(— □ Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und gesetzt. Feiertage. Abonnementspreis frei ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage und dem 8seitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pig. pro Monat, durch die Post bezogen für 8 Monate 1.50 Mk. Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inserate verantwortlich: Biktor Schanzer, Dortmund. verbunden Lokal-Anzeiger für mit dem Dortmund u. Hörde und der täglichen Unterhaltungsbeilage#### sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 26 Pie Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Beilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Rabatt Hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann, Dortmund. Nr. 288. Dortmund, Freitag, den 9. Dezember 1910. 27. Jahrg. Erstes Blatt. Hansa=Bund und Sozialpolitik. Am 3. Dezember fand im Künstlerhause zu Nürnderg eine große Hansabund=Versammlung statt, in der Herr Oberbürgermeister a. D. Alfr. Knobloch, Berlin, der Direktor des Hansabundes über die Aufgaben und nächsten Ziele des Hansabundes sprach. Dabei war zs bemerkenswert, daß er bei Besprechung der die Angestellten berührenden Fragen die unzweidentige Erklärung abgab, daß er die Fortführung unserer sozialpolitischen Gesetzgebung als eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben ansehe, und daß insbesondere die staatliche Pensions= Versicherung der Privatangestellten— trotz der neuen Opfer, die sie erfordere,—, unverzüglich zu einem guten Ende geführt werden müsse. In diesem Sinne habe auch der Hansabund nachdrücklich an maßgebender Stelle und zwar mit Erfolg gewirkt. Der Redner verwahrte sich auch an anderer Stelle noch einmal ausdrücklich dagegen, daß der Hansabund ein Gegner der Sozialpolitik sei: er wolle nur Rücksicht genommen wissen auf die Leistungsfähigkeit von Gewerke, Hundel und Industrie, soweit diesen Erwerbszweigen aus neuen sozialpolitischen Gesetzen etwa neue figanzielle Lasten auferlegt werden sollten. In der Diskussion sprach ein Angestellter für diese Erklärungen dem Redner seinen Dank aus und betonte, daß insbesondere die kaufmännischen Angestellten bei Aufstellung ihrer Wünsche und Forderungen bisher schon immer Rücksicht darauf genommen hätten, daß dem Handel und der Industrie aus ihrer gesetzgeberischen Durchführung kein Schaden erwachse. Wenn Herr Knobloch aber erklärt habe, daß der Hansabund erst mit eineinhalb bis zwei Millionen Mitgliedern eine Macht von entscheidendem Einfluß bedeuten, werde, so mache er darauf aufmerksam, daß diese Zahl überhaupt nur mit Hülfe der Angestellten erreicht werden könne. Stehe aber fest, daß die Durchführung des vom Hansabund aufgestellten wirtschaftspolitischen Programms mit außerordentlichen Vorteilen, für Gewerbe, Handel und Industrie verbunden sei, so brauche man nur den Angestellten in bezug auf ihre berechtigten Wünsche an die sozialpolitische Gesetzgebung in geeigneter Weise entgegenzukommen, um sie dann nahezu vollzählig für den Hansabund zu gewinnen. Deutsches Reich. Doppelzüngigkeit derer um Breitscheid. In einem Artikel gegen den Herrn von Gerlach von der Demokratischen Vereinigung schreibt die Korrespondenz des Deutschen Bauernbundes u. a.: „Auch zwei andere Punkte verdienen die öffentliche Erwähnung. Es ist jedermann bekannt, in welcher Weise Herr von Gerlach in der„Welt am Montag“ und in Berliner Versammlungen gegen den Kaiser und gegen die Monarchie zu hetzen versteht. Es ist das derselbe Mann, der im Wahlkreise Marburg es für richtig hält, wo es ihm angebracht erscheint, die Versammlungen mit einem„Kaiserhoch“ zu beginnen, oder mit einem„Kaiserhoch“ zu schließen. Derselbe Mann ferner, der nach dem Programme der demokratischen Partei, in der er an führender Stelle steht, für den Freihandel eintritt, für die absolute Abschaffung der Zölle,, in Marburg aber einen VolksAuf dornenvollem Pfade. Roman von M. Weidenau. 25 Als die Damen am nächsten Tage zu einem neuerlichen Rundgang durch die eleganten Modemagazine der inneren Stadt die Wohnung verließen, trafen sie im Treppenhause einen höchst elegant gekleideten, jungen Mann an, der bei ihrem Erscheinen artig den Hut lüftete. „Sie suchen jemand?“ fragte die alte Frau in ihrer raschen Art. „Ja, meine Gnädigste,“ lautete die in hartem Deutsch gegebene Antwort,„ich suche einen Baron von Peppke..“ „Peppke? Was ist denn das für ein Name? Habe ihn nie gehört. Oder Du, Iduna?“ Auch Iduna war der Name freind. „Ihr Herr Baron scheint nicht hier zu wohnen. Uebrizens die Portiersleute werden Ihnen doch Auskunft geben können?" „Es war niemand in der Portiersloge.“ —„So? Das ist ja recht nett. Niemand war da? Da kann sich ja bald wer ins Haus schleichen!“ sagte die temperamentvolle alte Dame mit lauter, scharfer Stimme. I.„Gewiß, meine Gnädigste. Und heutzutage kann man Überhaupt nicht vorsichtig genug sein,“ stimmte der Fremde höflich bei. In diesem Augenblick kam eilig die Portiersfrau herbei. —.„Wo stecken Sie denn, Frau Trantner?“ rief die Miltionärin ihr entgegen. „Ich bitte, Euer Gnaden, ich war ja nur im Keller ünten. Was befehlen Euer Gnaden?“ „Ich befehle nichts. Der Herr da sucht einen Baton.. wie heißt er?“ „Baron von Peppke.“ Die Damen gingen, von dem Fremden noch artig ssegrüßt, auf den wartenden Wagen zu, hörten jedoch #loch deutlich die Portiersfrau sagen, daß hier im Hause sein Baron von Peppke wohne, auch früher hier nicht Kewohnt habe. Man war schon eine Strecke gefahren, als Erau Dessart die Hand auf Idunas Arm legte. „Du, wenn das kein Schwindel war," rief sie lebaft aus. „Was meinst Du?“ verein gegründet hat, der ein ganz entgegengesetzes Programm hat„das nur von der Ermäßigung der Getreidezölle spricht, die Viehzölle aber ganz vergißt. Gegen eine derartige Persönlichkeit, die noch dazu ein solches Doppelspiel treibt, Stellung zu nehmen, ist einfach Pflicht aller anständigen Menschen und hat mit der Parteipolitik sehr wenig zu tun.“ Gegen die Schiffahrtsabgaben. Der Ausschuß des deutschen Handelstages hat erneut gegen die Einführung von Schiffahrtsabgaben Stellung genommen Mitgliesschaft im Deutschen Lehrerverein— ein strafverschärfendes Moment? Es dürfte allgemein bekannt sein, daß die ultramontanen und orthodoxen Gegner des Deutschen Lehrervereins in Presse und Parlament oft recht nachteilige Behauptungen über diesen Verein aufstellen, um ihn und seine Bestrebungen vor der Oeffentlichkeit und den Behörden zu verdächtigen. Es liegt auf der Hand, daß dadurch so manches Vereinsmitglied in seinem Amtskreise schweren Unannehmlichkeiten ausgesetzt wird. Daß die Zugehörigkeit zum Deutschen Lehrerverein unter Umständen auch noch ganz andere Gefahren bringen kann, mußte kürzlich ein pommerscher Lehrer erfahren, den seine Mitgliedschaft beinahe ins Gefängnis gebracht hätte. Er war vor dem Schöffengericht zu N. wegen Beleidigung seines Bürgermeisters angeklagt und wurde vom Gerichtshof schuldig befunden. Im Urteil heißt es nun u. a.:„Es ist in Erwägung gezogen worden, ob sicht angesichts der Tatsache, daß er Lehrer ist und in diesem Falle wiederholt Geldstrafen und Kosten nicht von dem Bestraften, sondern von Standesgenossen getragen werden, auf eine Freiheitsstrafe erkannt werden müßte.“ So ähnlich lautet bekanntlich zuweilen die Begründung einer Gefängnisstrafe gegen sozialdemokratische Redakteure. Das Schöffengericht zu N. hat also gewiß zur lebhaften Freude der Gegner des Deutschen Lehrervereins eine neue Aehnlichkeit zwischen ihm und der Sozialdemokratie festgestellt! Aber auch diese Freude muß zerstört werden, da von dem Gericht als notorisch behauptete Tatsache unzutreffend ist, Wohl besitzt der Deutsche Lehrerverein eine Kasse, aus der Lehrer Unterstützung zu den Gerichtskosten erhalten können, wenn sie durch ihr Amt in Prozesse verwickelt werden, aber noch nie sind aus der Kasse Geldstrafen ersetzt worden, schon aus dem einfachen Grunde nicht,, weil eine solche Zuwendung im Strafgesetzbuch als Begünstigung mit Strafe bedroht ist. Bei der Bedeutung die von Juristen für Gerichtsurteile in Anspruch genommen und die ihnen im allgemeinen auch zuerkannt wird, dorf man wohl mit einigem Rechte fordern, daß ein Gericht nur solche Tatsachen, die unter Beweis gestellt sind, zum Zwecke der Strafabmessung in die Wagschale wirft, namentlich wenn es sich um Tatsachen handelt, die eine strafbare Handlung vorstellen würden. Geistliche Schulaussicht und pädagogische Wissenschaft. Im Mittelalter war die Kirche die Trägerin der Kultur. Sie bestimmte auch Inhalt und Grenzen der Wissenschaft. Letztere ist längst mündig geworden. Mit ihr die Pädagogik. Sie läßt sich nicht mehr aus kirchlichen Bedürfnissen ableiten. Naturgemäß wird sie heute auch nicht mehr von den Dienern der Kirche vertreten. Darüber belehrt uns jeder Katalog der modernen Erziehungswissenschaft. Vor uns liegt beispielsweise ein Prospekt der großen und bekannten Firma „Na, mit diesem Baron da. Die Geschichte kommt mir höchst verdächtig vor und ich hätte gute Lust, umzukehren. Ob er nicht am Ende nicht nur eine Diebsgelegenheit auskundschaften wollte. „Aber geh, Tante, bei hellichtem Tag kann doch nichts passieren und dann sah er so distinquiert aus. „Diese Eleganten sind die gefährlichsten. Hat man jemals von einem schäbigen Hochstapler gehört?“ Iduna hatte schwere Mühe, die aufgeregte, ängstliche Frau zu beruhigen und deren Gedanken auf andere Dinge zu lenken. Aber früher als ursprünglich beabsichtigt kehrte man heim und die alte Frau ging von Gemach zu Gemach, um sich zu überzeugen, daß wirklich nichts passiert war. Während des Diners kam sie aber doch wieder auf das frühere Thema zurück und meinte, daß man so bald als nur halbwegs möglich, aufs Land übersiedeln solle; den gesamten Schmuck werde sie dann bei ihrem Bankier, in dessen Bureaus er am sichersten aufbewahrt sein würde, deponieren. „Wenn nächster Tage Dein Georg kommt, soll er mir ein genaues Verzeichnis meiner Juwelen machen, im Fall wirklich einmal.. „Ich bitte Dich, liebe Tante,“ flehte Iduna, schon ganz verzagt werdend über diese fixe Idee,„denke doch nicht ewig daran und Georg soll.. Sie unterbrach sich und sprang erschrocken auf, denn Frau Dessart wankte in ihrem Sessel und klammerte sich an den Tischrand an. „Tante, was hast Du?“ rief das Mädchen ängstlich. „Ein wenig Schwindel, nichts weiter, mache nur nicht gleich ein solches Getöse. Ein Glas Wasser würde mir übrigens gut tun.“ In gierigen Zügen leerte sie das Glas, der kühle Trunk schien sie zu erquicken, denn ihr Auge blickte wieder heller, aber die Hand zitterte doch noch leicht, als sie das Glas zurückstellte. „Siehst Du, Tante, weil Dut Dich wegen dieses dummen Menschen so aufgeregt hast. Komm, lege Dich ein wenig im Schlafzimmer auf den Diwan und versuche zu schlafen.“ Frau Wilhelmine gehorchte dies mal ohne Widerspruch, was Iduna nicht allein sehr überraschte, sondern noch B. G. Teubner in Leipzig. Von den rund 150 Autoren, deren Werke angekündigt werden, gehören nur 2 dem geistlichen Stande an. Der eine hat ein Handbuch für den Perikopenunterricht" verfaßt, der zweite in Verbindung mit einem bekannten Schulmanne die hannöversche Provinzialausgabe eines Lesebuches für ländliche Fortbildungsschulen herausgegeben. Die übrigen Autoren sind Schulmänner alter Grade, Lehrer an Hoch=, Mittel= und Volksschulen. Das Zurücktreten der praktischen Theologen von der Förderung der pädagogischen Wissenschaft ist ein naturgemäßer Prozeß dem aber der Zustand der Schulaussicht in den meisten Staaten Deutschlands, ganz besonders aber in Preußen keine Rechnung trägt. Dem Theologen die Kirche, dem Pädagogen die Schule unter voller Wahrung der Rechte von Staat und Gesellschaft! Das kann allein die Formel sein, unter der Kirche und Schule ihr pädagogisches Arbeitsgebiet schiedlich und friedlich leiten. Es ist keine„Trennung“, sondern nur eine sach= und naturgemäße Grenzregulierung beider Kulturfaktoren. Der Umstand, daß die praktischen Theologen heute einerseits außerhalb der pädagogischen Wissenschaft stehen, aber andererseits die Rechte eines Schulaufsichtsbeamten ausüben, muß zu schweren Konflikten führen, die sowohl die aufsichtsführenden Organe pecsönlich,, als auch den Lehrerstand und die Schule belasten. Wir leben im Zeitalter der pädagogischen Reform. Die Zeit und ihre Bedürfnisse drängen dazu,, In diesen Verhältnissen des Suchens und Tastens sind nur Schulaussichtsbeamten am Platze, die mit Kopf und Herz in den Dingen stehen. Wie es in der Schule gärt, so gärt es auch in der Kirche. Dorthin gehört der Theologe mit seinem Wissen und seiner Liebe. Nur ein Staat, der die Schule von jeder Hörigkeit befreit und der Schule gibt, was der Schule ist, schafft sich in ihr eine Institution die in Sturm und Drang der Zeitströmungen ein Bollwerk reinen Menschentums und nationaler Größe bildet. Ein freudiges Ereianis am Hofe zu Weimar Großherzogin Feodora von Sachsen=Weimar sieht zum nächsten Frühjahr einem freudigen Ereignis entgegen. Die Erbschaftssteuer in England. Dem„Tag“ wurde am 10. November aus London gemeldet: Wie schnell sich große Vermögen mehren können, aeht aus den Verhandlungen über die Erbschaftsentwicklung in den Fällen der verstorbenen englischen Millionäre Beit und Morrison hervor. Nach Abzug von Stiftungen im Betrage von über 60 Millionen Mark wurde der Rest des Beitschen Vermögens seinerzeit auf weitere 60 Millionen eingeschätzt, jetzt aber, wo die Erbschaftssteuer fällig geworden ist, stellt sich heraus, daß der Nachlaß 161 Millionen Mk. geträgt, von denen 21 Millionen in die Kasse des Schatzkanzlers fließen. Morrisons Vermögen war bei dessen Tode im Mai 1909 auf etwa 135 Millionen Mark geschätzt worden, jetzt aber sind die Erben bereit, Abgaben von 220 Millionen Mark an die Erbschaftssteuerkasse zu zahlen, d. h. einen Betrag von etwa 40 Millionen Mark. Natürlich ist der Unterschied zwischen der Alschätzung kurz nach den Todesfällen und dem heute zugestandenen Wert der Erbschaften zum Teil auf mangelnde Kenntnis der Vermögenslage zurückzuführen. mehr beunruhigte, die Tante mußte sich offenbar ernstlich unwohl fühlen. „Du kannst unterdessen dem Georg schreiben, Iduna. Er soll nur bald kommen, ich möchte auch sonst mit ihm reden," sagte die alte Frau, als sie bequem ausgestreckt lag.„Und geh nur jetzt. Ich fühle mich schon besser, nur der Kopfschmerzt mich etwas," „Soll ich nach Doktor Neu...“ „Unsinn," unterbrach die Millionärin ungeduldig. Ich bin doch nicht so wehleidig. Also schreibe und grüße mir den Georg.“ Als Iduna schon am Schreibtisch saß, kehrten ihre Gedanken immer wieder zur Tante zurück und von plötzlicher unbestimmter Angst erfaßt, sann sie nach. Wenn die Tante stürbe, Tränen traten bei dieser Vorstellung in Idunas Augen, denn sie hing mit zärtlicher Liebe und inniger Dankbarkeit an dieser, trotz ihrem oft recht stürmischen, eigensinnigen und spöttischen Wesen, doch herzensguten alten Frau. Nicht einen Moment fanden eigennützige Erwägungen Eingang in ihre Seele, dachte sie nicht daran, daß, falls die alte Frau, ohne ein Testament gemacht zu haben, von einemplötzlichen Tod ereilt werden sollte, dies für sie und auch für Georg im höchsten Grad verhängnisvoll werden könnte. Endlich aber beruhigte sie sich, mit dem Gedanken sich tröstend, daß nur die Aufregung an dem Unwohlsein der Tante schuld gewesen und daß, wenn jene sich gelegt, auch dieses wieder vollkommen verschwinden würde. So machte sie sich denn mit Feuereifer ans Schreiben und vergaß für jetzt, im Geist mit dem teuren Mann vereint sich fühlend, der Sorge um die Tante. „Ich weiß nicht, bilde ich's mir ein oder ist's wahr, unsere Henny kommt mir seit einiger Zeit ganz verändert vor, hast Du nichts bemerkt, Iduna?“ sagte Frau Wilhelmine, welche sich schon wieder ganz wohl fühlte, am nächsten Tag zur Nichte, welche aber keicht den Kopf schüttelte und entgegnete, daß sie nichts Auffallendes an dem Mädchen bemerkt habe. Höchstens, daß sie nicht so heiter sei, wie sie sonst gewesen. Auch im Dienst hat sie sich schon Nachlässigkeiten zu schulden kommen lassen und so etwas mag ich bei meinen Leuten nicht. Ich zahle glänzend und dafür verlange ich auch, entsprechend bedient zu werden.“ Dreierlei ersieht man aus dieser Mitteilung: I. wie ergiebig die englische Erbschaftssteuer ist; 2. wie gerade das mobile Großkapital sich nicht etwa, wie vom Bund der Landwirte in fälschlich übertriebener Weise behauptet wird, der Erbschaftssteuer entziehen kann, sondern ganz gehörig„bluten“ muß; 3. wie die genaue Aufnahme der Erbmasse zu Erbschaftssteuerzwecken tatsächlich eine wirksame Kontrolle der fröheren Einschätzungen zu Vermögenssteuerzwecken ist. Belgien. Brüssel, 8. Dez. Die Königin Elisabet wird in den nächsten Tagen bereits das Bett verlassen können. Am 10. Jannar soll die Reise nach Südfrankreich angetreten werden, auf der sie der König begleiten wird. Diese Meldung ist jedensalls verfrüht. Das Befinden der Königin ist jedoch ein so zufriedenstellendes, daß bereits angekündigt wurde, daß die Neujahrsempfänge in diesem Jahre im königlichen Schlosse stattfinden werden. Anderseits sind Unterhandlungen mit bem hollündischen Hofe wegen des Besuches der Königin Wilhelmine von Holland in Brüssel angekündigt worden. Der Besuch erfolgt im Frühjahr, wahrscheinlich Ende April oder Ansang Mai. Rußland. Moskau, 9. Dezember. Hier kam es gestech wieder zu Studentenunruhen, in deren Verlauf=ahlreiche Verhaftungen vorgenommen wurden. Türket. Konstantinovel. 8. Dezember. Der Kriegsminister kaufte von der Deutschen Levantelinie den Dampfer„Tenedos“ für Truppentransportzwecke zum Preise von etwa 20000 Pfund. Saloniki, 8. Dez. Das bulgarische Bandenwesen in Mazedonien gewinnt immer mehr an Ausdehnung: besonders gilt dies für das Vileiet Monastir. Auch im Bezirk Prileyt sind zwei neue Banden aus Bulgarien unter Führung Brazoes angekommen. Die bulgarischen Komitees beabsichtigen, wie es heißt, eine ganze Reihe von Attentaten, um die Türken einzuschüchtern und um eine Intervention der Großmächte und eine Dekreditierung des jungtürkischen Regimes in Europa hervorzurufen. In Sofia sowie durch das sich in London befindliche Balkankomitee wird in dieser Hinsicht eine rege publizistische Tätigkeit entfaltet. Serbien. Belgrad, 8. Dez.„Politika“ erzählt folgende Anekdote, für deren Wahrheit sich das Blatt auch verbürgt: Anläßlich des Todes Eduards 7., kondolierten sämtliche europäischen Staatsoberhäupter dem neuen Könige Georg, darunter auch König Peter von Serbien, König Georg ließ natürlich allen seinen Dank übermitteln. Der Text der Depesche an den serbischen König war in französischer Sprache abgefaßt; nur die Adresse lautete statt französisch:„Noi Serbe“ englisch; „King Serbe Belgrade“. Die Belgrader Telegraphenbeamten verstanden aber kein Englisch und glaubten, die Depesche sei für eine Privatperson bestimmt. Man suchte nun den„King Serbe“ im Belgrader Adreßbuch. aber ohne Erfolg. Die Depesche sollte bereits mit „Vielleicht hat sie einen Kummer, Tante?“ „Einen Kummer!“ lachte die alte Frau spöttisch.„So ein junges Ding, dem nichts abgeht da im Hause. Höchstens denkt sie an irgend einen Laffen. Wenn sie am Ende im Hause selbst etwas angebandelt hätte, dann kann sie fliegen. So etwas dulde ich nie und nimmer. Werd mir sie übrigens einmal ins Gebet nehmen.“ „Reg' Dich nicht auf. Tante. Es wird ja nicht so schlimm sein.“ Damit schmiegte Iduna sich an die Seite der alten Frau.„Wie freue ich mich, wenn Georg wieder auf ein paar Tage kommt!“ „Verliebtes Volk!“ lachte die Millionärin.„Aber sag' mir doch einmal, wohin wollt ihr denn die Hochzeitsreise machen?“ „Ach, Tante, wir blieben am liebsten daheim; Georg meint...“ „Könnte dieses Geld notwendiger für sich selber brauchen, was? Na, eigentlich ist das ganz gescheit gedacht. Was mich anbelangt, so habe ich nie begreifen können, wie sich so ein junges Paar wochenlang in allen möglichen= Hotels umschlagen mochte, statt daheim in aller Bequemlichkeit sein sogenanntes Glück zu genießen.“ „Es ist ein wahres Glück, Tante, kein sogenanntes.“ „Na mir auch recht. Aber, hm, über Eure Reise kann man immerhin später noch reden.“ Es klopfte leise und gleich darauf trat Henny ein und überreichte ihrer Herrin auf silberner Tablette Briefe und Zeitungen. Henny, ein zierliches, schwarzäugiges Mädchen, senkte unter den scharfen Blicken der Herrin die Augen zu Boden. „Legen Sie alles dort auf das Tischchen Henny und kommen Sie einmal her zu mir!" „Gnädige Frau befehlen?“ fragte Henny die Farbe wechselnd, was natürlich den inquisitorischen Blicken der Frau Wilhelmine nicht entgehen konnte. „Ich finde, daß Sie seit einigen Wochen Ihren Dienst nicht mehr so exakt wie ehedem versehen: Sie sind nachlässig geworden. Wenn es Ihnen in meinem Hause nicht mehr paßt, so will ich Sie nicht halten.“ „Gnädige Frau,“ stotterte das Mädchen erbleichend. „soll das heißen, ich soll gehen?“ „Ich wechsle nicht gerne, ich mag nicht alle Augenblicke ein freindes Gesicht um mich haben.“ 186.18 der Aufschrift:„In Belgrad unbekannt! Zurück!“ wieder nach London gehen, als im letzten Augenblick ein Deveschenträger eintraf, der längere Zeit in Amerika war und daher englisch verstand und die Depesche an die richtige Adresse gelangen ließ. Bulgarten. Sofia, 8. Dezember. Das Original der ersten bulgarischen Verfassung vom Jahre 1878 mit den Unterschriften des ersten bulgarischen Fürsten Alexander von Battenberg, sowie der damigen Minister und Abgeordneten versehen, ist aus dem Kassenschrank der Sobranje gestohlen worden. Die bis jetzt geheim geführte Untersuchung hat ergeben, daß der Diebstahl bereits vor 10 Jahren verübt, aber erst dieser Tage entdeckt worden ist. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß eine neue Konstituante einberufen werden wird, um ein neues Verfassungsdokument zu redigieren. Sofia, 8. Dezember. Das Staatsbudget für 1911 weist in den Ausgaben 178einhalb Millionen Francs 5 Millionen Francs mehr als im Vorjahre, auf. Das Budget enthält auch einen außerordentlichen Kredit von 40 Millionen Francs für Militärzwecke. Tokales und Provinzielles. Dortmund, 9. Dezember. —8 Jetzt hat der Schmerz ein Ende. Gestern war der letzte Tag der diesjährigen Ziehung der Preukischen Klassen=Lotterie. Mancher wird in den letzten Tagen gewiß oft gedacht haben: wenn ich nur wenigstens mit einem Freilose herauskomme. Aber in gewiß nicht wenigen Fällen wird Fortuna auch hierbei im Stiche gelassen und ihn mit der Hoffnung getröslet haben, daß es ihm„das nächste Mal“ vielleicht vergönnt sein würde. Aber gerade zu Weihnachten hätte man so ein Christkindchen in Gestalt eines schönen Haupttreffers gebrauchen können. Wie viele Luftschlösser sind wohl schon auf erhoffte Lotteriegewinne erbaut worden. Und doch mußten die meisten bald wieder abgebrochen werden. Aber trotzdem soll man den Mut nicht verlieren. Möge jeder, dem das Glück dieses Mal nicht hold war, denken: Was nicht ist, kann noch werden.— Die Ziehung der ersten Klasse 224. Kgl. Preuß, Klassenlotterie beginnt am 13, Januar 1911. Die Erneuerung der Lose muß bis zum 23. Dezember abends 6 Uhr erfolgt sein. — Gegen die Schundliteratur. Rat und Stadtverordnete der Stadt Chemnitz bewilligten kürzlich die Summe von 15000 Mark zur Vervollständigung der Büchereien an den Volksschulen. Die Volksschulbibliotheken sollen mit guten Jugendschriften ausgestattet und so in der Lage versetzt werden, den Kampf gegen den Schund in der Jugendliteratur kann durch Bereitstellung öffentlicher Mittel nur gefördert werden und der Kampffonds derer, die gegen die höchst zweifelhaften Erzeugnisse der Jugendschriftenfaberkation zu Felde ziehen, ist im allgemeinen nicht so beschaffen, daß er solcher Unterstützung aus öffentlichen Mitteln nicht bedürfte. Wenn nur die Eltern und alle, die Kindern Bücher kaufen, all diese Bemühungen noch kräftiger unterstützen wollten! Gerade die Tage vor Weihnachten, für viele die einzigen im Jahre, an denen sie Bücher als Geschenke kaufen, bieten ihnen Gelegenheit, und die zahlreichen billigen und guten Bücher, auf die sie in Ausstellungen und Verzeichnissen usw. aufmerksam gemacht werden, geben ihnen die Möglichkeit, tatkräftig mitzuwirken beim Kampfe gegen die Schundliteratur. —8 Der Deutsche Gruben= und Fabrikbeamten=Verband„E. V.“, Sitz Bochum i. W., eine bekannte Organisation der Industriebeamten zur Standesvertretung und wirtschaftlichen Selbsthilfe beging am 7. Dezember den 20 Jahrestag seiner Gründung. Am 7. Dezember 1890 von 50 Mitgliedern ins Leben gerufen, zählt er heute 14300 Mitglieder. Seine anfänglich sehr bescheidenen baren Leistungen sind bis zur Gegenwart gestiegen auf Mark 1 690 670, wovon auf Sterbegelder Mark 1 230 925 auf laufende Witwen= und Waisenbeihülfen Mark 319 860 und Mark 68885 auf Unterstützungen in Fällen von Krankheit, Stellenlosigkeit und anderer unverschuldeter Not sowie auf Genesungsbeihülfen entfallen. In den letzten Jahcen haben die letzten Ausgaben insgesamt durchschnittlich Mark 200 000 betragen. Die gesamten Reserven des Verbandes sind auf rund 3 Millionen angewachsen. Die derzeitigen Wohlfahrtseinrichtungen des Verbandes umfassen außer den oben erwähnten Kassen mit ihren bedeutenden Barauszahlungen eine über ganz Deutschland ausgebreitete kostenlose Stellenvermittlung, kostenlose Auskunftei, gemeinnützige Rechtsberatung auf allen Rechtsgebieten, Rechtsschutz, d. h. kostenlose Prozeßführung in allen beruflichen oder mit dem Beruf im Zusammenhang stehenden Rechtsfällen, wirtschaftliche Begünstigungsverträge auf allen Gebieten, u. a. beim Abschluß von Lebens=, Unfall=, Haftpflicht=, Kautions= Feuer= und dergleichen Versicherungen, für Bäder= und Kuraufenthalte und dergleichen mehr. Auch das Publikations=Organ des Verbandes, die im eigenen Verlage erscheinende„Deutsche Gruben= und Fabcibeamten=Zeitung", ist in der Fachwelt wohl bekannt. Von dem bevorstehenden Gesetz über die staatliche Pensionsund Hinterbliebenen=Versicherung der Privatangestellten istd er D. Gr. und F. B. der geistige Urheber insofern, als er zuerst eine gesetzgeberische Behandlung der Frage forderte und zu diesem Zwecke die Privatanegestellten=Verbände in dem bekannten Hauptausschuß unter einen Hut brachte. Auch bis zur Gegenwart hat er in dieser Versicherungsfrage einen maßgebenden Einfluß ausgeübt. —8 Kronenburg. Für den 4. Abend im Beethoven=Brahms=Zyklus(12. Symphonie=Konzert) des Philharmonischen Orchesters am Freitag, den 9. Dezember, hat Herr Musikdirektor Hüttner folgendes Programm festgestellt. L. von Beethoven: Symphonie Nr. 4 in B=dur, Adagio aus der Balletmusik:„Die Geschöpfe des Prometheus“, Ouvertüre„König Stephan“. P. Tschaikowsky: Nußknacker=Suite, in welcher eine von der Firma Reinelt gelieferte Celesta zur Verwendung kommt. Zwei russische Lieder:„Die Lerche und Der Zweifel“ von Glinka für Violine(Herr Konzertmeister Schmidt=Reinecke,) Biola(Herr Pörsken), Flöte(Herr Oldörp) und Harse(Herr Spaan. A. Glazounow: Balse de Konzert. —8 Ehrlich=Hata 606. Nachdem die Höchster Farbwerke all motwendigen Einrichtungen zur Herstellung des oben genannten Präparates fertiggestellt haben, wird dieses von Mitte dieses Monats ab unter dem Namen„Salvasau“ in den Handel kommen. Salvasan wird in Schachteln verabreicht, die den Namenszug des Erfinders, Professor Ehrlich, tragen. Jede Schachtel enthält eine Ampulle, die 0,6 Gramm des Heilmittels birgt und im übrigen mit einem indifferenten Gas gefüllt ist, um Oxydationsvorgänge zu verhüten. Der Verkaufspreis in den Apotheken wird 10 Mark für die Ampulle betragen. Die Herstellung des Salva san unterliegt der dauernden Kontrolle des Erfinders, da die Gefahr besteht, daß bei nicht sachgemäher Fabrikation Nebenprodukte von bedeutender Gefährlichkeit entstehen können. — Dortmunder Musikverein. In dem am näch sten Sonntag um 4 Uhr am Fredenbaum stattfindenden 2. Konzert(Saul und David von Händel) wird Frau Elisabeth Böhm van Endert, Kgl. Hofopernsängerin aus Berlin, die Sopransoli ausführen. Ueber die Künstlerin schreibt das Kölner Tageblatt nach der Aufführung der„Sündflut“ im 4. Gürzenich=Konzert: „Frau Böhm van Endert sang die„Eana“, die in der Höhe die leuchtende Akzentkraft der hochdramatischen Rolle erfordert und doch in der Mittellage jene Weichheit und Ueppigkeit, im großen und ganzen überhaupt jene feinere gesangliche Linie verlangt wie sie den Primadonnen weniger gegeben, sondern die Domäne einer so poesievollen, schmelzreichen Sopranistin bildet, wie Frau Böhm van Endert ist.“ —s Vergiftungen infolge Genusses von Margarine sind jetzt auch in Dortmund festgestellt worden. Es kommen vier im nördlichen Stadtteile wohnenden Familien in Betracht. Lebensgefahr liegt indeß, wie wir hören, nicht vor, —8 Die Cholera auf der Insel Madeira hat die Aufhebung der regelmäßigen Schiffsverbindungen mit dieser Insel notwendig gemacht. Briefsendungen können daher bis auf weiteres nur über Portugal gesandt werden. —* Unfall, Auf einem hiesigen Werke erlitt der Arbeiter Karl Arnold infolge Loslösens eines Eisenblocks einen Bruch des rechten Schienbeines und der großen Zehe. —8 Selbstmord einer Dortmunderin im Auslande. Die 23 jährige, in Dortmund geborene Maschinenschreiberin Luise Bertram hat in ihrer Wohnung in der Rue d'Arcarde in Paris aus Liebesgram Selbstmord verübt. * Die neue Dienstordnung für Direktoren und Oberlehrer. Gegenwärtig wird im Kultusministerium eine neue Dienstordnung für Direktoren und Oberlehrer ausgearbeitet. Die Direktoren haben schon vor einiger Zeit ihre Wünsche dazu geäußert. Sie verlangen unter anderem das Recht, Disziplinarstrafen zu verhängen. Mit diesem Wunsche dürften sie jedoch anscheinend nicht durchdringen und eine solche Befugnis würde sich auch in der Praxis mit Rücksicht auf das bestehende Disziplinargesetz als überflüssig erweisen. Wieweit die Oberlehrer auf Erfüllung ihrer Wünsche rechnen dürfen, läßt sich zurzeit noch nicht beurteilen, zumal sie noch gar nicht an zuständiger Stelle in dieser Richtung vorstellig geworden sind. Da die neue Dienstordnung dem Vernehmen nach noch in diesem Jahre herauskommen wird, dürfte hierfür auch wohl der rechte Zeitpunkt verpaßt sein. Wirksam haben seinerzeit die Volksschullehrer ihre Sache vertreten, als die Rektoren den Versuch machten, das Disziplinarrecht zu erlangen. Bekanntlich ist dieser Versuch gescheitert, obwohl die Rektoren sich auf die Tatsache stützen konnten, daß sie im allgemeinen zwei Prüfungen mehr als ihre Lehrer abgelegt haben, was bei den Direktoren der höheren Schulen den Oberlehrern gegenüber nicht zutrifft. * Urlaubsverlängerung für ältere Eisenbahnbeamte. Ein neuer Erlaß des Eisenbahnministers gibt eine Aenderung in der Urlaubsfrist kund. Es erhalten danach Eisenbahnbeamte über 50 Lebensjahre einen längeren Urlaub wie die Beamten der gleichen Kategorie unter 50 Lebensjahren. Die Zeit der Zubewilligung der älteren Beamten beträgt je nach dem Dienstgrade zwei bis vier Tage. * Eine Anweisung für die einheitliche Schreibweise der Stationsnamen und politischen Ortsnamen ist, wie schon kurz gemeldet, durch Erlaß des Ministers von Breitenbach den Eisenbahndirektionen mit dem Auftrage zugegangen, die darin enthaltenen Grundsätze zu beachten und den nachgeordneten Dienststellen zur Beachtung mitzuteilen. Von allgemeinem Interesse sind die Abkürzungen, welche fortan überall angewendet werden sollen, wie Bf. für Bahnhof, Hbf. für Hauptbahnhof, Vschbf.(Verschiebebahnhof) für Rangierbahn= hof, Gbf.(Güterbahnhof), Hgbf.(Hauptgüterbahnhof), Eilg, für Eilgutabfertigung, Htp. für Haltepunkt, Stb. für Staatsbahnhof,„Stadtb.“ für Stadtbahnhof usw. In manchen Fällen soll auch bei den bisher gebräuchlichen Bezeichnungen eine Abkürzung stattfinden, z. B. für Berlin=Anh.=Dresd. Bhf.:„Berlin Anh. Bf.“, für Berlin Hamb. u. Lehrt. Bhf.:„Berlin Hamb. Bf.“, für Bahnhof Friedrichstraße:„Friedrichstraße" usw., endlich sollen auch die von verstaatlichten Privatbahnen herrührenden, inzwischen veralteten Benennungen(z. B.: O. S. E. für Oberschlesische Eisenbahn, R. O. U. E. für Rechte Oderufer=Eisenbahn, B. D. E für BerlinDresdener Eisenbahn, M Th. Bhf. für Magd. Thür. Bahnhof usw.) durch andere Bezeichnungen— nach dem Kreis, der Provinz, der Himmelsgegend, den Stadtteilen usw. ersetzt werden. * Für die 224. preußische Lotterie kommen ZehntelLose nicht mehr zur Ausgabe. Die Achtel=Lose der bisher in Zehntel=Abschnitten gespielten Nummern kommen unter der Reihenfolge der eingehenden Bestellungen zum Verkauf. Es liegt deshalb im Interesse jedes einzelnen, die Abnahme des Losnummer sofort zu bewirken. Der Preis jeder Klasse für ein Achtel=Los beträgt 5 M. Wellinghofen, 9. Dez. Hier und in Brücherhof sind mehrere Familien nach dem Genuß von BackaMargarine erkrankt. Die Polizei hat die noch vorhandenen Bestände beschlagnahmt. Wattenscheid, 9. Dez. Auf der 7. Sohle des Schachtes 3=4 der Zeche„Holland“ entstand heute Nacht gegen 1 Uhr eine Schlagwetterexplosion. 4 Bergleute wurden getötet, 5 schwer verletzt; 1 Bergmann wird noch vermißt. Der Vermißte ist wahrscheinlich tot. Der Getöteten und Verletzten sind bis auf einen verheiratet. Hagen, 8. Deezmber. Wie der Direktor des städtischen Untersuchungsamtes zu Hagen in Westfalen dem „Westfälischen Anzeiger“ mitteilt, sind im Zuständigkeitsbezirk des Untersuchungsamtes Stadt= und Landkreise Hagen(Westf.), Kreise Soest und Lippstadt in den letzten Tagen nicht nur nach dem Genuß der Margarinewerte„Gacka“, sondern auch der von derselben Fabrik Altonaer Margarinewerke Mohr u. Co. Altona=Ottensen an private Abnehmer direkt gelieferte Marke„„Nichard Mohr“ mehr oder weniger heftige Vergiftungserscheinungen festgestellt worden. Trier, 8. Dez. Vom 10, Dezember ab werden die Grenzen für die Einfuhr französischen Viebes auch für Luxemburg geöffnet werden. Gewerkvereinsteil. Hirsch=Dunckersche Gewerkvereine Dortmund. Versammlungen haben: Sonnabend, den 10. Desember, abends achteinhalb Uhr Maurer und Bauhilfsarbeiter, Sonntag, den 11. Dezember Bergarbeiter I, Montag. den 12. Dezember abends 9 Uhr Gewerkverein der Schneider. Verkehrslokal: Reichskrone, Mühlenstraße 6. In jeder Versammlung ist ein Referent zur Stelle. Berufskollegen sind stets willkommen Ergebnisse in Dortmund. Infolge verspäteten Einganges des Materials einiger Zählbezirke konnte das Ergebnis der Volkszählung für unsere Stadt erst jetzt zur vorläufigen Feststellung gelangen. Die Stadt war in 1143 Zählbezirke eingeteilt; die Zählung erfolgte durch ehrenamtliche Zähler aus den verschiedenen Berufskreisen, Insbesondere waren höhere und mittlere Beamte, Lehrer, sowie erstmalig auch Lehrerinnen der hiesigen Schulen tätig. Die hiesige Kaufmannschaft sowie die industriellen Werke waren auch bei der diesjährigen Zählung mit einer größeren Zahl von Herren beteiligt. Allen Beteiligten sei bereits an dieser Stelle für die Uebernahme des mühevollen Amtes herzlicher Dank ausgesprochen. Das vorläufig ermittelte Ergebnis der Volkszählung ist folgendes: An Wohnhäusern und anderen bewohnten Baulichkeiten waren vorhanden: 1. Bewohnte Wohnhäuser 10 106(8772), 2. unbewohnte Wohnhäuser 311(199), 3. sonstige bewohnte Baulichkeiten, die für gewöhnlich oder hauptsächlich zu anderen als Wohnzwecken dienen 190(112), 4. bewohnte Hütten, Bretterbuden Zelte usw. 5, 5. bewohnte Wagen, Schiffe, Kähne, Flösse usw. 29, zusammen 10641(8883) An Haushaltungen wurden gezählt: 1. Gewöhnliche Haushaltungen von 2 und mehr Personen 43 018(34340) 2. einzellebende Personen mit besonderer Wohnung und eigener Hauswirtschaft 1850(1581), 3. Gasthöfe, Gasthäuser, Herbergen und dergleichen mit einlogierten Gästen 68(61), 4. andere Anstalten aller Art 27(23) zusammen 44 963(36.005). Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf die Zählung vom 1. Dezember 1905. Die ortsanwesende Bevölkerung wurde ermittelt auf 212 862, gegen 175 577 bei der Zählung vom 1. Dezember 1905. Die Bevölkerungszunahme während des fünfjährigen Zeitraumes beträgt mithin 37285 Personen gleich 21,2 Proz.— Die männliche Bevölkerung stieg von 90508 auf 107715 Personen, Zunahme 17207: die weibliche Bevölkerung von 85069 auf 105 147 Personen, mithin Zunahme 20078. Die männliche Bevölkerung überwiegt demnach mit 2568. — Die Zahl der Wohnhäuser stieg um 1534, die der unbewohnten Wohnhäuser um 112: sonstige Baulichkeiten wurden weitere 190 gezählt. Die Gesamtzahl der Haushaltungen beträgt 44963 gegen 36.005 vor 5 Jahren. dem Gerichtssaal. Berlin, 8. Dez. Die Berliner Polizei hat die Beilage der dieswöchigen„Zeit am Montag“ wegen einer Skizze„Gloßsadt“ konfisziert. Den Anlaß zu der Beschlagnahme soll eine Beschwerde der Berliner Aerztekammer gegeben haben, die deshalb erfolgte. weil die Skizze den ärztlichen Beruf nach der Auffassung der Aerztekammer kompromittiere. Gegen den Verfasser, den Schriftsteller Alfred Lehmann=Lemm, hat die Staatsanwaltschaft Berlin auf Antrag der Aerztekammer ein Strafverfahren wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften und öffentlicher Beleidigung einaeleitet.„„— Potsdam, 8. Dez. Vor der Reichsdisziplinarkammer hatte sich heute der Postschaffner Wilh. Fischer aus Berlin wegen zweier Anschuldigungen zu verantworten. Er ist vom Berliner Schöffengericht wegen Körperverletzung zu 150 M. Geldstrafe verurteilt worden. Das jetzige Disziplinarverfahren richtet sich gegen Fischer, weil er in einem öffentlichen Lokal in Dienstuniform offen für die Sozialdemokratie Stellung genommen und zweitens, weil er in einem darauf folgenden Wortwechsel dem städtischen Straßenreiniger Becker mit einem Bierglas eine Kopfverletzung beigebracht hat. Der Gerichtshof erkannte nach dem Antrage des Anklagevertreters wegen dienstlichen Vergehens in zwei Fällen auf Dienstentlassung ohne Pension. Franksurt a. M., 8. Dez. Vor dem Kriegsgericht der 21. Division begann heute die Verhandlung gegen den Zeugfeldwebel Müller von der Pulverfabrik in Hanau. Er hatte die 21jährige Verkäuferin Ifslano erschossen, weil sie ihm den Laufpaß gegeben hatte. Müller befand sich eine Zeitlang im Hospital, um auf seinen Geistes zustand untersucht zu werden. Die Aerzte erklärten ihn aber für zurechnungsfähig. Dresden, 9. Dez. Das auf Antrag des Schriftstellers Karl May gegen den Redakteur Lebius wegen Meineids eingeleitete Verfahren ist nach einem Gerichtsbeschluß eingestellt worden. Letzte Telearamme Korfanty nicht mehr Reichskandidat. Beuthen,, 9. Dezember. Aus dem Polenlager kommt die Nachricht, daß der polnische Reichstagsabgeordnete Korfanty für die nächsten Wahlen nicht mehr kandidiere. Sein Landsmann Napieralsky, in dessen Zeitungsverlag er eingetreten ist, hat mit ihm ein entsprechendes Abkommen getroffen, Somit wird von den jetzigen Polnischen Abgeordneten Oberschlesiens keiner mehr kandidieren. Keine Anleihe in Preußen. Berlin, 8. Dez. Nach der im preußischen Finanzministerium festgestellten Uebersicht über den Bedarf an Geld im nächsten Etatsjahre besteht nach einer Berliner Korrespondenz begründete Aussicht, daß die preußische Finanzverwaltung im Jahre 1911 ohne Staatsanleihe auskommen werde. Der österreichische Thronfolger in Potsdam. Berlin, 8. Dez. Der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand ist um 55 Uhr hier eingetroffen und hat sich im Automobil nach dem Neuen Palais in Potsdam begeben Unwetter in Frankreich. Paris, 8. Dezember. Die Allier und ihre Nebenflüsse sind aus ihren Ufern getreten. Die Umgebung von Billsh warbe überschwemmt. Die aser der Mürne und der Aisne führen Hochwasser. Die Loire ist der Umgebung von Rouen um einen Meter gefallen, Kein Landesverräter. Metz, 8. Dez. Die von verschiedenen Zeitungen gebrachte Meldung, ein Unteroffizier hätte sich hier zu landesverräterischen Umtrieben gebrauchen lassen, ist unrichtig. Fest steht zweisel. los, daß irgendwelche geheime Gegenstände nicht aus. geliefert wurden. Bei der Denunziation, die zur Verhaftung des Unteroffiziers führte, handelt es sich, wie es scheint, um Aussagen eines geistig nicht ganz zuver. lässigen Mannes. Die Wahlen in England. London, 9. Dez. Der Stand der Wahlen war abends 11 Uhr folgender: 192 Unionisten, 146 Liberale, 28 Arbeiter, 45 Nationalisten und 5 unabhängige Nationalisten. Bisher gewannen die Unionisten 19, die Liberalen 18, die Arbeiter 4 Sitze. Der Mehrgewinn der Unionisten ist wieder auf zwei gesunken. Zu den Kämpfen in Wadai. Paris, 9. Dez. Der französische Senat sprach den an dem Gefecht von Drijele beteiligt gewesenen Truppen seine Bewunderung, den Familien der in dem Gefecht gefallenen Offiziere und Soldaten sein Beileid aus. In der Kammer fanden gleiche Kundgebungen statt. Die Debatte über die Interpellation betr. die Ursachen der empfindlichen Verluste im Wadaigebiet wurde auf den 16. d. M. verschoben. Reise König Manuels nach Südfrankreich. Paris, 8. Dez. Der frühere König Manuel von Portugal wird in Begleitung seiner Mutter, der Königin Amelie, demnächst eine Reise nach Südfrankreich antreten. Sie werden in Cannes Gäste des Herzogs von Namur sein. Von der Cholera. Rom, 8. Dez. Während der letzten 24 Stunden wurden in der Provinz Palermo 4 neue Anfälle und 2 Todesfälle von Cholera konstatiert. In der Provinz Rom wurde eine Erkrankung und ein Todesfall festgestellt. Zusammenstöße zwischen Klerikalen und Antiklerikalen Rom, 9. Dez. Im Volksquartier Testaccio kam es zwischen Klerikalen und Antiklerikalen während der Marientagsprozession, an der viele Kinder teilnahmen, zu heftigen Zusammenstößen. Die Antiklerikalen wurden von der einschreitenden Gendarmerie in eine Nebengasse gedrängt und zum Abzug gezwungen. Frauen warfen aus den Fenstern der Häuser Gegenstände aller Art auf die Klerikalen. 16 Mann ertrunken. Madrid. 9. Dezember. Zwei kleine spanische Schiffe sind auf der Höhe von Larrache infolge des Unwetters gesunken. 16 Mann sind ertrunken. Kämpfe in Südamerika. Newyork, 8. Dez. Bolivanische Truppen haben die veruanische Garnison Guayabal angegriffen und viele Personen getötet und verwundert. Peruanische Truppen sind mit größter Beschleunigung zur Verstärkung abgesandt. Standesamts=Nachrichten. Dortmund 1, vom 8. Dezember. Geburten. Ein Sohn: Metzger Windisch, Westerbleichstraße 32. Maschinist Mühlbradt, Dorotheenstraße 18. Kolonialwarenhändler Schaub, Hohensyburg straße 95. Postbote Rudloff, Kurfürstenstr. 44. Eine Tochter: Kellner Schmidt, Zimmerstraße 33 Arbeiter Reimann, Westerbleichstraße 75. Oberlehrer Hinrichs Neuer Graben 20. Schlosser Zamponi, Frie drichstraße 96. Aufgebote: Koksarbeiter Franz Knoblauch#u. Anna Sämler. Schlepper Gustav Taube und Wilhelmine Hornig. Schlosser Karl Pannekoike und Maria Josephs. Eheschließungen: Fuhrmann Julius Reck u Maria Mellwig. Unfallinvalide Emil Marx und Anna Albert. Sterbefälle:: Hermine Middelmann, Brackel, 3 Jahre. Witwe Wilhelmine Trust Burgwall 9, 78 Jahre. Näherin Wilhelmine Jäkel, Hörde, 181 Jahre. Hausdiener Franz Albert, Münsterstraße 16. 47 Jahre. Witwe Elise Pollei, 1. Kampstraße 14, 6½ Jahre Paul Schmidt, Adlerstraße 50, 11 Mon. Walter Mühlbradt, Dorotheenstraße 18, 30 Min. Dortmund 2, vom 8. Dezember. Geburten. Ein Sohn:, Arbeiter Ziegenfeu er Körnebachstraße 57. Arbeiter Spliet, Clausthaler r##e 23. Glasreiniger Stutten, Alsenstraße 88. Maurei Rüdiger, Clausihalerstraße 31. Arbeiter Czapracki. Oe sterholzstraße 112. Architekt Kreutzer, Saarbrückerstr. 4 Maurer Oertel, Cour'erstraße 21. Zimmermann Kos## sebau, v. d. Goltzstraße 69. Eine Tochter: Kommis, Hendau, Düsterstraße 19. Elektriker Wegmann, Schmiedestraße 3. Schlo ser Döls. Kamenerstraße 23. Maschinist Jansen, Oesterholzstr. 52. Kaufmann Rosen“ al. Holländischestraße 16. Ju er Simimat, Oestermärschstraße 64. Sterbefälle: Emmi Freudenthal, Brunnenstraße 36, 2 Jahre. Hermann Pathmann, Nolandstraße 30, 28 J. Ehefrau Rosalie Bisiadowski, Körnebach straße 115, 50 Jahre. Johann Pablotny, Strecken#### 4, 15 Tage. Monate. Sigmund Dirzus, Robertstraße 16a, Einaesandt. Eine Weihnachtsbitte. Gestatten Sie mir, daß ich eine Weihnachtsbitte für diejenigen ausspreche, die oft mit sorgenschweren Kopfe ihr Leben verbringen. Ich meine die kleinen Geschäftsleute, diejenigen die sich mit kleinen Mittely ernähren wollen, die Witwen, die Frauen, die os## ihren kranken Mann und Kinder mit ihrem Handel in kleinen Läden, Kellern usw. ernähren müssen. Sie wol len keine Almosen, sie wollen verdienen. Uebt Wohl taten ohne Geldkosten. Gedenket derjenigen, die der schwersten Lebenskampf um die Nahrung kämpfen. Glaubt mir, manch tränendes Auge wird getrocknet wenn Ihr einen kleinen Teil des Weihnachtsbedarfes in kleinen Geschäften deckt. Ein Christkindchen ist einem hiesigen Arbeter vorgestern von Jülichers Glückskollekte beschert wor rgest den. In die genannte Kollekte fiel nämlich der Hauptgewinn der Königsberger Lotterie im Betrag von 4000 Mark. Bereits am Tage nach der Ziehnn zahlte Herr Jülicher dem glücklichen Gewinner den B trag aus und hat durch diese prompte Auszahlu## die Freude des Gewinners nicht unwesentlich erhöht Bei Jülicher geht alles Schlag auf Schlag, Zahlung,, Gewinn, und sofortige Auszahlung. B## Weihnachten werden noch Ziehungen dreier großer D### terien stattfinden und können wir den Kauf von Do## sen aus Jülichers Glückskollekte nur dringend em pfehlen.(Näheres siehe Inserat., Olymvia=Theater. Wollen Sie sich recht vergnügten Abend bereiten, dann besuchen das Olympia=Theater und sehen sich die glänzende A führung„Kasernenluft“ an. Täglich stürmischer Erko# und unzählige Hervorrufe. Anfang 8 Uhr. Der 2. H. Mk, 4000 7. Dezemb Der Gewinn Pfleget Ziehung Müns Ziebung Rote Ziehun Glückssor nur Mar Die Gewinne d Am vor Mk. 20 Jüliche Bitte jegen Käl 1 3 1 . Wett für F losen al Unsere Unsere Preise e Nalstrasse 5 bein A Ufer der Marne, Die Loire ist in Meter gefallen, denen Zeitungen zier hätte sich n Umtrieben fest steht zweifel. stände nicht aus. ion, die zur Verndelt es sich, wie nicht ganz zuver. d. der Wahlen Unionisten, 146 ten und 5 unabgewannen die Arbeiter 4 Sitze. wieder auf zwei dat. Senat sprach den eteiligt gewesenen milien der in dem daten sein Beileid che Kundgebungen ition betr. die Ur Padaigebiet wurde ldfrankreich. ig Manuel von seiner Mutter, der nach Südfrankreich te des Herzogs von letzten 24 Stunno 4 neue Anfälle nstatiert. In der und ein Todesfall und Antiklerikalen ktier Testaccio kam ikalen während der Kinder teilnahmen, Antiklerikalen wurrmerie in eine Negezwungen. Frauen r Gegenstände aller u. wei kleine spanische arrache infolge des ind ertrunken. sche Truppen hail angegriffen und dert. Peruanische nigung zur Versichten. dezember. etzger Windisch, Weihlbradt, Dorotheen schaub, Hohensyburg rfürstenstr. 44. t, Zimmerstraße 33 aße 75. Oberlehrer osser Zamponi, Frie Franz Knoblauch u. Taube und Wilhelinnekoike und Maria nann Julius Reck u Emil Marx und AnMiddelmann, Braine Trust Burgwall ine Jäkel, Hörde, 181 t, Münsterstraße 16. I. Kampstraße 14, 64 e 50, 11 Mon. Wal18, 30 Min. Dezember. Arbeiter Ziegenfeu er liet, Clausthalerr#e enstraße 88. Maurei Irbeiter Czapracki. Oen itzer, Saarbrückerstr. 4 " Z i m m e r m a n n K o s dau, Düsterstraße 19. ipe 3. Schlo ser Döls. Jansen, Oesterholzstr. ndischestraße 16. 64. eudenthal, Brunnen# athmann, Rolandstraß i iadowski, Körne Pablotny, Streckens# , R o b e r t s t r a ß e 1 6 a, #ôt. Als geeignete selbstangefertigte empfehle in grosser Auswahl 1999 Nur Weihnacht lorgenschweren eine die kleinen kleinen Mitteln# Frauen, die oft hrem Handel in üssen. Sie wol n. 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Dezember d Jahres vorgenommenden allgemeinen Volks=, Wohnn:und Viehzählung aus irgend einem Grunde Zählpapi###e zur Ausfüllung nicht erhalten haben oder von welchen die Zählpapiere aus Versehen nicht wieder abgeholt sind, ersuchen wir dringend, hiervon sofort auf unserem stattstischen Amt, Südwall 2, Zimmer 11, Mitteilung zu machen bezw. die ausgefüllten Zählpapiere einzureichen. Dortmund, den 6. Dezember 1910. Der Magistrat: Dr. Eichhoff. Reines Blut ist die erste Grundbedingung zu guter Gesundheit. Wenn das Blut Unreinigkeiten, Schlacken enthält, wird die Cirkulation beeinträchtigt und der Körper ist vielen Kraukheiten ausgesetzt, wie Rheumatismus, Ausschlag, Geschwüre, Herzstörungen, Lungenkrankheiten, Kopfleiden 2c. Dr. Wegener’s Thee ist als berühmtes und zuverlässiges Blutreinigungsmittel bekannt und erprobt. Ein Tasse Dr. Wegener's Thee vor dem Schlafengehen. genommen, ist ein einfaches und sicheres Mittel. 1526 Preis Mk. 1.50 das Paket, in Apotheken erhältlich. 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In Wohl Frauenvereinen sten der Armen ralienzuwendung gemutige Herrei ken gehen von Kosten der We keicht ist es, ar müssen und man lichkeit muß der ehe es ihm gel nenden Gesamt! muß man Nach auch mal etwa vorüber.— W Arbeit sind, für ten Armen zu so ler d. h. beru unverschämten A erkannt haben nendste Geschäf den au: imme werden und ha am meisten Erf kenloses Geben weiter gezüchte hindurch erhebl dürftigen wirkso schreibern zu t kläglich zu schill bequemes Lebe fältige Prüfung ten unendlichen Geber sich des Werk zu tun Geldgeschenk zu es übrig hat: wird es erst, u mit der Gabe Würdigkeit und unserer Mitbür vorzunehmen,s zweifelhaften henden Wohlté hers, des zust im öffentlichen Anspruch zu ne Bettelbriefschre bekannt; sie h teils mit teils ein Notbehelf, vielen Fällen nen. 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R HL Zweites Blatt. östen henkei Für beste Geschenk-Kleit Ein Posten vorzüglitz schwarze Kleider 110 cm breit, Gelege heitsposten Meter 1.8 Auf sämtliche trotz der bekannt billig Preise 10% Rabat Enorme Posten BurkinRes für Knaben- u. Herrenanzi Paistots und Hosen — weit unter Preis. Schwarze Seide für Blusen und Kleid in allen Preislagen rencheviots 3.90, 2.95 bis 2.4 cke Priedhio SOT Centralisation der strebungen. Nur noch wenige Wochen trennen uns von dem Weihnachtsfest, dem Fest der Liebe und Barmherzigkeit. In Wohltätigkeitsvereinen, Armenbezirken und Frauenvereinen trifft man Anstalten auch den Aermsten der Armen durch eine kleine Geld= oder Naturalienzuwendung eine Weihnachtsfreude zu bereiten. Wagemutige Herren und Damen aus den Armenbezirken gehen von Haus zu Haus, um Beiträge zu den Kosten der Weihnachtsbescheerung zu sammeln. Nicht keicht ist es, auf diese Weise selbst betteln gehen zu müssen und manche mehr oder minder große Unfreundlichkeit muß der Sammler mit in den Kauf nehmen, ehe es ihm gelungen ist, für seine Armen einen lohnenden Gesamtbetrag zusammenzubekommen. Darum muß man Nachsicht üben, wenn man an einem Tage auch mal etwa zu viel angehalten wird, auch das geht vorüber.— Während so berufene Sammler an der Arbeit sind, für die wirklich Bedrängten und verschämten Armen zu sorgen, sind aber auch unberufene Sammler d. h. berufsmäßige Türenbettler und die sogen. unverschämten Armen nicht müßig. Sie, die schon längst erkannt haben daß der Bettel immer noch das lohenendste Geschäft ist, wissen darauf zu laufen, sie sinden aus immer noch solche, die bekanntlich nicht alle werden und haben damit gerade zur Weihnachtszeit am meisten Erfolg. Auch bei uns wird durch gedankenloses Geben die Sorte der berusfmäßigen Bettler weiter gezüchtet und es werden zweifellos das Jahr hindurch erhebliche Beträge, mit denen wirklich Bedürftigen wirksam geholfen werden könnte, Bettelbriefschreibern zu teil, die es verstehen, ihre Lage recht kläglich zu schildern und von den erlangten Gaben ein bequemes Leben führen. Gaben ohne vorherige sorgfältige Prüfung der Verhältnisse haben zu allen Zeiten unendlichen Schaden angerichtet, wenn auch der Geber sich dessen nicht bewußt wird und ein gutes Werk zu tun glaubt. Einem Bittenden einfach ein Geldgeschenk zu schicken, ist sehr bequem für den, der es übrig hat: Aber zu einer verdienstlichen Handlung wird es erst, wenn der Geber prüft und überlegt was mit der Gabe erreicht werden kann und besonders ob Würdigkeit und Bedürftigkeit vorliegen. Da nicht jeder unserer Mitbürger in der Lage ist, diese Prüfung selbst vorzunehmen, so kann nur angeraten werden. in allen zweifelhaften Fällen die Hülfe eines der hier bestehenden Wohltätigkeitsvereine, des Bezirksarmenvorstehers, des zuständigen Geistlichen oder einer sonstigen im öffentlichen Leben stehenden Vertrauensperson in Anspruch zu nehmen. Die gewerbsmäßigen Bettler und Bettelbriefschreiber sind den Vorgenannten meist schon bekannt; sie haben ihr Glück schon überall versucht, teils mit teils ohne Erfolg. Dies ist allerdings nur ein Notbehelf, um eine Auskunft zu erlangen, die in vielen Fällen nicht immer wird gegeben werden können. Um aber in Zukunft das Bettelwesen und den Mißbrauch der Wohltätigkeit planmäßig zu bekämpfen ist dringend zu wünschen, daß alle die vielen an der Ausübung der Armenpflege und Wohltätigkeit beteiligten Kräfte unserer Stadt sich in geeigneter Weise zu gemeinsamer Arbeit bezw. Aussprache zusammenfinden, nicht zuletzt um eine nachhaltige und vertiefte Fürsorge für wahrhaft Bedürftige herbeizuführen, gesunde Grundsätze über Armenpflege und Wohltätigkeit zu verbreiten und zweckmäßige Verbesserungen und Ausfüliung etwaiger Lücken auf dem Gebiete der Wohlfahitspflege anzuregen. So, wie die Verhältnisse jetzt liegen, d. h. daß der eine Verein nicht weiß, was der andere tut, sodaß möglicherweise einem unverschämten Armen dreimal geholfen wird, während der wirklich Bedürftige und bescheidene Arme leer ausgeht, kann es unmöglich weiter gehen. Dieser Erkenntnis dürfte lich wohl keiner verschließen, der es mit der Ausübung der Wohltätigkeit wirklich ernst nimmt. Der Greifswalder S. u. H. Greifswald, 7. Dezember. In der fortgesetzten Beweisaufnahme beantragte der Verteidiger Rechtsanwalt Berndt die Verlesung eines Berichts des Landrats von Maltzahn an den Regierungspräsidenten über den Angeklagten. Aus dem Bericht werde hervorgehen, daß der Landrat die Absicht gehabt habe, den Angeklagten bei seiner Einladung nach dem Landratsamte seiner politischen Betätigung abwendig zu machen und daß er dem Angeklagten als Belohnung die Wiederübertragung der Gutsvorstehergeschäfte gewähren wollte. Der Regierungspräsident Blomeyer erklärt die Verlesung des Berichts nicht für angängig„da er sekret sei. Landrat von Matzahn erklärt, eine solche Absicht habe ihm durchaus fern gelegen, da er nicht annehmen konnte, daß der Angeklagte, als politisch überzeugter Mann sich werde beeinflussen lassen. Es gelangt darauf der Fall des Lehrers Schacht zur Erörterung. Dieser behauptet, daß er wegen seiner politischen Betätigung gemaßregelt worden sei, während Schulrat Reddner(Stralsund) bekundet, daß die Disziplinierung des Zeugen wegen dienstlicher Vorkommnisse erfolgt sei. Zeuge Senator Griewohn-Grimmen hat an dem liberalen Kaisersgeburtstagsessen teilgenommen. Gegen ihn wurde dann ein Verfahren eingeleitet, wie er behauptet, auf Betreiben des Landrats. Er erhielt ein Schreiben vom Regierungspräsidenten, daß er sich auf dem Rathause vor dem Oberregierungsrat Duvinage verantworten solle. Der Zeuge ging aber nicht zu dem Termin, da er an der Feier als Privatmann, und nicht als Beamter teilgenommen habe. Er erhielt darauf eine Ordnungsstrafe von 30 Mark. Das frühere Kreistagsmitglied Kaufmann Appel bekundet, daß nach seiner Ueberzeugung die Art und Weise, wie der Platz für das Ziergärtlein angekauft wurde,„Mache“ gewesen sei. Schließlich gelangen noch die bereits gegen Becker ergangenen Urteile zur Verlesung. Schauspielerparlament S. u. H. Berlin, 7. Dezember. Im hiesigen Künstlerhause begannen heute Vormittag die Verhandlungen der diesjährigen Vertreterversammlung der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger unter starker Beteiligung der Schauspielerund Künstlerwelt. Das Interesse an den Beratungen ist zur Zeit besonders rege, als der Kampf der Genossenschaft mit dem Deutschen Bühnenverein, der Organisation der Theaterdirektoren, und der Fall Zickel auf der Tagesordnung eine große Rolle spielen werden. Zu Beginn der Verhandlungen machten sich Widersprüche geltend gegen die Tatsache, daß Präsident Nissen den Vorsitz führe. Er solle den Vorsitz niederlegen, so lange die Affäre Zickel nicht erledigt sek. Der Präsident Nissen ging aber über diesen Punkt zur Tagesordnung über. Er gedachte zunächst in warmen Worten der Toten des letzten Jahres, darunter Jos. Kainz und der Dichter Björnson und Tolstoi. Aus der Versammlung wurde mitgeteilt, daß der Altmeister der deutschen Schauspielkunst Friedrich Haase der Genossenschaft ein Kapital von 100000 Mark vermacht habe, das ihr nach dem Tode seines Neffen und Er ben zufallen solle. Darauf wurden die Verhältnisse der Pensionsanstalt der Genossenschaft erörtert. Deren Vermögen beträgt nicht weniger als 8500000 Mark. Im letzten Jahre erfuhr es einen Zuwachs von 450000 Mark Davon erbrachte die Zirkusvorstellung der Berliner Künstler und Künstlerinnen allein 30000 Mark. Eine längere Debatte entspann sich über die Höhe der Gehälter der Genossenschaftsbeamten. Die Angelegenheit soll in einem Rundschreiben an die Lokalverbände geklärt werdeen. Der Vertreter Brombergs machte unter großem Beifall der Versammlung die Mitteilung, daß die Stadtverwaltung in die Pachtbestimmurigen des städtischen Theaters die Bestimmung ausgenommen habe, daß jährlich eine Benefizvorstellung zu Gunsten der Deutschen Bühnengenossenschaft stattzufinden habe. Morgen sollen die Verhandlungen teilweise unter Ausschluß der Oeffentlichkeit fortgesetzt werden. London, 9. Dez. Der Passagierdampfer„Blackburn“, der mit russischen und deutschen Auswanderern von Grimsby nach Antwerpen fuhr, wurde in der Nacht zum Donnerstag gegen 3 Uhr bei Sheringham an der Küste von Norsolk von dem Londoner Dampfer„Rock“ in Grund gebohrt. Die Passagiere und Mannschaften retteten sich in drei Boote. Von diesen wurde eines mit sieben Passagieren und achtzehn Mann Besatzung von dem Dampfer „Tyue“ aufgelesen, der die Insassen nach Yarmouth brachte.— Nach den Angaben der Great Central Railway=Compagnie, der der„Blackburn“ gehört, führte dieser 29 Passagiere und 30 Mann Besatzung. Darunter war ein Passagier erster Klasse, die übrigen waren Zwischendeckpassagiere. Zwei der Boote des„Blackburn“ waren bei der Kollision beschädigt worden. Der„Rock“ blieb über Wasser und wurde nach Yarmonih geschleppt. Die beiden noch fehlenden Boote des„Blackburn“ wurden von dem Dampfer„Geraldine“ aufgelesen und nach Erimsby gebracht. Sämtliche Personen an Bord des „Blackburn“ wurden gereitei, an Bord des„Rock“ wurde der zweite Ingenieur bei der Kollision infolge Platzens eines Dampfrohres getötet. Ueber den Zusammenstoß berichten Augenzeugen: Es war dunkle Nacht. Plötzlich bemerkte man an der Backbordseite des„Blackburn“ die Lichter eines fremden Schiffes. Es war zu spät zum Ausweichen, in der nächsten Minute stieß ein Bug mit großer Gewalt in die Mitte der Seite des„Blackburn“, der von einem Ende bis zum anderen erbebte. Mehrere Eisenplatten unter der Wasserlinie wurden weggerissen und das Wasser strömte in die Schiffsräume. Hierauf wurden die in den Kabinen schlafenden Passagiere schnell geweckt und der Kapitän ließ die Booteflottmachen. Die Ordnung wurde völlig gewahrt, obgleich die Lichter ausgingen, als das Wasser die Dynamos erreichte. Zwei Boote waren bei der Kollision beschädigt worden, die übrigen drei mit allen, die an Bord waren, wurden flott. Der„Blackburn“ ging eine halbe Stunde nach der Kollision unter. Die drei Boote ruderten nach dem„Rock“, vermochten ihn aber nicht zu erreichen, da er ins Schlepptau genommen wurde und schnell davonging. Das eine der Boote wurde dann nach fünf Stunden von dem Dampfer„Tyne“ und die anderen beiden von dem Dampfer„Geraldine“ aufgelesen.— Der„Rock“ ist eine kleiner Küstendampfer. Der„Blackburn“ war einer der größten und neuesten Dampfer der Grcat Central Railway=Compagnie und kostete eine Million Mark. Er war nicht versichert. Die in Yarmouth gelandeten Passagiere fuhren mit der Bahn nach Grimsby weiter. Gewerkvereinsteil. Dortmund, 8. Dezember. Die Bergarbeiterver bände hatten an den Zechenverband Eingaben gerichtet, in welchem u. a. auch eine 15 Proz. Lohnerhöhung verlangt wurde. In der jetzt vorliegenden Antwort des Zechenverbandes werden alle Forderungen abschlägig beschieden. In dem Antwortschreiben wird gesagt, daß zwar dem Zechenverbande eine Einwirkung auf die Lohnverhältnisse nicht zustehe, aber er wolle doch darauf hinweisen, daß zur Zeit die Verhältnisse auf dem Kohlenmarkte derart ungünstig liegen, daß zur Erhaltung des Absatzes trotz langsam steigender Löhne,, wiederum Preisermäßigungen für das nächste Jahr beschlossen werden müssen. Ob in diesen für uns unerfreulichen Verhältnissen schon bald eine Veränderung zum Bessern eintreten wird, vermöge heute niemand mit Sicherheit zu sagen. Auch wir bedauern im Interesse der Belegschaften und ihrer Familien, daß infolge der mit dem Abflauen der letzten Hochkonjunktur eingetretenen Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse die Löhne in unserem Bergbaubezirk, gegenüber dem hohen Stande des Jahres 1907 zurückgegangen sind. Immerhin darf nicht außer Acht gelassen werden, daß die Bergarbeiterlöhne unseres Bezirks, nicht nur, und überwiegend beträchtlich höher sind als in den anderen Deutschen Bergbaurevieren, sondern, daß sie auch weit höher gestiegen sind, als wie die Löhne in anderen Berufszweigen. „*„ Massenpetition der Privatangestellten für ein einheitliches Versicherungsrecht. Die Freie Vereinigung für die soziale Versicherung der Privatangestellten schreibt uns: Mehr als 50000 Unterschriften von Privatangsstellten der verschiedensten Berufe bedecken die Petition, welche die Freie Vereinigung für die soziale Versicherung der Privatangestellten soeben dem Reichstage übergeben hat, um ein einheitliches soziales Versicherungsrecht für Arbeiter und Angestellte zu fordern. Ein Beweis dafür, wie tief auch in den Kreisen der Prie vatangestellten der Gedanke einer Versicherung sämtlie cher Arbeitnehmerkategorien auf gemeinschaftlicher Grundlage Wurzel geschlagen hat. Als der geeignetf Weg für die Erreichung dieses Zieles wird der Ausbau der Invalidenversicherung gelegentlich der durch die Reichsversicherungsordnung bedingten allgem. Reform des gesamten staatlichen Versicherungswesens vorgeschlagen. Leider hat es die Reichstagskommission versäumt, bei der Beratung des Versicherungsgesetzes nach dieser Richtung hin, irgend welche Schritte zu unternehmen. Doch noch ist Hoffnung, daß sich das Plenum der besseren Einsicht nicht verschließen wird, Der Reichstag würde dem Angestelltenstande einen schlechten Dienst erweisen„wenn er den Wünschen einzelner Gruppen der Privatbeamten zuliebe, auf diese Einheitlichkeit Verzicht leisten und ein Sonderrecht für die Angestellten bevorzugen würde, dessen Erreichung abgesehen davon, daß sie mit unübersehbaren Schwierigkeiten verbunden ist, sich auch noch auf lange Zeit hinausziehen dürfte. ** Bauverwaltung und schwarze Listen. Eine Aufsehen erregende Mitteilung bringt die Deutsche Industriebeamten=Zeitung. Auf Grund authentischer Urkunden erbringt sie den Beweis, daß das System der schwarzen Listen, über dessen Mißbrauch in der Privatindustrie mit Recht vielfach geklagt wird, nicht nur dort, sondern auch bei einer preußischen Behörde, der Kgl. Bauverwaltung eingebürgert ist, und zwar richten sich diese schwarzen Listen in erster Linie gegen die bei der Bauverwaltung auf PrivatDienstvertrag angestellten Bautechniker, Architekten: Landmesser, Zeichner usw. Sobald einer von ihnen aus irgend einem— oft nur geringfügigem— Grunde sich mißliebig gemacht hat und deshalb gekündigt ist. ergeht gegen ihn ein Geheimerlaß an sämtliche Behörden, der seine weitere Anstellung im Staatsdienst unmöglich macht. Die Industriebeamten=Zeitung ist in der Lage, eine ganze Neihe derartiger Erlass: im Wortlaut wiederzugeben. Aus diesen geht herror, daß es keineswegs nur ehrenrührige oder schwere Vergehen, sondern oft ganz geringfügige Differenzen sind, welche den Erlaß einer solchen Proskriptions=Verfügung zur Folge haben. Die Zahl der auf die Liste gesetzten Techniker betrug bei der Bauverwaltung im Sommer 1909 18 Namen und es kamen fast allmonatlich neue hinzu. Das Auffallende aber ist, daß, als im Januar 1909 die Interpellation des Grafen von Hompesch bezüglich der schwarzen Listen im Reichstage verhandelt wurde, der Minister der öffentlichen Arbeiten ein Rundschreiben an die Behörden erließ, worin es hieß: „Obgleich ich annehme, daß im Bereiche der Allgemeinen Bauverwaltung schwarze Listen oder dergleichen nicht geführt werden, so ersuche ich dennoch darüber zu berichten, ov sie bei einzelnen Bauverwaltunge: im Gebrauch sind.“ Trotz die es Schreibens hörten die Schwarzen=Listen=Erlässe jedoch nicht auf, sondern wurden noch zahlreicher. Mar darf gespannt sein, was der Reichskanzler und Ministerpräsident von Bethmann=Hollweg, dei Vezember Auf dornenvollem Roman von M. Weidenau. 24 „Na, nur Geduld, Kinder! Du wirst es schon noch billiger geben.. ich wärenicht so dumm. Und wenn Du so schrecklich streng denkst, dann wundert es mich nur, daß Du dem armen Kerl, dem Rolf...“ „Das ist meine Sache. Und wenn man einen Mann nicht mehr gern hat, dann ist es schon besser, man heiratet ihn nicht, als daß man ihn hinterher betrügt. Betrogen habe ich den Rolf nicht, das darf er mir nicht nachsagen. Frei und offen habe ich ihm gesagt, wie es um mich steht und...“ „Na, daß Du den noblen Herrn von Möllendorff gern hast, wirst Du ihm aber doch nicht gestanden haben,“ lachte Frieda. „Was hast Du nur immer mit dem? Lasse mich in Ruhe," brauste Leni auf.„Ich habe nichts mit ihm zu tun.“ „Regen Sie sich doch nicht auf, Fräulein Leni," mischte nun Frau Gerlich ins Gespräch. Eigentlich haben ste recht,“ fuhr sie mit ihren Ringen spielend, fort.„Ohne Liebe geht es nicht gut in einer Ehe. Ich und mein Feodor haben auch aus Liebe geheiratet. Sie sind schön und werden schon noch Ihr Glück machen. „Ich bitte Dich, Mama, rede doch keinen solchen Unsinn. Bis sich vielleicht einer findet, der uns arme Dinger noch nehmen will, sind wir längst alt und häßlich geworden. Und gelt, Leni, alt und häßlich werden, das M grauslich. Na, siehst Du, darum muß man nicht dumm sein und zugreisen, wenn sich etwas Glänzendes einem bietet. Leni gab keine Antwort. Es würgte sie etwas in der Fehle und in die Augen stieg es ihr heiß empor. Mehanisch setzte sie, diesmal ganz ohne Spiegel, den Hut auf und zog mit Friedas Hilfe die Jacke an. Dem Erwin wird es leid tun, Dich verfehlt zu haden, Du weißt es ja auch, daß er ein ganzer Narr in Dich ist. Komm nur bald wieder.“ „Und warum kommst Du nicht zu uns?“ fragte Leni. „Ich käme schon, aber weißt Du, die Nanni mit ihrem Ernst, die geniert mich. Ich muß ja jedes Wort auf die Goldwage legen und das bin ich nicht gewöhnt. Und besonders jetzt, wo Du ihm den Abschied gegeben.. ich kann mir lebhaft denken, wie sie jetzt dreinschauen wird. Oder weint und klagt sie vielleicht gar?“ schloß sie, mit den Augen zwinkernd. „Habe wirklich nicht darauf geachtet, möglich ist es schon,“ meinte Leni spöttisch und verabschiedete sich. Sie war unzufrieden mit sich, mit Möllendorff, mit der ganzen Welt und konnte nur mit Mühe die aufquellenden Tränen zurückdrängen. Warum diese Tränen, das wußte sie selbst nicht. Sie wußte nur das eine, daß sie sich auf einmal so namenlos elend fühlte. ** * Es war Frühling geworden. Ringsum breitete er seinen goldigen, blumengestickten Zaubermantel aus und Frau Wilhelmine Dessart, welche in jüngster Zeit viel von ihrer Beweglichkeit verloren hatte, sprach oft davon, sobald als möglich ihre Sommerresidenz zu beziehen. Es gefiel ihr nicht mehr in der lärmvollen Stadt, das Gesellschaftsleben griff sie an und dann hatte sie auch ihre Angst vor einem Einbruch in ihrer Wohnung noch immer nicht ganz überwunden, obgleich man seit langen Wochen nichts mehr von etwas derartigem in der Residenz vernommen hatte. Die Einkäufe für Idunas wahrhaft herrschaftliche Ausstattung an Wäsche, Toiletten, Spitzen und Schmuck besorgte sie, von dieser begleitet, mit ungewöhnlichem Eifer. Stundenlang fuhren beide in der Stadt von Geschäft zu Geschäft und, wenn Iduna die sichtbar ermüdete Tante bat, es für heute genug sein zu lassen, wurde sie unwillig, leugnete jede Ermüdung ab und erklärte, selbst Freude an all dem bunten, glitzernden„Tand“ zu haben. Iduna war entzuckt von allem, schaute wieder und wieder all die herrlichen Sachen an und fand nicht geung Dankesworte für die gutige Tante. Eben war wieder ein Lieferant mit einer Mamsell gerommen, um Anprobe zu halten. Es war eine Soireetoilette, ein wahres Gedicht, wie der Tailleur sagte, und Iduna sah wirklich entzückend darin aus,„wie eine Prinzessin“ meinte der Kleiderkünstler. Als die Braut dann mit der alten Frau wieder allein war, lachte sie. „Eine Prinzessin! Du verwöhnst mich, Tante, und oft denke ich mir, daß dies alles für eine einfache Frau von Friedloff, die auf dem Lande leben wird, viel zu kostbar ist, meinst Du nicht auch?“ Frau Wilhelmine blickte Iduna scharf an.„Nein, das meine ich durchaus nicht. Ich habe mit Absicht eine solche Wahl in allem getroffen. Wenn auch der Alte, hm, Georgs werter Herr Onkel, immer noch so tut, als erweise er uns eine Ehre, Dich in seine Familie aufzunehmen, so beugt er sich doch im geheimen vor meinen vollen Geldsäcken.“ Iduna lachte hell auf, Frau Dessart aber schlug mit der Faust auf den Tisch, an welchem sie saß. „Du lachst, weil Du die Meschen in ihrem bodenlosen Egoismus, ihrer wilden Habsucht noch nicht kennen gelernt hast, und ich wünsche Dir von Herzen, daß Dir diese Erkenntnis erspart bleibt.“ Iduna erblaßte und wurde traurig. Sie erinnerte sich, daß auch Georg einmal in ähnlichem Sinn zu ihr gesprochen hatte. Sollten die Menschen, die alle so lieb und freundlich, ja devot zu ihr waren, wirklich so schlecht sein und nur um des Geldes willen.. ach, das wäre schrecklich, wie könnte sie sich da noch des Lebens freuen? Aber nein, nicht alle konnten so sein. Georg zum Beispiel, sie war felsenfest von seiner Liebe, von der Reinheit seiner Empfindungen überzeugt und..“ „Also, was simulierst Du denn jetzt? Etwa über das, was ich gesagt habe? Na, Du brauchst Dir mein Worte nicht in den Kopf zu setzen. Wenn es auch vernünftiger ist, mit dem Idealismus aufzuräumen, behalte den Deinigen, solange es möglich ist. Komm her, Kleine, schau nur einmal diese Sammetbänder da. Fein, was?“ Iduna kam wohl näher, auf ihrem Gesicht las die Tante aber jetzt nicht viel Interesse für diese Bänder. „Tante.“ „Nun, was wünscht denn das Fräulein?“ „Nein, Tante, sei jetzt ernst. Sage mir einmal, ich habe Dich schon oft umsonst darum gebeten, ob ich, wenn meine Eltern noch lebten „Sei froh, daß dies nicht der Fall ist,“ unterbrach die alte Frau so barsch die Nichte, daß diese zusammenfuhr. „Mein Gott, Tante, ein Kind kann doch nicht froh darüber sein, daß die Eltern tot sind?“ „Mitunter schon,“ entgegnete trockenen Tones die reiche Frau, mit nervös zitternden Händen die Sammetbänder aufrollend.„Auch für Dich war es ein Glück, die Eltern zu verlieren. Sie waren arm, sehr arm.. und, wären sie am Leben geblieben, wärest Du heute wahrscheinlich eine Fabriksarbeiterin. oder wer weiß, was sonst. So, nun weißt Du es und frage mich nie mehr um etwas, das hinter Dir liegt. Oder..“ Frau Dessarts Augen richteten sich spöttisch auf Idunas erschrockenes Gesicht,„wäre Dir ein armseliges Leben lieber gewesen als...“ Iduna ließ die Frau nicht ausreden, sondern fiel ihr um den Hals und küßte sie innig. „Na siehst Du. Also merke Dirs, frage mich nicht wieder um solche Dinge. Du bist losgelöst von der Gegenwart und gehst, soweit menschliche Voraussicht reicht, einer ebensolchen Zukunft entgegen.“ Sie streichelte Idunas Gesicht und nickte ihr freundlich zu, dann schob sie sie sachte zurück. „Willst Du jetzt die Dinge da einräumen? Aber wart, den Schmuck will ich selbst einschließen. Man kann nie vorsichtig genug sein.“ „Bitte, Taute, laß mich noch einmal die Brosche anschauen, die Du Dir gekauft hast.“ „Gelt, sie ist nett, na, sie hat auch mehr wie ein paar Mark gekostet.“ Die Brosche stellte ein überreich mit Brillauten besetztes, schmales, zierlich verschlungenes, goldenes Band vor und Frau Dessart erwähnte, es sei eine bestellte Arbeit, aber infolge Todesfalls in der Familie des Auftraggebers nicht mehr abgeholt worden. „Der Mensch, sie meinte den Juwelier,„hat ein glänzendes Geschäft gemacht, denn er hat seinerzeit gewiß eine hohe Anzahlung erhalten. Wenn man nimmt, so viel Geld um so ein kleines Ding. Aber sie gefällt mir ungemein, blitzende Steine sind halt meine Schwäche. Eigentlich ist es nicht allzusehr zu verwundern,“ meinte sie dann, während sie das Kleinod in das weiße Atlasetui legte, lachend,„wenn es Leute gibt, die solche blitzende Dinge stehlen, wie und wo sie nur können. Bei mir soll es ihnen aber nicht gelingen, dafür stehe ich gut,“schloß sie, energisch mit dem Kopf nickend. 186.18 * 18 32 gelegentlich der genannten Interpellation ais damaliger Staatssekretär des Innern eine schöne Rede gegen die schwarzen Listen hielt, jetzt hierzu sagt. *** Regierung und Pensionsversicherung. Die Antwort, die der Staatssekretär Delbrück auf die Interpellation„betreffend Vorlegung des Entwurfes eines Gesetzes über die Pensionsversicherung der Privatangestellten“, erteilte, hat in den Kreisen der Privatangestellten in keiner Weise befriedigt. Man vermißt mit Recht irgend eine bündige Erklärung über den Termin, zu welchem die Einbringung resp. das Inkrafttreten des Gesetzes zu erwarten ist. So bemerkt die„Deutsche Industriebeamten=Zeitung", das Organ des Bundes der technisch=industriellen Beamten: Ueber die Hauptsache schweigt sich der Herr Regierungsvertreter völlig aus, nämlich darüber, ob die Vorlage nech diesem Reichstage oder überhaupt erst dem neu zu wählenden zugehen wird. Statt dessen gebraucht er unverbindliche Redensarten wie„tunlichst" und„baldigst“.: von denen er doch selber wissen dürfte, daß sie bei unseren heutigen Amtsgepflogenheiten eine ähnliche Bedeutung wie„niemals“ oder„in hundert Jahren“ gewonnen haben. Ebenso nebelhaft ist die Ertlärung, daß der Termin, zu welchem die Vorlage dem Reichstage zugehen wird, von der Entschließung der verbündeten Regierungen abhängen werde. Das haben wir eigentlich auch schon früher gewußt, daß der Bundestag darüber beschließt, wann er eine Vorlage an den Reichstag weiter gibt. Aber von einem Staatssekretär dürfte man doch verlangen, daß es ihm möglich ist, sich über den Termin eines solchen Geschehnisses einigermaßen zu informieren! Ganz ebenso verhält es sich bezüglich der Erklärung: Wann das preußische Staatsministerium seine Entschließung fassen wird, weiß ich nicht! So wird man denn wohl aus dem ganzen Ton, in dem die Erklärung gehalten ist, aus den ebenso unbestimmten wie unverbindlichen Nedewendungen den Schluß ziehen müssen, daß vor der Hand die Regierung an die Einbringung des Gesetzeentwurfes überhaupt noch nicht denkt. Die Angestellten sind einmal wieder die Genasführten! „** Schwelm, 9. Dez. In der Bandfabrik von A. Röllinghof haben die Gesellen die Kündigung eingereicht, weil die Firma ihnen einen 10prozentigen Lohnabzug angekündigt hatte. Ein Vermittlungsvorschlag der Organisationsvertreter ist erfolglos geblieben. Kunst und Wissenschaft. Berlin, 8. Dez. Professor Ludwig Knaus, dessen Ableben wir meldeten, war am 5. Oktober 1829 in Wiesbaden geboren. Er ging nach Düsseldorf, wo er einer Ausbildung oblag, weilte von 1852 bis 1860 dienhalber in Paris und kehrte 1866 nach Düsseldorf k. wo er bis 1874 weilte. Dann übersiedelte Knaus Der Streit um die Befestigung von Blissingen. nach Berlin, wo er zum Professor ernannt und Mitglied der Akademie wurde. Knaus ist ein Hauptmeister des bäuerlichen Genrebildes. Seine trefflichen koloristischen, meist von seinem Humor erfüllten Werke fanden rasch treue Freunde. Die bekanntesten Werke des verstorbenen Meisters find:„Spieler",„Goldene Hochzeit“,„Tause“, „Wochenstube“,„Durchlaucht auf Reisen",„Leiermann“,„Wie die Alten sungen",„Leichenbegängnis in einem hessischen Dorse“. Vermischtes Berlin, 8. Dez. Die Prämie von 300 000 M. tiel heute, am letzten Ziehungstage der preußischen Klassenlotterie, auf die Nummer 173611, die mit einem Gewinn von 1000 M. gezogen wurde. Berlin, 8. Dez. Bei der Nationalbank für Deutschland wurde heute ein großer Schecchwindel versucht. Ein russischer Bäckermeister präsentierte einen Scheck in Höhe von 50 000 Fr. Die Beamten sahen sofort, daß es sich um eine Fälschung handelte, und übergaben den Russen der Polizei. Der Scheck war von der mexikanischen Bank ausgestellt. Der Russe wurde in Haft behalten, seine Persönlichkeit konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Berlin, 8. Dez. Eine schauerliche Entbeckung wurde heute in eir m Hause in Berlin N. gemacht. Dort wohnt eine Frau Siefert, deren Mann n September gestorben war. Nach dem Totensonntag wurde die Frau nicht mehr gesehen. Der Hauswirt #rschte nach und da auf wiederholtes Klingeln nicht eöffnet wurde, benachrichtigte er die Polizei. Die Wohnung wurde gewaltsam geöffnet und man fand die Frau tot vor, die sich an der Küchentür erhängt hatte. Berlin, 8. Dez. Einige Fälle von Typhus= erkrankungen sind unter den Mannschaften des d. Garberegiments in Potsdam festgestellt worden. Ein Fall hat mit dem Tode eines Soldaten geendet, während zwei Leute zur Zeit noch im Lazarett lliegen. Um weiteren Ansteckungen vorzubeugen, sind umfassende Maßregeln getroffen. Berlin, 8. Dez. Der Rektor Bock, der wegen Magenblutungen ins Lazarett geschafft werden mußte, is# gestern operiert worden. Er litt an Magenstein, der bei der gut gelungenen Operation beseitigt wurde. Der Heilungsprozeß wird nur wenige Tage in Anspruch nehmen, alsdann wird Rektor Bock dem Untersuchungsgefängnis wieder zugeführt werden. Der Termin zur erhandlung dürfte demnächst sortgesetzt werden. Halle u. S., 8. Dez. In Oppin erkrankte der Beteran Günther unter Symptomen von Schlafkrankheit. Heute nacht ist Günther gestorben. Frankfurt a. M., 8. Dez. Ein 57jähriger Geschäftszeisender wurde heute morgen in seinem Bett durch Messerkiche[Awer verletzt aufgefunden und karb dald nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus. Raubmord scheint nicht vorzuliegen. Vermatlich in sucht das Motiv zur Tat. Die Befestigungen von Vlissingen f.Fort de Holle, 2 F Rammekens DF. Zoutman Rde Ruiter 5 HfredrHendrik 6 Rafenfort Sss Hlofländ-Beig. Grenze# leuchtfürmet 1 Unter den gegenwärtig in den Niederlanden an der Tagesordnung befindlichen politischen Streitfragen nimmt der Kampf der Meinungen um die Befestigungswerke von Vlissingen die erste Stelle ein. Diese auch für die benachbarten Mächte hochinteressante Frage schwebt bereits seit langer Zeit und wurde in den letzten Monaten wiederholt mit der sagenhaften Affär des angeblichen„Kaiserbriefes“ an die Königin Wilhelmine zusammen erörtert. Gute Freunde Deutschlands hatten nämlich die allerdings bis zum heutigen Tage u nerwiesene Behauptung aufgestellt, daß Deutschland auf Holland in der Frage der Befestigung der Vlissinger Seeküste einen starken Druck ausgeübt haben und das das ganze Vorgehen Deutschlands eine deutliche Spitze gegen England zur Schau trage. Der holländische Minister des Aeußern, v. Swinderen hat nun am gestrigen Tage in seiner Budgetrede vor der zweiter Kammer hervorgehoben, daß Holland niemanden herausfordere, wenn es Vlissingen befestige, auch sei das Gerücht, daß Deutschland in dieser Frage eine Pression auf Holland ausgeübt habe, ein Märchen. Keine Macht könne Holland einen Vorwurf aus der Absicht machen, die Mündung seiner Flüsse nach modernen strategischen Gesichtspunkten zu befestigen. Aus unserer beistehenden Karte ist die Ausdehnung der teils im Bau befindlichen, teils geplanten Festungswerke bei Vlissingen klar zu ersehen. Wie weit dieselben bereits fertig gestellt sind, wird naturgemäß streng geheim gehalten, doch steht schon setzt fest, daß sie nach ihrer Vollendung zu den stärksten Küstenwerken gehören werden. Besonders das am linken Scheldeufer gelegene Riesenfort Fredrik Hindrik wird enorme Dimensionen und eine dementsprechende Artillerie aufweisen. Zittau i. Sa., 8. Dez. In Ruppersdorf wurde heute früh die Witwe Gedlich und ihre 33= jährige Tochter im brennenden Hause ermordet aufgesunden. Von dem Täter fehlt jede Spur. Lübeck, 9. Dez. In Johnsdorf ist die ganze Familie des Arbeiters Bornemann nach dem Genusse von Backa=Margarine schwer erkrankt. Danzig, 9. Dez. Auf der Insel Hela ist gestern nachmittag 5 Uhr beim Abfeuern der Signalkanone die in den Dünen liegende Signalstation in die Luft geflogen. Der Maschinist wurde, weit in die Dünen. geschleudert, tot aufgefunden. Breslau, 8. Dez. Auf der Gottessegengrube bei Altwasser wurden vier Bergleute von schlagenden Wettern überrascht. Zwei konnten sich retten, die beiden anderen wurden getötet. Paris. 8. Dez. Heute begann vor dem Schwurgericht in Nisza der Prozeß gegen den Arzt Dr. Breuges, der beschuldigt wird, seinen Schwager in der Nacht zum 27. März wegen eines Erbschaftsstreits meuchlings ermorder zu haben. Der Täter leugnet, obwohl schwerwiegende Zeugenaussagen ihn belasten. Paris, 8. Dez. Gestern nachmittag sand man einen Brief der deutschen Kindergärtnerin Anna Knoll, in dem sie bittet, ihre Kleider und Wäschestücke an die Armen zu verteilen. Man nimmt nunmehr an, daß die Kindergärtnerin in einem Anfall von Wahnsinn Selbstmord verübt hat. Petersburg, 8. Dez. Hier ist ein Ehepaar Heideburow verhaftet worden, das durch Kauf zwölf Kinder an sich gebracht hatte, die es anscheinend zu betrügerischen Zwecken im Zusammenhange mit dem Erbschaftsprozeß des Fürsten Oginski verwenden wollte. Petersburg. 8. Dez. Auf der Eisenbahnstation Krasnojack hat der revidierende Beamte Warendiebstähle im Werte von 13 Millionen Rubel aufgedeckt. Die behördliche Untersuchung ist eingeleitet. Petersburg, 8. Dez. In der Mandschurei breitet sich die Pest mit ungeheurer Schnelligkeit aus. In der Mongolei sind ganze Nomadenstämme infiziert. Unter der Bevölkerung ist eine Panik ausgebrochen. Ueberall erblickt man Leichen. Das Aerztepersonal in Sibirien ist gänzlich ungenügend, um die Epidemie zu bekämpfen. Hier befürchtet man die Verschleppung der Pest nach Rußland. Die Petersburger Sanitätskommission beschloß, schleunigst Maßregeln gegen die Verschleppung der Pest zu treffen. Vor allem soll den Ratten der Krieg erklärt werden. Vom Weihnachtsbüchertisch. IV. Eine prächtige Gabe für die Jugend und für die Eswachsenen eine Quelle künstlerischen Genusses bietet der Verlag von Jos. Scholz in Mainz in dem Soldatenliederbuch„Die Wacht am Rhein“ von Prof. Angelo Jank, dem zur Zeit wohl bedeutendsten Soldatenmaler. Ein Vergleich mit Menzels besten Schöpfungen drängt sich bei der Betrachtung dieses 12 große Voll= und Doppelbilder mit ausgewählten Gedichten (2 Teile geb. jeder Teil 1 Mark) aufweisenden Soldatenbilderbuches auf. Jank hat wie Menzel gemein: Die Lebenswahrheit und meisterhafte Sicherheit der Zeichnung und die gleiche tiefe Erkenntnis und naturgetreue Wiedergabe der Soldatencharaktere. Die sorgfältig ausgewählten zwischen die Bilder gestreuten Soldatenlieder von Schiller bis Liliencron und Max Geißler werden ihre Wirkung gewiß nicht verfehlen. Unsere Jugend wird die Bilder mit Begeisterung aufnehmen.—„Frohe Lieder“ überschreibt Friedrich Güll seine im gleichen Verlag(1,00 Mark) erschienenen Gedichte, des Deutschen Bilderbuches Nr. 70. Vom ersten Schnee, dem Vöglein im Winter, Kletterbüblein, Rekruten, der Kutschenfahrt, vom Nachtwächter, vom feinen Mädchen tönen diese frohen Lieder. Dazu gibt Maria Hoheneck 15 wunderhübsche, farbenfrische Bilder, dak es eine Lust ist zu lesen. Wer mit seinem Kinde herzlich fröhlich sein will, der greife zu diesem Buch. — Des Deutschen Bilderbuches Nr. 10 bringt das von Eugen Oßwald prächtig illustrierte Märchen vom „Wolf und den sieben jungen Geiblein“. Büchlein reibt sich würdig seinen Vorgängern: Literatur. „Licht und Schatten“ 10 diese Dornröschen„Marienkind, Aschenputtel, Rotkäppchen, Hänsel und Gretel, Sneewittchen, Frau Holle. Froschkönig, und Hans im Glück an. Es sei ebenfalls der Beachtung warm empfohlen.(1,00 Mark.) Im Verlag Ullstein u. Co., Berlin=Wien ist das reich illustrierte über 400 Seiten starke„Meisterbuch deutscher Götter= und Heldensagen“ von Gustav Schalk erschienen(3,00 Mark). Aus dem unerschöpflichen Jungbrunnen der deutschen Völkerpoesie schöpft dies Buch. Kein Volk der Erde kann sich mit einer Sagenwelt von so erhabener Größe, sittlicher Tiefe und wahrhaft dichterischem Gehalt den Deutschen an die Seite stellen. Jahrhunderte lang ist dieser kostbare Schatz ungehoben geblieben, bis endlich das Erwachen des Gefühls für die eigene nationale Größe Dichter und Gelehrte wieder in den tiefen Schacht der Ueberlieferung niedersteigen ließ und Richard Wagners Dichtungen in Worten und Tönen den Sinn für die deutsche Sagemeu befruchteten. Gustav Schalk darf den Anspruch erheben, nicht zu den neunundneunzig Sagensammlungen eine bundertste hinzugefügt, sondern den alten Inhalt in eine neue prächtige Form gegossen zu haben. Eine dramatisch bewegte Erzählerkunst vereint sich in dem Buche mit außerordentlicher Beherrschung des ungeheuren Stoffes und einer prachtvollen bilderreichen Sprache, so daß eine Nachdichtung von bleibendem Werte geschaffen wird. Die deutsche Göttersage ist vollkommen in dem Werke enthalten. Der reiche Bilderschmuck des Buches beweist, wie künstlerisch befruchtend die deutsche Götter= und Heldensage auf die Phantasie grober deutscher Maler gewirkt hat. So vereinigt dieses Buch von Gustav Schalk alle Vorzüge in sich, um ein wahres, deutsches Volksbuch zu werden, das namentlich in der Jugend die Liebe für den Schatz ursprünglicher Volkspoesie zu nähren und zu erhalten geeignet ist. Das Atmen.— Roman Streltzow: Tolstoi und der Sozialismus.— Friedrich Kleis: Der Weg zur Verstaatlichung der ärztlichen Hilfe.— Genossenschaftsbewegung von G. David.— Geistige Bewegung von Dr. W. Hausenstein.— Psychologie von O. Lipmann, Musik von Dr. H. Leichtentritt.— Technik von Dr, H. Lux. dem Gerichtssaal. Gewerbegericht Dortmund. Dortmund, 8. Dezember. In der gestern abgehaltenen Sitzung führte Herr Landrichter Ploeger den Vorsitz. Es wurden über nachfolgende Streitfälle verhandelt. Der Arbeiter Leonhard Maronowski klagte gegen die Firma O. Griethe u. Co. auf Zahlung von 25,21 Mark Schadenersatz wegen Entlassung vor Beendigung der vertraglich übernommenen Akkordarbeiten. Der Inhaber der Beklagten behauptete, er sei von dem Kläger in der gröbsten Weise beleidigt worden und dieserhalb zur sofortigen Auflösung des mit dem Kläger abgeschlossenen Vertrages berechtigt gewesen. Ein vom Beklagten benannter Zeuge sagte aus, daß er sich die Aeußerungen des Klägers auch nicht hätte gefallen lassen und denselben ebenfalls sofort entlassen habe würde. Angaben darüber, welcher Art die Beleidigungen waren,, vermochte der Zeuge nicht zu machen. Ein anderer Zeuge will von Beleidigungen von Seiten des Klägers nichts gehört haben. Das Gericht hielt den Anspruch des Klägers für berechtigt, Beklagter erkannte hierauf den Anspruch an und wurde zur Zahlung verurteilt. Auf Zahlung von 62,14 Mark Restlohn klagten die Stuckateure Gerhard Avermidding und Wilhelm Bohn gegen den Maurermeister August Altvater. Ein in dieser Sache vernommener Gutachter hielt die Klageforderung zum größten Teil für begründet. Beklagter war zum heutigen Termine nicht erschienen, Er befand sich nach einer dem Gericht zugegangenen Mitteilung z. Zt. behufs Ableistung des Offenbarungseides in Haft. Das Gericht gab dem Antrage des Klägers auf Erlaß eines Versäumnisurteils gegen den Beklagten statt und zwar mit der Begründung, daß der Beklagte nach Lage feiner Verhältnisse jeden Tag auf seine Inhaftierung hätte gefaßt sein müssen und daher rechtzeitig einen Vertreter hätte bevollmächtigen können. Eine weitere Klage gegen die Firma Hemsoth wurde kostenpflichtig abgewiesen. Kläger, der Stellmacher Stanislaus Gasioreck, will von der Beklagten angenommen, aber nicht eingestellt worden sein. Er klagt aus eine 12tägige Lohnentschädigung von 54,— Mark. Die Behauptung des Klägers, er sei von dem Stellmacher Z. der Beklagten eingestellt worden, erwies sich durch die eidliche Vernehmung des Genannten als nicht richtig. Der Zeuge beschwor, weder zur Annahme von Arbeiter, irgend welcher Art für die Beklagte berechtigt zu sein, noch den Kläger angenommen zu haben. Gegen den Maler= und Anstreichermeister Wilhelm Knop, klagte der Maler Albert Adolph auf Zahlung von 10,06 Mark Restlohn. Beklagter behauptete, Kläger habe ihm einen Schaden in Höhe des eingehaltenen trage zugefügt, indem er beim Tapzieren eines Zimmers nicht mit der nötigen Sorgfalt verfahren habe, sodaß er das fragliche Zimmer habe ausbessern lassen müssen. Kläger behauptete, daß er die gerügten Fehler(Durchschlagen der Tapeten) nicht verschuldet habe, daß dieselben vielmehr darauf zurüazuführen seien, e gestriche weil der Untergrund mit Oelfarbe hen war. Nach Die eben erschienene Nummer 10 dieser Münchener Wochenschrift bringt die Preisnovellette„Liebestragödie“ von Paul Schlesinger, die Titelzeichnung„Straßenbild“ von John Jack Vrieslander, außerdem künstlerische Beiträge von M. Schwarzer, Otto H. Engel, Wera von Bartels, Elisabeth Richter, Marcus Behmer, Richard Müller und Paul Neuenborn, sowie Dichtungen von Martin Boelitz, Oskar Loerke und Walter Schmied=Kowarzik. *** Die„Sozialistischen Monatshefte“ haben soeben das 25. Heft ihres 16. Jahrganges erscheinen lassen.— Aus seinem Inhalt heben wir hervor: Eduard Bernstein:: Die Demokratisierung Englands und der Fall Shackleton.— Johannes Heiden: Anna Plehn: Opfer des Stils.— Sigfrid Siwertz: dem Gutachten eines Sachverständigen lag die Schuld lediglich am Kläger, indem er den Tapezierkleister zum Teil zu dick und ungleichmäßig aufgetragen hatte. Au Anraten nahm der Vertreter des Klägers die Klag zurück. Der Bäckergeselle Gustav Schmitz klagte wider den Bäckermeister Johann Burgardt auf Zahlung von 8.58 Mark rückständigen Lohn. Nachst Angabe des B klag#n af ihm dadurch ein Schaden entstanden, weil der Kläger anstatt um 2 Uhr nachts mit der Arbeit zu beginnen, erst am anderen Morgen nach Hause gekommen sei. Beklagter erklärte sich im Vergleichswege zur Zahlung von 7.— Mark an den Kläger bereit. Letzterer nahm diesen Vergleichsvorschlag an. Wegen rechtswidriger Entlassung klagte der Arbeiter Franz Hutmacher gegen die Firma Wilhelm Hemsoth auf Zahlung einer Lohnentschädigung von 44 Mark. Die Beklagte will mit dem Kläger Kündigungsausschluß vereinbart haben. Der von der Beklagten als Zeuge geladene Prokurist B. wußte hiervon nichts. Zwar bekundete der Zeuge, daß er den Kläger nur zur Aushülfe eingestellt habe. Hierauf legte das Gericht aber keinen besonderen Wert„da Kläger, der in der letzten Zeit täglich seinen Lohn ausbezahlt erhielt, späterhin nur am Ende einer Woche seinen Lohn erhielt und so mit Recht annehmen konnte, daß er nunmehr für fest angenommen war, Die Beklagte wurde dem Klageantrage gemäß verurteilt. Der Vertreter der Beklagten mußte sich vom Vorsitzenden sagen lassen, oaß solche Klagen durch bei der Annahme von Arbeitern zu erfolgende klare, am besten schriftliche Abmachungen vermieden werden könnten. Erprobte Rezepte. Rindfleisch nach Matrosenart. Uebrig gebliebenes Rindfleisch läßt sich auf folgende Art leicht zu einem sehr schmackhaften Gerichte zubereiten. Man macht eine braune Buttersauce, gießt in dieselbe ein halbes Glas Notwein und ebenso viel„Auflösung von Liebigs Fleischextraft, fügt Salz. Pfeffer, die üblichen Küchenkräuter, ein Dutzend kleine Zwiebeln sowie ein Stück Zucker bei, läßt alles eine viertel Stunde kochen und erwärmt dann in dieser Sauce langsam das in Scheiben geschnittene Rindfleisch."(Le Matin). liefern die hauptsächlichsten Bestendteile der sprichwörtlich beliebten Oflonzen-Buner-Margarine Sanella Der Nomenszug des Erfinders Gch. Medizinalret Prof. Dr. Oscer Liebreich in blouer Schrift in des Kennzeichen jeder Originalpockung dieses einzig destehenden Butter-Ersetzes, welcher unter em Schutze des D.R-D. Nr. 100 012 hergesa Uewicd. in einschlägigen Geschäften erhältlich. SANA-Geseilschaft mhk. Elew. Aee oSo .„ ——SnE“ *•1.. R 4 62 F 83 g. SSEF P SEg GESSSELS STT n n BTAT e GFE S.-TRGS „Feno"ET.„B#nT SnebmyomYESGUE A P·EUTGD S• 5nSS DR E GE N T•— —*"—•• □ SOETTNE B#sSaSTs"": 0•22 A WET TEUSESEN * 5— ## S b. — S 2 OTG „sTag 5 SimB UGUS SERE 2• * E•* 5:49- Sdc% 2—— „A.eneyooneEn „gmgg u -nn n O RETÖ 181 S8 VPp. S SSOSEESSERRNSLE # 9 # 3 55s *75U S# SPEAEE S S 815 SISZER ∆ 65 „Ich habe Ihnen schon gesagt,“ erwidert###tz,„daß derselbe mein Onkel ist, und dem muß ich Sie natürlich gleich vorstellen, sobald wir eingetreten. Er hat d#####est arrangiert und sämtliche Irrsinnige sind von ihm nach aller Form der Etikette eingeladen worden. Jeder betrachtet sich deshalb vollkommen in seinem Recht, und da die Anstalt ziemlich kostspielig ist und nur Geisteskranke aus den höheren, wenigstens bemittelten Ständen aufnimmt, so dürfen Sie sich auch auf glänzende Toiletten gefaßt machen.“ „Ich bin aufs Aeußerste gespannt,“ versicherte Herr Hobelmann. „Und da sind wir schon,“ sagte Franz, während er vorn an das Droschkenfenster klopfte.„Bitte, folgen Sie mir so rasch wie möglich, denn ich habe mich schon eigentlich etwas über meine Zeit aufgehalten.“ Die Droschke hielt, und Franz Kettenbrock, der seinem Begleiter so wenig als möglich Zeit zum Umschauen gönnen wollte, sprang behend aus dem Wagen und in die Gartentür. Herr Hobelmann folgte ihm eben so flink, und bald betraten Sie das innere Haus und erstiegen die mit Teppichen belegte Treppe. „Das sieht ja hier ganz vornehm aus,“ flüsterte Herr Hobelmann—„und alle die harrenden Diener da?“ „Sind teils Wächter, teils nur für den Abend von dem Magistrat entlehnte Polizeidiener, die sich hier aushalten, um einer möglichen Unordnung vorzubeugen,“ erwiderte Franz. „Natürlich würden die Kranken, wollten sie in ihrer gewöhnlichen Uniform erscheinen, gleich von vornherein mißtrauisch machen. In dieser Livree vermutet keiner, was in ihnen steit“ „Vortrefflich,“ sagte Ferr Hobelmann.„Eigentlich sogar ein Bild unserer ganzen bürgerlichen Verhältnisse. Die Polizei spielt ihre Maskerade ausgezeichnet.“ „Finden Sie?“ lachte Franz.—„Doch jetzt sind wir bei den Irren. Jetzt nehmen Sie sich zusammen.“ „Tun Sie mir nur den Gefallen und lassen Sie mich nicht allein.“ „Haben Sie keine Angst, jedenfalls verlasse ich Sie nicht, bevor ich Sie einigen der Herren und Damen vorgestellt habe. Da drüben der alte Heer, das ist der Oberarzt, zu dem werde ich Sie vor allen Dingen führen.“ „Und wie tituliert man den Herrn?“ „Herr Rat— ah, er hat uns schon gesehen! Er ist allerdings Obermedizinalrat, aber man nennt ihn hier in der Anstalt nur einfach Herr Rat.“ „Franz, wo steckst du denn,“ sagte der Regierungsrat, der in diesem Augenblick den zurückkehrenden Neffen erspüht hatte und rasch auf ihn zukam.„Die ganze Gesellschaft ist schon in Verzweiflung.“ „Lieber Onkel,“ sagte der junge Mann,„ich habe das Vergnügen, Ihnen hier Herrn Hobelmann vorzustellen. Er ist fremd in der Stadt, und ich möchte Sie ersuchen—“ „Sehr angenehm, Ihre werte Bekanntschaft zu machen,“ sagte der alte Herr. „Ich muß tausendmal um Entschuldigung bitten, daß ich wags— „Keine Entschuldigungen; von meinem Neffen eingeführt, sind Sie mir herzlich willkommen. Tanzen Sie?“ „ is allerdings schon einige Zeit her, daß ich mich diesem Vergnügen hingegeben habe.“ „Bitte, dann genieren Sie sich ja nicht,“ sagte der steundliche Wirt.„Jeder ist sein eigener Herr und da drinnen kommt wohl eine Partie Whist oder L'Hombre zustande, an der Sie mit Bequemlichkeit teilnehmen können.“ Der Ontel eilte geschäftig davon, und Franz flüsterte seinem Opfer zu: „Sie müssen jedenfalls tanzen; ich werde Sie schon einigen unserer„ruhigsten“ Damen vorstellen.“ „Aber ich habe wahrhaftig lange nicht getanzt.“ „Gut. Dann nehmen Sie zum Anfang keine von den jüngsten, und erst einmal in Gang, kommen Sie bald in den Wirbel hinein. Sehen Sie, da haben wir gleich eine unserer älteren Schönen.“ „Die Dame mit den gelben Rosen?“ „Das ist eine ungarische Gräfin,“ sagte Franz,„die aber vollkommen geläufig Deutsch spricht. Sie hat die fixe Idee, daß ein deutscher Steuerrat sie aus ihrem Schlosse an der Theiß entführt und geheiratet habe.“ V „Gerade ein Steuerrat? Das ist merkwürdig,“ sagte Herr Hobelmann. „Ich werde Sie gleich vorstellen.“ „Und die beiden jungen Damen dort?“ „Von denen nachher. Seien Sie nur um Gotteswillen voller Aufmerksamkeit gegen die unglückliche Gräfin.“ „Und wer ist die alte Dame drüben mit dem Papier in der Hand.“ „Das ist die Königin von Birma.“ „Wer?“ „Die Königin von Birma,“ wiederholte Franz ruhig und mit vorsichtig gedämpfter Stimme, denn die genannte Dame rauschte eben an ihnen vorüber und schien jemanden zu suchen. Franz, der wohl ahnte, daß sie ihn aufzufinden wünschte, hatte sich durch die breite Gestalt des Herrn Hobelmann vollständig und glücklich gedeckt.“ „Aber Sie meinen doch nicht im Ernst?“ sagte der erstaunte Adrokat. „Gott bewahre!“ lächelte der junge Mann.„Sie war früher an einen Kommerzienrat in Berlin verheiratet und schnaopte gerade zu der Zeit über, als der birmanische Gesandte von Berlin nach London reiste. Jetzt bildet sie sich ein, er sei nur dorthin gekommen, um sie an den Hof des Großherrn zu holen. Ueber den Zustand der dortigen Seelen aber innigst betrübt, läuft sie nun fortwährend mit einer Liste umher; um Beiträge zur Bekehrung der Heidenkinder in Birma zu sammeln— doch da kommt die Gräfin=Steuerrätin auf uns zu. Jetzt nehmen Sie sich zusammen.“ (Fortsetzung folgt.) 24 Allerlei Vor dem Balle Frau(zum Mann):„Du kannst doch eine richte Freude haben an deinen vier Töchtern — eine hübscher als di. andere!“— Mann(verdrießlich): „D ja, aber auch eine lediger als die andere!“ Einer vom alten Schlag. Musikdirektor(Schülerinnen suchend):„In Ihrer Fräulein Tochter scheint wirklich großes Cesangstalent zu schlummern.“— Vater: „Ums Himmels willen, wecken Sie's nicht auf!“ Mildernder Umstand. Richter:„Angeklagter, Sie haben dem Verletzten einen eichenen Schemel nachgeschleudert, Ihren Hauswirt verprügelt und sogar den Gendarm die Treppe hinabgeworfen!... Können Sie etwas zu Ihrer Entschuldigung angeben?— Angeklagter: hab halt grad' a schwache Stund' g'habt!“ lsch der von der Falsch verstanden. Bauer(zu seinem Sohn, Universität zurückgekehrt ist):„Sag' emol, mit welcher Not' hoscht denn's Exama b'standa?“— Studiosus:„Mit groper Not!“ Ahnungslos. Tame:„..Ein Universalmittel kennt die Medizin leider nicht!“— Schwiegermutter eines Arztes:„Ich meine doch! Mir kann zum Beispiel dies oder jenes fehlen, immer verordnet mir mein Schwiegersohn Ortsveränderung!“ Glaubhaft. Richter:„Was wollten Sie mit dem Brecheisen onfangen, das Sie in Ihrer Wohnung verborgen hatten?“— Angeklagter:„Herr Jerichtshof, da breche ich immer die Briefe mir uff, die an mir kommen.“ Schlaue Ausrede. Primaner:„Sie, Kellnerin, das ist ein Skandal! Wie kommt das Haar in die Suppe?!“—„Das kann nur von Ihrem Schnurrbart sein!“— Primaner(geschmeichelt):„Sie haben recht, entschuldigen Sie!“ Vergleichsweise. Frau Cohn:„Was du gegen den Tackel doch für schöne, gerade Beine hast, Moritz!“ Feste Preise. Sonntagsjäger(zum Treiber, dem er ein Ohr abgeschossen,:„Was habe ich an Schmerzensgeld zu zahlen?“— Treiber:„Für a abg'schossenes Ohr hab'n mir die Herrschaften immer bisher 15 Mart zahlt!“ SSE eier Blätter für Unterhaltung und Belehrung. Eine Mutter. Roman von Friedrich Verstacker. Nachdruck verboten.) 31. Jeremias auf Reisen. Es war bitterkalt die Nacht, und obgleich der Mäcz schon seit ein paar Tagen begonnen hatte, schien es doch fast, als ob der Winter noch gar nicht daran dächte, Abschied zu nehmen, oder doch wenigstens noch einmal zuguterletzt zeigen wollte, was er könne. Jeremias versuchte zu schlafen, aber es ging nicht; jede Viertelstunde stiegen Passagiere aus und ein, und die Schaffner schlugen dann jedesmal mit den Türen, daß er immer wieder erschrocken emporfuhr. Und was ging ihm auch nicht alles im Kopf herum! Brasilien, ja, in Brasilien war's jetzt freilich wärmer, und dort hätte er nicht so zu frieren brauchen— aber wieder dayln zurück? Früher hatte er sich dort allerdings wohl gefühlt, aber die deutschen fteundlichen Verhältnisse auch fast vergessen gehabt. Jetzt, da er sie wiedergefunden, da er sich darin wohl fühlte, sollte er sie wieder verlassen und allein in die Fremde hinausziehen? Aber mas wollte er hier? Sein Kind war jetzt bald versorgt und glücklich, und seine Frau— war es dennoch seine Frau und er nicht rechtskräftig und für immer von ihr geschieden? Ja, so lange sie krank lag, konnte er sie besuchen und mit ihr vertehren; jetzt, da sie gesund und kräftig geworden und sich von Tag zu Tag mehr erholte, mußte das aufhören, das fühlte er selber, oder er brachte sie in das Gereve der Leute, die sich nicht leicht eine Gelegenheit entschlüpfen lassen, Uebles von ihren Nebenmenschen zu denken und zu reden. Und sollte er in derselben Stadt mit ihr als Fremder leben? Das ging nicht, und es war das Allergescheiteste, er schiffte sich ruhig wieder nach Brastlien ein— Brasilien— Hundeleben dort, was ein Mensch nur aushalten mochte, wenn er nicht mehr in Teutschland existieren konnte. Er wickelte sich fester in seine dicke Reisedecke, zog die Pelzstiefel noch höher herauf und drückte sich wieder in die Ecke. Er wollte schlafen. Das Grübeln und Nachdenken sollte der Teusel holen. So verging die Nacht und der Morgen dämmerte endlich durch die fest und dick zugefrorenen Feuster des Kupees. Jeremias beschäftigte sich jetzt eine Weile damit, sie mit Anhauchen wieder aufzutauen, und brachte endlich glücklich ein kleins Loch zustande, durch das er hinaus ins Freie schauen konnte, gab es aber in Verzweiflung wieder auf, als er die trostlose, monotone Gegend entdeckte, durch die der Jug brauste. Schneefelder, so weit das Auge reichte; einzelne Züge von schwarzen Raben und dann und wann eine kleine, magere Kieferndickung; und dort drüben lag ein Dorf, ärmliche Hütten mit Strohdächern, aus denen der blaue Rauch ins Freie quoll. Die Aussicht lohnte nicht der Mühe, um sich fast die Seele aus dem Leih zu hauchen. Er ließ die Oeffnung wieder zufrieren und bekümmerte sich nicht weiter um die Landschaft, bis der Zug endlich, etwa gegen Mittag, in Prag seiber anhielt. Er brauchte, dert angekommen, den halben Nachmittag, um sich erst wieder zu restaurieren und ordentlich aufzutanen, und beuutzte indessen die Zeit, um sich aus dem Adreßbuch eiue Anzahl Namen und Wohnungen abzuschreiben. Gegen Abend ging er auf seine erste Wanderung aus, und zwar, um zuerst jenen Herrn, einen Baron von Toggenburg aufzusuchen, der dem Grafen Rottack geschrieben und an welchen ihm dieser einen Empfehlungsbrief mitgegeben. Tort aber, wie später beim Tirektor des Theaters, erhielt er nur ganz unbestimmte, vage Nachrichten, die allein darin übereinstimmten, daß jener Boslaw, der wahrscheinliche Handor, Prag vor einiger Zeit wieder verlassen und sich nach Schlesien gewandt habe. Was nun? Schlesier war groß, und auf ein solches Gerücht hin konnte er doch wahrhaftig nicht nach Schlesien reisen, um dort seine Nachforschung fortzusetzen. Eine andere Sache, die ihn förmlich verwirrt machte, war die genaue Beschreibung der Person, die Boslaw bei sich gehabt: eine volle, üppige Gestalt, aber mit einem gemeinen sinnlichen Ausdruck in den Zügen, die besonders gern Champagner trank und in der kurzen Zeit ihres Aufenthaltes hier eine Masse Schulden machte. Das war auf keinen Fall die junge, bildhübsche Komtesse Monford gewesen, und hatte wirklich Handor seinen Namen in Boslaw umgcändert, wo konnte er dann das junge, unglückliche Geschöpf zurückgelassen haben, das er aus seiner Eltern Haus entführt? Jeremias ließ sich übrigens leine Mühe verdrießen und besuchte sogar verschiedene Mitglieder des doctigen Theaters, um von diesen Näheres über jenen Boslaw zu hören— vergeblich. Die Leute wußten ebenfalls nichts weiter, als daß der Herr Boslaw ein einziges Mal aufgetreten und, da er total mißfiel, schon am nächsten Morgen wieder abgereist sei— wohin? Lieber Gott, wer fragt hier danach! Vielleicht erfuhr er das auf der Polizei Das war ein neuer Anhaltspunkt— an die Polizei hatte Jeremias noch nicht einmal gedacht. Spornstreichs lief er dorthin, und wenn es auch einige Schwierigkeiten hatte, unter all den Beamten endlich den richtigen aufzufinden, der ihm über derartige Fremde Auskunft geben konnte, so ließ er sich doch keine Mühe verdrießen, ja, saß selbst anderthalt. Stunden mit einer wahren Engeisgeduld auf einer Bani im Vorsaal, zwischen lauter Galgengesichtern und Dienstmädchen, immer von der Seite angesehen und beflüstert, was er wohl ausgefressen haben mochte, daß er hier sitzen mußte, bis die Reihe an ion kam— und dann auch umsonst. Der betreffende Beamte brachte wirklich heraus, daß sich ein Schauspieler Boslaw vor einiger Zeit hier in Prag drei Tage mit seiner Frau, Kathi Boslaw, aufgehalten und im„König Wenzel“ logiert habe, dann aber wieder abgegangen sei. Sein Paß war jedenfalls in Ordnung gewesen; was lümmerten sich die Leute darum, wohin derartiges„Volk“ zog, wenn es ihnen hier nicht gesiel!. F8 5 2 8 • B 2 %gE San SEFPGESER 80 EEUUE #* FEHEESS — E. „König Wenzel“— dort war vielleicht noch eine Möglichkeit, etwas Nähires zu erfahren, und Jeremias versäumte auch diese nicht— und wieder vergebens. Der Wirt wußte von dem jetzigen Aufenthalt des perrn Boslaw gar nichts; er wollte aber, er wüßte es, daß er den Herrn noch fassen konnte, der nach bezahlter Rechnung seinem Kellner noch eine Flasche Champagner abgeschtoindelt und, ehe er es erfuhr, das Weite gesucht hatte. Er schimpfte davei entsetzlich auf die Schauspieler, die seiner Meinung nach nur allein deshalb in der Welt herumzögen, um arme Wirte zu betrügen und sich nachher ins Fäustchen zu lachen Ueber die Frau, als Jeremias diese erwähnte, wußte er nun gar kein Ende zu finden. Das sollte ein wahrer Trache gewesen sein, die mit seiner eigenen Frau schon in der ersten Stunde Skandal gehabt und sich bodenlos gemein betragen hätte. „Und können Sie mir keine Spur angeben, wo ich den Menschen wieder auffinden möchte?“ „Aha, Ihnen ist er auch wohl durchgebrannt?“ lachte der Wirt.„Ig, lieber Freund, und wenn Sie ihn träfen, was würd's Ihnen helfen? Das ist eine saubere Wirtschaft bei dem Pärchen, wenn die Madame auch aufgedonnert genug geht; aber's ist ja alles falsch. Einen Brillantschmuck hat die Person, der eine sechstausend Gulden wert sein mäßte, wenn er ächt wäre; aber wo sollte die so ächte Steine herkriegen? Landsleute sind's.“ „Herr Boslaw?“ sagte Jeremias. „Nein, die Steine— böhmische, mein' ich. Wenn Sie meinem Rat folgen wollen, lassen Sie ihn laufen; 's kommt nichts bei der Sache heraus, und Sie verreisen mehr Geld und Zeit dabei, als die Lumperei wert ist.“ „Und wo sich Herr Boslaw früher aufgehalten hat, davon wissen Sie gar nichts?“ „Nein, ich bin auch gar nicht neugierig danach und weiß nur so viel, daß wir ihn hier nicht wieder zu sehen bekommen werden.“ Es war aus dem Mann nichts weiter heraus zu bekommen und Jeremias begann einzusehen, daß er sich seine Winterreise nach Prag hätte sparen können, denn hier, an Ort und Stelle, erfuhr er nur einzig und allein die Bestätigung dessen, was sie schon in Haßburg über den Aufenthalt des Menschen in Prag gehört. Und er sollte noch länger hier bleiben? Er wäre am liebsten gleich zurückgekehrt, aber dem Grafen Rottack lag die Sache so am Herzen, die liebe junge Gcäfin hatte ihn so gebeten; er mußte jedenfalls noch ein paar Tage zugeben; möglich ja doch, daß er noch irgend jemanden traf, der ihn aus eine bessere Spur bringen konnte. Er wollte es jedenfalls versuchen, denn er haßte nichts mehr, als so ganz nutz= und erfolglos in der Welt herumgefahren zu sein. Nur aikein von den Schauspielern selber konnte er aber hoffen, irgend etwas über diesen vermeintlichen Handor oder seine früheren Verhältnisse zu erfahren; er studierte deshalb einige Theaterzettel durch, um keinen zu übergehen, schlug die Wohnungen auf und trat dann seine Wanderung an, die ihn allerdings mit einigen seyr interessanten Persönlichteiten zusammenbrachte, sonst aber auch nicht den geringsten Erfolg hatte. Einige behaupteten allerdings, jener Boslaw sei ihnen bekannt vorgekommen und jedenfalls ein routinierter Schauspieler, sein jetziger Name ihnen aber gänzlich fremd, und da er nie mit irgend jemand von ihnen, ausgenommen auf der einen Probe, virkehrt, habe man sich auch nicht weiter um ihn bekümmert. Das war das nämliche Resultat überall, wohin er kam, bei den Herren wie bei den Damen, und die letzteren besonders verwahrten sich gleich von vornherein gegen die Möglichkeit, auch nur den entferntesten Umgang mit einem solchen„Paar“ gehabt zu haben, wie jener Herr und Frau Boslaw. Jeremias wurde dadurch immer unsicherer und zuletzt ganz fest überzeugt, daß er hier auf einer vollkommen falschen Fährte herumsuche, denn Handor selber— was er früher von ihm gesehen— hatte sich immer sehr 8 anständig benommen, und seine junge Frau, die liebenswürdige Komtesse Paula, hätte ja alle Herzen im Sturm erobern müssen. Boslaw und Handor mußten also ganz entschieden zwei total verschiedene Persönlichteiten sein; und unter solchen Umständen blieb es dann allerdings das Beste, nur wieder ruhig nach Haßburg zurückzukehren und von Hort aus zu sehen, ob man nicht eine bessere Spur bekommen könne. Einmal mit diesem Entschluß im Reinen und in dem vollen Bewußtsein, in dieser fremden Stadt sein Möglichstes getan zu haben, um das in ihn gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen, packte er auch seinen Koffer wieder, zahlte seine Rechnung und ging hinaus auf den Bahnhof, um sein Billet zu lösen. Das Wetter war bitter und kalt, aber die Sonne schien hell und klar auf den knisternden Schnee nieder; und eine Menge Leute waren unterwegs, um den freundlichen Tag zu einem Spoziergang zu benutzen. Geputzte Menschen schritten überall an ihm vorüber oder er überholte sie; aber was kümmerten ihn die Fremden, er kannte doch keinen von ihnen und eilte nur, ohne sich weiter umzusehen, dem Hausknecht nach, der in einem halben Trab, mit seinem Koffer auf der Schulter, vor ihm her lief. „Herr Stelzhammer!“ schrie ihm da plötzlich jemand so laut und so nahe in die Ohren, daß er ordentlich zusammenfuhr und sich bestürzt umsah. Dicht neben ihm stand aber ein kleiner, schmächtiger Herr, etwas schäbig gekleidet, mit einer lungen italienischen Zigarre im Munde, der ihn ganz erstaunt zu betrachten schien.„Ja, wo zum Teufel kommen Sie denn her?“ Jeremias würde das ausdruckslose Gesicht im Leben nicht wieder erkannt haben, wäre er nicht durch das unmäßige Schreien des Mannes an die Persönlichteit erinnert worden. „Herr du meine Güte,“ rief er aus,„habe ich nicht das Vergnügen, mit Herrn Mauser...?“ „Na versteht sich— kennen Sie mich noch?“ „Heh, Haustnecht!He, holla!“ schrie Jeremias indessen hinter dem davongelaufenen Burschen her.„Entschuldigen Sie einen Augenblick, ich bin gleich wieder da — ich habe Ihnen etwas Wichtiges zu sagen!“ Und wie ein Pfeil schoß er hinter dem vorangegangenen Hausknecht her, um diesen mit seinen Sachen wieder zurück in das Hotel zu dirigieren. Mauser blie indessen ordentlich verblüfft mitten auf der Straße stehen Der kleine Fremde aus Haßburg hatte ihm etwas Wichtiges zu sagen und brannte dabei durch, als ob er vor der Ponzei davonliefe! Er sah ihm topfschüttelnd nach und überdachte es eben, was möglicherweise die Ursache eines so wunderlichen Betragens sein könnte, als Jeremias mit dem glücklich eingeholten Haustnecht, dem er schon unterwegs seine Ordre gegeben, zurücklehrte, sich um diesen auch gar nicht weiter kümmerte; sondern ohne Umstände den Souffleur unter den Arm faßte und zu ihm sagte: „Herr Mauser, Sie haben einen schmählichen Turst, wie? Hab' ich nicht Rech.? Man sieht's Ihnen an, einen Turst, der unter Brüdern fünf Gulden wert ist und den es Sünde wäre, mit Wasser zu löschen. Sie sind doch kein Kostverächter?“ „Bitte,“ schrie Mauser,„nie im Leben gewesen, und habe auch wissentlich nichts getan, um einen solchen Verdacht zu rechtfertigen „Schön, dann kommen Sie mit mir,“ rief Jeremias, „oder wenn Sie einen Platz wissen, wo vorzüglicher Wein zu haben ist— denn das hiesige Bier soll der Teufel holen, wann er Lust hat—, so führen Sie mich, daß wir ein halbes Stündchen mit einander plaudern konnen.“ „Trinken Sie gern Ungarwein?“ fragte Mauser, dem das Wasser schon im Munde zusammenlief. „Leidenschaftlich.“ „Brav, dann kommen Sie, dann bringe ich Sie zu einem Plotz, an dem Sie ein Glas Adelsberger kosten sollen, nach dem Sie alle zehn Jinger leaen— bildlich gesprochen, natürlich.“ (Fortsetzung folgt.) 92 ha WEIOSTAEETESEUSG! SSREEDESSS ##BMWB 8 P BUEUETETS S H.SS,PBESSES ES5ES ZEIEAEEPESETGOETSSSSEG D 6—# —„E"• Gü 1 u SäSE SGEES: POE * ST B• —*WZHGT UEE. G„Pu SEEEEE —— EE 5 BAB BSEES3 ES K S S5 653 Von Friedrich Gerstäcker. (Nachdruck verboten.) „Vertrefflich. Heut Abend ist der Ball sagen Sie. „Heut Abend— ich will Sie abholen. Wo find ich Sie?“ „Ich wohne in der Kreuzgasse, an der Ecke der Neuen Straße, die Nummer weiß ich nicht, beim Geheimrat von Pottlitz.“ „Ich werde um halb zehn Uhr mit einer Droschke an der Ecke warten. Aber Sie rergessen Ihr Versprechen nicht? Sie schweigen und halten sich bereit?“ „Kein Mensch erfährt eine Silbe," beteuerte Herr Hobelmann, „geht auch niemand etwas an, wo ich meinen Abend zubringe. Bin rollkommen mein eigener Herr.“ „Also auf Wiedersehen um halb zehn Uhr. Ich muß jetzt in die Stadt zurück, um noch einige Anstalten zu treffen. Empfehle mich Ihnen Herr Hobelmann.“ „Empfehle mich Ihnen gehorsamst, Herr Doktor,“ sagte Herr Hobelmann, von seinem Stuhl aufstehend und sich vor dem jungen Mann verbeugend—„war mir ungemein angenehm, Ihre werte Bekanntschaft zu machen.“ „Ja, das hast Du mir schon gestern morgen versichert," lachte Franz stillvergnügt, als er wieder den schmalen Pfad zur Stadt zurückschritt.„Aber, warte nur, Kamerad, den Empfang gestern im heimatlichen Hause und Deine Hartherzigkeit gegen die arme Frau heute tränk ich Dir#####enfalls ein, und— hahaha— vielleicht kriegen die Frau Steuerrätin und die Frau Kommerzienrätin auch ihren Teil ab von dem Spaße. Jedenfalls ist es der tollste Einfall, den ich je in meinem Leben gehabt, und der Onkel wird mir am Ende böse darüber Aber, bah! Zuletzt muß er doch darüber lachen. Und Heer Hobelmann—###haha— wenn's nur erst Abend wäre!" V. Der Abend kam und in den Salons des Regierungsrats Kettenbrock, der ein ziemlich großes Haus machte, und brillant eingerichtet war, sammelten sich nach und nach die Gäste, bei deren Empfang Franz Kettenbrock natürlich nicht fehlen durfte. Im Anfang machte ihm das auch Freude, denn er knüpfte da manche alte Bekanntschaft wieder an, und schon lang vergessene Namen und Gesichter tauchten aufs Neue vor ihm auf und weckten schlummernde Erinnerungen zu neuem Leben. Als aber die Frau Steuerrätin ihre Tochter und die Frau Kommerzienrätin ihre beiden Nichten mitbrachten, und dann noch außerdem ein paar alte adelige Fräulein hereinrauschten, den armen jungen Mann in ihre Mitte nahmen und ihn mit ihren faden, alltäglichen Phrasen tot zu quälen suchten, da erwachte ein Gefühl der Empörung in Franz. Ihm zu Ehren ward die kleine Festlichkeit gegeben, und er als Hauptperson wollte und brauchte sich nicht langweilen zu lassen. Im Anfang hatte er allerdings leichte Gewissensbisse über seinen tollen Plan gehabt und wie sein alter Onkel so vergnügt und glücklich in den hell erleuchteten Räumen umherschritt und ihm einmal über das andere, wo das nur irgend unbemerkt geschehen konnte, in seiner Freude die Hand drückte, da beschloß er schon, das Ganze ungetan und den alten egoistischen Hobelmann ruhig sitzen zu lassen. Aergerte diesen das nicht erfüllte Versprechen, so geschah ihm das gerade recht. Aber Stunde um Stunde verging, und den äußersten Belebungsversuchen des alten Regierungsrats zum Trotz zog sich die Gesellschaft immer wieder in einzelne steife Gruppen zurück, die nur dann und wann darauf ausgingen, den Havanesen abzufangen und sich anzueignen. Franz hatte auch volle Arbeit, ihnen geschickt auszuweichen oder, wenn wirklich einmal gefaßt, den gelegten Schlingen zu entgehen, mit denen ihn besonders die beiden„Muhmen“ verfolgten. Eben war er solcher Art ganz verbittert der Frau Kommerzienrätin entschlüpft und stand in einem kleinen Nebenzimmer in tiefen Gedanken, als ihm plötzlich der Onkel seinen Arm unterschob und sagte: „Das weiß doch der Henker, in unsere Gesellschaften, wir mögens anstellen wie wir wollen, ist nun einmal kein Leben, zu bringen, und wie ich sehe, ennuirst Du Dich ebenfalls schmählich.“ „Aber, lieber Onkel,— wie können Sie glauben—“ „Papperlapapp, ich bin nicht blind. Das langweilige Volk, anstatt Dich mit zu unterhalten, wartet darauf, daß Du ihnen irgend etwas Außergewöhnliches— etwas Havanesisches zum Besten geben sollst, und da stehen sie und tun den Mund nicht auf, außer, wenn sie Dich ausfragen oder heimlich untereinander flüstern und ihre Nebenmenschen lästern. Das Gescheidteste wird sein, ich lasse anfangen zu tanzen, damit nur etwas Bewegung in sie kommt.“ Franz sah schlau vor sich nieder. „Und wenn ich nun mit etwas Havanesischem zwischen sie führe?“ „Das war recht," rief der Onkel—„irgend etwas, um Wechsel, um Bewegung in die Sache zu bringen.“ „Aber Sie werden vielleicht böse, Onkel?“ „Ich? wahrhaftig nicht. Wo willst Du denn hin?“ „Nicht fort— ich bin im Augenblick wieder da. Wie viel Uhr haben wir jetzt.“ „Es wird gleich halb zehn Uhr sein.“ „Schön, lieber Onkel. So lassen Sie den Ball nur beginnen.“ „Aber den Tanz wirst Du doch eröffnen?“ „Gewiß, wenn Sie es wünschen. Bis Sie in Ordnungsind, bin ich wieder da. Ich will nur mein Schuhwerk wechseln, denn ich blieb vorhin mit der linken Sohle an einer Schwelle hängen und habe sie mir abgesprengt.“ „Bleib mir nicht zu lange aus. So wie Steuerrats Euphrosine die Gnadenarie und etwa noch„Die schönsten Augen“ zu Ende gesungen hat, geb ich der Tanzmusik das Zeichen.“ Der junge Havanese benutzte den nächsten Moment, um die Tür zu erreichen, und einige ihm nachgeschleuderte Blicke aus schönen Augen nicht achtend, stürzte er hinaus, warf seinen Paletot über und war in wenigen Sekunden später auf der Straße. „Wie viel Uhr haben wir, Kutscher?“rief er einer unten haltenden Troschke entgegen. „Gedare schlägts halb zehn Uhr.“ „Ecke der Kreuzgasse und Neuen Straße! Dort wird ein Herr zu mir einsteigen, dann drehst Du augenblicklich um und fährst hierher zurück— aber nicht an die Front des Hauses. Weißt Du, wo der Garten an der Promenade ausmündet?" „Von dem Hause hier?— gewiß— es brennt gerade eine Laterne an der Pforte dort.“ „Torthin fährst Du, aber nicht den nächsten Weg. Fahr aus dem Emmertor hinaus und das Stück über die bis an die Gartentür— verstanden?“ „Sehr wohl.“ „Eier ist Dein Fahrgeld für beide Touren und laß Dein Pferd ein wenig austraben.“ Der utscher, sehr zufrieden mit dem ihm gegebenen Gelde, zog seinem Gaul ein paar tüchtige Peitschenhiebe über und ließ die alte Troschke über das holperige Pflaster rasseln. Es dauerte auch nicht lange, so befanden sie sich an der bezeichneten Ecke, und kaum hielt dort die Droschke, als Herr Hobelmann auch schon, in einen Mantel gehüllt, erschien. „Sie sind außerordentlich pünktlich,“ sagte er sehr freundlich. „In unserer Anstalt muß alles nach der Minute gehen,“ erwiderte Franz.— Der Kutscher hatte die erhaltene Weisung wohl gemerkt. Er fuhr hinaus auf die Promenade. „Ihre Anstalt liegt außerhalb der Stadt?“ sagte Herr Hobelmann. „Nein,“ lautete die Antwort,„nur frisch und luftig am entgegengesetzten Ende derselben.“ „Sie haben doch meinethalben keine Schwierigkeiten gehabt?“ „Nicht im Mindesten— das heißt bis jetzt noch nicht. Lassen Sie sich nur nicht das Geringste merken, daß Sie eine LAhnung davon haben, wo Sie sich befinden. Die Leute wollen natürlich nicht, wie Sie sich wohl denken können, für Verrückte angesehen werden. Mit den verschiedenen Persönlichkeiten und ihren Eigentümlichkeiten werde ich Sie unter der Hand bekannt machen. Sie sino doch Ihres Versprechens eingedenk gewesen und haben zu Hause nichts erwähnt?“ „Sie können sich auf meine Diskretion verlassen. Aber wenn mich der Obermedizinalrat bemerkt?“ X83 62 955 24 — 7 .—