Erscheint täglich mit Ausnehme der Sonn= und gesetzt. Feiertage. Abonnementspreis frei ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage und dem 8seitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pig. pro Monat, durch die Post bezogen für 8 Monate 1.50 Mf. Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inserate verantwortlich: Viktor Schanzer, Dortmund. verbunden Lokal-Anzeiger für mit dem Dortmund u. Hörde und der täglichen Unterhaltungsbeilage W# sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3295. Nr. 293. Dortmund, Donnerstag, den 15. Dezember 1910. 27. Jahrg. Erstes Blatt. Zur Programmrede des Aolonialstaatssekretärs. Der Kolonialpolitiker, Emil Zimmermann veröffentlicht in dem konservativen„Reichsboten“ über die Programmrede des neuen Kolonialstaatssekretärs einen Artikel, der doppelt bemerkenswert scheint, weil sein Verfasser die Politik Dernburgs oft sehr kritisiert und bekämpft hat. Er meint, die Rede des Herrn von Lindequist werde in den Kolonien, abgesehen vielleicht von ein paar Interessenten in Südwest, mit hörbarem Aufatmen begrüßt werden, und dann fährt Herr Zimmermann, der in diesem Sinne wieder Ostafrika besucht hat, fort: Der Unterzeichnete hatte geglaubt, daß besonders auch Deutsch=Ostatrika den Abgang des Staatssekretärs Dernburg mit Genugzuung aufnehmen würde: auf dem Marsche quer durch die Kolonie war aber eher Socge als Freude zu beobachten. Man fürchtete eine Abhängigkeit unserer ganzen Kolonialpolitik vom Zentrum, und wenn einige Diamanten=Interessenten Herrn Erzberger, als großen Volks= und Staatsmann feiern, so wird eine Kolonialpolitik, die unter Erzbergers Führung steht, von dem überwiegenden Teile der Schutzgebietsbevölkerung doch mit berechtigtem Mißtcauen abgelehnt. In Ostafrika hoffte man bei aller Sorge um die Zukunst auf Herrn von Lindequist, den man im Schutzgebiet, kennen und schätzen gelernt hat. Seine Antrittsrede im Reichstage— wenn der Herr Staatssekretär entschlossen ist, an seinem entwickelten Programm unter allen Umständen festzuhalten— wird die Sorgen draußen zerstreuen, und die Hoffnung, die sich hervorgewagt hatte, daß der neue Mann die Fehler Dernburg vermeiden, an den großen Vorzügen der Politik seines Amtsvorgängers aber festhalten werde, frisch emporschießen lassen. Begrüßt wird namentlich werden die Erklärung, daß alle Maßnahmen unterbleiben müssen, die geeignet sind, Kreise des Handels, der Industrie und Landwirtschaft abzuschrecken. Kapital in den Kolonien anzulegen. Sie richtet sich gegen die wahnsinnige Erzbergersche Kriegssteuer, dann aber auch gegen die anscheinend wieder neu einsetzenden Versuche, eine einzelne Gesellschaft weiter zu schröpfen. Wir haben aber nie daran gezweifelt, und bezweifeln auch heute nicht, daß Staatssekretär Dernburg, dem die Kolonialsache unendlich viel verdankt, nach Pflicht und Gewissen gehandelt hat. Die heutigen Vorwürse Erzbergers, der sogar den Vorwurf nicht gescheut, oder ihn wenigstens versteckt ausgesprochen hat, der frühere Staatssekretär habe sich persönlich bereichern wollen, tragen keinen noblen Charakter. Sie sind auch nicht aus konservativem Denken geboren, sondern verraten einen ganz anders gerichteten Geist. Daß ein Mann wie Erzberger auch heute noch gegen die Maiverträge 1910 mit der Kolonialgesellschaft anrennt, kann bei der fanatischen Rechthaberei und dem fanatischen Kapitalshaß des Mannes nicht wunder nehmen. Wir und alle, die objektiver denken gelernt haben, und weiter sehen, werden derselben Meinung sein, wie Staatssekretär Lindequist, daß der neue Vertrag, den der eine oder andere vielleicht besser— oder auch viel schlechter— gemacht hätte, zu Recht besteht, und außerdem glauben wir, daß der Deutsche Reichstag zu anderen Zwecken gewählt ist, als dem, dem ehrgeizigen Bestreben eines Mannes zu dienen, der sich unter allen Umständen einen Namen machen will. Deutsches Reich. Im Fabulieren. tut sich jetzt die D. Ztg. besonders hervor, Sie behauptet in einem geschmackvoll„Fuchs und Dackel“ überschriebenen Leitartikel, daß in Breslau wie in Labiau=Wehlau die sozialdemokratische Hülfe in der Stichwahl dem Fortschritt auf Grund eines„allgemeinen Wahlbundbeschlusses zwischen Fortschritt und Sozialdemokratie“, zuteil geworden sei. Sie behauptet das, trotzdem sie weiß, daß von fortschrittlicher Seite das Vorliegen irgend einer Verabredung bestritten worden ist, und trotzdem sie erfahren hat, daß die sozialdemokratischen Führer in den beiden Wahlkreisen erklärt haben, die Fortschrittliche Volkspartei habe die sozialdemokratische Partei nicht mit einem Wort um Wahlhülfe gebeten, die Hülfe sei vielmehr aus freiem Antriebe gewährt worden. Wer sich so empfindlich zeigt, wie die D. Ztg., der sollte auch dann hübsch bei der Wahrheit bleiben, wenn es sich um einen Gegner handelt. Muß denn schon ein Jahr vor den Wahlen so dreist gelogen werden? Minister a. D. Moltke Reichstagskandidat. Der frühere Minister des Innern v. Moltke hat die ihm von den Konservativen angetragene Kandidatur in Tilsit=Niederung angenommen, unter der Bedingung, daß, falls er gewählt werde, er der Reichspartei beitreten wolle. Die Wertzuwachssteuer angenommen. Die Wertzuwachssteuer wurde gestern von der Reichstagskommission mit 15 gegen eine Stimme bei ieben Enthaltungen angenommen. Ausweisung Deutscher aus Ost-Afrika. Wie der Berliner Lok.=Anz. berichtet, ist der Redakteur ran Noy und der Buchdruckereibesitzer Klein aus Deutsch=Ostafrika ausgewiesen worden Das maskierte Ausnahmegesetz. Herr von Bethmann Hollweg hat am Sonnabend in seiner Etatrede zwar erklärt, daß er gegen Ausnahmegesetze sei, fügte dieser Erklärung aber gleichzeitig die Bemerkung hinzu, daß die Neugestaltung des Strafgesetzbuches auch eine Erweiterung der Strafbestimmungen gegen die Aufwiegelung und gegen die Berheernchung begangener Verbrechen vorsehen werde. Wie man sich in den Kreisen der Regierung diese Strafverschärfungen denkt, ddarüber gibt jetzt eine offiziös bediente Korrespondenz nähere Aufschlüsse. Während nach den bisherigen Bestimmungen nur die Aufforderung zu bestimmten Handlungen strafbar ist, soll in Zukunft auch das indirekte Aufreizen dazu dem Auffordern gleichgestellt werden, also eine Strafbestimmung von unendlicher Dehnbarkeit. Ein neuer Paragraph in dem Strafgesetzbuch bezieht sich auf die Verherrlichung begangener Verbrechen. Es handelt sich hier um eine Wiederaufnahme derselben Bestimmung, die schon in dem im Jayre 1894 dem Reichstag vorgelegten und von diesem abgelehnten Umsturzgesetz enthalten war. Herr von Bethmann Hollweg sucht also dadurch das Odium einer neuen Umsturzvorlage von seiner Person abzuwälzen, daß er demselben Ziel auf Umwegen zustrebt. Zwischen den Wünschen des Reichslanzlers und ihrer Verwirklichung liegen aber noch einstweilen die nächsten Reichstagswahlen, die hoffentlich einen Strich durch diese frommen Wünsche des Herrn von Bethmann Hollweg machen werden. Bassermann für eine Verständigung der Liberalen. In einer öffentlichen Versammlung in Hannoder hielt, Bassermann am Sonntag einen Vortrag über die politische Lage und führte u. a. folgendes aus: Die Sozialdemokratie ist unser Feind, den wir überall bekämpfen werden. Wir sind im Gegensatz zur Sozialdemokratie ein Freund einer starken Monarchie, eng verbunden mit einem freien Volk. Die Sozialdemokratie steht auf republikanischem Boden, und darüber hat uns der Abgeordnete Ledebour bei der Kaiserreden=Interpellation erst kürzlich eine Vorlesung gehalten. Wir stehen auch fest auf dem deutschen Boden. Die zweite große Partei, mit der wir zu rechnen haben, ist das Zentrum, das Hand in Hand geht mit den Polen, den Welfen und den Elsässern. Wir in Hannover haben einen heftigen Kampf zu führen, gegen den Bund der Landwirte. In dem Augenblick, in dem der Führer des Bundes der Landwirte Dr. Diedrich Hahn die Kampfesfahne entf ultete gegen die nationalliberale Partei in der Provinz Haunover, mußte er als weitschauender Politiker sich sagen, daß damit der Kampf auf der ganzen Linie entbrennen mußte, Denn hier in der Provinz Hannover ist altnationalliberales Land und alsnationalliberaler Besitzstand. Ich halte diese Entwickelung der konservativen Partei zu einer einseitig agrarischen Partei für ein Unglück und viele konservative Männer ebenso. Angesichts des Wachstums der sozialdemokratischen Partei und dieser Entwicklung der konservativen Partei ist eine tunlichste Verständigung unter den liberalen Parteien am Platze. Wenn wir auch volles Verständnis haben, für die Aufrechterhaltung er Staatsautorität in gärender Zeit, so müssen wir andererseits anerkennen, daß mit Recht der Fortschritt auch auf dem Gebiet unserer inneren Gesetzgebung zu fördern ist. Ich nenne da nur den Ausbau der preußischen Wahlrechtsreform, Aenderung der Finanzreform und Beseitigung mancher Unstimmigkeiten in unserer Verwaltung. Ein Volk, das in solcher Entwickelung begriffen ist, das so wächst, wie diee letzte Volkszählung gezeigt hat, will den Fortschritt auf allen Gebieten. Durch dieses Volk geht ein tiefes Sehnen nach neuen Zielen, nach Belebung des Idealismus, der vielfach verloren gegangen ist. Ich habe Vertrauen zum deutschen Bürgertum, zu seinem politischen Sinn und seiner Regsamkeit. Wir wollen sesthalten an unseren alten Zielen, wir wollen weiterbauen auf den alten bewährten Grundlagen unserer Partei, die sich noch immer als richtig erwiesen haben. III. Internationaler Rongreß für Säuglingsschutz in Berlin. Die Vorbereitungen für den Kongreß, welcher in den Tagen 11. bis 18. September 1911 stattfindet, und an welchem sich ein Besuch der Internationalen Hygiene=Ausstellung in Dresden anschließen soll, sind in vollem Gang. Sie eröffnen die Aussicht auf sehr interessante Verhandlungen und einen glänzenden Verlauf des Unternehmens. Die Kaiserin hat das Protektorat über en Kongreß und der Reichskanzler den Vorsitz im Ehrenkomitee angenommen. Ein Organisations=Komitee, an dessen Spitze der Präsident des Kaiserlichen Gesundheitsamtes, Wirkiher Geh. Oberr.= Rat Dr. Bumm, Geh. Obermed. Rat Prof. Dr. Dietrich, Geh. Med.=Rat Prof. Dr. Heubner stehen, und in dem als Generalsekretär der Direktor des Kaiserin Auguste Viktoria=Hauses Prof. Dr. Keller fungieren, ist mit den vorbereitenden Arbeiten befaßt. Vorläufige Einladungen sind an das Ausland auf diglomatischem Wege bereits übermittelt. In fast allen Kulturstaaten sind National=Komitees schon gebildet, oder im Entstehen begriffen: sie sind in ihrem Heimatsstaate tätig, um das Interesse der beteiligten Kreise für den Kongreß zu wecken und die Vorbereitungen für eine lebhafte Teilnahme an der Zusammenkunft zu treffen. In dankenswerter Weise ist das Reichstagsgebäude für die Abhaltung des Kongresses zur Verfügung gestellt worden. Das endgültige Programm des Kongresses aus welchem die Einzelheiten, insbesondere die Verhandlungsgegenstände sowie die Berichterstatter ersichtlich sein werden, wird im Laufe, des Januar 1911 bekannt gegeben werden. Aus dem Gerichtssaal. Strafkammer Dortmund. Dortmund, 14. Dezember. Der 41 Jahre alte Arbeiter Karl Schulz aus Wieschershöfen wurde wurde wegen Rückfalldiebstahls zu 9 Monaten Gefängnis und 5jährigem Ehrverlust verurteilt, weil er am 26. Oktober in Pelkum dem Arbeiter Otto Oppel 23,60 Mark gestohlen hatte. Der Maurer Franz Vogt aus Sodingen kann das Mausen nicht lassen. Der noch nicht 19jährige Bursche hat sich drei Einbruchsdiebstähle in Börnig zuschulden kommen lassen. Beim letzten Einbruch wurde er erkannt. Das Gericht schickte ihn auf 1 Jahr 6 Monate ins Gefängnis. Von der Anklage, sich eines Sittlichkeitsverbrechens gemäß Paragraph 176,3 St. G.=B. schuldig gemacht zu haben, wurde der 59 Jahre alte Gartenarbeiter Johann Hermann Wiggers aus Dortmund freigespiochen. Handel und Verkehr. Im Schlafwagen nach Javan. Der Verein„Invalidendank“ in Wien hat im letzten Frühjahr eine Gesellschaftsreise über Sibirien nach veranstaltet. Infolge des glücklichen Verlauses dieser interassenten Tour haben die Invalidendant=Verine im Deutschen Reich und in Oesterreich=Ungarn beschlossen, im April 1911 gemeinsam eine solche Landreise zu unternehmen. Die in Japan wohnenden Deutschen Oesterreicher und Ungarn haben das Projekt freudigst begrüßt, und die weitgehendste Förderung der Reisegesellschaft zugesagt. Die Führung wird wieder in den Händen des bewährten Reiseleiters der vorjährigen Tour Herrn Alexander von Biczo liegen. Die Fahrt geht über Warschau, Moskau, Charbin und Wladiwostok, no die 44stündige Ueberfahrt nach Tsuraga in erfolgt. Der Aufenthalt in Japan wird ungesähr drei Wochen währen, die ganze Reise etwa sieben Wochen in Anspruch nehmen. Besucht werden u. a. die Städte Tokio, Nikko, Yokohama, Nara, Nagoya, Kyolo, Kobe usw. Die Vorarbeiten sind heute schon im Gange und es liegen auch bereits Anmeldungen von Teilnehmern vor. Alle Anfragen, sind an den„Invalidendank", Berlin. Unter den Linden 24, zu richten. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Pig. Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Pfg Beilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangsweiser Beltreidung der Insertionsgedühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt Hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Mar Sonnemann. Dortmund. Auf dornenvollem Pfade. Roman von M. Weidenau. 32 „Sehen Sie nur, teure Frau Wilhelmine," flüsterte Baronin von R. auf Georg und Idnna weisend, der Millionärin zu,„wie den jungen Leuten das helle Glück aus den Augen strahlt.“ „Verliebtes Volk das, was?" lachte Frau Dessart. „Nun ja, der Himmel hängt ihnen ja heute noch voller Geigen.“ „Und hoffentlich wirds auch recht lange so bleiben. Ich gönne ihnen ihr Glück aufrichtig. Wo werden sie Hochzeit feiern?“ „Die Trauung findet in der Stadtpfarrkirche statt. Und dann nur ein kleines Dejeuner in meiner Wohnung hier, denn die Neuvermählten wollen noch am selben Nachmittag Wien verlassen, um eine kleine Reise zu machen. Sie werden wohl nicht von Ihrem Gut hereinkommen, liebe Frau Baronin?“ „Gewiß komme ich zur Trauung herein," versprach lächelnd die alte Dame. Als man zu sehr später Stunde heimkehrte und Georg vor dem Wohnhaus der Frau Dessart sich verabschiedete, um in sein gewöhnliches Absteigequartier zu gehen, lud ihn die alte Dame für morgen zum Diner ein, da sie mit ihm einiges zu besprechen wünschte. „So und nun komme, Idnna, ich bin ungeheuer schläfrig, leben Sie wohl, Georg, bis auf morgen!“ Sich schwer auf Idunas Arm stützend, schritt die alte Frau die Stiege hinauf, und oben von der getreuen Hanna bereits erwartet, ging sie direkt in ihr Schlafgemach. Sie war so ermüdet, daß sie heute nicht einmal mehr, wie sonst immer, Umschau hielt, ob alles in Richtigkeit wäre. „Fixner hat eigentlich recht, wenn er über mein langes Aufbleiben in überhitzten Räumen brummt," gestand sie, während sie sich von der Hanna auskleiden ließ,„denn ich fühle mich nach einem solchen Abend wirklich angegriffen. Na, wenn die Kleine erst einmal verheiratet ist, dann ändert sich auch in manchem meine jetzige Lebensweise. Geh, Hanna, richte mir noch ein Glas Limonade, dos wird mir gut tun,“ „Fühlen Sie sich nicht ganz wohl, teure Herrin. „Aber ja, ich bin müde und so schläfrig.. ja ja, Hanna, daß man alt und mühselig wird, läßt sich nicht ableugnen.“ Nachdem Hanna die Limonade gebracht hatte, mußte sie noch ein Nachtlichtlein anzünden, was immer dann geschah, wenn Frau Dessart eine unruhige Nacht fürchtete.. da wollte sie nie im Dunkeln liegen. „So, liebe gute Hanna, jetzt schau, daß Du auch endlich zur Ruhe kommst. Gelt ja, Du sehnst Dich schon nach Deinem Bett?“ Betroffen blickte das gute Mädchen ihre Herrin an, gütig war diese wohl immer zu ihr gewesen, aber in so weichen Tönen hatte sie doch selten noch gesprochen. „O, meine geliebte Herrin, ich würde ganze Nächte aufbleiben...“ „Weiß schon, Hanna, weiß schon?“ murmelte schon halb im Schlafe, die Millionärin, Du und meine arme Kleine.. und auch der Georg, ja auch der..“ Plötzlich öffnete sie nochmals die Augen.„Du, Hanna, gleich morgen früh geh' zum Doktor Käferstein, meinem Rechtsfreund, hörst Du, er soll mich noch vormittag besuchen, bestimmt.“ Hanna versprach natürlich, alles genau auszurichten, stellte das kleine Nachtlicht so, daß es die Augen der alten Dame nicht blendete, dann ging sie nach einem langen und beinahe ängstlichen Blick auf die Herrin in ihr unweit vom Schlafgemache der Frau Dessart liegendes eigenes Zimmerchen. „Weiß der liebe Gott, warum mir auf einmal so seltsam bange wird? Mir wär's viel lieber gewesen, sie hätte gebrummt und geschimpft wie so oft. Oder ist's die bevorstehende Trennung von Iduna, die sie so weich macht?“ Als Hanna einmal in der Nacht aufwachte, schlich sie sich zur Tür und lauschte angestrengt. Aber frohgemut ging sie dann wieder in ihr Zimmer zurück: sie hatte deutlich die lauten, starken und regelmäßigen Atemzüge ihrer schlafenden Herrin vernommen. * Als Frau Dessart am nächsten Morgen spätaufwachte, fiel ihr erster Blickauf die an ihrem Bett sitzende Iduna. „Na, Taute, das war aber ein Schlaf, denk doch nur, bald nenn Uhr.“ „Warum hat man mich denn nicht früher geweckt?“ „Ach, Tante, Du schliefst so gut.“ „Rufe mir gleich die Hanna, damit ich bald mobil werde.“ „Darf ich Dir nicht helfen, Tante?“ „Du? Nein, Dich kann ich nicht gebrauchen, wärest eine nette Kammerjungfer. Laß Dich auch indessen „schön“ machen, damit Du Deinem Herrn Bräutigam gefällst.“ „Ja, Taute und da kommt schon die Hanna.“ Frau Dessart machte nun Toilette und, im Begriff, vor dem großen Ankleidetisch Platz zu nehmen, damit Hanna ihr noch ziemlich volles Haar ordnen könne, fiel ihr scharfer Blick auf den den ganzen Boden bedeckenden dunklen Teppich. „Ist es denn unten auf der Straße schmutzig, Hanna?“ fragte sie lebhaft. „Nicht im geringsten, warum meinen die gnädige Frau das?“ „Weil derTeppich voller Schmutzfleckenist und Hanna,“ die alte Dame streckte die Hand aus und wies nach der in der Ecke stehenden Kassa hin,„Hanna, schau nur, da muß ein.. Mann im Zimmer gewesen sein.. siehst Du nichts.. dort, just bei der Kassa alles voll Schmutz, voll Staub.. und das ist nicht von.. heute, nicht von Deinen Schuhen, Hanna.“ Das erschrockene Mädchen zur Seite schiebend, stürzte die Millionärin auf den Schreibtisch zu, riß aus dem Fach die Kassaschlüssel heraus und einen Moment später stand sie vor der Wertheimschen, ohne aber mit den zitternden Händen aufschließen zu können. „Ach, teure Herrin,“ bat die jetzt begreifende Hanna, „ängstigen Sie sich doch nicht unnützer weise.. es kann „Du hast recht, ich bin unvernünftig, die Kassa ist ja geschlossen, aber ich muß doch nachschauen, weißt Du, Hanna, ich habe auch Geld drinnen.“ Mühsam genug öffnete die alte Frau endlich die Schlösser, die Tür tat sich auf, aber im gleichen Moment durchgellte ein kurzer Aufschrei die Stille im Gemach, dann folgte ein schwerer, dumpfer Fall, Frau Wilhelmine Dessart war, ehe die entsetzte Hanna ihrer Herrin beispringen konnte, zu Boden gestürzt. Die an allen Gliedern zitternde Hanna bemühte sich. unter heißen Tränen um die von ihr so treugeliebte Herrin, doch sie war zu schwach, allein den schweren Körper der leise stöhnenden alten Frau aufzuheben. Da fiel ihr verstörter Blick in die Kassa.. sie war leer.. man hatte die alte Dame, wie sie es immer befürchtet hatte, ausgeraubt. Fassungslos, mit Mühe sich aufrechthaltend, starrte Hanna auf die leeren Fächer.. sie fragte sich voll Entsetzen, wieso denn dieser Einbruch nur hatte ausgeführt werden können.. und wann, und wer der freche Einbrecher sein konnte? Niemand hatte noch heute abend Einlaß begehrt.. ein lallender Laut riß die treue Dienerin aus ihrem angestrengten Nachsinnen und neuerdings neigte sie sich zu ihrer Herrin, deren blutunterlaufene Augen mit angstvollem Ausdruck durch das Gemach irrten. „Fix.. ner, J.. du.. na, Ge..? kam es in gurgelnden Lauten von den blauen Lippen der Leidenden. „Heiliger Gott!“ schrie jetzt eine helle Stimme von der Tür her.„Tante, o Tante! Hanna, was ist denn geschehen?“ Hanna konnte nur, wildaufschluchzend, nach der offenstehenden Kassa hinweisen, dann flog sie hinaus, Hilfe zu holen und Fixner anzuklingeln, er möge augenblicklich kommen, ein Unglück sei geschehen. Ein seltsamer Zufall wollte es, daß Doktor Käferstein, der Rechtsfreund und Doktor Fixner, der ärztliche Berater, der jetzt besinnungslosen alten Dame, zu ein und derselben Minute im Haus, wo die größte Verwirrung herrschte, eintrafen. Als sie eben einander entsetzt fragten, welch ein Unglück denn geschehen sein könne, flog eine Tür auf und Iduna stürzte, händeringend und totenblaß auf den Arzt zu. „Onkel Fixner, ach, welch schreckliches Unglück! Die arme Tante.. komm, hilf ihr, laß sie nicht sterben!“ Beim Durchschreiten mehrerer Zimmer berichtete sie dem alten Herrn in fliegender Hast und abgebrochenen Worten von dem unerhört frechen Einbruch, dessen Entdeckung auf die alte Frau eine so schreckliche Wirkung ausgellbt hatte. „Mag auch dies alles verloren sein, Onkel Fixner, rette nur die arme Tante.“ flehte Iduna. 63.18 Dortmunder ms. Dortmund, 14. Dezember. Herr Vorsitzender Justizrat Raude eröffnete die auf gestern Abend nach dem Gewerbeverein einberusene Hauptversammlung mit dem Ausdruck der Freude über den guten Besuch und das wachsende Interesse am Theater und den Bestrebungen des Theater=Vereins, der jetzt 370 Mitglieder zähle. Zunächst erhält Herr Stadtrat Dr. Boldt das Wort, um über den Mitgliederbestand und die Kassenverhältnisse weitere Mitteilungen zu machen. Die Einnahmen belaufen sich jetzt jährlich auf 1900 Mk. Dem Theater gestiftet hat der Verein im letzten Jahre ein comanisches Zimmer und die beiden Bronzebüsten von einem einheimischen Künstler. Der Theatervetriebskasse wurden 1200 Mark für vier Schülervorstellungen zugeführt, für Matineen wurden 200 Mark ausgegeben. Im noch eine ersprießlichere Tätigkeit entfalten zu können, ist eine Erhöhung der Beiträge sowie eine Vermehrung der Mitglieder erforderlich. Heer Justizrat Raude betont ergänzend, daß der Theaterverein jetzt mehr denn früher biete„daß er jetzt den Mitgliedern und ihren erwachsenen Angehörigen vier Matineen unentgeltlich gewähre, während früher die Matineen bezahlt werden mußten. Verschiedene Vorschläge, die Einnahmen zu steigern, wurden dem Vorstande zur weiteren Erörterung übergeben. Zu dem Punkte„Besprechung von Vereinsund Theaterangelegenheiten“ führt Herr Justizrat Raude aus, daß in letzter Zeit verschiedentlich in anonymen Eingesandts gegen das Theater vorgegangen worden sei. Anonyme Zusendungen pflege man in den Papierkorb zu werfen„weil man weder die Peron noch die Qualität des Einsenders kenne, zumal wenn sie persönliche Angriffe enthielten. Es wäre angebracht, das, was man in Bezug auf das Theater auf dem Herzen habe, hier vorzubringen. Herr Stadtrat Dr. Boldt wendet sich nun, wiewohl es ihm vollständig gleichgültig sei, was in der Presse über ihn erscheine, mit aller Schärfe gegen ein hiesiges Blatt, um die darin aufgestellten Behauptungen richtig 1. stellen. So seien die Angaben jenes Blattes über die Entwicklung vollständig unrichtig, wie aus der im Dortm. Tagebl, bereits veröffentlichten Statistik zu ersehen. Das Gute in der Oper habe man schon unter Gelling Herrn A. Hofmann zu verdanken gehabt, Das Schauspiel werde allgemein als gut anerkannt, es sei jetzt erheblich besser als unter Gelling. Niemals sei es ihm(Dr. Boldt) eingefallen, zu sagen, daß das Thearer 350000 Mark Einnahmen haben werde. Nachdem Redner das, was über die Gründe für den Weggang Gellings mitgeteilt worden, als falsch bezeichnet hatte, naym er den verstorbenen Weeck gegen die auch diesem zureil gewordenen üblen Nachreden in Schutz, betonend, daß Weeck als früherer Schauspieler ein sehr schätzbares Mitglied der Theaterdeputation gewesen sei. Auch die Behanptung, daß einzelne Kräfte gut honoriert würden, während bei den anderen Schmalhans Küchenmeister sei, entspreche nicht der Wahrheit. Der Tenor Wildbrunn bekomme 1500 Mk. Gage, ebensoviel wie Abel unter Gelling erhalten habe. Im übrigen habe Gelling weit niedrigere Gagen bezahlt. Daß sich das Theater finanziell in gesunden Bahnen bewege, beweise der stetige Rückgang des Zuschusses zur Theaterbetriebskasse. Der Zuschuß habe im letzten Jahre 18000 Mark betragen, das sei im Verhältnis zu dem, was auswärts zugeschossen werden müsse, sehr gering. So habe in ven Jahren 1909 und 1910 Düsseldorf 165 000 und 209 000 Mark, Köln 106000 und 136.000, Elberfeld 40000, Mannheim 212000 und 326000 Mark zuschiegen müssen. Das Theater könne und solle kein gewinnbringendes Unternehmen sein. Herr Justizrat Raude weist darauf hin, daß der Theaterverein wohl nicht berufen sei, eine Oberkritik über die Theatermitglieder abzugeben. Das sei Sache der Theaterdeputation, in erster Linie aber des Theaterdirektors. Herr Dörenberger regt an, die Statuten dahin zu ändern, daß die eine Hauptversammlung kurz nach Anfang, die andere kurz vor Schluß der Theatersaison einzuberufen sei, welcher Anregung stattgegeben wird. Außergewöhnliche Ar.= sangszeiten möchten recht auffallend bekannt gemacht werden, damit die fortwährenden Störungen aus der Welt geschafft würden. Auch diesem Wunsche soll Rechnung getragen werden. Ein dritter Wunsch des Herrn Dörenberger bezog sich auf die Schüler und Schülerinnen, die angewiesen werden möchten, sich erwas zurückhaltender und ruhiger zu benehmen, um die anderen Theaterbesucher nicht zu stören und der ganzen Sache den Nimbus zu nehmen. Wenn man die Abstellung von Mißständen erzielen wolle, müsse man sich an die Presse wenden, die ein maßgebender Faktor sei. So seien die Premieren=Vorstellungen immer gähnend leer, weil das Publikum erst abwarte, was die Presse zu berichten hat. Man müsse auch anonyme Artikel beachten und beantworten. Im Publikum sei man der Ansicht, daß mit den Neuengagements nicht besser gegen früher gefahren worden sei, daß eine Bevoczugung gewisser Künstler und eine Zurücksetzung anberer stattfinde. Redner wünscht, daß in die Theaterdeputation wie anderwärts mehr Bürger, die nicht Stadtverordnete seien, gewählt würden. Herr Stadtrat Dr. Boldt teilt mit, daß die beiden im Krügerschen Verlage erscheinenden Zeitungen die Aufnahme von Reklamenotizen abgelehnt hätten. Die Zusammensetzung der Theaterdeputation gehöre zur Kompetenz der Stadtverordneten. Herr Justizrat Nork meint, daß das Publikum nicht so wie Herr Dörenberger dente. Er wenigstens habe noch kein solch Urteil über das Theater gehört. Die Stadtverordneten seien doch wohl auch Bürger und gleich qualisiziert für die Tätigkeit in der Theaterdeputation wie die anderen Bürger. Herr Pork will auf die Artikel in den Zeitungen nicht eingehen, jedoch eine Bemerkung richtig stellen. Es sei ganz deutlich darauf angespielt worden, daß der eigentliche Theaterdirektor nicht Herr Hofmann, sondern die Frau eines Deputationsmitgliedes sei. Das sei rein aus der Luft gegriffen. Zur Erledigung eiliger Dinge sei eine kleine Betriebskommission eingesetzt, der das betr. Deputationsmitglied nicht angehöre. Es sei mit Freuden zu begrüßen, daß einige Familien sich der Künstler annehmen. Das liege im Interesse des Theaters und dies Verhältnis solle man nicht stören. Herr Alfred Crämer wandte sich gegen die Besetzung des Heldentenorfaches und wies darauf hin, daß in der letzten Generalversammlung des Theatervereins Herr Direktor Hofmann gesagt habe, daß fremde Kräfte für große Partien herangezogen werden sollen. Trotz dieser darin für unseren Heldentenor enthaltenen schlechten Note und trotz dieses Zugeständnisses, daß er als Heldentenor sich nicht qualisiziere, solle W. und zwar mit erhöhter Gage auf längere Zeit wieder engagiert sein. Erstaunt frage man, welche Gründe dafür vorlägen. W. werde nie ein Heldentenor werden, ja er genüge als lyrischer Tenor auch nicht allzu hohen Ansprüchen. Darum sei er nicht so hoch zu bezahlen. Frau W., das müsse umumwunden zugegeben werden, sei eine Meisterin in ihrem Fach. eine Zierde unserer Bühne. Aber die Begeisterung für sie gehe zu weit, wenn man so bezahle wie es geschehe. Andere Theater bezahlten ihre 1. Altistinnen weit geringer, denn das Fach der Altistinnen sei doch nur als ein 2. Fach zu betrachten. Dann habe Frau Wildbrunn in dieser Saison nur 10 Mal gesungen, pro Auftreten also 330 Mark erhalten; das sei denn doch zu viel für Dortmund. Sehr schlecht besetzt sei das Fach der hochdramatischen, Sängerin. Wenn man zusammennehme, was W. und der zu seiner Unterstützung herangezogene Forchhammer aus Frankfurt a. M.(5000 Mark für acht Vorstellungen) bekomme, so sei die Summe hinreichend, um eine vorzügliche Kraft zu erhalten, bei der auch die Theaterbesucher auf ihre Kosten kommen würden. Herr Lensing nimmt die Theaterdeputationsmit glieder in Schutz, über deren Tätigkeit im Publikum ganz irrige Vorstellungen herrschten. Die Deputation lasse dem Direktor weitestgehende Hand. Aufgabe der Deputation sei es, den Zuschuß in Uebereinstimmung mit den Direktor herabzudrücken. Bei einigen Engagements sei nach der künstlerischen Seite daneben gegriffen worden. Trotzdem sei unser Theater gut, wie man von auswärtigen Besuchern Dortmunds hören könne. Fehlgriffe kämen auch bei anderen Theatern vor, ebenso wie anderwärts auch die gleichen Klagen wie in Dortmund erhoben würden. Das Ehepaar Wildbrunn sei für das Dortmunder Theater ein großer Gewinn. Beide seien gure Künstler und schätzenswert. Allerdings gebe es bessere Heldentenöre, aber diese seien so rar, daß man sie hier gar nicht bezahlen könne. In Dortmund gebe es eine gewisse Koterie, die aus persönlichen Gründen auf das Theater losschlage. Die Presse habe nicht die Aufgabe, das Theater unter allen Umständen herobzuiehen: die Kritik habe gerecht und sachlich zu sein. Das Dortmunder Theater stehe finanziell gut, habe brillant gewirtschaftet. Herr Justizrat Raude meint, daß gegen das Ehepaar Wildbrunn absichtlich Stimmung gemacht werde. Die Gagen richteten sich nach Angebot und Nachfrage. Herr Direktor Hofmann bemerkt, daß es bedauerlich wäre, wenn der Kontakt zwischen den Bühnenmitgliedern und den Frauen der Stadt Drotmund ins Wanken geriete. Allerdings dürfe der Familienverkehr sich nicht zu einem Kliquenwesen herausbilden. Redner sagt eine Berücksichtigung der von Herrn Dörenberger vorgebrachten Wünsche zu, möchte aber die Beifallsfreudigkeit der Jugend nicht gedämpft sehen. Ein wunder Punkt sei das Ehepaar Wildbrunn. Dortmund werde keine erste Kraft bekommen, die hier ihre Laufbahn beschließen wolle. Die Heldentenorfrage sei im ganzen Deutschen Reiche brennend. Als Theaterdirektor sage er: Lieber W., als einen schlechteren. Die Vorteile W.'s überwiegen dessen Nachteile. Für die Rollen, für die W. in Aussicht genommen, stehe er als Direktor ein. Im Ubrigen lasse er kein Mitglied im Stich, das seine Schuldigkeit tue. Redner rühmt an W. die vornehme und äußerst geschmackvolle Darstellungsweise und teilte mit, daß W. in München mit Ehren bestanden habe. Frau W. sei auch anderwärts ausgezeichnet kritisiert und in Hannover als würdig betrachtet worden, Nachfolgerin der Frau Hammerstein zu werden. Ginge sie von Dortmund weg, werde sie eine weit höhere Gage erhalten. Falsch sei es, die Altistin als eine Künstlerin zweiten Ranges zu betrachten. Herr Direktor Hofmann fährt fort, daß er charaktervoll genug sei, zuzugeben, daß er in Bezug auf die hochdramatische Sängerin zweimal hintereinander einen Mißigriff getan. Einen Teil der Schuld trage auch die verhältnismäßig geringe Gage. Redner glaubt jetzt, die richtige Sängerin gefunden zu haben. Das Dortmunder Publikum sei nicht anspruchslos, wie behauptet worden sei, sondern mit Recht anspruchsvoll. Es hat Gutes gehört und hört auch heute noch Gutes von dem zweifellos guten Personal, das keine Hungerlöhne bekomme, im Schauspiel sogar glänzend bezahlt werde. Er schloß, daß er temperamentvoll sei, um auch in der Deputation seine Sache zu vertreten. Diri et salvavi animam meam.— Nach weiterer Diskussion, an der sich in der Hauptsache die Herren Dörenberger, Direktor Hofmann und Stadtrat Dr. Boldt beteiligten, schloß Herr Justizrat Raude mit dem Bemerken, daß durch die Aussprache viele Irrtümer aufgeklärt worden seien und man nun hoffentlich ruhigeren Zeiten entgegen gehe, die Versammlung. Lokales und Orovinzielles. Dortmund, 15. Dezember. —* Fortschrittliche Volkpartei. In der gestrigen Sitzung des Vereins der Fortschrittlichen Volkspartei, die trotz der Weihnachtsnähe recht gut besucht war, wurde eingehend über die fortgesetzten Aurempelungen der Fortschrittlichen Volkspartei durch das hiesige Amtsblatt und die Westf. Pol. Nachrichten gesprochen. Es gelangte unzweideutig zum Ausdruck, daß diese sich durch Verdrehung und Unwahrheit wie Gehässigkeit unrühmlich auszeichnenden Angriffe dazu beigetragen hätten, das bisherige freundschaftliche Verhältnis zwischen Fortschrittlicher Volkspartei und Nationalliberalen aufs empfindlichste zu trüben. Die Antwort, die im Dortmunder Tageblatt auf die persönliche Anrempelung des Redakteurs Sonnemann erteilt worden ist, wurde ausdrücklich gebilligt und im übrigen konstatiert, daß der zweite Artikel, der auch den leitenden Amtsblattredakteur nebenbei erwähnte, nicht aus der Feder eines Stadtverordneten stammt. Es sei, so wurde gesagt, die allerhöchste Zeit, daß die Angriffe des reaktionären Amtsblattes auf die Fortschrittliche Volkspartei mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen würden. Schon zu lange sei Zurückhaltung geübt worden. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurde über die Maßnahmen für die nächsten Reichstagswahlen gesprochen. Es trat ganz allgemein die Ansicht zu Tage, daß bei dem Mangel eines nationalliberal=fortschrittlichen Wablabkommens über die ganze Provinz Westfalen die Aufstellung eines eigenen Kandidaten geboten sei. Herzlich gelacht wurde über die Aeußerung der„Tremonia“, daß der Vorstand des Vereins von einer eigenen Kandidatur nichts wissen wolle. Nachdem noch Organisationsfragen besprochen worden waren, wurde die Sitzung von Herrn Justizrat Doepner geschlossen. —* Von den Demokraten. Durch die ultramontane„Gemania“, die augenscheinlich von einem der demokratischen Vereinigung nahestehenden Herrn bedient wird, erfahren wir, daß die Kohn=Demokcaten die Dortmunder Reistagskandidatur ihrem Führer den Rechtsanwalt Kohn angetragen haben, daß sich Herr Kohn aber nicht sofort hat entschließen können, die Kandidatur anzunehmen. Die„Germania“ weiß weiter zu orakeln, daß die Kandidatur Kohn leicht die Wirtung haben könne, daß die Nationalliberalen aus der Stich, wahl verdrängt würden und das Zentrum die zweitstärkste Partei werde. Das Zentrum wird unseres Erachtens in die Stichwahl kommen, wenn die Polen von der Aufstellung eines eigenen Kandidaten Abstand nehmen, vorausgesetzt, daß es diesmal überhaupt zu einer Stichwahl kommt. Die Position der Dortmunder Nationalliberalen wird schon dadurch arg geschwächt werden, daß die Christlich=Sozialen, die Hülfstruppe des westfälischen Zentrums, auf eigene Faust in den Wahlkampf ziehen wollen und werden. Kommt dann noch hinzu, daß auch der Fortschritt den Wählern einen Kandidaten präsentiert so ist es mit der nationalliberalen Stichwahlherrlichkeit zu Ende. Die„Germ“ meldet, daß die Mitteilung des Dortm. Tagebl. über eine freisinnige Kandidatur dementiert werde. Sie fügt aber nicht hinzu, daß das Dementi nicht von freisinniger Seite, sondern ausgerechnet von der—„Tremonia", die besser als wir, über die Verhältnisse in unserem Lager unterrichtet zu sein, sich den Anschein gibt, gekommen ist. -§ Im Verein Frauenbildung=Frauenerwerb findet wegen der herannahenden Festzeit die Mitgliederversammlung schon am Freitag, den 16. ds. Mts. nachmittags 5 Uhr in der Kochschule, Ostrandweg 15, statt. Der Bericht über die Delegiertenversammlung in Elberfeld, wird allen Mitgliedern, die nicht Gelegenheit hatten, an derselben teilzunehmen, viel Neues und Interessantes bringen. — Der Verein ehem. 137er war am vergangenen Sonntag zu einer kleinen Feier versammelt. Er ist auf Grund der Kabinettsordre vom 22, 2. 1842 als Kriegerverein bestätigt worden. Der Vorstand stiftete gleichzeitig dem Verein ein neues Bunner. Diese beiden Ereignisse bildeten den Grund zur Feier. Die Weiherede hielt der langjährige Vorsitzenbe des Vereins ehem. 67er Herr Anton Quinkert in formvollendeter Weise. Der Vorsitzende vom Verein ehem. 137er nahm das Banner mit kurzen Dankesworten in Empfang und übergab es dann den Bannerträgern, die versicherten, das Banner treu behüten zu wollen. Die Feier selbst verlief bei Freibier äußerst gemütlich; Toaste, Solovorträge und gemeinschaftliche Gesänge wechselten ab. Der Verein kann mit Stolz auf diese Feier zurückblicken. Hagen, 14. Dez. Wie wir zuverlässig vernehmen, haben die Nationalliberalen„das Zentrum und die Christlich=Sozialen, die für die kommenden Reichstagswahlen ein Abkommen zwecks gemeinsamen Vorgehens getroffen haben, den Fabrikanten Rudolf SpringmannHagen als Kandidaten aufgestellt. Von sozialdemokratischer Seite kandidiert bekanntlich der Arbeitersekretär König. Die Fortschrittliche Volkspartei hat bisher ihren Kandidaten noch nicht nominiert. Hag.=Ztg. Bocholt, 14. Dezember. Seit einiger Zeit tritt hier der Scharlach in größerem Umfange auf. Die Krankheit hat schon viele Kinder hinweggerafft. Oberhausen, 14. Hier wurden ungefähr 50 Erkrankungen nach dem Genusse von Margarine, und zwar der Marken„Backa" und„Luise" festgestellt. Düsseldorf, 15. Dez. In zwei Fällen sind hier wiederum Erkrankungen nach dem Genuß von LuisaMargarine und Margarinekäse„Thmor“ vorgekommen. Die Margarine wurde erst am 7. Dezember direkt von der Fabrik bezogen. Verein Dortmunder schule. Der Tierschutzverein hatte es sich schon seit geraumer Zeit zur Aufgabe gemacht, gleich anderen großen Städten, wie Breslau, Leipzig, Barmen=Elberfeld, Essen, Hagen usw. auch in Dortmund eine Fahrschule zu errichten, und ist in der Sitzung vom 18. Oktober 1910 die Errichtung einer solchen Fahrschule beschlossen, auch ist die Eintragung in das Vereins=RegiGold. Medaille Weltausstellung Brüssel. Auch auf allen früher beschickten Ausstellungen Deishekrönt. Pelze billig und gut. 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Der Zweck des Vereins ist, in der Fahrschule den Kutschern und Fuhrleuten eine gründliche Vorbereitung und Ausbildung für ihren Beruf zu erteilen, denselben Liebe und Güte gegen die ihnen anvertrauten Tiere einzuflößen und dadurch auch den Kutscher= und Fuhrmannsstand zu heben, sowie den darin untereichteten Schülern, welche die Prüfung in allen Unterrichtszweigen vor der Prüfungs=Kommission bestanden, einen sogenannten Befähigungsnachweis auszustellen. Es soll dadurch eine größere Sicherheit des Steaßenverkehrs herbeigeführt, den gewerblichen Intecessen der Mitglieder der Fahrschule und der Zusammenschluß aller in Dortmund und Umgegend vorhandenen Personen und Gesellschaften, welche Pferde, gewerbliches und Luxusfuhrwerk halten, Schutz und Förderung geboten und etwaigen hülfsbedürftigen Kutschern und Fahrleuten, welche die Schule des Vereins mit PrüfungsZeugnis besucht haben,— wenn die Kassen=Verhältnisse es gestatten,— eine Unterstützung gewährt werden. Der Unterricht wird unentgeltlich erteilt, und zwar 2 Mal wöchentlich je 2 Stunden, theoretisch und praktisch. Der theoretische Unterricht umfaßt Hufbehandlung, Anatomie des Pferdes, und volizeiliche Vorschristen und werden als Lehrer geprüfte Husschmiede, Tieräczte, und höhere Polizeibeamte fungieren. Der praktische Unterricht erfolgt durch Fachleute, und erstreckt sich auf Stalldienst. Erklärung der verschiedenen Geschirre, Anschirren, Einspannen mit 1 und mehreren Pferden, Fahrdienst, Ausspannen, Ausschirren und Abwarten der Pferde. Als Uebungsplatz ist die Besitzung des Heern Schubert in der Leibnitzstraße gewonnen, die sich in jeder Weise ganz vorzüglich dazu eignet. Der Kursus dauert zirka 2 Monate und soll der erste Anfang Januar 1911 beginnen, an demselben können 15—20 Schüler zu gleicher Zeit teilnehmen. Die Fuhrherren= Vereinigung, der Fuhrmanns=Verein, die Bäcker= und Metzger=Innung, sowie sämtliche Pferdebesitzer werden auf diese löbliche Einrichtung aufmerksam gemacht und auf die Annonce in dieser Nummer hingewiesen. Letzte Telearamme Keine Ausdehnung der Kronprinzenreise. Berlin„15. Dez. Das Hirsch'sche Depeschenbüro erfährt an amtlicher Stelle, daß die Ostasienreise des Kronprinzen keineswegs eine Ausdehnung erfahren wird und seitens des Kronprinzen nicht die Absicht vorliegt, an Bord des Panzerschiffes„Eneisenau“ die Küsten Afrikas zu besuchen. Vielmehr wird die Rückkehr auf direktem Wege mit der sibirischen Eisenbahn erfolgen. Unwetter überall. Paris, 14. Dez. Das Unwetter hat in ganz Frankreich großen Schaden angerichtet. Die Ortschaft Rieox ist in einem Umfang von drei Hektaren im Abrutschen begriffen; der Hügel, auf welchem die Ortschaft erbaut ist, senkt sich stetig dem Flusse zu. Die Einwohner mußten ihre Wohnungen räumen und sind mit ihrem Vieh ins Tal geflüchtet. Die Bevölkerung von Nieox zählt 1380 Personen, meistens Arbeiter. Brest, 14. Dez. Das Sturmwetter dauert fort und richtet an der Küste großen Schaden an. Ein großer deutscher Dampfer ist auf der Höhe von Quessant gestrandet und hat dringend um Hilfe gebeten. San Remo, 14. Dez. Der durch die Ueberschwemmungen angerichtete Schaden wird auf 20 Millionen Lire veranschlagt. Torpedoboote haben seit gestern den Postdienst zwischen San Remo, Ventsimiglia und Port Maurkeiusübemnommen. Iswolsxi war infolge der Unterbrechung des Eisenbahnverkeyrs in Alassio mehrere Tage blockiert. Ein grausiger Fund. Dera,(Ungarn), 14. Dezember. Der Großunternehmer Anton Adler, der vor einigen Monaten mit 17000 Gulden in die Waldungen gegangen war, um dort seine Arbeiter auszuzahlen, jedoch mit den Arbeitern nicht in Berührung gekommen und seildem verschunden war, wurde gestern im Walde in einem ausgehöhlten Baumstamm aufgefunden. Die schon stark in Verwesung übergegangene Leiche trug em Halse noch den Strick, mit dem Adler erwürgt worden war. Das Schuh=Haus Meyer, Brückstraße 30 bis 38, ist gestützt aus billige Einkäufe in der Lage, nur bekannte und gute Qualitäten zum Verkauf zu bringen. Für Weihnachten empfiehlt es besonders Kamelhaar. Filz= und Leoer=Hausschuhe. Der gute Ruf des Schuh=Hauses Meyer bürgt dafür, daß die Käufer durchaus zufrieden gestellt und bestens bedient werden. Nicht unerwähnt mag bleiben, daß in dem Schuh=Haus Meyre grüne Rabattmarken verabfolgt und Rabattbücher in Zahlung genommen werden. Haushaltungsgegenstände aus reine m Aluminium erfreuen sich größter Beliebtheit. Deshalb eignen sie sich als Weinachtsgeschenke in hervorragendem Maße. In dem Spezialgeschäft für ReinAtuminium=Waren von Rob. Friesewintel in Dortmund, Hansastraße 101 erhält man alles, was das Herz begehrt, in vortrefflicher Qualität. Das große Lager des renommierten Geschäftes, weist Töpfe aller Art, Pfannen. 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Zur Steuer der Wahrheit. Aus bergbaulichen Kreisen wird uns geschrieben: In seiner an den Zechenverband gerichteten Eingabe um Lohnerhöhung hat der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter u. a. die Behauptung aufgestellt, daß im ersten Halbjahr 1910 das Einkommen aller Bergarbeiter noch etwas zurückgegangen sei. Der Zechenverband wies in seiner Antwort auf die Unrichtigkeit dieser Behauptung hin und erbrachte hierfür auch den zahlenmäßigen Béweis. Nunmehr versandte der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter an die Presse eine Zuschrift, in der er zum Beweise der Richtigkeit der in seiner Eingabe enthaltenen Behauptung die folgende Aufstellung bietet: 1909 Jahresmittellohn 1350 Mk. 1910 erstes Halbjahr 661X2— 1322„ 1910 also gegen die Jahreshälfte weniger 14„ 1909 letzter Halbjahreslohn 696„ 1910 erstes Halbjahr weniger 35„ die er mit der folgenden Erläuterung begleitet:„Mithin ist das Einkommen im ersten Halbjahr 1910: 14 Mark hinter dem durchschnittlichen halben Jahreseinkommen und 35 Mark hinter dem Einkommen des letzten halben Jahres 1909 zurückgeblieben.“ Wenn man diese Aufstellung liest, muß man etweder an dem Sachverständnis oder aber an der Aufrichtigkeit des Gewerkvereins zweifeln. Aus der amtlichen Statistik ist klipp und klar der im ersten Halbjahr 1909 und 1910 verdiente durchschnittliche G'samtlohn eines Bergarbeiters zu ersehen. Er betrug aus den Kopr der Gesamtbelegschaft in 1909: 654 Mark, in 1910: 661 Mark. Um die hieraus für seine Zwecke unnillkmomene Steigerung nicht zugeben zu müssen, berechnet der Gewerkverein einen künstlichen Jahreslohn für 1910, indem er das Ergebnis des ersten Halbjahres verdoppelt. Dabei läßt er außer Acht, daß durchgängig, wie die folgende Aufstellung zeigt, das zweite Halbjahr eine größere Schichtenzahl aufweist als das erste Halbjahr, die so erheblich ist, daß selbst bei niedergehender Konjunktur und dadurch im Jahresverlauf bedingtem Rückgang des Schichtverdienstes, der Gesamtverdienst im zweiten Halbjahr regelmäßig größer ist als im ersten. Es ist sonach völlig unangängig, den Verdienst im ersten Halbfahr mit dem durchschnittlichen Halbjahreslohn oder dem Verdienst im zweiten Halbfahr im Vergleich zu stellen, wenn man ein Urteil über die Steigerung oder den Rückgang des Lohnes gewinnen will; die beiden Jahreshälften sind eben nach Zahl der Schichten keineswegs gleichwertig. 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Weidenau. 31 „So gefallen Sie mir, alter Freund,“ lachte diese „Sie sind wirklich großmütig und ich danke Ihnen im Namen der Armen.“ „Wer mehr hat, als er braucht, soll helfen wo er kann. Das ist nur Pflicht der Reichen, weiter nichts. Ein bißchen Egoismus steckt übrigens ja doch immer hinter der sogenannten Großmut.“ Als im Laufe des Abends Iduna sich für einen Augenblick ins Nebenzimmer begeben hatte, neigte sich Frau Wilhelmine dem Gast zu. „Sie sollten mit Ihrer alten Freundin nicht immer brummen, Fixner. Ich wünschte jaselbst, wenn die Kinder einmal verheiratet sind, mich noch ein wenig an ihrem jungen Glück sonnen zu können.“ „Das können Sie noch manches Jahr, liebe Freundin,“ entgegnete warmen Tones der liebenswürdige Arzt, „und es hängt wesentlich von Ihnen selber ab. Wenn Sie den Willen haben.. „Streng Ihre Gebote zu halten,“ unterbrach Frau Wilhelmine, worauf der Arzt bestätigend das Haupt neigte. „Wann wird also die Hochzeit stattfinden?“ fragte er. „In acht Wochen, Mitte Juli," antwortete Frau Wilhelmine und blickte dann sinnend vor sich hin, wobei ihre Miene immer ernster wurde. „An wen oder was denken Sie, Verehrte?" „An die.. andern,“ und sich noch mehr vorneigend, flüsterte sie ihm einen Namen ins Ohr. „Besser, man lut dies nicht,“ erwiderte er trocken. „Wissen Sie etwas von ihnen?“ „Ich habe sie, auf Ihren Wunsch, nie ganzaus den Augen verloren und kann nur wiederholt sagen, ein wahkes Glück für sie, daß sie nicht unter solchen Händen blieb.“ Er machte eine Pause und richtete die Augen ernst und ausdrucksvoll auf das Gesicht der Freundin.„Und parum, nur um des armen Kindes willen bitte ich Sie immer wieder.. Sie hob den Kopf und streckte die Hand aus.„Ja, a, ich weiß. Am Tage ihrer Vermählung wird es gescheden, nicht um einen Tag früher, nicht um einen später. Ich will es so. Haben Sie keine Angst, ich fühle mich ganz wohl und die paar kleinen Schwindelanfälle werden sich verlieren, wenn ich wieder Landluft atme. Da kommt sie, reden wir von etwas anderem.“ Als Doktor Fixner heimging, war er in ernste Gedanken versunken; immer sah er Idunas heiteres, sorgloses Gesichtchen und daneben das braune, unschöne, oft die Farben wechselnde Antlitz seiner alten Freundin vor sich. „Weiß der Himmel,“ murmelte er, in sein beleuchtetes Wohnzimmer eintretend,„ich kann diese dumme Angst nicht loswerden und wollte, diese acht Wochen wären morgen schon zu Ende.“ * * „Nun, was sinnt denn das Fräulein?“ fragte, heute in selten guter Laune, Frau Dessart, die schon seit einer Weile von ihrem Sessel aus Iduna beobachtet hatte.„Aber was frag ich da noch. An was denkt denn eine Braut anders, als an den Erwählten ihres Herzens?“ „Mitunter denkt sie aber auch an andere,“ entgegnete Iduna mit schelmischem Lächeln. „So und wer sind denn nachher diese anderen?" rief Frau Wilhelmine mit einer Iduna ganz unverständlichen Heftigkeit und deren Züge scharf fixierend, aus. „Kann man das vielleicht auch wissen?“ „Aber gewiß, um so mehr, da ja eben Du, Tanterl, der Gegenstand meiner Gedanken warst. Jawohl, Du, Tante,“ fuhr das junge Mädchen, zu Füßen der alten Dame Platznehmend, fort.„An Dich dachte ich und an alles, was Du mir, der armen, verlassenen Waise, alle die Jahre her Gutes und Lieves erwiesen hast und wie schwer mir eine Trennung von Dir fallen wird; dann . siehst Du, Tante, unser Leben wird sich durch meine Heirat nun doch anders gestalten, ich kann nicht mehr so ausschließlich Dir mich hingeben.“ „Was ich ja ganz gut verstehe, Kind, und Dein Georg ware auch damit nicht zufrieden," lachte Frau Wilhelmine, aber im Innersten durch diese dankbare, kindliche Liebe Idunas gerührt.„Nun, gräme Dich nur nicht. Wir werden uns trotzdem genug sehen, besonders im Sommer, wo ich bei Euch wohnen werde. Auchich werde Dich entbehren," setzte sie mit leisem Seufzer hinzu,„und mehr als Du mich, denn Du hast Deinen Georg, neue Pflichten, neue Umgebungen, ich jedoch.. na, weine nur nicht. Ich will Dir ja das Herz nicht schwer machen. Die Hauptsache ist, daß Du glücklich wirst.“ „Ich hoffe es mit Zuversicht, Taute, denn Georg ist ein guter, treuer, edler Mensch.“ Die alte Dame nickte mit dem Kopf und schob dann Iduna sauft von sich. „Na also, nun sind wir gar sentimental geworden,“ lachte sie.„Nicht übel! Das ist mir wirklich nicht allzu oft im Leben passiert. Aber Du hast mich angesteckt.“ Auch Iduna lachte, wenngleich noch immer Tränen in Ihren Augen standen. „Das macht ja nichts, Tante, und schau, da bringt uns die Hanna die Zeitungen und die Briefe. Tante, da ist auch einer von Georg...“ „Himmel, wie viel Seiten sind es denn? Habe ich einige Hoffnung, daß Du mir heute noch die Zeitungen vorlesen wirst?“ schrie in komischem Entsetzen Frau Dessart. „Es sind heute nur acht Seiten, Tante...“ „Nur acht Seiten,“ stöhnte Frau Dessart. „Nein, nein,“ lachte Iduna jetzt übermütig auf,„es sind nur zwei, denn Georg kommt heute um vier Uhr nachmittags, um mir...“ „Um Dir das andere mündlich zu sagen? Na, für mich kommt es auf ein und dasselbe heraus. Was macht er denn schon wieder in Wien?“ „Aber, Tante, schon wieder! Er war doch beinahe vierzehn Tage nicht hier.“ „Schrecklich! Eine halbe Ewigkeit!“ spottete die Millionärin. Und dann kam er wirklich und als die drei an einem der folgenden Tage beisammen saßen erklärte er es plötzlich schier als Sünde, in dieser wundervollen Maienzeit noch in Wien zu bleiben.„Warum Frau Tante, wollen Sie noch nicht die nun vollkommen in stand gesetzte Villa beziehen? Wie herrlich ist's doch auf dem Land. Da fühlt man sich so froh, so uneingeengt in all seinem Tun und Lassen.“ „Da hast Du ja einen richtigen„Landjunker“ erwischt,„Iduna,“ lachte Frau Dessart über des jungen Mannes Schwärmerei.„Eigentlich ein Glück, daß Du keipe waschechte Salondame bist."— „Die könnt ich auch gar nicht auf meinem Gut brauchen. Ich muß eine tüchtige Hausfrau an meiner Seite haben," meinte der junge Edelmann mit innigem Blich auf die ihm zärtlich zulächelnde Braut. „Na, schön; Sie sind eigentlich viel vernünftiger, Georg, als ich annahm, und ich glaube, meine Iduna, die wird es nicht zu bereuen haben, wenn sie Frau von Friedloff wird. Ihrem Herrn Onkel verdanken Sie aber wohl kaum solche vernünftige Anschauungen, was? Dem wäre eine Prinzessin für den Neffen gerade gut genug. Na, er soll sich nur trösten, der hochwohl= und edelgeborene Herr Baron von Friedloff, und er wird sich auch trösten, wenn er den Strom von Gold sehen...“ „Tante, bitte,“ rief Georg,„ich schwöre es Ihnen...“ „Na ja, ich weiß, ich hab' Sie kennen gelernt, ich bin schon wieder still. Reden wir also von etwas anderm. Vom Aufslandgehen. Ich will nur die Rückkunft meines Bankiers abwarten, ich hab' Notwendiges persönlich mit ihm zu sprechen. Wenn das erledigt ist, dann meinetwegen fort, hinaus. Und ja, was machen wir denn heute noch? Ich mag nicht daheim bleiben. Denkt nach, vielleicht fällt Euch etwas ein. Es ist erst sieben Uhr, also ein ganzer, langer Abend vor uns.“ Nach einer Weile rief die alte Frau lebhaft aus, daß heute Baronin R. ihren letzten Gesellschafts=Abend habe, und ob die jungen Leute Lust hätten, hinzugehen? Ja, sie wollten es, denn Baronin von R. war eine sehr gemütliche alte Dame, in deren Salons man sich stets sehr gut amüsierte, wo man auch Künstler, Schriftsteller, Gelehrte antraf. „Also gut, so machen wir Toilette, Iduna, aber nicht viel Putz, sie mag das nicht. Gleich sind wir fertig. Man soll unterdessen anspannen.“ Schon unter der Tür ihres Ankleidezimmers stehend, rehrte Frau Wilhelmine noch einmal um. „Ich muß nachschauen, ob ich gut verschlossen habe,“ meinte sie. Wirklich war alles wohl verschlossen und beruhigt schritt die Millionärin am Arme Georgs zum Wagen hinab. Im Hause der liebenswürdigen alten Baronin war heute an deren letzten Gesellschaftsabend vor ihrer Abreise aufs Land eine sehr zahlreiche Gesellschaft versammelt. 4186,18 * WEE 454 Will der Gewerkverein nicht den Verdacht auf sich ien tassen, daß er im Interesse seiner wirtschaftsnitischen Zwecke bewußt die Unwahrheit gesagt hat, # bleibt ihm nichts anderes übrig, als rückhaltlos zugeben, daß seine Behauptung von dem weiteren Rückua der Bergarbeiterlöhne im ersten Halbjahr 1900 einer irrigen Voraussetzung beruht und deshalb tbar ist. nhaltb Am Deutscher Reichstag. Berlin, 14. Dezember. Bundesratstische: Delbrück. Wermury, Heeringen, v. Lindequist, v. Tirpitz. Die Etatsberatung wird fortgesetzt. Der größte Mensch der Welt. Abg. Heinze(nat.=lib.): Die Rede des Zentrumsbgeordneten Erzberger, in der er uns als Hinterwäldler instellt, war besonders dadurch interessant, daß sie so bhaften Beifall auf der Rechten fand.(Sehr richtig inks.) Was sagt aber die Rechte dazu, wenn Abg. Erzüber die Kommandogewalt des Kaisers sprach? Sehr richtig.) Unsere Stellung zur Finanzreform ist ekannt. Das Zentrum hat durch seine Haltung zur inanzreform nur den Kanzler stürzen und den Block prengen wollen.(Große Unruhe im Zentrum.) Ich ege Ihnen nichts unter, was Sie nicht selbst ausgesprochen haben. Die gesunde Liberalisierung Deutschands läßt sich nicht aufhalten, aber durch Ihre(nach echts und zum Zentrum) Verschärfung der indirekten Steuern, ohne den Millionenbesitz genügend zu besteuern, vird die Radikalisierung herbeigeführt. Ausnahmejesetze lehnen wir ab. Wir fordern den Schutz der iationalen Arbeit, der Landwirtschaft und der Industrie. Jetzt greift uns der Bund der Landwirte auch in Hantover an. Da gibt es keinen Frieden mehr, da gibt es kampf.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Unser Vortoß nach Ostpreußen ist die Antwort auf das Vorgehen des Bundes in Hannover. Man sagt, der Reichskanzler uche auf Umwegen die schlimmsten Ausnahmegesetze herbeizuführen. Wir lassen uns nicht auf den Leim locken. Abg. Fürst Hatzfeld(Rp.): Wir blicken auf die Finanzreform mit Befriedigung zurück. Wir haben die Sache über die Partei gestellt, unbekümmert um etwaige Konsequenzen bei den nächsten Wahlen. Allerdings hätten wir manches anders gewünscht. Ein großer Fehler war der Ausschluß der Liberalen. Trotz allem was uns trennt, erkennen wir die Berechtigung der liberalen Weltanschauung an.(Hört! hört! im Zentrum.) Daß Dernburg eine neue Aera für unsere Kolonien geschaffen hat, zeigt der Kolonialetat. Wir wünschen seinem Nachfolger ähnliche Erfolge.(Beifall.) Herr v. Kiderlen=Wächter hat es gut getroffen. Am politischen Himmel droht keine Gewitterwolke, jedenfalls wird Deutschland den Frieden nicht stören. Zu unserer Freude hat der Reichskanzler erklärt, ohne Ausnahmegesetze auszukommen; wir wollen ihn nicht dazu drängen. Der Reichskanzler hat eine Politik des Fortschritts versprochen. Diese braucht ja nicht notwendigerweise die der Fortschrittlichen Volkspartei zu sein.(Sehr gut! rechts.) Aba. Raab(wirtsch. Va.): Die Nationalliberalen techtelmechteln immermehr mit den Sozialdemokraten, sie kommen mir vor wie ein Pferd, dem ein Bündel Heu und ein Bündel Hafer vorgehalten wird und das nicht weiß, wonach es schnappen soll. Vizepräsident Schultz: Der Vergleich der Nationalliberalen Partei mit einem Tier verstößt gegen die Ordnung des Hauses. Ich bitte, sich zu mäßigen.(Heiterkeit.) Abg. Raab: Eugen Richter hätte sich der Mehrheit gefügt als echter bescheidener Demokrat. Mehr als die ritterliche Deckung seines Vorgängers kann ich in den Worten des Herrn v. Lindequist nicht sehen. Mit Leuten aus liberalen Kreisen sollte man jedes Geschäft nur Zug um Zug und vor Zeugen abschließen. Das hat man bei der Blockpolitik gesehen. Liberale und Sozialdemokraten kann man als vaterlandslose Meister und Gesellen bezeichnen. Präsident Graf Schwerin=Löwitz: Sie haben doch hoffentlich kein Mitglied des Hauses gemeint? Aba. Raab in entrüstetem Tone: Nein.(Große all## seitige Heiterkeit.) Die Dummheit wird bleiben.(Stürir mische Zurufe der Sozialdemokraten.) Ja gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.(Heiterkeit.) Als der Redner sich weiter gegen die Sozialdemokraten wendet, ruft ein sozialdemokratischer Abgeordneter: # Triole! Abg. Raab: Dieser Zwischenruf ist einfach 1 hundsgemein! Der Präsident ruft den Abg. Raab zur Ordnung. Aba. Raab: Die Sozialdemokraten sagen, es könne noch bei uns kommen wie in Portugal. Nun unsere deutschen Fürsten werden sich anders benehmen als der König von Portugal. Inzwischen ist ein Schlußantrag eingegangen. Hierüber entspinnt sich eine kurze Geschäftsoronungsdebatte, in der die Abgg. Dr. Müller-Meiningen und Dr. Everlina(nat.=lib.) Dergrösste Welf. Der französ. Riese Jos. Durore, Im Passage=Panoptikum zu Berlin zeigt sich zur Zeit ein französischer Riese, der 258 Zentimeter groß und damit also 11 Zentimeter größer als der bekannte Riese Machnow ist. Joss Dusorc ist 26 Jahre alt, in Bearne geboren, und oas Kind normaler Eliern. Zu einem Anzuge braucht der Riese 8 Meter Stoff. Sein Fuß mißt 63 Zentimeter und seine Handschuhnummer ist Nr. 16. Auf unserm Bilde kann man die Unterschiede des kleinsten Menschen, Prinzen Atom, eines normalen Menschen und des gewaltigen Riesen sehr gut erkennen. Künstler=Ronzerte für Kranke Künstler-Konzert für die Berliner Charité-Kranken. In einem Hörsaale der Berliner Charitee finden an jedem Sonnabend Konzerte statt, die von ersten Künstlern und Künstlerinnen arrangiert werden. Diesen außerordentlich lobenswerten Vorträgen wohnt stets ein seltenes und überaus dankbares beifallfreudiges Publikum bei— die armen Kranken, denen diese wenigen schönen Minuten einen Sonnenstrahl in das düstere Dasein tragen. Der Besuch, der für die Kranken und deren Pfleger gratis ist, wird natürlich zahlreich besucht, und alles, was nur imstande ist, den Vorträgen beizuwöhnen, findet sich stets pünktlich im Hörsaale ein. Es wäre sehr wünschenswert, wenn dieser Erfolg auch andere Künstler anregen würde, auf diesem Gebiete sich zu betätigen. Bietet doch ge###e auch die Weihnachtszeit Gelegenheit genug, zu solchen Werken der Nächstenliebe. lebhaft gegen den Schluß der Dehatte protestieren. Der Abg. Singer erklärt diesen Antrag als eine Vergewaltigung der Minorität. Auf Antrag des Abg. Dr. Wiemer(fortschr. Vp.) wird über den Schlußantrag namentlich abgestimmt. Die Abstimmung ergibt die Ablehnung des Antrages mit 113 gegen 112 Stimmen.(Große Bewegung.) Abg. Speck(Zentr.) beantragt, die Sitzung zu vertagen.(Unruhe und Gelächter links.) Der Antrag wiro abgeleont.— Das Wort erhält hierauf der Abg. Böhme(b. k. Fraktion). Redner kann sich lange wegen der herrschenden Unruhe im Hause nicht verständlich machen. Man hört nur Bruchstücke, daß er sich gegen die von der rechten Seite über die Wahl In Labiau=Wehlau verbreiteten Unwahrheiten wenden wolle. Von behördlicher Seite seien dort ungesetzliche Uebergriffe jeder Art erfolgte, genau wie in OletzkoLyck.— Aus der andauernden Unruhe auf der Rechten ruft Abg. Dr. Pauli=Potsdam: Verlogenheit!(Die Sozialdemokraten verlangen stürmisch einen Ordnungsruf.) Präsident Graf Schwerin=Löwitz: Der Ausdruck Verlogenheit ist unzulässig. Ich nehme an, daß Sie ihn nicht auf den Redner bezogen haben, sondern auf Vorgänge draußen. " Abg. Böhme: Peeinflussungen sind nur von konservativer Seite erfolgt. Ich war selbst dabei, wie ein Amtsvorsteher nach einer Versammlung zu zwei Faß konservativen Bieres einlud. Wir danken dem Reichskanzler dafür, daß er die bisherige Schutzzollpolitik weiterführen will. Das Vorgehen des Bundes der Landwirte gegen die Industrie ist nicht staatsmännisch. Redner polemisiert dann noch im weiteren gegen den Bund der Landwirte. Nach weiterer Debatte wurde ein Schlußantrag angenommen und die beiden Hauptteile des Etats an die Budgetkommission verwiesen. Nächste Sitzung: Dienstag, 10. Januar. (Interpellation der Freisinnigen über die Zündwarensteuer, Denkschriften, Petitionen.) Die Moabiter Straßenkrawalle vor Gericht. S. u. H. Berlin, 13. Dezember. Bei Beginn der heutigen Verhandlung befinden sich nur noch acht Personen auf der Anklagebank. Den übrigen hat der Vorsitzende gestattet, ihren Geschäften nachzugehen. Am Verteidigertische nehmen nur noch die Rechtsanwälte Heine und Heinemann Platz. Es wird in der Erörterung des allgemeinen Teiles fortgefahren und zunächst eine Frau Thomaske vernommen, die an einem der Krawalltage bei ihrer Schwester in der Rostockerstraße zu Besuch war und beobachtete, wie die Volksmenge von den Schutzleuten mit blanker Waffe die Straße hinabgetrieben wurde. Ein junger Mann, der von einer anderen Richtung kam, vurde von einem Polizeioffizier vorgenommen. Der Offizier schlug ihn mehrmals mit der blanken Klinge auf den Rücken. worauf dieser unter einen auf der Straße stehenden Handwagen kroch. Der Leutnant stürzte hinert ihm her und pickte ihn mit dem Säbel zwischen den Speichen des Rades hindurch. Der Mann der Zeugin, der den Vorgang mitbeobachtete, rief: Herrgott, der sticht den sa tot! Die Zeugin ließ darauf die Jalousien des Ladens herunter, weil sie befürchtete, die Menge würde zurückkommen und den Laden stürmen. Später kam der junge Mann in den Laden hinein. Die Zeugin wußte aber nicht, daß es der junge Mann war, der unter den Wagen geflüchtet war. Dem Mann waren die Kleider zerrissen und beschmutzt. Er sagte zu der Zeugin, daß er nicht wisse, wofür er geschlagen worden sei. Rechtsanwalt Heine: War die Menschenmenge noch dabei, als der Leutnant auf den fungen Mann einhieb?— Zeugin: Nein, nur der Offizier und der junge Mann befanden sich an jener Stelle.— Rechtsanwalt Heine: Haben die Schläge des Offiziers den jungen Mnan getroffen?— Zeugin: Gewiß. Staatsanwalt: Der Offizier soll noch von einem Schutzmann begleitet gewesen sein?— Zeugin: Nein, der Leutnant war allein Der Staalsanwalt beantragt hierauf die Ladung des Journalisten Steinberg und mehrerer Schutzleute, die bekunden sollen, daß die Schutzleute sich korrekt benommen und daß der angeblich geschlagene junge Mann„Bluthunde“ gerufen hat. Rechtsanw. Heine: Ich habe nicht gegen die Ladung dieser Herren, muß aber doch bemerken, daß, wenn der junge Mann auch wirklich„Bluthunde“ gerufen haben sollte, für den Offizier kein Grund vorlag, mit dem Säbel nach ihm zu stechen. Die folgende Zeugin Frau Lose hat gesehen, wie ein junger Mann unter einen Wagen slüchtete und von einem Polizeileutnant gestochen wurde. Der junge Mann hatte ihrer Ansicht nach nichts getan. Die Zeugin will den Polizeileutnant in Begleitung mehrerer Schutzleute gesehen haben. Die Schutzleute seien aber bald davongegangen, sodaß bei der Stechaffäre nur der Leutnant und der junge Mann bei dem Wagen sich befanden. Maurer Werkner hat ebenfalls gesehen, wie der Polizeileutnant auf den jungen Mann einschlug bis dieser schließlich unter den Wagen kroch. Der Offizier sei dann an den Wagen herangetreten, ob er jedoch hinuntergestochen habe, kann der Zeuge nicht sagen, da er zu weit ab war. Nach Vernehmung von mehreren anderen Zeugen wird der Herausgeber der polizeioffiziösen Korrespondenz Journalist Steinberg vernommen, der zu Beginn der Sitzung geladen worden war. Er hat nicht gesehen, daß der unter dem Wagen befindliche junge Mann mit dem Stelzbein von dem Polizeileutuant gestochen worden sei. Auch die diesen begleitenden SchutzFür korpulente Herren Ha. Cob4+ meiner Bauchgrößen beruht auf einer Jahrzehnte langen Erfahrung und S! SelllItt ist in Sitz und Bequemlichkeit unübertroffen. Klagen über Kneifen der empfehle meine Spezialabteilung für: Hose, sowie Drücken unter den Armen(hervorgerufen durch Arm- und Westenausschnitt) fallen vollständig weg. Für korpulente und untersetzte Herren führe ich Brustweiten von 92—130 cm und Unterweiten von 92—150 cm. Jede Figur, selbt die abnormalste findet somit tadellos passende Kleidung, ich führe nur solide erstklassige Qualitäten in den neuesten Dessins und Fassons und bringe in allen Größen für jede Körperform eine Auswahl, die von keiner anderen Seite erreicht wird. - Anzuge Joppen-, Rock- u. Gehrock-Fassons Bauch-Paletots und Ulster Formen. Bauch-Joppen Bauch-Hosen in Wolle, Lüstre, Leinen, Loden. moderne Dessins, richtiger Sitz solide Verarbeitung ch-Westen in Wolle, Seide und Waschstoffen. Für feinste Maßarbeit bietet meine bessere Konfektion vollst. Ersatz. 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Der inken Klinge len auf der er Leutnant ; d e m S ä b e l Der Mann e, rief: Herrin ließ darweil sie beund den LaKann in den nicht, daß es agen geflüchzerrissen und er nicht wisse, zenmenge noch n Mann einzier und der le.— RechtsOffiziers den wiß. Staatsm Schutzmann in, der Leutf die Ladung er Schutzleute, te sich korrekt hlagene junge gegen die Lazemerken, daß, hunde“ gerufen id vorlag, mit it gesehen, wie stüchtete und de. Der junge tan. Die Zeutung mehrerer eute seien aber Stechaffäre nur ei dem Wagen sehen, wie der inschlug bis dieDer Offizier n, ob er jedoch nicht sagen, da anderen Zeugen ösen Korresponder zu Beginn r hat nicht gebefindliche junge lizeileutuant geleitenden Schutzfahrung und Kneifen der hnitt) fallen 30 cm und e nur solide ßen für jede * leufe hätten nur versucht, den Mann hervorzuziehen, nicht aber auf ihn eingestochen.— Polizeileutnant Folte, der nach der Schilderung der Zeugen für den Vorfall mit dem Krüppel in Betracht kommen kann, bestreitet wiederholt, nach dem jungen Manne gestochen zu haben. Sturm auf das Krügersche Lokal sei jediglich erfolgt, weil aus diesem heraus auf die abziehenden Schutzleute mit Steinen geworfen worden sei. Die Rechtsanwälte Heine und Rosenfeld bemängeln die Aussagen des Leutnants Folte, der in sehr erregtem Tone auf bestimmte Fragen der Verteidiger darüber, ob er unter seinem Eide etwas verschwiegen habe, die Aussage verweigert. Wie die Verteidiger behaupten, soll er mit einem Vorgesetzten Rücksprache genommen haben, wie er die Sache mit dem Auto seiner Aussage noch nachtragen könne. Die Verteidiger beantragen schließlich den Polizeipräsidenten um die Genehmigung zur Aussage zu ersuchen. Rechtsanwalt Rosenfeld macht im Anschluß daran aufmerksam, daß im Zuhörerraum ein Kriminalbeamter Paduck sitze, der unter falschem Namen sich in die Berliner sozialdemokratische Parteiorganisation eingeschlichen und an den Wahlrechtsdemonstrationen teilgenommen habe. Da die Verteidigung auf ihn wegen gewisser Vorgänge Bezug sehmen werde, veranlaßte das Gericht, den Zeugen aus dem Sitzungssaale zu verweisen. Zum Schluß der heutigen Sitzung wurde dann noch ingehend der Journalist Steinberg über sämtliche von hm beobachteten Vorgänge, wie er sie später den Berliner Zeitungen übermittelt hat, vernommen, ebenso iber das Justandekommen seiner Berichte und über die Frage, wieweit er dazu Polizeiinformationen ver wendet hat. Inbezug auf die letztere Frage wünschre die Verteidigung zahlreiche Auskünfte namentlich nach der Richtung hin, ob die Polizei bemüht gewesen sei, sie Vorgänge aufzubauschen, was der Zeuge in Abrede stellt. Der restaurierte Dom zu Wetzlar. S0 und Originale. Dunile, schwere Schatten ziehen wohl auch einmal über das bunte Bild, aber mit Absicht sind die bitterernsten Seiten des Lebens nur flüchtig gestreift. Wir wissen allzuwohl, daß sie da sind— daß wir sie bei der Lektüre dieses heiteren Buches einmal vergessen können, danken wir dem Erzähler. Vom Weihnachtsbüchertisch. VII. Der bekannte Halligdichter Wilhelm Lobsien führt uns in seiner Novelle„Wattensturme“(Verlag von Max Hansen in Glückstadt) wieder an das wilde brausende Meer, zu den harten festen Friesen mit ihren blonden Frauen. Der Verfasser gibt uns ein ergreifendes Lebensbild der Halligen, des Landes und der Menschen. Plastisch wie die Natur jenes Landstriches, tritt uns die Bevölkerung in ihren verschiedenen Typen entgegen. Selten noch wurde ein Biich mit soviel Leidenschaft und Liebe zur Sache geschrieben, wie dieses. Selten aber auch wird ein Buch einen derart tiefen Eindruck hinterlassen. Das Ganze ist ein Werk feinfühliger Beobachtung und liefen Empfindens.— In demselben Verlage ist von(r. Edert „Der Schuster von Tondern“, erschienen(Preis Mark 2.— geb. Mark 3.),„Der Schuster von Tondern“ ist eine wirklich erfreuliche, auch ästhetisch beachtenswerte Leistung. Die liebevoll ausgeführte Zeichnung interessanter Kulturzustände der Heimat in einer historisch derikwürdigen Zeit, die in die Enge des Kleinstadtlebens bedeutungsvoll bineinragt, wird sicher das nachhaltige Interesse aller Leser erwecken. Auch die rsychologische Entwickelung der Charakteristik ist sicher und lückenlos. Es wäre zu wünschen, daß diese aus warmem Herzen geschriebene mit Geschmack und einfachem, aber echtem Erzählertalent geschriebene Novelle recht bald gedruckt würde. Sie führt den Verfasser auf würdige Weise in unsere Literatur ein. Hermann Wagner, hat in Axel Junters Verlag (Berlin=Charlottenburg) eine stille Geschichte vom Sommer„Das Lächeln Mariae“ herausgegeben. Man muß diesen Roman mit den zwei erhabensten Dichtungen vergleichen, um kurz zusagen, welcher Art er ist: Tristan und Isolde: so tief und überwältigend ist hier eine Liebe dargestellt— und Faust; in der Szene nämlich, in der Gretchen den Geliebten nach seinem Gott fragt: so innig und schlicht und so überzeugend hat Wagner das Mysterium der Liebe mit sem Peysterium Der Dom zu Wetzlar, ein altehrwürdiges Lenkmal mittelalterlicher Baukunst, hat in jahrelanger Arbeit eine gründliche Wiederherstellung seiner zum Teil gänzlich verwitterten Außenseite erhalten. Dadurch ist der Dom als ein markantes Wahrzeichen der alten Kirchenbaukunst und deren Wandlungen erhalten geblieben, was um so freudiger zu begrüßen ist, als gerade in Deutschland derartige alte Baudenkmäler äußerst selten sind. Am Sonnabend voriger Woche wurde der Dom, der übrigens als paritätische Kirche sowohl den Protestanten als auch den Katholiken offen steht, aufs neue nach feierlichem Gottesdienst seiner alten Bestimmung wieder übergeben. In der beistehenden Illustration führen wir den Dom unseren Lesern im Bilde vor: die Vorlage hierzu stammt aus dem Atelier des Hosphotographen Spalke in Wetzlar. Der Dom weist die verschiedensten Baustile auf, wurde er doch im Laufe von 3 Jahrhunderten errichtet. Aus dem 12. Jahrhundert stammen die Grundmauern, bis zu dem Dach ist die Architektur fast rein gotisch, während der obere Teil des Turmes schon mehr romanische Formen zeigt. Ganz romanisch ist der Ouerbau der Kirche mit dem Chor, von dem einzig die unteren Fenster, die der Gotik harakteristischen Spitzbogen besitzen. Gewerkvereinsteil. Gelsenkirchen, 14. Dezember. In der hiesigen „Glückauf“=Brauerei sind gestern die Brauer, Küfer, Handwerker, Bierkutscher und Hülfsarbeiter in einer Gesamtstärke von 650 Mann in den Ausstand getreten. Der Streik wird damit begründet, daß edr Tarifvertrag am 1. Oktober abgelaufen und bisher nicht erneuert worden sei. Bochu m, 15. Dez. Gestern hat hier die angekündigte Konferenz der Organisationsvorstände des Alten Bergarbeiterverbandes, des Hirsch=Dunckerschen Gewerkvereins und der polnischen Berufsvereinigung stattgefunden. Die Antwort des Zechenverbandes und der fisikalischen Grubenverwaltung des Ruhrreviers auf die Forderungen der oben genannten Verbände wurden vorgelegt und erörtert. Bei den Konferenzteilnehmern bestand Einmütigkeit darüber, daß die Begründung des Zechenverbandes und der königlichen Bergwerksdirektion die ablehnende Haltung nicht rechtfertigen könne. Es wurde deshalb beschlossen, in kürzester Frist Revierkonferenzen stattfinden zu lassen und mit den Vertrauensleuten der Bergarbeiter die weiter einzuleitenden Schritte zu beraten. Die Vorständekonferenz protestierte gegen die Mitteilungen in der Presse, wonach die Verbände bei ihrer Lohnbewegung politische oder sonstige Nebenzwecke im Auge haben. Die Lohnbewegung diene lediglich der Aufbesserung der wirtschaftlichen Lage der Bergarbeiter. Die Konferenz spricht schließlich ihr Bedauern darüber aus, daß der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter Deutschlands versuche, die Bewegung auf das politische Gebiet hinüberzuziehen. des Glaubens verwoben.—„Der Volksbeglükker“ heißt der ebenfalls im Verlag von Axel Juncker erschienene Roman von Rud. Haas. Der Verfasser hat mit diesem Erziehunsroman nicht nur eine Dichtung geschaffen, die seinem jungen Namen das weiteste Interesse sichert, sondern er hat auch eine Erziehungstat geleistet, die manchem Suchenden Hort und Führer sein wird. Die Verlagshandlung Philipp Reclam jun. in Leipzig legi einig: Romane auf den Weihnachtstisch. „Der Schwester Vermächtnis“ von E. Krickeberg(Geh. 3 Mark, geb, 4 Mark) ist der Roman zweier grundverschiedenen Schwestern, einer stolzen Frauenseele, die nur um ihrer selbst willen geliebt werden will, und eines flatterhaften Wesens, das den Mann betrübt mit einem Abenteuer. Sie stirbt und hinterläßt ein zartes, krankes Mädchen, für das der Vater eine Mutter, die Pflegerin und Erzieherin zugleich sein soll, sucht. Er findet die Schwester seiner ersten Frau bereit, dem Kinde die Mutter zu ersetzen. Sie schließt es ans Herz, gibt ihm Sonne, Licht und Leben, aber sie weist alle Werbungen des Vaters ab. Die seelischen Konflikte sind meisterhaft erzählt. Den Höhepunkt des Romans bildet die Schilderung, wo sie an der Bahre des geliebten Kindes endlich ihre wahren Empfindungen entdecken. Die psychologische Entwicklung der Charaktere ist vorzüglich gelungen.— Johannes Wilda's Roman„Konsul Godars Kinder“. Geh. 3 Mark, gebunden 4 Mark) spielt zu Anfang des vorigen Jahrhunderts, als Deutschland unter dem Drucke des korsischen Eroberers seufzte. Bilder von packender Wucht„wie die Besetzung und Plünderung des unbefestigten Lübeck, ziehen am Leser vorüber. Die historischen Persönlichkeiten sind ebenso lebendig geschildert und charakterisiert, wie das Milieu jener gärenden Zeit, in der eine im Kern faule Generation mit einem kraftstrotzenden, vaterlandsliebenden Geschlecht in Konflikte geriet. Inmitten all dieser Kämpfe steht der aufrechte, stolze Lübecker Konsul Godar mit seinen durch den Einfluß der koketten, leichtsinnigen Mutter verdorbenen Töchterlein und deren Gespielen, einem jungen Försterssohn voll tiefen Gemütes, voll Heimatliebe, voll deutschen Stolzes, einem jener Menschen, die Deutschlands Größe mit ihrem Blut erkämpften.— Ein Kleinstadtroman ist Teo v. Torn's„Stille Waser“(Geh. 3 Mark, gebunden 4 Mark), Verblüfsend realistisch sind die einzelnen Gestalten gezeichnet: der in steifpädagogischer Würde lehrende und lebende Direktor mit dem Goethe=Kopf, die hysterische Weiblichkeit der Seidenschwanz=Familie, namentlich das in seinen jungfräulichen Empfindungen fortwährend verletzte ältliche Fräulein Malwine, der erfrischend aufrichtige und grobe Münchner Maler und der reich befähigte junge Lehrer mit seiner lustigen, verwöhnten und ein wenig zur Oberflächlichkeit neigenden Frau“— lauter Typen Einaesandt. Werter Herr Redakteur! Betreffs des Eingesandts in Ihrem werten Blatte am 9. Dezember 1910. Nr. 288 hätte der Einsender auch die ganz kleinen Händler erwähnen können, die es doch am sichersten nötig haben, auf diese Weise geholsen zu werden, sowie Hausierer,(natürlich keine Ligeuner oder sonst so zweiselhafte Personen, sodann die Invaliden, welche mit einem Stelzfuß, oder einem Arm 2c. einen Korb oder Kasten den ganzen Tag herumschleppen und durch den Verkauf ihrer Haushalt=Artikel sich kümmerlich, aber redlich und ehrlich duccschlagen wollen. Dann noch sind die Invaliden, welche in den Trinkhallen sind, von denen noch mehrere Hallen geöffnet sind, zu erwähnen. Es sind auch meist Krüppel, die vom frühen Morgen, bis spären Abend sich bemühen, etwas zu verkaufen. Auch diese Leute wollen ihren notdürftigen Unterhalt durch sleißige und ehrliche Arbeit verdienen. Wenn auch an diesem oder jenen dieser Art Händler etwas zu tadeln ist, in Bezug aufs Trinken, es sind aber doch noch Leute, die fleißig arbeiten und nicht wie die faulen Lettler, die den ganzen Tag herumlungern und das Geld, welches sie von mitleidigen Menschen erhalten, in den gewöhnlichsten Schnapskneipen versaufen, und kein Mitleid verdienen. Wenn Sie in Ihren werten Blatte, dieses im Eingesandt nachtragen wollen, diesen kleinen Händlern mehr abkaufen zu wollen. Sie würden sich den Dank der Leute sicher erwerben. Besibewährte gesunde und magen: darmkranke Kindernahrung V. gper Nahrung für: sOwie schwächlichs in der Entwicklung zurückgebliebene Kinder. Orient-Teppiche Grösste Leistungsfähigkeit durch direkten und persönlichen Einkauf an den Handelsplätzen des Orients. Eigenes Einkaufshaus in Constantinopel, Neueingänge: Ca. 800 Stück hervorragend schöne farbenprächtige Teppiche, Vorlagen, Gallerien, Tischdecken, Divandecken, Kelims, zu aussergewöhnlich billigen Preisen. 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Im Ermitte lungsfalle bitten wir um Mitteilung zu unserer Akte K. o. 263. Dortmund, den 8. Dezember 1910. Die Verwaltung des Armenwesens. für Fuhrleute und Kutscher. Hosen aus wettertesten Stoffen. Unsere Auswahl ist bedeutend! Unsere Preise sind bekanntlich die billigsten! Bekanntmachung. Nachdem nunmehr das vorläusige Ergebnis der am 1. d. Mts. ausgeführten Volkszählung festgestellt worden ist verfehlen wir nicht, allen denjenigen Damen und Herren welche durch die freiwillige Uebernahme des mühevollen Zähleramtes uns bei Ausführung der Volks-, Wohnungs und Viehzählung so bereitwillige Unterstützung gewährt haben, unsern herzlichsten Dank hierdurch öffentlich auszu sprechen. Dortmund. den 12. Dezember 1910. Der Magistrat: Dr. Eichhoff. Aicolalstrasse 5 Dortmund Balkenstr. 36-33 beim Bezirkskommande. Bekanntmachung. Der am 28. Januar 1866 zu Lengenfeld, Kreis Heiligenstadt, geborene Bergmann(Arbeiter) Johann Morgenthal hat seine hier wohnende Familie verlassen, sodaß dieselbe aus öffentlichen Armenmitteln unterstützt werdeu muß. Sein Aufenthalt ist unbekannt. Im Ermittelungsfalle bitten wir um Mitteilung zu unserer Akte Mo. 116. Dortmund, den 9. Dezember 1910. Die Verwaltung des Armenwesens. Bekanntmachung. Für die im Rechnungsjahre 1911 zur Ausführung kom menden Kanalanschlüsse gelangen nach§ 3 der Ortssatzung vom 6. Juli 1892 zur Hebung: 1., für jeden Anschluß nebst Untersuchungsschacht und die bei allen Anschlüssen gleichmäßig vorkommenden Arbeiten a., bei einem normalen Untersuchungsschacht mit eichenem Deckel 55,00 Mk. b., bei einem runden Untersuchungsschacht mit eisernem Trottoirdeckel 85,00 Mk c., bei einem runden Untersuchungsschacht mit schwerem Straßendeckkasten 135,00 Mk. 2., für 1 m Rohrleitung von 10 cm Weite 5,00 Mk. „ 1 m„" 15 cm„ 6,00 Mk. „ 1 m„" 20 cm„ 6,50 Mk. Dortmund, den 10. Dezember 1910. Magistrat. Wer liebt? ein zartes, reines Gesicht, rosiges, jugendfrisches Ausehen und schönen Teint? Ulles dies erzeugt: Steckenoferd-Lillenmilch-Seife v. Bergmann& Co., Radebe ul Preis à St. 0 Pf. ferner macht der Lilienmilch=Cream Dada rote und spröde Haut in einer Nacht weiß und sammetweich. Tube 50 Pfg. bei: Alb. Brügmann, Betenstr. und Hohestraße 6. Ed. Blumberg. Münsterstr. 74 Heinr Köhler, am Markt. Jacob Münster, Wißstraße. und Filiale Kuckelke=Drogerie. Paul Prött, am Markt. H. W. Greeven, Münsterstraße Adler=Apotheke, Markt 4. ermann=Apotheke, Schützenstraße 16. 870 Löwen=Apotheke, Münsterstr. 9. Ed. Stehmann Brückstraße 19. Th. Strick Westenhellweg 5. Paul Bäumler, Kaiserdrogerie. Billig! Zu Weihnachten empfehle Weizenmehl 000 gutback. Pfd. 13 Pf. Kaisermehl, griffig„ Pid. 16 Pf. Helle Rosinen Pfd. 59 u. 49 Pf. Neue Aprikosen.. Psd. 63 Pf. „ calif Birnen. Pid. 52 Pf. „ Pfiesiche.. Pfd. 47 Pf. „ Apfelringe, weiß Pfd. 49 Pf. „ Feigen... Psd. 26 Pf. 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