Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und gesetzl. Feiertage. Abonnementspreis frei ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage und dem 8seitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pig. pro Monat, durch die Post bezogen für 3 Monate 1.50 Mk. Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inserate verantwortlich: Viktor Schanzer, Dortmund. verbunden mit dem Lokal-Anzeiger für Dortmund u. Hörde und der täglichen Unterhaltungsbeilage K4#)“ sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— wermorem=Anschluß Nr. 3295. Inserake die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 PfaBeilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Rabatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann, Dortmund. Nr. 203. Dortmund, Mittwoch, den 31. August 1910. 27. Jahrg. Erstes Blatt. Die deutschen Anträge auf dem internationalen Bergarbeiterkongreß in Brüssel im Lichte der Praxis. I. Der 21. Internationale Bergarbeiterkongreß der vor kurzem in Brüssel tagte, hat eine Reihe von Fragen behandelt, die über den Rahmen des bergbaulichen Nachinteresses hinausgehen und das volkswirtschaftliche Interesse im weitesten Maße berühren. Zwar hat sich in der Struktur###s Verhandlungsstoffes seit dem ersten Kongreß, der vor nunmehr 20 Jahren in der belgischen Stadt Jollmont stattfand, bei oberflächlicher Betrachtung verhältnismäßig wenig geandert. Bessergestaltung der Lebenshaltung, Kürzung der Schichtzeit, Erhöhung der Löhne, Fürsorge für die Kranken und Invaliden, Witwen und Waisen, Beseitigung jeglicher Frauen= und Kinderarbeit, stärkere Kontrolle der Gruben zwecks Erhöhung der Betriebssicher= heit, das alles sind Erörterungen bezw. Forderungen, die noch jeden Bergarbeiterkongreß beschäftigt haben. Wenn nun auch der diesjährige Kongreß nicht durch neue Gedanken überraschte, so verdienen doch einige. Anträge der deutschen Delegierten besondere Beachtung. Seitdem der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter der vor fünf Jahren in London zuerst an dem Kongreß teilnahm, sich nach der Salzburger Tagung mit einigem Geschick aus der Affäre gezogen hat, seitdem auch die Hirsch=Dunckerschen Gewerkvereine au die Entsendung von Vertretern verzichtet haben,(ohne aber, wie sie dies kürzlich noch betonten, von der internationalen Vereinigung der Bergarbeiterschaft nur noch durch den sozialdemokratischen„alten Verband“ und durch die Polen auf dem Kongreß vertreten. Die Frage der Sicherheitskontrolle, die bei uns in letzter Zeit die Oeffentlichkeit in besonderem Maße beschäftigt hatte, wurde zuerst gemäß einem deutschen Antrag behandelt. Der bekannte unvermeidliche Altverbändler Husemann begründete diesen Antrag, der folgenden Wortlaut hatte: „Dieser Kongreß ist der Ansicht, daß die größtmöglichste Sicherheit in den Gruben nur herbeigeführt werden kann durch von den Arbeitern gewählte und vom Staate besoldete Grubenkontrolleure. Diese müssen das Recht haben, so oft sie wollen, oder so oft die Arbeiter es verlangen, die Gruben zu inspizieren.“ Husemann erinnerte in seiner Begründung an das große Radbod=Unglück, das in Preußen zur gesetzlichen Einrichtung des Sicherheitsmännersystems geführt habe. Zum ersten Male sind demgemäß die Wahlen für die Sicherheitsmänner bei uns in diesen Tagen erfolgt. Abwohl ich persönlich die an das Institut der Sicherheitsmänner geknüpften guten Erwartungen nicht teile, mir im Gegenteil nicht gerade ersprießliches für unseren Bergbau davon verspreche, möchte ich jetzt das Für und Wider in dieser Frage nicht ventilieren. Ich will indessen nicht unerwähnt lassen, daß in England dieses Institut der Grubenkontrolleure schon seit länger als dreißig Jahren besteht, daß die Zahl der Bergwerkskatastrophen aber keineswegs abgenommen hat„ Noch im Jahre 1909 betrug die Zahl der Unfälle mit tödlichem Verlauf in England 1455 bei einer Belegschaft von annähernd einer Million Arbeitern, während in Deutschland im gleichen Jahre 1360 Unfälle mit tödlichem Ausgang bei einer Belegschaft von 722988 Arbeitern zu verzeichnen waren. Daß auch Massenunglücke trotz Sicherheitskontrolleuren in England vorkommen, beweist das jüngste große Unglück in Whitehaven, wo 140 Bergleute durch sogenannte schlagende Wetter ihren Tod sanden. Dieser Vergleich soll indessen keineswegs Anspruch auf Exaktheit machen, da zu einer vergleichenden Beurteilung der Grubenkatastrophen Faktoren gehören, die nicht konkret exfaßt werden können, vor allem die Beschaffenheit der Kohle, des Gebirges usw. Der heutsche Vertreter in Brüssel gelangte nun ebenfalls zu einer Verurteilung des gesetzlich einzuführenden Sicherheitsmännersystems, allerdings aus ganz eigenartigen Motiven. Er gab zu, daß der Schritt der Regierung als ein Zugeständnis an die Arbeiterschaft laufgefaßt werden müsse. Aber es habe nicht in der Absicht der Regierung gelegen, etwas Ernstzunehmendes für die Arbeiterschaft zu schaffen. Die Regierung wolle mit dieser Einrichtung die Seelen der Arbeiter„fangen“, indem sie das Vertrauen in ihre Arbeiterfreundlichkeit zurück zu gewinnen suche. Derartige optimistische Hoffnungen möge sich die Regierung für immer aus dem Kopf schlagen. Die Arbeiterschaft erkenne genau, daß man die Sicherheitsmänner zu— Sündenböcken bei Massenunglücken machen wolle„deshalb lasse man sie jetzt wählen. Was soll die Regierung nun eigentlich tun? Schafft sie keine Sicherheitsmänner, ist sie arbeiterfeindlich, schafft sie welche, ist sie auch arbeiterfeindlich und noch mehr als das! Im übrigen wurde natürlich die preußische Regierung in Grund und Boden verdonnert, da sie rein gar nichs zum Schutz der Arbeiter tun wolle. Aus diesem Grunde verlangten die deutschen Vertreter die durchgreifende Verstaatlichung des Bergbaues. Dieser Forderung hat noch auf jedem Kongresse irgend ein Land Widerspruch entgegen gesetzt. Selbstverständlich konnten sich die politisch rei feren britischen Vertreter, die von Haus aus jede staatliche Bevormundung des Wirtschaftslebens abl hnen und die freie Betätigung aller produktiven Kräfte zu schätzen wissen, mit dieser Forderung nicht befreunden, und ihnen zur Seite trat der Pole Rymer, der sich zwar grundsätzlich auf den Standpunkt der deutschen Berg arbeiterschaft stellte, aber doch seine erheblichen Beden ken, gegen die Verstaatlichung geltend machte, Bedenken politischer Natur. Rymer fürchtete, daß mit einer Ver staatlichung dem gegenwärtigen Polizei= und Militärstaat eine zu große Machtfülle überantwortet würde. Auch sei der Staat kein guter Arbeitgeber, und die Verhältnisse in den fiskalischen Gruben Preußens seien für den Arbeiter nicht so verlockend, als daß nach dieser Richtung der Wunsch auf generelle Verstaatlichung des Bergbaues begründet werden könne. Demgegenüber machte der deutsche Vertreter Redakteur Pokorny von der Bergarbeiterzeitung alle die bekannten sozialistischen Forderungen auf Verstaatlichung geltend die zuletzt, wie immer, in dem schweren Vorwurf ausliefen, die deutschen Grubenbesitzer wucherten mit den nationalen Erdschätzen und trieben Raubbau. Aus der Entwicklung der Verhandlungen über das Kaligesetz glaubte Pokorny schließen zu können, daß der Gedanke der Verstaatlichung der Bergwerke im deutschen Volke an Boden gewonnen habe. Es müßte sich eigentlich erübrigen, über diesen Gedanken der Forderung der generellen Verstaatlichung des Bergwerkseigentums einer Forderung in der sich bezeichnenderweise die Sozialdemokraten mit unseren so außerordentlich industrie-„freundlichen“. Konsecbativen und Agrariern begegnen, ernstlich zu diskutieren, schon deshalb, weil eine solche Aktion die Brücke zum sozialistischen Zukunftsstaat bedeuten würde: Ueber die ganze Tragweite der Verstaatlichung des Steinkohlenberg= baues, dieser Urquelle unseres ganzen industriellen Lebens sind sich offenbar weite bürgerliche Kreise im deutschen Volke gar nicht klar, denn sonst würde dieser Gedanke mit bodenreformatorischem Anstrich nicht so liebevoll gehegt und gepflegt von Leuten, die sich mit Händen und Füßen dagegen sträuben, Sozialisten genannt zu werden. Aber ganz abgesehen von dieser schwerwiegendsten Folge würde eine Verstaatlichung des Bergbaues so ziemlich das Schlimmste sein, was unserm gesamten industriellen Leben widerfahren könnte. Ueber die schwere Hemmung unserer ganzen industriellen Entwickelung, bei der die Verstaatlichung des Bergbaues in sich schließenden behördlichen Beaufsichtigung, über diiese harte Knebelung aller industriellproduktiven Kräfte, welche das bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts bestehende segenannte Direktionsprinzip bedeutete, macht man sich heute ganz offensichtlich kaum eine Vorstellung, man denkt nicht daran, daß man dieser bleiernen staatlichen„Direktion“ die lange Hemmung unseres industriellen Aufschwunges der nachher nur mit doppelter und dreifacher Arbeit erreicht werden konnte, in erster Linie mit zu verdanken hat, denn sonst würde man nicht die Emanation von Gesetzen— wie die Bergnovelle von 1907 — gutheißen, welche den ersten Schritt zur Rückkehr in das Zeitalter des Direktionsprinzips ausmaclen. Deutsches Reich. Rückkehr der kaiserlichen Familie nach Berlin. Die kaiserliche Familie ist gestern von der Reise nach Ost= und Westpreußen wieder nach Berlin zurückgekehrt. Das Kaiserpaar sowie Prinzessin Viltoria Luise, sind früh 7 Uhr 10 Min. aus dem Bahnhofe Friedrichstraße eingetroffen. Zum Streit wegen des Baues eines Rrematoriums. Die mittelfränkische Kreisregierung hatte dem Magistrat verboten, Mittel zur Erbauung eines Krematoriums zu verwenden. Der Magistrat beschloß einstimmig gegen dieses Verbot Einspruch beim Ministerium und dem Verwaltungsgerichtshofe einzulegen. Wieder eine Geheimbundgeschichte. Ueber einen angeblichen großpolnischen Geheimbund wird in der„Braunschweigischen Landesztg.“ eine Schauermär erzählt. Danach soll vor etwa einem halben Jahre der Grundstein zu einem großpolnischt deutschen Geheimbund gelegt worden sein, der die zerstreuten Kräfte der Polen deutscher Nationalität in Rheinland=Westfalen, Schlesien, Posen und Westpreußen fest zusammenschließen wolle, um sie im Kriegsfalle zu einer Macht zu entfalten, die geeignet wäre, dem Deutschen Reich schwere Konflikte im Innern aufzuhalsen! Die Triumvirn, die zuerst in Bromberg getagt haben sollen, hätten ihre Kreise allmählich weiter gezogen und auch zwei Reichstagsabgeordnete seien eingeweiht, worden, hier sei allerdings der Erfolg ein negativer gewesen.— Die ganze Geschichte scheint der„Frankf. Ztg.“ ein Produkt der Sommerhitze zu sein, und sie ist nicht einmal gut erfunden. Ausland. Portugal. Lissabon, 30° August. Die bis jetzt feststehenden Wahlresultate scheinen im Grunde eine Niederlage, der Regierung zu bedeuten. Die Republikaner gewinnen 10 Abgeordnete allein in Lissavon zinsgesamt dürsten sie 50 Mandate erhalten. Bis jetzt steht fest, daß der Oppositionsblock 69 Deputierte gewann. Amerika. Newyork, 30. August. Der demokratische Gouverneur, sowie ein derselben Partei angehöriger Abgeordneter äußerten, sie würden 1912 für Roosevelt stimmen und Tausende von Demokraten würden das gleiche tun. Roosevelt übte scharfe Kritik am Bundesobergericht und drang auf weitestgehenden Schutz der natürlichen Hifsquellen gegen die Trusts. Roosevelt hat bei seiner Reise Taft oder dessen Verwaltung in keiner Weise erwähnt. Montenegre. Konstantinovel, 30. August. Das junge Königtum Montenegro ist von einem Skandal bedroht, der die Festfreude in Cetinje einigermaßen trüben dürfte. Zwei in Uesküb verhaftete Montenegriner, Stevan Kosortszhewies und Stawro Maximios, die dort ein Mordattentat auf den montenegrinischen politischen Flüchtling Major Nicola Mitrovic verübten, haben eingestanden, daß die montenegrinische Regierung sie um 25,000 Franken zum Morde gedungen hat. Des Vaters Ehre. Roman von Ewald August König. 33 Wilhelm hatte sich erhoben; er lachte spöttisch, als er die verdrießliche Miene des Maklers bemerkte. „Ja, ja, herausrücken müssen Sie, wenn Sie die Papiere haben wollen,“ sagte er höhnisch,„für ein Butterbrot verkaufen wir sie nicht; es gibt noch andere Leute, die sie gern kaufen würden.“ „Die aber nichts zahlen können.“ „Sagen Sie das nicht. Wenn wir dem Präsidenten die glühende Kohle auf den Fuß legen, wird er schon für Geld sorgen, außerdem ist auch noch der Sohn des Verstorbenen da.“ :„ D e r n i c h t s h a t!“ „Es ist seine Sache, sich das Geld zu verschaffen; wenn wir ihm die Papiere anbieten, wird er sie nicht fahren „Es wäre für Sie und Ihren Bruder zu gefährlich, sie ihm anzubieten!“ erwiderté Poppert in warnendem Tone.„Der junge Mann würde Sie sofort verhaften lassen.“ „Jawohl, wenn er es könnte und seinen Zweck dadurch erreichte. So klug, wie andere Leute sind, bin ich auch, es wird auch Ihnen nicht gelingen, mich zu überlisten. Es bleibt also bei der Absprache, Sie erwarten mich heute abend, ich bringe die Papiere mit, und zahlen mir das Geld, nachdem wir uns über den Preis geeinigt haben.“ Im Wohnzimmer war der Tisch gedeckt, die Speisen standen bereit, aber Irene ließ sich nicht blicken. Poppert wartete einige Minuten, dann setzte er brummend sich hin, ohne es der Mühe wert zu halten, sich nach seiner Tochter umzuschauen. Er hatte bereits abgespeist, als Irene eintrat, mit dem Zahnstocher in der Hand und ohne sich in seiner Beschäftigung stören zu lassen, blickte er erwartungsvoll in ihr bleiches Antlitz, das den Ausdruck der Entschlossenheit trug. „Nun?“ fragte er rauh.„Hast Du Dich eines Besseren besonnen Irene schüttelte ablehnend das blonde Haupt, ihr Blick bittend und vorwurfsvoll zugleich auf dem hageren Manne, zwischen dessen Brauen sich jetzt wieder eine drohende Furche zeigte.„Ich kann es nicht, und Du hast mich deshalb geschlagen,“ sagte sie mit zitternder Stimme, „mußte es so weit zwischen uns kommen? Ich würde an der Seite eines Mannes, den ich nicht lieben, ja nicht einmal achten kann, unsagbar unglücklich werden. Du kannst das nicht wollen. Gib Deine Einwilligung zu dem Bunde, den mein Herzgeschlossen hat, und ich will Dir den Schlag verzeihen, den ich nie vergessen kann.“ „He, Du willst mir verzeihen?“ rief Poppert höhnisch. „Bitte Du mich, daß ich Dir verzeihen möge, Du undankbares, ungehorsames Geschöpf. Mir verzeihen will sie! Wer sein Kind lieb hat, der züchtigt es, und ich mache mir wahrhaftig kein Gewissen daraus, Dich zum Gehorsam zu zwingen.“ Irene hatte bei seinen ersten rohen Worten die Wimpern gesenkt, nun aber schlug sie die Augen wieder auf. und mit hoch erhobenem Haupte begegnete sie ernst und fest seinem stechenden Blick.„Du würdest dadurch nichts erreichen,“ sagte sie,„harte Worte und Mißhandlungen können die Liebe zu dem teuren Manne nicht aus meinem Herzen reißen.“ „Es gibt noch andere Mittel, ich kann Dich verstoßen und enterben.“ „Auch diese Drohung schreckt mich nicht. Wüßte ich auch, daß nur Not und Sorge an der Seite des Geliebten mich erwartet...“ „So geh' und hungere mit ihm!“ fuhr der Makler wütend auf.„Aber wenn Du so weit gekommen bist, daß Du an den Türen betteln mußt, so geh' an meinem Hause vorbei, mich würde Deine Not nicht rühren.“ „Sei unbesorgt, vor diesem traurigen Lose wird der geliebte Mann mich bewahren.“ „Scher' Dich hinaus, all' Dein Jammern ist unnütz, ich hab' den Burschen samt seinem Vater vor die Tür geworfen, mit meinem Willen werden sie meine Schwelle nicht mehr überschreiten. Hinaus sage ich und komm mir erst dann wieder vor die Augen, wenn Du vernünftig geworden bist. Ich verlange Gehorsam, und wie ich immer meinen Willen durchzusetzen gewußt habe, so wird es auch diesmal geschehen.“ Der flehende Blick Irenes ruhte auf dem Antlitz des harten Mannes. Hoffte sie wirklich, daß er seinen Entschluß ändern könne? Mit einem Fluch griff er nach der Wasserflasche, die vor ihm stand. Tief aufseufzend verließ Jrene das Zimmer. „ „Das also waren die Gründe, die Amanda gestern vorschob, als ermeinen Vorschlag ablehnte?“ fragte Onkel Ludwig als sein Bruder ihm das Vorgefallene berichtet hatte.„Ich hätte Dich wirklich für klüger gehalten. Hast selbst nichts und hängst Dich heimlich an ein Mädchen, dessen Vater Dir niemals gestatten wird, sein Schwiegersohn zu werden. Wie soll das nun enden?" „Wie es enden soll?" erwiderte Amandus.„Nun, ich denke, mit einer Hochzeit; mag der Alte auch brummen und schelten, er wird's nicht verhindern können.“ „Und dann?“ „Ja, was dann kommt, müssen wir abwarten, in die Zukunft kann ich nicht blicken. Ich werde die Hände nicht in den Schoß legen, an mir soll es nicht liegen, wenn ich nicht auf einen grünen Zweig komme. Vielleicht gelingt es mir, im Hause des Bankiers Gremel eine Stelle u erhalten, Richard Poppert hat mir versprochen, mit einem Prinzipal zu reden.“ „Und erhieltest Du sie wirklich, so würde der Makler nicht ruhen, bis Du sie wieder verloren hättest!“ unterbrach ihn sein Vater.„Ja, hätte ich nur die Papiere aus meinem Pulte mitnehmen können. Sie enthalten alle Beweise, die ich seit Jahren gegen den Wucherer gesammelt habe und es ist mir selbst jetzt ganz unbegreiflich, daß ich so leichtsinnig sein konnte, sie dort aufzubewahren. Ich werde heute abend noch einmal hingehen, und müßte ich Gewalt brauchen, er soll sie herausgeben" Onkel Ludwig schüttelte ungläubig das graue Haupt und ließ den Blick eine geraume Weile sinnend auf seineu silbernen Schuhschnallen ruhen.„Die Papiere sind voraussichtlich jetzt schon vernichtet,“ meinte er,„und wären sie es auch nicht, Poppert wird sie Dir nicht herausgeben. Vor allen Dingen muß Amandus nun dafür sorgen, daß er seiner Braut eine sichere Existenz bieten kann, hier aber wird er sie aus den Gründen, die ich gestern bereits genannt habe, nicht finden. Ich kam hierher, um Euch den Brief zu zeigen, den ich an meinen Freund in London geschrieben habe, es ist noch immer mein Rat, daß Amandus persönlich ihn überbringen und an Ort und Stelle sich umsehen solle. Findet er, wie ich zuversichtlich hoffe, dort ein Unterkommen, so kann er ganz anders auftreten, und will Poppert ihm auch dann noch nicht die Hand seiner Tochter geben, so wird doch dem Mädchen die Wahl zwischen dem Vater und dem Geliebten leichter werden. Was sagst Du dazu Amandus?“ Der junge Mann fuhr langsam mit der Hand über die Augen, ein schwerer Atemzug entrang sich seinen Lippen.„Es spricht vieles dafür, aber auch vieles dagegen.“ erwiderte er.„Wie nun, wenn wir uns in unseren-Hoffnungen getäuscht sehen, und es mir trotz aller Bemühnngen nicht gelänge, ein Unterkommen drüben zu finden?" „Dafür laß meinen Freund sorgen.“ „Und die Mittel zur Reise?“ „Ich gebe sie Dir,“ erwiderte Onkel Ludwig rasch.„Ich habe mir ein hübsches Sümmchen erspart, Du sollst and ständig gekleidet und mit gefüllter Börse drüben ankommen.“ „Herzlichen Dank, aber.. Amandus konnte den Satz nicht beenden, die Türe wurde hastig geöffnet, und mit einer Reisetasche in der Hand trat Irene ein. „Ich konnte nicht anders,“ sagte sie erregt,„ich habe das väterliche Haus verlassen, und es wäre mein Tod, müßte ich dahin zurückkehren. Er hat mich geschlagen, weil ich mich weigerte, dem verhaßten Manne das Jawort zu geben, dieser Schlag löste das letzte Band, das mich noch an ihn fesselte.“ Amandus hielt das zitternde Mädchen umschlungen. „Ich will Dich schützen vor ihm,“ sagte er, die Geliebte fest an sich ziehend,„ich will Dir lohnen für dieses Opfer mit treuer, unwandelbarer Liebe.“ „Ich bin zu Dir gekommen, um Deinen Rat zu hör ren,“ erwiderte Irene vertrauensvoll.„Daß ich bei Dir und auch in dieser Stadt nicht bleiben kann, unterliegt wohl keinem Zweifel, ich muß mir draußen ein Unterkommen suchen, bis Du in der Lage bist, mich als Deine Gattin heimzuführen. Aber wohin soll ich mich wenden? Außer Dir und Deinem Vater habe ich keinen Freund und von meinen Verwandten darf ich weder Rat noch Hilfe beanspruchen, mein Vater hat ja dafür gesorgt, daß ihre Türe mir verschlossen ist. Ich besitze einige Schmuchsachen und auch etwas bares Geld, und ich will gerne arbeiten und jeden Dienst annehmen. Aber ich muß heute noch fort, und mein Vater darf nicht wissen, wo ich bin, damiter mich nicht verfolgen kann.“ 183.18 Dortmund, 31. August. —* Die Ehrengabe der Stadt Dortmund an die Veteranen gelangt am 1. und 2. September, vormittag9—12 Uhr und nachmittags 3—5 Uhr, im Verwaltungsgebäude, Berswordtstraße 2. Zimmer Nr. 35, zur Auszahlung. Den Feldzugsteilnehmern, die berücksichtigt sind, geht darüber noch eine besondere Mitteilung zu. Eine Abhebung des Betrages kann nur durch den Veteran selbst geschehen; ist er durch Krankheit oder sonstige Umstände daran verhindert, so hat er dieses dem Magistrat mitzuteilen. Der Betrag wird ihm so dann ins Haus gebracht. — Herr Oberbürgermeister Schmieding oegibt sich, einem hiesigen Blatte zufolge, heute nach seinem Landhause auf Kappenberg. Sein Befinden läßt noch viel zu wünschen übrig, so daß Personen, die ihm nahe stehen, wenig Hoffnung haben, daß er noch in Dienst treten werde. —* Bauten. Der Restaurateur Hermann Stein beabsichtigt, die alten Gebäude Königswall Nr. Sa und Gnadenort Nr. 14 abzubrechen und die Grundstücke einheitlich mit einem der Neuzeit entsprechenden Hotelrestaurant zu bebauen. Ferner wird der Restaurateur Kark Holtkamp das alte, Ecke Königswall=Katharinen= tor und Lindenstraße stehende Gebäude abbrechen und einen großstädtischen Neubau errichten. Auch sind sichere Aussichten vorhanden, daß schon in allernächster Zeit mit dem Hotelneubau Stern begonnen wird. —* Städtetag. Vom Vorstand des Westfälischen Städtetages war seinerzeit beschlossen toorden, in diesem Jahre am 17. September in Dortmund einen sogenannten Geschäftsstädtetag abzuhalten, weil eine andere Stadt zur Uebernahme sich nicht gemeldet hatte. Inzwischen hat die Stadt Münster den Städtetag zum 14. und 15. Oktober nach dort eingeladen. Die Verhandlungen sollen im Landeshause stattfinden. Eine Hinausschiebung des Städtetages war auch deswegen erforderlich, weil in der zweiten Hälfte des Septembers verschiedene Kongresse tagen, an denen Vertreter westf. Städte beteiligt sind. Auf der Tagesordnung stehen folgende Verhandlungsgegenstände: Am 14. Oktober, nachmittags Geschäftsbericht und Rechnungsvorlegung, Zuwachssteuergesetz(Berichterstatter Beigeordneter Heinroth=Gelsenkirchen; Mitberichterstatter Oberbürgermeister Cuno=Hagen und Stadtrat Dr. BoldtDortmund. Am 15. Oktober: Starkstromwegegesetz(Berichterstatter Oberbürgermeister Cuno=Hagen, Mitberichterstatter Direktor Döpke=Dortmund); die einheitliche Gestaltung des Etat=, Kassen= und Rechnungswesens der westfälischen Gemeinden(Berichterstatter Dr. Rühl=Herne und Bürgermeister Delius=Siegen); Vorstandswahlen und Wahl des Ortes für den nächstjährigen Städtetag. Voraussichtlich werden auch noch andere Angelegenheiten u. a. die Früherlegung der großen Schulferien zur Sprache kommen. —“ Das Kaiserabzeichen für 1910 im 7. Armeekorps ist für hervorragende Schießleistungen der 12. Kompagnie des Infant.=Regts. Nr. 15 in Minden i. W. verlieben worden. —* Haus= und Grundbesitzervereine. Der Vorstand des neugegründeten Verbandes der Haus= und Grundbesitzervereine für die Provinz Westfalen hält seine erste Sitzung Samstag, den 3. September im Lindenhof, zu Dortmund ab. Vorort des Verbandes ist Münster. Es werden in dieser Sitzung die beiden Vorsitzenden gewählt und der vom Vororte ausersehene Kassierer sowie der Schriftführer des Verbandes bekannt gegeben. Hierauf erfolgt die Feststellung der Geschäftsordnung und eine Besprechung der Verhandlung des Braunschweiger Verbandstages. Im Arbeitsprogramm sind enthalten: a) Steuern und Lasten der Hausbesitzer, b) Steuernachlaß bei Ertragsausfällen, c) Gesetzentwurf betr. Schadloshaltung der Hausbesitzer bei Explosionsschäden durch industrielle Betriebe, d) Einrichtungen zur Verbesserung der Kreditverhältnisse des Hausbesitzers. —* Der Provinzialausschuß hält seine nächste Sitzung Dienstag, den 20. September dieses Jahres in Münster ab. —* Der Charakter als Professor und der Rang der Räte 4. Klasse wurde verliehen den Oberlehrern Dr. Gerbard Adrian, Ernst Wendlad und Emil Metzger am städtischen Gymnasium sowie dem Oberlehrer Emil Goetz an der Realschule. * Die Vereinigung Deutscher Privatgärkner, Sit in Berlin=Groß=Lichterselde, eine von parteipolitischen und religiösen Bestrebungen völlig freie also neutrale Organisation für ganz Deutschland, welche die gesellschaftliche, wirtschaftliche und fachwissenschaftliche Förderung ihrer Mitglieder zum Ziele hat, hielt am Sonntag in Magdeburg ihre dritte Hauptversammlung ab, an der über hundert Mitglieder teilnahmen. Es wurde unter anderem beschlossen, die Eintragung der Vereinigung in das amtsgerichtliche Vereinsregister nachzusuchen. Angelegenheiten der bereits bestehenden Unterstützungskasse, des kostenlosen Gärtner= und Stellennachweises für Herrschaftsgärtner wurden erledigt und sodann die Neuwahl des Gesamtvorstandes vorgenommen, welche die einhellige Wiederwahl der seitherigen Vorstandsmitglieder ergab. Es konnten auf dieser Hauptversammlung auch wieder elf neue Mitglieder gewonnen werden. Die nächstjährige Hauptversammmlung der Vereinigung(V. D. P.) wird in Leipzig stattfinden. * T ö d l i c h e r U n f a l l. D e r S t r a ß e n a r b e i t e r K o r nelius Hoeflaat geriet auf dem Heiligenweg unter der Unterführung der rheinischen Eisenbahn unter ein Fuhrwerk der Westfalia=Brauerei und wurde so schwer versetzt, daß er gestern Nachmittag starb. —“ Tot aufgefundn wurde gestern morgen auf einem Wege in der Nähe der Kappenberger Chaussee ein Man im Alter von etwa 40 Jahren, der sich durch einen Nevolverschuß in den Kopf getötet hatte. Die Persönlichkeit des Selbstmörders konnte noch nitcht festgestellt werden. — Messerhelb. Aus geringfügiger Ursache geriet der Klempner Franz Krollpfeifer mit dem Knecht Otto Schenkel gestern Abend in Streit, in dessen Verlauf er dem Sch. einen tiefen Messerstich in die Brust versetzte. Der Verletzte wurde zum Luisenhospital und der Täter in Polizeigewahrsam geschafft. Eving, 30. August. Die Gelsenkirchener BergwerksAktiengesellschaft beabsichtigt, auf dem Terrain am Schacht„Minister Stein 3“, 19. Arbeiterwohnhäuser für 106 Familien zu erbauen. Hörde, 30. August. In der Nacht zum 28. August ereigneten si chin den Betrieben des„Phönix“. zwei Unsälle. Auf den Hochösen wurden dem Arbeiter Fritz Gladi durch ausfließende glühende Schlacke die Füße erheblich verbrannt. Dem Joses Duhme flog in einem Betriebe der Walzwerke ein schweres Eisenteil an den Kops. Beide Verunglückten wurden dem Hüttenhospital zugeführt. Bochum, 30. August In der Nacht zum Sonntag kam es, wie erst jetzt bekannt wird, in dem benachbarten Hordes zwischen einem Polizeibeamten und einer aus 7 Burschen bestehenden Rotte junger Leute zu einem schweren Zusammenstoß. Die Burschen lärmten, was ihuen die Polizei verbot. Es kam zu Tätlichkeiten und der Beamte wollte einen der Ruhestörer verhaften Der bedräugte Beamte zog seinen Säbel und wehrte die Angreiser ab. Die Rowdies zerrissen ihm die Uniform, beschädigten seinen Helm und mißhandelten auch den Hund, der sich in der Begleitung des Polizisten befand. Bei dem Handgemenge wurden die Angreiser mehr oder minder schwer verletzt. Einer von ihnen, der Bergmann Joseph Kartczewsli aus Röhlinghausen, erhielt einen Stich in den Unterleib, dessen Folgen er bald darauf erlag. Schließlich gelang es dem Beamten, zwei der Burschen zu verhaften, während die übrigen schleunigst das Weite suchten. Es handelt sich bei den 7 Angreifern sämtlich um polnische Bergleute. Iserlohn, 30. August. In der vergangenen Nacht erhielt die hiesige Polizei die Nachricht, daß in Oestrich falsches Geld verausgabt werde. Die sofort eingeleiteten Ermittelungen ergaben, daß während des ganzen Nachmittags drei Personen und zwar ein gewisser Aug. Eisel, der Kettenschmied Wagner und ein gewisser Spelsberg, auf dem Kirmesplatz zu Oestrich falsche Fünfmarkstücke verausgabt hatten. Die Verhaftung gelang nur bei Eisel und Spelsburg, während Wagner flüchtete und bisher noch nicht ergriffen werden konnte. Die Falfisikate sind sehr gut nachgemacht. Da die Verhafteten bereits bei dem großen Falschmünzerprozeß in Hagen im vorigen Jahre eine bedenkliche Rolle spielten, darf mau annehmen, daß hier nicht nur die Verausgabung sondern auch die Herstellung des falschen Geldes in Frage kommt. Barmen, 30. August. Als am Sonntag abend gegen 6 Uhr mehrere Kinder in der Tannenstcaße mit Streichhölzern spielten, fingen die Kleider der 5jährigen Elly des Dachdeckers Wilh. Kortwie Feuer. Von Vorübergehenden wurden die Flammen gelöscht, doch hatte das Kind so schwere Brandwunden davongetrugen, daß seine Ueberführung in ein Krankenhaus notwendig war. In der vergangenen Nacht ist das Kind seinen Verletzungen erlegen. Düsseldorf, 30. August. Der Privatsekretär Theodor Keuels hat sich in seiner auf der Duisburgerstraße liegenden Wohnung erhängt. Er war seit längerer Zeit nervenleidend und daher stellenlos. Vor einem halben Jahr hat auch sein Bruder durch Selbstmord geendet. a. d. Ahr, 30. August. Vom Kultusminister ist die Genehmigung einer Niederlassung der Schwestern vom heiligen Vincenz von Paul(KölnNippes) zur Krankenpflege eingetroffen. dem Ferienstrafkammer. Dortmund, 30. August. Wegen tätlicher Beleidigung wurde der jugendliche Arbeiter Josef Brumberg aus Westönnen von der Strafkammer zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelte die Strafkammer gegen die Ehefrau des Arbeiters Theodor Aschwehr aus Wickede=Asseln. Die Frau wurde wegen Vergehens gegen Paragraph 218 des Strafgesetzbuches zu ein Jahr Gefängnis verurteilt und wegen der Höhe der Strafe sofort in Haft genommen. Ein Opser der Verwechslung behauptet der Arbeiter Wilhelm Mescher aus Dortmund geworden zu sein, der sich wegen Diebstahls im Rücksalle vor der Strafkammer zu verantworten hatte. In der Nacht zum 4. Februar wurde von dem städtischen Lagerplatze an der Heckenstraße etwa 3000 Pfund Schrott gestohlen, das der Dieb bei der Witwe Althändler Borghaus auf den Namen des Fuhrunternehmers Germin verkauft hatte. Dieser hatte mit der Sache absolut nichts zu tun, wohl hatte er dem Arbeiter Mescher seine Pserdekarre geliehen, die letzterer angeblich zum Abfahren von Möbeln gebraucht haben wolle. Bei der polizeilichen Gegenüberstellung war Mescher als derjenige wiedererkannt worden, der die Metallstücke verkauft hatte. Heute konnte M. jedoch nicht überführt werden, sodaß seine Freisprechung erfolgen mußte. Eine Geldquelle hätte sich der 22 Jahre alte Bureaubeamte Josef Gödde auf der Zeche Wiendahlsbank bei Barop aufgemacht, die aber schnell versiechte. G. stellte der Zeche die Deputatkohlen der Bergleute, die mit 1,50 Mark berechnet wurden, in der Lohnliste mit 3.50 Mk. in Rechnung und strich später bei der Zahlung den überschießenden Teil in seine Tasche. Die Strafkammer verurteilte den jungen Menschen mit Rücksicht auf seine bisherige Unbescholtenheit wegen Urkundenfälschung und Betruges zu 2 Monate Gefängnis. In der Nacht zum 6. Juli dieses Jahres wurde beim Möbelhändler Landmann in Hamm ein Einbruchsdiebstahl ausgeführt und für etwa 500 Mark Dekorationsstücke gestohlen. Herr Polizeiwachtmeister Deusen der die Ermittelungen aufnahm, war den Dieben bald auf der Spur; er stellte fest, daß der früher bei der Firma Landmann beschäftigte Polstermeister Otto August Beckers an dem Diebstahl beteiligt gewesen sein mußte. Beckers wurde in der Wohnung des Fuhrmanns Friedrich Hoffmann angetroffen und sosort ins Verhör genommen, wobei sich herausstellte, daß auch Hoffmann an dem Diebstahl beteiligt war. Beckers hatte einen mit sechs Kugeln geladenen Revolver in der Tasche, der ihm natürlich sofort abgenommen wurde. Hoffmann, der derartig viel Vorstrafen erlitten hat, daß er bald ein Jubiläum begehen kann, hatte sich heute mit Beckers vor der Sraskammer wegen schweren Diebstahls zu verantworten. Beide waren geständig, nur wollte keiner als erster den Entschluß gefaßt haben, in das Landmannsche Geschäft einzubrechen. Wie Herr Polizeiwachtmeister Deusen festgestellt hat, kommt auch der Althändler Miner als Beteiligter in Frage. Der„Ehrenmann“ ist aber inzwischen verschwunden; er hat Aufenthalt hinier den Grenzpfählen genommen. Der flüchtige Minter und Beckers scheinen noch meyr auf dem Rerbholze zu haben. Beckers; der seit längerer Zeit nicht arbeitete. trug ständig einen Revolver in der Tasche. Beide sollen auch an dem raffinierten Betrug beteiligt sein, den der Schlosser Jaeckel aus Münster im Bankhause Gerson in Hamm auf Grund einer gefälschten Quittung der Firma Landmann ausführte. Der Bankbeamte zahlte bekanntlich auf diese Quittung den Betrag von 10000 Mark aus. Der inzwischen verurteilte Jaeckel verriet seine Komplizen nicht, es stand allerdings sest, daß die eigentlichen Urheber des raffinierten Betruges in Hamm zu suchen waren. Es steht jetzt fest, daß Beckers das Quittungssormular aus dem Geschäftslokale der Firma Landmann entwendete, und daß Minter edensalls derjenige war, der den Jaeckel zur Fälschung der Quittung veranlaßte. Als seine Verhastung bevorstand, ging er auf und davon. Wegen des bei Landmann ausgeführten Diebstahls in der Nacht zum 4. Februar erhielt Becker, und Hoffmann je ein Jahr Gesängnis. Gewerkvereinsteil. Dortmund, 30. Aug. Im Geschäftsgebäude des Rheinisch=Westfälischen Brauereiverbandes begannen heute morgen die zentralen Verhandlungen des Boykottschutzverbandes rheinisch=westfälischer Brauereien mit den Vertretern des Bundes deutscher, österreichischer und Schweizer Brauergesellen, des Zentralverbandes der Böttcher, Weinküfer und Hilfsarbeiter Deutschlands und des Zentralverbandes der Nahrungs= und Genußmittelindustriearbeiter Deutschlands zum Abschluß eines General=Lohntarifs für den ganzen Bezirk des Boykottschutzverbandes. Den Arbeitern wurde eine generelle Erhöhung sowohl der Anfangs= wie der Endlöhne für alle Kategorien bewilligt. Danach sollen die Brauerlöhne sich in Zukunft auf 27 Mark bis 33.50 Mark wöchentlich stellen. In Orten, in denen der erst im Laufe des letzten Jahres erfolgte Tarifabschluß bereits eine Lohnerhöhung gebracht hat, sind die Zulagen geringer bemessen, als in den übrigen Orten mit alten Tarifen. Die Arbeitszeit soll im Winter um eine halbe Stunde, nämlich auf 9 Stunden verkürzt werden und zwar ohne Lohnabzug. Die Verhandlungen, die mit einer zweistündigen Mittagspause bis 66 Uhr währten, wurden bis Ende dieser Woche vertagt, da die Arbeitervertreter grundsätzlich auf einer Verkürzung der Arbeitszeit auf 94 Stunden im Sommer und 9 Stunden im Winter bestenden. 155 Bochum, 30. August. Die Wahlen der Sicherheitsmänner und Ausschußmilglieder auf den Zechen im rheinisch=westsälischen Industriegebiete hatten bis heute Mittag folgendes Ergebnis: Es sind gewählt 721 Kandidaten des Alten Verbandes, 158 Kandidaten des christlichen Gewerkvereins, 52 Pölen, 23 Unorganisierte und 4 Kandidaten des Hirsch=Duncker'schen Gewerkvereins. Lüdenscheid, 30. August. Der Direktor der hiesigen Genossenschaftsdruckerei, der sozialdemokratische Stadtverordnete Beucken wurde vom Ortsverein Lüdenscheid des Deutschen Buchdruckerverbandes einstimmig ausgeschlossen, weil er sich vor allem infame Lohndrückereien und noch manches andere zuschulden kommen ließ. Zwischen sozialdemokratischer Theorie und Praxis ist eben, wie man hier wieder deutlich sieht, ein himmelweiter Unterschied. Besuch der Vertreter rheinischer Städte auf der Städtebau=Ausstellung. Am Montag morgen um 11 Uhr versammelten sich in der Städtebauausstellung die Vertreter von einigen 20 rheinischen Städten, um gemeinsam die Schätze der Ausstellung zu besichtigen. Sie waren einer Einladung der Stadt Düsseldorf gefolgt, um in gemeinsamer Besprechung der aktuellen Fragen des Städtebaus sich gegenseitig anzuregen, und in den gemeinsamen Bestrebungen zu fördern. Es sprachen u. a. die Vertreter von Hagen, Krefeld, Essen, Düsseldorf M.=Gladbach und Bonn, indem sie in hochinteressanten Vorträgen die Bebauungsfragen ihrer Städte behandelten. Unter allgemeinem Interesse setzte zunächst der Vertreter der Stadt Hagen, die Baubestrebungen auseinander, welche bekanntlich den ersten Künstlern des Landes wie Peter Behrens und Van de Velde Gelegenheit gegeben haben, ihre Kunst in geschlossenen Gruppen schöner Wohnhäuser zu zeigen. Auch die Pläne, zu einer Kirche und das Modell des schönen Krematoriums fanden reichen Beifall, wie auch die Anlage einer schönen Arbeiterkolonie, so daß gleich bei Beginn dieser eigenartigen Besichtigung sich lebhafte Diskussionen entspannen. Nicht weniger fesselnd waren dann die Ausführungen über die Entwicklung der Stadt Krefeld, deren Ausstellung bekanntlich aufs schönste durch interessante Pläne und anmutigen Blumenschmuck gestaltet worden ist. Auch hier entrollen sich wieder kühne Pläne dieser zukunftsreichen Stadt vor den Augen der aufmerksam lauschenden Gesellschaft. Hier stellte sich die Stadt Essen mit ihren berühmten Arbeiterkolonien und ihren bemerkenswerten städtebaulichen Reformen vor. Die Durchdringung der Wohngebiete von Park und öffentlichen Grünflächen muß besonders als vorbildlich bezeichnet werden. Dann führte Herr Beigeordneter Geusen die Gesellschaft in die künftigen Pläne für Groß=Düsseldorf ein, deren Grundzügigkeit sich wohl keiner der Anwesenden verschließen konnte. Das allmähliche Wachstum der Stadt, die künftige Gestaltung der grünen Anlagen, die Behandlung der Spiel= und Sportplätze zeigten auch hier, daß die Stadtverwaltung von Düsseldorf nach den besten Grundsätzen der gegenwärtigen städtebaulichen Bestrebungen gesteckt hat. Der Vertreter der Stadt Köln erläuterte in einem hochinteressanten Vortrage die neuen städtebaulichen Arbeiten der Stadt. In schlagender Weise hat die Stadt Köln auf der Städtebau=Ausstellung eine Anzahl älterer und neuerer Pläne und Straßenführungen gegenübergestellt, deren Vorzüge und Nachteile um so bedeutender sind, als sowohl die alten wie die neuen Lösungen von Städtebauern ersten Ranges gemacht sind u. somit nicht etwa die Tüchtigkeit der Schöpfer, sondern den jeweiligen Stand der Städtebaukunst miederspiegeln. Den gradlinien, oft spitzwinkligen Straßenzügen der achtziger Jahre mit ihren oft unnatürlich großen und kleinen Bau=Blocks stehen die weich geschwungenen Linien der neuen Lösungen gegenüber, welche sich dem natürlichen Gelände anpassen, gut geschnittene und gleichmäßige Baublocks bilden und zwischen leistungsfähigen Verkehrsstraßen trauliche und ruhige Wohnviertel schaffen. Besonders hervortretend ist die Verschiedenheit der für die Wirkung eines Stadtteiks so wichtigen Platzanlagen, in den achtziger Jahren die Plätze nur unglückliche Zwickel an Straßenkreuzungen, ehelfe zur Vermeidung allzu spitzer Baublocks, in der Gegenwart sein abgewogene Kunstgebilde am rechten Fleck und mit den rechten Gebäuden, Kirchen usw. besetzt. Die Elemente des modernen Städtebaus traten bei dieser Besichtigung nirgends so deutlich zutage, wie vor dieser Ausstellung der Stadt Köld., welche bekanntrheinischen Städte bildete. Nachdem Herr Dr. Hegemann den kolossalen Zukunftstraum der Stadt Chicago an dem herrlichen Bildermaterial geschildert hatte, betrat die Gesellschaft die oberen Räume, um nach den Ausführungen der Verkreter von M.=Gladbach und Bonn mit Aufmerksamkeit zu folgen. Ein fröhliches Mittagsmahl, bei welchem Herr Beigeordneter Geusen die Städte im Namen der Stadt Düsseldorf bewillkommnete, bot dann der Gesellschaft die wohlverdiente Erholung und man beschloß sich nach 14 Tagen wieder zu einer ähnlichen Zusammenkunft einzufinden. Es hat wohl noch nie in Deutschland ein ähnliches einmütiges Zusammengehen der Baubehörden verschiedener Städte stattgefunden, bei welchem in regem Wetteifer und mit stets wachsendem Interesse die Verhältnisse der einzelnen Städte gemeinsam durchgesprochen wurden. Und so ist auch diese Zusammenkunft ein Zeichen dafür, daß die großen Gedanken des Städtebaues eine neue Epoche des Zusammenwirkens aller Kräfte zur Lösung eines neuen großen Problems herbeizuführen im Begriffe stehen. Handel und Verkehr Niederdeutsche Bank. Die Deutsche Treuhand=Gesellschaft teilt den Berliner Blättern folgendes mit: Mit Rücksicht darauf, daß sich bei der Anmeldung von Forderungen, die für die Uebernahme der Banken in Betracht kommen, verschiedene Anstände, die durch Rückfragen erledigt werden mußten, ergeben haben, erschien es angemessen, die für die Uebernahme gestellte Frist auf einige Zeit zu verlängern. Die beteiligten Banken haben sich aus diesem Grunde bereit erklärt, das Ende der Anmeldefrist bis zum 15. September 1910 hinaus zu schieben. Bisher sind Anmeldungen von zirka 5500 Gläubigern mit einem Gesamtbetrage von mehr als 5000000 Mark eingelaufen. Seitens des Konkursverwalters ist die Aneckennung der Forderung in dankenswerter Weise außerordentlich beschleunigt worden, so daß die Deutsche Treuhand=Gesellschaft bereits in den letzten Tagen in der Lage war, die entfallenden Beträge in weitem Umfange zur Versendung zu bringen. Letzte Telearamime Wagenunfall der Kaiserin. Berlin, 31. Aug. Die Kaiserin besuchte gestern nachmittag mit der Prinzessin Viktoria Luise den Rosengarten im Tiergarten. Auf der Rückfahrt im Zweispänner stürzte auf der Charlottenburger Chaussee infolge der Glätte des Asphalts das Handpferd und zog das andere Pferd mit nieder. Die Kaiserin wollte aussteigen, inzwischen war es aber dem Kutscher gelungen, die beiden Pferde mit den Zügeln wieder emporzureißen. Die Fahrt konnte dann ohne Unterbrechung fortgesetzt werden. Preßstimmen zur Marienburger Kaiserrede. Die Marienburger Rede des Kaisers wird im all gemeinen günstiger beurteilt, als die Königsberger Worte; vielsach wird der Ansicht Ausdruck gegeben, daß der Kaiser die unbeabsichtigte Wirkung jener Rede habe abschwächen wollen. Auch meint man, daß der Appell des Kaisers dazu dienen soll, die Sammlungspolitik des Reichskanzlers zu unterstützen. Die„Kölnische Zeitung“ verlangt den Schluß der Debatte über die Königsberger Rede. Das Blatt schreibt: Jeder, dem es ernst ist um den Frieden in unserem Vaterlande, wird diese Worte mit aufrichtiger Genugtuung und mit größerer politischer Befriedigung vernehmen, als die ministerielle Interpretation in der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung. Die„Von“ sagt: Durch diese Erklärung zeigt sich insbesondere daß jene Worte aus Königsberg ein rein persönliches Bekenntnis des Verhältnisses Wilhelms 2. zu seinem Gott darstellten. Das aber hat mit der Verfassung und dem Staatsrecht nichts zu tun. Hierzu hat Wilhelm 2. ebensogut ein Recht wie irgend ein anderer Christ oder Freidenker. Die religiöse Stimmung in die Wilhelm 2. sich versetzt hat, leitet ihn dann über zu einer ernsten Mahnung, an alle Stände, Konsesssionen und Parteien seines Volkes. Wir dürfen annehmen, daß dies nicht nur der persönlichen Stimmung Wilhelms 2. in einem Augenblick entspricht, sondern daß daraus das politische Programm des Reichskanzlers spricht. Im Interesse unseres Vaterlandes können wir nur wünschen, daß die kaiserliche Mahnung und das Streben des Reichskanzlers zur Sammlung der nationalen bezw. bürgerlichen Parteien Erfolg haben. Die„Germania“ sagt: So wenig praktischen Erfolg wir uns auch vom den Worten des Kaisers versprechen, wir sind doch sehr erfreut über sie. Zeigen. sie uns doch, daß er über den Parteien und ihrem Streit stehen will und steht und sich durch konfessionelle, politische oder wirtschaftliche Hetzer nicht beeinflussen läßt. Vom Geiste des Christentums waren die kaiserlichen Worte in Marienburg durchtränkt. Sollte es denn ganz undenkbar sein, daß alle guten Christen sich vereinigten, um wenn auch nicht allem Streiten ein Ende zu machen, so doch dem Kampfe mit vergifteten Wafsen und den gewerbsmäßigen Friedensstörern entgegenzutreten? Auch die„Deutsche Tagesztg.“ gibt einem ähnlichen Gedankengang Ausdruck. Die„Tägliche Rundschau“ bemerkt: Die Marienburger Rede des Kaisers, die wir noch in unserem heutigen Morgenblatt den Lesern mitteilen konnten, erweckt ebensoviel Dankbarkeit und herzliche Zustimmung, als die Königsberger Rede Widerspruch gefunden hat. Möge der Königsberger Zwischenfall schließen Neu! Din Schmuck des Gesichte für Kurzsichtige Geradesltzende Patent-Kneifer. int ein den Augen, Nasen u. Gesichtslormen angepasster Kneifer e. eine richtig eitsende Brille. Spezialltät: Aufertidung nach ärztlicher Vorschrift. Wilhelm Waek. gpliecder Hettn, Westenhellwen 96, 83 a. Drücketr, 4, Hotel„Zum Römlechen Kalser! Wir bitten unsere verehrl. Leser, bei Be—— stellungen oder sonstigen Anknüpfungen, welche auf Grund hier abgedruckter Annoncen erfolgen, sich stets auf das Dortmunder Tageblatt zu berufen. Kreilit i. teierfitel Kröurt i jeder Höhe! Zahlungseinteilung ganz nach Wunsch! Streng reelle Bedienung! Kolossal billige Preise Enorm reiche Auswahl! 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Der Großherzog begrüßte zunächst seine kaiserliche Schwester durch Handschlag und Kuß, darauf seinen kaiserlichen Schwager in herzlicher Weise. Nach der Begrüßung, zu der keinerlei Militär erschienen war, fuhren die Herrschaften in offenen Automobilen durch die reichgeschmückte Stadt, vom Jubel der Bevölkerung begrüßt, nach dem Schloß, und zwar im ersten Automobil die Kaiserin von Rußland mit der Großherzogin von Hessen und dem Großfürsten Thronfolger, im zweiten Wagen der Zar mit seinem Schwager, dem Großherzog, und in einem dritten Automobil die kaiser. lichen Kinder. Die Stadt Friedberg hat reichen Schmuck angelegt und die freudigen Hurrarufe der Menge, welche alle Fenster besetzt hielt, gab dem Empfang einen überaus freundlichen Charakter. Friedberg(Hessen), 30. Aug. Ein Russe namens Mandelbera: der verdächtig ist, Anarchist zu sein, wurde gestern abend in Bad Nauheim verhaftet. Da er sich nicht ausweisen konnte, wurde er der politischen Polizei übergeben. Friedberg: 30. August. Die Kriegervereine bileten bei dem Empsange Spalier. Die Polizei hat wei augenscheinlich betrunekne Personen verhastet, die Drohungen gegen den Zaren ausstießen. Auf aus Rußland eingegangene Anzeigen hin sand eine scharfe Ueberwachung aller Bahnhöfe statt, die von dem kaiserlichen Sonderzuge passiert wurden. Frankfurt a. M., 31. August, Die„Kleine Presse“ meldet aus Friedberg: Bei der Ankunft des Die heute glücklich erfolgte Geburt eines kräftigen SI zeigen hiermit hocherfreut an Louis Mentler und Frau, Martha geb. Beisner. Restaurant Tivoli Dortmund, den 29. August 1910. 1455 B vom Blatt Klavier zu spielen. Zarenpaares hatten die spalierbildenden Feuerwehr= und Kriegervereine, sowie das Militär mit abgewandtem Gesichte Ausstellung nehmen müssen. Die Reichstagsersatzwahl in Warburg=Höxter. Warburg, 30. Aug. Prof. Spahn ist mit großer Majorität gewählt. Die Beteiligung war schwächer, als bei der letzten Wahl. Schwerer Sturz von Dragonern. Metz. 30. August. In Colmar stürzten gestern sechs Soldaten des Dragonerregiments Nr. 14 bei einer Regimentsübung vom Pferde. Einer brach das Genick und war sofort tot, drei andere wurden schwer verletzt. Zur Landung eines deutschen Ballons in Rußland. Petersburg, 31. Aug. Die drei Insassen des Berliner Ballons„Tschudi“(nicht„Harald"), die am Sonntag nach ihrer Landung bei dem Dorfe Dlutow von der russischen Ortsbehörde verhaftet wurden, sind gestern nachmittag aus der Haft entlassen worden. Tactoncchriff ermöglicht Kindern und Erwach TäStenSchrist senen ohne Notenkenntnis sofort rospekt u. Probestück gratis. Musik-Verlag„Euphonie“ Pankow 451 b. Berl. Auß. mehr. Opernmelodien enth. uns Ausg.„Fidel. Bauer, Dollarprinzessin etc. Rechtsschutzstelle für Frauen des Vereins Frauenbildung— Frauenerweb Balkenstratze 18. 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August cr. tagte unter großer Beteiligung im Lokale des Herrn Behler, Schwanenwall 11 eine Versammlung zur Gründung eines Vereins ehem. 137. Kamerad B. eröffnete, leitete die Versammlung und legte in kurzen Worten Zweck und Ziel der Gründung dar. Auch war der Vorstand des Krieger-Vereins ehem. 137. Bochum erschienen, um den Dortmundern mit Rat und Tat behilflich zu sein. Von den Anwesenden wurde auch manche schöne Auregung gegeben und dadurch in der Versammlung eine solche Begeisterung entfacht, daß sich sofort 50 Kameraden zur Aufnahme bereit erklärten und freiwillig ein Scherflein zum Gründungsfonds beisteuerten. Nachdem nun der Verein festgelegt war, wurde zur Vorstandswahl geschritten, wobei recht eifrige Mitglieder gewählt worden sind. Eine 2. Versammlung findet am 11. September 1910 nachmittags 4 Uhr in demselben Lokale statt. Ein tüchtiger Redner vom Bochumer Verein ehem. 137 wird anwesend sein. Noch nußenstehende Kameruden sind zu dieser Versammlung freundlichst eingeladen. 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Ein weiterer Fall betrifft die Verkäuferin Elise Szwoda, die in der Lynarstraße in Spandau wohnt, aber in Charlottenburg beschäftigt ist und dort heute vormittag unter choleraverdächtigen Symptomen erkrankt ist. Sie wurde in das Charlottenburger Krankenhaus in die Isolierbaracke gebracht. Die bakteriologische Untersuchung der choleraverdächtigen Fälle aus der Oderbergstraße 47 im Institut für Infektionskrankheiten ist noch nicht abgeschlossen. Die Untersuchung wird ebenso wie in den Spandauer Fällen durch Professor Dr. Lentz vorgenommen. Er ist schon heute der Ansicht, daß in den vier vorliegenden Fällen aus der Oderbergstraße asiatische Cholera wahrscheinlich nicht vorliegt.— Das Befinden des im Spandauer Krankenhause untergebrachten Desinfektors Naumann ist schwankend, das des Hilfsrevisors Sarnow gut. Sarnow dürfte mit dem Leben davonkommen. In dem Zustande der unter Beobachtung stehenden elf Personen ist keine Veränderung zu verzeichnen. Heute vormittag wurden aber noch drei Mädchen, die ebenso wie Sarnow in dem Munitionswerk beschäftigt waren, unter Beobachtung gestellt. Berlin, 30. Aug. Die bakteriologische Untersuchung der in das Rudolf=Virchow=Krankenhaus eingelieferten Personen, bei denen Choleraverdacht vorlag, hat ein negatives Resultat gehabt. Berlin, 31. Aug. In das Krankenhaus Westend wurde gestern abend die Elisabeth Hohenberg, die bei ihrer Mutter in Halensee wohnt, unter Choleraverdacht eingeliefert. Frl. Hohenberg war in einem Laboratorium in Charlottenburg beschäftigt. Spandau, 30. Ang. Hier sind heute morgen zwei neue Fälle von Cholera zur polizeilichen Meldung gelangt. Es handelt sich um den 12jährigen Schulknaben Buchholz und den 40jährigen Glasermeister Wachtel, die zur Beobachtung eingeliefert wurden, wo sie schwer krank daniederliegen. Die Untersuchung wird ergeben, ob es sich um wirkliche Cholera handelt. Erzerum, 30. Aug. Hier sind zwei neue Cholerafälle vorgekommen. von denen einer tödlich verlaufen ist. Standesamts=Nachrichten. Dortmund 1, vom 30. August. Geburten. Ein Sohn: Schaltwärter Brickenkamp, Ardeystr. 99. Vocarb. Kozlowski. Kaufm. Kcopp, Uhlandstr. 36. Vorwalzer König, Falkenstr. 22. Schleifer Kossak, Kesselstr. 63. Tiefhauuuternehmer Korte, Hohensyburgstr. 77. Brauer Schmel, Hohensyburgstr. 82. Eine Tochter: Arbeiter Pusdrowski, Kurfürstenstr. 39. Straßenhahnschaffner Komorowski, Scharnhorststr. 65. Rangierer Rakelbusch, Huckarderstr. 186. Gemüsehändler Hagemann, Uhlandstr. 29. Hauer Cybulski, Adler= str. 45. Kaufm. Dreike, Steinstr. 7. Anstreicher Luckhardt, Neue Beurhausstr. 15. Sterbefälle: Maria Schrader, Bülowstr. 5, 4 M. Reinhardt Didzur, Treibstr 57, 1 M. Ehefrau Maria Kahle, Adolfstr. 9, 33 J. Dortmund 2, vom 30. August. Geburten. Ein Sohn: Hauer Wulf, Bergmannstr. 3. Schmied Chmielecki, Dürenerstr. 66. Hauer Kudras, Bornstr. 88. Schlepper Gerhard, Brunnenstr. 20. Anstreichermstr. Frenzer, Oestermärschstr. 40. Maurer Kerschek, Lauenburgerstr. 9° Arbeiter Badinski, Güntherstr. 104.(Zwill.) Arbeiter Gotzen, Stahlwerkstr. 79. Hauer Selle, Schleswigerstr. 24. Eine Tochter: Arbeiter Statz, Gronaustr. 66. Bote Berger, Burgmundastr. 34. Arbeiter Wolinski, Flurstraße 5. Maurer Roll, Streckenstr. 14. Sterbefälle: Erich Orlowski, Enschederstr. 30, 18 T. Fuhrmann H. Seepe, Kaiserstr. 210a, 58 J. Kronenburg, Morgen Donnerstag gibt die Kapelle Hubert ihr 15. Garten=Konzert. Bei ungünstiger Witterung findet das Konzert im Saale statt. wenn auch geschäftlich ohne Erfahrung, aber mit Bekanntschaft und zutritt in vornehmeren Kreisen wird zum Verkauf von Spezial=Weinen gegen Fixum und hohe Provision für Dortmund und Umgebung sofort aufgenommen. Reflekanten wollen ihre Offerte an die Gesellschaft Tokajer Weinproduzenten A.-G. Vertriebs-Abteilung Budapest, V. Lipöt-körnt 2 einsenden. 1432 Von der Reise zurück! Martha Marx prakt. Zahnärztin 1446 Hordsternhaus, Markt 6—8. 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Er dankte den dänischen Genossen für ihre Gastfreundschaft und führte aus, daß das Anschwellen der dänischen sozialistischen Stimmen von 700 im Jahre 1878 auf 98.000 im Jahre 1910 am besten zeige, was die dänische Sozialdemokratie geleistet habe. Die proletarischen Erfolge seien aber auch wirtschaftliche Erfolge. In dieser Beziehung genüge es, darauf hinzuweisen, daß 120 000 Arbeiter gewerischaftlich organisiert seien und daß die sozialistische Presse ebenso viel Leser zähle. Der Redner teilt mit, daß alle Parteiorganisationen der Welt ausgefordert seien, zum Kongreß Berichte über den Stand der Bewegung in ihrem Lande zu erstatten. Von 33 Parteiorganisationen seien solche Berichte eingegangen. Das zeige, daß sämtliche Länder Europas sozialistisch organisiert seien. Aber auch Nordamerika, Australien und Afrika seien zum Teil der Sozialdemokratie erschlossen. Insgesamt habe die Sozialdemokratie jetzt acht Millionen Wähler hinter sich. Leider habe seit Stuttgart die sozialdemokratische Bewegung in England, Ungarn, Rußland und Argentinien einen Rückgang zu verzeichnen in der Zahl der angeschlossenen Organisationen. Der Rückgang sei aber nur scheinbar, denn in allen vier Ländern habe nur die brutale Gewalt der Reaktion die Bewegung zum Rückgang gebracht. In Argentinien namentlich sei es die heuchlerische Umschmeichelung der Massen gewesen, die den Rückgang verursachte. Es sei zu hossen, daß dieser Rückgang die Schassensfreudigkeit in den anderen Ländern nur steigern werde. Die herrschenden Klassen sollen nicht denken, daß sie mit brutaler Gewalt etwas erreichen können, namentlich nicht, wenn sie glauben, ihre Macht auf Bajonette stützen zu können Bajonekto seien zu allem gut, nicht jedoch dazu, daß man sich darauf setzt. (Heiterkeit.) Gefährlich werden sie, wenn sie anfangen zu denken. In Oesterreich sei mit der Einführung des allgemeinen Wahlrechts ein Fortschritt erzielt worden. In Rußland habe das vergossene Arbeiterblut den Boden gedüngt und für das Endziel fruchtbar gemacht. In Amerika sei die Zahl der Sozialdemokraten auf eineinhalb Millionen gestiegen, in England säßen 40 Sozialisten im Parlamente, und zwar Angehörige der Leaderpartei, die als die Vertreterin der Arbeitarinteressen zu gelten habe. Die entstandenen Verluste seien durch das Anwachsen der Bergarbeiterorganisationen wieder wettgemacht worden. In Stuttgait mußke festsestgestellt werden, daß in den parlamentarischen Vertretung in manchen Ländern ein Rückschritt eingetreten war. Auch hierin ist ein Wandel eingetreten. In Australien hat sich die Zahl der sozialistischen Vertreter verdoppelt. in Frankreich zählen wir 75 Vertreter im Parlamente. Diese Zahl ist der schlagendste Beweis für die Unhaltbarkeit der sogenannten unabhängigen sozialistischen Bewegung, denn dieses schöne Resultat haben wir allein der Einigkeik zu danken. Das zeigt, daß wir auch in den anderen Ländern die Einigkeit in den Vordergrund unserer Bestrebungen stellen müssen. Und Deutschland(Hört, hört!) Als wir in Stuttgart tagten, war in Deutschland ein Rückgang der sozialistischen Mandate eingetreten, der schlimmste seit dem Fall des Sozialistengesetzes. Aber schon in Stuttgart hatten wir den Eindruck, daß die deutsche sozialistische Partei wieder im Ausschwunge begriffen sei. Heute steht sie stärker als je da. Die deutsche gewerischaftliche Bewegung hat die Trade Unions vollständig in den Schatten gestel. Die Wahlrechtsbewegung hat eingesetzt und auch Preußen ist auf dem Marsche(Lebh. Beifall.) *** Kopenhagen, 29. Aug. eutige zweite Tag des Internationalen Sozi= altsten##gresses brachte zunächst die Prüsung der Mandate.“ Der ganze übrige Tag war der Arbeit der 5 Kommissionen gewidmet, in denen über„Die Genossenchaftsfrage“, die„Gewerkschaftsfrage, die antimilitaGaf Gauns-e- Rerstungen Seitend einer gesckrätzten-Rundoshaft und enfoige Gangjähriger graktiocher Sfahrungen det die Albteilung###— Jaga=Fleidung Rier im grossen Thectalhause, auf eine gelangt, die unbedingt vollkommengenannt werden mun Iie linden: Jaad-Annüge Taga-MMänter Jaaa-Johhen. WLetter-Mäntel. Jaan- Cantes Jaan.-Westen vorkommenden Jioffenund Jassond welche auf Haltbarkeit und X Uen Samaöchen, etc. ec. alled nur bea#e arzeug nuase crater Tabrikanten. Safelogader erzielten, gesezen Uruätze hind die Sreise die denkbar billigsten: J. Fischer Dortmund Deutschlands grösstes Spezialhaus. ristische Agitation, die Arbeitergesetzgebung, die Arbeitslosenfrage sowie über die eingebrachten Resolutionen verhandelt wurde. Zu dem ersten Thema der Genossenschaftsfrage liegt folgender Bericht der sozialdemokratischen Partei Deutschlands vor:„Die Genossenschaften können gesetzlicher Hindernisse wegen in Deutschland der Partei nicht angeschlosssen sein. Sie dürfen sich überhaupt nicht politisch betätigen. Die klassenbewußte Arbeiterschaft hat dennoch den politisch=neutralen Arbeiterkonsumvereinen ein reges Interesse zugewandt. Die durch die Zollgesetzgebung und die Vermehrung der indirekten Steuern hervorgerusene Teuerung der Lebensmittel und vieler unenibehrlicher Gebrauchsartikel weist die Arbeitermassen gebieterisch aus die Vorteile der Konsumgenossenschaften hin. Als vor einem Jahrzehnt infolge dieser Verhältnisse die Arbeiterschaft vielerorts eine umfassende Propaganda für den Eintritt der Genossenschaften entsaltete, verübten die kleinbürgerlich=liberalen Führer des„Allgemeinen Verbandes der deutschen Erwerbs= und Wirtschaftsgenossenschaften“ einen Staatsstreich und schlossen 99 Vereine auf dem Kreuznacher Verbandstage 1902 aus diesem Verbande aus. Am 17. und 18. Mai 1903 wurde unter Führung der ausgeschlossenen Vereine dann in Dresden der Zentralverein der Deutschen Konsumvereine gegründet, dessen Bestrebungen die Parteigenossen freundlich gegenüberstehen. Ueber die Stärke und das Arbeitsgebiet der Arbeiterkonsumvereine haben wir in unserem Tätigkeitsbericht an den Kopenhagener Kongreß Zahlenangaben gemacht. Die Eigenproduktion der Arbeiterkonsumvereine macht von Jahr zu Jahr größere Fortschritte. Am 1. Januar 1910 wurde der Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine nach 19jährigem eigenem Bestehen die Tabakarbeitergenossenschaft angegliedert. Im Mai dieses Jahres wurde eine Seisenfabrik in Betrieb gesetzt. Mit der Frage des Abschlusses von Lohn= und Arbeitstarisen zwischen den Genossenschaften und Gewerkschaften haben sich 1908 der Genossenschaftstag in Eisenach und der Gewerkschaftskongreß in Hamburg beschäftigt. Mit dem Verbande der Bäcker und mit dem Transportarbeiterverbande wurden Tarise abgeschlossen. Zur Schlichtung etwaiger Difserenzen besteht ein ständiges Tarisamt, das aus Vertretern der Gewerischaften und Genossenschaften zusammengesetzt ist. Die den Arbeiterkonsumvereine angehörenden Parteigenossen haben die Pflicht, dahin zu wirken, daß die Lohn= und Arbeitsbedingungen in den Konsumvereinen, denen sie angehören, für die Privatindustrie vorbildlich werden. Zu dem Thema:„Arbeitslosenfrage“, liegt ebensalls ein umfangreicher BeNoman von Ewald August König. 32 „Wollen es hoffen,“ sagte Poppert,„man läßt zwar kein## Haar an Ihnen, wenn von Ihnen die Rede ist, alerich glaube auch nicht alles, es wird viel unnütz Zeug geschwätzt. Heute kann ich Ihnen leider noch kein.„ stimmte Antwort geben.“ „ich bin auch nicht deshalb gekommen, eine andere Angelegenheit führt mich zu Ihnen. Sind Sie geneigt, mir ein Darlehen zu geben?“ Die Stirn des Maklers umwölkte sich, ein gezwungenes Läc eln spielte um seine Lippen.„Wie hoch?“ fragte er. „Nur tausend Taler.“ „Nur? Lieber Freund, tausend Taler sind, ein Kapital!" „Für viele Leute, mag sein, nicht aber für Sie oder mich. Natürlich bewillige ich den Zinsfuß, den Sie fordern werden, ich befinde mich augenblicklich in Verlegenheit, mein Vater hatte mir das Geld versprochen, aber nun, da die Verlobung sich zerschlagen hat, will er es mir nicht geben. Sie dürfen mir es nicht abschlagen, das Geld ist Ihnen ja auf alle Fälle sicher. Ich werde Ihnen einen Schuldschein ausstellen, vielleicht kann ich ihn schon in den nächsten Tagen wieder einlösen.“ Bevering hatte bei den letzten Worten sich an den Schreibtisch gesetzt, und eine Feder aufgenommen, ohne auf eine Antwort zu warten, begann er mit der Ausfertigung des Scheines. „Warten Sie bis morgen,“ sagte der Makler,„heute kann ich Ihren Wunsch nicht erfüllen, ich habe nicht so viel bares Geld im Hause. So sehr wird es ja nicht eilen, vielleicht kann ich es bis morgen möglich machen.“ „Schenken Sie mir kein Vertrauen?“ fragte Bevering, unwillig die Feder hinlegend. „Volles Vertrauen. Ich weiß sa, daß mir das Geld sicher ist. Aber Sie glauben nicht, wie sehr meine Kasse in der letzten Zeit in Auspruch genommen wurde, und wie schwer es hält, ausstehende Forderungen einzuziehen; zum Nehmen sind die Leute immer bereit, nicht aber zum Geben.“ Der junge Herr hatte sich erhoben, ärgerlich drehte er an den Spitzen seines Knebelbartes.„Ich war auf diese Weigerung nicht vorbereitet,“ sagte er,„ich hatte mit Sicherheit erwartet, daß Sie mir die kleine Summe geben würden.“ „Habeich sie Ihnen verweigert?“ unterbrach Poppert ihn.„Ich bitte Sie nur, sich bis morgen zu gedulden, und zwar aus dem einfachen Grund, weil ich das Geld augenblicklich nicht besitze. Sie wollen mich ja ohnedies morgen wieder besuchen, dann läßt sich weiter darüber reden.“ Die Ruhe, mit welcher der Makler diese Antwort gegeben hatte, ließ den jungen Bevering erkennen, daß alle weiteren Bemühungen, heute das Geld von ihm zu bekommen, nunmehr nutzlos sein würden. „So will ich denn auf Ihr Wort vertrauen und morgen wieder vorsprechen,“ erwiderte er, während er das Lorgnon auf die Nase klemmte und seinen Hut nahm, wir beraten dann auch über die andere Angelegenheit, deren glatte Erledigung Ihnen wohl ein Opfer wert sein wird. Wünsche wohl zu speisen.“ Der Makler sah ihm mit einem tückischen Blick nach. Morgen werde ich wohl einen andern Grund finden, ihn inzuhalten,“ brummte er, im Begriffe, ebenfalls das Zureau zu verlassen, als die Tür leise geöffnet wurde und Wilhelm Richter in ihrem Rahmen erschien. „He, was wollen Sie hier?“ rief der Makler erschreckt. ebe nichts, an der Tür.“ emach!“ unterbrach ihn Wilhelm.„Sie wissen ja noch nicht, ob ich etwas holen oder bringen will.“ „Sie mir etwas bringen?“ „Weshalb nicht? Haben Sie schon den Brief vergessen, den Sie gestern einem Kinde gewaltsam entrissen?“ Hilarius Poppert zog die Brauen hoch hinauf.„Ah .. Sie sind?“ fragte er. „Der Bruder des Mannes, an den Sie geschrieben haben. 440 „Und weshalb kommt er nicht selbst?“ „Weil er keine Zeit hat.“ „So, so,“ sagte der Makler, ihm einen Stuhl anbietend.„Da er Sie nun geschickt hat, so darf ich wohl annehmen, daß Sie mit der Angelegenheit vertraut sind?“ „Völlig vertraut," bestätigte Wilhelm,„vorab soll ich Ihnen diesen Brief übergeben.“ Mit einem mißtrauischen Blick auf den Ueberbringer entfaltete Poppert das Schreiben, das nur wenige Zeilen enthielt. „Ihr Bruder scheint darüber ungehalten zu sein, daß der Brief gestern in meine Hände gefallen ist,“ sagte er spöttisch,„er soll sich eher über diesen glücklichen Zufall freuen. Der Herr, dem er die Papiere anbieten wollte, hat selbst nichts, von dem darf er nichts erwarten, und hiervon abgesehen, ist auch mit so großen Herren nicht gut Kirschen essen.“ „Das habe ich meinem Bruder auch gesagt," erwiderte Wilhelm ruhig. „Also stimmen wir in diesem Punkte miteinander überein?“ „Vollständig, bares Geld ist besser, als ein glänzendes Versprechen.“ „Ihr Bruder schreibt mir, ich könne mit Ihnen unterhandeln, Sie würden mir die Papiere aushändigen.“ „Gegen Zahlung der Summe, die wir fordern.“ „Haben Sie die Papiere mitgebracht?“ „Nein.“ „Ah, weshalb nicht?“ „Der Grund ist sehr einfach. Ich konnte nur am Gittertor mit meinem Bruder reden, er wagte nicht, mir am hellen Tage die Papiere zu überreichen, der mißtrauische Doktor beobachtet sein Personal unausgesetzt.“ „Wissen Sie, was die Papiereenthalten?“ fragte Poppert mit wachsender Ungeduld.4— „Natürlich, ich habe sie gelesen.".. „Nun" an 6 K K* „Eine furchtbare Anklage gegen den Präsidenten von Haberloh und den Doktor Leiner.“ „Auch die nötigen Beweise für diese Anklage?“ „Wie es scheint: ja!“ „Mankönnte also mit diesen Papieren die beiden vernichten?“ —.„Wenn man's richtig anfaßt, gewiß!“ Der Makler nickte befriedigt.„Und welchen Preis fordern Sie?“ fragte er. „Darüber bin ich mit meinem Bruder noch nicht einig geworden,“ erwiderte Wilhelm.„Er verlangt nach meiner Ansicht zu viel, ich habe ihm gesagt, ermüsse den Preis etwas niedriger stellen, dann aber strengste Verschwiegenheit fordern, so daß er keine Gefahr laufe, aus seiner einträglichen Stelle entlassen zu werden. Verstehen Sie mich?" richt der Deutschen vor, der einleitend besagt:„Das deutsche Reich hat zur Linderung der Not der Arbeitslosen bisher nichts getan. Eine Denkschrift, die die Reichsregierung 1906 auf das Drängen unserer Genossen hin veröffentlichte, hatte keinerlei prakitsche Konsequeuzen. Am 13. November 1909 wurde im deutschen Reichstage eine Interpellation der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion verhandelt, welche den Reichskanzler aufforderte, sich über die Maßnahmen zu erklären, mit denen die Regierung die Not der durch die Krise arbeitslos gewordenen Arbeiter zu lindern gedächte. Der Redner der sozialdemokratischen Partei meinte, daß sich mit jährlich 220 Millionen Mark eine Arbeitslosenversicherung durchführen lasse. Dieser Betrag sei ein im Vergleich zu den jährlichen Ausgaben für Heer und Flotte niedrige Summe. Die Interpellation wurde dem jetzigen Reichskanzler Herrn v. Bethmann Holl weg beantwortet der auf die Beschleunigung einige Staatsarbeiten hinwies und im übrigen die Arbeits losen mit wohlwollenden Redensarten abspeiste. Er er klärte, von der Möglichkeit einer Durchführung der Arbeitslosenversicherung durch das Reich nicht überzeug zu sein. Zu dem Thema:„Das Schiedsgericht und die Ab, rüstung“ laute tder Bericht der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands: „Die Frage der Abrüstung wurde im deutschen Reichstage im Winter 1908=09 eingehend erörtert, Die sozialdemokratische Reichstagssraktion hatte die Erklärungen, die der englische Premierminister Asquith am 16. März im Unterhause über ein gegenseitiges Abkommen wegen Herabsetzung der Ausgaben für Seerüstungen abgegeben uno zu welcher der Vertreter des deutschen auswärtigen Amts in der Budgetkommission des Reichstages nur zweideutige Erklärungen abgegeben hatte, zum Anlaß genommen, durch eine Resolution den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, unter Hinweis aus die auch von der deutschen Regierung gebilligten Beschlüsse der Haager Konserenzen in den Jahren 1899 und 1907 die erforderlichen Schritte zu tun, um eine internationale Verständigung der Mächte zur gegenseitigen Begrenzung der Rüstungen zur See sowie zum Verzicht auf das Seebeuterecht baldigst in die Wege zu leiten“. Diese Resolution wurde am 29. März 1909 im Reichstage beraten. Der Redner der sozialdemokratischen Fraktion wies dabei besonders auf die Friedenskundgebungen der englischen Arbeitervertreter hin und erklärte, daß die sozialdemokratische Fraktion in der Frage der Abrüstung völlig eins sei mit den Vertretern der Arbesterpartei im englischen Unterhause. Eine Verständigung sei möglich, wenn Deutschland auf die Beschränkung der Rüstungen und England auf die Abschaffung des Seebeuterechts eingehen würde. Der damalige Reichskanzler, Fürst von Bülow, erwiderte daß bisher keine brauchbare Formel für eine internationale Verständigung über die Abrüstungsfrage gesunden sei, und er sagte weiter, daß Deutschland nur von dem selbstverständlichen Recht Gebrauch mache, über innerdeutsche Verhältnisse nicht mit dem Auslande zu diskutieren. Der mit diesen Worten aufgestellte Grundsatz machte natürlich eine internationale Verständigung überhaupt unmöglich. Trotzdem hatte der Reichskanzler Fürst Bülow bei dieser sinnlosen Phrase den Beifall aller bürgerlichen Parteien, einschließlich der liberalen Parlamentarier, die der internationalen Friedensliga angehören! Nur ein einziger liberaler Politiker stimmte mit den Sozialdemokraten für deren Resolution über die Anbahnung von Verhandlungen wegen der Beschränkung der Rüstungen zur See. Es ist überhaupt bezeichnend, daß im Gegensatz zu der Tradition früherer Jayrzehnte die Linksliberalen seit einigen Jahl ren allen Militär= und Marineforderungen der Regierung zustimmen. Im Kampfe gegen Militarismus und Marinismus steht in Deutschland die Sozialdemokratie allein. Das Steigen der Zahl der Mitglieder ihrer Organisationen und der Leser ihrer Parteipresse, die 3 2500000 Stimmen ihrer Wähler sind die beste Garantie, die es zurzeit in Deutschland zur Aufrechterhaltung des Friedens gibt Die herrschenden Klassen fürche ten, daß die Folgen eines Krieges in erster Linie der Sozialdemokratie zu gute kommen. Das gab auch Fürst „Vollkommen, Sie sind jedenfalls klüger und vorsich tiger als Ihr Bruder. Wann wollen Sie mir die Papiere bringen?“ „Sobald das ohne Gefahr für meinen Bruder geschehen kann.“ „Ohne Gefahr? Wenn ich Ihnen Verschwiegenheit verspreche...“ „Das allein geitügt nicht, es muß auch dafür Sorge getragen werden, daß niemand mich in diesem Hause sieht. Ich werde also am Abend kommen, und es wäre mir lieb, wenn ich Sie hier allein fände; ja, ich muß das zur Bedingung machen, weil jedenfalls Dinge zur Sprache kommen werden, die außer uns beiden niemand hören darf.“„„„ Hilarius Poppert nickte zustimmend; er war berett, jede Bedingung, so weit sie die Geldfrage nicht betraf, zu erfüllen, um sich in den Besitz der wertvollen Papiere zu bringen. Hoffte er doch, mit diesen Papieren den Prä, sidenten zwingen zu können, alles zu bewilligen, was er von ihm verlangte. „Ich bewohne mit meiner Tochter dieses Haus allein,“ sagte er,„Sie können sich also darauf verlassen, daß...“ „Gut, Sie werden aber Ihrer Tochter nicht sagen, daß ich komme, Sie werden ferner dafür sorgen, daß sie sich, wenn wir hier unterhandeln, in den oberen Räumen des Hauses befindet. Ich muß in dieser Beziehung volle Sicherheit haben, wollen Sie es mir versprechen?“ „Sie dürfen sich darauf verlassen, ich werde dafür sorgen, daß wir ungestört sind. Kommen Sie heute abend, ich erwarte Sie, sobald es dunkelt, Sie werden mich an der Haustür finden, damit Sie nicht lange zu warten brauchen. Sind es viele Papiere?“ „Ein ansehnliches Paketchen.“89 „So werde ich lange Zeit zu ihrer Prüfung bedürsen“ „Ich glaube, wenn Sie eins von diesen Schriftstücken gelesen haben, werden Sie auch schon wissen, was Sie ür das Ganze zahlen können. Aber auf sofortige bare Zahlung müssen wir dringen, sorgen Sie also auch, daß Sie das Geld im Hause haben.“ #„Wie viel?“ fragte Poppert lauernd.### „Na, einige tausend Taler werden Sie immerhin zahlen müssen, wir werden uns über den Preis wohl eini„Dssh K. Artrlc.Ger 192 19 183 19 Bülow am 5. Dezember 1904 im Reichstage zu, als er sagte:„Der Herr Abgeordnete Bebel hat weiter gemeint, die Früchte eines großen europäischen Krieges würde in erster Linie die Sozialdemokratie davortragen. Diese Auffasssung halte ich für richtig, und das ist ein Grund mehr, warum die Regierungen aller großen Länder, wie ich hosse, festhalten werden an ihrer jetzigen ruhigen und besonnenen Friedenspolitik“. Zu den Kommissionsverhandlungen, die noch den morgigen ganzen Tag in Anspruch nehmen werden, sind nur die Delegierten und die sozialistischen Journalisten zugelassen. Unter diesen befindet sich auch der frühere Vorwärts=Redakteur, der zuletzt die revisionistische fränkische Tagespost in Nürnberg redigierte, nunmehr aber den journalistischen Redaktionsstaub desinitiv von seinen Füßen geschüttelt und eine sozialdemokraitsche Zeitungskorrespondenz gegründet hat, die den Parteiblätkern„Stimmungsbilder“ von jbürgerlichen und sozialistischen Kongressen bietet. Das Fehlen Bebels und Singers macht sich auch recht bemerkbar und hat dem Kongreß einen großen Teil seiner Zugkraft genommen. Daher sucht der lebhafte belgische Sozialist van der Belde in die Bresche zu springen ,und als er gestern gegen das persönliche Regiment und das Gottesgnadentum polemisierte, mußte man ihm zugestehen, daß er sich in der Aeußerung seines Temperaments ganz wie ein kleiner Bebel machte. Im weiteren Verlause des heutigen Tages fand noch eine Sitzung des Internationalen Sozialistischen Bureaus und der Interparlamentarischen Kommission sowie eine Zusammenkunft der sozialistischen Redakteure statt. Deutscher Innungs= und Handwerkertag. S. u. H. Berlin, 29. August. Im großen Festsaal des Handwerkskammergebäudes begann heute der Allgemeine deutsche Innungs= und Handwerkertag, der aus allen Teilen Deutschlands zahlreicht besucht war. Bereits am Sonntag traten die Delegierten zu einer Vorversammlung zusammen, in der die Tagesordnung für die Hauptversammlung festgestellt wurde. Sie umfaßt 16 Punkte, u. a. steht der Schutz der Arbeitswilligen, die Gefäggnisarbeit, die Reichsversicherungsordnung und die Bildung von Arbeiterkammern zur Beratung. Ehrenobermeister Richt=Berlin eröffnete die Tagung mit dem Kaiserhoch und begrüßte dann die erschienenen Ehrengäste, die dankten und ersprießliche Beratungen wünschten. Hierauf wurde ein Huldigungstelegramm an den Kaiser abgesandt. Syndikus Dr. Müffelmann erstattete den Tätigkeitsbericht des Zentralausschusses der vereinigten Innungsverbände seit dem Eisenacher Handwerkertage. Der Zentralausschuß sei besonders bemüht gewesen, das ohnehin schon überlastete Handwerk vor weiteren Belästigungen zu schützen. Weiter habe er zu den einschlägigen Gesetzentwürfen Stellung genommen, um rechtzeitig die Wünsche des Handwerks zur Geltung zu bringen. Er werde das auch in Zukunft tun. Darauf sprach Dr. Coelsch, Geschäftsführer der Deutschen Mittelstandsvereinigung über: Kreditierung offener Buchforderungen. Hierzu lag folgende Resokution vor: „Der Allgemeine Innungs= und Handwerkertag erkennt in der Diskontierung offener Buchforderungen ein wirksames Mittel zur Bekämpfung des Borgunwesens und Erziehung der Handwerker zu einer geordneten Buchführung. Er beauftragt den Zentrakausschuß Fürsorge zu treffen, daß Institute zur Diskontierung der Buchforderungen bald überall errichtet werden.“ Dr. Coelsch führte aus, daß die Warenhäufer infolge der Barzahlung um 20 Prozent billiger kaufen als die kleinen Gewerbetreibenden. Durch die Diskontierung offener Buchforderungen werde der kleine Mann konkurrenzfähiger. Der alte Krebsschaden des Handwerks, das Borgunwesen müsse beseitigt werden. Die Resolution wurde angenommen. Ueber das„Thema Fabrik und Handwerk“ referierte der Obermeister der Schlosserinnung Stettin Berndt Er forderte, daß die Fabrikbetriebe, die handwerksmäzig ausgebildeten Gehilfen beschäftigten, für letztere Betrage an die Innungen zu zahlen haben, und daß von Großbetrieben gehaltene Lehrlinge und jugendliche Arbeiter, die zu Gesellen ausgebildet werden, bei den Innungen unter Zahlung der von letzteren festgesetzten Gebühren sich einschreiben und die Gesellenprüfung bei ihnen machen müssen. Bedauerlich sei, daß die Begriffe Fabrik und Handwerk noch immer nicht gesetzlich festgelegt seien. Die bisherigen Auslassungen lassen an Unklarheit nichts wünschen. Die Grenzlinie zwischen Handels= und Handwerkskammer müssen genauer gezogen werden, als es bisher der Fall war. Fischer(Leipzig): Die Hauptsache ist, daß wir von der Großindustrie Unterstützung erhalten für die Ausbildung der Lehrlinge. Es handelt sich um eine Ehrenpflicht der Großbetriebe, und der Reichstag sollte die Großbetriebe zwingen, dieser Pflicht zu genügen. Obermeister Rahardt(Berlin) führt aus: daß der Fabrikbetrieb gar nicht in der Lage sei, Leute auszubilden, wie sie unser guter Ruf erfordert. Deshalb sei es nötig, eine Verständigung mit der Industrie herbeizuführen. Bei beiderseitigem guten Willen werde sich ein Modus finden lassen, der allen berechtigten Wünschen entspricht. Auf gesetzliche Maßnahmen werde man noch sehr lange warten müssen. Vielleicht erlebe es keiner der Anwesenden, daß die Gesetzgebung eingreift. Besser eine Verständigung mit der Großindustrie als fragwürdiger Prozeß. Es werde eine Resokution angenommen, in der es für notwendig erklärt wird, daß die Großbetriebe für die Ausbildung der Lehrlinge Beiträge an die Innungen zahlen. Ueber Lehrlingsausbildung sprach der Obermeister der Berliner Schlosserinnung Markus. Er empfahl folgende Resolution:„Der Allgemeine Deutsche Innungs= und Handwerkertag erklärt sich I grundsätzlich mit der Einrichtung der Pflichtfortbildungs* schule einverstanden. Er verlangt dabei die Bildung i von Beiräten in denen mindestens zwei Drittel der Mitglieder Handwerker sind und welche bei der Festsetzung Aönigsproklamation in Cetinje. Vor dem fürstlichen Palais nach der Königsproklamation in dettinje Der große Schritt ist getan. Das Land der schwarzen Berge hat sich, wie kurz berichtet, aus eigner Machtvollkommenheit zum Königreich gemacht und ist nunmehr als letztes der Balkanländchen in den Kreis der europäischen Königreiche eingetreten. Unter großer Beteiligung seines Volkes und umgeben von vielen Fürstlichkeiten, darunter seinem Schwiegersohn, dem König von Italien, nahm Fürst Nikita die von ihm von der Skupschtina angetragene Königswürde an. Unser Bild zeigt die begeisterte Einwohnerschaft der montenegrinischen Hauptstadt nach der Königsproklamation vor dem königlichen Palais. Begrüßt von den Jubelrusen ihres Volkes mußten sich der König und die Königin immer wieder aus dem Balkon zeigen. Die asiatische Cholera in Deutschland und Oesterreich. Pest-cülturen *„„ I e S. Pest-Bazillen. S **4 * 50 S S S Die asiatische Cholera; dieser unheimliche Sommergast hat seine Wege nunmehr auch nach Deutschland und Oesterreich gefunden, und trotz aller sanitären Vorsichtsmaßregeln bereits mehrere Todesopfer gefordert. Da die entsprechenden Maßnahmen der Sanitätsbehörden jedoch setzt auf das strengste durchgeführt werden, und von den Behörden außeroredntlich energische Schutzmaßregeln in Anwendung kommen, dürfte die Krankheit sich kaum ausbreiten. Das neue ausgedehnte Auftreten der Krankheit lenkt die Aufmerksamkeit wieder auf den Erreger der Cholera, den von Robert Koch im Jahre 1883 entdeckten Kommabazillus. Auf dem beistehenden Tableau sind die gefährlichsten Bazillen dargestellt; es sind dies neben den Cholerabazillen die Tuberkel= und die Pest bazillen. Die Cholerabazillen, deren surchtbare Wirkung besonders in Rußland sast alljährlich sich bemerkbar macht, werden gewöhnlich mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser ufw. verschluckt und gelangen so in den Darm, wo sie sich reichlich entwickeln und von hier aus ihre Gifte dem Körper mitteilen. Eigenartig ist, daß die Cholera nicht von Person zu Person ansteckend wirkt; zur sicheren Erkennung der Cholera benutzt man zwei Arten von Serum, welche aus Kaninchen= bezw. aus Pferveblut gewonnen werden. Die in der Zeichnung dargestellten Kommabazillen sind ebenso wie die übrigen darauf enthaltenen Bakterien mikroskopisch kleine, einzellige mit Zellenwand und Protoplasma versehene Organismen. —— der Lehrpläne mitzuwirken, sowie das Recht zum Besuch der Unterrichtsstunden haben. Die Unterrichtsstunden sind so zu legen, daß sie ohne Schädigung der Werkstattlehre erfolgen können. Ein etwaiger Ergänzungsunterricht im Zeichnen soll an den Sonntag Vocmittagen stattfinden. Der Besuch einer Fachschuke soll von dem Unterricht an der Pflichtfortbildungsschule, jedenfalls aber von dem Zeichenunterricht in derselben entbinden. Der Fachunterricht soll möglichst von Fachleuten, die in der Praxis stehen, erteilt werden. Strafbestimmungen für Meister wegen Versäumnis ihrer Lehrlinge dürfen nur Geldstrafen, nicht aber Hast= und Gefängnisstrafen erhalten.“ Hannover, 30. Aug. Die hiesige Polizei verhaftete drei galizische Arbeiter unter dem dringenden Verdacht, in der Nacht zum 19. Juli in der Nähe von Marschwitz bei Deutsch=Lissa in Posen einen 18jährigen galizischen Arbeiter durch zahlreiche Messerstiche ermordet und beraubt zu haben. Die Täter waren nach der Tat ins Ausland geflüchtet und sind später nach Deutschland zurückgekehrt. Einer der Verhafteten hat bereits ein Geständnis abgelegt. Ratibor, 30. Aug. Das wegen Ermordung seines Schwiegersohnes, des Wirtschaftsbesitzers Elbin, am 24. April vom hiesigen Schwurgericht zum Tode verurteilte Häuslerehepaar Kuznik aus Grauden, Kreis Kosel, wurde zu lebensläuglichem Zuchthaus begnadigt. Der Ehemann zählt 73, die Ehefrau 63 Jahre. Darmstadt, 81. Aug. Ein grauenhaftes Verbrechen wurde im Flecken Rotheim verübt. Der 47jährige Zimmermann Schmidt wurde von seinem Sohn und seinem tandstummen Nefsen mit einem dicken Knüppel solange mithandelt, bis er besinnungslos liegen blieb. Der herbeigerufene Arzt konnte nur noch den eingetretenen Tod feststellen. Beide Täter wurden verhaftet. Dresden, 30. Aug. Unter zahlreicher Beteiligung des Publikums fand in Gegenwart des Könias. des Prinzen und der Prinzessin Johann Georg, der Prinzessin Mathilde sowie der Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden heute vormittag die feierliche Weihe der neuen König=Friedrich=Augustbrücke statt. Oberbürgermeister Dr. Beutler hielt die Weiherede. Die Brücke ist mit einem Kostenaufwand von 5 Millionen Mark von dem Architekten Prosessor Dr. Kreis=Düsseldorf und Stadtbaurat Hermann KletteDresden erbaut. Berlin, 30. Aug. Der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg ist aus Hohenfinow hier eingetroffen und hat im Laufe des Vormittags eine Reihe von Vorträgen entgegengenommen. München, 30. Aug. Von den Mannschaften des 15. Infanterieregiments, das zurzeit in München untergebracht ist, erkrankten gestern auf dem Rückmarsch von einer längeren Uebung infolge der Hitze eine größere Zahl von Soldaten. Ein EinjährigFreiwilliger, der anscheinend gesund in die Kaserne zurückkehrte, ist nachts gestorben. Zwei Reservisten sind ernstlich erkrankt.— Zu den Erkrankungen im 15. Infanterieregiment wird amtlich mitgeteilt, daß etwa 60 Mann, meist Reservisten, auf dem Rückmarsche vom Exerzierplatze erkrankt sind. Bei einem großen Teil handelt es sich um Wundlaufen der Füße, bei den übrigen um Erschöpfung. An hitzschlagähnlicher Erscheinung ist ein Mann erkrankt. Die Obduktion des nachts an Herzschwäche verstorbenen Einjährigen, der den Marsch ohne Anzeichen besonderer Anstrengungen mitgemacht hatte, ergab eine ausgedehnte beginnende Lungenentzündung. München, 31. Aug. Als gestern avend nach Schluß der„Walküre" das Publikum aus dem Prinzregenten=Theater strömte, fuhr ein schweres Lastautomobil, dessen Chauffeur die Gewalt über das Steuer verloren hatte, mitten auf den Bürgersteig in die dichtgedrängte Menschenmenge hinein. Eine Dame aus San Franzisko wurde sofort getötet, ihre Schwester schwer verletzt. Eine dritte Dame kam mit leichteren Verletzungen davon. Neuyork, 31. Aug. Ein entlassener Wächter der Great Northern=Eisenbahn versuchte deren Bahnhof in St. Paul in die Luft zu sprengen. Der Attentäter wurde durch einen Detektiv getötet. Rom, 30. Aug. In Sizilien und Calabrien sind heute nacht wieder heftige Erdstöße verspürt worden. Unter der Bevölkerung brach eine Panik aus. Konstanz, 27. August. Gegen den katholischen Pfarrer Bickel in Schienen(Amt Waldshut) ist von der Staatsanwaltschaft und der Kirchenbehörde Untersuchung wegen sittlicher Verfehlungen eingeleitet. Maris. 27. August. Die Revolten und Enkweichungen aus den Besserungsanstalten werden in Frankreich geradezu hronisch. Allerdings haben ja Enthüllungen in den letzten Zeiten den Beweis geliefert, daß die Zustände in vielen von ihnen unmöglich sind. Wenn man selbst die zurückhaltendsten Mitteilungen über die eben stattgehabte Revolte und Entweichung aus der Besserungsanstalt und Strafkolonie Le Val d'Yeore bei Bourges liest, muß man sich sagen, daß die Meuterei nicht ganz grundlos war; denn für die harte landwirtschaftliche Arbeit, die von den jugendlichen Sträslingen verlangt wurde, war die Kost durchaus unzureichend. Zwei magere Suppen am Morgen und Abend, eine einzige Gemüseschüssel am Mittag und drei Fleischrationen in der Woche sind wohl nicht genügend, junge Mägen zu befriedigen, wenn eine Arbeitsleistung von über zwölf Stunden am Tage verlangt wird. Die Meuterei brach ganz plötzlich aus. Als am Dienstag Abend zur Suppe geblasen wurde; erscholl ein anderes Trompetensignal. Sofort stürzte eine Gruppe von mindesiens achtzig Sträflingen nach dem Hose der Wagenbau=Werkstatt. Dort bemächtigten sich die Meuterer verschiedener Holzstücke und sonstiger für das Zuschlagen geeigneter Materialien und stürmten durch die Felder. Die Aussehen waren nicht zahlreich genug, um eine wirksame Verfolgung einzuleiten, denn sie hatten noch dreihundert andere Kolonisten, die gleichsalls große Aufregung an den Tag legten, zu überwachen. Zwanzig der Flüchtlinge wurden zwar sofort eingeholt, sieben andere im Laufe der Nacht, aber 43 entkamen in die benachbarten Wälder zum Schrecken der ganzen Gegend. Bis zum nächsten Abend konnten nur 17 von diesen zurückgebracht werden. Die 26 anderen versetzten die Landleute durch Ueberfälle und Räubereien in eine wahre Panik. Der Präsekt hat Militär ausgeboten, um die Flüchtlinge dingfest zu machen. Auch die ganze Gendarmerie des Bezirks ist auf den Beinen, um die Gehöste vor ihren Angriffen zu schützen. London, 30. Aug. Am letzten Freitag entdeckte bei einer Bergtour ein Angestellter eines englischen Tourenklubs in den schottischen Bergen die Leiche einer jungen Dame, die, nach der Kleidung zu urteilen, den besten Ständen angehören muß. Er benachrichtigte die Polizei, die in den Kleidern der Toten eine große Summe Geldes in Gold und Banknoten vorfand, ebenso eine Hotelrechnung auf den Namen einer Lady Major Erskine. Es stellte sich bald heraus, daß die Tote eine Tochter des Lord Buchan war. Sie war seit länger als einem Monat auf rätselhafte Weise verschwunden. Alle Nachforschungen der Polizei und Detektivs waren erfolglos geblieben. Der Leichnam zeigt keinerlei Spuren einer Vergewaltigung oder Mißhandlung. Am 30. Juli hatte die Lady mit ihrer Dienerin eine Reise unternommen. Am nächsten Morgen bezahlte sie ihre Hotelrechnung und schickte die Dienerin nach Perth zurück. Das Gepäck der Toten war auf dem Bahnhof zurückgeblieben, wo es sich auch jetzt noch befindet. Ein Bild aus dem Tierleben. Eine Leserin schreibt der„Tägl. Rdsch.“: Vor unserem H use ist eine mit Baumgruppen beflanzte große Wiese. Plötzlich werde ich durch ein ohrenbetäubendes Spatzengeschrei aufmerksam und sehe wie etwa 20 Sperlinge in höchster Aufregung ein kleines, auf der Sraße hinrasendes Tierchen verfolgen, das sich beim Näherkommen als ein jungen Wiesel entpuppt. Die Spatzen versuchen, ganz tief fliegend, in voller Wut auf das Tier einzuhacken, bis dieses auf die Wiese rennt, und im hohem Grase verschwindet. Nun setzen sich die Vögel am Rande mit langgestrekten Hälsen in Positur, und sobald das Wiesel, Mänchen machend, sein Köpchfen hochstrekt, um zu sehen, ob die Gefahr vorbei ist, stürzen sich die Spatzen wieder mit Geschrei auf daß Kierchen, läuft es aber gar vollends aus dem Gras heraus, so geht die wütende Verfolgung wieder los. Schließlich bleibt das Wiesel im Gras, hat wohl ein Mauseloch gefunden und sich darin gerettet. Die Spatzen verteilen sich nun am Straßenrand und über die Wiese hin, immer beobachtend, auf jede höhere Pflanze sich setzend, bis sie nach langer Zeit, das Fruchtlose ihrer Bemühungen einsehend laut schimpfend davonhüpfen. Eine solche Jagd von Spatzen auf ein Wiesel dürfte selten sein. Man hört wohl eher, daß kleine Vögel sich gegen Eichhörnchen als Neststörer wenden, aber nicht von Angriffen auf ein Wiesel. Vermutlich ist das Tier als Nesträuber verjagt worden. 8— 514 nu glaubte, nu wär allens glatt und schier, da kehrte dieser Schutzmann seine rauhe Seite zum Vorschein und erklärte uns wegen gefälschte Paßrerhältnisse arrctieren zu müssen, und als Moses mit Hand und Fuß dagegen renommierte, sagte der Schutzmann ganz ruhig: er solle sich man ein Bischen gedulden, es würde sich, allens finden. Mir hielt er bloß for einen ollen, einfältigen Vogelbunten, der sick, dummerweise mit die Berliner Schwindler eingelassen hätte, aber Mossessen hielt er for eine abgefeimte Karnallje, denn er hätte es wohl mit angesehn, wie fein er gestern den Rewerendarius den Judenpaß abgeschindelt habe. Was half das all? Wir mußten in die Droschke steigen; der Wirt— ein braver Mann, der mir ordentlich lieb gewonnen hatte— lieh mir einen Hut, der mir natürlich viel zu groß war, weil wir mit Köpfen nicht stimmten, und so ging's denn hin nach Nummer Sicher. Mit der Weile war es aber dunkel geworden und zu einer Vornahme zum Verhör konnte es nicht kommen, sondern wir wurden einfach in ein Behältnis eingespunnt, worin sich außer zwei Strohsäcken nur wir allein befanden. Moses resaunte und posaunte die halbe Nacht, er schimpfte auf die Berliner Polizei, auf mir und auf die Flöhe; denn es war in der heißen Sommerzeit. Ich war still, ich hatte mich drein gefunden, denn ich hatte mir selber wiedergefunden, und Flöhe tun mir nichts, was ich dem frühzeitigen und mannigfaltigen Umgang mit Pferden zuschreibe, ich schlief ruhig ein, denn ich war müde und hatte die vorige Nacht wenig geschlafen. Den andern Morgen wird die Türe aufgeschlossen, und herein kommt ein Mensch mit ein großes Bund Schlüssel und sagt weiter nichts als:„Guten Morgen! Zum Rasieren!“ Und hinter ihm her kommt en langer Mensch mit aufgekrämpte Aermel und en Scherbeutel. Nu hatte ich allerdings natürlich schon einen dreitägschen Bart; aber noch meintage nich hatte ich mir eine frömde Hand in das Gesicht kommen lassen. Ich sage also:„Bitte, geben Sie nur das Geschirr her, ich will mich selbst rasieren.“—„Taß Sie sich hier vor unsern sichtlichen Augen den Hals abschneiden!“ sagte der Kerl mit die Schlüssel.„Ne,“ sagt er,„so dumm sünd wir hier nicht!“ — Gott soll mich bewahren! Wo schlecht mußte meine Sache stehen, daß sie eine Handanlegung bei mir vermuteten! : N a, i c h s a g e a b e r n i c h t s u n d s e t z e m i c h w i e e i n L a m m a u f die Schlachtbank; aber was ich erduldet, kann sich jeder denken; denn ich hatte überall einen starken Bart und diesmal einen dreitägschen und dazu bün ich noch in meine jungen Jahren hellschen mit die Pocken behaft gewesen, weswegen Knüppel — der ümmer voll schlechte Witzen steckt— mein Gesicht ümmer das Waffelkucheneisen nennt. Denken Sie sich nun bei diese Voraussetzungen dazu, daß dieser Balbierer nur ein einzigstes Messer besaß, was for alle passen mußte, und Sie können sich meine Tortuhr einbilden. Er schund mir also auch gehörig und mußte mir wegen der Blutung Feuerschwamm auflegen, wodurch es sich auch stoppte. Mit Mossessen gung es besser, weil er bloß enen etintägschen hatte, obschonst er auch nüdliche Gesichter zog, als er unter dem Messer befindlich war. Sie gingen und wir waren wieder eine Zeitlang allein, da wird wieder aufgeschlossen, und der Kerl mit das Schlüsselbund kuckt in die Tür und ruft:„Mitkommen!“ Das ist nähmlich hier die eingeführte Manier, womit sie einen eine Einladung anzeigen. Na, wir gungen nun auch mit und kamen endlich auf einem Hofe, allwo ein einfacher Stuhl stand und hinter dem eine Art Bettschirm.„Sitzen gehn!“ rief der Kerl und winkte mir. „Wie Sie sehen,“ sagte ich,„bün ich schon balbiert, und zu's zweitemal habe ich keine Lust.“—„Maul halten!“ sagt er.„Sitzen gehn!“— Na, was sollte ich dazu sagen? Die Gewalt hätten sie, und ich könnte mich jo auch hinsetzen, das täte mir jo doch noch nichts. Ich setze mir also. Wie ich nun so in der Erwartung sitze, kommt ein Mensch, mit einer abschreckenden Maschinerie zum Vorschein und stellt sie mir gerade gegenüber, indem daß er sie auf mich richtet.— Na, das is mir denn doch nich gleichgültig; ich springe also auf und sage:„Bleiben Sie mich mit das Ding vom Leibe!"„Sitzen bleiben!“ ruft der entfamte Kerl wieder. „Ganz still sitzen bleiben!“— Na, was sollte ich tun, die Gewalt hätten sie. Ich setz' mir also wieder. Da fängt Moses an zu lachen und sagt:„Herr Entspekter, wissen Sie was Neues? Sie sollen potografiert werden, ich kenn' die Maschinerie, und der Mann mit der Decke über'm Kopp ist ein gewöhnlicher Meschantikus.“—„Fotografiert?“ frage ich.„Moses, tut das weh?“—„Gar nich,“ sagt er, „es is’ne bloße Abbildung von Ihnen.“—„Also,“ sag' ich, „es tut nicht so weh, als das Balbieren?"—„Gott bewahre,“ sagt er,„aver Sie müssen still sitzen und dabei lächeln, denn wenn's gut werden soll, müssen Sie still sitzen, und wenn's schön werden soll, müssen Sie kächeln.“— Na, ich sitz' nu also auch still und lächel' nun also auch auf meine Art, so gut ichs gelernt habe. Sehen Sie, nu saßen mir aber bei diesem Lächeln die entfamten Schwammproppen von wegen des Balbierens in dem Wege, und wenn ich, recht schön lächerlich aussehen wollte; denn schreinte mich das, und aus diesem Gesichtspunkte ist ein Bild entstanden, welches mich— wie nachher uns' Herr Pastor sagte—„unter Tränen lächelnd“ darstellte. Knappemang war der Meschantikus mit meiner Abbildung fertig, so kam der Schutzmann von gestern angelaufen und ranzte den Kerl mit den Schlüsseln an und sagte: „Petermüller, was machen Sie hier for dummes Zeug? Sie sollen den Raubmörder ron ummer 134 potografieren lassen und nun potograsiere# ummer 135, meinen Leri Josephi aus Prenzlau!“ (Fortsetzung folgt.) Allerlei Für Mütter. Eine adlige Tame, die auf das allergewissenhafteste ihre Kinder erzog und strenge Zucht handhabte, wollte einst ihren kleinen Sohn, wie er es verdient hatte, körperlich züchtigen. Der Kleine aber fürchtet sich sehr vor der Rute und beschwor daher seine Mutter, ihm die Strafe zu erlassen, mit der Beteuerung, den begangenen Fehler sich gewiß nicht mehr zu schulden kommen zu lassen. Da führte die Mutter den Knaben vor ein Bild, das an der Wand hängt und das jüngste Gericht darstellt.„Siehe“, sagte sie zu ihrem Sohne,„Gott wird einst vor seinem Gerichte mich darüber zur Rechenschaft ziehen, ob ich Dich christlich erzogen und für begangene Fehler geführend gezüchtigt habe. Er wird Dich einst von mir fordern; und wenn ich Dich nicht züchtige, wie Du es verdienst, so werde ich dafür dereinst von Gott gezüchtigt werden. Willst Du, daß Deine Mutter einst um Teinetwill rerdammt werde?"—„Nein, Mutter, nein," rief der Knabe,„Tu sollst nicht von Gott gezüchtigt werden! Gib mir die Rute, ich habe sie verdient; straf' mich recht hart, damit Du nicht gestraft werdest!“— Eltern, die ihre Kinder da, wo die Pflicht erheischt, nicht züchtigen, fallen leicht der ewigen Züchtigung anheim. Gegen Magenkrampf erweist sich bisweilen folgendes Hausmittel als wirksam: Man röste einige Hände voll Hafer trocken in einer Pfanne, tut ihn in ein Säckchen und legt es, so heiß man es vertragen kann, auf die Herzgrube. Schmerzstillendes Pflaster. Venetianischer Terpentin wird in Weingeist gelöst, des rascheren Trocknens wegen etwas Mastixlösung zugesetzt und die Masse auf Wachstaffet zwei= bis dreimal aufgestrichen. Das so bereitete Pflaster wird auf die schmerzhafte Stelle gelegt und dort belassen, bis es von selbst abfällt. Es ist ein sehr gutes Mittel gegen schmerzhafte Rheumatismen, gegen Hexenschuß, Seitenstechen usw. Kartoffelklöse mit Speck. Ein halb Kilogramm gekochte, kalte Erdäpfel werden einhalb Kilogramm Speck in Würfel geschnitten, mit 2 in Butter gerösteten; aufgeschnittenen Zwiebeln, 2 Eiern. Salz, einem gehäuften Löffel Mehl und Milch vermischt, daraus Klöße geformt und in Salzwasser gekocht. Mit reichlicher Butter gibt man sie auf den Tisch. Blätter für Unterhaltung und Belehrung. 51 der Kunstreiter. Erzählung von Friedrich G. (Nachdruck verboten.) Ein triumphierendes Lächeln zuckte um Georgs Lippen, aber es war nur ein Moment. Die Gegenwart nahm ihn genug in Anspruch— das andere lag dahinten. Rasch schnallte er den Plaid von seinem Sattel, denn sein wilder Ritt sowohl, wie die wunderliche Tracht des Kindes, das er vor sich trug, erregten die Aufmerksamkeit der ruhigen, an so etwas nicht gewöhnten Bürger Hamburgs— Neugierige begannen schon sich um ihn zu sammeln. Ohne Zögern hüllte er die Kleine in den weichen Plaid, nahm ihr das Barett vom Haupte, das er darunter barg, verdeckte ihr geschminktes Antlitz, und trabte dabei schon wieder scharf dem nächsten Tore zu. Aus Sicht den Leuten, und er war vergessen. In der Stadt selber konnte der auf schweißbedecktem Tier Vorübertrabende nur flüchtige Aufmerksamkeit erregen; die Leute dort hatten auch zu viel mit sich selber zu tun, sich noch um andere, Fremde zu bekümmern. So gewann er ohne weiteres Hindernis sein Hotel, sprang vom Pferde, das er dem Hausknecht übergab, um es rasch in den Stall zu führen und abzureiben, und trug sein Kind, noch eingehüllt in den Plaid, die breite Treppe selbst hinauf. Das Stubenmädchen erstaunte allerdings, als ihr der Auftrag wurde, so rasch als möglich Kinderkleider für die Kleine herbeizuschaffen; dort aber war das leicht. In einer halben Stunde hing Josefine, Freudentränen weinend, in einem dunklen warmen Kleide an ihres Vaters Halse, und schon der Abendzug, der Hamburg verließ, führte sie mit dem Vater und dem alten erstaunten Barthold der Heimat wieder zu. Wolf von Geyerstein saß allein in seiner Stube, den Kopf in die Hand gestützt, und vor ihm lag ein offener Brief Georgs: „Tausend und tausend Dank für deine brüderliche Liebe, mein Wolf!— Du hast recht— meine Stellung hier, nach dem vorgefallenen, ist, wenn auch nicht unhaltbar, doch höchst drückend. Durch jenen Herrn von Zühbig, wie du aus meinen früheren Briefen weißt, und durch des alten Mühler trunkene oder seines Neffen boshafte Schwatzhaftigkeit ist mehr unter die Leute gekommen, als ich im Anfange selbst vermutete. Das Gerücht, was ich früher gewesen bin, hat Boden gefaßt, und die Gutsnachbarn ziehen sich von mir zurück, vermeiden mich wenigstens soviel es geht, und ich werde sie nicht aufsuchen. Meine ganze Seligkeit ist jetzt mein Kind, das ich glücklich dem ihm selber furchtbaren Leben entrissen habe. Auch mit dessen Mutter bin ich im reinen. Georgine weigerte sich auf meinen ersten Brief, in eine ScheiDar m-P-.., und außerdem scheint ihr auch der Wunsch, jene Verbindung mit Royazet zu schließen, den Schritt erleichtert zu haben. Wir sind geschieden, die Papiere werde ich in nächster Zeit bekommen, und frei von allen Banden, die mich bis dahin an das alte Leben ketteten, will ich von nun an meine Bahn beginnen. Für dein Anerbieten, mich nach Ungarn auf das dort für mich angekaufte Gut zu setzen, nimm meinen heißen Tank. Tu hast schon mehr für mich geian, als selbst ein Bruder für den andern tun kann, aber— ich will dich alle weitern Sorge für mich entheben. Ich habe einen andern Plan für mich, der mich mir selber wiedergeben soll. Will es Gott, so sehen wir uns dereinst noch froh und fröhlich wieder, und dann kann ich der Mutter auch getrost ins Auge schauen. Ich will nach Amerika. Es wird mir von meinem kleinen Kapital etwa so viel übrig bleiben, mit meinen Begleitern hinüber zu kommen. Ich habe ein Kind angenommen— eine. Waise— als Josefinens Gespielin, die mit unendlicher Liebe an der neuen Schwester hängt. Von allen meinen Sachen nehme ich nur den Rappen mit, der mir mein Kind befreit— aber nur bis zu dir. Mag er dir von jetzt an so treu dienen, als er mir gedient. Alles weitere mündlich. Ich komme auf der Durchreise nach**“, um dich, du treues Herz, noch einmal zu sehen und dir selber für alles, was du an uns getan, zu danken. Wahrscheinlich folge ich diesem Briefe unmittelbar; denn wie du mir schreibst, wird der neue Pachter schon in acht Tagen eintreffen, und es ist alles hier so geregelt und in Ordnung, daß dem alten Verwalter das Gut auf die kurze Zeit ohne die geringste Sorge anvertraut werden kann. Ich bin gerade dabei, ihm das Inventar zu übergeben. Es grüßt und küßt dich bis dahin dein Georg. P. S. Da du mich nach dem Namen des traurigen Individuums fragst, das meine Frau zu meiner Flucht benutzte, so schreibe ich ihn dir.— Er nennt sich Baron Hugo von Silbergle z.“ Wolf hatte den Brief wieder und wieder gelesen. Er war aufgestanden und ging mit raschen Schritten in seinem Zimmer auf und ab. „Er darf nicht fort!“ flüsterte er dabei,„nicht nach Amerika! Es ist das letzte Herz, das hier noch mir gehört— wir gehen zusammen fort von hier— nach Ungarn. Brennt doch der Boden auch mir unter den Füßen. Gott sei Dank, daß er kommt— besprochen ist so etwas besser als geschrieben, und er wird— er könnte nicht von mir gehen— wüßte er nur den tausendsten Teil von dem, was ich um ihn hier leide,“ setzte er mit leiser, kaum hörbarer Stimme hinzu. Mit dem Entschlusse seine Stellung hier aufzugeben und die Stadt selber, die so viele trübe Erinnerungen für ihn barg, zu verlassen, kam auch plötzlich Ruhe über ihn. Er ordnete seine Papiere und ließ sich dann bei dem Fürsten melden. Der Fürst war aber auf die Jagd gefahren und wurde erst am nächsten Abend zurückerwartet. Die Lakaien schlenderten müßig im Schlosse hermu und zählten vor lauter Langeweile die Fensterscheiben. e Karl, der Bursche des Rittmeisters, hatte indessen mehr Beschäftigung, denn ihm war der Auftrag geworden, zwei Zimmer für Gäste herzurichten, mit allem Nötigen zu versehen und ordentlich durchwärmen zu lassen, da der Besuch jeden Augenblick eintreffen konnte. An dem Abend war Soiree bei dem Herrn von Zühbig und Graf Geyerstein ebenfalls eingeladen worden— der sich aber entschuldigen ließ. Gegen Abend, als er durch die Stadt ging, traf er den Baron zufällig auf der Straße. „Aber liebster, bester Freund,“ schoß dieser auf ihn zu,„zu meinem unendlichen Leidwesen höre ich eben, daß Sie uns heute abend Ihre unschätzbare Gegenwart grausamerweise ent iehen wollen. Meine Frau ist ganz untröstlich darüber.“ „Das bedaure ich in der Tat,“ sagte der Rittmeister kalt,„unaufschiebbare Geschäfte verhindern mich indes, da ich in nächster Zeit längere Zeit abwesend bin.“ „Sie wollen wieder auf Urlaub gehen?“ fragte Herr von Zühbig rasch, und innerlich frohlockte er dabei über die frisch aufgefangene Neuigkeit. „Ja,“ erwiderte der Rittmeister, der den Grund nicht ahnte, weshalb sich der Baron in solcher Weise dafür interessierte. „Auf Ihre Güter?“ „Wahrscheinlich— apropos, haben Sie lange nichts von Ihrem Freunde Baron Hugo von Silberglanz gehört?“ „Von meinem Freunde?“ sagte Herr von Zühbig, dem dieses Epitheton in Verbindung mit sich und im Munde des stolzen Grafen eben nicht angenehm war,„ich weiß gerade nicht, daß Baron Silberglanz zu meinen speziellen Freunden gehörte. Er ist ein sceelenguter Mensch und einmal in die Gesellschaft eingeführt, so daß man ihn nicht gut umgehen kann, aber...“ „Wenn Sie ihn wiedersehen sollten, und ich wäre vielleicht nicht hier,“ sagte der Graf,„bitte, so grüßen Sie ihn doch von mir.“ „Von Ihnen?“ „Ja, er wird schon wissen, was es zu bedeuten hat.“ „Zu bedeuten hat?“ wiederholte der Baron immer erstaunter,„ich gebe Ihnen mein Wort... „Ihr Wort?“ fragte der Graf, ohne ihn ausreden zu lassen;„geben Sie das nicht auch manchmal leichtsinnig, Herr Intendant?“ „Ich will nicht hoffen,“ sagte Baron von Zühbig rasch, aber doch mit einem unbehaglichen Gefühl, das ihm sein Gewissen in diesem Augenblick aufdrängte.— „Haben Sie— haben Sie etwas mit Silberglanz gehabt?“ „Ich?— nicht das mindeste— ich kenne den Baron gar nicht,“ sagte Graf Geyerstein gleichgültig.„Der Baron hat, wie ich erfahren, ein kleines Abenteuer gehabt, das er Ihnen aber wohl leider nicht ausführlich erzählen wird.“ „In der Tat? Sie machen mich unendlich neugierig!“ rief Baron Zühbig gespannt.„Sie würden mich sehr verpflichten, wenn Sie dann die Gnade haben wollten.“ „Tut mir leid, Herr Baron, nicht imstande zu sein, Ihnen darin zu willfahren; ich bin auch nur oberflächlich davon unterrichtet. Vielleicht kann Ihnen Ihr Ora; c e l d a r ü b e r A u s k u n f t g e b e n.“ „Mein Orakel, hahaha' Herr Graf, Sie sprechen heute in lauter Rätseln. Wen verstehen sie unter meinem Orakel?" „Fräulein Franziska von Zahbern.“ „Hahaha!“ lachte Baron von Zühbig, aber das Lachen kam nicht recht aus seinem Herzen; denn er fühlte, daß Graf Geyerstein mehr wußte, als er eigentlich sollte— ja, ans noch schlimmer in diesem Augenblicke war, mehr ale:: selbst.—„Ste sind göttlich, Graf, aber— furchtbar boshaft, das Sie die arme Zahbern zu einem Orakel machen wiellen. Kommen Sie— beichten Sie— wir gehen dort in den Keller hinunter und trinken eine Flasche Wein“— und damit faßte er den Grafen unter den Arm, ihn mit sich fortzuziehen;„die Geschichte von Silberglanz dürfen Sie mir garnicht vorenthalten. Sie haben mich damit auf die Folter gespannt.“ „Es ist grausam, Sie darauf liegen zu lassen, Herr Baron,“ sagte der Graf ruhig,„aber ich werde dazu gezwungen sein, den ausführlichsten Bericht kann Ihnen jedenfalls Herr Hugo von Silberglanz selber geben, und Sie müssen sich auf den vertrösten. Ich bitte, daß Sie mich entschuldigen— ich habe Eile.“ „Sie wollen in der Tat nicht einen Augenblick mit mir „In der Tat nicht— guten Abend, Herr Baron,“ und der Graf neigte sich leicht, während er sich von Herr von Zühbig abdrehte und die Straße hinunter schritt. von Zühbig blieb in einer höchst unbehaglichen Stimmung zurück. Graf Geyerstein suchte indessen den Kriegsminister von Ralphen auf, um diesem sein Anliegen vorzutragen; Seine Exzellenz mußte aber gerade in einer Session und ließ den Grafen bitten, morgen früh Punkt zwölf Uhr wieder zu ihm zu kommen, da er ihm überdies etwas mitzuteilen habe. So ließ sich denn für heute nichts weiter tun, und der Graf verbrachte den Abend damit, seine Briefschaften zu ordnen, alte Korrespondenz zu verbrennen, wichtige zu versiegeln und einige notwendige Briefe außerdem zu schreiben. Am nächsten Morgen war er wieder früh auf und setzte seinen Burschen Karl in nicht geringes Erstaunen, als er ihm befahl, seine Koffer herbeizuholen und sämtliche Kleidungsstücke zu reinigen, sowie zum Packen bereit zu halten. Karl schüttelte heimlich mit dem Kopfe, denn das paßte nicht zu dem erwarteten Besuche. Er war aber ein zu guter Diener, weiter zu fragen, und ging an seine Arbeit. „Wann kommt der erste Zug?“ rief ihm der Graf nach. „Woher, Ew. Gnaden?“ „Von Berlin.“ „Ah so— der wird jetzt herein sein oder doch gleich kommen. Da unten hör' ich schon die Droschken— er muß schon da sein.“ „Es ist gut.“— Wolf trat aus Fenster, und Karl ging hinaus, seine Aufträge auszuführen. Eine lange Reihe von Droschken kam die Straße daher, die eingetroffenen Fremden in die verschiedenen Hotels zu fahren. Eine davon lenkte nach seiner Tür zu und hielt. Ein Mann in einem grünen Rocke saß neben dem Kutscher vorn auf dem Bocke— er sah herauf— es war der alte Forstwart Barthold von Schildheim und Wolf flog nach der Tür, den Bruder zu begrüßen. „Karl! Karl!“ „Gnädiger Herr!“ „Hinunter— die Gäste sind da— schnell das Gepäck herauf!“ Rasche Schritte nahten von der Stiege her; Wolf trat in sein Zimmer zurück, in der ersten Begrüßung nicht von Fremden gestört zu werden, und wenige Minuten später lagen sich die Brüder in den Armen. „Gott grüß' dich, Georg— Gott grüß' dich tausendmal, und herzlich willkommen hier bei mir! Wo sind die die Kinder?“ „Mein guter, guter Wolf!— sie kommen nach; der alte Barthold bringt sie mit ihrer Erzieherin die Treppe herauf.“ „Den Alten hast du von Schildheim entführt?“ „Ja— nur bis hierher. Ich mußte jemanden des Pferdes wegen bei mir haben, und er weiß mit Pferden besser umzugehen, als ich ihm zugetraut. Du hast wohl jemanden; um den Rappen vom Bahnhof abholen zu lassen?“ „Gewiß! Nun mache es dir bequem und ruhe dich aus! Wir haben viel, sehr viel miteinander zu besprechen. — Karl— wo steckt der Bursche wieder? Karl, daß die Kinder mit der jungen Dame gleich ihr Zimmer bekommen— es ist alles in Ordnung, Georg; ich habe auch eine Frau, eine ganz tüchtige Person besorgt, damit die Kleinen für die Zeit ihres Aufenthaltes hier ordentliche Verpflegung haben.— Ein Junggeselle ist sonst nicht darauf eingerichtet.“ „Wir sollen dir nicht lange zur Last fallen.“ „Davon später— und nun erst her zu mir,“ sagte er, indem er die Tür schloß, dann auf den Bruder zuging und ihn umarmte und küßte und wieder küßte.— „Du armer, armer Georg, was hast du ertragen müssen, und doch bei allem so brav, so wacker dich gehalten! Jetzt bist du wieder der unsere. Du darfst jedem frei ins Auge schauen, und— wir trennen uns auch jetzt nicht mehr.“ „Mein braver Wolf!“ rief Georg, ihn fest an sich pressend,„du treues, brüderliches Herz!— Ueber meine Pläne sprechen wir nachher. Doch was fehlt dir? Du siehst verändert aus, seit ich dich nicht gesehen.“ „Nichts— ein leichtes Unwohlsein.— Und wie geht es deinem Kinde, deiner armen kleinen Josefine— meiner Nichte? Sie wird uns beiden wohl fortan gehören müssen.“ „Du willst auch nach Amerika?“ rief Georg erstaunt. „Nein, das nicht,“ lächelte Wolf,„aber deine Pläne wirst du den meinen schon fügen müssen, aus Liebe zu mir. Doch deinen Kinderraub mußt du mir ausführlicher, als es durch den Brief geschehen, erzählen. Merkwürdig, daß nichts davon in den Zeitungen stand.“ „Das Ganze ging zu rasch,“ lächelte Georg,„und Royazet wäre der letzte gewesen, es bekannt zu machen. Er mag außer sich gewesen sein, daß bei seinem prunkenden Zuge ein anderes Pferd ihn überbieten konnte. Meinen Rappen aber holt keines von seinen Tieren ein. Ich sah, wie Georgine erbleichte, als ich vorübersauste — die Falsche— keine Ader meines Herzens schlägt mehr für sie; mag sie dem Leben bleiben, dem sie sich geweiht. Das alles aber erzähle ich dir ausführlich, wenn wir heute abend still und traulich beisammensitzen. Du bist doch nicht beschäftigt?“ Fortsetzung folgt. Abenteuer des Entspekter Bräsig, bürtig aus Mekelborg=Schwerin, von ihm selbst :: erzählt.: Von Fritz Reuter. (Fortsetzung.) „Herr,“ sage ia kurz und ärgerlich, denn ich war falsch geworden,„geben Sie mich den Geldbeutel wieder her!"— Er steht da und lacht.—„Herr“, sag ich,„Dummheit lacht. Geben Sie mich mein Eigentum.“— Er lacht weiter, geht aber auch weiter nach der Tür zu.—„Ta soll doch das Donnerwetter dreinschlagen,“ sage ich und will hinter dem Tisch 'raus, kann aber nicht, denn hinter mir hätte ich die Wand, vor mir den Tisch und zu beiden Seiten den Bundesbruder und den noblen Herrn. Und— sehen Sie— dies war die obenbenannte Tämlichkeit, die ich aus Vorsichtigkeit begangen hatte. Was hatte ich mich an die Wand zu setzen! „Lassen Sie mich'raus!“ sage ich zu dem Bundesbruder.—„Oh, lassen Sie doch!“ sagte er.„Er macht ja bloß Spaßz.“ Und dabei lacht mich der Hallunke vom Enspekter grade in das Gesicht, macht die Türe auf, nickt mir noch mit einem Abschiedsgruß zu und geht'raus. Nu aber war's denn auch rein mit mir zu Ende; ich kriege den Bundesbruder links und den nobeln Herrn rechts zu packen und will dwas über den Tisch. Da halten sie mir an die Rockschlippen fest, und was mein Karnallje von Bundesbruder war, sagte:„Ich bitt' Ihnen um tausend Pfund! Sie können doch in diesem Zustand Ihrer Extremitäten nicht auf die offenbare Straße?"„Meine Herrens,“ sagt er,„halten Sie ihm fest, ich will ihn erst zuknöpfen,“ und dabei fängt dieser Krokodil an, mir hilfreiche Hand zu leisten. O Judas! Judas! Dieselbe Taschenuhr, die er mich vor einer halben Stunde mit Tränen in den Augen rostatuwierte, hat er mich, wie sich das nachher auswies, mit heimlichen Lachen beraubt! Aber ich schlug um mich, wie ein angeschossen Hauptschwein und stürz' mich auf die Straße, habe aber noch so viel Besinnung, die Schlippen vorn zusammen zu nehmen. Ich laufe die Straße'rauf, ich lauf' sie wieder'runter. Je, ja! je, ja! Da war kein Bohmüller und kein Oekonomiker zu sehen; aber alle Leute stehen still und sehen mich an. Was sollte ich verratenes Wurm nun tun? Da tritt ein Schutzmann an mich herau und sagt:„Sie is gewiß was passiert?“—„Ja,“ sag' ich,„das kann ein alt Weib mit dem Stock fühlen.“—„Wenn Sie würklich was passiert is,“ er,„dann sagen Sie's nur, denn ich bin dafor angestellt.“ Und ich sage ihm denn den betreffenden Umstand. „Wo is dies gewesen?“ fragt er.—„Hier in diesem Keller,“ sag' ich.—„Na,“ sagt er,„dann sünd Sie aufs richtige Flach gekommen.“ Damit geht er in den Keller und ich folge hinter ihm. Hier aber hatte eine Eule gesessen, der ganze Eiserbahnverein hatte sich aufgelöstt und war flöten gegangen; kein Mitglied war vorhanden. Die Polka=Mademoiselle, welche das Bier eingeschenkt hatte, hatte keinen ron die anwesenden— jetzt abwesenden Herren— gekannt, bloß mich erkennete sie wieder, was sehr freundlich von ihr war, und wobei sie auch lachte. „Haben Sie denn keinen mit Namen nennen hören?" fragt der Schutzmann.—„Ja woll!“ sage ich.„Der Hauptspitzbube war der Herr Entspekter Bohmöhler aus der Ukermark und en Mitkollege von mir.“—„Na, ob der einer gewesen is, wird sich ausweisen,“ sagt er,„aber Sie sind also einer?“—„Ja,“ sage ich,„en richtigen. Entspekter Bräsig aus Meckelnborg.“—„Haben Sie einen Paß?“ fragte er.—„Hier,“ sage ich. Aber— hören Sie— indem daß ich das sagte, wurde ich mir wieder als Levi Josephi bewußt, was ich in der Hitze meiner Aufregung ganz vergessen hatte. Mit meiner Besinnung war es aber zu spät, er hatte mich den Paß schon abgenommen und als er meine jüdische Quahlität darin fand, wurde er verdeuwelt hellhörig aussehen. Er zog nun noch ein anderes gedrucktes Pappier heraus und las darin und denn in dem Paß und denn munsterte er wieder. Ich stand da, wie Butter an der Sünn. Endlich sagte er zu mir:„Kommen Sie man mit, es ist dies eine Prüfung, die Ihnen Gott schickt.“—„Wenn das ine Prüfung sein soll,“ sage ich,;„dann is es man eine sehr dumme, denn ich bün ein ehrlicher Mann,“ gehe aber mit ihm; aber natürlich in Haaren, d. h. in der bloßen P’rük. Aber wo bringt mich der Karl hin? In dem Hohtel an dem Schangdarmen=Markt. Als ich da vor die Tür zu stehen komme, springt der kleine Kellnöhr aus der Tür und ruft:„Hier is er!“ und der Schutzmann fragt:„Nicht wahr? das is er!“ Und somit arretieren sie mir da sämtlich und bringen mir nach Moses Löwenthalen seine Nummer'rauf und der kleine Kellnöhr reißt die Haustür auf und schreit:„Herr Löwenthal, hier is er!“ Moses Löwenthal sprang vom Stuhl in die Höhe und rief:„Onkel, lieber Onkel, was haben Sie mich for ein Elend gemacht, mich zu versetzen in die Unruhigkeit urd in die Ungewißheit, und nicht zu wissen, wohin Sie gestoben und gepflogen.“— Nu war mich aber verdeuwelt wenig judenontetig zu Sinn und ich sagte:„Halten Sie Ihr Maul mit der Judenschaft und der Onkelschaft! Ich will nichts davon wissen. Ich bün nu wieder Entspekter Bräsig.“ Während ich nu so meinen Grimm auslasse, geht der Schutzmann mit vorgehaltene offene Hand auf Mossessen los und sagt:„Ich bitte mir das versprochene Dußöhr von fünf Talern aus for die Beibringung des Herrn da.“ Nu verschrak sich Moses, nu wollte er nich; aber er hätte es einmal ausgepriesen un nu müßte er. Der tiefbetrübter Newöh bequemte sich endlich mit Hängen und Würgen, und als er