Erscheint täglich bit Ausnahme der Soun= und gesetzl. Feiertage. Abonnementspreis krei ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage und dem 8seitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pfg. pro Monat, durch die Post bezogen für 3 Monate 1.50 Mk. Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inscrate verantwortlich: Viktor Schanzer, Dortmund. verbunden Lokal-Anzeiger für und der täglichen Unterhaltungsbeilage inn dem Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raur25 Dortmund u. Hörde sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Pe Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Pfg. Beilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt dinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an destimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann, Dortmund. Nr. 166. Dortmund, Dienstag, den 19. Juli 1910. 27. Jahrg. Erstes Blatt. Die Wahlprüfungen im Reichstage. Oberlandesgerichtsrat Dr. Nöldecke=Hamburg schreibt im„Hamburger Fremdenblatt“: Die Wahlprüfungen bilden für den Reichstag einen recht wunden Punkt. Schon des längeren muß man sich hierüber wundern, daß die Prüfung einer Anzahl bestrittener Mandate so langsam vor sich geht, daß es den Inhabern von Mandaten, die entschieden kassiert zu werden verdienten, wiederholt möglich gewesen, ist, das an sich ungültige Mandat jahrelang, ja, bis zum Schlusse der Legislaturperiode, auszuüben. Wie oft mag gerade durch die Stimmen solcher Abgeordneten eine Entscheidung maßgebend beeinflußt worden sein. Man hat, um diesen offenkundigen Mißstand abzuhelfen, vorgeschlagen, daß der Reichstag, statt einer, zwei Wahlprüfungskommissionen einsetzen, und daß diesen die Befugnis eingeräumt werden möge, selbst die erforderlichen Erhebungen anzustellen. Der Reichstag hat diese Vorschläge nicht aufgenommen, ja, er hat es überhaupt nicht für erforderlich gehalten, in die Prüfung der Frage einzutreten, wie die Wahlprüfungen auf eine bessere Grundlage gestellt werden könnten. Im Gegenteil hat er in einer seiner letzten Sitzungen vor der diesjährigen Vertagung ein Verfahren eingeschlagen, das zu dem Schlusse führen muß, daß der gegenwärtigen Mehrheit des Reichstages um eine ernste, sachgemäße Prüfung der erhobenen Wahlproteste garnicht zu tun ist. Entgegen allen Grundsätzen, die der Reichstag bisher in langjähriger Praxis über die Gültigkeit und Ungültigkeit von Mandaten aufgestellt hat, und entgegen den Beschlüssen der Wahlprüfungskommission hat der Reichstag eine ganze Reihe angefochtener Mandate für gültig erklärt. Man erzählt sich, daß die maßgebenden Parteien darin übereingekommen waren, daß man angesichts des noch ausstehenden kleinen Restes der Legislaturperiode die Kosten der Ersatzwahlen den Parteien ersparen wollte An sich ist das ja ganz verständlich, wenn man diese, gewiß sehr bedeutenden Kosten sparen will, aber das darf doch unter keinen Umständen dazu führen, einen Abgeordneten, der auf Grund eines an sich nichtigen Mandats schon fast 4 Jahre an den Beratungen und Entscheidungen teilgenommen hat, noch ein weiteres Jahr dazu zuzulassen. Dieses Verhalten des Plenums des Reichstages hat denn auch innerhalb der Wahlprüfungskommission berechtigte Erregung hervorgerufen, und den Antrag veranlaßt, daß die Kommission ihre Arbeit für erledigt betrachten möge. Dieser Antrag ist zwar nicht sofort angenommen worden, aber die Kommission hat doch beschlossen, vorläufig ihre Arbeit ruhen zu lassen. Nach diesen Vorgängen dürften wir an dem Punkt angelangt sein, an dem zu prüfen ist, ob das ganze Wahlprüfungsverfahren nicht einer gründlichen Reform bedarf. Es fragt sich: Empfiehlt es sich überhaupt, dem Reichstage das Recht die Mandate seiner Mitglieder zu prüfen, zu belassen, oder soll man diese Aufgabe einer anderen, außerhalb des Reichstages liegenden Behörde überlassen? Es ist nicht zu leugnen, daß das Recht der eigenen Prüfung der Legitimation der Mitglieder früher als ein natürlicher Ausfluß des konstitutionellen Systems angesehen würde. Nur auf diese Weise glaubte man eine Unabhängigkeit der Ausübung der Wahl in vollstem Maße garantieren zu können. So ist denn auch geradezu als selstverständlich die Bestimmung des Artikels 27 der Reichsverfassung angenommen worden, nach der der Reichstag die Legislaturperiode seiner Mitglieder prüft und darüber entscheidet. Aber in neuerer Zeit sind doch gewichtige Bedenken gegen diese Art der Regelung erhoben worden, besonders, nachdem schon vor Jahrzeynten in dem Musterlande des Parlamentarismus, in England, dazu übergegangen, worden ist, die Wahlprüfungen einer richterlichen Instanz zu übertragen. Auch in England hatte man mit der parlamentarischen Wahlprüfung schlechte Erfahrungen gemacht.. Allmählich ist man auch in anderen Ländern zur richterlichen Wahlprüfung übergegangen. Auch in Frankreich unterliegt zwar nicht die Prüfung der Mandate der Abgeordneten zur Kammer, wohl aber diejenige der Mitglieder der Selbstverwaltungskörper einer richterlichen Prüfung. Infolgedessen liegt auch die Entscheidung über die Gültigkeit der Mandate zum elsaß=lothringischen Landesausschuß nicht in den Händen dieser Versammlung, sondern in denjenigen der verschiedenen verwaltungsgerichtlichen Instanzen. Daß die Prüfung der Wahlen an sich keine politische, sondern eine richterliche Aufgabe ist, wird von keiner Seite bestritten. Ist dies aber der Fall, so erscheint das Parlament als solches wenig geeignet, ein unparteiisches Urteil zu fällen. Denn das Parlament besteht aus allen Parteien und diese haben ein lebhaftes eigenes Interesse daran, daß ein Mandat für gültig oder für ungültig erklärt wird. Die eine Partei muß ihren Besitzstand verteidigen, die andere kann im Falle der Kassierung des Mandates hoffen, dasselbe für sich zu erobern. Solche Erwägungen müssen zum mindesten instinktiv die Entscheidung beeinflussen, daß sie es tun, lehren zahlreiche Fälle aus der Geschichte unseres und anderer Parlamente. Deshalb scheint es im Interesse einer unparteiischen Prüfung der Wahlproteste sicherlich richtiger, die Entscheidung einer ganz unparteiischen Instanz zu übertragen. Besäßen wir einen Verwaltungsgerichtshof für das Deutsche Reich, so würde das die Instanz sein. die sich mit dieser Aufgabe zu befassen hätte. Da wir einen solchen Gerichtshof nicht haben und in absehbarer Zeit auch nicht erhalten dürften, so wird man sich anderweitig helfen müssen, Einen partikularrechtlichen Verwaltungsgerichtshof z. B. den preußischen, damit zu betrauen, wird nicht angehen.. Denn ein solcher Gerichtshof gewinnt immerhin einen gewissen Einfluß, auf die Handhabung der Verwaltung in Bezug auf Wahlfragen, und die einzelnen Bundesstaaten werden sich einen solchen Einfluß ja überhaupt irgend eine Kritik ihrer Verwaltung durch die Behörde eines anderen Bundesstaaten nicht wohl gefallen lassen können. Ebenso wenig wird es angehen, die Mandate von den verschiedenen Verwaltungsgerichten der einzelnen Staaten prüfen zu lassen. Ganz abgesehen davon, daß es in verschiedenen Staaten überhaupt an besonderen Verwaltungsgerichten fehlt, z. B. auch in Hamburg, würde eine solche Zersplittereung dem Reichsgedanken zuwiderlaufen. Es bliebe also nicht anderes übrig, als einen besonderen Gerichtshof für diesen Zweck zu bestellen. Mit Recht wird der Reichstag die Forderung aufstellen, daß ihm die Wahl der Mitglieder des Gerichtshofes überlassen werde. Im Interesse einer sachgemäßen Zusammensetzung des Gerichtshoses würde es aber liegen, wenn man den höchsten Verwaltungsgerichten, wo solche nicht vorhanden sind, den höchsten ordentlichen Gerichten der einzelnen Staaten und auch dem Reichsgericht ein gewisses Vorschlagsrecht einräumte. Auf diese Weise dürften wir jedenfalls zu einer gerechteren Prüfung der Wahlproteste kommen, als sie jetzt geübt wird. Deutsches Reich. Die Stellung der badischen Sozialdemokraten zum Budget. Der„Volksfreund kündet an, er werde morgen den Beweis führen, daß der vom„Vorwärts“ vertretene Standpunkt gegen die Budgetbewilligung der badischen Sozialdemokraten absolut unhaltbar sei und daß bezüglich der Frage, was für die badischen Sozialdemokraten gegenüber ihrer Haltung in der Landespolitik von Ausschlag sein müsse, vernünftigerweise nur der badische Parteitag endgültige Entscheidungen treffen könne, denn nur die badischen Genossen seien in der Lage, alle Gründe recht zu würdigen, die diee Fraktion zu ihrem Entschlusse bewogen hat. Es sei keinen Augenblick daran zu zweifeln, daß der„Vorwärts“ nur die badischen Arbeiter in der sozialdemokratischen Landespolitik verwirren müsse, und daß er die Stellung der badischen Genossen durchaus falsch beurteilt habe. Revirement im Eisenbahnministerium. Der Unterstaatssekretär im Ministerium der öffentlichen Arbeiten Wirkl. Geheimrat Fleck, der in den Sechzigern steht, denkt an seinen Rücktritt.. An seine Stelle wird, so verlautet, Ministerialdir ktor Offinberg berufen werden. An der Bahre der Rönsain Tuise. Neustrelitz, 18. Juli. Am Sterbebett der Königin Luise in Hohenzieritz fand am gestrigen Nachmittag, wie die„Landeszeitung“ meldet zur 100.. WieAus eigener Kraft. Roman von Nora Denkes. 6 Nach ihrem Ableben versah natürlich Ottilie die kleine Wirtschaft des Vaters und gleichzeitig den Hausstand des Bruders, der seine ärztliche Praxis in dem Andersschen Hause eröffnete, wobis dahin ein sehr gesuchter Regimentsarzt gewohnt hatte. Nun konnte der getreue Sohn wenigstens die Zinsen des tief verschuldeten Vaters abzahlen. Eine reiche Heirat sollte schließlich die Schuldenlast von dem Häuschen heben, das dann natürlich der opferwilligen Schwester verblieb, der doch ein Zehrpfennig daraus erwuchs. Es sollte anders kommen. Als behandelnder Arzt in das vornehme Haus des pensionierten Finanzdirektors Röber gerufen, verliebte er sich sterblich in die schöne, einzige Tochter Mathilde. Vermögen war keines vorhanden, eher noch einige Schulden in verschiedenen Geschästen, die der Schwiegersohn nach dem wenige später erfolgten Ableben des Finanzdirektors zahlen mußte. Unter so ungünstigen materiellen Bedingungen legte Martin Klinger den Grundstein zu seiner Ehe, die ihn allerdings mitten in den Schoß des Lurus bettete, denn das überaus vornehme Mobiliar des Römerschen Hauses ging ungeteilt in den Besitz Mathildes über, die ihren eigenen Haushalt genau in demselben Stil einrichtete, wie sie es bei dem Vater gewöhnt war. Ottilies Hoffnung, daß Martin die auf dem Vaterhaus latt#de Schuld tilgen und sie selbst, nach den langen Jahren der Entbehrung, auch ein sorgenloses Leben führen werde, schwand mehr und mehr. Und damit zog die Verbitterung in das trotz geistiger Beschränktheit warmfühlende Herz des alternden Mädschens ein. Ihre Abneigung aber richtete sich naturgemäß gegen die vornehme Schwägerin, mit der sie wie Feuer Wasser zusammenpaßte.. Was halfs, daß nach dem Tode des Vaters Martin ledem Anspruch auf dessen Nachlaß entsagte? Die Schulden waren so hoch, daß die Vernunft eigentlich den Verkauf des Hauses gebot. Ottilie aber hing mit so zäher Liebe an dem Erbe, daß sich mit dem Opfer des Hauses sicher a#ch ihr Leben, das mit dieser Stätte verwachsen war, verblutet hätte. So richtete sie die beiden Stuben mit ihren besten Sachen ein. Auch Schwägerin Mathilde gab willig her, was für ihre stilvoll eingerichtete Wohnung nicht paßte, für Ottilies Herrenzimmer aber noch prachtvoll erschien. Die Erbin selbst nistete sich in der kleinen Küche ein und bestritt ihren Lebensunterhalt von einfacher Weißnäherei und dem Ertrag ihres Hausgärtchens. Der Monatszins der Herrenstuben wurde ausschließlich zur Tilgung der Schulden verwendet. Nach einer Reihe von Jahren, in dieser drückenden Art verlebt, brachte das gütige Geschick Fräulein Klinger das Glück in Gestalt eines verwachsenen Steuereinnehmers ins Haus. Dieser Mieter, ein bis an die Grenze des Geizes sparsamer alter Herr, der etliche Tausende in der Sparkasse hatte, fand Gefallen an der praktischen achtundvierzigjährigen Hausbesitzerin. Die beiden Herzen fanden sich in Liebe. Die Schulden wurden getilgt, und Tilitante ward plötzlich die Gemahlin eines wohlbestallten Beamten. War das ein Triumph für ihre von kleinlichen Widerwärtigkeiten des Alltages verbitterte Seele. Sie stand nun gesellschaftlich auf gleicher Stufe mit ihrer überaus standesstolzen Frau Schwägerin. Alles an ihr blähte sich, was nur irgend diesem Gesetz zu folgen vermochte. Von den graumelierten Haarpuffen angefangen, bis hinab zu den Bandrosetten an den Brautschuhen aus Handschuhleder, plusterte jeder Gegenstand an der plötzlich in Toilette aussteigenden Frau Steuereinnehmer Römer. Die eine der Vorderstuben wurde zum„Salon" erhoben, die andere allerdings weiter vermietet, da Frau Ottilie sich dem Sparsystem ihres Eheherrn verständnisvoll anschloß und den Pfennig lange besah, den sie unnötigerweise ausgeben sollte.. und dann wieder einsteckte. Nur ihr Aeußeres erfuhr, wie gesagt, eine standes“ gemäße Umwandlung, was ja ganz natürlich war, da der liebe Römer auch stets adrett gekleidet und wohlgebürstet und gebügelt einherging. Aus der Küche unseres herbstlich angehauchten Liebespaares waren zwar alle überflüssigen Leckerbissen und magenverderbende Süßigkeiten verbannt aber ein saftig Stück Fleisch und eine kräftige Suppe dampfte täglich auf Römers Tisch, und da polsterten sich allmählich die mageren Hüften und der liebliche Busen Frau Ottilies aus, die Wangen folgten wohlgemut dem guten Beispiel und so wurde aus der knochigen alten Jungfer die schwellende Tillitante, die wir zuerst am Krankenbett ihres trotz aller Differenzen so heißgeliebten Bruders antreffen. Unermüdlich wickelte sie nach Anordnung des Arztes ihren Kranken in nasse Leintücher und versieht ihn mit Arzuet. Leuchen hat sich ihren Stuhl dicht an den der Tante gesetzt, da sich ihr verängstigtes Herz neben der stattlichen Vatersschwester doch sicherer und beruhigter fühlt. Allerdings, wenn sie dann die Blicke auf den kranken Papa fallen läßt, dessen Augen so unheimlich eingefallen sind, während die mageren Wangen von Fieberröte erglühen, da ergreift die Arme ein Weh zum Ersticken, das die oft besser gemeinten als gewählten Trostworte der Tillitante nicht zu lindern vermögen. Ein herrlicher Frühlingsmorgen folgt auf die lange, bange Nacht. Leuchen, die nach zwölf Uhr ein wenig geschlafen hatte, war nachher in Frau Mathildes Zimmer gegangen, wo sie wohl eine Stunde auf Mamas Bett, sich mit dieser umschlungen haltend, gelegen und mit dieser zusammen geweint haben. Wie fühlen sie sich verlassen ohne das ermutigende Wort des Vaters. Lenchen hat ihrer Mutter auch erzählt, wie sorgsam Tillitante während der Nacht den Kranken gehütet hat. Gegenwärtig weilt die treue Marie an dem Bett, da die Tante nach Hause geeilt ist, um dem lieben Gatten die allmorgendlichen Handreichungen zu leisten und das Frühstück zu bereiten. „Ach, nur ich Unglückliche kann nicht immer um ihm sein, denn mein armer Kopf schmerzt zum Zerfliegen!" jammert die schwache Frau, die wie zerschlagen in ihrem mit dem feinsten Spitzen reichverziertem Bettzeug liegt und hilflos auf ihr Kind blickt, das ihr die weichen Haare aus der Stirn streicht, sie trösten möchte und doch selbst so des Trostes bedürftig ist. Laugsam schreitet Leuchen dann über den Hof nach Vaters Räumen. Wie war sie doch gestern Morgen so ein glücklicher Mensch, denkt sie, indem sich das Licht des eben aufgehenden Tagesgestirns über ihre junge, liebliche Gestalt ergießt,„so glücklich, daß ich Marie auszankte, weil sie mich nicht mit den Spatzen zugleich geweckt batte. Ach derkehr des Todestages eine ergreifende Feier statt, der Tausende beiwohnten. Der Großherzog von Meck. lenburg=Strelitz, ein Großneffe der Königin, die Großherzogin, und der Erbgroßherzog waren zugegen. Ferner nahmen teil, das Staatsministerium, die Spitzer der Behörden, die Geistlichkeit, der Magistrat, der Senat, Schulen, Vereine und Korporationen, aus Mecklenburg=Strelitz und den benachbarten preußischen Gebieten. Nach einem Liede der Vereinigten Neustrelitzer Gesangvereine hielt der Landespräsident und Hospre diger Horn eine zu Herzen gehende Gedächtnisrede. Im Sterbezimmer der Königin, das in eine Gedächtnishalle umgewandet ist, wurden hierauf zahlreiche Kränze niedergelegt, darunter auch vom Großherzogpaare Dann besuchte das Publikum das Schloß, worin sich viele Erinnerungen an die Königin zeigen.. In allen Kirchen des Landes fanden Gedächtnisgottesdiinste statt.. Oesterreich= Ungarn. Prag, 19. Juli. Die tschechischen Sozialisten planen die Gründung einer sozialistischen Bank mit einem Aktienkapital von zwei Millionen Kronen. Die Ban' soll produktive und genossenschaf liche Part i.inanzierungen unterstützen. Frankreich. Paris, 18. Juli. Präsident Fallieres empfing heute im Elysee die englische Mission unter Führun, des Herzogs von Northampton, welche der französische Regierung die offizielle Meldung von zer Thronbesteigung König Georgs überbrachten. Heute abend find:t zu Ehren der englischen Mission ein Galadiner im Elnsee statt. England. London, 17. Juli. Der englische Fischerdampser „Onwardaho“ ist im weißen Meer von einem russischen Kanonenboot aufgebracht worden, da er wie die russischen Offiziere behaupten, in einer Entfernung von drei Meilen von der Küste gefischt habe. Von englischer Seite wird indessen erklärt, daß der Dampfer in dem Augenblick der Beschlagnahme 7 Meilen vom Lande entfernt gewesen sei. Die Russen verhafteten den englischen Kapitän, der mit wenig Courteisie an Bord des Kanonenbootes geschleppt wurde. Auf den. englischen Dampfer schiffte sich ein, bis an die Zähne bewaffneter Teil der Besatzung des russischen Kriegsschiffes unter Führung von Offizieren ein, die den Dampfer nach Archangel brachten. Die Nachricht hat in Hull, dem Heimatshafen der„Onwardho“ große Entrüstung erregt, da noch 80 andere englische Dampfer jenen Gewässern fischen, die der gleichen Gefahr ausgesetzt sind. Die Vertreter Hulls im Parlament Sir Seymour King und der Honorable Guy Wilson, suchten sofort Sir Edward Grey auf, der an den britischen Konsul in Archangel und an den Botschafter in Petersburg telegraphierte. King und Wilson haben bereits angekündigt, daß sie den Staatssekrétär des NeuGott, jetzt höre ich sie zwitschern und jubeln, und auch die Akazien duften so herrlich, und die Rosen.. alles ist so schön, so schön. Aber was frage ich danach und auch nach allem andern, was mich sonst gefreut hat? Alles, alles ist mir so gleichgültig, nur mein lieber Papa.“ Und indem das Wehgefühl heiße Tränen aus ihren Augen preßt:„Ach, wenn ich doch wenigstens nicht so allein wäre.“ Und wie sie, ein wenig ruhiger geworden, mit trüben Augen umherblickt und die Erscheinungen des frühen Morgens in sich aufnimmt, die ihr eigentlich fast unbekannt sind, da durchzuckt sie plötzlich der Gedanke:„Wer weiß, ob Du von nun an nicht immer so früh aufstehen mußt!“ Und in ihrem Innern erschauernd, flüchtet sie sich vor ihren unklaren Vorstellungen an das Bett des lieben, kranken Vaters. Auch Doktor Buntrock hat die Sorge um den Freund früh aus dem Bett getrieben. „Schönen guten Morgen, liebes kleines Fräulein,“ begrüßt er das leise eintretende Lenchen mit gedämpfter Stimme. Dann untersucht er das Thermometer uno.. schweigt. Des Mädchens Augen hängen angst= und tränenvoll an seinem Gesicht, das sich offenbar bemüht, heiterer auszusehen als ihm zu Mute ist. „Nun, nun! Eine Lungenentzündung geht natürlich nicht in vierundzwanzig Stunden vorüber. Und dazu noch eine ganz tüchtige wie diese da. Aber der Verlauf ist ein normaler. Also gar nicht kopfhängerisch, liebes Kind, wir werdens schon machen. Wie gehts der Mama?“ „Ach, Mama hat Kopfschmerzen. Und furchtbar.. sie sieht ganz elend aus.“ „Ja, das war zu erwarten? So etwas packt auch stärkere Nerven. Nimmt sie denn auch etwas gegen diese Plage?“ „O ja, Papa hat ihr Pulver verordnet und davon hat sie auch heute genommen, aber die Wirkung ist noch nicht eingetreten.“ „So? Na.. hm! Also vor allem andern, sagen Sie Frau Mama, sie möchte aus ihrer Tagesordnung nicht herauskommen.. jetzt.. respektive; ihre Kräfte schonen. Vielleicht geht der Anfall dann vorüber. Wir werden für den Vater schon sorgen, liebes Kind.“ 182.19 zern im Parlament über die Angelegenheit inierpellieten würde. London, 18. Juli. Der von Rußland in Archangelsk beschlagnahmte englische Fischdampfer„Onward“ ist auf Betreiben des hiesigen Auswärtigen Amtes wieder freigegeben worden. Der Führer des Onward behauptet, das Schiff habe außerhalb der Dreimeilengrenze als es von dem russischen Kriegsschiff beschlagwurde. In England hat der Fall Aufsehen erregt. Man will Schadenersatz von Rußland fordern. Auch dürfte der Fall heute das Parlament beschäftigen. Serbien. Belarad. 18. Juli. In dem Vertrage zwischen oer Türkei und Serbien wird die Türkei Serbien den freien Transport von serbischer Minition garantieren. Der neue Vertrag wird dem Parlamente im kommenden Herbste vorgelegt werden. Sitzung der Stadtverordneten ms. Dortmund, 18. Juli. Der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Herr Justizrat Pork eröffnet die Sitzung um 6 Uhr abends. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmet er dem kürzlich verstorbenen Mitgliede des Stadtverordnetenkollegiums Buchdruckereibesitzer Crüwell sen. einen warmen Nachruf. Die Versammlung erhebt sich zum ehrenden Gedächtnis von den Plätzen. Tagesoidnung: 1. Das Kollegium beschließt, eine Ersatzwahl für den verstorbenen Crüwell, der von der 1. Abteilung gewählt worden ist, jetzt vorzunehmen. 2. Die vereinigten Bürgervereine der Stadt Dortmund haben eine Eingabe an das Stadtverordnetenkollegium gerichtet, betr. a) die Verbindung des östl. Stadtteiles mit dem nordöstlichen, im Zuge der Lünenerstraße über die Eisenbahn und b) die Durchführung heroldstraße durch den Gronau=Enscheder=Eisenbahn= fahrdamm. Zu der durch die hiesigen Blätter bekannt gewordenen Eingabe nimmt Herr Stadtv. Zur Hellen das Wort, um die mißlichen Verbindungen kurz darzulegen und die Berücksichtigung der Eingabe warm zu empfehlen. Es sei nicht nötig, mit der Erfüllung der in der Ausgabe ausgesprochenen Wünsche noch eine Zeit lang zu warten. Man möge den Magistrat ersuchen, den Ausbau der Lünenerstraße sofort vorzunehmen.— Herr Baurat Bovermann bemerkt, daß das Bauamt planmäßig auf den Ausbau der Lünenerstraße hinarbeite. Wenn es schneller gehen solle, möchten die Stadtverordneten die etwa 300000 Mark betragenden Kosten bewilligen.— Herr Stadtv. Dopheide ergänzt die Ausführungen des Referenten, indem er einen weiteren Verbindungsweg zwischen dem Norden und Osten als dringend notwendig fordert. Auch die Verbindung des Ostens mit dem Süden müsse verbessert werden.— Herr Baurat Bovermann gibt auf Anfrage über die Kosten nähere Auskunft. Mit einer Aufschüttung und Befestigung der Lünenerstraße sei es nicht getan. Wasserleitung, Kanalisation, Brückenbau, Terrainerwerb usw. kosteten nicht wenig Geld. Dem Antrage des Referenten gemäß wird der Magistrat aufgefordert, einen Kostenanschlag über den Ausbau der Lünenerstraße auszuarbeiten und vorzulegen.— Des weiteren tritt Herr Zur Hellen für die alsbaldige Durchführung der Heroldstraße ein, die auch in einer Eingabe der Anwohner erbeten wird.— Herr Baurat Bovermann erklärt, daß von der Durchführung der Heroldstraße in diesem Jahre dringlichere Arbeiten ausgeführt werden müßten. Fals die Stadtverordneten eine erhebliche Summe für die Heroldstraße bewilligen würden, könnte natürlich auch hier den geäußerten Wünschen alsbald Rechnung getragen werden.— Herr Stadtv. Hasenbring fragt, ob die on deon Anliegern an der Oestermärschstraße gemachten Schwierigkeiten erledigt seien.— Herr Baurat Bovermann antwortet, daß diese noch nicht ganz behoben seien.— Auch in dieser Sache wird der Magistrat ersucht, einen Kostenanschlag anzufertigen und vorzulegen. 3. Der Kaufmann Fr. Hurholl hat gegen die Fluchtlinienfestsetzung für die Fortsetzung der Brügmannstraße von der Weiherstraße bis zum Schwanenwall in Meter Breite Einspruch erhoben, der sich erledigt, wenn, wie der Magistrat vorschlägt, die Breite auf 11 Meter festgesetzt wird. Nach dem Referate des Herrn Stadtv. Reckert erfolgt die Festseungtz auf 11 Meter Breite. 4. Der Magistrat legt ein Ortsstatut gegen die Verunstaltung der Straßen und Plätze der Stadt Dortmuno zur Genehmigung vor. Das Ortsstatut schreibt vor, daß bei allen Kirchen Dortmunds, beim alten Rathhaus, bei der Oberpostdirektion, Reichsbank, Landgericht, Amtsgericht, beim alten und neuen Oberberg= amt, beim Stadttheater, städt. Gymnasium, südlicher Badeanstalt, Realschule, Maschinenbauschule, Handwerkerschule, Pestalozzi=Overherg=Schule, Steinernen Turm, Westenhellweg, Brückstraße, Burgtor. Betenstraße, Hansastraße, Schwanenwall Burgwall, Wickedeplatz, Bahnhofsstraße. Bahnhofsvorplatz, Steinplatz, Nordmarkt. Arndtstraße vom Ostwall bis Heiligerweg, Münsterstraße vom Hackländerplatz bis Fredenbaum, Kaiser WilhelmAllee von der Arden= bis zur Landgrafenstraße, Limburgerstraße von Buschmühle bis zur Stadtgrenze, Luisenstraße, Teil der Beurhausstraße, Teil der Hüttemannstraße, Teil der Lindemannstraße, Teil der Möllerstraße. Barverostraße, Fächerstraße, für die an der Möllerbrücke mit der ehemaligen Rheinischen Eisenbahn parallel laufenden Straßen bis zu einer Entfernung von 120 Meter von dieser Brücke an gerechnet, für die westliche Front des südwestlich von der Möllerbrücke belegenen freien Platzes, für die Eckgebäude der an der Dorstfelderbrücke mündenden Straßen bezw. Straßenteile, am Brunnenkamp, am Kippert, Buschmühlenweg, Limburger=, Ring= und Hohestraße, in dem Gelände begrenzt durch die Arndtstraße, den Kaiserplatz, Kaiser=, Sölder=, Düsseldorfer=, Schönhauserstraße, im Grubenfeld, Kronprinzenstraße und Heiligerweg künftig die baupolizeiliche Genehmigung versagt werden kann, wenn an diesen Straßen, Wegen und Plätzen Bauten ausgeführt werden sollen, die der Forderung einer künlerischen Gestaltung widersprechen oder den ästhetischen Eindruck der Umgebung beeinträchtigen. Auch das Anbringen und Aufstellen von Reklameschildern, Reklamefahnen, Schaukästen, Aufschriften und Abbildungen mit einer Fläche von zusammen mehr als zwei Quadart= meter fällt an den genannten Straßen und Plätzen unter das eventuelle Verbot. Ueber die Bestimmungen dieses weitgehenden Ortsstatuts entscheiden zunächst die städtische Baukommissionn und der Magistrat, jedoch Berufung an den Bezirksausschuß zulässig. Aus der der Vorlage beigegebenen Begründung sei hervorgehoben, daß die vielfachen Verunstaltungen, die durch minderwertige und häßliche Bauten in der Nähe unserer kirchlichen und profanen Baudenkmäler in den letzten Jahren vorgekommen seien, nach Ansicht der Sachverständigen auf den Erlaß von Bestimmungen drängten, die weitere Schädigungen und Beeinträchtigungen unserer Straßen und Plätze verhindern sollen. Aber auch für die Hauptverkehrsstraßen der Altstadt und zur gewisse Teile der Außenviertel sei die Notwendigkeit eines besonderen Schutzes anerkannk und damit begründet worden, daß vielfach die Errichtung von Bauten in der Hand von Bauunternehmern liegt, die weder eine Hochschule, noch eine Baugewerkschule besucht Faben und durch ein Uebermaß von nichtverstandenem Schmuck das mangelnde Gefühl für gute Verhältnisse und ruhige Einfachheit zu verdecken suchen. Herr Stadtv. Reckert empfiehlt als Referent die Annahme des vom Magistrat vorgelegten Ortsstatuts Zur Aufstandsgefahr in Süd=Ramernn. Zur Aufstandsgefahr in Süd-Kamerun. In den letzten Tagen sind aus dem Süden des deutschen Schutzgebietes Kamerun mehrere beunruhigende Meldungen über die dortige Lage zu uns gelangt. Nach demselben soll der größte der dort lebenden Stämmen, der der Menschenfressenden Makas, zu einem allgemeinen Aufstande bereit sein. Man wird sich erinnern, daß in letzter Zeit im Süden Kameruns verschiedene Vorfälle sich ereigneten, die besonderer Aufmerksamkeit wert sind. Am 17. Mai vurde an der Straße Jaunde=Düme der Kaufmann Bretschneider von den Makas ermordet, die bereits vor Wochen mehrfach die mit 30 Soldaten belegte Station angegriffen. Zwar ist einer der tüchtigsten Offiziere der Kameruner Schutztruppe, Major Dominik mit 120 Mann nach dem bedrohten Teil des Schutzgebietes abmarschiert, doch dürfte er mit seiner kleinen Streitmacht gegen die nach Tausenden zählenden Makas nicht viel ausrichten.. Da die von dem Aufstand am meisten bedrohten Gegenden keine telegraphische Verbindung mit der Küste haben, dauert die Nachrichtenübermittlung von dort eine geraume Zeit. Hoffentlich ist es inzwischen gelungen, die aufstandslustigen Kannibalen zur Ruhe zu bringen, Unsere heutige Karte gibt eine Uebersicht des gesamten Schutzgebietes mit seinen Bahnprojekten, Telegraphen, Militär und Poststationen usw. — Herr Stadtv. Franzius stellt einen Vertagungsantrag, um die Vorlage gründlich durchberaten zu können. Er steht einer Regelung der Materie nach den Vorschlägen des Magistrats im Allgemeinen sympathisch gegenüber, verschweigt aber nicht, daß auch Grund zu Bedenken vorliege, wenn man die Baulustigen von einer bestimmten Geschmacksrichtung abhängig machen, den freien Willen der Bürger vollständig beschränken wolle. Gerade über die Zusammensetzung der Sachverständigenkommission sei eine eingehende Beratung notwendig. Im übrigen hebt Redner die Vorzüge der Vorlage hervor und besonders die Pflicht, die Verletzung des ästhetischen Geschmacks durch Einzelpersonen zu verhindern.— Herr Stadtv. König ist im Prinzip für Annahme des Ortsstatuts, meint aber, daß die Reglementierung zu weit gehe. Der Baupolizei sei kein so weiter Spielraum zu gewähren. Redner beantragt die Wahl einer 18gliedrigen Kommission, die sich aus den verschiedenen Deputationen. Architekten, Bürgern usw. zusammensetzen und eine Nachprüfung der Vorlage des Mgistraats vornehmen soll.— Herr Stadtv. Beuckelmann II widersetzt sich der Auslieferung eines freien Bürgerrechts an die Polizei und der Absicht, die Polizei kunstverständig zu machen. Daß die Stadt sich auf Kosten eines einzelnen ästhetischen Genuß verschaffen wollte, heiße, sich Riemen aus der Haut des anderen schneiden. Redner weist auf die Verhandlungen im Parlament über das Gesetz, betr. die Verunstaltung der Städte usw. hin und hauptsächlich darauf, daß alle Parteien Bedenken geäußert, die Angelegenheit in die Hände der Polizei zu legen. Die Stadt Dortmund besitze eine Bauberatungsstelle. Man möge abwarten. ob sie die auf sie gesetzten Hoffnungen erfülle. Redner unterstützt den Vertagungsantrag, was auch Herr Stadtv. Raude kut, indem er u. a. Bedenken gegen die der Polizei zugedachten Befugnisse äußert und Abänderungsvorschläge macht. Herr Raude redet der Beseitigung der Rauchbelästigung als einer Verschönerung der Stadt das Wort. Die städtischen. Betriebe, die z. T. ganz unausstehlich qualmetn, müßten mit gutem Beispiel den privaten vorangehen. Der Antrag König gehe, trotzdem er manches für sich habe, doch zu weit und werde nur auf eine unnötige Verschleppung hinauslaufen. Herr Stadtv. Schlieper kann die Beuckelmannschen Bedenken nicht teilen und erwähnt Herrn König gegenüber, daß bei der Vorberatung Architekten hinzugezogen worden seien. Die Vorlage weiche jedoch in einem wichtigen Punkte der Zusammensetzung der Sachverständigenkommission von den Vorbeschlüssen ab.— Herr Baurat Kullrich freut sich, daß die Vorlage anscheinend sympathisch aufgenommen werde, um dann in der und jener Beziehung einige aufklärende Bemerkungen zu machen. In der Hauptsache gelten seine Ausführungen der Zusammensetzung der Sachverständigenkommission, an der die Vorlage scheitern werde, falls die Stadtverordneten sie anders, als der Magistrat vorgeschlagen, beschlössen.— Herr Stadtv. Schliever beschwert sich über das, Geräusch bei Abfuhr von Rundeisen und eiserner Träger von den großen Eisenwerken und ersucht um Abhülfe durch entsorechende Polizeiverordnung.— Das Kollegium beschließt Vertagung unter Ablehnung des Königschen Antrages. 5. Der Magistrat beantragt, für einen dritten neuen Kessel im Westbad 3000 Mark, für bauliche Veränderungen infolge Aufstellung dieses Kessels 750 Mark, und für Reparatur der alten vorhandenen Kessel daselbst 750 Mark, insgesamt 4500 Mark zu bewilligen Die Siederohre in den beiden Niederdruck=Dampfkesseln sind so schlecht, daß sie alsbald gründlich repariert werden müssen, soll nicht eines Tages der Badebetrieb unterbrochen werden. Deshalb ist die Aufstellung des 3.(Reserve=) Kessels notwendig, der bereits bestellt worden ist. Herr Stadtv. Bickhoft berichtet über die Vorlage, deren Genehmigung empfehlend. Herr Stadtv. Ruppel hat Bedenken, die Kosten aus den Ueberschüssen der Sparkasse zu decken. Herr Bürgermeister Dr. Eichhoff weist darauf hin, daß die Deckungsfrage aufgehoben werden solle. Die Vorlage wird genehmigt. 6. Für die Verlegung des Feuermeldekabels in der Brügmannstraße, die gelegentlich der Chaussierung der Straße bewirkt worden ist, werden 1007,50 Mark verlangt und nach dem Referate des Herrn Stadtv. Schmidt bewilligt. 7. Für die Erlangung von Entwurfsskizzen für die Bebauung der Umgebung des neuen Bahnhofsgebäudes durch einen Wettbewerb soll einem Antrage des Magistrats gemäß die Summe von 23000 Mark zur Verfügung gestellt werden. Die Architekten von Rheinland=Westfalen wie Herr Dülfer=München sollen aufgefordert werden, Skizzen bezw. Bauentwürfe einzureichen, die bei einer späteren Bebauung des Bahnhofsvorplatzes und seiner Umgebung als Vorbilder für die Gestaltung der Platz= und Straßenwendungen, sowie für die Gruppierung der Baumassen dienen sollen. Die Durchführung einer einheitlichen Bauweise oder einer bestimmten Stilform ist hierbei nicht erforderlich. Erst in zweiter Linie handelt es sich um Vorschläge für die wirtschaftliche Erschließung der städtischen Baugrundstücke vor dem Hauptbahnhof, zumal weder über die Verwaltungszwecke derselben, noch über die Abgrenzungen einzelner genaue Angaben gemacht werden können. Zwischen den beiden Baublöcken, die dem Empfangsgebäude unmittelbar gegenüberliegen, ist eine monumentale Treppenanlage zu entwerfen, die mit Säulen= oder Pfeilerhallen und Terassen überdeckt oder auch in einem oder mehreren Geschossen durch einen Verbindungsbau zwischen den beiden Baublöcken überhaut werden kann. Die Entwürfe sind bis zum I. November d. J. einzureichen. Zur Preisverteilung wird die Summe von 15000 Mark zur Verfügung gestellt und zwar für einen ersten Preis 7000 Mark, für einen zweiten Preis 4000 Mark, für einen dritten Preis 4000 Mk. Professor Dülfer erhält ohne weiteres für die Einreichung eines programmäßigen Skizzenentwurfes 5000 Mark. Dieser Entwurf kommt bei einem etwa auf seine Arbeit entfallenden Preis in Anrechnung. Als Preisrichter gelten: Oberbürgermeister Schmieding. Geheimer Oberbaurat Professor Dr. Hofmann=Darmstadt, Beigeordneter Landesbaurat Rehorst=Köln u. die Stadtbauräte Bovermann und Kullrich. Herr Stadtv. Mathies weist darauf hin, daß dem Architekten. der am Bahnhofsvorvlatz bauen wolle, die Direktive für seinen Bau zur Einsügung in das durch den Wettbewerb zu beschaffende Gesamtblid geben müsse. Irgend eine Baubeschränkung solle nicht stattfinden. Deshalb sei die Zustimmung wohl vorauszusetzen. Wie man ein solches Gesamtbild schaffe, darüber gingen allerdings die Ansichten auseinander. Der Magistrat sei in Uebereinstimmung mit der Baukommission zu der Ueberzeugung gekommen, daß man die Architekten nicht von ganz Deutschland, sondern nur der engeren Heimat Rheinland=Westfalen zum Wettbewerb heranzuziehen habe. Herr Professor Dülfer sei außerdem hinzuzuziehen, weil er die Dortmunder Verhältnisse kenne und in Dortmund ein autes Renommee genieße. Dülfer müsse besonders bezahlt werden, falls er, was nicht anzunehmen, ohne Preis bleibe. — Herr Stadtv. Uhlmann gior zu, daß Dortmund einer architektonisch=künstlerischen Ausgestaltung bedürfe. Aber er wendet sich dagegen, daß ein beschränktes Ausschreiben unter Zuziehung des Prof. Dülfer stattfinde. Es müsse ein freier Wettbewerb unter den deutschen Architekten ausgeschrieben werde. Falls man einen engeren Wettbewerb beliebe, möge man die Preise entsprechend herabsetzen auf 5000 Mark, 3000 Mark, 1500 Mark 1000 Mar.k. Auch bei diesen Preisen werde man schöne Entwürfe bekommen. Herr Stadtv. Beuckelmann II verspricht sich nicht viel von den Erfolgen eines Wettbewerbs, zumal wenn er die Entwürfe für den Markt ins Auge faßt und sie mit den Bauten vergleicht, die im Laufe der Zeit entstanden sind. Wenn man den Wettbewerb beschließe, müsse man allen Spezialisten die Möglichkeit geben, sich daran zu beteiligen, nicht aber nur einen in der Hoffnung. daß dieser einen Preis davontrage. Herr Stadtv. Bartels ist mit der Ausschreibung enies Wettbewerbs einverstanden, fordert aber einen freien Wettbewerb und wendet sich gegen die Bevorzugung des Pros. Dülfer, weil der Wettbewerb sonst die reine Komödie sei. Redner schlägt eine Ergänzung des Preisrichterkollegiums aus dem Stadtverordnetenkollegium vor.— Herr Stadtv. Heinemann spricht sich gegen die ganze Vorlage aus, weil es jetzt zu spät sei für die gewünschten Entwürfe. Der Wettbewerb sei am Platze gewesen, als die Verwendung des Geländes noch nicht feststand., Redner hat das Vertrauen zu den städtischen Bauräten, daß diese selbst die Angelegenheit zur vollen Zusriedenheit erledigen würden. Die vorgeschlagenen Bedingungen für den Wettbewerb kann Herr Heinemann nicht billigen, vor allem nicht eine Beschränkung des Wettbewerbs und eine ungerechte Bevorzuung Dülfers. Des weiteren unterstützt er den Antrag Bartels. Herr Bürgermeister Dr. Eichhoff wendet sich gegen die Ausführungen der Herren Heinemann und Beuckelmann II. die auf eine Ablehnung der Vorlage hinausliefen. Eine Prüfung der Bauten werde nur möglich, wenn eine Generalidee vorliege. Die Stadt könne auf Grund ihrer Verträge gegen die Gestaltung der Bauten, die ihr nicht zusage, ihr Veto einlegen. Dazu brauche sie weder Polizei noch etwas anderes. Das möge man berücksichtigen. Herr Stadtv. Bickholf meint, daß man auch ohne Professor Dülser auskomme, der nicht immer— siehe Posthof— das richtige getroffen habe. Der ganzen Vorlage schlage die Erlaubnis an einige Anlieger am Königswall, auf 10 Jahre einen Vorbau zu errichten, ins Gesicht. Herr Stadtv. Pahl ist der Ansicht, daß 23000 Mark für das zu schaffende Schöne eine kleine Summe sei. Er hält es für selbstverständlich, daß Professor Dülfer mit herangezogen wird, zumal er schon schätzenswerte Fingerzeige gegeben habe. Professor Dülfer werde sich nicht bemühen, wenn man ihm keine Vergütung in Aussicht stelle. Es sei unverantwortlich, hunderte Architekten aus ganz Deutschland vergebliche Arbeit machen zu lassen. Herr Stadtv. Beuckelmann II hat noch keinen triftigen Grund für die Bevorzugung Tülfers gehört. Herr Stadtv. Heinemann gibt wie der Vorredner die Erklärung ab, daß er dem vom Herrn Bürgermeister Dr.Eichhoft angezogenen Sprechsaalartikel durchaus fern stehe. Er fragt, warum man so viel Männer zur Städtebauausstellung schicke, wenn nichts davon profitiert werde.— Herr Stadtv. Haarmann hält die Art der Zuziehung Dülfers für nicht einwandsfrei. Werde Dülfer bevorzugt, dann würden sich die Architekten zurückhalten Wolle man Dülfer zuziehen, sei es, meint Herr Stadtv. Raude; vielleicht möglich, Herrn Dülfer außer Konkurrenz arbeiten zu lassen. Herr Baurat Kullrich hat gegen einen kreien Wettbewerb für gani Deutschland nichts einzuwenden. Dasselbe Verfahren, wie es hier hinsichtlich Dülfers vorgeschlagen werde, sei schon bei dem Theater eingeschlagen worden, ohne daß es Nachteil gebracht. Des weiteren entgegnet Redner auf die Vorwürfe, die Herr Bickhoff gegen Herrn Professor Dülfer erhoben. Eine Verkleinerung der Preise werde den Normen nicht entsprechen. Es handle sich um ein Bauobjekt von mindestens 4 Millionen Mark, für das eine Grundidee entworfen werden solle. Nur auf hervorragende Entwürfe werde reflektiert. Wenn man die für Dülfer vorgesehenen 5000 Mark streiche, möge man die Gesamtsumme der Preise um 5000 Mark erhöhen, damit die Möglichkeit einer Dülferschen Beteiligung am Wettbewerb geboten werde. Damit erklärt sich Herr Stadtv. Haarmann einverstanden. Herr Stadtv. Mathies bemerkt, daß der Antrag Vartels sich mit den Wünschen der Baukommission decke. Die Kosten seien auf die Eisenbahnanleihe zu übernehmen. — Die Ausschreibung eines Wettbewerbs wurde beschlossen, die Bevorzugung Dülfers abgelehnt, die Ausdehnung des Wettbewerbs über ganz Deutschland beschlossen, die Preise werden um 5000 Mark erhöht, die Kosten auf Eisenbahnanleihe genommen. 8. Für die neue Handwerker= und Kunstgewerbeschule, für deren Bau seinerzeit 997300 Mark mit der Bedingung bewilligt wurden, daß alle bei den Verdingungen der Arbeiten erzielten Ueberschüsse dem Baufonds zugute kommen sollten. Nun haben sich aber nach den Darlegungen des Magistrats außer bei den Maurer und Eisenbetonarbeiten nennenswerte Ersparnisse gegenüber dem Anschlage nicht erzielen lassen. Nachdem laut Beschluß der Stadtverordneten vom 3. August 1903 aus Ersparnissen schon 16.000 Mark für eine bessere Ausführung der Steinfacade der genannten Schule bewilligt waren, bewilligte man am 19. Oktober 1903 nochmals 14000 Mark für Doppelfenster aus Ersparnissen beim Baufonds. Diese Summen sind aber in der bewilligten Höhe nicht verfügbar geworden, weshalb in diesem Falle eine Nachbewilligung von 14000 Mark erforderlich ist. Weitere 7500 Mark sind ohne Zustimmung des Kollegiums aufgewandt für Stemmarbeiten, um nachträglich für die Heizungsrohre überall die nötigen Löcher in Decken usw. zu schaffen. 5500 Mark sind dann noch notwendig für die Vervollständigung des Inventars, die nach der Vorlage erfolgen muß, um das für die Stadt günstige Abkommen mit der Staatsregierung über Gewährung des Zuschusses von 13000 Mark für die bessere Ausgestaltung der Werkstatteinrichtungen aufrecht zu erhalten. Herr Stadtv. Mathies befürwortet als Referent mit einer Lobrede auf Herrn Baurat Kullrich für das, was er geschaffen, die Genehmigung der Vorlage die erfolgt. 9. Bei dem Abkommen mit Althoff hat die Stadt das Keggemannsche Haus zum Abbruch übernommen. Dafür geht das Haus in das Eigentum der Stadt über. Es schweben Erwägungen über den Wiederaufbau an geeigneter Stelle. Deshalb fordert der Magistrat für die sorgfältige Aufbewahrung der verwendbaren Bauteile des„Drachen“ einen Kredit von 100C Mark. Herr Stadtv. Dr. Meininghaus referiert und schlägt Genehmigung vor, die ausgesprochen wird. 10. Einem Ersuchen der Erben Hackländer folgend werden die Fluchtlinien der auf 20 Meter Breite festgesetzten Rückertstraße vom Hackländerplatz bis zur Schützenstraße abgeändert. 11. Einem geringfügigen Flächenaustausch an der Pottgasse(Westenhellweg 90) mit dem Metzgermeister Johann Eichhorn wird zugestimmt. 12. Den Vorschlägen des Magistrats beegl.. Heranziehung der Anlieger der Kapellen= und Mühlenstraße zur Leistung von Beiträgen zu den Kosten der Asphaltierung dieser Straßen wird zugestimmt. 13. Der vom Magistrat beantragten Veränderung der Fluchtlinien Ecke Sonnen= und Liebigstraße, wonach ein Teil des Vorgartens ganz bebaut werden soll, wird genehmigt, nachdem die Herren Stadtp. König, Referent Stadtv. Nuhsus und Baurat Bovermann dazu gesprochen.— Herr Stadtv. Ruppel verlangt die Einfriedigung des Ecke Sonnen= und Hohestraße liegenden Baugrundstückes. Diese ist von der Eisenbahn verlang wrden. 14. Der Magistrat hat die Auswechselung der defekt gewordenen Rohre der drei Heizkessel im Stadttheater, welche 3500 Mark kostet. in Angriff nehmen lassen, um bis zum Beginn der Spielzeit damit fertig zu sein und nicht vor einer Unterbrechung des Theaterbetriebes gestellt zu werden, abgesehen davon, daß eine nach und nach erfolgende Auswechslung 8100 Mari kosten würde. Er ersuicht um nachträgliche Bewilligung der erforderlichen Mittel. Dem Vorschlage des Herrn Referenten Stadtv. Eckardt gemäß erfolgte Genehmigung. 15. Auch im Gnmnasium sind die Siederohre der beiden Heizkessel defekt geworden. Die gleichzeitige Auswechslung der 72 Siederohre kostet 1200 Mark, während für die allmähliche Auswechslung 3240 Mark aufzuwenden wären. Auch hier hat die Arbeit begonnen. Die Mittel werden bewilligt. 16. Den Antrag a) zur Genehmigung von Beihilfe. an hier ansässige bedürftige und würdige Teilnehmer an den Feldzügen 1864. 1866 und 1870=71 in diesem Jahre 10000 Mark, b) zu demselben Zweck in den nächsten Jahren einen vom Jahre 1911 ab in sechs Jahren anzusammelnden Betrag von 30000 Mark(jährlich 5000 Mark) zu bewilligen und zu genehmigen, daß diese Beträge den Sparfassen=Ueberschüssen entnommen werden, empfiehlt als Referent Herr Stadtverordneter Eckardt zur Annahme.— Herr Stadtv. Gronowski spricht sich für die Veteranenbeihülfe aus, wünscht aber das Wort„würdig“ zu streichen, damit die Gefahr der Gesinnungsschnüffelei beseitigt werde.— Herr Bürgermeister Dr. Eichhoff wendet sich gegen den Vorschlag des Vorredners, die Beihülfen nur an Veteranen mit einem Einkommen bis 900 Mark zu gewähren. Es könnten auch Veteranen mit höherem Einkommen bedürftig sein.— Herr Stadtv. König ist für eine Veteranenbeihilfe aber in größerem Umfange. Mit der Begründung ist er nicht einverstanden. Den Invaliden müsse dauernd eine bestimmte Rente gezahlt werden und zwar allen bis zu 1500 Mark Einkommen mindestens 25 Mark monatlich aus Sparkassenüberschüssen sobald diese es erlauben. Das Wort„würdig“ ist unbedingt auszuschalten. Die Verteilung der Beihülfen dürfe nicht durch die Sedankommission, sondern müsse durch eine besondere gemischte Kommission erfolgen. Es sprechen noch die Herren Stadtv. Gronowski, Bürgermeister Dr. Eichhoff, Stadtv. Dörsch und Ruhsus.— Die Vorlage wird genehmigt unter Streichung es Wortes„würdig“. Die Sebankommission soll die Verteilung der Beihülfen vornehmer r nicht imoffen habe. an einige ien Vorbau ahl ist der ende Schöne lbstverständn wird, zugeben habe. wenn man Es sei unanz Deutscherr Stadtv. igen Grund err Stadtv. e Erklärung Dr Eichhoft n stehe. Er ädtebauausst werde.— der Zuzieherde Dülfer en zurückhalmeint Herr Dülfer auzurat Kulle gani Deutschhren, wie es de, sei schon hne daß es Redner auf ern Professor Preise werde sich um ein tark, für das Nur auf herWenn man streiche, möge 00 Mark ererschen BeteiDamit erklärt anden. Herr itrag Bartels in decke. 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Hasenbring empfiehlt als Referent die Annahme des Antrages und des weiteren die Annahme eines dringlichen Antrages, zur Renovierung des Saales 900 Mark zu bewilligen, pofür der Wirt ebenfalls 500 Mark und die Bazarkommission 400 Mark hergeben will. Referent bemängelt dabei die Ventilation des Saales, die jetzt ordnungsmäßig hergestellt werden müsse. Es sprechen die Herren Stadtv. Schlieper und Bartels.— Die Vorlage wird angenommen. 19. Der Magistrat stellt den Antrag, daß der Paragraph 8 der Billett= und Lustbarkeitssteuerordnung der Stadt Dortmund unter Nr. 1, 3—5, 11 und 13 den Zusatz:„pro Tag“ erhält. Dieser Antrag der Ordnung halber wird angenommen. 20. Ein Antrag, daß die Hörerinnen am Seminar 7,50 Mark für die Wochenstunde im Halbjahre, jedoch zusammen nicht mehr als 250 Mark im Jahre zahlen sollen, wird, nachdem er von dem Referenten Herrn Stadtv. Köster empfohlen, genehmigt. 21. Für die Einfriedigung an der Lagerhausstraße verlangt der Magistrat 10000 Mark, die aus dem Extraordinarium gedeckt werden sollen. Herr Stadtv. Köster erläutert die Vorlage und bezeichnet die Einfriedigung als dringend nötig. Herr Stadtv. Gronowski meint, daß man keine 10000 Mark brauche. Herr Hafendirektor Schmidt setzt ihm auseinander, daß er nicht Recht hat.— Die Vorlage wird angenommen. 22. Wiederum erscheint der Antrag des Magistraks auf der Tagesordnung, daß die Ausgabe=Position 1 des Extraordinariums der Wasserwerkskasse für 1910(Beschaffung von Wassermessern, Erweiterung des Röhcensystems usw.)= als endgiltig genehmigt anzusehen ist. Herr Stadtv. Köster ersucht um Genehmigung, die erfolgt. 23. Für den Neubau des Kühl= und Maschinenhauses auf dem Schlachthofe sind 3777,52 Mark neubezw. nachzubewilligen. Da seinerzeit 3019,11 Mark von den in Höhe von 1131 246.15 Mark bewilligten Baumitteln nicht verbraucht worden sind, beträgt die Ueberschreitung nur 758,41 Mark.— Herr Stadtv. Bickhoff erstattet Bericht. Die geforderte Summe wird bewilligt. 24. Dem beantragten Verkaufe einer neun Quadrakmeter großen, hinter der Baufluchtlinie der Reinoldistraße liegenden, straßenfrei gewordenen Wegefläche(vor Haus Nr. 7) an die Firma Wiskott u. Co. hier zum Pauschalvreise von 500 Mark wird zugestimmt. 25. Der Magistrat beantragt, zu den Kongreßkosten des Vereins für Knabenhandarbeit, der vom 20. bis 22. Mai in Dortmund stattgefunden hat, nachträglich inen weiteren Betrag von 300 Mark zu bewilligen. Der Antrag wird genehmigt. 26. Die Forderung von 40000 Mark für eine Dückeranlage im Zuge der Schäferstraße begründet der Magistrat wie folgt: Der städtische Entwässerungskanal in der Schäferstraße liegt so hoch, daß er bei Veräängerung des Stadthafens unterdückert werden muß. Die Hafenverwaltung hält es für zweckmäßig, daß diese Arbeit im Laufe dieses Jahres zur Ausführung gelangt damit die Bauarbeiten zur Verlängerung des Hafens, die wahrscheinlich demnächst erforderlich werden, durch die Dückerarbeiten nicht aufgehalten werden. Herr Stadtv. Schweckendieck befürwortet die Vorlage, indem er dabei einen Ueberblick über die ersreuliche Entwicklung des Verkehrs im Dortmunder Hasen gibt.— Die Vorlage wird angenommen. 27. Für Erweiterung der Station Dortmund=Hafen werden 50000 Mark mit folgender Begründung verlangt: Die für die Hafenanlieger bestimmten Wagen werden von der Staatsbahn ungeordnet übergeben. Sabe der Station Dortmund=Hasen ist es nun, die Wagen fur die einzelnen Anschlüsse, Lagerplätze und Lagerhäuser auszurangieren. Hierfür sind zurzeit nur vier Geleise vorhanden, da die übrigen vier Geleise als Uebergabeund Durchfahrtsgeleise freigehalten werden müssen. Das Ausrangieren beansprucht demzufolge sehr viel Zeit und die Hafenzüge erhalten häufig Verspätung. Durch den Bau weiterer fünf Kovfgeleise am nördlichen Bahnhofsende anschließend an den Rangierberg kann dem abgeholfen werden. Bedingt wird durch diese Anlage die Versetzung des Stellwerks B. Um dem Stellwerkswärter eine bessere Uebersicht über das Rangiergeschäft zu ermöglichen, soll dieses außerdem 1,5 Meter höher gebaut werden. Es erfolgt Annahme der Vorlage. Als dringlich des Kassenabschlusses wegen hat der Magistrat folgende Vorlage eingebracht: Nach der Bilanz der Theaterbetriebskasse hat sich für die Spielzeit 1909=10 ein Defizit von 17·902,95 Mark ergeben. An Zuschuß aus der Kämmereikasse sind für die Stadttheaterkasse in 1909 etatsmäßig vorgesehen 150 100,— Mark, erforderlich sind nur 148 223,96 Mark, sodaß bei Anrechnung dieses ersparten Betrages von 1876,04 Mark noch ein Zuschuß von 16 026,91 Mark erforderlich ist, dessen Bewilligung wir hiermit beantragen. Da die Theaterbetriebskasse erst am 1. Juli endgültig abgeschlossen werden kann, hat der Abschluß nicht früher vorgelegt werden können. Ein vorläufiger Abschluß hat der Theater=Deputation bereits nach Schluß der Spielzeit vorgelegen. Die Vorlage wird angenommen. Eine weitere dringliche Vorlage fordert die Einrichtung elektrischer Beleuchtung im Forsthause für 1150 Mark. die genehmigt wird. Gegen 9 Uhr wird die öffentliche Sitzung geschlossen. und Dortmund, 19. Juli. —“ In der geheimen Sitzung der Stadtverordneten wurde u. a. der Vorlage des Magistrats, betr. die anderweitige Festsetzung und Durchführung der Fluchtlinien für die nördliche und östliche Seite des Fleischmarktes zugestimmt, zur besseren architektonischen Ausgestaltung des Fleischmarktes ohne finanzielle Belastung der Stadt. Das Warenhaus Althoff erhält für seinen Anbau ein ansehnliches Stück Areal vom Fleischmarkt, während die Grundstücke Silberstraße 2, Zur Verpachtung der hiesigen Gemeindejagd auf Jahre ist Termin am 25. Juli d. I., vormittags 11 Uhr, im Sitzungszimmer des Rathauses bestimmt. Der Jagdbezirk umfaßt Feld= und Waldjagd, ist en. 600 ha, groß, welche in 2 Teilen verpachtet werden Beide Jagdbezirke sind hequem gelegen und durch die Bahn Hümme=Carlshafen leicht zu erreichen. Die Bedingungen werden im Termin bekannt gemacht. Helmarshausen, b. Carlshafen 18. Juni 1910 Der Jagdvorsteher: Schindewolf. 2. Stage Zim. und Küche, mit allen Zubehör, zum 1. Oktober zu vermieten. Einfach, besser. Mädchen zur Stütze im Haushalt u. zum Bedienen des Ladens u. Cafes mögl. bald gesucht. Solche, die im Nähen etwas bewand. bevorz. Konditorei u. Bäckerei Th Heimbach, Opladen, 1428 Kölnerstr. 3. Italien 68. Russland 61.2 Dänemark S 59,2 Deutschland 81.6 Rumänien 57.7 Schwede 50.8 Holland 71.8 Schweiz 95,3 Österreich-Ungarn 75.8 Anzahl der Milometer.weiche in 1 Stunde zurückgelegtwerden Die Geschwindigkeit der euronaischen Eisenbahnen. Zu den Besprechungen der Eisenbahn=Katustrophen der letzten Zeit(Mülheim, Villepreux usw.) hat man verschiedentlich versucht, in der allzugroßen Geschwindigkeit der Eisenbahnzüge neben den von den furchtbarsten Folgen begleiteten Fehlern einiger Beamten eine der Hauptursachen dieser Unfälle zu sehen. Ob mit Recht oder Unrecht, mag dahingestellt bleiben, jedenfalls erreicht die Geschwindigkeit der europäischen spez. der deutschen Bahnen, die der amerikanischen bei weitem nicht. Das beistehend abgedruckte Tableau gibt eine statistische Uebersicht über die Geschwiudigkeit der europäischen Expreßzüge in ihr sind also nur die von den schnellsten Zügen der einzelnen Länder ecreichten Maximalzeiten eingetragen. Da sie sich auf die offiziellen Fahrpläne der einzelnen Länder stützt, ist sie durchaus genau. 4 und da wie auch das städtische Grundstück Silberstr. 6 zum Fleischmarkt kommen sollen. Die Häuser Silberstraße 2, 4 und 4a müssen enteignet werden.— An den Kettenfabrikanten Hegemann wurde ein Grundstück an der Leuthard=Straße für 18000 Mark verkauft.— Desgleichen wurde dem Verkauf eines Grundstückes Ecke Baroper= und Hollestraße an den Restaurateur August Windhagen zugestimmt. —* Für die Turnhalle am Ostwall, die seit einiger Zeit zum Verkauf ausgesetzt ist, will sich immer noch kein Käufer finden. Die bisher von Herrn Diedrich Kohlmeier geführte Wirtschaft ist jetzt geschlossen. Die Räume werden jetzt neu renoviert und sollen nach der Fertigstellung an einen anderen Wirt verpachtet werden. —* Die Revision der Quittungskarten wird fortgesetzt: Werder=, Lent=, Steinmetz=, Zinkstraße und Körnerhellweg. Sprechtag am Samstag„von 8—1 Uhr Schwanenstraße 60. — Besitzwechsel. Herr Kaufmann C. Crummenerl in Firma Crummenerl u. Schwarz, hier, kaufte von Herrn Bauunternehmer Jos. Herm. Krieter, hier, dessen herrschaftliches Zweifamilienhaus Friedensstraße 58. —* Wirtschaftsübernahme. Die dem Kassierer Fritz Wagener konzessionierte, der Union=Brauerei gehörende unbeschränkte Schenkwirtschaft, Uebelgönne Nr. 30 übernimmt am 1. August der Restaurateur Herm. Sommer von hier. —* Preisgekrönt kehrte der Quartett=Verein „Südstern“ von dem am vergangenen Sonntag in Dorsten stattgefundenen nationalen Gesangwettstreit zurück. Der Verein errang bei schwieriger Konkurrenz in der ersten Klasse den 2. Preis, den 2. Ehrenpreis und den 1. Hauptehrenpreis. Lunen, 18. Juli. Ein schreckliches Familienunglück ereignete sich im südlichen Stadtteile, in dem Hause Sedanstraße 33, wo durch den Genuß giftiger Pilze eine ganze Familie, bestehend aus vier Personen und einem Kostgänger, zugrunde gegangen ist. Es handelt sich um den 47 Jahre alten Maurer Daniel Blum, seine Ehefrau Magdalena geb. Haubel, 43 Jahre alt, seine beiden Kinder, Elisabeth(12 Jahre) und Wilhelm(6 Jahre), sowie den 30 Jahre alten Kostgänger Lehrhauer Heinrich Benz. Am Freitag gab es zu Mittag Pilze, die von der Ehefrau aus den benachbarten Feldern geholt worden waren. Bald nach der Mahlzeit machten sich Vergiftungserscheinungen bei den Eheleuten Daniel Blum, bemerkbar, wohingegen die übrigen Familienglieder erst später davon befallen wurden. Am Samstag mittag lagen alle fünf Personen zu Bett; die sofort vom Arzt Dr. med. Flume verordneten Gegenmittel blieben ohne Erfolg, so daß die sofortige Ueberführung der Erkrankten in das hiesige Marienhospital seitens der Polizeibehörde angeordnet wurde. Am Sonntag nachmittag starb der Ehemann mit seinen beiden Kindern. Heute früh erlag auch der Kostgänger unter furchtbaren Schmerzen der Vergiftung. Das Befinden der Ehefrau ist derart schlimm, daß zurzeit stündlich mit ihrem Ableben gerechnet wird. Sämtliche Personen waren im Jahre 1908 aus Ungarn hier zugezogen; das Familienleben der B.schen Eheleute war ein sehr glückliches. Bochum, 18. Juli. Ueber das Befinden der beiden auf Zeche„Prinz Regent“ Verschütteten und nunmehr wieder Geretteten wird gemeldet, daß die Leute zwar noch sehr matt sind, daß man jedoch hofft, sie bei entsprechender Behandlung in wenigen Tagen gänzlich wiederherstellen zu können. Irgend eine Störung des Zentralnervensystems ist bei keinem der beiden eingetreten. Wattenscheid, 18. Juli. Auf Schacht 3/4 der Zeche Holland kam ein Bergmann unter herabstürzende Gesteinsmassen und wurde verschüttet. Er war sofort tot. Essen, 18. Juli. Bei einer Schlägerei, die nachts in der Bahnhofsstraße stattfand, verletzte der Schlosser Albert den Bergmann Zarenja mit einem Beil im Rücken so schwer, daß der Verletzte nach dem Krankenhaus geschafft werden mußte. An seinem Aufkommen wird stark gezweifelt. Barmen, 18. Juli. Die auch von uns wiedergegebene Meldung, wonach der Vater des verunglückten Luftschiffers Oskar Erbslöh bei der Beerdigung seines Sohnes einem Schlaganfall erlegen sei, ist insofern unrichtig, als Herr Erbslöh sen., sich von dem Schlaganfall wieder erholt hat. Hisdorf, 19. Juli. Beim Pferdewaschen im Rheine wurde gestern ein 40jähriger Mann mit drei Pferden von der Strömung ersaßt und in den offenen Strom hinausgerissen. Er verschwand mit sämtlichen Pferden in der Flut und konnte bisher noch nicht gelandet werden. Gewerkvereinsteil. Hagen, 18.. Juli. Die heute Nachmittag hier stattgehabten Einigungsverhandlungen in der HagenSchwelmer Metallindustrie haben zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu einer Verständigung geführt. Die Arbeit wird morgen wieder aufgenommen werden. Paris, 18. Juli. In der vergangenen Nacht fand eine Versammlung der Angestellten der Metro politanbahn statt. Die Angestellten reichten Mehrforderungen ein, unter anderm die einer Löhnerhöhung, die Einführung der Pensionsberechtigung nach 14jähriger Dienstzeit und die Gründung eines Disziplinarrechts. Telearamme. Die Nordlandsreise des Kaisers. Ballestrand, 18. Juli. Der Kaiser ist heute vormittag 10,30 Uhr nach Drontheim abgereist. Neue Ausschreitungen der Tschechen. Dur. 19. Juli. Hier wurden nach einer Versammlung mehrere Deutsche von Tschechen mit Revolvern und Totschlägern angegriffen und nieder geschlagen. Die Ausschreitungen nahmen einen großen Umfang an. Hundert Gendarmen verhafteten zahlreiche Personen und stellten die Ordnung wieder her. Luftschiffahrt. Berlin, 18. Juli. Mit dem Freiballon„Deutschland“, der jüngst in der Nähe von Seegefeld in den Fichten hängen blieb, unternahm gestern in Weißensee der Gärtnereibesitzer Moncorps, dessen Tochter und der Fabrikant Brahn eine Fahrt. Bereits in der Nähe von Nauen waren sie gezwungen, zu landen.. Da zu wehen begann, und der Ballon immer wieder abtrieb, der Wind in den unteren Luftschichten plötzlich stark war, wären alle Insassen beinahe aus dem Korb geflogen, als Echtes Nußbaum Schlafzimmer mit Spiegelschr. und Marmor. mit Bild hauerarbeit und schw. Pitsch=Pin Küchez us. für 440 Mk. zu verkaufen. Kaiserstraße 26, II. Et. Sehr gules Fahrrad billig zu verkaufen. 2. Kampstraße 34. u. Abg. 2. Etage, 4 schöne Räume, mit 1 oder 2 Mansardenzimmern zu verm. Weiherstr. 40, 1 Etage schellen. Abgeschl. Etage, zu verm. Näh, Roonstr. 41, ptEine schöne Wohnung. oer Anker die Erde saßte. Mit Hilfe von Landleuten vollzog sich die Landung jedoch glatt. Friedrichshafen. 19. Juli. Den Bemühungen der Verkehrsvereine am Bodensee ist es gelungen, zu veranlassen, daß in der nächsten Zeit zur Hebung des diesjährigen Fremdenverkehrs Fahrten mit dem Luftschiff L. Z. 6, das seit der Aufgabe der Wiener Fahrt untätig in der Halle liegt, veranstaltet werden.Gegenwärtig wird eine Kabine in den Alluminiumlaufgang des Luftschiffes eingebaut. Diese Arbeiten werden mit großem Eifer betrieben, um möglichst bald mit den Passagierfahrten beginnen zu können. Doppelselbstmord. Stettin, 19. Juli. Gestern Mittag beging ein noch recht jugendliches Liebespaar in einem Hause der Großen Wollweberstraße einen Doppelselbstmord, indem es sich mit Zyankali vergiftete. Das Mädchen war die einzige Stütze seiner unverehelichten Mutter. Es stand erst im 16. Lebensjahre. Die unselige Tat ist darauf zurückzuführen, daß der Vormund ganz entschieden gegen das Liebesverhältnis Einspruch erhob und seine Einwilligung zur Heirat derselben nicht geben wollte. In einem zurückgelassenen Abschiedsbriefe bitten die beiden Lebensmüden um ein gemeinsames Grab. Vom Sohne erschlagen. Erfurt, 18. Juli. In Haßleben bei Erfurt wurde gestern Abend nach kurzem Wortwechsel die 60 Jahre alte Witwe Auguste Zimmer von ihrem 25jährigen Sohne mit einem Hammer erschlagen. Die Frau war sofort tot. Der Mörder wurde bald darauf verhaftet. Anlaß zu der Mordtat gaben Streitigkeiten wegen Geld. Aus der Türkei. Konstantinopel, 19. Juli. Die Pforte har den divlomatischen Vertretern eine Mitteilung über die Aufdeckung eines geheimen Komitees gemacht. Die Entdeckung sei zu einer Zeit erfolgt, in der das Komitee noch in der Bildung begriffen gewesen sei. Die Verhafteten seien meist außer Dienst gesetzte Beamte, die durch das Komitee eine Besserung ihrer Lage erhoffen. Konstantinovel. 19. Juli. Die griechische Zeitung„Neologes“ ist wegen des Artikels über die Kirchenfrage vom Gericht verboten worden. Konstantinovel. 19. Juli. Der Großwesir wird unmittelbar nach der Rückkehr des Finanzministers aus Paris nach Marienbad und der Schweiz abreisen, um mehr als einen Monat im Auslande zu verweilen. Er wird unterwegs mit Aehrenthal zusammentreffen, um wie versichert wird, eine Annährung der Türkei an den Dreibund vorzubereiten. In der Schweiz wird der Großwesir mit dem Chef der jungegyptischen Partei Fühlung nehmen und mit dem bereits in der Schweiz weilenden Taninredakteur Dschahid wichtige Verhand. lungen führen. Sport. Radrennen zu Essen. Essen, 17. Juli. Gutes Wetter und ein vorzügliches Programm zog eine fast unzählbare Menge zur Radrennbahn. Das Rennen nahm, abgesehen von kleineren Stürzen und Reifenschäden, den gewünschten Verlauf. Das Hauptfahren war für den Münsteraner Schürmann eine zahme Sache, da er es überlegen gegen in Essen trainierte Fahrer gewann. Um„Das goldene Rad“ bewarben sich in 2X850 km. Läufen Ryser, Stellbrink, Schipke und Linart. Letzterer brachte den ersten 50 kmn. Lau# ohne üeberrundet zu werden sicher vor Ryser, Schipke und Stellbrink, der durch Reifenschaden zurückfiel, sicher nach Haus. Anfangs des 2 ten Laufes übernahm Ryser die Spitze, die er bald an den jetzt prächtig fahrenden Schipke und nachher auch an Linart abtreten mußte. Das Vorfahren gewann Schürmann nach schönem Endspurt. Das Tandemfahren sah Aschoff=Apfel siegreich. Nachstehend die Endresultate. I. Hauptfahren: 1. Schürmann, 2. Ritzenthaler 3. Opsel. II. Das goldene Rad: Dauerrennen über 100 km. 1. Linart, 2. Ryser, 3. Schipke 4. Stellbrink, III. Vorgabefahren: 1. Schürmann, 2. Krakowsky, 3. Müller. VI. Tandemfahren: 1. Aschoff=Apel 2. Müller Ritzentaler, 3. Schürmann-Müller aufgegeben. V. Entschädigungsfahren: 1. Höschler 2 Schweitzer, 3. Heinemann. Standesamts=Nachrichten. Dortmund 1, vom 18 Juli. Geburten, Ein Sohn: Fuhrmann Holler, Richardstr. 10. Ingenieur Sahner, Gutenbergstr. 25. Telegraphensekretär Koch, Märkischestraße 137.. Oberpostschaffner Rustemeyer, Bochumerstraße 23. Eisenwerkarbeiter, Schubert, Schillerstraße 51. Bahnarbeiter Barczus, Kesselstraße 23. Kanzleigehülfe Krug, Wittekindstraße 1. Eine Tochter: Vorlader Schiefke, Grünstraße 10. Zementarbeiter Kunkol, Scharnhorststraße 41a. Lademeister Eckert, Münsterstraße 218. Schlosser Stübecke, Kurzestraße 1. Arbeiter Drager, Adlerstraße 82. Ma schinist Marburger Gneisenaustraße 4.“ Sterbefälle: Luise Sonnenborn, Kirchenstraße 175, 1 Jahr. Getrude Tetzlaff, Aachenerstraße 2, 11 Monate. Werner Binke, Redtenbacherstraße 1, 1 Jahr. „ heingold=Garten“. Unter Hinweis auf die Anzeige in unserem Blatte, möchten wir nicht ver fehlen, auf das heute, Dienstag Abend stattsindende Doppel=Konzert aufmerksam zu machen, und besonders betonen, daß das Konzert bei schlechtem Wetter in den Innenräumen abgehalten wird.. AIa. 2 Heute: Feinste Bratscholle Pid. 15 Pf. Seegranat(erste Sendung) u. 8. W. Pfund 25 Pf. Danpfficherei-Gesellschaft „Kordsee“ Ferberstraße 1-4. Rheinischestraße 11. Fernruf Nr. 217. 29 Brückstrasse 18 Dortmund Brückstrasse 18. 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Gewähltes Programm!= 24 Piécen! ∆ Grosse Garten-Illumination. Eintritt einsch. Programm: 30 Pf. 1 Das Konzert findet bel jeder Witterung statt. 00000 Olympia-Theater Dortmund. Gastspiel Hamburger Carl Schultz-Theater. Stürmischer Erfolg! Täglich abends 8 Uhr: Die geschiedene Frau Operette in 3 Akten von Leo Fall. Fredenbaum. Dienstag, den 19. Juli, — nachmittags von 3½—4½ Uhr,— — abends von 8—11 Uhr:— Gedenk-Feier zur 100. Wiederkehr des Todestages der Königin Luise. Grosses patriotisches Konzert der verstärkten Merkert’schen Kapelle. — Auserlesenes Programm.— Eintritt 20 Pf. Vorzugskarten m. 10 Pf. Nachzahl. Bei Eintritt der Dunkelheit werden die Anlagen feenhaft illuminiert. Reparaturen Stimmungen in Pianos— Flügel Harmoniums werden von erstklassigen Fachlouten in meiner Spezial-Reparaturwerkstatt ausgeführt. Neubefilzen von Hämmern; neue Besaitung: Klaviatur neugarnieren u. s. w. Polleren sämtl. Instrumente Kostenanschlag grasi:! 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Grosses patriotisches Fest-Konzert zum Andenken an den hundertjährigen Todestag weiland Königin Luise von Preussen. Alleiniger Importeur f. Dortmund u. Umgegend C. Bertrams Dortmund, Hansastrasse 101. — Telefon 1263— Nur reife, gelbe Bananen sind die kostbarsten, gesundesten und nahrhaftesten Früchte. Bananen werden von Autoritäten für Kranke verordnet und können nicht genug empfohlen werden. Bananen werden allen andern Früchten vorgezogen. Bananen sind in fast allen Delikatessen- und Lebensmittel-Geschäften zu haben; wo noch nicht, wolle man sich schleunigst an L. Bertrams, Dortmund Programm: I. Teil. Heil uns. Kaiser, Armeemarsch Nr. 205 v. Voigt. Fest-Onverture von Sr. Majestät Friedrich II. Zwei Balladen, a) Prinz Eugen b) Heinrich d. Vogler v. Löwe. Fanfare militaire v. Ascher. II. Teil. Trauermarsch v. Chopin Andante aus der unvollendeten Symphonien H-moll v. Schubert. Grosses patriotisches Potpourri mit Schlachtenmusik v. Saro. Armeemarsch Nr 7, I. Garde-Bataillon. Paul Thiele. Bekanntmachung Von den vom Kaiserlichen Patentamt zu Berliv herausgegebenen 89 Klassen der Patentschriften werden in der Wilhel=Auguste=Viktoria=Bücherei au jedem Mittwoch und Donnerstag Nachmittag von 3—6 Uhr folgende Klassen unentgeltlich ausgelegt: Klasse: 1, 3, 4, 5, 7, 8, 10. 12, 13, 14, 16 17, 18, 19, 20, 24, 26, 27, 30, 31, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 40, 42, 43, 44, 45. 46, 47, 49, 50, 51, 53, 57, 58, 59, 60, 63, 64, 68, 70, 74, 75, 80, 81, 82, 84, 85, und 89. Durch die Auslegung der Patentschriften wird jedem Gelegenheit gegeben, sich über den Inhalt der vorbenannten Patente zu unterrichten. Die neuerscheinenden Patentschriften werden den Auslegestellen vom Kaiserlichen Patentamt in Berlin, in einwöchentlichen Zwischenräumen überwiesen und dem Publikum alsbald nach ihrem Erscheinen zugänglich gemacht. Außerdem wird noch darauf aufmerksam gemach, daß die vom Kaiserlichen Patentamt herausgegebene amtliche Liste der Patentschriften auf Wunsch unentgeltlich verabfolgt wird. Seit Uebernahme der Patentschriften in die Verwaltung der Wilhelm=Auguste=Viktoria=Bücherei(etwa 1 April 1908) gelangen stets sämtliche Klassen der Patentschriften zur Auflage. Dortmund. den 12. Juli 1910. Der Magistrat. Zu Unwe Dortmur Sonntag Nachm Teilen der Stal die darauf schlie von demselben der Stadt Dor berichteten, nan genen Straßen weise stand hie die Feuerwehr benstraße brach Hauptwasserleit dieser Straße Wassermengen auch die Friedh ringer Arbeit wüstungen die gen. Am schli: Landwirtschaft einen geradezu manches fleißig das entsetzliche entstandene Sch Mittag, sowie zum Teil schw 120 farbig Mousselin Preis bis 75 reinier Hemdfass Grössen, f 4 Serie 75 50 leicht ang „Aber! „Sie tun Klinger sche ist doch nat ren gut? wie Ihre B heute sind S War's nicht „Ach, He Weinen aus .„Jesses! Sie mal hei der alte H Und:„9 gut. So ol werk und sen. Buntrock der alten 1 löst rasch er Nacken und den Garten „Ein w kleines Frä mir nicht au „Aber 2 treten bitter geh so unger „Wunde nig. Kind, un am Kranken fahrung wei Unterröcke „ Eilige Frankenst da sierenden struktioner den zu ver „Als etc. X 11910. Konzert 11 ig Weiland reussen. Nr. 205 v. Voigt. ät Friedrich II. Vogler v. Löwe. " v. A s c h e r. . v. Chopin in Symphonien 1oll v. Schubert. mit Schlachtenmusik v. Saro. ataillon auf Thiele. hung atentamt zu Berlin ntschriften werden in au jedem Mittwoch 3—6 Uhr folgende ). 12, 13, 14, 16 30, 31, 34, 35, 44, 45. 46, 47, ), 60, 63. 64, 68, 85, und 89. itschriften wird jedem Inhalt der vorbeDie neuerscheinenden stellen vom Kaiseröchentlichen Zwischenlikum alsbald nach aufmerksam gemach, tamt herausgegebene auf Wunsch unentchriften in die Verria=Bücherei(etwa 1 se Klassen der Patent1910. Maaistrat. Dienstag, den 19. Juli 1910. Dortmunder Tageblatt Nr. 166. e 27. Jahrgang. Zweites Blatt. Unwetter=Nachrichten. Dortmund, 19. Juli. Ueber das Unwetter vom Sonntag Nachmittage liegen jetzt aus den verschiedenen Teilen der Stadt und der Umgegend Nachrichten vor, die darauf schließen lassen, daß speziell unsere Gegend von demselben am meisten betroffen worden ist. In der Stadt Dortmund scheinen, wie wir gestern schon berichteten, namentlich die Häuser an den tiefer gelegenen Straßen arg mitgenommen zu sein. Stellenweise stand hier das Wasser einige Fuß hoch, sodaß die Feuerwehr requiriert werden mußte. In der Göbenstraße brach zu allem Ueberfluß auch noch das Hauptwasserleitungsrohr entzwei, sodaß den Bewohnern dieser Straße gleichzeitig unter= und oberirdisch große Wassermengen zugeführt wurden. Recht arg wurden auch die Friedhöfe mitgenommen und es wird nicht geringer Arbeit bedürfen, um all die Spuren der Verwüstungen die das Wetter hier angerichtet, zu beseitigen. Am schlimmsten von allen, dürfte indes wohl die Landwirtschaft gelitten haben. Gärten und Felder boten einen geradezu trostlosen Anblick und die Hoffnungen manches fleißigen Landwirtes sind zweifellos auch durch das entsetzliche Unwetter zu Schanden gemacht. Der entstandene Schaden ist ein ganz erheblicher. Montag Mittag, sowie auch am Nachmittag stiegen wiederum zum Teil schwere Gewitter auf, die indes, soweit bis jetzt übersehen werden kann, größeren Schaden nicht anrichteten. Ebenso scheinen gestern auch die Nachbarstädte, wie Essen, Münster usw. mehr oder weniger von einem Unwetter heimgesucht zu sein. Meldungen darüber liegen vor, aus: wrunster, 18. Juli. Ein schweres Unwetter ging gestern abend über Münster und Umgegend nieder, das fast während der ganzen Nacht tobte. Bei Sudmühle und bei Bersenbrück sind die Bahndämme unterspült und Verkehrsstockungen eingetreten. Der nahe Ausflugsort Handorf steht fast ganz unter Wasser. In mehreren Gehöften konnte das Vieh nur mit knapper Not in Sicherheit gebracht werden. Eine Reihe von Telephonverbindungen sind zerstört. Auf den Feldern haben die Wassermassen großen Schaden angerichtet. Das Getreide liegt fast vollständig danieder. Essen, 18. Juli. Heute mittag gegen 1 Uhr ging über Essen und Umgegend ein ziemlich schweres Unwetter nieder, das außerordentlich große Regenmengen brachte. Die Feuerwehr mußte eine ziemlich starke Tätigkeit entfalten; sie war mit ihren sämtlichen Fahrzeugen unterwegs. In der Schlenhofstraße traf ein kalter Schlag ein dreistöckiges Haus und richtete einige Beschädigungen an. In der Huttropstraße und am Limbeckerplatz drang das Wasser in tiefgelegene Räume, so daß die Feuerwehr Hilfe bringen mußte. Schlebusch, 18. Juli. In der letzten Nacht gegen 12 Uhr brach ein heftiges Gewitter aus, das von ausgiebigen Niederschlägen begleitet war. Der Blitz schlug wiederholt ein, u. a. in die Kleinbahn und in die Karbonitfabrik, die kürzlich erst infolge eines Blitzstrahls zum Teil zerstört worden ist. Diesmal traf der Blitz die Rektifizierungsanlage im Alkoholraum und setzte die Isolierung einer Dampfheizung in Brand. In der Fabrik wurde ein Signal mit der Pfeife gegeben, worauf die Bewohner von Schlebusch, die schon infolge des schweren Gewitters in begreiflicher Erregung waren, mit ihren Kindern bestürzt auf die Straßestürzten, zum Teil nur notdürftig bekleidet, und das Weite suchten. Viele hatten sich eines Wagens der Kleinbahn bemächtigt und baten den Schaffner, doch von der Brandstelle möglichst weit wegzufahren. Die Aufregung war allgemein, jeder suchte möglichst rasch aus der Nähe der Karbonitfabrik zu kommen. Das Unwetter richtete überall großen Schaden an. Die Werkleitung der Karbonitfabrik gibt folgende Darstellung des Brandes:„Der durch den Blitzstrahl verursachte Brand konnte in der Zeit von fünf Minuten abgelöscht werden, so daß der Brand weder eine größere Ausdehnung angenommen hat, noch eine Gefährdung der Fabrikanlage bestand. In Schlebusch lief jemand von Haus zu Haus und rief den Bewohnern zu, sie möchten sofort die Häuser räumen, da die Karbonitfabrik in Gefahr sei, in die Luft zu fliegen.“ Wie die Werkleitung ferner mitteilt, hat sie bei der Polizei Anzeige erstattet, um die Bestrafung dieses Mannes herbeizuführen, da weder eine größere Ausdehnung des Brandes zu befürchten gewesen sei, noch eine Gefahr für das Werk vorgelegen habe. Trier, 18. Juli. Langanhaltende, wolkenbruchartige Gewitter richteten heute nacht im Moseltal, in der Eifel und im Hochwald an Weinbergen, Wiesen, Aeckern und Gebäulichkeiten großen Schaden an. Die Bergflüßchen führen Hochwasser. Marienwerder, 18. Juli. Die Strecke Schmentau bis Marienwerder ist infolge anhaltenden Regens in den letzten Wochen zwischen den Stationen Neuhöfen und Marienwerder wegen Dammrutschgefahr bis auf weiteres gesperrt. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrechterhalten, der Güterverkehr umgeleitet. Bern, 18. Juli. Infolge eines heftigen Gewitterregens durchbrach gestern abend die Gryenne in der, Nähe von Bex. Kanton Waadt, ihre Dämme und riß zwei Brücken und zwei Sägemühlen weg. Zwei Feuerwehrleute sind bei den Rettungsarbeiten ertrunken. Vermischtes. Berlin, 19. Juli. Als vorläufiger Vormund für Frau v. Schönebeck=Weber ist Rechtsanwalt Walter Braun bestellt worden. Er führt die Geschäfte eines solchen bis zum endgültigen Beschluß des Amtsgerichts über die Frage, ob Frau v. Schönebeck=Weber eines Vormunds bedarf. Seine Bestellung hat die Wirkung, daß er wie ein richtiger Vormund Vermögensverwalter ist. Haßleben bei Erfurt, 18. Juli. Hier wurde gestern die 60jährige Witwe Auguste Zimmer von ihrem 25jährigen Sohn nach kurzem Wortwechsel mit einem Hammer erschlagen. Der Mörder wurde bald darauf verhaftet. Der Anlaß zur Tat bestand darin, daß die Frau sich weigerte, das aus einem Viehverkauf stammende Geld ihrem Sohn auszuhändigen. München, 19. Juli. Bei Unterreitnach wurde gestern die achtjährige Tochter des Schreiners Irmler mit durchschnittener Kehle aufgesunden. Es liegt Lustmord vor. Der Täter ist unbekannt. Schleswig, 18. Juli. Die Staatsregierung hat den reichlich 76 Hektar großen Hof des Landmanns Jakobsen in Osterterp gekauft und die ganze bereit bestehende Staatsdomäne Österterp vereinigt, die jetz rund 220 Hektar umfaßt. Damit hat das Deutschtum in. westlichen Teile des Kreises Apenrade einen sicheren Stützpunkt erlangt, der bisher ausgesprochen dänisch gesinnt war. Das dänische Blatt„Heimdal“ nennt den Verkauf einen unersetzlichen Verlust. Extra-Verkauf von Damen-Blusen Um vollständig zu räumen, kommen die noch vorhandenen Bestände in zu ganz ungewöhnlich billigen herabgesetzten Preisen zum Verkauf. 120 farbige Waschblusen Mousseline-Imitat, hell u. dunkel, früherer Preis bis 1.75.. Einheitspreis SO Pf. 75 reinssoll. 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Nanana!“ eifert mißbilligend Dr. Buntrock. „Sie tun ja, verehrte Frau, als ob mein lieber Kollege Klinger schon an der Paradiesespforte stünde! Krank sein ist doch natürlich. Wozu wären sonst wir armen Doktoren gut? Und wie haben Sie voriges Jahr gepustet, wie Ihre Bronchien so hübsch kaput waren. Wie? Und heute sind Sie aufgebläh.. geblüht wie eine Mohnrose. War's nicht so, Fräulein Lenchen?“ „Ach, Her Doktor!“ bricht das Mädchen in trostloses Weinen aus. „Jesses! Ei ei! Wer wird denn so weinen? Kommen Sie mal her, zum alten Buntrockonkel!" Tröstend faßt der alte Herr die kleine Hand der Weinenden. Und:„Na laß nur, Leuchen. Es wird schon wieder gut. So oder so.“ Hilft auch die Tante an dem Trostwerk und zieht den jungen Kopf an ihren üppigen Busen.. Ase„— Buntrock aber, der sich bei der skeptischen Bemerkung der alten Unke ungebuldig durchs Haar gefahren hat, löst rasch entschlossen die zantlichen Arme von Lenchens Nacken und führt diese, keinen Widerspruch duldend, in den Garten hinaus. „Ein wenig frische Luft müssen Sie schöpfen, mein kleines Fräulein, unbedingt. Ich will es so, damit Sie mir nicht auch krank werden.". „Aber Vater?“ schluchzt das Mädchen im Hinaustreten bitterlich.„Tante ist so.. so wunderlich und ich geh so ungern fort.": ,„ W u n d e r l i c h s o.. k u r i o s d a s s t i m m t. A b e r k r ä f lig. Kind, und ausdauernd.. und auch sonst genau und am Krankenbett ganz gut zu gebrauchen, wie ich aus Erfahrung weiß. Die Wunderlichkeiten und die gestärkten Unterröcke lassen sich schon ablegen. * Eiligen Schrittes begibt sich der Doktor wieder in die Krankenstube zurück. Im Vorzimmer nimmt er Hut und Stock, da er der über den beständig vor sich hinphantasierenden Klinger gebeugten Tillitante die nötigen struktionen geben will, um sich dann zu anderen Patienten zu verfügen. „Als erstes bitte ich die Aufmerksamkeit des Kranken nicht auf sich lenken zu wollen, da ihn das unnütz quälen würde.“ „Aber es ist ja auch ganz umsonst, lieber Herr Doktor, er kennt mich ja nicht. Ach, ach, ach, nie mehr wird er mich erkennen,“ jammert die Arme händeringend. „Ja, meine liebe Frau Einnehmer, wenn Sie so grundlos verzweifelte Redensarten führen, sokann ich Sie, bei Gott, nicht am Krankenbettelassen. Absolut nicht! Sie schaden dem Patienten, sich selbst, und auch die arme Kleine machen Sie mir ganz kaput. Ei, ei! Sehen Sie denn nicht, wie bedauernswert verlassen das liebe Kind jetzt ist?“ „Verlassen, ja, verlassen. Gott behüte.. aber verwaist und verlassen wird sie noch nicht sein; denn die Mutter... „Na, na!“ und leise lächelnd droht Buntrock der Unverbesserlichen mit dem Finger. „Nein, nein, ich schweig jaschon. Wielangenoch? Gut, Marie. Legen Sie die Hausschuh und den Morgenrock nur in das Vorzimmer. Ich danke Ihnen.“ „Und alsonochmals, liebe Frau Römer: Höchste, allerhöchste Akkuratesse. Jede zweite Stunde den Umschlag und stündlich einen Löffel von der Medizin. Sonst nichts .. aber gar nichts, als Ruhe, Ruhe. Und Fräulein Lenchen ängstigen Sie mir nicht. Bitte schön, liebe Frau Einnehmer! Ja?“ 1 „Wie sollt' ich.. wie sollt' ich? Es ist ja doch sein einziges Kind. Sein. Vermächtnis!" Und abermals erschüttert wildes Schluchzen die üppige Brust der Tante. „Ver.. mächt.. nis!“ Na, warten Sie, ich will Sie schon ankreiden bei Freund Klinger, wenn er mal wieder auf den Beinen ist! Warten Sie nur! Der wird sich sein„Vermächtnis“ gewaltig einfordern und der gute Kollege soll hoffentlich noch viele Freude haben an dem netten Käferchen." Nachdem der Doktor noch einmal den Fieberzustand des Kranken untersucht hat, wobei sich die Falten auf seiner Stirn allerdings nicht glätten wollten, empfiehlt er sich mit der Bemerkung, auch zu Frau Mathilde einen Sprung machen zu müssen. „Falls Frau Doktor also heute abend am Krankenbett nicht mehr vorsprechen sollte, so habe ich dies veranlaßt. Diese verehrte Dame ist nämlich zu schwachnervig für solche Situationen, und das schadet dann in der Regel dem Kranken. Die Marie oder vielleicht Fräulein Lenchen wird ihr in meinem Auftrag Bericht erstatten. Au revoir! und um zehn Uhr bin ichwieder da. Ja.. und Leuchen soll ein Butterbrot zu sich nehmen.“ Jetzt ist Frau Römer allein bei dem Kranken. Sie hat ihr anliegendes Straßenkleid und die rasselnden Unterröcke abgelegt und einen weiten Schlafrock angezogen, in dem ihre Körperfülle erheblich gewachsen erscheint. Auch die knarrenden Stiefeletten sind deu bequemen Hausschuhen gewichen; und wie die gute, alte Seele den Lehnstuhl des Doktors, den sie sich vor dessen Bett geschoben hat, mit ihrer aus dem Leim gegangenen Persönlichkeit anfüllt, sieht sie merkwürdig gealtert aus. Denn auch die Wangen lassen sich, in Uebereinstimmung mit der Gesamtmaterie, schlaff gehen und schlottern nur so hin und her. Mariehat einen Kübelmit Eis ins Vorzimmer gestellt und fragt, ob sie zur Hilfeleistung dableiben soll. „Nein, das sollen Sie nicht, Liebe. Ein Butterbrot machen Sie Fräulein Lenchen zurecht; dann können Sie einen Polster und eine Decke hierher auf den Divan legen, damit es bei der Hand ist, falls das Fräulein nicht in seinem Zimmer schlafen will. Und Sie selbst, meine Gute, essen etwas Abendbrot, und dann legen Sie sich aufs Ohr, denn die Nacht bei einem Kranken dauert lange, und wir werden Sie später wecken müssen.“ „Jawohl, Frau Einnehmer. Das Klingelzeichen macht mich sofort munter. Ich bin es von gnä' Frau gewöhnt, nachts geweckt zu werden.“ 91## S6. Mit sichtlich geübter Hand hat Tillitante den heißen Leib des ächzenden Bruders in ein fest ausgewundenes, eiskaltes Laken gewickelt. Dabei hat der Kranke die Lider einen Moment gehoben, und die blauen Augen haben einige Sekunden an dem Blick der Schwester gehangen, um sich dann wieder fest zu schließen. Ob er sie erkannt hat? Wohl schwerlich; denn sein Gehirn ist von Wahnvorstellungen erfüllt. Aber der Blick, der traurige, hilfsbedürftige Blick! Vor vielen Jahren, als der Gute noch daheim und ein Junge war und einen Wunschhegte, dessen Erfüllung außer dem Bereiche der Möglichkeit lag, damals konnte er auch so traurig sehen, daß Mutter und Schwester heimlich Mitleidstränen vergossen.* Die Erinnerung an diese Zeit hat die bei dem diisteren Nachtlicht auf die Atemzüge des Kranken Lauschende vollständig ergriffen. Sie sieht sich mit dem lieben Bruder noch als Kinder in dem einfachen Hause ihrer heimgegangenen Eltern, wackerer Handwerksleute, in glücklicher Anspruchslosigkeit aufwachsen. Martin war allerdings um acht Jahre jünger, und darum, und weil er so ein wunderhübscher, feiner Junge war, wurde er von der Schwester und den Eltern über alles geliebt, ja vergöttert. Nun wollte es der Himmel, daß er auch über bedeutende Geistesgaben verfügte, sodaß die Lehrer über den vortrefflichen Jungen immer des Lobes voll waren. Was war also natürlicher, als daß er aus seinem Stande herausgehoben und für das Studium bestimmt wurde? Durch das Gymnasium ging er ja auch ganz leicht, denn ein braver Tischler bringt immer soviel vor sich, daß er, auch ohne Privatvermögen zu besitzen, für die Erziehung seiner Kinder aufkommen kann. Schwieriger gestaltete sich die Sache, als der Sohn die Universttät bezog und sich überdies das kostspielige Studium der Medizin ausgewählt hatte. Da reichte der Erlös der Arbeit nicht mehr aus, monatlich fünfzig bis sechzig Gulden nach Wien zu schicken, und auch die daheim mit dem Allernötigsten, mehr gönnten sie sich mit Rücksicht auf den Jungen nicht, zu versorgen. Das gute alte Wohnhaus in der Hintergasse mußte also bis aufs äußerste belastet werden, und Schwester Tilli, die sich damals um die Dreißig herum befand, gab auch willig her, was sie für Nähereien verdiente. Waren sie doch alle so unendlich stolz auf ihren Martin. So, stolz, daß sie sich mit dem steten Lobgesang auf den Herrn Akademiker bei den Nachbarsleuten ein wenig lächerlich machten. Und so schwanden allmählich die Jahre der Universitätszeit hin; für Martin Klinger eine herrliche, für seine Eltern und Schwester eine schwere, an Entsagungen und Opfern reiche Zeit. 182,18 Die erste Patientin, an der der junge Doktor der Heilkunde sein Wissen praktisch üben sollte, war seine Mutter, leider war menschliche Kunst zu gering, um die schon vor Beginn ihrer Krankheit dem Tode Geweihte u retten. Ihr Körper hatte im Laufe eines harten Leens die Widerstandsfähigkeit zu sehr eingebüßt. Leipzig, 18. Juli. Emem hiesigen Fabrikbesitzer wurde durch einen Jungen ein Erpresserbrief überbracht, der nach der ganzen Art der Aufmachung an die Webersche Erpresseraffäre erinnerte. Als der Junge näher beragt wurde, lief er davon. Der Fabrikbesitzer fuhr ihm mit seinem Automobil nach und sah, daß der Junge auf einen gutgekleideten Herrn zuging. Als dieser das Auto sah, ergriff er die Flucht. Er wurde aber eingeholt und durch einen patrouillierenden Schutzmann verhaftet. Ob der Verhaftete mit der Weberschen Expresseraffäre und dem Friedrichschen Doppelmord in Verbindung steht, hat noch nicht festgestellt werden kännen. Heidelberg, 18. Juli. Als gestern abend während der Schloßbeleuchtung ein furchtbares Unwetter einsetzte, floh die nach Tausenden zöhlende Volksmenge nach der Alten Reckarbrücke. Es entstand eine wilde Panik, wobei einige Kinder gelötet wurden. Einzelne Kinder und Erwachsene wurden heute der Polizei als vermißt gemeldet. Wie verlautet, sollen sie bei dem Gedränge in den Reckar gefallen sein. Manchester, 18. Juli. Ein folgenschweres Automobilunglück hat sich hier ereignet. Eine Motordroschke, in der sich außer dem Chauffeur ein älterer Herr, zwei jüngere Damen und ein Säugling befanden, fuhr, da die Steuerung versagte, mit voller Krast gegen zinen Straßenbahnwagen. Das Automobil, das die Insassen unter sich begrub, wurde zertrümmert. Nach dem Zusammenstoß explodierte der Motor. Die eine der Damen und der Säugling waren sofort tot, während die zweite Dame und der Herr sterbend ins Krankenhaus gebracht wurden. Budapest, 18. Juli. Wegen großer Rotlage hat der Postbedienstete Joseph Molnar heute nacht, nachdem er seine Frau unter einem Vorwande aus seiner Wohnung entfernt hatte, seinen fünf Kindern im Alter von zwei Monaten bis zu acht Jahren mit einem Rasiermesser die Kehle durchschnitten, worauf er sich selbst iebensgefährliche Verwundungen beibrachte und sterbend ins Spital gebracht wurde. Seine Frau wurde angesichts der Leichen ihrer Kinder wahnsinnig. London, 18. Juli. Seit einigen Tagen häufen sich in Englaus die Kapitalverbrechen. Nach dem geheimnisvollen Verschwinden von Fräulein Crippon hat gestern in Newcastle ein neunzehnjähriger Mensch namens Eastbues, der vor kurzem im Elternhause eingetroffen war, sein dreijähriges Schwesterchen mit einem Rasiermesser ermordet und seinen Vater durch Revolverschülse niedergestreckt. Dann tötete er sich selbst. Neuyork, 18. Juli. Ein Zug der Einschinen= bahn, die die Verbindung zwischen Boston und City Island herstellt, ist gestern nachmittag entgleist. Es war dies der erste auf der Strecke verkehrende Passagierzug. Er war mit hundert Personen besetzt, von denen fünfzehn verletzt wurden, darunter einige schwer. Der Unfall ist auf den Bruch eines Kabels zurück zuführen. Neuyork, 18. Juli. Der Brand, der in den Docks der Metropolitan Steamship Company aus. gebrochen ist, läßt sich nur schwer bekämpfen. Inzwischen ist auch ein der Gesellschaft gehöriger Dampfer in Brand geraten. Einige Personen werden vermißt. Man befürchtet, daß sie in den Flammen umgekommen sind. 9 Eine englische Luftbuleske bringt das Witzblatt„Answers": Sie waren durchgebrannt, als moderne Menschen natürlich mittels Aeroplaus. Der böse Papa hatte seine Einwilligung verweigert, und die Turteltauben hatten dies für überflüssig gehalten. Und jetzt flogen sie mit einer Geschwindigkeit von 60 Kilometern durch die Luft.—„Süßeste Pauline!" rief er schwärmerisch.„Geliebster Christopher-1 flötete sie, als sie über den Kirchturm flogen. Entzückt bog er sich zu ihr, um ihr einen Kuß zu geben, und dies im Verein mit der Tatsache, daß die Liebe blind ist, ließ ihn die Kontrolle über seine Maschine verlieren. Mit schaurigem Gekrach rannte sie gegen den Kirchturm, und einen Augenblick später sammelten Pauline und Christopher ihre Knochen auf der Erde zusammen.„O, Christopher,“ winselte sie unter Schluchzen,„sieh doch nur, mein neues Kleid ist ganz in Fetzen!“—„Der Kuckuck hole dein Kieid,“ brüllte Christopher, indem er sich aus den Trümmern heraussortierte,„guck mal mein rechtes Ohr an, das da oben auf dem Kirchturm steckt!“ „Ichwerde Gott in Hemdsärmeln loben.“ Nachfolgendes lustiges Stück, das während der Hitze in Amerika passiert ist, wird aus Newyork gemeldet. Dem Reverend Merrit Waterbury war es während der Predigt zu heiß geworden. Er fragte:„Sind unter den anwesenden welche, die es als eine große Formlosigkeit ansehen würden, wenn euer Geistlicher es sich bequemer machen würd.?“ Niemand antwortet. Dann fragte er weiter:„Alle sind damit einverstanden, daß ich jetzt in einem Kostüm predige, das immerhin noch anständig ist. Wer dafür ist, der hebe die Hand hoch.“ Wie im Blitze flogen die Hände aller Anwesende in die Höhe.„In eurem Einverständnis und mit eurem Wunsche werde ich von jetzt ab Gott in Hemdsärmeln loben und dies solange fortsetzen, bis das Wetter wieder kühler geworden ist.“ Jum 100 der Aönigin Luise. (F 19. Juli 1810.) Von Paul Züge. (Nachdruck verboten!) Als ich vor einem halben Jahr am Morgen nach meiner Uebersiedelung in eine Großstadt des deutschen Ostens eine Wohnung suchte, kam ich auch in eine sollich Patriotismus an den Wänden, aber es zog mich an, und ich wohne seitdem mit der Königin Luise unter einem Dach, wie— das deutsche Voli unter dem seinigen, in dessen hohen Mauern der Geist der guten Königin noch heute wie eine schützende Erinnerung schlummert. In ihrem Namen, ihrem Wesen liegt eine ganze Zeit, aber nicht nur die, in welcher sie selber gelebt, sondern ein halbes Jahrhundert und länger, in welchem ihr Glückssohn, der Kaiser Wilhelm, Kleist, dem Dichter, der einst an sie das Sonett gerichtet: Erwäg' ich, wie, in jenen Schreckenstagen, Still deine Brust verschlossen, was sie litt, Wie du das Unglück mit der Grazie Tritt, Auf jungen Schultern herrlich hast getrage: Wie von den Kriegs zerrißnen Schlachtenwogen Selbst oft die Schar der Männer zu dir schritt, Wie trotz der Wunde, die dein Herz durchschnitt, —.— Hönigin Loise u. Napoleon in Tilsil- 180F (Nach dem Gemälde von Gangois unter den verklärten Augen der Mutter dem Vaterlande das Glück der Einigung brachte. Nicht selten ist in Deutschland das Glück auf dem Boden des Mißgeschicks, der Not erwachsen, und das ist gut so.. Das Unglück hat für den Starken eine große sittliche Kraft. Es fegt den Materialismus des Alltags aus den Gedanken, und ruft an seine Stelle den Idealismus, der allzeit der Vater der Kultur und des Fortschritts gewesen ist. Du stets der Hoffnung Fahn' uns vorgetragen: O Herrscherin, die Zeit dann möcht' ich segnen! Wir sahn dich Anmut endlos niederregnen, Wie groß du warst, das ahndeten wir nicht! Dein Haupt schien wie von Strahlen mir umschimmerk; Du bist der Stern, der voller Pracht erst flimmert, Wenn er durch finstere Wetterwolken bricht! Man kann nicht genug von den guten Frauen denken, Die Königin Luise ist eine von den besten Schloss So war’s auch in Preußen vor länger als 100 Jahren, als der verschlafene Materialismus, der sich mit alten Lorbeern brüstete und nur im gestern und heute lebte, eines Tages zu seinem Schrecken erfahren mußte, daß das von den Vätern übernommene Erbe nach den Worten des Dichters, erworben werden muß, um zum Besitz, zum Eigentum zu werden, daß es aber dem Erben zum Unglück gereicht, wenn es ihm mit trägem Stolz erfüllt, und ihn erschlafft. Im TilHohenzierifz. Frauen, denn sie hat durch ihr Beispiel dem Volke die sittliche Kraft wiedergegeben, aus welcher dann der Segen eines neuen Volksfrühlings aufkeimte. Sie hat noch die ersten Sonnenstrahlen miterlebt, die nach 1809 wieder über Preußen zogen, sie hat es noch mitfühlen dürfen, daß im Stillen sich etwas Neues, Großes vorbereitete, daß tief im Volksherzen das alte Vertrauen zur eigenen Kraft sich wieder belebte, die sich in früheren Jahrhunderten immer wieder aufzurichche, in deren Zimmern das Bild der Königin Luise dreimal vertreten war. Das war zwor etwas reichGrabral der Königin Lwise ir Mausoleum zu Chartottenburg(Original von Chr. Raucb.) siter Frieden vom Juli 1807 halte sich der fremde Schnitter die Ernte von den deutschen Feldern und ließ das Land brach liegen und säete nicht wieder. Das Floß auf dem Niemen, auf welchem Alexander von Rußland mit dem triumphierenden Napoleon die ersten„Grundlinien“ zum sogenannten Frieden, dem Frieden des Kirchhofs, zog, lieferte gleichsam die Bretter zum Sarge, in welchem der preußische Patriot kummervollen Herzens die jäh verblichene Größe seines Landes erblickte. Und an dem Sarge stand eine Frau, mit zitterndem Herzen, eine Königin, die nun im Unglück ganz eins geworden war mit dem Volke, und dann mit ihm erholte und ersehnte Pläne schmiedete und Pläne verwarf, aber die größte Zeit nicht erleben sollte, die wieder wie ein Sämann über das Land ging und den Herrgott um Mairegen und Sonne bat. Sie hat mit anderen im gleichen Alter das Schicksal geteilt, daß sie vor der Zeit der Wiedergeburt abgerufen wurde, mit Ferdinand von Schill dem stürmischen Draufgänger mit Heinrich vor ten wußte, so schwer sie auch zu Boden geschlagen war. Als die Königin in den Junitagen 1810 fröhlich zu der letzten Reise nach der Heimat die Berliner Linden entlang fuhr, dankte sie den zahlreichen Spazier gängern mit ganz besonderer Freundlichkeit. Bald darauf erkrankte sie an einer Lungenentzündung, die schnell zur Entwicklung kam und nur zu bald die Kraft des durch Seelenleiden geschwächten Körpers erschüttern sollte. Ueber die letzten Stunden am 19. Juli, dem Sterbetage, berichtet in der„Deutschen Revue“ Julie von Goßlar nach den Aufzeichnungen des alten Heim, einer der Zierden der Berliner Aerzteschaft. Der alte Arzt war an das Schmerzenslager der Fürstin geeilt, sah aber nur zu bald, daß menschliche Kunst hier vergeblich war. Am 19. Juli schreibt er in seinem Tagebuch: „Von gestern abend um 11 Uhr an bis heute früh um 4 Uhr am Bett gesessen, die die ganze Zeit über meine rechte Hand in der ihrigen hielt. Diese Nacht ist die fürchterlichste Nacht, die ich se gehabt habe, für mich gewesen. Ith war so müde, daß ich fast alle Minuten einschlief, soviel Mühe ich mir auch gab, zu rrachen, da das die Umstände erforderten, indem die Königin immer engbrüstiger wurde und kaum laut reden konnte, und doch oft mit mir reden wollte Vor fünf Uhr, da mir eben die Ks#iain erlaubt hatte, mich schlafen legen zu können, kam der König an. Als die Königin ihn sah, sagte sie mit schwacher Stimme„mein lieber Freund“. Der König und alle die im Zimmer waren, weinten. Der Kronprinz und sein Bruder Wilhelm, die bald darauf auch an das Bett der Königin kamen, weinten und schrieen ganz laut. Um 9 Uhr starb die Königin, sicherlich die schönste Frau in des Königs Staaten, von der besten Herzensgüte!!! Der König. die Aerzte und Frau v. Berg waren beide gegenwärtig. Der König betrug sich gut.“ In der Todesnacht schnitt der König eine der wundervollsten blonden Locken der Königin ab für Heim als lebendiges Erinnerungszeichen an die Entschlafene. Auf das Papier, in das er die Locke legte, schrieb er:„Abgeschnitten in der traurigsten Nacht meines Lebens!“ 20. Juli. Vormittags wurde der Leichnam geöffnet.. Was wir in der Brust zu finden glaubten fanden wir nicht. Einer, der in jenen Tagen wie eine Verkörperung des Volksgeistes und des Volksherzens wirkte, und später einer der volkstümlichsten Deutschen geworden ist, „der alte Blücher“ schrieb unter dem Eindruck der Todesnachricht an einen Bekannten:„Ich bin, wie vom Blitz getroffen, der Stolz der Weiber ist also von der Erde geschieden. Gott im Himmel, sie muß vor uns zu gut gewesen sind. Schreiben Sie mich ja, alter Freund; ich bedarf Uffmunterung und Unterhaltung. Es ist doch unmöglich, daß einen Staat so viel aufeinander folgendes Unglück treffen kann als den unsrigen. In meiner jetzigen Stimmung ist mir nichts lieber, als daß ich erfahre, die Welt brenne an allen vier Enden!"—— Es beedurfte der Denkmäler und Bildnisse gewiß nicht, um das Andenken dieser Frau festzuhalten. Aber die Bilder sind mehr geworden als das Bild einer Fürstin, die der Vaterlandsfreund als Anhänger seines Fürstengeschlechts verehrt, ihr Bild ist heute das Sinnbild einer Zeit, welche die ersten Steine in das Fundament der Zukunft senkte, die unsere eigene Gegenwart ist.— und Verkehr. Dortmund, 18 Juli. Städtischer Viehhof. Zum heutigen Schlachtviehmarkte waren aufgetrieben: 1072 Stück Großvieh, 395 Kälber, 31 Schafe, 2028 Schweine. Bezahlt für 100 Pfund Lebend= Schlachtgewicht gewicht K M 1. Rinder. A. Ochsen: a] vollfleischige, ausgemästete. höchsten Schlachtwertes, die noch nicht gezogen haben sungejocht b] vollfleischige ausgemästete soon 4—7 Jahren] e) junge, fleischige, nicht ausgemästele und ältere ausgemästete d) mäßig genährte junge, gut genährte ältere B. Bullen: a) vollfleischige, ausgewachsene höchsten Schlachtwertes bl vollfleischige jüngere c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere C. Färsen und Kühe: a) vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes bl vollfleisch. ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren c) ältere ausgemästee Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe n. Färsen dl mäßig genährte Kühe und Färsen e) gering genährte Kühe und Färsen 2. Kälber. D. Gering genährtes Jungvieh(Fresser) a) Doppelender, feinste Mast bl seinste Mastkälber c) mittlere Mast= u. beste Saugkälber d geringere Mast= u. gute Saugkälber 45—53 e) geringere Sanakälber 3 Schafe. A Stallmastschafe: a] Mastlämmer u. jüngere Masthammel— b) Mastlämmer und gut genährte junge Schafe c) mäßig genährte Hammel und Schafe [Merzschafe B. Weidemastschafe: a) Mastlämmer b) geringe Lämmer und Schasfe 4. Schweine. a) Fettschweine, über 150 Kg.[3 Ztr.] Lebendgewicht bl vollfleischige Schweine v. 120—150 Kiloar[240-.300 Pid.] Lebendgew o) vollfleischige Schweine von 100—120 Kilogr.[200—240 Pfd] Lebendgew dl vollfleischige Schweine von 80—100 Kilogr.(160—200 Psd] Lebendgew. e] vollfleischige Schweine unter 80 Kg. 160 Psd.] Lebendgewicht f) Sauen Handel in Großvieh langsam, sonst mittelmäßig. Auskunktei V. Schimmelpteng beschaft kaufmännische Auskünfte, weist zuverlässige Agenten nach, die Auswahlleistungsfähiger Bezugsquellen über die ganze Welt Sie unterhält eigene Bureaux in etwa 100 Städten des In= u. uslandes und steht in Verbindung mit The Bradstreet Comnanv in New York mit 130 Niederlassungen in Nordamerika und Australien. Bureaux für Westfalen: Bochum, Bahnhofst. 30 a, Dortmund, Hoherwall 34, Hageni. W. Südstr. 7. 9 9. 5 = BanS 5 * r size 3 144 daß im nächsten Augenblick das große Glücksrad zu kreisen beginne und es daher die höchste Zeit sei, wenn jemand noch ein Los—„die letzten, die letzten, bitte Fräulein 10 Pfennige, Sie werden gewiß den Hauptgewinn ziehen"— die allerletzten erstehen wolle. Vor der Menagerie, deren Leinwandwände mit den wildesten„Pestien", wie der Ausrufer sagte, und dem Herrn der Schöpfung bemalt waren, krächzte ein= Papagei, als vierter zwischen die von einem aus drei Mann bestehenden Orchester ausgeführte„Musik“,— im Vertrauen gesagt, hinter der Leinwandfläche befanden sich nur ein Meerschweinchen, ein ausgestopfter Löwe, ein Wolf, letzterer in Wirklichkeit eine„Pestie", denn er verpestete die ganze Luft, und zwei Pferde,„edle Renner“, von dem Publikum jedoch„Garderobeständer“ genannt, wegen der Magerkeit und deshalb weithervorstehenden Knochen der Pferde. Vor einer mit kleinen Photographien beklebten Bude stand eine dicke Dame und lud die Umstehenden ein, einen Blick in die Zukunft zu tun. War jemand so schwach, auch nur im geringsten merken zu lassen, daß ihm nach ihrer Wissenschaft verlangte, war er rettungslos verloren. Sie ließ das Wachskerlchen, das vor ihr in einem mit Wasser gefüllten Glaszylinder stand, hinunter und wirder hinaufsteigen:„Du kleiner Mann von Amsterdam, der alles weiß und sagen kann, steige hinab ins Kabinettchen und verkünde dem Herrn die Zukunft.“ Dann mußte der Papagei, Jocko genannt, aus einem Haufen Couverts eins herausziehen, in dem sich die„Zukünftige" des wißbegierigen Herrns befand. Da gab's denn immer zu lachen, weil Jocko sich häufig irrte, und die„Zukünftige“ ein„Zukünftiger" war. Das meiste Geschrei machte der„wahre Jakob“, der eine leere Pappschachtel auf dem Kopfe die kostbarsten Gegenstände fast verschenkte, und in all dies Getöse klang immer wieder das Gejammer einer verstimmten Drehorgel, zu deren Klängen ein edles Sängerpaar die neueste Mordgeschichte vortrug. In diesen, die höchsten Genüsse versprechenden Truvel stürzte sich der„Schwamm“, und er schwamm auch bald in einem Meer von Wonne von Bude zu Bude. „Bitte, meine Herrschaften, treten Sie näher, treten Sie ein; die Kapelle gibt das letzte Zeichen und die Vorstellung begkant:— „Hierher, meine Herrschaften, die Wunderkuh, noch nicht dagewesen, nur heute!— Die Herren vom Militär zahlen die Hälfte.“ „Du, Hannes,“ meinte Rüböl,„dreh' mal für'n Groschen. Vielleicht gewinnst du’ne Lampe. Unsere Tranfunzel auf der Stube brennt doch so schlecht.“ Hannes überlegte einen Augenblick, und ehe er es sich versah, hatte er bereits ein Los,„das letzte“, in der Hand. Er knöpfte seinem Brustbeutel einen Groschen ab, der Budenbesitzer, seine Frau und noch vier andere schrieen noch fünf Minuten lang„die allerletzten“, bis auch diese untergebracht waren, dann wurde das große Rad von geübter Hand herumgeschwungen. Einen Augenblick höchster Spannung, die Blicke der Losinhaber hingen wie gebannt an der rotierenden Blechscheibe, jetzt schlug die Kirmesfortung, eine hoch in den Zwanzigern stehende, aufgedonnerte Schöne auf den Knopf,— rrrrrreck— sagte die Geschichte, und das Glücksrad stand still. „Nummero 21!“ flötete die holde Dame,„Nummero 21“; wiederholten vier angegriffene Kehlköpfe:„wer hat Nr. 21?“ „Hier,“ schrie Hannes Müsser, und schwenkte sein Los in der Luft herum.„Hier," brüllte der ganze Schwamm in einer Weise, daß die Leute zusammenliefen, weil sie glaubten, es sei ein Unglück passiert. Der Budenbesitzer wandte sich mit einem verbindlichen Lächeln an den Inhaber des Glücksloses:„Herr Sergeant, ich gratuliere, Sie haben den Hauptgewinn, ein“—— er drehte sich, seine Schätze musternd, um——; eine prachtvolle Salonlampe mit Patentbrenner.“ Damit reichte er eine gewöhnliche Stubenlampe von enormer Größe herunter. Nun aber der glückliche Gewinner! Sollte er sich freuen oder nicht? Der Gewinn war ja ganz nett, Stube 35 würde gewiß die schönste Lampe in der Kaserne haben. Aber, wie das Ding nach Hause bekommen? Und er wollte auch noch tanzen!“ Die Kameraden begannen schon zu ulken. „Du, Hannes,“ meinte Baum,„so'n Apparat will aber vorsichtig transportiert sein. Am besten ist's, du machst gleich kehrt und gehst dann Schritt für Schritt nach Hause. Wenn du ankommst, ist's gerade zehn Uhr.“ „Ich will den Henker dun,“ schimpfte Hannes,„ich trag' den Krempel nich, die Leute sollen mich nicht auslachen.“ „Wer denn sonst,“ spottete Huntel,„du hast heute Stubendujour.“ (Forts. folgt.) 2 8 Allerlei Ein französisches Urteil über die deutsche Abteilung in der Welt=Ausstellung in Brüssel. Während alle anderen französischen Zeitungen mit ihrem Urteil über die deutsche Abteilung auf der Brüsseler Ausstellung zurückhalten, veröffentlicht der„Temps“ bereits den zweiten Artikel hierüber, der die deutschen Leistungen kritisch, aber mit voller Unparteilichkeit würdigt. Diesmal beschäftigt sich E. Pottier in einem in jeder Hinsicht bemerkenswerten Essay mit der deutschen Innendekoration. Er beginnt mit der Feststellung, daß die deutsche Abteilung in Brüssel viel von sich reden machen und fährt dann fort: „Diese Wirkung war beabsichtigt. Sie ist das Resultat eines reichlich überlegten Planes, der alle deutschen Erzeugnisse in den aneinander grenzenden Gebäuden vereinigt hat, und der die Aufmerksamkeit besonders auch durch die Neuheit und die Originalität der ausgestellten Gegenstände anziehen will. Teutschland legt sich gewaltige Opfer auf, um den Vorrang in allen Zweigen des industriellen Lebens zu erobern. Teutschland will überall an erster Stelle stehen, und es verbirgt diese Absicht keineswegs. Die militärische Vorherrschaft genügt ihm nicht, es will die notwendige Ergänzung in der Ausbreitung seiner Handelsmacht finden. Es will das Mustervolk, der Typus einer Nation sein.“ Pottier will nicht untersuchen, wieviel übermäßigen Stolz dieser Ehrgeiz enthält, ihn interessiert nur die im Augenblick vorliegende Aeußerung dieser Ambitionen. Er gesteht, daß er die Geringschätzung französischer Touristen und belgischer Freunde Frankreichs angesichts der deutschen Leistungen nicht zu teilen vermag. Nach seiner Meinung versucht Deutschland den neuen Stil des„art nouveau", der eigentlich nur eine Mischung alter Stile ist und durch seinen komplizierten Charakter seine anfangs begeisterten Freunde eingebüßt hat, aufs neue zu beleben, indem es ihm„Gesundheit und Solidarität“ verleiht. „Die deutschen Fabrikanten haben mit sorgfältiger Ueberlegung von ihren Möbeln alles ferngehalten, was regellose Phantasie oder kindische Spielerei war. Die Formen sind meistens etwas massiv, aber alles ist mit Rücksicht auf eine intelligente Bequemlichkeit für den praktischen Gebrauch gestaltet. Die Stoffe sind geschmackvoll gewählt, die Farbentöne gut aneinandergepaßt. Im einzelnen ist viel delikates Raffinement zu bemerken. Alles Markschreierische ist mit sichtlichem Bemühen vermieden.“ Daß im ganzen das Arrangement einen etwas, ernsten und trockenen Eindruck macht, scheint Pottier dem deutschen Charakter zu entsprechen.„Eine italienische Villa würde andere Gesichtspunkte der Aesthetik verlangen. Aber wenn Deutschland einen Stil zu schaffen vermag, der das deutsche Heim seinen Sitten und seinem Klima anpaßt, so darf man es nicht tadeln, im Gegenteil, wir müssen diese Bemühung mit hohem Lob anerkennen.“ Das planmäßige Vorgehen Deutschlands zur Eroberung „seines“ Stils glaubt Pottier auch in den ausgestellten Schulräumen zu sehen.„Hier wird der Geist der Jugend in der gewollten Richtung beeinflußt. Deutschland hat erkannt, daß es für den Streit um das Kunstgewerbe zahlreicher Bataillone bedarf, es rekrutiert sich aus den großen Reserven der Volksschulen mit ihren Millionen Zöglingen.“ Pottier ist bei aller Anerkennung des Gebotenen im Zweifel ob diese Methode, die wieder auf den„Schulmeister" zurückgeht, für Frankreich anwendbar wäre. Er sagt:„Unsere Nachbarn versuchen, Herren des Marktes zu werden und unsern Fabrikanten Kunden abzunehmen. Aber die deutsche Methode würde in Frankreich unfehlbar Schiffbruch erleiden. Bei uns läßt man die Kunst wachsen, sucht sie zu entwickeln; aber man schreibt ihr keine Formel vor. Die Fähigkeiten des Kindes sollen geweckt werden, ohne daß von vornherein ein bestimmtes Programm als Richtschnur gegeben wird. Welche von beiden Methoden eigentlich recht behält, das wird die Zukunft lehren.“ rr S 933 555 S *** SS! S#ös 9.5 S- L• 2. 2 —* " 8•—— 5• 33. □ r 129 * 9 G ——— 14 Der Kunstreiter. Erzählung von Friedrich (Nachdruck verboten.) „Und ich berufe mir nochmals auf Graf Geyerstein,“ erwiderte Melanie, jetzt kaum zwei Schritt von dem Ritlmeister entfernt.„Der Graf ist sehr genau mit der Truppe bekannt und hätte uns doch, wenn sich die Sache wirklich so verhielte, gewiß schon ein Wort davon gesagt, da er weiß, wie großen Anteil wir daran nehmen.“ „Es tut mir leid, Komtesse, in diesem Streite nicht auf Ihrer Seite kämpfen zu können,“ fiel hier Graf Selikoff mit etwas gebrochenem Teutsch ein,„aber der General hat recht, den Falben wie den einen weißen arabischen Hengst habe ich sogar selber gekauft, um beide nach Petersburg zu schicken.“ Melanie schien im Anfang die Worte gar nicht zu hören, denn ihr Blick hing im Anfang fest und forschend an den Zügen des Rittmeisters; aber diesen Moment des Selbstvergessens bezwang sie rasch und zu dem Russen gewandt; sagte sie:„In der Tat?— das hätte ich nicht geglaubt.— Was mag den Mann dazu bewogen haben? Her: Rittmeister, wissen Sie vielleicht etwas Näheres über diesen überraschenden Verkauf? Will sich vielleicht Monsieur Bertrand ganz dem Seiltanz widmen?“ „Ich bedauere unendlich, Komtesse,“ erwiderte ruhig Graf Geyerstein,„Ihnen nichts Näheres darüber mitteilen zu können. Es ist sogar dies das erste Wort, das ich von dem Verkauf höre, ich muß also doch nicht so genau davon unterrichtet sein.“ Komtesse Melanie schwieg, und eine fliegende Röte färbte ihr für einen Augenblick Wangen und Nacken; um gleich darauf wieder: so rasch wie sie gekommen; zu verschwinden. Fräulein von Zahbern aber, mit dem Interesse, das sie an jeder Stadtneuigkeit nahm, rief erstaunt::„Ist es denn möglich, Monsieur Bertrand will sein Geschäft aufgeben? Aber das kann ja gar nicht sein, oder er hat sich genug verdient, um den Kunstreiter an den Nagel zu hängen und den Rentier zu spielen. Da freue ich mich nur, daß wir ihn noch hier zu guter Letzt gehabt und gesehen haben. Und seine Frau reitet nun also auch nicht mehr?“ „Nur Vermutungen von unserer Seite, meine Gnädige,“ sagte der alte General von Schoden. Wir wissen selber darüber nicht mehr als Sie.“ „Ich finde es auch so erstaunlich unweiblich; zu reiten,“ bemerkte Fräulein Euphrosyne von Schoden,„ich muß gestehen; ich hätte die Vorstellungen um keinen Pceis wieder besucht.“ 9## „Larifari!“ lachte der alte General;„wegen der kurzen Röcke?— mit langen Reifröcken können sie auf keinem Pferde herurttanzen.“ „Aber; Papa; ich bitte dich um Gottes willen...“. „Ich fragte Monsieur Bertrand.“ fiel hier Graf Selikoff ein,„ob er die Absicht habe, seine Reitkunst aufzugeben, erhielt vor ihm aber nur ausweichende Antworten. Die Sache kann übrigens kein Geheimnis bleiben, denn seine Truppe wird uns bald darüber aufklären, wenn er es selber nicht für nötig finden sollte.“ „In der Stad“ erzählt man,“ nahm hier der hinzutretende Intendant das Wort,„daß sich Monsieur Vertrand schon wegen des unterlassenen Seiltanzes zwischen den beiden Türmen sehr heftig mit seiner Frau gezankt habe und die beiden sich wollten scheiden lassen.“ „In der Tat?“ rief Melanie schnell, und ihr Blick streifte fast unwillkürlich den Rittmeister „Ja, meine Gnädigste," versicherte Herr von Zühbig mit wichtiger Miene, indem sich seine Stirn in dichte Falten zog,„Madame Bertrand scheint etwas heftiger selbständiger Natur zu sein, wie alle diese Art Tamen; und es sollte mich gar nicht wundern, wenn sie das Geschäft ohne Herrn Bertrand allein fortsetzen würde.“ „Ohne Pferde?“ sagte der General. „Ohne Pferde?— Pardon! nein.“ „Aber ihr Mann verkauft sie alle.“ „Ha, dann dressiet sie vielleicht andere! Es ist ein pompöses Weib. diese Madame Bertrand, ein kleiner Teufel— wie ich mir habe sagen lassen.“ „Es kann auch sein,“ nahm hier Melanie das Wort, „daß sie sich selber nach Ruhe sehnt, und vielleicht in stiller Zurückgezogenheit ihr Leben nach so vielen Gefahren und— Aufregungen zu genießen gedenkt.“ „Sehr leicht möglich; meine Gnädigste, sehr leicht möglich!“ rief Herr von Zühbig mit einem lüsternen Lächeln um die Lippen.„Man munkelt sogar in der Stadt von einer Laison, die verlockend genug sein sollte; selbst den schönen Monsieur Bertrand aufzugeben.“ „Sie sind boshaft, Baron,“ sagte Melanie, indem sie fühlte, daß ihr das Herzblut selbst zu Eis gerann. Aber sie wagte in diesen. Augenblicke nicht zu dem Rittmeister aufzuschauen. „Die Stadt wird nie müde,“ sagte da Graf Geyersteins ruhige klangvolle Stimme,„dergleichen Erzählungen zu erfinden, und es gibt auch stets gefällige und geschäftige Menschen, die sie weiter tragen.“ „Natürlich, Herr Intendant," lachte Fräulein von Zahbern;„Neor tun wir alle nicht. Wenn wir aber alle so sinstet und schweigsam wären wie der Herr Rittmeister, so hörte jede Unterhaltung auf, und man säße in stiller Selbstbeschauung nebeneinander; eine Tasse Tee mit Würde zu trinken. Hahahaha— eine solche Tamengesellschaft möchte ich einmal sehen!“ „Haben Sie keine Furcht, mein gnädiges Fräulein,“ lachte der alte General;„hier in X. passiert Ihnen 33 * 5 8— X#3 □ 2 ∆— a S 1 1 S 5— E. S 1 —. SOSSSSESUT S.5 L.EGLEEEZ! Baen P-hu Sgeßs 5c SUHMPDARGR.•" 9•—„ GODEDOSS „"—- 9 a* „- K SA-OPTET OEEE MSSSS55* .#EEEP AIGUAN SSARBES.ANS G.BS.ESSSD — ——— — * 2—15 E 9 E 88 — das nicht, ihr Weiber müßt einmal klatschen, das ist zuer Erbsehler.. „Aber, bester Papa.“ „Und du, Euphrosyne, bist um kein Haar besser als die anderen!“ rief der alte Haudegen. „Aber du gebrauchst solche incroyable Ausdrücke, Papa!„Larisari! ich nenne das Kind beim rechten Namen.“ „Komtesse, ich habe den ganzen Abend bis zu diesen Augenblicke vergebens eine Gelegenheit gesucht, Sie begrüßen zu können,“ wandte sich Graf Geyerstein an Melanie— diesen Augenblick benutzend, wo die Aufmerksamkeit der übrigen auf den=General und seine Tochter gerichtet war. „Ich bin sehr erfreut, Sie nach so langer Zeit wieder einmal bei uns zu sehen,“ erwiderte die junge Gräfin mit einer artigen, aber kalten Bewegung des Hauptes. „Wenn Sie wüßten....“. „Wie beschäftigt Sie die letzte Zeit gewesen?“ unterbrach ihn Melanie, und sast unwillkürlich suchte ihr scharfer, sorschender Blick sein Auge. Ruhig jedoch, nur mit einem leisen fast schmerzlichen Ausdruck, begegnete es dem ihrigen. Sie wandte sich rasch ab und fuhr fort:„Ich kann es mir denken; und Sie sind vollkommen entschuldigt. — Aber kommen Sie, Herr Graf,“ redete sie in demselben Augenblicke den jungen Russen an,„ich versprach Ihnen vorhin die russische Volkshymne— Luise soll sie uns spielen— es ist ein Genuß, sie zu hören.“ „Es ist auch eine der schönsten Melodien, die es gibt, sagte der Graf, die letzten Worte falsch verstehend, „und Sie machen mich unendlich glücklich, Komtesse, daß Sie solches Interesse an unserer Nationalhymne nehmen.“ Melanie verneigte sich leicht gegen den Grasen Geyerstein, legte dann ihre Hand in den ihr gebotenen Arm des jungen Russen und schritt an seiner Seite dem andern Salon zu, in dem der Flügel aufgeschlagen stand. „Und hatte ich unrecht?“ flüsterte Fräulein von Zahbern in des Rittmeisters Ohr, indem ihr Blick mit einer ihr sonst nicht unschönes Gesicht fast entstellenden Mischung von Zorn und Eifersucht das Paar verfolgte. „Lassen Sie uns die Nationalhymne mit anhören; mein gnädiges Fräulein,“ sagte Graf Geyerstein statt aller Antwort, indem er ihr den Arm bot und die erbitterte Schöne, ohne ihr Zeit zu einer weiteren Bemertung zu geben, den Vorangegangenen nachführte. An demselben Abend; an welchem deim Kriegsminister von Ralphen die Soiree gehalten wurde, und während dort in den he.i erleuchteten und wohltätig durchschwärmten; von Blumen duftenden, von sanften Melodien durchströmten Räumen fröhliche Menschen gesellig beieinander saßen; bereitete sich eine andere, von dieser weit verschiedene Szene in der zweiten Etage der Rosengasse vor. Die Vorstellung im Zirkus war beendet, und mit ihr die letzte, der Gesellschaft für diese Messe gestattete. Draußen auf dem Platze; als die letzten Menschen das hohe, runde Bretterhaus kaum verlassen hatten; arbeiteten; hämmerten und pochten schon wetterbraune Gestalten in Hemdsärmeln und Schurzfellen; um die Bude wieder abzuschlagen und sie so rasch als möglich von dem Platze; den sie mit ihrer bretternen Masse entstellte; zu entfernen. Auch oben in dem Zimmer Georg Bertrands sah es aus, als ob der Eigentümer des Gemaches im Begriff sei; abzureisen; denn wild und unordentlich lagen alle möglichen Kostümstücke bunt zerstreut über Stuhl= und Sofalehnen; ja selbst über den Boden hin. Handschuhe; Reitpeitschen; ja selbst andere Teile einer Tamengarderebe bedeckten zum Teil den großen runden Tisch der in der Mitte der Stube stand; und waren nur zur Hälfte zurück= und zusammengeschoben, um dem durch die Hausmagd herausgebrachten Abendbrot für drei Personen notdürftigen Raum zu geben. Die Luft in dem ziemlich geräumigen. aber sehr niedern Gemache war dubei schwül und dumpfig, und laltgewordener Tabaksqualm, wie der warme Fettgeruch verschiedener Fleischspeisen diente nicht dazu, sie zu verbessern. Auf dem Sofa lag Demoiselle Josefine, Georginens siebenjährige Tochter. Tas Kind war von der für seine Jahre übermäßigen Anstrengung erschöpft eingeschlafen und der Schein der Lampe fiel, ohne die Schläserin zu stören, grell auf das bleiche, aber stark geschminkte, abgespannte Gesicht des Kindes. Georg Bertrand war noch nicht nach Hause gekommen. Er mußte daraus sehen, daß vor allen Dingen seine Pferde gut gewartet, abgerieben und gefüttert wurden, ehe er selber an seine eigene Verpflegung denken lonnte. Fremden Menschen; und noch dazu solch leichtsinnigem Volke, wie seinen Künstlern, durfte er das, wie er recht gut wußte, nicht überlassen. Georgine dagegen hatte eben das Zimmer betreten, aber ihr leichtes, luftiges Kostüm, mit de.: sie in der letzten Piece als Elfe die Zuschauer entzückt, noch nicht abgelegt. Nur ein langer, leichter grauer Mantel, den sie beim Nachhausegehen darüber geworfen, schützte sie gegen die kalte Nachtluft, und selbst hier, in dem fast schwülen Zimmer, hatte sie ihn noch nicht abgelegt, denn ihre Seele beschäftigte anderes als die Veränderung ihrer Toilette. Unruhig und rasch schritt sie in dem breiten, niedern Gemache auf und ab. Die nackten Arme fest auf der unruhig wogenden Brust verschränkt, das Haupt gesenkt, auf dem die noch nicht abgelegten Blumen und Federn herüber und hinüber wehten, maß sie den engen Raum wieder und wieder und unterbrach ihre Schritte nicht einmal; als ihr Vater endlich, ebenfalls noch in seinem Hanswurstkostüm; ins Zimmer trat. „Ist Georg noch nicht zu Hause?“ fragte der Alte; indem er seine Kappe auf dem Kopfe rückte und sich mit der Hand durch die langen, schon dünnen und ergrauenden Haare fuhr. „Nein“, lautete die kurze Antwort, und die Frau schritt, ohne nur zu ihm aufzusehen, an ihm vorüber. Der Alte betrachtete sie eine Weile kopfschüttelnd, dann ging er zu dem Sofa, auf dem Josefine lag, und blieb davor stehen.„Hm“, sagte er hier, indem er einen alten, auf der Sofalehne hangenden Rock über die halbentblößten Glieder der Kleinen zerrte,„das Kind wird sich erkälten. Hat sie denn schon zu Nacht gegessen?“ „Ja, sic war früher fertig als wir.“ „Wo hockt denn die Christel, daß sie gewaschen und zu Bett gebracht wird?“ „Rufe sie— die faule Dirne ist nie da, wenn sie gebraucht werden soll.“ Der Alte ging kepfschüttelnd wieder hinaus und kam bald mit einer Art von Dienstmädchen zurück, das den Tag über auch noch dazu verwandt wurde; die verschiedenen Kostüms in Ordnung zu halten. Das Mädchen schien selber irgendwo eingeschlafen und eben geweckt zu sein, denn sie konnte noch nicht in das Licht sehen. Ohne viele Umstände ergriff sie das schlafende Kind mit dem darüber gedeckten Rock, warf es sich halb über die Schulter; ohne daß es dadurch erwacht wäre, und trug es in sein Schlafzimmer nebenan. „Das Fleisch wird ganz kalt,“ sagte indes der Alte; der sich nicht weiter um das übrige bekümmerte.„Wo nur Georg wieder bleibt— setz' dich mit her, man muß jetzt das bischen Fressen so nur immer in aller Hast hineinhetzen.“ „Iß nur,“ erwiderte die Frau;„ich habe keinen Hunger.“ „Keinen Hunger? und nach der Anstrengung?“ 8 Or 14,3 brummte der Alte.„Tabei kann man doch wahrhaftig nicht von der Luft leben!— Meinetwegen aber, wenn eu nicht würlst— ich habe Hunger!“ Und damit warf er seine alte Filzlappe in die Ecke, holte sich einen großen Krug Vier und vom Feuster eine Flasche Branntwein, langte dann aus den vor ihm stehenden, mit guten, nahrhaften Speisen gesüllten Schüsseln wacker zu, und schien sich bald nach Umständen vollständig behaglich zu fühlen. Nur das unruhige Wesen der Frau störte ihn; er sah ihr ein paar mal auf ihrem Gange kopfschüttelnd nach, und dann wieder nach der alten Schwarzwälder Uhr, die im Zimmer hing, hinüber, rückte ungeduldig eine Weile auf einem Stul. hin und her und sagte endlich:„Was hast du denn nur heut' abend, Gine, daß du wie toll im Zimmer auf und ab rennst? Weshalb hast du dich noch nicht ausgezogen? Zum Tonnerwetter, setz' dich einmal, man wird ganz wirr im Kopf.“ Die Frau antwortete weder, noch unterbrach sie ihren Gang, und nur manchmal blieb sie einen Moment plötzlich stehen, um nach der Tür hinüber zu horchen. Der Alte sah ihr konfschüttelnd zu, dann aß er ruhig weiter, bis er satt war, schob jetzt den Teller zurück, schenkte sich ein Bierglas halb voll Branntwein, das er auf einen Zug und ohne eine Miene zu verziehen leerte, und nahm dann das Gespräch noch einmal auf:„Dir geht Georgs neuer Plan im Kopfe herum— er paßt dir nicht, ich weiß es— er paßt auch mir eigentlich nicht recht, aber— bei Lichte besehen, hat er doch am Ende nicht so ganz unrecht. Wir werden alt; und ich für meinen Teil hätte nichts dagegen, wenn ich mich einmal— wenigstens eine Zeitlang— ausruhen könnte, ohne gerade am Hungertuche zu nagen.“ Der alte Mann hatte den Ellbogen auf den Tisch gestützt und schaute mit den kleinen, tiefliegenden Augen sinster und verdrossen in die dicht vor ihm flackernde Lampe hinein. Georgine war neben ihm stehen geblieben, und den weißen vollen Arm auf den Tisch stützend, sagte sie mit leiser; wie höhnisch klingender Stimme: „Und willst du ein Bauer werden?“ Fortsetzung folgt. Hummels Rache. Militärhumoreske. Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Ta wurden Tritte auf der Treppe laut, die Tür öffnete sich und herein trat der Unteroffizier du jour. Aber ehe dieser dazu kam, Bericht über den Erfolg seiner Sendung abzustatten, wurde er von einer Gestalt in schmutziger Drillhose, einem alten Rock, auf dem Kopfe eine Mütze aus dem 13. Jahrhundert und Schlappen an den Füßen beiseite geschoben. Es war der Herr Kasernenwärter Künsemüller. Er hielt dem Wachtmeister den vermibten Lappen unter die Nase und kreischte so laut, wie das seine Stimme nur zuließ: „Was, was,— das mir, das mir so betrügen,— alten Sergeant, ja Sergeant, werd' ich mell'n, Kaserneninspektor mell'n, müssen Trübsal schwitzen, bei Vater Ratz, ja Vater Ratz, der soll Euch lehren, ja lehren... Hier wurde der Sergeant von Kurz unterbrochen, der ihm wortlos den Leindwandsetzen aus der Hand nahm und ihn in den Bilderrahmen legte. Kein Zweifel mehr, er paßte. Kurz wurde im Gesicht rot wie ein Puter. *„Wer hat das getan?“ fragte er mit dumpfer Stimme. - Keiner meldete sich. „Ihr Grasaffen, ich frage Euch, wer das getan hat?“ Die Dragoner sahen einander an, aber keiner sagte ein Wort. „Wenn sich der Halunke; der das getan hat, nicht sofort meldet, dann lasse ich Euch alle exerzieren; bis Ihr Euren miserablen Leichnam auf nix und null verschwitzt habt, verstanden!“ schrie Kurz, halb von Sinnen über die Verstocktheit der vor ihm stehenden Missetäter. Seine Bemühungen blieben indessen ohne Erfolg.„ Mit einem grün und gelb angelaufenen Gesicht verließ er schnell das Zimmer, gefolgt vom Unteroffizier du jour und Künsemüller, der mit lühnem Griff ein auf dem Tische liegendes Handtuch als Ersatz für das von ihm zuviel herausgegebene ergriffen hatte. Zuruckda schnallte den Säbel um und ging in die Stadt, und Hummel becilte sich ebensalls, eine Gesellschaft zu verlassen, die in diesem Augenblick nicht in der Stimmung war, ihn sehr sanft zu behandeln, konnte aber nicht unterlassen, vorher zu sagen: „Mit Köhnens wird det nu wohl nischt werden, na, ick werde Lene trösten.“ In der nächsten Sekunde war er auf der Treppe, zu seinem Glück, denn augenblicklich flogen Stiefel, Kaffeekannen, Bürsten und Haken, alles durcheinander, gegen die Türe. III. Am andern Morgen verteilte der Wachtmeister beim Appell die Urlaubskarten. Für den„Schwamm“ waren keine dabei. Tafür bemerkte der Wachtmeister am Schlusse des Appells: „Quartiermeister, lassen Sie sofort eine Anzahl Zaumzeuge von der Kammer holen. Die Mannschaften von Stube Nr. 35 haben bis heute Abend tadellos zu putzen, ich werde mir die Sache selbst ansehen.“ Bald zog der Schwamm mit einem Haufen verrosteter Zaumzeuge in den Stall, um dieselben zu putzen. Das heißt, vorderhand wurden die Geschirre auf Anordnung Huntels auf einen Haufen geworfen und die Dragoner setzten sich zusammen. Die Stimmung war sehr gedrückt. Endlich quetschte Krause heraus:„Ich laß mich mit den Ohren an die Stalltüre nageln, wenn nicht dieser elende Blechpfeifer selbst den Streich begangen hat, um uns hereinzulegen.“ „Alles ganz egal,“ nahm Huntel das Wort.„Zunächst fragt es sich, wie kommen wir nach Altdorf; denn hin muß ich, ich hab's der Lene versprochen.“ Keiner wußte einen Ausweg. Endlich erhellten sich die Züge des Beschlagschmieds: „Ich hab's, Kerls, so muß's gehen. Ich laufe rüber zum Hauderer Maier. Der Mann muß uns um halb sieben einen Wagen stellen. In zwanzig Minuten sind wir in Altdorf. Bis zehn Uhr haben wir Zeit. Um halb zehn fährt ein Zug von Altdorf. Wenn wir den benutzen, sind wir immer noch früh genug in der Kaserne und wir haben zwei Stunden für uns gehabt. Etwas wenig zwar, doch besser wie nichts. — Und jetzt schnell an's Putzen.“ „Immer langsam,“ sagte Lannes Müsser, stülpte seine Mütze auf den Kopf und ging. Nach einiger Zeit kehrte er mit einem Fläschchen Salzsäure zurück, das er in einen alten Stubeneimer entleerte. Dazu kam Wasser und in das ganze die Eisenteile der Zaumzeuge, und so putzten sich diese selbst. Der Schwamm arrangierte zwei Partien Skat zu vieren. — Um halb sechs Uhr wurden die letzten Runden angesagt, dann die Zaumzeuge wieder eingeschnallt, diesen der letzte Schliff gegeben, und als bald darauf der Wachtmeister Kurz kam und in Gedanken die rostigen Eisenteile mit den blanken verglich und sich die Mühe und den Fleiß vorstellte, den es gekostet haben mußte, um in so kurzer Zeit eine solche Umwandlung herbeizuführen, beschlich ihn ein menschliches Rühren und er sagte: „Futtermeister, lassen Sie die Remonten von den Rekruten abfüttern, und zum Schwamm gewendet:„Ihr könnt abtreten.“ Die ließen sich das nicht zweimal sagen. Wie der Blitz sausten sie zum Stall hinaus, auf ihre Stube und ehe eine Viertelstunde vergangen war, saßen sie in Wichs und Wagen und fuhren im scharfen Traben nach Altdorf. Da ging es hoch her. Schon von weitem hörte man das Getöse und den Spektakel. Vor jeder Bude spielte eine Orgek ein anderes Stück, und Bierpolka, Donauwalzer, Feuerwehrgalapp stritten sich, wer den meisten Spektakel machen konnte. Dazwischen wurden die Kirmesgäste, die in breiten Scharen die Dorfstraße auf= und abwallten und, ganz vertieft in die aufgespeicherten Schätze—„Stück für Stück 10 Pfg.“ — sich gegenseitig die Hühneraugen abtraten, mit einer unvergleichlichen Ausdauer auf die Reize eines infolge Altersschwäche bereits runzelig gewordenen und in sich zusammengefallenen Lebkuchens aufmerksam gemacht und vom Besitzer einer Stimme, die nur durch fleißiges Begießen mit Grog vor gänzlichem Versagen geschützt werden sonnte, davon in Kenntnis gesetzt, 235 1.4—