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Nachlaßstaftel 4.— Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen, auch für die durch den Fernsprecher aufgegebenen und abbestellten, sowie undeutlich geschriebenen Aufträge wird keine Gewähr übernommen. Annahmeschluß: Tags zuvor 16 Uhr. Erfüllungsort und Gerichtsstand: Herne in Westfalen. Nr. 105 Dienstag, den 5. Mai 1936 Die Italiener haben Addis Abeba erreicht Ausländische Gesandschaften erbaten Hilfc Die reiche Ernte des Sowjetpaktes Der Ausschlag nach links in Frankreich * Die Unruhen in Addis Abeba *er Asmara, 5. Mai. Die ausländischen Gesandtschaften in Addis Abeba haben an das italienische Oberkommando ein dringendes Telegramm gerichtet, in dem sie um schnellste Besetzung der Hauptstadt bitten, da die fremdenfeindliche Stimmung der Bevölkerung, die nach der Flucht des Neaus und der Regierung ohne jede Führung ist, und seit Monaten gegen die Fremden aufgestachelt wurde sich leicht gegen die wenigen Weißen wenden könnte. die noch in Addis Abeba weilen. Das italienische Oberkommando hat daher alle Maßnahmen getroffen, um das Vorrücken der Kraftwagenkolonne, die gegen ungeheure Geländeschwierigkeiten zu kämpfen hat, zu beschleunigen. Marschall Badoglio und sein Stab leiten versönlich die Ueberauerung der Kraftwagenkolonne über den Paß Tarmaber nördlich von Addis Abeba, der ein großes Hindernis bildet und ungeahnte Kraftanstrengungen erfordert Itallenische Krattwagenkolonne beseizte Debra Brehan Rom, 5. Mai. Im Heeresbericht Nr. 202 meldet Marschall Badoalio: Unsere Kraftwagenkolonnen haben den Paß von Termaber überschritten und Debra Brehan die frühere Hauptstadt von Schoa, besetzt. Unsere Vortrupps befinden sich 40 Kilometer südlich von Debra Brehan. An der Südfront geht trotz sehr heftiger Regenfälle unser Vormarsch rasch weiter. Unsere Abteilungen. die 80 Kilometer über Dagabur hinaus sind, schlugen und verstreuten die Krieger des bekannten Omar Samantar. der im Jahre 1925 den Kanitän Carolei ermordete und daraufhin vom Neaus als Führer in den Sold genommen wurde. Omar Samantar wurde bei diesem Treffen schwer verletzt. Sein Sohn wurde mit 30 anderen Bewaffneten getötet. Die Völkerschaften von Ogaden nehmen mit Freude unsere Truppen als Befreier auf. Die Luftwaffe ist auf der ganzen Front sehr stark tätig. Die Spitze der Itallenischen Truppen In Addis Abeba *** Rom, 5. Mai. Nach einer soeben hier eingetroffenen Privatmeldung hat die Spitze der italienischen Truppen die abessinische Hauptstadt Addis Abeba erreicht. Die bedrohliche Lage der Europäer In Addis Abeba ** Paris, 5. Mai. Wie in gut unterrichteten französischen Kreisen verlautet, soll Außenminister Flandin die italienische Regierung auf die gefährliche Lage, in die die Euroväer in Addis Abeba durch die Abreise der besfinischen Regierung geraten sind, bingewiesen haben. Mehrere Verletzte **r Madrid. 5. Mai. In der Madrider Vorstadt Quatro Caminos haben Zinksradikale die Kirche Los Angeles angezündet. Auch in der Nacht zum Montag versuchten Kommunisten. die Kirche de los Maravillos in Brand zu setzen, wurden jedoch von der Polizei daran gehindert. lediglich die Eingangspforte wurde vom Feuer beschädigt. Der Sturm des marristischen Mob auf die Madrider Kirchen dauert an. In den Vororten Tetuan und Chamartin stehen fünf Kirchen vollständig in Flamnen. Zahlreiche Löschzüge der Feuerwehr versuchen die Brände zu löschen, können sich aber im allgemeinen nur darauf beschränken, ein Uebergreifen des Feuers auf die Nachbargebäude zu verhindern. Die Klosterschule Pilar und Covadonga sowie das Franziskanerkloster de Los Salisianos brennen ebenfalls lichterloh. Der rasende Pöbel überfiel ferner die Wohnungen eines Pfarrers und eines der Rechten angebörenden Die italienische Regierung habe darauf wissen lassen, daß sie unverzüglich dem Marschall Badoglio alle notwendigen Anweisungen gegeben habe. Drahtloser Hilferut des amerikanischen Gesandten aus Addis Abeba *** Wasbington, 5. Mai. Nachdem der amerikanische Gesandte in Addis Abeba, Engert, bereits am Montag in den frühen Morgenstunden auf drahtlosem Wege mitgeteilt hatte, daß ein Angriff plündernder Eingeborener auf die Gesandtschaft abgeschlagen werden konnte, traf einige Stunden später ein Portsetzung siehe 2. pol. Seite Negus auf englischem Kreuzer *** London, 5. Mai. Im Unterhaus gab Außenminister Eden am Montagnachmittag eine Erklärung über die Lage in Abessinien ab. Er teilte zunächst mit. der Neaus habe am 1. Mai dem britischen Gesandten in Addis Abeba erklärt, daß er die Leitung der Staatsgeschäfte niedergelegt und sie seinem Ministerrat übergeben habe, und daß er sofort nach Dschibuti abreisen wolle. Am Morgen des 2. Mai habe er die Reise in Begleitung der Kaiserin, des Kronprinzen und anderer Mitglieder seiner Familie sowie des Außenministers und anderer Personen angetreten. In seiner Mitteilung an den britischen Gesandten habe der Kaiser seinen Wunsch zum Ausdruck gebracht. sich mit seiner Familie nach Palästina zu begeben. Die britische Regierung habe es für ihre Pflicht gebalten. seinem Wunsche nachzukommen, soweit es in ihrer Macht lag. die Reise des Neaus und seiner Begleitung *es Berlin. 5. Mai. Die Berliner Kunstwochen haben mit einer MozartWoche eingesetzt. Die Bedeutung, die die Reichshauptstadt dieser festlichen Reihe musikalischer Veranstaltungen als Abschluß des Konzertwinters und als Auftakt des olvmpischen Sommers beilegt, kam in einem EmpBezirksbürgermeisters und steckte die Häuser in Brand. An einigen Stellen der Stadt fanden Schießereien zwischen Marxisten und der Polizei statt, die bei einigen Kirchen die roten Angriffe abwehren und auf diese Weise noch umfangreichere Brandstiftungen verbindern konnte. Ein marxistischer Mordbrenner wurde dabei lebensgefährlich verletzt: mehrere andere trugen leichtere Schußverletzungen davon. Die marxistische Bevölkerung der in Mitleidenschaft gezogenen Stadtteile fiel über die Klosterinsassen und andere rechtsstehende Personen her und verprügelte sie. 25 Personen mußten mit teilweise schweren Verwundungen den nächsten Rettungsstellen zugeführt werden. Unter den Verletzten befindet sich auch eine französische Staatsangehörige. Marxistische Grupven durchziehen die Straßen und fordern zum Generalstreik auf. Bei verschiedenen Neubauten wurde die Arbeit bereits niedergelegt. Die Verlader des Madrider Südbahnhofs sind am Montag in den Streik getreten. um ihre bereits vor einger Zeit gestellten Forderungen durchzudrücken. Aus diesem Grunde konnte kein Güterzug ausfahren. Kombinationen um das nächste Kabinelt *** Paris, 5. Mai. Frankreich hat sich seine neue Kammer gewählt, die am 1. Juni ihre Arbeit aufnimmt. Die Volksfront allein erhielt rechnerisch über 375 Sitze von insgesamt 618. allerdings einschließlich der 115 radikalsozialistischen Abgeordneten, die aber nicht geschlossen bei der Volksfront bleiben werden. Diese hat bessere Diszivlin gehalten als die nationale Front, die nicht als Stoß=. sondern als Abwebrtrupp gegen die Volksfront gegrünnach Jerusalem zu erleichtern. Die britische Regierung sei daber mit der französischen in Verbindung getreten die sich ihrerseits bereit erklärt, habe, allen Wünschen des Kaisers in bezug auf seinen zukünftigen Aufenthaltsort nachzukommen. Unter diesen Umständen habe die englische Regierung den Kreuzer„Enterprise" nach Dschibuti befohlen, um den Kaiser und seine Begleitung direkt nach Haifa zu bringen. Man werde, so erklärte Eden weiter, von dem Kaiser, der die Leitung der Staatsgeschäfte niedergelegt habe, erwarten müssen, daß er sich während seines Aufenthaltes in Palästina in keiner Weise an der Förderung von Feindseligkeiten beteiligen werde. Der Außenminister kam dann auf die Lage in Addis Abeba selbst zu sprechen. Nach den Berichten des britischen Gesandten seien in der abessinischen Hauptstadt die Unruhen auch jetzt noch im Gange. Auf eine zusätzliche Frage des Oppositionsvertreters Mander, ob der Kaiser abgedankt habe oder nicht, und wer zur Zeit die abessinische Regierung in England vertrete, gab Eden keine weitere Auskunft. fang zum Ausdruck. den der Staatskommissar der Hauptstadt Berlin im Rathaus gab. Staatskommissar Dr.. Lippert wies in seiner Ansprache darauf bin, daß Berlin alles daran setzen wolle, daß es den Ehrennamen einer Musikstadt mit Recht weitertragen darf. Diesem Ziele dienten besonders die Kunstwochen. Die besondere Verbundenheit der Reichshauptstadt mit den nachschaffenden Künstlern komme in der Stiftung eines Musikpreises von 5000 Reichsmark zum Ausdruck. Der Zweck dieses Preises sei in der Förderung von begabten Künstlern zu sehen, die noch nicht überall bekannt sind, von denen aber erwartet werde, daß sie dereinst die Nachfolge der Großen antreten werden. Nach seinem Dank an das Kuratorium, dem die Auswahl oblag. verkündete Dr. Lippert die Preisträger. Der Musikpreis der Stadt Berlin für das Jahr 1936 wurde verliehen: dem Geiger Siegfried Borries, Konzertmeister des Philharmonischen Orchesters in Berlin: dem Pianisten Richard Laugs aus Kassel. dem Zernick=Quartett in Berlin, das unter Führung des Konzertmeisters des Landesorchesters Helmut Zernick aus Theodor Schween. Heinz Kirchner und Helmut Reimann sowie Joachim Loeschmann als Vertreter des letzteren im vergangenen Jahre besteht: dem Sänger Hans Eggert aus Königsberg, der Sängerin Lore Fischer aus Stuttgart. Buchvreisträger Schumann zum Standartenführer ernannt *r Berlin. 5. Mai. Der SA.=Stabschef des Führers hat, wie die NSK. meldet, den mit dem Nationalen Buchvreis ausgezeichneten Obersturmbannführer Gerbard Schumann mit folgendem Schreiben seine Ernennung zum Standartenführer mitgeteilt:„Lieber Schumann! Mit Ihnen freut sich die ganze SA. über die Ihnen zuteil gewordene Ehrung und sendet berzlichste Glückwünsche. Gleichzeitig befördere ich Sie zum Standartenführer. Nun vorwärts zu neuem Schafsen im alten Geist. Heil Hitler! Viktor Lutze. Der rote Mob rast durch Madrid Zahlreiche Kirchen In Brand gesteckt Unterhaus-Erklärung Edens Pflicht der englischen Reglerung, die Reise des Negus und seiner Begleitung zu erleichtern Eröffnung der Berliner Kunstwochen Staatskommissar Dr. Lippert vertellt den Musikpreis der Reichshauptstadt Die Preisträger det worden war. Beachtlich ist die große Zahl der früberen Parlamentarier, die neuen Männern das Feld räumen mußten. Die sozialistische Partei wird die stärkste in der Kammer sein. Sie konnte sogar gewinnen, obwohl sie an die Kommunisten Stimmen abgeben mußte. Sie erhielt bei den letzten Wahlen 130 Mandate. Ihre Zahl sank dann bei der Absplitterung der Neusozialisten auf etwa 100. Jetzt zieben die Sozialisten aber mit mindestens 146 Abgeordneten in die Kammer ein. Dazu kommen noch rund 35 Abgeordnete, die dem sozialistischen Programm nabesteben, ohne einer Partei anzugehören. Die radikalsozialistische Partei, früher die stärkste, muß sich von ebemals 157 Abgeordneten jetzt mit etwa 115 begnügen. Sie sinkt zur zweitstärksten Partei berab. Die republikanische Vereinigung auf der Rechten und die Linksrepublikaner werden dritter und vierter, die einen mit mindestens 90, die anderen mit mindestens 84 Mitgliedern, unmittelbar gefolgt von den Kommunisten mit wahrscheinlich 72 Abgeordneten. Zu diesen treten noch 10 parteilich ungebundene Kommunisten. Der äußerste Flügel der Volksfront, die Kommunisten, müssen daber auf mindestens 82 Mann veranschlagt werden. Die Mittelgruppe— Unabhängige Radikale und Linksrepublikaner— haben leichte Verluste gehabt. Eines der bedeutsamsten Zeichen ist, daß fünf Minister oder Unterstaatssekretäre des Kabinetts Sarraut auf der Strecke geblieben sind. Diese Niederlage des Kabinetts Sarraut läßt die Vermutung aufkommen, daß eine Umbildung der Regierung, wenn nicht eine Regierungskrise, ihre Schatten vorauswirft. Die Neuoder Umbildung kann nur weiter nach links ausgreifen, auch wenn die Kommunisten noch während der Wahlhandlung bekannt gaben, daß sie in eine Regierung der Volksfront nicht eintreten, sondern sie nur unterstützen wollen. Reglerungsbereitschaft der Soziallsten In einer Sonderausgabe des„Populaire“ erklärt Leon Blum ausdrücklich, daß die sozialistische Partei bereit sei, die ihr zufallende Aufgabe zu erfüllen. d. b. eine Regierung der Volksfront zu bilden und zu leiten. Damit ist unmißverständlich angedeutet, daß die sozialistische Partei den Anspruch erhebt, den nächsten Ministerpräsidenten zu stellen. Da Leon Blum sich selbst noch nicht von den Folgen des unlängst auf ihn verübten Ueberfalles erholt haben soll, schreibt man ihm die Absicht zu, mehr im Hintergrund zu bleiben. Indessen wird viel von dem bekannten sozialistischen Abgeordneten Vincent=Auriol als aussichtsreichsten Bewerber für die Ministervräsidentschaft gesprochen. Andererseits wird er auch als künftiger Finanzminister genannt, weil er auf diesem Gebiete besonders sachverständig sei. Ueber die Zusammensetzung des nächsten Kabinetts kann man z. Zt. noch ebenso wenig sagen wie über den Zeitpunkt der Regierungsumbildung. Man nimmt an. daß Sarraut die Geschäfte bis zum Zusammentritt der neuen Kammer weiterleiten wird. aber sicher ist danicht. Für das Außenministerium werden unverbind lich Namen wie Daladier. Herriot und Paul=Boncour genannt. Man rechnet augenscheinlich damit, daß die Sozialisten die Außenpolitik ibren Nachbarn zur Rechten überlassen werden. Französische Blätter über die„roten Wahlen“ *2 Paris. 5. Mai. In der Beurteilung des französischen Wahlergebnisses sind die Blätter ziemlich einig. Die Ueberschriften der Morgenzeitungen lauten:„Die roten Wahlen“—„Sehr starker Ausschlag nach links“—„Die Volksfront siegt auf der ganzen Linie“—„Ein Massengrab der bisherigen reaktionären Abgeordneten“. Das„Petit Journal“ stellt fest, daß in Paris und Umgebung von 59 zu verteilenden Sitzen nicht weniger als 29 den Kommunisten anheimfallen. Der„Jour“ meint, durch das Wahlergebnis gerate die Regierung in eine unmögliche Lage. Die seit dem 6. Februar 1934 beraufbeschworene Parlamentskrise dauere an. Ihr werde eine Krise der Regierungsform folgen, bei der sich die nationalen Kräfte durchsetzen müßten. Gegegebenenfalls müßte die sozialistische Partei als stärkste zur Macht gelangen. Das würde die strenge Anwendung des Volksfrontvrogramms als Regierungsprogramm bedeuten. Auf die finanziellen, außenpolitischen und sozialen Folgen dieses Abenteuers brauche man wohl nicht weiter binzuweisen. Im marxistischen„Povulaire“ beißt es, die sozialistische Partei nehme an der Spitze aller Parteien der Alles nur für das ganze deutsche Volt Stabschef Lutze über das„Dankopter der Natlon“ Volksfront den ersten Platz ein. Die Sozialisten seien bereit, den Auftrag anzunehmen, den ihnen die große ranzösische Demokratie anvertraue. Die kommunistische„Humanité“ bringt in fünf Zentimeter großen Buchstaben an der Spitze des Blattes das Wort„Sieg“ und schreibt, das Volk habe die Faszisten fortgejagt. Das französische Volk werde in Rube die Umsetzung des Volksfrontvrogramms in die Tat vorbereiten. Kleine Zusammenstöße in Frankreich nach der Wahl **= Paris. 5. Mai. Im Laufe der Nacht zum Montag kam es in Paris noch zu Zusammenstößen, die aber anscheinend alle harmlos verlaufen sind. In Bordeaux ist die Verkündung der Wahlergebnisse nicht ohne Schlägereien abgegangen. Stüble und Geschirr der Kaffeehäuser wurden als Wurfgeschosse benutzt. Die einen sangen die Marseillaise, die anderen riefen„Ueberall die Somjets!" Die Polizei verbaftete acht Personen. Zwei von ihnen werden sich vor dem Schnellrichter zu verantworten haben. Italiener erreichten Addis Abeba Fortsetzung von der I. ool. Seite weiterer Funkspruch des Gesandten ein, der eine Zuspitzung der Lage meldete. Bei dem Angriff auf das Gesandtschaftsgebäude seien zwei eingeborene Diener von den Plünderern schwerverletzt worden. Gesandter Engert richtete an das Staatsdevartement die dringende Bitte, mit Rücksicht auf den Ernst der Lage die britische Regierung um die Einleitung von Hilfsmaßnahmen zu ersuchen. Durch die Entsendung von Truppenabteilungen aus Britisch=Indien wäre es möglich, die amerikanische Gesandtschaft bis zum Eintreffen der Italiener noch einige Tage zu halten. Da die Herstellung einer direkten Verbindung zur englischen Gesandtschaft in Addis Abeba unmöglich sei, sebe sich der Gesandte veranlaßt, auf drahtlosem Wege Hilfe anzufordern. Das amerikanische Staatsdevartement nahm sofort mit den zuständigen Stellen in London die telefonische Verbindung auf. um das Ansuchen ihres Gesandten weiterzuleiten. Das ist der Kampfgeist der E#. *** Berlin, 5. Mai. Am Montagabend sprach Stabschef Lutze über alle deutschen Sender zum Dankopfer der Nation. In seiner Rede führte er u. a. aus: „In diesem Jahre haben die Männer der SA. dem Führer ein Dankopfer zum Geburtstage dargebracht, ein Geschenk, das dem Geist der SA., der der Geist unserer toten Kameraden ist. entspricht. Inmitten einer Ideenwelt, die in kühler und geschäftstüchtiger Richtung an materiellen Dingen klebte, wuchsen die Sturmabteilungen des Führers beran. die den materiellen Begriffen der damaligen Zeit solche mit ethischem Gehalt und sittlichem Wert gegenüberstellten. Der Opfermut. die Einsatzbereitschaft und die Selbstlosigkeit der SA. waren nie leere Worte, diese Begriffe fanden immer ihre Krönung durch die Tat Und so muß auch dieses Dankopfer nicht von der materiellen Seite ber, sondern nach der ethischen Seite hin seine Wertung erfahren. In ihm soll der freiwillige und uneigennützige Aktivismus zum Ausdruck kommen, der in den Reihen der SA. seine Geburtsstätte fand und der längst von den Männern der SA hinausgetragen wurde ins Volk und dort die Resonanz bildet für die ungeheure Arbeit, die der Führer Tag und Nacht zum Wohle seines deutschen Volkes leistet. Wir wollen nie vergessen, daß die Männer der Sturmabteilungen meist nichts einzusetzen hatten als ihr nacktes Leben— aber dieses gern und freudig in den Dienst der beiligen Sache unseres Führers stellten. Das innere Gefühl. sich einseven zu müssen dort, wo es die Notwendigkeit gebietet, dort zu opfern, wo es das Wohl der Gemeinschaft verlangt. ist die Grundlage der schon zur Selbstverständlichkeit gewordenen Haltung der SA. Der Nationalsozialismus braucht keine Menschen die ihn in tausend Thesen zerlegen, er braucht Männer des ehrlichen Wollens und des kräftigen Handelns. So hat die SA. im Vorjahre, im Jahre der Wehrfreiheit, dem Führer als Webrgabe ein Jagdgeschwader zur Verfügung gestellt. beseelt von dem unbändigen Willen, mitzubelfen an den großen Zeitaufgaben. die an den Führer und das deutsche Volk berantreten. Wir seben im„Dankopfer“ die Möglichkeit, durch eine verschworene Kampf= und Opfergemeinschaft neue Werte zu schaffen, die einen Teil des Fundaments zur Ewigkeitswerdung der deutschen Nation bilden. Wir wollen die Kampfgemeinschaft bilden. die gewillt ist, dieses Opfer alljährlich zu bringen, die bereit ist. ihrer Liebe zum Führer und ihrem Dank jedes Jahr durch die Tat zum Ausdruck zu bringen. Wir sammeln nicht, wir fordern nicht, wir zeigen. daß wir da sind! Und die kämpferischen Elemente des deutschen Volkes werden nicht abseits steben, wenn es gilt, dem Führer durch praktisch angewendeten Sozialismus einen Bruchteil von dem abzustatten, was er jedem einzelnen täglich in so überreichem Maße gibt. Wir wollen ja nichts für uns. nichts für die SA., nichts für die Gegenwart, sondern für das ganze deutsche Volk, für die Zukunft, für die Nation, und übergeben wollen wir es dem ersten Arbeiter Deutschlands, unserem Führer Adolf Hitler!“ Erklärung Mussolinis vor der Kammer Neuer Generalappell des Italienischen Volkes angekündigt Keine Verluste unter den Deutschen In Addis Abeba Addis Abeba, 5. Mai. Dank den umfassenden und vorbildlichen Maßnahmen, die der deutsche Gesandte Strohm zum Schutze der deutschen Kolonie getroffen hat, sind bei den Unruhen unter den bier ansässigen Deutschen keine Verluste eingetreten. Entsendung französischer Senegaltruppen nach Addis Abeba *= Paris, 5. Mai. Nach einer Havasmeldung aus Dschibuti haben die dortigen französchen Behörden aus Besorgnis vor weiteren Zwischenfällen in der abessinischen Hauptstadt und vor allem zum Schutze des Bahnhofs beschlossen, zwei Kompagnien Senegaltrupven mit der Eisenbahn nach Addis Abeba zu entsenden. Reichsleiter Rosenberg auf Burg Vogelsang *** Köln, 5. Mai. Reichsleiter Rosenberg, der Be auftragte des Führers für die weltanschauliche Schulung der Partei, besuchte am Montag vormittag die Ordensburg Vogelsang. Besichtigungsreise des *** Berlin, 5. Mai. Der Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Generalfeldmarschall von Blomberg, besichtigt am 5. und 6. Mai Standorte des Heeres und der Luftwaffe im Bereich des Wehrkreises 2(Stettin). Feierliche Eröffnung der japanischen Kammern r Tokio, 5. Mai. Unter starker polizeilicher und militärischer Absperrung des gesamten Parlamentsviertels fand am Montag die feierliche Eröffnung der beiden japanischen Kammern, Oberbaus und Unterhaus, durch den Kaiser statt. AN. Essen, 5. Mai. Im Essener Folkwang=Museum wurde am Sonntag die Weltkriegs=Ausstellung eröffnet. Es ist eine äußerst reichhaltige Sammlung von Bildern, Skizzen und Studien des Kriegsmalers Otto Engelbardt=Kuffbäuser. Das bervorstechendste Merkmal seiner Werke ist, daß sie durchweg in vorderster Linie entstanden sind. Engelbardt=Kuffhäuser hat drei Jahre lang den Krieg im Westen und Osten miterlebt. Treffend sind die Worte, die sein Bataillonskommandeur im Kriege, Major von Menges, über ihn selbst und sein Werk sagt: „Ein Mitkämpfer in Reth' und Glied, unser Kamerad Otto Engelbardt=Kuffbäuser, der als Jäger und Oberjäger über drei Jahre den Krieg in unserem lieben, schönen Magdeburgischen Reserve=Jäger=Bataillon mit Gewehr, Handgranate und Hirschfänger in der Hand im Westen und Osten mitgemacht hat, bringt Arbeiten aus dem Ringen um Deutschlands Besteben, die vorn in der Feuerlinie, im Stoßtrupp, im Feuerwirbel entstanden sind. Bei Stanislau batten uns die Russen fast umzingelt, ich sehe Engelbardt noch im Schnellfeuer gegen anreitende Kosaken in meiner Nähe knien: eine kurze Feuervause, er legt das heiße Gewehr hin, nimmt das Skizzenbeft aus dem Brotbeutel und hält den Reiterangriff fest. Die Schlacht gebt weiter: nach einigen Tagen entsteht ein getreues Bild des fesselnden Augenblicks.— Englischer Tankangriff im freien Feld. Gewaltige Ungetüme drechen auf die vorgebenden Jäger ein, unsere Begleitbatterie ist noch im Angalopvieren, unsere Maschinengewehre suchen in böchster Not die Kettengetriebe der Tanks zu durchlöchern, während die nahen Ungetüme die grünen Männer am Hoblweg gewaltig lichten. Der einzelne Jäger ist machtlos: Engelhardt greift zum Zeichenstift in diesem Augenblick und erfaßt Wogende Begeisterung in Italien ONB Rom. 5. Moi. Ganz Italien stebt im Zeichen der Siegesfreude, die ihren unmittelbarsten und amtlichen Widerball in der bereits angekündigten Sitzung der italienischen Kammer findet. Vor der Kammer hatten sich am Nachmittag Tausende von Neugierigen eingefunden, die unter Absingen vatriotischer Lieder die Ankunft der Abgeordneten beobachteten und Mussolini und den übrigen Ministern begeisterten Beifall spendeten. In der Kammer schlagen die Wogen der Begeisterung noch höher, und stürmischer Beifall und Jubel setzen ein, als Mussolini kurz nach 16 Uhr erscheint. Nach Verlesen des Protokolls erbebt sich Graf Ciano, um unter immer neuen Begeisterungsausbrüchen etwa folgendes auszuführen: Das abessinische Reich, das lange Jahre die vergeblich angebotene Freundschaft Italiens abgelehnt und trotz des Freundschaftsvertrags von 1928 die Sicherheit und Rube der italienischen Kolonien immer häufiger bedrobt bat, ist heute auf Gnade und Ungnabe den italienischen Waffen ausgeliefert, während der Neaus fluchtartig das Land verlassen bat. Trotz der konkreten und moralischen Hilfe. die Abessinien durch den Völkerbund erfahren hat, sind alle seine Heere unter den vernichtenden Schlägen der italienischen Truppen zusammengebrochen. Der Sieg ist heute bereits als militärisch vollzogen zu betrachten, wesbalb die Kammer den italienischen Truppen, den Arbeitern, den Todesopfern, den Prinsen des königlichen Hauses und den 70 im Felde stebenden Abgeordneten ihren begeisterten Gruß und Dank ausspricht. Vor allem aber wendet sich dieser Gruß und Dank an den Duce selbst, der mit der unbesiegten Beständigkeit seines Charakters und mit der Sicherheit seiner Führung Italien den Erfolg gebracht bat. „Die Nation“. so ruft Graf Ciano an Mussolini gewandt unter endlosem Beifall der Abgeordneten aus, „hat Ihren Avvell gehört und das Blut ihrer besten Söhne dahingegeben. Sie erwartet jetzt die volle Belohnung für den vollständig errungenen Sieg. Keine menschliche Kraft, keine Koalition wird Italien die diesen Augenblick: in letzter Minute greift unsere Bat terie ein.— Frontgeist, selbstverständliche Pflichterfüllung und Kameradschaft sprechen aus den Skizzen, die in Umrissen angesichts des Todes inmitten kämpfender Jäger entstanden sind. Die 264 Arbeiten hier sind eine Auswahl von über 800 Studien, die er ohne Entgelt mit eisernem Willen im Kriege, immer in der Front, geschaffen hat.“ Soweit das Zeugnis seines Kommandeurs im Felde. Die Ausstellung, die bisber überall mit außergewöhnlichem Erfolge gezeigt wurde, ist eine wirkliche Ebrung der alten Armee und wird in jedem Frontkämpfer die verschiedenartigsten Erinnerungen wach werden lassen. Otto Engelhardt=Kuffbäuser ist mit einer guten impressionistischen Schulung ins Feld gezogen. Sein Streben gilt einer ehrlichen Darstellung ohne jede beroische Pbrase. Seine Bilder sind durchweg gut durchgeführt, Skiezen und Studien zeigen eine bervorragende Beobachtungsgabe. Neben den größeren Werken sieht man eine Anzabl von Zufallsbildern und heiteren Skizzen, die zum Teil sehr wertvoll sind. Bei allen Bildern und Skizzen hat der Maler mit großer Gewissenhaftigkeit Ort und Zeit des dargestellten Vor gangs genau angegeben. Bei der großen Produktivität Engelhardts gibt die Ausstellung ein ziemlich umfas sendes Bild von der Vielgestaltigkeit des großen Geschebens, das vor allem den Stempel absoluter Echt heit trägt. Zu gleicher Zeit stellt der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in den oberen Räumen des Folkwang=Museums eine Sammlung von künstlerischen Aufnahmen deutscher Kriegerfriedböse in den ehemaligen Frontabschnitten im Westen und Osten, in Palästina, Jugoslawien und in den Alven aus, die die hervorragende und von hohem künstlerischem Gesichtspunkt zeugende Arbeit des Bundes zeigen. Frucht dieses großen Triumphes entreißen können. Niemand möge glauben, daß dem faszistischen Italien die Frucht dieses neuen glänzenden Unternehmens noch einmal aus den Händen gespielt werden kann. Auf den Krieg. der im Namen des Königs und unter der Regierung Mussolinis geführt wurde, muß der Friede folgen, wie wir ihn machen werden.“ Nach einer Unterbrechung der Sitzung schloß sich Mussolini in kurzen Worten im Namen des italienischen Volkes den Erklärungen des Kammerpräsidenten an und teilte mit, daß er bereits Befehl zu einem neuen Generalappell des italienischen Volkes gegeben habe. „Ich werde die Nachricht, die Ihr erwartet, dem italienischen Volk geben und das Wort ergreifen, wie seinerzeit am 2. Oktober.“ Hierauf wurde die Kammersitzung geschlossen. Die Ansichten darüber, wann der neue Generalappell veranstaltet wird, ob noch am Montagabend oder erst in den nächsten Tagen, nach vollzogener Besetzung der abessinischen Hauptstadt, sind zur Stunde noch geteilt. Neuer Chef der Gendarmerie * Berlin, 5. Mai. Der Führer und Reichskanzler hat am 30. April den bisherigen stellvertretenden Chef der Gendarmerie, Oberst der Gendarmerie, von Kamptz, zum General der Gendarmerie ernannt. General der Gendarmerie, von Kamptz, übernimmt damit endgültig die Dienstgeschäfte des Chefs der Gendarmerie, die er bisher vertretungsweise inne hatte. General der Gendarmerie, von Kamptz, ist am 11. August 1891 geboren, machte den Weltkrieg als Infanterieoffizier und Regimentsadjutant an verschiedenen Fronten mit und trat nach dem Zusammenbruch der alten Armee im Jahre 1919 in den Dienst der preußischen Schutzpolizei. 1927 trat er in den Gendarmeriedienst über und wurde 1933 nach der nationalsozialistischen Machtergreifung in das preußische Ministerium des Innern berufen. Generaloberst von Falkenhausen gestorben *** Gorlitz, 5. Mai. Nach langem Leiden ist am Montag morgen Generaloberst a. D. Dr. b. c. Ludwig Freiherr von Falkenhausen gestorben. Generaloberst Freiherr von Falkenhausen, wurde am 13. September 1844 in Guben geboren. Im Weltkrieg 1914 führte er die nach ihm benannte Armeegruppe auf dem linken Heeresflügel im Elsaßz und wurde im Dezember des gleichen Jahres zum Generaloberst befördert. Im April 1916 wurde er zum Oberbefehlshaber der Küstenverteidigung in Hamburg ernannt, im August des gleichen Jahres zum Oberbefehlshaber der 6. Armee. Im Januar 1917 erbielt Freiherr von Falkenbausen den schwarzen Adler=Orden und war vom Avril 1917 bis zum Kriegsende Generalgouverneur in Belgien. Den Feldzug 1866 machte er als Adjutant des Garde=Reserve=Infanterieregiments mit und war im Kriege 1870/71 Adjutant des I. Garde=Regiments zu Fuß. Oberbürgermeister in Berlin *er Berlin, 5. Mai. Der Athener Oberbürger= meister Kotzias traf am Sonntag mittag zu einem dreitägigen Besuch in der Reichshauptstadt ein. Probefahrt des Luftschiffes„Kindenburg" * Friedrichsbafen, 5. Mai. Das Luftschiff „Hindenburrg“, ist am Montag nachmittag nach dreiwöchiger Ruhepause unter Fübrung seines Kommandanten Kapitän Lehmann um 15,26 Uhr zu einer Probefahrt gestartet. „Graf Zeppelin“ landet in Friedrichshafen *** F r i e d r i c h s b a f e n, 5. M a i. D i e L a n d u n g des Luftschiffes„Graf Zeppelin“, das sich auf der Rückkehr von der dritten Südamerikareise zurzeit in der Näbe des Aequators befindet, wird ausnahmsweise entgegen den letzten Meldungen in Friedrichshafen und nicht in Frankfurt a. M. stattfinden, weil die dortigen Werkstätten noch nicht soweit fertiggestellt sind, daß einige am„Graf Zeppelin“ erforderliche Instandsetzungsarbeiten in Frankfurt stattfinden könnten. Die Ausreise des„Graf Zeppelin“ zur vierten diesjährigen Südamerikafahrt wird planmäßig am Montag, dem 11 Mai. von Frankfurt aus erfolgen. Weltkriegs-Ausstellung in Essen Skizzen und Bilder von Otto Engelhardt-Kyffhäuser Genfer Verlegenheiten Der Völkerbundsrat, der am 11. Mai erneut zusammentreten wird, siebt sich nicht geringeren Verlegenbeiten gegenüber, als am 20. April, dem Datum, an dem er sich vertagte, gerade um diesen Verlegenheiten aus dem Wege zu geben. Der Dreizehnerausschuß batte in aller Form festgestellt, daß seine Friedensbemübungen gescheitert seien, und eigentlich hätte nun der Achtzehnerausschuß, der Sanktionsausschuß, ungesäumt in Tätigkeit treten müssen, um über weitere Maßnahmen zu beschließen. Frankreich war es, das sich diesem eigentlich vorgezeichneten Verlauf entgegenstellte. Seitdem es unter dem Druck von Moskau seine politische Front wieder ganz und gar gegen Deutschland ausgerichtet hat, sträubt es sich mehr denn je gegen die antittalienische Sanktionspolitik, die ihm den Freund in Rom entfremdet und die Einigkeit von Stresa schon längst zu einem Hirngespinst gemacht hat. Aber England drängte. Ein unbedingtes Nein wagte Paris nicht zu sagen, weil dann bestimmt der britische Flügel der Stresa=Front endgültig abgeschwenkt wäre, ohne daß die Gewißheit bestanden hätte, den italienischen wieder einsatzbereit zu finden. Also mußte man die Zuflucht zu einem Vorwand nehmen und den ten die französischen Wablen, die am 26. Auril und 3. Mai stattfanden. Man gab sich alle Mühe, Herrn“ Eden davon zu überzeugen, daß die politische Klärung in Frankreich erst abgewartet werden müsse, bevor so schwerwiegende Entschlüsse, wie es die für verschärfte Sanktionen gegen Italien sein würden, gefaßt werden könnten. Also Vertagung der Völkerbundsentscheidung bis nach den Wahlen. Diese Wablen haben inzwischen stattgefunden. Ob sie wirklich eine klare politische Linie in Frankreich berausgearbeitet haben, ist sehr zweifelhaft. Herr Sarraut hatte ursprünglich die Absicht, unmittelbar nach dem 3. Mai mit seinem ganzen Kabinett zurückzutreten, um eine Neubildung der Regierung entsprechend dem durch den Stimmzettel bekundeten Willen des Volkes zu ermöglichen. Er bat sich inzwischen anders besonnen. Vor Anfang Juni, dem Termin des Zusammentritts der neuen Kammer, will er nicht demissionieren. Das bedeutet nach dem Ausfall der Wahlen, die die äußerste Linke unangenehm stärkten, nicht etwa die Zuversicht Sarrauts, überhaupt weiter im Amt bleiben zu können. Es ist ein erneutes Ausweichen vor den Verlegenheiten der internationalen Lage. Herr Eden wird in der abessinischen Angelegenheit jetzt abermals den Völkerbundswechsel präsentieren. Die französische Regierung fühlt sich aber immer noch außerstande, ihn zu honorieren, denn ihrem eigentlichen außenpolitischen Ziel ist sie inzwischen nicht um einen einzigen Schritt näbergekommen. Sie setzt alle Hoffnungen auf den englischen„Fragebogen“, der nun vielleicht im Laufe dieser Woche in Berlin vorgelegt werden wird. Aber es ist billigerweise nicht zu erwarten, daß auf dieses Umfangreiche Schriftstück— man sagt, es umfasse rund 3000 Worte— nun now vor dem 11. Mai eine deutsche Antwort erteilt werden kann. Um sie aber gebt es Frankreich, und obwobl keinerlei innerer Zusammenhang zwischen der französisch=deutschen Kontroverse und dem italientsch=abessinischen Konflikt besteht, um dessen Weiterbehandlung es am 11. Mai in Genf geht, wünscht Paris eine erneute Vertagung der ihm unangenehmen Völkerbundsratssitzung bis zu einem Zeitpunkt, an dem die Möglichkeit besteht, das deutsche Problem wieder in den Vordergrund zu zerren. Es würde schlecht aussehen, diesen Wunsch offen auszu sprechen, und deshalb verkriecht man sich wieder hinter die angeblichen Notwendigkeiten der französischen Innenpolitik. Erst müsse die für Anfang Juni in Aussicht genommene Regierungsumbildung erfolgt sein. ebe Frankreich in Genf Farbe bekennen könne. Wird England ihm auch diesmal den Gefallen tun. weiter zu warten? Die Ereignisse in Abessinien, die inzwischen eingetreten sind, lassen dem Völkerbund, wenn er überhaupt an der in dieser Angelegenheit bisher vertretenen Auffassung festhalten will, kaum die Möglichkeit, noch einmal zu vertagen. Nachdem der Negus gefloben ist und das Land verlassen hat, in der Hauptstadt offener Aufruhr berrscht und irgend welwe ernstbaften Widerstandsmöglichkeiten gegen den Einmarsch der Italiener überhaupt nicht mehr bestehen, wird Anfang Juni das abessinische Problem aller Voraussicht nach ohne Genf gelöst sein. Der Völkerbund hat sich seinerzeit schützend vor Abessinien als eines seiner Mitglieder gestellt, bat Italien zum„Angreifer“ erklärt und daraus die satzungsgemäßen Folgerungen gezogen. Es ist zweifelhaft, ob man in diesem Augenblick überhaupt noch von einem Staate Abessinien, der die Voraussetzungen der Völkerbundsmitgliedschaft erfüllt, sprechen kann. Der Souverän geflohen, ein großer Teil des Landes in den Händen der italienischen Truppen, eine neue zentrale Staatsgewalt nirgends erkennbar, dafür aber offenbar ein Auseinanderfallen des auch vorher schon aus zum Teil widerwilligen Stämmen zusammengefügten Reiches. Es könnte sein. daß der Völkerbund, wenn er noch einmal von Abessinien spricht, dabei mit einem Begriff overiert, binter dem kein Inhalt mehr steht. Er wird sich dann von allen den Staaten. die er gegen ihr eigenes Interesse in die Sanktionen gegen Italien hineinzwang, den berechtigten Vorwurf machen lassen müssen, daß auf sein Geheiß ein großer Aufwand nutzlos vertan ward. Und England? Es hat bis zum letzten Augenblick trotz der Siege Badoalios und trotz der verzweifelten militärischen Lage Abessiniens an dem Glauben festgehalten, für die endgültige Regelung der Auseinandersetzung zwischen Rom und Addis Abeba durch Genf Entscheidendes sagen zu können. Diese Hoffnung muß London heute aufgeben. Wenn die Dinge in Abessinien für Großbritannien die Wichtigkeit besitzen, die es ihnen bisher beimaß, dann wird es jetzt offen aus der Völkerbundsdeckung heraustreten und selbst handeln müssen. Die große Frage, auf die die nächsten Tage und Wochen die Antwort bringen müssen, ist, ob Großbritannien das tun will und— ob es das tun kann. Erfolge der Wafdpartei *** Kairo, 5. Mai. Die endgültigen Ergebnisse der ägyptischen Wahlen stehen noch nicht fest, jedoch ist es bereits sicher, daß die Wafdisten mit einer überwältigenden Mehrheit in das neue Parlament einziehen werden dessen erster Zusammentritt für den 8. Mai festgesetzt wurde.Die Wahlen für den Senat finden am 7. Mai statt. „Dueen Marn“ durch ein Großfeuer gefährdet *** London, 5. Mai. Ein Großfeuer, das in den Vorratsspeichern und Revaraturwerkstätten der Ronal Mail Dampfer=Linie in Southampton ausbrach, gefähr dete den in aller nächster Näbe liegenden Dampfer „Queen Mary“, der zeitweise in dichte Rauchwolken gebüllt war. Die Speicherräume enthielten große Vorräte von Oel, Farbe, Teer, Pech, Tauwerk und andere leicht brennbare Stoffe, die zum Teil mit explosionsäbnlichem Knall in Flammen aufgingen. Zweites Blatt Nr. 105 Sodinger Zeitung Herner Zeitung Gerther Zeitung Dienstag, den 5. Mai 1936 Zirkus Hagenbeck eröffnete gestern sein Herner Gastspiel Echte Zirkuskunst (1) Herne, 5. Mai. Gestern abend eröffnete der Zirkus Hagenbeck sein Herner Gastspiel mit einer großartigen Vorstellung, die uns den Reiz echter klassischer Zirkuskunst erleben ließ. einer Zirkuskunst, die nicht durch irgendwelche Zugeständnisse an Varietédarbietungen verwässert wurde, sondern das rein Circenische in höchster Leistung zur Geltung brachte. Damit wird Hagenbeck zum Hüter einer Zirkuskunst, deren besonderes Kennzeichen die Gediegenbeit der Leistung ist. Das wird jeder bestätigen müssen, der eine Vorsteilung im Zirkus Hagenbeck erlebt hat. Will man dieser Leistung gerecht werden, muß man sie zunächst im Gesamturteil erfassen, um sich nicht allzusehr in dem bunten Vielerlei der Einzeldarbietungen schwebenden Bewegung in dem herrlichen Liviszaner Hengst. Ein prachtvolles Bild. Und wie sich der Zuschauer hierüber freut, so über die entzückenden Sbetland=Ponies, die von Fräulein Editb vorgeführt werden. Voller Unbändigkeit, und doch jedem Wink geborchend. toben sie durch die Manege. Mit diesen Kleinen tauscht dann die Hagenbecksche Elefantenherde die Manege, die sich hier zum Tanz aufmacht und jedem Zauberwink des Lehrerfreundes(Kaden) sich fügt. Im drolligen Formenspiel ihres Tanzes werden die Dickhäuter gar zu großen Akrobaten, denen ein„Handstand“ kaum schwer zu fallen scheint. Ein Glanzstück der Tierdressur zeigt Lulu Gautier, der 6 brasilianische Maultiere, 6 Isabellen Ponies und 6 ostafrikanische Zebras zusammenbringt,— eine einmalige Dressurleistung, denn selbst die Zebras machen hier fügsam mit, wenn sie auch voller Wildheit stecken. Die 3 Lorandos erweisen sich zum Schluß des ersten Teils als bemerkenswert gute Obersturmbannführer Lappe der neue Führer der Standarte 457, trat gestern seinen Dienst an Gestern trat der neue Führer der Standarte 457, Obersturmbannführer Lapve aus Dülmen, seinen Dienst in Herne an. Obersturmbannführer Lappe dem die Herner Bevölkerung die berzlichsten Grüße entbietet, ist den Hernern, jedenfalls den alten Kämpfern, bekannt. Denn er trat der NSDAP. im Jahre 1925 in Herne bei. Seitdem hat er unermüdlich, mit vorbildlichem Kampfgeist in den Reiben der SA. für den Führer und seine Idee gestrebt. In diesem Geist saßt er auch seine neue Aufgabe, die Führung der Standarte 457 an. Obersturmbannführer Scheunemann scheidet nun von Herne, nachdem er zum Gruppenreiterführer beim tabe der SA. der Gruppe Westsalen ernannt worden ist. Hier kann sich Obersturmbannführer Scheunemann, der alter Kavallerist ist, großen, ihm besonders gelegenen Aufgaben widmen. Die Glückwünsche der Herner Bevölkerung, insonderheit seiner SA.=Kameraden dürfen ihm gewiß sein, wenn sein Fortgang von Herne auch sehr bedauert wird. Obersturmbannführer Scheunemann, der im April 1935 von Gronau nach Herne kam, hat nur ein Jahr die Leitung der Standarte gehabt: aber in dieser Zeit bat er sich als ein vorbildlicher Führer und Kamerad bewiesen, der sich des Vertrauens und der Achtung jedes SA.=Kameraden erfreuen durfte. Die besten Wünsche seiner SA.=Männer begleiten ibn. Gruppenführer Schramme besuchte am Sonntag seine alten Herner SA.=Kameraden, denen er damit eine große Freude bereitete. Er suchte in Herne mehrere Sturmlokale auf und zeichnete in das dort ausliegende Kampfbuch der SA. seine Spende ein, womit er erneut seine Verbundenheit mit allen SA.=Kameraden der Gruppe Westfalen bewies. Trotz Regen und Sturm- sonnengebräunt! Wer fährt noch mit nach Norwegen! (!) Nun sind sie wieder heimgekehrt, unsere Arbeitskameraden, von der groben Norwegenfahrt und in den Werken und Betrieben, wo sie beute ihre Arbeit wieder ausgenommen haben, vergebt die Mittagspause im Erzäblen und Lobsingen von der wunderschönen Urlaubsreise in Norwegens Fiorden. „Uns bat das Wetter nichts ausgemacht!“ so prahlt strahlend ein Arbeitskamerad, der von den interessiert zuhörenden Kameraden seiner Arbeitsstätte umgeben ist. „Es gibt keine schönere Urlaubsreise, als eine solche zur See“, so ist die Meinung einer jungen, beimgekehrten Stenotyvistin. Und was sagen die Urlauber im allgemeinen über eine solche Norwegenfahrt?—„Jeder Arbeitskamerad muß einmal nach Norwegen fahren". In der Zeit vom 22.—28. Mai lichtet nun wieder ein Dampfer der„KdF"=Flotte, und zwar das stolze Schif „Monte Sarmiento“, in Hamburg die Anker zur großen Norwegenfahrt. Wenn man bedenkt, daß gerade die Schiffsverpflegung zu der am meisten besprochenen Küche gehört, und daß der Gesamtfahrpreis für dieses große Erlebnis nur 54,95 RM beträgt, dann wird wohl noch mancher Arbeitskamerad, der in den nächste Wochen seinen Urlaub bat, Lust bekommen, auch in die sem Jahre mit„Kraft durch Freude" binzufahren und sich zur Seereise entschließen. Aber nur der kann fabren, der mit seiner Anmeldung nicht lange wartet. Die schönste Urlaubsfreude bereitet eine bittere Enttäuschung, wenn man sich erst in letzter Minute entschleßt, daran teilzunehmen. Deshalb, Arbeitskameraden, sofortige Anmeldung allein sichert die Teilnahme an der hächsten großen Seefahrt der NS=Gemeinschaft„Kraft durch Freude". Gau Westfalen=Süd. Hernes Friedhöfe aus einem Jahrtausend Ergebnisse der Ausgrabungen auf dem Altmarkt Der älteste geschichtliche Friedhof zu verlieren. Zirkus Hagenbeck kennt keinen Bluff. Was er gibt, ist nicht die flinke, raschwirkende und raschvergebende Täuschung der billigen Wirkungen, sondern es ist ehrliche Arbeit. Die Akrobatik, die er in sein Programm ausgenommen hat, ist verwegen, anmutig und auch burlesk, sie ist gekonnt und weckt jedermanns Interesse, die Clowns zeigen ihre Freude am kindlichen Spiel, wenn sie durch die Manege kugeln. Die Tiere aber,— erstklassiges Tiermaterial bat der Zirkus— sind eine Freude fürs Auge, das Fell glänzt, die Augen sprühen Lebenslust, berrlich jede Bewegung, gleitend, fast schwebend der Schimmel, auf dem die Hohe Schule geritten wird, hinreißend die tänzelnde Hast der Araberhengste. voll Drolerie das Formenspiel, das die Elefanten im Tanz zeigen, voller Ungebärdigkeiten ihrer königlichen Natur. Tiger und Löwen, die zu Sprüngen und Bewegungen antreten, wundervoll die naturhafte Schönheit ihrer geschmeidig=kraftvollen Lebendigkeit— das ist Zirkus, wie wir ibn sehen wollen. In jeder Nummer erneuern sich diese Eindrücke. Den Reigen der vielen Darbietungen eröffnen die feierlich daher schreitenden Dromedare, denen dann das Guoanako folgt, das im eleganten Sprung über die Pferderücken dahinschwebt. Die Parade aller vierbeinigen Artisten ist ein Höhepunkt der Schaunummern, an dem sich jeder Tierfreund begeistern muß. Neben den Kolossen des Urwaldes die wundervollen Araberhengste. Eine Meisterleistung aber zeigt in der nächsten Nummer Luln Gautier, der in Vollendung Hohe Schule reitet, köstlich ist die Musik dieser fast Erzentriker. Vergessen sei aber auch nicht Pomi, das Muskelwunder, dessen artistische Leistungen einzigartig sind, sei es, daß er sich mit den Schulterblättern an dem Drabtseil festbält, um sich bis zur Kupvel bochzieben zu lassen samt seiner Partnerin, sei es, daß er mit der Kraft seiner Schulterblätter den Römerkarren durch die Manege zieht. Im zweiten Teil ist jede Nummer eine Besonderheit. Da stellen sich die 6 Seelöwen vor, die als vierbeinige Artisten Weltruf haben. Erich Hagenbeck läßt seine gelehrigen Schüler, die er mit viel Liebe behandelt, die verschiedensten Kunststücke zeigen. Mit Eleganz balancieren sie Bälle, werfen sie sich gegenseitig zu, und offenbaren sogar„Verständnis für die Musik“. Als ein Wunder der Dressur ist die Leistung des Tierlebrers John Schipfmann gekennzeichnet, der vier Löwen, zwei japanische Braunbären, einen europäischen Bären, einen Himalaja=Bären und vier Eisbären in einem Dressurakt vereinigt. Ebenso bemerkenswert ist die Dressurleistung des Dompteurs Rudolf Matthies, der Hagenbecks Raubtiergruppe von 13 Tigern vorführt, deren königliches Aussehen schon das Auge entzückt, deren Dressur jedoch noch erstaunlicher ist. Nicht alles haben wir aufgeführt, was der Zirkus bietet. Aus der Fülle haben wir einiges herausgegrissen, ohne damit das andere in seinem Wert herabzusetzen. Es ist echte Zirkuskunst, die mit ihrem bunten Schimmer jedem Besucher Stunden der Freude bereitet. Unfallverhütung im Baugewerbe Eine Großaktion vom 11. Mai bis 6. Juni Aufklärung tut not! (1) Herne, 5. Mai. In der Zeit vom 11. Mai bis 6. Juni d. J. wird von der Reichsbetriebsgemeinschaft Bau im ganzen Reich unter Mitarbeit der Arbeitsgemeinschaft für Schadenverhütung bei dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Provaganda und in Verbindung mit nachstehenden Verbänden: Tiefbauberufsgenossenschaft, Hochbauberufsgenossenschaft, Wirtschaftsgruppe Bau=Industrie, Reichsinnungsverband Baugewerbe, Reichsinnungsverband der Pflasterer und Steinsetzer, Leitung der Reichsautobahn eine Großaktion für Unfallverhütung im Baugewerbe durchgeführt. Diese Aktion soll sowohl den Betriebsleitern als auch den gesamten Arbeitskameraden des Baugewerbes eindringlich vor Augen führen, wie ungeheuer hoch die Verluste an Menschen durch Leichtsinn und Unachtsamkeit sind und sie anregen, nachzudenken, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, die Unfälle auf ein Minimum herabzudrücken. Durch die außerordentlich starke Belebung des Baumarktes, besonders durch das große Werk des Führers, die Autobahnen, ist eine große Anzahl von Menschen in den Bauberuf hineingekommen, in dem sie fremd sind. Die Vielseitigkeit des Baugewerbes, der Leichtsinn und die Unvorsichtigkeit des einzelnen bringen es mit sich, daß eine verhältnismäßig hobe Anzahl von Arbeitskameraden im Baugewerbe durch Nichtbe folgen der gegebenen Unfallverhütungsvorschriften den Tod erleidet. Durch die Großaufklärungsaktion werden die Betriebsleiter und auch die letzten Arbeitskameraden an der kleinsten Baustelle im deutschen Vaterland über ihre Pflichten der Volksgemeinschaft gegenüber aufgeklärt. In Verbindung mit dieser Großaktion ist ein großes Preisausschreiben in Vorbereitung, an dem sich jeder Volksgenosse beteiligen soll. Nähere Einzelbeiten werden noch veröffentlicht. H. R. Herne, 5. Mai. Auch die Friedhöfe unserer Stadt haben eine lange Vergangenbeit. Ihre Geschichte ist so interessant, daß wir sie einmal verfolgen wollen. Bis zum Jahre 1905 wurden die Verstorbenen auf Friedhöfen beigesetzt, die den Kirchengemeinden gehörten. Der älteste kirchengemeindliche Friedhof lag um die alte Kirche auf dem jetzigen Altmarkt. Er wurde von frühchristlicher(!) Zeit bis 1850 benutzt. Die Evgl. Kirchengemeinde legte 1841 einen neuen Friedhof zwischen Kirchhof= und Behrensstraße an. Erworben wurde das Grundstück in der Größe von 2 Morgen 56 Ruten von den Bauern Bergelmann, dessen Hofreste noch heute am neuen Amtsgericht steben. Die Flur wurde von altersber„Auf dem Dennenkamp“ genannt. Das Grundstück kostete 600 Taler. Auf diesem Friedhof wurde als erster Herner der Paviermachergeselle Diedrich Heinrich Lanfermann bestattet. Im Jahre 1875 war dieser Friedhof belegt und man kaufte ein weiteres Stück an der Behrensstraße hinzu. Es war ein Morgen, 16 Ruten und 42 Fuß großes Gelände und kostete 1187 Taler 15 Silbergroschen und 6 Pfennige. Dieser Friedhof wurde seit 1883 nicht mehr benutzt. Nur die Besitzer von Erbgruften bestatten bis heute dort ihre Verstorbenen. Nach Belegung des 1883 aufgegebenen Friedhofes legte die Evangl. Kirchengemeinde einen zweiten Friedhof an der Kirchhofstraße an, der heute an der Ecke HermannGöring= und Friedhofstraße liegt. Dieser Friedhof war entsprechend der sehr stark gewachsenen Bevölkerungszahl schneller belegt: schon 1905 fanden nur Bestattungen in Erbgruften statt. Die Kath. Kirchengemeinde legte ihren ersten Friedhof an der Marienstraße an und zwar im Jahre 1865. Dieser Begräbnisplatz bot jedoch keine Erweiterungsmöglichkeit und wurde daher im Jahre 1891 geschlossen. Nun wurde ein zweiter Friedhof an der Mont=Cenisstraße angelegt, der sich aber bald als zu klein erwies. Er wurde im Jahre 1907 geschlossen. Nur die Erbgruften werden weiter belegt. Von nun an übernahm die Stadt die Friedhöfe und im Herbst des Jahres 1904 wurde ein kommunaler Friedhof an der Wiescherstraße angelegt. Die erste Bestattung fand am 1. August 1905 statt. Als nun die bis dahin selbständigen Gemeinden Baukau und Horsthausen, sowie später noch Sodingen, Börnig und Holthausen eingemeindet wurden, übernahm auch die Stadt Herne auch deren Friedhöfe. Das wäre in kurzen Zügen einiges aus der Geschichte der Friedhöfe in den letzten 100 Jahren. Wir kommen nun zum ältesten geschichtlichen Friedhof auf dem Altmarkt der nachweislich über 1000 Jahre belegt worden ist! Ueber tausend Jahre haben die Altherner ihre Toten auf einem einzigen Friedhofe bestattet. Ueber tausend Jahre hat das Fleckchen Heimaterde unsagbaren Schmerz gesehen. Jahrhundertelang fanden hier die Altherner ihre letzte Ruhestätte. Ueber tausend Jahre Erfüllung und Leid hat dieser Platz gesehen. Heute aber weiß keiner mehr um das Leid, kaum lebt noch jemand, der dort einen lieben Verstorbenen liegen hat. Dann wurden keine Verstorbenen mehr auf diesem alten Friedhof bestattet. Aus dem früheren Friedhof wurde dann ein Marktplatz. Neue Generationen kamen und vergingen, bis aus dem 9. Jahrhundert nach Chr. Das beweisen Särge aus Eichenbaumstämmen. Man bat in alter Zeit einen entsprechend starken Eichbaum auf die Länge von durchschnittlich 2,25 m zugeschnitten und ihn der Länge nach durchgesägt, so daß zwei Hälften entstanden. Diese wurden ausgehöhlt. In die untere Hälfte legte man den Verstorbenen und die andere Hälfte diente als Deckel. So wurde der Eichenbaumstammsarg der Erde übergeben. Heute finden sich im Erdboden; und zwar im gelben gewachsenen Sand nur noch die dunklen Spuren dieser Sarge, die aber einwandfrei zu erkennen sind. Meist waren sie 40 bis 45 Zentimeter breit und etwa 2.25 Meter lang. Von den Skeletten sind ebenfalls nur noch Spuren vorbanden, aber so deutlich, daß die gestreckte Lage der Toten zu erkennen ist. Der kalkhungrige Sandboden hat die Knochen zum größten Teil aufgezehrt. Ferner hatte der Sauerstoff der Luft Zugang, weil die Särge kaum 1,20 Meter eingegraben worden sein dürften. Ueber den Baumstammsärgen folgen die einfachen Kistensärge, die roch recht plump ausgesehen haben mögen. WahrscheinFreilegung des Fundamentes der Dionysiuskirche auf dem Altmarkt Bei der vom Heimatmuseum vorgenommenen Ausgrabung wurden auch Baumstammaräber gefunden, die in Ost=West=Richtung lagen. (Joto: H. A. Rannius.) lich enthielten sie keine Eisennägel, sondern waren mit Holzpinnen versehen, die die Holzwände zusammenbielten. Darüber folgen die eigentlichen Särge, die von den unfrigen nicht sehr verschieden waren. Sie waren anscheinend meistens aus Eichenholz gefertigt und bedeutend einfacher. So liegen denn mehrere Reihen Gräber verschiedenster Jahrhunderte übereinander. Man sieht auch, daß sich das Gelände des Friedhofes durch man sich setzt wieder des alten Friedhoses erinnerte und die Grablagen übereinander immer mehr erhöhte, so nun wird der Platz eine seiner bistorischen Bedeutung entsprechende würdige Ausgestaltung erfahren. Da durch die notwendigen Erdarbeiten alle Spuren aus alter Zeit vernichtet würden, gräbt das Städtische Museum vorher sachgemäß aus, um dadurch möglichst viel aus der Vergangenheit des Friedhofes aufzuklären. Bei diesen sorgfältigen Arbeiten bat sich herausgestellt, daß der Friedbof schon aus frühchristlicher Zeit stammt, mindestens daß sich um die alte Kirche herum allwählich ein flacher und großer Hügel aufwölbte. Die Eichenbaumstammsärge stammen, wie erwähnt, aus frühchristlicher Zeit, somit aus der Zeit, wo auch unsere Herner zum Christentum geführt wurden. Sie ließen von der Brandbestattung ab. Das Verbrennen der Toten war bei Todesstrafe verboten. H. A. Rannius. EEE-IE RGEERAEE . BIIAT XSI E Die heutige Ausgabe umfaßt 12 Seiten Neute vor 26 Jahren starb König Eduard VII von England in London(geb. 1841).— 1757: Sieg Friedrichs des Großen über die Oesterreicher bei Prag.— 1766: Der Barockbaumeister Jobann Michael Fischer in München gest.(geb. 1691).— 1836: Der Ingenieur und Schriftsteller Mar v. Enth in Kirchheim unter Teck geb.(gest. 1906).— 1856: Der Polarforscher Robert Pearv in Gressor Springs geb.(gest. 1920).— 1859: Der Naturforscher Alexander v. Humboldt in Berlin gest. geb. 1769).— 1871: Der Dichter Christian Morgenstern in München geb.(gest. 1914).— 1885: Der Vorgeschichtsforscher Hermann Wirtb in Utrecht geb. 1897: Der Dichter Paul Alverdes in Straßburg geb.— 1904: Der Maler Franz v. Lenbach in München gest.(geb. 1836) Da schmeckt der Morgenkaffee! Man muß die Feste feiern wie sie fallen. Und nicht nur die Feste, sondern auch die schönen Frühlingstage. Denn jeder von ihnen ist im Grunde ein kleines Fest. Und man sollte sich immer das Wort vor Augen halten das diesmal der Leitspruch des 1. Mai gewesen ist: Freut Euch des Lebens! Das war wirklich nicht nur für den einen Tag, für den Feiertag der deutschen Arlcit gedacht— es soll uns ständiger Leitspruch werden Welche Zeit wäre mehr geeignet, sich des Lebens zu freuen, als diese Maientage? Aber man muß es wie gesagt, verstehen, ste zu genießen und jeden dieser blauen Tage wie ein Fest zu feiern. Wie schön ist jetzt zum Beispiel eine Morgenstunde auf dem Balkon. Man sollte nicht wie sonst, hastig den Kaffee berunterstürzen, womöglich noch im Stehen, um gleich davon eilig in den Beruf zu rennen. Stehen wir lieber eine Stunde früher auf und genießen wir den herrlichen Morgen auf dem Balkon. Der fängt jetzt gerade an, grün zu werden. Der wilde Wein schlägt bereits aus, die Geranien haben schon grüne Blättchen und dazwischen stehen bereits die ersten Blumen des Jahres: die Stiefmütterchen in leuchtenden Farben, vom lichten Gelb bis zum tiefen Violett, und Tausendschönchen und Primeln... Wer einen sonnigen Balkon bat, für den gibt es um diese Jahreszeit nichts Schöneres als die Morgenstunde draußen im Freien. Da ist die Luft noch rein und frisch und noch nicht so erfüllt vom täglichen Staub der Arbeit. Die Sonne funkelt lustig auf Tellern und Tassen, und lieblich steigt uns hier im Freien der würzige Kaffeeduft in die Nase. Eigentlich ist es, als wenn man verreist wäre. Langsames, beschauliches Frühstück im Freien, wobei jedes Prötchen und jede Tasse Kaffee zum Genuß wird, sogar wenn der Kaffee im Grund ein bißchen dünn geraten wäre.... Das stört uns in dieser Umgebung gar nicht es ist noch still am frühen Morgen, das laute Getriebe des Tages ist noch nicht voll erwacht. Und man läßt den Blick über die Kästen und Tövfe des Balkons schweisen, in denen sich jetzt kräftig alles entwickelt. Dann schaut man ein bißchen hinüber auf die andere Straßenseite. Stellt fest, daß die Leute drüben furchtbare Langschläfer sind, weil noch sämtliche Gardinen zugezogen sind und sich nichts rührt. Freilich, die werden auch drüben nicht von der Morgensonne sozusagen„wachgeküßt“! Und wenn man so ein Stündchen den herrlichen Morgen erlebt hat, dann kommt als zweite Freude der Weg zur Arbeit, durch den warmen, sonnigen Morgen, vorüber an grünen Bäumen und erwachenden Gärten, in denen die Vögel singen. Und noch im Innern der Stadt, wo nichts Grünes zu sehen ist, leuchtet der blaue Himmel als siegendes Zeichen des Frühlings. Arbeitsbuch für weitere Berufe ist damit zu rechnen, daß in kürzester Zeit eine weitere Verordnung des Reichsarbeitsministeriums ergeht, wonach jeder arbeitsbuchpflichtige Arbeiter und Angestellte der Betriebsgruppen: 1. Landwirtschaft, Gärtnerei, Tierzucht, Forstwirtschaft, Fischerei; 2. Bergbau, Salinenwesen, Torfgräberei: 3. Textilindustrie: 4. Vervielfältigungsgewerbe: 5. Mustkinstrumenten= und Spielwarenindustrie: 6. Bekleidungsgewerbe: 7. Wasser=, Gasund Elektrizitätsgewinnung und=versorgung: 8. Reinigungsgewerbe: 9. Gaststättengewerbe: 10. Häusliche Dienste, im Besitze des Arbeitsbuches sein muß und die Einstellung und Beschäftigung ohne ein solches nicht statthaft bzw. strafbar ist. Soweit daher Angehörige dieser Betriebsgruppen noch kein Arbeitsbuch besitzen und auch einen Antrag auf Ausstellung noch nicht gestellt haben, ist dies schnellstens nachzuholen, um sich damit vor zu erwartenden, unangenehmen Folgen zu schützen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß durch die dritte Bekanntmachung des Präsidenten der Reichsanstalt für Arheitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vom 20. Januar 1936 nunmehr alle arbeitsbuchpflichtigen Arbeiter und Angestellte aller Betriebsgruppen zur Antragstellung aufgerufen sind. Schulsammlung des VDA Ein Aufrut des Reichsamtsleiters des NS.-Lehrerbundes, Gaulelter Wächtler Sammlung im Jamilienkreise (1) Herne, 5. Mai. Der Volksbund für das Deutschtum im Ausland veranstaltet bekanntlich vom 4. bis 15. Mai 1936 eine Schulsammlung, zu deren Durchfübrung Schüler= und Schülerinnen, die das 10. Lebensjahr vollendet haben, berangezogen werden können. Das Sammeln ist lediglich innerbalb der Familienkreise, nicht aber auf öffentlichen Straßen und Pläven und von Haus zu Haus gestattet. Es werden für die Sammlungen Quittungs= bücher, wie schon bei früheren Sammlungen, für Zwecke des BDA verwendet werden. Jeder Volksgenosse, dem es um die Erhaltung des kostbaren deutschen Volksguts gebt, bekennt sich mit seiner Gabe bei dieser BDA=Schulsammlung zur Idee der Schicksalsgemeinschaft aller jener 100 Millionen Deutschen, die über die ganze Welt verstreut sind und es bleiben müssen. Der Reichsamtsleiter des Ns=Lehrerbundes, Gauleiter Wächtler, bat zu der Sammlung nachfolgenden Aufruf an die deutschen Erzieher erlassen: „Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziebung und Volksbildung hat eine allgemeine Schulsammlung für den„Volksbund für das Deutschtum im Auslande“ an geordnet. Sie soll in der Zeit vom 4. bis 15. Mai 1936 durchgeführt werden und dient der Beschaffung von Mitteln für die außendeutsche Arbeit des BDA. Da diese Sammlung nicht öffentlich auf den Straßen durchgeführt wird, sondern die Schüler und Schülerinnen im Kreise der Familien, d. b. ihrer Verwandten und Bekannten, sammeln, ist die Verantwortung der Schule, d. b. der Lehrerschaft, für eine erfolgreiche Durchführung um so gröber. Deutsche Erzieber und Erzieberinnen! Die Schutzarbeit für das schwerbedrängte auslanddeutsche Schulwesen sowie für die anderen sozialen und wirtschaftlichen Aufgaben des Außendeutschtums ist sei jeber iu erster Linie von der reichsdeutschen Leberschaft getragen worden. Auch jetzt erwarte ich, daß für die BDA= Sammlung alle Kraft eingesetzt wird, um ihren Erfolg sichergustellen. Polen und Tschechen können uns ein Vorbild sein für die Opferbereitschaft, mit der sie ihr Minderbeiten= und Auslandsschulwesen zielbewußt aufbauen. Zeigen wir der Welt auch in dieser über die Grenzen hinausgebenden Arbeit, daß wir geschlossen für die Sicherung unseres Volkstums einstehen und in der volksdeutschen Solidarität eine ebenso unerschütterliche Einheit bilden wie in den großen Fragen der Staatspolitik. Die Schulsammlung soll neue Kräfte und Wirkungsmöglichkeiten schaffen. Jeder Betrag setzt sich um in deutsche Volkstumsarbeit senseits der Grenzen! Deutsche Erzieher, zeichnet die ersten Beträge in den Sammel= blocks— denn wir sind die erste Kront in der auslandsdeutschen Arbeit! Heil Hitler! gez. Fritz Wächtler." Umbau des Wanne-Eickeler Hauptbahnhofs geplant Stärkere Beteiligung Wanne-Eickels am Nord-Südverkehr? Jahrestagung des Wanne-Eickeler Verkehrsvereins O Wanne=Eickel, 5. Mai. Auf der Jahrestagung des Verkehrsvereins hielt der geschäftsführende Vorsitzende des Verkehrsvereins W.= Eickel. Regierungsbaurat Wehrsvan, einen Vortrag über das Thema„Keine Ausschaltung Wanne=Eickels im Nord=Süd=Verkehr" und behandelte dabei vor allem den Verkehrsknotenpunkt Wanne=Eickel angehende Probleme der Zukunft. Wanne=Eickel hat den Vorzug, an der Abzweigstelle der Eisenbahnlinten nach Berlin und Hamburg zu liegen. Dadurch hat gerade der Wanne=Eickeler Hauptbahnhof seine besondere Bebeutung erhalten. Man ist nun seit Jahrzehnten dabei, die alten Kehler des Eisenbahnnetzes zu verbessern. Es besteht der Kampf zwischen der Bergisch=Märkischen und Köln=Mindener Linie. Von etwa 10—15 Jahren wurden hier im Industrie= gebiet 3 große Bahnlinien projektiert, und zwar: Essen Buer—Haltern: Bochum-Herne—Recklinghausen Münster: Bochum—Lünen—Münster. Die Verhältnisse in Deutschland haben sich inzwischen gewandelt. Man hat wieder rechnen gelernt und sich darauf besonnen, als nüchterner Verkehrsfachmann zu denken. Man muß sich immer wieder die Frage vorlegen, ob eine neue Linie volkswirtschaftlich notwendig und wirtschaftlich vertretbar ist. Der Vortragende bemerkte, daß nach seiner Ansicht der Neubau einer Linie Bochum—Herne—Recklinghausen nicht notwendig sei. Die bessere Verbindung bestehe schon in der Linie Hamburg—Münster—Wanne=Eickel—Bochum—Hagen—Siegen, selbst unter Berücksichtigung des kleinen Umwegs über Wanne=Eickel. Der neue Entwurf der Reichsbahn ist fertiggestellt. Er sieht u. a. den Bau einer zweigleisigen Anie Bochum —Gelsenkirchen mit einer eingleisigen Abzweigung nach Wanne=Eickel vor. Diese Abzweigung nach Wanne=Eickel bedeutet praktisch die Schaffung eines Rückgrates im Nord=Süd=Verkehr für Wanne=Eickel. Es besteht also nirgends eine so gute und billige Nord=Süd=Verbindung als aus der Richtung Recklinghausen—Wanne=Eickel— Bochum—Hagen oder Wuppertal. Man legt Wert darauf, diesen durchgehenden Nord=Süd=Verkehr(Reckling= hausen—Wanne=Eickel—Hagen) stärker auszubauen. Deshalb ist auch geplant, den Wanne=Eickeler Bahnhof erheblich umzubauen. Durch den Umbau kann erreicht werden(Vorschlag Prof. Blum), daß eine Ueberschneidung der Gleise vermieden und ein einfacher Durchgang ermöglicht wird. * Man kann selbstverständlich verstehen, daß der Wanne=Eickeler Verkehrsverein bestrebt ist, möglichst viel Verkehr an den Wanne=Eickeler Hauptbahnhof heranzubringen. Wenn er eine Verbindung Bochum Herne—Recklinghausen für überflüssig hält, so begibt er sich damit auf ein Gebiet„das zum mindesten heiß umstritten ist. Die Notwendigkeit und Nützlichkeit dieser Verbindung hat nach unserer Ansicht von jeher außer Frage gestanden. Die Tatsache, daß die Pläne zum Bau bzw. Ausbau einer direkten Verbindung von Herne nach Bochum jetzt festere Gestalt gewonnen haben, spricht von selbst für sich. Wie der Vortragende selbst recht treffend bemerkte: Man hat wieder rechnen gelernt... Umbau der Freilandaniage (1) Beim Einzuge des Frühlings beginnt für die Aquarien= und Terrarienfreunde wieder eine gesteigerte Vereinstätigkeit. Davon zeugte die Versammlung am Sonntag nachmittag beim Wirt Fritz Möller, Von=derHendt=Straße. Es wurde ein Bericht über den Stand der Freilandanlage im Stadtgarten gegeben. Leider ist der ganze Bestand— es wurden im ganzen 200 Tiere eingesetzt— vernichtet. Zum größten Teil seien die Tiere durch Ratten und sonstige Raubtiere gefressen. Die Freilandanlage soll nun umgearbeitet werden. Am Himmelfahrtstag sollten neue Tiere eingesetzt werden. Bunter Abend der Ma-Ko=Ge. (!) Die MaKoGe Herne veranstaltete am Sonntag im Kasino Friedrichseck einen bunten Abend, verbunden mit einem Konzert. Der Saal war dicht besetzt. Die gebotenen Leistungen erfüllten alle Erwartungen. Unter dem Dirigenten K. Spahn spielte das Orchester zunächst„Zambe“, von Herold; es folgten„Derby=Galopp“ (Kylophon mit Orchester) von Sommerfeld u. a. m. Alles wurde mit großem Beifall ausgenommen. W. Witt mit seinem Orchester hatte großen Anteil an dem guten Gelingen der Veranstaltung. Die vier lustigen Kumvels bewährten sich wieder. Anton Dubis als Humorist hatte Erfolg. Ein Schüler und eine Schülerin fanden mit ihrer Klavier= und Violindarbietung Beifall. Zum Schluß wurde getanzt. Unterbaltungskegeln brachte Abwechslung.— Die Hz gratuliert: Zwei Arbeitsjubiläen bel der Firma Julius Meimberg G. m. b. H. (!) Die Gefolgschaftsfeier der Firma Julius Meimberg Gmbd. im Lokale Nordsiek, Von=der=Heydt=Str., bekam durch das silberne Arbeitsjubiläum zweier Gefolgschaftsmitglieder eine besondere Note. Den Jubilaren, Prokurist Alfred Peters und Kellermeister und Destillateur Hermann Laube wurden zahlreiche Ehrungen zuteil. Kellermeister Laube stammt aus Tbüringen und wurde im Jahre 1870 geboren. Seine berufliche Ausbildung genoß er in Bonn, wo er auch bei den Husaren diente. Nach einer fünfjährigen Tätigkeit in Recklingbausen kam er zur Firma Meimberg, wo er seitdem tätig ist und als prächtiger Arbeitskamerad von allen geschätzt wird. Auch der Prokurist Alkred Peters bat sich während seines 25jährigen Wirkens im Dienste der Firma Meimberg die volle Anerkennung und Achtung seiner Arbeitskameraden erworben. Der Betriebsführer der Firma. Julius Meimberg, widmete den beiden Jularen herzliche Worte. Er und die Mitarbeiter überreichten ihnen wertvolle Geschenke. Gleichzeitig wurde beiden das Bronzene Ebrenzeichen mit Diplom von der Fachgruppe Kornbrennereien der Wirtschaftsgruppe Spiritusindustrie durch den Gefolgschaftsführer Herrn Julius Meimberg übergeben. Nach dem gemeinschaftlichen Abendesser im festlich geschmückten Saale brachten Arbeitskameraden der beiden Gefeierten Prologe, musikalische und humoristische Vorträge zu Gehör. Zum Schluß kam auch die tanzlustige Jugend zu ihrem Recht und noch lange waren Betriebsführer und alle Mitarbeiter in fröhlicher Runde vereint. Arbeitssubiläum Bei der Firma Dorn konnte der Werkmeister Vogel auf eine 25jährige Tätigkeit zurückblicken. Aus diesem Grunde wurden dem Jubilar zahlreiche Ebrungen dargebracht. Auch ihm unsere herzlichsten Glückwünsche. 70 Jahre alt (!) In diesen Tagen vollendete Wilhelm Hanke. Schloßstraße 26, sein 70. Lebensjahr. Vermißte Personen (1) Vermißt wird seit dem 30. Avril 1936 der Berginvalide Adam Zuba, S. 12. 86 zu Wanne geboren, Herne, Franz=Seldte=Straße 24 wohnhaft gewesen. Beschreibung: Etwa 1,70 Meter groß, untersetzt, dunkelblondes Haar, dunkelblonder kurzgeschnittener Schnurrbart, bleiches Gesicht, hohe Stirn, graue Augen, große Nase, vollständige Zähne, beide Unterarme tätowiert am linken Unterarm Ringkämpfer, O=Beine, und auf der Nase einen Höcker. Bekleidung: Dunkelgrauer Hut, schwarzer Mantel mit Samtkragen, dunkelblauer Rock und Weste, schwarze Hose, weiße Normalwäsche, schwarze Halbschube. Vermißt wird seit Mai 1995 die Ebefrau Eise Beier geborene Hosse, 4. 8. 1903 zu Wanne geboren. Herne, Strünkeder Straße 159 wohnhaft gewesen. Beschreibung: Etwa 1,65 Meter groß, schlank, schwächlich, dun kelbraunes Haar— Bubikopf—, sommersprossiges, blasses Gesicht, niedrige Stirn, dunkelblaue Augen, große Nase, wulstige Lippen, Tätowierungen am rech ten Oberarm— Männerkopf—. Bekleidung kann nicht angegeben werden. Wer kann über den jetzigen Aufenthalt der vermißten Personen Angaben machen? Jahreshauptversammlung der Frauenhilfe heimattreuer Ost= und Westpreußen (!) Im Beisein des Vertreters des Hauptvereins heimattreuer Ost= und Westpreußen Herne=Nord eröffnete die Leiterin der Frauenbilfe, Frau Flader, die Jahreshauptversammlung. Man gedachte zunächst der verstorbenen Mitglieder. Dann wurde über die Vereinsarbeiten Bericht erstattet. Es wurde manche soziale Hilfsarbeit geleistet, für die Landsmann Jebram der Frauenhilfe Dank abstattete. Frau Flader wurde einstimmig wieder als Leiterin der Frauenhilfe gewählt. Sie ernannte ihre Mitarbeiterinnen. Bei Kaffee und Kuchen wurden die weiteren Arbeiten für das laufende Jahr besprochen. Von einer Einladung des Turnerbundes wurde Kenntnis genommen und der Besuch der Veranstaltung den Mitgliedern empfohlen. Außer dieser Veranstaltung sollen auch die der Ostmärker in Riemke und Holthausen besucht werden. Als Kassenprüferinnen wurden die Mitglieder Frau Schupeta und Frau Bentin gewählt.— 24. Chorkonzert des Herner Männerchors Nach den großen Sinfonie= und Orchester=Chorkonzerten des vergangenen Konzertwinters bescherte der Herner Männerchor und sein anerkannter Chormeister Albert Lamberts den unentwegten treuen Konzertbesuchern einen überaus gelungenen Kammermusikabend, ein a=cappella=Konzert mit dankbarentgegengenommenen Ueberraschungen. Wenn ein Männerchor Lieder von Schubert singt und in Auffassung und Wiedergabe besonders nach der gesangstechnischen Seite, dem Genius gerecht wird, so ist diese Visttenkarte, die er da eingangs überreichen läßt, gewiß die beste Empfehlung. Schubert verlangt lockere Tongebung, geschmeidige Kantilene, sorgfältige Phrasierung in den Arabesken der melodischen Linie, absolute Reinhett der Harmonie: diese Forderungen wurden glücklich erfüllt. Und nun kam die erste Ueberraschung: Männerchöre mit Sopranchor, aufgczeigt zunächst an zwei Liedern von Wilbelm Rinkens. Der Knabenchor, von Kindern hiesiger Volksschulen gebildet,(Bismarck=, Forell= und Kronenstraße), lieferte einen festgefügten Cantus firnus, dank gründlicher und sehr energischer Vorarbeit: zwar hätte das Abendlied noch gewonnen durch größeren Schmelz und weichere Tongebundenheit, nicht minder hätten die folgenden Chöre durch Vermeidung allzu flachen Singens in bezug auf Tonschönheit auch völlig restlos dargeboten werden können— der Gesamteindruck war und blieb dennoch ein groher musikalischer Gewinn, der sich von Darbietung zu Darbietung steigerte und bei der zahlreichen Zuhörerschaft belle Freude und lebhaften Beifall weckte. In der Verbindung von Männer= und Knabenchor ist jedenfalls ein Weg gefunden, der dem gesanglichen Gemeinschaftsleben neue Antriebe und Kräfte zu geben vermag, sowohl auf rein gesanglichem als auch auf vereinstechnischem Gobiete. Dem obnehin etwas bearenzten Tonumfange des Männergesanges wird durch Hinzuziehung eines Knabenchores eine weitere hellere Oktave aufgesetzt und es treten da neue Klangfarben auf, die doch von denen des gemischten Chores sich sehr wohl noch menklich unterschieden. Zudem aber wird ein ständiges Zusammenwirken beider Klangkörver eine Lösung der Nachwuchsfrage bringen. Sehr glücklich zu nennen im Aufbau der gediegenen Vortragsfolge war weiterhin die Mitwirkung des Dortmunder Enzen=Streichquartetts: und hier war es wiederum ein guter Gedanke, durch die Wahl des Kaiserquartetts von Handn, mit seinen Variationen über Haydns Deutschland=Hymne Verständnis für Kammermusik auch bei jenen Zuhörern zu wecken, die bei absoluter Musik vorerst nicht den Weg zum Kunstwerke finden können. Der sonst nach dem zweiten Satze eines Quartetts nicht übliche Sonderbeifall war nur ein Be weis dafür, wie sehr man gerade dieser Gattung von Hörern die Ohren und das Herz geöffnet hatte dank der virtuos ausgefeilten Darbietung der vier Dortmunder Künstler. Der Männerchor sang dann zwei Chöre von Stieber und Nellius, die dem Bestreben, unbedingt etwas Neues für den Männergesang zu schaffen, ihr Daein verdanken, beim Hörer aber nicht den erhofften Widerball finden: bewußt konstruktive preblematische Mustk, die allerdings für den Kenner von besonderem Reiz ist. Wie ganz anders schlugen da die beiden Volksliedsätze von granz Dahlke ein! Das riß mit und hin.„Zogen einst fünf wilde Schwäne" und„Du alte gute Violine“— bei, wie da die Burschen jauchzten im Gesang, wie die sonst so behäbigen Bässe wieder tung wurden und sprit=lebendig. Rauschender Beifall und freudig gewährte Zugaben vom strahienden Podium berunter! Das nun folgende Streichquartett, eine „Suite im alten Stule“ von Jan Brands=Buns ist eine Perle der zeitgenössischen Kammermustkliteratur. Was da das Enzen=Quartett bot, war wunderbare hobe Kunst des Schöpfers und der vier Nachschöpfer. Ein schon aufborchen=lassendes Präludium. eine köstliche Gavotte, ein von der ersten Geige konzertiertes Klangwunder„Artoso“, und eine spritzige, keck und virtuos hingelegte Fuge! Ja: so etwas hat Herne seit langem nicht gehört. Möchte doch künftig der Kammermusik und dem a=cappella=Gesang im Herner Musikleben ein größerer Spielraum gegönnt sein. Den feurigen Schluß des Abends bildeten zwei neuere Treffer: Lißmanns „Psalm der Arbeit“ nach Worten des in Herne sehr bekannten und geschätzten Arbeiterdichters Fritz Wocke und ein Männerchor aus einer Frauenfeder:„Volk, baue das Reich“ von der in Münster lebenden Pianistin Ena Ludwig. Wenn je ein Konzertabend des„Herner Männerchor“ in der Chronik festgehalten zu werden verdiente— dieser ganz gewiß! Ad. Prs. Frühjahrs-Konzert des Volkschors (1) Der„Volkschor“ veranstaltete am Sonntag in Koopmanns Gaststätten ein Frübjahrs=Konzert. Die Vortragsfolge bot alte und neue A=cappella=Chormusik. Dazu gesellten sich Volkslieder und Darbietungen der Sopranistin Irene Rust(Bochum), die Arien aus klassischen Tonwerken sang. Der Chor bot einleitend drei Madrigale(italienische Liebeslieder aus dem 16. Jahrhundert):„Liebliche Vöglein“.(Luca Marenzio),„Wenn wir hinausziehen“.(Donati) und„Die Nacht ist kühl“ (Orlando di Lasso). Das erste Lied gab einen vielversprechenden Auftakt. Das zweite Lied war temveramentvoller gehalten. Das dritte Lied wurde eindrucksvoll durch die durchweg getragene Vortragsweise. Irene Rust sang unter Klavierbegleitung zunächst aus Händels Oper„Julius Caesar" die Arie„Es blaut die Nacht". Der Sopranistin fehlte hier die Klarheit der Stimme. Glucks„Ihr Götter ewiger Nacht“.(Oper Alceste) gefiel besser. Hier bewies die Sängerin, daß sie über eine Stimme mit großem Volumen verfügt. Der Chor hatte weiterhin fünf„Gesänge aus der gegenwärtigen Zeit“ gewählt. Walter Rein, geboren 1893 hat die Stoffe jüngerer Dichter vertont. So war die „Erde“ ein markiger Hymnus auf das Vaterland, „Bauern singen im März“ ein packender Sang auf das Schaffen des Bauern,„Arbeit“ ein Klangbild aus der Werkstatt,„Fackelträger“ ein Appell deutschen Glaubens, deutscher Liebe und Hoffnung. Das anschließende„Jnbilate“, fand in seiner Tonfarbigkeit besonderen Beifall. Besonders der Endsatz„Geschmücket so aufs beste seid ihr zum Maienfeste“. So zartes, verhauchendes Pianissimo, so ansteigendes und kräftig sich auswirkendes Creszendo stellen einem Chor und seinem Leiter bestes Zeugnis aus. Der zweite Teil des Konzertes fand seine Einleitung wiederum mit klasstschen Madrigal=Chören im Stile des Volksliedes. Senfls Lied vom„Meiden“(16. Jahr bundert) verdient hervorgehoben zu werden. Jobst vom Brants„Drei Laub auf einer Linde blühen“ lein Volkslied des 16. Jahrhunderts) war flott und leben dig. Die Sopranistin Fräulein Rust wartete sodann mit älteren Volksliedern auf, in denen sie wieder sehr gut gefiel.„Jägers Morgenbesuch“(aus der Ottschen Sammlung 1544) durfte allerdings lebendiger sein. Das Wiegenlied„Die Mutter bei der Wiege"(Peier Schulz) war sehr tonfarbig. Webers„Heimlicher Liebe Pein“ gelang der Sängerin sehr gut. Emanuel Bachs„Der Phönix“ war aber wohl die beste Leistung in Auffassung und Wiedergabe. Das Publikum verlangte eine Wiederholung. Der Beifall galt auch der Begleiterin am Flügel, Luise Petri. Den letzten Teil des Konzertes bildeten drei neuere Volkslieder für gemischten Chor a cappella. Lütges„Maienlied hannet das Leid“ konnte erfreuen und mitreißen.„Sommerlied“, bearbeitet von Karl Thies, und„Wanderlied“ von Wilhelm! Witzke waren ein besonderer Erfolg. Das temperamentvolle „Wanderlied“ mußte noch einmal gesungen werden. Nach zweistündiger Dauer endete das Konzert, dem man einen besseren Besuch hätte wünschen mögen. Der Dirigent Esser fand besonderee Anerkennung. Drittes Blatt Nr. 105 Sodinger Zeitung Herner Zeitung Geriber Zeitung Dienstag, den 5. Mai 1936 Sport aer Momaii! Der„Erste Schritl“ in Bochum Acht junge Herner Radler waren mit am Start Nachwuchs-Suche vg. Bochum, 5. Mai. Am ersten Maiensonntag berrschte in Marmelshagen, dem traditionellen Startplatz der Bochumer Straßenrennen, wieder einmal Hochbetrieb. Es waren diesmal nicht die bekanntesten Pedalbelden Westdeutschlands, die sich hier schon so oft zum traditionellen Rennen Bochum—Münster—Bochum ein Stelldichein gaben, sondern die Jugendlichen von 14 bis 18 Jahren des Industriebezirks, die zu ihrem„ersten Schritt“ den Startplatz dicht bevölkerten. Von den 160 gemeldeten Jungfahrern, unter denen sich auch eine ganze Anzahl Herner befanden, gingen nach genauester Prüfung der Vorbedingungen 140 Fahrer an den Start. Der Radsportverein„Westfalia" Bochum, der mit der Durchführung dieser groben Nachwuchssuche beauftragt war, hatte dieses nach Dorsten und zurück über 50 Kilometer führende Rennen bestens organisiert und wurde dabei von NSKK=Männern der 12/M. 69 und Sanitätern wirksam unterstützt. Die Maisonne verbarg sich noch hinter grauen Wolken, als um 8.23 Uhr der Start der 103 Wulstreifen=Fahrer erfolgte und 2½ Minuten später auch die 37 Schlauch reifenfahrer auf die Strecke geschickt wurden. Wie eine „wilde Meute“ zogen die Jungfahrer von dannen. Ein tyvisches Bild des„Alleinganges“, nur hin und wieder sah man kleine Gruppen, die sich der Taktik des Ablösens und des Fächerfahrens bedienten. Am Forstbaus in Erle war das Feld schon kilometerweit auseinandergerissen, die ersten Schlauchreifenfahrer hatten schon Anschluß an die Spitzengruppe der früher gestarteten Wulstreifenfahrer gefunden. Schon bald gab es die ersten„Maschinenschäden“ und Stürze, die durchweg aber noch glimpflich verliefen. In der verhältnismäßig guten Zeit von 16 Minuten trafen die Fahrer Fuest, Kammer, Schremmer und Hildebrand am Wendepunkt in Dorsten ein, dichtauf gefolgt von Martschin und Ruda. Eine besonders gute Leistung hatte Martschin in diesem Abschnitt vollbracht, der sich, durch Kettenschaden nach zwei Kilometer Fahrt bis ans Ende des Feldes zurückgeworsen, doch noch den Anschluß an die Spitze wieder holte. Bei der Rückfahrt bildeten Kammer(Bochum=Weitmar) und Schremmer(Bochum=Hordel) geschlossen die Spitzengruppe, denen in einiger Entfernung Schröder, Martschin und Ruda folgten. Drei Kilometer vor dem Ziel gewann Schremmer, der sich vorwiegend von Kammer führen ließ, bei einem Zwischenspurt einen Vorsprung von 50 m und erschien somit als sicherer Siger. Als aber auch ihn oas Rennfahrerschicksal nicht verschonte und die Kette absprang, war der Sieg dem überaus stark fahrenden Wulstreifenfahrer Kammer nicht mehr zu nehmen. Kammer durchfuhr das Ziel in der guten Zeit von 1:37,20 Stunden, gefolgt von Schremmer(1:38,15), Schröder(1:40,30) und den geschlossen durchs Ziel fahrenden Ruda und Martschin(1:40.50). Die nächsten Fahrer kamen in minutenlangen Abständen ins Ziel. Gauführer Frohnen nahm anschließend die Ehrung der Sieger vor und würdigte zumal den auf Wulstreifen besonders schwer erfochtenen Sieg des Bochumers Ernst Kammer. Die ersten 20 Sieger, die eine Urkunde erhalten, sind: 1. Ernst Kammer(Bochum=Weitmar), 2. Fr. Schremmer(Bochum=Hordel), 3. Josef Schröder (Bochum), 4. Ernst Ruda(Herne), 5. Walter Martschin (Bochum=Gerthe), 6. Franz Blanck(Herne), 7. Wilhelm Dietz(Herne), 8. Walter Zielonu(Herne), 9. Hans Hildebrand(Bochum), 10. Heinz Schneider(Bochum), 11. Josef Riesener(Bochum), 12. Heinrich Knevper(Castrop=R.), 13. Bernhard Hüsten(Bochums, 14. Alfred Kotz(Bochum=Laer), 15. Karl=Heinz Porck(BochumLinden), 16. Heinz Wiegmann, 17. Josef Grewing, 18. Bernhard Bucher, 19. Christoph Döring, 20. Johann Hens(alle Bochum). Nationalmannschaft der Straße gebildet Nach dem„Großen Preis des Saarlandes Bautz und Overbeck fieglen (1) Herne, 5. Mai. Unter größter Anteilnahme fast der gesamten Bevölkerung des Saarlandes kam am Sonntag der„Große Straßenpreis des Saarlandes“, eine der klassischen deutschen Prüfungen für unsere Amateure und Berufsfahrer, zum Austrag. Sieger in der Klasse der Berufsfahrer wurde der Dortmunder Bautz, der das Rennen nach einer Fahrzeit von 8:08,14 Stunden(für 267 Kilometer) im Spurt vor weiteren elf Fahrern gewann. Oberbeck=Hagen war der Sieger bei den Amateuren. Loeber=Schweinfurt, Diederichs=Dortmund und HellerSchweinfurt belegten die nächsten Plätze, während weitere 31 Fahrer, die von Körner und Böhm(beide Berlin) angeführt wurden, gemeinsam auf den fünften Rang kamen. Ergebnisse: Großer Straßenpreis des Saarlandes, Berufsfahrer(267 km): 1. Bautz=Dortmund 8:08,14 Std., 2. Weckerling=Magdeburg 8:09,15, 3. Siebelhoff=Dortmund 8:09,16, 4. Hoden=Essen 8:09,17, 5. Stoepel=Berlin, 6. Wolke=Berlin, 7. Kijewski=Dortmund, 8. Arents=Berlin, 9. Thierbach=Dresden, 10. GeverSchweinfurt, 11. Umbenhauer=Nürnberg, 12. Risch=Magdeburg(alle dichtauf). Amat eure(110.5 km): 1. Oberbeck=Hagen 3:07,07 Std., 2. Loeber=Schweinfurt, 3. Diederichs=Dortmund, 4. Heller=Schweinfurt. Alle übrigen 31 Fahrer auf den fünften Rang, darunter Krückl=München, Körner und Böhm(beide Berlin), Bartkowski=Berlin, Kronwald=Berlin, Seifert=Schweinfurt, Brunner=Schweinfurt, Bartoskiewicz=Berlin. Die Nationalmannschaft der Straße Nach dem Großen Preis des Saarlandes am Sonntag hat der DRV. die Nationalmannschaft der Straße wie folgt bekanntgegeben: Böhm=Berlin, Fischer=Düsseldorf, Ruland=Köln, Krückl=München, Wendel, Heller, Schell horn, Wolkert, Seufferth, Brunner, Löber, Ziegler, Wiemer(alle Schweinfurt), Hohner, Hackebeil, Hupfeld, Gerber, Blankenburg, Geyer, Schulze(alle Chemnitz), Meurer, Tabat, Stamm, Schorn, Wivsel(alle Köln), Schulteniohann, Swennen, Schmitt, Diederichs(alle Dortmund), Gronwald, Schöpflin, Bartoskiewicz, Schmidt(alle Berlin), Oberbeck=Hagen, Scheller=Nürnberg, Lücke=Duisburg, Huth, Fuhrmann=Bielefeld, Lev vich=Cosel, Neumann=Gießen und Spahn=Frankfurt. Lohmann nicht zu schlagen Der junge Bochumer Dauerfahrer Walter Lohmann setzte am Sonntag in Halle seine Siegesserie fort. Er gewann nicht nur mit Stach als Partner das Verfolgungsrennen, sondern auch noch das Steherderby über 60 km: Ergebnisse: Steherderby 60 km: 1. Lohmann 50:22, 2. Stach 1760 m, 3. v. d. Wulv 2080, l. Preeto 2180 m zurück. Mannschaftsrennen über 30 km: 1. Mannschaft: Lohmann=Stach 59,250; 2. Prietov. d. Wulv 59,070 km. Taunusgeländefahrt des NSKK. Die RSKK.=Motorgruppe Hessen veranstaltet mit Ge nehmigung der Obersten Nationalen Svortbehörde (ONS.) am 10. Mai 1936 die Taunusgeländefahr: 1936 für Krafträder und Personenkraftwagen. Zum ersten Mal wird eine derartige Geländenrüfungsfahrt in der nächsten Umgebung von Frankfurt a. M. durchgeführt. Start und Ziel befinden sich in Kronberg. i. Ts. Germania Dortmund schwimmt Rekord Frauen-Schwimmfest in Frankfurt Ein reichsoffenes Frauenschwimmfest versammelte in Frankfurt am Main Deutschlands stärkste Vereinsmannschaften, die allerdings ohne ihre der OlympiaKernmannschaft angehörenden Schwimmerinnen antreten mußten. Trotzdem aber erwiesen sich die Charlottenburger Nixen, seit Jahren Deutschlands stärkster Frauenverein, klar überlegen. In fast allen Wettbewerben stellten sie den Sieger. Nur in der Lagenstaffel über 3 mal 100 Meter mußten sie sich mit dem zweiten Platz begnügen, allerdings zwangen sie Germania Dortmund mit 4:14.4 Minuten zu einem neuen deutschen Rekord. Auch Nixe schwimmt Rekord Die Schwimmerinnen von Nixe Charlottenburg konnten am Sonnabend in Darmstadt alle ihre Starts als Erste beenden. Die Charlottenburgerinnen stellten mit 3 mal 100 m Brust mit 4:32,9(alter Rekord 4:33,8) eine neue deutsche Bestleistung auf. Vor dem„Großen Preis von Tripolis“ Hans Stuck, der aussichtsreiche Fahrer der Auto=Union, hat zum„Großen Preis von Trivolis“ am 12. Mai sein Training auf der afrikanischen Rennbahn ausgenommen. Der Davis-Pokal Ein Kapitel Tennisgeschichte Ein„Tennis-Olympia (!) Herne, 1. Mai. In diesen Tagen hat der größte internationale Sport wettbewerb mit den Tennisspielen um den berühmten Davis=Pokal begonnen. Das ist gleichzeitig der Auftakt der diesjährigen Tenniszeit. Wenn man früher einen Mann mit dem Tennisschläger unter dem Arm, möglichst noch in weißen lan nicht nur gespielt wurde, sondern auch Wein ausgeschenkt wurde, entwickelte sich mit der Zeit ein recht lockeres Leben, so daß schließlich das Verbot des Sviels gefordert# wurde. Auch in Deutschland mußte es mancherorts verboten werden, da die Menschen über dem Sviel ihre Arbeit vernachlässigten. Wann und wo der Name„Tennis" zuerst gebraucht wurde, weiß man nicht. Die einen sagen, er stamme von dem deutschen„Tenne“ ab, genannt nach dem eingeebneten Platz, auf dem das Spiel ausgeübt wurde gen Hosen, zum Tennisplatz eilen sah, konnte man recht Andere wieder wvollen es von der französischen Stadt oft leicht abfällige Bemerkungen über diesen„Auch= Teniers ableiten, Sportler“ hören. Das Tennisspiel stand in dem Ruf, weniger zur körverlichen Ertüchtigung zu dienen, denn zur Heiratsvermittlung. Es wurde als ein harmloses, nur den bessergestellten Kreisen vorbehaltenes Gesellschaftsspiel angesehen. Diese Anschauung hat sich in den letzten Jahren allerdinas gründlich gewandelt. Aus der zunehmenden Bedeutung der internationalen Tenniswettkämpfe hat sich auch ein größeres Interesse bei denjenigen gebildet, die selbst nicht diesen Sport betreiben. Man weiß jetzt, daß Tennis ein Kampfsport ist. wie nur wenige andere Sportarten, man weiß, daß so ein richtiger schwerer Fünfsatzkampf die Spieler zu letztem Einsatz ihrer Kräfte und ihres technischen Könnens zwingt. Auf der anderen Seite ist aber auch das Vorurteil, Tennis sei ein„vornehmer“ Sport, beseitigt worden. Hier kommt besonders den Sportämtern der NS.=Gemeinschaft„Kraft durch Freude“ ein großes Verdienst zu. Sie haben auch den Tennissport in ihr Programm mit ausgenommen und werben alljährlich viele Tausende von neuen Tennisspielern, die bei diesem Sviel Erholung und Ausgleich für ihre berufliche Tätigkeit finden. Tennis ist auf dem besten Wege, ein Volkssport zu werden. und darum verlohnt es sich auch, einmal einen Ueberblick über die Kulturgeschichte des Tennis zu geben. Die Grundformen des Spiels bestehen schon sehr lange Zeit, und vor Jahrhunderten mußte der damalige Vorläufer des Tennis sogar einmal verboten werden, wei die Menschen damals von einer unglaublichen Spielleidenschaft erfaßt waren und darüber sogar ihren Beruf vernachlässigten. Die Uranfänge des Tennis sind schon bis in die vorchristliche Zeit zurückzuverfolgen Man weiß allerdings nicht mehr, nach welchen Regeln das Spiel damals ausgeübt wurde. Dagegen ist man besser unterrichtet über die Abarten des Tennis, die im frühen Mittelalter in Europa gespielt wurden. Wie so oft, war wohl auch in diesem Fall England das Mutter land dieses Sportes. Zunächst wurde es vorwiegend in Hallen gespielt. Man nannte es damals„jeu de paume“, und die Soldaten, die von Land zu Land zogen, sorgten für seine Verbreitung. Paris war lange Zeit die Hochburg des Paume, und es gab damals in der französischen Hauptstadt Hunderte von„Ballhäusern". Da dort aber 280 Jungflieger mit 329 Modellen Westtialens Fliegerjugend beim Modellwettbewerb In den Borkenbergen Ueber der weiten Heide der schönen Borkenberge im Kreise Recklinghausen lacht die Frühlingssonne. Lustig flattern die Reichsfahnen und die Fahnen des DLV. und der HI. Wieder ein großer Tag. Westfälische Jungflieger— 280 an der Zahl, sind mit 329 Modellen zum edlen Wettbewerb angetreten. Schon am Sonnabendnachmittag war in baulichen und konstruktiven Gesichtspunkten die Auswahl getroffen. Zu gelassen wurden nur Modelle ohne Antrieb eigener Konstruktionen, solche mit Fernlenkung oder Selbst steuerung. Auf fünf Handstartstellen und fünf Hochstartstellen erprobte die Jugend die aus ihrer Hand hervorgegangenen Modellschöpfungen. Der Wettbewerb der Reichsluftsportgruppe 10 Westfalen soll die Teilnehmer auswählen für den Pfingsten in der Rhön stattfindenden Reichsmodellwettbewerb. Nur deutsches Material durfte für den Modellwettbewerb verwandt werden. Sonnabend nachmittag 16 Uhr begann der Anmarsch der Teilnehmer. um 17 Uhr wurde über die Zulassung der Modelle entschieden. Eine prächtige Fanfarengruppe von Pimpfen weckte am Sonntag früh bereits um 6 Uhr. Die Flaggen varade der Flieger der Reichssegelfliegerschule und der HJ. nahm vor Gästen und Mitarbeitern Major Boemer vom DLV. ab. Er legte in einer Ansprache die Be deutung des Wettbewerbs dar. Der Wettbewerb soll der Luftwaffe einen geeigneten Nachwuchs schaffen. Das Wetter war ungünstig. Böiger Wind ließ viele Modelle zerschellen. Er stellte den Opfermut und die Beharrlichkeit der Jugend auf eine harte Probe, die sie aber glänzend bestand. War etwas zerstört, so ging es unverdrossen an die Wiederherstellung. Nur so ist es zu verstehen, daß zu den Siegern ein Jungflieger zählt, der zweimal Bruch hatte und trotzdem die Zeit von 211 Sekunden erreichte. Mittags erschien hober Besuch: Der Befehlshaber im Luftkreis 4. General der Flieger Halm, ein Vertreter des Wehrkreiskomman dos Münster, die stellvertretenden Gauleiter Stürtz und Stangier, letzterer als Vertreter des Reichs statthalters Dr. Meyer, Gebietsführer Langanke. Land rat Gauinspekteur Barthel und Landesstellenleiter Schmidt=Münster. Um 13.15 Uhr nahm ein Wagen des Reichssenders Köln eine Momentaufnahme auf. Um 16 Uhr wurde der Wettbewerb geschlossen. Es folgte dann die Siegerverkündung. Von hohen Stellen der Partei. der Wehrmacht und der Behörden waren Ehrenpreise zur Verfügung gestellt. Das Können der Jugend fand von zuständiger Seite ehrende Anerkennung. In der Mannschaftswertung war die Ortsgruppe Lemgo erster, Buer zweiter und Groß=Dortmund dritter Sieger. Die Besucher der Borkenberge kamen bei den ununterbrochenen Starts und Schlepps, den Drehern und Loovings der Schauflieger voll auf ihre Kosten. Es war ein Tag, der unsere Jugend zu neuen Leistungen angespornt hat, auf den Westfalens Fliegerjugend mit Stolz zurückschaut. Da ließ sich im Jahre 1874 der englische Major Wingfield die von ihm neu aufgestellten Regeln zum Tennisspiel vatentieren. Schon zwei Jahre später brachten Engländer das Spiel nach Deutschland, als sie in Bad Homburg zur Kur weilten. Homburg war dann lange Zeit der Mittelpunkt des deutschen Tennissportes Bereits 1891 wurden die ersten deutschen Meisterschaften im Tennis ausgetragen. Ein sportliebender Amerikaner, Dwight F. Davis stiftete um die Jahrhundertwende herum einen großen silbernen Pokal, der von den Tennisnationen in einem Mannschafts wettbewerb umkämpft werden sollte. Dei Sieger behielt den Pokal ein Jahr und mußte ihn dann wieder gegen den Ansturm der anderen verteidigen. Dem Davis=Pokal war ein ungeahnter Erfolg beschieden. Nach und nach beteiligten sich fast sämtliche Tennisnationen der Welt an diesen Svielen. Bisher haben sich allerdings nur vier Nationen in die Siegerlisten eintragen können. Es sind dies Amerika, Australien, England und Frankreich, unter denen der Pokal hin und herwanderte. Zu den großen Tennisnationen ist neuerdings Deutschland gekommen. Bei uns hat der Tennissport gerade in den letzten Jahren einen gewaltigen Anstieg genommen. Das beweist die Tatsache, daß wir im letzten Jahr unter den drei besten Tennisländern der Welt waren und in unserem Meister Gottfried von Cramm den zweitbesten Svieler der Welt stellen, während der deutsche Spieler Hans Nüßlein wahrscheinlich der beste Berufsspieler der Welt ist. Um den DavisPokal dürfen allerdings nur Amateure kämpfen, und er verdient darum nicht ganz zu Unrecht den Namen eines Tennis=Olympia, zumai das Tennis bei den Olympischen Spielen fehlt. Wettkampf im Kleinkaliberschießen Pol.-Sportv. Dortmund— Pol.-Sportv. Herne Die Kleinkaliberabteilungen der Polizeisportvereine von Dortmund und Herne stellten sich auf dem Kleinkaliberschießstande des Pol.=Sportv. Herne in Schloß Strünkede zum Wettkampf. Jede Abteilung stellte 10 Schützen, von denen jeder Schütze 15 Schuß in drei Anschlagsarten. stehend freihändig liegend freihändig und liegend aufgelegt zu schießen hatte. Gleich zu Beginn des Kampfes konnte man die meisterhafte Handhabung der Büchse bei den Dortmunder Polizisten erkennen. Besonders in der Anschlagsart stehend freihändig, waren sie den Hernern weit überlegen. Die K. K. Abteilung des PSV. Dortmund wurde mit 1436 Ringen überlegener Sieger vor dem PsV. Herne. der 1287 Ringe erreichte. Das Schießen hat den Herner PsV.=Schützen gezeigt, daß nur durch eifriges Training derartige Leistungen erzielt werden können wie es die Dortmunder Schützen vollendet zeigten Eder siegte in Amerika Der deutsche Weltergewichtsmeister Gustav Eder konnte seinen ersten Kampf in USA gegen den Italo=Amerikaner Napolitano zu einem Punktsiege gestalten. Bei der Veranstaltung wurde auch der deutsche Mittelgewichtsmeister Jupv Besselmann(Köln] vorgestellt, der am 9. Mai in seinem zweiten UISA=Kampf auf Finnegan trifft. Guter Start Stöcks Der SC. Charlottenburg hielt am Sonntag ein Sportfest ab, wo es recht gute Leistungen zu sohen gab, obwohl die Trainingsmöglichkeiten nicht gerade bis heute ausgiebig waren. G. Stöck, unser Olympiaanwärter im Speerwerfen und Zehnkampf erreichte im Sveerwerfen eine Weite von 66,21 Meter und verwies Steinbrodt mit 63,77 Meter auf den zweiten Platz. Fußball Herne 16— Vorwärts Recklinghausen=Süd 5:3 Hannibal Bochum— Herne 16 2:5 Herne 16 1a=Jad.— Germania 1a=Jad. 2•2 Herne 16 1b=Jod.— Schwarz=Weiß 1a=Jod. 1:2 Der Schicksals- und Liebesroman eines tapieren Mädchens von I. L. Hecker äusein Niemand 15(Nachdruck verboten.) Später reichen Sie dann einem reichen Manne die Hand sum Bunde. Da wiederholt sich die Tragik. Der Reiche totet sich, weil ihn die Genüsse des Lebens abgestumpft und daseinsmüde gemacht haben. Sie aber verfallen in geistige Umnachtung. Den ersten Mann haben sie wahrhaft und tief geliebt. Sein Tod versetzt sie jabrelang in Trauer. Den zweiten Mann achten Sie. Sie versuchen mit allen Mitteln, ihn wieder mit Lebenslust zu erfüllen. aber der Mammon ist stärker. Der Kampf reibt Ihre Kräfte auf, und der Tod des zweiten Gatten bedeutet dann auch Ihr Ende.“ Renate hatte still zugebört. „Sie brauchen aber jetzt beileibe noch nicht zu spielen zu beginnen,“ scherzte Nowack, als er ihr versonnenes Gesicht sab.„Darf ich mich heute mittag bei Ihnen zu Tisch laden?“ Sie sah ihn an und lachte.„Es gebt leider nicht. Ich habe nämlich bereits einen Herrn eingeladen.“ Der Regisseur war verblüfft. Und während er ein lächelndes Gesicht zeigte, dachte er wütend: Nun ist mir dieser verdammte Havelmann zuvorgekommen! Sie scheint also doch nicht so zurückhaltend zu sein. Und ich Dummkopf habe sie für ein Blümchen Rührmichnichtan gehalten! Er verabschiedete sich ziemlich unvermittelt. Es erschien aber mittags weder Havelmann, noch irgend ein anderer Herr. obgleich Renate zwei Ge decke hatte auflegen hassen. Das zweite gehörte Sbadow. Der Einfall war ihr vormittags ganz unvermittelt gekommen, und deswegen hatte sie auch die Klöße Shadows Lieblingsspeile, selbst zubereitet. Sie legte drei Klöße auf seinen Teller, und es überkam sie dabei eine solche Rührung, daß sie schluchzte. Sie starrte mit brennenden Augen auf den leeren Platz. Shadow war so weit von ihr entfernt. Nein. eigentlich nicht weit. Der Zug hätte sie in wenigen Stunden von Leipzig nach Berlin getragen. Aber das durfte nicht sein. Er mußte kommen. Trotzdem sie am Vormittig kaum etwas zu sich genommen hatte, kostete es sie Mühe, einiges zu essen. Der ganze Appetit war dabin. Sie saß still auf ihrem Stuhl und hatte den Arm um die Lehne des andern, leeren, geschlungen. Das Gesicht des Obers verlor etwas von seiner beherrschten und etwas hochmütigen Diskretion, als er zum Abräumen erschien und beide Gedecke benützt und die Speisen soviel wie unberührt vorfand. Seine verblüfften Mienen ärgerten Renate und sie war entschlossen. nie wieder zu„zweien“ zu speisen. Nach dem verunglückten Mittagsmahl nahm sie ihr Drebbuch zur Hand und vertiefte sich in dessen Handlung. Das brachte sofort die ersehnte Zerstreuung, und der Nachmittag entschwand rascher, als sie angenommen hatte. Der zu den Außenaufnahmen teilweise erforderliche Schneefall hatte eingesetzt, so daß man mit den Arbeiten begonnen hatte. Renate übertraf die kühnsten Erwartungen, die man in sie gesetzt hatte. Sie lebte die Person, die sie zu verkörvern hatte, im wahrsten Sinne des Wortes und erwies sich in jeder Hinsicht als groß und unübertrefflich. „Wir können uns gratulieren,“ bemerkte Havelmann ein über das anderemal.„Darüber dürfen wir aber nicht vergessen, sofort mit ihr einen mehrjährigen Ver trag abzuschließen, damit man sie uns nicht wegschnappt.“ Zu seiner ärgerlichen Ueberraschung wollte aber Renate von einem Vertrag absolut nichts wissen. Sie versprach zwar, für keine andere Gesellschaft als die „Phönix“ zu filmen. aber binden lassen wollte sie sich um keinen Preis. Sie berief sich dabei auf ihre Freiheitsliebe. Havelmann und seine Getreuen mochten tun, was sie wollten. Renate blieb fest und ließ sich durch nichts von ihrem Entschluß abbringen. In diesem Vorsatz bestärkte sie ein Vorfall. der sich gleich zu Anfang des Filmens zutrug. In ihrer Eigenschaft als Gattin eines armen Mannes mußte sie sich bei Gelegenheit von diesem küssen lassen. Dieser Umstand hatte ihr schon beim Studieren des Drehbuchs Kopfzerbrechen verursacht. Als die betreffende Szene gedreht werden sollte, hatte sie zunächst eine kurze Aussprache mit Nowack, der die Regie führte. „Warum wollen Sie sich nicht küssen lassen? fragte dieser verwundert.„Es ist ja nur Sviel!" Sie schüttelte den Kovf.„Das ist echt. Kuß ist Kuß. und ich will nicht.“ Da war dieses„Ich will nicht!" wieder. Nowack lief zum Darsteller des armen Mannes und legte diesem die Sache dar. „Das ist wirklich blödsinnig“. lautete die Erwiderung von Renates Partner.„Ehrlich gesagt, ich habe mich auf diesen Augenblick seit langem gefreut. Aber ich werde auf meine Rechnung kommen. Bei den Probeaufnahmen küsse ich sie eben über dem Mund und bei der entscheidenden Aufnahme auf den Mund. Dann kann sie nicht aus.“ Diese Erklärung bebagte dem Regisseur keineswegs „Ich möchte es dir nicht raten", erwiderte er.„Du kennst sie nicht. Sie fährt dir ins Gesicht, wenn du dieses Vorhaben zur Ausführung bringst, und wir können dann von neuem beginnen, wenn sie uns nicht einfach davonläuft. Du hast keine Abnung, wie eigen sie in dieser Hinsicht ist.“ Der Darsteller beschloß, mit Renate selbst zu sprecen.„Es ist die barmloseste Sache der Welt". erklärte er.„In jedem Film wird geküßt. Das gehört nun einmal dazu. Und es ist ja kein eigentlicher Kuß sondern lediglich ein ganz kühles Aufeinanderlegen der Lippen.“ „Aber es sieht auf der Leinwand wie ein richtige Kuß aus, und das will ich nicht," blieb Renate fest. „Ich finde solche Dinge im Film für überflüssig, denn man zeigt den Leuten damit nichts Neues.“ Als auch Havelmanns Vorstellungen nichts fruchteten, wurde der Autor des Werkes berangezogen, und dieser entschied für Renate. Der einzige, der sich darüber ärgerte, war ihr Partner, dem damit die Hände jebunden wurden. Aber sein Aerger war nur von kurzer Dauer. Renates Spiel war von einer Innigkeit und beseelter Hingabe, die ihn selbst zu Gipfelleistungen fortriß. Nach den Außenaufnahmen rückte man ins Atelier ein und unter den Strahlen riesiger Scheinwerfer und Juviterlampen wurde weitergedreht. Während der Zeit, da sie nicht beschäftigt wurde, spielte Renate die Zuschauerin oder kletterte hinauf in die kleine Kabine unter dem Dach des hohen Atelierraumes. in der der Tonmeister herrschte. Es bereitete ihr Freude, dem Mann zuzusehen, der in einem weißen Kittel und Kopfhörer an den Ohren. an den Schrauben und Knöpfen einer geheimnisvollen Apparatur drehte, um damit die Stärke und richtige Verteilung der vom Mikrophon aufgefangenen Töne zu regeln. Und alle paar Augenblicke telefonierte er zu den Spielern hinunter:„Herrn Morands Stimme klingt zu schwach, er muß einen Schritt aufs Mikrophon zugehen", oder:„Das Ganze nochmal!“ Der Tonmeister sah Renate gern bei sich, und sie war auch die einzige, die während der Arbeit in der Kabine verweilen durfte. Er bewunderte sie und setzte ihr das auch auseinander.„Sehen Sie", erklärte er ihr einmal,„ich übe meinen Posten jetzt drei Jahre aus und bin während dieser Zeit mit vielen Darstellern zusammengekommen. Viele Schauspieler und Schauspielerinnen mußten ausscheiden, als man zum Tonfilm überging, weil sie beim Sprechen versagten. Und sogar prominente Bühnenkünstler erlebten ganz gewaltige Ueberraschungen und waren genötigt, in ein neues Sprechstudium einzutreten bloß um dem Mikrophon gerecht zu werden. Sie sind die erste und einzige bei der auch in dieser Hinsicht alles klappte. Von Ihrem Sviel gar nicht zu reden. Ich bin überzeugt, daß Sie den Film„Menschen' zu einem Welterfolg machen. Das Gerücht davon hat sich bereits in Fachkreisen verbreitet, und im Anschluß an die Originalkovie wird sofort ein englischer und ein französischer Film gedreht werden.“ So gingen die Tage vorüber, und jeder dieser Tage stand im Zeichen Renates, die eine künstlerische Svitzenleistung an die andere reihte. Man sah der Vollendung des Films mit einer nie gekannten Zuversicht entgegen. Dies um so mehr, als es während der Aufnahmen an Zwischenfällen der verschiedensten Art nicht fehlte. Und der Filmaberglaube schwört bekanntlich darauf, daß der Streifen, dessen Herstellung mit besonders vielen unvorhergesehenen Hindernissen begleitet ist, den größten Erfolg bringen werde. So kam es auch bei der Szene. wo Renate neben der Leiche hres ersten Mannes kniete, zu einem ungeahnten Zwischenfall. Die Stellvroben waren samt und sonders glänzend verlaufen. Bei der Hauptaufnahme aber, als Renate, in Schmerz aufgelöst, neben dem „Toten“, kauerte. verspürte dieser plötzlich einen so unbezwinglichen Nieszwang, daß er unvermittelt in die Höhe fuhr und schmetternd losplatzte. Erst zwei Stunden später war man wieder in der Lage, die Szene mit dem erforderlichen Ernst zu dreben. Renate hatte sich derart in ihre Rolle eingelebt, daß sie bisweilen auch in ihrer Hotelwohnung Lust anwandelte. zu spielen. Bei solchen Gelegenheiten war aber nicht Morand, sondern Shadow ihr Partner. Bernbard Shadow, dessen Bild immer noch strablend in ihrem Herzen stand. Man lud sie regelmäßig ein, abends da= und dorthin zu kommen, zu tanzen und sich mit den Kollegen zu amüsieren. Sie folgte diesen Aufforderungen, aber nur sehr ungern und abenso selten und brach immer äußerst früh auf. Das reizte sowobl Havelmann als auch den Regisseur, denen beiden ihr Stern täglich begebrenswerter erschien. Da Renate außer ihrer Arbeitszeit fast unsichtbar blieb, stattete ihr Havelmann eines Abends einen Besuch im Hotel ab. Er hatte zur Vorsicht eine Mavve mitgenommen, in der einige Filmfragmente lagen. Das stellte sich als sehr zweckmäßig beraus. Die Aufnabinen zu„Menschen“ gingen ihrem Ende entgegen, und Renates erste Frage lautete:„Sie bringen mir wohl ein neues Buch?“ Havelmann pries seine Umsicht und verwünschte ihre Kühle.„Ja. Das heißt, es handelt sich um kein abgeschlossenes Ganzes. Sie haben vielmehr die Wahl. sich für eines dieser Fragmente zu entscheiden.“ Er reichte ihr ein schmales Bündel Akten, die sie sofort zu durchblättern begann. „Es hat damit aber durchaus keine Eile", bemerkte der Produktionsleiter. „Bitte. nehmen Sie Platz", forderte sie ihn auf. und er setzte sich mit einer leichten Verbeugung. Die Zigarette, die er ihr darbot, lehnte sie ab. „Ich rauche nicht", erklärte sie.„Ich kann keinen Geschmack daran finden. Aber bedienen Sie sich ruhig.“ „Sie scheinen an vielen Dingen keinen Geschmack zu kinden“, spann Havelmann den Faden weiter und stieß den Rauch aus der Nase. „Wie meinen Sie das?" Seine Blicke hingen an dem rotseidenen Lüster über dem Tisch, dann sah er sie lächelnd an.„Sie sind grundverschieden von allen ihren Kolleginnen. Die anderen sitzen jetzt irgendwo vergnügt beisammen, tanzen, lachen und sind munter und lustig, während Sie die Abende einsam in Ihrem Hotelzimmer verbringen. Warum tun Sie das eigentlich?“ „Warum suchen die andern Unterhaltung? Weil es sie freut. Und ich bleibe hier, weil es eben mein Vergnügen ist. niemand zu hören und niemand zu sehen Damit will ich Sie aber jetzt nicht etwa vertreiben. Ich gab Ihnen nur eine offene Antwort auf eine offene Frage.“ „Das scheint mir ein sehr eigenartiges Vergnügen zu sein", schüttelte Havelmann den Kopf.„Sie sind jung, schön und gefeiert, man sehnt sich nach Ihnen und dennoch zeigen Sie allen die kalte Schulter und verharren in Ihrer Abgeschlossenheit. Sie müssen doch selbst sagen, daß das nicht das Richtige ist?“ Renate machte eine Handbewegung.„Es gefällt mir eben, und es ist sicher ein harmloses Vergnügen wenn es auch nicht das Richtige sein sollte, wie Sie meinen.“ „Verspüren Sie denn niemals den Drang nach Umgebung und Geselligkeit?" „Nein. Ich genüge mir selbst. Ich bin so aufgewachsen und entbehre nichts. Wenn dem nicht so wäre. so säße ich jetzt eben in einem Lokal. um mich mit den anderen zu amüsieren.“ „Das einzige Richtige für Sie wäre, zu heiraten,“ bemerkte Havelmann nach einer Weile. „Das habe ich mir schon oft gedacht", stimmte sie zu seinem gewaltigen Erstaunen zu.„Und das ist sogar mein großer Wunsch“, fuhr sie mit leuchtenden Blicken fort. Der Handkuß des Produktionsleiters fiel sehr feurig aus, als er sich eine Viertelstunde später verabschiedete. Er schritt wie in einem Taumel die Stufen hinunter. Sie will heiraten, dachte er mit hämmernden Schläfen. Kennt sie vielleicht jemand auf den sich ihre Wünsche beziehen? Er fragte den Ober in harmlosem Tonfall, ob für Fräulein Ria Rita mit der Abendpost etwas eingetroffen sei „Es ist nichts eingetroffen“, lautete die Auskunft. „Die Dame hat während der ganzen Zeit, die sie hier weilt. noch nicht einmal eine Karte erhalten.“ „Das sieht ihr ähnlich“, nickte Havelmann, und verbarg seine Gennatuung.„Sie lebt äußerst abgeschlossen.“ „Sie empfängt auch niemals Besuche", erklärte der Ober. 16. Der freundliche Garten im stillen Dahlem, den Re nate nicht vergessen konnte, lag nun in tiefem Schnec. Jeden Morgen, wenn Bernhard Shadow zum Verwaltungsgebäude fuhr, und jeden Abend, wenn er zurückkam. verweilte er einige Minuten am Gittertor. An der Stelle, wo ihm Renate Niemand zum erstenmal begegnet war, streute er den hungernden Vögeln Brotkrumen. In früheren Jahren hatte das sein Personal besorgt. In diesem Winter tat er es selbst, denn Renate hätte es selbst getan, auch als Orivatsekretärin, wie er sich sagte. Weihnachten kam. Es war einsame Weihnachten. Shadow hatte ein kleines Bäumchen in sein Zimmer gestellt und es mit Kerzen und bunten Bändern geziert. Abends saß er davor, starrte in den Kerzenschein und gab sich seinem Leid hin, das nicht weichen wollte. Am zweiten Feiertag ließ er das Bäumchen entfernen, aber sein Leid blieb. Das alte Jahr näherte sich seinem Ende. Sbadow hatte früber an den Silvesterabenden nie eine besondere Rübrung empfunden. In diesem Jahr aber war irgendeine Furcht in ihm. Er wollte die letzte Nacht nicht zu Hause verbringen. Er wollte nicht nachdenken, was ihm dies Jahr gegeben, und was es ihm genommen hatte. Er suchte ein Kabarett auf und fand wirklich Zerstreuung. Als aber gegen Mitternacht ein Komiker in beabsichtigt=sentimentaler Weise das sterbende Jahr parodierte, da erwachte in Shadow all das künstlich Zurückgehaltene doppelt schmerzhaft. Er stürzte ins Freie, und als die Glocken des Jahres letzte Stunde ankündigten, fühlte sich der Millionär sterbensübel, und er mußte alle Willenskraft aufbieten, um der Anwandlung Herr zu werden. Er stürzte sich zu Beginn des neuen Jabres mit einem wahrhaft fanatischen Eifer auf seine Arbeit. Er machte Ueberstunden und nahm Akten mit nach Hause, um nachts, wenn er keine Ruhe fand, zu arbeiten. Diese vermehrte Tätigkeit verfehlte die gewünschte Wirkung nicht aber sie hatte auch mancherlei Nachteil im Gefolge. Er gönnte sich kaum mehr Zeit zu den Mahlzeiten, und obgleich er unablässig arbeitete, hatte er dennoch ein Gefühl von Unrast in sich, das er früber nie emufunden hatte. Sein verändertes Wesen sviegelte sich auch im Büro wider. Er verwies sich zum Erstaunen seiner sämtlichen Angestellten neuestens als launisch und unfreundlich, und eines Tages warf er Kiesebusch aus irgendeinem geringfügigen Anlaß ein Buch an den Kopf. Hätte Renate das getan? fragte er sich gleich darauf, als er wieder in seinem Privatzimmer saß. Nein, sie hätte es nicht getan. Sie war die Güte selbst, und er batte ihr Angedenken geschändet. Ein Gefübl von Verzweiflung beschlich ihn, aus dem er nur einen Ausweg sah: Renate Abbitte zu leisten. Er trat ins Hauptbüro, wo die Stenotyvistinnen und Kiesebusch arbeiteten. Man hatte seinem Eintritt mit Bangen entgegengesehen, aber sein bleiches, leidendes Gesicht ließ alle Furcht verfliegen. „Kiesebusch“, sagte er müde und gequält,„es tut mir leid, daß ich mich eben vergaß. Wollen Sie mir meine hitzige Handlungsweise nicht nachtragen.“ Er machte eine Handbewegung, und es sah aus, als wollte er noch etwas sagen, dann kehrte er gedrückt in sein Zimmer zurück. „Der Mann ist krank". sagte eines der Mädchen. Dr. Alsleben hörte von dem Vorfall. Die Besonderheiten seines Chefs waren ihm nicht entgangen. und für ihn stand fest, daß Shadows verändertes Wesen mit Renate ihm Zusammenhang stand. Weigerte sich am Ende die Privatsekretärin, seine Frau zu werden? An diese Möglichkeit glaubte der Prokurist nicht. Vielleicht war sie krank. Möglicherweise aber hatte Renate mit der Sache gar nichts zu tun. Vielleicht Fräulein Bornemann? Alsleben kam zu keinem befriedigenden Ergebnis und das beunruhigte ihn. Der Gedanke, daß mit Renate etwas nicht in Ordnung sein könne, verursachte ihm Pein. Nach jenem Zwischenfall mit Kiesebusch fand sich Shadow allmählich wieder in die alten Bahnen zurück Er wurde wieder liebenswürdig und freundlich zu seinen Angestellten. In sein Gesicht hatte allerdings das Leid Runen gegraben, die nicht wieder verschwinden wollten. Diese Falten konnte nur Renate tilgen. hadow rang sich zu dem Entschluß durch, sich dennoch nach ihr auf die Suche zu machen. Irgendwo in Ost vreußen mußte er sie finden. Sie konnte nirgends anders sein. Wenn erst die gehäuften Arbeiten zu Quartalsbeginn erledigt waren, wollte er sein Vorhaben zur Ausführung bringen. Astrid Bornemann hatte sich verhältnismäßig rasch getröstet. Allen Ermahnungen ihrer Eltern zum Trotz begann sie ein Verhältnis zu einem noch ziemlich fungen Mann. der eine Vertcauensstellung in einem grohen Werk besaß und gut verdiente. Wenn du glaubst. daß ich deinetwegen zur alten Junafer verkümmere, so täuschest du dich ganz gewaltig". pflegte sie zu ihrer Mutter zu sagen.„Die Sache mit Shadow hast du verdarben, und ich war blöde genug. deinen unsinnigen Ratschlägen zu folgen. Diesmal aehe ich selbständig vor. Shadow soll sehen, daß ich keineswegs auf ihn angewiesen bin. Und auf jeden Fall ist Kurt Sievers ein Kerl, mit dem man sich seben lassen kann.“ (Fortsetzung folgt.) Aberalaube an Autos gemessen! Von Jo Hanns Rösler Wer will, darf abergläubisch sein. Wer am Steuer sitzt, muß abergläubisch sein. Denn— hundertmal versucht— hat sich der Autoaberglaube hundertmal bewahrheitet. Einige Regeln des Autoaberglaubens mögen hier folgen: Wenn die Kardanwelle bricht— unerwartete Geldausgaben stehen ins Haus. Wenn bei hundert Stundenkilometer der rechte Vorderradreifen platzt— ein wichtiger Lebensabschnitt liegt hinter Dir. Wenn Du Montag früh den Zündungsschlüssel ver lierst— wichtige Geschäfte verschieben sich. Wenn Du in eine beleuchtete Schaufensterscheibe eines Konditors fährst— Brief ins Haus steht bevor. Auf der einsamen Landstraße junge Dame neben einem Wagen finden mit Panne— nette Bekanntschaft in Aussicht. Eine Henne überfahren— jemand, den Sie nicht kennen, spricht schlecht über Sie. Nagel im Schlauch— Aerger am Vormittag. Seinen Wagen nicht vorfinden, wo man ihn stehen gelassen hat— Sie werden demnächst wegen einer Diebstablssache als Zeuge vernommen. Die Bremse versagt bei einer steilen, rechtwinkligen Gebirgskurve— Erbschaft ins Haus Deiner Verwandten steht bevor. Mit einer schönen, jungen, blonden Dame neben sich am Steuer von der schwarzen Freundin Ihrer Frau gesehen zu werden— Krach in der Familie, Rückwärts in einen tiefen Graben fahren— Ihrem Weiterkommen steht viel im Wege. Wenn das Licht vor Mitternacht ausgeht und Du durch eine Hauptstraße einer Hauptstadt fährst— baldige Bekanntschaft mit einer Amtsverson. Wenn man auf der linken Straßenseite fährt und es kommt einem um die Kurve ein Wagen entgegen— unangenehmer Zwischenfall bevorstehend. Einen Leichenzug links überholen— jemand Fremdes ist gestorben. Wenn Du durch tiefe Pfützen fährst und Fußgänger n weißen Kleidern und hellen Anzügen stehen daneben — üble Nachrede. Unrasiert mit seinem alten Karren seine Braut zum Weekend fahren und am Ziel einen Mercedessportwagen mit einem seschen Sportsmann vorfinden— hüten Sie Ihre Herzensdame! Nachts auf einer Wochentour plötzlich umkehren müssen und zu seiner jungen Frau nach Hause fahren.— unerwarteter Kummer bevorstehend. Autofahrer sind abergläubisch. Darum nehmen sie auch so oft Mascotten in den Wagen mit. Ich rede hier nicht von den einzelnen Fällen einer Puppe am Hinterfenster oder einer Dreizehn am Kühler, sondern von Dingen des Aberglaubens, denen fast jeder Autofahrer unterliegt. Einige Beispiele werden es Ihnen zeigen: Vollständiges Werkzeug— soll dem Aberglauben nach längeren Aufenthalt bei Pannen verhüten. Reservekanne Benzin— soll dem Aberglauben nach bewirken, daß man nie ohne Benzin auf der Landstraße sitzt. Schönes Mädchen neben dem Fahrer— soll dem Aberglauben nach die Fahrt angenehmer machen. Größere Taschenlampe unter dem Führersitz— sol dem Aberglauben nach bei nächtlichen Zwischenfällen nützlich sein. ! S c h n e e k e t t e n i m W i n t e r— s o l l d e m A b e r g l a u b e n n a c h gegen Steckenbleiben schützen. Sind wir Autofahrer nun abergläubisch? Wir sind es. Aber nicht jeder Autoaberglauben geht in Erfüllung. Beispielsweise der Satz: seinen Wagen verkaufen— Geld ins Haus!— widerspricht oft den Tatsachen. Da bleiben wir lieber bei dem Aberglauben der Glauben wurde: Wer Auto fährt— hat mehr vom Leben! Der Witzbold Von Jo Hanns RöSLER Adelgunde ging zum Arbeitsamt. „Ich suche einen Mann, der alle Arbeiten im Hause macht, kleine Revaraturen ausführt, mir meine Besorgungen macht, auf das Kind aufpaßt, die Kohlen aus dem Keller holt, der bescheiden ist und nicht widerspricht, wenn ich etwas sage.“ Der Reamte lächelte:„Was Sie suchen, gnadige Frau, das ist kein Diener, das ist ein Ehemann.“ * Der Sonntagsabendrückfahrtszug war überfüllt. Bold stieg in Abteil.„Ist die Arche Noah schon voll?“, rief er.—— Das Abteil nickte:„Ja. Bis auf dus Kameel. Kommen Sie rein!" Kittv kauft eine Gans. Es ist die erste Gans in ihrem jungen Haushalt. Kittv legt die Gans neben das Kochbuch mit Bildern und Zeichnungen. Auch eine Zeichnung ist darunter wie man eine Gans tranchiert. Endlich hat es Kitty begriffen. Sie tritt zur Gans, dreht sie nach links, dreht sie nach rechts, betrachtet sie von oben und betrachtet sie von unten. Dann schaut sie wieder ins Kochbuch, dann wieder auf die Gans, dann wieder— „Du, Mann,“ ruft sie dann verzweifelt,„ich kann au unserer Gans die punktierten Linien nicht finden!" * Der alte Herr kam nach Heidelberg. Er besuchte die Wirtin, bei der er vor zwanzia Jahren gewohnt hatte. Sie zeigte ihm gern die alten Räume. Der alte Herr wurde sentimental:„Dasselbe alte Zimmer— dieselben alten Möbel— derselbe alte Blick auf die alten Dächer von Heidelberg—“ Ein junges Mädchen trat ins Zimmer. Hinter ihr ein Student. „Es ist nur meine Kusine, Frau Wirtin“, sagte er verlegen. Der alte Herr lächelte versonnen:„Dieselbe alte Lüge!" „Glauben Sie an Seelenwanderungen?" „Ja. Ich zum Beispiel war früher ein Ochse". „Wann war das?“ „Damals, als ich Ihnen die zwanzig Mark borgte.“ * Wulle warb um um ein Mädchen. Des Mädchens Vater fragte:„Können Sie auch eine Frau ernähren?" Wulle erwiderte:„Wenn Sie mir unter die Arme greifen, daß ich auf eigenen Füßen stehen kann, werde ich Ihre Tochter auf Händen tragen.“ Der junge Wächter hat einen schönen Traum geträumt. Der junge Wächter erzählt seinen schönen Traum:„Stell Dir vor, Vater, ich bin in ein nobles Restaurant gegangen, ich habe ein Dutzend Austern gegessen, einen warmen Hummer mit Trüselbutter. eine Schildkrötensuppe, dann eine Forelle Müllerin und hinterher eine Schnevfe auf Weidmannsart, und dann din ich aufgewacht.“ Der alte Wächter schüttelte ärgerlich den Kopf.„Du bist ein Narr!" „Warum, Vater?“ „Du hättest doch erst rubig noch einen schwarzen Kafsee nach dem schweren Essen trinken können!" 4 ben Sie mir gütigst, daß ich Ihnen meinen Namen heute noch verschweigen darf. Wenn Ihne etwas an mir liegt, schreiben Sie bitte postlagernd unter Vereinsamt'.“ Verzückt ließ Anna den Brief sinken. Wie er sich ausgedrückt hatte! Schlichtheit und Edelsinn.." Das hätte ein Dichter nicht besser sagen können! Ja, das war er, von dem sie geträumt, den sie ersehnt, er, der sie wieder glücklich machen, der ihr einen schönen neuen Namen geben würde... richtig, wie hieß er doch?— Ja so—„heute noch verschweigen...“ Und sie schrieb ihm in fliegender Hast, eine aufgelöste Anna Lemmel, schrieb ihm postlagernd„Vereinsamt“, daß sie unter vielen Bewerbern ihn allein ausgewählt habe und den Briefwechsel mit ihm für eröffnet erkläre. Doch als Anna abschließend ihren Namen unterzeichnen wollte, und das„A“ schon dastand, zögerte sie furchtsam einen Augenblick, um dann kurz entschlossen fortzusetzen: Annette Wernicke. So hatte Eva ihr geraten.— Wir wollen nun kurz berichten, daß auf beiden Seiten große Summen für Briefmarken ausgegeben wurden, daß sich AnnaAnnette und ihr unsichtbarer zukünftiger Bräutigam schriftlich kennen und lieben lernten, daß er seine Briefe zu ihrem größten Entzücken jetzt mit„Ottokar“ unterschrieb. daß die übersandten Photographien beiderseits volle Zufriedenheit auslösten, daß man sich brieflich zu duzen begann und daß endlich Ottokars Urlaub heranrückte, in dem er seinen Antrittsbesuch machen wollte. Am Vorabend seines Erscheinens grübelte Anna lange über das Geheimnis seines verschwiegenen Namens nach. Ob er gar„von“ war? Und aus Bescheidenheit anonym blieb, der Edle? Und im Traum erschien ihr Fürst Ottokar mit güldener Krone, voller„Schlichtheit und Edelsinn" und entführte die Braut Anna Lemmel in sein herrliches Heim... Und nun standen sie sich wirklich gegenüber. Groß und stattlich, etwas linkisch und sehr verlegen, hatte er ein paar Worte gestammelt und ihr einen Strauß rosa Nelken überreicht. „Also du bist die Annette“, sagte er. Sie zuckte zusammen und wurde rot.—„Und du der Ottokar!“ Worauf es an ihm war, errötend zusammenzufahren. Dann nahmen sie in dem alten Familien= sosa Platz und saßen wortlos und verlegen steil aufrecht. Jeder setzte zum Sprechen an, sah, daß der andere auch etwas sagen wollte. und schwieg, um jenem das Wort zu überlassen. So unterhielten sie sich ein Weilchen. Da sagte Annette plötzlich— und wunderte sich, wie blaß und tonlos ihre Stimme klang: „Wie ist den nun dein vollständiger Name?“ Und Ottokar fuhr hoch, wurde eine Schattierung bleicher, faßte gedankenlos mit der linken Hand an den tadellos gelungenen Knoten seiner weinroten Krawatte, schluckte ein paarmal, räusperte sich und sprach:„Annette, ich... ich muß dir ein Geständnis machen!“ Anette errötete tief und passend. „Ich... mein Name... ich heiße...“ Und plötzlich mit energischem Ruck:„Ich heiße Otto Hühnerfuß!“ Worauf er erschöpft ins Sofa zurücksank. Anette Wernicke, nein, es war die von vorn und von hinten gleichlautende Anna Lemmel, die wie elektrisiert den falschen Ottokar mit unnatürlich geweiteten Augen anstarrte und dann, eine einzige große Jammerträne, aufheulend in ihre Sofaecke geworfen wurde. „Hü—hühnerfuß". schluchzte sie,„Otto Hü— hühnerfu—huß!“ Bleich, aber gefaßt begann der unglückliche Hühnerfuß zu sprechen.„Ich weiß, Annette, es ist furchtbar schwer, ich selbst habe ja vierunddreißig Jahre lang an diesem Hühnerfuß zu tragen gehabt. Wie bin ich verspottet worden und verlacht wegen meines unglückseligen Namens, bis ich mich ganz zurückzog und vereinsamte. Und dann begann unser Briefwechsel, so gemütvoll und hochherzig, ich lebte auf und war auch fest entschlossen, dir meinen Namen mitzuteilen, aber ich wagte es nicht, — weil der deine so schön ist... Annette...“ Hier wurde Annas Körper von einem erneuten heftigen Weinen erschüttert.„Ja“, schluchzte sie auf. „Oh. Annette“, sprach er leidenschaftlich weiter.„du wirst mich verstehen, du mußt.“ Aber er konnte nicht ausreden, denn urplötzlich war ihm die Rolle der Mund und Nase aufsverrenden stummen Person zugefallen, über der sich unter Tränen das Geständnis entlud. Als die selbstverständlich wohl vorbereitete gute Tante Wernicke den passenden Augenblick für gekommen hielt und ohne Anklopfen, mit der duftenden Kaffeekanne in der Hand, das historische Zimmer betrat, entwich jäh ihrem Antlitz die verschmitzt lächelnde, festliche Verlobungsmiene In der rechten Sofaecke saß Anna Lemmel, ein tränenüberströmtes Häuschen Unglück, und in die linke hatte sich, nicht minder niedergeschlagen, Otto Hühnerfuß zurückgezogen. „Ja, Kinder, was ist das!“ rief Tante Wernicke entsetzt; und nachdem sie schließlich Stück für Stück der Tragödie erfahren und verstanden hatte, brach sie in ein schallendes Gelächter aus. Sie müßte nicht die kluge Tante Wernicke sein, und der Verfasser dürfte kein gutmütiges Herz haben und diese Geschichte keine lustige Geschichte sein, wenn nicht doch noch alles zu einem glücklichen Ende geführt werden sollte. So hat sich denn auch schließlich Anna Lemmel mit ihrem Hühnerfuß abgefunden, und Otto Hühnersuß sich die Annette aus dem Kopf geschlagen. Otto und Anna, die das Schicksal zu gemeinsamem Leid zusammengeführt hatte, sind in Schlichtheit und Edelsinn ein hochherziges, von vorn und hinten gleich lautendes Paar geworden. Die zu erwartenden kleinen Hühnerfüße aber werden wenigstens dreisilbrige Vornamen tragen. M Topeangriicbee Die Arbeit ist ein besseres Mittel gegen die Langeweile als das Vergnügen. Die Wahrheit zu nennen, ist Spiel; Die Wahrheit erkennen, ist viel; Die Wahrheit zu sagen, ist schwer, Die Wahrheit ertragen, ist mehr. Erhalte deine Kraft; man lebt nur, wenn man schafft. Wir Deutsche sollen uns gestalten; wir können das nicht, ohne uns zusammenzuketten und zusammenzuleben. Eine große Einherrschaft hat den Vorteil der Stärke und Schnellkraft, sie hat Einheit des Entschlusses und Geschwindigkeit der Tat. Ernst Moritz Arndt. Geschielitliches Der Locarno=Vertrag wurde im Oktober 1925 durch die fünf Mächte: Deutschland, Frankreich, Belgien, England und Italien abgeschlossen. Durch diesen Vertrag verpflichten sich diese Mächte„jeder für sich und insgesamt“ den aus der deutsch=französischbelgischen Grenze entstehenden Besitzstand zu garantieren. Das heißt, Deutschland, Frankreich und Belgien sichern sich zu, daß sie ihre am Kriegsende entstandene gemeinsame Grenze nicht verletzen, keinen Angriff über diese Grenze hinweg unternehmen würden. Die zwei Großmächte England und Italien verpflichteten sich zu Hilfe zu kommen, wenn einer der drei Hauptbeteiligten den Vertrag brechen und die zwei anderen Hauptbeteiligten angreifen würde. Im Falle einer Ver letzung solle aber zunächst der Völkerbund sprechen. Pralctische Winke Waschmittel für bunte Leinenstickereien. Ein gutes Waschmittel für bunte Leinenstickereien bereitet man sich folgendermaßen: Man kocht drei Liter Wasser mit einem Teelöffel voll Borax gut auf, gibt 200 Gramm feingeschnitene venetianische Seife und nicht ganz 100 Gramm gereinigte Pottasche hinzu. Dies kocht man so lange, bis alles gut aufgelöst ist, und füllt es dann in einen Steintopf, wo es zu einer Masse von der Konsistenz festen Gelees erkaltet. Sollte es dünn bleiben, so wird es noch einmal gut aufgekocht. Von diesem Gelee nimmt man zum Waschen etwa einen großen Kochlöffel voll, löst es in weichem Wasser auf, sodaß dies schaumig wird, wäscht die Leinenstickereien gut darin, spült sie sofort in klarem Wasser aus, schlägt sie in leinene Tücher und plättet sie halb trocken. Die empfindlichsten Farben bleiben bei diesem Verfahren völlig frisch. Ein kleiner Riß im Anzug oder im Kleid kann mit einem Frauenhaar besser gestopft werden, denn mit Garn oder Seide. Das Haar, das natürlich in passender Farbe genommen werden muß, verschwindet völlig im Stoff, und wenn darüber hinaus die Stopferei mit Geschick ausgeführt wurde, wird der Schaden fast unsichtbar bleiben. Merte Baumwanzen verwenden Werkzeuge. Der Gebrauch von Werkzeugen ist bei Tieren äußerst selten. Kürzlich wurde aber ein bisher unbekannter, sehr bemerkenswerter Fall dieser Art entdeckt. Es handelt sich um gewisse trovische Baumwanzen, deren Heimat Sumatra und Java ist. Im Gegensatz zu anderen Insekten laufen diese Tiere nur auf vier Beinen; die beiden Vorderbeine halten sie nach vorn gestreckt und beladen sie mit stark klebrigen Harztropfen, die von gewissen, in jenen Wäldern wachsenden Nadelbäumen stammen. Mit Hilfe dieser Tropfen fangen sie andere, ihnen zur Nahrung dienende Insekten, in erster Linie Ameisen. Nimm man den Tieren das Harz weg, so sammeln sie sich sogleich frisches Material und rüsten sich zu neuem Fange— Beweis genug, daß es sich hier um absichtlichen Werkzeuggebrauch handelt. Wenneine Giftschlange sich selbst beißt... Die Wissenschaft ist sich bisher nicht recht klar darüber gewesen, was eigentlich geschieht, wenn eine Schlange sich selbst beißt. Bis jetzt hat man angenommen, daß die Giftschlangen zum mindesten gegen ihr eigenes Gift unempfindlich seien— diese Annahme hat sich aber als Irrtum herausgestellt, wie die Untersuchung eines englischen Zoologen, des Prof. S. Wooster, gezeigt hat. Der Gelehrte beobachtete zufällig, daß sich eine Klapverschlange in der Erregung versehentlich selbst biß. Dieser„Irrtum“ sollte der Schlange sehr schlecht bekommen; denn sie starb wenige Stunden später unter den typischen Anzeichen einer Vergiftung. Daß Giftschlangen gegen die Bisse anderer Arten giftiger Schlangen keineswegs unempfindlich sind, ist schon wiederholt beobachtet worden. Prof. Wooster konnte diese Meinung bestätigen, denn er stellte fest, daß eine andere Klapverschlange, die im Kampf von der sehr giftigen Mokassinschlange gebissen wurde, nach kurzer Zeit starb. Schneckentemvo. Die Wissenschaftler, neugierig wie sie sind, haben sich vor kurzem die Mühe genommen, das so viel zitierte „Schneckentempo“ einmal genauer zu untersuchen. Als schnellste der einheimischen Schnecken erwies sich eine graue Nacktschnecke, die in der Minute durchschnittlich elf Zentimeter zurücklegt. Zu den trägsten Tieren dieser Art gehört die Bernsteinschnecke: sie leistet in derselben Zeit nur zwei Zentimeter. Im allgeminen ergab es sich, daß kleine Schnecken im Verhältnis zu ihrer Größe merklich„geschwinder“ waren. Besonders„schnell“ vermögen sich merkwürdigerweise gerade jene Arten zu bewegen, die eine verborgene Lebensweise führen. Der Farbenfilm setzt sich deshalb so schwer durch, weil seine Herstellung so teuer ist. Nach den bisherigen Verfahren waren nämlich 3 Filmstreifen statt eines erforderlich, aber auch alle andern Unkosten waren verdreifacht. Man kann damit rechnen, daß es einen Film um etwa 300000 Mark verteurt, wenn man ihn als Farbenfilm herstellen läßt. Am Line tealt Von Erich. Friesen 11. Fortsetzung.(Nachdruck verboten.) „Gut also! Ich kann mir denken, auf wen deine Wahl gefallen ist, lieber Vater, denn ich bin nicht blind. Ich bemerkte von jenem Diner beim Bankier Moormann an, wie wohl du dich in Lo Lorrinas oder vielmehr Frau von Althoffs Nähe fühlst. Sie ist entschieden eine sehr schöne Frau. Aber ich fürchte, sie paßt nicht zu dir. Sie ist Weltdame durch und durch, scheint sich nur wohlzufühlen in großer Toilette, mit einem Schwarm von Verehrern um sich herum—“ „Ich denke— ich hoffe, sie wird sich in ruhjger Häuslichkeit, in meiner Gesellschaft auch wohlfühlen,“ fällt der alte Herr schüchtern ein. Rolf unterdrückt ein leises Lächeln. Er ist nicht so sicher, daß die Frau nach ihrer Wiederverheiratung, noch dazu mit einem um soviel älteren Manne, ganz in der Häuslichkeit aufgehen wird. „Ich wünsche von Herzen, daß du dich nicht täuschen mögest, Vater“ sagte er warm.„Soviel ich beurteilen kann, verlangt das Naturell der Dame nach Vergnügungen, Zerstreuung, Aufregung. Ich kenne sie wenig; aber ein unbestimmtes Gefühl warnt mich vor ihr... Ich möchte ihr nicht unrecht tun; aber, lieber Vater, ich bitte dich— überlege dir die Sache noch einmal!“ Berthold Roselius sieht sehr niedergeschlagen aus. Im stillen muß er seinem Sohne recht geben. Aber die verführerische Frau hat seine Gedanken bereits derart gefangen genommen, ja, er ist in seinen Huldigungen und Andeutungen ihr gegenüber heute abend schon so weit gegangen, daß er als Ehrenmann kaum mehr zurück kann. „Du weißt aber nichts Nachteiliges über sie?“ fragt er nach einer kleinen Pause. Rolf zögert mit der Antwort. Soll er dem Vater sagen, daß etwas in dem Blick der Dame, in ihrem Lächeln, ihrem ganzen Gebaren ihn abstößt? Daß es unangenehme dunkle Erinnerungen in ihm weckt, in die er, trotz allen Bemühens, keine Klarheit bringen kann? Auch das hätte keinen Zweck. Sympathien und Antipathien sind etwas derart Persönliches, daß man sich davor hüten soll, sie Macht über sich gewinnen zu lassen oder gar andere dadurch zu beeinflussen. So sagt er nach einigem Ueberlegen mit ruhigem Ernst, der Wahrheit gemäß: „Nein, Vater! Ich weiß nichts Nachteiliges über die Dame.“ Berthold Roselius atmet auf. „Nun gut... Ich brauche kaum zu betonen, daß deine Aussichten durch meine Heirat nicht wesentlich getrübt werden—“ „Laß das. Vater!“ fällt Rolf mit einer abwehrenden Handbewegung ein.„Ich wiederhole: wenn du glaubst, in dieser Heirat dein Glück zu finden, so gratuliere ich dir aus vollstem Herzen.“ „Ich danke dir, mein Junge.“ Kräftig schütteln Vater und Sohn einander die Hand, und beide bemühen sich, recht glücklich und zufrieden auszusehen. In Wahrbeit fühlen beide sich überaus unbehaglich. 16. Kapitel. Detektiv Engelhard verfolgt die Spur. Vorüber die heiteren Sommertage auf Schloß Waldblick. Die Gäste sind wieder heimgekehrt. Auch Detektiv Engelhard, der irgendwo aus dem Hintergrund— wie und wr, bleibt sein Geheimnis— dort stets auf dem Lugaus war. Beständig verfolgten seine Luchsaugen die beiden Frauen, auf die er es abgesehen hat. Und blieben schließlich an der Schloßherrin hängen, die ihm verdächtiger erscheint als die andere, weil er nun schon zum zweitenmal den gestohlenen Anhänger mit dem großen Smaragd an ihrem Hals erblickte.— Nun ist er wie ein Schießhund hinter dem Objekt seines Verdachtes her. Mit seiner nie versagenden Spürnase bekommt er, durch Annäherung an Mia Mellinas Kammerzose, bald heraus, was auf Schloß Waldblick passiert, wo die Schloßherrin ihre Tage verbringt und was sie für die nächste Zeit vorhat. So weiß er jetzt auch, daß sie am kommenden Sonnabend das große Wohltätigkeitsfest bei Kroll besuchen wird. Durch seine Verbindungen, die ein hervorragender Polizeibeamter stets hat, verschafft er sich noch in letzter Stunde eine Eintrittskarte und begibt sich frohgemut aufs Rekognoszierungsfeld Er braucht nicht lange zu suchen. Durch ihre extravagante Toilette— ein kanariengelbes Brokatkleid— erregt Mia Mellini in dem dichtgefüllten Saal sofort jedermanns Aufmerksamkeit. Mit scharsem Blick verfolgt der Detektiv sein Opfer. Schon weiß er, daß an dem Hals der Dame wieder der bewußte Anhänger funkelt. Doch jetzt— was ist das? In ihren rosigen Ohrläppchen glitzern zwei große Brillanten, die ihm seltsam bekannt vorkommen. Näher schlängelt er sich an die vielumschwärmte frühere Schulreiterin heran. Seinen ganzen Witz nimmt er zu Hilfe, um unbemerkt die Boutons aus allernächster Nähe beäugeln zu können... Und plötzlich durchzuckt es ihn siedendheiß. Wahrhaftig—. kein Zweifel! Er hat jene Brillantohrringe vor sich, nach denen er seit vielen Monaten sucht!.... Doch nur wenige Augenblicke dauert seine nervöse Erregung. Dann ist er wieder der kühl berechnende Polizeimann, der genau weiß, was er will und mir unheimlicher Ruhe überlegt, bevor er handelt. Er zieht sich auf die obere Estrade des Saales zurück und beobachtet von dort aus jede Bewegung der kanariengelben Dame. Schmunzelnd blättert er in seinem Notizbuch und vergleicht: „Vornehme Erscheinung— etwa Ende der Dreißig— über Mittelgröße— zur Fülle neigend— zarte Gesichtsfarbe— Augen dunkel, von unbestimmter Farbe— weiße, gleichmäßige Zähne— wohlgesormte Nase— üppiges rotes Haar——“ „Hm, alles stimmt, bis auf das Haar!“ kalkuliert er.„Aber angenommen, diese Mia Mellini verwitwete Baronin von Trotha, stülpte sich eine rote Perücke auf ihren braunen Kopf— ich wette hundert gegen eins, wir hätten die„Witwe Sybill Harrison aus Zürich' vor uns. Die Ohrringe sind's— oder ich laß mich hängen! Und da der Anhänger zweifellos der aus Berthold Roselius' Laden stammende und von jener samosen„Frau von Santen' eskamottierte ist, so bleibt mir nichts andres übrig, als die Dame nachher zu verhaften. Mir scheint, ich bin da einer ganz großen Sache auf der Spur.“ Er steckt sein Notizbuch wieder ein und promeniert im Saal auf und ab. Er ist überall da, wo Mia Mellini sich aufhält. Kaum eine Sekunde verliert er sie aus den Augen. Gegen zwei Uhr nachts verläßt sie den Saal, eskortiert von einer Anzahl ihrer Bewunderer. Detektiv Engelhard folgt in einiger Entfernung. In der Garderobe wird sie von ihrer Zofe erwartet, die ihre Herrin rasch in den rotseidenen, zobelbesetzten Abendmantel hüllt. Dann steigen beide die breite Freitreppe hinab zu dem ihrer harrenden Auto. Da tritt Detektiv Engelhard auf sie zu. „Ich bedauere, meine Dame— aber ich muß Sie verhaften.“ Erschrocken fährt die frühere Schulreiterin zurück. Dann wirft sie den Kopf in den Nacken. „Sie irren sich in der Person. Ich bin die verwitwete Frau Baronin von Trotha auf Schloß Waldblick.“ „Weiß ich. Trotzdem— ich wiederhole: ich verhafte Sie. Hier mein Ausweis!“ Hilfesuchend blickt Mia Mellini sich um und winkt einem der vor dem Ausgangsportal postierten Polizisten, von dem sie Schutz verlangt. Der Hüter der Ordnung sieht sehr verwundert drein. Er kennt, wie alle Polizeileute, den Detektiv Engelhard und erstirbt in seinem Innern vor diesem findigen Detektivhirn. „Was soll das heißen?“ raunt er ihm gedämpft zu. mit einem Blick auf die aufgeregte Frau. „Die Dame trägt gestohlene Brillantohr= ringe, nach denen ich seit vielen Monaten schon suche," erwidert Engelhard in bestimmtem Tone.„Sie steht unter dem Verdacht des Diebstahls! Auch ihr Anhänger rührt von einem Diebstahl her.“ „Das ist alles Lüge!“ schreit die Mellini empört.„Ich trage nur Schmuck, den ich selbst gekauft oder zum Geschenk erhalten habe!“ Doch Engelhard läßt sich nicht beirren. „Wenn Sie das vor Gericht beweisen können, um so besser fur Sie! Aber vorläufig muß ich Sie zur Wache schaffen, Frau Baronin,“ sagt er etwas höflicher.„Bis sich alles geklärt hat, darf ich Sie nicht mehr aus den Augen lassen. Es wäre Pflichtverletzung. Sie sind meine Arrestantin.“ „Ich— Arrestantin? Wie eine gemeine Verbrecherin?" zetert sie.„Nein. Ich gehe nicht mit.“ „Dann muß ich leider Gewalt anwenden.“ Und er legt die Hand auf ihren Arm. 4 Verzweiselt faßt Mia Mellini sich mit bein Händen an den Kopf.„Mein Gott, mein ott! Was soll ich tun?“ „Gehen Sie ruhig mit!“ mischt sich der Polizist in den erregten Wortwechsel.„Sie verschlimmern sonst Ihre Lage.“ Inzwischen hat sich, wie stets in solchen Fällen, eine große Menge Neugieriger um die kleine Gruppe gesammelt, die gespannt auf den Ausgang des Dramas wartet. Die Arrestantin läßt hilfesuchend die Augen über die Menge irren. Ist denn niemand da. den sie kennt? Da gewahrt sie den Bankier Moormann, der gerade mit Frau und Tochter sein Auto besteigen will. Auf ihn eilt sie zu. „Ach lieber Freund! Schützen Sie mich! Retten Sie mich aus dieser furchtbaren Lage!“ Verwundert läßt Moormann sich Bericht erstatten. Er ist ebenso empört, wie die Beschuldigte selbst. Ein kurzes leises Gespräch zwischen ihm und Engelhard, der sich allerhand Notizen macht, dann sagt der Detektiv höflich: „Der Herr hier bürgt für Sie, Frau Baronin. Das Weitere wird sich finden.“ Und tritt zurück. Gleich darauf fährt das Auto mit Mia Mellini und ihrer Zose davon. Der Menschenschwarm verläuft sich. Aus die Sensation!— Detektiv Engelhard aber begibt sich eilends ins Polizeipräsidium und telephoniert Hans Wesenberg auf Gut Parchim bei Zehvenick an. Die Brillantohrringe seien aufgesunden. Herrn Wesenbergs sofortiges Kommen sei bringend vonnöten und das Mitbringen der fraglichen imitierten Steine erwünscht. 17. Kapitel Zwei Paar Brillautohrringe. Einige Cage später. Vormittags gegen elf Uhr.. Vor der Tür eines Privatzimmers im Untersuchungsgefängnis gehen drei Herren in eifrigem Gespräch auf und ab. „Ich bin meiner Sache sicher,“ bemerkt der eine.„Der Anhänger ist der Ihnen gestohlene, err Roselius— oder ich laß mich hängen!“ „Nun, wir werden ja sehen,“ erwidert der Juwelier in zweifelndem Tone.„Mir kam es ja auch so vor. Aber es gibt ja von solchen Schmuckstücken Duplikate. Nichts ist nur einmal auf der Welt. Vor allem aber halte ich es für ausgeschlossen, daß Frau von Trotha die Diebin ist— selbst wenn Ihre Vermutung sich bestätigen sollte, lieber Engelhard.“ „Wenn nur der Zeuge Wesenberg erst da wäre!“ wirft Rolf, der dritte der drei Herren, ein.„Wenn der sich verspätet, kann die Sache ute gar nicht verhandelt werden.“ „Der verspätet sich nicht— verlassen Sie ich darauf,“ lacht Engelhard.„Ich habe so ange nach den Ohrringen gesucht. Und jetzt, aich endlich die Dinger aufgestöbert habe, ollte er uns im Stich lassen? Denkt nicht fran!" In diesem Augenblick nähert sich mit raschen Schritten ein Herr in der Mitte der Dreißiger der Gruppe. Er ist noch im Reisemantel und sieht verstaubt und übernächtig aus. „Guten Morgen, Engelhard!“ Der kleine Detektiv fährt herum. „Ah, da sind Sie ja, Herr Wesenberg! Guten Morgen!" Kurzes Vorstellen von Roselius Vater und Sohn— und schon wird der„Fall Trotha“ aufgerufen. Der Untersuchungsrichter gibt dem Gerichtsdiener einen Wink, die Beklagte vorzuführen und ruft als ersten Zeugen den Gutsbesitzer Hans Wesenberg aus Parchim auf. Majestätischen Schrittes schreitet Mia Mellini über die Schwelle. Sie ist vom Kopf bis zu den Füßen in schwarze Seide gekleidet. Das Gesicht mit dem sorgfältig ondulierten braunen Haar ist halb verdeckt von einem schief auf einem Ohr sitzenden, modernen roten Hut mit kleinem schwarzem Spitzenschleier. Sie sieht etwas blaß aus; doch blickt sie frei und offen um sich und nickt Roselius Vater und Sohn beim Vorbeigehen kordial zu. Der Untersuchungsrichter eröffnet die Verhandlung und erteilt zuerst dem Zeugen Hans Wesenberg das Wort. Derselbe teilt burz mit, wie er im Herbst vorigen Jahres in Zürich durch eine Betrügerin in den Besitz falscher, anstelle echter Diamanten gekommen sei und zieht ein rotes Lederetui aus der Rocktasche, das er vor den Untersuchungsrichter hinstellt. Auf dessen Frage, ob er in der Beklagten jene„Mrs. Harrison“ wiedererkenne, erwidert er mit einem bestimmten: „Nein.“ Die Angeklagte nickt befriedigt. Und der zweite Zeuge, der Detektiv Engelhard, wird aufgerufen. Er sagt im wesentlichen dasselbe aus, wie sein Vorgänger. Auch er zieht am Schluß seiner Mitteilungen ein rotes Lederetui, das „corpus delicti“, das die echten Diamantenohrringe enthalten soll, aus der Tasche und stellt es auf den Verhandlungstisch. Der Untersuchungsrichter öffnet die beiden Etuis. Zwei ganz gleiche Paar Brillantboutons funkeln ihm entgegen— das eine Paar aus einer Unterlage von weißem, das andere aus blauem Samt. Aufmerksam betrachtet er die beiden Ohrringpaare. Er kann keinen Unterschied entdecken. „Welches sollen die Imitationen sein, die Sie mir gaben?“ fragt er den Zeugen Wesenberg. „Diejenigen auf weißem Samt,“ erwidert der Gutsbesitzer. „Und die auf blauem Samt haben Sie der Beklagten abgenommen, Zeuge Engelhard?“ „Jawohl“. Und ich behaupte, es sind die echten, obgleich ich zugebe, daß sie den Imitationen, die jene„Mrs. Harrison' damals Herrn Wesenberg aufschwindelte, täuschend ähneln.“ Jetzt bittet die Beklagte, verwitwete Frau von Trotha, frühere Schulreiterin Mia Mellini, ums Wort. „Im November vorigen Jahres, also bald nach jener Zeit, als dieser Herr hier—“ sie deutet auf den Zeugen Wesenberg—„in Zürich einer Betrügerin zum Opfer fiel, hielt ich mich einige Wochen in Paris auf. In dem Hotel, in dem ich wohnte, wurde ich mit einer Dame bekannt, die sich„Mrs. Mackay' nannte, und deren Aeußeres mit der Beschreibung übereinstimmt, die soeben von jener„Mrs. Harrison' gegeben wurde. Sie hatte ein liebenswürdiges Wesen, und wir besuchten öfters Theater und Konzerte zusammen. Sie besaß wertvollen Schmuck, unter dem mir besonders ein Paar auffallend großer Brillantboutons auffiel... Eines Tages suchte sie mich weinend in meinen Gemächern auf. Die Bank, der sie in Neuyork ihr Vermögen übergeben, hätte Bankrott gemacht— so sagte sie — so daß sie, Mrs. Mackay, urplötzlich brotlos geworden wäre. Zwar habe sie noch Land in Kalifornien; aber bis sie dies zu Geld gemacht habe, könne sie verhungern. Sie müsse deshalb einen Teil ihres Schmuckes veräußern. Unter Schluchzen bat sie mich, ihr die Brillantboutons, die ich so oft bewundert hätte, abzukaufen. Es sei ihr kostbarstes Stück und das Geld dafür wäre für sie unter den obwaltenden Umständen Rettung in der Not.“ Mia Mellini macht eine kleine Kunstpause. Und da sie die Spannung in den Mienen sämtlicher Anwesenden bemerkt, fährt sie mit theatralisch gefärbter Steigerung in Ton und Mimik rasch fort: „Ich gestehe, ich habe eine Schwäche für Brillanten. Edle Steine und edle Pferde sind mein Leben. Ich begab mich deshalb in Begleitung besagter Mrs. Mackay zu einem bekannten Pariser Juwelier und ließ die Boutons abschätzen. Obgleich die Summe eine sehr hohe war— ich weiß nicht mehr, wieviel— so zeigte ich mich nach einigem Ueberlegen doch bereit, die Boutons zu kaufen. Mrs. Mackay fiel mir um den Hals, lachte und weinte in einem Atem vor Freude und erklärte, sie werde mir die Boutons morgen überlassen; heute wolle sie dieselben noch einmal im Theater tragen— zum letztenmal, wie sie seufzend hinzufügte. Ich willigte ein. Am nächsten Tage hatte ich die Brillantohrringe in den Händen und sie die betreffende Summe. Eine Stunde danach kam sie mit vom Weinen heröteten Augen zu mir und zeigte mir ein Telegramm, wonach sie an das Sterbelager ihrer Mutter nach Chikago gerufen wurde. Sie nahm zärtlichen Abschied von mir und sagte, sie werde mir von Chikago aus schreiben. Auch sei es nicht ausgeschlossen, daß sie in etwa vier Wochen nach Paris zurückkehre.“ „So—! Haben Sie von der Dame je wieder etwas gehört?“ erkundigt sich der Untersuchungsrichter mit leiser Ironie. „Nein. Ich habe nie wieder etwas von ihr gehört oder gesehen.“ Der Untersuchungsrichter schüttelt zweifelnd den Kopf. „Hm, das klingt ja alles sehr schön, was Sie da sagen. Aber wer steht uns dafür, daß es nicht ebensolche Märchen sind, wie die Erzählungen jener Mrs. Mackay?“ Während die Beschuldigte ziemlich ratlos dreinschaut, meldet sich Detektiv Engelhard, der sich bei ihren Angaben eifrig Notizen gemacht hat, aufs neue zum Wort. „Ich muß gestehen, daß ich nach den Mitteilungen der Beklagten Zweisel in die Richtigkeit meiner früheren Angaben setze!“ ruft er, jedes Wort scharf betonend.„Ich beantrage deshalb, die Ohrringe der Beklagten — also die sogenannten gechten'— untersuchen zu lassen! Der Zeuge Juwelier Berthold Roselius, der noch nicht vernommen wurde, könnte gleich als„Sachverständiger' die Untersuchung vornehmen. Ich halte es nach dem Vorangegangenen nämlich nicht für ausgeschlossen, daß auch die Beklagte das Opfer eines Betruges geworden ist.“ Erregung bei allen Anwesenden. An diese Möglichkeit hatte noch niemand gedacht. Der Juwelier wird hereingerufen und ihm das eine der beiden Lederetuis übergeben zur Prüfung der Steine. Sorgfältig prüft er die Brillanten, die ihm aus dem weißen Samt entgegenfunkeln. Dann klappt er den Deckel wieder zu und stellt das Etui auf den Tisch. „Sind die Steine echt oder Simili?“ fragt der Richter. „Simili,“ lautet die Antwort. „Und diese hier?“ Aufs neue prüft Roselius, diesmal die Steine auf der blauen Unterlage. Dann sagt er ruhig und bestimmt: „Auch Simili.“ Mia Mellini ist wie versteinert. Tiefste Indignation prägt sich auf ihrem lebhaft geröteten Gesicht aus. „Nicht möglich!“ stammelt sie fassungslos. „Ich, die Baronin von Trotha, die ehemalige gefeierte Schulreiterin Mia Mellini, soll monatelang unechte Diamanten getragen haben?“ Daß mit dem Beweis der Unechtheit der Steine auch der Beweis ihrer Unschuld beigebracht wurde, kümmert sie vorerst nicht. Ihre Eitelkeit ist zu tief verletzt. Noch einmal vergleicht Berthold Roselius die beiden Ohrringpaare genau. „Es sind beides gleiche Imitationen und aus der gleichen Fabrik,“ lautet sein" fachmännisches Urteil.„Ihr wunderbares Feuen das den Nichtkenner leicht täuschen kann, rührt von einer bestimmten Flüssigkeit her, in die man die wertlosen Glaskiesel taucht. Waschen Sie die Steine mit Spiritus, und der Glanz schwindet sofort!“ Noch immer gibt Mia Mellini sich nicht zufrieden. „Sie müssen echt sein! Müssen!!" wiederholt sie immer wieder, lebhaft gestikulierend und mit hochrotem Kopf. Jetzt meldet sich nochmals der Zeuge Wesenberg zum Wort. Er möchte noch mitteilen, daß der Juwelier Nägeli in Zürich, der seinerzeit die echten Brillantohrringe jener Mrs. Harrison geprüft hatte, sein Geschäftszeichen in die Fassung des einen eingekratzt habe: einen winzigen sechseckigen Stern. Er bittet den Sachverständigen Berthold Roselius, die Ohrringe auf dieses Zeichen hin durch die Lupe zu untersuchen. Es geschieht... Das Zeichen fehlt. Mit gesenktem Haupt sitzt die Beklagte da — nicht als ob soeben sonnenklar ihre Unschuld erwiesen wurde, nein, als ob ihre Verurteilung erfolgt wäre— völlig gleichgültig gegen den zweiten Punkt der Anklage, der sich auf den Anhänger mit dem großen Smaragd bezieht. (Fortsetzung folgt.) S B 2.U WUTaSPTZUTE * E " 5 07 B E S—*—* 9 1 00 SShE er ——GEnE — 8•-— □SEPT 9— 2——— V 8 S888E5 S— =.— PES S SUTT — 2 ∆ 2 —*— Diamanten keimindlelüirze von Peter Mattleeus Herr Willum hockte auf einem der hohen Barstühle des Automatenrestaurants. Sein rundlicher Bauch ruhte auf den emporgezogenen Knien, und sein breites Vollmondgesicht war über ein Glas Portwein geneigt. Die kleinen glitzernden Augen jedoch blickten unter der Hutkrempe unverwandt und mit einem eigentümlich wachsamen Ausdruck durch die Schaufensterscheibe, die sich unmittelbar neben der Bar befand. Plötzlich rutschte Herr Willum in beträchtlicher Eile vom Stuhl herab, lief auf seinen kurzen Beinen hastig quer durch den Raum und wirbelte durch die Drehtür auf die Straße hinaus. Dort stieß er unsanft mit einem jungen Mann zusammen, der es anscheinend ebenso eilig hatte wie er. „Oh... bitte tausendmal um Verzeihung,“ sagte Herr Willum höflich und lüftete den Hut. „Keine Ursache, es war meine Schuld... z allein meine Schuld!“ sagte der junge ann nicht minder höflich. Er musterte rrn Willum rasch mit einem abschätzenden lick.„Sie, hm...“ fuhr er zögernd fort, „Sie wissen wohl nicht zufällig, wo hier herum eine Pfandleihe ist?“ „Eine Pfandleihe?“ Herr Willum zog überrascht die Brauen hoch.„Bester Herr, selbst, wenn ich es wüßte...“ Er schüttelte bedauernd den Kopf.„Es ist zehn Uhr vorbei, und ich fürchte, daß alle Pfandleihen längst geschlossen sind.“ Der junge Mann seufzte und machte ein Gesicht wie jemand, dessen letzte Hoffnung eben dahingeschwunden ist.„Pech!“ murmelte er niedergeschlagen.„So ein Pech! Was soll ich nur tun?“ Herr Willum sagte nichts. Er beschränkte sich darauf, den Kopf auf die Seite zu legen und sein Gegenüber freundlich und erwartungsvoll anzusehen. „Was soll ich nur tun?“ wiederholte der junge Mann in einer Art Selbstgespräch. „Da hat man nun die große Chance und kann sie nicht wahrnehmen! Ich muß, ich muß, ich muß verreisen... und ich krieg das Fahrgeld nicht zusammen. Jetzt habe ich mich schon entschlossen, die Steine zu versetzen, das letzte, was mir geblieben ist. Und jetzt sind die Pfandleihen zu!“ Er schien plötzlich wieder zur Wirklichkeit zu erwachen und blickte Herrn Willum forschend an.„Sie würden wohl keine Diamanten kaufen, wie?“ fragte er geradezu. „Ich? Diamanten? Oh...!“ stammelte Herr Willum verwirrt.„Um die Wahrheit zu sagen: eigentlich nein.“ „Sie würden sie billig bekommen— sehr billig,“ sagte der junge Mann drängend und hielt ihm auf der flachen Hand zwei funkelnde kleine Steine hin. „Du lieber Himmel“, murmelte Herr Willum kopfschüttelnd,„ich verstehe nichts von solchen Sachen. Und man hört so viel von... und man liest in den Zeitungen so viel von...“ Er verstummte sichtlich verlegen. Der junge Mann musterte ihn mit einem beleidigten Stirnrunzeln. „Haben die Herren die Absicht, noch lange hier zu stehen? Ich möchte gerne mal vorbei,“ te in diesem Augenblick hinter ihnen eine aßstimme. Der Sprecher, ein älterer, gut ekleideter Herr mit einem schmalen dunklen härtchen auf der Oberlippe, drängte sich zwischen ihnen und der Hauswand hindurch und trat in den Lichtschein der Lampen des Automatenrestaurants. Sein Blick fiel auf die noch immer ausgestreckte Hand des jungen Mannes.„Hallo! Diamanten?“ sagte er verwundert.„Sind sie echt? Lassen sie mal sehen!" Er zog eine Lupe aus der Tasche, nahm dem jungen Mann ohne weiteres die Steine aus der Hand und prüfte sie eine Weile sehr sorgfältig.„Echt!“ sagte er dann.„Wollen Sie sie verkaufen?" „Allerdings,“ entgegnete der junge Mann vorsichtig.„Aber...“ „Wieviel wollen Sie haben?" fragte der andere kurz. „Die beiden Steine,“ sagte der junge Mann etwas beklommen,„sind auf fünfbundert Mark geschätzt.“ „Das sind sie wert,“ sagte der Besitzer der Baßstimme und nickte.„Fünfhundert sind sie wert. Aber für mich ist das zu teuer. Ich zahle dreihundertfünfzig und nicht eine Mark mehr. Wollen Sie für dreihundertfünfzig verkaufen?“ Der junge Mann zögerte einen Augenblick, dann zuckte er die Achseln und schlug mit einem Seufzer ein.„Gut,“ sagle er.„Mit dreihundertfünfzig bin ich aus dem Druck und kann meine Reise machen. Ich verkaufe.“ „In Ordnung.“ Der Mann mit dem Bärtchen holte seine Brieftasche hervor und öffnete sie. Im nächsten Augenblick biß er sich auf die Lippen.„Verflixt,“ murmelte er,„ich sehe, ich habe nur zweihundert Mark bei mir. Nun — wir machen es so? ich gebe Ihnen die zweihundert als Anzahlung, Sie hinterlegen die Steine hier drinnen an der Bar, und ich bringen Ihnen in einer Stunde den Rest. Einverstanden?“ „Das geht nicht,“ sagte der junge Mann störrisch.„Eine Stunde kann ich nicht warten. Mein Zug geht bereits in einer halben Stunde.“ „Himmel... Sie sind aber ein schwieriger Kunde!“ sagte der andere empört. Sein Blick fiel auf Herrn Willum, der die ganze Zeit schweigend zugehört hatte.„Oh, vielleicht kann uns dieser Herr helfen. Sagen Sie bitte: haben Sie hundertfünfzig Mark bei sich?“ Herr Willum nickte. „Ausgezeichnet!“ sagte der andere und schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter. „Sie haben doch alles gehört, nicht wahr? Ich zahle dem Herrn hier zweihundert Mark, und Sie geben ihm hundertfünfzig. Dafür erhalten Sie die Steine und setzen sich für eine Stunde hier in die Bar. Und nach einer Stunde komme ich und löse die Steine bei Ihnen aus, gegen ein Aufgeld von— sagen wir— dreißig Mark. Ich denke, damit können Sie zufrieden sein. Leicht verdientes Geld, wie?“ Herr Willum sagte noch immer nichts. Er hob nur die Hand und deutete schweigend auf den Eingang zum Automatenrestaurant... Einige Minuten später saßen die drei an einem der kleinen Tische im Hintergrund des Lokals. Der junge Mann befand sich im glücklichen Besitz von dreihundertfünfzig Mark. Hundertfünfzig stammten von Herrn Willum. Herr Willum dagegen, vor dem wiederum ein Gläschen Portwein stand, hatte die beiden Diamanten in der Tasche. Der junge Mann stand auf.„Ich muß jetzt schleunigst fort, sonst erwische ich meinen Zug nicht mehr,“ sagte er „Und ich mache mich auf die Beine und hole das Geld,“ sagte der Mann mit dem Bärtchen und stand ebenfalls auf. „Hm,“ sagte Herr Willum sanft,„ich fürchte, Sie werden es etwas schwierig finden, hier herauszukommen.“ Die beiden starrten ihn sprachlos an. „Tja...,“ fuhr Herr Willum bedächtig fort, „wir haben in letzter Zeit öfter von zwei Gaunern gehört, die falsche Diamanten an den Mann bringen. Mit einem ziemlich gemeinen Trick, muß ich schon sagen. Hinterher stellt sich natürlich heraus, daß die vermeintlichen Diamanten ganz gewöhnliche Glassplitter sind... Wir mußten natürlich etwas unternehmen, nicht wahr? Wir mußten einfach.“ Der Mann mit dem Bärtchen fuhr herum und blickte zur Tür. Dort lehnten zwei sehr kräftig aussehende Herren in blauen Anzügen. Und an der Bar standen zwei ähnlich aussehende Herren. Der Mann drehte sich wieder zu Herrn Willum um.„Sie reden immer von„wir'!“ zischte er.„Was meinen Sie damit?“ „Wir— von der Polizei!“ sagte Herr Willum ruhig.„Uebrigens: wenn Sie still und vernünftig dort zur Tür hinausgehen. werden wir die Sache ohne viel Aufsehen regeln können.“ Vereinsamtes Fräulein, Ende zwanzig... Humoreske von Hans Borgelt Eigentlich hat Anna Lemmel gar keinen Grund, unglücklich zu sein. Sie bewohnt im Hause ihrer Tante, der verwitweten Inhaberin des Kolonialwarengeschäfts Richard Wernicke, zwei nette, geschmackvoll eingerichtete Zimmer, und ihre Zukunft war durch die Hinterlassenschaft ihrer Eltern hinreichend gesichert. Aus dem Backfischalter war Anna ja nun heraus(es sei verraten, daß sie dreißig Lenze zählte), aber sie hatte angenehme Gesichtszüge, war braunhaarig und tiefäugig und nannte eine vollschlanke Figur ihr eigen Und doch war sie unglücklich. Sie litt... an ihrem eigenen Namen. An ihrem vollständigen, standesamtlich eingetragenen, urkundlich festgelegten Namen Anna Lemmel. Zugegeben,„Anna“ ist nicht gerade selten und„Lemmel“ kann auch keinen großen Anspruch auf Originalität und Wohlklang erheben. Aber vollends erschütternd war der Umstand, daß sowohl„Anna“ wie„Lemmel“ von vorn oder von hinter gelesen gleichlautend waren, eine immerhin seltene Duplizität. Anna Lemmel... Lemmel Anna. Gab es nicht so klangvolle dreisilbrige Mädchennamen wie Mathilde, Irene, Leonie, Annette? Oh, Anna Lemmel war sehr, sehr unglücklich Es kam schließlich so, wie ihre Freundin, die Schneiderin Eva Molander(oh, wie sie Eva vergötterte wegen ihres herrlichen Namens), immer gesagt hatte: aus übertriebenem, nahezu hysterischem Kummer um ihren mißratenen Namen verbitterte sie sich ihre ganze Jugend und vergrämte ihr hübsches Gesicht. „Du mußt heiraten, Kleines“, sagte Eva eines Tages,„dann bekommst du doch einen funkelnagelneuen Namen!“ Das habe sie auch schon gedacht, war die betrübende Antwort. aber eine Anna Lemmel wolle doch niemand zur Frau. Aber die gewitzte Freundin hatte eine ganz großartige Idee, und ihr Vorschlag erschien Anna wie eine Eingebung des Himmelse Noch am selben Abend saß das von vorn und hinten gleichlautende Mädchen am Schreibtisch. und nach mehreren ent= und wieder verworfenen Fassungen war die geeignete Form eines Heiratsgesuches entstanden, des Inhalts, daß ein vereinsamtes Fräulein, Ende zwanzig, gemütvoll und hochherzig, vielseitig interessiert und nicht mittellos, harmonisches Eheglück ersehne. Der ahnungslose Briefkasten, dem sie wenig später das Schreiben anvertraute, hatte nie eine bedeutsamere Botschaft in seinem Innern geborgen. Nach einigen voller Aufregung vergangenen Tagen stellte ihr die beauftragte Wochenzeitschrift drei chiffrierte Briefe zu. Energisch überwand Anna Lemmel, die dreifach Umworbene, ihre Enttäuschung(denn sie hatte von 1000 Zuschriften geträumt) und riß mit nervös zuckenden Fingern die Umschläge 447. Firma Paul Nuckel, Kinderwagen und Säuglingsartikel. Wir gratulieren zur Verlobung und erlauben uns. Ihnen unseren neuen Katalog...“ Papierkorb! Aber hier:„Bezugnehmend auf Ihr Inserat... Max Sack, Kohlenhändler, 52, Witwer, drei Kinder...“ Anna Sack, geborene Lemmel? Das hatte sie nicht nötig! Totenblaß zögerte Anna einen Augenblick, ehe sie auch das letzte Schreiben öffnete. Was dann, wenn auch dieses...? „Sehr verehrtes gnädiges Fräulein! Als ich Ihre Anzeige gelesen hatte, war es für mich abgemacht, daß ich Ihnen schreiben mußte. Von Schlichtheit und Edelsinn sprachen diese wenigen Worte, die doch— ich fühle es— genau Ihr Wesen und Ihren liebenswerten Charakter kennzeichnen. Ich bin Kaufmann, 34 Jahre alt, von stattlicher Erscheinung und in gesicherter Stellung. Erlau Flottmann plant den Bau einer Siedlung (1) Anläßlich der Feier des 1. Mai in den Flottmannwerken teilte Dr. Flottmann mit, daß der Bau einer Flottmann=Siedlung geplant sei, und zwar in der Nähe des Mütterheimes. Wie wir auf Anfrage erfahren, sind die Verbandlungen mit der Stadt Heine schon aufgenommen, doch können Einzelbeiten über diesen erfreulichen Plan noch nicht bekanntgegeben werden. Wir kommen bei gegebener Zeit auf diesen Siedlungsplan zurück. Arbeitsnachmittag des Frauenbundes der ORG. (!) Der diesmalige Monats=Arbeitsnachmittag der Abteilung Herne des Frauenbundes der DRG. war nicht so gut besucht wie gewöhnlich. Im Mittelpunkt stand wieder ein Vortrag von Frau Hertba Seher über „Rohstoffe und Kolonien“, auf den wir später zurückkommen werden. Des weiteren erfreute Frau Livpmann die Anwesenden mit einigen Gaben aus norddeutschem Humor, die einen sehr freundlichen Beisal anden. Mit gemeinsamen Liedern wurde dieser Nach##ittag in schöner Weise ausgefüllt. Kameradschaftsabend der ehemaligen 171•72er (!) Die Kameradschaft ehem. 171/72er hielt am Sonntag abend im Lokale Franke eine gutbesuchte Versammlung ab, an die sich ein Kameradschaftsabend anschloß. Die Tagesordnung konnte rasch erledigt werden. Der Kameradschaftsführer Mackfeld gab in kurzen Zügen die im Sommer zu leistenden Kameradschaftsarbeiten bekannt und teilte mit, daß am 25. Juli in Duisburg die diesjährige Bundestagung stattfindet, an der die Kameradschaft geschlossen teilnehme. An die Versammlung schloß sich ein gemütliches Beisammensein mit den Familienangehörigen.— Aufführung„Hasemanns Töchter“ (!) Der Bergmannsverein Herne 1 und der Theaterverein„Hand in Hand“ Herne=Süd, veranstalteten gemeinsam am Sonntag im Saale des Ledigenheims, Düngelstraße, einen sehr gut besuchten Unterhaltungs abend, bei dem die Kavelle Solfrian den musikalischen Teil bestritt. Aufgeführt wurde das Volksstück in vier Akten„Hasemanns Töchter“ von Adolf L'Arronve. Die Aufführung, die schon früher einmal gegeben wurde, war ein Erfolg und fand verdienten Beifall. Die Titelrollen wurden von Frl. Burglin als Rosc, Frau Hilde Nickel als Krau Knorr und Frl. Anneliese Brune als Fränze Hasemann gespielt. Weiter spielten mit die Herren Junge, Knorr, Römer, Cuvelier, Frl. Mimmi Cuvelier, ferner noch Frau Lindemann, Frl. Haselhorst, Fritz Eisentraut, Gustav Nickel und August Holtkamp. Die Spielleitung hatte Karl Römer, die Ausstattung sagte gut zu. Auto= und Motorraddiebe festgenommen (!) Der Kriminalpolizei ist es gelungen drei junge Burschen im Alter von 16 bis 18 Jahren zu ermitteln und festzunehmen, die in letzter Zeit fortgesetzt auf den Straßen parkende Personenkraftwagen und Motorräder entwendeten und diese zu Schwarzfahrten benutzten. In einzelnen Fällen haben sie die Kraftwagen auch nur zu dem Zwecke erbrochen, um sich die darin befindlichen Gegenstände, wie Aktentaschen, Kleidungsstücke usw. anzueigen. Insgesamt konnten ihnen 34 Fälle nachgewiesen werden, die sie in Wanne=Eickel, Herne, Bochum, Gelsenkirchen, Köln und Wuppertal=Elberfeld ausgeführt haben. Der größte Teil der Diebesbeute u. a. auch ein fast neues Motorrad konnten wieder herbeigeschafft und den Eigentümern zurückgegeben werden. Monatsappell der Kriegerkameradschaft Herne=Horsthausen. (!) Am Sonntag hatte die Kriegerkameradschaft zu ihrem monatlichen Appell eingeladen, der vom Kameradschaftsführer Schulze um 11 Uhr im Lokal Krawinkel eröffnet wurde. Nach Erledigung der üblichen Tagesordnung gab der Kameradschaftsführer bekannt, daß für Himmelfahrt der diesjährige Ausflug in die Haard vorgesehen ist. Diebstähle (!) Am 1. Mai, in der Zeit zwischen 18 und 18.15 Uhr, wurde aus dem Schlaszimmer einer Wohnung des Hauses Kaiser=Wilhelm=Straße 43 ein Siegelring und eine Geldböise mit 5 RM Inbalt gestohlen. Es handelt sich um einen goldenen Siegelring mit den Buchstaben„H. A. M.“. Die Geldbörse ist dunkelbraun und hat drei Fächer. Der Gesamtschaden beträgt etwa 50 Reichsmark.— In den Vormittagstunden des 2. Mai wurde aus dem Lohnbüro der Zeche Constantin 4=5 der Betrag von 480 RM gestohlen, bestehend aus 8 Fünfzigmarkscheinen und 16 Fünfmarkstücken. Am 1. Mai, in der Zeit zwischen 20 und 22 Uhr, wurde eine an dem Hause Bismarckstraße 83 angebrachte Hakenkreuzfahne, 2mal1,25 Meter groß, im Werte von 6 RM gestoblen. Der Raubmord auf dem Gelände des Bochumer Vereins Erneute Verhandlung vor dem Bochumer Schwurgericht Die Sachverständigen sagen aus O Bochum, 5. Mai. In der Nacht zum 25. Mai 1935 wulde in der Modellballe des Bochumer Vereins kurz nach 2 Uhr der Baubilfsarbeiter Martin Gipper erschlagen und beraubt vorgefunden. Einige Tage später wurde in einem Heuschober bei Haltern der Fuhrmann Heinrich Wreschinski aus Bochum, Zechenstraße, unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft verhaftet. Bei seiner Verbaftung führte Wreschinski die dem Erschlagenen geraubte Uhr, in ein Taschentuch eingewickelt in der Hosentasche mit. Wreschinski bat von Anfang an jede Beteiligung an der Tat abgeleugnet. In der Sitzung des Schwurgerichts vom 6. Dezember 1985 wurde er aber nach den Feststellungen der Verhandlung als der Tat völlig überführt wegen Raubmordes zum Tode verurteilt. der Revisionsinstanz hat nun das Reichsgericht Anfang März 1996 das Urteil aus einem rein formalen Grunde aufgehoben und zur erneuten Verhandlung die Sache an das Schwurgericht Bochum zurückgewiesen. Das Reichsgericht bat in seinen Entscheidungsgründen keine Stellung zu der Frage genommen, ob der Angeklagte Wreschiniki schuldig oder nicht schuldig sei. wo hatte sich das Schwurgericht Bochum erneut mit dieser Mordtat zu befassen. Die Verhandlung begann mit der Erörterung der versönlichen Verbältnisse des 32jährigen Angeklagten. Bereits mit dem 15. Lebensjahr beginnt seine umfangreiche langreihige Vorstrafenliste. Dann wurde nochmals die Tat erörtert. Wenn auch der Angeklagte gröbtenteils mit den gleichen Worten aufwartet, die er auch in der ersten Schwurgerichsverbandlung gesagt bat, so änderte er doch in manchen Punkten seine Aussage. Wreschinski bestreitet auch heute in der Nacht zum 25. Mai überhaupt im Bochumer Verein gewesen zu sein. Er habe sich bis gegen 2 Uhr nachts am Bahnhof, in der Castroper Straße und schließlich auch in der Gegend seiner Wohnung an der Zechenstraße aufgehalten, habe von der Hedwigstraße aus die mit Stacheldraht versehene Mauer zu dem Hofe seiner Wohnung überstiegen, sei aber, obne eine Frau aufgesucht zu haben, wieder über die Mauer zurückgesetzt, als er wahrgenommen, daß eine Famille in dem betreffenden Hause noch aufgewesen und der Schein threr Wohnungslampe den Hof beleuchtet habe. Kurz nach 2 Uhr sei er dann wieder in der Wohnung seines Freundes angelangt: dieser bat in der Schwurgerichtsverbandlung im September die Rückkehr des Wreschinski aber in die fünfte Morgenstunde verlegt. Der Angeklagte bezeichnete diese ihm von dem Gerichtsvorsitzenden vorgehaltene Bekundung als unwahr. Damit schloß die heutige Vernehmung des Angeklagten Es erfolgte dann noch die Vernehmung der anwesenden Sachverständigen. Professor Dr. Förster, welcher die Bekleidungsstücke des Getöteten, des Angeklagten und die bei der Mordtat benutzte schwere Eisensange chemisch untersucht hat, bekundete, daß das Ergebnis der Untersuchung ein sehr spärliches sei. Der Hut des Getöteten wies im Innern viele Blutspuren auf. Nach all den Jeststellungen müsse der Schlag auf den Kovf des Getöteten mit großer Gewalt geführt sein, da der Hut zum Teil mit in die Schädelwunde hineingedrungen sei. Der Schlag könne sowohl von hinten wie auch von vorn geführt sein. Sachverständiger Medizinalrat Dr. Wendenburg, welcher die Leiche des getöreten Gipper obduziert hat, bestätigte dies. Es bestebe die Vermutung, daß der Schlag linkshändig ausgeführt sei. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärte der Angeklagte, er sei Rechtshänder. Sachverständiger Dr. Wendenburg wandte ein, daß er während der beutigen Verhandlung den Angeklagten fortgesetzt dahina hend beobachtet habe und ihm aufgefallen sei, daß der ngeklagte alle seine Beteuerungen in der Verhandlung stets mit der Bewegung der Linken begleitet habe und zwar in einer eise, wie dies nur ein Linkshänder tue. ( zen diese Annahme wandte sich der Angeklagte immer wieder mit der, euerung, daß er nur rechtshändig seine Arbeiten ar führen vermöge. Sachverständiger Dr. Bombach bezeichnete den Angeklagten nach seinem körperlichen und geistigen Zustand als durchaus zurechnungsfähig. Damit wurde der heutige Verhandlungstag geschlossen. Die Beweisaufnahme, zu der ein großer Zeugenapparat aufgeboten ist, wird heute morgen fortgesetzt. Es ist zu erwarten, daß heute auch die vorgesehene Besichtigung des Tatortes auf dem Bochumer Verein erfolgt.+ Nehmt ein Ferienkind auf! (!) Mit dieser Bitte klopfen in stillen Dörfern und kleinen Städten Männer und Frauen an Türen und Herzen! Von vielen, die es können, sagen einige„Ja!“ In eifriger Sammelarbeit wird dieses„Ja“ hinzugelegt zu anderen, fließt wie ein Rinnsal, das sich mit anderen aus den Nachbarorten mit einem Bach vereinigt, auf seinem Wege beständig wachsend als ein Strom der nationalsozialistischen Kameradschaft und der Liebe zu den Kindern unseres Volkes hinein in enge Städte. Straßen und Wohnungen. Jedes einzelne„Da“ wird zu einem unfahbar freudigen Ereignis für ein erholungsbedürftiges Kind, für seine Eltern, Fieund und Nachbarn. Im ganzen Deutschen Reich rollen die SonSodingen Weer Pashoutblioket (!) In den letzten Wochen kann man in unserem Stadtgebiet eine rege Bautätigkeit bemerken. So werden auf der Körnerstraße wieder zwei Einfamilienhäuser errichtet. Die Arbeiten sind bereits sehr weit fortgeschritten und in zwei bis drei Wochen wird man schon das Richtfest feiern können. Auf der Sodinger Straße geht ein großer Wohnhausblock der Vollendung entgegen. Maler und Zimmerer haben ihre Tätigkeit schon ausgenommen, so daß dieser Bau bald bezogen werden kann. 45 Noch einmal Glück gehabt s. Recht glimpflich lief ein Vorfall ab, der sich gestern nachmittag ereignete. Als ein Personenauto, von der Kirchstraße kommend. in die Saarstraße einbiegen wollte, wäre es beinahe mit einem Radfahrer zusammengestoßen, wenn der Radfahrer nicht sein Rad auf den Bürgersteig gelenkt hätte. Dabei kam er zum Sturz, erlitt jedoch nur leichtere Versetzungen. Der Damhirsch hat abgeworfen s. Nachdem der Rothirsch im Giesenberg sein Geweih schon vor einigen Wochen abgeworfen hat, hat der Dambirsch dieses am Freitag getan. Er warf sein Geweib sonst regelmäßig am 5. Mai, hat es dieses Jahr aber vier Tage früher getan. Das abgeworfene Geweih wird später aufgesteckt werden. K. Ein Sportvlatz verschwindet s. An der Kirchstraße befand sich bislang der Sportvlatz eines konfessionellen Vereins. Dieser verschwindet jetzt: später sollen hier Gartenanlagen angelegt werden. Versorgungsrechte der nachgeborenen Bauernkinder Es ist hinreichend für die Geschwister der Anerben gelorgt Einzelbestimmungen (!) Henne, 5. Mai. „Einer bekommt alles und die anderen geben leer aus“, wie oft wurde und wird auch heute noch von Bauern und Städtern dieser Vorwurf gegen das vom Nationalsozialismus geschaffene Reichserbhofgesetz erhoben. Zu Unrecht, das Erbhofgesetz enthält ausdrsckliche Bestimmungen über die Versorgung der außer dem Anerben vorhandenen Abkömmlinge des Bauern, die zu der Feststellung berechtigen, daß im Erbhofgesetz binreichend fün die Abkömmlinge des Bauern gesongt ist und deren berechtigte Ansprüche nicht verkürzt werden, wenn ein leistungsfähiger Hof vorhanden ist. Sofern allerdings der Erbhof in Gefahr steht, haben alle pessönlichen Interessen zurückzutreten, denn erster Grundsatz ist die unbedingte Erhaltung des Hofes als Sitz kommender Geschlechter und stets neu fließender Lebensquell fün die Erneuerung unseres Volkes. Man darf nicht vergessen, daß früher die oft überhöhten Ansprüche der Geschwister Hofesnachfolgers vielfach nun auf dem Papier standen, da es dem Bauern einsach nicht möglich war, mit Rücksicht auf die anderen Schulden Abzablungen auf die Geschwisterabfindungen zu machen. Zum Schluß kam es dann zur Zwangsversteigerung des Hofes— seit Ende der Inflation wurden üben 15 000 Bauernhöfe mit einem Flächengehalt von rund 500000 Hektar zwangsversteigert—, die Geschwister gingen dabei meist leer aus und verloren noch das letzte, ihre Heimat. Das ist jetzt ausgeschlossen. Im einzelnen sind die unentziehbaren Rechte der außer dem Aneilben vorhandenen erb= oder pflichtteilsberechDr. Ley treibt erste Niet ein Die feierliche Kieliegung des ersten„KdF.“=Dampfers auf den Howaldtswerken in Hambura.(Weltbild. M.) tigten Abkömmlinge des Erblassers folgende: Zunächst sind ihnen angemessener Unterhalt und Erziebung auf dem Hofe bis zu ihrer Volljäbrigkeit zu gewähren. Der Unterhalt ist in Natur zu leisten, die Abkömmlinge haben in angemessenen Grenzen auf dem Ho mitzuarbeiten. Sodann huben sie Anspinich auf Ausbildung für einen den wirtschaftlichen Erträgnissen des Hofes entsorechenden 9ern. Je nach den aufwindbaren Mitteln kann die Ausbildung zum Handwerker, zum Kaufmann, Techniker, zu einem akademiichen Beruf oder sonstiger Stellung in Finge kommen. Ferner ist den Abkömmlingen eine den Kräften des Hofes entsprechende Ausstattung zu geben, und zwar allen Abkömmlingen bei ihrer Verselbständigmachung, den weiblichen auch schon bei ibrer Verbeiratung. Es ist oft noch viel zu wenig bekannt, daß eine solche Rechtspflicht des Anerben besteht. Zweifellos bereitet die Erfüllung dieser Vewflichtung derzeit manche Schwierigkeiten, für die aber nicht das Erbhofgesetz verantwortlich gemacht werden kann: Schuld daran ist vielmehr die verfehlte Agratwolttik des vergangenen Systems, die Notzeit der letzten Jahre und die Berrüttung des Geldmarktes. Sofern es nicht möglich ist, die Ausstattung auf einmal zu geben, müssen die Geschwister sich zunöchst mit jährlichen, dem Ertrage des Hoses angepaßten Ratenzahlungen begnügen. In dringenden Fällen, amentlich bei bevoisstehender Verheiratung oder Selbstän amachung eines Kindes, können die Anerbengerichte Durchbrechung des Grundsatzes der Unbelastbarke des Hofes die Eintragung einer den Kräften des Hofe entsprechenden Hupothek genehmigen, die in Jahresra en zu tilgen ist. In ganz besondenen Fällen wird mit Genehmigung des Anerbengerichts statt einer Barausstattung die Ausstattung mit einigen für den Erbhof entbehrlichen Grundstücken erfolgen können, namentlich wenn dadurch ein neuer Ertbhof geschaffen werden kann. Endlich haben die Abkömmlinge das Recht der Heimatzuflucht auf dem Hofe, die als eine Art Kranken=, Unfall= und Altersversorgung bezeichnet werden kann. Sie ist gegeben, wenn der Berechtigte unverschuldet in Not geraten ist. Dieses Zufluchtrecht zeigt besonders, daß der Erbhof die Lebensunterlage für die Familis bildet und jedem Famtltenmitglied Schutz und Rückhalt bietet. Schon diese kurzen Ausführungen ergeben, daß im Reichserbhofgesetz hinreichend für die Geschwister des Anerben gesorgt ist, damit sie einen angemessenen Platz im Leben einnehmen, auf freien Fühen stehten und fhre Pflichten gegenüben Volk und Staat erfüllen können. Sonntagsrückfahrkarten zur Ausstellung„Das (1) Die große Volksgesundbeitsausstellung„Das Leben,“ deren Eröffnung der Reichsminister des Innern, Dr. Frick, am 9. Mai, 11 Uhr vormittaus vornehmen wird, ist von so grundsätzlicher Bedeutung für den jeden Volksgenossen, daß es unbedingt begrüßt werden muß. wenn jedem auswärtigen Besucher die Anreise so weit wie möglich erleichtert wird. Deshalb wird die Deutsche Reichsbahn während der Dauer der Ausstellung Sonntagsrückfahrkarten im Umkreis von 100 km ausgeben, außerdem nach Nachen, Bielefeld, Bonn, Gütersloh, Lippstadt, Osnabrück, Paderborn und Rbeine. Die Karten gelten: 1. von Samstag 0 Uhr bis Montag 24 Uhr(Antritt der Rückreise) an jedem Tag zur Hinund Rückreise: 2. am Mittwoch von 0 bis 24 Uhr(Antritt der Rückreise). Vom 28. 5. bis 1. 6. einschließlisch können die Besucher die Festtagsrückfahrkarten zu Pfingsten lösen. Am Mittwoch, ausgenommen am 20. 5., gelten die Karten zur Rückfahrt nur dann, wenn sie von der Ausstellungsleitung abgestempelt sind. Wollen Sie einen guten Eindruch machen? Legen Sie Wert auf ein gepflegtes Aussehen? Denn sollten Sie Nivea-Zehnpaste benutzen. Der außlerordentlich feine Putzkörper schont den Zahnschmeiz und reinigt gründlich. Regelmäßige Pflege mit Nivea-Zehnpasta er1" hält die Zähne weiß und gesund berzüge. Jedem der glücklichen Kinder, die ihre heimatliche Straße verlassen, jedem Sonderzug, der hinausfährt, folgen die Wünsche und Hoffnungen der vielen Tausend, die zu Hause bleiben müssen. Bei jeder Bekanntgabe in den Schulstuben, bei jedem Besuch in den Elternhäusern erwarten zabllose fragende Kinderaugen zwischen Hoffnung und Enttäuschung das eine Wort: „Auch du kommst mit!" Helft, daß auf die Bitte:„Nehmt ein Ferienkind der NSV!“ tausendfältiges„Ja“ einen Sturm des Glückes. der Gesundheit und der Zuversicht in die Herden unserer Kinder und ein Leuchten in die Augen ihrer Eltern bringt. Neue Zeitschrift:„Schönheit der Arbeit“ (1) Die Deutsche Arbeitsfront gibt im Laufe des Monats Mai eine neue Zeitschrift„Schönheit der Albeit“ heraus, die es sich zur Aufgabe setzen wird, den Begriff „Schönheit der Arbeit“, der ja in unserer Sozialpolitik ganz neu ist, mehr und mehr zu vertiefen und im Volke zu verbbreiten. Die Zeitschrift ist in erster Linie dazu bestimmt, die Betriebsführer dazu zu gewinnen, ihrem Betrieb ein neues Gesicht zu geben, das der Würde entspricht, mit der das Deutschland Adolf Hitlers die Arbeit ansiebt. Die Zeitschrift wird vor allen Dingen Revottagen aus solchen Betrieben veröffentlichen, die ihr äußeres Gesicht bereits geändert haben. Aus der Praxis werden für die Praxis Ratschläge gegeben. Die Zeitschrift wird ein Sprachrohr von Betmebsführer zu Betriebsführer, von Gefolgschaft zu Gefolgschaft sein! Die Zeitschrift erscheint monatlich einmal. Es wird das Bestreben der Schriftleitung und des Verlages der Deutschen Arbeitsfroet sein, in dieser Zeitschrift nicht nur inhaltlich, sondern auch drucktechnisch ganz etwas Hervorragendes zu geben. Der Einzelpreis ist daher auf 1,50 Reichsmark festgesetzt worden. Ein Viertelfahresabonnement kostet einschließlich Bezugsgeld 4 RM. das Jahresabonnement 16 Reichsmark. Die Schriftleitung befindet sich im Presseamt der DAß, das engstens mit dem Amt„Schönheit der Anbeit“ zusammenarbeitet. Jeder Betriebswalter der Def wirbt seinen Betriebsfübrer als Abonnenten der Zeitschrift„Schönheit der Arbeit". Bei allen Vertiauensräten, in den Kantinen und Blichereien muß diese Zeitschrift ausliegen. Bestellungen sind an den Verlag der Deutschen Arbeitsfront, Berlin SO 16, Am Kölinischen Park 2, zu richten. Die Zustellung erfolgt durch die Post. Reichstreffen der Altveteranen des Reichskriegerbundes in Bad (!) Wie in den Vorjahren im Ostseebad Heringsdorf und in Bad Harzburg, veranstaltet der Deutsche Reichskriegerbund(Kuffhäuserbund) e. V. auch in diesem Jahre vom 25. August bis 3. September ein Reichstreffen der Altveteranen, das diesmal in dem historisch denkwün digen Bad Ems stattfinden wird. Gerthe 79 Fahre alt g. Die Witwe Henriette Thielker geb. Lehmbrink, Castrover Hellweg 631, feierte Sonntag in Rüstigkeit und Frische ihren 79. Geburtstag. Am 3. Mai 1857 wurde sie in Harven geboren. In der alten Harpener Kirche wurde sie getauft, konfirmiert und auch getraut. Seit zwanzig Jahren ist sie Witwe und verbringt ihren Lebensabend jetzt bei der jüngsten Tochter, den Eheleuten Krissel. 25 Jahre wohnt sie jetzt in dem sogenannten Mittelfeld. Von ihren elf Kindern leben noch drei Söhne und fünf Töchter. 33 Einkelkinder und 13 Urenkel überbrachten ihrer lieben Oma die besten Glückwünsche. □ Brieftaubenwettflug a. Die der Groß=Bochumer Reisevereinigung angeschlossene Reisegruppe veranstaltete am Sonntag ihren sweiten Wettflug für alte Tiere ab Lehrte, wo morgens um sieben Uhr 1879 Tiere auf die Reise geschickt wurden, die um 276 Preise flogen. Die erste Preistaube erreichte den beimatlichen Schlag bei östlichen Winden und gutem Wetter um 9,41 Uhr in Grumme=Vöde. Der Wettflug dauerte 20 Minuten, die letzte Preistaube fiel 10,01 Uhr ein. Die ersten Preisträger waren: 1. Hüter „Wandervoge!“, Grumme=Vöde: 2. Reckert„Westsalentreue“ Gerthe: 3. Patmann„Blitz“ Gerthe: 4. Wegner Mohr„Ohne Furcht" Bergen: 5. Beine=Köster„Wandervogel“. Grumme=Vöde: 6. Kühlborn„Last uns reisen" Kornbarven: 7. Schmidt„Auf zur Heimat“. Gerthe: 8. Jürgenlienk„Wandervoge!“ Grumme=Vöde: 9. Schu macher„Treue Freunde“. Gerthe: 10. Kiel„Sieges valme“, Bochum. Den ersten Serienpreis erhielt Roh mann„Siegespalme“, den zweiten Zimmermann vom Verein„Froh Wiederseben“ Harven. Auf frischer Tat ertappt g. Am Freitag mittag gegen 2 Uhr wurden zwei Entendiebe auf frischer Tat ertappt. In dem Sump# gelände in der Näbe der ebemaligen Kalkteiche und des Oelbaches machten ein Brüdervaar aus Lütgendortmund und Bövingbausen Kesseltreiben auf die Enten des Auf dem Norrenberg wohnenden 3. Ein Werkswächter beobachtete die Diebe bei ihrem Vorbaben, stellte sie, als sie beide schon eine Ente unter dem Arm hatten und überaab sie einem herbeigerufenen Polizeibeamten. □ ** Das hochverräterische Treiben der GPD. Jede Unterstützung ist Vorbereitung zum Hochverrat hände weg von illegalen Druckschriften 0 1 d st di lie sen rII sitzt such heit folg aus derr hinte lierst Kond Au Wage sicht. Ein kenne Na Sei stabls Die Gebire steht b Mit am Si gesehen Rück Weiter Wen: durch ei Bekann O Dortmund, 5. Mai. In neuntägiger Verbandlung hatte sich der Strafsenat des Oberlandesgerichtes Hamm mit einer Anzabl Angeklagten zu beschäftigen, denen die Vorbereitung eines bochverräterischen Unternehmens und die Beibilfe zu diesem Verbrechen zur Last gelegt wurde. Es wurde auf Zuchthausstrafen von eineinhalb bis zu funf Jahren und auf Gefängnisstrafen von acht Monaten bis zu einem Jahr neun Monaten erkannt. Zum ersten Male handelte es sich in diesem Falle um ein Verfahren gegen Angeklagte, die in großem Umfange die illegalt SPD in irgendeiner Form unterstützt hatten. Das bedingte, wie in der Begründung des Urteils ausgeführt wurde, die Prüfung, ob die illegale SPT eine hochverräterische Partei oder Organisation ist. Der Senat hat diese Frage bejaht. Der hochverräterische Charakter der SPD gebe deutlich aus zwei programmatischen Erklärungen hervor, die in der in Prag erscheinenden Zeitung„Der neue Vorwärts“ im Jahre 1934 zum Abdruck gekommen sind und die, so wurde in der Urteilsb gründung betont, bochverräterische Tendenz in Reinkultur seien. Die illegale SPD sei danach nicht nur eine hochevinäterische geistige Bewegung, sondern auch eine hochverräterische Organisation. Daher sei jede Unterstützung der SPD, ihrer Ziele und Bestrebungen objektiv betrachtet die Vorbeeitung eines hochverräterischen Unternehmens. Es sei dabei ganz gleich, welche Form und welchen Umfang diese Unterstützung habe. Sie könne in der Provaganda von Mund zu Mund. in der Verbreitung der Gedanken der SPD. in Beitragszahlugen oder in sonstigen geldlichen Zuwendungen bestehen. Im vorliegenden Falle machte die Verbreitung von Flugschriften die Hauptsache aus. Wer Flugschritten verteile, solcht entgeltlich empfange oder auch mehrsach unentgeltlich sich geben lasse, begebe eine Unterstützung der bochverräterischen SPD. Der Senat, betonte der Vorsitzende nachdrücklichst, könne seine warnende Stimme nicht laut genug erheben: Finger weg von den illegalen Druckschriften! Immer sei derjenige, der solche Druckschriften verteilt oder annimmt, der Gefahr ausgesetzt, wegen Vorbereitung eines bochverräterischen Unternehmens angeklagt und eicheblich bestraft zu werden. Unter Strafe gestellt sei auch das Unterlassen der Ablieferung solcher Flugschriften oder das Unterlassen einer Anzeige. In diesem Falle seien teilweise Flugschriften zur Verteilung gelangt, die erhebliche Hetzartikel und Auffordenungen zu Gewalttätigkeiten enthielten, beinabe schlimmer als kommunistische Schriften. Die Gefahren, deren sich jeder, der sich mit solchen Flugschriften abgibt, aussetzt, würden durch die angedrohten Strafen grell beleuchtet. Es sei in besonders schweren Fällen ein Sviel mit dem Kopf. Wer irgendwelche hochverräterischen Handlungen begeht, werde schwer bestraft. Bochum Fortschreitende Gesundung der Finanzlage Bochums ( Bochum. Die Stadtverwaltung Bochum gibt jetzt ein vorläufiges Ergebnis über den Stand der Rechnungsjabres vom April 1935 bis Ende März 1936 beraus, in dem sich die fortschreitende Bessenung der Wirtschaftslage widerspiegelt. Danach betrug die vorläufige Einnahme des ordentlichen Haushalts 35 736 000 Reichsmark, die Ausgabe 41 849 000 Reichsmark, die Einnahme des außerordentlichen Haushalts 3383000 Reichsmark, die Ausgabe 1 434000 Reichsmark. Dieses vorläufige Ergebnis etchält noch eine Aufbesserung durch die Einnahmen des Monats April 1936. Im zweiten Halbjahr 1935 betrugen die Einnahmen an Steuern 12 136 000 Reichsmark gegen 9006 000 Reichsmark im ersten Halbjahr 1935. Gegenüber dem Haushaltssoll 1935 sind 3300000 Reichsmark an Steuern mehr eingegangen. Die Wohlfahrts= und Gesundheitspflege enforderte eine Ausgabe von 12 009 000 Reichsmark in der angegebenen Zeit des Rechnungsjahres gegenüber 16 192000 Reichsmark im Jahre 1934. Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen belief sich am 31. März 1936 auf 5003; sie ist gegemüber dem 31. März 1995 um 5386 zutsckgegangen, somit über die Hälfte. Gegenüber dem Höchststand vom 31. Januar 1933 beträgt der Rückgang der Zahl der Woblfahrtserwerbslosen insgesamt 20606. Mansardeneinbrecher unschädlich gemacht ( Bochum. Durch die Festnahme von zwei Dieben und vier Hehlern konnte die Polizei die seit Januar ds. Is. in Bochum verübten Mansarden= und Dachbodeneinbrüche aufklären. Der größte Teil des Diebesguts wurde wieder herbeigeschafft. Die Festnahme eines der Einbrecher, der wegen ähnlicher Vergehen bereits vorbestraft ist, erfolgte auf frischer Tat. Der Dieb legte ein volles Geständnis ab. Sein Komolise, mit dem er zusammen über 20 Diebstähle ausführte, wurde ebenfalls gefaßt. Auch er ist vorbestraft. Gestohlen wurde hauptsächlich Wäsche, aber auch Pelzmäntel, Herren= und Damenmäntel und deral. Die Sachen wurden entweder in einem mitgebrachten Sack eingenackt oder in vorgefundenen Koffern mitgenommen. Die Festnahme dieser gefährlichen Einbrecher ist einem aufgeweckten 14=jährigen Hitleriungen zu verdanken, der den Haupttäter nach Ausführung eines Mansardendiebstahls mit seinem Fahrrad unauffällig solange verfolgte, bis er die Festnahme durch einen Schutzvolizeibeamten erwirken konnte. Gelsenkirchen 200 neue Kleinstwohnungen in Gelsenkirchen () Gelsenkirchen. In der unter Vorsitz von Oberbürgermeister Böhmer abgehaltenen letzten Ratsherrensitzung wurde zunächst der Jahresbericht der Stadtsparkasse Gelsenkirchen sowie der ZweckverbandsSparkasse Gelsenkirchen=Westerholt vorgelegt. Sodann wurde mitgeteilt, daß die Stadtverwaltung ein Reichsdarlehen von 200000 RM. zur Förderung des Baues von Kleinstwohnungen ausgenommen habe. Diese Wohnungen sollen in einfachster Banweise als Doppel= oder Reibenhäuser mit Gartenland errichtet werden. Vorgesehen ist der Bau von etwa 200 Kleinstwohnungen wodurch das dringendste Bedürfnis auf diesem Gebiet befriedigt werden kann. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde u. a. noch eine Vorlage über die Heranziehung des älteren Neuhausbesitzes zur Gemeindegrundsteuer auf Grund der gesetzlichen Anordnung vom 2 4 1936 besprochen und gutgebeißen. Feierliche Beisetzung Fürstenpaares Schaumburg=Lippe ( Bückeburg. In Bückeburg fand unter großer Teilnahme der schaumburg=livveschen Bevölkerung die Beisetzungsfeier für den letzten regierenden Fürsten von Schaumburg=Lippe statt. Die beiden Aschenurnen mit den sterblichen Ueberresten des Fürsten Adolf und seiner Gemahlin Elisabetb waren nach dem Todesflug in den mexikanischen Bergen Ende Avril in Hamburg eingetroffen und in feierlichem Zuge in die Heimat geleitet worden. Die Ebrenwache wurde von den Bonner Husaren, dem alten Regiment des Fürsten. gestellt. Hohe Würdenträger der alten Armee und der jungen Wehrmacht nahmen an der Beisetzung teil. Das Bückeburger Bataillon erwies dem verstorbenen Fürsten militärische Ehren mit einer Trauerparade und der Ehrensalve. Der Briefkasten=Onkel aibt Auskunft F. R. Ja, aber es muß dem Arbeitsamt mitgeteilt werden, das seine Genehmigung geben muß. Der Regisseur Tourjansky in dem Film„Hélène“ Wieder erreicht uns ein französischer Film, tvvisch französisch in der Technik, charakteristisch für den Boden, dem er entstammt: er ist uns willkommen als ein Ausdruck des künstlerischen Willens des Nachbarvolkes. Es ist„Heléne“— nach der kurzen, seinen Novelle „L'Ordonnance“ von Gun de Massaupant— inszeniert von dem auch bei uns bekannten Regisseur Tourjanskv. Tourjansky bat sich in diesem Film ganz auf sein sicheres Können verlassen und eine souveräne Meisterschaft bewiesen. Das Verblüffende dabei ist, mit welchen stillen Mitteln Tourjanskv grobe Effekte erzielt. Die Tragödie wächst aus zarten Lorismen, in die mit eisernem Tritt das Schicksal stampft. Man ist von diesem temperamentvollen Regisseur kräftige Wirkungen gewohnt den wilden Pulsschlag des Lebens zu spüren zu bekommen. Diesmal ist er anders. Diesmal ist er viel innerlicher. Dieser russische Künstler, der, wie so viele Regisseure, vom Schauspielerischen ber kommt, vom Moskauer Künstler=Tbeater, nahm beste Tradition der Stanislaw sky=Zucht mit in den Film. Schon 1912 drehte er seinen ersten französischen Film„1001 Nacht“, so daß Marcelle Chantal und Georges Rigand in dem Film„Hélène“, der demnächst von der Hammer=Tonfilm gezeigt wird. er trotz mancher Ausflüge in andere Länder— er drebte auch in Berlin und in Hollvwood— zu den besten Meistern französischer Regiekunst zu rechnen ist. Wir kennen eine Anzabl Filme von ihm, viele mit Mosiukin, seinem jabrelangen Star, darunter den großartig gekonnten„Kurier des Zaren". Entgegen diesem wuchtigen. großartigen Filmgemälde bringt er diesmal zarte Pastelltöne, mit leiser Hand bingetupft, ungemein eindrucksvoll.(Touranskv selbst hält dieses Werk für einen besten Film). Die Heldin des Sviels verkörpert Marcelle Chantal, ein Stern am Pariser Filmbimmel, der dort aufging, als der stumme Film endgültig verstummte. Sie wollte einst Overnsängerin werden, studierte am Pariser Konservatorium. Puccinis„Boheme",„Manon und Massenets„Thais" waren ibre ersten Rollen. Später inszenierte sie Balletts mit bekannten russischen Tänzern in Paris. Sie interessierte sich für alle Künste, es war also natürlich, daß sie einmal mit dem Film zusammentraf. Sie sollte eine kleinere Rolle in dem bistorischen Film„Die Halsbandgeschichte“ spielen, als die Hauptdarstellerin Pola Negri im letzten Augenblick absagte. Marcelle Chantal sprang ein und spielte die Rolle der berüchtigten Gräfin de la Motte. Es war ein großer Erfolg für die Debütantin. die seitdem dem Film für immer treu blieb, treuer, als sie je der Oper war. Neben ihr stebt Jean Womis, ein nobler, diskreter Darsteller von Format, dem die schau[vielerische Tradition der Comédie francaise, des Hauses Molières, anzumerken ist: der junge, frische George Rigand. eine Entdeckung Rene Clairs, der ihn als Partner der Annabella in dem Film„Der 14. Juli“ debütieren ließ, Alexandre Rignault, den man zuletzt in „Maria Chapdelaine" sah, und der prachtvolle Komiker Fernandel, der bei uns in einem Film, auch nach einer Maupassant=Novelle, schon zu sehen war Auch Bielefeld schafft das Hupen ab O Bielefeld. Unter Bezugnahme auf die Ausfübrungsbestimmungen zur Reichsstraßenverkehrsordnung die besagen, daß Kraftfahrer nur dann Warnzeichen geben sollen, wenn andere Verkehrsteilnehmer gefährdet sind, fordert die Bielefelder Polizeiverwaltung die Kraftfahrer auf, das grund= und sinnlose Huven an jeder Straßenecke und selbst auf freier Strecke zu unterlassen. Bielefeld wolle dem guten Beispiel anderer Städte folgen und in Zukunft ohne das lästige Huveauskommen. Gegen die Unsitte des gewohnheitsmäß gen Huvens, durch die der Straßenlärm ins Unermeß) liche gesteigert werde, solle in den kommenden Tagen und Wochen scharf vorgegangen werden. Elli Beinhorn fliegt nach Riga und Libau ** Berlin, 5. Mai. Die Fliegerin Elli Beinhorn ist am Sonntag vormittag vom Flughafen Tempelhof zu einem Fluge nach Riga und Libau gestartet. Sie verwendet wieder das gleiche Flugzeug der Baverischen Flugzeugwerke Typ„Taifun", mit dem sie im vergangenen Sommer ihren aufsehenerregenden Flug Deutschland—Istanbul—Deutschland an einem Tage durchführte. Elli Beinhorn wird in Libau und Riga vor den deutschen Vereinen Vorträge über ihre bisherigen Flugerlebnisse halten. Bücher Zeitschriften Lassen Sie Ihr Englisch nicht einrosten! Lesen Sie ab und zu englische Texte. Das frischt Ihre Kenntnisse immer wieder auf, und es geht um so leichter vor sich, wenn Ihnen alle weniger bekannten Wörter übersetzt werden, wie dies in„Langenscheidts Enalisy Monthly Magazine“ der Fall ist. Diese neue Zeitschrift hat sich die Pflege und Förderung englischer Sorachkenntnisse zum Ziel gesetzt.(Verlag Berlin=Schöneberg.) Seit die Italiener den Tanasee in Abesstnien erreicht haben, sind die Engländer und Aegypter im Sudan um eine Soyge reicher: Wird man ihnen von dort aus das Wasser absperren? Der blaue Nil, der dem Tana=See entströmt, und den Weiße Nil sind die einzigen Fruchtspender Aegyptens. Diesen Kampf um das Wasser schildert die neue„Hamburger Ilustrierte“ in einem eindrucksvollen Bildbericht. Die Fußball= und Handball=Endspiele um die Deutsche Meisterschaft nähern sich ihrem Höhepunkt, die„Deutsche Sport=Illustrierte" berichtet ausführlich in Wort und Bild.(Sport=Verlag, Stuttgart=W.) Aus amtlichen Bekanntmachungen Heranziehung der Anlieger der Hiberniastraße zu den Kosten der Bürgersteiabefestigung mit Plattenlaufbahn auf Grund des§ 9 des Kommunalabgabengesetzes vom 14. Juli 1893 und des auf Grund dieser Bestimmung erlassenen Ortsstatuts betreffend die Erhebung von Beiträgen zu den Kosten von Gemeindeveranstaltungen in der Stadtgemeinde Herne vom 7. Februar 1934. Nachdem wäbrend der Offenlegungsfrist gegen die geplante Heranziehung Einwendungen erhoben worden waren, hat der Herr Regierungspräsident in Arnsberg durch Beschluß vom 3. April 1936 meine Entscheidung wegen Festsetzung eines Beitrages von 8,42 Mark für 1 lfdm Front zu den Kosten der Befestigung des Bürgersteiges mit Plattenlaufbahnen bestätigt. MeinEntscheidung ist daber rechtskräftig geworden. Herne, den 29. April 1936. Der Oberbürgermeister. Achtung! Ihr altes Radlogerät wird beim Kauf eines neuen unter bestimmten Richtlinien Zahlung genommen. Diese Vergünstigung gilt nur für eine kurze Zeit. Versäumen Sie nicht diese Gelegenheit und lassen Sie sich sofort ein Gerät mit den modernsten Errungenschaften aus meiner großen Auswahl vorführen. Kostenlose Beratung bei Julius Berke Herne, Bahnhofstr. 77 Ruf 513 05 Reichslender Köln Dienstag, 5. Mai 5.55 Wetterbericht für den Bauer. 6.00 Von Stuttgart: Choral. anschl.: Leibesübungen 6.30 Frühkonzert. Ausführende: Musikzug der SA.=Standarte 136, Köln. Leitung: Musikzugführer Alb. Bötel. 7.00 Nachrichten— Choral— Morgenruf. 8.00 Kalenderblatt. Anschl.: Zeit. Wetter. Wasserstandsmeldungen. 8.10 Hilde Bremus: Frauenturnen. 8.25 Sendevause. 9.45 Zeit. Nachrichten. Wasserstandsmeldungen. 10.00 Von Berlin: Jürn Jakob Swehn. Hörszenen nach dem Roman von Gillhof, bearbeitet von W Tenge. 10.30 Sendepause. 11.50 Hier spricht der Bauer. 12.00 bis 14.00 Musik am Mittag 12.00 Die Werkvause des Reichssenders Köln In Verbindung mit der DAF) Was sich die Arbeiter des Sendegebietes wünschen. 13.00 Mittagsmeldungen und Glückwünsche 13.15 Mittagskonzert. Das Kleine Orchester unter Leitung von Leo Evsoldt. 14.00 Mittagsmeldungen 14.15 Kleine Musik. Die Funkschrammeln. 15.00 Sendepause. 15.45 Wirtschaftsmeldungen. 16.00 Vom Deutschlandsender: Musik am Nachmittag. Das Unterhaltungsorchester des Deutschlandsenders spielt. Leitung: Otto Dobrindt. 16.50 Die Welt im Buch. 17.05 Besinnliche Stunde. 18.00 Von München: Musik zum Feierabend. Es spielt das Unterhaltungsfunkorchester. Leitung: Erich Kloß. Mitwirkend: Hannele Frank, Koloratursovran. Ludwig Schmidmeier, Orgel. 19.00 Tanzmusik(Schallpl.) 19.45 Momentaufnahme. 20.00 Erste Abendmeldungen. 20.10 Aus dem deutschen Volksliederbort. Liselotte Mann, Alt. Heinz Hoersch. Tenor. Marga Bäuml, Gitarre. Der Kammerchor des Reichssenders Köln unter Leitung von Josef Breuer und Mitglieder des Orchesters. 21.00 Frühmorgens, wenn ide Hähne krähn. Ein erbauliches Kavitel um die Frübaufsteber nan Dr. B. Ernst. 22.00 Zeit, Wetter. Nachrichten. 22.20 Dr. A. van Nüß: 10 Minuten Schach. 22.30 Englische Unterhaltung. 22.45 Französische Unterhaltung 23.00 Funkstille. Mittwoch, 6. Mai 5.55 Wetterbericht für den Bauer. 6.00 Von Stuttgart: Choral. anschl. Leibesübungen. 6.30 Von Berlin: Frühkonzert. Kleines Funkorchester. Leitung: Willy Steiner. 7.00 Von Berlin: Nachrichten, anschl. aus Köln: Choral— Morgenruf. 8.00 Kalenderblatt. Anschließend: Zeit, Wetter, Wasserstandsmeldungen. 8.10 Hilde Bremus: Frauenturnen. 8.25 Sendevause. 9.45 Zeit, Nachrichten, Wasserstandsmeldungen. 10.00 Nordische Märchen und Lieder. Zusammenstellung: Dr. Müller 10.30 Gretel Weise: Kindergarten. 11.00 Sendevause. 11.50 Bauer merk auf! 12.00 bis 14.00 Musik am Mittag 12.00 Die Werkpause des Reichssenders Köln. In Verbindung mit der DAF. Was sich die Arbeiter des Sendegebietes wünschen. 13.00 Mittagsmeldungen und Glückwünsche. 13.15 Von Saarbrücken: Mittagskonzert Es spielt das Kleine Unterhaltungsorchester. Leitung: Edmund Kasver. 14.00 Mittagsmeldungen. 14.15 Vom Deutschlandsender: Allerlei von zwei bis drei. 15.00 Für unsere Kleinen: Spaziergang im Zoo. Wir turnen und plaudern mit Hilde Bremus. 15.30 Sendepause. 15.45 Wirtschaftsmeldungen. 16.00 Wir treiben Familien= forschung. Ratschläge, Anleitungen und Antworten von H. Schünemann 16.30 Nachmittagskonzert. Schallplatten. Heiteres aus deutschen Overn. 17.30 Die kleine Bücherkiste. Ueber Bücher, die die Jugend liest, berichtet Karl Krings. 18.00 Von Frankfurt: Heute marschiert die Elite. Unser singendes, klingendes Frankfurt. Mitwirkende: Peter Anders, Tenor. Susi Gmeiner, Koloratur. Das Gr. Orchester des Reichssenders Frankfurt unter Leitung von Dr. Reinh. Merten Kavelle Franz Hauck. Gesamtleitung: Leopold von Schenkendorf. 19.45 Momentaufnahme. 20.00 Erste Abendmeldungen. 20.10 Sendepause. 20.15 Vom Deutschlandsender: Reichssendung: Stunde der jungen Nation. Musik der Jugend. 20.45 Mit Musik durch die Welt Serenissimus und Kindermann auf Reisen. Es spielt das Westd. Kammerorchester unter Leitung von Hermann Hagestedt. Verbindende Worte: Erich Wipvermann. 22.00 Zeit. Wetter, Nachrichten. 22.30 Nachtmusik und Tanz. Reichsfinanzschule Ilmenau eröffnet Grundsätzliche Ausführungen des Staatssekrefärs Reinhardt Liste der säumigen Steuerzahler im Sommer *** Ilmenau, 5. Mai. Is neue Dienststelle der Reichsfinanzverwaltung wurde am Montag die zweite Reichsfinanzschule bei Ilmenau durch Staatssekretär Reinbardt in Gegenwart zahlreicher Ebrengäste. Vertreter der Partei, der Reichsfinanzverwaltung, der Behörden und der ersten Lehrgangsteilnehmer aus dem Reich— 400 an der Zabl—. eröffnet. Die Aufgabe dieser Schule ist die Durchführung vierwöchiger Lehrgänge für Beamte des Kassen= und Vollstreckungsdienstes. Leiter der neuen Schule ist Regierungsrat Rogge aus Königsberg. Staatssekretär Reinbardt hielt eine groß angelegte Rede über die Steuerpolitik des nationalsozialistischen Staates und gab zugleich Kenntnis von neuen Richtlinien über die Ausbildung des Nachwuchses in der Reichsfinanzverwaltung. Reinbardt ging auf die Erfolge der nationalsozialistischen Finanzpolitik ein, stellte fest, daß der Finanzbedarf der Arbeitslosenhilfe im Jahre 1935 um rund zwei Milliarden Mark kleiner gewesen sei als im Jahre 1932. Auf der anderen Seite stieg das Steueraufkommen des Reiches trotz der Steuervergünstigungen. Steuerbefreiungen und=senkungen um rund drei Milliarden Mark gegenüber 1932. Dies ist eine Entwicklung, die das Ergebnis des erfolgreichen Kampfes um die Verminderung der Arbeitslosigkeit zeigt. Das Steueraufkommen im März 1936 sei um 156.3 Millionen Mark größer gewesen als in der gleichen Zeit des Vorjahres und im gesamten Rechnungsjahr 1935. also in der Zeit vom 1. April 1935 bis 31. März 1936 um 1445.2 Millionen Mark größer als im Rechnungsjahr 1934, ein Ergebnis, das alle Erwartungen übersteige. Staatssekretär Reinhardt gab dann davon Kenntnis, daß die Liste der säumigen Steuerzabler erstmals im Sommer 1936 aufgelegt werde. Grundsätzlich sollen in diese Liste alle diejenigen Säumigen ausgenommen werden, die am 31. Januar 1936 mit den Steuerzahlungen oder Vorauszahlungen im Rückstand waren. die vor dem 1. Januar 1936 fällig gewesen und nicht gestundet worden sind. Die Zahl der in der Liste der säumigen Steuerzahler ausgenommenen Steuerpflichtigen sei wesentlich kleiner als bei der erstmals angekündigten Liste vorauszusehen war, ein Beweis dafür, daß die Steuerebrlichkeit und Steuervünktlichkeit sich in den vergangenen 12 Monaten sehr erheblich gebessert habe. Durch einen Erlaß an die Finanzämter werde angeordnet, daß den in der Liste genannten Steuervflichtigen eine letztmalige Frist von zwei Wochen zur Beseitigung ihrer vor dem 1. Januar 1936 fällig gewesenen Steuern gegeben werden soll. Diejenigen Steuerpflichtigen, die ihren Rückstand innerhalb zwei Wochen beseitigen, sollen in die endgültige Liste nicht ausgenommen werden. Es könne denjenigen Volksgenossen, die mit Steuerzahlungen aus der Zeit vor dem 1. Januar 1936 noch im Rückstand sind, nicht dringend genug empfohlen werden, diesen Rückstand unverzüglich aus der Welt zu schaffen. Unter bestimmten Voraussetzungen soll im nächsten Winter die Aufhebung der Sperre für den Beruf des Steuerberaters in Aussicht genommen werden. Nachdem Staatssekretär Reinhardt die Lehrer der Reichsfinanzschule in ihr Amt mit einem Mahnruf zur Pflichterfüllung eingeführt hatte, begründete er die Notwendigkeit der Umbenennung des Begriffs „Reichssteuerschule" in„Reichsfinanzschule", um dann davon Mitteilung zu machen, daß das Wort„Steuersuvernumerar“ vom 1. Mai d. J. ab beseitigt worden sei. Von diesem Zeitpunkt ab gebe es nur noch nanzschüler" und„Finanzanwärter“. Oesterreich teilt Deutschland die Einführung der Bundesdienstpflicht mit *#r Berlin, 5. Mai. Der österreichische Gesandte Tauschitz machte dem Reichsaußenminister des Aeußeren, Freiberrn von Neuratb, einen Besuch. Bei dieser GeM Reichsjugendheimstätte geweiht In Rbeinsberg fand durch Hauptamtsleiter Hilg enfeldt die Weibe der neuen wvalsozialistischen Reichslugendheimstätte m.„ Reichsseminar der RSV. statt. Preisepboto, M.) legenheit überreichte er dem Minister eine Aufzeichnung. welche die Gründe für die Einfübrung der allgemeinen Bundesdienstpflicht in Oesterreich enthält. Hinrichtung in Münster * Münster, 5. Mai. Die Justizvreffestelle für den Oberlandesgerichtsbezirk Hamm in Dortmund teilt mit: Am 4. Mai 1936 ist in Münster i. W. der am 15. November 1904 geborene Leopold Weikert aus Freckenborst bingerichtet worden, der am 1. Oktober 1935 vom Schwurgericht in Münster wegen Mordes zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden war. Weikert batte im Dezember 1932 seine 30jährige Ehefrau durch Gift ermordet, da er ihrer überdrüssig war und in den Besitz einer bei ihrem Tode fälligen Lebensversicherungssumme gelangen wollte. Kommunistischer Mordbube vor Gericht **r Hamburg, 5. Mai. Vor dem Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichtes begann am Montag der Prozeß gegen den Kommunisten Edgar Andre wegen Vorbereitung zum Hochverrat. gemeinschaftlichen vollendeten Mordes an dem SA.=Truppführer Heinrich Dreckmann am 7. September 1930 und gemeinschaftlichen versuchten Mordes an sieben SA.=Männern am gleichen Tage, gemeinschaftlichen versuchten Mordes an weiteren zwei SA.=Männern sowie an drei Polizeibeamten bei dem Ueberfall auf das Hotel Petersen am 26. Januar 1931 und schließlich wegen Rädelsführerschaft bei Landfriedensbruch und Aufrubr. Sitzung des englischen Kabinetts * London. 5. Mai. Unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Baldwin trat das englische Kabinett am Montag vormittag zu einer Sondersitzung zusammen, um sich mit dem abgeänderten Entwurf des an Deutschland zu richtenden Fragebogens zu befassen. Gleichzeitig verlas Außenminister Eden die neuesten Berichte über die Lage in Addis Abeba. Wie hierzu ergänzend verlautet, wurde in der anderthalbstündigen Sondersitzung außer dem Fragebogen auch sehr eingehend die ernste Lage besprochen, die durch die Flucht des Neaus und das Ende des organisierten Widerstandes in Abessinien entstanden ist. Preß Association berichtet, daß über kurz oder lang wichtige Fragen beraten werden müßten, darunter die Frage einer Einstellung der Sanktionen und die Reform des Völkerbundes auf einer wirkungsvollen Grundlage. Besonderes Gericht zur Untersuchung des englischen Versicherungsfkandals *** London, 5. Mai. Die britische Regierung hat nach einer Mitteilung des Schatzkanzlers Neville Chamberlain im Unterhaus beschlossen, einen besonderen Ausschuß zur Untersuchung des Versicherungsskandals einzusetzen, der durch das vorzeitige Bekanntwerden der Steuer= und Zollerhöbungen ermöglicht wurde. Der Generaldirektor der Llovd=Versicherungsgesellschaft, so erklärt Chamberlain, sei nicht imstande gewesen, der Angelegenbeit völlig auf den Grund zu geben. Immerhin habe er feststellen können, daß es zu einer Indiskretion im Zusammenbange mit dem Staatsbaushalt gekommen zu sein scheine. Die Regierung sei gewillt, die Angelegenheit unter allen Umständen völlig aufzuklären. Aus diesem Grunde habe sie beschlossen, ein aus Richtern zusammengesetztes Untersuchungsgericht einzusetzen, das unter dem Vorsitz eines Richters des obersten englischen Gerichtes stehen werde. Um den Untersuchungsausschuß mit allen notwendigen Vollmachten zur Aufklärung des Versicherungsskandals zu verseben, werde sowohl das Unterhaus als auch das Oberhaus eine entsprechende Entschließung annehmen müssen, die auch bereits am Montag eingebracht worden ist. Der spanische Innenminister Salvador endgültig zurückgetreten ** Madrid. 5. Mai. Der spanische Ministerpräsident hat dem Rücktrittsgesuch des bisberigen spanischen Innenministers Amos Salvador, der wegen seines schlechten Gesundheitszustandes bereits seit einiger Zeit von dem Minister für öffentliche Arbeiten, Casares Quiroga vertreten wurde, stattgegeben. Die beiden Ministerien werden weiterbin in der Hand von Casares Quiroga bleiben. Azanas Wahl gesichert * Madrid. 5. Mai. Die Revublikanische Union hat als Kandidaten für die Wahl zum Staatspräsidenten den augenblicklichen Ministerpräsidenten Azana vorgeschlagen, dessen Partei(Revublikanische Linke) ebenfalls dieser Kandidatur zugestimmt hat. Nachdem sich auch die übrigen Parteien des Volksblocks einschließlich der Sozialdemokraten und Kommunisten für die Aufstellung Azanas als einzigen Kandidaten entschlossen haben, ist dessen Wahl zum Präsidenten der Revublik Spanien, die bekanntlich am 10. Mai stattfindet, gesichert. Als Nachfolger Azanas in seiner Eigenschaft als Ministervräsident wird in gut unterrichteten Kreisen der jetzige Außenminister Barcia, der ebenfalls der linksrepublikanischen Partei angehört, genannt. immer Streik in Palästina Jerusalem, 5. Mai. Beim Eintritt in die dritte Streikwoche ruft der arabische Generalstreikausschuß zur Fortsetzung des Streikes zum Zwecke der Erreichung des Zieles, also des Aufbebens der jüdischen Einwanderung nach Palästina und des arabischen Landverkaufs an Juden, auf. Der arabische Generalstreik macht sich überall im Lande, außer in den rein jüdischen Zentren, wie Tel Aviv usw., durch starke Unterbindung des Autoverkehrs und eine beginnende Lebensmittelverknappung bemerkbar, zumal die Streikleitung den Ladenbesitzern die Ladenschlüssel abgenommen hat. Aber auch die jüdischen Zentren bleiben von den Folgen des Streikes nicht ganz unberührt. Es ist eine anbaltende Verschärfung der Streiklage festzustellen, von der in dieser Woche vielfach die Entscheidung erwartet wird. Hauseinsturz während der Hochzeitsfeier *r Madrid, 5. Mai. In San Martin stürzte das Fachwerk eines Hauses ein, in dem gerade eine Hochzeit gefeiert wurde. Aus den Trümmern wurde der Brautführer tot bervorgezogen. 40 Versonen wurden zum Teil schwer verlatzt. Die Grundsteinlegung für das„KoF.“-Seebad am Rügenstrand An der Bucht die erste Minensuchflottille aus Pill au, die den Gruß der Kriegsmarine entbot. Atlantik, M. Internationale Tagung des Hotelgewerbes Staatssekrefür Funk sprach bei einem Empfang im Hotel Esplanade Der Sinn deutscher Fremdenverkehrsorganisation *er Berlin, 5. Mai. Auf dem großen Empfang. den Staatsminister a. D. Hermann Esser am Sonntag im Hotel Esplanade aus Anlaß der Tagung der Alliance internationale d’Hotelljerie, für die mehr als 70 hervorragenden und angesehenen Hoteliers aus etwa 20 Ländern in Anwesenheit zahlreicher Vertreter von Staat und Partei veranstaltete, hielt Staatssekretär Funk eine bedeutungsvolle Rede, in der er u. a. folgendes ausführte: Das nationalsozialistische Deutschland hat, wie die bisherige dreijährige politische Entwicklung zeigte, mancherlei Ehrgeiz. Unser höchstes und tiefstes Streben gilt dem Frieden, einer rubigen Aufbauarbeit im Innern und einer besseren stabileren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Ordnung der Welt. Aber daneben haben wir auch den besonderen Ebrgeiz, das gastlichste und vollkommenste Reiseland der Welt zu sein. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir eine Fremdenverkehrsgesetzgebung und=organisation geschaffen, die den Fremdenverkehr aus der unheilvollen Zersolitterung und Eigenbrödelei herausführt und das Höchstmaß an Leistungen sichert. Der Staat greift bei uns nicht in die wirtschaftliche Selbstverwaltung ein, irgend einer fixen Idee oder irgend eines Dogmas wegen, nur dann, wenn die Eigenkräfte der Wirtschaft schwach sind, um das Ziel zu erreichen, das die Staatsfübrung als notwendig erkannt bat. Wo die Initiativkräfte der Wirtschaft stark genug sind, um sich selbst vorwärts zu entwickeln, muß und wird der Staat sich jeden Eingriffs entbalten und alles tun. um diese Kräfte zu fördern. Wir sind glücklich, daß das deutsche Hotelgewerbe auf einer hoben, in der Welt allgemein anerkannten Stufe steht. Dieses Gewerbe hat eine besondere Wohnkultur entwickelt, die wir nicht entbehren wollen. Neben der Zweckmäßigkeit bat im Hotelleben auch der Anspruch auf Schönheit und kultivierte Wohnlichkeit sein Recht. Unser Lebens= und Kunstideal ist ganz und gar nicht der reine, kalte Zweckmäßigkeitsstil, den eine Evoche hervorgebracht hat, die wir geistig und seelisch überwunden haben. Der frühere Phönix=Direktor Bachmann in Ungarn verhaftet *r Budavest, 5. Mai. Der frühere Direktor der Wiener Phönix=Versicherungsgesellschaft, Wilbelm Bachmann, der nach der amtlichen Wiener Verlautbarung angeblich als Nationalsozialist einen Betrag von 430000 Schilling erhalten hatte, ist an dem tschechischungarischen Grenzort Asvany verhaftet worden. Gegen Bachmann hatte die Wiener Polizei einen Steckbrief wegen Veruntreuung erlassen. Als Bachmann in der Nacht in einem Privatwagen aus Preßburg kommend an der ungarisch=tschechischen Grenze eintraf, wurde er von dem Gendarm erkannt und verhaftet. Er wurde sofort nach Budapest übergeführt. Ueber seine Auslieferung an die österreichtschen Behörden schweben zurzeit noch Verbandlungen. Wieder ein Reger in A8A gelyncht New Vork, 5. Mai. Im Staate Georgia überfielen in der Näbe von Pavo etwa 200 Männer auf der Landstraße einen Gefangenentransvort. Sie entrissen dem Sheriff einen Neger, der unter Mordverdacht stand, lunchten ihn und warfen dann seine kugeldurchlöcherte Leiche in den Hof einer Negerschule. Dies ist der dritte Fall von Lunchiustiz, der sich innerhalb einer Woche in den Vereinigten Staaten abgespielt bat. „Staatsseind Nr. 1“ Karpis verhaftet ** New York, 5. Mai. In den letzten Tagen sind in verschiedenen Städten mehrere große Banküberfälle verübt worden. In Detroit drangen fünf bewaffnete Banditen in einen Bankraum ein und raubten 50000 Dollar. In Bogota in New Jersen wurden am Donnerstag bei einem Banküberfall 20000 Dollar geraubt. Dem Leiter der Untersuchungsabteilung des Bundesjustizdepartements, Edgar Hoover, gelang es, in New Orleans den largesuchten Gangster Alvin Karvis in seiner Privatwobnung zu verhaften. Hoover war mit 20 Beamten überraschend in die Wohnung eingedrungen. Gleichzeitig wurde in der Wohnung von Karvis ein wegen Mordes und Banküberfalles gesuchter Verbrecher und eine Frau festgenommen.— Ka vis galt nach der Erschietzung von Dillinger durch Polizeibeamte als„Staatsfeind Nr. 1". Im ganzen Lande wurde seit langem nach ihm gefahndet. Er stebt in Verbindung mit der Entführung des Bankiers George Bremer in Minnesota im Januar 1964 und mit zahlreichen anderen Verbrechen. 420 blinde Passagiere an Bord eines Dampfers wp Batavia, Anfang Mai. Bei der Ankunft des Dapmfers„Kwalang“ der China Navigation Company in Bangkok ergab sich bei einer Untersuchung des Schifses, daß sich nicht weniger als 420 Chinesen als blinde Passagiere an Bord befanden. Sie hatten sich versteckt gehalten. Der Dampfer kam von Amov. Da die blinden Passagiere während der ganzen Dauer der Ueberfahrt nur von Reis gelebt hatten, befanden sich die meisten von ihnen in einem derartigen Zustand der Erschöpfung, daß ärztliche Hilfe erforderlich war. Es bandelte sich um Chinesen, die versuchen wollten, die drastischen Einwanderungsbestimmungen Siams zu umgeben. Sämtliche 420 Chinesen wurden in Bangkok ins Gefängnis eingeliefert. Sie werden auf Kosten der China Navigation Companv nach China zurücktransportiert werden. Handel und Wirtschaft Der Reichsbankausweis von Ende April *** Berlin. 5. Mai. Der Ausweis der Reichsbank vom 30. April 1936 läßt eine kräftige Inanspruchnahme des Noteninstituts erkennen. Mit einem Zugang auf den Anlagekonten von insgesamt 563.2 Millionen Mark ist der vorjährige Zugang von 346 Millionen Mark erheblich übertroffen worden, dagegen betrug am Quartalsultimo dieses Jahres, dem 31. März, die Erhöhung auf den Anlagekonten sogar 615 Millionen Mark. Die Steigerung im Berichtsabschnitt bängt neben der laufenden Kreditbeanspruchung infolge der Frühjahrsbelebung auch damit zusammen, daß die Abdeckung im Avril mit 77.4 v. H. der Ultimo März=Beanspruchung nicht so stark gewesen ist, dann aber auch damit, daß der Lohntag mit dem Ultimo April zusammenfiel. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und schecks um 487.9 Millionen auf 4352.6 Millionen Mark, an Lombardforderungen um 36.8 auf 73.4 Millionen Mark und an Reichsschatzwechseln um 68.9 auf 70.9 Millionen Mark zugenommen, dagegen die Bestände an deckungsfähigen Wertpapieren um 30.4 auf 239.6 Millionen Mark abgenommen. Die gesamte Kapitalanlage der Reichsbank stellt sich am Stichtag auf 5055.9 Millionen Mark. Andererseits sind an Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen 489.7 Millionen Mark in den Verkehr abgeflossen. Der Umlauf an Reichsbanknoten stieg um 471.5 auf 4348 Millionen Mark, der an Rentenbankscheinen um 18.2 auf 397.3 Millionen Mark, während der Umlauf an Scheidemünzen um 133.1 auf 1561,2 Millionen Mark zunahm. Der gesamte Zahlungsmittelumlauf betrug Ende April 6643 Millionen Mark gegen 5783 Millionen Mark in der Vorwoche. 6267 Millionen Mark im Vormonat und 5848 Millionen Mark zur gleichen Zeit des Vorjahres. Die Abnahme der Giroguthaben um 34.2 auf 687.7 Millionen Mark entfällt auf die öffentlichen Guthaben. Die Deckungsbestände sind um 1.2 auf rund 75.4 Millionen Mark gestiegen, und zwar nahmen die Goldbestände um 1.1 auf 70 Millionen Mark und die Devisenbestände um 0.1 Millionen Mark auf rund 5.5 Millionen Mark zu. Rütgers-WerkeAG., Berlin .“ In der Aufsichtsratssitzung wurde beschlossen, der HV. am 19. Mai eine Dividende von wieder 6 Prozent für 1985 vorzuschlagen. Die Bilanz zeigt bei den Warenbeständen gegenüber dem Vorjahr eine Erböhung von 0,08 Mill. RM. Forderungen werden mit 11,29(i. V. 9.62) Mill. RM. Verbindlichkliten mit 7,15(6.20) Bankguthaben, Wechsel und Schecks mit 6.76 (7.52), Mill. RM. ausgewiesen. Der Reingewinn beträgt 1.75(1,74) Mill. RM. Einschl. des Vortrags von 249000(243000) RM. ergibt sich ein Gesamtgewinn von 2(1.98) Mill. RM.; hieraus werden nach Ausschüttung der Dividende und Zahlung von 62.000 (61 778) RM. Aufsichtsratsvergütung 271000(249 439) Reichsmark vorgetragen. Der bisberige Verlauf des neuen Geschäftsjahres lasse auf eine weitere freundliche Entwicklung schlieben. Letzte Nachrichten Lustschiff„Hindenburg“ glatt gelandet Friedrichshafen, 5. Mai. L. Z.„Hindenburg“ ist nach achtstündigem Probeflug geitern 23 Uhr glatt in Friedrichshafen gelandet. * di rII sitzt such heit folg 9 aus W derr hinte W ierst Wi Kond Wage sicht. Ein kenne Nar Sei gelasse stabls Die Gebire steht b Mit am Si gesehen Rück Weiter! Wen: durch ei Bekann Schlumm're nun in Frieden, losgelöst vom Leid, Gott hat Dir beschieden Himmelsseligkeit. Gott dem Allmächtigen hat es getallen, meinen lieben Sohn, unseren guten Bruder, Schwager, Onkel und Vetter Willi Piepenbrink im blühenden Alter von fast 25 Jahren zu sich in die Ewigkeit zu rufen. In tiefer Trauer: Familie Piepenbrink und Angehörige. Herne, Lüdenscheid, Gelsenkirchen und Essen, den 2. Mei 1936. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 6. Mei 1936, nachm. 4¼ Uhr, vom Sterbehause, Herne, Schlohstraße 37, aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise der Anteilnehme beim Heimgange unseres lieben Verstorbenen danken wir herzlichst. Mariechen Lanfermann und Anverwandte. Herne-Sodingen, 5. Mai 1936. GLORIA-PALAS Lichtburg ##iahar schwach in de Orthonranhle M B Lieber schwach in de Orthographie— aber stark in de Liebe! sagt Rotraut Richter In dem urwüchsigen und lustigen Knall-Briketts-Filn Krach Heute, Dienstag, 3 Uhr: Première Ein Spitzen fllm der Wellprodukilon lean Worms, Marcelle Chantal, Georges Rigaud FrItz Servos in Kampf um den Bär In deutscher Sprache in deutscher Sprache Von seinem in großer Geduld ertragenem Leiden erlöste heute früh um 2 Uhr Gott der Herr durch einen santten Tod meinen lieben Mann, Vater, Schwiegervater, Grohvater, Bruder, unseren Schwager und Onkel Heinrich Ludwig im Alter von 65 Jahren. In tiefem Schmerz: Frau Hermine Ludwig geb. Vedder Altred Ludwig u. Frau Eise geb. Richter, und 4 Enkelkinder. Herne, den 4. Mai 1936. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 7. Mei 1936, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Herne, Kirchhofstraße 2 a, aus statt. Allen, denen aus Versehen keine besondere Nachricht zuging, diene diese als solche. Evangel. Frauenhilfe Baukau Unser liebes Mitglied Frau Klara Rapp ist beimaegangen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, d. 6. Mai 1936. nachm. 3½ Uhr vom Trauerhause. Herne, Cranger Str. 80, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Vorstand Achlung! Engl. Der Blindenverein Herne erbittet für nachstebende Mitglieder Aufträge: Strick= und Häkelarbeiten: Maria Mackowiak Nordstraße 34: Kunststrickerei und Häkelarbeiten: Aenne Püver Schloßstraße 26: Klavierstimmen, Revaraturen, Polieren leigene Werkstatt): Mablstedt. Bahnbofstraße 15 a. Teleobon 500 38: Blumen und Kränze: Wienbolt. Steinweg 4. Telephon 512 94: Stuhlflechter: Karl Sälzer. Bismarckstraße 93: Schreibmaschinenarbeiten aller Art(Abschriften Gesuche): Otto Busse. Am Westbach 19 Blindenwerkstatt des Westfälischen Blindenvereins. Ortsgruppe Herne: Annahme von Revaraturen und Verkaufsstelle Blindenwerkstatt Städtitsches Altersbeim, Herne, Wiescherstraße. Ruf 521 93. sowie bei Wienbolt, Steinweg 4. Ruf 51294. 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