under Ca Erscheint täglich Iubuhne der Bomne und ondt, r. 55. verbunden Lokal-Anzeiger für mit dem Dortmund u. Hörde und der täglichen Unterhaltungsbeilage# sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Dortmund, Montag, den 7. März 1910. Erstes Blatt. sie Gründung der liberalen Einheitspartei. der letzte Parteitag der Freisinnigen volkspartei. Berlin, 5. März. In dem großen Saale des Zentralhotels, der #als viel zu klein erwies für die aus allen Teikerbeigeströmten annähernd 400 Telegierten, trat jedie Freisinnige Volkspartei zu ihrem letzten Parvor der Fusion zusammen, die morgen in einer insamen Sitzung der drei linksliberalen Fraknen, der Freisinnigen Vereinigung, der FreisinntVolkspartei und der Deutschen Volkspartei vor gchen soll. der Verlauf der Verhandlungen ist ziemlich ruker einzige Punkt, der Schwierigkeiten bereiund zu längerer Diskussion Veranlassung gibt, die Forderung der Frauen, daß das Programm einne der fortschrittlichen Frauenbewegung erzitert werde. Von den Frauen war folgender Angestellt worden: Es solle am Schluß des Paragr. hinzugefügt werden, daß den Frauen das aktive, rassive Wahlrecht in der Kommune, in den Einundtagen und im Reiche zugestanden werden soll. Frauenfrage spielte gleich bei der Eröffnung der nammlung durch den Abg. Funk eine gewisse #le. Als der Vorsitzende die Versammlung mit gebräuchlichen„Meine Herren“ eröffnete, ertönte uus den Reihen der weiblichen Telegierten der „und Damen“ entgegen, und es entfesselte je i neue Heiterkeit, wenn einer der Redner in ner Anrede die Damen vergaß und sich dann erst die Zurufe verbesserte. der Abgeordnete Funk betonte in seiner Eröffsansprache, daß die Fusion zwar langsam vor ggangen sei, langsamer als vielfach erwartet zwünscht worden war: aber nach den Erfahrn früherer Zeiten war man sich doppelt der wortlichkeit des Schrittes bewußt, und desabe man sich vor einer Ueberstürzung gehüLie politischen Verhältnisse hatten ja schon seit ##m auf eine Vereinigung der liberalen Parteien ungt und die linklsiberale Fraktionsgemeinschaft, eit Jahren besteht, sei das äußere Zeichen Einigung. Die jetzige Fusion sei eigentlich nur naturgemäße Fortsetzung der bereits bestehenden steipolitischen Konstellation. der Vorsitzende machte dann darauf aufmerrdaß Aenderungen an dem hier zur Diskussion nden Parteiprogramm eigentlich hier nicht mehr icht werden können, nachdem die Teutsche Volksdas Programm bereits früher im Wortlaut genommen habe. verauf nahm der Abg. Müller=Meiningen Vort, um im Einzelnen das Parteiproinm zu erörtern. Er betonte, daß das gegenung vorliegende Programm ein Auszug aus den Lrogrammen der Freisinnigen Volkspartei, der erinnigen Vereinigung und der deutschen Volkspar, unter Ausschaltung aller Nebensächlichkeiund unter Einfügung moderner Forderungen, ücht mehr umgangen werden könnten. Es sei zeitgemäße Revision und nicht etwa ein Komnßprodukt.„Wenn wir“, so bemerkte der Abionete unter lauter Zustimmung der Versamm###von selbst an eine Revision des Programms Ebcgangen wären, dann hätten wir ebenfalls anderes vorlegen können, als das, was heute Fargam vorliegt.“ hars Pedner machte dann im einzelnen darauf „Tham, daß man sich gehütet habe, allgemeichlagworte in das Programm hineinzunehmen. gegenüber dem bisherigen Programm die Lng des staatsbürgerlichen Unterrichts und die crung der körperlichen Ausbildung der Juw Bezug auf die Wehrfrage und StaatsrechtsP ichne sich das neue Programm eng an das Berliner Brief. Ca 735....=h. Verlin, 4. März. b#im 12 sich nicht leugnen, daß die FrauenbeweEten Jahrzehnt auch bei uns in Deutschland ich nich:# gemacht hat, aber ebensowenig läßt ucen leugnen, daß auf diesem Gebiet sich auch haren agungen bemerkbar machten, die geeigsch ertreug# gesunden Kern zu verschleiern und pbest sich I., Forderungen hemmend zu wirken. Es ben u.33 dabei nicht bloß um übertriebene Forderauch!“ zuweilen aufgestellt werden, sondern pen der." das ganze Auftreten mancher FührerFgungen#rauenrechtlerinnen, sowie deren Versast den g., vielen sich da manchmal Szenen ab, doch nic: zu erbringen scheinen, daß die mes tneran z; jeder Beziehung an die Stelle des manchas#a“ Gewiß muß zugegeben werden, auf dem geute geschaffen worden ist, insbeson* Wege der Bildung und Fürsorge. auch ###er ung von Heimen und ZusammenkunftsEinur au hier setzte manches Bedenkliche ein. die# einige Skandalprozesse erinnert, in weleitsame Fay„derartiger Einrichtungen eine sich nic“ spielten, und trotzdem sie schuldig berschtz 1 scheuten, anstatt in der VersenBAc wesckz:: Beleidigungsprozesse anzustrenAu' hen#ae Die Sache erst recht publik wurde. usen, wnelgt 4"9 in diesen Tagen der Zwist herweicher in dem sog. Bund für Mutterbisherige der Freisinnigen Volkspartei an; es sei nur kürzer, weil eine Reihe früherer Forderungen inzwischen erfüllt seien. Schwierigkeit bei der Aufstellung des Programms habe das Kapitel der Sozialpolitik geboten. Es sei ihm der Vorwurf gemacht worden, daß es zu umfangreich sei, besonders in bezug darauf, daß das Kapitel über die Gewerbepolitik ziemlich kurz gehalten sei. Der Redner hob hervor, daß man in bezug auf die Gewerbe=Politik damit umgehe, ein besonderes Programm auszuarbeiten, das dem nächsten Parteitage vorgelegt werden solle. Der einzige Punkt im Programm, der tatsächlich ein Kompromiß bildet, ist der Paragr. 8, der das Frauenrecht behandelt. Der Wunsch der Frauen nach Gewährung politischer Rechte sei ja begreiflich, aber die Frauenbewegung vollziehe sich langsam von Etappe zu Etappe, und man darf nicht zu ungestüm mit den Forderungen hervortreten. In einem Rückblick auf die gemeinsame Arbeit der letzten drei Jahre hob er mit Genugtuung hervor, daß es trotz mancher Verschiedenheiten stets gelungen sei, ein geschlossenes Auftreten der Fraktionsgemeinschaft im Parlament zu sichern; er gab der Zuversicht Ausdruck, daß der in schweren Tagen erprobte Wille zum Zusammenhalten die Fraktionen auch im neuen Parteiverband beseelen werde. Abg. Mommsen sprach dem Vorsitzenden den Tank für die Geschäftsführung aus. Er betonte, daß das erfolgreiche Zusammenwirken vor allem auch der geschickten besonders in kritischen Momenten bewährten Leitung der Verhandlungen zu danken sei. Abg. Haußmann schloß sich diesem Tanke an und gab der Freude Ausdruck, daß die führenden Gruppen im Fraktionsverbande, die Freisinnige Volkspartei, es verstanden habe, allseitig Vertrauen zu gewinnen und den Weg zur vollen Einigung der Linksliberalen zu wählen. Ebenso viele Schwierigkeiten wie die Frauenfrage hat dem Viererausschuß die Frage des Namens Einheitspartei gemacht. Abg. MüllerMeiningen verliest etwa ein halbes Dutzend Vorschläge, die in dieser Beziehung gemacht worden sind. Zuerst ist im Viererausschuß der Vorschlag gemacht worden, die Partei„Deutsche Freisinnige Volkspartei“ zu nennen. Der Name habe aber nirgend Anklang gefunden. Tann wurde auf Anregung aus dem Zentralausschuß heraus der Name „Fortschrittspartei“ gewählt, aber die Teutsche Volkspartei erhob Einspruch dagegen. Auch in Ostpreußen und in Sachsen wollte man von diesem Namen nichts wissen. Im Viererausschuß machte dann Payer den Vorschlag, die neue Partei„Freisinnige Volkspartei“ zu nennen, aber diesen Weg konnte man wieder mit Rücksicht auf die Freisinnige Vereinigung nicht gehen. So kam man schließlich auf den Namen„Fortschrittliche Volkspartei“. Ohne besondere Debatte werden die Paragraphen 1 bis 7 erledigt. Erst bei Paragr. 8 der Frauenfrage entsteht eine lebhafte Diskussion. Fräulein Lischnewska begründet in längeren Ausführungen die vorliegende Resolution der weiblichen Delegierten auf Gewährung des politischen Wahlrechts. Sie führt aus, daß der Liberalismus heute gewissermaßen vor einem Wendepunkte stehe, denn es handele sich darum, die gesamte Frauenwelt unter seine Fahne aufzunehmen, oder aber sie zurückzuweisen. Neuneinhalb Millionen Frauen seien heute bereits erwerbstätig, und diese Frauen könnten keine anderen Rechte fordern, als politische, und von diesen politischen Rechten sei in dem vorliegenden Programm mit keinem Wort die Rede. Die Frauen besitzen das kommunale Wahlrecht in Tänemark, das politische in Norwegen und Finland, und wir dürften da nicht zurückstehen. Die Ausführungen der Rednerin hatten die Versammlung etwas erregt, und so war die wirksame Versöhnungsrede, die nach der Frauenrechtlerin der Abgeordnete Ablaß hielt, sehr am Platze. Der Abgeordnete Ablaß betonte, wie wenig klug es eigentlich gewesen sei, gewissermaßen hier die Kabinettsfrage zu stellen, da ja doch Fräulein Lisch= newska und ihr Anhang nicht die gesamte deutsche Frauenwelt repräsentieren, da es sehr viele deutsche Frauen gebe, die trotz aller Sympathie für die deutsche schutz stattgefunden hat. Dieser Verein ist geschaffen, um uneheliche Mütter in der Zeit der Not zu versorgen und für die Zukunft helbend einzugreifen. Ein derartiges Ziel ist zweifellos lobenswert und die angesehendsten Persönlichkeiten hatten den Verein unterstützt, bis schließlich dessen Leitung Bahnen einschlug, welche die Begünstigung der freien Liebe ziemlich gleichkamen. Dazu kam eine in jeder Weise ungeordnete Amtsführung„obwohl eine solche für derartige Wohlfahrtseinrichtungen unbedingt nötig ist. Es ram darüber zu einem großen Krach, wobei man wie immer bei solchen Gelegenheiten, sich nicht scheute, schmutzige Wäsche vor der breitesten Oeffentlichkeit zu waschen? Die Folge ist natürlich die, daß warmherzige Förderer sich vollständig zurückgezogen haben. Auf dem Gebiete der Wohltätigkeit kommt man im Hinblick auf die große Konkurrenz, welche in dieser Hinsicht herrscht, zuweilen auf die absurdesten Ideen, um das Publikum mit gespicktem Beutel anzulocken. In der Erinnerung der Leser ist vielleicht noch eine Veranstaltung des Vorjahres, wo die Schauspieler zu einem Wohltätigkeitszweck eine Gastrolle in der Zirkusarena gaben— von einem Gastspiele der Zirkusleute auf einer Bühne, beispielsweise das Auftreten des Zwergklown Thomasino als erster Held, hat man leider nichts zu sehen bekommen— dieses Beispiel soll nunmehr Nachahmung finden, und zwar wollen sich die Offiziere des Beurlaubtenstandes als Zirkuskünstler produzieren, und so wird man Herrn Leutnant Schulz als Parneaureiterin sehen oder Inserate cie S gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 PfoBeilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfadren wird der Radatt hinföllig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschrichenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Mar Sonnemann. Dortmund. Frauenbewegung doch nicht an den radikalen Forderung der Gewährung politischer Rechte festhielten. Man dürfe keine Politik der Verärgerung treiben, dürfe nicht die Parole aufstellen:„Alles oder nichts“, und dann schmollend beiseite stehen. Auch die übrigen Redner sprachen sich in ähnlichem Sinne aus und versuchten, die weiblichen Telegierten umzustimmen oder sie wenigstens zu veranlassen, ihren Antrag zurückzuziehen. Es muß immer wieder von neuem betont werden, daß ein Zusatzantrag zu dem vorliegenden Programm in der heutigen Versammlung ja nicht beschlossen werden dürfe, und das Bestehen darauf, das ganze Vereinigungswerk gefährde. Die lange Debatte endete schließlich in erfreulicher Weise mit der en bloc=Annahme des Antrages Müller=Meiningen auf Genehmigung des vorliegenden Parteiprogramms. Um dem Wunsche der Frauen entgegenzukommen, einigte sich der Parteitag auf folgende Resolution: „Der Parteitag spricht den Wunsch aus, daß die neue Partei die Frage der Gewährung von politischen Rechten an die Frauen sorgsam prüfe und auf dem nächsten Parteitage erneut zur Erörterung bringen werde.“ Nach der Rede Wiemers über die Organisation und die Uebergangsbestimmungen, die großen Beifall fand, kamen noch längere Debatten über Organisation der Jugendvereine und einige andere Punkte. Wiemer sprach dann das Schlußwort und beantragte, die Organisation und die Uebergangsbestimmungen wieder en bloc anzunehmen. Ihre Annahme erfolgte dann auch einstimmig. Hierauf wurde folgende Resolution gefaßt: „Der achte Parteitag der Freisinnigen Volkspartei erklärt seine Zustimmung zu dem Zusammenschluß mit der Freisinnigen Vereinigung und der Deutschen Volkspartei auf dem Boden des von dem Viererausschuß der Freisinnigen Fraktionsgemeinschaft vorgeschlagenen Einigungsprogramms, des Organisationsstatuts und der Uebergangsbestimmungen. Mit dem Zentralausschuß der Freisinnigen Volkspartei gibt der Parteitag der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß die innere Geschlossenheit und der Geist freundschaftlichen Zusammenwirkens, die in der Freisinnigen Völkspartei alle Zeit lebendig waren, auch in Zukunft erhalten und von der neuen Gesamtpartei als Voraussetzung erfolgreicher gemeinsamer Arbeit gepflegt und gefördert wird.“ Tann wurde die Tagung der Freisinnigen Volkspartei durch den Vorsitzenden Abg. Funk geschlossen, Der letzte Parteitag der Freisinnigen Vereinigung. Berlin, 5. März. Ebenso wie die Freisinnige Volkspartei hielr auch die freisinnige Vereinigung ihren letzten selbständigen Parteitag ab. Der Parteitag, der offiziell als„5. Parteitag des Wahlvereins der Liberalen" bezeichnet wird, wurde im Rheingold abgehalten. Er war von ca. 250 Mitglieder der Partei besucht. Die Reichstags= und Landtagsabgeordneten der Freisinnigen Vereinigung waren fast vollzählig anwesend. Vor Beginn der Sitzung verteilte Frau Zietz, Hamburg, einen Antrag der gestern versammelt gewesenen sieben„weiblichen Delegierten für die Parteitage der Freisinnigen Vereinigung und der Freisinnigen Volkspartei“, n dem beantragt wird, in das Parteiprogramm der morgen zu bildenden gemeinsamen Partei aufzunehmen„die Forderung des aktiven und passiven Wahlrechts der Frau in den Kommunen, in den einzelnen Landtagen und im Reich“. Reichstagsabg. Schrader eröffnete den Parkeitag:„Die Versammlung, die wir heute abhalten, ist die letzte, die unsere Partei abzuhalten hat. Wir schließen hiermit unsere Tätigkeit; wir schließen sie mit Bedauern, aber wir schließen sie auch andererseits mit Freude, denn aus der kleinen Partei soll nun eine große werden. Konservative und Zentrum regieren Anser Land, rücksichtslos, ohne daran zu denken, was dem Lande nottut. Sie denken nur an das eine, was ihnen notwendig zu sein scheint. Um nun unsere Ideen zur Geltung zu bringen, wollen wir aus unserer 5 P 27. Jahrg. kleinen Partei eine geschlossene große Partei machen. Wir freuen uns der Zukunft, und wir werden das unsrige dazu tun, daß die Einigung vollständig wird. Hierauf sprach der Reichstagsabgeordnete Momm sen, Berlin, über die linksliberale Einigung. Abg. Mommsen: Trotz mancher Bedenken wird die Sache, die wir heute beschließen wollen, eine gute und dauernde sein.(Lebh. Zust.) Die bisherige Fraktionsgemeinschaft hat sich nach außen hin als geschlossene Partei gut bewährt, sie hat die Probe bestanden, erst in der ungewohnten Rolle der Reierungspartei und nachher in der Opposition. Die ersonenfrage muß heute ausscheiden, das muß Sache des geschäftsführenden neuen Ausschusses sein. Hierauf nahm Reichstagsabg. Friedrich Naumann das Wort zu einer Rede über den Namen unt das Programm der neuen Partei.„Wenn man einmal eine„Volkspartei“ ist, dann ist man auch„fortschrittlich“. Wir vertreten den Fortschritt in der Technik, in der Bildung, der Gesittung, in der menschlichen Kultur, in der Achtung auch dem Schwachen gegenüber. In diesem Sinne wird von morgen ab eine fortschrittliche Volkspartei in die Geschichte eintreten.(Stürm. Beif.) Bei der Besprechung des Programms will ich mich nur auf weniges einlassen. Unsere Freunde in den Hansastädten hatten Bedenken gegen die Forderung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts für die Vertretung des Reiches und der Einzellandtage, weil sie als Republiken glaube ten, daß nicht sämtliche sonstigen Vertretungen un ter eine Form zu bringen seien. Aber diese Erwä gungen müssen ausscheiden, weil jetzt die preußisch Wahlrechtsfrage im Vordergrund steht. Da gab er nichts anderes zu sagen, als das allgemeine und glei che Wahlrecht.(Lebh. Beif.) Gegenüber den Behauptungen der Presse ist es nötig, hier festzusteller, daß gerade unsere Freunde in den Hansastädten e# sind, die stets mit Entschiedenheit für das allgemeine Wahlrecht eingetreten sind. Ich nenne nur den Namen Dr. Petersen.(Stürm. Beif.) Als letzter Redner behandelte Prof. v. Liszt die Olganisation der neuen Partei. Die Diskussion wird von Martha Zietz eröffnet, die einen von den weiblichen Delegierten gestellten Antrag begründet, in dem das aktive und passive Wahlrecht der Frau in der Kommune, in den Einzellandtagen und im Reiche gefordert wird. Die ungeheure Beteiligung der Frau an dem wirtschaftlichen Leben habe ergeben, daß die neue Partei an der Frauenfrage nicht vorübergehen könne. Dazu wird folgender Antrag vorgebracht, der einstimmig angenommen wird: Die Partei erklärt, daß sie an der politischen Gleichberechtigung der Frau festhalten und diesen Grundsatz auch ferner vertreten will. Unter langanhaltendem stürmischem Beifall werden Programm, Statut und Namen der neuen„Fortschrittlichen Volkspartei“ einstimmig akzeptiert. Die Sitzung wurde mit einem warmen Nachruf den Schrader der einstigen Freisinnigen Vereinigung hielt, und mit einem Tankeswort Gotheins an Schrader am späten Nachmittag geschlossen. Erster Parteitag der„Fortschrittlichen volkspartei“. Berlin, 6. März. Die neu begründete„Fortschrittliche Volkspartei“. trat heute im Wintergarten des Zentrathotels zu ihrem ersten Parteitag Zusammen. Es waren etwa 800 Delegierte sowie Delegiertinnen aus ganz Deutschland erschienen. Man bemerkte fast sämtliche Reichstagsabgeordneten der drei Parteien, auch eine große Anzahl Landtagsabgeordneter waren anwesend. Landtagsabgeordneter Funck=Frankfurt a. M., der die Versammlung leitete, teilte mit, daß zum stellvertretenden Vorsitzenden bestimmt worden seien die Abgeordneten Dr. v. Payer=Stuttgart und SchraderBerlin. Abg. Funck bemerkte alsdann, das Zusammengehen der drei linksliberalen Parteien sei e.ne dringende Notwendigkeit gewesen, wenn die Liberalen wieder Einfluß auf die öffentlichen Angelegenheiten im Reiche erlangen wollten. Der Zusammenschluß sei um Herr Oberleutnant Meyer als Clown mit einem dressierten Esel oder Herrn Hauptmann Schmidt als Elefantendresseur. Zweifellos wird der Ertrag ein überaus reicher sein, denn so etwas zieht. Hoffentlich kommt aber keiner der Herren bei guten Leistungen auf die Idee, seinen jetzigen Beruf aufzugeben und wirklich Zirkuskünstler zu werden, wie das zuweilen wirklich vorgekommen ist, weil nicht immer mit solchem Glück wie der frühere Kavallerieleutnant Filles, der einer der ersten Herrenreiter geworden ist. Oder, wenn wir von bekannten Berliner Künstlern reden wollen, von dem jetzigen Tenoristen Kirchhoff vom Kgl. Opernhause, dessen Begabung entdeckt wurde, wie er als Dragonerleutnant bei Kasinofesten die Kameraden mit Gesangvorträgen erfreute. Mit besonderer Vorliebe nimmt sich die Wohltätigkeitspflege der Gefallenen an, meist sind die Erfolge aber herzlich gering, alle Bemühungen nutzen nichts, und die Mädchen fallen doch schließlich wieder dem Laster in die Arme. Schuld hieran haben vielfach die Mädchen nicht allein, sondern jene Klasse von Menschen, die den Drohnen gleichen u. sich von der Schande ernähren lassen, ohne selbst zu arbeiten. Es ist kein Wunder, daß sich aus dieser Klasse von Menschen ein großer Teil der Verbrecher rekrutieren. Dieser Tage hat man wieder ein würdiges Mitglied dieser Gilde für einige Zeit unschädlich gemacht, den Zuhälter Hahn, der obendrein verdächtig ist, im Verein mit seiner Geliebten der ehrenwerten Frau Schrech seine zweite Geliebte, die Prestituierte Arnholz ermordet zu haben. Der Prozeß entrollte, soweit darüber berichtet werden konnte, schauerliche Bilder über die sittlichen oder besser unsittlichen Zustände unter jenem Abschaum der Menschheit, Leider hat die Strafe nur einen jener Tausenden erreicht, welche von jenem Sündenlohn leben, jene Bleichgesichter, welche die Nacht zum Tage machen und, den Hut schief im Gesicht, die schiese Zigarre im linken Mundwinkel, dabei von Talmieleganz im Aeußern, sich in irgend einer Destille dem Kartenspiele hingeben und scheu jeden Eintretenden musternd. Alle Besserungsversuche sind hier vergeblich, und auch der eiserne Besen harter Zuchthausstrafen vermag hier keine vollkommene Reinigung herbeizuführen. ( Deut auf er kürzlich mit einer Aufführung von Hebbels„Judith“ heraus, man sah glänzende Bühnenbilder, aber was uns da vorgeführt wurde, war nicht Hebbel, sondern Reinhardtsche Interpretation. Auch die Darstellung stand keineswegs auf idealer Höhe, die Hauptvertreter vergriffen sich mehrfach in der Auffassung ihrer Rolle, aber das macht nichts, bei den Leuten aus Berlin W. findet alles Anklang, was Reinhardt macht. Eine derartige Gönnerschaft kann aber enem strebsamen Theaterleiter recht gefährlich werden, dier sich schließlich für unsehlbar hilt so notwendiger gewesen, da die Regierung auscheinend das Steuer vollständig aus der Hand verloren habe und dasselbe lediglich nur noch von Interessenparteien geführt werde. Selbstverständlich sei es nötig, daß alle Eigenbrödelei aufhöre, daß Spezialwünsche zurückgestellt und daß jeder einzelne, der sich der neuen Parkei anschließe, sich der Disziplin füge. Das sei die beste Gewähr für den Bestand der Partei. Die frei,kunige Bürgerschaft würde es nicht verstehen, wenn die linkslberalen Parteien noch länger gesondert marschieren würden. Abg. Dr. Müller=Meiningen führte aus: Es habe in den Parlamenten zwischen den drei linksliberalen Parteien schon selt sehr langer Zeit eine innige Waffenbrüderschaft bestanden. Das Zusammengeben der drei linksliberalen Parteien sei eine Naturnotwendigkeit gewesen. Er sei erforderlich, die gesamte lberale Bürgerschaft zu einem Ganzen zusammenzus hweiben, und man müsse auch Fühlung suchen mit den Nationalliberalen. Ein starres Parteiprogramm, ein Parteidogma lasse sich nicht aufstellen. Die Konservativen danken ihre Herrschaft der von ihnen gepredigten von Gott gewollten Abhängigkeit und Staatsautorität, obwohl diese Leute die Staatsautorität bei jeder Gelegenheit mit Füßen träten, wenn es ihnen in den Kram passe. Das Zentrum werde gestützt durch die katholische Kirche. Die Sozialdemokraten haben das Schlagwort des Klassenkampfes. Im übrigen machten für die Sozialdemokratie Konservative und Zentrum, und nicht zum wenigsten die Regierung, eine Riesenpropaganda. Die Linksliberalen hätten dagegen einen ungeheuer schweren Stand. Ein fester Jusammenschkuß sei um so notwendiger, da man im Sommer nächsten Jahres zweifellos einen Wahlkampf zu bestehen habe, wie er noch niemals geführt worden sek.„Wir vertreten keine Sonderinteressen, wir wollen nicht ökonomische Sonderinteressen, sondern erstreben den politischen Idealismus. Wir drängen uns nicht auf, bei jeder Gelegenheit die schwankender Weise als die größten Triarier seiner Majestät, wir verschmähen es, das Staatsoberhaupt in den Kampf der Parteien zu ziehen. Wir wollen das Bürgertum frei und unabhängig machen und wollen, daß der Wille des Volkes zur Herrschaft gelange. 1813 und 1870 waren es nicht die konservativen Triarier, sondern das Volk, das das Vaterland gegen alle Angriffe geschützt hat.“ Redner schloß mit dem Wunsche, daß die neue Partei wachsen, blühen und gedeihen möge. Abg. Bankdirektor Mommsen bezeichnete es als notwendig, daß die neue Partei bemüht sei, die Landbevölkerung zu gewinnen. Die Partei werde einen sehr schweren Wahlkampf zu bestehen haben. Den Konservativen stände beim Wahlkampf die Staatsverwaltung, dem Zentrum die katholische Kirche, den Sozialdemokraten ihre großartige politische und gewerkschaftliche Organisation zur Seite. Die liberalen bürgerlichen Parteien hätten von alledem nichts, sie mußten auch ihre Wahlkosten selbst tragen. Es sprachen alsdann: Abg. Gußling=Königsberg, der die neue Partei im Namen der ostdeutschen Liberalen begrüßte, Landtagsabg. Justizrat Waldstein=Altona, der die neue Partei im Namen der Liberalen Schleswig=Holsteins begrüßte, badischer Landsagsabgeordneter Professor Dr. Heimburger=Karlsruhe im Namen der badischen Liberalen. Preußischer Landtagsabg. Geh. Justizrat Professor n. Liszt(Charlottenburg) führte aus, daß der Zusammenschluß der linksliberalen Parteien bei den Liberalen Charlottenburgs Genugtuung erwecke. Fräulein Zietzsch=Hamburg bemerkte, die bürperlichen lberalen Frauen begrüßen den Zusammenschluß der linksliberalen Parteien und betrachten ihn als einen Fortschritt des Liberalismus. Alsdann äußerte sich, mit stürmischem Beifall embfangen, Reichstagsabgeordneter Dr. Wiemer=Berlin: Das Programm der neuen Partei dürfe sich nicht an dogmatischen Theorien festhalten. Die Liberalen kassen sich weder durch Versprechungen noch durch Drohungen seitens der Regierung ihr Recht der Kritik nehmen. Sie wollen eine starke, einheitliche Vormacht bilden, sie wollen es verhindern, daß noch ferner in das Nest des freiheitlichen Adlers blau=schwarze Kuckuckseier gelegt ewrden. Der Zusammenschluß der Linksliberalen sei ein gutes Stück deutscher Einheit. Ein Unterschied zwischen Nord= und Süddeutschland liegt In den natürlichen Verhältnissen begründet. Die Norddeutschen seien der Meinung, daß sie ihr Licht vom Staat erhalten, die Süddeutschen meinen dagegen, daß der Staat das Licht vom Volk erhalte. Es bleibt noch sehr viel zu wünschen übrig, die Interessenparteien haben die Oberhand. Außerdem besitzt der größte Staat in Deutschland ein Wahlrecht, das unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht weiter bestehen kann. Es sei salsch, wenn eingewendet werde, das preußische Wahlrecht gehe lediglich Preußen an. Die Wahlrechtsbewegung interessiere ja ganz Deutschland in hohem Maße. Wenn wir den Glauben an den Fortschritt und ans Volk nicht verlieren, dürften wir sehr bald eine maßgebende Partei im Reiche sein. Der Vorsitzende Funck schloß mit einem dreifachen Hoch auf die„Fortschrittliche Volkspartei“ den Parteitag. kann neugie#n darauf sein, wie sich das Verhältnls des Herrn Meyer zu Irrendorf zur Bundesleitung gestalten wird, wenn es demselben gelingt, jetzt durch ein Kompromiß der Nationalliberalen mit dem Bunde der Landwirte ein Landtagsmandat zu erringen.. Wir vermuten, daß Herr Meyer zu Irrendorf von Herrn Dr. Hahn bald über die Grenzen seiner„Unabhängigkeit belehrt werden wird. Zuckerbret und Oeitsche sind die Mittel, mit denen die Junker ihre Herrschaft in Ostelbien aufrecht erhalten. Dafür zwei Beispiele! Als der Abg. Dr. Doormann am letzten Sonntag in Ossig(Kreis Lüben) eine Versammlung abhielt, fiel es auf, daß kein Arbeiter vom Tominium erschienen war. Und als man sich nach dem Grunde erkundigte, wurde angegeben, daß die Parole ergangen sei;„Wer heute in die Versammlung geht, ist morgen entlassen!“ Das Gegenstück dazu wurde fsen: Tas Gege an demselben Tage in einer freisinnigen Versammlung zu Petschkendorf festgestellt. Tort erhob sich am Schluß nach dem„Nidrschl. Kur.“ ein Bauer und sagte:„Die Versammlung hier war ja ganz schön, aber besser hat mir noch die(agrarische. D. Red.) Versammlung in Lüben gefallen, da gab's Freibier.“ es bIs bahln zu einer Verständigung mit den Arbeiterorganisationen nicht gekommen ist. —“ Kongreß. Der deutsche Verein für Kuabenhandarbeit wird in diesem Jahre einer Einladung des Dortmunder Magistrat folgen und seinen Kongreß am 21. und 22. Mai in Dortmund abhalten, das der Knabenhandarbeit größte Aufmerksamkeit und Förderung angedeihen läßt. In eigens zu diesem Zwecke eingerichteten Schülerwerkstätten werden in Dortmund schon seit Jahren Knaben durch sachkundige Lehrer in den verschiedenen Zweigen der Knabenhandarbeit mit Erfolg unterrichtet. Auch in den Kreisen Dortmund=Land und Hörde hat die Knabenhandarbeit eine außerordentliche Entwicklung genommen, so daß der Verband hier für sein Streben überall fruchtbaren Boden findet. —“ Der Musikalische Vortrags=Abend der freien Studentenschaft, Ortsgruppe Tortmund, gestaltete sich unter der Mitwirkung hiesiger Solisten zu einer glänzenden Veranstaltung. Der große Saal der Speisehalle war bis auf den letzten Platz gefüllt; rauchen wir neue Steuern Dortmund, 7. März. Alljährlich vor der Beratung des städtischen HausItsplanes durch die Stadtverordneten erhebt sich schon seit etlichen Jahren eine lebhafte Diskussion über die Frage, ob eine weitere Erhöhung der Steuern nötig ist oder ob wir mit den bisherigen Steuersätzen di Bedürfnisse des Gemeindehaushalts zu befriedigen imstande sind, weil mit konstanter Bosh it der Magistratsdezernent für das Steuerwesen entweder die Erhöhung der vorhandenen Steuerarten oder gar die Einführung neuer Steuern vorschlägt. Wir müssen die Frage, ob wir neue Steuern brauchen, in diesem Jahre, in dem der Streit besonders lebhaft geworden ist, mit aller Entschiedenh it vermeinen. In letzter Zeit war geflissentlich die finanzielle Lage und die Steuerkraft der Stadt Dortmund grau in grau gemalt worden, um so langsam darauf vorzubereiten, daß die Steuerschraube wieder einmal angezogen werden würde. Was hat es, fragte der ruhige Bürger, für einen Zweck, immer von Sparsamkeit zu reden, wenn man die gepriesene Sparsamkkeit nicht üben will? Warum, fragt man weiter, predigt man immer anderen, daß sie sich nach der Decke strecken sollen, und geht selbst nicht mit gutem Beispiele voran? Trotzdem eine Steuererhöhung stets den größten Widerstand zu finden pflegt, begann man sich mit der Tatsache abzufinden, daß die Stadtoäter dem Verlangen des Magistrats, mehr Steuern von den Bürgern zu erheben, nachgeben würden. Da wurde man durch die Mitteilung des Herrn Bürgermeisters Dr. Eichhoff freudig überrascht, daß es gar nicht so schlecht um die Finanzen der Stadt stehe, wie es den Anschein gehabt, daß man die Steuerschraube gar nicht so stark anzuziehen brauche, als man beabsichtigt. Dann hörte man, allerdings mit etwas gemischten Gefüh len, weiter, daß trotz des Lamentos über schlechte Zeiten der städtische Haushalt in den letzten Jahren statt eines beharrlich an die Wand gemalten Destzits glänzende Ueberschüsse ergeben habe. Und trotz alledem noch eine Erhöhung sämtlicher Steuern? Das begreife, wer will. Wir mit unserem beschränkten Bürgerverstand vermögen die Notwendigkeit einer Steuererhöhung nicht einzusehen. Wie die Stadtväter anerkennensewrter Weise die Einnahmen mit größter Vorsicht zu veranschlagen pflegen, so mögen sie nun auch die Ausgaben nicht so verschwenderisch bewilligen, vor allem aber dem Bauamt nur das Notwendigste, nicht aber auch das Wünschenswerte genehmigen. Sollte dann immer noch die Balance mit den bisherigen Steuern nicht erreicht werden, was wir zu bezweifeln alle Urfache haben, dann sind die großen Ueberschüsse der vergangenen Jahre da, um hier die beste Verwendung au finden. Es ist nicht Sache der städtischen Behörden, den Steuerzahlern die Pfennige aus der Tasche zu holen, um Schätze zu sammeln und aufzuspeichern. Den tatsächlichen Bedürfnissen der Stadt entsprechend sind die Steuern auszuschreiben. Und wenn nur die nirklichen Bedürfnisse und nichts anderes berücksichtigt würden, dann ist eine Steuererhöhung völlig überflüssig. Das ist die Meinung der Bürgerschaft, die durchaus begründet ist. Die Stadtverordneten tun gut, den Steuergelüsten des Magistrats Einhalt zu tun und es beim Alten zu belassen, wie es sich gehört. Seid sparsam, sparsam, sparsam! Auch in euren Anforderungen an das Portemonnaie der Bürger! alle Teilnehmer folgten mit großem Interesse den Vorträgen. Herr Göpel=Tortmund begann mit der Baß=Arie aus der„Schöpfung" von Haydn. Sein schönes Sonores Organ wurde im Vortrag und Intonation allen Anforderungen gerecht. Frau Franziska Hoffmann, eine der ersten Tortmunder Künstlerinnen sang die wunderbare unter dem Namen Largo bekannte Arie für Alt aus„Herxes" v. Händel mit warmer seelenvoller Stimme.. Die obligate Violinpartie wurde von Herrn Reinelt wiedergegeben. Anschließend daran trug Herr Reinelt einige alte Weisen vor und zwar ein Capriccio von Haydn und ein Menuett von Mozart, welche lebhaften Anklang fanden. Weitere Liedervorträge des Herrn l und der Frau Hoffmann begeisterten die Zuhörer. Ihnen reihte sich die seelenvolle Träumerei von Schumann und ein technisch schwerer Mazurka von auser, beides für Geige, von Herrn Reinelt brillant gespielt, an. Den Schluß bildeten einige Gesangsduette von Kauer, Hildach und Klengel. Frl. Reinelt begleitete am Klavier sehr präzis und dezent und trug wesentlich an dem Gelingen des Abends bei. Das Klavier war von der Firma Franz Reinelt, Balkenstraße 14—16 freundlichst zur Verfügung gestellt. Reicher Beifall lohnte am Schluß die Künstlerinnen und Künstler.— Herr Diplom=Ingenieur Plont, Obmann der Ortsgruppe Dortmund, dankte den Vortragenden mit herzlichen Worten und kündete hiermit den Schluß der offiziellen Vorträge bei Hoesch an. Ein Sondervortrag des Herrn Kandidaten Reiners am 10. März in dem Lesesaal der Bücherei über Kometen, wird die Vortragsreihe schließen. Ter Beginn ist auf Seinviertel Uhr und der Eintrittspreis auf 30 Pfg., für Inhaber von Tauerkarten auf 20 Pfg. festgesetzt. — Städtische Schreibstube in Dortmund. In der städtischen Schreibstube für Stellenlose Brüderweg 38 wurden im Febr. 1910 angefertigt: 20793 Adressen, 4053 Seiten Abschriften, 4584 Seiten Vervielfältigungen. Es wurden 10 Schreiber 753 Stunden in der Schreibstube bei einem Stundenlohn von durchschnittlich 35 Pfg beschäftigt. Außerdem wurden 32 Schreiber 4809 Stunden außerhalb der Schreibstube bei Geschäftsleuten usw. beschäftigt, was einer Gesamtleistung von rund 695 Tagen entspricht. Geschäfts= und Privatleute, die Schreibarbeiten zu vergeben haben und denen geeignete Kräfte nicht zur Verfügung stehen, werden gebeten, sich der Schreibstube, die bekanntlich stellenlosen Schreibern und Kaufleuten vorübergehende Beschäftigung gewährt, zu bedienen. —' Hauptarbeitsnachweis Dortmund (Vereinigte Arbeitsnachweise der Stadt Dortmund und der Handwerkskammer Dortmund.) Abteilung für ungelernte Arbeiter(Städtischer Arbeitsnachweis.) In Monat Febr. 1910 meldeten sich 1255 Stellenlose, 450 offene Stellen wurden angemeldet und 342 Stellen wurden besetzt.(Abteilung für Handwerksgesellen und Lehrlinge Arbeitsnachweis der Handwerkskammer Dortmund.) Im Monat Febr. 1910 meldeten sich 1787 Stellenlose 531 offene Stellen wurden angemeldet und 398 Stellen wurden besetzt. Abteilung für Hotel= und Restaurations= personal.(Städtischer Arbeitsnachweis). Im Monat Febr. 1910 meldeten sich 477 Stellensuchende, 325 offene Stellen wurden angemeldet und 325 Stellen wurden besetzt. Abteilung für weibliche Personen.(Städt. Arbeitsnachweis). Im Monat Febr. 1910 meldeten sich 301 Stellenlose, 273 offene Stellen wurden angemeldet und 184 Stellen wurden besetzt. Deutsches Reich. Für den Bündler Meyen zu Irrendorf, den die Nationalliberalen in Bielefeld unter Bruch des des Wahlabkommens mit den Freisinnigen auf den Schild erhoben haben, versendet der Vorstand der Bielefelder nationalliberalen Partei eine Flugschrift an die Parteigenossen, in welcher Herr Meyer zu Irrendorf wegen Friedrich Köstering aus Sodingen ausgesetzt. 1— Vaugewerbe. Der Vorstand des Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe in dem rheinisch=westseiner mannhaften Haltung gegenüber der Leitung des berkrundes für das Kaugenerhe in dem Phrin:fshrnt, Bundes der Landwirte und der offiziellen Bundesparole gerühmt wird. Meyer zu Irrendorf sei gegen den Verdacht gefeit, ein willenloses Werszeug oder ein Schleppenträger der Bundesleitung zu sein. Diesem Manne gegenüber der unabhängig von der Bundesleitung der nationaliberalen Partei die Treue gehalten habe, gelte es nun ebenfalls die Treue zu bewahren..— Man Lokales und Provinzielles. Dortmund, 7. März. —* Die Wahlrechtsversammlung, die die Sozialdemokratie am Samstag an der Hobertsburg veranstaltet hatte war von etwa 1000 Personen besucht und nahm einen glatten Verlauf. Auch danach kam es nicht zu Zwischenfällen. —“ Die untere Brückstraße wird breiter. Heute ist mit dem Adbruch des Hauses Nr. 43 begonnen worden. Das benachbarte Bauersche Häuschen kann erst nach dem 1. April abgebrochen werden. — 300 Mark Belohnung hat die Oberpostdirektion Tortmund auf die Ergreifung des nach Unterschlagung von 3950 Mark Postkassengeldern flüchtig gewordenen 23 Jahre alten Postgehilfen Emil Bochum, 6. März. Beim Spielen mit einem seit Jahren nicht mehr benutzten Revolver, drang gestern nachmittag einem 18jährigen Schulknaben eine Kugel in die rechte Schläfe. Als die Aerzte erschienen waren, war der Knabe bereits verschieden. Gelsenkirchen, 6. März. Der Kaufmannslehrl. Kronshage entwendete gestern nachmittag seinem Lehrherrn zwei fertig ausgestellte Schecks und löste sie sofort bei der hiesigen Filiale der Essener Kreditanstalt ein. Mit dem Gelde, 12540 Mk., ist er geflüchtet. fälischen Industriegebiet hielt dieser Tage eine Sitzung —."** in Hamm ab, um vornehmlich zu den Beschlüssen der Straßburger Generalversammlung des deutschen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe Stellung zu nehmen. Er erklärte sich ausnahmslos mit den Be schlüssen der 13er Kommission und der Bundesleitu einverstanden. Di,e Baugeschäfte in Rheinland u n am 1. April d. J. gesc 35 Westsalen werden am 1. April d. I. geschlossen, wenn Dortmunder Stadttheater. D. El. Dortmund, 5. Mörz. Musik von Giuseppe Verdi. Engagements=Gastspiel des Frl. Wally Stelzyk, Wien. Die Kritik soll nicht einer jeden Anfängerin gleich das künstlerische Lebenslicht ausblasen, sondern mit den gegebenen— besonders Gagen— Verhältnissen rechnen. Allererstklassige Kräfte können wir an unserem Stadttheater weder verlangen, noch bezahlen, deshalb lerne man zuuächst, auch an einer Anfängerin, das Gute schätzen und erfreue sich, falls sie engagiert werden sollte, an den Fortschritten, die die betreffende Künstlerin unter unserem Direktor Hofmann macht. Fräulein Stelkyk hatte im ersten Akt mit einer großen Befangenheit zu kämpfen und konnte sich neben ihren Partnern kaum behaupten— je mehr sie jedoch diese Befangenheit überwand, um so mehr wuchs sie in die zu erfüllende Aufgabe hinein, so daß man mit ihrer„Aida“ besonders in dritten Akt sehr zufrieden sein konnte. In der Mittellage ist die Stimme der Debutantin noch schwach, in der Höhe und Tiefe aber a spielerisch kann sin perament, als Er seren heimischen Kräft Lampenfieber und M. len. Wenn Frl. Stel len. Wenn Frl. Stelzyk unseren Dirett. als Lehrer bekäme, könnte sie mit der wertes Mitglied unserer Oper werden. Mitwirkenden waren bestrebt, den guten# sich die Aidaaufführung an unierem ee##### Paatse Dortnund und Umaegend ersreut, zu erhal.. Thrtiitt Wildbrunn war sehr gut deu Dor beng standen die Leistungen der Herren Wildbr Bark auf bekannter Höhe. Die Herren### Stury und Scherer boten ebenfalls während der Chor sich eine respektable Jahr sungen leistete. Das Orchester und Balletz unter der bewährten Leitung des Kapellmeister mn ram, letzteres von Frk. Urban arrgngiert: wohlverdienten Erfolg.en, Letzte Telegramme. Der Polizei ein Schnippchen. Berlin, 6. März. Die Sozialdemokraten— anstalteten von der Polizei ungeahnt, nicht im:. tower Park, sondern im Kgl. Tiergarten posante Wahlrechtskundgebung. Die Polizei“ nutzlose Attacken. Die Demonstration versef# allgemeinen ruhig und glatt. Ein enormer Diebstahl auf der sibirischen Petersburg, 6. März. Ein enormer D## stahl wurde auf der sibirischen Bahnstation Lm#. nojarsk aufgedeckt. Für mehr als drei Millionn Mark sind Felle nebst anderen Wahlen gestohlen den. Auf Befehl des Wegebauministers reiste eim ganze Anzahl hoher Beamter dorthin, um eine grünlich Revision vorzunehmen. Vermischtes. Das vergeßliche Theaterbureau. E bei Breslau lebender Rittergutsbesitzer und— Thoe. bei Breslau lebender Rittergutsbesitzer und— Thez. ter=Schriftsteller erhielt dieser Tage ein kleines ket mit dem Aufdruck einer dortigen Theaterdirektion Neugierig öffnete er die Sendung und fand darin in Exemplar eines von ihm verfaßten Theaterstückes folgendem Anschreiben: „Sehr geehrter Herr! Anbei Ihr Werk zurüc da für unsere Bühne ungeeignet. Hochachtungsbol das Sekretariat des———“ Soweit wäre an der Sache nichts Besonderez. Nun kommt aber die Pointe: Das als„ungeeizner zurückgesandte Stück ist vor zwei Jahren an den betreffenden Theater unter der gleichen Tirektion mi Erfolg aufgeführt worden. Daß ein bereits von ein Bühne aufgeführtes Stück von dieser nachträglich abgelehnt wird, das dürfte selbst in unserer an Kunoitäten reichen Theatergeschichte noch nicht dagewesn sein. Dreißig Mark, o Qual und Pein Sollen wir erlegen, Darum Brüder, hoch das Bein Und von Rechtes wegen. Erben könnt Ihr kostenlos Und auch Auto fahren, Deshalb schrecklich und auch bos haft ist dies Gebahren. Dackel, Windhund, Dobermann, Bor und Bernhardiner, Pointer, Pudel, Waldimann, For und Dalmatiner. Alle legen an das Herz, Euch, Ihr Stadtvertreter— Lindert doch den Hundeschmerz Und— vertagt auf später! Schützet uns vor Qutal und Pein, Vor dem Steuerzwecke, Und wir heben, hoch das Bein..— Freudig an der Ecke. Darl E-+ Briefkasten. Br. Aus Ihren Darlegungen können wir# Zild gewinnen. Besuchen Sie uns einmal klares Bild gewinnen. Besuchen hufs Aussprachen auf unserer Redaktion. Pl. 777. Wir raten Ihnen, die Finger zu lassen. J. St. Wenn im Mietvertrag nichts anderes einbart ist, haben Sie als Vermieter die Tre#te#### beleuchten. G. M. Die Anmeldung zur Krankenkaste hat? erfolgen, wenn der Lohn bezahlt wird. O. H. Davon ist uns nichts bekannt. W. Schloß Stolzenfels ist alter Kronbeiit F. R. In der Regel trägt der Derwieter d. u Läch' stentel.— Die große Kriegerheim=Geld=Loi“, vom Preuß, Landes=Kriegerverband, welche 9n### 17., 18. und 19. März in Berlin ziehr, hat Geldgewinne mit den kolossalen Hauptgewignen 50000 Mark, 30.000 und 10000 Mark. De uucß Lose nur 2,50 Mark kosten, werden dieselber gaßg schnell ausverkauft sein, dieselben sind noch bn Aaris in Jülichers Glücksrollekte. Haupt Lollk““ Bank, Münsterstraße 4. Flora=Drogerie. Unsere Leser und ¼ innen im Süden seien darauf aufmerksam 0“. daß Herr Gerhard Mumbeck Ardeystrs.=g Herr Gerhard Mumbeck Aro Hagenstraße, ein Drogengeschäft „Flora=Drogerie“ eröffnet und d Ehste= 8 unter beg men„Flora=Drogerse“ eröffnet und damit einen gemeinen Wunsche Rechnung getragen hat. so milde werden. des Es fängt jetzt an man schon sast alle tochtigen Hausfrauen beim General=Reinemachen antrifft. In welchem wir an? Wann kann die Putzfrau?— so Mir) A Wer hülft mir dabel? Der beste Helser##7., gach Fahren so auch jetzt wieder der bekannte Ludn# 2### Ertraß mit Reiband. Mit Luhus räumts gan aetbt Fr. Hagedorn jr. Telechon 379 Färberei u. chem. Waschanstalt I. Ranges für alle Art Damen- u. Herren-Garderone u. s. w. Gardinen-Wäscherei nach Plauener Art. Stärkewäsche. Ganz hervorragende Ausführung bei schnellster Lieferung. 45 eigene Lausn. Iäden in Dortmund: Kalserstrasse 17½(vis à vis Landgericht), Rheinischestrasse 60, Märkische Strasse 3(vis à vis Ar Verchfand: Gymnasium). 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Das als„ungeeiznet“ wei Jahren an den gleichen Tirektion mit ein bereits von eine dieser nachträglich abin unserer an Kuroitnoch nicht dagewesen ge! ual und Pein ch das Bein degen ostenlos ren, ind auch bos ren. Dobermann, iner, aldimann, Herz, treter— undeschmerz später! al und Pein, erte 5 das Beiz e. Darl E sten. Gebr. Alsberg Dortmund, Brückstrasse 26. sämtliche Sachen sind auf besonderen Tischen ausgelegt. vontag— Dienstag— Mittwoch sSchlusstage bestände Damen-Schürzen 05 ler. Reform, Prinzeß etc. Serie 1 OOPf. Wir haben für diese 3 Schlußtage ganz besonders vorteilhafte Sachen ausgelegt und liegt es im Interesse eines Jeden von diesen Angeboten recht ausgiebig Gebrauch zu machen. Reste und Abschnitte in Kleiderstoffen verschiedene Stoffarten für Blusen und Kleider p. Mtr. Serie 1 SUPf. Seriell O OPf. Serie 11I. Reste und Rbschnitte in Baumzoolliaren Hemdentuch, Nessel, Handtuchgebild, Biber„ p. Mtr. Serie 1 1OU Pf. Serie HÖHPf. Serie III10 Pig. Nieder, Reform. 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Zurückgekehrt Saniätätsrat Dr. Hansberg, Dortmund, Durch Verfügung des Herrn Justizministers vom 18. Februar 1910 bin ich zum Notan ernannt worden. Dortmund, 1. März 1910 Hopmann, Rechtsanwalt, Kaiserstrasse 12. Mit Ihrer„Rino=Salde“ Ein ie sehr zufrieden. Ich habe schon vieles versucht, aber nichts half, nach Gebrauch Ihrer Rine=Salbe aber ist die Schuppenflechte ganz fort. Ich kann de daher allen nur empfehlen. CöIn. 21./0. 06. O. Besser. Diese Rino=Salbe wird mit Erfolg auch gegen Beinleiden, Flechten und Hautleiden angewandt, in in Dosen# Mr. 1.15 und Mk. 2 25 in den Apotheken vorrätig, aber nur echt in Oriainalpackung weiß= grün=rei und Zirma Schudert& Co., Weindöhls=Dresden. Fälschungen weise man zurück. Guter Verdienlf Berson Burch Verkauf von interessanten wissenchaltlichen Büchern. Anfragen an Carl Schüler, Stolberg, Harz. Haushaltungs*- Schule Kochschule Industrie. """ Schule. Fernsprecher 7528 Fernsprecher 7528. von Eugenie Bahte. Ostwall 46. Dortmund. Ostwall 46. Senntag, den 6. März und Montag, den 7. März von 10 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, in den 433 Räumen des Schulhauses Ostwall 46: Ausstellung von Schülerinnen-Arbeiten sämtl. Unterrichtskurse Besichtigung unentgeltlich. Zum Besuch der Ausstellung ladet ergeb. ein die Vorsteherin: Trauringe massiv goldene, von Mark 5 an, sowie Damen- u. HerresFacon-Ringe in großer Auswahl empfehlen Dertmund, Westenhellweg 26. Anzeigen Stellengesuche Stellenangebote Mietsgesuche Vermietungen Ru- und Verkäufe Grungstücks- und Geschäfts-Verkäufe Geld-Gesuche Geld-Angebote fladen wirksamste Ver- breitung darch das „Vortmunder Tageblatt. Eugenie Bathe, Dortmund, Ostcial 45. — Die neuen Unterrichtskurse beginnen □ in allen Lehrfächern am 1. April 1910. Tüchtige Dreber, Hodler, Stoßer, und Rammer Schmiede bei gut. Lohn gesucht. Krefelder Stahloserk, Aktiengesellsch. Krefeld. Dortmund. Das neue Schuljahr beginnt am 13. April. Die Anmeldungen neuer Schüler erfolgen am besten unter Benutzung von Anmeldescheinen, die bei dem Schuldiener unentgeltlich zu haben sind. Im übrigen ist der Unter zeichnete zu jeder Auskunft gern bereit. 290 Prof. Dr. Schneider, Realschuldirektor. Straßensperrung. Wegen Einbaues der Straßenbahngleise in die Heiligegartenstraße wird diese von Montag, den 7. ds. Mis. ab von Nord= bis Burgmundastraße bis auf Weiteres für Fuhrwerk gesperrt. Die Sperrung für den Teil von der Münsterstraße bis Audreasstraße wird aufgehoben. Dortmund, den 5. März 1910. Bekanntmachung Nach der Abrechnung über die Kosten des Ausbaues (Asphaltierung) der Dorotheenstraße, von Adler= bis Langestraße beträgt der von den Anliegern anteilig zu leistende Beitrag für 1 Meter Anschlußlänge 44,53 Nik. Grunderwerbskosten, sowie die Kosten vorschriftsmäßiger Bürgersteigbefestigungen sind hierin nicht enthalten. Die Abrechnung liegt vom Tage der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung av 14 Tage lang in unserem Tiefbauamt Kleppingstraße 27, Zimmer 2.8, zur Einsicht auf. Dortmund, 19. Februar 1910. Magistrat. fchtung! An solvente Firmen ist der Alleinverkauf eines gewinndringenden Artikels für Dortmund und Umgebung zu vergeben. Destilla teure, Bierverleger und Mineralwasser=Fabrikanten bevorzugt. Gefl. Offerten werden nach Dortmund hauptpostlagernd unter H. S. 3R erbeten. 42 Streng reell. Für unsere Abteilung Eisengießerei suchen wir tüchtige Former, Kernmacher, Gußputzer für dauernde Beschäftigung. Felten& GuilleaumeLahmeyerwerke Dkt.-Gel. Carlswerk Gülhein Eu.) Iöeshäftsbücher, Aten, Pasie eitc zum Einstampfen, Alteisen Alte Ordentliches evangel. Mädchen von 16—18 Jahren für bürgerl. Hanshalt zum 1. April gesucht. Frau W. Buschmann, Elberfeld, Lärchenstraße 23 zum Einstampfen, und Metalle kauft Füchliges Rädchen.[errsch. I. gegen hohen Lohn und gute Behandl. zum 1. April gesucht. Frau VI. 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Laß diese E i Seite vorhanden sicten nicht angekrän! sgingertums zur Sch zenfalls ein Fortsch die durch die Finanz berränderung mit der vollzogen hat, mitzun Ereiigten so leicht itzt noch einige Poli s sehr gefallen ha erung an die alte itlichen Paarung, u können. So ist a Seite das Verständ: für die Notwend zu treiben— d. h. Lietreter— noch i sen Maße entwickelt. Ersändnis schon gewe venn man sich heut ungen der Abgeord noch gar nicht la nann bis Bebel“ uhiger darüber un politische Kämpf dieser Parole a Gedanken aber und erst die ängst Sozi, bald der sa bottseibeiuns ersch Aber der Block erkennbar, nur spri erenzscheide zwis schärfer hervor. 7 Strom geworde wenn die um das Flußbet liberaler mel kann. Trotz z nächsten Reich umruchen, golden #t sich auf der I ##äre eine weltges eine Partei der L einfangen ließe ur en würde. Das unter dbiese in leiner Posten Bit gsich den 7. März 1910. zweites Blatt. Dortmunder Nr. 55. 27. Jahrgang. er Block, von dem man nicht spricht. — noch gar nicht so langer Zeit unserer Mtischen Lage jeder Ansatz zu einer Besserung Prüsthie Gruppierung der Parteien noch so ver, daß irgend eine Kraftansammlung zur blitischer Fortschritte nicht möglich srrgr. die wenigen Geschichtspsychologen mit Echauptet, daß der Niedergang der Staatsfinan5 hie über kurz oder lang eintretende NotL das ganze Finanzsystem des Reiches auf shere Grundlage zu stellen, den Beginn einer esitischen Entwicklung bedeuten werde. Diese sichzt hat sich als richtig erwiesen. Das Blocku Hulows ist durch die stümperhafte Reichssitarm zersprengt worden. Die Parteigruppierschurch so Car und übersichtlich geworden #e sie seit langer Zeit nicht gehabt haben. Von — Jeilen der Bevölkerung, die sich bei der bis ###worrenen politischen Lage nur ungern mit Enrängen der Politik befaßten, wird diese Klarn politischen Zieles als etwas Wohltuendes I Daß diese Empfindung auch auf der Seite vorhanden ist, wo sie in jener von in nicht angekränkelten Art des agrarischen säüngertums zur Schau getragen wird, ist an stenfalls ein Fortschritt. zie durch die Finanzreform bewirkte politische zpänderung mit der Schnelligkeit, mit der sie wllzogen hat, mitzumachen, ist natürlich nicht Lteiligten so leicht geworden. Und es gibt zu noch einige Politiker, denen des Nachbars so sehr gefallen hat, daß sie eine wehmütige nung an die alte Blockzeit, an jene Zeit der rlichen Paarung, noch immer nicht unterkönnen. So ist auch hier und da auf der seite das Verständnis für die veränderte Lafür die Notwendigkeit, rücksichtslose Realutreiben— d. h. Realpolitik nicht im Sinne Lisetreter— noch immer nicht in dem noten Maße entwickelt. Größer als anfangs ist ntändnis schon geworden. Daß muß klar werun man sich heute daran erinnert, welche ungen der Abgeordnete Naumann erfuhr, als noch gar nicht langer Zeit das Wort von mann bis Bebel“ prägte. Heute denkt man uhiger darüber und verschiedene staats= und hpolitische Kämpfe sind inzwischen mit Erdieser Parole ausgefochten worden. Man Gedanken aber nicht so laut in den Vorund erst die ängstlichen Gemüter, denen bald Sozi, bald der satte Bourgeois als der leibbottseibeiuns erscheint, langsam daran zu ge1 Aber der Block der Linken marschiert, das erkennbar, nur spricht man nicht von ihm. ##renzscheide zwischen rechts und links tritt schärfer hervor. Der trennende Bach ist ein Strom geworden, und man kann es nur wvenn die um Hahn und Oldenburg kräfdas Flußbett noch so zu erweitern, daß iberaler mehr sich auf das andere Ufer kann. Trotz aller Tiraden wird man z nächsten Reichstagswahl von dem rechten in trsuchen, goldene Brücken zu bauen. Aber #r sich auf der linken Seite, sie zu betre##räre eine weltgeschichtliche Dummheit, wenn eine Partei der Linken sich von der Rechten keinfangen ließe und die Phalanx der Linken aen würde. Das Zusammengehen der Linken ist das einzige Mittel, die Junkerherrschaft im Reiche endgiltig zu zerschmettern. Dieser Gedanke muß bis zur nächsten Reichstagswahl Gemeingut im Volke werden. Es erscheint heute schon verwunderlich, daß diese Erkenntnis sich nicht bereits früher durchgesetzt hat. Hätten wir die Erkenntnis schon bei den Wahlen 1907 gehabt, dann wäre eine solche Finanzreform, wie sie uns die konservativ=klerikal=polnische Mehrheit beschert hat, unmöglich gewesen. Das Deutsche Volk ist in seiner Mehrheit fortschrittlich und nicht konservativ gesinnt. 1907 sind etwa 2 Millionen Stimmen mehr für die Parteien der Linken als für die Parteien der Rechten abgegeben worden. Hätten wir das System der Verhältniswahlen über das ganze Reich, dann wäre schon 1907 eine konservativklerikale Mehrheit nicht möglich gewesen. Sie ist möglich geworden durch die Verschiedenartigkeit der Wahlkreise bezüglich der Stimmenanzahl u. durch die unglückliche Blockparole, deren Befolgung den rechtsstehenden Parteien viel mehr Stimmen der Linken als umgekehrt gebracht hat. Hätte schon 1907 nur für die Stichwahl ein Abkommen des linken Blockes bestanden, dann wäre das Wahlergebnis ein ganz anderes geworden. Denn eine Berechnung der auf Grund der 1907 in den einzelnen Wahlkreisen bei der Hauptwahl abgegebenen Stimmen und in der Voraussetzung, daß bei der Stichwahl alle Stimmen der Linken nur für die Kandidaten der Linken abgegeben worden wären, hat das interessante Ergebnis, daß der Reichstag sich folgendermaßen zusammengesetzt hätte. Es würden erhalten haben an Abgeordneten: Sie haben 1907 erhalten. Danach hätte die Linke schon 1907 bei klar ausgesprochener und befolgter Stichwahlparole der Rechten nicht weniger als 50 Sitze abnehmen können. Es ist bitter nötig, daß wir uns diese Zahlen heute vor Augen halten. Was würde dem Vaterlande an gesetzgeberischem Unsinn erspart geblieben sein, wenn die Linke schon 1907 den unerbittlichen Willen zur Macht gehabt hätte. Sogar ohne die Polen, die meistens noch, wenn sie nicht gerade sich im Zentrumskahn befinden, mit der Linken stimmen, würde eine Mehrheit der Linken vorhanden gewesen sein. Den Löwenanteil an den der Rechten abgenommenen Sitzen hätte allerdings die Sozialdemokratie mit 32 Mandaten gehabt, während auf die Nationalliberalen davon nur 13 und auf die Freisinnigen Parteien nur 8 entfallen sein würden. Aber gegenüber der Not der Zeit ist es müßig zu untersuchen, welche Vorteile und Nachteile im einzelnen für diese oder jenc Partei aus einer Wahlparole zu Gunsten des linken Blocks entstehen würden. Alle die kleinen Parteimathematiker beweisen mit solchen Berechnungen nur, daß sie die Zeit nicht begriffen haben. Das deutsche Volk will in seiner überwiegenden Mehrheit den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt. Rechts steht der Feind mit seinen freikonservativen u. antisemitischen Anhang. Ihn zerschmettern zu helfen, muß die vornehmste Aufgabe eines jeden Staatsbürgers sein, der nur ein Fünkchen fortschrittlichen Geistes in sich spürt. Die anderen Fragen, die die Parteien der Linken voneinander trennen, müssen gegenüber der dringenden Aufgabe, die Junkerschaft zu stürzen, zurückgestellt werden. Möge dieser Gedanke bis zur nächsten Reichstagswahl weiteste Verbreitung finden. Nur Einigkeit macht stark. Sorgen wir mit Hilfe des Wahlblocks der Linken dafür, daß dem äußeren Sedan jetzt endlich nach 40 Jahren ein inneres Sedan folge, ein großer Schritt vorwäts auf dem Wege einer freiheitlichen Staatsentwicklung. Schatten. Unter dem weitausgedehnten Gebiete der deutschen Handelspolitik lagern Schatten, die einem klaren Ausblick in die Zukunft hinderlich sind und daher sorgenvolle und verdrossene Stimmungen zeitigen. Die Bemühungen, unseren industriellen Erzeugnissen den Zugang zu den auswärtigen Absatzmärkten zu sichern und zu erleichtern, verursachten stetig sich vergrößernde Schwierigkeiten, über welche auch der stärkste Aufwand an diplomatischen Künsten uns nur unzureichend hinwegzuhelfen vermag. Die handelspolitischen Erfolge, die wir aus den internationalen Verhandlungen heimtragen, sind Zudem in neuerer Zeit wiederholt so kärglich gewesen, daß wir keinen Grund hätten, uns ihrer vor Land und Leuten zu rühmen. Das System dev Schutkölle beherrscht gegenwärtig fast alle Kulturstaaten— selbst die stärkste Burg freihändlerischer Prinzipien drüben in Großbritannien ist längst ins Wanken geraten und könnte bei einem abermaligen Regierungswechsel auseinandergesprengt werden. Je höher nun die Zollschranken in anderen Staaten emporwachsen, desto schwerer wird deren Ueberwindung durch die deutsche Ausfuhrindustrie. Letztere aber bei guten Kräften zu erhalten. ist eines der wichtigsten Erfordernisse der deutschen Wirtschaftspolitik. Mag die Aufnahmefähigkeit des Inlandmarktes noch so hoch bewertet werden, unsere industrielle Produktion ist auch über dei gesteigerte Bedürfnisquote so weit hinausgediehen.. daß sie ohne die breiten Absatzwege ins Ausland in eine unberechenbare Krisis hineingeraten müßte. Als das Deutsche Reich vor einigen Jahren das Gebäude seiner Handelsverträge neu aufrichtete, gab man sich der Hoffnung hin, daß Industrie und Handel zum mindesten für ein Jahrzehnt wohlgeborgen sein würden. Die internationale Wirtschaftsentwicklung hat uns jedoch manche Enttäuschung bereitet und wird, wie leider zu befürchten, der exportierenden Industrie, sowie dem auswärtigen Handel in Zukunft erst recht, mehr als eine Schlappe zufügen. Daß es anderen Staaten mit hochentwickelten Ausfuhrinteressen ähnlich gehen mag, bietet uns schwachen Trost, und die Wahrnehmung, daß Deutschland trotzdem auf den Weltmärkten mit seinen Waren vielen seiner Konkurrenten beträchtlich überlegen ist, darf die peinliche Tatsache nicht vergessen machen, daß hinter den Zollmauern einer Reihe auswärtiger Staaten Industrien sich ausbreiten, die das deutsche Fabrikat aus alten Stammsitzen allmählich herausdrängen werden, teilweise diesem Zielpunkte sich vielleicht auch schon genähert haben. Wie einer solchen Gefährdung unserer Ausfuhr entgegenzuwirken wäre, darüber sollten die geeigneten Erwägungen so frühzeitig als nur möglich angestellt werden.. Von einem Umschwenken in freihändlerische Bahnen kann zurzeit wohl nicht die Rede sein, da, selbst, wenn Deutschland zu einem Vorgehen geneigt wäre. eine prompte Nachfolge gerade unserer wichtigsten Ausfuhrländer schlechterdings nicht zu erwarten ist. Wohl aber wäre es angebracht, zunächst mit einzelnen Nachbarstaaten über eine engere handelspolitische Interessengemeinschaft eine Verständigung anzustreben im Sinne einer wenigstens teilweisen Erleichterung des Güteraustausches. Der Plan einer„mitteleuroräischen Zollunion“ ist wiederholt eingehend erörtert worden, hat jedoch bisher nur mäßigen Beifall gefunden. Die Grundidee zu einem solchen Zusammenschluß einzelner Staaten gegen die Uebermacht großer Wirtschaftsgebiete ist aber richtig, auch könnte ihre Verwirklichung in absehbarer Zeit zu einer diringenden Notwendigkeit werden. Wir wüßten nicht, wie die immer schärfer hervortretenden Tendenzen einer Fernhaltung ausländischen Fabrikate von den benachteiligten Industriestaaten anders bekämpft werden sollen als durch gemeinsame Abwehr der schwächeren Staaten, die unter einander Tarifverträge abschließen und Vergünstigungen zugestehen. Cine prügelnde Lehrerin. S. u. H. Darmstadt 3. März. Eine allzu schlagfertige Lehrerin hatte sich in der Person der 44jährigen Franziska Heling vor der hiesigen ersten Strafkammer wegen Ueberschreitung des Züchtigungsrechtes zu verantworten. Die Angeklagte, die bereits 22 Jahre im Amte steht, besitzt ein sehr lebhaftes Temperament, das schon einmal mit ihr durchgegangen ist. Sie hat sich nämlich einmal während desGottesdienstes dazu hinreißen lassen, einem Schüler des Gymnasiums eine Ohrfeige zu geben, weil er nicht andächtig genug war. Der zur Anklage stehende Fall betraf ein 11jähriges Schulmädchen, Elisabeth Mischler. Die Angeklagte hatte sich darüber geärgert daß der Schulhof durch das weggeworfene Frühstückspapier der Kinder verunreinigt wurde, und hatte das Mädchen beauftragt, das Papier aufzulesen. Die kleine Mischler protestierte gegen dieses Amt, da sie an dem Wegwerfen des Papieres unschuldig sei, weil sie ihr Frühstücksbrot immer ohne Papierumhüllung im Frühstückskasten mitbringe. aber das nutzte nichts. Das Mädchen erzählte die Geschichte zu Hause und der Vater ließ der Lehrerin bestellen, sein Kind sei nicht dazu da, um anderen Leuten den Dreck wegzuräumen. Das Mädchen richtete diese Bestellung auch wortgetreu vor den versammelten Schülerinnen aus und erhielt als Quittung eine Ohrfeige und mehrere Schläge ins Gesicht, Das Mädchen lief nach Hause und bekam bereits unterwegs Erbrechen und Schwindelanfälle. Die Sachverständigen begutachteten daß die Anfälle auf eine Gehirnerschütterung zurückzuführen seien, deren Folgen noch jetzt nach ungefähr zwei Monaten nicht behoben seien. Verschiedene Klassengefährtinnen des gezüchtigten Mädchens bezeichneten dieses als braves und folgsames Kind. Der Staatanwalt gab zu, daß der unglückliche Schlag die Folge einer Verkettung verhängnisvoller Umstände gewesen sei und beantragt unter Zubilligung mildernder Umstände eine Geldstrafe von 200 Mark. Das Urteil des Gerichtshofes lautete auf 100 Mark Geldstrafe, indem die begreifliche Erregung der Angeklagten berücksichtigt wurde Der Vater des Kindes hat sich zivilrechtliche Schadenersatzansprüche vorbehalten. dlagen in Weiss-, Leinen-Waren und Wäsche-Artikeln jeder Art. vemner Posten Bielefelder Leinen-Reste in Breiten v. 80-200 cm außerordentlich billig Dortmund— Steinplatz. Auf der Brautschau. vumoristischer Roman von Felix Brenta. 36 Lantier- suhr fort:„Was gedenken Sie nun zu #. Perden Siean einer öffentlichen Schule StelEen Nachdem ich an einer Privatschule tätig gewurde ich zum mindesten eine lange WarteMachen haben, ehe ich in eine bezahlte Stel#mten könnte. Zu diesem Warten aber fehlen E Atel. Ich muß also sehen, den Kreis meiner hüler zu vergrößern.“ e winderte sich selbst über die ausführliche Antu###n Raupach gab, als wäre er verpflich## wer eine Zukunftspläne Rede zu stehen. Aber „„bohlwollende ruhige Art des alten Herrn Eintestast, Stürlich gezwungen, sich auszuspreE.gg5 haste Zurückhaltung oder auch nur schneidigwußtsein waren seiner Natmr immer freind K. zür wenn er absichtliche Bosheit oder krän##a chkeit spürte, dann bäumte sich sein veraTautf und schlug derb und täppisch aus. „intigen Fragen Herrn Raupachs, so wenig auch schienen, beleidigten ihn gar nicht. Mwohl, dem freundlichen Mann auseinander5einen, wie er sich seine Tätigkeit nun dachte. ### hörte ihm ruhig zu und sagte dann läder uund also fest überzeugt, genug Schüler zu v#en, aus Ihr Leben zu fristen, die Hypothek, wie 1½ dem Grabstein Ihrer Mutter zu tilgen, hosfe gasparnisse zu machen?“ eeien sich wohl für einen ausgezeichneten Leh##eden k 1d antwortete:„Man braucht doch bet wär2..“. geradezu blind zu werden. Diese dümmer als die Verblendung der Aund vo:“ kann mit gutem Gewissen sagen, daß #Leih z# Lanzem Herzen Lehros bin. Wenn man ##ewiß 2.2, Stele bei einer Sache ist, dann macht stimmt“ gans schlecht.“ bern 110 meiner Meinung nach sind Sie ktagend tüchtiger Mensch in Ihrem Fach. Aber das ist nicht genug und hält Sie nicht über Wasser! Lesen Sie mal, was Ihr wackerer Direktor gestern abend an die Eltern Ihrer Schüler für ein Schreiben gerichtet hat.“ Der Kandidat nahm den dargebotenen Zettel, auf dem er in blaufarbigem Abklasch der direktorialen Handschrift folgendes Rundschreiben las:„Ew. Hochwohlgeborenen beehre ich mich ganz ergebenst mitzuteilen, daß ich den Kandidaten der Theologie Heuer, der seines Offiziersranges verlustig erklärt wurde, selbstverständlich sofort von meinem Institut entfernte, und können Ew. Hochwohlgeboren versichert sein, daß ich das Vertrauen der mich beehrenden Familien auch fernerhin rechtfertigen und den vornehmen Ruf meiner Schule tadellos rein erhalten werde. Um jeden verderblichen Einfluß unmöglich zu machen, werdeich meine Zöglinge anweisen, bei dem entlassenen Kandidaten Heuer künftig auch keinen Privatunterricht mehr zu nehmen, und wäre ich Ew. Hochwohlgeboren zu ganz besonderem Dank verpflichtet, wenn mich Ew. Hochwohlgeboren in diesem meinem ernsten Streben, nur ganz einwandfreie Persönlichkeiten zum Unterricht zuzulassen, geneigtest unterstützen möchten. Mit der Bitte, meiner Schule Ew. Hochwohlgeboren gütiges Wohlwollen auch fernerhin bewahren zu wollen, zeichnet mit vorzüglicher Ergebenheit und hochachtungsvollst Tobias Träger, Direktor des staatlich anerkannten Trägerschen Knabeninstituts.“ „Pfui Deibel,“ sagte Heinz, und bedauerte herzlich, sich in Raupachs Gesellschaft als Theologe keinen kräftigeren Fluch gestatten zu können.„Gestern abend hat der Kerl das bereits herumgeschickt und vor einer Stunde hat er mich noch angewedelt. Ich weiß nicht, wovon mir übel wird, von der Gesinnung oder vom Stil des Menschen. Und der unterrichtet nun meine lieben Ben gels! Man möchte mit Armen und Beinen dazwischen hauen. Und einen Geschmack habe ich nach dem Brief im Munde wie nach Schneckenleim mit Giftzücker. Pfui Deibel!" „Der Spucknapf steht hinter der Tür und ist zu Ihrer Verfügung,“ versetzte der Bankier gelassen.„Also suchen Sie Ihre Empörung möglichst zu beschwichtigen und sagen Sie mir dann, was Sie jetzt noch von Ihren Privatstunden hoffen.“ „Ja, glauben Sie denn, daß dieser Brief bei irgend jemand Erfolg haben wird?“ Herr Raupach verzog keine Miene. Freundlich, als ob er seiner Familie beweise, daß er wieder einmal recht habe, erwiderte er:„Bei mir hat der Brief Erfolg! Und bei einigen Herren, die ich gestern abend im Klub sprach, und die auch ihre Söhne das Trägersche Institut besuchen lassen, hat der Brief ebenfalls Erfolg gehabt.“ Einen Augenblick fand des Kandidaten Staunen vor Empörung keine Worte. Er war ja gleich anfangs darauf gefaßt gewesen, daß ihm auch hier die Tür gewiesen werden sollte. Aber dann hatte die gutmütige Art des Bankiers doch seiner Hoffnung neue Nahrung gegeben. Er hatte bei dem liebenswürdigen Herrn auf freundlichen Beistand gerechnet. Um so grimmiger packte ihn jetzt nach diesen kühlen, gleichgültigen Worten die Enttäuschung. Daß sich ernste, vernünftige Männer von solch einem erbärmlichen Kriecher beeinflussen ließen, das schien ihm ganz unerhört. Heinz drückte dem Bankier in einigen erregten Worten diese Ansicht deutlich aus und bezeichnete, um seine Meinung noch deutlicher zu machen, den Herrn Direktor Träger mit dem Ausdruck„Schweinehund.“ Herr Raupach lächelte über diese Bezeichnung. Ohne sie geradezu als ganz unrichtig hinzustellen, vertrat er zu Heinz' Ueberraschung die Anschauung, daß der biedere Direktor vielleicht treffender mit einem Ochsen zu vergleichen sei, und nachdem sie sich schließlich auf den umfassenderen Ausdruck„Vieh“ geeinigt hatten, fuhr der Bankier in seinem bestimmten, etwas selbstgefälligen Tonfall fort:„Haben Sie nun, bitte, die Güte, sich die Art des Erfolges, den Ihr würdiger Oberschulmeister bei mir und meinen Freunden mit seinem Brief gehabt hat, näher erläutern zu lassen: Wir waren gestern im Klub einstimmig der Meinung, zu einem Manne, der seinen tüchtigsten Lebrer so grundlos entläßt, unsere Söhne nicht mehr in die Schule zu schicken. Heute mittag wird er die Abmeldung unserer Jungens erhalten. Ich hoffe, daß sich hier in der Stadt bis Ostern ein gleichwertiges oder vielmehr besseres Institut gebildet haben wird zu unserer Kinder und vielleicht auch zu Ihrem Besten. Wenn ich an Ihrer Stelle wäre, würde ich keinen Augenblick zögern, mit dem Direktor Träger in Wettbewerb zu treten, und selbst eine derartige Anstalt zu gründen.“ Heinz hatte diese Worte mit sonderbarer, halberstickten Tönen der Freude begleitet. Jetzt aber lachte er herzlich. „Das wäre allerdings ein hübscher und zweifellos ganz einträglicher Gedanke," sagte er,„aber nur an Iyrer Stelle könnte ich ihn ausführen. Denn dazu gehört ein Kapital, und das habe ich leider nicht. Das ist mir schon einmal deutlich vorgehalten worden.“ „Hm!“ schmunzelte Herr Raupach.„Sie geben wohl nur Sprach=Unterricht? Sonst würden Sie sich auf die schöne Rechenregel besinnen:„Kann ich nicht, borg ich mir eins. Wollen Sie sich nicht eins borgen?“ „Ein Kapital zur Gründung einer Schule?“ „Jawohl!" „Ja, wenn ich jemand fände...“ „Na, gehen Sie mal nach Hause, stellen Sie sich einen Plan auf und überlegen Sie sich, wieviel Sie etwa brauchen. Dann will ich mir Ihren Vorschlag kaufmännisch betrachten. Denn, kurz und gut, meine Freunde und ich hätten Lust, das Geschäft mit Ihnen zu machen.“ „Mein bester Herr Raupach, wie soll ich Ihnen danken?“ „Gar nicht, mein Lieber,“ wehrte dieser ab.„Wir triefen keineswegs von selbstloser Nächstenliebe, sondern wir wollen einfach eine gute Schule für unsere Kinder haben und dabei gleich ein gutes Geschäft machen. Wenn unser Vorteil mit dem Ihrigen zusammen geht, ist mir das natürlich sehr angenehm. Jetzt gehen Sie also, bitte, nach Hause und rechnen fleißig. Heute nachmittag besprechen wir bei einer Tasse Kaffee das weitere!“ *** Heinz erschlen nachmittags zu der Tasse Kaffee so unhöflich zeitig, daß Herr Raupach noch schlief. Margarete hatte jedoch die Geduld, sich seinen Schulplan zweimal hintereinander vorlesen zu lassen. Sie hatte sich weder von dem Beschlusse des Ehrenrates, noch von dem Rundschreiben Direktor Trägers beeinflussen lassen, und Heinz befand sich in ihrer Nähe, genau so wohl, als wäre er noch im Besitz aller geselltlichen Ehrenrechte gewesen. 17718 Deutscher Neichstag. Berlin, 5. März Die Beratung des Etats des Reichsamts des Innern wird bei den einmaligen Ausgaben sortgesetzt. Abg. Arendt(Rp.) bittet um Erhöhung des Zuschusses zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit. Die Abgeordneten Zietsch(Soz.), v. Richthosen(kons.), Bassermann(nat.=lib.), Doormann(freis. Vp.), v. Oppersdorf(Zenkr.) schließen sich dem Wunsche an und heben namentlich hervor, daß die Säuglingssterblichkeit in Deutschland größer sei als in anderen Staaten. Staatssekretär Delbrück: In der Anerkennung der hohen kulturellen Bedeutung der Säuglingsfürsorge bin ich mit den Vorrednern einig. In erster Linie wird es freilich Sache der Gemeinden sein, auf diesem Gebiete zu wirken. Es erscheint daher zweiselhaft, ob es angebracht ist, ein Staats= oder Reichsinstitut zu schaffen, oder ob aicht ein selbständiges privates Institut dazu besser geeignet ist, auf das allerdings Reich und Staat einen gewissen Einfluß haben müßten. Die Abstimmung über die Resolution Bassermann erfolgt erst bei der dritten Lesung. Abg. Müller=Meiningen(freis. Vp.) spricht namens der Stadt München den Dank für die selbstlose Untertützung aus, die das Reich und die Einzelstaaten dem deutschen Museum in München haben zuteil werden lassen. Bei dem Titel„Erforschung und Bekämpfung der Tuberkulose“ erörtert Abg. Zietsch(Soz.) eingehend, wie furchtbar die Tuberkulose namentlich unter den Vorzellanarbeitern wüte. Präsident Graf Schwerin: Ich habe dem Redner Spielraum gelassen; aber eine so ausgedehnte Schilderung der Zustände in jener Industrie geht über den Rahmen dieses Titels hinaus. Abg. Zietsch: Meine Ausführungen gehören bei diesem Titel doch wesentlich mehr zur Sache, als neulich die Hahn= und Bauerndebatten zum Staatssekretärtitel. Präsident Graf Schwerin(etwas erregt und lebhaft): Ich ersuche Sie nochmals, nur zur Sache zu sprechen. Abg. Zietsch verläßt die Rednertribüne mit den Worten: Dann werde ich bei der dritten Lesung auf den Gegenstand zurückkommen. Bei dem Titel„Zwei Millionen Mark Zuschuß des Reiches zur Herstellung geeigneter Kleinwohnungen für Arbeiter und gering besoldete Beamte“ bedauert Abg. Weber(nat.=lib.), daß diesmal für diesen Zweck nur zwei Millionen eingestellt sind, gegenüber vier Millionen im vorigen Etat. Wir möchten, daß weniguens vom nächsten Jahre an wieder vier Millionen Mark eingestellt werden. Der Titel wird genehmigt. Bei der Position: „21 Millionen Mark vierte Rate zur Erweiterung des Kaiser=Wilhelm=Kanals wünscht Abg. Görck(nat.=lib.) reichlichere und willigere Entschädigungen an die durch die Kanalerweiterung und namentlich durch den Bau der neuen Hochbrücke bei Rendsbura benachteilig Damit ist der Etat des Reichsamts des Innern erledigt. Es folgt der Marineetat. zunächst Titel„Gehalt des Staatssekretärs“. Abg. Oppersdorf(Zentr.): Wir wünschen, daß der Reichsschatzsekretär seinen Daumen gerade auch auf den Marineetat hält.(Sehr richtig! im Zentrum.) Sache der Diplomaten wäre es eigentlich, zu erwägen, ob und wie durch eine Verständigung dem verderblichen Wettrüsten ein Ende gemacht werden kann. Auffallend groß ist im Reichsmarineamt die Zahl der vortragenden Räte; auffallend groß die Steigerueg der Besoldungsaufwendungen. Größere Sparsamkeit ist unbedingt nötig. Auf den Werften bedarf es einer schärferen Kontrolle. Der deutsche Kriegsschiffbau läßt noch manches zu wünschen übrig. Die Monopolstellung zweier großer Firmen zur Lieferung von Panzerplatten und Schiffsarmierungen spielt dabei eine große Rolle. Es fehlt die Konkurrenz. Aber warum soll Deutschland andauernd die hohen Preise von Krupp zahlen? Staatssekretär v. Tirpitz: Wenn wir eine Marine haben wollen, die Bedeutung haben soll, dann müssen aber die Kosten so steigen, wie wir sie veranschlagt haben. Der Nutzeffekt der Marine ist tatsächlich mehr gestiegen als die Kosten des Werftbetriebes. Unsere Schisse sind 44 Jahre dauernd im Dienst, ehe sie reparaturbedürftig sind. Das ist eine verhältnismäßig lange Zeit. Auch die Zahl unserer höheren Beamten ist keine allzu hohe. Unser Etat ist so übersichtlich und tlar, daß man ihn sich schon in Frankreich hat zum Muster nehmen wollen. Daß wir die besten Absichten haben, unser Personal kaufmännisch auszubilden, habe ich schon in der Kommission gesagt. Selbst die größten saufmännischen Institute, hervorragende Banken, haben Juristen an ihrer Spitze. Mit Ehrhardt haben wir 1904 einmal einen Versuch machen wollen, haben aber von ihm kein Geschütz geliesert bekommen. Anderseits hat Krupp einen wesentlichen Nachlaß zugestanden. Aluch hatten wir uns ihm gegenüber nur für drei Jahre gebunden, so daß wir 1907 wieder frei waren für den Fall, daß wir anderweitig billiger und besser geliefert bekamen. Und 1907 habe ich mich, ehe wir mit Krupp kontrahierten, bemüht, eine Konkurrenz zu schaffen. Ich habe sogar mit einer amerikanischen Firma wegen Panzerplatten verhandelt. Die Antwort lautete jedoch: Wir ziehen es vor, unsere Platten erst dann der Prüsung Ihrer Offiziere zu unterwersen, wenn wir in der Lage sind, einen größeren Lieferungsvertrag absuschließen. Damit war es also nichts. Und Thyssen hat, als wir es dort versuchten, ebenfalls erklärt,„heute noch nicht auf eine solche Erweiterung seines Unternehmens sich einlassen zu können". Also schlossen wir wieder mit Krupp ab und zwar billiger. Und dadurch haben wir dem Reiche zwölf Millionen gespart. Wir haben bei Krupp die besten und billigsten Platten der Welt. Das hindert jedoch nicht, daß wir uns noch weiter bemühen werden. Neuerdings ist Thyssen an ins herangetreten und hat Angabe der Preise gewünscht, die wir zahlen. Ich habe sie ihm genannt. Seine Antwort atmete keineswegs große Freudigkeit, zu liesern; sie ging dahin: Wenn wir gleich auf zehn Jahre mit ihm abschließen wollten, würde er uns bis 1915 mit einem kleinen Preisnachlaß liesern. Nach 1915 will er aber nicht schlechter gestellt sein als andere Konkurrenten. Dann will er also nicht mehr billiger liefern, obwohl wir uns auf zehn Jahre binden sollen. Das haben wir abgelehnt. Der Vorwurs, daß Wedel=Wetterlé. Srhllgs Abo ichterte geteden Zu der in den letzten Tagen vielbesprochenen kleinen, im Grund vielleicht zemlich harmlosen GesellschaftsAffäre zwischen dem bekannten Rei####tagsabgrordneten Wetterle, dem Führer der französischen Partei ElsaßLothringens und der Gemahlin des Statthalters, der Gräfin Wedel bringen wir heute die Bilder des Statthalters und seiner Gemahlin, sowie dasjenige Wetterles.. Bekanntlich hatte sich Wetterle, der erst kürzlich wegen beleidigenden Angriffs auf einen deutschen Gymnasialdirektor zwei Monate Gefängnis verbüßte, gerümht, von der Gemahlin des Statthalters im Gefängnis einen Bries in französischer Sprache und Kotillongaben erhalten zu haben. Dieser an sich harmlose Vorgang hat zu zahlreichen Krittken und Angrifen gegen den Statthalter und seine Gemahlin geführt. Neuerdings wird übrigens behauptet, und es klingt dies nicht sehr unwahrscheinlich, daß die Sendung, als deren Empfänger sich Abgeordneter Wetterle bezeichnete, an die Adresse seiner Mutter gerichtet war, und erst durch deren Vermittlung Wetterle zugesandt worden ist. wir ein Monopol begünstigten, kann nicht aufrechterhalten werden. Die Kontrolle haben wir verschärft. Sie fordern Sparsamkeit! Aber was ist nicht alles mit den Geldern geleistet worden, die das Haus bewilligt hat! Wenn Sie uns auch in der Sparsamkeitsfrage mit anderen Staaten vergleichen wollen, so denke ich, wird die deutsche Marineverwaltung nicht schlecht abschließen.(Bravo!) Abg. Haus Edler zu Putlitz(kons.): Das Flottenprogramm bietet für absehbare Zeit diejenigen Garantien, die wir brauchen. Protestieren muß ich gegen die Ausführungen Gädkes im„Berl. Tagebl.“. Diese Gädkeschen Ausführungen über eine verhüllte Ueberschreitung unseres Flottenprogramms sind falsch. Der Kieler Werftprozeß hatten erfreulicherweise keinen Schatten auf die höheren Beamten und die Art des Werftbetriebes geworsen. Abg. Samler(nat.=lib.): Der Angriff des Abg. Oppersdorf war interessant; war das Thyssens Geschoß? Der fordert eine technische Kommission, die im Marinedienst neben den Offizieren arbeitet. Alle Werftbeamten nicht an dem Verkehr mit Abgeordneten. Redner bringt Wünsche der Werftarbeiter zur Sprache und kritisiert das Monopol Krupp. Abg. Leonhart(freis. Vp.): Die Frage des Wettrüstens würden wir nicht hier, sondern beim Etat des Reichskanzlers erörtern und dann von ihm eine positive Antwort von ihm verlangen. England kann für uns kein Muster sein; denn da kommen wir nicht mit. An den Abstrichen der Kommission halten wir fest. Staatssekretär v. Tirpitz: Wir hindern die Kieler Werftbeamten nicht an den Verkehr mit Abgeordneten. Die Bücher von 25 Schiffen über die Messegelder weisen nur 10 M. Ersparnis pro Kopf und Monat aus. Abg. Dr. Südekum(Soz.): Beim Marineetat muß in diesem Jahre über die Vorkommnisse auf den Werften und die Erfahrungen des Grasen Oppersdorff über die Firma Thyssen besonders ausführlich verhandelt werden. Auf diese Eröffnungen muß der Staatssekretär befriedigende Aufklärungen geben. Die Marine ist schuld an dem Finanzjammer des Reiches. Das Reich ist nicht gebunden durch das Flottengesetz. Die Ausgaben sind auf 46 Millionen jährlich gestiegen. Für Arbeiterwohnungen müssen wir um 2 Millionen seischen. Der Redner bespricht unser Verhältnis zu England.(Reichskanzler v. Bethmann Hollweg betritt den Saal.) Wegen der reaktionären Politik im Innern, mit der brutalen Niederhaltung der Volksströmungen können wir die gegenwärtige Regierung nicht unterstützen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Reichskanzler v. Bethmann Hollweg: Mir wird mitgeteilt, daß ein Vorredner ausführliche Erörterungen über unser Verhältnis zu England angestellt hat. Ich bin nicht in der Lage gewesen, diesem Teil seiner Ausführungen persönlich zu folgen, will aber nicht unterlassen, sofort einige Worte dazu zu sagen. Unser Verhältnis zu England liegt klar und offen vor jedermanns Augen. Daß wir unsere Flotte nicht zu aggressiven Zwecken bauen, sondern lediglich, weil wir überzeugt sind, zum Schutze unserer Küste und des Handels einer aktionsfähigen Seemacht zu bedürfen, ist so oft ausgesprochen worden, nicht nur hier von der Bundesratsbank aus, sondern auch aus der Mitte des Reichstages heraus, das ich nicht wiederholen will, was einmal feststeht. Und ebenso ist durch unser Flottengesetz aller Welt bekannt, in welchem Umfange und welchem Zeitabschnitt wir Schiffe bauen werden. Dies vollzieht sich dabei nicht heimlich oder in einer Form, die irgendeiner anderen Macht seindselig wäre, oder sie bedrohen, oder auch nur den Verdacht einer solchen Feindseiligkeit oder Bedrohung hervorrufen könnte. Und schließlich tritt ebenso offen unser Wunsch zutage, unbefangen und aufrichtig das freundschaftliche Verhältnis zu England zu pflegen.(Bravo.) Ich habe darüber bereits in der ersten Lesung des Etats gesprochen. Unsere auswärtige Politik ist nicht nur England, sondern allen Mächten gegenüber lediglich darauf gerichtet, die wirtschaftlichen und kulturellen Kräfte Deutschlands frei zur Entfaltung zu bringen. Diese Richtlinie ist nicht künstlich gewählt, sondern ergibt sich von selbst aus dem Dasein dieser Kräfte. Ich sehe nicht ein, weshalb diese freundschaftlichen Beziehungen zu einem Lande gestört werden sollten, das mit unserem wirtschaftlichen und kulturellen Leben so nahe verbunden ist wie England.(Sehr wahr.) Den friedlichen Wettbewerb aller Nationen kann keine Macht der Erde mehr ausschalten oder unterdrücken.(Sehr wahr und lebhafter Beifall.) Wir sind also darauf angewiesen, nach den Grundsätzen eines ehrlichen Kaufmannes zu verfahren. Ich bin überzeugt, daß sich auf dieser Grundlage die vertrauensvollen Beziehungen, die wir zu der englischen Regierung unterhalten, künftio sortentwickeln und gleichzeitig die Volksstimmung in demselben Geiste beeinflussen werden.(Lebhafter Beifall au allen Seiten des HausesAbg. Erzverger(Zentrum) äußert sich über Verwaltungsangelegenheiten. Staatssekretär v. Tirpitz: Ich gebe zu, daß in den Verwaltungen Verbesserungen noch möglich sind. Dem Abg. Südekum bemerke ich, daß Mißhandlungen an Bord bei uns zu den großen Seltenheiten gehören. Montag 1 Uhr: Fortsetzung der Beratung. Schluß 17 Uhr. Berlin, 5. März Das Haus erledigte am Samstag zunächst in unwesentlicher Debatte Eingemeindungsfragen. Die Vorlagen betreffend die Erweiterung der Stadtkreise Essen, Köln, Ratibor und Kiel wurden ohne Debatte in zweiter Lesung angenommen. Dann wandte sich das Haus der zweiten Lesung des Etats der Handels= und Gewerbeverwaltung u. Abg. Felisch(kons.) befürwortete eine andere, bessere Ausbildung der Fachlehrer zu den technischen Mittelschulen. Diese Lehrer sollten nicht in erster Linie Berufslehrer sein, sondern lehrende Fachmänner. Leider verschwinde diese Art der Lehrer immer mehr. Handelsminister Sydow erklärte, daß er gleichfalls der Ansicht sei, daß die Lehrer an den Baugewerkschulen nicht zu theoretisch sein sollten. Abg. Malkewitz(kons.) bedauerte den raschen Wechsel in der Person des Handelsministers. Auf den politischen Kampf der bürgerlichen Parteien, bei dem die Sozialdemokratie der lachende Dritte sei, erklärte der Redner nicht eingehen zu wollen. Der Redner besprach dann Handwerkerfragen und forderte größere Berücksichtigung des Handwerks bei Submissionen, Gleichberechtigung der Handwerks= mit den Handelskammern, staatliche Förderung der Meisterkurse, des Lehrlingswesens und der Jugendfürsorge. Abg. Grunenberg(Zentr.) lobte die Schutzzollpolitik. Die Zahl der Arbeitslosen sei in Deutschland sei dazu.„„„„ werde. Die Regierung sollte keine amerikanischen Zustände bei uns aufkommen lassen. Auch der Zentrumsredner forderte energische Maßnahmen zum Schutze des Handwerks. Das Haus vertagte sich sodann auf Montag 11 Uhr: Zweite und dritte Lesung von Stadterweiterungsvorlagen, Handelsetat. Schluß 15 Uhr. Graf Pfeil vor dem Oberkriegsgericht. S. u. H. Thorn, 4. März. Zu der heutigen Sitzung erscheint die Gräfin Pfeil etwas verspätet, da sie, wie ihr Detektiv Gräger angibt, infolge der ununterbrochenen Reise von Paris hierher körperlich erschöpft ist. Der Untersuchungsrichter Kriegsgerichtsrat Bernhold wird über seine Wahrnehmungen bei der Voruntersuchung vernommen. Er erklärt, er habe den Eindruck gewonnen, daß Graf Pfeil auf die Zeugen einen großen Einfluß ausgeübt habe. Er habe die Zeugen auch daraufhin geprüft, ob sie etwa von Seiten des Detektivs Gräger beeinflußt sein könnten, doch habe sich diese Vermutung als ausgeschlossen erwiesen. Der Zeuge gibt zu verstehen, daß nach seiner Auffassung der Graf namentlich seinen früheren Burschen Zensen in einer Weise beeinflußt habe, die ihm zu Bedenken Anlaß gebe. Der Verhandlungsführer konstatiert, daß man auch zu einem anderen Schluß kommen könne. Der Graf habe vielleicht gewußt, daß der Zeuge Jensen in seinen Angaben sehr schwanke und habe ihn nur ermahnen wollen, bei der Wahrheit gu bleiben. Auf Befragen durch den Grafen, ob der Zeuge wisse, daß er, der Graf, einmal von seiner Frau Schuft und Lump genannt worden sei, erzählt der Zeuge die betreffende Szene. Bei einer Vernehmung des gräflichen Paares habe der Graf in vertraulicher Weise seine ehemalige Frau geduzt, die sich das schroff verbeten habe. Der Graf habe dann auf die Ehezerwärfnisse im Hause des Grafen Gersdorff, des Schwagers der Gräfin Pfeil angespielt und sich dahin geäußert, als ob die Familie Heim auch an seinen Ehestreitigkeiten die Schuld trage. Er habe gefragt, aus welchen Gründen die Schwester der Gräfin, die Gräfin Gersdorff in Monte Carlo Selbstmord begangen habe. Die Gräfin Pfeil habe darauf geantwortet: Weil sie eben so einen Lumpen zum Mann hatte wie ich.— Graf Pfeil verzichtet auf eine weitere Aufklärung dieses Falles. Der Zeuge bestätigt auch, daß die Gräfin den Dr. Breslauer, als dieser sich über den Gesundheitszustand der beiden Untersuchungsrichter äußern sollte.### schwiegenheit entbunden habe, der Graf d. Ferner gibt der Zeuge an, daß er aus heia.“ Papieren des Grafen ersehen habe, daß a.““ Frau noch während der Ehescheidung beobachten ließ, was der Graf bestritten weiteren Verlauf der Verhandlungen stege#. fin dem Detektiv Gräger das Zeugnis ihre Interessen in durchaus einwandsfreier m.: genommen habe, er sei ein pflichtgetreuer und Beamter und sie beantrage ev. über seine digkeit den Prinzen Oskar von Preußen und 1. sönlichen Adjatant des Kaisers v. Kontard d### den zu lassen. Zeuge Oberstleutnant Felix (Liegnitz) hat auf Veranlassung des Grufe annäherungsversuche zwischen den beiden Eheg### macht, als die Gräfin ihren Mann verlasse das Hotel„Prinz Heinrich“ nach Liegnitz Auberggwar. Der Zeuge hat sich zu der Gräfin bea## vom christlichen Standpunkte aus versucht, ein gung wieder herbeizuführen. Die Gräfin war— dazu bereit, wollte aber später nach Hause zung. unter der Bedingung, daß sie Graf Pfeil verönig# hole. Das ist dann auch geschehen. Der Jeng, kundet ferner, daß Graf Pfeil oft ganze Näct, ihm zugebracht und sich über seine traurigen hältnisse beklagt habe. Er, Zeuge, habe ihn dam Kräften zu trösten versucht. Der Zeuge gibt lichkeit zu, daß die Gräfin sich ihm gegenüber beklagt habe, daß sie gewissen Rohheiten von ihres Mannes ausgesetzt sei. Am Grabe ihre des habe die Gräfin einen Ohnmachtsanfall gen Der Verhandlungsführer bittet den Zeugen, sich sichtiger auszudrücken. Die Gräfin Pfeil sellt gegenüber fest, daß der Zeuge, eine so virah und verkommene Mutter, die am Grabe ihtes# heuchele, versucht habe, mit ihrem Gatten und Kindern wieder zu vereinigen. Die Kindir de### lichen Paares sind nach dem Zeugen bei dem Frei von Richthofen und dessen beiden Schwestern gu gebracht und genössen eine treffliche Erziehung. 6 Pfeil: Man hat es nur unterlassen, die Muten der Erziehung teilnehmen zu lassen. Zu den Rockefellerschen Milliarde stiftungen. Der bekannte Oelkönig John D. Rockefeller, bereits des öfteren durch große Schenkungen zu tätigen Zwecken von sich reden machte, hat inn eine neue Stiftung gemacht, Die in ihren gigau Dimensionen wohl unerreicht dasteht. Nicht als 1200 Millionen Mark hat er aus seinem en# John D. Rockefeller Vermögen diesem„Wohltätigkeitstrust“ Abetwich der Bestimmnug, daß die über 80 Millionen bettast jährliche Zinssumme des Kapitals alljährlich in teresse der ganzen Menschheit ohne Unterschied d oder Religion verausgabt werde. Wir bringen das Bild Rockefellers, der bekanntlich früher sce Millionen zu wohltätigen Zwecken gestiftet ha, zur Zeit im 78. Lebensjahre steht. Dortmund 6. Soeben ist vom Union eine Uebersicht a0 Tätigkeit der Rennvereine im Jahre 1909 herah ben. In Deutschland bestehen 114 Rennvereint## diesen sind in Summa 7780162 Mark Pras Prämien gegeben und 1169 Ehrenpreise. Vr“ r, Vereinen haben vierzehn mindestens 150.000 h Preise gegeben. An erster Stelle stehen dieVereine. Hoppegarten mit 967278 Mark,. mit 890 665 Mark, und Karlshorst mit 731!!7 Dann kommen die Rennplätze Baden=Bader Hamburg=Horn 426 170 Mark, Köln 393 Frankfurt 351 290 Mark, Hamburg=Bokstet Mark, Dresden 287180 Mark, Dortmund* Mark, Berlin=Strausberg 206 750 Mark, 2., 197690 Mark, Breslau 169 204 Mark, Mark. Die Vereine Dortmund und Be##—„ berg erhalten von keiner Seite Anterltithg Zuschüsse, wogegen die anderen Verein u1,### 1,500,000 Staats=Union=Klub resp. Gradtbe“„„ preise teilen. Dortmund und Berlin=Strausse auf ihre eigenen Einnahmen resp. Mittel#### Aus eigenen Mitteln, d. h. aus den Eint 11## Entree, Totalisator=Erlös usw. giebt Mark und steht mit diesem Betrage an fun von sämtlichen Renn=Vereinen DeutschlandMAGGT—1 deutsche Staatspreise 9 Großpreise, 72 Goldene Medaillen, II Ehrendiplome, 23 Ehrenpreise. Ein sprechender Beweis hervorragender Qualität. Küche" 5• 988 9. 5" S. O3GTeT am- JxOs ———— 2.5 *"—* •• — SO * " 97— ogg T o f-- O n □** BSas-Sasel Se##ge 2 2 * □ —• ** ** #R*Bn S SSSASS —.—*—.„ —*—** B. □ SKSSESS S• B " S. Sa SS 22. In der Mitte stand das Bild dessen, der heute Geburtstag feierte. Das Bild des Königs, dem auch er einmal den Treuschwur geleistet hatte: Unter bessen Augen wollte er zum Verbrecher werden???! Es rüttelte und packte ihn, stieß ihn an die Wand, zog ihn vorwärts zum Geldspint hin Seine ganze ungebrochene Kraft setzte er ein, um schnel! mit der Tat fertig zu werden. Und konnte sich doch nicht rühren, denn die Augen begleiteten ihn, liefen mit jeder seiner Bewegungen. Die stolzen, scharfen Augen, unter denen er mehr wie einmal auf dem Tempelhofer Felde exerziert hatte Und heute war sein Geburtstag. Es ging nicht. Der Treuschwur und die Knabenliebe ließen es nicht zu. Vor dem Bilde warf er sich nieder und schluchzte laut auf. Dann raffte er sich emvor und stürzte zur Tür hinaus. Das schwerste Brecheisen lag vergessen auf dem kostbaren Teppich, er hastete den Tönen entgegen, die auf der Straße erklangen: Wir schwören heut aufs Neue Herr Kaiser, dir die Treue. Und Karl Hartentoog lief weiter— immer weiter dem Bahnhof entgegen, denn er wollte nochin dieser Nacht nach Hause in sein Dorf. Im Hanse Pünktlich (Nachdruck verboten.) wird Schlag 1 Uhr gespeist.— Frau Pünktlich schaut vorsichtig durch die Fenster=Vorhänge; sie erwartet ihren Gemahl, der seit Morgens vom Hause abwesend, eben eiligen Schrittes auf's Haus zukommt; er hat sich um 10 Minuten verspätet!— Beim Eintritt in's Zimmer empfängt ihn Frau Pünktlich mit den Worten:„Als Du die Glocke zogst, glaubte ich schon, es wäre der Arzt Er(beunruhigt):„Du hast ihn erwartet? Du bist doch nicht erkrankt?“ Sie:„Blaubst Du, eine Gesundheit von Eisen könnte einem Magen stand halten, der durch unregelmäßig: Mahlzeiten planmäßig ruiniert wird? Meinst Du etwa, daß man nicht vor Angst und Aufregung krank werden müsse, wenn man jeden Augenblick befürchtet, einen Unglücksboten eintreten zu sehen, der einer armen geängsteten Frau die Nachricht bringt:„Ein Stellwagen ist Ihrem Gemahl über den Magen gefahren?“ Der Herr Gemahl fühlt das Nahen des Sturmes und schweigt. Sie:„Willst Du nicht die Güte haben, mir wenigstens auf eine Frage zu antworten?“ Er:„Auf welche?“ Sie:„Ich möchte gerne wissen, ob Du die Absicht hast, täglich um diese Zeit nach Hausezu kommen.“ Er(sanft):„Liebes Kind, Du wirst doch keinen Skandal anschlagen wollen, weil ich mich um 10 armselige Minuten verspätet habe?—— Ich wurde durch eine Geschäftsangelegenheit zurückgehalten.“ Sie:„Wer bürgt mir dafür, daß Du nicht nächstens noch um eine Woche zu spät kommen wirst; mit 10 Minuten fängt man an und endigt mit Jahren.“ Er:„Das kommt wohl kaum vor.“ Sie:„So—— o? Das kommt nicht vor?— Hast Du mir nicht erst gestern abend von einem Seemann erzählt, welcher abreisend, seiner Frau versprach, bald zurückzukehren und seither nichts mehr von sich hören ließ?“ Er:„Aber liebes Kind, das war ja vor achtzig Jahren!“ Sie:„Gleichviel. Darum ist er doch schuldig.“ Er:„Und dann sagte ich Dir, daß er bei einem Schifsbruch um's Leben gekommen sei.“ Sie:„Das könnte Jeder behaupten, wenn Niemand da ist, ihn Lügen zu strafen.— Ah! Du täuschest Dich gründlich, wenn Du glaubst, daß ich mich zum Besten halten lasse, wenn Du eines Tages in die Zeitung einrücken lässest, Du seiest in einem Luftballon aufgestiegen. der niemals niedergegangen ist. Bei mir wirken derlei Geschichten nich..... ebensowenig, wie die von heute.“ Er:„Ich begreife nicht, welche Geschichte Du meinst.“ Sie:„Nun, Deine„Geschäftsangelegenheit“, von der man, wie es scheint, nicht einmal wissen darf, worin denn die Geschäfte bestanden.“ Er:„Ich wurde dringend um Geheimhaltung ersucht.“ Sie: Ah! Ah! Der Herr erklärt sein geheimnisvolles Ausbleiben mit einem neuen Rätsel, und wenn man ihn um die Lösung fragt dann schließt er die Lippen und sagt, es wäre ein kostbares Ge—heim—nis! O! Ich bin nicht neugierig, es zu erfahren. Dein kostbares Ge— heim—nis; derlei erfährt man gewöhnlich noch früh genug.“ Er:„Du magst Dir unnötige Sorgen, liebes Kind. Ich versichere Dich, daß ich durch eine fremde Angelegenheit zurückgehalten wurde.“ Sie:„Eine saubere Angelegenheit das, welche Du nicht eingestehen darfst... Außer dem Hause, ich weiß es nur zu gut, gibt es keinen, der so viel spräche, als Du; aber zu Hausc muß man Dir jedes Wort beinahe mit einer Zange herausreißen.“ Er„Ich wiederhole Dir, daß es ein Geheimnis, und zwar nicht das meinige ist.“ Sie:„Ha! ha! Eine gute Ausrede!“ Er(den Zorn niederkämpfend):„Du wirst mich noch verrückt machen.“ Sie:„Dazu hast Du zu wenig Herz!“ Er:„Nun, um des lieben Friedens halber will ich Dir alles sagen.“ Sie:„Rein, nein, es ist unnötig.“ Schluß folgt. — Zum Aufhängen. In den Hörsälen der Berliner Almamater sind neben dem Katheder zwei Kleiderhaken in der Wand befestigt und zwischen diesen beiden Haken steht zu lesen: Nur für Dozenten!— Ein human gesinnter Studiosus hat zur Beruhigung der dozierenden Herren unter einem solchen Hakenpaar den Zusatz gemacht: Wird jedoch meist zum Aufhängen von Kleidungsstücken, benutzt. — Der alte, ehrwürdige Klient. In Anwaltsprozessen, bei denen die Parteien meist nicht versönlich erscheinen, sondern durch Anwälte vertreten sind, kann sich das Gericht kein Urteil auf Grund des persönlichen Eindrucks über die Streitenden bilden. Die Rechtsanwälte sind deshalb bemüht, ihre Klienten bei Gericht in das beste Licht zu senen und an der Gegenpartei dagegen kein gutes Haar zu lassen. So schilderte vor einiger Zeit ein Rechtsanwalt seinen Klienten als einen alten, ehrwürdigen, sehr gewissenhaften Herrn, der gewissermaßen mit einem Fuß im Grab stehe und nicht einmal einer bewußten Unwahrheit, geschweige denn einer vorsätzlichen oder fahrlässigen Verletzung der Eidespflicht fähig sei. Diese Ausführungen widerlegte der Gegenanwalt wie folgt:„Mein Herr Kollege scheint seinen Klienten garnicht zu kennen und niemals gesehen zu haben, denn derselbe ist weder alt noch ehrwürdig, sondern ein junger, lebensfroher Mann, der noch garnicht daran denkt, in so kurzer Frist, wie es der Herr Kollege geschildert hat, das irdische Jammertal zu verlassen. Der altersschwache Herr, von dem man nach dem Vortrag meines Herrn Kollegen annehmen könnte, daß er in Sack und Asche Jugendsünden abbüßt, um sich auf sein kurz bevorstehendes Ende würdig vorzubereiten, gilt als einer der besten Karnevalsredner von Köln und besucht fleißig die Kabaretts und andere derartige Lokale.“ A se n 835T9 . Jnn 8* ## 5 S 8 2 0 ar ASSSS **— 3 32 "0 -RT9 *——*1— ."—•" 2 □ 5: 8 6 F. S"— Ss sern F—* " En * 7 —— Snnsga S—. * # SSE S 23• SS#RRSERRS Wnnn ISs K 32 9— X Blätter für Unterhaltung und Belehrung. In letzter Stunde. Roman von Hugo Ebersbach. Michael nahm eine der beiden brennenden Kerzen, die auf dem Schreibtisch standen, und forderte die Burschen durch einen befehle#den Blick auf, ihm voraus zu gehen. Sie leisteten, ohne ein Wort weiter zu verlieren, dieser Aufforderung Folge. Krasinski blieb mit dem Grafen Rantzow allein zurück. „Sie sind mit den Burschen zu mild verfahren," sagte der Letztere.„Ihre Drohung wird sie nicht ein schüchtern“ Er war eine große, hagere Gestalt mit blondem Schnurrbart und blaßblauec Veille, die er jetzt abnahm, um ihre Gläser mit seinim Taschentuche abzuwischen Krasinski stand vor dem Schreibtisch und warf einen prüsenden Blick in jede Schalblade. „Was wollen Sie?“ erwiderte er gelassen.„Turch Verhaftung dieser Burschen würde ich mir nur selbst nur unangenehme Scherereien bereiten. Gestohlen haben sie mir nichts, zudem beschäftigen mich andere Pläne, und— aber das interessielt Sie nicht. Sprechen wir lieber von unsern eigenen Angelegenheiten. Haben Sie die Papierc mitgebracht?“ Graf Rantzow nickte. „Mein Koffer steht noch in der Gepäckkammer auf dem Bahnhofe,“ sagte er;„ich wollte zuvor Sie aufsuchen. Hätte ich Sie nicht gefunden, so wäre ich selbst morgen früh bis zur Grenze weiter gereist.“ „Wenn der Koffer geöffnet würde—“ „Aus welcher Veranlassung könnte das geschehen? An diese Möglichkeit denke ich gar nicht. Wir lassen ihn morgen früh holen, Jann übergebe ich Ihnen die Papiere.“ „Michael soll sofort mit Ihnen abreisen,“ sagte Krasinski, während er dem Freunde gegenüber Platz nahm und ihm eine Zigarre anbot. „Türfen wir uns auf ihn verlassen?“ „Es wäre sein eigener Schaden, wenn er uns betrügen wollte; daß weiß er sehr wohl.“ „Und ich werde hier warten, bis er zurückkehrt.“ „Wenn Sie erkannt würden—“ „Ich habe dafür gesorgt, daß dieser Fall nicht eintreten kann,“ entgegnete Graf Rantzow rasch.„Aus Ihren Briefen kenne ich die Sachlage und fürchte für meine Person nichts—“ „Dann hätten Sie auch in einem Hotel absteigen können!“ „Wozu das, wenn Sie hier wohnen? Wie es scheint, haben Sie das Haus prächtig eingerichtet; Sie gedenken wohl, Ihr ganzes Leben lang hier zu bleiben?“ Graf Krasinski zuckte mit der Achsel und befahl dem eintretenden Diener, Wein zu bringen. „Soweit reichen meine Pläne nicht,“ sagte er nun ausweichend.„Ich kann sa heute nicht wissen, wie nach einem Jahr meine Verhältnisse sich gestalten werden.“ „Tann wundert's mich, daß Sie dieses Haus gekauft haben.“ „Ich habe meine Gründe dazu.“ „Und Sie haben sich nun hier eingebürgert?“ „Vollständig, und aus diesen und anderen Gründen bin ich zut äußersten Vorsiht gezwungen. Ich sehe im Begriff, um die Hand einer reichen jungen Tame zu werben, der einzigen Tochter meines Banquiers, und erreiche ich dies, wie ich nicht zweifle, so glaube ich auch hier endlich einen Hafen gefunden zu haben, in dem ich ruhig ankern kann.“ Graf Rautzow rückte die Brille dichter vor die Augen und heftetr einen forschenden Blick durchdringend auf den Freund. „Ich weiß doch nicht, ob das der richtige Weg ist,“ sagte er in spöttischem Tone;„Sie könnten sich auch als Schwiegersohn des reichen Bankiers in Ihren Erwartungen getäuscht sehen. Auf Ihre Güter dürfen Sie sich nicht zurückziehen, uno der Schwiegervater wird von Ihnen verlangen, daß Sie Ihrem Stande gemäß auftreten sollen—“ „Lassen Sie das meine Sorge sein,“ unterbrach ihn Krasinskt gleichgültig;„ich bin noch nicht soweit, und später können wir immer noch garüber reden. Sind die betreffenden Papiere vollständig in Ordnung?“ „So vollständig, als man's nur wünschen kann!“ „Es ist also durchaus nichts zu befürchten?“ „Turchaus nichts?“ „Und wann werden die anderen Papiere nachfolgen?“ „Die französischen? Wir müssen uns damit noch eine Weile gebulden," erwiderte der Graf Rantzow, der rasch nach dem vollen Glase griff und es hastig austrank.„Ich gehe gerne ganz sicher; wir haben ja Zeit.“ „Allerdings,“ bestätigte der Pole;„wenn nur überhaupt mit Sicherheit oarauf zu rechnen ist. Sie werden nach Lonoon zurückkehren?" „Sobald ihr Diener wieder hier ist. Es wäre mir lieber, wenn Sie ihn begleiten wollten—“ „Tavon kann keine Rede sein. Ich würde mich nur der Gefahr aussetzen, mich selbst zu compromittieren. Ich wiederhole Ihnen: Michel verdient unser vollstes Vertrauen. Er wird uns nicht betrügen, und wenn er es auch wollte, so könnte er es nicht; ich habe Maßregeln getroffen, die es ihm unmöglich machen.“ „Sie müssen das freilich wissen—“ „Und wenn ich es behaupte, dürfen Sie mir alauben. Ich werde ihm die größte Eile anempfehlen; immerhin wird er sechs bis acht Tage ausbleiben.“ — * =ec es 7 05 anoEporP aoESOE ESUE E SEERRG„5BESPTS•nEE Gs S S„ B S S SIEE „SETTOSEGN 22. „Und während seiner Abwesenheit werde ich Ihnen Gesellschaft leisten.“ „Wenn Sie nicht anders wollen, so werde ich mich wohl fügen müssen,“ sagte er achselzuckend;„wir finden dann auch in den nächsten Tagen Zeit und Gelegenheit genug, unsere Angelegenheiten ausführlich zu beraten. Jetzt wollen wir zu Bett gehen— es ist spät genug geworden.“—— Vor der Gartenmauer standen noch immer die beiden Schaller. „Ich traue ihm nicht,“ sagte Otto;„er hat das vielleicht nur gesagt, um uns in aller Ruhe hinauszuschaffen. Morgen geht er zur Polizei, und die wird kurzen Prozeß mit uns machen. Es ist eine verfluchte Geschichte, daß er weiß, wie wir heißen, und wo wir wohnen.“ „Er kann uns nichts anhaben,“ fiel ihm sein Bruder in's Wort; wir leugnen alles.“ „Hat er nicht Zeugen?“ „Ganz egal; wir leugnen dennoch. Mitgenommen haben wir nichts. Merkwürdig, daß der reiche Mann kein Geld im Hause hat—“ „Geld wird da sein, aber wir haben's nicht gefunden,“ meinte Otto ärgerlich.„Taß auch keiner von uns die Leute kommen hörte!“ „Tas ist nun geschehen, und ich lasse mir kein graues Haar darum wachsen. Wir hätten lieber den alten Grunewald besuchen sollen, I's wäre mehr dabei herausgekommen. „Sie schritten jetzt langsam von dannen. Otto warf noch einen Blick auf das unheimliche Haus zurück. „Den Wucherer müssen wir bald besuchen," sagte er;„ich habe jetzt keine Ruye mehr, bis wir fort sind. Wenn wir nur das Reisegeld hätten!“ „Geduld, wir werden's schin bekommen.“ „Georg hat sich lange nicht mehr blicken lassen!“ „Er wird kommen, sobald der Alte Geld eingenommen hat.“ „Pah, er ist zu feige!“ „Haben wir nicht schon die Schlüssel? Er ist wütend auf den Alten, der ihn schlimmer behandelt, als seine Lehrburschen. Und hat er den ersten Schritt getan, wird er auch den zweiten tun; er will sich ja dadurch selbst Geld verschaffen, um lustig leben zu können.“ „Und teilen wir wirklih mit ihm?“ fragte Otto in einem Tone, der deutlich verriet, daß er diese Teilung nicht wünschte. „Etwas werden wir ihm geben missen, aber an ehrliche Teilung denke ich nicht. Er teilt ja auch nicht die Gefahr mit uns. Drohen kann er uns nicht. Wenn er uns verraten will, ist er selbst verloren; wir haben ihn in der Hand. Und ein sicheres Geschäft ist es auch; der Alte darf uns nicht anzeigen, sonst wandert sein Sohn mit uns ins Gefängnis.“ „Das ist alles richtig,“ meinte Otto.„Wenn wir nur genug finden! Die Reise kostet über hundert Taler, und kommen wir drüben an, so müssen wir auch noch etliche hundert Taler in der Tasche haben.“ „So viel werden wir finden,“ sagte sein Bruder, während sie in die Straße einbogen, an welcher das Haus des Gerbers Winkel lag.„Aber wir dürfen nicht gleich noch der Tat abreisen. Das würde Verdacht erregen und die Polizei hinter uns her hetzen. Wir müssen jedenfalls einige Tage warten. Das Geld verstecken wir so lange in unserer Kammer unter der Diele.“ „Wenn wir eine offene Luke finden, können wir heute schon unser Glück versuchen.“ Hermann blieb stehen: sein Blick war scharf auf das Haus gerichtet. „Ich sehe einen Mann an der Thür,“ flüsterte er, Zwahrscheinlich ist's ein Nachtwöchter, gehen wir vorbei.“ Ter Mann hatte sie ebenfalls bemerkt. Er näherte sich ihnen, und als er vor ihnen stand, erkannten sie in ihm den Sohn des Gerbers. „Ich habe Euch den ganzen Abend gesucht,“ sagte Georg ärgerlich;„in Eurer Wohnung wartet Ihr nicht, und in den Wirtshäusern fand ich Euch auch nicht.“ „Und da hast Tu hier auf uns gewartet?“ spottete Hermann. „Ich komme ehen nach Hause.“ „Ist heute etwas zu machen?" fragte Otto rasch. „Nein, heute nicht, aber morgen.“ „Sicher?“ „Ganz sicher! Wir haben heute Felle verkauft, und morgen wird das Geld dafür gezahlt.“ „Wie viel wird's sein?“ fragte Hermann. „Mindestens zweitausend Thaler,“ antwor ete Georg hastig„Uebermorgen kommt Ihr schon zu spät— länger als eine Nacht bleibt das Geld nicht in unserm Hause, also muß es morgen geschehen.“ „Gut,“ sagte Otto.„Wann ist's still in Eurem Hause?“ „Vor Mitternacht dürft Ihr nicht kommen. Haltet nur Wort und vergeßt nicht, deutliche Spuren eines Einbruchs zu hinterlassen, damit auf mich kein Verdacht fallen kann. Ich lasse die mittelste Luke offen— einem starken Truck wird sie nachgeben. Seid Ihr einmal im Hause, so habt Ihr nur noch dafür zu sorgen, daß kein Geräusch entsteht.“ „Sind im Hause die Türen alle offen?“ fragte Hermann. „Alle! Die Schlüssel bleiben während der Nacht stecken. Vielleicht komme ich morgen am Abend noch einmal zu Euch; es wäre ja möglich, daß noch Einiges besprochen werden müßte.“ „Komm' jedenfalls,“ drängte Hermann;„es ist sicherer.“ „Hm, ich weiß nicht— es könnte später herauskommen, daß ich so kurz vor der Tat bei Euch gewesen bin—“ „Sei kein Narr,“ unterbrach ihn Otto ärgerlich; „muß denn gleich auf uns der Verdacht fallen? Und wer sieht Dich, wenn Tu zu uns kommst?“ „Pumpel könnte mich sehen.“ „Wenn Du so ängstlich bist, dann wollen wir um sieben Uhr im roten Ochsen zusammentreffen.“ „Nein, nein, da komme ich lieber zu Euch in's Haus; also bis Morgen abend. Gute Nacht!“ Die Brüder Schaller setzten ihren Weg fort. „Auf ihn allein muß der Verdacht fallen,“ sagte Hermann nach einer Weke;„wir werden uns hüten, Spuren zu hinterlassen Der Alte soll glauben, sein Sohn sei allein der Dieb.“ „Wir haben ihm versprochen—“ „Dummes Zeug! Jeder ist sich selbst der Nächste. Der Tummkopf mag's mit einem Vater ausfechten! Er muß zufrieden sein mit dem, was wir ihm geben, und mit dem Uebrigen machen wir uns in der nächsten Woche aus dem Staube“ „Erst in der nächsten Woche?“ meinte Otto bedenklich.„Ich ging lieber schon übermorgen.“ „Folg' meinem Rat; wir müssen vorsichtig sein. Ich hab' mir alles gründlich überlegt; wir wollen so von hier fortgehen, daß wir immer wieder kommen können. Und wieder kommen müssen wir, wenn's hier losgeht; ich wenigstens aill dabei sein, wenn die Blutsauger gehängt werden.“ Otto schwieg.Er war ganz mit der Meinung seines Bruders einverstanden. Fortsetzung folgt. SUERES 2 5 S 5 — # gt te— ## E P — S 5 "—*——— = 90"•• 9 SOSTEL S — S 3505S Pounaban —"—„ 0: E. o. TEEs ——*— 2 Gä T. F#EREES —= AEmET SpSESSES SS5EE" * S: — EETES TOPLgTTBESSEST R 8 pon a 2ES. S 93 Kaisers Geburtstag. Von Käte Lubowski. (Nachdruck verboten.) Karl Hartentoog war als sechstes Kind frommer, rechtschaffener Eltern in einem kleinen Dorfe geboren, hatte als aufgeweckter, fröhlicher Bursche gegolten und war seither davon erfüllt gewesen unter der Fahne seines Königs sich die erträumte Charge eines Feldwebels zu verdienen. Und wie anders sollte es doch kommen. Soldat freilich wurde er! Sein Gang war aufrecht und stolz, sein blondes Haupthaar lockte sich wie Gold und seine Hände waren so stark, daß ihr Druck schmerzte. Darum erfüllte sich noch mehr als sein stolzester Traum. Was er nicht zu hoffen gewagt und was dsennoch in leiser Sehnsucht seine Knabenund Jünglingszeit umsponnen, wurde zur Wirklichkeit. Er wurde beim dritten Garderegiment zu Fuß eingestellt.— Sie hatten den starken, freundlichen Menschen bald alle gern. Sogar der gestrenge Herr Hauptmann von Wittelbach, der im allgemeinen mehr Furcht wie Liebe genoß. Und dennoch war der es, welcher den ernen Fehler an ihm herausfand. Es war ihm allerdings auch ein Leichtes, kam doch niemand so viel mit Karl Hartentoog in Berührung wie Hauptmann von Wittelbach, zu dessen Burschen er emporgestiegen war. Daß jener für seine Person goldehrlich war, stand bei ihm fest. Karl Hartentoog erduldete lieber Qualen an Hunger oder Durst, ehe er sich einen Bissen oder einen Schluck Bier unerlaubt aus seines Hauptmanns Vorrat genommen hätte. Aber sein Herz war zu weich.— Niemand traute diesem großen Menschen, der so wild unnd stolz tun konnte, so viel Weichheit zu. — Taheim scheuten sie alle die Lüge. War eins in Not, erbat es sich Hilfe bei den andern. Und erbat sie niemals umsonst. Ein jeder gab so gut er konnte. Mit leeren Händen aber durfte keiner von der Schwelle fort.— Darnn. glaubte er auch dem elenden, zerlumpten Weih. ihn vor des Hauptmanns Küchentür für ein paar Stunden um ein kleines Goldstück anflehte. Wicviel Schreckliches hatte sie doch erdulden müssen.— Vom Manne verlassen, von hungernden Kindern umgeben, drohte ihr Elend und Schmach, wenn sie dem hartherzigen Wirt nicht binnen einer Stunde den Rest der längst fälligen Miete brächte. Morgen wollte sie ihre Schuld ehrlich zurückgeben. Dann erhielt sie nämlich ihren Lohn für geleistete Scheuerdienste. Karl Hartentoog glaubte iyr aufs Wirt, aber er besaß nichts wie zwei Nickel. Und dennoch wußte er Rat. Auf dem Schreibtisch seines Hauptmanns lag der soeben angekommene, von diesem noch nicht verschlossene Wechsel. Schnell entnahm er von dem blinkenden Gold; das jener aus den reichen Erträgen seines Gutes regelmäßig bezog, ein Goldstück und händigte es der Beglückten ein.— Der Hauptmann sah ir; gar eigen und durchdringend an, als er die Geschichte beichtete. Kein Wort verlor er darüber— nur, als die Frau am nächsten Tage und auch späterhin das Wiederlommen vergaß, mußte er in die Kaserne zurück. Sein Hauptmann sagte kurz, daß er jetzt einem andern die kleine Vergünstigung gonnen wolle. Karl Hartentoog konnte sich nicht denken, weshalb das kam. Und es lag doch so nahe. Daß er weder Speise noch Trank genommen, wußte sein Hauptmann—— aber er war davon überzeugt, daß er der lockenden Macht des Goldes erlegen war. So etwas Aehnliches schrieb nämlich das Fräulein Braut auf der Karte. An diesem Tage betrank sich Karl Hartentoog zum ersten Mal in seinem Leben und wurde wie ein Tier. Er zerschlug in der kleinen Schankwirtschaft sämtliche Gläser und Krüge, erdrosselte einen Kameraden, der ihm hämisch seine Untauglichkeit als Bursche vorwarf, beinahe und wurde schließlich dafür zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Von nun an gab es kein Aufklimmen mehr. Er tat finster und stumm seine Arbeit und hielt mit niemand Freundschaft. Die Kameraden fürchteten ihn. Nach Hause schrieb er auch nicht mehr. Die zittrigen Buchstaben, die in der ersten Zeit noch nach ihm suchten, hörten bald auf, denn auf dem Dorfe sind die Hände für die leichte Feder zu schwer. Daß sein alter Vater einmal an das Regiment geschrieben hatt:„Bitte, bitte, ein Wort, was macht denn mein guter Sohn Karl?“ und die kurze Antwort zurückerhalten hatte: „Ihr guter Sohn Karl muß, sobald er mit der Militärzeit zu Ende ist, ins Gefängnis“— davon ahnte er nichts. Er war nur so voller Trotz und Eigensinn, daß er sich lösen wollte von allem was jemals seinem Herzen nahe gestanden. Und löste sich jedoch nur von dem Guten und Reinen.— Sobald er auch mit seiner Strafe fertig geworden, suchte er Arbeit in der Großstadt. Es war ein bitterkalter Winter und die Wärmehallen waren mit solchen angefüllt, die große Reden und kleine Kräfte hatten. Ihn aber berauschten sie.— Alles klang ihm so neu, so hoffnungsfreudig und nach Rettung, daß er zu lauschen begann. Da nörte er viel. Zuerst kam er aus dem blaßen Kopfschütteln nicht heraus. Aber dann sann er nach, stellte fest, daß er ja lange nicht so klug, wie die, welche dies vortrugen, war und sagte ihnen, daß er gerne lernen und aufmerken wolle. Das tat er denn auch wirklich. Und nach Jahresschluß war er so weit, daß er die ehrlich Arbeitenden im Stillen belächelte, weil sie ja doch im ganzen Leben zu nichts kommen würden. Zur Zeit freilich arbeitete er auch. Aber doch nur um des großen Schlages halber, den er ausführen wollte, sobald sick im die passende Gelegenheit dazu bot. Er war wirklich sehr klug geworden. Er liebte nicht einmal das Mädchen, das er sich zur Braut auserwählt. Nein, er fesselte sie nur an sich, um sicher und mühelos alles von ihrer reichen Herrschaft zu erfahren, was er wissen wollte. Denn es mußten gerade Kommerzienrat Möllers sein, die er beraubte, sonst niemand. Ihre Tochter hatte ja vor drei Jahren seinem Hauptmann auf jener Karte klipp und klar geschrieben: „Da hat dir deine Menschenfreundlichkeit einen netten Streich gespielt. Entlasse den sauberen Karl sofort, noch ehe er dich weiter ausnützt.“ O, er war so klug und geschickt geworden, der starke Karl Hartentoog. Er durfte sogar einmal in der Woche seine Braut in der Küche besuchen. Um sie ganz sicher zu machen, nahm er niemals einen Bissen von ihr an. Jedesmal wickelte er bescheiden sein Brot heraus und verspeiste es mit bestem Appetit. Da wurde ihr Vertrauen zu ihm immer größer und fester. Sie zeigte ihm die einzelnen Zimmer, lobte, als hätte auch sic einen Teil daran, die Seidenstickereien der Tapeten und die Pracht der alten Teppiche. Und er überflog alles mit scharfen Blicken und hatte gar bald heraus, wo das Geldspind, das noch so unmodern dünn und leicht zu öffnc:. war, stand. Freilich, wann er es erbrechen und berauben konnte, wußte er dadurch immer noch nicht. Auch dies sollte er bald erfahren. Eines Abends erzählte ihn seine Braut voller Stolz und Wichtigkeit daß am 27. Insuo: ihre ganze Herrschaft auswärts Kaisers-Geburtstag feiere. Die jungen Herrn Leutnants im: Kasino und die amn; bei Hauptmann von Wittelsbach was doch auch die Kinder seien. Und sic— hier neigte sie sich heimlich seinem Ohr entgegen— sie wolle aufs Dorf zu ihren Eltern, um sich zu erkundigen, wie viel Tüche: und Leinwand die Mutter bereits in ihrer Aussteuerlade habe, denn, nicht wahr, man könne doch nicht wissen, was im Laufe der Zeit geschähe. Die Herrschaft dürfte es allerdings nicht wissen, daß sie auch fort machte. Sie wären stets so voll Angst, weil doch allerhand feine Salen, die viel Geld gekostet, in der Wohnung herumstünden ob er ihr nicht den Gefallen tun wollte, um an ihrer Statt in der Küche oder auch in ihrem warmen gemütlichen Zimmerchen für sie aufzupassen. Einen Augenblick schien er sich zu besinnen. So meinte sie wenigstens." Er brauchte aber nur Zeit, um das Lachen zu unterdrücken, das ihm über die Lippen wollte.— So saß denn Karl Hartentoog um die elfte Abendstunde des 27. Januar in der blitzblanken Küche des Kommerzienrats Möller und fühlte an die Tasche, ob er die Brecheisen auch zusammen habe. Bis nach Mitternacht wartete er, ohne sich zu rühren. Dann stand er schwerfällig auf und wollte sich an die Arbeit machen. 1 Zuerst lenkte er den Schritt in das Zimmer mit dem altertümlichen Geldschrank. Seine Kniee zitterten und seine Hände bebten. Aber er verlachte sich mit rauher Stimme. An die Karte dachte er und daß ihm keiner geglaubt— damals— als er unschuldig gewesen. Die kleine Blendlaterne glomm sicher auf. Ihre Strahlen liefen zu den messingbeschlagenen Schlössern des Geldschrankes, fiel scharf und hell auf einen Tisch, der voller Bilder und festlichem Grün stand. Auch Karl Hartentoogs Blick fiel unwillkürlich darauf. Er schlich näher herzu, obwohl er es nicht wollie. Seine Arme spannten sich Die Brecheisen klirrten dumpf und heiser zusammen. Was war das?