Donnerstag. 15. Jannar Diese Zeitung erscheint tägl.(4Uch Sonntagl Bezugspreis durch die Beten srei naue halbmonatlich 1.20, Anzeigen 1 mm Höhe in der 28 mm breiten Spalte 0.10. für auswärts 0.12, Reklamen 0.40. für auswärts 0.30 R.=M. Stellengesuche 25%— Die am Kopfe der Zeitung bekannigegebenen Zeilenpreise sind für Inserenten und Verlag rechtsverdindlich. Dei zwangsweiser Bettreibung oder Konkursverfahren ist der bewilligte Radatt hinfällig. Druck u. Verlag Duersche Druckerei omde. G.=Duer Buersche Nr. 15/ 50. Jo. 1931 General=Anzeiger für das Emscher=Lippeland Amtliches Kreisblatt für den Siadtkreis Gelsenkirchen Amtsblatt für das Amt Westerholt und die Gemeinde Dolsum Geschättestellen Buer de la Cdevallertestraße 27, Fernruf G.=Buer S.=A Sammel=Nr 30141: Gels. Klosterstraße 13: Horsl=G., Essener Str. 14. Drahtanschrift: Zeitung Duerwestkalen. Dostscheck.=K. Köln 20179. Bank=Konto: Commerz= und Orivat=Beik A.=G. Buer. Jür das Erschmen der Anzeigen an bestimmten Tagen und Dittzen wird Teine(Verrähr übernommen. Ankolt: Unberbür ung in Hödvon 280 R.=1.— dei tbdlichen Ve.ranunasblatt des Amtsgerichts Gelsenkirchen=Bucr der Versicherungs=Bedingungen. Run ine Milliarde Fehlbetrag Große Rede Dr. Diettichs vor dem Haushaltsausschuß des Reichstages über das Jahr 1930 Ein Steueraustall von rund 980 Millionen: Neue Gefahrenquellen für den Reichshaushalt „Gemäßigter Optimismus“ Dietrichs politische Leitlinie # Berlin, 15. Januar.(Drahtd.) Im Haushaltsausschuß des Reichstages begann gestern die Elatsberatung. Reichsfinanzminister Dr. Dietrich leitete diese mit einer großen Rede ein, in der er darauf hinwies, daß er in seiner Etatsrede am 3. Dezember den voraussichtlichen Fehlbetrag des laufenden Haushaltsjahres auf rund 900 Millionen beziffert habe. Dieser Fehlbetrag setzt sich aus 300 Millionen Mehrausgaben und 600 Millionen Einnahmeausfällen zusammen. Die Mehrausgaben entstanden bei der Arbeitslosenversicherung, bei der 200 Millionen, und bei der Krisenfürsorge, bei der 100 Millionen über den Etatsansatz hinaus gebraucht werden. Es kann jetzt mit ziemlicher Sicherheit gesagt werden, daß diese 300 Millionen eine Höchstsumme sind, über die man nicht hinauszugehen braucht. Vielleicht steckt sogar in dieser Summe noch eine gewisse kleine Reserve. Dies hat uns auch ermöglicht, die Fristen der Krisenfürsorge für die am 3. November 1930 in der Krisenfürsorge befindlichen Personen zu verlängern, so daß die Gemeinden von einem Teil der sonst bereits im Januar anwachsenden Wohlfahrtslasten befreit bleiben. Auf Grund des November=Ergebnisses habe ich das voraussichtliche Jahresauskommen an Zöllen und Steuern nochmals einer genauen Schätzung unterzogen. Ich bin dabei zu dem Ergebnis gekommen, der gesamte Steuerausfall rund 380 Millionen betragen wird, von denen 255 Millionen auf die Länder, 125 Millionen auf die Knappschafts= und Invalidenversicherung und 600 Millionen auf das Reich entfallen. Er habe auf Grund der Steuereingänge der letzten Monate die Einnahmeschätzungen noch mals überprüft. Wenn dabei sich auch seine Schätzungen von Anfang Dezember als richtig erwiesen hätten, so müsse immer mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß der mit 600 Millionen angenommene Anteil des Reiches an dem Einnahmeausfall mit etwa bis zu 100 Millionen überschritten werden könne, und zwar liege das u. a. auch daran, daß durch den Wegfall der Reichshilfe am 1. Ferruar und die dann einsetzende sechsprozentige Gehaltskürzung das Reich 30 Millionen Steuereinnahmen verliere, während bei Ländern und Gemeinden dadurch eine Verbesserung um 45 Millionen eintritt. Insgesamt werde der Fehlbetrag des ordentlichen Haushalts 1930 also die Höchstsumme von rund einer Milliarde nicht übersteigen. Der Fehlbetrag des außerordentlichen Haushalts, der zu Beginn des Jahres 1°30 770 Millionen betragen habe, werde zu Beginn 1931 auf 330 Millionen zurückgegangen sein, und zwar durch den Erlös der Kreuger=Anleihe. Zur Kassenlege bemerkte der Minister, daß Ende März 1930 der Kassenbedarf des Reiches 1670 Millionen betragen habe, während er Ende März 1931 rund 1780 Millionen betragen werde, der durch die normalen Deckungsmittel, die Begebung von Schatzanweisungen und den im Dezember aufgenommenen Ueberbrückungskredit von 530 Millionen abgedeckt werden könne. Die entscheidende Frage sei, daß der Haushalt 1931 aus gesicherter Grundlage beruhe. Durch die stärkeren Ausgabenabstriche und die Abhängung der Arbeitslosenversicherung vom Reichsetat sei der Etat 1931 auf festeres Fundament gestellt. Eine Gefahrenquelle werde in den für 1930 geschätzten Steuereinnahmen gesehen. Gegenüber dem Steuer=Soll für 1930 werde im Etat 1931 mit einem Steuerausfall von 877 Millionen gerechnet, von denen auf das Reich über 500 Millionen entfielen. Diese Aussellschätzung enthalte rund 100 Millionen mehr, als der voraussichtliche Steuereingang für das Reich 1930 erbringen werde. Wenn die leichte Besserung im Jahre 1931, von der die Schätzungen des Etatsentwurfs a. sgehen, nicht eintreten sollte, so würde der Ausfall für das Reich sich etwa in der Löhe von 200 bis 300 Millionen bewegen. Er halte es für unsere Wirtschaftslage nicht 1I= richtig. einen solchen Eventualbetrag, der sich jetzt noch in keiner Weise übersehen lasse, durch Steuererhöhungen zu decken. Es wäre bei unserer Lage das verkehrteste, Steuern auf Vorrat zu schafsen. Wenn es gelänge, eine Reserve durch Ausgabekürzung zu schaffen, so werde er dies sehr begrüßen. Der Minister gab dann an Hand der Etatszahlen ein Bild darüber, in welchem Rahmen sich die Streichungsmöglichkeiten bewegen könnten. An den Ueberweisungen an die Länder, an den Kriegslasten. der Reichsschuld, den Pensionen und den Personalbezügen, die schon um 6 Prozent gekürzt seien, lasse sich nichts streichen, ebenso wenig dürften sich die Ausgaben für die Sozialversicherung und die Krisenfürsorge 1931 verringern lassen. Es bliebe dann für eine Ausgabenkürzung die restlichen 880 Millionen übrig, die mit fast der Hälfte auf die sachlichen Ausgaben von Heer und Marine und mit der anderen Hälfte auf die gesamten Ausgabengebiete des Reiches entsielen. Alle Maßnahmen, die die Regierung bei ihrer Wirtschafts= und Finanzpolitik ergriffen habe und noch ergreisen werde, haben das Ziel, der Wirtschaft besonderen Auftrieb und Rentobilität zu geben, und eine möglichst große Zahl Arbeitsloser wieder dem Prozeß einzufügen. Von dem Erfolg dieser Maßnahmen hinge es ab, ob der gemäßigte Optimismus, der im Haushaltsentwurf zum Ausdruck komme, berechtigt sei. Eine Gefahrenquelle für den öffentlichen Haushalt liege noch bei den Wohlfahrtserwerbslosen, deren Zahl im Juli 1930 400 000, im Dezember 1930: 507000 betragen habe. Die Notverordnungen haben den Gemeinden neue Einnohmequellen verschafft. Auch müssen die Gemeinden zu stärkeren Ausgabensenkungen kommen. Dort, wo trotz aller Anstrengungen in den Gemeinden Schwierigkeiten entstehen würden, müssen zunächst die Länder eingreisen, denen im Zusammenhang mit der Realsteuersenkung und der Zuweisung von Hauszinssteuermitteln Ausgleichsfonds zur Verfügung gestellt seien. Mit den Ländern sei ein Weg gefunden worden, auf dem Reich, Länder und Gemeinden an der Sicherung und Besserung der deutschen Kreditbedingungen gemeinsam arbeiten könnten. Zum Schluß erwähnte der Minister noch, daß er dem Reichsrat in den nächsten Tagen einen Ergänzungsetat vorlegen werde, der in der Hauptsache die in den bisherigen Entwürfen vom Reichsrat vorgenommenen Global=Abstriche von je 5 Millionen Mark beim Finanz= und Arbeitsministerium auf die einzelnen Titel verteile, der auch Stellenabsetzungen bei den Ministerien bringe. Das Kabinett habe nämlich beschlossen, daß der Personalstend der Ministerien um mindestens zehn vom Hundert verringert werden müsse. Mit dieser Verringerung werde durch Stellenabsetzungen in diesem Ergänzungsetat der Ansang gemacht. Am Schluß seiner Ausführungen unterstrich Minister Dietrich noch einmal, wie der Reich shaushalt von der Wirtschaftslage abhängig sei. Die Schwierigkeiten kämen aber nicht nur vom Weltmarkt und der Weltwirtschaftskrise her, sondern noch in verstärktem Miße vom Inlande her Daher müsse es eine Hauptsorge sein, den Inlandsmarkt zu beheben. Wer heute in der Presse gelesen habe, wie stark der Eisenabsatz im Inlande zurückgegangen sei, während sich die Ausfuhr noch leidlich gehalten habe, müsse über diese Entwicklung erschrecken. Es hebe daher keinen Zweck, den Reichshaushalt mit Gewaltmitteln zu beeinflussen; es sei vielmehr notwendig. den übertriebenen, oft nicht gerechtfertigten Pessimismus im deutschen Volke zu bekämpfen. Wenn an allen Ecken und Enden immer nur geunt werde, verliere das Volk noch den letzte Rest seines Mutes. Auf einen Zwischenruf des Abg. Stoe ker erklärte der Minister, daß er sich nicht jur eine Erhöhung der Steuern, auch nich der Umsatzsteuer, aussprechen werde. Besonders dir Erhöhung der Umsatzstener würde eine untragde#e Herabbruckung der Lebenshaltung der deutschen Bevölkerung herbeiführen. Mißverständnisse zur Rede Dietrichs Nur eine Verschlechterung um 100 Millionen Berlin, 15. Jan.(Eig. Draht b.) Die Rede, die der Reichsfinanzminister gestern im Haushaltungsausschuß des Reichstages gehalten hat, ist von der Oeffentlichkeit nicht überall ganz richtig verstanden worden. So wird in den großen Ueberschriften der Berliner Abendblätter der Nachdruck zum Teil auf die Feststellung gelegt, daß der Fehlbetrag von Herrn Dietlich jetzt mit einer Milliarde beziffert wird. Das Wesentliche liegt aber darin, daß die Verschlechterung der Finanzlage etwa 100 Millionen ausmacht. Dabei wird übersehen, daß in der Milliarde der alte, längst bekannte Fehlbetrag enthalten ist, für dessen Abdeckung durch den Schuldentilgungsplan Vorsorge getroffen ist. Er stellt gewissermaßen eine Fortsetzung der lex Schucht dar und sieht bekanntlich vor, daß für drei Jahre jedesmal 420 Millionen für diesen Zweck in den Reichshaushalt eingesetzt werden. Etatrechtlich hat die Abdeckung dieses Defizits so erst 1932 zu erfolgen. Um einer mißverständlichen Auffassung zu begegnen, hat der Reichsfinanzminister sich denn auch gestern abend veranlaßt gesehen, die Dinge in einer halbamtlichen Mitteilung richtigzustellen. Die Deutsche Volkspartei fordert Abstriche bis 350 Millionen 2. Berlin, 15. Januar.(Drahtb.) Von besonderem Interesse ist nun, wie sich die Deutsche Volkspartei zu der Auffassung des Ministers Dietrich stellt, daß wesentliche Abstriche im neuen Etat kaum noch möglich sind. Die Volkspartei sieht in der Erfüllung ihrer Forderung weiterer Abstriche von 300 bis 350 Millionen die entscheidende Voraussetzung für die Fortsetzung ihres bisherigen Verhältnisses zur Reichsregierung. Wir glauben zu wissen, daß der Vertreter der Deutschen Volkspartei, Abgeordneter Dr. Cremer, der für heute früh im Hauptausschuß als erster Redner angesetzt ist, an diese Forderung erinnern und erklären wird, daß seine Fraktion, wenn ihrem Verlangen nicht Rechnung getragen wird. keine Möglichkeit sieht, die parlamentarische Verabschiedung des Etats positiv zu unterstützen. Damit würde die Wahrscheinlichkeit zunehmen, daß der Reichsetat schließlich doch durch Notverordnung in Kraft gesetzt werden muß. Wie die Deutsche Volkspartei sich dann zu einem Antrag auf Aufhebung der Notverordnung stellen würde, läßt sich heute natürlich noch nicht sagen. In unterrichteten Kreisen rechnet man vorläufig doch immer noch damit, daß es gelingen wird, eine Verständigung herbeizuführen, die den Wünschen der Deutschen Volkspartei Rechnung trägt. Im Augenblick kann man den morgigen Erklärungen Dr. Cremers jedenfalls mit Interesse entgegensehen. 40 Millionen Zuwendung für die Reichoknappschaft 2. Berlin, 15. Januar.(Drahtb.) Wie verlautet, hat sich der Reichsfinanzminister bereit erklärt, im ersten Quartal 1931 der Reichsknappschaft für die Monate Januar und Februar je 8 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen. In den Reichshaushalt für 1931 sollen 40 Millionen Mark zur Unterstützung der Knappschaftskasse eingestellt werden, während weitere 40 Millionen durch Einsparungen gedeckt werden sollen, um auf diesem Wege das Gesamtdefizit der Knappschaft in der Höhe von 80 Millionen zu begleichen. Es fragt sich allerdings, wie für die Mehraufwendung der 40 Millionen Mark zugunsten der Knappschaft angesichts der wenig günstigen Finanzlage Deckung geschaffen werden soll. Colosser geht Austritt aus der Wirtschaftspartel# Ein Schreiben an das Parteisckedspericht# Verblelben Reichstag als Fraktionsloser# Drewit stellt Stratantrag :: Berlin. 15. Jan.(Drahtb.) Die Versuche sächsischer Wahlkreisorganisationen der Wirtschaftspartei und des Abg. Ladendorff, den Austritt des Abg. Colossers aus der Partei zu verhindern, sind gescheitert. Abg. Colosser hat nunmehr seinen Austritt aus der Partei erklärt in einem Schreiben an das für Donnerstag einberufene Parteischiedsgericht. Das Schreiben lautet: „Ich habe Ihre Einladung zur Sitzung des„Köpfungsausschusses" erhalten. Ich darf annehmen, daß Ihnen die gestellte Aufgabe sicher recht peinlich ist, und will Sie deshalb von derselben befreien. Es dürfte immerhin ein Novum sein, daß man den Aufzeiger der üblen Verfehlungen ächten will, während man für denjenigen, der sie begangen hat, noch obendrein ein Vertrauensvotum konstruiert. Als einziger Grund, der zur Rechtfertigung dieses sogenannten Ausschlußverfahrens dienen soll, ist in Ihrer Zuschrift an mich der genannt, daß die Presse von den Vorgängen erfahren hat. Ich empfinde das heute als sehr gut. Durch die Arbeit der Presse, die Entscheidung der Parteibehörden und ihre merkwürdigen Veröffentlichungen und durch die Verlautbarungen der sächsischen Parteipresse ist doch vor der breiten Oeffentlichkeit festgestellt, daß eine Mehrheit der Verantwortlichen der Wirtschaftspartei kein Reinigungsbedürfnis hat, denn um Reinheit und Sauberkeit geht mein Kampf. Da ich aber noch Reilichkeitsgefühl besitze, so scheide ich hiermit aus der Partei aus. Mir genügt die Tatsache, daß ein Prüjungsausschuß nach mehrmonatiger gewissenhafter Arbeit, wenn auch angesichts der Ermittlungen in noch so schonender Form, festgestellt hat, daß meine nur zum Teil bekanntgewordenen Behauptungen im wesentlichen wahr sind, und daß infolgedessen nach Ansicht des Prüfungsausschusses Drewitz wiro verschwinden mussen. An einer weiteren Unterhaltung habe ich um so weniger Interesse, als bereits objektivere Stellen, die frei von politischer Vertuschungsarbeit sind, sich mit den Dingen beschäftigen. Ich selbst behalte mir vor, den Ortsgruppen der Partei und damit der Oeffentlichkeit eine ausreichende Darstellung zu unterbreiten und überlasse es dem Angeschuldigten, gegen mich vorzugehen. Sollte dies, wie parteiamtlich bereits angekündigt, unterbleiben, dann dürfte das Urteil der Oeffentlichkeit damit gefällt sein.“ Abg. Colosser will nach seinem Ausscheiden aus der Wirtschaftspartei sein Reichstagsmandat weiter ausüben, zunächst als Fraktionsloser. Vom Parteivorsitzenden der Wirtschaftspartei, dem Aba. Drewit. wird erklärt, er habe bereits Strafantrag gegen den Abgeordneten Colosser und den Sohn des bisherigen Parteigeschäftsführers Daunenberg gestellt, weil er in ihnen die Verbreiter der ihn beleidigenden Behauptungen erblicke. Er werde auch gerichtlich gegen die Zeitungen vorgehen, die die bekannten Beschuldigungen gegen ihn wiedergegeben hätten. Der Parteivorstand habe ihm zunächst an einer gerichltichen Austragung des Konfliktes gehindert; erst der Reichsausschuß habe ihm auf sein Verlangen freie Hand gelassen, seine Beleidiger vor Gericht zu ziehen. Das werde jetzt geschehen. Der Beryllium-Hochstapler „Dr. Seidel“ und seine Freundin Charlotte## Eine halbe million Mark erschwindelt Ein Ehepaar um 80 000 Mark betrogen] In Paris verhaftel * Köln, 15. Januar. Die Pariser Polizei verhaftete in einem dortigen Hotel auf Veranlassung der Kölner Kriminalpolizei einen Bochstapler, der in Deutschland, und zwar vor allem in Köln, und in der Schweiz durch großangelegte Schwindeleien weit über eine halbe Million Mark erschwindelte. Die Fäden dieser Hochstaplergeschichte reichen außer nach Köln auch nach Berlin und Hamburg. Der Verhaftete, der sich Se del nennt, hatte noch eine Freundin, eine geborene Charlotte Dittmann aus Berlin, die aber noch flüchtig ist. Seidel operierte bei seinen Hochstapeleien mit angeblich außerordentlich ergiedigen Berylliumvorkommen in der Steiermark, die in seinem Besitz seien, zu deren Ausbeutung ihm aber das Geld fehle. Eine Schweizer Firma gab ihm zu diesem Zweck 400 000 Franken. In Wirklichkeit besitzt Seidel weder in Steiermark irgend ein Grundstück auf dem dieses Erz vorkommt, noch hat er überhaupt einen festen Besitz. In Hamburg gründete er dann eine Beryllium=Gesellschaft, die ebenfalls den Zweck haben sollte, die Ausbeutung dieser Vorkommen zu betreiben. Auch hier gelang es ihm, große Beträge, bis zu 100 000 Reichsmark, von Hamburger Kaufleuten herauszubekommen. Von Hamburg verlegte das Paar seine Tätigkeit nach Köln und beging hier Hochstapeleien, die durch ihre phantastischen Ausmaße und Ver wicklungen interessant sind. Ein ehemaliger Kölner Industrieller, der sich zur Ruhe gesetzt hatte, wurde von dem Hochstaplerpaar um sein ganzes Vermögen von 80000 RM. gebracht. Er sitzt jetzt mittellos mit seiner Frau auf einem Schloß in Südslavien. Wie er auf dieses Schloß kam, ist das seltsamste aus den Betrügereien des internationalen Schwindlerpaares. Der Kölner Industrielle vermietete Dr. Seidel und seiner angeblichen Schwägerin zwei Schlafzimmer und ein größeres Wohnzimmer in seiner geräumigen Wohnung. Die Frau trat sozusagen inkognite auf, lüftete aber später das Geheimnis und legte sich den sabelhaften Namen Gräfin von Arnim zu. Ihr Bruder sei ein geschiedener Graf ArnimMuskau und sie reise jetzt mit ihrem Nummer 19 Donnerotag, den 15. Januar Jahrgang 1931 Schwager in geschäftlicher Angelegenheit. Das Hochstaplerpaar wußte dem alten Herrn und seiner Frau soviel von ihrem reichen Besitztum in der Steiermark und ihren ergiebigen Erzvorkommen zu erzählen, daß das Kölner Ehepaar nach und nach sein gesamtes Barvermögen herausgab. Vor einem halden Jahr kündigten Dr. Seidel und Gräsin Arnim an, daß sie auf ihr Schloß in Südslavien fahren würden und luden das alte Paar ein, mit dorthin zu ziehen. Die Kölner Cheleute ließen alles ste hen und liegen, fuhren dorthin und bezogen in dem Schloß eine Wohnung. Das Hochstaplerpaar fuhr dann wieder weg. Nach kurzer Zeit stellte sich heraus, daß das Schloß nur auf kurze Zeit gemietet worden war, um das Kölner Paar von Köln wegjubekommen und sich möglichst lange in Sicherheit zu wissen. Die Verhaftung des Seidel in Paris gelang durch eine Nachricht der Kölner Kriminalpolizel. Dr. Seidel hatte auf dem Ring in Köln noch ein Büro mit einem Angestellten, der sich mit den Geschäften der ominösen Beryllium=Gesellschaft befaßte. Der Angestellte hatte keine Ahnung davon, daß er für ein Hochstaplerpaar arbeitete. Von diesem Angestellten erfuhr die Kölner Kriminal= polizei die Adresse des Dr. Seidel, der daraufhin festgenommen wurde. Brüdertragödie in Spandau kampf nach beschlossenem Selbstmord :: Spandau, 15. Jan.(Drahtder.) Eine furchtbare Familientragödie spielte sich gestern morgen in Spandau ab. Dort erschoß der 39jährige Kaufmann Walter Ohmke seinen bei ihm wohnenden jüngeren Bruder Hans im Bett und brachte sich dann selbst zwei Schüsse bei, an denen er bald darauf verstarb. Aus einem an die Frau des älteren Bruders gerichteten Schreiben, die während der Tat gerade Besorgungen machte, scheint hervorzugehen, daß die beiden Brüder aus wirtschaftlicher Notlage sich zum Freitod entschlossen hatten, da beide de Brief unterschrieben haben. Die Kugelspuren im Zimmer lassen aber darauf schließen, daß den jüngeren Bruder sein Entschluß reute und daß es zwischen beiden zu einem Kampf gekommen sein muß. Dichtung oder Wahrheit? Für 300 000 Mark Juwelen gestoblen — Berlin, 15. Jan.(Drahtber.) Zwei= Amsterdamer Juwelenhändler, die in Geschäften in Berlin weilen, ist auf dem Wege von ihrem Hotel nach dem Wittenberg=Platz ein Portefeuille mit Diamanten und Brillanten im Werte von 300000 Mk. abhanden gekommen. Ob das wertvolle Portefeuille unterwegs verloren wurde, oder einem Dieb in die Hände gefallen ist. steht dahin. Für die Wiederdeschaffung der Juwelen ist eine hohe Belohnung ausgesetzt. Die beiden Juwelenhändler erstatteten beim Taschendiebstahlsdezernat der Berliner Kriminalpolizei Anzeige, die zurzeit noch geprüft wird. Sie behaupteten, in der Untergrundbahn zwischen den Stationen Friedrichstadt und Wittenbergplatz um lose Brillanten in erheblichem Werte bestohlen worden zu sein. Die beiden Händler Keppstein und Miron Rubin, die seit einiger Zeit in einem Hotel der Friedrichstadt wohnen, haben angeblich von einer Antwerpener Firma 117 lose Brillanten erhalten. Heute morgen holten die beiden das Etui ad, das sie in Verwahrung gegeben hatten. Der eine Händler steckte das Etul in die innere Jackentasche. Sie bestiegen die Untergrundbahn, die sie am Bahnhof Wittenbergplatz verließen. Dort will Kettstein zu seinem Entsetzen bemerkt haben, daß ihm die Steine abhanden gekommen waren Die Ware gehörte einer Antwerpener Juwelenkirma und ist versichert Die Polizei stebt den Angaben vorläufig skeptisch gegenüber Vorsichtshalber wurde von der Polizei auch in dem Hotel der beiden Juwelenhändler eine Durchsuchung ausgeführt, die aber nichts zutage gefördert hat. Achtjähriger Selbstmordkandidat 20 Mart für Lechereien gestohlen Hac Enldedkung und Prügel dreimal den Versuch gemacht, Sie zu erhängen * B o t t r o p, 1 4. J a n. E i n e G e s c h i c h t e, die für den ersten Augenblick unglaublich klingt, die aber leider doch wahr ist, spielte sich am Montag in der Gladbecker Straße ab. Der achtjährige Sohn einer Bottroper amilie, der sich auf Besuch bei seiner ante in der Eichenstraße befand, entwendete dort in einem unbewachten Augenblick 20 Mark aus einer Schublade. Dann besuchte er mit mehreren Altersgenossen Milchbuden und ein Geschäft in der Stadtmitte und kaufte Leckereien und Taschenlampen. Als die Sache am Nachmittag ans Licht kam, erhielt der jugendliche Dieb eine gehörige Tracht Prügel. Man sand bei ihm noch ca. 15 Mark vor. Als der Achtjährige seine Strafe weg hatte, nahm er einen Strick, legte sich ihn um den Hals und wollte sich erhängen. Er wurde bei diesem Selbstmordversuch zweimal bemerkt und erhielt jedesmal Prügel. Aber auch noch ein drittes Mal versuchte er, sich das Leben zu nehmen. Aber wiederum wurde das rechtzeitig bemerkt, so daß man den schon blau angelausenen Jungen noch rechtzeitig befreien konnte. Bottroper Totschlagsprozeß 7 Jahre und 5 Monale Zuchthaus * Essen, 14. Jan. Am heutigen zweiten Verhandlungstag im Bottroper Totschlagsprozeß wurde zunächst die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Insgesamt waren noch zehn Zeugen zu vernehmen. Gegen Mittag begannen die Plaidoyers. Der Staatsanwalt brachte in der Anklagerede zum Ausdruck, daß die Absicht des Angeklagten Krahl, seinen Schwiegervater mit Vorbedacht zu töten, durch die Beweisaufnahme nicht einwandfrei nachgewiesen worden ist. Der Staatsanwalt beantragte daher nicht die Verurteilung wegen Mordes, sondern nur wegen Totschlags und verbotenen Wafsenbesitzes. Er forderte eine Strafe von 10 Jahren 1 Monat Zuchthaus. Nach längerer Beratung des Schwurgerichts verkündete der Gerichtsvorsitzende das Urteil dahin: Der Angeklagte wird wegen Totschlags und unbefugten Wassenbesitzes zu einer Gesamtzuchthausstrafe von 7 Jahren und 5 Monaten verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden ihm auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt. In der Urteilsbegründung betonte der Vorsitzende, daß das Schwurgericht dem Angeklagten mit Rücksicht auf die bei der Tat an den Tag gelegte Brutalität und mit Rücksicht auf die in der Folgezeit bewiesene Verstocktheit und Neuelosigkeit die mildernden Umstände versagt hat. Spanischer Geschützauftrag an eine englische Zirma :: London, 15. Jan.(Drahtber.) Die spanische Regierung hat, wie Daily Telegraph meldet, bei der Firma VickersArmstrong(London) eine Anzahl Küstenverteidigungsgeschütze bestellt, die ein Kaliber von 38 Zentimeter und eine Länge von 20 Meter haben und imstande sein werden, ihre 17 Zentner schweren Geschosse ungefähr 35 Kilometer weit zu tragen. Jedes Geschütz wird für sich allein in einem starken Panzerturm einmontiert sein. Die Geschütze sollen zur Verstärkung des schon vorhandenen Materials von El Ferrol, Cadiz und Cartagena verwandt werden, während andete auf den balearischen Ineln Aufstellung finden werden, die als eine der strategischen Schlüsselstellungen im Mittelmeer gelten. Die genaue Höhe des Wertes der Bestellungen ist nicht bekannt, doch verlautet, daß jedes Geschütz mit Panzerturm mindestens 80 000 Pfund Sterling (1 600000 Mark) kostet. 99 Des Schmugglerkönigs Bruder Teon Dlamond verdastet Inncbruck, 15. Jan.(Drahtber.) Der amerikanische Staatsangehörige John Diamond wurde in Steinach am Brenner festgenommen und der hiesigen Landespolizei übergeben, da er von den amerikanischen Behörden wegen einer beim Alkoholschmuggel angeblich begangenen Gewalitat gesucht wird. Diamond, der vorgibt. der Bruder des amerikanischen Alkoholschmugglerkönigs zu sein, hat vor einigen Wochen Amerika verlassen und Frankreich, Deutschland und Oesterreich dereist. Von Wien aus hatte er sich nach Innsbruck begeden. um über den Brenner nach Italien zu rei= am 25 sen. Er gibt ohne weiteres zu, Alkoholschmuggler zu sein. Sollten die amerikaWenig Verständnis gefunden“ Ein Franzose zur Elnbeltsironl in Europa — Pario, 15. Jan.(Drahtber.) Unter dem Vorsitz des sozialrepublikanichen Abgeordneten Chabrun fand gestern eine Veranstaltung der französischen Abteilung de Amities internationale statt, in der der Redakteur Kayser von der Zeitung „La Republique“ über seine Reise nach Deutschland und über das Thema„Frankreich— Deutschland“ einen Vortrag hielt. Kayser erklärte, daß Deutschland in erster Linie auf drei Gebieten eine Aenderung des gegenwärtigen Zustandes erstrebe, in der Frage der Reparationen der Abrüstung und in seinen Beziehungen zu Polen. Auf dem Gebiete der Reparationen würde eine Erleichterung auch auf die deutsche Wirtschaft gewisse günstige Rückwirkungen haben. Leider habe er in Deutschland wenig Verständnis für die Bedeutung einer europäischen Einheitsfront der Schuldnerländer gegenüber Amerika gefunden. Außerdem sei man in Deutschland wegen der amerikanischen Kredite besorgt. Die deutsche Theie„Gleiche Sicherheit für alle“ wurde allein bei gleichmäßigem Abbau der Rüstungen die möglichst allgemeine Abrüstung gewährleisten. Die Entwaffnung eines einzelnen Landes im wafsenstarrenden Europa könne auf die Dauer nicht aufrecht erhalten werden Am Schlusse seiner Ausführungen erklärte Kayser, es sei sicher, daß nur eine wirklich deutsch=französische Verständigung die Grundlage für die endgültige Pazisierung Europas schaffen könne Es liege im eigensten Interesse Frankreichs, diesen Weg zu bestreiten. Rüstungen könnten den Frieden nicht sichern, das habe die Erfahrung von 1914 gelehrt. Im Anschluß an den Vortrag. der mit großem Beifall aufgenommen wurde, fand eine längere Diskussion sitt, in der u a ein polnischer offizlöser Journalin an Hand von Zahlen die Unmöglichkeit einer Abänderung der bestehenden Regelung der Korridorfrage zu beweisen versuchte Kayer trat diesen Ausführungen in seinem Schlußwort überzeugend entgegen. gier wird an dem Transozeanflug auf Einladung Kapitän Christiansens Admiral Gago Coutinho teilnehmen. In Ergänzung der Meldung über die Startbereitschaft des Do X am 25. Januar wird noch berichtet, daß der Flug zunächst über Madeira, die Kanarischen= und Kapverdischen Inseln nach Natal und von dort nach Rio de Janeiro führen werde. Alsdann sind Flüge nach Para, Trinidad, den Antillen und Havanna, sowie überhaupt im Golf von Mexiko bis zu Beginn der guten Jahreszeit vorgesehen, zu der der Weiterflug nach Newyork möglich sein wird. Im Rumpfe des Apparates sind zwei neue Benzintanks für 6000 Liter Brennstoff angebracht worden, wodurch das Gewicht des Flugschisses auf 88 Tonnen steigt. Ells Beindorn in Sevilg Zwischenlandung aus sumpflgem Boden :: Sevilla, 15. Jan.(Drahtber.) Die deutsche Fliegerin Elly Beinhorn ist, von Madrid kommend, auf dem Flugplatz Tablada gelandet. Elly Beinhorn hatte unterwegs infolge Verrußung der Zündkerzen bei Llerena auf umpfig„ Boden, in den die Maschine lief einsank, eine Notlandung vornehmen müssen. Nach längeren vergeblichen Startversuchen der Fliegerin gelang es ihr schließlich, zusammen mit zur Hilfeleistung herbeigeeilten Bauern, das Flugzeug auf trockenen Boden zu bringen und ihren Flug fortzusetzen. Bei ihrer Ankunft in Tablada wurde die Fliegerin vom deutschen Konsul und Vertretern der Behörden begrüßt. Der Sevillaner Aeroklub veranstaltet ihr zu Ehen morgen einen Empfang. Uebermorgen wird Elly Beinhorn ihren Flug nach Casablanca fortsetzen. Amerikanischer Europaflug :: Paris, 15. Jan.(Drahtber.) Die amerikanische Fliegerin Grey, die einen Rundflug durch Europa unternimmt, ist gestern vormittag, aus Rotterdam kommend, auf dem Flugplatz Le Bourget gelandet. Ein Bücherschatz zerfällt Auslösung der Stolberg-Bibliotbek — Berlin, 15. Jan.(Eig. Drahtber.) Die Fürstlich Stolberger Bibliothek in Wernigerode, die mit ihren 120000 Bänden zu den größten Büchersammlungen in Deutschland gehört, steht vor der Auflösung. Verhandlungen schweben über die Möglichkeit, sie dem Staat geschlossen zu erhalten oder zu verkaufen. Nunmehr ist die Notwendigkeit eingetreten, sie aufzulösen. Das soll jedoch in der Form geschehen, daß einzelne Abteilungen insgesamt verkauft werden. Die vier Jahrhunderte alte Bibliothek umfaßt die zweitgrößte deutsche Bibelsammlung mit etwa 3500 Bänden. Am wichtigsten sind mit 6250 Bänden die hymnologische Abteilung und mit 1130 Bänden die Handschriftenabteilung, deren größter Schatz das Lochheimer Liederbuch ist. Man hat versucht, dieses herauszunehmen und Deutschland zu erhalten. Keines der in Betracht kommenden Institute war aber fähig, die dafür erforderliche Summe aufzubringen. Lox=Stort am 25 Jannar Kur ein Bassagler — Lissabon, 15. Jan.(Drahtber.) Der Führer deo„Do X“. Kapitän Christiansen, gewährte gestern einem Vertreter der Agentur Havas eine Unterredung, in der er erklärte, daß der„Do X“ am Sainstag oder Sonntag die Werft verlassen und Januar den mit seinen einzelnen Etappen bereits angekündigten Südamerika=Flug antreten werde. Die„Zeit bis nischen Behörden seine Auslieferung nicht zum Start soll mit mehreren Proveflügen fordern. so wird er über die österreichische unter verschiedener Belastung Grenze abgeschoben werden Ein unterird'scher See als Ursache des Vergrutsches in kvon Pario, 15. Jan.(Drahtber.) Die Untersuchungen des Bergrutsches von Lyon haben, wie die Blätter melden, zu überraschenden Ergebnissen geführt. Zwei Ingenieure haben nach längeren Forschungen das Vorhandensein eines unterirdischen Sees unter dem Hügel Fourviere festgestellt. Man gelangt zu dem See durch einen teilweise verschütteten Gang, der fast 100 Meter weit in den Berg vorgeschoben ist. Der See befindet sich unter einem Friedhof und scheint verhältnismäßig groß u sein. Doch hat man den genaueren Umfang und die Tiefe des Sees noch nicht feststellen können. Das Wasser ist verhältnismäßig warm. Die Geologen haen einen neuen Beweis dafür, daß die Bergabhänge von Lyon von zahlreichen unterirdischen Quellen unterwühlt sind, so dar der verhängnisvolle Erdrutch auf die Untermienierungsarbei#en des Wassers zurückzuführen ist. anter verschiebener Brlaftung aubgefant Ministe wirden. Als wahrscheinlich einziger Passe= werden. Sen in wie in Deutschland Auch Gerbien gegen den Nemsrque Film — Belgrad, 15. Jan.(Drahtber.) Die für heute festgesetzte Erstaufführung des Films„Im Westen nichte Neues“ ist von der Zensur erster Instanz verboten worden, und zwar mit Wirkung für das ganze Land. Eine Begründung wurde disher nicht gegeden. Der Filmverleiher hat gegen die Entscheidung der ersten Zensurbehörde die Oberfilmzensur angerufen, die am Donnerstag ihre Entscheidung fällen wird. Gegen diese Entscheidung kann beim ausgefüllt Ministerpräsidenten Berufung :: Senkung der Eisenpreise. Aus Düsseldorf wird gemeldet: Die Eisenindustrie verbreitet eine längere Erklärung, aus der sich ergibt, daß für alle ab 1. Januar 1931 getätigten Abschlüsse eine Ermäßigung der Eisenpreise um durchschnittlich 11,50 bis 12 Mark eintritt. :: Explosion in einer Patronenfabrik. In der Hirtenberger Patronenfabrik explodierten gestern Zündhütchen, wobei ein Arbeiter getötet und ein Hilfsarbeiter schwer verletzt wurde. :: Uniformverbot in Baden. Das badische Staatsministerium hat zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung das Tragen von Parteiuniformen und Bundestrachten(einheitliche Kleidung) politischer Verbände und Organisationen für den Bereich des Freistaates Baden bis zum 1 April 1931 verboten. Die Verordnung tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft. :: Keine Rücktrittsabsichten Dr. Franzens. Aus Braunschweig wird gemeldet: Auf einer nationalsozialistischen Kundgebung wandte sich Minister Dr. Franzen gegen Blättermeldungen, daß er und die nationalsozialistische Landtagsfraktion regierungsmüde seien. Davon könne keine Rede sein. Koalitionen ohne Schwierigkeiten gebe es nicht. Konflikte müßten überbrückt und trotz Differenzen die höchste Aktivität entfaltet werden :: 75 Säuglinge in Lübeck gestorben. Von den seinerzeit in Lübeck mit dem Tuberkulose=Schutzmittel geimpften Kindern ist jetzt ein 10½ Monate alter Säugling gestorben, so daß sich die Zahl der Todesopfer auf 75 erhöht. Dr. d. c. Kurl Scharuag! Dr. h. c. Karl Scharnagl, der Oberbürgermeister von München, feiert am 17. Janu.2 seinen 50. Geburtstag. Nachruf für Dr. Herold des Westsälischen Bauernvereins * Münster, 14. Januar. Der Westsälische Bauernverein widmet seinem Ehrenmitglied, Landesökonomierat Dr. h. c. Herold, einen Nachruf, in dem es u. a. heißt: „Ju tiefer Trauer steht der Westsälische Bauernverein an der Bahre seines hochverehrten Ehrenmitgliedes Landesökonomierat Dr. h. c. Herold. Ein großer Führer, nicht nur des westsälischen, sondern des deutschen Bauerntums ist von uns gegangen. Der Tod hat den hochverehrten Führer in den Sielen getroffen. Mit rastlosem Eiser und unbeugsamer Energie hat der Verstorbene dem westfälischen und deutschen Bauerntum gedient. Landesökonomierat Dr. h. c. Herold hat sein Wirken verlassen müssen, aber sein Wirken wird ihn überdeuern und von seiner tief bewußten und uneigennützigen Art im Bauerntum zeugen. Er ist uns ein leuchtendes Vorbild gewesen. Wir haben seine Tatkraft und sein zähes Festhalten an dem gesteckten Ziel bewundert und verehrt, aber nicht minder den liebenswürdigen Menschen in ihm geschätzt. Der Westsälische Bauernverein und mit ihm das westfälische Bauerntum wird sein Andenken in groß- Ehren halten.“ Erdbeben in Argentinien Steinregen und kochendes Wasser — Newyork, 15. Jan.(Drahtb.) Wie aus Buenos=Aires gemeldet wird, sind am Dienstag zwei Vulkane bei San Antonio de las Cohres in der Provinz Los Andes plötzlich in Tätigkeit getreten und haben große Lavamassen ausgeworfen. Nach den bisher vorliegenden Meldungen sollen zahlreiche Opser an Menschen zu beklagen sein, die von der Lava begraben wurden. Außerdem wurde die gesamte Ernte in der Nähe der Vulkane vernichtet. Auch die Verluste an Vieh sind sehr groß. Der Gouverneur von Salta hat eine Hilfsexpedition in das Unglücksgebiet entsandt. Weiter wird aus Buenos Aires gemeldet: Die von den Kordilleren durchzogene Provinz Tarapara, im Nordwesten des Landes, wo am 24. Dezember vorigen Jahres die Stadt Poma durch ein Erdbeben zerstört wurde, ist von neuen folgenschweren Erschütterungen heimgesucht worden. In dem einige Kilometer nördlich von Poma gelegenen Städtchen Cobres wurden zahlreiche Häuser mit Erntevorräten und Viehbeständen zerstört. Der Schrecken, den das mitten in der Nacht einsetzende heftige Erdbeben unter den Bewohnern verbreitete, wurde dadurch zur Panik gesteigert, daß, wie berichtet wird. ein Sleinregen und ein Strom kochenden Wassers über die Stadt hereinbrach. Die Zahl der Opfer steht noch nicht sest. Erdbeben in Kleinasien Der Mittelpunkt eines Erdbedens in Kleinasten war die Stadt Konia, wo zahlreiche Häuser einstürzten, Menschenleben jedoch nicht zu beklagen waren. Konia, das Ikoeingelegt, nium des Altertums. ist— an Stelle von Angora— als neue Hauptstadt der Türkei in Aussicht genommen gewesen. Nummer 13 Donnerstag, den 15. Januar Jahrgang 1931 Nuss Evgl. Kirchengemeinde Buer Missionssilm in Buer-mitte und öner-Beckhausen (*) In den evangelischen Kirchen von Buer=Mitte und Beckhausen finden am Freitag, 16. Januar 2 Missionsveranstaltungen statt. Es wird ein in Indien aufgenommener Film der Filmstelle Bethel gezeigt, der Bilder der Missionsarbeit von Nias(vor Sumatra) zeigt:„Der Sieg des Evengeliums im Lande der Kopfjäger.“ Nias, seit 1865 Missionsgebiet der Rheinischen Mission, hat in der Missionsgeschichte einen Namen durch die wohl beispiellose große Erweckung(von den Eingeborenen„die große Reue“ genannt). Von 1915 ist nach viel Opfern an Menschenleben, Blut und Tränen, nach 50jähriger, fast erfolgloser Arbeit das Evangelium auf dieser Insel der wilden Menschen unerwartet stark und schnell zu einem großen Siege gelangt, so daß man dort heute 100000(mehr als die Hälfte des Volks) Christen zählt. Westfalen ist an Nias besonders interessiert dadurch, daß eine von den evangelischen Jungmädchenvereinen der Provinz, ausgesandte Missionsschwester Hedwig Mertin auf Nias ihr erstes Arbeitsfeld gefunden hat. Geistige Vorgänge lassen sich zwar nicht photographieren, aber es hat doch Interesse, die Stätten zu sehen, auf denen große Geistessiege ersochten sind, daher versäume niemand, diesen auch völkerkundlich und geographisch interessanten Film zu sehen. Der Reinertrag des Eintrittsgeldes(40 Pfg.) für Erwachsene, 20 Pfg. für Kinder) ist für die Arbeit der Rheinischen Mission bestimmt. Die Vorführung beginnt in Beckhausen um 5 Uhr nachmittags, in BuerMitte abends um 7,30 Uhr in der Kirche. Für Arbeitsinvaliden und Witwen Tätigkeit des Zeutralverbandes 1930 (C) Die Geschäftsstelle Buer des Zentralverbandes der Arbeitsinvaliden und Witwen Deutschlands gibt folgenden Jahresrückblick:„Auf dem Gebiete des Rechtsschutzes wurden im Jahre 1930 an 1669 Mitglieder 1671 Auskünfte erteilt: Die Auskünfte verteilen sich in Invalidenversicherung 266, Unfallversicherung 582, Knappschaftsversicherung 336, Angestelltenversicherung 1. Krankenversicherung der Reichsarbeiter= und Werkspensionäre 14, Versorgungsrecht 9, Fürsorge 324, Schwerbeschädigtenrecht 1, Steuerrecht 27, Arbeitsrecht 62, Bürgerliches Recht 38, Strafrecht 2, und Sonstiges 8. In 135 Fällen mußte das Rechtsmittel der Berufung bei den Spruchkammern der Oberversicherungsämter eingelegt werden. Gegen die Urteile der Spruchinstanzen wurde 1 Rekurs, 4 Revisionen und 2 Beschwerden eingelegt und 3 Anträge auf Zahlung einer Rente gestellt. Es handelt sich um auswärtige Versicherungsanstalten. Bei der schlechten wirtschaftlichen Lage ist es wichtig, wenn die Versicherungsträger sich im Berufungsverfahren im Vergleichswege einigen. Durch die abgeschlossenen Vergleiche wurden einmalige Nachzahlungen von insgesamt 28 851,77 Mark erzielt. Die laufende Monatsrente betrug 3136,11 Mark. In der knappschaftlichen Versicherung wurden 31 Einsprüche eingelegt. In der Regel sind die Rentenbewerber im Sinne der Fürsorgepflichtverordnung bedürftig, in den Fällen, wo Nachzahlungen geleistet werden nüssen, erhält aber der Fürsorgeverband nach§ 1531 R. V. O. die Hälfte der Nachzahlung zurück Die laufende Unterstützung. die vorher gezahlt wurde, kommt ganz oder keilweise in Wegfall. Die Mitgliederbewegung kann als gut bezeichnet werden. Trotz der schwierigen Lage wurden noch 203 Mitglieder neu gewonnen. Durch den Tod sind 22 Mitglieder ausgeschieden. Hervorzuheben ist, daß die Mitglieder eingesehen haben, welchen Vorteil sie durch die Sterbeunterstützungskasse haben. Im letzten Berichtsjahre hatte der Kreis Buer etwa 53 Prozent der Mitglieder in der B=Klasse, diees Jahr sind es bereits 68 Prozent. Nur eine große, machtvolle Organisation, wie es unser Verband mit seinen 360000 Mitgliedern ist, kann als Interessenvertretung angesprochen werden Im Laufe des Jahres wurden 1 Kreiskonferenz abgehalten, fünf mal trat der Vorstand zu seinen Beratungen zusammen, es wurden vom Geschäftsführer 20 Mitgliederversammlungen besucht, ferner sieben öffentliche Versammlungen, die von gegnerischen Verbänden einberufen worden waren. Für die Mitglieder wurden außerdem zwei allgemeine Versammlungen vom Kreisvorstand einberufen. Weiter waren wir beteiligt an Schwers Jungen vor dem Buerschen Gericht Der befährliche Mlkolaus# Wars ein Messer oder ein Nagel? Krach auf der Pollzelwache (*) Der Bergmann Nikolaus S. aus Buer=Erle hatte sich wegen gefährlicher Körperverletzung zu verantworten. Die Vorgeschichte ist kurz folgende: Am 9. Oktober v. Is. hatte ihn Franz M. besucht. Nikolaus wollte sich nicht lumpen lassen und holte einige Flaschen Bier. Als die scer getrunken waren, gingen sie noch in eine Wirtschaft. Von dort dann noch zu einem Flaschenbierhändler. Dann trotteten die beiden zu M.'s Schwiger, wo sie die mitgebrachten Flaschen austrinken wollten. Dort nun gerieten sie in der angeheiterten Stimmung in einen Wortwechsel. Einmal wollte Nikolaus gehen und Franz wollte nicht. Ein andermal war es wieder umgekehrt. Schließlich entschloß sich Franz doch, zu gehen. Während seine Schwägerin unten die Tür ausschloß, kam auch schon Nikolaus herunter und wollte ebenfalls gehen. Franz ging bis zur Hälfte der Treppe entgegen, legte den Arm um seine Schultern mit den Worten:„Wir sind zusammen gekommen, gehen wir auch zusammen“. Unten bekam er plötzlich, ohne daß er sich dessen versah, einen Stich in den Oberschenkel. Er erkannte sogleich die Gefahr und wollte Nikolaus überwältigen. Es gelang ihm auch, ihn zu Boden zu drücken, allerdings bekam er dabei noch einen Stich in den Unterleib. Wegen dieser Roheitstat bekam Nikolaus vier Monate Gefängnis wegen gefährlicher Körperverletzung. * Aus den üblichen Nachbarzänkereien war jetzt eine Strafsache gegen den Bergmann Gustav K. aus Erle entstanden. Ort der Handlung: Buer=Erle. K. hat einen Nachbarn F. Dieser hate gesehen, daß Gustavs Federvieh seinem Feld einen Besuch abgestattet hat. Darob ergrimmte er sehr, ergriff einen Stein und scheuchte damit Hahn und Henne fort. Aber der Stein traf unglücklicherweise den Hahn so, daß er ausgekräht hatte. Gustav ließ sich nicht lumpen und nahm ebenfalls einen Stein und schlug F. damit auf den Kopf. F. zog nun vor, zu verschwinden, da er sonst den Kürzeren zog. Dann wurden die Kinder der Beiden Gegenstand des Streites. Beide standen sich jetzt wieder kampfbereit gegenüber. Gustav rief F. zu:„Drei Schritt vom Leibe, du hast ein Messer.“ F. nahm die Hände aus den Taschen und sagte: „Mit dir werde ich auch ohne Messer fertig.“ Sprach's und hatte schon einen Stich in den Arm bekommen. Gustav behauptet, er habe kein Messer gebraucht, sondern einen Nagel. Ihm konnte auch nicht nachgewiesen werden, daß er ein Messer benutzt hatte. Aber das nützte ihm auch nicht viel, gefährliche Körperverletzung blieb es noch. Und deswegen bekam er drei Monate Gefängnis. Bernhard torkelte einst mi. drei Freunden über die Essener Straße in Horst. Polizeibeamte hielten es für angebracht, die drei Freunoe zur Wache zu transportieren. Kurze Zeit später erschien aber Bernhard dort und verlangte die Freilassung der Genossen, sonst müsse er mit Gewalt vorgehen. Er benahm sich auf der Wache außerordentlich frech, und man wollt: ihn ebenfalls einlochen. Auf dem Korridor ergriff er aber vorher noch einen Schemel, schlug die Tür ein und ging dann mit einem Schemelfuß auf den Beamten los. Dabei schrie er:„Ihr Lumpen, ich schlage euch die Köpfe ein. In einigen Tagen schieße ich euch alle über den Hausen.“ Dann drang er noch einmal gegen den Beamten vor, bis ihn endlich der Gummiknüppel zur Raison brachte. In der Verhandlung wollte er sich auf nichts besinnen und sagte, er habe unter dem Einfluß des Alkohols gestanden. Aber die Zeugenaussagen lauteten anders. Mit einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten und acht Tagen Haft konnte er von dannen ziehen. Der vierte Fürst Bismarck Fürstin Anna=Maria Bismarck, die Gattin des Enkels des Reichskanzlers, der der Deutschen Botschaft in London als Gesandtschaftsrat angehört— mit ihren beiden Kindern: einem anderthalbjährigen Mädelchen und dem kürzlich geborenen Stammhalter. einem Gautag, an der Verbandsgründungsfeier in Essen und zwei Kreisleiterkonferenzen in Dortmund. neues keben im kehrer-Sportverein Buer Neubesetzung von Vorstandsposten (*) Der Lehrer=Sportverein im Stadtteil Buer, der sich neben der Pflege eines modernen Turnunterrichtes in den Volksschulen auch die körperliche Ertüchtigung seiner Mitglieder angelegen sein läßt, rüstet sich im neuen Jahr zu intensiver Arbeit. Für den ausscheidenden technischen Leiter des Verein, Turn= und Sportlehrer Bannach, ist Lehrer Knaak, Buer=Bechausen zum Nachfolger gewählt worden. Der Vorsitzende des Vereins ist Lehrer Rönker, Buer=Resie und der Geschäftsführer Lehrer Hülck, Buer=Mitte. Die bereits vor den Weihnachtsferien eingeführte wöchentliche Turnstunde zur Einführung und Weiterbildung in den neuzeitlichen Leibesübungen wird fortgeführt und findet regelmäßig am Mittwoch von 20 bis 21.30 Uhr, in der Turnhalle des Knappschaftskrankenhauses„Bergmannsheil“ in Buer statt. Das nächste Ziel der wöchentlichen Turnstunde ist die praktische Erarbeitung und Durchnahme eines Stoffplanes im neuzeitlichen Turnen für alle Jahrgänge der Volksschulen und weiterhin die Vorführung von volkstümlichen Spielen ebenfalls für die Praxis des Turnunterrichtes in allen Jahrgängen. Ferner ist die Gründung don Spielmannschaften im Rahmen des Lehrer=Sportvereins geplant. Es kommen Faust=, Schlagball=, Hand=, Fußball= und Hockey=Spiel in Frage. Als Sportplatz steht dem Verein die Kampfbahn die„Löchterheide“ zur Verfügung. Nach jeder ersten Uebungsstunde im Monat findet eine Mitgliederversammlung im Hotel zur Post in Buer statt. zerte in den Grünanlagen abzuhalten. Auch wurde der Besuch eines Wettstreites bzw. eine Konzertreise in Aussicht genommen. Zu erwähnen ist noch der einmütige Beschluß der Sänger, im nächsten Jahre geschlossen an dem Deutschen Sängerbundesfeste in Frankfurt teilzunehmen, zu welchem Zwecke schon seit Januar 1930 eine Sparkasse eingerichtet ist. Jahresbilanz der Jung-KAber Ein Jahr segensreicher Arbeit (*) Am vergangenen Dienstag hatte der Katholische Kaufmännische Verein von Buer seine Mitglieder zur ersten Generalversammlung ins Jungmännerzimmer des Michaelshauses geladen. In seiner Eröffnungsrede hielt der Präses des Vereins, Kaplan Oennina. einen Blick in die Vergangenheit und Zukunft. Der Schriftführer Hugo Feldmann zeigte mit seinem Jahresüberblick ein sehr reges Vereinsleben. Der Mitgliederbestand beträgt 41. Der Kassierer Wilhelm Andersen berichtete über Einnahmen und Ausgaben des verflossenen Jahres. Seine Kassengeschäfte und deren Ergebnis waren trotz der wirtschaftlichen Notlage zufriedenstellend. Nach der Neuwahl des Vorstandes, die Diplom=Handelslehrer Gehb leitete, hat dieser folgendes Bild: Präses: Kaplan Oenning: kaufmännischer Leiter: Diplom=Handelslehrer Gehb: Obmann: Geora Doll: 1. Schriftführer: Hugo Feldmann, 2. Schriftführer: Hermann Althoff; Kassierer: Wilhelm Andersen. Singe, wem Gesang gegeben Generalversammlung des Männer=Quartetts Buer (*) Am vergangenen Sonntag fand im Vereinslokale Neukirchen die diesjährige Generalversammlung statt, die vom 1. Vorsitzenden Leuigens eröffnet wurde. Aus dem dann erstatteten Jahresbericht ist die erfreuliche Tatsache zu melden, daß der Verein trotz der allgemeinen schlechten Wirtschaftslage noch nie so intensiv gearbeitet hat wie im verflossenen Jahre. Es wurden abgehalten: 49 Gesangproben, 10 Konzerte, 10 Versammlungen und 5 Mitwirkungen bei Festlichkeiten anderer Vereine. Wahrlich, so führte der Vorsitzende aus, eine Arbeitsleistung, wie sie wohl kaum ein Gesangverein aufzuweisen hat. Die Vorstandswahl ergab einstimmige Wiederwahl der satzungsgemäß ausscheidenden Herren. Somit blieben als 1. Vorsitzender Leufgens. als 1. Schriftführer Blusch. als 1. Notenwart Schemberg und als 1. Beißitzer Otte. Zum 1. Kossierer wurde einstimmig Kl. Keller gewählt, da der bisherige wegen Krankheit zurücktrat. Dirigent und Probelokal wurden beibehalten. U a. wurde beschlossen, im Laufe des Sommers mehrere PlatzkonKäthe-Kollwit-Abend in Bner Ein Vortrag in der Gesellschaft für Literatur und Kunst (“) Die Gesellschaft für Literatur und Kunst in Buer bringt ihren Mitgliedern und Freunden als erste Veranstaltung im neuen Jahre einen Vortrag über Käthe Kollwitz, den am kommenden Montag. den 19. Januar, Dr. Max Deri in der Aula des Oberlyzeums halten wird. Käthe Kollwitz ist nicht nur die bedeutendste Malerin und Zeichnerin in der deutschen Kunst der Gegenwart, sondern auch eine der interessantesten Persönlichkeiten im deutschen Kunstschaffen unserer Zeit. Dr. Max Deri, in Buer durch zwei Vorträge in bester Erinnerung, wird versuchen, die Wesenszüge ihrer menschlichen und künstlerischen Persönlichkeit aufzuzeigen. Ein reichhaltiges Lichtbildmaterial wird seine Ausführungen illustrieren. Der Eintritt ist für die Mitglieder der Gesellschaft frei. Die Mitglieder seien darauf aufmerksam gemacht, daß die zweite Rate des Beitrages fällig ist. Einzelkarten für Mitglieder kosten 2.— Mark und Schülerkarten 0,50 Mark, die an der Abendkasse zu haben sind. (*) Vom Bühnenvolksbund, Ortsgruppe Buer, wird uns mitgeteilt, daß auch er im kommenden Jahre, wie bisher, Theaterabonnements zum verbilligten Preise verausgabt. Die Mitglieder werden darum gebeten, sich nicht direkt bei der Stadtverwaltung zu melden. Es wird ferner daran erinnert, daß am 15. d. Mts. die dritte Rate der Theatervormieten fältig ist. Um pünktliche Zahlung wird nochmals ganz besonders gebeten. Die nächste Veranstaltung ist am Donnerstag, den 22. Januar, und zwar kommt das amerikanische Zeirbild„Broaday“ von Dunning und Abbot zur Aufführung. (*) Der Erwerbslosenausschuß Buer teilt uns mit: Eine öffentliche Erwerbslosenversammlung findet am Freitag, den 16. Januar 1931, vormittags 9,30 Uhr, im Lokal Eppmann am Marktplatz Buer statt. Warnung vor einem Schwindler Einen armen Beromann um 15 Mark geschädigt (*) Am 7. d. Mts. erschien bei einem Bergmann M. an der Lanferbruchstraße in Buer=Beckhausen eine Person, die sich als Reisender bzw. Vertreter der RheinischWestfälischen Versicherungsbank in Düsseldorf ausgab und Aufträge für Versicherungen suchte. Der Vertreter nannte sich Peter Reichard aus Essen, Leipziger Straße 22. Als im Laufe des Gesprächs die Rede auf einen erwerbslosen Sohn kam, sagte der Vertreter, daß er von der Firma beauftragt worden sei, für einen entlassenen Kassierer eine andere Kraft einzustellen. Die Einstellung der Person als Kassierer sollte jedoch von der Gestellung einer Kaution in Höhe von 300 Mark abhängig sein, jedoch genüge vorerst eine Anzahlung von 30 Mark. Obwohl der angebliche Reichard von M. nur 15 Mark Anzahlung erhielt, stellte er diesem eine Quittung über 30 Mark aus und entfernte sich mit dem Bemerken, daß er am nächsten Tage wiederkommen und die nötigen Unterlagen für den Sohn bringen werde. Der angebliche Reichard blieb aber aus und nun mußte M. die Feststellung machen, daß er einem Schwindler in die Hände gefallen war. Dieses wurde ihm noch bestätigt durch einen Artikel in einer Essener Zeitung, woraus hervorging, daß der angebliche Reichard bereits an anderen Stellen die gleichen Betrügereien begangen hat. Vor R. wird gewarnt und es wird gebeten, sachdienliche Angaben der nächsten Polizeidienststelle mitzuteilen. (*) Polizei sucht Eigentümer. Am 10. Januar wurde vor einem Hause an der Bogenstraße in Buer=Mitte ein HerrenFahrrad herrenlos aufgefunden und ist es nicht ausgeschlossen, das dasselbe aus einem Diebstahl herrührt. Auf dem Markenschild befindet sich die Aufschrift Deutsche Stahlrad Fahrradwerke Nr. 350 319, Rennlenker, Torpedofreilauf, Sattel mit Stempelabdrücken„Esco". Eigentumsansprüche wollen bei dem 9. Kriminal=Kommissariat Buer=Mitte, Polizeiam., Zimmer 22., gestellt werden. I. 2292136— Lehrer Södlug(öner) in kippramsdor Der Heimatgedanke auf dem flachen Lande )( Aus Lippramsdorf wird gemeldet: Die vorbildlichen Bestrebungen, den Heimatgedanken auf das flache Land hinauszutragen, und gerade dort Anhänger und Förderer dafür zu finden, zeigte eine gut besuchte Veranstaltung des Heimatvereins, die im Saale des Wirtes Teltrop in Lippramsdorf stattfand. Mit großem Beifall wurde ein Vortrag des Leiters der Veranstaltung, Lehrer Gerwens, über„Ziele und Zwecke des Heimatvereins“ aufgenommen. Der in Ornithologenkreisen hochgeschätzte Tier= und Vogelforscher, Lehrer Clemens Söding(Buer) sprach anschließend über die heimische Vogelwelt. Seine Ausführungen wurden durch zahlreiche interessante Lichtbilder erläutert. Den Abschluß der Veranstaltung bildete die Vorführung hübscher, munterer Bauerntange durch Schulkinder. Vor dem Prozeß gegen den Goldmacher“ Tansend In den nächsten Tagen beginnt in München der Riesenprozeß gegen den 46jährigen „Goldmacher“ Tausend. der unter der Vorgabe, mit Hilfe gewisser chemischer Kenntnisse Gold in jeder beliebigen Menge herstellen zu können, zahlreiche Personen um Hunderttausende geschädigt hat. bewegten sich unsere Möbelofferten nach unten! 1071 ist es mehr denn je unser Bestreben, noch bessere, lormpollendetere und behaglichere Wohnungseinrichtungen für 1991 noch weniger Geld zu nefern. Hellen auch Sie uns, durch verstärkten Umsatz unsere Preise auf's Tiefste zu halten Wann dürten wir Sie unverbindlich über unsere neuen Zukunftspreise orlentleren? Das Haus der größten Ausstellungen Nummer 13 Donnerstag, den 15. Januar Jahrgang 1331 Nus Grsson#lucen[Die Politik des Eygl. Volksdienstes Gerichtstag in Gelsenkirchen neun süße Jungeus (—) In Heßler hatten sich neun jüngere Männer zusammengelan, die auch einmal ein richtiges Ding drehen wollten. So war man in der Nacht zum 9. Juni gemeinsch ftlich bei einem Großlieferanten an der Feldstraße eingebrochen und hatte dort 36 Kartons dunte Sachen, neun Büchsen Dropo, einen Karton Studentenfutter und zwei Ringe mitgenommen. Wenn nun neun Mann über solche Leckerbissen herfallen, kann man sich denken, wie sa nell der Vorrat im Werte von 130 Mark verzehrt war. Die beiden Ringe verlor man noch obendrein und im dicken Nachspiel hatten sich die neun nunmehr wegen schweren Diebstahls vor dem Gericht zu verantworten. Da die Tat mehr aus jugendlichem Leichtsinn geschehen war, erkannte das Gericht für jeden auf die Mindeststrafe von drei Monaten Gesängnis. Die Strafe wurde bei allen ausgesetzt. Sie haben den angerichteten Schaden jedoch in einem halben Jahre wieder gutzumachen. Das Brötchen und die Zigarre Der Erwerbolose Heinrich A. hatte am 18. Dezember v. J. einen Bekannten getroffen und mit ihnen Bier und später auch Schnaps getrunken. Im betrunkenen Zustende wanderte A. später durch mehrere Geschäfte, in einem Laden ließ er sich Brötchen und eine Zigarre geben. Ohne zu bezahlen, ging er von dort weg. Von einem Schutzmann aufgefordert, mit zur Wache zu gehen, weigerte er sich und wurde widerspenstig. Am nächsten Tage aber saß A. bereits hinter Schloß und Riegel. Weinend gesteht er dem Gericht, daß er die Zigarte und das Brötchen erbettelt hätte. Dafür gob es zwei Wochen Gefängnis und für den Widerstand eine Woche. Die Strafen hat er durch die Untersuchungshaft verbüßt. Schlimme Zeiten S. hatte in der Zeit vom 11. März bis zum 21. August vom Arbeitsamt 362.25 Mark Unterstützung bezogen. Nebenbei aber hatte er in dieser Zeit bei einer Essener Firma gearbeitet und dort 1040 Mark verdient. Das hatte er dem Arbeitsamt verschwiegen und wurde nun wegen Betruges unter Anklage gestellt. Er entschuldigte sich damit, daß er fürchtete, jeden Tag seine Arbeit verlieren zu können, und sich aus diesem Grunde auch nicht gemeldet habe. Tatsächlich erbrachte er den Nachweis, daß die Arbeit nicht douernd wur. Er bekam zwei Wochen Gefängnis unter Strafaussetzung. Er muß den Schaden jedoch nach besten Kräften ersetzen. Reichstagsabgeordneter Pfarrer Lic. Schmidt über seine Partel# Stttliche Grundsötze in der Polltk# Kundgebungen In Gelsenkirchen und Buer (=) Die Parteileitung des Evangel. Volksdienstes von Gelsenkirchen=Buer hatte sich für Dienstag und Mittwoch den Führer ihrer Partei, Reichstagsabgeordneten Pfarrer Lic. Schmibt zu zwei Referaten verpflichtet die im Rahmen zweier größerer Versammlungen in Gelsenkirchen am Dienstag im evangelischen Vereinshaus in der Grillostraße, und am Mittwochabend im Lokale Kampmann in Buer gehalten wurden Die Versammlungen hatten sich eines sehr guten Besuches zu erfreuen, und nahmen einen ruhigen Verlauf, da nur einzelne Gegner der Partei anwesend waren. Pfarrer Gill=Buer, eröffnete die Versammlung. Pfarrer Schmidt ging in seinem Referat davon aus, daß nach der Zusammensetzung des neuen Reichstages von nationalsozialistischer Seite behauptet worden sei. Religion sei eine Privatsache. Die Führer der Partei seien natürlich klüger gewesen und hätren diesem marristischen Satz eine andere Form gegeben: Religion und Politik haben nichts miteinander zu tun. Im Prinzip sei aber diese Formulierung genau dieselbe wie es bei der SPD und man könne deshalb die Feststellung machen, daß der marxistische Satz sowohl auf der äußersten Linken als auch auf der äußersten Rechten Geltung habe. Diese Ansicht entspreche jedoch in keiner Weise den Glaubensbestimmungen und deswegen strebe der Evangelische Volksdienst eine gottgehorsame Politik an, um in der Politik einen weltanschaulich luftleeren Raum zu vermeiden, eine gottferne Politik auszuschalten und eine Reformation des Geistes in der Politik zu erreichen. Die Politik sei heute nicht nur gottlos, sondern auch unsittlich; Politik und Wirtschaft würden lediglich vom Profit diktiert und dadurch sei die Menschheit hineingedrängt in eine sittliche Verwahrlosung. Das Volk sei dadurch innerlich so zerrissen worden, daß sich in allen Volksschichten eine große Entfremdung bemerkbar mache, die kaum zu überbrücken sei. Der Evangelische Volksdienst wolle diese Mauern abtragen und versuchen, über die durch die Entfremdung entstandene Kluft eine Brücke zu schlagen. Man wolle die Geßenkirchener Filmschau Industrie=Kino (—) Der erste mit so großem Beifall aufgenommene Ton= und Spreckfilm mit Pat und Patachon kann nur noch heute auf dem Spielplan bleiben. Eine Verlängerung von„Tausend Worte Deutsch“ ist ausgeschlossen. Im weiteren Programm läuft noch in Erstaufführung ein Film von Boxern, Liebe und Straßenjungen„Zwischen den Seilen".— Morgen, Freitag, der deutsche Ton= und Sprechfilm mit Lissi Arna, Lotte Lorring, Philipp Manning „Seine Freundin Annette“. Zu diesem Ton= und Sprechfilm läuft noch in Erstaufführung„Der Anschlag auf den Depeschenreiter". Dazu noch„Bobby als glückticher Bräutigam“, ein entzückendes Lustspiel und die neue tönende und stumme Wochenschau. Capitol=Theater Heute die letzten Aufführungen des mit großem Beisell ausgenommenen Großfilms: „Das letzte Lied". Hauptrollen Lil Dagover, Lien Deyers, Igo Sym u. a. m. Hierzu noch: Rivalen im Weltrekord“ sowie das große Beiprogramm.— Morgen, Freitag, bringt das Theater den größten und besten Militär=Ton= und Sprechfilmschwank aus der Vorkriegszeit:„Drei Tage Mittelarrest“. 100 Prozent Humor, 100 Prozent Witz. In den Hauptrollen die groze deutsche Komiker=Besetzung: Fritz Schulz, Felix Bressart, Lucie Englisch, Hans Adalbert, Ida Wüst, Gretel Theimer, Henry Bender, Paul Hördiger, Leo Peukert u. a. m. Hierzu der große Sensationsfilm„Wer hat Notbo gesehen?“ In der Hauptrolle Carlo Aldini. Mit Schwung und Eleganz vollführt Carlo Aldini dier seine tollkühnen Kunststücke zu Wesser und zu Lande. Hierzu das große auserwählte Beiprogromm. Mauern so weit abtragen, daß man sich darüber die Hand reichen könne, daß man hinübersteigen und, wenn es gehe, mit dem Gegner auch mal ein Stück Weges zusammengehen könne. Die Männer vom Evangelischen Volksdienst, so führte Redner aus, wollen auch im politischen Leben die Fesseln des Christus tragen, wir erstreben eine neue politische Sittlichkeit und glauben, daß der Grundgedanke der Bergpredigt sich auch im politischen Leben sehr heilsam auswirken kann. Der Redner sprach dann über die Wahl des Reichstagspräsidenten, die immer zum Anlaß„enommen werde, um den Vertretern des Evangelischen Volksdienstes im Reichstag ein Abschwenken vom Programm vorzuwerfen, weil man den Sozialdemokraten Loebe zum ersten Präsidenten gewählt habe. Man habe im Programm des Evangel. Volksdienstes wohl dem Marxismus den Kampf angesagt und auch heute noch sei Loebe als Sozialdemokrat der politische Gegner des Evangel Volksdienstes. Im Programm der Partei habe man aber in erster Linie den Satz von der„Gerechtigkeit im politischen Leben“ niedergelegt. Und von diesem Gesichtspunkte aus müsse man die Einstellung des Evangel. Volksdienstes bei der Wahl des Reichstagspräsidenten beurteilen. Der Posten des Präsidenten habe keinen Einfluß auf irgendwelche politische Fragen, sondern repräsentiere ein Amt, das in neutraler Weise verwaltet werden müsse. Von allen Parteien die schon früher im Reichstag gesessen hätten, sei unumwunden zugegeben worden, daß Loebe „den Kram als Präsident verstehe", daß keiner die Fähigkeiten und die neutrale Einstellung so besitze wie er. Und deswegen sei Loebe jahrelang immer gerade von den Parteien gewählt worden, die jetzt Scholz vorgeschlagen hätten und heute dem Volksdienst die Wahl von Loebe zum Vorwurf machten. Diese Einstellung sei vom Evangelischen Volksdienst auch bei allen maßgeblichen Grundfragen der Politik beibehalten worden. Vor allen Dingen hinsichtlich der Einstellung zum Staat seldst Wir bezeichnen den Staat als eine Ordnung Gottes für diese Welt, wir haben keine Veranlassung, den Staat herabzuNeue Opfer der Ozeaufliegerei setzen, denn es ist ein Gut für unser deutsches Volk, weil er uns die staatliche Ordnung garantiert. Die Bestrebungen, den Staat zu zertrümmern, gehen von einer ganz verhängnisvollen Kurzsichtigkeit aus. Volkstum und Staatetum müssen eine Einheit bilden. Wer glaubt, am Staatssystem rütteln zu müssen, rüttelt an der Einheit des deutschen Volkes. Durch Zerschlagen der Staatsform zerrüttet man das deutsche Volk. Selbstverständlich haben wir auch keine Veranlassung, den Staat in den Himmel zu heben. Wir verurteilen es scharf, daß auf der einen Seite Leute, die sich schwerer Rechtsverstöße schuldig gemacht haben, frei umherlaufen, während man auf der anderen Seite junge deutsche Offiziere, die sicherlich im Sinne ihrer Ueberzeugung gehandelt haben, auf Festung setzt. Deshalo verlangen wir eine Politik, die mehr nach sittlichen und moralischen Grundsätzen betrieben und von dem Geist des Evangeliums diktiert wird. Der Redner kritisiert vor allen Dingen die Mißwirtschaft bei der Festsetzung der Ministerpensionen. Es sei ein Unding, daß man im deutschen Reiche schon 15 Finanz= minister verschlissen habe, von denen viele nicht einmal ihre gesamten Dezernenten kennen gelernt hätten. Der Evangelische Volksdienst trete für eine Verstärkung der Regierungsgewalt ein, vor allen Dingen für eine Erweiterung der Rechte des Reichspräsidenten, den man heute doch im wahrsten Sinne des Wortes als den„Retter Deutschlanos" bezeichnen könne. Bei der Beratung der Bürgersteuer sei der Ev. Volksdienst für Milderungen eingetreten und auch bei Erledigung verschiedener sozialer Fragen(Ladenschluß am Hl. Abend) habe der Evangel. Volksdienst eine durchans soziale Einstellung an den Tag gelegt. Man habe in der Partei„Dienst am Volk“ geleistet und man werde auch weiterhin alle Kräfte ausbieten, um das zu erreichen, was dem deutschen Volke dienlich sei. Pfarrer Gill dankte dem Redner für seine mit langanhaltendem Beifall ausgenommenen Ausführungen und hielt es für angebracht, eine Diskussion über das Referat auszuschalten, was auch im Sinne der Versammlung lag Mit dem Liede „Ein" feste Burg ist unser Got:“ wurden die Versammlungen geschlossen. chen 1 im Vereinslokale Holzapfel um 8 Uhr eine Versammlung ab. Die amerikanische Pilotin Beryl Hart— von ihren Landsleuten„Die fliegende Witwe“ genannt— und der englische Fliegerleutnant Maclaren, die bei dem Versuch, den Atlantischen Ozean zu überfliegen, mit ihrem Flugzeug„Tradewind“ ins Meer gestürzt sind. Pros. Bührer spielt Tschafkowsky Programm des morgigen Sinsoniekonzerto (=) Das sinfonische Ereignis dieses Winters ist das morgen, Freitag. im HansSachs=Haus stattfindende Konzert, dessen Programm wertvollste Sdöpfungen der musikalischen Literetur nennt. An erster Stelle steht die prachtvolle A=Dur=Sinsonie des großen Meisters Anton Bruckner, die jeden Musikempfänglichen in ihren Bann zieht. Die zweite Nummer der Vortragsfolge dringt das B=Moll=Klavierkonzert von Peter Tschaikowsky. Als Solist für dieses Konzert wurde der hervorragende Wiener Pianist Professor Friedrich Wührer verpflichtet. Den Schluß des Programms bildet Carl Maria v. Weders Oberon Ouverture. Des Konzert beginnt um 20 Uhr. Die Leitung liegt in Händen des städtischen Musikdirektors Peul Belker. Vierte Veranstaltung in Vormiete. Tageskarten zu 1, 2, 3. 4 Mark im städtischen Bildungsamt(Hans=Sacks=Haus, Zimmer 228), in den bekannten Verkaufsnebenstellen und eine Stunde vor Beginn an der Abendkesse. (—) Aufnahmeanmeldung zum Aloisiianum Gelsenkirchen. Die Aufnahmeanmeldungen zum Aloisianum Gelsenkirchen haben vom 15. Januar bis zum 1. Februar zu erfolgen. Die Aufnohmeprüfung findet am 5. März statt. (—) Ein lobenewerter Beschluß der Feuerwehr Schalke. In der Generalversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Schalke wurde von den Wehrmitgliedern der Beschluß gefaßt, in diesem Jahre von der Veranstaltung eines Winterfestes Abstand zu nehmen. Es soll dafür aus der Kasse ein Betrag von 60 Mark zur Unterstützung der notleidenden Familien in Schalke gestiftet werden. (—) Selsenkirchener Familiennachrichten. Am heutigen Donnerstag feiern die Eheleute Wilhelm Kasper und Frau Luise ged Sand. die Eheleute Bernhard Wilhelm und Frau Maria geb. Höller. die Eheleute Fritz Schallinger und Frau Josefine ged Schneider des Fest der fildernen Hochzeit. (—) Versammlung der Städtischen Feuerwehr Gelsenkirchen. Heute abend hält die Freiwillige Feuerwehr GelsenkirDer alle Vorstand bleidt Generalversammlung der Horster Feuerwehr O Am Dienstagabend hielt die Freiwillige Feuerwehr Horst im Lokale Beckmann ihre Generalversammlung ab. Oberbrandmeister Jostarndt leitete die Versammlung und erstattete den Jahresbericht. Die Horster Feuerwehr hatte im letzten Jahre den Tod des früheren Oberbrandmeisters Jakob Grauel zu beklagen, dem in dem Bericht warme Worte des Gedenkens gewidmet wurden. Die Horster Wehr mußte im letzten Jahre wiederholt in Aktion treten und konnte in allen Fällen ihre Schlagfertigkeit unter Beweis stellen. In erfreulicher Weise konnte das Ausrüstungsmaterial im letzten Jahre bedeutend erweitert werden. Z. B. ist ein Scheinwerfer, der bei nächtlichen Bränden zur Beleuchtung der Brandstelle Verwendung findet, angeschafft worden. Des weiteren sind der Wehr mehrere Schutzmasken gegen die Rauch= und Gasentwicklung auf der Brandstelle zugeteilt worden. In den verschiedenen Johresübungen der Horster Feuerwehr wurden alle Gerätschaften auf ihre Zuverlässigkeit geprüft. Der Kassenberickt wurde vom 1. Kassierer, Herrn Wewers, erstattet. Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt. Die Vorstandswahl ergab folgendes Bild: Oberbrandmeister: Jostarndt: 2. Brandmeister: Hotten roth: Schriftführer u. Kassierer: Wewers: 1. Steigerführer: Josef Wehmeier; 2. Steigerführer: Ph Freund; 1. Spritzenführer: Werner Weißkirchen. Der Vorstand ist somit vollkommen wiedergewählt. Auch die Netenposten im Vorstand erfuhren dieselbe Besetzung wie im vergangenen Jahre.. besonderes Interesse dürfte das Auftreten der Musterriege finden, die Uebungen am Barren und Reck zeigt. Der Werbeabend findet im Saale des Horster Gesellenhauses am Sonntag, den 25. Januar, nachmittags um 5 Uhr, statt. Programme zu dieser Veranstaltung werden in den nächsten Tagen durch die Mitglieder vertrieben. O Ein Liter Milch 20 Psennig. Die Milchhändlervereinigung Horst, Karnap, Brauck hat eine vorütergehende Senkung des Mildpreises vorgenommen, die wahrscheinlich nur bis zum 1. Februar in Kraft bleibt. Der Milchpreis beträgt 20 Pfennig pro Liter. O Generalversammlung der Frauengruppe der SPD. Heute nachmitteg um 4 Uhr findet im Lokale Hugo Beckmann die Generalversammlung der Frauengruppe der SPD. statt. Frau Zingler. Gelsenkirchen, wird in der Versammlung einen Vortrag halten. O Im Silberkranze. Am heutigen Donnerstag feiern die Eheleute Wilhelm Basteck und Frau Helene geb. Blasinski, Heßlerstraße in Horst, das Fest der silbernen Hochzeit. O Preisverteilung aus der Horster Geflügelschau. Die Schau des Geflügelzuchtvereins e. V. Horst=Emscher war mit 152 Tieren beschickt, eine gute Leistung des Vereins, 16 Mitglieder waren die Aussteller. Die verschiedensten Rassen waren vertreten Herr Würthen errang mit 7 sehr gut und Ehrenpreise und fünfmal gut den Gesamtehrenpreis. Herr Gantenberg bekam den zweiten Gesamtleistungspreis. Herr Hottenroth erhielt mit dreimal sehr gut und Ehrenpreisen und siebenmal gut den Bundesehrenpreis. Herr Holkiether bekam viermal sehr gut und Ehrenpreise und achtmal gut, während Herr Osterhoff auch dreimal sehr gut und Ehrenpreise und achtmal gut verbuchen konnte. Herr Reining erzielte einen großen Erfolg mit dreimal sehr gut, Ehrenpreise und sechszehnmal gut. Die Herren Hayer, Preilowski, Scholz, Hesse. Bein. Holländer. Ostermann, Berk und Kornfeld errangen auch sehr gut, Ehrenpreise und einige Male gut. Im ganzen wurden vom Preisrichter 20 Ehrenpreise vergeben. Die Preise wurden ausgezahlt bei einem Standgeld von 1 Mark. auf sehr gut 450 Mark und auf gut 1,50 Mark. Der Besuch der Ausstellung war leider nicht besonders. Sonntag. den 18. Januar, nachmittags 5 Uhr. ist die Jahres=Generalversammlung des Vereins im Lokale Bein. O Den Paletot gestohlen. Ein an der Nordsternstraße in Horst wohnhafter A. W. hatte sich am 11. Januar in den Abendstunden in ein Lokal zu einer Tanzlust= barkeit begeben und seinen Mantel an einen Kleiderhaken gehängt. Als W. gegen 24 Uhr seine Heimreise antreten wollte, mußte er das Fehlen seines Mantels feststellen. Der Mantel hat einen Wert von 60 Mark, ist graubraun, zweireihig und mit einem Gurt versehen. Städtisches Operhaus, Essen Freitag, den 16. Januar, 19.30 Uhr, findet die Erstaufführung der Oper „Inkermezzo“ von Richard Strauß statt. Die musikalische Leitung hat Felix Wolfes, die Spielleitung Wolf Völker; Bühnenbild: Hermann Härtlein. Die beiden Hauptpartien des Werkes sind mit Tilly Blättermann und Heinrich Blasel besetzt. der Valer des„Schwarzwaldmädels“ O Das Programm des Horster Turnwerbendends. Vorgestern abend wurde in einer Sitzung des Vorstandes des Horster Turnvereins das Programm festgelegt. Die Obmänner der einzelnen Turn bteilungen erstatteten den Bericht über die am Werbeabend zur Vorführung gelangenden Uebungen. Es werden alle aktiven Turnermannschaften sowie die Altersriege und die Damenabteilung mitwirken. Ganz Leon Jessel, der Komponist der„Parade der Zinnsoldaten“ und der reizenden Operette„Schwarzwaldmädel", wird am 22. Januar 60 Jahre alt. Verantwortlich für Politik, Provinz und Vermichtes. Willi Witt, für Lokales, Sport und Feuilleton: Paul Klose; für Theater. Konzerte und bildende Kunst: Dr. Devenheuer: für den Anzeigenteil Ruvolf Heina, sämtlich in Gelsenkirchen=Buer. Berliner Striftleitung: Karl Zischer, Berlin Wilhelmstraße. Belauschte Träume UrbeberTeatle gesc de LIL Buz. M Lincke, Dresden 15. Fortsetzung Martin wandte sich ärgerlich nach ihm um. Der Deteltio stredte iym seine Hand en. gegen und fragte freudig:„Ei guten Tag, Martin!. Wie gehls dir denn? Der Valar in in der Stube! Komm nur mit hinein. Aber vorher log draußen ab. Wenigstens deinen Revo. ver!“ Martin Eller Karrte den Sprecher an. Er bedte plötzlich an allen Gliedern. „Wer— der sind Sie denn überhaupt?“ „Ich habe dir eden gesagt, du sollst ern einmal deinen Schießprügel ablegen! Hast ou verstanden—?“ Diese Worte waren schou wesentlich schärfer gesprochen und mit einer Betonung die keinen Widerspruch duldete „Ich— ich habe allerdings einen Revol der mit!“ stotterte Eller verlegen, während sein Schwiegervater im Nahmen der Tür erschien.„ich habe nämlich heute morgen unseren alten Köter erschießen wollen: aber das Biest ist mir sortgelausen, und nun habe ich das Ding da noch in der Tasche!“ „vel, leg es bin!“ Martin tat, wie ihm befohlen wurde. Pöllig benommen trat er mit in die Stude ein Er war ein kräftiger Bursche mit grob geschnittenen Zügen. In seiner Miene 1g etwaz Verchlagenes. und die gedunsene rötliche Nase verriet seine Leidenschaft für den Alkohol nur zu deutlich. Seine Lugen ruhten niemals auf einem Bunkt. Sie flockerten wie zwei Jerlichter schillernd auf und verhieben nichts Gutes. Wer sind Sie denn eigentlich?“ frag“e er nochmals. Hemmer mißtrauisch musternd„was wollen Sie?“ „ader mein lieder Jungel“ erwiderte Hammer ironisch, dem diese ganze Situation eine unheimliche Freude machte.„S# dast mir sa deine innersten Gedanken verraten! Oder bist du erwa nicht hierhergekommen, um deinen Schwiegervater über den Hausen zu schießen?" Eller sprang jjäh empor. Unwillkürlich machte er eine Handbewegung. als wollte er zu der Wasse greisen. Dann schoß ihm Zornröte ins Gesicht! Er datte sie drauken so dingelegt! Eine zweite, ebenie rasche Bewezung ließ deutlich erkennen, daß er entfliehen wollte. Aber Hammer trat ihm sokort in den Weg „Die Geschichte mit dem Brief hast du dir raffiniert überlegt, mein Lieder! Da konnte schwerlich selbst ein Hammer daHinterkommen, der Stänker, der Aberall ine ungewaschene Nase hineinst. cken muß.“ Er wirderholte absichtlich genau, was er in den Gedanken des Burschen gelesen hat:e Eller war zunächst sprachlos. Er storrte den Detektiv entegt an. „Das— das haben sie von Robert dem Weisen!" sotterte er, während ihm klar wurde, das alles verloren war. „Noch besser: ich habe es Ihnen selbst abgelausch:!“ sagte Hammer ruhig.„Sie werden wohl in der Zeitung gelesen daden, daß ich— Sie gestatten, daß ich mich vorstelle: Dr. Hammer!— wie gesagt, dag a In ich Gelegenh.eit hatte. selbst einmal in den Apparat Roderts der Weisen hineinzuhorchen!“ Eller konnte überhaupt nichts mehr agen. Er datte den Kopf gesenkt. Ader ie Zähne knirschten wütend zusammen. „Sie werden wohl einsehen“. Juhr Hammer fort.„daß es eine Möglichkeit gibt, Sie genau zu beobachten, sa. Ihre geheimsten Pläne klar zu durchschanen. Ich wrde mich jetzt öfter auf Sie einstellen lasse 1. Und wenn ich noch einmal verdrecheriiche Gedanken kei Ihnen bemerken werde. so wird Ihre Stunde geschlagen faben! Edenso werde ich Ihren Herrn Schwiegeroiter veranlassen. Sie zu enterben, falls Sie sernerhin noch dem Trunk ergeden sind. Ich werde Sie auch daraufhin kontrollieten“ Martin Eller schlich wie ein begossener Pudel fort. Er sagte kein Worz mehr.— Hammer freute sich indessen, später zu ören, er sel in einer nahe brik ein guter und geschätzter geworden. gelegenen Arbelter Auch Amelung hatte sich auf Reisen degeden. Er denutzte die Flugpost, um von Berlin in kürzester Zeit nach Breslau zu kommen. Hier suchte er Samuel Rathauon auf. „Hören Sie, Nathanson,“ sogte er.„Sie haben von Seidel u. Co. 300 Taler bekommen, damit Sie mir gegenüber den Mund halten sollten. Ich zahle Ihnen das Doppelte, wenn Sie es nicht tun. Rein, Herr Samuel Nathanson?“ Natyanson hatte seine beiden Daumen im Westenausscnitt vergraben und spreiste die übrigen Finger ab. „Nu, wie heißt das Doppelte, gutester Amelung— wollen wer sage das Dreifache— werde ich reden!“ „Gut!" erwiderte Amelung,„also wie verhält sich das mit dem Eisen?“ Nathanson trat ganz dicht an seinen Besucher heran und raunte ihm etwas Wichtiges in die Ohren, wobei Amelung blitzarlig einen Riesenschwindel durchschaute. Die Folge war eine saftige Klage gesen Seide! u. Co., sowie deren Verurteiung zu einer empfindlichen Strafe und zur Zahlung einer erheblichen Entschädigung an den Großindustriellen. Dieser Fall wurd; später genau in der Presse besprochen und wirbelte begreislicherweise viel Stand auf. Auch Dr. Hammers Erlednis wurde, von iym selber geschildert, der Oeisentlichkeit unterbreitet. und man erzing sich daraushin in den tollsten Vermulungen, welche Folgen die phänomenale Erfindung noch alle zeitigen werde.— Enttäuscht war man aber doch noch, weil trotz aller Aufklärung nichts von dem Namen des Erjinders verlaulete und man gezwungen war, in dieser Beziehung immer noch im Dunkeln zu tappen.— Helling hatte in Nürnberg wie auf glühenden Kohlen gesessen. Als am folgenden Morgen die ersten Nachrichten kamen, üderflog er sie mit fiebernden Blicken Die raffiniert=geschickte Art Wackers erkennend, mußte er trotz seiner inneren Zerrissenheit endlich doch wieder lächeln. Dieser Wacker war wirklich ein famoser. findiger Kopf! Wahrhaftig! Erst am Abend trof ein ausführlicher Brief ein. „Ich brauche gar nicht zu fragen“.— schrieb Wacker, nachdem: alles erläutert hatte,„el ich wohl in Ihrem Sinne so recht tat. Ich weiß es nämlich bereits. Erchrecken Sie bitte nicht, bester Herr Doktor,— aber seit einigen Stunden habe auch ich mit Ihren Gedanken Kontakt bekommen.“ Helling war, als er dies las, wie aus den Wolken gefallen. Sonderbar— diese Möglichkeit hatte er noch gar nicht erwogen! Wacker war allo setzt in der Lage, seine Gedanken genau zu lesen! Der wußte demnach wohl nun auch, weshalb er so plötzlich auf Reisen ging.— Mehr noch.— Wacker konnte seine geheimsten Gedanken durchschauen! Er mußte sogar unterrichtet sein, wie er, Helling, über ihn dachte und urteilte! Es war nur gut, daß dies für den Ingenieur Jediglich schmeichelhaft ausfallen konnte. Aber unheimlich war es eigentlich doch Vor einem anderen durchaus ein offener Buch zu sein—— wirklich peinlich! Es gad doch immer Gedanken, die man selbst einem intimsten Freund nicht verraten würde! Romar von Hanns Herry Hoff Es war nun auch für ihn unmoglich geworden, wie er vor hatte, eine Zeitlang ganz zu verschvinden. Wacker würde ihn immer beobachten können, selbst wenn er an das Ende der Welt ging. Immer konnte einem ein Fremder belauschen!— Helling begann seine eigene Erfindung unheimlich zu werden. Er hatte über diese Art von Folgerungen bislang noch nicht nachgedacht. Jetzt erst kam in ihm eine Ahnung auf, daß mit dieser Erfindung das Prinzip des Geheimnisvollen beseitigt wurde. Würde die Menschheit so etwas ertrogen können?———— Auf Grund all dieser Erlednisse und Erwägungen beschloß er. seinen ursprünglichen Plan einer einsamen Reise über den Hauen zu werfen. Die plötzliche ungewollte Inspannung der Nerven hatte ihn aus seinem Zustinde dumpfer Resignation wieder emporgerüttelt. Auch glaubte er die tiefgreifendste Enttäuschung seines bisherigen Lebens auf diese Weise schneller überwinden zu können. Er ging setzt ganz in der Sache auf, die sprach. Lediglich um einmal auszuspanso unheimliche Dimensionen anzunehmen versprach. Lediglich um einmal auszuspannen, beschloß er, noch einige Tage bei seinem Vetter, in dessen Famtlie er herzlich empfangen wurde, zu bleiden. An Wacker schrieb er indessen: „Stellen Sie sich morgens von 10—11 und abends von 6—7 Uhr auf mich ein. Ich w.rde Ihnen dann durch meine Gedanken sagen, was ich zu sagen habe. I.s übrigen vertraue ich Ihrem Taktgejüh!, daß Sie sich meinem Wunsche gemäß je anderen Stunden nicht auf mich einsteilen werden.“— So gab es jetzt eine Möglichkeit, den fernen Freund durch eine Art Gedankentelephonie zu verstandigen. Ein hochinteressanter Versuch würde es später sein, diees System auf Gegenseitigkeit zu erproben.— Helling ahnte ganz deutlich, daß ihm noch eine Riesenaufgabe bevorstand. Allein die allgemeine Anteilnahme der Oessentlichkeit an seiner Erfindung schien ihm deren Bedeutung klar zu erweisen. T#send Fragen türmten sich vor ihm auf. War es möglich, auf die bisherige Art und Weise weiter zu experimentieren? Wäre es nicht zehnmal gescheiter, einen Stad von Mitarbeitern heranzuziehen?— Die drohende Frage aber war pekuniärer Art. Er würde die Versuche aus eigener Tasche nicht meyr lange bestreiten können! Man mußte da einen Ausweg finden! Mußte andre für die Sache gewinnen. Und das ware eine Kleinigkeit!—— Nach langen Erwägungen schlug Wacker einen vernünftigen Ausweg vor. Und dieser Weg wurde auch eingeschlagen.— " Helling fuhr von Nurnberg aus direkt nach Bertin zurück. Es kostete Mühe und vicle Bestechungsgelder, um bis zu dem für seine Siche waßgebenden Ministerstuhl vorzudringen. S. Exzellenz, Herr von Langer, war glücklicherweise ein liebenswürdiger, kluger„Mensch. Nach endlosem Warten wurde Helling zu einer Audienz bei ihm eingelassen. Der Minister saß in einem hohen Saal vor einem einfachen Diplomatenti'ch. Bei Hellings Eintritt erhob er sich würdevoll. Der Doktor mußte unwillkürlich an Goethe denken. Eine gewisse Aehnlichkeit in der Haltung schien unverkenndar. „Nun, Herr Doktor, womit kann ich Ihnen gefällig sein?“ Helling bemerkte, daß noch ein Kanzletdeamter in dem Raume zugegen und erwiderte: Fortsetzung“ folgt F 2 Jahrgang 1931 Donnerstag, den 13. Jannar Nr. 19 DIEPLAUDERNUNDE BEILAGE ZUM GENERALANZEIGER FÜR DAS EMSCHER-LIPPELAN D Der Liebe Sieg Roman von Margareie Ankelmann 7 Copyrlglh by Martin Feuch wanger,#a#e(Taale) In der Vorstadt von Charleston in Amerika lag eine reizende, weiße, von Efeu umwachsene Sommervilla. Alle Markisen waren heruntergelassen und standen schräg von den Fenstern ab. Die weit vorgebaute Terrasse, mit der breiten Marmortreppe und dem kunstvoll verschnörtelten Geländer, die in den Garten führte, war leer. Ein großer, bunter Schirm beschattete fast die Hälfte der Terrasse, die mit bequemen Korbmöbeln bestellt war. Man war gerade aufgestanden; davon zeugte ein mit feinstem Porzellau bedeckter Tisch, auf dem eine halb geleerte Gebäckschale stand, sowie Teller mit Fruchtschalen und Aschenresten. Zeitungen lagen umher, und auf einem Liegestuhl lag ein aufgeschlagenes Romanbuch. Vor kurzem erst mißte sich die Gesellschaft, die hier getafelt hatte. in den Garten begeben haben oder an den Strand. um im Wasser der Hite zu entflichen. Von der Terasse aus bot sich ein herrlicher Blick auf die üppigen Gartenanlagen. Die breiten, kiesbestreuten Wege waren von grünen Wiesen umgeben: dichte Baumgruppen erhoben sich inmitten der Rasenflächen. Schlinggewächse und viele Orchideen wucherten überall; helleuchtende Blumenbeete durchbrachen das Grün der Wiesen. Unten. vor der Terrasse, plätscherte ein lustiger Springbrunnen inmitten eines treppenartia angelegten Staudengartens. Links. im Hintergrunde. zog ein silberner Streifen entlang, der sich in weite Fernen verlor: das Meer. Auf der anderen Seite des Gartens lag hinter Wiesen und Blumen der Tenuisplatz. Man konnte von der Terrasse aus nichts sehen, als ab und zu einen der kleinen weißen Bälle, die hin und her hüpf en, und die von dem hohen Gitternetz abprallin. Der Neger Jimmy stand gerade auf der Terrasse und schüttelte zufrieden seinen chwarzen Wollkopf, als er das Spiel der Bälle gewahrte. Dann wandte er sich um #ind fing an. Ordnung auf der Terrasse zu schaffen. Er trollte sich ins Haus, sobald er mit seiner Arbeit fertig war; wieder lag die Terrasse in träger Ruhe da. Nur a5 und zu hörte man vom Tennisplatz her einen lustigen Aufschrei. aus irgend einem Baum kam leises Vogelsingen. Der Herr des Hauses ging in seinem großen, hohen Arbeitszimmer auf und ab. Es war Erik Hätton, der Millionär, Chef der weltbekannten und mächtigen Handelsfirma Tobias Jefferson in Neuyork, Erport n Baumwolle. Tabak, Reis, Korn. Speck, Oel und Holz. Lässig streifte Erik Hätton ab und zu die Asche von seiner Zigarre, gleichgültig, or sie auf das Parkett fiel oder auf den schweren Perserteppich. Dann gab er das planlose Umherwandeln auf und warf sich, wie ermüdet, in einen der tiefen Klubsessel. anfatmend, das ergraute Haupt en sie Volsterwand des Stuhles pressend. Er genoß einige Augenblicke die Küble des immers und das Halbs Dann schlug der Mann mit dem grauen Volldart und den vielen kleinen Falten um den Mund die Augen auf und richtete sie groß und traurig auf das riesige Bild an der Wand, das die rückwärtige Front des Zimmers ausfüllte. „Meine Relly!“ kam es von den Lippen des Pannes. Er betrachteie die Frau auf dem Bilde mit unendlicher Liebe. Diese reizende, zarte, ganz in weiße Spitzen gehüllte Frau, die sich plastisch von der dunklen Tür abhob und die süß und lieblich in den Raum schaute. Ein ovales, seines Gesichtchen mit blitzenden, dunklen Augen und einem trotziz geschlossenen Mund. der gar nicht zu dem lachenden Gesicht passen wollte. Auf dem blonden Haar saß ein Diadem von groben Perlen. eine lange Perlenkette fiel über das Kleid fast bis auf die Knie herab. Die rechte Hand der Frau lag auf der Türklinke, als wollte das liebliche Geschöpf gerade die Tür aufreißen und davonflattern. Ja, so war sie immer gewesen, seine kleine, eigenwillige und temperamentsprühende Frau. So hatte Erik Hätton sie kennen gelernt, als er noch der kleine Kaufmann gewesen, der Sekretär von Tobias Jefferson; wohl seine rechte Hand, aber bescheiden, unansehnlich und anspruchslos. Mit zwanzig Jahren war er nach Amerika gekommen, nach Neuyork: er hatte durch Zufall eine Anstellung bekommen. im Büro eines Industriellen, der nach dem Ausland lieferte. Er war seinem Chef bald durch seinen Fleiß und durch seine Fähigkeiten aufgefallen, und als dieser sich zur Ruhe setzte und seinen Betrieb aufgad, empfahl er ihn an Tobias Jefferson. Jefferion fand bald Gefallen an dem jungen Menschen: er schätzte seine Tüchtigkeit und seinen kaufmännischen Sinn, und machte ihn zu seinem Privatsekretär. Erik Hätton durfte selbständiger arbeiten. vertrat seinen Chif, wenn dieser auf Reisen war, und war bald so weit selbst einige Spekulationen durchzufüdren. Hätton hatte Geschick und Glück: die Spekulationen gelangen. So wurde er mehr und mehr die Seele des Betriebes. Das Geschäft wuchs unter der Führung Erik Hättons: die Firma Jefferson errichtete Zweigniederlassungen in Beston, in Washington und Charleston. Man brauchte sich nicht zu wundern, wenn Tobias Jefferson begeistert war von seinem Sekretär und dessen Fleiß. Umsicht und Tüchtigkeit nie genug rühmen konnte. Erik Hätton hatte für nichts anderes Sinn als für das Geschäft; er verkehrte mit keinem Menschen. g;ichte keine Vergnügungen mit und gab nichts auf Aeußerlichkeiten. Jefferson und Hätton besanden sich eines Tages mitten in einer wichtigen geschäftlichen Unterredung, als die Tür zu dem Privatbüro Jeffersons aufging und ein reizendes Geschöpf hereinflog. Es hing am Halse des allen Herrn. ehe dieser einen Laut hatte von sich geben können; man hörte ein silbernes Lachen und eine jun2 Stimme: „Pal, goldiger Pa! Da bin ich! Sei nicht bösel Schnell, setze deinen Hut auf und komme mit hinaus. Der Wagen warket. Es ist herrliches Weiter, und du sollst nicht immer in dem scheußlichen Büro sitzen. Tue mir den Gefallen, sei lied, komm mit!“ Der Vater konnte nicht widerstehen: gutmütig sagte er zu. Während er#i# zurecht machte, sah sich die goldblonde Lady im Zimmer um und erblickte Erik Hätton, der sich diskret zurückgezogen hatte Oh. Pa, du bist nicht allein?“ Dann neigte sie den hülschen Kopf und stellte sich lachend vor:„Nelly Jeiferson.“ „Und das ist Herr Hätion. Nelly, meine rechte Hand. mein Vertreter, von dem ich euch nicht genug erzählen kann.“ „Oh. das ist also der Mann, von dem Vater immerzu erzählt? Sie sind ein Musterexemplar! Schnell, setzen Sie Ihren Hut ebenfalls auf und kommen Sie mit, Heer Hätion! Man erwartet uns zum Tee auf der Terrasse. Ferrie kommt heute mit dem Dampfer an. Wir fahren jetzt zum Hafen und nehmen meinen Bruder gleich mit. Wir kommen dann alle zusammen zu Ma. Oh. das wird ein Aber schnell. schnell. Sie dürfen sich nicht e lange besinnen, Herr Hätton! Schnell!" „Bedaure, Fräulein Jefferson, ich kann nicht: die Arbeit geht dem Vergnügen vor: Einen Augenblick starrten die dunklen Augen den Mann an, der es wagte. eine Einladung Nelly Jefferions auszuschlagen. Ihr einen Kord zu geben. ihr, der die jungen Leute von Charleston zu Füßen lagen. Sie konnte mit allen diesen Männern anfangen, was sie wollte, und die er junge Mann hier... „Also. Heer Hätton. Sie wollen nicht?“ „Bedaure. Fräulein Jekferson.“ „Gut. Komm. Pa“ Fräulein Nelly warf den Kopf zurück und verließ ohne Gruß den Raum Ihr Vater folgte ihr. nicht. ohne sich mit einem freundlichen Kopfnicken oon seinem Sekretär zu verabschieden. Hätton ging an seinen Platz zurück, er hatte viel zu arbeiten. Aber die rechte Lust wollte heute nicht kommen; immer wieder schod sich ein blonder Krauskovf mit blitzenden Augen zwischen seine Arbeit Bis jetzt hatte er sich um die Familie seines Cheis kaum gekümmert. Ganz flüchtig hatte er Frau Jefferson einmal die Hand geküßt, als er sie im Büro kennengelernt hatte. Erik Hätton lebte zurückgezogen und er wollte auch mit der Familie des Chefs nichts weiter zu tun haben Er Leiste zudem viel und hatte keine Zeit für Familienbekanntschaften. (Fortsetzung folgt.) HAN Donnerstag, den 15. Januar 1931 DE UND JNDUST Vereinigte Stahlwerke A. Weiter rückgängige Produktions= und Umsatzzissern für das 1. Quartal 1930—31. Die Produktion der Ver Stahlwerke A.=G., Düsseldorf, in den wichtigsten Erzeugnissen stellt sich im ersten Geschäftsquartal 1930—31(Oktober bis Dezember 1930) im Vergleich zu dem vorhergehenden Vierteljahr und den ersten Geschäftsquartalen 1930 wie folgt: Kohle 1. Quartal 1930—31 5 230 500 Tonnen, 4. Quartal 1929—30 5 65610 Tonnen, 1. Quartal 1929—30 7 350 730 Tonnen, Koks 1 730 567 Tonnen(2088 900 bezw. 2 657 190 Tonnen), Roheisen 947 788(1 020 762 bezw. 1 657 442) Tonnen, Rohstahl 1005 553 (1 083 101 bezw. 1 705 006) Tonnen Die Zahl der Arbeiter und Angestellten hat sich wie folgt entwickelt: Bei den Ver. Stahlwerken waren am 31. 12. 1900 insgesamt 120 954 Arbeiter beschäftigt, gegenüber 134 708 am 30. 9. 1930 und 173852 am 31. Dezember 1929, davon im Steinkohlenbergbau 57•314, gegenüber 65 244 bezw. 86 085. Die Jahl der Angestellten belief sich am 31. 12. 1930 auf 15 854, gegen 16 359 bezw. 15 404. Die Angestelltenziffern für den 5 a chuldduchforderungen abbröckelnd. Am Devisenmarkt blieb die Mark schwach Geld zum Medio #. lansteigend. Tagesgeld 38—-50 Prozent nur ver31. 12. 1930 und den 30 9 1930, sind wegen inzelt 3½ Prozent, Monatsgeld 6¾—75, Proz., Aenderung der Erhebungsgrundlage mit frühe., Warenwechsel 5¾—5 Prozent zirka. ren nicht vergleichbar.I Privatdiskont für kurze Sicht 4 sieben Achtel Der Umsatz mit Fremden belief sich im ersten Prozent, für lange Sicht 4¾ Prozent. Geschäftsquartal 1930.-31(vorläufige Zahlen) auf 231 395 000 RM, gegenüber 276 446 582 NM im 4. Quartal 1929—30 und 356 295 297 RM im 1. Quartal 1929—30(endgültige Ziffern). Davon entfallen auf Abnehmer im Inlande 129 579 000 RM(168 461 260 bezw 219 285 992 RM), auf Abnehmer im Auslande 101 816.000 Festverzinsliche Werte. 88 Pr. Ld. N 19 100. 828 Pr. Ld. Pfd R 4 99; 8% Pr. Ld. Pfd R 13 und 15 99; 88 Pr. Ld. Pfd. R 17 99; 728 Pr. Ld. Pfd R 21 97; 8¾ Pr. Ld. Komm. R 20 97; 8% Pr. Ld Komm. Obl. R 16 96,5; 778 Pr. 2d Komm. Obl. R 6 97.5, 7% Ld. Komm. Ob! .97 9 54 bezw., Kzwpischen den einzelnen Ah. R S 9=.50, 7.52 Pr. Ctr. Bod Pfandbr. Em. 1 ahlen ist der Umsatz zwischen den einzelnen Ab= an.###### m.&. Komm. Em 1 96 teilungen der Ver Stahlwerke und der Umsatz] ablösungssch. 51.6; dio, ohne 4.1; Deutsche der zum Konzern gehörenden Beteiligungen nicht B.ichaanleihe 85.3, dto Wertbest. kl. 92.25; dto. enthalten. Schutzgebietanleihe 1,50. Die spezifizierten Auftragsbstände der Hüt tenwerke und Verseinerungsbetriebe an Eisenund Stahlerzeugnissen, die am 31. Dezember 1930 83 Feingold=Komm. Sch. v.##.1 in den Büchern der Ver. Stahlwerke standen, 522 T.ius#id. Kamm Sch v 28.29 R etma 59 4 Mrozent des entsprechenden 875 Feingold=Komm. Sch. v. 28 29 R Kleine Meldungen Vereinigte Westdeutsche Waggonfabriken A.=G., Köln. Generalversammlung erledigte debattelos die Regularien und setzte die Dividende auf 7 Prozent fest. An Stelle des durch Tod ausgeschiedenen Aussichtsratsmitgliedes Baurat Koettgen wurde neu hinzugewählt Rittergutsbesitzer ornel Berk. Ausführungen zur Geschäftslage wurden nicht gemacht. Liquidation der Vereinigung der deutschen Kaltasphaltfabriken. Die gestrige Tagung der Vereinigung der deutschen Kaltasphaltfabriken hat hinsichtlich des Zusammengehens für 1931 keinerlei Ergeb nis gezeigt. Es ist die Liquidation der Verei nigung beschlossen worden. Ermäßigung der Zinkblechpreise. Der Zinkwalzwerksverband G. m. b. Berlin, hat mit Wirkung vom 13. Januar den Grundpreis für Zinkbleche um 1,50 RM für 100 kg ermäßigt. Vereinigte Stahlwerke A.=G.— Stillegung Siegerländer Gruben. Nachdem andere Gesellschaften bereits früher zu Stillegungen im Siegerländer Erzbergbau geschritten sind, sieht sich, wie WTB=Handelsdienst erfährt, nunmeht auch die Vereinigte Stahlwerke A.=G. infolge zunehmender Absatzschwierigkeiten gezwungen, die Siegerländer Erzgruben„Neue Hardt" und„Bautenberg“ stillzulegen und dort nur noch Notstandsarbeiten verrichten zu lassen. Von dieser Maßnahme werden 750 Arbeiter und Angestellte betroffen. Westdeutsche Bauunion A.=G., Köln. on einer Gläubigerversammlung wurde ein neuer Vergleichsvorschlag vorgelegt, der den Gläubigern zunächst 40 Prozent bietet, auf Grund einer Entschädigungssorderung, die die Gesellschaft gegen eine Siedlungsgesellschaft hat. Der Schadenersatzanspruch stellt sich auf 190 000 Reichsmark. Westag, Westfälische Gewerbe A.=S., Münster. Die Gesellschaft(250000 RM. Aktienkapital) beruft auf den 27. Januar eine außerordentliche Genexalversammlung ein, in der Beschluß über die Liqnidation des Unternehmens gefaßt werden soll Hirsch=Brauerei A.=G., Düsseldorf. aus dem nach 63 499 RM Abschreibungen Rch ergebenden Gewinn von 144 056 RM werden 9 Prozent Dividende für 1929•30 verteilt. Nach Zuwendung von 15000 RM zur Reserve und 45000 RM Rücklagen für Steuern bleiben 12 556 RM zum Vortrag. machen etwa 59,4 Prozent des entsprechenden Auftragsbestandes im Monatsdurchschnitt des Geschäftsjahres 1929—30 aus. Die Aussichten für das lausende Geschäftsjahr werden nicht zuversichtlich beurteilt In der Bilanz betragen Darlehen 438 961 RM, Schuldner 78 486 RM, andererseits Gläubiger 251 466 RM. Wagengestellung für das Ruhrgebiet. Für den Versand von Kohlen, Koks und Briketts wurden am 12. Januar 1931 für das Westsälische Landesbankanleihen. 98.25 93.75; 2/3 98.25; v. 30 R 4 8% Feingold=Komm. Sch. v. 30 R 4 98.25; 8 2 Goldpfandbr. R1 95,75. 7% Pfddrf. Amt R 1 25.50; 8¾ Pfdbrf. Amt R 1 100. Köln weiter stark rückgängig. Köln, 15. Jan. Nachdem schon in dem vorgestrigen Frankfurter Abendverkehr erneut Rückgänge eingetreten waren, machte die Abwärtsbewegung zu Beginn der gestrigen Börse weitere Fortschritte. Eine Verstimmung ging von dem schwachen Neuyork und von dem ungünstigen Vierteljahresbericht des StahlverRuhrgebiet angefordert und gestellt 24638 eins aus. Auf einigen Marktgebieten herausWagen, gerechnet zu je 10 Tonnen; beladen zu rückgeliefert wurden am gleichen Tage 24 476 Wagen, gesehlt haben keine. Börsen Berlin schwach. dkf. Berlin, 15. Jan. Die gestrige Börse eröfflete wie schon vormittags bei der Fülle der vorliegenden ungünstigen Nachrichten eigentlich nicht anders zu erwarten war, in schwächerer Haltung. Der wenig erfreuliche Quartalsbericht des Stahlvereins, der matte Schluß des gestrigen Neuyorks, die Erklärung des Reichsfinanzminilers zu den Etatberatungen und die Erkenntnis, daß sich nunmehr ein Gesamtdefizit des Reichshaushalts von 1 Milliarde RM ergibt, die bevorstehenden Genfer Verhandlungen, die schwache Haltung der Reichsmark usw. waren genügend Momente, um sowohl Stadt und Provinzkundschaft als auch das Ausland zu Abgaben zu veranlassen. Teilweise schienen diese allerdings auch nicht ganz freiwilliger Natur zu sein. Obwohl es sich meist nur um Verkaufsverträge von 6 Mille nominell handelte, summierte sich das bei den Hauptwerten, sodaß Umsätze von 60.—100 Millionen ziemlich häufig festzustellen waren. Hatte man vormittags noch damit gerechnet, daß die Banken gegebenenfalls etwas intervenieren würden, so war man sich später, in Anbetracht dieses Angebots doch wohl darüber klar, daß eine geregelte Interventionstätigkeit im Moment nicht angebracht sei. So traten durchschnittlich Kursverluste von 1—3 Prozent ein und darüber hinaus verloren Reichsbank, Schubert u. Salzer, Schultheiß, Svenska, Chade=Aktien, Kalipapiere, Rheinstahl, Gelsenkirchen usw. noch erheblich mehr. Bergmann büßten auf das Dementis von dem russischen Turbinenauftrag 3¾ Prozent ein. Auch im Verlaufe blieb die Tendenz unsicher. Die Mehrzahl der Papiere erfuhren 1—1,5 Proz. Kursabschläge, nur die vorher stärker geworfenen Werte stellten kleine Erholungsmeldungen. So konnten Svenska, hauptsächlich auf Arbitragekäufe, die Hälfte ihres 10 RM betragenden Anfangsverlustes wieder ausholen. Am Anleihemarkt setzte sich die Abwärtsbewegung der neuen Besitzanleihe nach anfänglicher Minus=MinusNotiz auf 4 ein Achtel Prozent fort. Ausländer geschäftslos, Mexikaner 1 Prozent schwächer. Auch Pfandbriefe neigten zur Schwäche. Reichskommendes Material führte bei der an und für sich schon lustlosen Stimmung zu Kursabschlägen bis zu 3½ Prozent, vereinzelt sogar bis zu 7 Prozent. I. J. Farben lamen 2¼ Prozent niedriger zur Notiz. Montanwerte gaben um 1—1¾ Prozent nach. Darüber hinaus waren Rhein. Braunkohlen um 3½ Prozent, Mannes mann, Gelsenkirchen und Harpener um je 2 Prozent gedrückt. Rheinstahl wurden zu 59 angeboten. Am Elektromarkte betrugen die Abschwächungen bei Felten 2 Prozent, Siemens 2½ Prozent und Schuckert 3 Prozent. Den größten Kursverlust hatten am Bankenmarkt Reichsbankanteile alte minus 7 Prozent und neue minus 4 Prozent. Die übrigen Bankaktien bis zu 1¼ Prozent nachgebend. Im Verlaufe schritt die Spekulation zu Abgaben, sodaß gegenüber Anfang erneute Rückgänge bis zu 2 Proz. eintraten. Rhein. Braunkohlen büßten weiter 2½ Prozent und Salzdetfurth 3 Prozent ein. Der Einheitsmarkt hatte im Einklang mit Ultimo schwache Tendenz. Versicherungen eher leichter. Die Börse schloß schwach.— Heute notierten: Basalt 20½, Bonner Berg. 75, Braunk. Zuk. 75, Kabel Rheydt 127, Kölner Dampf 190, Rh. Braunk. 140 ½, Stollwerck 94½. Auch Essen weiter abgeschwächt. dkf. Essen, 15. Jan. Bei geringen Umsätzen traten am Terminmarkt gestern Kursrückgänge bis zu 9 Prozent bei Wintershallaktien ein. Von Kohlenwerten wechselten Lothringen=Aktien, Deutschland und Constantin zu ermäßigten Preisen ihre Besitzer. Auch Kaliwerte lagen vorwiegend im Angebot. Im Verkehr waren BurbachAktien, Reichsland und Ransbach. Industriewerte waren ohne Interesse. Die Börse schloß weiter abgeschwächt. Berliner Metallbörse. Elektrolytkupfer,(wirebars) prompt, eif Hamburg, Bremen oder Rotterdam 96,75; Raffinadekupfer, loco 89—91; Standardkupfer, loco 85—87; Standard=Blei per Januar 27.25 bis 28.25; Original=Hütten=Aluminium, 98 bis 99 Prozent, in Blöcken 170; desgl. in Walz= oder Drahtbarren 174; Banka=, Straits=, Austral= zinn in Verkäuferswahl 121; Reinnickel, 98 bis 99 Prozent 350; Antimon=Regulue 56—58; Silber in Barren ca. 1000 fein per kg 41,75 bis 43.75; Gold Freiverkehr per 10 Gr. 28—28,20; Platin Freiverkehr per 1 Gramm 3—5. Märkte Berliner Produktenbörse. Weizen, 75—76 kg, märk., prompt, ab Station 252—254, matt; Sommerweizen, 79—80 kg, 275, Berlin: Roggen, 70—71 kg, märk., prompt, ab Station, 151—154, matt; Gerste, ab Station, 199—213, ruhig; Industrie= und Futtergerste 188 bis 194, ruhig; Hafer, märk., prompt ab Stat., 135—142; Weizenmehl, prompt, 29,25—36,50, matt; Roggenmehl, prompt, 23,25—26,25, matter; Weizenkleie 9,25—10,50, ruhig; Roggenkleie 9—9.50, ruhig; Viktoriaerbsen 23—30, kleine Speiseerbsen 23—25, Futtererbsen 19—21, Peluschken 20—21, Ackerbohnen 17—18, Wicken 18 bis 21; Rapskuchen, Basis 38 Prozent, 9—9,50; Leinkuchen, Basis 37 Prozent, 14,80—15; Trockenschnitzel 5,60—5,90; Soyaextractionsschrot, Basis 45 Prozent, 12,60—12,90. Allg. Tendenz: schwächer. Weizen, mit Normalgewicht 755 gr. pro L. vom Kahn oder vom Speicher Berlin, März 271—270,50—271, Mai 281—280.75, Juli 285.50; Roggen, mit Normalgewicht 712 gr. pro L. vom Kahn oder vom Speicher Berlin, März 175 und Brief, Mai 181—180,75, Juli 183,50; Hafer, mit Normalgewicht 475 gr. pro L. vom Kahn oder vom Speicher Berlin, März 151—152 Geld, Mai 159—160 Geld, Juli 167. Frankfurter Getreidebörse. Weizen(Hessen und Provinz Hessen=Nassau) Durchschnittsqualität, Hektolitergew. von 74 kg, gesund und trocken 272,50—274; Roggen(Hessen, Prov. Hessen=Nassau und Unterfranken) Durchschnittsqualität, Hektolitergew. von 70 kg. gesund und trocken 174,50; Sommergerste für Brauzwecke 215; Hafer(inländ.) 157,50—160; Weizenmehl südd. Spezial 0 41,50—42.50; dto. niederrhein. Spezial 0 41,25—42,25; Roggenmehl 26.25—27,25; Weizenkleie 9,.25—9,.50; Roggenkleie 9. Tendenz: ruhig, Futtermittel stetig.„„ Viehmärkte Dortmund. Zucht= und Faselviehmarkt. Auftrieb: 573 Großvieh, 243 Schweine, 49 Kälber. Der Handel war in guten Tieren schleppend. Es kosteten Kühe 1. Qualität 300—610; Rinder 1. Qualität 250—480. Der Handel war am Schweinemarkt sehr langsam. Es wurden bezahlt für 6—8 Wochen alte Ferkel 20—25, für 8—10 Wochen alte Ferkel 25—33, für 10—12 Wochen altFerkel 34—42. Amtliche Berliner Devisenkurse Berliner Börsenkurse vom 14. Januar 1931 Anleihen K-Anleihen Preuß. kons. Anl. 4 4n. Banken Barmerankver Berl Iiand.-Oes e ie Sent m. u. Priv.-Bk. armst. u. N. Deutsche Bank Dr. Hyp.-Bank Diskonto Kommi Dresdner bank ##tield. Credith Preuß. Bod.-Bk. Prß. Centr.-Bd. Prö hyp. A.-B Prß. Pfandbr.-Bk Beichsbank Zehrflahe Hapag Hambr.-Südam. Hansa Damptsch 85.24½5 00 87,25 87.25 100,0/100,0 18.0119.0 210,0s21 106,5/107.( 138,3|140,5 16.01108.0 210,0/213.0 106,0 108.0 3751355 167.5168.( 224,8°250, 7 53,755C 25 B 112.5120 0 10 193.75.97.50 Kosmos Nordd. Lloyd Fisent ahn Feichsbahn V.-A Schantungbahn Hannov Ströb. Prauereien Schulth. Patzenh Portm. Akt. Vortm. Ritter Lortm. Union iser Schlegel Scharp. Wicküler Kupper Sonstige Industrie-Papiere Accun.ul.-Fabr Adl. Vortl. dent Alg. Llektr.-Ges. Annener Cubst. Augsb.-Nurnd. Dalcke Naschin. arop. Welzverl Basalt A G Lemb. I. P. erger L. Tiefd. ar. l. an Llektr Perl. Cub. Hutt. 54,00,56,75 84,00/84 62 71,25/70.50 138,8/141.0 100.0/165.0 184,0s186.5 167,0 175.0 45,0044.00 14 1133,5s133, 14 1185.3/185.5 8 110.0/—.— 1 9 85.87/88 C0 0 /42,2542.75 6 58.00 56.25 10 113.01. 0 30,40 300 0(20.75 21,C0 3[43,10/4400 20 182, 3s115 0 90.00 96 K5 + 1137.8157.8 Berl. Karler Ind Berthold Nessg. Bösperde Walz. Braunk. u. Brik. Buderus Eisen Byk Culdenw. Charlb. Wasser Chem. Ind Celsk Cont. Caoutsch. Daimler Notor Oessaller Gasg. Deutsch. Erdo Disch. Kabelwerk Otsch. Eisenhdlg. Dynamit A. Nobe Llektr. Lieferg. El. Licht u. Kraft Ischw. terg. lssen Steink. I. G. Farbenind Feldmühle Pap. leiten& Cutll. #rktt. Nasch. l. 4. Friedrichhütte Geisenk. Lerg. Gern ania Lem. Ges. i elekt. U nt T. Goldschmidt Cruschn. Jext. Cutmann, M. achethal Draht 42,5042.50 25,00/25 00 33.00/33.00 109.8110.3 40.12/40.25 41.5042. 75,00/77.00 46,50/46,50 102,3/106, 20,00/20,75 93.7597.50 53,6257,0 50,37/52.00 34.12/35,50 57,000 91,00/91 00 89,2594,87 158010 12[116·6/121. 12 94.25/99.00 71 69,25/71.50 4 14,75/14.87 0 116,0116.0 8 71.00 75.00 14 /65,10/68.00 10#85.00 88. 50 5[24,00/30.00 5 50,0050.00 01—.— 0 S 155,0059,00 Hallesch. Masch. Hammersen F. annov. Masch Harpener bergb. Hüger Verzinkerei Apert Nasch. Hirsch. Kupfer Hiösch Fis. St. Tlolzmann Phil Horchwerke Hutschenr. C. M lutschenr. Lor. lise bergbau Industriebau Kahla Por. Kali Aschersieb. Karstadt kud löckner Wk. Köln-Lindenth. M Köln-Neuess B Köln Cas u. El Körting, Gebr. Kromschröd, G. Kuppersbusch Lahmeger& Co. Laurahutte Lindes Eism. Lindaröm. Car Loewe& Co. Ludensch. Met. a,db. Bergw. 5 00800 Magirus a. D. Nannesm.-Röhr Hannsfeld. Bergb Vech. Web.-Lind 40,00 /40.50 Met.-Bk. u. Meta 80,25/80 001 eyer H.& Co. 12,8/115.01 Mix& Cenelt. Hotoren Deutz Mulheim. Bergb. National-Aut. Natronzellstoft Neck arwerke Nordd. Kabel „ Wolle Nordw. Krattw. Oberschi. Eb. Bd. „ Koks Orenst. amp; K. Peters Union Phoenix Braunk. Polyphonwerke Prestowerke #eish. Papiert. Ichein. Braunk. " Elestriat " Spiegelg### „ WW. Elestr „-W. Kakw. „ WW. Sprgst. hein. Stahl schenanis cnem. 78.00/79.00 13.0014,50 68.00/72.25 —.—0000 67,00/68,25 1.00025 43,0050 63,25/65.00 159.3/160.0 —.—0 24.00/25.00 121,0s121,0 C0.650 49,00/50.75 1.O0 64 75 48,75/48.75 30.00 30 79.00/82.00 103.0/109.0 * 32.0032.00 16[132,0s133 8 26(375,0/385.0 K 4500 4500 0 34.00 34.50 12.00s13.00 54.5053.00 31.12/31.62 53 2554 00 3.25/66.00 100,0100 105 0/105,0 46.00 77.00/78.00 7.00 7.00 113.0 21.5/121 36.62/33,50 138,0 3.5032.00 60.0 33.87 40.00 168 134 3135.0 45.00 141 10 139.8 10 H10KUT2,0 108.0 24.4 12 107.0 10 121,3 48/45 50—.— o 157.25/63,00 —— 143.9 diebeck Montat to der gruben üt gerswerke Sachsenwer 4 " Th. Portl. Z. Salzdetf. Kali Sarotti Jaxonia Portl.-2. schering chem. Schubert-Salz Schuckert& Co Schwel.n. Eisen sielnens-Glas Siemens I1alske Stoll berg, Zinkh. Stoll werck Toerl's V. Oel. Tietz, Leonhard Ver. D. Nickelw. " Glanzst blb. " Stahlwerke Volgt& Hacffn. Warstein, Gebr. Wasser w. Gels. Westerregein Alk. West. Dinnend. Wicking. Prtl.-2. Wittener Gubst. Zellstoft Waldhof teu-Uüinea Stav 70 7,2/68.25/71.25 40.501.25 70.00 70.00 72.00 72.00 18.5/186,0 81.00/80 12 C 106010300.000 107.01150 99,50105,0 108.8/108, 8. 93.25/35.00 138.8/140 36.50/40.25 51.25/5212 1.50 50 71.00 77.00 53,00/66.00 -48,148.0 100.0/101,0 18.5118,8 127.0s130 r 10 S4 S7 50 13,00.00 — 3M0 50 10 1900 120 I. 30 MA # i# A Donnerstag, den 15. Januar Jahrgang 1931 44 * Neun für zehn Die neue Sieuerquelle 0 Das neue Jährchen das wir mit vielerei tapferen, wenn auch etwas bangen Wünschen aus der Taufe gehoben haben, beginnt allmählich damit, seine Nucken zu haben. Den meisten Untertanen wird es von Tag zu Tag klarer, daß der Staat nicht ganz unbeteiligt an der Vaterschaft des Kindleins ist. Denn das einnehmende, ewig saugende Wesen, das es an den Tag legt. deutet unleugbar darauf hin. Erbliche Belastung. Kaum in der Wiege, schrie es auch schon nach der Bürgersteuer. Die hat es nun bekommen und scheinbar bereits vernuckelt, denn es schreit schon wieder. Es will mehr haben, entwickelt einen Mordshunger. Jetzt sind die Zigarettenraucher daran, neben ihren sechs Mark Bürgersteuer auch noch ein Zigarettenopfer zu bringen, das die weitere Pflege des hungrigen Kindleins gewährleistet. „Neun für zehn“, heißt die Losung, wer zehn Zigaretten hat, gebe dem Staat eine, der gar keine hat. Wer keine zehn Zigaretten kaufen kann, ist von dieser Forderung befreit. Und wieviele sind es schon heute, die gleich zehn kaufen, um eine davon abgeben zu können, gleich zehn auf einmal? Bestimmt die wenigsten. Der Staat predigt Sparsamkeit, er hat sie so oft gepredigt, daß man allmählich nicht mehr umhin kann, seinen väterlichen Ermahnungen Rechnung zu tragen. Es bleibt einem ja auch nichts anderes übrig. Und Vater Staat wird sein blaues Wunder erleben, ein hauchzartes blaues Wunder— von dem wenigen Zigarettenqualm, der nach seiner neuesten Zigarettensteuer übrig bleiben wird. Herr Dietrich sollte sich einmal einen Nachmittag lang in einen Tabakwarenladen stellen und sein spitzäugeln, wer da alles reinkommt und wieder rausgeht, ohne sich„neun für zehn" erstanden zu haben. Nicht, daß nicht jeder bereit wäre, dem Staat eine Zigarette zu schenken, damit er sich über Wasser halten und das Jährchen 1931 recht und schlecht durchpäppeln kann; aber erst einmal zehn Zigaretten als gesetzlich kleinste zulässige Menge zu erstehen, um eine davon abgeben zu können, da liegt der Staat im Pfeffer, und Herr Dietrich dazu! Die Kunst des Zigarettendrehens wird jetzt fleißig überall disputiert und auch schon fleißig geübt. In obskuren Kneipen flüstern wenig vertrauenerweckende Gestalten an verschwiegenen Tischen vom Tabakschmuggel jeder Art. Es liegt auf der Hand, daß nicht jeder zehn Zigaretten erstehen kann, wenn man nur für dreie oder viere Geld flüssig hat, und das werden die meisten sein. Also schränkt man sich ein, nassauert sich durch, soweit es angeht, oder ersteht zu dreien neun Zigaretten, vorausgesetzt, daß sich drei Zigarettenraucher gerade nach ihren Bedürfnissen zusammenfinden und sich einig sind. Dem Staat eine Zigarette schenken, das ginge schon(obwohl man sich leise weinend sagt: „Ich habe schon so viel für dich getan, daß mir zu tun fast nichts mehr übrig bleibt“), aber nicht über die Formel: Du hast zehn zu kaufen, um eine davon abzugeben. Am grünen Tisch scheint man über das Gros der Zigarettenraucher sehr schlecht unterrichtet gewesen zu sein. Wichtige Gerichtsentscheidung für Autofahrer die gefährlichen Slampsasphaltstraßen Das Amtsgericht MülheimRuhr fällte in diesen Tagen in zwei Prozessen gegen Kraftfahrer Urteile, die wegen ihrer Begründung allgemein interessieren dürften. Die beklagten Fahrer waren trotz mäßigen Tempos auf der Duisburger Straße in Mülheim=Ruhr, die mit Stampf=Asphalt belegt ist, ins Rutschen gekommen und hatten mit ihren Fahrzeugen Personen verletzt. Stampf=Asphalt ist ein weiches Kalkgestein mit eingeschlossenen Bitumen, das zusammen mit Wasser schmierend wirkt und schon unzählige Unglücksfälle im Inund Auslande verursacht hat. Auf dem letztjährigen Internationalen Straßenbaukongreß in Washington waren sich deshalb die Delegierten der ganzen Welt in der Verurteilung des Stampf=Asphaltes einig. Stampf=Asphalt, der aus dem Ausland eingeführt wird, muß heute als veraltet bezeichnet werden und wird vielfach durch Behandlung mit heißem Teer und gleichzeitigem Aufstreuen von Steingrus mit Erfolg tauh gemacht. Auf der Duisdurger Straße war der Asphalt nicht aufgerauht worden. Der vom Gericht vernommene Gutachter erklärte, daß der Asphaltbelog bei Regenwetter für Autofahrer eine große Gefahrenquelle sei. Die Straße sei eden nicht nach modernen technischen Erfahrungen gebaut worden. Bei Unglücksfällen im Regenwetter auf solchen Straßen treffe den Autolenker meistens keine Schuld. Auch bei ganz geringem Tempo sei die Gefahr des Schleuderns und Rutschens groß. Das Gericht schloß sich dieser Auffassung an; es kam zum Freipruch. Beachtenswert in auch die Aufsassung des Gutachters, daß für Schäden, die infolge der ungenügenden Bauart einer Straße entständen, der Straßenunterhaltungspflichtige aufkommen müsse, der die Straße in diesem gefährlichen Zustand lasse. Das Wiedersehen im Weindorf Eingemeindungs-Reminiszenzen in der Marler Amtsvertretung„ Herr Zahneisen von der KPO war mit dabel„ Weiteres Anschwellen des Wohlfahrtsetats (!) Daß im Jahre 1931 noch einmal die Eingemeindungstämpfe ausziehen würden, das konnte man nicht voraussehen. Go aber geschah es in der Marler Amtsvertretersitzung vom 14. Januar 1931 bei Annahme der Jahresrechnung für 1328. Und weil die Zeit heute hinter uns liegt, weil man im allgemeinen aus dem Standpunkt steht:„Nie wieder Eingemeindung!". so kann man eine solche Erinnerung in einer Zeit wirtschaftlicher Flaute durchaus brauchen, denn, manches, was ja in vergangenen Jahren bitterer Ernst war, das bekommt heute heitere Lichter aufgesetzt. Bei Abnahme der Jahresrechnung für 1928 rüstete sich der Chef der Kommunisten, Herr Zahneisen, zu einer Generalabrechnung. Er hatte, was übrigens alle längst wußten, herausgefunden, daß eine Eingemeindung sehr kostspielig ist und daß die Rechnung für 1928 durch die Eingemeindungslasten eine Anschwellung erfahren hatte. Im Eiser des Gesechtes unterliesen Herrn Zahneisen zwar einige Jertümer: So war Herr Heiland von der SPD nicht mit dem Flugzeug von Berlin nach Koblenz gefahren wie es Herr Zahneisen gehört hatte, sondern vielmehr mit dem Nacht=D=Zug. Und, was das Schlimmste war: Bei den Eingemeindungsdelegierten, die im Weindorf bei Koblenz, die mehr oder minder notwendige Abspanung suchten, war Herr Zahneisen selbst. Das war ihm augenscheinlich bei seiner Philippika entgangen und er mußte sich erst mal wieder von Heren Erfurth(Rechte) das Gedächtnis stählen lassen, aber dann erwiberte er, daß er die bürgerlichen Vertreter bei seinem Besuche im Weindorf habe revidieren wollen, er wollte sie nach seinen Worten in Schwung bringen. Wie weit das richtig ist, entzieht sich freilich der allgemeinen Kenntnis, da man ja auch in das Herz des Heren Zahneisen, der ein sehr impulsiver Redner, aber im Grunde seines Herzens wohl ein gemütlicher Sachse ist, nicht hineinsehen kann. Jedenfalls gab es sehr viel Heiterkeit und das kann schließlich auch in einer Amtsvertretersitzung nicht schaden. Ob und wie in der Eingemeindungszeit gesündigt wurde, das kann uns ja ziemlich gleich sein, denn diese Sünden können wir ja doch nicht wieder gutmachen. Jedenfalls ist es vorläufig mit den Wiedersehen im Weindorf vorbei und dagegen ist nichts einzuwenden. Die Zeiten haben sich geändert: Nach der Eingemeindung kam die Wirtschaftsnot.„5 gucke mutatio rerum. Die übrigen Punkte der Tagesordnung brachten wenig Wichtiges. Einige Etatsüberschreitungen für 1930 wurden genehmigt, die RPD ging erneut gegen das Wohlfahrtsamt vor, aber als sie den Antrag stellte, daß die aus ihrer Arbeit entlassenen Bergleute unterstützt werden sollten, bedachte sie nicht, daß sie selbst die erste Unterstützungspflicht hätte, weil sie je doch den Stein ins Rollen brachte. Bewerlenswert war die frische und energische Art, so etwas„neuen Geist“, den Bürgermeister Willecke in die Amtsvertreter in die Amtsvertretersitzung brachte. Der Sitzungsverlauf Herr Zahneisen klagt an Nachdem die K. P. D. einen vergeblichen Versuch gemacht hat, die Geschäftsordnung durch eine Anfrage zur Geschäftsordnung aufzuhalten und zu komplizieren, spricht Bürgermeister Dr. Willecke zu Punkt 1 der Tagesordnung„Jahresrechnung für 1928“, der nach gründlicher Durchsprache in der Vertrauenskommission zur Annahme reif geworden sei. Herr Zahneisen(KPD) ist darüber anderer Ansicht. Er spricht von einem abgekarteten Spiel der bürgerlichen Parteien, da die KPD verspätet zu der Vertrauenskommissionssitzung eingeladen worden sei. Die KPD habe darum keine Gelegenheit gehabt, die Jahresrechnung zu prüfen. Es seien aber einige Ausführungen zu machen, die dem Verhalten der KPD recht gäben. Wenn man der KPD gefolgt wäre, so würde es nicht zur Unterschlagung der Landesschulkassengelder gekommen sein. Besonders belastend seien im Jahre 1928 die Eingemeindungskämpfe gewesen, bei denen die Delegierten sich in Koblenz stets„im Weindorf“ einem Restaurant, eingefunden hätten. Damals wären„Gruppenkolonnen“ nach Berlin gereist. Herr Heiland sei, soviel er gehört habe, einmal in einer Eingemeindungssache von Berlin bis Koblenz mit dem Flugzeug gefahren. Die KPD wisse ganz genau Bescheid darüber, daß Schindluder getrieben worden sei. So sei z. B. Gemeindevorsteher Hoffmann nach Koblenz delegiert worden, aber anstatt den Landgemeindetag zu besuchen, habe er immer im Weindorf gesessen und sich dort betrunken. Ferner habe Beigeordneter Wegener Aufwandtsentschädigungen zu gleicher Zeit mit dem damals kranken Bürgermeister bezogen. Auch habe Beigeordneter Wegener einmal eine zeitlang den Arm in der Binde getragen. Erst als die KPD beim Landrat vorstellig geworden sei, sei das anders geworden. Bürgermeister Dr. Willecke ruft Amtsvertreter Zahneisen zweimal zur Sache. Herr Zahneisen unterbricht seine Rede für kurze Zeit mit den Worten:„Ja, das können Sie machen" und fährt dann in seiner Rede fort. Er beantragt, daß die Jahresrechnung zurückzustellen sei, bis sie auch von der KPD geprüft worden sei. Amtsvertreter Erfurth(Rechte) stellt fest, daß die KPD ja auch nach der fraglichen Sitzung Gelegenheit gehabt habe, die Jahresrechnung zu prüfen(Zuruf Zahneisen:„Einem Erfurth wird man das Recht gestatten, nicht aber einem Zahneisen") Des weiteren weist Amtsvertreter Erfurth darauf hin, daß er auch Heren Zahneisen im Weindorf wiedergesunden habe.(Erneuter Zwischenruf Zahneisens, daß er nur im Weindorf gewesen sei, um die anderen in Schwung zu bringen.— Bürgermeister Dr. Willecke weist Amtsvertreter Zahneisen darauf hin, daß er gegenwärtig kein Rederecht habe.) Dementie Amtsvertreter Heiland(SPD) weist darauf hin, daß er nicht mit dem Flugzeug von Berlin nach Koblenz gefahren sei, sondern mit dem Nacht=D=Zug. Im übrigen stimmt er der Jahresrechnung zu. Beigeordneter Wegener verwahrt sich gegen die Angriffe Zahneisens. Wenn Herr Zahneisen behauptet habe, er, Wegener, habe einmal den Arm in der Binde getragen, so könne er zu solchen Anwürfen nur sagen:„Niedriger hängen!“ Im übrigen werde er zu den Angriffen Zahneisens nicht mehr Stellung nehmen. Sowohl von den Rechnungsprüfern Erfurth(Rechte) und Jostmeyer(Ztr.) sind keine Unregelmäßigkeiten aufgedeckt worden. Auch Amtsvertreter Degeling (WP) stimmt der Rechnung für 1928 zu. Bürgermeister Dr. Willecke betont nachdrücklich, daß die damalige Amtsverwaltung durchaus korrekt verfahren habe. Bürgermeister Dr. Willecke weist im Verlauf der Diskussion die Behauptungen Zahneisens bez. der verspäteten Einladung zur Vertrauenskommssionssitzung zurück. Auch sitze nicht Zahneisen in der Vertrauenskommission, sondern Amtsvertreter Uhlenbruch von der KPD., der ordnungsgemäß eingeladen worden sei. Amtsvertreter Stefanski(KPD) gibt dazu die Erklärung ab, daß Amtsvertreter Uhlenbruch wegen der Streiklage nicht habe kommen können. Inzwischen ist ein Antrag auf Schluß der Debatte eingelausen, der gegen die Stimmen der RPD angenommen wird. Die Jahresrechnung für 1328 wird mit allen Stimmen gegen die der KP2 angenommen. Der Bürgermeister stellt die Mehrheit durch Aufstehenlassen von den Sitzen fest. Amtsvertreter Heiland meint dazu, das Handaufheben genüge und es nicht solcher„Notzüchtigungen" bedürfe. Bürgermeister Dr. Willecke widerspricht dem, weil es sich ja um eine große Debatte handele. Etatsüberschreitungen Zu den Etatsüberschreitungen für 1930, die zwischenzeitlich notwendig werden, spricht eingehend Bürgermeister Dr. Willecke. Er legt dar, daß die Hauptüberschreitung in Höhe von 200000 Mark auf die Wohlfahrtslasten zurückzuführen sei, die in Marl relativ höher waren als selbst in Recklinghausen. Die anderen Etatsüberschreitungen sielen demgegenüber nicht ins Gewicht. Sie seien zwangsläufig: So die Polizeikostenzuschüsse für 1928 in Höhe von 11 872 Mark, erhöhte Porto= und Telephonkosten trotz größter Sparsamkeit und Kontrolle der Privatgespräche in Höhe von 1000 Mark, Erhaltung der Wohnbaracken mit 1000 Mark, Krankenautounterhaltung 2000 Mark, die z. T. wieder eingebracht werden, Verschiedene Ausgaben, zu denen die Aufwendungen für die Reichstagswahl in Höhe von 4476 Mark gehören, Instandhaltung der Amtswohnung mit einem Mehr von 1300 Mark, Steuermehr von 200 Mark. Bürgermeister Dr. Willecke appelliert erneut an die vorgesetzte Behörde, die endlich einsehen müsse, daß dem Amt Marl geholfen werden müsse. Nachdem Amtsvertreter Zahneisen (KPD) gegen die Polizeikosten und gegen Rationalisierungsmaßnahmen im Bergbau gesprochen hat, die dazu führten, daß eine Seilbahn in wochenlanger Arbeit angelegt würde, nur damit ein Pferdejunge erspart werden würde, wird dieser Punkt gegen die KPD angenommen. Herr Zahneisen interessiert sich für Grundstücksfragen Ohne größere Debatte werden Grundstücksangelegenheiten angenommen, zu denen Amtsbaumeister Birkenfeld eingehend spricht(Es handelt sich um die Anträge Espeter und Mengede). Amtsvertreter Zahneisen(KPD) rügt, daß man sich von der Lage der Grundstücke kein genaues Bild machen könne. Baumeister Birkenfeld geht daraufhin mit dem Plan zu Amtsvertreter Zahneisen und zeigt ihm die Grundstücke. Amtsvertreter Zahneisen gibt sich mit dieser Aufklärung zufrieden. Nachdem auf Anfrage Erfurth (Rechte) dargetan worden ist, daß die Zinslasten in den Preis von 28.50 Mark je Quadratmeter miteinbegriffen worden sind, wird dieser Punkt angenommen. Ohne größere Debatte wird auch der Punkt Verkauf des Pferdekrankenwagens angenommen. Abgelehnter Dringlichkeitsantrag Die KPD hat einen Antrag gestellt, demzufolge diejenigen, die durch den Streik ausgesperrt worden wären, sofort in Unterstützung genommen würden. Nachdem Bürgermeister Dr. Willecke darauf hingewiesen hat, daß selbst bei Annahme des Antrages nichts geändert werden würde, weil die entsprechenden Bestimmungen entgegenliefen, wird die Dringlichkeit verneint. Die Amtsvertretersitzung schließt damit. In der Grube überfahren Das Thema einer großen parlamentarischen Antrage] Der Ted des Hauers Gesing Das Nachspiel vor dem Gladbecker Gericht Die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages hatte im Zusammenhange mit der Frage der Grubensicherheit im Preußischen Landtage eine große Anfrage eingebracht, die sich auf einen Unfall auf der Zeche Graf Moltke III/IV in Gladbeck bezog, bei dem der Hauer Gesing zu Tode gekommen war. Die große Anfrage selbst ist zusammen mit der Schuldfrage der Bergwerkskatastrophen in Neurode und Alsdorf dem Ausschuß für Handel und Gewerbe zur weiteren Bearbeitung und Klärung überwiesen worden. Der Unfall selbst stand am Dienstag vor dem Gladbecker Schöffengericht zur Verhandlung. Unter der Anklage, die Schuld an dem Tode des Hauers Gesing zu tragen, stand der Lokomotivführer Sa. aus Horst, der bereits fünf Jahre als Lokomotivführer tätig ist. Sa. hatte, wie die mit einem umfangreichen Zeugenaufgebot vorgenommene Beweisaufnahme ergab, an dem Unglückstage, dem 13. September, kurz vor Ausfahrt der Mittagschicht seine elektrische Grubenlokomotive im Hauptquerschlag auf der vierten Sohle zum Scacht fahren wollen. Plötzlich blieb infolge Kurzschlusses die Lokomotive stehen und Sa. stieg, ohne die Kurbel der Lokomotivführung zurückzuschalten, von der Lokomotive ab, um nach der Ursache des Stehenbleibens zu sehen. Im gleichen Augenblick setzte der Strom wieder ein. Die führerlose Lokomotive setzte sich mit erheblicher Geschwindigkeit wieder in Bewegung und fuhr auf zwei den Querschlag entlangkommende, auf dem Wege zum Schacht befindliche Bergleute los. Während der eine, ein Schießmeister, nur leichte Verletzungen erlitt, wurde Gesing von der Lokomotive zu Tode geschleift. Die Beweisführung ergab, daß zweifellos eine kurze Betriebestörung infolge Kurzschlusses, für den S. den größeren Teil der Schuld trug, da er unter keinen Umständen die Lokomotive verlassen durfte, ohne die Maschinerie mitzunehmen. S., der durch den Unfall seine Stelle verloren hat, dem im übrigen aber das denkbar beste Zeugnis ausgestellt wurde, wurde entsprechend dem Antrag des Staatsanwalts zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten verurteilt; doch wurde ihm eine dreijährige Bewährungsfrist gegeben. Am Tage der Eröffnung wird der Verbandsdirektor einen Rückblick auf die zehnjährige Arbeit des Verbandes wersen und dabei einen Lichtbildervortrag zeigen, wie es vor der Gründung des Verbandes im Ruhrgebiet aussah und wie es seit seinem Bestehen geworden ist. Dann wird der Verbandsdirektor den Haushalt einbringen, worauf die Beratungen der Fraktionen und der Ausschüsse einsetzen. Ihnen schließt sich am zweiten Tag die große Aussprache mit Beschlüssen der Verbandsversommlung in bezug auf Haushalt und andere wichtige Fragen des Verbandes an. Reichstagsabgeordneter Herol f Protest der Oftmärker gegen den volnischen Terror # Der Bezirk V des Reich sverbandes heimattteuer Ost= und Westpreußen, der in den Orten Gladbeck, Bottrov, HorstEmscher, Sterkrade. Osterfeld, Holster hausen und Hervest=Dorsten elf Ortsgruppen mit einer Mitgliederzahl von 3200 umfaßt, hielt seine Haupttagung in Gladbeck im„Hotel zur Post“ ab. Der Bezirksleiter Jablonski(Bottrop) erstattete den Geschäftsbericht, aus dem hervorging, daß die Mitglieder in allen Ortsvereinen erfreulich zugenommen, und daß sich in Gladteck=Zweckel eine neue Ortsgruppe gebildet hat. Auch der Bericht des Bezirkskassenwarts Czypull(Bottrop) lautete günstig. Die Wahl des Bezirksvorstandes hate folgendes Ergednis: Jablonski(Bottrop) 1. Vorsitzender; Witt(Gladbeck) 2. Vorsitzender: Prohl(Bettrop) 1. Schriftführer: Kovenhagen(Bottrop) 2. Schriftführer: Czypull(Bottrop) 1. Kassierer; Hermann Meyer(Bottrop) 2. Kassierer. Einem Antrage des Vorstandes folgend, wurde beschlossen, vom Bezirk aus die Patenschaft des Grenzkreises Stuhm zu üebrnehmen. Der Patenort soll nicht nur durch Geld und Sachleistungen, sondern auch durch engere Fühlungnahme moralisch unterstützt werden. Außerdem gab der Vorsitzende rekonnt, daß der Bezirk an den Reichsaußenminister ein Protestschreiben gegen den polnischen Terror gerichtet und dringend darum ersucht habe, die nötigen Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Vom Ruhrsiedlungsverband der Verbandskraßzendau son Vorigesett werden # A l s e r s t e d e r g r o ß e n k o m m u n a l e n Verwaltungen hat der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk den Haushalt für 1931 fertiggestellt. Die Verbendsumlage wird etwas gesenkt. Der Finanzausschuß hat die Ausgaben sehr eingeschränkt, jedoch so, daß die Aufgaben des Verbandes nicht vernachlässigt werden. Vor allem sprachen sich alle Mitglieder des Ausschusses, sowohl die Vertreter der Wirtschaft wie die Vertreter der Kommunen, in Uebereinstimmung mit der Leitung des Verbandes dafür aus, daß der Verbaudostraßendau. für den bisher insgesamt 44 Mill. Mark aus Anleihen verausgabt wurden, fortgesent werde. Dabei richtet der Verband sein Hauptaugenmerk auf die Fertigstellung der großen Verbandsstraße OW 4 Dortmund— Bochum— Mörs. Die Rheinprovinz hat in den letzten zwei Jahren dem Ruhrsiedlungsverband zum Verbandsstraßenbau je eine Million Mark zur Verfügung gestellt. Im Ruhrgediet würde man es gern sehen, wenn die Rheinprovinz den Ruhrbezirk noch etwas höher bedächte. Früher wurde die Verbandsversammlung an einen. Tag abgewickelt. Diesmal erstreckt sie sich auf zwei Tage. 29. und 30. Januar. Landesökonomierat Dr. Dr. ehrenhalber Herold, der als Zentrumsabgeordneter dem Preußischen Landtage seit 1889, dem Reichstage seit 1898 angehörte, ist, wie wir gestern meldeten, am 13. Januar im Alter von 82 Jahren in Münster gestorden. Die Beisetzung des verstorbenen Abgeordneten Dr. Herold Die Beisetzung des am Dienstag mittag in der Naphael=Klinik zu Münster verstordenen Reichs= und Landtagsabgeordneten Dr. h. c. Herold erfolgt am Samstag morgen 9 Uhr auf dem Friedhof in Amelsbüren. — — — — Nummer 15 Donnerskag, den 15. Januar Jahrgang 1331 Am Schachbrett Schachverein Buer geschlagen Gladbeck bestischer Schachmeister In der dritten Runde der Vestischen Vereinsmeisterschaften trafen am Sonntag in Buer die Favoriten Gladbeck und Buer auseinander. Der Kampf wurde von drei Mannschaften, in der A=, B= und C=Klasse bestritten. Der entscheidende Charakter des Spieles hatte zahlreiche Zuschauer herbeigelockt, die mit großem Interesse dem spannenden Kampf folgten. * In der A=Klasse Die A=Klassen Gladbecks und Buers nehmen im Vestischen Schachkreise eine derartige Vormachtstellung ein, daß der Kampf um den vakanten Vereinsmeistertitel des Vestes mit diesem Spiel als entschieden gelten kann. Kurz nach 3 Uhr gab der Vorsitzende des Platzvereins, die Bretter frei. Während der Titelverteidiger Gladbeck in stärkster Aufstellung antrat, mußte Buer zwei Ersatzleute einstellen. Nach knapp 1½ Stunden wurde die erste Partie entschieden. Föhling (Buer) am 8. Brett streckte gegen Volkmann(Gladbeck) die Waffen. Erst um 6,10 Uhr, nach dreistündiger Spieldauer stellte Wilczek(Buer) am 3. Brett für seinen Verein den Ausgleich her. In einer franz. Abtauschvariante verschaffte er sich starke Angriffschancen, eroberte eine Figur und zwang Mecking(Gladbeck) nach 31. Zügen zur Aufgabe. Aber bereits zehn Minuten später ging Gladbeck abermals in Führung, um diese während des Ilte Herr Linnemann in Gladbeck 0 wie herrlich ist das Reisen nicht selbst machen? Das Gladbecker Stadlon wird besichtigt# Konnte das der UsO Vor kurzem unterzog im Hinblick auf den Plan, im Gladbecker Stadion ein bedeutendes Entscheidungsspiel um die deutsche Meisterschaft stattfinden zu lassen, der Führer des Deutschen Fußballbundes Linnemann in Begleitung einiger Herren des Vorstandes die Gladbecker Kampfanlagen einer eingehenden Besichtigung. Linnemann, der die Bahn nur aus dem Bilde und den Sportberichten kennt, ging mit den anderen Herren darin einig, daß das Stadion in Gladbeck geeignet ist, nehmigen, die er selbst besichtigt hat.„Mensch, wo jücke mer morge henn.“ Wie schön ist doch eine solche Organisation, die sich unten auf Breitenarbeit mit behördlich approbierten Spesensätzen, oben auf Spitzenleistungen moderner Besichtigungstechniker stützen wird. Aber auf alle Fälle haben wir keine Profis mehr in Deutschland, denn Schalke 04 ist ja raus. Nun war die licht mit einem Schlage den ganzen Betrieb des DFB. auf. Eines Bundes, der als der Hort der Vereinigung deutscher Jugenderzieher und Vorkämpfer der sportlichen Idee„wie ich sie auffasse" dasteht. Dasteht und Reisen macht, von Berlin nach Gladbeck, demnächst nach Königsberg(wegen der Balten) und Konstanz(wo die Süddeutschen wohnen). Und sich schon ein nettes Programm aufgestellt hat, denn Herr Linnemann will nur noch solche Plätze gedie Mengen der Zuschauer bei solchen Entscheidungsspielen zu fassen. Linnemann äußerte sich dann noch dahingehend, daß niemals mehr ein entscheidender Fußballewttkampf in einem Stadion stattfinden werde, über dessen Verhältnisse er sich nicht selbst überzeugt habe.— Man muß nun abwarten, wie sich der DFB. zu den Gladbecker Bestrebungen Ausmerzung dieser verruchten Berufsspiestellt. Wer unter den Westdeutschen lermannschaft durch den WSV. keine große Kampfbahnen nun der Glückliche sein wird, Leistung, wie wir schon immer gesagt steht heute noch nicht fest. Hoffentlich haben, aber das Besichtigen von Stadionbleibt aber ein größeres Entscheidungsspiel anlagen, das kann man den westdeutschen auf einem der Plätze im Vest. * Ein kleines unscheinbares Notizchen, liest sich so nett und hellt wie grelles BlitzVerbandsleuten doch nicht überlessen. Oder sieht das nach etwas aus, wenn z. B. Herr Dorr aus Recklinghausen mit der Straßenbahn ohne Speise=und Schlafwagen nach Gladbeck sich begeben würde! Denn wir nehmen an, daß hier lediglich Prestigegründe maßgebend sind. Wir gönnen der Stadt Gladbeck unbedingt sowohl den Vorteil der Besichtigung des herrlichen Stadions, wie auch die Verlegung eines Ausscheidungsspieles dorthin, sahen wir doch selbst schon bei Gelegenheit der Spiele der Schalker Meistermannschaft mehreremal diese schöne Anlage. Daß große Spiele in Gladbeck schon stattgefunden haben, scheint Herr Linnemann überhaupt nicht zu wissen. Aber natürlich hätte sich dann eine Besichtigung erübrigt. Wir haben also wiedermal Gelegenheit, den Leerlauf eines pompösen Verwaltungsapparates zu bewundern, bei dem, wie es wohl so sein muß, die rechte Hand nicht weiß was die linke tut. Es ist Zeit, diese übertriebene Bürokratie einmal richtig unter die Lupe zu nehmen und Einnahmen auch wirklich der Jugenderziehung zuzuführen, damit in Zukunft solche kostspieligen und unnötigen Reisen unterbleiben. Die Mannschaften des DFB., die jeden Sonntag hinter dem Vall herjagen und ihre Beitrage abführen, haben das Recht, das zu verlangen! Flauer Betrieb in der Westfalenhalle Die Si daus wollen nicht ziehen## Wo bleiben die Prämien? Anhänger Die Kanonen enttäuschen Ihre Die Dortmunder Six=days gehen allmählich ihrem Ende entgegen. Fast Abend für Abend ist die Halle der 120000 ausganzen Kampfes nicht mehr aus der Hand verkauft und Abend für Abend warten zu geben. Stoffers(Buer) geriet im alle vergeblich auf die Sensationen, die Damengambit gegen Brähler(Gladbeck) man nun eben bei jedem Sechstagerennen in eine gefährliche Verteidigungsstellung erwartet. Es erscheint nämlich unglaubund später in ein unzerreißbares Mattnetz. lich, daß ausgerechnet die Mannschaft, die Eine Stellungskontrolle an den übrigen von der ersten Nacht an die Spitze erBrettern zeigte die Heimischen durchweg obert hat, bis zur letzten Stunde die Fühin günstiger Position, an mehreren Bret= rung behält und sogar noch von Tag zu tern schien ein Sieg kaum zweiselheft. Doch Tag ihren Vorsprung vergrößert. Und so es kam anders, die Gladbecker zeigten sich ist tatsächlich für die Mehrzahl der Beals äußerst zähe Verteidiger. Eine Remis= sucher des 6. Dortmunder Sechstagerenmeldung folgte der anderen. Zunächst neus der bisherige Verlauf eine große einigten sich die beiden Mannschaftsführer Enttäuschung gewesen, alle, die sonst imGleixner(Buer) und Puzicha(Glad= mer ir der„Nacht der Nächte", der vierten beck) am Spitzenbrett im Damengambit auf Nacht, die unter großem Kampf und tolRemis. Müller(Buer) brechte am vier= len Jagden erzwungene Entscheidung, ten Brett gegen Haas(Gladbeck) in vor= wenigstens aber eine Klärung der Lage züglicher Druckstellung ein unkorrektes miterleben konnten, sie alle sind unbefrieBauernopfer und begnügte sich im Sprin= digt heimgefahren. Die starken Paare, die ger=Läufer=Endspiel mit Remis. Ebenso gegen die Außenseiter nichts bestellen Gehrmann(Buer) gegen Schmitz konnten und noch in der entscheidenden (Gladbeck) in einer sizilianischen Partie. Nacht mehrere Runden verloren, haben zu Die Partien Straup(Buer) gegen sehr enttäuscht. Bicker(Gladbeck) und Trier(Buer)i„ 6 gegen Gehmer(Gladbeck) unterlagen Es ist eben alles anders geworden der Abschätzung. Die erstere wurde remie beim Sechstagerennen in Dortmund. Zudie andere ols für Gladbeck gewonnen er= nächst das Publikum selbst. Die sportliche klärt. Damit war der Kampf entschieden. Begeisterung, die in früheren Jahren bei 5:3 für Gladbeck. Der Titelverteidiger heißen Kämpfen und wilden Jagden oft dürfte seinen Titel erfolgreich verteidigen. zu tollen Ovationen ausartete, die die Fahrer immer wieder von neuem anIn der B=Klasse spornte, sie zur Hergabe ihrer letzten Kräfte zwang, sie ist nicht mehr. Kaum Auc Eins mutil. ar dt gs.—„ noch hört man den üblichen Kampf= und Auch hier mußte sich der Buersche Schach Schlachtruf„Hepp, hepp“, der in früheren geschlagen bekennen. Als erster Jahren be' den Jagden im Verhältnis zu ###o Huhner(Buer) am 5. Brett eine der Größe des Vorsprunges, den eine Karts see r.#gesfeld nach Mannschaft bei einer Jagd gewann, stärräter graate. T:.7.##.“; ker und lauter wurde. Die Leistung, die telstunde später streckte Kraft(Buer) nun beim 6. Dortmunder Sechstagerennen stellung im Mitelaampt die Master aur tatsächlich von den Fahrern VionenburgD“ Schön vollbracht wurde, wird vom Publiselbe Schicksal ereilte Wimmelmans zum nicht anerkann.. Diese sympathische „“ Mannschaft hat in der Dortmundet West Gladbeck. Runmehr scheint sich das Blatt falenhalle nun einmal sehr wenige Freunde zu wenden. Halbeisen(Buer) gewinn: und immer wieder werden Rausch=Hürtgen, am Spitzenbrett ein Bauernendspiel gegen Piet van Kempen=Stübbecke und Göbelund Ktaimer(Duer) Dinale ermuntert, bei dem kleinsten Verschlägt Roll im Damenaambit nach De= such auszureißen, angeseuert. Das sind Efers: S##,####e#). pemme dann einige Momente während der Sechs trotz zeitweilig besserer Stellung seine Par= zageschlacht, die einen blassen Abglanz der #te g Teurog nicht für sic zu enr- früheren Begeisterung geben. In Wirkmit 34·214 Runstan-n.u##lichkeit muß man aber die Feststellung Gladbeck hat mit 3½: 2½ Punkten gestent, machen, daß gerade diese Kanonen, diese „[Mannschaften von Ruf, vollkommen gegen der Sechstagerennen aussichtslos erscheinen, selbst wenn sie in etwa noch an die bravouröse Leistung der vierten Kölner Nacht herankämen, wo sie mit 3 Runden Verlust in die Abendwertungen gingen und morgens um 2 Uhr die Spitze des Sechstagefeldes mit zwei Runden Vorsprung eingenommen hatten. Die Taktik der Fahrer ist eben auch auch diese Seite des Dortmunder Sechstagerennens hat ein anderes Aussehen bekommen. Im goldenen Saal geniert man sich nicht, die mitgebrachten Stullen auszupacken und sie bei einer Flasche Bier oder einer Tasse Kaffee zu verzehren. Auf der Tanzfläche herrscht ab und zu Hochbetrieb, der sich in diesem Jahre aber sehr solide abwickelt. In den Weindielen wird in Dortmund ganz anders geworden. Die oft für einen einzelnen Gast sehr viel Licht Spitzenmannschaft hat gleich in der ersten verplempert und jeder Kellner ist durch Nacht einen klaren Vorsprung herausge= überhöfliches Entgegenkommen darauf befahren und ist heute nur darauf bedacht, dacht, einen neuen Gast in sein Revier zu auf ihre starken Gegenpaare zu achten. Da locken. Die Zeiten,#n ver eine oder der außerdem im zurückliegenden Feld augen= andere mit einer gutgefüllten Brieftasche blicklich drei Mannschaften scharf aufein= nach Dortmund kam, sind vorläufig weander aufpassen, zermürben die Jagden aue nigstens vorbei. Mannschaften in gleicher Weise, da für sie immer die Gefahr einer neuen Verlustrunde besteht. Die Spitzenmannschaft, die im 6. Dortmunder Sechstagerennen unstreitig am stärksten ist und nach dem Stand und der Leistungsfähigkeit der Fahrer Auch der Innenraum ist nicht mehr das, was er in früheren Jahren war. Wohl noch stehen hier die Menschen auf den Tischen und Stühlen. wenn die Jagden losgehen, wohl noch stehen die Kegelklubs, die höchstens noch eingeholt(nicht aber über= Gesangvereine und die Wirte mit ihren rundet) werden kann(von Göbel=Dinale und Linari=Guerra) hat in allen Sechstagerennen schon Routine bewiesen, ließ es nur an der nötigen Ausdauer vermissen. Es ist aber ein alter Erfahrungssatz, Stammgästen an der Theke, suchen viele durch eine Runde Bier fürs Orchester ihre Kunst in der Stabführung unter Beweis zu stellen, wohl beordert die Projektion (auch wohl nicht immer ohne Initiative daß nach der vierten Nacht der Kontakt des Innenraum=Wirtes) durch ulkige Aufmit dem Feld so fest hergestellt ist, daß forderungen eine Menge Gäste zu diesem kleinere Schwächeperioden in den letzten zwei Nächten gut überwunden werden können. Im übrigen sieht der aufmerksame Beobachter auch sofort, daß der Kampf um die Spitze sich nur noch zwischen Treffpunkt aller derjenigen, die einmal in der Mitte der Halle das ganze Leben und Treiben beim Sechstagerennen rundherum beobachten wollen— aber die in den früheren Jahren herrschende urgemütliche den drei obengenannten Paaren abspielt, Stimmung, die Sonderdarbietungen(z. B. nenraum in die ganze Halle strömende Sportbegeisterung vermißt man und wenn es gegen Morgen geht. ist auch der Innenraum, der früher schon oft fast gewaltsam geleert werden mußte, von dem Menschenstrom verlassen. * Trotzdem ist durch diese, durch die Zeitverhältnisse bedingten, Umstände, der Gedanke des Sechstagerennens immer noch lebendig. Gerade Dortmund hat den Vorzug, in bedeutend stärkerem Maße an allen sechs Tagen von der Bevölkerung des Industriegebiets mit einem Besuch bedacht zu werden und der Rekordbesuch in diesem Jahre dürfte wohl mit aller Deutlichkeit bewiesen haben, daß bei guter Organisation der Six=days, die in der Westfalenhalle immer wieder lobend hervorgehoben werden muß, der sportliche Anhang auch für die nächstjährigen Rennen in vollem Umfange erhalten bleibt. Auf dem grünenTuch Neuigkeiten im Billardsport Auch die zweite Klasse hat bereits mit der Endrunde begonnen. Die bisher ausgetragene Partie Ester, Herten gegen Großewilde, Bottrop konnte E. mit 100:63 Punkten glatt für sich entscheiden.— Der Billardklub„Grüner Tisch“ Gelsenkirchen=Bismarck hatte den 1. Billardklub Recklinghausen am Samstag zu Gast und schlug ihn haushoch.— Am Sonntag hatte der Billardklub Recklinghausen=Röllinghausen den Neuling, Billardklub Suderwich, zum Diplomspiel eingeladen. Nach spannenden Kämpfen siegte Suderwich mit 180 Punkten. Ringen Hauptversammlung des Vereins für Sport und Körperpflege Westerholt Am Sonntag hielt der Verein für Sport und Körperpflege seine diesjährige guttesuchte Generalversammlung ab. Nach Kassenprüfung durch die Revisoren, erstattete der 1. Vorsitzende und Kassierer einen ausführlichen Jahresbericht. Nachdem die Versammlung dem Vorstand einstimmig Entlastung erteilt hatte, schritt man zur Neuwahl des Vorstandes. Die Wuhl hatte folgendes Ergebnis; 1. Vorsitzender: W. Westerhoven; 2. Vorsitzender: V. Reinecke; 1. Schriftführer: Josef Schürhoff; 2. Schriftführerin: Frl. Lukat; I. Kassiererin: Frl. Fischer; 2. Kassierer: B. Poggensee; Gerätewart: Erich Knorr. Zum Führer der Damenriege wurde B. Reinecke wiedergewählt; zum Führer der Schwerathletik H. Hallenberger. Die Uebungsstunden sind wie bisher für die Damen Dienstag und Donnerstag obends 8 bis 10 Uhr, für die Herren Mittwoch und Freitag von 7,30 bis 9,30 Uhr. An die gutverlaufene Versammlung schloß sich ein zwangloses Beisammensein an. In der C=Klasse während alles übrige nur auf eine Verbesserung der Position im Rennen bedacht ist. Daß das Publikum sich mit dieser Tatsache nicht leicht abfinden kann, ist erklärlich, so haben der unter dem Dach stationierte Sprechchor und die wenigen noch vorhandenen Sportfanatiker große Mühe. die Massen nach der 2=Uhr Nachtwertung in Stimmung zu halten. * Früher wurden die Fahrer immer wieder durch Prämien aufgestachelt, bei den Spurts eine Jagd zu entfesseln. Dann waren es 100 Mark, dann ein Anzug. dann ein fettes Schwein, ein Korb Sekt, goldene Uhren usw. Diese belebenden Momente fallen in diesem Jahre so gut wie ganz aus, so daß wohl nicht ganz ohne Beeinflussung der Manager der Fahrer durch die Lichtprojektion wiederholt:„Wo bleiden die Prämien?“ auf die Leinwand geworfen wird. Heute haben nur noch wenige das nötige Geld, durch Prämienstiftung Leben in die Halle zu bringen Hein Müller, der am 1. Februar gegen Schönrath in der Westfalenhalle doxt, hat zwei goldene Uhren gestiftet, der traditionelle Prämienspurt der Dortmunder Zeitung um Mitternacht ist beibehalten worden und dann schwingen sich noch einige Dortmunder Firmen dazu auf, ihren Namen, durch kleinere Stiftungen(für die die Fahrer die vielen Kunstpfeifer, die aus dem InBriefkassen J. Sch. 25. Wenn Sie in dem Mietsvertrag zur Leleuchtung und Reinigung des Treppenhauses verpflichtet worden sind, obwohl Sie nur über ein Zimmer verfügen, so werden Sie diesen Verpflichtungen auch dann nachkommen müssen, wenn Sie abwesend sind. Sie müssen dann eben jemanden mit den Obliegenheiten beauftragen. Argentinische Meisterfußballer kommen nach Deutschland die Spitzenmannschaft abfallen und auch gar nicht den Eindruck hinterlassen, als erzielte Buer nach knapp 2½ stündiger wenn sie noch genügend Kraftreserven Spieldauer den Ehrentreffer. Um 3.50 aufzuweisen hätten, den gewaltigen RunUhr beendete Timpe(Buer) gegen Nie= denverlust wieder wettzumachen. Rausch mann seines Partie erfolgreich. Um 4,10 hatte schon am Montagabend unter SitzbeUhr zog Holze(Gledbeck) gegen Pitznik schwerden zu leiden und wechselte wiedergleich. Einige Minuten später ging Buer holt das Rad. Pierre Viel, der Maneger durch Bohn abermals in Führung und der Kölner Mannschaft mußte sehr oft abermals zog Gladbeck gleich. Durch einen seinen Schützlingen während der Fahrt Fingerfehler wandelte Jäger(Buer) Erfrischungen reichen. Im übrigen zeigte seine gewonnene Partie gegen Steef in Re= sich bei allen Ausreißversuchen der Kölner. kaum antreten) in empfehlende Erinnerung Die argentinische Fußballmannschaft„La Plata“, die augenk mis um. Kober(Buer) gewann seine daß ihnen die Spitzenmannschaft und auch zu bringen. So ist denn meistens die Halle weilt, aber schon im nächsten Monat ihre vielgerühmte Mei spanische Partie gegen Fuchs am ersten Göbel=Dinale in jeder Weise beikommen nach den 2=Uhr Wertungen nur noch der zeigen wird: am 8. Februar gegen München 1860, am 15. Febi Brett und stellte damit den 3½: 2½=Sieg konnten. Nach einem Verlust von sechs Aufenthaltsort der wenigen Besucher die Frankfurt, am 22. Februar in Leipzig gegen eine kombinierte M seiner Mannsckaft sicher. Runden sollte auch für die sieggewohnte sentweder aus Sportbegeisterusg sitzen blei= Februar gegen Fortuna Düsseldorf, am 1. März gegen Tennis= Gesamtresultat des Klubkampfes Glad= Mannschaft Rausch=Hürtgen die Hoffnung den oder weil das Leben hinter der Halle Außerdem bewerben sich DSC. Dresden und 1. FC. Nürnberg um ei bock gegen Buer 11:5. Lauf den Sieg im diesjährigen Dortmun= nicht ihren Verhältnissen entspricht. Abee! die Gäste. Numner 13 Bonnerskag, den 15. Januar Jahrgang 1931 Einigkeit macht stark Verschärster Kromverbraucherstreit In Andernach * Andernach, 14 Jan. Die Arbeitsgemeinschaft der Wirtschaftsorganisation Andernachs, der auch die Industrie angeschlossen ist, hat beschlossen, ab heute den Verbraucherstreik zur Erzielung von niedrigeren Licht= und Kraftstrompreisen verschärft durchzuführen. Allen Kreisen der Industrie, des Handwerks, der Landwirtschaft, des Hausbesitzes und des Gewerbes wird ringend empfohlen, den Licht= und Kraftstromverbrauch auf ein Mindestmaß zu beschränken. Man erwartet, daß infolge dieser Maßnahme die Thüringer Gasgesellschaft umgehend der Preissenkungsaktion der Regierung Rechnung trägt. In den Haushaltungen soll ebenfalls der Stromverbrauch nach Kräften eingeschränkt werden.— Bekanntlich hatte die Frage der Senkung der Licht= und Kraftstrompreise bereits die Andernacher Stadtverordnetensitzung beschäftigt. Ein Ergebnis ist bis zur Stunde nicht erzielt worden. Aus diesem Grunde hat sich die Andernacher Bevölkerung zu dieser Maßnahme entschlossen. 40„belden“ geden einen Kommunistische Angriffe auf einen Verkehrsposten * Solingen, 14. Jan. Nach Beerdigung eines kommunistischen Parteimitgliedes zogen etwa 200 Teilnehmer nach dem Schlagbaum. Als die Zeichen des Verkehrspostens von ihnen nicht beachtet wurden, trat der Beamte in eine Lücke des Zuges, um die Fahrzeuge durchzulassen. In diesem Augenblick fielen etwa 30 bis 40 Personen über den Beamten her. Es ertönten Rufe:„Schlagt ihn tot!“ Der Beamte zog darauf seine Schußwaffe; ein zweiter Beamter war inzwischen zu Hilfe gekommen. Die Menge wuchs immer mehr an, und ein Steinhagel setzte auf die Beamten ein. Der Verkehrsposten wurde durch einen Steinwurf im Gesicht verletzt. In der Notwehr gab er einen Schuß ab. Ob jemand verletzt worden ist, konnte nicht festgestellt werden. Ein bald darauf eintreffendes Ueberfallkommando stellte die Ruhe wieder her. Schüler als Einbrecher Knaben bilden eine Bande * Olpe, 14. Januar. Schon seit längerer Zeit wurde die hiesige Stadt und nächste Umgebung durch dreiste Einbruchsdiebstähle beunruhigt, die zum größten Teil während der sonntäglichen Gottesdienste ausgeführt wurden. Alle Bemühungen der Polizei waren längere Zeit ohne Erfolg. Durch die Festnahme von zwei elfjährigen Schülern kam men endlich der Bande auf die Spur. Wie die Ermittlungen ergaben, wurden die Kinder von mehreren Erwerbslosen in der Ausführung der Diebstähle unterrichtet. Von den jugendlichen Dieben wurden in der Hauptsache Geschäftshäuser heimgesucht. Generäle, Kändler und Soldaten Ein Totentanz der Tatsachen um die von gegenüber„ Unbekannies aus dem Weltkrieg * Essen, 14. Januar. Am Steuer seiner Autos das Leben genommen. Heute morgen gegen 10 Uhr brachte sich ein 50 Jahre alter Angestellter einer hiesigen Firma auf dem Markenweg, am Steuer seines Kraftwagens sitzend, einen Kopfschuß bei, der den sofortigen Tod zur Folge hatte. Das Motiv zur Tat ist noch unbekannt. " Bochum, 14. Januar. Verleger Böppinghaus gestorben. Auf seinem Ruhesitz in Warendorf verstarb nach kurzer Krankheit der Verleger der Langendreer und Werner Zeitung, Heinrich Pöpping= haus, im 65. Lebensjahre. * Hamborn, 14. Januar. Zwischen Förderkorb und Stange geraten. Auf tragische Weise kam heute auf der Schachtanlage 4/8 der Ver. Stahlwerke der 50jährige Bergmann Friedrich Weinreich aus Hamborn, Königstraße 42, zu Tode Beim Hochziehen des Förderkorbes geriet der Bedauernswerte mit dem Kopf zwischen Korb und Stange, so daß sein Tod auf der Stelle eintrat * Dortmund, 14. Januar. Fortführung des Tortmunder Stadttheaters. Der Magistrat hat in seiner gestrigen Sitzung teschlossen für das Spieljahr 1931=32 das Stadttheater mit eingeschränktem Betrieb, auf Grund des von dem Bürgermeister vorglegten Etatsentwurf, weiterzuführen. Die letzte Entscheidung liegt bei der Stadtverordnetenversammlung, die sich voraussichtlich Anfang Februar mit dem Magistratsantrag beschäftigen wird. “ D o r t m u n d, 1 4. J a n u a r. S p o r t l e h r e r vermißt. Der 33 Jahre alte Sportlehrer Fuhst wird seit einiger Zeit vermißt. Er hat sich am 30. November v. J. aus seiner Wohnung entfernt. Seitdem sind seine Angehörigen ohne jede Nach richt von ihm. * Altenberg, 14. Januar. Jahrestagung der katholischen Jugend Deutschlands. Wie mitgeteilt wird, findet die diesjährige Jahrestagung der katholischen Jugend Deutschlends vom 28. bis 25. Januar 1931 in Haus Altenberg(Rhld.) statt. Als Hauptthema der Tagung wurde vorgcher Die odllenaltliche Noge und bre erungen für die deutsche Jugend. Im Verlage M. Frundoberg S. m. b. H. Berlin ist ein Buch erschienen, das einzigartig in der gesamten Kriegoliteratur dasteht. Die Verfasser Maxim Ziese und Hermann Ziese=Beringer gaben zum ersten Male eine großgesehene und hinreißend geschriebene Darstellung der wichtigsten Vorgnäge im gegnerischen Lager. Wir lernen den Krieg besser verstehen, weil wir die französische Volksseele kennenlernen, die an Beispielen der Schlacht von Verdun 1916 und des sich anschließenden Großkampfes unter Führung des Generals Nivelle geschildert wird. Mit Erlaubnis des Verlages drucken wir nachfolgendes Kapitel aus dem Buch, das größte Beachtung verdient, weil es die letzten Hüllen verklärender Betrachtung von dem Weltkriege reißt. II. Die schlasende Jestung Frankreich und Deutschland stehen sich seit jenem Vertrage von Verdun im Jahre 843, der das karolinische Reich teilte, als tausendjährige Gegner gegenüber. Es ist ein dunkles, geheimnisvolles Sinnbild, welches das Schicksal mit dem Namen Verdun zwischen das deutsche und französische Volk stellte. Durch jenen Vertreg setzte die Geschichte ein Dokument auf, das sich als Anfang jener zahllosen Kämpfe zwischen den beiben Völkern darstellt, gleichsam als habe sie den blutigen Reigen mit Punkt und Siegel genau festlegen und eröffnen wollen. Diese Stadt, die schon römisches Heerlager war, und den Namen„Virodunum castrum“ führte, war eigentlich als Gemeinwesen stets klein und unbedeutend. Eingebettet in einen tiefen Talkessel zwischen dicht bewaldeten Höhenzügen, liegt die aute Stadt verschlafen im Maastal, und der große Zug der Welt geht an ihr vorüber. Aber immer wieder leuchtet der Name Verdun auf, wenn Deutschland und Frankreich die Waffen kreuzen, und des Kriegsglück ging immer um diese Stadt herum wie ein Gespenst, das beide Völker blutig schreckte. Der Bezirksausschuß. IVá Nr. 11 III 444. Münster, den 2. Januar 1931 Bekanntmachung Die Gemeinde Polsum. Kreis Reckling hausen=Land, beantragt auf Grund des § 46 des Wassergesetzes vom 7. April 1913 die Verleihung des Rechts das Niederschlagswasser aus den Straßengräben der Altendorfer Straße in Polsum in den Abzugsaraben bei Hantrop in Polsum an der Nordseite der Altendorfer Straße zwischen den Parzellen 461•131 und 587 122, Flur 1, Gemarkung Polsum in den Abzugsgraben, der in den Ge nossenschaftsgraben mündet, einzuleiten. Das Niederschlagswasser ist frei von Schmutz und soll in einer Menge bis zu höchstens 18,05 Sek. Lir. eingeleitet werden. Auf die ausgelegte Beschreibung und Zeichnungen wird verwiesen. Etwaige Widersprüche gegen die Ber leihung und Ansprüche auf Herstellung und Unterhaltung von Einrichtungen oder auf Entschädigung sind schriftlich in zwei Ausfertigungen oder zu Protokoll binnen einer Frist von zwei Wochen, beginnend mt Ablauf des Tages, an dem das letzte diese Bekanntmachung enthaltende Blatt ausgegeben ist, bei dem Herr Bürgermeister in Marl anzubringen, bei dem währeno der Dienststunden Be chreibung und Zeichnungen des Unternehmens zur Einsicht offen liegen Ein Gleiches gilt von etwarten Anträgen auf Verleihung des Rechts zu einer Benutzung, durch welche die von der Antragstellerin beabsichtigte Benutzung dieses Gewässers beeinträchtigt würde Wer innerhalb der gesetzten Frist von zwei Wochen keinen Wider pruch gegen die Verleibung erhebt, verliert sein Wider spruchsrecht. Nach Ablauf der Frist gestellte Anträge auf Verleihung werden in diesem Verfahren nicht mehr berücksichtigt Von Beginn der Ausübung des verliehenen Rechtes durch die Antragstellerin an können wegen nachteiliger Wirkungen der Ausübung nur noch die in dem§ 82 des Wassergesetzes vorgesehenen Ansprüche geltend gemacht werden. Der Bezirksausschuß zu Münster. Kurz nach der Teilung durch den Vertrag kam Verdun auf neun Jahre zu Frankreich, wurde darauf wieder dem Deutschen Reiche einverleibt, stand dann unter der Herrschaft von Bischösen, wurde wieder deutsch, bis Heinrich II., König von Frankreich, sie 1552 einnahm. Schon Attila und später die Hugenotten kämpften um sie, und von deutschen Heeren wurde sie allein dreimal belagert. 1792 und 1870 wurde sie eingenommen, 1914 fast umzingelt, und 1916 schwang sich der Name Verdun jäh wie ein alles überdeckender blutiger Schein über Deutschland und Frankreich hinweg. Verdun wurde während des Großen Krieges zum Sinnbild von Frankreichs Schicksal. Wieder einmal sollte sich die Inschrift der drei V' im Stadtwappen von Verdun bewähren:„Virestit Bulnere Virtus", das heißt: Meine Kraft wäckst aus Leid. Als der Krieg begann, lag eine drohende Sperre von Festungen dicht hinter Frankreichs Grenzen: Terdun, Toul, Epinal und Belfort. Die deutsche Heeresleitung führte ihre Armeen mit einer weit ausholenden Bewegung durch Belgien auf Paris zu; Drehpunkt wurde nach der Schlacht Lothringen die Festung Verdun. Als die französischen Heere geschlagen von der Grenze zurückwichen, setzten sie sich hinter dem Sperrwald der Höhen und Forts jener Festungslinie fest, die von Verdun bis zu den Vogesen reicht. Aber die Marneschlacht brachte eine so tiefe Einbuchtung in die französische Front, daß Verdun schon weit, weit im Rücken bedroht war und als fast völlig umzingelt gelten konnte. Denn die französische Armee unter General Serrail war aus ihrer ursprünglichen Stellung, in der die Festung Verdun in gerader Linie gleichsom ihr rechter Flügelmann war, derart zurückgedrängt worden, daß sie am 9. September 1914 nur noch von hinten auf die Festung sehen konnte, und den wenigen Kräften aus Territorialtruppen, die zerstreut noch vor der Festung in der Woevre=Ebene standen, glatt von rückwärts auf die Tornister sah. So bildete die Front um Verdun einen grotesken Bogen, der die Form einer auf den Astansatz gestellten Birne hatte, in deren dickstem Teil oben die Festung lag. Die Armee des Kronprinzen versuchte nun, die Festung als Frucht der Marneoffensive aus dem Ring der eingebeulten französischen Front herauszubrechen und durch die Senke von Reoigny und das Tal der Ornain durchzustoßen. Schon bekommt unter diesem Druck der General Sarrail von dem Generalissimus Joffre die Erlaubnis, seinen rechten Flügel zurückzuziehen, dadurch Verdun preiszugeben und die Festung ihrem Schicksal zu überlassen. Schon berennen die Deutschen auf der anderen Seite, dem rechten Maasufer, nördlich von St. Mihiel, durch schwere Artillerie die Forts Genicourt und Troyon... Da geschieht das„Marne=Wunder", das den deutschen Rückzug brachte, und die Festung schien gerettet. Zum ersten Male klammerte Frankreich während dieses Krieges seine Faust mit verzweifelter Kraft an Verdun. Aber noch einmal versuchten die Deutschen im Jahre 1914 diese Festung zu packen: Am 20. September stoßen die Bayern auf dem rechten Maasufer den berühmten Keil von St. Mihiel in die französische Front und erschüttern den Fußpunkt Verduns. Sie überschreiten selbst die Maas und beginnen auf das Tal der Aire zuzustreben. Doch sie werden angehalten, und die Namen Combres=Höhe— Les Eparges, Apremont und Priesterwald schreiben sich in die Geschichte ein. Der andere Teil sollte in den Argonnen getrieben werden, um Verdun abzuspalten. Aber auch hier gelang es nicht: Im Oktober 1914, im Mai 1915 stießen die Deutschen in den Argonnen vor, wollten die Flanke Verduns aufreißen. Die Argonnen hielten... Verdun hielt. Four de Paris, der Vauquoisberg tauchten in das Licht der Geschichte. Zwei schwärende Wunden fressen seitdem an Verdun: Die Combres=Höhe—Les Eparges im Süden und der Bauquoisberg—Höhe 285 in den Argonnen. Jener Keil von St. Mihiel, der Verdun während des ganzen Krieges bedroht, wird erst zuletzt, am Ende des Krieges, von den— Amerikanern zurückgeschlagen. Eigenartiges Symbol für Frankreich, das den Krieg nur mit Unterstützung der gesamten Welt beendigen konnte. Aber das Schicksal Frankreichs klammerte sich an Verdun mit mystischer Stärke. Denn hier kämpften nur Franzosen. In Flandern kämpfte Frankreich mit verzweifelter Kraft an der Vser, aber dort schlugen sich Engländer, Belgier und Franzosen gemeinsam, dort hatte Frankreich eigentlich ein ihm innerlich fremdes Schlachtfeld. Jetzt, im Mai 1915, ist Verdun in weitem Ring umspannt. Die Festung schläft. Lange. Die umschließende Kette läuft über Avaucourt, Malancourt, Brabant, Ornes, Etain, Banx les Palameix. Ruhiger Stellungskrieg Breite Drahtverhaue zwischen denen Gras wächst. Einmal nur leuchten aus dem Feuerschein schwerer Mörserschüsse die Namen Fort Genicourt, Fort Troyon auf und versinken dann wieder in Vergessenheit. Ruhig liegt Verdun. Leise klirrt die Kette im Geschützrollen durch einsame Wälder und leere Ebenen: Avaucourt... Vaux les Palameiz.... (Fortsetzung folgt.) Sland des Dortmunder Sechslagerennens Göbel—Dinale und Pijnenburg—Schön an der Spitze Am Mittwochabend war die Westfalenhalle wieder ausverkauft. Bis zur Abendwertung ereignete sich nichts von besonderer Bedeutung. Die Fahrer legten sich sichtlare Reserve auf. Die Anstrengungen der letzten Nächte machten sich deutlich bemerkbar. Im übrigen scheint man sich darüber klar zu sein, daß es bis zum Schluß des Rennens gewaltiger Kraftreserven bedarf, um sich aus dem Kampf mit Erfolg herauszuschälen. Bei Eintritt der Wertung setzte aber sogleich ein starkes Rennen ein und eine Jagd löste die andere ab; wobei die beiden Kölner Rausch und Hürigen bedeutende Vorteile einheimsen konnten. Sie hatten bald den Gewinn einer weiteren Runde zu verbuchen. Bis um 23 Uhr waren insgesamt 2935,800 Kilometer zurückgelegt. Nach der Wertung wurden die Jegden mit doppelter Scärfe fortgesetzt, wobei sich die beiden Fahrer Goebel und Dinale als sehr stark erwiesen. Beide Fahrer konnten zu den Spitzenführern Pijnenburg—Schön aufrücken und liegen nun mit diesen fünf Runden vor den Paaren Rausch—Hürtgen, van Kempen— Stübecke, Linari—Guerra und Broccardo— Marcillac. C Staft Kerten Theodor Wieland Magdalena Wieland geb Nüchter Vermählte Buer-Resse, den 13. Jenuar 1931 Bekanntmachung Die Firmen, die bereit sind, auch in die em Jahre die hiesige Bevölkerung mit kre sfestem Kartoffelsaatgut zu beliefern, werden gebeten, am Dienstag, den 20 d Mts., 16 30 Uhr, im Rathause des Ortsteiles Gel enkirchen, Zimmer Nr. 35, erscheinen. Gelsenkirchen, den 12 Januar 1931. Der Oberbürgermeister. (Sobunnnstune) S 3=Bohnung eofl. 2. mit Stall, gegen gleiche oder 2 große Zimmer, auch Neubau, zu tauschen gesucht Näheres in der Geschäftsstelle Buer. de la Chevalleriestr. 27. Tausche 2=ZimmerSiedl.=Wohnung mit Badeeinrichtung geg. 2= oder 3=ZimmerZechen=Wohnung in der Nähe Scholvens Duer=Schelven, Berlinstraße 89, part. rechts. (Sodanasnetoe) Suche zum 1 Februar erfahrenes, selbständiges Gute Zeugnisse Bedin= gung. Drogerte Schm Gelsenkirchen. Kaiserecke, Grillostraße. Suche für sofort zur Auehüfe eine Friseuse Brune Cchen. Zuer=Bechausen. 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Hedwig Becker:„Fräulein Meisterin“ (Frauenberufe im Handwerk) 11.20—12,00 Schallplattenkonzert 12.10 Schallplattenkonzert (Ultraphonplatten) 12.50 Erster Wetterbericht 12.55 Nauener Zeitzeichen 13.05—14,30(13.05—14.00 auch über die Sender des Südwestdeutschen Rundsunks) Mittagskonzert, Leitung: Wolf 13.30 Unterbrechung des Mittagskonzertes durch Programm bemerkungen 15.30 Wirtschaftsmeldungen 15.50—16,20 Kinderstunde. Els Vordemberge: Für die Allerkleinsten 16.20—16,30 Dr. Hans Behle: Mitteilungen aus dem Schulfunk 16.30—17,00 Funkpädagogische Arbeitogemeinschaft. Pädagogische Führergestalten: Eduard Spranger Zugrunde liegt Sprangers Werk„Lebensformen“(Der ökonomische Mensch) Leitung: Pros. Dr. Völcker 17,00—18,00 Vesperkonzert, Leitung: Eysoldt 17.30 Unterbrechung des Besperkonzertes durch Programmbemerkungen 18.15—18.35 H. von Wedderkop: Englische Literatur(1) 18.40—19.00 Privatdozent Dr. Heinermann: Spanisch 19.00 Wetterbericht. Zeitangabe, Wirtschaftemeldungen und Sportvorbericht 1915—19.25 Vom Tage 19.25—19 45 Lebende Dichter Felix Timmermans:„Hochzeitblümchen“ 19.45 Uebertragung aus Frankfurt a. M.: Dr. Franz Wallner: Einführung in die Oper„Die Vestalin“ von Spontini 20.00 Uebertragung aus Frankfurt a. M: Die Bestalin Oper in drei Aufzügen von Gasparo Spontini Musikalische Leitung: Reinhold Merten. Spielleitung: Carl Stueber Damen: GentnerFischer, Franz Herren: Hötzlin, Wörle Knoll Anic ließend: Letzte Meldungen. Bericht über doe getstige Leben Sportbericht Anschließend bis 24.00: Konzertübertragung aus dem Keffee Wien, Gladbach Rhendt. Kanelle: Auschavy 22,45 Schluß des SechstagerennenZahnpranis J. 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