monlag, den 1. bezember Diese Zeitung erscheint tägl.(auch Sonntags) Bezugspreis durch die Boien frei Haus halbmonatlich 1.20, Anzeigen 1 mm Höhe in der 28 mm breiten Spalte 0.10, für auswärts 0.12, Reklamen 0.40, für auswärté 0.50 R.=M. Stellengesuche 25%— Die am Kopfe der Zeitung bekanntgegebenen Zeilenpreise sind für Inserenter und Verlag rechtsverbindlich. Bei zwangsweiser Beitreibung oder Konkursverfahren ist der bewilligte Rabatt hinfällig. Druck u. Verlag Zuersche Druckereicmte. G.=Buer BuerscheZeitung General=Anzeiger für das Emscher=Lippeland Amtsblatt für den Stadttreis Geisenkirchen=Buer, Amt Westerholt u. Gemeinde Holsum. Verordnungsblatt des Amtsgerichtsbezirks Geisenkirchen=Buer=R. Nr. 328 f 49. J. 1933 Geschäftsstellen: Buer, de sa Chevalleriestraße 27, Fernruf G.=Buer S.=A. Sammel=Nr. 30141; Gel. Klosterstraße 13; Horst=E., Essener Str. 14. Drahtanschrift: Zeitung Zuerwestfalen. Dostscheck.=K. Köln 20179. Bank=Konto: Commerz= und Priva=Bank A.=G. Buer. Für das Erscheinen der Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen. Anfoll=Unterstützung in Höhe von 230 R.=M.— bei tödlichen Berufs=Unfällen nach Maßgabe der Versicherungs=Bedingungen. Wahlen Bahlergebnisse in Bielesels und Bremen :: Bielefeld, 1. Dez.(Drahtber.) Die Wahlen in Bieleseld zum Stadtrat und Kreistag zeigten eine Wahlbeteiligung von 84,5 Prozent. Außer den Nationalsozialisten, die sehr große Zunahmen zu verzeichnen haben und den Kommunisten, die ein Mandat gewonnen haben, haben alle anderen Parteien Stimmenverluste zu verzeichnen. Es haben erhalten an Stimmen: SP2. 29 371 Stimmen, 22 Mandate(19) 2V. 9 391, 3 Mandate(9) BGem. 5840, 4 Mandate(5) Demokraten 3154, 2 Mandate(2) Zentrum 3122, 2 Mandate(2) Deutschnationale 1192, 6 Mandate(2) Erang. Volksdienst 2758, 2 Mandate(2) KP9. 4068, 3 Mandate(2) Nationalsozialisten, 15 936, 12 Mandate(2) Bürgerschaftswahlen in Bremen Bremen, 1. Dez. Die gestrigen Wahlen zur Bürgerschaftsvertretung brachten solgende Ergebnisse: SPD. 62 555, 40 Mandate Deutschnationale 9642, 5 Mandate Zentrum 2438, 2 Mandate KP2. 22 000, 12 Mandate Deutsche Volkspartei 25 272, 15 Mandate Staatspartei 7216, 4 Mandate Volkspartei 3362, 2 Mandate Haus= und Grundbesitzer 8730, 5 Mandate Nationalsozialisten 51 324, 32 Mandate Die Wahlbeteiligung betrug 80 Prozent. Zwischenfall bei den Bremer Wahlen Bremen, 1. Dezember.(Drahtb.) Gelegentlich der Wahlvorbereitungen ereignete sich am Samstagabend in Bremen ein schwerer Zwischenfall. Da an den Reichswehrkasernen Wahlplakate angeklebt worden waren, hatten zwei Soldaten in Zivil den Auftrag erhalten, nächtliche Rundgänge an der Kaserne zu machen. Bei einem solchen Rundgang stießen zwei Soldaten auf Zivilisten, in denen sie nach Sachlage der Dinge Plakatankleber vermuten mußten. Es kam zu Streitigkeiten, in deren Verlauf der Feldwebel zu seiner Dienstpistole griff und einen Zivilisten durch einen Schuß in beide Schenkel schwer verwundete. Die übrigen Zivilisten überwältigten den Feldwebel, nahmen ihm die Pistole ab und übergaben ihn der Polizei. Eine Untersuchung ist in die Wege geleitet. Die neue Notverordnung lose wird ausgedehnt## Die Schankverzehrsteuer wird begrenzt Urteil im Honnefer Mordprozeß Krankenscheingebühr fällt bei Ausgesteuerten# Das Unterstützungsgesetz für Jugendliche Erwerhs- Der Angeklagte zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt— Wegen erblicher Belastung Begnadigung in Aussicht gestellt Brand auf Lloyd=Dampfer :: Newyork, 1. Dez.(Drahtber.) einem nkspruch aus Colon ist auf dem Lloyddampfer Ludwigshefen 30 MeiKatmola(Pern) ein Brand ausgebrochen. Nach Nachrichten seiteng des Nordeutschen Llond fehlen bisher noch weilere Meldungen außer der vorliegenden amerikanischen, die sehr unbestimmt gehal#en ist. So steht bisher nur fest, daß sich er Dampfer auf seiner Heimreise von der Westküste Amerikas besand. Berlin, 1. Dez.(Drahtbericht.) Das Reichskabinett ist am Sonntag um 16 Uhr zu der— zweimal verschobenen— Kabinettssitzung zusamemngetreten, um die neuen Notverordnungen zu beraten. In unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß die Sitzung sehr lange, unter Umständen die ganze Nacht, dauern wird. Die erste Notverordnung wird voraussichtlich morgen vormittag veröffentlicht werden. Sie enthält die Abänderungen zur Juli=Verordnung. Der Kanzler legt Wert darauf. sie vor der morgigen Sitzung des Hauptausschusses herauszubringen, der dann feststellen könnte, daß seine wesentlichen Wünsche erfüllt sind, womit seine Arbeit dann beendet wäre, ohne daß es erst zu Einzelabstimmungen käme. Im einzelnen dürfte die Notverordnung ungefähr folgende Punkte enthalten: Die 50=Pfennig=Gebühr wird den Ausgesteuerten und den fünf untersten Klassen der Erwerbslosen sowie für bestimtme Krankheitsfälle erlassen. Ferner soll das Unterstützungsrecht der jugendlichen Erwerbslosen, die dem elterlichen Haushalt angehören, erweitert werden. Bisher waren Jugendliche bis zu 17 Jahren davon ausgenommen; jetzt soll die Grenze bei 16 Jahren liegen, so daß also ein Jahr mehr unter die Erwerbslosenunterstützung fällt Das erfordert schätzungsweise einen Mehrbetrag von 5 Millionen. Außerdem wird die Schankverzehrsteuer fallen und in den Gemeinden, in denen sie bereits eingeführt ist, wird sie auf den 1. April 1932 begrenzt. Das Bier wird aber auf alle Fälle ausge nommen, da es bereits stark belastet ist. Dazu tritt dann noch eine Aenderung der Bürgersteuer. In unterrichteten Kreisen rechnet man mit einer geringeren Unterstufe und einer stärkeren Staffelung in der Mitte. Wie weit noch andere Einzelheiten in dieser Notverordnung geregelt werden, bleibt abzuwarten. Die zweite Notverordnung umfaßt das Finanz= und Wirtschaftsprogramm mit Ausnahme des Steuervereinfachungsgesetzes, das vom Reichsrat noch nicht verabschiedet ist. Mit der VeröffentlichungT dieser Verordnung ist für Montag abend oder Dienstag zu rechnen. Die Krise bei der DUP Dr. Scholz wird Ehrenvorsitzender, Dingeldeg übernimmt die Führung Die Partel neu organisiert :: Berlin, 1. Dez.(Drahtber.) Nach dem am Sonntagmorgen der Reichsausschuß der Deutschen Volkspartei zusammengetreten war, um abschließend zu dem neuen Organisationsstatut der Partei Stellung zu nehmen, versammelte sich am Nachmittag der Zentralvorstand im preußischen Landtag. Der stellvertretende Parteivorsitzende Dingeldey eröffnete die Tagung mit einem Hinweis auf die schwere politische Lage. Das Schicksal der Partei sei unvermutet aufs schwerste noch dadurch berührt worden, daß Dr. Scholz sich entschlossen habe, die bis dahin von ihm geleiteten Aemter als Vorsitzender der Partei und der Reichstagsfraktion niederzulegen. Die Bemühungen des Parteivorstandes, Dr. Scholz zu bewegen, wenigstens noch kurze Zeit an der Spitze der Partei zu bleiben, seien in erster Linie an dem hohen Verantwortungsgefühl des zurückgetretenen Parteiführers gescheitert. Es sei das historische Verdienst des Ministers a. D. Dr. Scholz, daß er unter größten Schwierigkeiten, unter Opfern seiner persönlichen Ueberzeugung, auch seiner persönlichen Stellung sich in entscheidenden Augenblicken sich selbst und die Reichstagsfraktion dem großen Führer der deutschen Außenpolitik zur Beendigung seines Werkes zur Verfügung gestellt habe. Dr. Scholz habe— und das müsse allen gegenteiligen Behauptungen gegenüber— festgestellt werden, die Politik Dr. Stresemanns stets loyal unterstütz: Der Parteivorstand habe beschlossen, Herrn Dr. Scholz den Ehrenvorsitz der Partei anzutragen. Dieser Vorschlag wurde unter lauter Zustimmung einmütig angen om men und gleichzeitig die Absendung eines Telegramms an Dr. Scholz beschlossen. Dann nahm Regierungsrat Sauer= vorn als Vorsitzender des Organisationsausschusses das Wort zu den neuen Organisationsstatuten. Der Grundgedanke der neuen Satzung besteht in einer schärferen Zusammenfassung der Kräfte durch Stärkung der Befugnisse des Parteivorstandes. Satzungsgemäß sind alle Sicherungen eingeschaltet, daß in sämtlichen Gliederungen der Partei die junge Generation. die Frauen und die wichtigsten Berufsstände ihrer Bedeutung entsprechend vertreten sind. Dem Führergedanken ist dadurch entsprochen, daß die Stellung des Parteiführers besonders herausgehoben ist. Ein Stellvertreter des Parteiführers kann von ihm im Einvernehmen mit dem Parteivorstand bestellt werden. Der Zentralvorstand nahm das neue Organisationsstatut nach den Vorschlägen des Organisationsausschusses mit großer Mehrheit an. Unter dem Vorsitz des Seniors der Partei, Geheimrat Professor Dr. Kahl, erfolgte dann die Wahl des neuen Parteiführers. Geheimrat Kahl schlug zur Wahl den Abgeordneten Dingeldey vor, der seit 1½ Jahren Mitglied der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei sei und es in überraschender Weise verstanden habe, das Vertrauen seiner politischen Freunde zu erwerben, sich Achtung und Ansehen in der ganzen Partei zu verschaffen. * Bonn, 1. Dez.(Drahtbericht.) Samstagabend fällte das Bonner Schwurgericht gegen den Angeklagten Peter Neunkirchen das folgende Urteil: Der Angeklagte wird wegen räuberischen Diebstahls in Tateinheit mit Totschlag und eines weiteren Totschlages zu lebenslunglicher Zuchthausstrafe und zu weiteren zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden dem Angeklagten auf Lebenszeit aberkannt. In der Urteilsbegründung heißt es, der Angeklagte sei von dem Gedanken beherrscht gewesen, das Geld der ermordeten Eheleute in seinen Besitz zu bringen. Seine Freude über das erbeutete Geld war so groß, daß er die ersten Eindrücke der Tat überwand und ihm nichts anzumerken war. Sein Vergehen müsse daher hart bestraft werden. Der Vorsitzende verkündete dann den Beschluß des Gerichts, daß es ein Suadengesuch auf der Grundlage befürworten wolle, daß der Angeklagte in Anbetracht der schweren erblichen Belastung nach Verbüßung von 15 Jahren Zuchthaus begnadigt werde. Die Banken wackeln Drei neue französische Finanzskandale :: Paris, 1. Dez.(Drahtbericht.) Drei neue Finanzskandale sind zu verzeichnen: In Toulouse hat der Direktor einer kleineren Bank, namens Pages, sein Unternehmen geschlossen und die Flucht ergriffen. In derselben Stadt wurde ein Bankier, Cacabeau, dessen Passiva mehrere Millionen betragen sollen, verhaftet, und in Lyon wurde der Bankier Vere wegen Vertrauensmißbrauchs und betrügerischen Bankrotts festgenommen. Rechts schwenkt marsch! kommandiert die SPO Breitscheld will retten, was nom zu retten Ist# Die nationalsortallstische Welle beuuruhtgt die Franzosen## Die SPD wird Brüning unterstüten J Bochum, 1. Dez.(Eig. Drahtb.) Im dichtbesetzten großen Saal des Parkhauses in Bochum sprach Sonntag vormittag in einer sozialdemokratischen Versammlung der Reichstagsabgeordnete Breitscheidt, Berlin, einer der Führer der Partei, über die Lage im Reich und in Preußen. Bei seinen Darlegungen ging er von der Betrachtung aus, daß Preußen das Wehe, wenn sie losgelassen! Hotelbelagerung in Salzwedel Begen volitischer Streitigkeiten : Salzwedel, 1. Dez(Drahtber.) Auf einem Wintervergnügen, das hier im Potel„Schwarzer Adel“ kattfand, bekam der sozialdemokratische Stadtverordnete 9°del mit Festteilnehmern, darunter nehreren Nationalsozialisten, Streit. Im Verlauf der Auseinandersetzungen wurde er erheblich verletzt. Später sammelten sich der dem Hotel Demonstranten an, die von dem Wirt die Auslieferung der Leute verlangten, die Jobel verletzt hatten. Dies guide ihnen verweigert. Polizei, die durch Gendarmerie verstärkt war, mußte gegen D. Renge, die sich, wie verlautet, aus Reichedannerleuten und Kommunisten zuamensetzte, mit dem Gummiknüppel vorGegen Mittag dauerten die AnHandgreifliche Beweise für die„Arbeit“ der kommunistischen Fraktion in der Verliner Stadtverordnetenversammlung, deren Sitzung am 27. November durch Radauszenen gesprengt werden sollte. Bei der gewaltsamen Entsernung der gesamten Fraktion aus dem Sitzungssaale, bei der die Kommunisten„schlagsertig" Widerstand leisteten, gad es Kleinholz letzte starke Bollwerk der Demokratie in Deutschland sei. Die sozialdemokratische Partei müsse alles daran setzen, eine Auflösung des Preußischen Landtags zu verhindern und die augenblickliche. Preußenkoalition unter allen Umständen zu sichern. Dazu bedürfe es im Reich einer Erhaltung und Stützung des Kabinetts Brüning Als die SPD. in den letzten Wahlkampf gezogen sei, da habe sie das in der jesten Gewißheit getan, nach den Wahlen zum Sturz der Regierung Brüning schreiten zu können, eine parlamentarisch gestützte Regierung unter Teilnahme der SPD. an ihre Stelle zu setzen und die Notverordnungen durch Gesetze auszuschalten, durch die den Interessen des arbeitenden Volkes besser gedient sei. Der 14. September habe anders entschieden. Nationalsozialisten und Kommunisten seien gestärkt in den Reichstag eingezogen. Kein Mensch habe die verhängnisvolle Entwicklung des Nationalsozialismus vorausgesehen. Jetzt gelte es eben, zu retten, was noch zu retten sei. Verschärsend auf die politische Lage wirke die Wirt chaftskrise, die sich allerdings nicht auf Deutschland beschränke und als Weltwirtschaftskrise die Krise des Kapitalismus an sich manifestiere, der eben nicht für den Bedarf, sondern für den Proftt proouziere. Speziell für Deutschland komme hinzu, daß es jährlich im Durchschnitt 1.8 Milliarden Mark an Reparationen an die Siegerstaaten abführen müsse. Daß jedoch den Reparationen nicht die alleinige, nicht einmal die Haupt chuld an der deutschen Wirtschaftskrise zugeschrieben werden könne, gehe daraus hervor, daß den drei Rillionen Erwerbslosen in Deutschland eine Zahl von zwei Millionen Erwerdsloser im Hauptgläubigerstaat England gegenüberstehe. In Deutschland habe die Krise ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Es sei mit einem weiteren Einnahmerückgang des Reiches bei gleichzeitiger Steigerung der Lasten zu rechnen. Selbstverstreidlich könne gespart werden. In diesem Zusammenhang solle nur auf das nicht nur überflüssige, sondern sogar international gefährliche MarineAusbauprogramm verwiesen werden. Die Finanzierung der deutschen Pirtchaft werde erschwert durch die Kapitalflucht ins Ausland. Das mangelnde Vertrauen der deutschen Finanzkreise in die bilität der deutschen Verhältnisse, das sich derart kraß manifestiere, veranlasse das Ausland, seine in Deutschland investierten Kapitalien zurückzuziehen und deutsche Papiere auf den Mark zu schleudern. Daß der nächste Kampf den Reparationen zu gelten habe, sei selbstverständlich. Es müsse versucht werden, die Lasten zu mildern und aufzuheben. Das gehe nicht durch Einstellung der Youngplan=Zahlungen die aufs neue die völlige Kreditunfähigkeit des Reiches nach sich ziehen werde; man müsse den bisherigen Weg der Verhandlungen weiter beschreiten. Die Entscheidung in dieser wichtigen liege bei Amerike, dem Hauptgläudiger Europas. Breitscheid trat nun in eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ein. Wirtschaftliche Rot habe die 167 nationalsozialistischen Abgeordneten geschaffen. Die nationalsozialistische Welle in Deutschland bennruhige— zwar grundlos— das Ausland auf das Stärkste. Die Bevölkerung Nordfrankreichs habe in ständig steigender Rummer 328 Montag, den 1. 1326 tät die Frage„Wird es noch einmal zum Kriege kommen?" seit Monaten durch „Wann kommt der Krieg?“ ersetzt. Die Unternehmertheorien von der Behebung der Krise durch Senlung der Löhne und Soziallasten seien teilweise leider schon Praxis geworden, das zeige der Sc iedsspruch im Berliner Metallarbeiterstreik, den die SPD. nur auf das chärfste mißbilligen könne, zumal er als Auftakt zu einem Generalangriff auf die Lohn= und Tarifordnung anzusehen sei. Heute senke man die Löhne mit Gewalt und versuche, die Preise gesundzubeten. Preisabbau könne nur durch schärfste Bekämpfung der Kartelle erfolgen. Zur Sicherstellung der Sozialleistungen sei die Sanierung der Reichs= und Gemeindefinanzen unbedingt erforderlich. In manchen Kommunen namentlich des Westens sei allzu„kavaliermäßig“ mit dem Geld umgegangen worden. Betrachte man die Gehälter mancher Oberbürgermeister, so könne man das Besoldungssperrgesetz nur begrüßen. Zusammenjassend führt Breitscheid aus. daß man die Wahl habe zwischen dem Kabinett Brüning auf der einen, einer Rechtsregierung oder gar einer offenen Diktatur auf der anderen Seite. Es gelte jetzt, mit allen Mitteln wenigstens das bisher Erreichte zu sichern. Abrüstung Aber mit Reserve :: London, 1. Dez.(Drahtbericht.) Der Staatssekretär des Aeußern, Henverson, hielt in Cardiff eine Rede, in der er sich mit dem Abrüstungsprobtem beschäftigte und betonte, daß sich die englische Regierung in dieser Frage in voller Uebereinstimmung mit den Dominien befinde. Er führte weiter aus: Der Vorbereitende Abrüstungsausschuß in Genf macht zufriedenstellende Fortschritte. Es ist klar, daß wir eine Begrenzung des Mannschaftsbestandes erreichen müssen, wenn die Konvention in Kraft tritt. Wir müssen auch zu einer Begrenzung des Heeresmaterials gelangen und volle Publizität haben, damit wir wissen, was die vertragschließenden Regierungen tun und welche Vorbereitungen zum Kriege tatsächlich getroffen werden. Wir müssen auch in irgendwelcher Form eine Aufsicht und Kontrolle durch einen unparteiischen Völkerbundsausschuß haben, der eine Gewähr dafür bieten soll, daß die in der Abrüstungskonvention vorgesehenen Grenzen nicht überschritten werden. Nach den ersen fünf Jahren(!) sollte die Abrüstungskonvention, wenn nötig, reoidiert werden. Wenn die Erfahrung der ersten fünf Jahren lehren sollte, daß die Konvention verbessert werden kann, so werden wir in der glücklichen Lage sein, uns auf Grund unserer Erfahrungen über diese Revision schlüssig zu werden. Wenn der Vorbereitende Abrüstungsausschuß seine Arbeiten einmal beendet haben wird, dann hofsen wir, daß nach wenigen Monaten eine endgültige Abrüstungskonferenz, auf der die ganze Welt vertreten ist, ihre Arbeiten beginnen wird. Die ruinierte Volksküche Wattenscheid macht schlechte Erfahrungen * Wattenscheid. 30. Nov. In Ausführung eines kürzlichen Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung ist in Wattenscheid unter Aufwendung von 1500 Mark Kosten eine Volksküche errichtet worden. Bei der Aufnahme des Betriebes zeigte sich jedoch, daß sich nur drei Abonnenten meldeten. Bei dieser geringen Zahl kann naturlich der Kochbetrieb nicht aufrecht erhalten bleiden. Der Oberbürgermeister führt dieses Versagen auf eine Adneigung insbesondere der Frauen, für öffentliche Speisungen zurück. Er glaubt, daß die Frequenz nach Ueberwindung dieser Hemmungen sich steigern werde. Aus dem Vorslans der Deutschen Do X° Passagier reisen ab Einzelhelten über den Brand des Flugschtties# In drel bis vier Wochen ertolgt Welterfahrt + Lissabon. 1. Dez.(Drahtber.) (Von unserem Sonderberichterstatter an Bord des Do X— Copyright Wolffs Telegraphisches Büro.) Der Brand, der nachmittags um 14,30 Uhr an Bord des Flugschifses Do X ausbrach, ergriff die Flügelhaut des linken Flügels. Es gelang. die gefüllten Benzinbehälter in der Flügel„Do X“ in Coruna, der Hasenstadt an der Nordküste Spaniens, der vor dem jetzt erreichten vorläufigen Ziel Lissabon. nase und die Motoren selbst vor Feuerschaden zu sichern. Beschädigt wurde lediglich die Haut des Backbordflügels. Keiner der Hauptkonstruktionsteile des Flügels wurde in Mitleidenschaft gezogen, die drei Holme sind vollständig intakt geblieben, ebenso das Triebwerk und die Flügelnase. Die Instandsetzung des Flügels kann in kurzer Zeit erfolgen. Von Friedrichshafen und Altenrhein wurden sofort Ersatzteile angefordert, ebenso die nötigen Mannschaften. Bei guten Transportverhältnissen können diese in zehn Tagen hier sein, so daß der Do X in drei bis vier Wochen wieder flugklar sein wird. Die Besatzung bleibt in Lissabon, die Passagiere reisen au. Sofort nach der Instandsetzung wird das Flugschiff den Flug fortsetzen. Die Güte der Konstruktion hat sich bei diesem Brande erwiesen. Auszeichnung des Do=X=Kommandanten Hamburg, 1. Dez.(Drahtber.) Die hiesige Seewarte hat dem Kommandanten des Do X, Kapitän Fr. Christianletzten Etappe sen, die silberne Seewartemedaille verliehen. Die Europäisierung Amerikas Bolschewistische Enperimente oder Fertentwichlung des KaplDer Sinn der Wirtschaftshrise lallsmus? :: Berlin. 30. Nov.(Eig. Drahtb.) Ganz neue Gesichtspunkte über den Sinn der amerikanischen Wirtschaftskrise legte Professor M. J. Bonn. der hervorragende Amerikakenner, in einem Vortrag im Rahmen der Hochschule für Politik dar. Man darf nie vergessen, daß die Vereinigten Staaten bisher wirtschaftlich und sozial ganz anders organisiert waren als irgend eines der europäischen Länder und daß der reine Kapitalismus, d. h. derjenige des selbständigen meist kleinen Unternehmers nirgend so geblüht hat, wie hier. In Deutschland hat sich der Kapitalismus noch während er in Entsaltung begriffen war, aus eigenem Willen Beschränkungen z. B. durch die Versicherungsgesetze, auserlegt. Der amerikanische Kapitalismus des kleinen Unternehmers konnte sich solange ausbreiten und entfalten, solange dem überschüssigen Kapital und den überschüssigen Arbeitokräften noch freies Land zur Verfügung stand. Desweger ist die Farmerfrage für die heutige Krize von so großer Bedeutung. Die Farmer=Demokratie ist heute ins Schwanken geraten. Heute rentieren sich nur noch die Riesenfarmen, die gewissermaßen fabrikmäßig Weizen herstellen. Die Existenz des Farmers, des selbständigen kleineren Unternehmers droht den Großbetrieden zum Opfer zu fallen. Das bedeutet mit anderen Worten, daß die Aufstiegsmöglichkeiten des amerikanischen Arbeiter, die zum mindesten als Illusion bisher den Angelpunkt der sozialen Frage bildetn, immer geringer werden. Eine neue Schicht ist im Werden begriffen: die„Arbeiter“, die bisher wohl als besondere Art der Berufstätigen, aber nicht als soziale Klasse existierten. Die Illusion von dem„Marschallstab im Tornister“ wird durch die Tatsachen immer mehr entkräftet. Es ist äußerst interessant zu beobachten, daß in einzelnen Staaten bereits Gesetze, die unseren deutschen Sozialversicherungen ähneln, herausgebracht worden sind. Gerade die große Industrie hat es auf alle Arten versucht, die amerikanische Demokratie, d. h. eine Gesellschaft, die keine Klassenunterschiede kennt, zu halten. Sie hat versucht, durch Massenartikel und als auch diese nicht mehr bezahlt werden konnten, durch Abzahlung auf diese die Uniformierung mit ihrer demokratischen Tendenz zu halten. Die sich heute deutlicher herausentwickelnden Eberswalder kichler von Geisteskranken erschossen Der aussichtsführende Richter des Amtsgerichts Eberswalde, Amtsgerichtsrat Proj. Görcke, ist von einem offenbar geisteskrankene Friseur, der wegen mehrerer verlorener Prozesse dem Amtsgerichtsrat Rache geschworen hatte, auf offener Straße niedergeschossen worden und kurz darauf der schweren Verletzung erlegen. Für Rußland, das Amerika an Größe und Möglichkeiten gleich kam, haben sich die Amerikaner immer interessiert. Das Interesse für Sowjetrußland, das ihnen weniger durch die Großzügigkeit der Ideen, als durch die Großzügigkeit der durch zeführten Maßnahmen, wie z. B. dem Fünfjahrplan gewaltig imponiert, ist in beinahe allen Kreisen sehr groß. Es mag uns zunächst seltsam erscheinen, daß der Marxismus sozialistischer Prägnanz bei dem Amerikaner kaum Anklang findet. Man kann diese Tatsache mit Professor Bonn zum Teil darauf zurückführen, daß der Amerikaner ein Tatsachenmensch von schnellem Entschluß sich noch nie für komplizierte Theorien interessiert hat. In Rußland wird aber tatsächlich etwas Neues unterkern, sondern von Abenteurern und Män= heit- leisten, sie wollen gar keise Verantnern der Tat erobert worden. Auch in wyrhant Abernehmen, beil ste doch damit dem heutigen Amerikaner steckt noch viel von diesem Abenteurer, der bereit ist, alles zu zerschlagen, und etwas ganz Neues aufzubauen, wenn er der Meinung ist, daß die alte Methode versagt hat. Professor Bonn ist nicht der Meinung, daß es so weit kommen wird, daß Amerika sich tatsächlich auf bolschewistische Experieinzelnen Kirchen beobaw mente einlassen wird. Es wird im Gegenteil der Sinn der jetzigen Wirtschaftskrise sein, zu beweisen, daß ein gewandelter Kasozialen Stufungen lassen sich übrigens vor allem im amerikanischen Klubwesen und bei den Zugehörigkeiten zu den ten. Gesellschaftlich europäisiert sich Amerika. sich zudem sehr Ktark in einem gewissen gnszishagt zg, schere Grundlage für die Mißtrauen, nicht nur gegen die Führer per: Wirtschaft ist als der Bolschewismus, dessönlich, sondern auch gegen das System, sen mögliche Vorteile noch nirgend bewienach welchem das Land geführt wurde. sen worden sind. Die Entrechtung der Volksvertretungen Die autiparlamentarische Tendenz der Behörden beine Dauer erscheinung# Die Gründe für die Belselteschiebung der Volhsvertretungen hat, damit eine schwere Zeit überwunden werden kann. Und ähnlich liegen auch die Fölle in den Städten, wo es zur Einsetzung von Staatskommissaren kam, weil sich Magistrat und Stadtverordnetenversammlung nicht einigen konnten. Außergewöhnliche Zeiten verlangen nun einmal außergewöhnliche Maßnahmen. Und schließlich würde auch das ganze parlamentarische Verfahren viel zu schwerfällig sein, um eine rasche Durchsetzung der verschiedenen Maßnahmen zu ermöglichen. Allerdings darf man daraus nicht den Schluß ziehen, daß der Parlamentarismus nur in guten Zeiten arbeitsfähig wäre. Damit würde man die gesamte Entwicklung des Parlamentarismus verfälschen. So hat der Reichstag in der Nachkriegszeit schon des öfteren Gelegenheit gehabt. Gesetze zu verabschieden, die in ihren Auswirkungen außerordentlich weittragend und einschneidend waren. Jetzt liegen die Dinge doch vielmehr so. daß die Notzeit eine innenpolitische Entwicklung zur Folge hatte, die durch das Anwachsen der radikalen Elemente das parlamentarische System selber verfälschte. Denn die radikalen Elemente Die zwangsweise Einführung der sein, hinterher das Interesse für eine notBürger= und Getrankesteuer für Gel= wendige Maßnahme zu wecken, als vorher ohne weiteres für sie einzutreten. Das hat mit mangelndem Verantwortungsgefühl Aus dem Vorstand der Deutschen Bauernschaft ausgeschieden ist— infolge der Trennung der Bauernschaft vom Bayerischen Bauernbund— dessen Vertreter bei der Bauernschaft. Landwirtschaftsministe: a. D. Professor Dr. Fehr. enkirchen durch den Regierungsprä sidenten hat erneut die Frage der Entrechtung der Volksvertretungen aufgeworsen. Von informierter Seite erhalten wir dazu folgende Ausführungen, die trot aller Scheingründe nicht ganz widerspruchslos hingenommen werden können: Es hat sich in der leuzten i als notwendig erwiesen, die Volksvertretung im Reich, in den Ländern und Kommunen mehr und mehr zu: ückzudrängen, do auf eine andere Weise keine glatte Abwicklung der Legislative zu garartieren war. Nun könnte man versucht sein, hieraus den Schluß zu ziehen, daß der gesamte Parlamentariemus erledigt sei. Richts ist aber versehlter als dies, wei! man damit nämlich ein generelles Urteil fällt, dessen Verallgemeinerungen den Totsachen in keiner Weise Rechnung tragen kann. Um die gegenwärtige Entwicklung zu begreisen, mun man sich einmal die Situation an sich klar machen. Wir durchleben zurzeit eine schwere Wirtschaftskrise. wie sie bisher überhaupt noch nicht ezistiert hat Und diese Krise verlangt zu ihrer Behebung Moßnahmen, die derart unpopalär sind, daß ein Parlament wohl nur schwerlich in der Lage in, solche Maßnahmen zu akzeptieren. Denn man darf doch nicht vergessen, daß der auch nicht das geringste zu tun. Aber es gibt eben Augenblicke, wo die Regierung von sich aus handeln muß und wo das Parlament einfach Gewehr bei Fuß zu stehen Grundstein für ein litanisches Nationalhelden=Museum ihre eigene Propaganda zerstören müßten. Und aus diesem Grunde hat sich die Rotwendigkeit ergeben, die Volksvertretung zurückzudrängen in der Erwartung, daß durch die Ueberwindung der Keise auch eine Stabilisierung der innerpolitischen Verhältnisse herbeigeführt werden kann, da die radikalen Elemente an Boden einbüßen, wenn sie der Schlagworte der Not, die immer sehr billig sind, verlustig gehen. Die Vernunft ist es, die in dieser außergewöhnliche Zeit die Inanspruchnahme außergewöhnlicher Mittel verlangt. Und zwar ist es die Vernunft, die sagt, daß der Parlamentarismus allein auf diesem Wege gefestigt werden kann. Diese Gedanken muß man sich einmal klar machen, wenn man die gegenwärtige Entwicklung begreifen will, um damit vor allem jene Argumente zu entkräften, die den antiparlamentarischen Kreisen so nahe liegen und die unter Verdrehung der Tatsachen den Untergang des parlamentarischen Systems nachweisen sollen. Das parkamentarische System lebt, weil die Gegenwart einem anderen politischen System in der zivilisierten Welt überhaupt keinen Raum läßt. Jum Richter am haager Schiedsgerichtshi ernaunt C R. Und so wird er viel eher in der Lage Litauen seiert in diesem Jahre den 500. Todestag seines Nationalhelden, des Großfürsten Witold oder Bytautas, unter dem es seine größte Macht erreicht hatte. Ihm zu Ehren wird in der deutschen Stadt Memel ein Vutautas=Museum errichtet, des„ sen Anfänge bereits entstanden sind Zum Richter am Haager Schiedsgerichtshof ernannt wurde der frühere schwedische Außenminister Professor Oesten Unden, der bisherige Rektor der Universität Upsala. c e" Das idedle 36 1R Abführ-Konfak) Monkag, den I. Dezember Jahrgang 1339 Nüs Buen Von allem etwas bringt der Buersche Heimslabend *) Zum Heimatabend in der Schauburg am Mittwochabend wird noch mitgeteilt: Die Auswahl der Lieder wurde vor allem mit Bezug auf Heimat und Volkstum getrossen. Da sind zunächst die beiden westjälischen Volkslieder:„O Tannenbaum, du trägst'nen grünen Zweig" und„Es waren zwei Königskinder" zu nennen. Und was wäre für ein Bergmannsland angemessener, als Bergmannslieder. Hier dürfte besonders das Lied„Vier Bergleute hauen aus dem Stein Silber, Gold und Erzelein“ wenigen hierzulande bekannt sein, obschon es sich um ein echtes Volkslied handelt. Volkstümlich ist vor allem auch, daß eine Reihe von Lieder an dem Abend vom Volke selbst gesungen werden, so das Westfalenund Deutschlandlied,„Am Brunnen vor dem Tore" und vielleicht auch„Im schönsten Wiesengrunde.“ Zu den Volksliedern kommen dann die Volkstänze, auch hier neben allgemein verbreiteten besonders westfälische. Zu den ersteren rechnen:„Kumm to mi, goah van mi“— und mit den Füßchen sowie„Wann hier een Pott met Baunen steiht un dao een Pott met Brie.“ Als westfälische sind zu nennen:„Der Kegelkönig",„Siebensprung", Trompete. Volkstümlich dürften besonders für Buer sodann die Dichtungen sein, die zum Vortrag kommen, schon weil Buersche Persönlichkeiten ihre Verfasser sind. so trägt der Sprechchor der Oberealschule Otto Wohlgemuts, des Buerschen Bibliothekars, ehemaligen Bergmanns, ergreifendes„Mutter Erde“ vor. Adele Brüning=Vasbach. Tochter eines Mitbegründers unseres Heimatvereins, mannigjach durch ihre Dichtungen bekannt, pendete uns den Prolog. Und eine Buersche Volksschullehrerin wird ihn zum Vortrag bringen, die vielen aus Buerschen Theaterspielen, so aus der HexenännekenAufführung noch in bester Erinnerung ist. Sie spielte damals das arme Anneken Spiekermanns, das in Westerholt als Hexe hingerichtet wurde. Ihr Spiel fand überall die beste Anerkennung. Dokumentiert sie so schon die selbstverständliche Tatsache, daß höhere Schulen und Volksschulen gemeinsam stark an der Heimatsache interessiert sind, so hoffen wir, daß in edlem Wettstreit beide Schularten wetteifern und wir im Rahmen des Vereins bald die eine, bald die andere Schulgattung für die Heimatsache auch öffentlich durch Darbietungen werben sehen. Aber od im Rahmen des Vereins oder in anderem, sollen uns die geringste Sorge sein. Ueber jede Dardietung nach dieser Seite wird Freude herrschen. Wir freuen uns vorläufig dieser Zusammenwirkung, der weitere folgen mögen. Betont werden muß, daß das Fest am Mittwoch 8 Uhr im Schauburgtheater beginnt, nicht im Restaurant, und zwar zum Preise von 50 Pfg. auf allen Plätzen, was auch volkstümlich sein dürfte. Nur für wenig geladene Ehrengäste, den Vorstand, die Presse und Mitwirkende werden Plätze reserviert. Die Vorstellung beginnt pünktlich um 8 Uhr. (“) Hohes Alter in Buer. Heute vollendet Frau Wienecke, Buer, Dorstener Straße wohnhaft, das 80. Lebensjahr. Frau Wienecke, die Gattin des in Buer allseitig bekannten und geachteten Lehrers i. N., wird an diesem Tage Gegenstand vieler Ehrungen und Glückwünsche sein. Sparsamkeit auf allen Gebleten. Mayere Spielpläse der gastsplelgebenden Theater in Geisenhirchen und Buer Soll Buer mit Sonderveranstaltungen ganz übergangen werden? Klagen aus der Bürperschaft Aus Münster wird berichtet: Am Montag ist die dritte Aufführung der mit ungeheurem Beifall aufgenommenen Puccinischen Oper„Manon Lescaut", am Dienstag wird Schillers„Maria Stuart“ wiederholt. Der Mittwoch bringt die Erstaufführung von Ibsens„Rosmerholm", wobei kein geringerer als Ludwig Wüllner die Titelrolle übernommen hat. Am Donnerstag wird der Schwank„Hulla, di Bulla" wieder in Szene gehen. Und am Freitag bietet sich Gelegenheit, Ludwig Wüllner in einer seiner allerbesten Rollen, als„Nathan den Weisen“ in Lessings gleichnamigem Schauspiel zu sehen, das damit zur Erstaufführung gelangt. Am Samstag geht Lortzings„Waffenschmidt“ zum ersten Male in Szene, und am Sonntag wird nachmittags die Operette Lehars „Das Land des Lächelns“, abends Millöckers„Bettelstudent“ wiederholt. In den Kammerspiele werden Dienstag und Mittwoch„lustige Abende" mit neuem Programm gegeben. Donnerstag„Die Frau, die jeder sucht". Samstag„Konto X“ (zum ersten Male in den Kammerspielen). Sonntag nachmittag„Die Frau, die jeder sucht" und Sonntag abend„Konto X“. * Dieser magere Spielzettel des Stadttheaters in Münster, das ja auch in Buer Gastspiele gibt, nach denen man ein endgültiges Urteil über die Leistungsfähigkeit der Bühne noch nicht abgeben kann, läßt wenig Abwechselung für die nächste Zeit für Buer erwarten. Die nächste Theatervorstellung findet am 11. Dezember statt. Was gespielt wird, ist noch nicht bekannt. Zu wünschen wäre, daß die Münsteraner endlich einmal versuchten, den rechten Kontakt mit dem Buerschen Publikum zu gewinnen. Mit den bisherigen Gastspielen Schillers„Maria Stuart“ und dem unwertigen„Gardeoffizier“ ist es ihnen noch nicht gelungen, sich bei den Bueranern ungeteilte Sympathien zu erspielen. Man fragt nicht ganz mit Unrecht, wo die angekündigten Stücke, wie„Dantons Tod“, das moderne Schauspiel„Besetztes Gebiet", das gerade für unser Gebiet aktuell ist, usw. bleiben. Gerade darauf hat man in Buer große Erwartungen gesetzt. Das Stadttheater Münster scheint die Aufnahmefähigkeit des Buerschen Publikums vollkommen falsch einzuschätzen. Man kann mit Maßstäben, die vielleicht für Münster Gültigkeit haben, nicht in einer Industrie= großstadt Kulturpolitik treiben wollen. Jedenfalls erwartet das Buersche Theaterpublikum endlich einmal eine würdige Theateraufführung. Ferner bedauert man in Buer ungemein, daß die Stadtverwaltung Sonderveranstaltungen, wie die Zigeunerkonzerte, sowie den Tanzabend der Hannah Spohr, der morgen stattfindet, nur für Gelsenkirchen arrangiert. Die Verwaltung sollte doch aus den Erfahrungen der letzten Jahre gelernt haben, daß gerade für solche Abende in Buer größtes Interesse vorhanden ist. Dazu kommt noch, daß auch im Hinterland Buers solche Veranstaltungen nur begrüßt werden würden. Wir sind deshalb von vielen Seiten gebeten worden, die Verwaltung in der Oeffentlichkeit darauf hinzuweisen, daß bei Veranstaltung solcher Sonderabende das Buersche Publikum nicht unberücksichtigt bleiben darf. Obwohl in Buer nicht verkannt wird, daß Gelsenkirchen nur wenige Theaterabende hat, so daß Sonderveranstaltungen in Gelsenkirchen an sich gerechtfertigt sind, so weist man doch auf das große Interesse im Buerschen Publikum für derartige Dinge hin, das ein Fiasko mit solchen Abenden kaum erwarten läßt. Solche Abende sollen zuweilen sogar ein Geschäft sein, das sich gerade eine Stadtverwaltung nicht entgehen lassen sollte. Uebrigens wird auch aus Gelsenkirchen über den Spielplan des Düsseldor= fer Schauspielhauses geklagt, der auch nicht besonders reichhaltig ist. Eine Bereicherung des Planes würde man allgemein begrüßen. Vier Veranstaltungen in einer Woche Ist das nicht ein bißchen viel? (=) Heute, Montag, Konzert des städtichen Musikvereins im Hans=Sach=Haus. Leitung: Städtischer Musikdirektor Paul Belker. Programm: a=cappella=Chöre und Orgelvorträge. Domorganist Prof. Hans Bachem, Köln. Am Donnerstag, den 4. Dezember, singt der Musikverein in der Schauburg Buer. Programm: a=cappella=Chöre und Lieder mit Klavierbegleitung. Letztere werden vorgetragen von Konzertsänger Ewald Kaldeweier. Begleiter: Paul Belker. An beiden Abenden Konzertbeginn 20 Uhr. Eintrittspreise: 2 Mark, 1,50 Mark, 1 Mark und 0,50 Mark Das heutige Konzert ist die dritte Veranstaltung in Vormiete. Die in Buer wohnenden, für die Konzerte in Gelsenkirchen abonnierten Vormieter können statt des Konzertes im Hans=Sachs=Haus das in der Schauburg Buer besuchen. Die Eintrittskarte ist dann unter Vorzeigung der Vormietekarte im Rathaus Buer, Zimmer 1., in Empfang zu nehmen. * Morgen, Dienstag, Tanzabend Hannah Spohr in der Stadthalle Gelsenkirchen. Eintrittskarten zu 3,30 Mark, 2.20 Mark, 1,10 Mark im Hans=Sachs=Haus, Zimmer 228, in den Verkaufsnebenstellen und an der Abendkasse. Beginn 20,15 Uhr, Ende 22,30 Uhr. * Mittwoch, den 3. Dezember, bringt das Düsseldorfer Schauspielhaus für die Vormietegruppe blau in der Stadthalle die Komödie„Sturm im Wasserglas" von Bruno Frank zur Aufführung. Nichtvormieter erhalten Karten zu 1, 2. 3, 4 Mark im Hans=Sachs=Haus, Zimmer 228, in den bekannten Verkaufsnebenstellen und an der Abendkasse. Spielbeginn 19,30 Uhr. Fruh übt... Schülerkonzert in Bner (?) Ueber die gestrige Schüler=Matinee der Bestischen Musikschule Buer ist zu berichten: Ein Morgenkonzert in der vollbesetzten Aula des Lyzeums. Die bunte Programmfolge wurde eröffnet durch einen von den Schülern Ruth Berger, Rudolf Neumann, Hildegard Schenk und Herta Lubs schneidig gespielten Marsch für zwei Klaviere. Eine Adventsstimmung brachte das„Gloria in excelsis“, vorgetragen von acht eifrigen kleinen Geigern. Mit strafsem Nythmus und niedlich anzusehen war das Trio von Mohr mit der kleinen Helly Malik, Emil Lider und dem ganz kleinen Cellisten Franz Joseph Aßmann. Ebenso exakt klang das Menuett von Schulz durch die kleinen Klavierschülerinnen Paula Neumann, Hella Hochstrats und Anni Kleeberger. Webers spanischer Nationaltanz wurde von acht Geigern flott wiedergegeden. Lullys Sextett für Klavier, zwei Violinen, zwei Bratschen und Cello ließ aufhorchen. Schade, daß diese Nummer so kurz war— man hätte die Herren Pavelzik, E. Korth, W. Korth, Mathiak, Borgsmüller und Büscher gern länger gehört. Das bekannte Menuett von Boccherini lag in sicheren Händen von Helene Lider, Ursula Kunze, Ruth Trottier und Helga Weber. In dem Violinkonzert von Rieding zeigte Kurt Lüneborg die gediegene Schule und wurde von Luise Thomas schwungvoller Klavierbegleitung gai unterstützt. Eine ganz apparte Nummer bildete das Flöttenkonzert von Friedrich dem Großen. Erich Kuhn und Heinz Mühlhausen spielten es mit schöner Klarheit. Eine fühlbare Steigerung der musikalischen Leistungen war in dem Trio von A. Krug zu verspüren, dem Fräulein Stuckmann. Herr Lindemann und Herr Jender sichere Interpreten waren. Von den Gesangschülern hörte man Fräulein R. Menzel,— ein schöner, vielversprechender und wohlgebildeter Sopran. Wenig konnten dagegen die darauf auftretenden vier Geigerinnen gefallen. Sie schienen ohne jeglichen rhythmischen Halt zu sein— vielleicht wars das böse Lampenfieber! Ein Glanzpunkt war die FaustPolonaise von Spohr für zwei Klaviere, von Irmgard Lenz, Elsbeth„Bramann, Aenne Grünewald und Irmgakd Düppe vorgetragen, wie auch das hochmoderne „Dance of the Elephants“, das Herr Pauly mit sicherer Technik und guter Einfühlung zu geben wußte. Hingegen klang die Serenade von Haydn reichlich matt, es lag wohl an der Führung der 1. Geige. Einen blühenden Ton und eine sichere Technik zeigte Herr Kuhnt in dem Violinkonzert von Drola. Fräulein M. Meißner war ihm eine sichere Begleiterin. Den Höhepunkt bildete die Sinfonietta von Jensen. Das stattliche Orchester(ich zählte allein 10 1. Geiger!) spielte unter Direktor Kaysers Stabführung mit Schwung und in den langsamen Teilen mit wunderbarer Klangfülle. Die Vestische Musikschule kann diese Aufführung wieder zu den erfolgreichen Veranstaltungen buchen; das Resultat einer arbeitsfreudigen Tätigkeit. Jugendherbergswerbeebend in Buer Bas geschiebt mit dem San Mänsterlans des 9307 (*) Vor einigen Tagen war der erweiterte Vorstand der Ortsgruppe Buer des Reichsverbandes Deutscher Jugendherber= gen zu einer Besprechung zusammengetreten. Im Mittelpunkt der Beratungen stand zunächst eine größere Werbeveranstaltung für das Jugendherbergswerk, die für Ende Januar geplant ist. Die letzte, sehr eindrucksvolle Werbeveranstaltung. die vor zwei Jahren in der Schauburg stattfand, ist noch in aller Erinnerung. Auch jetzt werden wieder Volkstanzgruppen, Chor und Orchester den Abend mit ihren Darbietungen umrahmen; ein Vortrag über deutsches Jugendwandern und der neue Wanderfilm des Jugendherbergsverbandes wenden sich anfeuernd an diejenigen, die der Bewegung noch fernstehen. In Zukunft plant man, von der Ortsgruppe aus Tageswanderungen in die nähere Umgebung zu unternehmen, damit die Buersche Wanderjugend die mustergültigen Jugendherbergen, die geradezu vor den Toren unserer Stadt liegen, auch wirklich kennen lernt. Mit Bedauern wurde von dem Vorhaben der Stadtverwaltung Kenntnis genommen, die in Zurunft nicht mehr den Beitrag für die Schulen an den Jugendherbergsverband bezahlen will; es handelt sich vielleicht bei den Schulen der Gesamtstadt um einen Betrag von rund 700 Mark. Man dürfte doch in den städtischen Sparmaßnahmen etwas großzügiger sein, wenn man unserer wanderfreudigen Schuljugend, die in den Ferien mit wanderbegeisterten Lehrern hinauszieht, die Gaue unseres schönen Vaterlandes zeigen kann, dadurch, daß man ihnen die Benutzung der Jugendherbergen ermöglicht oder wenigstens erleichtert. Am 21. Dezember findet in Dortmund eine Tagung des Gaues Münsterland im Jugendherbergsverband statt. Im Brennpunkt der Interessen steht da die Frage, ob sich der Gau— einer behördlichen Anregung folgend— mit dem Gau Sauerland zu einem Großgau zusammenschließt, der die ganze Provinz Westfalen umfaßt. Das würde für den Gau Münsterland keine günstige Neuerung bedeuten, denn in diesem großen Gebilde wird er bestimmt ins Hintertreffen kommen, da der Gau Sauerland, von dem aus das ganze Jugendherbergswerk seinen Anfang nahm, zahlenmäßig stark überlegen ist Der Jugendherbergsgedanke hat in dem letzten Jahrzehnt im Münsterland solch einen prächtigen Aufschwung genommen, das Jugendherbergsnetz ist durch zahlreiche, mustergültige Bleiben hier so vorteilhaft bereichert worden, daß es bestimmt schade wäre, wenn diese günstige Entwicklungslinie durch eine Neuorganisation ein wahrscheinliches Ende nähme. Zumal wir am nördlichen Rande des Industriegebietes können an dieser Umstellung nicht interessiert sein, da unsere Wanderziele viel mehr nach dem Münsterland als nach dem Sauerland tendieren. Auch der Gedanke eines neuen Indunrie= gaues, der sich der besonderen Sympathien des Verbandsdirektors Schmidt erfreut, erscheint weder als notwendige noch als ideale Lösung. Damit alle Ortsgruppen unserer näheren Heimat auf der Gautagung in Dortmund in dieser Frage eine einmütige Stellung einnehmen, wird eine vorbereitende Besprechung der Ortsgruppenvertreter aus dem Landkreis Recklinghausen und den Stadtkreise Gelsenkirchen, Bottrop und Gladbeck am Sonntag, den 14. Dezember, vormittags 10 Uhr, im Ratskeller zu Buer stattfinden.— (°) Adventsfeier im Knappen= und Arbeiterverein Buer. Am gestrigen Sonntag veranstaltete der katholische Knappenund Arbeiterverein, ähnlich wie im Vorjahre, im großen Gesellenhaussaal eine##dventsfeier, die sich eines guten Besuchs erfreute. Gegen 5 Uhr konnte der Präses des Vereins die zahlreichen Teilnehmer, die sich gewiß noch der schönen Feier des Vorjahres erinnerten, herzlich willkommen heißen. Redner betonte, daß die Adventsfeiern der katholischen Vereine besonvers dazu beitragen müßten, um auch für den Alltag eine richtige Adventsstimmung schaffen zu helfen. Adventsstimmung und Adventssehnsucht müßten mehr als bisher in die Menschheit hineingetragen werden. Dann wurde von den Teilnehmern gemeinschaftlich ein Lied gesungen, worauf loge, Vorträge und Theaterstückchen in bunter Reihenfolge folgten. Besonders starken Beifall fanden die Darbietungen auf der Bühne. Von Vorsten— Locken und Karnickeln Auch ich war ein Jüngling im lockigen Haar, Doch leider ist das mal gewest! Futsch sind meine Locken, gedlieben sind zwar Noch Stoppeln als schäbiger Rest. Nich haben die Stoppeln bislang nie geniert, Doch heute, ich fühl en, ich bin bald blamiert, Nach Locken ruft wieder die Zeit. Jüngst las ich, in Deutschland allein läuft der Mann Rit dorstigem Schädel einher! Und Locken zu tragen wär seiner sodann, möglich, weil jeder Frilör Die Borsten könnt kräuseln, wie war ich entzückt, Wie war ich begeistert, wie war ich beglückt, mich als Apoll schon im Bild Allein mein Traute die sprach: oller Geck Dir rappelt's wohl oben im Kopf! Das Geld auszugeben, das hat keinen Zweck Ich lasse mir schneiden, den Zepf! Ich lasse mich täglich jetzt hinten vasier'n Nacken, den sowas das tnt sich ge" hür Das ist eine schnurrige Zeit! Lieben Freunde und Zeitgenossen! Wenn von Euch etwa einer bestreiten vollte, daß wir in einer ganz verrückten Jeit leben, dem gebe ich es schriftlich, daß er reif für Dalldorf ist. Lese ich de zum Seispiel dieser Tage in der Zeitung, daß #ur in Deutschland die Männer mit glatt geschorenem Schädel umherliefen, und daß das weder vornehm noch schön sei. Ich habe darauf stantepe und reuig an meine sündige Brust geschlagen und beschlossen, mit gütiger Erlaubnis meines ehelichen Kompagniechefs fortan Locken zu tragen. Ich hoffte diese Erlaubnis umso eher zu kriegen, als unser Jüngster mittlerweile schon so herangewachsen ist, daß ich ihn nicht mehr mit seinen Hosenboden über meine Plattform rutschen lassen kann, und wir uns darum eine Zeugbürste anschaffen mußten. Schließlich will doch auch jede Frau gern einen schönen Mann haben und ich glaubte nicht, daß meine eine Ausnahme machen würde. Leider muß ich gestehen, daß ich sehr enttäuscht din, denn „Sie“ wollte nichts von einem Lockenhaupt bei mir wissen, das Geld für meinen ollen Kopp auszugeben, sei unnütz und Verschwendung, auch scheine es, als wenn ich noch auf meinen alten Tagen den Schwerenöter spielen wolle. Viel notwendiger wie solch eine tolle Haartolle bei mir sei es, daß sie endlich einen Bubikopf bekomme und dann sich jeden Tag den Nacken ausrasieren lasse, wie das heute notwendig und angebracht sei bei jeder modernen jungen Dame. Junge Dame hat sie gesagt! Dabei zählt sie— doch ich werde mich hüten das zu erzählen— denn sie hat nicht nur Haare im Nacken, sondern auch auf den Zahnen und dort läßt sie sie sich seider nicht wegraseren.(Unter uns: Ich din bei der Frisörinnung vorstellig geworden, sie soll mal Propaganda für die Nafur der behaarten Zähne mohen.) Genng ich saufe weiter mit dem Borstenkopf herum und„Sie“ mit dem ausrasierten Nacken und einem Schnupsen, den sie aber auf die nasse Fillkuhle zurückführt. Aber man immer im Leben die Erfahrung, daß man die wirklichen Ursachen manchmal nicht kennen will oder sogar wissentlich verkennt. Das habe ich noch jüngst beim schwarzen Ferdinand am Buerschen Stern feststellen können, der doch sonst niemals kohlt. Nun aber habe ich ihn erwischt. Er humpelte nämlich ganz mächtig und erzählte mir auf meine Frage er habe Reißmichnieder in den Knochen, in Wirklichkeit war aber die Sache ganz anders. Doch darüber wollen wir unseren Fillkuhlenlenau singen lassen: Drei Jäger allgemein bekannt Drei Jäger gingen auf die Pirsch, Franz, Heinerich und Fädinand, Sie wollten schießen keinen Hirsch. Sie zogen in den Stadtwald ein, Es sollten nur Karnichel sein! Drei Jäger standen auf dem Stand Da schoß der Franz piff, paff und päng, Verwundert rief der Fädinand: Nu segg es, wo schütts du bleß henn? Da lachte der Franz und rief:„Wuso, Eck scheit di mots in den....“ Oh. Oh! Dat heß ank dohn! rief Fädinand, Eck sinn doch kenn Kaninlesbuck!“ Und zeigt dem Franz die Rückenwand, Der glaubt, er säh inen Teufelsspuk. In Fänands Vollen, Schockschwernet, Da saßen Körner drei von Schrot! Drei Jäger gingen wohl alsdann Nach Hause über Westerholt, Weil Fädinand dor: bei Franz Stamm Sich gründlich auskurieren wellt. Und ganz vortrefflich war die Kur, Es zogen fröhlich heim nach Buer: Drei Jäger allgemein bekonnt, Doch will ich euch jetzt eingestehn. Nicht nur allein der Fädinand Konnt nicht gut auf den Pinnen stehn. Ich glaub' auch Franz und Heinerich Die gingen nachher wackelig! Was ihr aber nicht zu glauben braucht, ebensowenig braucht ihr zu glauben, wenn Franz erzählt, die Schrotkörner seien von einem alten Karnickel in Fänands Bollen abgesprungen, die Haut des raffinierten Tieres sei durch einen Panzer geschützt ge wesen, den es sich aus einer Konservenbüchse gemacht hätte. Solche Jäger können doch schrecklich aufbinden, man wundert sich immer daß man nicht lediglich Jäger zu Minister macht! Aber das Wundern ist über haupt an der Tagesordnung und in Wester holt besonders, dort wundert man sich nicht nur über die famose Funkausstellung, die ich mit Gottlieb Bohnenpott besucht habe, (wir haben uns gründlich im Funken ausgebildet) sondern auch über manche andere Dinge, wie mir folgender, eben eingelaufener Brief Gottlieb Bohnenpotts beweist: Alter Fillkuhlen=Ignatz! Was ist mich das bloß mit euch in Windbülshausen! Es scheint mich, daß ihr mangs einpacken könnt. Wenn eure Stadtminister schon nich mehr Vorsitzender vom Büerschen Schitzenverein sein wollen, so beweist mich das, daß es mit eurem Wind zu Ende geht. Oder wollt Ihr Krieg anfangen mit Gelsenkärken? Die Schützengräbens habt ihr ja schon fertig vorm Rathaus. wenns losgehen soll. kannste mir Bescheid schicken ich bringe aus unserer Waffenkammer die historischen Wannenmühlen mit, womit wir 1848 die Büerschen in die Flucht geschlagen haben, als sie das Schloß stürmen wollten. ###ropost! Was ich sagen wollte. Hier in Westrolte erzählt man sich ener Ober wollte Westrolte doch eingemeinden, er wär darum schon auf dem Schloß gewesen und hätte Kaffee getrunken. Ich glaube aber nich an solchen Dreh, denn ich glaube, daß er eingemeindungssatt ist. Wo er dech jetzt schon an drei verschiedenen Plätzen wohnen muß. Du fragst: Wuso? Nu das is mich doch klar, wenn seine Minister nicht mal mehr Vereinsvorsitzende sein dürfen. Demnächst werden die Gelsenkärkner doch wohl verlangen, daß der Ober wenigstens 16 Tage im Monat in Gelsenkärken wohnt, 10 Tage kann er dann in Buer und die übrigen 4 Tage in Horst wohnen, das ist gerechte Verteilung und dann wird er auch nicht allzusehr vom Büerschen Wind beeinflußt. Und die Herren Beigeordneten müssen das auch so machen. Apropost, was ich sagen wollte, um auf die Eingemeindungssache zurückzukommen: Ihr könnt uns den Puckel herunterrutschen oder ihr tut gut und laßt euch nach Westrolte einbugsieren, denn wir können's Bier und den Schnaps noch billiger verkaufen, weil wir nicht die Steuern aufgebremst bekommen haben, wie ihr. Ich gratulier dich auch, alte Fillkehlenscharteke, da du endlich mal auf diese Weise trockengelegt wirst, wozu mein Drücksken meint, das wäre auch ganz gut für mir, warum Drücksken auch dafür ist, daß wir doch nach Buer kommen. Aber daraus wird nichts, wir haben Platen genug, und können ohne euch fertig werden, jawohl; womit ich dich altes Trockengewächs begrüße Dein Sottlieb Bohnenpott. Ich bin der Ansicht, daß Gottlieb beim Schreiben dieses Briefes unbedingt zu viel gefunkt hat, wobei ich schließe, denn sowas zu=“: en, Buer wollte sterholt eingemeinden, geht mir selbst über meine Haarlocken in spe. Ignag aus der Fillkuhle. Montag. den 1. Dezemder Nu 328 Sittlichheilsverbrecher vor dem Buerschen Gericht Mord in der Gelsenkirchener Unterwelt Gut und billig kausen und trotzdem sparen (*) Wegen eines schweren Verstoßes gegen die Sittlichkeit hatte sich der Bergarbeiter Sch. aus Buer=Hassel zu veraniworten. In der umfangreichen Beweisaufnahme traten annähernd ein Dutzend Zeugen auf, die durchweg alle den Angeklagten, der sich an schulpflichtigen Mädchen vergangen hatte, schwer belasteten. Das Gericht erkannte in diesem Falle auf eine Gefängnisstrase von 8 Monaten. Ein singierter Uebersall Daß es für vorlaute Frauen von Uebel ist, wenn sie mit dem guten Ruf ihrer Mitmenschen leichtfertig umgehen, mußte die Ehefrau A. aus Horst am eigenen Leibe erfahren. Sie hatte vor längerer Zeit der Polizei über eine Art Vergewaltigung wissentlich falsche Angaben gemacht und dabei eine andete Person schwer verdächtigt. Do die Beweisaufnahme einwandfrei die Schuld der Angeklagten ergab, wurde sie zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat wegen falscher Angaden verurteilt. (*) Die Frauengruppe Buer=Mitte der Deutschen Volkspartei veranstaltet am Donnerstag, den 4. Dezember, um 5 Uhr nachmittags eine Adventsseier, zu der alle Parteifreundinnen eingeladen sind. Die Feier findet im Vereinshaus in Buer, Urbanusstraße, statt. Generalsekretär Jakobi wird einen Vortrag halten. (*) Musik=Verein Buer. Abfahrt zur heutigen Aufführung in Gelsenkirchen mit Sonderwagen ab Rathaus 19,10 Uhr pünktlich. Wohlgelungene Funkausstellung in Westerholt Bichtig und lebrreich für jeden Zunkfreund () Wie wir bereits kurz berichtet haven, fand am Samstagnachmittag in Westerholt im Lokale Specht, die Eröffnung der Funkausstellung des Bastlerbundes, Ortsgruppe Westerholt, statt. Der Eroffnung ging eine kleine Feier vorauf, zu der eine Anzahl geladener Gäste erschienen war. Nach der Einleitung der Feier durch Uebertragung der Ouvertüre aus„Caval= leria Rusticana“ von Mascagni begrüßte der Vorsitzende des Bastlerbundes Westerholt, Herr Klug, kurz die Erschienenen. Dann überbrachte der Vertreter des westdeutschen Rundfunke, Herr Tölle, die Grüße des Generalindentanten Hardt und der Direktion des Westdeutschen Rundfunks und sprach seine Freude aus über das Zustandekommen der Ausstellung in Westerholt, der er einen vollen Erfolg wünschte. Seinen Worten schloß sich als Vertreter des erkrankten Ehrenvorsitzenden des Bastlerbundes, Bürgermeister Holz. Gemeindevorsteher Montabon an. Er betonte den Wert des Rundfunks, der Allgemeingut des Volkes werden müsse, und gab ebenfalls der Hoffnung Ausdruck, daß die Ausstellung von einem vollen Ersoig gekrönt sein möge. Als Vertreter der Reichspost und gleichzeitig als Vorsitzender des Funkvereins Gelsenkirchen sprach Telegrafeninspektor Klie seine Freude aus über das Zustandekommen der Ausstellung Wenn der Bastlerbund Westerholt in der heutigen schweren Zeit den Mut aufgebracht habe, eine solche Ausstellung einzurichten, so zeuge das für die gute Grundlage, über die der Verein verfüge. Reoner betonte dann den großen Wert der Funkvereine, die auch von der Reichspost und dem Westdeutschen Rundfunk gern gesehen und unterstützt würden. Nachdem dann noch Herr Iserloh die Anwesenden i.n Namen der ausstellenden Firmen begrüßt hatte, übernahm Lehrer Baretti die Führung durch die Ausstellung, wo er in einem von umfassender Sachkenntnis zeugenden Vortrag die Erläuterungen über das Wesen des Rundfunks und die verschiedenen Apparate sowie deren Bestandteile gad. Ueber die Ausstellung selbst soll nur gesagt werden, daß ne mit Recht das ehrliche Bewundern aller Gäste hervorrief und man kann nur jedem Rundfunkfreund empfehlen: gehe in diesen drei Tagen nach Westerholt zur Saststätte Specht und schaue bir an, was einsache, schlichte Leute zu leion vermögen, denn die Mehrzahl der Mitglieder des Bastlerbundes Westerholt besteht aus Vergleuten. Wenn man aber die von ihnen hergestellten Bastlerarbeiten steht, so glaudt man Leistungen von Feinmochanikern vor sich zu haben. Es will doch allerlei heißen, daß der von dem Vorsttzenden Herrn Rlug ausgestellte VierNöhrenapparat in Berlin auf der großen Innkausstellung mit dem 5. Preis bedacht worden iR. Auch die ausstellenden Zirmen Iseslot, Schmin Arndmeier. Kamoo u Sohn aus Westerholt und Boos aus Buer bringen eine überraschend große und geschmackvolle Ausstellung von Apparaten und Funkgerätschaften aller Art und zeigen, wie leistungsfähig sie sind Wie wollen nicht verfehlen, nochmals darauf hinzuweisen, daß die bis am Mittwochabend geöffnete Ausstellung auc mnlt einer Verlosung verknüpft In. Die Eintrittokarte berechtigt zur Teilnahme an der Lotterie. in der u. a. von der Firma Boos aus Buer ein gestifteter Drei=NöhrenApparat zu gewinnen i. Man kann außer Eln Gelsenhirchener„Schwerer Junge“ von einem Zuchthäusler ersiecen 1 Ein Ellersuchtsdrama in der Neustraße## Der Täter von der Kriminalpollzel verhattel Schnelle Arbelt der Pollzel (—) Wie schon mitgeteilt, wurde in der Nacht zum Samstag in der Neustraße in Gelsenkirchen der Schlosser Mühlhayn aus Gelsenkirchen=Heßler, Haldenstraße 34 wohnhaft, durch Messerstiche tödlich verletzt aufgesunden. Er wurde zum evangelischen Krankenhaus geschafft, wo er kurz nach seiner Einlieferung starb. Die Untersuchungen der Gelsenkirchener Keiminalpolizei, die unter Leitung des Kriminalkommissare Tenholt den ganzen Samstag hindurch durchgeführt wurden, hatten Erfolg. Gegen 6,30 Uhr abende konnte der Täter in der Person des in Gelsenkirchen übel beleumundeten Zimmermann ermittelt werden. Zimmermann wurde abends au der Bohwinkelstraße in Gelsenkirchen verhaftet. Er legte nach ansänglichem Leugnen ein volles Geständnis ab. Zu der Mordiat, die gestern in Gelsen. kirchen eifrig erörtert wurde, erfahren wir folgende Einzelheiten: Der ermordete Albert Mülhahn war eine jener Typen aus der Gelsenkirchener Unterwelt, die ab und zu„ein Ding drehen“ müssen, um Geschmack am Leben zu haben Erst vor kurzem noch war M. aus dem Gefängnis zurückgekehrt, wo er wegen verschiedener Betrügereien eine Strafe abzubüßen hatte. Im ganzen hatte er 30—35 Delikte auf dem Kerbholz, vor allen Dingen Betrügereien, so daß er ständig mit der Polizei in Konflikt ka. Er war einer jener„Linksmichel", die auf jede Art und Weise versuchen, zu Geld zu kommen und dabei vor keinem Mittel zurückschrecken Seine eigenen Kollegen hatten Angst vor ihm, da er auch nicht davor zurückschreckte, aus Rache einen Verbrecher auf irgendeine Weise„in die Panne zu hauen“. Er hatte deshalb in der Gelsenkirchener Unterwelt einen nicht allzu großen freundschaftlichen Anhang. sondern sehr viele Feinde. Nun hatte Mühlhahn seit längerer Zeit die Bekanntschaft eines jungen Mädchens gemacht, mit dem er nach seiner Rückkehr aus dem Gefängnis den Verkehr wieder aufnahm. Dieses Mädchen gehörte natürlich ganz in die Umgebung des M. und hatte in der Gelsenkirchener Unterwelt einen besonderen Ruf. Da dieses Mädchen schwarze Mieze genannt, den Vorzug hatte, bildhübsch zu sein, hatte M. viele Nebenbuhler. Vor allen Dingen war ihm in Zimmermann, der in der Gelsenkirchener Unterwelt sehr gut bekannt ist und nach ausen hin als tadelloser Kavalier auftritt, ein scharfer Konkurrent erwachsen, der nichts unversucht ließ, dem M. das Mädchen auszuspannen. Die Sache war natürlich nicht so einfach, da das Madchen sich an den Stärkeren hielt. Zimmermann holte sich bei ihr bei allen Annäherungsversuchen einen Korb. Zimmermann hatte, wie verschiedene Bekannte von ihm aussagten, sich nunmehr in den Kopf gesetzt, Mühlhahn auf die Seite zu schaffen. Er hatte in Erfahrung gebracht, daß sich M. am Freitagabend mit besagtem Mädchen treffen wollte und die Neustraße passieren mußte. Die Neustraße in Gelsenkirchen ist sozusagen der Tummelplatz der Gelsenkirchener Unterwelt. In den Nachtstunden s####sen Dirnen und deren Zuhälter hier umher. Da der obere Teil der Neustraße sehr spärlich beleuchtet ist, ist die Uebersicht über die Straße kaum möglich, wenn man von der Hochstraße in die Neustraße einbiegt. Die schwarze Mieze weilte mit M. in einer Wirtschaft in der Hochstraße, wo 3. die beiden dann traf Nach den Ermittelungen der Polizei hat Zimmermann wieder versucht, bei dem Mädchen Anschluß zu erhalter. Er scheint damit aber wenig Glück gehabt zu haben und rasend vor Wut und Eisersucht raunte Zimmermann dem Mäd hen zu: Heute nacht passiert noch etwas. Das Mädchen entfernte sich dann nach Feierabend aus dem Lokal, ohne jedoch den Zimmermann noch den Mühlhahn mitzunehmen. Mühlhahn hatte nach 2 Uhr die Wirtschaft S. in der Hochstraße verlassen. 3 nahm in einer dunklen Ecke der Neustraße Aufstellung. Als M. später die Stelle passierte, sprang 3. aus dem Hinterhalt hervor und versetzte dem M. zwei wuchtige Messerstiche. Mit einem leisen Aufschrei brach M. zusammen und muß dann sofort das Bewußtsein verloren haben, da die Anwohner nicht das Geringste von dem Vorgang bemerkt haben. Gegen 3 Uhr passierte eine Polizeistreise die Neustraße die den M. in einer großen Blutlache liegend auffanden. Die Ermitlelung des Tälers Schnelle Arbeit der Selsenkirchener Kriminalpolizei Ueber die Aufklärung der Bluttat erfahren wir von zuständiger Stelle noch folgende Einzelheiten: Als die Tat der Kriminalpolizei gemeldet wurde, wurden noch in der Nacht eifrige Nachforschungen nach dem Täter angestellt. Man tappte jedoch vollkommen im Dunkeln, da die Anwohner der Straße nichts Verdächtiges gesehn hatten und keinerlei Tatzeugen vorhanden waren. Als man jedoch festgestellt hatte, wer der Ermordete war, lag sofort die Vermutung nahe, daß der Täter in den Reihen der Gelsenkirchener Unterwelt zu suchen war. Nach dieser Richtung wurden dann auch die Nachforschungen angestellt. Die aus dieser Gesellschaft der Polizei bekannten Leute hielten natürlich anfänglich mit ihren Vermutungen sehr zurück. Im Laufe des Tages hate man aber die „Braut" des M. ermittelt, die ins Kreuzverhör genommen wurde und den bestimmten Verdacht aus Zimmermann lenkte. Die weiteren Nachforschungen brachten ziemliche Gewißheit darüber, daß 3. mit der Mordtat im Zusammenhang stehen mußte und so wurde 3. den ganzen Tag hindurch von der Kriminalpolizei gesucht. Erst gegen Abend hatte man mit den Nachforschungen Glück. Zimmermann hatte sich„in Schale" geworfen und machte unbekümmert einen Spaziergang durch die Stadt. Auf der Vohwinkelstraße wurde er gegen 6,30 Uhr gesehen und durch die Kriminalpolizei verhaftet. Auf der Kriminalwache versuchte 3. ansänglich, den Mordverdacht von sich abzuwälzen. Bei der Durchsuchung seiner Kleider sand man aber ein Messer, eas von der Kriminalpolizei eingehend untersucht wurde. 3. hatte das Messer säuderlich abgewaschen, so daß anfänglich keine Blutspuren entdeckt werden konnten. Kommissar Tenholt entdeckte aber bei der Untersuchung noch Blutflecken, die er dem 3. durch eine Lupe genau zeigte. Bei der weiteren Vernehmung verwickelte sich 3. immer mehr in Widersprüche und sagte schließlich:„Wenn ihr ja alles wißt, dann hat es keinen Zweck mehr, mit der Wahrheit zurückzuhalten.“ Zimmermann legte dann ein Geständnis ab und gab zu, den Mühlhahn aus Eisersucht umgebracht In haben. Er gab weiterhin zu, den M. in der Nacht zum Freitag in der Neustraße aufgelauert zu haben. Zimmermann ist 33 Jahre alt und führte den Spitznamen„Kavalier der Ve=drecherwelt“. Er hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich und schon mehr als 10 Jahre Zuchthaus abgesessen 3. wurde noch am Samstagabend dem Gerichtsgefängnig in Gelsenkirchen zugeführt. Er ist nicht weniger als 15mal vorbestraft. (=) Der Rabattsparverein„Emscherland“ schreibt: Die Gründung des Rabattsparvereins„Emscherland“ hat in allen Kreisen der Verbraucherschaft eine erfreuliche Aufnahme gefunden. Dadurch, daß Warenbranchen aller Lebensbedürfnisse in dieser Vereinigung vertreten sind, ist dem Käufer die Möglichkeit gegeben, seinen gesamten Lebensbedarf mit einem Preisnachlaß von 4 Prozent zu decken. Was das bei dem Wirtschaftsgeld der einzelnen Haushaltungen ausmacht, kann jeder leicht errechnen. Auf einen Monat oder auf ein Jahr abgestellt handelt es sich um ganz erhebliche Beträge. die wiederum zur Anschaffung notwendiger und nützlicher Gebrauchsgegenstände verwandt werden können. : O b g l e i c h d e r R a b a t t s p a r v e r e i n n o c h i n der Entwicklung begriffen ist, umfaßt er heute bereits Firmen nachstehender Branchen: Bettwaren, Damenkonsektion. Kurz=, Weiß= und Wollwaren, Lebensmittel, Haushaltwaren, Herrenartikel. Papierund Schreibwaren, Pelzwaren, Pelzwaren, Putz, Schuhwaren, Textil. Die mit dem Plakat des Rabattsparvereins gekennzeichneten Geschäfte verabfolgen in den nächsten Tagen mit dem Rahattsparbuch eine vorläufige Mitgliederliste die zunächst nur als Behelf gilt. Nach dem Anwachsen der Mitgliederzahl wird späterhin jedem Buch sofort eine Druckbeilage mit den angeschlossenen Firmen beigefügt. Die Mitglieder des Rabattsparvereins „Emscherland“ sind gehalten, ihrer Räuferschaft die Rabattmarken ohne Aufforderung auszuhandigen. Sollte das in Einzelfällen etwa übersehen werden, tuen die Käufer gut daran, diese in den EmscherlandGeschäften zu fordern. Marken und Markenbücher werden bereitwilligst ausgehändigt. Neben der grünen Rabattmarke wird demnächst noch eine rote Rabattmarke zum vierfachen Wert ausgegeben, die insbesondere bei höheren Kaufsummen Anwendung finden soll. Die Ausdehnung der Vereinigung in dem Ausmaße, wie das bereits in den meisten westdeutschen Städten geschehen ist, liegt ebensosehr im Interesse des Verkäufers, wie auch des Käufers. Der Name„Emscherland“ muß ein Begriff für preiswerten und guten Einkauf und für Sparsamkeit zugleich werden. dem Eintrittslos noch Lose zu 10 Pfg. erstehen. Die zahlreichen wertvollen Gewinne haben ebenfalls in der Ausstellung Platz gefunden. 0/36 Bis Sonntag nachmittag 1000 Besucher Daß die Ausstellung erfreulicher Weise weitgehende Beachtung gewonnen hat, mag die Tatsache beweisen, daß bis am gestrigen Sonntagnachmittag gegen 5 Uhr bereits erwa 1000 zahlende Besucher zu verzeichnen waren. Jedenfalls eine recht stattliche Zahl. Neuzeitliche und wirtschaftliche Heizung Vortrag in Gelsenkirchen (*) Am 27. ds. Mts. fand im kleinen Saale des Hans=Sachs=Hauses ein Vortrag In Besterholt wird das Vierlrinken keurer Neue Biersteuer für Westerholt () Vom Landrat des Kreises Reckling= hausen ist mit Zustimmung des Kreisausschusses für Westerholt ab 1. Dezember eine neue Biersteuerverordnung erlassen worden. Die Anordnung erwieg sich auf Grund des Standes der Finanzen und unter Berücksichtigung der Notnerordnung des Reichspräsidenten als notwendig. statt, zu dem eine der führenden Heizungsfirmen Deutschlands, G. Meurer, Cossebaude bei Dresden, eingeladen hatte un in dem Dipl.=Ing. Kaiser an Hand eine. großen Reihe schöner Lichtbilder und eines Filmstreifenz„Mensch ärgere dich nicht" über das Thema:„Neuzeitliche Heizung" sprach. Welches Interesse von seiten der Gelsenkirchener Bevöllerung diesen technisch wissenschaftlichen Vorträgen entgegengebracht wird, ersieht man daraus, daß die ca. 150 erschienenen Zuhörer mit gespannter Aufmerksamkeit dem Vortragenden folgten. Handelt es sich hierbei doch auch Die Pariser Internationale Luftfahrt=Ausstellung Die Pariser Internationale Luftfahrt=Auestellung, deren Eröffnung am 23. Novemdere stattfand, zeigt eine erdrückende Fülle von Verkehre= und Sportflugzeugen Neden Frankreich haben in erster Linie Deutschland. Italien und England, in kleinerem Maße die Vereinigten Staaten Holland. Polen und die Tschechoslowalei die neuesten Erzeugnisse ihrer Luft fahrtindustrie ausgestellt. um die Entwickelung eines technischen Problems, welches seit mehr als 30 Jahren kaum eine Verbesserung erfahren hatte, indem zu allermeist heute noch in einfachsten Ofentypen durch Verfeuerung von Kohle die behagliche Stubenwärme bei kalter Jahreszeit erzeugt wird. Abgesehen davon, daß auf diese Weise ein Raubbau mit unseren wertvollsten Naturschätzen. der Kohle, getrieben wird und die wert. vollen Bestandteile, welche zu den vielen Chemikalien, Oelen u. a. führen. volkswirtschaftlich nicht ausgenutzt werden. sollte sich ein jeder einmal die Annehmlichkeiten vor Augen führen, die in hogie nischer und ästhetischer Beziehung sowie in er großen Ersparnis an Arbeit für die Hausfrau, in der Verwendung z. B. eines modernen Gasheizofens, liegen. Wohl findet man hier im Westen Deutschland heute kaum noch den alten gewöhnlichen Rachelofen, dafür aber in vornehmlicher Weise andere kohlebeheizte Oefen. In Erkenntnis der vielen Nachteile der Kohlen=Einzelfeuerung war man seit Jahren schon zu der Zentralheizung übergegangen. um die vielen Schmutzund Feuerstellen aus den Wohnungen heraus an eine Stelle in den Keller zu verlegen. Damit war ein großer Fortschritt vollzogen. Aus dieser Entwickelung ergab sich sodann in neuerer Zeit die gesdeheizte Zentralheizung welche weitere viele Nachteile der Kohreheizung auch am Einzelkessel beseitigte. Es steht heute ganz außer Zweifel, daß die angenehnste Heizung die einzelne Beheizung des Wohnraumes mit einem modernen Gasheizosen is. Durch die sofort zur Verfügung stehende hochwertige Wärmekraft des Gases und seine leichte Regulierbarkeit hat man iu jeder gewünschten Tages= und Nachtzeit sogleich die erforderliche behagliche Wärme. Unter diesen Verhältnissen. so führte der Vortragende weiter aus, sei besonders bei den günstigen Gelsenkirchener Gasdarifen nach seinen Erfahrungen eigentlich über die Rentabilität der Heizung kein Wort mehr zu verlieren. Eo sei hier in Gebenkirchen gegenüber anderen Städten für diese Fälle einer der günstigst gestafselten Tarise vorhanden, und es könnte ein jeder ganz getrost schon morgen mit der Gasheizung beginnen. (—) Milchpreiesenkung in Seisenkirchen. Die Gelsenkirchener Mischhändlet haben den Milchpreis um 1 Pfa gesenkt. Die Ermäßigung iR umse mehr zu begrüßen, als schon der bisherige Preis als nicht zu hoch bezeichnet wurde Stiller Karneval... Dämpfer des Regierungspräsidenten Das Komitee der Münsterischen Karnevalsvereine hat einstimmig beschlossen, mit Rücksicht auf die Not der Zeit diesem Jahre den Rosenmontagszug ausfallen zu lassen. Der Regierungspräsident hat öffentliche karnevalistische Veranstaltungen unter freiem Himmel im Regierungsbezirk Münster verboten. Der Regierungspräsident hat sämtliche Polizeibehörden angewiesen, einem unangebrachten Karnevalstreiben entgegenzuwirken. Die Ortspolizeibehörden haben Anweisung, karnevalistische Veranstaltungen in geschlossenen Räumen nur für Sylvester und Neujahr und in der Zeit vom 17. Januar dis 17. Februar zu genehmigen. Bei Anträgen auf Verlängerung der Polizeistunde soll nach Anordnung des Regierungsprasidenten die Bedürfnisfrage besonders sorgfältig geprüft werden. Verantwortlich für Politik, Provinz und Vermischtes: Willi Witt; für Lokales, Sport und Feuilleton: Paul Klose: für Theater, Konzerte und bildende Kunst: Dr. Devenheuer; für den Anzeigenteil Rudelf Heing: sämtlich in Gelsenkirchen=Buer. Berliner Scriftleitung: Karl Fischer, Berlin. Wilhelmstraße Geschäftliches Prominente Mütter! Ueber dieses interessante und heute mehr denn je aktuelle Thema und die hiermit verbundene Frage, ob und wieweit die derufstätige Frau auch dem Beruf als Mutter genügen kann, bringe die erste Dezember=Ausgabe des Althoff=Magazing vom Warenhaus Althoff. Buer. einen wertvollen Aufsag, der durch Bilder bekannter Künstlerinnen mit ihren Kindern illustriert wird. Im übrigen ist das Heft auf das kommende Weihnachtsfest eingestellt und gibt in reicher Fülle Anregungen für die Auswahl der Geschenke: Neues Spielzeug für unsere Kleinen, schönes Porzellan und die vielen Dinge für die Dame und den Herrn, die zu erraten die Kunst des Schenkens ausmacht. Besonderes Interesse wird dieses Heft auch durch den neuen spannenden Roman finden:„Der Fall Tilden“ von dem bekannten Schriftsteller Paul van der Hurk. 328 Montag, den 1. Dezember Jahrgang 1930 ETTELSEITTEAEIE Hockey Die zweite Serie im Ruhrbezirk Sieg der deutschen Hockeydamen Länderspiel gegen Australlen mit 3: 2 gewonnen Das erste deutsche Damenhockey=Länder= spiel, das am Sonntag im Kölner Stadion vor sich ging, war ein wider Erwarten großer Erfolg. Man hatte kaum so hervorragende Leistungen, ein so schnelles und wechselvolles Spiel erwartet, wie es den etwa 2000 Zuschauern vorgeführt wurde. Nach schönem Kampf gewannen die deutschen Vertreterinnen gegen Australien mit 3:•2 Toren, nachdem die Gäste bei der Pause noch 1:0 geführt hatten und zum Schluß dem scharfen Tempo des Spiels erlagen. Das Experiment eines offiziellen Länderspiels der Damen ist damit voll geglückt und man wird einer Wiederholung solcher Versuche gern zustimmen. Aber auch die Gegnerinnen hatten ihre Stärken. Sie waren den Einheimischen weit voraus in der Taktik, der Stocktechnik und Ballführung und der Startschnelligkeit. Hätten sie im Sturm mehr kombiniert, statt sich zu sehr auf Einzelleistungen zu verlassen, dann wäre ihnen ein Sieg geglückt. Haken u. Schwinger Corneras größter Borsieg Pacllas glatt nam Punkten geschlagen Unter ungeheuerer Anteilnahme des Publikums ging am Sonntag in Barcelona der mit Spannung erwartete Schwergewichtskampf zwischen dem italienischen Riesenboxer Primo Carnera und dem Spanier Paolino vor sich. Im überfüllten Stadion Montjuich waren 90 000 Zuschauer. Die Einnahmen beliefen sich auf 1 Mill Pesetos(rund ½ Million Mark). Carnera brachte 122, Paolino nur 95 Kilo auf die Wage. Obwohl Paolino, der durch sein Leiden viel von seiner einstigen Körperkraft eingebüßt hat, sich durch den Niesen keineswegs beirren ließ, immer wieder ingriff, scheiterte er doch an der großen Reichweite seines Gegners und machte schon Beglnn des zwellen Altes im Ruhrbezirk mit Ueberraschungen in der 7. Runde einen etwas erschöpften Eindruck. In erster Linie hatte Paolino er auf den Magen seines Gegners abgesehen. Der Italiener deckte aber vorzüglich ab und samelte ständig Punkte, so daß er fast in allen zehn in Vorteil war. Das Kampfgelicht god Karnera den verdienten Inali8. Lediglich Casanova hatte sernen Landsmann in der Punkttabelle knapp in Front. Das Urteil rief bei einem Leil des Publikums, wie man es bei der caueinistischen Einstellung der Spanier bereits gewohnt ist, lebhaften Protest hervor. Carnera ließ in diesem Kampf weitere große Verbesserungen erkennen und errang wohr, einen größten Sieg in seiner Boxerlaufdahn, wenn man auch vergessen darf, daß er derch seinen körperlichen Vorteil nets ein großes Plus hatte. Paolino wehrte sch so gut er konnte, er scheiterte jedoch en der großen Reichweite des Italieners Neuer Steg der Schalber Bouer Wanne=Eichkel mit 13:3 geschlagen Am Samstag abend fand in der Auspellungshalle Gelsenkirchen ein Voxkampf Mit Beginn der großen Halbzeit im Ruhrbezirk gilt es für den einen, seine Position zu halten, für den anderen sie zu verbessern. Gewissermaßen der Endspurt. Die Begegnungen mit ihren überraschenden Ergebnissen beweisen, daß man allenthalben bemüht ist, zu retten was zu retten ist. So ging es mit vollen Segeln los. Ein ereignisreicher Sonntag. In beiden Gruppen je vier Spiele. Dazu noch ein Gesellschaftsspiel zwischen Germania Bochum und dem Berg.=Mark=Sonder= ligisten Solingen 95. Die Gastgeber blieben mit 5:0 verdiente Sieger. Die Gruppe A hatte ihre Sensation in dem Siege der Essener Sportvereinler, die gegen die Alemannen in Dortmund ihren ersten Sieg erringen konnten. Unliebsame Vorkommnisse anläßlich dieses Spiels wären besser unterblieben. Bei den Ruhrhusaren in Linden erlitten die Sportfreunde eine empfindliche Schlappe. Die Essener spielten nicht immer fair, erst recht nicht, als die 4:0=Niederlage sicher war. Der Spitzenreiter, Westsalia Herne, hatte Schalke 96 zu Gast und konnte mit 3:1 triumphieren. Endlich trat auch Schalle 04 wieder in Aktion und stellte sich den Horstern. Wie damals gewannen die Horster; diesmal mit 4:3. Die geringe Verschiebung in der Tabelle A setzte die Horster zwei Plätze höher, vor Schalke 96, Schalke 04 und Essen 99. Die Spitze blieb unverändert. In der Gruppe B kommt die Niederlage der Altenessener gegen den Spitzenreiter dieser Tabelle, Union Gelenkirchen, überraschend. Besonders die Höhe von 6:0. Schwarz=Weiß Essen setzte sich durch seinen überzeugenden Sieg(5:0) über die unter jeder Form spielenden Germanen aus Herne an die zweite Stelle; Herne durch diee Niederlage an den Schwanz der Tabelle. Ueberraschend kommt auch die Kunde von dem Siege der Essener Rot=Weißen über die„Gelbe Gefahr" aus Gelsenkirchen. Knapp mit 3:1 geschlagen mußten Gelsenkirchen 07 den Heimweg antreten, und den zweiten Tabellenplatz mit dem dritten vertauschen. An vierter Stelle folgen ihre gestrigen Bezwinger. Das Treffen TuS. Werne und Castrop zwei Plätzchen höher setze. Geuppe A Westfalia Herne, 8 8 0 O 31:19 16 Germania Bochum 7 6 0 1 17:10 12 MBV. Linden 9 6 0 3 25:17 12 Sportfr. Essen 7 4 0 S 12:13 8 Alem. Dortmund 7 3 0 4 19:18 6 Horst=Emscher 9 3 0 S 17:28 6 Schalke 96 9 2 1 S 17:22 5 Schalle 04 S 2 0 6 13:18 4 Essen 99 S 1 1 6 15:24 3 Srappe B Union Gelsenkirch. 10 S 1 S 23:17 13 Schwarz=W. Essen 3 5 2 1 27:13 12 Gellenkirchen 07 10 5 2 3 20:21 12 Rot=Weiß Essen 10 6 O 4 31:22 12 BV. Altenessen 9 5 1 S 20:13 11 TuS. Werne 8 S 1 4 21:23 7 Sportfr. Dortmund 8 3 0 5 14:24 6 Castrop 02 10 1 4 5 20:27 6 TuS. Bochum S 2 1 5 21:29 5 Germania Herne 7 1 2 4 15:21 4 Els lchönes Spiel Westsalis Herne— Schalke 96 3: 1 Diese Mannschaften lieferten sich einen pannenden Kampf. an dem sich die etwa 3000 Zuschauer begeisterten. Von Anfang bis Ende wurde der Kompf flott durchgeführt, in dem auch sehr schöne Leistungen geboten wurden. Der überlegenen Spielweise von Westfalie letzten die Schalker einen Rieseneifer entgegen. Horst=Emscher— Schalle 94 4:3 Das Spiel nahm im großen und ganzen einen ruhigen und sairen Verlauf. Die in der letzten Zeit sich in Horst zugetragenen unliebsamen Zwichenfälle wurden durch diesen schönen Kampf vollständig verwischt, denn beide Mann chaften bemühten uch einen flotten und fairen Fußball zu vielen. Hinzu kam noch, daß das Spiel in Guyenz. Essen, einen sehr guten Leiter hatte. Die Mannschaften waren sich in jeder Beziehung fast gleichwertig. Die Platzbesitzer erzielten das erste Tor durch Elfmeter, mußten sich aber bald darauf den Ausgleich durch don Schaller Mittelstürmer gefallen lassen, der aus 20 Meter statt, zu dem sich die Boxabteilung von Schalke es die Städtemannschaft aus Wanne=Eickel verpflichtet hatte. Der Verlauf der Veranstaltung zeigte, daß die Schalker ihrem Gegner weit überlegen waron und dieser rocht wenige gute Kämpfer aufweisen konnte. In überlegener Manier wurde Wanns=Eichel mit 19:3 Punkten abgesertigt. Entfernung einschoß. Nach wechselseitigem piel kamen beide Parteien bis zur Pause noch zu je einem Erfolg, immer aus nächster Entfernung. Nach dem Wechsel führte Schalke mit 3:2 abermals durch den Mittelstürmer. Dann ist Horst besser und kann durch gute Flankenschüsse des Rechtsaußen durch zwei weitere Tore den Schlußstand herstellen. Sleg am Frosthaus Erle 08— Preußen Eladbeck 5: 2 Einen scharfen Kampf um die Punkte lieferten sich gestern in Erle am Forsthaus Erle 08 und Preußen Gladbeck. An dem Tempo, das von beiden Mannschaften gezeigt wurde, konnte man sehen, daß beide Mannschaften wußten, was auf dem Spiel stand. Bei den Erlern zeigte die Hintermannschaft ein sehr gutes Spiel, an dem die Angrisse des Gladbecker Sturmes meist zerschellten. Erles Sturm war flott im Angriif und spielte ganz auf Sieg. Gladbecks Elf war gleich gut besetzt und zeigte in der 1. Hälfte ein hohes Spiel, in der zweiten Hälfte spielte sie dafür einen flachen Ball. Mit dem Anstoß legten die Gladbecker gleich mächtig los und es sah nicht sehr rosig für Erle aus. Doch wußte sich der Gladbecker Sturm bei der Erler Verteidigung nicht durchzusetzen. Dann gingen die Erler aus sich heraus und trugen den Ball in flachem Paßspiel vor Gladbecks Tor. Bereits der zweite Angriff ist erfolgreich. Durch diesen Erfolg aufgemuntert ist Erle leicht im Vorteil und drängt stark. Leider war ein Teil des Platzes durch den Regen ziemlich aufgeweicht und glatt. Hierdurch waren die Spieler stark behindert. Trotzdem ist eine leichte Ueberlegenheit der Erler nicht zu verkennen. Die Gladbecker sind jetzt aber gut auf dem Posten und verteidigen sich sehr gechickt. In der 35. Minute fällt dann das zweite Tor. Erles Linksaußen hat sich gut durchgespielt und legt den Ball dem freistehenden Mittelstürmer vor und dieser stellt auf 2:0. Gladbecks Spiel wird nach diesem Tor reichlich zerfahren. Fünf Minuten vor der Pause erzielt Erles Mittelstürmer mit einem scharfen Schuß das dritte Tor. In der zweiten Hälfte sind die Gladbecker kaum wiederzuerkennen. Der Sturm wird jetzt vom Lauf gut unterstützt und führt ein Spiel vor, das die Erler zurückdrängt. Mehrere Minuten belagern sie das Erler Tor. Es geht immer knapp am Erfolg vorbei. Als Erles Sturm dann vorgeht, fällt das vierte Tor. Scheinbar wird den Gladbeckern doch die Sache zu bunt. Die Elf reißt sich mächtig zusammen und wird überlegen. Erle wird nun zurückgedrängt und muß sich stark verteidigen. Angriff auf Angriff hat Erles Tor zu überstehen und Erles Hüter muß sich mächtig strecken, um sein Tor reinzuhalten. Als aber der in Abseitsstellung stehende Rechtsaußen den Ball erhält, muß er sich zum ersten Male geschlegen bekennen. Durch diesen Erfolg angespornt, kommt Gladbeck immer mehr auf. Wenige Minuten später erzielt der Mittelstürmer unhaltbar das zweite Tor. Nun wird Erle aber wach. Das Spiel beider Mannschaften ist Sch jetzt gleichwertig. Erles Sturm ist vor dem Tor aber gefährlicher. Gladbecks Sturm schießt wohl viel, aber steito über das Tor, während Erles Sturm Gladbecks Hüter stark beschäftigt. Als er einen Schuß des Erler Rechtsaußen abwehrt, segt Erles Mittelstürmer dazwischen und setzt den Ball zum fünften Tor ins Netz. Gladbeck läßt nichts unversucht, das Ergebnis zu verbessern, doch ist Erles Hintermannschaft nicht mehr zu schlagen. Erle 08 Res.— Zentrum Morgensonne 3:4 Erle 08 1. Jugend— Schalle 04 1:2 VfV. Selsenkirchen— Hüllen 87 6: 1 * Um die Beständigkeit zu ringen, ist wohl eine der schwierigsten Aufgaben eines Sportvereine. Auch Hüllen mußte dieser erneut erfahren. Die Mannschaft hat swar an spieltechnischen Fertigleiten weniger eingebüßt, aber an Kraz: und Geschiessenhett. Röhlinghausen— Kray 04 6:1 Preußen Wanne— Schw.=G. Gladbeck 3.5 Preuzen Bochum— Günnigseld 2:0 Kray=Leithe— Gelienkirchen 08 0:2 C/R. Roithausen— Rol=Weig Leithe 3:0 Sportfr. Katernberg— Watten cheid 19 6:1 VV. 12 Gelsenkirch.— Alem. Gelsenk. 2:1 Erle 19— BB. Buer 67 1: 3 * Die bereinigung Erle 19, die am ventigen Sonntag ihr 11jähriges Bestehen festlich beging, hatte nachmillugs auf dem Platz an der Friedrichstraße die erste Elf von Buer 07 als Gegner. Trotz des gerade nicht freundlichen Wetters war der steisaite Kampf zeitweise recht interessant und brachte schließlich nach wech elvollen LeiKungen den Nothosen durch einen Elfmeter den knappen Sieg. Des Spiel begann mit dem Anstoß der Gäste, die sich übrigens am Sonntag auch endlich mal im Sturm zu recht ansprechenden Leistungen gefunden hatten. Zunächst waren beide Verteidigerpaare sehr auf der Hut und trotz vieler Bemühungen r.: Stürmer verlief die erste Halbzeit torlos. Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel schon deshalb spannender, weil die Zuschauer Torerfolge zu sehen bekamen. Den Führungs#ceffer verschaffte sich Buer 07 durch ein schönes Tor, dem die Erler durch einen Elfmeterball etwas später das Ausgleichstor folgen ließen. Aber beim Stande 1:1 sollte es diesmal nicht bleiben. Einige Minuten vor Spielschluß kam die Stürmerreihe der Gäste in Front und im Eiser des Gejechts machte ein Spieler der Gegenseite Hand, so daß die Folge davon ein Elfmeterball war. Der Elfmeter wurde von den Gästen in ein Tor verwandelt, so daß sie mit 2:1 als Sieger den Platz des Gastgebers verlassen konnten. Resse 68— Hervest=Dorsten 3:2 Das Spiel der Resser war systemvoller, aber es wurde dabei viel Kraft gebraucht, um den Angriff in Fluß zu halten. In der ersten Halbzeit war man auch ziemlich überlegen. Die Resser zeigten alle Eigenschaften, die für einen Sieg in Frage kamen. Vor allen Dingen war die Ballführung viel klarer und großschichtiger. Man legte den Gästen zunächst mal drei Tore vor, an denen der Halblinke hervorragend beteiligt war. Nach der Halbzeit gingen die Gäste mit ihrem alten Elan vor. Man muß sagen, das Spiel bekam ein anderes Gesicht. Das Temperamem der Gäste reichte aus, um zwei Gegentore zu erzielen. Die Resser verteidigten doch den Sieg sehr zähe. Für Resse war der Sieg verdient. Sportfreunde Sladbeck— Holsterhausen 3: 1 Man kann im Spiel nicht immer rücksichtsvoll sein, Kämpfer will das Spiel sehen, aber Kämpfer, die ritterlich sich benehmen. Die Sportfreunde ließen in manchen Fällen ihre Würde doch vermissen. Es hatte den Anschein, als wollten die Sportfreunde das Spiel sabbotieren. Westsalig Buer— Hassel 2: 4 Die Leistungen der Westfalen sind in der Läuferreihe als gut anzusprechen. Wenn man vom Sturm spricht, muß man zum Wenn und Aber kommen. Auch der Tormann der Westfalen steht nicht ganz fraglos da. Er ließ vor allen Dingen die Ruhe und Sicherheit vermissen. Er verschuldete durch zwei Selbsttore den Sieg. Die Westfalen gingen zunächst in Führung. Kurz vor der Halbzeit kommt Hassel zum Ausgleich. Nach der Halbzeit verwandelt Hassel einen Elfmeterstoß. Dann kommen die Selbsttore für Westfalia. Hansa Scholven— Nasensport 98 S: 1 Die Leistungen der Gäste waren besser. Sie verstanden mit dem Ball besser umzugehen, hielten ihn sicherer am Fuß. Im Felde wurden so achtbare Leistungen gezeigt. Die Hansa=Verteidigung hatte vollauf Arbeit. Man muß sagen, daß sie ihrer Aufgabe restlos gerecht wurde. Wattenscheid 09— Rotthausen 1912 0:2 Gauklasse Beckhausen— Westerholt 4:0 Dorsten— Hüllen 07 15 4•1 Hardt— Eiche Holsterhausen 2:1 Schonnebes 1910— Bonisatius Kray 0:3 Eintr. Günnigfeld— Wests. Schalle 4•2 Eintr. Katernberg— Vikt. Rotthausen 1:1 Fortuna Wanne— Rasensport Wanne 1:3 Herne 16— Herne=Mark 2:2 Holsterhausen— Dingen 4:4 Reichsbahn Wanne— VfL. Herne 3:2 Firmensport Auswahlipiel anf der Kamplbahn B=Mannschaft— A=Mannschaft 2: 1 Runmehr tritt auch der Werks= und Firmensport, der bei uns in Westdeutschland noch verhältnismäßig jung ist, in dieser Sai on mit einigen größeren Fußbellwettspielen an die Oeisentlichkeit. Ein wichtiges Auswahlspiel sand bereits am gestrigen Sonntag auf der Kampfbahn Löchterheide in Buer statt, wo sich eine A. und B=Mannschaft aus den Vereinen der Interessengemeinschaft„Ruhegediet" erstmalig gegenüber stenden. Der Zweck war, man wollte die elf besten Spieler aus den beiden genannten Mannschaften heraus suchen, die im Dezember zur Austragung eines Repräsentatiospieles gegen die noch zu ermittelnde Repräsentativ=Mann= chaft der I. S. der Werks= und Firmenportereine des Rheinbezirke herangezogen bezw. aufgestellt werden. Vorweg sei bemerkt, daß man bei dem gestriger Spiel, welches leider schon etwas früh we##n der eintretenden Dunkelheit beim Stande 2:1 für B abgepfiffen werden mußte, einige Spieler entdeckte, die bereits in verschiedenen Großvereinen Deutschlands erfolgreich mitgewirkt haben. Vom Anstoß an wurde den Zuschauern ein recht saires und flottes Spiel vorgeführt, wobei besonders die guten Stürmerleistungen der B=Mannschaft auffielen. Diese Mannschaft ging auch kurz nach Spielbeginn bereits mit einem Tor in Führung, während die A=Leute etwas später nach schönem Zusommenspiel den Ausgleich herbeiführen konnte. Vor der Paue war dann der Sturm der B=Mannschaft noch einmal erfolgreich. Alsdann wurden in der Halbzeit mehrere Spieler ausgewechselt. Uebrigens hatte der Torwart der A=Mannschaft schon kurz nach dem Anstoß eine Beinverletzung erhalten, so daß er für das ganze Spiel=ausscheiden mußte. Nach der Pause war insofern eine bessere Ausgeglichenheit geschaffen, als es besonders der linken Sturmseite der A=Mannschaft des öfteren gelang, vorzudringen. In der anderen Mannschaft dominierte nach dem Wechsel besonders die Läuferreihe. Ganz vorzügliche Leistungen sah man aber auch bei beiden Verteidigerpaaren. Von den heimischen Fußballern wirkten auch einige Spieler der Firma Althoff und Alsberg beim Auswahlspiel mit. Nach dem Spiel traten die Herren der I. G. im Goldberghaus zu einer Besprechung zusammen und stellten hier für das im Dezember(der Termin wird noch bekanntgegeben) stattfindende Spiel Rhein gegen Ruhr nachfolgende Mannschaft auf: Mlina(Krebber Oberhausen); Schroer (Krebber Oberhausen), Hellmann(Krebber Oberhausen: Knoop(Ruhrgas), Pommorin(Althoff Buer), Blatt(G. H. H. Gelsenkirchen): Hoffmeister(Althoff Buer), Tölg(Althoff Buer), Joh. Schweigert(G. H. H. Oberhausen), Tibulski(G. H. H. Gel'enkirchen), Ebel(K. N. K. Essen). Ersatzspieler: Netzki, Lojek und Rußhöfer. Aus der D.K Sp. u. Sp. Polsum— Wacker Recklinghausen 3: 1 Die Polsumer zeigten am gestrigen Tage gegen Wacker, daß sie von ihrem alten Kampfgeist nichts eingebüßt haben. Der Gastgeber vermochte das Hinspiel mit 2:1 für sich zu entscheiden und hoffte auch das Rückspiel auf eigenem Platze sicher zu gewinnen. Er erlebte aber eine bittere Enttäuschung. Mit einer Niederlage von 3:1 mußte er das Feld räumen. Das einzige Tor der Wockerleute rührte aus einem Selbsttork der Polsumer her. Die Platzherren vermochten durch diesen billigen Erfolg bis zur Halbzeit mit 1:0 zu führen. Nach der Halbzeit fielen sie dem Tempo der Polsumer zum Opfer. Diese erzielten nach jederzeitig überlegenem Spiel den Ausgleichstreffer, welchen sie kurz vor Schluß zwei weitere Erfolge hinzufügen konnten. Saxonis Marl— Arminia Necklinghausen 9: 2 Mer Spitzenführer Saxonia Marl bewies durch den hohen Sieg über Arminia Recklinghausen erneut seine gute Forn. Bis zur Halbzeit setzte Recklinghausen den Marlern noch heftigen Widerstand entgegen, wie es auch das Halbzeitergebnis von 2:1 zeigt. Nach dem Wechseln war es jedoch mit dem Können der Gäste vorbei. Der Gastgeber erzielte in kurzen Abständen noch sieben weitere Erfolge, welchen die Gäste nur einen entgegensetzen konnten. Eintracht Bertlich— Roland Horneburg 5: 3 Auch die junge Mannschaft der Bertlicher errang seit längerer Zeit wiedereinen Sieg. Trotz tapferster Gegenwehr konnten die Horneburger die Piederlage nicht verhindern. Die Neueinstellung in der Bertlicher Mannschaft zeigte sich von der besten Seite. Beziekollaste In der Gruppe 1 befestigte Beckhausen 05 durch einen klaren 4: 1=Erfolg über EssenWest 81 seine Vormachtstellung, so daß ihnen die Gruppenmeisterschaft in nächster Nähe liegt, da auch der Hauptgegner, Sparta Essen, gegen Erle 08 durch ein 2: 3 überraschend einen Punkt verlor. Schalle 96 konnte in Altenessen einen 2: 1= Sieg erringen, jedoch ohne Punktewertung. da der Schiedsrichter ausblieb. Die Gruppe 2 brinat die hohe 1:6= Niederlage von Buer 07 gegen die Essener Preuhen. Anion Gelsenkirchen gegen Polizei Buer wurde beim Stande von 0:0 vom Schiedorichter abgedrochen, de die Polizisten sich seinen Anordnungen nicht fügen wollten.(217) Der Kampf um die Führung in der 3 Gruppe endete mit einem hart umstrittenon 5: 3=Siege der Polizisten aus Bochum über ihre Essener Kollegen. Schalle 04 konnte in Zellinghausen mit ersatzgeschwächter Mannschaft nur ein 8:3 erreichen. Eintracht Essen schlug Horst=Emscher 2: 1 und kommt so zu don ersten Punkten. Montag, den 1. Dezember Jahrgang 1939 328 In Westdentschland beis Kölner BC.— SC. M.=Gladbach Tura Bonn— Bonner FV. SV. Wickrath— Grün=Weiß Viersen SpVgg. Sülz 07— Vingst 05 Rhenania Köln— Odenkirche Berg.=Gladbach— Mülheimer SV. Viktoria Rheydt— Alemannia Aachen BfR. Köln— Waldhausen Bor. M.=Gladbach— Blau=Weiß Köln Niederrhein B/V. Speldorf— Lomberger SB. Meidericher SV.— Duisburg 99 SV. Kaldenkirchen— Union Krefeld Duisburg 08— SpVgg. Oberhausen Hamborn 07— Duisburg 88 Duisburger SV.— RSp. Oberhausen Preußen Krefeld— Meiderich 06 SwVgg. Sterkrade— VfvB. Ruhrort Vergisch=Märkisch Viktoria— Fortuna Düsseldorf Gerresheim 08— Eller 04 BV. 04 Düsseldorf—. VfL. Benrath SSVg. Barmen— SSV. Elberfeld BfR. Ohligs— FC. Schwelm SC. Sonnborn— SSV. Oberkassel Ruhe Alemannia Dortmund— Essen 99 MBV. Linden— Sportfreunde Essen Westfalia Herue— Schalle 96 Horst=Emscher— FC. Schalke 04 TuS. Werne— Castrop 02 Schwarz=W. Essen— Germania Herne BV. Altenessen— Union Gelsenkirchen Rot=Weiß Essen— Gelsenkirchen 07 Westsalen Hammer SpVg.— SSV. Ahlen Westsalia Uhlen— Unna 08 V/B. Bielefeld— Paderborn 06 Union Herford— Teutonia Lippstadt Union Recklingh.— Preußen Münster SC. Münster 08— SpVg. Herten Westf. Scherlebeck— Vikt. Recklingh. Borussia Rheine— Arminia Bielefeld Südwestsalen Germania Mudersbach— Hagen 1911 #X. Lichtenplotz— Jeveksberg 08 Hessen=Hannover Sport Kassel— Kurhessen Marburg VfB. Giegen— Hessen Hersfeld Großalmerode— Hessen 09 Kassel Einbeck 05— FC. Grone 8•0 4:1 3:2 6:0 2:5 1:3 3•2 4.1 1:2 2:3 4:1 2:0 2:1 4•2 1:1 3:1 4:1 1:7 2:4 1:2 Um die Punkte im Westfalenbezirk Im Westfalen=Bezirk dürfte nach den Ergebnissen der gestrigen Punktespiele in der Gruppe Ost die Entscheidung gefallen sein, und zwar zugunsten des vorjährigen Meisters BfB. Bieleseld, der diesmal in dem BfJ. 08 Paderborn mit 5:1 einen weiteren starken Gegner distanzierte. Mehr aber kommt dem Meister das Verlustspiel der Hammer Spielvereinigung zustatten, die auf eigenem Gelände gegen SuS. Ahlen mit 1:3 unterlag. Die Ahlener rücken dadurch wieder stark in den Vordergrund. Westfalen Ahlen, bisher Tabellenletzter, konnte einen Platz aufrücken, da Unna 08 mit 5•2 geschlagen wurde. Den„Schwanz“ bildet jetzt Union Herford, die gegen Teutonia Lippstadt sicher mit 0:3 verlor. In der Gruppe West entsprechen die Resultate den Erwartungen. Die Tabellen haben nun folgendes Aussehen: Gruppe Ost 1:1 3:2 5:1 3:1 4•3 1:1 Quer durch das Reich Berlin Hertha=BSC.— Union Oberschöneweide 5:0 BFl. Preußen— Viktoria 0•3 Wacker 04— Norden=Nordwest 3:2 VfB. Pankow— Polizei SV. Tasmania— Berliner Kickers Metoor 06— Tennis=Borussia Minerva 93— Halley=Concordia Weißensee 1900— Brliner SV. 92 Spandauer SV.— Blau=Weiß 90 Union Potsdam— Südstern Süddeutschland BfR. Fürth— Würzburger Kickers FV. 04 Würzburg— 1. FC. Nürnderg 2:1 Bayern Hof— ASV. Nürnberg 3:2 1860 München— Schwaben Augsburg 3•2 Wacker München— OSV. München 0:2 Jahn Regensburg— Teut. München 3:1 FC. Pforzheim— Germania Brötzingen 2:1 FV. Juffenhausen— VfB. Stuttgart 1:3 BfR. Heilbronn— FC. Birkenfeld 5:1 Karlsruher FV.— Phönix Karlsruhe 2:1 VV. Nastatt— VfB. Karlsruhe 4:0 SC. Freiburg— Freiburger FE. 1:1 Offenbacher Kickers— Eint. Frankfurt 0:3 Rot=W. Frankfurt— Union Niederrad 3:2 FSB. Frankfurt— Fechenheim 08 2:0 FC. 98 Hanau— Germania Bieber 2:2 7:1 4:1 2:6 7•0 1:5 5:2 1:1 0•3 Sportklub 68 Münster— Spielvereinigung 1912 Herten 1:4 Auch ihr vorletztes Spiel der ersten Serie vermochten die Hertener erfolgreich zu beenden. Mit nicht weniger als 4:1 Toren wurde der Sportklub 08 Münster auf eigenem Gelände überzeugend geschlagen, obwohl die Hertener für den Linksaußen Dreinert und den Mittelläufer Gollan, Markowiak und Sombrey als Ersatz einstellen mußten. Bereits in der ersten Halbzeit traten die Hertener drei Tore. Nach dem Herten den Anstoß vollführte, zogen sie lofort vor das gegnerische Tor. Jedoch konnte der sicher spielende rechte Verteidiger durch wuchtigen Schlag klären, welcher von Schaar angenommen und hoch aufs Tor gegeben wurde. Der heranstürmende Linksaußen der Hertener konnte über den herausgelaufenen Torwart zum ersten Tor in der 5. Minute einköpfen. Duurch diesen Erfolg rafften sich die Münsteraner auf und es kam jetzt zu einem ausgeglichenen Feldspiel. Nach hin= und herwogendem Kampf, welcher für beide Seiten brenzlige Situationen schuf, war es wiederum Herten vergönnt durch den Rechtsaußen durch einen prächtigen Schuß zum zweiten Tore einzuschießen, dem kurz darauf der Halblinke das dritte Tor folgen ließ. Bis zur Halbzeit war das Spiel offen. Zu Beginn der zweiten Halbzeit legten sich die Münsteraner mächtig ins Zeug, jedoch ohne zu zählbaren Erfolgen zu kommen. Nachdem erst Herten wiederum durch ein weiteres Tor, welches von dem Mittelstürmer eingesandt wurde, das Verhältnis auf 4:0 stellen konnte, war es den Münsteranern vergönnt, das längstverdiente Ehrentor zu treten. Nunmehr legten sich die Hertener vollkommene Reserve auf und zeigten nur noch verschiedene technische Glanzstücke. Somit ging der stets hin= und herwogende Kampf, welcher die Zuschauer allgemein befriedigte, seinem Ende entgegen. Der Schiedsrichter war dem Spiel jederzeit ein aufmerksamer und gerechter Leiter. Westfalig Scherlebes— Viktorie Recklinghausen 2: 3 Die Scherlebecker„Husaren“ konnten auf eigenem Gelände die Viktorianer aus Recklinghausen nicht besiegen. Während das Spiel in der ersten Halbzeit eine leichte Ueberlegenheit der Scherlebecker zeigte, stand es während der zweiten Halbzeit ganz im Zeichen der Recklinghäuser. Ursache zu diesem Abbau der Scherlebecker war wohl das erhebliche Nachlassen der Läuferreihe. Gleich nach Anstoß entwickelte sich ein flotter Kampf. Viktoria vermochte sich bereits in der ersten Minute durch einen Kopfball in Führung zu bringen. Nach einer weiteren Viertelstunde ging der Rechtsaußen der Viktorianer auf und davon, gab den Ball präzise zur Mitte, der Halbrechte nahm den Ball auf und köpfte unhaltbar ein. 2:0 für Viktoria. Jetzt üben die Scherlebecker sichtlich eine Willenskontrolle aus und suchen System in das Spiel zu bringen. In gefährlicher Nähe vor dem Tor der Viktorianer machte in einem Gedränge ein Viktorianer Hand. Elfmeter für Scherlebeck. Unhaltbar wird der Ball in die linke Torecke getreten. Durch diesen Erfolg ausgemuntert, griffen die Scherlebecker erneut an. Nach einem chönen Flankenlauf der linken Seite kamen die Scherlebecker durch ihren Halblinken zum Ausgleich. Kurz darauf Halbzeit. Wie schon eingangs erwähnt, stand die 2 Halbzeit fast ausschließlich im Zeichen der Viktorianer. Die Hintermannschaft der Scherlebecker ist kopflos, die Läuferreihe schafft nicht das Richtige und der Sturm ist vor dem Tore nicht wendig genug, um zu Erfolgen kommen zu können. Die Mannschaft der Viktorianer dagegen ist äußerst flink, und vor dem Tore durchschlagskräftiger. Etwa Mitte der zweiten Halbzeit erzielten sie auch das längst verdiente Siegestor. Obwohl das Spiel die üblichen Begleiterscheinungen eines„Lokalderbys" nicht vermissen ließ, verstand es der Schiedsrichter, das Spiel, welches oft die Grenzen des Erlaubten streifte, zur Zufriedenheit beider Parteien und des Publikums zu Ende zu führen. Handball Bei ihrem dritten Spiel schnitten die jungen Handballfteunde der Spielvereinigung Herten schon weit günstiger ab. Sie unterlagen dem Spiel= und Sportlern aus Recklinghausen knapp 2:1(Halbzeit 1:1). Marler Sport Die erste Mannschaft des VV. Marl war spielfrei. Die Ligareserve des 3V. Marl hatte die Lehrmannschaft des SV. Union Recklinghausen=Süd zum Rundenspiel zu Gast. Ergebnis 8:1. Die Ligareserve hat in den letzten Spielen durchweg gewonnen. Es war ein schnelles interessantes Spiel. Nach dem sechsten Tor wurde der Marler Torwart an der Hand verletzt und mußte für kurze Zeit ausscheiden, der Ersatzmann Elm hielt das Tor frei, bis der Torwart sich erholt hatte. Sp. u. Sp. Hüls=Sinsen— Bikt. Werne 1: 1 Die Hülser Elf hatte auf das gestrige Spiel große Hoffnungen gesetzt, denn die zwei Spieler Heitkamp und Rielick, die vom BV. Marl abgewandert sind, waren das erstemal aufgestellt, weil sie bisher nicht spielberechtigt waren. Halall auf der Horster Rennbahn B der Herster Rennsalson Jagdrennen Ein Ton des Mudernissportes I 480: 10 im nen anführte und sehr sicher vor Geselle und Lauscher gewann. Nachstehend die Einzelergebnisse: 1. Risk=Hürdenrennen. 1. Roswitho (St. Bensze), 2. Vigilani, 3. Charleston Baby. Ferner: Platzhirsch, Herbstrose, Mimon, Meergott, Feuerrose, Eisvogel, Janette, Palastherr. Toto: Sieg 39, Platz 15, 16, 27:10. 2. Blumenmädchen=Jagdrennen. 1. Helmut Hbl.(P. Krabbes), 2. Grimm, 3. Okertal. Ferner: Leistung, Amelie Hbl., Tarzen, Quedlinor, Balko, Völkerbund. Toto: Sieg 480, Platz 49, 15, 15:10. 3. Esau=Jagdrennen. 1. Die Deutsche (B. Saria), totes Rennen: Mysidor. Goldelse. Ferner: St. Anton, Timgad, Collegial, Larodosta, Giralda, Moria, Norge. Toto: Sieg 34. Platz 14, 16, 23: 10. 4. Fidelio=Jagdrennen. 1. Rolls(St. Bensze), 2. Kalif, 3. Maskerade. Ferner: Mohawk, Ingham, Collegial, Ohio, Maharadja. Toto: Sieg 29, Platz 19, 20, 45:20. 5. Peince of Wales=Hürdenrennen. 1. Isländer(P. Krabbes), 2. Leitstern. 3. Ordinaria. Ferner: Halde, Diavolo, Claretta, Nix. Woher, Pedrillo, Fahnenweihe, Bunte Welt, Miami. Toto: Sieg 43, Platz 32, 21, 18:10. 8. Silesia=Jagdrennen. 1. Sturmnixe, (Ottm. Bauer), 2. Geselle, 3. Lauscher. Ferner: Turned up, Churfürst, Marionette, Amedee de Savoie, Pechvogel, Hagestolz Toto: Sieg 37, Platz 17, 17, 36:10. Nun hat auch die Horster Nennbahn als letzte deutsche Turfstätte ihre Tore geschlossen. Der gestrige letzte deutsche Renntag, der in Horst veranstaltet wurde. war noch ein Ueberbleibsel der diesjährigen Saison, der dadurch besonders interessant wurde, weil der legitime Caloppport ausgeschaltet war und alle Begegnungen der Steepler=Klasse vorbehalten blieben. Trotz der nicht gerade guten Witterung hatte sich eine stattliche Zuschauermenge auf der beliebten Horster Bahn eingefunden, die ungeachtet des etwas arg beschnittenen Programms einen ausgezeichneten Sport zu sehen bekamen. Die größte Ueberraschung gab es im Blumenmädchen=Jagdrennen, wo nach einer Reihe von Stürzen der Außenseiter Helmut, der allerdings schon gut im Rennen lag, als Erster durchs Ziel ging und seinen wenigen Anhängern dafür 480:10 einbrachte. Im einleitenden Risk=Hürdenrennen zog eine buntgemischte Gesellschaft an den Start, aus der sich nach dem Ablauf Eisvogel an die Spitze setzte und wie immer zu früh alles aus sich herausgab. Noswitha wer, als es beld zum Schluß ging, scharf angesaßt worden und setzte von Hürde zu Hürde ein immer Ab heute splelt bei.— Muscte eiche ancte und achber haben. und giei begehr!e bei uns geichen und geböe? ALSBERG BUER besseres Tempo an, dem die nachfolgenden Pferde nicht gewachsen waren. Mit einem Vorsprung von zehn Längen trudelte Roswitha im Ziel ein, gefolgt von Vigilant und Charleston Baby. Das Blumenmädchen=Jagd= rennen war von Massenstürzen umrahmt. Norge hatte die Spitze und vorübergehend versuchte Tarzan, ihr nahe zu kommen. Tarzan warf zum guten Schluß den Reiter ab und dadurch kam Norge, die immer noch an aussichtsreicher Stelle lag. vollkommen aus dem Konzept. Sie brach am letzten Sprung aus und lief an den Sprüngen vorbei dem Ziel zu. Heimut und Grimm hatten dadurch freie Bahn bekommen und in scharfem Finish konnte Helmut knapp den Ueberraschungssieg sicherstellen. Im Esan=Jagdrennen zeigte St. Anton, der die besten Aussichten auf der Sieg hatte, eine recht schwache Leistung. Die Deutsche hatte einen guten Platz unter den ersten, machte sehr viel an Boden gut und schlug in scharfem Endkampf Goldelse, die von außen gut vorbeigekommen war. Im FidelioJagdrennen dauerte es sehr lange, bis sich die Favoriten in einer Gruppe an der Spitze des Feldes zeigten. In der Geraden gab es einen äußerst erbitterten Endkampf, in dem Rolls sich als besser erwies. Das Prinz of Wales=Hürdenrennen chion anfangs eine ausgemachte Sache für Leitstern zu sein, der sich gut hinter dem lange Zeit führenden Nix hielt. Rix hielt aber nickt aus und mußte Leitstern passieren lassen, der klar in Front lag, als von außen Isländer aufkam und in den letzten Sprüngen Leitstern überholte. Das Silesta=Jagdrennen brachte dann noch eine Ueberraschung in Sturmnige, die von vorn bis hinten das RenVorstands-Tagung des DFB Das Prolispieler-Statat fertig Der geschäftsführende Vorstand#### Deutschen Fußball=Bundes hielt in Münster eine reine Arbeits=Tagung ab, die sich vorwiegend mit dem bereitzustellenden Profistatut befaßte. Das Profi=Statut wurde schon in der Sitzung vom 7. November in seinen Grundzügen aufgezeichnet. Seit 14 Tagen war der Vorschlag den einzelnen Mitgliedern bekannt, so daß die eingehenden Beratungen des Statuts in der münsterischen Sitzung erleichtert waren. Dieses Statut wird nunmehr der Gesamtvorstandssitzung am 13. und 14. Dezember in Hannover zur Beratung und Beschlußjessung vorgelegt werden. Die Sitzung befaßte sich ferner mit den Steuerfragen, die in letzter Zeit so ausführlich in der Presse herausgestellt wurden. Das Ziel des Bundes ist nach wie vor einzig und allein die Förderung des Amateurismus. Der Bund wird die große Zahl seiner Vereine in ihrer gemeinnützigen Tätigkeit vor unberechtigten steuerlichen Zugriffen schützen und bittet die deutsche Presse, sie in diesem Punkte zu unterstützen. Ersatz für Auslagen über die Höchstsätze der Dresdener Beschlüsse sind nicht diskutabel. Es wird nochmals betont, daß es sich um Höchstätze handelt, die nur ersetzt werden dürfen, wenn der Nachweis der tatsächlichen Verauslagung vorliegt. Westf. Kunstfurner siegen Kunstturnen Rheinland=Westfalen in Münster— Die Westsalen legen mit 2827 zu 2471 Münster, 30. Nov. Der in der Halle Münsterland in Münster zur Durchführung gebrachte 7. Kampf der besten rheinischen gegen die besten westfälischen Turner war ein voller Erfolg für das gesamte deutsche Turnen. Ueber 6000 Zuschauer wohnten den hervorragenden Leistungen bei. Es ist dies die höchste Besucherzahl, die jemals einer dieser Kämpfe der beiden Kreise gefunden hat. Nach verschiedenen Begrüßungsansprachen begann der Kampf mit dem Turnen am Pferd quer. Hier waren die Westfalen weitaus überlegen, da Rheinland einige Versager aufzuweisen hatte. Mit 513 zu 416 Punkten schaffte sich Westsalen schon in der ersten Uebung einen großen Vorsprung. In zweiten Wettkampf am Barren konnten die Westfalen noch weiter in Voretil gehen, da sie hier mit 542:503 Punkten siegreich blieben. In der Kür=Freiübung gab es überraschenderweise mit 521 Punkten die gleiche Anzahl von Punkten für beide Kreise. Begeisternd waren die Leistungen am Neck die denn auch den meisten Publikumsbeifall sanden. Die Westfalen blieben hier mit 542:540 Punkten erfolgreich. Kegler=Verband Selsenkirchen u. Montag, den 1. Dezember, abends 8 Uhr, findet in der Geschäftsstelle wie üblich die monatliche Vollversammlung statt. Hanisch wird immer billiger! 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Das Mittagessen hatte er sick auf sein Zimmer dringen lassen, ließ sich damit entschuldigen, daß dringende Post seine Zeit in Anspruch nädme War es nicht nur ein Vorwand“. Es war ihm schon zuzutrauen, daß er nicht erschten, nur um keinen neuen Huldigungen ausgesegt zu sein. Oder aber— und das war ihre Schlußfolgerung— er litt noch unter den Folgen des gestrigen Festes. Run aber lert mit diesen ewigen Gedanken an einen Menschen, der sie, wie sie sich einzureden suchte, im Grunde genommen gar nichts anging, ihr völlig schnurpe Dar! Sie sprang leichtfüßig eul. Vielleicht, dag ein Spaziergang ihr Rude brachte. Sie machte sich zum Ausgang dereit. Im Treppenflur führte ihr ein Zujall Herrn von Redwitz in den Weg. „Gnadiges Fräulein haden einen Ausger „Ja Ich will nur auf kurze Zeit an die frische Luft.“ „Wenn gnädiges Fräulein gestatten. chließe ic mich gern an!“ Kurt von Redwitz Sohats erst kurze Zeit im Hotel Rauhwaldt. Schon am Tege nach einer Ankunft datte er bei den Damen Haisel,#nchluß gefunden. Helene Hassels Schonhen neizi ihn. Ader mehr noch als ihre liedliche, frische, augere Erscheinung wirkte ein andeter Umstand, auf den ion Freunde aufmerksam gemacht hatten, auf n ein, das Band enger zu knüpfen. Die Hassels waren reich, sehr reich sogar. Eine telegraphisch bei einem Auskunftsbüre eingeholte nähere Aufklärung hatte ihm diese Tatsache bestätigt. Eine Auffrischung einer Finanzen käme ihm wahrlich sehr zu etten. Schade nur, dag dabei die Aufgade seiner Jungesellenfretheit unumgänglich war Aber er wurde sich schon nicht zu sest in den Ehekarten spannen lassen. Darüder brauchten seine Freunde keine grauen Haare zu bekommen. Vorwärts!— das war seine Parole. Ein frisch=mutiger Sturmangriff und die Sate mugte gelingen. Er war in diesem Prukte Optimist Aus gewissen Anzeichen glaudte er zudem t##ie baß er siemich leichtes Spiel den würde! Drei Uhr Auf der Promenade, der Davoser Hauptstraße, war es um diese Stunde noch leer und still Es herrschte ein ungeschriebenes Gesetz in Davos, dag in den ersten Nachmittagsunden allgemein möglichste Ruhe zu wahren in. Der vielen Kranken wegen, die um diese Zeit auf den vielen Liegehallen der Pensionen und Hotels Siesta pflegen. Davos ist nicht nur Sportstadt, sondern auch, und nicht zuletzt, Kurort, und die Einheimischen wissen sehr gut, was sie ihren Gäste schuldig sind. Das Paar manderte die Promade ent: lang. Nur wenige Menichen hasteten an Kurt von Redwitz und Helene Hassel vorüter. Dann und wann begegnete ihnen ein Schlittengejahrt, dessen melodisches Schellengeläut so ziemlich das einzige Gewar, das an idre Ohrer klang. Bald waren die letzten Hauser der Stadt erreicht. Die Straße verengte sich. Ottz, den Schnee von ihr. so gut es ging, beseitig“——4——4—1 jetzt etwa in Manneshöhe die Straße einsäumte. So hatte nun Helene die ersehnte Abwechltung erhalten. Ihr Begleiter war ein glänzender Unterhalter, auch verstand er es, verwohnte junge Damen zu behandeln. Er plauderte von Wintersport, die nötige Anerkennung fur seine Begleiterin nicht vergessend, von seinen Reisen, die ihn weit durch Europa geführt hätten, die Schilderungen mit tleinen Uebertreidungen und Fluntereien würzend; plauderte von seiner martiichen Heimat, von dem Stammin seiner Familie, hütete sich aber wohlneislich, dabei zu sagen, dan er der Sproß einer Seitenlinie war, und in seinem Leden nur zwei= oder dreimal, immer nur als Gast, auf Schloß Redwitz gewohnt hatte. Alles, was er sagte, wer geschickt mit vpersönlichen Schmeicheleien für seine Begleiterin umtankt. Sie lauschte ihm interessiert und gesesselt. Starker und stärker wurde der Bann, den seine Person auf sie ausübte Kurz vor Frauenkirch— von dem kleinen Dörsli waren nur das Schiff und der Turm des Gotteshauses sichttar— wurde der Rückweg angetreten. Eduard Lange sag an seinem Schreidtisch, den Oderkorper etwas vorgebeugt, den Kopf auf den linken Arm gestützt. Eilig glitt die Feder über den vor ihm liegenden Konzeptdogen Nur ab und zu ruhte er eine Weile aus. Er lehnte' sich dann in den Sessel weit zurück, sinnend wanderten seine Augen durchs Feuster hinaus, durch das ihm das Schwarzhorn schneeige Grüße sandte. Eine schwere Nacht und ein anstrengender Morgen legen hinter ihm. Toll war es bergegangen im Posthotel zu Klosters, wohin ihn seine über die Retordjahrt begeisterten Freunde geschleppt datten. Sie wollten seinen Sieg absolut festlich begehen, und er als der Sieger konnte sich mehl oder übel schlechterdings von dem Fest nicht fernhalten „So ein kleines Stündchen müssen Sie chon für uns aufdringen!" hatte man ihm ejagt. Jawohl. so ein kleines Stündchen! lus der ersten Stunde wurde eine zweite und eine dritte, und als die Gesellschaft schließlich zur Heimkehr ausdrach, war die Sonne schon untergegangen. Mit knapper Not erreichte man noch eben den Frühabendzug Am Bahnhof in Davos hatte er sich von einen Freunden sa nell verabschiedet, und frod, endlich wieder allein zu sein, den Kopf etwas benommen von dem schweren Beltiner Blutwein, war er eilends seiner Wohnung zugestredt. Er hatte sich nach den Anstrengungen des Tages ordentlich nech Ruhe gesehnt. Es kam aber anders, ganz anders. Während seiner Atwesenheit war Post für ihn eingetroffen. Als er in seinem Zimmer Licht machte, war das erste, was ihm in die Augen fiel, ein Telegramm, und neden diesem lag ein Brief seines Geschäftsführers. Nachdem er beides gelesen, wer ihm keine Spur von Müdigkeit mehr anzusehen. Wenigstens war jeder Gedanke, seinem Ruhebedürfnis Rechnung zu tragen, von ihm gewichen. Böse Nachricten waren es, die er erhalten hatte. In seiner Firma, einem Berliner Verlagshause, drohte ein Streik. Es galt zu handeln, sollte nicht unermeßlicher Schuden angerichtet werden. Sein Geschäftsführer hotte telegraphische Weisungen erbeten Der Brief enthielt die naue Vorgeschichte der entstandenen schwierigkeiten, so daß er sich schnell ein übersichtliches Bild zu verschaffen vermochte. Noch in der Nacht gab er telegraphischen Rückbescheid. Hinterher arbeitete er noch weitere zwei Stunden. Schließlich nahm aber doch die körpersich legen. Aber jetzt wollte sein Geist noch nicht zur Ruhe kommen. Ein tolles Durcheinander an Gedanken und Sorgen durchjagte unaufhörlich sein Hirn!— Bald quälten ihn die Geschäftsschwierigkeiten. Ob er nicht besser daran täte, nach Hause zu fehren? Weshalb blieb er noch langer in Davos? Wurde er jemals Aussicht haben, Helene Hassel für sich zu erringen? Hatte der Tag ihm Gewinn gebracht? Oder war es nur ein Wahnwitz von ihm gewesen, zu glauben, daß er Helenes Herz besiegen könnte. Unter solchen Gedanten übermannte ihn endlich der Sc laf. Aber nur, um ihn nunmehr ins Land der Träume zu führen, bald erregter, bald lieblicher Träume. Und nun saß er seit dem frühen Morgen wieder am Schreibtisch, nach einem Ausweg suchend, auf dem die Geschäftskrise beseitigt werden könnte. Daß sie aber auch gerade jetzt eintreten mußte! Jetzt, wo er fern von Berlin weilte! Wäre Helene Hassel nicht in sein Leben eingetreten, säße er längst auf der B hn, um periönlich nach dem Rechten zu ehen. Er rechnete und rechnete. Er kannie die Verhältnisse seiner Firma sehr genau, dis ins einzelne, und es fiel ihm deshalb auch. trotzdem er, abgesehen von dem allerdings sehr ausführlichen Brief des Geschäftsjühkers, keine Unterlagen hatte, nicht schwer, sich zurecht zu finden. Endlich war die Arbeit geian. Er konnte die Hoffnung haben, daß die Kriee beseitigt wurde, ohne daß sein Erscheinen nötig ware. Die Hoteluhr schlug die vierte Stunde an. Er entschloß sich, non vor dem Kaffeetrinken zum Postamt zu gehen. Der Brief cllte den Abendzug erreichen. „Ge. das wäre also nun glücklich er0 Eduard Lange atmete auf. Nun war er wieder Herr seiner Zeit. Langsam wandelte er vom Postamt heimwarts. Interessiert beobachtete er das bunte Leden und Treiben, das auf der Promenede nach vier Uhr nachmittags begann. In allen Sprachen der Weli schwirrten heitere 10 ernste Töne an sein Ohr. Man merkte nichts davon, daß Davos in der Hauptsache ein Kurort für Lungenkranke war. Wenigstens war keinem einzigen aus dem Menschengewimmel, das die Fußgängersteige füllte, etwas davon aufs Gesicht geschrieden, daß eine schleichende Krankheit in seiner Brust saoß. Davoser Luft wirkte Wunder bei allen, die sie atmeten, und wer bleich und kränklich aussehend nach diesem Höhental kam, gewann schon nach wenigen T gen eine frische, blühende Farte, die sich hinierher zwar manchmal, aber doch nur ganz, ganz selten als eine Trugerscheinung herausstellte. Lange horte sich plötzlich angerufen. Ein Bekannter aus Berlin sprach ihn an, der tags zuvor zum Besuch eines Verwandten hier eingetroffen war und andernta.; schon wieder zurückkehren wollte. Er wußte nicht, ob er sich über dos Zuammentreffen freuen oder ärgern sollze. Höflichkeitshalber mußte er sich dem Bekannten anschließen, der ihn fürs erste nicht wieder losließ. Aus einer Stunde des Beisammenseins wurden mehrere. Als er um neun Uhr abends die Gesellschaftsräume seines Hotels betrat, saßen nur noch verschiedene Schachpaare beisammen. Die übrigen Personen, auch die Damen Hassel, hatten sich bereits auf ihre Zimmer zurückgezogen. Er ließ sich deshalb auch nicht mehr aufhalten Ruhe würde ihm gut tun. S 22 2. * 8SEP F* FESS EF,F ERRF E SPITZEL U. SPIONE Autzeichnungen über die Vorgeschichte der russischen Revolution Von W. Hottmann-Harnisen und Klaus Gustav Hollaender: Copyright 1930 by Presseverlan Dr. R. Dammert. Berlin 14. Forisetzung Die Amnestie war gekommen und schließlich am 30. Oktober das berühmte kaiserliche Manifest, daß eine Konstitution und die schnelle Einberufung der Duma versprach. Darauf trat äußerlich eine gewisse Ruhe ein. Auf den kaiserlichen Erlaß hin beschloß die Sozial=Revolutionäre Parrei zunächtt. die Terroratte einzustellen, damit der Schaffung einer literaleren Regierungsjorm ihre Fordernug einstweilen erfullt chien. Aber auf Grund der grausamen Art, mit der im Herbst 1905 die Aufstände überall niedergeschlagen worden waren, deschloß sie im Jonuar 1906. die Attentate fortzu etzen. Ehe wir die Periode der Misserfolge, die etwa vom Januar bis April 1906 reicht, genauer detrachten und damit direkt den Weg auf die Lösung des Rätsels zu nehmen, müssen wir noch einmal auf den 22. Januar 1905, den sogenannten Blutigen Sonntag, zurückgreifen. Durch die Salven, mit denen der Großfürst Wladimir in die friedliche Menge hatte schießen lassen, war der revolutionäre Brand über ganz Rußland verbeitet. Die Sozialisten begriffen, daß der Zeitpunkt### einem abgemeinen Aufruhr, der möglicht gleichzeitig in den verschiedensten Gebieten ausbrechen sollte, gekommen sei. In vielen Beratungen beschäftigt man sich mit der Organisation dieses Aufstandes, mit der Anschaffung von Waijen, Munition und Explosivstoifen und allem, was sonst dazu gehörte. Aew. der gerade den Großfürsten Sergius in die Luft gesprengt hatte und zu dieser Zeit als die wirkliche Inkarnation der konspirativen Kühnheit galt, wohnte als Chef der Kampforganisation selbstverständlich allen Beratungen bei. Dabei stellte sich heraus, daß Waffen in genügender Anzahl be chafft werden konnten. Ein Mitglied der jinnischen Partei des aktiven Widerstandes, der Journalist Conny Cilliakus, hatte von amerikanischen Millionaren eine Million Franken zur Unterstützung der russischen Revolution unter der Bedingung erhalten, daß dieses Geld zur Bewaffnung des Volkes verwendet werden würde. Aber es fehlte den Revolutionären an Leuten. Denn diee Partei von „kritisch denkenden Einzelpersönlichkeiten“ uar zwar vorzüglich organisiert, hatte an allen Orten des Reiches ihre Zweigstellen — aber sie war doch nun einmal keine Massenpartei! In dieser Situation trat Alew mit einem entscheidenden Vorchlag auf: Er brachte Gapon. jenen berühmten Popen, der als Führer des Volkes am 22. Januar die Massen hinter sich hatte, mit den Sozial=Revolutionären zusammen. Gapon war entzückt von dem Plan, bestellte sofort einen Vertreter der Petersburger Arbeiter nach London, und dieser Genosse stellte denn auch sich und seine Massen bedingungslos zur Verfügung. Asew wurde an die Spitze des neu gebildeten Komitees gestellt und alle wichtigen Maßnahmen lagen fortan in seiner Hand Sein Plan war kurz folgender: Der Hauptangriff sollte gegen Petersburg, und zwar gegen die Peier=Paul=Festung, gerichtet werden. Eine für zwölftausend Mann ausreichende Bewaffnung sollte auf einem Frachtd mpfer in die Finnische Bucht gescafft und dort von mehreren kleinen Schiffen ülernommen und die Newa herau, nach Petersburg geführt werden. Unter dem Schutze einer Wache von einigen hundert Arbeitern, die schon vorher mit Mauserpistolen ausgerüstet werden ollten. würden dann die von Gapon gelieferten zwölftausend Mann die Waffen in aller Eile übernehmen und mit größter Schnelligkeit die strategisch wichtigsten Punkte der Hauptstadt besetzen. Zu gleicher Zeit sollten von Sprengstoffkommandos Ablenkungsmanöver in den entlegenen Teilen der Stadt vorgenommen und dadurch die Truppen weggezogen werden. Auf den Namen eines norwegischen Kaufmanns wurde das Schiff John Craw= ton in England erworden. Das Sciff stach mit einer Mannschaft, die an allen Hasenplätzen der Welt in letzter Minute angeheuert und hingeschickt war. im Herbst 1905 in See und kum zur vereinbarten Zeit im Finnichen Meerdusen an. Die Schiffe, die hier seine Fracht übernehmen sollten, waren schon unterwegs— da stellte sich plötzlich heraus, daß in Petersburg selbst noch nicht die geringsten Maßnehmen getroffen worden waren. Niemand wußte, wo Asew. der verantwortliche Leiter, steckte; es war völlig unmöglich, mit ihm in Verbindung zu treten. Die von Tag zu Tag steigende Verwirrung schien ihm die Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen unmöglich gemacht zu haben. Es mußte in aller Eile umdisponiert werden.„John Crawion“, der schon die Begegnungsstelle erreicht hatte, fuhr jetzt nordwärts die Bottnische Bucht entlang und deponierte viele kleine Posten von Wafien an verchiedenen Punkten der Küste, damit man sie später ohne Schwierigkeiten wieder einsammeln könnte, wenn man in Petersburg bereit sein würde, sie entgegenzunehmen. Da man derartige geheime Depots selbstverständlich nicht in der Nähe der regulären Sciffahrtsstraßen anlegen konnte, mußte sich der Dampfer zwis schen den zahlreichen Riffen und Schären der sinnischen Küste durchschlängeln. Dabei lief er auf der Insel Kemi auf einen Felen und vermochte trotz verzweiselter Anstrengungen nicht mehr aus eigenen Kräften loszukommen. Es wurde nun ein Schiffsrat abgehalten und beschlossen.„John Crawton“ in die Luft zu sprengen. Ein Teil der Wassen wurde noch auf die Insel gebrackt, dann ging die Mannschaft in die Boote und der Dampfer flog auf. Die Besatzung mußte nun, um der Verhaftung auf russischem Boden zu entgehen, quer über die Bottnische Bucht nach Schweden rudern. Von dort aus konnte sie hoffen, weiterreien und allen Nachforschungen entgehen zu können. Tatsächlich gelang die nicht gefahrlose Expedition auch und die Mannschaft entging dem Zugriff der inzwistten gleichfalls alarmierten schwedischen Polizei. Einige Zeit später tauchte auch Asew wieder auf: sein merkwürdiges Verhalten vermochte er ausreichend damit zu erklären, daß er gerade während der fraglichen Zeit besonders intensiv von der Polizei verfolgt und bespitzelt worden sei. Und der Kredit an Vertrauen, den er sich durch die Taten vom 15. Juli und 4. Februar erworben hatte, war so groß, daß sich kein Mißtrauen gegen ihn zu erheben wagte. Aber ein anderer Mann entpuppte sich als geheimer Agent der Ochrana. Zum Schrecken und zur Verwunderung aller Revolutionäre, nicht nur der kleinen Anzahl von Terroristen, sondern auch der großen Masse des revolutionären Proletariats, entpuppte sich Gapon als Polizeiagent. Anläßlich des schon mehrfach erwähnten blutigen Sonntags am 22. Januar 1905 war der Name Gapons in der ganzen Welt bekannt geworden. Wersen wir einen Blick auf dieses Ereignis, das die Revolutionäre von 1917 als den Ausgangspunkt der greßen russichen Umwälzung betrachten. Die Demonstration vom 22. Januar stellte nach all den tausenden von Terrorakten einzelner Revolutionäre gegen einzelne Vertreter des Absolutismus die erste Massenbewegung des russischen Proietariats dar. Gregor Gapon war in einem jüdischen Dorf des Gouvernements Poltawa geboren. In tiefstem Elend hatte er seine erste Jugend verbracht. Durch seine dlonden Locken und sein aufgewecktes Wesen siel er schon als kleiner Junge auf. Man enutzte ihn zu Botengängen, die ihn mit dei Außenwelt der christlichen Bauernbevölkerung der umliegenden Dörser in Beziehung brachten. Hier fielen seine Locken und seine klugen Augen auf, man verglich ihn mit den Bildern des Jeiusknaden, und schließlich glaubte man ein Gotteswerk zu tun, wenn man den kleinen Judenjungen für das Christentum gewänne und ihn zum Priester mache. Ein Dorfpope fand sich. der den Wünschen der Bauernbevölkerung nachkam, den Eltern, die wohl froh gewe en sein mögen, eine Sorge los zu werden, das Kind adnahm und auf den Namen Gregor taufte. Die auf den Knaben gesetzten Hoffnungen rechtfertigten sich und sehr bald konnte er als Zögling eines Priestersemmars seine Ausbildung vervollständigen In der Folgezeit entwickelte sich Gregor Gapon entgegen allen Erwartungen zu einem von dämonischer Lebensgier Besessenen. Er spielte, trank und trieb sich Tage und Nächte mit den zweiselheftesten Damen der Petersburger und Moskauer Halbwelt in Vergnügungslokalen niedrigster Art herum. Bei einer dieser Exkursionen lernte er eine junge Studentin kennen, die ihn in die nihilistichen Kreise einführte, wo sich Gapon sehr bald zu einem der radikalsten Anhänger der Volksfreiheit entwickelte. Und nun beginnt das phantastische Doppelleben, das schließlich zu seinem grauenhaften Ende führen sollte. (Fortsetzung folgt.) 1939 Ein Waggon Waschgarnituren noch nie so billig! Wir hatten Gelegenheit, einen Waggon hochwertige Waschgarnituren so billig einzukaufen, wie wir es noch vor kurzer Zeit für gänzlich unmöglich hielten. 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