Dortmund, Freitag, den 23. September 1910. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Beilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertlonsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann, Dortmund. 27. Jahrg. Abonnementspreis frei ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage und dem 8seitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pig. pro Monat, durch die Post bezogen für 3 Monate 1.50 Mi. Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inserate verautwortlich: Viktor Schanzer, Dortmund. verbunden mit dem Lokat-Anzeiger für Dortmund u. Hörde und der täglichen Unterhaltungsbeilage W#T sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— wermorec=Anschluß Nr. 3299. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und gesetzt. Feiertage. Zweites Blatt. neue Militärvorlage. Ueber die neue Militärvorlage brachte kürzlich eine Korrespondenz Mitteilungen, die sich den Anschein tiefen Eingeweihtseins gaben.. Man hatte den Eindruck, als solle damit nebenher noch der Zweck verfolgt werden,„beruhigend“ auf die öffentliche Meinung zu wirken; wurde doch im Hinblick auf Pressemeldungen über beabsichtigte Infanterievermehrungen und Aenderungen im Etat der Kavallerie abgewiegelt. Nun aber wird von anderer Seite erklärt, daß diese Mitteilungen in vieler Beziehung durchaus unzutreffend seien, daß es überhaupt verfrüht sei, schon jetzt mit Angaben aus der zwar in ihren Grundzügen bereits aufgestellten, oom Bundesrat jedoch noch gar nicht durchberatenen Vorlage hervorzutreten. Also wird man sich noch in Geduld zu fassen haben, ehe man erfahren kann, wie ihr Inhalt tatsächlich beschaffen ist. Vielleicht deuten doch die vielbemerkte Aeußerung des Kaisers in seiner Königsberger Rede, daß wir unsere Rüstung lückenlos erhalten müssen, sowie die Wendung in der jüngsten Wahlparolen=Kundgebung des Reichskanzlers von der Sicherung des zum militärischen Schutze der Nation Nötigen darauf hin, daß die Vorlage möglicherweise weniger harmlos aussehen könnte, als man mancherorten jetzt glauben machen möchte Aber das muß, wie gesagt, abgewartet werden. Inzwischen scheint man es jedenfalls in den Kreisen, die der Ansicht sind, daß wir nie genug Soldaten haben können, für seine Aufgaben zu halten, noch in letzter Stunde scharf zu machen, auf daß die Mehrforderungen der neuen Militärvorlage nur ja nicht zu knapp bemessen werden würden. Dafür zeigt ein vom„Tag“ veröffentlichter Artikel, in dem sich General Keim mit dem Ausbau unserer Wehrmacht beschäftigt.. Man kennt die Bestrebungen, die hier zu Worte kommen, seit langer Zeit. Die bedenklichste Lücke, heißt es, besteht auf dem Gebiet der allgemeinen Wehrpflicht: wir hätten, so wird geklagt, die allgemeine Wehrpflicht nur noch auf dem Papier, da nach Ausweis der letzten Aushebungsergebnisse lediglich 50 Prozent der diensttauglichen Wehrpflichtigen hätten in das Heer eingestellt werden können. Und man drängt eben auf eine möglichst vollständige Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht hin, also auf eine gewaltige Vermehrung der Kopfzahl unserer Armee. Vermutlich würde man vorläufig geneigt sein, sich mit einer anständigen Abschlagszahlung zu begnügen, ohne deshalb das Ziel aus dem Auge zu verleiren. Generak Keim exemplisiziert, was einigermaßen überraschend ist, auf die französischen Heeresverhältnisse, die man für gewöhnlich in einem anderen Lichte zu sehen gewohnt ist. Man weiß ja, mit welchen Schwierigkeiten die französische Heeresverwaltung zu kämpfen hat, um die Kopfzahl der Armee auf der Höhe zu halten und zu welchem fragwürdigen Experimenten sie bereits ihre Zuflucht genommen hat: aber Des Vaters Ehre. Roman von Ewald August König. 70 Wilhelm trat mit trotziger Miene vor den Richter, er hatte ja keine Ahnung von den Schuldbeweisen, die bereits gefunden waren. „Ihr seid der Mörder Popperts!“ sagte der Untersuchungsrichter, den durchdringenden Blick fest auf ihn heftend.„Mit diesem Steine habt Ihr ihn erschlagen und als er tot war, beraubtet Ihr seine Kasse. Seht her, dieses Buch, das Kassenbuch des Ermordeten, das wir bisher vergeblich suchten, ist in Eurer Wohnung gefunden worden.“ Das hatte Wilhelm nicht erwartet, es traf ihn völlig unvorbereitet. „Wie kann man dieses Verbrechens mich anklagen?“ stotterte er verwirrt.„Der Täter ist ja sogleich entdeckt und überführt worden.“ „Ueberführt noch nicht,“ erwiderte der Richter mit gehobener Stimme,„die Beweise, die gegen ihn zeugten, waren nur Scheinbeweise. Euer Bruder wälzt alle Schuld auf Euch, er will bei dieser Geschichte nicht beteiligt gewesen sein.“ „Ein sauberer Bruder," fuhr Wilhelm zornig auf.„Auf mich will er alles abwälzen? Wer hat denn dem Wucherer die Suppe eingebrockt, er oder ich? Wer hat ihn zwingen wollen, die Papiere zu kaufen? Ich war nur der Vermittler, und wenn Poppert das Geld gezahlt hätte...“ Er brach plötzlich ab, der Blick des Richters, der unausgesetzt auf ihm ruhte und seine geheimsten Gedanken erforschen zu wollen schien, verwirrte ihn mehr und mehr. „Also war es Habsucht, was Euch zu der Tat verleitet hat?“ fragte der Untersuchungsrichter. „Nein, das nicht! Poppert reizte mich durch beleidiende Schmähungen und Drohungen, er warf mir vor, aß ich schon im Zuchthause gewesen sei und...“ „Euer Bruder behauptet, Ihr hättet in jener Nacht die Taschen voll Geld mitgebracht.“ „Das ist auch nicht wahr!“ rief Wilhelm, den jetzt der wachsende Zorn gegen den Bruder verleitete, in die Falle hineinzugehen,„es war nur wenig bares Geld in dem Schranke, kaum fünfhundert Taler und weiter habe ich richts mitgenommen.“ Herr Keim will alle solche Einwände nicht gelten lassen und stellt Frankreich uns zum Muster hin. Unter allen Umständen wird es sich empfehlen, Bestrebungen der gekennzeichneten Art aufmerksam zu verfolgen.. Ein Punkt der Keimschen Ausführungen sei noch hervorgehoben. Es wird nämlich bemerkt, man dürfe nicht übersehen, daß Deutschland sich durch das Quinquennat anderen Staaten gegenüber die ihre Heeresstärke jährlich festsetzen, im Nachteil befinde; insofern wir uns, was organisatorische Maßnahmen, teilweise auch technische Neuerungen angehe, fünf Jahre lang, gleichsam im Beharrungszustande bewegten. Ja, weshalb hat man sich bei uns denn so gegen die jährliche Festsetzung gesträubt, als würde damit der Untergang des Reiches besiegelt! Auch Herr Keim wird sich daran erinnern, welche Kämpfe um diese Sache einst ausgefochten worden sind.. Deutsches Reich. Die Botschaft hör ich wohl— Das Ergebnis der vielstündigen Besprechungen des Reichskanzlers mit seinen Ministerkollegen und den Staatssekretären, insbesondere dem Reichsschatzsekretär, ist, wie zuverlässig verlautet, daß von dem Versuch, neue Reichssteuern auszuschreiben, mindestens vor den Reichstagswahlen des kommenden Jahres Abstand genommen wird.. Man wird mit der größtmöglichen Sparsamkeit auszukommen suchen. Deutscher Rolonialkongreß 1910. Der vom 6. bis 8. Oktober im Reichstagsgebäude unter dem Vorsitze des Herzogs Jahann Albrecht zu Mecklenburg stattfindende Kolonialkongreß wird eine rege Beteiligung aufweisen.. Unter den 75 angemeldeten Vorträgen befinden sich sehr viele von allgemeinerem Interesse und sie sind auch keineswegs eng auf das koloniale Gebiet beschränkt. Ueber:„Das Deutschtum im Auslande“ wird Professor Hoeniger sprechen, über„Die Kapitalbeschaffung für koloniale Unternehmungen“ Dr. Schacht, über:„Die Fortschritte der Tropenhygiene in unseren Kolonien“, Prosessor Dr.. Schilling, der Leiter der Abteilung für Tropenkrankheiten am Königlichen Institut für Infektionskrankheiten zu Berlin. Ueber:„Die Organisation des Bodenkredits in Deutsch=Südwestafrika“ wird Staatsanwalt Dr. Fuchs, über: Abänderung der bergrechtlichen Bestimmungen in Deutsch=Südwestafrika" Rechtsanwalt Dr. Hahn sich verbreiten. Auch zwei Damen werden Vorträge halten, nämlich Frau Dr. Lehr über:„Die Leistungen des Roten Kreuzes in den deutschen Kolonien" und Frau Oberstabsarzt Kuhn über:„Die Stellung der Frau in Deutsch=Südwestafrika".. Am Kongreß teilnehmen werden auch die Gemahlin des Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg sowie die Prinzessin Therese von Bayern. Die Teilnehmer des Kongresses haben freien Zutritt zu den Vorträgen und zu einer Reihe von anderen Veranstaltungen und Besichtigungen.. Im Reichstagsgebäude findet ferner eine kartographische Ausstellung statt, „Ihr seid über die Mauer des Nachbarhauses eingestiegen?“ „So viel Mühe brauchte ich mir nicht zu machen, Poppert hat mir selbst die Tür geöffnet.“ „Habt Ihr das Haus auf demselben Wege wieder verlassen?“ „Ja.“ „Sofort? Oder waret Ihr noch im Hause, als der alte Klausner das Pult erbrach?“ „Ich habe mich nicht länger aufgehalten, als nötig war," erwiderte Wilhelm.„Mein Bruder möchte sich gern rein waschen, aber das wird ihm schwerlich gelingen, und es fragt sich noch, wer mehr zu verantworten hat, er oder ich!“ „Ihr gesteht also ein, den Makler Hilarius Poppert ermordet zu haben?“ „Es war nicht meine Absicht, nur betäuben wollte ich ihn. Mein Gott, es ist doch nicht meine Schuld, daß seine Schädelknochen so dünn waren.“ „Weshalb habt Ihr das Kassenbuch mitgenommen?“ fragte der Richter weiter. „Damit das Fehlen des Geldes nicht sofort entdeckt würde; ich hatte ganz richtig spekuliert, die Geschichte wurde als Racheakt aufgefaßt. Aber wenn man noch so klug zu sein glaubt, man macht in der Regel doch noch einen dummen Streich; ich hätte das Buch augenblicklich vernichten sollen.“ Der Untersuchungsrichter wußte nun genug, er stellte bezüglich der Ereignisse der vergangenen Nacht noch einige Fragen an den Gefangenen, dann entließ er ihn, an der Schuldlosigkeit Klausners konnte er nun nicht mehr zweifeln. Trotzdem der Tag sich bereits dem Ende zuneigte, sollte Norbert Klausner noch in dieser Stunde in Freiheit gesetzt werden, der Richter glaubte ihm diese Genugtuung zu schulden, und er war eben mit der Ausfertigung des Befehls an den Gefängnisinspektor beschäftigt, als Edgar in sichtbarer Erregung eintrat. „Sie haben Recht behalten, NorbertKlausner ist schuldlos,“ sagte der Richter, der die Vermutung hegte, der Rechtsanwalt komme, um die Befreiung seines Klienten zu fordern,„wenn Sie wollen. können Sie persönlich ihm seine Entlassung aus der Haft verkünden.“ „Und wer ist der Mörder Popperts?“ fragte Edgar überrascht. die ein Bild der Entwicklung der topographischen Kenntnis unserer Kolonien in den letzten fünf Jahren geben soll.. Anmeldungen zur Teilnahme sind an das Kongreßbüro: Berlin W.. 9, Schillingsstraße 54, zu richten.. Teilnehmerkarte 12 Mark. „Wann endlich“, so fragt naiv die agrarische„Deutsche Tageszeitung“, werden die bürgerlichen Parteien die Scheuklappen von den Augen reißen und sehen, daß die sozialdemokratische Gefahr eine gemeinsame Gefahr ist, der gegenüber Geschlossenheit unbedingt hötig ist? Mögen doch diese Parteien, Kreise und Gruppen ihre Kämpfe unter sich ausfechten, aber erforderlichenfalls eine einheitliche, geschlossene Schlachtreihe gegen den sozialdemokratischen Gegner bilden. Von solcher Einsicht sind wir betrüblicherweise noch himmelweit entfernt.“— Wir fragen zurück: Wann endlich werden die Agrarier mit ihrer Beutepolitik aufhören? Wann werden sie aufhören, durch ihren wirtschaftlichen Egoismus die Arbeiterschaft und das Bürgertum zu leidenschaftlicher Abwehr zu zwingen? Wann werden sie sich endlich bereit finden lassen, auch Steuern zu zahlen, wie alle anderen Bürger? Wann werden sie ihren Hochmut ablegen, mit dem sie glauben, auf alle redliche Arbeit im Gewerbe, Handel und Industrie wie auf Tätigkeiten zweiten Ranges herabblicken zu können? Wann endlich? Die falschen Freunde der Bauern. Die Fideikommißbildung hat im Jahre 1909 in den östlichen Provinzen Preußens, besonders aber in dem klassischen Lande der Fideikommisse, in Schlesien bedeutende Fortschritte gemacht. Diese Entwicklung schreitet auch in diesem Jahre kräftig weiter. So berichtet ein Liegnitzer Blatt: „Graf Hoyos, Besitzer des 580 Hektar großen Dominiums Hermsdorf(Kreis Glogau) hat ein Bauerngut von 20 Hektar und eine Gastwirtschaft mit 9 Hektar und mehrere kleine Stellen erworben, außerdem hat er das Dominium Ober=Jauche mit 700 und Klein=Kauer mit etwa 600 Hektar gekauft, wahrscheinlich, um damit eine Fideikommißherrschaft zu begründen. In dlem zweineinhalb Kilometer von Glogau entfernten Dorfe Brostau gab es früher 34 Bauerngüter, jetzt nur noch 16. Hier ist mehrfach durch Zusammenkauf Großgrundbesitz entstanden. Der bekannte Agrarier Ackermann=Salisch hat zu seinem Gut das Vorwerk Linderei, ein anderes Vorwerk vom Dominium Linden und ein Bauerngut in der Gemeinde Altstrunz erworben. Er sowohl als Grat Hoyos erfreuen sich eines Anteils an den Liebesgaben für die Brenner, welche im Kreise Glogau alljährlich 238000 Mark betragen.“ Die Großgrundbesitzer machen unter der Geltung der Wucherzölle so glänzende Geschäste, daß sich das Bauernlegen für sie trefflich lohnt. Das hält die Herrschaften allerdings nicht ab, sich als die selbstlosesten Freunde des kleinen und mittleren Bauerntums aufzuspielen. Und das Traurige ist, daß viele Bauern in Nord= und Süddeutschland diesem heuchlerischen Junkertum glauben und ihm, ihrem schlimmsten Feinde, Gefolgschaft leisten! —0 „Ein Wärter aus der Irrenanstalt des Doktor Leiner. Er hat die Tat eingestanden. Sie wissen doch, was in der vergangenen Nacht in der Irrenanstalt vorgekommen ist?“ „Man spricht ja überall davon.“ „Und ich glaube, die Untersuchung wird entsetzliche Dinge ans Licht bringen. Wenn der Doktor Leiner mit dem Leben davonkommt, hat er einen Prozeß zu erwarten, der ihn für den ganzen Rest seines Lebens ins Zuchthaus bringen kann, ein Register seiner Missetaten ist in meinen Händen, es wurde bei einem der beiden verhafteten Wärter gefunden.“ „Fand man nicht auch andere Papiere bei ihm?“ fragte Edgar. „Allerdings, und man sagte mir, der Inhalt dieser Papiere beziehe sich auf ein Staatsgeheimnis.“ „Sind sie in Ihrem Besitz?“ „Nein.“ „Und wer sprach mit Ihnen über den Inhalt?“ „Der Kriminalinspektor Zoller, der die Beiden verhaftete.“ „A.. ah,“ sagte Edgar gedehnt, indes sein Blick starr auf dem Antlitz des Richters ruhte,„er hat Ihnen also die Dokumente nicht überliefert?“ „Nein, er hat sie Seiner Exzellenz, dem Herrn Minister gebracht, er sagte mir, seine Amtspflicht habe ihm das verboten.“ Der Präsident war kurz vor Mittag in großer Aufregung aus dem Ministerium heimgekommen und hatte sich sofort in sein Kabinett eingeschlossen. Er sei mit einer sehr dringenden Arbeit beschäftigt und werde deshalb heute nicht bei Tisch erscheinen, ließ er seinem Sohne melden, dem Dienstmädchen hatte er befohlen, ihm jede Störung fern zu halten, nur Briefe sollten ihm gebracht werden. Edgar kehrte erst spät am Abend heim, seine erste Frage galt dem Vater. Er habe den ganzen Nachmittag gearbeitet, antwortete das Mädchen, und er sei früh zu Bett gegangen. Ober Besuch oder Briefe empfangen habe? fragte Edgar. „Besuche nicht, wohl aber einen dicken Brief mit einem großen blauen Siegel.“ Ein blaues Siegel.. so waren die Briefe gestegelt, die aus dem Kabinett des Fürsten kamen. Errichtung einer Militärzigarrenfabrik. Dem Deutschen Tabakverein war die Nachricht zugegangen, daß beim 4. königl.. bayrischen InfanterieRegiment in Metz die Absicht bestehe, einen Vertriek zur Herstellung von Zigarren zur Versorgung der Mannschaft zu errichten. Der bayrische Kriegsminister wurde darauf von dem Deutschen Tabakverein gebeten, einem solchen Vorhaben die Genehmigung zu versagen, indem gleichzeitig die Gründe die gegen die beabsichtigte Errichtung einer Militärzigarrenfabrik sprechen, eingehend dargelegt wurden. Der Deutsche Tabakverein erhielt darauf unter dem 11. Aug. d. J. die nachstehende Antwort: „Zum teilweisen Ausgleich der in Metz eingetretenen besonderen Verteuerung aller im Kantinenbetriel benötigten Lebens= und Genußmittel usw., hai sich das 4. Infanterie=Regiment zu dem Versuch veranlatzt gesehen, den Bedarf an Zigarren für die Mannschaften zum Teil in eigener Regie durch zwei gelernte Zivil arbeiter in einem eigens zu diesem Zweck gemieteten Raume ansertigen zu lassen. Angehörige des Regiments werden bei der Herstellung der Zigarren nicht verwendet, es ist Fürsorge getroffen worden, daß die gesertigten Zigarren lediglich von der Truppe selbst verbraucht werden und ein Ankauf nach auswärts hintangehalten wird. Da diese Einrichtung lediglich dem Wohle und dem Vorteil der Mannschaften dient, und gesetzliche Bestimmungen ihr nicht entgegenstehen, ist das Kriegsministerium nicht in der Lage, dem vom Deutschen Tabakverein geäußerten Wunsch auf Verbot der Selbstanfertigung von Zigarren im Kantinenbetrieb des 4.. Infanterie=Regiments zu entsprechen.“ Es ist selbslverständlich, daß sich der Deutsche Tabakverein bei diesem Bescheide nicht beruhigen kann, und es werden bei der Reichsregierung nötigenfalls auch beim Reichstag geeignete Schritte unternommen werden, um zu versuchen, das bayerische Kriegsministerium umzustimmen. Das Vorgehen des Metzer Regiments steht übrigens nicht vereinzelt da. Auch andere Behörden scheinen in gleicher Weise vorgehen zu wollen. Dem Deutschen Tabakverein liegt die Abschrift einer vor kurzem versendeten Anfrage der Direktion der Provinzial=Heil= und Pflegeanstalt in Osnabrück vor, die folgenden Wortlaut hat: „Der Bedarf an Zigarren für die hiesigen Kranke.. wird in eigener Werkstatt angesertigt.. Ich frage an, ob die Anstalt den dazu erforderlichen Rohtabak von Ihnen beziehen kann. Deckblatt bis 4 Mark., Umblatt bis 2.50 Mark, Einlage bis 2,10 Mark, das Pfund hier frei einschl. Zoll- und Wertz########3= steuer. Die fertige Zigarre darf ohne Arbeitslohn nur zweieinhalb bis drei Pfg. kosten.“ Durch die Errichtung gewerblicher Wettbewerbsbetriebe würde das in einem sehr schweren Daseinskampfe befindliche freie deutsche Tabakgewerbe auf das emraue ruerra reisspernne Edgar zog sich mit schwerem Herzen in sein Schlafzimmer zurück, er wollte am nächsten Morgen mit dem Vater reden und ihn bitten, ihm volles Vertrauen zu schenken, ihm alles anzuvertrauen, was ihn bedrücke und bedrohe. In der Nacht wurde er durch Feuerlärm geweckt, Glockengeläut und Hornsiguale vermischten sich mit dem Rasseln der Brandspritzen. Edgarkleidete sich an und eilte hinaus, die frische Nachtluft kühlte seine heiße Stirne und die brennenden Augen. Die Irrenanstalt des Doktor Leiner stand in hellen Flammen, niemand wußte, wie das Feuer entstanden war, Edgarhörte fast allgemein die Bermutung aussprechen, es müsse angelegt worden sein. Als er den Schauplatz des Brandes erreichte, war man noch damit beschäftigt, die Kranken zu retten, die Arbeit wurde dadurch ungemein erschwert, daß die Schlüssel zu den Zellen im Zimmer des Doktors lagen, und daß gerade in diesem Teile des Gebäudes der Hauptherd des Feuers wütete. Man hatte versucht, bis zu jenem Zimmer vorzudringen, aber man mußte den Arzt, der überdies schwer erkrankt im Bett liegen sollte, seinem Schicksal überlassen und die Türen der Zellen gewaltsam erbrechen. Vergeblich versuchte die wackere Feuerwehr mit dem Aufgebot aller Kräfte, das rasende Element zu bekämpfen, das in dem Innern des Hauses reiche Nahrung fand; als Edgar in der Morgenfrühe die Brandstätte verließ, stürzte der Dachstuhl krachend zusammen, und aus dem Krater loderten noch einmal die Flammen himmelhoch auf. Unwillkürlich mußte Edgar daran denken, wie viel besser es für seinen Vater gewesen sein würde, wenn dieser Brand einen Tag früher ausgebrochen wäre und jene gefährlichen Papiere samt ihrem verbrecherischen Hüter verschlungen hätte. Der Präsident hatte bei der Heimkehr seines Sohnes sein Schlafzimmer noch nicht verlassen, als er aber auch zur gewohnten Frühstückszeit nicht erschien, beschloß Edgar, im höchsten Grade beunruhigt, nicht länger zu warten. Er ging ins Schlafgemach und sah sich in seiner bangen Ahnung nicht getäuscht, statt des Lebenden fand er eine Leiche. 183,18 ofindlichste geschädigt werden. Es ist sast mit einem Drittel des Herstellungswertes seiner Waren zugunsten der Reichskasse belastet, und es sind in erster Linie Heer und Flotte, um deren für das Vaterland unerläßliche Erhaltung und Fortentwicklung diese Lasten getragen werden müssen.. Wenn das Tabakgewerbe auch auf besondere staatseitige Förderung seiner volkswirtschaftlichen Tätigkeit, die nicht nur den einzelnen Beteiligten, sondern dem allgemeinen Volkswohlstand zugute kommt, nicht rechnen kann und auch nicht rechnet, so darf es doch wohl erwarten, daß ihm wenigstens nicht von Staats=, Reichs= und Kommunalbehörden durch Selbstversorgung eines Teiles der Kundschaft auch noch Schaden zugefügt wird. Es ist bestimmt zu hoffen, daß der Reichstag zu derartigen Vorkommnissen nicht schweigen wird.. Ausland. Rußland. Petersburg, 22. September.. Nahdem die Untersuchungen, die bisher in den Ressorts der Marine, der Armee=Intendantur, der Eisenbahnen und anderen Regierungszweigen stattfanden, die größte Korruption nnter den Beamten und Lieferanten bloßgelegt haben, geht man nunmehr daran, das Hofministecium und die Palastverwaltungen einer gründlichen Revision zu unterziehen. In Petersburg, Moskau und Warschau wird eine neungliedrige Kommission unter dem Vorsitz des Geheimrats Fedoroff in den nächsten Tagen ihre Arbeit beginnen.. Man sieht dem Resultate mit Spannung entgegen. Türkei. Uesküb, 22. September.. Die Entwaffnung der Albanesen war nur eine teilweise, sodaß die Mehrheit derselben, noch immer die serbischen Dörfer allerlei Gewalttaten verübend, heimsucht.. Ueberhaupt ist die Lage der Serben in der Türkei noch dadurch erschwert, daß die türkische Regierung fast alle Truppen aus dem nordwestlichen Albanien zurückgezogen hat und auch alle Pfarrer und Lehrer ohne Grund in Haft behalten werden. Konstantinovel, 22. August. Der Kriegsminister erhielt die Meldung, daß die Drusen sich jetzt bedingungslos unterworfen hätten. Konstantinovel, 22. Sept. Ein jungtürkischer Führer sprach heute von dem bevorstehenden Rücktritt Hakki Paschas wie von einer feststehenden Tatsache und bezeichnete Laid Pascha als voraussichtlichen Nachfolger im Großwesirat. Das deutet darauf hin, daß die Komiteekreise Frankreich keine Konzessionen machen wollen. Bulgarten. Uesküb. 22. September. Der frühere bulgacische Sekretär des Excharats in Serres Gologanoff ist spurlos verschwunden. Es liegt die Vermutung nahe, daß er von seinen politischen Gegnern aus Bulgacien ermordet wurde. Gologanoff gehörte der türkenfreundlichen Partei an.. Asien. Teberan, 22. Sept. Der Regent Azld El Wolk ist laut„Frif. Ztg.“ soeben gestorben. Nur wenig über ein Jahr hat dieser Mann die Regentschaft über Persien geführt. Als im Juli des vergangenen Jahres Muhamed Ali ins russische Lager floh, erklärte ihn das revolutionäre Zentralkomitee für abgesetzt und ernannte Azid El Molk für den minderjährigen Thronerben Achmed Mizza zum Regenten. Der Regent hat sich ohne Widerspruch und ohne persönliche Eingriffe in die Rechte der Regierung in die Rolle eines konstitutionellen Fürsten gefunden und nichts getan, um die alte despotische Form für sich oder den Schah wieder zu beleben. Lokales und Drovinzielles. Dortmund, 23. September. —* Fortschrittliche Volkspartei. Diejenigen Parteifreunde, die sich an der Abschiedsfeier für den scheidenden Parteisekretär Kuhle morgen Samstag in Hagen beteiligen wollen, werden gebeten, zu dem Zug 7,59 Uhr am Hauptbahnhof zu sein. Es wäre sehr erfreulich, wenn viele Parteifreunde an der Fahrt nach Hagen teilnehmen würden. Die Feier soll acht Uhr abends im Restaurant Reichshof, Frankfurterstraße, beginnen —* Das nationalliberale Kreiswahlkomitee war gestern unter dem Vorsitz des Herrn Geheimrat Haarmann im Schwarzen Raben versammelt, um zunächst einen Vortrag des Parteisekretärs Herrn Leonhardt über die soziale Gesetzgebung entgegen zu nehmen, die Delegierten zum Kasseler Parteitage zu wählen und dann in eine Besprechung der Kasseler Tagesordnung einzutreten. Diese Besprechung ergab nach parteioffiziösem Bericht„insofern gewisse Richtlinien für die Dortmunder Delegierten, als sie gebeten wurden, einer Wiederanbahnung der abgebrochenen Beziehungen nach rechts das Wort zu reden und anderseits für eine Fühlungnahme mit den mehr links stehenden bürgerlichen Parteien soweit sie die politischen örtlichen Verhältnisse mit sich bringen, einzutreten, kurzum also den Standpunkt der mittleren Linie zu vertreten. Unter allen Umständen aber sollen die Delegierten sich gegen ein Bündnis mit der Sozialdemokratie aussprechen.“— Früher las man's anders! —* Die Wanderausstellung des westfälischen Vereins zur Förderung des Kleinwohnungswesens in der Handwerker= und Kunstgewerbeschule bleibt, wie uns mitgeteilt wird, bis Sonntag, den 25. k. Mts., abends 6 Uhr geöffnet. So ist auch denen, die Wochentags die Ausstellung nicht besuchen können, Gelegenheit gegeben, das Versäumte am Sonntag noch nachzuholen. Ein Eintrittsgeld wird nicht erhoben. —* Verlegung des polizeilichen, undbüros. Zur Bequemlichkeit des Publikums hat sich unsere Polizeiverwaltung entschlossen, das seither im Hause, Olpe 7, zwei Treppen hoch, befindliche Büro für Fundsachen und Gefangenen=Transportwesen von heute an in das Stadthaus, Olpe 1, Zimmer 1, zu ebener Erde zu verlegen. Das Zimmer ist auch an das allgeeine Fernsprechnetz unter Stadtzentrale angeschlossen; es können dort auch kleinere Anzeigen über Kriminalfälle erstattet werden. —. Der Verkehrsverein Dortmund hielt am Mittwoch Abend nach der Ferien= und Urlaubezeit seine erste Vorstandssitzung ab, zu der die Mitglieder zahlreich erschienen waren. Es erwartete sie ein großes Arbeitspensum, welches sich über die Ferienzeit angesammelt hatte. Der Verkehrsverein war von Privaten, wie von Gemeindeverwaltungen aus der nächsten Umgebung angegangen, hinsichtlich Zugverbesserungen neue Auträge zu stellen, oder gestellte Anträge zu unterstützen. Insbesondere wurde beschlossen hinsichtlich der Erweiterung der Sonntagsfahrkarten dahin vorstellig zu werden, daß die Sonntagsfahrkarten der Stationen der Bergisch=Märkischen Strecke auch Gültigkeit für die Rheinische Strecke und umgekehrt erhalten, damit den Touristen Gelegenheit geboten wird, in dem zwischen beiden Bahnstrecken gelegenen Ausflugsterrain Erholung zu suchen. Sonstige Verbesserungsanträge betrafen die Verbindung von Soest, die Leitung der Köln-Hamburger D=Züge, die Beschleunigung des D=Z. 13/14 durch Fortfall von einigen Stationen, einen Sonntagszug zum Sauerland, die Beschleunigung der Züge auf der Gronau=Enscheder Eisenbahn usw. Auch die Frage der Errichtung eines Postscheckamtes in Dortmund, wie die Ausgestaltung der Einrichtung im Empfangsgebäude des Hauptbahnhoses rief eine längere Besprechung hervor. Verschiedene Mitteilungen über inzwischen errungene Erfolge zeigten, daß die Arbeiten des Vorstandes zwar umfangreiche, aber sehr ersteuliche gewesen waren. —* Die„Walhalla“ an der Rheinischenstraße übernimmt am 1. Oktober Herr Restaurateur Josef Theunissen früherer Inhaber des„Breiten Stein“. —“ Kronenburg, Das Philharmonische Orchester ist nun wieder für seine künstlerische Tätigleit in der bereits begonnenen Wintersaison gerüstet. Der Streichkörper des Orchesters ist auf die übliche Stärke gebracht, ebenso sind die Holzinstrumente in der für die Ausführung moderner Werke erforderlichen dreifachen Besetzung vertreten.. Das 1. Symphonie=Konzert findet heute, Freitag, abends 8 Uhr statt, es bringt außer der hier zum ersten Male zur Aufführung kommenden Symphonie in D=dur von Ph.. E. Bach das 5. brandenburgische Konzert von Joh. S.. Bach für Violine, Flöte und Klavier mit Streichorchester, wobei neben dem bekannten Solisten, Herren Konzertmeister Schmidt=Reinecke und Oldörp den Klavierpart eine für das Hüttner=Konservatorium neugewonnene Kraft, Herr Gerhard Bunk übernehmen wird.. Für das unter Georg Hüttners Leitung stehende Konzert hat die Firma W.. Hohrath Söhne, Dortmund, einen Ibach=Flügel zur Verfügung gestellt. Kirchderue, 22. Sept. Eine öffentliche Vorführung von Bodenbearbeitungsmaschinen und Geräten aller Art veranstaltete aus dem Gelände des Gutes Dellwig gestern durch den landwirtschaftlichen Amtsverein zu Lünen die Landeskulturgesellschaft für den Regierungsbeizrk Arnsberg und die Prüfungsstation für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte zu Münster. Es hatten Maschinen ausgestellt die Firmen Kremer(Kirchlinde), Prütz(Kettwig), Wigand((Oelde), Moll(Bochum), H. Bäthmann(Hornburg), Bentzki(Graudenz), Bohrsen(Munzel), Eisenwerk Bassum, Bower u. Co. (Blender i. H.), Robert Richter((Hamburg) und Wibbing u. Co.(Spenge i. W.) Pfüge, Osborn ur. Co, (Berlin), Walter A. Wood((Berlin) und W. Körbi (Meinerzhagen) Eggen, Ludwig Grefe((Lüdenscheid), Kremer(Kirchlinde) und Schröder u. Pape(Lübeck) Kaltoffelerntemaschinen, Hartmann(Ossendorf b. Warburg) Federgabelkultivatoren, W. Krisel(Dirschau) eine Erdschaufel, Fricke u. Komp.(Bielefeld) eine Kettendüngerstreumaschine, Walter A. Wood(Berlin) eine Stalldüngerstreumaschine. Vorgeführt wurden Flachpflüge aller Art, einscharige und mehrscharige Pflüge (u. a. der vierscharige Fortschrittspflug), Zwillingspflüge, Untergrundpflüge, Mischpflüge, ein Sulkypflug mit Sitz, Pflüge für Düngzwecke, amerikanische Spitzeggen, eine Scheibenegge, Federzahnkultivatoren, ein Patentfederzahnkultivator, eine Erdschaufel, eine Stalldüngerstreumaschine, eine Kunstdüngerstreumaschine und Kartoffelrademaschinen. Die Veranstaltung war für alle Landwirte ebenso interessant wie lehrreich und übte eine starke Anziehungskraft aus. Recht eigenartig gestalteten sich die Versuche zur Erhaltung von Zugkraftsdiagrammen. Es wurden die Leistungen der einzelnen Pflüge unter Berücksichtigung der Breite und Tiefe ihres Einschneidens hinsichtlich der erforderlichen Zugkraft gemessen. Lütgendortmund, 22. September. In vergangener Nacht wurde in dem Schuhgeschäft von Rosenthal hier, ein Einbruchsdiebstahl ausgeführt und ein größerer Posten Herren= und Damenschuhe(sog. Fortschrittstiefel) im Werte von ca. 1800 Mark gestohlen.. Bochum, 22. Sept. Eine Verhaftung unter besonderen Umständen erfolgte heute vormittag in den Wandelgängen des hiesigen Landgerichts. Der Hypothekenschwindler Heinrich Voßkühler, dessen Treiben etwa 150 Leidtragende aus dem gesamten rheinisch=westfälischen Industriebezirk zum Opfer gefallen sind, wurde schon seit geraumer Zeit von der Kriminalpolizei gesucht. Es gelang jedoch nicht, den Menschen, der sich zeitweise auch in Frauenkleidern umhertrieb, dingfest zu machen. Schließlich versuchte man es mit einer List. In einer Untersuchungssache war die Vernehmung Voßkühlers erforderlich, wozu das Gericht durch öffentliche Bekanntmachung dem V. freies Geleit gab. Der Termin stand heute an. V. erschien auch. Als er jedoch nach Schluß der Sitzung den Saal wieder verlassen wollte wurde er durch einen Kriminalbeamten festgenommen Ein inzwischen rechtskräftig gewordenes Urteil der Strafkammer gegen V. berechtigte den Beamten dazu.— Wir vermögen dies von der Bochumer Staatsanwaltschaft angewandte listige Verfahren nicht zu billigen, auch wenn uns eine Bestrafung Voßkühlers für seine Schwindeleien erforderlich erscheint. Die deutsche Justiz soll auf geraden Wegen wandeln, wenn sie ihr ohnehin schon stark erschüttertes Ansehen wahren will. Hamm 21. September. Einer Diebesbande, die das Stehlen der Fahrräder gewerbsmäßig betrieb, ist die hiesige Polizei auf die Spur gekommen. Sie verhaftete gestern Abend den 18jährigen Almers, genannt Maffei, aus Dortmund, der in den letzten drei Tagen mit zwei Freunden zusammen, 6 Fahrräder verkauft hat.. Die drei Diebesgesellen fuhren jedesmal gemeinsam nach Hamm, um die in Dortmund gestohlenen Fahrräder hier an den Mann zu bringen. Man hat Grund zu der Annahme, daß die Diebe auch in Hamm Fahrräder stahlen, die sie dann mit nach Doctmund nahmen und dort verkauften. Von den 6 in Hamm verkauften Fahrrädern, befinden sich bereits 4 wieder in den Händen der Palizei, die Eigentümer sind unbekannt. Olmers ist bereits am 12. ds. Mts.. in Dortmund wegen Fahrraddiebstahls verhaftet worden, er wurde aber wegen mangelnden Fluchtverdachts wieder entlassen. Seine beiden Genossen sind noch nicht ermittelt. Der eine soll Dreesmann heißen, von dem andern will O.. nur den Vornamen Ludwig wissen. Hagen, 22. Sept. Wie Oberbürgermeister Cuno, der jetzt im Reichstag den Wahlkreis HagenSchwelm vertritt, der„Hag. Ztg.“ mitteilt, wird er bei den nächsten Wahlen nicht wieder kandidieren, da ihm seine hauptamtliche Tätigkeit eine uneingeschränkte Wahrnehmung seines Reichstagsmandats nicht ermögliche. Barmen, 22. September. Den Fabrikanten Rudolf, Max, Hans und Walter Ibach ist die königl. Genehmigung zur Annahme und Führung des ihnen verliehenen Prädikats als Hofpianofortefabrikant des Herzogs von Anhalt erteilt worden. Solingen, 22. September. Die Eisenbahnverwaltung hat Vermessungen für eine direkte Eisenbahnverbindung Köln=Solingen=Remscheid=Lennep angeordnet. Die geplante Strecke bezweckt eine Entlastung des Bahnhofs Ohligs. Düsseldorf, 22. September.. In den Beratuagen der Städtebauwoche teilte heute der Geheime Obecregierungsrat Dr. Freund aus dem Reichsamt des Innern in seinem Vortrage über die moderne Entwicklung städtischer Bodenpolitik mit, daß zur Zeit ein Gesetzentwurf über die Bildung von Kommunalverbänden für die Boden= und Wohnungspolitik in Bearbeitung sei und im nächsten Winter vorgelegt werde. Köln, 22. September. Nach dem Genuß von Fischsalat ist die Familie eines hiesigen Rechnungsrats sehr schwer erkrankt. Die aus fünf Personen bestehende Familie liegt trotz sofort angewandter Gegenmittel schwer krank darnieder. 360000 Metallarbeiter ausgesperrt. Berlin, 22. Sept. Der Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller erläßt folgende Bekanntmachung:„Der Ausschuß des Gesamtverbandes Deutscher Metallindustrieller hat in seiner am 22. d. M. in Berlin stattgefundenen Sitzung einstimmig beschlossen, die Seeschiffswerften in ihrem Kampfe gegen die Forderungen der Gewerkschaften zu unterstützen. Es soll deshalb am 8. Oktober nach Arbeitsschluß eine Aussperrung von 60 Prozent der Gesamtbelegschaft von 633000 Mann eintreten, welche nicht früher aufgehoben wird, als bis die Differenzen bei den Seeschiffswerften beendet und die von den Ausständigen veranstalteten Sympathiestreiks aufgehoben sind. Wiedereinstellungen erfolgen nach Maßgabe der Betriebsverhältnisse. Die Einzelvereine sind von diesem Beschluß telegraphisch verständigt worden. Betroffen werden durch die Aussperrung über 300 000Arbeiter, Wir wollen im Augenblick nicht untersuchen, oh die Forderungen der Werftarbeiter so ganz ungerechtfertigt sind, aber auch nicht ob nicht bei einiger Nachgiebigkeit beiderseits die Differenzen schon hätten beigelegt werden können. Den starken Arbeiterorganisationen die die Werftarbeiter unterstützten, tritt jetzt eine noch stärkere Organisation entgegen.. Bei dem gewaltigen Umfange, den Streik und Aussperrung annehmen werden, ist es uns nicht zweifelhaft, auf welche Seite sich der Sieg neigen wird.. Denn noch immer hat die Macht die Oberhand behalten, auch wenn das Recht auf der anderen Seite war. Es ist nun Aufgibe der berufenen Instanzen, sofort die Vermittlung zwischen den streitenden Parteien zu übernehmen und mnöglichst bald zustande zu bringen, damit nach der Bauarbeiter=Aussperrung dem Volkskörper nicht noch weiterer schwe rer Schaden durch die gewaltige Aussperrung in der Me tallindustrie zugefügt wird.. Wir nehmen an, daß der Wille zur Verständigung auf beiden Seiten vorhanden ist und daß diese Verständigung desto leichter herbeigeführt werden kann, je früher Schritte dazu unternommen werden. Die Kampflust der Metallindustciellen kennzeichnet ein Beschluß des Leipziger Verbandes, der dahin geht, daß sofort Erhebungen anzustellen sind, welchen Organisationen die Arbeiter angehören.. Die Arbeiter, die bei diesen Erhebungen ungenügende Angaben machen, sollen dem sozialdemokratischem Metallarbeiterverbande zugerechnet werden und die daraus sich ergebenden Konsequenzen tragen. Es scheint danach, als ob der Kampf in erster Linic sich gegen die sozialdemokratischen Gewerkschaften richtet. Berlin, 23. Sept. Der Zentralverband der Hirsch=Dunckerschen Gewerkvereine hat in seiner gestrigen Sitzung eingehend über den Stand der Werftarbeiterbewegung und den gestern vom Gesamtvorstand der Deutschen Metallindustriellen gefaßten Aussperrungsbeschluß beraten. Die bisher in der Bewegung eingeschlagene Taktik wurde einmütig gebilligt. Die ferneren Maßnahmen sollen der zur Beobachtung dieses Kampfes eingesetzten Kommission, in der Vertreter aller beteiligten Gewerkvereine sitzen, vorbehalten bleiben. Außerdem wurde vom Vorstande erklärt, daß bei erfolgter Aussperrung der 60 Prozent von den übrig bleibenden 40 Prozent kein Arbeiter die Arbeit niederlegen dürfe ohne die Genehmigung der Organisation.— Die Leitung des Ortsvereins des christlichen Metallarbeiterverbandes erklärte auf eine Anfrage, daß sie vorläufig zu der veränderten Sachlage noch keine Stellung nehmen könne, da sie erst die Entscheidung des Hauptvorstandes in Duisburg abwarten müsse. Ebenso hat die Leitung des Deutschen Metallarbeiter verbandes zu dem gestrigen Beschluß der Arbeitgeber noch keine Stellung genommen. Berlin, 23. September. Von seiten der Arbeitgeber machte der Generalsekretär des Verbandes der Berliner Metallindustriellen, Dr. Kose, folgende Mitteilungen: In Berlin würde die Zahl der ausgesperrten Arbeiter etwa 85000 Mann betragen, denn außer auf den Verband der Metallindustriellen erstreckt sich der von den Arbeitgebern gefaßte Beschluß auch auf den Verband Berliner Metallwarenfabrikanten usw. In Hamburg werden 14000, in Stettin 12000 und in Chemnitz 22000 Mann von der Aussperrung beiroffen. Der Kampf legt den Arbeitern ungeheure Lasten auf: denn wenn auch in der ersten Wochen keine Streikunterstützung gezahlt wird, so hat bis heute dieser Kampf die Arbeiter sicher bereits 2 Millionen Mark gekostet.. Wie sich die Arbeitnehmer zu dem Beschluß unseres Verbandes stellen werden, läßt sich nicht voraussagen. Das dürfte aber nicht zuviel gesagt sein, wenn man behauptet, daß die Gewerkschaften von unserem Beschlusse nicht überrascht worden sind, da sie jedenfalls von den Metallindustriellen eine Sympathiekundgebung für die Werften erwartet haben.. Die Forderungen der Arbeiter sind eminent hohe und ihre Aufstellung füllt mehrere Seiten ihrer Mitteilungen an die Wersten. Wahrscheinlich werden jetzt neue Verhandlungen stattfinden und es bleibt dem Gesamtverbande der Metallinndustriellen überlassen, einen Termin für diese Verhandlungen festzusetzen. Vorläufig würde sich im Falle der Aussperrung die Situation sehr kritisch gestalten, da durch eine solche auch viele andere Betriede in Mitleidenschaft gezogen würden. Der gestrigen Sitzung des Ausschusses des Gesamtverbandes Deutscher MetallinDortmunder Stadttbeater. Dortmund, 22. September. „UDg“ Oper von Verdi. Verdi, wohl der gefeiertste italienische Overnkomvonist der Gegenwart, hat eine Unmenge Overn geschrieben, von denen ein Teil vollständiges Fiasko machte, ein anderer Teil nur schwache Achtungserfolge errang und sich nicht zu halten vermochte, und nur der dritte, kleinere Teil von Lebensdauer war. Seine Glanzzeit begann mit„Rigoletto“(1851), dem„Troubadour“(1853) und„Traviata“. Damit war für längere Zeit die Serie der Triumpfe Verdis wieder abgeschlossen. Erst mit„Don Carlos“, der 1869 an der großen Oper in Paris aufgeführt wurde, begann ihm wieder das Glück zu lächeln. Wenn diese Oper schon eine großartigere Anlage der einzelnen Nummern aufwies und demgemäß gewürdigt wurde, so ist das in erhöhtem Maße der Fall bei„Aida“. Ismail Pascha, der Vizekönig von Aegypten, hatte Verdi für die Eröffnungsfeier der Italienischen Oper in Kairo eine Oper in Auftrag gegeben. Verdi kam in seiner„Aida“ dem Wunsche gern nach und strich dafür ein Honorar von — 80000 Mark ein. Der Erfolg war enorm und steigerte sich noch zu Mailand, wo das Werk 1872 aufgeführt wurde. Seitdem machte die Over ihren Weg über alle großen Bühnen des Auslandes und hat auch heute nichts von ihrer Zugkraft eingebüßt. In der„Aida“ hat Verdi einen Anlauf genommen, im Sinne Wagners zu schreiben. Freilich blieb es nur bei dem Anlauf, denn über die Nachahmuig äußerlicher Mittel kam er nicht hinaus. Seine Musik ist immer richtige italienische Opernmusik, wie sie gerade Wagner in seiem ganzen Lebenswerk bekämpfte. Die kompositorische Eigenart Verdis neigt zum Effektvollen, liebt dynamische Kontraste und leidenschaftliche Gefühlsausbrüche; die Instrumentation ist lppig und di: Harmonik schwelgt zumeist in Dissonanze#seigkeit. Auch in seinen Texten zieht er das Sensationelle vor und verleugnet auch darin seine Heimat, die Heimat des Dolches und des Giftes, nicht. Den Künstlern bietet er reichlich Gelegenheit, ihr Können nach allen Seiten zu zeigen. So kommt er beiden entgegen: Den Sängern und dem Publikum, und darin beruht die Hauptanziehungskraft seiner Opern.— Das Hauptinteresse nahm am heutigen Abend die Vertreterin der Titelrolle, Frl. Stelzik. in Anspruch, da sie sich als neues Glied unserer Oper vorstellte. Ich möchte nach diesem Auftreten kein endgültiges Urteil schreiben. Die„Aida“ der Sängerin war nicht in allen Teilen gleichwertig. Wohl kann manches Gute hervorgehoben werden, aber mancher Wunsch blieb unerfüllt. Nach der darstellerischen Seite erschöpfte sie ihre Rolle wohl noch nicht so ganz, sie erlebte nicht immer das, was ihre Worte ausdrückten. Ihr Stimmaterial ist bedeutend, doch muß Manches verschwinden, damit der Genuß zu seinem Rechte kommen kann. Das Tremolieren war zuweilen sehr stark und die Tonreinheit wurde nicht immer gewahrt. Auch auf gutakzentuiertes Sprechen muß noch mehr Gewicht gelegt werden. Doch, wie gesagt, Frl. Stelzik hatte auch gute, sogar sehr gute Momente, und vielleicht wirkte auch das erste Auftreten etwas beeinflussend. Restlos erschöpfte in jeder Beziehung Frau Wildbrunn ihre Aufgabe als„Amneris“. Wunderbar war ihre liebende Königstochter. in Erwartung des siegreich zurückkehrenden Helden, überzeugend ihre Gebärde, als sie Aida das ängstlich gehütete Geheimnis ihrer Liebe zu Radames entlockte, erschütternd ihr Schmerz, als sie den Geliebten verloren sah. Frl. Kluge war als„Priesterin“ ant. Herr Wildbrunn als„Radames“ war ungleich in der gesanglichen Leistung; heldenhaftes Erstrahlen seines Organs wechselte m. E. etwas auffällig mit einem gewissen Sichgehenlassen. Als Darsteller war er gut. Den„Oberpriester“ brachte Herr Bark in Ton und Miene gut zur Geltung, wie Gleiches auch von Herrn Loosen als„König“ zu sagen ist. Herr Reisinger bot als„Amonasro“ wiederum Vortreffliches, besonders als er in seiner Tochter die Vaterlandsliebe wachrief. Der„Bote“ war bei Herrn Scherer gut ausgshoben. Der Chor war zu sehr zurückhaltend an manchen Stellen. Als die Krieger sangen:„Auf! Des Niles heilig Ufer schützen wir mit unserm Blute“ glaubte ihner das niemand, wenn man ihre teilnahmlosen Gesichter sah. An anderen Stellen beteiligten sie sich gar zu wenig an dem Ensemble. Das Corps de Ballet, an seiner Spitze Frl. Verina führte seine Tänze graziös auf. Könnte man den kleinen Negerkindern nicht andere Köpfe beschaffen? Die kleinen Kerle hatten zum Teil„Münder“, die größer waren als die ganzen Köpfe, und dann die seelenvollen Augen. Das Orchester ließ es im Eingang der Ouvertüre an Reinheit mangeln, besonders die Geigen. Späterhin war es bis zum Schlusse guk. dustrieller war an handes der Berlin C Berlin, 23. S kondoner Korr Dareley Stewart ituliert, machte ir einer hiesigen Wo Chef der der Zusammenhange n nant Helm in gefährliche Persö Oberst, der in herumreise, er hab iugemein bedrohli r wiederholt abg Der Major füc baldane gleich na iin Gesetz einzu ktive oder künftig unmittelba Behörden in schaft anzume Ausweisung im E Der Korrespon scheine zur Beruh bielleicht dienlich Patrioten, wie d wegen an der Ver Art gehindert wi Der Sigmaring enthüllung des T sten Leopold suchtes Bankett Festrede und gab andidatur d und die Vorge sischen Krieg Die Stadt trä die der Kaiser pas Rathausplatze ge Anblick. Viele Rheinland, Berli Fremden, namen und Baden, sind Hohenzollern ma Beamten erhielt mit dem Bildnis Um 11 Uhr 5 Kaisers. Die unter großer Menge. Um 2 1 u. a. auch der Er Berlin, 22. Der König verl Hohenzoller Hobeit für seil Berlin, 22. meinen Zeitung“ linken Ufer der! Provinz Westpre Septemberwoche kungen vorge nicht mit Sicherh aber aller Wahr pung aus Ru jestellt wurden C von vier gestorbe träger gewesen si verdächtigen wur zu Marienburg mit den Erkran hatten und dahe werden mußten in der alten Ga tägigen Beoback desinfiziert. Na krankungen vorg tigen wieder ent in Kalthof wohl werden. Rom, 22. Se sind in Apuli und 4 Todesfälle Petersbu deutschen Botscho krankt. Eine Wien, 22. S historischen Auge Kaisers im 9 anzufertigende P nis festzuhalten. Zum Besuch de Brüssel, 2 Kaiserpaare stätigt. Das Kai folges von 48 P. des umgebauten baar und seinem Be Sta In der Zeit wird in Dortmun in Hagen je ein Die Teilnehmer als Heizer in pi können ausnahm zugelassen werder flndet eine münd untei Umständen Das Schul denen eine Ang zu machen ist sin in Dortmund, Li Gewerbeinspektion welche auch nähe Arnsber soll deshalb am eine Ausder GesamtMann ein hoben wird, als Seeschiffswerften sen veranstalteten Jiedereinstellungen verhältnisse. Die luß telegraphisch verden durch 00Arbeiter. t untersuchen, ob ganz ungerechtfereiniger Nachgieson hätten beigeiterorganisationen itt jetzt eine noch i dem gewaltigen g annehmen werwelche Seite sich immer hat die inn das Recht auf Aufgibe der belung zwischen den nd nöglichst bald Bauarbeiter=Aus h w e i t e r e r s c h w e errung in der Memen an, daß der Seiten vorhanden io leichter herbeiazu unternommen ndustciellen kennerbandes, der daistellen sind, welhören.. Die Argenügende Angaatischem Metallid die daraus sich s scheint danach, gegen die sozialralverband der vereine hat ber den Stand ng und den eutschen Metallngsbeschluß ig eingeschlagene ferneren Maßdieses Kampfes ter aller beteiligbleiben. Außeraß bei erfolgter übrig bleibenden die Arbeit Zenehmigung der Ortsvereins des rverbandes vorläufig zu der stellung nehmen Hauptvorstandes hat die Leitung rverbandes geber noch keine seiten der Ares Verbandes der e, folgende Mitl d e r a u s g e s p e r r igen, denn außer llen erstreckt sich eschluß auch auf cikanten usw. In 12000 und in errung beiroffen. eure Lasten auf: keine Streikunterite dieser Kampf n Mark gekostet.. Beschluß unseres icht voraussagen. sein, wenn man on unserem Besie jedenfalls von jekundgebung für Forderungen der Aufstellung füllt an die Wersten. sandlungen stattinde der Metalln für diese Verrde sich im Falle kritisch gestalten, Betriede in Mitigen Sitzung des utscher Metallinen Leistung; helwechselte m. E. Sichgehenlassen. rpriester“ brachte ut zur Geltung, als„König" zu ils„Amonasro“ uls er in seiner . Der„Bote“. oben. Der Chor n S t e l l e n. A l s les heilig Ufer ubte ihnen das en Gesichter sah. gar zu wenig an an seiner Spitze ziös auf. Könnte ndere Köpfe beim Teil„Münzen Köpfe, und Orchester ließ es eit mangeln, beir es bis zum —.—. dustrieller war am Mittwoch eine Sitzung des Verhandes der Berliner Industriellen vorangegangen.. Letzte Telearamme Eine englische Ente. Berlin, 23. Sept. Dem„L.=A.“ wird von seinem sondoner Korrespondenten telegraphiert: Ein Mstr. Hareley Stewart Stepbens, der sich„Major stuliert, machte in der gestern erschienenen Nummer einer hiesigen Wochenschrift die Mitteilung, daß der Ehef der deutschenMilitärspionage im Zusammenhange mit dem Prozeßverfahren gegen Leutsant Helm in London eingetroffen sei. Diese gefährliche Persönlichkeit sei ein preußischer Oberst, der in England stets unter falschem Namen herumreise, er habe seinen für die Sicherheit Englands ingemein bedrohlichen Posten schon lange inne, obwohl wiederholt abgefaßt worden sei. Der Major fügt hinzu, daß der Kriegsminister baldane gleich nach Beginn des nächsten Parlaments in Gesetz einzubringen gedenke, wonach sich jeder iktive oder ehemalige deutsche Offizter fünftig unmittelbar nach der Landung bei den britischen Behörden in seiner militärischen Eigenschaft anzumelden habe, bei Strafe der sofortigen Ausweisung im Erkennungsfalle. Der Korrespondent des„B. L.=A.“ fügt hinzu, es scheine zur Beruhigung manchen britischen Gemüts bielleicht dienlicher, wenn sichtlich übergeschnappte Patrioten, wie der genannte Major, von regierungswegen an der Veröffentlichung von Brandartikeln dieser Art gehindert würden. Der Kaiser in Sigmaringen. Sigmaringen, 22. Sept. Anläßlich der heutigen enthüllung des Denkmals des verstorbenen Fürsten Leopold fand gestern abend ein zahlreich besuchtes Bankett statt. Geheimrat Zingeler hielt die Festrede und gab neue Aufschlüsse über die Thron= landidatur des damaligen Erbprinzen Leopold und die Vorgeschichte des deutsch=franzöischen Krieges. Die Stadt trägt reichen Festschmuck. Die Straßen, die der Kaiser passiert, und der Kaiserpavillon auf dem Rathausplatze gewähren einen besonders prächtigen Anblick. Viele Kriegervereine aus Hohenzollern, Rheinland, Berlin und Potsdam und Tausende von Fremden, namentlich aus Hohenzollern, Württemberg und Baden, sind hier eingetroffen. Der Fürst von Hohenzollern machte Schenkungen an die Armen. Die Beamten erhielten künstlerisch ausgeführte Plaketten mit dem Bildnis des Fürsten Leopold. Um 11 Uhr 50 Min. erfolgte die Ankunft des Kaisers. Die Hülle des Denkmals fiel 128 Uhr unter großer Begeisterung der freudig bewegten Menge. Um 2 Uhr fand Frühstückstafel statt, zu der u. a. auch der Erzabt von Beuron geladen war. Berlin, 22. Sept. Der„Staatsanzeiger“ meldet: Der König verlieh dem Fürsten Wilhelm von Hohenzollern das Prädikat Königliche Hobeit für seine Person. Die Cholera. Berlin, 22. Sept. Nach der„Norddeutschen Allgeneinen Zeitung“ sind in der Ortschaft Kalthof, am linken Ufer der Nogat, gegenüber Marienburg, in der Provinz Westpreußen, in der zweiten und dritten Septemberwoche choleraverdächtige Erkrankungen vorgekommen, deren Entstehungsursache nicht mit Sicherheit hat festgestellt werden können, die aber aller Wahrscheinlichkeit nach auf Einschleppung aus Rußland beruhe. Bakteriologisch festjestellt wurden Cholerabakterien bei acht Personen, wovon vier gestorben, zwei aber nur sogenannte Bazillenträger gewesen sind. Die Kranken und die Krankheitsverdächtigen wurden sämtlich in das Diakonissenhaus zu Marienburg gebracht. Die gesunden Personen, die mit den Erkrankten in Wohnungsgemeinschaft gelebt hatten und daher als ansteckungsverdächtig angesehen werden mußten— im ganzen 102 Personen— wurden in der alten Gasanstalt zu Marienburg einer fünftägigen Beobachtung unterzogen und die Häuser desinfiziert. Nachdem seit acht Tagen keine neuen Erkrankungen vorgekommen und alle Ansteckungsverdächtigen wieder entlassen sind, kann der Choleraausbruch in Kalthof wohl wieder als erloschen angesehen werden. Rom, 22. Sept. Während der letzten 24 Stunden sind in Avulien 16 Erkrankungen an Cholera und 4 Todesfälle vorgekommen. Petersburg, 23. Sept. Der Kanzleisekretär der deutschen Botschaft Otto Feuselt ist an Cholera erkrankt. Eine Ehrung Kaiser Wilhelms. Wien, 22. Sept. Der Stadtrat hat beschlossen, den historischen Augenblick der Rede des deutschen Kaisers im Rathause durch eine von Künstlerhand anzufertigende Plakette zum ewigen Gedächtnis festzuhalten. Zum Besuch des deutschen Kaiserpaares in Brüssel. Brüssel, 22. Sept. Die Ankunft des deutschen Kaiservaares in Brüssel am 27. Oktober wird bestätigt. Das Kaiserpaar wird in Begleitung eines Gefolges von 48 Personen reisen. Der ganze rechte Flügel des umgebauten Brüsseler Palastes wird dem Kaiserpaar und seinem Gefolge zur Verfügung gestellt werden. Bekanntmachung Staatliche In der Zeit vom 9. Januar bis 23. Januar 1911 wird in Dortmund und vom 20. März bis 3. April 1911 in Hagen je ein staatlicher Heizerkursus abgehalten werden. Die Teilnehmer sollen in der Regel mindestens ein Jahr als Heizer iu praktischem Betriebe tätig gewesen sein, dom können ausnahmsweise auch andere geeignete Personen zugelassen werden. Nach Beendigung des Unterrichts flndet eine mündliche Schlußprüfung statt, an der sich untei Umständen auch Nichtkursisten beteiligen können. Das Schulgeld beträgt 6 Mk. Anmeldungen in denen eine Angabe über die bisherige Tätigkeit als Heizer zu machen ist sind an die Königliche Gewerbeinspektion in Dortmund, Leipzigerstraße 22, bzw. an die Königliche Gewerbeinspektion in Hagen, Blumenstraße 17, zu richten, welche auch nähere Auskunft erteilen. Arnsbera, den 8 September 1910. Der Regierungspräsident. I. A.: Oppermann. ff. Brätchen WienerHörnchen 2 mal täglich frisch! Zustellung frei Haus ab 6 Uhr morgens. Lemmerts Wiener Feinbäckerei Conditorel und Café 134 Westenhellwen 13-. — Der holländische Prinzgemahl trifft am 18. Oktober inkognite hier ein, wird jedoch Gast des belgischen Königspaares sein und im königlichen Schlosse zu Lacken absteigen. Das Leichenbegängnis Joseph Kainz'. Wien, 22. Sept. An einem unfreundlichen kalten Herbsttage wurde heute Joseph Kainz zu Grabe getragen. In der Wohnung des Kommerzienrats Mauth= ner, der ihm die letzte Gastfreundschaft erwies, sprach am Sarge des Künstlers der Direktor des Burgtheaters, Baron Berger, für dieses Institut, dessen unersetzlichen Verlust er in seiner Rede schilderte. Für die Kollegen sprach Regisseur Thimig und im Namen der Berliner Künstlerschaft der Regisseur des Neuen Schauspielhauses, Dr. Wolisch. Der imposante Leichenzug, in dem sieben schwer beladene Blumenwagen dem Sarge voranfuhren, bewegte sich um das Burgtheater und dann nach der Schottenkirche, wo die Einsegnung vorgenommen wurde. Der Menschenandrang war enorm. Ein starkes Polizeiaufgebot konnte nur mit Mühe die Absperrung aufrechterhalten. Berlin, 22. Sept. Der Kaiser hat an den Generalintendanten Grafen Hülsen=Häseler ein Telegramm gerichtet, in dem er sein tiefstes Bedauern über das Hinscheiden Kainz', des so großen Künstlers, Ausdruck gibt. Der Abschied Radolins von Fallières. Paris, 22. Sept. Zu der gestrigen Abschiedsaudienz des Fürsten Radolin in Rambouillet wird weiter berichtet, daß Präsident Fallières sich über alle Phasen der auswärtigen Politik der letzten Jahre in allen Einzelheiten vorzüglich orientiert zeigte. Der Staatschef vermied mit großem Takt, auf die Schwierigkeiten einzugehen, die während seiner Wirksamkeit in Rambouillet die deutsche und die französische Diplomatie zeitweilig beschäftigte, betonte dagegen, was alles in dieser Periode zur Anbahnung freundschaftlicher Beziehungen von beiden Seiten geleistet wurde. Zum Empfange des neuen Botschafters Freiherrn von Schoen wird Präsident Fallières in den ersten Tagen des Oktobers eigens von Rambouillet nach dem Elysee kommen. Paris, 22. Sept. Fürst Radolin hat gestern dem Präsidenten der Republik sein Abberufungsschreiben überreicht und die Geschäfte der Botschaft abgegeben. Die Verschwürung gegen den Mikado. London, 22. Sept. Zu den bisher bekannt gewordenen Andeutungen über eine Verschwörung gegen das Leben des Kaisers von Japan werden jetzt nähere Einzelheiten aus Tokio gemeldet. Danach erklärt das Blatt„Hochi Schimbun“, daß eine Anzahl Japaner wegen dieser Verschwörung verhaftet wurden, und vor einen besonderen geheimen Gerichtshof gestellt werden sollen. Das ist das erstemal in Japan, daß eine Verschwörung gegen das Leben des Kaisers von seinen eigenen Untertanen bekannt geworden ist. Dem„Hochi“ zufolge wurde anfänglich die strengste Zensur ausgeübt, um eine Veröffentlichung über das Komplott bis gestern zu verhindern. Der Kaiser sollte bei dem Besuche der Militärschule, dicht vor der Hauptstadt, ermordet werden. Die Tatsache, daß zurzeit mehrere der energischsten Agitatoren der vereinigten Sozialisten im Gefängnis sitzen, verleiht den Behauptungen des„Hochi Schimbun“, die größte Wahrscheinlichkeit. Sntadesamts-Nachrichten. Dortmund 1, vom 22. Sept. Geburten. Ein Sohn: Eisenwerkarb. Matschulat, Kesselstr. 10. Kaufm. Erdmann, Vinckeplatz 9. Eisenhobler Holtkotte, Heinrichstr. 34. Hochofenarb. Bellgardt, Falkenstr. 8. Eisenbahnhülfsschaffner Mertens, Ackerstr. 25½. Hochofenarb. Choynacki, Leierweg 24. Kranführer Frese, Sternstr. 5. Berg. Mrakic, Siegfriedstraße 15. Eine Tochter: Rangierer Kurr, Gneisenaustr. 69. Glaser Schmitz, Wilhelmstr. 4. Aufgebote: Bleilöter W. Schulte und Maria Fritz. Bergm. E. Deppermann und Pauline Mertner Metallarb. F. Pflicht und Magarete Wulf. Bergm. F. Schmal und Henriette Kaffsack. Bergm. A. Meding und Rosa Lehmann. Eheschließungen: Arbeiter A. Riede und Anna Almamellecki. Former K. Müller und Regina Weißenhagen. Bauschlosser G. Seibel und Anna Lügger. Handlungsgehülfe J. Jost und Adele Börner. Postbote F. Niederastroth und Klara Weißenborn. Schriftsetzer E. Bath und Maria Most. Sterbefälle: Ww. Luise Rupprecht, Mallinkrodtstr. 248, 60 J. Gärtner W. Schulte, Töllnerstr. 16, 47 J. Schreiner H. Karabiner, Kirchenstr. 1, 53 J. L. Jarzembinski, Schillerstr. 47, 12 T. Anstreicher H. Etgeton, Zimmerstr. 49, 33 J. Elisabeth Erlenkämper, Leibnitzstr. 9, 2 M. Johanna Müller, Westerbleichstr. 70, 2 M. Der Clemens'sche Neubau cm Westenhellweg ist infolge der Aussperrung im Baugeweebe nicht rechtzeitig für die Herbstsaison fertig geworden. Deshalb muß der Warenverkauf noch im alten Geshäft stattfinden. Da bei dem Umbau der Betrieb nur unter allerlei Schwierigkeiten für Geschäftsinhaber und Käufer aufrecht erhalten werden kann, hat ersterer sich veranlaßt gesehen die Käufer durch Gewährung von 10 Prozent Rabatt auf die neuen Saisonwaren zu entschädigen.. Der Zutritt zu den Verkaufsräumen ist durch einen Noteingang zu nehmen. Verehrte Hausfrauen! Die Herdfabrik A. Kromberg Kaiserstraße 74 veranstaltet gegenwärtia einen Ausverkauf ihrer bestrenommierten Fabrikate wegen Vermietung ihrer Ladenlokale und hat das gesamte Warenlager bestehend aus Dauerbrandösen, Majolika=, Fliesenöfen, Amerikanischen Dauerbrandöfen, Kochherden u. s. w. ganz bedeutend im Preise ermäßigt. Zur bevorstehenden Winter=Sa'son dietet sich Ihnen eine außerordentlich günstige Gelegenheit, für wenia Geld etwas gediegenes zu erwerben. Die Besichtigung ist ohne Kaufzwang gern gestattet. Das Lager befindet sich Kaiserstraße 74,(Eingang durch den Flur). Beachten Sie auch die Anzeige in dieser Zeitung. Olymvia-Theater Dortmund. Das glänzende Spezialitätenprogramm bestehend aus den hervorragendsten Novitäten aller Länder, erzielt allabendlich den stürmischsten Erfolg. Das Altwiener Singspiel Brüderlei fein von Leo Fall welches u. a. in Hamburg, Köln, Aachen so große Erfolge errungen, findet auch hier allgemeinen Beifall. Am 1. Oktober beginnt das Gesamtgastspiel des Ensembles zum Straßburger Operetten=Theater unter persönlicher Leitung ihres Direktors Karl Weiß. Mazdäzman lehrt das vorzüglichste Heilsystem nach Zarathustra. Es ist das beste und billigste System zur Selbstheilung und bringt Licht aus alle Fragen des Lebens. Es eröffnet eine neue Ara der Lebensphilosophie. Ein Kursus findet jetzt hier statt, näheres im Inseratenteil. beginnt der Reichstag seine Verhandlungen wieder, um sich mit einer Reihe gesetzgeberischer Fragen von höchster Wichtigkett zu befassen. Besonders sind es sozialpolitische Gesetzentwürfe, deren Erledigung oder Fortführung noch vor Weihnachten erwartet wird: Das Arbeitskammergesetz, das Heimarbeitsgesesetz, die Novelle zur Gewerbeordnung und die Reichsversicherungsordnung. Die letztere freilich wird sicher in den nächsten Monaten noch nicht wieder an das Plenum des Reichstags gelangen, da gegen sind es hier die Kommissionsberatungen, in denen der Schwerpunkt liegt. Ebenso erheischen die Beratungen der Kommission über die neue Strafprozeßordnung die allgemeinste Aufmerksamkeit. Mit besonderem Interesse wird man diesmal auch den Etatsentwurf entgegensehen, dessen erste Lesung bald nach dem Wiederzusammentritt des Reichstags stattsinden wird. Ueber alle diese Fragen sowie über alle sonstigen Vorgänge im In- und Ausland, die für deutsche Leser von Wichtigkeit sind, wird die„Freisinnige Zeitung", wie bisher, auch in Zukunft schnellstens und bestens informieren. Von keiner deutschen Tageszeitung wird die „Freisinnige Zeitung" an Reichhaltigkeit des übersichtlich geordneten politischen Stoffes überboten. Die„Freisinnige Zeitung“ erscheint täglich einmal, außer Montags, und wird mit den Abendzügen so zeitig versandt, daß die Leser in der Provinz schon mit der Frühvesteuung alle Nachrichten, die bis Abends 7 Uhr in Berlin einlaufen, einschließlich des gesamten Parlameutsberichts, erhalten. In Berlin wird die„Freisinnige Zeitung" auf den meisten Bahnhöfen, sowie an mehreren anderen Verkaufsstellen schon des Abends feilgehalten. Man abonniert auf das vierte Quartal für 3.90 Mk., bei allen Postanstalten. In Berlin bestellen alle Zeitungsspediteure die sinnige Zeitung" zum Preise von 3 Mk., frei Haus. Neu hinzutretende Abonnenten erhalten gegen Einsen dung der Abonnementsquittung an die Expedition der Zeitung", Berlin SW. 68, Zimmerstraße 8 part., die noch im September erscheinenden Nummern kostenfrei zugestellt. Un eine Verzögerung im Bestelldienst auszuschließen, bitten wir, das Abonnement recht zeitig erneuern zu wollen. Berlin SW. 68, im September 1910. Verlagsanstalt„Deutsche Presse“ Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Die Auskunktei N. Schimmelpreng beschaff kausmännische Auskünste, weist zuverlässige Agenten nach, besorgt die Auswahlleistungsfähiger Bezugsquellen über die ganze Welt Sie unterhält eigene Bureaux in etwa 100 Städten des In= und Auslandes und steht in Verbindung mit The Bradstreet Company in New York mit 130 Niederlassungen in Nordamerika und Australien. Bureaux für Westfalen: Bochum, Bahnhofst 80 a Dortmund, Hoherwall 34, Hageni. W. Südstr. 7. 0 □ 0 □ 0 JIn Für 50 verjendet jede Buch- und Hunsthandlung. lowie der unterzeichnete Verlag einen 0 Pjg.0 0 1 Probeband 1 der„Jugend 0 □ 0 □ 0 □ 0 mit mehr als 100 Sellen Text und vielen # igen Illustrationan. Eln Probeband Anterrichtet über Teudenz und Inhalt der „JunEnD“ besser, als eins einzeine ProbeNummer 6. Hirth's verlag 6. m. b. M. München, Leslingstraße 1. n □ □ 0 □ 0 □ 0 □ 0 □ 0 Rechtsschutzstelle für Frauen des Vereins Frauenbildung— Frauenerweb Balkenstratze 18. Unentgeltliche Auskunft in allen Angelegenheiten erteilen Damen an unbemittelte Frauen und Mädchen. 5972 Sprechstunden: Donnerstags von 4—6 Uhr nachmittags. Bekanntmachung. Auf Grund der für den Stadtbezirk Dortmund erlassenen Polizei=Verordnung betreffend die Körung der Ziegenböcke vom 31. Januar 1905 wird der Termin für die Vornahme der Körung der Ziegenböcke auf Donnerstag, den 29. September 1910, nachmittags 6 Uhr auf dem städtischen Viehhofe festgesetzt. Die anzukörenden Böcke sind zu diesem Termin vorzuführen. Das Vorführen der Ziegen durch schulpflichtige Kinder ist verboten. Die alten Deckregister sind im Termin vorzulegen. Im übrigen wird auf die Bestimmungen der vorstehend angeführten Polizei=Verordnung noch besonders hingewiesen. Auskunft wird in dem Polizei-Bureau Olpe 1 Zimmer Nr. 20 erteilt. Dortmund, den 17. September 1910. Die Pollzei-Verwaltung. 100 tücht. Arbeiter für Bahnbauarbeiten der Neubaustrecke Finnentrop=Eslohe Winterarbeit] gesucht. Fr. Baumgarten& Sohn, Unternehmung für Tiefbauten, Detmold. Weldungen im Baubureau in Finnentrop bei Hagen. 1571 1 Polizeiverordnung betreffend die Einrichtung und den Betrieb von Aufzügen (Fahrstühlen). Auf Grund der§§ 6, 12 und 15 des Gesetzes über die Polizeiverwaltung vom 11. März 1850(G. S. 265) und der§§ 137 und 139 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (G. S. S. 195) wird mit Zustimmung des Provinzialrats für den Umfang der Provinz Westfalen die nachstehende Polizeiverordnung erlassen: Die Polizeiverordnung betreffend die Einrichtung und den Betrieb von Aufzügen(Fahrstühlen) vom 30. Juli 1903 wird in folgender Weise abgeändert: 1.§ 5 Absatz IV enthält folgende Fassung: „Ueber den Fahrkorb in seiner höchsten normalen Stellung muß, sofern er mit einer Decke versehen ist, eine freie Höhe von mindestens 1 mn vorhanden sein. Von dieser Vorschrift sind Bremsfahrstühle in kleinen Getreidemühlen und nicht betretbare kleine Aufzüge(§ 4 III) ausgenommen. Muß der Fahrschacht der vorgeschriebenen freien Höhe halber über die Dachfläche hinaus geführt werden, so wird dieses Maß auf die zulässige Gebäudehöhe nicht angerechnet.“ 2.§ 9 Absatz I erhält folgenden Zusatz: „Von letzterer Forderung kann bei nicht betretbaren kleinen Aufzügen(§ 4 III) abgesehen werden, wenn durch geeignete Mittel eine zu hohe Belastung der beim Absturz bedrohten Gebäudeteile vermieden wird“ 3. S 11 Absatz III erhält folgende Fassung: Auf nicht betretbare kleine Aufzüge(§ 4 III), Bremsfahrstühle in kleinen Getceidemühlen und Abe laßvorrichtungen finden die Bestimmungen der Absätze I und II keine Anwendung, sofern der Fahrkorb bei gelöster Bremse durch das Gewicht der Last bewegt wird.“ 4.§ 14 Absatz II erhält folgende Fassung: „Die Fahrschachttüren müssen durch die Steuerung zwangsweise unter Verschluß gebracht werden und dürfen sich nur öffnen lassen, wenn der Fahrkorb in gleicher Höhe mit ihnen steht und zur Ruhe gebracht ist. Die Einleitung der Bewegung des Fahrkorbes muß solange behindert sein, als nicht alle Fahrschachttüren festgeschlossen sind.“ .§ 15 Absatz II erhält folgende Fassung: „Bei Aufzügen, die ohne Führerbegleitung benutzt werden dürfen(§ 32 III Satz 1), ist eine Betätigung der Steuerung von außen und innen zulässig, wenn die Außen= und Innensteuerung derart in Abhängigkeit voneinander gebracht werden, das jeweilig entweder nur mit Innen= oder nur mit Außensteuerung gefahren werden kann, je nachdem die Bewegung von der einen oder der anderen Seite aus geleitet worden ist. Die Umschaltung darf nur in der Ruhestellung des Fahrkorbes bei festgeschlossenen Türen und entlastetem Fahrkorbe möglich sein. Bei Aufzügen dieser Art muß jede Schachttür mit zwei zuverlässigen Türverriegelungen versehen werden. Das Türschloß darf sich nur mittels besonders geformten Sicherheitsschlüssels öffnen lassen. 6.§ 22 erhält folgende Fassung: „Für die Berechnung der Seile, Gurte oder Ketten, gelten die Vorschriften des§ 13 II mit der Maßgabe, daß die auf jedes Seil entfallende, aus Zug und Blegungsspannung zusammengesetzte Gesamtbeanspruchung nicht mehr als ein Fünfiel der Bruchfestigkeit betragen darf.“ 7.§ 24 enthält folgende Fassung: „Steuerungsvorrichtungen der Aufzüge müssen außerhalb des Fahrschachtes derart angebracht werden, daß sie nicht vom Förderkorb aus betätigt werden können. Von dieser Vorschrift sind nicht betretbare kleine Aufzüge(§ 4 III) bis zu 50 kg Tragfähigkeit und Bremsfahrstühle in kleinen Getreidemühlen(§ 21) ausgenommen, letztere insowelt, als auf ihnen das Mitfahren eines Führers nach den Vorschriften der Berufsgenossenschaft erlaubt ist.“ 8. Im§ 25 Absatz I tritt im zweiten Satze„Hubbegrenzung“ an Stelle von„Hubbewegung.“ 9. Im§ 33 Absatz II tritt im dritten Satze„Fahrschachtverschlüsse an Stelle von„Fahrschachtabschlüsse“. 10. Im§ 39 wird im Absatz I hinter„zur Beseitigung erheblicher“ das Komma gestrichen und eingeschaltet „Gefahren für". 11.§ 26 erhält folgende Fassung: „Handwinden mit Lüftungsbremsen sind mi stillstehenden Kurbeln zu versehen“. Münster, den 17. Juni 1910. Oberpräsident der Drovinz Frhr. von der Recke. Gesucht zu sofortigem Eintritt zwei durchaus selbständige Vorzeichner für eine Eisenkonstruktionswerkstalt in Norddeutschland. Hoher Lohn, dauernde Stellung und eventl. Erstattung der Umzugskosten. Gefl. Offerten unter H. A. 122 an die Expd. d. Zig. 1557 Selbständige Elektromonteure sofort gesucht. Th. Plate, Haspe i. W. Zuverlässiger älterer mit guten Zeugnissen zur Bedienung von Corwall=Kesseln zum sofortigen Eintritt gesucht. Stahlwerke. Rich. Lindenberg. A.-G. Remscheid-Hasten. Mehrere tüchtige Former bei hohem Lohn per sosort gesucht Carl Schleiffenbaum Eisengießerei Meinerzhagen i. Westf. Tüchtige Bauklempner und Installateure finden sofort dauernde Beschäftigung. Stundenlohn bis 60 Pf. Hugo Heinze, Essen- Rahr: West, Frohnhauserstr 97. Tächtige selbständige Elektro monteure für bessere Hausinstallation zum sofortigen Eintritt gesucht Installationswerk für elektr. Anlagen Brock Duisburg, Sonnenwall 9. 2 schön möbl. Zimmer mit sep. Eingang, mit oder ohne Pension per 1. Oktober zu vermieten. II. Kampstraße 34. II. Schöne I. Etage von 5 Zimmern mit Zubehör per 1. Oktober zu vetmieten. Hüttemanstr. 33. Herrschttl. I. Etage, 5 Z., Küche, 2 Mans. Veranda, Bleiche u. sonst. Zubeh. zum 1. Oktober zu vermieten. 1713 Näh. Kaiser Wilhelm=Allee 90 I. = Der Namenszug des Erfinders Gch. Ned Prof Dr Oscor Liebreich in blauer Schrift Kennzeichen jeder Originalpockung der destehenden Mlandelmilch-Pflanzen-Margarine: SA.) welche unter dem Schutze Nr. 100 011 allein von uns hergestellt wird 2P7•11 Olympia-Theater Dortmud. Den grössten Erfolg! erzielt allabendlich das Altwiener Singspiel Brüderlein tein! von Leo Fall. Das vom Publikum glänzend beurteilte Spezialllätenprogramm bestehend aus 6 grossen Schlagern leiert täglich Triumphe. Stadttheater Freitag, den 23. Sept. 1910. B. 3. 7½—10. Schauspielpr. Zum 1. Male: Die Schmuggler Komödie in 4 Aufz. v. Dinter Sonnabend, den 24. Sept. 1910 C. 2. 7½—10. Opernpreise. Der Graf von Luxemburg. Operette von Léhar. Kronenburg. Philharmon. Orchester. Dirigent: Georg Hüttner. Freitag, den 23. Septbr. 1910: 1. Symphoniekonzert Symphonie D=dur von Ph. E. Bach.(Zum 1. Male. 5. Brandenburgisches Konzert für Violine, Flöte und Klavier. lbach-Flügel von W. Hohrath Söhne, Dortmund. Anf. 8 Uhr. Entree 1 Mk. Winterabonnements sind an der Kasse zu haben. Caie Hetrogu Brückstr. II, Eingang 1 Reinoldistr. Bes. Jos. Schlesigger Nachm. 4 Uhr, Abends ab 8½ Uhr stier-Konzert Wiener SalonOrchest C. Teply Schirme in reicher Auswahl sehr preiswert. Reparaturen und Neubeziehen billig und exakt. Dickmann Wißstr. 21. Fernruf 990. Fernspr. 898, Durch die Arbeiter=Aussperrung ist auch mein Neubau in Mitleidenschaft gezogen worden. Die endgültige Fertigstellung wird sich noch einige Zeit hinziehen. Meine Dispositionen waren darauf berechnet, mit der Herbst=Saison das neue Geschäft im neuen Lokal zu beginnen. Die Waren für das neue Geschäft sind bestellt und müssen abgenommen werden. Durch Schaffung eines Noteinganges bin ich in der Lage, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Nur bin ich nicht in der Lage, meine Waren durch Fenster=Auslagen zur Schau zu bringen. Ich habe mich deshalb entschlossen, während der Zeit des Umbaues auf alle Waren, auch auf die neu eingehenden Saison=Waren 10% Nabatt zu gewähren, um meiner Kundschaft ein Equivalent für die Bequemlichkeiten, welche sie vielleicht bei mir entbehrt, zu bieten. Unterricht. Nachte. Bent.Kreosbt Den Jann. Ankhr Senz Coo. Sull das neue Mittel gegen Harnröhren — G.entspr. Frauenleiden in frischen fällen Erfolg in 4-5Tagen älteste Fälle 14 Tage. Keine Anderung der Lebensweise Eine Flasche M b. genügt Euergon Ges. Kattowit z Verkauf u. Versand Lortzing-Apotheke Dortmund Münsterstr. 114. empsiehlt in jeder Größe und Prei ge Friedr Strunck Westenhellweg 19. Telef. 2553. 5732 Wer liebt! ein zartes, reines Gesicht, rosiges, jugendfrisches Aussehen und schönen Teint? Alles dies erzeugt: Steckenpferd-Lilleumilch-Seile v. Bergmann& Co., Radebeul Preis à St. 50 Pf. ferner ist der Liltenmilch=Cream Dada ein autes vorzüglich wirkendes Mittel gegen Sommersprossen Tube 50 Pfg. bei: Alb. Brügmann, Betenstr. 27 und Hohestraße 6. Ed. Blumberg, Münsterstr. 74 Heinr. Köhler, am Markt. Jacob Münster, Wißstraße. un Filiale Kuckelke=Drogerie. Paul Prött, am Markt. H. W. Greeven, Münsterstraßt Adler=Apotheke, Markt 4. Hermann=Apotheke, Schützen straße 16. 307 Löwen=Apotheke, Münsterstr. 9 Ed. Stehmann Brückstraße 19. Th. Strick Westenhellweg 5. Heirate nicht!s ohne Buch über die Ehe von Dr. Retau mit 39 Abbildung. statt 2,50 nur 60 Pf. Ehe u. Liebe ohne Kinder von Dr. Henkel vers, diskr. geg. 50 Pf.(Briefm.) 6. und 7. Buch Moses statt 7.50 nur 3 Mark.— Kataloge gratis. A. Günther, Verlagsbuchhl. Machtlos-Höhnebach(Cassel.) WALHALLE INLEIITEUTF Hünchener Oktoberfest. Neue Schlager! Paul Thiele. Fredenbaum. Vielen Wünschen entsprechend wird Mr. Boston der weltberühmte Turmseilkünstler am Sonnabend, den 24. Sept. cr., nachm. 3½ Uhr. ein Kinder-Fest arrangieren. Neue Ueberraschungen für die Kinder. Garten-Konzert der Kapelle Hubert. Eintritt Erwachsene 20 Pf. Kinder 10 Pf. Bekanntmachung. Infolge der am Montag, den 26. ds. Mts., stattfindenden Verschiebung der Dorstfelder Brücke muß unsere über diese Brücke führende Leitung in der Zeit von 11 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags gesperrt werden. Es wird infolgedessen der Stadtteil westlich der Dorstfelder Brücke während dieser Zeit ohne Wasser sein. 1578 Die Verwaltung des städt. Wasserwerks. In einschlägigen Geschäften erhältlich. m.b. H. Lleve. Wegen Vermietung meines Ladenlokals und Ueberfüllung meines Lagers verkaufe ich Dauerbrandöten aller Systeme Maiolika-Fliesenöfen mit und ohne Fülltrichter. MajolikaKaminöfen mit amerik. Einsatzofen. Amerik. Dauerbrandöfen mit Fülltrichter und Bodenzug, in Majolika und emailliert sowie Irische Dauerbrandöfen in allen Ausführungen.— Ferner Hochhande Naschkesselöfen, Motor-, Hand- u. Kochherue Dampfwaschmaschinen, Mangeln, „ Wringmaschinen u. s. w. zu jedem annehmbaren Preise. Aug. Kromberg, Kaiserstr. 74 Herdfabrik und Lager Kaiserstr. 74 Eingang durch den Flur 1582 Lieferung sämtl. Drucksachen schnell und billig die Buchdruckerei Ueppige Büste und Körperformen erhalten Frauen nach Verbrauch von 2 Dosen Busennährcrème und zahle derjenigen, bei der der Erfolg ausbleibt 889 500 Mark in bar. 1 Dose 2.50 Mk., 2 Dosen 4.50 Mk. Vers, diskret per Nachnahme. Viele Dankschreiben vorh. z. B. schreibt eine Dame „Teile Ihnen mit, daß sich jetzt ein erstaunliches Wachstum der Brust bemerkbar macht, wir hätten es nicht geglaubt Das Mittel hilft großartig T. in B. Bauch, Breslau 2. Lohestraße 66. Herren und Damen können in freier Zeit abschreiben, vervielfältigen. Blatt 50 Pf Verlag d Hausmutter. Berlin-Lichtenrade, 1444 Mazdaznan-Kursus in der unübertroffenen Heilkunde, Körperpfiege, Ernährungsweise = und praktischen Lebensphilosophie— nach Zarathustra. Eröffnung: 23. September 1910. abends 8½ Uhr. Fortsetzung am 30. Sept., 7., 14., 21. u. 28. Okt., im Hotel zum goldenen Löwen in Dortmund, 1. Kampstrasse 93, Teilnehmerkarte Mark 3.—.„ 1566 Madzeaznan-Zentrale Leipzigpfschmerzen=Migräne. Dieses sind Zeichen von Magen- und Leberstörungen, wodurch das Blut mit Harn= und Gallensäure überfüllt. Das zuverlässigste Mittel ist Dr. Wegener’s Thee, wodurch eine normale Verdauung und Leberfunktion hergestellt wird und das Blut gereinigt. Dr. Wegener's Thee, das beste Hausmittel, sollte in keiner Familie fehlen. Preis Mk. 1.50, in Apotheken erhältlich. Wo nicht vorrätig, wende man sich an die Ferromanganingesellschaft, Frankfurt as M., Kronprinzenstr. 55. illmBirkner Dorm nder Privat=Lehr=Institn nographisches Bureau von c. Mündte, Körnerplatz. pekt gratis und franko. ue Mittel gegen rnröhren u. entspr. uenleiden in frischen fällen o in 4-5Tagen iste Fälle 14 Tage. iderung der Lebensweise asche M f. genügt on Ges. Kattowit z tauf u.Versand g-Apotheke Dortmund lünsterstr. 114. lobungsringe in jeder Größe und ge Ir Strunck, tenhellweg 19. Teles. 2553. 5732 Pliebt! tes, reines Gesicht, jugendfrisches Ausind schönen Teint? es dies erzeugt: pferd-Lilleumilch-Seile kann& Co., Radebeul St. 50 Pf. ferner ist der nilch-Cream Dada gutes vorzüglich des Mittel gegen mmersprossen be 50 Pfg. bei: ügmann, Betenstr. 27 ohestraße 6. nberg, Münsterstr. 74 öhler, am Markt. künster, Wißstraße. und uckelke=Drogerie. ött, am Markt. eeven, Münsterstraßt otheke, Markt 4. = Apotheke, Schützen 16. 307 potheke, Münsterstr. 9 mann Brückstraße 19. ck Westenhellweg 5. rate nicht!s ch über die Ehe von zu mit 39 Abbildung. 10 nur 60 Pf. Ehe ohne Kinder von kel vers, diskr. geg. Briefm.) 6. und 7. oses statt 7.50 nur — Kataloge gratis. ver, Verlagsbuchhl. -Höhnebach(Cassel.) ursus ihrungsweise losophie tra. abends 8½ Uhr. . u. 28. Okt., im tmund, 1. Kamp1566 e Leipzig. tigräne. und LeberstörunZallensäure überWegener’s ung und Lebergereinigt. Dr. sollte in keiner ältlich. Wo nicht nganingesellschaft, rer Mache 1 beragte Freitag, 4 den 23. Septemb. 1910. Nr. 223. 27. Jahrgang. Zweites Blatt. 82. Deutscher Naturforscher= und Aerztetag. S. u. H. Königsberg 21. September. Die Beratungen in den einzelnen Fachabteilungen werden fortgesetzt. In der Abteilung für Kinderheilkunde sprach Professor Langstein(Berlin) über die „Rolle der Kohlehydrate bei der Ernährung des Säuglings.. Für eine fruchtbringende Erörterung des Themas hält es der Referent für notwendig, die Rolle der Kohlehydrate bei der Ernährung des gesunden Säulings scharf von der bei der Ernährung des Krau##n zu rrennen. Zur Verbesserung der künstlichen Ernährung muß man den absoluten Kohlehydratbedarf für den gesunden Säugling feststellen. Schon ohne mathematische Grundlagen für das Kohlehydratminimum und Maximum bei den verschiedenen Nahrungsarten des Säuglings zu besitzen, führt die Betrachtung der Eigentümlichkeiten des Stoffwechsels beim wachsenden Organismus zu der Annahme, daß Kohlehydratmangel für den Säugling relativ früher gefährlich werden muß, als für den Erwachsenen.. Für die unnatürliche Ernährung des gesunden Kindes kann, wenn wir mit Kohlehydraten angereicherter Milchverdünnungen anwenden, kein anderer Gesichtspunkt maßgebend sein, als so viel Nährwert zuzufügen, wie es das Energiegesetz des Säuglings verlangt. Bei zweckmäßiger Dosierung ist auch der Milchzucker für die Anreicherung der Nahrung des gesunden Säuglings geeignet. Die reine Maltose scheint, selbst wenn ihr Preis kein so hoher wäre, trotz theoretischer Voraussetzung kein ideales Kohlehydrat für die Säuglingsernährung zu sein.. Gleichviel ob wir Milchzucker oder Rohrzucker verwenden, empfiehlt es sich den Nahrungsmischungen noch ein zweites Kohlehydrat in Form von Schleim oder Mehl hinzuzufügen. Wir kommen bei der Ernährung des gesunden Säuglings mit den natürlichen Mehlen aus, und haben nicht nötig, die präparierten Kindermehle zu verwenden. Voraussetzung dafür, daß die Kohlehydrate bei der Ernährung des gesunden Säuglings ihre vielgestaltigen Aufgaben erfüllen ist der normale Ablauf der Vorgänge enzymatischer, bakterieller und osmotischer Natur im Magendarmkanal. Als das auslösende Moment der Schädigung durch Kohlehydrate schuldigt man in erster Linie die aus ihnen im MagennDarmkanal durch bakterielle Zersetzung entstehenden Fettsäuren Auch die Schädigung der Darmwand durch den Zucker als solchen wird für die Auslösung der Ernährungsstörung verantwortlich gemacht.. Doch scheint die Beweiskette für die eine, wie die andere Ansicht noch nicht völlig geschlossen. Ueberernährung mit Zucker scheint auch ohne alarmierende Symptome von Seiten des Magendarmkanals zu schwerer Schädigung des kindlichen Organismus führen zu können. Langdauernde ausschließliche Ernährung mit Mehl ist imstande, eine schwere Ernährungsstörung herbeizuführen. In der Pathogenese des Mehlnährschadens spielt besonders der Mangel an Stickstoff und Salzen eine bedeutende Rolle. Einseitige Mehrernährung scheint zu einer chemischen Abartung des Organismus zu führen, die mit einem Verluste von Immunität verbunden ist. In richtiger Dosierung sind die Kohlehydrate unentbehrlich für die Therapie der Ernährungsstörungen des Säuglings. Die größte Bedeutung hat die Ernährungstherapie durch Anreicherung der Nahrung mit Kohlehydraten in jenen Fällen erlangt, die wir als Milchnährschaden bezeichnen. Für das ernährungsgestörte Kind ist der Milchzucker das am wenigsten geeignete Kohlehydrat. Die beste Kombination scheint die von Mehl und malzhaltigen Präparaten zu sein. Der bedeutsamste therapeutische Effekt der richtig dosierten Kohlehydratzufuhr wird durch das klinische Verhalten des Säuglings klar demonstriert. Vollständiger Verlust der Kohlehydrat=Toleranz ist mit der Dauer des Lebens unvereinbar. ** Vom 82. Kongreß deutscher Naturforscher und Aerzte geht uns noch die interessante Mitteilung zu, daß es dem bekannten Spezialarzt für innere Medizin, Dr. Adolf Schnee gelungen ist, eine neue apparatuelle Messagemethode zu erfinden. die die bisher gebräuchtliche Handmassage größtenteils zu ersetzen vermag und bei dem dritten Teil an Kraftaufwand nicht nur intensiver und durchgreifender, sondern auch gleichzeitig überaus wohltuend, angenehm und nervenberuhigend wirkt. Nach einem von den anwesenden Aerzten und Professoren beifälligst ausgenommenen Vortrag, demonstrierte der Erfinder den von ihm E=Las=To benannten Massageapparat, der die Vornahme von Streich=, ReibKnetmassage; und Walkungen gestattet und außerdem eine Kombination dieser Behandungsarten mit Thermound Elektromassage ermöglicht, wodurch die Wirkung noch beträchtlich gesteigert wird. Der Apparat selbst zeichnet sich durch seine auffallende Einfachheit und leichte Handhabung aus. Unzweifelhaft wird der ElastoApparat die Popularität der Massage ungemein fördern. Ueber die Erzeugung und therapeutische Anwendung der Hochfrequenz und Thermopenetration im Vierzellenbad, System Dr. Schnee gibt der Vortragende in einer zweiten Vorlesung eine auf Grund der neuesten wissenschaftlichen Erfahrungen zusammengestellte Uebersicht Seine Versuche haben ergeben, daß sich beide Stromarten sowohl zur allgemeinen wie lokalen Applikation im Vierzellenbad eignen, wobei ihre Wirkungen noch deutlicher und erfolgreicher zutage treten. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) S.& H. Weimar, 22. September. Vor dem hiesigen Schöffengericht hat sich in einer zweitägigen Verhandlung der bekannte, früher an der Universität Kiel tätig gewesene Soziologe Professor Lehmann=Hohenberg, unter der Anschuldigung der leidigung des preußischen Offizierkorps und insbesondere des Obersten Wischer aus Naumburg, der als Nebenkläger zu dem Prozeß zugelassen ist, zu verantworten. Der Strafanirag gegen Professor Lehmann=Hohenberg ist von dem früheren Preußischen Kriegsminister v. Einem auf Veranlassung des kommandierenden Generals v. Scheffer=Boyadel in Kassel als dem Vorgesetzten des Obersten Wischer gestellt worden. Oberst Wischer war seinerzeit Sachverständiger des Kriegsministers im großen Hügerprozeß in Dortmund und der beklagte Professor Lehmann=Hohenberg hat ihn wegen seiner damaligen Bekundungen über das Verhalten des Generalleutnants z. D. v. Kämmerer in einer Ehrenangelegenheit mit dem Oberst Hüger in einer Weise angegriffen, daß die vorgesetzte Behörde ihn zu einer Klage gegen Professor Lehmann=Hohenberg veranlaßte. Das Verfahren des Kriegsministeriums gegen Professor Lehmann=Hohenberg baut sich auf einen Artikel des Beklagten, in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift„Der Rechtshort“ auf, der sich„Ein Wort aus dem deutschen Volke" betitelte und darüber Klage führte, daß im Deutschen Reiche keine Gerechtigkeit herrsche. Als Beispiel wurde der Fall des Kaufmanns Grosser herangezogen, der bekanntlich, nachdem er jahrelang gegen seine Familienangehörigen Vermögensprozesse geführt hatte, aber in allen Instanzen abgewiesen wurde, während der letzten Verhandlung vor dem Reichsgericht Schüsse auf die Reichsgerichtsräte abgab und einen von diesen schwer verletzte, während der protokollführende Beamte erschossen wurde. Professor Lehmann=Hohenberg sprach nun in dem Artikel die Ueberzeugung aus, daß Grosser das Opfer schwerer Rechtsbeugungen geworden sei, und sagte unter deutlicher Anspielung auf den bekannten Fall des früheren Obersten Hüger wörtlich folgendes:„Sonst galt es in bürgerlichen Kreisen und noch mehr in denen der Offiziere, eine Ehrverletzung durch Anzeige bei Gericht oder durch Genugtuung mit der Waffe von sich abzuhalten; heute kannn man im Amte bleiben oder als Offizier kommandieren, selbst wenn man als Halunke oder Meineidiger gebrandmarkt worden ist. Das ist keine Uebertreibung, sondern Tatsache, die belegt werden kann.“ Unmittelbar nach Einleitung des Verfahrens stellte Professor Lehmann=Hohenberg in einer Eingabe an das Weimarer Gericht den Antrag, auch wegen Beleidigung der im Hüger=Prozeß tätig gewesenen richterlichen Beamten verfolgt zu werden, und weiter verlangte er, daß alle seine seit Jahren erhobenen Angriffe gegen die Justiz im Hüger=Prozeß, soweit sie in seinem„Rechtshort“ enthalten seien, zum Gegenstande der Anklage gemacht würden. Er verzichtete sogar auf die Verjährung, indem er den inkriminierten Ausdruck in seiner Zuschrift an das Amtsgericht wiederholte, um der Staatsanwaltschaft Gelegenheit zu geben, ihre Anklage nunmehr auf Richterbeleidigung auszudehnen. Er verlangte von dem preußischen Justizminister, daß er sich der Anklage anschließe, da er von Dortmundern Richtern im HügerProzeß auch gesagt habe, daß sie die Urteilsbegründung für Berlin„frisiert“ hätten. In diesem Stadium der Angelegenheit meldete sich als freiwilliger Zeuge für die gegen die Offiziersehre gerichteten Angriffe des Beklagten in einer Eingabe an das Amtsgericht Weimar der Schriftsteller Freiherr v. Erhardt in Düsseldorf, der den Antrag stellte, zu dem Prozesse als Zeuge geladen zu werden. Er begründete diesen Antrag damit, daß er ebenso wie die bereits von Professor Lehmann=Hohenberg benannten Zeugen, unter denen sich verabschiedete Offiziere aller Grade und Waffengattungen befinden, üver die von Professor Lehmann=Hohenberg behaupteten Mißstände auf dem Gebiete der Militärgerichts= und der Justizpflege Bekundungen machen könne. In der Düsseldorfer Wohnung Erhardts waren spiritistische Sitzungen unter Mitwirkung von Offizieren, Juristen, Malern. Schriftstellern usw. abgehalten worden, bei denen jede Täuschung ausgeschlossen sein sollte, wofür das Ehrenwort der Betreffenden Garantie bot. Es wurde bei den Sitzungen jedoch Unfug getrieben und die Folge waren Beleidigungs= und Meineidsprozesse. Auch das Düsseldorfer Ehrengericht wurde damit befaßt und mit diesem will v. Erhardt schlechte Erfahrungen gemacht haben. In seinen Prozessen, sowohl vor den Zivil= wie auch den Militärgerichten, sollen arge Verstoße gegen die Rechtssicherheit vorgekommen sein. Er habe alle seine Anklagen und Behauptungen— erklärt v. Erhardt u. a. — in sechs Druckschriften niedergelegt, von denen nur eine auf Betreiben des Generalkommandos des 8. Armeerorps in Dusseldorf beschlagnahmt, jedoch vom Düsseldorfer Landgericht wieder freigegeben worden sei. während seine übrigen Druckschriften trotz seiner wiederholten und dringenden Aufforberung dazu ohne jede Strafverfolgung geblieben seien, nach seinem Dafürhelten ein Beweis dafür, daß er mit seinen schwerwiegenden Behauptungen recht gehabt habe. Was er aber behaupte und seines Erachtens bewiesen habe, seien„wahrhaft unerhörte, unübertrefflich schimpflich und rohe Zustände“ in der herrschenden deutschen Militär= und Zivilrechtsprechung, die den Offizier= und Richterstand„entehre“ und gleichzeitig„die Person und den Namen des Kaisers" beschimpften,“ in dessen Namen die Rechtsprechung erfolge.„Gegen diese Entehrung des Richter= und Offizierstandes,“ erklärt Freiherr v. Erhardt, „sowie gegen den Mißbrauch des kaiserlichen Namens in der Rechtsprechung, einschließlich der Verleitung des Kaisers und Königs, seinen Namen unter durch Parteilichkeit entstandene Urteile zu setzen, erhebe ich in meinen Druckschriften durch Notwehr und Mitleid für andere. die meine Veröffentlichungen in Zukunft vor einem Schicksal wie das meinige und derer, die in gleicher oden ähnlicher Weise Opfer der Willkür und ehrloser Gesinnungen geworden sind, zu bewahren vermöchten, dazu gezwungen und gedrängt, öffentlichen Protest und werde ihn wiederholen solange, bis er gehört wird. Der deutsche Offizier und Richter ist, Ausnahmen steis abgerechnet, kein Schurke und hat keine Neigung, ein solcher zu sein und zu werden. Wenn trotzdem gewissenloses und ehrloses Handeln von ihm gefordert und damit die Berechtigung der Frage, ob es noch Ehre im Offiziersund Richterstande gibt, schlagend bewiesen wird, so wäre es Pflicht und eigenstes Interesse dieser beiden Stände sich offen auf die Seite derer zu stellen, die in Wahrheit ihre Ehre und die Reinheit ihres Gewissens schützen.“... Im weiteren Verlauf des Verfahrens haben sich dann auch noch verschiedene andere Personen dem Beklagten dafür als Zeugen angeboten, daß es im Preußischen Offizierskorps unlautere Elemente gebe, denen gegenüber die Ehren= und Militärgerichte versagten, so die Gräfin Stefanie v. Pseil und Klein=Ellguth, Kapitän= leutnant zur See a. D. Berger, Hauptmann a. D. Luthmer=Straßburg, Oberst Hüger=Dortmund, Graf RohdeFreiburg i. Br., Oberstleutnant v. Wartenberg und der frühere Kaiserliche Botschaftsrat Emil Witte=Berlin. Alle diese Personen hatte der Beklagte zu dem gegenwärtigen Prozeß als Zeugen benannt und ferner auch mit Bezug auf eine ganz spezielle Angelegenheit den Kronprinzen des Deutschen Reiches.— Das Gericht hat jedoch vorläufig nur den Geheimen Medizinalrat Prof. Binswanger=Jena und den Bezirksarzt Dr. RüderWeimar als psychiatrische Sachverständige geladen. Der beklagte Professor Lehmann=Hohenberg, der hierin die Absicht erblickte, ihn als geistig minderwertig oder gar unzurechnungsfähig hinstellen zu wollen, hat sich daraufhin von sieben bekannten Psychiatern und Aerzten, die Jahrzehnte hindurch mit ihm verkehrt haben, Atteste beschafft, und eine Anzahl Herren als Zeugen und Sachverständige laden lassen, um zu beweisen, daß er in langjährigen Kämpfen für eine ganze Anzahl zu Unrecht verurteilter oder entmündigter Personen die Ueberzeugung gewonnen habe, daß seine Behauptungen durchaus zutreffend seien. Dem Verlauf des Prozesses sieht man unter diesen Umständen weit über Thüringen hinaus mit Interesse entgegen, zumal Professor Lehmann=Hohen= berg durch seine Beziehungen zu dem verstorbenen Herrn v. Egidy, dessen religiösen und sozialen Plänen er einen großen Teil seines Vermögens geopfert hat, in sozialpolitischen Kreisen sehr bekannt geworden ist. Gewerkvereinsteil. Die Berufsgenossenschaften zur Durchführung der Unfallversicherung haben am 1. Oktober eine 25jährige Entwicklung hinter sich. Früher schützte den Arbeiter nur das Haftpflichtgesetz von 1871;; aber er mußte den Beweierbringen können daß der Unfall auf ein Verschulden des Unternehmers bezw. Betriebsbeamten zurückzuführen sei. Zufällige vder durch Mitarbeiter verschuldete Kaufen Sie nur&am HMAGG“' Bouillon-Würfel 2u Allein echt mit dem Namen MAGGl und der Schutzmarke Kreuzstern! Sie sind mit allerbestem Fleischextrakt und feinsten Suppengemüsen hergestellt und enthalten auch das nötige Kochsalz und Gewürz. Natürlicher, feiner Fleischbrühgeschmack ist ihr grosser Vorzug. Vaters Ehre. Roman von Ewald August König. 69 Er öffnete hastig die Reisetasche und warf einen Blick hinein, ein Ruf der Ueberraschung entfuhr seinen Lippen, als er nur Geld und Wertpapiere in ihr fand. .:„Da haben wir ja einen guten Fang gemacht,“ sagte er, die Brüder fest anblickend, die jetzt, nachdem ihre Schätze ihnen entrissen waren, an Flucht nicht mehr dachten.„Euer Doktor wird sicherlich sehr erfreut darüber sein, vorausgesetzt, daß er noch lebt.“ „Daran ist Deine Dummheit allein schuld!“ knurrte Wilhelm.„Wir hätten uns schon in der Nacht aus dem Staube machen sollen, dann wären wir jetzt über alle Berge.“ „Ihr wäret nicht weit gekommen,“ sagte der Inspektor.„Ihr gewiß nicht! Was ist in der Anstalt vorgefallen? Gutwillig hat der Doktor Euch das Geld nicht gegeben, habt Ihr ihn ermordet?“ „Sehen Sie selbst nach,“ höhnte Simon,„ich wollte nur, Sie müßten sein Schicksal teilen.“ „Fort mit ihnen!" befahl der Inspektor seinen Beamten.„Nehmt die Tasche mit ins Bureau. Ich gehe in die Anstalt, sobald Ihr einigen Kameraden begegnet, schickt sie mir unverzüglich nach, es wäre möglich, daß diese Burschen ihre Helfershelfer in der Anstalt haben.“ „Sie werden es bereuen!“ sagte Simon drohend.„Sie werden wünschen, uns nie gesehen zu haben. Für die Papiere, die Sie mir abgenommen haben, mache ich Sie verantwortlich, hüten Sie sich, auch nur eins davon zu vernichten. Jetzt komm," wandte er sich zu seinem Bruder,„sie glauben einen ganz besonderen Fang an uns gemacht zu haben, schließlich sind sie selbst die Geleimten.“ Mit heiserem Lachen schritt er an der Seite Wilhelms wischen den Polizeibeamten von dannen, der Inspektor hlug ohne Verzug den Weg zur Irrenanstalt ein. * Simon Richter war, von seinem Bruder getrennt, in eine besondere Zelle gebracht worden, in der er gleich einem gefangenen Raubtier rastlos auf und nieder wanderte Der schöne Plan war vereitelt, im letzten Augenblick gescheitert, und daran trug nach seiner Ansicht nur der Bruder die Schuld, nur ihn hatte die Polizei gesucht, und zwar wegen eines anderen Verbrechens, bei dem Simon in keiner Weise beteiligt gewesen war. Wenn Doktor Leiner auf die Bestrafung verzichtete, dann konnte man seinem ehemaligen Faktotum nichts anhaben. Wären nur die Papiere nicht der Polizei in die Hände gefallen. Sie sollten ihm als Waffe gegen seine Feinde dienen, nun wurden sie zu einer Waffe gegen sich selbst, und es ließ sich mit ziemlicher Sicherheit erwarten, daß die Behörde Gebrauch von ihnen machte und die Vorfälle in der Irrenanstalt einer strengen Untersuchung unterwarf. Nur einer konnte dies verhüten: der Präsident von Haberloh. Er mußte so rasch wie möglich von dem Vorgefallenen unterrichtet und gewarnt werden. Aber wie konnte das geschehen? Auf welchem Wege ließ es sich ermöglichen? Simon zerbrach sich über diese Frage noch den Kopf, als die Tür geräuschvoll geöffnet wurde und der Schließer eintrat, um ihm das Frühstück einen Napf voll dünner Suppe, zu bringen. „Die Mühe hättet Ihr Euch sparen können,“ spottete Simon,„Hunger habe ich nicht.“ „Wird schon kommen!" unterbrach ihn der Schließer. „Wollt Ihr Besseres haben, so könnt Ihr es für Geld bekommen, der Untersuchungsgefangene darf sich selbst beköstigen.“ „Kann ich auch Schreibzeug bekommen?“ fragte Simon rasch. „O ja, wenn es der Herr Inspektor erlaubt.“ „Wartet noch einen Augenblick. Wollt Ihr ein Goldstück verdienen?“ „Wenn es ehrlich geschehen kann, warum nicht?“ „Was nennt Ihr ehrlich?“ höhnte Simon.„Ich weiß, wie knapp Ihr besoldet werdet, ein Goldstück ist Euch ein kleines Vermögen. Wollt Ihr einen Brief für mich besorgen?“ „Einen Kassiber? An wen?“ „An den Präsidenten von Haberloh.“ „Den Teufel auch, das ist zu gefährlich!“ sagte der Schließer überrascht.„Habt Ihr den Brief fertig?“ „Nein, Ihr müßt mir ein Stück Papier und einen Bleistift schaffen, er ist rasch geschrieben.“ „Und wenn es herauskommt, werde ich aus meinem Amt entlassen, für solche Aufträge muß ich danken.“ Damit verließ er die Zelle wieder. Simon stampfte wütend mit dem Fuß auf den Boden.„So mag denn das Verderben seinen Weg gehen,“ höhnte er,„ich war nur der Knecht, der die Befehle ausführen mußte, das schützt mich.“ Von Stunde zu Stunde wartete er darauf, zum Verhör geführt zu werdeu, aber es wurde nachmittag, ehe der Beamte sich einfand, der ihn ins Bureau des Untersuchungsrichters bringen sollte. Er war entschlossen, durch ein scheinbar offenes Geständnis sich das Vertrauen des Richters zu erwerben, alle Schuld auf den Doktor zu wälzen und sich darauf zu berufen, daß er als Diener gezwungen gewesen sei, die erhaltenen Befehle auszuführen. „Sie werden Ihre Schuld wohl nicht leugnen," begann der Richter das Verhör, nachdem er die Vorfragen erledigt hatte,„in Gemeinschaft mit Ihrem Bruder haben Sie den Doktor Leiner gefesselt und geknebelt und darauf seinen Geldschrank ausgeräumt.“ „Ja, das haben wir getan,“ sagte Simon,„vielleicht hat der Doktor Ihnen auch gesagt, weshalb wir es taten?“ „Der Unglückliche wurde nach dieser qualvollen Nacht in einem Zustande aufgefunden, der für sein Leben befürchten läßt,“ sagte der Richter ernst,„wenn er stirbt, so werden Sie seinen Tod zu verantworten haben. Haben Sie dies geschrieben?“ Simon warf einen prüfenden Blick auf das Papier; es war das„Sündenregister“, mit dem er dem Doktor gedroht hatte. „Allerdings,“ erwiderte er,„es sind mir noch andere Papiere abgenommen worden.“ „Die anderen Papiere sind in den Händen Seiner Exzellenz des Ministers. Können Sie die Wahrheit dieser Aufzeichnungen beweisen?“ „Vielleicht.“ „Dann ist der Doktor Leiner ein Scheusal, und Sie sind sein gefügiges Werkzeug gewesen.“ „Ich mußte tun, was mir befohlen wurde,“ erwiderte Simon achselzuckend. „Sie haben auch diesen Brief geschrieben, in dem Sie dem Präsidenten von Haberloh die hinterlassenen Papiere Popperts anboten?"... „Ich leugne es nicht.“ „Wie kam der Brief in die Hände des Maklers Hilarins Poppert?“ „Durch die Schurkerei Popperts, der den Boten, ein wehrloses Kind, zwang, ihm den Brief auszuhändigen.“ „Darauf hat Poppert Ihnen geantwortet?“ „Hm, ich finde es sonderbar...“ „Nur immer heraus mit der Wahrheit, in dem Zimmer, das Ihr in der Anstalt bewohnt habt, ist manches gefunden worden, was Ihr vielleicht schon vergessen habt. Kennt Ihr das hier?“ Simon blickte überrascht auf das alte, ziemlich unsaubere Buch, das der Richter ihm vorlegte. „Ich kenne es nicht,“ erwiderte er. „Es lag in einem alten Koffer unter Eurem Beti. Solltet Ihr wirklich das Kassabuch des Wucherers Poppert nicht kennen? Nachdem dieser Beweis gefunden ist, wird Euch kein Leugnen mehr helfen, an Eurer Hand klebt das Blut des ermordeten Mannes.“ „Sagen Sie das nicht!“ rief Simon entsetzt.„Ich sah den Wucherer zuletzt, als er in unsere Anstalt kam, um die Leiche seines Bruders zu besichtigen.“ „Ihr habt mit ihm unterhandelt?“ „Ich nicht, sondern mein Bruder.“ „War er an jenem Abend im Hause Popperts?“ Simon schlug vor dem ernsten, forschenden Blick des Richters die Augen nieder. „Ich weiß nicht, was zwischen den beiden vorgefallen ist,“ erwiderte er,„mein Bruder wollte es mir nicht sagen, ich weiß nur, daß der Handel sich zerschlagen hat, das übrige ist Vermutung.“ „Und trotzdem der Handel sich zerschlug, hatte Kuer Bruder die Taschen voll Geld; fiel Euch da „Er hat es mir nicht gezeigt, ich se ich weiß nichts davon.“ Der Untersuchungsrichter brach das Verhör ab, um Wilhelm vorführen zu lassen, ihm lag nun vor allen Dingen daran, die Fährte zu verfolgen, die der Kriminalinspektor sofort nach der Verhaftung der Brüder Richter ihm gezeigt hatte. Er würde den Mitteilungen dieses Beamten weniger Glauben geschenkt haben, wenn dieser nicht aus der. Irrenanstalt das Kassenbuch des ermordeten Wucherers mitgebracht hätte. 183.18 Jug, Geeie. das nicht auf sage noch einmal, * erie 20 ∆ ∆ 205 Zum sozialdemokratischen Parteitage in Magdeburg. Großes und berechtigtes Aufsehen haben die Verhandlungen der diesjährigen Generalversammlung der sozialdemokratischen Partei Deutschlands hervorgerufen. Handelt es sich doch auf dem Parteitage in Magdeburg um nichts Geringeres, als den großen Gegensatz zwischen Nord= und Süddeutschland, der sich auch in der vier Millionen=Partei recht bemerkbar gemacht hat, zu überbrücken und in der Frage der Budgetbewilligung einen Ausweg zu finden. Unser Bild zeigt die Hauptkämpen der„Schlacht bei Magdeburg“: den greisen Bebel, den erprobten und im Kampfe ergrauten Führer neben dem radikalen Zubeil, den redegewaltigen Stadthagen und Rechtsanwalt Liebknecht, den Sohn des alten Parteigründers. Wir sehen Dr. Frank, einen der Führer der süddeutschen Sozialdemokraten, ferner Adolf Geck, den Vizepräsidenten der württembergischen Kammer und Dr. Südekum, den bekannten Rechtsanwalt. jeder den Bund, dann wird dieser bald in der Lage sein, auch den Mitgliedern Vorteile zu bieten zum Wohle des Gewerbes und auch zur Stärkung des Nachwuchses.“ Dintentius von Paul. Zu seinem 250. Todestage am 27. September. Auf den 27. d. Mts. fällt der 250. Todestag von Vinzenz von Paul des Stifters der Bazaristen sowie der Gesellschaft der Barmherzigen Schwestern(Vinzentinerinnen), jenes bekannten großen Wohltäters der Menschheit, der im Jahre 1737 heilig gesprochen wurde. Vinzenz von Paul(mißverständlich Vincent de Paulo genannt) wurde am 24. April 1567 zu Pouy in der Vinfen IUS voh PaUT Gascoque als Sohn armer Eltern gevoren. Im Jahre 1600 empfing er die Priesterweihe; mehrere Jahre später fiel er auf einer Reise in die Hände von Sceräubern und wurde als Sklave nach Tunis verkauft. Nach seiner Befreiung wurde er 1607 Hausgeistlicher der Königin Margarete und dann später in verschiedenen Orten als Pfarrer angestellt. Infolge seiner erfolgreichen Tätigkeit für innere Mission sowie seiner Seelensorge unter den Galeerensklaven wurde er von König Ludwig 13. vielfach und in hervorragender Weise ausgezeichuet. In den letzten Jahrzehnten seines Lebens widmete sich Vinzent von Paul fast ausschließlich den von ihm gegründeten wohltätigen Gesellschaften. Er starb am 27. September 1660 in Paris zim Jahre 1885 wurde er durch Papst Leo 13. Patron aller Werke der christlichen Liebestätigkeit. Aus dem Gerichtssaal. Gewerbegericht Dortmund. Dortmund. 22. September. In der heute unter dem Vorsitze des Herrn Justizcats von Bodecker abgehaltenen Sitzung„zu welcher die Herren Betriebschef Watermann, Schreinermeister Bielig, Schreiner Nolte und Dachdecker Knebel hinzugczogen waren, wurde u. a. über folgende Streitsachen verhaudelt. Der Arbeiter Alex Müller forderte von der Firma Heinrich August Schulte Aktiengesellschaft hier wegen rechtswidriger Entlassung eine Lohnentschäoigung in Höhe von 48 Mark. Beklagte wandte ein, daß der Kläger sehr oft, trotz wiederholter Verwarnungen zu spät zum Dienst erschienen sei, aus welchem Grunde sie sich berechtigt gehalten habe, denseiben sosort zu entlassen.. Kläger bestritt das Vorbringen der Beklagten.. Da sich indes im heutigen Termine die Behauptungen der Beklagten durch Vernehmung von Zeugen bestätigten, erfolgte kostenpflichtige Abweisung der Klage. Von dem Anstreichermeister Paul Nowusch verlangte der Anstreichergehülfe Emil Grobelny 13,96 Mart rückständigen Lohn. Beklagter wandte ein, daß Kläger eine ihm übertragene Arbeit verpfuscht habe, wodurch ein Schaden von 2 Mark erstanden sei. Nachdem Parteien sich bezüglich des Schadens auf die Hälfte geeinigt hatten, erklärte Beklagter, dem Kläger nach Abzug der gesetzlichen Beiträge zur Krankenkasse pp noch 12,35 Mark zu zahlen, womit Kläger einverstanden war. Auf Zahlung eines rückständigen Lohnes in Höhe von 3,82 Mark und wegen rechtswidriger Entlassung auf Zahlung einer Lohnentschädigung von 46,65 Mack klagte der Bäckergeselle Gustav Steimann. Kläger verlangte diesen Betrag von dem Bäckermeister Robert Sorowka hierselbst. Dieser bestritt den Kläger entlassen zu haben.. Den übrigen Anspruch erkannte er an. Kläger konnte dann auch troß Aufforderung des Gerichts Beweis für seine Behauptung, daß er entlassen worden sei, nicht antreten. Er zog deshalb vor, sich mit den ihn im Vergleichswege angebotenen Betrage von 5 Mk.. zufrieden zu geben. „Sanella“ ein wirklicher Butter=Ersatz. Die Sana=Geselischaft m. b. H. in Cleve stellt als erste Fabrik seit vielen Jahren eine Pflanzen=Margarine unter Verwendung von fül.er Mandelmilch her. die unter dem Namen„Sanella“ in den Handel gelangt. Do die Verbutterung von Pflanzenfett und Pflanzenspeiseöl mit Mandelmilch auf Grund des D. R. P. Nr. 100922 das ausschließliche Recht der SanaGesellschaft ist, so ist keine andere Fabrik in der Lage einen pflanzlichen Butterersatz herzustellen, welcher die gleichen, durch den Zusatz von Mandelmilch begründeten Vorzüge aufweist. Hieraus folgert ohne weiteres, daß „Sanella“ unter den im Handel befindlichen PflanzenMargarine=Produkten eine wohlbegründete Sonderstellung einnimmt. Dies ist auch dadurch bewiesen, daß „Sanella" trotz der vielen eristierenden Nachahmungen sich einen Weltruf erworben und nachweisbar täglich in tausenden von Familien statt Butter genossen wird. Jedes Original=Paket„Sanella“ trägt den Namenszug des Erfinders Geh. Medizinalrat Professor Dr. Oskar Liebreich in blauer Schrift als Garantie für Echtheit und Güte, worauf man beim Einkauf besonders achten soll. und Handelszeitung. Eine interessante Statistik Die Entwicklung des„Berliner Tageblatta“ im letzten Jahrzehnt veranschaulichen folgende Abonnentziffern: 1900 1901 1902 76000 1903"".:„ 87000 1904...::.94000 1905 106000 1905...... 112000 **** 1 0 0 0 0 78000 1907 1908 1909 128000 150000 175000 190000 1910(September) Jeder Abonnent erhält allt nachstehenden wertvollen Wochenschriften kostenfrei: Jeden Montar: Der Zeitgelot; jeden Mittwoch: Technische Rundschau, jeden Donnerstag: Der Wolt-Spieger9 je Freitag; Ulk. farb. illustr. Witsblett; Sonntag: Der Welt-Spiegel. Monatlich 2 Mark bei allen Postanstalten Deutschlands Unfälle wurden nicht entschädigt. Es kam oft zu unglücklichen Prozessen und die Beliehungen zwischen Ar beitgebern und Arbeitnehmern wurden ernstlich gefährdet. Mit dem Erlaß des Unfallversicherungsgesetzes von 1884 trat an die Stelle der privat=rechtlichen die öffentlich=rechtliche Schadensersatzpflicht für alle Bekriebsunfälle. Nun hatte der Verunglückte in jedem Falle gesetzlichen Anspruch auf Entschädigung. Die Versicherungskosten, als Betriebskosten aufgefaßt, wurden dem Unternehmern auferlegt: die Arbeiter hatten keine Beiträge zu zahlen. Die Unternehmer wurden nach der Gleichartigkeit der Betriebe und Berufe zu Berufsgenossenschaften mit Selbstverwaltung zusammengefaßt. Heute arbeiten 66 gewerbliche und 48 landund forstwirtschaftliche Berufsgenossenschaften neben 540 Ausführungsbehörden an der Durchführung der Unkallversicherung, die in 6,13 Millionen Betrieben 27 Millionen Arbeitern den Unfallversicherungsschutz gewährt. Fast zwei Milliarden Mark sind in den 25 Jahren von den Berufsgenossenschaften für Entschädigungen und Renten aufgebracht worden. *** Bochum, 22. Sept. Eine Verlautbarung, wonach die Reichsregierung nicht mehr abgeneigt sein soll, in der Frage der Wählbarkeit der Arbeitersekretäre zu den Arbeitskammern nachzugeben, hat die Handelskammer zu Bochum veranlaßt, nochmals gegen die Zulassung der Arbeitersekretäre Stellung zu nehmen und dabei die Behauptung der Möglichkeit eines Stimmungswechsels auch in der Industrie als unrichtig festzustellen. Es wurde folgender vom Berichterstatter Dr. Wiebe vorgelegte Beschlußantrag einstimmig angenommen: „Nach Zeitungsmeldungen soll innerhalb der verbündeten Regierungen Neigung bestehen, in der Frage der Wählbarkeit der Arbeitersekretäre zu den Arbeitskammern einem Vermittlungsvorschlag zuzustimmen, wonach die Arbeitersekretäre zwar nicht bei den ersten, wohl aber bei allen späteren Wahlen zur Arbeitskammer das passive Wahlrecht erhalten sollen, sofern Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeder Kammer damit einverstanden sind. Es erscheint undenkbar, daß die verbündeten Regierungen, welche im Plenum wie in der Kommission des Reichstages wiederholt und mit der größten Entschiedenheit erklärt haben, daß für den Fall der Aufrechterhaltung der Wählbarkeit der Arbeitersekretäre für sie das ganze Gesetz unannehmbar sein würde(Bericht der 11. Kommission S. 21), diesem Vermittlungsvorschlag zustimmen sollten, der doch nichts anderes bezweckt, als die Entscheidung über jene strittige und hochwichtige Frage und damit auch die politische Verantwortung für die Folgen der Entscheidung von den verbündeten Regierungen auf die Arbeitgeber abzuwälzen. Wir halten es für völlig ausgeschlossen, daß die verbündeten Regierungen diesen ihnen vorgeschlagenen Weg größter Inkonsequenz und schwächlichen Nachgebens beschreiten sollten. Da aber in einer halbamtlich benutzten Korrespondenz behauptet worden ist, daß dieser Weg„von sehr namhaften Industriellen“,„als gangbar“ bezeichnet worden sei lo erachten wir es doch für angezeigt, im Namen und vom Standpunkte unserer Industrie aus den Vermittlungsvorschlag als ganz unannehmbar zu bezeichnen, wobei wir, bis zur Bekanntgabe der Namen jener Industriellen, die Richtigkeit der Meldung Überhaupt anzweifeln.“ Lennev 21. Sept. Hier trat am Sonntag auf Einladung des Westdeutschen Fleischergesellenbundes(Sitz (Mülheim=Ruhr), der erste deutsche Fleischergesellen=Kongreß zusammen. Westdeutschland war stark vertreten, weiter waren die Berliner Gesellen und die Hamburger Fleischergesellen vertreten. Zweck der Veranstaltung war, die Ansicht der Mitglieder der einzelnen in Deutschland bestehenden Gesellenbunde, soweit sie auf meistertreuem Boden stehen, darüber zu hören, ob die Bildung eines Gesamtverbandes für ganz Deutschland empfehlenswert sei. Einstimmig gelangte folgende Entschließung zur Annahme: „Die anwesenden Vertreter der Gesellenvereine und auch der Meisterorganisationen begrüßen die Gründung eines Gesellenbundes, empfehlen jedoch zuerst die Stärkung der Bezirksorganisationen, ehe man zum geschlossenen Bunde von ganz Deutschland schrei tet. Es wird weiter empfohlen, daß alle Faktoren dafür eintreten, daß die Gesellenvereine dem Bezirksbunde sich anschließen und die Meister bei Annahme eines Gesellen sich neben dem Verbandsbuche auch das Bundesbuch vorlegen lassen. Unterstützt S Von der Brüsseler Weltausstellung. Von unserm Spezialkorrespondenten. Mit einer nicht genug anzuerkennenden Energie hat das Erekutiv=Komitee es unternommen, den durch das Feuer angerichteten Schaden so rasch und so viel wie möglich wieder gut zu machen. Das abgebrannte AltBrüssel ist schon längst aus seinen Trümmern wieder auferstanden und wenn auch dasjenige, was man dort in aller Eile neu errichtet hat, keineswegs so erakt und so kunstvoll gearbeitet ist, wie das frühere, im Verlaufe von vielen Monaten hergestellte Bauwerk, so ist doch das neuerbaute Alt=Brüssel ein sehr hübscher und angenehmer Aufenthaltsort geworden, der ebenso wie das frühere eine ganz bedeutende Anziehungskraft auf das Publikum ausübt. Von einem Wiederaufbau der englischen und der belgischen sowie des kleinen abgebrannten Teiles der französischen Abteilung konnte natürlich keine Rede sein. Aber die trostlose Brandstätte, auf der sich früher jene Abteilungen befunden haben, ist wenigstens hinter der neuen, auf's vorteilhafteste mit dem Grün der Gärten harmonierenden Fassade verschwunden, und an die Stelle der durch das Feuer vernichteten Ausstellungsgegenstände sind vielfach neue und andere getreten, die in sonstigen Gebäulichkeiten auf dem ungeheuren Ausstellungsterrain untergebracht wurdes. So haben z. B. die belgischen Diamanntenhändler eins neue, überaus prächtige Ausstellung in dem Pavaillon### la vention internationale des glaceries veranstaltet und sie haben dort außerdem eine Diamantschleiferei installierk, die einen ganz neuen, hochinteressanten„Clou“ der Weltausstellung bildet. Was die englischen Aussteller anbelangt, so haben von diesen ca. 110 abermals ausgestellt, und zwar in dem großen Festsaale, der ihnen m diesem Zwecke zur Verfügung gestellt wurde. Daß lie sich nach den durch den Brand erlittenen, stellenweise recht schweren Verlusten zu einem solchen immerhin nicht unerheblichen pekuniären Opfer entschlossen, verdient die aufrichtigste Anerkennung. Die französische Abteilung endlich hat durch die Vernichtung der Lebensmittel=Ausstellung kaum etwas von ihrem früheren Interesse eingebüßt. Alle die herrlichen Sachen aus den verschiedenen Gebieten der Kunst, der ToilettenIndustrie, der Porzellan= und Glas=Manusaktur, der Tapeten= und Teppich=Industrie, usw. sind unversehrt geblieben und erregen tagtäglich die Bewunderung der zahllosen Ausstellungsbesucher. Besonders erwähnt seien bei dieser Gelegenheit auch noch die Panzerplatten in der französischen Abteilung. Diese Platten, die aus Stahl angefertigt und an der Obersläche noch besonders gehärtet sind, besitzen eine außerordentliche Widerstandsfähigkeit gegen die Wirkung von Geschoffen. Eine solche Panzerplatte von 1,50 Meter Oberfläche und 256 Millimeter Stärke z. B. bekam nicht den kleinsten Riß, als nacheinander fünf Vollgranaten auf sie abgeschossen wurden, von denen eine 16, zwei 19 und zwei 20 Zentimeter Durchmesser hatten. Eine andere Panzerplatte von nur 72 Millimeter Stärke bot 5 nacheinander auf sie abgefeuerten Vollgeschossen von 65 Millimetern, die mit einer Geschwindigkeit von 495 Meter in der Sekunde sich fortbewegten, den erfolgreichsten Widerstand. Diese Platten werden sehr stark angestaunt und sie erwecken zumal bei dem Laien außerordentlich hohe Ideen von der Leistungsfähigkeit der Franzosen in der Fabrikation von solchen Panzerplatten sowie von Kriegsmaterial überhaupt. Schade ist es, daß Krupp sich nicht auch an der Ausstellung beteiligt und nicht gleichfalls derartige Dinge ausgestellt hat. Der Begeisterung für die französischen Fabrikate dieser Art wäre sonst höchstwahrscheinlich bei gar Manchem ein kleiner Dämpfer aufgesetzt worden. Jedenfalls tragen diese und andere Ausstellungsgegenstände ähnlichen Genres noch wesentlich zur Erhöhung des Interesses bei, welches die französische Abteilung allgemein hervorruft, und gleichfalls sehr interessant sind auch die zahlreichen französischen Pavillons, Von diesen hat auch nicht ein einziger nur die kleinste Beschädigung erlitten, wie denn überhaupt nur einer von ihnen eine Zeit lang durch das Feuer wirklich bedroht war. Dies war nämlich der Fall bei dem imposanten Palais de l’automobile et de l'aviation, der sich wegen der in großer Anzahl und in vorzüglicher Qualität dort ausgestellten Fabrikate fortwährend eines äußerst starken Besuches erfreut und der für deutsche Besucher noch aus dem Grunde ein ganz besonderes Interesse bietet, weil sich dort inmitten der französischen Produkte auch ein Stand der Continental=Caoutchouc= und Gutta=Percha-oCmpagnie in Hannover befindet, deren altbekannte Fabrikate besonders in Frankreich, dem Heimatlande des Automobilund Luftsports, sehr geschätzt werden. Denn nach dem Urteile berufener Fachleute sind sowohl die ContinentalPneumatiks wie die Continental=Ballon= und Aeroplan= stoffe, die auf der Ausstellung allseitig Interesse erregen, den besten fremdländischen Erzeugnissen mindestens ebenbürtig. Daß auch die deutschen Automobile, was ihre äußerste Ausstattung und speziell die Eleganz ihrer inneren Einrichtung anbelangt, vor den französischen durchaus nicht zurückzutreten brauchen, wurde bereits in einem früheren Artikel dargelegt, und der Besuch jenes Pavillons ist daher Jedem zu empfehlen, der sich in Bezug auf die Richtigkeit dieser Behauptung selbst ein Urteil bilden will. Der Pavillon ist auch leicht zu finden. Er liegt schräg gegenüber dem jeden Ausstellungsbesucher sofort in die Augen fallenden Pavillon der Liebig=Gesellschaft, die, nebenbei bemerkt, für ihre Produkte in zwei verschiedenen Klassen je einen Grand prir, also zweimal die höchste Auszeichnung, erhalten wird, wovon die zahlreichen Besucher, die sich in dem gemütlichen Pavillon mit einer Tasse Bouillon erquickt haben, gewiß nur mit Genugtuung Kenntnis nehmen werden. Auch in seinen übrigen Pavillons hat Frankreich sehr Vieles ausgestellt, was durchaus einer eingehenden Besichtigung würdig ist. Da sind z. B. die Pavillons von Algier, Tunis, Ostafrika und Cochinchina mit den zahlreichen Landesprodukten, Photographien, Waffen, Vermischtes. Thorn, 22. Sept. In Thorn war vor einiger Zeit eine Typhusseuche ausgebrochen, die noch nicht ; g a n z e r l o s c h e n i s t. I m g a n z e n w a r e n ü b e r 5 0 P e r s o n e n erkrankt, während einzelne Fälle jetzt noch vorkommen. In der Stadtverordnetenversammlung wurde gestern ! die Ursache der Evidemie nach den angestellten Untersuchungen mitgeteilt. Es wurden bei den Revisionen der Milchverhältnisse Thorns fast unglaubliche Schmutzereien aus Tageslicht gefördert. Eine der revidierten Molkereien hatte die Milch mit Natureis aus dem Mühlenteich ge* u hlt, einem Tümpel, in den die Abwässer und Fäkalien zum größten Teil abliefen. Madrid, 22. Sept. In Nejorada del Campo, einer größeren Ortschaft in der Provinz Madrid, war anläßlich des Jahrmarktes ein großer Bretterzirkus errichtet worden, in dem ein Stiergefecht stattfand. Als alle Plätze besetzt waren, brach der Bretterbau zusammen, die Zuschauer unter sich begrabend. Bisher ist eine Leiche geborgen. 107 Personen wurden verletzt, darunter 30 besonders schwer. Gerätschaften und Handarbeiten der Eingeborenen, Götzenbilder usw., ferner die sehr bemerkenswerten französischen Hallen für Gartenbau, der französische Pavillon Heizung und Beleuchtung und noch verschiedenes Andere von der sehr respektablen französischen Ausstellung in der internationalen Maschinenhalle ganz abgesehen. Auch das Dorf der Senegalneger, in dem sich ca. 60 Senegalesen beiderlei Geschlechts aufhalten, bildet einen Teil des von den Franzosen Ausgestellten, und die französische Ausstellung, die in ihrer Gesamtheit trotz des Brandes die deutsche immerhin noch um 2000 Quadratmeter an Bodenfläche übertrifft, enthält denn auch noch immer eine so überreiche Fülle des hochinteressanten und des wirklich Bewunderungswürdigen, daß ihre Besichtigung einen hohen Genuß gewährt. Wer sich die Ausstellungs= und Maschinenhalle sowie die verschiedenuen Pavillons der Franzosen gewissenhaft ansehen will, der hat allein hierzu mehrere Tage nötig, und es ist daher auch kaum verständlich, daß es Leute gibt, die in der letzten Stunde auf den geplanten Besuch der Ausstellung aus dem Grunde verzichten, weil dieselbe nun doch einmal teilweise abgebrannt sei. Gewiß in der belgischen und der englischen Abteilung ist ja Manches mitverbrannt, was viele Besucher der Ausstellung ganz besonders hätte interessieren können. Aber an ihrer Sehenswürdigkeit und ihrer Bedeutung im allgemeinen hat sie im übrigen doch kaum eine ernste Einbuße erlitten, und sie bietet noch immer so außerordentlich viel des Interessanten und Belehrenden und es ist auf ihr noch immer so reichlich für Gelegenheit zur Unterhaltung und Zerstreuung gesorgt, daß man auf ihr noch immer höchst genußreiche Stunden und Tage oder selbst Wochen verbringen kann. Und wenn, wie es jetzt ganz sicher zu sein scheint, der Deutsche Kaiser am 17. Oktober die Ausstellung mit seinem Besuche beehrt, dann wird der Kaiser gewiß gleichfalldem großartigen Unternehmen seine Anerkennung und Bewunderung nicht versagen. S. 3 g „ g• S 96 *•" ZAnNST GSGSTSN-AETGEOS“S „ 9.daTa-SFeßse Z.an 1 BTaafatablan " S e. K 3 — GES Fli S Kosenthal, wie der kleine Mann mit entschieden israelitischer Physiognomie hieß, schlenderte langsam quer über den Hof herüber, wo er eben sein mageres Tier angebunden und ihm etwas Futter gegeben hatte, und Frau Roßberg selber rief, als sie ihn erkannte, erfreut aus: „Gott sei Dank, da ist Rosenthal, der Jud, der bann uns aushelfen, denn der spricht Englisch wie ein Amerikaner.“ Pechtels ärgerte sich eigentlich, denn der Spaß war ihm zum Teil dadurch verdorben, aber was tat's! Dadurch bekamen sie die Sache auch zu einem raschen Ende, und daß seine Widersacherin mit ihrer Klage nichts ausrichten kounte, verstand sich doch ohnedies von selbst. Rosenthal, etwas erstaunt; den Wirt vom goldenen Affen und die Wirtin vom goldenen Löwen hier friedlich zusammen zu finden; denn er kannte die Verhältnisse in der Ansiedelung genau, kam langsam heran und begrüßte beide, und Madame Roßberg wollte ihm jetzt vor allen Dingen auseinandersetzen, als der Friedensrichter aber mit einem„I say, Rosedale, macht doch einmal Eurem Landsmann klar, daß er mir fünf Dollars fee(Gebühren) zu zahlen hat. Man kann in ihn hineinreden, was man will, er versteht's nicht.“ „Was“ sagte er?“ fragte Pechtels, denn er sah wohl, daß der Friedensrichter auf ihn zeigte. „Fünf Dollar sollten Sie ihm zahlen, Herr Pechtels,“ antwortete Rosenthal. „Aber wofür?“ fragte der Wirt,„ich habe ja garnicht geklagt, und wir müssen doch erst abwarten, wie alles ausfällt.“ „Der Herr fragt,“ wandte sich jetzt Rosenthal an den Richter,„wofür er die fünf Dollar zu zahlen hätte?“ „Wofür?“ rief der Richter wieder,„bleß your soul, man, das sind die regelrechten Gebühren für jede Trauuung, und daß die jedesmal der Ehemann bezahlt, versteht sich doch von selbst.“ Rosenthal sah erst den Richter und dann Pechtels und die Witwe wieder erstaunt an, und dann wieder den Richter. „Was sagt er?“ fragte Pechtels. „Haben sich denn die beiden trauen lassen?“ fragte aber der Krämer in vollem Erstaunen, denn vor kaum acht Tagen war er durch die Ansiedelung gekommen und wußte, wie grimmig Feind sie da noch einander gewesen. „Nun versteht sich,“ nickte Boyles,„sind nach allen Regeln zusammengegeben, und meine fee beträgt fünf Dollars; lann's auch garnicht billiger und möcht's nicht.“ Rosenthal zuckte die Achseln und sagte: „Ja, lieber Herr Pechtels, das ist alles in Ordnung, die fünf Dollars müssen Sie zahlen. Er kriegt das von jeder Trauung. Da kann man ja also wohl gratulieren, Madame Roßberg?“ „Von jeder was?“ schrie Pechtels und lachte laut auf, „Donnerwetter, ich will mich ja doch nicht verheiraten!“ „Na, weiter fehlte mir garnichts,“ rief Madame Roßberg und warf den Kopf stolz und vornehm zurück. „Ja, aber was wollen Sie denn?“ rief Rosenthal. „Ich bin hier, um eine Klage gegen den Mann da einzuleiten," nahm Madame Roßberg jetzt das Wort,„ich will einmal sehen, ob noch Gerechtigkeit im Lande ist, und er das nämliche Schild über seiner Tür aufhängen darf, was ich über der meinen habe: um seinen Mitmenschen das Brot vom Munde wegzuschnappen. Das sagen Sie dem Friedensrichter, geschworen haben wir schon, daß wir die Wahrheit sprechen wollen, und dann kann die Geschichte gleich losgehen.“ „Was sagt sie?“ fragte der Friedensrichter. „Ach Sir,“ lachte der Handelsmann,„das ist ein Irrtum. Die beiden Leute wollen sich garnicht miteinander verheiraten, sondern einander gerade im Gegenteil verklagen; wegen eines Aushängeschilds, das—“ „Was?" rief Boyles und sah sein Faktotum verblüfft an;„sie sind nicht hierhergekommen, um sich zu heiraten?“ „I Gott bewahre," lachte Rosenthal,„sie denken garnicht daran und sind einander spinnefeind. Nein; sie wollten nur—“ „Ja, dann ist das Unglück geschehen,“ unterbrach ihn aber Boyles, also in die Enge getrieben,„und kein Teufel kann sie wieder auseinanderbringen. Sie sind jetzt Mann und Frau.“ „Na, das wär' nicht übel,“ lachte Rosenthal,„ohne daß sie beide was davon wissen?“ „Ja, ich habe mir doch nichts anderes denken können, und Amerikanisch sprechen sie auch nicht.“ „Was ist das, was er sagt?“ fragte Frau Roßberg rasch, die auf ein paar Worte aufmerksam geworden war. „Weiter nichts,“ lächelte Rosenthal, dem die Sache allerdings komisch genug vorkam,„als daß Sie einander wohl nicht mehr zu verklagen brauchen, Madame Roßberg, denn Sie sind jetzt alle beide wirklich und ordentlich verheiratet und Mann und Frau.“ „Nanu?“, rief Pechtels, in die Höhe fahrend, während die Frau den Händler anstarrte, als ob sie einen Geist gesehen hätte. „Seid Ihr verrückt?“ rangen sich ihr zuletzt die Worte von den Lippen. „Der Richter sagt's," zuckte Rosenthal mit den Achseln, „er hat geglaubt, Sie wollen sich trauen lassen, und die Sache ist abgemacht. Das kostet aber immer fünf Dollars, Herr Pechtels, und ist eigentlich billig genug.“ „Jetzt freut sich aber mein Leben,“ sagte Pechtels und sah den Richter noch immer starr und erstaunt an,„das ist ja doch garnicht möglich— in den paar Minuten.“ „Wenn der Mensch verrückt genug gewesen ist, einen solchen Unsinn zu begehen," rief indes Frau Roßberg, die sich zuerst wieder von ihrem Erstaunen, aber noch lange nicht von ihrer Entrüstung sammelte,„so mag er es auch wieder auflösen. Sprechen Sie mit ihm, Rosenthal, aber gleich, solange wir noch hier sind. Nicht einen Fuß setze ich über die Schwelle hinaus, bis ich nicht wieder von dem Menschen geschieden bin.“ Fortsetzung folgt.) Allerlei ** Frische Luft ist für ein kleines Kind unentbehrlich und mit Recht sagt ein französisches Sprichwort: „Wo die Sonne nicht hinkommt, kommt der Arzt oft hin", und nicht minder schon ein italienisches:„Von allen Blumen bedarf die menschliche Blume am meisten der Luft.“ Wenn das Wetter es gestattet, müssen die Kinder täglich in die frische Luft gebracht werden. Dasplötzliche Absterben halberwachsener Kaninchen ist eine Erscheinung, welche besonders im Sommer häufig auftritt und gegen die man meistens machtlos ist. Gewöhnlich liegt der Grund in unrichtiger Fütterung. Bei Eintritt von Todesfällen unterlasse man sofort die Fütterung mit Klee. Gras und Kohlblättern, verabreiche dagegen gutes Heu, Hafer und in Milch erweichtes oder auch trockenes Brot und gelbe Rüben. Strengste Reinlichkeit der Ställe ist ebenfalls notwendig. Bei Kanarienvögel; die nicht singen wollen, kann nur eine vielseitige Fütterung Erfolg versprechen. Man gebe viele gute Sommerrüben, etwas Glanz, Mohn, einige gequetschte Hanfkörner, öfter etwas Grünes und ein wenig zerkleinertes hartgekochtes Eigelb. Mit Arzneimitteln richtet man nichts aus. Pferdefütterung. Es gibt im Frühjahr und im Herbst einige Wochen, in welchen die Pferde sehr angestrengt werden, da bedarf es auch eine stärkere Kornfütterung, doch sollte dabei, wenn nicht in Hafer, nicht mehr als die Hälfte aus schweren Körnern bestehen, z. B. Mais, Roggen, Erbsen usw. Ausnahmen machen nur die Gegenden, wo lauter Mais gebaut wird, und wo weder Heu noch Hafer ist. Beim Aufziehen des Kalbes durch Tränke ist große Sorgfalt, Reinlichkeit und Pünktlichkeit zu beobachten. Da bei dem jungen Kalbe die Verdauungsorgane nur wenig ausgebildet sind, so tränke man in der ersten Woche fünfmal; in der zweiten viermal und von der dritten Woche dreimal täglich. Die Tränke muß stets kuhwarm sein. Man lasse auch das Kalb nicht zu hastig trinken, damit die Milch in den verdauenden Labmagen und nicht fälschlich in den Pansen gelange; wodurch Durchfall usw. erzeugt wird. Eine Mutter. Roman von Friedrich Gerstäcker. (Nachdruck verboten.) Der gräfliche Revierförster, welcher den Maulwurfsfänger vielleicht schon deshalb haßte, weil ihn dieser immer spöttisch„Herr Kollege“ nannte, kam der Sache jedenfalls näher, wenn er den Menschen für einen ganz durchtriebenen Burschen hielt, der sich eben so wenig ein Gewissen daraus gemacht hätte, eine Schlinge für einen Maulwurf wie für einen Hasen oder für ein Reh zu legen; wenigstens hatte er schon einige von diesen angetroffen, ohne aber je dem Täter auf die Spur zu kommen. War es der„alte Fritz“, wie der Bursche in der Nachbarschaft allgemein mit seinem Vornamen hieß, wirklich gewesen, so wußte er es viel zu schlau anzustellen, als sich von einem der Beamten erwischen zu lassen, und da man ihm in der Tat keine ungesetzliche Handlung nachweisen konnte, gab Graf Monford, dem diese Besitzung gehörte, auch dem Drängen seines Försters nicht nag, dem verdächtigen Gesellen das Betreten des herrschaftlichen Bodens zu verbieten. Er solle nur ordentlich aufpassen, erwiderte er stets dem Förster, und wenn er ihn je einmal ertappe, sei es noch immer Zeit, ihn fortzujagen, früher nicht. Eine Stunde mochte der alte Mann etwa so unter der alten Erle gesessen und geangelt haben, und hatte eben wieder einen starken Fisch herausgebracht, als der Spitz oben leise knurrte. „Bravo, mein Hundchen“, lachte der Alte vor sich hin„und gerade zur rechten Zeit, denn dem Platz hier muß ich doch jetzt ein paar Tage Ruhe geben.“ Mit diesen Worten schlachtete er seine zappelnde Beute ab, schob sie zu den Uebrigen in den Ranzen, vertilgte dann rasch soviel als möglich alle Spuren, die da unten seine Beschäftigung hätte verraten können, und richtete sich vorsichtig in die Höhe. Er brauchte auch nicht lange umher zu suchen, von welcher Seite Jemand nahe, denn der Kopf seines klugen Hundes gab ihm dafür die genaue Richtung an, und dort hinüber sehend, erkannte er bald, daß er von diesem Störenfried nichts zzu furchten yabe. Es war ein sehr elegant, fast auffällig gekleideter Herr, eine Persönlichkeit wie aus einem Modejournal herausgeschnitten, mit sorgfältig gepflegten Locken, kleinem, sehr zierlichem Schnurrbart, Glanzstiefeln, kurz Allem, was dazu gehört. Was sich aber nicht gehörte, war, daß er nicht auf dem Wege her, wo die Tür lag, sondern quer über die Wiese kam, also jedenfalls über den Drahtzaun gestiegen sein mußte. Eben so wenig schien er auf einem gleichgültigen Spaziergange begriffen, sondern weit eher Jemanden zu suchen oder zu erwarten. Dem schlauen Maulwurfsfänger konnte es wenigstens nicht entgehen, daß er sich vorsichtig nach allen Seiten umsah und seine Richtung so über die Wiese nahm, um fortwährend durch die Büsche und Baumgruppen gegen einen Blick von den oberen Schloßfenstern gedeckt zu bleiben. „Spitz, komm'runter,“ flüsterte der Alte jetzt seinem Hunde zu, denn er hatte seinen Plan geändert, das Versteck zu verlassen, und schien vor der Hand einmal abwarten zu wollen, was der fremde Herr hier im Schilde führe. Möglich auch, daß er selber nicht von ihm gesehen zu werden und deshalb nur noch seine Zeit abzupassen wünschte, um ihn erst hinter die eine oder die andere Baumgruppe zu lassen— und doch war wohl hier nur sehr wenig Gefahr vorhanden, daß der feine Stutzer ihn verraten oder selbst nur ahnen konnte, was er da getrieben. Der Spitz gehorchte übrigens augenblicklich. Wie ein Fuchs drückte er sich auf den Boden und kroch dicht an den Wurzeln der Erle hin bis hinter den Stamm, von wo er auf das unmittelbare Flußufer hinabsprang. Hier allerdings schnüffelte er erst einmal nach den, wenn auch vertilgten Blutspuren der abgeschlachteten Fische hin; dann drehte er sich ein paar Mal im Sand herum, bis er die richtige Stellung gefunden hatte, und legte sich zusammengerollt ruhig nieder. Er wußte, daß seine Dienste vor der Hand weiter nicht in Anspruch genommen wurden. Der Maulwurfsfänger hatte indessen, ohne weitere Notiz von seinem Hund zu nehmen— das Kinn auf die zusammengestellten Fäusten gestützt— die Bewegungen des Nahenden über die Uferbank hin eine ganze Weile beobachtet. Er wußte dabei recht gut, daß er selber nicht gesehen werden konnte, denn seine graue Mütze und sein graues Haar verschwanden auf die Entfernung völlig in der Erdfarbe des Bodens. Plötzlich aber stahl sich ein grimmiges Lächeln über seine Züge, denn vom Schloß herunter entdeckte er durch die Büsche ein lichtes Frauenkleid, das mit dem Besuche augenscheinlich in Zusammenhang stand. Der Alte hatte nun allerdings vortreffliche Augen, sich aber hier doch nicht allein auf diese verlassen zu wollen, sondern griff in die Brusttasche und holte von dort ein kleines Telestop hervor, das er auseinander zog und auf die nahende Dame richtete. Nur wenige Sekunden sah er aber aufmerksam hindurch, als er auch leise vor sich hin pfiff und dann lachend murmelte: „Sieh, sieh, sieh, Comtesse Paula, auch schon auf Wilddiebstahl— was man doch nicht Alles erlebt, wenn man alt wird! Und wer zum Henker ist doch nur der feine Herr, der nicht offen in's Schloß kommen darf, sondern hinten herum über die Zäune steigen muß, um von der verbotenen Frucht zu naschen? Hm, das Gesicht kenne ich nicht,“ setzte er leise hinzu, als er das Glas dort hinüber gerichtet hatte.„Geschniegelt und gebügelt genug sieht er aus, um da oben hinein in die Gesellschaft zu passen, mit goldenen Keiten und Ringen und allem möglichen Firlesanz; wird ihm aber wohl am Besten fehlen, am alten Adel. Ja, mein Schatz, da mußt Du Dir freilich die Graupen nach der jungen Gräfin Monford vergehen lassen, oder.. Er brach kurz ab, drehte sich um, kauerte sich wieder am Wasser nieder und starrte wie in alte Erinnerungen versunken auf die blitzende Fläche, aber ein höhnisches, ordentlich unheimliches Lächeln zuckte um seine Lippen. „Puh,“ sagte er endlich und blies den Qualm seiner Pseise in einer dichten Wolke von sich, es giebt nichts Neues mehr auf der Welt, Alles schon dagewesen, Alles; wird ordentlich langweilig, hier oben noch länger herum zu trampen. Komm, Spitz, wir wollen machen, daß wir nach Hause kommen, was geht's uns Beide an?“ 9. — 3— 1 1 *— an— O 83—„ 888 S52. See Ga ∆ = 8 2 —— E—"———— SHOEESGEGEERSO S SebG BSTT SUOEESOUEGE SSTcEDSSOAUA S S 1 00 S a SE5ESS en □ OS, O Teg SEnS SöpEE * 5.28355 ——— E La. P E— GESDTTTODTEEE S= gETTWEN O#.SEDOS EERT S B SEEUEPEGPEEN SSE GönEBEUES □ 1 62 Damit schob er seine Angelrute wieder sorgfältig zusammen und schraubte die Zwinge fest. Die jungen Leute hatten sich richtig gefunden; die Dame lehnte im Arm des Fremden, das Haupt an seiner Brust, und während er sie mit dem rechten Arm unterstützte, führte er sie auf einem der kleinen Pfade hin, die sich durch die verschiedenen Baumgruppen schlängelten. Dort drinnen ließ sich von hier aus nicht einmal mehr das lichte Kleid der Dame erkennen, und der Maulwurfsfänger faßte ohne Weiteres seinen daran schon gewöhnten Hund auf, hob ihn in die Höhe, warf ihn auf die Uferbank und kletterte ihm dann selber nach, um in die Stadt, wo er seine Wohnung hatte, zurückzukehren. Er hielt aber dabei eben so wenig den Pfad, wie der junge Herr vorher, sondern schlenderte, von dem Hunde gefolgt, der Schwanz und Ohren hängen ließ, als ob er nicht Drei zählen könnte, quer über die Wiese, und zwar gerade dem Bosquet zu, in welchem die beiden Liebenden verschwunden waren. Er tat das aber nicht etwa aus Neugierde, sondern sein nächster Weg lag gerade dort hindurch, und er hielt sich auch nicht einmal mehr im Gehen auf. Nur den Blick warf er, auch mehr aus alter Gewohnheit, suchend umher; aber von dem Pärchen war nichts mehr zu erkennen, und bald darauf betrat er wieder die Wiese, die ihn unten am Schloßberg hin zu dem Hauptfahrweg führte. Kurz vorher, ehe er diesen erreichte, bemerkte er die gräfliche Equipage, welche aus der Stadt heraufgefahren kam. Er blieb oben auf dem etwas höheren Rasenrand stehen und zog, während wieder das alte spöttische Lächeln um seine Lippen zuckte, mit fast übertriebener Ehrfurcht die Mütze vor den Herrschaften. Der Graf, ohne mehr als einen flüchtigen Blick nach ihm hinüber zu werfen, dankte durch ein leises Kopfnicken: die Gräfin beachtete ihn gar nicht. „Ganz untertänigster und gehorsamster Diener, meine verehrten, gräflichen Herrschaften,“ spottete indeß der Maulwurfsfänger hinter ihnen her und hielt noch immer die abgezogene Mütze in der Hand;„wünsche eine recht angenehme Fahrt und besonders viel Glück zu dem neuen geheimnisvollen Schwiegersohn des edlen, unbefleckten gräflichen Stammbaumes! Hahaha,“ lachte er dann toll und lustig auf, indem er die Mütze wieder auf den Kopf stülpte,„ob es denn nicht rein zum Totschießen ist, wenn man die hochnasige Grete da im Wagen sitzen sieht und dann zurückdenkt, wie— hei, lustig, Maulwurfsfänger, Kammerjäger! heute wollen wir da unten auch eine gräfliche Mahlzeit halten, zur Erinnerung an die alten Zeiten, und auf die Gesundheit des fidelen Brautpaares eine Flasche guten Weins leeren; habe so lange keinen gekostet— hurrah!“ Damit faßte er seinen durch die Fische beschwerten Ranzzen mit der linken Hand, sprang auf den Fahrweg und verfolgte von jetzt an rasch seinen Weg nach Haßburg hinab.— „Und so lange habe ich Deine süßen, lieben Augen nicht küssen dürfen, meine Paula,“ klagte indessen der junge Mann, den der Maulwurfsfänger in den Park hatte schleichen sehen, indem er das junge, schüchterne Mädchen an sich zog und wieder und wieder ihre Stirn und Augen küßte. „Ach, Rudolph,“ seufzte Paula, die immer noch scheu den Blick umherwarf, ob sie nicht von irgend einem Lauscher bemerkt werden könnten,„nur auf Minuten war ich im Stande, mich wegzustehlen, denn Du glaubst nicht, wie mich diese alte, häßliche Gouvernannte, die sie jetzt meine Gesellschafterin nennen, quält und peinigt. Eine schöne Gesellschafterin; nicht einmal Raum, an Dich zu denken, läßt sie mir den langen Tag mit ihren ewigen Gesprächen und Büchern, mit ihrer Musik und ihren alten, langweiligen Klassikern." „Mein armes Kind!“ rief Rudolph feurig aus;„aber die Zeit wird ja auch kommen, wo wir uns vor der Welt angehören dürfen, Deine Eltern.. „Ach, Rudolph,“ seufzte das arme Mädchen unter Tränen,„hoffe nickt auf die; nur eine Andeutung machte ia neulich, daß ich glaubte, ich könne auch mit einem Manne glücklich werden, der von geringerem Stande sei, als ich, und meine Mutter geriet außer sich— ich fürchte Alles!“ 8 „Und ich fürchte nichts,“ rief der junge Mann, eigentlich mit etwas zu viel Pathos,„nichts, als die Grenzen Deiner Liebe; laß auch Hindernisse wie Gebirge zwischen uns treten, ich will sie für Treppen nehmen und darüber hin in Louisens Arme fliegen!“ „In Louisens?“ sagte das junge Mädchen erschreckt. „In Deine, mein Herz,“ lächelte ihr Geliebter;„kennst Du die wunderbar schöne Stelle aus Kabale und Liebe nicht?“ Ach, Rudolph, mir ist das Herzz so schwer; was kann ich gegen den Willen der Eltern tun?“ „Ha, laß doch sehen,“ deklamierte Rudoph weiter, „ob ihr Adelsbrief älter ist, als der Riß zum unendlichen Weltall; wer kann den Bund zweier Herzen lösen oder die Töne eines Akkords auseinander reißen?“ „Aber Du weißt nicht, Rudolph, wie entsetzlich streng die Eltern sein können, wo es, wie sie glauben, die Ehre ihres Hauses gilt; mein Wort verhallt ohne Klang.“ „So flieh mit mir, Geliebte,“ drängte Jener;„was nützt uns Glanz und Pracht, wenn unsere Herzen verbluten? Meine Kunst ernährt uns, wohin wir den Fuß wenden. Dem Namen Handor jauazzt die ganze Künstler= welt entgegen, und frei und glücklich leben wir den Musen, der Liebe „Ach, Rudolph, ich soll die Mutter, soll den Vater verlassen?“ „Du sollst Vater und Mutter verlassen und dem Manne folgen, gebietet Dir selber die heilige Schrift.“ „Mein armer Vater!“ „Er wird seine Härte bereuen, wenn er nieht, welche ruhmvolle Laufbahn Du gewählt, und erweicht, gerührt Dich an sein Herz zurückrufen.“ „Er wird mir fluchen!“ „Gut, so bleib,“ sagte Rudolph resigniert, indem er den Arm wie abwehrend gegen sie ausstreckte,„bleib Deine Lebenszeit ein Sklave jener alternden Vorurteile und Formen; folge der Hand, die Dich erbarmungslos zur Schlachtbank führt— Dein Rudolph kann entsagen— Wie konnte so ein Glück auch mir beschieden, Vom Himmel mir gegönnt sein— mir, dem ja Das Schicksal von der Wiege jede Freude Verbittert und vergiftet! Dem der Becher, Zum Trunk gehoben schon, von durst'ger Lippe So oft und oft gerissen wurde! Geh— Geh— geh, Zuleima— glücklich wirst Du sein, Und ich?— Für mich kein Glück— für mich ein Grab! Und wie verzweifelnd barg er das Antlitz in den Händen. „Rudolph, oh, nicht so, Du weißt ja, daß Tu mir das Herz mit solchen Reden brichst; tu es nicht!“ „Aber welcher Ausgang bleibt mir, als der Tod? Du weißt, daß ich nicht ohne Dich leben kann, weißt, daß ich verderben und untergehen müßte, wenn nicht Dein reines Herz mich an dieses Leben fesselt! Aber was kümmert das Dich,“ setzte er bitter hinzu,„Du folgst Deinem Vater, Deiner Mutter; der arme Rudoph mag zu Grunde gehen, er ist ja doch nur ein Schauspieler.“ „Und habe ich das um Dich verdient, Rudolph?“ sagte Paula mit leisem Vorwurf im Ton, während sie ihr schmerzbewegtes Antlitz zu ihm emporhob.„Habe ich Dir nicht wieder und wieder bewiesen, wie meine ganze Seele nur an Dir hängt, wie ich kein Glück, teine Seligkeit auf dieser Welt kenne als nur Dich?“ „Und doch willst Du mir entsagen,“ erwiderte der junge Mann schmerzvoll„doch hält Du es für möglich, daß Du entsagen kannst, während mir schon bei dem bloßen Gedanken daran das Blut zu Eis gerinnt und meine Pulse aufhören zu schlagen.“ „Laß mir Zeit zum Denken, Rudolph,“ bat das arme Kind, habe Nachsicht mit meiner Schwäche, wenn ich einen Augenblick schwanken und zaudern konnte. Sieh, noch ist es ja auch nicht so weit, noch ist es ja möglich, daß ich der Eltern Herz zum Besten wende; ich will es wenigstens versuchen, ich will Alles tun, was in meinen Kräften steht, um einen Schritt zu vermeiden, der doch mein ganzes künftiges Leben, selbst an Deiner Seite, mit einem Vorwurf belasten müßte.“ Fortsetzung folgt. W 95 AE 3 Friedensrichter. Von Friedrich Gerstäcker. (Nachdruck verboten.) Die beiden streitenden Parteien fanden es selbstverständlich. daß ihre Sache nicht im Laden ausgeglichen werden konnte. und während Pechtels den Damen den Vortritt ließ, folgten sie alle drei dem Richter in das kleine Seitengebäude, das Boyles allein zu diesem Zwecke aufgerichtet hatte, und auch seine Office nannte. Ein Zettel draußen an der Tür bezeichnete es sogar als solche. In der Mitte des aus rohen Balken hergestellten Raumes, mit einem einzigen schmalen Fenstereinschnitt, stand ein viereckiger Tisch mit vier oder fünf Holzstühlen darum her. Auf dem Tisch befand sich ein Tintenfaß mit einigen Federn und ein kleiner Stoß Papier, was dem Ganzen etwas Feierliches gab. Ueber dem Fenster standen sogar, etwas Ungewöhnliches in diesem Teile der Welt, auf einem auf zwei derben Pflöcken ruhenden Brett ein halb Dutzend in gelbes Leder eingebundener Bücher, angeblich juristische Werke, die aber wohl selten genug heruntergenommen und noch seltener gebraucht wurden. Tom hatte unterdessen den Jungen mit seiner Syrupskanne expediert und den Laden nach dem üblichen Gebrauch geschlossen. Jetzt während Boyles noch, ein wenig verlegen, wie er ein Gespräch anknüpfen könne, vor den Fremden stand, betrat er ebenfalls die Office und besorgte das„Geschäftliche". Vor allen Dingen nahm er von dem Bücherbrett eine auf der äußersten Kante liegende und wahrscheinlich oft gebrauchte, wenn auch wohl selten geöffnete Bibel, denn sie diente nur um den üblichen Eingangsschwur abzulegen. Diese deponierte er auf den Tisch, schob sich dann einen Bogen Papier zurecht, tunkte eine Feder ein und sah Boyles an, als ob er sagen wollte:„Nun kann's losgehen.“ Boyles mochte denn auch wohl einsehen, daß längeres Zögern nichts half, und als üblichen Eingang zu jeder Feierlichteit mußte er vor allen Dingen die Namen der Betreffenden erfahren. Die Frage your name? verstand aber Pechtels und gab den seinigen, freilich sehr zur Bestürzung Toms, der wohl über das erste Frederic sehr leicht wegkam, an dem späteren ch in Pechtels vollkommen hängen blieb. „How do you spell that?“(Wie buchstabiert Ihr das?) fragte er, allerdings wohl dreimal. Pechtels verstand aber gar nichts, was er mit dem Worte spel meinte, und da er wohl sah, daß der kleine Mann nicht wußte, wie er seinen Namen schreiben sollte, ging er zum Tisch, nahm ihm die Feder aus der Hand und tat es selber. Mit dem Namen Mary Roßberg ging es besser. Pechtels fragte jetzt, ob niemand im Orte sei, der Deutsch verstünde, und Tom begriff, was er meinte, schüttelte aber auf das entschiedentste mit dem Kopf, und Boyles, der nicht gern zu viel Zeit mit dem geschlossenen Laden versäumen wollte(draußen hatte er schon wieder einen Karren rasseln hören und das konnten Fremde sein), sagte einfach zu seinem Sekretär: „Schwör sie ein, Tom, indem der Friedensrichter sie nur einfach fragte, ob keins von ihnen schon verheiratet sei, und da sie die Worte nicht verstanden und mit dem Kopfe schüttelten, reichte ihnen Tom die Bibel hin, die sie zur Bekräftigung des eben Gesagie###üssen sollten. Pechtels hatte nun schon einmal, bald nach seiner Ankunft in Newyork, bei einem deutschen Friedensrichter gesehen, daß diese Formel jedesmal abgenommen wurde— Frau Roßberg wußte allerdings nichts davon, aber die Kathrina hatte ebenfalls schon als Zeugin vor Gericht gestanden, und da diese ihr jetzt zuflüsterte, das bedeute weiter nichts, als daß sie beschwöre, sie wolle die blanke Wahrheit angeben, nickte sie befriedigt mit dem Kopfe. Das wollte sie in der Tat; nicht ein Wort weiter, als die blanke, reine Wahrheit, und mit der größten Bereitwilligkeit küßte sie ebenfalls das ihr dargereichte heilige Buch. Frau Roßberg überlegte sich nun eben; daß es doch ganz außerordentliche Schwierigkeiten haben würde, dem Friedensrichter ihr Anliegen klar zu machen; denn sie fing an zu zweifeln, daß er den Unterschied zwischen einem goldenen Löwen und goldenen Affen mit ganz gleichen Bildern auch richtig verstehen würde. „Hätten wir nur den Franz mitgenommen,“ sagte sie leise zur Kathrine. Der Franz war nämlich eine Art Hausknecht bei ihr, ein junger Bursche von kaum vierzehn Jahren, der aber schon vollkommen gut sprach,„oder wenn wir ihn nur könnten holen lassen. Ich dachte doch, wir würden hier jemand finden, der Deutsch spräche.“ „Das ginge ja noch am Ende,“ nickte die Kathrine, die jetzt auch merkte, daß sie mit ihren paar englischen Worten nicht auskam,„wenn wir nun gleich den Wagen zurückschickten. In anderthalb Stunden könnte er wieder hier sein, und da sind wir nun einmal.“ „Wenn er uns nicht versteht, sag' ich's ihm,“ erwiderte fest entschlossen die Frau,“„und der Pechtels muß sich ebenfalls gefallen lassen, daß er ein paar Stunden wartet. So geht's aber nicht, das merk ich schon.“ „Well,“sagte der Friedensrichter jetzt, der die ganze Sache soviel als möglich abzukürzen wünschte, denn der nötigen Form war genügt. Tom der kleine, buckliche Schreiber, hatte schon mit geschickter Hand die gewöhnlichen Notizen in ein großes, dazu gehaltenes Buch gemacht, und er wandte sich zuerst an Pechtels. „Sind Sie willens, Sir, die Lady, die da neben Ihnen steht, zu Ihrem rechtmäßigen Weib zu nehmen?“ „Des,“ sagte Pechtels,„die Layd hier will mich eben verklagen. Lassen Sic es sich von ihr auseinandersetzen.“ „Und sind Sie willens, Ma'm,“ wandte sich jetzt der Richter, der die Zwischenworte garnicht verstand oder beachtete, wieder an die Frau,„diesen Herrn, der da neben Ihnen steht, zu Ihrem rechtmäßigen Gatten anzunehmen.“ „Ja wohl, Sir,“ nickte die Frau,„der ist's, den ich verklagen will, denn er hat mir in den letzten Monaten—“ Der Friedensrichter, der vielleicht glauben mochte, daß bei den Deutschen jo viele Worte auf eine einfache Frage nötig wären, konnte sich aber selber natürlich nicht damit aushalten, und mit der Hand abwehrend, unterbrach er sie und sagte dabei: „Bitte, Madame, lassen Sie das alles bis nachher. Für jetzt erkläre ich dieser Lizenz nach, von dem Sekretär unseres Gerichtshofs ausgestellt,“ und er deutete auf das Buch,„Sie beide als verheiratet, als Mann und Frau. Niemand hat ein Recht, Ihre gültig geschlossene Ehe wieder zu trennen, und der liebe Gott gebe Ihnen seinen Segen.“ Dabei reichte er zuerst der Dame die Hand und schüttelte sie herzhaft, und dann ebenso Pechtels, und dieser, der von alledem nichts begriff wurde ungeduldig und sagte endlich: „Nun, Madame Roßberg, denk' ich haben wir all' die üblichen und höchst langweiligen Formalitäten durchgemacht. Wollten Sie jetzt vielleicht so freundlich sein und Ihre Klage vorbringen, denn ich habe wirklich nicht lange Zeit.“ Er freute sich dabei schon im voraus darauf, daß der Richter natürlich kein Wort davon verstehen würde. Der kleine Bucklige war indessen außerordentlich tätig gewesen, jede Spur der beendeten Feier wieder zu verwischen. Er sprang auf einen Stuhl und legte die Biebel zurück auf das Bücherbrett, schob das Register in die Tischschublaoe, rückte das Papier zusammen und öffnete dann mit einem all right wieder die Tür. „Fee is sive Dollars,“ sagte Boyles, indem er Pechtels die offene Hand entgegenstreckte, und five Dollars verstand der Wirt vom goldenen Affen gut genug; daß er die aber schon im voraus bezahlen sollte, wo die Klage, und zwar von seinem Gegenpart, noch nicht einmal anhängig gemacht worden, war ihm doch außer dem Spaß. „Von mir?“ sagte er und deutete auf sich. Der Friedensrichter nickte ihm vergnügt zu und sagte:„Sie wollen sich doch nicht von Ihrer Frau bezahlen lassen?“ „Kann nicht aufgeführt werden,“ schüttelte Pechtels auf das entschiedenste mit dem Kopfe, ich klage garnicht, und wer klagt, mag auch die Kosten bezahlen. Nicht fünf Cents geb' ich. Das fehlte auch noch.“ „Condfound it,“ brummte der Richter,„es ist doch eine ganz verzweifelte Geschichte, wenn man es mit Leuten zu tun hat, die keine menschliche Sprache reden.“ „Holla!“ rief da sein kleiner Schreiber, der die Tür geöffnet hatte und auf den Hof hinaussah,„da kommt Hilfe. Da ist der deutsche Pedlar(Krämer) wieder mit seinem kleinen Wagen, der spricht Amerikanisch. He Rosedale, Rosedale! o Rosedale! kommt einmal einen Augenblick hierher, Mann, und helft uns mit Eurem Gibberisch aus; der Henker soll's verstehen, wir aber nicht.“ 8 XO 95