Erscheint täglich — Abonnementspreis Kann, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage Häetigen„Illuktriertem Sonntagsblatt 55 Big. Berucht durch die Post bezogen für 3 Monate 1.50 Mi, verbunden Lokal-Anzeiger für B.tatonsdruck und Verlag, sowie für die Inserate #sothuntich: Biltor Schanzer, Dortmund. mit dem Dortmund u. Hörde und der täglichen Unterhaltungsbeilage K## sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Pig Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Pfg. Beilagen nach Uebereinkunst. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Mar Sonnemann. Dortmund. 51. Dortmund, Mittwoch, den 2. März 1910. 27. Jahrg. Erstes Blatt. frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt. Ueber die Lage und die Aussichten auf dem Arnarkt schreibt die„Sozialpolitische Rundschau“: ags Frühjahr 1910 steht unter einem günstigeren 1 als seine beiden Vorgänger. Wenn auch eine Kräfteentfaltung auf allen Gebieten noch nicht erreicht wird, so zeigen sich doch im Wirttzseben wie auf dem Arbeitsmarkt eine Reihe von menten, die der Ausdruck dafür sind, daß das Abder Konjunkturkurve vorüber ist und daß es L vorwärts gehen will. Der Grodmesser auf dem #ismarkt, das Verhältnis von Angebot und NachIan Arbeitskräften bestättgt diese Auffassung. Bei an das Kaiserliche Statistische Amt berichtenden isnachweisen kommen im Januar 1910 auf 100 Stellen 175 Arbeitsgesuche gegen 207 im Ja1909 und 188 im Dezember 1908. Ebenso war Abnahme der Versicherungspflichtigen bei den Kranvien gegenüber dem Vorjahre am 1. Februar 1910 bsentlich geringere. Von den einzelnen Gewerben werden durch den Kirung naturgemäß nicht alle gleichmäßig getroffen. besentlich für die Entwicklung muß es aber anucen werden, daß sich bei den beiden Hauptfakder Volkswirtschaft, dem Kohlenbergbau und der strie eine Belebung erkennen läßt. Trotz des Winlers, der den Bedarf an Hausbrandkohle herabsetzte, war die Beschäftigung in den Gebeiten des Kohlenbergbaues nicht unbefrie##und die eingegangenen Aufträge lassen für die Monate eine weitere, wenn auch allmähliche ud erwarten. Günstig wirkt auch die Tatsache. k Erregung im Ruhrrevier dank der Mahnun## Organisationsführer wenigstens insoweit in ruSchnen gelenkt worden ist, daß unüberlegte Arelungen nicht zu erwarten sind. In der Eisensind die Aufträge, die von den heimischen nchnungen vergeben werden, noch nicht ausreiin einen befriedigenden Geschäftsgang zu gewährEs liegen aber auch Bestellungen von aus#i vor, sodaß die Beschäftigung sich auf zufrieden#der Höhe bewegte. Lem Baugewerbe ist die außerordenklich günstige ung sehr zu statten gekommen. Der Rückschlag Vintermonaten war wesentlich geringer als und das außergewöhnlich milde Frühjahr begünstigt Uonders frühe Wiederaufnahme der Bautätigkeit. # nacht sich allenthalben, auch auf dem platten eine gesteigerte Baulust bemerkbar, wözu die ven Geldverhältnisse mit mäßigen Zinssätzen nicht entlich beitragen. Allerdings hingen die noch un Eglithenen Differenzen über die Bedingungen der chnschließenden Tarifverträge noch als eine den bung bedrohende Wolke am Horizont. Trotz vielVerhandlungen ist über die beiden KardinalfraArbeitszeit und Arbeitslohn eine Einigung noch chzielt worden. Man wird aber abwarten düri beide Parteien angesichts der Wirtschaftslage auch einen gemeinsaemn Boden finden werden. Die Nachteile, die beiden Teilen aus einem voraussichtlich langwierigen Arbeitskampf erwachsen würden, die unmittelbare Schädigung am eigenen Leibe liegt zu klar auf der Hand als daß man es zum Biegen und Brechen kommen lassen wird. Von einem Arbeitskampfe im 1 Baugewerbe würden alle damit im Zusammenhang stehenden Industrien, insbesondere die verschiedenen Zweige der Holzindustrie, Ziegelbrennereien, Maler, Glaser usw. in Mitleidenschaft gezogen werden. Speziell in der Holzindustrie liegen die Verhältnisse ähnlich wie im Baugewerbe. Auch hier schweben die Verhandlungen zur Tarifnermierung und haben zu einer Einigung bisher noch nicht geführt werden können. In der Textilindustrie macht sich die Besserung der wirtschaftlichen Allgemeinlage fast zuerst mitbemerkbar. Mit der Steigerung der Konsumkraft wächst namentlich die Nachfrage in allen Zweigen des Bekleidungsgewerbes, der Wäscheindustrie usw. Infolgedessen war der Geschäftsgang in der Textilindustrie trotz starker Schwankungen des Baumwollkurses eher günstig als umgekehrt zu bezeichnen und die Aussichten für die folgenden Monate können als hoffnungsvolle angesehen werden. Zusammenfassend wird man daher sagen dürfen, daß das Frühjahr 1910 eine kräftige Belebung auf den meisten Gebieten des Wirtschaftslebens zeigt und daß gegenüber dem Frühjahr des Vorjahres eine entschiedene Besserung zu verzeichnen ist. Dabei ist die Aussicht vorhanden, daß diese Besserung nicht nur eine vorübergehende, sondern daß sie der Anfang einer neuen Periode des Aufschwunges ist, so daß die deutsche Industrie nach einigen Jahren des Niederganges besseren Zeiten entgegen geht. Deutsches Reich. Die Fusion der liberalen Parteien. Die Landesversammlung der Demokraten Bayerns stimmte der Fusion der drei Parteien, Freisinnige Volkspartei, Freisinnige Vereinigung und Deutsche Volkspartei, mit 11 gegen 4 Stimmen zu. Es wurde folgende Resolution angenommen: „Die Landesversammlung begrüßt in herzlicher Sympathie alle diejenigen, die in Preußen den Kampf für die Gewinnung eines freien, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts und damit zugleich für die Sicherung des Reichstagswahlrechts führen. Sie erwartet von diesen Wahlrechtskämpfen eine Annäherung der politischen Denkungsweise in Preußen und Süddeutschland, eine Vorarbeit zu dem künftigen Zusammenschluß eines einzigen freiheitlichen Großblocks. Ministerpräsident und Landrat. Am 10. Februar erklärte Herr von Bethmann Hollweg mit einer Phantasie, die eigentlich eher auf einen Poeten als auf einen Philosophen schließen läßt: „Man darf nicht behaupten, daß unsere Beamten, insbesondere die Landräte, einzelne Parteien begünstigen. Der Beamte ist ein Diener des Staates und nicht ein Diener einer Partei.(Stürmischer Widerspruch links, vielfache Zurufe: So sollte es sein!) Die Vorwürfe, die in dieser Hinsicht gegen die Landräte erhoben werden, weise ich zurück.“ Als Antwort auf diese kühne Expektoration übersendet man der„Welt am Montag“ die„Strehlener Neue Zeitung“ vom 19. Februar, in der zu lesen ist: „In Strehlen in Schlesien existieren drei Blätter: ein„Kreisblatt“, das selbstverständlich konservativ sein muß, eine„Strehlener Zeitung“, die seit langen Jahren konservativ war, und eine„Strehlener Neue Zeitung", die mittelstands= und arbeiterfreundlich sowie fortschrittlich ist. Als die„Strehlener Zeitung“ innerhalb sechs Jahren zum vierten Male den Verleger, Drucker und Redakteur in einer Person wechselte, glaubte der jetzige Besitzer, das Blatt„volkstümlicher“ resp. liberaler zuschneiden zu müssen, um dasselbe existenzfähiger zu machen. Nach etlichen versuchten Anläufen hierzu bekam der Verleger der„Strehlener Zeitung“ die Aufforderung, bei dem königlichen Landrat des Kreises Strehlau, Herrn von Lücken erscheinen zu wollen, was auch geschab. Dem Verleger wurde hierbei von Herrn von Lücken nahegelegt, daß er(der Verleger). liberale Artikel und Anschauungen in seinem Blatte unterdrücken und sich dafür möglichst nur an konservative Artikel und Ansichten halten möge.“ Ja ja:„Der Beamte ist ein Diener des Staates und nicht Diener einer Partei“, sagt der Ministerpräsident. Der Landrat aber sagt:„Rechts wird geschrieben, nicht links!“ Und der Ministerpräsident redet, aber der Landrat regiert. Gegen die Wahlrechtsvorlage. Die Berliner Sozialdemokratie plant für nächsten Sonntag Massenversammlungen unter freiem Himmel, um gegen die preußische Wahlreform zu protestieren. Die Mittelmeerreise des Raisers aufgegeben. Der Kaiser wird, wie der B. Z. aus unterrichketen Kreisen mitgeteilt wird, die für dieses Frühjahr wieder geplante Mittelmeerreise wahrscheinlich aufgeben. Die kaiserliche Familie wird das Achilleion auf Korfu nicht besuchen. Dagegen ist ein längerer Frühjahrsaufenthalt in Homburg in Aussicht genommen; man erwartet dort den Kaiser bereits Anfang April. Die amerikanische Ausstellung in Berlin aufgeschoben? Der amerikanische Ausschuß beschloß, die gepkante Berliner Ausstellung auf ein Jahr zu verschieben. Zahlreiche Förderer sind auf Delbrücks Aeußerungen hin zurückgetreten. Der Plan gilt in Newyork als abgetan. Aus Berlin wird dazu berichtet: Das deutsche Erekutivkomfteo für die amerikanische Ausstellung trat gestern morgen zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen; in der beschlossen wurde, auf dem bisherigen Standpunkt stehen zu bleiben und eine Zustimmung zu der Verschiebung der Ausstellung unbedingt abzulehnen. Entweder solle die Ausstellung in diesem Jahre als amerikanische Ausstellung in Berlin stattfinden, oder der Gedanke wird ganz und gar fallen gelassen werden. In diesem Sinne soll dem amerikanischen Komitee Mitteilung gemacht werden. an den Bund der Landwirte. Auf der Bündlerparade im Zirkus Busch ließen die Regisseure auch diesmal einen süddeutschen Gutsbesitzer auftreten, um darzutun, wie tief der Bund jenseits des Mains Boden geschlagen habe. Das Gaukelspiel hat nicht lange vorgehalten; jetzt schon kommt es an den Tag, wie miserabel es um den Bund der Landwirte in Bayern in Wahrheit steht. Der Frankf. Zeitung wird aus Bayern geschrieben: Der ehemalige Bayerische Bauernbündler Memminger tritt seit einiger Zeit in seiner„Neuen Bayer. Landeszeitung“ offen für den Anschluß an den liberalen Deutschen Bauernbund ein, eine Ueberraschung, die den zentrumsagrarischen Preßorganen, wie dies die maßlosen Beschimpfungen Memmingers beweisen, arg auf. die Nerven zu gehen scheint. Nun veröffentlichen die sämtlichen Obmannschaften des Fränkischen Bauernbun des eine Erklärung, in der sie, wie schon angekündigt, ihren Uebertritt zum Deutschen Bauernbund bekannt geben. Die fränkischen Bauern erteilen dem Bünd lertum alter Richtung eine entschiedene Absage vor allem wegen des Zusammengehens der bündlerischen Abgeordneten mit dem Zentrum bei der Steuerreform im banrischen Landtag und wegen der Zentrumssteuerpolitik im Reichstag. Es sei Unsinn und Selbstmord, das Schicksal des bayrischen Bauernbundes noch einen Augenblick länger an den Bund der Landwirte binden zu wollen. Der neue bayrische Bauernbund behält ein eigenes Programm bei und führt in Zukunft den Titel:„Deutscher Bauernbund, Abteilung Bayern.“ Die Erklärung schließt mit den Worten: Es dringt neues Leben in die deutsche Bauernbewegung zum Segen für den Bauernstand und das deutsche Vaterland.“ Ablehnung der Wertzuwachssteuer in Riel. Die Kieler Stadtrererdneten lehnten heute zum zwei ten Male mit 19 gegen 7 Stimmen die kommunale Wertzuwachssteuer ab. Infolgedessen zog der Magistrat sämtlche Anträge aiuf Lohn= und Gehaltsverbesserung für Arbeiter und Beamte, die 73000 Mark erforderten zurück. Er erklärte, er habe für diese Aufwendungen keine Deckung.. Der neue Unterstaatssekretär. Die Ernennung des Geheimrats Küster zum Unterstaatssekretär im preußischen Landwirtschaftsminiss rium wird amtlich bekannt gegeben. Belgien. Brüssel, 1. März. Die beiden Söhne der Ba ronin Vaughan werden, wie eine Nachricht erwähnt, die der„Patriote“ verbreitet, geadelt. Die Zeitung weiß zu berichten, daß die beiden Knaben, die bisher nach ihrer Mutter Delacroir hießen, geadelt worden seien und zwar von dem Herzog von Sachsen=KöburgGotha, der als souveräner Fürst ja das Recht der Nobilitierung besitzt. Türkei. Konstantinopel, 1. März. Trotz der von türkischer wie von bulgarischer Seite zur Verhinderung weiterer Granzzwischenfälle unternommenen Schritte trifft die Nachricht von einem neuerlichen Kampf an der Grenze ein, dessen Opfer an Toten und Verwun deten beträchtlich sein soll. Diese Nachricht hat hier Auf der Brautschau. bumoristischer Roman von Felix Brenta. 30 n Gotteswillen,“ rief sie,„es muß doch etwas mäleigz! Die Heimburg ist doch nicht lesbar. Mama neine Bücher gewöhnlich mit. Sie würde sich die Erkalsen, wenn ich ihr derartige Lektüre nach Hause neuesten Roman von Heinz Tovote?“ der Züngling jetzt schüchtern vor. #a kumpfte nachdenklich das Näschen und erwidhernd:„Tovote? Mein Gott, es ist ja immerhin „ame. Das kann ja möglicherweise noch les. Wenn es aber doch nicht lesbar wäre! Es Faenhaft! Geben Sie mir lieber ein paar Sachen Kechost. Da muß sich doch schließlich etwas Gedarunter befinden.“ bgaie2 ihr der Jüngling die Bände in einen Boerer einschlug, seufzte sie noch einmal und bemerkte sch alf za.e Miene: Es ist wirklich eine Schande, uang ur: Schriftsteller nennt und die Kühnheit hat, A schreiben. Jedes Jahr überschüttet uns dies daun z:“ Schwall von Büchern, und uns Lesern ein die lästige Aufgabe zu, das einigermaßen date mit Mühe herauszusuchen.“ Fsrsling zuckte entschuldigend die Achseln, als Schriee. schuldig an der Massenverbreitung guabig und verfolgte die mit der errungenen Lekwis g. junge Dame mit einer Verbeugung. binabs?.“ au der Treppe angelangt war und ###ut. weigen wollte, kam ihr Dr. Laue entgegen, # me das Bedürfnis nach literarischem Genuß 922 zu Glück, Sie hier zu treffen,“ sagte er, sein nsemnz der über ihm stehenden Dame seines Feunds.“..“e'###n Kavalier hat, der einem dergleiP# ng.2atsdienste leistet, entgegnete sie mit einem man siacm Pfertigten als reizenden Schmollen,„so „ schon selbst dieser mühsamen Wanderung beisten. I.“ tatsächlich glücklich über das ZusamEinn in Ermangelung der Eisbahn und in Ermangelung freundlicher Aufforderungen des Herrn Raupach hätte sich ihm zunächst gar keine Gelegenheit geboten, mit Theaunauffällig zu sprechen. Den heutigen günstigen Augenblick mußte er ausnutzen. „Wie sehr ich mich nach einer Gelegenheit sehne, Ihneu meine Kavalierdienste zu Füßen zu legen, mein gnädiges Fräulein, das brauche ich Ihnen wohl nicht zu sagen. Aber unser Eisvergnügen ist ja leider zu Wasser geworden, und als ich vorigen Freitag Besuch bei Ihnen machte, haben mich Ihre verehrten Eltern ohne die Aufforderung entlassen, recht bald einmal wiederzukommen.“ „Allerdings. Mein Vater ist nicht gut auf Sie zu sprechen. Womit haben Sie ihn nur so böse gemacht? Dr. Laue zuckte verzweifelt die Achseln.„Ich bin mir gegen Ihre ganze Familie keiner anderen Anmaßung bewußt," sagte er süßlich,„als daß ich Sie, mein gnädiges Fräulein, vielleicht zu heiß verehre. Da ich aber nicht glauben kann, daß dies Ihrem Herrn Vater geradezu als Verbrechen erscheint, so muß ich wohl annehmen, daß man mich bei ihm verleumdet hat.“ „Wer sollte Sie wohl verleumden, und dann warum?“ Dr. Laue zuckte abermals die Achseln.„Wer weiß?“ erwiderte er langsam.„Möglicherweise ein Nebenbuhler. Vielleicht aus Neid?“ „Halten Sie sich für beneidenswert?“ fragte sie mit beinahe frecher Koketterie." „Ich hoffe es zu werden,“ antwortete er keck.„Denn ich habe noch keineswegs alle Hoffnung aufgegeben.“ „Und wenn Sie eine Einladung erhalten?“ „Dann sitze ich natürlich, meine„hoffentlich“, neben Ihnen und werde von diesem angenehmen Punkte aus die Gelegenheit wahrnehmen, die erbärmlichen Verleum dungen meines feigen Nebenbuhlers zunichte zu machen.“ Thea fühlte sich durch die zunehmende Sicherheit ihres Anbeters verletzt. Sie wollte ihn zu eifrigem Wettbewerb spornen, die ihre Eitelkeit kitzeln würde, nicht aber zu leichtem Siege führen und sich etwa dabei langweilen. „Mir scheint,“ sagte Thea mit spöttischer Schärfe,„Sie verdächtigen jetzt Ihren Nebenbuhler ebenfalls. Warum sind Sie so argwöhnisch? Was berechtigt Sie, dem armen Schulmeister eine Erbärmlichkeit zuzutrauen?“ Dr. Laue lächelte triumphierend:„Ich habe keinen Namen genannt. Gleichwohl wissen Sie, auf wen mein Verdacht zielt. Sie wollen mir damit offenbar sagen, daß Sie meinen Verdacht teilen.“ „Ich will damit nur sagen,“ erwiderte Thea, sich auf die Lippen beißend,„daß ich es viel vornehmer finde, wenn sich zwei Nebenbuhler ehrlich gegenübertreten, als wenn ste sich hinterrücks verklagen.“ „Ganz meine Meinung,“ versetzte Dr. Laue ruhig. „Unter vier Augen wird ein solcher Nebenbuhler dann allerdings gefährlich.“ * Thea fühlte ihr Herz in froher Erwartung klopfen. „Fürchten Sie denn das?“ fragte sie mit beklommenem Atem. „Ich nicht!“ sagte der Referendar und schilderte kurz seine vorgestrige Unterredung mit Herrn Heuer, wobei er nur die empfangenen Ohrfeigen mit Stillschweigen übergung. Er dachte zu groß, um den Nebenbuhler durch „ählung seiner bäuerischen Roheit in Theas Augen herabzusetzen. Im übrigen blieb er ziemlich bei der Wahrheit und schloß mit den Worten:„So hat mir der Kandidat recht unvorsichtig zu verstehen gegeben, was er für Sie fühlt, und auch, welchen Anteil er an den Verleumdungen hat, denen ich zum Opfer gefallen bin. Zu meinem Bedauern habe ich mich dann hinreißen lassen, ihm meine Ansicht über seine Handlungsweise so deutlich und beleidigend auszudrücken, daß unter Ehrenmännern ein Zweikampf unvermeidlich ist.“ „Ach, das ist ja reizend!“ jubelte Thea innerlich und sagte laut:„Um Gotteswillen, Herr Doktor! Es wird doch meinetwegen kein Blut vergossen werden!“ „Wennetwas Derartiges im Werke wäre," antwortete der Referendar schlicht,„so würde ich kein Wort davon über meine Lippen bringen. Aber beberuhigen Sie sich! Der Herr Kandidat ist ungefährlich. Er wandelt in den Bahnen des Gesetzes, liebt seinen Nächsten, wie sich selbst, und weigert sich, seine unschuldige Hand mit dem blutigen Waffenhandwerk zu besudeln.“ „Schade!" dachte Thea und jubelte aber laut:„Got sei Dank!“ Sie war höchst ungehalten über den langen Kandidaten, der sich nicht einmal zu einem fröhlichen Kampf für sie zu begeistern vermochte. Aber freilich, was war von einem Theologen und Schulmeister anderes zu erwarten! An Theas Mienenspiel merkte Dr. Laue mit Vergnügen, wie sehr er durch das ehen Erzählte seine Stellung in ihren Augen verbessert hatte. Sie schritt jetzt mit liebenswürdigem Abschiedsgruß an ihm vorüber und sagte mit Bedeutung:„IIch will sehen, bei den Eltern recht bald eine Einladung für Sie durchzusetzen. Bis dahin muß ich natürlich hier meine Bücher täglich um diese Zeit selbst umtauschen.“ Dr. Laue quittierte mit dankbarem Lächeln über diese freundliche Andeutung und begab sich in die Nähe des bedienenden Jünglings, während Thea mit zusammengerafftem Kleid die Wendeltreppe hinabschwebte. Als sie nach Hause gekommen war, machte sie ihrem Unmut wegen des unterbliebenen Zweikampfes in eipörten Reden gegen die aynungslose Margarete Luft: Dein Schulmeister ist ja ein ungemein tapferer Herr!" „Mein Schulmeister?“ „Dein Herr Heuer mit den schlecht gekämmten blonden Haaren!" „Das ist Karls Schulmeister!" versetzte Margarete ruhig,„nicht der meine!“ „Verstell Dich nur nicht. Er ist doch Dein lieber Heinz. Du entschuldigst ihn stets so eifrig!“ „Nur, wenn Du ungerecht gegen ihn bist. Gegen Deinen Verehrer, wie Du immer ausdrücklich hervorhebst.“ „Ich verzichte auf solche Talmi=Kavaliers, bei denen die Vergoldung sich so rasch abgreift. Ich habe gar nichts dagegen, daß Du Dir den Herrn angeeignet hast. Due hast ihn Dir genommen, geradeso wie Du Dir mein abgewiesenes Katzenvieh genommen hast. Du kannst beides ungestört behalten.“ „Ich habe mir die Katze nicht genommen,“ erwiderte Margarete erregt.„Ich habe sie geschenkt bekommen und nicht von Dir, sondern von Herrn Heuer und ich bedarf Deiner Erlaubnis nicht, um das Tierchen zu behalten.“ Thea lächelte über Margaretes seit einigen Tage: so verändertes Wesen, und ohne weiteren Uebergang erzählte sie ihr plötzlich noch viel ausführlicher und schöner, als ste selbst es von dem Referendar vernommen, wie Herr Heuer den liebenswürdigen jungen Mann aus Neid und rasender Eifersucht bei den Eltern angeschwärzt, nur um ihn aus ihrer Gunst zu vertreiben und in ihrer Achtung herabzusetzen, die sie einem ritterlichen Kavalier natürlich nicht verweigern könne. 177,18 große Aufregung hervorgerugen. Eine sehr hochgestellte Persönlichkeit sprach in einem Interview den Verdacht aus, daß die Zwischenfälle arrangiert seien, um dem LZaren der Bulgaren in Petersburg Gelegenheit zu Sondierungen zu geben. Konstantinovel, 1. März. In den Kreisen der Pforte ist man durch den gestrigen neuen Grenzkampf ernstlich beunruhigt. Man ist nunmehr überzeugt, daß die Bulgaren im Vertrauen auf die Hilfe Rußlands König Ferdinand zum Kriege treiben wollen. Auch der Kurdenaufstand, der von einem nach Persien geflüchteten Kurdenhäuptling angezettelt wurde, gilt als ein Werk des„rollenden Rubels“. Saloniki, 1. März. Die Frage, ob infolge der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in der Türkei auch die Geistlichen der verschiedenen Konessionen zur Ableistung des Heeresdienstes verpflichiet seien, ist dahin entschieden worden, daß die Klosterangehörigen der christlichen Betenntnisse, die die Weihen noch nicht erhalten haben, militärdienstpflichig sind. Diese Entscheidung gilt auch für die Seminaristen der Athosklöster, obwohl diese Klöster bisher solche Privilegien besaßen, die sie von der türtischen Verwaltung vollständig unabhängig machten. Bulgarien. Sofia, 1. März. Der bulgarische Exarch Josef, der sich seit einiger Zeit hier aufhält und krankheitshalber nicht nach Konstantinopel zurückkehren kann, verzögerte in Wahrheit seine Rückreise nach der türkischen Hauptstadt deshalb, weil die Bulgaren die Absicht haben, die Exarchat in Konstantinopel infolge der seither vollzogenen Erhebung Bulgariens zu einem anabhängigen Königreich nicht mehr aufrecht zu erhalten. Es besteht vielmehr der Plan der Widerherstellung des alten bulgarischen Patriarchat von Tirnowv. Josef soll der erste neue bulgarische Patriarch werden und als solcher die so lange Krönung des Zamz. Ferdiuand vornehmen. Für die öffentliche Wahl bei den Landtagswahlen und gegen die geheime Stimmabgabe haben in einer öffentlichen Erklärung sich eine ansehnliche Anzahl von Vertretern der rheinisch=westfälischen Industrie und anderer Leute ausgesprochen. Wir finden unter dieser Erklärung auch die Namen von folgenden Dortmunder Nationalliberalen: Generaldirektor Baurat Feuckenberg, Hüttendirektor C. Bormann Kaufmann Paul Brügmann, Kommerzienrat W. Brügmann, Generalagent J. Consbruch, die Buchdruckereibesitzer und Verlagsbuchhändler Louis und Wilhelm Crüwell, Bergwerksdirektor Bergas„esor Engeling, Professor Dr. Dr. Flach, Direkrektor Heinrich Franke, Fabrikdirektor Franzias, Hüttendirektor Fr. Graßmann, Hüttendirektor Gutheil, Bergwerksdirektor Bergassessor Haarmann(Brambauer), Direktor Robert Hoesch, Generalagent C. J. Joons, Fabrikbesitzer Heinrich Jucho, Kgl. Bergrat Stadtrat Ed. Kleine, die Fabrifbesitzer Max und Moritz Klönne, Bergwerksdirektor Köllmann(Dorstfeld), Kaufmann W. Köster sen., Ingenieur C. A. Kremer und Jul. Kufe, Prokuristen der Maschinenfabrik Schüchtermann u. Kremer, Landrichter Lange, Richard Lemaitre, Direktor der Thomasphosphatfabrik Schüchtermann u. Kremer, Handelskammersyndikus Dr. Martens, Geheimer Baurat Marx, Generaldirektor Regierungs u. Baurat a. D. Mathies. Schillina, Direktor der Westfälischen Transport=A.=G. Amtsrichter Schulten, Kommerzienrat Ernst Schwecken dieck, Tirektor Fr. Söhngen, Generaldirektor Kommerzienrat Springorum, Oberingenieur Gust. Stein, Prokurist der Maschinenfabrik Schüchtermann u. Kremer, Geheimer Justizrat Tewaag, Bergwerksdirektor Bergassessor Trippe. brikant Ingenieur O. H. Waaner, Hüttendirektor C. Williken s. Großkaufmann und Stadtrat Gust. Wiskott sen., Kommerzienrat W. Wiskott. Unter diesen Herren befindet sich ein ansehnlicher Bruchteil der liberalen Fraktion des Stadtverordnetenkollegiums. Ob man angesichts dessen noch oon einer liberalen Fraktion reden darf, möchten, wir jüglich bezweiseln. Die Illiberalität der führenden und maßgebenden Herren in dieser Fraktion hat sich ja auch bei den Wahlrechtsanträgen der Sozialdemokraten und Freisinnigen gezeigt. Man hat es bei dem Gros der nationalliberalen Führerschaft in Tortmund nicht mit Liberalen sondern mit ausgesprochenen Konseroativen zu tun. Wir würden es als eine ehrliche, aber auch befreiende Tat bezeichnen, wenn die Herren sich zu ihrer konservativen Parteizugehörigkeit offen bekennen würden, anstatt als sie als verkappte Nationalliberale den liberalen Kärren immer mehr in den Sumpf schieben. Dieser Appell richtet sich deshalb an die konseroativen Herren, weil es uns bekannt ist, daß die nationalliberale Parteileitung, in die man übrigens auch Konservative berufen hat, ängstlich eine reinliche Scheidung zwischen Konservativen und Nationalliberalen zu hintertreiben suchen. Wir sind der wohlbegründeten Ansicht, daß der Liberalismus erst dann die Bahn zur Aufwärtsentwicklung vor Augen sehen wird, wenn es sich von den konservativen Fesseln befreit, den konservativen Ballast über Bord geworfen hat. Daß der Tag für diese Befreiung bald kommen möge, ist unser sehnlichster Wunsch auch im Interesse des Linksliberalismus. M. Tokales und Provinzielles. Dortmund, 2. März. —* In der geheimen Sitzung der Stadtveroroneten am Montag wurde die definitive Anstellung des Kriminal=Polizei=Kommissars Helle genehmigend zur Kenntnis genommen, dem Magistratsantrage gemäß der Ankauf der Parzelle Flur 11 Nr. 2861=393 gleich 1 Quadratmeter für 42,85 von dem Zivilingeniur Karl Semmler gutgeheißen, eine freigewordene Stelle des Kohlgartenstifts an Frl. Maria Karras übertragen, zur Beseitigung der für einige weibliche Lehrkräfte an den Volksschulen durch die neue Besoldungsordnung entstehenden Ungleichheiten für das Rechnungsjahr 1909 Mk. 822,50 und für das Rechnungsjahr 1910 Mk. 520,00 bewilligt, sowie die in der Sitzung vom 2. August 1909 beschlossene Besoldungsordnung für die an den öffentlichen Volksschulen in Dortmund beschäftigten Lehrkräfte nach Inhalt der Vorlage vom 31. Januar 1910 abgeändert, ein Erbbauvertrag mit der Firma Leipziger u. Ko. in Köln hinsichtlich einer rund 9900 Quadratmeter großen Fläche am Hafen genehmigt und schließlich einen Grundstücksaustausch mit der Eisenbahn an Brüggemannstraße und Schwanenwall, wobei die Stadt rund 2000 Mark an die Eisenbahn zahlt, zugestimmt. —“ Für die nächste Stadtverordneten=Sitzung sind drei Tage(Montag, Dienstag und Mittwoch nächster Woche) angesetzt. Als einziger Punkt steht auf der Tagesordnung die Genehmigung des Haushaltsplanes der Stadtgemeinde Tortmund für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 16978000 Mark und im Extraordinarium mit 3969100 Mk. nebst Legaten= und Stiftungsfonds abschließend mitt47 786,07 Mt., ferner die Genehmigung des Haushaltsplanes der Rücklagefonds, abschließend in Einnahme und Ausgabe mit 899990 Mk. 53 Pfg., sowie die zweite Lesung und engültige Festsetzung der sämtlichen Spezialetats und endlich die Beschlußfassung über die Teckung des Gemeindefehlbetrages für 1910. Die Sitzungen beginnen jedesmal abends um 6 Uhr, jedoch seien die Tribünenbesucher darauf hingewiesen, daß der öffentlichen Sitzung am Montag die geheime Sitzung(5 Sachen) voraufgeht. — Bestrafte Roheit. Ein Fuhrmann mißhandelte in der Kampstraße in ungehöriger Weise sein Pferd, sodaß sich hierüber zwei Passanten aufregten, über den Genannten herfielen und diesen ebenfalls verbläuten. Die Portion Hiebe war indessen so stark, daß der Mann ins Krankenhaus geschafft werden mußte. — Aus Anwaltskreisen. Herr Rechtsanwalt Dr. Schückina vom 1. d. M. ab die Anwaltspraxis wieder selbständig für sich allein aus,— Herr Rechtsanwalt Hopmann ist zum Notar ernannt. —' Blutvergiftung. Beim Abladen von Holz verletzte sich der 42 Jahre alte Manrer Bernhard Mühlenhaup am rechten Zeigefinger. Dieser schwoll an, die Geschwulst griff auf die Hand über und teilte sich dem Arm mit. M. mußte ins Krankenhaus gebracht werden, wo er infolge Blutvergiftung starb. —“ Desinsektion von Wohnungen. Wie wir hören, haben sich die Ortsbehörden des Landkreises Dortmund bereit erklärt, Wohnungen aus denen an vorgeschrittenen Lungen= oder Kehlkopftuberkulose Leidende ausziehen, kostenlos zu desinfizieren, damit eine Uebertragung der gefährlichen Krankheitskeime auf die Neueinziehenden vermieden wird. Diese Maßnahme ist im Interesse der Volksgesundheit freudig zu begrüßen. Es wäre wünschensOlympia=Theater. ms. Dortmund, 2. März. Herrn Direktor Frensdorff ist es schon oft gesagt worden, daß er eine ganz hervorragende Gabe zur Zusammenstellung von zugkräftigen Programmen besitzt. Da ist keine Schmeichelei dabei. Däs hat er erst in der allerletzten Zeit gezeigt und zeigt es eben wieder mit dem„Saharet=Programm“. Wer geglaubt hat, daß das, was außer den Tänzen der Saharet geboten wird, minderwertigen Genres sei, der befindet sich in einem großen Irrtum. Das Programm enthält durchweg Prachtnummern von erstklassigen Künstlern. Natürlich wendet sich das Hauptinteresse zunächst der berühmten Tänzerin Saharet zu. Die Saharet ist in Tortmund nicht unbekannt, da sie, wie wir hören, vor einigen Jahren schon einmal die Freundlichkeit gehabt hat, den Tortmundern etwas vorzutanzen. Die erste Vorstellung mit dem neuen Programm war trotzdem außergewöhnlich besucht und ging vor vollem Hause, das mit großer Stannung dem Auftreten der Saharet entgegensah, vor sich. Ein freundliches Lächeln überzog aller Besucher Gesichter als die Saharet in zierlichen Pas anmutig nus die Bühne gehüpft kam und mit einem bezaubernden Sonnenschein auf dem schönen Antlitz zu tanzeu begann. pi tanzen, daß es ein wirklicher Kochgenuß für die Zuschauer war. Da lag Musik darin. Es war eine ungewöhnliche Grazie, die die Saharet in der Vorführung der verschiedenen Tänze entfaltete. Tabei diese Gescheidigkeit und Beweglichkeit der Glieder, der volle Rhytmus in den Bewegungen, die seltene Körpergymnastik. Das ideale Moment des Tanzes liegt in der ungebundenen Entwicklung schöner Formen. Und dies Moment hat die Saharet erfaßt, die bei aller Sinnlichkeit, die sie in den Tanz legt, doch nicht vergißt, daß das Ziel der Sinnlichkeit die Grazie ist. Ihre Kunst steht in vollem Lichte und findet unzählige Möglichkeiten, die Grazie des Körpers zu entwickeln, die Stellungen und Bewegungen zu rhytmisieren, Uebergänge zu nuanzieren, Steigerungen anzulegen, erchestisch zu komponieren in Phrasen, die nie einen Namen hatten, in Schritten, die nie in Paragraphen gebracht wurden. Diese Kunst ist unnachahmlich und fordert zu rückhaltloser Bewunderung heraus. Stürmischer Beifall wurde der Tänzerin zuteil, die Saharet mußte wiederholt vor dem Vorhang erscheinen, um sich für die ihr dargebrachten Ovationen zu bedanken. Für heute sei es mit diesen Worten zum Gastspiel Saharet getan. Morgen sollen die anderen Künstler unter die kritische Lupe genommen werden, wobei allerdings gleich bemerkr sein mag, daß diese Künstler die Kritit nicht zu scheuen brauchen. wert, wenn die Hausväter die Tesinfektionen in derartigen Fällen stets vornehmen ließen, da ihnen dadurch nur Vorteil und kein Schaden, der Gesamtheit aber durch solche Bekämpfung der tückischen Krankheiten wesentlich Nutzen entstehen wird. Etwaige Anträge auf Vornahme solcher Desinfektionen werden zweckmäßig an die Aemter(Bürgermeisterämter) gerichtet. —' Polizei=Bericht. In der Nacht zum Diensbezw. im Laufe des Montags wurden 14 Personen festgenommen und zwar: je 2 wegen Diebstahls, Unfugs, Obdachlosigkeit und Trunkenheit und je 1 wegen Haftbefehls, Umhertreibens, Schlägerei, Körperverletzung, Gewerbsunzucht und Uebertretung der sittenp.=lizeilichen Vorschriften. —“ 5. Solisten=Kouzert des Philharmonischen Orchesters. Schon seit Jahren beabsichtigte Herr Musitdirektor Hüttner die hervorragende Liedersängerin Frl. Staegemann=Leipzig, für Dortmund als Solistin eines seiner Konzerte zu gewinnen. Es ist aber nicht leicht, namhafte Künstler für bestimmte Tage zu engagieren, meist sind ihre Engagements schon Jahre voraus festgelegt. So war es auch der Fall bei Frl. Staegemann. Endlich ist es Herrn Hüttner gelungen, ein Engagement mit der Künstlerin abzuschließen, die zum ersten Male ihre hohe Kunst am nächsten Montag in Dortmund hören läßt. Die Künstlerin jetzt Frau Staegmann=Sigwart, wurde von drei gekrönten Häuptern dadurch ausgezeichnet, daß sie zur kgl. bayrischen, kgl. sächsischen und kyl. württembergischen Kammersängerin ernannt wurde. Seit einem Jahre ist die hervorragende Sängerin mit Ir. Sigwart(Graf Eulenburg) verheiratet, der als Pianist und Komponist von der Berliner Presse(er gab kürzlich mit seiner jungen Frau in Berlin ein Konzert) übereinstimmend anerkannt wurde. Herr Jr. Sigwart hat die Begleitung der Lieder auch in Tortmund übernommen, die Darbietungen der Künstlerin können dadurch nur gewinnen. Da am Abeud des 7. März neben der Gesangssolistin noch eine Violinvirtuosin auftritt, stehen weitere Kunstgenüsse besonderer Art in Aussicht. — Durch Sturz aus einer Schiffsschaukel zog sich der 15jährige Lehrling Wilhelm Griese einen Bruch des linken Oberschenkels zu. Er mußte das Krankenhaus aufsuchen. —' Messerheld. In der Nacht zum Dienstag entstand unter einer Anzahl junger Leute in der Humboldtstraße eine Schlägerei, bei der der Arbeiter Karl Homuth sein Messer zog und den Bergmann Fritz Kaukolick durch mehrere Messerstiche derartig schwer verletzte, daß dieser zum Krankenhause geschafft werden mußte. H. wurde verhaftet. —“ Musikalische Gesellschaft. Die erste große gemeinschaftliche Probe für die„Tageszeiten“ findet am Mittwoch, den 2. März in der Oberrealschule statt und zwar Damen 7 Uhr, Herren 8 Uhr. — Stadttheater. Wie uns aus dem Theaterbüro mitgeteilt wird, geht am Freitag erstmalig das neue Lustspiel von Hermann Bahr„Das Konzert“ in Szene. Wir machen auf die Premiere des Werkes aufmerksam.„Das Konzert“ macht gegenwärtig die Runde über die deutschen Bühnen, überall wird es mit großem Beifall aufgenommen und als eines der besten Lustspiele der Gegenwart bezeichnet. Die Hauptrollen des liebenswürdigen Stückes liegen in den Händen der Damen Frl. Proß, Frl. Habermeyer, Frl. Hrubesch, sowie der Herren Mathias und Kaufmann; die Regie führt Herr Oberregisseur Habermeyer.— Am Mittwoch gelangt als volkstümliche Vorstellung das mit stürmischem Heiterkeitserfolg gegebene Lustspiel„O diese Leutnants“ zur Wiederholung und am Sonnabend wird als dritte Schülervorstellung„Maria Stuart“ gegeben. —“ Naturwissenschaftlicher Verein(Dortmund.) Der Verein eröffnete die Reihe seiner diesjährigen Besichtigungen wissenschaftlicher und technischer Institute mit einem Besuche des städtischen Elektrizitätswerkes.— Die Gewinnung der elektrischen Energie erfolgt durch eine stufenweise Umformung der vor Jahrmillionen in der Kohle unserer Heimatserde aufgespeicherten Energie der Sonnenstrahlen. In dem stattlichen Kesselraum erregte neben der praktischen Zuführung der Kohlen aus dem Lager die verschiedenen Arten ihrer Einführung in die Kessel das Interesse. Neben der älteren Handfeuerung fanden sich automatische Bedienung in der Form von Kettenrost= und Schleuderfeuerung. In mächtigen Ueberhitzern wird die in Dampfspannung übergeführte Wärmeenergie verstärkt, um sich in zahlreichen Dampfmaschinen in mechanische Kraft umzusetzen. Von diesen wurden besonders die wundervoll arbeitenden Brown=, Boweri= und Zvellyturbinen bewundert, welche den Wellen der mächtigen Dynamos die rasende Geschwindigkeit von 1500 Umdrehungen in der Minute erteilen und so die Induktionsströme erzeugen, welche als Gleich= oder Drehstrom bis zu 10000 Volt in gesonderten übersichtlich angeordneten Leitungsbahnen durch die Kabel nach den Verbrauchstellen befördert, sich dort in bewegends Kraft oder lichtspendende Wärme zurückverwandeln. Durch zahlreiche Knotrollapparate wird das tadellose Funktionieren aller Maschinen ständig überwacht. Sehr beachtenswert sind die Einrichtungen, welche getroffen sind, um den Betrieb möglichst billig und sparsam zu gestalten, wie die Abwiedergewinnung und die Akkumulatorenbatterien, die es ermöglichen, in den Stunden stärkeren Stromverbrauches den Anforderungen gerecht zu werden, ohne einen weiteren Dampfkessel in Betrieb setzen zu müssen. Daß die Verwaltung ständig darüber wacht. daß weder die Abnehmer, noch der Stadtsäckel beim Verkauf der Elektrizität zu kurz kommen, heigt die ausgedehnte Zählerwerkkontrollstelle, in welcher der richtige Gang aller ausgegebenen Aronschen Standvendelzähler in gewissen Fristen immer wieder geprüft werden. Dankerfüllt schied der Verein aus dem schönen durch peinliche Sauberkeit sich auszeichnendem Werke. Hamm, 1. März. Die Lippe und Ahse führen seit gestern wieder Hochwasser. Die Niederungen der beiden Flüsse sind weithln überschwemmt. Auch die Geseke ist stark im Steigen begriffen. Hamm, 1. März. In der Nacht zum Montag überfielen in der Westenvorstadt vier Arbeiter den Schutzmann Winkels, entrissen Uhm seinen Säbel und verletzten ihn damkt schtuer. Zwei der Täter sind gestern in ihrer Wohnung verhaftet worden, die beiden anderen konnten noch nicht ermittelt wenden. das Kind einer auf der Wolbecker. Familie. Die Mutter wollte das n dem sie das kochende Wasser in die m. gossen hatte, entfernte sie sich auf nuten. Als sie wieder zurückkam, fand z. sich windend vor Schmerzen, in der Kind, das in der Abwesenheit der MuBadewanne gestiegen war, starb bald a.“ Mülheim(Ruhr) 28(ahu„“ darauf. Mülheim(Ruhr), 28. Febr. Der 73ein# alte Setzschiffer Wilhelm Sander von## vorigen Samstag an der Möhneburg ertrank. Sander war der älteste aktive aa dem Rheinstrome. 0 Oberhausen, 1. März. In einem Neuba winnerstraße imsven andhusme an Lothringerstraße waren mehrere Arbeite. hefchäftint Amönn. Mit Ausschachten beschäftigt, wodurch eine4 Mauer freigelegt wurde. Plötzlich stürzte vi. sammen und begrub 2 Arbeiter unter sich wurden. die Köln, 1. März. Auf Schloß Arienfeld=Gie bei Neuwied wurde Sonntag Nacht eingebrockrend der Besitzer verreist war. Den Die für 100000 Mark Juwelen in die Hände. 93#. Aachener Polizeihunde nahmen die Verfolgung verlor sich die Spur auf dem durch Regen an ten Boden bereits nach 400 Metern. Münstereifel, 28. Febr. In Pesch hit waderum interessante Grabfunde gemacht. Gelände, wo der Besitzer schon im Vorjahre Anzahl Gräber stieß, entdeckte er dieser Tage## um 2 Gräber. Ein Teil des Sargkopfstückez auch wieder den bekannten Metzer Kalkstein au Gewerkvereinsteil. M.=Gladbach, 1. März. Infolge des an Streiks in der Baumwollspinnerei Eilermark in Gu werden sämtliche Gronauer Textilwerke mit 80 Spindeln und 4000 Webstühlen zwei Tage in der feiern, falls bis zum 4. März die Arbeit der aufgenommen ist. London, 28. Febr. Aus Philadelphia win meldet: Gestern Abend entgleiste ein Tramwagn einer Weiche, die von Streikenden beschädigt vu lief in die Menschenmenge hinein, von der zwei sonen getötet und eine verletzt wurde. Vermischtes. Geestemünde, 28. Febr. Der hiesige dampfer„Castor“ ist nach 30 Tagen von einer reise nach Island noch nicht heimgekehrt. fürchtet, daß er mit der 12 Mann starken untergegangen ist. Budavest, 1. März. Der Polizist Alerande vasz überraschte seine Gemahlin in flagranti mit Liebhaber. Er brach die Tür auf und feuerte in finstere Zimmer sechs Revolverschüsse hinein, duc der Hausfreund und die ungetreue Gattin schber wundet wurden. Telegramme. Novelle zum Einkommensteuergesetz. Berlin. 1. März. Eine Novelle zum kischen Einkommensteuergesetz wird Landtage in der nächsten Session vorgelegt werden, den Zweck verfolgt, die Härten der 1909 vom Lan# angenommenen Steuernovelle aus Anlaß der erhöhungen zu beseitigen. Die Neuregelung der Wohnungsgehzuschüfte Berlin, 1. März. Die Neuregelung der# kischen Wohnungsgeldzuschüsse, die belau lich nur provisorisch bis 1911 feftgesetzt sind, wird, verlautet, von der Staatsregierung auf den##e# verschoben werden. Vom Hansabund. Berlin, 1. März. Gestern abend un Gesamtvorstand des Hansabunde ersten Male seit dem Bestehen des Bundes im La## beckhause zu einer Tagung zusammen. Rießer eröffnete die Versammlung, die einun ein buldigungstelegramm an den Kaise! Weiterhin beschäftigte sich Geheimrat Rießer un Stellung des Hansabundes zur wirtschaft und zum Bunde der Landwiktt. Redner auf die Stellung des Hansabundes zur rechtsfrage zu sprechen kam, wurden ihm stth Ovationen dargebracht. Berlin, 1. März. Auf das Begrntt“ belegramm, welches der Gesamtansttz, Hansabundes heute vormittag an den Kalse“sandt hat, ist nachmittags folgende Antwet gegangen: Ich habe den freundlichen Gruß des schusses des Hansabundes für Gewerbe, Hand“ Industrie gelegentlich der ersten Tagung geie gegengenommen und danke bestens für den# treuer Anhänglichkeit. Wilhelm I. R. Versetzung bürgerlicher Offiziere in Garderehn Berlin, 2. März. Wie das„B. die Regimentskommandeure der Linienst9 1.#i er aller Wafsengattungen durch das Millyssit aufgefordert worden, je einen bürotz,### Offizier namhaft zu machen, der sich für setzung in die Garde eignet. Keine Stimmung für einen Wahlrechts Gentsen Breslau, 2. März. Zur Frage de# streiks als Wahlrechtsdemonstration wird Zeitung aus Berlin gemeldet, die baykischen, und württembergischen Sozia Jemokreten hasttt lstreik beäh#g die Bürgerschaftswi F grung der Bürgerscha Zenkrum 4, die 9 ##ste d Site. Die ne dick plammene bisher 37), ### Liberale 29(bisher Luftsch gitterield, 1. März. B v ermdihe 1015 Uhr Leamanct Stelling, de Jae glatt von der Ballpeswind ist der Fahrt ee nach vierstündiger Lctifferdataillons in T Gisendere, 1. Pärz., ese ne er chen tung nach Berlin perlin, 1. Moedebeck, der sich khrt große Verdienste # von 52 Jahren gest prosden 2. März. an der deutsche Avial (Jzeiden=Müggei per be des Windstoßes um rccht Metern nieder. Stuttgart, 1. Mi glte den 65 Jahre a a. d. Elbe w beleidigung des Gra üingnis. Er hatte vor Trahungen 10000 M tete, das von ihm er zlin bei seinem Lu hat sich, wie festgest ur früher als Lange s# ndem Z's ganz verschi Leinhalb Jahre G Vernehmung de Bien, 1. März. in des Oberleutnan Angaben suchen die Indizien auf ganz! ##d an, daß für ih schlte, da er ihres ut habe, nach seiner in den Generalstab suhte auch die Auf Jutor, Bi Dertmuns, Fl gathlassiger 3 n½-Liter Flasch Ersatz 1 110T Grüne Rs nimmt Jacobi's Dortmund Ecke S Attter Dame G Hämorrhoidalleiden sind sehr lästig und vielfach mit grossen bunden und können schließlich sehr Vesog###### Nach vielen Gutachten ist Sanitätsrat Dr; g, a,be. Thee ein hervorragendes Mittel bei Linderung und Heilung zu bringen. Es!:„##### die Ursache der Hämorehoiden beseitigt wir ist speziell die Aufgabe dieses Thees. Pler I. u in allen Apotheken zu haben, wenn nicht, I, an die Ferromaganinges. Uschaft, Fraukfut: prinzenstraße 55. s. Aaden Schildeten rüte für D 15 Piz. Wel en gualdollen 2. olbeckerstraße v E Auc sich auf ein: and se khr. Ve der sahchel lteste artive In einem Neuban eine 4 Pr. Klötzlich stürzte des ter unter sich die Nacht eingebrochen# gr. Den. en die Hände. Köhn die Verfolgung auf In Pesch hut mas be gemacht. Auf on im Vorjahre au te er dieser Tage des Sargkopfstücks Metzer Kalkstein an einsteil. z. Infolge des## nerei Eilermark in Textilwerke mit 80 en zwei Tage in der M die Arbeit us Philadelphia wirh leiste ein Tramwogn enden beschädigt vm. nein, von der zwei tzt wurde. chtes. Febr. Der hiesige 0 Tagen von einer st heimgekehrt. Mau Mann starken der Polizist Aleralde lin in flagranti mit ür auf und feuerte in verschüsse hinein, duch getreue Gattin mmensteuergesetz Novelle zum i euergesetz wird ssion vorgelegt werden, en der 1909 vom Lan aus Anlaß der Ge# Wohnungsges zuschüfe. Die Neuregelung der zuschusse, die 1 festgesetzt sind, wird, sierung auf den bestern abend urn Hansabundes zn des Bundes im La## s zusammen. Gehein sammlung, die einsin in den Kaiser absan Beheimrat Rießer mit abundes zur Li# unde der Landwirte. Hansabundes zur kam, wurden ihm stürht das Bestit!“ der Gesamtansstz) mittag an den folgende Antwof chen Gruß des Gesam für Gewerbe, Handel ersten Tagung ger e bestens für den lhelm I. R. iziere in Garderezin das.B. K.: eiste der Tinien:ss durch das Militärtert) einen bürgerl chen, der sich für die b“# age des wied br u yrischen, ten hätten vidalleiden agen, gaß absolut keine Stimmung für estreik bezw. Solidatitätsstreik zut Erringefferen preußischen Wahlrechts vorhanden die Bürgerschaftswahlen in Hamburg. g. 1. März., Bei der gestrigen Wahl, 99 der drei Wahlgänge zur halbschichtigen #####ung der Bürgerschaft, erhielten die Rechte 12, Frikf“), Zentrum 4, die Linke 2 und die vereinigten Erssen 2 Sitze. Die neue Bürgerschaft setzt eruie, Jt zusommen: Rechte 88(bisher 43) Sitze, (bisher 37), Linke 87(bisher 35), verE# giberale 29(bisher 23), Sozialdemokraten 20 Nr. 91), Fraktionslose 1(bisber 1). Luftschiffahrt. uterseld, 1. März. Bei prächtigem Wetter stieg tngmittag 10.15 Uhr der„Parseval V“ zu einer gach Berlin auf. In der Gondel befand sich (eutnant Stelling, der die Führung hatte, ein aer und die Bedienungsmannschaft. Der Aufstieg glatt von der Ballonhalle aus. Ein mäßiger Sezwind ist der Fahrt sehr günstig. Das Luftschiff „ nach vierstündiger Fahrt auf dem Gelände des shisferbataillons in Tegel. minenberg, 1. März. Um 11,20 Uhr erschien das „Parseval V“ von Bitterfeld kommend über enberg und verschwand in rascher Fahrt in der ung nach Berlin gerlin, 1. März. Oberstleutnant a. D, HerRoedebeck, der sich um die Hebung der Luftzrt große Verdienste erworben, ist heute früh im von 52 Jahren gestorben. # e n 2. M ä r z. B e i e i n e m F l u g v e r s u c h i s t der deutsche Aviatiker Lange auf dem Flugdresden=Müggel verunglückt. Der Apparat schlug ue des Windstoßes um und stürzte aus einer Höhe aht Metern nieder. stuttgart, 1. März. Die Strafkammer versste den 65 Jahre alten Uhrmacher Lange aus um a. d. Elbe wegen versuchter Erpressung #eleidigung des Grafen Zeppelin zu 5 Monaten #ingnis. Er hatte von dem Grafen Zeppelin unLrhungen 10000 Mark verlangt, indem er besete, das von ihm erfundene starre System habe ein bei seinem Luftschiff benutzt. Graf Zephat sich, wie festgestellt wurde, sein System ein #r früher als Lange schützen lassen, dessen System dem Z's ganz verschieden ist. Der Staatsanwalt Leinhalb Jahre Gefängnis beantragt. Vernehmung der Frau Hofrichter. Bien, 1. März. Gestern Mittag wurde die tin des Oberleutnants Hofrichter vernommen. Angaben suchen die Hofrichter chwer belastenIndizien auf ganz harmlose Weise zu erklären. gb an, daß für ihren Mann jedes Motiv zur schlte, da er ihres Wissens sich dagegen geüt habe, nach seiner Versetzung zur Truppe nochin den Generalstab zu kommen. Frau Hofrichste auch die Auffindung der kleinen SchächJutor, Biergrosshandlg. Dertmund, Ferasprecher 1778. gathlassiger Biere, bell, dunkel u. Pilsener n½-Liter Flaschen und ½ Liter-Krüge. 31: Ersatz für Syphons. Grüne Rabattmarken: nimmt in Zahlung Jacohi's Schuhtsarenkause Dortmund, Kuckelke 35. 7 Ecke Schwanenwall. 6653„ Vackm UAA u# Loonfacher A.oit Ed nssonf Westenbeikes. 107. die auf dem ganzen Erdenrund verbreitete Münchner„JUGEND“, die gegenwärtig im 15. Jahrgang erscheint. interessenten erhalten Probenummern kostenfrei in jeder Buch- und Kunstbandlung oder direkt vom Verlag der JUGEND“, München, Lessingstr. 1. " Quartalspreis 4 Mark.:::: Die Lektüre der„JUGEND“ ist such wegen ihres Reichtums an Büdern (darunter jährlich etwa 250 farbige), Feiche sich als Wandschmuck eignen, S- Aaden Schildeten telchen, die genau venen glichen, wonn die Giftpillen versandt wurden, zu erklären. Ihr Mann habe ihr versprochen, ein Nähnecessaire herzustellen, was ihm jedoch nicht gelungen sei. Reisepläne König Eduards. Paris, 1. März. Könia Eduard wird am nächsten Montag in Paris eintreffen und am Dienstag morgen entgegen den getroffenen Dispositionen nach Biaritz weiterreisen. Der König reist inkognito unter dem Namen eines Herzogs Lincoister. Er wird von drei Personen des Hofes begleitet sein. Es ist wahrschenilich, daß er bei seiner Rückkehr zwei bis drei Tage in Paris Aufenthalt nehmen wird, wobei er dem Präsidenten der Republik einen Besuch abstatten wird. Roosevelts Weltreise. Paris, 1. März. Der Expräsident Roosevelk wird, dem„Neuyork Herald" zufolge, nach den neuesten Dispositionen gegen Mitte April in Kairo eintreffen und sich von dort nach kurzem Aufenthalt nach Italien begeben, um dann nach Christiania weiterzureisen, wo er vor der Nobelpreiskommission einen Vortrag halten will. Darauf begibt sich der Expräsident nach Paris, wo er an der Sorbonne einen Vortrag hält, und von hier nach kurzem Aufenthalt nach Wien und Budavest. Am 15. Mai trifft Roosevelt in Berlin ein, wo er an der Universität einen Vortrag zu halten gedenkt. Von Deutschland begibt er sich nach England, wo er voraussichtlich einen drei= bis vierwöchigen Aufenthalt nehmen wird. Roosevelt hat darum ersucht, ihn wie einen gewöhnlichen amerikanischen Bürger während seines Aufenthalts in Europa zu behandeln. In Berlin wird Roosevelt Gast des Kaisers sein. Türkische Rüstungen. Konstantinovel, 2. März. Der Großwesir konferierte gestern lange mit dem Bautenminister über die Instandsetzung der mazedonischen Chausseen und Brücken, die für den Kriegsaufmarschplan in Betracht kommen. Im Kriegsministerium wird fieberhaft gearbeitet. Allläglich langen mit der anatolischen Bahn Truppen aus Kleinasien an, die nach Mazedonien weiter befördert werden, wo sich in zahlreichen Städten ein kriegerischer Aufmarsch vollzieht, dessen äußerer Ring gegenwärtig durch Truppenvorschübe längs des Schwarzen Meeres geschlossen wird. Hand in Hand damit gehen die finanziellen Rüstungen. Die Türkei bereitet sich für alle Möglichkeiten vor. Der Kriegsminister erteilte Befehl zur Absendung einer Feldeisenbahn nach Mazedonien bezw. an die bulgarische Grenze. Alle 25=bis 26jährigen militärpflichtigen jungen Männer ohne jeden Religionsunterschied erhielten die Aufforderung, sich Donnerstag zum Militär zu stellen Vom Sterbelager Dr. Luegers. Wien, 1. März.(11 Uhr 58 Min. abends) Soeben wird aus dem Rathause gemeldet: Der Kräfteverfall des Bürgermeisters Dr. Lueger läßt sich nicht mehr aufhalten, da die Ernährung durch Nährklysmen 77 nicht mehr möglich ist. Der Darm ist so geretzt, daß er die so eingeführte Nahrung nicht mehr behält. Der Bürgermeister erwachte gestern nach 5stündigem Schlaf. Das konvulsivische Schluchzen trat wieder heftiger auf. König Eduard für den Weltfrieden. London; 2. März. In einer Ansprache an die Kirchenvertreter von Vork und Kanterbury sprach nig Eduard sich in wärmsten Worten für die Aufrechterhaltung des Weltfriedens aus. Standesamts=Nachrichten. Dortmund 1. Vom 28. Februar. Geburten. Ein Sohn:. Bauarbeiter, Piat, Bessemerstraßer 13. Zimmermann Weber, Westerbleichstraße 58.„„ Eine Tochter: Ingenieur Kruschel, Brackel. Hochofenarbeiter Borkowokt Kesselstraße 27. Bergmann Bargel, Falkenstraße 38. Straßenbahnarbeiter Schäffer. Schillerstraße 7. Schausteller Gärtner, Breitegasse 9. Lagerarbeiter Kusch, Hohensyburgstraße 4. Monteur Schrörs, Rheinischestraße 38. Schlosser Sommer, Hüttemannstraße 13. Schriftsetzer Stuttmann, Hüttemannstraße 51. Postassistent Gagelmann, Weberstraße 18. Schlosser Krause, Herderstraße 9. Aufgebote: Metzgermeister T. Singer und Anna Kriner. Sterbefälle: Wilhelm Schwarz. Altermühlenweg 63. 9 Monat. Ingenieur Franz Schaefer, Körnerplatz 6, 58 Jahre. Schachtmeister Adolf Czerwansli. Kesselstraße 21, 36 Jahre. Artur Rehr, Zimmerstraße 27a, 2 Jahre, Magareta Tapprogge, Poststräße 36, 24 Jahre. Dortmund 2. Vom 28. Februar. Geburten. Ein Sohn: Bergmann Nöhr, Stahlwerkstraße 23. Eine Tochter: Eisenwerkarbeiter Hartmann, Düvvelstraße 28. Schlosser Schoneberg, Bornstraße 60. Maschinist Lewandowski, Oestermärschstraße 21a. Aufgebote: Kaufmann W. Crüwell und Margarate Meininghaus. Sterbefälle: Ehefrau Luise Floer, Bleichmärschstraße 5, 66 Jahre. Werner Frielingsdorf, Schwanenstraße 3, 1 Monat. Ehefrau Emma Winkler. Brunnenstraße 24, 25 Jahre. Nach dem Chorpersonal des hiesigen Stadttheaters feierte unter Benutzung der schönen Dekorationen der Verein Rheinland am Sonntag im Gewerbeverein ein Fest im Biedermeierstile und zwar, wie wir feststellen möchten, bei sehr gutem Besuche und mit erfreulichem Erfolge. Mit Jubel wurde der Bürgermeister begrüßt, als er in Begleitung des Stadtschreibers und der unter diem Kommando des Generals Leberwurst stehenden Stadtsoldaten nebst Nachtrag auf dem Plan erschien und verkündete, daß das Fest, welches in der Zeit, als der Großvater die Großmutter nahm, spielte, beginne und seinen Bürgern und Bürgerinnen, die er allesamt aufs herzlichste begrüßte, viel Vergnügen wünschte. Vergnügen hat es fürwahr die schwere Menge gegeben, da eine hochwohlweise Obrigkeit dafür gesorgt hatte, daß die Bürgerschaft allerlei Kurzlveil fand und treiben konnte.— Auf der Schützenwiese, durften auch diejenigen, die der Bürgerwehr nicht angehörten, Proben von ihrer Treffsicherheit liefern, in den Spielbuden lockten großartige Gewinne an. dem Glück die Hand zu bieten, die Leckermäulchen konnten an den Ständen mit Süßigkeiten aller Art ihren Appetit stillen, im Kabarett„Zum angebundenen Affen““ wurden amüsante Vorträge geboten. auf dem Tanzplan hatte Alt und Jung Gelegenheit, sich munter zu drehen und das Tanzbein zu schwingen. Für die Honorationen lieferten die Sektbuden das nötige Naß, während sich das gewöhnliche Volk mit billigeren Erzeugnissen der Weinkelterei begnügte. Auf Ordnung wurde von der Obrigkeit streng gesehen. Wer über den Strang schlug und sich mausig machte, wurde zur Strafe in Arrest gebracht. Mit Freuden machte man die Wahrnehmung, daß die Ordnungspolkzei die Arrestanten nicht mit rauher Hand aus dem Trubel herausriß und sonst auch Milde walten ließ. Da die Polizeistunde für diesen Tag vom Bürgermeister aufgehoben und freie Nacht bewilligt worden war, so stand auch den pedandischen Philistern nichts im Wege, von dieser Erlaubnis ausgiebigsten Gebrauch zu machen. Bis zum frühen Morgen währte das frohe Fest, in dessen Verlaufe den Teilnehmern mancherlei Ueberraschungen. so z. B. durch die Rosenpolonaise, bereitet wurden. Der Verein Rheinland hat mit dieser Zugabe zu den in der kurzen Faschingszeit gebotenen Veranstaltungen den bündigen Beweis geliefert, daß er es meisterhaft versteht, Familienfeste zu arrangieren und zu feiern. Für die nächstjährige Saison werden aus Anlaß des 25jäh rigen Vereinsjubiläums ganz besondere Vorbereitungen getroffen. Rheingold. Wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich, ist mit dem 1. er. ein Wechsel der Hauskapellen erfolgt und konzertiert nunmehr täglich das rühmlichst bekannte belgische Künstler=Quartett Alberto=Brüssel. Fastenspeisen! Knorr-Sos reines Pflanzenprodukt zum Würzen von Fastenspeisen. 6861 Knorr Hahn- Maccaroni Nach 2 D. R.P. hygienisch einwandfrei hergestellt. Starkes Aufquellen, grosste Ausgiebigkeit, appetttliches Aussshehen, höchster Wohlgeschmack. in allen einschlägigen Geschäften zu haben. S uie Nüie Dulsburg — im weitverbrei Se vom Hiederrhein, Ouisburg X Vohnungs- und Stellenanzeigen 19 Pig.) (210000 Einwohner) d den Niederrheis veröffentlicht man im weitverbreiteten prüfen Sie die einzelnen Teile unsere die einzelnen Teile unserer Herde genau, damit Sie sich überzeugen, dass es solideres nicht gibt! Süligkte Lieferung erie. MA H.8 Burgwy, TTE Ein tüchtiger Schmelzer ür Kofs=Tiegelösen, gesucht. 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Unterschied der Parte unsere Verhand nsehen des Reichstag wie auch im Ausland Beisall im Zentrum un Veraussetzungen hit nochmaligem, hei in Sinne des Hauses derren Vizepräsidente lichen Verhinderung de des Hauses mit eben nführt haben, den kiter Beifall.) Der lerzlich aufgenommen Bite aussprechen, daf weiter mir mit ihrem stehen werden. Es folgt darauf tuung des Etat des 9 Abg. Böhme(k die Gründung des B# Seite als berechtigtc Freifel darüber lass swwährten Schutzzoll Leutsche Bauernbund tuuptet wurde, ein zu gegen einen termi“ termittel. In undet sich Redner de Erfolgrei der Lung " Die Lungent huzillen verursach elem eine gewisse nüssen einen gür nicht entwickeln u Sobald man olso Latienten so zu hrkelbazillen nich uhr vorfinden, hand in Hand g ietzt nahegekomme Universität Friucke mit der u. Fehrlin in E mrösfentlicht eine — — -Dekoratio Von heute ab übe e Anwaltspranis ehr mit den He echtsanwälten Fra nd Dr. Elias gen haftlich aus. 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Schwrin=Löwitz(kons.) ue Ersten Präsidenten durch Akklamation erfolgen eflamation ist nur zulässig, wenn niemand widerAgt Es erhebt sich kein Widerspruch, also Graf Schwerin=Löwitz zum Ersten Präsianten gewählt. Präsident Graf v. Schwerin=Lowitz ergreift 5## Port zu folgender Ansprache:„Ich bin Ihnen für das mir soeben, durch einmütig vollzogene Wahl entsegengebrachte Vertrauen aufrichtig dankbar. Ich weiß * hape Würde und Ehre des mir von Ihnen überagenen Amtes, des hochsten, welches das deutsche Volk fir seine Vertreter zu vergeben hat, und welches vor hir eine Reihe so ausgezeichneter Männer bekleidet haben, in vollen Maße zu würdigen. Ich bin mir Er auch der schweren Aufgaben, welche mit diesem Ant verbunden sind, in vollene Mate bewußt. Ich berspreche Ihnen, meine volle uno ganze Kraft für die Frfüllung dieser Aufgabe einzusetzen. Ich verspreche samentlich aber, was ich eigentlich für selbstverständlich hniene, gegenüber allen Parteien und Mitgliedern des unbedingte Unparteilichkeir zu wahren. Ich bitte Sie, in der Erfüllung der Aufgaben bi der Erledigung der Geschäfte des Hauses und bei ur würdigen Führung der Verhandlungen mich nach Kräften unterstützen zu wollen. Wir haben alle, ohne ünterschied der Parteien, das gemeinsame Interesse baran, unsere Verhandlungen würdig geführt und das nsehen des Reichstages dadurch sowohl im Innern, wie auch im Auslande gewahrt zu sehen.(Lebhafter Peifall im Zentrum und auf der Rechten.) Unter diesen Veraussetzungen nehme ich die auf mich gefallene Wahl bit nochmaligem, herzlichem Dank an. Ich glaube in Sinne des Hauses zu sprechen, wenn ich den beiden derren Vizepräsidenten, welche wegen der zweimonatlichen Verhinderung der ersten Präsidenten die Geschäfte bes Hauses mit ebensoviel Umsicht wie Sachkenntnis bführt haben, den Dank des Hauses ausspreche.(Lebhaiter Beifall.) Der Beifall zeigr, daß der Gedanke herzlich aufgenommen worden ist, und ich möchte selbst die Litte aussprechen, daß die Herren Vizepräsidenten auch weiter mir mit ihrem Rat und ihrer Unterstützung bei65 folgt darauf die Fortsetzung der zweiten Beturung des Etat des Reichsamts des Innern. Abg. Böhme(bei keiner Fraktion): Wenn auch die Gründung des Bauernbundes von linksliberaler Seite als berechtigt anerkannt ist, will ich doch keinen kreifel darüber lassen, daß wir unentwegt an der kwährten Schutzzollpolitik festhalten werden. Der Leutsche Bauernbund ist auch durchaus nicht, wie betuuptet wurde, ein Gegner des Futtermittelzolles, er Knur gegen einen übermäßig hohen Mindestzoll auf ###termittel. In seinen weiteren Ausführungen #ndet sich Redner gegen den Abg. Dr. Hahn und gegun den Bund der Landwirte. ein giiator des Bundes der Landwirte habe in öffentlicher Versammlung bedauert, daß die Mitglieder des Bauernbundes nicht standrechtlich erschossen werden könnten.(Heiterkeit.) Wir werden uns aber durch solche Angriffe nicht beirren lassen, sondern unsere Bauernpolitik fortsetzen, und wir werden versuchen, die große Masse der landwirtschaftlichen Bevölkerung zu uns herüber zu ziehen.(Beifall links.) Abg. Fuhrmann(nat.=lib.): Bei seiner ersten Wahl in den Reichstag versprach der Abg. Hahn dem nationalliberalen Wahlkomitee des 19. Hannoverschen Wahlkreises, politisch und wirtschaftlich im nationalliberalen Sinne wirken zu wollen.(Heiterkeit.) Und wirtschaftlich! So steht es ausdrücklich in jener Erklärung. Und jetzt bekämpft er schon längst die nationalliberale Wirtschaftspolitik. Bei seinen Angriffen auf uns hat Herr Hahn vergessen, daß für die Caprivischen Handelsverträge auch die konseivativen Abgeordneten v. Manteuffel, Graf Klinkowström, Graf Klinkowström, Graf Schwerin=Löwitz und viele andere gestimmt haben. Mit scharfen Worten weist Redner die vom Abg. Hahn auf der Generalversammlung des Bundes der Landwirte erhobene Beschuldigung gegen den nationalliberalen Parteiführer Bassermann zurück, wonach dieser bei der Reichsfinanzreform von einem Raubzuge der Konservativen gesprochen haben sollte. Redner polemisiert in schärfster persönlicher Weise gegen den Abg. Hahn weiter und fährt fort: Wir haben bei der Reichsfinanzreform die Hand geboten, den Block mit den Konservativen zu erhalten, und sind ohne Schuld an der jetzigen unheilvollen Entwickelung. Vor zwei Jahren saß hier ein aufrechter Wann, Herr v. Kardorff, der offen erklärte: Nicht wegen, sondern trotz des Bundes der Landwirte haben wir,.gt eine Blüte der Landwirtschaft. Nur unserm besonnenen Auftreten 1902 haben wir den jetzigen Zolltarif zu verdanken. Abg. Horn=Sachsen(Soz.): Die Arbeitszeit in der Glasindustrie muß beschränkt, die Sonntagsarbeit bis auf die Unterhaltung der Oefen gänzlich verboten werden. Abg. Heim(Zentr.): Der Bund der Landwirte muß doch für die Nationalliberalen eine große Gefahr sein, sonst hätte Herr Fuhrmann diese häßliche Attacke nicht gegen den Abg. Hahn geritten. Woher kommt das Geld für den Bauernbund? Nimmt es der Bund von den Hansaleuten, so wäre das Korruption. Der fränkische Baueknbund ist klein und trat dem deutschen Bauernbunde nur bei, weil er frivol überrumpelt wurde. Abg. Hahn(kons.): Herr Fuhrmann hat drei Tage gebraucht, um seine Rede zu verbrechen.(Vizepräsident Prinz Hohenlohe: Ich bitte, derartige Aeußerungen zu unterlassen.) Ich brauchte den Ausdruck nur scherzhaft, da ich nicht annehmen kann, daß die Rede des Abg. Fuhrmann ernst gewesen ist. Daß ich aus der nationalliberalen Partei austrat, muß ich bedauern; aber nicht in meinem Interesse, sondern in dem der Nationalliberalen.(Große Heiterkeit.) Redner bekämpft den Bauernbund und bemerkt, der Bund der Landwirte ist zum Glück noch nicht so vom Modernismus augekränkelt, daß er die Macht, die ihm die jetzige Wahlkreiseinteilung in Preußen gegeben hat, selbst verringern helfen sollte. Fürst Bülow scheiterte an seiner eignen Politik: er stellte den Liberalen zuviele Wechsel aus, die er später nicht einlösen konnte. Abg. Gothein(freis. Vg.) will sich in den Streit nicht einmischen und lobt die wirtschaftlichen Verhältnisse Dänemarks. Nach 7 Uhr vertagt sich das Haus. Mittwoch 1 Uhr: Fortsetzung der Beratung. Abgeordnetenhaus. Berlin, 1. März. Am Ministertische: v. Sydow, v. Velsen. Vizepräsident Dr. Porsch eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 15 Minuten. Die zweite Lesung des Etats wird beim Bergetat fortgesetzt. Bei den Einnahmen hebt Abg. v. Kessel(kons.) den auffälligen Rückgang der Erträgnisse aus den Bergwerken hervor und bittet um Auskunft über die Ursachen dieser Erscheinung. Handelsminister v. Sydow erwidert, daß einige Mitteilungen hierüber in der Subkommission der Budgetkommission, die zu diesem Zwecke eigens eingesetzt sei, gegeben würden. Abg. Macco(nat.=lib.): Der Rückgang der Arbeitsleistung hat einen Einnahmeausfall von 13 Millionen Mark jährlich im Gefolge. Daß der Staat den höheren Bergwerksbeamten nicht dieselben Gehälter bezahlen kann, wie die Privatindustrie, ist bedauerlich, aber nicht zu ändern. Abg. Brust(Ztr.) war der Meinung, daß die Einnahmen aus den staatlichen Bergwerken gehoben werden müßten, ohne daß aber die sozialpolitischen Aufgaben darunter zu leiden hätten. Der Redner verlangte über verschiedene Einzelsachen Auskunft, u. a. über angebliche illoyale Handhabung der Bestimmungen der Berggesetznovelle. Handelsminister Sydow erklärte, daß die loyale Durchführung der Berggesetznovelle mit allen Mitteln angestrebt werde; die Reichsregierung tue alles, die geheime Wahl zu sichern. Oberberghauptmann Velsen gab zu, daß allerdings ein Rückgang in der einzelnen Arbeitsleistung vorliege, daß damit aber kein Tadel gegen den einzelnen Arbeiter zum Ausdruck gebracht werden soll. Abg. Leinert(Soz.) begründete den Antrag seiner Partei. Die Lage der staatlichen Bergarbeiter habe sich erheblich verschlechtert, sie erhielten geradezu Jammerlöhne In langen Ausführungen wandte sich der Redner mit äußerster Heftigkeit sodann gegen das Zentrum, das Verrat am Wahlrecht übe und das die gemeinste und heuchlerischste Partei sei, die man sich denken könne!(Lärm im Zentrum.) Abg. Spinzig(freikons.) bezeichnete die langen Ausführungen des Vorredners als rednerische Ausschreitungen. Die Löhne der Bergarbeiter sollten tunlichst stabil gehalten werden. Bei dem Radbod=Unglück sei die Untersuchung einwandsfrei geführt worden. Nach persönlichen Bemerkungen vertagte sich das Haus auf Mittwoch 12 Uhr: Fortsetzung. Schluß 5 Uhr. Graf Pfeil vor dem Oberkriegsgericht. S. u. II. Thorn, 28. Februar. Vor Beginn der heutigen Verhandlung wurde be kannt, daß dem Gerichtsherrn der 35. Dieision Generalleutnant von Briesen der Abschied bewilligt worden ist, und daß inzwischen in Bremen die Beschlagnahme der auf den Prozeß bezüglichen Akten des Rechtsanwalts Sprenger erfolgt ist.— Der Prozeß geht heute in die zweite Woche, wird jedoch infolge zahlreicher Zeugenverzichte, die heute erfolgten, voraussichtlich Mitte dieser Woche zu Ende gehen, Zunächst ist vom Abgeordneten Freiherrn v. Richthofen(Kuhnern) die Mitteilung eingegangen, daß er nicht erscheinen könne, da er als Mitglied der Wahlrechtskommission des preußischen Abgeordnetenhauses in Berlin festgehalten werde. Nach längerer Rücksprache einigte sich das Gericht mit der Verteidigung dahin, daß die Vorgänge in der zweiten Ehe des Grafen mit der Komtesse v. Behr aus Mitau in Rußland nicht erörtert werden sollen, weil diese Vorgange mit dem zur Anklage stehenden Beweisthema nur lose zusammenhängen. Der Verhandlungsführer bemerkt, die Ereignisse in der zweiten Ehe könnten nur herangezogen werden, um die Glaubwürdigkeit der ersten Frau des Grafen nachzuprüfen. Wenn hier kein Antrag gestellt werde, könne man darauf verzichten.— Von der Verteidigusig wird erklärt, daß die zweite Frau des Grafen nur darauf ausgehe, den Ehescheidungsstoff schon in diesem Prozeß eidlich festzulegen, da die Ehescheidung der zweiten Ehe noch nicht ausgesprochen sei. Das Gericht verzichtet auf die Aussagen der Gräfin Pfeil, geb. v. Behr, des Frl. Trebra(Dresden) des Generalmajor v. Brüsewitz, des Grafen Bernstorff, des Grasen v. Westernhagen, des Freiherrn v. Richthofen, des Landgerichtsdirektors Haude(Breslau), des General= majors v. Hoppenstedt, der Damen Marwede aus Breznen u. a.— Von der Verteidigung wird noch auf einen Zeugen Bezug genommen, der bekunden soll, daß noch nach dem Zustandekommen der eidesstattlichen Versicherungen vonseiten der Gräfin Vergleichsverhandlungen dahin gepflogen wurden, daß der Graf gegen eine Abfindung von 200000 Mark die Kinder herausgeben solle. Diesen Vergleichsvorschlag hat der Graf abgelehnt.— Graf Pfeil überreicht sodann dem Gerichtshofe einen Brief, der ungünstige Angaben über den Zeugen Gräger enthält.— Graf Pfeil protestiert gleichzeitig dagegen, daß der Brief an Gerichtsstelle verlesen werde, damit Gräger sich nicht mit dem Briefschreiber, der sich als Zeuge anbietet, vorher in's Einvernehmen setzen könne.— Der Gerichtshof beschließt, den Briesschreiber, einen Herrn Oskar Breitefeld aus Wilmersdorf als Zeugen zu laden.— Zeuge Gräger bittet in dieser Sache den Generaldirektor Lapp(Aschersleben) zu saden. Er sei in einer Sache Lapp contra Breitfeld tätig gewesen.— Der Gerichtshof behält sich die Beschlußfassung vor.— Eine Zeugin Frau Ahlert war Köchin im Hause des Grafen. Sie erzählt von Erfolgreiche Behandlung der Lungentuberkulofe. Die Lungentuberkulose wird bekanntlich durch die Tuberkelnzllen verursacht. Zur Entfaltung dieser Bazillen geyört vor elem eine gewisse Disposition der Befallenen. Die Bazillen aissen einen günstigen Nährboden finden, sonst können sie sich nat entwickeln und es kann auch keine Ansteckung erfolgen. sobald man olso den Gesamtorganismus eines tuberkulösen Schenten so zu verändern vermag, daß die vorhandenen Tuerielbazillen nicht mehr gedeihen können. keinen Lebensboden Uhr vorfinden, so muß damit die- Heilung des Erkrankten dund in Hand gehen: Diesem längst erstrebten Ziel sind wir nahegekommen. Die medizinische Klinik der Universität Genna, wo an Tuberkulösen ausgedehnte bersuchke mit dem in letzter Zeit so viel besprochenen, von Herrn N. Fehrlin in Schaffhausen entdeckten Histosan gemacht wurden. eosfentlicht einen Bericht über die mit diesem Mittel gemachten Erfahrungen und schreibt u. a.:„Die prompte und außerordentliche Wirsamkeit des Histosans beruht auf einer gründlichen Sanierung des Blutes und der Gewebesätte, wodurch der erkrankte Organismus schnell in einen Zustand versetzt wird, in welchem dann die Natur eingreifen und die völlige Genesung herbeiführen kann.“ Und aus einem andern Ort des Südens, wo sich so viele Lungenkranke hinflüchten, aus dem berühmten Winterkurort Catania kommt eine Nachricht, welche die in Genna enthaltenen Resultate nicht nur bestätigt, sondern noch weit glänzender charakterisiert. Das Institut für pathologische Anatomie der Königlichen Universität Catania hat nämlich einen Bericht über die mit dem Histosan gemachten Erfahrungen mit den Worten geschlossen:„Nach alledem gereicht es uns zum Vergnügen, Ihnen aufrichtig zu gratulieren, daß es Ihnen gelungen ist, ein solches Heilmittel herzustellen, welches mit leichter Anwendbarkeit eine sichere und dauernde Wirkung vereinigt, Histosan darf mit ruhigem Gewissen, nach Ursache wie Wirkung, als das beste, wirksamste und geeignetste Mittel gegen die Lungentuberkulose bezeichnet werden.“ Zahlreiche andere Untersuchungen in Krankenhäusern und Sanatorien des In= und Auslandes haben ebenfalls ergeben, daß das Histolau geradezu überraschende Resultate in Bezug auf Entfieberung, Aufhebung der katarrhalischen Erscheinungen Kräftigung und Belebung des Organismus und Erhöhung des Körpergewiches bewickt. In den Sauatorien von Davos. Aroja. Leysin, auf dem St. Gotthard=Sanatorium, ferner in Bozen. Meran, Abbazia und in vielen Heilstätten des deut schen Reiches ist das Histosan in täglicher Verwendung, ebenso in Kinderspitälern und Krankenhäusern. Die wohltnende Wirkung des Histosans macht sich sehr bald geltend. Besonders merkwürdig ist, wie gut es gegen die Hustenanfälle wirkt. Die Verabreichung von Cadein und ähnlichen Narcoticis wird vollständig überflüssig. Deswegen wird es von vielen Aerzten auch bei gewöhnlichen, nicht tuberkulösen Erkrankungen der Atmungs organe jetzt allen anderen Mitteln vorgezogen. Es liegen hierüber ausführliche medizinische Berichte vor. So berichtet z. B die Eisenbahnheilstätte Melsingen bei Cassel, daß das Hustosan bei nicht tuberkulösen, bronchitischen Erkrankungen sehr günstig wirke und zwar sowohl auf die subjektiven Beschwerden als auf den Krankheitsprozeß selbst, und bei Keuchhusten, Katarrh. Heiserkeit gibt es entschieden kein Mittel, daß auch nur annähernd so zuverlässig wirkt wie das Histosan. Natürlich sind jetzt schon sogenannte Ersatzvrodnkte ausgetaucht und es sei deshalb hier Jedermann gewarnt, sich solche Mittel unter irgendwelchem Namen empfehlen zu lassen. Es gibt keinen Ersatz für Histosan. Das Histosan ist kein Geheimmittel, sondern eine Eiweißverbindung des Gnajacols, welche in allen Kutturstaaten gesetzlich geschützt ist, während die sogenannten Ersatzprodukte keinen Patentschutz genießen, weil sie nur wertlose Nachahmungen des Histosans sind Es wird heigestellt in der Hislosan=Fabrik in Singen am Hohentwiel. Ein direkter Verkauf des Histosaus an das Privatpublikum findet seitens der Fabril nicht statt. es wird von derselben nur an Großhändler und Apothesen verkauft. Wo das Histosan nicht in Apolseten erhältlich ist, bestelle man es bei der Stadtapotheke in Singen a./H. Eine Flasche kostet portokrei Mk. 3.20. Re i ccae eer en S Auf der Brautschau. Humoristischer Roman von Felir Brenta. 29 über der Major versicherte ihm, das irgend mögliche #lan zu haben, um die besseren Gefühle in der Brust Kandidaten wach zu rütteln. Jeder weitere Verihm seine Ehrenpflicht begreiflich zu machen, sei aussichtslos. ## Der Kerl ist eben ein Schulmeister,“ schloß er.„Und ** Pauker kneifen ja fast alle. Sogar denunzieren will Fr uns!“ #.#st ja Unsinn," bemerkte der Assessor plötzlich.„Bei strafgs3 der Forderung sind Kartellträger natürlich aöst ja auch ganz gleichgültig,“ fuhr der Major fort. Se i5,8 4s kann Sie so ein Kerl gar nicht beleidigen, Se uund also auch gar nicht beleidigt.“ „Referendar aber wies düsteren Blickes auf seine gie##en. Wange und sagte:„Er hat mich behandelt ## seiner Schulbuben! Bin ich nun beleidigt oder a.zz: Konn ich mich überhaupt noch unter honorigen eiten sehen lassen, wenn das ungerochen bleibt? Ich ser aufjeden Fall Genugtnung verschaffen.“ „Na Hütrtger Lidlich,; erwiderten die feierlichen Freunde. kand:“. Sie sich keine Hoffnung mehr machen, dem Hans der Gottesgelahrtheit die Pistole in die tückmash, 3wingen. Sie müssen dem Ehrenrat die ZuIX. 1g Ihrer Forderung melden. Dann wird dem Weesten, diese Wöhlllung sog teiben das Feld räumen? M bozu. Den C“.: Fällt mir nicht ein. Ich bin zu stolz am ial Pr pb von ihm veruko. Postkarte geun soll ich... vo gönne ich dem Lümmel nicht. Wa mich verbergen? Ich habe mir nichts vorzn und durchaus korrekt gehandelt.“ ##nich33. Sie mögen recht haben. Auchkann es Gann) dauern, bis der Schulmeister in Acht und und gi: und sich selbst beeilen wird, Haus und Hof Dr. 9. ½d Lano zu verlassen.“ g“ickte finster und bewirtete seine Freunde mit # holländischen Sherry Brandy trivle se Zur gleichen Zeit stellte Frau Lichtenburg das Klopfen ein und ließ sich vom Rosa etwas Stärkendes aus dem Keller holen. ** Zu den vielen Bibliotheken, die an Umfang und Bedeutung die von Herrn Heuer neu geordnete Klassenbibliothek übertrafen, gehörte auch die Richtersche Leibibliothek. Die Firma Klementin Richter war die vornehmste Buchhandlung der Stadt. In dem Laden fand das geistige Leben der Einwohner seinen Mittelpunkt. Hier holten die musikbedürftigen jungen Damen ihre Noten. Hier bezogen die Gymnasiasten offiziell ihre griechischen und römischen Klassiker und heimlich die deutschen Uebersetzungen dazu. Hier kauften die Onkels zu Weihnachten und zu Konfirmationen die üblichen Prachtwerke und die Tanten das Davidis'sche Kochbuch. Hier schwelgte das fein gekleidete, für elegante Kunst schwärmende Lesepublikum in dem Anblick der neuen Romane. Die drei großen Schaufenster des Erdgeschosses ließen das Herz jedes Bücherfreundes höher schlagen durch fast täglich hinzukommende neue gelbe und rote Bände mit schlanken Frauengestalten auf den Titelblättern, und wer einigermaßen begütert war, begnügte sich nicht mit ein paar Tantalusblicken durch die Schaufenster. In Scharen schritt man hinein, trat an den Ladentisch, nahm die schönen kostbaren Bücher zur Hand, betrachtete den aufreizenden Einband, klappte auf, warf prüfende Blicke naschend hinein und wandte sich dann, den Band nachlässig fallen lassend, ab, um im Hintergrunde des Ladens die Wendeltreppe zu erklimmen, die zur Leibibliothek emporstieg. Durch die Pracht des Erdgeschosses wurde der Bildungsdrang gereizt, durch die billige Einrichtung des Obergeschosses wurde er befriedigt, und so wurde hier den durstenden Gemütern die geistige Erquickung genau so verabreicht, wie in einer Stehbierhalle, der Band für zehn Pfeunige. Auch Thea verschwendete ihr Taschengeld nicht ausschließlich für Schokolade, sondern opferte manchen Nickel auf dem Altar der Literatur. Es gab Stunden starken und schwachen Besuches in der Bücherei, und ebenso wechselten bei Thea die Wochen heftigen Lesebedürfnisses mit Zeiten künstlerischer Gleichgültigkeit.— Der Ueberschwang der Freuden und die Not des Schmerzes weckt die Gaben künstlerischen Schaffens und Genießens. Der Schmerz aber ist der stärkere Anlaß, und deshalb fühlte auch Thea jetzt besonders mächtig den wehmütigen Trieb, sich aus der Wirklichkeit in das tröstende Reich der Dichtung und Schönheit zu flüchten. Als Thea vor wenigen Tagen des Kandidaten treuherzige Huldigungen so kalt abgewiesen hatte, war es ihr gleich nach seinem gekränkten Scheiden und nach dem kleinen Streit mit ihrer Schwester bedauerlich klar geworden, daß sie sich seine gutmütige Verehrung wohl für immer verscherzt hatte. Tags darauf hatte ihr der Vater zu verstehen gegeben, daß er dem leichtlebigen Referendar auf seine verblümte Anfrage gar keine Hoffnung gemacht habe. Wahrscheinlich würde also auch dieser Courmacher fahnenflüchtig werden. Gewißheit hatte sie allerdings darüber noch nichtDenn seit vorgestern war Tauwetter eingetreten und hatte die bisherigen Stelldicheins auf der Eisbahn ohnehin unmöglich gemacht. Vorläufig aber war sie jedenfalls verlassen und hatte in ihrer Einsamkeit nicht einmal mehr die Freude, die Schwester tyrannisieren zu können. Denn seit Margarete des Kandidaten Katze besaß, war ein neuer Geist der Unbotmäßigkeit in sie gefahren, der sich von der älteren Schwester nicht regieren lassen wollte. Thea hatte daher gestern einen sehr langweiligen Sonntagnachmittag verbracht. Der Eisschlamm der Straßen wurde durch immer neuen Schnee verbessert und tötete alle Spaziergangswünsche. Vater Raupach saß im Klub bei einem Skat. Die Mutter rechnete ihre Wirtschaftsbücher durch, Margarete häkelte sich die Spitze zu einer neuen Schürze; die alte hatte ihr Miezes Tochter, genannt Mignon, zerrissen. Ein Versuch Theas, sich am Klavierspiel zu erfreuen, verlief erfolglos, und so saß sie den ganzen Nachmittag auf dem Schaukelstuhl, sah Margaretes Handarbeit zu und klagte das Schicksal an, weil sie nichts zu lesen hatte. Natürlich war sie sofort entschlossen, diesem unwürdigen Zustande ein Ende zu machen, und am Montag kleidete sie sich im Verlauf des Vormittags genau so sorgfältig an, als ob sie zur Eisbahn ginge, nur 6 sie sich statt mit Schlittschuhen mit Ueberschuhen ver Mit diesen Ueberschuhen bewappnet, überschritt sie mutig die halbe Breite des Fahrdammes und bestieg die Straßenbahn, ärgerte sich über das feuchte Wetter, das dem mühsamen Gelock ihrer Haare Vernichtung drohte, und höchst unwillig darüber, daß der Wagen mit einer Menge geringer Leute in dumpfigen nassen Kleidern überfüllt war. Gnädig nahm sie den Platz eines höflich ausstehenden Herrn an, brachte es nach eifrigem Bemühen so weit, ihr Anhängetäschchen zu öffnen und das Geld darin zu finden, schalt auf den Schaffner, der ihr auf das Zehnmarkstück lauter kleine Münze herausgab, versagte ihm zur Strafe das Trinkgeld, stieg vor der Buchhandlung: nach rückwärts ab, glitt dabei auf ihren Gummischuhen aus, tat sich aber nicht weh, stand in Abwesenheit galanter Herren selbständig wieder auf, rauschte in den Laden, musterte mit einer Miene, als wollte sie mindestens zwei Nummern Reklam kaufen, leutselig die neuesten Erscheinungen auf Tischen und Regalen und entzog sich dann freudig der Anstrengung, die Wendeltreppe emporzuklettern. Der große, fast nur mit vollgepfropften Gestellen möblierte Raum roch nach Büchern, gewissermaßen nach dem Duft der hier aufgespeicherten Geistesblüten. Aber natürlich war es ein Duft, wie ihn die im Herbarium getrockneten Blumen von sich geben. Wenn er also auch nicht zu den Wohlgerüchen gehörte, so ergötzte er doch den Kenner, und Thea war eine feine Kennerin. Auf der Fensterseite des Literaturbehälters wartete der bedienende Jüngling hinter seinem Pult und fragte die vornehm gekleidete junge Dame mit dem entsprechenden Aufwand von Höflichkeit nach ihren Befehlen. „Geben Sie mir bitte etwas Interessantes!“ sagte sie nachlässig. Der Jüngling war in seinem Dienst noch unerfahren und offenbar auch in der Menschenkenntnis ein Anfänger. „Befehlen Sie etwas von der Heimburg?“ fragte er harmlos. Thea stieß ein kleines Gelächter aus, das so niedlich kokett ausfiel, daß sie bedauerte, keinen ihrer beiden Anbeter in Hörweite zu haben. 177.18 einem Vorfall, wo eine Lampe in tausend Stücke ging, kann hierüber aber aus eigener Wissenschaft nichts bekunden. In ihren eidesstattlichen Versicherungen stellt die Zeugin die Ereignisse schärfer dar als bei ihrer Vernehmung. Hier spricht die Zeugin davon, daß die Gräfin schwer mißhandelt worden sei, daß sie hörte, wie der Graf die Gräsin zuBoden warf, sie in einem Zimmer einschloß und prügelte. Die meisten Wissenschaften hat die Zeugin von einem Frl. Oehme, die früher Hausmädchen bei dem Grafen war. Diese bekundet als Zeugin, daß der Graf einmal den kleinen Stanislaus, als dieser krank im Bette lag und immer weinte, mit einem Lederpantoffel geschlagen habe.— Graf Pseil bestreitet, daß das Kind damals krank gewesen sei. — Die Zeugin bekundet weiter, daß sie in Eisenach und Jauer Streitigkeiten zwischen den Eheleuten beobachtet habe. Die Gräfin habe oft geweint und rote Flecke gehabt, ob diese aber von Schlägen herrührten, weiß die Zeugin nicht. Der Streit mit der Lampe müsse ein sehr heftiger gewesen sein, denn der Graf hatte an der Hand geblutet und die Frau Gräfin habe, wie in der Küche erzählt wurde, gerufen, sie wolle sich aus dem Fenster stürzen. Die Leugin hat ferner einmal von einer Schießszene gehört. Der Graf soll während des Wochenbettes der Gräfin mit einem Revolver unter das Bett geschossen haben. Beobachtet hat die Zeugin diese Szene aber nicht. Eine Flebben= und HundertmarkscheinFabrik. S. u. H. Straßburg i. E., 28. Februar. Mit einer umfangreichen Fälschung von behürdlichen Stempeln, Zeugnissen, Pässen, Quittungen und Hundertmarkscheinplatten hatte sich die hiesige Strafkammer zu beschäftigen. Die Anklage richtet sich gegen den früheren Bahnassistenten Richard Kluschak, dessen Bruder Wilhelm, den Studenten Fritsch und den Handlungsgehilfen Beyer, die sämtlich noch unbestraft sind. Aus der Anklageschrift geht hervor, daß sie heimlich beschafte Stempeldublikate des 1. Bataillons des 10. Fußartillerie=Regiments, der Kaiserlichen Oberrealschule, des Bürgermeisteramts, der Eisenbahnverwaltung zur Fälschung von Pässen und anderen behördlichen Ausfertigungen mißbraucht haben. Der Hauptschuldige ist Richard Kluschak, der auf Grund der falschen Zeugnisse, nachdem er seine Stellung als Bahnassistent aufgegeben hatte, sich als Student in Freiburg i. B. imatrikulieren ließ. Der Student Fritzsch, der sich als vollständig unschuldig hinstellt, wurde durch eine Geheimschrift, die er mit Richard Kluschak unterhielt, als Mitwisser überführt. In ganz raffinierter Weise haben die Angeklagten dem ehemaligen Direktor des Gymnasiums in Schlettstadt eine Gehaltsquittung abzulocken gewußt, mit der sie dann die Pension des Direktors durch einen Mittelsmann bei der Landeshauptkasse abheben liezen. Richard Kluschak soll außerdem für einen Karl Kißling das Einjährigenexamen in Landau gemacht haben. In der Untersuchung haben die Angeklagten in Geständnis abgelegt, das sie jetzt teilweise widerrufen, teilweise behaupten sie, daß der Vater der Fälschungsidee ein Lloydangestellter Burkhardt gewesen sei, der jetzt nicht mehr aufzufinden ist. Gegen Wilhelm Kluschak wurde die Anklage zwecks Aufhellung eines Falles ausgesetzt. Gegen Richard Kluschak beantragte der Staatsannält, der den Angeklagten einen gefährlichen Verbrecher nannte, eine Gesamtzuchthausstrafe von 5 Jahren und 10 Jahre Ehrverlust, um ihn für geraume Zeit unschädlich zu machen. Gegen Fritsch wurden 9 Monate und gegen den am wenigsten belasteten Boyer 2 Monate Gefängnis beantragt.— Das Urteil soll am 5. März verkündet werden. S Aus dem Gerichtssaal. Strafkammer Dortmund. Dortmund, 1. März. Wegen versuchten Einbruchsdiebstahls, verübt in ner Nacht zum 29. Dezember v. J. im Hause Hohestraße 21 hatten sich die Arbeiter Jakob von den Beig, Rithard Koschenewsli und Pau! Kron von Tortmund zu verantworten; die berden ersteren sind jerner beschuldigt, in der Nacht zum 28. Dezember c. J. bei den Architekten Hanisch und Schulze einen Einbruch verübt zu haben. Die Strafkammer verurteilte von den Berg zu 6 Monaten, Koschenewski, der bereits vorbestraft ist, erhielt 1 Jahr Gefängnis; Kron erzielte seine Freisprechung. Die Kaufleute Emil Rasche und Adolf Dröge von Unna hatten sich wegen Vergehens gegen die Konkursordnung zu verantworten. Die genannten gründelen in Unna unter der Firma Emil Rasche eine Kornbranntweinbrennerei, Rasche war mit einem Kapital von 105000 Mark, Dröge mit 45000 Mark beteiligt. Jedenfalls infolge einer unordentlichen Buchführung kam die Gesellschaft in eine mißliche Lage, es trat eine Neuordnung ein, die nicht einmal die Aufstellung einer Bilanz möglich machte. Der empfindlich Geschädigte ist Rasche, der fortgesetzt Vorschüsse leistete und schließlich sein ganzes Vermögen, etwa 400000 Mark in das Geschäft eingeschossen hatte, um das sinkende Schiff zu retten. Es war aber nicht möglich, das Konkursverfahren wurde eröffnet und dabei stellte der als Sachverständige zugezogene Dr. Siebert fest, daß die Bücher in den letzten Jahren derart unordentlich geführt waren, daß eine Vermögensübersicht unmöglich war. Rasche hat wie heuje durch den Konkursverwalter Rechtsanwalt Eylarmitgeteilt wurde, zur Konkursmasse eine pecsönliche Forderung von 200000 Mark angemeldet. Nach Abwicklung des Konkurses, werden für die Gläubiger etwa 10 Prozent herauskommen. Mit Rücksicht auf die erhebliche Schädigung, namentlich auch kleiner Gläubiger setzte das Gericht gegen jeden Angeklagten Die Rriegsflotten der Welt im Jahre 1910. I8 Die Kriegsflotten der Grossmächte imJahre 1910. -eelle 63tinienschiffe 39 Pnzertreuzer 35 Grosse Freuzer 61 Keine 32 Kanonenboste 1gggetcbeetziernüre 30 loggedobogte 65 Unterseabort 35 Linienschiffe 8 Lüstespanzer 1 10 Bnzertreuter " 6 Grosse lreue 30 Ieschüfe 9 Köstenpanzer 45 beedrene S Gresse kaug 11#anonenboote 9 Kanonenborte 12 Fanzerkanonenbrote : 110 Torpedobente 1391.— " 8 Unterseebocte 20 krpedoboote : 19 Untrrseebocte 25 Urderschffe 2s 7. 15 Unienschiffe k. Uüstengenzer 1% Ponzerkreuter 2. Crorsebrunger 18 Kleine 4 Kanonenbocte 57 Torpetobortsterstöre 16 Torpedoboote —. Unterseebante 77 Unienschiffe 10 Pan 11 Unienschilfe 6 4n 13 Unienschiffe 2 Fanzerkanonenboste 1 10 Panzerkreuze 8 Panzerkreuzer 15 Grossekruner SFenterkrener 7 GrosseNreuzen(3 Kanonenboatn#9 Grossekreuer 6 Wleine::. 95 Hochsectorpedabr i17 Lochsertorpedoben 18 Kanonenboote: 29 Torpedobortzzar#t, 22 korpedobostsareti 97 Toroedobootstersthrer“ 96 Torpedoboste„51 Vorpedeborte 99 Torpedeboste. 19 Untersechoote 6 Unterseehocte — Paris: 1. März. Das Komptoir d### Paris schlägt eine Dividende von 32einb (I. V. 30 Fr.) vor. Sceinhalb ze Die heutige Statistik gibt unseren Lesern eine Uebersicht der Kriegsflotten der Großmächte in der gegenwärtigen Stärke. In derselben sind alle in Frage kommenden Kriegsfahrzeuge eingetragen. An der Spitze marschiert natürlich das secgewaltige England, das mit seinen„Dreadnoughts“ und„Infleribles“ einen gewaltigen Vorsprung vor allen anderen Staaten hat. Dazu kommt noch, daß die englischen Kriegsschiffe aller Art fast allen Kriegsschiffen der anderen Staaten auch an Größe und Armierung, Schnolligkeit und Panzerung überlegen sind. Zur Erläuterung der Statistik fügen wir nachstehend noch die Gesamtzahlen der Schiffe mit der Gesamttonnenzahl hinzu: 1. England: 452 Schiffe mit 2009 417 Tonnen.— 2. Deutschland: 272 Schiffe mit 830603 Tonnen.— 3. Vereinigte Staaten: 175 Schiffe mit 821065 Tonnen.— 4. Frankreich: 380 Schiffe mit 661 243 Tonnen.— 5. Japan: 138 Schiffe mit 457124 Tonnen. 6. Rußland: 282 Schiffe mit 341 004 Tonnen.— 7: Italien: 148 Schifse mit 272329 Tonnen.— 8. Oesterreich=Ungarn: 133 Schiffe mit 161211 Tonnen. Zur Rückkehr der Charcot’schen Südpol=Expedition. De. Charcot Das Expeditionsschift burguoifes. Zur Rückkehr der Charcotschen Südpol Expedition. Der französische Forschungsreisende Dr. Charcot ist soeben mit seinem Expeditionsschiff„Pourquoi Pas“. in Punta Arenas, an der Südspitze Amerikas, eingetroffen, nachdem er mehr als zwei Jahre einen Teil des ungeheuren, den Südvol umgebenden Festlandes erforscht hat. Die Expedition, die von vornherein weniger darauf zugeschnitten war, den Südvol zu erreichen. als vielmehr das riesige, vorgelagerte Land nach Möglichkeit genau zu bestimmen, soll nach den telegraphischen Meldungen seines Führers mit außergewöhnlich reicher, wissenschaftlicher Ausbeute heimkehren. Unsere Bilder zeigen den Expeditionsleiter Dr. Charcot, der in der Forscherwelt seit langem einen guten Namen Lesitzt und das Expeditionsschiff die„Pourquoi Pas“. besitzt. eine Geldstrafe von 500 Mark fest. An deren Stelle event. für je 5 Mark 1 Tag Gefängnis tritt. Ein gefährlicher Einbrecher und Einsteigedieb wurdeheute von der ersten Strafkammer für längere Zeit unschädlich gemacht. Bei der Geistlichkeit in Unna, Berghofen, Elsey, Holzwickede wurden im vorigen Jahre nachts Diebstähle ausgeführt, an vielen anderen Orten blieb es nur beim Versuch, da der Dieb bei der Arbeit gestört wurde. Bei dem Pastor von Felsen in Unna machte der Einbrecher in der Nacht zum 19. November v. J. reiche Beute, es sielen ihm 400 Mark und eine silberne Uhr in die Hände. Die Polizei forschte längere Zeit nach dem gefährlichen Gesellen, bis es ihr endlich gelang, den Spitzbuben in der Person des aus Schwerte stammenden Anstreichers Wilhelm Linnepe aus Schwerte festzunchmen, dort, wo er sich einlogiert hatte, wurde ein Teil der gestohlenen Gegenstände gefunden. Es stellte sich heraus, daß man es mit einem Menschen zu tun hatte, der auch von der Militärbehörde wegen Fahnenflucht gesucht wurde. Heute stand Linnepe, der inzwischen vom Kriegsgericht zu 1 Jahr Festung verurteilt wurde, vor der Strafkammer, die ihn mit Rücksicht auf sein gemeingefährliches Treiben zu 3= einhalb Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht perurteilte. Görlitz, 1. März. In dem Görlitzer Stadthallen prozeß wurde der Ingenieur Martini, früherer Mitinhaber der Firma Martini u. Co. in Sorau, und jetzt Ingenieur in Dresden, zu drei Monaten Gefängnis beruteilt. Der Bauführer Raumann wurde freigesprochen. Handel und Verkehr. Dortmund. 1. März. Die Uebernahme der neuen Anleihe der Stadt Dortmund im Betrage von Millionen Mark erfolgte durch bas Konsortium halb Arbeitstagen. unter Führung der Diskontogesellschaft zum Kurse von 100,37 Prozent. „Königsborn", A.=G. für Bergbau, Salinen= und Solbadbetrieb. Nach dem Geschäftsbericht stand das Jahr 1909 für den Kohlenbergbau völlig im Zeichen des Niederganges. Die Preise waren herabgesetzt worden, und die Gesellschaft mußte, weil die Beschäftigung ganz ungenügend war, elf Feierschichten auf beiden Schachtanlagen einlegen. Wenn die Bilanz dennoch bei angemessenen Abschreibungen und Rückstellungen die Verteilung einer Dividende von 10 Prozent(im Vorjahr 13 Prozent) gestatte, so sei dies nur der in den Jahren der guten Geschäftszeit beobachteten vorsichtigen Behandlung der geldlichen Lage zu verdanken. In diesen seien schon immer die noch bevorstehenden erheblichen Ausgaben für die zeitgemäße Einrichtung und Besserung des Zechenbetriebes, wie z. B. umfangreiche elektrische Anlagen über und unter Tage und der kostspielige Umbau der Wäsche auf Schacht II, ins Auge gesaßt worden. Der Betriebsgewinn der sämtlichen Arbeitsstätten belief sich auf 2352 261 M.(3328 640 M.) und setzt sich, wie folgt, zusammen: Rohülberschuß der Zeche 2717428 M.(im Vorjahr 8674 418 M.), der Saline 240 872 M.(231 318 Mark), des Bades 15 006 M.(22.256 M.), und der Einnahme aus Mieten und Pachten 89 739 M.(60 564 M.), zusammen 3063 044 M., von denen die Unkosten mit 547318(523519 M.) und Zinsen mit 163 465 M. (136 498 M.) in Abzug kommen. Bochum, 1. März. Auf den Zechen„Friedlicher Nachbar" und„Hasenwinkel“ der Deutsch=Luremburgischen Bergwerksgesellschaft sind Ueberschichten eingelegt worden. Die beiden genannten Gruben arbeiten mit Ueberschuß. Esen: 1. März. Der Aufsichtsrat des Rölner Bergwerksvereins in Altenessen beantragte für 1909 27einhalb Prozent Dividende, gegen 30 Prozent im Vorjahre. Esten: I. März. Der Versand der Ruhrzechen im Februar an Kohlen, Koks und Briketts mit der Essenbahn hat nach vorläufiger Aufstellung auf Grund der amtlichen Versandamtvesse 5 580 320 Tonnen bekragen in 23efnhalb Arbeitstagen gegen 5933 160 T. i Januar bei alleridnas 24einhalb Arbeitstagen un 5 253,190 Tonnen im Februar 1909 bei wieder WBeinFrankfurter Abendbörse. Kredit Dresdener Berliner Handel Lombarden Ohio Laura Harpener Sürther Maschinen Edison Frankfurter Hof Deutsch=Luxemburge: Bulgaren Diskonto Darmstädter Bank Staatsbahn Allg. Lok. und Straßenbahn Monopol Griechen Gelsenkirchener Phönix Metallwaren Dannhorn Deutsch=Uebersee Zuckerfabrik Frankenthal Blei und Silber Braubahn Tendenz: behauptet. 212.50 166.75 181.00 23.00 112.50 174.20 199.90 24.50 264.90 12.50 277.90 101.40 197.50 132.0 161.00 157.8 4800 244.50 222.8 119,00 184.30 236.60 111.30 Vermischtes. Berlin, 1. März. Eine heitere Episode, in der# Rittelpunkt der etwa elfjährige Sohn des Fürt Pleß, Erbprinz Hans Heinrich steht, 1Ö R□ korrespondenz vom Schlosse Fürstenstein zu berschten broße Bestürzung herrschte dieser Tage auf ien Lominium Ober=Kunzendorf, als man die Wahr. iehmung machte, daß der junge Erbprinz einem gleichalterigen Spielgefährten, dem Sohne#### ürstlichen Stallmeisters, am Vormittag plötzlich der chwunden war. Man nahm sofort mit Hilse= prechanten Beizeibenuatungen, unbuch lecherchen nach dem Verbleib der beiden Knaben auf och gelang es erst in der Nacht, der Ausreißer wieder abhaft zu werden. Sie wurden im Liebichau=Kunze pier Forst in Decken eingehült schlasen) inem Zelte aufgefunden, das sie sich von ause mitgenommen und dort aufgeschlagen hattn eide wurden sofort nach Schloß Fürstenstein zuric. iebracht Görlitz, 1. März. Heute früh 7,30 Uhr wurde## der Badeanstalt eine Frauensperson mis zu sammengebundenen Gliedern tot aufgefunden. Die Leiche wurde mittags aus den Wasser gezogen und es wurde festgestellt, daß es sich einen Mord handelt. Die Leiche wies einen Schuit vom linken Ohr quer durch die Kehle auf. Die er mordete soll angeblich Pohl heißen. Görlitz, 2. März. Zu dem Leichenfund wil noch Folgendes berichtet: Als heute morgen gegen Uhr der Pächter der städtischen Badeanstalt Lui# an die Badeanstalt kam, bemerkte er, daß mehren Leute am Geländer standen und heftig gestikulierten. Beim Nähertreten sah er dann, daß eine weibliche Leiche etwa einen halben Meter vom Ufer entfernt im Waser lag, und benachrichtigte sofort die Polizei. Di Leiche war mit neuen Stricken umschnürt. Auf dem dem Ufer entlang führenden Fußwege waren viel Blut spuren und eine große Blutlache bemerkbar. Auf e# neuerbauten Bahnanlagesteg waren zahlreiche Fußin ren sichtbar, die auf einen harten Kampf des Mörde# mit seinem Opfer schließen ließen. Dicht daneba#### Gebüsch fand man eine schwarze Handtasche unda Stück davon entfernt einen weißen langen Schlips,# ihn Herren zu tragen pflegen. Nach Ansicht des## richtsarztes ist der Tod durch Verblutung eingetreie Der Schnitt muß mit einem scharfen großen Instrumen ausgeführt worden sein, denn er ging sehr tief und hatte sämtliche Weichteile vom linken Ohrziofel du#h den Kehlkopf hindurch bis zum rechten Ohr durchtrennt Die Strangulation ist wahrscheinlich erst nach dem Mon vorgenommen worden. Ein anscheinend dem Arbeite stande angehöriger Mann, der sich schon früh an da Fundstelle aufhielt, war, als der Badeanstaltsbeite die Polizei telephonisch benachrichtigt hatte, am Laort nicht mehr zu sehen und man vermutet, daß zu der Affäre in irgend einem Verhältnis steht. Hamburg, 1. März. Am Sonntag Abend wut de im Eilbecker Kanal die Leiche einer unbekannle Frauensperson gefunden und ins Hafenkrankenhaus K bracht. Dort entdeckte man an ihrem Unterkörper mer rere Wunden, die keinen Zweifel darüber lassen, dat die Unbekannte das Opfer eines Lustmordes geworden“ Von dem Mörder fehlt noch jede Spur. Donauwörtb, 1. März. Auf dem Wege i0 schen Donauwörth und Halburg wurde gestern ein Jahre altes Mädchen mit aufgeschlitztem Leibe ermot det aufgefunden. An der fürchtbar verstümmelten war vorher ein Sittlichkeitsverbrechen begangen worden Metz, 2. März. Auf dem Hüttenwer! Bachingen explodierte ein Hochosen. 20 Arbeiter wurde gerötet, ein anderer schwer vervinh Halle(Saale), 2. März. Bei Burgwerden uus der Saale die Leiche eines zwölfjahr!s Mädchens gelandet, die mit ziemlicher ils die Tochter eines Justizrats in Naumburg rekogneziert wurde. Gera, 1. März. Infolge Bruches des Trinkwyos# bassins erfolgte gestern unter furchtbarem Getost“ Erdrutsch. Hundert Kubikmeter Erdmassen sind schwunden, die teilweise ihren Weg in die Trinktvoest“ leitung gefunden haben.—s 3101 Paris, 2. März. Auf einer Baustelle fand sin den Kopf eines sechzehnjährigen Me chens. die Oberlippe, Nase und rechtes Ohr Man nimmt Lustmord an.— Wie aus Dijon gemet“ wird, hat man dort im Walde eine weibliche Leicht““ Kopt aufgefunden. Kopenhagen, I. März. Gestern abend ertto sich auf der hiefigen Reede dicht am Eingang dur ug zwischen dem ausfahrenden schwedischen Dewr# „Muimo“, der mit Passagieren und Ladunz Lübeck abging, und dem einlaufenden deutschen „Vercur“ aus Bremen ein heftige sammenstoß. Der„Mercur“, rannte e# schwedischen Dampfer hinein und brachte ihm Steuerbordseite unter der Wasserlinie ein g#“#¼ Leck bei. Das Wasser drang in das Schifs zum. füllte bald mehrere Magazin= und Maschinchtu, Es entstand eine große Panik unter dr“„gglen. gieren, die sich der Rettungsboote bemächtigen D## Durch Belastung der Backbordseite konnte die##### vordseite jedoch soweit gehoben werden, dast über die Wasserlinie zu liegen kam. Auch der gagn## Dampfer„Mercur“ erlitt erhebliche Beschäd's“ ge## Vordersteven. Beide Dampfer müssen ins Dr s, i und repariert werden, bevor de die Wbei antreten können. 18.4 Brücken, Plätze, an Kirchen und Hallen vorbei. Aber überall war es still wie am Sonntage. „Es ist doch heute Freitag, Helene; warum ist es so still?“ Die Stadt feiert heute einen großen Gedenktag, mein Freund!“ „Komisch, komisch: mir sehen die Leute alle so traurig, so teilnahmsvoll aus!“ „Das kommt Dir nur so vor, lieber Arthur!“ Neben dem Dome lag der Friedhof mit vielen, vielen altertümlichen Denksteinen und Malzeichen; im Dome selbst war es still, wie im Grabe. Er kniete mit Helenen nieder am Grabsteine der Mutter, der frisch mit Blumen geschmückt war. Zufällig fiel sein Blick jetzt auf das prachtvolle, schworze Kreuz, welchem in Goldschrift die Worte eingegraben waren: „Anna Margreth Gerta Hartewige, gebohren den 1. April 1222, gestorven den 13. Juli in't Jahr de Guaden Godes anno domini 1275.“ Er starrte die Buchstaben wie ein Gespenst an. Sie sah seine starren Blicke, strich mit ihrem Finger über die Schrift und fragte:„Was hast Du nur, Arthur?“ Er zeigte auf die Inschrift, erholte sich aber schnell wieder und lächelte. Da stand ja ganz deutlich 1822 und 1875: „Ach, es ist nichts; Celene; wie man sich doch irren kann! Das Herz im Leibe drohte mir zu erstarren, als ich las 1222 und 1275; wie das blendet im Sonnenschein!“ Er achtete nicht darauf, daß sie im Vorbeigehen mit der Hand die Mäler berührte, auf die sein Blick fallen konnte. So langten sie abermals im Hause an, als die Abendsonne schon milder herabschien und die goldenen Knäufe und Spitzen der Türme heller blinken machte. Man setzte sich unter dem balkonartigen Ausbau im Garten nieder, selbst der Hausherr nahm Platz bei ihnen. Der Diener mußte in Silberkannen Wein bringen und den Abendimbiß auftragen. Das Gespräch war ein recht angenehmes, wenn auch ernsthaftes, und gerade so belebend, wie es Arthur Marweg liebte. In der Tat, der alte Herr hatte Geist, wenn auch veraltete Anschauungen; aber das war ja immer im Alter so! Dann und wann gab er dem alten Diener einen Auftrag; jetzt flüsterte er ihm leif zu: „Dem jungen Herrn einen tüchtigen Schlaftrunk in seine Kanne, daß er etwa um 9 Uhr entschläft; vor Mitternacht müssen wir ihn über die Grenze schaffen, sonst ist er verloren!“ Gert nickte:„Wills schon machen, Herr Bürgermeister!“ Von der jetzt gebrachten Kanne nippte Arthur nur; er erklärte, er habe des Weines nun genug und trinke keinen Tropfen mehr.— Besorgt schaute der Hausherr ihn an, nahm den Schlaftrunk und zog sich zurück. „Gute Nacht, Arthur: gute Nacht!“ sagte Helene mit wehmütiger Stimme und ging schnell weg, ohne ihm die Hand zu reichen. Der alte Gert aber brachte Licht für den jungen Herrn, wie er sagte, und leuchtete ihm, da es schon dunkel geworden, die breite gewundene Treppe hinauf bis in sein Zimmer, das kleine Reisetäschchen nachtragend. „Schlafe der Herr wohl!“ „Danke, Gert!“ Arthur musterte sein Gelaß; es war altmodisch ausstafsiert, wie alle übrigen Gemächer des Hauses. Da lag auch eine Pergamentrolle: „Lh, das Luowigslied!“ rief er entzückt.„Wie kommt das hierher?“ Er studierte und studierte:„Bei Gott!“ rief er, laut aus den Tisch schlagend,„von dieser Ausgabe hatte ich bisher keine, und wahrscheinlich auch kein Philologe je eine Ahnung!“ Kaum ader war ihm das Wort„Gott" entfahren, so ertönte ein Domerkrachen, ein Brausen und Stürmen, als fiele das Haus über dem Kopf zusammen. Er griff nach Kappe und Ränzchen, steckte den Fund in den Busen, ergriff den Leuchter mit der andern Hand und schritt an dielen vor Schrec. verzerrten Gesichtern der Hausgenossen vorüber die schwankende Treppe hinab, auf die Gartentür zu. Alles wankte um ihn! Dort im Garten aber plätscherte hohe Meeresfluth, daß er entsetzt den Fuß zurück zog. Durch das Dunkel der Nacht jedoch nahte sich ein weiße Gestalt im Kahne; es war Helene. „Springe herein!“ rief sie. Er sprang und setzte sich zu ihren Füßen, fast erstarrt vor Schreck und Aufregung, während sie geschickt den Kahn regierte. Jetzt hatten sie die Hecken überwunden und waren auf hoher brandender See. Hinter sich fahen sie hellen Lichtschein. „Allmächtiger Gott!“ rief er,„was ist das?“ Schluß folgt. Drakt. Ratichlage. Der Hausschwamm. Die Anzahl der holzzerstörenden Pilze unserer Wohnungen ist recht erheblich und der wichtigste unter ihnen ist der Hausschwamm. Er gehört zu den gefährlichsten Feinden unserer Wohnungen. Der alljährlich durch ihn verursachte Schaden wird von Sachverständigen auf Millionen geschätzt, und sein Auftreten ist häufiger, als es nach der Zahl der leidigen Hausschwammprozesse scheint. Durch die Intensität seines Stoffwechsels nimmt der Hausschwamm vor allen seinen Verwandten eine besondere Stellung ein. Die Menge des von ihm hierbei gebildeten Wassers ist so außerordentlich groß, daß sich das an den meist ohnehin feuchten und vom Luftzug abgeschnittenen Standorten des Hausschwammes häufig verdichtet und in Form feinster Tröpfchen niederschlägt— ein Umstand, dem der Hausschwamm seinen wissenschaftlichen Namen Merulius lacrymans der„Tränenschwamm", verdankt. Es ist daher ein folgenschwerer Irrtum wenn man dem Rate„sachverständiger“, Bau= und Zimmerleute folgend, glaubt, durch einfaches Trockenlegen die infizierten Holzpartien sanieren zu können. Die Gefährlichkeit des Hausschwamms beruht nach einem Aufsatz von Dr. Paul Leeke in der Zeitschrift„Die Natur“ eben gerade auf seiner Fähigkeit, die zu seinem Wachstum nötige Wassermenge selbst zu erzeugen und sie wird noch in besonderem Maße erhöht durch sein Vermögen, lange Zeit andauernder Trockenheit ohne Schaden überdauern zu könne.. Es ist eine weitverbreitete Meinung, daß ausgedehnte Waldungen schwammdurchseucht seien, daß der Hausschwamm also aus diesen Waldungen mit den gefällten Stämmen seinen Einzug in unsere Gebäude halte. Allein diese Ansicht ist, wie so viele über den Hausschwamm verbreitete Anschauungen, irrig. Von praktischer Bedeutung ist einzig und allein die Verbreitung der Infektion von einem Haus zum andern. Vorzüglich ist es die Wiederverwendung von Abbruchsmaterialien aus infizierten Häusern, die alljährlich Schädigungen von Millionenwert veranlaßt. Ist einmal Hausschwamm erwiesenermaßen vorhanden, so sind zunächst alle Fruchtkörper vor der Reife zu vernichten, dann aber ist eine umfassende Beseitigung des Mycels zu bewirken. Alles Mauerwerk und insbesondere alles Holzwerk muß weit um die erkrankten Stellen gründlich entfernt und vernichtet werden. Nur wirklich gesundes Mauer= und Holzwerk darf stehen bleiben, und selbst dieses ist der Vorsicht halber zu desinfizieren: Mauerwerk mit der Lötlampe, Holzwerk mit antiseptischen Mitteln. Dazu ist alles neu einzubauende Material vor dem Einfügen in ausreichender Weise zu desinfizieren und durch Anlagen von Durchlüftungseinrichtungen für dauerndes Trockenhalten der betreffenden Stellen zu sorgen.— Unkosten dürfen hierbei keinesfalls geschen; irden: jede falsche Sparsamkeit rächt sich. R E SSTEEE SBS #EE Seßa-ga-En ZMgE T FgpaggaEss S#naut SSggEss - Bäs-g O 1 2 1. # BSFEKLN FCUENE BEUUTTITT TBETEN FOOTUTAGOUUTTSUOAOSDR ÖS0UN •WSAIANTOTUUTG 880 38588888888 8 88 1— 9 2 K Feierstunden In letzter Stunde. Roman von Hugo Ebersbach. 18 „Es mag wohl sein,“ erwiderte Farnow, der inzwischen seine Pfeife angezündet hatte und jetzt mächtige Rauchwolken vor sich hinblies;„sie verlangten Geld um jeden Preis.“ „Zeigen Sie's der Polizei an!“ sagte Pumpel. „Was soll ich anzeigen?“ „Taß sie Ihnen gedroht haben.“ ihren ganzen Haß auf mich werfen, und diesem Haß würden von der Polizei verwarnt werden und dafür „Das kann ich nicht lehaupten und noch weniger beweisen," antwortete der Autiquar kopfschüttelnd;„sie möchte ich mich nicht aussetzen, es ist nicht immer Hülfe zur Hand.“ „Tann würde ich jedenfalls dafür sorgen, daß die Schallers ausziehen müßten,“ meinte Rudolf. „Das kann ich auch nicht, das Haus ist nicht mein Eigentum, und wenn auch der Besitzer meinen Wunsch erfüllen wollte, so müßte er doch die gesetzliche Kündigungsfrist inne halten. Unterdessen würde an mir jedenfalls Rache genommen.“ „Na, na, Sie sind auch gor zu ängstlich,“ brummte Pumpel ärgerlich;„ich würde Sie schon beschützen, so lange die Burschen im Hause sind.“ „Es ist besser, wir vergessen die Geschichte, Feinde hat man sich bald gemacht, und ich bin ein alter Mann, der gerne Ruhe haben möchte. Ich danke Ihnen, meine Herren, es ist jetzt keine Gefahr mehr vorhanden.“ Mit den letzten Worten hatte der alte Mann zu verstehen gegeben, daß er allein zu sein wünsche. Beide verließen das Zimmer. Draußen auf dem Hausflur legte Pumpel seine breite Hand auf die Schulter des Freundes. „Begreifst Du diese Angst, Kleiner? Wenn ich nun nicht gerade in der letzten Minute von der Arbeit heimgekommen wäre, was hätte dann geschehen können?“ „Das Schlimmste,“ erwiderte Rudolf erregt;„sie müssen ausziehen, Herkules, ich ruhe nicht—“ „Na, na, nur nicht gleich alles überstürzen! Du hast eigentlich mit der ganzen Geschichte nichts zu schaffen, aber Du könntest Deinen Toktor fragen, was hier geschehen soll.“ „Das werde ich auch tun, verlaß Dich darauf. Ich will nun den Geschwistern da oben Nachricht bringen; sie haben auch den Hülferuf gehört—“ „Bleibst Du lange oben, Kleiner?“ „Ich komme gleich zurück.“ „Tann warte ich hier auf Dich; ich möchte draußen noch ein Glaß Bier trinken“. Rudolf nickte und eilte die Treppe hinauf. Einige Minuten später verließen die beiden das Haus. Die Brüder Schaller hatten sich inzwischen in ihre Wohnung zurückgezogen; sie wurden von ihrer Mutter, e die in dem heißen Zimmer noch vor dem Plättbrett stand, mit Vorwürfen empsangen. „Wir haben den Lär nicht angefangen,“ sagte Otto mürrisch;„der alte Bücherwurm ist grob geworden und gegen uns aufgerceten, als ob wir Bettler wären.“ „Seid Ihr etwas Besseres?“ fragte die Mutter. „Arbeiten wollt Ihr nicht, und vom Müßiggang zur Bettelei ist nur ein kleiner Schritt. Gott mag wissen, was daraus werden soll; Kunmer und Sorgen werden mich bald in's Grab bringen—“ „Das sind Redensarten,“ entgegnete ihr Hermann; Teine Sorgen werden bald ein Ende nehmen.“ „Ihr hättet bei dem Gerber aushalten sollen! Er ist ein rechtlicher Mann, der seinen Gesellen nicht zu viel zumutet—“ „Ein aufgeblasener Geldprotz ist er!“ fuhr Otto heraus„Die Gesellen sollen für die wenigen Groschen sich für ihn tot arbeiten Man kann einem Menschen auch zu viel aufladen, aber der Gerber Winkel sieht das nicht ein, und wenn man ihn darauf aufmerksam macht, droht er gleich mit Entlassung Das lassen wir uns nicht gefallen, Mutter; wir wollen arbeiten, aber auch soviel verdienen, daß wir anständig leben können—“ „Was nennt ihr anständig leben? Mit Eurem Tagelohn konntet Ihr auskommen. Ihr werdet keinen Meister finden der meyr zahlt.“ „Abwarten!“ höhnte Hermann.„Die Meister werden zum Kreuze kriechen, wenn wir ihnen auftrumpfen!“ „Und ihr werdet verhungern, wenn sie Such davonjagen,“ sagte die alte Frau sehr ernst.„Ihr habt noch keine Not und kein Elend kennen gelernt, aber es wird eine Zeit kommen, in der Ihr bereut, auf meine Ermahnungen nicht gehört zu haben.“ „Was terstehst Tu davon!“ erwiderte Otts achselzuckend.„Du hast Dein ganzes Leben lang anderer Leute Brod gegessen und ihnen dafür gedankt, daß sie es Dir gaben—“ „Ich habe mein ganzes Leben lang für Euch gearbeitet,“ unterbrach sie ihn:„Ihr solltet mir dankbar dafür sein.“ „Das sino wir auch,“ sagte Otto, während er eine Talgkerze anzündete;„aber daß wir deshalb auch Deinem Rate folgen sollen, das kannst Du nicht verlangen. Wir wollen nicht immer unter der Knute bleiben, und wir können die Verhältnisse nicht mehr ändern, wenn wir erst alt geworden sind und für eine Familie zu sorgen haben. Aber darüber läßt sich jetzt mit Dir nicht sprechen; später wirst Du einsehen, daß wir Recht hatten.“ Er ging hinaus und sein Bruder folgte ihm. Sie traten in eine Stube, die dem Wohnzimmer gegenüber 1 —— * S SnSEE *** # EISSLL F 0 L. S 2 2 e. a-ün u 0 5 E □ arUn S STTSZAgTPT Drs. a a WT G —G SS• *".— R 6 18,2 lag und nichts weiter enthielt als ein breites Bett einen Schrank und einen Tisch nebst zwei Stühlen.“ „All das Geschwätz führt zu nichts“, sagte Hermann argerlich, nachdem er auf dem Bette Platz genommen „wir müssen handeln, handeln, und wenn es nicht biegen will, mag es brechen.“ Otto öffnete den Schrank, holte eine volle Flasche heraus und setzte sie an die Lippen, dann reichte er sie dem Bruder. „Begegne ich dem Pumpel einmal, wo es mir paßt, dann schlag ich ihm die Knochen entzwei,“ brummte er.„Ich hab' ihn schon lang auf den Zug, ihn und den Advokatenschreiber.“ „Und das Mädchen da oben mag sich auch in Acht nehmen,“ knurrte Hermann;„die Gans weiß ja nicht wie hoch sie die Nase tragen soll.“ „Bah, an das alles kann man gelegentlich einmal denken, jetzt heißt es: woher nehmen wir Geld?“ Hermann Schaller starrte vor sich hin. „Das sehe ich ein,“ sagte er mürrisch;„an eine Arbeiter=Revolution ist hier zu Lande noch nicht zu denken, und es kann noch Jahre dauern, bis wir einmal das Heft in die Hand bekommen. Hätte ich nur das Reisegeld, morgen schon wanderte ich aus— nach Amerika!— Dort ist jeder sein eigener Herr— hab' ich sagen hören.“ „Hm, das wäre eine Idee,“ sagte Otto mit nachdenklicher Miene, während er die Flasche langsam entkorkte.„Auswandern— wahrhaftig, das ist ein guter Gedanke!“ „Auswandern, aber nicht mit leeren Händen! Wir hätten vorhin den Alten an die Wand drücken sollen.“ „Ich glaub, es war wenig dabei herausgekommen. Der Alte hat nicht viel— es steckt alles in den Büchern und in den alten Münzen“. „Die Münzen sind Gold und Silber.“ „Aber man kann sie nicht ausgeben,“ bemerkke Otko, während er dem Bruder wieder die Flasche reichte; „und wenn man sie verkaufen wollte, wär' man gleich verraten. Da wüßt' ich ein besseres Geschäft.“ „Heraus damit!" sagte Hermann ungeduldig. „Der alte Grunewald!“ „Richtig! Aber ich glaube, es ist eine gefährliche Geschichte.“ „Gar nicht; von hier aus in's Haus zu kommen ist Kinderspiel. Das Fenster neben der Hoftür schließt nicht mehr, und der Alte ist zu geizig, den Schaden ausbessern zu lassen. Das Mädchen schläft oben unter dem Dach: es wird keinen Lärm hören—“ „Aver der Alte schläft unten!“ „Neben dem Zimmer, in dem das Geld ist; und es läßt sich denken, daß die Tür zwischen den beiden Zimmern offen steht. Einer muß an seinem Bett Wache halten der andere holt unterdessen das Geld.“ „Und wenn er wach wird?“ „Lann muß man hanveln, wie's gerade im Augenblick möglich ist,“ erwiderte Otto gleichgültig.„Jeder ist sich selbst der Nächste, und wir sorgen natürlich dafür, daß wir uns den Rücken freihalten.“ „So weit möcht' ich doch nicht gehen,“ sagte Hermann kopfschüttelnd;„wir wirden nicht weit mit dem Gelde kommen. Alte Leute haben einen leisen Schlaf, und wir sind nicht bekannt genug in dem Hause; dann auch würde auf uns der erste Verdacht fallen.“ „Wenn Du keinen Mut hust—“ „Mut für Hundert, aber mit offenen Augen ins Zuchthaus hineinrennen, das behagt mir nicht. Geld müssen wir haben, wenn wir auswandern wollen: das ist richtig, aber—“ Er brach ab, denn eben wurde die Tür geöffnet, und der hoffnungsvolle Sohn des Gerbers Winkel trat in das Zimmer. „Ta kommt der Rechte,“ sagte Hermann;„der kann uns das Geld verschaffen.“ „Geld? Wofür?“ fragte Georg, während er, ohne lange um Erlaubnis zu fragen, die Flasche vom Tisch nahm. „Für unsere Reise nach Amerika,“ erwiverte Otto ironisch„Hast Du Lust mitzureisen?“ „Wie kommt Ihr auf den Gedanken?“ *„Es gefällt uns hier nicht mehr.". 2 „Ihr wollt die gerechte Sache im Stich lassen?“ „Was nennst Du eine gerechte Sache?“ spottete Hermann.„Du hältst heute noch zu uns, aber wenn morgen Dein Vater stirbt, bist Du selbst Meister, dann peifst Du aus einem anderen Loch. Bist Du wirklich unser Freund, so schaff’ uns das Geld; wir kommen dann von drüben wieder, sobald hier der Sturm losbricht.“ „Ich kann's nicht,“ erwiderte Georg achselzuckend,„ich habe selbst leere Taschen.“ „Der Sohn eines reich. Mannes—“„ „Der reiche Mann gibt seinem Sohne nichts!“ „Tann ist der Sohn berechtigt, zu nehmen, was ihm verweigert wird,“ sagte Otto Schaller. „Wenn ich das täte, wäre es aus zwischen ihm und mir, und auf mein Erbteil möchte ich doch nicht verzichten.“ „Es kommt alles darauf an, wie eine Sache überlegt wird," nahm Hermann das Wort.„Wir könnten's in einer Weise ausführen, daß auf Dich gar kein Verdacht fallen wird, und was dabei herauskommt, teilen wir mit Dir. Hat der Alte immer baares Geld im Hause?“ „Zu Zeiten sehr viel, wenn er Leder verkauft hat,“ antwortete Georg, dem Otto nieder die Flasche reichte; „manchmal drei bis viertausend Taler.“ „Und wo liegt das Geld?“ „Im Sekretär, der in unserm Wohnzimmer steht.“ „Ich kenne das alte Stück Möbel,“ sagte Hermann, „es steht zwischen den beiden Fenstern. Ihr schlaft alle im oberen Stock?“ „Unten schläft niemand,“ fuhr Georg fort. „Durch die Gerberei kann man in's Haus gelangen, aber es müßte eine Luke oder eine Tür offen sein,“ meinte Otto. „Die schließt der Alte jeden Abend selbst,“ erläuterte Georg „Das ist nicht schlimm; man kann ja dafür sorgen, daß eine Luke plötzlich schadhaft wird und gar nicht mehr zu schließen ist Der Alte wird deshalb noch keinen Argwohn hegen, und wir steigen in der Nacht ein. Du kannst ruhig in Deinem Schlafzimmer bleiben; sorg’ nur daß unten im Hause die Thüren nicht verschlossen sind, damit wir keinen Lärm zu machen brauchen. Tann wär's auch gut, wenn Du uns einen Schlüssel zum Sekretär verschaffen wolltest—“ „Das kann ich nicht.“ „Kleinigkeit! Steckt der Schlüssel nie im Schloß?“ „Oft genug!“ „Tann nimm ein Stück Wachs, Georg, und drück' den Schlüssel sorgfältig darin ab,“ fuhr Otto fort;„das andere kannst Tu mir überlassen. Ich werde schon einen Schkosser finden, der mir den Schlüssel anfertigt—“ „Und nachher wird der Alte sagen, ich hätte ihn bestohlen,“ sagte Georg, und der Ausdruck seines Gesichtes ließ deutlich erkennen, daß nur die Furcht vor dem Zorn des Vaters ihn abhielt, auf den Vorschlag eingehen.„Wenn der Sekretär nicht gewaltsam erbrochen wird, dann muß ich ja der Dieb gewesen sein—“ „Auch dafür kannst Du uns ruhig sorgen lassen,“ beschwichtigte ihn Otto;„wir werden das Schloß ruinieren. Ich verspreche Dir nochmals, auf Dich soll kein Verdacht fallen.“ Fortsetzung folgt. 9555 2 2= "„ 2** *-— 8• =— SEETGRgE SEE EOEZES JS#nSPrH TOTP-BTOZDES S#S S SiSs S FESES,Bo 2.5 138B.8 SSEH AESSESESE *•— 9.—— □ 1 Torum Fortsetzung. „Mache Dir keinen Vorwurf daraus; Du mußt nur entschuldigen, wenn nicht alles so ist=!“ „O, gewiß, gewiß!“ „Komm mit mir durch den Garten, ich will Dich erst etwas instruieren.“ Damit wanderten sie durch die Anlagen bis an einen Teich, auf dem mehrere Schwäne still ihre Kreise zogen und zwei Bote mit Rudern lagen. „Wie soll ich Dich nennen?“ Er schaute sie groß an: „Nenne mich Arthur!“ „Höre also lieber Arthur, der Vater ist ein eigener Herr; widersprich ihm nicht, er ist sonst gut!“ „Alles, was Du willst Helene!“ Er sah sie sinnend an. „Was siehst Du mich so sinnend an, Arthur? Ich kann mich nicht schmücken, wie's andere junge Mädchen tun!“ „Sonderbar, Helene; Deinem Briefe nach hatte ich Dich mir heiterer vorgestellt!“ „Gefalle ich Dir nicht?“ „Doch, doch!“ Und es war ihm zu Sinn, als könne er von diesem Mädchen in seinem Leben nicht mehr lassen. Sie wandelten den Weg hinauf. Dort blühten Rosen: merkwürdig, lauter weiße Rosen, keine einzige rote. „Gib mir jene Rose, Helene!“ Sie pflückte die Rose und überreichte sie Arthur. Dieser hatte dabei ihre Hand ergriffen und wollte dieselbe galant an die Lippen führen. Schnell entzog ihm Helena ihre Hand. „Nicht küssen, Arthur, es wäre für Dich schlimm!“ „Wunderliches Mädchen!“ „Du wirst mich noch verstehen!“ Er zuckte die Achsel, und beide traten in's Haus. In dem Vorderzimmer stand an einem mächtigen Pulte der Bürgermeister. Arthur wußte, daß der Onkel ein reicher Handelsherr war und Tag uno Nacht arbeitete. Der alte Herr, der eben so müde aussah, wie Helene, warf zuerst dieser einen Blick zu, dann reichte er dem Ankommenden die Hand: „Seid willkommen in der Bürgermeisterei!“ „Danke Ihnen, Oheim!“ "„eegt ab!“ Helene führte den Gast in das mit altertümlichen Möbeln gefüllte Wohnzimmer, wo Arthur in einem Divan Platz nahm. Mägde gingen hin und her und bestellten den Tisch zum Mittagessen; Wein und Bier würde in großen Krügen aufgetragen. „Merkwürdig," dachte der junge Doktor,„was diese Menschen eine Vorliebe für das Altertümliche haben!“ Selbst das Spinett war sehr alt. „Helene, ich liebe die Musik über alles,“ bat Arthur, „nur ein einziges Lied!“ Die Jungfrau stano auf, schloß die Tür und setzte sich dann vor das Clavicembel mit den leisen Worten: „Der Vater darf's nicht hören!“ Und wie mit Geisterton und Geisterstimme trug sie das Lied vor: das Lied vor: Wer gibt mir Ruh? Das Meer erbraust, Die Windsbraut saust, Es wächst der Stum Und stürzt den Turm.— Meer, tob’ nur zu! Wer gibt mir Ruh? Der Sturm sanst fort, 18,3 Den ganzen Ort Bedeckt die Flut, Verschlingt sein Gut. Meer, tob’ nur zu! Wer gibt mir Ruh? Nach hundert Jahr Steigt hell und klar Die Stadt empor Mit Turm und Tor.— Meer, gib nun Ruh!“ „Wunderbar!“ rief Arthur.„Wovon sangest Du, Helene? Von einer untergegangenen Stadt?“ „Von Torum!“ entgegnete sie dumpf. Mittlerweile kamen der Bürgermeister und die jungen Leute herein und setzten sich zu Tische. Der alte Herr nötigte zum Zulangen. Alle aßen schweigend, und schweigend trank man sein Bier oder seinen Wein, je nach Gutdünken; schweigend deutete man auf die Gerichte, welche der Nachbar herreichen sollte. Endlich sing der Hausherr an:„Was gibt's neues draußen?"— Alle horchten gespannt. „Nun, neues wüßte ich eben nicht! Die Geschichte des russisch=türkischen Krieges ist ja bekannt genug; Rußland ermattet, wie es scheint. „Hm, hm,“ nickte verständnisvoll der Alte.„Hörtet Ihr nichts von untergegangenen Schiffen? Es war sehr stürmisch in den letzten Tagen, und ich habsechs Kauffahrer auf dem Wege nach der Goldküste!" „Habe nichts besonderes gelesen, Herr!“ Und nun sprach der Bürgermeister so viel von dem Handel mit Elfenbein, Gold und— schwarzen Sklaven, daß Arthur zuletzt schauderte. Nun wußte er auch, warum man hier den Namen Gottes nicht aussprechen durfte. Ach, die arme Helene! Aber eingedenk des ihr gegebenen Wortes, widersprach er nicht, obwohl sich sein ganzes Innere dagegen empörte. Auf einmal hob der Herr des Hauses die Tafel auf, und alle gingen wieder an die Arbeit. Zu Helene aber sagte der Alle leise: „Er ist ein prächtiges, junges Blut, verständig und bescheiden, hübsch und anziehend, und ich will nicht, daß er geopfert werde!“ „Vater ich bin ihm von Herzen gut!“ „Wache über Dich, daß er nicht unser Schicksal teile!“ „Ich wache!“ Sie ging mit Arthur wieder in den Garten, durchwanderte ihn, holte dann ihr Hütchen und ging mit dem Vetter bis ans Meer. Das brandete und flutete, schäumte und zischte: „Es gibt heute Hochfluth, Arthur,“ meinte sie;„Du sahest wohl das Meer noch nie?“ „Noch nie. Helene!“ „Welchen Eindruck macht es auf Dich?“ :„Ich will es Dir gestehen: es stößt mich ab, wie Euer ganzes Haus, Du ausgenommen; es wogt und tost darin, wie in meinem Herzen;„ich liebe Dich, und Du— scheinst mich nicht verstehen zu wollen!“ Ein paar Tränen fielen aus Helenens Augen in den Sand am Ufer: der Schaum der Wellen vermischte sich damit; dann sprach sie mit bebender Stimme: „O, Du irrst, ich bin Dir eben so gut, muß Dir gut sein, ewig!“ Er ergriff Ihre Hand, und diesmal fühlte er, was er bei der ersten Begrüßung nicht beachtet hatte, daß sie kalt war, wie Eis. Warum? Als er befremdet zurücktrat, rief Helene:„Komm Arthur! Komm mit zum Grabe der Mutter, sie soll unsern Bund segnen!“ Vorhin waren sie um die Stadt herumgegangen; jetzt schritten sie mitten hindurch über große, breite Straßen,