8 5 S. S. 8 S 8 8 D 6 8* 7 8.8 # .83 " 9 8 S S 0 " 9 6 —— • R 2.8 9 89 2. *— 2. F S. S 50 55 9 82 S 2.8 S 8 50 850 ( ( 2 *„ ** 53 Mi. Erscheint täglich Ausnahme der Sonn= und gesetzt. Feiertage, Abonnementspreis nn mit der täglichen Unterhaltungsbeilage Ius Harg Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pig. Post bezogen für 3 Monate 1.50 Mt Unsdruck und Verlag, sowie für die Inscrate Eiastwpotlich: Viktor Schanzer, Dortmund. 1.57. Erstes Blatt. verbunden Lokal-Anzeiger für mit dem Dortmund u. Hörde und der täglichen Unterhaltungsbeilage#“ sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Dortmund, Mittwoch, den 9. März 1910. Inserate die Sgespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Beilagen nach Uebereinkunst. Bei zwangsweiser Beltreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt dinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann, Dortmund. die Reichsversicherungsordnung. n. Reichsversicherungsordnung soll, wie die„Soütische Rundschau“ bestätigt, dem Reichstage noch #stern zugehen, nachdem im Bundesrat die Durch1##d Umformung der Vorlage im wesentlichen bezt. Die prinzipiellen Unterlagen für den neuen nsind im großen und ganzen beibehalten worden.. die Abänderungen sich in der Hauptsache auf me Teile beschränken. So sind beispielsweisc im Enit über die Hinterbliebenen=Versicherung einLende Aenderungen überhaupt nicht erfolgt. Sodie Verschriften über die Aufbringung der Renitalien, die Voraussetzungen für die Rentenbesung, die Lohnklassen und die Rentenhöhe als auch de Organisation der Versicherungsanstalten werin wenig abgeänderter Form in den Reichstag . Die generelle Einteilung der öffentlichen Behörden ie Reichsversicherung ist beibehalten worden, also eidung der Verwaltungsbefugnisse zwischen den serungsämtern, den Oberversicherungsämtern und Reichsversicherungsamt. Den Versicherungsämtern wie von Anbeginn in Aussicht genommen war, sschäfte der Reichsversicherung als untere Spruchbi= und Aufsichtsbehörde zugewiesen, und sollen FAegel für den Bezirk einer unteren Verwaltungseenichtet werden. Die Versicherungsämter wer# staatliche oder kommunale Behörden angegliedder auch als selbständige Behörden errichtet. Den uden mit der Bezeichnung Versicherungsamtbestellt die oberste Verwaltungsbehörde wenn das selbständige Behörde darstellt, bei der Anu# an eine andere Behörde fungiert der Amtständiger Stellvertreter unter dem Leiter der Behörde. In der Regel soll verlangt uß der Amtmann zum höheren Verwaltungs= i sichteramt befähigt ist, Die Beisitzer werden Nus Arbeitgebern und Versicherten entnomStelle, die den Versicherungsamtmann beauch die Geschäftsräume zu beschaffen, und u vorzuschießen. Im übrigen haben der Geeerband oder die Staaten für die Kosten aufmen. die der Amtmann und seine Stellvertreter schen. Die Versicherungsträger haben dem Ver###gsamt die übrigen Kosten entsprechend ihrem Anseinen Geschäften zu erstatten.. Oberversicherungsamt als obere Instanz bildet durch das Gesetz überwiesenen Sachen besondere ei, deren Befugnisse im wesentlichen so wie in n Vorlage geordnet sind. Krankenversicherungspflicht bleibt in bekanntnsange bestehen, Die Krankenkassen sind die dieser Versicherung. Die Errichtung von LandPhlassen neben der Allgemeinen Orts=Krankeunur erfolgen, falls erstere mindestens 500 Pimiglieder haben würde. Die Voraussetzungen Fr Julassung einer besonderen Ortskrankenkasse v. E Vorhandensein von mindestens 500 Mitglieind aus dem ersten Entwurf hinübergenommen. Flüchtung von Betriebskrankenkassenn ist zulässig, betreffenden Betriebe dauernd mindestens 500 Fritt beschäftigt werden, wobei jedoch die besonLeiigungen gleichfalls wie früher bestehen bleidasselbe gilt für die Innungskrankenkasse. I öuständigkeit des Versicherungsamtes bestimmt g Stende Satz, daß das Amt in erster. In* Streit über die Leistungen aus der KranUnfallversicherung auf Antrag zu entscheiden Die Fährend es früher hieß, daß der Spruchausschuß ur:#enstellung der Leistungen mitzuwirken hat. Uebrigen die Beziehungen der Versicherin den bisherigen Versicherungsträgern ge, ich, ist demgemäß einer gründlichen Umarmetworfen worden, deren Einzelheiten erst „#es in Bälde zu erwartenden Gesetzent. brüfen sein werden. Jedenfalls ist bereits n##k, buß nur ein geringer Teil der gebus a##rlage vorgebrachten Einwände im Berücksichtigung gesunden hat. neuDie Raiserin verlautet, im kommenden Sepbekammergauer Passionsspiele besuchen. Raisermansver vom 8.—10 #s ur... September zwischen dem ersten Ardes. n 17. Armeekorps statt. Die große berg und 37,# korps wird am 24. August bei ## Da#:: des 17. Armeekorps am 27. Auabgehalten Bei der Zeiteinteilung Kasserns. übrigen Armeekorps, die nicht movern herangezogen werden, sind die ###“ möglichst zu berücksichtigen. Bei der In st auf gands und der Durchsührung aller 9. am. T“schränkung der Fiurschäden Bedacht de. Fußtruppen müssen bis zum 30: Sep27. tember 1910, dem spätesten Entlassungstermine, in ihre Standrote zurückgekehrt sein. Wahlrecht und Christentum. Die fromme„Kreuzzeitung“ hat einen Tobsuchtsanfall bekommen, weil die Breslauer„Volksstimme“ angedeutet hatte, daß, wenn Jesus jetzt in Preußen lebte, er Wähler dritter Klasse sein würde. Sie zetert über Roheit, Dreistigkeit, Unflätigkeit usw. Wozu die Aufregung? Wer schimpft, hat unrecht. Möge doch das Blatt mit dem eisernen Kreuz an der ehernen Stirn lieber versuchen, den Nachweis zu erbringen, daß der Zimmermannssohn,„der nicht hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte“, dennoch in Preußen erstklassiger Wühler sein würde. Die Reichsversicherungsordnung. wird dem Reichstage nach ersolgter Drucklegung des sehr umfangreichen Entwurfes in acht bis zehn Tagen zugehen. Die erste Lesung des Entwurfs findet im Reichstage nach Ostern statt. Man glaubt nicht, daß die mit der Vorbereitung betraute Reichstagskommission den Sommer über tagen wird, sondern nimmt an, daß die Kommission im Herbst ihre Arbeiten früher als das Plenum aufnehmen wird. Sitzung der Stadtverordneten ms. Dortmund, 8. März. Der stellvertretende Stadtvererdneten= Vorsteher Herr Justizrat Pork eröffnet nach 6 Uhr nachmittags die Sitzung. Vor dem ganzen Etat ist noch der Legaten= und Stiftungsfonds zu erledigen. Die Genehmigung erfolgt debattelos, desgleichen die des Rücklagefonds. Herr Bürgermeister Dr. Eichhoff macht darauf aufmerksam, daß nach den gestern gefaßten Beschlüssen einige sormale Abänderungen stattfinden müssen, mit denen man sich einverstanden erklärt. Der Reserent, Herr Stadtv. Schweckendieck, bringt die vom Magistrat vorgeschlagene Deckung des 8613000 Mark betragenden Fehlbetrages zum Vortrag. Der Magistrat schlägt vor, den Fehlbeträg wie solgt zu decken: 1. Grundstücksumsatzsteuer 845000 Mk. 2. Wertzuwachssteuer..... 230 000„ 3. Hundesteuer unter Erhöhung des Satzes der Hundestenerordnung vom 6. Febrnar 1908 von 15 auf 30 Mk. pro Hund und Jayr„ 62000„ 4. Billet= und Lustbarkeitssteuer 140 000„ 5. Wanderlagersteuer 300„ 6. 210%(wie bisher) der Betriebssteuer 38 850„ 7. 238%(bisher 265%) der Grund= u. Gebäudesteuer bezw. 3,3%0(bisher 3,25%) des gemeinen Wertes 1 886 006„ 8. 280%(bisher 270%) der Gewerbesteuer bei Erhöhung des Kopfsteuersatzes der Gewerbestenerordnung v. 6. März 1906 von 10 auf 12 Mk. 1029000„ 9. 215%(bisher 210%) Zuschlag zur Einkommensteuer u. fingiert. Normalstener v. 2 270 350 Mk. 4 881 244„ 8 613000 Mk. Die Finanzkommission ist dem Vorschlage des Magistrats beigetreten, dem zu folgen der Herr Referent empfiehlt. Herr Stadtv. Dr. Gottschalk steht personlich auf dem Standpunkte des Magistrats und hat sich nicht überzeugen können, daß eine Steuererhöhung nicht nötig ist. Aber er hat von seiner Fraktion den Auftrag erhalten, eine Deckung des Fehlbetrages bei mäßiger Erhöhung der Wertzuwachssteuer und der Kopfsteuer wie folgt vorzuschlagen: „Wir beantragen, zu Abschnitt III 2 des Extraordinariums anstatt 400000 Mark 440000 Mark aus den Ueberschüssen der Vorjahre zu nehmen und den sich dann auf 8573000 Mark stellenden Gesamtfehlbetrag wie folgt zu decken: 1. Grundstücksumsatzsteuer 358000 Mk 2. Wertzuwachssteuer 220000„ 3. Hundesteuer 52000„ 4. Billet= und Lustbarkeitssteuer 140 000„ 5. Wanderlagersteuer 300„ 6. 210% der Betriebssteuer 38 850„ 7. 235% der Grund= und Gebändesteuer bezw. 3.25 pro Mille des gemeinen Wertes... 1 857 850„ 8. 280% Gewerbesteuer(12 Mk. Kopfsteuer) 1029 000„ 9. 210% Einkommensteuer(wie bisher) von 2 671000 Mk.—13% Abgänge. 4880000„ Summe 8 573 000 Mk. Die Umsatzsteuer sei etwas höher angenommen worden, weil man im Hinblick auf die kommende Reichswertzuwachssteuer einen höheren Umsatz erwarten könne. Die Wertzuwachssteuer werde in einer milderen Form als der Magistrat zunächst beantragt habe, vorgeschlagen. Redner begründet die von der liberalen Fraktion in ihrem Deckungsvorschlage angenommenen Sätze und bringt zur Hundesteuerordnung den Antrag ein, daß der erste Hund mit 20, der zweite mit 30,, der dritte Hund mit 40 Mark zu versteuern sei. Als unbedenklich werde es erachtet, aus den Ueberschüssen der Vorjahre 40000 Mark mehr zur Deckung heranzuztehen, als der Magistrat vorgeschlagen habe. Der Umstand, daß die wirtschaftliche Lage sich bessere, müffe bei der Gestaltung des Etats in Berracht gezogen werden. Als im Jahre 1908 die Einkommensteuer von 200 auf 210 Prozent erhöht worden sei, habe man eine demnächstige Herabsetzung in Aussicht gestellt. Die Botschaft habe man wohl gehört, aber der Glaube daran habe gefehlt. Wenn man jetzt auch nicht herabgehen könne, so wolle man Foch eine weitere Erhöhung vermeiden. Trotzdem dem Deckungsvorschlag des Magistrats nicht beigetreten werde, erkenne man doch die ersprießliche umsichtige Tätigkeit des Herrn Bürgermeisters Dr. Eschhoff auf dem Gebiete der städtischen Figanzen dankbar an. Der Referent bringt eine Eingabe des DobermannPinscher=Zuchtvereins gegen die Erhöhung der Hundesteuer zur Kenntnis und serner den Beschluß des Magistrats, daß er mit der durch die Stadtverordneten beschlossenen Festsetzung der Etats sich einverstanden erklärt habe. Herr Stadtv. König freut sich, daß die Aussichten für unsere Finanzen sich in den letzten Wochen wesentlich gebessert haben. Er erkennt das von Herrn Bürgermeister Dr. Eichhoff in seinem Finanzexpose zum Ausdruck gebrachte Prinzip an, meint aber, daß doch noch in mancherlei Beziehung ganz erheblich gespart werden könne. Das möge für die Zukunft nicht vergessen werden. Allerdings dürse das nicht versagt werden, was durchaus notwendig sei. Zu dem Fehlbetrag haben nicht unwesentlich die neuen Reichssteuern beigetragen. Um diesen zu decken, werde er mit seinen Freunden dem Magistratsvorschlage folgen, soweit sie ihn für akzeptabel halten. An dem Schulbaufonds zu sparen, sei bedenklich. Zur Erhöhung der Einkommensteuer könnten sich seine Freunde nicht entschließen. Dabei besänden sie sich ja in guter Gesellschaft. Redner kann sich mit der Kopfsteuer nicht befreunden, weil diese Steuerart ihm zu roh ist. Aber er werde nicht dagegen sein, wenn die Herren aus der Industrie damit einverstanden seien. Die Erhöhung der Hundesteuer lasse ihn kalt. Die Lustbarkeitssteuer gefällt Herrn König nicht. Im nächsten Jahre werde er einen Antrag dazu stellen, da diese Steuer als eine Kopfsteuer auf die armen Leute wirke. Wenn man die patriotischen Lustbarkeiten frei lasse, so müsse man es ebenso bei den Veranstaltungen halten, die zur Bildung der breiten Schichten des Volkes dienten. Des weiteren tritt Redner für eine Verschärfung der Wertzuwachssteuer ein die, wie Herr Stadtrat Dr. Boldt nachgewiesen habe, die gerechteste Steuer sei. Wenn man die Zuwachssteuer jetzt ausbaue, werde man bei Inkcafttreten der Reichswertzuwachssteuer den Vorteil haben. Die Dertmunder Wertzuwachssteuer sei äußerst gelinde in der Progression. In anderen Städten sei man nicht so ängstlich gewesen. Herr König schlägt eine stärkere Progression bis zu 25 Prozent vor. Die kleinen Gewinne könne man unter Umständen frei lassen. Mit Annahme seines Vorschlages würden 80—90000 Mark zur völligen Deckung des Fehlbetrages erzielt werden. Schließlich beantragt Redner, die physischen Personen, die zu fingierten Steuersätzen bis 4,00 Mark veranlagt, von der Einkommensteuer frei zu lassen, zumal sie auch der Staat von der Steuer entbinde, ev. die Leute mit 2,40 Mark ganz zu entbinden, die mit 4,00 Mark nur bis zu 100 Prozent zur Kommunalsteuer zu veranlagen. Er schließt mit der Bemerkung, daß er und seine Freunde keine engherzige Steuerpolitik treiben wollten. Herr Stadtv. Bickhoff wieft einen Rückblick auf die Prognose, die im vorigen Jahre gestellt worden, und erinnert daran, daß heute eine günstigere Prognose gestellt worden sei. Seine Freunde beantragen alle Steuererhöhungen bis auf die der Hundesteuer abzulehnen und es beim Alten zu lassen. Die Erhöhung der Wertzuwachssteuer lehnten sie ab, um nicht wegen einer Mehreinnahme von 10000 Mark weite Kreise arg zu beunruhigen. Die größere Stärkung des Schulbaufonds könne man einer besseren Zeit überlassen. Aus den Ueberschüssen wolle man 480000 Mark zur Deckung des Desizits verwenden, zumal man im Vorjahre von dem aus den Ueberschüssen zur Verfügung gestellten Bertag nichts zu verwenden gehabt habe. Herr Stadtv. Heinemann erinnert daran, daß er im Vorjahre einen etwa gleichartigen Antrag wie das Zentrum eingebracht habe, daß sein Antrag aber nicht zur Abstimmung gelangt sei, weil der des Zentrums eher angenommen worden sei. Wie man Herrn Bürgermeister Dr. Eichhoff für seine Verdienste auf dem Gebiete des Finanzwesens Dank schulde, so auch Herra Stadtrat Dr. Glum für die Verdienste aus dem Gebiete des kaufmännischen Schulwesens. Redner stimmt bis auf die Erhöhung der Wertzuwachssteuer dem liberalen Deckungsvorschlage zu. Er ist überrascht darüber, daß Herr König gegen die direkte Kopfsteuer und für die indirekte Wertzuwachssteuer eingetreten sei. Die Wertzuwachssteuer werde auf die Mieter abgewälzt, diese hätten die hohen Beträge aufzubringen, die man aus der Steuer erwarte. Wenn es richtig sei, was Herr Dr. Boldt heute in Bezug auf Gleichstellung der bebauten und der unbebauten Grundstücke sage, so habe Herr Boldt früher einen Fehler gemacht, indem er die bebauten milder behandelte, habe er die Stadt geschädigt, wie er auch durch sein Eintreten für die Reichswertzuwachssteuer schädige. Jetzt sei nicht der richtige Moment für die arg beunruhigende Verschärfung der Wertzuwachssteuer. Redner tadelt, daß die Vorlage betr. die Erhöhung der Zuwachssteuer vertraulich an die Stadtverordneten gelangt und so den Sachverständigen und Interessenten außerhalb die Möglichkeit genommen worden sei, sich dazu zu äußern. Die Härte unserer Wertzuwachssteuer beruhe in dem Zurückgreifen bis auf 1860 bezw. 1885. Diese schreiende Ungerechtigkeit werde die Regierung sicher nicht billigen. Andere Städte verführen nicht so hart, indem sie die Schätzung der Grundstücke am Tage des Inkrafttretens der Steuer zu grunde legten. Die jetzige Wertzuwachssteuervorlage sei ein Gelegenheitsgesetz, das uns aufoktroyiert werden solle. Was die Reichswertzuwachssteuer bringen werde, wisse man nicht, aber das sei gewiß, daß sie die Besitzer noch weiter schröpfen werde. Herr Stadtrat Dr. Boldt entgegnet, daß die politischen Freunde des Vorredners in Berlin, als welche er die Hausbesitzerorganisation bezeichnet, für die Wertzuwachssteuer eingetreten seien. Die Aritation gegen die Steuer gehe nur von dem kleinen Kreise der Spekulanten aus. Auf den Mieter könne die Steuer nicht abgewälzt wverden. Sonst würden die Spekulanten nicht so aufgeregt sein. Redner verteidigt sich gegen den Vorwurf, die Stadt zu schädigen. Um nur die Zuwachssteuer durchzubringen, habe er es erst mit den unbebauten Grundstücken versucht. Für des Reiches Schutz müßten auch an das Reich Abgaben geleistet werden. Wenn man nicht weit genug mit der Steuer zurückgreife, entgingen der Stadt Millionengewinne. Ueberall seien die örtlichen Verhältnisse für die Gestaltung der Steuerordnung maßgebend. Herr Stadtv. Möller steht auf dem Boden der Zentrumsanträge. Von der vorjährigen Steuererhöhung habe man gerade genug. Auch er wundert sich, daß Herr König die indirekten Steuern annehmen will. Die Kovssteuer sei ebenso ungerecht wie die Gewerbesteuer. Man sei im Irrtum, wenn man die Wertzuwachssteuer als eine Steuer der besitzenden Klassen ansehe. Durch die bei den Umsätzen zu zahlenden Abgaben und Steuoern werde die Erwerbung eines kleinen Besitzes erschwert. So mühelos sei der Verdienst an den Grundst brundstücken nicht, wie man sage. Wenn man besteuern we". so dür den Wertzuwachs besteuern wolle, so dürfe man nicht e undstück. bei dem der Grundstücke stehen bleiben. Die gerechteste Steuer ist die Einkommensteuer. Redner ist nicht abgeneigt, die kleinen Leute von der Steu" frei zu lassen. Nach dieser Generaldebatte wird in die Spedaldebatte eingetreten. Herr Stadtv. Doevner ist prinzipieller Gegir der Grundumsatzsteuer und würde an deren Stelle für eine Wertzuwachssteuer sein, wie auch die Haus= und Grundbesitzer nach einer Auslassung in der Westfäl. Haus= und Grundbesitzer=Zeitung in Dortmund. Angesichts der Sachlage sehe er jedoch von einen Antrag ab.— Das Kollegium beschließt 258000 Mark Umsatzsteuer einzustellen. Herr Stadtv. Uhlmann wendet sich bei der Diz kussion über die Wertzuwachssteuer gegen die Darlegungen des Herrn Möller, der auch die Gehaltserhöhungen als einen unverdienten Wertzuwachs bezeichnet habe. Der Wertzuwachs bei unbebauten Grundstücken sei unverdient und gehöre einentlich völlig der Gemeinde, aber so weit wolle man nicht gehen und nur einen Teil davon haben. Herr Stadtrat Dr. Boldt handle richtig, die Zuwachssteuer in Dosen zu verabreichen, sonst würde sie nicht zur Einführung gelangt sein. Wenn auch die Wertzuwachssteuer auf fünf Jahren beschlossen worden sei, so könne man heute unter veränderten Verhältnissen zu einer Reform der Steuer schreiten. Der Minister werde in die von den städtischen Behörden beliebten Sätze nicht eingreifen. Der Umsatz werde nicht geringer werden. Der bebaute Grundbesitz dürfe nicht verschont werden, da auch da eine lebhafte Steigerung an gewissen Stellen stattsinde.— Herr Stadtv. König polemisiert gegen Herrn Heinemann und bestreitet, daß die Wertzuwachssteuer auf den Mieter abge wälzt werde. Für seine Ansicht spreche, daß die Haus und Grundbesitzervereine gegen und die Metervereine für die Steuer seien. Die Erhöhung der Beamtengehälter begründet sich in der größeren Erfahrung und Leiseungsfähigkeit der Beamten. Durch die kommunale Entwicklung werde der Wertzuwachs herbeigeführt, infolgedessen sei die Gemeinde berechtigt, von dem Zuwachs einen Teil zu verlangen. In Dortmund habe man auf 1860 zurückgegriffen im Hinblick auf die rapide Entwicklung Dortmunds seither. Herrn Dr. Boldt sei zu danken. Die Gemeindevertretungen seien in der Hauptsache deswegen gegen die Wertzuwachssteuer, wei sie zur Hälfte aus Hausbesitzern bestehen müßten. Interesse dafür geweckt zu haben, sei das Verdienst Dr. Boldt's. Im Interesse der Stadt liege die Erhöhung der Wertzuwachssteuer. Redner versteht den ablehnenden Standpunkt Möllers nicht im Gegensatz zu seiner Fraktion. Herr Stadtv. Hilgering kann sich nicht für eine vorzeitige Reform der Zuwachssteuer erwärmen und beantragt Ablehnung der Magistratsvorlage. Es sei falsch, zu behaupten, daß jeder Zuwachs unverdient sei.— Ein Schlußantrag des Herrn Stadtv. Dr. Gottschalk wird abgelehnt.— Herr Stadtv. Pahl ist der Ansicht, daß Steuererhöhringen nicht nötto seien, vor allem nicht eine Erhöhung der Wertzuwachssteuer, die in Dortmund mit ihrer Rückwirkung bir 1860 exorbitant sei. Die Steuerordnung könne nicht geärdert werden, weil sie auf fünf Jahre festgelert sei. Trete eine Aenderung ein, werde die Bürgerschaft das Vertrauen zu den städtischen Behörden verlieren und es würden auch Prozesse entstehen, deren Ausgang für die Stadt doch recht zweiselhaft sei. Eine augenblickliche Erhöhung der Steuer werde bei Erlaß der Reichswertzuwachssteuer, die im nächsten Jahre schon komme, der Stadt keinen Vorteil bringen. Dem Fiskus zuliebe die Steuern in die Höhe zu schrauben, sei unangebracht. Bei den schönen Ueberschüssen, die die Stadt Dortmund habe, werde der Minister eine Erhöhung der Wertzuwachssteuer, die nur 10000 Mark bringen solle, sicher nicht genehmigen. Den Prophezeiungen, die Herr Dr. Boldt in Bezug auf den Ertrag gemacht, traue er nicht, denn die Erfahrung habe cesehrt, daß sosche Voraussagen und Versprechungen vom Mag'strats: tische nicht in Erfüllung zu gehen pflegen. Redner regt eher eine Nerision der Steuer in der Richtung: an, daß sie bezüg'ich der Rückwirkung gemildert werde, Er bittet, sämtliche Steuererhöhren abziehnen. Herr Bürgermeister Dryoff hebt hervor, daß der Magistrat bei Vorlegung des Etats Versprechungen nicht gemacht, sondern sich größter Zurückhaltung befleißigt habe. Er ist der Ansicht, daß die Abwälzung der Wertzuwachssteuer auf den Mieter nicht möglich sei. Um die bemängelte Rückwirkung handle es sich hier nicht, nur um die Erfassung der bebauten Grundstücke bis 1880 oder auch 1890 zurück. Die Stadtverordnetenversammlung kann jeden Tag einen vorher gefaßten Beschluß ausheben. Mau brauche sich nicht graulich machen zu lassen. Die Regierung genehmige eine ev. Abänderung oder nicht, werde aber von weiteren Eingriffen absehen. Die Heranziehung der bebauten Grundstücke sei nur ein Akt der Gerechtigkeit. Gerade in dem einen Jahre könne noch viel für die Stadt eingeheimst werden da die bevorstehende Umwälzung in der Stadt viel Grundstücksumsätze veranlassen werde. Die Reichswertzuwachssteuer werde wohl schärfer als die kommunale werden, weshalb den Grundbesitzern nur anzuraten sei, ihre Umsätze vor dem Erlaß zu machen und damit Lokalpatriotismus zu zeigen. Die komdie NeuZuwachs: getragen werde, seien sehr klein. Herr Stadtv. Möller steht nicht im Gegensatze zu seiner Partei. Um es jedem einzelnen zu ermöglichen, sich ein kleines Heim zu schaffen, sei er Gegner der Wertzuwachssteuer, die nichs r mühelosen Gewinn treffe. Redner polemisiert gegen Herrn König und macht ihm klar, daß die Grundstücke häufig überschuldet seien und doch zu starken Abgaben herangezogen werden sollten. Jede Verteuerung der Grundstücke durch Abgaben und Steuern müsse ganz naturnotwendig mit der Zeit in einer Verteuerung der Mieten Ausdruck finden. Herr König sei zweifellos von seinen Parteigrundsätzen abgewichen, als er für indirekte Steuern so warm eintrat. Gesetzlich sei gegen eine Abänderung des Beschlusses nichts zu machen, aber ein Mann, ein Wort. — Herr Eckardt stellt neuerdings einen Schlußantrag, der angenommen wird. In einer persönlichen Bemerkung weist Herr Stadtu. Heinemann den Vorwurf des perrn Dr. Boldt zurück, daß er vom Standpunkte eins Interessenten oder Grundstücksspekulauten gesprochen habe. Er habe nur nach seiner innersten Ueberzeugung gegen die Wertzuwachssteuer gesprochen. Der Antrag Bartels auf namentliche Abstimmung wird abgelehnt. Die Magistratsvorlage wird mit 25 Stimmen gemäß dem Antrage Gottschalk angenommen„dann noch ein Antrag Hilgering, stalt Prozent deren 6 anzurechnen. Gegen die Erhöhung der Hundestener spricht sich Herr Stadtv. Schmidt aus, der u. a. darauf hinweist, daß bei der Erhöhung viele Hunde abgeschafft werden würden und dann die Steuer nicht lo viel einbringe, als man erhofse. Herr Stadtv. Möller stimmt der Erhöhung zu, beantragt jedoch, den Magistrat zu ermächtigen, gewisse Erleichterungen eintreten zu lassen bei Hunden, die für den Besitzer unentbehrlich sind, und bei Rassehunden zur Zucht. Herr Bürgermeister Dr. Eichhoff bittet, es bei der Vorlage zu belassen. Es liegt noch ein Antrag Gottschalk, wie vorher schon skizzieit, vor. Die Magistratsvorlage wird abgelehnt, der Antrag Gottschalk angenommen. Die übrigen Steuern werden in der von der liberalen Fraktion vorgeschlagenen Höhe angenommen. Zur Einkommensteuer nimmt Herr Bürgermeister Dr. Eichhoff das Wort, um darauf hinzuweisen, daß der Fehlbetrag durch Ziehung eines Wechsels auf die zu erwartenden Ueberschüsse gedeckt werden soll, und zu warnen, weniger als 15 Proz. Abgange einzustellen. Ob der Magistrat dem Deckungsvorschlage zustimme, stehe noch dahin, Tue er es, so geschehe das nur, indem er hofse, daß der Optimismus der Stadtverordneten keinen Fehlschlag erlei de. Zu dem Antrag König, die untersten Steuerpflichtigen freizulassen, bemerkt Redner, daß der Magistrat sehr milde verfahre. Stadtv. Bichoff rechtsertigt den Zentrumsvorschlag, nur 10 Prozent Abgänge einzustellen, mit der Auskunft vom Steuerbureau. Herr Stadtv. Könia will unnütze Bureauarbeiten beseitigen und die Freilassung der Aermsten von Steuern generell regeln. Erst müsse man die Steuern auf die leistungsfähigsten Schultern abwälzen, dann gehe man auf andere Steuerquellen. Das sei sein und seiner Freunde Grundsätze. Herr Bürgermeister Dr. Eichhoff kann sich mit dem Antrag König nicht befreunden. Herr Stadtv. Heinemann bemerkt, daß Herr König und seine Freunde sich für eine indirekte, für eine Sonder=, für eine Toppelsteuer ausgesprochen haben. Das könnten die Herren nicht in Abrede stellen. Herr Stadtv. Blume tritt für milde Behandlung der niedrigsten Steuerpflichtigen ein. Der Antrag König wird abgelehnt. Aus den Ueberschüssen sollen 44000 Mark genommen werden. Damit ist die Etatberatung zu Ende. Der Etat wird im ganzen angenommen und die Sitzung um 9 Uhr geschlossen. Tokales und Provinzielles. Dortmund, 9. März. — Steuerliches. Mit der Aushändigung der Steuerveranlagungsschreiben pro 1910 für die Perionen mit weniger als 3000 Mark Einkommen ist heute begonnen worden.(Die Schreiben für die Steuerpflichtigen mit mehr als 3000 Mark Einkommen werden nach beendeter Einschätzung Anfang April zugestellt werden.) Einfachere Reklamationen von Arbeitern und Angestellren werden unter Vorlage der Beweismittel am besten mündlich von den Steuerpflichtigen selbst oder, wenn diese verhindert sind, von ihren erwachsenen Angehörigen angebracht und zwar im Steuerbureau Olpe 3, 2. Obergeschoß, vormittags zwischen 8—12 und nachmittags zwischen 3 bis 6 Uhr. Die mündliche Reklamation wird kostenfrei entgegengenommen und ist auch deshalb zu empfehlen, weil etwaige Rückfragen sofort erledigt werden können, während durch unsachgemäße Schriftsätze Tritter nur Zeitversäumnis und Kosten entstehen. Es ist dann aber dringend zu raten, die Reklamation bald anzubringen, weil zum Schluß der Frist der Andrang zu groß ist. Um unnötige Arbeiten zu ersparen, machen wir unsere Leser auf folgende, bei etwaigen Reklamationen zu beachtende Steuerbestimmung aufmerksam. Der im Kalenderjahr 1909 erzielte Verdienst kommt für die Besteuerung pro 1909 nur dann in Betracht, wenn bei den Angestellten die gegenwärtige Stellung und bei den Arbeitern und Handwerkern die jetzige Beschäftigungsart noch dieselbe ist, die man im ganzen Kalenderjahr 1909 gehabt hat und wenn im Jahre 1909 die Arbeit nicht länger als 10 Wochen durch Krankheit oder Beschäftigungslosigkeit unterbrochen worden ist. Wo solche Veränderungen vorliegen, ist das im Steuerjahre 1910(das ist in der Zeit vom 1. April 1910 bis dahin 1911) mutmaßlich zu erzielende Einkommen maßgebend. Wegen des im Kalenderjahre 1909 durch Stellenwechsel oder durch mehr als 10wöchige Krankheit oder Arbeitslosigkeit gehabten Einkommenausfalles können die betreffenden Angestellten oder Arbeiternicht gegen die Einshätzung ür 1910 reklamieren, sondern sie müssen unter Vorage des Krankenscheins oder der Quittungskarte Eraß der Steuer für die Tauer der Stellenlosigkeit oder Krankheit beantragen und zwar ist ein solcher Antrag pätestens bis Ende Juni 1910 zu stellen, wohingesen die Reklamation wegen zu hoher Veranlagung r 1 9 1 0 s p ä t e s t e n s i n n e r h a l b 4 W o c h e n n a c h Z u s t e l ung des Steuerbriefes anzubringen sind. Arbeiter der Angestellte von solchen Firmen, die der Steuerehörde bereits die Lohnangaben für die Einschätzung emacht haben, brauchen ihren Reklamationen nicht ochmals Lohnbescheinigungen beizufügen. Es genügt ielmehr, wennn sie diesen mitgeteilten Lohn in den utreffenden Fällen schriftlich oder mündlich anerennen und der Steuerbehörde nur noch die etwagen besonderen Belastungen oder die ihr bisher nicht sekannt gewordenen besonderen Abzüge an LebensEersicherungsprämien, besonders Kassenbeiträgen nachheisen. Ohne einwandfreien Nachweis darf bekanntsch nichts nachgelassen werden. Wer den mitgeteilen Lohn nicht anerkennt, wird selbstverständlich auch noch eine neue Bescheinigung des Arbeitgebers über die Höhe des Lohnes beibringen müssen. Auch die Bewerbetreibenden ersparen sich bei den Reklamationen jedenfalls manchen Schriftwechsel, wenn sie von vornherein angeben, inwieweit sie ihren Geschäftsgewinn nachweisen können. Unrichtige Einkommenangaben werden nach Paragr. 72 des Einkommengesetzes mit erheblicher Strafe bedroht, worauf wir noch besonders hinweisen. — Die demokratische Vereinigung ging unter Führung des Herrn Rechtsanwalts Friedrich Kohn aufs Land. Ihre Rösicht bei dem Spaziergange war nicht Bauernfang, sondern Gründung einer Jiliile in Lünen. Die von ihr auf Sonntag einberusene große Wahlrechtsdemonstrationsversammlung, in der der Parteisekretär Herr Dr. Nestriegke gegen die preußische Wahlrechtsreform kühn zu Felde zog, war aber so spärlich und zwar in der Hauptsache von dem Dortmunder Generalstabe besucht, daß die Filiale= gründung nicht zustande kam. — Die nächste Stadtverordneten-Titzung findet am 21. März statt. — Stadttheater. Wir machen auf das heute Abend zur Aufführung gelangende preisgekrönte Drama Hardts,„Tantris der Narr“ aufmerksam. Das hochinteressante Schauspiel zählt zu den bedeutendsten Werken der neueren dramatischen Litteratur und die Tarstellung des Dramas an unserer Bühne wurde von der Presse als vorzüglich anerkannt.— Am Freitag findet eine Aufführung von Baherleins militärischem Trama„Zapsenstreich“ statt. Das Stück ist verschiedene Jahre hier nicht gegeben worden und wird ohne Zweisel lebhaftes Interesse erwecken. Die Hauptrollen liegen in den Händen der Herren Gerdes(Laufsen), Mayr(Höwen), Fischer(Volkhardt), Binder(Queiß), Kaufmann(Helbig) Matthias(Lehdenburg), Kaul(1. Rath), Schubert(Major Paschke). Das Klärchen spielt Frl. Hrubesch, inszeniert wird das Stück durch Herrn Habermeyer.— Ferner befindet sich in Vorbereitung Shakespeares„Kaufmann von Venedig“, das kommende Woche in Szeue gehen wird. — Für die diesjährigen Manöver in Rheinland und Westfalen enthält eine kaiserliche Verordnung folgende Bestimmungen: Beim 7. und 8. Armeekorps wird je eine Kavalleriedivision aufgestellt. Die Kavalleriedivisionen halten auf dem Truppenübungsplätzen Genne und Elsenborn Gefechtsübungen ab. Ueber die Besichtigung der Kavalleriedivisonen werde ich besonders verfügen. Bei der Zeiteinteilung für die Uebungen der Armeekorps, die nicht vor mir Manöver haben, sind die Ernteverhältnisse möglichst zu berücksichtigen. Alle Fußtruppen müssen bis zum 30. September 1910, dem spätesten Entlassungslage, in ihre Standorte zurückgekehrt sein. — Eine Kreistagssitzung des Landkreises Dortmund, ist auf Samstag, 12. März einberufen, auf deren Tagung eine Reihe wichtiger Beralungsgegenstände stehen. Es handelt sich u. a. um die Schaffung einer Sparkasse für den Landkreis Dortmund und Errichtung von Fürsorgestellen für Lungenkranke, Beteiligung des Kreises an der Rheinisch=Westfälischen Gesellschaft für Wholfahrtseinrichtungen mit einem Betrage von 5000 Mk.; ferner soll über die Aufnahme einer Anleihe von 455000 Mark verhandelt werden, die vornehmlich Wegebaustrecken dienen soll. Der wichtigste Punkt betrifft den Bau einer neuen Straßenbahnlinie von(Dortmund)=Dorstfeld über Marten, Kirchlinde, Frohlinde nach Zeche Graf Schwerin mit Abzweignug von Marten nach Lütgendortmund und Verlängerung vom Bahnhof Rauxel nach Habinghorst. Für diesen Zweck ist die Aufnahme einer Anleihe in Höhe von 2016000 Mark nötig Ferner soll auch für den Landkreis Dortmund eine Wertzuwachssteuer eingeführt werden. —* Warnung vor einrm Schwindler! Seit kurzer Zeit reist in den Plätzen des Rheinisch Westfälischen Kohlenreviers ein Schwindler herum, der sich sälschlich als Rcisender der bekannten Firma Henkel u. Co. Düsseldorf, ausgibt und mit Erfolg den Geschäftsleuten vorspiegelt, Persil, Dirin und Henkel's Bleich=Soda würden jetzt nicht mehr durch Grostisten, sondern ganz bedeutend billiger nur noch direkt an die Detail=Kundschaft geliefert. Der Schwindler bietet zum Schluß dann noch ein sog. Ratten= und Mäusevertilgungspulver an, welches er in kleineren Mengen gleich gegen bar verkauft. Es wäre zu wünschen, daß der Schwindler recht bald ergriffen werden könnte, damit ihm sein Handwerk gelegt werden kann. —* Der Zweigverein Dortmund des Bundes Deutscher Militäranwärter, der schon seit längerer Zeit in seinen Monatsversammlungen Vorträge aus den verschiedensten Wissensgebieten zur Belehrung und Unterhaltung seiner Mitglieder veranstaltet, hatte für die Versammlung am Sonnabend den 5. d. Monat: Herrn Langenberg von hier zu einem Vortsage gewoinnen. Dieser sprach in fesselnder Weise über seine Erlebnisse als Mitglied der Besatzung des s. It. an der Küste von China gestrandeten und mit fast der gesamten Bemannung untergegangenen Kanonenbootes „Iltis“. Ausführlich schilderte er an der Hand von Skizzen und Karten die verschi denen Unternehmungen des Schiffes## Uebungszwenen oder zum Schutze der deutschen Schiffahrt, so u. A. die Seschiebung eines chinesischen Forts auf der Insel Formosa. Die Spannung der Zuhörerschaft erreichte ihrn Höhepunkt, als Herr Langenberg auf die Katastrophe bei dem Untergange des„Iltis“ selbst zu sprechen kam und von den furchtbaren Erlebnissen in jener Schreckensnacht erzählte. Von der Gesamtbesatzung, die aus 80 Köpfen bestand, fanden mehr als 70 Mann mit sämtlichen Offizieren ihren Tod in den Fluten, während nur ein Unteroffizier und zehn Mann— darunter der Vortragende,— auf wunderbare Weise gerettet wurden, nachdem sie längere Zeit in schrecklichster Lage in dem Vorderwrack des auf den felsigen Klippen zerschellten Schiffes ausgehalten hatten. Mit Wehmut und Stolz mußte es jeden der alten Soldaten erfüllen, als Redner schilderte, wie die mutige und furchtlose Besatzung — den Tod vor Augen— mit einem begeisterten dreifachen Hurra auf ihren obersten Kriegsherrn Abschied nahm von Allem, was ihr lieb und teuer war in dieser Welt. Unwillkürlich drängte sich bei diesen Schilderungen jedem Zuhörer die Ueberzeugung auf, daß, so lange in unserer Marine ein solcher Geist, ein solcher Todesmut herrscht, es um unsere Wehrkraft zu Wasser nicht schlecht bestellt ist. und daß hiernach deutsches Eigentum und deutscher Handel auch in den fernsten Ländern unter sicherem Schutze stehen.— Brausender Beifall der Versammlung ward den hochinteressanten Ausführungen des Redners zuteil. R. —“ Deutsche Kolonialgesellschaft, Abteilung Dortmund. Auf den heute Mittwoch, den 9. März, abends Zeinhalb Uhr, im großen Saale des Gewerbevereins stattfindenden Vortrag des perrn Major Langheld über das Thema„Land und Leute in Deutsch=Ostafrika“ machen wir auch an dieser Stelle noch einmal aufmerksam. Zwanzig Jahre hat Langheld im deutschen Kolonialdienst gestanden und in diesem Zeitraum eine große Fülle von Eindrücken und Erfahrungen gesammelt, nur sehr wenige unserer alten Afrikaner haben Ostafrika so gründlich kennen gelernt, wie er. Und was Langheld in diesen langen Jahren von dem Tage an, an dem er sich als junger Offizier der Wißmannschen Expedition anschloß. bis zu seinem Ausscheiden aus dem Reichsdienste erlebte, größtenteils in hervorragender und verantwortungsvoller Stellung als Soldat im Kriege, als Begleiter Emin Paschas, als Erbauer und Organisator mehrerer deutscher Stationen am Viktoriahafen, als Stationschef in Tabora und Mpapua, alles das weiß er lebensvoll und fesselnd zu erzählen. Eine gro ße Anzahl ausgezeichneter Lichtbilder erläutert die Schilderungen. Der Eintritt ist für jedermann frei. — Der Lesesaal der Wilhelm=Auguste=Viktoria=Bücherei wird am Donnerstag, den 10. März abends 7 Uhr geschlossen. — Polizei=Bericht. In der Nacht zum Diens tag bezw. im Laufe des Montags wurden 9 Personen festgenommen und zwar: 4 wegen Obdachlosigkeit und je 1 wegen Diebstahls, Gewerbsunzucht, Haftbefehls, Ueberweisung an die Landespolizeibehörde und zwecks Unterbringung in Fürsorgeerziehung. Hörde, 8. März. Hier wurde am Montag eine Vereinigung der Schuhmachermeister gegründet behufs gemeinschaftlicher Preisfestsetzung, d. h. Preisechöhung für Reparaturen. Brackel, 8. März. Hier wurde eine geiste kranke Frau aufgegriffen, die polnisch spricht und sich Marianna Plonka nennt. Vieleseld, 8. März. Bei der Landtag ersatzwah für den Wahlkreis Halle=Herford=Vielefeld erhielt Landwirt Meyer zu Irrendorf=Thefen(ntl. Bündl.) 520, Kaufmann Kiel=Linden(fortschr. Vp.) 423, Landwirt Lindemann=Senne(christl.=soz.) 64 Stimmen, Meyer ist also gewählt.— Der nationalliberale Mandatshunger ist gestillt. Bochum, 8. März. Heute Mittag gegen 2 Uhr wurde hier und in der Umgegen ein heftiger Erdstoß verspürt. Bilder von den Wänden und Möbel wurden umgeworsen. In dem Stadtteil Grummentstand in der Wand eines Hauses ein größerer Riß. Duisburg, 8. März. Auf Schacht 5 der Zeche „Rheinpreußen“ waren 2 Arbeiter in einem außer Betrieb befindlichen Tampfkessel beschäftigt, als plötzlich aus einem Nebenkessel Dampf in den ersten drang. Beide Arbeiter konnten nur als Leichen geborgen werden. Köln, 8. März. Ein schweres Unglück ereignete sich heute in der hiesigen Fabrik von Hiedemann. Eine große Flasche mit Salpetersäure platzte. Sämtliche in dem Arbeitsraum Anwesenden, der zweite Inhaber der Firma, ein Werkmeister und 4 Arbeiter wurde von den Herbeieilenden bewußtlos aufgefunden. Während es gelang, drei Arbeiter und den Werkmeister ins Leben zurückzurufen, war der zweite Inhaber und 1 Arbeiter bereits tot. Letzte Celearamme. Der Kaiser in Wilhelmshaven. Wilhelmshaven. 8. März. Der Kaiser unternahm von 10 Uhr ab Besichtigungen der kaiserlichen Werft unter Führung des Oberwerstdirektors Konteradmirals Dick und in Begieiung des Prinzen Heinrich und des Großherzogs von Oldenburg, der gegen 10 Uhr hier eingetroffen war, vor. Besichtigt wurden die neuen Schiffsbanten und einige neue technische Einrichtungen, sowie die Fortschritte der neuen Hafenanlagen. Wilhelmshaven, 8. März. Der Kaiser begab sich nach der Besichtigung der Werft mit dem Prinzen Heinrich und dem Großherzog von Oldendurg gegen 1 Uhr zum Admiral Grafen v. Baudissin zum Frühstück. Die Besichtigungen wurden nachmittags fortgesetzt. Kaiser Wilhelm und König Eduard. Wien, 9. März. Wie die„W. A. Z.“ erfährt, hat der König von England an den deutschen Kaiser vor mehreren Wochen ein im herzlicher Form verfaßtes Schreiben gerichtet, das die Sympathien des Königs für den kaiserlichen Neffen zum Ausdruck brachte. Der Kaiser antwortete im gleichen Sinne. Dieser Briefwechsel hatte zur Folge, daß Mißverständnisse, die zwischen dem deutschen und dem englischen Hofe herrschten, beseitigt wurden. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird im Laufe dieses Sommers eine Zusammenkunft zwischen König und Kaiser in Kronberg stattfinden. Den bisherigen Dispositionen zufolge soll dieser Besuch nicht den Charakter einer offiziellen Staatsvisite tragen, sondern mehr familiärer Natur sein. Freifahrtkarten für die Landtagsabgeordneten. Berlin, 8. März. Die Freifahrtkarten für die Landtagsabgeordneten vom Wohnsitz nach Berlin und zurück dürften nunmehr gesichert sein. Das Staatsministerium beschäftigte sich damit in der heutigen Sitzung und genehmigte grundsätzlich die Bewilligung der Freifahrtkarten. Die Einführung soll auf dem Verwaltungswege erfolgen, sobald einige Bedenken und formelle Schwierigkeiten beseitigt sind. König Eduard in Paris. Paris, 8. März. Präsident Fallières stattete heute nachmittag dem König Eduard einen halbkündigen Besuch ab. Hierauf empfing der König den Prinzen Georg von Griechenland. Ovationen der Pariser Studentenschaft für Wetterlé. Paris, 8. März. Der Abgeordnete Abbs Wetter## der sich auf der Durchreise hierselbst befindet, war a.n gestrigen Montag Gegenstand einer Ovation der Pariser Studentenschaft. Eine studentische Abordnung erschien im Hotel des elsässischen Abgeordneten und#berreichte ihm als dem Verteidiger der altüberlieferten französischen Kultur auf elsässischem Boden eine wertvolle Bronze im Namen der studierenden Jugend. Der Führer der elsässischen Protestler zeigte sich sehr gerührt über diese Kundgebungen der französischen Sympathien. Ein Millionendefraudant. Paris, 8. März. Der mit der Liquidation mehrerer großer Kongregationen beauftragte gerichtliche Liquidator, Dues wurde verhaftet. Duez gestand, daß er bei der Liquidation der Kongregations. guter vier Millionen Frank und bei der Liquidation anderer ihm vom Gericht zugewiesener Geschäfte eine Million Frank vernnitent habe. Rassenkämpfe auf Florida. Neutzork. 9. März. In Tamba auf Florida sind gestern ernste Rassenkämpfe ausgebrochen. Drei Neger und zwei Weiße wurden gerotet, ein Weißer tödlich verletzt Mulai Hasid. m 7 7: 8. März.„Matin“ berichtet—.1 Mulai Hafid ist seit der Ratifizierung 2.=“ P## sisch marokkanischen Abkommens sehr 2:“ anz schlagen. Er hat seinen Palast noch vic.:“ Es wird mitgeteilt, daß der Sultan. um sich beabsichtigt, die Tochter des Pascha tite Si Dirs Drissi zu heiraten.46 ven g. Gestörtes Duell. zwischen General Prudente und A####eln wegen des bekannten Zwischenfalls in der#### konnte nicht stattfinden, da es zweimaf Lomne wurde. Einmal von den Berichterstattern der„:““ Presse und einer zahlreichen Volksmenge, das durch einen Polizeikommissar. Die Duellant=u danten, Aerzte ulw. setzten sich in Autam: fuhren davon. in Automobise u0 Standesamts-Nachrichten. Dortmund 1. Vom 4. Geburten: 1 Sohn: Arbeiter Finzel### sauerstr. 7. Hauer Niebergall, Kirchenstr. 3 sahrer Griguszis, Treibstr. 58.„Herrenkledernag, Trubba, Augustastr. 5. Rechtskonsuler G7 ½) Ofenstr. 3.veurg Eine Tochter: Former Kanter, Friedrichstr Buchhalter Müller, Wilhelmstr. 62. Arbeiter 2.) lamon, Falkenstr. 4. Schornsteinfegerm. Brande Humboldtstr. 11. Bahnarb. Vecori, Grünstr. 9 erwehrmann Beckmann, Mittelstr. 16. Aufgebote: Kutscher K. Dreyer und Kochanski, Techniker W. Viebach und Katharing land. Fabrikleiter Dr. F. Balla und Rosalie### korn. Eheschließungen: Schreiner F. Schter Elfriede Schöneberg. Sterbefälle: Reichsinvalide J. Becker,### zenstraße 107, 67 J. W. Kuhlenbeck, Rheiniscch 137, 5 M. Invalide K. Heckmann, Steinmetzstr 68 Jahre. Eingesandt. 100000 Mk. Prämie für den Nachweis, daß Impjung vor den Pocken schützt und unschädlich sind soeben von einer Anzahl überzeugter Zmp ner ausgesetzt worden. Dem Komitee gehören u. a. Prog. Dr. Molenaar, Stranberg b. München, E## tätsrat Bilsinger Lorch bei Stuttgart, merzienrat Ludoria, München, Tr. Rascher, München, Oberlehrer Mirus, Lortr usw. Ta der geforderte Nachweis keineswe## Grund neu anzustellender Experimente geliefen den muß, sondern auch aus den bisherigen Resulte des Impfgeschästes hergeleitet werden kann, so su man meinen, dieses nette Sümmchen müßte genug zu verdienen sein, denn das Impfoesetzst! upt nur unter der Voraussetzung berechtigt, die Impfung unschädlich ist und nachweisbar vor Pocken schützt. Mercedes hat die Führung, so liest man in den Angeboten von Schuhhaus! cedes hier, Ecke Westenhellweg und Hansastraße,in hiesigen Tageszeitungen. Wahrlich, wenn man die### geschmackvolle Frühjahrsdekoration obiger Fir sie in ihren Schaufenstern präsentiert, betrachtet, man zu der Annahme kommen, a.s ob sie in dust branche wirklich die Führung nehme. Die viela modernen neuen Formen in allen braunen um gen wie ckuch in schwarz Chevreaux, Boxcalf in für Damen und Herren mit und ohne Tuchzing bewundernswert schön. 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Da d ationalliberalen Blä sogar wörtlich nachdri Tonauwacht“ ein B Erscheinungsort in der bosen nirgends bekann organ, sondern steht n hemokratie und bekan in Sozialdemokrate Zentrum.) Die„Don burger Morgenblatt“ mitel sofort zurückge Abg. Dr. Friedt dr. Lohmann ist leid die Sache zurückkomm Abg. Gronowski im Verlaufe meiner A neten Dr. Lohmann gebraucht. Ich nehn Abg. Borgmann mserer Partei ein nicht existiert und übe weichen Zweck Graf verband. Vizepräsident Dr. nicht einzugehen. Abg. Borgmann: dr Wahrheit.(Zui gezischer Zweck!) hierauf tritt das 5 Stadter Der Gesetzentwu sadtkreises Spanda weiter Beratung an i dritter Beratung betrefsend die Stadt Es folgt die dri betrefsend die Auflös der Ruhr, die Erwei Ladtkreise Mülheim Gen, sowie die Ab Aübeim an der korlogen werden ar hierauf wird die stats der Hand sett. . Ag. Rosenow( A hansabundes so tgierung über die und Industrie zu in Fnialvolitik für A ente Plittisoc werden die R im einem Auf d weipt h ### das Herr 6e che stück 1.00 Pasr 2.00 00 1.50 che kaufen Sie am besteuin Kredit-Haus Dortmund Brückstrasse 12, i m H a u s e d e r vierhalle Wilbers. Ich empfehle: Nummerdiuschhet.! Schlafzimmer Küche 5 bess. Schlafzummet kompl. Kun# Anfahlung 20## sehr gediegenes moderne Küche, Anzahlung 35 20 u. s. w.„ inzelne Helbde, P2, Ple n. von 3 Mi. en Zur„ untirmatiol den 9. März 1910. Zweites Blatt. preußisches Abgeoronetenhaus. plenn“. Berlin, 8. März. Im minmertische Dr. Sydow. präsident Dr. Porsch eröffnet die Sitzung um uuhr und erleilt vor Eintritt in die Tages110 47.8 Wort dem Zentrumsabgeordneten Grafen s0hu9“ Der Abgeordnete Dr. Loymann hat in der ##### vom 2. März für den angeblichen Beweis des in Zentrumsblättern herrschen soll, einen e der„Donauwacht“ aus Anlaß der Geburt des ten Kronprinzensohnes verlesen. Ich habe darauf Erkundigungen eingezogen, aber keinem unserer bistzstagskollegen ist das Blatt auch nur dem Namen annt.(Lebhaftes Hört, hört! im Zentrum.) auch Herrn Dr. Lohmann davon Mitteilung mcht und hoffte, daß er selbst eine Berichtigung Lingen würde. Da diese aber nicht erfolgt ist, da die ignalliberalen Blätter die Rede Dr. Lohmanns tagar wörtlich nachdruckten, so erkläre ich, daß die 'sanauwacht“ ein Blatt ist, das außer in seinem Eicheinungsort in der kleinen bayrischen Stadt Vilshoien nirgends bekannt ist. Es ist auch kein Zentrumsgrgan, sondern steht mehr auf dem Boden der Sozialdemokratie und bekämpft das Zentrum.(Lachen bei Sozialdemokraten. Erneutes Hört, hört! im Zentrum.) Die„Donauer Zeitung“ und das„Regens turger Morgenblatt“ haben seinerzeit den Schmähmitel sofort zurückgewiesen.(Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Friedl##g(nat.=lib.): Mein Parteifreund gr. Lohmann ist leider verreist. Er wird indes auf die Sache zurückkommen. Abg. Gronowski(Zentr.): Am 2. März habe ich im Verlaufe meiner Ausführungen gegen den Abgeordneten Dr. Lohmann den Ausdruck„verleumderisch“ gebraucht. Ich nehme den Ausdruck hiermit zurück. Abg. Borgmann(Soz.): Ich stelle fest, daß in mserer Partei ein Organ namens„Donauwacht" Nr. 57. 27. Jahrgang. unstter Harlel ein Wenere"—„„ sicht existiert und überlasse es dem Urteil des Hauses, welchen Zweck Graf Praschma mit seinen Worten verband. Vizepräsident Dr. Porsch bittet den Redner, darau nicht einzugehen. Abg. Borgmann: Jedenfalls entspricht die Sache dr Wahrheit.(Zuruf des Abg. Liebknecht: Demagezischer Zweck!) hierauf tritt das Haus in die Tagesordnung ein. Stadterweiterungsvorlagen. Der Gesetzentwurf betreffend Erweiterung des sadtkreises Spandau wird nach kurzer Debatte in weiter Beratung angenommen. Ohne Debatte wird n dritter Beratung angenommen der Gesetzentwur betrefsend die Stadterweiterung Frankfurt a. M. Es folgt die dritte Beratung der Gesetzentwürfe betreffend die Auflösung des Landkreises Mülheim an dr Ruhr, die Erweiterung des Landkreises Essen, der kadtreise Mülheim an der Ruhr, Oberhausen und een, sowie die Abgrenzung der Amtsgerichtsbezirke Rüheim an der Ruhr, Oberhausen und Essen. Die derlagen werden angenommen. hierauf wird die Beratung des Stats der Handels= und Gewerbeverwaltung mpsetzt. lg. Rosenow(fortschr. Vp.) meint, die Aufgabe A hansabundes sollte sein, die Staats= und Reichstgierng über die beruflichen Interessen von Handel und Industrie zu informieren. Auf dem Gebiete der Enialvolitik für Arbeiter sollte ein Uebermaß vermieden werden. Das Hauowerk muß auch bei Staatslieferungen mehr bedacht werden. Die Pensionsversicherung der Privatangestellten muß man beschleunigen. Alle Städte über 10000 Einwohner müßten den obligatorischen Fortbildungsschulunterricht haben. Abg. Leinert(Soz.): Die Ausführungsanweisungen über die Arbeiterschutzbestimmungen werden im Interesse der Unternehmer getroffen. Die Arbeitgeber weisen jede Gleichberechtigung der Arbeiter auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiete zurück. Die Behauptung, daß der deutsche Arbeiter besser gestellt sei als der englische, ist unrichtig. Abg. Hammer(kons.) wünscht höhere Besteuerung der Warenhäuser. Handelsminister Sydow erklärt, daß nach seiner Anschauung die Interessen der Arbeitgeber und der Arbeiter solidarisch sind. Nur eine gutgehende Industrie und ein zahlungsfähiges Gewerbe können hohe Löhne bezahlen. Für die einseitige Sozialpolitik des Abgeordneten Leinert habe er kein Verständnis. In seinem Bezirk wird er bestrebt sein, die Interessen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gleicher Weise zu fördern. Nach weiteren Ausführungen der Abgg. Hirsch (nat.=lib.) und Dr. Bell(Zentr.) wird der Titel „Ministergehalt" bewilligt und die Weiterberatung auf abends 72 Uhr vertagt. Berlin, 9. März. In der gestrigen Abendsitzung des Abgeordnetenhauses wurden die Verhältnisse der Kleinschiffahrt auf den östlichen Wasserstraßen eingehend erörtert. Abg. v. Scheuckendorff(nat.=lib.) sprach in längeren Ausführungen über das Fortbildungsschulwesen und fragte, wann das Fortbildungsschulgesetz zur Beratung gelangen wird. Minister Sydow gab die Erklärung ab, daß der Gesetzentwurf bereits in den nächsten Tagen zur Vorlage gelangte. Das Haus vertagte sich nach weiterer unwesentlicher Debatte auf Mittwoch vormittag 11 Uhr. Der Reichstag bewilligte am Dienstaa verschiedene Kapitel des Marineetats. In der Debatte forderten die Abgg. Hormann und Leonhardt(fortschr. Vp.) deutschen Tabak für die Kantinen. Dem Abg. Paasche(nat.=lib.) antwortete Staatssekretär v. Tirpitz, daß der Uebergang zur Oelfeuerung nicht so ganz leicht sei. Die Anregung werde jedenfalls im Auge behalten. Die sozialdemokratische Resolution wegen Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission für die Werftverwaltungen begründete Abg. Severing(Soz.). Es handle sich im Kieler Falle nicht um eine vereinzelte Erscheinung. Auch in Danzig seien große Unregelmäßigkeiten vorgekommen. Gehl Admiralitätsrat Harmsbestritt, daß die politische Gesinnung der Werftarbeiter unter Kontrolle genommen werde. Die Arbeitsverhältnisse seien nicht schlecht auf den Werften. Ueber Unregelmäßigkeiten auf der Danziger Werft schwebe noch die Untersuchung, doch scheine die ganze Sache sehr aufgebauscht zu sein. Abg. Mommsen(fortschr. Vp.) konnte in der parlamentarischen Untersuchungskommission keine besonders entpfehlenswerte Sache erblicken. Staatssekretär v. Tirpitz erklärte, die Anciennitätsfrage käme bei Besetzung der Oberwerftdirektorenstellen nicht in Frage. Er sei stets bemüht, die besten Kräfte von unten nach oben zu bringen. Abg. Schirmer(Zentrum) tadelt die Unregelmäßigkeiten der Danziger Werft. An der Debatte beteiligten sich noch die Abgg. Weber(nat.=lib.) und Leonhardt (fortschr. Vp.). Mittwoch: Etat für Kiantschau. Graf Pfeil vor dem Oberkriegsgericht. S. u. II. Thorn. 6. März. In der fortgesetzten Beweisaufnahme legt Rechtsanwalt Stenzel(Thorn) der Rechtsbeistand der Gräfin Pfeil, sein Mandat nieder, da er mit der Art der Fragestellung an seine Mandantin nicht zufrieden ist, und die Gräfin trotz seines Rates, ihre weiteren Aussagen zu verweigern, sich bereit erklärt, auch ferner auszusagen. Die Gräfin Pfeil stellt hier: auf noch eine Reihe von Beweisanträgen, die sich auf die zweite Ehe des Grafen beziehen. Es wird festgestellt, daß in einem Schriftstück des Zeugen Gräger der Satz vorkommt:„In Graudenz pfeifen es die Spatzen von den Tächern, daß der Graf stiehlt". Der Zeuge Gräger erklärt hierzu, daß Graf Pfeil in verschiedenen Lokalen Zeitungen weggenommen habe, namentlich die Nummern, die Mitteilnugen über seine Sache enthielten. Das Gericht habe allerdings entschieden, daß das, was der Graf getau habe, kein Diebstahl sei. Der Gerichtshof beschließt dann, den Zeugen Zensen nicht zu vereidigen. Es werden dann noch eine Reihe von Zeugen, teilweise unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vernommen. Die Gräfin wird als Zeugin nicht vereidigt. dagegen der Zeuge Gräger, nachdem dieser nochmals betont hatte, daß er keinen der Zeugen zu beeinflussen versucht habe, Die weiteren Beweisanträge der Gräfin Pseil werden als für die Sache nicht von Bedeutung abgelehnt. Tamit ist die Beweisaufnahme geschlossen. Die Gräfin Pfeil ergreift nochmals das Wort zu längeren Ausführungen, in denen sie sich gegen verschiedene Zeugenaussagen wendet. u. a. wendet sie sich gegen die Behauptung des Leutnant v. Suttner, der erklärt habe, sie die Zeugin, habe einmal eine sozialdemokratische Aeußerung getan. Der Vorfall habe sich wie folgt abgespielt. Bei der Besichtigung von alten Ritterburgen in Schlesien habe Leutnant v. Schutter gesagt: Ach, das war doch noch eine schöne Zeit, als wir hier im Lande saßen n und über einen großen Troß von Leibeigenen verjugten. Sie habe erwidert: Mir gefällt unsere Zeit besser, wo man ehrliche Arbeit ehrlich bezahlt, und freie Leute um sich hat. Aus dieser Bemerkung eine sozialdemokratische Gesinnung zu folgern oder auch nur eine Geringschätzung alter Familien ist doch gradezu absurd. Das erscheint schon aus dem Grunde ausgeschlossen, weil meine eigene Familie Heim ihren Stammbaum bis in's zehnte Jahrhundert zurückführen kann. Es ist in der Verhandlung die Frage aufgeworfen worden, weshalb ich die Mißhandlungen nicht in meinem Ehescheidungsprozeß angegeben habe. Ich kann nur wiederholen, daß die Spuren der Mißhandlungen sofort nach meiner Ftucht durch einen Arzt festgestellt wurden und daß mir mein damaliger Rechtsanwalt den Rat gab, den Grafen wegen Körperverletzung anzuzeigen. Ich habe mich aber damals geschämt, meine Klage auf diese Weise dürchzuführen, heute muß ich darunter leiden. Verhandlungsführer: Demgegenüber dürfen wir wohl feststellen, daß die Spuren lediglich in blauen Flecken am Hals und am Arm bestanden haben. Sind das etwa keine Mißhandlungen? Tamit komme ich zum Schluß. Ich habe mich darein gefunden, daß hier nicht Graf Pseil, sondern seine geschiedene Ehefrau auf der Anklagebank saß. Verhandlungsf.: Frau Gräfin... Zeugin(unterbrechend): Natürlich wurden Sie, meine Herren, durch die Situation dazu gedrängt, Sie wissen, was vorherging. Noch ein letztes Wort an den Angeklagten. Veihandlungsf.(unterbrechend): Frau Gräfin... Zeugin: Ich bin ja schon zu Ende. Ich denke an den Satz,datzman einem geschlagenen Feinde goldene Brücken bauen solle, und da ich in dieser letzten Stunde keines der mir nachgesagten Rachegefühle habe, so steile ich alles„was mein Herz bewegt, zurück und frage hiermit den Angeklagten im Namen des Gekreuzigten, im Interesse meiner Kinder: Geben Sie mir meine Kinder zurück?(große Bewegung). Es ist das letzte Mittel, um Ihnen einen letzten Rest von Sympathie zu retten und mildernde Umstände zuzubilligen. Die Zeugin hat während der letzten Worte das auf dem Gerichtstisch stehende schwere eiserne Kruzifix ergriffen und hält es dem Angeklagten entgegen. Ihre Begleiterin, die Gräfin Sikorska zieht sie zurück. Vert.: Rechtsanwalt Krüger: Wir haben dem Angeklagten den dringenden Rat gegeben, auf diese Frage nicht zu antworten. Zeugin: Dann habe ich nichts mehr zu sagen: Verhandlungsf.: Ich möchte der Frau Gräfin noch bemerken, sie sagte, sie hätte gewissermaßen auf der Anklagebank gesessen. Zeugin(erregt): Warum hat man mich denn beim Verlassen des Saales tellnehmend gefragt: Frau Gräfin, wird man sie denn freisprechen, ich nehme es aber Ihnen, meine Herren nicht übel, ich anerkannte schon, daß Sie sich die größte Mühe gegeben haben, mich nicht als Angeklagte zu behandeln. Aber ich nehme ihren Tadel gern mit in den Kauf, wenn ich in der Angeklagtentenrolle der Wahrheit zum Siege verholfen habe. Dies mein Verhalten ist der beste Beweis dafür, daß ich niemals aus Haß gehandelt habe und auch heute noch eine derartige Betätigung meiner Gefühle dem Angeklagten gegenüber für Gefühlsverschwendung halte. Ich bin auch jetzt noch bereit, im Interesse meiner Kinder dem Angeklagten die Möglichkeit zu kieten, durch eine Antwort auf meine Frage.... Verhandlungsf.(unterbrechend): Frau Gräfin... Graf Pfeil erhebt sich und erklärt: Ich habe garnichts mehr zu sagen. Zeugin: Tann habe ich hier nichtt mehr zu suchen, adien meine Herren. Die Gräfin rafft ihre Sachen zusammen und verläßt in Begleitung der Gräfin Sirkoska weinend den Saal. Nach einer längeren Pause nahm in später Nachmittagstunde der Vertreter der Anklage Kriegsgerinchtsrat Wohnenstedt das Wort zu seinem Platdoyer. Er nimmt in allen acht Fällen die Verleitung zum Meineide bezw. zu falschen eidesstattlichen Versicherungen Verjährung an und beantragt Einstellung des Verfahrens. In bezug auf die Quittungs= falschung als neuntem Anklagepunkt nimmt er nach dem Sachverständigengutachten nicht verleumderische sondern nur einfache Beleidigung an, indem sich der beste Plittsboch, den 9., Donnerstag, den 10.- und Freitag, den II. d. Fl. werden die Restbestände aus der Weißen Woche, sowie cir durch Auslage und Dekorationen angestaubten Weissen Waren wie: Schürzen, Damen-Wäsche, Taschentücher, Weiß- u. 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Noch war genug Glatteis vorEricen, um die Füße der Menschen und Pferde unsiEt a machen, die sich eben durch den kühlen, schlüpkun rei eines halbgeschmolzenen Schneehaufens hinscgearbeitet hatten. dder hier und da hatten die Regenbüihe doch schon El eaimen Erdboden befreit, der zwar noch kein Veilgenz“ ont, aber in seiner tiefen Weichheit bereits den ##.uck großer Fruchtbarkeit machte und die Sohle des z eeters allenthalben mit klebriger Freundlichkeit umStund= k.=21 wdar der kräftige Regen von Stunde zu eide bemüht, seine bisherigen Leistungen noch zu über#d m.2: die natürlichen Grenzen zwischen Erde, Luft ihm hare#s z#r Unkenntlichkeit zu vermischen. War bereits gelungen, die Straßengänger durch die ##tmit out die Knochen einzuwässern, so arbeitete er Ef Siehe an der Aufgabe, noch weiter hindurch und Hn, underen Seite der armen Menschen wieder herPeezuregnen. P#r: oder a#en seiner Opfer von besonders voröser Klei scorperveschaffenheit schien ihm das schon zu paustz. Briefträger, der am Ufer der Straße von Haustür schwamm, sah aus, als wäre er eines Badeschmamms und einer Gießkonne entsprossen, oder wie eine riesenhafte, reife Weintraube, aus der eben ein kräftiger Händedruck des Schicksals den Most träufelnd herauspreßt. Wäre er ein Hund gewesen und hätte sich geschüttelt, so hätte er nebenbei das Amt eines Sprengwagens versehen und ein reicher Mann werden können. Aber erstens hat ein Sprengwagen bei Regenwetter keinen Zweck, und zweitens war er kein Hund, sondern ein gewöhnlicher Briefträger, die alle viel zu rücksichtsvoll sind, ihre Nässe durch Schütteln von sich zu tun. Um das Wetter kümmert sich ein Briefträger überhaupt nicht. Gleichgültig gegen die wechselvollen Ueberraschungen der Witterung hat er im Sommer keinen Strohhut und im Winter keine Pelzmüße. Weder einen Sonnenschirm noch einen Regenschirm hält er für nötig, und bei nassem Wetter, wenn kluge Leute im Zimmer bleiben, ist e####rücksichtslos, von früh bis spät mit naßen Füßen branßen herumzulaufen, ohne sich die Mühe zu nehmen, ein paar russische Gummischuhe über seine Stiefeln zu ziehen und sie in jedem Hausflur fein säuberlich abzulegen. Mit dieser Rücksichtslosigkeit war auch der durchgeregnete Briefträger behaftet, der am Donnerstag morgen gleich einem unerschöpflich gemolkenen Schwamm in das Haus Kanalstraße Nr. 3 hineinplätscherte. Auch er trug weder Regenschirm, noch Ueberschuh, noch Gummimantel, auch er trocknete sich nicht vorher ab, sondern er strömte wie eine Wasserhose geradenwegs in Frau Lichtenburgs Küche, die das Rosa soeben sauber gemacht hatte, und legte sofort in der Umgegend seiner Füße kleine schlammige Tümpel auf dem Fußboden an. Augenblicklich überschüttete ihn Frau Lichtenburg mit einer Flut von Schimpfreden und fragte ihn gekränkt, ob eine arme, alte Frau etwa deswegen im Schweiße ihres Angesichts die Küche scheuere, um sich dann solche Schweinerei hereintragen zu lassen. Das Rosa, die gar nicht gefragt war, antwortete:„Nein, deshalb täte sie's nicht.“ Der Briefträger aber, obwohl er gefragt war, antwortete gar nichts. Seine Rücksichtslosigkeit wurde noch von seiner Unerschrockenheit übertroffen. Furchtlos überreichte er der scheltenden Frau einen eingeschriebenen mit der Firma Raupach gestempelten Brief, empfing die widerwillig geschriebene Quittung und kein Trinkgeld, verließ mit klatschenden Schritten wieder die Küche, daselbst den Ausdruck der Besorgnis auf Frau Lichtenburgs Mienen zurücklassend, auf dem Fußboden aber fruchtbares Erdreich für ein Peterstlienbeet, welches das Rosa unbarmherzig beseitigte, indem sie kntend mit dem Scheuerlappen hinfuhr. Frau Lichtenburg jammerte noch einmal über diese beschwerliche Arbeit, drehte den verdächtigen Brief verächtlich zwischen den Fingern, entnahm ihrem Zopf eine Haarnadel, riß den Umschlag damit auf, bohrte sie wieder an ihren Platz zurück, bei welcher Gelegenheit sie sich bedächtig ihre Kopfhaut kratzte, zog den Brief hervor und begann mit hochgezogenen Augenbrauen zu lesen. Jedes Ding hat zwei Seiten. Herrn Raupachs Brief hatte infolgedessen ebenfalls zwei Seiten, und auf der ersten Seite verbat er sich in scharfen Worten die gewissen Ungehörigkeiten, bei denen Frau Lichtenburg ihren gut bezahlenden Mietern gegenüber allzu viel Nachsicht walten ließ. Diese Anmaßung des Hausbesitzers reizte Frau Lichtenburg zum Lachen. „Ich bin Herr im Hause,“ schrie sie, und ihre gelben Wangen zitterten, und der mächtige Busen bebte vor zornigem Vergnügen.„In meinem Hause geht es fein, still und anständig zu. Dafür trage ich die Verantwortung. Wenn einer der Herren einmal Besuch oder sonst eine Festlichkeit hat, so sorge ich schon dafür, daß kein Lärm und kein Aufsehen entsteht. Kommandieren lasse ich mich von niemand, und guten Rat brauch ich auch nicht anzunehmen. Ich bin ebenso alt, wie der Herr Raupach, und hab' ebenso viel Erfahrung wie er. Mein Haus kenne ich besser, wie er selbst! Wenn nur die Männer einer Frau nicht ins Gesicht reden wollten! Na, mir soll keiner über den Mund fahren, keiner!" Mit einem kriegerischen Auflachen beendete sie die Kritik der ersten Briefseite, und ihre Geberden verzerr ten sich kummervoll, als sie vom Inhalt der zweiten Seite Kenntnis nahm. Denn hier verlangte der freche Hausbesitzer mit dürren Worten augenblickliche Bezahlung der fälligen Miete. Erbehauptete, unbedingt au das Geld angewiesen zu sein, weil er sonst sofort seine Zahlungen einstellen müsse, und gab der Frau Lichtenburg zu bedenken, daß ein etwaiger Konkursverwalter noch weit weniger Nachsicht mit ihr haben würde, als er, und sie einfach zwingen würde, das Haus zu räumen. Herr Konsul Grünwald würde bei der Lektüre dieses sonderbaren Briefes gelächelt und nur verwundert nach dem Zweck dieser freiwilligen Armutserklärung geforscht haben. Frau Lichtenburg wunderte sich auch. Aber sie ächelte nicht. Es fehlte ihr an Atem, um ihre Empörung sogleich in Worten von sich zu geben. Verzweifelt schnappte sienach Luft und bekam vor Zorn einen echten Hustenanfall, den sie künstlich und künstlerisch verlängerte, während sie ihrem Gatten mit matter Hand den nichtswürdigen Brief überreichte. Dem Vater sagte das beschriebene Papier nichts neues Es bestätigte ihm nur, was er schon vorgestern aus Herrn Raupachs Munde vernommen hatte. Er lächel aber nicht verwundert, wie der Herr Konsul Grünwic etan haben würde, sondern höchst befriedigt. Er freute ich, einen schriftlichen Beleg zu haben, und barg ihn sorgfältig in die Tasche. Rasch hatte Frau Lichtenburg sich inzwischen so vollständig erholt, daß ste im stande war, ihren Gram mit gewohnter Stimmkraft laut zu verkünden. „Das ist ein Undank von dem Kerl!" klagtesie.„Solch ein Undank! Seit zwölf Jahren behüte ich ihm das Haus und bewahre es und quäle mich von früh bis spät ab, die schwere Arbeit für ihn zu machen:. Rosa, geh, bringe dem Herrn Baron die Zimmer in Ordnung! .. Und zum Dank dafür will er jetzt Pleite machen und ich soll auf die Straße gesetzt werden. Alle die Jahre her habe ich ihm den schweren Mietzins bezahlt und immer dabei zugesetzt. Aber er hat noch nicht genug, er ist noch nicht reich genug. Er muß immer noch mehr aus mir herauspressen. Freilich, woher ich es nehme, danach fragt so ein Herr nicht. Er schreibt einfach„Bezahlen“, und ob ich meine letzten Groschen dabei zusetze, das ist ihm gleich!“ Herr Lichtenburg fand die Einforderung der Miete aud sehr betrüblich, aber er hielt sie im Grunde seines He. zens für nicht unberechtigt, weil er, wi: alle Männeengherzig war und sich vor dem Buchstaben des Rech beugte. Die Grausamkeit und die verwerfliche, innen Ungerechtigkeit, dieses Rechtes sah er nicht. 177.18 4 1 * Neutral=Moresner. Angeklagte in Wahrung berechtigter Interessen schuldig gemacht habe, sodaß Freisprechung erfolgen müsse. In bezug auf den zehnten und letzten Punkt der Anklage, der vollständig unter Ausschluß der Oeffentlict krit verhandelt wurde, beschränkt sich der Vertreter der Anklage auf die Bemerkung, daß hier verleumderische Beleidigung vorliege und daß die Begründung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erfolgen müsse, daß er aber als Strafmaß hierüber drei Monate Gefängnis und Dienstentlassung in Antrag bringen werde. Nachdem die beiden Verteidiger gesprochen wurden in später Abendstunde die weiteren Verhandlungen auf morgen vertagt. Aus dem Gerishtssaal Schwurgericht Dortmund. Dortmuns 8. März Vor den Geschworenen stand heute der am 18. Dezember 1889 in Erwitte Keris Lippstadt geborene Zuschläger Konrad Meier von hier wegen Mordversuch. Der kaum 20 Jahre alte Bursche ist ein zu Gewalttätigkeiten neigender Mensch, er ist bereits vom Schöfengericht wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Bedrohung zu drei Monaten und 2 Tagen Gefängnis verurteilt, dann verurteilte ihn das Schöffengericht unter Einbeziehung dieser Strafe zu einem Jahre Gefängnis: Im vorigen Jahre schoß der Mensch den Kastellan Czerny mit einem Nevolver nieder, wofür er im Januar vom Schwurgericht zu einer Gefängnisstrafe von 5 Jahren verurteilt wurde. Meier, der zum Militär ausgehoben war, ist der Polizei im nördlichen Stadtteil als Radaumacher bekannt, wo eine Schlägerei stattfand, war Meier in der Regel dabei. Die bevorstehenden Militärjahre waren ihm anscheinend recht unbequem, er äußerte wiederholt zu seinen Freunden:„Ehe ich Soldat werde, mache ich mir ein Faktum!“ Diesen Zweck hat der junge Bursche bereits erreicht. In der Nacht zum 20. September vorigen Jahres gegen 4 Uhr morgens kam Meier mit einigen Freunden über die Münsterstraße aus der Richtung Fredenbaum. Da die Gesellschaft singend und lärmend über die Straße zog, trat an der Ecke der Lortzingstraße der Schutzmann Hugo 1 auf die Gruppe zu und gebot Ruhe. Alle fügten sich der Aufforderung, nur Meier, der vorher zu seinen Begleitern geäußert hatte indem er auf den Beamten zeigte:„Der soll nur kommen!“ blieb stehen und ging dann in drohender Haltung auf den Beamten zu, der ihm eine Ohrseige verabreichte. Meier lief zu seinen in einiger Entkernung stehenden Begleitern und ließ sich von dem Arbeiter Schmidt einen Revolver geben. Mit der Waffe in der Tasche trat er wieder vor den Beamten und sorderte, er solle sich entfernen. Sofort holte Meier den Revolver aus der Tasche und gab aus nächster Nähe einen Schuß auf den Beamten ab, die Kugel drang in die Kinnlade. Dann ergriff der Täter feige die Flucht. Hugo setzte den Burschen sofort nach, der noch einen zweiten Schuß auf Hugo abgab, glücklicherweise aber nicht traf. Dann zog der Beamte seinen Revolver und verletzte den Flüchtenden durch einen Streisschuß. Die Verletzung des Beamten, war keine besonders schlimme, die Kugel hatte an dem Backenknochen Widerstand gesunden und war platt geschlagen worden, nach achttägigem Ausenthalte im Brüderkrankenhause konnte er bereits wieder entlassen werden. Der Angeklagte gibt heute auf Befragen an, daß er nicht die Absicht gehabt habe, den Beamten zu löten, er habe„nur so drauf gehalten“ und es auch nur getan, weil der Beamte ihn ins Gesicht geschlagen habe. Die Beweisaufnahme ergab aber, und das wurde durch die Freunde des Angeklagten selbst festgestellt, daß der Beamte sich durchaus korrekt und ruhig benommen habe. Meier sei aber nicht ruhig gewesen. Aus der Tatsache, daß der Angeklagte sich erst den Revolver herbeiholte, dann von dem Beamten Rechenschaft forderte und aus nächster Nähe auf den Kopf des Beamten zielte, folgerte die Anklagebehörde, daß Meier den Beamten erschießen wollte und erblickt zugleich in diesen Umständen vorbereitende, mit Ueberlegung ausgeführte Handlungen. Der Vertreter der Anklage, Herr Erster Staatsanwalt Friedheim beantragte nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme den Angeklagten des versuchten Mordes schuldig zu sprechen, weil zu dieser Annahme zwingende Gründe genug vorlägen. Der Verteidiger des Angeklagten Herr Rechtsanwalt Dr. Schücking versuchte nachzuweisen, daß weder versuchter Mord noch versuchter Totschlag vorliege, sondern es könne nur gefährliche Körperverletzung vorliegen. Die Geschworenen sprachen den Angeklagten des Mordversuchs schuldig. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten unter Einbeziehung der Strafe, die er gegenwärtig verbüßt, eine Gesamtzuchthausstrafe von neun Jahren. Das Gericht setzte gegen Meier eine Ccsamtzuchthausstrafe von sieben Jahren bei Aberkennung der Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren fest. Strafkammer Dortmuns. Dortmund, 8. März. Gegen den noch unbestraften Redakteur der sozialdemokratischen Arbeiterzeitung Beier stand eine Anklage wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten(Pacagraph 130 des Strafgesetzes) an. Es handelte sich im einen sehr scharfen, am 14. Februar in der genannten Zeitung erschienenen Artikel zur Wahlrechtsrage mit der Ueberschrift„Tortmund demonstriert!“ der Staatsanwalt beantragte 6 Monate Gefängais. Der Gerichtshof erachtete den Angeklagten nur durch die in dem Artikel enthaltene Aufforderung zur Teilnahme an einem polizeilich verbotenen Umzuge des Vergehens gegen den Paragr. 110 des Strafgesetzbuches, Aufforderung zum Ungehorsam gegen betehende Gesetze, schuldig. Die Strafe lautete auf 500 Mark Geldstrafe. Die betreffende Nummer war beschlagnahmt worden. Geständig war der Steinhaner Georg Füllgraf von hier, am 26. November v. J. seinem Schlafkollegen Ueberzieher, Anzüge, Schuhe usw. aus dem offenen Schrank gestohlen zu haben. Er wurde ween Rückfalldiebstahls zu einer Gesüngnisstrafe von Monaten verurteilt. Ein schwerer Einbruchdiebstahl wurde in der Nacht zum17. November in dem Hause des Geh. Bergrats Herren Zir an der Märkischenstraße in Dortmund verübt. Den Dieben, die durch ein Hiutersenster ins Haus gelatugten, fielen eine goldene Tamenuhr im Werte von 1120 Mark und etwa 270 Mark in barem Gelde in die Hände. Die Uhr wurde einige Zeit später bei dem oft vorbestraften Schlosser Gustav Petri gefunden und P. in Haft genommen. Er behauptet heute, daß er di 2 Uhr von dem. graben 11 Staatssekretär von Schön gab kürzlich in einer Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses die Erklärung ab, daß Preußen und Belgien noch immer über das Schickhsal des Gebictes von Neutral=Moresnet verhandeln. Der kleine Freistaat liegt unweit Aachens zwischen den Ortschaften Belgisch= und Preußisch=Moresnet und ist 550 Hektar groß mit 3500 Einwohnern, welche infolge ihrer eigenartigen staatsrechtlichen Lage weder Steuern zu bezahlen brauchen noch Militärdienst zu leisten haben. Als Staatsobrigkeit reziert dort gemeinsam ein belgischer und ein preußischer Kommissar. Dieses neutrale Gebiet eristiert schon hundert Jahre Kürzlich starb in Amerika der erste Lokomotivführer der Welt, Edwvard Entwistle, 90 Jahre alt. Er war der Führer der von Stephenson im Jahre 1831 ersundenen ersten Lokomotive„Nocket“ genannt, die die neue Bahnstrecke Manchester=Liverpool befuhr. Entwistle war damals 16 Jahre alt, wanderte bald nach bekannten“ gekauft habe. Von dem ihm zur Last gelegten Einbruch will er nichts wissen. Aus der Beweisaufnahme ging hervor, daß der Angeklagte sehr viel in Verbrecherkreisen verkehrte und die Tat ihm wohl zuzutrauen ist. Die Strafkammer hegte durchaus keinen Zweifel an seiner Schuld und erkannte gegen ihn auf eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr und 2 Monate und 5 Jahre Ehrverlust. Drei Monate Gesängnis erhielt der Althändler Ludwig Groß von Hombruch, der am 29. September v. J. auf der Zeche Glückauf„im Rückfall handelnd, eine Stange Zink im Werte von 1,50 Mark entwendete. Wegen Mißhandlung und Beleidigung des Rektors Fischer in Oespel hatte sich der Bergmann Dietrich Gershof von Oespel vor der Straskammer zu verantworten. Der Mann war ungehalten darüber, daß sein Sprößling vom Rektor mit dem Stock übers Gesäß geschlagen war, wobei allerdings einige Striemen zurückblieben. Als der Junge einige Tage später dem Rektor begegnete und ihm auf der Straße den Gehorsam verweigerte, griff Rektor Fischer den Knaben, zog ihn mit beiden Händen an den Ohren und versuchte ihn in das Schulgebäude zurückzubringen. Der Junge lief indessen davon und stürzte weinend in die elterliche Wohnung. Gershof war über das Verhalten des Rektors sehr erregt, er stellte Rektor Fischer auf der Straße, versetzte ihm nach einer kurzen Auseinandersetzung einen Schlag ins Gesicht, bedrohte ihn und versuchte, ihn in den an der Straße entlang führenden Graben zu stoßen. Erst als die Frau und der Sohn des Angeklagten herbeikamen ließ Gershof von dem Rektor ab. Da dem Angeklagten seitens des Gerichts mildernde Umstände zugebilligt wurden, erkannte das Gericht auf eine Geldstrafe, die auf 150 Mark bemessen wurde. Dem Rektor wurde auch das Publikationsbefugnis zugesprochen. Vermischtes. Kiel, 8. März. Auf dem neuen Ltutenvauzerschiff„Posen“, das im Quai der Germaniawerft liegt, brach gestern im Munitionscaum Feuer aus. Ein Arbeiter hatte ein Licht stehen lassen und hierdurch waren sämtliche Aufbewahrungsgestelle ür die Munitionslagerung in Brand geraten. Das feuer hatte sich so kräftig entwickelt, daß die Ummante. uing des Munitionsraumes— 15 Zentimeter dicke #annia— sich hee und das Seuer sich auf die und datiert aus der Zeit des Wiener Kongresses, wo Belgien und die Niederlande sich nicht über die Galmeibergwerke bei Altenberg, der Hauptstadt von Neutral=Moresnet, einigen konnten. Altenbera besitzt auch eine Spielbank und erfreut sich eines guten Besuches. Es dürfte nicht mehr lange dauern, dann werden diese Idealzustände aushören und das Gebiet in zwei Hälften geteilt, an Belgien und Preußen fallen. Unsere Karte zeigt die geographische Lage des Gebietes, die beiden Ansichten den Hauptort Altenberg und das Hotel mit der Spielbank. Amerika aus und erlebte nun dort die Entwicklung der Lokomotive bis zu den schnellsten Blitzzugmaschinen. Wir bringen heute das Bild des alten Eisenbahners, sowie das Modell der ersten, von ihm geführten Lokomotive„Rocket“, welche sich im deutschen Museum in München befindet. Nebenräume ausdehnte. Die Feuerweyr hatte große Mühe, den Brand zu löschen, da der Feuerherd infolge des Qualms und der Enge der Anlage schwer zu erreichen war. Kiel, 8. März. Zu der Blättermeldung von dem Brande auf dem neuerbauten Linienschiff„Posen“ wird von zuständiger Seite mitgeteilt, daß der durch das Feuer angerichtete Schaden ganz unbedeutend sei. Es sind lediglich einige Kleidungsstücke und Holzverschalungen angebrannt. Konstanz, 8. März. Die Passaglerfahrten der Zeppelin=Gesellschaft sollen, wie die „Neue Konst. Abdztg.“ zuverlässig erfährt, anfangs Mai von Friedrichshafen aus ihren Anfang nehmen. Es dürften auch Gesellschaftsfahrten ausgeführt werden. Der Preis für die Fahrten wird in einer demnächt stattfindenden Aufsichtsratssitzung der ZeppelinGesellschaft festgesetzt werden, soll aber nicht über 200 M pro Fahrt betragen. Es sollen aber auch billigere Fahrten für 75 und 100 M. zu Pfingsten veranstaltet werden, um möglichst allen Kreisen Gelegenheit zu einer Fahrt mit einem Luftschiff zu geben. Prag, 8. März. In einem Prager Nachtlokal, oem Weinkeller„Eldorads", wurde heute früh ein Mord und Selbstmord verübt. Um 7 Uhr früh sam in das Lokal ein junger Mann, der sich mit seiner Begleiterin Gertrude Kurz in ein Zimmer zurückzog. Um 8 Uhr fielen Schüsse. Der Wirt eilte ins Zimmer und fand das Mädchen, eine Kassiererin, mit einer Schußwunde hinter dem Ohr tot auf. Der Mann hatte sich eine Revolverkugel in die Schläfe gejagt und war gleichfalls tot. Aus einem hinterlassenen Briefe geht hervor, daß unalückliche Liebe der Beweggrund zur Paris, 8. März. In einem Haufballen, der mit einem großen Dampfer aus Italien über Marseille nach Angers kam, entdeckten die Arbeiter die Leiche eines Mannes, die zum Skelett abgemagert war, doch ließ sie erkennen, daß der Tote ein Mann von ungefähr 35 Jahren war, dessen Körper von vielen Leiden und Strapazen zeugte. Der Mann war auf Brust, Rücken und Armen tktemiert und trug Arbeiterkleidung. London, 8. März. England steht abermals vor einem anlgemeinen Streik der Kohlengrüber, der recht verhängnisvoll zu werden droht. Am Mittwoch soll in einer zu London auberaumten Versammlung die sehr ernste Lage in den Kohlenrevieren von Wales beraten werden. Falls die Minenbesitzer sich weigern sollten, die Forderungen der dort seit Monaten streikenden Arbeiter zu erfüllen, so soll ein Sympathiestreik samilicher Kohlengrüber in gans Großbritan: nlen engeordnet werden. erste Lokomotivführer der Welt Olympia=Theater, Dorlmun, Donnerwetter tadellos, die stattungsrevue des Metropol=Theaters Verst““## woch, den 16. März zum 1. Male im Olympi.. Dortmund. Die Presse schreibt über tadellos“ folgendes: Frau Venus hat Geße zur Gratulationscour erscheint eine erlauchte gesin in ihrem himmlischen Boudoir: Apol die alten gemütlichen Götter und Halbatöter ßen mögen. Doch in die hochgehenden Maa.“# Festesfreudigkeit klingt ein Mißton. Amor. 3.2.## Schäker, reicht seine Demission ein, da ja für st. 1 dem das moderne Weib, der moderne Ma:“ damit die moderne„freie Liebe“ aus Erden erig in Herzens= und Liebesangelegenheiten keine Gaus mehr zu machen sind. Es herrsche da unten.“.“ Geist, und neue, den alten hohnsprechende Sitten Venus, ganz empört und ungläubig, verschrei a tempo zwei hypermoderne Exemplare der sye““ mo und siehe da, auch ihr muß es wohl däm daß ihr Kult doch nicht mehr so inten io wird wie ehedem im Lande der schönheit:durstigen lenen und daß ihr„Fräulein Chik“ eine kurrentin geworden ist. Das Schönheitsideal z anderes geworden. Sie will sich jedoch selbst au S den davon überzeugen, und wie der Bliz gekt.? unter aus den himmlischen Sphären auf die### Alles ist ihr neu, unverständlich! Schutzleute mit#. sonderen Instruktionen zur Hebung des Freu kehrs, Hochtouristen im bergischen Land, mit kn2 ler Ausrüstung zum Ueberklettern von Bretter:z und zum Uebersteigen von Bauschutt= und Kang sg onserdhausen, elektrische Bahnen, die nicht fahrer — Berlin mit seinem Snobismus, seinen Gardein nants, Demimondainen und Laufmädels, durch eine## form=Kaserne mit äußerst entgesenkommender lung der Soldaten, die für ein paar Wochen i Beruf verlassen, um in der Genossen=Armee sic den Anstrengungen des bürgerlichen Lebens zu i“ len. Alles neue Dinge. Sie macht die Bekannist, „ Deutschlands Irkunst— sig Zeppelins, der ihr verrät, durch die Luft; sie lernt Dernburg, Bernhard Ta burg, Reisender in Kolonialwaren, und seine wurdn. baren Reichstagsdatteln kennen. Sie lernt aus Frankfurter Ila staunen. Der Frau Venus geht lich ein Licht auf: Im Laufe der Jahrhunderte in sich mehr geändert, als sie dachte: De: Mann. da Weib und die Liebe. In edler Selbsterkenntnis rau sie ihrer Konkurrentin Fräulein Chik de Hand Freundschaftsbunde. Alles gruppiert sich um ne u vereinigt sich zur großen Ar#####ose: Deutschlands kunft! Deutschland über alles! Bei diesen Bildern, die nur durch die Nesse 1 Venus zu einer kosen Handlung vereinigt werden, Linckes Musik, die sehr gefällig und dem Charakte Vorwurfs durchaus angepaßt ist, eine glänzend: Austattnug, wie sie die Räume des Thalia=Theaters### nie gesehen haben, chike Basletts und Tänze,— allz das ist geeignet, den Zuhörer in ein behagsiches### fühl der Zufriedenheit zu versenken und daraus hu# durch die prächtigen urkomischen Kalauer di= Rein den vom Rhein alias Genosse Kommißsoldat Leu#k unbändige Lachsalven auszulösen. Donnerwette### dellos! kann man wohl mit dem bürgerlichen Ca dele### nant sagen. Die Darstellung war gut. Frl. Else 5# als Venus, Anni Tharau als Frl. Chik, die Hena Fritz Steidl, Michel Hollmann, Hans Senius, En Petri seien besonders erwähnt. Die Regie unter Na Walden war vorzüglich. Desal ichen die von Herrn#### lettmeister Cerutti einstrdierten Palletts und Tän Langsam aber sicher hätt der Frühling sinnE zug und eh' man sich versieht, schlagen die Bäum an Blumen sprießen auf den Feldern, der Lenz ist# Der Mensch, auf den diese Zeit besonders woht#a# wirkt, freut sich an der Natur und um sie zu gu ßen, macht er weite Touren und wandert hinausin Freie. Bei diesen Wanderungen ist die Hauptbedinn ein gutsitzender beugemer Stiesel. Ein in dieser### sicht vollkommen zufriedenstellender Stiesel ist der## lamander=Stiefel. Dr. Wegener’s Thee berühmt zur Beseitigung von Hartleibigkeit, Verstopfu## Leber- und Gallenstorung, sowie Hämorrhoiden. 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Und nun verlangen Sie von mir, daß ich kostbare Stunden verliere, um eine Humoreske zu schreiben, die unter Ihrem Namen segeln und Ihnen klingenden Lohn bringen soll, und dieses lediglich Ihnen zu Liebe?“ „Da haben gnädiges Fräulein selbst das Wort gesprochen, das ich bisher nicht über die Lippen zu bringen vermochte, das Wort„Liebe“ seufzte er schmachtend. Die Dame wandte sich ab um ihr Lachen zu verbergen. Adolf aber, dies für mädchenhafte Scheu haltend, rief nun mit gekünstelter Leidenschaftlichkeit: „Mein liebes Fräulein.".... „Halten Sie ein“ wehrte Jungfrau Eulalia ab und verdeckte ihr Antlitz mit beiden Händen. „Nein“ löste es sich von Adolf's Lippen;„nun habe ich den Anfang gemacht, nun kann ich nicht länger halten. Mein Fräulein, ich liebe Sie, liebe Sie, weil ich Ihren Geist, Ihre Schriften, Ihren Charakter bewundere, eingedenk des Wortes:„Le style eest homme.“ Wie der Stiel, so der Mensch Und wenn ich Gnade gefunden, oder finden sollte, in Ihren Augen, so beweisen Sie es mir durch die Erfüllung meiner, wenngleich unbescheidenen Bitte!“ Eulalia Rosenblüh hielt während dieser ganzen pathetischen Liebeserklärung ihr Antlitz verhüllt. Sie durfte ihm doch das Lachen nicht zeigen, welches sie kaum noch zurückzuhalten vermochte. Mit einem Blicke durchschaute sie die ganze Szene, dieselbe war zu komisch, zu humoristisch, zu interessant, um sie nicht weiter auszudehnen. Das Thema der Preishumoreske bot sich ihr, wie von selbst an die Hand. So faßte sie sich denn, und sagte mit vor Rührung vibrierender Stimme: „Ihre Werbung, Herr Gerlach, ist unendlich ehrenvoll für mich. Aber wir Blaustrümpfe— abermals das verteufelte Wort!— sind leider durch das Schicksal daran gewohnt, sehr materiell zu rechnen. Was bringt mir Ihre Liebeswerbung? Kann ich davon leben? Kann ich mich dadurch auch nur für den Zeitverlust entschädigen, den die Erfüllung Ihres Wunsches mir verursacht?“ „D mein Fräulein!“ erwiderte Herr Gerlach,„haben Sie denn nicht verstanden, was durch das Geständnis meiner Liebe zitterte? Muß ich es noch ausdrücklich erklären, daß ich Sie bitte, dereinst, wenn ich als Doktor. mir eine Position errungen,(das konnte ja noch so lange dauern! dachte er im Geheimen)— alles mit wir zu teilen, mir eine liebevolle Gattin(er schaudert doch ein wenig) zu werden?!“ O. das kann Ihr Ernst nicht sein," seufzte Eulalia, das Tuch vor die Augen pressend, und mit der andern Hand ihr zitterndes Herz beruhigend. „Mein voller Ernst...“ Sie zeigte ihm endlich ihr Antlitz und frug:„Sie geben es mir schriftlich?— Wir Blaustrümpfe— immer wieder das verflixte Wort!— sind gewohnt nur schriftliche Verträge abzuschließen.“ „D es ist mir nur doppelt wertvoll, wenn ich es geschrieben von der Hano meines Geliebten“— sie sagte es mit unsäglich sentimalen Augenaufschlag—„beständig vor mir sehe. O, wie wird der Gedanke, bald an der Seite eines so schönen, jungen, geistvollen Gemahls, durch's Leben zu wandeln, die Tage meiner, wenn auch etwas länger dauernden Brautzeit versüßen und verklären.“ „Gnädiges Fräulein sagen also Ja, und werden die Humoreske schreiben?“ „Unter diesen Umständen sage ich gerne Ja, und ich hoffen auch den Preis zu erringen. Das Sujet schwebt mir jetzt schon vor, doch nun bitte ich, Ihr Versprechen zu Papier zu bringen. Hier ist Tinte und Papier! Bitte setzen Sie sich!“ Nun zögerte Adolf doch eine Weile, ihm bangte schließlich ernsthaft vor den etwaigen Folgen. Allein jetzt war er schon zu weit gegangen, ein Zurück gab es nicht mehr. Am Ende konnte er ja das alles nur als Spaß erklären. Und der leichtfertige Musensohn machte sich weiter keine Sorge darum, wie er sich später aus der Affäre herausziehen würde, zumal, als er an die 200 Gulden und die Reise nach Ischl dachte, um sich die Braut seines Herzens, die himmlische Loni zu erobern. So gab er denn der Jungfrau Eulalia Rosenblüh schriftlich mit einiger Namensfertigung, daß er sie heiraten werde, sobald er als praktischer Arzt etabliert sein werde. Sie verpflichtete sich hinwiederum in aller Form, Herrn Studiosus Adolf Gerlach bis zum 31. Mai kostenlos eine Humoreske zu liefern, und zu vollem Eigentum zu übergeben, ohne irgendwelche Ansprüche zu erheben. „Und nun sind wir Braut und Bräutigam!“ sagte Adolf und erschauerte vor dem Verlobungskusse, der nun ebligater Weise folgen mußte. „Und das sagst Du so kalt— Adolf? Ist das Deine Liebe?“ seufzte sie. „Verzeih mir— Eulalia— ich bin schon so erregt über mein Glück— wenn Sie es wüßten!—“ „Ach, ich verstehe, es reut Sie schon mein Herr.“ „Nicht doch, aber die Furcht vor den Eltern, wenn sie erfahren....“ „Ich bin nicht grausam, Adolf, und kenne das Leben, und so komm: ich Dir gern entgegen, mit dem Vorschlage, unsere Verlobung einstweilen geheim zu halten, bis Du Dein Versprechen erfüllen und getrost vor die Eltern hintreten kannst mit der Mitteilung:„Ich liebe Eulalia Rosenblüh Sie und keine andere soll das Weib emines Herzens werden!“ „Sie— Du Engel!“ kam es von seinen Lippen. Erlöst atmete er auf, und ihre Hand ergreifend, flüsterte er:„Ja, laß unsere Liebe der Welt ein Geheimnis sein! Ein süßes Geheimnis zwischen uns!“ Damit drückte er rasch einen Kuß auf ihre Rechte und mit den Worten: „Lebe wohl, Geliebte, vergi ßdie Humoreske nicht!“ war er verschwunden. Schluß folgt. Für's Haus Lungensuppe. Eine Kalbslunge wird sauber gereinigt, in einige Stücke geschnitten und mit hinreichendem Wasser aufgesetzt. Nachdem die Lunge gut geschäumt, ist, fügt man reichlich Suppengrün, etwas Kerbel, Salz und eine Zwiebel hinzu und läßt sie langsam weichkochen. Dann gießt man die Brühe durch ein feines Sieb, tut die in zierliche Stückchen geschnittene Lungsowie in Salzwasser gar gekochte Semmelklößchen hinein, läßt die Suppe noch etwas ziehen und quirlt sie zuletzt mit einigen Eigelben ab. eierstunden Blätter für Unterhaltung und Belehrung. In letzter Stunde. Roman von Hugo Ebersbach. 24 In einer Nacht schlich er sich in das Boudoir der Marquise, das nur durch eine Portiere von ihrem Schlafgemach getrennt war. Aus ihrer reich gefüllten Schmuckschatulle wollte er einige Gegenstände nehmen. Er rechnetg darauf, daß die alte Dame den Diebstahl nicht so bald entdecken, dann aber eher auf ihre. Zose als auf ihn der Verdacht werfen würde. Er griff schon in die Schatulle hinein, als er plötzlich die Marquise im Nachtgewand vor sich sah. Sie hatte das Geräusch gehört und sich erhoben; sie rief nicht um Hülfe, weil sie wohl glauben mochte, er werde zerknirscht ihr zu Füßen sinken, sein Perbrechen eingestehen und um Verzeihung flehen. Es kam anders. Henri Latour stürzte sich wie ein Tiger auf seine Wohltäterin. Sie fand nicht einmal Zeit zu einem Hülferuf. Er erdrosselte sie mit den Händen, und nachdem er den Mord vollbracht hatte, flüchtete er mit ihrer nassette und ihrer Schmuckschatulle. Am andern morgen fand man die Leiche. Sofort lenkte sich der Verdacht auf den Entflohenen, und die Verfolgung begann. Man suchte ihn lange vergeblich in Paris; später ergab sich, daß er die Stadt noch in derselben Nacht verlassen hatte. Erst nach mehreren Wochen wurde er in Marsaille verhaftet. Von den Kostbarkeiten und dem baren Gelde der Ermordeten fand man nichts mehr bei ihm. Er leugnete anfangs alles; später gestand er die Tat ein, und wen### der geraubten Gegenstände befragt, behauptete er, siseien ihm gestohlen worden. Dabei blieb er— auch dann noch, als er zu lebenslänglicher Bagnostrafe verurteilt worden war.. Forts. folgt. „Im Bagno von Toulon wurde er, wie üblich, mit einem Schicksalsgenossen zusammengekettet, der wegen mehrmaligen Straßenraubes ebenfalls für die Dauer seines Lebens verurteilt war. Mit diesem Genossen lebte er scheinbar in fortwährendem Unfrieden. Die Aufseher hatten keine Ahnung davon, daß Beide die besten Freunde waren und rastlos Pläne zu ihrer Befreiung schmiedeten. Henri Latour wußte überdies die Gunst, ja das Mitleid der Aufseher zu gewinnen; es wurde ihm im Laufe der Zeit manches gestattet, was nach dem Reglement streng verboten war. Die humane Strömung, welche später die Bagnostrafe in Deportation umwandelte, machte sich mehr und mehr gelteno; man erlaubte den Sträflingen Freiheiten, die nur böse Folgen haben konnten. „Acht Jahre hatte Henri Latour verbüßt. Er sollte nun auch mit seinem Genossen nach Cayenne geführt werden. Da entstand plötzlich eine Revolte im Bagno. Der Aufruhr brach mitten in der Nacht los. Außer den Eingeweihten war niemand darauf vorbereitet. Einige Aufseher wurden ermordet oder schwer verwundet; die Wache ward überrumpelt und zum größten Teil entwaffnet; aber es gelang der großen Masse nicht, die schweren Tore zu erbrechen und den Ausgang ins Freie zu gewinnen Als am andern Morgen die Ruhe wiederhergestellt war, vermißte man sechs Sträflinge; unter ihnen Henri Latour. Vier von ihnen wurden wieder eingefangen. Sie erklärten übereinstimmend, Latour sei der Anstiftei gewesen, er habe den Aufstand organisiert und das Zeichen zum Losbrechen gegeben; sämtliche Sträflinge hätten sich befreit, wenn sie mit allen Vorbereitungen fertig gewesen Karen. „Mein Herr, Sie können denken, daß die Behörden ille Hebel in Bewegung setzten um dieses gefährlichen Nenschen wieder habhaft zu werden. Er war und blieb aber verschwunden. Das heißt: verschwunden nicht. Tann und wann tauchte er unter anderen Namen auf; aber so scharf wir auch hinter ihm her waren, es kam nicht zu seiner Ergreifung. Als Marquis von Saint Sauver soll er sich einige Wochen in Paris aufgehalten haben und dort als großer Herr aufgetreten sein; dann ist er nach London gegangen, und dort sind unter einem andern hochtönenden Namen die Juwelen der Marquise von Rochefort verkauft worden. Als wir dies erfuhren, war es bereits zu spät; Latour hatte London wieder verlassen, und es hieß, er habe sich nach Teutschland gewendet Aber wo ihn hier suchen? Wir können nicht überall unsere Agenten haben, und wer weiß, unter welchem Namen er hier seine Gaunerstreiche verübt!“ Ter geheime Agent machte eine Pause. Doktor Leitenring kritzelte gedankenvoll mit seinem Bleistift. „Wie groß ungefähr war der Gesamtbetrag, den er damals der Marquise raubte?“ fragte er endlich. „Genau läßt sich das nicht berechnen, aber immerhin kann man's auf dreißig= bis vierzigtausend Francs schätzen.“ „Und wie lange schon ist er aus dem Bagno entsprungen?“ „Tril zwei Jahren. Er hat während dieser Zeit die große Rolle gespielt und viel verausgabt; ferner muß man berücksichtigen, daß er für die Juwelen voraussichtlich nicht den vollen Wert erhalten wird.“ „Tann darf man wohl annehmen, daß er den ganzen Betrag ausgegeben hat,“ sagte der Anwalt sinnend.„Natürlich mußte er in diesem Falle darnach trachten, sich neue Einnahmequellen zu öffnen, und so pflichte ich Ihnen bei, oaß wir wahrscheinlich denselben Mann suchen. Nur eines könnte noch Zweifel in mir wecken:— mein Klient behauptet, die TausenoFrancs-Billets gesehen zu haben; nach unserer Berechnung aber kann der B.gno=Sträfling nicht mehr im Besitz einer so großen Summe gewesen sein.“ „Sind Sie davon ü erzeugt, daß die Billets echt waren?“ fragte Tufaure.„Unsere Nachforschungen in London haben ergeben, daß Heuri Latour dort, mit Per 24,2 sonen in Verbindung stand, auf denen der Verdacht ruht, sie seien Falschmünzer. Mau hat dies ihnen bis jetzt noch nicht beweisen können, doch die Vermutung liegt nahe, daß Latour mit fulschem Gelde ein vorteilhaftes Geschäft zu machen versuchte.“ „Ich will das alles nicht bestreiten; wo aber sollen wir nun den Gauner suchen?“ „Ich habe ja auch schon diese Frage aufgeworfen. Sind Sie überzeugt, daß er sich nicht mehr in dieser Stadt befindet?“ „Ueberzeugt?“ Nein. Ich habe mir Mühe und Kosten nicht verdrießen lassen, ihn zu suchen; aber bis heute entdeckte ich nichts, was auf eine Spur führen konnte. In den letzten Tagen hatte ich Verdacht auf eine bestimmte Person geworfen. Ich verschaffte mir ihr Porträt und legte es meinem Klienten vor. Er erklärte sofort, und mit überzeugender Sicherheit, es enthalte nicht die mindeste Aehnlichkeit mit dem Gauner, den er augenblicklich wieder erkennen würde. Ich vergaß, das Porträt wieder mitzunehmen,“ fuhr der Advokat fort, während er seine Taschen durchsuchte;„es muß im Gefängnis zurückgerlieben sein—“ „Es genügt mir, daß Ihr Klient keine Aehnlichkeit fand," unterbrach ihn Dufaure mit einer ablehnenden Handbewegung.„Henri Lalour besitzt eine Physiognomie die sich bei der ersten Begegirung dem Gedächtnis eines jeden einprägen muß. Als ich die Aufforderung las, die Sie an unsere Behörde richteten, nahm ich mir sofort vor, mit Ihnen in Verbindung zu treten. Wir hatten kurz vorher aus sicherer Quelle die Nachricht erhalten, daß unser Mann sich nach Deutsland gewandt habe. Ihr vergebliches Ferschen konnte mich in meinen Vermutungen nur bestärken: ich hatte ja von der Schlauheit dieses Gauners genügende Beweise erhalten, Es liegt nun in meinem Plane, die großen Städte Deutschlands, namentlich Wien zu besuchen und mich überall mit den Beamten der Geheimpolizei in Verbindung zu setzen. Sie werhen inzwischen auch nicht müßig bleiben, und so hoffe ich, daß es uns gelingen wird, unser Ziel zu erreichen.“ „Ich habe diese Hoffniing bereits verloren.“ „So rasch verzage ich nicht,“ fuhr Tufaure lächelnd fort;„ich habe sehr gute Empfehlungen und zweifle nicht daran, daß ich überall Beistand finden werde. Und sobalv einer von uns den Burschen gefunden hat, müssen wir einander benachrichtigen.“ „Ich wollte schon diese Bitte an Sie richten,“ bemerkte der Advokat;„jedenfalls werden sie den Fang machen Sehr lieb ist es mir auch, daß Sie mir das alles mitgeteilt haben; ich hoffe nun, die Geschworenen und Richter überzeugen zu können, der Angeklagte habe ihnen kein Märchen aufgelunden.“ Teralte Herr wiegte bedenklich das Haupt. „Die Wahrheit seiner Mitteilungen wird durch meine Aussagen schwerlich bewiesen,“ erwiderte er;„liegen die Dinge so, wie Sie sagen, so läßt sich an der Verurteilung kaum noch zweifeln. Aber auch nach dieser Verurteilung dürfen Sie die Hände nicht in den Schooß legen; fahren Sie mit Ihren Nachsorschungen fort. Wir wollen nicht „ruhen, bis wir dieses gefahrliche Subjekt gefunden haben.“ Er hatte sich erhoben, um Abschied zu nehmen. „Bann wollen Sie abreisen?“ fragte der Doktor. „Heute abend noch.“ „Tirekt nach Wien?“ „Ja: ich werde Ihnen von dort meine Adresse senden, damit Sie nicht in Verlegenheit kommen, wenn Sie mir Mitteilungen zu machen haben.“ Tamit empfahl er sich Der Advokat blieb noch lange in Nachdenken versunken. Dieser Henry Latuyr war in Begleitung einer Zigennerin nach Südfrankreich gekommen und hatte Jahre lang mit dieser Frau die Welt durchwandert; wie nahe lag nun die Frage, ob er nicht der Sohn der Antiquars Farnow sein könnte!“ Die Zigeunerin selbst hatte keine Auskunft über ihn geben können, und der Knabe mochte sich nach den vielen, wechselnden Eindrücken eines unstäten langen Wanderns seiner frühesten Kinoheit nicht mehr erinnert haben; daraus ließ sich erklären, daß der Pfarrer Latour keine ernstlichen Nachforschungen angestellt, vielmehr den Knaben als das Kind der Zigeunerin betrachtet hatte. Und was war trotz aller Sorgfalt, trotz aller Liebe und Strenge aus dem Kinde geworden? Ein Raubmörder, ein zu lebenslägsicher Galeerenstrafe verurteilter, gebrandmarkter Verbrecher! Sollte der Advokat nun den Antiquar auf diese Entdeckung aufmerksam machen? Sollte er ihm sagen, das verlorene Kind habe aller Wahrscheinlichkeit nach sich wiedergefunden? Er hätte ihm alles sagen müssen, und das wollte er nicht. Besser war's der alte Mann erfuhr nie das Schicksal seines Kindes; so konnte er an seinen Hoffnungen festhalten, oder sich mit dem Gedanken trösten, daß sein Liebling im Jenseits mit der Mutter vereint sei. Weshalb ihm den Schmerz bereiten, den geliebbten Knaben als entehrten, verfolgten Verbrecher betrauern zu müssen? Er durfte nicht hoffen, ihn wiederzusehen; er besaß nicht die Macht, das Geschick des Bedrohten günstiger zu gestalten; und selbst wenn er wieder mit ihm vereinigt worden wäre, so hätte er ihn nur verachten können. Nein, nein! Es war besser, ihm dieses dunkte Geheimnis me zu enthüllen. Mochte Henry Latour nach Cayenne gebracht werden! Der alte Mann sollte nicht erfahren, wie sein unglückliches Kind gelebt hatte, und wie es endete. Rudolf Helwig trat ein und legte einige Aktenstöße auf den Tisch. „Fräulein Gärtner hat die Kopien gebracht,“ sagte er leise. Toktor Leitenring nickte lefriedigt und blütterte in den Schreibtisch. „Wartet sie auf das Honorar?“ fragte er. „Ich habe es ihr bereits gezahlt und zwar nach dem neuen erhöhren Satz, den Tie so gütig für die Arbeit bestimmten. Sie wollte anbengs das Gelo nicht nehmen, aber ich habe ihr begreiflich gemacht, daß die saubere Arbeit ihres Bruders besser honoriert werden müsse, als jede andere.“ Der Advokat blickte zuf: ein vielsagendes Lächeln spielte um seine Lippen. „Sie interessieren sich wohl für das Mädchen?“ fragte er in wohlwotlendem Tone.„Sie brauchen sich dessen nicht zu schämen,“ fuhr er fort, als Rudolf verwirrt die Augen nieverschlug;„ich habe über Fräulein Gärtner und ihren Bruder nur Gutes vernommen, und ich für meine Person hätte nichts dagegen einzuwenden, wenn Sie sich einen eigenen Herd gründen würden. Wie alt sind Sie jetzt?“ „Beinahe sechsundzwanzig,“ erwiderte Rudolf verlegen. „Jung gefreit, hat Niemund gereut!“ scherzte der Doktor!„freilich müssen Sie sich die Sache gründlich überlegen, ehe Sie einen entscheidenden Schritt tun. Den gelähmten Schwager werden Sie mit in Kauf nehmen müssen, und es dürfte eine Zeit kommen, in der er nicht mehr arbeiten kann. Dann auch werden Sie Rücksicht darauf nehmen müssen, wie Ihre Angehörigen über diesen Schritt denken; vergessen Sie nicht, daß Ihr Onkel ein kleines Bermögen hat, das Sie einst erben sollen.“ Fortsetzung folgt. Se Die Preis=Humoreske. Humoristische Novelle von W. Conrady. (Nachdruck verboten.) „Nach Ischl!— Ta schlage doch Zeus mit allen Blitzen des Olymps d’rein!— Gerade) jetzt, da ich'endlich drauf und dran war, ihr den Antrag zu machen! Nun soll ich den ganzen Sommer über verschmachten nach ihr, der Holden, der Einzigen, die mein Herz entflamm#— voni nachreisen?— Woher das Geld nehmen? Bin schon tief in die Tinte bei Hospes und Hospita und sämtlichen Philistern der Musenstadt.— Es ist zum Tollwerden!“ Mit diesem Ausbruche seines Aergers hatte Studiosus medicinae Adolf Gerlich den Portier des geheimrätlichen Hauses am Wiener Franzensring verlassen, der ihm die Auskunft gegeben, daß just heute morgen die ganze Familie nach Ischl gereist sei, und vor Ende September nicht wiederkommen werde. Und nun rannte er, die kecke Studentenmütze ganz windschief auf dem schwarzen Haar, den Ebenholzstock wagerecht unter dem Arm, blindlings seiner„Bude“ zu, um sich dort mit seinem Zorn und Aerger einzuschließen. Die Wände seines im dritten Stocke eines in der Schlosselgasse gelegenen Hauses befindlichen Zimmers waren mit studentischen Abzeichen, Schläger, Humpen und Pfeifen aller Art geschmückt, sonst lag alles kunterbunt durcheinander. Auf dem Tische lag noch der Rest des Frühstücks, und daneben eine Zeitung, auf die sein erster Blick fiel. Mechanisch überfliegt er deren Zeilen, er weiß garnicht, was er liest. Da bleibt sein Auge plötzlich auf einer fettgedruckten Notiz haften: Preisausschreiben. Vir haben uns entschlossen, einen Preis von 200 fl. für die beste Humoreske im Umfang von 200 bis 300 Druckzeilen auszuschreiben. Dieselbe muß sittenrein gehalten, und bis zum 31. Mai unter einem beliebigen Motto eingereicht sein. In einem, dasselbe Motte enthaltenden Kouvert muß sich der Name und die Adresse des Autors verzeichnet finden. Die Preisverkündigung findet am 1. Juli statt. Preisrichter sind der Chefredakteur, der Feuilleton=Redakteur und der Herausgeber dieses Blattes. „Donnerwetter!" rief Adolf aus,„zweihundert Gulden für eine Humoreske, höchstens 300 Zeilen lang! Abzuliefern 31. Mai! Heute ist der erste! Preisverkündigung schon 1. Juli! Da wäre mir geholfen! Badereise —Verlobung— Köstlich! Adolf versuche dich einmal als — Blaustrumpf!“ Er hatte dieses letzte Wort kaum in Gedanken geflüstert, so viel ein Lichtstreifen auf die Zeitung, ein Fenster am Hause gegenüber knarrte und natürlich— Sie stand daran! Sie, die schon drei Tage, nachdem er dies Logis bezogen, sich ihm gegenüber einquartiert hatte; Sie, die immer am Fenster steht, sobald sie nur seinen Krauskopf hinter den Scheiben seines Fensters erblickte. Sie, die häßliche— alte Jungfer mit den flachsblonden Haaren, den hinter Brillengläsern hervorlugenden grauen Augen, den verkniffenen Mund und der besenstieligen Gestalt; Sie, das Gespötte aller Kollegen, die zu ihm auf die„Bude“ kommen und ihm ernstlich einredeten, Jungfer Eulalia sei offenbar sterblich in ihn verliebt, sonst ließe sie sich doch nicht jedesmal in ihrer schriftstellerischen Arbeit durch seinen Anblick stören! Das ärgerte ihn, aber in diesem Augenblick erschien ihm der häßliche„Blaustrumpf“ wie ein Deus ex machina, eine ideale Göttererscheinung, wie Melpomene, die Muse der Dichtkunst. Er hatte es ja stets auf dem Gymnasium im deutschen Aufsatz höchstens zu einem„Genügend“ gebracht, er würde also sicher keine ordentliche Humoreske zustande bringen, obschon er als BierzeitungsRedakteur kein unverdientes Ansehen unter den Kollegen genoß! Aber Sie— oi: Dichterin— die Schriftstellerin Eulalia Rosenblüh— deren Romane angesehene Tagesblätter zum Abdruck brachten,— Sie würde wohl einen Preis erringen und am Ende ihm den Gefallen erweisen. Für Geld? Aber er hatte ja keines! Nur seine Liebe, sein Herz hatte er zu vergeben. Und das gehörte doch der lieben, blonden Loni! Das sollte er der Jungfer da drüben anbieten? Brrr! Ihn schauerte. Dennoch blicktee er mit einer Art ehrfurchtiger Bewunderung hinüber zu ihr. Wahrhaftig, da steht sie noch! Sie scheint ihn ganz teilnohmsvoll anzublicken, als lese sie in seinem Herezu, was ihn bekümmert! Da lächelte sie gar. Hätte sie nur nicht immer die verwünschte Brille auf der Nase, am Ende ist sie gar nicht so häßlich— wenn auch etwas antik! Sollte Sie wirklich in ihn verschossen sein? Nun dann könnte es doch auf einen losen Spaß nicht ankommen? Der Gedanke war zu verlockend, der ganze Studentenleichtsinn regte sich in ihm. Gedacht, getan! Ein paar Minuten später stand Adolf in Gala im Altjungfernstübchen Eulalia Rosenblüh's, das bisher keines Jünglings Fuß entweiht hatte. „Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuches, Herr n*“ frug sie mit dünner Stimme, die Brille auf der Nase zurechtrückend. „Studiosus medicidae Adolf Gerlach ist mein Name, und der Zweck meines ergebensten Besuches eine Bitt.“ „Eine Bitte an mich?„Ach, ich errate, Sie wünschen sich wohl zu entschuldigen wegen des Spottes, zu dessen Zielscheibe Sie und Ihre Herren Genossen gegenüber mich zu erwählen belieben,“ sagte sie mit mattem Lächeln und einigem Erröten, das ihren Zügen entschieden zum Vorteil gereichte. „Ja,“ stammelte betreten Adolf Gerlach,„ich muß tausendmal um Entschuldigung bitten, daß wir Sie, gnädiges Fräulein, so oft in ihrem wertvollen dichterischen Schaffen störten. Verzeihen Sie es gütigst dem jugendlichen Uebermut! Es soll nicht wieder vorkommen.“ „Ich fürchte nur, der jugendliche Uebermut wird auch dieses Versprechen bald wieder vergessen haben. Nun, wir Blaustrümpf= sind nun schon einmal dazu bestimmt, uns den Spott gefallen lassen zu müssen. Nur ist es nicht ehrenvoll für die Spötter.“ „Mein Fräulein! Sie urteilen hart....“ „Aber wahr und gerecht, nicht wahr?— Doch hiermit Friede und Versöhnung und gute Nachbarschaft, Herr Studiosus!“ Sie reichte ihm ihre hagere, aber feine Hand. Wie unangenehm er die geistige Ueberlegenheit fühlte, und nun spielt sie gar die Großmütige. Es war schon mehr ein verlegenes Stottern, mit dem er sein„Danke“ hervorbrachte; dann aber raffte er sich auf und stürmte mutig auf sein Ziel los. „Nun, da Sie mir nicht mehr zürnen, verehrtes Fräulein, wage ich meine eigentliche Bitte Ihnen vorzutragen.“ „Und die wäre?“ „Gnädiges Fräulein! Es ist eine Bitte an ihr erhabenes Talent. Würden Sie wohl die Güte haben, eine kurze, aber packende Humoreske zu schreiben, höchstens 300 Druckzeilen lang bis zum 31. Mai?“ „Ah, die Preishumoreske“, lächelte sie, und beim Lachen gewann sie auffallend an Anmut, ich las davon, und die soll ich Ihnen schreiben? Und die 200 Gulden, Herr Gerlach, den Preis, wenn ich ihn erringe?“ „Sollen Sie mich gewinnen lassen— eben dahin geht meine entscheidene, kühne Bitte— ich bedarf des Geldes für—— eine wichtige Studienreise.“ Da ward die Bitte und die halbe Lüge heraus. „Ich verstehe,“ erwiderte die Dame etwas ironisch, aber doch gutmütig,„mir die Arbeit, Ihnen eventuell der