52•3 Erscheint täglich nit Ausnahme der Sonn= und gesetzt. Feiertage. verbunden mit dem Abonnementspreis frei ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage und dem 8seitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pfg. pro Monat, durch die Post bezogen für 3 Monate 1.50 Mk. Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inserate verantwortlich: Viktor Schanzer, Dortmund. Lokal-Anzeiger für Dortmund u. Körde und der täglichen Unterhaltungsbeilage K##### sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3295. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Pfg. Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Pfg. Beilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertiontgebühren durc Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt binfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen " Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann. Dortmund. Nr. 189. Dortmund, Montag, den 15. August 1910. 27. Jahrg. Erstes Blatt. Der angebliche„Erfola“ der Reichsfinanzreform. Die Tatsache, daß der endgültige Finanzabschluß für das Etatjahr 1909 einen Ueberschuß von 90 Millionen Mark ergeben hat, wird in der konservativen Presse mit besonderer Genugtuung hervorgehoben und agitakorisch zu Gunsten der Finanzreform des schwarz=blauen Blocks verwertet. Die„Konservative Korrespondenz“. bringt einen langen Artikel über den angeblichen Erfolg der Reichsfinanzreform, in dem an der Hand von allerlei künstlich aufgestellten Berechnungen nachzuweisen versucht wird, daß die Finanzreform vom Sommer 1909 nicht nur das gehalten hat, was man sich von ihr versprach, sondern daß sie sich weit über die Grenzen der damals gehegten Erwartungen heraus erfolgreich bewiesen habe. Der Ueberschuß von 90 Mill. Mark wird als ein Ergebnis, wie es seit vielen Jahren im Deutschen Reich nicht erzielt worden ist, hingestellt und daraus den Schluß gezogen, daß die Kritik die die parlamentarische Minderheit an der Finanzreform geübt hal, vollständig hinfällig sei.„Der Erfolg der Reichsfinanzreform“, heißt es, zum Schluß des Artikels der„Konservativen Korrespondenz",„ist also tatsächlich schon in voller Höhe gesichert, und es liegt für die Liberalen und Sozialdemokraten nicht die geringste Veranlassung vor, von einer„sogenannten“ Reichsfinanzreform, und von einem Flick= und Stückwerk zu reden. Die Reichsfinanzreform von 1909 wird sicherlich keine Veranlassung zu einer neuen Reichsfinanzreform geben.“ Leider steht dieser schöne Optimismus des konservativen Parteiorgans auf zu schwankem Boden und muß vor der Wucht der realen Tatsachen kläglich zusammenbrechen. Aus dem Mehrerträgnis von etwa 90 Millionen Mark für das Jahr 1909 auf eine günstige Gestaltung unserer Reichsfinanzen zu schließen und sich der Hoffnung hinzugeben, daß auch im laufenden Jahr mit steigenden Einnahmen zu rechnen sei, ist durchaus verkehrt und nichts weiter als ein grober rechnerischer Fehler. Es ist bei dem kühnen Schluß völlig übersehen worden, daß das Jahr 1909 ein Ausnahmejahr war, und daß die 90 Millionen keineswegs als Ueberschuß auf Konto der Reichsfananzreform gebucht werden dürfen. In den konservativen Berechnungen ist ganz übersehen worden, daß in diesen 90 Millionen erstens einmal die 23 Millionen enthalten sind, die infolge anderweitiger Regelung der Branntweinsteuer jetzt der Reichskasse zufließen, zweitens ist die ganz außergewöhnliche Steigerung der Einfuhr in Betracht zu ziehen, die im Vorjahr wegen der zu befürchtenden Zollerhöhungen stattgefunden hat und die dem Jahre 1909 erhebliche Mehreinnahmen brachte. Diese Steigerung der Einfuhr hat natürlich für das laufende Jahr eine entsprechende Verminderung der Einfuhr zur Folge, so daß das Etatsjahr 1910 in diesem Punkte ganz erheblich schlechter abschneiden muß, als das Vorjahr und drittens findet die Einnahmesteigerung des Jahres 1909 ihre Erklärung in den Erträgen der Nachsteuer und der Nachverzollung, die gleichfalls mit der letzten Finanzreform im Zusammenhang siehen. Die aus diesen drei Ursachen entstandenen Mehreinnahmen machen in der Gesamtheit fast den vollen Betrag der 90 Millionen aus, die das Jahr 1909 als Ueberschuß aufweist. Auf Mehrerträge der Einnahmequellen des Reiches kann also hieraus nicht geschlossen werden, vielmehr haben sich in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres die Einnahmen an Zöllen und Steuern so wenig günstig gestaltet, daß man, wenn dieses erste Vierteljahr zur Berechnung für das ganze Etatsjahr zugrunde gelegt wird, sich ein Minderertrag von 64 Millionen Mark bei den Solleinnahmen, von 95 Millionen bei den Ist=Einnahmen gegen den Etatsvoranschlag ergeben würde. Aus alledem ergibt sich, wie völlig hinfällig die Jubelfanfaren der konservativen Presse über den angeblichen Erfolg der Reichsfinanzreform sind. Deutsches Gouvernementsbericht über ausgesandte Frauen und Mädchen. Die Deutsche Kolonialgesellschaft übernimmt es nicht nur, Frauen, und Familenangehörigen männlichen Geschlechts unter 16 Jahren, Bräuten und weiblichen Personen, die eine Stellung annehmen, freie Ueberfahrt von Hamburg nach Deutsch=Südwestafrika — Swakopmund oder Lüderitzbucht— zu gewähren, sie hegt auch Interesse, an dem weiteren Ergehen derselben und erhält deshalb durch das Kaiserliche Gouvernement zu Windhuk jährliche Berichte über das Befinden der betreffenden Personen. Diese Berichte lauten für die letzten drei Jahre— 1907 bis 1909— äußerst günstig. Alle die 653 Perten Lebensverhältnissen. Von den ausgereisten Mäd chen haben sich 109 verheiratet und sechs in letzter Zeit verlobt. Aufgetretene Krankheiten sind kaum nennenswert, gestorben ist hingegen nur ein Mädchen, aber nicht infolge von Krankheit, sondern infolge eines Unglückfalles. Nach Deutschland zurückgekehrt oder in eine andere deutsche oder englische Kolonie abgewandert sind 25 einzelne Frauen oder Mädchen und nur sechs Familien, von welch letzteren mehrere aber nach dem Schutzgebiet zurückkehren wollen. Alkoholdelikte und Strafgesetzbuch. K. V.— In der Behandlung der sogenannten Alkoholdelikte wird den Wünschen und Forderungen der Mäßigkeits= und Enthaltsamkeitsbewegung in dem neuen Strafgesetzbuchentwurf in recht erfreulicherweise Rechnung getragen. Der Entwurf sieht bei Trunkenheit des immerhin noch zurechnungsfähigen Straftäters neben der Strafe das Wirtshausverbot bis zu einem Jahre und bei Trunksucht neben einer mindestens zweiwöchentlichen Gefängnis= oder Haftstrafe Unterbringung in eine Trinkheilanstalt auf die Dauer bis zu zwei Jahren vor. Aber auch der sinnlos betrunkene(bewußtlose) Täter soll nicht frei ausgehen er kann, wenn seine Tat auch bei fahrlässiger Begehung strafbar ist, nach den über die Fahrlässigkeit geltenden Bestimmungen bestraft werden. Ist die fahrlässige Begehung der Tat aber nicht strafbar, so kann er, wenn Trunksucht festgestellt ist, einer Trinkerheilanstalt überwiesen werden. Die Uebertretung des Wirtshausverbots ist auch für den Wirt mit Strafe bedroht, sobald er dem mit Verbot Belegten geistige Getränke verabfolgt. Strafbar sind ferner die sogenannte gefährliche und die grobe Trunksucht, d. h. sowohl die grobe Störung der offentlichen Ordnung als auch die Herbeiführung einer persönlichen Gefahr für andere durch Trunkenheit, sowie das Erscheinen an öffentlichen Orten in Aergernis erregender Trunkenheit. Wenn diese in Aussicht genommenen Bestimmungen auch in mehrfacher Beziehung noch unzureichend erscheinen düften, bilden sie doch eine wesentliche Verbesserung des geltenden Rechtszustandes; sie erfüllen den Wunsch auf„Behandlung“, nicht blos Bestrafung des trunkenen Rechtsbrechers und sind geeignet, sowohl dem Vergeltungsgedanken und dem Erziehungszweck der Strafe, als auch'— was sehrwichtig,— dem Schutze der Gesellschaft gerecht zu werden. Im Interesse des Gemeinwohls muß für ihr Zustandekommen wie für ihren Ausbau von allen berufenen Stellen aus tatkräftig eingetreten werden. Eine Hundstagsgeschichte. Trotzdem die Hundstage diesmal kühl genug sind, ist der Brüsseler„Independence Belge“ das Hirn verwirrt worden. In dieser Verwirrung behauptet das Blatt nichts weniger, als daß der Deutsche Kaiser die Herausgabe einer eigenen Zeitung plane.„Sein Freund Fürst Egon von Fürstenberg ist bereits von allem unterrichtet worden. Wilhelm 2. wird als Besitzer, Direktor und Schriftleiter des Unternehmens tätig sein. Der Kampf des Blattes wird gegen die Immer zunehmende Ausbreitung des Sozialismus gerichtet sein. Im Wahlkampf des kommenden Jahres wird die Zeitung gegen die Vertreter der äußeren Linken vorgehen.“.. Die Sache ist zu lächerlich, um schädlich zu sein. Wir erwähnen sie nur zur Erheiterung unserer Leser. Spionage in schlesischen Rasernen. Das Generalkommando des 5. und 6. Armeekorps verfolgt einen Spion, der sich in der Uniform eines Sergeanten der 71. Infanteriebrigade in die Kasernen einschleicht. Unmittelbar bevor der Festnahmebefehl in Schweidnitz eintraf, hatte der gesuchte Spion dort in der Unteroffizierstube des 19. Grenadierregiments kameradschaftlich die Nacht verbracht, war aber am Morgen spurlos verschwunden. Heeresverwaltung und neue Militär=Luftschiffe. Wie die„Informatior“ erfährt, sind wegen Erwerbs eines neuen Zeppelin=Luftschiffes durch die Heeresverwaltung jetzt bestimmte Vorschläge von der Zeppelin-Gesellschaft bei der zuständigen Behörde eingegangen, und es schweben Verhandlungen. Die vor kurzem durch die Presse gegangene Nachricht, wonach das Kriegsministerium ein Zorn=Luftschiff subventionieren werde, ist nicht zutreffend. Der Verkehr zwischen der Behörde und der betreffenden Luftschiffahrts Gesellschaft hat sich bisher darauf beschränkt, daß ein Gesuch um Subventionierung durch die Heeresverwaltung bereits im Jahre 1909 dahin beantwortet wurde, daß zunächst der praktische Beweis für die Brauchbarkeit eines solchen Luftschiffes für Heereszwecke zu erbringen sei, bevor eine Subvention in Frage kommen könne. Im Februar 1910 wurde dann von der Gesellschaft der Antrag auf Subventionierung einer Luftschiffhalle gestellt, worauf der Bescheid erteilt wurde, daß der Nachweis einer guten Fundierung des Unternehmens zunächst notwendig sei. Der nächste Lenkballon, der voraussichtlich von der Heeresverwaltung übernommen wird, dürfte ein neuer„Parseval“ sein, dessen Fertigstellung bevorsteht. Das neue Luftschiff soll einen Rauminhalt von nur rund 5700 Kubikmeter besitzen, ist also etwa 1000 Kubikmeter kleiner als der zuletzt gelieferte Lenkballon. Es wird nach seiner Uebernahme die Bezeichnung „P III“ erhalten. In Unterhandlungen steht die Heeresverwaltung ferner wegen Lieferung eines Lenkballons nach dem System Clouth. Es handelt sich aber nich um das Luftschiff, das zur Ausstellung nach Brüssel geflogen ist. In Betracht kann nur ein neuer Lenkballon dieses Systems kommen, der auch einen größeren Rauminhalt als die bisherigen Clouth=Lenkschiffe besitzt. Was ferner das Interesse der Armeeverwaltung an dem Siemens-Schuckert=Luftschiff betrifft, so hat man bei der Konstruktion des nun fertig gestellten Ballons, die bereits gesammelten Erfahrungen der Gesellschaft zur Verfügung gestellt und hat außerdem die nötigen Gasflaschen hergeliehen, was eine nicht unbedeutende Ersparnis bedeutet, da zur Füllung etwa 4000 Gasflaschen notwendig sind. Man geht bei der Erprobung des neuen Luftschiffs sehr vorsichtig zu Werke, hält die Proben in der Halle ab und macht entsprechende Verbesserungen. Ausland. Oesterreich=Ungarn. Budavest, 14. August. Im ungarischen Ackerbauministerium erklärt man auf das Bestimmteste, daß die ungarische Regierung absolut ihre Zustimmung zu einem Viehausfuhrverbot verweigern werde. Italien. Rom, 14.. August. Der Papst hat einen Monsignore, ein Mitglied des Staatssekretariats, nach Spanien entsandt, um mit einem Delegierten der spanischen Regierung den Weg zu besprechen, der zur Wiederaufnahme der Verhandlungen führen könne. Man glaubt daß dieser Delegierte auch einen Auftrag für den spanischen Hof hat. Rom, 14. August. Eine hohe vatikanische Persönlichkeit erklärte, daß alle Meldungen über eine angebliche Verschärfung des Konfliktes mit Spanien freie Erfindungen seien. Tatsache sei vielmehr, daß auf beiden Seiten das Bestreben vorherrsche, recht bald zu einem modus vivendi zu gelangen. Der apostolische Nuntius in Madrid sei nunmehr mit den weitgehendsten Vollmachten ausgestattet, und man erwarte, daß die zwischen dem Nuntius und dem spanischen Ministerpräsidenten Canalejas in San Sebastian stattfindenden Besprechungen zu einem befriedigenden Resultat führen werden. Ehre. Roman von Ewald August König. 9 Sogar Hilarius Poppert mußte sich vor dem Gittertor einem kurzen Verhör unterziehen, bevor ihm geöffnet wurde, und auch dann noch brummte der breitschultrige, herkulische Wärter mit einem stechenden, mißtrauischen Blick auf den alten Mann einige Worte vor sich hin, die seinen Aerger über diesen Besuch deutlich bekundeten. „Sie haben sich zu Lebzeiten des Verstorbenen nicht um ihn gekümmert, was wollen Sie heute hier?“ fragte er mürrisch, während sie den Garten durchschritten. „Zu seinen Lebzeiten wurde man hier nicht zugelassen,“ erwiderte Poppert mit scharfer Betonung,„wie also konnte man sich um ihn kümmern? Waren Sie sein Wärter?" „Jawohl, und Sie dürfen mir glauben, daß ich viel Mühe und Arbeit mit ihm gehabt habe.“ „Er war nicht tobsüchtig?“ „Mitunter in hohem Grade, er hat mit der Zwangsacke häufig Bekanntschaft gemacht.“ „Und deshalb durfte niemand zu ihm gelassen werden?“ „Das müssen Sie den Herrn Doktor fragen,“ sagte der Wärter grob,„das Personal in dieser Anstalt ist nicht befugt, solche Fragen zu beantworten.“ Der Makler hatte seinen Hut abgenommen, ertrocknete mit dem Taschentuch sein nasses, schweißbedecktes Haupt. „Führen Sie mich in die Zelle, die er bewohnt hat?“ fragte er nach einer Pause, als sie in dem kühlen Hausflur der Anstalt traten. „Nein, er liegt in der Totenkammer, Sie werden dort auch ihre Verwandten finden.“ Der Wärter schien in die Verhältnisse genau eingeweiht zu sein, es lag eine boshafte Schadenfreude in dem Tone, in dem er die letzten Worte gesprochen hatte. In dem ersten Moment war Hilarius Poppert stehen geblieben, aber der höhnische Blick seines Begleiters bewog ihn, seinen Weg fortzusetzen. „Es liegt vielleicht in Ihrem Interesse, wenn Sie sich mit mir auf einen freundschaftlichen Fuß stellen wollken,“ sagte er mit gedämpfter Stimme,„für wichtige MitLeilungen und namentlich für solche, die bewiesen werden können, zahle ich gut. Ich denke, Sie werden mich verstehen!“ „Einstweilen noch nicht,“ erwiderte der Wärter achselzuckend,„Sie müssen mir das deutlicher erklären.“ „Es soll geschehen, wenn Sie mich besuchen wollen. Hat der Verstorbene keine Papiere hinterlassen?“ „Was er hinterlassen hat, befindet sich in den Händen des Herrn Doktors; so weit ich es taxieren kann, ist es nicht der Mühe wert, daß es den Hinterbliebenen ausgehändigt wird. Was erwarten Sie von hinterlassenen Papieren?“ „Das wissen Sie ebenso genau wie ich, aber hier ist der Ort nicht, darüber zu reden; kommen Sie zu mir, es wird Ihr Schaden nicht sein.“ Der Wärter gab keine Antwort; er öffnete eine Türe und ersuchte den alten Mann durch eine Handbewegung, einzutreten. Im nächsten Augenblick sah Poppert sich seinen Verwandten gegenüber, die mit schmerzerfüllten Mienen vor der Leiche standen. „Friede seiner Asche!“ sagte er mit harter, knarrender Stimme,„wohl ihm, daß er ausgelitten hat. Sie sind nun auch von einer drückenden Last befreit, Frau Schwägerin, hoffentlich kommen nun bessere Tage für Sie.“ „Hoffen Sie das wirklich?“ fragte Richard, sich hoch glückliche ihrem Ge en Mutter bisher nicht bewiesen, daß Sie an ihrem Geschick irgend welchen Anteil nehmen.“ „Mit Dir habe ich nichts zu schaffen," erwiderte Poppert,„Du warst immer ein trotziger Bursche!" Lieschen legte ihre Hand auf den Arm des Bruders. „Bleibe ruhig,“ bat sie leise,„an diesem für uns geheiligten Orte muß jeder Hader ruhen.“ „Ich hadere nicht mit diesem Manne,“ erwiderte Richard,„die bösen Leidenschaften, deren Sklave er ist, gestatten ihm nicht, anders zu handeln, wie er gehandelt hat. Wenn er diesen Anblick ertragen kann," fuhr er, auf das hagere, verzerrte Antlitz des Toten deutend, fort,„wenn bei diesem Anblick nicht die Stimme des Gewissens in seinem Innern erwacht, dann werden auch die Vorwürfe, die ich ihm zu machen habe, sie nicht wecken können.“ „Und welche Vorwürfe wären das?“ fragte der Makler mit gelassener Ruhe. ger, eben „Was haben Sie getan, als Ihr einziger Bruder hierher gebracht wurde?“ „Was hast Du selbst getan?“ „Ich war noch zu jung, um das furchtbare Schicksal meines Vaters in seinem ganzen Umfange zu begreifen, was auch hätte ich für ihn tun können?“ „Und was hätte ich tun können?“ entgegnete der alte Mann achselzuckend.„Ich mußte mir sagen, daß mein Bruder im Irrenhause besser aufgehoben sei, als im Zuchthause.“ Frau vollem daß alle ihn verließen, daß kein Freund sich seiner annehmen wollte. Was ich arme schwache Frau tun konnte, das ist geschehen.“ „Und es blieb erfolglos,“ unterbrach sie ihr Schwaeder hätte Ihnen das voraussagen können. Ich habe alls das Meinige getan, aber ich fühle mich nicht verpflichtet, meinem naseweisen Neffen Rechenschaft zu geben.“ Dem jungen Manneschoß das Blut heiß in die Stirne, es fiel ihm schwer, sich zu bezwingen. „Wären Sie nicht der Bruder meines Vaters, so würde ich Ihre beleidigenden Worte nicht so ruhig hinnehmen,“ sagte er mit gehobener Stimme.„Sie nennen mich trotzig und naseweis, ich könnte Ihnen mit anderen Worten darauf dienen. Wenn Sie sagen, mein Vater sei im Irrenhause besser aufgehoben gewesen, als im Zuchthause, so beweisen Sie damit nur Ihre Gefühllosigkeit, ich darf wohl annehmen, daß auch Sie von seiner Geisteskrankheit niemals überzeugt gewesen sind. Hätte man die Anklage gegen ihn beweisen können, es wäre sicherlich geschehen.“ „Diese Behauptung beweist, daß Du die Sachlage nicht richtig erkannt hast,“ sagte der Makler ruhig.„Die Anklage durfte nicht erhoben, nicht öffentlich verhandelt werden, man hätte ja in diesem Falle die Eristenz des gefährlichen Aktenstückes zugeben müssen. Wir wollen nicht darüber streiten, Frau Schwägerin, ob mein Bruder den Verrat begangen hat oder nicht.. oder haben Sie überzeugende Beweise für seine Schuldlosigkeit?“ Sein stechender Blick ruhte lauernd, voll gespannter Erwartung auf ihrem bleichem Gesicht, während Lieschen das Antlitz des Toten verhüllte. Sie schüttelte ablehnend das Haupt.„Hätte ich sie, so würde ich ohne Bedenken Gebrauch von ihnen machen, um die Schmach zu tilgen, die auf seinem Namen ruht,“ sagte sie,„ich habe die Hoffnung, diese Beweise jemals zu finden, längst verloren.“ Die Türe wurde in diesem Augenblick hastig geöffnet, der Eigentümer und Leiter der Anstalt stand auf der Schwelle des kahlen Raumes und prüfte mit einem raschen, stechenden Blick die Anwesenden. Erwarschon ein alter Mann. Ein dichter, silbergrauer Vollbart umrahmte das scharf markierte Gesicht, aus dessen Zügen eine eiserne Willensfestigkeit sprach. Auf seine äußere Erscheinung gab er nicht viel, das bewies seine nachlässige Kleidung und die auffallende Unsauberkeit seiner Leibwäsche aber sein Auftreten, seine Haltung und seine Bewegungen waren sicher und selbstbewußt, sein Blickscharf und durchdringend undderKlangseiner Stimme hart und befehlend. Er sprach einige Worte der Teilnahme, aber sie klangen so kühl und förmlich, daß sie nur unangenehm berühren konnten. „Er ist plötzlich gestorben?“ fragte der Makler. „Jawohl," bestätigte der Doktor,„in einem Anfalle von Tobsucht traf ihn ein Gehirnschlag, der seinem Leben sofort ein Ende machte.“ „Und darf man jetzt wissen, weshalb seinen nächsten Angehörigen niemals erlaubt wurde, ihn zu besuchen?“ fragte Richard, den forschenden Blick fest auf das Antlitz des Arztes heftend. „Wenn ich ticht irre, habe ich diese Frage schon mehrmass beantwortet,“ erwiderte der Doktorkühl.„Ihr Herr Vater war hier auf Befehl der Regierung untergebracht.“ „Als Staatsgefangener?“ „Zweifeln Sie vielleicht daran, daß er geisteskrank gewesen sei?“ „Das tue ich allerdings!“ „So klagen Sie die Regierung an, wenn Sie den Mut dazu haben, ich werde alsdann beweisen, daß der Verstorbene bei seiner Ankunft in diesem Hause in so hohem Grade tobsüchtig war, daß ihm sofort die Zwangsjacke angelegt werden mußte."..9.-9930 183,18 Bulgarten. Sofia, 14. August. Nach einer langen Audienz beim König hatte der Minister des Aeußern Papcikow gestern eine zweistündige Auseinandersetzung mit dem türkischen Gesandten, dem er den bülgarischen Standpunkt darlegte. Danach wünscht Bulgarien die Ergarischen Flüchtlinge und Behebung der Ursachen, die zur Flucht nach Bulgarien führen, wobei Paprikow erkärte, daß es sich nicht mehr um irgendwelche diplomatische Scheinmaßregeln handle, sondern um praktische Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung und des nachbarlichen Verhältnisses. Politische Kreise sehen mit gewisser Spannung den nächsten Entscheidungen des bulgarischen Ministerrates entgegen. Sofia, 14. August. Hier wird ein Aufruf einer unlängst gebildeten„Nationalen makedonisch Adrianopeler revolutionären Organisation“ verbreitet, die darin ihren Zweck bezeichnet, den bulgarischen Staat zu zwingen, daß er den Volkswillen erfülle, das wie der Aufruf besagt, dem makedo=bulgacischen Bereiungskampf durch die militärische Unterstützung Bulgariens zum Sieg zu verhelfen. Wien. 14. August. Aus Warschau erhält der Lemberger„Slowo Pokoki=“ die Nachricht, daß die Komitees sämtlicher sozialistischer und nationaler Geheimorganisationen Russisch=Polens eine gemeinsame Konferenz zur Einleitung einer einheitlichen Aktion gegen die russischen Lockspitzel und Spione abhalten weren. Griechenland. Athen, 14.. August. Der kretische Pacteiführer Michelidakis läßt erklären, daß er eine Kandatur für die griechische Nationalversammlung entschieden zurückweise. Man glaubt, daß auch die übrigen, von den griechischen Parteien aufgestellten kretischen Kandidaten jedenfalls ihm folgen werden. Türkei. Uesküb, 14.. August. Haussuchungen in Istib nach Waffen förderten Briefschaften einer geheimen bulgarischen Organisation zutage, die damit den Behöcden in die Hand gegeben ist. In einem hiesigen Hotel wurde ein flüchtiger montenegrinischer Offizier durch Messerstiche schwer verwundet aufgefunden. Die Beweggründe sind unbekannt. Man glaubt an einen politischen Grund. Lokales und Provinzielles. Dortmund, 15. Angust. —“ Herr Stadverodnetenvorsteher Tewaag hat am Sonntag von einer Nordlandreise aus Bergen belegraphiert, daß alle Gerüchte über seine, oder der Familie Absichten, den Oberbürgermeister Holle=Essen nach Dortmund zu werben, auf freier Erfindung bezuhen. —* Herr Ziegeleibesitzer GustavMaiweg hat, wie wir schon vor 8 Tagen mitzuteilen in der Lage wacen, einer Meldung des Amtsblattes vom Sonntag zufolge seine städtischen Ehrenämter niedergelegt. —* Mord. Der Arbeiter Gerhard Thiesbrummel, In der Unnaerstraße 11 wohnhaft, hat gestern seine 35 Jahre alte Ehefrau, für die er seit Monaten nicht mehr sorgte, mit einem Brotmesser erstochen. Thiesbrummel war dem Trunke ergeben und somit der Arbeit abhold. Er lebte von der Frau und seinen fünf zum großen Teil noch schulplichtigen Kindern getrennt. Die Frau hatte bereits die Scheidungsklage eingereicht und oll sich schon nach einem anderen Manne erfolgreich umgesehen haben, sodaß Thiesbrummel von Eifersucht erfaßt wurde und beschloß, die Frau samt den Kindern ums Leben zu bringen. Er drang gestern Mittag 12einhalb Uhr in die Wohnung seiner Frau ein und versetzte ihr sofort einen Stich ins Herz. Die Frau sank zu Boden und schied aus dem Leben, ohne einen Laut von sich zu geben. Die fünf Kinder waren Zeugen der Bluttat und riefen laut um Hülfe. Bevor Jemand hinzukam, war Thiesbrummel schon zum Hause hinaus und auf die Polizeiwache geeilt, wo er sich festnehmen ließ. Der Mörder hat schon längst seine Frau bedroht und wurde deshalb nicht in das Haus hineingelassen. Am Sonntag Mittag war es ihm geglückt, sich unbemerkt einzuschleichen, sodaß er seine Drohungen wahr machen konnte. —* Der 32. westfälische Handwerker= und Delegiertentag findet am 21. und 22. August in Hagen statt. Damit ist die Feier des 25jährigen Bestehens des deutschen Handwerkerbundes verbunden. — Wegen vorsätzlicher Brandstiftung wurde der Bergmann Eduard Schubert in Eving, Kampstr. 10, im Untersuchungshaft genommen: Er hatte in der Trunkenheit seine Wohnung in Brand gesetzt. —* Eine schwere Bluttat ereignete sich dem„G.= A.“ zufolge, gestern Abend 11 Uhr in der Gaszentraledes Eisenwerks„Union“. Dort wurde der Obermaschinist und der Maschinist bei einem Wortwechsel mit einem Maschinenputzer derart mit dem Messer traktiert, daß der Obermeister sofort getötet, und der Maschinenwärter schwer verletzt wurden. Der Täter wurde von dem Nachtwächter des Werks verfolgt und der Polizei überliefert Seine beiden Opfer wurden mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus geschafft. —* Straßenräuber gefaßt. Vor zirka 2 Monaten wurde auf der Hohestraße einer jungen Dame ein Portemonnaie mit Geldinhalt entrissen. Schon damals wurde der Straßenräuber erkannt, doch gelang es ihm, wieder zu entkommen. Gestern nun lief er einem Polizeibeamten, der ihn wiedererkannte, in die Hände. Es ist der Maschinenschlosser Richard Herwa, der vermutlich noch mehr auf dem Kerbholz hat. * Zwei Butterfälscher wurden wieder durch den städtischen Nahrungsmittelchemiker entlarot. Es waren dies zwei Händlerinnen aus Gütersloh und Kamen; sie hatten der von ihnen feilgebotenen Naturbutter etwa 20 Prozent Wasser beigemengt. —* Verhaftung. Der Arbeiter Johann Rostalski purde festgenommen und dem hiesigen Amtsgerichtsgesängnis zugeführt, weil er vor einiger Zeit in Somborn einen Einbruchsdiebstahl ausgeführt hatte. Der Festgenommene hat drei verschlossene Koffer gewaltsam erbrochen und außer Kleidungsstücken ca. 150 Mark bares Geld entwendet. —* Die Maler=Innung beschloß, das 25jährigBestehen der Innung in diesem Jahre festlich zu begehen. Essen, 14. August. Im Kruppschen Lohnbureau wurden Unterschlagungen in Höhe von über 50000 Mk. aufgedeckt, die ein Angestellter seit einigen Jahren verübt hat. Der Defraudant ist flüchtig. Barmen, 14. August. Gestern vormittag wurde In der Stadthalle zu Elberfeld der Verbandstag der Maler= und Anstreicher=Innungen von Rheinland und Westfalen eröffnet. Die Handwerkskammern von Düsseldorf und Dortmund hatten Vertreter entsandt. Der Geschäftsführer von Verres(Düsseldorf) erstattete den Geschäfts= und Kassenbericht. Dem Vorstand gehören in der Rheinprovinz 23 Innungen mit 2000 Mitgliedern, in Westfalen 19 Innungen mit 919 Mitgliedern und 47 Einzelmitgliedern an, insgesamt 2966 gegen 3022 im Jahre vorher. Der Kassenbericht schließt ab mit 1697 Mark Einnahme, 1758 Mark Ausgabe. Reichstagsabgeordneter Irl aus Erdingen berichtete über den Stand der Verhandlungen über die neue Reschsversicherungsordnung. Nach seinem Bericht wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: Der Verband richtet an den Reichstag die Bitte, bei Schaffung einer Reichsversicherungsordnung alles zu vermeiden, was die Verwaltungskosten der sozialen Versicherungsgesetzgebung in irgendeiner Weise verteuern würde. Mit allen gegen eine Stimme stimmte die Versammlung einem Antrage auf Aufhebung des Paragraphen 100,9 der Gewerbeordnung zu, um den Innungen die Möglichkeit zu geben, zwangsweise Mindestpreise festsetzen zu können. Ein Antrag der Dortmunder Innung auf Gründung einer Kranken= und Winteruntersstützungskasse wurde zurückgezogen, da die Gründung bereits 1903 beschlossen aber nicht verwirklicht wurde, weil nur 150 Mitglieder ihre Anmeldung erklärten. Der nächste Verbandstag wird In Siegen abgehalten werden. Köln, 13. August. Im Wallgraben an dem Eifelerglacis wurde heute vormittag ein etwa 60 Jahre alter Mann bewußtlos aufgefunden. Man schaffte den Verletzten nach der Krankenanstalt Lindenburg, wo er alsbald nach der Einlieferung starb. Königswinter, 15. August. Zwei hiesigen Polizeibeamten war es aufgefallen, daß zwei bessere Herren die in einem hiesigen Hotel wohnten, viel mit den Angestellten der anderen Hotels verkehrten. Da das Aeußere des einen auch auf die Beschreibung eines von Hagen aus wegen schweren Konkursvergehens steckbrieflich Verfolgten paßte, schritten die Beamten, laut Bonner Reichsztg; zur Verhaftung. Bei ihrer Vorführung stellte sich heraus, daß der eine der Verhafteten der von Hagen aus Gesuchte und der andere ein Buchmacher ist. Beide hatten von den hiesigen Hotelangestellten recht hohe Beträge eingeheinst für Wetten beim Pferderennen. Auch hatten sie von einem Kellner ihres Hotels 50 Mark geliehen. Handel und Dortmund, 14. August. Architekt Gustav Maiweg hat die Eröffnung des Konkurses über sein Vermögen beantragt. Am Samstag wurde wegen einer von London geltend gemachten Wechselforderung in Höhe von 63000 Mark. die Maiwegsche Ziegelei an der Märkischen Straße gepfändet. Dortmund. 15. August. Wie wir hören, ist der Konkurs über das Vermögen Maiwegs heute eröffnet worden. Die erste Gläubigerversammlung findet am 31. August statt. Dortmund, 14. August. Die Dortmunder Aktienbrauerei beabsichtigt, wiederum eine Dividende von 20 Prozent zu verteilen. Dortmund. 14. August. In seiner gestrigen Generalversammlung beschloß der Dortmunder Verkaufsverein für Ziegeleifabrikate eine Produktionseinschränkung bis 25 Prozent. Die Brüsseler Ausstellung in Flammen. In der Nacht zum Sonntag ist in der Brüsseler Ausstellung Feuer entstanden, das, wie aus den folgenden telegraphischen Mitteilungen hervorgeht, den größten Teil der Ausstellung und damit ungeheure Werte vernichtet und den vorzeitigen Schluß der Ausstellung veranlaßt hat. Brüssel, 15. August. Die Brüsseler Weltausstellung brennt. Es dürfte kaum etwas von den großen Gallerien Frankreichs, Belgiens, Englands und Italiens gerettet werden können. Es bedeutet für die Stadt ein ungeheures Unglück. 5 Minuten vor 9 Uhr bemerkte das Publikum, wie aus der belgischen Abteilung die Flammen hervorschossen und dicke Rauchwolken zum Himmel drangen. Ein wenig später schlängelten schon die Flammen hervor. 9 Uhr 30 Min. stand bereits der größte Teil der französischen Ausstellung in Brand. Die Ausstellungswehr, die Feuerwehr von Brüssel und Umgegend wurden sofort alarmiert. Das Feuer griff mit großer Schnelligkeit um sich. Die internationalen Gebäude hatten sich bereits in Flammen gehüllt und das Feuer verbreitete sich über die aus leichtem Holzfachwerk bestehenden Gallerien mit fabelhafter Geschwindigkeit. Brüssel, 15. August. Nach dem Ausbruch des Brandes in der Ausstellung staute sich eine unzählige Menschenmenge aus Brüssel und Umgegend bei der Brandstätte an. Ungezihlte Millionen an Werken sind vernichtet. In der französischen Abteilung waren viele Millionen der wertvollsten Gegenstände ausgestellt. ebenso in dem schönen„Alt Brüssel“. Menschen scheinen bis jetzt nicht umgekommen zu sein, wenn man auch bei dem allgemeinen Wirrwarr noch nichts bestimmtes sagen kann. In dem Gedränge wurden jedoch Frauen und Kinder verletzt. Das Feuer hat in einem Restaurant, das an der Vorderfront der belgischen Abteilung eingebaut war, seinen Ausbruch gesunden. Der ganze Himmel über Brüssel ist in ein Flammenmeer gehüllt. Die Glut wird inmer unerträglicher. Die Funken fliegen über das ganze Terrain hinweg. Die Feuerwehren konnten nichts tun, als die eigentliche Stadt Brüssel, die deutsche Abteilung und die französische Kolonialabteilung, die glücklicherweise etwas abseits liegen, zu schützen. Des Publikums, das sich heute in der ungewöhnlich hohen Zahl von 70000 Personen in der Ausstellung eingefunden hatte, bemächtigte sich eine große Panik. Es spielten sich viele Szenen ab. Brüssel. 15. August. Es bestätigt sich, daß die belgische, ikalienische, französische und englische Ausstellungsabteitungen völlig niedergebrannt sind. Auch der spanische Pavillon, der sich gegenüber der Seitenfassade der belgischen Ausstellung befindet, ist von den Flammen zerstört worden. Man nimmt an, daß das Feuer im Hauptverwaltungsgebäude durch Kurzschluß zum Ausbruch gekommen seln. Die wilden Tiere, die sich in der Menagerie im Brusseler Kirmespark befanden, sollen ausgebrochen sein und sich in das Innere des Parkes geflüchtet haben. Nach den bisherigen oberflächlichen Schätzungen sind Objkete im Werte von etwa 500 Millionen Francs verbrannt. Um 1 Uhr nachts brannte es no chimmer weiter. Die hellen Flammen konnten noch nicht bewältigt werden. Die Jury der Brüsseler Weltausstellung, die eben ihre ersten Phasen ihre rArbeit beendet hatte, hatte das gesamte Material der Dokumente in dem belgischen Hauptverwaltungsgebäude deponiert. Alle diese Papiere sind verbrannt. Die Ausstellung wird heute für das Publikum geschlossen werden. Brüssel, 15. August. Ueber den Brand der Ausstellung wird uns noch weiter berichtet: Die Ursache der Feuersbrunst, so heißt es, sei auf Kurzschluß zurückzuführen, welcher am Eingang der belgischen Ausstellung in 20 Meter Höhe von einer der Bogenlampen in unmittelbarer Nihe des Generalkommissariats entstanden sei. Das Feuer breitete sich mit unglaublicher Geschwindigkeit aus und bevor Hilfe ankam, stand die ganze belgische Abteilung in Flammen. Das Feuer wurde durch eine herrschende Brise begünstigt, während andererseits die Rettungsarbeiten beeinträchtigt wurden durch die ungeheure Menschenmenge, die an der Brandstelle zugegen war und durch den ungenügenden Druck der Wasserleitung. Das Schauspiel war ein überaus grauenhaftes. Ungeheure Flammen schlängelten sich gen Himmel. Sie waren weit sichtbar. Ein gefährlicher Funkenregen ging über einen Teil der Neustadt nieder. und brachte mehrere Gebäude in Gefahr. Das Lazarett St. Antonie, das sich in der Nähe der Brandstelle befindet, mußte geräumt werden. Feuerwehr und Polizei drängte die Volksmenge zurück und sprengte die Verbindungsbrücke zwischen der englischen und französischen Abteiulng, in der Hoffnung, das Feuer eindämmen zu können. 13 Wohnhuser, die sich innerhalb der Ausstellung befanden, sind eingeäkschert owrden. Der König wurde in Bossenhosen in Bayern sofort von der Katastrophe benachrichtigt und läßt sich seitdem andauernd Bericht über die Lage erstatten. Es heißt, die Ausstellung werde nur auf zwei bis drei Tage geschlossen bleiben. Die Trümmer werden von Militär stark bewacht, da sich unter ihnen Juwelen, Diamanten und Goldgegenstände der belgischen und französischen Abteilung befinden. Der Schaden kann noch nicht annähernd festgestellt werden. Die Angaben schwanken zwischen 20 und 50 Millionen, doch dürften diese Summen um ein bedeutendes überstiegen werden. Zirka 30 Personen mußten wegen Verletzungen aller Art in ärztliche Behandlung genommen werden. Ein Franzose stürzte aus einer Höhe von 10 Meter ab, während er sich an den Rettungsarbeiten beteiligte. Ein Soldat hat sich mit seiner eigenen Art den Fuß abgeschlagen. Infolge des Feuers stockt der Verkehr in der Stadt. Es gelang nur mit größter Mühe den Schutzleuten, die zahlreichen Neugierigen aus dem Ausstellungsterrain zu verdrängen. Aus den Lokalen des Verwaltungskomitees konnte man noch rechtzeitig wertvolle Gobelins retten, sowie eine Anzahl anderer wertvoller Gegenstände und die in der Kasse befindlichen 100 000 Francs. Brüssel 15. August. Nach den Morgenblättern hat die Zerstörung des Feuers die belgische und englische Abteilung, das Stadtviertel Alt=Brüssel und etwa 17 Häuser der Avenue Solbesch betroffen. Von der französischen Ausstellung ist die Lebensmittelabteilung, der Pavillon der Stadt Paris und ein kleiner Teil der Industrieabteilung vernichtet. Die italienische Abteilung, die der kleineren Staaten, und vor allem die internationale Maschinenhalle scheinen gerettet zu sein, sodaß das Feuer nicht ein so großes Gebiet ergriffen hat, als anfänglich angenommen wurde. Einige Berichte sagen, das Feuer sei durch Kurzschluß in der belgischen Abteilung entstanden. andere aber glauben nicht daran, weil noch nach Ausbruch des Feuers ein Teil des elektrischen Lchteis gebrannt habe. Mit Sicherheit wird die Entstehungsursache des Feuers wohl niemals festgestellt werden können. Im Stadtviertel AltBrüssel sind die wilden Tiere einer Menagerie erstickt. Das Ausstellungskomitee beschloß noch in der Nacht, die Ausstellung nicht zu schließen. Man wird schon heute vormittag Dispositionen treffen, um in irgend einer Form in kürzester Zeit einen Ersatz für das zerstörte Werk zu schaffen. Viele Ausstellungsgegenstände konnten in Sicherheit gebracht werden. Die Blätter melden, daß ein Kellner in den Flammen umgekommen sei, es ist jedoch nicht möglich, genaues hierüber festzustellen. Großes Eisenbahnunglück in Frankreich. Paris, 14. August. Heute vormittag gegen 11 hr stieß bei der Station Baujan, 9 Kilometer vor oyan ein Güterzug mit einem Personenzug zusamen.. Nach den letzten Meldungen wurden 63 Pernen, meist Kinder, getötet und 50 schwer vertt. Paris 14. August. Das Unglück auf der Strecke r Staatsbahn ereignete sich infolge mangelhaster Vorreitungen des Trainverkehrs.. Die beiden ersten Wain eines von Berdun nach dem Seebade Royan abgenden Vergnügungszuges, die vollgepfropft waren mit öglingen eines Mädcheninstituts— die Kinder hatten rade ein neues Reiselied angestimmt, als mit einem kale ein großer Krach ertönte— stieß mit der Lokomove auf den letzten Wagen eines nicht rechtzeitig aus m Geleise entfernten Güterzuges zusammen. Die Lomotive riß bei dem Sturz von einem Abhang die er folgenden Wagen mit sich. Die unverletzt gebliebeen Personen waren Zeugen von furchtbaren Szeen. Verstümmelte Leichen, Leichenteile und noch lende Perionen wurden mühsam aus den Trümmern rvorgezogen. Rekognoszierung der Leichen bot unheure Schwierigkeiten. Die Kinder waren meist leicht ekleidet. Ihre Gesichter waren ausnahmslos bis zur nkenntlichkeit verstümmelt. Ob sich Deutsche unter n Opfern der Katastrophe befinden kann noch nicht sagt werden. Die Rettungsarbeiten auf dem Bahnif des kleinen Städtchens gingen nur langsam vor rand ist unverzüglich von dem Unglück benachrichti worden. Unter anderem ist Herr Durois, der Chef Staatsbahnbetriebes, getötet, der im Hinblick auf d großen Verkehrsansprüche sich persönlich von den Bordeaux getroffenen Anordnungen überzeugen wollt Aus den letzten Telegrammen geht hervor, daß de Lokomotivführer des Güterzuges, der sich auf der ein gleisigen Strecke Royan=Rouen befand, dem Halte signal nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt hat. E wollte noch vor dem Personenzug das Nebengleise er reichen. Dieser Irrtum wurde zum schrecklichen Ver hängnis. Aus den Erzählungen der Verwundeten ger hervor, daß ihre Qualen noch durch den brennende Durst bei der tropischen Hitze des heutigen Tagese höht wurden. Sie mußten eine halbe Stunde auf Trin wasser warten. Es entstand ein erbitterter Kampf u die Getränke. Die Verwundeten wurden nach Les Sai tes gebracht. Man fürchtet, daß die Mehrzahl Verwundeten ihren Verletzungen erliegen wird. Letzte Celearamme Der Veteranenappell vor dem Kaiser. 14. Aug. Zum heutigen Beteranenappell sind hier aus dem Regierungsbezirk Kassel noch von weit her e g. ge Zahl von Kriegsveteranen eingetroffen. Die Flaggenschmuck angelegt und eine Reihe von Festlichkeiten finden statt. Auf allerhöchsten Befehl wurde nachmittags im Königlichen Theater in einer SondervorPaul Heyses„Kolberg“ mit den besten Kräften des Königlichen Schauspielhauses gegehen. Das Theater war im Parkett, in den Rängen und in den Logen mit besetzt. Alle trugen die Kriegsdenkmünze, viele das Eiserne Kreuz. Vielfach bemerkte man die althessische und die Schwälmer Bauerntracht. In der Hofloge erschien, vom Intendanten Grafen v. Bylandt, #r n zu Rheydi, gelein., der Kaiser in der Untfornt des Leibhusarenregiments, Königin Viktoria von Preußen“ Nr. 2. Prinzessin Viktoria Luise und Prinz Oskar mit dem gesamten Gefolge sowie der Krieasminister van Gefolge sowie der Kriegsminister von waren anwesend. Den Kaiser empfing ein dreifaches donnerndes Hurra der alten Soldaten. Die *, e e K a l s e r v o n h e r z l i c h e n K u n d gebungen der Veteranen und des Publikums geleitet. Fahnennagelung in Kassel. Kassel, 14. Aug. Heute vormittag fand inn Thronsaal des Residenzpalais die felerliche Naue: lungund Weihe einer Anzahl vou Fahnen in Anwesenheit des Kaiserpaares, der Prinzessin Viktoria Luise, des Prinzen Oskar, der Herren des Hauptquartiers, der Damen und Herren der Umgebung, des Kriegsministers, der kommandicrenden Generale des 1., 2. und 17. Armeekorps usw. statt. Später folgte ein Weiheakt auf dem Friedrichsplatze, wo der Kaiser mit dem Prinzen Oskar zu Fuß eintraf. Die Kaiserin wohnte dem Festakt mit Gefolge vom Balton des Palais aus bei. Nach Schluß des Weihenktes stieg der Kaiser im Hofe des Residenzpalais zu Pferde und erschien von neuem auf dem Platze, wo er die Fronten der Truppen und Veteranen abritt. Die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Luise folgten im offenen Wagen. Hierauf nahm der Kaiser militärische Meldungen entgegen. Während der Rückfahrt der Majestäten nach Wilhelmshöhe wurden sie mit herzlichen Kundgebungen begrüßt. Die Fleischnot in Bayern. München, 14. Aug. Infolge der hohen Wiehpreise haben in der Provinz eine Reihe von Metz gern ihre Geschäfte geschlossen. Zur Reise des Zarenpaares Königsbera i. Pr., 14. August, Der Zar und die Zarin werden heute über Endtkuhnen und Königsberg nach Darmstadt reisen. Die Kriegsgedenkseiern in Metz. Metz, 14. Aug. Gegen 10000 Veteranen aus allen Gegenden des Reiches sind bereits anläßlich der Metzer Gedenkfeier hier eingetroffen. Weitere 10000 folgten heute. Sämtliche Kasernen sind zu Herbergen für die Veteranen umgewandelt worden. Der Vertreter des Kaisers, Generalfeldmarschall Graf Häseler, wird an den Denkmälern Vorträge halten und über den Gang der Schlachten sprechen, um die Veteranen über ihren Standort während der Kämpfe zu orientieren. Am Montag wird der Kriegsminister von Heeringen hier eintreffen, der die Gedenkrede über die Schlacht von Gravelotte halten wird. Auszeichnung Kiderleu=Wächters. Wien. 15. August. Dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. Kiderlen=Wächter ist vom Kaise. Franz Joseph das Großkreuz des Leopold=Ordens verliehen worden. Befreiung eines gestrandeten Kreuzers. London, 15. August. Der Panzerkreuzer„Duko of Ednburg“, der wie berichtet, auf den Felsen von St. Chaterines Point gestrandet ist, konnte aus seiner gefährlichen Lage befreit werden. Das Schifs soll keinen Schaden erlikten haben. Clemenceau gegen die Rüstungseinschränkungen. Buenos Aires, 14. Aug. Bei einem Vortrag, den hier Clemenceau über das Thema„Die Demokratie und der Krieg“ hielt, erklärte er sich als Gegne: der Beschränkung der Kriegsrüstungen, denn es gäbe kein sichereres Mittel, einen provozieren als dieses, da es unmöglich sei, das Gleichgewicht zwischen den Rüstungen der verschiedenen Mächte herzustellen. Er wies darauf hin, daß die Souveräne sich niemals mit der Frage der Rüftungseinschränkungen befassen wollten, wozu er sie beglückwünsche. Man müsse ständig die Verfolgung des idealen Zieles der Gerechtigkeit im Auge behalten, um die Wahrscheinlichkeiten eines Krieges aus der Welt zu schassen, aber, wie Roosevelt in Paris gesagt habe, wenn man die Wahl habe zwischen Frieden und Gerechtigkeit, dann dürfe man nicht die Gerechtigkei opfern. Zwischen der Wahl des Friedens und der Erniedrigung des Vaterlandes könne man nich schwanken. Man muß alles tun, um einen Krieg zu vermeiden, aber wir würden töricht sein, wenn wir abrüsten wollten in dem wo alle rüsten, und zwar zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Wir denken an keine Eroberungen und wollen niemandem ein Leid antun, aber die unseres Vaterlandes legt uns die Pflicht auf, zu Verteidigung bereit zu sein. Bisher sind noch nicht alle unter den Trümmern für alle Al sirektors Mar Walden vom Deutschen Theater in, HanHeute M Große Abs der gesamte Ehrenabe in ihrem Mimod und M. Eit Morge Gala-Prem Im Olymvia=Theater ist heute Montag abends 8 Uhr große Abschieds=Vorstellung und E' nabend für Lotte Sarrow, diese hervorragende Künstlerin, die mit ihrem Mimoorama, Die Thebtecht auch bei uns wie in allen Weltstädten so beispiellost Erfolge errungen hat. Außerdem letztes Auftreten der gesamten 10 Sensationen. Morgen Dienstag abends 8 Uhr beginnt das Gastspiel des Ensembles vom Elberfelder Thalia=Theater unter persönlicher Leitung ihrer Direktors Mar Walden vom Der OlympiaDienstag, de Gastspiel Eiberfelder unter persönlic ihres Direktors vom„Deutsc Gala diegrö de un Th welche in all 9 Gre Groteske in 3 A 1: Untoiderr Frec Dienstag, de Gart der H grosse arrangiert von Neue Eintr Beko Aus Anlaß d s. Irs. wird für Gemeinde Raurel Die Dortmun schen Besitzung bis von der Dortmund straße von der Em Thomasstraße von straße, die Blüchers munderstraße bis Glück-Auf-Straße, Nr. 29 vorbei, u# für Fuhrwerk, Rei selben haben nurd sehenen Personen Das Aufstelle Auffahren von Bie Kennplotz zum Ver ist ebenfalls unters Den Anordnu lge zu leisten. Zuwiderhandl Dortmund Der I. V.: von Bekt kranne britz 3 nicht 2. Jul rochm Betan Dortmund, Bek " Der am 20. Ma Bergmann Wilhelm Lohnende Familie B Immenmitteln unterst bel 4A1. Im Ermit knser: Akte Di. 69. Dortmund, Die Verm glück benachrichti rois, der Chef de Hinblick auf d nlich von den i überzeugen wollt hervor, daß de sich auf der ein fand, dem Halte hat. E is Nebengleise er schrecklichen Ver Verwundeten geh den brennender utigen Tages er Stunde auf Trink tterter Kampf un en nach Les Sain sie Mehrzahl de iegen wird. ninte Kaiser. teranenappell sind noch von weit her eingetroffen. Die d eine Reihe von sten Befehl wurde einer Sondervoren besten Kräften den. Das Theater in den Logen mit Kriegsdenkmünze, erkte man die alticht. In der Hofrasen v. Bylandt, in der Untfornt oria von Preußen“. Prinz Oskar mit riegsminister von aiser empfing ein n Soldaten. Die sare und beifallsAbfahrt nach Wilherzlichen Kundlikums geleitet. ssel. nittag fand it felerliche Naue: l von Fahnen res, der skar, der Herren Herren der Umkommandierenden irps usw. statt. dem Friedrichs= zen Oskar zu Fust estakt mit Gefolge Nach Schluß des es Residenzpalais if dem Platze, wo janen abritt. 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Eiton in ihrem Sportakt usw. Morgen Dienstag 8 Uhr Gala-Premiere!! Gretchen!! Aaze Olympia-Theater Dortmund Dienstag, den 16. August, abends 8 Uhr Gastspiel des gesamten Emsemblos vom Eiberfelder„Thalia-Theater“ unter persönlicher Leitung und Mitwirkung ihres Direktors Max Walden vom„Deutschen Theater“, Hannover. Gala- Premiere. Zum I. Male! diegrösste Sensation der letzten und vorletzten Theatersaison welche in allen Großstädien das Tagesgespräch bildete. Gretchen Groteske in 3 Akten v. L. Lipschütz u. G. Dares, 1: Unbeiderrutlich nur 16 Tage!! Dienstag, den 16. August. nachm. 3½ Uhr: Garten-Konzert der Hubert'schen Kapelle. verbunden mit grossem Kinder-Fest arrangiert von Onkel Albert vom Stadtgarten-Essen, Neue Ueberraschungen. Eintritt für Erwachsene 20 Pf. „ Kinder 10 Pf. Bekanntmachung. Aus Anlaß des Castroper Rennens am 24. August s. Irs. wird für den Bezirk der Stadt Castrop und Gemeinde Raurel folgendes angeordnet: Die Dortmunderstraße von der Schmidt=Köllmannschen Besitzung bis zur Emschertalbahn, die Ringstraße von der Dortmunderstraße bis zur Hochstraße, die Hoastraße von der Einschertalbahn bis zur Bergstraße, die Thomasstraße von der Dortmunderstraße bis zur Hochstraße, die Blücherstraße, die Heinrichstraße von der Dortmunderstraße bis zum Luftschacht der Zeche Erin, die Glück-Auf-Straße, die Tiergartenstraße an dem Hause Nr. 29 vorbei, werden von 1 bis 7 Uhr nachmittags für Fuhrwerk, Reiter und Fußgänger gesperrt. Zu demselben haben nur die mit Einlaßkarten zur Rennbahn versehenen Personen Zutritt. Das Aufstellen auf den Wegen ist verboten. Das Auffahren von Bierwagen auf den Wegen und auf dem Rennplatz zum Verkaufe von Bier und Mineralwasser usw. st ebenfalls untersagt. Den Anordnungen der Aufsichtsbeamten ist unbedingt Folge zu leisten. Zuwiderhandluugen werden bestraft. Dortmund. den 9. Augnst 1910. Der Königliehe Landrat: I. V.: von Heimburg, Regierungs=Assessor. Bekanntmachung. . Der Bebauungsplan Nr. 5. Bl. 2 ist hinsichtlich der in kranner Farbe dargestellten Veränderung der Fluchtlinien der hitz Renterstraße, gegen welche Veränderung Einwendungen ticht erhoben sind, gemäß§ 8 des Fluchtliniengesetzes vom 1 Juli 1875 förmlich festgestellt worden. .. Der hiernach förmlich und endgültig festgestellte Plan liegt shmals 14 Tage lang vom Tage der Veröffentlichung dieser Letanntmachung an, zu Jedermanns Einsicht im Tiefoauamt kleppingstraße Nr. 27. Zimmer 247 aus. Dortmund, den 8. August 1910. Magistrat. Bekanntmachung. . Der am 20. Mai 1869 zu Barop Kreis Hörde geborene Lergmann Wilhelm Disseldor# hat seine hier Grünstr. 11, „Dnende Familie Verlassen, sodaß dieselbe aus öffentlichen unterstützt werden muß. Sein Aufenthalt ist uniaten. Im Ermittlungsfalle bitten wir um Mitteilung zu #nser: Akte Di. 69. Vortmund, den 8. August 1910. Die Verwaltung des Armenwesens. Ziehung diese Woche Donnerstag, Freitag und Samstag der Geldlotterie ganzes Los 6.— ½ 3.— Hauptgewinn 1350 k. 100000 im Ganz. 10705 Geldgets. Frankfurt. SportLose à 1.00 Mk. 11 Stück 10.00 Mk. Hauptgess. 25 000 Flk. Zieh. schon nächst, Woche Freitag und Samstag Nach ausw. f jede Lottetie 30 Pf. f. Porto u. Liste 9 9 Glücks-Koliekte Haupt-Lotterle-Bank 4 Münsterstr. 4 Teleson 1723. Haushälterin sucht Schäfers Dortmund, Falkenstraße 18 I Beamter sucht für seine 18 jährige Tochter Kochlehrstelle im Privathause. 1523 Offerten mit Beding. unter A. 6354 an die Geschältsstelle. Ein junges Mädchen findet Stellung in Hotel=Restaurant wo sie Gelegenheit hat, sich in Küche und Haushalt auszubilden bei Familien=Anschluß. Es wird mäßige Vergüt. gew. Off. unter F. 6455 an die Geschäftsstelle dieses Blattes. 6391 Tüchtiges, evang. 1402 Mädchen mit guten Zeugnissen, welches die gute bürgerlich: Küche versteht und auch Hausarbeit übernimmt, wird gegen hohen Lohn zum 1. 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Juli 1903 wird in folgender Weise abgeändert: 1.§ 5 Absotz IV enthält folgende Fassung: „Ueber den Fahrkorb in seiner höchsten normalen Stellung muß, sofern er mit einer Decke versehen ist, eine freie Höhe von mindestens 1 m vorhanden sein. Von dieser Vorschrift sind Bremsfahrstühle in kleinen Getreidemühlen und nicht betretbare kleine Aufzüge(§ 4 III) ausgenommen. Muß der Fahrschacht der vorgeschriebenen freien Höhe halber über die Dachfläche hiraus geführt werden, so wird dieses Maß auf die zulässige Gebäudehöhe nicht angerechnet.“ 2.§ 9 Absatz I erhält, folgenden Zusatz: „Von letzterer Forderung kann bei nicht betretbaren kleinen Aufzügen(§ 4 III) abgesehen werden, wenn durch geeignete Mittel eine zu hohe Belastung der beim Absturz bedrohten Gebäudeteile vermieden wird.“ 3.§ 11 Absatz III erhält folgende Fassung: Auf nicht betretbare kleine Aufzüge(§ 4 III), Breinsfahrstühle in kleinen Getreidemühlen und Ablaßvorrichtungen finden die Bestimmungen der Absätze 1 und II keine Anwendung, sofern der Fahrkorb bei gelöster Bremse durch das Gewicht der Last bewegt wird.“ 4.§ 14 Absatz II erhält folgende Fassung: „Die Fahrschachttüren müssen durch die Steuerung zwangsweise unter Verschluß gebracht werden und dürfen sich nur öffnen lassen, wenn der Fahrkorb in gleicher Höhe mit ihnen steht und zur Ruhe gebracht ist. Die Einleitung der Bewegung des Fahrkorbes muß solange behindert sein, als nicht alle Fahrschachttüren festgeschlossen sind.“ 5.§ 15 Absatz II erhält folgende Fassung: „Bei Aufzügen, die ohne Führerbegleitung benutzt werden dürfen(§ 32 III Satz 1), ist eine Betätigung der Steuerung von außen und innen zulässig, wenn die Außen= und Innensteuerung derart in Abhängigkeit voneinander gebracht werden, das jeweilig entweder nur mit Innen- oder nur mit Außensteuerung gefahren werden kann, je nachdem die Bewegung von der einen oder der anderen Seite aus geleitet worden ist. Die Umschaltung darf nur in der Ruhestellung des Fahrkorbes bei festgeschlossenen Türen und entlastetem Fahrkorbe möglich sein. Bei Aufzügen dieser Art muß jede Schachttür mit zwei zuverlässigen Türverriegelungen versehen werden. Das Türschloß darf sich nur mittels besonders geformten Sicherheitsschlüssels öffnen lassen. 6.§ 22 erhält folgende Fassung: „Für die Berechnung der Seile, Gurte oder Ketten, gelten die Vorschriften des§ 13 II mit der Maßgabe, daß die auf jedes Seil entfallende, aus Zug und Biegungsspannung zusammengesetzte Gesamtbeanspruchung nicht mehr als ein Fünfiel der Bruchfestigkeit betragen darf.“ 7.§ 24 enthält folgende Fassung: „Steuerungsvorrichtungen der Aufzüge müssen außerhalb des Fahrschachtes derart angebracht werden, daß sie nicht vom Förderkorb aus betätigt werden können. Von dieser Vorschrift sind nicht betretbare kleine Aufzüge(§ 4 III) bis zu 50 kg Tragfähigkeit und Bremsfahrstühle in kleinen GetreideRühlen(§ 21) ausgenommen, letztere insoweit, als auf ihnen das Mitfahren eines Führers nach den Vorschriften der Berufsgenossenschaft erlaubt ist.“ 8. Im§ 25 Absatz I tritt im zweiten Satze„Hubbegrenzung“ an Stelle von„Hubbewegung.“ 9. Im§ 33 Absatz II tritt im dritten Satze„Fahrschachtverschlüsse an Stelle von„Fahrschachtabschlüsse“. 10. Im§ 39 wird im Absatz I hinter„zur Beseitigung erheblicher“ das Komma gestrichen und eingeschaltet „Gefahren für“. 11.§ 26 erhält folgende Fassung: „Handwinden mit Lüftungsbremsen sind mit stillstehenden Kurbeln zu versehen“. Münster, den 17. Juui 1910. Oberpräsident der Drovinz Westfalen. Frhr. von der Recke. Vorstehende Polizeiverordnung wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Dortmund, den 11. Angust. 1910. Baupolizeiverwaltung. I. V.: Eichhoff. Herrschaftl. 1. Stage 7 Räume, sofort oder später zu vermieten. Kronprinzenstraße 108. Bekanntmachung Der Bebaungsplan Nr. 2 Blatt 2 ist hinsichtlich der in branner Farbe dargestellten Fluchtlinien für eine 12 Mt. breite Verbindungsstraße mit beiderseitigen 4 Mtr. breiten Vorgärten von der Sonnen- bis zur Ardeystraße, gegen welche Festsetzung Einwendungen nicht erhoben sind, gemäß§ 8 des Fluchtliniengesetzes vom 2. Jnli 1875 förmlich festgestellt worden. Der hiernach förmlich und endgültig festgestellte Plan liegt nochmals 14 Tage lang vom Tage der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung an, zu Jedermanns Einsicht im Tiesbauamt Kleppingstraße Nr. 27, Zimmer 247 aus. Dortmund, den 8. August 1910. Magistrat. Bekanntmachung Die Eheleute Kaminbauer Friedrich Walkenhorst, ges. 30. Januar 1873 und Wilhelmine geborene Lottis(am 15. September 1875), haben ihr Kind Wilhelmine verlassen, sodaß dasselbe für öffenlliche Rechnung im hiesigen St. Leohause verflegt werden muß. Die Eheleute leben getrennt; ihr Aufenthalt ist unbekannt, Im Ermittelungsfalle bitten wir um Mitteilung zu unserer Akte WA. 126. Dortmund. den 8. August 1910. Die Verwaltung des Armenwesens. Bekanntmachung. Bürgerrolle. Die nach Wahlabteilungen und hinsichtlich der III. Abteilung außerdem nach 6 neuen Wahlbezirken eingeteilte Liste der stimmfähigen Bürger für die Stadtverordnetenwahlen des Stadtkreises Dortmund— Altstadt liegt in Gemäßheit des§ 20 der Städteordnung für die Provinz Westfalen vom 19. März 1856 und des auf Grund des Gesetzes vom 20. Mai 1896 erlassenen Ortsstatuts vom 17. November 1896 bezw. 2/15. Februar 1897, sowie ferner des nach dem Gesetze betreffend die Bildung der Wählerabteilungen vom 30. Juni 1900 gefaßten Beschlusses des Magistrats vom 2. August 1910 in de r Zeit vom 15. bis einschl 30. August ds. Is. im Verwaltungsgebäude III, Südwall 2. Zimmer 11, während der Stunden von 9 bis 12 Uhr vormittags und von 3 bis 6 Uhr nachmittags zur Einsicht aus. Für die eingemeindete Landgemeinde Körne, welche nach dem Vertrage vom 23. Juni 26. September 1904 auf die Dauer von 12 Jahren einen eigenen Wahlbezirk bildet, liegen die nach Vorschrift der Städteordnung aufgestellten Listen in dem gleichen Zeitraum ebendaselbst aus. Einwendungen gegen die Richtigkeit der Listen müssen in der angegebenen Zeit bei uns angebracht werden. Dortmund, den 11. August 1910. Der Magistrat. Dr. Eichhoff Bekanntmachung. betr. Körung der Ziegenböcke im Landkreise Dortmund. Die Termine zur Körung der Ziegenböcke auf Grund der Kreispolizeiverordnung vom 6. August 1908 sind, wie folgt festgesetzt: Montag, 5. September 1910. Vormittags 8. Uhr vor der Wirtschaft Otto= Huckarder Hölz. „ 8½„„„„ Zweibricker Hof Dorstf. „ 9¼„ am Bahnhof Lütgendortn und „ 9¾„ vor dem Amtshause in Lütgendortmund „ 10½„ vor Röse=Bövinghausen „ 11¼„ vor dem Amtshause Sodiugen „ 11¾„ am Marktplatz=Castrop Nachmittags 1½„ vor der Wirtschaft Becker=Klöster=Rauxel. „ 2„ am Bahnhof Rauxel „ 2¾„ vor der Wirtschaft Köster-Deininghausen „ 3½" am Bahnhof Mengede „ 4„ vor der Wirtschaft Strotman=Bodelschwingh „ 5„„„„ Pennekamp=Frohlinde „ 5½„„„„ Schulte=Kirchlinde „ 6„„„„ Brahmann-Marten Dienstag, 6. September 1910. Vormittags 8¾ Uhr vor der Wirtschaft Witt=Brackel „ 9½„„„„ Neuhaus=Asseln „ 10„„„„ Ellerkmann-Wickede „ 10¾„„„„ Schulte-Husen „ 11¼„„„„ Meinke=Laustrop „ 11¾„„„„ Middendor Lünen=Süd Nachmitt. 12½„„„„ Neuschmidt=Lünen „ 2½„„„„ Waldfreiheit=Preußen „ 3„„„„ Langerbein=Derne „ 3½„„„„ Fr. Körwer=Kirchdern. „ 4¼„„„„ Grüne Tanne=Obereving „ 4¾„„„„ Schmidt=Mascher=Eving „ 5½„„„„ Wulf=Brechten Die bereits angekörten und auzutörenden Böcke sind zu den obenbezeichneten Terminen vorzuführen. Für die Körung wird eine Gebühr von 50 Pf. erboben, die im Termin zu zahlen ist. Dortmund, den 5. August 1910. Der Landrat. J. V. v. Heimburg. Regierungs=Assessor. Rechtsschutzstelle für Frauen des Vereins Frauenbildung— Frauenerweb Balkenstratze 18. Unentgeltiiche Auskunft in allen Angelegenheiten erteilen Damen an unbemittelte Frauen und Mädchen. 5927 Sprechstunden: Donnerstaas von4— 6 Uhr nachmittage feinste Nordsee-Ware heute eintreffend. Grosser Pid 40 Pf. 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Außer von 99 gepa schiffen, von Recht befürch Kriegsmaßreg feuer an der Krieges bilde brücken. Die offenen Stad Ro „Mir ist d Herr, sich erhe Augenblick ge stunde oder a Sie ohne Verz den unverschä sen dafür, da alarmiert we „Und ich dann die Abs gegnete Popt „Ich würde „Keine ül „Vielleicht lä Mühe wert, Verschwiegen „Was ich tete der Makl dernd.„Einst ich stehe gern „Wer wi aage erinnere „Tun Sit sich Ihnen bi Damit wi jungen Herri er in sein Bi Er war gen, nichtsd nen Schreibe anderen, nur Norbert! an die Bosh „Lassen tief ein,“ sag vertun, und länger Vors „Haben pert.„Ich ring nur de Meter 1.95 Meter 2.90 Meter 3.50 Einsätze " S t ü c k 1.65 Paar 45 P. Paar 75 95 Paar Pf. Fter 46 5. 55 u. TO Pf. I. Fältchen 9 OK Stück 2. 90 I halsfreie 1 8 5.75, 3.75, I. 10 5.50 iIl-Paletots durchweg jefasson, 1 AE . Stück 1.40 verschied. Isführungen 1 05 sston-Volant 1.90 liefasson m. O A5 n-Garnitur 3.75 u. 2.90 gen Stück 90 Pt. 1.65 **** insatz und 5.75 7.75 nd breitem *„** n Facon trosen 0jetzt Montag, den 15. August 1910. ortmunder Tageblatt. Nr. 189. 27. Jahrgang. Zweites Blatt. Der deutsch=franzssische Krieg 1870/71. Zum 40jährigen Gedächtnis. Von Paul Pasig. (Nachdruck verboten.) ike. Als vor 40 Jahren die Kriegsposaune erklang und unsere wackeren Truppen hinausrief in Feindesland, um„die Wacht am Rhein“ zu halten, da machte man sich auch deutscherseits keinen Hehl daraus, daß es sich um einen Krieg handle, der unter Umständen jahrelang dauern könne. Hatten wir es doch mit einem an Zahl fast ebenbürtigen Gegner zu tun, der uns außerdem durch seine kriegstechnischen Erfindungen — wir denken hier vor allem an die grundlos so gefürchteten„Mitrailleusen“ oder„Kugelspritzen“— beträchtlich überlegen schien; endlich ging einer Anzahl von französischen Heerführern. vor allem dem aus dem Zeichenerklärg. # Deutsche Franzosen Otsch.Märsche annFranzos." 65/2 M Seh 8834540 V 1 s#er anen Wesaen Muitithusgtliis 118— obastogne E. 2 Gelcherte Hec- Lfant darmig mu Manteuffe Gretaub Sondichee Rbr:.Aooset alufer 9/0 Chaum arh Mcdierer! Rethel4 Pr. Friede ∆ 1088 VM König Wilhelm, calienischen Feldzuge 71859) bekannten Marschall Mac Mahon, Herzog von Magenta, ferner Bazaine, Bourbaki usw der Ruf besonderer Tüchtigkeit und reicher Erfahrung voraus. In gewissem Sinne flößten auch die namentlich aus Algier seitens der Franzosen herbeigeholten„Wüstensöhne“, die Turkos, Spahis und Zephyrs den Unsrigen ein gewisses Gruseln ein. Die beiderseitige Stärke der Heere stellte sich am Beginne des Krieges so: Die Gesamtstärke der deutschen Truppen betrug 1 183000 Mann und 250000 Pferde, die größte bis dahin überhaupt aufgestellte Truppenmacht; von an Gesurai 9% Coppikgns Werd gAman Dn Sc W. Reime Lo Raic. □ Vouziers burters Beragu Grreuro clantes 9G Dreust Versailes PA 70—. Paig-mdbrchten Corbe) Tpernau Chart Hamp. elerhente r. orbe) Rambouille k#####.##iel OPhorin, De Kogent & Seige Aitr tefrancas— SDizier Lesmont Voss □ Touf Ethiviers — , Geaunalaolande Snr Moret ears Nuan stezu Salins hmg 8 #a gueug Straßbgen □ 5 0. eschateann Weoa Setetäce ii Teohe)., dinhl SSComont 8) 1##. 8as Schäisen Klsye#Pape Mulhalusen Paube##. 3#aBelfore " Nontbard 9 PSo Rericous-Wergese Aovers 10„* E esen „„„„„ Stonbrötnn— sbes(Ggchrg, Feaore Gamecste Mölli Djog P Gaumegbang Berzan t D Crimer 2.4 4g Gosemc Lelsen Banheme P-Seeee Maßstab 10 20 40 60 80 400 fssouotg Nevers 6135 Kilometer CChatesurgte schtet ####, Bieg.# Sunz hee Faorasb Sschen Wor Scternb aTehe-hn Gesarhon. M grhnn Gät Garibalds f.. Rliom a Nozerg, u. Me Tebns Lonoie Saunierg.—.— AuF OUHWEIZ Ubersichtskarte zum deutsch-französischen Kriege von 1870171. schen Uebermacht(Korps Frossard, über 30000 Mann), angegriffen und zum geordneten Rückzuge genötigt. Das französische Kriegsbulletin bauschte das in seinen Folgen völlig negative Ereignis zu einer glänzenden Ruhmestat auf, wobei der vierzehnjährige kaiserliche Prinz „Lulu“(Louis)„die Feuertause empfing“ und seine Kaltblütigkeit bewies, indem er eine Kugel auflas, was die ergrauten Krieger„zu Tränen rührte“(!!). Haiser Napoleonin dieser bildeten zunächst 528000 Mann mit 1580 Geschützen die Feldarmee. Die Zahl der französischen Truppen betrug Mitte Juli 567000 Mann, wovon jedoch 231000 Mann für die Feldarmee nicht in Betracht kamen. Außerdem verfügte Frankreich über eine Flotte von 99 gepanzerten und 110 ungepanzerten Schlachtschiffen, von denen eine Landung an unserer Küste mit Recht befürchtet wurde. Daher war eine der besten Kriegsmaßregeln deutscherseits die Löschung der Leuchtfeuer an der Küste. Die eigentliche Eröffnung des Krieges bildete das Gesecht am 2. August bei Saarbrücken. Die kleine, 1400 Mann starke Besetzung der offenen Stadt wurde von der zwanzigfachen französiDer erste ernste Vorstoß der deutschen Truppen galt den drei im Elsaß stehenden französischen Armeekorps unter Marschall Mac Mahon. Am 4. August wurde dessen Vorhut von der dritten deutschen Armee unter dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm bei Weißenburg geschlagen und der südlich davon gelegene Geisberg, der von Turkos besetzt war, von den vereinten Preußen und Bayern erstürmt. Das war die „Weißenburg=Ouvertüre“,( die Nord und Süd zu inniger Waffenbrüderschaft zusammenschweißte. Am 6. August wurde Mac Mahon selbst bei Wörth besiegt und zurückgeworfen: in beiden Treffen verloren die Franzosen 16000 Mann an Gefangenen, 10000 an Toten und Verwundeten, dazu 2 Adler(Feldzeichen), über 30 Geschütze und sechs der so gefürchteten Metrailleusen. An demselben 6. August griffen Teile der ersten und zweiten Armee das Korps Frossard an, das die steilen Spicheren Höhen bei Saarbrücken besetzt hielt und nahm diese ein; das Korps wurde fast ganzlich aufgelöst, das Lager einer französischen Division genommen und 2000 Gefangene gemacht. Den Eindruck der ersten drei Schlachten, durch die die französische Armee von der Grenze ab- und in das Innere gegen Metz gedrängt wurde, war in Frankreich ungeheuer. Die vielgepriesene„gloire“ war wie eine Seifenblase zerstoben, und von der„Erzbereitschaft“ der Armee war General v. Moltke nichts zu spüren gewesen! Die nächste Folge war, daß der Kaiser den Oberbefehl über die erwa 200000 Mann starke Truppenmacht, die bei Metz zusammengezogen wurde, in die Hände des Marschals Bazaine legte, während Mac Mahon, bei dem sich Napoleon befand, weiter rückwärts, im Lager von Phalons, ein neues bedeutendes Heer sammelte. Die drei Schlachten um Metz— bei Colombey=Nouilly(14. August), bei Vionville-Mars=la=Tour(16. August) und bei Gravelotte (18. August) endeten mit der Einschließung der Bazaineschen Armee in der„jungfräulichen“. Festung Metz Die Schlacht bei Vionville, die elf Stunden währte, war eine der mörderischsten des ganzen Feldzuges; hier Des Vaters Ehre. Roman von Ewald August König. 8 „Mir ist das ebenfalls gleichgültig,“ sagte der junge Herr, sich erhebend,„nur warten Sie damit, bis der rechte Augenblick gekommen ist. Wenn Sie in früher Morgenstunde oder am Abend den Ruf: Diebe! hören, so müssen Sie ohne Verzug in Ihrem Garten eilen, Sie werden dort den unverschämten Burschen finden, ich sorge unterdessen dafür, daß auch die Bewohner unseres Hinterhauses alarmiert werden.“ „Und ich gäbe etwas darum, wenn man ihm alsdann die Absicht eines Einbruches beweisen könnte!" entgegnete Poppert mit einem tückischen, lauernden Blick. „Ich würde ihn ohne Gnade verhaften lassen.“ „Keine üble Idee!“ fuhr Bevering gedankenvoll fort. „Vielleicht läßt sie sich ausführen, immerhin ist es der Mühe wert, darüber nachzudenken. Ich darf also auf Ihre Verschwiegenheit rechnen?“ „Was ich versprochen habe, das halte ich,“ antwortete der Makler, den Handdruck seines Verbündeten erwidernd.„Einstweilen besten Dank für Ihre Mitteilungen, ich stehe gern wieder zu Diensten.“ „Wer weiß, ob ich Sie nicht schon bald an Ihre aage erinnere.“ „Tun Sie es immerhin, sobald die Gelegenheit dazu sich Ihnen bietet, es wird mir Freude machen.“ Damit war die Unterredung beendet, Poppert gab dem jungen Herrn das Geleite bis zur Haustür, dann kehrte er in sein Bureau zurück. Er war jetzt entschlossen, den Rat Beverings zu befolgen, nichtsdestoweniger konnte er sich nicht enthalten, seinen Schreiber mit einem Blic gu beehren, der von allem anderen, nur nicht von wohlwollender Gesinnung zeugte. Norbert Klausner fand darin nichts Beunruhigendes, an die Bosheiten seines Prinzipals war er gewöhnt. „Lassen Sie sich mit dem jungen Bevering nicht zu tief ein,“ sagte er warnend,„der junge Herr soll viel Geld pertun, und sein Vater will dieser Verschwendung nicht länger Vorschub leisten.“ „Haben Sie es vielleicht besser getrieben?" höhnte Poppert.„Ich sehe zwischen Ihnen und dem jungen Bevering nur den einen Unterschied, daß er sein eigenes Geld zum Fenster hinauswirft, während Sie mit fremden Geld spielten.“ Der alte Mann zuckte die Achseln und nahm die unterbrochene Arbeit wieder auf.„Ich habe es schwer und bitter genug bereut," erwiderte er mit mühsam erzwungener Ruhe,„wer weiß, was Sie später noch einmal zu bereien haben.“ „Was es auch sein mag, der Inhalt meines eisernen Schrankes wird mir die Rene sehr erleichtern. Ich gehe jetzt aus, will mich in der Irrenanstalt nach dem Ende meines Bruders erkundigen, schreiben Sie unterdessen Mahnbriefe an die säumigen Schuldner, sie sollen zahlen, widrigenfalls wird die gerichtliche Klage rücksichtslos eingeleitet. Mir gegenüber kennt man auch keine Rücksichten, wie kann man sie also auch von mir verlangen? Der Hainmüller will gegen Mittag wiederkommen, er soll warten, wenn ich noch nicht zurück bin, man muß ihn noch einige Tage hinhalten, bis ich meinem ehrenwerten Vetter Schach geboten habe.“ Der Makler hatte, während er das sagte, seine schwarzen, baumwollenen Handschuhe angezogen, er nahm jetzt seinen Hut und ging hinaus, und kaum war die Tür hinter ihm ins Schloß gefallen, als Norbert Klausner die Feder niederlegte und von dem hohen, dreibeinigen Schreibstuhl herunterkletterte. „Schurke!“ murmelte er, die erhobene Faust schüttelnd, und hinter seinen grauen, buschigen Brauen blitzte es zornig auf.„Für jede Beleidigung, jedes verletzende Wort will ich Genugtnung von Dir fordern, wenn die Stunde der Abrechnung gekommen ist. Dann sollst Du den Mann kennen lernen, auf dem Du so lange mit Verachtung herabgesehen hast. Ich kann dem armen Jungen nicht helfen, er gibt sich Illusionen hin, die niemals sich erfüllen werden, er muß selbst zusehen, wie er mit ihnen fertig wird.“ Die Tür war leise geöffnet worden, mit ängstlich besorgter Miene trat Irene ein. „Wissen Sie, was Herr Bevering hier wollte?“ fragte sie.„Er hatte eine geheime Unterredung mit meinem Vater und noch dazu im Schlafzimmer, es muß also etwas Besonderes gewesen sein, und ich mache mir recht schlimme Gedanken darüber.“ „Ohne Grund, mein liebes Fräulein, ganz ohne Grund,“ erwiderte der alte Mann in beruhigendem Tone, während er mit der Hand hastig über sein graues Haar fuhr, „Herr Bevering wird eine Anleihe gemacht haben, um seine Spielschulden decken zu können.“ „Wäre es nur das, so würde er sich doch an seinen Vater wenden!" „Nun, der hat so manches Opfer gebracht, daß man es schon begreiflich finden kann, wenn er weitere Zavlungen verweigert.“ „Wissen Sie das alles bestimmt?“ „Nein, aber ich vermute es.“ „Damit beruhigen Sie mich nicht,“ seufzte Irene,„es wäre mir lieb, wenn Sie den Zweck dieses Besuches erforschen könnten.“ „Der Herr Papa liebt neugierige Fragen nicht.“ „Ich weiß das wohl, aber ich bitte, tun Sie es mir zu Liebe; ich will es Ihnen tausendfach vergelten.“ Sie bot ihm mit einem flehenden Blick die Hand; er nahm sie und hielt sie eine geraume Weile fest in der seinigen; er hatte in dieser Minute den Haß gegen ihren Vater vergessen. „Ich will es versuchen,“ sagte er bewegt,„aber ich glaube, Ihnen noch einmal die Versicherung geben zu dürfen, daß Sie ohne Not sich beunruhigen.“ „Gebe der Himmel, daß Sie recht haben,“ erwiderte sie, und die zitternde Stimme verriet ihre tiefinnere Erregung.„Hat Amandus Ihnen alles gesagt?“ „Alles!“ „Und Sie geben unserem Bunde Ihre Zustimmung?“ „Können Sie daran zweifeln?“ „Sie müssen meinen Vater hassen...“ „Soll ich darum auch Sie hassen müssen? Wenn Ihr Glück, das ja auch meines Sohnes Glück ist, nur von meiner Zustimmung abhinge, so sollten noch in dieser Minnte alle Schatten schwinden, die es bedrohen. Aber Sie wissen selbst, wie machtlos ich bin.“ „Nicht so machtlos, wie Sie glauben,“ sagte Irene, „von Ihrem Schutz und Beistand erwarte ich viel für uns beide, darf ich darauf rechnen?“ „Sie dürfen es,“ erwiderte erentschlossen,„was ich tun kann, um Sie dem ersehnten Ziele naye zu führen, das soll geschehen, verlassen Sie sich darauf.“ Er reichte ihr noch einmal die Hand, ihr Blick ruhte voll Vertrauen auf seinem treuherzigen Antlitz. „Ich danke Ihnen,“ sagte sie. dann eilte ste hinaus, fanden auch die großartigsten Reiterkämpfe des Krieges statt. Wer dächte da nicht an den„Todesritt“ der Brigade Bredow, den Freiligrath in seiner„Trompete von Vionville“ so begreifend besang? „Sie haben Tod und Verderben gespien— Wir haben es nicht gelitten; Zwei Kolonnen Fußvolk, zwei Batterien, Wir haben sie niedergeritten.— Die Säbel geschwungen, die Zäume verhängt, Tief die Lanzen und hoch die Fahnen, So haben wir sie zusammengesprengt, Kürassiere wir und Ulanen. Doch ein Blutritt war es, ein Todesritt; Wohl wichen sie unseren Hieben, Doch von zwei Regimentern, was ritt und was stritt, Unser zweiter Mann ist geblieben... Von den kaum 800 Mann starken sechs Schwadronen verloren die Kürassiere sieben Offiziere, 189 Mann und 209 Pferde, die Alanen neun Offiziere, 174 Mann und 200 Pferde, also zusammen 379 Mannl — In den drei Schlachten bei Metz hatten auf beiden Seiten etwa 180000 Mann im Gefecht gestanden; die Deutschen hatten mit gleichen Streitkräften einen in weit günstigeren Stellungen kämpfenden Feind niedergerungen; sie als Angreifer verloren 20000 Mann, die Franzosen 13000 Mann. Aber den großen Opfern entsprach auch der Erfolg: Bazaines Armee war in Metz eingeschlossen und von zwei deutschen Armeen, der 1. und 2., umlagert, vorläufig vom Kampfe ausgeschaltet und unfähig, sich mit Mac Mahons inzwischen neugebildeter Armee zu vereinigen. Dieser suchte nun von Norden her gegen Metz vorzudringen und Bazaine zu befrelen. Inzwischen war aus Truppen der 2. deutschen Armee eine 4.; die Maas=Armee unter dem Oberbesehle des Kronprinzen Albert von Sachsen gebildet worden, die in Gemeinschaft mit der dritten Armee unter dem preußiund der alte Mann durchmaß das Zimmer einige Male mit großen Schritten, bevor er die ihm verhaßte Arbeit wieder aufnahm. * Die Irrenaustalt des Doktor Wilhelm Leiner lag eine kleine Viertelstunde von der Stadt entfernt, mit ihren hohen Mauern und den vergitterten Fenstern würde sie den Eindruck eines Gefängnisses gemacht haben, wen nicht der sorgsam gepflegte, parkartige Garten, in den man durch das Gittertor hineinschaute, diesen düsteren Eindruck abgeschwächt hätte.„ Vor einer Reihe von Jahren hatte diese Anstalt in keinem guten Rufe gestanden, dunkle Gerüchte wollten wissen, hinter den hohen Mauern schmachte mancher Unglückliche, der nichts weniger als geisteskrank sei, wolle man einen Feind oder einen unliebsamen Verwandten für immer beseitigen, ohne sich selbst einer Gefahr auszusetzen, so brauche man sich nur an den Doktor Leiner zu wenden und ihm eine den Verhältnissen entsprechende Geldsumme zu zahlen, so könne man alles von ihm verlangen. Die Entstehung dieser Gerüchte konnte niemand erklären, aber sie traten mit solcher Entschiedenheit auf, daß die Behörde sich endlich gezwungen sah, eine gußergewöhnliche Revision der Anstalt anzuordnen. Das durchaus befriedigende Resultat dieser Revision wurde in den Zeitungen veröffentlicht, einige Verbreiter jener Gerüchte mußten sich vor dem Strafrichter verantworten und nicht unbedeutende Geldbußen zahlen. seitdem waren die Lästerzungen verstummt. Beliebt war der Doktor Leiner ober nicht, von jenen Verleumdungen haftete ihm noch immer etwas an; er mochte das wissen, denn er ließ sich selten außerhalb der Anstalt blicken, und den Besuchern gegenüber war er stets sehr kühl und förmlich. Und so zugeknöpft wie er selbst, waren auch seine Wärter, von dem, was in der Anstalt vorging, erfuhr niemand etwas; man sah die Irren im Garten spazieren gehen, und es waren manche unter ihnen, deren seltsame Geberden den Zuschauer belustigten, man vernahm dann und wann die schauerlichen Wutausbrüche eines Tobsüchtigen, aber wenn ein Neugieriger mehr zu erfahren suchte und zu diesem Zwecke um Einlaß bat. wurde er mit groben Worten zurückgewiesen. 183.18 schen Kronprinzen gegen Paris vorrücken sollte. Auf die Kunde von Mac Mahons Plan schwenkten beide jedoch nach Norden ab, und bei Beaumont(30. August) erhielt die Maas=Armee zuerst Fühlung mit dem Feinde. wurde Mac Mahons Versuch, Bazaine zu entzen, vereitelt, und es folgte nun die gewaltige zweiEgige Schlacht rund um Sedan(31. August und 1. ptember), in der 200000 Deutsche gegen 130000 Franzosen, die in gedeckter Stellung mit der Festung im Rücken fochten, kämpften und die mit der ruhmreichen Kapitulation und der Gefangennahme des Kaisers(2. September) endete: 83000 Soldaten mit 3 Fahnen, 319 Feld= und 139 Festungsgeschützen wurden Abergeben: außerdem waren während der Schlacht 25 000 Feinde gefangen genommen, 17000 getötet und verwundet und etwa 300 Mann über die belgische Grenze gedrängt worden.„Welch' eine Wendung durch Gotkes Gnade!" telegraphierte der greise König nach BerIn. In Paris wurde die Republik proklamiert, während Napoleon als Kriegsgesangener auf Schloß Wilhelmshöhe bei Kassel interniert wurde: „Kein anderer Gefängnisort, Demütigend wie jener dort: Auf Wilhelms höhe— welch' ein Hohn— Erniedrigt sitzt Napoleon!“ Die Hoffnung, daß nun, nachdem der Urheber des blutigen Ringens seinen gebührenden Lohn empfangen, der Krieg zu Ende sein werde, erfüllte sich nicht. Es kam zwar zu Unterhandlungen, die aber scheiterten, weil die Franzosen„keinen Fuß breit" Landes, keinen Stein von ihren Festungen“ hergeben wollten, während deutscherseits auf Abtretung von Elsaß=Lothringen, diesem einst uns mit List geraubten deutschen Landen, bestanden wurde. So folgte auf den Krieg gegen das Kaiserreich der ungleich langwierigere gegen die Republik. Nachdem am 28. September Straßburg und am 27. Oktober Metz kapituliert hatten— in Metz gerieten 180000 Mann mit drei Marschällen, Bazaine, Canrobert, Leboeuf, in Kriegsgefangenschaft, außerdem wurden 56 Fahnen und Adler, 622 Feldgeschütze, 72 Mitrailleusen, 876 Festungsgeschütze, 260000 Gewehre erbeutet—, begann die Belagerung von Paris, die 130 Tage dauerte und nach verschiedenen blutigen Ausfällen(30. November, 2. Dezember), nachdem am 27. Dezember das Bombardement begonnen hatte, mit der Kapitulation der Hauptstadt endete(28. Januar). Inzwischen wurde auf verschiedenen Punkten gegen die namentlich unter Gambetta neugeschaffenen französischen Armeen gekämpft: gegen die Loire=Armee bei Orleans und Le Mans, gegen die Nord=Armee bei Amiens, an der Halue bei Bapaume und St. Quentin und gegen die Südarmee unter Bourbaki an der Lisaine(General Werder). Diese letzte seindliche Armee wurde dann durch Manteuffel auf Schweizer Gebiet gedrängt und hier, 90000 Mann stark, entwaffnet. Mit dem Falle von Paris war die Besetzung der Forts und der Abschluß des Waffenstillstandes verbunden. In Bordeaux trat inzwischen die neugewählte Nationalversammlung, die den greisen Staatsmann und Historiker Thiers zum Oberhaupte der Republik und Friedensbevollmächtigten erwählt, zur Beratung der Friedenspräliminarien zusammen. Am 26. Februar wurden diese mit drei Viertel gegen ein Viertel der Stimmen angenommen. Sie lauteten: Frankreich tritt Elsaß(außer Belfort) und Deutsch=Lothringen ab. Es bezahlt 5 Milliarden Franken Kriegskosten(1 Milliarde ist 1000 Millionen). Bis Abzahlung dieser Summe bleiben französische Gebietsteile von deutschen Truppen besetzt. Deutsche Truppen ziehen in Paris ein. Letztere, 30000 Mann des 6. und 11. norddeutschen und 2. bayrischen Korps, rückten am 1. März 1871 in Paris ein. Am 2. März erfolgte in Versailles, dem damaligen deutschen Hauptquartier, die Unterzeichnung des Präliminarfriedens, dem am 10. Mai in Frankfurt a.M der definitive Friedensschluß folgte. So endete nach siebenmonatiger Dauer der Krieg ohnegleichen. In 200 Tagen hatten die deutschen Heere 25 große siegreiche Schlachten geschlagen, 26 seste Plätze genommen, 11 860 Offiziere und 372000 Mann gefangen nach Deutschland geführt, 7431 Geschütze, 107 Adler und Fahnen erbeutet. Ferner hatten 249000 Soldaten in Paris die Waffen gestreckt und 90000 Mann waren in der Schweiz entwafsnet worden. Aber die glorreichste. Frucht des blutigen Ringens war die Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches, die am 18. Januar 1871, dem Feste des Schwarzen Adlerordens, im Spiegelsaale des Versailler Königsschlosses erfolgte. Diesen Erfolg zu wahren und allezeit bereit zu sein, für des Reiches Ehre mit Gut und Blut einzustehen, das ist die ernste Mahnung, welche in diesem Gedenkjahre an die heutige Generation ergeht.— „Was du ererbt von deinen Vätern hast, Erwirb es, um es zu besitzen!“ Das Vorrecht der besitzer. In der letzten Tagung des preußischen Abgeordnekenhauses ist eine Petition um Aushebung des Vorrechts der Hausbesitzer bei den Stadtverordnetenwahlen der Regierung als Material überwiesen worden.. Früher ist die gleiche Petition gemaß dem Antrag der Kommission für das Gemeindewesen durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt worden. Die Ueberweisung als Material bedeutet, daß die Regierung die Angelegenheit im Auge behalten und bei geeigneter Gelegenheit eine Abänderung der geltenden Bestimmungen in die Wege leiten soll. Der diesjährige Beschluß des Abgeordnetenhauses bedeutet immerhin einen Fortschritt gegen früher, wird aber der Bedeutung der Frage und der Aufklärung weiter Volkskreise nicht gerecht. Tatsächlich ist das in Preußen bestehende Hausbesitzerprivileg durchaus veraltet. Bei Erlaß der Steinschen Städteordnung vom 24. November 1808 hat das Privileg wohl seine Begründung gehabt, weil damals fast jeder Einwohner in seiner Geburtsstadt verblieb, aber schon zwanzig Jahre später ist im preußischen Staatsrat der Gedanke auf Aufhebung des Hausbesitzerprivilegs erwogen worden. Der Entwurf der Städteordnung vom Jahre 1875 hat das Privileg völlig beseitigen wollen, und in der Gegenwart hat es seine Bedeutung nahe zu völlig verloren. In der Gemeindekommission wurde bei der Verhandlung über die Petition auf die bemerkenswerte Tatsache hingewiesen, daß es in Berlin unter etwa 375000 Kommunalwählern nur 9200 Hausbesitzer gebe. Es wurde weiler hervorgehoben, daß der Grundbesitz andauernd seinen Eigentümer wechsle und durchschnittlich jedes Haus mit 215000 Mk. Hypotheken belastet sei. Daraus ergibt sich, daß das Hausbesitzerprivileg in solchen Orten ohne innere Berechtigung ist. Von Interesse waren insbesondere die Darlegungen des Vertreters des Ministers des Innern. Geheimer Oberregierungsrat Dr. Freund führte in der Verhandlung aus, bei der Würdigung des Hausbesitzerprivilegs in den Stadtverordnetenversammlungen unter den heutigen Verhältnissen werde man zunächst berücksichtigen müssen, daß der Hausbesitzerstand, insbesondere in den großen, in starker Entwicklung begriffenen Städten, nicht unter einem einheitlichen sozialen Gesichtspunkt betrachtet werden könne. Denn er umfasse nicht nur jenen Teil der Hausbesitzer, die alteingesessen und in jahrzehntelangem Familienbesitz Eigentümer ihres Hauses seien, d. h. jenen Teil der Hausbesitzer, die die Städteordnungen bei der Privilegierung dieses Standes mit Rücksicht auf ihr enges Verhältnis zu der Entwicklung der Stadt gedacht haben, sondern er begreife in sich den modernen Teil der Hausbesitzer, d. h. jenen, die das Haus als Ware behandeln und deshalb nicht als Vertreter der seßhaften Bevölkerung erscheinen können. Die Privilegierung dieses letzteren Teils der Hausbesitzer sei gewiß von dem Gesetzgeber nicht gewollt. Weiter aber könne der Zweifel ausgesprochen werden, ob das Hausbesitzerprivileg insbesondere im Hinblick auf die eben erörterte Zusammensetzung des Hausbesitzerstandes, noch vereinbar sei mit den gewaltigen Aufgaben der neueren Kommunalbodenpolitik, d. h. der Politik, des Grunderwerbs, der Wohnungserstellung durch die Städte, der Bodensteuern, und der damit in Zusammenhang stehenden Gegenstände. Darum sei es eine schwierige Frage zu entscheiden, wie sich eine neue Städteordnung zu diesem Problem stellen werde: Er erinnert in diesem Zusammenhang daran, daß der Entwurf einer Städteordnung vom Jahre 1876 die Beseitigung des Grundbesitzerpcivilegs vorgesehen habe. Eine weitere Schwierigkeit liegt in der engen Verbindung dieser Frage mit der Frage der Entwicklung des Gemeindewahlrechts in den Städten. Alle diese Fragen in einer Zeit zu prüfen, in der eine Revision der Städteordnung nicht in Frage käme, sei zwecklos, und er stelle deshalb die Ueberweisung der Petition an die Staatsregierung als Material anheim. Die Gemeindekommission ist diesen Erwägungen gefolgt und hat die Ueberweisung der Petion als Material beschlossen.. Es ist dem Regierungsvertreter zuzugeben, daß die anderweite gesetzliche Regelung der Angelegenheit am besten bei Revision der Städteordnung erfolgt. Aber andererseits darf man doch nicht außer Acht lassen, daß diese Revision noch in weiter Ferne liegt. Wenn Mißstände vorhanden sind— und diese werden jetzt auch von der Regierung zugegeben,—, so scheint uns doch die Frage einer ernsthaften Erwägung wert, ob nicht schon jetzt in diesem Punkte eine Aenderung der Städteordnung vorgesehen werden soll. Zudem rechtfertigt die Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts das Bedenken, ob denn in der Tat das Alleineigentum an einem Hause oder das alleinige Nießbrauchsrecht an einem solchen als allein ausschlaggebendes Kriterium für die Eigenschaft als Hausbesitzer angesehen werden kann. Da in dieser Frage widerspruchsvolle Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts ergangen sind, so ist eine Neuordnung dieser Bestimmung in Erwägung zu ziehen, ehne daß deswegen die ganze Städteordnung einer Revision unterzogen zu werden braucht. S. u. H. Berlin, 12. August. Die Nachrichten über ansteckende und epidemische Haarerkrankungen treten in Deutschland in letzter Zeit immer häusiger auf. Vor einigen Jahren war es die Schöneberger Haarepidemie, vor kurzem die Epidemie im Norden Berlins, die die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenkten, und nun kommt aus Schwerte in Westfalen die Nachricht, von der Erkrankung einer so großen Anzahl von Schulkindern, daß sogar die Schulen geschlossen werden mußten. Ueber die Berliner Epidemie ist soeben der authentische Bericht des bekannten Berliner Dermatologen Dr. Dreuw in den„Monatsheften für praktische Dermatologie“ erschienen,(Sonderabdruck im Verlag von Voß=Hamburg) der bei der immer größeren Verbreitung der Haarkrankheit allgemeines Interesse erregen dürfte. Dr. Dreuw hat 101 haarerkrankte Kinder in seiner Poliklinik zu untersuchen Gelegenheit gehabt, über die er eingehend berichtet. Von diesen waren 76 an derselben Krankheit, der von dem Gelehrten entdeckten Alopecia parvimaculata erkrankt, die sich darin äußert, daß stecknadelknopfgroße bis 10 Pfennigstückgroße kahle Flecken entstehen.. Diese Flecken vergrößern sich allmählich immer mehr und führen, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden, zu dauernder Krankheit der betroffenen Stellen. Durch die von vem Verfasser eingeführte Behandlungsmetyode wurde der größte Teil der erkrankten Kinver geheilt. Einen wie großen Umfang die Evidemie bereits angenommen hatte, geht aus dem obengenannten Bericht hervor, nach dem im Norden von Berlin in den einzelnen Schulen über 150 Fälle konstatiert wurden. während in den übrigen Stadtteilen, die eine weniger dichte Bevölkerung aufweisen, nur sporadische Fälle auftraten. Während in Frankreich schon seit Jahrzehnten epidemische Haarerkrankungen so häufig sind, daß z. B. die Stadt Paris jährlich 450000 Francs zu ihrer Bekämpfung verwendet, ist Deutschland bisher beinahe verschont geblieben. Es ist interessant, daß in der obigen Arbeit auch ein aus Paris nach Deutschland eingewanderter Knabe erwähnt wird, der an der epidemischen Haarkrankheit litt. Bei der Schöneberger Epidemie konnte eine Verschleppung aus Frankreich ganz genau konstatiert werden. Die Arbeit von Dr. Dreuws schließt: die Prognose scheint mir ziemlich günstig zu sein, wenn man die Anfänge des atrophierenden Prozesses rechtzeitig erkennt.„Ist naterlich im Verlaufe von Monaten und Jahren das atrophische Stadium eingetreten, dann hilft alle Te rapie nichts mehr. Auch hier erweist sich wieder die Wahrheit der Anschauung, deiß die Pcophylaxe der beste Schutz ist. Ueberhaupt soll meiner Meinung nach auf Reinhaltung und gründliche Waschungen des behaarten Kopfes bei Schulkindern seitens der Lehrer und Eltern ein größeres Gewicht als bisher gelegt werden, und wenn durch das Bekanntwerden von ansteckenden Haarerkrankungen in weiteren Kreisen nur das erreicht würde, daß Eltern und Lehrer auf gründliche Kopfwaschungen mehr als bisher ihr Augenmerr richten, so wäre damit schon viel erreicht.“ Berlin, 14. Aug. König Manuels Großmutte.: die Königin Maria Pia, ist von einem Modewaren händler auf Bezahlung von 80000 Mark fü gelieferte Waren verklagt worden und wurde ver urteilt. Der Anwalt der Königin hatte in de m unteron Insta## ui mit Erfolg geltend gemacht daß ein Mitglied des königlichen Hauses nicht wie der erste beste Schuldner verklagt werden könne, aber der oberste Gerichtshof entschied, daß nur der König selbst dieses Privileg besitze. Königin Maria Pia sei portugiesischer Untertan wie jeder andere. Diese Entscheidung hat in Lissabon große Verwunderung hervorgerufen, da man bisher immer geglaubt hatte, die ganze königliche Familie besäße dies Privileg. Halbersiadt, 14. Aug. Der Arbeiter Stephan aus Trautenau in Böhmen wurde gestern früh 6 Uhr im hiesigen Gefängnishof hingerichtet. Stephan hatte im August v. Is. die Witwe des Karussellbesitzers Loettel in Bleckendorf bei Egeln erwürgt und beraubt. Kaiserslautern, 14. Aug. Hier wurde der Rechtsanwalt Walther aus Pirmasens verhaftet. Er soll hohe Summen, die ihm von seinen Klienten anvertraut worden waren, unterschlagen haben. Metz, 14. Aug. Auf dem Schießplatz bei Plappeville war vorgestern nachmittag der Gefreite Schmidtke aus Harburg der 10. Kompagnie des Magdeburgischen Insanterie-Regimentes Nr. 67, der mit dem Anzeigen an der Scheibe beauftragt war, an dem Scheibengestell emporgestiegen. In diesem Augenblick wurde ein Schuß auf die Scheibe abgegeben. Die Kugel traf Schmidtke und tötete ihn auf der Stelle. Grasse(Südfrankreich), 14. Aug. In Pegomas wurde der Totengräber verhaftet, weil er dringend verdächtig ist, eine Anzahl Personen aus dem Hinterhalt angeschossen ind teilweise schwer verletzt zu, aben. Madrid, 14. Aug. Das Städtchen Sabina de Formentera in der Nähe von Ibiza auf der Insel Majorka ist durch einen furchtbaren Zyklon fast vollständig zernort worden. Die Bewohner haben sich nach dem Unwetter auf Schiffen nach den benachbarten Inseln gerettet. Wieviel Menschenleben der Katastrophe zum Opfer gefallen sind, ist noch nicht bekannt. Rom, 14. August. Iwischen dem Erzpriester Mangiagalli in Sarcede bei Rhiene und seinem Kaplan Tirapello herrschte schon seit langem aus persönlichen Gründen eine große Feindschaft. Als gestern früh Mangiagalli die Frühmesse las, wurde er vom Kaplan hinterrücks ermordet. Der Täter konnte entkommen. London, 14. August. Der Kreuzer„Duko of Edinburg“ strandete bei dichtem Nebel vier Meilen von St. Catharines Point an der Insel Wight. Seine Lage ist gefährlich. Schleppdampfer gingen zum Beistand ab. — Der„Edinburg“ ist ein Doppelschraubendampfer vom atlantischen Geschwader. Er hat eine Besatzung von 750 Mann. Dichter Nebel, der aus den Wassern liegt, erschwert alle Operationen. Es wird bestätigt, daß die Lage des Schiffes eine sehr ungünstige ist, doch ist noch nicht bekannt, ob Gefahr für die Bemannung vorhanden. Der„Duko of Edinburg“ ist ein Panzerkreuzer erster Klasse mit einer Wasserverdrängung von 13 767 Tonnen. London, 14. August. Das Wasser in dem Fukagaviertel Tokios steigt weiter. Die Gasleitungen und das elektrische Licht sind vollständig abgeschnitten. Tausende suchen Obdach in Kirchen und Schulen, Tausende sind von der Außenwelt durch die Fluten getrennt. Es fehlt an Booten, weshalb die Bewohner dem Hungertode nahe sind. Der Sumidafluß hat schon den Kopf der Brückenbogen erreicht. Jeden Augenblick erwartet man den Einsturz der Brücken. Einer der drei Dämme, die Tokio schützen„ist gebrochen. Ein Bergstrom hat das Nikashotel in Karnizawa sortgeschwemmt, doch gelang es den Gästen, sich zu retten. Newyork, 14. August. Die Städte Wallace, Mullan, Taft und Murray im Coeur d'Alone=Distrikt des Staates Idaho sind durch umsangreiche Waldbrände mit Zerstörung bedroht. Die Stadt Tast ist vollständig von Flammen umgeben. Die Bewohner sind geflüchtet. Nur ein Drehen des Windes kann die Stadt vor dem Untergange retten. In Wallace sind bereits eine Anzahl Häuser in den Außenbizirken ein Raub der Flammen geworden. Die Bevölkerung ist bemüht, dem Brande Einhalt zu tun. Zeppelin 6. Frankfurr a. M., 14. August, Wie der Frankfurter Zeitung aus Friedrichshafen gemeldet wird, wird das Lustschiff„Z. 6“ bei guter Witterung voraussichtlich Dienstag aufsteigen. Mit der Füllung soll morgen begonnen werden. Bis dahin hofft man auch die Motore in tadelloser Ordnung zu bringen, die in den letzten Tagen nicht genügend funktioniert hatten. Mit dem Luftschiff nach Amerika. Frankfurt a. M., 14. Aug. Ein Projekt, mit dem Luftschiff Amerikazuerreichen, wird, wie der„Frkf. Ztg.“ aus München berichtet wird, daselbst vorbereitet. Der Ausgangspunkt der Ballonexpedition soll Teneriffa sein, die Landung soll auf einer der westindischen Inseln erfolgen. Die Fahrt soll im Januar vor sich gehen. Das Luftschiff wird die Form eines Parsevalballons und die Gondel die Form eines Bootes haben. Man hofft Amerika in fünf Tagen erreichen zu können. Nachts sollen die Motore abgestellt und das Luftschiff den herrschenden Luftströmungen überlassen werden. Ballonabsturz. Wien, 14. August. Der durch seine wissenschaftlichen Ballonfahrten bekannte Aeronaut Dr. Anton Schlein ist gestern beim Landen in der Nähe von Preßburg mit seinem Ballon verunglückt und hat sich den linken Oberschenkel gebrochen. Die Konkurrenz um den Daily=Mail=Preis. London, 14. August. Um den Daily Mail=Preis von 20000 Mark, für welchen die Bewerbungsfrist heute Abend abläuft 4#tspinnt sich eine lebhaft: Konkurrenz unter den Aviatikern, speziell zwischen Paulhan, Graham, White und Laiham. Paulhan hatte bis gestern morgen 480, Graham White 448 und ein nicht genannt sein wollender sranzösischer Offizier 500 Meilen zurückgelegt. Im Laufe des gestrigen Tages hat Graham Witte es bis auf 650 Meilen gebracht. Er hat ferner die Absicht kundgegeben, den heutigen Tag zu einer weiteren Erhöhung des Vorsprunges zu benutzen. Paulhan legte gestern drei Mal die Strecke von Buo nach Chartres zurück. Er stieg nach Erneuerung seines Benzinvorrates jedesmal sofort wieder auf. Gewerkvereinsteil. Kiel, 13. August. Von der Germaniawerft sind heute fast 2000, von den Howaldtswerken 1200 und von Stocks u. Kolbe 100 Arbeiter ausgesperrt worden. Auf der Germaniawerft legten 600 Nichtausgesperrte die Arbeit nieder. Gestemünde, 13. August. Im Anschluß an die Aussperrung der Werftarbeiter dürste auch im Betriebe des norddeutschen Llovd ein Sympathieausstand ausbrechen. In einer besonderen Versammlung soll demnächst ein Beschluß gefaßt werden, daß alle im technischen Betriebe des norddeutschen Lloyd beschäftigten Personen die Arbeit niederlegten. Enschede. 13. August. Durch die Einigung zwischen den Verbänden der Unternehmer und Arbeiter der Baumwollindustrie werden die Arbeiter am Dienstag die Arbeit wieder aufnehmen. Literatur. Die Paragraphenmühlen. Harmlose Schilderungen in Reimform, von O. Jura, mit mehrfarbiger Umschlagzeichnung und humoristischen Illustrationen von Hermann Abeking. Preis 3 Mark, elegant gebunden 4 Mark. Silva=Verlag, Berlin C. 54, Dragonerstraße 48.— Justitia im Lichte des Humors und der Satire, das ist der Inhalt dieses Buches. Hinter dem Pseudonym O. Jura verbirgt sich ein Jurist, der alle Instanzen des Amtsgerichts und Landgerichts praktisch erfahren hat, und der daher in der Lage ist, aus eigener Anschauung zu berichten und zu urteilen. In frischen, belebten Reimen erzählt O. Jura von den Ereignissen, die an Gerichtsstelle täglich passieren, oft mit drastischem Humor durchwürzt. Und wer es versteht, „Wischen den Zeilen zu lesen, der wird auch die famose Satire genießen, die dahinter versteckt ist. Hierzu gesellen sich die trefflichen Illustrationen Hermann Abekings, die den Text ins richtige Licht rücken. Gerade in der heutigen Zeit, in der uns die Zeitungen täglich Sensationsprozesse austischen, dürfte obiges Buch willkommen sein. Nicht nur Juristen bezw. Fachkundige, sondern vornehmlich auch Laien werden an den harmlosen Schilderungen reichlich Ergötzen finden. Praktische Ratschläge für die Hauswirtschaft. Terventinöl verwendet man äußerlich zu Einreibungen bei Rheumatismus und ähnlichen Leiden. Tränkt man Tücher damit und hängt sie im Krankenzimmer auf. so ist die mit dem Dampf getränkte Luft besonders für Lungenkranke gut bekömmlich. Schwaben, auch Russen oder Küchenkäser genannt, vertilgt man am besten durch eine Mischung von 2 Teiten Borar mit 1 Teil Salizylsäure. Das Pulver, das man Drogisten herstellen läßt, streut man überall dort hin, wo man das Ungeziefer bemerkt auch in alle Löcher und Schlupfwinkel. Wanzen vertreibt eine kochende Lösung von Alaun, der in jeder Drogerie zu haben ist. Wände, Bettstellen und alle Orte, wo die Wanzen sich aufhalten, werden mit der Lösung bestrichen. Haben sich Wanzen stellen und alle Orte, wo rie Wanzen sich aushalten, Lwerden mit der Lösug bestrichen. Haben sich anzen hinter der Tapete eingenistet, so lasse man die ganze Tapete abreißen, die Wand säubern und setze dem Kleister eine Lösung von Aloe oder eine Abkochung von Koloquinten zu, wodurch die Wanzen getötet werden. 6 NORDSEEBAD INSEL LANGEOOG Reisewege Klüänster-Brnden") Esens-Benserstiol " Leer-Norddeich-Norderney " Wilhelmshaven-Wangerooge " Bremerhaven bezw. Hamburg-HelgolandNorderney Auskunft erteilen: Reederei Esens-Langeoog A.-G. Direkt.) Becker-Esens), die Reedereien„Norden“ und „Frisia“, Norderney, die Hotelwirte O. Peters(Hotel Germania), J. Falke(Hotel Kurhaus), Hl. Flörke (Hotel Ahrenholtz,), G. Ostermann(Hotel Leiss) H. Ihnken(Hotel Meinen) und der Gemeinde-Vorstand. Evangelischer und katholischer Gottesdienst Wasserleitung und Kanalisation Fahrkarten die zur wahlweisen Benutzung berechtigen, werden ausgegeben über Esens und Norderney 313 W 1 wurde aber nicht groß geachtet und ich holte meinen Mäusen fort und fort ihr richtiges Futter, ohne daß mir jemand was in den Weg gelegt hätte. Von dem Verbot aber war selbigen Abend die Rede. Die jungen Burschen schlugen auf den Tisch und machten ein groß' Geschrei; der eine meinte, das Ting sehe aus, als ob man die ganze Bürgerschaft für lauter Giftmischer hielte, der andere schrie, das gehe einen wohlweisen Rat einen Pfifferling an, und wieder einer sagte — das war der überzwerche Balthas, wißt Ihr, er hatte so eine große Warze auf der Nase— das ist alles für nichts, sagte er, die gestrengen Herren können verbieten, Mausgift, Rattengift— und da zählte er noch eine Menge Gift her— aber andere Sachen können sie nicht verbieten, sagte er, und da gibt's noch genug Tränklein, die einen in die schwarze Schublade fördern können, ohne daß man sie für Gift ausgeben kann. Wenn mir einmal des Lindenwirts Roter nicht mehr schmeckt, oder wenn ich sonst Würmer im Hirn' hab', so geh' ich in die Apotheke und kauf' mir Vitriolöl.“ „Schwefelsäure!" unterbrach sie der Buchdrucker, etwas indigniert, denn er hatte sich auch einige chemische Kenntnisse angeeignet. „Meinetwegen also Schwefelsäure. Für einen Kreuzer, sagte er, krieg' ich genug, um mit Euch und der ganzen Kameradschaft abfahren zu konnen, ja vierspännig,“ hat er gesagt und was weiß ich, was alles noch, es ist schon gar zu lang her. Die andern trieben ihren Schabernack mit seinem Geschwätz; ich hörte aber wenig auf sie, sondern schaute ganz rerwundert dem blassen Appele zu, wie es mit starren Augen dreinsah. Ich meinte, es denke was ganz anderes und habe ron all' den gottlosen Reden schier garnichts vernommen. Aber, o mein Gott und mein Herr! Wer hätt' sich das eingebildet, als meine Mutter aus dem Keller kam und nun das Mädchen mit seinem Wein von dannen ging! Es ist doch gar zu unglaublich, wenn ich wieder an das stille seine Kind mit dem blassen Gesichtlein denke. Aber dem Balthas ist's auch nicht gar wohl bekommen, ja wahrhaftig, es ist doch eigentlich der Grund, warum er das Leben lassen mußte; denn als es herauskam, was er mit seinem losen Maul für ein Unglück angerichtet hatte und ihn alles in der Stadt drum scheel ansah, so konnte er's am Ende selber nicht mehr aushalten und zog nach Holland und Amerika, und wenn er das nicht getan hätte, so könnte er heut' noch da sein; so aber hat er unterwegs Schiffbruch gelitten und ist ersoffen, obgleich er in meiner Stube mehr als einmal geschworen hatte, das Wasser sollt' ihm kein Leid antun.“ „Was tat denn aber das blasse Mädchen?“ fragte ich. „Was wird sie getan haben?" versetzte die Alte.„Aus dem Munde des jungen Burschen war der böse Geist in sie gefahren und fort ging sie zum Apotheker. Nun, die Knochen will ich Euch zum Abnagen lassen, Nachbar.“ „Tanke, will's aber kurz damit machen. Das verwahrloste, verlassene, unsinnige Mädchen rannte allerdings in die Apotheke, denn leider trug sie ein paar geschenkte Kreuzer bei sich. Bei jenen Worten war ihr alles Tenken und Fühlen vergangen; sie hatte nur noch einen dunklen gebieterischen Trieb. Eine Stimme, sagte sie nachher aus, habe ihr immer ins Ohr gerufen, sie müsse es tun. Leider war der Apotheker, wie es in solchen verhängnisvollen Fällen zu gehen pflegt, arglos verblendet und ihr sonderbarer Blick fiel ihm nicht auf. Sie empfing das tödliche Mittel, brachte den Wein nach Hause, und während im Wohnzimmer fröhlich auf die Genesung des Kindes, auf das Gedeihen der Familie angestoßen wurde, eilte sie in die Schlafkammer, trat an das Bettchen und vollbrachte, ein kindischer Würgengel, ihr abscheuliches Werk. Ein durchdringender Schrei des Kindes, der aber alsbald verstummte, rief die Mutter herbei, die, mit dem Licht in der Hand sich dem Bette nähernd, schon ron weitem ein gräßliches Bild erblickte. Die schwächliche Natur des Kindes, die sogleich unterlegen war, hatte die freilich unwissende Grausamkeit der bejammernswerten Mörderin vermindert. Man fand sie im entlegensten Winkel des Hauses. Die Starrsucht ihres Gemütes, denn anders weiß ich's nicht zu nennen, hatte nachgelassen. Sie lag auf den Knieen, drückte den Kopf an die Wand und schluchzte beständig: Tu bist jetzt ein Engel und wir kommen beide heim, heim, heim! antwortete sie auf alle Fragen, die man ihr tat. Vor den Mißhandlungen der Mutter schützte sie der Vater mit Mühe; er fragte sie: Wie hast du uns da= tun können mit deinem unschuldigen Antlitz? Sie gab nichts zur Antwort als Heim! Ten herbeieilenden Behörden gestand sie ihr Verbrechen mit leisem, demütigem Kopfnicken. Das sonderbarste ist, das bald, ja gleich nach der Tat eine völlige Verwandlung mit ihr vorging. Gegen die Gefangenschaft, gegen die Einsamkeit des Kerkers hauie sie gar keinen Widerwillen. Nach den Ihrigen hatte sie keine Sehnsucht mehr; auch kam keines von ihnen zu ihr, ihr Vater verstieß und verfluchte sie. Ter selige Herr Hauptprediger hat nachher oft gesagt, es sei ein merkwürdiger Geist in dem Mädchen gewesen, der nach dieser Tat der Finsternis auf einmal zum hellen Tag erwacht sei. Sie habe nicht nur ihr Verbrechen rollkommen erkannt und bereut, sondern auch über viele andere Tinge klar, vernünftig und wie mit einer Erleuchtung gesprochen. Ihm selbst sei durch dieses Mädchen manches klar geworden, was er früher nicht begriffen oder an was er garnicht gedacht habe. Dies sagte er häufig, aber er sprach sich nicht näher darüber aus. Nur das erzählte er, daß sie gegen ihn geäußert habe, sie erkenne nun deutlich, was es mit, ihrem Heimweh gewesen sei.“ „Was ist ihr geschehen?" fragte ich leise und stockend. „Tas war die Regierung und zugleich das Blutgericht," sagte der Buchdrucker und nickte bedeutend mit dem Haupte. Ich blickte nach dem steinernen Bau und ein unheimliches Licht begann mir aufzugehen. Die Alte, die auf den Stufen saß, zeigte mit dem Taumen über die Schulter rückwärts.„Hier,“ sagte sie,„hat das Schwert nach ihr gezuckt, denn damals verfuhr man mit den Mörderinnen nicht so säuberlich wie jetzt. Hat denn das junge Bürschlein nie was vom Käs gehört?“ „Dieses Gemäuer,“ fügte der Buchdrucker hinzu,„war das Schaffott in den späteren Zeiten der Reichsstadt. Ten Reigen der Mörder und Uebeltäter, die hier gerichtet wurden, hat die blasse Apollonia beschlossen.“ „Ja, und recht freudig ist sie gestorben,“ sagte die Alte, indem sie mir gutmütig von ihren Erdbeeren anbot. Ich wies die rote Frucht, so herrlich sie duftete, mit Abschen zurück und warf einen Blick der Neugier und des Grauens auf die Blutstätte. Längst ist das Gemäuer nun von der Erde verschwunden, und die Wildnis, die damals noch öd und traurig, ohne Baum, mit niedrigem Gesträuch bewachsen war, hat sich in blühende Gärten verwandelt, aus denen da und dort freundliche Gartenhäuser blinken. Richter(zum Hochstapler):„Warum haben Sie sich für einen Fürsten ausgegeben? Sie traten doch erst einige Zeit als Baron hier au?“—„Na, sozusagen wegen der— Geschäftsspesen, als Baron da wollten die Leute trotzdem immer gleick, Barzahlung!“ „Mama, erzählte der Missionar nicht, daß die Wilden ganz ohne Kleider?“—„Allerdings, Fritzchen.“— Fritzchen.“—„Warum warf dann aber Papa einen Hosenknopf?“ „Fräulein Erna soll ja auf dem Maskenball des Vereins der Milchhändler schmählich geschnitten; worden sein?“—„Ganz begreiflich! Sie erschien im Kostüm als„Brunnennymphe“ und das wurde als beleidigende Anspielung aufgefaßt. Versicherungsbeamter(nach Besichtigung des vor einigen Tagen abgebrannten Gehöftes):„Na, Bauer; wann denken Sie es wieder aufzubauen?“— Bauer: „Aber sofort, natürlich! Die Pläne sind schon über nen Monat fertig!“ Bauer:„Ich sprach zuerst Bader Egele, und der gab mir den Rat, ich soll——“— Arzt:„Na, das wird wieder schöner Blödsinn gewesen sein!"——— ich soll mich an Sie wenden!“ GbE L 8 0. S* □ *— — E• — 8 S * S.• B. S• 9 —— n:• E*—„""„ O„*— O UEN* F#wT " 5 9 axs. S 1•— S 0 S 8 ** —— ü D 82 K 0 5 = Plätter für Anterhalturg und Der Kunstreiter. Erzählung von Friedrich G. Nachdruck verboten.) „Und wollen Sie dem Grasen nicht gestatten, sich zu verteidigen?“ „Wie kann er es?“ fragte Melanie schnell,„und hat er selbst nur den Versuch gemacht? Er weiß, daß ich das Verhältnis kenne, wenn er auch vielleicht nicht ahnt, daß ich jetzt von seinem ganzen Umfange unterrichtet bin. Von da an mied er selber unser Haus, meine Nähe, und ich bedurfte fast keines stärkeren Beweises, als dieses stille Eingestehen seiner Schuld. Lassen Sie es deshalb abgetan sein, es ist das viel besser so, als wenn wir ihn vielleicht nötigten, Unwahrheiten und Beschönigungen mir gegenuver zu versuchen. Ich kann ihn nicht mehr achten — ich möchte ihn nicht auch noch verachten lernen.“ „Der arme Graf!“ seufzte Luise,„und wenn er nun doch unschuldig wäre, wenn irgend ein unglückseliges Mißverständnis „Beruhigen Sie sich, Luise; das ist es nicht. Hätte ich mich nicht selber überzeugt— wüßte ich nicht drei, vier verschiedene Fälle, in denen er mit jener Frau in Verbindung stand, ja, ich würde es auch glauben. Madame Bertrand hat ihn aber sogar verkleidet auf seinem Zimmer besucht— verlangen Sie einen stärkeren Beweis?“ „Das wäre allerdings stark genug, wenn es erwiesen... „Es ist erwiesen und die Sache erledigt. Gott sei Tank, ich habe mich selbst wiedergefunden, und keine solche Schwäche soll mich je mehr überwältigen. Aber still, ich glaube, Rosalie kommt zurück und wird ihren Putz in Ordnung bringen wollen.“ „Es ist die Exzellenz,“ sagte Luise,„ich höre ihre Stimme.“ „Meine Mutter?“ In diesem Augenblicke öffnete sich die Tür, und Ihre Exzellenz die Frau Kriegsminister von Ralphen betrat mit Rosalie das Zimmer. „Fräulein, haben Sie die Güte, Rosalien ankleiden zu lassen,“ sagte sie, zu der Gouvernante gewandt,„ich wünsche mit meiner Tochter etwas zu besprechen. Geh, mein Kind, und komme nachher wieder hinüber zu mir — ich erwarte dich in einer halben Stunde.“ Die Gouvernante verließ, dem Winke gehorsam, mit ihrem Zögling das Gemach, und Frau von Ralphen, langsam zu Melanie tretend, neben deren Stuhl sie sich auf denselben Fauleuil niederließ, in dem vorhin Fräulein von Zahbern gesessen, sagte freundlich:„Mein liebes Kind— aber ich dächte fast, du hättest geweint, z deine Augen sehen so verschwollen aus. Fehlt dir etwas?“ „Nichts, liebste Mutter, nur ein wenig Kopfschmerz hatte ich, und selbst den kaum mehr, denn seit der letzten Viertelstunde fühle ich mich um vieles leichter. „Desto besser, denn ich habe ein prar ernste Worte mit dir zu reden.“ „Liebe Mutter!“ „Graf Selikoff war vorhin bei mir, um Abschied zu nehmen. Er war auch vorhin bei dir, und du weißt. daß er in Familienangelegenheiten nach Petersburg muß. Wie lange er sich dort aushalten wird, hängt allerdings von Umständen ab; er hofft aber doch in sechs bis acht Wochen spälestens wieder zurück zu sein, und hat mich indessen feierlich um mein Fürwort bei dir gebeten.“ Melanie ließ die Hand mit der Nadel, die sie gehoben halte, um in ihrer Arbeit fortzufahren, wieder sinken und sah still vor sich nieder, und die Mutter, die sie kurze Zeit beobachtete, fuhr mit langsamer, aber eindringliche Stimme fort:„Ich brauche dir die Vorteile nicht auseinander zu setzen, die für dich wie für uns alle aus einer Verbindung mit einem so edlen und angesehenen Hause entstehen würden; Vorteile sollen auch keinen Einfluß bei meiner Tochter auf die Wahl eines Gatten haben, denn, Gott sei Tank, wir können und dürfen die höchsten Ansprüche machen und stehen keinem nach. Aber Selikoff ist auch ein liebenswürdiger und braver Mensch, mit dem eine Frau schon hoffen darf, glücklich und angenehm zu leben, und ich möchte dir die Sache hiermit warm und dringend ans Herz gelegt haben. Eine Zeitlang glaubte ich einmal— und ich meine sogar, ich hätte Ursache dazu gehabt— daß Graf Geyerstein sich um dich bewerbe, und daß du selber ihm nicht abgeneigt wärest. Ich hätte allerdings nicht das Geringste gegen Geyerstein einzuwenden; er ist aus edlem Geschlecht, ein braver und wackerer Mann, und der Vater hat ihn besonders gern und hält große Stücke auf ihn, aber— Selikoff ist denn doch eine bessere und schicklichere Partie für dich, und ich habe mit Genugtuung gesehen, daß du selber so zu denken scheinst. Graf Geyerstein mag das auch wohl fühlen, denn er hat sich in letzter Zeit fast auffallend zurückgezogen.“ Die Mutter schwieg eine kleine Weile, um die Wirkung zu beobachten, die ihre Worte auf die Tochter machen würden. Melanie aber erwiderte keine Silbe, regte sich nicht, und die alte Excellenz fuhr fort:„Graf Selikoff hofft, daß er dir nicht ganz gleichgültig sei. Er hat— schüchtern, wie er ist— freilich noch nicht gewagt, dich selber darum zu fragen, er ist aber bei mir gewesen, und hat mich ohne Umschweife offen und ehrlich gebeten, ein Fürwort für ihn bei dir einzulegen, also förmlich und in aller Ordnung bei mir, der Mutter, um deine Hand geworben. Ebenso einfach und ohne alle Umschweife frage ich also dich jetzt, Melanie: willst du die Gattin des. Grafen Selikoff werden?“ „Liebste, beste Mutter...“. „Laß mich eine einfache Antwort haben, Ja oder Nein; Selikoff selber hat dir noch Zeit mit der Antwort gelassen, bis er zurückkommt; nur für mich verlange E 23 — = 9— 9.5 A# K.— B 1 1 .2 —* □ — 6 ich sie, um darüber beruhigt zu sein; denn diese Ungewißheit reibt mich auf, und das vertragen meine Nerven nicht. Hast du etwas gegen ihn einzuwenden?“ „Nein!“ „Also darf er hoffen, daß du ihm deine Hand reichst, dich wenigstens mit ihm verlobst, sobald er zurückkehrt, denn die Vorbereitungen zu deiner Vermählung sind nicht so im Nu beendet, wie die jungen Leute gar nicht selten glauben. Also: Ja oder Nein?“ „Ja!“ hauchte Melanie. „Ich danke dir, mein liebes Kind,“ sagte die Mutter mit einiger Rührung, denn sie freute sich, daß ein Lieblingsplan von ihr zur Wahrheit geworden war, und fühlte doch auch dabei, daß Melanie noch irgend etwas auf dem Herzen hatte, das nicht so ganz mit diesem Ja übereinstimmte, ihr also dadurch vielleicht ein Opfer brachte. Sie hütete sich aber wohl, danceh zu fragen, denn sie fürchtete und haßte jede Aufregung. Die Hauptsache war überdies erledigt, und alles andere konnte nicht weiter in Betracht kommen. „Meinst du da nicht vielleicht,“ setzte sie nach einer kleinen Pause hinzu,„daß wir dem armen Grafen ein paar Zeilen schreiben sollen, um ihn aus seiner Ungewißheit zu reißen?“ „Nein, ja nicht!“ bat Melanie rasch. „Ich meine nicht eine bestimmte Zusage; nur ein paar freundliche Worte, die ihm Hoffnung machen und seine Rückkehr zu uns vielleicht beschleunigen— wenn er sich überdies nicht schon genug beeilt, um seine Geschäfte zu beenden.“ „Nein, Mama— bitte, nein! Ich kann ihm nicht schreiben, ehe er selber bei mir um meine Hand geworben hat, und— ich möchte auch weiter keine Vermittelung in einer so wichtigen Sache haben. Er hat sich selber diese Frist gestellt, wir dürfen sie auf keinen Fall kürzen.“ „Du hast recht,“ sagte die Exzellenz,„das sähe am Ende gar aus als ob wir es nicht erwarten könnten. Uebrigens scheint er fast einen Brief zu erhoffen, denn er hat mir seine Adresse in Petersburg dagelassen.“ „Kehrt er zurück,“ sagte Melanie,„so ist es früh genug, und ich selber brauche die Zeit, mich zu sammeln und— darauf vorzubereiten. Es ist ein wichtiger Schritt, den ich zu tun gedenke— ein Schritt, von dem es keinen Rückweg gibt. Laß mir, liebe Mutter, die mir dazu gegönnte Zeit ungeschmälert, damit ich mich nicht vorher schon als gebunden zu betrachten brauche— versprich mir das.“ „Von Herzen gern, liebes Kind; guter Gott, die kurze Zeit wird überdies so rasch verlaufen, daß man am Ende gar nicht weiß, wo sie geblieben ist, und ich habe noch so erstaunlich viel zu tun! Jetzt mach' mir aber auch kein so trauriges Gesicht mehr; das ist kein Gesicht, wie es sich für ein glückliches Bräutchen schickt. Apropos, ich habe der Rosalie zu ihrem Geburtstage heute Gesellschaft gebeten— ihre gewöhnlichen Spielkameraden und Freundinnen aus der Tanzstunde. Komm später ein wenig zu uns hinüber, das wird dich zerstreuen?“ „Weiß Papa darum?“ fragte Melanie, ihre Augen zu der Mutter erhebend. „Um die Kindergesellschaft?— Ja so, du meinst Selikoff's Antrag?— Nein, er war nicht zu Hause. Es wird ihm nicht so ganz recht sein sich weiß, er hat sich zu deinem Gatten einen andern ausgedacht, aber er schätzte den jungen Russen doch auch sehr; er weiß, wie gern ihn der Fürst hat, und ist außerdem ein viel zuguter Vater, als daß er deinem Willen Zwang antun sollte. Also beruhige dich darüber nur vollkommen; ein Einspruch von seiner Seite ist nicht zu befürchten.— Aber ich sitze hier und schwatze und schwatze, und drüben warten eine Menge Geschäfte auf mich. Also adien, meine liebe Melanie, adien. Sei wieder freundlich— nicht so ernst, mein liebes— glückliches Bräutchen!“ Und die Tochter umarmend und küssend, nickte sie ihr noch einmal zu und verließ danach langsam das Zimmer. Herr von Zühbig hatte an diesem Morgen außerordentlich lange geschlafen, um sich von den gehabten Strapazen gehörig auszuruhen, war dann in sein Bureau gegangen, um die nötigen und laufenden Geschäfte zu ordnen, und schlenderte danach langsam einem Frühstückskeller zu, eine Erfrischung einzunehmen. Es war das ein Platz, der ausschließlich von der Hautevolee besucht wurde— Herr von Zühbig wäre auch sonst nicht hingegangen. Besonders fanden sich die Kavallerieoffiziere gern hier des Morgens zusammen, und der Intendant hatte viele Freunde unter dem Militär, dem einst selber angehört zu haben sein Stolz war. Das höchst elegant eingerichtete Lokal wurde selbst den Tag über von Gasflammen erhellt, da Tageslicht nie hineindringen konnte; weiche Plüschsofas zogen sich an den Seiten hin, und kleine„durch schwere Gardinen abgeschiedene Räumlichkeiten bildeten traulich gemütliche Plätzchen, in denen sich ein paar Zecher hübsch abgesondert von den übrigen halten konnten. Von Zühbig war aber gesellschaftlicher Natur; er gehörte zu den Persönlichkeiren, die ein stilles, zurückgezogenes Familienleben nur dem Namen nach kennen— wenigstens davon gehört hatten, wenn sie auch nicht daran glaubten, und eigentlich nur, wie der Jäger sagt, „in Rudeln“ gefunden werden. Morgens war er in seinem Bureau oder auf der Promenade, bei schlechtem Wetter im Cafee oder Telikatessenkeller, nachmittags hier oder da mit Freunden zusammen, und abends im Theater oder beim Whist. Aus diesem Grunde verschmähte er auch die kleinen abgeschiedenen Lokale, nannte sie„Gefangenzellen“ und protegierte den langen Gesellschaftstisch, an dem er hoffen durfte, mit Gleichgesinnten zusammen zu treffen. Heute hatte er übrigens dazu eine ungünstige Zeit gewählt. Es war noch früh oder schon zu spät für die gewöhnlichen Gäste, und von Zühbig befand sich hinter einem Glas altem Madeira und einem Teller mit Kaviar ganz allein und keineswegs so gemütlich, wie er es erwartet haben mochte. Vegebens hatte er auch, in einer Art von Instinkt, dann und wann nach den Fenstern geschaut, ob nicht etwa Ankömmlinge sein Los erleichtern wollten. Die Fenster waren nämlich bloß Imitation von wirklichen, tatsächlichen Lichtverbreitern; sie bestanden aus Spiegelglas und warfen ihm stets nur sein eigenes unzufriedenes Bild zurück. „Garcon!“ rief Herr von Zühbig. „Zu Befehl, Ew. Gnaden.“ „Der Madeira ist heute abominabel— der muß auf einem Heringsfaß gelegen haben.“ „Bitte, tausendmal um Verzeihung, Ew. Gnaden— er hat in Flaschen dreimal die Linie passiert.“ „So?— in der Tat? dann ist er oder ich jetzt an der anderen Seite vom Aequator— aber Sie sprechen wahrscheinlich von dem Kaviar. Der schmeckt wirklich so, als ob er dreimal die Linie passiert haben könnte; Er ist ganz ranzig.“ „Ter beste russische, der nur zu bekommen war.“ „Ein hartes Brötchen haben Sie mir auch dazu gegeben, und die Zitrone hier hat wahrscheinlich eine ägyptische Mumie einige tausend Jahre zur Verzierung in der Hand gehalten. Mit solchen Waren ist es kein Wunder; daß die Gäste ausbleiben, und ich scheine hier als letzter der Mohikaner die Reste zu verzehren. Fürchten Sie sich nicht, den Keller so allein zu bewohnen?“ Der Kellner lächelle verlegen, und Herr von Zühbig trank seinen Madeira aus und schob das Glas von sich. „Geben Sie mir noch einen Schnilt, aber aus einer andern Flasche; ich fürchte, diese ist aus Verseyen irgendwo zurückgeblieben, als iyre Kameraden auf Reisen gingen.“ „Herr von Zühbig— richtig wie ich gehofft,“ sagte in diesem Augenblicke eine feine Stimme, und durch die halbgeöffneie Tür schaute das vergnügte Gesicht des Baron Silberglanz, während er jetzt ins Zimmer glitt und, von dem Kellner unterstützt, Hut und Paletoi ablegte. „Wirklich noch ein Mensch!" rief der Intendant. „Mein guter Baron, Sie sind wohl auf einer Entdeckungsreise begriffen, mich, als einen Verschollenen, irgendwo an den unwirklichen Ufern des Eismeeres aufzusuchen. Sie kommen zur rechten Zeit— eine Hundekälte herrscht überhaupt hier und ich habe mich in Ermangelung eines Bessern die letzte Zeit über schon mit Fischeiern und Tran, welchen jener junge scherzhafte Mensch Madeira nennt ernähren müssen.“ „Ich habe Sie in der Tat gesucht, bester Intendant,“ sagte der Baron, indem er sich neben Herrn von Zühbig niederließ.—„Garcon, mir auch von diesen Fischeiern und Tran— und war schon auf Ihrem Bureau, um Sie dort zu finden.“ „Aus reiner Anhänglichkeit oder aus einem andern Grunde?“ „Beides— zuerst wollte ich mich erkundigen, wie Ihnen die Fahrt bekommen ist.“ Fortsetzung folgt. die blasse Apellonia. Von Hermann Kurz. Schluß.: „Ja, ein dummes Ding war sie,“ fiel die Alte ein. „Ich hal''s nachher oft gehört. Weil sie das Jüngste war und schwach dazu, so mußte sie oft tagelang die Schafe hüten, und sie freute sich auch immer darauf; wenn aber Leute durch das Eichenwäldchen kamen, wohin sie ihre Herde trieb, so sah man sie meistenteils in bitteren Tränen sitzen, und wenn dann die Leute hingingen und fragten, warum sie weine, so sagte sie, sie wisse es nicht. Kann es etwas Einfältigeres geben?“ „Bei einem großen Hange zur Einsamkeit,“ ergriff der Buchdrucker wieder das Wort,„empfand sie doch beständig die schmerzlichste Sehnsucht nach den Ihrigen. Wenn sie abends nach Hause kam, so war's, als wenn sie von einer weiten, rieljährigen Reise heimgekommen wäre; da sprang sie zu ihren Eltern und Geschwistern hin und wollte sie vor Freude fast erdrücken. Natürlich hieß es da nur:„Dumme Appel, mach dich fort, laß mich in Ruh'! Und gelegentlich bekam sie für ihre Zärtlichkeit auch noch einen Puff. Tann grämte sie sich wieder, bis sie zu ihren Schafen kam und bei ihren Schafen hatte sie abermals keine Ruhe, bis die Abendglocke zum Einfahren läutete. „In ihrem fünfzehnten Jahre wurde sie nach der Stadt geschickt, um in einen Dienst zu treten. Da sie keine schwereren Arbeiten verrichten konnte, so kam sie als Kindsmädchen in ein wohlhabendes Haus, wo man, ohne sich sonst viel um sie zu bekümmern, mit ihr zufrieden war. Sie hatte ein sehr kränkliches Kind von etwa zwei Jahren zu hüten, das ihr viel Unbequemlichkeit und Mühsal verursachte. Ich erinnere mich, daß ich sie manchmal mit ihm sah, wie sie an sonnigen Abenden traurig auf den Kirchenstaffeln saß. Wenn ich da vorüberging, das Kind und das Mädchen anschauend, so wollte mir, obgleich ich kaum die Kinderlehre hinter mir hatte, das Herz beinahe vor Mitleid brechen; sie kamen mir ror wie zwei Blümlein, die man in einem Glase ohne Wasser stehen läßt. „Aus diesem kümmerlichen Leben,“ fuhr er fort, nachdem er sich über die scharfe Lust beklagt und über die Augen gewischt hatte,„sog ihr angebornes sehnsüchtiges Wesen immer mehr Nahrung; ihr Heimweh, das früher gleichsam heimatlos gewesen war, nahm jetzt eine bestimmte Richtung, alle ihre Gedanken waren nach der Heimat, nach den Ihrigen gewendet.“ „Wohin sie eine Stunde und nicht einmal soweit zu gehen hatte,“ fiel die Alte ein. „Ja, Frau Nachbarin, aber allein zu gehen, dazu hatte sie keine Muße und mit dem Kinde durfte sie sich nicht so weit entfernen. Die Ihrigen kamen auch nicht ein einziges Mal, um nach ihr zu sehen.“ „Tarum war es ja auch so einfältig,“ rief die Alte, „solches Heimweh nach ihnen zu haben.“ „Tas ist ja eben das Seltsame,“ versetzte der Buchdrucker etwas ungeduldig.“„Wenn alle Leute so gescheit wären, wie Sie, Frau Nachbarin, so würde garnichts Merkwürdiges in der Welt vorfallen Ja, seltsam ist es, aber wer je auf Reisen gewesen ist, wie ich, der begreift auch, wie die Abwesenheit nicht bloß das Herz, sondern auch die Einbildungskraft des Menschen umwandeln kann. So ging es dem armen blassen Mädchen, das bei seiner Herrschaft unbeachtet wie ein Schatten umherschwebte. Tas ärmliche Häuschen, das schlechte Essen, das rohe Betragen der Ihrigen hatte sie vergessen; mit einem Worte, ihre Heimat war das Feenland ihrer Gedanken. Diese Empfindung gewann nach und nach die Oberhand über alle andern und es kam soweit, daß, wie man nachher erfuhr, Apollonia eines Abends heimlich ihre paar Habseligkeiten zusammenschnürte, um nach Hause zu fliehen. Aber die Furcht vor der Strenge ihres Vaters machte, daß sie ihren Entschluß wieder aufgab und das Bündelchen auseinanderriß. Es scheint jedoch, daß sie von diesem Augenblicke an nicht mehr recht bei sich gewesen sei. Die vielen Anstrengungen, die ihr die Pflege des Kindes verursachte, der Kummer bei Tag und die schlaflosen Nächte untergruben ihre von Natur zarte Gesundheit; der Trang nach der Heimat, der immer wilder und heftiger wurde, während sie doch nicht den Mut hatte, ihm zu folgen, zerrüttete ihren Geist. Sie sah das Kind, dessen tägliches Leiden ihr im innersten Herzen weh tat, doch als die Ursache ihres ganzen Elends an. In ihren ungeordneten Gedanken verfiel sie darauf, wenn das Kind stürbe, so würde ihre Herrschaft sie als unnütz nach Hause schicken. So scheint es, daß nach und nach, nur wie dämmernd, der Wunsch in ihr aufgestiegen sei, es möchte das Kind und mit dem Kinde sie selbst erlöst werden.“ „Ja,“ fiel die Alte wieder ein,„und wenn sie noch ein Wochener zwo gewartet hätte, so wär' das auch von selber geschehen, denn das Kind hätte keine vierzehn Tage mehr gelebt; das hab' ich seinen eigenen Vater nachher mehr denn einmal sagen hören. Aber wenn's einmal mit einem Menschen hinunter will, so ist der Teufel gleich bei der Hand und hält ihm die Leiter dazu.“ „Ta hat Ihr Mund ein sehr wahres Wort gesprochen,“ sagte der Buchdrucker mit feierlichem Ernst.„So ging es auch bei der armen Apollonia; denn in dem unglückseligen Gemütszustande, von dem ihre Herrschaft keine Ahnung hatte, wurde sie eines Tages, da eben Besuch im Hause war, in die Schenke gesendet, um eine Flasche Wein zu holen.“ „Jetzt aber laßt mich aus Brett," unterbrach die Alte den Erzähler,„in dem Punkte weiß niemand so gut Bescheid wie ich. Ich bin ja dabei gewesen und hab' jede Silbe mit angehört; denn der Wirt war mein Vater, und wo das blasse Appele jenen Wein holte, das war meiner Eltern Haus, und ich kannte sie recht gut, obgleich wenig mit ihr zu haben war. Ich sehe sie noch vor mir, wie sie zu uns hereintrat und mit ihrer leisen Stimme eine Flasche Wein begehrte; nämlich ihr Herr hatte sie aus Stolz geschickt, weil seine Gäste behaupteten, mein Vater schenke einen bessern Wein, als er einen im Keller habe, uno nun wollte er einen Vergleich anstellen. Es ist ihm aber übel bekommen. Wir hatten eben die Lichter angezündet und etliche junge Gesellen saßen um den Tisch. Wie nun manches unnütze Wort unter den Menschen geredet wird, zumal beim Wein, so ging's auch selbigsmal. Es war nämlich kurz zuvor der Fall vorgekommen, daß mit Mausgift in einem Hause nahezu ein großes Unglück angerichtet worden wäre, und ein wohlweiser Rat, wie man dazumal sagte, hatte ein Verbot an die Apotheker und eine Warnung an die Bürgerschaft ergehen lassen. Tas Verbot 9