Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und gesetzt. Felertage. Abonnementspreis — und dem 8seitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pig. bro Monat, durch die Post bezogen für 3 Monate 1.50 Ml. Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inscrate verantwortlich: Viktor Schanzer, Dortmund. verbunden Lokak-Anzeiger für mit dem Dortmund u. Hörde und der täglichen Unterhaltungsbeilage W#h sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— wermurec=Anschluß Nr. 3295. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Pso.) Beilagen nach Uebereinkunst. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren durc. Klage oder Konkursverfahren wird der Rabatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann, Dortmund. Nr. 142. Dortmund, Dienstag, den 21. Juni 1910. 27. Erstes Blatt. Arbeitskämpfe 1909 und 1910. S. R.— Die Störungen des gewerblichen Friedens, wie sie im abgelaufenen Jahre durch Streiks und Aussperrungen hervorgerufen wurden, weisen gegenüber dem Jahre 1908 eine Steigerung auf. Die Zunahme der Arbeitskonflikte ist nicht anders zu bewerten, als daß sie mit ein Kennzeichen abgibt, für die wesentliche Besserung die im Laufe des Vorjahres in der allgemeinen Lage des Arbeitsmarkts sich geltend machte. Ein Einleiten von Streiks hat nur Zweck und sichert nur dann am meisten Aussicht auf Erfolg, wenn die wirtschaftliche Konjunktur gut ist. Der Unternehmer wird dann am ehesten dem Druck nachgeben, und um unter günstigen Produktionsverhältnisfen nicht gezwungen seiern zu müssen, den ihm gestellten Forderungen gegenüber sich nachgiebig zu zeigen. Für das abgelaufene Jahr ist denn auch die nicht geringe Zahl von 1537 durchgeführten Streiks zu registrieren.(Bd. 239 d. Stat d, Deutsch, Reichs) Im Vergleich zu 1908 haben 190 Streiks mehr stattgefunder!. In Mitleidenschaft gezogen wurden in ganz Deutschland über 4800 Betriebe, nahezu 1400 von ihnen d. h. 29 Prozent wurden dabei völlig lahmgelegt. Die betroffenen Betriebe beschäftigten nahezu 254000 Arbeiter, davon streikten ca. 97000 also 38 Prozent. Für 1908 wurden nur 34 Prozent gezählt. Prüft man die Beteiltgungszifsern für einen Streik, gelangt man zu dem interessanten Ergebnis, daß 1909 die einzelnen Streiks zwar nicht so viel Betriebe erfaßten, wie im Vorjahre, daß aber die Beteiligung am einzelnen Streik viel umfangreicher war. Am meisten gestreikt wurde in Preußen, auf das mehr als die Hälfte aller Streiks überhaupt kam 54 Proezut), dann folgten Sachsen und Bayern(14 und 11 Prozent), dann sogleich Hamburg mit 5 Prozent. In Preußen wiederum konzzentrieten sich die Arbeitskonflikte auf Rheinland, Brandenburg, Berlin und Hannover. Am friedlichsten blieben die Verhältnisse in Posen, Ost= und Westpreußen. Sondert man die stattgefundenen Differenzen, nach dem Gesichtspunkt, ob die Arbeiter mit dem Aussetzen der Arbeit günstigere Arbeitsbedingungen sich erkämpfen, oder gegen deren Verschlechterung(Herabsetzung der Löhne, längere Arbeitszeit usw. opponieren wollten, so stellt sich heraus, daß die Angriffsstreiks, die Abwerhstreiks bedeutend übersteigen. 87 Prozent aller Streiks mit 77 Prozent aller Streikenden galten der Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Lamit bestätigt sich nchmals zahlenmäßig, was schon eingangs betont wurde, daß in Zeiten günstiger Geschäftslage die Streiklust sich steigert. Die meisten Streiks hatte im abgelaufenen Jahr Baugewerbe zu verzeichnen, auf das mehr als ein Drittel aller Arbeitskämpfe kommt. Die nächsthöchste Zahl von Streikenden stellt dann der Bergbau, danach in absteigender Reihenfolge die Industrie der Holz= und Schnitzstoffe, die Metall=, die Tertilindustrie, die Industrie der Steine und Erden und das Bekleidungsgewerbe. Was die zeitliche Verteilung anbelangt, ist am reichsten an Arbeitskämpfen der Frühjahr, am wenigsten gestreikt wird im Winter. Naturgemäß sind die Aussichten auf erfolgreichen Kampf am aussichtsvollsten, wenn nach dem Vorübergang der ungünstigen Witterung der kalten Jahreszeit die allgemeine Geschäftslage eben anfängt, sich von neuem zu beleben. Ein langes Ausdauern der Konflikte hatte das Vorjahr im Durchschnitt nicht zu verzeichnen. Am stärksten ist die Gruppe der Streiks von 1—5 Tagen besetzt(rund 36 Prozent aller Streiks.) Die Beteiligung war danegen am umfangreichsten bei den Kämpfen, die etwa 1—3 Monate währten. Fragt man nach den Ursachen der gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Unternehmern und Arbeitern, so stehen im Fordergrunde die Lohnforderungen. In 1170 Fällen, an denen über 74000 Streikende Teil hatten, spielen sie die ausschlaggebende Rolle. Am meisten wurden Lohnerhöhung und Festsetzung von Mindestlöhnen verlangt. Daneben kommt als Streikgrund in Frage: Aufrechterhaltung bestehender Löhne, Aufbesserung der Ueberstundenund Nichtarbeitentlohnung, besondere Beazhlung von Neben= und Außenarbeit, der Fahrt zur Arbeitsstelle, Wartegelder usw. Den Lohnfragen als Streikgrund schließen sich die Forderungen an, bei denen es sich um die Arbeitszeit dreht und zwar zumeist um Verkürzung oderAufrechterhaltung der bestehenden Unter den übrigen Gründen für die Einleitung von Streiks steht mit an erster Stelle die Forderung nach Wiedereinstellung entlassener Arbeiter. Die Feststellung, daß hierfür 235 Fälle mit nahezu 17000 Arbeitern zu registrieren sind, bietet in gewissem Sinne eine ziffermäßige Wertung der Stoßkraft der Interessensolidarität, die in der gewerkschaftlichen Organisation ihren Ausdruck und die Wurzeln ihrer Kraft findet. Trotz der planmäßigen Einheitlichkeit des Vorgehens aber, wie sie auf der Basis der gewerkschaftlichen Selbsthilfe gesichert ist, führt die Durchmüsterung der Streikerfolge zu dem Ergebnis, daß die Arbeitskämpfe fast zur Hälfte erfolglos auslaufen. Von den 1537 stattgefundenen Streiks hatten 283 (18 Prozent) vollen 520(34 Prozent) teilweisen und 734(48 Proezut) keinen Erfolg. Die Genugtnung einen vollen Sieg mit ausgewirkt zu haben, wurde ebenso nur 15 Prozent der streikenden Arbeiter guteii, 45 Prozent mußen sich nur mit teilweisen günstigen 40 Prozent mit negativen Resultaten zufrieden geben. Immerhin hat der prozentuale Anteil der Streikfälle, in denen die Arbeiter ihre Forderungen voll durchzusetzen vermochten, im vergangegen Jahre gegenüber 1908 zugenommen und zwar waren an vollen und teilweisen Erfolgen 7 Prozent mehr ArFrauenzauber. 16 Roman von Hedwig Gronen. Hast Du was vergessen?“ „Nein,Tantchen. Weißt Du, der Herr, der gestern bei U nach dem Garconlogis fragte, ist drüben eingezogen, und er scheint mir etwas aufdringlich, er ging mit mir bie Treppe hinab und stellte sich vor. Er schien Lust zu Aaden, an meiner Seite zu bleiben, deshalb kehrte ich em, damit er erst vorausging.“ berta lachte.„Hast Du eine Eroberung gemacht, Germo. Was ist es denn für ein Mensch?“ „Eine schöne Erscheinung!“ „Trotz Deinem Volkmar?“ ## ertrud lachte.„Weißt Du, das weiß ich eigentlich mie nicht, ob Volkmar schön ist oder nicht, ich weiß daß ich ihn nicht anders haben möchte, als er ist.“ Dich:““ Du noch zehn Minuten wartest, begleite ich lange wird ja Dein Brief Zeit haben.“ Kastan 72i5; ich wollte nur, daß er vor elf Uhr in den nochke, dann bekommt ihn Volkmar heute abend Unalich. er morgen früh erst einträfe, das wäre ein abe es nun eben nicht, aber Volkmar erwartet ihn heute nen au:“; er soll ihn auch haben. Bitte, hole mir meinoch J#., 1#zwischen herüber, ich will nur meine Adresse unsere I####en, dann gehe ich mit Dir. Wir werfen dann und Duobe va#2eitsergüsse miteinander in den Postkasten, seht heutekackelt ich dannnoch zur Putzmacherin. Mama ## doch nicht gerne mit bei ihrem Rheuma.“ traten, fabgn gead““ Mädchen unten zum Haus hinausnoch stehen a“ wenige Schritte davon Reinhold Runge Dieser keigg u#####e offenbar Gertrud erwarten wollen. sicht, währs.: die Zudringlichkeit das Blut ins Ge„ 3. verta amüsiert auflachte. ner Mensch zug. Deine Eroberung. Wahrhaftig, ein schöhins# nur nicht stolz, Gertrud.“ an, mir fäftig„Dech; laß die Scherze, der Mensch fängt Reinhofs 6½ grüßte die beiden Damen, als sie an ihm vorüberschritten, und als er Hertas Gesicht erblickte, dachte er bei sich:„Donnerwetter, das ist ein Prachtweib.“ Seine Augen verfolgten ihre königliche Gestalt mit großer Bewunderung, und er drehte den Bart unternehmungslustig zwischen den Fingern. Reinhold konnte sich's nicht versagen, den Mädchen in angemessener Entfernung zu folgen, ohne daß diese weiter darauf geachtet hätten, und erst, als sie in der Friedrichstraße den Laden der Putzmacherin verließen, fiel es ihnen auf, daß er in der Nähe vor einem Schaufenster stand und offenbar wieder auf sie gewartet hatte. „Das nenne ich Ausdauer,“ spottete Herta. „Nein, das ist Unverschämtheit,“ erwiderte Gertrud mit zornig blitzenden Augen. Herta lachte.„Komm Gertrud, wir wollen ihm ein Schnippchen schlagen.“ Sie riefen eine Droschke an und fuhren davon, während Reinhold ihnen mit langem Gesicht nachguckte, als könnte er nicht fassen, daß sich jemand seiner Bewunderung entzöge. * * Die Tage bis Weihnachten vergingen so schnell für die Melzerschen Damen im Drang aller Besorgungen, daß es Gertrud wie ein Traum erschien, als sie in den Eisenbahnzug stieg und mit Herta und deren Mutter nach Friedrichstal fuhr. Während der Fahrt, die immerhin vier Stunden in Anspruch nahm, sprachen die drei wenig miteinander, jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Der Dezember hatte inzwischen reichlichen Schneefall gebracht und, soweit ihre Augen blickten, glänzte alles im reinsten Weiß. Herta, die ein raffiniert einfaches, aber herrlich sitzendes Reisekleid in lichtgrauer Farbe trug, schmiegte sich behaglich in die Polster, den Kopf an den schönen Pelzmantel aus Blausuchs gelehnt, den ihr Karl selbst ausgesucht hatte bei seinem letzten Aufenthalt in Berlin, während Gertrud mit lebhaftem Interesse zum Fenster hinausschaute. Sie war so selten gereist, daß es ihr Vergnügen machte, das schnelle Dahingleiten des Zuges an dem Vorüberziehen der Landschaft zu beobachten. Frau Melzer kam nicht über den Gedanken hinaus, daß sie 1. Klasse fuhr, wie Karl dringend gewünscht hatte. Es kam ihr vor wie ein Märchen, und wenn sie dann auf ihr schönes Kind blickte, das da drüben so selbstverständbeiter beteiligt. Die meisten voll günstig auslaufenden Streiks hatte die Industrie der Nahrungs= und Genußmittel aufzuweisen. Die endgültige Beilegung der Streiks des Jahres 1909 fand in der Mehrzahl durch Verhandlungen statt. Zür Hälfte verhandelten die Parteien selbst, zu einem großen Teil wurde die Vermitttlung herbeigeführt durch die Verbände oder durch Dritte. Das Gewerbegericht als Schlichtungsinstanz trat nur sehr wenig in Aktion. An Aussperrungen wurden im vergangenen Jahre 115 gezählt, die sich über 1749 Betriebe verbreiteten und rund 23000 Arbeiter betrafen. Auch hier hatte Preußen wieder den größten Anteil. Beinahe die Hälfte aller Aussperrungen mit mehr als zwei Dritteln der insgesamt ausgesperrten Arbeiter wurwurde über das Baugewerbe verhängt. Die Forderungen der Arbeitgeber betrafen in der Mehrzahl der Fälle Aufrechtethaltung des bisherigen Arbeitslohnes. In den anderen Fällen drehte es sich zumeist um Lohnreduktion und Beibehaltung oder Verlängerung der bisherigen Arbeitszeit. Voll erfolgreich verliefen 40 Prozent der Aussperrungen, mehr als die Hälfte endete zu einem Teile günstig.. Wegen unerlaubter Maiseier wurden nicht ganz 5000 Arbeiter ausgesperrt. Etwa der 15. Teil davon war noch nicht 21 Jahre alt. Das laufende Jahr hatte in seinem ersten Quartal insgesamt in Deutschland bereits 307 Streiks zu verzeichnen. Betroffen wurden 1042 Betriebe. mit fast 50000 Arbeitern. Es endeten davon mit vollem Erfolge 74, teilweis günstig 104 und völlig resultatlos 129. Gegenüber dem Vierteljahr JanuarMärz 1909 hat die Zahl der Arbeitskonflikte bereits bedeutend zugenommen, wieder entsprechend der allgemein aufsteigenden wirtschaftlichen Konjunktur.1909 hatten beispielsweise im ersten Quartal nur 274 Betriebe Arbeitskonflikte aufzuweisen. Die Höchstzahl der gleichzeitig aussetzenden Arheiter beziffert sich in dem gleichen Zeitraum des Vorjahres auf mehr als 8000, diesmal wurden bereits mehr als 18000 gezählt. Wie die Streikbewegung zzeigen übrigens auch die Aussperrungen des laufenden Jahres eine aufsteigende Tendenz. Deutsches Reich. Das Besinden des Raisers. Das Befinden des Kaisers war auch am Montag durchaus günstig, und das Eintreten einer Komplikation wird nach wie vor für ausgeschlossen gehalten. Am Morgen wurde der Kaiser von dem ersten Leibarzt, General=Oberarzt, Dr., Ilberg besucht, und aus der Beratung Dr. Ilbergs mit dem zweiten Leibarzt Dr. Niedner scheint man große Zuversicht auf eine schnelle Wiederherstellung des Kaisers geschöpft zu haben. Die Teilnahme des Kaisers an der heutigen Wettfahrt des NNorddeutschen Regatta=Vereins auf der Unterelbe, die nach einer MelW OEE lich wie eine junge Fürstin thronte, dann stieg ihr etwas Warmes auf vom Herzen nach dem Kopf. Als sie in Friedrichstal ausstiegen, kam ihnen Karl auf dem Perron mit freudestrahlender Miene entgegen. Er durfte, wegen der Leute, Herta nicht in seine Arme ziehen, aber sein Blick hing in so grenzlosem Entzücken an ihrem feinen Gesicht, daß sie ein feines Rot darin aufsteigen fühlte im Bewußtsein ihrer unumschränkten Macht über diesen Mann, dessen Vermögen ein fürstliches sein mußte. Gertrud sah etwas enttäuscht um sich, so daß Karl lachend sagte:„Geduld, liebe kleine Schwägerin, Volkmar erwartet uns zu Hause, er war mir nicht zuverlässig genug, Euch mit dem Schlitten und meinen jungen feurigen Pferden heimzuholen. Hätte ja doch nur auf Dich acht gegeben.“ „Ob Du nun mehr auf Deine Pferde als auf Herta acht geben wirst, ist mir zweifelhaft,“ neckte sie fröhlich. „O, wir haben leider morgen noch nicht Hochzeit,“ seufzte er,„und da ist man doch verständiger.“ „Kinder, bei alledem bekomme ich aber kalte Füße.“ „Pardon, verehrte Mama.“ Er reichte ihr den Arm und führte sie durch das Bahnhofsgebäude nach dem Schlitten. Herta und Gertrud folgten und bemerkten sehr wohl, wie alle Beamten und andere anwesende Personen aus dem Städtchen Karl mit großer Ehrerbietung grüßten und ihnen neugierig nachstarrten. Stolz und Genugtuung blitzen aus Hertas Augen, und hatte sie je bereut, Karls Bewerbung angenommen zu haben, jetzt war das überwunden. Das, was sie erstrebt in tausend sehnsüchtigen Stunden, sie hatte es erreicht, voll und ganz. Was galt ihr jetzt das Gefühl für Volkmar, was hätte er ihr bieten können als erster Diener seines Bruders im Vergleich zu dem, was ihr Karl bieten konnte. Freilich, wenn Volkmar reich gewesen wäre wie sein Bruder, dann wäre sie ihm wohl noch mit ganz anderer Befriedigung gefolgt als diesem. Oder, wenn er wenigstens unvermählt geblieben wäre. Leise regte sich schon wieder der Haß auf Gertrud, die Angst vor den Schmerzen, den ihr das Zusammensein der beiden wieder bringen mußte und fröstelnd schauerte sie in ihrem Pelz zusammen. Karl gab den Diener, der die Pferde hielt, den G##dung aus Cuxhaven gesichert sein sollte. steht nach den neuesten Dispositionen noch nicht fest; es ist möglich, daß der Kaiser von seiner Beteiligung an der Regatta absehen wird., Dementi. Die aus Breslau verbreitete Nachricht, daß der Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern, Holtz zum Oberpräsidenten von Schlesien an Stelle. des Herrn v Dallwitz ausersehen sei, wird von unterrichteter Stelle in Berlin als unbegründet bezeichnet. Der Reichserbschaftssteuergesetzentwurf soll demnächst wieder aufleben, und zwar, wie der „Germania“ aus Stuttgart gemeldet wird, durch den Hansabund. Dessen Zentrale hat, wie der Geschäftsführer des württembergischen Landesverbandes der Hansabundes in der Jahresversammlung desselben zu Stuttgart mitteilte, einen Entwurf in Vorbereitung, der jedenfalls also durch Mitglieder des Bundes im Reichstage eingebracht werden soll. Ueber die einzzelnen Bestimmungen desselben ließ er sich nicht näher aus. Der württembergische Landesverband entfaltet gegenwärtig, wie die„Germania“ weiter warnend mitteilt, zur Ausbreitung des Bundes eine eifrige Tätigkeit, namentlich in den dem Zentrum zugetanen Gegenden des Oberlandes. Das Zentrum müsse also hier wachsam sein und die„Aufklärungsarbeit“ unentwegt fortsetzen. Botschafterwechsel. Fürst Hugo von Radolin, der derzeitige deutsche Botschafter in Paris, beabsichtigt, sich nunmeh: definitiv ins Privatleben zurückzuziehen. Der Fürst, der im 71. Lebensjahre steht, und seinerzeit zu den intimsten Freunden Kaiser Wilhelms gehörte, hat berteits sein Abschiedsgesuch eingereicht. Als sein Nachfolger wird in Paris mit großer Bestimmtheit Graf Unico von der Gröben genannt, der jahrelang erster Botschaftsrat in der französischen Hauptstadt war. Graf von der Gröben steht zurzeit als Gesandter ala suite und verbringt den größten Teil des Jahmes in Paris. Erhebung von Schiffahrtsabgaben. Die neue preußische Vorlage betr. die Erhebung von Schiffahrtsabgaben auf regulierten Wasserstraßen ist von den Ausschussen des Bundesrats fül Handel und Verkehr, Justizwesen und die Verfassung mit einigen geringen redaktionellen Aenderungen einstimmig angenommen worden. Da in diesen Ausschüssen, sämtliche Bundesstaaten vertreten sind, so ist hiermit die einstimmige Annahme der Vorlage im Plenum des Bundesrates gewährleistet Die Verabschiedung im Plenum wird in der letzten Sitzung des Bundesrates vor den Ferien stattfinden. päckschein der Damen, half diesen in den eleganten Schlitten und hüllte sie sorglich ein in die schönen Pelzdecken. Dann schwang er sich auf und fort ging es in sausender Eile durch die klare, sonnige Winterluft. Glatte, ebene Schneeflächen, ein langer breiter Weg zwischen erstarrtem, schneebedeckten Wald, dann die breite Fahrstraße immer am halb zugefrorenen Fluß entlang und zuletzt drüben die kleine Stadt mit dem schönen, schlanken Kirchturm, die sie gar nicht berührten, denn die Fabrik und die Arbeiterkolonie lagen etwas abseits. Alles flog an ihren Blicken vorbei und nun kamen die Fabrikgebäude. Oben vom Wohnhaus wehten die Flaggen zum Willkommen hinab, und als der Schlitten vor dem Portal hielt, eilte Volkmar mit glückstrahlender Miene hinaus, hob Gertrud aus dem Wagen und trug sie die Stufen empor in das Vestibül. „So durchs ganze Leben, mein süßes Herz," flüsterte er bebend in ihr Ohr. Dann ließ er sie nieder, und unbekümmert um Frau Nerlich, die erwartungsvoll dastand, küßte er sich erst satt, ehe er sie aus den Armen ließ. Dann sagte er lachend:„So, Verehrteste, das ist also meine Braut, schauen Sie sie ordentlich an, ob es stimmt, was ich Ihnen vorgeschwärmt habe. Und hier, liebe Herta, liebe Mama, das ist unser guter Hausgeist, Frau Nerlich.“ Die alte Dame begrüßte die Angekommenen artig und zuvorkommend, sie war von Karl in das Geheimnis seiner Verlobung eingeweiht worden, hatte zugleich die Versicherung erhalten, daß alles beim alten bleiben würde, und freute sich in ihrer stillen Art an dem jungen Glück ihres verehrten Herrn. Dann führte sie die Damen in ihre Wohnung. Ein überdeckter Gang führte hinter dem Hauptgebäude nach dem Gartenhaus, in welchem für die Damen vorläufig Zimmer eingerichtet waren. Herta sollte bis zu ihrer Verheiratung dort bei ihrer Mutter wohnen, und dementsprechend war das reizende“ kleine Gebäude mit allem erdenklichen Komfort ausgestattet worden. Für Gertrud und Volkmar war die zweite Etage des Hauptgebäudes eingerichtet worden. Sie bestand aus zehn Zimmern nebst Küche und Baderaum. Ein besonderer Ein= und Aufgang war zu dieser Wohnung auch geschaffen worden, und Gertrud war ganz entzückt über die wirklich reizende und gemütliche Einrichtung der Zimmer, Nur die Küche erschien ihr nicht vraktisch ge Oesterreieh=Ungarn. Wien ,20. Juni. Wie die„Polit. Corresp,“ aus gut informierter Quelle aus Serajewo erfährt, hat das Attentat auf den Landeschef von Bosnien and der Herzegowina absolut keine politische Bedeutung Der Attentäter ist nach dem nunmehr abgeschlossenen Untersuchungsverfahren von den Aerzten als wahnsinnig bezeichnet worden. Er ist heute vormittag einer hiesigen Irrenanstalt überwiesen worden. Serbien. Belgrad, 20. Juni. Das Blatt„Dnewni List“ meldet aus Konstantinopel: Die jungtürkischen Kreise verlangen, daß der türkisch=serbisch=bulgarische Bund bald zustande kommt, weil man nur durch ihn den Konflikten in Mazedonien und den albanesischen Revolten, die sich jeden Tag erneuern, definitiv ein Ende bereiten könne. Sitzung der Stadtverordneten ms. Dortmund, 20. Juni. Herr Stadtverordneten=Vorsteher Geh. Justizrat Tewaag eröffnet die Sitzung kurz nach 6 Uhr nachmittags. Vor Eintritt in die Tagesordnung bringt Herr Stadtv. Suhrmann Klagen der Anwohner der Gronaustraße über wiederholtes Platzen des Wasserrohres zum Ausdruck und ersucht den Magistrat, das Wasserwerk anzuhalten, dort Abhülfe zu schaffen. Tagesoidnung: 1. Von einem Dankschreiben, in welchem sich Herr Stadtbaurat a. D., Königlichen Geheimen Baucats Marr für die ihm zu seinem 50jährigen Regierungsbaumeister=Jubiläum dargebrachten Glückwünsche bedankt, wird Kenntnis genommen. 2. Als Vertrauensmänner für den Ausschuß zur Auswahl der Schöffen und Geschworenen werden für das Jahr 1911 gewählt: die vom Wahlausschuß vorgeschlagenen Herren. Herr Stadtv. Bredenbeck wünscht, daß mehr Schöffen aus den Arbeiterkreisen entnommen werden. 3. Es wird für die Schaffung einer Einrichtung an der städtischen Fernsprechzentrale, die es ermöglicht daß sämtliche acht Polizeibezirke zu gleicher Zeit angerufen werden können, ein Betrag von 395 Mk. bewilligt. 4. Der Magistrat beantragt, zu genehmigen, daß künftig zur Deckung der entstandenen Umkosten für die lediglich dem Privatinteresse des Publikums dienenden Beglaubigungen von Unterschriften und Abschriften durch die hiesige Polizeiverwaltung eine entsprechende Vergütung erhoben werde. Als angemessener Betrag für die Beglaubigung einer Unterschrift dürfte der Satz von 50 Pfg. angemessen sein. Derselbe Satz könnte Anwendung finden für die Beglaubigung einer Abschrift, deren Länge einen Bogen nicht Übersteigt; für jeden angefangenen nachfolgenden Bogen könnte ein Zuschlag von 25 Pfg., zusammen jedoch nicht mehr als 3 Mark, erhoben werden. Beglaubigungen welche auf Grund gesetzlicher Vorschriften zu erteilen sind, z. B. in Armen=, Kranken=, Unfall=, Alters= und Invaliditätsangelegenheiten usw., sind auch künftig kostenfrei. Unbemittelten Personen können diese Rosten ganz oder teilweise erlassen werden. Bei Massenbeglaubigungen kann ein Pauschale festgesetzt werden. Man erwartet eine jährliche Einnahme von 1500 Mk. Herr Stadtv. Dr. Gottschalk berichtet über die Vorlage und empfiehlt deren Genehmigung, dazu stellt Herr Stadtv. Barkels den Antrag, falls Gebührenerhebung im Prinziv beschlossen werden sollte, die Beglaubigungen in Lohn= und Arbeitsangelegenheiten und für Unbemittelte gebührenfrei zu belassen. Er begründet seinen Antrag des Näheren und spricht sich im Prinzip gegen die Erhebung von Gebühren aus, da man doch dieselbe Dummheit wie Remscheid nicht zu machen brauche, denn sonst könnte man auch unter Hinweis auf Abdera ein Rathaus ohne Fenster bauen. Herr Vors. Tewaag rügt den Ausdruck Dummheit. Dummheiten würden hier nicht gemacht. Wenigstens dürfte man es nicht sagen. Herr Stadtv. Gottschalk kann sich den Bedenken des Stadtv. Bartels nicht anschließen, empfiehlt aber trotzdem, dem Antrage Bartels möglichst weitgehend Rechnung zu tragen. Herr Bürgermeister Dr Eichhoff bittet zunächst, im Prinzip die Erhebung von Gebühren zu beschließen. Nachdem Herr Stadtv. Möller zur Sache gesprochen, wird der Antrag des Magistrats abgelehnt. 5. Magistrat beantragt, dem Börsenwirt am Viehmarktplatze Josef Theunissen, an dem Mietszins für das erste Quartal des laufenden Kalenderjahres in Höhe von 1500 Mark die Hälfte mit 750 Mark nachzulassen. Der Betrieb der Börse ist, wie Herr Stadtv. Bickhoff als Referent darlegt, während des Umbaues stark beeinträchtigt gewesen. Außerdem hat Herr Theunissen selbst bedeutende Ausgaben beim Umbau gehaht. Er berechnet sie auf 2900 Mark und ersucht um Erlaß der gesamten Miete. Der Reserent regt an, dem Ersuchen Theunissen's stattzugeben. Herr Stadtv. Möller ist der Ansicht, daß Herr Theunissen nicht berechtigt ist, den Nachlaß zu fordern. Herr Stadtv. Bartels ist gegen die Genehmigung der Vorlage des Magistrats, da es sich um ein städtisches Lokal handle, das der Arbeiterschaft verschlossen sei. Im übrigen sitze Herr Theunissen recht billig in der Wirtschaft, die recht flott gehe. Wenn man die Börse den Arbeitern überlasse, würden sie das Doppelte an Miete zahlen. Herr Stadtv. Bickhoff tritt nochmals für den Nachlaß ein, der in den Verhältnissen begründet sei. Herr Stadtv. Möller lehnt nochmals den Nachlaß ab, da Herr Theunissen gewußt habe, in welchem Zustande das Lokal sich besunden habe. Herr Stadtv. Suhrmann tritt für den Magistratsantrag ein, über den man aber nicht hinausgehen möge. Dem Antrage des Magistrats wird stattgegeben. 6. Der Magistrat beantragt, die Waschküche des nördlichen Stadtbades, die insolge der Zentralisierung des Wäschereibetriebes keine Benutzung mehr findet, zu einem Volksbad mit 6 Mannen= und 14 Brausebädern einzurichten. Die Kosten stellen sich nach Abzug von 1500 Mark, die aus lausenden Mitteln enrnommen werden können, auf 6000 Mark. Ueber die Kostendeckung soll später Beschluß gesaßt werden. Man rechnet mit einem jährlichen Reinüberschuß von 1700 Mark oder 20 Prozent des Anlagekapitals. Herr Stadtv. Bickhoff erstattet Bericht und empfiehlt Genehmigung. Herr Stadtv. Dörsch wünschtdaß die Badeanstalten abends länger geöffnet bleiben. Dann würden sich die Einnahmen noch mehr heben. Herr Direktor Walther erwidert, daß ein Versuch im Sinne des Herrn Dörsch gemacht worden sei, aber den Erfolg nicht gehabt habe, den Herr Dörsch sich davon verspreche. Herr Stadtv. Lindner hält von den Brausebädern nichts. Herr Direktor Walther bemerkt, daß gerade die Brausebäder ein Bedürfnis seien. Herr Stadtv. Dörsch weist darauf hin, daß man Samstags abends stundenlang warten müsse, bevor man ein Badebillett erhalte. Daher sei es nötig, daß der Betrieb abends verlängert werde. Herr Stadtv. König unterstützt die Forderung des Vorredners und wendet sich gegen die Anregung des Herrn Lindner. statt der Brausebäder die Wannebäder zu vermehren. Die Vorlage wird angenommen und der Antrag Dörsch dem Magistrat zur Berücksichtigung überwiesen. 7. Die Magistratsvorlage, daß die Ausgabevosition des Etats der Wasserwerkskasse für 1910: Beschaffung von Wassermessern, Erweiterung des Röhrensystems usw. als endgültig genehmigt anzusehen ist, wird zurückgestellt, bis Herr Direktor Reese zur Vertretung seiner Sache anwesend ist. 8. Der Magistrat beantragt, a) die Erweiterung des Luisenhospitaks auf dem jetzigen Gelände unter Mitverwendung des botanischen Gartens im Umfange des vom Hochbauamte aufgestellten Vorentwurfes vom Mai 1910 mit einem Kostenaufwande von zwei Millionen Mark grundsätzlich zu genehmigen und b) zu genehmigen, daß das Hochbauamt die besonderen Entwürfe und Kostenanschläge ausarbeitet, auf Grund deren die Bewilligung der einzelnen auf eine Bauzeit von fünf Jahren verteilten baulichen Ausführungen nachgesucht werden kann. Daß die Einrichtungen des Luisenhospitals in mehr als einer Richtung mangelhaft sind, steht fest. Darüber haben die städtischen Kollegien Anfang 1908 bereits eingehende Erörterungen gepflogen. Die zur Erstattung eines sachverständigen Gutachtens ersuchten Herren Geheimrat Lenhartz in Hamburg und Regierungsbaumeister Boethke in Berlin erklären in ausführlichen Darlegungen die Erweiterung des Luisenhospitals an der alten Stelle für zulässig und zweckmäßig und schließen sich in der Anordnung der Baulichkeiten im Großen und Ganzen dem vom Hochbauamt ausgearbeiteten Projekt an. Während das Hochbauamt die Erweiterung des Luisenhospitals einschließlich des Dudenstiftes auf 840—850 Betten vorgesehen, halten die Gutachter 710 Betten hinreichend für absehbare Zeit, zumal auch mit einer Vermehrung bezw. Vergrößerung der konfessionellen Krankenhäuser und Privatkliniken gerechnet werden müsse. Die Kosten hatte das Hochbauamt auf 3 Millionen Mark berechnet, die Gutachter sagen, daß man mit 2 Millionen Mark die von ihnen vorgeschlagene Erweiterung vornehmen könne. Am Schlusse ihres Gutachtens sagen die Herren Lenhartz und Boethke:„Sollten sich bei eingehender sorgfältiger Prüfung erhebliche Bedenken ergeben, so würde die Anlage eines neuen Krankenhauses in Erwägung zu ziehen sein. Daß dieses am weckmäßigsten in der Nähe des Kaiser Wilhelm=Parks bei dem alten Turm errichtet werden könnte, ist in der mündlichen Besprechung schon ausführlich begründet worden.“ In einer gemeinschaftlichen Sitzung der Verwaltungsdevutation des Luisenhospitals und der Kommission für die ErLweiterung des Krankenhauses hat man von einem Neubau vorläufig Abstand genommen und beschlossen, einen Entwurf mit einem Marimalkostenbetrage von 2 Millionen Mark aufstellen zu lassen. Die Aerzte des Krankenhauses haben in der Hauptsache das Gutachten als geeignete Grundlage für den Erweiterungsbau betrachtet. Es ist dann der Entwurf ausgearbeitet worden und zwar für eine normale Bettenzahl von 776 und enthält nach der zeitlichen Reihenfolge der auf 5 Jahre berechneten Bauausführung geordnet folgende Teile: 1. für den Neubau eines Wirtschaftsgebäudes 400000 Mark, 2. für ein nathologisch=hygienisches Institut(mit Leichenhalle) 150000 Mark, 3. für den Neubau einer chirurgischen Abteilung 1050000 Mark, 4. für ein Scharlachhaus 110000 Mark 5. für die Erweiterung des alten Infektionshauses 11 500 Mark, 6. für den Umbau de Hauptgebäudes 100000 Mark, 7. für den Neubau eines geschlossenen Verbindungsganges 15000 Mark, 8. für die Erweiterung der Dampfkesselanlage und des Kesselhauses 100 000 Mark, 9. für Hof=, Wege= und Gartenanlagen 63500 Mark insgesamt 2 Millionen Mark. Die vorgesehene Bettenzahl reicht, wie Herr Stadtarzt Dr. Köttgen in einem besonderen Gutachten ausführt, für 15—20 Jahre aus. Der Magistrat bemerkt dazu in seiner Vorlage, daß diese Ansicht ferner gerechtfertigt werde durch den in der Kommission erwogenen Vorschlag, die bisher im Luisenhospital verpflegten Rekonvaleszenten und Siechen allmählich in besonderen Heimen unterzubringen, deren Baubetriebskosten naturgemäß wesentlich niedriger sind, als die eines neuzeitlichen Krankenhauses, sodaß hierdurch das Luisenhospital erheblich entlastet werden könnte. Die Kommission hat nun im Verein mit der Verwaltungsderutation des Luisenhospitals in einer Sitzung am 25. Mai anerkannt, daß der zweite Vorentwurf des Hochbauamtes vorbehaltlich einer weiteren Durcharbeitung für die Ausführung geeignet ist und eine vollwertige Erweiterung der alten Anstalt darstellt. Das erweiterte Krankenhaus wird allen Anforderungen der neuzeitlichen Hygiene und Therapie entsprechen. Da die Zahl der Betten für eine längere Zeit ausreicht, erscheint die Verwendung einer Betrages von 2 Millionen Mark als durchaus gerechtfertigt. Der Magistrat hält es in der Erwägung, daß die Stadt in den Bauten des Luisenhospitals teils einwandsfreie, teils verbesserungsfähige Anlagen besitzt, die zweckmäßig und ausreichend erweitert werden können und die gut zur Stadtmitte gelegen sind, wirtschaftlich für richtiger anstelle eines Neubaues, der 5 bis 7 Millionen Mark kosten würde, die Erweiterung des Luisenhospitals für 2 Millionen auszuführen, und zwar unter Mitverwendung des botanischen Gartens und eines vom Eisenbahnsiskus einzutauschenden Grundstücks an der Hohenstraße. Herr Stadtv. Eckardt empfiehlt als Referent unter Hinweis auf die ausführlich begründete Vorlage die Genehmigung derselben. Herr Stadtv. Sanitätsrat Dr. Brand kommt als Korreferent zu dem Ergebnis, daß es endlich an der Zeit sei, die Krankenhausfrage zu erledigen, aber nicht einen Umbau, sondern einen Neubau zu beschließen, da sich einem Umbau doch zu erhebliche Schwierigkeiten entgegenstellten. Die Gutachter hätten in der mündlichen Konferenz ein vernichtendes Urteil über einen Umbau gefällt, deshalb sei es überraschend, daß sie in dem schriftlichen Gutachten sich für einen Neubau erklärten. Dafür könnten nur finanzielle Gründe maßgebend gewesen sein. Das Gutachten sei also nicht zu Grunde zu legen. Beschließe man einen Umbau, so müsse er nach den Plänen unseres Bauamtes ausgeführt werden. Die Schwierigkeiten für einen Umbau lägen in dem Grundstück, das zu klein sei für Unterbringung der erforderlichen Betten. Außerdem störe der starke Bahnbetrieb. Wenn man beim alten Haus mit Reparaturen anfange, werde man nicht zu Ende kommen. Redner kann es nicht verantworten, daß eine Summe von 2 Millionen Mark in den Umbau gesteckt würde. Der Neubau würde wesentlich billiger als mit 7 Millionen Mark herzustellen sein, denn man brauche keine 1000 Betten. Er spricht nochmals den Wunsch aus, die Sache nun endlich, so oder so, zu erledigen. Herr Stadtv. Suhrmann beantragt Vertagung bis nach den Ferien, um allen Stadtverordneten Gelegenheit zu geben, über die wichtige Vorlage mit zu beraten. Es seien so viele Differenzen in den Berechnungen vorhanden, daß da erst noch eine Klärung stattfinden müsse. Zweckmäßig sei es, auf einen Neubau Rücksicht zu nehmen, da viele Stadtverordnete für einen Neubau seien. Vielleicht sei bis zu der Sitzung nach den Ferien der Plan eines Neubaues fertig zu stellen. Man dürfe nicht so auf eine Lage des Krankenhauses in der Nähe der Stadtmitte drängen, denn auch die künftigen Eingemeindungen müßten in Rücksicht gezogen werden. Herr Stadtv. König bemerkt daß es notwendig sei, die Krankenhausfrage eingehend zu erörtern, und daß man vorher über die Platzverhältnisse genau informiert werden müsse. Redner kann sich der Ansicht des Herrn Stadtarztes Dr. Köttgen nicht anschließen. An ein modernes Krankenhaus seien andere Ansprüche zu stellen, als sie das umgebaute Krankenhaus ersüllen werde. Redner unterstreicht die Ausführungen des Herrn Stadtv. Dr. Brand, indem er auf die Mißstände in dem alten Krankenhaus hinweist, die in dem Sinken der Behandlungstage ihren Ausdruck fänden. Redner behauptet, daß trotz aller Mißstände es im Stadtverordnetenkollegium Leute gäbe, die es beim alten lassen wollten. Er ist für einen Neubau und begründet das des Näheren. Des weteren mahnt er zur Vorsicht gegenüber den schätzungsweisen Kostenberechnungen und schätzt den Anbau auf 4 Millionen Mark. Bevor der Neubau fertig sei, müsse vielleicht ein Scharlachhaus gebaut werden. Auch in anderer Beziehung müsse unbedingt sofort Remedur eintreten. Schließlich unterstützt er unter allgemeiner Heiterkeit den Vertagungsantrag des Herrn Suhrmann, worüber er sich erregt äußert. Herr Vors. Tewaag bemerkt, daß die Heiterkeit nicht den Ausführungen des Vorredners gegolten, sondern der Tatsache, daß bei einer Vertagung die ausführliche Rede nochmals gehalten werden müsse. Herr Stadtv. Raude ist mit der Vertagung einverstanden, wünscht aber bis zur nächsten Verhandlung Aufklärung über die erwähnten Differenzen in den Gutachten und Darlegungen der Sachverständigen. Der Magistrat möge die Kosten eines Neubaues näher spezialisieren. Ueber die Verwertung des bisherigen Terrains, über die rationellere Bewirtschaftung eines zentralen Baues müsse man auch etwas erfahren. Die Vertagung wird hierauf beschlossen. Herr Professor Henle weist den Vorwurf, daß die Patienten zu früh entlassen würden, zurück. Die frühzeitige Entlassung sei nur auf Wunsch der Kranken mit Zustimmung der Krankenkasse geschehen, aber wieder eingestellt. 9. Auf Antrag des Geh. Baurats a, D. Wilhelm Buchholtz in Kassel und der Frau Amtsrichter Dr. Buchholtz hier empfiehlt der Magistrat, um eine bessere Ausnutzung des Baugeländes zu ermöglichen, unter unentgeltlicher Rückgewähr straßenfrei werdenden Geländes eine Verschiebung der Fritz Reuterstraße zwischen Schiller= und Haydnstraße. Für die Veränderung der Straßeneinrichtungen hat Buchholtz 4000 Mark zur Verfügung gestellt. Dem Magistratsantrage wird nach dem Referat des Referenten Herrn Reckert stattgegeben. 10. Für die Durchführung der Ausgrabungen im römischen Lager zu Oberaden verlangt der Magistrat einen Nachtragskredit von 3000 Mark für 1910. Zur Begründung seines Antrages führt der Magistrat aus: Für die Ausgrabungen im Jahre 1910 sind durch Haushaltsplan 6000 Mark wie in den Vorjahren bereitgestellt; die römisch=germanische Kommission hat indessen den in den Vorjahren bewilligten Zuschuß von 3000 Mark für dieses Jahr auf 1500 Mark herabgesetzt, da sie ihre Mittel anderweit braucht und glaubte, auch mit der geringenen Summe die Grabungen. soweit ihre Interessen in Frage kommen, ausreichend fertigstellen zu können. Nun haben sich zum ersten Male im Verlaufe der Grabungen während dieses Abschnittes Brunnen gefunden, die bis zu einer Tiefe von 12 Meter mit Fässern ausgekleidet sind und höchst wertvolle Einzelfunde enthalten. Das Aufdecken der Brunnen, bei dem möglichst die Erhaltung der bisher in der Literatur nicht bekannten Fässer aus der Zeit der römischen Republik angestrebt werden muß, erfordert wegen der Schwierigkeit des Geländes und des Bodens erhebliche Kosten, die sich bis auf 400 Mark für einen einzelnen Brunnen belaufen. Hierdurch ist die für die diesjährigen Grabungen verfügbare Gesamtsumme von 7500 Mark schneller aufgebraucht, als zu erwarten war, da bei den mannigfaltigen sonstigen Aufdeckungsarbeiten an den Kasernen, Straßen und den Wällen mit derartig hohen Ausgaben für Sondergrabungen nicht gerechnet war. Es liegt nun im Interesse des Museums, daß die aufgefundenen Brunnen möglichst noch in diesem Herbst untersucht werden, da zum Teil auch im nächsten Jahre wegen des Pachtablaufes hierbei höhere Entschädigungen würden gezahlt werden müssen. In seiner Eingabe, die der Magistratsvorlage beigegeben ist, legt Herr Museumsdirektor Baum noch dar, daß die auf der via principalis des Oberadener Lagers neben zahlreichen Koch= und Füllgruben entdeckten Brunnen in den Mergel gegraben und mit aufeinander gestellten Fässern gleichsam ausgeschalt sind, eine Bauart, die bis jetzt in frührömischer Zeit vollständig neu ist. Die frührömische Geschichte erwähnt noch nicht einmal Fässer, nur auf Bildwerken des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr. finden sich Fässer. Die Fässer sind nicht für den Brunnen angefertigt, sondern für den Weintransport aus Gallien benutzt, da sie Spundloch. Anstichloch und Inschrift zeigen. Das Faßholz stammt, nach der Bestimmung eines Professorz Senckenberg'schen Instituts zu Frankfurt am Maider Edeltanne und die Faßbänder sind aus Hase' holz. In diesem Brunnen finden sich neben Mün, und keramischen Funden zahlreiche Geräte aus Maigund Holz, wie Sense, Hacke, Hammer, Zangen, Meii Haken, Oesen, Klammern, Nägel jeglicher Art. Aufzugrollen und dergleichen. Gehoben sind 5 Fai im guten Zustande, viele zerfallen beim Ausnehmen, Das Abbauen muß äußerst vorsichtig geschehen. 9. die Absallgruben und Brunnen die besten Fundstelr im römischen Lagern sind, ist es Pflicht, diese aufn, suchen und sorgfältig auszunehmen, zumal in diesen Jahre mehrere Pachtungen ablaufen. Zum Schluß:, ner Darlegungen teilt Herr Baum noch mit, daß er: einer Kiste einen Depotfund gemacht hat. Der Fund besteht aus 58 Reiterspeeren aus Eisen, die in Art einzig auf der Welt sind. Daneben lagen 3 S, cheln(Kriegssicheln) und eine Hacke aus Eisen, ein Spardose mit Deckel aus Bronze und 10 Bronzemün, zen, Nemausus=Prägungen, 27—11 vor Chr., und2 schöne Tassen aus„terra sigillata“ mit Fabrikstempeln Zahlreich sind auch die Gefäßfunde; an Münzen sind bei der diesjährigen Grabung allein 40 Stück, verschiedene Prägungen, zum Vorschein gekommen. Die 3000 Mark werden bewilligt. Herr Stadtv. Pork stellt den dringlichen An trag eine Unterstützung in Höhe von 3000 Mark fü die Ueberschwemmten im Ahrtal zu bewilligen. Das Kollegium gibt diesem Antrage statt. 11. Der Magistrat beantragt, an der katholische Volksschule mit Rückwirkung vom 1. April dieses Jahres drei wissenschaftliche Lehrerinnen und 1 technische ne anzustellen. Dem Referate des Herrn Stadtv. Bickhoff zu folge wird dem Magistratsantrage stattgegeben. 12. Die Stadtverordneten nehmen Kenntnis von dem teilweisen Abschluß der Volksschulkasse für Rechnungsjahr 1909 und genehmigen die in dem betr. Abschnitten vorgekommenen Ueberschreitungen in Höle von 21 103,06 Mark, deren Deckung durch das Ordinarium erfolgt. 13. Der Magistrat beantragt wiederholt, eine duc das alte Gasanstaltsgrundstück zwischen Sonnen= und Ardeystraße zu legende Verbindungsstraße in zwöl Meter Breite mit beiderseitigen 4 Meter breiten Vor gärten nach dem vorliegenden Plane zu genehmigen. Herr Stadtv. Suhrmann erstattet Bericht über die Vorlage und empfiehlt Genehmigung. Herr Stadty, König ist auch heute noch Gegner der Vorlage, d er noch nicht gehört hat, weshalb die projektierte Straß nicht als Verlängerung der Wittekindstraße geoacht sei. Herr Stadtv. Suhrmann erwidert, daß das nicht möglich, aber auch nicht nötig sei, da es sich um kein Verkehrsstraße handle. Herr Stadtv. König bleitt bei seiner Ablehnung und plädiert für Durchlegung in Zuge der Wittekindstraße. Die Baukommission möge die Angelegenheit nochmals erwägen. Herr Baurat Bovermann wendet sich gegen den Vorredner, des sen Einwendung widerlegend. Wenn das Grundstüt in bester Weise ausgeschlossen werde, habe die Stadt auch Vorteil davon.— Die Vorlage wird genehmigt. Schluß der öffentlichen Sitzung kurz vor 8 Uhr Lokales und Provinzielles. Dortmund, 21. Juni. —* Der„Reichsbote" und Lie. Tranb. Durch die Blätter ging kürzlich ein Verweis, den das wesfälische Konsistorium im Auftrage des Oberkirchenratdem Pfarrer Lic. Goetz wegen einiger Aeußerungen e teilt hatte. Darauf hatten Professor Geffcken und Pfarrer Lic. Traub gegen die Form des Verweise öffentlich Protest erhoben. Der„Reichsbote“ gibt nu folgende Stelle aus dem Proteste wieder: „Ferner empfinden wir es im Interesse des the ologischen Standes als eine unwürdige Behandlung wenn man einem nahezu vierzigjährigen Manne, de im Inland und im Ausland im Segen gewirkt ha und an allen Gemeindefragen regen Anteil nimm das Wort„unreif“ entgegenhält.“ Dazu bemerkt der„Reichsbote“: „Also derselbe Psarrer Lic. Traub, der seit Jab ren die westfälischen und rheinischen Städte mitsenen, die Grundlagen evangelischen Glaubensleben# angreifenden Reden durchzieht, der seine Konfirma tion nach eigener Willkür gestaltet, derselbe Pfarre Traub sagt dem evangelischen Oberkirchenrat auf en ganz unberechtigte und noch sehr milde gehaltent Vorhaltung öffentlich ins Gesicht:„Du hast nenen Kollegen unwürdig behandelt.“ Als vor Jahre ein brandenburgischer positiver Pfarrer in einer g### anderen Angelegenheit scharfe Ausdrücke gegenude dem Oberkirchenrat brauchte, mußte er öffentlich we derrufen. Wir find gespannt, wie der evangelisct Oberkirchenrat diesem Affront seitens des radikalet Agitators begegnen wird. Es ist weit in unsett Landeskirche gekommen, daß ein Traub deartige ßerungen wagt.“ Auf gut Deutsch bedeuten die Ausführungen frommen Reichsboten nichts anderes als: Setzt an die Luft! — Gehaltserhöhungen wurden gestern in" geheimen Sitzung der Stadtverordneten den Mas' stratsmitgliedern zuteil. Wir lesen darüber der„Tremonia“ Herr Oberbürgermeister Schm!“ ding hat vor ca. eineinhalb Jahren die Erklätmn zu Protokoll gegeben, daß er am 1. Oktober 1911/“ Amt definitiv niederlegen werde und daß er einverstanden erkläre, wenn seine Pension in licher Weise geregelt und nach einer 24jährigen## zeit berechnet werde. Gestern haben nun die verordneten beschlossen,— und zwar auf der unbesoldeten Magistratsmitglieder—, dem Oberbürgermeister Dr. Schmieding das ganze Gehalt von 14000 Mark als Pension anzuf“ und als Witwenpension für seine Gattin für. Fall, daß sie ihn überlebt, 8000 Mark Penston zusetzen. Ferner ist beschlossen worden, das„ des Oberbürgermeisters vom 1. April 1911 0100 17000 Mark neben einem Dienstaufwand von— Mark zu erhöhen, so zwar, daß also Herr##n dieses erhöhte Gehält, noch ein halbes Ir-,, uuie hält, wärrend sein Nachfolger dann gle#9 g# ses hohe Gehalt einrückt. Jür alle juristischg# glieder des besoldeten Magistrats wurde de# gehalt von 10000 Mark auf 11 000 das nach 20 Die Höchstgehalt komme Dr. Fluhme im Jahre 1916, Dr. 9 die beiden Bauräte rigen persönlichen 14500 Mark festge — Auszeichn! Kothschild wurd ben wird, bei seiner Adler der Inhaber Hohenzollern verlie — Die Bautä 1910 entschieden lel Es wurden Baug schäfts= und Wohn! und acht gewerblich — Derr Ott Stadttheaters, wird direktor des Deutscher deshalb die Direktion seines Vertrages gebei und der Korriere des will, so hat sie den bringenden Wunsch ge einviertel Uhr finde statt. Ein Riesenpro wird den hier so b diesem Jahre hier ein Althoff, Direktor P von Weltruf gebracht big begrüßt, da jed Zirkus handelt, der kündigungen versprich Artisten von allen Br. Und alles in höchster nen Preisen. Morg, stellungen statt, namit bei ungekürztem Riese viertel Uhr zu gewöhr zeit ist nur bis einsa vorgesehen. eine Verl Der Billett=Vorverkau Krüger und Overbeck, Tel. 1396, daselbst sit Vorstellungen erhältl Barmen, 20. J wurde heute Vormittag In Hagen wohnende 2! Kopf wurde ihm vom Selbstmord vor. Köln, 20. Juni. aus Berlin gemeldet Cberpräsidenten von kein Beschluß gefaßt verden nicht eher erf des Innern von sei Aachen, 20. Juni eine Diebesbande von auswärts zugezogene schen, denen schon übe Umgegend sowie an wiesen worden sind. Trier, 20. Juni. in der vergangenen Nac drübt. Man fand hei vom Artillerieregiment Trier auf. rofessors vom am Main. vr aus Haselnug, neben Münien ke aus Nelan zangen, Messe . Art, Einez, ind 5 Falg, geschehen. en Fundstellen t. diese aufzu, nal in diesen um Schluß sei, mit, daß er it. Der Fund „ die in ihrer n lagen 3 S. us Eisen, eine 0 Bronzemün. Chr., und 2 Fabrikstempeln. Münzen sind 10 Stück, verkommen. ringlichen An000 Mark für willigen. Daz der katholischen I dieses Jahres technische neu Bickhoff zu ttgegeben. Kenntnis vom lkasse für das se in dem betr. ungen in Höle durch das Orholt, eine durch „Sonnen= und raße in zwölf er breiten Vor zu genehmigen. et Bericht über Herr Stadto. er Vorlage, d djektierte Straß jaße gedacht sei. daß das nicht es sich um keine König bleitt Durchlegung im ommission möge Herr Baurat Vorredner, dedas Grundstüd habe die Stadt wird genehmigt. irz vor 8 Uhr. nzielles. nd. 21. Juni. Tranb. Durch , d e n d a s w e s t OberkirchenratAeußerungen er r Geffcken un des Verweise sbote“ gibt nu ieder: nteresse des the ige Behandlung gen Manne, de gen gewirkt ha Anteil nimmt ub, der seit Jab Städte mit seGlaubensleben seine Konfirma derselbe Pfarre irchenrat auf ein milde gehaltene „Du hast meAls vor Jahre rer in einer gan drücke gegenübe er öffentlich we der evangelisch ns des radikalel weit in unseret sub deartige Ab lusführungen d6 als:„Setzt in das nach 20 Dienstjahren erreicht wird. In vas Höchstzehalt kommen Herc Dr. Boldt im Jahre 1914 Hr. Fluhme im Jahre 1920, Dr. Cremer im Jahre 1916, Dr. Ruben im Jahre 1929.— Für die beiden Bauräte wurde unter Wegfall der bisherigen persönlichen Zulage das Jahresgehalt auf je 14500 Mark festgestellt. — Auszeichnung. Dem Hauptlehrer a. D. Max Kothschild wurde, wie jetzt amtlich bekannt gegeben wird, bei seinem Uebertritt in den Ruhestand der Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern verliehen. — Die Bautätigkeit war im zweiten Vierteljahr 1910 entschieden lebhafter wie im ersten Vierteljahr. Es wurden Baugenehmigungen erteilt für 77 Geschäfts= und Wohnhäuser(59 im ersten Vierteljahr) und acht gewerbliche Anlagen(5). —* Herr Otto Fischer der Heldenvater unseres Stadttheaters, wird von kommender Spielzeit ab Mitdirektor des Deutschen=Volkstheaters in Hamburg und hat deshalb die Direktion des Stadttheaters um gütige Lösung seines Vertrages gebeten. Da die Direktion dem Glücke und der Korriere des Herrn Fischer nicht im Wege stehen will, so hat sie den Vertrag des Herrn Fischer auf dessen bringenden Wunsch gelöst. * Zirkus Corty=Althoff. Heute Abend achreinviertel Uhr findet die Gala=Eröffnungsvorstellung satt. Ein Riesenprogramm, völlig neu für Dortmund, wird den hier so beliebten Zirkus Corty=Althoff in diesem Jahre hier einführen. In der Tat hat es CortyAlthoff, Direktor Pierre Althoff, zu einem Namen von Weltruf gebracht; überall wird sein Kommen freuhig begrüßt, da jeder weiß, daß es sich um einen Zirkus handelt, der auch hält, was er in seinen Ankündigungen verspricht. Viele und gute Dressuren, gute Artisten von allen Branchen, gute Klowns und Auguste. Und alles in höchster Vollendung bei erstaunlich kleinen Preisen. Morgen, Mittwoch, finden zwei Vorstellungen statt, namittags 4 Uhr zu ermäßigten Preisen, bei ungekürztem Riesenprogramm, und abends achteinviertel Uhr zu gewöhnlichen Preisen. Die hiesige Spielzeit ist nur bis einschließlich 4. Juli nächsten Monats vorgesehen. eine Verlängerung findet keinesfalls statt. Der Billett=Vorverkauf befindet sich im Zigarrengeschäft Krüger und Overbeck, Brückstraße 9(Case Metropol), Tel. 1396, daselbst sind Eintrittskarten für die AbendVorstellungen erhältlich. Barmen, 20. Juni. Von einem Zuge überfahren purde heute Vormittag in der Nähe von Langerfeld der in Hagen wohnende 25 jährige Arbeiter Karl Harke. Der Kopf wurde ihm vom Rumpfe getrennt. Vermutlich liegt Selbstmord vor. Köln, 20. Juni. Wie der„Kölnischen aus Berlin gemeldet wird, ist über die Ernennung der Oberpräsidenten von Rheinland und Schlesien, noch kein Beschluß gefaßt worden. Die Ernennungen werden nicht eher erfolgen, als bis der neue Minisier des Innern von seinem Amt Besitz ergriffen hat. Nachen, 20. Juni. Die Kriminalpoliezi verhaftete eine Diebesbande von 10, meist schon bestraften, von auswärts zugezogenen zwanzig—22jährigen Burschen, denen schon über 40 Einbrüche hier und in der Umgegend sowie an der holländischen Grenze nachgewiesen worden sind. Trier, 20. Juni. In der Nähe von Trier wurde in der vergangenen Nacht an einem Sergeanten ein Mord erübt. Man fand heute morgen den Sergeant Seemann vm Artillerieregiment 44 mit durchstochenem Halse bei Trier auf. Letzte Telegramme. Die Reisedispositionen des Kaisers. Berlin, 20. Juni. Der Gaiser begibt sich, den letzten Dispositionen zufolge, Mitswoch, den 22. Juni, im Sonderzug nach Altona, um sich auf der„Hohenzollern“ einzuschiffen, die bei den St. Pauli=Landungsbrücken bereit liegt. Die Vorexpedition nach Spitzbergen. Kiel, 20. Juni. Die Vorexpedition nach Spitzbergen, welche die Aufgabe hat, die Möglich"##ner Uateren arktischen Expedition mit ZeppelinLuftschiffen festzustellen, wird am 2. Juli 1910 Kiel mit dem Dampfer„Mainz“ des Norddeutschen Lloyd verlassen, Wei Spitzbergen liegt der große norwegische Eisdampfer„Phönix" bereit, auf welchem Vorstöße in die Eisregionen unternommen werden sollen. An der Expedition nehmen teil: Graf Zeppelin, die Professoren Hergesell, Miethe, v. Friedländer=Fulda, Lewald, Drigalski und Reich, v. Zedlitz=Trützschler sowie der Kapitänleutnants von der Knesebeck und Hilmers. Zum Ministerwechsel. Breslau, 21. Juni. Die„Bresl. Ztg.“ verzeichnet ein Gerücht, wonach Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, der sich kürzlich mit der Prinzessin Agathe von Rativor vermählte, zum Nachfolger des Herrn v. Dallwitz als Oberpräsident von Schlesien ausersehen ist. Folgenschwerer Hauseinsturz in Lemberg. Wien, 20. Juni. Aus Lemberg wird gemeldet: Im hiesigen Judenviertel ist in der verflossenen Nacht gegen 3 Uhr ein dreistöckiges Haus eingestürzt, wobei die Plafonds aller drei Stockwerke mit in die Tiefe gerissen wurden, unter sich eine Menge Insassen begrabend. Bis jetzt wurden acht Tote und ebenso viele Schwerverletzte aus den Trümmern gezogen. Man befürchtet aber, daß sich noch eine große Anzahl von Opfern unter den Schuttmassen befinden, da das Haus von vielen kleinen Parteien bewohnt war. Ein Familienvater; der seine ganze Familie velror, ist wahnsinnig geworden und mußte in die Irrenanstalt übergeführt werden. Lemberg, 20. Juni. Zu dem Hauseinsturz im hiesigen Ghetto wird noch gemeldet, daß bis heute nachmittag 3 Uhr fünfzehn Tote und zehn Schwerverletzte aus den Trümmern hervorgezogen worden sind. Es steht leider fest, daß über ein Dutzend Opfer noch unter den Trümmern begraben liegen. So ist zum Beispiel von einer Familie bekannt, daß sie stets 20 bis 25 Schlafburschen beherbergten, von denen bisher noch keine Spur gefunden werden konnte. Auf der Unglücksstätte, die von Gendarmerie und Feuerwehr scharf abgesperrt wird, spielen sich herzzerreißende Szeuen ab. Eine aus Mann, Frau und drei Kindern bestehende Familie, die gemeinschaftlich in einem Zimmer schlief, wurde in die Tiefe gerissen und als schrecklich verstümmelte Leichen hervorgezogen. Die Cholera in Südrußland. Petersburg, 20. Juni. Infolge der tropischen Hitze, die jetzt in Südrußland herrscht, breitet sich die Cholera in bedenklicher Weise aus. Von spanischem Schrecken ergriffen, flüchtet die Bevölkerung nach allen Richtungen hin. In Poltawa sind plötzlich 77 Personen erkrankt und 25 gestorben. In den am Dnieper gelegenen Ortschaften grassiert die Cholera am stärksten; es macht sich schon ein Mangel an Aerzten und Wärtern bemerkbar. In den galizischen Einbruchsstationen soll demnächst ein strenger Ueberwachungsdienst in Tätigkeit treten. Das Lemberger Stadtpräsidium hat die Instandhaltung der Epidemiebaraken angeordnet“ Sieg der Sozialisten bei den Gemeinderatswahlen. Rom, 20. Juni. Bei den gestrigen Gemeinderatswahlen haben die Sozialisten in Mailand, Tourin, Florenz und Verona gesiegt. In Mailand wurden sie mit 3000 Stimmen Mehrheit gewählt. Der Gemeinderat wird seine Demission einreichen müssen. Verhaftung regierungsfeindlicher Militärs in China. Peking; 21. Juni. Der Vizekönig von Houpe und Hounan hat vier hohe Beamte der 8. Division darunter zwei Generale, wegen regierungsfeindlicher Umtriebe gesangen setzen lassen. 54., Stellmacher Kleineheismann, Scharnhorststraße 26. Pfarrer Ohlig, Liebigstraße 7. Eine Tochter: Maurer Klug, Lauenburgerstraße 11. Maschinist Jarczewski, Bessemerstraße 17. Kaufmann Lutterbüse Zimmerstraße 6. Gemüsehändler Möhring Fichtestraße 2. Zimmermann Grimm, Hukbarderstraße 1 Aufgebote: Maschinist W. Coolhaas und Marie Wehmeier. Büffetier M. Bonitz und Mathilde Nolte. Zimmermann Karl In der Hegge und Elisabeth Mattern geb. Becker.— Sterbefälle: Schmied Johann Lengelinger, Möllerstraße 24, 58 Jahre. Erich Hagenköttter, Hohestraße 81, 11 Monate. Dortmund, 2, vom 20. Juni. Geburten: Ein Sohn: Bergmann Malinsky, Borsigstraße 57, Kutscher Gies, Kleinestraße 5. Buchhalter Levermann, Bergmannstraße 29 Eine Tachter: Postbote Kappius, Rolandstraße 9. Kehrarbeiter Siebold, Bornstraße 205. Monteur Gladen, Gronaustraße 24. Sterbefälle: Wilhelm Saul, Burgmundastr 9, 9 Monate. Otto Liedtke, Klausthalerstraße 42 2 Monate. Olympta=Theater, Dortmund. Die Renavierungsarbeiten welche sich über die gesamten Zuschauer= und Bühnenräume des Olympia=Theaters erstrecken, gehen nun mehr und mehr ihrer Vollendung entoegen. Eine ganze Schar von Malern, Schlossern Tischler ist noch emsig damit beschäftigt, die letzten kleinen Schäden auszubessern und somit dem Ganen wieder ein tadelloses Aussehen zu verleihen' Das slympia-Theater hat wieder ein neues Gewand angelegt, und dars voll und ganz Anspruch darauf maihen, als Schmuckkasten bezeichnet zu werden. Die Wiedereröffnung findet bekanntlich am Freitag, 1. Juli statt und beginnt dann das Gastspiel des Operetten=Ensembles von Karl Schultz=Theater Hamburg mit der besten Operette unserer Zeit„Die geschiedene Frau“.„„„ empfiehlt sich wegen ihrer knappen und übersichtlichen Darstellungsweise sowie wegen ihrer schnellen Mitteilung und präzisen Beurteilung der Tagesfragen die „Freisinnige Zeitung“ ganz besonders als Lektüre Bei der gespannten inneren Lage, infolge der Herrschaft des schwarz=blauen Blocks und der Schwäche der Regierung, ist die „Freisinnige Zeitung“ besonders in diesem Hochsommer ein willkommener Führer für alle, die sich mit den öffentlichen Angelegenheiten befassen, da sie kurz aber treffend über die Vorgänge in allen Parteien und die Ansichten und Maßnahmen der Regierung informiert. Man abonniert auf das III. Quartal für Illk. 3,90 bei allen Postanstalten. In Berlin bestellen alle Zeitungspediteure die „Freisinnige Zeitung" zum Preise von Mk. 3.— frei Haus. Neue Abonnenten erhalten gegen Einsendung der Abonnementsquittung an die Expedition der „Freisinnigen Zeitung", Berlin, Zimmerstraße 8 pt., die noch im Juni erscheinenden Nummern kostenfrei zugestellt. Standesamts=Nachrichten. Dortmund 1, vom 20 Juni. Gekurten: Ein Sohn: Maurer Schmitt, Schützenstraße 113, Reisender Selinger, Zimmerstr. Zeitungs-Ausschnitte liefert im Original über jedes Gebiet für Gelehrte, Künstler. Schriftsteller, Fachzeitschriften, Finanziers, Grossindustrielle, Behörden etc. etc. das bestorgani—— sierteste Bureau sofort nach Erscheinen—— Klose& Seidel, Bürs für Zeitung-Ausschalte. Berlin NO. 43, Georgenkirchplatz 21. Prospekte und Zeitungsliste gratis! Erste Referenzen! S-Sisene Spezial-Abteilung für = Korsetts= unter fachkundiger Leitung. Moderne lange Formen von Mark 3.50 an. Alleinverkauf der beiden weltbekannten Marken: C. P. Paris und P. D. Brüssel. Korsett-Anfertigung nach Mass unter Garantie für tadellosen Sitz und beste Verarbeitung. Korsett-Wäsche. 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Juni. abends 8 Uhr: Großes Extra-Militär-Konzert ausgeführt von den gesamten Trompeterkorps des Leib-Garde-Husaren-Regim. aus Potsdam (Dir.: Musikmeister J. Maasberg). Ausgewähltes Programm. „Fauiarenmärsche für Heroldstrompeten und Kesselpauken“, Komponiert von J. Maasberg. Eintritt&a Person 50 Pf. Vorzugskarten mit 30 Pf. Nachzahlung. sch bin beim Landgericht und Amtsgericht in Dortmund als 1093 Rechtsanwalt Privat-Unterichts-Institut zu Dortmund. Franz Reinelt, Dortmund, Balkenstr. 14-16. Vorbereitung zum Examen für den einjährig=freiwilligen ass Dienst, sowie für obere Klassen höherer Schulen. Für auswärtige Pension im Hause. K. O.Sichting Ardeystraße 32, nicht mehr Alexanderstr. 15. zugelassen. isein Büro befindet sich Ostenhellweg 15 I. Eingang Rosenthal. Dr. jur. Paul Frank u. Zeitungs-Ausschnitte. 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Ju. ußte sich die Festung ergeben, und es begannen jetzt, der Tragödie letzter Teil, die Hinrichtung Die standrechtlich erschossenen Freiheitskämpfer ruhen im Friedhofe Rastatts in gemeinsamem Grabe, guf dem ein gewaltiger Schwarzwaldaranitblock der Nachwelt ihre Namen verkündet. Eine der idealsten Gestalten jener großen Zeiten war Karl Schurz. Er war Bonner Student und Mitglied der Burschenschaft„Frankonig“, als er in die Reihe der badischen Freiheitsscharen eintrat. Nach dem Falle Rastatts entzog er sich durch kühne Flucht dem Verhängnis, das ihm durch das Standrecht drohte. Er versteckte sich in einer engen Kloake. Drei Tage und Nächte dauerte es, bis er unter wechselnden Abenteuern, bis auf die Haut durchnäßt von Kälte Hunger und Durst gepeinigt und öfters nur durch ein Wunder vor Entdeckung bewahrt, endlich das Freie erreichte. Diese Flucht schildert Karl Schurz in seinen interessanten„Lebenserinnerungen“. (Verlag Reimer, Berlin). Nach der sicheren Schweiz geflüchtet, kehrte Schurz schon im nächsten Jahre wieder nach Deutschland,„in des Löwen Rachen“ wie er selbst schreibt, zurück, um dem vom Standgericht zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilten Universitätsprofessor und Dichter Gottfried Kinkel aus dem Kerker in Spandau zur Flucht zu verhelfen. Diese kühne. selbstlose Einsetzung von Leben und Freiheit für die Befreiung seines Lehrers, Freundes und Kampfgenosen ist wohl die größte persönliche Tat von Schurz die selbst dem Gegner Achtung abringt. Später leistete Schurz als General im Sezessionskrieg und als ganz hervorragender Staatsmann der amerikanischen Union, vor allem aber dem Deutschtum jenseits des Ozeans wertvolle Dienste. Heute noch— er starb 1900— gilt er als der bedeutendste Deutschamerikaner. Keiner hat im fernen Westen das Deutschtum mehr gefördert als er. Die Kanalmündung, aus der Schurz ins Freie kam, ist noch vorhanden, aber demnächst wird der Graben verlegt. Um nun die denkwürdige Stelle der Nachwelt zu erhalten und Jungdeutschland an die opfernutigen Taten selbstloser Vorkämpfer jener Zeiten zu erinnern, soll dort ein„Schurz=Denkstein“ errichtet werden. Bereits sind 2500 Mark eingegangen. Um nun das Denkmal einer großen Zeit recht eindrucksvoll gestalten zu können, bitten wir um weitere Zuwendungen. Spenden bittet man zu richten entweder au öke Adresse des Vereins oder insbesondere an den Vorsitzenden des Denkstein=Ausschusses Herrn Arotheker Jos. Strauß. Der Verein der fortschrittlichen Volkspartei Rastatt. Der Allensteiner Mord=Prozeß S. u. H. Allenstein, 19. Juni. Am heutigen Verhandlungstage bekundet Kriegsterichtsrat Konradi wiederholt, die Aussagen des herrn v. Göben seien in den Protokollen richtig wiedergegeben. Kriegsgerichtsrat Reichardt: Es ist hier die Meinung ausgesprochen worden, als wenn Exzellenz v. Scotti(der Gerichtsherr) ein weiteres Verfahren gegen Frau v. Schönebeck nicht gewünscht habe. um der Auslands= u. sozialdemokratischen Presse keine Jahrung zu geben. Das ist unrichtig, Exzellenz ist immer dafür eingetreten, daß die Untersuchung gegen crau v. Schönebeck rücksichtlos durchgeführt werde. wird dann der Stiefbruder des Hauptmanns, der 1 Jahre alte Privatier Oskar v. Göben vernommen. ## macht Mitteilungen über die Jugendzeit seines Stiefbruders. In der Schule war er nicht einer der Von Dienstag den 21. Juni bis Dienstag den 26. Juni Ein durchschlagender Besseis unübertroffener Preissbürdigkeit. Diese Voranstaltung gibt Ihnen Gelegenheit, sich einmal gründlich bei uns umzusehen,unsere Waren zu prüfen und unsere Preise zu vergleichen. Wir bieten Ihnen unbedingt die vorteilhafteste Kautgelegenheit dieser Saison! Da unsere Preise ohne Reklameveranstaltung schon sensationell sind, wird das Erstaunen in diesen Tagen keine Grenzen kennen 1 Posten 110 cm breite reinwoll. 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Ich will keine falsche Meinung aufkommen lassen. Ich habe seit einem halben Jahre in einem Taumel von Verbrechen gelebt. aber ich kann versichern, daß mir erst seit gestern der ganze Umfang der Gemeinheit und Verblendung klar geworden, wie schwer mich das belastet, was ich bisher aus Schonung für diese fürchterliche Frau verschwiegen habe. habe versprochen weiter zu leben, aber kann jemand weiter leben, der das Gemeinste verbrochen hat, das es gibt.“ Der Zeuge erklärt er habe überlegt, wie er seinem Bruder helfen könne; bei einer Unterredung habe er ihm gesagt, er solle die Frau nicht schonen, und an seine alte Mutter denken. Der Vorsitzende hält dann der Angeklagten wiederholt vor, daß sie der alten Mutter des Hauptmanns in Briefen wiederholt vorspiegelte, sie wolle ihren Sohn heiraten, während, sie in Wirklichkeit nicht daran dachte. Die Angeklagte erklärte, die ganze Briefschreiberei, mit der alten Dame habe damit angefangen, daß sie, die Angeklagte, einmal einem Gruße einem Briefe des Hauptmanns anfügte. Darauf habe die alte Dame sehr nett geantwortet und so sei der Briefwechsel entstanden. Zeuge Hauptmann Herbig bekundet, daß Hauptmann v. Göben ein energischer Offizier und ein aufrechter Charakter war. von dem immer mit Hochachtung gesprochen wurde. Hauptmann Gudewill(Itzehoe) hat Hauptmann#### Göben nach dem Burenkriege kennen gelernt. Hery# v. Göben wurde von seinen Kameraden, deren Ve trauensmann er war, geradezu vergöttert. Frauen gegenüber war er zurückhaltend, Gutsb sitzer Baake bekundet, daß Herr v. Göben äußer hilfsbereit war. Er hat einmal, als er sah, daß ein Kind gezüchtigt wurde, den Täter angegriffen, obwohl er in Uniform war. Von einem draufgängeristischen oder renommistischen Wesen war bei ihm keine Rede. Der Verteidiger Salzmann bringt zur Sprache, daß Herr v. Göben als Quintaner oder Quartaner einem anderen Schüler, der in dieselbe höhere Tochter verliebt war, eine brennende Lampe an den Kopf geworfen haben. Dem Zeugen ist hiervon nichts bekannt.. Zeuge Hauptmann Pohl erklärt, daß Herr v. Göben sehr diskreter Natur war. Von den Kameraden wurde er sogar in Familienangelegenheiten zu Rate gezogen. Von der Heiligkeit der Ehe hatte eine sehr hohe Auffassung. In Berlin hat er viel mit Damen verkehrt, aber stets in einwandsfreier Weise. Der Vorsitzende weist darauf hin, daß vom Chef des 7., Armeekorps ausgesprochen worden sei, Herr v. Göben sei lasch im Dienst. Der Zeuge erwidert, gerade in Münscher habe damals eine Herzensaffäre des Herrn v. Göben gespielt, der also nicht die geringste Ursache gehabt habe, zum Schürzenjäger zu werden. Der Zeuge hat Herrn v. Göben einmal gefragt, ob er aus Begeisterung für die Buren nach Südwestafrika gegangen sei, dieser habe aber erwidert, Nein, aus Haß gegen die Engländer, Kriminalkommissar errlart zum Schluß der Sitzung daß er in seinem Vortrage bei Exzellenz Scotti nur die strafrechtlichen Momente hervorgehoben habe. da nach seiner Ueberzeugung die moralische Seite nicht in die Untersuchung hineingehörte. Um Skandal zu vermeiden, habe er an die Presse die unwahre Nachricht gegeben, daß er auf einer anderen Spur sei, obwohl Herr v. Göben schon gestanden hatte. Darauf wurden die weiteren Verhandlungen auf Montag vertagt. Man rechnet damit, daß der Prozeß am nächsten Sonnabend zu Ende geht.. Allenstein, 120. Juni. Frau v. Schönebeck Weber erlitt heute kurz vor Beginn der Vergandlung einen neuen Krampfanfall, so daß der Ven handlungsbeginn verschoben werden mußte. Sport. Fahrt des„Clouth"=Ballons nach Brüssel. Brüssel, 20. Juni. Heute morgen 4,30 Uhr landete auf dem Flugfelde bei Brüssel der Lenkballon „Clouth". Der„Clouth“ war um Mitternacht in Köln aufgestiegen. Er umkreiste vor seiner Landung die Stadt Brüssel und wurde dann in die Ballonhalle in der Nähe des Ausstellungsgebäudes gebracht. Die Fahrt hatte sich unter den besten Bedingungen vollzogen und war über Maastricht, St. Trond, Thirlamont, Louvrin gegangen. Die Insassen des Ballons waren Hauptmann v. Kleist, Direktor Clouth und Ingenieur Dily. Als das Eintreffen des Ballons in Brüssel bekannt wurde, strömte eine große Volksmenge dem Landungsplatze zu, um das Luftschiff in Augenschein zu nehmen. Es heißt, der„Clouth“ werde in den nächsten Tagen eine Anzahl Aufstiege und Fahrten über der Ausstellung unternehmen. Brüsssel, 20. Juni. Das Cölner Lufrschiff „Clouth" bildet augenblicklich den Gegenstand der allgemeinen Neugierde. Im Laufe einer Unterredung mit den Insassen teilten diese mit, daß die Fahrt sich in einer durchschnittlichen Höhe von 250 Metern vollzog. Als sie in der Nähe der Kaserne von Etterbeck Frauenzauber. Roman von Hedwig Gronen. 15 „Damit allein ist die Sache nicht abgetan. Meine Sellung verlangt angestrengtes Arbeiten, einen ganzen Ich bezweifle aber, daß Du Dir selbst den nötigen Respekt vor den Arbeitern verschaffen kannst. Den Leuten imponiert in erster Linie ein gutes Beispiel.Glaubst daß Du ihnen das geben kannst?“ „Aber erlaube mal, Papa, Du bist heute furchtbar zcgemütlich. Du sprachst doch sonst ganz anders über diese Angelegenheit.“ „Weil ich endlich hinter Deine ehrlosen Streiche geommen bin. Meinst Du, die Leute fühlen die Schmach, „#u ihnen antust, weniger, weil sie arm sind und zu verlieren haben, als eben ihre . seinhold war blaß geworden und starrte seinen Vabetreten an.„Man muß mich bei Dir verleumdet ich.. ich verstehe Dich nicht.“ ans0? Dann will ich Deinem Gedächtnis nachhelfen. m“ mit der Maske, Du ehrloser Wicht. In der Zeit, im Kontor hinter Deinen Briefen sitzen sollst, Frauen.2““ die Häuser der Arbeiter und suchst ihre Du vig Deiner hübschen Larve zu betören, und wenn jäßt a““ weit hast, wie Du sie haben willst, dann übereinz sie ihrem Elend. Weißt Du vielleicht, wer die hat2 a. Techter des alten Gerlach in den Tod getrieben den 2½2 habe sie gekannt, sie war ein so liebes, bescheimich fait:9: Jetzt erst ist es mir klar, weshalb Gerlach geglauer tener Zeit mit finsteren Blicken verfolgt. Er hat ich weiß um Deine Schurkerei... Nun?“ bin dack„.20“% Papa, sei doch nicht so außer Dir. Ich einem dur„# Papa, da geht das Blut zuweilen mit Und###### dgs Deine ganze erbärmliche Entschuldigung? Redas25t willst Du die Sache wiederholen mit andern? nicht 2 bitte Dich, bausche diese kleinen Scherze doch dummen c:“ Ich kann doch nichts dafür, wenn sich die er„Aiger in mich vergaffen. Müssen sie denn alles Mädel nicht heiraten: 3ch kann doch wahrhaftig so ein Scher lachte in bitterm Hohn auf.„Nicht? Zum Heiraten sind sie Dir also zu schlecht? O Du.. daß Du mir diesen Schimpf angetan.“ Er warf sich auf das Sofa und vergrub seinen Kopf in den Händen. Er schämte sich seiner Tränen nicht, die ihm heiß über die gefurchten Wangen rannen. Richard warf einen ungeduldigen spöttischen Blick zu ihm hinüber und kaute an seinen Schnurrbartspitzen. Lieber Himmel, was der Alte für einen Lärm um solche Lappalien machte. Was konnte er denn dafür, daß das dumme Mädel in den Mühlbach gelaufen. Er hatte sie doch wahrlich nicht geheißen, im Gegenteil, er hatte ihr zugeredet, den Sohn ihres Nachbars zu heiraten, der war ja verliebt in das Mädel, und dann wäre alles gut gewesen. Zu dumm, daß der Alte hinter die Sache gekommen war. Schade, daß es nun aufhören mußte. Was wollte er denn aber in dem Nest anfangen? Es war doch wahrlich seine einzige Zerstreuung gewesen, so ein bißchen Herzensbrecher spielen. Sein Vater hatte sich inzwischen mühsam gefaßt. Er stand auf und trat an Reinhold heran.„Hier kannst Du nicht bleiben, das ist klar; ich werde mich um eine Stellung für Dich bemühen, und morgen früh werde ich Herrn Prenkel um Deine sofortige Entlassung bitten. Was ich gehofft und gewünscht für Deine Zukunft, das ist an Deiner Frivolität, an Deiner Faulheit gescheitert. Fürs erste magst Du nach Berlin gehen, bis ich eine Stellung für Dich gefunden. Ich zahle Dir bis dahin Dein Gehalt noch aus, keinen Pfennig mehr, und dann wirst Du mit dem auskommen müssen, was Du selbst verdienst. Ich leiste Dir keinen Zuschuß, merke Dir das, nicht einen Pfennig.“ „Die paar tausend Mark, die ich für Dich mühsam zusammengespart habe, bleiben Dir, ich werde sie als sichere Rente für Dich anlegen. Und wenn noch ein Funken Ehrgefühl in Dir ist, dann werde ein anderer, Reinhold. Dein alter Vater bittet Dich mit aufgehobenen Händen darum. Jetzt laß mich allein, packe Deine Sachen, morgen früh reisest Du ab.“ Reinhold blieb noch einen Augenblick stehen. Er war hocherfreut, nach Berlin zu kommen, und hoffte den Vater mit der Zeit wieder zu besänftigen. Jedenfalls durfte er es nicht ganz mit ihm verderben. Er reichte die Hand hinüber. „Papa, Du bist wirklich zu hart mit mir gewesen. Ich gebe ja zu, ich war leichtsinnig, aber schlecht, nein Vater, schlecht bin ich wirklich nicht. Verzeihe mir, was ich Dir angetan.“ „Ich wills versuchen, zeige, daß es Dir Ernst ist, Dich zu bessern.“ Als Reinhold hinauskam auf den Korridor, sah er sich Tante Katharine gegenüber. Er sah sie giftig an. „Hast Du geklatscht?“ Sieschlug die Hände zusammen.„O, lieber Gott, nein, das hätte ich Deinem armen Vater nicht antun mögen. Herr Prenkel hat selbst mit ihm gesprochen.“ „So der.. na einerlei. Komm, kannst mir packen helfen.“ „Du willst fort?“ „Muß, werde in die Verbannung geschickt.“ Sie schüttelte wehmütig den Kopf.„Das geht Deinem Vater ans Leben.“ „Sei still nun endlich, ich habe schon mehr als genug Vorwürfe bekommen. Ich bin froh, daß ich fortkomme, hier wird einem doch jeder harmlose Scherz zum Verbrechen ausgelegt.“ Die Melzerschen Damen saßen gerade beim Mittagsmahl, als es klingelte. Gertrud erhob sich, um nachzusehen, wer Einlaß begehre. Ein elegant gekleideter Herr mit schönem Gesicht und blitzenden Augen stand vor ihr. „Verzeihung, mein Fräulein, unten an der Haustür las ich, daß in der dritten Etage ein Garconlogis zu vermieten sei.“ Dabei blickte er mit feuriger Bewunderung in ihr reizendes Gesichtchen. Gertrud gab ihm ruhig und freundlich Bescheid.„Hier drüben, die andere Tür, wenn ich bitten darf.“ „Ich danke sehr.“ Dann war Gertrud verschwunden und Reinhold Runge klingelte nebenan. Er mietete das Zimmer, obwohl es ihm eigentlich zu teuer war, aber seine abenteuerlustigen Augen hatten an Gertrud Gefallen gefunden, und erhoffte, mit ihr anbändeln zu können. Als er am nächsten Tage einzog, fragte er seine Wirtin, wie beiläufig:„Wer wohnt denn hier neben Ihnen?“ „Frau Melzer, eine Witwe, mit Tochter und Nichte.“ „So, so, sie werden doch nicht zuviel Klavier spielen?“ „Da haben Sie man keine Angst, gnädiger Herr, was die Nichte ist, die kann zwar wunderschön Klavier spielen, aber jetzt hat sie gar keine Zeit dazu. Die heiratet Weihnachten, und dann ziehen die anderen beiden auch mit fort.“ „Also eine Hochzeit in Aussicht? Ist wohl ein schönes Mädchen, das Fräulein Nichte?“ „Jawohl, ein sehr hübsches Fräulein, aber die Tochter ist noch viel schöner, aber stolz, die guckt unsereinen nur so von oben herunter an.“ „Was Sie sagen. Die Damen leben wohl sehr zurückgezogen?“ „Sie verkehren mit keinem Menschen, zumal seit sich Fräulein Gertrud mit dem Doktor verlobt hat.“ „Sie heiratet einen Arzt?“ „Nein, so'n Doktor ist das nicht.“ Reinhold wußte vorläufig genug. Also bis Weihnacht würde er die reizende Nachbarin nur haben. Das war nicht lange, und wenn er da etwas erleben wollte, mußte er schnell vorgehen. Als Gertrud am nächsten Morgen zur Tür hinaustrat, kam zur selben Zeit drüben der junge Runge zum Vorschein. Er grüßte ehrerbietig und schritt, wie selbstverständlich, neben ihr die Treppe hinab. „Gestatten gnädiges Fräulein, daß ich mich als Hausgenosse vorstelle. Mein Name ist Runge.“ Gertrud dankte mit einigen höflichen Worten, doch hatte ihr die Art und Weise ihres Begleiters etwas Unangenehmes. Unten im Hausflur blieb sie stehen, um nicht mit ihm zusammen auf die Straße treten zu müssen. Er bemerkte ihr Zögern.„Haben gnädiges Fräulein etwas vergessen, darf ich es Ihnen herunterholen?“ „Danke, nein.“ Das klang sehr kurz und abweisend, aber erließ sich nicht entmutigen.„Bitte, verfügen Sie ganz über mich, es wird mir eine Ehre sein, Ihnen dienen zu können.“ Das klang so artig und bescheiden, daß ihn Gertrud nicht unhöflich abweisen konnte.„Sie sind sehr liebenswürdig, doch muß ich selbst zurückgehen.“ Damit neigte sie verabschiedend ihr Köpfchen und stieg die Treppe wieder empor. Ihre Tante machte ein verwundertes Gesicht, als sie wieder eintrat. 180.18 znlangten, ließen sie eine Botschaft in den# Kaserne hinunterfallen mit der Bitte, Mannschaflen zum Landen zur Verfügung zu stellen. Hierauf machte das Luftschiff einen Rundgang über die Stadt Brüssel und traf dann vor der Ballonhalle ein, wo Mannschaften zum Landen, bereits zur Stelle waven.„Clouth“ wird wahrscheinlich morgen und übermorgen einige Aufstiege unternehmen und dann bei günstigem Wetter nach Köln zurückkehren. Kiel, 20. Juni. Die Entscheidung in dem Rennen um den Eintonnerpokal Frankreichs fiel heute beid er achten Regatta. Die schwedische Dacht„Agnes 2“ siegte zum dritten Male und gewann damit den Pokal. München, 20. Juni. Der Münchener Aviatiker Lindpaintner, der in den letztenTagen wieder mehrere schön gelungene Flüge ausführte, landete gestern nach einem Fluge in Puchheim. so unglücklich, daß der Zweidecker vollständig in Trümmer ging.. Der Aviatiker Lindpaintner selbst erlitt nur leichtere Hautabschürfungen. Aus dem Gerichtssaal. Strafkammer Dortmuns. = Dortmund, 20. Juni. Wegen Diebstahls und Betruges hatten sich der Elektromonteur Albert Steenebrügge und der Techniker Gustav Lütgeri von hier zu verantworten. Die beiden noch verhältnismäßig jungen Angeklagten sind die besten Brüder gerade nicht; ihr Strafregister weist so manche Seite auf. Gustav Lütgert ist ein ganz geriebener Patron, der schon in der Untersuchungshaft en Geisteskranken simulierte und in Avlerbeck deshalb auf seinen Geisteszustand untersucht wurde, aber es stellte sich dort heraus, daß er geistig normal ist. Ins Geängnis zurückgebracht markierte er den Kranken und enthielt sich oft tagelang des Essens. Heute Morgen stellte er sich derartig„schlapp“, daß er in die Anklagebank getragen werden mußte. In der Sitzung am Nachmittag war er aber schon bedeutend besser auf den Beinen. Im Januar 1910 befreundete sich Lütaert mit Steenebrügge. Beide begaben sich am 25. Januar d. Is. in die Stadesche Wirkschaft, wo sie dem Kaufmann Thiele einen Ueberzieher im Werte von 80 Mark stahlen. Am 30. Januar besuchten beide das Gildenhaus und entwendeten da in einem unbewachten Augenblick dem Kaufmann Voß einen wertvollen Paletot. Im Ratskeller eigneten sich die Angeklagten am 27. Januar den Ueberzieher des Kaufmanns West an. Am 31. Januar fuhren die Angeklagten nach Hamm und stibitzten hier im Restaurant „Stadt Düsseldorf“ einem Referendar Ueberzieher, Hut und einen wertvollen Stock. Einige Minuten später begaben sich beide in ein in der Nähe befindliches Zigarrengeschäft. Lütgert stellte sich als Referendar Leng vor und bat den Verkäufer P. um ein Darlehen von 9 Mark. Als Pfand bot er ihm einen wertvollen Ueberzieher an, den er am folgenden Morgen wieder einlösen wollte. P. ließ sich verleiten und gab 9 Mark her, mußte aber erfahren, daß er Schwindlern in die Hände gefallen war. Am 5. Februar kehrten die Angeklagten in Dortmund im Hotel„Bristol“ ein, wo sie dem Reisenden Drostel einen Musterkoffer, einem anderen Reisenden ein Paar Stiefel und einen Stock stahlen. Am selben Tage besuchten die Angeklagten auch sotel„Reichskapelle" und entwendeten hier dem Reisenden Wals eine Reisetasche und einem Unternehmer ein Paar Stiefel. Mit dem im Hotel„Bristol“ gestohlenen Musterkoffer begaben sich die Angeklagten nach dem„Grafenhof", erhielten da aber von einem Kellner, dem sie den Koffer gegen eine bestimmte Summe verpfänden wollten, einen ablehnenden Bescheid. Als sich der Kellner entfernt hatte, erbrach Lütgert im Billardsaal ein Schränkchen und entwendete daraus die Billardbälle im Werte von 100 Mark. Der Kellner sprang den Dieben nach, und in der Poststraße gelang es ihm auch, Steenebrügge zu stellen, während Lütgert das Weite suchte. L. wandte sich nach Hagen, wo er am 10. Februar im Hotel„Deutsches Haus“ einem Reisenden eine Reisetasche stahl und diese dann in einem anderen Hotel einem Kellner für 5 Mark zum Kaufe anbot. Einige Tage darauf wurde er in Raufe anbot. Kurze Zeit darauf wurde er in Hamm verhaftet. Dabei spielte er den wilden Mann, ohne den gewünschten Ersog. Trotz seines angeblich schwachen Zustandes setzt er alles daran, die ganze Schuld äuf sich zu laden, den Steenebrügge zu entlasten. Aus der Beweisaufnahme ging hervor, daß er auch die meisten Diebstähle begangen, aber immerhin hat Steenebrügge in einigen Fällen mitgewirkt. Im Verlauf der Verhandlungen, als eine kleine Pause eingetreten war, meinte Lütgert auch:„Wenn ich Frau von Schönebeck wäre, dann würde es mir anders gehen!“ Die Verhandlungen endeten schließlich abends um 9 Uhr mit der Verurteilung des Lütgert zu 4 Jahren Zuchthaus und des Steenebrügge zu 3 Jahren Gesängnis. Beiden wurden die Ehrenrechte für die Dauer von 5 Jahren aberkannt. Dresden, 20. Juni. Nach viertägiger Verhandlung wurde heute der Heizungsinspektor der Dresdener Oper, Krumbiegel, der die Wohltätigkeitskasse der Platenstiftung für technische Beamte der Oper und des Schauspiels zu verwalten hatte, wegen Untreue in zwölf und Unterschlagungen in zwei Fällen zu drei Jahren Gesängnis und fünf Jahren Ehrenrechtsverlust verurteilt. Der Angeklagte siel bei Verkündigung des Urteils in Ohnmacht. Thorn, 21. Juni. Vor dem hiesigen Schwurgericht fand gestern die Verhandlung gegen den Lehrer Schadt aus Oslowo statt, der die Besitzerstochter Gertrud Rohlmann am 18. April d. J. ermordet hat. Der Angeklagte war in vollem Umfange geständig. Die Beratung der Geschworenen dauerte fünf Minuten, der Spruch lautete auf schuldig. Schadt wurde hierauf zum Tode verurteilt. Breslau, 21. Juni. Das Schwurgericht verurteilte die 28jährige unverehelichte Näherin Bünzel, die am 18. Mai d. J. den 80jährigen pensionierten Eisenbahnbeamten Karl Weiß in seiner Wohnung erschlagen und beraubt hatte, zum Tode. Innsbruck, 20. Juni. Der Gutsbesitzer Zamboni in St. Michael der an die Wirtstochter Tullia Dalmoneck seinen Heiratsantrag abgewiesen hatte, mit Strychnin vergistete Bonbons sandte, ist wegen Mordes zum Tode durch den Strang verurteilt worden. Handel und — Dortmunder Städtische Viehho f. Zum gestrigen Schlachtviehmarkt waren aufgetrieben: 973 Stück Großvieh, 1958 Schweine, 483 Kälber, 87 Schafe. Bezahlt für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes höchstens 7 Jahre alt 85—87 Mk. b) junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 81—84 Mk. c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere 75—80 Mk. d) gering genährte jeden Alters 65—74 Mk. Bullen a) vollfleischige ausgemästete Bullen bis zu 7 Jahren 77—80 Mk. d) vollfleischige jüngere Bullen 72—76 Mk. c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 67—71 Mk. d) gering genährte 00—00 Mk. Rinder u. Kühe a) vollfleischige ausgemästete Rinder höchsten Schlachtwertes 84—85 Mk. b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 80—84 Mk. c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Rinder 72—79 Mk. d) mäßiggenährte Kühe und Rinder 60—71 Mk. Kälber a) feinste Mast=(Voll=Mast) und beste Saugkälber 53—55 Mk. b) mittlere Mast= und gute Saugkälber 48—52 Mk. c) geringe Saugkälber und ältere gering genährte(Fresser) 40—47 Mk. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 80—83 Mk. b) ältere Masthammel 70—79 Mk. c) mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) 00—00 Mk. Schweine: a) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1¼ Jahren 66 Mk., b) fleischige 63—65 Mk. c) gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 58—62 Mk. Tendenz: ziemlich gut. Unverkauft blieben 28 Stück Großvieh. Vermischtes. Wulften, 20. Juni. Das 5jährige Söhnchen eines Ziegeleiarbeiters, das sein 38jähriges Schwesterchen in einem Wagen mit sich führte, zog diesen durch eine geschlossene Bahnbarriere. Im nächsten Augenblick brauste der fällige Personenzug heran, erfaßte den Wagen und zermalmte das kleine Mädchen, das sofort tot war. Der Knabe wurde auf die Seite geschleudert und schwer verletzt; er ist seinen Verletzungen erlegen. Breslau, 20. Juni. Das einem hiesigen Kaufmann gehörige Automobil wurde beim Passieren einer scharfen Kurve bei Jordansmühl umgeworsen und die Insassen herausgeschleudert. Einer der Insassen, ein Kaufmann aus Berlin, wurde sofort getötet. Eine Frau erlitt schwere innere Verletzungen, zwei weitere Personen kamen mit dem Schrecken davon. Friedrichshafen, 20. Juni. Eine aus drei Offizieren bestehende Abordnung der in Deutschland weilenden chinesischen Militärstudienkommission stieg heute vormittag mit„L Z7“ auf. Die gut verlaufene Fahrt dauerte 14 Stunde.“ London, 20. Juni. Gestern abend stieß im Irischen Kanal der Dampfer„Deß“ aus Newry, der eine Ladung Roheisen führte, mit dem Dampfer„LaRochelle“ aus Bayonne, der mit Eisenerz von Bilbao nach Worlington unterwegs war, zusammen. Die „La Rochelle“ ging in fünf Minuten unter. Von der Mannschaft von neunzehn Mann ertranken zehn, darunter der Kapitän. Die übrigen rettete die Mannschaft des„Deß“. Eine Leiche ist geborgen. Die Ueberlebenden wurden nach Holyhead gebracht. Paris, 20. Juni. Die Untersuchung der Eisenbahnkatastrophe bei Villepreux hat ergeben, daß ein Defekt an der Maschine des Eilzuges die indirekte Ursache der Katastrophe gewesen ist. Der Lokomotivführer war mit der Reparatur seiner Maschine beschäftigt, so daß er das Haltesignal infolgedessen nicht wahrnehmen konnte. Als er den andern Zug auf dem Geleise bemerkte, hatte er nur noch Zeit, die Maschine auf Konterdampf zu setzen und abzuspringen. Gewerkvereinsteil. Die am gestrigen Sonntag in Magdeburg tagende Hauptversammlung der Fraktionskasse des Deutschen Privatbeamtenvereins nahm eine an das Reichsamt des Innern gerichtete Resolution an, in der die dringende Bitte an das Reichsamt des Innern wiederholt wird, bei der Ausarbeitung dieses Gesetzentwurfes über eine staatliche Pensionsversicherung der Privatbeamten die wohl erworbenen Rechte der in privaten Versicherungskassen versicherten Angestellten durch Anerkennung der bestehenden Kassen alle Ersatzinstitute schützen zu wollen. In der beigegebenen Begründung wird hervorgehoben, daß die private Versicherung, die teilweise unter Mithilfe der Arbeitgeber aufgenommen. wurde, behördlicherseits nachdrücklich und wiederholt als Selbsthülse empfohlen worden ist und daß die Aufhebung der privaten Kassen für deren Mitglieder schwere wirtschaftliche Schädigungen verursachen würde. Frankfurt, a. M. 20. Juni Die ausgesperrt gewesenen Schiffer und Bauhilfsarbeiter haben heute in zwei Versammlungen dem Schiedsspruch der Unparteiischen zugestimmt und beschlossen, die Arbeiten im Frankfurter Wirtschaftsgebiete heute, Montag, wieder aufzunehmen. Berlin, 20. Juni. Der Zentralvorstand und die Bezirksleiter des Zentralverbandes christlicher Bauarbeiter Deutschlands beschlossen, da die Aussperrung seitens des Arbeitgeberbundes aufgehoben und die Lohnfrage durch Schiedsspruch geregelt wurde, ihre Mitglieder unverzüglich zur Arbeitsaufnahme anzuhalten. Aus der„Jugend.“ Aus dem dunkelsten Deutschland. Da die Verbrennung noch nicht gestattet ist, muß der Dorfbader einstweilen den unbemitttelten Protestanten und Liberalen die Zähne auf den Folterstuhl reißen. *** Es ist Gesellschaft, Ein Engländer trinkt während ihres Verlaufes seiner Tischdame zu, ohne daß sie ihm dankt oder nachkommt. Einige Zeit verstreicht, endlick, sagt er:„Aber gnädige Frau, Sie sind mir jetzt bereits drei Nachkommen schuldig.“ ** Beim Kaufmann holt ein Knabe vier Flaschen Selterwasser und muß für jede Flasche 10 Pfennige Einsatz hinterlegen. Nach wenigen Minuten bringt er die leeren Flaschen wieder, um die vierzig Pfennige zurück zu erlangen. „Habt Ihr denn das Selterwasser so schnell getrunken.“? „Nee! Wir habens daweile in einen Tipp getan.“ *** Der kleine Willy betet abends vor dem Schlafengehen:„Lieber Gott, schick mir meinen lieben, guten Großvater wieder und nimm lieber dafür die Klar mit nuff, die schmeißt mir immer weinen Baukasten um.“ * ** Der kleine Hans hatte zum Mittagessen das bekannte Gebei zu sagen: Komm Herr Jesu, sei unser Gast. Eines Tages weigert er sich hartnäckig zu beten, indem er meint:„Heute gibt's Dampfnudeln (seine Leibspeise), da brauche mer keen Gascht.“ * n Liebe Jugend! Die gnädige Frau duldet bei ihrem Dienstpersonal keinerlei Liebschaft und hält darüber die peinlichste Kontrolle. Nun hat Anna, das Stubenmädchen, in der letzten Zeit mehrmals Brief: bekommen, die darauf schließen lassen, daß von ihr das Verbot übertreten wird. Um sich davon zu überrzeugen, beschließt die Gnädige, eine Durchsicht von Anna's Sachen vorzunehmen, und bestimmt Lina, die Köchin, als Zeugin. In der gemeinschaftlichen Kammer der Mädchen finden sie Annas Kommode nicht verschlossen, darin liegt ein von ihr angefangener Brief im obersten Fach. Die gnädige Frau befiehlt:„Lesen Sie einmal vor.“ Lina beginnt:„Lieber Franz!“ Die Frau ist ein Teusel———— Die Untersuchung war sofort beendet. 9 Rubinke““ Ein moderner Roman aus Berlin g. Von Georg Hermann, Verfasser v.„Jettchen Gebert Erscheint im nächsten Quartal im Feuilleton Jeder Abonnent erhält kostenirei 6 Wochenschriften Jeden Montag: Der Zeitgeist Jeden Mittwoch: Techn. Rundschau Jeden Donnerstag: Der Welt-Spiegel Jeden Freitag, ULK, III. Witzblatt Jeden Sonnabend: Haus Hof Garten Jeden Sonntag: Der Welt- Spiegel 185000 Abonnenten Das„Berliner Tageblatt und Handelszeitung“ erscheint täglich 2 mal, wöchentlich 13 mal, auch Montags, und kostet bei allen Postanstalten des Deutschen Reiches monatlich 2 Mark Unmittelbar am Strand von Hochwald u. 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Ich kenne das Fräulein.“ „Du kennst sie, Freund?“ fuhr der Graf lebhaft sort. „O; erzähle mir, woher du sie kennst, erzähle mir alles, was du von ihr weißt.“ Paul tat einen tiefen Seufzer und schaute hinaus, zum halbgestirnten Nachthimme empor. Aber nur einen Augenblick stand er so da, dann trat er vor seinen Freund hin und sagte lächelnd:„Nun, ich reiste mit Fräulein Eckard zusammen im Postwagen und aus der Unterhaltung mit ihr glaube ich sie hinlänglich tennen gelernt zu haben. Sie ist nach meiner Meinung ein Mädchen, wie es wenige gibt. Sie würde dich, wenn du sie zum Weibe nähmest, überaus glücklich machen können. Ich lernte auch heute zufällig den alten Pfarrer kennen. Er hat mir viel Gutes von Fräulein Gertrud erzählt.“ „Ja, du hast recht, lieber Freund,“ sprach der Graf mit leuchtenden Augen, Pauls Hand fest in die seinige drückend,„ich glaube, der Himmel hat alles so gefügt. Ich war so glücklich, als Gertrud die Augen öffnete und mich so dankbar anschaute, ich hätte nimmer heimkehren mögen aus dem friedlichen Pfarrhäuslein. Als ich meine durchnäßten Kleider mit dem Sonnlagsstaat des Pfarrers vertauscht halte, da fühlte ick mich ganz als Hausgenosse, ich konnte auf einmal wieder lachen und scherzen wie einst vor vielen Jahren. Morgen reite ich wieder aus, um mich aach Fräulein Gertruds Befinden zu erkundigen.“—— Tag für Tag sprach Graf Bodenstein während der nächsten Zeit im Pfarrhause vor, mit jedem Tage wurde ihm Gertrud lieber und schon stand der Entschluß, sie zu heiraten, selsenfest vor ihm. Aber dennoch wagte er es nicht, der Geliebten einen Antrag zu machen. Ihm, dem seinfühlenden Manne entging es nämlich nicht, daß alle Herzlichteit und Freundlichkeit, mit der ihm Gertrud begegnete, nicht auf Liebe, sondern nur auf Tankbarkeit zurückzuführen waren. „Ich glaube,“ sagte er dann eines Tages zu Paul, „das Glück von dem ich träumte, ist mir nicht beschieden, Gertrud liebt mich nicht.“ „Sie wird dich lieben lernen, Freund“, antwortete Paul.„Habe nur Geduld, die Liebe kommt nicht immer auf den ersten Blick.—— Paul war seit jenem Tage, an dem er Gertrud wiedersah und die Bekanntschaft des Pfarrers machte, nicht in der Stadt gewesen. Heute nun trieb es ihn, der Einladung des würdigen alten Herrn Folge zu leisten. Er traf Gertrud, die ihn voller Freude begrüßte, allein zu Hause. Auf ihre Frage, weshalb er so lange nicht in der Stadt gewesen wäre, ankwortete er kühl:„Meine Arleit verhinderte mich, gnädiges Fräulein.“ Tann fuhr er nach einer Pause fort:„Heute kam ich, um mich von Ihnen und Ihrem Herrn Oyzeim zu verabschieden. Ich habe eine Orientreise vor, von der ich erst nach einigen Jahren zurückkehren werde.“ Wieder trat eine Pause ein. Tann raffte Paul sich plötzlich auf und sprach mit festerer Stimme:„Sie entsinnen sich, daß ich Ihnen auf der Reise im Postwagen viel von meinem Freund, Ihrem kühnen Lebensretter erzählte. Ich sprach auch von seiner Trauer um den Tod seiner Braut, ich sagte Ihnen, daß Graf Bodestein seit zehn Jahren nicht mehr herzlich lachen könnte. Wenn Sie ihn nun hier im Pfarrhause so von Herzen fröhlich sehen, so haben Sie gewiß öster an meiner Wahrheitsliebe gezweifelt. Toch ick will Ihnen eine Erklärung geben: Mein Freund ist nicht mehr traurig, er ist glücklich, denn er liebt Sie.— Ich weiß es, Fräulein Gertrud, daß Ihr Herz meinem Freunde noch nicht gehört, er selber weiß das auch, aber ich hoffe, daß Sie den edlen, Ihrer Liebe voll und ganz würdigen Mann kennen lernen, werden; wie ich ihn kenne. Tann werden Sie ihn lieben; werden ihn glücklich machen und werden selber überglückl' sein. Mein letzter Wunsch ist nun der, gnädiges Fräulein, daß ich Sie, wenn ich einmal nach Jahren zurückkehren sollte, als Gattin meines Freundes wiedersehe. Tarf ich hoffen; daß mein Wunsch erfüllt wird?“ Etwas eigentümlich kaltes, starres lag in Gertruds Blicken, etwas Vorwurfsvolkes.„Ich achte meinen Lebensretter hoch,“ antwortete sie mit schwacher Stimme; „aber“, fügte sie wehmütig hinzu;„ob ich ihn werde lieben können, weiß ich noch nicht.“ Paul lüßte die ihm dargereichte Hand zum Abschied und eilte davon.—„Es ist schwer, es ist schwer, ach; wie wird es uns so schwer; ein Opfer zu bringen,“ seufzie er und pochte mit den Fäusten gegen die Schläfen. VI. Fünf Jahre waren wieder in schnellem Lauf dahingeeilt. Es war heiliger Abend.— Kerzenschein und Freude strahlten in Hütte und Palast.— Auch aus den Feustern der einsamen Villa dort auf der Waldhöhe drang dem eeinsamen Wanderer der eben mühsam die Landstraße heraufkam, heller Lichtschein entgegen. Jetzt hatte der in einen gewaltigen Pelz gehüllte Wanderer die Villa erreicht. Der Diener grüßte ihn ehrerbietig und führte ihn in den großen Saal, in dem Graf Bodestein mit seinem geliebten Weibe und den beiden blondlockigen Knaben den heiligen Abend unter dem strahlenden Christbaume voller Glück und Wonne feierte.—— „Paul, mein Freund!“ jubelte der Graf dem späten Gast entgegen. Er schloß ihn in seine Arme und tüßte ihn wie einen Bruder.— Auch Frau Gertrud begrüßte ihn wie einen Bruder; die Knaben nannten ihn ihren lieben Onkel, wiesen ihm ihr Spielzeug und forderten ihn auf sich mit ihnen zu freuen.— Das war war ein frohes Wiedersehen. „Freund, du kannst dir nicht denken,“ wiederholte Graf Bodestein immer wieder,„was aus mir geworden ist!“„O, daß au“ dir der Himmel Glück bescherte, wie er es mir beschert hat.“ Pauls Augen süllten sich mit Tränen.„Ich freue mich mit dir“, sagte er, des Freundes Hand ans Herz drückend. Und er freute sich mit den Fröhlichen. Seine Freude kam von Herzen. Aus dem Jubel der Kinder, aus den freudestrahlenden Blicken der Eltern aber sprach eine Stimme zu ihm:„Tu hast dein Opfer nicht vergebens gebracht, du durftest dem Freunde vergelten; was er an dir getan!“ Allerlei 3 Mittel gegen Schwaben. Ein halbes Pfund Borax und ein Viertel Pfund Kochzucker werden untereinander gemischt und dann mit dem Nudelholz möglichst fein gerollt. Diese Mischung streut man in alle Ritzen und Spalten, in deren Umgebung Schwaben sich zeigen, und sie werden bald verschwinden. Das Mittel ist einfach, ungefährlich und verhältnismäßig billig. — Das boshafte Dienstmädchen.„Vier Wochen hatte meine Madam jetzt die Schneiderin im Haus!“—„Ich denke vierzehn Tage?“—„Ja, vierzehn Tage hat sie gearbeitet, und vierzehn Tage ist sie mit der Rechnung gekommen.“ 3 Blätter für Unterhaltung und Belehrung S E* 2 G5SES S SSgäSSs n ES *" 0 2 G— BESSSRSSBBRSAE. PBSSOSPSPEESES 8 5 SAETgEE .- ATESN BS-E n S onsSSESSESSEE BSEESES SSSR 5•2—*• □ G### Ä P 5 G 2—— G — B SS— „# Sm m S E „ RS• * 9 SEEE S S • * 2 E*- a PTUUSNE BSSSSSSE #PgeSSEE S aÖ -SSEIEDN TS BUL 2 0 Dr KO 22 den„drei B“; wie die Golsucher das aus conservirten Bohnen, Speck und Brot(beans, bacon and bread) bestehende Gericht nannten. Hin und wieder wurde noch einmal ein Fisch gefangen. Frisches Fleisch gabs schon nicht mehr, und getrocknetes, gepökeltes oder geräuchertes Fleisch hatten nur noch die Restaurationen, die Preise dafür forderten, die seibst den glücklichsten Goldsuchern bald zu hoch waren. Für eine Mahlzeit aus Bohnen, Speck und Brot mit einer Tasse Kaffee begann man bereits fünfzehn und zwanzig Mark zu fordern. Den gleichen Handelswert hatte ein Pfund Schinken erreicht; dieselbe Summe wurde für eine Mandel Eier bezahlt. Noch war das alles zu ertragen; man hatte es ja dazu; das Gold lag ja buchstäblich auf der Straße; aber wer nicht alles Denken an die Zukunft verlernt hatte, mußte sich mit banger Sorge fragen: Was soll das werden? Eine entsetzliche Kälte brach an; sie erreichte jetzt schon, Ende September, eine Höhe von zehn bis zwölf Grad Freilich ging die Arbeit rüstig vorwärts, und immer neue Goldschätze wurden zu Tage gefördert. Robin Wilkins hatte schon mehr als für eine halbe Million dieses kostbaren Schmutzes zusammengerafft; aber trotz des Eintritts der kalten Jahreszeit stockte der Zufluß von Abenteurern keineswegs. Sogar auf Schneeschuhen kamen sie an, Frauen, Mädchen, Halbweltsdamen, Kinder. Wenn sich an irgend einer Stelle der rde plötzlich der zweisellose Eingang zum urgeschichtlichen Paradiese aufgetan hätte— man hätte mit höchster Wahrscheinlichkeit einen derartigen Ansturm nicht erlebt, wie ihn die Goldgier in diesen Eis= und Schneewüsten des nördlichen Maska hervorriefen. Und jeder der Ankommenden war schon zufrieden, wenn ihm sein Proviant über die Reise hinweggeholfen hatte; was aber geschay hier? Ueber zweitausend Menschen lagen hier, tausend dreihundert Meilen von aller Civilisation entfernt, umgeben von Schnee und Eis, von einer fortwährend grimmiger werdenden Kälte und Hunger gepeinigt, von Stunde zu Stunde auf neue Lebensmittelzufuhr wartend; aber Stunde um Stunde, Tag um Tag zerrann, und kein Provianttransport kam, statt dessen aber immer neue hungrige Mäuler! Von Sankt Michael selbst war ja nichts zu erwarten. Was konnte das kleine Nest für die hunderte von deutschen Meiten landeinwärts liegende „Großstadt“ Dawson tun? Aber man erwartete von der Südlüste her die Nichrichten von dem Eintreffen des von Viktoria in Britisch=Columbia in See gegangenen Transportdampfer Cleveland, der Proviant genug an Bord führte. Aber Tag um Tag verging, ohne daß sich etwas von dieser Expedition in Erfahrung bringen ließ. Man fing an, den Eigentümern die Pferde und Hunde abzukaufen, um Fleisch zu haben. War jemand, der sich von seinen Tieren nicht trennen mochte, so wurde eine Art Enteignungsverfahren eingeleitet. Der Wert des Tieres wurde taxiert, dem Besitzer die Summe hingelegt und das Tier gewaltsam davongeführt. So kam auch Robin Wilkins um sein Pferd, für das man ihm fast neuntausend Mark bezahlte. Täglich zogen Müßige auf Schneeschuhen nach Südwesten in die Ebene hinaus, um womöglich als Erste die große Proviantkarawane Jegrüßen zu können, und täglich kamen sie enttäuscht zurück. Schon fingen Krankheiten aller Art an zu grassieren. Man hatte Oktober, die Kälte stieg zuweilen auf fünf zehn, achtzehn Grad. Verzagte sprachen schon davon, aufzubrechen und über den Chilkootpaß hinweg wirtlichere Gegenden aufzusuchen, ehe das Unheil noch größeren Umfang annahm Tatsächlich brachen ausch einige auf, andere wurden nur durch die Schrecken, die ihrer auf einer Expedition über den totstarrenden Gletschrpaß warteten, und durch die Unmöglichkeit, sich vorher in ausreichender Weise zu verproriantieren, zurückgehalten. Und dann... die Karawanc des Tampfers Cleveland mußte ja bald eintreffen!Tann war alles überstanden! Wer mochte sich so leichten Herzens von diesen Schätzen irennen! Aber die Lücken, welche die paar Abziehenden verursachten, schlossen sich sofort wieder, und mehr als das! Im November zählte diese jüngste und unglücklichste aller Städte schon tausend bearbeitete Claims mit über dreitausend Weißen. Eine unermeßliche Fülle von Gold grub man aus dem unsruchtbaren Boden; aber man konnte mit all diesem Golde keinen Menschen satt machen. Ein Fe st war es, was immerhin vorkam, wenn einer der Ankömmlinge über einen guten und reichlichen Proviantvorrat verfügte. Gewöhnlich ließ der Ahnungslose sich blenden von den ungeheuren Preisen, die man ihm bot, gab alles, um nach kurzer Frist mit den anderen gemeinschaftlich am Hungertuche zu nagen. Ta trafen=.. es war Inde November.. Indianer von der südlichen Küste ein Man sah es ihnen an, daß sie eine aufregende Meldung brachten. Alles strömte ihnen entgegen. Gewiß war die Proviantkolonne im Anmarsch! Nein! Oh.. als die ersten Worte gefallen waren: der eine tausendstimmige Schrei entsetzlicher Verzweiflung, der über Dawson City dahinbebte... er konnte das Mark eines fühlenden Menschen gefrieren machen! Der Dampfer Cleveland war mit dem gesamten Proviant und sämtlichen zweiundzwanzig Mann Besatzung und Passagieren im Schneesturm gescheitert und völlig zu Grunde gegangen! Tas war die Hiobspost, die an Stelle der ersehnten Nahrung eingetroffen war! Eine trostlose Stimmung griff jetzt unter der Bevöllerung Platz. Nun war alles aus. In hellen Scharen brachen sie jetzt auf, ohne Lebensmittel, der Küste zu. Ein surchtbarer Krieg war ausgebrochen zwischen dem wirklichen Hunger und dem Hunger nach Gold. Das hier waren die vom Hunger nach Brot besiegten Truppen; Teserteure, die dem bisher gefolgten Götzen Gold den Rücken wandten, um nicht von ihm verschlungen zu werden. Immerhin blieb eine gute Schar in trotziger Ausdauer zurück. Man mühte sich ab, Löcher in das Eis, zu schlagen, um Fische zu fangen. Zuweilen gelang es, aber schon nach wenigen Stunden war die Eislücke wieder zugefroren. Alles nur irgend Genießbare wurde hervorgesucht, und dennoch wurden die Rationen von Tag zu Tag kleiner. Man neidete dem andern die trockene Broitinde zwischen den Zähnen. Man prügelte sich, ja, man begann zu morden um einen Laib gebackenen mit unreinem Flußwasser eingerührten Mehlteiges. Robin Wilkins war bei der Schreckensnachricht wie betäubt. Er verstand die Tragweite dieses fürchterlichen Unglücks noch gar nicht zu fassen. Tann, als es ein wenig lichter in ihm ward, ließ ihn die Angst nichts anderes denken als nur das eine: Flucht! Flucht! So machte auch er sich auf, um mit zwei Indianern; die seine Führer sein sollten, über den entsetzlichen Chilkootpaß die Küste zu erreichen. Auf einem Schlitten schleppte er die köstliche, mit so viel Entbehrungen erkaufte Goldlast mit sich. Nun erst begann das ganze Elend über ihn hereinzubrechen. Wochenlang ging der Weg durch die schaurigen Gebirgs= und Gletscherpässe, auf eisbrüchigen oder schneelockeren Pfaden an furchtbaren Abgründen vorbei, wo jeder Schritt, ja, jeder laute Ruf, der die Lawine losschrecken konnte, den Tod zu bringen vermochte. Und zu dem allen die schneidende Kälte, die rasenden Schneestürme... und nicht genügend zu essen!Als einmal der eine der Indianer einen eulenartigen Vogel schoß, war das ein Fest für die Ausgemergelten, namentlich für Robin Wilkins, der 95 0•*— 9— □ S 8.2 BFSOR• Sangs „** 981E — * S S * 1— — a" S 2 ****— D — S U — 8.——* E. B S 5 · n dUTZNTZ **——„— P UDGUU GPAUSTT•T 670- SHPEEESSSSOGE CSSE S SnnSMSSUTSOTOSSSAEES, EU OTDT S SMBTOTEN 8 —„„* S STEEAERETAHG S E G——.—„—— 6———— nSS 8——□ÖüE•„ P—— ETSEGAE ——— 8.— 6—— S 2• TATES S " S**- S ESGUS " 9 SSESSSEE: —.— ∆—*— ——.—* S E TE * SLE Bn———— ü EATUTSDS ST RECES Samn SE 233 sein Leben lang keine höheren Aufgaben gekannt, als alle Genüsse und Uebergüsse einer raffinierten Kultur auszulosten! Acht Tage lebten die drei Menschen von dem Fleiich dieser Eule, von etwa drei Pfund Mehl; das min, um mehr Teig zu erhalten, mit gestoßener Baumrinde versetzte, und von in kleine Stückchen geschnittenen Lederriemen, die man zu einer Art Suppe verlochte. Und gleichsam um das vielleicht auch ihnen blühende Los so recht vor Augen zu führen— wohin jie kamen, am Wege, in den Abgründen, hinter Steinen, die vielleicht Schutz gewähren sollten... Leichen, Leichen; und wieder Leichen! Auf dem Gipfel einer Bergkette stand die hohe Gestalt des alten Inglu, umgeben von seinen Stammesgenossen, und auh Woifszahn war bei ihm. Zu ihren Füßen sahen sie die Trümmer der geschlagenen und fliehenden Armee dahinziehen. „Seht ihrs? Es ist die Rache des Wintergeistes, der seine Schätze behütet, besser als wir es gekonnt hätten!“ rief Anglu mit fanatischem Aufleuchten seiner Angen. „Aber sie haben ihm das Geheimnis doch entrissen,“ antwortete Wolfszahn düster.„Sie werden wiederkommen, zahlreicher und mächtiger. Sie sind trotzdem die Herren; wir sind ihnen nicht gewachsen.“ „Wir sind ihnen nicht gewachsen“, wiederholte der alte Anglu mit trübem Sinnen.„Wohl wahr. Es ist Zeit für uns, schlafen zu gehen, ehe der große Weltbrand kommt.“ Wolfszahn lachte höhnisch auf. „Narrenpossen, Dein Weltbrand! Er wird nicht kommen!“ „Und ich sage Tir, Wolfszahn, er wird kommen,“ sagte Anglu mit Hoheit.„Noch ist die Sage vom Wintergeiste Wort für Wort in Erfüllung gegangen. Sie haben das unselige Gold gefunden, das Blut meines armen Enkelkindes hat die starre Eisfaust bewogen, sich zu öffnen, und ihre Schötze den gierigen Weißen preiszugeben, das gleißende Gold ist ihnen zum Verderben geworden... ich freilich bin ein alter Mann und habe nicht mehr viel zu suchen auf Erden, ich werde also nicht mehr sehen, wie das funkelnde Gold wieder zu dem wird, was es vorher war, ehe es unter dem Eishauche dieses Winters erstarrte— zu glühenden Flammenblitzen, die einstmals die ganze Welt in Brand setzen werden.“ Fortsetzung folgt. Der Hütepaul. Erzählung von Ludwig Blümke. (Schluß.) Ja, der Paul war sein wahrer, sein einziger Freund. Darum eben war er stets so glücklich wenn er den schönen Jüngling auf einige Wochen bei sich haben konnte. Mit Paul pflegte dann immer neues Leben in die Villa einzuziehen. Er war so froh, so glücklich, und er verstand es, auch andere fröhlich zu stimmen.— Wo der Postwagen nur blieb?— Sollte die Straße etwa verschneit sein?— Ja; so war es. Drüben im Walde war der Postwagen im tiefen Schnee stecken geblieben. Der Postillon war soeben zum Dorfe geritten, um Schneeschauster herbeizurufen.— Die beiden Reisenden; der junge Maler und ein in Decken und Tücher gehülltes Fräulein, harrten voller Ungeduld der Hilfe und Befreiung aus der fatalen Situation.— Während der ganzen Fahrt hatte Paul sich bemüht, mit der jungen Reisegesährtin, die ein liebreizendes Gesichtchen und wunderbare blaue Augen besaß, ein Gespräch anzuknüpfen. Doch die schöne Dame war so schüchtern, und wortkarg, daß das Gespräch immer gleich wieder stockte.— Aber jetzt in der Not schwand auf einmal die Schüchternheit, das Fräulein richtete ängstliche Fragen an Paul und faßte Vertrauen zu ihm. Das Gespräch stockte nicht mehr. Die Zeit slog schnell dahin und die Hilfe aus der Bedrängnis nahte den beiden Reisenden fast zu früh. Gertrud Eckard hieß das schöne Fräulein. Der Pfarrer des Städtchens, bei dem Graf Bodesteins Villa lag, war Gertrudens Oheim Denselben wollte sie auf längere Zeit besuchen.— Sie war Waise, besaß kein Vermögen und hatte trotz ihrer Jugend schon viel mit den Sorgen des Lebens zu kämpfen gehabt. Das alles hatte sie Paul erzählt.— Als die Postwagen sein Ziel erreicht hatte, waren die beiden schon so vertraut miteinander geworden, als hätten sie sich seit Jahren gekannt. Es wurde ihnen schwer, sich trennen zu müssen.— Paul war zur Verwunderung und zum größten Leidwesen seines Freundes; des Grafen, heute lange nicht so beiter, wie er sonst zu sein pflegte. Wohl bemühte er sich, fröhlich zu erscheinen; aber man sah es ihm nur zu deutlich an, daß ihn irgend etwas bedrückte.— Immer mußte er an seine schöne Reisegefährtin, an Gertruds blaue Augen denken, immer war es ihm noch, als hörte er ihre glockenhelle Stimme.— Paul war verliebt. Und Zweifel an Gertruds Gegenliebe waren es; die ihn quälten und verstimmten.„Sie oder keine soll mein Weib werden“ sagte er sich.„Jetzt muß ich Gewißheit haben, ob auch sie mich liebt; ich will mir Gewißheit verschaffen.“—— Einige Tage nach seiner Ankunft fügte es der Zusall oder sein gütiges Geschick, daß der junge Maler seine Reisegefährtin wiedersehen sollte. Wenige Minuten konnte er sich nur mit Gertrud unterhalten, aber die wenigen Minuten genügten; alle quälenden Zweifel zu verscheuchen und ihn unendlich glücklich zu machen. An der Freude, die aus des schönen Mägdleins Augen strahlte, als es ihn wiedersah, an dem holden Erröten; an jedem Worte konnte er es merken, daß Gertrud ihn auch liebte. Durch einen Zufall lernte Paul heute auch den alten Pfarrer, Gertruds Oheim, kennen. Der ehrwürdige Greis mochte Gesallen an ihm haben, er lud ihn ein und begegnete ihm mit der größten Liebenswürdigkeit. Als Paul ins Schloß zurückgekehrt war, meldete ihm der Diener. daß Gras Bodestein vor einigen Stunden zur Stadt geritten sei, um Geschäfte zu erledigen, der Herr hätte gesagt, er würde in einer halben Stunde zurück sein und wunderbarerweise sei er noch immer nicht da. Paul wartete mit Ungeduld und Besorgnis auf seinen Freund. Er war fest entschlossen, ihm alles zu erklären. Bisher hatte er das aus verschiedenen Gründen nicht getan, aber jetzt konnte er unmöglich länger schweigen.— Endlich kam Graf Bodestein zurück. Aber wie sah derselbe aus! Statt seines Reitanzuges trug er die schwarze Kleidung eines Geistlichen; und; was noch weit merkwürdiger war, statt seiner ernsten Miene hatte er ein lachendes Gesicht. Was sollte das vorstellen!„Freund,“ rief er mit leuchtenden Augen;„denke nicht; daß ich dir Komödie vorspielen will. O, ich bin so fröhlich, ich habe gesehen, daß ich kein nutzloses Glied der menschlichen sellschaft bin. Tenke dir; was ich erlebt habe: Als ich dort eben zur Stadt hinaus reite, höre ich von dem See her laute Hilferufe. Eine junge Tame stürzt auf mich zu und schreit mir entgegen, ihre Freundin wäre auf dem Eise beim Schlittschuhlausen verunglückt. Ich springe vom Pserde und eile aufs Eis. Mit Gottes Hilfe gelingt es mir, die Verunglückte, ein bildhübsches junges Mädchen; zu reiten. Als ich die Ohnmächtige so auf meinen Armen in das Haus ihres Oheims; des alten Pfarrers, trag, da wurde mir eigen zumute, Freund. Ach, ich kann es die