8 15 * 0 —5 00 □ ∆ 6#— 2 9 —* S E.2 — 03— *— 8 5 1 9•— 57 Erscheint täglich Eit Ausnahme der Sonn= und gesetzl. Feiertage. Abonnementspreis Ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage res dom Ssetigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pig. die Post bezogen für 3 Monate 1.50 Mk. Peispunlich, Bikier Sc 2 uzee Vortnuck. Nr. 46. Erstes Blatt. In einheitlicher Schlachtreihe. Seit den Tagen des Septenatskampfes ist die Eriegung über eine Vorlage der Regierung im Volke nich nicmals so stark gewesen wie gegenwärtig über Pahlrechtsvorlage, die das seit 60 Jahren bestekende, längst veraltete preußische Wahlrecht endlich gtändern soll. Freunde des geltenden Wahlrechts sind nur die Konservativen„denen in dieser Frage lle anderen Parteien als Gegner gegenüberstehen. leie Durchführung einer wirklichen Wahlreform sollte lochalb nicht schwer sein, und eine parlamentarische nehrheit müßte sich leicht sichern lassen. Aber leinr ist es bisher nicht gelungen, die Freunde einer nundlichen Wahlrechtsänderung zusammenzuführen i eine einheitlich geschlossene Schlachtreihe. Die Sozialdemokraten veranstalten Entrüstungsversammlungen über Entrüstungsversammlungen und verleihen ihrer Empörung Nachdruck durch die Veranhaltung von Straßendemonstrationen. Auch in den Kwtestversammlungen der Freisinnigen kommt der inville über die völlig ungenügenden Wahlrechtswrschläge der Regierung wirksam zum Ausdruck. Aber mtrum und Nationalliberale, obgleich auch eifge Gegner des elendesten aller Wahlsysteme, stehen mentschlossen beiseite und lehnen es ab, sich an den ntrüstungskundgebungen zu beteiligen. Die Natioilliberalen sind vor einigen Tagen aufgefordert worzusammen mit Freisinnigen und Sozialdemokaten sich an einer großen Kundgebung von Vermutern städtischer Körperschaften und Abordnungen n Lunst und Wissenschaft, Handel und Industrie im Iaus Schumann zu Berlin zu beteiligen. Die Naumliberalen haben diese Einladung aber mit kichicht auf die Zuziehung der Sozialdemokcaten ni Begründung zurückgewiesen, daß sie sich nur n einer Kundgebung beteiligen würden, die von literalen Parteien veranstaltet wird. Diese Haltung Fi Nationalliberalen ist bedauerlich, genau ebenwie das Vorgehen der Sozialdemokraten, die zwar ile Bahlrechtsgegner zur Bildung einer Wahlrechtsauffordern, aber bürgerlichen Parteien ein Zuimmenarbeiten unmöglich machen durch die Vermitaltung von Straßendemonstrationen und Aufstellung von Wahlrechtsforderungen, die sich nicht auf die Enführung des Reichstagswahlrechts beschränken. Kabei ist auch in sozialdemokratischen Kreisen vielfach ri Ueberzeugung verbreitet, daß durch die Straßen #nonstrationen die Durchführung einer Wahlreform erleichtert, sondern erschwert wird, und daß eellends die Inszenierung eines Massenstreiks eine Achlreform auf lange hinaus vereiteln würde. Dieei Ansicht sind, abgesehen vom Reichstagsab. Heisür die meiston Bührar dar Ins#elhemnfratischau(Mo. meisten Führer der sozialdemokratischen Geunder Ta verbunden Lokal-Anzeiger für mit dem Dortmund u. Körde und der täglichen Unterhaltungsbeilage## sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Dortmund, Donnerstag, den 24. Februar 1910. werkschaften, die durch eine Ueberspannung der sozialdemokratischen Forderungen in der Wahlrechtsfrage den Erfolg jahrzehntelanger Arbeit bedroht sehen. Selbst ein Ledebour denkt nicht im Ernst daran, daß in Preußen jetzt mit einem Schlage das Reichstagswahlrecht errungen werden kann. Die Wahlreform, die jetzt beschlossen werden wird, kann nur in einer Abschlagszahlung für die Freisinnigen sowohl wie für die Sozialdemokraten bestehen. Für die Sozialdemokraten kommt überdies die Wahlrechtsfrage im Wahlrechtskampf erst in zweiter Linie in Betracht. Für sie handelt es sich, wie im Zolltarifkampf, in erster Reihe wieder um die Belebung der Agitation und um Gewinnung neuer Anhänger. Der Wahlrechtskampf ist für sie ein Klassenkampf, in dem es ihnen herzlich gleichgültig ist, was schließlich aus dem Wahlrecht selbst wir„wenn nur die eigentlichen sozialdemokratischen Parteiinteressen dadurch gefördert werden. Dr. Leo Arons hat kürzlich in den Sozialistischen Monatsheften einem Zusammenarbeiten der Sozialdemokraten mit allen wirklichen Wahlrechtsfreunden im bürgerlichen Lager wirksam das Wort geredet. Er hat die glatte Ablehnung der Wahlrechtsvorschläge der Regierung gefordert und dem Zentrum, den Nationalliberalen, Freisinnigen und Sozialdemokraten die Annahme einer Resolution empfohlen, die zunächst als Voraussetzung für jede Wahlreform die Einführu g der geheimen Wahl verlangt. Man kann zweifelhaft sein, ob dieser Vorschlag im Interesse einer dringend erforderlichen baldigen Wahlreform liegt. Art. 64 der preußischen Verfassung bestimmt: „Gesetzesvorschläge, welche durch eine der Kammern oder den König verworfen worden sind, können in derselben Sitzungsperiode nicht mehr vorgebracht werden.“ Hiernach würde also die Durchführung des Vorschlags von Dr. Leo Arons den Verzicht auf eine Wahlreform für diese Session bedeuten. Empfehlenswerter ist deshalb der Versuch, die Wahlrechtsvorschläge der Regierung so gründlich umzugestalten, daß unter Einfügung der geheimen Wähl das Privilegierungssystem beseitigt und der Klassencharakter abgemildert wird. Die Wahlrechtskommission ist in diesem Sinne schon verfahren. Eine Uebereinstimmung bei der Aufstellung von Mindestforderungen würde sich gewiß zwischen den Nationalliberalen, Freisinnigen und Sozialdemokraten leicht erzielen kassen. Aber das Zentrum ist eifrig darauf bedacht, es wegen des Wahlrechts nicht mit den Konservativen zu verderben. Obwohl die Zentrumspartei als Anhängerin des Reichswahlrechts den Konservativen in dieser Frage als entschiedene Gegnerin gegenübersteht„wird sie doch alles daran setzen, daß die Konservativen in ihr mehr eine freundliche Helferin als eine erbitterte Feindin sehen.. Die Nationallib. Korresp. hat schon darauf hingewiesen. daß das Zentrum sich wirklichen Verbesserungsvorschlägen gegenüber ablehnend verhält unter Berufung auf die Parole: alles oder nichts. So sind die Hoffnungen nur gering, daß es den Wahlrechtsfreunden noch gelingen wird, sich in einer einheitlichen, geschlossenen Schlachtreihe zusammenzufinden. Ein Versuch aber müßte in letzter Stunde ernstlich unternommen werden. Hier ist eine Aufgabe, deren Erfüllung sich für den freisinnigen Wahlrechtsausschuß lohnte. Er ist in erster Reihe berufen, hier den ehrlichen Makler zu spielen. Carl Kundel. Deutsches Reich. Das Abstimmungsergebnis über die Wahlreformverlage. Das Abstimmungsergebnis über den Kompromißantrag der Konservativen und des Zentrums auf Beibehaltung der indirekten und Einführung der geheimen Wahl gestaltete sich in der Dienstagssitzung der Wahlrechtskommission des Abgeordnetenhauses im einzelnen wie folgt: Gegen den Antrag haben gestimmt die drei Freisinnigen, drei Freikonservative(der vierte fehlte bei der Abstimmung), ein Pole und ein Sozialdemokrat. Die 16 für den Antrag abgegebenen Stimmen bestehen aus den Konservativen, den Nationalliberalen und dem Zentrum. Vier Abgeordnete fehlten. Der Vertreter der Polen nahm die gleiche Stellung ein wie die Freisinnigen; er wandte sich gegen die Verkoppelung von geheimer und direkter Wahl und stimmte dann, als die Mehrheit auf dieser Verkoppelung bestand, gegen den ganzen Antrag. Orinz Joachim nicht— Schmiedelehrling. Die Zeitungsmeldung wonach der jüngste Sohn des Kaisers, Prinz Joachim, augenblicklich bei dem Schmiedemeister Hattendorf in Plön das Schmiedehandwerk erlernen soll, ist, wie das Plöner Wochenblatt meldet vollkommen unrichtig. Ebensowenig ist es richtig, daß der Prinz in Kiel Vorlesungen an der Universität belegt hat und gleichzeitig auch die Prinzenschule besucht. Fürst Bismarck und das Reichstagswahlrecht. In der Rede, die der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Frank am Sonnabend im Reichstage gehalten, hat, erinnerte er u. a. an ein Gespräck zwischen Bismarck und dem Generalfeldmarschall Manteuffel. Es habe sich damals um die Frage gehandelt, ob das Reichstagswahlrecht geändert werden sollte oder nicht. Manteuffel habe bei dieser Gelegenheit zu Bismark gesagt, das kann kein Zivilist machen, daß muß schon ein Militär ausführen. Diese Reminiszenz ist, wie der„Neuen Preußischen Korrespondenz“ geschrieben wird, richtig. Wie Dr. v. Rottenburg erzählt hat, fiel diese Bemerkung bei einem Diner, das bei Bismarck eines Tages in Gastein stattfand, Manteufsel sprach sich damals für die Abschaffung des Reichstagswahlrechts aus mit dem Bemerken,„Das kann kein Zivilreichskanzler machen, dazu gehört ein militärischer Reichskanzler. GeAuf der Brautschau. Humoristischer Roman von Felix Brenta. 20 I. Lam entschloß er sich nach kurzer, aber erschöpfender vbung dazu, sein Abendessen ohne Heidelbeeren zu /8Rhren. Infolgedessen unterblieb auch die geplante #den ung seines Gemütes, und er ging diesen Abend m. Bag)#erbundener Hand, aber bekümmerten Herzens ###mschmerzte die gestörte Freude seiner Jungens n minder, wie das Heidelbeerunglück. Die Meldung #iesem zweiten Zwischenfall noch am Abend der unaim den Eigentümerin der geschliffenen Glasschüssel Bustatten, hatte er uupassend gehalten. erverschob es bis zum Lichte des nächsten Morgens. „„ z. g.#als in seinem Leben hatte Dr. Laue die Gelübde amut, des Gehorsams und der Enthaltsamkeit abschns: machte er keinen Versuch, sich auf die Beal. ra derartiger Tugenden vorzubereiten; er fröhnte auß:dten Lustbarkeiten und die unerlaubten ersich bisweilen selbst. sich nun sein zügelloser Lebenswandel ziemlich g##t vor Herrn Lichtenburgs scharfblickenden AuRol###lelte, so war es kein Wunder, daß dieser oft tungsberich..“ Herrn Raupach durch recht gute FühVeniger über den munteren Referendar zu erfreuen. tigen#. eicht wurde ihm die Erfüllung seiner gleichzeiungebink an a. g gaben im Raupachschen Geschäft, so 1. 8mdert und unverdächtig er auch tagtäglich dort ein= und g# ausgehen konnte. allabendl: ar, daß Herr Lichtenburg, obwohl er schafg eine beträchtliche Menge versiegelter Gezu nach„voll des wichtigsten Inhaltes zur Post trug, Herrn e nicht wußte, wie die geheime Bilanz wunderlich“pachs Hauptbuch aussah; es ist sehr verim Rauu2“ daß er, obgleich er oft Gelegenheit hatte, ehen einen Blick in den mit Gold und dennoch— gefüllten Schrank des Kassierers zu werfen, Raupach: ren darüber blieb, welche Mitgift Herr kutschloßse,„“ etwaigen Schwiegersöhnen auszuzahlen Am sen war. erkwürdigsten aber und geradezu rätselhaft ist es, daß Herr Lichtenburg trotzdem imstande war, Herrn Dr. Laue immer die angenehmsten und beruhigendsten Versicherungen über die Raupachschen Finanzen zu geben. Es erklärt sich wohl nur aus seinem gutherzigen Zutrauen zu der vornehmen und allgemein geachteten Firma; und weil er sich demnach nicht berechtigt glaubte, deren Kredit in des Referendars Augen zu erschüttern, so wurde in diesen Augen auch Herr Raupach täglich würdiger, zum Schwiegervater befördert zu werden. Ob er um Thea oder Margarete anhalten sollte, war Dr. Laue noch nicht schlüssig geworden. Doch hielt er es für unsein, die Wahl der abzugebenden Tochter einfach Herrn Raupach zu überlassen. Ritterlicher schien es ihm, seinerseits den Namen der zukünftigen Gattin auszusprechen, noch ritterlicher aber, die Entscheidung den Damen selbst anheimzustellen, wie das auch von vornherein seine Absicht gewesen war. Zunächst mußte er also den beiden Kandidatinnen seiner Liebe die Möglichkeit geben, den Eindruck seiner Vorzüge wiederholt auf sich wirken zu lassen und zu diesem Zweck besuchte er jeden Mittag vor Tisch die Eisbahn. Ob ihm sein Amtsrichter die förmliche Erlaubnis erteilt hatte, jetzt täglich eine halbe Stunde früher das Gerichtsgebäude zu verlassen, ist fraglich. Gewiß aber ist, daß Dr. Laue auf dem Amt nicht vermißt wurde, und daß die Erledigung der Rechtsgeschäfte auch ohne seine Mitwirkung bis zwölf Uhr ihren vorgeschriebenen Fortgang nahm. Auf der Eisbahn hingegen würde sein plötzliches Fernbleiben von Fräulein Thea sehr schmerzlich bemerkt worden sein. Denn er war ein sehr guter Läufer und was die Erfordernisse der geistreichen Konversation anbelangt, so verfügte er über einen stattlichen Schatz hu moristischer Redewendungen, die seiner Dame zum Teil neu waren, und von denen er daher sehr reichlichen und wirkungsvollen Gebrauch machte. Fräulein Thea erschien leider immer ohne ihre Schwester auf der Schlittschuhbahn. Margarete war zwar eine ebenso eifrige Freundin des Eislaufs; doch betrieb sie diesen Sport erst während der Nachmittagsstunden, obgleich die Bahn um diese Zeit von den Damen der Gesellschaft fast gar nicht besucht wurde und ihren vornehmen Charakter ganz eingebüßt hatte. Sie schämte sich nicht, sich in ihrem Vergnügen von unelegant gekleideten Inserate die S gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Pia. Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Beilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren durch Klage ober Konkursverfahren wird der Radatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie.“ Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann, Dortmund. 27. Jahrg. ben Sie mir Durchlaucht, Ihr Amt für ein halbes Jahr und ich befreie sie von dem allgemeinen Wahlrecht.“ Bismarck antwortete mit gutem Humar: Darf ich auch sicher sein, daß Sie mir nach einem so großen Erfolge auch mein Amt wieder zurückgeben werden?“ Am selben Abend fragte Nottenburg den Fürsten, ob es ihm mit seinen Ansichten in dieser Frage ernst sei. Bismarck erwiderte, daß er in der Tat in der Abschaffung des Reichstagswahlrechts keinen Erfolg zu erblicken vermöge, weil es besser sei, allein schlechten Stoff aus einem Geschwür zutage treten zu lassen, als daß es unter der Haut weiter fresse. Ausland. Oesterreich=Ungran. Budapest, 25. Febr. Die oppositionellen Blätter in Budapest„Pesti Naplo“ und„Egyetertes“ stellen die Reise des Grafen Aehrenthal nach Berlin als eine Reise nalch Kanossa dar, weil es nicht richtig gewesen sei, daß Graf Aehrenthal die Annäherungs= versuche Oesterreich=Ungarns an Rußland ohne die vorherige Zustimmung Deutschlands unternommen habe, wo doch Deutschland aus Bundestreue zu Oesterreich= Ungarn fast seine guten Beziehungen zu Rußland geopfert habe. Dabei herrscht eine innere Befriedigung darüber, daß das ungetrübte Einvernehmen zwischen Deutschland und Oesterreich=Ungarn über allem Zweifel erhaben sei. Afrika. Vor einigen Tagen wurde bekanntlich der ägyptische Ministerpräsident Butros=Pascha Opfer eines Attentats. Butros wurde in Kairo durch sechs Revolverschüsse lebensgefährlich verletzt und ist bereits seinen Wunden erlegen. Der Mörder, ein nationalistischer MohamBürgermädchen umgeben zu sehen oder von stürmischen Jünglingen, die mit vorgestrecktem Oberkörper, eingebogenen Knien und wild rudernden Armen einherfuhren und hin und wieder mit plötzlichem Umschwung leicht auf ihren Schwerpunkt niedersanken. Vormittags aber hatte sie immer irgend einen Vorwand, der sie abhielt, ihre Schwester zu begleiten. Sie behauptete, das Dienstmädchen beaufsichtigen zu müssen, und legte auch selbst in der Küche mit Hand an, kurz, Thea hatte mit ihrer Klage nicht nurecht, daß Margarete sehr wenig Sinn für vornehme Lebensführung zeige. Dr. Laue bedauerte in seinem von Berufs wegen stark entwickelten Gerechtigkeitsgefühl auf das lebhafteste, immer nur ein und derselben Hälfte des mitgiftschweren Schwesterpaares seine Huldigungen darbringen zu können. Aber alle Bemühungen, die beiden Fräulein Raupach zu vollzähligem Erscheinen auf der Eisbahn zu veranlassen, blieben erfolglos, und so kam es, daß Margarete die kostbaren Stunden des Glückes in prosaischer Hausarbeit versäumte, während ihre Schwester und der Referendar die tägliche Gelegenheit eifrig benutzten, um sich gegenseitig Wohlgefallen einzuflößen. Thea fand in seinen formenvollen und sozusagen wohlfrisierten Höflichkeiten eine reizvolle Abwechselung nach den schüchternen Beweisen treuherziger Ergebenheit, die ihr von dem blonden Kandidaten bisher so gut gefallen hatten, und Dr. Laue war mit dem Eindruck, den er merklich auf sie machte, so zufrieden und war auch schon seit ein bis zwei Wochen ihr täglicher Partner beim Schlittschuhlaufen, daß er es geradezu für seine Pflicht hielt, mit einem formellen Besuch bei Papa Raupach nicht länger zu zögern und sein gewinnendes Wesen auch im Familienverkehr leuchten zu lassen. Für den nächsten Tag hatte er der jungen Dame daher sein Erscheinen im Zimmer ihres Vaters angemeldet und Thea war heute in dem angenehmen Gefühl einer sehr nachhaltigen Eroberung nach Hause gekommen. Margarete hatte ihre Mitteilung von der morgen bevorsteher"—..*. Herr daß regte bei beiden Schwestern Freude. medaner, ist der in Kairo ansässige Apotheker Hra rim Wardoni. Der Ermordete, ein Mann von ausgesprochener englischer Gesinnung, war koptischer Christ, er hat sich durch seine Englandsfreundlichkeit den Haß der gesamten mohammedanischen Bevölkerung zugezogen. Der Mörder studierte in Kairo, dann in Lausanne mit wenig Erfolg und erwarb sich in England das Apothekerdiplom um sich in Aegypten niederzuDie Kaffeestunde ließ sich mit dem gutmütigen Kandidaten immer sehr angenehm verplandern, und Thea gefiel sich außerdem in dem stolzen Bewußtsein, jetzt über zwei Verehrer zu gebieten, die sie abwechselnd und bisweilen vielleicht auch gemeinschaftlich zum Hofdienst zu kommandieren gedachte. Margarete freute sich ohne weiteres Nachdenken und ohne nähere Begründung. Als Herr Heuer über die Schwelle trat, kam er nicht allein, sondern in Begleitung eines anderen Wesens, das allerdings nicht über die Schwelle trat, sondern um seiner Zartheit willen von den breitschulterigen Riesen buchstäblich auf Händen getragen wurde. Heinrich erwies dem kleinen Geschöpf diese Gefälligkeit sehr gern, und auf seinen Mienen spiegelte sich das vorahnende Glücksgefühl, mit der Ueberreichung des niedlichen Wesens Fräulein Thea eine große Freude zu machen. Von Anfang an hatte er täglich mit onkelhaftem Wohlwollen das Gedeihen der kleinen Tierchen beobachtet, die Frau Mietze in seinem Kleiderschrank zur Welt gebracht hatte. Frau Lichtenburg hatte alle ihre unbestreitbare Tierschutz=Autorität aufbieten müssen, daß Heinrich das ihm zugesagte und bereits mit dem gelbseidenen Zigarrenbändchen geschmückte Kätzchen nicht etwa vorzeitig von dem mütterlichen Busen riß. Endlich war es entwöhnt, er packte es in einen längst zu diesem Zwecke gekauften Bogen lila Seidenpapier ein, dessen Zipfel er mit zwei ebenfalls gelben Zigarrenbändchen um den Hals zusammenband, so daß nur das gelbe, ein wenig schwarz gezeichnete Köpfchen herausschaute, und barg dann das kleine lebendige Paket unter seinem Ueberzieher am Busen. Auf dem eiligen Wege zum Raupachschen Hause war das Seidenpapier ein wenigverschoben und zerkratzt worden. Im Vorsaal brachte Heuer die zarte Umhüllung noch einmal in Ordnung und als er ins Zimmer getreten war, machte er seine anmutigste Verbeugung und setzte das Tierchen sanft vor Thea auf den Teppich, erwartungsvoll den Ausdruck von Theas Antlitz beobachtend. Das kleine Vieh befreite sich zappelnd aus seiner stimmungsvollen Verpackung und bemühte sich, soweit es seinen jungen Kräften erreichbar war, in allen Stücken ein würdevolles Katzengebahren zu entwickeln. 177.18 lassen. Rei der Verhaftung gestand er den Mord und bekannte sich zur Propaganda der Tat. Die Polizei hat noch 50 Personen verhaftet, die ein politisches Komolott gebildet haben. 35. Generalversammlung der Vereinigung der Steuer=u Wirtschaftsreformer. S. u. H. Berlin, 22. Febrnar. Unter zahlreicher Beteiligung von Wirtschaftspolitikern aus dem ganzen Reiche trat heute hier im Festsaale des Hotels Esplenade die Vereinigung der Steuer= und Wirtschaftsreformer zu ihrer 35. Generalversammlung zusammen. Unter den Anwesenden befanden sich eine ganze Anzahl Parlamentarier, darunter auch der bekannte Abg. Arendt. Der Vorsitzende der Vereinigung Graf Mirbach eröffnete die Beratungen mit einer Begrüßung der Erschieneneneu und führte dann aus: Die Erwartung und die Hoffnung namhafter Politiker der alten Schule, es werden nach dem Abschluß der Kämpfe um die wirtschaftlichen Fragen mehr Raum für die Lösung rein politischer Fragen frei werden, ist nicht in Erfüllung gegangen. Am allerwenigsten kann und konnte diese Erwartung für Deutschland durchgreifen, da auf eine sehr Intensive Entwicklung seines gesamten wirtschaftlichen Lebens schon deshalb angewiesen ist, weil seine geographische Lage die dauernde Erhaltung einer sehr kostspieligen Wehrkraft zu Lande erheischt, zu welcher neuerdings noch die gewaltig gestiegenen Aufwendungen für die Flotte hinzugetreten sind. Dazu kommen die ständig steigenden sehr bedeutenden Aufgaben auf sozialpolitischem Gebiete. Die Kämpfe des verflossenen Jahres auf wirtschaftspolitischem Gebiete bieten kein erfreuliches Bild. Unser gesamter Liberalismus hat es dabei als seine Aufgabe angesehen, nicht sowohl der bedrängten finanziellen Lage des Deutschen Reiches abzuhelsen, als vielmehr wirtschaftspolitische Vorteile dabei für sich herauszuschlagen. Ganz wesentlich haben aber die Verbündeten Regierungen zu den unerfreulichen Vorgängen von 1909 beigetragen durch ihre inkonsequente und zum Teil unklare Stellung zur Frage der indirekten und direkten Steuern. Das Programm Bismarcks war: die indirekten Steuern für den staatlichen Bedarf, die direkten im wesentlichen für die Bedürfnisse der Kommunalverbände. Sein Ideal einer staatlichen Besteuerung war daher: die Gesamtheit der Steuerzahler zahlt im wesentlichen nur indirekte Staatssteuer, lediglich von den Wohlhabenden wird eine direkte Anstandssteuer erhöben. Dieses ideale Steuerprogramm geriet nach dem Ausscheiden des Fürsten cismarck in Vergessenheit. Die direkten Staatssteuern zumal in Preußen erfuhren eine wesentliche Verschärfung. Die Heranziehung der direkten Steuern zu dem Mehrbedarf des Reiches in Gesamthöhe von 300 Millionen jährlich war ein Turchbrechen des Grundsatzes: dem Reiche die indirekten Steuern, den Einzelstaaten die direkten, das entschuldbar gewesen wäre, wenn der wohlhabende Teil der Bevölkerung im Gebiete des Einzelstaates nicht genügend zu den Steuern herangezogen würde, und wenn in den indirekten Steuern der Reichsfinanzreform tatsächlich eine empfindliche Mehrbelastung der ärmeren Bevölkerung läge. Die indirekten Steuern treffen allerdings, wenn man lediglich an die nichtproduktiven, fixierten Existenzen denkt, die ärmeren Klassen etwas höher als die wohlhabenderen. Ganz anders liegen aber die Dinge für die im wirtschaftlichen Leben Stehenden, für die arbeitenden Teile unserer Bevölkerung, die unsere Steuergesetzgebung auch in allererster Reihe zu berücksichtigen bat. Unsere Gelehrten und der überwiegende Teil unserer Staatsrechtslehrer übersehen es ganz, daß die gesicherte Arbeitsgelegenheit gegenüber einer etwas höheren Belastung durch indirekte Steuern doch erheblich ins Gewicht fällt. Das unsere als Schutzzoll wirkenden indirekten Steuern gerade für das wirtschaftliche Wohl unserer Arbeiter viel bedeutsamer sind als für die Arbeitgeber, darüber herrscht heute bis in die Kreise der äußersten Linken, soweit sie ehrlich sind, Uebereinstimmung. An erster Stelle referierte hierauf Prof. Dade Berlin) über die„Einwirkung der vom Fürsten Bismarck im Jahre 1879 inaugurierten Wirtschaftspolitik. auf die Entwicklung der Industrie und des Handels einerseits und der Landwirtschaft andererseits".. Der Redner kam in seinen Ausführungen, in denen er in ironischer Weise gegen den Hansabund polemisierte, zu dem Schluß, daß sich die Wirtschaftspolitik vom Ende der 70er Jahre bewährt habe und daß darum an ihr festgehalten werden müsse. Eine entsprechende Resolution wurde angenommen, mit dem Zusatz, daß die Landwirtschaft auch heute noch einer besonders sorgfältigen Pflege und Fürsorge bedürfe. An zweiter Stelle stand auf der Tagesordnung ein Referat des bekannten Professors Ehrenbery (Rostock) der über„exakte Wirtschaftsforschung“ sprach. Er räumte dem Kathedersozialismus das Verdienst ein, die Massen wachgerüttelt zu haben, aber er habe den Bogen überspannt. Unter dem Schutz der öffentlichen Meinung, unter dem Reichstagswahlrecht sind die Schwachen jetzt die Starken geworden. Leider ist in dem Kathedersozialismus die wissenschaftliche Richtung immer mehr hinter der Politik zurückgedrängt worden. Die Wissenschaft darf aber nicht die Dienerin der Politik sein. Der Kathedersozialismus ging terroristisch vor und verdächtigte die Gegner eines strafbaren Eigennutzes. Solcher Haß ist ein schlechter Ratgeber. Wir brauchen ein starkes Erwerbsprinzip, ein starkes Erwerbsleben für unsere Volkswohlfahrt. Die Wissenschaft muß zurückkommen von der politischen Tendenz und das wieder kann nur geschehen, wenn sie sich eine Methode schafft, die richtiger ist als die bisherige. Redner empflehlt die Wirtschaftslehre und wissenschaftliche Methode Johann Heinrich von Thüngens, in dessen Sinne das Thüngenarchiv in Rostock und das dort gegründete Institut für exakte Wirtschaftsforschung arbeite, und erbittet die Unterstützung der Handels= und Wirtschaftsreformer für seine Arbeiten. In der Debatte wurde den Ausführungen des Redners allseitig Beifall gezollt. Geheimer Kommerzienrat Kirdorf, der bekannte rheinische Großindustrielle legte an der Hand einer Statistik über das Anwachsen des Gelsenkirchener Bergwerks=Aktien=Vereins dar, daß die soztalpolitischen Ausgaben dieses Werkes von 1873 bis zur Gegenwart von 0,77 auf 5,71 Prozent des gesamten Aktienkapitals gestiegen seien. Es gebe kein Land, daß infolgedessen im Auslandmarkte einen so schweren Stand habe wie gerade Deutschland. Eine Forschung, wie sie Professor Ehrenberg beabsichtige erscheine ihm empfehlenswerter als die Methode, politische Ansichten u. Gefühlsströmungen wirksam sein zu lassen. Die Erzielung höchster Leistung sei nur da möglich, wo der Erfolg für die eigene Person in Aussicht steht, nicht bei gleichmäßiger Gewinnbeteiligung aller Arbeiter und Angestellten. In der weiteren Debatte kam Herr v. Frege auf den Mansselder Streik zu sprechen, der ja dank der Halberstädter Kürassiere ohne Blutvergießen zu Ende gegangen sei. Die sozialen Einrichtungen der Mansfelder Gewerkschaft seien vorzügliche. Die Versammlung nahm schließlich eine Anzahl von Leitsätzen an, die sich mit den Ausführungen des Professors Ehrenberg einverstanden erklärten. Lokales und Provinzielles. Dortmund, 24. Februar. — Die Tremonia sitzt fest. Sie weiß in der Frage der vom Zentrum fabrizierten Denunziationslisten unter allerlei faulen Mätzchen nur das zu erwidern, daß das Dortm. Tagebl., das übrigens nicht allein die von der„Trem.“ als unwahr beeeichneten Behauptungen über das Zentrum aufgestellt hat, deswegen keine Berichtigung erhalten habe, weil das Zenrrum nicht gewohnt sei, mit Kanonen nach Spatzen zu schießen. Eine zwar stolze, aber recht unglückliche Ausrede, mit der sich die„Trem.“ aus der Affäre zu ziehen sucht. Um im Jargon der„Trem.“ zu sprechen, ist das weiter nichts als eine ganz gewöhnliche Kneiferei. Wir fragen hiermit die „Tcem.“, ob sie die Stirn hat, zu bestreiten, daß das Herner Zentrumsblatt, der Herner Anzeiger, eine aus den von Parteiwegen geführten Kontrollisten ausgezogene Denunziationsliste aus Dortmund ethalten hat und daß die Liste ihm von einer Parteiinstanz zugesandt worden ist, die sich im Besitze der Kontrollisten befand. Weiter fragen wir die„Trem.“, ob sie zu bestreiten wagt, daß sie mit Veröffentlichung der Namen derjenigen Liberalen, die sozialdemokratisch gewählt haben gedroht hat. Zum dritten fragen wir die„Trem.“, ob sie den Mut hat, zu bestreiten, daß auf dem Delegiertentage des Kreiskriegerverbandes Zentrumsmannen die Maßregelung der Kameraden, die rot gewählt hätten, verlangten. Und schließlich fragen wir ganz ergebenst den großen Zentrumskanonier, ob er uns nicht verraten will aus welcher Druckerei die auf der Rückseite von Akzidenz=Korrekturen getippten Denunziationslisten des Zentrums sogar in Nachbarstädte geschossen worden sind. —* Der Reichstagsabgeordnete Fegter, der morgen abends achteinhalb Uhr in einer von den hiesigen Vereinen der Freisinnigen Volkspartei und der Freisinnigen Vereinigung einberufenem öffentlichen Versammlung im Reinoldushof über die politische Lage nach der Reichsfinanzreform sprechen wird, ist als ein überaus gewandter frischer und derber Redner bekannt und dürfte gerade bei uns in Dortmund den richtigen Resonnanzboden finden. Wir empfehlen unseren Parteifreunden, rechrzeitig im Reinoldushof zu erscheinen. Auf die heute Abend im Reinoldushof stattfindende Sitzung sei hiermit aufmerksam gemacht. — Der Bürgerverein des Westens hält heute Abend Zeinhalb Uhr im Saale des Restaurants Polläck, Humboldtstraße 15, seine Generalversammlung ab, worauf an dieser Stelle mit dem an die Mitglieder gerschteten Ersuchen, recht pünktlich und zahlreich zu erscheinen, aufmerksam gemacht sei. —* Im Verein der liberalen Frauen sprach gestern Abend Herr Redakteur Sonnemann über das Einigungsprogramm der drei linksliberalen Parteien und wies an der Hand der gegenwärtigen Regierungspolitik die Notwendigkeit der einzelnen Programmforderungen nach. Die in Bezug auf die Frauenfrage in das Programm aufgenommenen Forderungen gaben Anlaß zu einer lebhaften Diskussion, da bekanntlich den enragiertesten Frauenrechtlerinnen diese Forderungen nicht weit genug gehen. Den etwa eine Stunde währenden Ausführungen des Redners wurde großer Beifall gezollt. —“ Eine überaus schnell verlaufene Schöffen Sitzung unter dem Vorsitze des Amtsrichters Vehrigs spielte sich am Dienstag hier ab. Nachdem einige wenige von den vielen anstehenden Sachen verhandelt waren, wurde in fast allen folgenden Sachen der Reihe nach der Vorsitzende Amtsrichter Vehrigs von den Anwälten wegen seines Verhaltens den Letzteren gegenüber wegen Befangenheit abgelehnt. Von den einzelnen Anwälten wurde insbesondere vorgetragen, daß der Antrag auf Absehnung u. a. darauf sich gründe, daß von den hiesigen Anwälten das Verhalten des Herrn Vehrigs einem hiesigen Anwalte gegenüber in einer Sitzung der vorigen Woche als eine Brüskierung der Anwälte aufgesaßt werde. Es wurde auch erwähnt, daß sich eine grohe Anzahl der hiesigen Anwälte bei dem Landgerichtspräsidenten beschwert habe. Man darf auf den Ausgang dieser Angelegenheit gespannt sein. —* Die Verwaltungs=Deputation für Straßenreinigung und Beleuchtung beschloß, den städtischen Kollegien eine Erhöhung der Gebührensätze für die Abfuhr des Hausmülles in mäßigem Umfangs vorzuschlagen. Der mit dem Spediteur Wilhelm Hemsoth vereinbarte Nachtragsvertrag wurde genehmigt. Bei Erörterung des Brennkalenders für die öffentliche Straßenbeleuchtung sprach man sich für eine Verbesserung der Straßenbeleuchtung des füdlichen Stadtteils durch Aukstelkung einer Anzahl neuer Gaskaternen aus. In der Franziusstraße Unter der Deusener Brücke sollen drei neu elektrische Glühlampen und kerner follen kn dier Beurhaus=, Duden=, Hohensyburg=, Steinmetz=, sowie Stern= und Wambelerstraße, sodann in der Marienund Milchgasse neue Laternen aufgestellt und die Beleuchtung verbessert werden. — Große Lehrerversammkung. Am kommenden Samstag findet hier eine große Versammlung der vereinigten Gaue der Lehrer des rheinisch=westfälischen Industriegebiets statt, in welcher Landtagsabgeordneter Hoff aus Kiel über„die neue Besoldungsordnung und die Gemeinden“ sprechen wird. —* Pserdemarkt. Der am 2. und 3. März dieses Jahres in Dortmund stattfindende Pferdemarkt beginnt an beiden Tagen um 8 Uhr vormittags und dauert bis 6 Uhr abends. — Technisches Lehrerinnenseminar. Wir ma diejenigen Eltern, deren Töchter Ostern auf das Seminar übertreten sollen, auf die heutige Bekanntmachung aufmerksam, wonach diese Meldungen bis 10. März erfolgt sein müssen. Bei späterer Meldung kann dafür keine Garantie übernommen werden, daß noch Plätze frei sind, da nur 24 Schülerinnen zur Aufnahme in die dritte Seminarklasse gelangen. —“ Der Verein Frauenbildung—Frauener= werb hält, wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, am Freitag, den 25. Februar, nachmittags 5 Uhr in der Kochschule, Ostrandweg 15, eine Mitgliederversammlung ab. Dieselbe wird besonders interessant durch einen Vortrag von Frau Major Gaupp aus Witten über die Gründung einer Abteilung Dortmund des Frauenbundes der deutschen Kolonialgesellschaft. Tieser Frauenbund vesrfolgt den Zweck, die Frauen aller Stände für die kolonialen Fragen zu interessieren, insbesondere deutsche Frauen und Mädchen, die sich in den Kolnieon niederlassen wollen, mit Rat und Tat zu unterstützen und die Fraueneinwanderung in den Kolonien anzuregen. Auch Gäste sind zur Besprechung dieser aktuellen Frage herzlich willkommen. — Polizei=Bericht. In der Nacht zum Dienstag bezw. im Laufe des Montags wurden 9 Personen festgenommen und zwar: 5 wegen Obbachlosigkeit und je 1 wegen Zuhälterei, steckbrieflicher Verfolgung, Ueberweisung an die Landespolizeibehörde und zwecks Unterbringung in Fürsorgeerziehung.— In der Nacht zum Mittwoch bezw. im Laufe des Tonnerstages wurden 9 Personen sestgenommen und zwar: je 3 wegen Obdachlosigkeit und Unfugs und je 1 wegen Umhertreibens, Diebstahls und zwecks Unterbringung in Fürsorgeerziehung.— Der Arbeiter Richard Purrmann, welcher einen Einbruchsdiebstahl bei dem Kurzwarengroßhändler Holländer hierselbst verübt hatte, ist polizeilich festgenommen worden. —* Der Lesesaal der Wilhelm Auguste=ViktoriaBücherei wird nicht Donnerstag, den 24., sondern Freitag, den 25. Februar abends 7 Uhr geschlossen. — Vortragskurse der Wilhelm Auguste=Viktoria=Bücherei.— Der für den 25. Februar angekündigte Vortrag des Herrn Bibliothekar Zimmer über„Aussprache und Phonetik“ kann wegen Erkrankung des Vortragenden erst am 11. März stattfinden. — Regerfest. Gelegentlich des Regerfestes wird der Musikverein ein neues Chorwerk des genialen Meisters, die„Nonner“ mit Orchester zur Uraufführung bringen. —“ Der Einbrecher, der vor einigen Nächten mittels Einbruchsdiebstahls aus dem Kurzwaren=Engrosgeschäft von M. Holländer, Heckenstr. 7, für ungefähr 700 Mk. Waren(verschiedene Arten Messer, Bürsten, Parfümerien, Hosenträger usw.) gestohlen hat, ist jetzt in der Person des Arbeiters Richard Purrmann ermittelt und festgenommen worden. Hattingen, 23. Febr. Heute nachmittag wurde im Gebäude der hiesigen Klosterbank der 25jährige Bauführer Paul Lindemann, der zur Löhnung 7500 Mark abgehoben hatte, von zwei Arbettern holländischer Nationalität überfallen. Der eine versetzte ihm elnen Stich in den Kopf. Lindemann hatte noch soviel Geistesgegenwart, das Paket mit dem Gelde auf eine Treppe zu werfen. In demselben Augenblick stürzte der andere Verbrecher auf ihn und brachte ihm Messerstiche in den Hals bei. Auf das Hilfegeschrei des Ueberfallenen flüchteten die beiden Burschen in ein nahe gelegencs Haus, wo sie von der Polizei überwältigt und verhaftet wurden. Bielefeld, 22. Febr. Die Nationalliberalen werden bei der Ersatzwahl im Wahlkreise Halle=HerfordBielefeld für den von den Freisinnigen aufgestellten Kandidaten Pfarrer Traub(Dortmund) stimmen.— So meldet die Rh.=W. Ztg. Von den Herforder Nationalliberalen haben wir das schon gemeldet. Ob aber auch die Bielefelder sich ihres Abkommens bei der Hauptwahl erinnern, steht für uns noch nicht fest. Hoffen wir das Beste. Bielefeld, 29. Febr. Die Meldung, daß die Nationalliberalen die Unterstützung des von den Freisinnigen aufgestellten Landtagskandidaten Pfarer Traub=Dortmund beschlossen hätten, trifft nicht ganz zu. Im Gegenteil hat ein Teil der Nationalliberalen beschlossen, sich an das mit den Freisinnigen bei der Hauptwahl abgeschlossene Kompromis nicht zu halten und zu ihren alten greunden, den Konservativen reuevoll zurückzutehren. Es wird darüber berichtet:„Der Vorstand der nationalliberalen Partei für Minden=Ravensberg erklärt, daß nach der Vereinbarung vor der letzten Landtagshauptwahl das jetzt erledigte Landtagsmandat für Bielefeld=HerfordHalle der nationalliberalen Partei gehört, und beschließt, an dem vor der Hauptwahl aufgestellten Herrn Meher zu Jerrendorf festzuhalten, wenn die tonservative Partei sich verpflichtet, ihn mitzuwählen. Er fordert die nationalliberalen Wahlmänner auf, geschlossen für den nationalliberalen Kandidaten, Herrn Hofbesitzer Meyer zu Jerrendorf in Theesen zu stimmen.“— Wir haben, durch die Erfahrung klung geworden, befürchtet, daß die Nationalliberalen zum Teil es ablehnen würden, die Konseqnenzen aus dem allgemeinen Kompromiß bei den letzten Landtagswahl zu ziehen und zwar als einer Sucht nach dem freigewordenen Mandal. Was sagt der west#älische Brovinziallandten damn? f. 8. ul. 2. Gummersbach, 24. Febr. Die Verer Versammlungen der Christlia=Sozialen des der Landwirte haben beschlossen. bas###### wahl am 26. Februar für den Zentm#== Stta Oberlandesgerichtsrat Marr einzutreten Köln, 22. Febr. Die Sliegerländer Arbeite. tation, die nach Berlin gereist war, um d.r digen Stellen die Notlage der Siegerlender“ zu schildern, und um Unterstützung zur or. der Notlage zu bitten, erklärt, daß sie gute Aufnahme gefunden hätte. Minister## be seinen Besuch in Aussicht gestellt, um die im Siegerlande persönlich kennen zu lerner Köln, 24. Febr. Weil er das Diplom nicht„ hielt, schoß sich der Handelshochschüler Thomae eines Kölner Restaurateurs, eine Kugel in di. g gegend. Er wurde operiert, starb aber nach keiden. Der Verstorbene war sehr ehrgeizig. ist um so rätselhafter, als das Diplom vorläufia. nen praktischen Wert hat.00 Köln, 24. Febr. Der Rhein steigt insolge der haltenden Regenwetters erneut. Die Kölner## höhe ist auf 4,50 Meter angewachsen. Auch oberrheinischen Nebenflüssen wurde eine Steigerung d. Wasserstandes gemeldet. Die Wechsel des Prinzen Franz Joia von Braganza. Prinz Franz Josef, der Sohn Don Miquelz vn Braganza, ist das Opfer eines englischen Schwinde Konsortiums geworden. Der Prinz hat für siebenenhalb Millionen Mark Wechsel an eine SaphirmingGesellschaft gegeben. Nun erklärte der Prinz, daß säm, liche Wechsel gefälscht seien. Diese Behauptung vich Prinz Frattt Josef v.Braganza ihm aber nicht geglaubt. Einer dieser Wechselschieber, der Engländer Clark, wurde jetzt in Berlin verhaftet. Die bei ihm vorgefundenen Wechsel wurden beschlaznahmt. Bei dieser, für das Haus Braganzah peinlichen Affäre, soll der Bruder des Prinzen, Pin Miquel, welcher sich voriges Jahr mit einer ameritanischen Dollarprinzesskn verheiratet hatte, mit hineingezogen sein. und Verkehr. Westfälisch=Lippische Vereinsbaul Biel Aktiengesellschaft, Bielefeld. Der Abschlutz für das Geschäftsjahr 1909 ergibt einschließlich d### trags aus dem Vorjahre einen Reingewinn vun 603 540 Mark. Der auf den 5. April einzuberufender Generalversammlung wird vorgeschlagen, nach#b schreibung von 20 218 Mark für entstandene Ausfälle, 10000 Mark auf Kontokorrentrechnung vorweg zurück, gustellen, dem gesetzlichen Reservefonds 30000 Mark, dem Spezialreservefonds 20 000 Mark zuzuführen um eine Dividen de von 6 Prozent zur Verteilung zu bringen, so daß nach Bestreitung der Tantieme an den Aufsichtsrat und Vorstand 17·698 Mark zum Vortrag auf neue Rechnung gelangen. Vom Drabtstiften=Syndikat. Die Verandlungen zur Bildung eines Drahtstiften=Syndikatt nd, wie die„Rh.=W. Ztg.“ hört, endgültig abgebreche: worden, nachdem eine Soester Firma neuerdings mu dem Bau eines größeren Drahtwalzwerkes nehs bei und Stiftenfabrik auf den Plan getreten ist ie Verhandlungen des Walzdrahtverbandes drabtstiften=Syndikat beizutreten. Frankfurter Abendborse. Kredit Darmstädter Deutsche Effekten Wechsler Lombarden Allg.. Lokal= u. Straßenbahn Norddeutscher Lloyd Phönix Karlsruher Maschinenfabrik Blei und Silber Licht und Kraft Steaumer romana Chemische Griesheim Aluminium Diskonto Dresdener Staatsbahren Ohio Paketfahrt arpener schweiler ürther Maschinenfabrik otel Frankfurter Hof. adischer Zucker Zellstoff Waldhof einisch=Westfälische Kalkwerte Kleper Tendenz: behauptet. 212,40 137,60 107.45 24.00 158.50 106,20 220,75 218.25 111.20 138,90 140,90 263.00 267.25 197.80 166,50 162,20 115,10 139,00 204,85 204,75 25.00 113.50 179.50 280.00 162.00 377,10 Laut Frankfurter Zeitung ist die„P cetzte Cele G. für Bergbau und Hüttenbetrieb, in B Mitte des Jahres gut beschäftigt. Auch vin## aer hunge Büch ote. 5. I 1 v. 23. Febi. der Enlel des eätie Tagen mit seine ug i# Berlin erwarte kesation zu unterziehen Vu. Bestrechtsdemonstratt Istatlurt a. M8.1 Albagokmntte verkündet Eserlegung für bei ##i## erfolgt, da viele# ait Entlassungen, droh Ea S S fäch bis Mitte des Jahres gut beschäftigt..— giabdie bisherigen Preiserhöhungen namentlich n„ eisenblechen und Drabtwaren höheren Gewinn““ ersten Halbjahr. Der Semesterabschluß wird nächsten Zeit dem Aufsichtsrate vorgeleat## uu in weist zwar eine Ueberschußsteigerung auf, die u., Rahmen der bisher bekannten Ziffern der““ Monate bewegt, doch wird eine erhebliche Jtz nal der Ueberschüsse erst im zwweiten Semester erwat“ uu von da ab erst De Aufbesserung. der Erlol mi firken beatnnt. Neuer türkisch=bulgarise „sis, 28. Febr. L###osen den bul us in der Nähe von Te Ech zu entwassnen, und ##r. Der bulgarische Po nehesener nahm an uuf die benachbarten hu nien. Gestern wurde bumen, wobei die Tür kwendeten. Abends zufolge sind bei de Grenze bei Tamra pervoral und ein #u, 24. Febr. Ein einem Redakteur de kürkei Griechenland kei ##lleihre Kräfte mnsten, dort sei di ssebernichtet wer ia entwickeln solle. 3 ### eine halbe Milli und in der Lage sein, Das Befinden Wien, 24. Febr. In Dr. Lueger ist auch — Abends keine A. Eiden hat keine Verschl Iiland nach wie vor nicht, eine Prognos tellen. Gründung einer neuen #onstant in opel nuen Volkspartei im äirchlichen Strömung nedanischen Bevöl! brachte die„Deni C gegen die türkische Schellfisch, Scholle, Knurrhah Rotzunge Seezung Feinst. g Gröss Fleckheringe Bücklinge 3 vi. Glase sucht ür. Haase Rottstraße 3 Pehed giehere sie Auschlä und wlchirnt Römuert K 4250.E Rie-ct!? ossen, bei ander Arbeiterd. ;, um ber u tzung zur daß sie aue 9 tellt, um die No#. en zu lernen Diplom nicht Kugel in die so iplom vorläufig### infolge des au Die Kölner PealLch mit e eine Steigerung ds n Franz Joial iza. n Don Miquels un englischen inz hat für siebenein eine Saphirminnder Prinz, daß sämtese Behauptung wir dieser Wechselschieder, in Berlin verhaftet. chsel wurden beschlazaus Braganza höh r des Prinzen, Prim hr mit einer ameritet hatte, mit hinesnVerkehr. e Vereinsbanl. feld. Der Abschluf einschließlich des## n Reingewinn vun lpril einzuberufenden seschlagen, nach entstandene Ausfälle, nnung vorweg zurück, zfonds 30000 Mark, Nark zuzuführen und ent zur Verteilung ing der Tantieme an 698 Mark zum Vorndikat. Die Verdrahtstiften=Syndikatt endgültig abgebrechen Firma neuerdings marahtwalzwerkes nebst en Plan getreten ist. drahtverbandes un rschlagen, da dieselbe " Unter diesen Umes abgelehnt, einen dborse. Telegramme. unge Fürst Otto v. Bismarck nierenkrank. Der junge Veie .(is 22 Febe. Der 12jährige Fürst Otto von Bei!!“# Enkel des Altreichskanzlers, wird in Tagen mit seiner Mutter, aus der Schweiz in Perlin erwartet, um sich einer Nierenson zu unterziehen. wahlrechtsdemonstrationen in Frankfurt a. M. zrrurt a. M., 25. Febr. Die von der " verkündete allgemeine Arbeitsjung für heute mittag ist nur teilerfolgt, da viele Industrielle sich widersetzten Enklassungen drohten. Um 4 Uhr wurden 67 4 sran lelbernoekmtie # aufgestellt, die jede Zugbildung verhindern und nung vermeiden sollen. neuer türkisch=bulgarischer Grenzzwischenfall. 2. Febr. Vorgestern griff der türkische ###en den bulgarischen Posten bei *„ in der Nähe von Tamrasch zu dem Zwecke an, „m entwaffnen, und eröffnete gleichzeitig das „ Der bulgarische Posten erwiderte dasselbe. Das „rreuer nahm an Umsang zu, da die Türken die benachbarten bulgarischen Posten das Feuer mu. Gestern wurde das Feuer wieder aufen, wobei die Türken auch Artillerie #erdeten. Abends fand die Plänkelei ein Ende. mfolge sind bei dem Zwischenfall an der bulGrenze bei Tamrasch auf türkischer Seite T##voral und ein Soldat gerotet worden. u. 24, Febr. Ein hoher türkischer Staatsmann einem Redakteur des„Corriere d' Italia“, daß zurlei Griechenland kein Haar krümmen werde, sie geihre Kräfte gegen Bulgarien kondort sei die Gefahr. Bulgarien severnichtet werden, wenn die Türkei leben ic entwickeln solle. In einigen Wochen werde die eine halbe Million Soldaten zusammen und in der Lage sein, ihre Pläne zu verwirklichen. Das Befinden Dr. Luegers. Wien, 24. Febr. Im Befinden des BürgermeiDr. Lueger ist auch im Laufe des gestrigen Taund Abends keine Aenderung eingetreten. Das iden hat keine Verschlimmerung erfahren, doch ist Zuland nach wie vor gefahrdrohend. Die Aerzte nicht, eine Prognose über 24 Stunden hinaus Wolen Gründung einer neuen Volkspartei in der Türkei. konstantin opel, 24. Febr. Die Gründung nuen Volkspartei im Parlament hängt mit der ürchlichen Strömung eines Teiles der gebildeten nedanischen Bevölkerung zusammen. Vor kurbrachte die„Deni Gazette“ einen scharfen Argegen die türkische Geistlichkeit, die behauptet, oaß die Verfassung auf dem Koran fuße. In Wirklichkeit sagt das Blatt, seien Verfassung und Koran unvereinbar miteinander. Gegen diese Ansicht von der Unvereinbarkeit richtet sich die neue Volkspartei, die damit festen Fuß in den breiten mohammedanischen Schichten gefaßt hat. Zu den Streikunruhen in Philadelphia. Philadelphia, 2d. Febr. Zu den Streilunruhen wird gemeldet, daß die Ausschreitungen der streikenden Straßenbahner und des Mob zunehmen. Während der letzten Nacht waren 3000 Polizisten kaum imstande, die wütende Menge zu zügeln und die Ruhe einigermaßen aufrechtzuerhalten. Die Stadtverwaltung hat die Militärbehörde um Unterstützung ersucht, worauf 3000 Mann der Staatspolizei nach Philadelphia berufen wurden. Der Anblick des Militärs steigerte jedoch nur noch die Wut der Menge. Mehrere heftige Zusammenstöße zwischen beiden fanden statt, in denen das Militär von Bajonetten Gebrauch machen mußte. Ein regelrechter Straßenkampf zwischen den Streikenden und der Polizei entwickelte sich im deutschen Viertel. Im Verlaufe dieser Kämpfe wurde ein Mann getötet, während vier andere schwere Verwundungen davontrugen. Die Geduld der Sicherheitsbeamten ist erschöpft. Die Polizei ist im Laufe der letzten Tage so oft schwer bedroht worden, daß sie jetzt ihre Stöcke mit derselben Rücksichtslosigkeit gebraucht, wie die Angreifer ihre Waffen. Bisher wurden von den Polizisten nur Schreckschüsse abgegeben. Da diese jedoch bereits ihre Wirksamkeit verloren haben, stehen ernste blutige Straßenkämpfe bevor. Die Führer der Streikenden sitzen im Gefängnis. Die wenigen Straßenbahnwagen, die in der Stadt zum Transport der Polizei und des Militärs verkehren, sind gestürmt worden. Etwa 50 Polizisten wurden bei diesem Kampf in den Straßenbahnwagen schwer verwundet. Die Wagen wurden vollständig zerstört. Die Eisenbahner drohen, jeden Wagen, der durch die Stadt fährt, durch Dynamit in die Luft zu sprengen. Um zu beweisen, daß es ihnen mit ihrer Drohung ernst ist, haben sie einen Straßenbahnwagen bereits in die Luft gesprengt. Zum Glück war er unbesetzt. Die Verhaftung des Streikführers Pratt veranlaßte den Ausstand aller Gewerkschaften. Es befinden sich zurzeit 120000 Arbeiter im Streik. Die Miliz ist vor der Hand zu schwach, um Gewalttaten zu verhindern. Einladung zu einer Sitzung der Stadtverordnelen auf Montag, den 28. Februar 1910, abends 6 Uhr, im Stadtverordneten=Sitzungssaal. Tagesordnung: 1. Wahl dreier Stadtverordneten zu Mitgliedern des Vorstandes des Dortmunder Wohltätigkeits vereins (Korporation) auf die Dauer von sechs Jahren. 2. Wahl eines Mitgliedes der städtischen Kommission für Bibliotheks= und Lesehallen=Angelegenheiten als Ersatz bis Ende 1911. 3. Wahl eines Mitgliedes der Baukommission an stelle des Herrn Stadtverordneten Asemann, der die auf ihn gefallene Wahl nicht angenommen hat, bis Ende 1911. 4. Wahl eines Mitgliedes der gemischten Komslon zur Prüfung der Frage der Neuordnung des höheren Mädchenschulwesens usw. 5. Vornahme von Ersatzwahlen zu verschiedenen Deputationen und Kommissionen anstelle des verstorbenen Stadtverordneten Berninghaus. 6. Beschlußfassung gemäß Paragraph 21 Absatz 2 der Städteordnung über eine außergewöhnliche Wahl zum Erastz des durch den Tod ausgeschiedenen Mitgliedes Berninghaus. 7. Abnahme der Jahresrechnung der städtischen Sparkasse und deren Reservesonds für 1908, abschließend in Einnahme mit 40 713713,09 Mark, in Ausgabe mit 40 470 434,23 Mark, mithin mit einem Bestande von 243 278,86 Mark und 29 692,66 Mark Einnahmeresten, nachträgliche Genehmigung einer Ueberschreitung von 10 158,99 Mark sowvie Entlastung der Rechnungsleger. 8. Antrag des Magistrats— 10., 8865—. für die Verbesserung der Heizungsanlage im alten Bau des Realgymnasiums nachträglich die Summe von 400 Mark zu bewilligen. 9. Antrag des Magistrats— 4 a, 18 924—, seinem Beschlusse vom 25. Januar dieses Jahres betr. Heranziehung der bevorteilten Anlieger der Eisenmarkt straße zu den Beiträgen der Kosten der Erbreiterung dieser Straße zuzustimmen. 10. Antrag der Magistrats— 4a, 1524—, der unentgeltlichen Rückauflassung der Grundstücke Flur 67 Nr. 24 und 19 an die Dortmunder Hansabrauecei, Aktiengesellschaft, zuzustimmen. 11. Antrag des Magistrats— 4a, 1830—, für die jetzt erforderlichen notwendigsten Arbeiten in den Westerholzanlagen 1000 Mark zu bewilligen. 12. Antrag des Magistrats— G. St. 3. 1727 —. die vorliegende Biersteuerordnung zu genehmigen. 13. Antrag des Magistrats— G. St. 2, 531 —. der vorliegenden abgeänderten Wertzuwachssteuerordnung zuzustimmen. 14. Antrag des Magistrats— G. St. 3, 1284 —. seinem Beschlusse zuzustimmen, wonach das Warenhaussteuersoll für 1910 wie i. J. 1909 Verwendung finden, d. h. den Gelverbetreibenden der Klassen 3 und 4 zu Gute gerechnet werden soll. 15. Geheime Sitzung(5 Sachen). Dortmund, 22. Februar 1910. Der Stadtverordnetenvorsteher: Tewaag. Standesamts=Nachrichten. Dortmund 1. Vom 25. Februar. Geburten. Ein Sohn: Schlosser Kersten, Kesselstraße 77. Schieferdecker Balkenhol, Königsbergerstraße 2. Lehrer Papenheim, Hagenstraße 34. Rangierer Diecknaite, Langestraße 18. Hochofenarbeiter Kap tus, Adlerstraße 88. Bergmann Hark, Schillerstraße 71. Wirt Redder, Königswall 56. Zimmermann Heidecke, Blumenstraße 20. Eine Tochter: Schlosser Laubert, Werkstattstraße 3. Gichtmeister Iyrski, Huckarderstraße 13. Schlosser Linnhoff, Barmerstraße 21. Arbeiter Kubacki, Fichtestraße 3. Reisender Reinhardt, Gerberstraße 17. Aufdebote: Bauführer E. Sczvarze und Olga Korff. Bahnarbeiter L. Braun und Elisabeth Sieke. Eheschließungen: Zuschläger P. Struik und Heika de Boer. Bergmann Theodor Iffarth und Theresia Krall. Sterbefälle: Ehefrau Elisabeth Albracht, Möllerstraße 25. 47 Jahre. Elisabeth Jakobi, Kirchenstraße 1, 1 Jahr. Minna Tilli, Schützenstraße 105, 4 9Jahre. Ehefrau Katharina Stein, Gnadenort 14, 40 Jahre. Ehefrau Maria Kirtz, Kuhlmannstraße 6, 32 Jahre. Dortmund 2. Vom 25. Februar. Geburten. Ein Sohn: Bergmann Slodowicz, Stuhlwerkstraße 57, Kaufmann Witteborg, Mühlenstraße 9. Bergarbeiter Gamann, Bornstraße 212. Werk meister Frohne, Kronprinzenstraße 100. Eine Tochter: Oberpost=Assistent Schönselder, Kielstraße 6R Hülfsweichensteller Moysig, Bornraße 250. Fuhrmann Spenner, Andreasstraße 10. Kesselschmied Drews, Ste““ ws, Stahlwerkstraße 19. Aufgebote: Bergmann A. Becker, und Luise Horst. Anstreicher A. Werner und Maria Podschadlt. Oberlehrer Regierungsbaumeister H. Bohde und Elisabeth Franz. Eheschließungen: Eisenwerkarbeiter F. Gorny und Josepha Stachowski. Sterbefälle: Paul Szymanski, Kamenerstraße 26, 1 Monat. Ehefrau Karoline Beher, Feldstraße 44, 39 Jahre. Kaufmann Louis Goldhagen, Burgholzstraße 150, 54 Jahre. Witwe Henriette Herberg, Lübeckerstr. 1d. 51 Jahre. Maria Drews, Stahlwerkstraße 19, 1 Tag. Olympia=Theater. Versäumen Sie nicht, sich das glänzende Februar=Programm anzusehen, welches nur noch wenige Tage zur Aufführung gelangt. Les 5 Alex, die Matadore der Luft, die Londoner Sensation Globe ob Life, Bellonis Kakadus als Kunstradfahrer und das übrige Programm sind Sensationen, die man sonst nur in Weltstädten zu sehen bekommt. Deutsche Dampffischerei Nordsee“ Gerberstrasse 1—9. Rheinischestrasse 10. Frische Fische Schellfisch, ff. großer Pfd. 45 Pf. „ ff. mittel Pfd 45 Pf. „ ff. kleiner Pfd. 22 Pf. Scholle, große. Pfd. 55 Pf. Knurrhahn..„ Pfd. 24 Pf. Goldbarsch... Pfd. 22 Pf. Rotzunge„.. Pfd. 68 Pf. Sezunge... Pfd. 180 Pf. Feinst. gefr. Zander Pfd. 80 Pf. Lebende Karpfen Pid. 100 Pf. Lebende Schleie Pid. 180 Pi. Steinbutt, ff. großer Pfd. 180 Pf. Steinbutt, ff. mittel Pfd. 140 Pf. Im Schnitt: Schellfisch... Pfd. 42 Pf. Cabliau.... Pfd. 25 Pf. Lengsisch... Pfd. 23 Pf. Austernfisch(z. Backen) Pfd. 45 Pf. Lachs(Salm). Pfd. 125 Pf. Heilbun Pfd. 130 Pf. Marinaden Pfd.=Dose (aur feigste Qualitäten) Rollmops Pfd.=Dose Hering in Gelee 8 „ 50 50* „„ 2 Makrelen in Gelee 8 Senfheringe" 8 „ 4 „ 2 Pfd.=Dose Pfd.=Dose 2.30 1.40 1.00 0.75 3.80 1.90 1.10 0.80 0.50 2.20 1.20 0.80 3.60 2 60 1.60 0.90 Bismarckheringe 16 „ 8 „ 4 „ 2 Bratschellsisch 16 „ 8 „ 4 Bratscholle 8 Schellfisch in Gelee 8 Fischsülze 10 Fischkotelettes 16 8 „ 4 Krabben in Gelee 8 4 Pfd.=Dose 4.00 Pfd.=Dose 2.10 „„ 1.20 „„ 0.80 „ 2.90 „„ 1.60 1 00 1.50 „„ 2.50 „„ 8.60 Psd.=Dose 2.50 „„ 1.50 „„ 1.10 „„ 4.50 „„ 2.50 Möbel Kleider-, Spiegel-, Bücher- u Küchenschränke, Schreib-, Zug- u. Salontische, Vertikors Büfetts, Sofas, Divans. Chaiselongues, Trumeaux, Uhren, Teppiche, Spiegel Anzah un v. 3 k.an. Herren- Anzüge, Paletots DamenKostüme, Jacketts, Röcke Blusen, Pelzkragen Anzahlung von 3 Mk. an. Grösste Auswahl in Räucherwaren eigener Fabrikation. Lachsheringe Stück 15 Pfg. Fleckheringe Stück 10 Pf. Makreienbücklinge Stück 10 Pf. Echte Kieler Sprotten ¼ Pfd. 30 Pf. 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Die Abrechnung liegt vom Tage der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung ab 14 Tage lang in unserem Tiefbauamt Kleppingstraße 27, Zimmer 258, zur Einsicht auf. Dortmund, den 19. Februar 1910. Techn. Lehrerinnen-Seminar Ich mache darauf aufmerksam, daß ich Plätze für einheimische Schülerinnen, die das Seminar von Ostern ab besuchen sollen, nur bis zum 10. März freihalten kann. Nach diesem Termine erfolgt die Aufnahme der von auswärts Angemeldeten. Prospekte sind in meinem Dienstzimmer zu erhalten. 352 Dornheckter. Stadtschulrat. Städt. Realgymnasium zu Dortmund. Beginn des neuen Schuljahres Mittwoch, d. 13. April 1910, morgens 8 Uhr. Beginn der Aufnahmeprüfung am Dienstag, den 12. April 1910, morgens 8 Uhr. Anmeldungen für die beiden unteren Klassen nimmt der Direktor bis zum 10. März persönlich und schriftlich für die weiteren Klassen schriftlich, bis zum 8. April, am 9. und 11. April von 11½—1 Uhr persönlich im Anstaltsgebäude(Luisenstraße 16) entgegen. Anmeldescheine sind beim Schuldiener zu haben. Bei der schriftlichen Prüfung ist das Abgangszeugnis der zuletzt besuchten Schule vorzulegen. Dr. Auler, 800 Realgymnasialdirektor. Stadttheater Donnerstag, den 24. Febr. 1910 A. 39. 7½—10¼. Opernpr' Die lustigen Weiber Vi von Windser. Romantisch-phantast. Oper mit Ballett von Nicolai. Freitag, den 25. Februar 1910. R. 27.7¼-10 1. Schauspielpr. Tantris der Narr. Drama von Hardt. Verein 320 Frauenbildung Fraueneroierb Freitag. 25. Febr nachm. 5 Uhr Kochschule Ostrandweg 15. Tagesordnung: 1. Vortrag von Frau Major Gaupp, Witten über Gründung einer Abteilung Dortmund des Frauenbundes der deutsch. Colonialgesellschaft. 2. Mitteilungen. Gäste willkommen. Ehe-rechtsgilc, in Eugland rechtsgilt., Prospekt„E 56“ frei, verschloss. 50 Pf. Brock& Co London, E.C., Queenstr 90191 Preuss. Landes KriegerheinGeld-Lotterie Zieh.: 16., 17., 18., 19. May Hauptgewinne: Mk. 50000 Mk. 30000 NIk. 10000 11040 Geldgewinnt. 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Donnerstag 1 Uhr Preußische Am Ministertisch: der Gesetzentwurf lwises Magdeburg w vrstärkte Gemeindeko Bei der zweiten B Stats des Minister alärt auf Anregung Staatssekretär v. stellung von Neutre handlungen mit de wendet der Angelege Der Etat wird bi Zum Etat liegt ein Antrag de nahme aus den Bei MAG Bovillo Würfe Allein e und der 189 Mise enee. (Postcolli) für Mt su Stüch Bauernbaisnt, and. n allen Größen sw., u. gelangt reisen uläre Ware. 208 ie ohne Deckel 1.40 1.60 reuss. Landes. KriegerheinGeld-Lotterie ey.: 16., 17., 18., 19. May Hauptgewinne: Mk. 50000 Mk. 30000 Nk. 10000 1040 Geldgewinnt. Los nur Mk. 2 Porto und Liste 30 Pig. Königsberger Lotterie 3 1 Mk. 11 Stück 10 M Mk. 15 000 Nur Geldgewinne. Glücks-Kollekte Haupt-Lotterie-Banl, Münsterstr. 4 Den Konshal Ml. 5 uu auf die Hausnumm, achten Donnerstag, zen 24. Februar 1910. Zweites Blatt. Deutscher Reichstag. Berlin, 23. Februar. # olat des Abg. Bebel(Soz.) schmückt zur Feier Tez, higsten Geburtstages ein Strauß roter Nelken. Eintritt in die Tagesordnung macht Vizepräsio. Spahn Mitteilung von dem Eingang folgenden Artssenschreibens des Kaisers: Mitteilung von dem Hinscheiden des Präst“ d e s R e i c h s t a g s U d o G r a f e n z u S t o l b e r g Eennigerode hat mich mit herzlicher Teilnahme erfüllt spreche dem Reichstag zu diesem schweren Verust mein tiefgefühltes Beileid aus.“ Juterdem ist eine Anzahl anderer Beileidskundugen eingegangen, darunter vom König von Sachsen, einer Reihe anderer Bundesfürsten, vom preußischen Dortmunder W.R Nr. 46. 27. Jahrgang. von sluepräsident Dr. Spahn erbittet und erhält die Erhigung, für die Beileidskundgebungen zu danken. zuf der Tagesordnung stand zunächst die erste Lesung Reichskontrollgesetzes, u der Reichsschatzsekretär einführte. Nach kurzer Dehatte wurde das Gesetz an eine Kommission verwiesen. sodan wurde in der Beratung des Etats des Reichsamts des Innern Abg. Graf Carmer(kous.) befürwortete die Förderung der Pensionsversicherung der Privatangestellten. Auch müsse die Unfallfürsorge für Personen, die bei Rettung anderer Schaden genommen haben, endlich geregelt werden. Das Koalitionsrecht für die Landarbeiter lehnte der Redner entschieden ab. Abg. Stresemann(nat.=lib.) sprach zur Handelspolitik Leutschlands. Die amerikanische Ausstellung in Berlin hune er nicht billigen. Frankreich gegenüber müßten als Juwort auf seinen neuen Zolltarif schärfere Zollsätze in Inwendung gebracht werden. Der Zentrumsturm werde die Entwicklung des Hansabundes nicht aufhalten. Staatssekretär Delbrück wies die Vorwürfe gegen die Reichsregierung zurück, als seien die Interessen der Exvortindustrie nicht genügend bei dem Abschluß von ßandelsverträgen gewahrt worden. Ein Reichskartellsei leichter verlangt als ausgeführt. An die Pensonsvorlage für Privatbeamte werde herangetreten weren, sobald die neue Reichsversicherungsordnung erledigt sei. Lannerstag 1 Uhr: Fortsetzung. Preußisches Abgeordnetenhaus. Berlin, 23. Februar, Am Ministertisch: Staatssekretär v. Schön. der Gesetzentwurf betr. die Erweiterung des Stadtlwises Magdeburg wird nach kurzer Besprechung an die Erstärkte Gemeindekommission verwiesen, Bei der zweiten Beratung des Stats des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten märt auf Anregung des Abg. Hackenberg(nat.=lib.) Staatssekretär v. Schön: Ueber die staatsrechtliche stellung von Neutral=Moresnet schweben zurzeit Verhundlungen mit dem Auswärtigen Amt. Dasselbe wendet der Angelegenheit volle Aufmerksamkeit zu, Der Etat wird bewilligt. Zum Etat der Oberrechnungskammer llegt ein Antrag der Budgetkommission vor, die Einnahme aus den Beiträgen des Reichsfonds zur Besoldung des Chespräsidenten von 10 185 M. auf 8125 M. zu ermäßigen. Der Antrag wird nach unwesentlicher Debatte angenommen. Abg. v. d. Gröben(kons.) bemängelt den bei der Tätigkeit der Oberrechnungskammer zutage tretenden Formalismus und Bureaukratismus. Ein bureaukratischer Zopf sei es zum Beispiel, daß in den von der Oberrechnungskammer bearbeiteten„allgemeinen Rechnungen für den Staatshaushalt" die Hauptzahlen zum Teil nicht nur in Ziffern, sondern auch noch in Buchstaben wiedergegeben würden. Im übrigen sei allerdings zu wünschen, daß diese dickleibigen Aktenbände nicht zu den Erscheinungen gerechnet würden,„an denen jeder gerne vorüberschleicht".(Heiterkeit.)] Der Etat wird genehmigt. Der Etat des Kriegsministerinms wird ohne Erörterung erledigt. Bei der zweiten Beratung des Etats des Ministeriums des Innern beschließt das Haus, Fragen der Wahlrechtsresorm, der rheinischen Landgemeindeordnung und andere, welche bei Beratung besonderer Gesetzentwürfe noch eingehende Besprechung finden, jetzt auszuschalten. Nach einer Aeußerung eines Regierungsvertreters zu dem Wunsche des Abgeordneten Heisig(Zentr.) über Erhöhung der Beihilfen für unterstützungsbedürftige ehemalige Krieger spricht Abg. Bachnicke(freis. Vg.) die Hoffnung aus, daß das wegen eines Formfehlers nicht erledigte Reichsgesetz über Beihilfen für Kriegsteilnehmer bald zustandekomme. Beim Titel„Ministergehalt“ forderte Abg. Dr. Bell(Zentr.) Beseitigung des plutokratischen Charakters des Wahlrechts. In Krefeld hätten sich die Liberalen gegen eine Aenderung dieses plutokratischen Charakters ausgesprochen, weil das ihren Besitzstand gefährde.(Hört, hört! im Zentrum; Zuruf links: Das Zentrum macht es nicht besser!) Wo das geschieht, mißbillige ich es genau so scharf. Der Redner brachte sodann verschiedene Fälle zur Sprache, in denen angeblich die Katholiken von der Regierung Härten hätten hinnehmen müssen. Eine amtlich empfohlene Broschüre: „Fürst Bülow und seine Zeit“ enthielte grobe Angriffe auf das Zentrum und den Katholizismus auf lügenhafter Grundlage. Abg. Pappenheim(kons.): Das Buch über Bülow wurde in der Oeffentlichkeit empfohlen, so daß man glauben konnte, die Staatsregierung sei mit der Tendenz einverstanden. Ich muß lebhaft bedauern, daß in der „Berliner Korrespondenz“ ein solches Buch empfohlen wurde. Ich kann nicht annehmen(Redner schlägt mit der Faust aufs Pult), daß der Minister sich mit dem Inhalt des Buches identifiziert.(Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum.) Abg. Fritsch(nat.=lib.) läßt sich über die Stellung der Nationalliberalen zur Reform des Beamtenrechts, sowie zum Kommunalwahlrecht aus. Abg. Liebknecht(Sog.): Die Polizei tritt fortgesetzt das Vereinsgesetz mit Füßen. Das beweisen die Auflösungen der Jugendorganisationen und sozialdemokratischen Versammlungen. Die von mir abgehaltene Versammlung in Kiel, wo ich nachwies, es sei eine Schande, daß der Zar den deutschen Boden betrat,— Vizepräsident Dr. Porsch ruft den Redner zur Ordnung. :. Liebkuecht(fortfahrend):— verlief ganz ruhig. Die Straßendemonstrationen sind als ein durchaus gesetzliches Mittel zu betrachten. Wenn Blut floß, so war das nicht Schuld der demonstrierenden Arbeiter, sondern ausschließlich der Polizei.(Lachen rechts.) Die Polizei lud durch ihr Vorgehen Blutschuld auf sich. Vizepräsident Porsch ruft den Redner zum zwektenmal zur Ordnung. Abg. Liebknecht(fortfahrend): Wenn die Erregung des Volkes weiter gesteigert wird, bleibt auch der Massenstreik nicht aus. Bürgertum und Beamtentum scharen sich immer mehr um unsere Fahnen.(Ruse rechts: Ausgeschlossen.) Minister des Innern v. Moltke: Ich will viele Uebertreibungen, falsche Behauptungen und Beschuldigungen des Vorredners nicht unwidersprochen lassen. Wir sehen gerade in den letzten Tagen, was aus den Demonstrationszügen der Sozialdemokratie, welche sich selbst überlassen blieben, folgte. Da handelte es sich nicht mehr um groben Unfug, sondern es zeigten sich die Folgen ihres Gehetzes. Sie treiben die Massen künstlich in solche Stimmung hinein und behaupten nachher, das sei spontan geschehen.(Sehr wahr! rechts; andauernde Zurufe von den Sozialdemokraten: Rufe rechts: Ruhe.) Der Vizepräsident bittet, das lange Zurufen zu unterlassen. Minister v. Moltke(fortfahrend): Die Berichte Liebtnechts über die Hergänge bei den Demonstrationen entsprechen absolut nicht der Wahrheit. Ich verlese den Bericht über die Vorgänge in Frankfurt a. M., woraus hervorgeht, daß von fünf Versammlungen vier ruhig auseinandergingen, bei der fünften es aber zu schweren Ausschreitungen kam. Der von dem Schlosser Herter angeführte Zug der Demonstranten bewegte sich über die Zeil und stieß Pfuirufe und Beschimpfungen gegen die Polizei, wie Bluthunde usw., aus. Ein Kriminalschutzmann und zwei Uniformierte wollten Herter nach der Wache bringen. Jetzt wurden Messer gezeigt und aus der Menge fielen Schüsse. Ein Beamter wurde durch einen Stich in die Lunge verwundet und antwortete in der Notwehr gegen die Bedrohung mit Stockdegen mit Revolverschüssen. Die durch die Notpfeife herbeigerufene Polizeimannschaft half jetzt den in Lebensgefahr befindlichen drei Beamten. Dem Befehl entsprechend wurde jetzt die Menge mit blanker Waffe vertrieben. In dem Bericht heißt es weiter, daß die tätlichen Angriffe auf die Polizeimannschaft vorbereitet waren. Der still ausgegebenen Parole entsprechend hatten sich viele Demonstranten mit Messern, Schußwaffen und Steinen ausgerüstet. Auch der Gebrauch von gemahlenem Pfeffer war verabredet. Von seiten der Polizei wurde nur zweimal, und zwar zur Abwehr geschossen. Das sind alles Tatsachen.(Zurufe von den Sozialdemokraten.) Oberbürgermeister Adickes erklärte in der Stadtverordnetenversammlung, daß die Polizei die Pflicht hatte, den ungesetzlichen und verbotenen Zug aufzulösen. Ich kann nur Genugtuung darüber aussprechen, daß in Frankfurt, Halle, Neumünster, Breslau und Berlin die mir unterstellten Organe ihre Pflicht taten.(Lebhafter Beifall rechts, Zischen bei den Sozialdemokraten, erneuter, lauter Beifall rechts.) Hierauf vertagte sich das Haus auf Donnerstag 1 Uhr. Tagesordnung: Fortsetzung der heutigen Beratung. Graf Pfeil vor dem S. u. H. Thorn, 22. Februar. Vor dem detachierten Kriegsgericht der 35. Division begann heute Vormittag die auf mehrere Tage berechneten Verhandlungen in dem Monstreprozeß gegen den Hauptmann und Konepagniechef im 129. Infanterie=Regiment Grafen Hans von Pfeil und Klein=Ellguth aus Graudenz, der sich unter der Anschuldigung der Verleitung zum Meineide und zur Abgabe falscher eidesstattlicher Versicherungen in mehreren Fällen zu verantworten har.— Die Angelegenheit steht in engstem Zusammenhange mit der vielbesprochenen Angelegenheit der Gräfin Pfeil, die im September v. J. die Oeffentlichkeit lebhäft schäftigte, als ihr die damals vom Vormundschafts=, gericht Graudenz zugesprochenen Kinder aus ihrer Ehe mit dem Grafen nicht ausgeliefert wurden. Die dem Hauptmann Grafen Pfeil heute zur Last liegenden Vergehen soll er im Laufe des Ehescheidungsprozesses begangen haben„der zwischen ihm und der Gräfin Pfeil geb. Heim vor mehreren Jahren schwebte und mit der Trennung der Ehe durch das Landgericht Graudenz aus beiderseitigem Verschulden en dete. An diesen Prozeß schloß sich ein solcher um den Besitz der beiden gräflichen Kinder Stanislaus und Hella v. Pfeil an, zu deren Pfleger der konsernative Abgeordnete Freiherr von Richthofen=Mertschütz bestellt ist, und die sich in der Obhut der beiden Schwestern des Abgeordneten, den Freiinnen v. Richthosen befinden. Die Gräfin ist die Tochter des Kgl. Baurats Heim, der sich als Erbauer der Berliner Stadtbahn und verschiedener Hotelpaläste einen Namen gemacht hat. Ihre Ehe mit dem Angeklagten gestaltete sich von vornherein sehr unerquicklich, da der Graf seine Frau in schwerster Weise mißhandelt haben soll, weswegen diese schließlich die eheliche Gemeinschaft in dem damaligen Garnisonorte des Angeklagten, Jauer in Schlesien, flüchtend verließ. Ueber die Mißhandkungen wurden in dem anschließenden Ehescheidungsprozeß eine große Anzahl Zeugen vernommen. Tabei wurde die Gräfin von dem Grafen und, wie sie behauptet, von dem Grafen hierzu angestifteten Zeugen, beschüldigt, ihm dadurch Anlaß zu seinen Mißhandlungen gegeben zu haben, daß sie die beiden der Ehe entsprungenen Kinder lieblos behandelt habe. Diese Aussagen haben seinerzeit das Gericht veranlaßt, die Gräfin als Mitschuldige zu erklären und ihr die beiden Kinder nicht auszuliefern. Um diese wiederzuerhalten, war die Gräfin in den letz ten Jahren unausgesetzt tätig und der Kampf um die gräflichen Kinder stand bald im Mittelpunkt des Interesses, zumal die Gräfin gezwungen war, be schwerdeführend an den Gerichtsherrn, das General= kommando in Danzig, das Preußische Kriegsministerium und an das Militärkabinett heranzutreten, weil nach ihrer Meinung das Verfahren nicht mit der erforderlichen Objektivität durchgeführt wurde. Graf Pfeil blieb trotz ihrer Anschuldigungen bis zum heutigen Tage auf freiem Fuße und erschien heüte zu dieser in der Hauptmannsuniform seines Regiments. Er ist inzwischen auf seinen Geisteszustand untersucht und hat zum zweiten Male eine Baronesse v. Behr geheiratet, die ihm aber auch infolge der erlittenen Mißhandlungen davongelaufen ist.— In der heutigen Verhandlung, zu der etwa 80 Zeugen geladen sind, darunter die beiden Frauen des Graken Pfeil, bestreitet dieser, sich im Sinne der Anklage schuldig gemacht zu haben. Die Difserenzen mit seiner ersten Frau seien durch deren Schwiegereltern heraufbeschworen worden und wenn es in der Folge zu heftigen Kundgebungen von seiner Seite gekommen sein sollte, so führe er das auf seine zunehmende Nervosität zurück.— Der Verhandlungsleiter geht dann mit dem Angeklagten die einzelnen zur AnKaufen Sie nur&a IMAGG“' Bouillon-Würtel Zu Pfg. Allein echt mit dem Namen MAGGl und der Schutzmarke Kreuzstern! 189 Sie sind mit allerbestem Fleischextrakt und feinsten Suppengemüsen hergestellt und enthalten auch das nötige Kochsalz und Gewürz. Natürlicher, feiner Fleischbrühgeschmack ist ihr grosser Vorzug. Auf der Brautschau. Humoristischer Roman von Felix Brenta. 19 Die natürliche Gerechtigkeit des Schicksales hatte es reimmt, daß dem Erfinder des schönen Wettkampfes die Palme zu teil wurde. Karl Raupach ging als woezweifelter Sieger hervor, und es tat seinem Herswehl, daß sich in die anerkennenden Zurufe der Mitmüpfer auch die Würze des Neides mischte. ea erscholl hinter der wollenen Decke die Klingel dim Heuers und lenkte die Aufmerksamkeit des Sieeis wie der Unterlegenen dem beginnenden Schauspiel hug Heuers Darbietungen waren schön und wirAber wenn die Zuschauer auch nicht teilnahmsseineden, so war Heinrich, der auf noch größere Beas m.6., Hoffte, doch unzufrieden. Er wußte nicht, daß a5, Lublikum von dem sonderbaren Gefühl durchdrun## Ju., auf Eisbeuteln zu sitzen, was vielleicht im recht glücklich macht, in einer winterlichen Theaerstellung aber entschieden zu abkühlend wirkt. deinrich verdoppelte seine dramatische Leidenschaft „. war eben bei Hermanns großer Rede gegen Se2 Jangelangt, als er die Stimme des Direktors TräPi hinter sich vernahm, der ihn verwundert begrüßte. der gandidat erhob sich aus seiner kauernden Steldie Zuschauer sahen plötzlich Hermann und Lehrerg#.#. Versenkung gleiten und statt dessen ihres hielten##n ähniges Riesenhaupt emportauchen. Das Beifalf ür ein scherzhaftes Zwischenspiel und klatschDirektor Träger schüttelte mißbilligend seinen gens treiben Sie denn mit den Knaben für Unfug, undidat?“ sagte er leise, aber erregt. Theater,# zuckte verständnislos die Achseln, brach sein lern ein 1de ab und ließ den Direktor zu den Schüins begrüsegn.#u ordnungsmäßig, aber ohne Jubel= Sie hier eine Strafstunde mit Ihrer Klasse stagte der Direktor kühl. gemeinfan.#eiderte der Kandidat.„Wir freuen uns #. m über unsere Bibliothek.“ einem kurzen, vorwurfsvollen Blick auf den Lehrer wandte der Direktor seinen Tadel den verschüchtert an den Wänden stehenden Jungens zu:„For solltet eigentlich längst zu Hause sein. Eure Arbeitszeit hat schon seit einer Viertelstunde begonnen. Also eilt, Ihr Knaben, diese Versäumnis einzuholen.“ Die so jäh aus ihrem Vergnügen gerissene Schar entfernte sich hastig, jedoch nicht ohne vorher, jeder einzeln, Herrn Heuer die Hand zu drücken, worüber der Direktor abermals den Kopf schüttelte. „Alberne Intimität!“ murmelte er nun,„Vernichtet allen Respekt. Als sie allein waren, blickte er den Kandidaten streng an und sagte trocken:„Ich wollte mich nur persönlich überzeugen, ob es wahr ist, daß Sie die Ihnen von mir anvertrauten Knaben, sämtlich Kinder unserer vornehmsten Familien, zu Schwelgereien in Ihre Wohnung locken und dadurch vom Arbeiten und Lernen abhalten.“ „Ich war der Meinung, Herr Direktor, daß meine Einladung und Aufsicht hinreichend sei, um meine Schüler für die kleine Verletzung des Arbeitsplans zu entschuldigen.“ „Diese Meinung war irrig.“ „Ich bin ferner der Meinung, daß es mir erlaubt ist, mich meinen Jungen auch außerhalb der Schulzeit zu widmen und außer für ihre Belehrung auch für ihre Erheiterung zu sorgen.“ „Indem Sie sich durch unwürdige Späße zum Hans wurst der Kinder machen. Diese Ansicht ist ebenfalls irrig.“ Heinrich gestattete sich, sein Achselzucken mit einem Kopfschütteln zu verbinden, wie es eigentlich nur dem Direktor zukam. Dieser fühlte sich dadurch in seinem Vorrecht gekränkt und erwiderte nach kurzem Schweigen:„Ich rede nicht gern mit Ihnen. Sie haben Ihrem Vorgesetzten gegenüber eine so ungefällige Art, daß ich es vorziehe, Ihnen morgen meine Ansicht über Ihr Verhalten schriftlich zugehen zu lassen.“ Der Kandidatverbeugte sich höflich und seinebreitschultrige Gestalt überschattet den dürftigen Direktor ganz beträchtlich. Dieser versuchte es bei seinem Rückzug, trotzdem, eine gewisse Hoheit an den Tag zu legen, konnte es aber nicht dahin bringen. 7 4 7 0* Sowie er allein war, hielt es Heinrich für angebracht, sich ein wenig zu ärgern. Er stieß auf Grund dieser Erwägung ein brummiges Lachen aus, etwa in der Art, wie ein mittelmäßig gekränkter Bär lachen würde, wenn nach den Lehrbüchern der Naturgeschichte das Lachen für Bären zulässig wäre. Der schöne Nachmittag war ihm und den Jungens gründlich verdorben. Er sann auf ein Mittel, seine betrübte Stimmung wieder aufzuhellen und kam schließlich auf den Gedanken, seinem Abendessen durch den Inhalt der lange aufgesparten Heidelbeerflasche ein ergötzicheres Gepräge aufzustecken. Er wußte aus Erfahrung, daß einer schmackhaften Mahlzeit jeder Kummer unterliegt. 3 Frau Lichtenburg, die sich bereits wieder in ihrer allabendlichen Seligkeit befand, lieh ihm eine geschliffene Glasschüssel, prachtvoll genug, um die Liebesgaben der Damen Raupach gebührend aufzunehmen. Heinrich stellte sich einstweilen auf den Tisch und machte sich zunächst daran, die fest verschnürte Flasche zu öffnen. Den kunstvoll verschlungenen Knoten mit den Fin gern zu lösen, war eine schwere Aufgabe. Aber niemals zerschnitt Heinrich einen Bindfaden mit dem Messer. Erst nachdemer sich die Nägel an Daumen und Zeigefinger um gebrochen hatte, tat er es.— Es geschieht leider bisweilen, daß die Heidelbeeren in der Flasche in Gärung geraten, den Kork herausschleudern und die ganze Umgebung mit Flecken versor gen, die trotz des neuen Weingesetzes den beliebten Rotweinflecken an Farbe und unbegrenzter, Dauerhaftigkeit täuschend ähnlich sehem Bei den sorgfältig eingekochten Heidelbeeren Fräulein Margarete Raupachs war so etwas ausgeschlossen. Der Pfropfen saß im Gegenteil so fest im Flaschenhals, daß Heinrich seinen Korkzieher bis ans Heft einbohrte un alle Kraft anspannen mußte, um ihn mit hörbarem Knall au entfernen und dabei eine beeren auf sein Vorhemd und seine Weste zu spriten. Heinrich murrte nicht. Der dabei verlorene Saft war wie gesagt nicht der Rede wert. Das Hemd hätte er an diesem oder einem anderen Samstag ohnehin in die ist ein schwarzblauer Fleck ebenso unmerklich, wie ein Witz in einem Operettentext. Mit Seelenruhe goß er daher den übrigen Heidelbeersaft in die Schüssel aus. Das ging vollkommen glatt und schmerzlos von statten. Weniger lächelte ihm das. Glück bei seinen leidenschaftlichen Versuchen, auch die kuchenartig aneinander klebende Masse der Beeren mit einem kräftigen Stoß aus der Flasche zu schleudern. Sie agten„Bluff“ und blieben eigensinnig im Hals stecken. Heinrich überlegte einige Augenblicke und bediente ich zur Abwechselung statt seiner Stärke seiner nicht minder hervorragenden Gewandtheit. Mit sanftem Schwenken und kosendem Schütteln suchte er die widerspenstige Flasche zur Preisgabe ihres Innern zu bewegen. Sie sagte etwas leiser„Bluff“ wie vorhin; aber sie sagte es spöttischer und blieb unerbittlich. Heinrich war nicht der Mann, auf die wohl schmeckende und durch die Erinnerung an ihre Spenderinnen so teure Zierde seines Abendessens zu verzichten. Er überlegte abermals. Wo die rohe Stärke und die behende Geschicklichkeit versagt hatten, mußte Beharrlichkeit ihn sicher um Ziele führen. Er stellte die Glasschüssel auf einen Stuhl, um sie bequemer unter den Händen zu haben, und begann nun die Flasche, mit der Oeffnung nach unten, laut zählend in gleichmäßigem Takt auf und ab zu beweger. Als er 1753 zählte, und ihm die Arme schon ob der ungewohnten Arbeit zu erlahmen drohten, war das Ziel plötzlich erreicht. Die Flasche sagte nicht mehr„Bluff“. sondern„Kerrl“, nahm an ihrem Hals selbständig den Kehlkopfschnitt vor. zerschmetterte die geschliffene Glasschüssel beim Aufstoßen in zwei ziemlich regelmäßige Hälften und schüttete ihren Inhalt klatschend in den zwischen diesen Hälften entstehenden Spalt, so daß er durch das Rohrgeflecht des Stuhlsitzes träufelte und Heuers darunter stehende Pantoffeln mit schwärzlicher Flut erfüllte, einige deutliche Merkmale seiner vorüberfließenden Gegenwart auch auf den grauen Hosen des Kandidaten zurücklassend. Heinrich verlor keinen Augenblick die Geistesgegenwart, wusch sich die blutende Hand ab und klebte einen halben Meter Heftpflaster um die vom Glase zerschnitest.Jkr 177.18 lage stehenden Fälle durch, in denen es sich zunächst sarum handelt, daß Graf Pfeil verschiedene Zeugen, sarunter eine ehemalige Erzieherin Frida Klamm, wei frühere Burschen Jensen und den jetzigen Bergnann Nowack zu unwahren, für ihn günstigen Ausagen verleitet haben soll. Der Angeklagte stellt die Beziehungen zu diesen Zeugen als sehr harmlos hin ind will ihnen nur aus Gutmütigkeit kleine Zuvendungen gemacht haben. Morgen werden die Verhandlungen fortgesetzt, sie bis auf die Mißhandlungen der beiden Frauen in voller Oeffentlichkeit durchgeführt werden sollen. Ein Deutscher als französischer Offizier gefallen. Der mit seiner Kolonne im Wadailande niedergenetzelte französische Hauptmann Fliegenschuh, dessen Bild wir heute bringen, war ein geborener Deutscher. Er war 1869 in Robertsau bei Straßburg geboren, bo seine Eltern heute noch leben. 1887 ging er freipillig über die Grenze und ließ sich in der Fremdenlegion anwerben. 1895 wurde er Unteroffizier in der Pertranses Salpim Elegengchich edlicher Gerbbeap mt seiner telonne verwiehtel beiurcs. Kolonialarmee und machte Feldzüge in Annam und Madagaskar mit. 1903 wurde er Hauptmann und Ritter der Ehrenlegion. 1908 wurde er zum Kommandanten der Tschadsee=Territorismus ernannt und nahm als solcher 1909 die Hauptstadt Abecher des Wadailandes ein, wobei er eine Kugel in den Hals erhielt. In der Nähe Abechers ist er nunmehr ein Opfer seiner Pflicht geworden. Wann lohnt ein Postscheckkonto? Diese Frage, die sich durch eine recht einfache Betechnung beantworten läßt, haben sich sicher sehr viele Kaufleute, Gewerbetreibende, Handwerker sowohl wie auch Privatpersonen noch nicht vorgelegt. Ihr eigenes dem Geldbeutel angehendes Interesse würd sie nicht säumen lassen, ein Postscheckkonto zu beantragen, das sie, nebenbei bemerkt, jederzeit wieder aufheben können, falls ihre Erwartungen nicht erfüllt werden. 100 Mark müssen, solange das Konto besteht, als Stammeinlage zinslos stehen bleiben, zu 5 Prozent berechnet macht das eine Ausgabe für den Kontoinhaber von 5 Mark jährlich. Diesen Kosten stehen folgende Ergebnisse an Gebühren gegenüber: Die Gebühren für Einzahlung an Kontoinhaber durch Zahlkarten beträgt 5 Pfg. für je 500 Mark, die Gebühren für Auszahlungen von Kotoinhabern an Nichtkontoinhabern durch Schecks 5 Pfg. für jede Zahlung plus 1 Pfg. für je 100 Mark. Für Zahlungen von Konto zu Konto nur 3 Pfg. bis zu beliebiger Höhe. Für jede Zahlung, die durch Postanweisung zu leisten ist, sind 20 Pfg. bis 100 Mark, 30 Pfg. bis 200 Mark, 40 Pfg. bis 400 Mark zu entrichten, für die gleichen Zahlungen durch Postscheck entstehen 6 Pfg. bis 100 Mark, 7 Pfg. bis 200 Mark, und 9 Pfg. bis 400 Mark. Muß sich der Kontoinhaber als Geldempfänger den Abzug der Portokosten gefallen lassen, so stehen den gleichen Gebühren für Zahlungen von 40 und 30 und 20 Pfg. nur 5 Pfg. Gebühren bei Beträgen bis 500 Mark gegenüber. Rechnet man selbst nur mit Summen bis 100 Mark, so ist doch schon jede Jahlung um 15 bezw. 14 Pfg. billiger. Bei den Zahlungen des Kontoinhabers aus seinem Konto kommt allerdings noch das Franko für die Einsendung des Schecks an das Postscheckamt hinzu; werden mehrere Schecks zu einer Sendung vereinigt, so entfällt an Spesen für den einzelnen nur wenig. Selbst bei Ansatz des vollen Frankos 10 Pfg. für Uebersendung eines jeden Schecks an das Postscheckamt sind es immer noch 4 Psg. weniger als bei der Zahlung durch Postanweisung. Hat ein Kontoinhaber also z. B. monatlich drei Zahlungen zu empfangen und drei Zahlungen zu leisten, so erspart er an Gebühren wenigstens(3 mil 15) und(3 mal 4) sind 57 Pfg. monatlich, sind 6,84 Mark jährlich. Er hat also schon nach Abrechnung der Zinsen 1,84 Mark verdient. Dieser bare Verdienst wird ganz wesentlich höher, wenn nicht Zahlungen bis 100 Mark, sondern höhere Beträge zu Grunde gelegt werden, da dann die Gebührenunterschiede nicht mehr wie vorstehend 15 Psg. oder 14 Psg. oder 4 Pfe. betragen, sondern bei 400 Mark z. B. 35 Pfg. bezw, 31 Pfg., bezw. 21 Pfg. Im Monat drei eingehende und drei ausgehende Zahlungen sind jährlich 72 Zahlungen, ist aber sehr wenig; mit den Verdoppelungen der Zahlungen verdoppelt sich auch die Ersparnis an Gebühren z. B. bei 360 Zahlungen wenigstens 34.20 Mark Gebührenersparnis. Gerade für den kleinen Jahlungsverkehr sind ja die Gebühren so ungeheuer niedrig, gerade um die Handwerker, Gewerbetreibenden und Privatleute zum Postschockverkehr heranzuziehen, hat man ja die ersten 600 Zahlungen in jedem Jahr zu den geringsten Geböhren berechnet, während bei den über 600 St. hinausgehenden Buchungen sich jede einzeine Buhung um 7 Pfg. erhöht. Aber selbet unter Hinzurechnung dieser Zuschlagsgebühr tritt für die Bekeiligten noch eine Gebührenersparnis gegenüber der Zahlung durch Postanweisungen ein. Jahlungen von Konto zu Konto in unbegrenzter Höhe kosten nur 3 Pfg. Daß für diese Zahlungen eine noch größere Gebührenersparnis gegenüber den Postanweisungseinzahlungen eintritt, ist bei der Berechnung ganz außer Acht Der Streit um die Statne. 2 Lumtame um die Die über 2000 Jahre alle, wertvolle Riobidenstatue, welcher seinerzeit in Rom ausgegraben wurde, hat zwischen der Stadt Rom und Mailand, welche die Statue für sich reklamierte, weil das Kunstwerk auf dem Grund und Eigentum der Bank von Mailand gefunden wurde, einen ernsten Streit gezeitigt. Ein Maurer namens Dilarlo stieß im Juni des Jahres 1906 in einer Tiefe von 11 Metern auf die ausgezeichnet erhaltene Statue, welche im Auftrage der Bank nach Mailand geschafft wurde, um im Foyer eines dort von der Bank geplanten Filialinstituts aufgestellt zu werden.. Darob entstand in den Künstler= und Gelehrtenkreisen Roms gewaltige Entrüstung. Man forderte, daß Rom unter jeder Bedingung im Besitze des Meisterwerkes bleiben müsse und wendete sich an die Gerichte. Diese haben nun nach längeren Verhandlungem ein vorläufiges Erkenntnis gesällt. Der Bürgermeister von Rom, Nathan, erhielt das Recht, die Statue namens der römischen Stadtverwaltung bis zur endgültigen Entscheidung über das Besitzrecht zu sequestrieren. Er begab sich nach Mailand und führte den Auftrag aus, unbekümmert um den feindseligen Empsang, den ihm die Mailänder Bevölkerung bereitete. Die eine Tochter der Niobe darstellende Statue ist 1,55 Meter hoch und von auserlesener Schönheit. Die neueste Aufnahme des Papstes. 5 Oie.nedeste Aufnahme des Papstesan seinem Schrelbtische. Wir sind heute in der Lage, unsern Lesern die neueste photographische Aufnahme des Papstes Pius 10. vorzuführen. Das Bild zeigt den Papst am Schreibtisch sitzend und arbeitend. Vor ihm steht eine große gelassen. Außer Betracht gelassen sind auch die vielen anderen nicht nach Mark und Pfennig zu berechnendem Vorteile und Annehmlichkeiten, die der Postscheckverkehr für alle Beteiligten mit sich bringt. Lehrer Holzmeier vor der Disziplinarkammer. S. u. H. Bremen, 22. Februar. Auf dem Deutschen Lehrertage in München erregte bekanntlich das Auftreten der Vertreter der Bremer Lehrerschaft in Sichen d.s Religionsunterrichts an Volksschulen erhebliches Aufsehen da sie der Standpunkt vertraten, daß der Religionsunterrich aus den Volksschulen zu verbannen ses. Untei den Sprechern trat besonders Lehrer W. Holzmeier aus Bremen hervor. der in der Folge im Bremer Lehrerverein seine Agitation fortsetzte und dabei mit seiner vorgesetzten Behörde in Konstikt geriet. Dis hat schon mehrfach Differenzen mit der sehr modern gerichteten Bremischen Volksschullehrerschaft gehabt. E- sei nur an den Fall des Volksschutlehters Scharrelmann erinnert. Die Kämpfe liefen nicht immer zu Gunsten der Bremer Behörden aus, und die Folge war eine immer schärfer werdende Spannung zwischen der Volksschullehrerschaft und der Aufsichtsbehörde. Beschlüsse des Bremischen Lehrervereins in Sachen der Einheitsschule, des Religionsunterrichts, der Lehrerbibliotheken usw. nurden von der Schulbehörde nicht respektiert, und als am 17. März v. J. im Bremischen Lehrerverein hierwegen gegen die Behörde von seiten Holzmeiers als des Führers der radikalen Richtung im Verein in ziemlich scharfer Weise Stellung genommen wurde, erfolgte die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen Holzmeier mit dem Ziele auf Amtsentsetzung. Der Prozeß wurde gestern vor der der Volksschule in der Vorstadt Walle(eu Jahresfrist entgegen der Vorschrift der S##### es bewußtermaßen unterlassen hat, die erste Un.—.— stunde mit Gesang und Gebet zu beginnen. Aneg. des Schulvorstehers Plate, soll er dazu erklärt. es sei gegen seine Ueberzeugung den Unterricht## bet oder Gesang beginnen zu lassen Er werztun wenn es ihm direkt befohlen werde, er baz doch die ganze Geschichte für eine würdelose Post.“ Angeklagte Holzmeier behauptete zu seiner Vertaize."“ daß er getreu dem Programm des größeren g., der Bremer Lehrerschaft vorgegangen sei und in Fragen, die ihm für die weitere Entwicklung=:“ Volkslebens von erheblichster Bedeutung ersa“ allerdings einen etwas freieren Ton der Behörd, genüber angeschlagen habe, ohne sich jedoch belpußt wesen zu sein, daß er die schuldige Ehrfurcht u###. Behörden außer Acht lasse. Die Disziplinarkaun kannte auf Dienstentlassung, mit der Begründung Holzmeier eine unzulässige Kritik geübt und die behörde herabgesetzt sowie die Schulordnung lich gemacht habe. Vermischtes. Oldenburg, 24. Febr. Bei seiner wiederholtn Vernehmung durch den Untersuchungsrichter gestan der Mörder Denker ein, den dresia Mord mit Vorsatz verübt zu haben. entsetzlichen Tat hat ihn lediglich die Gier naa Geld getrieben. Ueber die Ausführung mach folgende Angaben: Er habe den Mord bereits in dn Nacht verüben wollen und zu diesem Zweck Dolch und Beil bereit gelegt. Er habe aber zu lange geschlaßt und sei erst aufgewacht, als der Bäcker läutete. Er neben seinem Bruder im Bett, stand auf und erschu zunächst diesen mit dem Beil. Dann begab er sich in Schlafzimmer der Eltern und erdolchte und erschuzuerst den Vater und dann die Mutter. Gegen 8 Un kamen Schutzleute und verhafteten den Mörder waan eines tags vorher begangenen Diebstahls. Als in Mörder gestern vormittag den Leichen seiner Elten gegenübergestellt wurde, wandte er sich entsetzt ab. Wiesbaden, 23. Febr. Gestern abend gegen 8 U# berübte im städtischen Krankenhause die 22ji, rige Krankenschwester. Fräulein v. Roeder Tochter des Generals v. Roeder, einen Selbstmerd. versuch, indem sie sich in die Brust schoß. Die Kuge# drang in die Lunge und verletzte die junge Dame schwa Das Motiv der Tat ist in Dunkel gehüllt. Man vermutt jedoch, daß Liebeskummer die junge Dame zu dem vur zweifelten Schritt getrieben hat. Allenstein, 23. Febr. Der Leutnank Alfta Lion vom Feldartiklerie=Regiment in Gumbinng war mit der Revision seines Revolvers beschäftigt als dieser sichentlud. Der Schuß traf den jungen Offizier so unglücklich, daß er den sofortigen T### herbeiführte. Der Verunglückte ist der Sohn des Stadt rats Lion in Allenstein. Ohrdruf. 23. Febr. In der vergangenen Nach entsprang aus dem hiesigen Gerichtsgefängnis da Mörder Heinrich Adlung, der aus Eifersucht ein Maurer durch Revolverschüsse und Durchschneiden du Kehle getötet hatte. Paris, 23. Febr. Ein großer Erdrutsch hu### Eisen bahngeleise zwischen Gannal und Moulin# vollsändig verschüttet. Jeder Verlehr P## ständig aufgehört. Enorme Erdmassen sind noch in be wegung. Statue des hl. Petrus, sowie ein Kruzifir. Die ganze übrige Einrichtung weist einen durchaus modernen Charakter auf. Die Aufnahme stammt vom 30. Januar 1910, wie der Kalender an der Bibliothekswand zeigt. Bremischen Disziplinarkammer im Senatshause durchgeführt. Die Anklage beschuldigte Holzmeier mit folgender Begründung: In der Versammlung des Bremischen Lehrervereins vom 17. März v. I. habe Holzmeier eine Anfrage an den Vorstand des Bremischen Lehrervereins gerichtet, in der es hieß:„Im Laufe der letzten Zeit hat unsere Bremische Schulbehörde, bei verschiedenen Gelegenheiten die Beschlüssc des Bremischen Lehrervereins in nicht mißzuverstehender Weise beiseite geschoben, die Behörde hat sich grundsätzlich gegen die Einheitsschule erklärt, die Behörde stellt trotz der entschiedenen Stellungnahme des Lehrerverins gegen den Religionsunterricht den zweiten Theologen am Lehrerseminar an, die Behörde bevormundet die Lehrer in der schlimmsten Weise, indem sie bei Aufstellung eines Kanons für den Grundstock der Lehrerbibliotheken die Lehrer nicht hört. Welche Schritte gedenkt der Vorstand zu tun, um gegen die Jurücksetzung der Lehrerschaft und die Richtachtung ihrer Beschlüsse zu protestieren und der Würde des Lehrervereins und seiner Beschlüsse mehr Nahdruck zu verleihen?!“ Urheder dieser Anfrage war der Lehrer Sonnemann, der jedoch erkrankt war, weshalb Holzmeier sie zur Sprache brachte, An zweiter Stelle wurde Holzmeier dann zum Vorwurf gemaht. daß er in der sozialdemokratischen Zeitung Bremens unter der Ueberschrift„Staatsbürgerrecht und Beamtenpflicht“. einen Artikel veröffentlicht habe. Drittens hat Holzmeier durch eine Eingabe den Vorsitzenden des Schulkonvents ersucht folgenden Antrag auf die Tagesordnung zu setzen,„Es soll verboten sein, bei sogenannten patriotischen Festen den Lehrer zur heuchlerischen Betätigung von Ansichten Gestunungen, und Gefühlen birekt oder indirekt zu zwingen, Die seiner Ueberzeugung zwieder laufen“. Eine weitere Anklage gegen Holzweser laptet dahln, daß er##s Ordinarius der Kkasse4 Literatur. Geschlecht und Gesellschaft. Von dieser lustrierten Monatsschrift(Verlag der Schönheit, Belin SW. 11) liegen jetzt die Hefte 9 und 10 des vierte# Bandes vor. Die hochinteressante Zeitschrift, deren Leitüre natürlich nur für das reife Publikum bestimmt bringt in jedem Heft eine Fülle sittengeschichtlichen### serualtechnischen Materials. das sowohl dem rst mi dem Kulturhistoriker, wie jedem, der sich für das gestaltige Gebiet der Sexualität interessiert, stets neu Gesichtspunkte eröffnet. Wie reichhaltig und vielsi# ihr Inhalt ist, beweisen folgende Aufsätze, die in de vorliegenden genannten Heften enthaltem sind:„Brar tigamsschmerzen",„Der Alb der Sittlichkeitsverhreth im Strafgesetzbuch",„Die Schwangerschaft im Bild „Die erste Menstruation“,„Das Sexualseben des Ru des",„Nervenkrankheiten und Ehe“.„Die Kellzeit „Kastration und Charakter",„Zur Technik der konzeptionellen Methoden" u. a. m. Beleht wird Tert durch eine Reihe Illustrationen, die zur ßeren Anschaulichkeit dienen. Ein ärztlicher und sun scher Briefkasten vervollständigt den Inhalt jedes 90 tes. Für jeden auf dem heißumstrittenen und kelen Gebiet der Serualität nach Wahrheit Su bildet die Zeitschrift einen Führer, an desten L## er sachliche und ehrlichen Aufklärung erhält. In ziehen durch jede Buchhandlung, sowie dem Vei Bezugsgebühr halbjährlich 4,50 Mark. Die Sana=Gesellschaft m. b. H. in Cleve steilt## erste Fabrik seit vielen Jahren eine Pflanzen=Maty' rine unter Verwendung von süßer Mandelmil“, die unter dem Namen„Sanella“ in den langt. Da die Verbutterung von Pflanzenfett Pflanzenspeiseöl mit Mandelmilch auf Grund bes# R.=P. Nr. 100 922 das ausschließliche Necht der Gesellschaft ist, so ist keine andere Fabrik in der Lac einen pflanzlichen Butterersatz herzustellen,„veiche! gleichen, durch den Zusatz von Mandelmilch, best deten Vorzüge, auscheist. Hieraus solgert, ehne“? teres, daß„Saneila" unter den im Handel lichen Pflanzenmargarine=Produkten eine wohlbes, dete Sonderstellung einnimmt. Dies ist aug bewiesen, daß„Sanella“ trotz der vielen eristiere Nachahmungen sich einen Weltruf erworben u. Fu, weisbar täglich in tausenden von Familien stanter genossen wird. Eine große Geld=Lotterie mit 14 64 ibinnen ist von der Regierung genehmigt zum des Deutschen Krieger=Verbandes mit den 10## Hauptgewinnen von 50000 und 30000 M, ui diese Lose eine ganz riesige Gewinnchance h0% zige das Originallos nur 2,25 Mark kostet, werkes### Lose schnell ausverkauft sein. Diese Lose ingps#ge. ben in Iulichers Glückskollekte. Dortmund. straße 4. Rotkobl mit Bratwurst. 6 Persone“, Stunden. Zwei Kohlköpfe werden von den# Blättern und dicken Rippen befreit, je IV,—7 sin sechs Teile geschnitten und nebst etwas Brats1„## Notfall Schweineschmalz), 2 kleingehackten einer Kelle Fleischbrübe eine gute Stundt Dann gibt man erwas Pfeffer, Salz 1 ms #el Weinessig, 1 Teelöffel Zucker und ein bis en. Pfund in Stücke zerlegte Bratwurst(nac). 7“ asseralte einzelne kleine Saucischen) dazu, deckt die Auun gi gu: zu, und läßt alles zusammen noch 30 b nuten dämpfen; schmeckt ab, kräftigt das Etuu#g## mit 10—12 Tropfen Maggi=Würze im richtet Wurst und Kohl zusammen an. Dazu! Sso n * 5* 10* 22— S EW S E.Tharä- ZouAS emn *• PE** □ 51:——* * 9—— *S 19SE 60fn en 14.4 Gerasimo gehorchte, ohne zu ahnen, was die Worte des Notars bedeuten sollten. Er näherte sich dem Ruhebette und zog die weiße Decke zurück. In demselben Augenblick stieß er jedoch einen schrecklichen Schrei aus und prallte mit gesträubten Haaren einige Schritte zurück. Er hatte die Leiche Marina's gesehen. „Jetzt werden Sie begriffen haben,“ sagte der Greis mit donnernder Stimme.„Marini war meine Tochter, mein Leben, mein Gott! Als Sie noch ein Bettler waren und Marina Reichtum besaß, redeten Sie von Liebe zu ihr und von Vermählung. Seit Sie aber Ihren Oheim erwürgt und seine Güter gestohlen haben, erschien Ihnen Marina nicht mehr reich genug, und Sie haben die Unglückliche verraten und verlassen „Was? Ich?“ „Schweigen Sie! Wer hat Ihnen erlaubt zu reden? Ja, Sie haben Marina verraten und Sie wollen am nächsten Sonntag die Tochetr des Grafen Canini heiraten. Sie haben Marina verraten und dadurch gemordet! Das zarte Geschöpf hat den furchtbaren Schmerz nicht ertragen können und starb. Da liegt die Leiche, Mörder! Hören Sie das? Aber in einer Stunde werden Sie auch kalt sein, wie dieses Glas; in zwei Stunden werden Sie Ihr eigenes Fleisch mit Ihren Zähnen zerreißen und in drei Stunden verendet sein, wie ein Hund!“ „Sie haben mich vergiftet!“ schrie Gerasimo und starrte mit einem Blick der furchtbarsten Verzweiflung den Notar an. „Schweigen Sie, sage ich Ihnen nochmals!“ entgegnete Tapas mit einem wahrhaft teuflischen Grinsen.„Ja, ich habe Sie vergiftet; leider können Sie nur einmal sterben! Ha, wie gern möchte ich Ihnen tausendfachen Tod bereiten! Sie sehen übrigens, daß ich mich auf alle Fälle vorbereitet habe,“ fügte er mit höhnischem Gelächter hinzu und zog ein Paar Pistolen aus den Taschen. „Was schreien Sie denn so? Und wohin wollen Sie denn laufen?" fuhr er fort, eine der Pistolen auf Gerasimo richtend.„Habe ich Ihnen denn nicht gesagt, daß auf eine Meile im Umkreise niemand Sie zu hören vermag? Und diese Tür hier, sie ist geschlossen, und der Schlüssel dazu steckt in meiner Tasche.“ „Tapas, im Namen Gottes, bei allem, was Ihnen lieb und teuer ist auf der Welt!“ schrie Gerasimo, zitternd wie Espenlacch.— „Was mir lieb und teuer ist, Schurke? Was ich auf der Welt geliebt habe?—— Dort liegt es als Leiche, und Sie sind der Mörder!“ (Schluß folgt.) * 3 Kinderpflege. ** Wer hätte nicht Mitleid mit den armen Kindern, denen die Freude der Gehöreinorücke und die Seligkeit der ungehinderten Aussprüche versagt ist? Sie können nicht lauschen dem Säuseln des Windes in den Kronen, Aesten und Zweigen der Bäume, im lauschigen Laubwald und duftigen Tannengrün, die hören nicht den Donner des Sturmes, in dem Gottes Allmacht sich den kleinen Menschenzwerglein kündet; sie hören nicht den süßen Laut der Liebkosung der Mutter, nicht den freudigen Gruß des treusorgenden Vaters, nicht die Sprache der Umgebung. Und— weil ihnen dieses Muster fehlt, lernen sie auch nicht von selber sprechen. Mühsam muß die Kunst der Taubstummenlehrer Laut für Laut hervorlocken, mühsam sie verbinden zu Silben und Worten und allmählich die große Ahnung im Kinde aufgehen lassen, daß die Worte die Namen von Begriffen bedeuten, daß sie diese in Beziehung setzen, daß durch sie Wünsche, Urteile Schlüsse ausgesprochen werden. Wenn dann mühevoll die Sprache gewonnen ist, so bleibt sie doch rauh, ungelenk, und unmelodisch, ja auch beschwerlich für den Taubstummen, da ihm eben der Kontrollapparat für eine fließende, melodische weiche Stimme fehlt. Wer dieses Leid überdenkt, sollte nicht glauben, daß Eliern nicht die Verantwortlichkeit auf sich nehmen möchten, solches Unglück selbst zu verschulden. Ich will nur zwei Beispiele erzählen. Der kleine, zweijährige Erich spielte mit Perlen. Im jugendlichen Unverstand steckte er eine derselben ins Ohr. Die Wärterin sah es, nahm flugs das Kind auf den Arm, und mit Windeseile ging es die Treppe hinunter zu— einem Karvfuscher. Dieser kaltblütige Mann suchte die Perle zuerst durch Ausspritzen des Gehörganges zu entfernen; da dies nicht gelingen wollte, nahm er ein Instrument, mit dem er im Ohr herumbohrte, bis Blut kam. Endlich hielt er seine Sache für erledigt; aber an Stelle der Perle beförderte er der Reihe nach Amboß, Hammer und Steigbügel aus dem innern Ohr Die Hörkraft ging gänzlich verloren, da sich die Entzündung auch auf das andere Ohr übertrug und dieses zerstörte. Wäre das Kindermäd hen zum Arzt gegangen, so hätte er mit dem Ohcenspiegel konstatiert, daß die Perle gar nicht mehr im Ohr sei. Beim Hinabspringen über die Treppe war sie nämlich von selbst herausgesallen Die ganze Quälerei des Knaben war überflüssig gewesen, und er mußte sie noch dazu mit dem schweren Gebrechen zeitlebens büßen. In einer anderen Fanilie rächte sich das Festhalten an schlimmen alten Gewohnheiten. Ein Kind bekam infolge Scharlachs eine eitrige Mittelohrentzündung, bei der sich übelriechender Ausfluß einstellte. Cine alte Frau riet ab, zum Arzt zu gehen, und meinte, die Eiterung sei gesund, sie befördere„schlimme Sifte“ zu Tage. Die Eiterung zerstürte aber, weil nichts gegen sie geschah, das innere Ohr, und so ging auch diesem Kinde das Gehör und damit die Sprache verloren. Richtige ärztliche Behandlung hätte das Kind retten lönnen. Ohrenfluß ist immer ein Warnungszeichen für Eltern, das sie recht ernst nehmen sollen. Ebenso sind überhaupt alle die ansteckenden Krankheiten, besonders Masern, Scharlach, Diphtherie, Gehirnhautentzündung, von Gefahr für das Gehör des Kindes. Ein sehr großer Teil der Taubstummen ist an den Folgen dieser Krankheiten zu seinem Gebrechen In der Taubstummenschule klagte der erwähnte Knabe Erich einmal seinen Religionslehrer, daß er nicht in den Himmel kommen würde, da er ja die Posaune des Gerichtes nicht hören werde. Doch der Priester tröstete ihn; er meinie, Gott, der die Gewissen der leichtfertigen, unbedachten und gleichgültigen Eltern erwecken wird, werde auch dafür sorgen, daß seine auf Erden schwergestraften lieben Taubstummen zur himmlischen Freude erweckt werden. Diese Schilderungen aus dem Leben lehren gleichzeitig, wie es überhaupt gefährlich ist, Kurpfuschern sich anzuvertrauen. Unser Volk, der Denker sollte doch nicht ohne Verständnis an folgenden, wenn auch nicht gerabe sehr poetischen, dafür um so mehr Wahrheit bergenden Tatsachen vorübergehen: Wer versteht wohl am besten das Bier zu brauen? Das tut der Brauer. Wer am besten den Acker zu bauen? Das tut der Bauer. Wer am besten die Soldaten zu führen? Der Herr Offizier. Wer am besten den Bart zu rasieren? Gewiß der Barbier Wer am besten die Kransenheilung zu leiten? Darüber läßt sich am wenigsten streiten. jeder Grünschnabel, jeder Backfisch, jeder Schreihals am Biertisch, jeder ungebildete nur der Arzt nicht! T Je. V. gyhr "„ B( 2 00 g 55 L S5—•.„nBaTe S □--„„„ aaefahcA--EE S m# S. 6 * 325 G 2 # * 2•5 . 5 * X 5S5 □□ K 2 2! S S S 9.*" n**2 5 SnE* S— 9—— C P A.T EETS U 3" —— „ S9•*. 982 U ERENTST # 2 38 E. * 3 P: g. ScögosRsnsSg-D# S BSSSPSAy • FGEHTTEARSSNNEE # E Z**.„ E 2.*A- e Abr.-ER = S 1 S. 9.EEn S 8 3 SER F 8. 2 eierstunden Blätter für Unterhaltung und Belehrung. In letzter Stunde. Roman von Hugo Ebersbach. 14 Einige Tage später traf Stephan Krasinski ein. Er war in der Nacht angerommen. Schon am folgenden Tage machte er in der Mittagsstunde seiner Nachbarin einen Besuch. Wahrscheinlich hatte er absichtlich diese Stunde gewähit, um auch den Bruder der Frau Helwig kennen zu lernen. Seine weltmännische Gewandtheit und seine Liebenswürdigkeit bezauberten die alten Leute, welche einen so vornehmen Gast noch nicht unter ihrem Dache begrüßt hatten. Er dankte der alten Dame für den freundlichen Beistand, den sie seinem Diener geleistet hatte; er sprach mit dem Buchhalter über das gesellschaftliche Leben in dieser Stadt, und im Lau der Unterhaltung stellte es sich heraus, daß Graf Krasiuski Kreditbriese auf das Haus Karl Ludwig Steinfeld und Kompagnie besaß. Notürlich war es dem Herrn Grafen sehr interessant, über den Chef dieses Hauses und dessen persönliche Verhältnisse Näheres zu erfahren, und der Buchhalter zeigte sich gerne bereit, alle varauf bezüglichen Fragen zu beantworten. Der vornehme Pole nahm endlich mit dem Wunsche Abschied, es möge ihm gestattet sein, dann und wann einmal einzukihren, um de Rath seiner erfahrenenNachbarn in Anspruch zu nehmen. Die alten Leute fühlten sich durch diese Bitte hoch geehrt, denn seine Leutseligkeit hatte ihm ihre volle Gunst genommen Am Tage darauf trat er in das Kabinet des Kommerzienrats, der durch seinen Buchhalter von diesem Besuch bereits unterrichtet war. Der Graf gab seine Briese ab, der Bankier las sie flüchtig und nickte befriedigt. Verfügen Sie ganz üler mich,“ sagte er zuvorkommend, nicht nur in sinanzieller, sonder auch in jeder andern Beziehung. Wenn Sie die auf mich angewiesene Geldsumme sofort zu erheben wünschen— „Nicht doch,“ unterbrach ihn der Graf lächelnd, „ich wünsche das nicht. Sie werden mich verbinden, wenn Sie die Güte haben wollen, die für mich eingehenon Summen zu verwalten. Obgleich aus meinem Vaterlande verbannt, besitze ich dort doch noch einige große Güter, die ein treuer Freund für mich verwaltet. Ich gehöre zu den politischen Verbrechern, fuhr er in ironischem Tone fort;„die russische Regierung würde mich nach Sibirien transportiert haben, wenn ich nicht rechtzeitig die Flucht ergriffen hätte. Meine Güter wären konfisziert worden— man macht bei uns sehr kurzen Prozeß— aber es gibt immer Mittel und Wege, solchen Gewaltstreichen vorzubeugen. Ich hatte schon lange vor meiner Flucht mit einem treuen und zuverlässigen Freunde einen Scheinvertrag geschlossen, demzufolge die Güter in seinen Besitz übergegangen waren. Die Regierung fand nichts mehr zu konfiszieren und den gesetzmäßig ausgefertigten Vertrag konnte sie nicht umstoßen.“ „Aber der Freund könnte sie betrügen,“ warf der Kommerzienrat ein. „Das befürchte ich nicht. Er verwaltet die Güter in meinem Interesse so ausge eichnet, daß ich alle Ursache habe, ihm dankbar zu sein. Die Regierung hat ihre Spione überall; er darf also nicht wagen, mir direkt Geld zu senden, denn jeder Brief an mich würde geöffnet, jede Geldsendung consisciert werden. Da bedienen wir uns nun der Vermittelung des Breslauer Bankhauses, das so gätig war, mich Ihnen zu empfehlen. Mein Freund zahlt dort die Gelder ein, und ich kann darüber verjügen, wann und wie es mir beliebt.“ „Und Sie gedenken nun, hier zu bleiben?“ fragte der Bankier, ihn erwartu. genoll anblickend. „Einstweilen ja. Ich war nun lange in Paris und London. Ich würde vielleicht dort geblieben sein, wenn nicht meine polttischen Leidensgefährten mir den Aufenthalt verleidet hätten. Es wurden unverschämte Ansprüche an mich gestellt. Die Bettelei wurde mir zu unangenehm. Ich hätte jenen Menschen mein ganzes Vermögen gebn können und würde sie noch immer nicht zufrieden gestellt haben.“ „Ich glaube das gerne,“ sagte der Kommerzienrat; „hoffentlich wird es Ihnen hier gefallen. Wie ich höre, haben Lie das sogenannte Unglückshaus gekauft—“ „Glauben Sie auch an den Fluch, der auf ihm ruhen soll?“ scherzte der Graf „Gewiß nicht, dennoch kenn ich nicht leugnen, da ein gewisser Mut dazu gehört, nach den vielen unglücklichen Ereignissen dieses Haus zu beziehen.“ „Waren Sie früher schin in dem Hause?“ „Nein.“ „Sie würden es nicht wieder erkennen.“ „Mau hat mir gesagt, Sie hätten es mit fürstlicher Pracht eingerichtet.“ „Man darf nicht alles glauben,“ erwiderte der Graf in heiterem Tone,„die Leute übertreiben gern. Wahr ist nur, daß ich mich mit dem Komfort umgeben habe, an den ich gewöhen bin. Hält es schwer, in den Kreisen der hiesigen Gesellschaft Zutritt zu erlangen?“ „Durchaus nicht; wenn Sie mir die Ehre erzeigen wollen, mich damit zu betrauen, so—“ „Ich bin Ihnen außerordentlich dankbar für Ihr liebenswürdiges Entgegenkommen.“ „Bitte sehr ich mache mir ein Vergnügen daraus. Ich werde Sie in unsere Keiino=Gesellschaft einführen und Sie dort vorstellen. Rasch lernen Sie die Herren kennen und Sie mögen dann selbst die Familien wählen, dienen Sie Ihren Besuch machen wollen. Wenn Se „SeSO PBTSmE Sasuhoßsu u g ü B TOA **0 ————"— ich für meine eigenen Damen um die Ehre bitten darf, so würde ich mir erlauben, Sie zu einem kleinen Frühstück einzuladen.“ Graf Krasinski verneigte sich dankend. Er habe nicht gewagt, schon in der ersten Stunde um diese Ehre zu bitten, erw derte er; um so dankbarer müsse er die Liebenswürdigkeit anerkennen, mit der er in diesem fremden Hause ausgenommen werde. Der Kommerzienrat zog nun die Glocke und gab dem Diener die nötigen Besehle. Bald darauf führte er den Gast in den Familiensalon, in welchem die Damen den Grafen erwarteten. Auch hier entfaltete der Graf seine ganze Liebenswürdigkeit, und die Gunst der Hausfrau hatte er rasch gewonnen. Die Kommerzienrätin, einer altadeligen, aber im Laufe der Zeit verarmten Familie entsprossen, war eine geborene„von Guben“. Graf Krasinski erfuhr das schon in der ersten Viertelstunde. Es fanden sich da viele Ankgüpfungspunkte, die der Unterhaltung reichen Stoff lieferten. Adelaida war sehr schweigsam. Sie beobachtete den Gast. Ihr Blick ruhte oft verstohlen auf ihm, wenn er mit ihren Eltern plauderte, und richtete er eine Frage an sie, so antwortete sie kurz und einsilbig. Er sprach auch über Kunst und Literatur. Seine Urteile waren scharf und geistreich, und doch glaubte Adelaide in ihnen eine bestimmte Absicht zu entdecken, die Absicht, zu glänzen und das Interesse seiner Umgebung zu fesseln. Aber zugeben mußte sie, daß er ein interessanter Mann, sei, ein Weltmann, der selbst in einem gewählten Kreise als hervorragende Erscheinung sich auszeichnete. Er richtete nun öfter das Wort an sie: er verstand es meisterhaft, sie zur Aeußerung ihrer Anschauungen zu bewegen und selbst auf kleine Scherze einzugehen, mit denen er die Unterhaltung belebte und würzte. Als er nach einer Stunoe Abschied nahm, waren die Damen entzückt über die neu Bekanntschaft. Er mußte der Rätin das Versprechen geben, ihnen öfter die Ehre des Besuches zu schenken, und in scherzendem Tone äußerte sie dabei, sie werde ihn gelegentlich um Erlaubnis bitten, das unheimliche Haus besichtigen zu dürfen. Der Kommerzienrat gab ihm das Geleite. Graf Krasinski ließ bei dieser Gelegenheit eine leise Anspielung auf die Schweigsamkeit Adelaidens fallen. „Wir haben vor einigen Wochen eine recht trübe Erfahrung gemacht,“ erwiderte Steinfeld;„ein junger Mann, mein erster Kassierec, dem ich das größte Vertrauen schenkte, mußte wegen Unterschlagung in Untersuchungshaft geführt werden.“ Dieser junge Herr war auch mit Ihren Tamen befreundet fragte der Pole und drehte an den langen Enden seines schwarzen Bartes, „Er war seit Jahren in meinem Hause tätig und als Sohn meines besten Freundes häufig in meiner Familie. Die schlimme Entdeckung traf uns alle recht hart.“ „Ist seine Schuld bewiesen?“ „Ueberzeugende Beweise sind noch nicht gefunden, aber der Untersuchungsrichter glaubt, keine Zweifel mehr hegen zu dürfen.“ „Dann wird ihn die gerechte Strafe treffen,“ sagte der Graf gleichgültig, indem er dem alten Herrn die Hand bot;„solche Erfahrungen sind freilich bitter, aber im Laufe der Zeit vergißt man sie wieder.“ „Das wohl schwerlich, Herr Graf,“ erwiderte der Kommerzienrat;„den Verinst des Geldes kann man verschmerzen, nicht aber—“ „Ein Mensch, der unser: Güte und unser Vertrauen so schnöde mißbraucht hat, kann auf unsere Teilnahme keinen Anspruch mehr machen Wann darf ich mich im Kasino heute Abend einfinden?“ „Wenn Sie mich um acht Uhr hier abholen wollen, so fahren wir zusammen hin.“ „Ich danke Ihnen nochmals, also auf Wiedersehen.“ Graf Krasinski stieg in seinen Wagen und befahl dem Kutscher, ihn heimzufahren Michael empfing seinen Herrn mit einer devoten Verbeugung Der Graf ließ den Wagen warten und schritt rasch ins Haus. „Nun?“ fragte er, als ex, von dem Diener begleitet, im Salon angelangt war.„Hast Du die Bücher gefunden?“ „Beim Antiquar Farnow in der Ludwigstraße,“ erwiderte Michael, dessen häßliches Gesicht keinen Zug von Unterwürfigkeit mehr zeigte.„In den Buchhandlungen sind sie nicht vorrätig.“ „Und weiter?“ „Weiter nichts„Herr Graf. Was ich Ihnen schon gestern über die betreffende Person gesagt habe, ist u unichti See n „Tnt Po Me uets cun M i i i bl#n nm it n unct ieczasnocpung und ein Schatten des Unwillens umwölkte seine Stirn. „Sehr lange dürfen wir nicht zögern,“ sagte er, „die Zeit drängt. Bebenk', was wir hier wollen, und wie bald wir es erreichen müssen. Der„Diener des Kommerzienrats scheint nicht zu den Leuten zu gehören, denen mon die Erfindung des Pulvers zutrauen könnte; es wird Dir nicht schwer fallen, Dich mit ihm zu befreunden. Mir liegt daran, über die Geschäftsverbindungen des Bankhauses Genaues zu erfahren; die Briese werden wahrscheinlich Abends zur Post gebracht.“ „Gut,“ erwiderte Michael kurz. „Ich werde heute Abend spät nach Hause kommen, da ich mit dem Kommerzienrat in's Kasino gehe; warte jedenfalls auf meine Heimkunft. Also Antiquar Farnow in der Ludwigsstraße?“ „Jawohl, die Ludwigsstraße liegt in der Nähe des königlichen Hofes.“ „Ich werde nach der Tafel heraehen. Aus London ist nich nichts angekommen?“ „Bis jetzt noch nicht“ Der Graf nickte und schritt wieder hinaus. Der Kutscher erhielt Befehl, ihn nach dem Hotel zum königlichen Hof zu fahren. Der Antiquar Waldemar Farnow stand bei allen, mit denen er verkehrte, in dem Rufe eines Sonderlings. Er lebte nur für seine alten Bücher und seine Münzsammlung, mit den Menschen wollte er wenig oder gar nichts zu tun hoben. Er war groß und hager. Um das kahle Haupt zog sich ein schmaler Kranz silbergrauen Haares, und auf der scharf gebogenen Nase tronte fast unausgesetzt ein in Silber gefaßter Kneifer. Die Züge waren scharf und gefurcht. Der alte Mann mußte viel Bitteres erlebt haben. Mit der langen Pfeife im Munde, von der er sich nur für die Nacht trennte, wirtschaftete er den ganzen Tag in den Räumen, die seine seit Jahren aufgespeicherten Schätze enthielten. Die alte Magd, welche sein Hauswesen besorgte, sah ihn nur dann, wenn er sich in dem kleinen, sehr einfach ausgestatteten Wohnzimmer einfand, um seine Mahlzeit hastig einzunehmen. Neben diesem Wohnzimmer lag ein kleines Kabinet, das nichts weiter enthielt, als einen altmodischen, bequemen Ruhesessel und zwei Oelgemälde in reich vergoldetem Rahmen. (Forts. folgt. (Fortsetzung.) „O mein Gott, habe####rrid mit mir!“ stöhnte sie in der Angst ihres Herzens. Sie fand kaum Zelt. ins Bett zu kommen, als ein heftiger Blutstrom aus ihrem Mund quoll. Sie sank auf das Kopftissen zurück und verlor das Bewußsein. Als sie wieder zu sich kam, fühlte sie eine auffallende Müdigkeit in den Gliedern und das Atmen verursachte ihr große Schmerzen. Sie wollte sich erheben, aber ihre Glieder waren wie zerschlagen und sie vermochte sich nicht zu rühren. Ein kalter Schweiß bedeckte den ganzen Leib, der von heftigen Krämpfen geschüttelt wurde. Sie fiel aus einer Ohnmacht in die andere. Sie wollte um Hilfe rufen, aber ihre Stimme erstarb auf den Lippen. Mit größter Anstrengung gelang es ihr noch, das heilige Kreuzzeichen zu machen— dann nur noch ein letzter, tiefer Seufzer und— ihr Herz hatte aufgehört, zu schlagen. Am andern Morgen trat Tapas geräuschlos in das Zimmer seiner Tochter und fragte mit leiser Stimme: „Bist du schon wach, Marina?“ Als er keine Antwort erhielt und den Schlaf seines Kindes nicht stören wollte, näherte er sich auf den Fußspitzen dem Bette, prallte aber bei dem furchtbaren Anblick, der sich ihm darbot, entsetzt zurück und schrie in wahnsinniger Angst: „Marina, mein Kind, meine liebe Marina!“ Mit ausgebreiteten Armen stürzte er sich auf das Bett und umfaßte die Leiche Marinas, deren bleiches Haupt wie eine verwelkte Lilie nach rückwärts sank, während das reiche Haar in Unordnung über die Schultern herabfiel. Er drückte seine Tochter ans Herz, bedeckte sie mit Küssen, rief sie mit den zärtlichsten Namen und suchte sie an seiner Brust zu erwärmen. Was half aber alles Feuer seiner Liebe gegen die Kälte des Todes! Als er die Nutzlosigkeit seiner Wiederbelebungsversuche endlich einsah, stand er auf und lief wie ein Rasender im Zimmer umher. Der im Innersten seines Herzens verwundete Greis erregte in seiner wahnsinnigen Verzweiflung weniger Mitleid als Abschen. Bald brüllte er laut auf, wie eine Tigerin, der man die Jungen geraubt hat: bald rannte er mit dem Kopfe gegen den Himmel und setzte sich gleich darauf hin und weinte wie ein Kind. „Marina, mein süßes Kind, du konntest sterben, und mich allein hier zurücklassen!“ jammerte er.„Ha ich hasse, ich verfluche alle anderen Menschen! Du warst ja meine einzige Liebe, der einzige Schatz meiner Seele, das Herz meines Herzens! Seine Wutanfälle wurdenn durch ein leises Klopfen an der Türe unterbrochen. Zitternd fuhr er auf, zog die Vorhänge am Bette seiner Tochter zusammen und setzte, nachdem er noch einen musternden Blick durch das ganze Zimmer geworfen hatte, seine Brille dicht vor die Augen. Dann erst öffnete er. Vor ihm stand die Magd, welche auf den fragenden Blick des Notars antwortete: „Ich glaubte, sie hätten mich gerufen, Herr.“ „Es ist auch so,“ versetzte der Notar ruhig;„ich habe dich gerufen, um dir zu sagen, daß Marina krank ist und daß du Niemand in ihr Zimmer lassen darfst; auch du sollst nur kommen, wenn ich dich rufe. Verstanden!“ Die Magd nickte und zog sich zurück, worauf Tapas das Zimmer abschloß, den Schlüssel zu sich steckte und sich zum Ausgehen anschickte. 9. Das Festmahl des Notars. Um die Mitte des Tages erhielt Graf Gerasimo in Lixouri von einem unbekannten Matrosen einen Brief, der lautete: „Teuerster Herr Graf! Ich habe erfahren, daß Sie sich in Lixouri befinden, und heiße Sie willkommen. Da ich Sie in der fraglichen Angelegenheit dringend zu sprechen habe, lade ich Sie ein, heute Abend 9 Uhr zu mir auf mein Landgut zu Livatho zu kommen. Klopfen Sie dreimal ans Tor und man wird öffnen. Ein splendites Souper wartet auf Sie. Tapas.“ Bei den Worten„fragliche Angelegenheit“ erbleichte Gerasimo. Nichts destoweniger begab er sich am Abend, tief in seinen Mantel gehüllt, auf den Weg nach Livatho. Trotz der stockfinstern Nacht fand er den Weg zum Landhause des Notars ohne Schwierigkeit; denn er war früher schon sehr oft dort gewesen. Am Tore der kleinen Villa klopfte er dreimal an. Alsbald wurde er vom Notar persönlich empfangen und in ein hell erleuchtetes Gemach geführt, in dessen Mitte eine reich besetzte Tafel mit zwei Gedecken stand, während in einer Ecke ein mit einem weißen Ueberzug bedecktes Ruhebett sichtbar war. „Willkommen, Herr Graf!“ sagte Tapas mit rauher Stimme. „Sie waren also in Lixouri, ohne mir ein Wort davon mitzuteilen?“ „Ach ja,“ antwortete Gerasimo verwirrt:„ich bin vor kurzem erst angekommen und wollte Sie überraschen, alter Papa.“ „Mich überraschen? Wie schön gedacht! Nehmen Sie doch Platz mein Bester, wir wollen plaudern mit einander. Warum schauen Sie so forschend um sich? Wir sind allein, ganz allein! Sie könnten hier die Trompeten, von Jericho erschallen lassen, es würde Sie auf eine Meile im Umkreis niemand hören. Nehmen Sie also ruhig Platz.“ Gerasimo und Tapas setzten sich zu Tische. „Sie haben da ein kostbares Souper bereitet,“ sagte Gerasimo und griff tapfer zu;„diese Sauce z. B. ist delizös.“ „Warum auch nicht?“ versetzte Tapas.„Ich wußte ja, daß der Herr Graf Stannet mein Gast sein würde! Apropos, edn armen Oukel haben Sie ganz ohne Umstände beseitigt! Er wollte wohl seine Unetrschrift verweigern, da haben Sie gedroht, ihn mit Ihren Händen zu erwürgen, und nachdem er unterzeichnet hatte, erstickten Sie ihn mit dem Bettkissen. Schön ausgeführt, beim Bacchus! Doch wie wie schmecken Ihnen diese Feldhühner?“ „Ausgezeichnet,“ sagte Gerasimo erbleichend.„Aber, Papa Tapas, wraum würzen Sie mir die Mahlzeit mit solchen Redensarten? Lassen Sie das, ich bitte darum?“ „Es sind ja nur harmlose Plaudereien, mein Wertester; man vertreibt sich die Zeit dabei. Bah, ich bin doch überzeugt, daß Sie das Herz Ihres Onkels verspeisen würden, um sein Erbe zu werden, nota bene, wenn ich es Ihnen vorsetzen würde.“ „Tapas!“ schrie Gerasimo zornig und stieß den Tisch zurück,„lassen Sie diese dummen Spässe, oder ich gehe fort.“ „Sie' haben Recht, lassen wir das. Was geschehen ist. läßt sich nicht mehr ungeschehen machen. Trinken wir also auf das Wohl des jungen Grafen Stannet, auf das Wohl seiner Geldkiste!“ Jeder der beiden Gäste hatte eine Flasche Wein vor sich stehen; der Notar füllte sein Glas und leerte es auf einen Zug und forderte Gerasimo auf, seinem Beispiele zu folgen. „Was machen Sie denn eigentlich zu Lixouri?“ hob Tapas wieder an. „Ich sagte Ihnen ja schon, daß ich eben erst dort angekommen bin,“ sagte Gerasimo unruhig. „Ach ja! Entschuldigen Sie, ich dachte nicht mehr daran. Aber sagen Sie mir doch, wie es mit Ihrer Hochzeit steht.“ „Mit welcher Hochzeit?“ fragte Gerasimo verwirrt. „Ei, ei! Sie haben also vollständig vergessen, daß Sie heiraten müssen? Es lebe die Gräfin Stannet!“ Der Notar leerte sein Glas zum zweitenmale und Gerasimo tat das gleiche. „Wie sollte ich das vergessen haben?“ sagte nun der junge Mann mit Sicherheit.„Ich habe es durchaus nicht vergessen; jedoch sind noch einige Geschäfte abzuwickeln und die erforderlichen Vorbereitungen zu treffen, und wenn, wie ich hoffe, in vierzehn Tagen alles beendet sein wird, werde ich kommen, um Marina abzuholen.“ „Ha! Marina!“ rief Tapas mit dröhnender Stimme, die dem gedämpften Brüllen eines wilden Tiers sehr ähnlich war. „Nun, so wollen wir auf die baldige Vermählung trinten!“ Beide tranken ihre Gläser zum dritten Male aus. „Ich habe vergessen, Sie zu fragen,“ sagte der alte Mann, „wie finden Sie diesen Wein?“ „Er ist ausgezeichnet,“ erwiderte Gerasimo;„zwar etwas stark, aber ich habe meine Flasche bis zum letzten Tropfen geleert!“ „Das ist auffallend,“ bemerkte Tapas:„ich habe Lisher stets geglaubt, das Gift mache den Wein bitter!“ „Welches Gift?“ „Ah so! Ich hatte vergessen, es Ihnen zu sagen. Die Flasche, welche Sie eben bis auf den Grund ausgetrunten haben, enthielt nur zur Hälfte Wein, das übrige war Gift.“ „Ich verstehe Sie nicht," lallte Gerasimo in entsetzlicher Angst. „Ha, Sie verstehen das nicht? Beim Bacchus! Gut also, Herr Graf, heben Sie nur jene Decke auf und Sie werden mich verstehen.“