EN S 8 90 2— 83 Erscheint täglich #it Ausnahme der Sonn= und gesetzl. Feiertage. Abonnementspreis # lus Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage #7 S— Zseitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pig. ge Morat, durch die Post bezogen für 3 Monate 1.50 Mé. Aotationsdruck und Verlag, sowie für die Inscrate verantwortlich: Biktor Schauzer, Dortmund. munder Tageblätt verbunden mit dem Lokal-Anzeiger für Dortmund u. Körde und der täglichen Unterhaltungsbeilage K##“ sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— wermorech=Anschluß Nr. 3299. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Beilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfadren wird der Radatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an destimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann. Dortmund. Nr. 72: Dortmund, Dienstag, den 29. März 1910. 2. Jahrg. Erstes Blatt. Einladung zum Abonnement auf „Dortmunder Tageblatt“ —— dere politische Kämpfe stehen dem deutschen Volke bevor. Die Entscheidung künftig die Ritter und Heiligen im Deutschen Reiche und in Preußen tonangebend bleiben und die Millimen anderen Staatsbürger in„gottgewollter Absingigkeit" gehalten werden sollen oder ob der deutsche Michel, der sich bisher der Herrschaft der blauhumen wird, dürfte in nicht allzu ferner Zeit fall. Jetzt rüstet man sich auf beiden Seiten zu dem etrauße, der ausgefochten werden muß, bevor das kolk seine politischen Ideale verwirklicht sieht, bevor # als gleichberechtigter Faktor sich selbst in Rechnung stellt. Die Vorbereitung zum Kampfe und der kampf selbst um die wirtschaftliche und politische bleichberechtigkeit mit den ostelbischen Junkern und ihren Trabanten um die kulturelle Freiheit und Unabhängigkeit von der kirchlichen Orthodoxie gleich viel belchen Bekenntnisses erfordern die gespannteste Aufurtsamkeit aller deutschen Bürger. Wenn diese über s Knechtschaft, in der sie sich in der Tat befinden, ur rechter Weise aufgeklärt werden wollen und wenn st nicht in Knechtselikeit vor den die Peitsche über si schwingenden reaktionären Elementen, vor der inen Schar der von jeher bis auf den heutigen Privilegierten demütig und untertänig ersterben, uben sie die Pflicht, eine wirklich sortschrittliche, volkstümliche Presse nhalten und aufmerksam zu lesen, aber auch weiAmin die Pflicht, diese die Interessen des geknechiin Volkes vertretende Presse mit aller zu Gehe stehenden Kraft zu unterstützen und zu förurn, neue ständige Leser und Inserenten, neue Mitneiter zu werben. Zu dieser fortschrittlichen, volksfinlichen Presse gehört „Dortmunder Tageblatt“. Seiner Verlangenheit getreu wird dies Blatt sich uch künftig zur ehrenvollen Aufgabe machen, für ##, Volkes potitische Rechte, für die Hebung der Volksbildung, für eine dem Volksempfinden entspreunde Rechtspflege für eine gute Wirtschaftspolitik, fur die soziale Reform. kurz für alles, was das #olk bisher vergeblich erstrebt hat, unerschütterlich enzutreten. Das„Dortmunder Tageblatt“. #demnach im wahren Sinne des Wortes ein Kampfblatt für das Soll der Kampf für das Volk aber zu einem Keihlichen Ende geführt werden, bedarf es der Untctützung all derer, die von gleichem Streben beeit sind, dem Volke helfen wollen, seine Gleichberechtigung und Freiheit zu erringen. Was man für seine Presse tut, das tut man für sich selbst. Wie bisher, so wird es unser eifrigstes Bestreben sein, den Inhalt unseres Blattes immer mehr auszubauen und reichhaltiger zu gestalten. Wir werden wie den politischen Vorgängen im engeren und weiteren Vaterlande so auch den wichtigsten Ereignissen im Auslande unser Augenmerk zuwenden, um sie in kritischer Beleuchtung unsern Lesern und Leserinnen aufzutischen, kurz und bündig, schnell und zuverlässig werden wir über alles, was in Nah und Fern sich ereignet, berichten. Besonders auf die kommunulen Verhältnisse sollen unsere Augen fest gerichtet bleiben. In Bezug auf die Arbeiterpolitik vertreten wir den Standpunkt der Hirsch=Dunckerschen Gewerkvereine, die in besonnener und darum umso zielbewußterer Weise ihren Weg gehen. Die Romane, die tägliche Unterhaltungsbeilage und das wöchentlich erscheinende illustrierte Sonntagsblatt bringen eine Fülle gediegenen Unterhaltungsstoffes für die Familie, die auch den Drang nach Belehrung gestillt sehen wird. Kein Gebiet des öffentlichen Lebens wird unbeachtet gelassen. Handel und Industrie finden ebenso wie Kunst, Wissenschaft, Literatur, Sport usw. eingehende Beachtung. So eignet sich das„Dortmunder Tageblatt“. vorzüglich zum Abonnement für jeden freiheitlich Gesinnten, der eine freimütige volkstümliche Zeitung liebt, die für Freiheit, Wahrheit und energisch einzutreten und kräftig zu kämpfen als ihre heiligste Pflicht und erste Aufgabe ansieht. Der Abonnementspreis beträgt: frei ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage und dem 8seitigen„Illustrierten Sonntagsblatt“ 55 Pfg. pro Monat, durch die Post bezogen für 3 Monate 1,50 Mark. Verlag und Redaktion des„Dortmunder Tageblatts“. Ein Erbstatthalter von Hohenzollernlinie. Der„Mil.=pol. Korrespondenz“ wird von angeblich„sehr beachtenswerter“ Seite geschrieben: „Die elsaß=lothringische Frage, die durch die Rede des Herrn Reichskanzlers vom 14. d. M. in ein akutes Stadium getreten ist, beschäftigt nicht am wenigsten auch die höfisch=politischen Kreise in Berlin, wie in Süddeutschland. Daß der angekündigte Verfassungsentwurf eine endgültige Regelung der Frage über das zukünftige Oberhaupt der Reichslande bringt, wird zwar nicht angenommen. Trotzdem macht sich bereits eine recht rege Bewegung für die Wahl eines fürstlichen Kandidaten als des„Erbstatthalters", späteren Großherzogs von Elsaß=Lothringen bemerkbar. Während die eine Seite den Prinzen August Wilhelm von Preußen nach Straßburg haben will, wirkt ein anderer Kreis für den Fürsten Wilhelm von Hohenzollern, der als sehr reicher Grandseigneur, Katholik und Süddeutscher angeblich den Elsaß=Lothringern ein mehr genehmer Landesherr sein würde als der noch reichlich jugendliche Kaisersohn, der außer seiner preu ßischen Prinzenapanage nicht über nennenswerte Privatmittel verfügt. Fürst Wilhelm von HohenzolDie Kinder des Generals. Roman von Margarete Bronstein. 16 Du urteilst zu schroff, Liebling," versetzte die Gesalin janst.„So viel ich mich erinnere, gab unser bieund kein bestimmtes Versprechen. Wir wissen von und auch von Franz: eine Preisschrift, an r#crer arbeitet, beansprucht seine ganze freie Zeit.“ „wenn er nur ernstlich wollte, würde er sich wohl Stunde für uns abmüßigen können, aber er will ai nicht,“ rief Marga mit ungewöhnlicher Heftigkeit. #“, dann besitzt er dafür jedenfalls sehr triftige ###ie, die wir, auch wenn wir sie nicht kennen, ehren Elen, mein Kind!“ sagte Frau von Lützow in ernst schrendem Tone. vonea, Marga umschlang plötzlich ihren Nacken, ##n#### Ursache bekannt, bitte, teile sie mir mit. Ich s. Ingst, Ihr verheimlicht mir irgend etwas Schlimepas auffallend gereizte Stimmung, der zwischen Lüdern herrschende feindselige Ton erschreckt und Ech guz nich. Frage ich nach dem Grunde, lacht Rolf oder speist mich mit boshaften, mir unver#er an: Reden ab und Franz schaut mich voll finmhans gmut an und schweigt, während er mit seiB## 72 deren Zittern ich fühle, über mein Haarstreicht, P##ta##re# kleines Kind wäre, daß er mit solcher wüta.2'3 zu beschwichtigen versucht. Mein geliebtes ni. 34%, ein leidenschaftlich flehender Klang durchn weiche Mädchenstimme,„auch Du leidest un#tagen beiseuerborgenen Druck, bitte, laß mich ihn ####rn kleine Törin,“ fiel die Generalin, ein Läput Geer#gend, der Bittenden ins Wort,„ach, Dich um-vensterfurcht.“ Ihrer jungen Tochter konnte „mä### anvertrauen, welche Sorgen und Schmerzen Mamu, auch Du," Marga erhob sich, ihre „auch Du erblickst in mir noch nz und an des Kind. Beruht die Spannung zwischen We mie„„papa und Rolf etwa nur auf Einbildung? #it im 3.6:nu das eine: Steht Assessor Geißler Zusammenhange?“ „Ich fürchte es, mein Herz, wenngleich wohl nicht in dem Maße, wie Du anzunehmen scheinst.“ „Du weißt nichts Bestimmtes?“ „Nein, kleiner Inquisitor. Rolfs unberechtigte Abneigung gegen unsern Freund mag ihn zu schweren Beleidigungen verleitet haben, lautete die ausweichende Antwort. „Warum läßt er uns entgelten, die wir schuldlos sind? Eine Infamie von seiten Rolfs dürfte er sich nicht gefallen lassen; ister aber selbst nicht ohne Schuld an dem ernsten Zerwürfnis, mußte Franz mit dem Feinde seines Bruders jeglichen Verkehr abbrechen.“ „Franz' unwandelbare Freundschaft liefert uns ja den besten Beweis für Geißlers makellosen Charakter," sagte die Generalin mit ernstem Nachdruck.„Du zeihst ihn der Schwäche, weil er die ihm wahrscheinlich widerfahrene Beleidigung anscheinend ruhig hinnimmt, sollte er sie vielleicht sühnen mit dem Blute seines Gegners.. Deines Bruders, Marga? Kind, es gibt in Gift getränkte Pfeile, gegen die wir uns wehrlos fühlen, mögen sie uns auch aufs tiefste verwunden. Da man uns absichtlich zu verbergen wünscht, was zwischen den Herren vorgegangen ist, haben wir kein Recht, nach der Ursache zu forschen. So viel steht für mich fest: Nicht Wankelmut in der Freundschaft hält den Assessor uns fern, sondern seine Mannesehre mag es fordern, unser Haus zu meiden. Da Franz dem zweifellos zustimmt, müssen wir uns fügen, aber Liebling," die sanfte Frauenstimme klingt tröstend,„niemand darf uns wehren, zu hoffen, daß die alles glättende Zeit den leidigen Zwist ausgleichen und die alten angenehmen Beziehungen wieder herstellen wird.“ Weder durch einen Laut, noch eine Bewegung hatte Marga der Mutter Rede unterbrochen. Sie blieb auch jetzt stumm, aber die bewegten Mienen des bolden Gesichts verrieten dem kundigen Mutterauge den tiefen Eindruck ihrer Worte? Von Stunde an sprach Marga nicht mehr von Assessor Geißler. Da sie den wahren Grund seines Fernbleibens nicht kannte, vermochte sie es nicht zu entschuldigen. Sie fand es nicht edelmütig, eine ihm von Rolf zugefügte Beleidigung den schuldlosen Famtlienmitgliedern lern hat dazu mehrere Söhne, die den Weiterbestand einer neuen Tynastie an der Reichsgrenze gewahrleisten. Seine verwandtschaftlichen Beziehungen zum Kaiserhause, die hohe Verehrung, die er dem Chef des Hauses entgegenbringt, und die besondere Wertschätzung des Kaisers für seinen alten Garde=Brigadier würden zuverlässige Kautelen dafür darstellen, daß die späteren Bundesratstimmen eines Großherzogtums Elsaß=Lothringen stets im besten Interesse des Reiches und in einem dem Vorsitz freundlichen Sinne eingesetzt werden. Ein Beweis dafür, daß Kaiser Wilhelm seinem fürstlichen Vetter in ungewöhnlichem Maße wohl will, ist die unlängst befohlene Verlegung des Füsilierregiments Nr. 40, dessen Chef Fürst Wilhelm ist, von Aachen nach Rastatt,— also vor die Tore von Straßburg i. E. Die Befürworter dieser Kandidatur glauben sich daher vielleicht nicht zu Unrecht, auf die angeblich schon länger bestehende Geneigtheit des Monarchen berufen zu können, mit der er der Kandidatur dieses Hohenzollern für die zukünftige Bundesfürstenwürde gegenüberstehen soll.“ Den ultramontanen Kreisen der Reichslande ist natürlich ein katholischer Bundesfürst angenehmer als ein anderer, und bei dem Zentrumskurs, in den der neue Reichskanzler glücklich wieder hineingebracht hat, mag ja auch ein katholischer Anwärter auf den neu zu zimmernden Thron mehr Aussichten haben als ein Konfessionsgegnei von ihm. Allein wir meinen, man sollte sich über die Person eines neuen Landesfürsten überhaupt nicht den Kopf zzerbrechen, ehe man nicht weiß, was überhaupt aus Elsaß=Lothringen werden soll. Am wenigsten kommt es schließlich doch darauf an, daß im deutschen Reiche noch eine neue Dynastie begründet werden muß. Deutsches Reich. Das blau=schwarze Wahlrechtskompromiß bezeichnete der nationalliberale Landtagsbg. Keil in einer jungliberalen Versammlung zu Halle a. S. am Mittwoch als für die Nationalliberalen absolut unannehmbar. Die Nationalliberalen würden bestimmt fen bleiben. Reichstagsabgeordneter Lizentiat Everling bestätigte die Versicherung des Abg. Keil. Die nationalliberale Partei sei der Ueberzeugung, daß eine dünne Oberschicht, selbst wenn ihr das momentan noch gelingen sollte niemals auf die Dauer ein wirtschaftlich aufsteigendes Volk, das die Schulpflicht und Preßfreiheit hat und von zahlreichen Agitatoren aufgeklärt wird, beherrschen kann. Durch die Verweigerung eines freiheitlichen Wahlgesetzes werde nur der Radikalismus großgezogen, der nachher alles überflute. Universitätsprosessor v. Blume betonte nach dem Berl. Tagebl.: Die freiheitliche Wahlreform kommt doch trotz der Konservativen und sie kommt bald! Anders als dies mannhafte Auftreten gegen die volksfeindlichen Machenschaften des schwarzblauen Blocks klingen die Liebeswerbungen des maßgebenden Teiles der Nationalliberalen im rheinisch=westfälischen Industriegebiet um die Gunst der Konservativen. Die Nationalliberalen im Industriegebiet scheuen jetzt, um der Sonne konservativer Huld wieder teilhaftig zu werden vor einer Verleumdung ihrer augenblicklichen linksliberalen„Freunde“ nicht zurück, indem sie diesen die poli ische Ehrlichkeit in Sachen der Wahlrechtsfrage absprechen. Wir danken für solche nationalliberale Freundschaft. Den schmachvollen Amfall des Zentrums in der preußischen Wahlrechtsfrage sucht die klerikale Presse damit zu bemänteln, daß es darum von einer wirklichen Reform Abstand genommen habe. weil für die direkte und geheime Wahl im preußischen Landtag keine Mehrheit zu erlangen gewesen wäre. Der Gott der Zentrumspresse die anderen Blättern gern Atheismus nachzusagen pflegt, scheint, wie die Brest Ztg. hervorhebt, in der Tat Beelzebub, der Vater der Lüge zu sein. Nach dem in diesen Tagen zur Ausgabe gelangten amtlichen Verzeichnis der Mitglieder des Abgeordnetenhauses zählt das Haus zurzeit 442, Abgeordnete. Für die direkte Wahl wären, wenn das, Zentrum nicht Verrat geübt hätte folgende Stimmen vorhanden gewesen: 66 Nationalliberale. 36 Volkspartei. 15 Polen, 5 Sozialdemokraten, 104 Zentrum. 226 in Summa. Das wäre eine völlig ausreichende Masorität gewesen. Wir haben es also hier wieder mit einer jener dreisten„Zentrumswahrheiten“ zu tun, die bekanntlich das Gegenteil der wirklichen Wahrheit sind. Was Drucksachen kosten. Die Druck= und Popierkosten für die neue Reichsversicherungsordnung, einem Bande von 1100 Seiten, belaufen sich a=f 15000 Mark. Diese Kosten verursacht allein die Drucklegung des Entwurfes nebst Begründung. Bei der Reichsfinanzreform wurden für sämtliche Druckkosten, die dem Reichstage in *—„„„ 000000 Mark gestattet sind, kosten mehr als 30000 Mark. Die Bilanz der deutschen Sozialpolitik zieht Dr. Waldemar Zimmermann in einer Abhandlung über„Deutsche Sozialpolitik" im buch für die soziale Bewegung der industrie=Beamten". Die deutsche Sozialpolitik liegt nach wie vor darnieder. Zurzeit wird die Lösung großer Gesetzgebungsaufgaben in der Sozialpolitik durch die gesamte Konstellation unserer inneren Politik gehindert. Alle Parteien schwelgen in sozialpolitischen Versprechungen, Forderungen, Anträgen, um der einen Hälfe der Wählerschaft zu willfahren; aber mit der Verwirklichung nehmen sie es nicht genau auf Rücksicht auf die andere, zahlkräftige oder reaktionärradikale Hälfte der Wählerschaft und aus Eifersucht auf die Konkurrenzparteien. Die Regierungen scheuen neue Gedankenarbeit, neue Lasten, und vor allem lem neue Rechte, die den Kopf= und Handarbeitern, diesen Massen ohne das zügelnde Besitzgewicht, gegenüber Aufsichtsbehörden und Kapitalinteressen zufallen könnten. Der sozialpolitischen Selbsthilfearbeit der organisierten abhängigen Arbeiter an Pult und Werktisch setzt die immer schrofffere Organisation der Arbeitgeber harte Widerstände entgegen. Darunter hat die Entwicklung der Berufsvereine der Angestellten im Jahre 1909 gelitten, die Konsumgenossenschaften dagegen haben ständig und erfolgreich weiter gearbeitet und ihren Ruf, die Pionjere einer schöneren sozialen Zukunft zu sein, behauptet. durch absichtlich herbeigeführte Entfremdung zu entgelten. Sie redete sich ein: Der geistreiche Mann hatte angefangen, sich in Mamas und ihrer Gesellschaft zu langweilen: der Streit mit Rolf war ihm eine willkommene Veranlassung, die Damen zu meiden. Er wollte sie nicht mehr sehen. Nun er der Freundinnen überdrüssig war, wollte auch sie den alten Freund vergessen, gar nicht mehr an ihn denken. Aber es ging nicht so leicht, nur verschloß sie ihren Groll, ihren Schmerz im tiefsten Herzensschrein, ahnungslos, daß der Mutter nicht verborgen blieb, was Marga als ihr ureigenes Geheimnis hütete. Die Generalin, welche gemeint, in der Seele ihres Kindes wie in einem offenen Buche lesen zu können, hatte trotz aller Wachsamkeit übersehen, wie die freundschaftliche Zuneigung für den Assessor allmählich in Gefühle übergegangen war, deren Innigkeit und Tiefe, als sich ihr beides plötzlich offenbarte, sie mit Erschrecken wahrnahm. Nicht etwa aus Geringschätzung gegen Geißler. Wie sie ihn kennen und achten gelernt hatte, wäre sie die letzte gewesen, seiner späteren Verbindung mit Marga entgegenzutreten; um das Lebensglück der geliebten Tochter zu begründen, hätte sie jedes Opfer gebracht, dem Zorn und Widerstand ihres Gemahls gegen den bürgerlichen Schwiegersohn mutig stand gehalten. Ihre schmerzliche Ueberraschung entsprang zumeist der unumstößlichen Ueberzeugung: Assessor Geißler ahnte nicht im mindesten, was in dem jungfräulichen Herzen vorging, ebensowenig erwiderte er Margas Empfindungen. Er sah in ihr noch ein halbes Kind, dessen schwesterliche Vertraulichkeit gegen des Bruders Freund gern hingenommen und entsprechend herzlich erwidert wurde. Die Generalin von Lützow war eine lebenskluge Frau. Sie hütete sich, mit einem unbedachten Wort an dem Herzensgeheimnis ihres Lieblings zu rühren, um nicht etwas zur Blütte zu bringen, was, dem kindlichen Mädchen vielleicht selbst noch unbewußt, in seiner Brust sich regte. Es mußte im Keime ersticken, bevor Marga über dierätselhafte Empfindungen zur Klarheit gelangte.„ Oder war das Unheil schon geschehen? Mit wach= Lde Jsender Besorgnis beobachtete„die Generalin Margas### zunehmenden Trübsinn, die sichtliche Unlust, mit welcher sie an allen ihr zu Liebe bereiteten Zerstreuungen teilnahm. Auch Franz, der sein Schwesterchen innig liebte, gewahrte besorgt ihr verändertes Wesen. Ihr schweigsamer Ernst stach gar zu auffallend ab von ihrem früheren holden Frohsinn; die blauen Augen verloren ihren leuchtenden Glanz, die schmalen Wangen ihre rosige Frische. Auf seine liebevoll forschenden Fragen antwortete Marga mit einem abweisenden Kopfschütteln, sie wich sogar Franz geflissentlich aus, zu seinem schmerzlichen Befremden. Nun drang er in die Mutter um Auskunft über den Liebling, und die Generalin, welche schon häufig gegen ihren Erstgeborenen ihr Herz erleichtert hatte, zögerte nicht, ihm die Befürchtungen mitzuteilen. Ihr Gatte und Rolf hätten sie zweifellos verspottet, dagegen Franz, so mancher Aeußerung Margas gedenkend, hielt der Mutter Vermutung für begründet. is bewegte ihn sichtlich, daß seiner jungen Schwester das erste Weh von seinem ahnungslosen Freunde zugefügt wurde. Wie hätte es ihn beglückt, wenn die Herzen der beiden Menschen, außer der Mutter ihm die liebsten auf der Welt, einen Herzensbund fürs Leben geschlossen hätten. „Du mußt mit Marga reisen, Mama,“ sagte Franz in dem ihm eigenen bestimmten Tone.„Ich hoffe, eine nähere Bekanntschaft mit der herrlichen Gottesnatur und liebenswerten fremden Menschen wird unsern Liebling von dem Zauber befreien, dem ihr junges Herz unbewußt verfallen ist.“ Durch einige wie unabsichtlich hingeworfene Bemerkungen seines ältesten Sohnes wurde der mit seinen eigenen Angelegenheiten vollauf beschäftigte General endlich auf Margas leidendes Aussehen aufmerksam. Wahrhaftig, die Kleine sah sehr schlecht aus,„aber ihr rasches Wachstum wird es verschulden!" beruhigte er sich selbst. Nichtsdestoweniger zog er den Hausarzt zu Rate und der alte Geheimrat, der ein„Seelenleiden" für ausgeschlossen hielt, verordnete längeren Aufenthalt in einem als heiskräftig bekannten, nervenstärkenden Badeorte. * 178.18 80 Die sonstige allgemeine Dürre des sozialpolitischen Arbeitsfeldes hat natürlich nicht gerindert, daß vielerlei Pläne Anregungen und Verhandlungen über die gewaltigen drängenden Fragen der Arbeit, ihres Rechts, ihres Schutzes, ihrer Versicherung die Oeffentlichkeit beschäftigt haben.“ Lokales und Provinzielles. Dortmund. den 29. März. — Verein der Freisinnigen Volkspartei.— Die Zusammenkunft in dieser Woche findet morgen Mittwoch abends 9 Uhr im„Deutschen Hause“, Ecke Betenstraße und Nicolaistraße statt. Die Mitglieder und Parteifreunde wollen darauf achten. — Die Bürgervereine des Ostens, des Nordostens und des Südens weisen(s. Inserat) auf den morgen Mittwoch vormittags 11 Uhr am Bahn hor Dorrmund= Suo zum Zwecke der Prüfung des srojektes für den zweigleisigen Ausbau der Strecke Tortmund=Süd nach Eving anberaumten Termin hin. Da der Termin in so außerordentlich kurzer Zeil abgehalten wird und da das Projekt an sich in weiten Kreisen erheblichen Bedenken begegnet, seien auch an dieser Stelle alle Interessenten aufgefordert, ihre Rechte zu wahren, im Termin zugegen zu sein und Einsprüche geltend zu machen. —“ Österwetter. Besorgte Blicke richteten sich in den Tagen vor dem Osterfeste nach dem Himmel, ob dieser sich nicht regnerisch verhüllen werde, und auf das Barometer, um aus dem atmosphärischen Druck die Wetteraussichten festzustellen. Mochte auch der Himmel blau sein und das Barometer hoch stehen und auf schön Wetter zeigen Niemand wollte dem Landfrieden oder vielmehr Jupiter Pluvius so recht trauen. Denn in Dortmund das Wetter auch nur auf kurze Zeit voraus zu bestimmen, ist eine überaus mißliche Sache. Regelmäßig fällt man auch mit dem vorsichtigsten Prophezeien herein. Diesmal waren alle Sorgen Lnnütz. Der Himmel hatte ein Einsehen, wölbte sich am ersten Osterseiertage in reiner Bläue über den Dortmunder und lockte die Bürger mit Weib und Kind hinaus ins Freie um sich in der freundlichen Sonne Strahlen zu wärmen.. Selten haben die Ausflugsorte an Ostern einen so glänzenden Beusch gehabt und ein so brillantes Geschäft gemacht wie diesmal. Aber auch in Dortmund selbst wimmelte es von Einheimischen, die ihrem Besuch von auswärts die Sehenswürdigkeiten der Stadt in Freiheit dressiert vorführten und vor allem das Dortmunder Bier ausreichend kredenzten. Kurz, extra sowohl wie intra muros rieben sich die Wirte schmunzelnd die Hände. Am 2. Feiertage wurde das Wetter schon unsicher.. Aber es ging auch an diesem Tage nochmals gut. Zwar zog am Nachmittag die liebe Sonne gar bedenkliche Strahlen und malte den Teufel Negen an die Wand, indessen war das blinder Lärm, der Himmel öffnete seine Schleusen nicht und verdarb den in eitel Festeswonne schwimmenden Menschlein die Feiertagsfreude nicht. So zählte auch der zweite Osterfeiertag des Jahres 1910 zu den Tagen, die man in freundlicher Erinnerung behalten kann. —“ Zwangsinnung für das Schreinerhandwerk. Der Regierungspräsident hat einem Beschlusse der Dortmunder Innung zufolge den Beitrittszwang auch auf diejenigen Handwerker ausgedehnt, die der Regel nach weder Gesellen noch Lehrlinge halten. Die Verfügung tritt am 1. Mai d. J. in Kraft. —“ Personalie. Dem Landgerichtsrat Türcke ist die nachgesuchte Entlassung aus dem Justizdienst erteilt worden. —* 91 Jahre alt starb am Samstag kinderlos die Witwe Karoline Brüel.. —* Besichtigung. Dnonerstag Nachmiklag dreieinhalb Uhr findet eine Besichtigung des fertiggestellten Schulneubaues an der Burgholzstraße durch die städtischen Kollegien die Bau= und die Stadtschuldeputation —* Westfälisches Schulwesen. Wie schon einmal berichtet, findet in Dortmund am 29. und 30. März der 32. Westfälische Provinzial=Lehrertag statt. Den Verhandlungen voraus geht die Eröffnung des Westfälischen Schulmuseums. Ueber Schulmuscen im Allgemeinen sagt die Festschrift, daß sie sein sollen Sammelstellen von Schulmaterial, Auskunftsstellen für alle Angelegenheiten des Erziehungsgeschäftes, Bildungsstätten der Lehrerschaft und Magazine für die pädagogischen Schriftsteller. Das Westfälische Schulmuseum ist vom Tortmunder Lehrerverein gegründet und von der Stadtverwaltung in anerkennenswertester Weise dadurch unterstützt worden, daß sie ihm nicht nur fünf Räume in der PestalozziOverbergschule an der Libigschule zur Verfügung stellte, sondern ihm auch die ganze Möbelausstattung lieferte. Durch Kauf, Schenkung und persönliche Arbeil der Vereinsmitglieder sind in zwei Jahren der Vorbereitung schon ganz erhebliche Schätze angehäuft und wertvolle Sammlungen geschaffen worden. allgemeine Beachtung dürfte das heimatkundliche Museum in Anspruch nehmen; denn es bietet auch dem Nichtlehrer interessante Einblicke in Verhältnisse unserer Heimat inbezug auf Geologie, Geschichte, Industrie, Handel und anderes mehr. Die Lehrmittelsammlung macht den Besucher bekannt mit den neuesten und besten Hilfsmitteln der Lehrtätigkeit und die Schulhistorische Abteilung, speziell für den Fachmann bestimmt, ist eine Art Ruhmeshalle für den Stand der Volksschullehrer. Alle drei Abteilungen bieten des Interessanten und Belehrenden sehr viel und sind von Jedermann gegen ein Eintrittsgeld von 30 Pfa. an beiden Tagen geöffnet. Hoffen wir, daß nicht nur Einheimische, sondern auch zahlreiche auswärtige Besucher kommen werden, um sich Anregung und Belehrung zu hofen. — 32. Provinzial=Lehrer=Versammlung. Gelegentlich der 32. Westfälischen Provinzial=Lehrerversammlung findet am Mittwoch, den 30. März, morgens Zeinhalb Uhr in der Reinoldikirche eine Kirchenmusik statt. Es wirken bei derselben mit: Frau Dr. Hoffmann(Gesang), Herr Martin Meißner(Cello) und Herr Musikdirektor C. Holtschneider(Orgel). Das Programm bringt Kompositionen deutscher, französischer und italienischer Meister. Der Eintritt kostet 10 Pfennig, wofür ein Programm verabreicht wird, Verkaufsstelle ist im Verkehrsbureau Markt 2a. Außer den Mitgliedern des Lehrertages sind die Angehörigen derselben und die Bürgerschaft freundlich eingeladen. — Cirkus Charles. Wie wir erfahren, wird der weltbekannte Cirkus Charles in nächster in Dortmund ein kurzes Gastspiel absolvieren. Das Unternehmen, welches derzeit das größte und vornehmste reisende Cirkus=Unternehmen ist, verfügt über 14 Zeltanlagen, worunter das Riesen=Monstrezelt mit 56 Meter Durchmesser, 52 mit Kugellagern versehenen Transportwagen, 23 Löwen, Eisbären, Seelöwen, Elefanten und hervorragende Schul- und Freiheitspferde! Unter den Künstlern und Künstlerinnen befinden sich nur Kräfte allerersten Ranges, von denen jeder ein Star in seinem Fache ist. Die neueste Attraktion des Cirkus Charles sind sieben wild eingefangene Tiger, welche von der berühmten Dompteuse Miß Charles vorgeführt werden. Außerdem hat das Unternehmen für die diesjährige Saison mehrere größere, für hier ganz neue, Sensations=Programmnummern, wie Chinesen= und Japaner=Trupven und Original Indische Fakire, sowie erstklassige Reiter und Reiterinnen verpflichtet. Die RiesenWanderschau wird mittelst 80achsiger Sonderzüge, welche von der Königlichen Eisenbahndirektion gestellt werden, befördert. Hörde, 29. März. Kein fröhliches Osterfest hat die Familie Mittelhaus in Wichlinghofen gefeiert. Am Samstag nachmittag verließ der Bergknappe gesund und munter seine Familie. Gegen fünfeinhalb Uhr geriet der Aermste auf der Zeche„Glückaussegen“ unter einen Stein aus dem Hangenden, der ihn sofort tötete. Eine Witwe und drei Kinder beweinen den Tod ihres Ernährers. Brackel, 29. März. Die Gemeindevertretung beriet in ihrer letzten Sitzung zunächst über den Bau eines Gemeindehauses.. Es sollen Offerten zum Grundstücksankauf eingezogen werden. Das der Gemeinde gehörige am Hörder Weg belegene Grundstück wurde als nicht für den Bau geeignet befunden. Es wurden dann die Offerten zum Bau einer neuen Körnebachbrücke vorgelegt und geprüft. Die Gemeindevertretung war aber der Ansicht, daß die vorhandene Brücke noch genüge ist jedoch bereit, nach Regulierung des Körnebachs die Brücke zu bauen, wenn die Industrie, in deren Interesse der Bau erfolgt, zwei Drittel der Baukosten übernimmt. Die der Gemeinde zugefallenen Zinsüberschüsse der Amtssparkasse aus den Jahren 1901 bis 1909 sollen zur Regulierung des Aalbaches, zur Erweiterung der Kanalisationen, zur Anlage einer Klär anlage sowie überhaupt zur Ableitung, der Schmutzwässer aus der Gemeinde verwendet werden. Der Antrag der Anwohner des Sölderweges obehalb der Eisenbahn um Anschluß an die Wasserleitung wurde genehmigt.. Köln, 29. März. Als nach Schluß der gestrigen, von 5000 Personen besuchten Eröffnungsvorstellung. nachmittags den Zirkus Cyrill Hatles, der gegenwärtig hier Vorstellungen giebt, die dichtgedrängte Menge den Ausgana verlassen wollte, hielt eine gleichfalls nach Tausenden zählende Menschenmenge die Eingangstüren besetzt und versperrte dadurch den Nachmittagsbesuchern den Ausgang. Es spielten sich Schreckensszenen ab, in deren Verlauf zahlreiche Personen schwere Verletzungen erlitten. Frauen und Kinder wurden niedergerissen. Mütter hielten ihre bewußtlosen Kinder in die Höhe, bis sie niedergetreten wurden. Zahlreiche Polizisten und auch ein Teil der Zirkusangestellten bemühten sich, den Platz vor dem Zirkus zu säubern, aber vergeblich. Darauf wurde die Feuerwehr alarmiert, die den Hauptstrahl auf die Menge vor dem Zirkus richtete, und sie auseinandertrieb. Im Zirkus entstand eine neue Panik, als die Besucher vernahmen, daß die Feuerwehr in Tätigeit sei, glaubten sie an den Ausbruch eines Brandes. Unterdessen traf ein starkes Polkzeiaufgebot ein dem es im Verein mit der Feuerwehr gelang, den großen Platz zu säubern und den aufs höchste erregten Zirkusbesuchern den Ausgang frei zu machen. Etwa 100 Personen sind verwundet worden. Unter der Bevölkerung herrscht große Erregung wegen des Vorgehens der Feuerwehr. 600 Personen in einer brennenden Scheune bearaben. Mateskalka, 29. März. In dem Dorfe Oetkörito im Scotmarer Komitat entstand in einer Scheune, die zu einem Ballsaal hergerichtet war, ein Brand. Ueber 300 Personen verbrannten, fast eine gleich große Zahl wurde verletzt. Wien, 29. März. Nach abends aus Scotmar eingetroffenen Meldungen sind von den Verwundeten im Laufe des gestrigen und heutigen Tages nahezu 100 gestorben, sodaß die Zahl der Toten sich auf 400 beläuft. In dem Dorfe Oetkörito veranstaltete, wie weiter über das Unglück gemeldet wird, am Sonntag Nachmittag die Jugend in einer großen Scheune einem Ball. Die Scheune war durch Zweige und Lampions geschmückt. Du dieses improvisierte Ballokal konnte man nur gegen Entrichtung eines Eintrittsgeldes gelangen. Als der Saal gedrängt voll war, wurden, um Neugierige nicht mehr zuzulassen, die Türen fest vernagelt. Gegen 10 Uhr abends enrzündete sich ein Lamvion. Das Feuer verbreitete sich mit rasender Schnelligkeit. Es entstand eine furchtbare Panik. Die in dem Saal befindlichen etwa 600 Personen eilten zur Tür die aber vernagelt war. Es spielten sich furchtbare Szenen ab. Bald brannte das Dach lichterloh und glühende Balken stürzten auf die hilflose Menge, die vergebens die fest verschlossene Tür stürmte. Die Menschenmassen türmten sich übereinander und stampften einander nieder, die Flammen taten das Uebrige. Ein surchtbarer Knäuel von Toten und Verwundeten liegt übereinander; niemand kann sie retten. Im einer halben Stunde brannte die Scheune nieder und begrub Jung und Alt unter ihren glühenden Trümmern Aerzte und Gendarmerie eilten so rasch wie möglich aus den Nachbarorten herbei und begannen die Rettungswerke. Die Scheune bietet einen fürchterlichen Anblick. Verkohlte und bis zur Unkenntlichkeit zerstampfte Leichen liegen hausenweise übereinander. Die ganze Umgebung des Dorfes ist in Trauer gehüllt, da auch viele Auswärtige zu dem Tanzvergnügen eingetroffen waren. Es gibt kaum ein Haus, das nicht einen Toten zu beklagen hätte. Militär wurde hinbeordert, um die Toten begraben zu helfen. Die Zahl der Toten wird auf 290, die der Verwundete fast eben so hoch geschätzt. Budapest, 29. März. Gestern Abend sind aus der betroffenen Ortschaft von offizieller Seite Meitteilungen eingetroffen, die die Katastrophe nach allem noch ungeheurer, als befürchtet wurde, erscheinen lassen. Der Scatmarer Stuhlrichter konstatiert, daß unter dem Schutt der Scheune 384 Personen begraben liegen. Ueberdies wurden 150 Personen gerettet, die schwer ver Alsbald nach dem Ausbruch des Feuers# ganze Holzdach ein und begrub die 6—700 d jungen Burschen und Mädchen bestehenden##z s Balles. Der Ortsrichter von Scatmar, Stephan a. vacs, verlor zwei Söhne, eine Tochter und r. D tin der Bauer Stephan Kalmar verlor zmei“ ter. Der Reinertrag des Festes sollte dem Baugnc der dortigen Kirche zugeführt werden. Der un des Innern und der Ministerpräsident haben ausführlich Bericht über das Unglück erstatten latt. und Anweisungen für die Einleitung einer gegeben. Der Minister des Innern reist per hin um die Hilfsaktion zu leiten. Die Untersuc ist im Gange. Ein Augenzeuge erzählt, daß me' Burschen die in den Saal nicht hineingelassen den und von dem Vorplatz wegen Trunkenheit sernt werden sollten, aus Rachsucht das Feuer ange legt hätten. Letzte Telegramme. Aussehen erregende Absetzung von Lehrern. Polen, 29. März. Wie die Posener Neueste, Nachrichten berichten hat die Regierung zu Brombeig infolge einer vom Kultusminister erteilten Weisung eine großen Anzahl von Lehrern ihres Bezirkes um 31. ihre Entlassung aus dem öffentlichen Schuldienste bekann gegeben. Als Grund für diese Aufsehen erregende Maknahme wird angegebe,n daß die betreffenden Lehrer. deren Zahl auf 18 angegeben wird, die zweite Lehreprüfung nicht abgelegt haben. Ereignis. Stockholm, 29. März. Die Kronprinzessin von Schweden ist gestern Nacht 3 Uhr von einer Prinessin entbunden worden, Mutter und Kind befinden sich wohl Explosion an Bord eines Kreuzers London, 29. März. Wie aus Manila hierhe telegraphiert wird, erplodierte auf dem Kreuzer leston beim Scheibenschießen ein Geschütz. Acht Mann wurden getötet oder verwundet. Der Verschluß eine dreizölligen Geschützes flog ab, über das Deck hinweg und auf die Bedienungsmannschaft. Die Ursache du Explosion ist unbekannt. Abdankung König Peters? Belgrad. 29. März. Seit der Abreise des Königs geht hier das Gerücht um, der König werde nac seiner Rückkehr zugunsten des Thronfolgers Alexander abdanken. Der Kronprinz, der zur Zeit während der Abwesenheit seines Vaters Königsrechte ausübt, un terzeichnete bereits mehrere wichtige Ernennungen. Das jungliberale Organ„Dnewnk List“ wird von zuverlässiger Stelle dahin informiert, daß Kronprinz Alexander anläßlich des 80. Geburtstages Kaiser Franz Jo sephs als Gratulant nach Wien reisen werde. ee Ae ITELL LCLELLEER FEEEEEN Bekanntmachung Der Herr Regierungspräsident zu Arnsberg hat zu örtlichen Prüfung des Entwurfs für den zweigleisizen Ausbau der Strecke Dortmund Süd=Eving Termin auf Mittwoch, den 30. März d. Irs. vormittags 11 Uhr auf Bahnhof Dortmund Süd angesetzt, wozu Interessenten hierdurch eingeladen werden. Die bezüglichen Pläne liegen zu Jedermanns Einsicht von Sonnabend, den 26. d. Mts. ab bis zum Termintage während der gewöhnlich Dienstunden der städtischen Verwaltung im städtischen Tiefbauamt, Kleppingstraße2 Zimmer 247 auf. Etwaige Einsprüche sind bei mir anzubringen. Dortmund, den 24. März 1910. Der Oberbürgermeister. Dortmunder Stadttheater. „Fidelio“. X Dortmund, 26. März Um das Andenken Beethovens zu ehren, hatte die Direktion an dem Todestage des großen Meisters heute seinen unverwüstlichen„Fidelio“ angesetzt. Wir hätten nicht nötig, über diese Fidelioaufführung, die sich den voraufgegangenen gleichwerwerrig anschloß, etwas zu schreiben, wenn sie nicht leichzeitig einem Gaste Gelegenheit gegeben hätte, ich den Dortmundern vorzustellen. Frau Bertha Barby vom Stadttheater Essen spielte, wenn das auch nicht verkündet worden war, auf Ensagement. Deshalb müssen wir sie etwas unter die kritische Lupe nehmen. Mit aufrichtiger Freude sind wir in der Lage, über diesen Gast nur Günstiges zu sagen. Frau Barby ist kein Neuling auf den Brettern, die die Welt bedeuten, sondern eine routinierte Sängerin, deren Leistungen uns in gesanglicher wie darstellerischer Beziehung gefallen haben. Natürlich legen wir hierbei auf kleine Mängel kein Gewicht. Die Künstlerin spielte den„Fidelio“, nachdem sie ihre andie beliebte Alice Forster, die vor etwa 8 Jahren hier den„Fidelio“ sang und noch nicht wieder erreicht worden ist. Wir glauben, ein Engagement der Frau Larby als einen glücklichen Griff der Direktion bezeichnen zu dürfen. X. Dortmund, 27. März. Zum 1. Male: „Der Graf von Luxemburg“. Operette in 3 Aufzügen von A. M. Willner und Rob. Bodanzky. Musik von Franz Lehär. Die Direktion unseres Stadttheaters hatte sich das Vergnügen gemacht, uns als Osteref die neueste Operette Lehars anzubieten. Die Freunde der Overette, deren es ja in Dortmund nicht wenig albt, nahmen heute das Geschenk freudig und dankbar an, denn von dem täglichen Schaffen ermüdet, brauchten sie hier sich nicht den Kopf über seelische und soziale Probleme zu zerbrechen sondern fanden im herzlichen Lachen über das amüsante Zeug, das Lehar in seinem„Graf von Luremburg“ zum Besten gibt, Befreiung von dem auf Scele und Gemüt etwa lastenden Druck und Kurzweih und Erholung. Lehar, der durch seine„Lustige Witwe“. ein populärer und gemachter Mann geworden und da mit auch schon im Dortmunder Stadttheater seinen Besuch abgestattet hat, hat nach dem schier unübertrefflichen Schlager weiter versucht, solch zugkräftige Operetten zu schaffen. Ohne die späteren Kinder Lehars abfällig beurteilen zu wollen, darf doch gesagt werden, daß ihnen nicht alle Walzerträume reisen werden. Viekleicht tragen daran auch die Librettisten etwas schuld, die dem Versuche Lehars, den französischen Lustspielstil in die Operette einzubürgern, nicht zu folgen vermochten und durch die Notwendigkeit, dem Unsinn der modernen Tanzoperetten Konzessionen machen zu müssen, aus dem Konzept gerieten. Von all den Kindern der Leharschen Muse, die nach der„Lustigen Witwe“ das Lampenlicht erblickt haben, scheint„Der Graf von Luxemburg“ die Kraft zu einem längeren Leben zu haben. Die Librettisten Willner und Bodanzky haben mit kundiger Hand eine Handlung aufgebaut, die ganz kurzweilig ist und auf einige Stunden den Drang nach Amusement zu befriedigen vermag. Als„Kunstmäcen“ hat sich Fürst Basil Basilowitsch in Paris der hübschen Anrele Didier angenommen, um sie auf dem Konservatorium für die Bühnenlaufbahn ausbilden zu lassen. Aber so genz uneigennützig hat der Fürst nicht gehandelt, denn er hat sich von der angehenden Sängerin, in die er sich ver#ebt hat, das Versprechen geben lassen, ihn zu heiraten. Die kleine Pariserin hat das Versprechen leichten Herzens gegeben, weil der Gedanke, Fürstin zu werden, ihr gar zu verlockend schien. Mit dem Titel Fürstin nahm sie ohne Skrupel auch das knickbeinige Scheusal von Fürsten, den verlebten Alten, in den Kauf. Nun aber stellte sich der Ehe eine Schwierigkeit entgegen, nämlich die, dah der Zar zur Verheiratung des Fürsten mit einer Bürgerlichen die Erlaubnis nicht geben würde. Diese Schwierigkeit mußte beseitigt werden. Man suchte und fand den Grafen Nenee von Luxemburg, dessen Güter der Konfiskation verfallen waren, der das übrige Vermögen gleich seinen berühmten Vorfahren verfurk hatte und im Augenblick vis a vis de rien stand. Für eine halbe Million Franken läßt sich der Graf bereit finden, die Sängerin Didier par distance zu heiraten, um sich drei Monate darauf, während welcher er sich außerhalb von Paris unter salschem Namen aufhalten muß, wieder von ihr scheiden zu lassen und das schöne Weib dem alten Basolowitsch abzutreten. Einen Tag vor dem Sch.idungstermine kommt der Graf nach Paris zurück, hört In der Großen Oper seine und doch nicht seine Frau, entbrennt in heißer Liebe zu ihr und sucht sie in ihrem Palais auf, um ihr seine Liebe zu gestehen. Natürlich erscheint auch Basilowitsch auf der Bildfläche. Er verlangt, daß der Gras von Luremburg seinem Worte gemäß auf Angele Didier, die auch von Amors Pfeil getroffen worden ist und ihrem Gemahl in Liebe zuneigt verzichtet. Angele aber macht kurzen Prozeß, sie geht mit ihrem Renee auf und davon. Im Grand Hotel trifft das dreieckige Verhältnis wieder zusammen doch da erscheint als dea er machine die Gräin Stasa Kokozow, um das junge Paar aus dem Dilemma zu befreien und den Fürsten, dem sie vor drei Jahren das Jawort gegeben, für sich zu reklamieren und zu entführen. Außer diesen beiden Paaren existiert in der Lehar'schen Operette noch ein drittes, der Maler Armand Brissard mit seiner Venus Juliette Vermont, das uns mit seiner Liebesgeschichte unterhält und sich natürlich schließlich auch noch„kriegt“. Lehar.s Musik ist reizend.. Neben einschmeichelnden und prickelnden Walzermelodien voller Duft und Schmelz ist da ein Polkaduett und ein Marschterzett, die ihren Zweck, bestens zu unterhalten, nicht verfehlen. Wenn auch der„Graf von Luxemburg“ nicht an die„Lustige Witwe“ heranreicht, so erfüllt er aber seinen Zweck g tenz und gar, zumal wenn die pritkelnden Weisen so verständnisvoll interpretiert werden, wie es von dem philharmonischen Orchester unter Herrn Kapellmeister Weißle ders Leitung heute geschah. Die Titelrolle lag in den Händen des Herrn Werhard. der mit seiner schönen Stimme dem Ohr wohltat und im Spiel sich von liebenswürdigster Seite gab. Vielleicht legt er sich bei Wiederholungen etwas mehr auf den Schwerenöter, als auf den eleganten Kavalier. Die Angele Lidier war bei Frl. Troll sehr gut aufgehoben, eine elegante Erscheimang ein liebes Dina. dem die Harzen zufliegen mußten. Gesanglich bot sie eine Leistung die alle Anerkennung verdient. Die schärfere Hervol kehrung des leichten Operettentones schadete auch hie nichts. Herr Schubert war als Fürst Basilowito geradezu zwergfellerschütternd. Er bekundete seine staunliche Begabung als Charakterkomiker. Zwar mochl er hier und da etwas zu dick auftragen, aber im zen wie im einzelnen war die alte Ruine des### schen Fürsten ein vortreffliches Genrebild. Schon seinem Auftrittslied„Ich bin verlübbt“ beherrschteer Situation und das Publikum. Meines Erachtens durm die Rolle aber noch konsequenter durchzuführen Daß der alte steife Lebegreis noch so flott kanzen kann wie es im zweiten Akt der Fall war, will mirse“ zweifelhaft erscheinen. Die kleine Rolle der Grafst Kokozow mußte wegen andauernder Krankheit Frl.“,, sys von einem Gast Frau Grete Schmidt vom Stad theater in Elberfeld gespielt werden. Daß dafür keine geeignete Kraft gefunden werden konnte, mich Wunder. Der Maler Brissard, dem gesellsche liche Formen nicht geläufig sind, wurde von Scherer prächtig gesungen und auch angemessen? spielt. Ihm zur Seite stand die Juliette des Frk. Arkot, die mit im Vordergrund der un führung sich befand. Frl. Artot war von der terkeit und Beweglichkeit, wie sie die moderne Oprt! ersordert und gab ein gutes Beispiel für die Ans“ staltung der Lehar'schen Operettenfiguren. sanglich hatte sie einen guten Tag. Kein daß sie an der Spitze der durch Beifall ausgezeichl Mitwirkenden stand und sich mit ihren Parin=,“ mancherlei Wiederholungen bereit finden lassen mud“ Schließlich sei auch der feinen Wiedergabe des ger durch Herrn Kaufmann, des Hoteldieners 9 Terskis: der Tätigkeit des Spielleiters gisseur För ster und der wackeren Haltung des res mit kurzem Lobe gedacht. Wir prophezeres# Grafen von Luxemburg“ eine ganze Reihe ter Aufführungen. Es wäre Ubrigens recht wenn man Frk. Fritzi Urban, unserer geschätt“s, kettmeisterkn, nicht alle Anerkennung für das nert rangement der Tänze usw, zollen wollte, Diese und die nächste Woche: Sämtliche eiderstoffe auch die zuletzt eingegangenen Neuheiten zu weit heruntergesetzten Preisen. Obgleich ich nicht einen einzigen Preis angeführt oder eine einzige Sorte von Waren beschrieben habe, sage ich doch genug, um die Ueberzeugung zu erwecken,— daß es meine Absicht ist—, daß ohne Unterschied was Sie wünschen, Sie es hier billiger vorfinden werden, als was Sie je vorher dafür bezahlt haben. Statten Sie diesem Geschäft am Dienstag, oder einem der folgenden Tage einen Besuch ab. Wandern Sie durch die einzelnen Abteilungen. Besichtigen Sie mit Ihrem eigenen Auge die Tansende von Preiswunder. Inspizieren Sie Jedes und Alles. Stellen Sie Fragen. Falls Sie das, was Sie wünschen, zu einem nach Ihrer Ansicht billigen Preis sehen, kaufen Sie es, wenn Sie wollen. Ich werde das von Ihnen ersparte Geld als eine gute Anlage betrachten in der Meinung, dass Sie mir treue Freundschaft in meinem Neubau bewahren werden. Da ich das Geschäft am Dienstag auf die Bekanntmachung baue, daß außergewöhnlich niedrige Preise Sie begrüßen werden, dann können Sie mir glauben, dieselben werden in unglaublich großer Anzahl hier vertreten sein. Jeder Preis bleibt ein Geheimnis bis die Türen geöffnet werden. Althoff Von einer Einkaufsreise nach den Elsässer und Sächsischen Kleiderstoff-Fabri. kations-Bezirken zurückgekehrt, veranstalte ich in den nächsten Tagen einen Grossen Extra-Verkauf in KLEIDERSTOFFEN weit unter regulären Preisen. Die Preise für diese feinen und guten Kleiderstoffe sind selbst für die bekannt grossen Leistungen meines Hauses etwas ganz Aussergewöhnliches, so dass es im Interesse — einer jeden Dame liegt, dieses Angebot zu benutzen.— Ausführliches Preis-Angebot folgt in den nachsten Tagen, nach Eingang der Sendungen. Dienstag, den 29. März 1910. abends 8¼ Uhr H. Lindenhof: Einziger„Lustiger Abend“ von Marcell Salzer Nur noch Abende Täglich abends 8 Uhr: Die große Berliner Ansstattungs=Revue Donnerwetter tadellos! Freitag, 1. April: Beginn des Gastspiels des Wiener Operetten=Ensembles Direktion Schultz! Die grandiöse Operette: Der fidele Bauer! Neues Programm! Moderne Humoristen: Wilh. Busch, Liliencron, Alex Moszowski, Riedamus Pet. Rosegger, Frhr. v. Schlicht, Ludw. Thoma, H. F. Urban,„Anekdoten d. Böhm. Fremdenführes“ u. a. Billetts: à 2.50, 1.50 und 1.00 Mk. in der Koeppensche Buchhandlung(Hans Hornung) Betenstrasse 16 Dortmund Telephon 2430. und an der Abendkasse. Ein Abend bei Marcell Salzer ist das Herzerfrischendste, Ergötzlichste, Wundervollste, was man(sich denken kann 169 Württ. Zeitung, Stuttgart, 16. 1. 1908. Täglich grosse Doppel-Konzerte Pilitär-Kapelle des kgl. ilanenrgts. No. 11, Graf Haeseler Saarburg Musikmeister w. Sillig. Dir. Herm. Hulles HumorGesang-Konzert Ensemble. Tenorist: F. Heukeshoven. Ausschank von f. Brauhausbier Original Münchener Bedienung. Paul Thiele. Musiksalon Reinelt. Mittwoch, den 30. März, Nachmitlags 6 Uhr: TriumpholaKonzert 99 unter gefälliger Mitwirkung von Frl. E. Mahler. Konzertsängerin. Düsseldort. Herrn de Ruvter-Corver, Konzertmeister, Hier. Interessenten sind freundlich eingeladen. Balkenstrasse 14—16. Tanz=Schule 089 Beleuchtungskörper für elektrisches Licht in einfacher Ausführung geben wir an unsere Stromabne hmer mietweise ab. Muster sind in unserem Verwaltungs- Gebäude Silberstrasse Nr. 29 zur gefälligen Ansicht ausgestellt, wo auch bereitwilligst eingehende Auskunft über alle elektrische Lichtund Kraft-Anlagen betreffende - Fragen erteilt wird.-— Städtisches Elektrizitätswverk. (für bessere Stände) Die Sommerkurse für Schülerinnen und Schüler der höheren Schulen, sowie für Erwachsene(Nachmittagund Abendkurse) beginnen am Mittwoch, den 20. April im Gartensaale des„Kölnischen Hofes.“ Der Kursus für Angehörige der Gesollschaft„Casino, beginnt am Sonnabend, den 24. April Gefl. Anmeldungen baldigst erbeten. Tüchtiger Schweisser für autogene Schweißarbeit wird gesucht von Fried. Krupp. A.=G. Rob. Winckler Magdeburg-B. Mehreree, tüchtige Werkzeugschlosser die auf Matrizen u. Prosile für Fasson Zieherei n. s. w. eingearbeitet sind gesucht. Dürener Metallwerke u. G. Düren vhld. Hauer und Schlepper Kalserstrasse 54. Ein tüchtiges Dienstmädchen v. 1. Mai sucht Frau Ewald Fernrut 2792.1 Naraih, Barmen Cleverstr. 55 8320 für Gesteinsarbeiten gesucht. Meldungen wochentags bis 7 Uhr abends und Sonntags vormittags. Interessenten des Ostens. Hordostens u. Südens von Dortmund. Am Mittwoch, den 20. Marz ds. Is., vormittags 11 Uhr, findet auf Bahnhof Dortmund Süd Termin statt zur Prüfung des Projektes für den zweigleisigen Ausbau der IAE Städtische kaufmännische Unterrichts-Anstalten Dortmund# Strecke Dortmund=Süd nach Cving Da die Anlage die Interessn der Haus- und Grundbesitzer in obigen Stadtteilen wesentlich berührt, sei jeder im Termin zur Stelle und wahre seine Rechte. 069 Der Oestliche Bürgerverein. Der Südliche Bürgerverein. Der Nordöstliche Bürgerverein. Telegramm! Große Gelegenheitsposten Kleiderstoffen, Gardinen und Rouleaux, Weiß- u. Baumwollwaren, Seidenreste für Blusen Buxkinreste f. Knaben-Anzüge, Damenwäsche, Schürzen und Unterröcke kommen diese Woche spottbillig zum Verkauf. Kein Laden, nur Etagen. Verkauf direkt vom Lager Sie sparen bei jedem Einkauf direkt bares Geld. Reste-Lager Gebrüder Bär Dortmund. Brückstrasse 7, 1 Treppe hoch Ecke Friedhof, (gegenüber Hotel Middendorf, Centrum der Stadt). 1. Höhere Handelsschule. Abt. für Schüler und Abt. für Schülerinnen. Jahreskursus 250 M. Aufnahme: einj. Zeugnis bezw. 6j. Besuch einer höheren Mädchen- oder Mittelschule. 2. Mittlere Mädchen-Handelsschule: Jahre: kursus 100 M. Aufnahme: Erfolgreicher Besuch einer Volksschule. 3. Wahlfreie kaufm. Abendkurso für männl. und weibl. Angestellte. Unterrichtszeit abends von 8 Uhr ab. Jahresbezw. Halbjahrskurse. Unterrichtsfächer nach Neigung. 4. Spozialkurse f. Kleinkaufleute. Zusammenhängender Unterricht in Buchführung, Rechnen, Korresponden, Handels- und Wechsellehre. Alles Nähere besagen die Prospekte, die jederzeit von der Direktion, Hiltropwall 19,(neven dem Stadttheater), bezogen werden können. Anmeinung für Ostern ebende, möglichst bald, schriftlich oder mündlich. Sprechstunden 12 bis 1 Uhr.— Telephon 3111. Kuratorium: Oberbürgermeister Dr. Schmieding, Geh. Regierungsrat. Dirsklor: P.4 Stadttheater Dienstag, den 29. März 1910.. B. 44. 7½—10¾. Opernpr Lohengrin: Romantische Oper v. Richard Wagner. Mittwoch, den 30. März 1910. C. 45. 7½—10. Schauspielpr. Rinna von Zarnheim Der Kampfuns Dasein Lustspiel von Lessing. Neueste SingerNähmaschine —„Krone“. Thalhelm O.-A., Tuttlingen(Würtb.). Die vor 2 Jahren bezogene Maschine ist zu unserer vollkommenen Zufriedenheit ausgefallen, in Folge dessen bestelle biermit wieder eine Maschine Krose 10. Jakob Kohler, Gemeinderat. * Neueste Singer-Nählaschine„Krene“— verriegelt die Naht am Ende, auch voru. ruckwärts nähend. Seit 30 Jahren Lieferant v. Post-, Preuß. Staats- und ReichseisenbahnBeamten, LehrerMilit.-Vereinen, versendet die deutsche Singer- Nähmaschine Im geschäftlichen Leben Vergnügen für den zielber#### Kädlimann, der durch Pr.157 Reklame die Konkurrenz 2u 655 Nügeln versicht. 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Mit dieser allg Tatsache scheint un ae Erklärung vieler vo men Straftaten gegebei Missetäter sind X sie zu leben gezwung ien will, der gehe einn Vorgeanstalten und unter hort untergebrachten J besondere — Nur sol ca. 90c s t o f f e, Streife ane I1 ca. 110 9e 1 Farben Farben per Me per Me die Kinder Roman vo e beschämen ### den Danki ##r allein die g Us Verkzeug be # des im Gart ließ.“ # a freilich Eiächst. ich Ertung, lieber M#eit verschaffer zu beruhigen Beit werden. A Kl. Sie uns i Sie gest Fr dann ##ngen F Alis. und trockene Peenzitäte skroph. Ekzema, Hautausschle#### skroph. Ekzema, Hu offene Füsse Beinschäden, Beingeschuf“ gr oin wer bisber gebeilt zu werden, mache Prgzige Versuch mit der bestens RINO-SALPE gift.- u. ehuretrel. Hoseggsgsche Nur echt in Origu#g# weiss- grüs: 101. Un“ Waass#e Rich. Schabert& Cr.,# ich. Fälschungen Wache. Napht. je 19, V. gum d. der #sler blich Schreitende spra Gilltiür #loch Gru 6 i0h Perite al em un u. gen, E. Einlad; ###rselb 55 sich 0 vor lat einen Prong: 415 de steh 25. März 1910. Zweites Blatt. riminalität der Jugendlichen vereinzelt sogar ausschließlich auf den Mangel gsität zurückgeführt, und den bekannten Klagen ## Anwachsen der Jugendkriminalität solgt in ### die den regierenden Gewalten übergebenc Aufmit Eifer dafür zu sorgen, daß die Religion nasle erhalten und ihr Einfluß mehr und mehr weror. Nun ist ja gewiß daßdie Religion zu gewichtigen nicht leicht zu ersetzenden Stütze der scheit werden kann; nicht minder gewiß ist es aber, K Znes Mülle— und Kloder kommen doch k rrage— mehr durch das beeinflußt wird, was aten an ihn herantritt, daß des Kindes Tun dem las der Außenwelt weit mehr unterliegt, als manMit dieser allgemein bekannten und anerTatsache scheint uns aber eine außerordentlich Erklärung vieler von jugendlichen Personen benen Straftaten gegeben zu sein: Tausende der jusichen Missetäter sind Opser der Verhältnisse unter sie zu leben gezwungen waren. Wer das nicht in will, der gehe einmal in die Erziehungs= und Lorgeanstalten und unterrichte sich über die Herkunft hort untergebrachten Zöglinge, darüber, wie viele von ihner keine Mutter oder keinen Vater hatten, wie viele ausgewachsen sind in Familien, wo der Vater ein arleitsscheuer dem Trunke ergehener Mensch die Mutter ctaas weit Schlimmeres war. Die Jugendkeimmaltiät deren Umsang auch wir bedauern, ist weniger in einem Mangel an Gesinnung, insbesondere an Religiosität, als vielmehr in mißlichen wirtschaftlichen Verhältnissen begründet. Und hier ist es wieder die bedauerliche Schwächung der pädagogischen Kraft der Familie, die zweifellos den Hauptteil der Schuld trägt. Die Wohn ungsnot, die für den Vater, oft auch für die Mutter bestehende Notwendigkeit, außerhalb des Haufes der Arbeit nachzugehen Mängel in der Kunst der Lebens führung, die frühe wirtschaftliche Selbständigkeit der Jugend, alles dies und noch manches andere trägt bei zur Verminderung der erziehlichen Kraft Tausender von Familien. Die Kriminalität der Jugendlichen ist — darüber sind sich die Soziologen im Lager der Ju risten und Pädagogen seit langem einig— zum guten Teil nichts anderes als ein Symptom für die pägagogische Entwertung der Familie, sie ist ein Maßstab für den Umfang, den diese Wertverminderung erlangt hat. Der zur Besserung führende Wen ist damit vorgezeichnet: Der Kriminalität der Jugendlichen wird man nicht durch erhöhte Pflege der Religion in der Schule, nicht durch Vermehrung der Relizionsstunden, womöglich auf Kosten anderer, ebenfalls lebensnotwendiger Unterrichtsfächer begegnen können, sonderm vor allem dadurch, daß man den wirtschaftlichen Verhältnissen bei zukommen und im besnoderen der weiteren Schwächung der pädagogischen Kraft der Familie zu wehren sucht. Erster Deutscher Kulturtag. S. u. II. Berlin, 20. März. Unter zahlreicher Beteiligung ron Anlängern des Modernismus aus den verschiedensten religiösen Lagern fand hier in der Philharmpnie der erste Kulturtag statt, dem morgen ein zweiter folgen soll. Aehnliche Veranstaltungen sind für München und andere deutsche Städte geplant. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden, den bekannten Pädagogen Professor Dr. Ludwig Gurlitt(Steglitz) sprach Prof. Dr. Walter Schücking über„Kultur und Internationalismus. Der Redner führte aus: Es ist tief beschämend, daß in Deutschland Internationalismus und Kosmopolitismus immer noch als eine Schan de angesehen werden. Selbst wenn man berücksich tigt, daß das Deutsche Reich eine verhältnismäßig noch junge Geschichte hat, müßte grade unser Land, das Land der Denker hier bahnbrechend und neue Gedanken bringend wirken. Aber sogar ein Denker wie Theodor Mommsen hal es ja unbegreiflicher Weise fertig gebracht, das Haager Schiedsgericht einen „Truckfehler der Weltgeschichte" zu nennen. Bei uns mittert man hinter Internationalismus, anders wie in Frankreich und Belgien, sofort Hochverrat. Ein willkommener Bundesgenosse in den Bestrebungen, L4. Nr., 72. o 27. Jahrgang. die kulturelle Bedeutung der internationalen Welt anschauung zu erhöher ist glücklicherweise in der rapiden Fortschreiten der Technik zu erblicken. Mi der schon längst internationalen Macht des Kapi tals ist auch die Kultur des Geschäftslebens interna tional geworden, um so mehr, als die Völker im mer mehr von einander abhängig werden. Eine ine ternationale Interessengleichheit erfordere aber auch gebieterisch eine internationale Weltorganisation, einpolitische Organisation der Kulturwelt, aus der dann logisch der große Weltstaatenbund hervorgehen muß Anfänge hierzu sind bereits vorhanden in den Schiedsgerichten und politischen Verträgen. Wenn man den Gedanken ernstlich verwirklichen wolle, müsse vor allem das unselige Wettrüsten ein Ende haben. Der jetzige Zustand bedeutete doch weiter nichts als ein permanenter Waffenstillstand. Ganz falsch sei es, wenn hier immer die nationale Ehre ins Treffen geführt werde.„Nationale Chre“ sei es, daß jedes deutsche Kind sich satt essen könne.(Leby. Beifall.) Ein paar Kavallerieregimenter weniger, und mit dem erparten Gelde könnten 100 Volkeschulen gegründet werden. Dadurch sei die Kultur zu heben, sei die Möglichkeit geschaffen, aus dem Volke heraus uns wieder eine Reihe glänzender Männer zu geben, wie es der Internationalismus der Alten bereits gezeigt hat.(Stürm. Beifall.) Als zweiter Redner sprach für den verhinderten Dr. Friedrich Lipsius(Bremen) Stadtrat Dr. Penzig(Charlottenburg) über„Kirche und Religiosität", Der Redner kritisierte besonders das moderne Wir veranstalten von heute Dienstag ab einen großen leiderstoff-Verkauf. Wir bezwecken mit diesem Verkauf vor allen Dingen unserer werten Kundschaft etwas ganz besonderes zu bieten, und um von neuem unsere Leistungsfähigkeit zu beweisen besondere Tischauslagen. — Nur solange Vorrat.— Gerie I Blusenstoffe in Popelin, Flanell in modernen Streifen Hauskleiderstoffe, in Diagonal und Cheviot Schwarz-weiss karrierte Stoffe in vielen Stellungen zum Aussuchen per Meter 78 Pf. „EE jännische en Dortmund ule. Abt. für Schüler en. Jahreskursus 250 M. s b e z w. 6 j. 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Der arme Cäsar, schade um ihn, werden. Will sogleich das Nötige veranlassen, “ Sie uns ins Haus?“ em Sie gestatten, bleibe ich noch eine Weile im % dann auf Wiedersehen!“ nickte der Justizrat llugen Freunde zu. ** blickte dem am Armeihres Vaters langsam 4, den Mädchen gedankenvoll nach. Wie leb4 sprach. Wahrscheinlich ihn(Geißler) der graubeschuldigend. Für ihn hatte sie weder 1/89 4, uß. Mit fest aufeinander gepreßten Lipetränenschweren Augen Schmerz und Zorn, ### sich von ihm ab. Auf der ganzen Welt mag Gedan.(4 s0 verabscheuenswert erscheinen, wie er. se an ein erneutes Zusammentreffen verur### unbehagliches Gefühl, gern wäre er jenem En) aber darf er sich heimlich entfernen, da nadung zur Mittagstafel angenommen hat? #u selben Bank, wo vorhin die junge Dame geses##und.40 niederlassend, starrte der Assessor finster # dor sich hin. Er hätte nicht anzugeben geE lange Zeit vergangen war, als in sein dü##en Leutnant Bormanns frische, augenblickAang:: Hauch von Wehmut gedämpfte Stimme Kuun. Tag, Geißler! Halten Sie Totenwacht?“ rasch de Oftzier kam, quer über den Rasen schreiinde ftar.2%, blieb einen Augenblick vor dem tonahm dann an des Assessors Seite Platz und fuhr unter einem leisen Seufzer fort:„Der arme Cäsar verdient es, war anhänglich und treu! Daß er ein solch trauriges Ende nehmen mußte. Aber er war schon seit ein paar Tagen nicht mehr wie sonst. Träge, fast scheu, unlustig, selbst zum Fressen. Nun erklärt sich die mit ihm vorgegangene auffallende Veränderung. Gestern abend war er nirgends zu finden; meine Schwester glaubte, ich habe Cäsar mitgenommen, er begleitete mich ja häufig nach meiner Wohnung. Zu ihrer Verwunderung gewahrte ihn Lidia vorhin im Garten, vermutlich hat er hier die ganze Nacht verbracht.“ „Hatte Ihr Fräulein Schwester Kenntnis von Cäsars verändertem Aussehen und Wesen? Erschien Ihneu beides nicht verdächtig?“ fragte lebhaft der Assessor. „Fand darin, offen gestanden, nichts Besorgniserregendes. Was mein Schwesterlein betrifft, schob es Cäsars sonderbare Scheu wahrscheinlich auf ihre lange Abwesenheit, meinte, sie wäre ihm eine Fremde geworden. Aber kommen Sie, Geißler, der Anblick," Leutnant Bormann, mit leichter Handbewegung auf den Hund deutend, erhob sich,„macht mich förmlich melancholisch.“ Die Herren hatten den Ausgang des Gartens noch nicht erreicht, als Ihnen der Justizrat in Begleitung des Tierarztes entgegentrat. Dem letzteren genügte ein einziger Blick auf Cäsar, um zu erklären, daß Assessor Geißler sich nicht nur keines Irrtums schuldig gemacht, sondern durch sein entschlossenes Handeln unabsehbaremn Unheil vorgebeugt hatte. Infolge des aufregenden Vorfalles wurde des Mittagsessens Beginn un eine Stunde verschoben. Die sichtlich aufs tiefste erschütterte Justizrätin erfaßte wieder und wieder Geißlers Hand.„Ich vermag nicht auszudenken,“ sagte sie, mit feuchtschimmernden Augen,„was hätte geschehen können ohne Ihre Dazwischenkunft. Sagen Sie nichts dagegen, Herr Assessor. Worte sind zu arm, unsern Dank auszusprechen.“ Der Justizrat und Emil stimmten dem eifrig zu, ungeachtet daß es Geißler peinlich berührte. Er hielt die Dankesäußerungen für übertrieben. Nur, von der Tochter des Hauses hatte er vermutlich nichts Derartiges zu erwarten. Sie zürnte seiner Tat. Da sie noch immer unsichtbar blieb, hoffte und wünschte er im stillen, sie werde nicht bei der Tafel erscheinen. Doch eben, als man zu Tisch gehen wollte, trat die junge Dame ein. Sie schritt auf Geißler zu und sagte leise:„Herr Assessor Geißler, ich habe Sie um Verzeihung zu bitten.“ „Mein gnädiges Fräulein...“ „Weisen Sie mich nicht ab," unterbrach sie den Assessor in lebhaftem Tone.„Ich fürchte, ich benahm mich vorhin im Garten..“ helle Röte überflog ihr Antlitz.. „wie ein ungezogenes Kind. Aber in der schreckhaften Ueberraschung vermochte ich die Ursache Ihrer.. Tat nicht gleich zu fassen. Statt Dank empfand ich nur grenzenlosen Schmerz und Zorn, und...“ „Ganz begreiflich, gnädiges Fräulein,“ fiel Geißler, als Lidia zögernd einhielt, ihr ins Wort,„leider blieb mir, als ich die Ihr Leben bedrohende Gefahr erkannte, der Sie ahnungslos gegenüberstanden, keine Zeit, Sie durch einen Zuruf zu warnen. Er konnte möglicherweise das Unglück beschleunigen. Mich der im Gartenhause befindlichen Waffe erinnern, hineineilen, sie erfassen und abfeuern, war das Werk einer Sekunde. Dann erst durfte ich Ihnen die nötige Erklärung geben, Sie für den empfundenen Schreck um Entschuldigung bitten...“ „Ich ließ Sie nicht zu Worte kommen, schenkte Ihrer furchtbaren Behauptung keinen Glauben, ich war so empört, so trostlos, so „Bitte zu Tisch! Lassen wir die Suppe nicht kalt werden," mahnte der Justizrat in leichter Ungeduld. „Wollen gnädiges Fräulein mich des Vorzugswürdigen?“ fragte der Assessor, der jungen Dam seinen Arm bietend. Sie nahm ihn ohne Zögern. In ihren dunklen Augen, die noch Spuren reichlich vergossener Tränen zeigten, blitzte es flüchtig auf.„Sie zürnen mir also nicht?“ forschte sie mit dem Versuch eines Lächelns. „Dazu hätte ich keine Ursache, mein Fräulein," lautete Geißlers ruhige Antwort.„Ihr Zorn war gerecht, denn der Schein sprach gegen mich.“ „Aber nicht wahr, es dünkte Ihnen lächerlich, daß ich wegen eines.. eines toten Hundes Tränen vergoß?“ Lidia konnte nicht verhindern, daß bei ihren letzten Worten wieder ein feuchter Glanz ihren Blick verschleierte. „Wahrlich nicht,“ versicherte der Assessor in überzeugendem Tone.„Glauben Sie zuir, Gnädiaste ich verstehe und ehre Ihren Schmerz um den teuren Cäsar. Teilnahmslose Gleichgültigkeit dagegen hätte ich mit dem Zartsinn eines fein empfindenden weiblichen Herzens nicht in Einklang zu bringen gewußt. Zum ersten Mal traf ein voller Aufblich aus den dunklen Mädchenaugen Geißlers Gesicht. Seine offene Erklärung gefiel Lidia, sie wollte ihm darauf erwidern, doch bevor sie die rechten Worte fand, lenkte Emil durch eine lebhaft hingeworfene Bemerkung das Tischgespräch auf ein allgemein interessierendes Thema, das die Gedanken der kleinen Tafelrunde von dem aufregenden Ereignis des Tages ableitete. Zwar trat es unwillkürlich noch wiederholt in den Vordergrund der Unterhaltung, aber stets gelang es einer geschickten Wendung Geißlers, sie unmerklich auf ein anderes Gebiet hinüber zu spielen. Selbst die Tochter des Hauses, die zuerst häufig in trübes Schweigen versank, nahm allmählich regen Anteil an den verschiedenen Gesprächsstoffen, ihre Blicke und Mienen fingen an, sich aufzuhellen. So verlief das Mittagessen, welchem der Assessor in peinlicher Beklemmung entgegengesehen hatte, ja, dem er am liebsten aus dem Wege gegangen wäre, in ungeahnt angenehmer Weise. Als die Hausfrau die Tafel aushob, ertappte sich sogar Kurt Geißler auf einem heimlichen Bedauern über ihr zu frühes Ende. „ Tag um Tag zu der Stunde, wo vordem Assessor Geißler bei der Generalin von Lützow zu erscheinen pflegte, stand Marga am Fenster, sehnsüchtig die Straße entlang spähend nach der wohlbekannten Gestalt des Freundes. Hatte sie wieder vergeblich geharrt, trat sie leise seufzend vom Fenster zurück und nahm umflorten Blickes ihre Handarbeit wieder auf. Als aber seit ihrem Zusammentreffen im Tiergarten eine Woche, dann vierzehn Tage, dann ein voller Monat verstrich, ohne daß Geißler den Damen seinen Besuch machte oder ihnen auf ihren regelmäßigen täglichen Spazierfahrten begegnete, konnte Maro, der Vermutung eines absichtlichen Fernbleibens sich nicht länger verschließen. 178,18 „Es ist klar, er will nichts mehr von uns wissen,“ klagte sie der Mutter.„Nimmer hätte ich gedacht, ihn, gerade ihn unter die Wortbrüchigen zählen zu missen.“ * fentum", das einen Glaubenshaß predige, der noch viel ververblicher sei als der Stände#aß. Teshalb sei auch der Kampf gegen das Kirchentum, nament lich gegen den Ultramontanismus, der sich den Anschein des Internationalismus gebe eine Kulturtat ersten Ranges. Man müsse sich baher unwillfürlech vor die Frage stellen: Brauche ich noch di#e Kir. den Pfarrer oder nicht? Das beutige Pfaffentum sei weiter nichts als ein Zerrvild des allgemeinen Priestertums, wie es sich der Stifter der christlichen Religion gedacht habe. Redner warnt erneut vor der Gefahr des Ultramontanismus, der bereits in Süddeutschland so festen Fuß gefaßt habe, daß er unsere ganze Kultur und unser ganzes Kulturleben ernstlich bedrohe. Das letzte Referat hatte Professor Dr. Ludwig Gurlitt(Stealitz) übernommen. Er beleuchtete die augenblicklich so brennende Frage der Trennung von Staat und Kirche. Andere Länder wie z. B. Frankreich hätten diese Frage bereits mit Erfolg gelöst. In Deutschland scheiterten bisher alle Versuche in dieser Richtung an dem Widerstande der allmächtigen reaktionären Rechten und der von dieser abhängigen Regierung. Auch hier gelte es, die Bestrebungen des Antimodernismus zu bekämpfen und für diese notwendige Strömung der Gegenwart ein sichtbares Zeugnis abzulegen. Damit war die Tagesordnung erledigt und der Erste Deutsche Kuiturtag wurde geschlossen. Die aelbe Gefahr in In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Chinesen in London bedeutend vermehrt, und dieser Zuwachs nebst den Erscheinungen, welche chinesische Ansiedelungen zu begleiten pflegen fängt an die Aufmerksamkeit zu erregen. Die Chinesen leben in der Nähe der Docks. Sie siedelten sich zuerst in gewissen Straßen des Quartiers Limehouse an, aber es sind ihrer soviel geworden, daß sie jetzt auch in Poplar, East, Ham= und WestHam wohnen. E'n Mitarbeiter von„Reynolds Newspaper“ berichtet, daß das Einströmen der Chinesen seit 1906 sehr stark zu beobachten ist. In diesem Jahre wurde zum Schutze der britischen Seeleute ein Gese erlassen welches Ausländern, die auf britischen Schiffen dienen, die Kenntnis der englischen Sprache zur Bediuguna macht, Von diesem Gesetze sind die Eingeborenen von Hongkong als britische Untertanen befreit; seitdem stammen fast alle Chinesen in der englischen Handelsmarine aus Hongkong, und es ist den Behörden gar nicht möglich, den einzelnen gelben Mann darauf zu prüfe ob er die Wahrheit sagt Im vorigen Jahre wurden in London nicht weniger als 2004 Chinesen für briti sche Schiffe angeworben. Ein Teil dieser gelben Heiter und Stewards bleibt aber dauernd hier. Die englischen Wäschereien der östlichen Bezirke beklagen sich bereits über die chinesische Konkurrenz. Das schlimmste ist daß sich mit der Zeit auch die abscheulichen moralischen Schäden einfinden, die dieses östliche Proletariat überall hinbringt und die in Liverpool schon längst zu Schandsleck geworden sind. Dort kann man durch lange Straßen gehen, und in jedem Hause englische Mädchen mit gelben Bastarden sehen, die dem Papap viel ähnlicher sind, als der Mutter, und heute schon zu einer zahlreichen Mischungskaste herangewachsen sind. In Ostlondon hat sich die Anzahl der Chinesen in den letzten Jahren so rapide vermehrt, daß sie jetzt zehnmal so stark sein sollen, als 1905. Eine genaue Statistik ist sehr schwer aufzustellen, denn kein europäischer Beamterckann über die in den scheußlichen chinesischen Boardinghäusern und Opiumhöhlen wimmelnden Insasseu eine Kontrolle führen. Zeigt sich ein Weißer in der Chinesengasse, so verbreitet sich die Nachriht wie mit drahtlos. Telegraphie von Haus zu Haus. In woachsendem Maße leben auch hier die Chinesen im Konkubinat mit Engländerinnen. In einigen Fälleu heiraten sie diese Frauen standesamtlich. Die Spiel= und Opiumhäuser sind zahlreich und gerade diese Höhlen kann die Polizei nicht überwachen. Wie das genannte Blatt berichtet, beabsichtigen die Steuerzahler von Limehouie und Poplar eine Petition an die Regierung zu richten. ir der sie verlangen, daß die Chinesen gezwungen werden, in besonderen Quartecen zu leben und sich nicht so ungehindert wie jetzt unter die einheimische Berölkerung zu mischen. Gewerkvereinsteil. Angriffe der Arbeitgeber auf das Koalitionsrecht. Der veröfffentlichte Vorentwurf eines Strafgesetzbuches enthält zwar manche moderne Gedanken, steht aber der sozialen Bewegung der Arbeiter und Angestellten mißtrauisch gegenüber. Gerade die stimmungen zum Schutze der Erhaltung der Staatsordnung werden elastischer zu gestalten gesucht durch Ersetzung scharf umschriebener Tatbestände durch mehr begriffsmäßige Merkmale. Wer weiß, was unsere begrifffskonstruktive Jurisprodenz mit solch kautschukartigen Bestimmungen zu leisten vermag, wird von dem Entwurf allein schon das allerschlimmste befürhten. Das geht aber manchen Arbeitgeberverbänden noch nicht weit genug. So fordert der Arbeitgeberverband Köln in einer Eingabe an das Reichsamt des Innern das Verbot des Streikpostenstehens. Die Kölnische Zeitung glaubt, man brauche nur den Paragraphen 153 weiter zu bilden, der die Anwendung törperlichen Zwangs oder die Verrufserklärung zu dem Zwecke, jemand zu dem Beitritt zu einer Koalition oder zum Austritt aus ihr zu veranlassen, mit Strafe bedroht. Das Streikpostenstehen bedeutete für den Arbeitswilligen oft einen Zwang und eine Drohung in aller Form. Es sei also durchaus angebracht, dieser Beschränkung der persönli hen FreiReaierungswechsel in Abessinien. Lid Jeasse. der zukünftige Kaiser von Abessinten Der jugendlich e Ihron folgerin vornehmer altabessinischer Kriegerfracht: IRTCAH l 0 Aus Addis Abebe, der Hauptstadt Abessiniens kommt nun wiederholt die Nachricht, daß Kaiser Menelik im Sterben liegt, diesmal scheint es aber ernst zu sein. Bekanntlich hat Menelik seinen Neffen Lidi Jeassu zum Thronfolger bestimmt. Der Erbfolger ist erst 14 Jahre alt. Die Regierung würde bis zur ∆ 15 485 2 4 „** Tkalserin TaRU von Apessynieh Kaiser Menelik I. von Abessynien Großjährigkeit des jungen Negus von seinem Vormund und Regenten Ras Tassama geführt werden, der bisher bereits mit energischer Hand die Zügel der Regierung ergriffen hat um sie nun jetzt gänzlich ber Kaiserin Taitu zu entreißen. Er hat bereits mit Hilfe hervorragender Abessinier die Kaiserin abgesetzt und den Thronfolger zum Negus ausgerufen. Zu den Vorgängen in Abessinien erfährt ein Mitarheiler der„Deutschen Warte“ an unterrichteter Stelle, daß vorläufig eine direkte Gefahr für die in Abessinien lebenden Europäer zwar nicht bestehe, doch müßte ihre Lage für den Fall eines Handstreiches bei Meneliks Ableben immerhin Besorgnis erwecken. Dem Manifest des Regenten Ras Tasama, laut welchem die europäerfeindliche Kaiserin Taitu den kranken Kaiser nur pflegen, aber keinen weiteren Einfluß auf die Regierung haben solle, scheinen die auswärtigen Regierungsvertreter keine allzugroße Bedeutung beizumessen. Besonders heitel erscheine die Situation aber deshalb, weil aus dem Verhalten der Kaiserin einerseits(sie hat fast alle Oberbefehlshaberstellen in der Provinz mit ergebenen Männern besetzt, und diese noch in der Hand) hervorginge daß sie nach Meneliks Ableben fest entschlossen zu sein scheine, sich eventuell durch einen Gewaltakt als Regentin zu behaupten. Andererseits sei es bedenklich, daß die Führer der Schoaner mit einer beträchtlichen Anhängerschaft nach der Hauptstadt gekommen seien, um diesen sehr durchsichtigen Plan der Taitu zu vereiteln. Ernste Zusammenstöße zwischen diesen und den Anhängern der Kaiserin scheinen unvermeidlich. heit mit energischen Strafbestimmunden zu Leibe zu rücken. Das gleiche Verbot fordert auch das Handwerk. In der„Allgemeinen Tapezierer=Zeitung“ wird es mit folgender Begründung befürwortet:„Das Streikpostenstehen namentlich ist für die Ausübung des Koalitionsrechtes gar nicht notwendig und als Mittel= und Kernpunkt für die Vergewaltigung der Arbeitswilligen aufs nachdrücklichste zu bekämpen.“ Die„Deutsche Arbeitgeber=Zeitung“ schreibt, es gelte gegen„die empörende und unerträgliche Zwangsherrschaft der sozialdemokratischen und anderen Gewerkschaften die geeigneten Mittel zu ergreifsen". Darnach haben wir es offfenbar mit einem planmäßigen Feldzug gegen die Koulitionsfreiheit der Arbeiter zu tun" bemerkt dazu die„Deutsche Industriebeamten= Zeitung",„denn die einmütige Beschränkung all dieser Angrifffe auf das Verbot des Streikpostenstehens ist ohne einheitliche Leitung kaum denkbar. Sie ist aber auch verständlich. Denn ohne das Streikpostenstehen ist die praktische Durchführung eines Ausstandes fast undenkbar.“ Pferderennen an der Buschms. Dortmund, 28 März. Nachdem schon an anderen Sportplätzen am Palmsonntag die Saison eröffnet worden, nahmen heute die diesjährigen Rennen des Dortmunder Rennvereins mit dem Frühjahrsrennen ihren Anfang. Trotz der frühei Jahreszeit war das Wetter recht verlockend, sodaß der geräumige Rennplatz an der Buschmühle mit einer überraschend großen Schaa von männlichen und weiblichen Freunden eines in gutem Rufe stehenden Renusports gefüllt war. Das männliche Element überwog bei weitem, da die Damenwelt es augenscheinlich nicht gewagt hatte, mit den Frühjahrstoiletten aus Furcht, diese könnten durch einen Nassauer Schaden leiden, zu erscheinen.— Die Stimmung war äußerst animiert und der Totalisator wurde stark frequentiert. Die Rennen verliefen bei durchweg gut besetzten Feldern auf der tadellosen Bahn ohne jeglichen Unfall und brachten ihrer zweiten Hälfte mancherlei Ueberraschung. 1. Ostern=Flach-Rennen. 2000 Mark Preise, wovon 1400 Mark dem ersten, 400 Mark dem zweiten und 200 Mark dem dritten Pferde. Distanz 1500 Meter. Gemeldet waren 13, es liefen 6 Pferde. Es dauerte lange Zeit, bevor der Starter die Flagge senkte. Ansänglich übernahm Lt. Kaysers F.=W.„Radegast“ mit Lommatzsch im Sattel die Führung, ließ sich aber von dem Favorit Herrn F. L. Krügers F.=H,„Spion“ unter Kalf, der als 1. durchs Ziel ging, auf den zweiten Platz drängen. 2. also Radegast. 3, Herrn P, Boltz's br. W.„Blondel“(Gädicke). Unplaziert: Aca, Fliege und Siebenschläfer. Totalisator: Sieg 21:10; Platz 16. 19:10. 2. März=Jagd-Rennen 2000 Mark Preise, davon 1400 Mark dem ersten, 400 Mark dem zweiten und 200 Mark dem dritten Pferde. Distanz 3000 Meter. Von den genannten 15 Pferden erschienen 9 am Start. Favorit war Leutnant Feldt's br. St.„Kaneton“(Krieg) und enttäuschte ihre Freunde nicht. Sie überholte ihre Rivalen, die ihr anfänglich den Schwanz zeigten, und machte das Rennen. 2.. Frhr, Clemens von Romberg's F.=St.„Königskind“(Hoffmann), 3. Graf M. Schmiesings F.=W.„Leoville“(Reith). Ohne Platz mußten sich Phrygia, Schlemihl, Judith, Alice Roosevelt, Putzig und Nattard begnügen. Totalisator Sieg 22:10; Platz 19. 40, 19:10. 3. Kronenburg=Jagd-Rennen. 2000 Mark Preise, und zwar 1400 Mark dem ersten 400 Mark dem zweiten und 200 Mark dem dritten Pserde. Distanz 3000 Meter. Es waren 13 Nennungen erfolgt. 6 Pferde stellten sich dem Starter. Favorit war Leutnant Busse's F.=W.„Hoptkc“(Gädicke), der als Sieger hervorging. 2.. Leutnant Kayser's„Antonius“(Lommatzsch), 3. Leutnant Feldt's F.St.„Thisbe“(Krieg).. I' il go Nap, die sich ansänglich an die Spitze des Feldes gesetzt hatte, vermochte nur an vierter Stelle nach Hause zu komm. ohne Platz: Gatherley und Wandorg. Sieg 41:10; Platz 22.27:10. Tolai 4. Verkaufs=Jagd-Rennen. 2000 Mark Preise, wovoi 1500 Marr sten. 300 Mark dem zweiten und 200 Mark;. ten Pserde. Distanz 3000. Meter. Ger# 14 Pferde von denen 6 liefen. Zei diese. versagte der Favorit Vorwärts. Die beim Wassergraben aus. 1. Herren H. v „Penshaw“ Mons. L. Sauveniere's br. H,„Mister Mielc dicke); 3. Herrn R. Then Berah's br.„St. on. (Bredereke). Unplaziert: Schlendrian, Ruhne und wärts. Totalisator: Sieg. 52:10; Platz 22. 5. Ardey=Jagd Rennen. 2000 Mark Preise, und zwar 1400 Markd. sten, 400 Mark dem zwei an und 200 Markd ten Pferde. Distanz 3400 Meter. Von den 1# meldeten Perden erschienen 6 am Start. warten ging als 1. durch Ziel Herren M. und Klönne's F.=St.„Transversale“(Bredersa wurde Herrn W. Velhagens br. St.„Zero 10 6.4 die ansänglich zurücgeblieben war, dann aber in zweiten Runde mächtig auf eholt hatte. 3. 9okens F.=W.„Sands“(Wülfert). Ohne Pla cyon Days, Job und Wee Gall. Totalisator72:10; Platz 29, 19:10. 6. Landgrafen-Jagd=Rennen. 2000 Mark Preise, wovon 1500 Mark sten 300 Mark dem zweiten und 200 Mark dem ten Pserde. Distanz 3200 Meter. Von 13 Pf. die gemeldet waren, liefen 6. Von diesen blieb# H. Suermondt's br. W.„Prometheus“( Sieger. 2. Herrn C. Cosack's dr. St,„Sclavin“ rian); 3. Rittmeister Roos' br. St.„Gazelle“(Krat Ohne Platz: Leonore Two Ran und Palü. Ta sator: Sieg 156:10; Platz 70, 22:10 Am Totalisator wurde die bedeutende Summe rund 175000 Mark umgesetzt. Vermischtes. Fingernägel und Charakter. Len siognomischen Charakterdeutern ist in England neuer Rivale entstanden, der ein ganzes Systen sammengestellt hat, mit dessen Hilfe er aus der### und Farbe der Fingernägel die Charaktereinensha# der Menschen erkennen will. Alle die schmale gernägel besitzen, so berichtet die englische Ba schrift, können im allgemeinen als gutmütige schen gelten, es sind Leute von günstiger Charag anlage, sie haben Selbstvertrauen, aber in der gel sind sie gegen andere mißtrauisch. Breite 1 gernägel sind ein Kennzeichen für liebenswürdige nütsart die in den meisten Fällen mit einer### sen Sei, sternheit oder Furchtsamkeit gepaan Wer kleine, runde Fingernägel hat, ist selten z# den, selten guter Laune, er wird leicht ärgen ist boshaft und nachtragend. Dicke, fleischige gernägel dagegen sind das Kennzeichen eins gen, heiteren Temperaments. Der Betrefferde die Freuden eines guten Mahles zu schätzen,s# ruhig und lange, und zieht ein kleines Einko mit wenig Arbeit einem großen Vermögen, das Fleiß und Rührsamkeit errungen werden mi weitem vor. Bleiche Fingernägel mit einem blein Farbton sind das Kennzeichen eines grüblen melancholischen Temparaments, sie kennzeichnen philosophische und wissenschaftliche Veranlazu## Lange, schmale, wohlgeformte Nägel verraten ei## verseinerten, künstlerischen Geschmack, Freude an sellschaftlichen Leben und Begeisterungsfähigteit alles Schöne. Literatur. Guter Rat ist Goldes wert! Eine! Fundgrube guter Ratschläge für jedermann it Buch„Der häusliche Ratgeber“ von Felix und V## Moser. Neben ausführlicher Anleitung zur G## heitspflege, zur naturgemäßen Pflege und Eni## des Kindes und zur ersten Hülfe bei Unglücke enthält dieses Werk bewährte Mittel gegen Krany ten aller Art, Ratschläge für die Herstellung, haltung, Reinigung, Aufbewahrung, Untersuchun verschiedensten Gegenstände, Mittel gegen Ung fer, Fleckenentfernungsmittel usw. Wer gesund ben oder gesund werden will, wer sich Schmerze# Aerger ersparen will, wer stets in der Last will, helfend einzugreifen, wenn ein Menschenlt in Gefahr ist, wer seine Kinder zu gesunden, lichen und tüchtigen Menschen erziehen will schaffe sich dieses Buch an!. Es ist 352 stark und kostet trotz seiner Reichhaltigkeit und gediegenen Ausstattung(gutes, holzfreies ganter Einband) bei portofreier Zusendung nut Mark. Verlag von Richard Oefler, Berlin Sw. 0, Zeitungs-Ausschnitte. 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Dies edle Kind war so blaß wie Schnee und so zart wie ein Hauch, ihre Sprache war von so lieblicher Feinheit wie Harsenklang, und ihre Blicke mild wie des Mondes Silberglanz. Mutter und Tochter waren in reiner hingebungsvoller Liebe einander zugetan, und wenn sie beide Arm in Arm nebeneinander gingen, allerorten Hülfe und Beistand bringend, dann beteten die alten Leute aus dem Volk:„Der liebe Herrgott erhalte uns diese beiden Engel, die er uns zum Wohle auf die Welt geschickt hat!“ Da begab es sich eines Tages, daß die junge Adah, als sie mit Marinka, der alten Dienerin, spazieren ging, von einem fürchterlichen Unwetter überrascht wurde. Sie befanden sich mitten im Walde und wußten nicht, wo sie Schutz suchen sollten. Plötzlich aber stand ein Mädchen vor ihnen, ein frisches,gesundes Waldkind, star kund kraftvoll, mit Augen so klug wie ein Reh und doch so gut wie der treueste Hund, und dies Mädchen sprach:„Kommt mit mir, Herrin, ganz nahebei liegt meine Hütte, dort seid Ihr geschützt.“ Und Adah fragte erstaunt:„Wer bist Du denn?“ Ta antwortete dus Mädchen:„Ich heiße Wilda, die Leute aber nennen mich die Waldhexe.“ Damit ging sie voran. Adah lächelte nur dazu, dann nahm sie den Arm ihrer Dienerin und folgte dem Mädchen. Es war eine ganz einsache Holzhütte in der nur die allernotwendigsten Gebrauchsgegenstände sich befanden, aber alles war reinlich und geordnet, so daß man sich bald heimisch fühlen konnte Tort warteten sie das Unwetter ab. Und während draußen der Sturm tobte und prasselnd der Regen niederfiel, saßen die drei am traulichen Herdfeuer zusammen und sprechen mit cinander. „Wer ich bin,“ erzählte Wilda.„Weiß ich nicht. Ich stehe ganz allein in der Welt, und ich brauche auch niemand, denn ich nähre mih von den Früchten dieses großen Waldes.“ Erstaunt sah Adah auf das frische Kind.„Was für eine gesunde Farbe Du hast, und wie kräftig Du bist, sagte sie voll Bewunderung. Aber Wilda errötete und stammelte:„Ach, Herrin, wenn man den ganzen Tag über im Wald liegt, da kann man keine so zarte Farbe haben.“ „Sie weiß gar nicht, wie gut sie es hat,“ sagte Adah heiter zu ihrer Dienerin. Als das Unwetter vorbei war, nahm die junge Fürstin Abschied.„Auf Wietersehen, du kleine Waldhexe!“ sagte sie lachend. Und Wilda küßte der Herrin die Hand. Von dem Tage an sahen sie sich öfter. Jedesmal, wenn Adah in den Wald ging, traf sie auch Wilda; dann scherzte die Fürstentochter mit dem einfachen Waldkind und ließ sich von ihm die schaurigen Märchen von dem Zauber des Waldes lerichten. So wurden sie miteinander bekannt, und schon nach einer Woche betete Wilda ihre hohe Freundin an und war glückselig, wenn sie ihr einen Dienst erweisen durfte oder ihr die zarten bleichen Hände küssen konnte. Um diese Zeit geschah es, daß ein junger Prinz aus dem Nachbarland die Residenz der Fürstin besuchte. Prinz Arno hatte von der blassen Schönheit Adah's gehört, und nun wollte er sehen, wieviel Wahrheit an den Märchen war, die man sich von ihrem Liebreiz erzählte. So suchte er den Pasast der Fürstin auf machte seinen Besuch, sah die zarte Adah, und fand, daß man nicht zu viel gesagt zu ibrem Lobe. Bald war er entbrannt von heißer, verzehrender Liebe, für die schöne Fürstentocher, und da er ein ebenbürtiger Freier war, so beschloß er, um die Geliebte zu werben, falls auch sie etwas für ihn empfände. Und Adah, deren Herz noch nicht gesprochen hatte, empfand, da sie den schmuchen, jungen Mann sah, ein heimliches Schauern, w.: ein Gefühl von ungekannter Glückseligkeit und als sie allein war, da gestand sie es sich, daß er ihr gefalle Jeden Tag sahen si sich, mit jedem Tage kamen ihre Herzen einander näher, und eines Abends, als die Sonne glutrot ins Meer sank, gestand er ihr seine Liebe. Errötend und zitternd hörte sie ihn an und als er seine Werbung vorgebracht hatte, da sank sie ihm in die Arme und weinte Freudentränen an seiner Brust. Wonnevolle Tage kamen. Die Liebenden schwelgten in endloser Glückseligkeit, und das ganze Volk nahm teil an dem hohen Glück seiner geliebten jungen Herrin. Eines Tages sah auch Wilda den jungen Prinzen Arno, als er einsam i) nachdenkend im Walde lustwandelte— mit großen, verwunderten Augen sah sie ihn an— wie ein Gott erschien er ihr— lautlos, atemlos folgte sie seiner Spur— sie konnte ihn nicht lange genug anblicken, diesen Mann, dei ihre hohe Freundin liebte — und je länger sie ihn ansah, desto schöner und herrlicher erschien er ihr. Plötzlich drehte der Prinz sich um und erblickte das verträumt dast hende Mädchen. Erstaunt sah er sie an. Ihre kraftvoll gesunde Gestalt gefiel ihm. Und er fragte:„Wer bist Du, schönes Kind?“ Aber Wilda stand ba wie versteinert, starr und stumm sah sie ihn an. Da trat der Prinz ar sie zu.„Du gefällst mir, kleine Hexe!“ und er legte seinen Arm um sie und küßte sie auf den Mund, wild und begehrlich. Schluß folgt. # Für's Haus # 80 Hennensturz Ein altes Huhn im Wasser weich kochen, die Haut entfernen, das Fleisch von den Knochen lösen, dasselbe im Mörser mit nußgroß frischer Butter stoßen, dann mit einer geschälten, in Milch geweichter Semmel, einem Kochlöffel Mehl auf dem Feuer durcharbeiten. Etwas von der Brühe daran gießen, aufkochen lassen, durch ein Sieb treiben, eine Messersoitze gewiegte Zitronenschale, etwas Muskatnuß zufügen, mit Eigelb binden, das geschlagene Eiweiß von drei Eiern durchziehen, in eine gut gebutterte Form füllen, einhalb bis dreiviertel Stunden im Wasserbad kochen. Reissuppe auf schnellste Art. Für zwei Personen wird ein Würfel Maggis Reissuppe zerdrückt, in 34 Liter siedendes Wasser, ohne noch Salz oder Fleischbrühe dazu zu nehmen, gestreut, und nach dem Wiederaufkochen 20 Minuten(ein größeres Quantum länger) bei kleinem Feuer langsam gelocht. Sehr verfeinert wird die Suppe, wenn man sie über ein Stückchen süße Tafelbutter anrichtet. — Maggis Suppen helfen Zeit, Geld und Arbeit sparen, sind gebrauchsfertig und enthalten alle zu einer vollständigen Suppe erforderlichen Zutaten. Ein Würfel ergibt, nur mit Wasser kurze Zeit gekocht, 2—3 Teller leicht verdauliche Suppe. Mehr als 30 Sorten bieten jede gewünschte Abwechslung. Billige Suppe Fleisch= und Knochenabfälle, soviel und was man davon hat, mit etwas Salz und Wurzelwerk recht lange getocht, durchgegossen, abgefettet. Etwas Butter oder Bratenfett mit etwas Mehl leicht geschwitzt, mit der Fleischbrühe aufgefüllt, durchgekocht. Einige hübsche rund ausgestochene oder geschälte, in Salzwasser gar gekochte Kartoffeln werden mit der Suppe angerichtet. 5TE Po.#n. = SS 5 Sa.PTUu. " U 1n..— S#naeE *— —— — E* C 9 2 01 —.—„—— e g * S 6• □ 8 2. e S 6. 3„ EE•* S E.* 132•8 n *" k" 3 3 S S 8 3 S- S SST für Unterhaltung und Belehrung. In letzter Roman von Hugo Ebersbach. 37 würde an seiner Stelle ebenso handeln,“ sagte er;„und ich kann es ihm auch nicht verdenken, wenn er es ablehnt, den Fälscher verfolgen zu lassen. Das ist Sache des Betrogenen, und der Graf muß aus sehr triftigen Gründen vermeiden, mit den russischen Behörden in allzu nahe Berührung zu kommen.“ „So werden Sie ihm das Geld ohne Vorbehalt auszahlen?“ fragte der Buchhalter. „Ganz gewiß— vorausgesetzt, daß nicht vorher das Breslauer Haus gerichtlich Arrest auf diese Summe legt, was nicht wohl anzunehmen ist.“ „Hm, ich habe doch meine Bedenken; aber Sie müssen ja wissen, wie weit Sie in dieser Angelegenheit—“ „Mein guter, alter Freund, machen Sie sich keine Sorgen,“ scherzte der Bautier;„das Breslauer Haus weiß sehr wohl, daß es die falschen Bantnoten auf sein eigenes Verlustkonto schreiben muß; es hat nur einmal den Versuch gemacht, ob wir die Hand dazu bietenwollen, ihm diese Summe zu retten. Ich müßte und würde es tun, wenn ich nur den leisesten Verdacht hegen könnte, daß der Graf bei diesem Betruge beteiligt sei; da aber an die Möglichkeit eines solchen Verdachts nicht zu denken ist, so halte ich es für meine Pflicht, die Interessen des Grafen in den Vordergrund zu stellen. Und nun schicken Sie mir den Kassierer, damit ich ihn auf die Zahlung der großen Summe vorbereite.“ Der alte Buchhalter gab keine Antwort darauf, denn er wußte, daß es nutzlos war, die Sache noch weiter zu verfolgen. Hatte der Kommerzienrat sich einmal eine Ansicht gebildet, so beharrte er auch dabei, wenn gleich noch so viele und gute Gründe gegen sie geltend gemacht wurden. 19. Im Verhör. Mit trotziger, fast höhnischer Miene stand Hermann Schaller vor dem Untersuchungsrichter. „Eure Aussagen haben in keiner Weise Bestätigung erhalten,“ sagte der Richter mit scharfer Betonung; „es finden sich keine Zeugen, die Euch in den Lokalen gesehen haben, in denen Ihr an jenem Abend gewesen sein wollt.“ „Das ist meine Schuld' nicht,“ erwiderte Schaller mit Achselzucken;„man wird sich eben keine Mühe gegeben haben, die rechten Zeugen zu suchen.“ Der Gerichtsrat rückte die Brille dichter vor die Augen und warf dem Verbrecher einen zornigen Blick zu. „Es ist meine Pflicht, die Untersuchung unparteiisch zu führen,“ sagte er;„diese Pflicht werde ich gewissenhaft erfüllen. Ich wiederhole: in den Lokalen seid Ihr an jenem Abend, an dem Grunewald ermordet wurde, nicht gesehen worden; ebenso bestreitet Georg Winkel Eure andere. Aussage, wonach er Euch die Banknoten geschenkt haben soll, die in Eurer Wohnung gefünden wurden.“ „Fragen Sie seinen Vater, den Gerbermeister,“ antwortete Schaller trotzig;„er wird bestätigen, daß ihm das Geld gestohlen worden ist.“ „Und Ihr wollt behaupten, sein Sohn habe es ihm gestohlen?“ „Jawohl,“ bekräftigte Schaller.„Er hat uns das Geld gegeben, wir sollten es mit ihm teilen, Das konnte nicht sofort geschehen, denn der alte Gerber hatte schon verdacht auf seinen Sohn geworfen; er durfte bei ihm kein Geld finden.“ Der Gerichtsrat gab seinem Aktuar einen Wink, gleich darauf trat der Gerber ein. „Sie kennen die Aussagen dieses Mannes bezüglich des in seiner Wohnung gefundenen Geldes," wandte sich der Richter zu ihm.„Sie versprachen, mit Ihrem Sohne darüber zu reden. Ist dies geschehen, und was haben sie erfahren?“ Bertram Winkel wiegte mit schmerzlicher Miene das Haupt.„Klarheit und volle Gewißheit kann ich nicht erhalten," antwortete er;„mein Sohn bleibt bei seiner Behauptung, daß die Brüder Schaller selbst mir das Geld gestohlen haben.“ „Und ich bleibe ebenfalls bei meiner Behauptung,“ sagte Hermann Schaller.„Wir haben nicht mehr Schuld, wie der Sohn dieses Mannes, und wenn diese Sache verfolgt werden soll, dann muß Georg Winkel neben uns auf der Anklagebank sitzen.“ Der Gerber blickte Schaller starr an, denn er ahnte längst, wie sich die Sache in Wahrheit verhalte. Ihm selbst bangte vor der Möglichkeit, daß sein Sohn als gemeiner Verbrecher vor den Richter gefordert werden könne. „Jawohl, so ist's, nickte Schaller, der die Gedanken des alten Mannes erriet;„wenn wir wegen dieser dummen: Geschichte unglücklich gemacht werden sollen, dann schonen wir auch andere nicht.“ „Darin liegt ein halbes Geständnis,“ bemerkte der Richter in ernstem Tone;„Ihr gebt also zu, bei diesem Diebstahl beteiligt gewesen zu sein?“ „Ich gebe nur zu, daß das Geld dem Gerber Winkel gehört," erwiderte der Verbrecher;„das ist alles. Den Mörder der alten Grunewald müssen sie anderswo suchen.“ „Können Sie mit voller Sicherheit behaupten, daß dieses Geld dasselbe ist, welches Ihnen gestohlen wurde?“ fragte der Gerichtsral, während er dem Gerber das Paketchen Banknoten hinschob.„Betrachten Sie es genau, ich wünsche eine bestimmte Antwort.“ Bertram Winkel strich, wie aus einem Traume erwachend, mit der Hand über seinen kurzgeschorenen Bart und atmete dabei tief und schwer auf FSGy AIIT. —— ** 1 5553 35 35 55 55 SS Ir 31 Te 37.2 „Ich erkenne die Banknoten wieder“ sagte er nach kurzer Prüfung;„es ist dusselbe Geld, das mir von dem Lederhändler gezahlt wurde.“ „Sie sind davon fest überzeugt?“ „Ja, ich bin es, Rath; namentlich die ausländischen Banknoten beseitigen jeden Zweifel. Ich erinnere mich noch, daß ich sie nicht annehmen wollte, weil mein Bankier sie nicht voll in Zahlung nimmt. Ich will meinem Sohn noch einmal in's Gewissen reden, vielleicht gelingt es. ihn zu einem Geständnis zu bewegen.“ Ter Richter nickte zustimmend und entließ den Zeugen. „Ich gebe Euch den guten Rat, legt ein offenes Geständnis ab,“ wandte er sich nun wieder zu dem Gesangenen, nachdem Bertram Winkel das Bureau verlassen hatte.„Ihr selb st kommt dabei am besten weg. Ihr wolltet auswandern. aber vorher Euch die Mittel verschafsen, um drüben sorglos leben zu können. Es ist durch Zeugen bewiesen, daß Ihr dem Ermordeten mehrfach gedroht habt; an jenem Abend mag das wieder geschehen sein— der alte Mann hat Eure Forderung zurückgewiesen, da seid Ihr über ihn hergefallen.“ „Wir sind nie in seinem Hause gewesen,“ erwiderte Schaller;„ich nicht, und mein Bruder auch nicht; wenn wir ihm einmal gedroht haben, so war das nur Scherz.“ „Leugnet Ihr auch, bei dem Grafen Krasinski einen Einbruch verübt zu haben?“ Ein verächtliches Lachen glitt über Schaller's Gesicht. „Hat der polnische Graf sich nun auch gemeldet?“ fragte er spöttisch.„So lange wir auf freien Füßen waren, hatte er nicht den Mut dazu.“ „Er hat keine direkte Anzeige gemacht— ich erfuhr's von anderer Seite— und er mußte es bestätigen. „Und wenn ich nun zugebe, daß wir in seinem Hause gewesen sind, geht daraus hervor, daß wir auch den alten Grunewald ermorvet haben müssen?" „Mit Eurem frechen Trotz werdet Ihr nicht durchkommen,“ sagte der Richter, indem er die Hand unter die Akten vor ihm auf dem Tische schob.„Kennt Ihr dieses Messer?“ Hermann Schaller hatte kaum einen flüchtigen Blick auf den Dolch geworfen, als er auch schon sichtbar verwirrt die Augen niederschlug; der Ausdruck seines plötzlich erbleichenden Gesichtes verriet deutlich, daß er das Messer erkannt hatte. „Nun?“, fragte der Gerichtsrat streng. „Wie kommen Sie zu dem Messer?" erwiderte der Gefangene. „Antwort auf meine Frage: erkennt Ihr das Messer als Euer Eigentum an?“ Hermann Schalle zögerte mit der Antwort. Sein sorschender Blick ruhte lauernd auf dem Antlitz des Richters. „Solcher Messer gibt's viele,“ sagte er nach einer Pause,„eins gleicht dem andern—“. „Weicht mir nicht aus.“ unterbrach ihn der Gerichtsrat warnend;„dieses Messer hat ein besonderes Kennzeichen, an dem einige Zeugen es bereits als Euer Eigentum erkannt haben. Muß ich Euch noch auf den Bruch hier in der Schale aufmerksam machen? Wie gesagt, einige Zeugen versichern, das Messer früher in Curer pand gesehen zu haben—“ „Das kann sein, aber in der letzten Zeit haben sie es nicht mehr gesehen, denn ich hab's schon lange verloren gehabt.“ „Mit dieser Ausrede kommt Ihr auch nicht durch,“ fuhr der Richter sort;„Ihr werdet natürlich wissen, wo die Mordwaffe gefunden worden ist, denn mit ihr habt Ihr den alten Grunewald ermordet.“ „Dahinaus wollen Sie?“ spottete Schaller, der vergeblich sich bemühte, seine Bestürzung zu verbergen.„Ich habe keinen Mord begangen.—“.. „Tann tat's Euer Bruder!“ „Auch er nicht, wahrhaftig nicht— ich schwör's bei allen Heiligen, daß wir unschuldig sind. Das Messer hab'ich verloren—“ „Wann?“ „Bei welcher Gelegenheit und wo?“ „Ich kann Ihnen das jetzt auch sagen, nachdem der polnische Graf die dumme Geschichte angezeigt hat. Mit diesem Messer wolte ich den Schreibtisch des Grafen erbrechen— ich ließ es dort liegen— am andern Morgen vermißte ich's.“ „Das klingt sehr unwahrscheinlich,“ sagte der Gerichtsrat kopfschüttelnd.„Wie sollte das Messer aus dem Hause des Grafen in die Hände des Mörders gekommen sein?“ „Das weiß ich nicht; vielleicht hat der perr es auf die Straße geworfen. Ich weiß nur, daß es auf seinem Schreibtisch lieben blieb; dessen erinnere ich mich ganz genau. Mein Bruder wird's bestätigen— ich hab' es ihm noch in derselben Nacht gesagt. Jetzt nachzuforschen, in wessen Hände cs nachher gekommen ist, das ist Ihre und nicht meine Sache.“ „Ich rate Euch noch einmal, legt ein offenes Geständnis ab,“ erwiderte der Richter, den durchdringenden Blick fest auf ihn heftend.„Die Beweise, die gegen Euch vorliegen, genügen, Euch zu überführen.“ „Ich sehe keine Beweise!“ fuhr Schaller auf.„Das Messer ist mein Eigentum— ja, aber ich hab's nicht zu einem Mord benutzt—“ „Daß es ein anderer benützt haben soll, ist kaum denkbar. Ebenso könnt Ihr nicht beweisen, daß Ihr jenen Abend an anderen Orten verbracht habt.“ „Wenn Sie diese Beweise suchen wollen, so werden sie auch gefunden werden,“ erwiderte Schaller trotzig. „Fragen Sic den polnischen Graf! Er mu ßüber das Messer Auskunft geben können, er oder sein Diener. Wenn einer von ihnen bestätigt, daß ich es in dem Hause liegen ließ, dann geht daraus wohl hervor, daß ich es nicht benutzt haben kann.“ Der Gerichtsrat verzichtete auf weitere Fragen und ließ den Verbrecher ins Gefängnis zurückführen. Einige Minuetn später trat der zweite Angeklagte ein. Otto Schaller war nicht so trotzig wie sein Bruder, aber auch er leugnete hartnäckig jede Schuld an der Mordtat. Bezüglich des gefundenen Geldes beharrte er dabei, daß Georg Winkel ihnen die Summe geschenkt habe, um ihnen die Auswanderung zu ermöglichen. Beim Anblick des mit Blut befleckten Messers wurde er bestürzt. Anfangs behaupiele er, es nicht zu kennen: er wollte nicht zugeben, es jemals im Besitze seines Bruders gesehen zu haben. Erst als er erfuhr, daß Hermann es als sein Eigenutm anerkannt hatte, bestätigte er, aber noch immer zögernd und zurückhaltend, diese Aussage. Er erinnerte sich jetzt auch, daß sein Bruder schon vor längerer Zeit das Messer verloren hatte. Eine weitere Auskunft aber wußte er nicht darüber zu geben. Haben Sie wirklich nicht die neidischen Blicke gesehen, mit denen Sie verfolgt wurden, so oft meine Tochter an Ihrer Seite erschien? Ich wußte in der Tat nicht, was Ihnen zu irgend einer Befürchtung Veranlassung geben könnte.“ „Und dennoch ist diese Veranlassung für mich vorhanden,“ erwiderte der Graf in bedauerndem Tone.„Sie haben Ihrem nun verurteilten Kassierer zu viele Freiheiten eingeräumt— Fräulein Adelaide kann sich über das Geschick dieses Mannes noch immer nicht beruhigen.“ Fortsetzung folgt. 3E Kindesmörderin. (Schluß. Die Zärtlichkeit dieser Mutter weckte in dem Herzen der Frau, die wegen Kindesmordes verurteilt worden war, das lang schlummernde Gefühl des mütterlichen Instinktes. Die Bretonin dachte daran, daß, wenn die Tinge nicht so gegangen wären, wie sie gegangen waren, ihr Kind jetzt in demselben Alter stünde, wie das kleine Mädchen. Bei diesem Gedanken und bei dem Klangder kindlichen Stimme dort nebenan, kam ein wehmütig süßes Gefühl über sie, und sie vergoß heiße, bittere Tränen. „Schlafe doch, schlaf““, sagte Fleuriotte drüben.„Und wenn du hübsch schläfst, dann führe ich dich morgen auch auf den Katharinenmarkt.“ „Nicht wahr, Mama, der Katharinentag ist das Fest der Kinder?“ „Ja, mein Kind.“ „Und ist es wahr, daß die heilige Katharina den Lindern Spielsachen bringt?“ „Ja, manchmal.“ „Warum bringt sie denn nie welche zu uns?“ „Weil.... weil wir zu weit weg wohnen und dann .:„ weil wir zu arm sind.“ „So bringt sie nur den reichen Kindern? Weshalb denn, Mama? Ich möchte doch auch Spielsachen haben.“ „Ja, ja, aber jetzt schlafe, und wenn du brav bist, wer weiß.. vielleicht bringt sie dir morgen auch etwas.“ Tiefe Stille. Tann tiefe, regelmäßige Atemzüge Beide, Mutter und Kind, waren eingeschlafen. Nur die Bretonin konnte kein Auge schließen. Eine gleichzeitg süße und schmerzliche Erregung hatte sich ihrer bemächtigt. Sie dachte mehr als je an ihr süßes Kind, das sie— erdrosselt hatte“ Fleuriotte und ihr Kind schliefen noch, als sich die Bretonin beim ersten Morgengrauen aus dem Häuschen schlich und den Weg nach Auberive zurück einschlug. Als sie bei den ersten Häusern angelangt, verlangsamte sie ihren Schritt. Ueber jedem Gewölbe las sie aufmerksam die Tafeln, bis sie gefunden hatte, was sie suchte. Es war ein Spielwarengeschäft. Sie pochte an die Fensterläden und ließ sich öffnen. Es waren armselige Spielsachen: Archen Noah's, Puppen aus papier machee, roh geschnitzte Herden und andere Kleinigkeiten. Zum großen Erstannen der Trödlerin kaufte die Bretonin von allem, zahlte es und ging. Schon schlug sie die Straße zur Hütte der Fleuriotte ein, als sich ihr eine schwere Hand auf die Schulter legte. Sie zuckte zusammen, wandte sich um und erblickte den Brigadier der Gensdarmen. Die Unglückliche hatte vergessen, daß es den freigelassenen Sträflingen verboten war, sich in der Umgebung der Hafenstadt aufzuhalten. „Anstatt hier herumzulungern, müßtet Ihr schon längst in Langres sein, wohin Euer Paß lautet. Jetzt macht fort und kommt mit.“ Umsonst versuchte sie zu erklären... Verlorene Müh'! Der Brigadier hatte bald einen Wagen aufgestöbert, das Weib wurde hineingesetzt, ein Gensdarm neben sie, und: „Hüh!“ fort ging's. Das Wägelchen rasselte über die festgefrorene Straße hin. Die arme Bretonin hielt ihren Pack Spielsachen krampfhaft fest. Bei einer Straßenbiegung erkannte sie den Pfad wieder, der sich vom Wege abzweigte und zur Hütte der Fleuriotte führte. Alles Blut strömte ihr zum Herzen, und da bat sie den Gendarm, er möge sie nur einen Augenblick aussteigen lassen. Sie habe bei der Fleuriotle, einer Frau, die dort wohne, etwas auszurichten. Sie bat ihn so dringend, mit Tränen in den Augen, daß der Gendarm, ein guter Kerl, sich erweichen —„„— 3 ließ. Er band das Pferd an einen Baum fest und begleitete seine Gefangene zu der Hütte. Vor der Tür spaltete Fleuriotte Holz. Als sie die Bretonin in Gendarmenbegleitung daherkommen sah, blieb sie mit offenem Munde schreckensstarr stehen. „Still,“ flüsterte ihr die Bretonin zu.„Schläft die Kleine noch?“. „Ja... aber...“ „Gut dann legt Ihr diese Spielsachen leise auf's Bett, und sagt ihr, die heilige Katharina sei da gewesen und habe sie ihr gebracht. Ich war nach Auberive zurückgekehrt, um sie zu kaufen: allein es scheint, es sei nicht erlaubt, da man mic nach Langres führt.“ „Heilige Mutter Gottes!“ rief die Fleuriotte aus. „Still.“ Die beiden Frauen näherten sich dem Bettchen. Immer von dem Gendarm begleitet, versteckte die Bretonin unter der Bettdecke die Puppen, die Schafe und Lämmer, die Arche Noah's, dann küßte sie das Kind auf eines seiner nackten Aermchen. Mit dem Aermel fuhr sie sich über die Augen, um eine Träne wegzuwischen, dann wandte sie sich um und sagte zu dem Gendarm:„Lassen Sie uns gehen:.. ich bin bereit!“ Die Waldhexe. Eine Traumgeschichte von Paul Bliß(Berlin). (Nachdruck verboten.) Eine ganz seltsame Geschichte habe ich kürzlich im Traume erlebt. Vor meinem Kamin steht ein großer Schirm, auf dem selten schöne Blumen und Figuren gemalt und gestickt sind, ganz eigenartige Gebilde, fantastisch, exotisch. wie aus dem Märchenland, sonderbar stilisiert, und in Farben=Abtönungen, die man nicht wieder vergessen kann, wenn man sie einmal genau angesehen hat. Ich habe dies Schmuckstück meines Zimmers besonders lieb gewonnen, denn stets, sobald die Dämmerung langsam herniedersinkt, rücke ich meinen Sessel vor den Kamin, lasse mich durch das milde dämmernde Licht in einsame Träume einlullen, blickte suchend und sehnend auf das märchenhaste Bild meines Kaminschicmes, und suchte zu erkennen, was der geniale Künstler mit diesem seltsamen Bilde„ hat sagen wollen. Aber nie habe ich es ganz ergründen können. Eine süße Schwermut liegt darin, und eine stille, gottergebene Tuldung, etwas Erhabenes, Heiliges, das allemal mich mächtig ergreift und mir die Seele durchrüttelt— ganz aber es ergründen habe ich nie gekonnt. Und nun ist es über mich gekommen wie eine Erleuchtung, ganz plötzlich. An einem stürmischen, finsteren Wintertage war es. Draußen war ein wildes SchneeUnwetter, sodaß es mir am warmen Kamin doppelt behaglich erschien. In der Etage unter mir spielte jemand Chopin— ganz leise nur, verschwommen fast, drangen mir die Töne ins Ohr— und da bekam das Bild von mir Leben und ich träumte mich hinein in die Phantasie des Künstlers, der es einstmals schuf.——— Es war einmal im sonnigen Süden eine mächtige Fürstin, sie war milde und gut, und jedermann liebte sie um ihrer selbst willen, ihr Reichtum war unermeßlich, sie selbst aber machte nur wenig Gebrauch davon, denn sie war anspruchslos und bescheiden, und endlich war ihr Sinn für Wohltätigkeit: wo immer sie auch einen Armen und Leidenden sah, da brachte sie ihm Hülfe und Linderung mit milden Händen und mit lieben, herzigen Worten. Darum liebte und anbetete alle Welt sie, und sobald sie sich irgendwo zeigte, brach man in Jubel und Huldigung aus, sang laut ihr Lob und Preis und streute duftende Blumen über ihren Weg hin.