Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und gesetzt. Feiertage. Abonnementspreis bei ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage und dem 8seitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pfg. pro Monat, durch die Post bezogen für 3 Monate 1.50 Mk. Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inserate verantwortlich: Viktor Schanzer, Dortmund. verbunden mit dem für Dortmund u. Hörde uns der täglichen Unterhaltungsbeilage U sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 PfgReklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Psg Beilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangsweiser Beitreibung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Rabatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen. Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann, Dortmund. Nr. 188. Dortmund, Samstag, den 13. August 1910. 27. Jahrg. Erstes Blatt. Konservative und Bund der Landwirte. Die Konservativen sollten sich vom„ungekrönten König von Preußen trennen. Sie sollten dem Bund der Landwirte den Laufpaß geben. Bassermann ruft ihnen zu:„Ich halte nach den letzten Erfahrungen ein Zusammengehen mit den von extremen Agrariern geführten Konservativen für geradezu vernichtend für jede liberale Partei.“ Auch in konservativen Kreisen herrscht vielfach starker Unmut sowohl über die Herrschaft des„ungekrönten Königs von Preußen", wie über die Diktatur des Bundes der Landwirte. Aber Herr v Heydebrand läßt sich so leicht nicht abschütteln, und bei jedem Versuch, sich aus der Gefangenschaft des Bundes der Landwirte zu befreien, würde die konservative Partei jenem Soldaten gleichen, der auf dem Schlachtfeld ruft:„Herr Hauptmann, ich hab' einen Gefangenen“, doch auf die Aufforderung:„bring' ihn her“, antworten muß:„Er will mich nicht lossassen. Eine Scheidung zwischen Konservativen und Bund der Landwirte ist heute ebenso wenig möglich, wie eine Trennung der sozialdemokratischen Partei von den Gewerkschaften. Der Bund der Landwirte kann ohne die konservative Partei bestehen, genau wie die Gewerkschaften ohne die Sozialdemokratie, aber die Konservativen und die Sozialdemokratie, würden ein Bild der Zerrüttung darbieten, wenn die mit ihnen eng verbundenen wirtschaftlichen Organisationen ihnen den Rücken kehren wollten: Besonders der Bund der Landwirte ist doch so innig seelenverwandt den Konservativen, daß er eigentlich nur ein neues Firmenschild ist für die vielfach durch christlich=soziale, antisemitische und mittelständlerische Bestrebungen zersplitterte konservative Partei. Ferner hat der Bund der Landwirte für die Konservativen den gar nicht hoch genug zu veranschlagenden Nutzen gehabt, daß er auf ihre agrarischen Grundanschauungen auch Anhänger aus anderen Parteien festgelegt hat. Das Zentrum hat es klug verstanden, sich den Bund der Landwirte vom Leibe und aus seinen Jagdgründen fern zu halten. Aber völlig hat sich auch die Zentrumspartei den Einwirkungen des Bundes der Landwirte nicht entziehen können, namentlich nicht bei der Aufstellung von Reichstagskandidaten. Ohne Uebertreibung darf behauptet werden, daß die Zusammensetzung der nationalliberalen Reichstagsfraktion, nicht bloß, was den Beruf zahlreicher Mitglieder betrifft, eine ganz andere wäre, wenn nicht der Bund der Landwirte bei allen Reichstagswahlen seit 1893 hartnäckig darauf gedrungen hätte, daß in ländlichen Wahlkreisen nur ihm genehme, weil ihm ergebene nationalliberale Kandidaten aufgestellt würden. Die Mitglieder der konservativen und auch der freikonservativen Fraktion haben bis auf verschwindende Ausnahmen sämtlich von den Herren Dr. Hahn und Oertel den bündlerischen Segen erhalten. Selbst auf die Aufstellung von Zentrumskandidaten hat der Bund der Landwirte hier und da Einfluß zu gewinnen vermocht. Bei den Wahlen von 1898 und 1903 hat eigentlich der Bund der Landwirte den Wahlkampf für die Konservativen geführt. Die Konservativen haben ja Organisationen von alters her. Sie stehen aber eigentlich nur auf dem Papier. Das ist begreiflich. Die Konservativen konnten des Vertrauensmännerkörpers entbehren, den andere Parteien sich langsam und sorgsam allmählich heranziehen müssen. Sie konnten sich auf den Beamtenapparat verlassen, der immer zur rechten Zeit für sie in Betrieb gesetzt wurde und rein automatisch wie eine Maschine funktionierte. Als nun in den 90er Jahren der Bund der Landwirte mit gut geschulten und gedrillten Wahlmachern auf dem Plan erschien, nahm er, wie selbstverständlich fast überall der konservativen Partei die Leitung der Wahlen aus der Hand. Allmählich, namentlich in der Stunde, da Mitte Dezember 1902 die Leitung des Bundes der Landwirte sich wenige Wochen vor neuen Reichstagswahlen erkühnen konnte, die Mehrheit der konservativen Reichstagsfraktion wegen der Zustimmung zum Zolktarif unverhüllt des Verrats zu beschuldigen, dämmerte den Konservativen auf, welche Gefahr sie laufen könnten, wenn der Bund der Landwirte die Agitation für konservative Kandidaten an sich reißt. Sie sind deshalb in den letzten Jahren bestrebt gewesen, ihre Organisationen selbständig und unabhängig vom Bund der Landwirte auszubauen. Aber der Erfolg dieser Arbeit soll erst abgewartet werden, und jedenfalls denkt der Bund der Landwirte nicht im entferntesten daran. zu Gunsten der Konservativen abzudanken. Im Gegenteil er wird bei den nächsten Reichstagswahlen weil es sich in der nächsten Legislaturperiode um die Verlängerung der Handelsverträge handelt, erst recht die Führung über die Konservativen zu gewinnen trachten. Mit dem Bunde der Landwirte machen die Konservativen dieselbe Erfahrung wie die preußische Krone mit den Junkern. Beide ersticken fast unter den Umklammerungen durch ihre Beschützer. Deutsches Reich. Der neue Präsident des Deutschen Friegerbundes. Zum Nachfloger des verstorbenen Präsidenten des Deutschen Kriegerbundes Generals der Infanterie v. Spitz ist einer Meldung aus Hannover zufolge Generalmajor a. D. v. Fleck in Berlin ausersehen. v. Fleck war zuletzt leitender Direktor der Gewehrfabrik von Loewe und ist seit einiger Zeit in den Aussichtsrat dieser Gesellschaft eingetreten. Vordem war er Oberst und Bezirkskommandant des Landwehrbezirks Hannover. Wo gespart werden könnte. In Kassel wird am morgigen Sonntag, den 14. August, im Residenzpalais die Nagelung und Einweihung von achtzehn neuen Fahnen stattfinden, und zwar vom ersten, zweiten, elften und siebzehnten Armeekorps (Königsberg, Stettin, Kassel und Danzig) sowie der Unteroffizierschule in Jülich. An der Feier nehmen außer dem Hofe teil der Kriegsminister von Heeringen die Generalität und Abordnungen von Stabsoffizieren derjenigen Regimenter, deren Fahnen neu genagelt und eingeweiht werden. Da die beteiligten Generale und Stabsoffiziere zum größten Teil weite Dienstreisen aus Pommern, Ostund Westpreußen nach Kassel machen müssen, so wird die militärische Festlichkeit in Kassel eine kostspielige Sache. Und sie hätte mit Leichtigkeit verbilligt werden können, wenn die Fahnen für das zweite Armeekorps bei der Anwesenheit des Kaisers in Stolp in Pommern und die für das erste und siebzehnte Korps, die im September Kaisermanöver haben, bei dieser Gelegenheit geweiht worden wären. Von den württembergischen Nationalliberalen Die Stellungnahme des Landesausschusses der Nationalliberalen Württembergs zu den kommenden Reichstags= und Landtagswahlen ist in zwei Punkten besonders bemerkenswert. Erstens, daß sie eine Großblockpolitik für Württemberg ablehnt und zweitens, daß sie kein Wort über die Haltung der Partei gegenüber dem Bauernbund bringt. So erfreulisch es auch ist, daß mit der Volkspartei ein freundnachbarliches Verhältnis aufrecht erhalten werden soll— die Verbindung der beiden liberalen Parteien kann natürlicherweise nur dann eine feste und dauerhafte werden, wenn seitens der Nationalliberalen zugleich gegen rechts energisch Front gemacht wird. Man vergegenwärtige sich die Situation in den kommenden Wahlen. Die Deutsche Partei wird durchweg auf die Unterstützung der Volkspartei angewiesen sein, wie auch die Volkspartei die nationalliberale Hilfe in manchen Bezirken wohl brauchen kann. Glaubt nun aber die Nationalliberale Partei, daß sie einerseits mit der Hilfe der Volkspartei andererseits mit der des Bauernbundes wieder in den Besitz ihrer bisherigen Sitze kommen könne? Dahingehende Abmachungen müßten in den Augen der Wähler sich von selbst verurteilen. Bedauerlich und unverständlich bleibt die konsequente Ablehnung einer Großblockpolitik. Die politische Lage Badens unterscheidet sich im allgemeinen wenig von der Württembergs, nur daß in Baden die Nationalliberalen vielleicht etwas mutiger sind. Entschiedene Stellungnahme nach rechts ist das, was den württembergischen Nationalliberalen immer wieder anempfohlen werden muß. Zum Aufenthalt des Zaren in Friesberg. Zu den Sicherheitsmaßnahmen bei dem Zarenbesuch in Darmstadt, Friedberg und Bad Nauheim beabsichtigt der hessische Staat, Polizeibeamte und Gendarmen aus dem ganzen Großherzogtum zusammen zu ziehen und in den in Betracht kommenden Städten und deren Umgebung zu postieren. Das Großherzogtum Hessen will hauptsächlich mit dieser Anordnung auf jede eventuelle Unterstützung der angrenzenden Staaten verzichten. Wie in Abgeordnetenkreisen verlautet, soll nun beim nächsten Zusammentreten der zweiten hessischen Kammer die Regierung interpelliert werden, ob die durch den verstärkten Wachdienst zum Schutze des Zarenpaares entstehenden Mehrkosten von der Staatskasse getragen werden, und ob es im Staatsinteresse liege, staatlich bezahlte Polizeibeamle aus ihrem Dienste an ihren betreffenden Stationen zum Schutze eines auswärtigen Fürsten herauszunehmen und so der eigenen Sicherheit zu entziehen. Dieselbe pellation soll bezüglich der herangezogenen militärischen Wachen imReichstage eingebracht werden. Zu der Notiz wegen Uebernahme der Kosten für die Herrichtung des Friedberger Schlosses bei Gelegenheit des Zarenbesuches durch den Zaren, ist noch nachzutragen, Der Zar bestreitet persönlich überhaupt sämtliche Kosten, die durch seinen Aufenthalt in Hessen entstehen. Spanien. Madrid. 12. August. Die baskische Junta erläßt ein Manifest, welches die Regierung zu fernerem energischen Widerstande gegen den Vatikan auffordert. Türkei. Salonichi, 12. August. Die tärkischen Behör den entwaffnen unter Anwendung von Torturen nur die christliche, serbische und bulgarische Bevölkerung, während der türkischen Bevölkerung die Waffen belassen werden. Wenn den muselmanischen Bewohnern auch hin und wieder die Waffen abgenommen werden, so geschieht dies nur, um ihnen insgeheim die besseren, modernen Mausergewehre zuzustecken. Die fremden Konsuln haben über derartige Vorgänge authentische Mitteilungen aus dem Sandjak Novibazar erhalten. Solche Vorkommnisse haben sich u. o. in dem Dorfe Kladnitza(Bezirk Sienitza) ereignet. Asien. Teberan, 12. August. Wie verlautet, beabsichtigt der 70jährige Regent Essad=ül=Mülk, der für den 12jährigen Schah Amed die Zügel der Regierung führt, jetzt von der Regentschaft zurückzutreten, weil er das Blutbad vom Sonntag nicht billigt. 30 Mann, die an der gestern gemeldeten Meuterei der Kosakenbrigade in der Stadtkaserne beteiligt waren, sind gefangen gesetzt worden. Einige andere entflohen nach Schabdulasim, wo sie in der heiligen Moscheé Schutz suchten. Lokales und Provinzielles. Dortmund, 13. Angust. —* Der historische Verein für Dortmund hat soeben zwei Urkundenbücher fertig gestellt, die mit dem Jahresschlusse den Mitglieder zur Verfügung gestellt werden, auf besonderen Wunsch auch sofort von dem Vereine bezogen werden können. Das eine dieser Bücher ist das von Herrn Pastor Stenger hearbeitete Mengeder Urkundenbuch(Mk. 2.—,) welches die für Mengede wichtigen Urkunden bringt, das zweite ist das Dortmunder Urkundenbuch, Ergänzungsband 1, bearbeitel von Dr. Rübel, welches in 906 Nummern die Zeit loon 789—1350 umfaßt.. Die früheren Veröffentlichungen sind in diesem Bande noch einmal im Auszuge wiederholt und eine große Anzahl von Urkunden ist hier zum ersten Male veröffentlicht. Dem Bande sind 11 Siegeltafeln mit Photoautotypien von Dortmunder Siegeln beigefügt. Der Ladenpreis beträgt Mk. 10.—. —“ Freie Fleischer=Innung Dortmund. Unter dem Vorsitz des stellvertretenden Obermeisters A. Ganser hielt am Donnerstag Abend die freie Fleischer=Innung eine außerordentliche Versammlung im Saale des Herrn Vogell ab. In ihrer Tagesordnung behandelte die Versammlung auch die nun schon lange herrschenden überhohen Einkaufspreise für Schlachtvieh. Die amtlichen Notierungen für Großvieh, Kälber und Wochenplauderei. ms. Dortmund, 13. August. Jeder, der es nur einigermaßen dazu hat, und auch Mancher, der es nicht dazu hat, pflegt im Sommer auf Reisen zu gehen, entweder um sich zu erholen, pder um etwas Abwechselung in das eintönige Enerlei seines Alltagslebens zu bringen. Ich mißgönne weder dem einen noch dem andern seine Reiserei. Denn auch sch lege mich darauf, wenn ich es möglich machen kann. Allerdings binde ich mich nicht an den Sommer, sondern reise, wann nur immer die Gelegenheit dazu sich dietet. Damit habe ich auch die Frage, die sich mir häufig aufgedrängt hat, ob es nämlich notwendig sei, daß alle Leute gleichzeitig und zwar im Sommer reisen müssen, beantwortet. Die oft gehörte Behauptung, daß der Sommer die gegebene Jahreszeit zum Reisen sei, ist mehr kühn, als unerschütterlich. Sie läßt sich bis zu einem gewissen Grade in Zweifel ziehen. Man braucht nur an das Wetter in diesem Somer zu denken. Dann wird man ohne Bedenken zukimmen, wenn ich sage, daß es bessere Zeiten im Verlauf des Jahres gegeben hat, um sich auf dem Lande, in der See oder im Gebirge zu ergehen. Schon seit ahren erweist sich gerade der Sommer als unsicherer Rantonist hinsichtlich der Witterung und zeichnet sich secht unrühmlich durch allerhand Regen vor den anderen Jahreszeiten aus. Deshalb sollte man, anstatt sch noch mehr als bisher auf den Sommer zu kasizieren, ernstlich sich mit dem Gedanken beschäftigen, ob sicht eine Reform der Ferien und des Urlaubs bei jung und alt dahin bewerkstelligt werden könnte, satz die Erholungsreisen sich mehr auf das ganze Jahr kerteilen. Dagegen ließe sich nur einwenden, daß die etern während der großen Schulferien der Kinder mit diesen zusammen reisen wollen, wenn sie nicht etwa töricht sind, sie für schlechte Zensuren dadurch zu bestrafen, daß sie von der Beteiligung am Sommerurlaub ausgeschlossen werden. Müssen denn aber die Ferien durchaus möglichst auf eine Jahreszeit zusammengelegt werden? Ich meine, da geht Preußen in Deutschland mit keinem guten Beispiele voran. Die mitteldeutschen„Raub“staaten haben da weit bessere Gepflogenheiten, indem sie neben den etwas kürzer bemessenen Sommerferien noch Herbstserien haben. Vielleicht läßt sich auch in Preußen eine gleich zweckmäßige Einrichtung treffen. Und das um so leichter, wenn man sich vergegenwärtigt, daß man um vieles besser auf den Eisenbahnen reisen, um vieles ruhiger, angenehmer und vielleicht auch billiger in den Hotels der bevorzugten Erholungs= und Kurorte wohnen könnte, als jetzt, da der Ansturm der Gäste sich auf ungefähr zwei Monate zusammendrängt. Die Eisenbahnverwaltungen wissen mitunter kaum, wie sie den Ansprüchen des Publikums, namentlich während der Hauptferien gerecht werden sollen, auch wenn der Westen der preußischen Monarchie seine Ferien später als Berlin hat usw. Den Ansprüchen des Publikums können die Eisenbahnverwaltungen Überhaupt nur in einem Grade gerecht werden, der immer noch recht sehr mit der Bequemlichkeit und Annehmlichkeit eines Aufenthaltes in den Eisenbahnzügen widerstreitet. Ist man an seinem Bestimmungsort angelangt und liegt dieser nicht gerade in hinreichender Abgeschiedenheit, so findet man dort alles durch Ueberfüllung und durch Verteuerung unerfreulich. Und wenn man gar darauf angewiesen ist, unterwegs eine Nachtstation zu machen, bei der man sich nicht sorgsam vorgesehen hat, kann man wohl gar von Hotel zu Hotel ziehen, bevor man sein müdes Haupt zur Ruhe zu legen in der glücklichen Lage ist. Der kann von Glück sagen, dem solch Mißgeschick noch nicht widerfahren. Daß diese Widerwärtigkeiten im quadratischen Verhältnis zur Anzahl der begleitenden Familienmitglieder wachsen, ist eine unbestreitbare Tatsache. Dem muß doch aus dem Wege gegangen werden können. Wie das zu ermöglichen ist, habe ich schon angedeutet. Es mag also die Ferienfrage einmal nach dieser Richtung hin gründlich diskutiert werden. In diesem Jahre dürften übrigens Viele auf eine Sommerreise Verzicht leisten müssen. Ich meine diejenigen, die bei dem Zusammenbruch der Niederdeutschen Bank um ihre Ersparnisse gekommen oder gar an den Bettelstab gebracht worden sind. Man kann daher auch die Abgeneigtheit der„kleinen“ Gläubiger der Niederdeutschen Bank, dem im Untersuchungsgefängnis befindlichen Konkursifer Ohm eine Unterstützung zu bewilligen, verstehen. Auch ohne Unterstützung aus der Konkursmasse wird er zunächst nicht zu betteln gehen brauchen, selbst wenn ihm von befreundeter Seite die Kost aus dem Gasthause nicht mehr bezahlt würde. Der Staatsanwalt läßt keinen verhungern, den er in seine Obhut genommen hat. Die Gefängnisküche liefert tagtäglich für hunderte von Gefangenen, denen das Essen von Tag zu Tag besser schmeckt und wohl bekommt. Vielleicht gewinnt auch Herr Ohm nach einem üppigen Leben in Freiheit der gar nicht so mageren Gefängniskost mit der Zeit Geschmack ab. Jedenfalls ist es nicht unklug, wenn er sich bei Zeiten an die Dejeuners, Diners und Soupers aus der Gesängnisküche gewöhnt. Aber ich wollte eigentlich nicht von denen reden, die hier bleiben müssen und die ich drum lebhaft bedaure, sondern ich wollte vor allem Freund David zu Worte kommen lassen, der schon in voriger Woche das Bündel geschnürt oder was dasselbe besagen will, den Rucksack gepackt hat, um Oberbavern unsicher zu machen. Er war immer der Meinung, daß auf den Bergen die Freiheit wohne. Aus seinem letzten Schreiben ersehe ich aber, daß er da eine falsche Meinung gehabt und sich schwer geirrt hat. Man höre, war er mir aus Berchtesgaden schreibt: „Man spottet viel über die preußischen Verbote die sich in öffentlichen Anlagen durch Schilder alle Art bemerkbar machen. Die westfälischen Erholungsreisenden, die die hiesige, von der Natur so begnadete Gegend aufsuchen werden, werden erstaunt sein, die in Preußen beobachtete Bevormundung hier in noch stärkerem Maße anzutreffen, die hier zum Teil zur Rücksichtslosigkeit ausartet. Der Pflanzenschutz, der die Verwüstung der Alpenrosen und Edelweißstauden verhüten sollte, wird für den Fremden und harmlosen Touristen zur Unannehmlichkeit, denn jeder Forstbeamte ist berechtigt, Männer und Frauen zur Leidesvisitation auf ein Edelweiß oder ein Alvenröslein zu veranlassen und bei Weigerung 3.8 Haft zu schreiten. Auch der Jagdschutz zeitigt Blüten, die dem Fremden den Aufenthalt verleiden können, z. B. ist auf der Gotzenalm in allen Reiseführern eine Unterkunft von 12 Betten verzeichnet, während der müde Tourist eine solche dort nicht finden kann, weil die kgl. Forstbehörde ein Verbleiben über Nacht ohne jede Veröffentlichung(zum Schutz des Wildes) verboten hat. Was das nach einem fünf= bis sechsstündigen Marsch für den Touristen bedeutet, wird jeder ermessen können, der je bei einer Hochtour vom Unwetter überrascht worden ist. So Freund David, aus dessen Worten hörbar der Seufzer klingt:„Ja, hätt“ ich das gewußt, dann wär' ich heem geblieben!“ Schafe weisen seit Monaten eine Höhe auf, wie sie sie nach niemals erreicht. Es wurde festgestellt, daß sich die Einkaufspreise für Großvieh und Kälber im letzken Halbjahr um mehr als 15 Pfg. pro Pfund erhöhten. Schweine erfahren seit Wochen eine fortgesetzte Preissteigerung und schon der letzte Montagsmarkt brachte hierfür eine Notiz von 70 Mark pro Zentner, und darüber. Dazu kommt noch, daß seit längerer Zeit für jede Viehgattung eine lebhafte Tendenz bei schneller Räumung des Marktes vermerkt werden konnte. Es ist nicht zu erwarten, daß in absehbarer Zeit eine Preisminderung für irgendwelches Schlachtvieh in Aussicht steht, vielmehr sieht man in eingeweihten Kreisen, bei dem allgemeinen Mangel an Vieh— auch in außerdeutschen Ländern— einer weiteren Teuerung mit berechtigtem Mißmute entgegen. Bei solcher Sachlage beschloß die Versammlung einstimmig, eine Erhöhung der Verkaufspreise für Fleisch und Wurstwaren vom 13. d. M. ab eintreten zu lassen. —* Brand. Vorgestern Nacht gegen 1 Uhr brannte auf dem Königshof 25 ein Wohnwagen mit Inhalt; vermutlich ist der Brand von obdachlosen Leuten, die den Wagen zum Schlafen benutzen wollten, verursacht worden. — Diebstähle. In der vorvergangenen Nacht haben Diebe einer am Brüderweg belegenen Wirtschaft einen Besuch abgestattet und außer 3 Billardbällen auch Eßwaren mitgenommen.— Festgenommen und dem hiesigen Amtsgerichtsgefängnisse zugeführt wurde die ledige Dienstmagd Auguste Borgschulte, welche in Gemeinschaft mit dem bereits festgenommenen Erich Lochefeld und Walter Rück vor einigen Tagen an der Hohenstraße einen Einbruchsdiebstahl ausgeführt hatte. — Der Kellner Heinr. Steinlage wurde festgenommen, weil er mit einem Kollegen gemeinschaftlich einen Koffer erbrochen und daraus einen großen Geldbetrag entwendet hatte.— —* Verbrannt. Durch vorzeitiges Umkippen eines mit flüssigem Eisen gefüllten Konoerters erlitten zwei Arbeiter auf einem Stahlwerk schwere Verbrennungen der Arme, Beine und des Rückens. Die Verletzten wurden ins Krankenhaus übergeführt. —* Tödlicher Unfall. Auf dem Eisenwerk„Rote Erde“ kam gestern nachmittag der Elektromonteur Josef Schletza aus Wetter, der eine neue elektrische Anlage ausgeführt hatte, der Starkstromleitung zu nahe und blieb sofort tot. —* Schlägerei. In der Dürenerstraße entstand in der Nacht zum 7. ds. Mts. zwischen mehreren Personen eine Schlägerei, wobei der Arbeiter Albert Teichmann durch Messerstiche derart verletzt worden ist, daß er mittels Krankenwagens dem Krankenhause zugeführt werden mußte Listernohl, 12. August. Seitdem die fremdländischen Arbeiter, die an den Bahnbauten arbeiten, in unsere nsauerländischen Bergen ihren Einzug gehalten haben, vergeht kein Tag, ohne daß irgend eine ruchlose Tat dieser unkultivierten Menschen bekannt würde. Heute Nachmittag lockte ein bei dem Landwirt Strand in Albringhausen wohnender italienischer Erdarbeiter das acht Jahre alte Töchterchen des Strand mit in den Wald, wo er das Kind erst vergewaltigte und es dann mittelst Revolvers erschoß. Der Täter ist flüchtig und konnte bis zur Stunde nicht ergriffen werden. Möge es der Polizei gelingen, seiner recht bald habhaft zu werden. Gelsenkirchen, 12. August. Auf einer Wiese bei der Huellermühle fiel ein 14jähriger Junge von einem Heuwagen herunter in eine Sense. Die scharfe Klinge drang dem Jungen in den Bauch. Der Tod trat sofort ein. Bottrop, 12. August. Heute mittag gegen 12 Uhr wurde auf der Zechenhalde der Zeche Prosper 1 der 12jährige Schüler Emanuel Nizik als Leiche aufgefunden. Die Leiche war vollständig verbrannt und verkohlt. Der Knabe ist gestern abend 8 Uhr von Steinmassen verschüttet worden. Borbeck, 12. August. Die Mitteilung, daß der 17= jährige Jansen aus Frintrop von Zigeunern einen Gifttrank erhalten habe, entspricht nicht den Tatsachen. Der junge Mann ist an Gehirnentzündung verstorben. Die Mitteilung mit den Zigeunern ist erfunden. Rusdorf, 11. August. Hier ist das fünfjährice Kind des Schlossermeisters Himmeröder aus einem Fenster des ersten Stockwerkes auf den Bürgersteig gefallen und hat trotz der nur sehr geringen Höhe so schwere inneren Verletzungen erlitten, daß es nach wenigen Minuten starb. Berliner Brief. h. Berlin, 12. August. Wieder zu Haus! Die Welle der Ferienreisenden ist zurückgeflossen, noch einmal hat sich die Hochflutwelle des Verkehrs auf der Eisenbahn ergossen, um wieder in die regelmäßigen Bahnen zurückzukehren; mit Kind und Kegel ist man wieder daheim, um sich zu gestehen, daß es zu Haus doch am schönsten sei. Doch nur im Stillen sagt man es, den Nachbarn gegenüber weiß man nicht Wunders genug zu erzählen, von den Herrlichkeiten des Ferienaufenthaltes, selbst wenn die Villa, in der man angeblich logiert, nur ein Bauernhäuschen oder eine Fischerhütte war mit niedriger Decke und vielen Fliegen aus dem anliegenden Stall, von wo des Nachts zur Verbesserung der Ruhe liebliche Muhs und Schweinegrunzen ertönte.“„Es war himmlisch“ sagt der Backfisch, der sich an der See von Gymnasiasten den Hof machen ließ, und wie viel hat man nun den Schulfreundinnen zu erzählen! Ja, wenn nur die Schule selbst nicht wäre! Bitter kommen den meisten die ersten Tage nicht an, aber bald geht es doch wieder im alten Gleise. Wie lange dauert es indessen, dann ertönt im Familienkreise wiederum die Frage: wo gehen wir nächstes Jahr hin? Berlin hat sich in der Zwischenzeit nicht viel verandert. Wolkenbrüche, die hier niedergegangen, sind in ihren Wirkungen dank der Kanalisation schnell überwunden, während im Gebirge Katastrophen infolge solcher Regengüsse zu verzeichnen gewesen wären. Als Mädchen für alles muß dann die Feuerwehr heranrücken, die selbst alarmiert wird, wenn es gilt, eine entsprungene eigensinnige Katze vom Baume herunterzuhalen! Schade, daß man sie nicht auch im Kampfe gegen die Rowdies benutzen kann, die vor einer„ReiElverfeld, 12. August. Der Landesverband„Berg und Mark“ des Deutschen Luftflottenvereins, dessen Vorsitzender der verstorbene Oskar Erbslöh war, beschloß auf Wunsch des ganzen Vereins in Deutschland die Auflösung des Landesverbandes. Eine Ortsgruppe Elberfeld wurde neu gebildet. Den auswärtigen Mitgliedern wurde empfohlen, selbständige Ortsgruppen zu bilden. Köln, 12. Augusk. Ein schweres Unglück ereignete sich bei der preußisch=holländischen Grenzstation Emmerich. Durch das Herannahen eines Automobils scheute bei dem Zollamt das Pferd eines Fuhrwerks, auf dem sich der Mehlhändler Summ mit seinen drei Kindern besand. Der Wagen wurde die steile Straßenböschung heruntergerissen. Summ wurde auf der Stelle getötet. Die drei Kinder sind schwerverletzt. Man schaffte sie in das Krankenhaus in Emmerich. Trier, 12. August. Die bisherigen Ermittelungen ergaben, daß der Fehlbetrag bei der Kreiskommunalkasse sich auf 20000 Mark beziffert. Die Unterschlagungen datieren bis zu dem Jahre 1903 zurück und sind bisher trotz aller regelmäßig vorgenommener Revisionen nicht entdeckt worden. Die Verhaftung des ungetreuen Kassenbeamten erfolgte auf dem Bahnhofe zu St. Wendel in dem Augenblick, als er von einer Badereise zurückkehrte. Letzte Telearamme Neue Kriegsschiffe für die Türkei. Berlin. 12. Aug. Gegenüber verschiedenen anderweitigen Meldungen erfährt die„Post“, daß es sich bei den neueren Käufen von Schiffen durch die türkische Regierung augenscheinlich nicht um den Kauf fertiger Schiffe, sondern um Schiffsbestellungen handelt. Hierbei wird die türkische Regierung wahrscheinlich auch England und Frankreich berücksichtigen. Ehrlichs Hala 606 Frankfurt a. M., 12. August. Im hiesigen städtischen Krankenhause sprach heute Geheimrat Ehrlich über die Erfahrungen, die bei ihm über sein Präparat Ehrlich 606 eingelaufen sind. Mehr als 3200 Patienten wurden bisher mit dem Mittel behandelt und, wie die Mitteilungen übereinstimmend melden, hat man mit einzelnen Ausnahmen den besten Erfolg erzielt. Von Erblindung, wie dies vielfach berichtet wurde, konnte nichts ermittelt werden. Aus der sozialdemokratischen Partei. Stuttgart, 12. August. Eine Versammlung des sozialdemokratischen Vereins Stuttgart beschäftigte sich mit dem Parteitage in Magdeburg, In einer Resolution, die mit großer Mehrheit angenommen wurde, nachdem der Abgeordnete Hildebrand vergeblich für die Badenser eingetreten war, wurde unter anderem von der Versammlung die Zustimmung badischer sozialdemokratisscher Abgeordneter zum Staatsbudget und ihrer Hofgängerei als einen groben Verstoß gegen die prinzipielle Stellungnahme der Sozialdemokratie zum Klassenstaat bezeichnet. Ferner verurteilte die Versammlung ganz entschieden de nAngriff auf die Grundsätze und organisatorische Einheit der Partei. Eine zweite Resolution die gleichfalls die große Mehrheit erhielt, mißbilligte, daß die„Schwäbische Tagwacht“ in der Frage der Budgetbewilligung keine klare Stellung eingenommen hat. In der„Tagwacht“ hatte sich bekanntlich deren Chefredakteur, der neugewählte Reichstagsabgeordnete Keil für die Badenser geäußert. Skaudalierende Tschechen. Weivert 12. August. Gestern verübte hier eine Anzahl Tschechen groben Unfug. Sie demolierten Gartenzäune, schlugen Fenster ein und zerstörten die Einfriedigungen des Bahnhofes auf sächsischer Seite. Als sie sich auch an Frauen und Mädchen gewalttätig vergingen ,und die Leute, die diesen zur Hilfe herbeieilten, mit Zaunlatten bedrohten, wurde die Gendarmerie alarmiert, die die Tschechen verhaftete. Untergegangen oder überfällig? London, 12. August. Man hegt große Besorgnis über das Schicksal des Südpolarexpeditionsschiffes „Teranowa“, das seit zwölf Tagen überfällig ist. Die „Teranowa“ ist ein Hilfsschraubendampfer, gilt aber als ein verhältnismäßig schnelles Schiff. Der Kapitän Scott, der Leiter der Südpolarexpedition, der mit seinem Sekretär die„Teranowa“ in Südasrika erwartet. sucht die Spannung zu beschwichtigen und erklärt, daß die Verspätung wahrscheinlich damit zusammenhängt, daß die Kohlenvorräte ausgebraucht und das Schiff sich nunmehr nur auf die Segel verlassen muß. Man beruhigt sich aber nicht, weil schon bei der Abfahrt der „Teranowa“ Gerüchte umgingen, welche wissen wollten, daß das Schiff für eine so große Fahrt nicht geeignet istDer deutsche Buchgewerbeverein auf der Weltausstellung. Brüssel. 12. Aug. Aus Anlaß des Besuches des deutschen Buchgewerbevereins auf der Weltausstellung fand gestern abend im deutschen Hause ein Festmahl unter dem Vorsitze von Dr. Volkmann statt. Der deutsche Geschäftsträger Baron Kracker v. Schwarzenfels begrüßte die Vertreter der großen deutschen Buchindustrie. Geheimrat Albert benutzte die Gelegenheit, um unter Bezugnahme auf eine frühere ironische Anspielung des Vertreters einer anderen Grotmacht auf die pünktliche Fertigstellung der deutschen Abteilung zu erklären, für Deutschland sei die Periode„Billig und schlecht“ längst vorüber. Die deutsche Industrie sei jetzt in der ganzen Welt anerkannt unter der Devise„Preiswert, gut und pünktlich“. Gerade die Pünktlichkeit in der Lieferung und die Disziplin hätten Vertrauen erweckt und Aufträge gesichert. Dies beweise die Ausstellung. Der oben erwähnte„Vertreter einer andern Großmacht“ ist der französische Handelsminister Dupuis, welcher eine eigentümliche Bemerkung in seine Eröffnungs= und Begrüßungsansprache einflocht, die etwa folgendermaßen lautete:„Wenn andere Nationen damit prunken, daß sie mit ihren Abteilungen zur rechten Zeit fertig geworden sind, so kann man von der französischen Abteilung doch sagen, daß sie dafür Geschmack, Gediegenheit und Grazie zeigt“. Besuch des deutschen Kronprinzen in der Brüsseler Weltausstellung. Brüssel, 12. Aug. Dem hiesigen„Soir“ zufolge steht der Besuch des deutschen Kronprinzen zur Besichtigung der hiesigen Weltausstellung unmittelbar bevor. Es steht jedoch noch nicht fest, ob der Besuch offiziell oder inkognito erfolgen wird. Sein Bruder, Prinz Eitel Friedrich ist nach Ostende obgereist, nachdem sein Inkognito bier gelüftet wurde. Frankreich und Marokko. Paris, 12. Aug.„Matin“ meldet aus Tanger: Meldungen aus sicherer Quelle zufolge, haben El Mokri und Bel Ghabrit Fez am Donnerstag verlassen, um sich nach Tanger zu begeben, von wo sie unverzüglich nach Paris weiter reisen werden. El Mokri soll vom Sultan beauftragt worden sein, Verhandlungen mit der französischen Regierung einzuleiten zwecks Abschlusses eines sehr wintigen Abkommens mit Frankreich. Sollte dieses perfekt werden, so dürfte Mulay Hafid nach Rabat reisen, wo eine Begegnung mit dem französischen Vertreter und ihm stattfinden wird. Zum Jubiläum des Fürsten Nikita. Sofia, 13. August. Entgegen dem ursprünglichen Projekte wird König Ferdinand zum Jubiläum des Fürsten Nikita nach Cetinje ohne den Thronfolger Boris sich begeben. Dafür dürfte ihn Minister Paprikow begleiten. Vom Befinden des Bürgermeisters Gaynor. Neuyork, 12. Aug. Der Zustand des Bürgermeisters von Neuyork, Mister Gaynor, hat sich bedeutend gevessert. Falls keine unvorhergesehenen Komplikationen eintreten, darf der Bürgermeister als außer jeder Gefahr betrachtet werden. Er ist ständig guter Dinge, unterhält sich lebhaft mit seinen Aerzten, schläft gut und nimmt regelmäßig Nahrung zu sich.— Aus seinen Aeußerungen über das Attentat geht hervor, daß er gegen seinen Angreifer keine Nache verspürt. Der Attentäter selbst ist im Augenblick der Verhaftung seitens der ausgeregten Volksmenge übel zugerichtet worden; am ganzen Leibe zeigt er Spuren grober Mißhandlungen. Newyork, 13. August. Der Bürgermeister Gaynor ist jetzt wieder in vollkommen guter Stimmung und viel kräftiger. Die Lage der Kugel wude bestimmt festgestellt und die Aerzte sind überzeugt, daß sie leicht herausgenommen werden kann. Gaynor wird wahrscheinlich noch einige Wochen im Hospital verbleiben müssen. Vermischtes. Der Roman einer Perle. Die Geschichte einer kostbaren blauen Perle, die auf einen Wert von 400000 Mark geschätzt wird, beschäftigt die amerikanischen Detektivs. Vor etwa 5 Jahren wurde die Perle aus dem Auge einer Buddhastatue gestohlen und jetzt in Newyork wieder entdeckt. Die Wiederauffindung sollte eine Freude von kurzer Dauer sein, die Perle ist bereits wieder verschwunden. Man nimmt an, daß irgend ein Indier, vielleicht ein Buddhapriester, die Perle verfolgt, und die Gelegenheit wahrgenommen hat, sie wieder zu stehlen. Auf die Wiederauffindung ist ein ansehnlicher Preis gesetzt. Gräfin Tarnowskain der Zwangsjacke. Londoner Zeitungsnachrichten zufolge ist die Gräfin Tarnowska seit einiger Zeit wahnsinnig. Ihre hysterischen Anfälle wurden immer schlimmer und häufiger, bis es zuletzt notwendig wurde, die Gräfin in die Zwangsjacke zu tun. Ihr Zustand ist besonders dadurch schlimmer geworden, daß sie von dem Tode einer nigung“ mit kaltem Wasserstrahl aus einer Spritze heillos davonrennen und bald die Lust an ihren Schandtaten verlieren würden. Apachen gibt es nicht blos in Paris, sondern auch zur Genüge in der Hauptstadt des Deutschen Reiches, und gerade in den letzten Wochen machen sie sich recht breit, sogar ein Totschlag im Norden Berlins ist auf ihr Konto zu setzen. Es handelt sich fast ausnahmslos um halbwüchsige Burschen der verworfensten Art, den Hut im Nacken, oder schief ins Gesicht gedrückt, die Hand in die Hosentaschen versenkt, im Mundwinkel die unvermeidliche Zigarette; in Rudeln ziehen sie los, und wehe, wer in den Straßen der„Peripherie ihnen begegnet. Wer nur angerempelt wird, kann noch von Glück sagen, wagt aber einer ihnen entgegenzutreten, sind Messer und Schlagring schnell heraus und wer nicht sein Heil in schleuniger Flucht sucht, kann— wie der Berliner sagt,— dann seine Knochen sich zusammensuchen. Denn ein Schutzmann ist weit und breit nicht zu sehen, die Reviere sind zu ausgedehnt und sollte wirklich einer nahen, ein Pfiff, und die Bande ist in alle Winde zerstoben, Aber auch vor dem mit Revolvern bewaffneten Polizisten schreckt die Horde nicht zurück, er ist von der Uebermacht schnell wehrlos gemacht und übel wird ihm mitgespielt. Die Polizei ist diesem Treiben gegenüber, so gut wie machtlos, auch größere Patrouil= len helfen nicht, denn die Burschen haben ihre Schlupfwinkel, und nur in den seltensten Fällen wird Verrat geübt.. Was aus diesen Burschen wird, ist klar, meist sind sie schon dem Verbrechertum gänzlich verfallen und vielfach vorbestraft. Wie diese Bengels selbst vor blutigen Verbrechen nicht zurückscheuen, hat der Fall in Friedenau bewiesen, wo zwei Kerls im Alter von 16—17 Jahren einen Kirchendiener schwer verwundeten, als dieter ihnen Geldunterstützung verweigerte. Diese Affäre wirft überhaupt in vieler Beziehung seltsame Schlaglichter auf das Treiben der verbrecherischen Jugend: Ist da ein verdorbener Bursche namens Karl Mohr, der eine Räuberbande organisiert, alles dem Knabenalter kaum entwachsene Burschen, als deren Chef er sich aufspielt und sie für sich arbeiten läßt, während er selbst höchstens die Sache„ausbaldowert“ und„Schmiere" steht. Freilich glaubt man daß er schwere Bluttaten, die noch der Sühne harren, auf dem Gewissen hat, und die man ihm wohl zutrauen kann; bezeichnend für diesen Menschen ist die Aeußerung, die er bei seiner Verhaftung tat, als er hörte, daß er als Anstifter des Friedenauer Ueberfalls bezeichnet worden sei: Der freche Bursche erklärte cynisch, dann werde er eben wieder ein Jahr„abschieben“, wie er ja schon mehrfach „Knast geschoben“ habe! Bei einer solchen Verrohung des Charakters ist eine Besserung wohl für immer ausgeschlossen und im Grunde genommen könnte man es in einem solchen Falle wirklich bedauern, daß die Prügelstrafe abgeschafft worden ist. Eine beklagenswerte Tatsache ist es, daß bekanntermaßen viele Verbrechen durch schlechte Lektüre oder durch Berichte über Prozesse hervorgerufen werden, und beispielsweise kann man im Moabiter Kriminalgericht oft beobachten, wie Burschen, denen der Stempel frühreiser Verdorbenheit bereits aufgedrückt ist, sich im Zuschauerraum breit machen, die„Kriminalstudenten“, wie sie der Volksmund nennt, weil sie kommen, um zu lernen. Freilich wird der Zuschauerraum im Gerichtsgebäude oft namentlich bei Sensationspro= zessen, auch zu anderen Studienzwecken benutzt. Bei dieser Gelegenheit sieht man oft die vornehme Damenwelt in den neuesten Toiletten, und die Zuschauerinnen mustern gegenseitig ihre Garderobe recht kritisch. DieVerwandten hörte, die sie besonders liebte. DiAerzte hatten angeordnet, daß die Gräfin nichts davos# erfahren sollte, aber sie hat es doch gehört, und ihr Zustand verschlimmerte sich dann zusehends Pädagogische Zigarren. Zigarren für Knaben wurden, so erzählt man der„Tägl. Rundsch.“ im Jahre 1840 im Amsterdamer„Handelsblatt“ wie folgt angekündigt: Indem es sich gezeigt hat, das jetzt auch schon die kleinen Jungen wünschen, Zigarren zu rauchen, so habe ich für dieses Alter eine ganz vorzüglich seine Sorte herstellen lassen. Sie werden wie die gewöhnlichen geraucht, haben jedoch die Eigenschaft, den„dummen Jungen“ dermaßen Lippen und Gaumen anschwellen zu machen, daß ihnen die Lust zum Rauchen vergeht. Aebrigens sind diese Zigarren beispiellos wohlfeil. Ich gebe sie umfonst. Um Zuspruch bittet Tomser, Zigarrenfabrikant. Praktische Ratschläge für die Hauswirtschaft. Fuhböden; gestrichene, kann man sich selbst wie neu herstellen, wenn mon Lackfarben verwendet, die in jedem Drogengeschäft zu haben sind. Man achke darauf, daß alle abgetretenen Stellen erst mit Firnis vorgestrichen werden; dann folgt ein Anstrich mit magerer Oelfarbe uno zum Schluß ein solcher mit Lackfarbe, damit der Boden glänzt und gegen Wasser unempfindlich wird. Zu beachten ist, daß jeder Anstrich ganz trocken sein muß, bevor ein neuer aufgetragen wird. Parkettböden dürfen weder naß gereinigt, noch mit Oel behandelt werden, da sie sonst fleckig und dunkel werden. Sobald der Boden einer Reinigung bedarf. reibe man ihn erst so lange mit Stahlpänen ab, bis er hell und sauber ist, alsdann fege man den Boden sauber ab, trage gutes Bohnerwachs ganz dünn auf und poliere ihn mit wollenem Lappen so lange, bis er glanzt. Bei größeren Räumen empfiehlt es sich, diese Arbeit mit besonderen Bürsten vorzunehmen. Rohraeflecht in Rohrstühlen, welches unansehn lich ausgesessen und locker geworden ist, läßt sich sehr leicht wieder eben und straff machen, indem man die Rückseite des Stuhlgeflechtes einige Male mit kochendem Wasser übergießt. Um demselben wieder Glanz und Farbe zu verleihen, überstreicht man, nachdem es vollständig ausgetrocknet ist, vorsichtig dünn mit sogenannten Rohr= und Geflechtlack, den man in jeder Drogenhandlung erhält. Gardinen färbt man am besten und dauerhafkesten durch flüssige Cremefarbe. Standesamts-Nachrichten. Dortmund 1, vom 12. August. Geburten. Ein Sohn: Betriebsführer Uhlenkotte Tremoniastraße 34. Arbeiter Kreutzkamp, Borsigstr. 59. Friseur Bergkemper, Westenhellweg 54. Hauer Biallas, Huckarderstraße 78. Maler Augustin, Hansastraße 98. Küfer Müller, Hohestraße 18a. Gerichtsaktuar Feltin, Vaerststraße 7. Eine Tochter: Braumeister Zeißner, Ardeystraß. 13. Oberbauarb. Hennings, Lagerhausstraße 27. Schreiner Voß, Gneisenaustraße 82. Hauer Tacke, Hermannstr. 28. Fuhrmann Oeke, Baumstraße 38. Nieter Klein, Kesselstr. 40. Artist Schmittek, Schillerstraße 39. Eheschließungen: Arbeiter Andreas Olejniczak und Anna Daske. Sterbefälle: Josef Gebhardt, Langestraße 6, 1 I. Ehefrau Emma Bergander, Bornstraße 288. 280. Dortmund 2, vom 12. August. Geburten. Ein Sohn: Arbeiter Solinski, Stockheide 2. Landgerichtsrat Boemke, Arndtstraße 55. Arbeiter Domschat, Flurstraße 22. Bahnarbeiter Bierman, Kaiserstraße 111. Eine Tochter: Gerichtsdiener Brüning, Lünenerstraße 67. Arbeiter Lipinski, Wambelerstraße 29. Rei sender Krummer, Alsenstraße 70 Aufgebote: Milchhändler H. Strathändler und Maria Butterwegge. Fabrikant L. Weschky und Martha Fischer. Bureaugehülfe K. Glorus und Elisabeth Meiselbach. Kanzleigehülfe H. Camisius und Helene Nöhr. Eheschließungen: Kaufmann K. Schmitz und Elisadeth Berghaus. Eisenbohrer F. Petrzyk und Johanna Wisniewski. Sterberalle: Reinder Postma, Oesterholzstraße 84. 1 J. Franz Kulwickt, Oesterholzstraße 66, 10 M. Klara Zielinskt, Robertstraße 15, 1 M. Maria Nachte wey, Wambelerstraße 20, 2 J. Im Olymvia=Theater ist heute die letzte Sonnabend=Vorstellung mit Lotte Sarrow in ihrem Mimodrama„Die Ehebrecherin". Morgen letzter Sonntag, zwei große Vorstellungen: nachmittags 4 Uhr(kleine Preisel und abends 8 Uhr. In beiden Vorstellungen Lotte Sarrow in ihrem Mimodrama„Die Ehebrecherin“ und die gesamten 10 Attraktionen. se Gepflogenheit hat eine bekannte Konfektionsfirma auf die schlaue Idee gebracht, einige bei ihr angestellte chice Damen in glänzenden Kostümen in den Zuschauerraum zu entsenden, wobei man, um die Reklame nicht wirkungslos verpuffen zu lassen, die Riesenhutnadeln mit dem Namen der Firma versah. Das ging eine ganze Zeit lang, bis man vom Richtertische aus diesen Unfug merkte, und dieser eigenartigen Reklame sehr schnell ein Ende machte; eine gewisse Originalität wird man ihr allerdings nicht absprechen können. Reklame gehört nun einmal heutzutage zum gesamten Leben, nicht zuletzt spielt sie bekanntlich eine große Rolle in der Theaterwelt und für Bühnen mit Künstler bildet sie ein wichtiges Existenzmittel. Manch: Bühnen machen sogar schon vor ihrer Erbauung gewaltige Reklame, um die Aktionäre heranzulocken, unbekümmert. ob die Versprechungen gehalten werden können. Seit Monaten spricht man von der„Großen Oper“, die am Kurfürstendamm errichtet werden soll, ohne daß jetzt auch nur der erste Spatenstich getan wäre. Angelo Neumann ist als Direktor längst gewonnen, andere Größen auch verpflichtet, aber bis zur Eröffnung wird es noch weit hin sein, denn ein Bauprojekt nach dem andern wird von der Polizei verworfen, und bis zur Erbauung des Theaters werden bereits Hunderttausende des Aktienkapitals verpulvert sein. Intensivere Arbeit verrichtete man mit weniger Lärm bei einem anderen Projekt, dem„Deutschen Operettentheater“, das im Westen an der Kurfürstenstraße errichtet wird. Die bisherigen Gebäude sind bereits niedergelegt, und im nächstjährigen Herbste wollen dort die rührigen Hamburger Bendiner und Philiop der leichten Muse eine neue Städte eröffnen. is liebte. Die isin nichts davon# gehört, und ihr ends Zigarren für Tägl. Rundsch.“ andelsblatt“ sezeigt hat, das Inschen, Zigarren Alter eine ganz n. Sie werden jedoch die Eigenßen Lippen und ihnen die Lus diese Zigarren isonst. Um Zuint. für die in man sich selbst irben verwendet, en sind. Man Stellen erst mit olgt ein Anstrich ß ein solcher mit nd gegen Wasser daß jeder Anein neuer aufnaß gereinigt. sie sonst fleckig den einer Reiniange mit Stahlist, alsdann sege tes Bohnerwachs vollenem Lappen en Räumen emonderen Bürsten welches unansehn. ist, läßt sich sehr indem man die Kale mit kochenen wieder Glanz mnan, nachdem es g dünn mit soin man in jeder n und dauerhafen. ust. führer Uhlenkotte, np. Borsigstr. 59. Hauer Biallas, Hansastraße 98. chtsaktuar Feltin, ßner, Ardeystraß. raße 27. Schreiner e, Hermannstr. 28. er Klein, Kesselstr. 9. Andreas Olejniczak , L a n g e s t r a ß e 6, straße 288, 28J. ugust. r Solinski, Stockstraße 55. Arbeiter Bierman, KaiserBrüning, Lünenererstraße 29. Rei Strathändler und eschky und Martha d Elisabeth Meiund Helene Nöhr. inn K. Schmitz und etrzyk und Johanna na, Oesterholzstraße straße 66, 10 M. R. Maria Nachte heute die letzte crow in ihrem Miin letzter Sonntag, gs 4 Uhr(kleine den Vorstellungen „Die Ehebrecherin“ Konfektionsfirma ei ihr angestellte den Zuschauerie Reklame nicht Riesenhutnadeln Das ging eine ertische aus dieartigen Reklame sisse Originalität chen können. zutage zum gebekanntlich eine für Bühnen mit zmittel. 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Als Referenten waren bestimmt gewesen der Architekt und Stadtrat Schümichen(Dresden) und der Kunstanstaltsbesitzer Humar(München). Ersterer hatte seine Darlegungen dem Verbandstage schriftlich vorgelegt. Für eine Mietsverlustversicherung schlägt der Referent, zumal die Zeit zur Schaffung einer solchen jetzt ungemein günstig sei, folgende Grundsätze vor: Es sollen in jeder größeren Stadt Versicherungsvereine gegründet werden, die zunächst einmal einen Reservefonds aufzubringen hätten. Der Mietsverlust soll nicht voll, sondern nur bis 60 Prozent entschädigt werden wenigstens im Anfang. Ganz ausgeschlossen von der Versicherung sollen größere Risiken sein, wie z. B. Saalbauten, auch soll die Einzelversicherung im Höchstfalle nur auf 2000 Mark lauten dürfen. Für das Inkrafttreten der Versicherung ist eine Karrenzzeit von einem Jahre vorgesehen. Die Prämie soll sich nach der Häusigkeit der leerstehenden Wohnungen richten und wird auf 4 Proz. angenommen. Der letzte Punkt der Tagesordnung betraf die„Baugenossenschaften". Hierzu hatte der Verbandsvorstand folgende Resolution eingebracht:„Der 32. Verbandstag des Zentralverbandes der städt. Haus= und Grundbesitzervereine Deutschlands spricht seine Genugtuung darüber aus, daß das Reichsversicherungsamt eine Heraufsetzung des Zinsfußes für Darlehen an Baugenossenschaften auf dreieinhalb Prozent angeordnet und damit endlich den Grundsatz zum Ausdruck gebracht hat, daß für Versicherungszwecke bestimme Gelder nicht dafür Verwendung finden dürfen, um durch Anleihen unter dem üblichen Zinsfuße einigen wenigen dritten Personen Wohltaten durch Verschaffung billiger Wohnungen zu erweisen, wodurch den Rentenempfängern, also den Aermsten der Armen eine jährliche Einnahme von rund drei Millionen entzogen wird. Da jedoch für erste Hypotheken zur Zeit ein Zinsfuß von 4 Proz. und mehr gezahlt wird, und auch das Reich für seine Anleihen 4 Proz. jedenfalls aber mehr als Zeinhalb bezahlen muß, hält der Verbandstag den auf Zeinhalb Proz. heraufgesetzten Zinssatz für die an Baugenossenschaften auszuleihenden Darlehen der Landesversicherungsanstalten nicht für ausreichend, zumal auch bei diesem Zinssatz den Rentenempfängern jährlich noch eineinhal Mill. Mark verloren gehen. Der Verbandstag spricht aber die Erwartung aus, daß das Reichsversicherungsamt dafür bemüht bleibt, den Zinssatz für Darlehen der Landesversicherungsanstalten dem üblichen Zinssatze völlig anzupassen, da die Verwalter fremden Vermögens rechtlich niemals befugt sind, bei Anlage desselben dritten Personen versteckte Schenkungen zu machen.“ Diese Resolution wurde nach kurzer Besprechung einstimmig angenommen. Es folgten Wahlen. Der bisherige erste Stellvertreter des Verbandsdirektors Justizrat Dr. Baumert(Spandau) wurde einstimmig unter großem Beifall zum Verbandsdirektor gewählt. Zum Ort der nächsten Tagung des Verbandes wurde Chemnitz gewählt. Nachdem der Herr Vorsitzende die Beratungen mit den üblichen Schlußworten für beendet erklärt hatte, machten die Teilnehmer an der Tagung einen Ausflug nach Wolfenbüttel, zur Besichtigung der dortigen Sehenswürdigkeiten. Heute bildete ein Ausflug mit Extrazug nach Bad Harzburg den Schluß der Festlichkeiten, die anläßlich des Verbandstages stattfanden. des Verbandes drutscher Kriegsveterauen. S. u. H. Saarbrücken, 11. August Unter zahlreicher Beteiligung von Delegierten aus ganz Deutschland trat hier der Verband deutscher Kriegsveteranen mit dem Sitze in Leipzig zu seiner diesjährigen Tagung zusammen, die zugleich die 40jährige Gedenkfeier der Schlacht von Spichern darstellte. Den Vorsitz führte Stadtrat a. D. Arend(Halle), der in seiner Begrüßungsrede unter lebhaftem Beifall dem Wunsche Ausdruck gab, es möge die Tagung an dieser Stelle, an der vor 40 Jahren das erste Blut zur Einigung des deutschen Vaterlandes geflossen sei, zur Einigung des ganzen deutschen Kriegervereinswesens beitragen. Der Vorsitzende erstattete sodann nach einem kurzen Rückblick der Geschichte der Veteranenvereine den Geschästsbericht über das abgelaufene Jahr, in welchem 215 Mitglieder verstorben sind. Von den Witwen und Hinterbliebenen verstorbener Kameraden lag eine Fülle von Gesuchen um Unterstützung vor, denen nur in wenigen Fällen entsprochen werden konnte. Die Einnahmen des Verbandes beliefen sich auf 17·852 Mk. die Ausgaben auf 15212 Mark, von letzteren wurden 2315 Mark zu Unterstützungen verwandt. Der Vorsitzende bemerkt hierzu, daß diese 2315 Mark nur die Leistung des Verbandes darstellten, während die einzelnen Ortsgruppen auf diesem eigentlichen Gebiete der Veteranenvereine bedeutend mehr geleistet hätten. Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt und die statutengemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder durch Akklamation wiedergewählt. Der nächstjährige Verbandstag wird in Dresden stattfinden. Hierauf begann die Beratung des Antrages des Zentralvorstandes: Annäherung an den Deutschen Kriegerbund. Konml Sterfen(Saarbrücken) glaubt, daß hier in Saarbrücken heute der geeignete Moment sei, zur Einigung die Hand zu reichen. Der Vorstand habe sich bereits in einer Sitzung in diesem Sinne ausgesprochen, und schlage, da die Sache heute nicht verfekt gemacht werden könne, vor, die Versammlung möge sich im Prinzip mit der Annäherung einverstanden erklären und zu weiteren Verhandlungen eine Kommission wählen. In der Debatte wurde betont, daß man eine Annäherung an den Kriegerbund begrüße, wenn in den zu treffenden Abmachungen die Eigenart der Veteranenvereine gewahrt und ihnen insbesondere das Petitionsrecht, dem sie den ganzen Erfolg ihrer bisherigen Tätigkeit zu verdanken hätten, nicht geschmälert werde. Des ferneren wollte man in einem zu fassenden Beschluß jedes Wort vermieden wissen, das dahin gedeutet werden könnte, als ob es lediglich der Verband deutscher Kriegsveteranen sei, der auf eine Verständigung mit dem Kriegerbunde hinarbeite.— Schließlich wird folder Antrag des Konsuls Steffen einstimmig angenommen: „Die Generalversammlung des Verbandes deutscher Kriegsveteranen beschließt zwecks Annahme einer Angliederung an den Deutschen Kriegerbund eine Kommission zu wählen. Die Versammlung spricht sich im Prinzip für eine Annäherung aus.“ Auf der Tagesordnung standen dann weitere Anträge betreffend Wiedereinbringung der Petition an den Reichstag zwecks Unterstützung notleidender Kameraden, Gewährung einer vierteljährlichen Unterstützung der Witwen solcher Kameraden, welche eine Unterstützung bezogen haben, Schritte zu unternehhmen, damit ärmere Kameraden bis zu einer gewissen Höhe des Einkommens von der städtischen Steuer entbunden werden, und endlich eine Veteranenzählung anzuregen. Diese Anträge wurden jedoch in der Vorstandssitzung zurückgezogen. Hügelgräber am Niederrhein. S. u. H. Köln, 11. August. Auf dem Deutschen Anthropologentag in Köln hielt Erich Rademacher=Köln einen interessanten Vortrag über die Hügelgräber am Niederrhein. Der Redner behandelte namentlich das vorläufige Hauptstudiengebiet des Kölner Prähistorischen Museums, nämlich beide Rheinufer zwischen den Mündungen der Sieg und der Wupper. Ueber die Zeitstellung der Grabhügel hat lange Zeit Unklarkeit geherrscht, trotzdem sie schon seit 1820 wissenschatflich bekannt sind. Man hielt sie zunächst für germanisch und diese Anschauung blieb bis vor kurzem vorherrschend, ohne daß sie durch Funde aus den Hügeln gestützt worden wäre. Das Kölner Museum hat nun in verhältnismäßig kurzer Zeit eine große Menge Material zusammengebracht, aus dem sich die Zeitstellung der Hügel, speziell der ausgedehnten Grabfelder mit der größten Genauigkeit firieren läßt. Abgesehen von kleineren Hügelgruppen und einzeln liegenden Hügeln, die der Steinzeit und der älteren Broncezeit angehören, sind die Hügelfelder in die Hallstattzeit zu setzen. Auf den größten und besterhaltenen Wollen Sie für billiges Geld elegante Stiefel kaufen? Fordern Sie Musterbuch Einheitspreis für Damen und Herren M. 12.50 Luxus-Ausführung M. 16.50 Salamander Schuhges. m. b. H., Berlin Niederlassung: Dortmund: Westenhellweg 16 17 Des Vaters Ehre. Roman von Ewald August König. 7 Ein kurzes, lautes Pochen an der Tür unterbrach in diesem Augenblick das Gespräch auf das barsche:„Herein!“ Popperts trat ein sehr elegant gekleideter junger Herr in das Zimmer, dessen fahles, verlebtes Gesicht mit den tiefliegenden dunklen Augen und den scharfen Zügen nur zu deutlich den Wüstling erkennen ließ. Hilarius Poppert schien plötzlich alles, was ihn kurz vorher noch so furchtbar geärgert hatte, vergessen zu haben, mit heiterer Miene ging er dem jungen Herrn entgegen, der ein goldenes Lorgnon auf seine Nase klemmte und die dürftige Ausstattung des Zimmers mit prüfendem Blick betrachtete. „Was verschafft mir die Ehre, Sie in meinem Hause zu sehen, Herr Bevering?“ fragte er, ihm die Hand bietend, die der Angeredete nur zögernd annahm.„Ihr Herr Vater befindet sich hoffentlich wohl?“ „Hackt in diesem Augenblick Holz,“ erwiderte Bevering in näselndem Tone.„Aerztliche Verordnung. Sie wissen ja, wegen seiner Korpulenz glaube aber nicht, daß es viel helfen wird.“ :„Er sollte eine Kur in Karlsbad gebrauchen.“ „Alles schon geschehen; nicht einmal ein dutzendmal, aber es hilft nichts. Ich hoffe nur, daß ich diese natürliche Anlage nicht geerbt habe, es wäre mir entsetzlich, wenn ich im Laufe der Zeit ebenfalls ein solcher Fettkoloß würde.“ „Sie können dem ja durch fleißige Bewegung und schmale Kost vorbeugen,“ sagte der Makler mit gezwungenem Lächeln,„sehen Sie mich nur an, bei meiner einfachen Lebensweise habe ich solche Korpulenz nicht zu fürchten. Darf ich Ihnen einen Stuhl anbieten?“ „Ich wünsche einige Worte unter vier Augen mit Ihnen zu reden,“ erwiderte der junge Herr mit einem verstohlenen Blick auf den Schreiber. Hilarius Poppert öffnete eine Tür und führte seinen Gast in das anstoßende Zimmer, das nur ein altes mit Ledertuch überzogenes Sofa, einige Stühle und einen Tisch enthielt. Hier empfing er alle, die in geschäftlichen Angelegenheiten ihn besuchten, aber Bevering schien sich auch hier vor unberufenen Zeugen noch nicht sicher zu fühlen, er schritt mit einer abwehrenden Handbewegung auf eine andere Tür zu und befand sich nun in einem sehr einfach ausgestatteten Schlafzimmer, in dem ein großer eiserner Geldschrank stand. „Sind wir hier vor Lauscherohren sicher?“ fragte er mit gedämpfter Stimme. „Wir sind's in jedem Raume meines Hauses," erwiderte Poppert, in dessen Zügen wachsende Neugier sich spiegelte,„meine Tochter sowohl wie mein Schreiber wissen, daß ich unter meinem Dache keine Spionage dulde. Wenn Sie übrigens, wie ich vermute, eine Anleihe zu machen wünschen, so...“ „Nicht doch!“ unterbrach Bevering ihn, der in der Nähe des Fensters auf einem Stuhle Platz genommen hatte,„eine andere Angelegenheit führt mich zu Ihnen. Schenken Sie Ihrem Schreiber volles Vertrauen?“ Der Makler blickte den Fragenden überrascht an. „Wollen Sie ihn anklagen?" erwiderte er mit unverhohlener Besorgnis.„Können Sie mir beweisen, daß er mein Vertrauen nicht verdient?“ „Ja und nein, ich weiß eben nicht, wie Sie darüber denken," sagte der jungeMann nachlässig mit seinem Lorgnon spielend.„Bevor ich aber fortfahre, müssen Sie mir strenge Verschwiegenheit versprechen, Herr Poppert, ich möchte mich nicht gerne als Spion bezeichnen lassen. Wollen Sie mir dieses Versprechen geben?“ „Wenn ich nicht gegen mein eigenes Interesse handele. „Im Gegenteil, es liegt sogar durchaus in Ihrem Interesse!" „Gut, ich gebe Ihnen das Versprechen!“ Waldemar Bevering klemmte das Lorgnon wieder auf die Nase und drehte an den Spitzen seines schwarzen, sorgsam gepflegten Knebelbartes. „Sie haben eine reizende Tochter,“ sagte er. „Was weiter?“ fragte Poppert ungeduldig, als der junge Herr nach dieser Bemerkung wieder eine Pause machte. „Und Ihr Schreiber, der in unserem Hinterhause wohnt, hat einen Sohn, die Mauer zwischen unserem Hofe und Ihrem Garten ist nicht hoch, man kann sie ohne Mühe übersteigen.“ Der Makler wollte von seinem Sitz emporfahren, aber Bevering legte rasch die Hand auf seinen Arm und bat ihn, sich ruhig zu verhalten.„Sie erreichen nur das Gegenteil von dem, was Sie bezwecken, wenn Sie Ihrer Aufregung die Zügel schießen lassen und Lärm machen,“ fuhr er fort.„Die Beteiligten werden leugnen, Beweise fordern und mich einen Lügner nennen. Sie müssen auf der Tat ertappt werden, und dies wird nimmermehr geschehen, wenn sie gewarnt sind. Ich stand heute Morgen sehr zeitig auf, das Fenster meines Schlafzimmers liegt an der Hofseite, ich sah, daß ein junger Mann über die Mauer in Ihren Garten stieg und erkannte in ihm sofort den jungen Klausner. Eine halbe Stunde später kehrte er auf demselben Wege zurück, ein junges Mädchen gab ihm bis zur Mauer das Geleite. Das ist alles, was ich gesehen habe, alles, was ich überhaupt von den Beziehungen der beiden zu einander weiß, und so wenig es auch zu sein scheint, läßt es doch vieles erraten. Ich begreife nun, weshalb Fräulein Jrene stets so kurz angebunden ist, wenn ich sie anrede.“ „Dieser Hungerleider!“ fuhr Poppert auf, der seiner Wut nicht länger gebieten konnte.„Was bildet dieser jämmerliche Advokatenschreiber sich ein? Ich werde den beiden...“ „Ruhig, ruhig!“ unterbrach ihn Bevering und ein boshaftes, triumphierendes Lächeln umzuckte dabei seine farblosen Lippen,„unangenehm ist die Geschichte allerdings, aber ich halte es nicht der Mühe wert, sich deshalb so sehr aufzuregen. Mir hat ein Zufall die Sache entdeckt, und ich hielt es für Nachbarpflicht, Ihnen diese Entdekkung zu berichten, wollen Sie nun zum Danke dafür den Haß aller Beteiligten auf mich laden?“ „Ich werde Ihren Namen nicht nennen!“ „Der junge Klausner wird ihn sofort erraten?“ „Was kann er Ihnen anhaben?“ „Nichts, aber auch Fräulein Irene wird mich hassen, und ich mache Ihnen kein Hehl daraus, daß ich sie liebe. Ich habe nun meine Jugend genossen und wie der Holländer zu sagen pflegt: ausgerast, ich will jetzt in meines Vaters Hause den eigenen Herd gründen und ein so solider Philister werden, daß jeder Spießbürger seine Freude daran haben soll.“ Hilarius Poppert blickte den jungen Herrn einige Sekunden gedankenvoll an und rieb mit dem baumwollenen Tuch eifrig das kahle Haupt. „Na dagegen läßt sich ja nichts einwenden,“ sagte er, „aber Sie werden doch nicht von mir verlangen wollen, daß ich zu diesen heimlichen Zusammenkünften schweigen soll? Wenn der alte Lump mit diesen unverschämten Plänen seines Sohnes einverstanden ist, so werfe ich ihn noch in dieser Stunde hinaus, und meiner Tochter werde ich's klar machen, was sie von dem Hungerleider zu erwarten hat. Wollen Sie auch ferner die Pflichten eines guten Nachbarn erfüllen, so müssen Sie diesem Bettelvolk die Wohnung kündigen, dann istfür immer ein Riegel vorgeschoben.“ Bevering schüttelte den Kopf und holte ein duftendes Battisttuch aus der Tasche, um die Gläser seines Lorgnons abzureiben. „Zu dieser Kündigung wird mein Vater sich nicht bewegen lassen,“ erwiderte er.„Er hält große Stücke auf den alten Klausner, dessen Armut und Unglück ihm Mitleid einflößen, er kündigt überhaupt seinen Mietern nicht gerne, wenn ihn nicht besondere Umstände dazu nötigen. So weit ich mich erinnern kann, ist es nur einmal geschehen, vor einem Jahre, als ein Bewohner unseres Hinterhauses den Einbruch bei Ihnen versuchte; es würde vielleicht auch jetzt geschehen, wenn man den jungen Klausner beim Uebersteigen der Mauer ertappte. Wollen Sie also meinen Rat befolgen, so schweigen Sie vorläufig, verraten Sie nichts von dem, was ich Ihnen mitgeteilt habe, und überlassen Sie es mir, dem verwegenen Burschen eine Falle zu stellen, in die er ahnungslos hineingehen soll. Ich kann ihn schon längst nicht leiden, mein Haß ist Ihr bester Verbündeter.“ „Ich liebe langes Warten nicht." 183,18 „Ich beanspruche nur einige Tage, vielleicht liefere ich Ihnen morgen schon den Burschen ans Messer, inzwischen will ich auch zu ermitteln versuchen, ob der alte Klausner von den Plänen des Sohnes Kenntnis hat.“, „Natürlich hat er Kenntnis davon,“ erwiderte der Makler mit schneidendem Hohn,„ich möchte sogar behaupten, daß er diese Pläne ersonnen hat. Sie gelten ja nicht meiner Tochter, sondern meinem Gelde, der alte Bankerotteur möchte gar zu gernenoch einmal die Rolle eines vornehmen Herrn spielen. Aber er soll sich in seinen Hoffnungen bitter getäuscht sehen, ich stelle ihm ohne Erbarmen den Stuhl vor die Türe, mag er meinetnsgen dann mit seinem Sohne am Hungertuche nagen!“ der Hügelfelder, die auf dem rechten Rheinufer an einem. uralten Wege, dem Mauspfadhügel liegen, finden sich sämtliche Abschnitte der Hallstattzeit durch Funde vertreten. Die Hallstattzeit beginnt etwa um 1000 v. Chr. und erreicht um 500 ihr Ende. Mit diesem Zeitpunkt hören die Hügelgräber auf. Die Kultur der Hallstattzeit stammt mit der aus südlicheren Gegenden vollständig überein, sodaß wir dadurch den Beweis haben: die Hügel stammen nicht von Germanen, die um diese Zeit eine ganz andere Kultur hatten, sondern von der seit der Steinzeit hier ansässigen Bevölkerung, die bei ungestörter Fortentwicklung die keltische La tene=Kultur gezeigt haben würde. Diese Kultur fehlt indessen, was sich am einfachsten durch die Annahme erklärk, daß um 500 v. Chr. die Germanen von Nordosten her die Gegend in Besitz nahmen. Ein weiterer Vortrag beschäftigte sich mit den germanischen Flachgräbern am Niederrhein. Die in dem vorhergehenden Vortrage aufgestellte Behauptung, von dem Einrücken der Germanen von Nordosten her in das nördliche Rheingebiet erweist sich durch die Funde als völlig richtig. Es sind vom Niederrhein eine ganze Menge von Germanengräbern und Wohnplätzen bekannt, die alle die Formen zeigen, die in eigentlichen Germanengebieten vorkommen. Von den Plätzen, die zwischen Sieg und Wupper liegen, scheint der am Fliegenberge bei Träsdorf einer der ältesten zu sein. Hier wurde ein Schlachtgrab mit der bei allen kaiserzeitlichen Germanengräbern typischen Anlage gefunden. Die Leichenbrandreste waren in eine ausgestochene Grube gelegt, die auch die Beigaben enthielt. Dieses Grab gehört in die frühe La tene=Zeit. Andere Gräber vom Fliegenberge sind in die späte Kaiserzeit, also etwa 300 n. Chr. zu setzen. Ein anderer Platz im Schennoer Busch bei Wahn lieferte Brandgruben, die von der La tene=Zeit bis zur Kaiserzeit reichen. Dieses Ergebnis scheint die Annahme, daß die Germanen nach Tacitus ihre Toten in Hügeln bestattet hätten, zu widersprechen. Aber eine betreffende Untersuchung der Tacitusstelle zeigt, daß man die Hügel gar nicht zur Erklärung nötig hat. Die richtige Uebersetzung der Stelle sepulcrum caespes erigit lautet einfach„der Rasen bildet das Grabmal“. Es folgt aus der Betrachtung der Hügelgräber und ihrer Funde, daß bis zur Mitte des er„ sten Jahrtausends v. Chr. am Niederrhein Kelten gesessen haben. Diese keltischen Stämme wurden dann von denen aus Nordosten andringenden Germanen nach Süden und Westen verdrängt. Gewerkvereinsteil. Hamburg, 12. Aug. Gestern wurde mit der Auszahlung der Unterstützungen an die Streikenden begonnen. Es erhielten die jugendlichen Arbeiter 7 M., die ledigen 12 M., die verheirateten 14 M. pro Woche. Die Verheirateten bekommen außerdem für jedes Kind 1 M. pro Woche, jedoch nicht mehr wie 5 M. Die Zahl der streikenden Arbeiter be trägt 9500. Bisher sind Ruhestörungen noch nirgends vorgekommen. In einer Versammlung, die gestern nachmittag abgehalten wurde, hat die Streikleitung den ledigen Arbeitern empfohlen, aus Hamburg fortzugehen und in der Provinz Arbeit zu suchen. Dies ist bereits von einer großen Anzahl befolgt worden. Hamburg, 13. August. Die Werftarbeiterbewegung macht sich jetzt im Hamburger Hasenverkehr ernstlich fühlbar. Die Hamburg=AmerikaLinie hat bereits Hilfsarbeiter herangezogen, um die ausständigen Schiffsreiniger und Schiffsbauer zu ersetzen und Maßregeln getroffen, um die Leute vor Insalten seitens der Ausständigen zu schützen. Brüssel, 12. Aug. In der heutigen Verhandlung des internationalen Bergarbeiterkongresses wurde der Antrag auf Prüfung der Frage des Sympathieausstandes in anderen Ländern bei nationalen Ausständen angenommen. Der Autrag auf Feriengewayrung fand ebenfalls Annahme. Der Ausdes internationalen Bergarbeiterkongresses wurde wiedergewählt; verstärkt wurde der Ausschuß durch Vertreter von Holland und Bulgarien. Der nächste Kongreß im Jahre 1911 findet in London statt. Paris, 12. Aug. In Terguier, einem großen Bahnhof der Nordbahn, der mit Wagenreparaturwerksätten versehen ist, brach ein Streik der Werkstättenarbeiter aus. Die Arbeiter verlangten die sofortige Aufhebung der Disziplinarbestrafung eines Kameraden. Weil die Aufhebung der Strase verweigert wurde, zogen gestern 1500 streikende Arbeiter mit roten Fahnen durch die Straßen von Tergnier. Als die Polizei die Fahnen wegnehmen wollte, kam es zu einer Schlägerei. **„ Die Beleaschaft der Zechen des Oberbergamtsbezirks Dortmund betrug am 1. Januar dieses Jahres 357896 Mann. Hiervon stammten 53.075 aus Ostpreußen, 16329 aus Westpreußen, 50 556 aus Posen, 9051 aus Oberschlesien. Aus den östlichen Provinzen stammten somit im ganzen 129011 Mann; aus den übrigen Teilen des deutschen Reiches waren 200 725. Die Zahl der Ausländer betrug 28 160. Hiervon stammten aus Oesterreich=Ungarn 18 591, aus Rußland 1042, aus Holland 5132, aus Belgien 252, aus Italien 2814. aus dem sonstigen Auslande 329. Vermischtes. Berlin, 12. Aug. In der dritten Morgenstunde wurde heute der Landwirt Rudolf Möser vor seinem Hause liegend, beraubt aufgefunden. Ihm fehlten 22000 M. und seine goldene Uhr. Der Tat dringend verdächtig ist der 44jährige Agent Johann Gohl. ein mehrfach vorbestrafter Mensch, der seit gestern verschwunden ist. Berlin, 12. Aug. Der verhaftete Mädchenschulrektor Bock läßt durch seinen Rechtsanwalt erklären, es sei unrichtig, daß ihm bisher auch nur ein einziger Fall einer sittlichen Verfehlung nachgewiesen sei. Es handle sich nur um die Anzeige eines Schulmädchens, das die betreffende Beschuldigung schon wiederholt widerrufen habe. Im übrigen kämen nur ein oder zwei Fälle längst schulentlassener Mädchen in Frage, und auch da bestreite er jede Schuld. Berlin, 12. Aug. Die mit der Ueberwachung der Choleragefahr betrauten Behörden des Reiches und der Bundesstaaten haben ihre besondere Aufmerksamkeit der zunehmenden Choleraepidemie in Rußland zugewandt. Sämtliche Flußläufe, die mit der russischen Grenze in Berührung kommen, werden von den Sanitätsbehörden auf das Genaueste überwacht. Das Reichsgesundheitsamt wird fortwährend über die Cholera in Rußland benachrichtigt. Wegen der umfangreichen Vorkehrungen der deutschen Sanitätsbehörden dürfte zurzeit kein Grund vorliegen, irgendwelche Befürchtungen in bezug auf die Einschleppung der Cholera aus Rußland zu hegen. Hamburg, 12. Aug. Der Dampfer der Hamburg= Amerika=Linie„Spuria“ kollidierte im Kanal mit dem holländischen Dampfer„Hollandia“, der unbedeutende Beschädigungen erlitt und dessen Passagiere in Sicherheit sind. Der Dampfer„Sparta“ konnte trotz starker Beschädigungen mit eigenem Dampf in den Hafen von Portland einlaufen. Er hat Leckage in Raum 3 und 4. Die Pumpen sind angestrengt tätig. Mainz, 12. Aug. Hier wurde heute der Kellner eines Restaurants verhaftet. Es stellte sich heraus, daß er österreichischer Offizier ist, der auf Veranlassung der österreichischen Militärbehörde wegen Fahnenflucht verfolgt wird. Gera, 12. Aug. Gestern wurde auf einem unbewachten Wegeübergang der Nebenbahnstrecke TriptisMaxgrün von einem Personenzuge ein leerer Erntewagen eines Schweinehändlers aus Moßbach überfahren. Der hintere Teil des Wagens wurde zertrümmert und die darauf sitzende Ehefrau und die eine Tochter des Schweinehändlers getötet, der Schweinehändler und eine andere Tochter wurden leicht verletzt. Die Pferde gingen durch, blieben jedoch unverletzt. Eschwege, 12. Aug. In Rasdorf bei Hönebach (Kr. Eschwege) sind zwei Kinder in der Werra ertrunken. Das eine Kind war drei, das andere fünf Jahre alt. Straßburg, 12. Aug. Prof. Dr. phil. Michaelis, von 1872 bis 1907 Professor an der Kaiser=Wilhelm=Universität und Begründer des Kunstarchäologischen Museums in Straßburg, ist heute früh gestorben. Hallensee und Wannsee. (Luna=Park.) Berlin, 12. August. Wer von Berlin durch den herrlichen Grunewald nach Potsdam wandern will, kann, ohne große Umwege zu machen, Hallensee und Wannsee erreichen, benannt nach den gleichnamigen schönen Seen. In einer knappen halben Stunde aber fährt man bereits mit der Stadtbahn vom Bahnhof Zoo bis nach Wannlee, und vor den Toren Berlins noch, zur Stadt Wilmersdorf gehörend, lagert sich am Ausgang des langgestreckten Kurfürstendammes, Hallensee, dicht vor der Kolonie Grunewald. Noch vor nicht gar zu langer Zeit lebte man hier still und fern von dem Gewühl der Großstadt, bis durch die neu geschaffenen Terrassen und Kaskaden Hallensee mit seinen Anlagen einer der beliebtesten Ausflugsorte der Berliner geworden ist. Wer aber seit einigen Monaten nicht dort gewesen ist, wird zu seinem Erstaunen ein vollkommen verändertes Bild vorfinden. Der„Luna=Park“, das größte nach amerikanischem Muster errichtete Bergnügungs=Etablissement Europas, ##ockt alltäglich Tausende und Abertausende Heimischer and Fremder an. Das Riesenunternehmen erstreckt sich auf einer Grundfläche von 140000 Quadratmetern und #hat nicht weniger als 4 Millionen Mark gekostet. Schon hat der millionste Besucher längst das riesige Eingangstor des Luna=Parks durchschritten und die noch erst Arzlich wieder stattgefundene Schönheits=Konkurrenz unker der holden Weiblichkeit zeugt davon, daß gerade diese den mannigfaltigen Attraktionen nicht widerstehen kann. Das Gebotene Übertrikft aber auch alle Erwartungen Leipzig, 12. Aug. Heute vormittag ist der 43 Jahre alte Kaufmann Gustav Hartmann aus Leipzig mit seiner Gattin im Automobil nach Weißenfeld gefahren. Kurz vor dem Dorse Jörsten fuhr das Automobil gegen einen Baum. Der Wagen wurde zertrümmert. Der Besitzer erlitt einen Schädelbruch und war sofort tot. Die Gattin des Kaufmanns kam mit leichteren Verletzungen davon. Kötzschenbroda. 12. Aug. Als auf seinem Grundstück der Bildhauer Schulze eine Grube reinigte, wurde er von den aufsteigenden Gasen betäubt und stürzte in die Grube. Seinen elfjährigen Sohn, der ihm zu Hilfe kommen wollte, ereilte dasselbe Schicksal, ebenso auch einen Hausbewohner, der den beiden Rettung bringen wollte. Mit Hilfe der Feuerwehr konnte nur noch der Hauswirt Schulze lebend zutage gefördert werden. Die beiden anderen Verunglückten waren der Grubengasvergiftung erlegen. Maulbronn, 12. Aug. Gestern abend wurde bei einem heftigen Gewitter der 32jährige Tagelohner König, der trotz mehrfacher Blitzschläge weiterarbeiten wollte, in dem Augenblick, als er von einer Leiter stieg, von einem Blitzschlage getroffen und sofort getöter. Seinem Mitarbeiter Oswald, der vom gleichen Schlage getroffen wurde, sind beide Arme gelähmt. Innsbruck, 12. Aug. In den südtiroler Dolomtten ist der Amtsgerichtsrat Kropp aus Ggestemünde abgesturzt; er war sofort tot, Paris, 12. Aug. Die Blätter melden aus Brest: In dem Dorfe Kerglofs=en=St. Thoin fanden die Behörden eine 36 jährige Frau, die von ihren wandten seit einem Jahre in einem Stalle eingesperrt gehalten wurde. Die Unglückliche verfügt über eine Jahresrente von 8000 Frank. Der Schwager der Frau wurde in Untersuchungshaft genommen.guse Paris, 13. Aug. Ein Vorschlag der„Straßburget Post“, die französischen Aviatiker, welche die deutsche Greuze überfliegen, mit Kanonentugeln zu empfangen, hat in der Presse allgemeine Erregung hervorgerufen. Der„Temps“ schreibt, Frankreich habe niemals eine Feindseligkeit gegen deutsche Luftschiffer bewiesen, die auf französischem Gebiet landeten." Er hoffe, daß die Angriffe des Straßburger Blattes in Deutschland scharf verurteilt werden. Rom, 13. Aug. Gestern früh wurden aus einem Postwagen, in dem zwei Steuerbeamte der Staatszölle für Vieheinfuhr Geld transportierten, von Unbekannten zwei Säcke mit 330 000 Lire gestohlen. Die Täter entflohen in einem Automobil. Madrid, 12. Aug. Ein bestialisches Verbrechen ist hier begangen worden. Ein Heilkünstler namens Franzisko Leona, der von dem brustkranken Pächter Franzisko Ortega zurate gezogen wurde, verschrieb ihm warmes Blut eines gesunden Knaben. Er selbst mit einer Nachbarin und ihren beiden Söhnen erboten sich, gegen ein Honorar von 750 Pesetas einen solchen Knaben zu beschaffen. Der 17 Jahre alte Bernardo Gonsalez wurde beim Baden überrumpelt, in einen Sack gesteckt und ihm der Bauch aufgeschlitzt. Ortega trank das warme Blut, worauf die Leiche in eine nahe Schlucht geworfen wurde. Einige Hirten hatten die Entführung des Knaben beobachtet, wodurch die Täter entdeckt wurden. Sie wurden verhaftet, mit Ausnahme des Leona, der geflüchtet ist. Christiania, 12. Aug. In der vergangenen Nachr brach im Hafen von Alesund eine Feuersbrunst aus, die sich rasch verbreitete. Trotz eifriger Tätigkeit der Feuerwehr wurde ein großer Warenspeicher von den Flammen ergriffen und nach wenigen Stunden eingeäschert. Der drei Etagen hohe Speicher war mit Tran, Fischen und anderen Waren dicht angefüllt, die alle den Flammen zum Opfer fielen. Der angerichtete Schaden wird auf 150000 Kronen geschätzt. Neuyork, 12. Aug. Eine Feuersbrunst, die im Hafen von Boston ausbrach und auf die dortigen Docks übersprang, richtete einen Schaden von etwa 1 Million Dollar an. Neun Feuerwehrleute erlitten bei dem Riesenbrande schwere Brandwunden. Tokio, 12. Aug. Durch Ueberschwemmungen wurden in letzter Zeit außerordentlich große Verwüstungen angerichtet. Ganze Städte und Dörfer wurden weggerissen und viele Menschenleben vernichtet. In einem Stadtteil von Tokio wurden allein 30000 Häuser unter Wasser gesetzt. Die Eisenbahnverbindungen in den überschwemmten Gegenben wurden unterbrochen. In vielen Orten sind die Bepohner von Hungersnot bedroht. Der angerichtete Schaden beläuft sich auf Millionen von Yens. *** Der Gemeindebock von Neuburgweier. Auch Böcke werden alt. Der Gemeindebock von Neuburgweier in Baden hatte seine Schuldigkeit viele Jahre getan, und er war in Ehren alt und grau geworden. Der Rat der Dorfgemeinde beschloß daher, den Alten zu verkaufen und dafür eine junge Kraft zu erwerben. Neun Mark wurden für den alten Herrn geboten; das war gefundenes Geld. Der Käufer veräußerte den Bock wieder für 12 Mark. an einen„ganz Schlauen“ nach Daxlanden bei Karlsruhe. Einige gründliche Badekuren mußte dann der Bock über sich ergehen lassen, und Schere und Kamm vollbrachten das letzte am Werke der Verjüngung. Resultat: tadellos! und dürfte in der Gesamtheit einzig in seiner Art dastehen. Unter den Klängen von sechs verschiedenen Musikkapellen lustwandeln bis tief in die Nacht hinein viele tausende fröhlicher Menschen in den prachtvollen Anlagen und bilden ein bunt bewegtes Bild eigenartigen Reizes. Vom bayrischen Hochgebirge kommt man in das Land der Somalis, die mit wildem Kriegsgeheul allerlei Tänze und Kämpfe(ich will nicht sagen Unfug) dem schaulustigen Publikum vorführen. Eine ungeheure Wasserrutschbahn fährt uns in großen Nachen auf das weite Meer„nachdem ein Jeder zuvor in Wackeltöpfen oder durch sonstige Jurmittel gründlich gegen Seekrankheit abgehärtet worden ist. Eine Hauptattraktion bilden die Gebirgsfahrten über die schneebedeckten Alpen, welch letztere geradezu ein getreues und prächtiges Spiegelbild der Natur wiedergeben. Eine Anzahl Luftschiffe sorgt für regelmäßige Fahrten durch die Lüfte und gelangt der Besucher dann über zitternde Treppen endlich in das Lachhaus, so kommt er aus dem Lachen kaum wieder heraus. Blumenkorso und Blumenschlachten ändern jetzt das Bild wieder. Selbstverständlich fehlen auch im Luna=Park die unvermeidlichen Kinos, Tombolas, Zirkus, Panoramen, Schnellphotographien und alle Arten anderer Belustigungen nicht; aber auch die Schrecknisse der Hölle sollen dem harmlosen Zuschauer nicht entgehen. Dazu findet man in verschiedenen Restaurants, Casees, und sonstigen Stätten, die dem leibliche Wohle dienen, einen erfrischenden guten Trunk und auserlesene Küche. Die rührige Direktion sorgt eben für alles, und kein Fremder darf verschumen, den Luna=Park auf einige Stunden zu besuchen. Er wird sicher auf seine Kosten kommen. Andern Tags wurde ein kräftiger Bock inseriert, und dieses Resultat las man auch in Nauenburgweier, wo man gerade ein solches Hornvieh gebrauchte. Einige Bevollmächtigte fuhren nach der Vorstadt von Karlsruhe zur Besichtigung: der Bock hatte ein junges, schneidiges Aussehen, und war billig; 45 Mark war halb igeschenkt. Die Gemeindebevollmächtigten schlugen ein, und zogen mit dem„jungen Herrn“ am Strick fröhlich in Neuburgweier ein. Man wunderte sich ein bischen, daß der Junge so wie von selbst, den Stall des Alten fand— aber das machte der Geruch.„Böcke haben ja ein gutes Riechvermögen.“ Bald darauf mekkert auch eine Ziege des Ortes vor dem Stall— zweimal— dreimal: erst spät antwortet ein müdes tiefes„Mööööhck“. Diese Stimme war bekannt, Heraus aus dem Stall, ans Licht— alter Freund! Richtig er war's! Die Neuburgweier hatten ihren alten Gemeindebock wieder mit 36 Mark Aufgeld und den Reisekosten der sachverständigen Bockankaufskommission. Handel und Verkehr Dortmund; 13. August. Die Aktien=GesellDortmunder Brauhaus hat gestern den Konkurs anmelden müssen. Die Verwaltung des sonst gesunden Unternehmens sagt selbst, daß ihr infolge der großen Wechselverbindlichkeiten gegenüber der Niederdeutschen Bank kein anderer Ausweg übrig bleibt, Rechtsanwalt Seinsch ist zum Konkursverwalter ernannt. Die erste Gläubigerversammlung ist auf den 31. August festgesetzt. Bankdirektor Ohm war Vorsitzender des Aufsichtsrates der Brauhausgesellschaft. *** Patentbericht. Mitgeteilt vom Patent= und Techn. Büro Conrad Köchlinz, Ing. Mitglied des deutschen Schutzverbandes für geistiges Eigentum. Broschüre„Patentwissenschaft“ kostenlos. Dortmund, Steinplatz 1, Teleson 7276. A. Patentanmeldungen. Verfahren und Vorrichtung zur Erhitzung von Körpern durch die Verdichtungswärme von Gasen H. Siewers, Dortmund— Einrichtung zur klemmfreien Uebertragung der Drehung des Reglerhebels von Lokomotiven auf den Reglerwellenmitnehmer. R. Skutsch, Dortmund.— Schreibstift, dessen Mine mittels eines Stiftes vorgeschoben und in ihrer vorgeschobenen Lage durch Reibung gehalten wird. L. Mathias,Dortmund — Zudeckungseinrichtung für elektr. betr. Hängebahnen. Zus. z. Pat.: 210 745 Andreovitz u. Co. G. m. b. H.. Dortmund C. Gebrauchsmustererteilungen. Mit Knöpfen versehener Gurt zum Einknöpfen in Blusen, Hemden, und dergl., als Ersatz für Hosenträger. R. Josephs, Dortmund— Mit einem Haken versehener Rost für Oefen und Herde. J. Zita, Herne.— Abnehmbarer Blattwender. W. Koring, Langendreer.— Antriebsvorrichtung für zur Klassierung von Kohle und Koks dienende Doppelrätter mit je einer einfachen Kurbelwelle für Ober= und Unterkasten. Maschinenfabrik Baum A.=G. Herne i. W.— Doppelte Schutzkappen zur Abdeckung von Kabelsteinen, Wullener Dampfziegelei, G. m. b. H. Witten.— Kettenhalter für Kleideraufzüge. O. Regen, Dortmund.— Kochgefäß mit Vorrichtung zur Verhütung des Ueberkochens. I. Hadrvan, Röhlinghausen.— Drehbankschleifapparat Ad. Schäffer, Selm. *** Deutsche Nationalbank, Kommanditgesellschaft auf Aktien, Bremen, mit Zweigniederlassung in Dortmund. Die Verwaltung führt aus: Der Halbjahresabschluß unserer Bank zeigt bei Zunahme der Umsätze ein höheres Erträgnis auf Zinsen und Provisionskonto. Trotz der guten Entwicklung, die unsere Bank genommen hat, können wir für das laufende Jahr unseren Aktionären nur eine geringe Dividende in Aussicht stellen, da wir erhebliche Verluste durch Beleihung gefälschter Baumwoll=Konnossements erleiden. Dieser Verlust wird zwei Millionen Mark nicht übersteigen; es ist aber nicht ausgeschlossen, daß derselbe herabgemindert wird, je nach Ausfall von Verhandlungen und Prozessen, die in Amerika geführt werden. Immerhin dürften diese Verhandlungen und Prozesse sich noch derart lange hinziehen, daß wir am Jahresschluß gezwungen sein werden, unser Engagement abzuschreiben. Selbst in diesem u. günstigsten Falle werden wir noch in der Lage sein, eine mäßige Dividende zu verteilen. An der in Konkurs geratenen Niederdeutschen Bank sind wir weder direkt noch indirekt beteiligt. Unmittelbar am Strand von Hochwald u. Bergen umgeben Schnellzug AAIOHDDYT Wasserweg Stettin von Berlin IGIKIIKIIV Seebrücke u. nach in 4 Std. MIIODITUT Misdroy- Laatzig. Vorzüglich eingerichtet für Kur und Unterhaltung Behaglicher Aufenthalt für Familien. Saisonbeginn am 15 Mal. 1909: 17600 Gäste. N. Fuchs Möbel- und WarenKredit-Unternehmen Dortmund, Ostenhellweg 41 gegenüber Schubhaus Böhmer empfiehlt allen Brautleuten sowIe zum Umzug jeder Art Einzeine Stücke, sotsie vollständige Nohnuugs-Einrichtungen Ansicht meiner Läger ohne Kaufzwang erb. Fast unglaubliche Auswahl in Herden Betten Schlafzimmern von den einfachsten b. elegantesten Wohnzimmern. Lieferung vollständig frei, auch auswärts. Kredit fast ohne Anzahlung, ohne jede Anzahlung an Kunden, Beamten und Herren in sicheren Stellungen. Höhe und Termine der Raten bestimmt der Käufer. Gardinen, Teppiche Anzahlung von 2 Mark ab. Dortmund, Grosses, kulantes und reelles Kredithaus. Ein ganz anderes Bild zeigt sich uns dagegen im Seebad Wannsee. Zwar sind auch hier bei schönem Wetter alltäglich tausende von Menschen vereint. Man glaubt aber sich plötzlich an die Gestade der Nordoder Ostsee versetzt. Im gemütlichen Familienbade vereinigt sich Alt und Jung, Männlein und Weiblein, Dick und Dünn, um in den erfrischenden Fluten des großen und herrlichen Wannsees Erholung zu suchen oder unter den Strahlen der Sonne durch ein Luftbad und im Turnen oder Reigenspiel den Körper zu stählen. Der weite, sandige Strand des Sees, welcher sich gleich an die schattigen Bäume des Grunewaldes anlehnt, ist an schönen Tagen dicht bevölkert. Ganze Familien wandern oder fahren hinaus. Und wenn der Abend kommt, gehts wieder heim mit dem stolzen Gefühl, auch im Seebad gewesen zu sein. L. J. Humoristisches. Aus dem„Ulk“. Ein Liebes=Drama. (Vom Regisseur zusammengestrichen.) Er(stürmisch): Schatz! Schmatz! Sie(will fliehen): Sie? Nie! Er(ihr nach): Weib! Bleib! (Ihr ein Goldstück reichend): Nimm! Sie: Kimm! Vata, warum fährt denn een Aeroplan so ville schneller als een Automobil?— Schafskopp, der fährt doch in die Luftlinie! Bayrischer Wildschutz. Die bayrischen Granden sind empört, weil durch den Fremdenverkehr das Wild in seiner behaglichen Ruhe leicht aufgestört wird. Wie oft kommt es nicht vor, daß ein Tourist plötzlich niest oder hustet, so daß eine in der Nähe verdauende Wildsau zu Tode erschrocken zusammenfährt. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, darf von nun an in Bayern nicht mehr laut gesprochen werden. Alle Objeite, die ruhestörenden Lärm verursachen, sind völlig verboten, vor allem Eisenbahnen, Automobile, kleine Kinder und Gewitter. Wenn dann vollkommene Ruhe in Bayern herrscht, muß das Wild prächtig gedeihen. Zeitvertreib. Wie lebt denn eigentlich jetzt Ihre Großtante, die Witwe Kleeblatt?— Ach, sehr zurückgezogen. Das einzigste Vergnügen, das sie sich noch gönnt, ist hin und wieder eine Beerdigung. Finden Sie nicht auch? Der Baron hat Hände wie ein Mädchen!— Er soll ja auch früher Mädchenhändler gewesen sein! Aus der„Berl. Illustr. Zig.“ (Der kranke Arbeiter zu seiner Frau):„Un wenn ick jestorben bin, Mariechen, denn läßt Du mich sezieren.—„O Gott, das ist ja schrecklich! Warum willst Du das nur?“—„Weil ick wissen will, was mir jefehlt hat.“ „Jetzt habe ich ausgerechnei.... wenn ich noch weiter so abmagere, bin ich am 28. Januar verschwunden.“ „Ich kann mich also darauf verlassen, daß Sie mir den Hut zuschicken, und zwar mit drei Rechnungen: der wirklichen über 40 Mark für mich, einer über 20 Mark für meinen Mann und einer über 80 Mark, die ich meiner Freundin zeigen will.“ 0• 2 8 S S S 833 8 8 9x x5" „ 5STL a8 3397 bS SS. TSTS # 2-. 0 1 2. 19* 20 25 9 S S SSD —e# 0 3a 8..1 Ssc#g-Tossss S S##nPgE SSS“T ESES SS##POSDggs TOTSA FS —. —.— S AEEEE N NS N N M N 5 0 95 Die blasse Apellonia. Von Hermann Kurz. Die wandelnde Chronik, die iebendige Sage, die Hand in Hand mit mir an schönen Sonn= und Feiertagen spazieren ging, kurz und gut mein alter Buchdrucker hatte mich eines Abends an der Einfahrt seines Hofes erwartet, wohin ich in meinen Freistunden immer zuerst gesprungen kam und munter zuschreitend verließen wir miteinander die hohen Stadtmauern, in deren Umkreis schon die Nacht eingebrochen war und Lichter aus den Fenstern blinkten, während draußen vor dem Tor noch alle Vögel sangen und die Sonne, nach den westlichen Hügeln zu Golde gehend, mit sanft gebrochenen Strahlen durch das volle Laub der Bäume drang. Wir schlenderten zwischen Gärten, die von Stachelbeerhecken begrenzt waren, auf schmalem Pfade hin, bis wir einen freien Platz erreichten, der, öde und reichlich mit Unkraut überwuchert gegen das Flüßchen zu gelegen war. In der Mitte dieses Platzes erhob sich ein seltsames Ting. Es war ein runder Bau, eine Plattform, niedrig aus Steinen aufgeführt. Ich war nie zuvor hier gewesen, konnte mir auch nicht erklären, was diese Erscheinung bedeuten sollte, und die wilde Einsamkeit der brachliegenden, von des Menschen tätiger Hand gemiedenen Stätte flößte mir eine unheimliche Empfindung ein. Aber eine Knabenseele, die den Schulstaub hinter dem räucherigen Stadttore gelassen hat, ist nicht so leicht aus der Fassung zu bringen, und lachend sagte ich zu meinem Mentor:„Ich will Hans heißen, wenn das Ting da nicht aussieht wie ein steinerner Käselaib;“ eine Vergleichung, welche durch irgend einen Anblick am Fenster eines Kaufladens, wo wir vorübergekommen, geweckt worden sein mochte. „Ja, davon hat es auch den Namen,“ erwiderte er nickend, unterbrach sich aber in seiner Rede, da er mich plötzlich gleich einem Wilden stutzen sah und folgte mit den Augen meinem Blicke. Der war auf ein altes Weib gefallen, welches gebückt, wie eine kräutersuchende Zauberfrau, um das Gemäuer schlich, und eben jetzt in unseren Gesichtskreis gekommen war. „Treffen wir uns hier, Frau Nachbarin?“ rief ihr der Buchdrucker, gleichfalls ein wenig betroffen, entgegen.„Was machen Sie denn?“ „Ihr seht's ja, Erdbeeren such' ich,“ erwiderte sie und richtete sich empor, indem sie ein paar rote Beeren in ihre Schürze warf.„So ein altes Weib, das zum Schaffen nicht mehr brauchbar ist, muß doch sehen, wie es seine Zeit herumbringt. Und in dem Revier gibt's höllisch schöne; auch hat der Platz das Gute, daß mir die Buben nicht so ins Handwerk pfuschen.“ „Das glaub' ich,“ sagte der Buchdrucker;„aber Sie, scheuen Sie das Blut nicht?“ Die Alte lachte.„Bin nicht so dumm.“ Ich horchte hoch auf. Blut, das war mir ein besonders Wort, hinter diesen Reden mußte irgend ein Geheimnis sein. „Tas ist längst vertrocknet,“ fuhr die Alte fort.„Wie lang' ist's her, daß hier das letzte Blut geflossen ist? Ihr werdet etwa ein, zwei Jahre jünger sein als ich; nun rechnet einmal; sie war gerade in meinem Alter, und wenn sie noch lebte, so müßte sie gerade so ein altes, steifes Scheit Holz sein, wie ich; aber ich seh' sie noch so deutlich vor mir, als ob’s erst gestern gewesen wäre. Nun, Ihr wart ja auch dabei, werdet Euch an das blasse Appele noch wohl erinnern können.“ „Jawohl, die arme Apollonia! sie haftet fest in meinem Gedächtnis," versetzte der Buchdrucker, welcher sich seinen eigentümlichen hochdeutschen Stil gebildet hatte.„Sie besaß die feinste Gesichtsbildung, die man je bei einem fünfzehnjährigen Mädchen sehen konnte, und diese seltsame rührende Blässe— ich werde sie nie vergessen.“ „Ja, fünfzehn Jahr', Ihr habt recht, so alt war sie, und ihr Gesicht, ja, das war auch so. So viel ist gewiß, daß es ein Wunder bleibt, wie sie unter das grobe Bauernvolk hineingekommen ist, deren Gesichter wie mit der Holzhape geschnitzelt sind. Wie nur die dumme stille Gans so etwas tun konnte!“ „Was hat sie denn getan?“ rief ich „Ein Kind umgebracht!“. „Kindesmörderin mit fünfzehn Jahren! So jung und so schlecht!“ rief ich mit der ganzen Strenge eines unerfahrenen Richters aus. „Es war nicht ihr eigenes Kind,“ bemerkte der Buchdrucker mit seiner sanften Stimme,„und überhaupt liegt etwas Seltsames in der ganzen Begebenheit.“ Bei diesen Worten bereitete ich mich, eine Geschichte zu hören; denn die Art und Weise, wie der Buchdrucker seine Erzählungen einleitete, war mir wohl bekannt. Die alte Frau zog ihre Schürze höher, warf einen liebäugelnden Blick hinein und setzte sich am Fuße des Gemäuers auf etwas, das wie verfallene Stufen aussah. Ter Buchdrucker stützte sich auf einen Tornstecken, den er unterwegs geschnitten hatte, und begann:„Ta drüben, wo der grüne Kirchturm etwas über die Bäume ragt— das Torf war uns zuzeiten der Reichsstadt untertänig— da erwuchs das Mädchen, von dem die Rede ist, als das jüngste Kind armer Bauersleute, von den frühesten Jahren an das blasse Appele genannt. In diesen Familien pflegt man nicht viel Umstände miteinander zu machen, und so wuchs auch die Apolonia unter gleichgültig kühlen Umgebungen heran; doch hatte sich in dem Kinde früh ein eigener Geist entwickelt.“ Schluß folgt. * 8 Allerlei. — Wie soll das Fleisch geschnitten werden? Heutzutage, führt Dr. Schmidt=Harsefeld in den „Blättern für Volksgesenheitspflege“ aus, gilt ganz ollgemein die Vorschrift, daß der Schnitt in senkrechter Richtung zum Fasernverlauf des Fleisches geführt werden soll, es wird gegen den Strich geschnitten. Eine solche Schnittführung genügt aber nicht der Forderung, daß die Fleischscheiben möglichst saftig und rasch, also warm zur Verteilung kommen sollen. Denn wenn man sich beim Verschneiden auch noch so seyr bemüht, das Fleisch durch sägende Züge zu zerlegen und jeden Druck, welcher den Saft herauspreßt, möglichst zu vermeiden, so wird doch beim Schneiden gegen den Strich viel mehr Saft in der Bratenschüssel bleiben, als wenn das Messer dem Fasernverlauf folgt. In letzterem Falle ist das Schneiden mehr ein Abschälen, wobei viel weniger Saft verloren geht. Die Hauptsache ist, daß sich längsgeschnittenes Fleisch auf dem Teller des Speisenden viel leichter und sorgfältiger in kleine Würfel zerschneiden läßt, als quergeschnittenes, weil es dem Messer nicht so leicht ausweichen kann als letzteres. Es wird deshelb viel rascher und gründlicher von den Zähnen zerkaut werden können. Doktor Schmidt meint, daß es keinem Zweifel unterliege; daß die Vorschrift des Querschneidens aus der Zeit vor der Einführung von Messer und Gabel stamme. Als man gezwungen war, Messer und Gabel durch die Zunge zu ersetzen, mußte das Verschneiden des Fleisches gegen den Fasernverlauf gerichtet sein, weil die Arbeit der Schneidezähne teilweise durch ein Zerreißen der Fleischscheiben ergänzt werden mußte, das natürlich bei längsgeschnittenem Fleisch nur schwer und mangelhaft zu bewirken war. Durchgeschnittene Zitronen halten sich längere Zeit, wenn man dieselben mit der angeschnittenen Seite auf ein halb mit Essig angefülltes kleines Töpfchen legt. ** * „Hören Sie mal, Kellner, die Serviette ist aber schon unglaublich schmutzig.“„Merkwürdig, mein Herr. Bis jetzt hat sie ein Dutzend Gäste im Gebrauch, und keiner hat sich beklagt.““ „Hattest Du nicht, als Du Deine mehrjährige Weltreise antratest, eine Braut... ist sie Dir treu geblieben?“—„O ja, sofort wie ich eintraf, hat sie die Scheidung gegen ihren Mann eingereicht.“ Blätter für Unterhaltung und Der Kunstreiter. Erzählung von Friedrich G. (Nachdruck verboten.) Melanie saß am nächsten Tage allein mit Luise in ihrem Zimmer und arbeitete an einer Stickerei. Graf Selikoff hatte sie gerade verlassen, und ein prachtvolles Blumenbukett lag vor ihr auf ihrem Arbeitstische — aber ihr eigenes Antlitz paßte nicht zu den blühenden Rosen und Kamelien, mit denen es prangte. Sie sah bleich und angegriffen aus, und ein schmerzlicher Zug umzuckte den feingeschnittenen Mund. will ein Glas Wasser holen,“ sagte Luise aufstehend,„die Blumen welken sonst so schnell. „Ich danke Ihnen,“ erwiderte Melanie,„aber bitte, setzen Sie die Blumen in das andere Zimmer hinüber, ich habe Kopfschmerzen, und die Rosen duften mir zu stark.“ „Sie sehen heute leidend aus, Melanie,“ sagte Luise, zu ihr gehend und leise ihre Stirn küssend,„fehlt Ihnen etwas?“ „Nein, nicht das geringste weiter,“ lächelte das junge Mädchen,„ein rheumatischer Kopfschmerz jedenfalls; ich fürchte fast, daß ich mich gestern beim Nachhausekommen erkältet habe.“ „Sie waren auch so leicht angezogen.“ „Es wird vorübergehen— da kommt jemand.“ „Es ist Rosalie— sie wird mich zum Spazierengehen abholen wollen. Begleiten Sie uns vielleicht ein wenig?“ „Heute nicht— Ruhe wird mir besser sein. Was hast du, Rosalie? Du siehst ja so verdrießlich aus! Ist dir etwas geschehen?“ „Mir?“ sagte das junge Mädchen; indem sie zu der Schwester ins Zimmer trat und ans Fenster ging, „was soll mir geschehen sein? Ich ärgere mich nur über jemanden.“ „Ueber wen?— wer hat dir Ursache dazu gegeben?“ „Ueber wen?— über den Grafen Geyerstein— es ist recht häßlich von ihm!“ „Was, mein Herz!“ sagte Melanie und fühlte dabei, wie ihr das Blut zum Herzen zurückschoß. „Und hast du es denn auch vergessen?“ rief Rosalie erstaunt,„ist denn nicht heute mein Geburtstag, an dem er jedesmal morgens bei mir gewesen, und den er mit uns gefeiert hat, und habe ich ihn auch heute nur mit einem Auge zu sehen bekommen? Ja— vorbei geritten ist er vorhin— vor einer Viertelstunde; gerade wie des Grafen Selikoff Wagen vorgefahren war, aber ob er auch nur heraufgesehen und gegrüßt hätte— Gott bewahre IIchbin so ernstlich böse auf ihn, daß ich ihn recht tüchtig auszanken werde, wenn er das nächste Mal wieder zu uns kommt. Da ist Graf Selikoff viel freundlicher— wenn er nur das Zeichnen verstände!“ „Er wird heute Dienst gehabt haben; Rosalie,“ sagte *—** Melanie leise,„und da, weißt du wohl, kann er nicht abkommen, wenn er auch gern möchte.“ „Ach was,“ rief das junge Mädchen,„die ganze Woche, und die ganzen letzten vier Wochen hat er nicht in einem fort Dienst gehabt, und wenn er kommen wollte, hätte er gewiß schon einmal Zeit dazu gefunden — und heute hatte ich mich so darauf gefreut, denn meine große Schweizerlandschaft hat er noch nicht einmal gesehen. Was macht denn Graf Selikoff so lange bei der Mama drüben? Ich wollte eben hinüber und wurde nicht hineingelassen.“ „Ich weiß es nicht; er hat doch wohl etwas mit ihr zu besprechen.“ „Kommen Sie, Komtesse,“ sagte Luise, die recht gut fühlte, wie das Gespräch der Schwester peinlich wurde, „es wird sonst zu spät zu unserm Spaziergang heute.“ „Ich kann heute nicht gehen,“ rief Rosalie rasch, „Mama hat mir Besuch geladen— da fährt er fort,“ unterbrach sie sich selber.„Gott sei Tank! jetzt kann ich hinüber und Mama fragen, welches Kleid ich anziehen soll.“ Und mit den Worten huschte sie leicht und fröhlich aus der Tür hinaus, allen Aerger in dem einen Gedanken ihres Anzuges vergessend. „Fräulein von Zahbern läßt fragen, ob es der gnädigen Komtesse genehm wäre,“ meldete in dem Augenblicke die Kammerjungfer durch die halb geöffnete Tür. „Lieber Himmel,“ sagte Melanie erschreckt,„gerade heute!“ aber es blieb ihr nicht einmal Zeit, den Satz zu vollenden, denn Fräulein von Zahbern hüpfte auf Melanie zu, und sie umarmend und küssend, sagte sie lachend:„Ich konnte mir die Freude nicht versagen, unserer kleinen Rosalie zu ihrem Geburtstage zu gratulieren— und wo steckt denn der kleine, liebe, wilde Engel?“ „Rosalie, liebe Franziska, ist eben zu ihrer Mutter gegangen; sie wird aber jedenfalls bald zurückkehren. Bitte, nimm so lange Platz.“ „Du siehst auch heute wieder angegriffen aus,“ sagte Fräulein von Zahbern, indem sie der Gouvernante, ohne diese selbst nur eines Grußes zu würdigen, Mantel und Muff überließ, den Hut dann auf einen nahen Stuhl legte und sich die Locken vor dem Spiegel ordnete, „fehlt dir etwas, mein Herz?“ „Etwas Migräne, mein altes Leiden, vielleicht auch nur eine Erkältung, die ich mir gestern abend beim Nachhausegehen zugezogen.“ „Ach ja. Ihr hattet ja euer Kränzchen bei Schodens gestern. Nun, was macht unsere überschwengliche Euphrosyne? schmachtet sie noch?— Ich begreife wahrhaftig nicht, wie sie bei dem Vater auf diese Weise hat ausarten können. Sie webt und lebt und schwebt immer in einer höhern Welt, und kommt mit uns anderen armen K 895 58 s 5o 95 5 8 1 6 E.5 PE n 1 S.. *• G S ½ 9 S 55 S S 2 S S S•3•3 T □ S 1 28 .. S S Fg H S ∆ 0 ü E 1• g 1 6 *• S553—. S5E B—**—* ———** # 2— S 2 S S 1— 88.866 - S•281 □□6"* □ R 02. GÖENT S.E Bt. G 0 VSTE xESppS SSEu S 0 E-#b,"" EUnT A T U—— UNE SSSS5SE SaSras 262 Sterblichen eigentlich nur bei Kaffeegesellschaften zusammen— hahahaha!“ „Euphrosyne,“ sagte Melanie gutmütig,„ist ein sehr liebes, braves Mädchen, und wenn sie kleine Eigenheiten hat, dürfen wir die recht gern, ihrer anderen vortrefflichen Eigenschaften wegen übersehen oder müssen sic doch wenigstens milde beurteilen. Sie spricht zum Beispiel nie ein böses oder gehässiges Wort über einen anderen, hinter dessen Rücken, und das ist doch gewiß schon viel wert.“ „Weil sie unsere Schwächen nicht sieht,“ lachte Fräulein von Zahbern,„ihr Auge hängt ja immer an den Wolken und ihren Idealen. Bei Zühbigs hat sie neulich geschwärmt, daß mir Amelie versicherte, es sei gar nicht mehr zum Aushalten gewesen.— Apropos, Zühbig, der Intendant ist gestern von seiner nordischen Reise, wie er es nennt, zurückgekehrt und hat eine ganze Tasche voll Neuigkeiten mitgebracht.“ „Das läßt sich denken,“ lächelte Melanie,„und er ist jetzt gewiß recht in seinem Element.“ „Er hat auch eine Entdeckung gemacht.“ „Wirklich?— einen neuen Stern am Theaterhimmel entdeckt? Der wird nach ihm benannt werden müssen. Toch hoffentlich einen Planeten, den wir in dem Falle, auch einmal auf seiner Wanderung bewundern dürfen.“ „Nein, einen alten Stern,“ sagte Fräulein von Zahbern;„einen Stern, der nur eine Zeitlang vom Horizont verschwunden war— einen Stern erster Größe noch dazu. Die Frau des Georg Bertrand.“ „In der Tat?“ sagte Melanie ruhig,„aber ich glaube, die Entdeckung wird im öffentlichen Zirkus und mit Hilfe des Programms nicht so außerordentlich schwer gewesen sein.“ „Sie reitet ja nicht mehr schon seit sie von hier fort ist,“ rief Fräulein von Zahbern rasch,„hat sich auch in ihren Verhältnissen, ja selbst in ihrem Namen sehr gebessert und heißt jetzt Frau von Geyfeln.“ „Von Geyfeln?“ „Und selbst das ist noch nicht das Merkwürdigste,“ setzte das gnädigste Fräulein still vor sich hin lachend hinzu.„Tu rätst gewiß nicht, Melanie, auf wessen Gut sie sich befindet.“ „Wie soll ich das raten?“ sagte Melanie, die sich alle Gewalt antun mußte, ihre Fassung zu bewahren; sie schöpfte dabei tief Atem, denn es war, als ob eine eiserne Hand ihr die Brust zusammenschnüre,„Land und Leute dort sind mir vollkommen fremd.“ „Wer hätte das dem stillen Grafen zugetraut!“ fuhr Fräulein von Zahbern fort, und ihr Bick hing lauernd an den Zügen der Gepeinigten.„Amelie hat aber ganz recht: Stille Wasser sind tief, und die Ruhigen haben es oft faustdick hinter den Ohren.“ „Von welchem Grafen sprichst du?“ fragte Melanie. Sie wußte welcher Name folgen würde, aber sie hatte einen von der Freundin unbewachten Blick aufgefangen; sie fühlte, daß sie beobachtet wurde, welchen Eindruck die Nachricht auf sie mache, sie wußte, daß Franziska im Innern triumphieren würde, wenn sie sich schwach zeigte, und ihre ganze Kraft zusammenraffend, dem zu begegnen, sah sie ruhig in der Redenden Auge. „Von welchem Grafen?“ lächelte Fräulein von Zahbern, ihres Sieges jetzt gewiß,„von welchem könnt' ich reden als von unserem unvergleichlichen Ritter Bayard ohne Furcht und ohne Tadel, dem Grafen Geyerstein!“ „In der Tat?“ erwiderte Melanie, aber so ruhig als ob Fräulein von Zahbern ihr eben erzählt hätte, daß irgend eine Modehandlung in** einen neuen Kleiderschnitt erhalten hätte.„Hat sich Madame Bertrand von ihrem Gatten scheiden lassen? dann dürfen wir bald einer Verlobungsanzeige in den Zeitungen entgegensehen.“ „Aber du bist garnicht erstaunt darüber?“ rief Fräulein von Zahbern, die eine stärkere Wirkung erwartet hatte. „Und warum erstaunt? Graf Geyerstein ist sein eigener Herr und hat niemandem von uns Rechenschaft über seine Handlungen abzulegen. Wenn er mit seiner Familie wegen einer solchen Mesalliance übereinkommt, wen sonst dürfte und würde es kümmern?“ „Von einer Heirat ist vorderhand wohl noch keine Rede,“ rief die junge Tame, die ihr, wie sie beabsichtigt, das Gift tropsenweise zumaß,„denn der Graf hat den Herrn Bertrand ebenfalls mit dort hingenommen, und er wie seine Schöne sind angeblich die Pachtersleute auf dem Gute. Eigentlich ist es ein wunderliches Verhältnis, in dem sich die beiden Herren da einander gegenüberstehen; aber dort in der Wildujs kann man sich über manches hinwegsetzen, und Monsieur Bertrand wird wohl schon seinen Nutzen dabei finden.“ „Herr von Zühbig hat sich wohl sehr auf seiner Reise amüsiert?“ „Außerordentlich, und eine Menge Fährlichkeiten dabei erlebt. Einmal brach ihm ein Rad, gerade in der Nähe des Baron Geyfeln, wie Monsieur Bertrand ja jetzt, ich weiß nicht, von wem geadelt, heißt, und er übernachtete dort. Uebrigens hat er mich gebeten, keinen Gebrauch davon zu machen Baron Geyfeln hat ihn selber darum ersucht, hier in*** nichts davon zu erwähnen, daß er ihn gefunden hätte.— Toch Rosalie bleibt lange. Ist sie noch immer bei der Mama drüben.“ „Wahrscheinlich— sie wird, später herüberkommen, um sich ankleiden zu lassen.“ „Tann werde ich doch lieber einmal zur Mama hinüber springen und auch gleich der lieben Exzellenz meinen Glückwunsch zu dem heutigen Tage bringen. Sie ist doch wohl?“ „Ganz wohl.“ „Und was stickst du da schönes?— das ist ja ganz prachtvoll, ein reizendes Muster. Was wird denn das?“ „Eine Zigarrentasche.“ „Also nicht für den Papa, denn er raucht nicht.“ „Nein.“ „Aha— ein Geheimnis— nun auf Wiedersehen, mein süßes Herz— auf Wiedersehen, ich habe dich lange genug gestört.“ Und ihre vorhin abgelegten Garderobestücke mit Hilfe Luisens, die ein stummer, aber erregter Zuhörer des ganzen Gespräches gewesen war, wieder anlegend, rauschte Fräulein Franziska aus dem Zimmer, in dem sie bitteres Weh, weit ärger, als sie wohl je geahnt, ausgesäet hatte. Melanie war schweigend aufgestanden, sie bis zur Tür zu begleiten— ihr Kuß brannte noch auf ihren Lippen, und eben so still wollte sie wieder zurück zu ihrem Stuhle gehen, als ihr Blick auf das mitleidsvolle, teilnehmende und für sie ängstlich besorgte Gesicht Luisens fiel. „Meine liebe, liebe Melanie,“ flüsterte die Gouvernante,„glauben Sie um Gottes willen nicht, was das Fräulein Ihnen erzählt hat. Fräulein von Zahbern ist nicht wählerisch in ihren Neuigkeiten, und der Stadtklatsch zieht alles in den Staub, was er erreichen kann.“ Melanie streckte die Hand aus, als ob sie ihr etwas erwidern wollte— aber sie vermochte es nicht. Bis hierher hatte ihre Kraft gereicht, und die Arme um den Nacken des treuen Mädchens schlingend, barg sie das Antlitz an ihrer Schulter und weinte still. Luise störte sie auch nicht darin; sie wußte aus Erfahrung, daß Tränen den wildesten Schmerz lindern, lösen können, und ließ sie sich ruhig ausweinen. Tann aber, als Melanie ihren Platz am Stickrahmen wieder eingenommen hatte und nur noch den Kopf in die Hand gestützt nach den ziehenden Wolken am Himmel hinaufschaute, sagte sie freundlich:„Es ist nicht wahr. Ich habe die feste, innige — 3 —0. 23 23 3 2• 2• Ueberzeugung: es ist nicht wahr. Was Herr von Zühbig — sollte die Kunde wirklich von ihm ausgehen— veranlaßt haben kann, ein solches Gerücht auszusprengen, weiß ich nicht, daß aber Graf Geyerstein sich mit dieser Frau so weit einlassen sollte, in ein solches, ihrem Manne gegenüber entwürdigendes Verhältnis zu treten, das glaube ich nicht, und wenn“— Luise mochte selber über das Feuer erschrecken, mit dem sie den Grafen verteidigte, denn ruhiger setzte sie plötzlich hinzu— „wenn selbst ein anderer Mund es bestätigte, als der des Fräuleins von Zahbern.“ „Toch, Luise,— doch— es ist wahr,“ flüsterte leise Melanie,„jedes Wort, das sie gesagt, ist wahr, so oft sie sonst auch übertreiben mag. Eine einzelne Lüge läßt sich erfinden und verbreiten, nicht aber ein ganzes Gewebe von Tatsachen, und daß— Graf Geyerstein jene Frau liebt— des bin ich selber Zeuge.“ „Sie selber?“ „Ja.— fragen Sie mich nicht weiter, Luise, aber — ich habe die Beweise, und was mich am meisten schmerzt, ist nur, daß ich noch schwach genug gewesen bin das so zu fühlen und— wie ich fast fürchte— der Zahbern verraten zu haben. Jetzt ist das vorbci; ich habe mich selbst wieder, und wenn mein Herz noch lörichterweise an jenem Manne hing, dem es sich in erster Neigung zugewandt, so ist das jetzt vorbei— vorbei für immer. Ihnen, Luise, konnte ich das sagen; ich weiß, wie lieb Sie mich haben, wie gut und treu Sie sind, und daß ich Ihnen vertrauen darf, wie einer Schwester. Ihnen war ja auch meine unglückselige Neigung kein Geheimnis, aber jetzt lassen Sie es abgetan— geschlossen sein zwischen uns.— Eine flüchtige Leidenschaft für jene schöne, verlockende Frau hätte ich ihm vielleicht verzeihen können— ein Verhältnis aber ihrem Gatten gegenüber, in das kein Ehrenmann treten würde, mag ihm Gott vergeben, ich kann es nicht Wenn von jetzt an der Name des Grafen von Geyerstein noch zwischen uns genannt wird, so sei es als der eines fremden— gleichgültigen Menschen.“ Wie der Großvater die Grotzmutter nahm. Von Hermann Kurz. (Schluß.) „Geht zu Eurer Tochter, lieber Herr," versetzte ich,„und sagt ihr, sie habe nicht wohl an mir getan, aber ich trage keinen Groll gegen sie und sei nicht imstande, sie zu beschimpfen.“ „Bomben und Granaten!“ schrie er,„Ihr müßt, Ihr mögt imstande sein oder nicht, und wenn Ihr nicht wollt, so habt Ihr's mit mir zu tun.“ „Eine Exekution in der Kirche!“ sagte ich.„Tas geht ja garnicht an.“ „Wird schon gehen; wenn's morgen angeht! Wir sind reichsfrei und haben unser eigenes Konsistorium; wer fragt viel nach uns? Soviel Macht haben wir schon, um eine widerspenstige Dirne gehörig zu züchtigen!“ Nun trat mein Vater hervor, in dem sich etwas vom alten Pugio regte.„Herr Toktor,“ sagte er,„es tut mir leid um Ihre Tochter, aber ich muß Ihren Antrag annehmen, denn der Unglimpf wäre in der Tat gar zu groß, wenn er nicht in etwas vergolten und verteilt würde. Wie gesagt, es tut mir leid und es sollte mir lieb sein, wenn sich ein anderer Ausweg finden könnte.“ „Das heißt gesprochen wie ein Ehrenmann,“ sagte Herr Toktor Rieber,„aber einen anderen Ausweg gibt es nicht; und somit bleibt's bei der Verabredung.“ Er ging, nachdem alles besprochen und festgesetzt worden war. Mich fragte man garnicht weiter bei der Sache, man betrachtete mich eben als den, der den Schimpf der Familie rächen müsse. Nur meine Mutter war teilnehmend gegen mich und stimmte mir bei, daß hier aus Uebel nur Aerger gemacht werde.„Es ist jammerschade um das Mädchen,“ sagte sie. „Ich will ihr gewiß nicht das Wort reden, aber die Bräute sind nicht immer ganz zurechnungsfähig. Tas ist ein Stand, in dem nicht jede gleich daheim ist, und wer vollends in so kurzer Zeit, wie sie, mit einem Sprung in ein völlig neues Leben hinein soll, so verliert man leicht den Kopf und dann kann der Gescheiteste oft die dümmsten Streiche machen. Ich glaube fest, daß sie den ihrigen bitter bereut und nicht bloß wegen ihrer Folgen; denn ihre Eifersucht beweist, daß du ihr doch nicht gleichgültig warst. Toch vielleicht besinnen sich die Väter bis morgen auf etwas besseres.“ Aber dem war nicht so. Die Mutter versuchte umsonst den Vater anders zu stimmen, er drohte mir mit seinem höchsten Zorn, wenn ich nicht gehorchen würde. Ein Angriff auf Herrn Toktor Rieber war ebenfalls rergeblich, er blieb riel zu sehr auf seiner Ehre, wie er's hieß, versessen, als daß er nachgegeben hätte.„Gib dich in Gottes Namen drein, es ist nicht zu ändern,“ sagte meine Mutter endlich, und ich ging zur festgesetzten Zeit in die Kirche. Eine große Menschenmenge hatte sich eingefunden, denn Herr Toktor Rieber gedachte, wie er sich ausdrückte, nicht ein bloßes Manöver, sondern eine Hauptaktion zu liefern, öffentlich, wie der Frevel gewesen sei, sagte er, müsse auch die Buße sein. Die Meinigen begleiteten mich in die Kirche. Salome wurde mir erst dort von ihrem Vater zugeführt. Sie sah blaß wie der Tod und verweint aus und wagte nicht, die Augen gegen mich aufzuschlagen, aber doch glaubte ich in ihrem Gesicht etwas anderes als bloße Temütigung zu lesen. Der Geistliche trat wieder an den Altar; alles war neugierig und mäuschenstill. Er hatte kein Buch mitgenommen, um die Trauungsformel zu lesen, sondern sagte nur:„Es sind hier zwei Brautleute erschienen, um vor Gott und dieser christlichen Gemeinde ihren Willen und Meinung gegeneinander auszusprechen.“ Tarauf winkte er uns zu sich und fragte Salome zuerst, ob sie mich zum Manne haben wolle. Ich mußte meine Leidensgefährtin heimlich anblicken; sic sprach das Ja mit demütiger Ergebung aus, weder zu laut noch zu leise. Ta überkam mich ein unaussprechliches Erbarmen mit uns beiden, und als der Geistliche mich anredete und fragte, ob ich sie zum Weibe haben wolle, sprach ich mit fester Stimme ein getrostes Ja. Dieses Ja ging wie ein clektrischer Schlag durch die Kirche, denn ich hörte hinter mir eine Bewegung— wenn man von einem stillen Windstoß reden könnte, so wäre der Ruck bezeichnet, der die Versammlung durchlief. Aber ich hatte für niemand Augen als für meine Braut. Sie war wie vom Tonner gerührt und wäre niedergesunken, wenn ich nicht den Arm um sie gelegt hätte. Nun sah ich sie erst recht an, und auch sie schlug die Augen gegen mich auf; aber ich könnte nicht sagen, daß ich in ihren Blicken etwas von einem Vorwurf gefunden hätte. Ich bot ihr, als sie sich wieder gefaßt hatte, die Hand, sie schlug willig ein, und nun sagte ich leise:„Halte fest an mir, ich werde dich nimmermehr verlassen.“ Ter Herr Hauptprediger war über meine unerwartete Antwort einen Augenblick betroffen gewesen, aber jetzt erhob er beide Hände und rief:„Gott segne dich, junger Mann; du hast das beste Teil erwählet.“ Darauf segnete er uns ein. Soll ich noch weitläufig erzählen, wie es weiterging? Unsere Verbindung war nun einmal fest geschlossen und nicht mehr rückgängig zu machen. Mein Vater wollte sich anfangs nicht recht dareinfinden, wich aber doch endlich dem Zureden meiner Mutter. Diese war von ganzem Herzen vergnügt. Sie küßte meine Braut und sagte lachend:„Gestern glaubte ich noch, ich könnte dir nicht verzeihen, heute aber soll dir verziehen sein, weil ich nun doch meine Hochzeitkuchen nicht umsonst gebacken habe.“ Wer zuletzt einwilligte, war der Herr Toktor Rieber. Er schalt mich einen Hasenfuß, sagte; ich habe mit seiner Ehre Komödie getrieben und dergleichen mehr, aber zuletzt ließ er sich doch besänftigen und war im stillen froh, daß es mit seinem einzigen Kinde noch so gut abgelaufen war. Salome hat mir nachher gestanden, sie hätte sich schier die Zunge abgebissen über ihr Nein, aber sie sei wie im Fieber gewesen, und hat mir mein Ja durch Liebe und Treue vergolten ihr ganzes Leben lang. 20•