K Erscheint täglich Ausnahme der Soun= und gesetzl. Feiertage. Abonnementäbreits verbunden ese Lokal-Anzeiger für Mit Bekanntmachungen der städlischen Paustentalg;: Bitter Schauzer, Dentmund. mit dem Dortmund u. Hörde. und Bilitär-, sowie anderer Behörden. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum Neklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pig. zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgedühren durch Klage od. Konkurs vecfahren wird der bewilligte Radakt vinfä### Orfüllungsort Bortmund. Für Aufnahme von Inseraten an destimmt vorgeschriebenen Tagen und Blätzen übernehmen wir keine Garantie. sr. 60. Expedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 160. Jeder Abonnent ist auf Grund unserer Statuten mit 300 Mark kostenlos gegen tödlichen Unsall versichert! Dortmund, Donnerstag, den 12. März 1914. füür die Redaktion verantwortlich: ar Sounemann. Dortmund. 31. Jahrg. Erstes Blatt. #ll Das böse Gewissen. Auch der„Temps“ der doch, als ein ernsthaftes hlitisches Organ gelten will, ergeht sich jetzt über deutsche Preßkampagne“ gegen Rußland in den Phantasien. Die Methode, die das Pariser latt dabei verfolgt, ist nicht eben neu. Deutschland seine Hand im Spiele haben in Finland, in Schweund in Norwegen, ja in Peking, die„unerträgliche Oesterreichs während der Balkankrise soll rauf Deutschland zurückzuführen sein, und endlich 1 der Zar gezwungen werden, sich erst mit dem utschen Kaiser zu treffen, bevor er Herrn„Poincare Petersburg empfängt. Der„Temps“ ist häufig als das Sprachrohr des unzösischen Außenministeriums anzusehen. Aber daß de Ergüsse vom Auswärtigen Amt beeinflußt sein len, das nehmen wir ja nun nicht an. Es wird an eine Privatarbeit des Blattes sein. Aber da sich ese gehässigen und unverblümten Ausfälle gegen Deutschen in einem Organ finden das als häugoffiziös bedient zu gelten hat, so darf man seine usführungen doch nicht gering bewerten. Sie könin der Tat Eindruck an den Stellen machen, wo Eindruck machen sollen. Die Anklagen des„Temps“ sind in erster Linie echnet, die öffentliche Meinung gegen die deutsche olitit eufzubringen. Einmal in Frankreich selbst, die Volksstimmung zu gunsten der dreijährigen enstzeit zu beeinflussen. Wenn der„Temps“ der utschen Presse den Vorwurf macht, durch ihre Aushrungen über die russischen Heeresvermehrungen das errain für eine neue Heeresvermehrung zu„sondien“, so hätte er, ehe er diese Behauptung aufstellte, sl an die eigene Brust schlagen sollen. Weiterhin l die ohnehin schon gegen Deutschland erregte Volkseinung in Rußland immer noch mehr erregt werden; r geschickt werden dabei die Handelsagsverhandlungen, die deutsche Militärssion, die skandinavischen Schmerzen Rußund der österreichisch=russische Gegensatz eichzeitig ausgespielt, um das russische Mißtrauen zu u. Deutschlano droht Rußland angeblich, um n günstigen Handelsvertrag zu erzielen. Deutschnd ist verärgert über den Mißerfolg der Militärssion, den es Rußland zu verdanken hat— wobei *„ T e m p s“ g a n z g e n a u w e i ß, d a ß d i e r u s s i s c h e G e schaft immer noch nicht über die Militärmission behigt ist und schon ihre bloße Erwähnung mit Mißhagen empfindet. Deutschland stärkt ferner nach der chauptung des„Temps“ die Skandinavier in ihrem iderstand gegen die russischen Expansionspläne. Eine liche Unterstellung bezweckt natürlich nicht nur, Rußno gegen uns aufzubringen, mit ihr sucht man die Nordländer mißtrauisch zu machen. Die retzkampagne des Dreiverbandes hat es n jeher verstanden, die Skandinavier vor deutn E r o b e r u n g s p l ä n e n g r u s e l i g z u m a c h e n. N o c h den letzten Wochen hat ja Sven v. Hedin nicht Rußland, sondern seltsamerweise auch Deutschno als eine Gefahr für Schwedens Unabhängigkeit gestellt. Erst ganz in jüngster Zeit fängt man i einzusehen, wie töricht diese Deutschenfurcht Grund genug für die deutschfeindliche Presse, wie„Rutschland zu verdächtigen, als ob es die arglosen moinavier gegen das brave, harmlose Rußland auf* Das gleiche Spiel treibt der„Temps“ wenn er 5einerträgliche Arroganz“ der österreichischen Balsteict, auf Berliner Einflüsse zurückführt. In ## Thleit war es bekanntlich gerade anders; Deutschdampfte eher, als daß es die Wiener Diplomatrieb. Aber deute noch können alle slasa3 brüder“ nicht vergessen, daß sie durch OesterEingreifen nicht alles am Balkan erreichten, „l#e zu erreichen wünschten. Und darum hält Mllahgn für seine patriotische Pflicht, das uch: gegen Deutschland aufzubringen. Ob E, ediich auch der Hinweis des Pariser Blattes uch Treibereien in Peking dazu helfen soll, sireit#. Japaner zu alarmieren, das läßt sich nicht segzen, möglich ist es aber immerhin. Rahmen.Aufhetzung der Japaner würde in den en Sea.2er Temps“=Ergüsse passen, Deutschland als vorenfrier, als den Hans Dampf in allen GasPünden a.“, sei es auch nur, um die eigenen m du verdecken. Denn in Wahrheit trifft ja birs—; der deutschen Politik in die Schuhe geschoben nterstun, a russische von Frankreich doch getreulich eing Po tir zu. Rußland will Deutschland and stört L=31gtige“, Handelsvertrag zwingen, Rußm in der.he der Skandinavier, Rußland hat, Fträgliche#., ache des„Temps“ zu revrn, die„unand will..“ganz“ der Balkanier gestärkt, und Ruß#r, daß zi, Leking im Trüben fischen. Kein Wunöses g verren in Petersburg und Paris ein petroffene haben und nach dem Sprichwort: Der anischef: Z#nd bellt, ein Wehgeschrei über„pangerPresse einmar.stiimen, sobald die deutsche Oisher baz::; in ihre Dunkelkammer hineinleuchtet. Verdächtig.. helmsstraße den Anzapfungen und ine ersraunden der frankorussischen Presse gegenüber Pelegt, m: Festigkeit und Ruhe an den Tag #e A### hoffen, daß auch der„Temps“=Artikel een frankorzzer:“ mit der man bisher in Deutschland ##en wird#e Treibereien ins Gesicht sieht, nicht nd von uhe ist immer ein Zeichen von Stärke 7 Preßtokag.„eissen. Je ruhiger Deutschland ####gung man“sieht, je weniger Nervosität und ##den die s.“ an den Tag legt, um so weniger Bemühen a." Paris und Petersburg mit zustellen.—.— vig haben. Deutschland das unwas sie selbst gerne tun möchten. Deutsches Reich. Der ablehnende Bescheid, den die Staatsanwaltschaft auf das Ersuchen, gegen den Generalleutnant z. D. v. Wrochem wegen Beleidigung des Reichstags einzuschreiten, erleilt hat, erscheint auch der„Germania" unverständlich. In der Antwort des Staatsanwalts hieß es, daß der Reichstag selbst in der Lage sei, die geeigneten Anträge zu stellen, falls er eine Strafverfolgung wünsche. Zutreffend bemerkt dazu die„Germania“, daß der Reichstag bisher noch niemals den Antrag auf Einleitung eines Strafverfahrens wegen Beleioigung aus eigener Initiative gestellt habe, stets sei die Staatsanwaltschaft an ihn mit der Aufforderung zur Ermächtigung der Strafverfolgung herangetreten, die dann regelmäßig versagt wurde. Sie fährt dann fort: „Das wäre auch in diesem Falle jedenfalls geschehen. Es gibt viel geringere Fälle von Beleidigungen des Reichstags, mit denen die Staatsanwaltschaft den Reichstag schon behelligt hat. So erinnern wir uns eines Falles, der das komische Vorspiel einer sehr ernsten und wichtigen Verhandhandlung bildete. Da hatte irgendwo in Bayern beim Maßkrug jemand von den„dummen Kerlen“ im Reichstag gesprochen und sein Trinkgenosse hatte dazu bemerkt:„So ist's.“ Hier hatte die Staatsanwaltschaft eingegriffen, aber für diesen Fall der Reichstagsbeleidigung gab es wohl keinen geeigneteren Referenten, als den fortschrittlichen Abgeordneten Dr. Meyer(„Bier=Meyer“), der mit dem ihm eigenen Humor den schweren Fall beleuchtete. Aber die bisherige Praxis des Reichstages kann und darf einen Staatsanwalt nicht davon abhalten, zumal auf eine förmliche Anzeige hin, auch seine amtliche Pflicht zu tun gleichviel, welche Person der Beleidigung des Reichstages angeklagt wird. Oder liegt die Verfolgung einer Beleidigung einer Inslitution des Deutschen Reiches von solcher Bedeutung, wie es nun einmal der deutsche Reichstag ist, nicht im„öffentlichen Interesse“? Die betreffende Staatsanwaltschaft hätte wirklich aus allen hier in Betracht kommenden Rücksichten allen Grund gehabt, der Anzeige einen regelrechten Verlauf zu gewähren— schon um ihre Unparteilichkeit vor aller Welt zu dokumentieren— zumal sie von vornherein wissen konnte, daß ihr Antrag auf Ermächtigung zur Strafverfolgung vom Reichstag rundweg Ablehnung erfahren würde.“ Wir sind gleichfalls der Meinung, daß er nicht Sache des Staatsanwalts ist, der Entscheidung des Reichstages vorzugreifen. Man verlangt von dieser angeblich„objektivsten aller Behörden“ nichts mehr als Objektivität. Die Reform des Militärstrafgesetzes, die jetzt noch in der zuständigen Kommission des Reichstags zur Debatte steht, macht unseren Volksboten viele Sorgen. Insbesondere trifft dies zu auf das Kontrollversammlungsrecht, bei dessen Behandlung der Kriegsminister von Falkenhayn sich recht unzugänglich zeigte, indem er auf die von der Kommission vorgeschlagenen Milderungen der Bestimmungen mit streng abweisender Gebärde antwortete. Trotzdem gelangten die Abänderungsanträge der Fortschrittler und des Zentrums, nach denen die Kontroll= pflichtigen nur während der Dauer der Kontrollversammlungen dem Militärrecht unterstellt sind, zur Annahme. Die weitergehenden sozialdemokratischen Anträge wurden abgelehnt, und zwar mit der Begründung, daß ihre Annahme das Zustandekommen des neuen Gesetzes gefährdete. So hatte nämlich der Kriegsminister mit Bezug auf sämtliche Abänderungsanträge gesagt. Es scheint, als ob die Regierung auch für diese Kommission, wenn sie mit einigermaßen präzisen Forderungen auftritt, die Grabesstille herbeisehnte, die nun über der Zabernkommission ruht. Die Vertreter der Rerzte und der Kassenverbände haben bei den gestrigen Verhandlungen im Reichsamt des Innern als Ausführungsbestimmungen zu Nr. 11 des Berliner Abkommens neue Vereinbarungen über die Berechnung und Abführung der Kassen und Arztbeiträge zur Deckung der Abfindungkosten getroffen. Als Stelle, an welche die Beiträge von den Kassen abgeführt werden sollen, wurde die Seehandlung bestimmt. Es fand dann eine ausgedehnte Besprechung über die kassenärztliche Regelung in einigen Orten statt, in denen zur Zeit noch auswärtige Aerzte tätig sind und es wurde beschlossen, darauf hinzuwirken, daß in diesen Orten das Berliner Abkommen zur Geltung kommt. Die Vertreter der Kassenverbände erksärten in diesem Sinne weiter tätig sein zu wollen. Kleine Nachrichten. Berlin, 11. März. Die Budgetkommission des Reichstages prüfte eingehend die Finanzen für DeutschSüdwestafrika und bewilligte die im Nachtragsetat geforderten 5 Millionen für die Annbolandbahn. Berlin, 11. März. Der Reichsregierung ist ein Gesuch der zweiten reichsländischen Kammer zugegangen, das eine Denkschrift über das Recht des Eingreisens militärischer Machthaber in die Polizeigewalt unter Umgehung der Zivilbehörden wünscht. Braunschweia. 11. März. Eine dem braunschweigischen Landtage zugegangene Vorlage schlägt vor, die braunschweigische Gesandtschaft am preußischen Hofe wieder zu errichten. Giolittis Rücktritt. Die Kriegserklärung der ttalienischen Radikalen an Giolitti hat, wie vorauszusehen war, den Rücktritt des Ministers zur Folge gehabt. Nachdem ein Teil der bisherigen Regierungsmehrheit dem Kabinett die Gefolgschaft aufgesagt halte, war eine Fortführung der Giolittischen Politik unmöglich geworden. Es wird dem König nicht leicht werden, ein neues Ministerium zu bilden. Zwar finden sich Leute genug, die gerne Minister werden möchten,— in erster Linie Luzzati, Giolittis Vorgänger und Rivale— aber keiner von ihnen kann das Gewicht von Ansehen in die Wagschale werfen, das Giolitti aufweisen kann, unter dem Libyen erobert wurde. Und der vielgewandte parlamentarische Techniker Giolitti ist in der Opposition der denkbar unbequemste Gegner. Man wird sich daher darauf gefaßt machen müssen, duß die Regierungskrise in Italien sobald nicht zur Ruhe kommt. Das nächste Kabinett dürfte wohl recht kuczlebig werden und daran wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach nichts ändern, bis— Giolitti wieder an die Reihe kommt. Giovanni Giolikti Man pflegt bei uns sohl zu sagen, daß das Italien des 20. Jahrhunderts gerade trotz seines „verderbten“, Parlaments geschaffen sei. Wenn dies auch in gewissem Sinne nicht ganz zutreffend sein mag, sio darf man andererseits doch auch nicht die ttalienische Verfassung und die tatsächlichen Leistungen dieses Parlaments allzu gering bewerten. Giolitti war der Mann, der es meisterhaft verstand, die„Parlaments=Maschine“ so laufen zu lassen, wie er wollte und wie er es brauchte. Er wußte, wie sie arbeitete, kannte ihre Fehler und Vorzüge ganz genau,„stoppte“, wenn's not tat, und gab Volldampf, wenn er's für richtig hielt. Baron Sidney Sonnino. Mit einem Wort: Giolitti war der Mann des Ausgleichs und der Vergleiar— wenn man will, mag man ihm daraus den größten Vorwurf konstruieren.— Diese Staatskunst verdankt er seinem Lehrmeister Depretis; dessen Methode hat er— seine Freunde mögen sagen, was sie wollen— sich gänzlich zu eigen gemacht und ist ihr zeitlebens treu geblieben. Denn niemals hat es auch nur ein einziger ktalienischer Staatsmann vor ihm so wunderbar verstanden, Rechte und Linke einander näher zu bringen oder gar in ein und demselben Ministerium die verschiedenartigsten Elemente zu vereinen, wie eben Giolitti. Mit Anhängern rechtsstehender Parteien trieb er ganz liberale Politik, indem er den Konservativen Zugeständnisse einräumte, die ihrerseits auch die Opposition besänftigten. Er war eine Art Diktator geworden, eine„Notwendiakeit“, ohne ihn mochte man nichts unternehmen, ja nicht einmal auch nur in die Wege leiten. Er war ein sehr„unterwürfiger". Diktator, den man sich gern gefallen ließ; wenn es ihm paßte, riß er die Macht an sich, um sie eben so schnell wieder fahren zu lassen. Giolitti„kombinierte“. d. h. paktierte, sich aus, glättete, besänftigte: um es womöglich allen recht zu machen. Sonnino und Luzzati wollten in den Jahren 1909 bis 1911, also zur Zeit des Giolitti=Interregnums, es ihm nachmachen und versuchten auch dieses Spiel mit den Parteien, aber es sehlte ihnen dazu seine„Fingerfertigkeit". Sie mochten immerhin ihre Karten mischen, so gut wie er, nur die nötigen„Kniffe“ kannten sie nicht. Sie traten zurück, Giolitti blieb. Auch in den Zwischenakten und in den Pausen, wenn er selbst nicht auftrat, hielt er doch, zwischen den Kulissen stehend, alle Fäden in der Hand. Natürlich muß ein solcher Mann, namentlich in einer derärtigen Stellung, auch Feinde haben. Dus ist unausbleiblich. Und in erster Linie wollen diese niemals den großen Finanz=Skandal der Römischen Bank vergessen, in den auch er verwickelt war; er führte im Jahre 1893 seinen Sturz herbei und hielt ihn fast zehn Jahre lang von den Aemtern fern. Viermal warer Premierminister. Zuerst im Jahre 1892 nach dem Sturze Rudinis. Drei Jahre früher, unter Crispi, war er Finanzminister gewesen. Die erste Epoche dieser PremierministerHerrlichkeit währte vom 5. Mai 1892 bis zum 24. November 1893; der schon erwähnte Skandal der Römischen Bank zwang ihn zum Rücktritt. Er trat aber weiter in Wort und Schrift, in Zeitungen wie in der Kammer nachdrücklichst für seine Ideen ein, bis er im Jahre 1901 unter Zanardelli das Portefeuille des Ministers des Innern übernahm. Während seiner zweijährigen Ministertätigkeit arbeitete er unaufhörlich an dem inneren Frieden seines Landes. Ganz im Gegensatz zu seinen Vorgängern vertrat er den Standpunkt, daß die Regierung die Pflicht habe, eine vollständige Neutralttät in den heftigen Kämpfen zwischen Kapital und Arbeit zu beobachten. Am 11. Juni 1903 trat er zurück, um fün Monate später zum zweiten Male Ministerpräsident zu werden. Finanziellen und sozialen Reforinen widmete er sich nun in erster Linie. Wenn es auch trotzdem zum Generalstreik kam, so ergaben die Wahlen im Oktober 1904 dennoch eine erdrückende Regierungsmehrheit. Im folgenden Jahre wich Giolittt den Eisenbahnern. die eine gewaltige Massenagitation gegen die beabsichtigte Verstaatlichung der Eisenbahn entfalteten. Forlis und Sonnino lösten ihn für kurze Zeit ab. Aber schon am 29. Mai 1906 wurde er zum dritten Male Ministerpräsident und blieb es bis Dezember 1909. Diese. seine dritte Amtsperivde kennzeichnet eine große Reihe ungeahnter Erfolge. Genannt seien hiecvon nur einige: Verbilligung des Posttarifs, Verstaatlichung der Eisenbahnen, Aufhebung der Nachtarbeit in den Bäckereibetrieben, Arbeitsschutz=Bestimmungen für Frauen und Kinder, Arbeiter=Invaliditäts= und Altersrenten=Gesetz, Verbesserung der Arbeitsverhältnisse auf den Reisfeldern usw. Diesmal stolperte er über ein großes Steuerreformprojekt. Wiedeum löste ihn Sonnino ab, aber nur für genau 100 Tage. Dessen Nachfolger war Luzzati, jedoch ebenfalls nur für kaum zwölf Monate, und zum vierten Male übernahm Giolitti den Vorsitz im Ministerium am 27. März 1911. Giolitti übernahm im neuen Ministerium Präsidium und Inneres. In seiner Programmrede am 6. April führte Giolitti u. a. aus, er werde beantragen, daß auch diejenigen wahlberechtigt sein sollen, die der Militärpflicht genügt haben, und die, welche das 30. Lebensjahr erreicht haben. Weiter kündigte er die Verstaatlichung der Lebensversicherung an und verbreitete sich besonders über die gute Finanzlage. Neben der inneren Politik hat Giolitti auch die äußere Politik Italiens lebhaft beschäftigt, oder vielmehr, er hat ständig einen großen Einfluß auf ihre Gestaltung ausgeübt, trotz Tittonis während seiner zweiten und dritten und trotz di San Giulianos während seiner letzten Ministerpräsidentschaft. Vor allen Dingen die kühne und vorsichtige Durchführung der Tripoliskampagne trägt deutliche Spuren von Giolittis Hand und gilt in Italien geradezu als Giolittis Werk. Sie hat ihm noch im hohen Alter eine bisher ungeahnte Popularität verschafft. Giolitti glaubt für seine Auslandspolitik die richlige Formel gefunden zu haben, wenn er sagt: Der Dreibund braucht uns nicht zu hindern, auch zu solchen Staaten gute Beziehungen zu Pflegen, die uns nützlich sein können, oder mit denen wir zu rechnen haben. Und diese Formel hat sich bis jetzt noch keineswegs als falsch erwiesen. Fortschrittliche Volkspartei. Dortmund, 11. März. Der Verein der Fortschrittlichen Vollspartei hatte als Redner für seine gestrige Versammlung Herrn Generalsekretär Schlie=Düsseldorf gewonnen. Dieser sprach über„politische Gegenwartsfragen“. Er knüpfte an den bekannten Artikel der Köln. Ztg., in dem auf die russischen Rüstungen mit der Spitze gegen Deutschland aufmerksam gemacht wurde, an und stellte daneben, den von dem bayrischen Ministerpräsidenten ohne direkte Veranlassung erhobenen Protest gegen die Fortsetzung der Rüstungen, die das deutsche Volk nicht zu tragen vermöge, um dann seiner Ansicht dahin Ausdruck zu geben, daß es sich bei den russischen Rüstungen wohl nicht darum handle, politische Verwicklungen vom Zaune zu brechen. Nach Aeußerungen des russischen Staatsministers des Aeußeren in der Duma glaube man in Rußland, daß Deutschland bei den bevorstehenden Handelsvertragsverhandlungen Verwicklungen schaffen und Rußland zu Entgegenkommen zwingen werde. Ob diese Ansicht richtig sei, könne man im Augenblich nicht sagen. Tatsache sei, daß Rußland an der deutschen und an der schwedischen Grenze rüste und daß Schweden dadurch zu Rüstungen veranlaßt worden sei. Rußlands Rüstungen gelten wie seit bald 200 Jahren auch jetzt der Schaffung eines eisfreien Hafens, ein Ziel, das es im Kriege mit Japan nicht habe erreichen können. Da durch den Ausgang des Balkankrieges die Aussicht, Konstntinopel in seine Hände zu bekommen, zu schanden gemacht worden sei, da Griechenland und Bulgarien darauf Anspruch erhöben, so richte es sein Augenmerk jetzt auf die Ost#e. Die Franzosen rechnen damit, daß sie mit den ussen aber ohne die Engländer den Vorstoß gegen Leutschland machen. Während die Oesterreicher durch ein Beobachtungsheer in Südwestrußland fest gehalten werden, dürfte Rußland versuchen, auf der Linie Allenstein=Königsbeig nach Deutschland vorzustoßen und durch eine starke Flotte Truppen bei Stettin zu landen, die dann auf Berlin vorstoßen müßten, um Deutschland zu zwingen, seine gegen Frankreich aufmarschierten Truppen zu schwächen. Ob der Plan gelingen werde, sei eine andere Frage. Allerdings zu beachten, daß das russische Heer sich wesentlich gebessert habe. Aber entscheidend sei doch die Frage, ob Rußland die starke Flotte schaffen könne, um die ihm von Frankreich zuerteilte Aufgabe zu erfüllen. Dahinter aber müsse er mindestens ein Dutzend Fragezeichen setzen. Bevor Rußland den beschlossenen lottenbau durchgeführt habe, komme das Jahr 1918 heran. Zu jener Zeit laufe auch unser Handelsvertrag mit Rußland ab, der ja die Grundlage für unsere ganze Handelspolitik bilde. Nun frage es sich, ob Rußland die wirtschaftlichen Mittel ausnutzen werde. um Deutschland zu zwingen, seine Zölle zu ermäßigen. In der Fortschrittlichen Volkspartei werde viel über die Höhe der Zölle gestritten. Dieser Streit sei deshalb müßig, weil wir über die Herabsetzung der Zölle nicht zu entscheiden hätten, weil es lediglich darauf ankomme, ob Rußland uns gestatten werde, die Zolle zu ermäßigen. Wenn Rußland erkläre, keine Saisonareibter mehr nach Deutschland zu lassen, könne es uns zu jedem ihm genehmen Zollsatz zwingen, weil die deutsche Landwirtschaft ohne die Saisonarbeiter nicht auskomme, es könne sogar die Agrarier bestimmen, für Herabsetzung der Zölle zu stimmen. Rußland würde, sobald es die begonnene Agrarreform, die auch für Deutschland vorbildlich sein könnte, durchgeführt habe, vor die Frage gestellt sein, ob es die Saisonarbeiter noch entbehren könne. Aber die Beantwortung dieser Frage wird in den nächsten Jahren noch nicht dringend. Eine andere Frage set, ob Rußland die Aufhebung des Einfuhrscheinsystems verlangt. Der russische könne mit dem deutschen Bauer nicht konkurrieren, da der Preis unseres Getreides billiger sei, als der des russischen, da durch die Ueberschwemmung mit deutschem Roggen auf den Preis des russischen Getreides gedrückt werde. Gegen diese Ueberschwemmung wolle Rußland sich durch Getreidezölle wehren. So sei es auch gezwungen, auf eine Aenderung des Einfuhrscheinsystems, das unbestreitbar zu viel Mißständen bei uns geführt habe, zu dringen. Eine Aenderung in der Richtung des Identitätsnachweises genüge, da eine Beseitigung des Einfuhrscheinsystems eine Ungerechtigkeit gegen den Osten sei, der mehr Getreide produziere, als er gebrauchen könne, während im Westen das Gegenteil der Fall sei. Redner kam nun auf das„Kartell der schaffenden Städte“ zu sprechen, das man nach seiner Ansicht zu Unrecht als ein Kartell der Brotverteuerer bezeichne. Die Schwerindustrie wisse, daß eine Folge der Zollerhöhungen das Steigen der Löhne sei, weshalb sie für einen lückenolsen Zolltarif nach dem Herzen der Agcarier nicht zu haben sein werde. Das Ziel des Kartells der schaffenden Städte liege einesteils auf sozialpolitischem, andernteils auf rein politischem Gebiete, weil die Grundindustrie wisse, daß sie mit den Konservativen enge Fühlung halten müsse, um eine Demokratisierung und die Einführung eines besseren Wahlrechts in Preußen zu verhindern. Die Nationalliberalen im Westen hätten große Sehnsucht nach rechts. Fegter habe neulich auf die Notwendigkeit eines Zusammenhaltens von Nationalliberalen und Fortschrittlern, aber nach Abscheidung der rechtsgerichteten Elemente, hingewiesen. Gewiß lägen in dem Zusammenarbeiten beider Parteien große Vorteile, so z. B. bei den kommunalen Wahlen; aber im übrigen müsse man sich die Nationalliberalen möglichst weit vom Halse halten, wenn wir nicht in Rheinland und Westfalen die Entscheidung in die Hände des Zeutrums und der Sozialdemokraten legen wollten. Turch wirkliche Arbeit könne viel für den demokratischen Liberalismus geschaffen werden. Daher müssen wir unsere Wege gehen, ohne uns allzu eng mit den Nationalliberalen zu liieren. Gemeinschaftliche Mischmaschorganisationen seien von cruno aus zu verwerfen. Bei den Handelsvertragsverhandlungen würden die Fortschrittler möglicherweise, wenn die Konserdatidven einen Vorstoß mit dem Ziele eines lückenlosen Zolltarifs machen solllen, den Zolltarif mit den Sozialdemokraten und dem Zentrum machen müssen. Erfreulich sei es, daß unsere Parteileitung in Berlin die Leisetreterei gegenüber den Nationalliberalen jetzt aufgegeben zu haben scheine und scharfe Worte finde. Die Nationalliberalen hielten gegenüber den Fortschrittlern mit scharfen Worten nicht zurück, die Fortschrittler müßten Gleiches mit Gleichem vergelten. Nach dem Zug nach links sei jetzt ganz offensichtlich ein Zug nach rechts eingetreten Dem müsse mit aller Entschiedenheit entgegengearbeitet werden. Durch eine Neueinteilung der Wahlkreise, vielleicht durch ein Notgesetz, müsse versucht werden, die Linke zu stärken. Die Nationalliberalen müßten gezwungen werden, dafür einzutreten. Dann könne man sich mit ihnen vertragen. Redner schloß mit der Aufforderung, sich mehr denn bisher mit auswärtiger Politik zu befassen, da, wenn wir die Regierung auf der Grundlage des parlamentarischen Regimes antreten wollten, ein wesentlicher Prüfstein für unsere Befähigung sei, ob wir auswärtige Politik treiben könnten. Leider sei bei uns wie anderwärts die äußere Politik recht stiefmütterlich behandelt worden, weil die Fragen der inneren Politik keine Zeit ließen, sich mit jener zu befassen.— Starker Beifall wurde dem Redner für seine Ausführungen zuteil, die Anlaß zu einer levhaften Aussprache gaben. Lokales und Provinzielles. Dortmund, den 12. März. —: Die Eingemeindungen sind auf die lange Bank geraten, wenn es richtig ist, was gestern die Rhein.=Westf. Ztg. zu melden wußte, daß nämlich das Herrenhaus das als letzte Instanz das Wort hat, sich vor Mai mit der Vorlage nicht beschäftigen könne. Das Bestreben aller Beteiligten ging bekanntlich darauf hinaus, die Eingemeindungen so zeitig unter Dach und Fach zu bringen, daß sie mit dem 1. April in Kraft treten. Gelingt das nunmehr nicht, dann ist, wie die„Trem.“ bemerkt, ein großer Aufwand an Zeit und Kraft umsonst vertan. —. Reinoldigemeinde. Die Anmeldung und Untersuchung der kurbedürftigen Kinder für das Tolbad findet am heutigen Donnerstag, den 12. März, nachmittags 3—4 Uhr in der Kleinkinderschule, Kaiserstraße 164 statt. Es werden nur Kinder berücksichtigt, die vom betreffenden Schularzt in der Schule bereits ausgesucht sind. —. Versetzt soll das Kriegerdenkmal in Körne werden. Mit einem Kostenaufwand von 2500 Mark soll ein neuer Denkmalplatz geschaffen werden, der am Zehnthof von Anliegern geschenkt worden ist. Es beoarf einer Fluchtlinienänderung für den Treffpunkt der Düsterstraße und der Straße am Zehnthof, zu der die Stadtverordneten am Montag wohl ihre Genehmigung geben werden. —: Die Gebühren für die Müllabfuhr sollen auch im Rechnungsjahre 1914 die bisherigen bleiben, da man glaubt, das bedenkliche Anwachsen des städtischen Zuschusses durch Betriebsverbilligung wett zu machen. —: Die Provinzial=Obst= und Gartenbauausstellung, die im Herbst v. J. am Fredenbaum stattfand, hat mit einem recht erheblichen Fehlbetrag abgeschlossen, da das Wetter an den Ausstellungstagen miserabel war. Die Stadt Tortmund ist zwecks Deckung des Fehlbetrags um eine Beihilfe von 1000 Mark angegangen worden. Der Magistrat hat beschlossen, diese 1000 Mark zu bewilligen, wenn sowohl Provinz als auch Lanowirtschaftskammer je einen gleich hohen Zuschuß leisten. Am Montag haben die Stadtverordneten sodann zu dem Magistratsvorschlage Stellung zu nehmen. —: Die Verbreiterung der Märkischen Straße ist heute in Angriff genommen worden. Die Baumreihe an der östlichen Seite der Straße vom Westfalendamm bis zur Kronenburg ist bereits niedergeschlagen. Die Entwicklung der Volkswirtschaftslehre im 18. und 19. Jahrhundert. (Nach den Vorträgen des Herrn Brinkmann in der Volkshochschule.) 7. Vortrag: Der Knarchismus. Das Wort Anarchie bedeutet Herrschaftslosigkeit. Es bezeichnet den Zustand der Gesellschaft, wo die Herrschaft des Gesetzes und aller gesetzlichen Gewalten aufhört. Anarchismus ist demnach die Lehre, welche die Beseitigung jeder Herrschaft eines Menschen über den anderen anstrebt und das Individuum in rechtlicher, sozialer und wirtschaftlicher Beziehung völlig frei machen will. In der Anarchie besteht die einzige Aufgabe der Gesellschaft darin, die Freiheit des Individuums zu achten und das einzige Gesetz des Individuums ist, die Freiheit der andern Individuen zu respektieren. Der Anarchismus ist radikaler Individualismus und mehr eine Konsequenz des Liberalismus als des Sozialismus. Darum werden radikal=individualistische Gedanken auch von bürgerlichen Dichtern, Denkern und Staatsmännern vertreten. Lessing meinte,„die bürgerliche Gesellschaft müsse noch ganz aufgehoben werden". Ibsen nannte den Staat den„Fluch des Individuums“. Und Nietzsche schrieb in„Also sprach Zarathustra“:„Staat heißt das kälteste aller kalten Ungeheuer....“ Wo es noch Volk gibt, da versteht es den Staat nicht und haßt ihn...“ Wilhelm von Humboldt betrachtete den Staat als ein„notwendiges Uebel". Fichtes Eigentumsbegriff hat große Aehnlichkeit mit demjenigen des Anarchisten Proudhon Der Staat darf nach seiner Meinung nicht Herrschaft ausüben, sondern nur Aufsicht, und die Tendenz aller Regierung muß dahingehen, sich selbst überflüssig zu machen. Alle diese Männer sind aber keine Anarhisten im eigentlichen Sinne des Wortes. 1. Die anarchistische Bewegung. In England wurde der Anarchismus zuerst vertreten durch Thomas Paine(1737—1809). Die Gesellschaft ist nach ihm aus alle Fälle ein Segen, die Regierung selbst im besten Falle ein notwendiges UeI. Obwohl Paine sich dadurch als Gegner des Staates bekannte, wies er diesem doch gewisse staatssozialistische Aufgaben zu. Der Staat sollte bei jedem Erbgang einen Teil der Grundrente in Gestalt einer hohen Steuer einziehen und die so gewonnenen Mittel zur Alters= und Invaliditätsversicherung verwenden.— William Godwin(1756—1836) bezeichnete jede Regierung als eine Tyrannis. Selbst die repulikanische mache davon keine Ausnahme, wenn sie auch mehr den Strömungen der öffentlichen Meinung folgen müsse. Jede Regierung entthrone unser eigenes Urteil und Gewissen.— Jeremy Bentheim(1784 bis 1832) ließ als Maßstab für Recht und Unrecht nur die eigene innere Ueberzeugung gelten, und meinte, die Souveränität der individuellen Vernunft verbürge allein das Glück der Menschheit.— Der heutige englische Arbeiter bringt dem Anarchismus keine Sympathien entgegen. Sein praktischer Sinn weist ihm einen Platz in den englischen Gewerkschaften an. In der angelsächsischen Welt wird der Anarchismus heute allein durch Benjamin Tucker vertreten. Der tiefste Denker des Anarchismus ist Pierre Joseph Proudhon. Er wurde 1809 in Besancon als Sohn armer Eltern geboren, war eine zeitlang Schriftsetzer und erlangte durch ein Stipendium die Möglichkeit, Philosophie und Volkswirtschaft zu studieren. 1848 wurde er von der Stadt Paris in die Kammer gewählt. Dort stimmte er gegen die neue Konstitution,„weil sie eine Konstitution" war. Kurz darauf wurde er wegen Preßvergehens verurteilt und mußte. von 1850 bis 1860 im Exil(Brüssel) leben. 1865 ist er in Paris gestorben.— Proudhon erregte zuerst Aufsehen durch seine 1840 erschienene Schrift„Was ist Eigentum?" Die Frage der Ueberschrift beantwortete er dahin:„Es ist Diebstahl“. Er macht einen Unterschied zwischen Besitz und Eigentum. Besitz ist das Nutzungsrecht, Eigentum das ausschließliche Verfügungsrecht an dem Boden und an den Rohstoffen. Das Eigentum tritt in verschiedenen Formen in die Erscheinung. Es ist Rente für Grund und Boden, Miete und Pacht für Häuser und Grundstücke, Zins für Geldforderungen und Profit am arbeitenden Kapital. Proudhon ist Gegner jeder Arl von Eigentum, auch des kollektiven. Das Privateigentum ist Beraubung des Schwachen durch den Starken, das kommnnistische Vergewaltigung des Starken durch die Schwachen.— Der individuelle Besitz dagegen ist die Grundlage jedes sozialen Lebens.— Die Revolution von 1848 war nach Proudhon eine rein ökonomische Umwälzung. In ihr sollte die Arbeit gegen die Mißbräuche des Eigentums sichergestellt werden. Die Kommunisten predigten damals das Recht auf Arbeit. Louis Blance, der kommunistische Führer und Minister der neuen Regierung, ließ Nationalwerkstätten anlegen. Diese wurden aber bald Unterstützungsanstalten für Arbeitsscheue und Unfühige. So scheiterte der kommunistische Versuch, das Recht auf Arbeit in die Praxis umzusetzen. Proudhon erklärte die Organisation der Arbeit durch die Regierung für unmöglich. Schuld an der sozialen Not trug nach seiner Meinung die Herrschaft des Goldes und der Privatkredit. Bei ihm tauchen wieder Lawsche Gedanken auf. Wie Law, so wollte auch Proudhon das Goldgeld aus seiner herrschenden Stellung verdrängen.“ Arbeitsprodukte sollten nur gegen Arbeitsprodukte eingetauscht werden. Er schlug deshalb die Gründung einer großen Tauschbank vor, die er sich als Warenund Musterlager für alle Produkte des Landes dachte. Der Herstellungspreis sollte die Grundlage des Tansches bilden. Für die eingelieferten Waren bekamen — Dem Volksyochschulverein, der zu Beginn des vorigen Jahres gegründet wurde, will die Stadt unter die Arme greifen. Der Volkshochschulverein hat im ersten Jahre mit 1500 Mark Defizit abgeschlossen und vermutet, daß im laufenden Jahre das Defizit sich auf 2000 Mark belaufen wird. Er hat die Stadt um Hilfe gebeten. Der Magistrat schlägt nun den Stadtverordneten die Genehmigung dieser Bitte mit der Maßgabe vor, daß bezüglich der 2000 Mark der Magistrat darüber zu befinden hat, unter welchen Voraussetzungen und in welcher Höhe Beiträge an den Volkshochschulverein von der Stadt zu leisten sind. Die Stadtverordneten werden die sen Vorschlag wohl annehmen. —# Volksbochschule. Die für heute angesetzte Vorlesung des Herrn Rechtsanwalt Brumhard ist wegen Erkrankung des Referenten um 14 Tage verschoben worden. —: Milchhändler. Der Verein selbständiger Milchhändler von Dortmund und Umgegend legt Wert darauf, öffentlich festzustellen, daß die in den letzten Wochen von den hiesigen Gerichten wegen Milchpantscherei bestraften Milchhändler nicht seine Mitglieder sind. In dem Verein werden derartige Elemente nicht geduldet. — Dortmunder Quartett=Verein.— Wir weisen nochmals auf das heute Abend an der Kronenburg stattfindende 2. Vereinskonzert des obigen Vereins hin. Karten im Vorverkauf sind außer in den durch Plakate erkenntlichen Verkaufsstellen, auch noch im Uebungslokal, Markt 17, zu haben. —: Dortmunder Theater=Verein. Am Sonntag, den 15. März, vormittags 11,30 Uhr, findet für die Mitglieder des Theater=Vereins die dritte litterarische Morgenunterhaltung statt. Während die beiden ersten sich mit den Werken von Theodor Körner und G. Verdi befaßten, ist die dritte dem Andenken G. E. Lessing's gedacht. Zum Vortrag gelangen Rezitationen von Fabeln und Gedichten(vorgetragen von den Herren Maurenbrecher und Zillich) sowie das einaktige Lustspiel„Die Juden“, in welchem mitwirken die Damen Habeimeyer und Latwesen sowie die Herren Kaufmann, Kaul, Matthias, Schubert und Schumack. Die Inszenierung hat Herr Oberregisseur Maurenbrecher.— Eintritt ist nur den Mitgliedern des Vereins gestattet; Kinder unter 16 Jahren haben keinen Zutritt —: Kronenburg. Der Beethoven=Cyklus des Philharmonischen Orchesters ist bereits bis zum 7. Abend fortgeschritten, es ist der vorletzte im Cyklus, der sich am Freitag, den 13. ds. Mts. abends 8 Uhr mit nachstehendem Programm unter Georg Hüttners Leitung abwickeln wird. L. v. Beethoven: Symphonie Nr. 7 in A=dur, Andante und Variationen aus dem A=dur Quartett, Ouverture zur Oper„Fidelio". Der 2. Teil enthält Mendelssohns Violinkonzert(Solist: Orchesterschüler Max Siegel) eine Novität für Streichorchester„Mock Morris“ von Grainger und die Akademische Fest=Ouverture von Brahms. Abonnementskarten sind ohne Aufzahlung gültig. —: Bellachini im Gewerbe=Verein. Heute Abeno beginnt der den Dortmundern hinreichend bekannte und wohlgelittene Hofzauberkünstler Bellachini mit seinem Sohn im Saale des Gewerbevereins ein kurzes Gastspiel, auf oas wir auch an dieser Stelle hinweisen möchten. Wer Bellachini noch nicht hat zaubern sehen, der hat überhaupt von Zauberei keine richtige Vorstellung. Als Sensation wird angekündigt: Libertys, das Schlangenorakel. Zweifellos wird das Gastspiel Bellachinis sich wie anderwärts auch in Dortmund eines starken Besuchs zu erfreuen haben, wie es das verdient. — Gestorben. Die Ehefrau des Arbeiters Wilhelm Hoffeins, Kesselstraße 20 wohnhaft, welche am 21. Mts. schwere Branowunden erlitten hat, ist an den Folgen gestern im Luisenhospital verstorben. —: Festnahme eines Diebes. In den letzten Nächten wurden fortgesetzt auf der Straßenbahnstrecke Westfalendamm=Aplerbeck die kupfernen Schienenverbinder, welche die Stromübertragung bewirken, gewaltsam losgebrochen und gestohlen. In vergangener Nacht gelang es der Kriminalpolizei, einen wegen ähnlicher Straftaten erheblich vorbestraften Arbeiter auf frischer Tat zu ertappen und festzunehmen. die Mitglieder Tauschbons, die als bares Geld galten.(Vergl. die Warenbank Owens.) Proudhon plante Ende 1848 die Einrichtung einer solchen Tauschbank, die den Namen Volksbank führen sollte. Es hatten sich bereits 20000 Mitglieder gemeldet. Da wurde Proudhon verhaftet und konnte so seinen Plan nicht ausführen.— Heute wird in Frankreich der Anarchismus vertreten durch Eli und Elisee Reclus. Die beiden bekanntesten deutschen Anarchisten sind Johann Kaspar Schmidt(1806—1856) und Johann Most. Schmidt schrieb unter dem Pseudonym Max Stirner das bekannte Buch„Der Einzige und sein Eigentum“, in dem er die unbedingte Berechtigung des Individuums gegen jede Gesellschaftsform vertrat. Most war zuerst Sozialdemokrat, wurde aber später wegen seiner Angrisse auf die eigene Partei von dieser ausgeschlossen. Der Anarchismus Rußlands knüpst an Proudhon an. Alexander Herzen(1812—1870) ging aber noch in zwei Punkten über Prondhon hinaus. Er vertrat die völlige Gleichberechtigung der Frau mit dem Manne und bezeichnete den Begriff des Zweckes, der in der Lehre des großen Franzosen eine bedeutende Rolle spielt, als eine Inkonsequenz. Von London aus führte er einen heftigen Kampf gegen die Leibeigenschaft der russischen Bauern, der auch von Erfolg gekrönt war.— Michael Bakunin(1814 bis 1876) stammte aus vornehmer Familie. Die Welt braucht nach ihm Sturm und Leben und eine neue gesetzlose und darum freie Gesellschaft. Er hat viele Jahre im Kerker und in der Verbannung geschmachtet und beteiligte sich an mancher revolutionären Bewegung in den verschiedensten europäischen Ländern. Als Mitglied der Internationalen geriet er bald in einen scharfen Gegensatz zu Karl Marx. Mit ihm traten besonders Arbeiterorganisationen in der Schweiz und in den romanischen Ländern aus der Internationale aus. Seine Hauptarbeit leistete er in der Aufklärung und Organisation der Juraarbett.— Den Jurabund lernte er in den 70er Jahren Fürst Peter Kropotkin(geb. 1842) kennen und wurde durch ihn für den Anarchismus gewonnen. Kropotkin ist ein Mann von hohem wissenschaftlichen Rufe, hat ebenfalls viel unter der Verfolgung der russischen Reaktion gelitten und lebt jetzt in London.— Der ehemalige Lehrer Retschaew ist der Begründer und Organisator der nihilistischen Geheimbünde und hat zum erstenmal für den Anarchismus die„Propaganda der Tat" vertreten. Der spezifisch russische Anarchismus ist heute die maßgebende Richtung in der anarchlstischen Bewegung. Eine einheitliche anarchistische Lehre gibt es nicht. Eine solche würde dem Wesen des radikalen Individualismus widersprechen. Nur wenige Bedanken sind allen Anarchisten gemeinsam. 2. Gemeinsame Anschauungen. Das Ich ist der Mittelpunkt der Welt. Es ist das einzig Reale und Wertvolle, alles andere##### —. Einbruchsdiebstahr konfektionsgeschäft der Hansastraße### bruchsdiebstahl verübt und eine Anzaßr#.### und Blusen im Werte von ca. 2000 Die Einbrecher müssen sich mit gang in das Geschäft verschafft haben. z. Hindernis, ein starkes eisernes Gittertor#. gerissen, die dahinterstehende Rollade un gelscheibe der Ladentür vollständig zeman.“ Hörde, 12. März. In nicht gerin wurden gestern Nachmittag 2.30 Uhr munder Straßenbahn von Hörde benugäste versetzt. An der Wiesenstraße sprang.. torwagen in voller Fahrt aus dem Gleise..7 umzukippen. Er kam jedoch in seine o. und sanste in schnellem Tempo bis auf ein Bordkante der Straßenrinne liegenden g. Nur etwa 2 Meter weiter und der vollbesatt.“ wäre den Abhang der Emschergärten berg# Die Fahrgäste sind mit dem Schrecken davorges, = Hörde, 12. März. Der Lokomotipiühr. Basse geriet gestern Abend auf der gel“ zwischen zwei Wagen, wobei ihm der zertrümmert wurde. Ins Krankenhaus bracht, starb er nach kurzer Zeit. = Schwerte, 11. März. Auf der Streckesg Arnsberg, unweit der Unterführung an der ¾ straße, wurde heute vormittag der am schäftigte Italiener Luigi Tocza von einer n maschine erfaßt und überfahren. Der Mann fort tot. Langendreer, 11. März. Heute erschof Eisersucht der Konsumverwalter Manna die umlichte Bohnmann aus Hamburg. Nach der Ia leibte sich der Täter durch einen Schuß. = Köln, 11. März. Der Rhein führt en Jahren nicht mehr beobachtetes Hochwasser. Aus dem Gerichtssaal. Schwurgericht. Tortmund, 11. auf eigenartige Weise versuchte der Kauf Balthasar Bäth von hier einen Druck auf einige säumigen Schuldner auszuüben. Er las in einem blatt eine Notiz, nach der ein Kaufmann in furt a. M. Zahlungsbesehle mit der Vollstreckungsle selbst ausgefüllt und unterschrieben hatte und sie den Schuldnern unter Umgehung des Gerichtes zu Den in Frankfurt erzielten Erfolg gedachte Väth falls zu erreichen, deshalb schlug er das gleiche Ver ein. Die eigene Leistung der Unterschrift schien bedenklich, deshalb ersuchte er die neunzehnjäht Kontoristin Sophie Kramme, die Unterschrift unter ausgefüllten Formulare zu setzen. Der Kramme lan# Sache noch viel bedenklicher vor, sie weigerte sich desn zu unterschreiben. Väth wußte aber diese Bedenka zerstreuen, er wies sie auf den Artikel in dem Fahin. Als sie immer noch schwankte, meinte er:„Ach wenn etwas kommt, werde ich schon alles auf nehmen.“ Da unterschrieb die Kramme, und sie hatte dieserhalb wegen Beihilfe zur schweren Urkundenfälsch zu verantworten. Die Zahlungsbefehle gingen ab, den Kostenfestsetzungsbeschluß wurden 30 Pf. erhoben, als der Schuldbetrag war. Einige der S bezahlten, einige andere aber gaben die„Zahll befehle" an das Amtsgericht ab, und dadurch kam Geschichte heraus. Der Angeklagte wurde eines? von dem Kaufmann Levy besucht. Als dieser die gefüllten Formulare sah, warnte er Väth; dieser nun selbst bedenklich und unterließ die weitere Absend# von Zahlungsbefehlen. Die Sache war zuerst bei Strafkammer anhängig, diese sah aber in dem Umsia daß unberechtigterweise Kosten von 30 Pf. eine wurden, eine schwere Urkundenfälschung und verwiel Sache vor das Schwurgericht. Merkwürdigerweiset aber nicht vor dem Schwurgericht, sondern am 19.30 d. J. vor der Strafkammer verhandelt. Auf Antrag Verteidigers beschloß die Strafkammer die Verweist an das Schwurgericht. Einbildung. Gut und Böse sind deshalbsu Begriffe. Der Mensch ist weder gut noch böse. das Ich sich ausleben, so wird es am meisten engt durch den Staat. Darum ist dieser der# und fast einzige Feind des Anarchisten. Früher der Staat wohl noch eine sittliche Berechtigung er den Schwachen schützte; aber heute ist er nu „Waffe der Reichen gegen die Ausgebeuteten, Besitzenden gegen die Besitzlosen“. Darum nch vernichtet werden. Es hat auch keinen Sinn durch eine paria tarische Regierung den Staat zu reformieren. Parlamentarismus ist ein Uebel. Im Wahlkamy# den die Instinkte der Massen aufgepeitscht, umnd Rücksicht nehmen auf lokale Wünsche, einfluß Cliquen und selbst auf generische Parteien, Hilfe man in der Stichwahl braucht. Abgeor kann nur werden, wer Zeit und Vermögen het wird nicht die Interessen des Volkes, sondern eigenen vertreten. Auch Volksabstimmungen Schweiz) haben keinen Sinn, denn sie führen zur Unterdrückung der Minderheiten, zu denen die fortgeschrittensten Köpfe gehören. seitzgebung ist sinnlos.„Ich entscheide, 90 das Recht ist; außer mir gibt es kein Recht“: Der Staat muß durch freiwillige Ge ersetzt werden, in denen alle Mitglieder sind. Die Gesellschaften gliedern sich wizr# werbebünde zur Warenproduktion und m#7. gemeinden. Diese„Konsum=Produktivgenöse“ müssen sich über die ganze Erde ausbreiten, wirtschaftliche Ziel. Jede Gruppe hat jeder Mensch ist frei. Der Kommunismus Wie erreicht man nun dies Ziel? keine Gewalt angewendet wissen, weil sie 9 zue# freiheitsfeindlich. Der Staat muß vielmehr den werden auf dem Wege der Aufklärung.„ ven dagegen halten den Weg der Revolutih paganda der Tat für die geeignetste dieser Auffassung hat sich auch der Londont# stenkongreß(1881) auf Bakunins Betrei 8. Anarchismus und Arbeiterbew“ Anfang Angeflagte we--n Sciur ader jede Schuld Wiratel im Fracholatt be Ves.- Gläich und die Kramt WVeee Aiechlsenmalt Fra bejahte De i hilligten ihm unsände 31. Lramme wurden ###e despalb freigespro Voraussetzung, d s dorliege, die gesetzli. Dv9 Der Geläuanis festgef Straf I die Bergleute Paul #— wwei anderen Berglei eerten Welle mach indern der Hehlerei schu elten je zwei Monate Per Dachdecker Otto 1 regen eines Mansardendi ###ngeklagte war im wes Wintch 1 Johr 6 Monate Die Eheleute Pferde Tlier datten sich wegen A Alan zu verantworten. crachns der Bewelsautn aus dem Prozeß ge Vnchediener Rennert aud Wien entgendet hat, obsche Alen destritt. Riesen wio Adon Akten zu sechs Mona Vatangellagse Frau wou #ot nun eine weitere Ai ewarten. Die Anarchisten stellten sich### munssen einen schroffen Gegensatz zu den Km## a#n Richtungen. Sie wurden deshalb auf egrate in St. Gallen 1897 von der Sozialdestzgg geschlossen. In der deutschen Arbeit,, die Anarchisten nur wenig Anhang. E'cegsiot sich Anarchosozialisten. Von gröberzng#sisae## die anachtstischen Gedanken in der froubeiterschaft gewesen. Dort vertritt u##### mus die direkte Aktion, in dem er L##t#### der Sabotage bedient.— Auf oge#ente calen Anarchismus sind verschiedene e (Präsident Carnot 1894, Kaiserin Plische“ nig Humbert 1900). Durch die Tortmun #ane Rohrleitung des stät nund. In dieser Rohrle #erholt Rohrbrüche erfol wprozeß gegen die Sto #en. Der Kläger behaup en Keller unter Wasse erholten Ueberflutungen deren Stockwerke gedrun deten völlig verdorben# sund hat die Stadt Dor ens verurteilt. Die B saß die Beklagte ein brüchen treffe. Ihre 4 brüche dadurch verursag Barop seitlich unterhalb pässerungskanal habe an Passerleitung umgebende unbeachtlich. Die 9 Rohrbrüche nachgehe wassen müssen. In di sahmen liege das Verse parten dürfen bis die estigung des Erdreichs or legeln gesorgt habe, we olchen Maßnahmen ihr g en Anliegern gegenüber aberin der Wasserleitu enzulässiger Immissionen Mithaftung der Gemein nicht von der eigenen H ine Tagung om Verbank sand am vorigen En einer öffentlich Vertrauensmännerv old Müller=L rundsätze un andes in de Redner ging de Hoftlichen Nieder den Handlungsgehi 1est. Die Unterstd u Anspruch genom Leutschen Handlun Art, wie der Reichs uch der Entwurf #he habe enttäuse verungstisch verk# lacht werden mi an dürfe aber nachen. Der Han #birtschaftlichen Au nitbekommen. Ma wegen in S ech e Nn 2 abe wurde Anzahl 9.#2 Ren Rece e blg eser in seine Lage e au ber e rochrten berot.“ precken davorgelon e Bachuf der Streckesch rung an der Sc der am Bahnhof a von einer Der Mann irz. Heute erschof Manna die ume j. Nach der Ta nen Schuß. 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Staatsanwalt Windthorst am Artig und die Kramme für schuldig im Sinne der hielt Val“, Lsanwalt Frank I beantragte Freisprechung. bejahten nur bei Väth die Schulddie Bessmtten ihm aber in meitestgehendem Maße milsog, uumstände zu. Die Schuldfragen bei der Ange#e##d##ramme wurden verneint. Diese Angeklagte #o#t: Hahalb freigesprochen, während gegen Väth P#l. Voraussetzung, daß nur eine fortgesetzte Handmietgge, die gesetzliche Mindeststrafe von drei bus I.: Gelängnis festgesetzt wurde. Pe Kskammer. Dortmuno, 11. März. #. Bergleute Paul Weike und Vaul Tesche stah# anderen Bergleuten etwa 50 Mark und 200 Weike machte sich nicht des Diebstahls, B#e, der Hehlerei schuldig, Beide Angeklagten eresten je zwei Monate Gesängnis. ger Dachdecker Otto Pleumann von hier hatte sich eines Mansardendiebstahls zu verantworten. Der eflagte war im wesentlichen geständig und eress 1 Jahr 6 Monate Gefängnis. cie Eheleute Pferdemetzger August Niesen von ## satten sich wegen Aktendiebstahls bezw. Beihülse ## zu verantworten. Das Gericht gewann nach dem ###gehnis der Beweisaufnahme die Ueberzeugung, daf ## aus dem Prozeß gegen Bonnekoh bekannte Genschediener Rennert auch die Strafakten gegen Niein entwendet hat, obschon Rennert es ganz entschiebestritt. Niesen wurde wegen Beiseiteschaffung Akten zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, die nitangeklagte Frau wurde freigesprochen. Rennere *, gun eine weitere Anklage wegen Aktendiebstahls erwarten. durch die Tortmunder Straße in Barop führt #n Rohrleitung des städtischen Wasserwerks in Dortgund. In dieser Rohrleitung sind im Sommer wieerholt Rohrbrüche erfolgt, die zu einem Schadenerzprozeß gegen die Stadtgemeinde Dortmund führven. Der Kläger behauptet, daß durch die Rohrbrüche #in Keller unter Wasser gesetzt und durch die wieerholten Ueberflutungen die Feuchtigkeit bis in die deren Stockwerke gedrungen sei, derart, daß die Taven völlig verdorben seien. Das Landgericht Tortsund hat die Stadt Dortmund zum Ersatz des Schazens verurteilt. Die Beweisaufnahme habe ergeben, ut die Beklagte ein Verschulden an den Rohrrüchen treffe. Ihre Einwendung, daß die Rohrbrüche dadurch verursacht seien, daß die Gemeinde Barop seitlich unterhalb der Wasserleitung einen Enthisserungskanal habe anlegen lassen, welcher das die Passerleitung umgebende und stützende Erdreich lockere, unbeachtlich. Die Beklagte habe dieser Ursache Rohrbrüche nachgehen und ihre Beseitigung verlassen müssen. In der Unterlassung dieser Maßahmen liege das Verschulden. Sie habe nicht abparten dürfen, bis die Gemeinde Barop für Neubedes Erdreichs oder für andere Sicherheitsmaßbegeln gesorgt habe, wenn diese Gemeinde auch zu blchen Maßnahmen ihr gegenüber verpflichtet sei, denn Anliegern gegenüber bleibe die Beklagte als Inberin der Wasserleitung jedenfalls zur Verhütung nzulässiger Immissionen verpflichtet. Auch könne die Rithaftung der Gemeinde Barop die Beklagte noch sicht von der eigenen Haftung befreien. ine Tagung des Niederrheingaues om Verband Deutscher Handlungsgehülfen. nd am vorigen Sonntag in Recklinghausen statt. In einer öffentlichen Versammlung, die sich an die Vertrauensmännerversammlung anschloß sprach Bertold Müller=Leipzig über rundsätze und Stellung unseres Verbandes in der Handlungsgehülsenbewegung“. Redner ging davon aus, daß die Folgen des wirtaftlichen Niederganges sich noch nie so sehr auf #den dandlungsgehilfenstand gelegt hätten, wie gerade . Die Unterstützungslassen seien noch nie so stark i Anspruch genommen wie in der letzten Zeit.“ Leutschen Handlungsgehülfen seien enttäuscht von der wie der Reichstag die Konkurrenzklausel behandle; ich der Entwurf der Regierung betr. die Sonntagsuhe habe enttäuscht. Am 20. Januar sei vom Reungstisch verkündet worden, es solle jetzt Schluß nacht werden mit der sozialpolitischen Gesetzgebung. in dürfe aber mit dieser Gesetzgebung kein Ende nachen. Der Handlungsgehilfenstand habe von dem Eschaftlichen Aufschwung der letzten 20 Jahre nichts mibekommen. Man brauche nicht lange zu suchen, um die Ursachen zu finden. Diese seien die Kämpfe der Organisationen gegeneinander gewesen. Hierdurch würde aber der Stand der Handlungsgehilfen geschwächt und büße an Ansehen ein. Aus diesem Gedanken heraus, daß es mit den gegenseitigen Kämpfen nicht weitergehen könne, sei am 15. April 1912 die Friedenserklärung erlassen worden, an der in erster Linie der Verbandsvorsteher Reif mitgearbeitet habe. Redner verbreitete sich dann über die im Verband ins Leben gerufene soziale Arbeitsgemeinschaft. Deren Zweck sei die Stellenvermittlung auszubauen. Der Stellenvermittlungszweckverband habe sich zur Aufgabe gestellt, die offenen Stellen auszutauschen, Mindestgehälter einzuführen, sowie sich auf dem Gebiete der Bildungsarbeit zu betätigen. Er wies dann verschiedene Vorwürfe zurück, die man dem Verbande mache. Vollständig haltlos sei die Behauptung, daß der Verband Deutscher Handlungsgehilfen mit dem Hansabund gehe, das gehe schon daraus hervor, daß man Stellung genommen habe gegen die Beschlüsse des Industrierats im Hansabund; unbegründet sei auch der Vorwurf, die Arbeitsgemeinschaft beuge sich unter den Willen der Prinzipale. Der Verband Deutscher Handlungsgehilfen sei in der Tat ein Verband von Handlungsgehilfen, die Prinzipale, die ihm angehörten, seien ehemalige Kollegen, die dem Verband die Treue bewahrt hätten, er trete nur ein für die Gehilfen und werde auch nur geführt von Gehilfen, er sei unabhängig von wirtschaftlichen und politischen Strömungen und er wende sich entschieden gegen den Radikalismus und die radikalen Gewerkschaften. Man müsse alles aufbieten, um die verschiedenen Strömungen und Bekämpfungen zu beseitigen. Dann werde der soziale Frieden nicht ausbleiben zum Heil der Handlungsgehilfen und zum Segen des deutschen Vaterlandes. Langanhaltender Beifall folgte den Ausführungen des Redners, dem der Versammlungsleiter namens der Zuhörer seinen Dank aussprach. Zeuner=Dortmund sprach sich dann für völlige Sonntagsruhe aus und verlas folgende Entschließung, die einstimmig Annahme fand: Die am 8. März 1914 in der vom Verband Deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig einberufenen öffentlichen Versammlung versammelten deutschen Handlungsgehilfen aus 15 Städten des rheinisch= westfälischen Industriegebietes erklären gegenüber der Düsseldorfer Kundgebung der Detaillisten Rheinlands und Westfalens am 27. Februar 1914, an der Forderung auf Einführung der völligen Sonntagsruhe festhalten zu müssen. Sie machen sich die in der Eingabe der sozialen Arbeitsgemeinschaft gegebene Begründung zu eigen und sind überzeugt, daß als Ausnahme von der allgemeinen Sonntagsruhe völlig genügen würde: die Freigabe einer Verkaufszeit bis zu zwei Stunden für das Bedürfnisgewerbe und eines Ausnahmesonntages. Sie erklären ferner, die Sonderstellung der jüdischen Geschäfte und der Prokuristen nicht gutheißen zu können und stellen sich auch in dieser Hinsicht auf den Boden der von der sozialen Arbeitsgemeinschaft erhobenen Forderungen. Ganz entschieden lehnen die Versammlungsteilnehmer auch den Paragraph 18 des Gesetzentwurfs ab und verlangen, daß bestehende über den Entwurf hinausgehende Ortsstatute unbedingt ihre Geltung behalten. Letzte Telegramme. Ein viehischer Vorgesetzter. Berlin, 12. März. Die Spucknapsassäre gelangte gestern vor dem Oberkriegsgericht des Gardekorps zur Aburteilung. Wie gemeldet, hat sich dieser Vorgang in der Kaserne des Königin AugustaRegiments abgespielt. Am 26. Novemver v. J. ließ der Sergeant Warke den Grenadier Arômer auf der Stube hin und herlaufen und befahl ihm dann, sich niederzulegen und zwar vor dem Spucknaps. Der Untergebene tat wie ihm geheißen und legte so, daß der Kopf dicht vor den Spucknapf kam. Nun erhielt er von dem Sergeanten den Besehl: Sauf; Der Grenadier führte auch diesen Besehl aus und trank aus dem Spucknapf. Er erhob sich dann wieder und spie aus. Ein Einjähriger, der den Vorgang mit angesehen hatte und darüber empört war, meldete das Geschehene. Das Kriegsgericht erkannte seiner Zeit gegen den Lergeanten auf drei Monate Gesängnis. Der Angeklagte glaubte sich zu streug bestraft und legte Berufung beim Kriegsgericht ein. Der Gerichtsherr dugegen legte Berufung ein, weil ihm das Strafmaß zu gering war und weil gegen den Angeklazten nicht auf Degradation erkannt wurde. Das Oberkriegsgericht verhandelte in nichtöffentlicher Sitzung. Das Urteil lautete wiederum auf drei Monate Gesängnis und erkannte außerdem auf Tegradation.— Warum wird das Efel nicht aus dem Soldatenstande ausgestoßen? Narrenhände beschmieren alles. Berlin, 11. März. Rubekannte versahen in der vergangenen Nacht das Kaiser=Friedrich=Dentmal vor dem Charlottenburger Schloß an mehreren Stelder Aufschrift„Rote Woche". Die mit rotem Aniliusarbstoff aufgetragenen Worte konnten erst nach vieler Mühe eutfernt werden. Der Polizeichef setzte auf die Ergreisung der Täter eine Bclohnung von 1000 Mart aus. Berlin, 12. März. Richt nur am KaiserFriedrich=Denkmal auf dem Luisenplatz, sondern auch an zahlreichen Häusern in Charlottenburg und an. deren Vororten sind in der Nacht zum Mittwoch mit roter Farbe die Worte„Rote Woche“ geschrieben. In Berlin versuchten die Sozialdemokraten an verschiedenen Stellen dieses Manöver auszuführen. Der Polizei gelang es, dies überall zu beehindern und etwa 30 Personen festzunehmen. Ehrender Beschluß. Straßburg, 11. März. In geheimer Sitzung beschloß der Gemeinderat, zu Ehren des scheidenden Statthalters die mittlere Allee der Orangerie Graf von Wedell=Allee zu nennen. Der Geschluß betont u. a. daß Graf Wedell in den 6 Zahren seiner Statthalterschaft mit reicher Kraft die wirt= schaftliche und kulturelle Entwicklung des Landes gesördert und erweitert habe. Das Land danke es ihm und werde ihm ein treues Gedächtuis bewahren, daß er als ein durch die Gegenwart und durch die Vergangenheit geschulter Staatsmann mit weisem Ernst und mit Gerechtigkeit der Eigenart von Land und Volk Rechnung getragen habe. Ein Sonderbündnis? Mannheim, 11. März. Dem„Raunheimer Geueralanzeiger“ meldet sein Korrespondent aus Rom: Von einem sehr angesehenen Kammerdeputierten, der früher den Posten eines Unterstaatssetre= tärs für das Auswärtige Amt bekleidete, erfahre ich, daß alle Anzeichen dafür vorliegen, daß Italien sich um das Zustandekommen eines Tonderbündnisses zwischen England, Teutschland und Italien! bemüht, damit diese drei Mächte verhindern könnten, daß Rußland seine Schwarze Meer=Klotte durch die Dardauellen führt, um im Verein mit Griechenland und Frankreich seinen Einzug in Kleinasien noch zu erweitern. Durch dieses Projekt werde der Weltfriede gesichert. Tollte aber das italienische Projekt scheitern, so würde Deutschland der Lösung der Dardauellenfrage seine weiteren Schwierigkeiten bereiten, und die deutsche und die italienische Politit müsse sich bann mehr an Rußland anlehnen. In Berliner diplomatischen Kreisen ist von einem solchen Projekt nichts bekannt. Man glaubt hier nicht, daß Minister Tan Gutliano einen Plau verfolgen wird, der noch als c.n Phantom bezeichnet werden muß. Denn es steht außer Zweisel, daß sich England jetzt nicht von der Tripleentente trennen wird. Im übrigen aber ist hervorzuheben, daß die Dardauellenfrage die Großmächte seit langer Zeit überhaupt nicht mehr beschäftigt hat. Gasexplosion. Grozu,(Ciskaukasien), 12. März. Durch eine bei dem Brande eines Hauses entstandene Gaserplosion fing heute eine Raphthalinquelle Feuer, wodurch 13 Personen schwer verletzt wurden, eine eine Person wurde getötet. Gestohlenes Gemälde zurückerlangt. Genua, 12. März. Hier wurde gestern in der Person eines jungen Genneser Bildhauers der Dieb, der Anfang Februar aus der Kirche Canta Fivei in Genua ein Muttergottesbild gestohlen hat, in dem Augenblick verhaftet, als er das Bild einem reichen Lievhaber für den bedungenen Preis von 30 000 Lire übergeben wollte. Das im 13. Jahrhundert aus der Levante nach Genua gebrachte 71 zu 45 Centimeter große Gemälde auf Holz, das von großem kulturhistorischem Werte ist, wurde beschlagnahmt. 25 hinten orauf wäre besser. Loudon, 12. März. Aus Jurcht vor weiteren Attentaten der Frauenstimmrechtlerinnen ist eine Reihe der öffentlichen Kunstgalerien geschlossen worden. Massenerkrankung. Tiflis, 12. März. In der Militärschule erkrankten nach dem Genuß von Backware, die mit Arsenik vermischt worden waren, 174 Schüler. Der Lieserant wurde verhaftet. Das Befinden soll in den meisten Fällen bedenklich sein. 42 häuser durch Feuer zerstört. Budavest, 12. März. Im Dorse Strem im Eisenburger Komitat, das meist deutsche Lewohner hat, brach gestern um die Mittagszeit an zwci Stellen zu gleicher Zeit Zeuer aus und nahm schnell eine große Ausdehnung an. Die kleinen Häuser, die von den Ersparnissen der nach Amerila ausgewanderten Familienväter stattlich und mit gewissem Komfort erbaut sind, wurden eins nay dem anderen von den Flammen ergrissen. In 4 Stunden waren bereits 42 Gohnhäuser mit vielen Nevengebäuden eingeäschert. Ein vierjähriges Mädchen wurde durch einstürzende Trümmer begraben und konnte nur als Leiche gevorgen werden. Eine Frau wurde wahnsinnig. von der Rabinettskrise. Rom, 11. März. Der König besprach sich heute nachmittag über die Lösung der Kabinctts= krise nacheinander mit den Vizepräsidenten des Senats Marquis Paterno und Cafaly, den Vizepräsidenten der Kammer Marquis Cappelli und Prosessor Alessio. Die Parlamentarier Grippo, Cavasole, Marquis Visconti Venosta und Jinali entschuldigten sich teils mit Abwesenheit von Rom, teils wegen Unpäßlichkeit. Vermischtes. * Die Schlafwagen 3. Klasse werden leider nicht, wie einige Blätter zu melden wußten, allgemein in die Züge eingestellt werden; der preußische Eisenbahnminister hat anläßlich einer Eisenbahndebatte in der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses nur erklärt, daß einzelne längere Linien zur Zeit des lebhaften Reiseverkehrs im Sommer mit Schlafwagen 3. Klasse ausgestattet werden sollen. Eine allgemeine Einführung ist nicht beabsichtigt. Ein überaus wirksames Mittel gegen veraltete Magenleiden und Verstopfung. 361 Die raschen und sicheren Erfolge, welche mit Stomorogen erzielt wurden, machen es weit und breit zu einem beliebten Hausmittel. Stomoxygen ist ein vollkommen harmloses Sauerstoff=Präparat und ist in jeder Apotheke erhältlich. Man nimmt es am besten dreimal täglich, und zwar je 1 bis 2 Tabletten zwischen den Mahlzeiten. Die Erfolge bei Magenverstimmungen, Verstopfung und den vielen Leiden, welche diese Uebel nach sich ziehen, sind geradezu glänzend. Die Säure im Magen verschwindet, man hat kein Herzllopfen mehr. Die Schmerzen in der Leber und den Nieren, sowie im Rücken treten nicht mehr auf. Die Nerven werden gelräftigt. Stomoxygen wird von vielen bedeutenden Aerzten verordnet, da der Sauerstoff, welchen es enthält, eine Wirkung bervorruft, wie man sie günstiger kaum beobachten kann. Es ist allgemein bekannt, daß Sauerstoff die Luft verbessert; es reinigt und kräftigt aber auch den Magen und die Nieren und tötet die Keime, welche häusig die Ursache schwerer Krankheiten sind. Jeder Apotheker führt Stomoxygen, oder wenn er es nicht hat, kann er es Ihnen beschaffen. Ein Versuch wird jeden von der Vorzüglichkeit dieses Präparats überzeugen. (367) (Bitte ausschneiden.) 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Heute Donnerstag, abends 8½ Uhr: Erstes Gastspiel des Hofzanberkänstlers Bellachini und sein Sohn. 8082 Sensation! das Schlangen= Orakel alls g.“Plätze Im Vorverkauf: Sperrur„ Ak., 1. Platz 1.80 Mk., 2 Platz 0.90 Emii w— beben in den Zigarrengeschäften Volsdorf im Hotel„Der Fürstenhof“, pi..Ne& Oberbeck, Brückstr. 9.(Café Metropol) „ gwann-Meßling, Westenhellweg 10. Preise Nr.1zg 28e: Sperreits 2.25 Mk., 1. Platz 400, 2. Plats 1.10 Mk., 8. Plats 0.60 Mk. Retall-LochereiHeister. Eine ältere Blech-Perforieranstalt in Mitteldeutschland gelegen, sucht eine tüchtige, energische, solide, Kraft, die nach allen Seiten hin, von der Herstellung der Werkzeuge an bis zum Versand der fertigen Waare als Werkführer einem regen Betrieb vorzustehen in der Lage ist. 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Eisenmarkt Mitgliederversammlung. zu dieser Versammlung sind nach Anträge zu dieser Versammlung sind nach§ 8 der Satzungen bis zum 25. März mit Begründung beim Vorsitzenden, A. Zeuner, Weiherstr 59, einzureichen. 0 Der Vorstand. Kohlen- bezoi. Zechenkoks- bezos. Gackokslieferung. Für die städtischen Verwaltungs=, Schul= uw. Gebände st für die Zeit vom 1. April 1914 bis zum 31. März 1915 die Lieferung des Jahresbedarf an Kohlen bezw. Zechen= bezw. Gaskofs zu vergeben. Der Jahresbedarf beträgt ungefähr je 5000 Tonnen. Lieferungsbedingungen können von der Abteilung für Maschinenwesen des städtischen Hochbauamtes, Kleppingstraße 5 II, Zimmer Nr. 412, ab 13. 3. 14 bezogen werden Angebote sind beim städtischen Hochbauamt, hier, Kleppingstraße 27, Zimmer Nr. 152 bis zum Mittwoch, den 18. März 1914 vormittags 11 Uhr, verschlossen mit der Aufschrift:„Augebot auf Kokslieferung für die städt. Gebäude in Dortmund“ einzureichen. Dortmund, den 12. März 1914. 3377 Der Maaistrat. Stadttheater Dortmund. Donnerstag, den 12. März 1914. 7½—10 Uhr. Opernpreise A. 46. Tiefland Freitag, den 13. März 1914. 7½—10 Uhr. Schauspielpreise. B 48. Das Kätchen von Heilbronn. Jeder Herr, welcher schon sich kleiden win und auf aut Qualttäten achtet, erhält die seiaste Garderobe für ganz wentg Geld und dat kein Risiko, de Besichtigung unseres Lagers ohne Kaufzwang. Achten Sie auf genaue Adresse: Kaufhaus. Monatsgarderobe Dertmund, Brbokstr. 12/14, i. Eig. im Hause der Stehdierhalle Wilderg Gebrauchte, gut erhaltene BadeEinrichtung spottbillig abzugeben. 3094 Hobestraße 18 I Werter Herr! Mein alter Beinschaden heflt schön durch ihre Rino-Salbe. Seit zehn ahren habe ich schon alles mögiche angewendet, aber nichts hal geholfen, aber nachdem ich jetzt Ihre Rino-Salbe gebraucht, ist alles wieder geheilt, wofür ich Ihnen meinen aufrichtigsten Dank aus spreche. Rodterl. R. Schulz. 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Die Pferde sind für die Feldartillerie=, Telegraphentruppen und Train als Zug und Reitpferbe bestimmt. Sie müssen 1,52 m bis 1,66 m Stockmaß(ohne Eisen gemessen) groß und dürsen nicht älter als 10 jährig sein. Tragende Stuten sind vom Ankauf ausgeschlossen und müssen, wenn sich Trächtigkeit bei der Truppe herausstellt, zurückgenommen werden. Der Ankauf wird in allen Teilen des Reiches— ausschließlich Bayern, Sachsen, Würtemberg, Baden, Hessen, Elsaß=Lothringen. Thüringische Staaten sowie Rheinprovinz und Hessen=Nassau— stattfinden. Es ist beabsichtigt, den Bedarf lediglich auf öffentlichen Märkten zu decken und angesichts des gegen das Vorjahr wesentlich verringerten Bedarfs Lieferungsaufträge weder an Besitzer noch an Händler zu erteilen. Berlin, den 14. Februar 1914. Kriegsministerium Remonte-Inspektion. gez. Haack. Heute, Freitag, Samstag u. Sonniz. 4 billige Schuh-Tage UeberraschungsBon! Beim Einkauf v. 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Nur diejenigen Personen sind wahlberechtigt, die sich rechtzeitig in die Wahllisten haben eintragen lassen Die darüber erteilten Wahlbescheinigungen sind zur Wahl mitzubringen. Wer dies unterläßt, hat sich anderweit zu legitimieren und seine Nummer in der Wahlliste anzugeben Das Wahlrecht kann nur in Person und durch Stimmzettel ausgeübt werden, welche handschriftlich oder im Wege der Vervielfältigung herzustellen sind und keine äußeren Kennzeichen haben dürfen. Bei Vermedung der Ungültigkeit der Stimme kann nur für unveränderte Vorschlagslisten gestimmt werden. Im übrigen wird auf die Bekanntmachung vom 3. Januar dieses Jahres verwiesen Dortmund. den 3. März 1914. Der Magistrat: Piano-Flüe Reparatur. Werkstätte Klaviermacher, Dortmund, Balkenstr. 14-5 Kostenanschlag gatis — Dortmunder Quartett-Verein (Chorleiter J. Kranzhoff.) Donnerstag, den 12. März 1914 abends 8¼ Uhr an der Kronenburg II. 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Anmeldungen nimmt die Vorsteherin, Fräulein Kröning, bei welcher auch die Aufnahme=Bedingungen eingesehen werden können, entgegen. SALAMANDER EINSEGNUNGS STIEFEL EINHEITSPREIS MK12 Salemander Schuhtes. m.b.H.lderlin 50 Sonkern Sie Musteebbuch Niederlassung: Dortmund, Westenhellweg!: Erschein u Uulachme der Abonneme # ins haus, mit der täg zn Ronet, durch die Post de R#lationsdruck und Berla Mariwetlich: Bitter Nr. 60. Zweite uca Preußisches Al Am Ministertisch Präsident Dr. Graf v# Sitzung um Vor Eintritt in die T Abg. Brütt(freikons.) eer Abg. Dr. Schifferer kommission gemacht habStenogramm ist meine# überdies falsch wiedergege e nicht der Sitte und der Nitteilungen aus der Kon hier zu machen. Zirtalar auf den vertrau sonsverhandlungen hinge I Darauf wird die zweit Etats der Berg=, per bei den Einnahmen fortg Abg. Hue(Soz.): S Interesse des privaten B bau als unrentabel zu die ist die Verstaatlichung de ist lein Zweifel, daß d durchaus rentabel ist. steht er nicht hinter den sollte mit dem Kohlen treten. An der ungeheur lichen Erzeugnissen ist eine Folge der Ueberpre Zechen. Unter der Her Arbeiterlöhne vielfach ge steigert worden. Für ein Bergbaues haben sich au Ragner ausgesprochen. Abg. v. Pappenheim sondikat nicht wieder zust aller gegen alle die Folge Einwirkung auf die Pre ebenso wie die Landwirts gehend hohen, sondern a lande gegenüber haben leine Rücksicht zu nehmer liches Uebergewicht uns sichtslos geltend machen. Handelsminister Dr. sind nicht ungünstiger, einer Aktiengesellschaft be Erneuerung des Kohler lungen. Daß die Verhat geschäftskundigen Männe (Heiterkeit.) Mir liegte die Interessen des Staa dier aber in dieser Weise Steuung nicht erleichtert, Abg. Tourneau(Ztr.) einen Zweck erfüllt. D legen, ob man jetzt mit Tezierung sollte die Pre Kaliabsatzes energischer Abg. Hasenelever( sondikat für gute und al Kohlenmarkt Sorge getr interesse der Arbeiter Fvon Ios 3norm bil billigen #. für Lon und Kindert#. Versuch macht sa ndigen Kunden e enorm billign 3 Schaufenstn aus ehent weg 54 über Heaban Hura Reparatur. Verkstätte Klaviermacher, mund, Balhenstr. 14. stenanschlag gatis BAC-PIANES lecker, ahnhofstr. 4 in Sotloger Watien eic. sachen. eder Art, Formen reuze, etten in rillant*—* Billigste Preisel 1. 2916 R DER AK1 erlin Erscheint täglich un Ausnahme der Sonn= und gesetzl. Feiertage. Aaus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage ei i# Vosti#„Klustrierten Sonntagsdlatt“ 65 Pig. eens eich die Zot Lugger tier 1 Monste 1an ur. B#lationsdruck und Verlag, sowie für die wartwertlich: Bikter Schanzer, Lokat-Anzeiger für Mit Bekanntmachungen der städtischen mit dem Dortmund u. Hörde. und Wilitär-, Jowie anderer Behörden. Expedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 160. 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Dr. Schifferer eine Aeußerung, die ich in der sommission gemacht habe, zitiert. In dem amtlichen Stenogramm ist meine Aeußerung in der Kommission überdies salsch wiedergegeben worden. Ich bemerke, daß i nicht der Sitte und der Uebung des Hauses entspricht, Mitteilungen aus der Kommission unter Namensnennung dier zu machen. Der Präsident hat noch kürzlich durch Aurtular auf den vertraulichen Charakter der Kommissonsverhandlungen hingewiesen. Darauf wird die zweite Lesung des Etats der Berg=, Hütten- und Salinenverwaltung bei den Einnahmen fortgesetzt. Abg. Hue(Soz.): Seit Jahren versucht man, im Interesse des privaten Bergbaues den staatlichen Bergbau als unrentabel zu diskreditieren. Das einzig Richtige it die Verstaatlichung des ganzen Bergbaues, denn es ist kein Zweifel, daß der staatliche Bergwerksbetrieb durchaus rentabel ist. Auch in technischer Beziehung sieht er nicht hinter dem privaten zurück. Der Staat sollte mit dem Kohlensyndikat nicht in Verbindung treten. An der ungeheuren Ueberproduktion an bergbaulichen Erzeugnissen ist das Kohlensyndikat schuld und eine Folge der Ueberproduktion ist die Stillegung der Zechen. Unter der Herrschaft des Syndikats sind die Arbeiterlöhne vielfach gedrückt und die Kohlenpreise gesteigert worden. Für eine Verstaatlichung des gesamten Bergbaues haben sich auch Gelehrte wie Professor Adolf Wagner ausgesprochen. Abg. v. Pappenheim(kons.): Wenn das Kohlensyndikat nicht wieder zustande käme, so würde der Kampf aller gegen alle die Folge sein. Der Staat muß sich eine Einwirkuug auf die Preise sichern. Die Industrie hat ebenso wie die Landwirtschaft Interesse nicht an vorübergehend hohen, sondern an stabilen Preisen. Dem Auslande gegenüber haben wir bei unserer Preispolitik leine Rücksicht zu nehmen. Wir sollten unser wirtschaftliches Uebergewicht unseren Nachbarn gegenüber rücksichtslos geltend machen. handelsminister Dr. Sydow: Unsere Verhältnisse sind nicht ungünstiger, als wenn unsere Betriebe von einer Aktiengesellschaft bewirtschaftet würden. Ueber die Einenerung des Kohlensyndikats schweben Verhandlungen. Daß die Verhandlungen mit so erfahrenen und geschäftskundigen Männern nicht ganz leicht sind, ist klar. (veiterkeit.) Mir liegt es ob, bei diesen Verhandlungen Interessen des Staates wahrzunehmen. Wenn wir vier aber in dieser Weise gedrängt werden, so wird unsere stelung nicht erleichtert, sondern erschwert.(Beifall.) abg. Tourneau(Ztr.): Das Kaligesetz hat im ganzen einen Zweck erfüllt. Deshalb sollte man es sich übereetzen, ob man jetzt mit einer Novelle kommen soll. Die Schierung sollte die Propaganda für die Förderung des kaltabsatzes energischer betreiben. „ö28. Hasenelever(nat.=lib.): Wenn das KohlenG### für gute und gleichmäßige Verhältnisse auf dem Mmenmarkt Sorge getragen hat, so liegt das auch im iuteresse der Arbeiter. Das Koblensondikat bat bewiesen, daß von einem Trust keine Rede sein könne. Die industriellen Kreise haben das Kaligesetz bekämpft. Hoffentlich hal die Regierung selbst eingesehen, daß die Wirkung des Gesetzes keine günstige war. Abg. Brust(Ztr.) führt Klage über die Rauch= und Rußplage, die durch die Brikettfabrikation hervorgerufen werde. Handelsminister Dr. Sydow: Die Erhebungen über die vom Vorredner angeregte Frage sind noch nicht abgeschlossen. Nach unwesentlicher weiterer Debatte werden die Einnahmen genehmigt. Bei den Ausgaben bemerkt Abg. Brust(Ztr.): Wir sind damit einverstanden, daß die Prämten für obere und mittlere Werksbeamte erhöht worden sind. Abg. Hue(Soz.): Das Prämiensystem für Steiger muß abgeschafft werden. Die Arbeiter sollten von den Vorgesetzten nicht so von oben herab behandelt werden. Abg. Hasenelever(nat.=lib.): Nach meinen persönlichen Erfahrungen kann ich dem Vorredner nicht zugeben, daß die Arbeiter schlecht behandelt werden. Abg. Imbusch(Ztr.): Die Behandlung der Arbeiter ist nicht überall angemessen. Es sollten mehr Gewerbegerichte eingeführt werden zur Schlichtung von Differenzen zwischen Arbeitern und Vorgesetzten. Es muß den Arbeiter empören, wenn er sieht, daß die Beamten mehr Gewinnanteile beziehen, als er Lohn bekommt. Die Arbeiter haben doch durch ihre Leistungen zu den erhöhten Einnahmen der Bergverwaltung beigetragen. Oberberghauptmann v. Velsen: Die Arbeiterlöhne sind in den letzten Jahren dauernd gestiegen. Im übrigen haben wir die Erhöhung der Einnahmen nicht der gesteigerten Leistung der Arbeiter, sondern der wirtschaftlichen Gestaltung des Betriebes zu verdanken. Hierauf wird die Weiterberatung auf Freitag 11 Uhr vertagt.— Schluß 55 Uhr. Deutscher Reichstag. w. Berlin, 11. März. Am Bundesratstische Dr. Solf. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 15 Minuten. Kolonialetat. Auf der Tagesordnung steht zunächst der Etat für das Schutzgebiet Togo. Der Etat wird in den Hauptteilen debattelos erledigt. Bei den einmaligen Ausgaben der Errichtung eines Sägewerks in Lome bezweifelt Abg. Dr. Paasche(nat.=lib.) die Rentabilität eines derartigen Unternehmens. Der Titel wird bewilligt, ebenso debattelos der Rest des Etats. Es folgt der Etat für Neu=Guinea einschließlich der Inselbezirke der Südsee. Abg. Arendt(Rp.): Wir sind in der seltsamen Lage, daß wir bereits gestern bei der Verabschiedung des Kolonialetats einen Beschluß gefaßt haben über einen Gegenstand, der erst heute zur Debatte steht, nämlich die Bewilligung von 500000 Mark zur Untersuchung der Petroleumquellen in Neu=Guinea. Ist es überhaupt möglich, bei einigermaßen annehmbaren Preisen Petroleum nach Deutschland zu bringen? Die Budgetkommission hat mit Bewilligungsfreudigkeit diesen Posten angenommen, vielleicht im Hinblick auf das Petroleummonopol. Die Sozialdemokratie ist bereit, eine halbe Million aus den Taschen der Steuerzahler zu bewilligen. während wir Kolonialschwärmer skeptisch sind. Das ist bezeichnend.(Sehr richtig!) Ich behalte mir vor, für die dritte Lesung die Streichung dieses Postens zu beantragen. Staatssekretär Dr. Solf: Die Engländer legen überall in ihren Kolonien die Hand auf die Petroleumquellen. Das ist von weittragender Bedeutung. Wenn sich auch ein Transport nach Deutschland nicht lohnen sollte, so handelt es sich um die Versorgung der Nachbargediete. Wenn dieses Geschäft einschlägt, würde Deutschland daraus einen gewaltigen Vorteil erzielen. Abg. Dr. Pfleger(Ztr.): Wir werden dem Antrage auf Streichung in der dritten Lesung wohl zustimmen. Diese Position ist der blödsinnigste Vorschlag, der jemals im Reichstag gemacht worden ist.(Der Präsident rügt den Ausdruck.) Bis jetzt liegt nichts weiter vor, als die Tatsache, daß an einigen Stellen genau wie in Hannover in der Lüneburger Heide Erdöl vorhanden zu sein scheint. Abg. Gothein(fortschr. Vp.): Die Erforschung unserer Kolonien nach wirtschaftlichen Vorteilen ist in erster Linie Aufgabe der Verwaltung. nicht des Privatkapttals. Die Petroleumfunde in Niederländisch=Indien zeigen die Notwendigkeit auch für unsere Verwaltung, diese Frage weiter zu verfolgen. Wenn das Südseerdöl auch nicht als Leuchtöl für Deutschland in Betracht kommt, so kann es doch als Benzin oder Heizöl für Dampfer eine große Rolle spielen. Abg. Dr. Frank(Soz.): Der Beschluß in der Kommission ist namentlich auf das Zentrum zurückzuführen. Das Zentrum scheint erst durch die Reichspartei auf den richtigen Weg gebracht zu sein. Wir müssen dafür sorgen, daß die Naturschätze in den Kolonien nicht durch das Privatkapstal ausgenutzt werden. Abg. Dr. Paasche(nat.=lib.): Es muß festgestellt werden, daß Abg. Dr. Pfleger in der Kommission einer der ersten war, der den Standpunkt vertreten hat, den hier Dr. Arendt einnahm. Es wäre viel gescheiter, diese Erforschungen dem Privatkavital zu überlassen. Abg. Erzberger(Ztr.): Wie die Akten der Kommission ergeben, haben wir in derselben Weise Stellung genommen wie jetzt. Wir verlangen aber auch die Sperrung des ganzen Schutzgebietes. Sachverständige Monopolfreunde halten es für ausgeschlossen, mit 500000 Mark die gewaltigen Gebiete zu durchsuchen. Staatssekretär Dr. Solf: Die Sperrung ist von mir bereits am 20. Februar angeordnet worden.(Bravo.) Meine Verhandlungen mit dem Privatkapital sind nicht zum Abschluß gekommen. Es handelt sich lediglich um eine Offerte. Ich mußte die Verhandlungen mit Rücksicht auf die Pläne der verbündeten Regierungen abbrechen. Die Untersuchung können wir dem Privat= kapital nicht überlassen, denn sonst würden wir von ihm abhängig. Abg. Waldstein(fortschr. Vp.): Tatsache ist, daß der Abg. Erzberger in der Kommission einen Gegenantrag estellt hat. Wir halten 500000 Mark für angemessen, Wenn überhaupt etwas erreicht werden soll. Abg. Oertel(kons.): Wir können dem Staatssekretär die Berechtigung für seine Ausführungen nicht versagen. Abg. Erzberger sollte sich daran erinnern, daß, nachdem der Staatssekretär am 20. Februar die Sperre verhängt hatte, diese auch sofort ausgeführt worden ist. Abg. Frank=Mannheim(Soz.): Das einzige Bedenken wäre, daß die Summe nicht genügte. Die Ausgaben des Etats werden darauf bewilligt. Bei den Einnahmen bittet Abg. Keinath(nat.=lib.), die Paradiesvogeljagden einzustellen. Staatssekretär Dr. Solf: Der Vogelschutz in den Kolonien ist durch das Abschußverbot geregelt. Außerdem ist ein hoher Ausfuhrzoll auf die Bälge gelegt worden. Die Naturdenkmäler müssen unter allen Umständen geschützt Papftis Passen gbbebe. 61 Fart 1# 207 K ellweg Der Schatzgräber. Roman von Erich Ebenstein. 32 Sabines Lage wurde immer kritischer. In diesem soment stürzte oben in der Paurschen Villa Barbara Lchenblaß in Haus' Zimmer und rief diesem zu„Um oieswillen, Hans, lause hinunter und stehe Sabine *7— ich weiß nicht, was los ist, aber der ganze Platz „v## Menschen, und sie schreien und drohen, und euten drin steht Sabine Herzog.“ Büück, Leute!“ schrie er mit lauter Stimme und keitüchte sich Platz zu machen in dem Sabine immer 20eF unschließenden Kreis. Die Leute, durch die Ameisgailfgestachelt, bedrohten Sabine nun tatsächlich ### gugen unter Verwünschungen mit erhobenen Kmisten auf sie ein. Sabines Hilferuse gellten laut den Platz. Leute!“ rief Haus noch einmal.„Was boles denn* Was macht Ihr da?“ es 2titt Stimme brachte die meisten zur Besinnung. ben deu zurück, und Haus sah uun Sabine da ste2“ mit fahlem, angstverzerrtem Gesicht, das graue m wirr um die Schläfe hängend, die Augen unstät eoemem zum andern irrend. ## Boden lag ein Gemengsel von Erdbeeren, Socumen, Spinatblättern und Tannenzapfen. biue 27..31 Ihr denn eigentlich von Fräulein San!“ stagte Hans verwundert. Ameisöderig Mann hat sie umgebrachtl“ schrie die oner hat sie vom Franzosenstein her### 4ctuezt, erklärte ein anderer. Haus war sprachBisd des% a#f er einen Blick auf Sabine, die ein ####rge rermmers bol. Aus iyren Augen leuchtete m ihr und zog ihren Arm unter den seinen. sent a..•0 em Irrtum sein,“ sagte er ruhig;„Ihr lem Sabi ,„ 1##itt, daß sie krank ist. Kommen Sie, Fräuei, an seinal ar“ sich angstvoll wie ein Kind im Dunnich sort. ich ga und flüsterte:„Ja— führen Sie tuhner dart###n den Alten nicht sehen, und er stand Cdort hinter seiner Frau.“ Ein Schauer lief Haus über den Rücken. Sollte es möglich sein, was die Leute behaupteten? Hinter ihnen folgte stumm die Menge. Nur die Ameisöderin stieß von Zeit zu Zeit laute Verwünschungen aus. So kamen sie an das Schloß. Konstanze stieg eben die Treppe herab, als Hans und Sabine in den Hausflur trat. Als sie die beiden erblickte, blieb sie wie angewurzelt stehen und griff. unwillkürlich nach einer Stütze suchend, an das Treppengeländer. In diesem Moment öffnete sich links eine Tür und Peter Herzog trat heraus. Auch er blieb bei dem Anblick verwundert stehen, blickte aber gleich darauf betroffen nach dem Tor, unter dem sich eine Schar Neugieriger zusammengedrängt hatte und mit gestreckten Hälsen in den Flur starrte. Haus trat rasch auf ihn zu. „Herr Herzog,“ sagte er, sich leise verbeugend,„es wird gut sein, wenn Sie das Tor schließen und Fräulein Sabine in der nächsten Zeit nicht mehr allein ausgehen lassen. Es hat sich ein törichtes Gerücht in Winkel verbreitet—“ er konnte nicht aussprechen, denn Sabine stieß plötzlich einen gellenden Schrei aus, riß sich von seinem Arm los und wies entsetzt mit ausgestreckter Hand gegen die Leute unter dem Tore zu. „Da steht er— da steht er— jagt ihn fort!“ schrie sie,„der Ameisöder!“ Und die Hände vor das Gesicht schlagend, stürzte sie mit einem wimmernden Laut zu Boden, wo sie regungslos liegen blieb. Während der inzwischen herbeigeeilte Hausmeister rasch das Tor abschloß, hoben Haus und Peter Herzog Sabine auf und trugen sie die Treppe hinauf nach ihrem Zimmer. Konstanze folgte wie betäubt. Oben nahmen sie sich sogleich Sabines an. Haus aber, ohne Konstanze nur mit einem Blick zu streifen, verbeugte sich gegen Herzog und verließ das Zimmer, ehe dieser danken konnte. Als er aus dem Hause trat, standen die Leute noch aufgeregt da und manches scharfe Wort gegen Sabine wurde gesprochen. Etwas abseits stand die Ameisöderin mit einem inzwischen geholten Gendarmen und redete eifrig in ihn hinein. Zu ihnen trat Haus und versuchte beschwichtigend einzuwirken. Ohne der Gerechtigkeit im geringsten Einhalt tun zu wollen, müsse er doch driugend bitten, von jedem übereilten Schritt abzusehen. Die Ameisöderin möge bei der Behörde in Gams ihre Anklage erheben und dann ruhig das Weitere abwarten. Gegenwärtig sei Sabine Herzog schwer krank und gänzlich unfähig, vernommen zu werden. Es gelang ihm allmählich, die Leute zu beruhigen und während sich die Ameisöderin auf den Weg nach Gams zum Bezirsgericht machte, zerstreuten sich die Leute allmählich und der Platz vor dem Schlosse wurde leer. 19. Kapitel. Der nächste Tag war ein Sonntag. Ein großer Teil der Werke stand still, auch die Eisenbahnarbeiten draußen im Tal ruhten. Dafür ging es im„Hl. Florian“ hoch her und die Rosenauerin war in ihrem Element. Schankstube und Extrastübchen waren bis auf den letzten Platz besetzt von den italienischen Arbeitern. während sich die Winkeler hinaus an die Kegelstatt gezogen hatten, die hinter dem Hans lag und wo man auf dem Rasen ringsum Tische für sie aufgestellt hatte. Auch im Salettl wimmelte es von Gästen; dort saßen die Ingenieure und Beamten. Der ganze Platz aber zwischen dem Wirtshaus und der Paurschen Villa war angefüllt mit Wagen, Fahrrädern, Kutschern, die ihr„Stehbier“ tranken, und Weibsleuten, die mit ihnen schäkerten. Nie war es im Winkel so lebhaft zugegangen, und nie hatte die Rosenauerin solche Geschäfte gemacht, wie jetzt, wo man die Eisenbahn baute. Mit den vielen fremden Menschen wehte auch ein Frischer, neuer Hauch über das Winkler Tal und wirbelte mancherlei neue Gewohnheiten herein und manche alte hinaus. Während die Rosenauerin, von neuer Lebenslust erfaßt, mit wiedererwachter Jugendkraft sich zwischen ihren Gästen herumtummelte, da den Italienern ein„Eoviva!“ und dort den jungen Ingenieuren ein kräftiges „Heil“ zurufend, um gleich darauf im Vorübergehen an des Rodlbauern Glas zu nippen smit den Worten: „G'segn Dir's Gott, Rodlbauer, wir bleiben die Alten!“— stand drüben in der Villa Jakob Paur am auf das ungewohnt lebFeuster und blickte grimmig auf hafte Getriebe im„Hl. Florian.“ werden. Nachdem ich auf einer großen Vogelauktion im London gesehen habe, wie Tausende von Reihern und Paradiesvögeln auf den Markt geworfen werden, habe ich mich der Idee der radikalen Schutzfreunde durchaus angeschlossen. Mittlerweile aber haben mich Sachverständige überzeugt, daß im Innern von Neu=Guinea ein Ausrotten der Paradiesvögel nicht zu befürchten ist. Ich habe angeordnet, daß Paradiesvögel 15 Jahre nich geschossen werden dürfen.(Beifall.) Abg. Dr. Paasche(nat=ltb.): Der Staatssekretär hätte auf der Seite der radikalen Naturschutzfreunde bleiben sollen. Deshalb, well die Eitelkeit der Frauen, die nicht immer im Einklang mit ihrer Schönheit steht, es verlangt, dürfen nicht Millionen von Tieren hingemordet werden. Abg. Noske(Soz.): Ich hätte mich noch zu der Rede des Abg. Dr. Paasche gefreut, wenn er gestern ebenso warm für die Crhaltung der Eingeborenen eingetreten wäre.(Sehr gut!) Bei den Paradiesvogeljagden kommt es leicht zu Zusammenstößen mit den Eingeborenen und damit zu Strafexpeditionen. Nach weiterer unerheblicher Debatte wird der Etat bewilligt. Es folgt der Etat über Samoa. Auf eine Anfrage erklärt hinsichtlich der Mischeher Staatssekretär Dr. Solf: Darüber besteht Einmütigkeit, daß die Mischehen unerwünscht sind. Ein Verbot ist nicht notwendig, weil die Weißen eingesehen haben, daß es eines Deutschen unwürdig ist. eine Ehe mit einer Angehörigen einer tiefer stehenden Rasse einzugehen. Der Etat wird in seinen Hauptteilen bewilligt. Der Rest des Etats wird bewilligt. Es folgt der Etat für Ostafrika. Abg. Dr. Müller=Meiningen(fortschr. Vp.): Wenn auch den Missionsschulen ein großes Verdienst um die Kolonien zugesprochen werden soll, so müssen doch auch die Regierungsschulen ausgebaut werden. Die Lehrerausbildung darf nicht ausschließlich den Missionen überlassen bleiben. Staatssekretär Dr. Solf: Es ist nicht richtig, daß die Regierungsschule den Islam unterstützt. Die Mohammedaner schicken ihre Kinder allerdings nicht in eine konfessionelle Schule, bevorzugen aber die Regierungsschule. Abg. v. Böhlendorff=Kölpin(kons.): Die Eisenbahnen und Landstraßen müssen weiter ausgebaut werden. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Eine Verlängerung der Dienstperiode für Beamte und Offiziere war angebracht. Die Klagen der Pflanzer über die bureaukratische Verwaltung hören nicht auf. Es ist an der Zeit, die Selbstverwaltung einzuführen. Auch die deutsche Währung wäre durchaus am Platze. Bei der Nennung der Männer, die sich um die Tanganjikabahn verdient gemacht haben, hat man Dr. Karl Peters vergessen. Abg. Ledebour(Soz.): Der Bau der hier geforderten Bahnen muß unbedingt zu einer Unterjochung der Bevölkerung der betreffenden Gebiete führen. Darauf wird vertagt. Nächste Sitzung Donnerstag 2 Uhr. Kleinwohnungsgesetz, dritte Lesung des Postscheckgesetzes, Luftverkehrsgesetz, Fortsetzung des Schutzgebietsetats.— Schluß ¼7 Uhr. Die erste Nacht im Königsheim in Durazzo. Die Königin: Schläfst du, Wilhelm, oder wachst du noch? Der König: Ich schlase nicht, ich wache nicht. Ich träume... Die bunten Bilder des Empfanges schweben vor meinem Auge nochmals vorüber. Ich höre die brauEr war mutterseelenallein zu Hause. Die Dienstboten hatten ihren Ausgang und Barbara war, nachdem sie dem Alten seinen Kaffee in die Stube gebracht hatte mit Haus ein wenig auf den Franzosenstein spazieren gegangen. Gar zu gern wollte sie die Stelle sehen, wo der Ameisöder vor mehr als einem Jahr verunglückt war und wo noch immer in offener Grube die leere. alte Schatzkiste zu sehen war. Aber sie war recht hinfällig geworden im letzten Jahr und hätte sich kaum mehr über den steilen Pfad hinaufgewagt, wenn nicht Haus ihr gutmütig seine Begleitung angetragen hätte. Auf seinen starken Arm gestützt, trippelte sie nun in ihrem etwas veralteten, schwarzen Sonntagsgewand glückselig neben ihm her. Jakob Paur war vom Feuster zurückgetreten und wanderte nun mit auf den Rücken gelegten Armen hin und her. Jakob Paur schrak plötzlich zusammen. Hatte es da nicht an der kleinen Seitenpforte der Villa, zu welcher ein Pfad direkt von den Hüttenwerken herführte, geklopft. Er horchte. Nein, es war alles totenstill. Wieder blickte er in das kleine Fach, aber diesmal war die weiche Stimmung dahin. Er sah nicht mehr das dürre Sträußlein, sondern nur ein vergilbtes Blatt Papier, welches die Form eines Dokumentes hatte und große Stockflecken aufwies. Kopfschüttelnd griff er danach. „Wozu ich das Zeug eigentlich aufhob?“ murmelte er.„Ist besser, wenn es verschwindet und der Junge nie davon erfährt. Weiß Gott, wie er es aufnähme.“ Er war eben im Begriff, das Dokument zu öffnen und einen Blick hineinzuwerfen, als er es gleich darauf erschrocken zurück ins Fach legte und dieses zuwarf. Jetzt hatte es wirklich an der Seitenpforte geklopft. Ganz deutlich waren die Schläge des schmiedeeisernen Klöppels, der die Stelle einer Glocke vertrat, an sein Ohr gedrungen. Ob es der Hauskuecht war, der früher zurückkam? Jakob Paur erhob sich und ging durch den Korridor zur Seitenpforte, um zu öffnen. Als er aber die eiserne Tür geöffnet hatte, blieb er wie angewurzelt unter derselben stehen. Peter Herzog war es, der zu ihm kam. 916 18 senden Rufe:„Rroft Shaypenie!“, ich fühle mich mehr Mrbet als je. Noch klingen die Worte des braven Excem=Bei an mein Ohr, der mich als Standerbeg den Zweiten feiert. Die Königin: Auf meiner Hand brennt noch der Kuß, den Essad Pascha der neuen Herrscherin gab. Der König: Die neuen Gefühle erregen alle unsere Nerven; es zuckt und juckt in mir... Die Königin: Glaubst du, Willy, daß es nur die neuen Gefühle sind, die uns jucken? Ich möchte Licht machen... (Der Mrbet und seine Gemahlin unterziehen das Hoslager einer rigorosen Prüsung.) Die Königin(resigniert): So etwas gab’s im Schlosse zu Neuwied nicht. Der König: Beruhige dich, Sopherl; ich versprach doch, Gut und Blut für Albanien zu opfern; man hat die kleinen Schloßbewohner hier aus ihrem Heim ver areiben wollen, sie üben jetzt Blutrache an uns. Morgen früh werde ich ein Ausweisungsdekret erlassen... mein erster Regierungsakt! Dann wird Friede herrschen und Nachtruhe im Schloß von Durazzo. Die Königin: Die wünsche ich uns von Herzen. Gute Nacht! Der König: Gute Nacht, Mausi... Die Königin(springt erschrocken aus dem Bette): Du hast das Geräusch also auch gehört. Es sind Mäuse im Zimmer. Schrecklich. Bitte, dich, mache Licht. Der Könia: Du siehst Gespenster, mein Schatz. Wie kämen denn Mäuse hierher, wo die Leute selbst nichts zu nagen haben. Durazzo... Die Königin(zitternd): Was? Ratzen?! (österr. Dialekt: Ratten). Das ist ja noch schrecklicher. Der König: Laß mich nur ausreden! Turazzo hat als Residenz noch einige Kinderkrankheiten durchzumachen... Die Königin(begibt sich wieder zur Ruhe): Laß deinen Trost, liebster Willy! Ich will ja gern an deiner Seite das geliebte Albanien beglücken und für das Land bluten, wenn nur die Bisse nicht so ekelhaft waren... Gute Nacht!... Es ist fast Mitternacht... vielleicht träumen wir etwas Hübsches in der ersten Königsnacht. (Beide schlummern ein.) (Die Schloßuhr schlägt Mitternacht. Alles bleibt ruhig. Zwanzig Minuten später erscheint ein riesengroßer Mann in Stipetarentracht gekleidet im Schlafgemach.) Der König(aufwachend): Ha!(Greift zu seinem Browning, der auf dem Nachttischchen bereit liegt.) Der Fremde: Fürchte dich nicht, hoher Mrbet! Du brauchst mit nicht erschießen, ich bin ohnehin ein toter Mann. Der König: Wer bist du? Der Fremde: Ich bin der hochselige Skanderbeg. Aus jahrhundertlangem Schlafe bin ich erwacht... Der König: Du Glücklicher konntest so lange schlasen, ich kann gleich in der ersten Nacht kein Auge zumachen. Skanderbeg: Ich bin erwacht, um dich, meinen erlauchten Nachfolger, zu begrüßen. Der Könia: Du bist also ein Geist. Warum erscheinst du dann erst um halb eins und nicht, wie es sich gehört, um Mitternacht. Skanderbeg: Verzeih! Ich habe das Schlagen der Stunde überhört. Scitdem ich nicht mehr Herrscher von Albanien bin, fühle ich mich glücklich. Und dem Glücklichen schlägt keine Stunde. Du wirst ja auch noch die Erfahrung machen. Der König: Zu gütig! Und womit kann ich meinem verehrten Adoptivahnherrn noch dienen, Skanderbeg: Nichts— nichts. Empfange nur meine besten Wünsche. Möge dir der ferne bleiben, der dich gebracht hat. Der Könia: Wen meinst du? Skanderbeg: Dich brachte der„Taurus“, der Stier her, mögest du nie wieder mit dem„Stier" zu tun haben, an dem ist Albanien zugrunde gegangen. (Oesterr. Dialekt: gleich Geldmangel.) Der Könia: Ich danke dir, weiser Ahne, ich habe mir von den Mächten eine große Anleihe garantieren sassen, bevor ich den Königsruf annahm. Skanderbeg: Brav, mein Junge, brav. Ich sehe, du verstehst etwas vom Geschäft. Und wie fühlst du dich denn sonst? Der König: Bisher recht gut. Essad Pascha ist sehr liebenswürdig mit mir, auch der Excem Bei und alle Parteiführer—— Skanderbeg: Sie sind alle sehr liebenswürdig? Der König: Alle! Skanderbeg: Wehe, wehe, wehe! Willst du ihrer dauernden Anhänglichkeit ganz sicher sein, lasse sie alle hängen... Der König: Aber, Skanderbegerl, was glaubst du denn? Skanderbeg: Ich kenne meine Leute. Du wirst schon noch daraufkommen! Du willst also in Güte und Milde regieren? Auf wen willst du deine Macht stützen? Der König Auf Italien. Skanderbea: Bona notte. Der König: Auf Oesterreich!! Skanderbea: Na... Gute Nacht! Der Könia: Und auf Albanien!!! Skanderbea: Dobronoc!— Verzeih, es schlägt eben eins, mein Urlaub ist zu Ende. Vielleicht machst du mir bei Gelegenheit eine Reconnaissancevisite in Tirano ... Dann reden wir weiter! (Skanderbeg verschwindet, der König küßt seine fest schlummernde Gattin sanft auf die Stirne und verfällt dann wieder in tiefe Schlaflosigkeit.) Das zerstörte Bild Delasquez in der Londoner National=Gallerie. sehr primitiven Einrichtungen Bargari und zahllose solcher Kleinfabrikanten würd bildung illusorisch machen, wenn übermasz,## von den Verbrauchern verlangt würden.“ 8es Herstellen ist, kein Geheimnis; der#### Margurng genug und schon für ein paar tausend ar A kleine Fabrikations=Anlagen geliefert warsächlich vergeht kaum ein Monat, ohne dess.### Margarine=Fabriken entstehen. Aber unn anderen Grunde ist ein Margarine-Truf. Praxis undenkbar. Das vornehmste o. Kartell=, Synoikat= und Trustbildungen zu. 2. Das durch ein Suffragetten-Attentat zerstörte Bild von Velasquez dem Spiegel.“ venus Das durch den Bandalismus der berüchtigten Suffragette Richardson zerstörte Bild von Velasquez ist eines der bedeutendsten und merkwürdigsten in dem ganzen Lebenswerk des berühmten spanischen Malers Diego Velasquez, der— 1599 in Sevilla geboren und 1660 in Madrid gestorben— der Gründer einer in der ganzen Kunstentwicklung maßgebenden Schule wurde. Die nackte Venus liegt auf einem schwellenden Lager, den Rücken dem Beschauer zugewandt. In einem Spiegel, den ihr ein Engelsknabe vorhält, sieht man das Gesicht der Göttin. Die„Venus mit dem (Robert im Neuen Wiener Journal.) Verschiedenes. Aus Anlaß des 138. Geburtstages der Königin Luise prangte am Dienstag die Umgebung des Denkmals im Tiergarten zu Berlin in prächtigem Blumenschmuck. Das Rondell, das die Statue umgibt, war dicht mit Rhododendron angefüllt, und der weitere Umtreis des Denkmalsplatzes glich einem farbenprächtigen Blumengarten, in dem Tulpen, Maiblumen, Azaleen, Rosen, Primeln und Krokus sich abwechseln. Das Denkmal bildete am Dienstag das Ziel vieler Hunderte. Bereits in früher Morgenstunde war der Kaiser erschienen, um unter Führung des Tiergartendirektors den prachtvollen Blumenschmuck am Denkmal in Augenschein zu nehmen. ** Ein angebrachtes Vortragsverbot. Die Hallesche Polizei verbot den Vortrag des Bürgermeisters Trömel aus Usedom, welcher über seine Dämmerzustände und die Erlebnisse in der Fremdenlegion in allen großen Städten Deutschlands sprechen will und am Dienstag abend mit den Vorträgen in Halle beginnen wollte. Hoffentlich wird es dem Herrn auch in allen anderen Städten so ergehen, denn seine Dämmerzustände und deren Folgen sind zur Genüge bekannt. ** Großfeuer. In einem Hause in dem Dorse Salisch, Kreis Glogau, platzte ein Osen, wodurch das Haus in Brand geriet. Der Wind verbreitete das Feuer mit großer Schnelligkeit. 17 Gebäude und Stallungen wurden in Asche gelegt. Die Feuerwehren Glogaus und der Nachbarorte, sowie ein Kommando des Glogauer Pionierbataillons waren an der Brandstätte tätig. dt. In einem hohlen Baum gefangen. Angstvolle Stunden verlebten vor kurzem die Eltern eines kleinen achtjährigen Mädchens in Loon=Plage bei Dünkirchen. Es war Abend geworden und die Kleine war noch nicht zu Hause. Es wurden Streifzüge in die Umgebung unternommen, die Kleine war jedoch nicht zu finden. Die Spielkameraden wußten nichts über ihr Verbleiben anzugeben. Auf dem Nückweg von der Suche hörte zufallig ein Bauer einen sonderbaren Laut aus einem alten Weidenbaum, der an einem Teiche stand. Er prüfte nach, aber der Baum hatte keine Höhle. Schließlich stieg er hinauf und da fand sich, daß die Kleine in das hohle Innere der Weide, das nur von einer schwachen Rindenschicht verdeckt war, gestürzt war. Erst nachdem man den Baum gefällt hatte, gelang es, das halbtote Mädchen aus dem engen Gefängnis zu befreien. Also Vorsicht beim Besteigen alter Bäume. * Der„Bauernschreck“ auf der Steiermärker Koralp ist, wie gemeldet, unschädlich gemacht. Es war ein Wolf, der die Bewohner monatelang in Schrecken setzte. Die Prämie für Erlegung des Bauernschrecks, 3000 Kronen, die von der Regierung ausgesetzt worden ist, erhalten der Fürstlich Donnersmarksche Jäger Steinbauer, der dem Wolf den ersten schweren Schuß beibrachte, und der Fabrikdirektor Max Diamant, der tags darauf den Fangschuß abgab. Der Wolf, ein ungewöhnlich starkes und großes Exemplar, wird ausgestopft werden. r Militär gegen Studenten. Die Studenten der Wiener Tierärztlichen Hochschule demonstrierten gegen die Zulassung von Beschlagmeistern zu den Vorlesungen. Der Rektor ließ die Hochschule schließen. Etwa 800 Studierende drückten das Tor ein und demolierten im Bestibül alles Zerstörbare. Erst durch das Eingreifen von drei Kompagnien Infanterie konnten die Demonstranten entfernt werden.— Wie die Wiener Blätter melden, hat der Rektor der Tierärztlichen Hochschule Prof. Panzer einer Abordnung der Hörer mitgeteilt, daß das Kriegsministerium im Einvernehmen mit dem Unterrichtsministerium durch einen Erlaß an das Rektorat verfügt habe, daß die Vorlesungen an der Tierärztlichen Hochschule und die Prüfungen einzustellen seien und demgemäß das Semester nicht angerechnet werde. ** Das Radium hat sich in neueren Versuchen, die in Paris angestellt wurden, als vorzüglicher Blitzableiter erwiesen. Ein mit Radium überzogener Blitzableiter leitet die Elektrizität der Luft auf schnellstem Wege und in solchen Mengen ab, daß eine gewaltsame Entladung der Energie ausgeschlossen ist. Allerdings würden Radiumblitzableiter sehr teuer werden, eine einzelne Leitungsstange würde etwa 1000 Mark kosten. dt. Abergläubische Luftschiffer. Mr. Churchill machte kürzlich den Vorschlag, alle Fliegeroffiziere in England sollten gezwungen sein, ihr Leben zu versichern. Es wurde ihm jedoch bedeutet, daß er mit seinem Vorschlage niemals durchdringen würde, de bei den Luftschifsern der Aberglaube herrsche, daß der Abschluß einer Lebensversicherung ein ganz schlimmes Omen wäre. Und in der Tat, es gibt allgemein nur ganz wenige Luftschiffer, die sich versichern lassen, weil sie glauben, daß ihnen dann erst recht Gefahr drohe. ** Oeffentlicher Fernsprechdienst in der Türkei. In Konstantinopel wird demnächst der öffentliche Fernsprechdienst eröffnet werden. Für den Dienst sind ausschließlich einheimische Mädchen verpflichtet worden, Griechinnen, Armenierinnen, Jüdinnen und auch mehrere Türkinnen. Bemerkenswert ist, daß bisher weder im Geschäftsleben, noch im Postdienst in Konstantinopel türkische weibliche Angestellte verwendet worden sind. Die türkischen Telephonistinnen werden ihres Amtes im Schleier walten. Turnen, Sport und Spiel. Armeegepäckmarsch. Literatur. Spiegel“ ist fast das einzige Werk des Velasquez, das einen weiblichen Akt darstellt. Das kostbare Bild, seinem Werte nach einzuschätzen, ist schwer. Die fern schwanken zwischen 800000 Mark und zwei Millionen. Die Londoner Venus ist etwa leinhalb Meter hoch und zwei Meter breit und hat rund eine Million Frank gekostet. Sie sollte im Jahre 1906 nach Amerika gebracht werden, aber durch eine nationale Subskription wurde die Million zusammengebracht, und so konnte die„Venus“ für England erhalten bleiben. " Schnoltal= und Trustondungen is 8 einflussung der Preise eines Gewerbezwes, Margarine=Preise können überhaupt nicht om* in die Höhe geschraubt werden; sie haben bestimmten Abstand von den Naburbutter=G., beobachten. Ueberschreiten sie die Grenzlinihört der Margarine=Verbrauch von selbe. sehr die Margarine vervollkommnet und. worden ist, so zieht doch der Verbraucher die Butter vor wenn Margarine so teuer oden nur fast so teuer wird, wie diese. Der Marimder Margarine wird durch die Naturbutter tion reguliert. Das haben wir im Laufe an oft genug erfahren, das haben die Monate z. und Februar 1914 uns aufs neue und sehr fagg. bewiesen. Darum kann ein Margarine=Truß viel welche Firmen sich in ihm zusammenschließten, den Hauptzweck aller solcher Unternehmerverg. die monopolistische Beherrschung des Marktes„ erreichen, weder in Deutschland, noch anderswo sowenig wie ein Trust, liegt aber ein Syndikat### gar ein Ring(Corner) vor, bei dem Spekulang Vereinigungen sämtliche Vorräte einer Wakausen, und eine zeitlang zurückhalten, um n. nach zu exorbitant hohen Preisen abzusetzen: Amtlich festgestellte Kurse der Essener Börg, (mitgeteilt vom Dortmunder Bank=Verein.) Zweiganstalt des Barmer Bank=Vereins Hinsberg ischer& Eomp. volutionären Bewegung von 1848. Alle diese Hunderte von Zeitdokumenten sind durch geschichtliche Zwischenbemerkungen zu einem interessanten und durchaus verständlichen Ganzen verbunden. Nach den uns zugegangenen Aushängebogen können wir das Buch jedem bestens empfehlen, der sich über jene bedeutsame Epoche näher zu unterrichten wünscht. Handel und Gewerbe. Am 5. April dieses Jahres veranstaltet der Fußballklub Osnabrück 1899 e. V. den dritten nationalen Armeegepäckmarsch um den Ehrenwanderpreis der Stadt Osnabrück. Das Protektorat hat der kommandierende General der Insanterie, Herr v. Emmich übernommen. Das Präsidium liegt in den Händen des Herrn Oberst Winkelhausen(Kommandeur des 78. Regiments). Die Marschstrecke beträgt ca. 35 Kilometer. Die Strecke ist vorzüglich für diesen Marsch geeignet und findet unter Aufsicht der Deutschen Sportbehörde für Athletik statt. Den Siegern stehen Eyrenpreise und künstlerisch ausgeführte Diplome zür Verfügung. Der Wanderpreis muß zweimal hintereinander oder dreimal im ganzen gewonnen werden. Die Meldungen der Teilnehmer hat bei Herrn Berth. Engelmann, Osnabrück, Lotterstraße 33, zu erfolgen. Der Einsaz einschließlich Meldegebühr beträgt für Zivil 1,80 Mark, für Militär 1,50 Mark, Jede weitere Auskunft wird die Schriftleitung zu Händen der obigen Adresse gern erteilen. 1488. Der Vorkampf deutscher Einheit und Freiheit. Unter diesem Titel erscheint noch in diesem Monat in den bekannten braunen„Eine Mark achtzig=Büchern“ des Verlages Wilhelm LangewiescheBrandt in Ebenhausen bei München ein Buch mit Urkunden, Berichten, Briefen. Erinnerungen aus der reEssener Frühjahrspferdemarkt. Die Essener Pferdemärkte gewinnen stets an Bedeutung. Zum diesjährigen Früjahrspferdemarkt, der am 26. und 27. Februar cr. auf dem städtischen Viehhofe stattsand, waren ca. 1650 Pferde aufgetrieben, und zwar Arbeitspferde, Gebrauchs= und auch Luxuspferde aller Art. Durch die rege Nachfrage wurde bei flottem Geschäft ein guter Umsatz erzielt. Beide Tage brachten dem Markt über 5000 Besucher. Die vorzüglichen Betriebseinrichtungen, besonders auch die großen Stallungen, welche es ermöglichen, den größten Teil des Auftriebes in einzelnen, für jeden Händler getrennten Räumen unterzubringen, wurden auch von den neuen Besuchern anerkannt. Da der Eisenbahnanschluß unmittelbar vor den Stallungen liegt, und für die Markttage eine Güterabfertigungsstelle auf dem Viehhofe eingerichtet ist, so waren die aufgebrachten Pferde stink umgestallt. Etwaige Wünsche und Erfahrungen aus der Praxis können von jedermann dem Herrn Schlachthofdirektor Ehrhardt vorgetragen werden. Der Herbstpferdemarkt findet am 24. und 25. September 1914 statt. Berlin, 11. März. Tendenzbericht. Die heutige Börse zeigte infolge der festeren Haltung der Auslandsbörsen eine feste Haltung. Die ersten Notierungen hatten in der Mohrzahl überwiegend Kursaufbesserungen zu verzeichnen. Am Montanaktienmarkte stellten sich Bochumer und Gelsenkirchener 1 Prozent höher, dagegen schwächten sich Rombacher 14 Prozent ab, da die Fusionsbedingungen mit der Kontordia=Bergbau=Gesellschaft verstimmten. Auch oberschlesische Werte waren etwas schwächer. Heimische Bankaktien zeigten kaum veränderte Notierungen bei geringen Umsätzen. Russische Banken waren fester. Von Transportwerten waren Baltimore und Kanada in Uebereinstimmung mit Neuyork höher. Schiffahrswerte waren nicht einheitlich. Deutschaustralier setzten ebenso wie Hamburg=Süd niedriger ein, dagegen hatten Hansaaktien eine Erhöhung zu verzeichnen. Lloyd waren ebenfalls gebessert, doch kam infolge anhaltender Bremer Abgaben die Besserung nicht so sehr zum Ausdruck. Von Elektrowerten waren Schuckertaktien und die Anteile der Gesellschaft für elektrische Unternehmungen weiter anziehend. Rentenwerte wiesen ebenfalls eine kleine Kursbesserung auf. 3prozentige Reichsanleihe gewannen 0,10 M. Auch Türkenlose setzten ca. 11 Prozent höher ein, schwächten sich aber im weiteren Verlause noch etwas ab. Von sonstigen Werten waren Orenstein& Koppel 1 Prozent, Naphthanobel 4 Prozent höher, dagegen verloren Dynamittrust 2 Prozent. Bei anhaltender Geschäftsstille hielt die feste Allgemeintendenz an. Lloyd und Kattowitzer hatten gegen Schluß der zweiten Stunde weitere Kursbesserungen zu verzeichnen. Dagegen schwächten sich Kanada fast 1 Prozent ab. Privatdiskont 33 à 34 Prozent. Tendenz: Der Kohlenmarkt lag unverändert still bei beza## teten Kursen. Dorstfeld und Gottessegen etwas höhn gefragt. Der Kalimarkt war sehr fest. Beträchtlitz# Kurssteigerungen wiesen Ausbeutewerte bei erheblichen Umsätzen auf. Schachtbauwerte gebessert. Auf dan Kalt=AktienMarkte wurden Hallesche, Hattorf und ler zu höheren Kursen umgesetzt. Auf dem in# markte interessierte nur Eisenzecher Zug, die im Am# bedeutend anziehen konnten. An= und Verkauf von Kuxen, Aktien und Obligationen Börsennotiz) kulantest und provisionsfrei. Beleihung von marktgängigen Effekten zu günstigen gungen. Erstklassige, festverzinsliche, industrielle Bergn und Hüttenoblig. stets vorrätig. Ständige Vertretung an den Börsen zu Essen und Düstel Schlachtviehpreise nach Lebendgevitt Auf Grund amtlicher Marktberichte zusammengestellt und nach### Berichten dearbeitet im Landes=Oekonomie=Kollegium, Bertin V. n Straße 19. Neutz. 11. März. Fruchtmarkt. Weizen, neuer Ia 19.10, lla 28.10#. Roggen neuer la 15.30, 1la 14 30#, Hafer neuer la:6.90, 1Ia 15.00, Wintergerste, 1a 15.20 M. Ila 14.20 für 100 ka. Kartosseln 2.00—2.50 S. Heu neues 2.80—3.20 K. Luzerner Heu, neues, 4.00—4.40 für 50 kg. Krummund Pressstrob 13.00, Breitdruschstroh 14.00, Roggenrichtstrob 16.00 M. für 500 kg. Kleie 6.00# für 50 kg. Neutz, 11. März. Rüböl 69.— M. faßweise 71.— M., gereinigtes 72.— für 100 kg. Rudkuchen, große 94.00, kleine 93.00 M. für 1000 kg, waggonweise. Köln, 11. März. Rüböl(in Posten von 5000 kg) 71.00 B. Mal 70.00 B. 69.50 G. Hamburg, 11. März, 10 Uhr. Kaffee stetig, März 464, Mai 47, Sept. 48, Dez. 48z. Hamburg, 11. März, 10 Uhr. Zucker ruhiger, März 9,15, April 9,15, Mai 9.25, Aug. 9,50, Okt.=Dez. 9,50. Berlin, 11. März. Getreidemarkt. Weizen, vorrätig, 188 bis 192, Mai 199,75, Juli 203,50, Sept. 197,75. Roggen, vorrätig 153, Mai 159,75, Juli 163.25, Sept. 161.25. Hafer, sein 167 bis 182, mittel 152 bis 166. Mais, amerik., runder 147 bis 150. Gerste, inl. Futter=, mittel und geringe 142 bis 147, gute 148 bis 156, russische und Donau=, leichte 133 bis 135, schwere 136 bis 142. Erbsen, inl. und ausl. Futter=, mittel 176 bis 182, seine und Tauben= 183 bis 202. Weizenmehl 22 bis 27,75. Roggenmehl 18,70 bis 21,20. Weizenkleie, grobe 11 bis 11,50, seine 11 bis 11,50. Rogenkleie 9,90 bis 10,40. Von einem Maraarine Trust, der von leitenden Margarinefabriken Deutschlands gebildet sein sollte, war in den letzten Wochen in Fach= und Tageszeitungen vielfach die Rede. Dazu schreibt das Fachblatt der Industrie, die Düsseldorfer MargarineZeitschrift in ihrer ersten Märzausgabe, was folgt: „Erfolgreiche Trustbildungen sind Überhaupt nur für die Produkte möglich, die lediglich in bestimmten Ländern oder in begrenzten Mengen gewonnen werden können, wie Baumwolle,: Kaffee, Petroleum usw. Ein Margarine= Trust ist deshalb ein Unding, er ist so unmöglich wie ein Brot=Trust. Solange noch Milch gewonnen u. Vieh geschlachtet wird, solange noch gendwo Kokosoalmen gedeihen, kann man auch mit Vorstehende Preise verstehen sich für 100 Pfund für Schweine rechnen die Märkte Hannover, Eiverfele, Köln ca. 20—22%/8 Tara.?) Kälbernotiz vom.3 —— briecher Kols9 9 uundn, eben c dies erzeugt 0ld„* Ichkönheit z Haut in H S 5 3 Ea „ 8 — 1.— 5 E #-8: * 3 S4 S•2• 9 1.—. 6 5 5 5 S 2 2 5 5 n Dmn B S#.08 * 9.90 : 8 0 S— Por=. * S S 8. E nn 8.S - S 5.E 8 58 R 516 S S. 2 2 — 0 SESE T —D C) 1.86.2 S S S# — O 2 *91 1 8 SInSE EEI S#s PE5 S B## se S 5SOS S SEE0933 33 S 2 E 0 den. was sch ihr auch gar nicht verdacht zurücklegt, also 50 Meilen in der Stunde hinter "H heid Gier hapousf: h.h. geben.—— hätte, denn es wäre doch ein trauriger An blick gewesen, die schmucke Marie mit dir tanzen zu sehen.“ „Nun, nun, ereifert Euch doch nicht, Bäuerin, ich stehe ja auch gern zurück, wenn solche Leute, wie Euer Sohn, da sind, habe ja auch lange nicht so große Ansprüche als gewisse Leute auf das Mädchen, bin ja auch nicht ihr Bräutigam, wie Traugott.“ „Dummes Zeug, wer hat dir denn das Märchen aufgebunden?“ „Stellt Euch doch nicht so unwissend, Bäuerin, weshalb geht denn Euer Sohn jeden Abend auf den Buchenhof?“ „Das lügst du!“ „Nun, so geht doch einmal abends zum Buchenhofe oder noch besser, fragt Traugott doch einmal selbst, und wenn er es ableugnet, so straft mich Lügen.“ Sie waren unterdessen an den Hof von Kaspars Vater gekommen, in welchen ersterer eintrat, nachdem er der Bäuerin noch höhnisch nachgerufen hatte:„Nun, freut Euch, Bäuerin, Ihr bekommt doch eine hübsche Schwiegertochter ins Haus, nicht wahr?“ „Dem habe ich eine schöne Suppe eingebrockt,“ murmelte er, als ihn die Bäuerin nicht mehr hören konnte,„wir wollen jetzt sehen, wer Sieger bleibt, er oder ich?“ (Fortsetzung folgt.) Der Zug der Bögel zum Süden. Von Dr. Haus Körte. (Schluß.) Ganz besonders interessant sind endlich die Ergebnisse betreffend die Höhe und Geschweindigkeit des Vogelfluges. Daß die groken, in den Felsenregionen des Hochgebirges horstenden Raubvögel in erstaunlichen Höhen ihre Kreise ziehen, ist allbekannt und erklärt sich sehr einfach daraus, daß sie nur von dort oben aus ein größeres Gebiet auf das Vorhandensein eines Beutetieres absuchen können; alle anderen Vogelarten bewegen sich jedoch, außer in der Zugzeit, in niedrigen Regionen. Soweit sie jedoch auf ihre große Wanderung gehen, suchen sie die höchsten Schichten des Lustmeeres auf. Bei astronomischen Beobachtungen des Mondes bietet sich während der Wanderzeit der Vögel häufig Gelegerheit, Scheren derselben über die hell glänzende Mond,cheibe passieren zu sehen, wobei sich die Winkelgröße derselben an genau gemessenen Objekten des Mondes annähernd richtig abschätzen läßt. Da man nun aus der Flugform der Vögel genau deren Art, also auch die dem Winkel entsprechende absolute Größe der Vögel bestimmen kann, waren alle Elemente zur trigonometrischen Berechnung der Höhe gegeben, in welcher diese Vögel flogen. Man kam auf diese Weise zu einem Wert von 8000 bis 13000 Metern, ein Ergebnis, welches mit den von Humboldt und anderen auf den Hochgipseln der Anden angestellten Beobachtungen des Vogelfuges in guter Uebereinstimmung steht. Während nun der Mensch, der sich im Ballon oder beim Bergsteigen in Höhen von 4000 bis 8000 Meter erhebt, unweigerlich durch die Verminderung des Luftdrucks von den Erscheinungen der Bergkrankheit heimgesucht wird, ertragen die Vögel diese Druckveränderung mit spielender Leichtigkeit; mit der Geschwindigkeit eines Geschosses stürzen sie dann aus den Höhen des Luftmeeres herab, um gleich darauf, als ob nichts geschehen sei, auf Nahrungssuche zu gehen. Ebenso bewundernswert ist die Geschwindigkeit. Selbst träge Flieger reisen auf dem Zuge mit erstaunlicher Schnelligkeit, und es scheint, als ob sie eben nur in der dünnen Luft der höchsten atmospärischen Schichten diese Leistungen vollbringen können. Selbst die schwertällige Krähe vermag bei ihrem niedrigen Flug in rund 500 Meter Höhe 25 deutsche Meilen in der Stunde zurückzulegen. Viele kleinere Vögel, die allerdings auch viel höher hinaufsteigen, leisten das Doppelte. So ist es z. B. von dem kanadischen Regenpfeifer, der im Herbst über den westlichen Atlantischen Ozean nach Brasilien reist, anzunehmen, daß er diesen a00 deutsche Meilen langen Weg, auf welchem sich keine Inseln zur Rast bieten, in 15 Stunden zur sich brinat. Wenn man bedenkt, daß der schnellste Eisenbahnzug Deutschlands, der D=Zug Berlin—Hamburg, es auf freier Strecke nur auf die Geschwindigkeit von 12 Meilen = 90 Kilometer in der Stunde bringt, könnte man an der Richtigkeit der für den Vogelflug ermittelten Geschwindigkeiten ernstlich zweifeln. So sehr aber noch vieles der Klarstellung bedarf, so ist doch in einem Falle positiv nachgewiesen, daß selbst Brieftauben, welche keineswegs zu den schnellsten Fliegern gehören und nur wegen ihrer Anhänglichkeit an den heimischen Schlag und ihrer Findigkeit die Postboten des Luftmeeres geworden sind, Erhebliches leisten. Die Siegerin in einem Preisfliegen zwischen Gent und Rouen legte nämlich diese Strecke in einem Tempo von 25 Meilen in der Stunde zurück. Die meisten Wandervögel sind aber der Brieftaube an Schnelligkeit des Fluges weit überlegen. Habichte, Schwalben und Eidergänse übertreffen dieselbe um das Doppelte und mehr, und vom Segler, dem schnellsten Flieger, behauptet man, daß dieser den Weg von Deutschland nach Nordamerika in 8 Stunden zurücklegen könne. Gegen diese letztere Behauptung wird man jedoch einige Zweifel erheben müssen, da sich mit dem undressierbaren Vogel keine einwandsfreien Versuche anstellen lassen, und weil die denselben zugeschriebene Geschwindigkeit doch gar zu sehr mit unseren bisherigen Erfahrungen über die Gesetze des Reibungswiderstandes der Luft im Widerspruch steht. Aus dem Mitgeteilten ist zu ersehen, daß hinsichtlich des Wanderfluges der Vögel noch viele Unklarheiten bestehen, was sich übrigens einfach daraus erklären läßt, daß man diesen bisher so gut wie gar nicht planmäßigen wissenschaftlichen Untersuchungen unterzogen, sondern sich auf Beobachtungen von Liebhabern beschränkt hat. Nur ein ausgebreitetes Netz von Vogelwarten, besetzt mit gewissenhaften, aus eigener Neigung an der Sache interessierten Beobachtern, kann zur allmählichen Lösung dieser hier obwaltenden Rätsel führen, und der Ansatz dazu ist vor 10 Jahren in Deutschland mit der Errichtung der ersten deutschen Vogelwarte auf der Kurischen Nehrung bei Rossitten gemacht worden. Weit voraus ist uns jedoch in diesem Punkte Oesterreich=Ungarn, wo eine große Anzahl von Beobachtungsstationen von Preßburg bis zum Eisernen Thore und von der hohen Tatra bis zur Adria das Material liefert, welches von einer besonderen orithologischen Zentralanstalt verarbeitet wird. = Die drahtlose Telegraphie im fahrenden Zuge. Nach langwierigen Versuchen ist die Lackawanna=Eisenbahn zu dem Entschluß gekommen, in ihrem Betriebe auf allen Zügen drahtlose Telegraphiestationen einzurichten, und vor kurzem hat, wie aus Newyork berichtet wird, der erste mit dieser Neuerung versehene Zug in der Praxis die Probe auf das Exempel bestanden. Während der Fahrt erkrankte ein Kondukteur, der nächsten Station wurde durch drahtlose Telegraphie Anweisung gegeben, einen Ersatzman bereitzuhalten, so daß sich der Aaustausch ohne jeden Zeitverlust sofort vollzog, und als sich im Verlaufe der weiteren Fahrt die Zahl der neueinsteigenden Reisenden so vergrößerte, daß Platzmangel entstand, wurde wiederum der folgenden Station während der Fahrt Auftrag gegeben, einen weiteren Pullmann=Wagen zum Ankoppeln bereitzustelen. Die drahtlolen Apparate funktionierten in voller Fahrt ausgezeichnet, und alle eingehenden Nachrichten wurden ohne Schwierigkeit ausgenommen. Die Vorrichtung für drahtlose Telegraphie befindet sich im vorderen Teile des Zuges, alle Wagen tragen kleine zwei Fuß hohe Gerüste als Antennen, der drahtlose Telegraphist hat seinen Standort in einem besonderen Abteil am Ende des zweiten Wagens. Der amerikanische Telegrapheninspektor Foley, der die erste Fahrt mitmachte, sprach sich sehr begeistert über die Einrichtung aus, sieht in ihr einen entscheidenden Faktor für die Steigerung der Betriebssicherheit und gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß in kur zer Zeit alle großen Bahnsysteme der Wen dazu übergehen würden, ihre Schnellzüge mit drahtlosen Telegraphieeinrichtungen auszurüsten. — Eine indische Giftsekte. Die Bewohner des Wunderlandes Indien sind mehr als andere Sterbliche von Gefahren bedroht. Die Sekte der„Erwürger“ ist freilich verschwunden, wenigstens tritt sie nicht mehr unter diesem Namen auf, aber andere Mächte bedrohen das Land und die Bevölkerung. Dadurch, daß sie im Geheimen arbeiten, ist es außerordentlich schwer, ihnen irgendwie beizukommen. Die Daturiah zum Beispiel(von Datura, der Stechapfel) arbeiten mit ihren Giften so, daß man es kaum ahnen kann, wie sie es den Opfern beibringen, und wie sie sich die Opfer wählen. Der Name der Sekte kennzeichnet bereits eines ihrer Lieblingsgifte, das Daturagift, das ein beliebtes Mittel der Rache ist. Das Gift wird dem, der es bekommen soll, sehr mundgerecht gemacht, gesüßt und auf die verwegenste und schlaueste Weise beigebracht. Die Rachsucht und der Fanatismus fordern zahlreiche Opfer. Im Laufe eines Jahres hat man in Bombay allein 1087 Vergiftungen gezählt, von denen mehr als zwei Drittel tödlich verliefen. Auch das Opium spielt hierbei eine wichtige Rolle. Es wird um so lieber genommen, als es die wunderbarsten Träume hervorzaubert. Zahlreich sind auch die Selbstvergiftungen. So kommt es immer noch vor, daß Frauen, die ihre Männer verloren haben, sich den Daturiah freiwillig ausliefern, da man sie dem alten Brauch gemäß nicht mehr verbrennen darf und das Leben, das ihrer nach dem Tode des Mannes harrt, für sie vermeintlich keinen Reiz mehr hat. — Die Ueberernährung mit Fett. Wir essen zu viel Fett. Zu diesem Resultat kommt Dr. Classen auf Grund seiner Untersuchungen in der Rheingegend. Das trifft sowohl für die stadt wie das Land zu. Aber die Ursachen sind verschieden. Auf dem Lande geht der starke Fettkonsum schon aus rein wirtschaftlichen Ursachen hervor. Die Rindviehhaltung ist hinter der Entwicklung der Schweinehaltung immer mehr zurückgeblieben. Diese Entwicklung vermehrte in erster Linie die Fettproduktion, während die Eiweißproduktion zurücktrat. Dazu kommt die Geschmacksveränderung, insbesondere die Verdrängung der Mehl= und Milchsuppen durch den Kaffee. Die Gewöhnung an den Kaffeegenuß drängt zum Genusse des Mehles in Brotform und damit auch zur Hinzufügung von Fett. Der hohe Fettverbrauch der Städter schließt sich unmittelbar an die vom Lande schon mitgebrachten Gewohnheiten an. Hier wirkt vor allem der Alkoholkonsum mit, den Fettverbrauch zu steigern. Dieser steht nach Dr. Classen mit dem Fleischfettkonsum in allen seinen Formen in innigstem Zusammenhang. Bei den weitaus meisten Menschen reizt stark gesalzenes und gepfeffertes Fett den Durst nach Bier, wie andererseits Bier wiederum den Appetit nach derartigen Leckerbissen rege macht, selbst dann noch, wenn der natürliche Hunger gestillt ist. = Die Lippenverschönerung. Als entstellende Lippenformen kommen hauptsächlich die verschiedenen Vergrößerungen und Verdickungen sowie die unter dem Namen Doppellippen bekannten Vorfälle der Lippenschleimhaut in Betracht. Verdickungen der Lippen sind entweder angeboren oder durch Krankheiten oder Verletzungen erworben. Unter den angeborenen Lippenverdickungen sind die als Rassenoder Familieneigentümlichkeiten bekannten Wulstlippen die weitaus häufigsten. Dieser Entstellungen hat sich nun neuerdings die plastische Chirurgie angenommen, und sie hat hier sehr schöne Erfolge erzielt. Doppellippen kommen beim Lachen und Sprechen in Gestalt roter, dem Oberlippenrot paralleler Wulste zum Vorschein wodurch eine scheinbare Verdoppelung der Oberlippe resultiert. Die Korrektur führt leicht und sicher zu einem tadellosen Erfolg. Die Nachbehandlung dieser Operation ist sehr einfach. Verbände werden nicht angelegt. Was die Dauererfolge anlangt, so sind sie bei der richtigen Technik ganz vorzügliche und bleibende. Selbst wenn der beabsichtigte Erfolg einmal ausbleibt, kann er durch einen zweiten Eingriff verbessert werden. K *— r 3 S S — S 2 8 88 S * EEEE Sans S E. # E # S Der Armenadvokal. Frau von Berg hatte ihre Villa ziemlich weit draußen, fast an der Grenze der großen Provinzstadt. Sie hatte nach dem Tode ihres Mannes und ihrer Kinder sich vollständig von der Welt zurückgezogen und lebte mit ihrer Nichte, Leonore von Horstfeld, fast ohne jeden Verkehr. Der einzige Freund, den die verbitterte, alte, kränkliche Dame hatte, war Professor Heil, ihr Hausarzt, der einzige Verkehr Leonores war ein junges Mädchen, Nelly Felsberg, Tochter eines Beamten, der mit seiner Familie nicht weit von der Bergschen Villa wohnte. Auf der Rückseite der Häuser führte ein Fußweg von dem Felsbergschen Hause seitlich in den zierlich angelegten Garten der Villa Berg, dort wo dieser unmittelbar in den Wald überging. Es war hier schattig und kühl, selbst an einem so heißen Sommertage wie jetzt im Juli. Eine ärmlich gekleidete Frau mit einem Kinde auf dem Arm stand am Gitter und sah nach der Veranda, als eine scharfe Stimme sie anschrie: „Was lungern Sie denn wieder hier berum? Sie sollen nicht hierherkommen, Sie bekommen doch nichts!" Die arme Frau war bei den harten Worten zusammengezuckt und sagte dann mit leiser Stimme:„Ich wollte nur das gnädige Fräulein sprechen.“ „Machen Sie, daß Sie fortkommen!“ schrie noch erboster Frau Krebs, die Haushälterin der Frau von Berg. Da trat ein junges Mädchen auf die Veranda, eine schlanke, biegsame Gestalt mit einem regelmäßig geformten Gesicht von ungewöhnlicher Schönheit. Die blauen Augen standen in merkwürdigem Gegensatz zu den scharf gezeichneten schwarzen Brauen und zu dem dunklen Haar. Lange schwarze Wimpern verschleierten die schönen Augen. Leonore von Horstfeld, die Nichte der reichen Frau von Berg, trat dicht an das Gartengitter und sagte mit ihrer weichen, vollen Altstimme: „Was führt Sie zu mir, Frau Becker?“ „Gnädiges Fräulein. Sie haben wohl schon gehört— mein armer Mann— er ist nicht schlecht— aber die Not bei uns war groß und da vergriff er sich an fremdem Eigentum — nur für uns. Er war immer so gut und brav. Jetzt, wo er im Gefängnis sitzt, laufen die Leute vor mir davon, ich kann mich kaum auf der Straße sehen lassen. Niemand will mir eine Arbeit anvertrauen, da dachte ich, daß Sie, gnädiges Fräulein, etwas zu arbeiten haben— unsere Not ist, ach, so groß.“ Leonore griff in die Tasche und reichte der Frau einige Geldstücke und versprach ihr auch, für Nahrungsmittel und Arbeit zu sorgen. „Gott lohne es Ihnen, Fräulein. Es gibt doch noch gute Menschen, das sagt auch Doktor Werner." „Doktor Werner? Der bekannte Rechtsanwalt?" fragte Leonore. „Ja, Fräulein, ohne den hätte mein Mann eine viel härtere Strafe bekommen. Er hat sich meines Heinrichs angenommen und ganz unentgeltlich seine Sache geführt. Heinrich soll Von Franz Treller. zu ihm kommen, wenn er frei wird, er will ihm Arbeit geben.“ „Ich will morgen nach Ihnen sehen, Frau Becker." „Die gnädige Frau will Sie sprechen, Fräulein," unterbrach die harte Stimme der Wirtschafterin das Gespräch. Leonore nickte der armen Frau freundlich zu und ging ins Haus. Mit einem bösen Blick folgte ihr Frau Krebs, vor sich hermurmelnd:„Da hört ja alles auf, sich mit solchem Diebsgesindel einzulassen.“ „Nun, Evatochter, was erregt denn Ihren Zorn?" Der diese Worte sprach, war ein kleines kahlköpfiges Männchen, einer der ersten Aerzte der Stadt. „Ich muß sehr bitten, Herr Professor, mir keine Namen zu geben. Ich bin die Witwe Krebs und sonst nichts.“ „Ah, da kommt Fräulein Leonore,“ rief er, die Worte überhörend, dem jungen Mädchen zu, die wieder auf der Veranda erschien. „Kommen Sie nur, Professor, man wird Ihnen die Leviten lesen.“ Mit komisch nachgeahmter Aengstlichkeit fragte Professor Heil:„Sie ist doch nicht in übler Laune?“ „Das können Sie sich wohl denken, denn drei Tage haben Sie ihr gefehlt.“ „Oh, und ich komme, um nach etwas längeren Urlaub zu erbitten.“ „Den werden Sie, Herr Professor, wohl kaum erha ten.“ „Sie müssen mir helfen, Leonore, denn seit zwanzig Jahren bewerbe ich mich jetzt um Ihre Gunst." „Nun, die wird Ihnen auch seit zwanzig Jahren, von dem Augenblick an, wo Sie durch eine Zuckertüte mein kindliches Herz im Sturm gewannen, auch redlich zuteil.“ „Aber Sie können sich nicht entschließen, mich zu heiraten?“ „Ich muß um eine längere Bedenkzeit bitten,“ sagte das schöne Mädchen schelmisch lächelnd. Von den beiden unbemerkt, war auf die Veranda eine alte, kränklich aussehende Dame, gestützt auf einen Krückstock, erschienen. „Kramt der alte Narr schon wieder seine Dummheiten aus?“ fragte sie verdrießlich. „Liebe Freundin, meinen tiefen Seelenschmerz— Leonore hat sich eben wieder Bedenkzeit ausgebeten— kann nur die Freude über Ihr vortreffliches Aussehen mildern, aber diesmal geht die Wunde tiefer, ich muß mein krankes Herz für einige Zeit in den Süden tragen. Ich muß auf einige Wochen verreisen.“ „Das ist ja Unsinn,“ sagte die alte Dame ärgerlich,„aber sprechen wir später darüber, Herr Professor. Haben Sie mir die Bücher mitgebracht?“ „Ich habe es natürlich vergessen— doch fahre ich gleich zur Stadt zurück und hole sie.“ „Lassen Sie nur, Sie könnten noch das Wiederkommen vergessen. Sie wollen also in (Nachdruck verboten.) die Welt hinaus, und ich kann hier leben oder sterben, das ist Ihnen natürlich gleichgültig. Sie sind wohl nur gekommen, um Abschied zu nehmen?“ „Eigentlich, aufrichtig gesagt, ja.“ „Sie nehmen wohl Ihren Busenfreund, den Herrn Advokaten, mit?" „Leider nein, der ist von seinen Akten nicht wegzubringen. Erlauben Sie denn nicht, daß ich ihn einmal mit zu Ihnen herausbringe— Sie würden——“ „Ein Advokat in meinem Hause? Nie! Ich kann diese Leute nicht ausstehen. Sie sind doch fast immer nur Anwälte des Unrechts— wenn sie nur bezahlt werden. Das Recht braucht keinen Anwalt, das spricht für sich selbst.“ „Sie haben eine sehr ideale Auffassung Mein Freund Werner—“ „Muß ein ungewöhnlicher Mensch sein,“ unterbrach ihn Leonore,„wie ich noch eben von der armen Frau Becker gehört habe, nimmt er sich der Armen in uneigennützigster Weise an.“ „Ach, Larifari, das ist nur eine Art Reklame,“ sagte Frau von Berg verdrießlich. „Sie haben recht, Leonore, er ist ein ungewöhnlicher Mensch,“ sagte Professor Heil, ohne den Einwurf der alten Dame zu beachten.„Wie ein Löwe hat er den Kampf ums Dasein gekämpft und ist Sieger geblieben.“ „Ich aber will nichts mit dem Advokaten zu tun haben, diese Leute leben nur von der Zanksucht ihrer Nebenmenschen.“ „Mit Ihnen kann man heute nicht streiten. Aber ich wollte doch noch etwas— richtig— ich habe einen Auftrag— Buchholz war bei mir.“ „Leonore, sei so gut und gehe einmal hinein,“ wandte sich Frau von Berg an ihre Nichte, und als diese gegangen war, fragte sie:„Was wollte er denn?“ „Er ist in sehr bedrängter Lage, nachdem er das Vermögen seiner Frau durchgebracht hat, und nun bat er mich, ein gutes Wort bei Ihnen einzulegen und Sie zu bewegen, ihm ein Darlehen zu bewilligen.“ „Meine Nichte hat diesen liederlichen Menschen gegen meinen Willen geheiratet und sich damit von mir losgesagt. Beide haben mich dann mit geflissentlicher Nichtachtung behandelt, das verzeihe ich nicht. Ich bin treu in der Liebe wie im Haß. Für mich existieren diese beiden nicht, und selbst Leonore ändert dabei nichts.“ „Er ist in Not.“ „Soll ich ihm etwas geben, damit der Lump auch mein Geld durchbringt? Nicht einen Pfennig bekommt er. Mein Herz hängt nur noch an einem Wesen auf dieser Welt, an Leonore, die andern sind mir alle gleichgültig, Sie, alter Freund, ausgenommen.“ „Guten Tag, gnädige Frau," ließ sich vor der Veranda eine helle Stimme vernehmen. „Ach, auch Sie da, Herr Professor. Ist Leonore zu Hause? Ist es heute nicht entsetzlich heiß? Aber Leonore, wo steckst du denn?" Alles das sprudelte ein kleines zierliches Figürchen hervor, das reizende, frische Gesicht F g 2nn F— P 02"" *" 8—**** B-*4 REE: 8.— 2 95 ## □ 173 von einem Kranz blonder Flechten umrahmt, deren Last fast zu schwer für den kleinen Kopf zu sein schien. Der Prosessor betrachtete mit Wohlgefallen die hellgekleidete Mähchengestalt von dem Blondhaar und den ungeduldig sprühenden Augen bis zu den beschuhten Füßchen. „Nun, Fräulein Wirbelwind, warum so ungnädig?“ fragte er. „Ach, bei uns ist es so entsetzlich langweilig. Papa ist nicht zu Hause, Mama in übler Laune, und Herr Willig starrt mich an— ganz stumm. Wer kann denn so etwas aushalten? Ich bin einfach herübergelaufen, nun können sie auf mich warten.“ „Nun, in der Stadt spricht man von Ihrer bevorstehenden Verlobung mit Herrn von Willig.“ „Leonore und ich heiraten nie— wir sind zu gut für die Männer. Nicht wahr, Leonore?“ fragte sie das junge Mädchen, das eben, von der Stimme angelockt, auf die Veranda trat. „Ich vin noch nicht dazu gekommen, diese Frage an mich zu stellen,“ erwiderte diese „Nein, wir nehmen beide keinen Mann, wir wollen doch nicht Sklavin eines sogenannten Herrn der Schöpfung sein. Alle sind sie voll Eigennutz, alle, alle!“ „Aber, Fräulein Felsberg, es gibt doch Ausnahmen,“ wagte Professor Heil den Redestrom des Mädchens zu unterbrechen. „Ich kenne nur eine— mein Onkel Hans — Doktor Werner. Ihr bester Freund, der macht eine Ausnahme— der lebt für die Menschheit und ist edel genug, keine Frau unglücklich machen zu wollen. Gelt, Leonore, wir stiften einen Altjungfernklub und schauen verächtlich auf die Männer hernieder.“ „Nun, der Klub würde wohl nicht allzu lange bestehen,“ meinte Frau von Berg mit gutmütigem Spott. „O, da täuschen Sie sich, gnädige Frau. Die Frauenkongresse haben uns erst gezeigt. was wir eigentlich sind und was für Rechte wir haben. Es kann nicht lange dauern, und wir haben das Regiment vollständig in den Hän den. Geben Sie das zu, Herr Professor?" „Mit Vergnügen!“ „Der alte Schlauberger will sich bei Euch nur einschmeicheln,“ sagte Frau von Berg. „Warum haben Sie denn die Mode des Heiratens eigentlich nicht mitgemacht, Herr Professor?" fragte das kleine Fräulein mit komischem Ernst. „Ach, die ich wollte, wollte mich nicht, und da blieb ich unbeweibt.“ In diesem Augenblick erblickte Fräulein Felsberg im Garten die Haushälterin, und da sie nie eine Gelegenheit vorübergehen ließ, ohne diese ihr wenig angenehme Persönlichkeit zu ärgern, rief sie ihr zu:„Sie Muster aller Haushälterinnen, Sie würden doch gewiß nicht wieder heiraten?“ „Ich habe zwar Anträge genug gehabt—“ „Ja, Frau Krebs," unterbrach der Professor gleichzeitig,„es gibt noch solche kühnen Männer.“ Die Frau beachtete den Einwurf nicht und fuhr fort,„aber ich lebe doch nur für meine Herrschaft.“ „Ich gebe Ihnen auch den Rat, allen Versuchungen der Männerwelt weiter zu widerstehen,“ sagte Nelly Felsberg belehrend, nahm Leonores Arm und ging mit dieser in den Garten. Einen Augenblick schwieg Frau von Berg, dann jagte sie:„Sagen Sie selbst, Professor Heil, können wohl zwei Schwestern sich weniger gleichen wie Leonore und Marie? Ich weiß, man sagt, ich sei eine harte, sonderbare Frau, vielleicht widersprechen dem nur Sie und Leonore, die mich besser kennen; aber seit Marie diesen erbärmlichen Lumpen Buchholz gebeiratet hat und vollständig unter seinem Einfluß steht, hasse ich diese beiden Menschen geradezu— Leonore weiß es auch und möchte mich gern bekehren, aber hier hört ihr Einfluß auf. Also nochmals, lieber Heil, nennen Sie den Namen nie wieder und lassen wir das Thema fallen.— Und Sie wollen also wirklich auf längere Zeit fort?“ „Ja, allerdings, auf sechs Wochen, und ich hoffe, Sie, wenn ich zurückkehre, in voller Gesundheit wiederzufinden. Also, liebe Freundin, auf ein fröhliches Wiedersehen! Ich will mich nur noch von den beiden jungen Damen verabschieden und Ihnen Leonore hereinsenden.“ Frau von Berg sah ihm nach und murmelte leise,„Der und Leonare sind die Einzigen, die mir das Leben gelassen hat.“ Es war schon spät am Abend, als Frau Krebs an diesem Tage durch den Garten ging. Sie sah an der Waldseite am Gitter einen Mann stehen, der bei ihrem Näherkommen ihr leise zurief: „Frau Krebs, einen Augenblick.“ „Was wollen Sie hier so spät?“ fragte die Haushälterin. „Ich bin der Neffe von Frau von Berg, stehe aber nicht in Gunst bei ihr. Sie könnten mir einen großen Gefallen tun.“ „Sie sind wohl der Herr Buchholz?“ „Ja, verehrte Frau. Ich möchte gern Fräulein von Horstfeld, meine Schwägerin, sprechen. Hineinwagen darf ich mich nicht, denn ich bin hier nicht gern gesehen; vielleicht haben Sie die Freundlichkeit, das Fräulein insgeheim zu benachrichtigen.“ „Gewiß— ach, es geht hier so manches vor——“ „Ich weiß, man spinnt Fäden, intrigiert hier gegen mich und meine Frau. War Professor Heil heute hier?" Jo. Er drückte der Frau ein Geldstück in die Hand und sagte ihr:„Benachrichtigen Sie also Fräulein von Horstfeld vorsichtig— ich warte hier.“ Nach einiger Zeit erschien Leonore. Sie begrüßte den Schwager kühl und fragte erstaunt, was er zu dieser Stunde noch von ihr wolle. „Ich komme im Auftrage meiner Frau. Durch unverschuldete Unglücksfälle sind wir in Not geraten. Unsere Lage ist eine furchtbare. Wechsel laufen auf mich um. Ich bin verloren, wenn mir nicht Hilfe wird.“ „Arme Marie!" „Sie haben einen großen Einfluß auf Ihre Tante, wenden Sie diesen an, damit sie mir ein Darlehn gewährt.“ „Hier hört jeder Einfluß meinerseits auf. Aber ich will es dennoch versuchen.“ „Sprechen Sie mit ihr, ich will warten.“ „Jetzt ist es unmöglich. Tante ist sehr krank gewesen und noch sehr angegriffen— das würde sie zu sehr aufregen.“ „Es kann nichts helfen, ich muß das Geld morgen früh haben— ich brauche doch nur ihre Unterschrift." „Heute abend ist es dennoch ganz unmöglich, kommen Sie morgen.“ „Das heißt, Sie wollen uns nicht retten. Fahren Sie nur fort, die alte launenhafte Frau gegen mich aufzuhetzen. Marie und ich wissen ja ganz genau, woher der Wind weht, und freuen Sie sich, wenn Ihre Schwester, die Sie Erbschleicherin überall verdrängt haben. elend zu Grunde geht.“ (Fortsetzung folat.) KOOT KUNTT Tagesspruch. Der klürste Mann ist der, Der klug ist und nicht scheint. Der nichts zu wissen glaubt, Und mehr weiß, als er scheint. Gleim. KONSF KTTOOTO Marte. Novellette aus dem Volksleben von A. B. (Fortsetzung.) 2. Jahre vergingen. Traugott war jetzt zum Manne, Marie zur Jungfrau gereift. Die geschwisterliche Zuneigung, die sie zu einander hegten, hatte sich nach und nach, ohne daß sie selbst etwas davon ahnten, in Liede umgewandelt Als daher eines Abends die Tannenhofbäuerin zu ihrem Sohne sagte:„Höre, Traugott, da die Marte ein armes Mädchen ist und sie daher einen Dienst als Magd suchen muß, so habe ich mich für sie nach einem solchen umgesehen und auch einen gefunden: die Buchenbäuerin will Marien, da sie ein anstelliges und fleißiges Mädchen ist, gerne zu sich als Magd nehmen, du kannst also das Mädchen davon benachrichtigen.“ „Wie?" rief Traugott bestürzt.„Marie soll vom Tannenhof, soll einen Dienst als Magd nehmen?“ „Nun ja, was hast du denn dabei auszusetzen?“ Still schlich sich Traugott aus dem Zimmer. Jetzt fühlte er erst, wie lieb und wert ihm Marie geworden war, daß er nicht von ihr lassen und sie und keine andere sein Weib werden könnte. Vor der Tür begegnete er ihr. „Mein Gott, Traugott, warum bist du so traurig, was ist dir zugestoßen? Warum blickst du mich so wehmütig an?“ „Ach, Marie, man will uns trennen!“ „Trennen?" „Ja, meine Mutter will, daß du dich als Magd bei der Buchenbäuerin verdingst.“ „Wenn deine Mutter befiehlt, Traugott, so muß ich wohl gehorchen.“ Tränen umschleierten bei diesen Worten die Augen des Mädchens. „Nein,“ rief Traugott stürmisch,„Marie, nein, ich lasse dich nicht, ich könnte das Leben ohne dich hier auf dem Hofe nicht aushalten, denn ich liebe dich, Marie, liebe dich mit der ganzen Glut meines jungen Herzens. Bei diesen Worten preßte er das errötende Mädchen an seine Brust, den ersten Kuß auf ihre Lippen drückend. „Traugott.“ hub Marie, sich aus seiner Umarmung windend, an,„ja, auch ich liebe dich, wie nur ein Mädchen lieben kann, aber bedenke, wird deine Mutter, die reiche Bäuerin, je unsere Liebe billigen, wird sie mich, das arme Mädchen, je zur Tochter annehmen?“ „Ja, Marie, sie wird es, sie wird ihren einzigen Sohn durch die Weigerung zu unserer Verbindung nicht unglücklich machen wollen, und selbst durch ihre Weigerung könnte sie mich nicht abhalten, dich zu meiner Frau zu machen, denn Vater und Mutter würde ich verlassen, um dir anzugehören.“ „Nein, Traugott, nein, ohne die Zustimmung deiner Eltern kann ich niemals deine Gattin werden," fiel ihm Marie ernst ins Wort:„darum teurer, eile jetzt zu deiner Mutter, mache ihr unseren Wunsch kund und laß uns Gott das weitere anheimstellen.“ Am Abend desselben Tages traf Traugott mit seiner Mutter im Zimmer zusammen. Als die Mägde hinausgegangen waren und er sich mit ihr allein befand, bub er plötzlich an: „Mutter, ich will mich verheiraten!" Erstaunt wandte sich die Bäuerin um. „Was willst du?“ „Ich will mich verheiraten!“ „Nun, und wen willst du denn auf den Tannenhof als Bäuerin führen? Die reiche Elise, oder wohl gar des Müllers Rieke?“ „Schweig mir von denen! Sie reichen der, die ich mir auserwählte, ja nicht das Wasser." „Ei, da wäre ich doch begierig, deine Auserwählte kennen zu lernen.“ „Sie lebt in deiner unmittelbaren Nähe, es ist Marie.“ „Was,“ schrie die Bäuerin, kirschrot vor Zorn,„die Betteldirne sollte meine Tochter werden? Nun und nimmermehr!" Rasch verließ sie das Zimmer, Traugott mit seinem Schmerze allein lassend. Kurz darauf trat Marie ins Zimmer. Still schritt sie auf Traugott zu. „Ich muß gehen,“ sagte sie wehmütig, „deine Mutter hat mich aus dem Hause gewiesen.“ „Dich aus dem Hause gewiesen?" fuhr Traugott auf.„Nun gut, so gehe, Marie. aber auch ich verlasse mein Elternhaus, wo mir ohne dich ja doch keine Freude blüht, und mag meine Mutter auch dann die Folgen ihrer Härte tragen.“ „Nein. Trangott. nein, das wirst du nicht tun, ich werde einer Mutter ihren einzigen Sohn nicht rauben; ich werde den Tannenhof verlassen und den Dienst bei der Buchenbäuerin annehmen; darum laß uns auf Gott bauen, vielleicht daß er im Laufe der Zeit den harten Sinn deiner Mutter ändert, denn, Traugott, wie ich dir schon einmal gesagt, ohne den Willen deiner Eltern werde ich nie dein Weib.“ Traugott versuchte noch, sie zu überreden, ihren Entschluß nicht auszuführen, aber vergebens, das Mädchen blieb standhaft. Am folgenden Morgen verließ sie den Tannenhof. Die Bäuerin sagte ihr beim Abschied kein Wort, wandte ihr vielmehr rasch den Rücken. Bei der Buchenbäuerin, einer schon bejahrten Witwe, ward Marie freundlich aufgenommen. Da dieselbe kinderlos war, so ward das Mädchen bei ihr fast als Kind des Hauses angesehen, die Bäuerin übertrug ihr die Leitung des ganzen Haushaltes. Des Abends kam Traugott dann gewöhnlich auf den Buchenhof, und die Zeit verstrich den dreien rasch in traulichen Gesprächen. Mariens Schönheit entfaltete sich jetzt von Tag zu Tag mehr, und es gab manchen Burschen im Dorfe, der sie gern als Herrin in sein Haus geführt hätte, wenn sie nur nicht so sehr kalt gegen jeden derselben gewesen wäre. Unter ihnen zeichnete sich besonders einer aus, der Sohn des reichen Brandelbauern, Kaspar, ein widerlicher, grundschlechter Bursche. Auf Schritt und Tritt verfolgte er das arme Mädchen, sie fortwährend mit seinen Anträgen belästigend; ja, er hatte es selbst schon gewagt, Marie auf dem Buchenhofe heimzusuchen; aber da war er schön angekommen, denn obgleich die Buchenbäuerin schon alt und schwach war, so hatte sie dennoch ein sehr gutes Mundwerk, und mit diesem trumpfte sie denn dem Burschen gut ab, ja sie drohte ihm sogar, wenn er sich noch einmal auf dem Hofe blicken ließe, ihn dann mit den Hunden davonjagen zu wollen. Kaspar kam nun auf den Gedanken, Marie liebe schon heimlich einen Burschen des Dorfes, weshalb sie alle Freier zurückweise. Er legte sich deshalb eines Abends auf die Lauer bei dem Buchenhofe, um den Begünstigten kennen zu lernen. Grimmig ballte er seine Fäuste, als er Traugott kommen und in den Buchenhof gehen sah. Leise schlich er sich an die Fensterladen der Wohnstube, blickte durch eine Spalte und sah, wie Traugott von Marie mit einem Kuß herzlich empfangen ward.„Sind wir schon so weit? Nun, warte, mein Täubchen. Dich wollen wir schon zahm machen," murmelte er. Leise davoneilend, verschwand er im Dunkel der Nacht. Das Verhältnis dauerte so längere Zeit, als plötzlich auf dem Tannenhofe ein Trauerfall eintrat; der alte Bauer ward zu seinen Vätern heimgerufen. Erhitzt vom Felde kommend, fiel er, vom Schlage getroffen, tot auf der Schwelle seines Hauses nieder. Die Bäuerin betrauerte ihn aufrichtig, denn obgleich sie ihn nie inniger geliebt, so hatte sie ihn doch in der langen glücklichen Zeit ihrer Ehe achten und schätzen gelernt. Die Kinder wurden von dem Todesfall weniger betroffen, da sie mit dem Vater wirklich zu wenig in Berührung gekommen waren, um große Liebe für ihn zu hegen. Die Bäuerin war nun unumschränkte Herrin des Tannenhofes, da der Verstorbene sie durch seinen letzten Willen zur alleinigen Erbin eingesetzt hatte. Nur von ihr hing es jetzt ab, ob Traugott je Herr des Hofes ward. Wie wenig Aussicht war nunmehr für die Liebenden vor handen, und Traugott wäre schier verzweifelt, wenn Marie ihn nicht getröstet und ermutigt hätte. Der Bäuerin war es aber jetzt selbst einsam auf dem großen Hofe, und sehnlichst wünschte sie daher, daß Traugott sich verheiratete. Sie spielte öfter bei ihrem Sohne darauf an, mußte indes immer bald wieder davon abbrechen, da Traugott auf alle Gespräche dieser Art niemals einging. Endlich ward denn die Bäuerin dieses langen Zögerns überdrüssig, und als sie sich daher eines Morgens mit ihrem Sohne allein befand, hub sie plötzlich an:„Traugott, du bist jetzt in dem Alter, in dem du wohl an eine Verheiratung denken kannst; ich frage dich, hast du schon gewählt?" Erstaunt blickte der junge Mann seine Mutter an. „Mutter," begann er ernst,„ich denke, du weißt, daß, wenn ich mich je verheirate, nur Marie mein Weib wird, keine andere: Mutter, ich bitte dich wiederum, laß dich erweichen, gib nach, laß——“ Er sprach nicht weiter, seine Mutter hatte rasch das Zimmer verlassen, in diesem Punkte schien sie unerbittlich zu sein. Kurze Zeit darauf sah man sie in ihrem Korbwagen nach dem benachbarten Windhausen fahren, von wo sie erst spät abends heimkehrte. 3. Die Zeit des Schützenfestes war herangekommen, ein Fest, nach welchem sich der norddeutsche Bauer und namentlich die jungen Burschen und Mädchen das ganze Jahr hindurch sehnen. Das Fest schien diesmal recht glänzend werden zu wollen. Eine ganze Woche vor Beginn desselben nahmen die Vorbereirungen schon ihren Anfang. Mehrere große Zelte wurden aufgeschlagen, und unter diesen zeichnete sich besonders das eine aus, das Tanzzelt. Im Innern ganz mit Kränzen und Girlanden geschmückt, ließen außen an den Spitzen einige Fahnen ihre Wimpel hoch in den Lüften flattern. Ueber dem Eingang war eine große Tafel angebracht, an welcher mit ellenlangen Buchstaben der Dorfmaler seine ganze Kunst in einen„Willkommen“ vereinigt hatte. Darunter prangte ein Festspruch, vom Lehrer des Dorfes erdacht und, wie er sich ausdrückte, in ein sinnig Gedicht gebracht. So rückte der Festtag heran. Am Morgen desselben war großer Schützenausmarsch. Man hatte Traugott zum Hauptmann erwählt, dieser aber, zum großen Aerger seiner Mutter, die Ehre abgelehnt, und es ward deshalb ein anderer Anführer in Person des liebenswürdigen Kaspars ernannt. Dieser hielt sich denn nun auch in seiner Würde als Hauptmann heute für unwiderstehlich. Schneeweiße Beinkleider bedeckten seine schiefen Beine, ein blauer Rock mit blanken Knöpfen ließ seine„schönen“ Körperformen lieblich hervortreten. Auf und ab ritt der neugebackene Hauptmann vor der Front des Korps, hier und da, wie er meinte, Verbesserungen vornehmend. Jetzt endlich setzt sich der Zug in Bewegung. Voran schreitet gravitätisch der Kuhhirt des Dorfes, welcher sich für den heutigen Tag in einen Trommelschläger verwandelt hat. Ein hoher Federhut bedeckt seinen Kopf, um seine Brust hat er eine Schärpe geschlungen, und vor ihm hängt die mächtige Trommel, welchem Instrument er Töne entlockt, daß sämtliche Hunde des Dorfes rebellisch werden und zu heulen und zu kläffen anfangen, daß einem Hören und Sehen vergehen möchte. Nur die liebe Jugend behält ihre fünf Sinne, mit andächtigen Blicken den großen Mann betrachtend, dem sie ein solch ungeheures Vergnügen zu danken hat. Da endlich schweigt das Kalbfell, das aus der Stadt zum Feste gekommene Musikkorps stimmt einen feurigen Marsch an. Da ist man endlich auf dem Festplatz angekommen. Die Schützen gehen zum Schießhause, die Tanzlustigen ins mittlere Zelt, und die Alten treten an den Schenktisch, um den soeben in ziemlicher Menge eingeschluckten Staub avzuspühlen. Bald ist die Lust in vollem Gange. Am fröhlichsten scheint es im Tanzzelte zu sein. Die Paare fliegen nur so. Nun, die jungen Burschen und Mädchen haben denn aber auch heute versucht, womöglich alle ihre Reize zu entfalten. Der unglückliche Schneider des Dorfes ist mit Arbeit so überhäuft gewesen, daß er jetzt ganz blaß und elend aussieht. Und dazu ist dieser niemals Rastende heute noch Tanzordner ernannt. Unter den Tänzerinnen zeichnet sich besonders eine aus, die Tochter der reichen Müllerin aus Windhusen. Das reiche Mädchen hat denn auch ihr Möglichstes getan, um unwiderstehlich zu sein. Sie strotzt buchstäblich von Gold und Seide und wirft Blicke um sich, die deutlich sagen:„Ich bin es!“ Und wie wohlgefällig ruhen die Augen der eitlen Mutter, deren drittes Wort stets ist:„Nun, wir ronnen es ja, warum sollten wir denn nicht?" auf ihrem Kinde. Ein Fehler ist aber bei alledem beim lieben Kinde vorhanden: es ist grundhäßlich. Sie hat einen zänkischen, unausstehlichen Charakter. Im ganzen Dorfe gibt es kein Mädchen, das sie Freundin nennt. Indes was schadet das? Sie hat etwas, was dieselben alle bedeckt, sie hat Geld, und zwar nicht wenig. Eben ist ein Tanz beendet, als die Tannenhofbäuerin mit ihrem Sohne erscheint. Freundlich nickt sie der Müllerswitwe zu, einen Platz nicht weit von derselben einnehmend; indes Traugott rasch die Reihen der Tänzerinnen überfliegt, zu sehen, ob Marie sich nicht unter denselben befindet. Sie ist nicht da. Still setzt er sich zu seiner Mutter. „Traugott, sieh, dort sitzt die Müller=Rieke mit ihrer Mutter, sie scheint zu erwarten, daß du mit ihr zum nächsten Tanz antrittst, gehe zu ihr hin!" Lächelnd blickt Traugott auf:„Du scherzest wohl, Mutter, daß du mir ansinnst, mit dem Mädchen zu tanzen, das wie eine Vogelscheuche aussieht.“ „Nein, mein Sohn, ich bin zu nichts weniger als zu scherzen gelaunt, und damit du es nun weißt, die Rieke sieht dich gern.“ „Das mag wohl sein, Mutter, aber ich sehe die Rieke nicht gern.“ „Wie? Das reichste Mädchen zehn Meilen im Umkreise?“ „Aber auch das stolzeste und unangenehmste Mädchen zwanzig Meilen im Umkreise.“ „Ach, papperlapapp, das sind Redensarten, von den anderen Dirnen ausgesprengt, die ihren Grund allein im Neide haben.“ „Neidisch, pah, auf die!" „Traugott, hast du es darauf angelegt, mich zu ärgern?“ „Liebe Mutter, ich bitte dich, nichts weniger als das.“ „Nun, so tanze doch mit der Rieke, tu es mir zuliebe.“ „Mutter, ich mag nicht, ich bin nicht zum Tanzen aufgelegt.“ In demselben Augenblick trat Marie mit der alten Buchenbäuerin ins Zelt. Wie ein Pfeil fliegen sogleich zwei Burschen auf sie zu, der Schützenhauptmann und— unser Traugott. Ersterem stößt hierbei ein großer Unfall zu. Sein großer Säbel kommt ihm beim Laufen zwischen die Beine: o weh, er stolpert, er rafft sich wieder auf, allein das Schwert kommt ihm zum zweitenmal in die Quere und krach! Da liegt unser Held, der heute morgen noch auf stolzem Rosse einherstolzierte! Rasch eilt der Kuhhirt, wollte sagen Tambour, auf ihn zu, um seinem Obern beim Emporkommen behilflich zu sein. Da endlich, da hat er ihn wieder auf die Beine gebracht. Aber o weh, wie sehen der Herr Hauptmann aus! Seine Uniform ist total beschmutzt und es zeichnen sich in dieser Beziehung besonders die weißen Unaussprechlichen aus. Einen wütenden Blick auf Traugott und Marie, die eben zum Tanze antraten, werfend, verläßt er rasch das Zelt. Kurz darauf folgt ihm rasch die Tannenhofbäuerin. Traugott sieht es nicht, freudig tanzt er mit Marie weiter. Aber welche giftigen Blicke schleudert die Rieke jetzt auf Marie, wie zerknittert sie ihr seidenes Kleid mit ihren vor Zorn geballten Händen! Niemand achtet auf sie, der jetzt alle Freude verdorben ist. Bald verläßt auch sie das Tanzzelt, in dem trotzdem die Freude ruhig ihren Fortgang nimmt.— Traugotts Schicksal hatte indessen eine böse Wendung genommen. Die Tannenhofbäuerin war nämlich, nachdem sie, aufgebracht über das Betragen ihres Sohnes, rasch das Fest verlassen hatte, auf Kaspar gestoßen. „Bäuerin,“ hub dieser an.„Euer Sohn hat sich da eine schöne Magd zum Tanze gewählt.“ „Nun, was geht es dich an?“ fuhr die Bäuerin zornig auf, froh, jemanden gefunden zu haben, an dem sie ihren Aerger auslassen konnte.„Dir krummbeinigen Schützenhauptmann hätte sie, wenn du es gewagt hättest, sie zum Tanze aufzufordern, doch einen Korb geK