7 Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und gesetzt. Feiertage. verbunden Abonnementspreis frei ins Haus,= mit der täglichen Unterhaltungsbeilage und dem 8seitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pig. pro Monat, durch die Post bezogen für 8 Monate 1.50 Mk. Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inserate verantwortlich: Viktor Schanzer, Dortmund. Lokat-Anzeiger für mit dem Dortmund u. Hörde und der täglichen Unterhaltungsbeilage U#T sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— wermorec=Anschluß Nr. 3299. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Pfg. Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Pso Beilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen. Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann, Dortmund. Nr. 219. Dortmund, Montag, den 19. September 1910. 27. Jahrg. Erstes Blatt. Eine Gefahr für die Leistungsfähigkeit der Volksschule bedeutet nach übereinstimmendem Urteil der an der Schule arbeitenden der Erlaß des preußischen Unterrichtsministers vom 13. Juni d. J.. der zugunsten des Turnunterrichts den Deutschunterricht auf der Mittelund Oberstufe um eine Stunde wöchentlich verkürzt hat. So freudig die Einführung einer dritten Schulstunde für körperliche Uebungen Turnen, Spielen, Schwimmen und dergl.) begrüßt wird, so wenig können sich die Beteiligten damit einverstanden erklären, daß diese Stunde dem Unterricht der deutschen Sprache entzogen wird. Gerade die Leistungen im mündlichen und besonders im schriftlichen Ausdruck lassen bei dem Durchschnitt der 14jährigen Volksschüler meist doch zu wünschen übrig; Gewerbetreibende und Kaufleute klagen über diese Lücke in der Bildung ihres Nachwuchses sehr lebhaft und zwar, wie die Prüfung der in der Fortbildungsschule eintretenden Jünglinge bewiesen hat, nicht ohne Grund; sogar das preußische Abgeordnetenhaus hat vor etwa zwei Jahren in einer ausführlichen Debatte die Frage erörtert, wie die Leistungsfähigkeit unserer Volksschulen wirksam zu erhöhen sei. Alle diese Tatsachen lassen die Schmälerung des deutschen Unterrichts und die damit erfolgte Herabsetzung der Leistungen schier unbegreiflich erscheinen. Dabei wäre die Einführung jener Turnstunden ohne diese Maßnahme sehr gut möglich gewesen, wenn sich der Minister entschlossen hätte, die im Lehrplan der Volksschule enthaltenen 4 Religionsstunden um 1 zu vermindern. Die höheren Schulen kommen mit zwei Religionsstunden aus. Die Schüler einer mehrklassigen Volksschule aber erhalten im letzten Schuljahr wöchentlich 4 Stunden Religionsunterricht in der Schule und 2 durch den Prediger, zusammen also 6; in den einfachen Landschulen beträgt die Gesamtzahl der wöchentlichen Religionsstunden für die Oberstufe sogar 7. Diesen 6 bezw. 7 Stunden für den Religionsunterricht standen bisher schon nur 6 für das Deutsche gegenüber, und nun soll diese Zahl noch um eine vermindert werden. Die Lehrerschaft hat schon vor dem Erlaß jener Ministerialverfügung nachdrücklich darauf hingewiesen, daß der Unterricht im Deutschen keine Verminderung der Stundenzahl verträgt. Ihr Urteil hat an maßgebender Stelle indes keine Beachtung gefunden. Da dürfte es sich vielleicht doch als notwendig erweisen, oaß die Eltern unserer Volksschüler im Interesse der Zukunft ihrer Kinder, daß Gewerbetreibende und Kaufleute, die mit den mangelhaft fürs Leben vorgebildeten Schülern arbeiten sollen, ihre Stimme erheben, damit durch die Kraft der öffentlichen Meinung und vielleicht mit Hilfe des Parlaments der Lehrplan unserer Volksschule wieder mit den Bedürfnissen des praktischen Lebens in Einklang gebracht werde. Wort vom unzufriedenen Beamtentum, zu dem in diesem Falle nicht nur die Staats= und Gemeindebeamten, sondern auch die Lehrerschaft und ein großer Teil der Angestellten unserer industriellen Großbetriebe gehören, findet noch immer großen Anklang. Man begründet es damit, daß die Gehaltswünsche der einzelnen Beamtengruppen niemals ein Ende nehmen wollen. Den Beamten selbst ist daraus aber, so naheliegend das scheinen mag, keinerlei begründeter Vorwurf zu machen. Auch sie wissen, so schreibt die Korrespondenz des Deutschen Lehrervereins, daß das Verlangen nach Aufbesserung nicht geeignet ist, ihnen in den übrigen Volksschichten Freunde zu erwerben; auch sie wissen nur zu gut, daß sie dadurch bei einem nicht geringen Teile der Bevölkerung in den Geruch der Begehrlichkeit gekommen sind, oder doch zu kommen drohen. Gleichwohl können sie schon im Interesse der Hunderttausende von Familien, deren Erhalter sie sind, nicht aufhören, nach Erhöhung ihres Einkommens zu streben. Die Verteuerung aller Lebensmittel und sonstigen Lebensbedürfnisse zwingt sie dazu. Auf keiner Schicht lastet die allgemeine Verteuerung so stark, wie auf der Beamtenschicht. Der deutsche Beamte fühlt die indirekten Steuern, ohne sich bei Gelegenheit der Preiserhöhung eine Provision ausmachen zu können, wie syndizierte Gewerbe. Und je mehr die Preise in die Höhe gestiegen sind, besto mehr mußte und muß er dann, da er Arbeitseinstellung und andere Mittel zur Abänderung des Anstellungsvertrages nicht anwenden kann, rufen und immer wieder rufen: Ich will nicht sinken in der Lebenshaltung, also zahlt mir mehr! Eine Politik der Preissteigerungen mag für gewisse andere Volksteile und Berufe ihre Vorteile haben; der Beamte aber gehört nicht zu diesen Volisteilen. Für ihn macht sich eine solche Politik in der Verwinderung der Kaufkraft des Geldes höchst unliebsam bemerkbar. Er muß wie die allerdings unter dem freien Arbeitsvertrag stehende und darum beweglichere Arbeiterschaft mühsam ringen, um mit seinem Gehalt den Preissteigerungen nachzukommen. Das sollte jeder bedenken, bevor er die Lohnkämpfe der Arbeiterschaft und die Gehaltsbewegungen der Beamten und Lehrer als Ausfluß einer nie zu befriedigenden Begehrlichkeit verurteilt Der Wunsch nach Ruhe und Stetigkeit der Besoldungsverhältnisse ist zweifellos auch in den Reihen der Beamten vorhanden; er wird aber— die Beamten selbst können das nicht ändern— so lange unerfüllbar, nichts anderes als ein frommer Wunsch bleihen müssen, wie die stetig wachsende Verteuerung der gesamten Lebenshaltung anhält. Vaters Ehre. Roman von Ewald August König. 63 „Sie können es mit Sicherheit nicht behaupten. Wenn jene Papiere in die Hände Ihres Freundes gelangen...“ „So ist es noch immer fraglich, ob sie überzeugende Beweise enthalten. War der Vater meines Freundes in der Tat geisteskrank, welchen Wert können dann seine hinterlassenen Schriften haben? Verlassen Sie sich auf die Erklärung des Beamten, von der mein Freund selbstverständlich nichts erfahren darf; ich will, wenn Sie es wünschen, noch einmal mit ihm darüber reden und ihm die Verhältnisse auseinandersetzen, damit er alles aufbietet.. „Ja, tun Sie das,“ unterbrach Edgar ihn rasch.„Fraen Sie ihn, ob ich mich mit ihm dieser Sache wegen in erbindung setzen dürfe, oder ob er mir die Papiere übereben wolle, wenn er sie erhalten hat. Sie kennen die irregtheit Ihres Freundes, findet er in den Schriftstükken irgend etwas, was seinen Verdacht bestätigt, so wird dies seinen Haß schüren und seine Abneigung gegen mich bestärken.“ „Nun, auch in diesem schlimmsten Falle kann er seiner Schwester nicht verbieten, der Stimme ihres Herzens zu folgen,“ erwiderte Amandus voll herzlicher Teilnahme. „Kommen Sie nur zu uns, wann und so oft es Ihnen beliebt, meine Frau wird gerne dafür sorgen, daß Sie hier mit Ihrer Braut zusammentreffen. Ich hoffe, es wendet sich für uns alle alles noch zum Guten, es wird ja nichts so heiß gegessen, wie es auf den Tisch kommt.“ Mit einem tiefen und schweren Atemzuge nahm Ed“ gar seinen Hut.„Das ist ein schlechter Trost,“ sagte er, „man darf die Hände nicht in den Schoß legen und sich damit zu beruhigen suchen, daß alles komme, wie es kommen müsse. Werden Sie heute noch den Beamten sehen?“ „Gewiß." „Dann reden Sie mit ihm, ich spreche gegen Abend noch einmal vor, um seine Antwort zu hören.“ Nachdem Edgar das Haus verlassen hatte, ging Amandus in den Garten, er hoffte hier ungestört über die Sachlage nachdenken zu können, aber kaum befand er sich unter den Bäumen. als sein Blick auf Onkel Ludwig fiel, verstohder an der Mauer des Hinterhauses stand und len in den Beveringschen Hof hineinblickte. Amandus schritt rasch auf ihn zu, der alte Mann schaute sich um und legte den Finger auf die Lippen. „Still," flüsterte er, als sein Neffe neben ihm stand, „ich habe eine Entdeckung gemacht.“ „Undich dachte, Du hieltest in Deinem Zimmer Siesta,“ erwiderte Amandus, der nun ebenfalls über die niedrige Mauer in den angrenzenden Hof blickte und dort den jungen Bevering bei einem einfach, aber gut gekleideten Manne stehen sah, dessen pockennarbiges Gesicht einen abschreckenden Eindruck auf ihn machte. „Ich konnte nicht schlafen.“ fuhr Onkel Ludwig leise fort,„ich wollte mir hier etwas Bewegung machen, weißt ja, ich habe bisher immer später zu Mittag gespeist, muß mich an die neue Ordnung noch gewöhnen. Siehst Du den Menschen bei dem jungen Bevering?“ „Freilich," bestätigte Amandus,„ein häßlicher Kerl!“ „Er ist derselbe, den ich heute morgen in der Irrenanstalt aufsuchte.“ „Der Schreiber des Briefes?“ „Ja, ja, er darf mich hier nicht sehen, sonst weiß er gleich, daß ich nicht mehr in den Diensten des Präsidenten bin.“ „So bleibe Du hier," sagte Amandus erregt,„ich will mich überzeugen ob mein Anblick die beiden nicht erschreckt.“ Ehe Onkel Ludwig es verhindern konnte, trat Amandus hart an die Mauer heran. Anfangs bemerkten die beiden ihn nicht, aber als Bevering ihm plötzlich ins Gesicht blickte, fuhr er erschreckt zusammen. „Was wollen Sie?“ fragteer barsch.„Spionieren?“ „Man sucht niemand hinter der Tür, wenn man nicht selbst schon dahinter gestanden hat,“ erwiderte Amandus spöttisch, während er den Pockennarbigen fest ins Auge faßte,„das Spionieren verstehen Sie besser, wie ich.“ „Weshalb gaffen Sie mich an wie der Ochs das neue Tor?“ rief Wilhelm höhnisch.„Ich kann mich nicht erinnern, Ihnen etwas schuldig zu sein.“ „Ich ebenfalls nicht, aber dennoch könnte es der Fall sein,“ sagte Amandus mit scharfer Betonung. Wilhelm Richter wandte ihm den Rücken.„Narr!“ Deutsches Reich. Der Inhalt der Militärvorlage? Die„Mil.=pol. Korrespondenz“ schreibt:„In — teilweiser— Bestätigung früherer Mitteilungen sind wir in der Lage, jetzt, nachdem die Heerisnovelle das Reichsschatzamt passiert, und in seiner vorläufig abgeschlossenen Fassung, während der Manöver, die kaiserliche Genehmigung erhalten hat, solgende zuverlässige Angaben über die dem Reichstage zu unterbreitenden Forderungen zu machen: Es ist zunächst und als im Hinblick auf den in Frankreich bestehenden Vorsprung notwendigste Forderung die Aufstellung von Maschinengewehr=Compagni= en für die Infanterie vorgesehen. Ebenfalls dringlich ist der Ausbau der technischen Truppen, die zusammen mit den um je eine Kraftwagen=Kompagnie zu vermehrenden Train=Batillonen der neuen Generalinspektion der Verkehrstruppen unterstellt verden. Bei diesen Kompagnien soll in Zukunft die Ausbildung der militärischen Kraftwagenführer erfolgen, an denen die mobile Armee, dank des bei den zweiten Staffeln geplanten Ersatzes des tierischen Zuges durch den mechanischen sehr starken Bedarf haben wird. Von der Gliederung des Trains in Regimenter bleibt vorläufig abgesehen. Sämtliche Neuformationen und Forderungen der Vorlage werden bis 1914 gestaffelt. Für dies Jahr erst, das dem Reiche durch Freiwerden gewisser Einnahmen größere sinanzielle Bewegungsfreiheit gibt, bleibt auch die für die 37. und 39. Division in Allenstein und Colmar i. E. anzufordernde Ergänzung ihrer Feldartillerie zu Brigaden— im ganzen 12 Batterien— verschoben. Außerdem tritt für die Bespannung der Beobachtungswagen der Feldartillerie eine Erhöhung des Pferdebestandes der Batterie um drei Pferde ein. Entgegen der noch in der letzten Woche von der sozialdemokratischen Presse—„Volksbote“ in Stettin — gebrachten Nachricht einer Neuforderung von 33 Bataillonen(für die Regimenter mit nur zwei Bataillonen) kann auf das bestimmteste versichert werden daß eine solche Infanterievermehrung ebensowenig in Aussicht genommen ist, wie die ebenfalls verschiedentlich als geplant gemeldeten Aenderungen im Etat der Kavallerie.“ Von der demokratischen Vereinigung. Sozialdemokratischer kann man schon gar nicht sein, als sich das„Freie Volk“, das demokratische Wochenblatt geberdet. In einer Vorbesprechung zum sozialdemokratischen Parteitag in Magdeburg schreibt dieses Blatt:„Wir hoffen, um der Demokratie willen, daß uns eine Neuauflage von Dresden erspart bleibt und gewisse Zeichen deuten darauf hin, daß diesem Wunsche Erfüllung wird.“ Und gleich dahinter schreibt dieses Blatt zu dem Wahlresultat in FrankfurtLebus:„Schade! Bei etwas größerer Kraftentfaltung hätte die Sozialdemokratie auch diesen Kreis im ersten Ansturm nehmen können... Hoffentlich macht sie das Rennen noch.“— Worin unterscheidet sich also noch das„Freie Volk“ von Organen der Sozialdemokratie? Lediglich darin, daß es nicht den Mut hat, sich sozialdemokratisch zu nennen. Zum Zusammenbruch der Niederdeutschen Bank. ms. Dortmund, 19. September. Wieder hat die Niederdeutsche Bank ein Opfer gefordert. Der Großgrundbesitzer und Bauunternehmer Wilhe lm Wilms, der nach dem Zusammenbruch der Niederdeutschen Bank infolge seiner mit dieser Bank gemachten Geschäfte usw. in Zahlunsgschwierigkeiten geraten war, hat am Samstag den Konkurs anmelden müssen, weil es nicht gelungen ist, ein außergerichtliches Arrangement zustande zu bringen. Zum Konkursverwalter ist Rechtsanwalt Dr. Foller ernannt worden. Die erste Gläubiger=Versammlung findet am 19. Oktober statt. Ueber die Lage des in Konkurs geratenen Wilhelm Wilms erfährt man: Wilms hat sich von dem Bankier Ohm verleiten lassen, in Kali zu spekulieren. Zunächst erlitt er einen kleinen Verlust, der, wie Ohm ihm sagte, bald wieder eingeholt werden würde. So ging die Spekulation weiter und wurde immer gewagter, bis Wilms völlig in Händen Ohms war. Nun mußte er sich zu Gefälligkeiten bereit finden lassen. Bürgschaften von ihm, dessen Häuser= und Grundbesitz etwa drei Millionen Mark wert war, hatten Wert. So übernahm Wilhelm Wilms Bürgschaften und gab dann auch Gefälligkeitswechsel, nachdem ihm Ohm versichert, daß er dafür nicht in Anspruch genommen werden würde. Aber die Bürgschaften und Wechsel wanderten aus dem Depot der Niederdeutschen Bank hinaus, um dieser Kredit zu verschaften. Jetzt sind sie in fremden Händen, die Deckung verlangen. Die Berliner Handelsgesellschaft hat für 280000 Mark Wechsel von Wilms in der Hand, die Westholsteinische Bank Bürgschaften in Höhe von 500000 Mark. Die aus Wechselverbindlichkeiten und Bürgschaftsübernahmen resultierende Schuldsumme beläuft sich auf 3.800000 Mark. Der Häuserbesitz Wilms besteht aus 35 bewohnten Häusern, die einen Wert von 2 Millionen haben, der unbebaute Grundbesitz hat einen Wert von 750000 Mark. Die Verhandlungen, die mit den Großbanken geführt wurden, um ein außergerichtliches Arrangement herbeizuführen, haben sich zerschlagen, sodaß der Konkurs die notwendige Folge war. Auffallend ist, daß Herr Wilms auch bei der Niederdeutschen Bank ein Schuldkonto hat; die Bank will Ansprüche in Höhe von etwa 200000 Mark geltend machen. Jedenfalls zeigt die Art des Schicksals des Herrn Wilms, wie raffiniert es die Bank angefangen hat, um zu flüssigen Mitteln zu kommen. Einen nach dem anderen holt der Staatsanwalt, vorausgesetzt, daß er seiner habhaft werden kann. Nache dem die Tätigkeit der Prokuristen der Niederdeutschen Bank etwas näher unter die Lupe genommen worden ist, hat es sich herausgestellt, daß auch diese Herren von dem strafbaren Treiben Ohms gewußt und Ohm auf sein Verlangen hilfreiche Hand geleistet has ben. Es ist gegen sie deshalb das Strafverfahren eingeleitet worden. Zunächst hat die Staatsanwaltbrummte er.„Ich miete die Wohnung hier in dem Hinterhause nicht, Herr Bevering," fügte er so laut hinzu, daß Amandus jedes Wort verstehen mußte,„von solchen naseweisen Burschen beobachtet zu werden, dafür muß ich danken.“ In diesem Augenblick, noch ehe Bevering ein Wort erwidern konnte, ertönte der gellende Ruf:„Herr Waldemar! Herr Waldemar!" „Was gibts denn da wieder?“ fragte Bevering ärerlich, während er der alten Haushälterin entgegenging, ie in sichtbarer Bestürzung aus dem Vorderhause kam. „Der alte Herr stirbt!“ erwiderte sie mit zitternder Stimme.„Ich glaube, es ist schon vorbei.. „So holen Sie einen Arzt!“, fiel Bevering ihr ins Wort.„Wozu der Lärm? Sie schreien ja, als ob das Haus an allen vier Ecken in Flammen stände. Rasch, sorgen Sie für einen Arzt.“ Er eilte in die Bibliothek, ohne zu bemerken, daß Wilhelm ihm folgte; der erste Blick in das starre, fahle Antlitz seines Vaters ließ ihn erkennen, daß er vor einer Leiche stand. Ein Schlagfluß mußte den alten Herrn plötzlich getötet haben, während dieser im Sessel seinen Mittagsschlummer hielt, der Ausdruck seiner Züge bekundete, daß er ruhig und schmerzlos hinübergegangen war. „Da ist nichts mehr zu machen,“ sagte Wilhelm in seiner gefühllosen Weise,„im Fett erstickt, wie man zu sagen pflegt. Na, ich gratuliere Ihnen, ein Testament wird er hoffentlich nicht gemacht haben.“ „Wer hat Ihnen erlaubt, hier einzutreten?“ fuhr Bevering entrüstet auf.„Scheren Sie sich hinaus, ich will mit Ihnen nichts mehr zu schaffen haben.“ „Oho?“ spottete Wilhelm, dessen pockennarbiges Gesicht sich zu einem boshaften Grinsen verzog.„Glauben Sie nun schon den großen Herrn spielen zu können? Mir imponieren Sie damit nicht, wenn Sie mich los sein wollen, müssen Sie andere Saiten aufziehen. Sie wissen, wenn ich reden will...“ „Hmaus!“ rief der junge Mann, den dieser plötzliche Todesfall zu sehr erschüttert hatte, als daß es ihm möglich gewesen wäre, seinem Zorne über diese Roheit zu gebieten.„Wollen Sie mich zwingen die Polizei rusen zu lassen?“ 1 „Das könnte für Sie unangenehme Folgen haben," erwiderte Wilhelm höhnisch,„vergessen Sie nicht, daß ich mehr weiß, als Ihnen lieb ist. Ich gehe übrigens schon, aber ich werde wieder kommen, verlassen Sie sich darauf. Sie sind jetzt ein reicher Mann, und ich wäre ein Esel, wenn ich meinen Vorteil nicht wahrnehmen wollte.). Habe die Ehre, mich zu empfehlen.“ Er ging mit heiserem Lachen hinaus, und das boshafte Grinsen lag noch immer auf seinem Gesicht, als er das Haus verließ. Er glaubte jetzt eine Goldquelle entdeckt zu haben. die er gründlich ausschöpfen wollte, bevor er zur Abrechnung mit dem Irrenarzt schritt; von den finsteren Worken, die über seinem Haupte drohend sich zusammenzogen, hatte er noch keine Ahnung. Sein Weg führte ihn an dem Hause des Präsidenten 5 vorbei; als er es erreichte, sah er vor demselben einige) Gepäkträger mit dem Aufladen zahlreicher Koffer, Reise) taschen und Schachteln beschäftigt. 1 Ueberrascht blieb er stehen.„Wer will denn verreisen?“ fragte er. „Was geht es Euch an?“ lautete die grobe Antwort. „Wir wissens selbst nicht und kümmern uns nicht darum.“ Wilhelm zuckte verächtlich mit den Achseln und ging ins Haus; er vermutete, der Präsident habe sich entschlossen, durch schleunige Abreise allen weiteren Unannehmlichkeiten aus dem Wege zu gehen. Sein Befremden wuchs, als nicht der Kammerdiener, sondern ein Dienstmädchen die Korridortür öffnete. sollte der Präsident die Reise schon angetreten haben? Das Dienstmädchen behauptete, er sei zu Hause, aber augenblicklich nicht zu sprechen, damit wollte Wilhelm sich nicht abweisen lassen. „Ich muß sofort mit ihm reden,“ sagte er in dringendem Tone.„Sie würden es später zu verantworten haben, wenn Sie mich nicht anmelden. Sagen Sie nur, der Mann mit den Papieren sei zum letzten Male da, er gehe von hier aus zum Gericht.“. Das Mädchen zögerte noch einige Sekunden und als schaft ihr Augenmerk darauf gerichtet, des Prokuristen von Schwedler habhaft zu werden. Diesem ist schon seit einiger Zeit der Boden unter den Füßen zu gewiß geworden. Die Vorladungen zu einer Vernehmung haben ihn nicht mehr zu erreichen vermocht, denn er ist mit einem Kollegen auf und davon, hat Deutschlands Staub von den Füßen geschüttelt und sich In Luzern in der Schweiz niedergelassen. Dabei hat er aber nicht bedacht, daß er dort vor unserem Staatsanwalt nicht sicher ist. Dieser hat auf Grund des zwischen dem deutschen Reiche und der Schweiz bestehenden Auslieferungsvertrages die Schweizer Behörde ersucht, den Herrn von Schwedler festzunehmen und ihm freundlichst auszuliefern.— Es wird nicht lange dauern, so wird v. Schwedler wieder in Dortmund, aber nicht auf freiem Fuße, sondern in sicherem Gewahrsam weilen. Der verhatete Direktor Julius Ohm hat sich nach einigen Tagen der Schonung jetzt wieder so weit erholt, daß er sich von Neuem vernehmen lassen kann. Ernstlich krank ist er Überhaupt nicht gewesen. Neulich ging die Nachricht durch die Blätter, bei Gericht sei der Antrag eingelaufen, daß Ohm auf seinen Geisteszustand untersucht werden möchte. Diese Nachricht entspricht den Tatsachen nicht. Ohm denkt gar nicht daran, den Paragraph 51 des Str.=G.=B.'s für sich in Anspruch zu nehmen.— Die Staatsanwaltschaft hatte Ohm bisher gestattet, die Dortmunder Tageszeitungen zu lesen. Jetzt ist diese Erlaubnis zurückgezogen worden, weil Ohm aus den Zeitungen so mancherlei erfuhr, was ihm im Interesse der Untersuchung besser verborgen geblieben wäre.— Das Amtsgericht erläßt eine Bekannntmachung, laut welcher der auf den 21. September anberaumte Prüfungstermin im Konkurse Ohm aufgehoben wird. Dafür ist auf den 27. September eine außerordentliche Gläubigerversammlung anberaumt in der u. a. über die Veräußerung von Massebestandteilen(insbesondere von Grundbesitz) Beschluß gefaßt werden soll. und Provinzielles. Dortmund, 19. September. —' Die„Christliche Freiheit" teilt mit: Die Anzeigen gegen Pfarrer Traub wegen Ausschaltung des Apostolikums aus dem Konfirmationsgelübde sind dadurch zu„t erledigt, daß derselbe„auf die Verpflichutng, sich für die Zukunft an die Agende zu halten nachdrücklich hingewiesen wurde“. Die Schwerter Vereinigung, welche i. I. 1907 von den Vereinen gegründet wurde, welche sich den Kieler Beschlüssen des deutschen Kriegerbundes hinsichtlich der Beitragszahlung nicht unterwerfen wollken ist in der gestrigen Delegierten=Versammlung nicht aufgelöst worden, trotzdem der Führer der Vereinigung der Schwerter Verein, dieser, allerdings gegen seinen Willen, wie Herr Möller aus Schwerte mitteilte, den Rücken gekehrt hat. In der gestrigen Versammlung wurde noch mitgeteilt, daß es im Wupperkale viele Vereine gäbe, die gern wieder aus dem Deutschen Kriegerbunde austreten wollen, weil dessen Ueberzeugungsmethode zu umständlich sei. Die Versammlung wurde mit einem Hoch auf den Kaiser geschlossen. * Wieder auf freien Fuß gesetzt wurde der Homöopath Ries, der auf eine Anzeige ehin wegen Verbrechens gegen Paragraph 218 Str.=G.=B.'s in Untersuchung genommen worden war. Die Anzeige soll wider besseres Wissen fälschlich erstattet worden sein. —* Zur Städtebauausstellung nach Düsseldorf beabsichtigen die Stadtverordneten am Mittwoch dieer Woche zu fahren. —“„Frau Warrens Gewerbe“, ein Schauspiel des Engländers Bernhard Shaw ist, wie die„Trem.“ meldet, vom Repertoire des Stadttheaters abgesetzt worden, weil die Zensur Einspruch gegen die Aufführung erhoben hat. Das Schauspiel ist anderwärts unbeanstandet aufgeführt worden. Sein 25jähriges Jubiläum bei der Dortmunder Aktienbrauerei feierte am Samstig Herr Fritz Böcker. Aus diesem Anlaß wurden ihm Ehrungen und Geschenke in großer Anzahl zuteil. — Fleischteuerung hat der Magistrat die Schlachtand Viehhofskommission, die Notierungskommission, sowie zahlreiche sonstige in dieser Angelegenheit in Frage kommende Personen zu einer Besprechung auf Dienstag Vormittag eingeladen. —* Das Programm des Frankfurter Lehrersäugerchores sucht jedem Geschmack Rechnung zu tragen; es enthält nicht nur Perlen aus der klassischen Männerchorliteratur und Volkslieder, die ihre Wirkung auf die Zuhörerschaft nie verfehlen; es beweist auch, daß der Dirigent die Werke moderner und modernster Komponisten eifrig pflegt. Als Solisten begleiten den Chor: die Herzogl. Anhaltsche Kammersängerin Frl. Johanna Diez und das Vereinsmitglied Herr Adolf Müller, die schon gelegentlich die Aufführung von M. Bruchs„Frithjof“ in dem Begrüßungskonzerte zum 2. Kaiserlichen Wettstreite(1904) die Solopartien der Ingeborg und des Titelhelden inne hatten. Frl. Diez hat schon oft in Konzerten des Sängerchors mit großem Erfolge mitgewirkt; von besonderem Interesse sind diesmal ihre Opernsoli in den beiden Chören von Othegraven. Herr Adolf Müller ist auch auf den Reisen des Vereins nach England und Holland als Solist aufgetreten, und sein runder, wohltuender Bariton, der besonders in den Balladen von Löwe voll zur Geltung kam, hat ihm überall rauschenden Beifall eingetragen. Beim letzten Kaiserlichen Wettstreite(1909) dankte ihm der Kaiser persönlich für den Vortrag von Koschats„d' Hamkehr“ und überreichte ihm ein kostbares Andenken. Als Instrumentalsolist ist der Hofkammervirtuos Herr Hans Lange gewonnen worden. Nicht nur seine Stellung als 1. Konzertmeister des Frankfurter Opernhausorchesters, das ja auch in den rühmlichst bekannten Museumskonzerten mitwirkt, auch die allgemeine Beliebtheit, die er bei den Frankfurter Musikfreunden genießt, verbürgen, daß sein Spiel einen hohen künstlerischen Genuß bieten wird. —* Totgefahren. Gestern Abend hängte sich ein 14jähriger Knabe in der Märkischen Straße hinter einen Kutschwagen. Als die Pferde vor einem Straßenbahnwagen scheuten, sprang der Knabe ab, und zwar nach der Seite, auf welcher der Straßenbahnwagen vorbeifuhr, wurde von diesem erfaßt, überfahren und auf der Stelle getötet. —Verhaftungen. Festgenommen wurden zwei stellenlose Bäckergesellen, die in einer Wirtschaft im nördlichen Stadtteil einem zugereisten Arbeiter das Portemonnaie mit erheblichem Inhalte aus der Tasche gestohlen hatten.— Festgenommen wurde ferner ein Arbeiter, der einem andern Arbeiter in einer Wirtschaft an der Münsterstraße gleichfalls ein Portemonnaie gestohlen hatte.— Zur Verantwortung gezogen wurde ein Agent, der in einem Warenhause diverse ausgelegte Sachen gestohlen hatte. —* Als Fahrraddieb wurde der Knecht Josef Maffri am Samstag ermittelt und verhaftet. Er wollte bei einem Händler ein in der Stiftstraße eben gestohlenes Red veräußern. Der Händler schöpfte Verdacht und richtete mehrere Fragen an Maffri. Da nahm dieser schleunigst Reißaus, wurde aber nach wilder Jagd eingeholt und dann der Polizei übergeben. 18. Sept. Seinen schweren Verletzungen erlegen ist der Hochofenarbeiter Albert Masurat. Derselbe war mit dem Reinigenn der Konverter=Bären beschäftigt, als plötzlich einer dieser Eisenblöcke sich löste und dem nunmehr Verstorbenen auf den Kopf fiel, sodaß er einen Schädelbruch erlitt. Masurat ist 32 Jahre alt und unverheiratet. Hörde, 18. September. Auf dem Eisenwerk„Phönix“, Abteilung Hörder Verein, erfolgte gestern Abend ein schwerer Ausbruch am Hochosen 5. Der Schmelzmeister Goldstein und ein Schlackenfahrer wurden leicht ein zweiter Schlackenfahrer tödlich verletzt. Hörde, 18 September. Gegen 7 Uhr erfolgte unter gewaltigem Knall ein weiterer Ausbruch, bei dem der 20jährige Arbeiter Thiekötter von der glühenden Masse überschüttet und 5 Meter weit sortgeschleudert wurde. Der am ganzen Körper schwer verbcannte Unglückliche wurde ins Hospital gebracht, wo er noch in der Nacht starb. Bei dem Unfall wucden außerdem drei Arbeiter verletzt, darunter der Schmelzmeister Bergmans schwer. Brackel, 18. Sep., Drahtsenviebe haben hier aus der elektrischen Leitung etwa 200 Meter Draht herausgeschnitten. Lünen, 18. September. Die am 30.. August d. Is. in Altlünen aufgefundene unbekannte Leiche ist als die des Büffetkellners Karl T. aus Dortmund, Thomasstraße 22, erkannt worden. Bochum, 18. Sept. Auf dem Zechenplatze der Zeche Julius Philipp ereignete sich gestern Nachmittag eine schwere Bluttat. Der Bergmann Roeder aus Wiemelhausen kam inangetrunkenem Zustande auf den Zechenplatz. Er wurde vom Betriebsführer des Platzes verwiesen. R. ging nach Hause und kehrte darauf mit einer Schußwaffe zurück. Er wurde zum zweiten Male des Platzes verwiesen, diesmal von dem Aufseher Kötten. R.“ zog darauf seinen Revolver und feuerte zwei Schüsse auf den Aufseher ab; dieser wurde getroffen und brach blutüberströmt zusammen. Der Schuß war aus solcher Nähe abgefeuert, daß die Kleider des Getroffenen Feuer fingen. Auf den Schutz hin rotteten sich mehrere Arbeiter zusammen und züchtigten den Täter. Der lebensgefährlich verwundete Aufseher wurde ins „Bergmannsheil“, gebracht. Barmen, 18. September. Der im Friedberger Bombenattentat mitschuldige Werner ist hier gestern von zwei Kriminalbeamten nach dem Steckbrief erkannt und nach kurzem Widerstand gefesselt und verhaftet worden. Werner hatte sich, wie er aussagt, wochenlang in Frankreich und Belgien umhergetrieben, ständig in Furcht vor der Polizei. Er befand sich in Barmen auf der Durchreise und wollte nach dem Osten. Der Verbrecher war arg abgerissen und hatte nun wenig Barmittel. Er wurde unter guter Bewachung nach Friedberg transportiert. Bei der Vernehmung war er zunächst schweigsam, scheint aber alles gestehen zo wollen. Telearamme Sozialdemokratischer Parteitag. Maadebura. 19. September. Der sozialdemokratische Parteitag wurde gestern nachmittag zu Magdeburg mit einer Massenversammlung unter freiem Himmel eingeleitet. Ansprachen hielen von einem Balkon aus Ledebour, mit dem Hinweis auf die für die Sozialdemokraten günstigen Nachwahlen und die Königsberger Kaiserrede, der dänische Reichstagsabgeordnete„Standing=Kopenhagen. der die Grüße der dänischen Arbeiter überbrachte. Reichstagsabg. Dr. FrankMannheim mit scharfen Spitzer gegen die gekrönten Redner und Frau Klara Zetkin die Internationale der Arbeiter feiernd. Der Parteitag selbst wurde abends 7 Uhr im Saale des Louisenparkes eröffnet. Als Vertreter der Mageburger Genossen begrüßte ihn der frühere Reichstagsabgeordnete Kleß. Für den Parteivorstand dankte Molkenbuhr, wobei er den Sozialismus als Stärkung der Friedensgarantien und die Sozialisten als die einzige wahre Grundlage für die Völkerverbrüderung pries. Die Frage der Budgetbewilligung durch die badischen Genossen, für die Reichstagsabgeordneter Bebel als Referent ausersehen ist, soll erst nach Erledigung des gesamten Parteivorstandsberichts zur Verhandlung gelangen. Franks Rede. In seiner aufsehenerregenden Rede wandte sich Abg. Dr. Frank=Mannheim gegen den deutschen Kronprinzen, der, nachdem sein Vater 1einhalb Jahre geschwiegen hätte, nun neben dem Vater auch noch zu reden anfinge, und wünschte, daß dies Beispiel nicht von allen seinen Brüdern befolgt würde, sonst könne die Sozialdemokratie mit Protestreden nicht nachkommen. Der deutsche Kronprinz habe nicht wie ein Rektor, sondern wie ein Student geredet. Er hat sich gegen die internationalen Tendenzen gewendet. Was mag er sich dabei gedacht haben? Hat er an den Fürsten von Fürstenberg gedacht, der seine Güter in halb Europa hat und in den Kammern der verschiedensten Länder sitzt?(Heiterkeit und Sehr gut!) Hat er vielleicht an den Prinzen von Arenberg gedacht, der seinen Reichtum in Belgien und den Reichstagssitz in Deutschland hat? Oder hat er vielleicht rügen wollen, daß die Herren von der K Dortmunder Stadttheater. Dortmund, 17. September. „Die lustigen Weiber von Windsor“. Komisch=phantastische Oper von Nicolai. Am 9. März 1849 gingen Nicolais„Lustigen Weiber“ am Königlichen Opernhause in Berlin in Szene Der Jubel„mit dem die Bevölkerung die Oper aufnahm, bewies, wie sehr der Komponist mit seinem Werke dem Publikum aus der Seele gesprochen hatte. Heute, nach mehr denn 60 Jahren, prangen„Die lustigen Weiber“ noch in lebensvoller Frische, und ihre entzückenden Weisen reißen noch heute den#uhörer hin, wie damals, als sie zuerst das Licht der Lampen erblickten. Mit dem 24. Lebensjahr ging Otto Nicolai als Organist der preußischen Gesandtschaft nach Rom, kam dann als Hofkapellmeister nach Wien und siedelte endlich nach Berlin über, wo er am 11. Mai 1849 eines fähen Todes starb. Er hat alto den Nuym den ihm „die lustigen Weiber“ einbrachten, nicht lange genossen. Es kann uns nicht wundern, daß Nicolai sich bis dahin ausschließlich der italienischen Musik zuwandte, er folgte dem allgemeinen Zuge der Zeit. Die Italiener hielten ihn wegen seines„i“ für einen Landsmann, und chon aus diesem Grunde fanden seine italienischen Opern, besonders sein„Il Templario“, ungeheuren Beifall, Aber ihr durchaus italienischer Geist verhinderte ein Heimischwerden auf der deutschen Bühne. Da erschienen „Die lustigen Weiber“ und zeigten den liebenswürdigen Maestro von einer ganz neuen Seite. Italienische LeichJakeit und Eleganz waren noch da, aber es war deutsches Wesen, deutsches Gemüt, es waren liebe deutsche Worte, die aus den heiteren Weisen hervorleuchteten.„Deutsche Schule muß da sein, das ist die erste Bedingung, aber Italienische Leichtigkeit muß dazu kommen.“ So schrieb Ricolai selbst, und das war es, was die Deutschen wollten. Darum sind„Die lustigen Weiber“ zu einer Lieblingsoper geworden beim deutschen Volke, und sie werden es bleiben, solange man noch Sinn hat für Gumor und harmlose Ausgelassenheit. Die heutige Aufführung kann man im allgemeinen als gut bezeichnen. Der Leiter, Herr Direktor Hofmann, hatte den Rotstift in geziemender Weise gebraucht und dafür gesorgt, daß die Handlung munter fortschritt. Die Besetzung der einzelnen Rollen war die bekannte, vorjährige, bis auf zwei Ausnahmen: Frl. Devera sang die„Jungfer Anna“, während der neuengagierte Herr Friedrich Schimmel den„Herrn Fluth“ kreierte. Ueber beide Künstler läßt sich nach dieser ersten Vorstellung selbstverändlich noch kein endgiltiges Urteil fällen. Frl. Devera stellte eine recht muntere und bewegliche„Jungfer Anna“ dar. Ihr Organ ist nicht groß, aber angenehm und modulationsfähig. Daß die reeinlyrischen Partien ziemlich wirkungslos blieben, wollen wir der Künstlerin nicht zur Last legen: Die Lyrik kommt ja schlech weg in den „lustigen Weibern“. Herr Schimmel bemültte sich mit Erfolg, den„Herrn Fluth“ lebenswahr zu geben. Sein Organ bot nach der Höhe hin glänzende Momente, es scheint aber, als wenn es nach der Tiefe engbegrenzt wäre. Unsere„Alten“ waren auf dem Platze. Herr Barck war in Sang und Spiel famos, desgleichen Herr Loose n. Herr Theurer ließ sein angenehmes Organ hell erstrahlen. Ueber seine lyrischen Partien gilt das Obengesagte. Das ReinKomische in der Oper war bei den Herren För ster und Engelke in der bekannten vorzüglichen Weise aufgehoben. Tadellos war der Kellnerjunge des Herrn Nak. Die Bürger und Frauen von Windsor taten ihre Schuldigkeit. Zu rühmen ist das Ballett im dritten Akte. Mit dem irdischen Gesange standen die Feen, was Reinheit betrifft, allerdings auf etwas sehr gespanntem Fuße— doch mit Geistern soll man nicht rechten. Blieben noch die lustigen Weiber: Frl. Kluge war in Spiel und Gesang eine zierliche Frau Reich, die gern dabei war, wenn es galt, dem verliebten Dicksack eins auszuwischen. Und Frl. Mayer=Olbrich? Ihre Frau Fluth war nach jeder Seite hin so fein ausgearbeitet, daß sie der ganzen Aufführung das Gepräge gab. Das Orchester unter Herrn Wolfram leistete Hervorragendes. Die wunderhübsche Ouvertüre war ein Kabinettstück.—0—. Dortmund, 18. September. „Lohengrin“ von Richard Wagner. „Führe meinen„Lohengrin“ auf! Du bist der Einzige, an den ich diese Bitte richten würde“ schrieb Wagner von Paris aus, wo er als Landesflüchtiger weilte, an seinen großen Freund Franz Liszt. Das war 1850, und die Zeiten der Revolution waren überwunden. Im Juni desselben Jahres traf den tiefbekümmerten Wagner in Zürich die frohe Botschaft, daß der„Lohengrin“ in Weimar einstudiert würde.„Es versteht sich von selbst, daß wir keine Note, kein Jota deines Werkes streichen“ bemerkte Liszt in seinem Antwortschreiben. Zweitausend Reichstaler ließ sich Weimar die Lohengrin=Aufführung kosten— bei den damaligen Zeiten für eine kleine Hofbühne eine gewaltige Summe! Am 28. August 1880 erblickte„Lohengrin“. das Rampenlicht. Die Aufführung stand nicht unter einem besonders glücklichen Stern. Der Tenorist Beck genügte der hohen Anforderung nur in sehr geringem Maße, und als er sich bald darauf von der Bühne zurückzog, verbreitete er die Mär, Wagners Musik habe seine Stimme ruiniert. Nach drei Jahren fand auch Wiesbaden denn Mut zu einer Lohengrin=Aufführung; München und Wien warteten bis 1858. In Wien hörte Wagner 1861 zum ersten Male seinen„Lohengrin“. Dann wurde es aber Ehrensache für jede leistungsfähige Bühne, den„Lohengrin“ aufzuführen, und am 16. Oktober 1892 erlebte er im Berliner Opernhauss seine 300. Aufführung! So hat„Lohengrin“ seinen Trimmpfzug erst verhältnismäßig spät angetreten, aber er ist dafür, namentlich in Deutschland, umso volkstümlicher geworden. Doch nicht Deutschland allein sollte seinen Ruhm verkünden, es gibt heute wohl kein gebildetes Volk, welches nicht den„Lohengrin“ bewunderte. Das AllgemeinMenschliche im„Lohenarin“ läßt ihn jede Nation verSchwerindustrie Kohlen und Eisen zu billigen Preisen ans Ausland verkaufen und im Inland sich von den deutschen Bürgern Wucherpreise zahlen lassen? Wir sind auf Vermutungen angewiesen. Aber das eine können wir sagen: Wenn der Kronprinz mit den internationalen Tendenzen gemeint hat, daß er es nicht billigt, wenn die deutsche Arbeiterschaft ihren Brüdern im Auslande die Hand zum Friedensbund reiche, so sollen wir dem Kronprinzen versichern: Trotz aller Reden vom Throne werden die deutschen Arbeiter ihren Weg weitergehen und werden weiter ein Hort und Schutzwall für den Völkerfrieden.(Stürm. Beifall..) Gibt es denn in Deutschland niemand, der den Kaiser am Sprechen hindert? In einem Wiener Blatte habe ich den Kaiser abgebildet gesehen, der sich zum Reichskanzler wendet und sagt: Zum Donnerwetter, wozu habe ich denn einen Reichskanzler, wenn er nicht einmal am Reden hindern kann? Herr von Bethmann Hollweg, diese längliche Unzulänglichkeit(stürm. Beifall), denkt nicht daran, seinen meisterlichen Herrn am Sprechen zu hindern. Er ist schmiegsam und biegsam wie ein junger Baumzweig. (Heiterkeit.) Er ist entwickelungsfähig. Früher war er die Stütze des Bülowblocks jetzt ist er die Stütze des schwarz=blauen Blocks, und nun will er einen neuen Block, der den Namen führen müßte:„der Angstblock“. Das einzige geistige Band, das nach dem Willen des Herrn von Bethmann Hollweg Konservative, Zentrum und Nationalliberale umfangen soll, ist die schlotternde Angst vor der anstürmenden Sozialdemokratie, (Sehr richtig!) Für diese Angstpolitik hat Bethmann Hollweg offenbar den Kaiser gewonnen. Die Marienburger Red hat davon gesprochen, daß die eine Hand freudig die andere ergreifen soll, Von einer Hand aber hat der Kaiser nicht gesprochen, von einer schweren Hand, ohne die Deutschland seinen Rang in der Welt nicht hätte, von der Arbeiterhand hat er geschwiegen. Wenn er zum Angstblock kommen sollte, dann wird sich die Arbeiterhand ballen zur Arbeiterfaust und sie muß dazwischenschlagen, daß den Herren Hören und Sehen vergeht.(Stürm. Beifall.) Der deutsche Kaiser hat gesagt, daß die Lücken der Rüstungen ergänzt werden müßten. Das deutsche Volk hat es satt, in Friedenszeiten sich für Heer und Marine den letzten Pfennig herausholen zu lassen. Das deutsche Volk will nicht mehr Soldaten, sondern mehr Sozialpolitik, mehr Fürsorge.(Lebh. Zustimmung.) Der deutsche Kaiser hat keine Gelegenheit, zu hören, was das deutsche Volk über die Ausgaben für Heer und Marine denkt. Wenn er das hören würde, dann würde er wissen, daß keine Forderung in Deutschland so populär ist, wie die Forderung auf Verständigung unter den Völkern und auf Abrüstung!(Sehr richtig!) Die allgemeinen Wahlen hat man jetzt verhindert, aber bei den Nachwahlen wird dem Hund der Reaktion der Schwanz stückweise abgehauen.(Stürm. Beifall.) Die nächsten allgemeinen Wahlen werden auch das Urteil fällen über das Gottesgnadentum. Das danken wir dem gekrönten Redner, der mehr als irgend ein anderer dazu beigetragen hat, daß das deutsche Volk aufgerüttelt wird.(Stürm. Beifall.) Von der Cholera. Rom, 18. Sept. Während der letzten 24 Stunden sind in Barleta drei, in Malfetta zwei und in Gerignolla drei neue Erkrankungen an Cholera festgestellt worden. Budapest, 18. Sept. Nach hier vorliegenden Meldungen sind in Mohcas neuerdings wieder zwei Cholerafälle zur Anzeige gebracht worden. Budavest, 18. Sept. Die Cholera verbreitet sich, in den Gemeinden längs der Donau mit unheimlicher Geschwindigkeit. In Kaloksa sind vier Todesfälle seit zwei Tagen erfolgt. Der sterbende Kainz. Wien, 19. Sept. An das Krankenlager Jof. Kainz' wurde am gestrigen Sonntag wegen der neuerdings aufgetretenen Schlingbeschwerden der Spezialist Privatdozent Dr. Kolsner berufen. Dr. Kolsner erklärte, daß die neuen Krankheitserscheinungen mit dem Schwerkranken, der nicht mehr in der Lage ist, normal Mahlzeiten einzunehmen, im Zusammenhang ständen und darauf zurückzuführen seien, daß es dem Kehlkopf zu lange an Tätigkeit gefehlt habe. Eine Erleichterung könne nicht mehr geschaffen werden. Der Kräfteverfall schreitet rasch vorwärts. Die behandelnden Aerzte sind der Ansicht, daß die Katastrophe, die durch innere Verblutung herbeigeführt werden dürfte, für die allernächste Zeit bevorsteht. Komplott gegen den argentinischen Präsidenten? Mailand, 19. September. Einem Telegramm aus Montevideo zufolge, sind gestern in Buenos Aires sämtliche Redakteure des Blattes„Publica“, dem Organ der radikalen argentinischen Partei, verhaftet worden, unter der Anschuldigung ein Komplatt gegen das Leben des Präsidenten der Republik angezettelt zu haben. Die Verhafteten werden nach dem Fruerland verbannt werden. stehen: Der Sieg des Guten, Reinen, über das Böse Gemeine, oder, um ein Dichterwort zu gebaruchen:„Die Unschuld hat im Himmel einen Freund!“ Und nun zu unserer heutigen Aufführung: Sie machte im Großen und Ganzen einen vortrefflichen Eindruck. Herr Wildbrunn als Lohengrin legte sich vernünftiger Weise einige Reserve auf und sparte seine Kraft für besonders dramatische Stellen, wo er dann sein Organ siegreich strahlen ließ. Auch sein Spiel war vorzüglich. Herr Barck als König Heinrich litt anscheinend unter einer kleinen Indisposition, wenigstens machte ihm die Höhe ersichtlich Mühe. Sollte nicht sein„Falstaff“ vom vorigen Abend Schuld daran haben. Herr Reisinger als Friedrich von Telramund bot in Bezug auf Spiel und Gesang Gutes. Es war, als ob sein Organ im Laufe des Abends an Macht und Fülle zunähme: In einzelven Momenten wirkte es direkt grandios. Auch Herr Werhard als Heerrufer befriedigte burchaus, wie es bei den„Edlen“. den Herren Scherer, Förster, Engelke und Loosen der Fall war. Was die beiden weiblichen Rollen betrifft, so ist für ihre beiden Vertreterinnen kein Ausdruck des Lobes zu hoch. Wie rührend, bezaubernd, war die„Elsa“ der Frl. Schwarz! Aber nicht nur das Lyrische, beherrscht ihr schönes Organ, auch in den dramatischen Szenen schwebte es siegreich über Chor und Orchester. Und ihre Todfeindin! All das Grauenhafte, Tückische, Rachsüchtige, was ein herrschsüchtiges Weiberherz in sich bergen kann, die„Ortrud“ der Frau Wildbrunn stellte es in erschütternder Weise dar. Und dann die echte Wagnerstimme! Der Chor war im allgemeinen gut, an besonderen Stellen sehr gut. Vortrefflich war vom Anfang bis Ende Ende das Orchester unter Herrn Wolframs Leitung. Als„richtiger Kritiker“ müßte ich nun auch erwähnen, daß der Chor an der und der Stelle unrein war, oder daß diesem oder jenem Künstler ein kleiner Lapus unterlief usw. Doch glaube ich, der freundliche Leser wird mir diese gewissenhafte Buchung erlassen; wenigstens möchte ich ihn darum gebeten haben.—5—. 90 „— Dortmund, Brückstrasse 26. Einmaliges Angebot! Ein Wir hatten Gelegenheit, einen Posten diesjähriger moderner Herbst-Kostüme in blau, Tuch, Kammgarn und Cheviot, auf Seide gefüttert, reich garniert, weit unter Preis zu erstehen. Dieselben gelangen von heute Montag in 2 Serien zum Verkauf. m. hohem Velvet-Volant, 6 mal mit Tresse besetzt in vielen Farben per Stück 4.25 auf Seide gefüttert, sonstiger Verkaufspreis 42.00 bis 65,00 Mark Serie Mark Serie II Mark Dortmund Kaiserstr. 7. Telefon Nr. 7834. Maßgeschäft für feine und mittlere engl. Damen-Moden Zur bevorstehenden Saison gestatte ich mir, die geehrten Damen von Dortmund u. Umgegend auf meinen für feine Damen-Hoden ganz ergebenst aufmerksam zu machen u. bitte mich bei Bedarf gütigst zu berücksichtigen. Lager nebester Stoffe vorrätig Anfertigung in 24 Stunden. 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Arnsberg veranstaltet durch den Landwirtschaftlichen Amtsverein Lünen in Verbindung mit der Westfälischen Prüfungsstation für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte zu Münster am Mittwoch den 21. September 1910, eine Oeffentliche Vorführung von Bodenbearbeitungsmaschinen und Geräten aller Art, wle Untergrundpflügen, neueren Formen von Tiefkulturpflügen, Düngeroinlegern, Düngerstreuern, Stalldüngerstreumaschinen, Scheibeneggen, Federzahneggen und sonstigen Eggen, Erdschaufeln, Walzeneggen, Balance- und Wendepflügen mit Zugkraftmessung etc., sowie von Kartoffel-Erntemaschinen auf den Grundstücken des Gutes Haus Dellwig bei Kirchderne. Landkreis Dortmund, unmittelbar am Bahnhof Kirchderne. Die Vorführung geschicht von 9—12 Uhr vormittags und von 2—6 Uhr nachmitags. Die Stalldüngerstreumaschine wird vormittags 11½ Uhr und nachmittags 4 Uhr vorgeführt. Wir machen alle Landwirte auf diese ebenso interessante wie lehrreiche Veranstaltung hierdurch aufmerksam und laden insbesondere die Mitglieder der Kreis- und Lokalvereine zu recht zahlreichem Erscheinen ein Das Vorführungsgelände ist zu erreichen: mit der Eisenbahn vom Hauptbahnhof Dortmund resp. von Münster, Dülmen und Lünen aus nach Bahnhof Kirchderne, mit der elektr. Straßenbahn Dortmund— Westfalenburg—Lünen(alle 15 Min.) bis zur Bismarckstraße in Kirchderne, von wo der Vorführungsplatz in 15 Minuten zu erreichen ist. Der Vorstand der Landeskultur-Gesellschaft für den Reg.Rezirk Arnsberz. Droege. Landrat. 1539 Der Vorstand des Amtsvereins Lünen Schulte-Kump. Der Vorstand der Prüfungsstation für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte zu Münster. — Horold-Loevelinkloe. H. Kalt-Münster, Direktor.— Zu dem Extrazug des Verkehrs-Vereins — am 24. September nach Brüssel— werden Coupons der bekannten Reisegesellschaft Hagemann& Cie., Herbesthal in der Geschäftsstelle des Verkehrs=Verein, Markt 2a, gegen Zahlung von 50 Mark abgegeben, wofür den Inhabern für 3½ Tage freie Verpflegung(exkl. Getränke), freie Führung und freier Eintritt in die Ausstellung gewährt wird. Deppelladung bester Sorten Tafeläpfel ab Baum abzugeben. 1551 I. u. Wörtmann, Hartres 1. Kans. Täglich abends 8 Uhr: Große Doppel-Vorstellung: ! Unbeschreiblicher Srtolg!! - Brüderlein fein Altwiener Singspiel von Leo Fall. Die glänzenden Spezialttäten: 8 Griogoy-Albidus Ikarische Spiele. A.& S. Naeß, Weltmeister im Rollschulaufen. Carl Brettschneider, der brillante Humorist irwings in ihrem Sketsch„Walzerfieber“ G. Schindler, der beste Mundharmonika Virtuose. Rolanda, Konzert-Sängerin Täglich grosses Nünchener Oktoberfest. Jubel und Trubel— a Hetz a Gaudi. Alles in kurzer Wichs— Buabn und Madl’n. Paul Thiele. Münsterischer Anzeiger Münster 1. 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Mit 451 Delegierten und 71 Pressevertretern hat er selbst den großen Demonstrations=Parteitag 1890 in Halle überschritten, der 420 Teilnehmer aufwies. Am letzten Parteitage in Leipzig waren nur 339 Teilnehmer einschließlich der ausländischen Gäste erschienen. In der ersten Reihe der Teilnehmer des Parteitages stehen naturgemäß die Mitglieder des sozialdemokratischen Parteivorstandes, dem u. a. Bebel, Singer, Pfannkuch, Gerisch, Molkenbuhr angehören. Paul Singer, der mit wenige:. Ausnahmen allen bisherigen Parteitagen präsidierte, wird diesmal den Verhandlungen fernbleiben müssen, da sein schweres Augenleiden noch immer nicht behoben ist. Er blieb deswegen schon dem Internationalen Sozialistenkongreß in Kopenhagen fern, über dessen Verlauf er jetzt dem Parteitage Bericht erstatten sollte. Dagegen rechnet man bestimmt mit dem Erscheinen August Bebels, obwohl auch dieser der Kopenhagener Tagung infolge Krankheit fernblieb und sich mit schwerer Krankheit entschuldige. Daneben ist die gesamte sozialdemokratische Reichstagsfraktion zur Teilnahme an den Verhandlungen angemeldet. Mit ihr erscheint auch Paul Göhre, der kürzlich gewählte Vertreter von Ischopau=Marienberg, dessen Kontroverse mit Bebel auf dem Dresdener Parteitag noch unvergessen ist. Ebenso wird die Partei in Magdeburg die Vertreter der anderen sechs Kreise, n denen nach den Dezemberwahlen 1907 Sozialdemokraten gewählt worden sind, begrüßen können. Eine kleine Enttäuschung bietet nur der Umstand, daß sich nicht auch der Genosse Faber aus Frankfurt=Lebus dem Parteitage als Abgeordneter präsentieren kann. Dafür hat dieser die Genugtuung, daß zum ersten Male ein sozialdemokratischer Bürgermeister an ihm teilnehmen wird, und zwar der des pfälzischen Fabrikstädtchens Lambrecht. Auffallend groß ist diesmal die Zahl der weiblichen Parteitags=Delegierten, von denen besonders Klara Zetkin, Frau Zietz aus Hamburg und Ottilie Baader, die„Vertrauensperson“ der rund 82000 Genossinnen Deutschlands zu nennen sind. Insgesamt vertreten die anwesenden Delegierten 722830 Mitglieder der sozialdemokratischen Parteiorganisation des Reiches gegenüber 633 309 im Vorjahre. Diese Zahlen stehen bekanntlich in einem auffallenden Mißverhältnis zu den 1907 abgegebenen sozialdemokratischen Stimmen, die sich auf 3259029 beliefen. Interessant ist, daß der Parteitag in einem 1907 verlorenen Wahlkreise tagt. Bis dahin hatte ihn lange Jahre hindurch das Parteivorstandsmitglied Wilhelm Pfannkuch vertreten, der nun im 3. Berliner Reichstagswahlkreise sein Glück versuchen soll, nachdem hier der bisherige Vertreter Rechtsanwalt Heine(Berlin) den Laufpaß bekommen hat. Pfannkuch hat im Verein mit dem Parteikassierer Gerisch an erster Stelle dem Parteitag den Geschäftsbericht des Vorstandes zu erstatten. Dann soll August Bebel die badishe Budgutbewilligung besprechen. Es liegt jedoch ein Chemnitzer Antrag vor, die Sache erst als vorletzten Punkt der Tagesordnung zu behandeln, was natürlich einem Begräbnis erster Klasse gleichkommen würde, da der Parteitag Not und Mühe haben wird, seine sonstige reichhaltige Tagesordnung im Laufe der dafür vorgesehenen sechs Tage zu erledigen. Ueber den Chemnitzer Antrag hat die Vorversammlung am Sonntag Abend zu befinden, in der die Konstituierung des Parteitages, die Festsetzung der Geschäfts= und Tagesordnung und die Wahl der Mandatsprüfungskommission zu erfolgen hat. Auf Bebels Ausführungen wird es nicht ohne Einfluß bleiben, daß der Badische Parteitag den Diszivlinbruch der Genossen im Landtag gebilligt hat, und daß in der ganzen Partei der Wunsch besteht, die Angelegenheit mit Rücksicht auf die bevorstehenden Reichstagswahlen nicht zu einer die Partei zersetzenden Affäre auswachsen zu lassen. Neben der badischen Frage hat sich der Parteitag dann mit der Wahlrechtsfrage, der Reichsversicherungsordnung, der Genossenschaftsfrage und der Maifeier zu beschäftigen. Hierzu tritt noch die Berichterstattung über den Internationalen Kongreß in Kopenhagen, der Bericht der Kontrolleure und der varlamentarische Bericht— ganz abgesehen von den einigen hundert Anträgen, die aus den einzelnen Parteiorganisationen zum Parteitage eingegangen sind, und in denen alles Mögliche und Unmögliche zur Besprechung angeregt wird. Referenten sind zu den verschiedenen Punkten die Abgeordneten Molkenbuhr, Noske und Kaden sowie die Genossen Fleißner und Müller. Aus dem Strafkammer Dortmuns. Dortmund, 17. September. Erwischt. In der Nacht zum 2. August zertrümmerte der Arbeiter Josef Bolte aus Dortmund am Lokale der Fischkompagnie eine große Scheibe um sich einige Aale anzueignen. Er kam mit seiner Beute nicht weit, da ein Schutzmann herbeikam und den Burschen festnahm. Die Spiegelscheibe hatte einen Wert von 300 Mark. Bolte wurde heute von der Strafkammer wegen Sachbeschädigung und Mundraub zu 3 Monaten Gefängnis und 4 Wochen Haft veruiteilt. Einen groben Vertrauensbruch beging der am 1. Oktober 1889 geb. Bergmann Franz Kaczmarek von hier, der den Koffer seines Freundes, des Anstreihergesellen Kuschinski von hier gewaltsam öffnete und alle Wertgegenstände an sich nahm. Kacmarek der noch unbestraft ist, kam mit einer Gefängnisstrafe von drei Monaten davon. Auf schwachen Füßen stand eine Anklage, die sich gegen den Bergmann Paul Büschel von hier richtete. Der junge Bursche sollte den Bergmann Wilhelm Hausmeier, mit einem Messer gestochen und dem Bergmann Adolf Wittich eine Tür beschädigt haben. Die Beweisaufnahme vor der Strafkammer in Docimund ergab, daß es sich mehr um eine harmlose Frasselei handelte, bei welcher Hausmeier auch einen Riß über die Nase erhalten hatte; ein Messer war nicht gebraucht. Büschel wurde wegen einfacher Körververletzung, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt, wovon 5 Wochen auf erlittene Untersuchungshaft abgerechnet wurden. Bestrafte Roheit. Der gefährlichen Körperverletzung machte sich der am 27. September 1879 geb. Arbeiter Anton Harz aus Hamm schuldig. Der von der Dortmunder Strafkammer angeschudligte Angeklagte befand sich am 1. August in der Kerkemeierschen Wirtschaft, wo er mit dem Maurer Heinrich Dopheide wegen Verbandsangelegenheiten in Streit geriet, der schließlich in Tätlichkeiten ausartete. Harz zog hierbei ein Messer und brachte damit seinem Gegner einen Stich in die Brust und einen zweiten in den Rücken bei. Die Verletzungen waren glücklichweise nicht schlimmer Art. Mit Rücksicht auf dem unberechtigten Gebrauch des Messers erkannte das Gericht immerhin auf eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr. Einen nicht geringen Schrecken erhielt die im Sanerlandschen Hause am Brüderweg wohnende Witwe Eicheler als jemand vom Flur aus am 13. Juni nachmittags versuchte, mit einem Dietrich die verschlossene Stubentür zu öffnen. Die geänstigte Frau verlor die Fassung nicht, sie sprang nach einem Moment der Ueberlegung an die Tür und schloß auf, rief aber zugleich durch die Türspalte um Hülse. Der Spitzbube ergriff nun schleunigst die Flucht, verfolgt von mehreren Leuten, die auf das Hülfegeschrei herbeigeeilt waren. Vor der Strafkammer waren angeklagt die Arbeiter Ewald Vergermann und Emil Fuchs, die gemeinschaftlich versucht Sehenswerte Saison-Eröffnungs-Dekorationen Hochaparte Neuheiten in Damen- und MädchenKonfektion, Putz, Kleiderstoffen, Seidenstoffen etc. Meyer& Günther . t te Sn ma ngenenam CEan Dortmund Steinplatz Telekon 3255. Des Vaters Ehre. Roman von Ewald August König. 62 „In dieser Hoffnung dürften Sie sich getäuscht sehen. so würde also die Ehe mit einem Familienzerwürfnis beginnen, und Lieschen müßte zumeist darunter leiden.“ „Fürchten Sie das nicht. Mir ist kein Opfer zu groß, dieses ersehnte Glück mir zu sichern; muß es sein, so werde ich mich von meiner Familie lossagen, und daß mir für meine Existenz nicht bange zu sein braucht, habe ich wohl nicht nötig, Ihnen zu sagen.“ „Ich weiß das alles, und glauben Sie mir, ich schenke Ihnen volles Vertrauen. Aber können Sie es mir verargen...“ „Wenn Sie mir Vertrauen schenken, so ist alles andere Nebensache," fiel Edgar ihm ins Wort.„Sie haben dann keinen Grund mehr, mir die Hand Ihrer Schwester zu verweigern, und tun Sie es dennoch, so sind wir nicht verpflichtet, uns Ihrer Weigerung zu unterwerfen.“ „Verpflichtet? Nein! Das Recht der Einsprache steht nur meiner Mutter zu, macht sie davon keinen Gebrauch, so kann ich es nicht verhindern, wenn Sie Lieschen als Ihre Gattin heimführen. Aber, daß in diesem Falle unsere Beziehungen zu einander keine freundschaftlichen sein können und werden...“ „Richard!" warf Lieschen warnend ein.„Sprich nicht in der Erregung ein böses Wort, das Du später bereuen würdest.“ „Antworten Sie ihm nicht, ich bitte Sie darum," wandte sich Frau Poppert zu Edgar.„Er wird sich eines anderen besinnen, wenn er Zeit gefunden hat, die Sache ruhig und reiflich zu überlegen, er wird auf meine Wünsche Rücksicht nehmen und daneben auch einsehen, daß er dem Glück seiner Schwester nicht entgegentreten darf.“ Richard stand in Nachdenken versunken, er gedachte seines eigenen Glücks, wie gerne hätte er auch Lieschen glücklich gesehen! Das erlösende Wort schwebte ihm schon auf den Lippen, aber es war ihm nicht möglich, seinen Groll und seine Abneigung zu überwinden. „Lassen Sie mir Zeit,“ brach er nach einer Pause das peinliche Schweigen,„die nächsten Tage werden mir Gewißheit bringen, dann erst will ich mich definitiv entscheiden. Ich selbst wünsche, daß diese Entscheidungen Ihren Erwartungen entsprechen möge.“ „Diesen Ihren Wunsch will ich gerne erfüllen und Ihnen Zeit lassen. Muß doch auch mir daran liegen, mit der Familie meiner geliebten Braut in Frieden und Freundschaft zu leben. So scheide ich denn mit der sicheren Hoffnung, daß Sie nach ruhigem Nachdenken und reiflicher Erwägung aller Verhältnisse mir die Hand bietenund die Rechte eines Schwagers mir einräumen werden, bis dahin leben Sie wohl.“ Lieschen gab ihm das Geleite, sie waren beide ruhig, beide entschlossen, allen Stürmen mutig die Stirne zu bieten. „Wir haben das Jawort meiner Mutter, so muß Richard sich fügen,“ sagte sie, mit einem Blick voll inniger Liebe ihm in die Augenschauend, während sein Arm sie fest umschlungen hielt,„und er wird es tun, wenn er erkennt, daß wir unbeirrt unseren Weg gehen.“ „Sein Haß gegen meinen Vater...“ „Sei unbesorgt, dieser Haß wird auch wohl wieder einschlummern. Schlimm wäre es freilich, wenn er wirklich Beweise fände.“ „Sind es unanfechtbare Beweise, so werde ich nicht auf der Seite des Schuldigen stehen, so furchtbar mir es auch wäre, den eigenen Vater verdammen zu müssen.“ „Vielleicht konnte Amandus Klausner darüber Aufschluß geben,“ sagte Lieschen sinnend.„In seinem Hause müssen gestern Entdeckungen gemacht worden sein, auf die sich die Vermutungen meines Bruders stützen.“ „Ich will unverzüglich in jenem Hause noch einmal sondieren," erwiderte Edgar entschlossen,„es war ohnehin meine Absicht, den jungen Herrn Klausner heute zu besuchen, um mir das Resultat seiner Zusammenkunft mit dem Angeklagten berichten zu lassen.“ Er nahm nach diesen Worten Abschied und trat schon bald darauf in das Haus Amandus, der sich eben von der Mittagstafel erhob. „Wir speisen früh,“ sagte Amandus, Edgar mit heiterer Miene die Hand reichend,„ich bir's von Kindheit auf gewohnt, und alten Gewohnheiten entsagt man nicht gerne. Onkel Ludwig meint freilich, es sei nicht vornehm und auch der Gesundheit nicht zuträglich, aber soviel ich bemerken konnte, hat's ihm vortrefflich geschmeckt, und jetzt will er versuchen, ein Mittagsschläfchen zu halten, wozu es ihm früher an Zeit gebrach.“ Sie waren in die Schreibstube gegangen, Amandus bot seinem Gast einen Stuhl an. „Sie haben Ihren Vater gesehen?“ fragte Edgar. „Ja, und auch mit ihm gesprochen.“ „Ihr Glaube an seine Schuldlosigkeit ist nicht erschüttert worden?“ „Wenn noch ein leiser Zweifel in meiner Seele gewesen wäre, so würde er jetzt beseitigt sein,“ erwiderte Amandus mit zuversichtlicher Ruhe.„Der Herr Untersuchungsrichter war sehr enttäuscht, er schien mit Sicherheit darauf gerechnet zu haben, daß dieses Widersehen meinen Vater erschüttern und zu einem Geständnis bewegen würde. Und als dies nicht geschah, wurde die Unterredung ziemlich rasch abgebrochen.“ „Haben Sie in ihr neue Anhaltspunkte gefunden, irgend eineneue Fährte entdeckt, die man verfolgen könnte?“ „Nein.“ „Aber Sie haben gestern eine derartige Entdeckung gemacht?“ „Ich darf darüber noch nicht reden,“ sagte Amandus dem forschenden Blick ausweichend. „Dann muß ich Sie fragen, wer Ihnen Verschwiegenheit geboten hat,“ erwiderte Edgar.„Soll ich für Ihren Vater wirken, so müssen Sie aufrichtig sein, nur in diesem Falle darf ich mir Erfolg von meinen Bemühungen versprechen! Weshalb glauben Sie, mir Ihre Entdeckungen verheimlichen zu müssen?“ „Weil die Beweise, die auf Grund dieser Entdeckungen gesucht werden, noch nicht gefunden sind.“ „Und wer sucht sie?“ „Lieber Gott, ich begreife nicht...“ „Daß ich Ihnen mit diesen Fragen lästig falle? Sie dürfen mir deshalb nicht zürnen, die Sache interessiert mich mehr, wie Sie glauben, denn sie greift auch in meine eigenen Verhältnisse ein. Bei dieser Entdeckung muß irgend etwas gefunden worden sein, was dem Haß des jungen Herrn Poppert gegen meinen Vater neue Nahrung gegeben hat und ich darf nun nicht ruhen, bis ich weiß, worin dieses„Etwas" besteht. Sie können mir die Antwort verweigern, aber ich hoffe, Sie werden sich des Dienstes erinnern, den ich Ihnen geleistet habe.“ In Nachdenken versunken wanderte Amandus langsam auf und nieder, er fühlte selbst, daß er die Antwort nicht verweigern durfte. „Ichwill Ihnen, soweit ich es darf, Aufklärungen geben. und ich vertraue darauf, daß Sie als Ehrenmann die Verschwiegenheit beobachten werden, die ich zu fordern berechtigt bin. Ja, wir haben gestern eine Entdekkung gemacht, aus der hervorgeht, daß der Vater Richards Papiere hinterlassen hat. Für mich ist dies letztere Nebensache, ich fand in dieser Entdeckung eine neue Spur, deren Verfolgung hoffentlich zur Ermittelung des Mörders führen wird. Wir sahen voraus, daß der Untersuchungsrichter keinen Wert auf diese neue Fährte legen würde, deshalb übertrugen wir die Sache einem Kriminalbeamten, der sich nun damit beschäftigt.“ „Und wer besitzt jene Papiere?“ fragte Edgar.„Was sollen sie enthalten?“ „Auf diese Fragen haben wir selbst bisher noch keine Antwort gefunden, wir müssen uns gedulden, bis der Beamte sie gelöst hat.“„ „So will ich mit dem Manne darüber reden.“ „Das dürfen Sie nicht,“ sagte Amandus rasch,„ich habe ihm strenge Verschwiegenheit gelobt. Ich muß Sie dringend bitten, auf diese Absicht zu verzichten, im übrigen kann ich Ihnen die Versicherung geben, daß mit den) Papieren kein Mißbrauch getriebne werden soll. Der Beamte hat mir erklärt, da es seine Pflicht sei, Handlungen zu verhüten, die der Regierung Verlegenheiten bereiten könnten, so werde er nicht dulden, daß jene Papiere in den Besitz meines leidenschaftlichen Freundes gelangen, Sie dürfen also in dieser Beziehung unbesorgt sein.“ Edgar schüttelte ungläubig das Haupt, ihn beruhigte diese Zusicherung nicht.„Es wäre mir lieber, wenn Sie mir reinen Wein einschenken und den Namen des Beamten nennen wollten,“ sagte er;„ich könnte dann mit ihm selbst reden und mich über seine Absichten informieren.“ „Dringen Sie nicht weite in mich," bat Amandus,„ich fürchte ohnedies schon, Ihnen zu viel gesagt zu haben; bedenken Sie, daß es sich hier für mich um die Rettung meines unglücklichen Vaters handelt.“ „Sie dürfen auf meine Verschwiegenheit bauen. Wenn auf meinem Vater eine Schuld ruht, so ist es nur eine gerechte Forderung, daß er sie fühnen soll, aber Sie werden auch begreifen, daß ich nicht ruhig zusehen darf, wenn er öffentlich an den Pranger gestellt werden soll.“ :„Das wird nicht geschehen.“ 183.18 140 11 haben sollen bei der Witwe Fieseler aus Dortmund einen Diebstahl zu verüben. Das Gericht erachtete nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme nur den Angeklagten Bergermann für überführt, er erhielt eine Gefängnisstrafe von 7 Monaten, Fuchs wurde freigesprochen. Rennen an der Buschmühle ms. Dortmund, 18. September. Der zweite Tag des Herbstrennens an der Buschmühle zeichnete sich heute durch einen mächtigen Besuch aus. Das Wetter war ausgezeichnet, die Bahn gut, Die Rennen verliefen ohne Unfall und boten recht interessante Momente. Ueberraschungen blieben auch heute nicht aus. 1. Herbst=Jagd=Rennen. 2000 Mark Preise, wovon 1400 dem 1. 400 dem 2., 200 dem 3. Pferde. Distanz 3000 Meter.. Es waren 27 Pferde gemeldet, doch erschienen nur 5 am Start. Als 1. ging Lt. Feldts„Pax“ mit Gehrke im Sattel durchs Ziel. 2. M. Schmidt=Schröders„Macka“(Winkler). 8. M. u. M. Klönnes„Wild Girl(Franke). Ohne Platz blieben Banane und Kispisci. Tot.: Sieg 25, Platz 13, 14: 10 2. Baroper=Jagd=Rennen. 2000 Mark Preise,(1400 dem 1., 400 dem 2. und 200 dem 3. Pferde) und Ehrenpreis dem siegenden Reiter. Distanz 3500 Meter. Von 15 Pferden nahmen nur 4 die Konkurrenz auf. Den Sieg trug Hauptmann Furbachs„Ti Huny“, der von Lt. Graf Bethusy=Huck geritten wurde, davon. 2. Lt.. Frhr. v. Gises„Angelika“(Lt. v. Müller). 3. Aug. Hungers „Catherley(Lt. Schladitz). Ohne Platz mußte sich Minnersville begnügen. Tot.: Sieg 16, Platz: 13.. 23:10. 3. Becke=Jagd=Rennen. 2200 Mark Preise von denen 1700 dem 1., 300 dem 2. und 200 dem 3. Pferde.. Distanz 3400 Mark. 16 Pferde waren gemeldet, der vierte Teil stellte sich dem Starter. I. Graf Schmiesings„Leoville“(Reith) 2. de Remigis„Dollie 2“(Hoffmann), 3. Rittmeister Panses„Krispette 2“(Franke). Unplaziert: Royal Anne Tot.: Sieg 25, Platz 12, 13:10. 4. September=Preis. 3000 Mark Preise(2200 dem 1., 500 dem 2. und 300 dem 3. Pferde) und Ehrenpreis dem siegenden Reiter. Distanz 4000 Meter. 20 Pferde zählte die Agende auf, aber nur 4 erschienen in der Bahn. 1. M. und M. Klönnes„Geisenheimer“(Lt.. Freyes) 2. Graf Plettenbergs„Kingsway“(Lt. Bock=Polach) und dem Remigis„Slogiton“(Schulze=Heim). Judith 1 fand keinen Platz. Tot.: Sieg 32, Platz 14, 14und 10:10. 5. Verlosungs=Jagd=Rennen. 5000 Mark Preise, wovon dem 1. Pferde 4500, dem u. 300, dem 3. 200, Mark Distanz 3500 Meter.. Von 12 genannten Pferden stritten 7 um die Palme des Sieges. Diese trug unvermutet Lt. A. Ambros„Hogyne“ davon, die unter Winkler„Lesina“ und Sclavin“ aus dem Felde schlug. 2. F.. Volkmanas„Lesina“. (Piplies). 3. Ed. Fahrs„Sclavin“(Wulfert). Ohne Platz: Edelweiß, Jüdin, Fladuse, Suhogo. Tot.: Sieg 153; Platz 36, 14, 23:10. 6. Bolmke=Jagd=Rennen. 4000 Mark Preise. Davon 3200 Mark dem 1., 600 dem 2. und 200 dem 3. Pferde.. Distanz 3200 Meter. 26 Pferde waren angemeldet, aber nur 5 davon erschienen am Start. 1. Schulte Herbrüggens „Osterhase“(Wulfert). 2. Rittmeister Roos„Rissa“. (Liegmann). 3. P. Mecklenburgs„Reblaubs(Fran ke.) Ohne Platz: Eisenbart 1 und Blitzmädel. Tot..: Sieg 50; Platz 15, 13,:10. Am Totalisator wurden insgesamt 149000 Mark gewettet. Gewerkvereinsteil. Wien, 18. Sept. Die Südbahn hat wegen der passiven Resistenz einen Zuschlag zur regelmäßigen Lieferungsfrist von einem Tag für Eilgut und von drei Tagen für Frachtgut festgesetzt. Madrid, 18. Sept. Die letzten Nachrichten aus Barcelona berichten über eine weitere Ausdehnung des Metallarbeiterausstandes. Die Zahl der Streikenden beträgt jetzt 9000. Der Gouverneur erwartet eine Verstärkung der Polizeitruppen um 300 Gendarmen. Die deutsch=englischen Spionage=Affären. Das fort Widley, dastielm skizzierte. — Leut mant Heli — Der Engländer Vivian Brandon, oer u. 1, 2 Borkum verhaftet wurtt##h.“ Zor Fortsmouth-Borkumner Spignage. Die gerichtliche Verhandlung gegen den deutschen Pionierleutnant und angeblichen„Spion“., Siegfried Helm hat am Freitag in Farahem bei Portsmouth begonnen. Wir bringen unsern Lesern heute das Bild Leutnant Helms, dessen Asfäre sowohl von der deutschen als auch von der ernsthafteren englischen Presse nicht allzu schwer genommen wird. Die von ihm angefertigten Skizzen sollen wertlos sein. Der angebliche Spion war, als er verhaftet wurde, damit beschäftigt das Fort Widley, welches unser Bild zeigt, zeichnen; er wurde von dem Kommandanten des Forts, Hauptmann Martelli, und dem Leutnant Salmond festgenommen, Fort Widley ist, wie eine Anzahl weterer, zur Befestigung Portsmouths bestimmter Forts sind seit langem als veraltet bekannt und die Geschütze sind längst von ihnen entfernt. Sie werden nur noch als Kasernen verwendet. Außer den Plänen des unmodernen Forts Widley und anderen Festungen soll der angebliche Spion auch Hafenverteidigungspläne und die Zeichnungen von Küstenforts bei sich gehabt haben. Die britischen Zeitungen verlangen, daß die britische Regierung bei der deutschen wegen der Gefangennahme der Borkumer Spione vorstellig werde. Auf unserem Bilde ist auch der verhaftete Engländer Branden zu sehen, welcher vor nahezu vier Wochen mit seinem Landsmann French, angeblich einen englischen Marincoffizier, unter dem Verdacht der Spionage in Borkum verhaftet wurde. Brandon hatte bekanntlich einige photographische Blitzlichtaufnahmen nach den Borkumer Festungswerken hin gemacht. Ein militärischer Posten beobachtete den Fremden, während er photographierte und in den Lichtstreisen des Leutturmscheinwerfers kam. Er rief ihn an und drohte zu schießen, wenn er Miene mache, zu fliehen. Der Posten nahm den Engländer fest und dieser setzte seiner Verhaftung keinen Widerstand entgegen. Die Verdachtsmomente gegen ihn waren derart gravierend, daß man ihn nach Emden transportierte und ihn in Haft behielt. Der Verhaftete hatte auch bei Wangeroog, wo bekanntlich zurzeit ebenfalls Festungswerke errichtet werden, photographische Aufnahmen gemacht. Mit seinem Genossen French ist Brandon inzwischen nach Leipzig überführt worden, wo seine Aburteilung wegen Landesverrats in Kürze erfolgen dürfte. neue Rathaus in Dresden. Das neue Rathaus der sächsischen Hauptstadt geht nach langwierigen Arbeiten der Vollendung entgegen und wird sich nach seiner Fertigstellung würdig den vielen interessanten Bauten von Elb=Florenz anreihen. Der sehr stilvoll gehaltene achitektonisch äußerst wirksame Bau ist ein Werk des bekannten Architekten Karl Roth, der mit dem Entwurs für das neue Rathaus ein Meisterwerk geschaffen hat. Das neue Repräsentationsgebäude der sächsischen Residenz ist in einer sehr wirkungsvollen Lage der Stadt erbaut; das neue Wahrzeichen Dresdens grüßt den Beschruer schon von weitem. Berliner Brief. h.- Berlin, 18. September. Von einiger Zeit brachte ein ernsthaftes Berliner Blatt Mitteilungen über die Sinnesart des Kronprinzen, welche sicherlich von ihm selbst, oder mindestens aus seiner Umgebung inspiriert waren; darin wandte sich der Kronprinz entschieden gegen die bei uns übliche Ueberschätzung alles Fremdländischen, wie man sich sogar in der Gesellschaft darüber hinwegsetze, wenn solche Fremde nicht einmal den erforderlichen Takt besitzen. Es ist zur Genüge bekannt, daß sich diese Ueberschätzung des Fremdländischen und namentlich die Ehrfurcht vor fremden, kochklingenden Namen und Titeln erfahrene internationale Gauner zunutze machen und auf diese Weise oft recht erfolgreich operieren. Ein klassisches Beispiel hierfür biete der samose Graf de la Rammee, der jetzt zusammen mit seinem Komplizen Maxgolin in Haft gebracht worden ist. Diesem Marquis, der auch sonst allerlei auf dem Kerbholz hat, war es gelungen, das Herz einer den besten Berliner Gesellschaftskreisen angehörenden Dame zu betören und sie gegen den Willen ihrer Familie die das Vorleben dieses Helden in Erfahrung gebracht hatten, zu ehelichen. Nach allem, was sich jetzt herausstellt, scheint diese Ehe für den aus Ungarn stammenden Gauner nur den Zweck verfolgt zu haben, nicht nur durch die Mitgift die leeren Taschen zu füllen, sondern auch weitere große Schvindelmanöver auszuführen, um recht viel Geld in die Hände zu bekommen. Diese internationalen Hochstapler sind eine besonders gefährliche Klasse von Verbrechern und es ist nicht immer leicht, sie zu entlarven. Zumal die Gerupften es zuerst nicht über sich gewinnen können, gegen den angeblichen„Hohen Herrn" vorzugehen. Kommt da ein Marquis mit Dutzenden von Koffern an einem vornehmen Hotel vorgefahren, alles buckelt vor ihm, er bezieht ein teures Logis und zahlt in der ersten Zeit auch pünktlich die Micte, da er irgendwo einen erfolgreichen Beutezug unternahm. Wird das Geld nachher knapp, so kreditiert man ihm gutwillig, auch die Geschäftswelt hat Respekt vor dem großen Namen, zumal es dem Betrüger meist leicht gelungen ist, in der ersten Gesellschaft Eingang zu sinden. Plötzlich verschwindet er, wie er gekommen, und nun erhebt sich großes Wehklagen der leichtgläubigen Hereingefallenen. Viele Verluste erfährt die Oeffentlichkeit über haupt nicht, weil, manche sich scheuen, zu bekennen, hereingefallen zu sein uno zu dieser Spezies gehören besonders Damen, der besseren Kreise. die sich nicht gescheut haben, mit einem solchen Abenteuer sich in einen Flirt einzulassen. Gerade in letzterer Beziehung bietet Berlin einen sehr günstigen Boden und die Chronique scandaleuse der Reichshauptstadt hat eine ganze Reihe von derartigen Fällen aufzuweisen; hat doch erst vor einigen Monaten eine angesehene Tame aus Berlin W., wo man für exotische Fürsten Grafen und Barone empfänglich ist, Selbstmord begangen, als sie erfuhr, an wen sie sich weggeworfen hatte. Es ist jetzt jetzt sehr viel von der militärischen Erziehung der Jugend die Rede, wobei man auf das Beispiel anderer Länder hinweist, namentlich auf die guten Erfahrungen, welche man mit dem aus der heranwachsenden Jugend bestehenden Späher ohr in England gemacht hat. Man wünscht ähnliche Einrichtungen auch in Deutschland und hat damit vollkommen recht, denn über einige Versuche die vorwiegend spielerischen Charakter hatten, ist man nicht hinweggekommen. Man hat zwar in Berlin und einigen anderen Orten eine sogenannte Jugendwehr, die sich aber in der Hauptsache mit Exerzieren und Turnen beschäftigt, ohne auf die sonstigen militärischen Dienstzweige vorzubereiten und sich sonst in Aeußerlichkeiten ergeht. Hier hat vor einiger Zeit die Berliner Turngemeinde eingegriffen und einen Teil der Zöglinge, welche hierfür Neigung zeigten auch in weiteren militärischen Disziplinen einigermaßen ausgebildet. Ein kürzlich in Grunewald stattgehabtes„Kriegsspiel“ wies Leistungen auf, die auch vor dem Auge eines ernsten Prüfers bestehen konnten, namentlich auf dem Gebiete der Rekognoszierung. Und es war eine Freude, zu sehen, mit welcher Lust und Liebe die Jungen dabei waren. Das hier gegebene Beispiel verdient allenthalben Nachahmung, man würde mit einer derartigen Einrichtung sicherlich nicht schlechtere Erfolge erzielen, als die Engländer, die uns doch sonst in militärischer Hinsicht bei weitem überlegen sind. Allmählich rücken die Bühnen, nachdem das bisherige Repertoire zur Genüge heruntergespielt wurde, mit ihren Neuheiten heran, und zwar ist es bezeichnenderweise das heitere Genre, welches sich beeilt, Vor allem das Residenztheater, welches mit einem neuen Schlager herauskam, der für Monate, vielleicht für die ganze Saison aller Repertoiresorgen enthebt. Man gibt dort einen jener bekannten französischen Schwänke CUAKER OATS kostet nicht mehr als minderwertige Marken. Di. Auskunktei W. Schimmelpteug kaufmännische Auskünfte, weist zuverlässige Agenten nach, besorgt die Auswahl leistungsfähiger Bezugsquellen über die ganze Welt Sie unterhält eigene Bureaux in etwa 100 Städten des In- und Auslandes und steht in Verbindung mit The Bradstreet Comnanv in New York mit 130 Niederlassungen in Nordamerika und Australien. Bureaux für Westfalen: Bochum. Bahnhofst. 30 a, Dortmund, Hoherwall 34, Hageni. W. Südstr. 7, ist durchaus nicht einerlei was Sie zum Wichsen Ihrer Schuhe benützen. 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An einer anderen Bühne würde die Tollheit vielleicht wenig wirken oder gar nicht, bei den Künstlern des Residenztheaters, allen voran Richard Alexander, wird aber in einem solchen Tempo gespielt, daß der Verstand gar nicht zur Besinnung kommt. Und man lacht, und lacht und lacht. — auf literarische Schätzung macht ja das Theater auch keinen Anspruch— zahmer ging es dagegen im Neuen Schauspielhaus zu, wo es sich auch um eine Ehekomödie handelte. Hier ist es kein kranzösischer sondern ein englischer Autor, der uns einige humorvolle Szenen vorsetzt unter dem Titel„Wenn kommst du wieder?“ Das Stück könnte man vielleicht nennen:„Des Widerspenstigen Zähmung". Es handelt sich um einen jungen treulosen Ehemann, der allerlei Seitensprünge macht, von seiner Ehegesponsin aber wieder auf den richtigen Weg geführt wird, indem sie den Treulosen dadurch kuriert, daß sie kostspielige Schneiderrechnungen macht, sodaß der allerlei argwöhnende Ehemann es schließlich vorzieht bei seinem hübschen Weibchen zu bleiben. onogu,Wi .*-*„„ A„ ü* 0— W FnSEsSSS SESESSSGSSESES — □ □ — ESESE SEETNNE 1 B SGEESES C T G n n F 80• B.— * n.* gu— n 2.n 2 5 5 „„*** 2. Hm— Sie find der Staatsanwalt?“ „Hier sind meine Papiere.“ „Gut, die wollen wir nachher ansehen. Erst müssen wir das Boot halten lassen, damit wir nicht vorbeilaufen,“— und ohne weiter ein Wort zu sagen, sprang er hinauf auf das Hurricane=Deck, um dem dort in seinem Pilothause stehenden Lotsen den Befehl zum Anlegen zu geben. Der fluchte allerdings nicht schlecht, denn er war in der dunklen Nacht froh gewesen, daß er sein ziemlich großes Boot frei hatte, aber wenn die Polizei einem entflohenen Verbrecher nachsetzte, durfte er sich eben nicht weigern. Die Signalglocke für den Ingenieur wurde gegeben, und gleich darauf neigte sich der Bug etwas nachrechts, während die wieder angeschlagene Glocke das Zeichen gab, daß die Leute am oberen Boot beistehen sollten, um die Taue aufzufangen. „Ihre Papiere jetzt, mein Herr!“ sagte der Kapitän, als sie durch die vordere Kajüte gingen, wo helle Lampen brannten. Er brauchte auch nicht lange, um sich zu überzeugen, daß der Beamte in seinem Recht war. Er kannte derartige Dokumentte gut genug, denn etwas Aehnliches fiel auf den MississigpiDampfern gar nicht etwa selten vor, und der Ausführung des Verhaftsbefehls stand jetzt weiter nichts im Wege, als die Auffindung des Verbrechers unter den Passagieren, wers vielleicht einige Schwierigkeiten gehabt hätte, wenn der Polizeibeamte unten weniger auf seinem Posten gewesen wäre. „Mr. Smith!“ rief Owens mit lauter Stimme, als sie das Zwischendeck erreichten. „Hier, Sir!“ antwortete der Mann ebenso.—„Bitte, bemühen Sie sich hierher!“ „Haben Sie ihn?“ „Ja— hier liegt der Gentleman unter der Decke; er hat sich gleich aus dem Weg gedrückt, und ich bin nur neben ihm stehen geblieben.“ „Sehr gut, Smith.— Mr. Scissors, dürfte ich Sie vielleicht ersuchen, aufzustehen? Sie müssen da sehr unbequem liegen.“ — Keine Antwort.—„Mr. Scissors, Sie wollen uns doch nicht in die unangenehme Notwendigkeit versetzen, Gewalt zu brauchen— Sie sind mein Gefangener— bitte, kommen Sie ruhig mit. Das Verstecken=Spielen hilft Ihnen doch nichts nehrr.“ „Das ist mein gewöhnliches Pech,“ brummte Scissors, während er die Decke abwarf und einen dichtgedrängten Kreis von Menschen um sich her erblickte. „Sind Sie bereit, gutwillig mitzugehen?“ — Ja,“ sagte Scissors—„ich sehe keinen anderen Ausweg, möchte aber in der Tat wissen, wer Ihnen das Recht—“ „Bst,“ unterbrach ihn der Staatsanwalt freundlich—„wir arrangieren das alles an Land, denn wir dürfen die Herrschaften hier nicht in ihrer Reise aufhalten. Wären Sie wohl so freundlich, Gentlemen, uns ein klein wenig Raum zu geben?“ „Jawohl, Squire,“ riefen die Leute bereitwilligst—„war nur gut, daß Sie den Vogel noch erwischt haben; die kommen doch nur auf die Boote um zu stehlen. Sollten ihm eigentlich erst ein paar Eimer Wasser über den Kopf gießen— oder ihn einmal an einem Tau unterducken.— Eine Tracht Prügel würde ihm keinenfalls schaden.“ Aehnliche Ausrufe wurden von verschiedenen Seiten laut, und Scissors merkte bald, daß es für ihn weit besser sei, rasch zu folgen, als sich hier noch größeren Unannehmlichkeiten auszusetzen. „Mr. Owens, lassen Sie uns an Land. Ich werde Sie begleiten.“ „Sehr freundlich von Ihnen— gute Nacht, Kapitän— besten Dank.“ „Ich denke, wir haben uns gegenseitig einen Dienst geleistet,“ rief der Kapitän des Dampfers—„werft die Taue da draußen wieder los. Go ahead!“ Dicht am Zwischendeck lag das Boot am Warft boat— sie befanden sich mit wenigen Schritten auf demselben und stiegen dann schweigend eine Strecke lang die Uferbank hinauf während der Dampfer schon wieder gewendet hatte und stromab ∆419. „Und was wollen Sie jetzt mit mir beginnen, Mr. Owens? Ist das eine Ursache, um einen Mann ins Gefängnis zu werfen?“ „Vorderhand ist von einem Gefängnis noch gar keine Rede, Mr. Scissors,“ sagte der Staatsanwalt artig,“„denn Sie können sich wohl denken, daß mir selber daran liegt, die Sache, meiner künftigen Verwandschaft wegen auf privatem Wege zu ordnen.“ 5 „Dann hecktten Sie aber kein Recht, mich offiziell gefangen zu nehmen.“ „Dafür können Sie mir nur dankbar sein, und es steht Ihnen übe rdies später frei, sich deshalb über mich zu beklagen. Vorderhaund wollen wir einen etwas späten Besuch bei Miß Croß albstatten.“ „Jetzt noch?— Heute abend?" rief Scissors erschreckt. „Die Zeit drängt; ich habe aber schon eben einen kleinen Jungen vorangeschickt, der uns anmeldet, und darf auch wolhl mit Recht vermuten, daß Sie die ganze— Ausstattung bez sich tragen?“ „Scissors schwieg— endlich sagte er:„Und was verlangen Sie von mir?“ „Wir besprechen das oben; gedulden Sie sich nur ein klein wenig. Ich denke, wir lösen die Sache zu allseitiger Zufriedenheit.“ Schluß folgt. 3 Allerlei 3 Blumenkohl zu kochen. Nicht immer ist es leicht, das richtige Garsein des Blumenkohl abzupassen, ich probierte folgendes aus: Ich putze die festen, weißen Köpfe von allen Blättchen rein, schneide den Stiel ab, koche ihn jedoch, soweit er zart ist, mit. Salzwasser wird in breitem irdenem Topf kochend gemacht; wenn es kocht, die Blumenköpfe hineingelegt, so daß das Stielende nach oben kommt. Ist dasselbe so weiu,, daß es sich niederdrücken läßt, so rücke ich den Topf vom Feuer und lasse ihn bis zum Anrichten an der Seite des Herdes stehen. Ich nehme die Köpfe mir einer flachen Schaumkelle behutsam heraus, lasse abtropfnen und drehe erst beim Legen leicht die Schaumkelle, so daß die Blume nach oben kommt. Dann wird der holländische Beiguß oder braune Butter darüber gegeben. Zu Avfelmarmelade nimmt man Borsdorfer oder Renetten, vielleicht auch beide Arten zusammen, schält, entfernt und zerschneidet sie, legt sie in eine Emaillekasserole, gießt etwas Wasser darüber, daß sie eben bedeckt sind, kocht sie unter Umrühren zu Brei und treibt die Masse durch ein Sieb. Nun wiegt man den erhaltenen Brei, auf jedes Pfund Brei rechnet man auch 1 Pfund Hutzucker, den man mit etwas Wasser zu Sirup kocht, dann fügt man die Apfelmasse dazu, verkocht beides noch ungefähr ½ Stunde, füllt die Marmelade in Büchsen oder Gläser und läßt sie erkalten. Schutz gegen das Durchstoßen von Herrenveinkleidern. Durch die ständige Reibung des Schuhzeuges mit dem unteren Stoffrande der Beinkleider werden diese, besonders bei lebhaften Menschen, welche die Füße nicht ruhig halten können, unten sehr bald durchgestoßen, müssen gekürzt werden und machen dann sofort einen abgetragenen Eindruck. Einen leichten und einfachen Schutz gegen dieses Durchscheuern gibt die Anbringung von Plüsch= oder Velourborte, wie sie ja auch an den Damen=Kleiderröcken getragen wird, doch darf diese Borte bei den Herrenbeinkleidern natürlich nicht sichtbar sein. Man nimmt die Borte möglichst genau in der Farbe des Hosenstoffes und näht sie unten mit Hexenstichen von innen an, und zwar gleichlaufend mit dem unteren Ende des Beinkleides, so daß sie außen nicht zu sehen ist. Zu beachten ist, daß man die Schutzborte nicht nahe den Plüschfäden annähen, sondern am festen Ende auf die angegebene Weise befestigen muß. Eichene Möbel, in denen sich Fettflecke zeigen, wäscht man mit warmem Bier. Um ihnen Glanz zu geben, kocht man etwas Wachs und Zucker in Bier und trägt die Mischung mit einer Bürste auf; wenn sie trocken ist, reibt man die Möbel mit einem wollenen Lappen ab. Kleidersäume von hellen Kleidern reinigt man, indem man sie mit Brot abreibt. Dunkle Kleidersäume bürstet man mit dünnem Kaffee, den man mit Regenwasser aufgekont hat. 0-NEns = B 7—.—*5 — 9 SS51 —.G 0 25 8 Fe*. 5 D— 407 u 2— 0 —. M* # 0 5— 9 X 00 02 ** □. 6 F 32 0* —— Eine Mutter. Roman von Friedrich Gerstäcker. (Nachdruck verboten.) So verkehrten sie denn, wenn auch nicht so rasch, doch eben so häufig durch den kleinen Vorsaal mit einander, der draußen auf die Treppe ausmündete und dadurch dem Tabaksrauch einen freien Abzug gab, ohne in das Zimmer der Schwester zu dringen. Nach einem stillschweigenden Uebereinkommen betrat er deshalb auch nie das Nachbarzimmer mit seiner Pfeife— wenigstens nie, wenn die Fenster geschlossen waren. An warmen Sommertagen, wenn diese weit geöffnet standen, kam er aber doch auch manchmal einen Moment„als Schornstein“ hinüber, blies den Qualm ein paar Minuten dort in's Freie hinaus und kehrte dann in sein„Rauchnest" zurück— oftmals ohne auch nur eine einzige Silbe ge.sprochen zu haben. Heute Morgen war er in besonders schlechter Laune, denn die zahlreichen Musikbanden, von denen manchmal zwei zu gleicher Zeit verschiedene Melodien unter seinem Fenster bliesen, hatten jedes Memorieren unmöglich gemacht. Was half es ihm, daß er die Fenster fest verschlossen hielt und die Rouleaur selbst herunterließ, um so wenig als möglich von dem Treiben da unten zu hören und zu sehen! Die schrillen Töne drangen doch hindurch und der Tabaksqualm wurde zuletzt so dicht und rag, daß er es selber nicht mehr darin aushalten konnte. Mit einem halb verbissenen Fluche zog er die Rouleaux wieder in die Höhe, stieß die Fensterflügel auf und ging dann, sein Zimmer auch durch die geöffnete Tür lüftend, einen Augenblick zu seiner Schwester hinüber, wo er an eins der weitgeöffneten Fenster trat. „Du kannst wohl heute bei dem Lärm nicht arbeiten, Onkel?“ fragte ihn das junge Mädchen, das in einfach bürgerlicher, fast etwas dürftiger Tracht an einem kleinen Tisch am Fenster saß und künstliche Blumen zusammenstellte. Sie sah ihm wohl an, daß er mürrisch und verdrießlich war, konnte aber in solchen Fällen noch immer am besten mit ihm auskommen. „Arbeiten“, knurrte Pfeffer an seiner Pfeifenspitze vorbei und schoß erst eine Anzahl von Rauchringeln in die blaue, sonnige Luft hinaus—„arbeiten, bei dem Skandal? Es ist ordentlich, als ob sie Einem das Gehirn auseinander trieben. Das halte ich auch nicht länger aus. Gott straf' mich, morgen kündige ich das verwünschte Logis und ziehe an's andere Ende der Stadt! Lieber doch oben auf einem Turm und eine Meile vom Theater wohnen, als hier in diesem Sodom und Gomorrha!“ Henriette lächelte leise vor sich hin, denn den nämlichen Entschluß faßte der Onkel an jedem solchen Markt, hütet sich aber wohl, ihn je auszuführen; denn die Wohnung lag ihm selber viel zu bequem und nahe beim Theater, um sie leichtsinnig aufzugeben. Er war eben verdrießlich heute und da mußte man ihn austoben lassen zer wurde auch schon von selber wieder gut. Jetzt freilich leuchtete sein Gesicht wie eine Wetterwolke mit seinen finster zusammengezogenen Brauen, die Stirn in tiefen Falten und einen Ausdruck in den Zügen, als ob er die Welt hätte vergiften können. Da plötzlich, als ob eine Garbe von Leuchtkugeln die dunkle Nacht erhellt, nahm er die Pfeife aus dem Munde— ger sein Gesicht strahlte von Freundlichkeit, und mit einer tiefen Verbeugung und dem verbindlichsten Lächeln vom Fenster aus Jemanden grüßend, der gerade unten vorbeiging, sagte er mit seiner wohlwollendsten Miene: Daß Du den Hals brächest, Du verdammter schiefbeinier Halunke Du— Du Leuteschinder— empfehle mich hnen gehorsamst!“ „Wer geht denn da vorbei?“ sagte seine Schwester, eine Frau vielleicht hoch in den Dreißigern, aber ein liebes, freundliches, matronenhaftes Wesen, die leidend schien und auf dem Sopha lag. „Der Herr Direktor,“ lächelte Henriette. „Wie der Schuft die Beine spreizt,“ sagte Pfeffer, der wieder seine alte, finstere Miene angenommen hatte, sobald der Direktor von unten nicht mehr heraufsah— „breitspuriger Musenkutscher— grüßt auch noch, der Heuchler! „Ach, Onkel, sieh nur, was da für reizende Kinder in der Equipage sitzen!“ rief Henriette, die von ihrer Arbeit aufgeblickt, während Pfeffer noch immer giftig seinem Vorgesetzten oder Chef nachschaute.„Tus sind gewiß Fremde, denn ich erinnere mich nicht, sie schon hier gesehen zu haben.“ Unten vor dem Fenster fuhr in diesem Augenblick ganz langsam, da die Pferde in dem Menschengewühl nur im Schritt gehen konnten, eine leicte, sehr elegante Equipage vorüber. Ein Kutscher in Li##ee führte sie, und im Fond derselben saßen ein Herr und eine Dame in Reisekleidern, während auf dem Rücksitz ein junges Mädchen— wahrscheinlich die Bonne— die größte Mühe hatte, zwei allerliebste Kinder, einen Knaben von etwa vier ein kleines Mädchen von vielleicht drittehalb Jahren, ruhig auf ihren Sitzen zu halten. Und es schien in der Tat kein kleines Stück Arbeit, denn das lebendige Pärchen entdeckte in der neuen, regen Umgebung eine solche Menge von Merkwürdigkeiten, daß sie mit den kurzen Aermchen nur immer da= und dorthin deuteten und Vater und Mutter das gerade bemerkte auf frischer Tat auch zeigen, ja, am liebsten hinaus und näher hinan wollten. Die Eltern aber, die dem sie umwogenden Treiben kaum einen Blick schenkten, lächelten über die fröhlische Unruhe der Kinder und mußten nur selber mit beschwichtigen und ermahnen helfen, um ihren unruhigen Eiser zu zügeln. „Ja, das sind Fremde,“ sagte Pfeffer, der einen mürrischen Blick nach der bezeichneten Richtung hinunterwarf;„es wimmelt ja von denen jetzt in Haßburg— vornehmes Pack— hochnasige Gesellschaft— was kümmern die uns!“ „Was das für eine reizende Frau ist und was für wundervolle Haare sie hat!“ fuhr Jettchen fort. „Ja, wie Deine Tante, Fräulein Bassini— ein echter Goldfuchs— wie nur ein Mensch an roten Haaren Freude finden kann.“ „Aber sie sind doch nicht rot, Onkel— es ist das herrlichste Goldblond, das ich in meinem ganzen Leben gesehen habe.“ — S B•NS I E.* S• B 8 m n K*——— 0ST• S 00 ** S E W•g # 881 ü 3• S 10•8 —* *** +—— * □ „SESORE ScOSE5RER — B B" PESS E 1* □ □S1E er* X— 2 □ „Goldblond“, brummte Pfeffer verächtlich vor sich hin—„Rotfuchs“— was Du einen Begriff von goldblond hast. „Du bist einmal verdrießlich heute, Onkel,“ lächelte Henriette,„und in der Stimmung hättest Du selbst am Himmelsblau was auszusetzen.“ „Hätte ich?“ brummte Pfeffer und qualmte stärker— „was die Jungfer Naseweis nicht alles bemerkt.— Das da unten sind auch ein paar goldblonde Pferde, nicht wahr?“ „Das ist die Equipage des reichen Monford,“ sagte Jettchen, die wieder einen Blick hinausgeworfen hatte, aber zugleich auch, verlegen errötend, ohne daß der Onkel jedoch etwas davon bemerkte, nach unten irgend Jemanden dankend grüßte. „Die wälzen sich ordentlich in Gold,“ sagte Pfeffer —„Herr Gott, ist das nun Gerechtigkeit? Das Volk weiß nicht, wie es die Tausende, nur um sie los zu werden, zum Fenster hinauswerfen soll und bei uns langt's manchmal knapp zu Kartoffeln und Heringen!“ „Und wer weiß, ob sie so glücklich sind, wie wir!“ „Glücklich— was sollte denen an ihrem Glück fehlen? Alles, was sich ein Mensch nur möglicher Weise wünschen kann, wenn er recht unverschämt ist, haben sie: eine große, reiche Familie, Sohn und Tochter, gesund und vornehm — bah, geh mir mit den Redensarten, die sich recht hübsch von der Kanzel herunter oder auf dem Theater ausnehmen:„Reichtum macht nicht glücklich“— aber im wirklichen Leben— alle Teufel," unterbrach er sich plötzlich und nahm rasch die Pfeife aus dem Mund, „schnüffelt da unten nicht schon wieder unser siebenundzwanzigster Liebhaber, unser Herr Rebe mit seinem klassischen Vornamen herum? Horatius Rebe— Horatius Cocles— jedenfalls Geschwisterkind mit einander— daß Dich die Milz sticht!“ „Aber, bester Onkel,“ lächelte Henriette, dabei doch etwas verlegen und jedenfalls mehr errötend, als eigentlich nötig gewesen wäre—„was kann denn ein Mensch für seinen Vornamen? Er hat ihn sich doch nicht selber gegeben.“ „Unsinn, selber gegeben— natürlich hat er ihn sich nicht selber gegeben, sondern irgend ein eben so verrückter Pate; aber kann ihn doch zum Teufel werfen, so wie er nur einmal so viel Verstand hat, um eine Nachtmütze von einer Lichtscheere zu unterscheiden!“ rief der Onkel, der heute wirklich entschlossen schien, sich über alles zu ärgern.—„Horatius— Horatius! Jeder anständige Mensch auf der Welt hat doch wenigstens zwei oder drei verschiedene Vornamen, von denen er berechtigt ist, sich den auszuwählen, der ihm am besten gefällt. Warum tut er das nicht auch?— aber denkt gar nicht dran. Wahrscheinlich ist er auch noch stolz auf seinen Horatius; daß dich der Henker hole— ich wollte Dich behoratiussen, wenn Du mein Sohn wärest!“ „Aber, Onkelchen,“ lachte Henriette still vor sich hin,„wenn Dir nun seine anderen Namen auch nicht besser gefielen, wie der da?“ „Ach, Schnack,“ rief Pfeffer auf, der, während er sprach, den jungen Menschen nicht aus den Augen gelassen hatte,„da kommt er schon wieder auf's Haus zu! Jettchen, Jettchen, ich will Dir was sagen— ich fange an Verdacht zu schöpfen, daß sich der junge Springinsfeld die Schuhsohlen hier nicht umsonst alle Tage vor dem Fenster abläuft— ich hätte Dich für vernünftiger gehalten.“ „Aber Onkel!“ „Die Posse laß Tir vergehen,“ fuhr Pfeffer fort; „Du hast nichts, als was Du Dir mit Deiner Hände Arbeit sauer genug verdienst, und er hat gar nichts, als seine „Liebe zur Kunst“, wie er es hochpoetisch nennt, und die ihn bis jetzt nicht viel höher gebracht hat, als Stühle heraus zu tragen und höchstens einmal einen Ritter anzumelden! Darin paßt Ihr nun allerdings zu einander, daß Ihr beide nichts habt, aber das Ende vom Liede wäre auch, daß Ihr Euch beide unglücklich machtet und Euer Leben verdürbet!" Fortsetzung folgt. Die Privat=Lotterie. Von Friedrich Gerstäcker. (Nachdruck verboten.) „Ich habe mir etwas Aehnliches gedacht,“ nickte Chalker, als du da drinnen so außerordentlich splendid mit deinen Einladungen warst. Aber wohin willst du?“ „Vuy, ganz einerlei!“ rief Scissors mit einer fast unheimlichen Gleichgültigkeit aus—„auf dem ersten Boot, ob das nach Norden oder Süden fährt, und dann laß ich mich irgendwo im Wald, und zwar in einem anderen Staat, in irgend einer Blockhütte an Land setzen, bis sie meine Spur verloren haben. Lieber von den Moskitos bei lebendigem Leibe gefressen werden, als einer solchen Frau für Lebensdauer anzugehören.“ „Und wenn sie dich erwischen?“ „Bah, heute haben sie noch keinen Verdacht! Zuerst warten sie auf die Unterredung mit dem Scheusal— meiner zukünftigen Frau; nachher wäre es vielleicht nicht mehr gut möglich.“ „Aber wenn die Nacht kein Boot mehr anlegt?“ „Es ist nicht gut denkbar, denn es vergeht kaum eine im ganzen Jahr, wo nicht nach der oder jener Richtung hin Gelegenheit sich bietet— aber selbst in dem Fall stehle ich mir im Wolfriver ein Boot oder Kanoe und treibe damit stromab, soweit ich komme. Hier hilft nichts— es geht mir an den Kragen.“ „Und die zehntausend Dollars?“ „Nehme ich mit,“ sagte Scissors resigniert.„Ich betrüge meine Braut schon, indem ich ihr die Hälfte des Gewinnes, mich selbst, entführe. Da aber diese Hälfte ohne die andere nicht den geringsten Wert für mich hat, so bin ich mir selbst der Nächste. Geschrei wird ohnedies genug werden, also kommt's auf ein bißchen mehr oder weniger nicht an. Uebrigens ist es mir lieber, sie nennen mich einen Gauner als einen Esel, denn das letztere täten sie gewiß, wenn ich das Kapital zurückließe— und ein Esel bin ich wahrhaftig nicht.“ Chalker lachte.—„Also, wenn du die Nichte bekommen hättest, wärst du nicht davongelaufen?“ „Ich wäre der glücklichste Mensch auf der Welt geworden.“ „Erwischen sie dich aber unterwegs, so kommst du in Teufels Küche, denn der Staatsanwalt kann das recht gut als gemeinen Diebstahl hinstellen, und nachher blüht dir das Zuchthaus.“ „Bah, sie erwischen mich nicht, sei unbesorgt!“ rief Scissors zuversichtlich.„Uebrigens habe ich mir auch einen Plan ausgedacht, um sie, sollte ich wirklich heute abend bewacht werden, vollkommen irre zu führen, und der muß glücken, wenn du mich dabei unterstützest.“ „Und worin besteht der?“ „Ich habe ihnen gesagt, daß ich entsetzlich viel zu arbeiten hätte, sie werden also heute abend an meiner Offizin vigilieren, ob ich zu Hause bin. Die Laden lasse ich deshalb geöffnet, und durch die Vorhänge kann man eine Person in der Stube nur ganz undeutlich erkennen. Ein Dampfboot hören wir aber hier oben auf dem Bluff auf sechs, sieben Meilen Entfernung— kommt also eins, so nimmst du meinen Platz am Schreibtisch ein, und revidiert in der Zeit irgend jemand mein Logis von außen— denn in der Nacht wagt natürlich niemand, mich zu belästigen, so braucht er nur einen Blick durchs Fenster zu werfen, um sich zu überzeugen, daß ich noch wirklich an der Arbeit bin.“ „So— nicht übel!“ rief Chalker,„und gegen wen bricht nachher der Ingrimm aus, wenn sie herausbekommen, daß du ihnen durchgegangen bist?“ „Toch wahrhaftig nicht gegen dich? Du spielst ebenfalls nachher den böswillig Hintergangenen, schimpfst auf mich, soviel es dir beliebt, und vertraust ihnen, daß du nach Andeutungen; die ich unvorsichtigerweise gegen dich gemacht, den Verdacht geschöpft hättest, ich wolle nach Newyork, um mich von dort nach England einzuschiffen. Nach Newyork komme ich gewiß nicht, und nach dorthin mögen sie nachher ihre Spürhunde senden, soviel ihnen beliebt: mich fangen sie nicht.“ „Und wie willst du das Geld forttransportieren?“ „Ich habe es schon lange in Gold und Wertpapiere umgesetzt, mache dir deshalb keine Sorgen. Du willigst ein?“ 105 65 B 9 ES *. E. 25 S•— □□ *" 0• S G— 122 — □ 2 60 15"——— SOSEE □ à P Ur BO UEEUT 0 UZDG S 22 P 9 S „ O= # 5 2#3 „Ich will dir etwas sagen, Tom,“ erwiderte Chalker— „die Sache gibt jedenfalls einen höchst interessanten und pikanten Artikel für meine Zeitung, wie sie auch abläuft, und ich gehe deshalb auf deinen Vorschlag ein, werde auch nach deiner Abreise noch ein paar Tage in Memphis bleiben, um deine Wirkung zu beobachten, die deine Flucht auf das Publikum hervorbringt.“ „Aber du nennst doch in deiner Skizze nachher keinen Namen?“ „Gewissenhaft alle,“ versicherte Chalker mit der ernsthaftesten Miene von der Welt—„nicht um irgend etwas ließ ich mir das entgehen, denn es ist ja eben die Würze des Ganzen.— Und was schadet dir es?“ „Du hast recht,“ nickte Scissors,„aber nun auch fort, damit wir die nötigen Vorbereitungen treffen können.“ Tom Scissors hatte nicht zuviel gesagt, wenn er dem Freund versicherte, daß er ziemlich genau wisse, was er zu tun und zu lassen habe, um einer ihm lästig werdenden Verpflichtung aus dem Wege zu gehen, und da Chalker alles, was er zu tun beabsichtigte, nur vollkommen natürlich fand und an Scissors' Stelle wahrscheinlich genau ebenso gehandelt haben würde, so machte er sich auch kein Gewissen daraus, ihn nach Kräften bei der Ausführung zu unterstützen. Das Böse dabei war nur die Sache, daß sie es hier nicht mit den gewöhnlichen, oft sehr lässigen Gerichten, sondern mit einer älteren Dame zu tun hatten, die sich vollkommen klar bewußt war, daß sie für ewige Zeit in Memphis als Ziel erbarmungslosen Spottes dienen würde, wenn sie sich eben überlisten ließ, und daß ihr zukünftiger Gatte etwas derartiges beabsichtigte, daran zweiselte sie— von dem Moment an, wo sie ihn gesprochen— keinen Augenblick.— Mary ebenfalls nicht. Owens aber, der Staatsanwalt, der sie gegen Abend besuchte und dem die ganze Sache natürlich ungemein fatal war, weil seine zukünftige Verwandte dadurch kompromittiert wurde— hatte eine lange und sehr ernste Unterredung mit der Tante, bei welcher diese allerdings einige Tränen vergoß, aber doch in der Hauptsache ihm zugestimmt zu haben schien. Er verließ wenigstens das Haus sehr befriedigt und schritt direkt nach dem Polizeigebäude hinüber. Scissors war in der Zeit nicht müßig, sondern ging scharf daran, um alle nötigen Vorbereitungen zu einer größeren Reise zu treffen, ohne sich dabei auch nur mit einem einzigen unnötigen Stück zu belästigen. Er hatte Geld. das war die Hauptsache; das wenige, was er an Wäsche und Kleidern brauchen würde, konnte er sich überall kaufen, und er durfte schon gar kein größeres Gepäckstück an die Landung hinunterschaffen lassen, weil das jedenfalls Verdacht erregt und die Aufmerksamkeit möglicher Lauscher unmittelbar auf ihn gelenkt hätte. Sip, der Negerbursche, stand indessen draußen am Bluff oder trieb sich in der Nachbarschaft herum, damit er ein etwa unterwegs befindliches Dampfboot augenblicklich signalisieren konnte, und der Junge hatte ein Ohr wie ein Maulwurf. Indessen war in Scissors Haus alles vorbereitet worden, um die nötige Täuschung zu erreichen, und wie es nur dunkel genug wurde, um Licht anzuzünden, saß Scissors selber an seinem Pult(während Chalker daneben hinter einer spanischen Wand lag) und schrieb, den Rücken dem Fenster zugedreht, sehr eifrig oder schlug verschiedene um ihn her liegende Bücher auf. Viel rascher, als er gedacht, sollte er aber von dieser gezwungenen Beschäftigung erlöst werden, denn es konnte kaum acht Uhr sein, als Sip ins Zimmer glitt und hastig flüsterte:„Massa, ein Boot! Schnell!“ „Woher?“ rief dieser aufspringend. „Von oben— da braucht's nicht so lange Zeit, um hier zu sein.“ „Gut, mein Junge,— du hast deine Sache brav gemacht. Da sind die versprochenen zehn Dollars für dich.— Chalker, alter Freund, leb' wohl! Ist die Straße rein, Sip?“ „Kein Mensch draußen, Massa—“ „Sieh noch einmal nach— es darf mich niemand hinausgehen sehen.“ Der Neger kam augenblicklich mit der beruhigenden Versicherung zurück, die Straße läge vollständig öde und tot. „So nimm du meinen Platz ein, Chalker.“ „Gewiß— du kannst dich darauf verlassen," erwiderte Sicssors, war aber im stillen fest entschlossen, etwas derartig Albernes gewiß nie im Leben auszuführen—„und nun nochmals leb wohl! Tausend Dank für deine Freundschaft; vielleicht bin ich einmal imstande, dir, was du mir jetzt tust, zu vergelten.“ „Mach', daß du fortkommst,“ sagte Chalker,„und versäume die Zeit nicht mit Redensarten— ich will schon, sehen, daß ich durchkomme. Was weiß ich von der ganzen Geschichte, und was können sie mir mir anhaben? Apropos, Scissors, durch den langen Aufenthalt hier ist aber meine Kasse sehr in Anspruch genommen worden; ich besitze nicht einmal mehr genug zur Rückreise. Kannst du mir vielleicht fünfzig Dollars borgen?“ Scissors hatte sich eigentlich gewundert, daß diese Anforderung nicht schon früher an ihn gestellt worden: sie war zu natürlich, und er selber auch schon darauf vorbereitet, schien sich nur nicht selber befugt gehalten zu haben, um davon anzufangen. „Da, alter Freund,“ sagte er, indem er in die Tasche griff und zehn halbe Adler herausnahm—„die hast du dir redlich verdient. Von Borgen wollen wir auch gar nicht reden; ich bekäme sie ohnedies nicht wieder— gebrauch' sie gesund, und gedenk' manchmal freundlich meiner.“ „Da oben kommen Leute die Straße herunter," rief Sip, der draußen aufgepaßt hatte und eben wieder in die Tür sprang. „Na, dann good bye,“ rief Scissors, nicht gewillt, diese abzuwarten, und dem Freund nur noch einmal die Hand drückend, glitt er über die dunkle Straße hinüber, drüben in eine Seitengasse, und eilte dann, so rasch ihn seine Füße trugen, den Bluff hinab. Allerdings traf er hier einige Leute, die teils von den Werftbooten zur Stadt hinaufstiegen, aber der Mond schien nicht, der Himmel war überdies bezogen, und die Luft so dunkel, daß man kaum den etwas helleren Weg unterscheiden konnte, auf dem man hinschritt. Da brauchte er mut zu fürchten, von irgend jemanden erkannt zu werden, und erreichte auch das untere Werftboot, an welchem die stromab kommenden Boote gewöhnlich anlegten, ohne Zwischenfall. Der Dampfer war indes rasch näher gekommen, da ihm die ziemlich starke Strömung bedeutend forthalf. Schon be#chrieb er im Fluß draußen einen Bogen, um von unten her an zu diesem Zweck befestigten Boot anzulegen. Scissors war aber nicht leichtsinnig genug, sich jetzt schon hinabzuwagen, denn der Böse konnte sein Spiel haben und ihm auf dem beleuchteten Fahrzeug einen Bekannten entgegenführen. Er blieb deshalb im Schatten unter dem Bluff geduldig stehen, bis der fremde Dampfer fest angelegt und, was er löschen wollte, gelöscht, wie auch seine Passagiere an Land gesetzt und andere von Memphis aus an Bord genommen hatte. Jetzt tönte die Glocke wieder, das Zeichen zur Abfahrt, und nun war seine Zeit gekommen. Schon konnte er das Puffen der aufarbeitenden Maschine hören; er wußte, nun wurden die Taue eingenommen, und mit wenigen Sätzen war er auf dem Zwischenboot, lief über dasselbe hin und sprang in das Zwischendeck des Dampfers hinein, wo er sich augenblicklich in der dort zusammengedrängten Menschenmasse verlor— aber doch nicht so unbemerkt, als er geglaubt. „Das ist er! Beim Teufel!" flüsterte eine Stimme einer neben ihm stehenden Gestalt zu.—„Springen Sie, Mr. Owens— es hilft nicht!“— und ohne sich auch nur einen Moment zu besinnen, setzte jener auf das indessen schon abgestoßene Boot hinüber. Sein Begleiter folgte ihm ebenso resolut, kümmerte sich aber gar nicht um den Verfolgten; sondern eilte, so rasch ihn seine Füße trugen, durch den Maschinenraum nach vorn und die kleine Treppe hinauf, die zu der oberen Kajüte führte. „Wo ist der Kapitän?“ rief er in höchster Aufregung, „rasch, ich muß ihn sprechen!“ „Was wünschen Sie, Sir!“ sagte dieser, der gerade vorn auf dem Ausbau stand und den Lauf des Bootes beobachtete. „Sind Sie der Kapitän?“ „Der bin ich!“ „So legen Sie Ihr Boot am oberen Werftboot wieder an. Es hat sich eben ein entsprungener Verbrecher hinauf geflüchtet. Ich bin der Staatsanwalt und habe Polizei im Boot.“ „Alle Teufel!“ rief der Kapitän—„und weshalb sind Sie da nicht früher gekommen?“ „Er sprang an Bord, wie Sie abstießen.“ uer er ris“ S