∆ 90 Erscheint täglich un Ausnahme der Sonn= und gesetzl. Feiertage. Abonnementspreis # ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage dam Bleitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pfg. en Monst, durch die Post bezogen für 3 Monate 1.50 un. und Verlag, sowie für die Inserate perantwottlich: Biktor Schanzer, Dortmund. verbunden Lokal-Anzeiger für mit den Dortmund u. Hörde und der täglichen Unterhaltungsbeilage KAPT sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Auschluß Nr. 3299. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Psa Reklamen die 4 gespaltene Vetitzeile oder deren Raum 60 Pfg. Beilagen nach Uebereinkunst. Bei zwangsweiser Beltreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt einfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebene: Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Sonnemaun, Dortmund. Dortmund, Donnerstag, den 10. März 1910. Erstes Blatt. die Leitung der Fortschrittlichen Volkspartei. das Organisationsstatut der Fortschrittlichen swartei lehnt sich fast duuchweg an das bisheridrei# der Gesamtpa! per Parteitag, bestehend aus den parlamentarischen Lertretern und je drei Delegierten jedes einzelnen Reichstagswahlkreises, zweitens, als Parteileitung, er zentralausschuß, bestehend aus den Reichstagszeordneten und 69 gewählten Delegierten der einzinen Verbände der Partei. Dieser Zentralaushuf wählt einen geschäftsführenden Ausschuß, der in engeren Sinne die Parteileitung darstellt. dem Geschäftsführenden Ausschuß liegt die Ereigung der laufenden Parteigeschäfte ob, eine Aufabe, die sehr häufig, ganz besonders aber in Zeiten zi Wahlkampfes, rasche Entschlüsse binnen längIhre hindurch Wert darauf gelegt, daß er des Geschäftsführenden Ausschusses ständig in eerlin anwesend sind. Es hat sich auch als vorteilust erwiesen, daß die Mitglieder der Parteileitung lgeordnete sind, die sich mehr als sieben Monate findurch fast täglich ohne weiteres regelmäßig im karlament treffen und dort oft binnen kurzer Zeit i für den Tag vorliegenden Parteigeschäfte in frangloser Aussprache erledigen können. Im Herbst i wurde auf dem allgemeinen Parteitag in Berin die Zahl der Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschusses auf 12 erhöht und die Wahl der neuen Aitglieder unter Berücksichtigung der Führer der einenen Landesteile vorgenommen. In dem Entwurf ius Organisationsstatuts für die neue Partei, den u Viererausschuß im Dezember veröffentlicht hat, m ein Geschäftsführender Ausschuß, der aus 16 ützliedern bestehen sollte, vorgesehen, Dabei war nitem Entwruf bestimmt, daß bis zu dem ersten imeinen Parteitag der neuen Partei im Jahre Mdie Freisinnige Volkspartei neun, die Freisinnige Kreinigung vier und die Deutsche Volkspartei drei Aitglieder in den Geschäftsführenden Ausschuß entiden sollte. Die Freisinnige Vereinigung glaubte sch durch diese Bestimmung benachteiligt, und desulb ist die Zahl der Mitglieder des Geschäftsführenen Ausschusses in dem jetzt endgültig angenommenen Urganisationsstatut auf 18 erhöht worden mit der Frimmung, daß bis zum Parteitage von 1912 darin Freisinnige Volkspartei durch 10, Freisinnige Verenigung durch 5 und die Deutsche Volkspartei durch 3Ritglieder vertreten sein soll. In dem Organisationsstatut ist auch bestimmt, Uder Zeutralausschuß die Mitglieder des Geschäftshrenden Ausschusses wählen soll„unter möglichr Lerücksichtigung der einzelnen Landesteile". Die*.bestimmung ist bei der Wahl des ersten Gelastsführenden Ausschusses noch nicht berücksichtigt sorden. So hat die Freisinnige Vereinigung 5 Mitin den Geschäftsführenden Ausschuß entsandt, samtlich, mit Ausnahme des Abg. Gothein, ihren Snsitz in Berlin haben. Es sind dies die Abgesoneten v. Liszt, Mommsen, Naumann und Dr. sichnicke. Die Deutsche Volkspartei hat in den GeAuf der Brautschau. Humoristischer Roman von Felix Brenta. 41 ##so hab ich denn keine Mühe und Kosten gescheut, um emen diesen schriftlichen Beleg zeigen zu können. Sie Wen, wie gewissenhaft ich Ihnen jetzt mit meinen Ausscue; diene. Und, wie gesagt, ich habe keine Kosten geI winge Juristen werden von Berufswegen zum Zweiealer menschlichen Behauptungen erzogen. Herr Lichfand daher für seine Kosten, die er nicht ge.„hatte, wenig Glauben, aber gleichwohl einen kräfichr's ernen Händedruck des Referendars, der unruhig 7 die Möglichkeit nachsann, auf gute Art dem Raugain Hause fernbleiben zu können. „ Pssen Sie, ob dort heute große Gesellschaft gelafragte er. perr Lichtenburg zuckte die Achseln und antwortete: Euer Ge#ichts näheres bekannt. Vielleicht kann Herr k#rf: Uhnen etwas darüber sagen. Der ist ja ebenfalls uucht##gdidat ist eingeladen?“ rief Dr. Laue überDas wissen Sie gewiß?“ ene Szieheiel tumt! Er hat ausdrücklich bestellt, daß Stiefeln heute besonders glänzend gewichst werden weil er bei Raupachs eingeladen sei!“ trifft sich vorzüglich, Sie müssen mir gleich noch cheibe inn au Herrn Raupach bestellen. Warten Sie, ich Lichtenburg scheute sich, dem Hausbesitzer nach ###tigen Mahnbrief vorzeitig mit leeren Händen r ugen zu treten. Bestellt war er heute erst #reld in Ptere Vormittag. Auch brannte ihm das Sill. 42 m der Hand und der Durst in der Kehle, und ner„2Ttschuldigend im Biedertone:„Ich stehe sonst een zu Ihren Diensten, Herr Doktor. Aber jetzt Sorg den anderweitigen, wichtigen Gang vor.“ ch sträm: zing= Durch den strömenden Regen hintriuge er unentwegt einem Orte zu, wo ein stäruldares Naß die Luft durchseuchtete und durchWais er tgzendar schrieb seinen Brief auf dem Amt, “ K ion einem Dienstmann zur Beförderung überschäftsführenden Ausschuß entsandt den Abg. Conrad Haußmann, Stuttgart, Dr. Heinrich Rößler, Frank furt a. M., und Professor Hummel, Karlsruhe. Die Freisinnige Volkspartei hat von den bisherigen 12 Mitgliedern des Geschäftsführenden Ausschusses 8 auch in den Geschäftsführenden Ausschuß der neuen Partei gewählt. Es sind dies die Abgeordneten Fischbeck, Gyßling, Kaempf, Kopsch, Dr. Müller=Meiningen, Traeger, Dr. Wiemer und der Stadtverordnete Buschhaus in Hagen. Neu gewählt worden sind der Abg. Cassel und der bisherige stellvertretende Vorsitzende des Zentralausschusses, Abg. Blell, Brandenburg. Ausgeschieden aus dem Beschäftsführenden Ausschuß sind die Herren Craemer, Sonneberg, Reichstagsabg. Oscar Günther, Plauen, Geheimer Justizrat Gutfleisch, Gießen, und Stadtrat Dr. Weill, Karlsruhe. Vorsitzender der Parteileitung ist der Abg. Fisch beck, sein Stellvertreter ist der Abg. Mommsen. Im Zentralausschuß der Fortschrittlichen Volkspartei führt den Vorsitz der Abg. Funck, seine beiden Stellvertreter sind Abg. Payer und Abg. Schrader. Der Geschäftsführende Ausschuß wird zu seiner ersten Sitzung am heutigen Donnerstag, den 10. März im Reichstage zusammentreten. Der Kaiser auf der Nordseefahrt. Der Kaiser ist auf dem Flottenflaggschiff„Deutschland“ nach Helgoland abgefahren, begleitet vom Kreuzer„Königsberg“ und zwei(!) Depeschenbooten. Der sächsische Rönig auf Reisen. Der König von Sachsen, der, wie berichtet, zurzeit in Korfu weilt, wird heute zu etwa achttägigem Aufenthalt in Pola eintreffen und im Hotel Riviera ababsteigen. Der König wird bei dieser Gelegenheit dem Erzherzog=Thronfolger Franz Ferdinand, der sich gegenwärtig in Brioni aufhält, einen Besuch abstatten. Hansa=Bund und Schiffahrtsabgaben. Die Verhandlungen über die Einführung von Schifffahrtsabgaben im Deutschen Reiche zwingen zu der Erinnerung daß die Freiheit der deutschen Ströme von Abgaben und Wasserzöllen eine nicht zu gering anzuschlagende Förderung der Einigungsbestrebungen des deutschen Volkes und die Beeitigsung eines der schlimmsten Auswüchse auch des wirtschaftlichen deutschen Partikularismus gebildet hat. Die Abgabenfreiheit ist daher bisher stets als ein Grundseiler der deutschen Reichsverfassung angesehen worden. und die Befürchtung läßt sich nicht völlig von der Hand weisen, daß die Auferlegung von Schifsahrtsabgaben der erste Schritt zu einer Verstaatlichung des Verkehrs auf den Strömen sein könnte. Werden aber oder sind bereits gegen den Widerspruch mehrerer Bundesstaaten, Schiffahrtsabgaben beschlossen so sind die im Hansa=Bund vereinigten Angehörigen von Gewerbe, Handel, und Industrie unter Vorbehalt der Stellungnahme zu dem zu erwartenden Entwurf einmütig der Auffassung, daß dieser unter allen Umständen modernen Wirtschafts= und Verkehrsanschauungen zu entsprechen hat Es ist insbesondere Gewicht darauf zu legen, daß die Schiffahrtsabgaben nicht fiskalischen Charakter tragen, mithin nicht in die allgemeine Staatskasse geleitet werden dürfen. sondern daß sie Zweckverbänden, die für die einzelnen Stromgebiete zu bilden sind, zugeführt werden und lediglich zur Verbesserung der betreffenden Schifahrtsstraßen Verwendung finden. Unkaufmännische und den Verkehr schädigende Bestimmungen sind zu vermeiden, vielmehr ist auf Grundlage der Selbstverwaltung den Schiffahrtsbeteiligten namentlich hinsichtlich der Berechnung und Höhe der Abgaben, sowie hinsichtlich der Tarifbildung und der Verwaltung und Verwendung der Einnahmen, in geeigneter Form entscheidende Mitwirkung einzuräumen. Reine Verständigung in der Wahlrechtsfrage. Die Verhandlungen zwischen den Parteiführern des Abgeordnetenhauses über die Wahlrechtsvorlage sind völlig ergebnislos verlausen, da die Rechte den Wünschen der Liberalen nicht entgegenzukommen geneigt ist. Freifahrtkarten für Landtagsabgeordnete. Die Einführung von Freifahrtkarten für Landtagsabgeordnete vom Wohnsitz nach Berlin und zurück ist nach der Köln. Volksztg. gesichert. Das Staatsminiministerumi erklärte sich in seiner gestrgen Sitzung grundsätzlich für die Bewilligung dieser Freifahrtkarten. Die Einführung soll auf dem Verwaltungswege erfolgen, sobald einige Bedenken und formelle Schwierigkeiten beseitigt sind. Der Verband der Feuerbestattungsvereine im Deutschen Reiche hat eine Immedsateingabe an den König von Preußen gerichtet, er möge im Sinne Friedrichs des Großen, der schon 1741 für sich die Bestattung auf römische Art befohlen hatte, durch Königlichen Erlaß, wie es in Württemberg geschehen ist, anordnen, daß auch in Preußen unter Wahrung der Pietät ohne Gefährdung der öffentlichen Ordnung Leicheneinäscherungen stattfinden könnem und dürfen, oder die Herren Minister veranlassen, dieses im Wege der Verordnung durch gesetzliche Regelung zu ermöglichen. Die Nationalliberalen in Sachsen. In der sächsischen nationalliberalen Partei ist ein schwerer Konflikt zu befürchten, wenn es nicht gelingt, vas Verhalten des am letzten Sonntag in Chemnitz stattgehabtn Parteitages gegen den Landtagsabgeordneten Langhammer wieder gut zu machen. Langhammer ist aus dem Gesamtvorstande hinauscewählt. Dieser Vorgang wird in vielen nationalliberalen Kreisen Sachsens als ein schwerer taktischer Fehler empfunden und gleichzeitig als eine wohl organisierte Ueberrumpelung des linken Flügels der Nationalliberalen durch rechtsstehende Parteimitglieder. Langhammer ist eine der tätigsten Persönlichkeiten der Partei in Sachsen, ein schlagfertiger Redner, dessen Liberalismus und die unumwundene Art, wie er ihn zu vertreten pflegt, allerdings manchem Politiker nicht angenehm sein dürfte. Man hat also v.rsucht, den unbequemen Parteimann aus einem wichtigen Vorstandsamt zu entfernen. Die nationalliberale Landtagsfraktion, deren zweiter Vorsitzender Langhammer ist, hat dem schon aus Gründen der politischen Taktik wenig klugen Vorgehen seiner Gegner die Spitze abzubrechen versucht. Sie hat jetzt 27. in einem einstimmig gefaßten Beschluß ihr Bedauern über das Chemnitzer Vehralten ausgesprochen und Herrn Langhammer gebeten, sein Verhältnis zur Fraktion nicht zu lösen. Durch die Chemnitzer Taktik ist eine Ablösung des linken Flügels der säch sischen Nationalliberalen nicht unwahrscheinlich. Die Haltung der Rechtsnationalliberalen kann für die Gesamtpartei in Sachsen um so verhängnisvoller werden, da sie ohnehin bei den nächsten Reichstagswahlen einen schweren Kampf um ihre Mandate bestehen müssen, bei dem sie auf die Hilfe der Konservativen nicht wie in früheren Jahren rechnen dürfen. Die„ekelhafte" Aaitation. Der polizeiframme„Reichsbote" stellt eine launig zu lesende Betrachtung über die Aussichten der Wahlrechtsvorlage des Majors v. Bethmann Hollweg an und kommt dabei zu dem Schluß: Unter diesen Umständen ist wenig Aussicht für das Zustandekommen der Reform, so erwünscht sie auch wäre, um die ekelhafte Agitation und Volksverhetzung zum Stillstand zu bringen. Wenn nichts zustande kommt, so bleibt das bestehende Wahlrecht, und es wäre am besten gewesen, man hätte seine Reform gar nicht erst versprochen. Der brave„Reichsbote" täuscht sich. Wenn nichts zustandekommt und das bestehende Wahlrecht bleibt, so wird die„ekelhafte Agitation“ durchaus nicht aufhören. Sie wird mit verstärkten Kräften fortgesetzt werden, bis Preußen ein Wahlrecht hat, das aus Ungerechtigkeit Gerechtigkeit gemacht hat. Die Belastung der mittleren und kleinen Vermögen. Der Geschäftsbericht der Deutschen Bank spricht sich in folgender beachtenswerten Weise über die Entwicklung des deutschen Wirtschaftslebens aus:„Die Zerklüftung der politischen Parteien und der Eigennutz einzelner Stände haben den Finanzgesetzen ein Form gegeben, die von der Mehrzahl der deutschen Bevölkerung als ein Unrecht empfunden wird. Insbesondere ist das schon vorher doppelt lesteuerte Einkommen aus Aktiengesellschaften erhöhter Belastung unterworfen worden; bei den für die preuß. Volkswirtschaft wichtigsten, nämlich bei allen größeren Gesellschaften beträgt die Erhöhung der Einkommensteuer volle 50 Prozent; eine in Preußen neu ins Leben tretende Aktiengseellschaft hat, bei Ausgabe ihrer Aktien zu pari und je nach den Umständen für Landes= und Reichsstempel 5 Prozent und mehr zu bezahlen; bei Kapitalvermehrung prosperierender Gesellschaften, deren Aktien ein erhöhtes Agion bedingen, wachsen die Gebühren auf Prozentsätze, wie sie noch in keinem Lande vorgekommen sind. Die Belastungen treffen aber nur in seltenen Fällen die großen Kapitalisten, die der Gesellschaftsform entraten können, sondern in der Regel die mittleren und kleinen Vermögen, die sich in der modernen Aktiengesellschaft zu machtvollen Einheiten zusammenschließen. Diese geben hatte, atmete er befreit auf und blätterte im Hypothekenbuch, um seinem Geiste wieder einmal die Auswahl der in Betracht kommenden Schwiegerväter vorzuführen. Inzwischen hatte Herr Heuer vergebens nach Bedienung gerufen. Er hatte vor Tisch eine Stunde in seiner Wohnung zu geben und fürchtete, etwa noch in voller Unordnung zu sitzen. Das Rosa war im Zimmer des Herrn Baron beschäftigt und hörte ihn nicht. So kam er in die Küche herunter, um sich bei Frau Lichtenburg kräftig zu beschweren. Bescheiden, wie immer, trat er ein, und bei seinem Anblick durchzuckte ein hoffnungsvoller Gedanke der Wirtin kummervolles Haupt. Der Kandidat hatte ihr selten Gelegenheit zu unschuldigen kleinen Nebenverdiensten gegeben. Seine kärglichen Vorräte pflegte er selbst einzukaufen, und wenn sie ja einmal etwas für ihn auslegte, so bezahlte er es augenblicklich mit derselben ängstlichen Gewissenhaftigkeit, mit der er allmonatlich seine Miete entrichtete. Seine veinliche Pünktlichkeit in dieser Beziehung wurde von einem anderen Mieter im Hause erreicht, und so war er, wie so oft Leute, die ihre kleinen Schulden immer bar bezahlen, in den Verdacht gekommen, reich und geizig zu sein. Auch Frau Lichtenburg teilte diesen Verdacht. Sie konnte sich nicht entsinnen, den Kandidaten jemals eine große, leichtsinnige Ausgabe machen zu sehen. Das kleine Bibliothekfest für seine Jungens war bisher seine größte Verschwendung gewesen. Aber es war ihr auch nicht erinnerlich, daß der Kandidat jemals ohne Barmittel gewesen wäre. Er war der einzige ihrer Mieter, der sich noch niemals in Geldverlegenheiten befunden hatte, und so gewann ihre Seele plötzlich ein unbegrenztes Zutrauen zu ihm. Er erschien ihr als Rettungsengel in der Not, und nach einem kurzen, prüfenden Blick auf sein gutmütiges Antlitz war sie sich klar, auf welche Weise dieser Engel gerührt werden mußte. Gebrochen taumelte sie einige Schritte zurück und lehnte sich matt an die Küchenwand, sodaß sie die ganze Länge des Raumes vor sich hatte und in seinem Hintergrund zwischen Herd und Küchenrahmen ein wirkungsvolles Bild abgab „Solch' ein Unglück, Herr Kandidat,“ jammerte sie. „Solch ein Unglück! Raten Sie mir, bester Herr Heuer, helfen sie mir. Ich weiß keinen Ausweg. Sie sind meine einzige Zuflucht.“ Dabei ließ sie ihre Blicke so verstört kreisen, als habe sie eine Schachtel Aloepillen verschluckt. Der Kandidat dachte das jedoch nicht von ihr, sondern vermutete Schlimmeres. Vielleicht hatte Peter sich wieder mit einem gestohlenen Braten Verdauungsbeschwerden zugezogen, oder Peppi war bei dem naßkalten Wetter von Erkältung und geschwollenen Mandeln befallen worden. Frau Lichtenburg gab ihm nicht lange Zeit zu Zweifeln und Vermutungen. Sie ließ die Arme schlaff an den Seiten herniederhängen, nickte wehmütig mit dem Kopf und sagte heftig schluchzend:„Vater hat Dummheiten gemacht! Hat gut gesagt für einen Kerl! Ein paar hundert Mark. Er hat denselben Fehler wie ich, der Vater! Er ist zu gutmütig! Jetzt ist der schlechte Mensch weggereist und Vater soll zahlen. Du lieber Himmel! Von unserer Armut sollen wir anderen Leuten die Schulden für ihr Lumpen=Leben bezahlen. Der liebe Gott prüft uns schwer!“ Andächtig richteten sich die Augen zur Küchendecke empor, sie überzeugte sich mit einem kurzen, schielenden Seitenblick, daß sich auf Heuers Zügen das Mitleid zu regen begann und gebrauchte nun plötzlich die stärkste von ihren Künsten. Unter einem wilden Aufschrei ließ ste sich im Augenblick völlig vom Schmerz übermannen, reckte die Arme verzweifelt empor, faßte sich mit den gespreizten Fingern wie irr an das eisgraue Haupt, ließ aus den verquollenen Augen die stets bereite Zähre in vier bis fünf Exemplaren über die fetten, gelben Wangen herniederhüpfen und klagte laut:„Wenn wir nicht zahlen können, werden wir auf die Straße gesetzt, und alles nehmen sie uns weg! Lieber Herr Kandidat, bester Herr Heuer, helfen Sie uns, daß wir nicht untergehen! Strecken Sie uns die paar Taler vor! Der liebe Gott wird es Ihnen ewig lohnen. Geben Sie mir für ein paar Monate, etwa für ein halbes Jahr, die Miete voraus. Bitte Es ist Ihnen ja eine Kleinigkeit und Sie wagen nichts dabei!“ Seinrich war tief beschämt einer solchen rührenden Zuversicht gegenüber in seiner hilflosen Armut dazustehen. Er empfand seinen eigenen Geldmangel fast wie ein Unrecht, das er der armen vertrauensvollen Frau antat. Von seiner Entlassung aus dem Trägerschen Institut hatte er ihr nichts erzählt und tat es auch jetzt nicht. Aber an seine eigene zukünftige Schule dachte er mit stolzer Freude, und nachdem er sich demütig entschuldigt hatte, augenblicklich selbst nicht bei Kasse zu sein, vertröstete er die unglückliche Frau mit seiner Aussicht, einmal Schuldirektor zu werden, und versprach ihr dann seine kräftigste Unterstützung. Da verwandelten sich Frau Lichtenburgs Geberden. Sie bemühte sich nicht mehr, eine schmerzliche Verzweiflung würdig darzustellen. Dieser Ehrgeiz war ganz von ihr gewichen, und ihre fetten Züge drückten jetzt unverhohlen Enttäuschung und Empörung aus. Verächtlich wandte sie sich ab, und in Ihren Augen glühte beinahe etwas wie Haß, als sie dem beschämt davonschleichenden Kandidaten nachblickte. Dem Rosa gegenüber beklagte sie sich dann über das schäbige Bettlerpack, das sich jetzt in ihr Haus eindränge, während sie eigentlich gewohnt sei, ausschließlich an Grafen und Barone zu vermieten. „Der hungerleidige Kandidat bleibt mir nicht lange mehr im Hause,“ sagte Frau Lichtenburg.„Nie hat er mal eine Hummermoyonaise oder so etwas bei mir bestellt, niemals mir etwas zu verdienen gegeben, nie einen seinen Besuch gehabt, der einmal ein Trinkgeld dagelassen hätte. Und jetzt ist er gar noch so schmutzig geizig. und bezahlt mir die paar Taler Miete nicht. Man sollte sich wahrhaftig mit solchem Bettelvolk gar nicht einlassen. Geh Rosa, hol mir etwas aus dem Keller.“ Der Kandidat stand inzwischen sinnend am Fenster und blickte in den Regen hinaus. Er dachte noch immer darüber nach, wie den armen Lichtenburg zu helfen wäre. Lange hatte er so gestanden, da erblickte er den Vater, der trotz seiner leichtsinnigen Bürgschaftsübernahme ziemlich heiteren Schrittes nach Hause strebte. Er öffnete das Fenster, winkte dem Heimkehrenden herauf und stellte ihn zur Rede, wie er sich nur durch seine törichte Gutmütigkeit so unüberlegt habe ins Unglück stürzen können. 177,18 Steuergesetzgebung beginnt die wirtschaftlichen Unternehmungen zu zwingen, sich ins Ausland zu flüchten, oder andere, wenn auch weniger geeignete Formen auszusuchen.“ Zur Reform des MilitärAngesichts der bevorstehenden Reform des Reichsstrafgesetzbuches, und im Anschluß daran, der Umarbeitung des Militärstrafgesetzbuches, ist wiederholt die Frage aufgeworfen, ob an Stelle der Freiheitsstrafen, die gegen Mannschaften des Beurlaubtenstandes verhängt werden können, Geldstrafen treten werden. Es ist Tatsache, daß Erwägungen darüber gepflogen werden, In Anbetracht der nicht geringen Bedeutung, die diese Frage für alle Personen der Reserve und Landwehr besitzt, weisen wir darauf hin, daß der nicht in Dienst besindliche Beurlaubtenstand den Strafvorschriften des Militärstrafgesetzbuches nur unterliegt, wenn dieses Gesetz ausdrücklich gegen Personen des Beurlaubtenstandes für anwendbar erklärt ist. Das ist der Fall aus folgender Veranlassung: 1) Bei Zuwiderhandlung gegen s 101(Unbesugte Einberusung von Personen des Soldatenstandes, behufs Beratung über militärische Angelegenheiten, Sammlung von Unterschriften.) 2) Bei Verstößen gegen sämtliche Paragraphen: „im dienstlichen Verkehr mit dem Vorgesetzten oder In der Militäruniform". 3) Bei Zuwiderhandlungen gegen§§ 68, 69(Fahgenflucht und Nichtgestellung),§ 64(Unerlaubte Entsernung),§§ 81—83(Selbstbeschädigung und Simulation). 4) Bei Herausforderungen und Zweikimofen. 5) Im Falle des§ 42.(Bürgerliche Verurteilung zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte.) Eine Umwandlung der jetzt zulässigen Freniheitsstrafe in Geldstrafe wird in Zukunft vermutlich nur in den Fällen eintreten, in denen das Gesetz sich mit der Verhängung einer Arreststrafe begnügt. Nicht zum Dienst eingezogene Personen des Beurlaubtenstandes werden also erwarten können, in den Fällen der„Nichtgestellung“ und des„Ungehorsams gegen einen Dienstbefehl“ mit einer Geldstrafe ihr Vorgehen geahndet zu sehen, anstatt„in den Kasten zu liegen". Wir stehen nicht an, diesen Punkt der bevorstehenden Revision für recht wichtig zu erklären. Das Einsterren der Personen des Beurlaubtenstandes für an sich ganz geringfügige Vergehen, die ohnedies in den seltensten Fällen aus Böswilligkeit hervorgingen, deren Erklärung aber durchweg in den, der militärischen Kontrolle häusig entgegenstehenden, zwingenden Erwerbs= und Familienverhältnissen zu suchen ist, stellt eine Härte dar, die in ihre Abschreckungswert niemals dem Verlust an Zuneigung für den Wehrdienst gleihkommt. Die Freiheitsstrafe in beregten Fällen durch eine zweckentsprechende Geldstrafe zu ersetzen, ist um so mehr zu wünschen, als dem,„Abgeführtwerden“ eines älteren unbescholtenen Mannes und[Familienvaters immer etwas Ehrverletzendes anhaften wird. Ausland. Frankreich. Paris, 9. März.„Echo de Paris“ beziffert die von dem Liquidator Duez veruntreute Summe au über 10 Millionen Frank, die aber nicht völlig im Börsenspiel verloren, sondern heimlich von Mittels männern zum Häuserankauf verwendet wurde „Gaulois“ erinnert daran, daß der Verkehrsministe Millerand der Rechtsanwalt Duez' gewesen war un für ein von Duez verfaßtes, die Liquidationen be treffendes Buch die Vorrede geschrieben hat. Doo wagt es weder der„Gaulois“, noch irgendein andere oppositionelles Blatt, Millerand irgend welcher Ueber griffe bei seinen Anwaltsfunktionen zu beschuldigen. England. London, 9. März. Abg. Byles richtete in Unterhaus an Mac Kenna die Anfrage, ob die Er klärung des Reichskanzlers in der Reichs tagssitzung vom 5. März über die englisch-deutschen Be ziehungen Veranlassung sein könnte, daß der demnäch dem Parlament vorzulegende Flottenhaushalts plan eingeschränkt werde.— Mac kenna erwiderte Der freundliche Ton der Rede des deutschen Reichs kanzlers wird herzlich erwidert, aber ich muß darau hinweisen, daß unsere Flottenhaushaltspläne nicht au der Annahme basiert werden, daß andere Nationen be absichtigen, gegen sie unfreundlich zu sein.(Beifall. Sie werden aufgestellt, um den Standunsere Seemacht zu erhalten und hängen von den tat sächlichen Flottenausgaben anderer Mächte ab. Ich wei nichts davon, daß irgend welche öffentliche Erklärunge deutscher Minister die Absicht angedeutet hätten die gesetzlich festgelegten Ausgaben des deutsche Flottenprogramms abzuändern. Lokales und Provinzielles. Dortmund, 10. März. —“ Straßenbenennungen sind vorgenommen für a) die südlich des Kaiser Wilhelm=Hains in nordöstlicher Richtung laufende projektierte Verbindungsstraße zwischen Limburger= und Märkischestraße, den Namen:„Am Brunnenkamp“, b) die in nördlicher Richtung bis zur Märkischenstraße laufende proektierte Verlängerung der Dessauerstraße den gleichen Namen Dessauerstraße. c) die in füdöstlicher Richtung abzweigende provjektierte Verbindungsstraße, zwischen der Straße„Am Brunnenkamp“. und der unter b) benannten Dessauerstraße den Namen Schwerinstraße. d) die nördlich der Buschmühle zuerst in östlicher und dann in südöstlicher Richtung laufende projektierte Straße, zwischen der Limburgerstraße und der ehemals rheinischen Eisenbahn den Namen: Buschmühlenweg, ey die in füdwestlicher Richtung laufende projektierte Straße von der unter b) benannten Dessauerstraße bis zur Emscher. den Namen: Himpendahl, s) die zwischen der Märkischenstraße und dem Trefspunkt der Schwerinstraße, Dessauerstraße und der Straße Himpendahl proiektierte Verhindungsstraße den Namen: Am Schwaben,g) die zuerst in südöstlicher und dann in sudlicher Richtung laufende projektierte Verbindungsstraße zwischen der nordwestlich des Hauses Märkischestraße Nr. 195 projektierte Straße und der Straße Buschmühlenweg, den Namen Am Kippert, h) die in nordöstlicher Richtung lausende projektierte Verbindungsstraße, von der Kronprinzenstraße bis zum Trefspunkt der Düsseldorfer= und der projektierten Prinz Friedrich Karlstraße, den Namen Schö nhauserstraße, i) die südlich der Schönhauserstraße in gleicher Richtung wie diese laufende projektierte Verbindunesstraße, zwischen Kronprinzen= und Düsseldorferstraße, den Namen: Corneliusstraße, t) die nächste östlich der Bismarckstraße projektierte Verbindungsstraße, zwischen der Projektierten Prinz Friedlich Karlstraße und der Corneliusstraße den Namen Preihüttenstraße und 1) die nächste westlich der Düsseldorserstraße projeltserte Verbindungsstraße, zwischen der projektierten Prinz Friedrich Karlstraße und der Kronprinzenstraße den Namen„Im Grubenfeld". —“ Zum Ehrenritter des Johanniterordens wurde der Regierungsassessor Heino von Heimburg ernannt. —“ Das erste Hotel am neuen Bahnhof baut die Kommanditgesellschaft Gebrüder Stern auf dem westlich des neuen Empfangsgebäudes zwischen Bahnhofsvorplatz und Lindenstraße belegenen Eckplatz. Das Hotel wird für 260 Betten eingerichtet und in wirklich erstklassiger Weise ausgestattet werden. Der Entwurf ist aus dem Bureau der Architekten Bachmann u. Pinno hervorgegangen, die auch die Bauleitung erhalten haben. —“ Totgefahren. Der 5 Jahre alte Sohn des Arbeiters Koch, Schützenstraße 15, wurde gestern Mittag von der Straßenbahn überfahren. Er blieb sofort tot. — Ueberfahren. Von einem Automobil überfahren wurde gestern Nachmittag in der Heinrichstraße der 13jährige Sohn des Bergmanns Gustav Gocke. Er wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. — Der 32. westsälische Lehrertag findet in den Tagen vom 29. bis 31. dieses Monats in Dortmund statt. Bei dieser Gelegenheit wird das vom Dortmunder Lehrerverein begründete westfäl'sche Schulmuseum feierlich seiner Bestimmung übergeben werden. Die Verhandlungen des Lehrertages werden am Dienstag an der Kronenburg und Mittwoch am Fredenbaum geführt. Am Mittwoch früh von siebeneinhalb Uhr ab tagen schon Nebenversammlungen, so eine der Fremdsprachlehrer. So findet in den oberen Räumen des Nordsternhauses am Markte statt, es ist mit ihr auch eine Ausstellung von fremdsprachlichen Lehrbüchern verbunden. —* Die neue katholische Bonisaziuskirche an der Predigerstraße wird, wie verlautet, anfangs Juni eingeweiht werden. —* Selbstmordversuch. Der 20 Jahre alte taubstumme Schuhmachergeselle Wilhelm Brunsch wurde vorgestern Abend in seiner Schlafstube in der Düsseldorferstraße auf dem Bette liegend mit zwei Revol:eschüssen in der rechten Schläfe, die er sich dort selbst beinebracht hatte, schwer verletzt aufgefunden und dem Leichenhause zugeführt. —* Die Zahl der Strafverfügungen, die im verflossenen Monat volkzeilich erlassen werden mußten, betrug insgesamt 1121, gegen 1029 im Monat vorher und 994 im Monat Februar 1909. —* Polizei=Bericht. In der Nacht zum Mittwoch, bezw. im Laufe des Dienstags wurden 10 Personen festgenommen und zwar: je 2 wegen Diebstahls, Bettelns und Obdachlosigkeit und je 1 wegen Körperverletzung, Unfugs, Trunkenheit und Gewerbsunzucht. —“ Kronenburg. Das 24. Symphonie=Konzert des Philharmonischen Orchesters unter Geora Hültners Leitung am Freitag, den 11. dieses Monats, bietet in doppelter Hinsicht besonders Beachtenswertes. Zunächst werden die Besucher eine neuerdings für das Orchester gewonnene solistische Kraft, Herrn O. Niedermayr(Violoncello) kennen lernen, der das Konzert von SaintSaens zum Vortrag bringen wird; dann ist es ein symphonisches Werk des Franzosen Dubois, die„Symphonie francaise", welche an diesem Abend zur ersten Aufführung in einem der hiesigen Konzertjäle kommt. Im Uebrigen enthält das Programm bekannte Werke: G. F. Händel's Ouvertüre in D=dur, Thema und Variationen aus dem A=dur Quartett von Beethoven, Einzug der Götter in Walhall aus Rich. Wagner's „Rheingold“ und die Ouvertüre zu„Phädra“ von Massenet. Hörde, 9. März. Der Hörder Fechtverein, der am 21. Februar 1885 gegründet wurde, feiert demnähst sein 25jähriges Bestehen. Lünen, 9. März. Auf der Chaussee zwischen hier und Cappenberg stieß ein Automobil mit einem Bierwagen zusammen. Die drei Insassen flogen auf das Ackerlan und w##rden leicht verietzt. Tas.ütomobil wurde schwer beschädigt. Der Chaufseur und Fuhrmann blieben unverletzt. Datteln, 9. März. Auf Zeche Achenbach geriet gestern ein Arbeiter zwischen die Pusfer zweier Wagen des Anschlußgeleises. Er war sofort tot. Essen, 9. März. Gestern abend ist Geheimrat Jencke in Dresden an Herzschwäche gestorben. Am 6. April 1843 zu Dresden geboren, übernahm er am 1. Januar 1879 die Stelle des Vorsitzenden im Direktorium der Firma Friedrich Krupp. Auf diesem an Einfluß und Verantwortung reichen Posten hat er beinahe 25 Jahre gestanden. Während dieser Zeit haben die Kruppschen Werke ihren großen Ausschwung genommen. Jenckes Kraft beschränkte sich nicht auf die Tätigkeit im Kruppschen Direktorium. Wie eng verwachsen er mit den wirtschaftlichen Körperschaften der westdeutschen Industrie war, wie sehr diese sich ihm verpflichtet fühlten, das bewies die Feier, die ihm bei seinem Scheiden aus Essen im September 1902 veranstaltet wurde. Er war zwei Jahrzehnte lang Vorsitzender der Essener Handelskammer gewesen. Ihm ist auch die Gründung der Vereinigung niederrheinisch westfälischer Handelskammern zu verdanken. Darüber hinaus war er noch in zahlreichen andern Ehrenämtern tätig; so war er Vorsitzender des Vereins für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund, der Rheinisch=Westsälischen Hütten= und WalzwerksBerufsgenossenschaft, sowie des Zentralverbandes deutscher Industrieller, Vorstandsmitglied der Nordwestlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen= und Stahlindustrieller, Mitglied des Staatsrats, des Bezirkseisenbahnrats Köln, der Rheinschiffahrtskommission usw. In allen Fragen der Eisen= und Stahlindustrie galt sein Urteil und sein Rat. Münster, 9. März. Der 51. westfälische Provinziallandtag hat heute einstimmig beschlossen, die Staatsregierung zu ersuchen, auf den Ausbau der Universität Münster zu einer vollen Universität möglichst bald Bedacht zu nehmen. Gewünscht wird die weitere Ausgestaltung der medizinischen und die Schaffung einer evangelisch=theologischen Fakultät. Die Provinzialsteuern wurden, wie im Vorjahre, auf 13,2 Prozent festgesetzt. dem Gericbtssaal. Dortmund. Dortmund, 9. März. Das Schwurgericht verhandelte heute gegen den am 30. Dezember 1865 geborenen unverheirateten Fabrikarbeiter Konrad Rietz aus Hamm wegen Mordversuchs. Der Angeklagte, ein vielfach vorbestrafter Mensch wohnte im vorigen Jahre bei den Eheleuten Bäckermeister und Konditor Korfmacher in der Friedrichstraße in Hamm als Logirgänger. Jedenfalls infolge des recht guten Verhältnisses zwischen Korfmacher und Rietz gewährte letzterer seinem Logisgeber ein Darlehn in Höhe von 300 Mark, eine Summe, die Rietz mit Hilfe seiner Schwester herbeischaffte. Zwischendurch ließ Rietz die im Hause der Eheleute Korfmacher gemachten Zechen anschreiben, er blieb schließlich auch mit der Zahlung des Kostgeldes im Rückstande, sodaß schließlich Rietz bei der später erfolgten Abrechnung nur noch ein Guthaben von 17 Mark hatte. Darüber war er sehr ungehalten, er behauptete, man habe ihn stark über's Ohr gehauen und ihm für erhaltene Getränke das Doppelte notiert. Am 19. September v. J. verursachte Rietz auf dem Kostgängerzimmer einengroßen Skanoal mit dem auf demselben Zimmer wohnenden Arbeiter Lipper. Korfmacher, der sich ins Mittel legte wurde von Rietz mit den Worten empfangen:„Sie kommen mir grade recht!“ Korfmacher wehrte die Angrisse aber mit Hilfe des Lipper ab und verlangte, daß er sofort die Wohnung verlasse. Als Rietz das Haus verließ, geriet er mit Korbmacher noch einmal aneinander„er gebrauchte ein Messer und brachte seinem Kostwirt mehrere Stiche bei und versuchte auch Fiau Korfmacher mit dem Messer eine Verletzung beizubringen. Für diese„Heldentat" verurteilte ihn die Strafkammer kürzlich zu einer Gejängnisstrafe von 2 Jahren. Seit dem 19. September war Rietz gegen Korsmacher von Haß erfüllt, in dem Glauben, er habe noch an Korfmacher eine Forderung, verlangte er wiederholt den Rest seines Geldes, den Korfmacher aber für Schaden, den ihm Rietz am 19. September zufügte, zurückbehielt. Der Angeklagte führte nichts Gutes im Schilde, er äußerte zu seinen Bekannten: Wenn ich mein Geld nicht bekomme, mache ich Korfmacher und mich unglücklich! Am 12, Oktober v. J. kam Rietz in die Korfmachersche Behausung und stürzte in die Küche. Er befahl dem anwesenden Küchenmädchen Winkelmann sich sofort aus der Küche begeben und äußerte dann zu dem am Tische sitzenden Korfmacher:„So, jetzt wollen wir abrechnen!" Dabei zog er einen Revolver aus der Tasche, zielte und drückte ab. Es kam aber nicht zum Schuß, Rietz war mit dem Mechanismus nicht vertraut er hatte den Revolver entweder nicht entsichert, oder eine Patrone in der Trommel gehabt, die versagte. Dann versuchte Rietz noch einmal zu schießen, es kam aber nicht dazu. Korfmacher war inzwischen aufgesprungen und aus dem Hause gelaufen. Am folgenden Tage wurde Rietz verhaftet. Zu seiner Entschuldigung erzählte der Angeklagte heute eine lange Geschichte, den Revolver will er sich in Dortmund gekauft haben, die Einzelheiten seines Beginnens und der Tat selbst will er nicht mehr wissen, da ihn merkwürdigerweise jedesmal dann das Gedächtnis verläßt wenn die Sache für ihn anfängt unangenehm zu werden. Die Anklagebehörde folgert aus verschiedenen Angaben des Angeklagten, daß er wirklich vor hatte, den Korfmacher zu löten. Zu einem Dienstmädchen der Eheleute Korfmacher hat der Angeschuldigte gesagt:„Wenn ich mein Geld nicht bekomme, erschieße ich erst die Korfmachers und dann mich selbst! Als Zeuge vernommen, erklärte Korfmacher heute, der Angeklagte sei in die Küche gekommen und habe vor ihm stehend gesagt:„Wollen Sie mir mein Geld geben? Entweder oder...!“ Dann habe er sofort den Revolver gezogen und einen Schuß abgegeben. Die Beweisaufnahme aber ergab auch, daß Rietz im Korfmacherschen Cafee ein gerngesehener Gast war, er traktierte häufig und machte Zechen, die in einer Weise an 50 Mark heranreich= ten: Rietz war früher starker Alkoholiker, er war während seiner Tätigkeit in Hamm sogar Mitglied vom Blauen Kreuz, dem er aber schließlich wenig Ehre gemacht hat. Die Geschworenen sprachen den Angeklagten des versuchten Totschlags für schuldig und billigten ihm auch mildernde Umstände zu. Wegen des Vorganges am 19. September ist der Angeklagte zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt worden, das Gericht hielt eine Zusatzstrafe von 1 Jahr als ausreichende Sühne. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden dem Angeklagten auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt. Gewerbegericht Dortmund, 9. März. Den Vorsitz in der heutigen Spruchtitzung führte Herr Justizrat von Bodecker. Als Beisitzer waren hinzugezogen die Herren Gelbgießermeister Schmidt, Schneidermeister Bielig, Maler Billasch und Dachdecker Knebel. Es wurde u. a. über nachfolgende Streitfälle verhandelt: Der Friseur Wilhelm Schwabe forderte von der Ehefrau Bernhard Röttger wegen rechtswidriger Entlassung eine Lohnentschädigung in Höhe von 24 Mk. Beklagte bestritt, den Kläger entlassen zu haben, wohl habe sie ihn mit 14tägiger Frist zum 21. Februar er. gekündigt. Als Kläger einen für ihn normierten Eid leisten sollte, weigerte er die Eidesleistung. Die Folge davon war, daß die Klage kostenpflichtig abgewiesen wurde. Gegen den Bauunternehmer Richard Pohl klagte der Arbeiter Kaspar Vieth und zwar auf Zahlung eines Lohnrestes von 21,70 Mark. Beklagter wandte ein. daß Kläger mehrere buchene Bohlen entwendet habe, wodurch ihm ein weit höherer Schaden entstanden sei. Nach Vernehmung einiger Zeugen ergab sich die Richtigkeit der beklagtischen Behauptungen sowie, daß der Wert der fraglichen Bohken sich auf 20,30 Mark beziffere. Nach Abzug dieses Betrages wurden dem Kläger von seiner Klageforderung noch 1,41 Mark zugesprochen. Von der Firma I. Wreschner will der Polsterer Josef Wiedemann ohne vorherige Kündigung sofort entlalsen sein. Er beanspruchte dieserhalb eine zweiwöchige Krr. wandte ein, daß Kläger bei ihr ohne Künd: gagiert gewesen sei; er(Kläger) habe diese. seine Unterschrift bestätigt. Ferner habe gis. seiner Entlassung einen Revers unterschrieben.. keine Ansprüche mehr an die Beklagte habe#. ger hiernach die Haltlosigkeit seiner Klag lh= gnügte er sich mit den ihm im Vergleichswegebotenen Betrag von 4,50 Mark.9 an Durch Versäumnisurteil wurde der ster Gustav Willert verurteilt, an den Malergebe. Hugo Heine 3,70 Mark rückständigen Lohn ner eine Terminsentschädiaung in Höhe von 1.10 zu zahlen.—40 M Auf Zahlung eines rückständigen Lohnes von Mark klagte der Hausdiener Wilhelm Zumstein hier. Der Beklagte, Kaufmann L. Sternfeld, hatt dem Kläger diesen Betrag nicht ausgezahlt, wei terer ohne Kündigung die Arbeit verlassen hatte.## die Behauptungen des Beklagten vom Kläger nicht: stritten wurden, erfolate kostenpflichtige Abweisung d. Klage.60 der Die Maurer Anton Höppner und Friedrich Vo#. mann klagten gegen die Firma E. Schmidt u. Co. b auf Zahlung einer Lohnentschädlgung von je 30.24 m wegen rechtswidriger Entlassung.“ Beklagte beyauptet daß die Kläger durch ihre Unterschrift anerkannt ku#. ten, daß bei ihr(der Beklagten) ohne Kündigung na arbeitet würde. Die Kläger wandten dagegen ein, das die fraglichen Unterschriften aus einem früheren Diens, verhältnis mit der Beklagten herrührten und daß be Eingehung des neuen Dienstverhältnsises über„aan digung nichts vereinbart sei. Da die Beklagte dies Einwendungen der Kläger nicht bestritt, erfolgte Verur, teilung nach dem Klageantrage, da auch das Gericht der Ansicht war, daß die Beklagte bei Eingehung de neuen Arbeitsverhältnisses von den bei ihr bestehenden Arbeitsbedingungen den Klägern hätte Kenntnis geven müssen. Handel und Verkehr. Frankfurter Abendbörse. Düsseldorf, 9. März. Der Aufsichtsrat in Düsseldorfer Maschinenbau=A.=G. vorm. Losenhaf## schloß nach Abschreibungen in Höhe des Vorjahres an dem etwas erhöhten Reingewinn eine Dieidenden vor wiederum 6 Prozent in Vorsch'ag zu bring u. Newyork, 9. März.„Journal of Commera“ meldet den Abschluß von 10000 Tonnen Ef ner Ribeisen um einhalb Dollar niedriger als das lebt: Mal. Vermischtes. Hamburg, 9. März. Der Lenkhaslon„Ruthen berg“ stieg heute vormittag in Hamburg unter Führn# des Luftschiffers Brunner auf und manövrierte zunn glücklich über der Alster. Er wandte sich dann nach Nordosten. Hinter Langenhorn an der Tangstedter Landstratze stürzte das Luftschiff plötzlich ab in des Tangstedter Moor und wurde schwer beschädl? An eine Rückkehr ist nicht zu denken. Kiel, 10. März. Auf der Kaiserlichen Wer). sollen in den nächsten Wochen umfangreicht Arbeiterentlassungen, man spricht von 6## vorgenommen werden, falls der Reichstag genügend Mittel für Sommerarbeiten zur Versügunt stellt und anderseits Schulschiffe der Wilhelmshavent Werft zur Instandsetzung überwiesen werden. Arbeiterausschuß verhandelt mit der Werft, um die ver heirateten Arbeiter von der Kündigung auszuschliefen Die Unverheirateten sollen aufgefordert werden,# gunsten der Verheirateten freiwillig auszuscheiden. Petersburg. 10. März. Eine Equlpas in der der Zar saß, wäre gestern beinahe mit Straßenbahnwagen zusammengenon Der Straßenbahnführer bremste sofort, so daß Passagiere des Wagens durcheinandergeworsen einige verletzt wurden. Die Equipage des Zaren haarscharf vorbei. Der Revieraufseher ist!“ Dienstes enthoben worden, während der Straßeno führer eine Belohnung erhielt. Antwerpen, 9. März. Seit Jahlen Heg, vischen England einerseits und Antwerpen andert eits ein ebenso lebhafter wie scheußlicher. V#: n allen, zum Schlachten bestimmten Scheußlich ist dieser Handel deshalb, weil die: Thiere in der Regel in einem wahrhaft erbarm„ würdigem Zustande hier ankommen und weil sie“ dann, obwohl sie mitunter kaum noch auf ihren„„ nen stehen können, den Weg zum Schlachthaust rücklegen müssen. Das Aussehen dieser Atg asle Geschöpfe spottet mitunter aller Beschreibung# nd ohne Ausnahme entsetzlich mager,####sche, us Haut und Knochen zu bestehen zw n si nur noch aus nne, viele von ihnen sind mit Wunden sie sich während der Ueberfahrt zugezogen dere wieder hinken oder haben faustdicke Geschunz an den Beinen, alle aber sehen Aus FTuigen un elend aus, so daß die Passanten stehen bleibent mit dem Ausdrucke des tiefsten Mitleides dem rigen Zuge nachschauen. Von England ts Schritte unternommne worden, damit„0 schmachvollen Handel ein Ende bereitet######ergig auch in Belgien fängt man jetzt endlich", cc#n gegen jenen Skandal vorzugehen. Da=—„ Versuche, den Gemeinderat von Anzueg. nis einem wirksamen Einschreiten zu veranlas#er giese den gewünschten Erfolg hatten, so hat gn Deputierte Terwague kürzlich zu diesem Ilreore### Minister gewandt, wohei er sich u. L.ggrghnt##l rief, daß in letzter Zeit während der Uebersah“ alten Gäulen ni ##'5 andere aus 1 un weltere Ee citniter des der Min Gesundheit pollständig zu Ersen Zonsum bestim 4. füir die öffentliche sdornte der Ministen . Lah von jenen.9 schodigen Erschöpiu Uür Aud beigischem Ainbani, Pisiht e.e ec e die Einsetzung siehung der Angelegel er Regel ziemlich gleic grüffel. 9. Mäl Esmal fast überall i sellung zuwendet, ist! diees Interesse läßt und lebhaften Bete w an der eigentliche der Herstellung der #letanter Weise zu si Franzosen, die sich Teile der Ausstellung tontlich liegt die Aus sete von Brüssel und Lorstadt Irelles. Auf ind mehr als 10 Hekte vn diesen hat die E #r sich acquiriert, um Kartenanlagen herrichter mlagen der Pariser St zi Holland, die bereit grenzen die Gärten, elbauten umgeben Luremburger angel ia verschiedensten Nat d wirklichem Kunstsir in einen sehr beach 1. Da es indesse Umfang des 90 K etwas mühselig sei st zu durchstreifen, die Herstellung einer getragen. Die letzte temn und führt von usantesten Partien d die Besucher sich Zerstreuungen und falls kein Mangel h sellung solche in r das Erekutir=Kom ett, deren ausschließli ne für die Musi und sonstigen Fes ne Attraktionen zu verden auch die A um„für die über ind. Es unter 73 West Bekant sichen Nalsucke E outen Neur 19. gtlsche uugnisen ngelhollstre Mark. w aur, Alder 1 rschrieben, daß er Klage einsah, be, Zergleichswege a# den Malerzsetage, Lohn sowie sen öbe von 1,10 M. Lohnes von 3.75 Zumstein mn Sternfeld, hattsgezahlt, weil letzerlassen hatte. De m Kläger nicht beige Abweisung der nd Friedrich PollSchmidt u. Co. von je 30,24 M. eklagte behauptete rift anerkannt hät. hne Kündigung gem dagegen ein, daf im früheren Dienstihrten und daß bei Itnsises über Kündie Beklagte diese itt, erfolgte auch das Gericht bei Eingehung des bei ihr bestehenden itte Kenntnis geben erkehr. örse. 214,30 107.25 23,20 144,50 49,00 176,75 216,40 225.50 219,50 94,00 168.20 146,00 101,30 197,10 161.80 112,90 108.20 48.50 244,80 202,05 325.00 143.50 187.25 433,50 ufsichtsrat in Losenhafs## Vorjahres au Oloidenden von ring n. of Commera“ en Esner R das lebt: Mal. In„Ruthenunter vrierte zunn ann nach Norddter Le ab in des beschud chen Wer. angreicht richt von 600, eichstag nicht zur Verfügung ilhelmshavenet werden.# eft, um die verauszuschliefen werden, zuzuscheiden. Equipat lahe mit eine engestoße so bok geworfen des Zaren su er##—e Straßenbat „ Gaulen nicht wenier als 30 gestorben zaichen alle“, zwingenden Gründen getötet worund 15 05% wreiteren meinte Herr Tewazue, daß nn Ieü3er des Innern befugt sei, im Interesse der der Minisk: Zheit die Einfuhr dieser englischen sseltgessgändig zu untersagen, da diese tranken, Bserde Voit.1 bestimmten Tiere eine wirkliche Gehir den 7:, öffentliche Gesundheit bildeten. Hierauf pol!“, der Ministerpräsident Schollaers, es sei von jenen Pferden viele im Zustande der nichtig, Eim Erschöpfung in Belgien angekommen beigischem Goden würde indessen die #ie½. Rehandlung der Tiere nicht gedusdet und au## eine aus Vertretern der Stadt Antwer####er Gesellschaft zur Beschützung der Tiere und FI. abinisteriums des Innern zusammengesetzteKomFrien damit beschäftigt, die geeigneten Mittel zur Transportes der englischen Pfeide Erscchseren. Das klingt ja sehr schön und verL##ngsvoll, wer indessen mit belgischen Verhältermaßen vertraut ist, weiß, daß hier zu W: die Einsetzung einer Kommission eine VerAngelegenheit ad calendas graecas in Eesael ziemlich gleichkommt. grüfsel, 9. Mirz. Das Interesse, das man fast überall im Auslande der Weltaus#lung zuwendet, ist wirklich ein ganz ungewöhnliches. Interesse läßt sich nicht allein von der star„ und lebhaften Beteiligung der verschiedenen LänI au der eigentlichen Ausstellung erkennen. Auch d Herstellung der Gartenanlagen tritt dasselbe getanter Weise zu Tage, und vor allem sind es 5 Franzosen, die sich nächst den Belgiern auf diesem gee der Ausstellung ganz besonders hervortun. Behuntlich liegt die Ausstellung teilweise auf dem Gewie von Brüssel und teilweise auf demjenigen der sastadt Irelles. Auf diesem letzteren Komplere nun ## mehr als 10 Hektar in Gärten verwandelt, und zn diesen hat die Stadt Paris den größten Teil n sich acquiriert, um hierauf wahrhaft großartige Fartenanlagen herrichten zu lassen. An diese Gartender Pariser Stadtverwaltung stoßen diejenigen un Holland, die bereits fir und fertig sind, und hier— grenzen die Gärten, die die verschiedenen deutschen Enzelbauten umgeben sowie auch der ungehrure, durch u Luremburger angelegte Rosengarten. Diese, von A# verschiedensten Nationen mit äußerster Sorgfalt no wirklichem Kunstsinn ausgeführten Gartenanlagen aden einen sehr beachtenswerten Teil der Ausstellung den. Da es indessen mit Rücksicht auf den kolosln Umfang des 90 Hektar großen Parkes für Manetwas mühselig sein könnte, zu Fuß dieses große jiet zu durchstreifen, so hat das Erekutiv=Komitee die Herstellung einer schmalspurigen Trambahn Sorbgetragen. Die letztere hat eine Länge von 5 Kiloeen und führt von dem Haupteingange an den inusantesten Partien der Ausstellung vorbei, so daß die Besucher sich alles bequem ansehen können. Zerstreuungen und Vergnügungen aller Art wird falls kein Mangel herrschen. Um den Besuchern der stellung solche in reichlichem Maße zu verschaffen, das Erekutir=Komitee mehrere Kommissionen ein#t, deren ausschließliche Aufgabe darin besteht, Promme für die Musikfeste und die zahlreichen sportund sonstigen Festlichkeiten auszuarbeiten, für bene Attraktionen zu sorgen usw. Zu diesen letzteverden auch die Wettstreite lenkbarer Lustballons in„für die über 250000 Francs Preise aussind. Es unterliegt keinem Zwefiel, daß man auf der Ausstellung in reichem Maße Gelegenheit haben wird, nicht nur sehr lehrreiche und interessante Studien und Beobachutngen zu machen, sondern sich auch gründlich zu amüsieren, und der Umstand, daß bereits verschiedene auswärtige Herrscher dem Köni, Albert für diesen Sommer ihren Besuch angesagt haben, dürfte zum Teil auf den Wunsch dieser fürstlichen Personen, sich die ganz großartig werdende Brüsseler Weltausstellung einmal anzusehen, zurückzuführen sein. Sport. I. Internationale Jago=Ausstellung in Wien 1910. Wie wir erfahren, wurde das Bankhaus Schelhammer u. Schattera in Wien, Stefansplatz 11, seitens des General=Kommissariates der am 2. Mai d. J. in Wien zur Eröffnung gelangenden 1. Internationalen Jagd=Ausstellung als die einzige offizielle Wechselstube für die Jagd=Ausstellung designiert. Zu diesem Behufe wird das Bankhaus Schelhammer und Schattera im Zentrum der Jagd Ausstellung und zwar im Verkehrspalaste, eine eigene Expositur eröffnen, welche sich hauptsächlich mit dem Geldwechsel fremder Valuten, Zahlung und Ausstellung von Kred'tbrieken und Schecks aller Bankplätze des In= und Auslandes, aber auch mit allen in das Bank'ach einschlägigen Transaktionen befassen wird. Die Organisat'on dieser Wechselstuben=Filiale wurde durch den Chef des Bankhauses, Herrn Wancura, auf Grund der von demselben durch den langjährigen Fremdenverkehr erworbenen Erfahrungen durchgeführt und wird derselbe auch bewährte und erfahrene Kräfte in den Dienst der Ausstellungs= Filiale stellen. Durch die Errichtung dieser Bankwechselstube im Fremdenverkehrs=Palaste mitten im Ausstellungs=Ravon, in dem sich außerdem noch das Telephon= und Telegraphenamt, ferner die Hoftheater=Bureaux, Handels= und Arbeitsministerium, Saal der Stadt Wien, Landesverband für Fremdenverkehr befinden, wird der Fremde in Stand gesetzt, alle seine Angrlegenheiten in der Ausstellung selbst zu erledigen. Telearamme. Die Politik des Auswärtigen Amtes. Berlin, 9. März. In der heutigen Sitzung der Budgetkommission des Reichstages konnte die lange erwartete große Auseinandersetzung über die Politik des Auswärtigen Amts endlich ihren Anfang nehmen. Staatssekretär v. Schön wartete nicht erst Anfragen und Angrisfe aus der Mitte der Kommission ab, sondern leitete die Besprechung sofort mit einer Rechtfertigung seines Verhaltens in der Frage der Mannesmann=Angelegenheit ein. Hierin wurde er vom Unterstaatssekretär Stemmrich wirksam unterstützt. Die ausführlichen Darlegungen der beiden Redner nahmen die ganze Sitzung in Anspruch. Die Vertreter der Parteien werden erst morgen zu Worte kommen. Reichstagsersatzwahl in Lyk. Berlin, 10. März. Das Datum der Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Oletzko=Lyck=Johannesburg ist auf den 14. April festgesetzt.. Zur Wahlreform. Hannover, 10. März. Der Hann. Kur, führt über die Stellung der Nationalliberalen zur Wahlrechtsvorlage folgendes aus: Wie wir versichern können, ist die Stimmung der nationalliberalen Fraktion augenblicklich schärfer als jemals zuvor, derart, daß nur eine den liberalen Forderungen in weitgehendstem Maße entgegenkommende Regelung der Wahlrechtsvorlage Überhaupt Aussicht hat, von den Nationalliberalen als Kompromiß debattiert zu werden. Berlin, 9. März. Von hiesiger maßgebender Stelle wird das„Hirschsche Telegraphenbureau“ zu der Erklärung ermächtigt, daß die Blättermeldung, wonach der Minister des Innern die Absicht habe, für nächsten Conntag alle Kundgebungen gegen das Wahlrecht in Preußen zu verbieten, erfunden ist. Ebenso unrichtig ist die in den Blättern verbreitete Meldung, daß auf Veranlassung des Ministers bei den Demonstrationen photographische Aufnahmen gemacht werden sollen. Wie man dem genannten Bureau versichert, dürfte sich der Minister kaum mit solchen Details seines Ressorts beschäftigen. Erregte Sitzung in der sächsischen Zweiten Kammer. Dresden. 9. März. In der heutigen Sitzung der Zweiten Kammer kam es bei der Beratung der Petition der aus dem Staatsdienst entlassenen Werkstättenarbeiter auf Wiedereinstellung zu einem erregten Zwischenfall. Staatsminister Dr. v. Rueger wandte sich gegen die Petition und erklärte u. a., daß die Koalition der Eisenbahnarbeiter nicht ausgenommen werden könne. Durch wiederholte Zwischenrufe aus dem Hause unterbrochen, fuhr der Minister fort: Ich bitte mir derartige Ungezogenheiten zu ersparen. Hierauf erhob sich auf der linten Seite des Hauses ein tobender Sturm der Entrüstung. Rufe wie:„Unverschämt!“„Was bilden Sie sich ein?“ wurden laut. Dazwischen ertönten Hammerschläge des Präsidenten Dr. Vogel, der sich derartige Aeußerungen der Kammermitglieder verbat. Als der Minister seine Aeußerungen beendet, erklärte der Präsident, er besitze leider keine Handhabe, um gegen derartige Aeußerungen gegen einen Regierungsvertreter, wie sie soeben gefallen, vorzugehen. Er bedaure die Aeußerungen zwar, müsse aber die Würde des Hauses wahren und könnte den Abgeordneten solche Zwischenrufe, wie sie soeben laut geworden, nicht gestatten. Darauf erhob sich auf der linken Seite erneuter Lärm, der sich in erregten Zwischenrusen Luft machte:„Das lassen wir uns nicht gefallen, mag der Minister auch die Würde des Hauses wahren.“ Der sozialdemokratische Abgeordnete Fleitzner erhielt einen Ordnungsruf. Sehr langsam legte sich die Erregung des Hauses, die Petition ließ das Haus nach längerer Debatte schließlich auf sich beruhen, zum Teil wurde sie für unzulässig erklärt und die Sitzung dann geschlossen. Das Befinden Dr. Luegers. Wien. 9. März. Nach einem über das Befinden des Dr. Lueger heute vormittag ausgegebenen Bulletin ist das Bewußtsein geschwunden, die Atmung unregelmäßig und die Herztätigkeit nimmt ab. Dr. Lueger gestorben. Wien, 10. März. Bürgermeister Dr. Lueger ist heute morgen 7.55 Uhr im Alter von 66 Jahren nach längerem Krankenlager gestorben. Doch nach Korfu Rom, 10. März. Die„Tribuna“ erfährt entgegen dem Dementi der Nordd. Allgem. Ztg. aus Korfu, daß der Kaiser in der zweiten Hälfte des März auf der Insel eintreffen werde. Eine Anzahl deutscher Kriegsschiffe werde ihn begleiten. Standesamts Nachrichten. Dortmund 1. Vom 9. März. Geburten. Ein Sohn: Invalide Alef, Brackek. Arbeiter Greffer, Kesselstraße 39. Brauer Miller, Hermannstraße 1. Dachdecker Schaut, Kronenstraße 55. Hilfsweichensteller Johannimhagenbrock, Leierweg 30. Eine Tochter: Montrur Rossa, Bülowstraße 31. Schmied Riedel, Ackerstraße 1. Aufgebote: Hauer Albert Wieiß und Helene Seeger, Lehrhauer Adolf Ridlowski und Elisabeth Spielrum. Metzger Johann Hillen und Maria Riede. Chausseur Albert Schröder und Berta Frommfeld. Eheschließungen: Chaufseur Rudolf Kubo u. Olga Elias. Sterbefälle: Wilhelm Knögel, Alfredstraße 4, 9 Jahre. Arbeiter Friedr. Gedien, Leierweg 31, 33 Jahre. Dortmund 2. Vom 9. März. Geburten. Ein Sohn: Maurer Helker, Dürenerstraße 15. Buchhalter Schmidt, Weißenburgerstraße 20. Hauer Schmidt, Oestermärschstraße 10. Eine Tochter: Wirt Kemper, Burgholzstraße 235. Arbeiter Kasischewski, Albertstraße 10, Platzmeister Kuhlmann, Jägerstraße 19. Aufgebote: Ingenieur Friedrich Sautmann und Paula Schmidt. Metzger Otto Hilpert und Wilhelmine Reus. Schmied Hermann Kuschke und Swaantie Fischer, Eisendreher August Möllmann und Elisabeth Ahlersmeier. Gerichtssekretär Viktor Sauer und Eleonore Boencke. Schlosser Thomas Herderer und Anna Grüning. Eheschließungen: Ingenieur Otto von Monschaw und Maria Ophoven. Metzger Heinrich Kemper und Emma Blase. Sterbefälle: August Schmidt, Oestermärschstr. 10. 30 Min. Walhalla. In der unter der Leitung des Herrn Paul Thiele zum beliebtesten Familien=Konzerthaus gewordenen „Walhalla“ konzertiert gegenwärtig mit großem Erfolg die Kapelle des Kal. Ulanen=Regiments Nr. 11 Graf Haeseler aus Saarburg, dirigiert von Herrn Musikmeister W. Sillig. In edlem Wettstreit mit dieser trefflichen Militärkapelle um die Gunst des Publikums befindet sich das unter der Direktion des Herrn Herm. Hulles stehende Humor= und Künstler=Ensemble(sieben Herren und eine Dame). Wo solche Kräfte walten, da muß sich blad die beste Stimmung entfalten. So ist es auch in der Walhalla, zumal auch Küche und Keller das Ihrige dazu beitragen. Das goldhelle, vollmundige, süffige und gut bekömmliche Bier aus dem Dortmunder Brauhaus wird gern getrunken. Die leckeren Speisen aus Thieles Küche finden guten Absatz. Die Bedienung ist aufmerksam im höchsten Grade. Kurz alles vereint sich, um den Gästen das Leben lebenswert zu machen. Die Gäste wissen diese anerkennenswerten Bestrebungen wohl zu würdigen und vergessen drum das Wiederkommen nicht. Mercedes führt! Wer wollte das in Abrede stellen, wenn er sich die wirklich geschmackvolle Frühjahrsdekoration des Schuhhauses Mercedes in Dortmund, Ecke Westenhellweg und Hansastraße angesehen hat. Die Schuhmarke Mercedes, die wir da in schier unzähligen, Ausführungen vor uns sehen, hat sich in kurzer Zeit die Gunst des Publikums erobert und sitzt so fest barin, daß Jeder, der einmal Mercedes getragen, nicht wieder davon abgeht: der untrüglichste Beweis für die Güte von Meredes. Heute geht’s los vom Oller bis in den Keller; das Wischen, Abseisen, Fegen, Schrubben, Putzen, Waschen, Scheuern, Reinmachen. Vor Ostern soll alles blitzsauber werden. Luhns Salm.=Terp.= Kernseife und Luhns Wasch=Extrakt mit rotem Band haben sich hierbei seit Jahren allerbeitens bewährt. Versuchen auch Sie es! Thheßtüchinge, tadellos krisch. v. Kifte nur 75 Pl. Cabliau per Pfd. 13 Pfg. uporthausF. Wens 73 Westenhellweg 73. bekanntmachung. Anordnung des Herrn Regierungs=Präsident zu ei9 wird im Interesse der Erhaltung der Messungs7 und Markssteine hiermit öffentlich bekannt gemacht: „Lie trigonometrischen Punkte der Landesaufnahme die Grundlage der allgemeinen Landesverwessung, echaltung ist daher von besonderem öffentlichen In. Zur Sicherung des den trigonometrischen Punkt ist seitens des Staates eine eimige Bodenfläche von zwei Quadratmeter Fächen97 Umfangslinie nach allen Richtungen hin ommimeter vom Mittelpunkte des Marksteines entfernt den worden. Bei der Berackerung unw. des an„##en, im Eigentum des betreffenden Grundeigen845.— adlichen Bodens darf die Umfangslinie dieser ### buigen Bodenfliche vomn Pflige usw. nicht berührt ### Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen 150 m S 370.1 d.(R. Str. G. B. mit Geldstrafe bis 150 Mark bestraft. ., beschädigung, Verrückung und Entfernung der . und der etwa darüder befindlichen Holzgerüste sse hu### des Sti. G. B. und wiro mit GeldUen heutras.#urr oder mit Gefängnis bis zu drei Pare.5., Forstschutzpersonal ist angewiesen, ung— und deren Schutzflächen zu überwachen gn ne Zuwiderhandlungen gegen die obigen Be— sofort zur Anzeige zu bringen. Die Herren w." ersucht, die Schulkinder auf die Bedeutung zu.neine und auf die Folgen einer etwaigen Beg derselben hinzuweisen“ etmund, den 4. März 1910. e Maedunt E rur Sunan gelischead nanissen verseh. im Haushalt große Ersparnisse zu erzielen, ist die Verwendung der unübertroffenen, allgemein beliebten van den Bergh'schen Margarine-Marken Eleper Stolz u Pitello. Sie ersetzen die teure Meiereibutter vollständig sowohl zum Kochen, Braten und Backen als auch zum Rohessen auf Brot!— In allen einschlägigen Geschäften erhältlich. Modes. Branchekundige Putz-Verkäuferin sowie tüchtige I. Arbeiterin sofort bei Jahresstellung und hohem Salair gesucht. S. Mansbacher, Essen 3299 Spezial-Putzhaus. 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Dortmund, den 7. März. Magistrat. Möbeltransport Spedition— Lagerung. Wahlsche Besitzung). Althoff Bürsten-Waren Abseifbürsten 20, 12 Pf. Schrubber, gute Qualitäten 65, 50, 40, 35, 22 Pf. Ofenbürsten, gute Qualitäten 70, 40, 30, 25 1Pf. Handfeger, reine Borsten, Ia. Qualitäi. 80, 70, 55, 45 1%. Handfeger, reines Roßhaar, gute Qualität 85, 75 1 Kehrbesen, reine Borsten, Ia. Qual. 1.75, 1.50, 1.10, 85, 65 1°f. Kehrbesen, reines Roßhaar 2 50, 2.10, 1.85 Teppichbesen, Ia. Reißwurzel, mit langem Stiel„ 85, 65 Pf. Teppichbürsten, Ia. Cocosborsten, lackiertes Holz. 65, 45 Pf. Teppichbürsten, Ia. Madagasoarborsten 95 Pf. Läuferbürsten, feine Wurzelborsten 95 Pf. Teppichhandfeger, feine Reißwurzelborsten 45 Pf. Teppichhandfeger feine Cocosborsten 65 Pf. Möbelbürsten, gute Qualitäten 2.10, 1.60, 1.35, 85 Pf. Möbelpinsel, reine Borsten 90, 70, 55, 40, 25, 15 Pf. Möbel wichsbürsten, Ia. Qualitat 3.25, 2.50, 225 Bohnerschrubber, Ia. 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Kratt-Zorn“ Das beliebte Familiengetränk ie allen Relosiales.“ ete Geschäfter erkältlich Mit Zustimmung der Polizei-Verwaltung und der Stadtverordnetenversammlung haben wir die Fluchtliuten fur den südlichen Teil des Bahnhofsvorplatzes und für den Baublock zwischen dem Bahnhofsvorplotz und dem Königswall östlich der verlängerten Katharinenstraße abgeandert und wie im Fluchtlinienplan für den Bahnhofsvorplatz und die anstoßenden Straßen in grüner Farbe dargestellt, festgesetzt. Der hiernach festgesetzte Plan liegt gemäß§ 7 des Flucktliniengesetzes vom 2. Juli 1875 vom Tage der Beröffentlichung dieser Bekanntmachung an, vier Wochen lang im Stadtbauamt, Kleppingstraße 27, Zimmer 247, zu Jedermanns Einsicht aus. Einwendungen gegen den Plan können in der vorbezeichneten Ausschlußfrist bei uns angebracht werden. Dortmund, den 8. März 1910. Weizenmehl 000 Stampfzucker Würfelzucker helle Rosinen Pfd. 14 Pf. 2 EE.„ 36 Rühé! Ltr. 53 Pf. Salz 5l„ 77„ süsse Pflaumen Pfd. 15 Pf. 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Man schreibt uns: „#llg dies sine linea“ d. h. im Sinne der sozialg##ichen Zeitungen:„Keine Nummer ohne eine ###ndigung der Unternehmer". Mit welcher Gewis„iesafest deubei oft die jchwersten Verdächtigungen. ausX u w e r d e n, m ö g e f o l g e n d e s B e i s p i e l z e i g e n. “###lich wurden im Januar dieses Jahres auf unce Haland bei Gelsenkirchen infolge eines Schachtnies mehrere Bergleute verschüttet und nach äuunt schwierigen und gefahrvolken Arbeiten glücklich ge#ig. Nach einigen Tagen erschien in der„Leipziger tastszetung“ und in den sozialdemokratischen Jeitungen des rheinisch=westfälischen Industriebezirks ein Bericht über das Unglück, in dem behauptet wurde, „das Unglück sei durch Außerachtlassung von Sicherheitsmaßregeln verschuldet. Da dem Berichterstatter jede Unterlage für seine ehrenkränkenden Behauptungen fehlt, leitete er die Beschuldigungen mit den Worten ein: „Es wird nun erzählt...“: dann heitzt es, der Schacht habe einen Sattel durchteuft, sodaß besondere Vorsichtsmaßregeln erforderlich gewesen seien, ferner, einer der Steiger habe besonderen Wert auf möglichste Beschleunigung der Abteufarbeiten gelegt. Tatsächlich bedeute auch die Niederbringung des Schachtes bis unter die 5. Sohle in 10 Monaten eine Rekordleistung, womit der Schlüssel zum Verständnis des Unglücks gegeben wäre. Von Fachleuten werde die Frage, ob das Unglück zu verhindern gewesen wäre, bejaht. Auf das Ergebnis der im Gange befindlichen Untersuchung könne man daher sehr gespannt sein.“ Wie aus einer in den genannten Blättern veröfkentlichten Berichtigung der Zechenverwaltung hervorgeht, beruhen alle diese Behauptungen auf Unwahrheit. Der Schacht hat keinen Sattel durchteuft, auch ist er nicht in 10, sondern in 31 Monaten bis zur jetzigen Teufe niedergebracht. Von einer Beschleunigung der Abteufarbeiten und einer Rekordleistung, die das Unglück verständlich machen soll, kann demnach keine Rede sein. Durch die bergbehördliche Untersuchung ist festsgestellt, daß bei dem Abteufen sachgemäß und umsichtig vorgegangen, und daß niemandem eine Schuld an dem Unglück beizumessen ist. Hiernach sind die Angaben der sozialdemokratischen Blätter zum Zwecke der Verhetzung einfach aus der Luft gegriffen. Die frivole Verdächtigung hat in Kreisen der Beamten und Arbeiter umsomehr Empörung erweckt, als davon namentlich auch dieeinigen betroffen wurden, die bei der gefahrvollen Rettungsarbeit ihr Leben auf's Spiel gesetzt haben, und denen für ihre aufopferungsvolle Tätigkeit von allen Seiten, auch Der unsichtbare Kammerherr als Bräutigam. S. u. H. Hannover. 8. März. Eine Braut, die ihren Bräutigam nie zu Gesicht bekommen hat, spielte in einem großen Schwindelprozet als Hauptzeugin eine Rolle. Vor der hiesigen zweiten Strafkammer hatte sich der Schuhmacher Kellner und die geschiedene Ehefrau Nirdorf wegen Betruges zu verantworten. Die letztere, die das einträgliche Gewerbe einer Kartenlegerin und Wahrsagerin betreibt. lebte mit dem Kellner in wilder Ehe. Eines=Tages wurde sie von der Wittve Stier aufgesucht, die noch Heiratsabsichten äußerte. Die Karten sagten dann auch prompt voraus, daß sie bald eine reiche Heirat machen würde. Und zwar sollte sie keinen geringeren als den der Größe Strunck, ellweg ½ 2553. Würch W 94 Heich 10 ent!“ e bel * in reichhaltigster Auswahl. Preise für nebenstehende Kostüme: Herta Elogantes Frauenkostüm in Kammgarn-Cheviot in marineblau#50 und anderen Farben mit Seiden-Soutagierung Mk. Freya Flotte jugendliche Form in einfarbigen und Fantasiestoffen in aAAt. bester Verarbeitung Mk. 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Er vermochte sich von seinem nüchternen eit nicht zur Höhe ihrer Auffassung aufzuschwinio sagte trocken:„Aber Linchen, wenn Du immer 2esetzt hast an dem Hause, warum hast Du denn Ktmieten nicht längst aufgegeben?“ ####. 3 ctenburg warf ihrem Mann einen fassungszu, den dieser nicht verstand, und den sie in die deutschen Worte„Du bist wohl verm#uru fuhr dieser in seinen törich'?: Bemerkunfent und sagte:„Sei doch froh, menn Dir der Kondas Haus abmmmt. Du nichts #schangz Perl!“ schrie sie.„Wovon sollen wir denn zzu vor dieser schlagenden Entgegnung verstummte wrech.= as. Er gab sich den Anschein, als hätte er “chalten und erklärte mit freundlicher Behaghaß ra: 410, Linchen! Schimpfe'mal nicht mehr! bere 2 bisher immer ganz hübsch verdient! Un8% bezahlen dach auch anständig!“ die paar h auch anständig! raut Taler! Und was ich ausgeben muß, v.1Ds“ techt! Für Putzfrauen und Dienstboten habe ich schon gehabt, und immer Du, was mir das Waschen obemal für ##3 Drai g#nie furs gunze Hons die Wäsche Resa: Tage muß ich die Waschfrau bezahlen und koch oußerdem.“ bekommen doch jedes Stück ##l eine: Rechnung geschrieben. Das gibt doch a. meizish9 Verdienst.“ verdi,„: vielleicht, ich soll es umsonst iun? An der gr.02 denn sonst überhaupt an den Herzehn Rlasche Bier fünf Pfennige, am kalten Aufoder eina?! Höchstens, wenn sie mal einen entlich:“, feinen Salat gebrauchen, kann ich Pfennige oder eine Mark st. ich setze überall zu!“ Mark gut maHerr Lichtenburg lächelte abermals und suchte seine Frau zu beruhigen. Er gab zu, daß der Verdienst im Verhältnis zu ihrer schweren Mühe und Arbeit eigentlich viel höher sein müßte. Aber er gelangte doch schließlich zu der Behauptung, die Forderung Herrn Raupachs sei gerechtfertigt und müsse bezahlt werden. „Wovon denn?" fragte sie höhnisch. „Selbstverständlich von den Mitgliedern, die Du selbst von den Herren empfängst.“ „Erstens bezahlen die Herren ebenfalls sehr unregelmäßig,“ erwiderte sie überlegen,„und zweitens ist das Geld längst alles draufgegangen für Bedienung, Essen und Trinken, Heizung und alle möglichen Rechnungen. Ich sag's ja, alles muß man zusetzen. Ich kann die Miete diesmal nicht bezahlen. Jahrelang habe ich mich für den Herrn Raupach gequält. Jetzt ist meine Kraft zu Ende. Ich kann nicht mehr. Nun mag's Gericht kommen.“ „Willst Du Dich denn durchaus ins Unglück stürz zen?“ versetzte jetzt Herr Lichtenburg ungeduldig.„Das ist ja Unsinn! Mach keine Komödie und bezahle! Und wenn Du die Mietgelder verpulvert hast, so ist doch sonst noch genug Geld im Hause!" Er staunte selbst über seinen Mut, so willenskräftig seine Ansicht ausgesprochen zu haben. Da prasselte auch schon die heraufbeschworene Strafpredigt auf ihn meder, dichter und schwerer, als der an die Jenster klotschenoe Regen. Aus dem Schwall allgemeiner Schektreden und der Flut von kräftigen, aber bedeutungsarmen Echimpfworten schälten sich allmählich deutliche und#e##tendliche Gedonken heraus und die höhnische Frage sching an sein Ohr,„wo denn das viele G. Hause herrühren solle?“ „Woher?“ wiederholte Frau Lichtenburg immer wieder.„Etwa von Dir? Du vordienst ja nichts! Du tust ja nichts und hockst fast den ganzen Tag im Hause. Ein paar Gäuge machst Du für den Halunken, den Raupach! Das ist alles! Warum gehst Du nicht auf Arbeit?“ „Weil Du mich immer abgehalten hast. Ich hab ja keine Zeit mehr, bedienen zu gehen, wie früher. Immer hast Du im Hause irgend etwas zu tun.“ „Jawohl! Du kannst froh sein, daß ich Dich zur Arbeit anhalte und zu einem ordentlichen Manne zu machen versuche. Niel Erfolg habe ich allerdings mit meiner Mühe nicht. Ein schöner Mann! Ein tüchtiger Mann. der nicht einmal dafür sorgen kann, das Geld im Hause ist!“ Sowie seine Frau aus dem Schimpfen ins Spotten überging, wuchs ihm wieder der Mut, und er rief jetzt laut:„Zum Donnerwetter. Jetzt hab ichs satt. Noch heute wird die Miete bezahlt. Du nimmst es einfach von Deinem Geld aus dem Schrank!" „Was für Geld?“ „Deine Mitgift, die Du im Schreibschrank liegen hast!“ Frau Lichtenburg lachte wuchtig und gramvoll auf. Die Mitteilung, vor der sie sich schon lange gescheut hatte, machte sie ihm jetzt nicht im ruhigen Tone eines Schuldbekenntnisses, sondern schleuderte sie ihm mit dem Ausdruck heftigen Vorwurfs ins Gesicht:„Ichhab nichts mehr im Schreibschrank liegen!“ entgegnete sie funkelnden Auges und sah ihn herausfordernd an.„Alles habe ich zugesetzt. Sogar meine Mitgift hab ich Dir hingeopfert, weil Du kein Geld ins Haus bringst und Deine arme alte Frau Durstes sterben läßt. Was meinst Du denn, womit ich den Weinjuden hätte bezahlen sollen, wenn ich nicht die schöne Mitgift in die Ehe gebracht hätte, die nun durch Deine Faulheit draufgegangen ist? Auch das Silberzeug und der größte Teil der Wäsche ist längst wea! So weit hast Du Deine arme, unglückliche Frau gebracht!“ Ein nochmaliges leichtes Zukneifen ihrer Augen reichte hin, um einen Tränenstrom hervorschießen zu lassen, und Herr Lichtenburg war über den Verlust des Geldes und den Anblick seiner betränten Hekuba so bestürzt, daß er sich tatsächlich schuldb= wußt führte. „Aber Du hast doch mir und allen Leuten immer erzählt,“ sagte er stammelnd, daß Du eine Menge Geld wort in dem Schranke verwah rest?“ „Natürlich! Um Dich nicht zu bloninn: Ich werde es auch jetzt noch weiter#####b## en. Das ist man sich doch sch-lbig! S=llichdennere Armut und Deine Fauldeit vor aller Welt eingestehen? Das ist doch a Schand! Man muß sich ja schämen! Die Leute jeden ja über einen. Sei froh, daß Du eine####entliche Frau hast, die auf guten Ruf hält.“ perr Lichtendurg aber war ganz und gar nicht froh. Wie ein Gerichteter stand er vor der anklagende#rauhen Tugend seiner Gemahlin. Nicht wagte sich der freche Vorwurf über seine Lippen oder auch nur in sein Gemüt, als habe die biedere Hausfrau das kleine Vermögen leichtsinnig vertrunken. Nein! Seine eigene Erbärmlichkeit war ihm zum Bewußtsein gekommen. Seine eigene Schuld hatte ihm ihr Tadel klargemacht, und wach gerüttelt von ihren strengen Worten biß ihn das böse Gewissen empfindlich in seinen Seelenfrieden. Er fühlte sich tief gebeugt in seiner Armut und hatte den ernsten Vorsatz gefaßt, diesen schmerzlichen Zustand zu ändern. Er war entschlossen, sich gründlich zu betrinten. Aber auf Linchens Unterstützung bei diesem Vorhaben war nicht zu hoffen, und der Barbestand seiner Tasche war nur um wenige kleine Nickel höher, als der Inhalt des leeren Mitgiftschrankes. Doch besaß er den wertvollen Brief Raupachs und mit diesem ausgerüstet ging er zu dem Referendar, der eben bereit war, sich auf sein Amt zu begeben. Er hatte den Brief so gebrochen, daß nur die Bekenntnisse der Zahlunfähigkeit und die Unterschrift lesbar waren. „Kennen Sie Herrn Raupachs Handschrift? fragte er den Referendar und hielt ihm auf seine bejahende Antwort den Brief vor die Augen. Dr. Laue erschrak im tiefsten Herzen über die entsetzliche Erkenntnis, die ihm diese Zeilen verschafften. Wenn er auch an einen wirklichen Zusammenbruch der guten alten Firma nicht glauben wollte, so war doch Herr Raupach zweifellos kein reicher Mann mehr. Das tat dem mitfühlenden Referendar in der Seele weh. Der arine Munn konnte seiner Tochter wahrscheinsich nicht einmal eine Mitgift geben. Es wäre unrecht genesez.#ee diesen Umständen noch von der Einladung zun##tigen M.##agessen Gebrauch zu machen. Dem finanztell so rin- bebrüngten Mann den letzten Bissen Brot wegzuessen zing#### sein Anstandsgefühl. Freilich, unter welcdem Vorwand konnte er so spät noch absagen, ohne den lieben aten G#,#pfindlich zu kränfen? Zweifelnd blickte er Herrn Lichten#a., an, der mit erwartungsv=Nen Augen und S##ion ansah und rühmend i. kk# te:„Sie glaubten mir 1enlich nicht, Here Doktor, als i.: Ihnen von Herrn Raupachs Zahlungsschwierigkeiten erzählte.“ 177.18 14 4 Kammery ren vin Lülow enen Mani ron 70 Mirio* zum zweiten Manne bekommen. Aus verschiedenen bründen konnte schdr glückliche Präuti am son r Braut aicht persönlich vorstellen. Er schickte aber fleißig Blumenspenden und ließ sich im Theater aus der Ferne von seiner Erkorenen bewundern. Der Grund für die Heimlichkeit lag darin, daß der Herr v. Bülow einer eheimen Gesellschaft mit welsischen Tendenzen anseörte, der die Braut nicht pahre. Die Umstimmung der Mitglieder der geheimen Gesellschaft sonerc viel Mühe gelang aber endlich. Die Sehnsucht der Braut nach endlichen Beisammensein wurde al'mäh'ich immer stärler. Als sie von der Frau Nirderf hörte, daß ich Herr v. Bülolo im herzoglichen Schlosee von B'aunschweig aufhalte, reiste sie mit dieser dorthin. Die Pirdolf berab sich in das Schloß und crcäh't; der kaunenden Witwe viel von ihrem prächtigen Emrfange Herr v. Bülow freilich war nicht zu sehen, er hatte auswärts Dienst und konnte sich rur später telefonisch bei seiner Braut entschuldigen. Um die letzten Schwie#igkeiten die der Eheschließung entgesensanden zu beseitigen, ließ Herr v. Bülow seine Braut einlach in den Al=lsstand erh ben, wenigstens erzählte das d’e Freu Nirdorf. Nachdem die leichtgläubige Frau Stier dem Schwindlerpaare gegen 10000 Mk. georfert hatte, brach dieses die Beziehungen zu der Leichtgläubigen ab, die bald erfahren mußte, daß ihr geliebter Frodor nur im Monde existierte. Es spielte in die Verhandlung noch eine geheimnisvolle Vergistunggafsäre gegen die Frau Stier und deren Sohn hinein, über die aber endaltige Aufklärung nicht erzielt werden konnte. Der Gerichthof verurteilte die phantasiereiche Frau Nirdorf und ihren Geliebten zu je eineinhalb Jahren Gesängnis. Deutscher Berlin, 9.März Am Bundesratstische v. Tirpitz Der Etat für Kiantschau und die ostasiatischen Marinedetachements wird beraten. Abg. Erzberger(Zentrum) bezeichnet es als erfreulich, daß die Marineverwaltung für 1909 eine Eriparnis von einer Million erzielt hat. Wir müssen auch in Kiantschau auf Sparkamkeit halten und verlangen die Selbstverwaltung für Kiautschau. Staatssekretär v. Tirvitz: Der Ausfuhrhandel Ziantschaus hat einen raschen Ausschwung genommen und dimit auch die Schiffahrt. Wir sind in das chinesiiche Eisenbahngeschäft hineingekommen und dürfen auf Leiteren starken Absatz rechnen. Auch kommen wir in der Sclouverwaltung vorwärts. Der Etat ist recht sparam aufgestellt und ich glaube nicht, daß wir bei den Geamten noch Abstriche machen können. Die Bauten n Kinutschau entiprechen dem dortigen klimatischen Verhältnis. Die Hasenarbeiten finden allseitige Anerkennung. Aba. Dr. Paasche sordert entschieden noch mehr Sparsamkeit, namentlich hinsichtlich des Beamtenver###nals. Abg. Dröscher(kons.) zollt dem Staatssekretär und einen Mitarbeiter volle Anerkonung für das, was üir die Entwickelung von Kiautschau getan ist. Die Maineverwaltung möge auf dem betretenen Wege weiter arbeiten. Staatssekretär v. Tirpitz betont, daß die Verhältnisse in Kiautschau ein großes Aufsichtspersonal erforkern. Wir können an der Verwaltung nur sparen, soweit es rationell ist. Abg. Storz(fortschr. Vp.): Die Entwickelung Kiau.schaus hot unsere Erwartung im allgemeinen nicht zetäuscht. Wir wünschen indessen größere Beschleunigung der Baynbauten. Sollen die Erzlager an der Eisenbahn verpachtet werden? Kann nicht eine Verminderung der Truppen eintreten? An Perional läßt sich manches sparen, die Gehälter sind zu hoch. Staatssekretär v. Tirpitz wird den Anregungen, soweit dies möglich ist, nachkommen. Nachdem noch verschiedene Wünsche vorgebracht waren, wird der Etat mit den vorliegenden Resolutionen angenommen. Es folgt die zweite Beratung des Postetats. Abg. Kämpf(fortschr. Vv.) bedauert die Abschaffung des Postankunftsstempels. Das Postscheckwesen nuß weiter ausgebaut werden, namentlich für den internationalen Verkehr. Das Ortsporto sollte bald wieder eingeführt werden. Eine Verbilligung des Postkartenverkeirs würde von allen gewerblichen Kreisen mit Freu=em begrüßt werden. Auch das Weltpostporto sollte, wie im direkten Verkehr mit Amerika, für den Bereich des Weltpostverkehrs verbilligt werden. Aba. Lattmann(wirtsch. Vg.) begrüßt die Resolution auf Schaffung eines Postbeirats aus Vertretern des Handels, der Industrie, der Landwirtschaft und des Handwerkerstandes mit Freuden. Eine große Zahl von Unterbeamten ist nicht etatsmäßig angestellt, und wir erwarten eine Erklärung des Staatssekretärs, wie er sich deren Aufbesserung und die der weiblichen Hilfsbeamten denkt. Es werden auch vielfach Leute entlassen, die schon jahrelang beschäftigt sind. Staatsjekretär Krätke: Mit dem kaufmännischen Geist ist es eine eigene Sache. Einmal verlangt man von uns, wir sollen unsere Betriebe kaufmännisch einsichten. Sobald wir aber dazu übergehen, die kaufaläuni chen Grundsätze von Leistung und Gegenleistung in der Praxis auszuführen, schreibt man über Fiskalismus. Wie wic's auch machen, Prügel bekommen wir stets.(Heiterkeit.) Der Verwaltung selbst ist daran geegen, bewährte Arbeiter so lange als möglich zu behalten. Wovon aber sollen wir die Arbeiter unterhalten, wenn wir keine Mittel mehr haben. Hinsichtlich der Krakenkassen müssen wir bei den gegenwärtigen Finanzloge alle nicht absolut nötigen Ausgaben zurückstellen. Den Ankunftsstempel haben wir abgeschafft im Interesie d. Verkehrs, um die Abfertigung zu beschleunigen. Wir haben bei woichtigen Dingen stets die Interessenten gehört. Eine bessere Paketbeförderung zwischen Nord- und Süddeutschland erwies sich als unausführbar, weil die betreffenden Züge jetzt schon überlastet sind. Der Nachbarortsverkehr bietet sehr viel Schwierigkeiten, namentlich in den Vororten der Großverkehrs Anerkennung gefunden hat. Unsere Aufstellung über das finan zielle Ergebnis ist vollständig richtig. Das Weltporto herabzusetzen ist untunlich, man findet nirgends Neigung dafür. Unsere Beamten tun voll ihre Schuldigkeit. Donnerstan 1. Uhr: Fortsetzung der Beratung des Postetats. Schluß 72 Uhr. Preußisches Abgeordnetenhaus. Berlin, 9. März. In der heutigen Sitzung wurde zunächst der Gesetzentwurf betr. die Stadterweiterung Spandau in dritter Beratung angenommen. Es folgte die Fortsetzung der zweiten Beratung des Handels= und Gewerbeetats and zwar 1im Titel„Zuschüsse zu Fachschulen", bei welchem eine Reihe von Einzelwünschen vorgebracht wurden. Abg. Schröner=Kassel(nat.=lid.) wünscht Erhöhung des Zuschusses für die Zentralstelle für Volkswohlfahrt. Abg. Frhr. v. Zedlitz(freikons.) und Dr. Pieper (Zentr.) unterstützen den Wunsch des Vorredners. Handelsminister Sydow: Ich keune die Zentralstelle für Volkswohlfahrt seit langem. Es ist keine Sammelstelle von Theorien, sondern von prakischen Erfahrungen. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß es Sache meines Ressorts ist, diese Zentralstelle zu unterstützen, und ich bin auch gern bereit, falls möglich und nötig, den staatlichen Zuschuß zu erhöhen. Abg. Dr. Faßbender(Zentr.) spricht den Wunsch aus, daß aus dem Fonds, aus dem die Zuschüsse zur Zentralstelle für Vollswohlfahrt entnommen werden, auch die privaten Vereine unterstützt würden, die sich die Bekämpfung des Alloholismus zur Ausgabe steuten. Abg. Meyer=Bielefeld(kons.) bezeichnet die theoretische wie die praktische Ausbildung der Handwerkslehrlinge ols eine wichtige Ausgabe der Handwerkssammern. Eine weitere Aufgabe der Handwerkskammern sei die Förderung der Mei, erkurse. Abg. Dr. Flesch(sortschr. Vp.) tritt für die Petition des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise in Berlin um Erhöhung der Subvention an die össentlichen Arbeitsnachweise ein. Aus dem im Etat vorgesehenen Fonds von 65000 Mark zur Förderung der nicht gewerbemäßigen Arbeitsnachweise und Rechtsberatungsstellen für die minderbemittelten Bevölkerungskreise erhielten die Auskunstsstellen 55000 Mark, die Arbeitsnachweise dagegen nur 10000 Mark. Hierin liege entschieden eine einseitige Begünstigung der Rechtsauskunftsstellen auf Kosten der Arbeitsnachweise. Abg. Leinert(Soz.): Es sind lächerlich geringe Summen, die der preußische Staat für die Arbeitsvermittlung ausgibt. Ueberdies wird das Geld wenig zweckmäßig angewandt. Es würde besser den Arbeitsnachweisen der Gewerkschaften zugewiesen. Der Redner äußert sich über die Wanderarbeitsstätten, in denen die Wanderer unverschämt ausgenützt würden, über die städtischen Rechtsauskunftsstellen, die gar keine Beachtung fänden und über die Winkeladvokatenstuben des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie. Es folgen die einmaligen Ausgaben. Abg. Dr. Heisig(Zentr.) bittet, dafür zu sorgen, daß die Jugendspiele der Fortbildungsschüler nicht in die Zeit des Gottesdienstes fallen, damit die Schüler nicht dadurch vom Kirchenbesuch abgehalten werden. Abg. Dr. Crüger=Hagen(fortschr. Vp.) bedauert den Widerspruch der Konservativen gegen die großen Meisterkurse. Sie haben sich recht gut bewährt und sollten durch erhöhte Staatsmittel gesördert werden. Ministerialdirektor Neuhaus: Die Begeisterung für die großen Meisterkurse ist in den Handwerkerkreisen doch etwas abgeslaut. Sie werden vielfach nur von Gesellen besucht, die vor der Meisterprüfung stehen. Sie müssen abgekürzt werden, dann wird der Besuch reger werden. Dasselbe gilt auch von den Wanderkursen. Nach weiterer unwesentlicher Debatte wird der Rest des Handelsetats genehmigt. Die Bittschrift des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise wird als Material überwiesen. Es folgt der Haushalt der Bauverwaltung. Abg. Lotz(freikons.) tritt für die Förderung der Küstenschiffahrt ein. Abg. Schreiner(Zentr.) tritt für die Kanalisierung der Mosel und Saar ein unter Hinweis darauf, daß das Haus 1905 eine Resolution zugunsten dieses Kanals gesaßt habe. Minister v. Breitenbach: Es zeigte sich, daß bei der wirtschaftlich bedeutsamen Frage der Mosel= und Saarkanalisierung ein Gegensatz besteht zwischen den Interessenten von Nordwest= und Süddeutschland. Die in Frage kommenden Interessenten wurden gehört. Die Versuche aber, eine Klärung herbeizuführen, sind bisher gescheitert.(Hört, hört!) Ich hoffe aber, noch in dieser Tagung dem Hause eine Entschließung der Staatsregierung über die vorliegende Frage mitzuteilen. Die Interessenten der Küstenschiffahrt werden, was mein Ressort betrifft, berücksichtigt.(Beifall.) In der weiteren Debatte wurde betont, daß eine baldige Klärung der Frage wünschenswert sei. Nach persönlichen Auseinandersetzungen zwischen den Abgg. Röchling(nat.=lib.) und Pappenheim(kons.) erklärt Abg. Gronowski(Zentr.), daß er in seiner Rede vom 2. März den von ihm gebrauchten Ausdruck zurücknehme, wenn darin ein Vorwurf gegen ein Mitglied des Hauses gefunden werde. Darauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Freitag 11 Uhr: Wahlrechtsvorlage, Schluß 44 Uhr. Graf Pfeil vor dem Oberkriegsgericht. S. u. H. Thorn, 8. März. Der Anklagevertreter Kriegsgerichtsrat Bohnstedt begann sein Plaidoyer mt der bereits kurz mitgeteilten Feststellung, daß in 4 Anklagefällen, in denen es sich um Verleitung zum Meineide handelte, Verjährung eingetreten sei. Der Anklagevertreter geht dann auf die Glaubwürdigkeit der einzelnen Zeugen ein, die zumeist erst für den Grafen und gegen die Grälin, dann aber umgekehrt ausgesagt hätten. Was zunächst die dem Angeklagten zur Last gelegten Beeinflussungen anlange, so sei anzunehmen, daß er den Zeugen erst aufGrund ihrer ziemlich bestimmten Angaben ein festes Beweisthema gestellt habe, auf das sie sich in eidesstattlichen Versicherungen bezw. in ihren eidlichen Aussagen beziehen sollen. Die Mehrtzahl der Zeugen habe z. B. bestimmte Angaben über Wäsche und Garderobe der Kinder gemacht, ferner über die lieblose Behandlung der Kinder. Das habe Graf Pfeil dann zur Grundlage seiner Fragebogen und direkten Fragen gemacht. Er sei also nicht selbst auf den Gedanken gekommen, sondern die Zeugen hätten ihn darauf gebracht. Er habe diesen Angaben G'auben schenken können, z. B. die behauptete Lieblosigkeit der Gräfin gegen die Kinder sei durch die Beweisaufnahme erwiesen. Somit liege nicht der geringste Anhalt vor, daß er die Zeugen zu falschen eidesstattlichen Versicherungen habe anhalten wollen. Bei der Abgabe dieser Versicherungen seien sich die Zeugen auch in den meisten Fällen der Tragweite ihrer Handlungen nicht bewußt gewesen. Bei den Hauptzeugen liege kein genügendes Material für die Verurteilung des Angeklagten vor. Trotzdem komme er nicht zu einem Antrage auf Freisprechung der Angeklarten, sondern nur auf Einstellung des Verfahrens, weil die betr. Fälle mehr als fünf Jahre nuerückliegen. Auch in den übrigen Fällen habe kein schlüfsiger Beweis erbracht werden können, daß der Graf gen zu salschen eidesstattlichen Versicherungen veranlaßt habe. Es liegt auch klar zu Tage, daß in den Zivilprozessen nicht soviel Meineide auf einmal geschworen sein könnten, wie es an der Hand der von Gräger aufgenommenen eidesstattlichen Versicherungen zunächst den Anschein hatte. Ich halte Herrn Gräger auf Grund seiner früheren Zeugnisse wohl dafür geeignet, daß er königliche Prinzen gut bewachen kann und Privatpersonen zu observieren versteht, aber zur sachgemaßen Vernehmung von Zeugen und Entgegennahme von eidesstattlichen Versicherungen erscheint er mir völlig ungeeignet.(Zeuge Gräger verläßt den Sitzungssaal). Gewiß, Herr Gräger hat niemanden bestochen, aber ein großer Teil der Zeugen hat etwas von ihm erwartet, und diese Erwartung ist zum Teil auch nicht getäuscht worden. Die Gräfin Pfeil kann sich in Bezug auf die ersten acht Anklagepunkte und die damit verbundenen Mißerfolge nicht beklagen. Sie wag oon ihrem Standpunkte von der Richtigkeit ihrer Vermutungen überzeugt gewesen sein; allein es ist ihr hier schon vorgehalten worden, daß sie in ihrem Zivilprozeß Partei gewesen ist und nicht überall den Beweis für die angeblich erkittenen Mißhandlungen erbracht hat. Eine gewisse Lieblosigkeit gegen ihre Knder erscheint mir doch erwiesen. Zum letzten Punkt der Anklage müsse er die Begründung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geben, er beschränke sich darauf mitzuteilen, daß er für diesen Fall drei Monate Gefängnis und Dienstentlassung beantragen werde. Verteidiger Rechtsanwalt Krüce; weist darauf hin, daß die Gräfin von glühendem Haß gegen ihren ehemaligen Mann beseelt sei. Der Zeuxe Gräger bedeute eine Gefahr, er gehe über Leichen. Alle die hier aufgetretenen Zeugen seien beeinflußt und nur auf Grund ihrer Aussagen könne das Gericht niemals zu einer Verurteilung des Angeklagten kommen. Der zweite Verteidiger Rechtsanwalt Samulon übt eine eingehende Kritik an dem Sachverständigengutachten des Dr. Sporberger, das er nicht als richtig anerkennem könne. Wenn der Angeklagte nervenschwach ist, so sei das aus dem siebenjährigen Prozessieren zu verstehen. Hierauf wurde die Oeffentlichkeit für den Schluß des Plaidoyers ausgeschlossen, da nunmehr der zehnt: Punkt der Anklage zur Erörterung zwischen Anklagevertreter und Verteidigung gelangen soll. Das Urteil wird morgen Mittwoch nachmittag 5 Uhr gesprochen werden. Thorn, 9. März. Im Prozeß gegen den Grafen Pfeil wurde heute abend 6 Uhr 40 Min. das Urteil gefällt. Der Graf wurde in allen Fällen, die zur Anklage standen, sowohl wegen Verleitung zum Meineide, als auch wegen verleumderischer Beleidigung der Gräfin Pfeil freigesprochen. Das Verfahren wurde eingestellt. Die römische Duellkomödie. Frau von Siemens, die Witwe des Berliner Großindustriellen A. v. Siemens, eine der angesehensten Damen der römischen Gesellschaft, wird seit einiger Zeit von chauvinistischen italienischen BlätChiesa tern und Scharfmachern der Spionage beschuldigt. Die Spionage soll zugunsten Oesterreichs betrieben werden. Der erste Grund hierfür war ihre Freundschaft zu dem verstorbenen General Saletta. Run gab es dieser Tage wieder einen großen Skandal in der ttalienischen Kammer, der die Asfäre Siemens nochmals in den Vordergrund schob. Der Held respektive Maulheld dieses Skandals ist der republikanische Deputierte Chiesa, der gegen die Generäle Fecia, di Gen. Prudente Cossato, Prudente, den Unterstaatssekretär, Senator Lealt und andere, die schwersten Beschuldigungen an den Kopf warf; die Generäle begünstigten Frau von Siemens usw., die eine gefeierte Schönheit ist, und viel Verehrer unter den hohen Offizieren besitzt. Es ram zu Rausszenen und alsbald regnete Duellforderungen für den Maulhelden Cgies. ganzen Beschuldigungen und Verdächtigung die Dame, sowie ihren Verehrer sind ein ses Lügengewebe. Das erste Duell, weichez gag, W Gen. Fecia di Cossato mit General Fecia auszutragen hatte, wurde 1 dem General infolge der lächerlichen Beoinaun. Chiesa's abgelehnt; beim zweiten Duell mit GenerPrudente kam die Polizei dazwischen, toahrscheinle hatte Chiesa dafür gesorgt. Dieser tapfere Run wird sich auch wohl von den anderen Dueslen# drücken wissen. Ein Arzt als Giftmischer. Die Giftmorde, die im Altertum und jetzt au bei asiatischen Völkern eine große Rolle spielen, sche, nen in letzter Zeit auch in Eurova und Amertz Mode geworden zu sein. Die Untersuchung des b## lichen Todes des Obersten Swopes in Kansas Eic worüber mehrsach berichtet wurde, hat zu einer schuren Anklage gegen dessen Verwandten und arzt Dr. Hyde geführt. Dr. Hyde wird beschuid# den alten Oberst durch Beimischung von Thphuskazillen in einem Tranke getötet zu haben. Auch Christman Swope soll er auf diese Weise umzebrich Dr. B.C.HyOe A. amerik Arzt als Sirmischer und acht andere Mitglieder derselben Familie## leichfalls versucht haben, aus der Welt zu en. Die Untersuchung bringt auch die überrast e Neuigkeit, daß Hyde die Giftmorde ausführte sich in den Besitz der 25 Millionen Doilar des sten zu setzen. Er mußte daher alle nächsten wandten beseitigen und so vergiftete er auch Neffen Swopes und versuchte acht weitere Pers# durch Typhusbazillen, die er dem Trinkwasser bei zu verseuchen. Hyde, der mit einer Nichte Swo verheiratet ist, hat auch schon mehrere Male Versuch gemacht, seine eigene Frau zu verziften. Vermischtes. Berlin, 10. März. Zur Affäre der Frau Schönebeck=Weber wird noch gemeldet: A Ehemann der Verhafteten hat sich mit dem Verteidier nach Allenstein begeben, um dort einen schriftlich Antrag aus Haftentlassung bei dem Gera zu überreichen. Gleichzeitig mit diesem Antrag von ein Gutachten des Gerichtsarztes Dr. überreicht, wonach ein ferneres Verweilen der in Untersuchungshaft eine Lebensgefahr für bedeuten würde. Ueber die Aufhebung des H#l##l hat nunmehr das Oberlandesgericht Königsbeig entscheiden, dem bereits sämtliche Akten zugegangen Kiel, 10. März. Im Hasen von Kiel stieß 9% 1447, Werftdampfer mit einer Pinasse des „Nassau“ zusammen. Der Dampfer ist so schwer digt, daß er auf Strand gesetzt werden mußte. satzung konnte gerettet werden. Cuxhaven, 9. März. Der deutsche Gaslellsfug „Gertrud“, Kapitän Schreckhase, mit S Harburg nach England unterwegs, kollidicrte nacht am zweiten Feuerschiff mit dem von nen einkommenden Dampfer„Pennsylvania“. Der Sot ist gesunken. Der Kapitän und drei Mann Besatzung ertranken. Der Steuermann wouf Rettungsboot des zweiten Feuerschiffes gereite Worms. 9. März. Der Bahnhofsvorf zu Offstein versuchte heute früh s####, seine Frau und seine drei Kinder mit Suh zu vergisten. Die Ehefrau ist tot. der selbst wird kaum mit dem Lebne davonkommen. Kinder können dagegen als gerettet betrachte! Den Beweggrund zur Tat bilden uneran Familienverhältnisse. München, 9. März. Eine blutige Fa## ½½#1 tragbdie hat sich heuter acht in Schwabach Die Frau des Restaurationspächters Jakob butg d#g ihrem jüngsten Kinde den Hals und öffnete##### selbst die Pulsadern. Die Frau konnte aber den To#r.1 finden und fürzte sich in den Fluß Schwabach, Ufern men heute früh ie Leiche treibend send 2.1 schäftliche Verluste und tach einer anderen Bersten 7. liche Zwistigkeiten sollen die Frau zu dem Sa#ti“ trieben haben. 4= Kempen(Rheinl.), 10. März. Auf der Kavensburg nach Leutkirch stieß ein auf“, des Rechtsanoalts Gut mit einem G###., guseh sammen. Der Reatsanwalt und ein zweiter? wurden schwer verletzt, ein dritter Insasse#“.1.## Wien, 9. März. Wie die Blätter sich bei Himberg in der Nähe von Wien ein Automobilunfall. Ein mit sieben ie gas besetztes Schulautomobil der neugegründe““### Lohnwagenunternehmung überschlug— g# Kurve und begrub die Insassen, von dent## getötet, drei schwer und zwei leicht verles 3 JaxEge-snage S Si n 122. W ghess Sgis Eiiise *•* ge Büßh gn—. ##- Jonf anagrrid Enna.-S—•9 1Sgaet W Mn K BE-1"TFakä FRIIES S5: % agmsm enar o on gaxw!G-a,en g g pg n95 SSbag-g SSSpE„Saagn 9 55e FSPSSSSSSSEg! Angasagasgas à EN„ASSSSS„IgSSnn SBLSDETEESEE S### PrSsSSxSgsss-SSDSPSTEE ### gEEsb 25. zu machen, sie wird unsere beste Fürsprecherin bei meinen Eltern sein.“ Damit rief sie schon laut durch die geöffnete Tür „Tanterl, Tanterl!“ Und gleich darauf erschien im Rahmen der Tür— Jungfer Eulalia Rosenblüh! Herrn Gerlach traf es wie ein Schlag. Er war einer Ohnmacht nahe, mühsam hielt er sich an der Lehne eines Sessels fest. Nur das eine Wort:„Fräulein!“ entpreßte sich seinem erstarrten Herzen. Es lag soviel Schrekken soviel Beschämung in diesem Aufschrei des sonst so tapferen Musensohnes, daß Tante und Nichte nicht mehr an sich halten konnten, und in ein krampfhaftes Gelächter auborachen. „Aber Herr Gerlach,“ rief Loni,„kommen Sie doch zu sich. Merken Sie noch nichts?“ „O, ich begreife nur zu gut alles. Ich habe mich entsetzlich blamiert und vor Ihnen, Fräulein Loni, lächerlich gemacht.“ „Aber wie konnten Sie, mein Geliebter, mein zukünftiger Gatte“, sagte Jungfer Eulalia,„auch wissen daß Ihr gegenüber in der Schlösselgasse das Tanterl Ihrer Angebeteten sei und eigens zu Ihrem Beobachter von dem verliebten, klugen Ding da, dorthin auf den Posten gestellt worden ist!“ Sie lachte auf's Herzlichste und Freundlichste, ihm dabei die Hand reichend. „Vergebung, tausendmal Vergebung, verehrtes Fräulein, aber.. „Nun, das„Aber“ ist auch schon erledigt! Hier haben Sie Ihr Sündenbekenntnis in 100 Stücken zerrissen“— und sie legte ihm die Papierschnitzel in den zufällig vorgehaltenen Zylinderhut—„Sie angehender Bigamist, Sie!“ schloß sie scherzend. Nun gestehen Sie aber offen, Herr Gerlach, wir Blaustrümpfe sind doch halt besser, als unser Ruf!“ „Ja, Sie sind ein Engel, Fräulein Eulalia! „Nichts da, hier ist Ihr Engel, und nun meinen herzlichsten Glückwunsch zur Verlobung.“ „An die werde ich denken all mein Lebtag! Nun, diese Blamage!“ „Und doch hat grade sie zu Ihrem Glück mitgeholfen!“ „Sieso?“ „Nun, ich habe grade Ihrem prächtigen Streich, in Voraussicht dessen, was kommen mußte, zum Gegenstand meiner d. h. Ihrer Humoreske gewählt, und damit natürlich den Preis gewonnen!“ „Darf ich sie lesen?“ „Natürlich, doch wozu? Sie haben Sie ja erlebt! Und den Schluß werden Sie noch heute erleben!“ Gegensätze, die sich— abstoßen. Eine humoristische Gerichtssitzung. (Nachdruck verboten.) Sonst behauptet man, daß Gegensätze sich anziehen. In einer Schöffengerichtsverhandlung aber erwies sich, daß auch das Gegenteil der Fall sein kann. Zwei künstlerisch veranlagte Naturen traten sich als Widersacher gegenüber: Herr B., der Gelegenheitsgedichte, Festreden, Toaste usw. auf Bestellung verfaßt, und Herr K., der in kleineren Lokalen, die namentlich Sonnabends und Sonntags ihren Abend-Gästen musikalische Genüsse zu bieten suchen, als Klavierspieler und Sänger auftritt. Der Dichter B. ist, seinem Berufe entsprechend, ein stiller, inender Mann mit hoher Denkerstirn und gemessenen Bewegungen, der Sänger offensichtlich stark cholerischen Temperaments, nervös und quecksilbern. Herr B. hatte nun das Pech, daß ihm K.„auf dem Kopf wohnte“, d. h. der Dichter hauste im dritten Stockwerk, der Sänger gerade darüber im vierten. Welche Folgen sich daraus ergaben, schildert B. dem Vorsitzenden des Schöffengerichts in beweglichen Worten:„Der Mann is eene wandelnde Opernarte, een menschjewordenet Präludium. Von früh bis abends paukt er uff die Drahtkommode rum und wo er jeht und steht, singt er! Und wie er singt— wie een Jagdhund, der Zahnschmerzen hat, wie ein Wilder, der kriegstanzt....“„Sie unverschämter Kerl, ich verbitte mir jeden Angriff uff meiner Künstlerehre!" ruft der getränkte Sänger in höchster Erregung. Der energisch einschreitende Vorsitzende lenkt die Verhandlung wieder in sachliche Bahnen.—„Wenn ick im scheensten Zuge und meine janze Konzentration uff eener schwierijen Arbeit jerichtet war,“ so fährt B. fort,„da brüllt et uff eenmal über mir: Ho, Ho, Ho,— Postilljohn von Longschümoh! oder er heulte mir mitten in een witzijet Festjedicht rin: Schon naht die Todesstunde... Und meine janze Inspiration war wie wejjeblasen. Meine Zimmerdecke sah zuletzt aus wie een Sieb, so ville Löcher hatte ick mit'n Schrubberstiel rinjestoßen, um det Iröhlen zeitweise zu unterbrechen. Eenet Nachmittachs bejejnete mir der Hauswirt uff die Treppe. Ick winkte ihm rin und sachte: Zu hören Se sich mal fünf Minuten lang det Martyrium hier in meine Stube an. Wenn Sie det nich ändern können, dann zieh' ick.— Dajejen hab' ick nischt einzuwenden, meint der Hauspascha mit Seelenruhe, aber for dem Schaden an die Zimmerdecke mach' ick Ihnen verantwortlich. Die Decke müssen Sie mir neu machen lassen. — Det schluch dem Faß den Boden aus. Ick erjriff dem Schrubber, stürmte zu dem Schreihals ruff und kam ihm saujrob.“— Vors.:„Nur dos?„Rozu hatten Sie denn den Schrubber mitgenommenr"——wei war wohl so ohne Absicht in die Uffrejung jeschehn.“—„Schwindel!" ruft K. dazwischen,„als ick öffnete, versetzte er mir mit dem Knüppel jleich eenen Stoß vor dem Bauche, det mir die Luft weiblieb. In die Notwehr nahm ick meinen Spazierstock, um mir jejen dem Ueberfall zu verteidisen"— Vors.:„Bei der darauf entstehenden Schlägerei haben Sie alle beide etwas abbekommen?"— B.(schadenfroh):„Ja sehr wenij.“— K.:„Ick noch wenijer.“ Im Urteil wurden beide Teile für schuldig erklärt. B., als der Angreifer erhielt 50 Mk., K. 15 Mark Geldstrafe. Frische Heringe. Die Heringe werden geschuppt, ausgenommen, die Köpfe und Schwänze abgeschaitten, sehr sauber gewaschen und dann mit einem sauberen Tuch gut abgetrocknet. Etwas Senf, ganz wenig geriebenen Knoblauch, sein gehackte Petersilie und Estragon vermischt man gut. Auf jeder Seite der Heringe hat man ungefähr drei schräge Einschnitte gemacht, in diese streicht man die Mischung, streut Salz darüber und wendet sie leicht in Mehl. Nun werden die Heringe in einer passenden Bratpsanne nebeneinander gelegt, mit Rotwein und Boullo; übergossen, mit Butterstückchen belegt und 10 Minuten gedämpft. Dann wendet man sie behutsam, streut etwas geriebene Semmel über die Heringe, begießt sie mit ihrer Sauce, welche natürlich nur turz sein darf, und läßt sie nochmals zehn Minuten dämpfen, um sie dann sofort mit Salzkartoffeln zu servieren. Für die Aufbewahrung des Mehls gelten folgende Regeln: Sowohl Weizen= als auch Roggenmehl soll man niemals fest eingestampft in Säcken und längere Zeit an dem Orte liegen lassen. Wie jedes Getreide, so bedarf auch Mehl zu seiner Aufbewahrung des Luftwechsels und muß umgeschaufelt werden. Es soll deshalb ausgeschüttetes Mehl in der Regel wenigstens alle zwei Monate einmal umgeschaufelt werden. In Säcke eingestampftes Mehl muß jeden Monat einmal umgeschichtet werden, also eine veränderte Lage erhalten. Versäumt man dies, so wird das Mehl nach fünf bis sechs Monaten knollig und bekommt einen dumpfigen Geruch: es hat an Backfähigkeit verloren, und das daraus hergestellte Gebäck hat eine blasse Farbe und einen unangenehmen Geruch. 29•3 88 Sonen— S%su 22. gn SSx0 2 2 ROEE 8 B 529E EEIEs S** S 8—— 2 n E##s: Feierstunden Blätter für Unterhaltung und Belehrung. In letzter Stunde. Roman von Hugo Ebersbach. 25 „Daran denke ich nicht, Herr Toktor!“ „Ee wärc leichtsinnig, mit solchen Faktoren nicht rechnen zu wollen,“ fuhr der Advokat in ernstem Tone fort„Sie werden später das Erbe gerne in Empfang nehmen, durch das Sie sich manche Annehmlichkeit verschassen können. Was Sie selbst betrifst, so reicht Ihre Einnahme hin, die Beourfnisse einer kleinen Haushaltung bei bescheidenen Ansprüchen zu bestreiten; ich werde auch ferner für Sie sorgen. Ich hoffe, in einigen Jahren Ihnen die Stelle eines Gerichtsschreibers verschafsen zu können; dann sind Sie für Ihr ganzes Leben geborgen.“ „Ich bin Ihnen außerorbentlich dankbar,“ stotterte der junge Mann. „Sie danken mir durch treue Dienste dafür am besten, und was die Sache selbst betrigft, so rate ich Ihnen weder ab noch zu Sie müssen wissen, was Sie zu tun haben. Jetzt wollen wir die unterbrochene Arbeit wieder aufnehmen.“ Rudolf wollte sich schloeigend entfernen; ihm war das Herz so voll, daß er laut hätte jubeln mögen. „Noch Eins!“ sagte der Aovokat.„Ich war im Untersuchungsgesängnis— mein Verdacht war unbegründet; jetzt müssen wir um so mehr Verschwiegenheit beobachten, damit wir uns nicht selbst Unannehmlichkeiten zuziehen. Der Pole würde wir einen solchen Verdacht nicht vergessen, und da ich ihm in der Gesellschaft häufig begegne, wäre es m.r peinlich, mit ihm auf gespanten Fuße zu stehen.“ „Sie wissen, daß ich es mir zum strengsten Grundsatz gemacht habe, Geschäftsgeheimnisse niemals auszuplaudern.“ „Ein gutes Prinzip!“ nutte der Doktor.„Bleiben Sie dabei!“ Rudolf verließ das Kabinet. Im Bureau fand er jetzt keine Ruhe mehr; er konnte es nicht erwarten, bis der augenblick kam, wo er die Feder niederlegen und nach Hause gehen durfte. Die Mutter war bei seiner Heimkunft allein. Sein freudestrahlendes Antlitz sagte ihr, daß er gute Nachrichten brachte. „Doktor Leitenring ist ein vortrefflicher Mann,“ begann er, als er kaum die Zimmertür hinter sich geschlossen hatte;„er hat mir abermals versprochen, für mich zu sorgen und mir schon bald eine Sekretärstelle am Gericht verschaffen zu wollen.“ „IIch freue mich herzlich, daß er so sehr mit Dir zufrieden ist,“ erwiderte die alte Dame, ihm die Hand reichend. und dann meinte er, meine Einnahme sei jetzt schon groß genug, daß ich mir schon einen eigenen Herd gründen könne.“ „Sollk's da hinaus?“ fragte die Mutter in ernstem Tone, und das Lächeln verschwand von ihren Lippen „Du wirst doch nicht in allem Ernst an's Heiraten denten?“ „Jetzt noch nicht, liee Mutter; aber ist es nicht spassig, daß der Doktor selbst mich darauf aufmerksam machte?“ „Es war wohl nur ein Scherz?“ kann sein sagt: Rudolf ausweichend. „Fräulein Gärtner wu vor einer Stunde auch hier.“ In den Augen des jungen Mannes leuchtete es auf „Gefällt sie Dir nicht mit jedem Tage besser?“ fragte er. Die alte Dame lächelte wieder— ein recht inniger Blick traf aus ihren treuherzigen Augen den Sohn, der an den Blumentisch getreten war und sich emsig mit den schönen Pflanzen beschäftigte. „Sie gesiel mir schon im ersten Augendlick## gut, daß—“ „Und dem Onkel gefäln sie auch?“ unterbrach er sie raisch.„Natürlich, sie muß Jedem gefallen, der sie näher kennen lernt.“ „Hab' ich das nicht immer gesagt?“ rief er, und die helle Freude leuchtete ihm aus den Augen.„Wenn ich einmal heirate, Mutter, dann kann nur Hedwig Gärtner meine Frau werden. Wie sihön würde es sein, wenn wir hier zusammenwohnten! Du wärst dann auch nicht mehr den ganzen Tag allein, und manche Arbeit könnte Dir Hedwig abnehmen. Ihrem armen Bruder rauen wir dann oben ein Stübchen ein; er bedarf ja so wenig, um zufrieden zu sein, und er ist so dankbar für alles! Du und der Onkel, Ihr würdet beide gleichsam wieder jung werden, und wegen der Kosten braucht Ihr Euch keine Sorge zu machen, denn Doktor Leitenring verspricht nichts, was er nicht halten kann.“ Die alte Dame stand am Fenster und blickte sinnend hinaus. Der ruhige, heitere Ausdruck ihres Gesichts verriet, daß sie auf diese Erklärung schon vorbereitet war. „Das sind einstweilen noch Pläne,“ sagte sie ruhig; „ich glaube nicht, daß Du jetzt schon an ihre Ausführung denken wirst.“ „Hm, wer kann wissen, was morgen geschieht! Das Menschenherz läßt sich nicht gebieten, und ich liebe Hedwig so innig, daß ich nicht mehr von ihr lassen könnte. Das entscheidende Bort ist allerdings noch nicht gefallen, aber wenn es einmal fällt, dann darf es nicht wieder zurückgenommen recden.“ Die Mutter schüttelte ernst das Haupt. „Ueberlege das wohl,“ sagte sie warnend,„das bindende Wort ist rasch gesprochen. Ich würde Dich bedauern, wenn Du es später bereuen müßtest. Bedenke 88 ** E 25 ernstlich, daß Heowig Gärtner Dir in die Ehe statt der Aussteuer nur eine Last bringt, welche Dir bald orückend werden möchte. Ich will Dir nicht hindernd in den Weg treten; einen Schritt jedoch, der für das ganze Leben entscheidet, darf man nicht übereilen. Alle Folgen desselben müssen reiflich erwigen werden, und Du bist nun verständig genug, darüber nachzudenken. Da kommt der Onkel; wir wollen in seiner Gegenwart nicht weiter darüber reden, er würde nur spotten. Ein alter Junggeselle kann sich mit den Heiratsgedanken ein:s jungen Menschen nicht befreunden. Rudolf nickte zustimmend. Jetzt trat der alte Buchhalter ein. Frau Starke warf ihrem Sohn verstohlen einen warnenden Blick zu, dann ging sie rasch hinaus, um das Mittagessen auftragen zu lassen. Vertram Winkel kam aus der Gerberei, um in gewohnter Weise sein zweites Frühstück einzunehmen. Ein mit schäumendem Bier gefulller Krug stand nebst einem kräftigen Imbiß bereits im Wohnzimmer auf dem Tisch Ter Gerber füllte das Glas und leerte den Inhalt mit sichtbarem Behagen. „Schmeckt das prächtig!“ sagte er tief aufatmend, während er ein tüchtiges Stück Brot abschnitt.„Die offene Luke will mir noch nicht aus dem Kopf! Ich habe gestern abend alles sorgsam geschlossen, und es ist doch auch kein Sturm in der Nacht gewesen, Sag' was Tu willst, Käthe, ich behaupte noch immer, daß ein Einbruch versucht worden ist.“ „Wenn in der Gerberei nichts fehlt, so kann's auch sein Einbruch gewesen sein,“ erwiderte seine Frau ruhig, die an ihrem Nähtischchen emsig arbeitete, indeß ihre Tochter in der Küche beschäftigt war.„Vielleicht ist doch das Fenster gestern Abend offen geblieben—“ „Ich bin meiner Sache zu gewiß, Käthe. Wahrscheinlich sind die Diebe verscheucht worden; im Hause selbst habe ich keine Spuren gefunden. Na, ich werde jetzt noch vorsichtiger sein. Sogleich bringe ich meinem Bankier das Geld. Es ist nur gut, daß die Diebe nicht wußten, welch' große Summe ich im Hause hatte.“ Er leerte das Glas noch einmal, dann trat er mit dem Butterbrod in der linken und mit den Schlüssel in der rechten Hand an den altmodischen Schreibtisch. Er ließ die Klappe nieder und zog eine Schublade aus. Beim ersten Blick in dieselbe entfuhr seinen Lippen ein Ausruf der Bestürzung. „Was hast Tu?“ fuhr Frau Käthe, besorgt zu ihm aufblickend. Er sah sie stier an, und seine Wangen waren fahl geworden. „Hast Tu das Geld hier fortgenommen?" fragte er mit zitternder Stimme. „Das Geld?“ Ich hab's gar nicht gesehen.“ „Tann ist's gestohlen!“ Frau Kathe erhob sich hastig vin ihrem Sitz. „Unmöglich!“ sagte sie.„Wahrscheinlich liegt's in einer anderen Schublade— sieh doch genauer nach!“ „Ich weiß, was ich weiß,“ erwiderte er in jieberhafter Erregung, während er das Schtoß an der Klappe betrachtete.„Gestern nachmittag nahm ich das Geld ein— über zweitausend Taler in Banknoten— und legte es in diese Schublade, und seitdem ist der Schlüssel zum Sekretär nicht aus meiner Tasche gekommen.“ „Wenn alles sich so verhätt, wer könnte dann den Diebstahl begangen haben?“ Ter Gerber preßste die Lippen fest auf einander und blickte finster vor sich hin. „Wer?“, sagte er nun.„Nur eine Person, die hier mit allem genau bekannt ist und sich falsche Schlüssel verschaffen konnte. Und da kenne ich nur einen, der zu diesem Bubenstreich fähig wäre.“ Seine Frau blickte ihn angstvoll an; sie las in seinem finsteren Antlitz seine Gedanken, und wie von einem plötzlichen Entschluß gctrieben, öffnete sie hastig alle Schubladen, um nach dem Gelde zu suchen. „Gib Dir keine Mühe!“ suhr er in bitterem Tone fort.„Tas Geld ist gestohlen, und der Dieb ist ja unser eigener Sohn!“ „Heiliger Gott!— Georg!“ rief Frau Käthe entsetzt.„Es ist ja nicht denkbar, daß er so tief gesunken sein könnte!“ „Ja, es ist schwer zu glauben, aber es ist so,“ erwiderte er heiser.„Liegt er noch im Bette?“ „Er ist ja seit gestern abend nicht aufgestanden!“ „Komödie! Was soll ihm fehlen? Wegen einer leichten Erkältung bleibt man nicht im Bett; er tut's nur, um mich irre zu führen.““ Mit diesen Worten hatte Bertram Winkel das Zimmer verlassen. Hastig stieg er die Treppe hinauf und trat atemlos in Georg's Schlafgemach. Der Sohn lag mit vervundenem Kopfe im Bette und gab den Anschein, als ob er schliefe. „Wo ist das Geld?“ herrschte ihn der Gerber rauh an.„Spiel' keine Komödie hier! Gesteh' die Schuld ein— leugnen wird Dir nichts helfen!“ Georg fuhr empor. Verwirrt, wie aus schwerem Traume erwachend, blickte er dem Vater in das zornflammende Antlitz. „Was gibt's?“ fragte er langsam.„Ich kann nicht aufstehen; in meinem Kopf hämmert's, daß ich wahnsinnig werden möchte. Laßt den Arzt rufen—“ „Und ich sag Dir: steh' auf, nichtsnutziger Heuchler!“ rief der Gerber.„Du hast Dir einen salschen Schlüssel verschafft und in der Nacht mich bestohlen. Gib das Geld heraus, oder—“ „Was ist das?“ fuhr Geerg auf.„Ich soll Dich bestohlen haben? Manche Grobheit hab' ich von Dir eingesteckt, aber das lasse ich mir nicht gefallen! Bann soll der Tiebstahl verübt wroen sein?" „In der vorigen Nacht.“ „Und ich bin seit gestern abend nicht aus dem Bett gekommen.“ „Steh' auf, ich will hier Haussuchung halten," besahl der Gerber, welcher von der Schuld des Sohnes fest überzeugt war.„Ich hab' Dir schon lange gesagt, das ich Dich zu allem fähig halte; der Umgang mit den Schaller's hat Tich verdorben.“ Georg war dem Befehle nachgekommen und kleidete sich hastig an, während sein Vater mit der Sorgsamkeit eines Polizeibeamten alles durchsuchte. In seiner Erwartung, das Geld oder auch nur einen Teil desselben zu finoen, sab er sich getäuscht; aber der Glaube an die Schuld des Sohnes wurde dadurch nicht erschüttert. „Wo hast Du das Geld hingebracht?“ fragte er, mit dem Taschentuch über die nasse Stirn fahrend. „Nur Tu konntest Dir einen falichen Schlüssel zu meinem Sekretär verschaffen, Du wußtest, daß ich das Geld eingenommen und dorthin gelegt hatte, und ich finde keine Spur, daß ein fremder im Hause gewesen sein könnte. Du hast die Luke geöffnet, dumit ich glauben soll, es sei ein Einbruch verübt worden.“ „Wenn Du das behauttest, mußt Du es auch beweisen können!“ entgegnete Georg trotzig.„Ich hab' gar nicht daran gedacht, mir durch Tiebstahl zu nehmen, was ich mit Recht fordern könnte. Wenn Du die Luke offen(gefunden hast, so werden wohl auch die Diebe eingestiegen sein und mit einem guten Dietrich kann man jedes Schloß öffnen; ein falscher Schlüssel ist dazu nicht immer nötig. Aber weshalb verteidige ich mich? Beweise mir, daß ich die Tat begangen habe! In meinem Gewissen bin ich frei von jeder Schuld.“ Fortsetzung folgt. G e 5 □ E□ — 6 5. DE — · en gen S 8 72* 5•5— S— 35 0•7 Humoristische Novelle von W. Conrady (Schluß. So gab er denn der Jungfrau Eulalia Rosenblüh schriftlich mit einiger Namensfertigung, daß er sie heiraten werde, sobald er als praktischer Arzt etabliert sein werde. Sie verpflichtete sich hinwiederum in aller Form, Herrn Studiosus Adolf Gerlach bis zum 31. Mai kostenlos eine Humoreske zu liefern, und zu vollem Eigentum zu übergeben, ohne irgendwelche Ansprüche zu erheben. „Und nun sind wir Braut und Bräutigam!“ sagte Adolf und erschauerte vor dem Verlobungskusse, der nun ebligater Weise folgen mußte. „Und das sagst Du so kalt— Adolf? Ist das Teine Liebe?“ seufzte sie. „Verzeih mir— Eulalia— ich bin schon so erregt über mein Glück— wenn Sie es wüßten!—“ „Ach, ich verstehe, es reut Sie schon mein Herr.“ „Nicht doch, aber die Furcht vor den Eltern, wenn sie erfahren....“ „Ich bin nicht grausam, Adolf, und kenne das Leben, und so komm: ich Dir gern entgegen, mit dem Vorschlage, unsere Verlobung einstweilen geheim zu halten, bis Du Dein Versprechen erfüllen und getrost vor die Eltern hintreten kannst mit der Mitteilung:„Ich liebe Euialia Rosenblüh Sie und keine andere soll das Weib emines Herzens werden!“ „Sie— Du Engel!“ kam es von seinen Lippen. Erlöst atmete er auf, und ihre Hand ergreifend, flüsterte er:„Ja, laß unsere Liebe der Welt ein Geheimnis sein! Ein süßes Geheimnis zwischen uns!“ Damit drückte er rasch einen Kuß aus ihre Rechte und mit den Worten: „Lebe wohl, Geliebte, vergi ßdie Humoreske nicht!“ war er verschwunden. Eulalia Rosenblüh hatte tatsächlich— sie war sich dessen von Anfang an siegreich bewußt— den Preis für ihre Humoreske„Der Blaustrumpf“ gewonnen. Das heißt, den Preis hatte iör„Bräutigam“ erhalten, an dessen Stelle sie ihre Arbeit versiegelt, und mit dem Motto" versehen, und mit dessen Name und Adresse im Kouvert, der Redaktion eingesandt hatte. Sein Name ging durch alle Blätter. Aber daran lag Adolf weniger, als an den 200 Gulden, mit denen er auf den Flügeln der Liebe sofort nach Ischl fuhr. Schon am Tage nach seiner Ankunft ging er in Gala nach der Villa, in der seine Loni mit den Eltern wohnte, um den entscheidenden Schritt zu tun. Er wußte, daß ihm das Herz des lieben, holden Mädchens gehörte, und daß er auch bei den Eltern wohlgelitten war. Doch wie erstaunte Adolf, als er auf das feurige Bekenntnis seiner verzehrenden Liebe für seine angebetete, süße Loni von der bionden Geliebten die kühle Antwort erhielt:„Ihr Antrag ehrt mich, Herr Gerlach, indessen glaube ich zu wissen, daß Sie schon gebunden sind? „Ge—bunden?— Ich?—. Fräulein Loni? Es waren nur abgebrochene Laute, die sich der Brust des mit tiefstem Rot übergossenen Musensohnes entrangen. „Nun hat das Gerücht etwi die Unwahrheit gemeldet?“ „Also doch nur ein Gerücht!“ sagte Adolf sich selbst ermutigend. „Nur ein Gerücht, aber Sie haben es noch nicht dementiert?“ „Muß ich es denn, Fräulein Loni? Was— um Gottegwillen!— sagte benn das Gerücht?“ Er mußte ja doch Klarheit haben, ob und was Loni von seinem dummen Streiche wußte. „Nun, Sie hätten sich mit einem Mädchen Wiens, schön, einer Rosenblüte, verlobt!“ Sie sagte das mit so seltsamer Betonung. 2 War das eine Anspielung auf Eulalia Rosenblüh, oder hatte Loni nur zufällig diesen Vergleich gewählt? dachte Rudolf ratlos. „Sie sind so stumm, Herr Gerlach, Sie verteidigen sich nicht.“ Er litt wahre Höllenqualen in seiner Verlegenheit, die dicken Schweißtropfen standen ihm auf der glühenden Stirne. Endlich stammelte er: „Und wenn es wirklich so wäre, das heißt, wenn ich wirklich mit einem andern Mädchen...“ Er brachte das Wort nicht über seine Lippen. „Sich verlobt hätten“— half Loni. „Ja, das heißt dem Scheine nach, könnten Sie nicht bei der Liebe, die ich svon so lange zu Ihnen hege, annehmen, daß dies nur ein Spaß— ein toller Streich war?“ „Man scherzt und spaßt und spielt nicht mit einem Mädchenherzen,“ kam es seltsam streng, und doch fest lächelnd aus Lonis Munde. „Aber, Fräulein Loni, mit der Versicherung meiner Liebe und Verehrung zu Ihnen, angebetetes Mädchen, ist es mir bei Gott wahrlich ernst, das wissen Sie!“ „Sie geben mir das hriftlich, daß Sie mich lieben, und mich heiraten wollen, und wann denn, Herr Gerlach?“ „Sofort, wenn Sie es wünschen, teuerste Loni!“ „Gut, und das wollen Sie mir in der Tat schriftlich geben!?“ Also auch Sie, genau, wie Eulalia Rosenblüh! Was diese Mädchen doch heute prosaisch und praktisch sind, dachte Adolf. „Sie zaudern? Also ist es doch wohl nicht Ihr Ernst? Sie treiben auch mit mir Ihren Spaß. Wäre jenes Mädchen, mit dem Sie in der Residenz Ihren Spaß getrieben, so klug gewesen, und hätte sich schriftlich ihr Eheversprechen geben lassen— so wäre sie jetzt ihres Bräutigams sicher, Sie aber würden vergebens um mich werben.“ „Vergeblich?“— frug Gerlach, um überhaupt etwas zu äußern, denn er war sich jetzt der ganzen Torheit seines Streiches bewußt. „Nun, Sie sollten doch einsehen, Herr Gerlach, in welch: Lage wir in solchem Falle geraten könnten. Wie, wenn am Tage unserer Hochzeit, kurz vor unserem Gange zur Kirche, Ihre Verlobte aus der Residenz vor uns hinträte, und ihre Forderungen auf Grund schriftlicher Zusagen geltend machte! Was dann, Herr Gerlach?“ Adolf glaubte, in den Boden versinken zu müssen. Sollte er, mußte er jetzt alles gestehen? Gestand er es, daß er Eulalia schriftlih sein Eheversprechen— wenn auch nur zum Spaß!— gegeben so war seine Werbung um Loni, nach deren eigenen Worten vergeblich. Und nun kam Loni abermals mit der Frage: „Also Sie verzeihen mir meine Vorsicht, Herr Gerlach, und geben mir, was Sie vorhin so beredt auseinandergesetzt haben, schriftlich in aller Form?“ Was sollte er tun? Wollte er Loni nicht auf immer verlieren, so mußte er sich zum zweiten Male bequemen. sich schriftlich zu binden. Wie gerne er es in diesem Falle sonst getan hätte, jetzt, da ihm sein letzter Streich auf der Seele brannte, wie glühendes Eisen, tat er es, nur mühsam Worte und Ausdruck findend, während Ströme des Schweißes aus allen seinen Poren rannen. „Und nun, Fräulein Loni, nehmen Sie meine Werbung an?“ frug er zaghaft ohne alles Ungestüm eines liebeglühenden Freiers. „Von Herzen gern, wenn meine Eltern damit einverstanden sind.“ „So will ich gleich zu ihnen gehen.“ „Leider sind sie noch nicht zurückgekehrt von der Morgenpromenade. Doch gestatten Sie mir, meiner Tante, die zu Besuch bei uns ist, von meinem Glücke Mitteilung