werden müssen. Die leichten Pelzstücke dagegen, d. h. Pelzwesten und Pelzjoppen, tiefert sie nicht. Hier muß der Kriegsliebesdienst eintreten, damit nicht nur die wohlhabenderen Angehörigen des Ostheeres, die sich die Pelzstücke selbst beschaffen können, sondern, soweit tunlich, alle Soldaten vor den Unbilden des strenzen russischen Winters geschützt werden. Die Beschaffung der Pelzstücke soll, soweit die einzelnen Spender nicht durchaus selbst für sie sorgen wollen, von einer einzigen Sten#e aus einheitlich erfolgen, weil die Zentraiisierung den größeren Erfolg verspricht. Das Hauptquartier des Ostheeres hat sich bereit erklärt, die Verteilung der Pelze zu übernehmen. Der Tortmunder Kriegsliebesdienst hat den auch von dem Generalfeldmarschall von Hindenburg freudig begrüßten Gedanken der Pelzspende unverzüglich in die Tat umgesetzt und bereits am 18. Dezember durch den dafür zuständigen Ausschuß 30 000 Mark zur Verfügung gestellt. Ich darf annehmen, daß dieser Schritt bei allen Dortmundern, die zum Kriegsliebesdienst gestiftet haben, lebhafte Zustimmung findet, umsomehr, als die„Hindenburgspende" zugleich eine Ehrung der glänzenden Ostarmee und ihres genialen Führers bedeutet für ihre beispiellosen Kriegstaten und für ihre unermeßlichen Verdienste um das deutsche Vaterland! Gelesen haben Sie ferner in diesen Tagen von der Gründung der Kriegsgetreide=Gesellschaft m b. H. Die Aufgabe dieser Gesellschaft ist, große Mengen von Brotgetreide zu erwerben, zu lagern und vorne mlich für die Sicherung des Bedarfes der letzten Monate des Erntejahres zu sorgen; die Abgabe des von der Geseltschaft erworbenen Getreides erfolgt daher erst vom 15. Mai ab. An der Gesellschaft sind außer dem preußischen Staat und einer Anzahl unserer großen industriellen Unternehmungen sämtliche deutschen Städte mit üler 100000 Einwohner beteiligt. Die Gesellschaft ist eine gemetnnützige; ihre Dividende ist auf höchstens 5 Prozent des eingezahlten Kapitals beschränkt; etwaige darüber hinausgehende Gewinne fließen an das Reick. für gemeinnützige Zwecke. Die Stadt Dortmund ist mit 400000 Mark beteiligt; eine Vorlage wegen nachträglicher Genehmigung dieser Beteiligung wird Ihnen demnächst zugehen. Es handelt sich bei der Gesellschaft um eine derjenigen Maßnahmen, die den von unferen Feinden mit rücksichtsloser Energie verfolgten und selbst durch verbrecherische Mittel geförderten Plan der Aushungerung Deutschlands zuschanden machen sollen. Alle diese Maßnahmen können aber nur dann durchschlagenden Erfolg haben, wenn sie vom ganzen deutschen Volk verständnisvoll durch sorgfältigste Haushaltung unterstützt werden. Immer wieder ist vor aller Oeffentlichkeit betont worden, daß die in Deutschland vorhandenen Lebensmittel für Deutschlands Versorgung ausreichen: es ist aber stets hinzugefügt worden, daß dies nur dann der Fall sei, wenn das ganze Volk mit den vorhandenen Lebensmitteln äußerst sparsam umgehe, insbesondere den Verbrauch von Brot und anderen Backwaren auf das Nötigste einschränke. Wie steht es nun aber mit der Erfüllung dieser Dedingung unseres Sieges? Der größte Teil der Bevölkerung lebt so, als ob wir uns des tiefsten Friedens erfreuten; das gilt auch von der Arbeiterbevölkerung, zumal die Arbeiterlöhne vielfach eine ungewöhnliche, ja zum Teil noch nicht dagewesene Höhe erreicht haben. Vielfach ist sogar eine Verschwendung festzustellen, die den Mangel jeglichen Verständnisses für den Ernst der Lage beweist. So kann und darf es nicht weiter gehen. Der Getreidevorrat, der unserem Volk in diesem Jahre zur Verfügung steht, ist beträchtlich geringer, als in normalen Friedenszeiten. Infolgedessen ist es unbedingt notwendig, daß sich die Bevölkerung berrächtlich einschränkt. Und in welchem Geiste soll die Einschränkung erfolgen? Vor einiger Zeit las ich in einem Briefe eines in Rußland kämpfenden Offiziers: „Ich bin glücklich, ich bin stolz, daß ich für mein Vaterland hungern und dürsten darf!" Das ist der richtige Geist!„Es muß“— so hat mit Recht Bürgermeister Dr. Jockusch in Lüdenscheid in einem beachtenswerten Vortrag über die„Pflichten der Taheimgebliebenen“ gesagt—„eine Sache des persönlichen Stolzes werden, daß man seinem Volk in der Lebensführung die Opfer bringt, die heute von jedem gefordert werden.“ Und wie gering sind diese Opfer! Verschwindend gegenüber denen unserer Soldaten Nicht hungern soll die Bevölkerung; nur sparsam sein soll sie, damit sie nicht später Not leidet. Fort mit dem Kuchen! Her mit dem Kriegsbrot! Auch ich esse kein Weißbrot mehr und glaube nicht, dadurch irgend welchen Schaden zu nehmen. Mit allem Ernst und Nachdruck möchte ich Dortmunds Bevölkerung aufrütteln und ihr ans Herz legen, dem Vaterland durch weise Sparsamkeit einen Dienst zu leisten, der die Vorbedingung der von uns erhofften Früchte der unvergleichlichen Heldentaten unserer herrlichen Truppen zu Lande und zu Wasser ist. Auch für die Daheimgebliebenen heißt es: Durchhalten! Durchhalten mit den Nahrungsmitteln! Durchhalten muß Deutschland deshalb auch mit den Futtermitteln. Ein Weg zur Vermehrung der Futtermittel wird in der Ausscheidung der Küchenabfälle aus dem Hausmüll und ihrer Verwertung für die Schweinemast gesehen. Auch auf diesem Gebiet ist unsere Verwaltung nicht untätig geblieben, sondern bercits seit längerer Zeit mit den erforderlichen Vorbereitungen beschäftigt. Da sich in Dortmund und seiner nächsten Umgebung nur verhältnismäßig wenige Personen mit größerer Schweinemast befassen, begegnen dem Unternehmen, abgesehen davon, daß es verlustbringend ist, manche Schwierigkeiten. Wie wollen aber in den nächsten Tagen die erforderlichen Aufforderungen ergehen lassen und geben uns der Hoffnung hin, daß, wenn wir auch klein beginnen, der vaterländische Sinn der Schweinemäster einerseits und der städtischen Hausfrauen andererseits eine baldige Vergrößerung des Betriebes ermöglichen und damit zu einer Vermehrung der Viehbestände beitragen wird, die die ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch gewährleistet'— zum Schrecken unserer Feinde, zum Segen unseres geliebten deutschen Vaterlandes!“ 9. Als Schiedsmann für den 4. Bezirk wird auf brei Jahre Herr Kaufmann Joseph Christoph Niehörster, Kaiser Wilhelm=Allee 54, gewählt. 10. Als Schiedsmann für den 15. Bezirk wird Herr Landwirt Hermann Sobbe, am Zehnthof 6, wiedergewählt. Schluß der öffentlichen Sitzung um 7 Uhr. Hierauf eine geheime Sitzung, in der nur eine Sache auf der Tagesordnung steht. Anton v. Werner f. WTB. Berlin, 5. Jan., 3 Uhr nachts. Der Direktor der Hochschule für die bildenden Künste, Anton v. Werner, ist gestern abend in seiner hiesigen Wohnung infolge von Herzschwäche 72. Lebensjahre gestorben. Anton v. Werner wurde in Frankfurt a. d. Oder am 9. Mai 1843 als Sohn eines Handwerkers aus altadliger Familie geboren. Als Knabe von 13 Jahren mußte er zu einem Stubenmaler in die Lehre gehen und schon früh, war er gezwungen, sich seinen Lebensunterhalt selbst zu erwerben. Mit großer Energie brachte er es so weit, an der Berliner Akademie zwei Jahre(1860 bis 1862) zu studieren. Als Schüler von A. Schrödter und C. F. Lessing ging er dann nach Karlsruhe, wo er sein Talent in den verschiedensten Malarten versuchte. In Karlsruhe machte er die Bekanntschaft I. V. v. Scheffels, dessen Dichtungen den jungen Maler dazu begeisterten, Illuftrationen, zu Scheffels Werken zu schaffen. So entstanden 1864 die Illustrationen zu„Frau Aventiure“, 1866 die zu„Juniperus“, 1867 die zu„Gaudeamus“, 1868 zu den„Bergpsalmen“ und 1869 zum„Trompeter von Säckingen“. Die Genremalerei war damit für Anton v. Werner gegeben. Er entfaltete darin eine fruchtbare Tätigkeit. Das bürgerliche Geure(zu nennen wären da u. a. Klosterleben, Quartett, Don Quichotte bei den Ziegenhirten) führte ihn zum geschichtlichen Geure und endlich zur Historienmalerei, (Götz v. Berlichingen in Heilbronn, Konradin im Gesängnis, Luther vor Cajetan). Nach einem Aufenthalt in Paris(1867) hielt er sich 1868 bis 1869 in Italten auf. Durch den Großherzog von Baden, der ihn begünstigte, erhielt er die Erlaubnis, im Hauptquartier dem letzten Teil des deutsch=französischen Krieges beizuwohnen. Diese Vergünstigung war ihm eine willkommene Gelegenheit, Talent und Auffassungsgabe an der Unmenge des Gegenständlichen zu prüfen. Eine Menge von Studien, Bildnisskizzen, Entwürsen entstanden, die er dann später in seinen großen Gemälden verwertete. 1871 nahm er seinen Wohnsitz in Berlin. Zum ersten Male lenkte er die allgemeine Aufmerksamkeit mit einem Velarium, einer symbolischen Darstellung der Schlacht bei Sedan: Kampf und Sieg, auf sich. Dieser Erfolg brachte ihm den Austrag, den Entwurf zu einem für die Berliner Siegessäule bestimmten Fries herzustellen. Fortab entfaltete Anton v. Werner, dem 1875 auf Antrieb der Berliner Künstlerschaft die Direktorenstelle der neuorganisierten Akademie der bildenden Künste übertragen wurde, eine ungemein rege Schöpfertätigkeit. Es entstanden nacheinander jene bistorischen Gemälde, wie Räumungshalber Uhren, Schmuck-, Gold- u. Silberwaren zu ausserordentlich herabgesetzten Preisen. Wienhold, Dortmund. Fernruf 1519. 4362 Der Kampf um das Testament. Roman von Carola v. Eynatten. 33 Am folgenden Morgen stand Pista Mellik mit dem Schlag acht Uhr in Herrn Ludwigs Wohnzimmer. Er brachte die Adresse des Sekretär=Käufers, die der Sohn des Gärtners wirklich noch gewußt hatte. Es war ein Israelit aus Stuhlweißenburg und hieß Mendel Veilchenzweig. „Schon morgen fahre ich nach Stuhlweißenburg, und treibe ich den Veilchenzweig auf, so bringe ich auch den Sekretär mit!" rief Mayerstein, als er von Melliks Bericht hörte. Er hatte am Morgen seine fünftausend Kronen erhoben, in seinen Taschen klimperte Gold und Silber, und so befand er sich in der Stimmung, große Taten zu verrichten. Hornbostels Antwort auf diese Erklärung setzte ihm aber einen Dämpfer auf. „Geduld, mein lieber Mayerstein,“ sagte er,„wir wollen noch nichts beschließen. In einer Stunde gehe ich zu Dr. Lazar, der mir sagen wird, was wir tun und wie wir es tun sollen.“ „Tus ist vermünftig, und darum kann ich nichts dagegen einwenden. Nur eins bitte ich mir aus: alles, was es mit meinem Stammesgenossen Beilchenzweig zu tun gibt, das behalte ich mir vor; und außerdem möchte ich es sein, der Szarolta das Testament ihres Valers zu Füßen legt!“ Am Abend dieses Tages, als sich schon jedermann im Hause in sein Zimmer zurückgezogen hatte, stand Szarolta in tiefen, ernsten Gedanken am Fenster des ihrigen— der Prozeß gegen ihren Onkel Csallovary war eine unwiderruflich beschlossene Sache. Dr. Lazar, ihres Vaters und jetzt auch Herrn Ludwigs und ihr furistischer Beistand, hatte dringend zum Prozeß geraten und ihr Vormund ihm, ohne nur vorher noch heimzukommen, die erforderliche Vollmacht ausgestellt. Die Klage sollte unverzüglich abgefaßt und bei Gericht eingereicht werden. Alle hatten diese Nachricht mit Freuden begrüßt, Mayerstein, der wirklich am folgenden Morgen nach Stublweißenburg abreisen sollte in Verfolgung des wichtigen Sekretärs, sogar mit lautem Jubel. Sie allein hatte sich nicht zu freuen vermocht. Der Gedanke an die lange Zeit die bis zur endgültigen Entscheidung des Prozesses verfließen müßte, zweifelte doch niemand daran, daß er alle drei Instanzen durchlaufen würde— an die ganze Reihe von Aufregungen und Widerwärtigkeiten, die ihrem Wohltäter, ihrem zweiten Vater, bevorstanden, an das viele Geld, das ihn die Verfolgung ihrer Ansprüche kosten würde, hatte eine Verstimmung über sie gebracht, die trotz aller ihrer Anstreugungen, heiter zu scheinen, sich doch nicht ganz wollte verbergen lassen. Einer wenigstens hatte sie wahrgenommen oder doch erraten— Herr Kerkhelyi folgte ihr, als sie sich ins Nebenzimmer begab, dorthin:„Sie sind verstimmt, unzufrieden mit Herrn Hornbostels Eutschluß,“ hatte er angefangen.„Ich kann es verstehen und doch— haben Sie Unrecht! Scheuen Sie nie und nimmer den Kampf— weder den mit den äußeren Umständen, noch den mit sich selbst! Denn nur der Kampf führt zum wahren Erfolg— zur Größe, und ich wilnsche, ich hoffe sehnlich, Sie einst groß zu sehen, als Künstlerin wie als Mensch. Sie haben alles in sich, was dazu gehört.“ Und dann hatte er sie wieder angeschaut, seltsam, forschend, gerade so wie tags zuvor, hatte ihr die Hand geküßt und sie allein gelassen, in einer ziemlich wunderlichen Stimmung, halb froh, halb bang. 11. Kapitel. „Meine liebe, gute Margita! Du willst viel wissen und sollst so gut wie möglich befriedigt werden. Leider habe ich wenig Erfreuliches mitzuteilen. Im Prozeß, der ohnehin den Schneckengang geht, ist ein Stillstand eingetreten, veranlaßt durch Dr. Csallovary. Wie Du aus meinem letzten Brief ersehen, sollte Mellik seine Aussagen über Papas testamentarische Bestimmungen eidlich bekräftigen. In letzter Stunde aber legte Csallovary gegen des Zeugen Zulassung zum Eid Protest ein. Er beruft sich auf die schwere Kopfwunde, die er bei dem Automobil=Unfall davongetragen, und weist darauf hin, daß derartige Verletzungen beinahe ausnahmslos erhebliche Störungen in den Gehirnfunktionen herbeiführen. Daraufhin verlangt er, daß Mellik vor seiner eidlichen Vernehmung auf seinen Geisteszustand untersucht werde. Ich brauche Dir wohl nicht zu sagen, daß Mellik ebenso gescheidt und klar ist, wie wir es sind. Er erklärte sich augenblicklich bereit, sich den Gerichtsärzten zur Untersuchung seines Geisteszustandes zur Verfügung zu stellen. Als er dann aber hörte, daß Dr. Csallovary gegen das Zeugnis des Gerichtsarztes wegen seiner freundschaftlichen Beziehungen zu Csallovary Bedenken äußerte und meinte, daß Geisteskrankheit erst nach längerer Beobachtung festzustellen wäre, erbot er sich, für längere Zeit in die Landes=Irrenanstalt zu gehen.— Natürlich wollten wir von einem derartigen Opfer nichts wissen, Mellik aber, der mich um jeden Preis als Siegerin aus diesem Prozeß hervorgehen sehen möchte, begab sich in aller Stille zum Direktor der Anstalt, der Papa ziemlich gut gekannt haben soll, erzählte ihm unter Berufung auf Onkel Ludwig die ganze Geschichteund bat um Aufnahme in die Beobachtungsstation. Hofrat Kolmanitzki verschob die Entscheidung für einige Tage und erkundigte sich inzwischen bei Onkel Ludwig nach Mellik und den näheren Umständen. Wir brachten ihm die Antwort persönlich— Onkel wünschte meine Begleitung— und es wurde ausgemacht, daß der gute Mensch wirklich eine Reihe vou Wochen auf der Beobachtungsstation zubringen soll. Er wird auf Onkels Kosten in der zweiten Klasse mit eigenem Zimmer untergebracht und wird jede Freiheit genießen, die mit der Hausordnung irgendwie vereinbar ist. Kolmanitzki änßerte: Derlei Chikauen sähen Dr. Csallovary sehr ähnlich, und wir dürften gewiß sein, daß er uns jeden Prügel vor die Füße werfen würde, dessen er habhaft werde. Zu mir war der Hofrat sehr nett. Er sprach viel und sprach sehr anerkennend von Papa. Wenn mit dem Prozeß auch nichts ausgerichtet werden sollte, sagte er, so dürfte ich doch stolz sein, einen solchen Vater gehabt zu haben, und auch stolz, so viele treue, opferwillige Freunde zu besitzen. Ich bin es auch! Onkel Ludwig und die Freunde alle sind wegen des Prozesses voll Hoffnung. Es treten leider immer noch neue Ausgaben hinzu, an die kein Mensch gedacht hat. So riet z. B. Dr. Lazar dieser Tage zu einem Aufruf an Pfarrer Körös, Papas zweiten Testamentszeugen, der in allen größeren amerikanischen Zeitungen veröffentlicht werden soll. Es handelt sich um seine Adresse, die hier durchaus nicht erhältlich ist. Körös war ein Mann von sehr freier Gesinnung, bekam des halb Mißhelligkeiten mit dem Erzbistum, legte sein Amt nieder und wanderte aus Wie es scheint, hat er alle Beziehungen zu seiner Familie und seinem Vaterlande abgebrochen. Dieser Aufruf wird natürlich ein Sündengeld kosten und vielleicht keineu Erfolg haben. All das drückt mich begreiflicherweise. Papas Sekretär will sich noch immer nicht finden lassen. Die neue Spur, die man verfolgt hat, erwies sich als eine falsche. Du weißt, daß Herr Mayerstein im Herbst nach Stuhlweißenburg fuhr, um den Produktenhändler Veilchenzweig, den Käufer des Sekretärs, aufzusuchen. Dieser Mann hatte aber inzwischen Baukerott gemacht, er selbst war nach Veszprim übersiedelt und durchzog als Hausterer das Land. Mein Lehrer fuhr auch dorthin, konnte aber nicht mehr erfahren, als er schon in Stuhlweißenburg gehört hatte, nämlich, daß der Sekretär mit dem übrigen Mobiliar versteigert worden war; wohin er gekommen, wußte man nicht. Dagegen versprach der Hausterer gegen Zusicherung eine hohen Belohnung, dem gesuchten Stück nachzuforschen. Endlich vor ungefähr vier Wochen kam aus Veszprim die Meldung, der Sekretär stände in Szegedin zum Verkauf, und zwar bei einer Trödlerin zamens Binowsky. Wie immer in einem solchen Fall, war Herr Mayerstein sofort Feuer und Flamme, und der Gärtner Marczi Urrar mußte sich Hals über Kopf reisefertig machen, denn er wollte noch am selben Tag die Fahrt antreten. Es war aber vergebene Mühe, denn der Sekretär, der sich in der Trödelbude der alten Jüdin vorfand, besaß kaum einige Aehnlichkeit mit dem meines Vaters. Der hellste Punkt in meinem Leben sind gegenwärtig die Studten. Alle sagen, ich machte ganz erstaunliche Fortschritte, sogar Gertrud, auf deren Urteil ich das meiste Gewicht lege. Auf ihren Wunsch besuche ich seit ein paar Wochen die Meisterschule, um nach dem lebenden Modell, vor allem aber, um nach der Antike zu zeichnen und Anatomie zu hören. Meine Studien leitet nach wie vor Herr Mayerstein. Gegenwärtig veranstaltet er eine Ausstellung seiner sämtlichen noch unverkauften Werke im eigenen Atelier. Zu diesem Zweck werde es glänzend hergerichtet. Jetzt zeigt sich Mayersteins Popularität, denn schon vorgestern, am Eröffnungstag, war der Besuch ein sehr guter. Nun aber zu Dir, meine liebe, liebe Maraual= 822,18 — i Königlichen Schloß in Berlin, im Zeughaus, Rathaus, den Museen in Berlin, Breslau, Hannover als bistorische Dokumente, die als solche ihren Wert behalten werden, zu sehen sind. Von der großen Anzahl der Gewälde selen folgende angeführt: Moltke in seinem Arbeitszimmer und vor Paris; die Kaiserproklamation in Versallles(1876, im Königlichen Schloß, Berlin), Bismarcks Begegnung mit Kaiser Napoleon, Kronprinz Friedrich Wilhelm an der Leiche des Generals Douay, Schlußakt des Berliner Kongresses von 1878, Eröffnung des Deutschen Reichstgs 1889 usw. In scharfem Gegensatz befi edet sich Anton v. Werner zu den Nodernen, die ein Lager gebildet haben, das einen betrachtlichen Zulauf hat. Spionageprozeß. WTB. Leipzig, 5. Jan., 12.35 Uhr nachts. Gestern fand vor dem zweiten Strassenat des Reichsgerichts unter dem Versitz des Senatspräsidenten Dr. Menge der erste Spionageprozeß im neuen Jahre statt. Angeklagt ist der Schneider Alphonse Reuternauer aus Kiel, gebürtig aus dem Elsaß, wegen versuchten Verrats militärischer Teheimnisse. Der Angeklagte hat in den Jahren 1907 bis 1913 bei der Matrosendivision in Kiel gedient. zuletzt auf dem Kreuzer„Göben". Er mußte jedech im Oktober 1913 wegen schlechter Führung entlassen werden. Nach dem Eröffnungsbeschluß hat er 1914 In Kiel und im Auslande den Versuch gemacht, gezeim zu haltende Gegenstände zur Kenntnis des französischen Nachrichtenbureaus zu bringen. Ersch'enen ind drei Zeugen und zwei Sachverständige. Die Verhandlung findet unter Ausschluß der Oeffentsichkeit statt.— Der Angeklagte wurde unter Einrechnung einer ihm am 31. Juli 1914 in Kiel auferlegten einmonatigen Gefängnisstrafe wegen Verbrechens der Spionage zu 4 Jahren 6 Monaten und einer Woche Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. Ferner wurde die Zulässigkeit der Polizeiaufsicht ausgesprochen. Der Angeklagte hatte dem französischen Nachrichtenbureau einen Bericht über Einrichtungen auf deutschen Kriegsschiffen zugesandt. Dieser Beief gelangte infolge eines Schreibversehens des Angetlagten nicht an seine Adresse, sondern führte zur Jestrahme des Angeklagten. Gloteske Irrtümer französischen Gelbbuch. Berlin, 5. Jan. Die„Nordd. Allgemeine Zeitung" schreibt: Es erfordert Zeit, das um sangreiche französische Geshbuch durchzustudieren. Nimmt man sich aber die so macht man bei genquem Studium immer überraschendere Entdeckungen. Man sieht, wie das Werk zustande gekommen ist, wie die Dokumente nachträglich ad nenmchtgemacht sind. Man in aber erstannt, zu finden, wie wenig Mühe sich die Redakteure gegeben haben, die Flüchtigkeit ihrer Arbeit zu verbergen. Wir wollen darüber hinweggehen, daß mehrfach die Daten wichtiger Ereignisse verändert sind, wie zum Beispiel, daß der bekannte russische Ministerrat vom 25. Juli, der unter dem Vorsitz des Zaren die Mobilisation gegen Oesterreich=Ungarn endgültig beschlossen hat, von dem französischen Botschafter Polcoloque in seinem Bericht vom 25. Juli, Nummer 38 des Gelbbuches, auf den 26. Juli verlegt wird. Hier kann es sich vielleicht um ein Versehen handeln. Immerhin ist es ein Versehen, das die neutralen Leser leicht in die irrtümliche Vorstellung versetzt, daß noch am 25. Juli Rußland nicht daran gedacht hat, irgendwelche militärischen Maßregeln zu beschließen, wie denn auch Paleologne in seinem Bericht betont, daß Sassonow seine ganze Mäßigung bewahrt und erklärt habe, alles zu vermeiden, was die Krise beschleunigen könnte. I#denfalls aber liegt nahe, bei solch auffälligen Druckfehlern on etwas anderes zu denken als ein Versehen des Redakteurs des Gelbbuiches, denn Paleologne kann den Bericht in dieser Form am 25. Juli nicht geschrieben haben. Viel bzeichnender für die Art, wie das französische Gelbbuch persammengestellt ist, ist jedoch folgende Stelle in einem unter Nummer 5 abgedruckten Schriftstück vom 30. Juli 1913. einem Auszuge des Berichts diplomatischer und konsularischer Agenten in Deutschland, der neben den anderen dunklen Dokumenten des ersten Kapitels einen wetteren Beweis für den Kriegswillen Deutschlands liefern soll. Es heißt im fünften Absatz:„Wenn über den Kiiser disputiert wird, wenn der Kanzler unpopulär ist, so war Kiderten während des letzten Winters der bestgehafte Maem in Deutschland. Indessen fängt er an, weniger unbeliebt zu sein, denn er läßt hören, daß er seine Rache nehmen wird.“ Wie wir alle wissen, ist der in Deutschland allseitig verehrte Staatssekretär Kiderlen leider schon im Dezember 1912 gestorben. Der nachträgliche Fabrikant der Note, der Kiverlen noch sechs Monate nach seinem Tode erklären läßtt, daß er sich mit Racheplänen gegen Frankreich beschäftige, hat daher eiwas eberflächlich gearbeitet. Die französische Regierung hätte, wenn sie für die Zusammenstellung der Deutschland betreffenden Dokumente im Gelbbuch schon niemand finden konnte, der über die inneren deutschen Stimmungen und Verhältnisse früherer Jahre wirklich Bescheid wußte, damit wenigstens solche Leute beauftragen sollen, die das Konversationslexikon zu benutzen verstehen. Die Beschießung der englischen Küste kein Völkerrechtsbruch. VIB. Berlin, 5. Jan. Amtlich. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt: Die Beschießzung der drei englischen Küstenplätze Hartlepool, Scarborough und Witby durch deutsche Seestreitkräfte ist in der englischen Presse als völterrechtswidrig angegrissen worden. Es wird uns vorgeworsen, ß wir offene Plätze ohne vorherige Ankündigung beossen und dadurch den Tod zahlreicher Zivilpersonen rbeigeführt hätten. Die Vorwürfe sind völlig ungründet. Zunächst unterliegt es keinem Zweifel, daß wir bei der Beschießung durch die Seestreitkräfte an völkerrechtliche Vertragsbestimmungen nicht gebunden waren, denn der einzige in Betracht kommende Vertrag, das 9. Haager Abkommen, betreffend die Beschießung durch Seestreitkräfte in Kriegszeiten vom 18. Oktober 1907, findet in dem gegenwärtigen Kriege an sich keine Anendung, da er nicht von sämtlichen Kriegführenden ratiKziert wurde, mithin gemäß Artikel 8 auch die Vertragsmächte nicht bindet. Die Bestimmungen des Abkommens üssen daher nur insoweit beachtet wirden, als sie den allgemeinen völkerrechtlichen Grundsätzen entsprechen. Ob hiernach die Beschießung unverteidigter Plätze verboten it, steht nicht ohne weiteres fest, da beispielsweise engssche Seestreitkräfte im Krimkriege offeue russische Küstenblätze bombardiert haben. Gleichwohl hielten sich die deutschen Seestreitkräfte streng an die Bestimmungen des aager Abkommens. Nach Artikel 1 und 2 unterliegen Beschießung alle verteidigten Plätze, sowie alle milisch verwendbaren Einrichtungen in unverteidigten ätzen. Die Voraussetzungen trefsen bei den von eren Seestreitkräften beschossenen englischen Küstenen zu. Hartlepool gehört nach der amtlichen britiMonthly Army List zu den Coast Desenees, Küstenstigungen, die in Friedens= und Kriegszeiten von itischen Landstreitkräften besetzt sind. Diese haben auch die angreifenden deutschen Schiffe aus ihren Batterien beschossen. Scarboroneh zwar nicht in der britischen franzosen Belgier Engländer 215905 36852 18824 1091 Ruesland Fenkrruh Beigien Engtend Offirierr: 3575 3459 612 492 Russen 306 294 Mann Die Zohl der beim Jahresabschluss in Deutschland internierten Kriegsgefangenen. Armeeliste ausdrücklich als befestigter Küstenplatz verzeichnet, doch befindet sich hart am Norbrande der Stadt eine durch ein Drahtverhau geschützte, von der See aus deutlich erkennbare Schanze mit einer nach der See gerichteten Batterie von sechs 15=Zentimeter=Schnellade. kanonen, serner auf Scarborough Rock eine Kasernenanlage(Baracke) und am Südrande der Stadt eine amtlich verzeichnete Funkenstation. Witby hat nach der amtlichen britischen Monthly Army List eine Küstenwacht. und Signalstation(Coast Guard Station), die im Krieg und im Frieden von der britischen Marine bedient wird. Die deutschen Seestreitkräfte haben nur auf diese Station geschossen, wie dies auch von britischer Seite zugegeben wird. Daß die im Artikel 2 Absatz 1 und im Artikel 6 des Haager Abkommens vorgesehene Ankündigung der Beschießung ohne eine Gefährdung des Erfolges nicht ergehen konnte und daher auch nach den angeführten Bestimmungen nicht zu ergehen brauchte, ergibt sich ohne weiteres aus der milltärischen Sachlage. So bedauerlich es ist, daß den Angrifsen der deutschen Schiffe auch Zivilpersonen zum Opfer gefallen sind, so nachdrücklich muß nach den vorstehenden Ausführungen betont werden, daß sich diese Angriffe durchaus in den Grenzen der völkerrechtlich erlaubten Kriegführung gehalten haben. Russische Sonderfriedenswünsche. Die Ausführungen des„Rußkoje Slowo“, daß Rußland, Frankreich und Serbien einen ehrenvollen Sonderfrieden in einem günstigen Augenblick schließen sollen, sind für Kenner der russischen Verhältnisse nicht nur ein Zeitungsartikel wie viele andere auch, sondern haben erhöhte Bedeutung. Die russische Zensur für Zeitungen ist im Frieden schon so durchgreifend, daß nur selten ein Aufsatz erscheint, für dessen Wirkung die russische Regierung besorgt ist. Im Kriege ist aber natürlich gar nicht daran zu denken, daß nur irgendein Wort gedruckt werden könnte, welches nicht die Billigung der Regierung hat. Insbesondere wu den bald bei Ausbruch des Krieges streuge Verbote erlassen, über Frieden und Friedensmöglichkeiten sowie ähnliche Fragen zu schreiben. Wenn also jetzt der„Rußkoje Slowo“, eine Zeitung, die sonst das Sprachrohr des Ministers des Aeußern ist, plötzlich das Wort ergreift, um einem„ehrenvollen Frieden“ den Weg zu ebnen, so ist anzunehmen, daß hinter der Zeitung eine amtliche Stelle steht, die damit irgendeinen Zweck verfolgt. Wir haben schon früher gehört, daß die Eintracht der Verbündeten durch ihre allseitigen Mißerfolge schwer erschüttert sei. Insbesondere nehmen die Stimmen, die vom westlichen Kriegsschauplatz nach Rußland und von Rußland nach Frankreich hinüberschallen, einen immer feindlicheren Charakter an. Ja, der bekannte französische General La Croix hat sogar vor drei Wochen im„Temps“ einen Artikel veröffentlicht, in dem er die russische Führung und das russische Heer mit beißendem Hohn und Spott überschüttet. Aus dieser Stimmung heraus ist es zu erklären, daß die maßgebenden Kreise in Rußland allmählich zur Besinnung kommen, wozu auch noch die Mißerfolge ihrer Waffen ein gut Teil beitragen werden. Darum ist auch von einem„Krieg gegen die Barbaren" in Rußland überhaupt keine Rede mehr, wie zu Anfang des Krieges. Nun hat das schlaue England zwar bei Beginn des Krieges alle Bundesgenossen verpflichtet, keinen Sonderfrieden zu schließen. England wußte ganz gut, daß dieses Abkommen nur das eigene Fell schützen sollte. Aber was bedeuten im Kriege schriftliche Abmachungen? Sie sind nicht das Papier wert, auf dem sie festgelegt werden. Der Erfolg der Was in entscheidet allein. Ein besiegtes und hungerndes Volk kann nicht noch großspurige Friedensbedingungen stellen. Zu dieser Erkenntnis ist Rußland bereits gekommen. Darum wird bereits für einen Frieden im Volk Stimmung gemacht, damit man den Willen des Volkes als Grund angeben kann. Sehr klug wird in dem Artikel des russischen Blattes darauf hingewiesen, daß das englische Volk auf das russische Volk wie auf dem Rennplatz beim Totalisator wette und daß England allein die Durchführung des Krieges bis zum Ende als Lebensfrage ansehen könne. Mit diesen Gründen werden im russischen Volke die empfindlichsten Seiten berührt. Wenn auch wahrscheinlich die russische Militärpartei sich noch kriegerisch gebärdet, so ist es doch sicher, daß in der Regierung selber die Stimmen der Militärpartei nicht allzu viel mehr g#lten. Der Austausch der Zivilgefangenen. WTB. Rom, 5. Jan., 3 Uhr nachts. Wie„Giornale d'Italia“ erfährt, hat der Heilige Stuhl auf seine Anregung betr. den Austausch kriegsuntüchtiger Gefangener von Deutschland, England, Oesterreich= Ungarn, Rußland, Montenegro, Gerbien und der Türkei günstige Antworten erhalten. Frankreich ließ heute durch Vermittelung des belgischen Vertreters am Heiligen Stuhle seine Zustimmung öffiziös zu erkennen geben. Die offizielle Antwort Frankreichs wird für heute abend erwartet. WIB. Frankfurt a. M., 5. Jan., 3 Uhr nachts. Die „Frks. Ztg.“ meldet aus Rom: Auf die Bitte der Londoner„Daily Chroniele“ an den Papst um eine Aeußerung zu Beginn des neuen Jahres ließ dieser durch den Kardinalstaatssekretäe Gaspari antworten: Da er den Krieg nicht aufhalten könne, tne er alles, um seine schmerzlichen Folgen für die armen Gefangenen und deren Familien zu lindern. Er beschwöre die Regierungen der kriegführenden Staaten, dem schrecklichen Kriege ein Ende zu setzen und fordere die Presse aller Länder auf, ihm mit aller Macht bei der Friedensmission beizustehen.(Da kommt der Papst bei der englischen Presse an die falsche Adresse. Die Schriftl.) bb. Berlkn. 5. Jun. 35 Uhr nachts. Der„Lokakanzeiger“ meint, daß durch die Initiative des Papstes, die kriegsuntanglichen Gesangenen aus zutauschen windesteus 150000 Gefangenen die Rückkehr in die Heimat ermöglicht wird. Depeschenwechsel zwischen dem Papst und Kaiser Franz Josef. WTB. Wien, 5. Jan., 1,10 Uhr nachts. Papst Benedilt XV. hat am 31. Dezember an Seine Apostolische Majestät nachstehendes Telegramm gerichtet: Im Vertrauen auf die Gefühle christlicher Nächstenliebe, von der Euere Majestät bescelt sind, bitten wir Cuere Majestät, dieses unheilvolle Jahr zu beenden und das neue zu eröffnen mit einer Handlung souveräner Grotzmut. indem Euere Majestät unseren Vorschlag annehmen, daß zwischen den kriegführenden Staaten ein Austausch der für den Militärdienst künftig als untauglich auzusehenden Kriegsgefangenen stattkinden möge. Papst Benedikt XV. Auf das Telegramm des Papstes an den Kaiser von Oesterreich ist folgende Antwort eingegangen: „Tief gerührt von den Gefühlen christlicher Nächstenliebe, die Eure Heiligkeit zu der großherzigen Initiative bewogen haben, welche auf den Austausch der für den Militärdienst als unfähig erkannten Kriegsgefangenen abzielt, habe ich bereits auf telegraphischem Wege meinen Botschafter beim Heiligen Stuhle beauftragt, dem Kardinalstaatssekretär mitzuteilen, daß meine Regierung diesem liebreichen Vorschlage grundsätzlich von Herzen zustimmt und daß sie sich beeilen wird, mit den in Betracht kommenden Staaten in Verhandlungen einzutreten, um den Vorschlag Eurer Heiligkeit seiner praktischen Verwirklichung zuzuführen.“ Celegrammwechsel zwischen Friedrich und Kaiser Wilhelm. WTB. Wien, 5. Jan. Anläßlich des Jahreswechsels richtete seine Kaiserliche und Königliche Hoheit Armeeoberkomamndant Erzherzog Friedrich an Kaiser Wilhelm folgendes Glückwunschtelegramm: Durch monatelanges Ringen für die gemeinsame gerechte Sache inniger denn je verbunden, kämpfen deutsche und österreichisch=ungarische Armeen in unerschütterlicher Zuversicht mit vereinten Kräften gegen den wiederholt geschlagenen, aber noch nicht niedergezwungenen Feind. Wie mein allergnädigster Kaiser, König und Herr, bitte ich im Namen der mir unterstellten Streitkräfte auch Eure Majestät Allerhöchst seinem reuen Verbündeten, den alle beseligenden Wunsch, end„altig zu siegen, dem die Erfüllung mit Gottes Hilfe nicht versagt bleiben kann, als Wunsch für das kommende Jahr buldvollst entgegenzunehmen. Erzherzog Friedrich, Feldmarschall. Hierauf ist folgendes Antworttelegramm eingegangen: Eurer Kaiserlichen Hoheit sage ich meinen aufrichtigen Dank für den mir gleichzeitig im Namen der unterstellten Streitkräfte ausgesprochenen Neujahrswunsch. Auch ich entbiete Eurer Kaiserlichen Hoheit meine herzlichsten Wünsche und bitte sie auch den braven österreichisch= ungarischen Truppen zu übermitteln, die im verflossenen Jahre so feste Kriegskameradschaft mit den Deutschen bewiesen haben. Weiter mit vereinten Kräften und dem Willen zu siegen, im Aufblick zu Gott, dann wird der endgültige Erfolg unserer gerechten Sache nicht fehlen. Wilhelm. Zu den Ruhmestaten der österr.= ungarischen Marine. Admiral Anton Haus, Marinekommandant und Chef der Marinesektion des österreichisch=ungarischen Kriegsministeriums. Nachdem vor einiger Zeit das französische Unterseeboot„Curie“ an der österreichisch= ungarischen Adriaküste von Strandbatterien und Wachtfeuerzeugen zum Sinken gebracht wurde, hat unsere Schwestermarine in den letzten Tagen wieder einen Anton Haus glänzenden Erfolg zu verzeichnen. Das französische Admiralsschiff„Courbet“ wurde in der Struße von Otranto vom„U 19“ torpediert und sank bald darauf vor Valona. Auch das französische Unterseeboot„Vornouille“ ist gesunken. Nach diesem Mißerfolg hat die französische Flotte den Angriff auf die Bucht von Cattaro aufgegeben und den Rückzug aus der Adria angetreten. Neues Jahr— neues Glück! Diese Woche von Donnerstag bis Samstag ist die Ziehung der großen deutschen Luftfahrer=Lotterie, die Ziehung findet statt in der Generaldirektion der Königl. Preutz. Lotterie=Einnahme, Berlin. Der Hauptgewinn ist Mr. 60 000, das Originallos kostet 8 Mark und ist noch zu haben in Jülichers Haupt=Lotterie=Bank, Dortmund, Münsterstraße 4 Verordnung betressend anderweite Regelung der Daßpflicht. Dom 16. Dezember 1914. Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kasser, König von Preußen, usw., verordnen auf Grund des Gesetzes über das Paßwesen vom 12. Oktober 1867(Bundes=Gesetzbl. S. 33) im Namen des Reichs für das Reichsgebiet, mit Ausnahme Elsaßz=Lothrin= gens, was folgt: 1. Bis auf weiteres ist jeder, der das Reichsgebiet verläßt oder der aus dem Ausland in das Reichsgebiet eintritt, verpflichtet, sich durch einen Paß über seine Person auszuweisen. Den Militärbefehlshabern bleibt vorbehalten, nach Benehmen mit den zuständigen Landesbehörden für einzelne Grenzbezirke und bestimmte Zeiträume den Uebertritt gewisser Arten von Personen über die Reichsgrenze auch mit anderen Ausweisen als Pässen zuzulassen 2. Jeder Ausländer, der sich im Reichsgebiet aufhält, ist verpflichtet, sich durch einen Paß über seine Person auszuweisen. Die Militärbefehlshaber können für Fälle, in denen die Beschaffung eines Passes nicht möglich ist, nach Benehmen mit den zuständigen Landesbehörden die Anertennung anderer amtlicher Papiere als genügenden Ausweis zulassen S 3. Die nach Paragraph 1, Absatz 2 und Paragraph 2, Absatz 1 erforderlichen Pässe müssen mit einer Personalbeschreibung und mit einer Photographie des Paßinhabers aus neuester Zeit mit dessen eigenhändiger Unterschrift unter der Photographie sowie mit einer amtlichen Bescheinigung darüber versehen sein, daß der Paßinhaber tatsächlich die durch die Photographie dargestellte Person ist und die Unterschrift eigenhändig vollzogen hat. Die Photographie ist auf den Paß aufzukleben und amtlich derart abzustempeln, daß der Stempel etwa zur Hälfte auf der Photographie, zur anderen Hälfte auf dem Papier des Passes angebracht ist. Die im Absatz 1 vorgesehene amtliche Bescheintgung muß von der zuständigen Polizeibehörde oder von dem Gesandten oder Berufskonsul des Landes, dem der Paßinhaber angehört, ausgestellt sein; im Ausland genügt auch eine gerichtliche oder notarielle Bescheinigung. Ausländische Pässe, die zum Eintritt in das Reichsgebiet verwendet werden sollen, bedürfen außerdem des Bisa einer deutschen diplomatischen oder konsularischen Vertretung. Die Visierung ist zu verweigern, wenn Bedenken gegen die Person des Paßinhabers bestehen oder wenn den Vorschriften des Ab,. 1 nicht genügt ist. Die Militärbefehlshaber können nach Benehmen mit den zuständigen Landesbehörden für einzelne Grenzbezirke und bestimmte Zeiträume gewisse Arten von Personen von der im Abs. 3 vorgesehenen Visapflicht befreien. § 4. Wehrpflichtigen Teutschen im Inland dürsen Pässe nur mit Zustimmung des Bezirkskommandos ausgestellt werden, in dessen Kontrolle sie stehen; soweit für Wehrpflichtige eine solche Kontrolle nicht besteht, ist die Zustimmung desjenigen Bezirkskommandos erforderlich, in dessen Bezirk die Wehrpflichtigen ihren Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt haben. § 5. Diese Verordnung tritt mit dem 1. Januar 1915 in Kraft. Mit dem gleichen Zeitpunkt treten die Verordnung, betr. die vorübergehende Einführung der Paßpflicht, vom 31. Juli 1914(Reichs=Gesetzblatt S. 264) sowie alle seit diesem Tage zur Regelung des Grenzverkehrs erlassenen Bestimmungen, soweit sie die Paßpflicht betreffen, außer Kraft. Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem Kaiserlichen Insiegel. Gegeben Großes Hauptquartier, den 16. Dez. 1914. Wilhelm, (L. S.) Delbrück. Oeffentliche Rekanntmachung Einkommensteuer=Veranlagung für das Steuerjahr 1016 umfassend den Zeitraum vom 1. April 1915 bis zum 31. März 1916. Auf Gruno des Paragraphen 25 des Einkommensteuergesetzes wird hiermit jeder bereits mit einem Einkommen von mehr als 3000 Mk. veranlagte Steuerpflichtige im Stadtkreise Dortmund aufgefordert, die Steuererklärung über sein Jahreseinkommen nach dem vorgeschriebenen Formular in der Zeit vom 4. Januar bis einschließlich 20. Januar 1915 dem Unterzeichneten schriftlich oder zu Protokoll unter der Versicherung abzugeben, daß die Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht sind. Die obenbezeichneten Steuerpflichtigen sind zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet, auch wenn ihnen eine besondere Aufforderung oder ein Formular nicht zugegangen ist. Die Einsendung schriftlicher Erklärungen durch die Post ist zulässig, geschieht aber auf Gefahr des Absenders und deshalb zweckmäßig mittels Einschreibebriefs. Mündliche Erklärungen werden im Staatssteuerbüro, Olpe 3, 2. Obergeschoß, vormittags zwischen 10 und 12 Uhr zu Protokoll entgegengenommen. Wer die Frist zur Abgabe der ihm obliegenden Steuererklärung versäumt, hat gemäß Paragraph 31 Absatz 1 des Einkommensteuergesetzes neben der im Veranlagungs= und Rechtsmittelverfahren endgültig festgestellten Steuer einen Zuschlag von 5 Prozen! zu derselben zu entrichten. Wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben oder wissentliche Verschweigung von Einkommen in der Steuererklärung sind im Paragraph 72 des Einkommensteuergesetzes mit Strafe bedroht. Gemäß Paragraph 71 des Einkommensteuergesetzes wird von Mitgliedern einer in Preußen, Sachsen oder Hessen steuerpflichtigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung derjenige Teil, der auf sie veranlagte Einkommensteuer nicht erhoben, welcher auf Gewinnanteile der Gesellschaft mit beschränkter Haftung entfällt. Diese Vorschrift findet aber nur auf solche Steuerpflichtige Anwendung, welche eine Steuererklärung abgegeben und in dieser den von ihnen empfangenen Geschäfts Gewinn besonders bezeichnet haben. Daher müssen alle Steuerpflichtigen, welche eine Gerücksichtigung gemäß Paragraph 71 a. a. v. erwarten, mögen sie bereits im Vorjahre nach einem Einkommen von mehr als 3000 Mark veranlagt gewesen sein oder nicht, binnen der oben bezeichneten Frist eine, die nähere Bezeichnung des empfangenen Geschäftsgewinus aus der Gesellschaft mit beschränkter Haftung enthaltende Steuererklärung einreichen. Der Vorsitzende der Einkommensteuer=Veraulagungs= Kommission des Stadkreises Dortmund. Dr Bald. ####ger* 65R .-*-DgPESEESSE u 19 73 f1 c9 u 7eT..** S 2 Fse# 885„ # SSgig gs 8 3 SSSES SEE —. .— 5 . 62 Sp Jon Ha5 Sns —— G 3 4—— 62 = • —*— 5 22— * 72 F 5 „Aussa S SaSSg #aBorSnE„ „* ü• S 2 9Gerou ESaS 1 —. — 11 Wochenschrift zur Unterhaltung und Erziehung der Jugend Mein Kind. Mein Kind! Nicht aus des Himmels Tage, Richt von des Höchsten Altars Stufen Soll jemals eine leise Klage Zurück dich zu dem Staube rufen. Die klaren Sternlein deiner Augen, Sie glänzen nun am Himmelszelt. Für Tränen mochten sie nicht taugen. Die strömen in der trüben Welt. Dein Seelchen, frei vom Hauch der Sünde, Blüht rein der Glorie entgegen; Schnell streif' es ab die leichte Binde. Und stellt sich ein zum Himmelssegen. O Liebchen, heb’ die reinen Hände. Die keine Makel je berührt, Zum Herrn, daß er uns gnädig spende. Was uns zu dir, zum Himmel führt. Ja singe, sing' uns Gottesfrieden! Still lauscht die Mutter deinem Sang, Sie küßt noch deine Spur hienieden. So wird ihr auf dem Weg nicht bang. Wohl arm an Liebe ist die Erde. An Elend ist sie überreich: Die Schminke selbst ist da Beschwerde. So bald wird Freud und Purpur bleich. Des Engels Hand muß uns geleiten: Du, Kind, bist mir das heil'ge Pfand, Das Gott in dieses Lebens Weiten Als lieben Schutzgeist mir gesandt. Schlaf süß, kein Seufzer weckt dich auf, Spielst träumend mit des Himmels Harfen, Stillst lieblich herber Tränen Lauf. Verscheuchst, mein Engelsbild, der Sünde Larven. Berta Arndts. Müllers Lieschen. Von Ernst Alexander(Onkel Ernst). (Nachdruck verboten.) Drunten im Tal, von hohen Bäumen umgeben, lag traulich die alte Mühle. Ihr rotes geldach hob sich freundlich von den grünen Wiesen ihrer Umgebung ab. Dort. wo der dunkle Tannenwald bis hinab ins Tal stieg, kam im wilden Laufe der Mühlbach daher gesprungen. Rauschend und schäumend stürzte er über die grünbemoosten Steine. die er in früheren Zeiten von den Bergen mitgebracht hatte. Er kannte sie alle gut. und er trieb gern mit ihnen sein neckisches Spiel. Hier unten im Tal aber war es vorbei mit dem Spiel, hier sollte er arbeiten. Und es war ihm ernst damit, das sah man an dem ruhigen, aber dennoch raschen Laufe, mit dem er sich der Mühle näherte. Zwei große Räder drehte es dort jahrein, jahraus. In der Mühle surrte und sauste es. Wie ein weißer Strom floß das Mehl in den Mehlkasten und von diesem in die großen Säcke. Des Müllers Esel mußte gar fleißig sein, um alle diese Säcke in die Stadt zu hringen. Fleißige Arbeit bringt reichen Lohn, das wußte auch der Bach. Seit er ruhig seiner Beschäftigung nachging, wie ein Mann, und nicht mehr wild über die Steine kletterte wie ein mutwilliger Knabe, tummelten sich in seiner Flut viele kleine Fischlein, die ihm einen lustigen Zeitvertreib gaben. Er schaukelte sie mit seinen kühlen Wellen, schnellte sie plötzlich in die Höhe und tauchte sie dann ebenso schnell wieder bis tief in den Grund. Das gefiel den Fischen wohl, drum blieben sie gern in dem cuhigeren Wasser bei der Mühle. Aber noch etwas anderes lockte sie dorthin. Jeden Morgen kam Lieschen, des Müllers kleine Tochter. auf den Stea. der über den Mühlbach führte, und brachte ihnen Futter. Kaum graute der Tag, so schauten die Fischlein schon nach ihrer Freundin aus. Ein besonders kühner schnellte sich aus dem Wasser hoch heraus, damit er den Mühlhof überblicken konnte. Sah er dann das kleine Mädchen im roten Kleide mit dem Körbchen arm Arme, so rief er's seinen Gefährten zu, und dicht gedrängt stand die lustige Schar dann unterm Steg. Und die Fischlein, die es vielleicht verschlafen hatten, lockte Lieschen mit dem Liedchen herbei: Fischlein auf des Baches Grund, Seid ihr alle noch gesund? Habt ihr gut geruht heut nacht, Und an Lieschen auch gedacht? Lieschen war ein liebes und braves Kind. Wenn die Morgensonne durch's Fenster schien und die Mühlsteine anfingen sich zu drehen, stand sie flink von ihrem Bettchen auf. kleidete sich sauber an und ging dann zur Mutter, um ihr zu helfen. Den Frühstückstisch draußen im Garten unter der großen Linde deckte sie ganz allein. War das Frühstück vorüber, so ging sie in ihr Gärtchen, goß fleißig mit einer kleinen Gießkanne die Blümchen, jätete und harkte, und dann pflückte sie Schoten in die Körbchen, so viel hineingingen. Die kleinen Erbsen brachte sie den Fischen, den Enten und Gänsen auf dem Hofe gab sie die Schalen. und die Hühner erhielten die Krümel vom Frühstückstisch. Auch den Esel im Stall. den Molli auf dem Hofe und die Mieze in der Küche vergaß sie nicht. So hatte sie den ganzen Tag für ihre Lieblinge zu sorgen. Eines Morgens stand sie wieder auf dem Stege und fütterte die Fische, die ihre hungrigen Mäuler aufsperrten und nach den Erbsen hnappten. „Ihr bekommt alle etwas!“ rief sie ihnen zu. Aber da war einer, der wollte seinen Kameraden nichts gönnen; er schnellte sich weit aus dem Wasser empor, um das meiste zu erhaschen. Doch die Strafe folgte gar bald. Er war so hoch aus der Flut herausgesprungen, daß er nicht mehr in sie zurückfiel, sondern auf einen Stein am Ufer. Dort lag er nun und zappelte, aber es half ihm nichts, es war die Strafe für seine Gier. Lieschen aber bedauerte ihn doch sehr, denn er mußte ja nun sterben. Sollte sie schnell die Mutter holen? Bis die kam, konnte der Fisch schon längst tot sein. Schnell kletterte sie daher hinab. ergriff ihn und brachte ihn wieder ins Wasser. Dabei aber glitt sie auf dem feuchten Steine aus und stürzte in den Bach. Das war nun sehr schlimm. denn es war niemand da, der helfen konnte. Die Fische schwammen erst erschreckt davon, als sie aber sahen, daß es ihr Lieschen war, das zu ihnen gekommen, freuten sie sich sehr. Glücklicherweise war eine alte erfahrene Gans in der Nähe, die Lieschens Not erkannte.„Ach, ach, aach!“ rief sie in ihrer Herzensangst und stürzte sich in den Bach. Nach einiger Mühe gelang es ihr, mit dem Schnabel das Kind zu erfassen und wieder ans Land zu bringen. Lieschen war gerettet. Um sie herum hatten sich ihre kleinen Freunde versammelt; die freuten sich, daß sie ihren Liebling wieder hatten. Ein dicker Enterich aber brachte ein Hoch aus auf die gute Gans, in welches alle einstimmten. Der Zauberer in der Familie. Um einen täuschend ähnlichen Kanonenschuß am Speisetisch hervorzubringen, nimmt man eine große Flasche mit dicken Wänden (z. B. eine Champagnerflasche), füllt sie zum dritten Teile mit Wasser, in welchem man etwas doppelkohlensaures Natron auflöst. Man fertigt dann einen aus vier zusammengerollten Spielkarten hergestellten Zylinder, füllt diesen mit Weinsteinsäure, schließt ihn mit einem Pfropfen aus Löschpapier und befestigt diese kleine Patrone an dem Korken der Flasche. Legt man die Flasche so, daß Wasser in den Zylinder dringt und die Weinsteinsäure auflöst, so hat man den schönsten Kanonenschuß mit Knall und Rückstoß des„Geschützes“, da ja die sich entwickelnde Kohlensäure den Pfropfen mit starkem Knall austreibt Vexierbild. Wo ist der zweite Holzfäller? Uun u W uu teicch S W lhot ung luv anc Rätselecke. Worträtsel. Im Wald und Feld es fröhlich sprießt, Was uns das Leben verbittert, versüßt. M Homonym. Sie schmücken die Welt Und sie vergehn: Doch braucht man Verstand, Sie recht zu verstehn Scharade. Die erste Silbe— leicht und schwer. Die zweite achtet man nicht sehr. Jedoch muß sie sich auch bequemen. Das Ganze willig aufzunehmen. G " a b.a 280 25n 8 S."* 9 2 2* 3 3 BBJTon S 99n7 85 8 89 FESS Der ungebetene Gast. 131 Koman von G. Werner.(Nachdruck verboten.) „Sie sind im Rechte, Baronesse,“ sprach sie dann.„Das Papier muß gesunden und vernichtet werden; ist dieses erst aus dem Wege geräumt, dann kann Ihr Vater leicht gerettet werden. Wenn ich wüßte, was jenes Schriftstück enthält, so wäre ich wohl imstande — doch wenn das Dokument das ist, was ich vermute, so darf es nicht existieren. Gehen Sie, Baronesse, und möge der Himmel Ihren Weg segnen! Gehen Sie, ehe jene Männer wieder des Weges kommen!" Es gab noch viele Fragen, welche Rose gern gestellt haben würde, doch Frau Rambergs Worte brachten sie zu dem Entschlusse, die sich selbst gestellte Aufgabe sofort zu erfüllen. Kehrte sie zurück, dann sollte es ihr erstes sein, um jeden Preis das Vertrauen jener Frau zu erringen. Sie drückte ihr für jetzt nur mit Wärme die Hand und entfernte sich, indem sie einige Dankesworte flüsterte. „Noch einen Augenblick, Baronesse.“ sprach Frau Ramberg, Rosa zurückhaltend.„Flonheim hat einstens eine kleine Mahagonikassette besessen, in der er seine Schriften aufzubewahren pflegte. Sie hatte in Gold eingelegte Verzierungen auf dem Deckel und wurde von ihm hochgehalten. Sie besaß ein Geheimfach, einen doppelten Boden, der sich dadurch öffnen ließ, daß man auf eines der goldenen Blätter drückte, welche den Deckel zierten. Wenn jene Kassette sich in Elmenhorst befindet, so hat er sicherlich in derselben das Dokument verwahrt. Ich habe selbst gehört, wie er einst erwähnte, jenes Geheimfach sei der sicherste Platz, um Dinge von Wert darin zu bewahren. Suchen Sie immerhin nach jener Kassette!“ Nach diesem wichtigen andeutenden Winke hieß Frau Ramberg die beiden Mädchen nochmals ihren Weggang beschleunigen, ehe Flonheim zurückkehre. Sie befolgten den Rat der Fremden und eilten rasch in gebückter Stellung längs dem Buschwerke dahin bis zu der Stelle. an der der Diener mit den Pferden halten sollte. Es war ein kurzer Weg, doch legten die beiden denselben in nicht geringer Aufregung zurück. Besonders Alice wähnte stets Flonheims Tritte zu vernehmen und glaubte, sie würden von den Männern verfolgt. Rosa aber ermutigte und beruhigte sie. und endlich war denn auch der Ort ihrer Bestimmung erreicht. Unter der Stalltür fanden sie den Diener Georg, der sie auf dem nächtlichen Ritte begleiten sollte. Er trat jetzt, sich ehrfurchtsvoll verneigend, auf Rosa zu. „Gnädige Baronesse,“ sprach er.„ich habe vor einer Weile einige Männer im Parke umherschleichen sehen; vermutlich war es jemand von der Dienerschaft, da aber dieser nächtliche Ritt, wie die gnädige Baronesse mir mitteilte, geheim sein sollte, brachte ich die Pferde vor das äußere Parktor, wo ich sie festband, denn ich weiß ja, daß die gnädige Baronesse stets die Parkschlüssel bei sich tragen.“ „Sie haben recht getan. Georg,“ sprach Rosa.„Wir sind etwas aufgehalten worden, aber durch rasches Reiten läßt sich das noch einbringen. Wir wollen sofort aufbrechen.“ Der Diener gehorchte und beeilte sich, rasch nach der Stelle voranzuschreiten, an der die Pferde harrten. Hand in Hand folgten ihm die beiden Damen nach der bezeichneten Stelle. Die Pferde standen bereit. und Rosa schwang sich mit Leichtigkeit in den Sattel ihres arabischen Lieblings. „Wir wollen durch den äußern Park am Teiche vorüber und dann bei dem untersten Tore hinaus auf die Hauptstraße." flüsterte Rosa. Der Diener blieb einige Schritte hinter den junge Damen, und leise setzte sich das Trio nach der angedeuteten Richtung in Bewegung. ** Die Frau, deren feste Zuversicht Rosa so wesentlich beruhigt hatte, stand inzwischen eine Weile regungslos in Gedanken versunken, nervös mit ihren Fingern spielend, als auf dem Kieswege Schritte hörbar wurden. Langsam und vorsichtig kamen sie näher und verrieten die Rückkehr der Verbündeten. Flonheims Stimme klang ebenso sanft und einschmeichelnd wie immer. Als Frau Ramberg Flonheims Stimme vernahm, wich mit einem Schlage ihre träumerische Versunkenheit von ihr; sie beugte sich vor, um besser hören zu können; aber sie war nicht imstande, mehr zu erfahren, als daß Flonheim das Dokument geschrieben und unterzeichnet hatte, das der Wirt Döllmann von ihm gefordert. Die beiden Männer schritten an dem Glashause vorüber und bogen in einen der dunkleren Laubengänge ein. Mutiger schlich Frau Ramberg näher. Zu ihrem großen Verdruß ergingen sich die Verbündeten aber jetzt nur in Wiederholungen ihrer wechselseitigen Versprechungen; dann entfernte sich der Wirt, und Flonheim zündete sich eine Zigarre an, um, dieselbe rauchend, langsam auf und ab zu gehen. Frau Ramberg beobachtete ihn hinter einem mächtigen Fliederbusche hervor mit glühenden Blicken, die Züge haßverzerrt. Namenlose Bitterkeit lag in dem brennenden Blicke ihrer dunklen Augen, und sie hob den Arm empor, als ob sie die Rache des Himmels auf sein schuldiges Haupt herniederrufen wollte! Vielleicht gab ihm irgendein geheimnisvoller Instinkt ein, daß ein feindliches Element in seiner Nähe weilen müsse, vielleicht fühlte er den stechenden Blick ihrer Augen— wie dem immer sein mochte, Tatsache blieb, daß er unruhig wurde, zu wiederholten Malen um sich blickte und endlich auch dem auf ihn gerichteten Blick der Frau begegnete. Sie bot ein eigenartiges Bild. als sie so dastand, nur der Oberkörper aus dem üppigen Buschwerk emporragend, das Antlitz durchglüht von leidenschaftlichem Hasse, die Augen durchbohrend auf ihn gerichtet, der Arm gen Himmel emporgehoben. Er wich erschrocken zurück die brennende Zigarre entfiel seinen Lippen, seine Glieder bebten. „Sie hier,“ stammelte er,„lebend und hier, um mich zugrunde zu richten! Lebend!“ Er fuhr sich mit der Hand über die Augen und blickte dann wieder unverwandt nach der Richtung, in der die Frau stand. Die seltsame Erscheinung war verschwunden; Franz Flonheim aber war durchaus nicht frei von Aberglauben. „Es ist Wahrheit in dem alten Glauben,“ murmelte er, sich den Schweiß von der Stirn wischend,„daß die Geister der Abgeschiedenen den Lebenden erscheinen; ich habe jetzt einen solchen gesehen!“ Rasch eilte er, den nächsten Weg einschlagend, dem Schlosse zu, und erst nachdem er sich entfernt hatte, richtete die Fremde sich aus ihrer kauernden Stellung em vor und blickte ihm mit einem verächtlichen Lächeln tiefinnerster Befriedigung nach. „Er hat heute einen Vorgeschmack von dem zu kosten bekommen, was seiner harrt,“ murmelte sie.„Ja, Baronesse Rosa, du sollst befreit werden von diesem Manne und ich— gerächt!".— 20. Kapitel. Während die jungen Damen mit ihrem Begleiter in der Stille der Nacht dahinritten, kam in Rosas Seele das Bewußtsein immer mehr und mehr zum Durchbruch, daß das Recht doch noch den Sieg davontragen werde über alles Böse. und daß ihre Bemühungen im Interesse ihres Vaters endlich doch von Sieg gekrönt werden müßten. Mit neuerwachtem Mute ritt sie weiter Lady Alice machte keinen Versuch, das Schweigen, das Rosa angenehm zu sein schien in irgendeiner Weise zu unterbrechen; si# folgte wortlos der treuen Freundin, zu der sie stets mit bewundernder Verehrung emporblickte. So kamen sie nach dem Teiche von Eden, wo sie zweimal schon dem Grafen von Gengenbach begegnet war und die alte, ewig neue Geschichte vom Liebesglück zweier Menschen auch ihr offenbar geworden war. Die süßen Erinnerungen, die diese Stellfür Rosa hatte, machte sich auch heute geltend, und sie ließ ihre Augen liebevoll auf der Stelle haften, während sie sich scheu umwandte, um sich zu überzeugen, daß die Freundin ihre Stimmung nicht beachte. Der Teich von Eden hatte niemals schöner, niemals verführerischer ausgesehen, als jetzt in der nächtlichen Beleuchtung. Auch Lady Alice betrachtete ihn mit Bewunderung, stieß aber plötzlich einen leisen Schrei aus. „Was ist dir, Liebste?“ fragte Rosa, aus ihrem beseligenden Traum erwachend. „Ich glaube, dort am Ufer auf der Bank einen Mann zu sehen,“ lautete die besorgte Erwiedrung.„Sieh nur selbst, Rosa, er hebt den Kopf empor und blickt uns an! Wer mag es sein? Was kann er zu dieser Nachtzeit hier im Parke zu suchen haben?“ Rosa blickte in der bezeichneten Richte## fah ebenfalls den in Frage stehenden Mann, der sich jetzt mit raschen Schinen der kleinen Gesellschaft nahte. Rosa erkannte errötend in dem Stebenden den Brafen von Gengenbach. Eine Sekunde lang war sie nicht ganz mit sich im Reinen, welchen Weg einuschlagen das Rechte sei: sollte sie umkeyren oder dem jungen Edelmanne entgegentreten: Bald aber kam ihr die Ueberzeugung, daß sie bereits erkannt sei, und das veranlaßte sie, vorwärts zu reiten, nachdem sie Georg einige Worte zugeflüstert, die zur Folge hatten, daß der treue Diener im Hintergrunde blieb. „Du bist es wirklich?“ sprach der junge Graf, der inzwischen näher gekommen war, mit einiger Ueberraschung.„Welch seltsame Stunde für einen Spazierritt. Baronesse!“" „Allerdings,“ entgegnete Rosa, dem Blicke des Geliebten ausweichend,„aber auch eine nicht minder sonderbare Stunde für einen Spaziergang in nachbarlichem Parke, lieber Graf!" „Du kannst leicht erraten, weshalb ich hier bin, Rosa,“ entgegnete der Graf leise. „Die Stelle, an der wir uns nach Jahren zuerst wieder begegneten, ist mir die liebste auf Erden. Nicht zum erstenmale bin ich zu später Stunde hier, um im Geiste die seligen Minuten wieder durchzuleben, welche ich hier genossen, um Trost und Hoffnung zu schöpfen für die Zukunft. Mein Herz ist heute von trüben Ahnungen erfüllt gewesen, und ich hoffte, mich hier zu beruhigen, Pläne zu ersinnen, die es mir möglich machen sollten. Flonheim die Stirne zu bieten! Wohin begibst du dich, Rosa?“ Die Baronesse zögerte einen Augenblick. „Ich kann es nicht sagen. Oskar,“ erwi derte sie dann verlegen. „Mir nicht sagen?" widerholt er überrascht,„aber Geliebte, das kann doch gar nicht sein? Ich werde doch das Mädchen, das ich über alles liebe auf Erden, nicht ohne anderen Schutz als einen Diener hinauswandern lassen in die Nacht.“ „Du magst meinem gesunden Menschen verstande und meiner Umsicht immerhin trauen,“ sprach Rosa leise, damit Alice ihre Worte nicht vernehme.„Ich gehe mit dem vollsten Einverständnis meines Vaters. um einen Gegenstand zu suchen, dessen Besitz für sein Lebensglück von Entscheidung ist! Ich kann und darf jetzt nichts mehr sagen, aber halte uns nicht länger auf; jede Minute, die wir zier vertrödeln, ist verlorene Zeit. Hoffentich bald sollst du alles wissen!“ „Wenn du es für angemessen hältst, meine liebe Rosa,“ sprach Graf Oskar mit unbe grenztem Vertrauen.„Ich will weder dein Vertrauen erzwingen, noch dich länger aufhalten, sondern mit dir bis zu dem äußersten Parktore gehen, vor dem ich mein Pferd ange bunden habe.“ Oskar begrüßte nun auch Lady Alice, richtete einige freundliche Worte an den Diener, der ihn in freudiger Bewegung längst erkannt hatte, und führte dann, an Rosas Seite gehend, sein Gespräch mit dieser weiter fort. Am Tore angelangt gab Rosa dem Grafen die Schlüssel, dieser sperrte die Pforte auf und überreichte, nachdem die kleine Gesellschaft draußen angelangt war, den Schlüssel von neuem der Baronesse. Das Pferd des Grafen stand an der Stelle, wo er es verließ, an den Baum gebunden und scharrte ungeduldig den Boden. Der junge Edelmann streichelte es begütigend. band es los und schwang sich dann in den Sattel, zu Rosa zurückreitend. „Liebe Rosa,“ bat er, als sie ihm die behandschuhte Rechte zum Abschiede bot;„ich bitte dich, gestatte mir, daß ich dich begleite. Du setzt dich vielfacher Gefahr aus, indem du einen solchen Ritt in dieser Weise unternimmst. Du ahnst nicht, was dir unterwegs zustoßen, was dir am Endziele begegnen kann. Es kann unmöglich unpassend sein, wenn ich der vierte in eurem Bunde werde, etwa als sei ich dein Bruder! Darf ich mitkommen, Rosa?“ Die Baronesse zögerte, sie sah, daß Alicens Augen flehend auf ihr ruhten, sie hörte, daß der alte Diener ein beifälliges Gemurmel zum besten gab. „Wenn du meiner Bitte kein Gehör schenkst,“ fuhr der Graf mit ruhiger Entschlossnheit fort,„so zwingst du mich, dir in einiger Entfernung allein zu folgen. Ich vermöchte nicht zu schlafen, wenn ich nach Hause zurückkehrte und mich die Möglichkeit quälte, daß du dich einer Gefahr aussetzt. Entweder ich begleite dich oder ich folge dir, so viel steht fest!“ „So komm denn!“ Sie gab ihrem Pferde die Sporen. Rasch ritten sie durch romantische Waldwege dahin, ohne ihre Romantik auch nur eines Blickes zu würdigen, so sehr waren sie alle von ihren eigenen Angelegenheiten in Anspruch genommen. Den Ortschaften ausweichend, suchten sie die besten Richtwege einzuschlagen, um baldigst ans Ziel zu gelangen. Dem Grafen hatte Rosa inzwischen mitgeteilt, daß sie nach Elmenhorft wolle. Sie hatte auch alle Ursache, sich Glück zu wünschen, daß sie in seine Begleitung gewilligt, denn er erwies sich als ein landkundiger Führer und ersparte auf diese Weise der kleinen Gesellschaft manchen erheblichen Umweg. Jetzt führte ihr Weg auch an einer lieblichen, im Schweizerstile gebauten Besitzung vorüber, welche Rosa mit Interesse betrachtete. „Das ist die Villa Odenau, das Heim der Frau von Lassen, nicht wahr?“ fragte sie gespannt, und als der Graf es bejahte, dachte sie im stillen:„Hier also lebt Anna Wernthal, die Tochter Piperitz', des dritten Zeugen; ich muß trachten, sie zu sprechen!" Ermutigt durch die Teilnahme Oskars hatte Rosa sich endlich doch veranlaßt gesehen, ihm den Zweck ihres Rittes mitzu teilen und ihn zu ersuchen, er möge ihr behilflich sein, das Papier zu erforschen. Sie sprach zu ihm auch von der Unterredung, die sie im Parke von Bathenfels erlauscht hatte und die untrüglich dartat, daß zwischen den Feinden des Barons ein Bündnis bestand das ihrem Vater verderblich zu werden drohte. Endlich erzählte sie ihm auch die Andeutungen der geheimnisvollen Näherin hinsichtlich einer Mahagonikassette, in der die unselige Urkunde möglicherweise verborgen sein könne. „Ich möchte gerne wissen, wer Frau Ram berg eigentlich ist,“ sprach Rosa gedankenvoll. „Es ist etwas Geheimnisvolles an ihr, das ich nicht zu ergründen imstande bin. Sie hat Flonheim gekannt, das ist offenbar, aber wann, wo und unter welchen Umständen? Und weshalb dürstet sie nach Rache?“ „Vielleicht hat er ihre Liebe verraten und sie verlassen!" „Das ist kaum wahrscheinlich, denn sie muß um sehr vieles älter sein als er. Ihr Haar ist ganz grau, ihr Gesicht voll Runzeln; nein, seine Geliebte kann sie gar nicht sein.“ „Dann könnte sie vielleicht seine Mutter sein!“ „Ebenso undenkbar. Sie sehen sich gar nicht ähnlich, abgesehen davon, daß keine Mutter ihren Sohn jahrelang verfolgen würde, um Rache an ihm zu nehmen. Ich habe schon alle nur denkbaren Möglichkeiten vergeblich hin und her erwogen. Nein. es steckt irgend ein Geheimnis hinter diesem glühenden Haß, das wir noch nicht ergründet haben! Wir müssen abwarten und die Augen offen halten; vielleicht wird die Zeit die Rätsel lösen.“ Rosa streichelte die Mähne ihres Pferdes und spornte es zu doppelter Eile an. Endlich nahte der lange, ermüdende Ritt seinem Ende; die umrankten Efeumauern eines alten Edelbesitzes wurden sichtbar; zwei dunkle Türme hoben sich von dem Nachthimmel ab, und der Graf erklärte, Elmenhorst sei erreicht. „Ich kenne das alte Schloß gut.“ sprach der Graf.„Einst hat ein Freund meines Vaters hier gelebt, und ich pflegte bei meinen Besuchen jeden Winkel des alten Gemäuers mit meinem Forschungsgeiste zu durchwühlen. Ich hoffe, wir werden nicht viel von der Dienerschaft vorfinden.“ Rosa und Alice stimmten diesem Wunsche aus vollster Seele bei. Noch waren nicht ganz dre. Stunden zur Reige gegangen, seit sie Bathenfels verlassen, aber zum Glücke sing es doch noch nicht zu tagen an. „Wir haben noch einige Stunden vor uns, Oskar, während dieser Zeit soll es uns doch hoffentlich gelingen, unser Ziel zu erreichen!“ sprach Rosa inbrünstig. „Georg könnte hier die Pferde anbinden,“ sprach der Graf,„sie sind hier den etwaigen spähenden Blicken vom Schlosse aus verborgen und uns doch nahe, im Falle wir derselben wieder bedürfen. Wir wollen inzwischen versuchen, von welcher Seite aus es möglich sein wird, in das Haus zu gelangen. Es scheinen an demselben Reparaturen vorgenommen zu werden. Vielleicht haben die Arbeiter, welche dieselben besorgen, Werkzeuge an irgendeiner Stelle zurückgelassen, welche uns nützlich sein können!“ Die Damen stimmten dem Plane des Grafen sogleich zu und glitten leise aus den Sätteln. Der Graf führte mit Hilfe Georgs die Pferde nach der von ihm bezeichneten gedeckten Stelle. „Du bist hier sicher, Georg,“ sprach er zu dem treuen Diener,„niemand kann dich sehen; erwarte unsere Rückkehr!" Der Diener versprach, den Befehl gewissenhaft zu erfüllen, und der Graf kehrte zu den beiden Damen zurück. Für's erste war wenigstens der Schauplatz ihrer Operationen erreicht. (Fortsetzung folgt.) Der Mensch bedarf des Menschen sehr, Zu seinem großen Nur in dem Ganzen wirket er, Viel Tropfen geben erst das Meer, Viel Wasser treibt die Mühle. Schiller. Pauls merkwürdigste Nacht. Eine Geschichte von Friedrich Hebbel. (Nachdruck verboten.) Die Uhr schlug eben neun. Paul saß hinter dem Ofen an einem kleinen runden Tisch und las einen Roman, in dessen Besitz er kürzlich auf einer Auktion gekommen war, weil er ihn auf eine Nachtmütze mit in den Kauf hatte nehmen müssen. Wenn er eine Seite des Buches beendigt hatte, befühlte er jedesmal den Ofen und zog die Hand dann kopfschüttelnd zurück; als guter Hauswirt wollte er vor dem gänzlichen Erkalten des Ofens nicht zu Bett gehen, und dieser hielt noch immer einige Wärme fest. Zu seinen Füßen, träge in einen Knäuel zusammengerollt und laut schnarchend lag sein Hund, ein wohlgenährter, weißgefleckter Pudel, der sein Fett weniger der Freigebigkeit seines Herrn, als seiner diebischen Gewandtheit in Metzgerbuden verdankte. Wenn Paul im Buche an ein Kapitel kam, das ihn wenig interessierte, oder wenn er in die spärlich unterhaltene Lampe, die alle Augenblicke zu erlöschen drohte, ein par Tropfen Oel gießen mußte, so bückte er sich wohl zu dem Hund nieder, ließ denselben, vielleicht weil er ihn um seinen frühen Schlaf beneidete, allerlei Künste machen, Schildwache stehen, oder den unfreiwilligen Toten spielen, brach ihm zuweilen aber auch ein Stück Brot ab und belohnte ihn damit für seine Folgsamkeit. Die Uhr schlug halb zehn. Paul stand auf. um sich zu entkleiden, da klopfte es ans Fenster.„Komm berein,“ rief Paul. in dem Klopfenden einen Straßenbuben vermutend, der ihn necken wolle,„dann kannst du hinausehen!" Draußen ward gelacht und noch einmal geklopft. Aergerlich blies Paul die Lampe aus.„Mach auf, ich bin's!“ rief jetzt eine bekannte Stimme.„Du?“ entgegnete Paul,„was willst du denn so spät?“ Verdrießlich suchte er sein Feuerzeug, zündete die Lampe wieder an und öffnete die Tür. „Du mußt noch zur Stadt,“ sagte der Bruder eintretend und legte einen großen Brief auf den Tisch,„wir haben im Amt alle Hände voll zu tun, ich werde die ganze Nacht am Pult zubringen müssen!"—„Das ist nicht dein Ernst!" versetzte Paul, und schaute seinen Bruder lächelnd an. Er besorgte bei Tage für das Amt, wo sein Bruder Schreiber war, recht gern einen Brief, denn er erhielt einen guten Botenlohn, aber in der Nacht war das noch niemals vorgekommen, und er hatte keine Lust, statt zu Bett zu gehen, im Finstern einen Weg von zwei Meilen zu machen. „Wie sollte es nicht mein Ernst sein!" entgegnete der Bruder;„mach hurtig, die Sache hat Eile und kein Augenblick ist zu verlieren!" —„Spute dich, Paul!“ rief die Mutter, die einer Erkältung halber schon seit einer Stunde im Bett lag;„das kommt uns trefflich zustatten, denn morgen ist Markttag!"—„Such dir einen anderen Boten,“ sagte Paul nach einer Pause halb leise,„ich gehe nicht!" Der Bruder, der sich gefreut hatte, Paul den kleinen Verdienst zuwenden zu können, wurde gereizt. „Du sollst!“ rief er mit Heftigkeit;„wer das Geld bei Tage verdienen will. der muß auch nachts bei der Hand sein!"—„Tu. was du willst!" erwiderte Paul mit großer Ruhe,„es sollte mich wundern, wenn du mich so weit brächtest.“ Er trat an den Tisch und blätterte in dem Roman; mitunter warf er einen scheuen Blick auf den Bruder. Dieser schwieg eine Weile still, dann sagte er:„Ich werde den Bettelvogt zu dir schicken!" und wollte fortgehen. Der Bettelvogt war ein Mann, den Paul fürchtete, weil er den Umfang seiner Macht nicht kannte; er vertrat seinem Bruder daher den Weg und sagte:„Franz. sei nicht unvernünftig, du würdest es ebensowenig tun, wie ich!“ Nun regte sich die Mutter in ihrem Bett.„Junge!“ rief sie zornig,„wem gleichst du nur! Deinen Vater verdroß keine Mühe, und auch ich, so alt ich bin, rühre mich, wie ich kann. Du aber kommst vor Faulheit um!"—„Faulheit?“ versetzte Paul ärgerlich und stellte seine Pfeife, die er bisher noch nicht hatte ausgehen lassen, vor das Fenster,„als ob’s Faulheit wäre!“—„Was ist es denn?“ fragte der Bruder.„Das weißt du recht gut!“ erwiderte Paul und stützte, sich niedersetzend, den Kopf auf den Tisch.„Erst neulich stand eine Mordgeschichte im Wochenblatt!" Der Bruder mußte unwillkürlich lächeln, dann sagte er:„Paul, sei kein Narr! Sieh auf deine kahle Jacke und tröste dich. Dich wird niemand umbringen; denn daß du nichts in der Tasche hast, das sieht dir jeder gleich an.“ —„Haben sie,“ entgegnete Paul mit einem Blicke herausfordernder Angst.„nicht einmal einen ums Hemd kalt gemacht?" Dabei zog er seine Jacke aus, um mit Tat und Wort zugleich gegen das ihm zugemutete Heldenstück zu protestieren. Der Mutter, die dies bemerkte, floß die Galle über; sie richtete sich, ohne etwas zu sagen, im Bett auf und warf Paul ihren Pantoffel an den Kopf. Der Bruder, der jetzt erst sah, daß Paul im stillen Anstalt gemacht hatte, zu Bett zu gehen, faßte ihn bei der Brust, schüttelte ihn weidlich und rief:„Erkläre dich, ob du willst oder nicht!“ —„Ich will!“ sagte Paul in weinerlichem Tone;„laß mich nur los!“ Dann kehrt er sich um und rief der Mutter zu:„Wart' nur, du bist an meinem Unglück schuld! Der Mond ist nicht einmal ordentlich durch!" Tränen stürzten aus seinen Augen, doch sagte er jetzt kein Wort weiter, sondern zog schweigend und schnell die schon abgelegte Jacke wieder an, setzte die Mütze auf, steckte Tabakspfeise und Brief in die Tasche, griff zum Stecken und ging, dem Hunde pfeifend, aus der Tür. Eine kurze Weile machte er nur sehr langsame Schritte, weil er zurückgerufen zu werden hoffte. Dann setzte er sich mit einem Fluch in seinen gewöhnlichen Trab. Bevor er die Landstraße erreichte, kam er an einem vom Dorf abgesondert liegenden Hause vorbei, welches als eine Diebesherberge berüchtigt war und von einem alten Weibe samt ihren drei Söhnen bewohnt wurde.„Wenn die alle drei,“ dachte Paul,„sind, wo sie sein sollen, so will ich mich beruhigen!“ und schlich sich mit leisen, leisen Schritten unter die erleuchteten Fenster, die nur schlecht mit einigen zerrissenen Schürzen verhängt waren und den Blick ins Innere gestatteten. Die Diebesmutter saß am Ofen und spann, zwei ihrer Söhne spielten Karten mit einem berüchtigten Herumstreifer, einem Musikanten, der dritte war nicht sichtbar, aber im Hintergrund des Zimmers lag auf einer Streu ein Kerl, dessen schwarzer Backenbart, der sich verwegen von dem einen Ohre bis zum andern hinzog. „Der lange Hanns ist nicht zu Hause,“ dachte Paul, und kalte Schauer liefen ihm über den Rücken;„der wird der erste sein, der mir unterwegs begegnet!“ Er lauschte wieder hinein.„Wie grimmig der rothaarige Marquard aussieht!“ sagte er und wußte nicht, daß er seinen Gedanken Worte gab.—„Und der einäugige Jürgen, wie er die Zähne zeigt, wenn er lacht! Doch, was sind sie alle beide gegen den Hanns!“ Ein Geräusch entstand, vorsichtig zog Paul sich zurück und setzte seinen Weg fort. Er kam an einer Mühle vorbei, der Müllerhund, seine Kette schüttelnd. bellte ihn an.„Belle nur zu!“ rief Paul kühn und schwang seinen Stock.„Wie man doch zuweilen ein Tor ist!“ fuhr er nach einer Pause fort,„sonst fürchte ich mich wie ein Kind vor Hunden, jetzt möchten mir ihrer zwanzig in den Weg kommen, ich nehme es lieber mit ihnen auf, als mit einem einzigen Menschen!" Nun befand er sich auf der Landstraße. Wie eine ungeheure Riesenschlange dehnte sie sich mit den unheimlichsten Krümmungen und Windungen vor ihm aus: es war still, so totenhaft still, wie es nur in einer Winternacht voll Schnee und Frost sein kann; der Mond spielte Verstecken mit den Wolken und schien zuweilen hell, zuweilen gar nicht; die ringsum liegenden Dörfer waren in Nebel und Dunkel begraben; nur hie und da brannte in einem Hause noch ein trübes Licht, als trauriger Gesellschafter eines Kranken. der den Schlaf ruft und oft den Tod kommen sieht; eine dumpfe Kirchenuhr schlug in der Ferne, und Paul zählte ängstlich ihre feierlichen el Schläge. Eine Krähe flog mit häßlichem Geschrei dicht vor ihm auf. Er schimpfte auf seinen unnatürlichen Bruder. Ein Kirchhof lag hart am Wege, auf dessen beschneite Leichensteine der Mond zwei Sekunden lang ein grelles Licht warf. Paul schwur, daß er des Morgens nie wieder vor seiner Mutter aufstehen und ihr den Kaffee kochen wolle. Ein Reiter sprengte stumm an ihm vorüber.„Wie glücklich,“ rief Paul, der noch nie geritten war, „ist ein Mensch, der ein Pferd hat!“ Schon floß ihm der Schweiß von der Stirn herab, denn seit ihm der Kirchhof im Rücken lag, war er wütend gelaufen. Jetzt wagte er zum erstenmal, sich umzusehen, er entdeckte nichts Bedrohliches und zündete deshalb. mit Ruhe Feuer schlagend, die Pfeife an. „Hätt' ich doch,“ dachte er. als er die ersten Züge tat, die ihn bis ins Innerste hinein belebten,„irgendeinen meiner Bekannten, der auch noch in die Stadt müßte, zur Seite! Wie angenehm ließe sich mit dem die Zeit verplaudern! Aber freilich, nachts zwischen elf und zwölf wandern nur Räuber und Diebe. Wer ein Christ ist, der schläft zu dieser Stunde!" Er sah sich wieder um, denn er hatte seinen Hund, der bisher nicht von ihm gewichen war, auf einmal verloren. Er rief, so laut er konnte:„Spitz! Spitz!“ Da war es ihm, als ob er selbst laut beim Namen gerufen würde. Mit fieberischer Gespanntheit horchte er auf und fand, daß er sich nicht getäuscht habe, denn„Paul. Paul!“ erscholl es hell und deutlich hinter ihm, und in einer Entfernung von ungefähr fünfzig Schritten bemerkte er eine auf ihn zueilende hohe Männergestalt, die, wie zum Wink, ihren Knüttel schwang.„Wer wird's sein—“ dachte Paul,„als der lange Hanns aus der Diebsherberge! Jedem im Dorf ist's bekannt, daß ich fürs Amt zuweilen Geld in die Stadt trage; nun denkt er, es sei auch heute der Fall und rennt hinter mir drein! Ja, ja. Ort und Zeit find gelegen! Wenn er mich nicht bloß morden, wenn er mich gemächlich schlachten wollte, hier wäre der Platz dazu. Aber man hat Beiner Paul zug instinktmäßig sein Messer aus der Tasche und stürzte wie rasend fort. Sein Hund, der eine Weile in die Kreuz und Quer gerannt und wahrscheinlich einem Hasen auf der Spur gewesen war, folgte ihm und hatte das Mißgeschick, ihm vor übergroßer Eile zwischen die Beine zu geraten. Paul stolperte über ihn und wäre fast gefallen. „Elender Köter!“ rief er aus,„morgen ersäuf' ich dich!“ Dabei stieß er mit dem Fuß nach dem treuen Tier, welches eben, um seine Ungeschicklichkeit wieder gut zu machen, schmeichelnd an ihm hinaufsprang. Einer seiner Handschuhe entfiel ihm, er nahm sich nicht die Zeit, ihn aufzuheven, doch der gut abgerichtete Pudel tat’s für ihn mit dem Maul. Der Brief flog ihm aus der Jackentasche, er fluchte, während er sich aber notgedrungen niederbückte und ihn wieder aufnahm, blickte er zugleich scheu und ängstlich rückwärts und bemerkte zu seinem Trost, daß dem Verfolger bereits ein sehr bedeutender Vorsprung abgewonnen sei.„Im Laufen," dachte er,„nimmt's so leicht keiner mit mir auf; das wußte der Unhold, darum versuchte er's, mich durch Rufen zum Stehenbleiben zu verleiten. Ha! Ha! Als ob ich einfältiger wäre wie ein Hase, der wahrhaftig nicht umkehrt, wenn der Jäger ihm pfeift! Ich weiß gar nicht, warum ich die Pfeife nicht wieder anzünde, schon sehe ich die Türme der Stadt!“ Der Lange, der es bemerken mochte, daß Paul nicht mehr so eilte wie vorher, rief abermals:„Heda! So warte doch!“—„Nimmt er nicht,“ dachte Paul,„ordentlich eine fremde Stimme an? Das ist die seinige nicht, die ist durch den Branntwein tängst verdorben. Aber ruf du, wie ein Engel ruft, mich fängt man nicht durch solche Künste!“ Immer rüstig vorwärts schreitend gelangte er bald an das unverschlossene Tor der Stadt. Hier sah er sich wieder um, der Lange war ihm ziemlich nah, und er konnte im Mondschein deutlich bemerken, daß Spitz, dessen ungewöhnliches Hin= und Widerlaufen ihm längst verdächtig gewesen war, jenen liebloste, an ihm hinaufsprang und ihm die Hand leckte.„Bei Gott!“ rief Paul grimmig aus und ging in die Stadt hinein,„morgen ersäuf' ich den Köter im ersten Wasser, ich glaube, ich schwur's schon einmal!“ Hell brannten die Laternen auf den Straßen, drei bis vier Nachtwächter wanderten umher. Hier ist man mehr als sicher! dachte Paul und stellte sich hinter einen Laternenpfahl.„Wagt der Gesell' sich in die Stadt,“ dies gelobte er sich feierlich und blickte unverwandt nach dem Tore zurück,„so mach' ich die Wächter auf ihn aufmerksam. das bin ich jedem Schlafenden, den er bestehlen könnte, schuldig!“ In diesem Augenblick kam der Lange ins Tor. Paul eilte auf den nächsten Nachtwächter zu und sagte in ängstlicher Hast: „Paßt auf den Menschen, der eben die Straße heraufkommt, er ist ein Räuber und Dieb, und hat mich über anderthalb Stunden verfolgt!“ Der Nachtwächter zog, ohne zu antworten, eine Pfeise hervor und pfiff. alsbald sammelten sich um ihn seine Kameraden und umzingelten, nachdem er sie in höchster Kürze instruiert hatte, den angeblichen Räuber, ihn mit den sonderbarsten Fragen bestürmend. Auch Paul trat herzu, wie aber ward ihm, als er in der Person, vor der er, wie vor dem Teufel, geflohen war, statt des langen Hanns, seinen guten Freund Jakob, einen Schmiedegesellen, erkannte.„Das ist er nicht!“ rief er den Nachtwächtern zu;„ich habe mich geirrt, laßt diesen los!“ Schimpfend und brummend ließen die Wächter von ihrer Beute ab; Paul aber trat vor Jakob hin und fragte ihn mit großem Ernst:„Warst du es wirklich, der hinter mir herkam, mir winkte und mich beim Namen rief?" Jakob. der nicht wußte, was er aus dem wunderlichen Vorfall machen sollte, versetzte übellaunig:„Wer wäre es sonst gewesen? Ich soll für meinen Meister, der plötzlich erkrankt ist, zum Arzt und erkannte dich, als du deinen Hund locktest, an der Stimme!“—„Hm. entgegnete Paul ruhig und hielt seinem Freund den Tabaksbeutel hin, damit er sich eine Pfeife topfe,„hätte ich das gewußt, so hätten wir zusammen gehen können!“