ortmunder Erscheint täglich nit Ausnahme der Sonn= und gesetzt. Feiertage. Abonnementspreis ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage dem Sseitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pfg. vrs Ronat, durch die Post bezogen für 3 Monate 1.50 Ml. Rotatlonsdruck und Verlag, sowie für die Inserate verantwortlich: Biktor Schanzer. Dortmund. N. G Erstes Blatt. verbunden Lokal-Anzeiger für mit dem Dortmund u. Hörde und der täglichen Unterhaltungsbeilage C## sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Dortmund, Samstag, den 26. Februar 1910. Inserate ie 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 PsgReklamen die 4gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Pig. Beilagen nach Uebereinkunst. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriedenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Mar Sounemann. Dortmund. 27. Jahrg. die Vorschläge des ausschusses der Freisinnigen zur Einigungsfrage liegen jetzt in der vereinbirten zassung authentisch vor. In Ergänzung früherer Mitteilungen teilen wir mit, daß in dem Einigungsprogramm die allgemeinen Forderungen nunmehr folgendermaßen formuliert sind(die Aenderungen sind gesterrt gedruckt): Die Partei tritt ein für Schutz und Stärkung des Reiches und die Aufrechterhaltung seiner bundesstgatlichen Grundlagen. Die Partei fordert die gleichberechtigte Mitwirtung aller Staatsbürger in Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung zur Förderung des polktischen und sozialen Fortschrittes zur Hebung der Wohlfahrt und Volksbildung, sie bekämpft alle Sonderbestrebungen, die dem Gemeinwohl zuwiderlausen und erstrebt den friedlichen Ausgleich der sozialen Gegensätze in einer die Freiheit des einzelnen verbürgenden Gesellschaftsordnung. Die Partei verpflichtet ihre Mitglieder zu katkräftiger Mitarbeit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens und erwartet von diesem gemeinsamen und planmäßigen Wirken den Ausbau der politischen Freiheit und die für die Gesamtheit unentbehrliche Steigerung des berechtigten Einflusses des deutschen Bürgertums. Bei den speziellen Forderungen sind abgesehen in Verbesserungen mehr redaktioneller Natur hauptichlich Aenderungen eingetreten durch Hinzufügung schender Punkte: Sicherung der staatsbürgerlichen Rechte der Beanten und Lehrer",„Erhebung der Reichslande zu einem selbständigen Bundesstaat",„Aktives und passibe Wahlrecht der Frauen für die Kaufmanns= und Reverbegerichte, Gleichberechtigung in den Einbichtungen der Reichsversicherungs=Gesetzgebung". Bei dem Entwurf eines Organisationsstatuts ist hinzugefügt, daß auch die Landtagskandidaten bei den letzten oder für die nächsten Wahlen zur Leilnahme an dem Parteitag berechtigt sind. Gestriten ist in bezug auf die Zusammensetzung des Zenttalausschusses die Bestimmung„daß, wenn das gekählte Mitglied und sein Stellvertreter nicht in der Lage ist, das Mandat auszuüben, der Geschäftsfünkende Ausschuß das Recht hat, bis zum nächsten Par. teitage einen Stellvertreter zu wählen. Neu aufgenemmen sind die Sätze: „Mitglieder der Partei können alle diejenigen ein, die sich auf den Boden des Parteiprogramms ellen und regelmäßige Beiträge zu den Parteiausgaben leisten.“ „Als Jugendvereine gelten Parteivereine mit Mitgliedern unter 35 Jahren. Solche Vereine schließen sich den Ortsvereinen oder Bezirksverbänden an.“. Bei dem Entwurf der Ausführungsbestimmungen wird vorgeschlagen, daß für den ersten Geschäftsführenden Ausschuß die Freisinnige Volkspartei zehn(statt neun) und die Freisinnige Vereinigung fünf(statt vier) Mitglieder nominiert. Deutsches Reich. Der zwölfte Reichstagspräsident. Für die Würde des Präsidenten des Deutschen Reichstages ist das Mitglied der Konservativen Partei Graf von Schwerin=Löwitz in Aussicht genommen. Er wird der zwölfte Präsident seit Errichtung des Reichstages sein. Seine Vorgänger waren: 1867—1873 Simson, 1874—1879 v. Forckenbeck, 1879 O. Th. von Seydewitz, 1880—1881 A. Graf von Arnim=Boitzenburg, 1881 G. v. Goßler, 1881—1884 von Levetzolv, 1884—1888 W. von Wedell=Piesdorf, 1888—1895 v. Levetzow, 1895—1898 Freiherr von Buol=Berenberg, 1898—1906 Graf von Ballestrem, 1907—1910 U. Graf von Stolberg. Eulenburg dauernd vernehmungsunfähig? Das Befinden des Fürsten Eulenburg ist in der letzten Zeit unverändert geblieben. Es scheint, so heißt es, daß sein Leiden wohl auch kaum so gebessert werden kann, daß der Fürst überhaupt je vernehmungsfähig werden kann. Ausland. Bulgarten. Paris, 25. Febr. Matin berichtet aus Sofia: Aus Philopopel wird eine sebhafte Agitation unter den Offizieren der zweiten Division gemelder. Anläßlich der Abfahrt einiger Kompagnien vom 9. Regiment nach der Grenze kam es zu kriegerischen Kundgebungen seitens einer Gruppe junger Offiziere. In ganz Zentralbulgarten besteht der lebhafte Wunsch. eines Krieges gegen die Türkei. Man erwartet ebenfalls dahinzielende Volkskundgebungen. Amerika. Newyork, 25. Febr. Newyork Herald berichtet: Gestern hat in Muaßma ein schweres Gefecht zwischen den Regierungstruppen und den Revolutionären stattgefunden. Die Revolutionäre verteidigten sich sehr energisch. Sie haben einen Verlust von 1000 Verwundeten und Toten zu beklagen. Asien. London: 25. Febr. Aus Tokio wird gemeldet, daß die Regierung dem Parlament eine Vorlage unterbreitet hat, die verbietet, daß ein Ausländer Grundbesitz in Japan erwerben kann, es sei denn, daß Japaner im Vaterlande des betreffenden Ausländers dieses Recht genießen. Auf der Brautschau. Humoristischer Roman von Felix Brenta. 24 lleber Paulas Wehklagen besann sie sich jedoch auf ze natürliche Gutmütigkeit und suchte in dem ehrlichen Lesteben, dem armen Mädchen zu helfen, alle ihre Heilzusammen. Da sie schon alle Krankheiten am eigeien Leibe viel schlimmer durchgemacht habe, so besaß ach in ihrer Behandlung reiche Erfahrung. An verFüßen hatte sie allerdings noch nicht gelitten. der sie erinnerte sich, daß ihr gegen geschwollene Beine eeiner klugen Frau einmal Essigeinreibungen mit ouem Erfolg verordnet worden seien. „ Mit raschem Entschlusse rißz sie dem Mädchen Schuh Strümpfe von den Füßen und begann ihnen mit Pschisloser Barmherzigkeit die gute Behandlung zuwigen, die sie an sich selbst erprobt hatte. „ 7Las zieht die Schärfe aus dem Blute,“ sagte sie, 2ud läßt keine Blasen aufkommen.“ „# der Tat begann sich unter ihren kräftig bleibenscheinin die Haut so vollständig abzulösen, daß wahr###ich binnen kurzem nichts mehr übrig war, was Vielen bilden können. Paula schrie und krümmte wahnsinnigem Schmerz, und der eben eintretende Weuer riß der Samariterin die Essigflasche aus ihrer az und befreite das wimmernde Mädchen aus #. Lann holte er den glücklicherweise in seiner Wohanwesenden Stabsarzt herunter, vor dessen barKnirschar“" Lichtenburg eine heillose Angst empfand. Fütze mit„nußte sie es dulden, daß er die verbrannten „# einer ganz falschen Salbe bestrich, sie sorgerdand und das Mädchen sich zu Bett legen ließ. kalte“ 5tt ihr der Schweiß zurück, und es kommt der bote am g..3U, schrie sie.„Und überhaupt, ein Dienstsich ig#### im Bett! Das ist jaa Schand. Man muß ichgs.— Dumen vor die Leut! Die faule Kanaille soll gekrochen:##st heute ohnehin zu spät aus den Federn Dae 3.30, will doch sehen, wer Herr im Hause ist!“ Chren d.8 2 ihr aber gar nichts. In den ungalanten Stabsarztes verhallten ihre Zornreden wirunfähig: rief seinen Burschen und ließ ihn Paula, die #awar, zu gehen zu Bett bringen. Frau Lichtenburg war wütender denn je. Wenn sie auch keinen Versuch wagte, sich der unerbetenen Krankenbesuche tatsächlich zu widersetzen, so war sie doch heute kühn genug, selbst diesen gröbsten ihrer Mieter mit aller Zungenkraft anzubrüllen, die sie aus den bereits genossenen Morgenstärkungen gewonnen hatte. Der Stabsarzt jedoch warf ihr nur einen Blick roher Gleichgültigkeit zu und verließ unbekümmert und furchtlos die Höhle des Drachens. Schnaufend und eifrig, den dicken Schwanz hin und her schlagend, folgte ihm Box und schien von der gleichen Gesinnung durchdrungen, wie sein Herr. Verlassen tobte Frau Lichtenburg in der Küche umher. Auch Peppi und Mieze hatten sich scheu aus ihrer Nähe geflüchtet, und da sie niemand mehr hatte, an dem sie ihren Zorn auslassen konnte, so beruhigte sie sich allmählich und schöpfte Atem, um bei der baldigst zu erwartenden Heimkehr Vaters wieder gerüstet zu sein. Heinz besaß die unglückliche Gabe, sich über alle Dummheiten zu ärgern, auch wenn sie nicht ihm persönlich zugefügt wurden. So empörten ihn Frau Lichtenburgs törichte Heilversuche viel mehr, als ihn je ihre Bosheit beleidigt hatte, und in heftigem Mißmut setzte er sich an den Schreibtisch, um die gestern abend versäumte Korrektur seiner Hefte nachzuholen. Aber es war ihm unmöglich zu arbeiten. In seiner gereizten Stimmung brachte ihm der sonst gewohnte Straßenlärm heute unaufhörliche Störungen. Die vor der Lederfabrik gegenüber hinund hergeschobenen Wagen klapperten mit ihren Ketten und sonstigen Eisenteilen ganz unerträglich und die Ausrufer schrien in der klaren Winterluft dieses Vormittags viel lauter, als je zuvor. Verständlich war für Heinz nur ein einziger Ruf. Er kam von den Lippen eines unrasierten jungen Mannes, der mit einem mißgestalteten widerstrebenden Köter seinen Karren durch den Schnee schleppte und deutlich, wenn auch mit etwas gaumiger Aussprache schrie:„Hulz, Die schallenden Rezitative der übrigen Straßenhändler ließen sich zwar durch die Eigenart ihres Rhyth= mus und ihres melodischen Tonfalles sehr gut von einander unterscheiden; der geheimnisvolle Wortlaut ihres Textes aber blieb für Heinz unergründlich. Ihm fehlte die Geschicklichkeit der Hausfrauenohren, die aus langDie politische Lage nach der Reichefinanzreform. ms. Dortmund, 26. Februar. Auf Einladung der freisinnigen Vereine Dortmunds hatte sich gestern eine große Zahl von Freunden freisinaiger Bestrebungen von Stadt und Land im Saale des Reinoldushofes eingefunden, um einen Vortrag des Reichstagsabgeordneten Tomänenpächter Fegter entgegen zu nehmen. Herr Justizrat Tretzner eröffnete die Versammlung kurz nach 9 Uhr und erteilte nach einigen einleitenden Worten Herrn Reichstagsabgeordneten Jegter das Wort Herr Abg. Fegter führte etwa folgendes aus: Wenn wir die heutige politische Lage verstehen wollen, müssen wir uns vergegenwärtigen, durch welche treibenden Kräfte sie entstanden ist. Aus der Geschichte sollen wir lernen und nicht vergessen, um erkennen zu können, wohin die Reise geht, wohin auch die Gegner ihre Schritte lenken. Denn alles wiederholt sich im Leben. Als man in den Jahren 1813 bis 1815 das Volk brauchte, um den Feind aus dem Lande zu treiben, war man volkstümlich und gab allerlei Versprechungen. Tann aber, als der Feind aus dem Lande war, hatte man die Versprechungen vergessen. Erst die Volksbewegung einige Jahrzehnte später zwang die Regierungen, die Versprechungen einigermaßen zu erfüllen. Seit dieser Zeit datiert das politische Leben in Deutschland. Redner erinnert daran, daß das Rumpfparlament durch Militärmächt auseinandergetrieben wurde, und daß eine Periode finsterster Reaktion eintrat,, um dann die Vorgänge der letzten Tage damit in Parallele zu stellen. Genau was 1849 vom General Wrangel gegen das Rumpfparlament ausgeführt wurde, wünschen die Konservativen heute, wie Herr von Oldenburg=Januschau im Reichstage unvorsichtig ausgeplaudert hat. Während über des Januschauers Aeußerung ein Sturm der Entrüstung durch das Land ging, brachte im preußischen Abgeordnetenhause Bethmann Hollweg eine Wahlvorlage ein, die dem Volke Steine statt Brot gab und wie eine Ohrfeige wirkte. Redner kritisiert des Weiteren das Dreiklassenwahlrecht, dessen Bestimmungen heute für ein mündig gewordenes Volk nicht mehr zeitgemäß seien. Das Volk verlangt die offizielle Mündigkeitserklärung, weil es keinen Vormund mehr brauche, und wolle direkt wählen. Die Oeffentlichkeit des Wahlverfahrens habe demoralisierend, korrumpierend gewirkt und wirke noch. Sie schaffe auf der einen Seite Gesinnungstyrannen, auf der anderen Gesinnungsheuchler. Ein solches Wahlrecht, das solche Dinge zeitige, müsse verbessert werden. Ein Volk, dem man die gleiche Wehrpflicht zumutet, soll man nicht in drei Klassen teilen, wenn es sich darum handelt, an der Gestaltung der staatlichen Einrichtungen mitzuwirken. Diesen billigen Forderungen hat die Regierung nicht entsprochen, trotzdem feierlich versprochen worden ist, das Dreiklassenwahlrecht zeitnemäß zu reformieren. Das vorgelegte Wahlrecht bedeutet keine Verbesserung, sondern eine eminente Verschlechterung. Der Fortschritt, den wir in der direkten Wahl erblicken, wird mehr als aufgehoben durch die Neueinteilung desVolkes nach Bildung u. Besitz. Zuerst wird aus der Masse des Volkes herausgeholt der preußische Leutnant, sobald er unbrauchbar geworden ist. Ihm eilt in etwas langsamerem Temny der Militäranwärter nach. Ihm folgt der Einjährig Freiwillige, auch wenn er sich seinen Berechti jähriger Erfahrung schon beim ersten Ton jedes Ausrufer=Motiv und seine Bedeutung so sicher erraten und erkennen, wie ein Bayreut=Schwärmer die Fanfaren der Wagner=Opern. Der langgezogene Gesang eines Mannes, der nur mit einem schlafenden Sack über die Schulter die Straße herabkam, klang ihm wie„Daniel"; die Arie eines zweiten schien„Verstehmernicht" zu heißen und aus den Rufen eines dritten glaubte er gar den Beginn des Pentateuch zu vernehmen:„Bereschnik barah elohim!“ Dieser aufdringlich hebräische Tonfall wurde mehrmals so unmittelbar vor seinem Fenster wiederholt, daß Heinz sein Mißvergnügen nicht mehr bemeistern konnte. Er riß das Fenster auf und die eben vernommene Melodie genau nachahmend, sang er laut in den frischen Wintertag hinaus:„Nein, nein, nein! Ich kaufe nichts Nein, nein, nein, ich kaufe nichts!“ Die Betätigung seiner Stimmkraft gewährte ihm Erleichterung, und um vieles beruhigter setzte er sich wieder an seinen Schreibtisch. Ihn durchbebte sogar die befriedigende Meinung, einen eigenartigen Witz gemacht zu haben. Des Ausrufers rohes Gemüt hatte freilich für die Feinheit dieses Witzes kein Verständnis. Er zuckte unwillig die Achseln. Die Störung seiner wohllauten Berufstätigkeit kam ihm wie ein Dummerjungenstreich und wie unlauterer Wettbewerb vor. Auch auf den Gesichtern, die sich an den Fenstern der Lederfabrik zeigten, lächelte ein überlegenes Mitleid mit dem verrückten Mieter der Frau Lichtenburg, der sich so unpassend betragen hatte. Die wenigen Sekunden, während deren Heinz zum Fenster hinaus gesungen hatte, waren hinreichend ge wesen die ganze Nachbarschaft aufzuregen. An Frau Lich tenburgs Brüllen war man gewöhnt, aber Herrn Heuers Schreien, dessen Stimme etwas schwächer, aber klar und deutlicher war, hatte allgemeine kopfschüttelnde Verwunderung erregt. Frau Lichtenburg selbst war außer sich vor Empörung.„Es ist ja a Schand,“ rief sie,„man muß sich ja schämen vor die Leut!" Es schien ihr eine unbegreifliche und unverzeihliche stillen Kanalstraße dur em Ur Unart, den Frieden der stillen Schreien zu stören und sie gab ihrem lautes nwillen durch gungsschein ersessen hat. Dann kommen noch die Herren Gemeindevorsteher und ihre Beigeordneten. Zuletzt noch die Parlamentarier. Für die dritte Klasse bleibt nur noch übrig das erwerbstätige Bürgertum in Stadt und Land. Folgt man den Vorschlägen, und hebt noch die Obermeister und Meister und einige andere Leute, die als brauchbares Stimmvieh angesehen werden, bleibt in der 3. Klasse nur noch der Arbeiter. So schafft man künstlich die Gegensätze, die zu überbrücken man sich im Interesse des Gesamtwohles die Mühe geben sollte. Die also Privilegierten wollen nicht privilegiert sein. Sie wollen weiter nichts sein als Bürger unter Bürgern, wie man nicht anders von ihnen erwartete. Würden die Beamten privilegiert, so würde ihnen eine Fessel angelegt werden, an der man sie zur Wahlurne schleppt. Eine solche Zumutung darf sich kein Mensch gefallen lassen und braucht sie sich nicht gefallen lassen. Man behauptet, daß der große Ministerpräsident erzittere vor dem Stirnrunzeln des kleinen ungekrönten Königs von Heydebrand und der Lasa Mut gehört dazu, der großen Hälfte des Volkes solche Ohrfeige zu erteilen, wie er es bei der Begründung seiner Wahlreform getan, aber vermutlich hat er sich Mut geholt bei dem ungekrönten König von Preußen. Die Wahlrechtsvorlage ist von der Kommission beraten und umgestaltet worden. Die Abänderung kann unsere Billigung auf keinen Fall finden. Der Ministerpräsident hat gesagt, daß der Beamte eine feste politische Ueberzeugung haben müsse. Sonst sei er kein tüchtiger Beamter. Weiter hat er gesagt, daß, wenn ein Landrat seine Stellung zu politischen Zwecken mißbrauche, der Staat in Gefahr komme. Nun frage ich, ob der Ministerpräsident vom Kometen gefallen ist und so als weltfremder Mensch unter uns steht. Denn sonst wüßte der Ministerpräsident, daß die politischen Beamten sehr häufig ihre Stellung und Macht mißbrauchen. Tann müßte er auch wissen, daß wegen ihres politischen Verhaltens sogar Landräte abgesetzt worden sind, um dann dem Gesetz der Schwere zuwider, die Treppe hinaufzufallen. Die Gesittnug, sagte der Ministerpräsident, verroht dort mehr und mehr, wo ein demokratisches Wahlrecht vorhanden ist. In Oldenburg, Württemberg, Baden, Bayern 2c. herrscht das Reichstagswahlrecht mit mehr oder minder erheblicher Einschränkung. Dort also müßte die politische Gesinnung verroht sein. Nur Sachsen hatte ein anderes Wahlrecht, ist aber zu einer Revision im liberalen Sinne gekommen, weil man gefunden hat, daß ein Volk nur gut regiesrt werden kann, wenn es ein liberales Wählrecht hat. Herr Bethmann Hollweg hat dazu beigetragen, die partikularistischen Regungen wieder anzufachen. Er, hat das Wahlrecht, das mit dem Deutschen Reich entstanden ist, geschmäht, während er sich als erster Veamter des Reiches hüten sollte, an Reichsinstitutionen zu rütteln. Als Reichskanzler hat er die verdammte Pflicht und Schuldigkeit. die Einrichtungen des Reiches zu hüten und zu fördern. nicht aber sie zu untergraben. Im Reichstage erklärte dann Betmann Höllweg als Reichskanzler, daß seine Ausführungen über das Wahlrecht ein Mißverständnis seien, gerade wie die Aeußerung des Jaauschauers ein Mißverständnis war und auch das Lusgehen der Flinten im Jahre 1848 in Berlin auf ein Miüverständnis zurückgeführt worden ist. Man möchte heute den Machthabern zurufen, sich zu hüten, däß solcher Mißverständnisse nicht noch weitere vassieren. Abg. Feater hält die Straßendemonstrationen für unnütz u. gefährlich, öhne dem Volke das Recht zu demonstrieK lebhaftes Toben so vernehmlichen Ausdruck, daß dem Kandidaten die Freude an seinem Scherz ganz verdorben wurde und er die Unmöglichkeit einsah vor Tisch noch zu gedeihlicher Arbeit zu kommen. Herr Heuer kleidete sich wieder an und begab sich heute auf einen längeren Spaziergang in den„Stern", ohne jedoch auf diesem Spaziergang heiterer geworden zu sein. Erst als er Dr. Laue eintreten sah, der noch grimmiger und seines Grimmes noch weniger Herr war, als er selbst, besänftigte der Anblick des fremden Aergers unchristlicherweise seinen eigenen wenigstens soweit, daß seine zurückgedrängte Eßlust ihre volle Kraft wiedergewann. heinz genoß daher eine ziemlich glückliche Stunde, während Dr. Laue die Speisen mit gänzlich ungerechtfertigter Unzufriedenheit behandelte und mit ebenso ungerechtfertigter Hast eine am Samstag ganz unerhörte lasche Bordeaux austrank. Der Referendar kam eben von seinem Besuche bei Raupachs. Er war mit vollendeter Höflichkeit und seitens der Frau Raupach beinahe mit Liebenswürdigkeit empfangen worden. Auch seine eleganten und ehrfurchtsvollen Anspielungen auf Fräulein Thea hatte Herr Raupach sehr gut verstanden. Seine Entgegnungen darauf waren jedoch weniger elegant, aber nicht minder deutlich ausgefallen, sodaß auch Dr. Laue die Raupachsche Meinung nicht mißverstehen konnte, er werde wegen seines lockeren Lebenswandels als Schwiegersohn nicht willkommen sein. Die Unterhaltung hatte sich in so ollgemeinen Ausdrücken bewegt, daß Dr. Laue kein Recht hatte, beleidigt zu sein. Aber sie hatte ihm hinreichend Grund gegeben, sich rechtschaffen zu ärgern. Und das tat er setzt. Die abweisende Haltung des reichen Philisters hatte ihn sehr unangenehm überrascht, wenn sie auch nicht im stande gewesen war, seinen berechtigten Stolz zu demütigen. Er war sich seiner unwiderstehlichen Vorzüge sehr wohl bewußt und konnte sich der schmeichelhaften Gewißheit freuen, Fräulein Theas Neigung durchaus errungen zu haben. Nicht die Eitelkeit seines Herzens war also gekränkt. Aber er hatte sich in seinen Hoffnungen als Geschäftsmann empfindlich betrogen und diese Enttäuschung schmerzte viel mehr. 177,18 ren zu bestreiten. Der bekannte unschlag des PoUzeipräsidenten von Berlin ließ an lapidarer Kürze nichts zu wünschen, aber auch nichts an Aufreizung. Das Volk ist weder aufgereizt noch eingeschüchtert werden, sondern es hat bewiesen, daß cs 200000 Mann stark demonstrieren konnte, uhne daß eine Ausschreitung vorkam. Es hat eine Disziplin tewiesen, wie sie ein Gardekorps nicht besser beweisen kann. Das olk braucht nicht auf der Straße zu demonstrieren, es hat ja das Recht, Leute in die Parlamente besonders in den Reichstag zu wählen, die seine Ansichten zum Ausdruck bringen können. Wenn der Reichstag nicht so zusammengesetzt ist, wie das Volk es wünscht, dann ist es selbst Schuld daran. Auf Grund des preußischen Wahlrechts herrscht eine kleine Minderheit über die 65 Millionen Staatsbürger. Schon mit Rücksicht auf die engen Beziehungen zwischen dem Reiche und Preußen ist es nötig, daß ein Ausgleich zwischen den Wahlrechten stattfindet, daß das preußische Dreiklassenwahlrecht in liberalem Sinne reformiert wird. Dieselbe Mehrheit, die im Landtage daran ist, durch eine scheinbare Liberalisierung des Wahlrechts dem Volke Sand in die Augen zu streuen, besteht aus denselben Elementen, die Reichstage dem Volke die volksfeindliche Finanzreform beschert haben. Die Finanzreform ist aus eigensüchtigen Gründen nicht nach den Vorschlägen der liberalen Parteien, die wirkliche Besitzsteuern emzfahlen, zustande gekommen. Die Mehrheit aus Konservativen und Zentrum wollte sich von Steuern frei halten. Man macht das Volk graulich mit dem rolen Gespenst, wenn es sich darum handelt, volkseindliche Gesetze zu schaffen. Ein rotes Gespenst exitiert„nicht, es verschwindet wie der Schnee an der Sonne, wenn die Gesetze in liberalem Sinne gemacht werden. Aus dem Handbuch des Bundes der Landwirte(1903) weist Redner nach, daß die Agrarier im Jahre 1903 die Erbschaftssteuer als trefflich bezeichneten, um sich als Mittelstandsfreunde gut einuführen. 1910 war die Sache anders. Da war ie Erbschaftssteuer von Grund aus verwerflich. Es waren 1910 nicht steuerpolitische Erwägungen, sondern eigennützige und herrschsüchtige Gründe waren für die Ablehnung der Erbschaftssteuer maßgebend, um den Reichskanzler Fürsten Bülow zu stürzen, von dem man seinen Erklärungen zufolge einen Ausbau der staatlichen Einrichtungen in liberalem Sinne, eine Vorlage zur liberalen Reform des preußischen Wahlrechts befürchtete. Fürst Bülow hatte erkannt und es zum Ausdruck gebracht, daß die Entstehung des deutschen Reiches dem liberalen Bürgertum zu danken sei, nicht den Konservativen. Tieser Mann mußte beseitigt werden, um ein Gleiten der preußischen Politik nach links zu verhindern. Beihülfe leistete das Zentrum und die Polen. Alle Vorgänge stestehen in roganischem Zusammenhange. Wir müssen wachsam sein und die Augen offen halten, um zu sehen, was weiter von der Rechten kommt. Auf der Rechten sitzen die Vaterlands=, Staats= und Volksfeinde, diejenigen, die kein Bedenken tragen, ihre eigensüchtigen, herrschsüchtigen Ziele zu erreichen, diejenigen, die mit gewaltsamer Händ eingreisen, um zu verhindern, daß ein freiheitlicher Ausbau der Staatseinrichtungen stattfindet, nach dem das Volk schreit, wie der Hirsch nach frischem Wasser. Wer so denkt wie wir, hat pflichtgemäß zu arbeiten an einer liberalen Ausgestaltung der Staatseinrichtungen. Alle die Verfassungsparagraphen, die von Gleichheit sprechen, müssen erst in die Tat umgesetzt werden. Um das zu können, muß das werktätige Volk in Stadt und Land sich eine Vertretung sichern, die seinen Wünschen Rechnung trägt. Tann wird das rote Gespenst von selbst verschwinden. Stürmischen Beifall belohnte den Redner für seine krefflichen Ausführungen. Herr Justizrat Toepner dankte dem Redner herzlichst und brachte folgende Resolutino, sie kurz begründend, zur Verlesung. Eine von den Vereinen der Freisinnigen Volkspartei u. der Freisinnigen Vereinigung Dortmunds einberufene öffentliche Versammlung erklärt die Wahlrechtsvorlage in der Fassung der Regierung ebenso wie die bisherigen Kommissionsbeschlüsse für unannehmbar. Unter der Aufrechterhaltung der Forderung des Reichstagswahlrechtes ersucht sie die freisinnigen Abgeordneten, jede Vorlage abzulehnen, die nicht zum mindest en die direkte, geime Wahl und eine Neueinteilung der Wahlkreise bringt. Die Resolution wurde, nachdem eine Diskussion, auf die noch näher einzugehen sein wird, stattgefunden, ohne Widerspruch angenommen. Lokales und Dortmund, 26. Februar. —* Die Reiseprüfung am Realgymnasium bestanden folgende 27 Oberprimaner:* Heinrich BitterLütgendortmund(Hüttenfach), Willi Deutmann=DortWochenplauderei. ms. Dortmund, 26. Februar. Willst vom Bier du haben Spaß, Trink fürsichtig Maß für Maß. Dieser Trinispruch, den ich einmal im Bierkeller des Berliner Rathauses gelesen habe, fällt mir jedesmal ein, wenn die bierselige Bockbierzeit anhebt. Das Herz aller treuen Untertanen des Jean primus, heute Gambrinus genannt, schlägt höher, wenn sie durch Plakate mit springenden und bockenden Böcken aufmerksam gemacht werden, daß die Zeit gekommen, in der von den Brauereien ein ganz besonderer Saft zum Ausstoß gelangt. Die Wiege des Bocks ist in Bayern zu suchen, denn der Ueberlieserung zufolge brauten fromme Mönche ihn in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts zum ersten Male ein. Wie der„Bock“ auch heute noch in München im Hofbräu und Salvatorkeller bei Bratwürsteln und Holzbläsermusik seine Triumpfe feiert, so hat er sich in Norddeutschland bereits seit fast einem Jahrhundert eingebürgert, um gleich fröhlich alljährlich seine Auferstehung zu seiern. Früher allerdings fiel das Erscheinen des Bocks in die Osterzeit und das„Märzenbier“ machte die Osterfeiertage zu besonders genußreichen. Im Laufe der Zeit hat der„Bock“, der Konkurrenz nachgebend, einige Bocksprünge in der Zeitrechnung gemacht und ist schließlich in die zur Lustigkeit prädestinierte Karnevalszeit hineingeraten. Die Kunst des Biervertilgens, die, wie uns Tacitus erzählt, schon bei den alten Germanen in hohem Grade ausgebildet war, wiewohl das bierartige Getränk unserer Altvordern recht verschieden von dem heutigen Bier gewesen ist, hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Wie in früheren Zeiten, so gibt es auch heute no1, so trunkseste Männer und man sagt sogar auch Frauen, daß die Abstinenzler wehklagend die Hände über dem Kovfe mcammenschlagen ob solcher mund(Bankfach), Heinrich Frohnhäuser=Dorrmund(Ingenieur), Gustav Kochheim=Dortmund(Neuphilologie), Ewald Krabus=Frohlinde(Neuphilologie), Arturo Martens=Dortmund(Nationalökonomie), Willi SchmidtDortmund(Baufach), Heinrich Schulte=Dortmund(Jura), Bernhard Schulze=Dortmund(Jura)," Louis Schulte=Brauks gen. Kühl=Aplerbeck(Forstfach),* W. Steinforth=Dortmund(Neuphilologie), Walter Thiemann=Lünen(Medizin), Wilhelm Brüninghaus=Brünninghausen(Neuphilologie), Ferdinand Greven Huckarde (Medizin), Paul Grisar=Marten(Neuphilologie), Theodor Herbrechter=Dortmund(Bankfach), Hans Koch=Meckinghofen(Marine), Heinrich Manger=Dortmund(Kaufmann), Werner Othmer=Dorstfeld(Elektrotechnik), Albert Stratmann=Bochum(Neuphilologie),* Werner Stein= Werne b. Langendreer(Medizin), Walter Stratmann=Bochum(Tiermedizin), Willi Streppel=Dortmund Dortmund(Neuphilologie), Karl Thiemann=Lünen(Medizin),* Wiegmann=Marten(Jura).— Die mit einem Stern versehenen Prüflinge wurden von der mündlichen Prüfung befreit. —* Westfülischer Provinzial=Sängerbund. Auf Veranlassung des Bundesausschuses des Westfälifchen Provinzial=Sängerbundes waren die Schüler der hiesigen Handwerkerschule zu einem Wettbewerb für ein Plakat zum ersten Bundesfest aufgefordert worden. Eingegangen waren 35 Entwürfe. Unter dem Vorsitze des Herrn Baurat Kullrich trat gestern das Preisrichterkollegium zusammen, um das Urteil abzugeben. Zum Ankauf empfohlen wurde der Entwurf mit dem Motto „Rot“ von C. Kunze, der außer Preisbewerb gestellt war. Den ersten Preis erhielt Hermann Schaefer mit dem Motto Rosen, den 2. Preis Willy Stroop(Motto: Rosen 2) und einen Anerkennungspreis Spangenberg (Motto: Engelslieder). Die Entwürfe sind bis zum nächsten Dienstag im Ausstellungssaal des alten Rathauses zu besichtigen. —* Gewerbeverein. Heute Abend neuneinhalb Uhr findet wie ja schon bekannt das Künstlerfest„Ein Rosenfest im Biedermeierstil“ statt. Der große Saal im Gewerbeverein ist von Herrn Obermaschinenmeister Leppel dem Feste entsprechend geschmackvoll dekoriert. Die Solokräfte des Stadttheaters, die Damen des Balletts und das Philharmonische Orchester haben sich in den Dienst der guten Sache gestellt. Zwei Kapellen konzertieren. Die Tombola ist von hiesigen Firmen auf das Reichhaltigste ausgestattet. Auch sind zwei Theaterbilletts zu gewinnen, gestiftet von Herrn Direktor Alois Hofmann. Wer also ein paar gemütliche Stunden verleben will, komme heute Abend in den Gelverbeverein. — Kirchenkonzert. Der Ev. Kirchenchor Paulus veranstaltet morgen Sonntag abends Teinhalb Uhr in der Pauluskirche sein 1. Konzert, für das die Konzertsängerin Frl. Lina Plankemann von hier, das Quartett des Dortmunder Lehrergesangvereins und der Organist Herr Heinermann zur Mitwirkung gewonnen worden sind. Das Programm ist überaus reichhaltig. —“ Kirchenmusik in St. Reinoldi. Am 6. März beginnt die Kirchenmusik in der Reinoldjkirche erst um 8 Uhr, und werden alle Türen geöffnet sein, um dem Andrang am Hauptportal vorzubeugen. Es wirken mit: Fräulein Elfriede Kuhn, Hombruch(Sopran), Herr Karl Petzi,(Violine) Lehrer am Konservatorium Holtschneider=Hütter. Der Eintrittspreis ist frei; Programme sind zu 10 Pfg. im Verkehrsverein, Markt und an der Abendkasse zu haben. —* Musikalische Gesellschaft. Zu dem großen Oratorium„Von den Tageszeiten“ von Friedrich E. Koch, das am 13. März am Fredenbaum erstmalig in Westfalen zur Aufführung kommt, sind als Solisten gewonnen: Frau Schmidt=Illing, Darmstadt(Sopran), Frau G., Fischer=Maretzky, Berlin(Alt), Herr Anton Kohmann, Frankfurt(Tenor), Herr Kurt Ficke, Köln am Rhein(Baß=Bariton). Bochum, 25. Febr. Unschuldig hingerichtet? Anfangs der achtziger Jahre wurden in der unmittelbaren Nachbarschaft Bochums grauenerregende Lustmorde an Frauen und Mädchen verübt. Als der Tat dringend verdächtig verhaftete man damals den landstreichenden Besenbinder Schiff, einen etwas verblödeten Menschen, der sich wiederholt selbst bezichtigte, seine Geständnisse aber widerrief und schließlich auf Grund eines vom Schwurgericht in Essen gefällten Urteils enthauptet wurde. Wie jetzt aus Essen gemeldet wird, soll Schiff unschuldig den Tod von Henkershand erlitten haben. Es heißt, der wirkliche Mörder habe sich gemeldet, weil ihm nach Ablauf der Verjährungsfrist eine gerichtliche Verfolgung nichts mehr anhaben könne Bodenlosigkeit des Magens dieser Leute. Diese Trunkfestigkeit bewährt sich vornehmlich, wenn wir im Zeichen des„Bocks“ stehen, denn das Bockbier wird besonders gehaltvoll eingebraut und derjenige, der sich bei seinem Genusse nicht in mäßigen Grenzen hält, wird leicht vom Bock an= und umgestoßen. Drum habe sch auch dem Trinkspruch aus dem Berliner Ratskeller: „Willst vom Bier du haben Spaß, trink fürsichtig Maß für Maß“ gewissermaßen als Motto dieser Plauderei vorgesetzt.. Denn Dortmund ist in die Bockbierzeit eingetreten und die Dortmunder, die keineswegs zu den Verächtern des vom Gambrinus erfundenen Getränkes gehören, sollten den wohlgemeinten Rat, der in dem Trinkspruch liegt, wohl beherzigen, denn verführerisch sind die Bockbiere, die unsere Brauereien jetzt hinausgehen und den bierehrlichen Dortmundern durch die Wirte vorsetzen lassen. Dieser Tage hatte ich Gelegenheit, ein Bockbier Dortmunder Herkunft zu probieren. Es stammte aus dem Dortmunder Brauhaus. Ich trinke gern Bier, aber gut muß es sein. Wenn ich nun gestehe, daß ich von diesem Bockbier mehr als mein gewöhnliches Deputat, ja sogar weit mehr hinter die Binde gegossen habe, dann können die verehrlichen Leser daraus entnehmen, daß das BrauhausBock ganz vorzüglich gemundet hat und wie Oel hinabgeflossen ist. Anderwärts habe ich die leidige Erfahrung machen müssen, daß ich nach etwas reichlichem Genuß von Bock anderen Tages an Haarwurzelkatarrh zu leiden und einen gehörigen Brummschädel mit herumzuschleppen hatte; hier war ich am nächsten Morgen munter wie der Fisch im Wasser, hell die Augen und klar der Kopf, Das ist fürwahr ein gutes Zeichen und empfiehlt das Bockbier von selbst. Es ist übrigens für die Dortmunder Brauereien sehr schmeichelhaft, daß sich gegen die von ihnen fabrizierten Biere das Volk noch nicht aufgelehnt hat. Mir ist wenigstens nach nichts von einem Bierkratalle, wie wir sie von Brackel. 20. Febr. Tödlich verunglückt ist auf Zeche Scharnhorst der Bergmann Heinrich Generotzkl von hier. Es ist dieses der zweite tötliche Unfall aus Zeche Scharnhorst in dieser Woche. Köln. 20. Febr. Eine alleinstehende reiche Dame in Grevenbroich wurde von zwei durch Bärte maskierten Männern angefallen. Die beiden Maskierten versuchten, die Dame niederzuschlagen. Auf das Hilfegeschrei eilten Nachbarn herbei, worauf die Räuber flüchteten und auf ihre Verfolger Revolverschüsse abgaben. Ein Metzgermeister wurde schwer verletzt. Die Polizei verhaftete einen mutmaßlichen Täter, der über seine Persönlichkeit keine Auskunft geben wollte. Trier. 20. Febr. Im Tunnel bei Arzweiler in Lothringen wurden zwei Arbeiter vom Schnellzuge Paris=München überfahren und zermalmt. Beide waren auf der Stelle tot. Letzte Telearamme. Die Besoldung der Reichsbankbeamten. Berlin, 25. Febr. Die Bestimmungen über die Aufbesserung der Gehälter der Reichsbeamten fielen bekanntlich nicht in den Rahmen der allgemeinen Reichsbesoldungsgesetze, waren vielmehr vom Kaiser im Einverständnis mit dem Bundesrat auf Antrag des Kanzlers zu beschließen. Wie die „Köln. Ztg.“ hört, liegt eine den Gegenstand ordnende Vorlage nunmehr dem Bundesrat vor und dürfte bereits in den nächsten Tagen verabschiedet werden. Die Reichsbankbeamten werden alsdann nicht nur in den Genuß der aufgebesserten Gehälter, sondern auch der Nachzahlungen und der Wohnungsgeldzuschusses gelangen. Das Kaligesetz in der Kommission. Berlin, 25. Fehr. Die Kommission des Reichstags zur Vorberatung des Gesetzentwurfs über den Absatz von Kalisalzen trat heute zu seiner ersten Sitzung zusammen. Er beschloß, zwei Lesungen vorzunehmen und zur Vermeidung unnötiger Erörterungen sich zunächst über das zu erfordernde Material klar zu werden. Die Zentrumsmitglieder haben ihre Wünsche in einem 15 Punkte umfassenden Antrage niedergelegt. Dieser verlangt Nachweise, u. a. über die Jahresrechnungen der einzelnen Werke, die Herstellungskosten, Verkaufspreise für Inland und Ausland, Anlageposten, Betriebsüberschüsse und deren Verwendung, Feldesteilungen, feste Zahlen und Lieferungsverträge. Ein Unterantrag der Sozialdemokraten verlangt weiteres Material über fünf Punkte.— In der Abstimmung wird der Antrag des Zentrums einstimmig angenommen, der der Sozialdemokraten mit großer Mehrheit, ferner ein sozialdemokratischer Antrag auf Vorlegung einer Denkschrift über die vorkommenden Kali= und Magnesiasalze, der Antrag auf Vorlegung der Prozeßakten Schmidtmann, der Antrag auf Vorlegung einer geologischen Karte und ein weiterer freisinniger Antrag, betreffend Detaillierung der Selbstkostenpreise.— Die nächste Sitzung wird der Vorsitzende anberaumen. Verständigung über Wahlrechtsdemonstrationen in Frankfurt a. M. Frankfurt a. M., 25. Febr. Heute früh hatten die Vertreter der demokratischen Partei, der neuen demokratischen Vereinigung, der Nationalsozialen und der sozialdemokratischen Partei eine Besprechung mit dem Polizeivräsidenten, in der eine definitive Aussprache über die Wahlrechtsdemonstrationen am nächsten Sonntag stattfand. Die Vereinbarung ging dahin, daß die Polizei eine große gemeinschaftliche Protestversammlung unter freiem Himmel auf der Hundswiese genehmigt, daß die Demonstranten dagegen von einem gemeinschaftlich vor oder nach der Versammlung stattfindenden Demonstrationszug absehen, In kleinen Trupps werden sie allerdings zur Stadt zurückgehen, wogegen aber die Polizei nichts einzuwenden haben wird. Demission des hessischen Finanzministers. Darmstadt. 25. Febr. Der hessische Finanz= minister Gnauth hat infolge von Differenzen mit dem vereinigten Finanzausschuß der Ersten und Zweiten hessischen Ständekammer dem Großherzog heute seine Entlassung eingereicht. Abreise des Königs von Sachsen nach Korfu. Dresden, 25. Febr. Der Könia wird heute abend 10 Uhr mit dem fahrplanmäßigen Zuge nach Triest und von dort an Bord eines Dampfers des Oesterreichischen Lloyds nach Korfu sich begeben, woselbst die Ankunft am 1. März nachmittags erfolgt. Von Korfu wird die Rückreise am 8. März nach Triest angetreten und daselbst ein mehrtägiger Aufenthalt genommen. Am 17. März gedenkt der König in Dresden wieder einzutreffen. München gehört haben, bekannt geworden. Die Dortmunder Brauereien, die schon durch die Konkurrenz zur Herstellung nur besten Bieres veranlaßt werden, haben wohl auch kaum zu fürchten, daß ihnen die Biertrinker wegen der schlechten Beschaffenheit ihrer Biere auf das Dach steigen. Sollte doch wider Erwarten der Fall eintreten, daß. vielleicht infolge der von den Stadtverordneten am nächsten Montag zu beschließenden kommunalen Biersteuer, eine Verschlech terung des Bieres eintritt, so kann ich nur empfehlen, es den Leipziger Studenten nachzutun, die zur Verhütung eines üblen Trunkes in alten Zeiten eine sog. Bier=Fehme gegründet hatten, die darauf ausging, Wirte, die schlechtes Bier verzapften, öffentlich in Verruf zu erklären. Hatten die Studenten so einen Bierplantscher entdeckt, so zogen sie in später Abendstunde, in tiefem Schweigen vor das Wirtshaus, nahmen dort Aufstellung und begannen dann einen wehmütigem Gesang des Inhalts:„Ach wenn das Bier nur besser wär’, wir kämen gerne wieder her.“ Dabek wurden unter jämmerlichem Heulen und Schluchzen leere Säcke, Pferdedecken und Aehnliches als Tränentücher benutzt. Nach einiger Zeit zog die Bier=Fehme in aller Stille ab, war aber vielleicht schon am nächsten Abend wieder da. Die betroffenen Wirte beeilten sich natürlich, durch Herbeischaffung besseren Bieres die Wiederholung derartiger Besuche zu verhindern. Die Dortmunder Bier=Fehme könnte sa noch ein übriges tun und unter dem frisch grünenden Sprossen der alten verdorrten Fehmlinde diie schlechten Bierbrauer feierlich in Acht und Bann erklären.. Das würde dem FehmlindeSprößling die Popularität sichern, deren sich seine Mutter zu erfreuen hatte, bis sie zur Strafe für ihre Popularitätshascherei in das Museum eingesperrt worden ist. Doch ich muß jetzt das Thema ändern, weil ich nür den Mund immer wässriger mache, weil das Pfützchen unter der Zunge immer größer wird und ich jeaEAb eine nahsere Arbeitsnachwer ist sot der ablehh. #eran9 Le, Arbeitslosent ##: Zeitpunkt ersche Bekämpfung des Mädchenhandels Brüssel, 25. Febr. Das nationale bei Komitee zur Bekämpfung des handels ist heute gegründet worden a#..: der Arbeitslosent minister Lejeune wurde einstimmig zum a geitpunkt ersche gewählt. Es wurde alsdann beschlossen, unverange u. Reichsregierung si eine wirksame Propaganda zu unternehme„ igspolitischen Mädchenhandel, soweit er in Belgien betriebe speziell im Hafen von Antwerpen, von wo aus#. schiffung der Opfer nach Südamerika erfolgt, end. ein Ende zu machen. 0107, endguithg, M77Die politische Lage in England London. 25. Febr. Heute fanden Sitzungen des Ministerrates Lage scheint plötzlich eine Wendung Schlimmeren genommen zu haben. Unzweifellen herrscht in den Foyers des Unterhauses eine da pessimistische Stimmung. Heute nachmittag war allerdings vollständig unbestätigte Gerücht im daß die Regierung sich mit der abzudanken. Das Feuergefecht zwischen Bulgaren und Türken Sofia, 25. Febr. Den Abendblättern zufolge wurd gestern abend bei mehreren Grenzposten im Gebiete; Tamrasch das vorgestern unterbrochene wieder ausgenommen. Auch sollen auf Auch sollen auf hu garischer Seite eine Gebirgsbatterie und mehrere opagnien Infanterie zur Verstärkung herangezogen word sein. Das Feuergefecht hat gestern vormittag noch gedauert. Das Feuer der Gebirgsbatterie, das zu Philippopel hörbar gewesen sein soll, hat den türkischen Truppen ansehnliche Verluste bereitet.*0 Bestechungsversuch des Fleischtrusts. Neuyork, 25. Febr. Die hiesigen Blätter be haupten, der Fleischtrust habe versucht, sich durch das Mittel grandioser Bestechungen der gericht, lichen Verfolgung zu entziehen. Agenten des Trusis hätten dem Staatsanwalt Garavan mitgeteilt, sie seien bereit, ihm eine Million Dollar zu zahlen, wenn er die Verfolgung des Trusts einstelle. Der Staatsanwalt erwiderte darauf, er werde beim höchsten Gericht die zwangsweise Vorführung und Bestrafung der leitenden Personen des Trusts wegen Mißachtung der Behörden erwirken. Uuregelmäßigkeiten im italienischen Bautenministerinn Rom, 20. Febr. Im Bautenministerium wurde eine große Unregelmäßigkeit aufgedeckt. Der Ministerrat wurde dringend einberufen. Man spricht von strengen Maßregeln gegen eine Anzahl von hohen Beamten. Berlin, 25. Febr. Gegen den Landschaftsmaler Heye, dem Schwiegersohn des Fürsten Eulenburg, ist von der Münchener Staatsanwaltschaft eine Untersuchung eingeleitet worden wegen Vergehens gegen Paragraph 175.— Die Schweinerei scheint in der Familse zu liegen. Gewerkvereinsteil. Arbeitslosenversicherung in deutschen Städten. Auf dem letzten deutschen Städtetage wurde ein Ar Antrag angenommen, der Frage der Arbeiterversicherung näherzutreten und dieses Problem in die Ausgaben des Städtetages neu aufzunehmen. So be grüßenswert dieser Beschluß an sich ist, so hit a zunächst einen praktischen Wert nicht, da seine Ver wirklichung in weiter Ferne liegt. Infolgedessen es anzuerkennen, wenn unabhängig hiervon eine Ar zahl deutscher Städte selbständig diese Fragen in Angriff genommen haben. In Schöneberg beschlossen di städtischen Körperschaften, eine Vorlage für die Einführung der Arbeitslosenversicherung auszuarbeiten, deren Grundzüge in Anknüpfung an das„Genter System“ darin bestehen sollen, daß die Gewerkschaften die Träger der Versicherung bleiben und seitens dr Stadtverwaltung Beiträge zu den Ausgaben der Gewerkschaften für diesen Zweck geleistet werden solen. Auf dem gleichen Standpunkt steht die Verwaltung Charlottenburgs, wo gleichfalls ein bestimmter Zuschuß zu den Gewerkschaftsabgaben gezahlt werden soll, wenn die Arbeitslosigkeit nicht durch Arbeitslosen selbst herbeigeführt ist. Differenzen über diese Frage sollen durch eine Kommission, bestehend aus einem Arbeitgeber, einem Arbeiter und einen unparteiischen Vorsitzenden entschieden werden. In Berlin haben die städtischen Körperschaften sich gleich falls mit der Frage beschäftigt, zu einer bestimmten Beschlußfassung ist es noch nicht gekommen. Ein weiterer Schritt vorwärts ist der Gedanke, die Arbeitslosenversicherung für die Gemeinden Groß Berlins. die fast 3 Millionen Einwohner umfassen, einheitlichs regeln. Zu diesem Zwecke hat eine Sitzung von der tretern der Magistrate sämtlicher beteiligter Gemein den stattgefunden, die der Frage näherzutreten um lichen trinkbaren Stoffes bar schier von Verzweiflung gepackt werde. Und daß ich verzweifle, wünscht don wohl keiner meiner sehr verehrten Leser und noch i niger keine meiner sehr verehrlichen Leferinnen. Dortmund ist ebenso wie als Bierstadt so auc Feststadt im ganzen Lande wohl bekannt. Ohne schmeicheln, kann man sagen, daß Dortmund es an aus dem ff versteht, Feste zu fekern. Bei dem ausrottbaren Drang nach Festen ist es drum kein Wi der, wenn man hie und da in der kurzen Faschrg zeit in diesem Jahre das Bedürfnis, fröhlich unter lichen zu sein, nicht völlig hat befriedigen können.“ Erkenntnis dessen hat der Vorstand des Verei Rheinland sich entschlossen, am morgigen Sonniae im Gewerbeverein noch einen Mittfastenba! veranstalten, zumal sich ihm die günstige bot, die märchenhaft schönen Dekorationen, die fur Wohltätigkeitsfest des Chorpersonals des hiesigen Sic. theaters am heutigen Abend hergestellt worden für sein Fest benutzen zu können. Als der Gro die Großmutter nahm oder ein Sommernachtssest Biedermeierzeit ist der Veranstaltung als Idee Grunde gelegt. Der Vorstand des Vereins Rheut#, ist, wie ich mirzuteilen in der Lage bin, mit bemüht gewesen, das Fest im einzelnen ganz vor lich auszugestalten und allerlei Einrichtungen zu treite“ die den Teilnehmern am Mittfastenball die 5# Fluge verstreichen zu lassen geeignet sind. Wenn kein Kostümzwang ist, so dürften doch nur### Ersuchen der Festgeber, möglichst ein dem des Festes entsprechendes Gewand anzulegen, tet lassen. Ich habe mich im Verein Rheinlau““## gut amüsiert und werde natürlich nicht verfehlen. aub morgen Abend zum Mittkassenhall en auch zu tun ich meinen lieben hiermit empfehlen möchte. der staatliche Zu Uroy Privata eischlks in Seiähe seade Erregung wach niie und besonders in Eane von Resolutionen von Resotutten Ter Hauptaussch als Vertretung der stalb bereits einen Lerlin in Erwägung # welche aus # und nicht im Haupt den Aeußerunge zu nehmen, indem senpetition in diesen sammeln sucht. Dies Reichstag auch ersehe eine Privatversicheru sen und unbedingt zu Weise, wie„die freie nsicherung der Privat Vertretung der Minder gemeinheit gehen will freie Vereinigung b erung der Angestellten abersicherungsgesetzes zschuß wegen der absolu dit auch auswä st bi in s0l Schlafzim Schlatzim Schlatzim Anz % 8 —* #S S 0— Fofs S S 80 # 5 Möl Elekt Teleohon 1521. V — handels. onale beigeedes Mäse worden. Stau. ehe echrent un.e n wo aus die Ein erforge, endak ngland. fanden zwe“ tes statt. 2# endung zum en. Unzweiselhat sauses eine chmittag war erücht im Umlauf Absicht krag, zen und Türken. tern zufolge wurde en im Gebiete von zochene Feuer sollen auf bulund mehrere Komrangezogen worden vormittag noch anbatterie, das bis hat den türkischen ischtrusts. esigen Blätter beversucht, sich durch igen der gericht. genten des Trusts mitgeteilt, sie seien ahlen, wenn er die Der Staatsanwalt öchsten Gericht die afung der leitenden tung der Behörden Bautenministerinn nministerium wurde kt. Der Ministerrat spricht von strengen hohen Beamten. en Landschaftsmaler esten Eulenburg, ist haft eine Untersuchgehens gegen Paraeint in der Familse steil. utschen Städten. ädtetage wurde ein der ArbeiterversiProblem in die Auszunehmen. So be sich ist, so hit a sicht, da seine Ver t. Infolgedessen sig hiervon eine Ar diese Fragen in ieberg beschlossen die orlage für die Einrung auszuarbeiten, ig an das„Genter ß die Gewerkschaften ben und seitens der n Ausgaben der Gegeleistet werden solunkt steht die Versichfalls ein bestimmabgaben gezahlt werkeit nicht durch den ist. Differenzen über ommission, bestehend Arbeiter und einem chieden werden. In erschaften sich gleichzu einer bestimmten gekommen. Ein weidanke, die Arbeitsloen Groß Berlins, die rfassen, einheitlich u ine Sitzung von Verr beteiligter Gemeinse näherzutreten un zt doch och we uch als hne 3“ s auc WunI nuel das tadtsind, asiere Verbindung der in ihren Gebiegrheitsnachweise anzustreben beschloß. So tättrent der ablehnenden Haltung der Reichsremlt!iaser Frage doch die Bewegung zur Einerng“. Erheitslosenversicherung ihren Fortgang 1 Szitpunkt erscheint sehr nahe gerückt, wo det V°##regierung sich wird entschließen mussen, Eix sholsischen Problem Hörwdernd nüher zu gö-"** der staatlichen Pensionsversicherung der zu 5re9““ Privatangestellten eschrieben: Die Ausführungen des Mini###eshns, im Reichstage am 17. Januar haben mit /is Telbeug. I. heutschen Privatbeamten eine tief##. se Erregung wachgerufen, welche sich in der Erisend; hefonders in Versammlungen durch Angesolutionen für den Reichstag bemerkbar ger Hauptausschuß der deutschen Privatbe##.### Vertretung der großen Organisationen hat P##)# bereits einen Privatbeamten als Protest #ni, in Erwägung gezogen. Die kleine Minderwesche aus einigen kleinen Organisationen beind nicht im Hauptausschuß pertreten ist, sucht den Aeußerungen des Staatssekretärs Stelzu nehmen, indem sie durch ihre Vereine eine emnetition in diesen Tagen unter den Angestellten sgmmeln sucht. Dies ist nur zu begrüßen, damit Feichstag auch ersehen kann, daß alle Angestelline Privatversicherung wünschen. Nicht zu be; und unbedingt zu verurteilen ist aber die Art I Geise, wie„die freie Vereinigung für die soziale Licherung der Privatangestellten", so nennt sich Lsentretung derMindermehrheit, welche nicht mit der gemeinheit gehen will, den Stimmenfang betreibt. freie Vereinigung bezweckt bekanntlich die Vergrung der Angestellten durch den Ausbau des Invaseitersicherungsgesetzes zu bewirken, was der Hauptzschuß wegen der absoluten Unzulänglichkeit einstim mig abgelehnt hat; was die 2. amtliche Dentschrift kurzerhand unter Beibringung von rechnerischen Betreisen abgelehnt hat und letzthin der Staatssekretär Telbrück im Reichstage nochmals klipp und klar abgelehnt hat. Das Beginnen der freien Vereinigung ist deshalb vollständig nutzlos und direkt schädlich. Insbesondere schaden aber manche Ausführungen in der Petition dem ganzen Stande, wenn Phrasen überhaupt schaden können. Was soll die pathetische Phrase:„Kann es überhaupt etwas törichteres geben, als iber den blendenden Ausblick auf eine fragwürdige Standesversicherung(?) die Pflicht des Augenblicks zu vergessen die praktische Gegenwartsarbeit zu versäumen?" Der Hauptausschuß hat schon gearbeitet, ehe die freie Vereinigung noch daran gedacht hat und hat in einer Audienz beim Staatssekretär die Fäden zur praktischen Arbeit angeknüpft, wie die Schwierigkeiten, von denen der Staatssekretär sprach, zu lösen sind. Oder ist das keine Verleugnung der eigenen Interessen und der des ganzen Standes, wenn es weiter in der Resolution heißt:„Denn selbst, wenn die Regierung glaubt, bei dieser organischen Verbindung(Ausbau des I.=V.=G.) nicht alle Wünsche erfüllen zu können, die irgendwann einmal(?) von einzelnen(?) Gruppen der Privatbeamten aufgestellt sind“ pp. Damit will die freie Vereinigung den Hauptausschuß beim Reichstage heruntersetzen, der fast 1 Million Angestellte hinter sich hat, an dessen Verhandlungen die Vertreter der Regierung und des Reichstages teilgenommen haben und dessen Leitsätze die Regierung in der 2. Denkschrift zustimmend beantwortet hat. Kein Name für solch eine Resolution und wer sich aus Unkenntnis zur Unterschrift hat bewegen lassen, der sorge sofort, daß sein Name unter diesem Machwerk wieder gestrichen wird. Er ist sich das selbst und dem ganzen Stande schuldig. Mitte März wird der Dortmunder Pensionsverein im Kölnischen Hofe eine öffentliche Versammlung abhalten, wo jetzt schon darauf hingewiesen sei Dort soll des Näheren auf die Forderungen der Minderheit nochmals eingegangen und vor allem zur augenblicklichen Lage Stellung genommen werden. Die Berufsvereine werden deshalb gebeten, in ihrer Märzversammlung darauf besonders hinzuweisen, damit alle Privatbeamten von Dortmund und Umgegend erscheinen. Es muß eine interessante Massenversammlung zustande kommen, das Nähere wird noch durch die Zeitungen bekanntgemacht. Standesamts-Nachrichten. Dortmund 2. Vom 23. Februar. Geburten: 1 Sohn: Kokereiarb. Orlik, Oesterholzstraße 119. Platzarb. Fritz, Stahlwerkstr. 78, Kesselschmied Schroer, Enschederstr. 8. Eisenwerkarb. Sprenger, Schlosserstr. 74. Schmelzmeister Dreesbeimdief. Hirtenstr. 7. Revisionsmonteur Richwy, Weißenburgerstraße 90. 1. Tochter: Bautechniker Scholz, Körner Hellweg 17. Walzwerkarb. Preuß, Courlerstr. 2, Kranführer Pössekel, Bornstr. 129. Sterbefälle: Anstreicher Wilhelm Klaesberg, Burgholzstr. 38, 47 M. Alexander Swiderski, Brackelerstraße 30, 11. Hundedresseur Jos. Herberß, Flensburgerstraße 12, 59 J. Zinkhüttenarb. H. Linnemann, Küörnebachstr. 121a, 63 J. Maurer Wilhelm Burchartz, Kurfürstenstr. 4. 70 J. 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Man kann einen Besuch nur auf das Beste empfehlen. Im„Blücher“, Münsterstraße 77, findet Sonntag Nachmittag von 4 Uhr an großes Künstlerkonzert bei freiem Entree statt. Für eine vorzügliche Musik sorgt das Musikensemble„Goldklang"; das Programm ist sehr reichhaltig und auserwählt; ein erstklassiger Salonhumorist und Charakterdarsteller wird durch dezente humoristsche Vorträge das Publikum aufs beste unterhalten. Bickefelder Hof. Herr Fritz Quadt hat nach vollständiger Renovierung seine Bickefeld Nr. 65 gelegene Wirtschaft„Zur Hermannsburg" umgetauft und Bickefelder Hof benannt. Die Wiedereröffnung findet heute Abeno 8 Uhr mit einem Festessen statt. Wir weisen darauf auch an dieser Stelle hin. Im Olympia=Theater gelangt das glänzende Februar=Prgoramm nur noch an drei Tagen zur Aufführung und ist heute die letzte Sonnabend=Vorstellung. Morgen ist der letzte Sonntag und sind wie üblich zwei große Vorstellungen: nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr. In beiden Vorstellungen: Les 5 Alex, die Matadore der Luft, Globe of Lise, Bellonis Kakadus, und die übrigen Sensationen. Ab Dienstag, den 1. März Gastspiel der weltberühmten Künstlerin Saharet. Im Kinematographen im Zentral=Automat am Steinplatz ist Programmwechsel gewesen. Wiederum wird ein ganz vorzügliches Programm mit reicher Ab wechslung geboten. Es sei auf das Inserat in heutiger Nummer verwiesen. MAGG Rumford-Suppe in Würteln zu 10 Pig für 2—3 Teller ist sehr nahrhaft u. wohlschmeckend. dit auch auswärts Ansicht ohne Kaufzwang Kredit Küchen Emalllegeschirr kompl.: Mk. 175 Anzahl. v. 10 Mk. an dunkle und modern gestrichene, nussbaum u. eichen Schlatzimmer mit Marmor und Spiegelschrank in solider schwerster Schreinerarbeit: langjährige Garantie. 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Biedermeierzeit. ische Originaldeme mit Tausenden ge vorher stattfin-I hafte Beleuchtung staurants, fideles Jlückshafen und rraschungen. lermeier= Polonalse. des Cabarets zum Affen. 19 wird indes gebeten akter des Festes izulegen, oder aber stte zu erscheinen, ren 1.50, Damen ion Zigarrenhand, a m M a r k t, B u r g Hutgeschäft von ein, Schirmfabrik 1d Restaurant zum ier. 346 - Feier. „Zur Hermannsburg“ unter dem Titel felder Hof“ werde, vollständig se, gestatte ich mir einer am 1. den 26. Febr. agsvoll lckefelder Hot Nr. 65. lordsee traße 1-. Rheiniscest Fernruf Nr. 217. hhe Heringe Ware lag eintreffend 32 Pig. Samstag, den 26. Februar 1910. Zweites Blatt. Dortmunder Tageblatt. 180 K. u. K. Thorn. 18. Jehruar. (Dritter Verhandlungstag.) „ ger heutige dritte Verhandlungstag brachte eine z interessanter Zwischenfälle, deren Höhepunkt der Verteitigung auf sofortige des Hauptzeugen gegen den Grafen, den ehehagsigen Burschen Zensen, bildete. Zunächst wurde er Vernehmung des Zensen fortgefahren. Der deue muß auf Befragen zugeben, daß er sich in einer Stellung bei dem Grafen etwas sehr aufgeiest habe. Er ist sogar soweit gegangen, intime Hziehungen zu der Gräfin zu behaupten, die niele bestanden haben. Durch Befragen wird weifeitgestellt, daß der Graf zu Zensen sehr vertraut var und ihm sogar Familienverhältnisse anbertraut sabe. Der Zeuge hat früher Andeutungen über Vorgänge auf einem Kasinoball gemacht, dem der Graf keiwohnte, während inzwischen zu Hause sein Kind garb. Graf Pfeil erklärt hierzu, daß es sich um zine Reunion zugunsten der Armen gehandelt habe, auf per absolut nichts unrechtes vorkekommen sei. Er habe auch nicht gewußt, daß sein Kind zu Hause krank siege. Auf die Frage, ob der Zeuge etwa durch Beeinsussung des Kriminalbeamten Gräger seine Aussage geändert habe, erklärt dieser, Gräger habe ihn nur ernahnt, die reine Wahrheit zu sagen. Ein Zeuge Engelmann hatte Gelegenheit, öfters den Grafen zu sehen. Der Graf galt als jähzornig und beschimpfte ohne Anlaß das Dienstpersonal. Er habe erzählen gehört, daß die Gräfin oft Schläge bekam, eine Angestellte habe blaue und grüne Flecken an ihr bemerkt. Es wird noch festgestellt, daß der Zeuge sich sofort bei seiner Ankunft an Gräger gewandt und ihn um 20 Mark angeborgt habe, da er mittellos sei. Auf die Frage des Verhandlungsführers, warum er sich grade an Gräger gewandt habe, erwiderte der Zeuge: Weil dieser die ganze Sache leitet. Verhandlungsf.: Aha! Die Zeugin Engelmann, die Frau des Vorzeugen bekundet, daß die Gräfin von ihrem Manne eine schlechte Behandlung erfuhr; einmal habe er sie mit einer Lampe geworfen. Die Gräfin habe ihre Kinder nicht vernachlässigt. Die Frau des Zeugen Zensen bekundet, daß sie am 24. Januar 1904 von dem Grafen angestiftet worden sei, eine falsche eidesstattliche Versicherung abzugeben. Der Graf habe sie und ein Fräulein Klamt, die auch bei ihm in Stellung war, auf ein Zimmer des Liegnitzer Bahnhofes mitgenommen und ihnen dort die eidesstattliche Versicherung zum großen Teil diktiert. Auf Vorhalt erklärt die Zeugin, daß der Graf den größten Teil der Erklärung selbst geschrieben habe. Der Verhandlungsführer weist die Zeugin darauf hin, daß man doch nicht auf eine unwahre Tatsache eine eidesstattliche Versicherung gebe. Die Zeugin erklärt, daß sie bei dem Gespräch garnicht zu Worte gekommen sei, auch sei sie sich der Tragweite der Versicherung nicht bewußt gewesen. Ein Entgelt habe sie von dem Grafen nicht bekommen, nur 1 Mark Reisekosten ersetzt erhalten. Der Vorsitzende konstatiert, daß der Ehemann der Zeugin bis 1907 mit dem Grafen herzliche Briefe gewechselt habe, er habe ihm gewünscht, daß er als tapferer Vater seinen Kindern erhalten bleiben möge, jetzt drehe er die Sache um. Die Zeugin behauptet, daß ihr Mann mit der ganzen Affäre Pfeil nichts mehr zu tun haben wollte, er sei tiefunglücklich gewesen, weil er dem Grafen zu Liebe etwas Falsches ausgesagt hatte. Verhandlungsführer: Trat diese Wendung vielleicht erst ein, nachdem Gräger bei Ihnen war? Zeugin: Nein. Die Zeugin bestreitet entschieden, daß Gräger ihr irgendwelche Versprechungen gemächt habe. Verhandlungsf.: Warum haben Sie nicht beim Grafen die Wahrheit gesagt sondern erst bei Gräger? Zeugin: Weil dieser mich eindringlich gemarnt und der Graf sagte, ich solle schreiben, was er sage. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung stellt der Verteidiger des Grafen Pfeil den Antrag, den Hauptzeugen Zensen wegen dringenden Verdacht des Meineids sofort zu verhaften. Nach kurzer Beratung erklärte der Gerichtshof, daß diesem Antrage vorläufig nicht stattgegeben worden sei, da ein dringender Verdacht des Meineides zurzeit nicht vorliege. Darauf wurden die Verhandlungen auf morgen vertagt. Deutscher Berlin, 25. Februar. Die allgemeine Aussprache über den Etat des Reichsamts des Innern wirt fortgesetzt. Nr. 48. 27. Jahrgang. K uvg. Beyrens(wirtsch. Vg.) trat für das Handwers ein und forderte Maßnahmen gegen die Schmutzliteratur. Staatssekretär Delbrück erklärte, daß die Bekämpfung der Schundliteratur Gegenstand fortgesetzter Beratungen bide. Abg. Liebert(Rp.) sprach über die Lage der Glasindustrie. Abg. Wachhorst de Wente(nat.=lib.) polemisierte, oft von stürmischer Heiterkeit der Rechten unterbrochen, gegen die Konservativen; Herr Hahn vom Bund der Landwirte habe einmal gesagt, er wolle der Nachfolger Bismarcks. werden. Abg. Hahn(kons.) erklärte, er bedauere jetzt, Herrn Wachhorst de Wente in den Reichstag verholfen zu haben; Herr Wachhorst habe sich mit ihm und einem Herrn vom Zentrum sogar gemeinschaftlich photographieren lassen, und jetzt ziehe er solche Saiten auf! Der Redner wies dann ausführlich die Angriffe zurück. Abg. Gothein tadelte unsachliche Ausführungen, besprach dann die Auswüchse des Syndikatswesens und forderte eine bessere Ausbildung des Handwerks. Abg. Dr. David(Soz.) geißelte die Sittlichkeitsrede, des Abg. Roeren. Nach einigen persönlichen Bemerkungen vertagte sich das Haus auf Dienstag: Weiterberatung. Berlin, 25. Februar. In der heutigen Sitzung wurde bei der Weiterberatung des Etats des Ministeriums des Innern das Kapitel„Ministergehalt" bewilligt, ebenso die Kapitel„Oberverwaltungsgericht" und„Versicherungsrevisoren“. Wüster Markt 6-8 Dortmund Comn Nordsternhaus Fernsprecher 3375. eröffnen am heutigen Tage in Interessengemeinschaft mit den Firmen Aloys Kaufmann, Bonn, u. Debüser& Cie., Düsseldorf ein erstklassiges Herren-Schneider-Geschäft — und bitten um wohlwollende Aufnahme ihres Unternehmens. Auf der Brautschau. Humoristischer Roman von Felix Brenta. 23 schweren Gefühl seines Unwerts saß er am „heibtisch, sah der bitteren Enttäuschung ins Auge und late ins Leere. Nach einigen Minuter zog er müde Schubfach auf und griff wehmütig nach einem dicken Schreibheft. deinrich hatte außer anderen altväterischen Gewohnien auch die Schrulle, ein Tagebuch zu führen. Sonwarerweise aber trug er das nicht ein, was er zu A gespeist hatte, oder was sich sonst in seinem äu%A tagsleben für kleine Wichtigkeiten ereignet hat## schrieb allerhand überflüssige Gedanken und Gesein das Buch. Denn sein Herz war oft zu voll, um i zu verschließen, und doch immer zu scheu, sich Foxten über seine Lippen zu wagen. „As er das Buch öffnete, fiel aus den ersten Blätderbar: Lineingelegter Brief in seine Hände, von Kinaue##mt Bleistift mühsam gekritzelt. Es war seine „##tstellerische Leistung gewesen, die ihn in dem hatte Verzen der Mutter großen Beifall gebracht Bube mit Schulferien hatte er damals als siebenjähriger Stur: dem Vater eine dreitägige Reise zu den zwei als ar s. e#tfernt wohnenden Großeltern gemacht, und ken###den Vater an die Mutter hatte einen Brief schreiv## chen, war in ihm dasselbe Bedürfnis erwacht. Alle nen St.) zusammenraffend, die der soeben erklommehingefane einer Schreibkunst entsprachen, hatte er sich Konzens. einen halben mühsam liniierten Bogen ten ha#####pier von oben bis unten mit den beiden Wornarasti; die er schon am schönsten schreiben konnte: 9rad fisch rad fisch rad.“ an isro#en Brief ihres Jungen hatte die Mutter zeugt des Lebensende aufbewahrt und Heinrich war übersichen 2## miit etwaigen jetzigen schriftstellerischen Verauch bei wieder einen solchen Erfolg erringen würde, Ge or sälle uns„ ihm zwar hin und wieder eigenartige Einnem Bu## tat ihm wohl, die kurzen Sprüche in seiihm die g.:2“„esen. Aber er war sich wohlbewußt, daß kkaft fehlte, sie zu literarischen Arbeiten auszuspinnen. Er mußte ein Schulmeister bleiben! Er war ja stolz darauf, einer zu sein und über so viele hellängige Kinderköpfe als Gärtner walten zu dürfen. Wenn nur Thea nicht so verächtlich von seinem Stand und von seiner Armut denken würde. Thea verschmähte ihn. Das tat sehr weh. Und auch Margarete hatte ihm heute nicht beigestanden, obwohl sie das Kätzchen empfangen. Das wunderte ihn. ** * Herr Heuer hatte einen großen Stoß Schülerhefte auf seinem Schreibtisch liegen, die zu korrigieren waren. Er vergaß es. Auch daß er ein glücklicher Mensch war, hatte er ganz vergessen. Ein weiser Mann hätte sich darüber gefreut, die unwürdige Oberflächlichkeit des angebeteten Weibes beizeiten erkannt zu haben. Ein wahrhaft philosophisches Gemüt hätte diese reinigende Enttäuschung still und zufrieden hingenommen. Denn ein Philosoph ist immer ruhigen Herzens. Heinz war jedoch umgekehrt nur dann ein Philosoph, wenn er ruhigen Herzens war; somit allerdings fast immer. Geriet sein Herz aber einmal in Unruhe, dann erwies sich die Philosophie ebenso machtlos, wie sie gegen Zahnschmerzen zu sein pflegt. In Kummer und Schlaflosigkeit wälzte er sich lange auf seinem Lager, und der müde Halbschlummer der Morgenstunden wurde von häßlichen Träumen zerrissen. Als er erwachte, war die Erhabenheit seines Schmerzes einem dumpfen Aerger gewichen, der ihn mit allem unzufrieden machte. Sein blonder Vollbart, dessen Wachstum sich seit dem letzten kühnen Verschneiden wieder ziemlich erholt hatte, war ihm beim Waschen noch nie so unbequem gewesen wie heute. Trotz Heinzes heftigsten Grimassen wollten sich die Haare nicht trocken reiben lassen. An einem Wintersonnabend war die siebentägige Feuchtigkeit und Kühle des von Frau Lichtenburg wöchentlich gereichten Handtuchs immer zum Verzweifeln groß, und Heinz sehnte sich fast nach der Zeit zurück, in der er sich noch allmorgendlich mit einem teilweise sehr scharfen Messer rassiert hatte. Sein Gesicht hatte in jenen Tagen auf beiden Seiten ausgesehen, wie die linke Wange eines Korps=Fuchses nach der ersten Bestimmungsmensur und den schönen Vollbart hatte schließlich die Not geboren, weil der Kandidat die Ausgaben für englisches Pflaster nicht mehr erschwingen konnte. Mürrisch goß er seinen Tee auf, noch ehe das Wasser gekocht hatte, mürrisch trank er eine Tasse, ohne zu merken, daß der Zucker fehlte, mürrisch hielt er seine drei Vormittagsstunden ab und vergaß zur Verwunderung seiner Jugend Lob und Tadel fast vollständig. Um elf Uhr kam er wieder nach Hause und ärgerte sich über den roten Sand, der um eines unerforschlichen Zweckes willen auf die frisch gescheuerte Treppe gestreut war, und dessen rollende Körner dem Aufstieg den Reiz des Lebensgefährlichen gaben, den sonst nur kostspielige Alpenreisen bieten. Seinen häufigen Vorstellungen deswegen hatte Frau Lichtenburg immer mit der Erwiderung begegnet, Sandstreuen auf der Treppe müsse eben sein, es sei sehr gesund, und eine alte ehrliche Frau dürfe solch frommen Brauch nicht vernachlässigen. Als aber der Kandidat eines Tages mit einem ungläubigen„Wieso?“ eine nähere und wirkliche Begründung des Sandstreuens verlangte, da glühten ihre Augen beleidigt, als sei ihr Heiligstes angetastet worden, und mit überlegenem Lächeln fragte sie, ob er denn allen Ernstes Lust habe, in einem Hause zu wohnen, auf dessen Treppe kein roter Sand gestreut sei. Sie selbst sei jedenfalls unfähig eine solche Schande zu überleben. Heute aber ärgerte er sich wieder dermaßen über den frommen Brauch, daß ihn trotz offenbarer Aussichtslosigkeit der tragische Mut beseelte, Frau Lichtenburg um Abstellung dieses verwünschten Unfuges zu ersuchen. Eben kehrte er auf der dritten knisternden Stufe um, da kam ihm der umfangreiche Gegenstand seiner augenblicklichen Sehnsucht, Frau Lichtenburg in Person, auch schon aus der Küche entgegen. Der Zorn, der ihren Busen schwellte, war weit heftiger, als die nörgelnde Unzufriedenheit, die an des Kandidaten nagte, und mit schallender Stimme rief sie Herrn Heuer, ehe dieser noch selbst zu Worte kommen konnte, zum Zeugen der bedauernswerten Lage an, in die sie die Frechheit ihres Dienstboten versetzt hatte. Paula hatte, obwohl sie all ihre Arbeitskraft der Gebieterin schuldete, schon wiederholt das dreiste Verlangen geäußert, einmal der Ausbesserung ihrer Wäsche sich widmen zu dürfen. Frau Lichtenburg hatte sie natürlich mit gebührender Deutlichkeit in ihre Schranken zurückverwiesen. Aber gestern abend war die unverschämte Person so kühn gewesen, nach vollbrachter Tagesarbeit die Treppenlampe mit in ihre Bodenkammer zu nehmen und bei ihrem spärlichen Scheine die halbe Nacht hindurch Strümpfe zu stopfen und Hemden zu flicken. Zu der maßlosen Petroleumverschwendung kam noch etwas Schlimmeres hinzu. Paula hatte natürlich aus Uebermüdung die gewöhnliche Zeit des Aufstehens verschlafen, und weil sie nicht rechtzeitig in der Küche erschien, war Herr Lichtenburg genötigt gewesen, ohne Frühkaffee seinen Morgendienst bei Herrn Raupach anzutreten. „Es hat mir in der Seele weh getan,“ sagte Frau Lichtenburg, die allezeit feuchten Säuferaugen mit dem Schürzenzipfel trocknend,„wie ich heute Morgen mit Peppi im Bett lag, und Vater aufstehen und ohne etwas Warmes im Leibe zu haben, in den kalten Winterhinausgehen mußte. Die faule Schlampe rekelt sich zu lange in den Federn, und der arme alte Mann muß ohne Kaffeefort. Es ist himmelschreiend. Der arme, alte Mann!“ Die dicken Tränen, die jetzt über ihre fetten gelben Wangen purzelten, ekelten Herrn Heuer derartig an, daß er auf seine Klage wegen des Treppensandes verzichtete und unter mißmutigem Gebrumm die Stufen hinaufstieg. Noch ehe ersein Zimmer erreicht hatte, kitzelte der Lärm zweistimmigen Weibergeschreis seine Ohren, das mit plötzlichem Schall aus dem Erdgeschosse emporstieg. Paulas dünne, aber scharfe Schmerzensschreie hielten die Oberstimme, während Frau Lichtenburgs grollende Scheltreden in tiefen Orgelpunkten daherbrausten. Grimmig schrie Heinz eine Bitte um Ruhe in das Treppenhaus hinunter, und als das nichts fruchtete, stürmte er selbst hinab, von der harmlosen Ueberzeugung durchdrungen, Frau Lichtenburg durch die Wucht seiner Erscheinung zum Schweigen zu bringen. Diese hatte der frechen Paula einen mütterlich züche tigenden Rippenstoß versetzt, infolgedessen dem ungeschickten Mädchen ein Topf kochenden Wassers entglitten war und ihr die Füße verbrüht hatte. Leider hatte der Kochtopf dabei argen Schaden genommen, indem an der aufgeschlagenen Stelle außen und innen die Emaille abgesprungen war, und diesem Mißgeschick galt Frau Lichtenburgs lautes Schimpfen. 177,18 In der Debatte kam zunächst die Nordmarkenfrage zur Sprache. Abg. Kloppenburg(Bäne) klagte über Unterdrückung der Dänen. Abg. Dr. Schifferer(nat.=lib.) hielt der dänischen Irredenta ihre Sünden vor. Minister v. Moltke betonte, daß die Regierung von der für gut befundenen Nordmarkenpolitik nicht abweichen werde. Recht interessant wurde die Debatte, als Abg. Freiherr v. Zedlitz(freikons.) das gemeinsame Vorgehen des Zentrums und der Konservativen gegen Minister v. Moltke— nicht bloß in der Broschürenaffäre!— tadelte. Abg. Gronowski(Zentr.) stellte eine solche Verabredung aufs entschiedenste in Abrede, im weiteren Verlauf seiner Rede führte er scharfe Angriffe gegen die Nationalliberalen und behandelte in längeren Ausführungen die Dortmunder Stadtverordnetenwahlen. Nach weiteren Ausführungen der Abgg. Hammer (kons.) und Ecker(nat.=lib.) schloß die Debatte. Persönlich bemerkte Abg. Dr. Friedberg(nat.=lib.), es entspreche nicht den guten Sitten des Hauses, mit Angrifsen herauszukommen, ohne den Angegriffenen voryer in Kenntnis zu setzen, wie es das Zentrum gegenüber den Nationalliberalen getan habe. Die Weiterberatung wurde auf Samstag 10 Uhr vertagt. Aus dem Gerichtssaal. Gewerbegericht Dortmund. Dortmund, 25. Februar. In der gestern unter dem Vorsitze des Herrn Justizrates von Bodecker und unter Hinzuziehung der Herren Oberingenieur Otte, Betriebschef Lichthardt, Schreiner Straßmann und Schlosser Köppelmann als Beisitzer abgehaltenen Spruchsitzung wurde u. a. über nachfolgende Streitsachen verhandelt: Die Pianistin Elfriede Wakter klagte gegen den Konzertunternehmer Heinr. Marzi hier auf Zahlung eines rückständigen Lohnes von 30 Mark. Beklagter behauplete, daß ihm auf Veranlassung der Klägerin von einem fremden Manne eine Trommel böswilligerweise entzwei geschlagen sei; er halte sich daher für berechligt, den Lohn der Klägerin als Schadenersatz einzubehalten. Das Gericht war indes anderer Meinung und verurteilte den Beklagten nach dem Klageantrage. Von dem Kapellmeister Robert Merkert verlangten die Musiker Richard Fischer, Karl Hedrich, Rich. Purfürst und Hugo Stockigt je 15 Mark rückständigen Lohn. Beklagte behauptete, daß er sich zur Einbehaltung vorstehenden Betrages berechtigt gehalten habe, da die Kläger ohne jeden Grund, obwohl sie vertraglich noch bei ihm verpflichtet gewesen seien, die Arbeit niedergelegt hätten. Da nach eigenem Vorbringen der Kläger die Behauptungen des Beklagten bestätigt wurden, erfolgte kostenpflichtige Abweisung der Klage, da Beklagter auf Grund des Paragraphen 124b der Reichsgewerbeordnung zur Einbehaltung des Klageanspruches berechtigt war. Eine 14tägige Lohnentschädiung in Höhe von 48 Mark forderte der Anstreichergehülfe Karl Strömer von der Firma Ore, Auerbach u. Komp. hier mit der Begründung, daß ihn die Beklagte am 10. Januar dieses Jahres ohne vorherige Kündigung sofort entlassen habe. Beklagte wandte ein, daß Kläger vom 8. Januar his 2. Februar krank gefeiert und daß sie sich daher für berechtigt gehalten habe, den Kläger während dieser Zeit auf Grund des Paragraphen 123 Abs. 8 zu entlassen. Im übrigen habe Kläger auch durch seine Unterschrfit anerkannt, daß er bei ihr ohne Kündigung arbeite. Aber auch selbst, wenn Kläger bei ihr eine 14tägige Kündigungsfrist gehabt habe, sei die Entlassung zu Recht erfolgt, da Kläger noch über die gesetzliche Kündigungsfrist hinaus krank gewesen sei. Die Klage wurde kostenpflichtig abgewiesen. Bei dem Konzertunternehmer Josef Werdehausen hatte die Pianistin Elfriedo Walter zwei Tage gearBerliner Berlin, 25. Februar. Das erste Mal ist es, daß ein Präident des Deutschen Reichstages sozusagen in den Sielen gestorben ist, und die auf peinliches Ceremoniell Bedachten mögen in nicht geringer Sorge gelvesen sein, wie alles zu arrangieren wäre. Wie dem auch sein möge, jedenfalls war die allgemeine Teilnahme eine herzliche, denn der joviale Präsident erfreute sich allenthalben hoher Achtung und großer Beliebtheit. Vom Grandseigneur hatte er äußerlich nicht viel an sich, er glich eher einem behäbigem Rentier und bewegte sich stets höchst einfach. Am frühen Morgen konnte man ihn oft trotz seiner hohen Jahre tüchtig Radeln sehen, wenn er nicht einen Selbstfahrer kutschierte. In dem großen Palais, welches in nächster Nähe des Reichstagsgebäudes für dessen Präsidenten errichtet ist, ging es im großen und ganzen recht ruhig zu, nur selten öffneten sich die Prunkräume einem größeren Kreise der Gesellschaft. Gleichwohl aber wird man den Grafen Udo Stolberg nicht so schnell vergessen, er war eine biedere derbe Natur und stand auf jedem Posten seinen Mann. Derbe Gestalten konnte man in dieser Woche zur Genüge auf den Straßen treffen, denn zahlreiche landmirtschaftliche Vereinigungen allen voran der Bund der Landwirte gaben sich wie alljährlich im Februar ein Stelldichein in der Reichshauptstadt. Man sieht sie nicht ungern, denn manchen Talor und manches Goldstück lassen sie zurück, und wer das ganze Jahr über einsam auf seiner Klitsche sitzt, will sich auch einmal amüsieren. Ueberall, wo etwas los ist, steht man sie in dieser Zeit dominieren, in den Restaurants, in den Theatern und nicht zum wenigsten in den unterschiedlichen Nachtlokalen, wo die Welt verkehrt, die sich nicht gerne langweilt. Gänzlich gefehlt haben kräftige Gestalten bei einem Kostümfest, welches dieser Tage der Verein Berliner Künstlerinnen veranstaltete, wenn es vielleicht auch an ründliche Figuren vereinzelt nicht gefehlt hat. Parole bei den Festen dieses Vereins ist siets das Schlagwort: Los vom Manne, und mit Ausnahme der Keilner und einiger Musiker wird kein Angehöriger des stärkeren Geschlechts geduldet; ab und zu schmuggelt sich zwar ein Herr der Schöpsung ein, wenn er aber intdeckt wird, wirder von zarter Hand an die Luft befördert. Männliche Figuren sind allerdings in Masse zu fehen, nur daß zahlreiche Damen ein männliches Kostüm wählen, ein Beweis dafür, daß es so ganz ohne den Mann nicht geht und man sich wenigstens die Illusion schaffen will. Wie es bei Künstlerinnen nicht anders erwartet werden kann, herrscht stets lustige Ausgelassenheit, und sie weiter ärgert, wird sie sich überba### um die Kriminalität kümmern. Dann mögliner zusehen, wer ihnen die Theaterstücke 3u—21 8 Versammlungen überwacht und die Straßen— „ (Am 28.februar wird Ge Suspendierung der Bonner„ Borussen“ " aufgehoben.) Wehe, wenn sie losgelassen! beitet, den Lohn für diese Zeit erhielt sie indes nicht ausbezahlt. Beklagter behauptete, daß mit der Klägerin vereinbart sei, daß sie auch für weitere Tage noch bei ihm beschäftigt werden sollte. Da Klägerin aber nicht wieder gekommen sei, halte er sich berechtigt, obigen Betrag als Schadenersatz einzubehalten. Das Gericht sprach der Klägerin noch 11 Mark zu. Den übrigen Betrag muß sie sich für Unkosten, die dem Beklagten durch ihre Schuld entstanden sind, anrechnen lassen. Von dem Speisewagenkontrolleur Dörsner forderte der Kellner Alfred Rüger 41,55 Mark rückständigen Lohn. Da Kläger im heutigen Termine nicht erschienen war, wurde die Klage durch Versäumnisurteil kostenpflichtig abgewiesen. Der Schlosser Thomas Kleve sorderle von der Firma K. W. Niederhoff eine Lohnentschädigung von 48 Mark wegen rechtswidriger Entlassung. Auch in diesem Falle wurden den Kläger wegen Nichterscheinens im Termin ein Versäumnisurteil erlassen. Handel und Verkehr. Patent=Listen. Zusammenstellung der vom Patentbüro Conrad Köchling, Dortmund, Steinplatz 1., erwirkten mit Einschluß der in den Verbreitungsbezirk der Zeitung entfallenden Schutzrechte der letzten Woche. A. Patentanmeldungen. Windschiefenmeßapparat: Alfrod Plaut, Dortmund. — Bürstenhalter für Kohlenbürsten: M. Vahle, Selm bei Lünen. B. Patenterteilungen: 219925. Vorrichtung zum Freistellen des Schutzgases für Laternen: W. Bentrup, Dortmund.— 219 778. Verfahren zur Gewinnung von Metallen auf aluminothermischem Wege: I. Büchel, Dortmund.— 219950. Als Karren ausgebildete Vorrichtung zum Markieren der Grenzen und der Einteilung von Spielplätzen mit sichtbaren Strichen: A. Deckert=Herne.— 219911. Verbindung der einzelnen Teile von Schüttelrutschen: Armaturen= und Maschinenfabrik„Westfalia“. A.=G., Gelsenkirchen.— 219983, Vorrichtung zum Erweichen und Auffangen der an vertrockneten Oelfarbenpinseln haftenden Oelfarbe in einem luftdicht verauch die Sektpropfen sollen tüchtig knallen— hört man wenigstens Kellner, die man interviewte, behaupten allerdings, das Sekt in„Zivil“ bevorzugt wurde. doch dürfte das nur böse Verleumdung sein, weil der Betreffende nicht genügend Trinkgelder erhalten hatte. Sehr vergnügt geht es auch stets bei einer Festlichkeit zu, bei welcher die Damenwelt gänzlich fehlt, obwohl nur zweierlei Tuch vertreten ist, was doch sonst ziemlich zusammengehört. Es handelt sich um das Fest der Offizieren des Beurlaubtenstandes, dem alljährlich auch der Kaiser beizuwohnen pflegt und wo er sich immer auf das Prächtigste über die Darbietungen amüsiert; leider mußte der Monarch infolge seiner Erkältung fernbleiben, an seiner Stelle war der Kronprinz erschienen, welcher der ihm eigenen Charme lustig im Kreise der Offiziere weilte. Hier sah man Uniformen aus ganz Deutschland, ein überaus buntes Bild, neben den Bayern saß der ostpreußischen Küraftier, neben der hellblauen Husarenattila der dunkle Rock des Seeoffiziers. Man weilt im eigenen Heim, welches man sich am Bahnhof Zoologischer Garten errichtet hat, und welches glänzende, dabei aber doch intime Räume aufweist Kann man sich doch einen solchen Bau leisten, die kameradschaftliche Vereinigung zählt über dreitausend Mitglieder und es sollen nicht die Aermsten darunter sein. Das prächtige Gebäude ist sehr schnell bekannt geworden, da es auch zur Abhaltung anderer Festlichkeiten überlassen wird, wovon bereits in dieser Saifon von zahlreichen vornehmen Korporationen Gebrauch gemacht worden ist.. Die Zeit der Detektivkomödien, welche unter dem Regime Bonn im Berliner Theater wahre Orgien feierte, scheint doch noch immer nicht ganz vorbei zu sein, und die Spekulation auf die Sensationssucht findet nach wie vor ihre Rechnung. Im Neuen Theater gab man eine derartige Komödie die zur Abwechslung einmal einen Ungarn zum Verfasser hat, und war Herrn Molnar, der schon geistreichere Sachen geschrieben hat, gleichwohl aber mit diesem Stück, betitelt„Der Herr Verteidiger“. einen hübschen Lacherfolg errang. Der Titel ist eigentlich falsch gewählt; denn der Held ist nicht der Verteidiger, sondern ein gentleman=Einbrecher, der ihn in Nahrung setzt. Da nun dieser Einbrecher von keinem Geringeren als dem liebenswürdigen Harry Walden dargestellt wurde, gab es einen Sieg auf der ganzen Linie für den sich der Autor beim Schauspielen bedanken kann. Im übrigen aber gehört das Stück keineswegs zu den schlechtesten seiner Art, und wird auch anderwärts eine gute Aufnahme finden. Hatte die rührige Volksoper in der Velle=Alliancestraß; mit seiner Erstaufführung einer Enn'schen Oper einen guten Wurf getan, so hatte sie dieser Tage mit einer anderen Uraufführung weniger Bergwerksgesellschaft„Westfalen“, m. b. H., in Dortmund. Sicherem Vernehmen nach hat Schacht I der Gesellschaft am 9. d. Mts. eine Teufe von etwa 543 Meter, Schacht II eine Teufe von 197 Meter erreicht gegenüber einer Schachtteufe am 8. Februar d. Is. von 455 Meter bezw. 130 Meter. Seit der Ende Dezember vorigen Jahres stattgehabten Hauptversammlung wurde bis zum 9. Februar d. Is. eine Abteufleistung bei Schacht I von 113 Meter und bei Schacht II von 77 Meter erzielt, eine Tatsache, die die Hoffnung auf einen weiteren befriedigenden Fortgang der Schachtbauarbeiten berechtigt erscheinen läßt. Glück, Man gab eine indische Oper von Gustav Laza'us „Mandanika“, zu welcher Julius Freund, der Possendichter, und Verfasser der Metropolstheater=Revuen, den Text geliefert hatte. Dieser war in jeder Beziehung poetisch gehalten, und der Autor zeigte damit, daß er auch in andern Sätteln gerecht ist, leider bot die Musik aber nichts besonderes, sich über das alltägliche Niveau nicht hiaushebendes, und derlyrische Stoff bot zudem keinerlei Gelegenheit zu dramatischen Scenen wie sie für eine Oper unumgänglich erforderlich sind, wenn sie nicht langweilen soll. Gleichwohl muß die Kritik anerkennen, daß sich die Direktion dieses„Opus“ mit Liebe angenommen hatte. Dortmunder Stadttheater. D. El. Dortmund, 26. Februar. „Tuntris der Narr.“ Drama in 5 Aufzügen von Ernst Hardt. Im Jahre 1903 erschien von Hardt ein Drama „Der Kampf ums Rosenrote“ mit dem er sich als dramatischer Schriftsteller einzuführen versuchte— unglücklich und erfolglos— denn es versank trotz schöner Sprache in die Versenkung. Mit„Tantris der Narr“. hat die deutsche Dramenbühne einen beachtenswerten Zuwachs erhalten und da wir in den letzten Jahren wenige Dramen kennen gelernt haben, die in irgend einer Beziehung hätten klassisch genannt werden können, so sind wir jetzt schon für konsequent durchgeführte Dramenthemen, mit guter technischer Behandlung, dankbar.„Tantris der Narr“ ist ein Märchendrama— wirksam auf der Bühne und als Lektüre. Die Aufführung— von Herrn Habermeyur knszeniert— war in Ausstattung einer erstklassigen Schauspielbühne würdig, der Aufführung im Ganzen hat es noch an Idealität hin und wieder gemangelt; so fehlte es im dritten Aufzug an Weihe und Stimmung. Wir müssen es uns heute versagen, dien Inhalt des Stückes wiederzugeben, was in einer nächsten Ausgabe nachgeholt werden soll. Eine vorzügliche Leistung bot wieder Herr Mayr in der Rolle des Tristan und auch seiner Partnerin Frl. Proß kann ich uneingeschränktes Lob spenden. Herr Fischer als König fand den richtigen Ton für einen Menschen, der sich seinen Gefühlsregungen willenlos preisgiebt. Vorzüglich waren auch Herr Binder in der Rolle des Herzogs Denovatin und Klug als Narr Ugrin. Die übrigen Rollen=Die lich unbedeutend sind und den Darstellern i#n genheit zum Hervortreten geben, waren gut besetzt. Das Kostüm des Girten im dritten Aufzugs forderte 2 Noblesse oblige. In Gmunden war mir eine Waschfrau die tat ungemein distinguiert. an dienstb O mei,“ sagte sie,„ma hat dös so in der Natur, wann ma mit dö feinen s. ten ausgewachsen is. Mei Mann war Kammerdiener beim hochseligen Herzog nau Jan land. Maanen S', er möcht, mit Respekt, nehmen? Naa— grad Klosettpapier muß r k. er habg Vermischtes. schließbaren Behälter: W. Kassenbro“, Hüsten a. d. Ruhr. C. Gebrauchsmusteranmeldungen. Bohrer für Gesteinsbohrmaschinen, mit spiralig umlaufenden Rippen: H. Flottmann u. Komp., Herne, — Sammelbehälter für die Aufspeicherung von Abdampf beim Betriebe mit Wärmespeichern: F. Schulte, Dortmund.— Dampfvorbehälter: F. Schulke, Dortmund.— Automatische Flaschenreinigungsmaschine mit Schrott und Nachspülung: Holstein u. Kappert, Maschinenfabrik„Phönix“, G. m. b. H, Dortmund und E. Ludwig, Frankfurt am Main.— Spritzkörper für Schrottspülapparate: Holstein und Kappert, Maschinenfabrik„Phönix“, G. m. b. H, Dortmund, und&E Ludwig, Frankfurt am Main.— Sammelliste für Geschäftsvorgänge: L. Mathias, Dortmund.— Falzziegel für Großpfannendächer: L. B. Müller, Dortmund.— Abnehmbare, allseilig drehbare Abdichtungseinrichtung für Reinigungsstangen: Harpener Bergbau, A.=G., Dortmund.— Vorrichtung zum Entkuppeln von Vieh bei Feuergefahr: G. Schulte und H. Wortmann, Linden an der Ruhr.— Selbsttätige Bienentränke: J. Heitger, Waltrop in Westf.— Flugspiel mit Fallschirm: A. Kempmann, Herne in Westf.— Doppelgriff für Feilen, Raspeln u. dergl.: W. Michels, Schwerte in Westfalen. Aus dem„Ulk“. Im Schmollwinkel. Die Berliner Polizei fühlt sich gekränkt, weil man sie aus dem Rathaus wies. Nie, nie mehr will sie Trier, 25. Febr. Der Wasserstand der Moselu Saar hat seinen höchsten Stand erreicht. Eine# Ueberschwemmungsgefahr scheint somit nicht zu z., hen. Tagegen steigt die Fulda und ihre Nebeniu### stark. Die Niederungen sind überschwemmt. Die 2 daschiffahrt ist eingestellt. Im Ruhrtal uung gesen bei heftigem Sturm ein Wintergewitter niede. Berlin, 25. Febr. Der achtzehnjährige Wellert sprang mit der sechzehnjährigen u. wärterin Berta Bardeleben in selbstmördersichAbsicht in den Lietzensee. Während die Bardelehe ihren Tod in den Fluten fand, konnte Wellen gerettet werden. Oldenburg, 25. Febr. Der dreifache Mörde, Denker hat sein Geständnis, daß er der alleinigTäter sei, widerrufen und hält an seiner ernen Erzählung von den beiden Mittätern fest. Dieser neuen Darstellung ist aber wenig Glauben zu schenken, da die Waffen(Dolch und Beil) und der blutbesudelte Anze ihn als Mörder genügend kennzeichnen. Lemberg, 25. Februar. Im Theaten in Rzeszow wurden infolge von Gae aussrömungen während der Vorstellung vlst. lich 32 Personen ohnmächtig. Unter den übrigen Theaterbesuchern entstand deswegen eine große Panik, welche schließlich durch das Erlöschen Beleuchtung noch größer wurde. Einigen beherzten Personen gelang es später, das Publikum zu beruhigen und die ohnmächtigen Personen aus dem Theaterrann zu schaffen, so daß keine weiteren Unglücksfälle zu verzeichnen sind. Prag, 25. Febr. Vor einem Jahre wurde in der Weinbergen die Beamtengattin Magda Nowot## wenige Tage nach ihrer Hochzeit totaufgefunder Ihr Gatte, der in einem Fabriketablissement in der Umgebung tätig ist, war zur Zeit des Mordes nicht in der Wohnung. Die Recherchen verliefen damals ergebnilos. Nunmehr hat der Mörder Maroch, der zu leben. länglichem Zuchthaus verurteilt worden ist, gestanden daß der Sohn seines Komplizen, der 31jährige Wewoda, die Frau ermordet habe. Wejwoda u#d seine Eltern wurden in Haft genommen. Weiwode leugnet die Tat, doch liegen schwere Verdachtsmioment gegen ihn vorRotterdam, 26. Febr. Der wegen der Wasser not nach Friesland entsandte Berichterstatter eine hiesigen Blattes meldet, daß mindestens ein Fünftel der ganzen Provinz unter Wasser stehe. I vielen Orten können die Deiche den Wasserdruck nicht aushalten, so daß große Katastruphen befürchtet werden. London, 26. Febr. Der Dampfer„Copelau“ kollidierte gestern in der Bucht von Belfast u einem Bagaerdampfer. Der Zusammenstoß## sehr heftig, beide Schiffe legten sich auf die Seite un sanken. Der Kapitän eines Dubliner Dampfer schickte sofort Boote ab, diese rerteten ungeführ 30 Mann der Besatzung des Dampfers„Capeland“. Ein Boot eines anderen Dampfers und das Boot##### Leuchtturmes retteten eine Anzahl Mannschaften Baggers. Fünf Mann sollen errrunken sem. Kalkutta, 25. Febr. Nach einer Drahtmeldung aus Peking setzt ein kaiserliches Edikt den Dalai Lama, der seit dem 12. Februar flüchtig ist, av. und ordnet die Vorbereitungen für die Nachfolge an. Vergleichen mit solchem vom letzten Fredenbaummas kensball heraus. Spielplan von Sonntag, den 27. Februar bis Sonnl## den 6. März 1910. Sonntag, und 3 „Judith“.— drich Hebbel. Abends siebeneinhalb Uhr. Opernpreise. A einstudiert.„Hoffmann's Erzählungen“. Phantaft sche Oper in drei Aufzügen, einem Prolog einem Epilog von Jacques Ofsenbach. Montag, den 28. Februar 1910. Anfang siebenen halb Uhr. Schauspielpreise. Serie A, Nr, grüne Karten. Zum 2. Male,„Trantris der Nd Drama in 5 Aufzügen von Ernst Hardt.— Dienstag, den 1. März 1910. Anfang siebeneich Uhr. Opernpreise. Serie B. Nr. 38, braune ten.„Die lustigen Weiber von Windsor“. Porttez, tisch=phantastische Oper mit Ballet in drei Auf gen von Otto Nicolat. Mittwoch, den 2. März 1910. Anfang stebegriaggt Uhr. Volksvorstellung bei aufgehobenem Abos, ment. Jahreskarten gültig. Volkstümliche Zum vierten Male.„O diese Leutnants“. Lustspiel in 3 Aufzügen von Kart Kraatz. Donnerstag, den 3. März 1910. Anfang halb Uhr. Opernpreise. Serie A. Nr. 41, si. Karten. Engagements=Gastspiel des Ers.n Stelzyk, Wien und des Frl. Alice Gütersloh% seldorf.„Die Hugenotten“. Große Oper m lett in 5 Aufzügen von G. Meyerbeer. Zuz#site Frl. Wally Stelzyk als Gast. Urbain: Frl, Gütersloh als Gast. Freitag, den 4. März 1910. Anfang Uhr. Schauspielpreise. Serie B. Nr, 3¾4, uul Karten. Jum ersten Male.„Das Konzerl, spiel in drei Aufzügen von Hermann Bahr. Sonnabend, den 5. März 1910. Nachmittas“„arse Schülerpreise. Dritte Schüler=Vorstellung, Ei###it Stuart". Trauerspiel in 5 Aufzügen von Flie Schiller.„ 39 Abends siebeneinhalb Uhr. Serie C. A#z#ie rote Karten. Opernpreise. Engagements=0 des Frl. Wally Stelzyk, Wien.„Aida“, Oper mit Ballett in 4 Aufzügen von G. Aida: Frl. Wally Stelzyk als Gest. 64esung Sonntag, den 6. März 1910. Nachmittags=9%.“ gu zu ermäßigten Preisen. Zum letzten Miai“, ai# vollständig neuer militärischer Tutzstgfttisgen v## Herbstmanöver“. Operette in drei Aufzügen Emmerich Kalman..— unweise.„00 Abends siebeneinhalb Uhr. Opernpr##st phar lustigen Weiber von Windsor“. Nom,“## tastische Oper mit Ballett in drei Aufzug Otto Ricolai,„„ Die geehrten Abonnenten werden höflicht„(gral(san ooacht, doß die schte Ahannen!?“ aüme fällig legen. Jg. M überhaupt Dann mögen L. 4### sie se Waschrau Bkrte, Sseser ae e war zwan u R PH. e avier mun er baßgs tes. erstand der Mosel un erreicht. Eine keing somit nicht zu dig und ihre Nebenilhg. rschwemmt. Die sa, Ruhrtal ging ergewitter nieder stzehnjährige Arbenschzehnjährigen u##. u selbstmörderische ihrend die Bardeleben and, konnte Wellen r dreifache Mörde: 5. daß er der alleinige hält an seiner erster ern fest. Dieser neuen en zu schenken, da die blutbesudelte Anzug ichnen. Im Theater folge von Ga# der Vorstellung plöt. ächtig. Unter der deswegen eine große das Erlöschen der de. Einigen beherzten zublikum zu beruhigen ius dem Theaterraun Unglücksfälle zu vern Jahre wurde in der Nagda Rowotn# lotaufgefunder ablissement in der Um8 Mordes nicht in der efen damals ergebnis. Naroch, der zu leben: worden ist, gestanden n, der 31jährige Wehabe. Wejwoda und genommen. Weswon ere Verdachtsmomente wegen der Wasser e Berichterstatter eine bestens ein Fünftel * Wasser stehe. J1 1 W a s s e r d r u c k n i c h t a u s 1 befürchtet werden. impfer„Cobelau“ Bucht von Belfast m der Zusammenstoß m sich auf die Seite und Dubliner Dampfer retteten ungefähr dampfers„Capeland“. ers und das Boot de# ahl Mannschaften? nertrunken sein. er Drahtmeldung aus den Dalai Lama, der st, ab, und ordnet die ge an. etzten Fredenbaummasuar bis Sonntag mittags=Vorstel nfang drei Uhr. fzügen von Frievernpreise. Ner gen“. Phantasitz em Prolog und bach. nfang siebenein ie A, Nr. 40. antris der Nan Hardt. na siebeneinhall 8, braune K## ndsor“. Romor in drei AufzüK leutnants traatz. ung siebenetn: Gei e S esche r. Valers In: Frl, Altwerden Höllichnt, sesag, letzte Abonnemenis Lensie unnd Sonontte Lih Nadekkosen Sitr. A Nur Adlechunggen Soierhosten Juolehlere. Preislagen: Nk. II. 17.— 19.— 21. * 23.— bis 35 Dortmund, Brückstrasse 51. Niederdeutsche Bank Kommandit-Gesellschaft auf Aktien Dortmund. Telephon 281, 282, 283, 284, 285. Grundkapital 12 Millionen Mark. 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I. beginnt die Erneuerung der Versicherung für Dienstboten und alleinstehende Personen auf freie Kur und Verpflegung im städtischen Krankenhause Luisenhospital. Die Bedingungen liegen bei der Stadthauptkasse, Beswordtstraße 2, zur Einsicht aus und werden daselbst mündlich und schriftliche Anmeldungen entgegengenommen. Der Versicherungsbeitrag beträgt für das Jahr 10.00 Mk. und berechtigt zur Verflegung eines erkrankten Dienstboten auf die Dauer von 13 Wochen: Wer mehrere Dienstboten oder dem Kassenzwange nicht unterworfene Lehrlinge hat, muß sämtliche, soweit sie zum Hausstande gehören, anmelden und für sie den Beitrag entrichten, widrigenfalls er jegliche Ansprüche an das städtische Krankenhaus verliert und von der Versicherung ausgeschlossen werden kann. Den bereits Versicherten wird der Versicherungsschein für 1910 in nächster Zeit ausgestellt werden. Dortmund, den 22. Februar 1910. Die Verssaltung des Städt. Krankenhauses Lnisenhespital. Straßensperrung. 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Sie hatte aber eine verhängnisvolle Liebhaberei, die in jeoem jungen Mädchen mehr oder weniger steckt und oft schon in sehr jungen Jahren sich zu zeigen pflegt, bei der kleinen Hulda aber in ganz besonderem Maße vorhanden war: sie las für ihr Leben gern Romane, richtige Liebesromane. Da ihre Gouvernante, eine alte, schwärmerische Dame, eine hübsche Bibliothek derartiger Bücher besaß, so war es Hulda ein leichtes, durch geschicktes, unbemerktes Entlehnen und ebenso geschicktes, rechtzeitiges Zurückgeben diese Lesewut in vollem Maße zu befriedigen. Da aber fast in allen Geschichten ein schönes, junges Fräulein vorkam, und dieses fast immer ein Ideal hatte, daß sie schwärmerisch liebte und anbetete, gleichviel, ob es ein schneidiger„Garbeleutnant“, ein schwärmerischer Privatdozent oder ein flotter Studio war, so sah sich Hulda ganz energischcebenfalls nach einem Ideal um, und iu kurzer Zeit war sie so glücklich, ein solches zu finden. Es war dies Arthur, ein schmächtiger, blonder Junge, der in der Gesellschaft bereits die geachtete Stellung eines Tertianers einnahm. Er ging stets fein und elegant gekleidet, bediente sich im Gespräch meist des Wortes „kolossal“, trug zierlich gescheitelte paare, rauchte öfters Zigaretten, nach deren Genuß er allerdings immer etwas in's Grünliche schimmerte und klemmte sich, wenn er besonders„kolossal schneidig“ aussehen wollte, ein Monocle ohne Glas, dessen sich vermutlich sein Papa in seinen Leutnantsjahren bedient hatten in's Auge, was allerdings nur bei entsprechendem Rückwärtsbiegen des Kopfes und krampfhaftem Zusammenziehen der Gesichtsmuskeln gelang. So sehr er nun aber seinen Mitschülern und sämtlichen„höheren Töchtern in den erstern Semestern" imponierte, so wenig war er der Liebling seiner Lehrer. Uebrigens beruhte das vollständig auf Gegenseitigkeit. Aergerten ihn die Lehrer durch Strafarbeiten und Arrest, so rächte sich Arthur durch schlechte und leichtsinnige Uebersetzungen und möglichst intensiven Unfleiß, eine Rache, die nicht zum wenigsten seinen aristokratischen Prinzizien entsprang, deren Wichtigstes und Einschneidenstes der Satz war: das Lernen ist eigentlich plebejisch; vornehme Jungens brauchen nichts zu können. Und dieser Kavalier war Huldas Ideal. Er hatte sie einmal, als ihr ein Gassenjunge mit Steinnürfen drohte, durch sein rasches Dazwischentreten und seine entschiedene G istesgegenwart gerettet, sie dann nach Hause begleitet, und durch seine glänzende Unterhaltung und sein ganzes Auftreten so zu entzücken gewußt, daß Hulda sich abends mit dem festen Vorsatz zu Bett legte, Arthur zu ihrem Ideal zu ernennen. Seitdem trafen sie sich öfters, meist zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten, und Arthur führte dann die Konversation in so geistreicher und dabei doch schwärmerischer Weise, daß Hulda meinte, sie höre den Helden des jüngst gelesenen Romans„Heiße Liebe“ oder„Prinzessin und Stiefelwichser" sprechen. Ja eines Tages machte er ihr sogar in aller Form einen Liebes= und Heiratsantrag. „Huldo“, rief er und legte seine Hand aufs Herz— freiwillig grifff er dabei an die falsche Seite und etwas zu tief—„Hulda, heute habe ich Ihnen etwas ganz Kolossales mitzuteilen“— sie bedienten sich nämlich immer noch des sogenannten„Sie"=Fußes—„ich liebe Sie nämlich kolossal und will Sie heiraten. Die kolossale Schulplage mit dem ewigen Präparieren und Uebersetzen“ und die Intriguen und Chikanen meiner bürgerlichen Lehrer habe ich ohnedies nachgerade kolossal satt. Bitten Sie Ihren Herrn Papa um seine Erlaubnis und um We ein kolossales Reisegeld; wir ziehen dann nach Nordamerika, wo ich Büffeljäger werden will.“ Nach diesen Worten verabschiedete er sich zärtlich von Huida und ging dann elastischen Schritts zur Nauer des geheimrätlichen Gartens, um dieselbe zu überklettern was jedoch diesmal etwas rascher und weniger elegant von statten ging als sonst, da der alte Gärtner, der ihn in der Dämmerung für einen Obstdieb hielt, mit einem dicken Stock schon bedenklich in seiner Nähe war und die adeligen Hosen auszuklopfen drohte. Fortsetzung folgt. ### Der Geflügelhof. 1/39 Erfrorene Kämme bei Hühnern lassen sich in den Wintermonaten vollständig vermeiden, wenn der Tierhalter dafür Sorge trägt, daß die Tiere ein nur flaches Trinkbecken zur Verfügung haben und ein ebensolches für das Weichfutter Sobald die Hühner die Kämme bei starker Kälte in Wasser oder Weichfutter eintauchen, erfrieren dieselben durch die Nässe und der Frost kann solche Folgen haben, daß die Hühner eingehen, weil ihnen die Kammspitzen abgefallen sind. Außerdem entstehen bei Kälte noch schmerzhafte Frostbeulen, oder die Kämme brechen auf. Kranke Tiere müssen von den anderen abgesondert werden, da sie sich sonst am Kamm von anderen Hühnern picken lassen müssen uno nur Schmerzen erdulden. Betupfen des erkrankten Kammes mit Glyzerin ist lindernd und ein gutes Heilmittel. Der Hühnerkamm wird von anderen Blutzellen durchzogen, und jede Störung im Kreislaufe des Blutes zeigt sich daher an diesem Körperteile am besten. Schwächliche und blutarme Tiere haben blasse, gut genährte und blutreiche Tiere hochrote Kämme. Während der Mauser und im Winter schrumpfen die Kämme zusammen, während sich bei manchen Hühnern die Neigung zeigt, die Kämme auf die Seite zu legen, was sich aber bei guter Fütterung zum Frühjahre wieder ändert. Eine teilweise dunkle Färbung des Kammes bei Hähnen ist eine Folge von Verdaungsstörungen, besonders von Verstopsung. Durch reichliche Grünfütterung beseitigt man das Uebel. Woher kommt die Luftröhren= und Lungenentzündung unter dem Geflügel? Sie hat ihren Grund meist in einer starken Ertältung, doch kann auch das Einatmen scharfer Dämpfe oder eine Ansiedelung von Schimmelpilzen in den Atmungswegen die Krankheit verursachen. Die Freßlust hört bei Beginn der Krankheit auf, der Atem wird keuchend, Kamm und Kinnlappen werden blau, das Gefieder sträubt sich, und die Flügel hängen schlaff herab. Der Ausgang der Krankheit ist meist ein tödlicher und ist deshalb tunlichste Verhütung der Erkrankung durch zweckmäßige Fütterung und Pflege vor allem angezeigt. Bei den ersten Krankheitszeichen bringe man die Patienten an einen warmen, zugfreimn Ort unter und versuche dieselben durch leichtverdauliches Futter(Weichfutter) möglichst bei Kräften zu erhalten; zum Trinken reicht man überschlagenes Wasser, verdünnten Wein oder Milch. Sind Schimmelpilze die Krankheitsursache, dann kann man es mit Einatmung von Teer= und Terpentindämpfen versuchen(einig: Tropfen Teer auf einem heißen Stein oder einen Kaffeelöffel voll Terpentinöl in kochendes Wasser gießen); die Schlachtung der kranken Tiere ist aber, um eine Verbreitung der Krankheit zu verhüten, den Heilversuchen häufig vorzuziehen. ½ In letzter Stunde. Roman von Hugo Ebersbach. 16 „Sie haben früher emmil den Wunsch geäußert, über die beiden Bilder da unten Näheres zu erfahren," nahm nun Farnow das Wort;„hegen Sie diesen Wunsch auch heute noch, so will ich ihn erfüllen.“ „Sie tun's nicht gerne,“ antwortete Hedwig:„Sie sagten damals schon, es seim schmerzliche Erinnerungen. Was aber den Wunsch selbst betrifft, so war er nicht der Neugier, sondern herzlicher Teilnahme entsprungen.“ „Glauben Sie, daß ich daran zweifle? Die Neugier würde ich niemals befriedigen, aber die Teilnahme guter Menschen tut mir wohl. Bitte, zünden Sie die Lampe nicht an, es plaudert sich besser in der Dämmerung, vorzüglich dann, wenn man alte Erinnerungen wecken will.“ „Aber wenn Ihnen diese Erinnerungen unangenehm sind, Herr Farnow, dann—“ „Diese Erinnerungen verlassen mich weder im Wachen noch im Träumen; sie steigen auf, sobald mein Blick auf die Bilder fällt. Und heute abend sind sie lebendiger in mir, denn je zuvor— in Folge der Begegnung mit einem Fremden.“ „Die Begegnung mit einem Fremden?" fragte Friedrich verwundert.„Wenn er Ihnen fremd war, was hatte er denn mit Ihren Erinnerungen zu schaffen?“ „Sein Gesicht erinnerte mich an meine Frau. Niemals zuvor sah ich eine so täuschende Aehnlichkeit. Er ist ein polnischer Graf aus altadeliger Familie. Meine Frau war auch eine Polin. Das mag dieser Aehnlichkeit zur Erklärung dienen. Vor dreißig Jahren war ich ein beneidenswerter Mann. Ich hatte damals ein großes prächtiges Gut in Ostpreußen, eine schöne Frau und einen lieblichen Knaben; ich war gesund und rüstig, angesehen und geachtet: man konnte mich um mein Glück beneiden. Ich nur damals schon ein Büherwurm, ein leidenschaftlicher Aebhaver und Sammler antiquarischer Seltenheiten. Saß ich in meiner Bibliothek, so hatte ich Weib und Kind vergessen— ich lebte nur für meine Sammbungen. Unter solchen Verhältnissen konnte ich es meiner Frau, die ein sehr lebhaftes Temperament besaß, nicht verargen, wenn sie andere Kreise aufsuchte und häufig zur nahen Stadt fuhr, wo befreundete Familien wohicen. Das Kiad war während ihrer Abwesenheit der Obhut einer Wärterin anvertraut, in deren Treue und Zuverlässigkeit wir volles Vertrauen setzten. Fuhr meine Frau gur Staot, so kam sie in der Regel erst spät in der Nacht zurück; sie sand mich dann immer noch in meiner Bibliothek, und jedesmal nach einer solchen Fahrt wußte sie un eine interessante Neuigkeit zu erzählen. So geschah es wieder einmal. Wir hatten ein halbes Stündchen recht heiter mit einander geplandert. dann verließ mich meine Frau. um sich in ihr Schlafzimmer zu begeben. Die Wärterin schlief mit dem Kinde in einem Zimmer nebenan. Meine Frau ging nie zu Bett, ohne zuvor noch einmal bei unserm Liebling gewesen zu sein. Ich hatte meine Lektüre noch nicht beendet, als meine Frau bleich und verstört in die Bibliothek stürzte. Was sir redete, verstand ich fangs nicht; mir klang's, als ob eine Irrsinnige zu mir spreche. Erst allmählich wurde mir klar, daß unser Kind samt der Wärterin verschwunden war. Wir durchsuchten das ganze Haus. Das gesamtte Dienstpersonal wurde geweckt. Seit dem Nachmittag wollte niemand mehr die Wärterin und das Kind gesehen haben. In gewohnter Weise war sie am Nachmittag mit dem Knaben in den Garten und von da vielleicht in den Wald gegangen und seitdem nicht mehr gesehen worden. Es hatte auch niemand daran gedacht, mir davon Anzeige zu machen; die Wärterin konnte ja nach Heimkehr sich mit dem Kinde in ihr Zimmer zurückzezogen haben. Sie war um so weniger vermißt worden, weil sie sich überhaupt von den übrigen Dienstboten sern hielt. Die Sommernacht war hell. Ich sandte alle Leute aus, um nach dem Kinde zu suchen. Meine Frau eilte mit mir in den Wald— wer fanden nicht die Spur, und unserem Rusen antwortete nur ein unheimliches Echo. Auch meine Leute kehrten unverrichteter Tinge zurück. Kind und Wärterin waren spurlos verschwunden.“ Der alte Mann machte eine Pause. Tief aufatmend strich er mit der Hand über seine feuchte Stirn. „Das war ein furchtbarer Schicksalsschlag,“ sagte Hedwig mit gerührter Stimme. „Er vernichtete mein#nu,“ fuhr Farnow sort. „Ich nahm meine Leute nun noch einmal ins Verhör und erfuhr, daß am Nachmittag ein Zigennertrupp— Männer, Frauen und Kinder— Wagen und Pferden an meinem Gute vorbeigezogen war. Eine Zigeunerbande war bei uns eine seltene Erscheinung, aber man sah sie nicht gerne. Die Leute stahlen, wo und was sie nur konnten; sie waren unverschämt und zudringlich. Deshalb behandelte man sie unfreundlich. Sie hatten auch auf meinem Gute betteln wollen, bis in's waren Sie gekommen. Meine Knechte hatten sich ihrer nur dadurch zu erwehren gewußt, daß sie die Hunde losließen. Tabei soll einer meiner Hunde ein Zigennerkind gebissen haben. Ein Knecht behauptete dies, der andere bestritt es. Vietleicht hatten die Zigeuner, die unter Drohungen abgezogen waren, aus Rache das Kind geraubt. Ich machte sofort bei der Behörde Anzeige und setzte auf die Auffindung des Kindes eine hohe Belohnung. Auch ritt ich an der Sp'tze einiger Gendarmen der Bande nach. Wir trafen sie erst am dritten Tage. Das zerlumpte Gesindel trat uns frech und trotzig entgegen. Wir fanden das Kind ni3t. und weder Trohungen, noch es 16,2 Bitten, noch Versprechungen konnten die Elenden bewegen, unsere Fragen nach dem Knaben zu beantworten. Sie wollten oas Kind gar nicht gesehen haben, ja sie verhöhnten uns in jeder Weise; und da wir keine Beweise fanden, konnten wir ihnen nichts anhaben Wir transportierten freilich die ganze Rotte in die nächste Stadt Sie wurden dort noch einmal in strenges Verhör genommen, aber da sie bei ihren Aussagen beharrten und dieselben eidlich erhärteten, mußten sie aus der Haft wieder entlassen werden. Und doch lebt noch heute die Ueberzeugung in mir, daß dieses Gesindel mein Kind geraubt hat“ „Wo aber hätten die Leute das Kind hingebracht?“ fragte Hedwig zweifelnd. „Ich habe seit jener Zeit fast täglich darüber nachgedacht," erwiderte Farnow,„und noch heute weiß ich nicht, was ich meinen soll. Es ist möglich, daß die Zigeuner das Kind in ihrer Rachsucht erwordet haben.“ „Entsetzlich wenn man das glauben müßte!" „Und die Wärterin?“ fragte Friedrich.„Ist auch sie verschwunden geblieben?“ „Nein. Als ich nach Hause zurückkehrte, hatte man sie gefunden. Tief im Walde hing ihre Leiche an dem Ast einer Eiche. Hal sie selbst in der Verzweiflung sich das Leben genommen, oder ist sie ermordet worden?— Gott allein weiß es. Das Gericht, welches sich lange mit der Sache beschäftigte, auch später noch einmal die Zigeuner verhaften ließ, konnte diese dunkle Frage nicht lösen. Ich bot alles auf, um mir über das Schicksal meines Kindes Gewißheit zu verschaffen. Ich besoldete eine ganze Schaar von Polizeiagenten, die ihre ganze Kraft daran setzten, um Licht in das Dunkel zu bringen:— es war alles vergeblich. Und als ein Jahr resultatlos verstrichen war, erlahmten die Bemühungen; man nahm als sicher an, das Kind sei tot Meine Frau siechte langsam hin Sie konnte den schweren Verlust nicht vergessen und trauerte, bis sie, ergeben in den Willen Gottes, in meinen Armen ihre Seele aushauchte. In meinen Adern floß das Blut noch frisch und jugendkräftig, aber mein Haar war silbergrau geworden, und von den Menschen wollte ich nichts mehr wissen. Die Nachforschunigen hatten große Sum men gekostet, do'' Gut war vernachlässigt worden; ic würde es augenblicklich verkauft haben, wenn ich nich immer noch die Hoffnung gehegt hätte, Nachrichten vor meinem Kinde zu erhalten. Zehn Jahre blieb ich noch dort, ohne etwas zu erfahren; dann aber verkaufte ich das Gut, an das so furchtbare Erinnerungen sich knüpften, und ich zog hieher und suchte die Vergangen heit zu vergessen.“ Der alte Mann schwieg. Es war inzwischen dunke geworden. Die Geschwister konnten seine Züge nicht mehr erkennen, aber sie hörten ihn schwer und müh sam atmen.“ „Solche Erlebnisse kann man wohl nie vergessen, sagte Hedwig nach einer langen Pause;„ich fühle es, daf, solche Herzenswunden nur im unerschütterlichen Vertrauen aus die göttliche Vorsehung allmählig vernarben.“ Die Tür wurde leise geöffnet. An der Stimme erkannien die Geschwister den Eintretenden; es war Rudolf Helwig. „Nein. solche Erlebnisse vergißt man nicht,“ erwiderte Farnon mit dumpfer Stimme.„Fragen Sie nur den jungen Herrn, der soeben gekommen ist; er wird bestätigen, daß ich die Hoffnung noch heute nicht auf gegeben habe.“ „H ffnungen, die niemals sich verwirklichen werden,“ sagte Rudolf.„Toktor Leitenring wurde sich ge wiß der Sache annehmen, wenn er nur eine schwache Möglichkeit sähe, sie mit Erfolg durchzuführen. Das Kind ist tot, und selb stwenn es noch lebte, würde ein Aufruf nicht zu seiner Kenntnis kommen. Es ist ja alles geschehen, was geschehen konnte; Mühe und Kosten wären unnütz—“ „Was fragt ein Vater darnach, der sein verlorenes Kind sucht!“ unterbrach ihn Farnow vorwurfsvoll.„Mich wird man niemals überzeugen können, daß ich keine Hoffnungen mehr hegen darf.“ „Sie sagten, der polnische Graf habe so große Aehnlichkeit mit ihrer verstorbenen Frau,“ nahm Friedrich das Wort;„wäre es nicht möglich, daß er—“ „Welche Vermutung!" rief Hedwig erstaunt.„Wenn Graf Krasinski der Fremde ist, so muß man eine solche Annahme als unmöglich bezeichnen. Graf Krasinski ist, wie Frau Helwig mir sagte, ein sehr reicher Herr, und Herr Farnow, behauptet ja selbst, der Graf gehöre einer alten Familie an.“ „Ich denke auch nicht daran, nach dieser Seite hin die geringsten Nachforschungen anzustellen,“ sagte der Antiquar:„es wäre Torheit, auf eine Aehnlichkeit, die— im Grunde genommen,— nichts Befremdendes bietet, Hoffnungen bauen zu wollen. Ich kannte früher schon, als ich noch auf meinem Gute wohnte, eine polnische Familie Krasinski; reich waren die Leute nicht, aber ungemein stolz auf ihren Adel. Ich werde nächstens den Grafen fragen, ob er mit dieser Familie nahe verwandt ist.“ Hedwig zündete die Lampe an und sie erschrak, als sie in das bleiche, entstellte Antlitz des alten Mannes blickte. „Und gesetzt, dier Knabe, der jetzt ein Mann geworden sein müßte, fände sich wirklich wieder:— wie und woran wollten Sie ihn erkennen?“ sagte Hedwig. „Er selbst wird sich seiner Cltern nicht mehr erinnern und die Zigeuner werden schwerlich ihm die volle Wahrheit mitgeteilt haben.“ „Ich würde ihn wieder erkennen," antwortete Farnow mit lebhafter Zuversicht;„in meinem Innern muß ja schon bei der ersten Begegnung eine Stimme für ihn sprechen!“ „Das allein genügt nicht,“ schaltete Rudolf ein, dessen Blick jetzt auch roll warmer Teilnahme auf dem Antlitz des Antiquars ruhte;„das Gesetz würde, andere, triftige Beweise fordern.“ „Auch diese könnte ich beibringen. Das Kind hatte ein Muttermal in Gestalt einer roten Bohne unter dem rechten Arm; außerdem weiß ich noch ein zweites Erkennungszeichen. Als ich mit seiner Mutter mich verlobte, ließ ich zwei Diamantringe anfertigen. Auf jedem Ring umgaben acht kleine Diamanten einen veilchenblauen Amethyst, und jeder Ring trug die Anfangsbu en unserer Namen mit dem Datum unserer Verlobung. Nun war die Wärterin sehr abergläubig, und in einer schweren Krankheit, die das Kind durchmachen mußte, beschwor sie uns, dem Knaben einen dieser beiden Ringe anzuhängen; es sei ein sympatisches Mittel, durch das er wieder genesen könne. Seitdem trug das Kind den Verlobungsring seiner Mutter an einem goldenen Kettchen um den Hals.“ „Dieses Erkennungszeichen würden Sie schwerlich wiederfinden,“ warf Heowig ein;„die Zigeuner werden dem Knaben den wertvollen Schmuck nicht gelassen haben. „Wer kann es wissen! Auch die Zigenner sind abergläübig,“ erwiderte Farnow, indem er sich von seinem Sitz erhob uno den silbernen Zwicker auf die Nase klemmte.„Es sind weniger glaubliche Dinge passiert, und manches dunkle Rätsel ist erst nach einer Reihe von Jahren gelöst worden. Ich weiß, daß Sie Anteil an meinem Unglück nehmen, und ich bin Ihnen dankbar dafür; da darf ich Sie wohl auch bitten, über meine Mitteilungen anderen Personen gegenüber zu schweigen. Ich hasse die neugierign Fragen.“ (Forts. folgt.) EO: 3.—07 C an Smg o 95 PRZSUCUTP #———— *= G0 E—— 16,3 Weshalb Reserveleutnant Striesemann zur Landwehr übertrat Humoreske von Paul Kaldewey. (Schluß. Ja, er versuchte es sogar, die beiden Bücher vor dem Schlafengehen unter oas Kopfkissen zu schieben, jedoch, wir die verdrießliche Stimmung seines Kompagniechefs am nächsten Tage verriet, ohne sichtlichen Erfolg. Desto erstaunlicher für ihn selbst sowohl wie für alle Beteiligten war Leutnant Striesemanns Auftreten während der Felodienstübung. Die vom Major gestellte tacktische Aufgabe löste er geradezu glänzend und erntete dafür vor versammeltem Bataillon ein Lob, das um so nachhaltiger wirkte, weil es das erste und einzige in seinem militärischen Leben war. Von diesem Augenblick an schien der ganze Mann förmlich gewachsen. Seine Haltung wurde straffer, sein Ton lauter und energischer. Im Geiste bedauerte er jetzt, daß die„schönen Tage von Arranjucz nun vorüber“; ja, hätte ihm jemand um seine Meinung auf diesem Gebiete gefragt, er würde Zivilisten höchstens für halbe Menschen ausgegeben haben. Auch den Kameraden gegenüber benahm er sich freier und selbständiger. Ihre Scherze beantwortete er mit gleicher Münze: ja, er eröffnete sogar das Wortgeplänkel, so daß manch einer sich mit fliegenden Fahnen aus der Angriffs= in die Verteidigungsstellung zurückziehen mußte. Nur als Temperenzler blieb Striesemann sich getreu, obgleich man ihm von allen Seiten bedeutete, daß sicherlich heute noch aus dem Saulus ein Paulus würde. Den Abschluß der Uebung bildete nämlich die Einladung des in der Nähe angesessenen Gutsbesitzers Bungert an das Offizierkorps zu einer gemütlichen Boole. Absagen wurden wie der Major ausdrücklich betonte, von dem jovialen Herrn, einem Junggesellen, dessen Keller weit und breit berühmt war, überhaupt nicht angenommen. Was blieb Striesemann da anders übrig, als sich auch einzufinden. Mit dem Glockenschlage acht betrat er den Speisesaal, worin die Kameraden bereits fast vollzählich versammelt waren. Nach flüchtiger Begrüßung durch den Gastgeber suchte er sich dann ein bescheidenes Plätzchen am unteren Ende der Tafel neben den jungen Dächsen des Regiments, bei denen er kein besonderes Interesse für den Nachbarn voraussetzte. Und wirklich, anfangs achtete auch keiner auf den Spätgekommenen. Jeder einzelne war vollauf damit beschäftigt, die herumgereichten Lecke vissen auf ihre Güte zu erproben und die Humpen perlendem Naß auf das Wohl des splendiden Wirkes zu leeren. Immer lauter, immer heiterer wurde die Stimmung, je mehr der Abend vorschritt. Ueber dem Saal lagerte eine dichte Tabakswolke. Die Gesichter der Anwesenden erschienen vom Alkoholgenuß labhaft gerötet, trotzdem schleppten die Diener noch unaufhörlich neue Flaschenbatterien heran. Leutnant Striesemann fühlt sich wenig behaglich in dieser Umgebung. in der er so schlecht hineingepaßt, und mehr wie einmal hat er den kurzsichtigen Blick umherschweifen lassen, um unter den vielen Türen, die der weite Raum birgt, diejenige ausfindig zu machen, durch die er am unbemerktesten entschlüpfen kann. Schon will er sich erheben, als plötzlich die dröhnende Stimme Muthenaus, der in der Nähe des Hausherren sitzt, laut zu ihm herüberschallt: „He,— bester Bungert! Ihre Noblesse in allen Ehren, aber etwas haben Sie doch vergessen!“ „So— was denn?“ „Eine besondere Sirte Schampus! Sie werden ihn allerdings kaum kennen den Rivalen der silberhalsigen Witwe! Heißt„Berolina=Sekt" und kostet die Flasche zehn Reichspfennige.“ „Nana! Wen gelüstet's hier nach solcher merkwürdigen Gabe Gottes?“ „Ach so, Sie wissen wahrscheinlich noch gar nicht, wen wir unter uns haben! Nämlich so Art Säugling, inen Menschen der außer Milch höchstens noch Zitronenlimonade trinkt.“ — mir graut's!“ Gutsbesitzer Bungert hält sich in komischen Entsetzen beide Ohren zu. Diesen Augenblick benutzte Striesemann; um geräuschlos von seinem Platze aufzustehen. Schnell greift er die Mütze vom Nagel und wendet sich zur nächsten Tür. Ohne sonderliche Anstrengungen drückt er den Griff hinunter. Sie öffnet sich und nimmt ihn auf, um gleich wieder hinter ihm ins Schloß zu fallen. Dichte Finsternis umgibt ihn. Mit aller Kraft rüttelt er an der Klinke, jedoch vergebens— sie gibt nicht nach; er tappt mit den Händen um sich und fühlt das kalte Gestein einer Mauer. Barmherziger Gott— wo ist er hingeraten! Seine erregte Phantasie gautelt ihm plötzlich die schrecklichsten Dinge vor. Er sieht sich eingesperrt, vergessen von allen Labenden. Jedoch darf das nicht sein! Jene, die da draußen zechen und pokulieren, während er hier Höllenqualen erduldet, die müssen ihm helfen. Und ungeachtet aller ihm sonst innewohnenden militärischen Tapferkeit schlägt er mit den Fäusten gegen die Tür und ruft um Hilfe. Sekundenlang verstummt drinnen der Lärm, um dann desto machtvoller einzusetzen. Deutlich vernimmt der Geängstigte das etwas quäkende Organ Bungert's, der immer von neuem auhebt: „Tas ist der kapitalste Witz, den ich je erlebt!“ Dabei nähert er sich der verhängnisvollen Tür, öffnet sie und nun bietet sich den Blicken der erwartungsfrohen Zuschauern ein Bild, so eigenartig und so komisch zugleich, daß sie es niemals wieder aus dem Gedächtnis verlieren werden: Striesemann, ihr Kamerad Striesemann, eingeschlossen in einen Wandschrank, den er insolge seiner Kurzsichtigkeit für einen Ausgang gehalten. Verlegen und verschüchtert entsteigt ihm gleich darauf der Pechvogel, begleitet von den jubelnden Zurufen Bungerts und seiner Gäste. Im nächsten Moment aber ist er in Wahrheit verschwunden. Diesmal, um auf sein Zimmer zu eilen und einen Brief zu schreiben— einen Brief, worin er ohne Angabe von näheren Gründen seine Versetzung zur Landwehr nachsucht. Huldas Ideal. Eine wahre Geschichte von Fr. Gl. Sie war noch eine höhere Tochter in den ersten Scmestern, die kleine Huloa, ein recht vornehmes Fräulein mit allen Capricen und Launen einer Dame von Welt und so hübsch unc zierlich, daß selbst der alte Kutscher ihres Herrn Papas sie für„zum Fressen nett“ erklärte, obwohl er sich sonst nur auf Pferdeschönheit und Spirituosen verstand. Wie alle Evastöchter mit hervorragendem Schmeicheltalent begabt, verstand sie es, die Herzen ihrer direkten Vorgesetzten, nämlich ihres Papas, eines jovialen Gebeimrats, und ihrer Gouvernante für sich zu gewinnen und sich auch zum Liebling der