8 8 5 3 65 S. 22: S 2 S• 3 9 2 Madaudaadgaaumt 35 78 Ein Zeppeiin-Angriff auf Lendon. Nach einer Originalzeudnung von J. Gader. Beim Einkauf in Frankreich. Originalzeichnung von Fritz von der Venne. Obiges Bild zeigt uns wieder ganz deutlich, daß die Behauptungen, unsere Feldgrauen plündern in Feindesland, weiter nichts als Verleumdungen sind, darauf berechnet, Deutschland bei den neutralen Staaten der Verletzung des Völkerrechts zu bezichtigen. Die letzten neuesten Nachrichten werden in Volendam (holland) eifrig studiert. Sämtliche Rebildungen und von der zuständigen Stelle zur Veressentlichung zugelassen. Herausgegeben von John Schwerins Verlag, Aktien=Gesellschaft(Ernst Andien), Berlin O 27, Hohzmarksstrasse 4. *: cheud jemie sede Nachbildung ißt verbeien Berantwertlich für den ge amten Inhalt: Leuts Darnstädt, Berlin=Copenick. Druck: Meißiner. Ruchter& Co., G. m. d H., Berlin O 27, Holmmerktstraßse a 8 *# Sg * S Taes Pgns 5: *— ∆ 1• Fong BGSE: :.80— S G S S.STag. S SEg. s 8 = S„ 8 SSggs Pku X 9 S..8 S S S S 16 8. K• 5 * * * 8 9 n #00 s BS#nen S. 6 5Se„** 9 8; *2 = 9.* S 3 32 ## 33 S Ais S SSapgg Ke chEs 5s S SSTgg • 2 F SS 4. ** * Nr. 29 Jahegang 1913 Wochen=Beilage Zeitbilder der Wochen=Beilage Zeitbilder Audenddeiger Grau und Vertagsanstatt Dus neur Svioulenheim in Songeren(Beiglen. Hier gibt es auch deutsches Bier für unsere Feldgrauen. Deutscher Sommer 19/5. Noch nie war Deutschlands Sommer so schön, Nie schmückte sich lieblicher Natur, Nie klang über also blühende Flur Der Heimatglocken Getön. Nie standen die Hütten so traut, Nie glänzten so stolz über'm silbernen Strom Die Kaiserpfalz und der ragende Dom. Dran hundert Ahnen gebaut. Nie waren Mutterhände so weich, Nie Vateraugen so treu und klug, Und nie das Herz uns so stürmisch schlug. Denn nie war die Liebe so reich. Als in diesem Jahr der schweren Gefahr, Da überallher Verderben uns droht. Aus tausend Schlünden geifert der Tod.— Wir danken dir, heiliges Jahr! Weil du also maltest der Heimat Bild, Daß wir erschauern in Weh und Lust Und fühlen's in tiefinnerster Brust, Wofür es zu sterben gilt. Der Marquis von Pombal. Geschichtlicher Roman aus Alt=Portugal von Oskar Kresse.(3. Fortsetzun nd mit seiner gewaltigen Kraft brach sich Carvalho Bahn, rechts und links die Katzenmusikanten, die nicht schnell wichen, niederschlagend.— Der hagere Aveiro hielt es fürs geratenste, einem solchen Feinde gegenüber, bevor er erankam, die vortrefflich langen Beine zu verwenden; in gigantischen Sätzen verließ er den Schauplatz. Die Grafen von Arcos folgten seinem Beispiele, wenn auch weniger schleunig, indem sie ihre Gefährten noch immer anfenerten. Da ergriff Carvalho einen machtigen Stein, und in wilden Sprüngen vorwärts drängend, schwang er drohend das teichöck. „Jetzt werfe ich!“ hohnte er wieder so laut, daß es die Häuser zurückgaben. In rasendem Galopp eilten die Gegner sinnlos vor Furcht von dannen. „Hahaha“, lachte ihnen Carvalho nach. und als ob er seine ungeheure Kraft zeigen wollte, schleuderte er den Stein zu Boden, daß seine Stücke pfeifend mit Feuerfunten vermischt umhersprangen. „Wo bist du. Manoel?" fragte er. „Da, wo ich etwas zu tun habe“, rief dieser,„bei dir war ich überflüssig. Dem Tavora scheint vom Luftdruck das Trommelfell geborsten zu sein, er hört nicht mehr.“— „Heda, du Walfisch in Menschengestalt, einen Eimer Was ser!" donnerte er John zu, der furchtsam vor sich herleuchtend in der Haustür erschien. „Laß diese liegen, da drinnen haben wir mehr zu tun“ sagte Sebasian. Im Hausflur trafen sie den alten Joyn. Francisco. der noch zu schlafen schien, und den Ladenbuben, welcher ein Gefäß mit Wasser trug. „Du schüttest jedem, der draußen liegt, ein gut Teil Wasser über den Kopf“, sagte Manoel zu diesem, und die dann noch nicht aufstehen und davon gehen können, bringt ihr herein.“ „Da im Zimmer muß jemand liegen, wenigstens hörte ich einige unterdrückte Seufzer vorhin, als ich im Fenster stand", sprach Carvalho. Sie betraten den Empfangsraum.— Welch ein Anblick! Therese war zu Boden geglitten, ihr schönes Haupt ruhte auf dem Stuhle. Unter dem schweren, glänzenden Haar quoll Blut hervor, das langsam über die bleichen Wangen an dem Trauer kleide niederfloß und unten eine kleine Lache bildete. „Das ist ein Weib!“ rief Sebastian und biß sich auf die Lippen, als hätte er zuviel gesagt. „Hier, zeig' deine Kunst, Manoel“, drängte er. „Willst du wissen, wer sie ist?“ fragte dieser, sich über die Bewußtlose beugend. „Ich will wissen, ob sie lebt!“ entgegnete Sebastian heftig. Erstannt betrachtete Cunha den Freund. „Sieh! Sieh!“ murmelte er. „Hole Wasser!“ sagte er dann laut. „Hier ist es schon“, sprach der alte Brito, der langsam hereintrat. Carvalho nahm ihm das Gefäß aus der Hand und sah mit Spannung dem Freunde zu, welcher der schönen Verwundeten das Blut wegwusch und sie zu erwecken suchte. „Ich wollte eben hinaus“, sagte der Greis,„um meinen Rettern zu danken, als ich hier stöhnen hörte und diese Dame liegen fand.“ Endlich schlug die junge Witwe die Augen auf.„Meinen Wagen, bitte, pfeifen Sie“, sagte sie zu Manoel und reichte ihm ein kleines silbernes Instrument. Dieser trat ans Fenster und erfüllte ihren Wunsch. „Ich bin Arzt, darf ich Sie begleiten?“ fragte er. „Nein“, entgegnete sie und stand schnell und energisch auf. Dann versenkten sich ihre Blicke in Carvalhos dunkle Augen. welcher nachlässig am Tische lehnte. Langsam schritt sie auf ihn zu, und gab ihm die Hand und sagte: „Sie haben mich gerettet!" Er drückte einen Kuß auf die dargereichte Rechte und slusterte:„Dars ich Sie wiedersehen?“ hoch und verschwand eiligen Schrittes hinter der nächsten Wegbiegung. * * Blutübergossen und bebend stand Ursula v. Schmeling Otto Karstens gegenüber. „Sie hier— Otto Karstens?" brachte sie mühsam hervor. „Hat— habe— habe ich sehr laut gesprochen?“ „Gerade laut für mich, Ursula, Liebling—“, sagte Otto Karstens und umschlang mit seinem gesunden Arm Ursulas Hüfte, sein Gesicht auf ihre schreckerblaßten Wangen herabneigend.— „Ist dies mein Geschenk des Krieges?“ Und er küßte ihren Mund. Heiteres in ernster Zeit Die luremburgische Gefahr. Eine heitere Erinnerung gibt ein Leser der„Tägl. Rundschau" zum besten: Beim Durch marsch durch das schone lugemburgische Land erreichten wir nich anstrengendem Marsch turz vor der belgischen Grenze ein kleines Dörschen. Der freundliche Pfarrer des Dorfes lud einige Offiziere zu sich zu Tisch und gab, so gut und viel ihm möglich war. Dantbar wurde seine Gastfreundschaft angenommen. Das Tisch gespräch drehte sich natürlich um den Krieg und Luremburg. Da sagte der Pfarrer: Meine Herren, Sie können doch an nicht dankbar genug sein, daß nicht auch Luremburg sich auf die Seite Ihrer Feinde gestellt hat.“ Lächelud sahen wir ihn an. „Ja, meine Herren, es lätte denn doch schlimm um Deutschland gestanden. Luremburg hätte 200 Sol daten an der Grenze aufmarschieren lassen, und die ganze deutsche Armee hätte sich totgelacht!“ Die gefährliche Zone. Neun Monate stund der Landsturmkanonier Sunleitner gegzen Schrapnelle und Granaten gefeit im Felde, da traf ihn endlich ein Juli läumsschuß ins Bein.„Sunleitner," sagte der Regimentsarzt,„nun kommst du zu deinem Weid heim in acht Tagen, du Glücklicher.“ Und„Auweh!“ sagte der Sunleitner drauf,„dreiviertel Jahr' hab i jetzt a Ruh g'habt, und nun gebts wieder los.„Die Mustete." Kleiner Irrtum. Reservist Friedrich Wilhelm Bosch aus Frankfurt a. O. hat das Pech, gleich in seinem ersten Gefecht in französische Gefangenschaft zu geraten. Die Franzosen in den Ortschaften, durch die ei später transportiert wird, beschimp ten die Gefangenen, und immer wieder ertönt es:„Boche! Boche!“—„Merknürdig,“ murmelt Reservist Bosch,„wober die Franzosen bloß alle meinen Namen tennen!"(„Meggend. Blätter.“) Im Schützengraben. Studiosus Spund „Wenn mich der Franzose drüben noc lange firiert, steige ich dem Kerl wahrhaf tig noch auf die Bude.“ Ein Irrtum. Eine französische Bürgersfrau erzählt einer Freundin, daß jetzt in ihrem Hause alles so ordentlich und sauber sei wie nie zuvor. Diese gratuliert ihr, daß sie endlich ein so tüchtiges Dienst= und Stuvenmädchen erwischt habe. Dienstund Stubenmädchen? Nou, non! bewilligen zu wollen, dürfte, seinen im Gegenmaßregel. Großfürst Nikolai:„Verflucht, jezt ist meine schöne Front eingedrückt! Wie drücke ich das nun in Petrograd aus?"(„Meggendorfer Blätter". Das Gesuch wegen Meier. Aus dem Felde wird der„Frankf. Ztg.“ in Abschrift folgendes drollige Schriftstück zur Veröffen:lichung übermittelt: „Gesuch des Wehrmanns und Krantentragers Meier. Hochverehrter Herr Sanitätsstabsarzt! Ich bitte, meinen Mann, dem Krankenpfleger Meier einen nach Zeit, Ort und sonstigen Umständen zu bemessenden Urlaub indem derselbe die Verpflichtung haben Januar geborenen Sohn zu besichtigen und nunmehr auch für die weitere Fruchtbar keit Sorge zu tragen hätte in dieser Zeit, wo so viele Menschenleben untergehn. Ich bitte den Urlaub ganz nach den Umständen zu bemessen. In Ergebung Hildegard Meier. Der Chefarzt an die Division: Der Division befürwortend vorgelegt. Meier ist ein fleißiger und braver Arbeiter. Von der Division zurück mit dem kernert.„ Meier erhält 14 Tage urlaub. Der Erfolg ist später nach hier zu melden." Großfürstenschreck. Der Großfurn ging aufgeregt in seinem Palast umher.„Nach Riga dürfen die Deutschen auf keinen Fall kommen!" rief er ein übers andere Mal. „Nach Riga dürfen die Deutschen auf keinen Fall kommen! Das wäre mein Unglück! Das würde ich nicht überleben!"—„Ader warum denn?“" versuchte sein Setretär ihn beruhigen,„wir sind doch hier in stersburg weit genug vom Schuß!?"— „Eben darum!" entgegnete der Großfürst, „in Riga wohnen zwei alte Tauten von mir! Und wenn die Deutschen bis Riga tommen, reisen die zwei alten Tauten zu mir hierher!"„Lustige Blätter“.) Der Armechausierer Herzog von Orleans. In Frankreich wollen sie mich nicht, in England auch nicht. Rußland lentt ab, was mach ich? Halt! Ich werd' Feldmarschall bei Ritiia! Angewandtes Sprichwort. Engländer:„Sollen wir denn Z1 * Allerlei Kurzweil 10 Pld engongng Kombinations- und Ergänzungs=Aufgabe. a bi gal lu man men nep uns vor rei som ti. Aus je zwei der ovigen Silben sollen durch Hinzufügung eines gemeinsamen Mittellautes sechs dreisilbige Worte von folgender Bedeutung gebildet werden: 1. eine Stadt in Italien, 2. einen Gott, einen teerartigen Stoff. 4. ein euro räisches Reich, 5. einen russischen Feld marscharll. 6. den Urgroßvater Parsifals Wörterbildung. an ha er er gen la lau li li ri ri ri sio tau the ton vo. Aus je drei der obigen Silben sind sechs Wörter zu bilden, welche folgend.s bezeichnen: 1. eine Stadt auf Sizilien, 2. einen indogermanischen Volksstamm, 3. eine Stimme, 4. eine Stadt in Bayern. 5. eine italienische Tragödin, 6. eine Muse. — Sind die richtigen Wörter gefunden, so nennen deren Anfangsbuchstaben einen König von Sachsen. Buchstabenrätsel. Die Glieder haben's, Doch fehlt es dem Kopf; Im Teller siehst duss. Doch nicht im Topf: Stets hat es der Donner, Doch niemals der Blitz: Was dem Krösus mangelt. Der Bettler besitzt. Homonum. Im Winter wirft; manch kleiner Tropf Dem Spielgefährten an den Kopf. In anderm Sinn blüht es nun wieder Als bolder Zeitgenoss' von Flieder. Auflösungen aus voriger Nummer: Verwandlungs=Aufgabe: Ulm, Natter. Rose, Elle, Calais, Heve. Tasche, Guben, Ur. Traum. Gang, Elz. Tach, Egel. Irahn, Hacke, Tand, Nevel, Idria. Cosel. Hund, Tuben; Zitatenrätsel: Es irrt der Mensch, so lang er streb:; Homonym: Blume; Logogriph: Liede, Hiebe. Diebe: Palindrom. Regen, Neger. Das Geschenk des Kriegers. Aovellette von (J s war etwa acht Tage später. Greie Maß stürzte an dem Dienstmädchen vorbei. „Ist Fraulein v. Schmeling zu Hause?“ „Jawohl", sagte Minna und wich ängstlich aus, denn sie trug ein Brett mit Geschirr. „Dars ich herein. Fräulein Ursula?“ „Bitte schön—“ Ursula legte ihre Modellierhölzer fort und erhob sich, um die Schürze abzubinden. „Reichlich überflussige Beschäftigung jetzt, nicht wahr?" lachte sie ein bischen bitter, der Hausgenossin entgegen „Nun, was bringen Sie? Sie sehen ja ganz aufgeregt aus?“ „Ich traf eben“.— Grete Maß setzte sich auf Urjulas Bettsofa—. Lotte Karstens". Sie machte eine Kunstpause und sah Ursula prüfend an. „Ach!“ sagte die und hantierte an ihren Modelliersachen herum. „Ja. denken Sie, das arme Fräulein Karstens war ganz aufgeregt. Der Bruder hat solch Pech gehabt Denken Sie bloß. In Rußland ist ihm die Hand erfroren. Jetzt liegt er im Lazarett in Königsberg. Sie haben sie ihm amputieren müssen. „Welche? Rechts oder links?“ fragte Ursula mit merkwürdig trockener Stimme. „Die linke— aber das ist auch noch schrecklich genug. Fräulein Karstens zitterte auch noch am ganzen Körper. Gestern hat er's ihnen erst geschrieben. Er ist nun wieder auf und wird wohl in den nächsten Tagen nach Hause kommen. Armer Kerl!— Sie kannten die Familie ja auch. nicht wahr? Haben Sie nicht eine Zeitlang dort verkehr:? Warum sind Sie eigentlich nie mehr dort?“ sprudelte Greie Maß ausgeregt hervor. „Aber wie schauen Sie denn aus? Ganz grün und gelb! Kommen Sie, da ist ein Glas Wasser! Aber Kind, jetzt im Kriege müssen Sie sich Nerven angewöhnen!“ schalt sie. Es war mittags gegen halb zwei, als Uiriula v. Schme ling, sich etwas unbehaglich umsehend aus der Tür trat, die zu den Räumlichkeiten des für die Künstler eingerichteten Mittagstisches führte. Rasch überquerte sie den Damm— und stand plötzlich wie gebannt still. Ihr entgegen kam Lotte Karstens. Ein Ausweichen war ja nicht mehr möglich. Auch hatte Lotte Kar stens bemerkt, woher Ursula kam.— Und— Ursula stockte der Herzschlag— neben Lotte schritt der Bruder, den linken Arm in einer schwarzen Binde, die verriet, daß er zum Krüppel geworden war.— Bei diesem Anblick vergaß Urfulg ihr törichtes Schamgefühl. Alles in ihr ging unter in dem einen überwältigenden Empfinden heißen Mitleids mit dem Manne, dem nun doch einmal ihr ganzes Herz gehörte. — Sie stand still. „Guten Tag“, sagte sie leise, fast demütig. „Fräulein v. Schmeling? Sieht man Sie auch einmal wieder?“ sagte Lotte Karstens höflich=freundlich. „Guten Tag!“ Otto Karstens streckte Ursula die gesunde Rechte entgegen. Ich habe bereits gehört. Herr Karstens— es tut mir so leid—“ stammelte sie blutübergossen. Gewiß, es ist nicht leicht, für meinen Bruder, sich in sein Geschick zu finden“, siel die Schwester schnell und tapfer ein.„Aber dennoch kann er zufrieden sein, denn tausenden geht es noch viel schlimmer, und wir sind froh, daß wir ihn M. Carolus. Schluß.) wieder hier haben". Lotte Karstens ließ deutlich merken. daß man ihren Bruder nicht bedauern solle. Ein sehr verständiges Prinzip, dachte Ursula.— Und doch tat ihr der Mann vor ihr unendlich leid. Scheu sah sie ihm in die Augen. Rasch glitt sein dunkler Blick von ihr fort. — So blaß und mager war er geworden.— Eine liese Beschämung fühlte sie in sich aufsteigen.— Man wechselte noch ein paar Worte und trennte sich dann. Durch den winterlichen Park schritten zwei junge Damen. „Es ist wirklich sehr lieb von Ihnen, daß Sie so teilnehmen an allem. Es tat mir so wohl, daß ich wenigstens einen Menschen hatte, dem gegenüber ich mich aussprechen konnte", sagte Ursula v. Schmelt#g leise. Grete Maß drückte ihre Hand. „Aber das ist doch selbstverständlich. Wenn man so Tür an Tür wohnt. Und ich konnte es nachts einfach nicht mehr mitanhören, wie Sie in ihr Kopftissen weinten— „Ja, das Weinen war auch sehr überflüssig— denn es ändert nichts— aber manichmal ist's eben aus mit der Selbstbeherrschung—“ Die beiden Damen blieben vor einem Teiche stehen und schauten auf die leicht überfrorene Fläche. Sie bemerkten nicht den Mann in feldgrauer Uniform, der— den linken Arm in der Binde— langsam des Weges daherkam. Jetzt hatte er sie fast erreicht, so daß er jedes Wort, das gesprochen wurde, deutlich vernahm. „Andererseits ist es für Sie— wenn ich einmal ganz offen sein darf— doch nun ganz gut so, daß Sie sich damals nicht gebunden haben, wenn Sie vielleicht auch Ihre Ablehnung in eine etwas weniger schroffe Form hätten kleiden sollen—“ „Wieso?“ fragte Ursula, das blasse Gesicht mit den dun keln Schatten unter den Augen hebend. „Nun. Sie als Künstlerin mit Ihrem stark entwickelten Schönheitssinn, was sollten Sie wohl jetzt mit einem verkrüppelten Manne?" Der verwundete Mann hinter den beiden Frauen stand still und stützte sich schwer auf seinen Stock. Was ich anfangen sollte mit ihm? Ach Grete, da verkennen Sie mich ganz und gar! Liebhaben würde ich ihn — pflegen und ihm helfen, sein Geschick leichter zu tragen. Wie kalt, wie herzlos war ich damals! Das sehe ich jetzt erst ein! Das ist das einzige Gute, das Geschenk des Krieges, das es den inneren Menschen in uns besser und tiefer macht!“ rief Ursula. „O, wenn er jetzt käme und mich fragte, ich würde der glücklichste Mensch auf der Erde sein, wenn ich ihm dann antworten könnte: Jawohl, ich habe Dich lieb und will bei Dir bleiben, habe Dich immer lieb gehabt—— aber das dürfte ich jetzt auch nicht einmal tun.“ „Und warum denn nicht?" fragte Grete Maß betroffen. „Nun, nun— weil— er könnte doch denten, ich täte es vielleicht aus anderen Motiven. Er und seine Schwester sahen mich neulich, wie ich aus dem„Kümnnstlermittagstisch“ herauskam. Nein, nein, nie! Eher bisse ich mir die Zungab. ehe ich ihm jetzt auch nur ein Wort sagte, so furchtbar gern ich es auch täte— denn er könnte ja denken, ich sagte es aus Berechnung.“— Die Antwort, die Grete Maß sich jäh ummendend gab, war ein entsetzter kleiner Schrei. Dann raffte sie ihr Kleid Stet uuee Leise mit dem Kopfe nickend verließ Therese das Gemach. Bald darauf hörte man draußen den Wagen davonfahren. „Wen willst du wiedersehen?" fragte Manoel. „Sie“, sagte Carvalho, in Gedanken versunken. „Therese von Noranho Almada!“ „Ha, jetzt kenne ich sie!“ Herr John trat mit seinen beiden Helfern ins Zimmer. „Sie sind alle von ihren Freunden und Angehörigen geholt worden, es liegt keiner mehr draußen“, sagte er.— „Haben Sie einen Kahn hier?" fragte Carvalho. „Jawohl, auch einen Fährmann“, entgegnete der Fischer. „Wir fahren jetzt eine Meile flußabwärts“ wendete sich Sebastian an Brito,„dort finden wir meinen Wagen. Du, Manoel, bleibst hier, bald siehst du mich wieder.“ „Auch ich will nicht vom Platze weichen“, sagte der alte Lehrer ernst. „Hoho, wissen Sie noch nicht, alter Herr. daß nun die Meuchelmörder kommen? In längstens drei Tagen sind Sie tot, wenn Sie hier bleiben. Ich kenne die Herren aus diesen Kreisen!" entgegnete Sebastian. „Trotzdem, ich möchte ausharren“, sagte der Greis fest. Carvalho zog finster die Augenbrauen zusammen:„Sie werden mit Gewalt mitgeführt, wenn Sie nicht freiwillig kommen.“ „Dann muß ich mich wohl fügen“, sprach der alte Professor, erschrocken vor dieser, keinen Widerspruch duldenden Bestimmtheit seines Retters. Nicht lange darauf fuhren die beiden Männer unter der Führung des flußkundigen Francisco den umnachteten Mondego hinab.— „Eine lustige Geschichte das“ murmelte Cunha vor sich hin, als er durch Coimbras Straßen seiner Wohnung zuschritt. „Die Noranha liebt den Sebastian, und leider. Carvalho liebt Therese: fast wäre ich eifersüchtig geworden, bis jetzt war nur ich ihm teuer.“ „Das wird eine mit Dolchstichen gespickte Ehe“ monologisierte er weiter,„denn daß Carvalho die Witwe heiratet. ist so gewiß, wie die Gewißheit selbst. Daß aber auch der gesamte hohe Adel bis hinauf zum Könige sich über diese Mesalliance entsetzlich alterieren wird, ist nicht zu bezweifeln.— Wir wollen sie an der Nase herumführen", und leise lachte er vor sich hin. „Wer lustig die Welt beim Schopfe packt, Wer fröhlich durchs Dasein springt, Dem schlagen Cheruben mit Cymbeln den Takt. Wenn ihn Apollo besingt", summte er. und verschwand in seiner Wohnung, einem kleinen Landhause am östlichen Ende der Stadt. 3. Kapitel. Ausnehmend zeitig hatte sich in diesem Jahre der portugiesische Winter eingestellt. Schon im Anfang November gab es in den südlichen Teilen des Landes heftige Gewitter, welche häufig in andauernden Regen übergingen. Die nördlichen Gegenden waren sogar schon von einem Schneefalle heimgesucht worden, welchen kalte Stürme begleiteten. Über Coimbra hingen dunkle Wolkenschichten, die fortwährend einen seinen sprühenden Regen entsandten. Nicht weit südöstlich von der Stadt auf einem Hügel, dessen Fuß der Mondego umspülte, lag ein reizendes Landhaus, umgeben von zierlichen Gartenanlagen, bei sich die ganze terrassierte Anhöhe hinab bis zum Flusse erstreckten und infolge des Winters einen dunkelgrünen Schmuck angelegt hatten. In diesen Strichen Portugals vermag nicht etwa der Winter, sondern nur der heißeste Sommer von Ende Juli bis Anfang September die Flora zum Welken zu bringen. Zwei Maultiere stiegen mit langsamen, aber um so sicheren Schritten den gewundenen, feuchten Fahrweg zum Gipfel des Berges empor. Ihre Reiter kümmerten sich nicht im geringsten um die Gangart oder Führung der Tiere: diese liefen gemächlich, wie es ihnen behagte, und vermieden vorsichtig Gleise und Löcher des Weges. „Aveiro wußte das gewiß, Diego?“ fragte der kleine dürre Reiter des rechten Maultieres den nur wenig größeren aber wohlbeleibten Nachbar. „Der Mann hat so viele Spione und Weltverbesserer in seinen Diensten, daß ihm nichts entgeht. Was er durch die ersten als für ihn verderblich ausgekundschaftet hat, läßt er durch die letzteren in das Jenseits befördern. „Ich kenne zum Beispiel einen Fall“, und leise lachte der Jüngling vor sich.„Wegen eines schönen Mädchens, namens Margarida, ließ er deren Eltern und dessen Brüder umbringen, weil er diese fürchtete. Die Sache war so eingefädelt, als ob Räuber einen Überfall ausgeführt hätten. übrigens kennst du ja unsere Polizei— wir Granden von Portugals sind entweder ihre Lenker oder doch immer für sie unerreichbar.“ Bei den letzten Worten richtete er sich stolz auf seinem Tiere in die Höhe. „Wir müßten unsere Schwester mit einem so einflußreichen Manne verheiraten“, sagte der erste.„späterhin, wenn wir die Universität hinter uns haben, wird dieser Herzog von Aveiro dem Könige sehr nahe stehen, und es wäre von großem Vorteil, wenn wir, die Grafen von Arcos, die Schwager eines Herzogs sein würden.“ „Der Plan ist gut. Piedro“, entgegnete Diego,„der Herzog von Aveiro scheint Neigung für unsere Schwester oder doch wenigstens für ihr Geld zu empfinden. Ich urteile nach hingeworfenen Außerungen des Herzogs.“ „Wir aber müssen für diesen Fall Therese überreden. unserer Familie die Hälfte ihres Vermögens auszusetzen, denn offen gestanden, ist mir das lieber noch als Aveiros Verwandtschaft.“ „Du hast recht, wir wollen, wenn wir hinaufkommen. mit der Schwester darüber sprechen.— Laß uns jetzt wieder an die Sache gegen Carvalho und den alten Brito denken. beide befinden sich also aus dem Schlosse Soure?“ Dort ist ihnen schwer beizukommen, da eine ganz regelrechte Nachtwache eingerichtet ist und alle Bewohner gute Schußwaffen bei der Hand haben. übrigens weniger als drei von Aveiros Schar wagen es nicht, er mag noch so viel bieten, den Carvalho anzugreifen, wenn dieser sich auch ganz allein irgendwo befände.“ „Aus demn iht sich wohl mit Gewißheit schließen“, sagte Piedro nachdenklich,„daß dieser Mann gar nicht auf dem Schlosse ist, denn soweit ich ihn von früher her kenne, besitzt er ein Selbstvertrauen, daß ihn die törichtsten Dinge von der Welt tun läßt. Wenn er weiß, und beim Teufel er weiß es, daß er von Meuchelmördern verfolgt wird, so hält er Tor und Tür offen, nur um diesen Leuten die Arbeit möglichst zu erleichtern.— Einmal, als er noch studierte, hatte er dem Grafen von Noranha Almada, unserm verstorbenen Schwager, ein Mädchen, die schöne Matildes, abwendig gemacht. Noranha war in ihre Wohnung gedrungen, als sie sich allein darinnen befand. Sie hatte um Hilfe gerufen. Carvalho, der gerade vorübergehen mochte, schlug die Fenster ein und stand im Zimmer. „Wünschten Sie diesen Herrn zu sprechen?" fragte er Matildes, und als diese lebhaft verneinte, sagte er: „Bitten Sie ihn doch. Sie zu verlassen.“ Unser Schwager protestierte natürlich sehr hitzig dagegen. „Dann werden wir sie verlassen“, sprach Carvalho zu ihm, bot Matildes den Arm und ging mit ihr, dem Noranha spöttisch zulächelnd, aus dem Hause.(Fortsetzung folgt.) Katholische Kapelle mit anschließender Wohnung für den Geistlichen und Nießglocke. Zwei Kaiser ale Paten. (Zu untenstehend. Vilde.) Nach einer Meldung wurde den in der Stadt Cilli am Tage der Mobi lisierung geborenen Zwil lingstnaben Werner Franz Joseph und Kurt Wilhelm des Haupt manns Karl Reuß„in allerhöchster Würdigung des vor dem Feinde ver wundeten Kindesvaters" die„Auszeichnung zuteil, daß Kaiser Franz Joseph die Patenschaft des einen und Kaiser Wilhelm des anderen übernahm. Die Kinder wurden in der Kirche zu Cilli getauft und bei der Tause von der Mutter in die dent schen und österreichischen Landesfarben gekleidet. Ein Unterstand hinter der Front des östlichen Kriegsschauplatzes. Alle Möbel, auch der vorzüglich sunktionierende Herd, sind von unseren Soldaten angefertigt. Man kann an diesem Beispiel sehen:„In der Not geht alles!“ Tischler, Töpfer, Köche, Künstler, alles sind unsere tapferen Vaterlandsverteidiger in einer Person. — Ein engl. Werbeschild. untenstehend. Bilde.) In den englischen Städ ten ist man auf eine eigenurtige Idec gerom men, Soldaten anzuwer ben. An einer Wand Landungsversuche auf Gallipoli. Eine französische Kanone wird auf einer Fähre durch ein Dampfboot an Land geschleppt. schrift „Wenn dir der Anzug pußt, so trage ihn.“ Lt# diese Verlockung viel Erfolg haben wird, ist zwei frihaft, doch kann man daraus ersehen, auf wei che Retlametricks die Engländer schon verfal len müssen, um überhaupt Freiwillige für ihr Heer zu bekommen, das auf 2 Miltionen gebracht werden soll. Ein authentisches Bild vom Kriegsschaupiatz in Galizien: Reparatur einer zerstörten Brücke mittels autogenem Verfahren durch deutsche und österreichische Truppen. General von Blüskow.(Zu nebensiehendem Bilde. Ertclene## von Plüskow ist der größte Offizier der deutschen 1.# ans wai früher Flügeladjutant des Kaisers. — General von Plüskow, der Führer eines deutschen Armeekorps mit seinem Stabe. S S S5pe TSSEES SaS Hasbauß entanas 28an S S H°HSEE * So EEE EE E UBEE BURRRIEE S5SES SUSES SAER“• GT EDEUAESEESE FPEE — * 95 279 * 8 S e 8 8 S#gr -S SSAEES K Der Hund in der französischen Armee. Die Kranken-Transvortwagen werden von Hunden gezogen. Unsere Feldgrauen beim Frühstück. Ein englisches Werbebild. Zwei kaiser als Paten. Weibliche Kriegsberufe. Weiblicher Straßenreiniger bei der Tätigkeit in Straßen Charlottenburgs.