Erscheint täglich Jusnahme der Sonn= und gesetzt. Feiertage. Abonnementspreis Psschaen. Sbeseierten Sezsiseitlet., n. Oser Post bezogen für 3 Monate 1.50 Ml. zdruck und Verlag, sowie für die Inserate sich: Biktor Schanzer Dortmund, rtmunder Tagebl verbunden Lokak-Anzeiger für und der täglichen Unterhaltungsbeilage mit dem Dortmund u. Hörde sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. 42. Erstes Blatt. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Dortmund, Samstag, den 19. Februar 1910. tionalliberale Schulmeierei und Angstmeierei. ms. Dortmund, 19. Februar. n auf der rechten Seite der Nationalliberalen en Elementen ist es augenscheinlich recht satal, u linksliberase Bürgertum sich von verschwomhaltung in der Wahlrechtsfrage frei hält und schiedener Weise seine Forderungen geltend Man gewinnt den Eindruck, daß diese Elegeglaubt haben, die Freisinnigen würden durch nsammengehen mit den Nationalliberalen bei sichsfinanzreform sich bereit finden lassen, ihre in Grundsätze einer Revision zu unterziesich den Nationalliberalen zu nähern oder ihnen aufzugehen. Da haben sich die Herren bings einer falschen Hoffnung hingegeben. Das sie jetzt auch ein und machen nun ihren Unüber ihre gescheiterte Hoffnung indem sie tadeln, daß die Freisinni# in„dieser erregten Zeit des preußiKachlrechtskampfes“ an„Ruhe und Besonnenschlen lassen. Der Tadel ist unberechtigt. Was ionalliberalen auf dem rechten Flügel als Rangel an Ruhe und Besonnenheit empfin#i nichts weiter als eine konsequente und ent#ctonung der Forderungen, die schon längst #ellt und seither verfochten worden sind. Zu Joderungen gehört die Uebertragung des ##agswahlrechts auf die Monarchie PreuLas müßte eigentlich den Natiouen bekannt sein und dürfte nhr wunder nehmen. Wenn diese es für achl und politisch unpraktisch halten,„jetzt Einführung des Reichstagswahlrechts in Preupochen“, so meinen wir, daß es einer unKlichen Verleugnung der Parteigrundsätze gleichane politische Tummheit sonder gleichen wäre, die Freisinnigen jetzt diese Forderung sein säuin der Tasche behalten und nicht damit herausvllten bei einer Gelegenheit, wie sie bes##t glich wieder sich bieten wird. Die Forderung ichstagswahlrechts für Preußen muß von den ###ngen erhoben werden, auch wenn sie noch vr überzeugt sind, daß sie damit nicht durchwerden. Taß„damit lediglich der Soziallatie Wasser auf ihre Mühle geleitet" wird, # bir nicht einsehen; wir sind vielmehr der daß der Freisinn der Sozialdemokratie den den Segeln nimmt, wenn er die Fordersines Programms im gegebenen Augenblicke selbst vertritt und deren Vertretung nicht der Sozialdemokratie feige Überläßt. Mag die nationalliberale Partei, sich selbst zum Schaden, in der Wahlrechtsfrage mutig vor der Regierung und den Konservativen zurückweichen und im Einvernehmen mit dieser den Versuch unternehmen, der breiten Masse des Volkes das ihr zukommende Wahlrecht vorzuenthalten, wir Freisinnigen machen da nicht mit und lassen uns auch nicht durch die Behauptung schrecken, daß wir der Sozialdemokratie„das Messer in die Hand“ lieferten, mit dem sie uns„die Kehle durchschneiden können". Wir bedauern nur, daß die Nationalliberalen uns in der von Grund aus liberalen Forderung des Reichstagswahlrechts für Preußen nicht unterstützen. Freudig haben wir es begrüßt, daß von der Linken eine gemeinsame Agitation wenigstens zu Gunsten des allgemeinen Wahlrechts in die Wege geleitet werden sollte. Diese Freude wird von den rechtsstehenden Nationalliberalen, die zum Beispiel in der Tortm. Ztg. ihre Vertretung haben, nicht geteilt. Aengstlich wird an alle Angehörigen der nationalliberalen Partei, namentlich an die Mitglieder der Parlamente, die Bitte gerichtet,„sich der Teilnahme an allen Protestkundgebungen zu enthalten, an denen die Mitwirkung sozialdemokratischer oder auch bürgerlich=linksliberaler und daher sog. verwandter Elemente zu erwarten ist.“ Ei Potz tausend! Die Angst vor einer Berührung mit Sozen und sozenverwandten bürgerlich=linksradikalen Elementen ist doch früher nicht vorhanden gewesen. Es ist noch nicht lange her, da hat man sich hie und da die Hilfe der Sozen gern gefallen lassen und sich den Sozen auch wieder dankbar erwiesen. Ist diese Interessengemeinschaft schon vergessen worden? Oder haben sich in der kurzen Zeit die Sozen so sehr zu ihrem Nachteil verändert, daß jede Gemeinschaft mit ihnen ängstlich vermieden werden muß? Die Hand von jeder Gemeinschaft mit Sozen und Sozenbettern“ so lautet die„ernste Mahnung" von der rechten Seite der Nationalliberalen. Wir aber sagen: NurHand in Hand mit der Sozialdemokratie kann die bürgerliche Linke eine„organische Fortentwicklung" des preußischen Wahlrechts in liberalem Sinne erreichen. Deshalb ist die hier gerügte Schulmeisterei der Freisinnigen ob ihrer angeblichen überradikalen Haltung und der Versuch, einen Keil in den Liberalismus zu treiben, aufs tiefste zu beklagen. Die unverständliche Quertreiberei wird unzweifelhäft schlimme Folgen für den Nationalliberalismus nicht allein, sondern für den gesamten Liberalismus haben, wenn ihr, was wir hoffen möchten, nicht bald Einhalt geboten wird. Berliner Brief. -h. Berlin, 18. Februar. * Volizeipräsident als Erzieher oder Ruhe ist Bürgerpflicht! Im Lapidarstil prangte am K fiüh an allen Anschlagsäulen die vaterliche reit des Polizeipräsidenten, in welcher er die Feien warnte, und betonte, die Straße gehöre P'stehr, ein„Recht auf die Straße“ bestehe nicht. etfolge zeitigte damit Herr v. Jagow? Sämtnate waren früh abgerissen— auch eine De„“ Der gefürchtete Sonntag ist vorübergedi u. g#s sich etwas sonderliches ereignet hätte, ½# Amzüge der Versammlungsbesucher hat man Bevölker sterung nicht weiter tragisch genommen und überwiegend an der Peripherie der eonn sie scharenweise von den Führern diri###“ waren, da sich dort wenig Polizei beI., z#ptsächlich zum Schutze der inneren Stadt, # mzebung des Kgl. Schlosses kommandiert #“ Immerhin war hinsichtlich des polizei##'ens ein Fortschritt gegen früher zu ver# m.:; Schutzmannschaft hielt sich wohl infolge echungen ungemein zurück, sie schritt nur da ##nbedingt notwendig war, und siehe da, etzin Tatsächlich haben unsere Schutzleute der Jahren etwas gelernt. Die Studienebenden Persönlichkeiten in anderen peigegan a“ der Berliner Poltzei nicht spurlos der schagr." hat doch einiges gelernt; mag so man: Unteroffizierston noch öfters hervora##### der Berliner Schutzmann seinen Nauirs mehr und mehr Ehre und als Folner mer*von beginnt der„blaue Koller“ der lsaniamr... 3u schwinden. Wenn bei frühe#auft die blaue Uniform eines Schutzbieser g.— ertönte sofort der Ruf„Haut ihm!“ Daz in: wurde meist auch willig Folge gede 2.,## aber doch etwas besser geworden. 4 gleicher a##en durchaus gut dabei. — Beser.“ Wo das Volk auf der Straße Pierte, 7a0 der innerpolitischen Verhältnisse dein einem der elegantesten Räumen, Finung über welche Berlin verfügt, eine gesellschaftliche Veranstaltung statt, die teilweise auf das Gebiet der auswärtigen Politik hinüberspielte. Es handelte sich um den Nachmittagstee, der von Angehörigen der ersten Gesellschaftskreise zum Besten der Pariser Ueberschwemmten organisiert war. Diese Wohltätigkeitstees, die man früher nicht kannte, wo man sich bei derartigen Veranstaltungen lediglich auf den Abend beschränkt, kommen immer mehr in Aufnahme,, weil man dadurch den Abend immer noch für eine andere Sache frei hat und Gelegenheit bekommt, sich nachmittags in angenehmer Gesellschaft zu befinden. Man geht so wie so in großerToilette hin und braucht sich dann für das Theater odersonst eine andere Veranstaltung nicht nochmals umzukleiden; auch geht es legerer zu, wie bei einem Souper oder Ball. So sah man auch am Sonntag eine überaus elegante Gesellschaft, die Damen in den wunderbarsten Toiletten, welche das monotene Schwarz der„herrlichen“ Gehröcke angenehm bunt unterbrachen. Im Gegensatz zu sonst war die Uniform sehr spärlich vertreten, sollte das vielleicht mit der Politik zusammenhängen? Uniformen sah man höchstens in Miniaturausgabe, auch bei einer Veranstaltung am Abend vorher nicht, wenngleich sich wohl nicht wenige Träger des bunten Rocks unter den Anwesenden befunden haben mögen. Ju der Philharmonie gab es, gleichfalls zu wohltätigen Zwecken, den zu einer ständigen Einrichtung gewordenen Ball der„bösen Buben“, den die Herren Meinhardt und Bernauer auch noch veranstalten. nachdem sie inzwischen zu leibhaftigen Theaterdirektoren avanciert sind. Neben dem Gesindeball der Künstlergenossenschaft gehört diese Veranstaltung zu den beliebtesten und ausgelassensten welche Berlin kennt. Die Theaterwelt, namentlich deren weiblicher Teil, ddminiert, und damit ist schon eine Garantie vorhanden, daß man sich nicht langweilt. Die für diesen Abend vorgesschriebene Kindertracht birgt schon an und für ssich die Möglichkeit zu lustigen Streichen; merkwürdia ist nur, wie trefflich die Kinderwelt es versteht, Champagner in Massen zu schlürfen. Wie froh wären die Theaterdirektoren, wenn auch sie immer in ihren Räumen auf ein volles Haus sehen könnten, aber woran es bekanntlich im letzten Winter Deutsches Reich. Neuwahlen zum Reichstage. Nach der„Lb. Korr.“ mehren sich die Anzeichen dafür, daß tatsächlich der Reichstag im Frühjahr 1911 aufgelöst werden wird, so daß die Neuwahlen etwa im Juni stattfinden könnten. Es wäre dann der Termin für die Neuwahlen wieder erreicht, der schon 1893, 1898 und 1903 festgesetzt worden war. Wenn 1911 im Herbst noch eine Session stattfinden würde, so könnte diese wegen der spätestens im Januar notwendig werdenden Neuwahlen nur ganz kurz sein, die Etatsberatungen würden ungebührlich durch die Neuwahlen verzögert werden. Dieses würde auch dann der Fall sein, wenndie Wahlen etwa im späten Herbst stattfinden sollten. Es spricht alles dafür, daß die jetzige Session im Frühjahr nicht geschlossen, sondern vertagt wird, und daß im kommenden Winter alle in die Kommissionen verwiesenen Gesetze, sowie der neue Etat aufgearbeitet werden. und dann der Schluß der Legislaturperiode eintritt. Die Parteien haben allen Grund, ihre Wahlvorbereitungen zu treffen. Die nächsten Reichstagswahlen versprechen„gut“ zu werden. Die Quittung für die„Finanzre= form“ und der Protest gegen die preußische Wahl=„Reform“ werden der Reaktion hoffentlich zeigen, wo Bartel den Most holt. Wie es auf den Swakopmunder Diamantfeldern zugeht, darüber berichtet die„Deutsch=Südwestafrik. Ztg.“ von Mitte Januar allerlei Unerfreuliches. Sie schreibt unter anderem: Die gänzliche Abwesenheit jedweden offiziellen berabehördlichen Organs auf den Swakopmunder Diamantfeldern zeitigt Zustände, die auf längere Zeit gänzlich unhaltbar wären. Jetzt, nachdem die Vorkämpfer, gute Erfolge erzielt haben, stürzt sich ein Strom von Nachzüglern auf die Felder, die um jeden Preis nochmittun wollen. Da jedoch das Diamantführende Gebiet in seiner ganzen Ausdehnung von 45 mal 8 Kilometer bereits eng belegt ist, so finden die Zuspätkommenden keine freien Blöcke mehr vor. Die natürliche Folge ist, daß man nach irgendwelchen Fehlern sucht, die andere bei der Belegung vielleicht gemacht haben könnten, um falls sich etwas auffinden läßt, das betressende Feld, als ungültig belegt, aufs neue zu belegen. Sobald der Mittelpfahl steht, wird ren den neuen Belegern schon gewaschen und die fast stats gefundenen Diamanten werden als willkommene Baute vereinnahmt. Kommt der alte Feldinhaber dazu, so gibt es„Meinungsverschiedenheiten“; bei denen das Recht des Stärkeren entscheidet. Häufia werden auf diese Weise einzelne Felder vier bis fünf Mal belegt, und jeder räubert, so viel er kann, vorausgesetzt, daß er stark genug ist, um sseinem Beginnen genügend„Nachdruck“ zu verschaffen. .. Zwei Polizeisergeanten, die hin und wieder auf die Felder kommen, sind durchaus nicht in der Lage, das große Diamantgebiet zu beaufsichtigen, dazu sind ihrer 24 vielleicht, neben zwei Zollstationen, notwendig. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Pfg. Reklamen die 4gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Pfg. Beilagen nach Uebereinkunst. Bei zwangsweiser Beitreibung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Rabatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. ür die Fedaktion verantwortlich: ax Connemann. Dortmund. 27. oft recht haperte. Auch bei Reinhardt im Deutschen Theater wird nicht allzuselten vor nur mäßig gefülltem Parkett gespielt, namentlich, wenn er solche Nieten zieht. wie in der letzten Zeit. Nach dem Eulenburg=Fiasko und dem mäßigen Erfolg des„Guten König Dagobert“ gab man die Komödie„Christinas Heimreise“ des Wiener Poeten Hugo von Hoffmannsthal. Man hätte von diesem ein feinsinniges Stück hören können, aber Name ist leider oftmals„Schall und Rauch“. Es gab einen Abend voll trübseligster Langeweile, der Humor war überaus gequält, und dazu kam, daß in der Besetzungder Rollen mehrere Fehlgriffe zu verzeichnen waren. Herr Reinhardt ist jetzt übrigens öfters in Verlegenheit, um eine Hofloge, da das Theater eine solche noch nicht besitzt. Schon oft hat man den Kronprinzen eine bereits besetzte Loge einräumen müssen, wobei deren Inhaber freilich nicht schlecht wegkamen, da er für seine Liebenswürdigkeit von Herrn Reinhardt als Gegenleistung die dauernde Berechtigung erhielt, so oft es ihn beliebt, zwei Plätze für sich zu belegen. Herr Reinhardt kann auch nobel sein. Am fraglichen Abend waren Prinz und Prinzessin August Wilhelm erschienen; bei der Oede des Stückes verschwanden ssie aber bald wieder. Die rühraie Volksoper machte lich in der letzten Zeit wieder um eine neue Opernnovität verdient. Man gab das musikalische Schauspiel Ahasver von Fritz Ritter nach dem gleichnamigen Stücke von Heyermanns. Es handelt sich um ein ganz interessantes Werk, welches uns in dem Komponisten ein bisher kaum bekanntes tüchtiges Talent zeigte, welches zu den besten Hoffnungen berechtigt. Dazu kam eine für diese Volksbühne vorzüglich abgerundete Aufführung, bei welcher sich auch das Orchester durchaus auf der Höhe hielt. Wenn man auf dieser Bühne so fortfährt, so erfüllt sie eine erfreuliche Mission. Dortmunder Stadttheater. Spielpkan von Sonntag, den 20. Februar bis Sonntag den 27. Februar 1910. Sonntag, den 20. Februar 1910. Nachmittags=Vorstellung zu volkstümlichen Preisen. Anfang 3 Uhr. „Hasemann's Töchter“. Volksstück in 4 Aufzügen von Adolf L'Arronge. Tokales und Provinzielles. Dortmund, 19. Februar. Rentner August Wulst* In fast vollendetem 83. Lebensjahre ist nach langem Leiden gestern der Sentor der hiesigen Zentrumspartei August Wulft verschieden. Der Verstorbene war seit dem Jahre 1875 mit kurzer Unterbrechung Mitglied des Kirchenvorstandes der Propstekgemeinde, des katholischen Schulvorstandes, des Kuratoriums des katholischen Waisenhauses und Vorsitzender der Vincenzvereine Dortmunds, die er mit gegründet hatte. Zwei Jahrzehnte hindurch war er Vorsitzender der Zentrumspartei Dortmunds, kandidierte im Jahre 1890 zum Reichstag und wurde 1894 in das Stadtverordnetenkollegium gewählt, dem er bis Ende vorigen Jahres angehörte. Vom Papst Leo 13. wurde Wulff mit dem Gregoriusorden ausgezeichnet. Man rühmt dem Verstorbenen einen vornehmen Charakter, strenge Sachlichkeit und Gerechtigkeit, westfälische Zähigkeit, tiefe Religiösität, innige Liebe zum deutschen Vaterlande, christliche Nächstenliebe nach. Er ruhe in Frieden! —* Der frühere Ziegeleibesitzer Wilh. Brothuhn, eine stadtbekannte Persönlichkeit, ist im 61. Lebensjahre an der Riviera, wo er Heilung von einem Leiden suchte, gestorben. —* Eine interessante Mitteilung bringt die „Deutsche Journalpost“. Um den Posten eines Inten danten am Hoftheater in Mannheim hat sich der hier sattsam bekannte Journalist Josef Maria Jurinek, der z. It. Berliner Vertreter der Leipziger Neuesten Nachrichten ist, beworben und soll, nachdem Professor Gregory seine Bewerbung zurückgezogen hat, in die engere Wahl gekommen sein. * Gemeinverständliche Vorträge der freistudentischen Ortsgruppe Dortmund. Am Donnerstag, den 10. er. sprach Herr Pfarrer Lic Götz über die„Friedensbewegung". Ausgehend von den sich immer steigernden Lasten zur Weiterrüstung zeigte Redner, daß die Friedensbewegung notwendig aus pekuntären Rücksichten entstehen mußte, nicht etwa, wie der erste Diskussionsredner meinte, deshalb, weil die Menschheit jetzt die sittliche Reife dazu erlangt habe. In fast allen Kulturstaaten macht sich die Friedensbewegung bemerkhar. Sie will keineswegs Heer und Krieg abschaffen, sondern den immer steigenden Rüstungen dadurch Einhalt gebieten, daß ein internationales Schiedsgericht eingerichtet wird, dem sich die streitenden Mächte zu unterwerfen haben. So wird es vermieden werden können, daß eine Macht freiwillig einen Streit vom Zann bricht. Steigern sich die Rüstungen wie bisher, so muß dadurch die Kraft eines Volkes vollständig ausgesögen werden. Aus diesen Gründen und teilweise auch aus moralischen, hat die Friedensbewegung besonders in England, schon bedeutenden Umfang augenommen und wir alle müssen sie nach Kräften unK Abends siebeneinhalb Uhr. Opernpreise. Zum 3. Male.„Im Paradiese Mahomets". Operette in drei Aufzügen von Robert Planquette(Komponist der„Glocken von Corneville“). Montag, den 21. Februar 1910. Anfang siebeneinhalb Uhr. Schauspielpreise, Serie A, Nr. 38, grüne Karten. Zum dritten Male.„O diese Leutnants“ Lustspiel in 3 Aufzügen von Kart Kraatz. Dienstag, den 22. Februar 1910. Anfang siebeneinhalb Uhr. Volksvorstellung bei aufgehobenem Abonnement.— Jahreskarten giltig. Ermäßigte Preise. Zum fünften Male. Mit vollständig neuer militärischer Ausstattung.„Ein Herbstmanöver“. Operette in drei Aufzügen von Emmerich Kalman. Mittwoch, den 23. Februar 1910. Anfang siebeneinhalb Uhr. Schauspielpreise. Serie C. Nr, 37, rote Karten.— Zum zweiten Male.„Wenn wir Toten erwachen“. Ein dramatischer Epilog in drei Aufzügen von Henrik Ibsen. Donnerstag. den 24. Februar 1910. Anfang siebeneinhalb Uhr. Overnpreise. Serie A. Nr. 39, grüne Karten. Neu einstudiert. Zum ersten Male„Die lustigen Weiber von Windsor“. Romantisch=phantastische Oper mit Ballett in drei Aufzügen von Otto Nicolat. Freitag, den 25. Februar 1910. Anfang siebeneinhalb Uhr. Schauspielpreise. Serie B. Nr. 37, braung Karten. Zum ersten Male.„Tantris der Narr“. Drama in 5 Aufzügen von Ernst Hardt. Sonnabend, den 26. Februar 1910. Anfang sieben Uhr. Overnpreise. Serie C. Nr. 38, rote Karten, Jum dritten Male.„Werther". Lyrische Oper in drei Aufzügen von I. Massenet. Sonntag, den 27. Februar 1910. Nachmittags=Vorstelb ung zu volkstümlichen Preisen. Anfang drei Uhr. „Judith“. Trauerspiel in fünf Aufzügen von Friedrich Hebbel. Abends stebeneinhalb Uhr. Overnpreise. Neu einstudiert.„Hoffmann's Erzählungen“. Phantastische Oper in drei Aufzügen, einem Prolog und einem Evikon von Jacques Offenbach. „** Die ursprünglich für Donnerstag, den 24. Februar angesetzte Volksvorstellung findet am Dienstag, den 22. Februar, statt. Dafür ist am Dienstag, den 29. März. eine Vorstellung im Abonnement der Serie B. wogegen das Abonnement der Serie A am Donnersta## den 31. März. ausfälkt. terstützen. Das zahlreich versammelte Publikum folg te den interessanten Ausführungen des Redners mit großer Aufmerksamkeit und spendete reichlichen Beifall. Im Anschluß an den Vortrag fand eine Tiskussion statt, die bezeugte, wie lebhaft das Interesse an dem Vortrage war. Ich hätte gerne gesehen, wenn der erste Diskussionsredner den von ihm gemachten Unterschied zwischen„Friedens=Idee" und „Friedens=Bewegung“ näher definiert hätte. Die Idee wird doch zur Bewegung, ist aber dann keine bloße Idee mehr.— Als letzten Vortrag veranstaltet die freistudentische Ortsgruppe Dortmund am 3. März 1910 abends Zeinviertel Uhr im großen Speisesaale des Stahlwerks„Hoesch“ einen„Musikali= schen Unterhaltungsabend“, auf den schon jetzt aufmerksam gemacht sei. Ferner findet am 17. März ein„Astronomischer Vortrag“ unter Berücksichtigung der Kometen und Meteore statt, zu dem Inhäber von Dauerkarten ermäßigten Eintritt zahlen. Zekt und Ort werden noch bekannt gegeben. —* Polizei=Bericht. In der Nacht zum Freitag bezw. im Laufe des Donnerstags wurden 14 Personen festgenommen und zwar: 7 wegen Diebstahls, 2 wegen Unzucht und je 1 wegen Obdachlosigkeit, Sachbeschädigung, Unfugs, Körperverletzung und Ueberweisung an die Landespolizeibehörde.— Von der Kriminalpolizei wurden in der Nacht zum Freitag am Fredenbaum zwei Mannspersonen festgenommen, welche auf der Zeche Achenbach eine Ladung Blei gestohlen hatten.— Festgenommen wurde ferner der Bergmann Ludwig Zumschlag wegen schwerer-Körperverletzung. —* Musikalische Gesellschaft. Bei dem Konzert der Musikalischen Gesellschaft, daß am Sonntag um heinhalb Uhr im Festsaale des alten Rathauses stättfindet, singt der Chor das Liederspiel von Herzogenberg und drei Chöre a capella von Marenzio Haßler und Lasso. Robert Kothe singt mit eigener Lautenbegleitung folgende Volkslieder: Susani— All meine Gedanken— Drei Laub auf einer Linden— Gar hoch auf jenem Berge— Feinsliebchen Tu sollst mir nicht barfuß gehen— Die schwarzbraune Hexe — Vom Wasser und vom Wein— Es fiel ein Rei in der Frühlingsnacht— Muß i den zum Städtele hinaus— Spinn, Spinn— Der Tod von Basel— Wer ist der Beste— Ich gung enmal spazieren. — Jüdische Krankenpflegerinnen. Wie uns das Kuratorium f. j. K. mitteilt, sind an Stelle der freien Schwestern zwei Schwestern des Breslauer Mutterhauses getreten. Die Pflegen finden ohne Berechnung statt und zwar ohne Unterschied des Standes oder des religiösen Bekenntnisses. Wir verweisen auf das Inserat im heutigen Blatt. —“ Naturwissenschaftlicher Verein(Dortmund.) Die letzte Versammlung fand in der Realschule des Nordens statt. Herr Oberlehrer Dr. Osthoff hielt einen Vortrag über die Ausscheidung eines festen Körpers aus einer Lösung und erläuterte denselben durch einige eigenartige Versuche. Es wurde gezigt: Die Krystallisation von chlorsaurem Kali aus einer heißen gesättigtenLösung, derWachstumsvorgang beim Krystallisieren von Kochsalz und Natronsalpeter, die Bedeutung des Impfens für die Auslösung der Krystallisation von Chloralalkoholat und schließlich die Bildung und Wirkungsweise einer halbdurchlässigen Haut von Ferroegankupfer. Die meisten Versuche wurden mit dem Projektionsapparat auf wirkungsvolle Weise zur Darstellung gebracht. — Drei Ladendiebinnen wurden am Donnerstag auf frischer Tat ertappt. Sie wurden zur Anzeige gebracht und sehen nun der Bestrafung entgegen. —“ Zusammenstoß. Gestern früh zwischen 4 und 5 Uhr fuhr auf dem Bahnhofe Tortmunderseld eine Maschine einem haltenden Güterzuge in die Flanke und rannte auf dessen Maschine auf. Bei dem Anprall, durch welche beide Lokomotiven stark Wochenplauderei. ms. Dortmund, 19. Februar. Im Vordergrund der Diskussion steht gegenwärtig„Das Recht auf die Straße.“ Es gibt Leute, die dies Recht nicht anerkennen wollen, wie z. B. der Polizeipräsident von Berlin, der die Behauptung aufgestellt hat, daß die Straße nur für den Verkehr da sei. Als Polizeipräsident von Berlin hätte Herrn von Jagow es meines Erachtens besser wie jeder andere Staatsbürger mit beschränktem Untertanenverstand wissen müssen, daß die Straße häufig auch anderen Dingen dient, als dem Verkehr. Man behauptet sogar, daß das in Berlin sehr häufig der Fall sei. Vielleicht läßt sich der Berliner Polizeipräsident noch einaml eines besseren belehren und läßt dann solche Ukase, wie den für letzten Sonntag, in seiner Schreibmappe liegen. Uebrigens halte ich es für meine Pflicht, zu konstatieren, daß die Berliner Polizei einmal recht verständig gelvesen ist und die Wahlrechts demonstranten ungestört dahin ziehen, singen und hochrufen siek. So kam es, daß trotz der Proklamation des Polizeipräsidenten in Berlin ernste Zusammenstöße nicht vorg.ckommen sind. Anders ist es leider in der Provinz gewesen, da, wo die Polizei den Ordnungsfuror entwickelte und in die Demonstranten hineinritt und hineinhieb, aber ich Leute, die nicht zu den Demonstranten gehörten, nicht verschonte. Vergeblich hat man sich gefragt, was denn die Polizei bei den Wohlrechtsdemonstrationen verloren hal. Das Recht wird doch dem Bürger nicht bestritten werde# können, daß er gegen politische Maßnahmen, die seinen Interessen widerstreiten, kräftig protestiert. Es ist in den Erörterungen des Rechts auf die Straße mit Recht darauf hingewiesen worden, daß Straßendemonstrationen und Versammlungen unter freiem Himmek in allen politisch freien Ländern in den Zeiten an der Tagesordnung sind, wo große Fragen das Volk bewegen. So ist es z. B. in Amerika, so ist es in England, so ist es in der Schweiz, wo ganz regetmäßig, auch in ruhigen Zeiten, Zehntausende von Menschen zusammenkommen, um gemeinsame Beschlüste zu fassen. Nur in Deutschland sträubt sich#5 Orbeschädigt wurden, erlitt der Lokomotivführer Wilde Verletzungen. —* Die Militäranwärter=Vereine der Provinz Westfalen halten morgen ihren diesjährigen Verbandstag hier ab. Hörde, 18. Febr. Einer der ältesten Bürger unserer Stadt, Herr Fuhrunternehmer Wilhelm Hageböck, ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Seit vielen Jahren an den Füßen gelähmt, hat er sein Fuhrmannsgewerbe bis ins hohe Alter betrieben. In den letzten Jahren wurde er draußen nicht mehr gesehen. Brackel, 18. Febr. Der Bergmann Paul T. wurde als der Hühnerdieb ermittelt, der seit etlicher Zeit sich in unserer Gemeinde unangenehm bemerkbar gemacht hat.. Es hat auch noch andere Diebstähle auf dem Kerbholz. Bei der Haussuchung fand man ein reichhaltiges Lager gestohlener Gegenstände bei ihm vor. Lütgendortmund, 18. Febr.[Die Regierung versagte den in den Gemeinden des Amtsbezirks Lütgendortmund beschlossenen Ortszulagen(für Lehrer 500 Mark, für Lehrerinnen 200 Mark, erreichbar in 25 Dienstjahren) die Genehmigung, mit der Begründung, daß die Verhältnisse in dem Landkreise keine höheren Ortszulagen als in der Stadt Dortmund(400 bezw. 150 Mark) bedingten. Mengede, 18. Febr. Der Bergmann Ludwig Zum schlag von hier, der vor einigen Abenden den Bergmann Eduard Zeh durch Messerstiche schwer verletzt hat ist gestern Abend in Dortmund von der Kriminalvoltzei festgenommen worden. Nette, 18. Febr. Der Gemeinderat beschloß die Errichtung einer Gemeindewirtschaft. Der Bau soll an der Ecke der Dörwerstraße und des Privatweges an Hergers Busch im Frühjahr aufgeführt werden. Altena, 18. Febr. Wie heute durch Anschlag auf dem Werk der Familie Selve bekannt gegeben wurde, hat der im November vorigen Jahres verstorbene Geheime Kommerzienrat Selve(Inhaber der Firma Basse u. Selve) nen Beamten und Arbeitern durch eine letztwillige Verfügung eine Stiftung von 1300000 Mark vermacht. Dieses hochherzige Vermächtnis dürfte einzig in seiner Art dastehen. Nach den näheren Bestimmungen werden für jedes wirkliche Dienstjahr einem Beamten 200, einem Meister 100, und jedem Arbeiter und jeder Arbeiterin 50 Mark in Anrechnung gebracht. Danach erhält ein Arbeiterjubilar bei 25jähriger Dienstzeit mindestens 1250 Mark und jeder Meisterjubilar mindestens 2500 Mk. als Vermächtnis ausgezahlt. Die Bekanntmachung, die von Frau Geheimrat Selve unterzeichnet ist, stellt es den Jubilaren frei, sich die Summe eventuell sofort bar auszuzahlen oder sie zur Verzinsung bei dem Werk eintragen zu lassen. Der Generalbevollmächtigte der Frau Selve wurde beauftragt, die 1300000 Mark sofort bereitzustellen. Wassen, 18. Febr. Ein Strolch überfiel gestern den 13 Jahre alten auf dem Wege zur Jechenbäckerei befindlichen Sohn des Bergmanns Qn., beraubte ihn, seines Geldes im Betrage von 2,40 Mark und zwang ihn durch Todesdrohungen, durch Feld und Wald zu folgen. Unter fortgesetzten Mißhandlungen ging es dann gen Dortmund. In der Nähe der Stadt gelang es dem Knaben, sich loszureißen und zu entfliehen. Gegen 10 Uhr nachts kam der arme Bursche wieder hier an. Infolge der Mißhandlungen und des ausgestandenen Schreckens ist der Knabe ernstlich erkrankt. Letzte Telearamme. Das Befinden des Kaisers. Berlin, 18. Febr. Der Kaiser unternahm heute mittag 13 Uhr in Begleitung der Kaiserin im Automobil eine Spazierfahrt nach dem Tiergarten, die erste nach viertägiger Pause, während der sich der Kaiser einer leichten Erkältung wegen Schonung hat auserlegen müssen. Der Kronprinz beim Deutschen Landwirtschaftsrat. Berlin, 18. Febr. An der heutigen, letzten Sitzung des Deutschen Landwirtschaftsrats nahm der Kronvrinz in Vertretung des Kaisers teil. Er wurde bei der Anfahrt vor dem Hauptportal des HerrenBTE lizei dagegen, dem Bürger das Recht öffentlicher Demonstrationsumzüge bei besonderen politischen Gelegenheiten zu gewähren, denn Deutschland ist eben kein politisch freies Land. Aber immerhin meine ich, daß man die Menschen auf die Straße gehen lassen soll, wenn sie auf die Straße gehen und Straßenkundgebungen machen wollen, denn sie haben ein natür iches Recht dazu, das nur von einem engherzigen, von einem philiströsen, einem bureaukratischen, einem veralteten polizeilichen Standpunkte aus bestritten werden kann.„Es gibt, schrieb dieser Tage die Frankst. Ztg. zur Frage der Straßendemonstrationen, leider Staatsbürger, die sich um die bürgerlichen Angelegenheiten des Staates wenia kümmern, und die werden auch niemals die Versuchung fühlen, sich an einer Demonstration zu beteiligen, was freilich nicht ausschließt, daß sie unter den heutigen Umständen zufällig ganz dieselben Prügel bekommen können. Aber es gibt doch auch Leute genug, deren staatsbürgerliches Bewußtsein sich nicht damit begnügt, an Lebensfragen der Nation nur dadurch mitzuarbeiten, daß sie einen Leitartikel oder das lesen, was ein Abneordneter in der Kammer gesagt hat. Es gibt eben Leute, die in bewegten Zeiten den Drang fühlen, ihre Person selbst in die Politik einzustellen, und es ist ein Glück, daß es solche Leute gibt, denn IIe sind es, die, wenn auch nicht alle groken, so doch manche der größten Zeiten gmmacht haben. Ein Aktenmensch mag das nicht verstehen, aber andere verstehen es, und die sagen, daß die Leute ein Recht auf persönliche Demonstration haben.“ Ich selbst,— ich mache kein Hehl daraus—, verspüre weniig„Lust, auf die Straße zu gehen, um mich an lärm#den Demonstrationen zu beteiligen. Nicht weil es mir am Mut dazu gebricht. Denn soviel Mut wie mancher sozialdemokratische Abgeordnete habe ich auf jeden Fall und ic möchte sogar behaupten, daß ich mehr Mut woie mancher sozialdemokratische Abgeordnete habe. Es zeurt nicht gerabs von besonderem Mute, wenn der Aba. Stadthagen bei einer Wahlrechtsdemonstration in einem Berliner Vororte an die auf der Straße versammelte Menge eine Brandrede gegen die Reaktion in Preußen hält, solange kein Schutzmann in der Nähr ist, kokort aber den großen Mund schlleßt. hauses von dem Prasidenten des Herrenhauses, Frhru. v. Manteuffel, und den drei Präsidenten des Deutschen Landwirtschaftsrats empfangen. Bei der Eröffnung der Sitzung teilte der Präsident, Graf SchwerinLöwitz, mit, daß der Kaiser durch sein Unwohlsein immer noch verhindert sei, an den Beratungen des Landwirtschaftsrats teilzunehmen, und sprach den Wunsch aus, daß der Kaiser bald wiederhergestellt sein und in altgewohnter Frische seines hohen Herrscheramtes walten möge. Graf Schwerin=Löwitz begrüßte sodann den Kronvrinzen, dankte ihm sowohl für sein Erscheinen als auch für sein stets der Landwirtschaft entgegengebrachtes Interesse und schloß mit einem Hoch auf den Kronprinzen. Darauf sprach Dr. Höstermann über Geschichte und Bedeutung der Elektrokultur, unter besonderer Berücksichtigung der neueren Versuche. Aus dem Referat und der Debatte ergab sich, daß die Versuche noch nicht derart fortgeschritten sind, daß man den Landwirten zur Anwendung raten könnte. Die staatlichen Versuche sollen erst noch fortgesetzt werden. Bundesrat. Berlin, 18. Febr. In der gestrigen Sitzung des zur und Bundesrats wurden angenommen ein Entwur Ergänzung des Besoldungsgesetzes und die Vorlagen für die Prägung von 40 Millionen Mark in Dreimark= und Einmarkstücken und von 5 Millionen Mark in Zehnpfennigstücken, ferner eine Vorlage über die Aenderung der Ausführungsbestimmungen des Zuckersteuergesetzes. Präsideickenwahl im Reichstag. Berlin, 19. Febr. Am nächsten Montag soll für den Grafen Stolberg ein Ersatzpräsident gewählt werden. Die Konservativen präsentieren für diesen Posten den Grafen Schwerin=Löwitz. Im Befinden des Grafen Stolberg ist neuerdings wieder eine Verschlimmerung eingetreten. Das deutsch=kanadische Handelsabkommen. Berlin, 18. Febr. Der deutsch=kanadische Wirtschaftsverein tritt am Montag abend zusammen, um zu dem deutsch= kanadischen Handelsabkommen Stellung zu nehmen. Parsevalballons auf der Brüsseler Weltausstellung. Berlin, 18. Febr. Wie aus Militärluftschiffer kreisen mitgeteilt wird, soll die Regierung bestimmt planen, einen Parsevalballon zur Brüsseler Weltausstellung zu entsenden. Wie weiter gemeldet wird, geht man in den leitenden Kreisen mit der Absicht um, noch ein zweites Luftschiff zu entsenden. Beide Ballons sollen an den während der Ausstellung stattfindenden Wettfliegen teilnehmen. Reichstagsersatzwahl. Posen, 18. Febr. Die Reichstagsersatzwahl für den verstorbenen Abgeordneten v. Chrzanowski (Stadt und Kreis Posen) ist auf den 8. April angesetzt worden. Wahlrechtskundgebungen. Frankfurt a. M., 18. Febr. Bei den gestrigen Wahlrechtskrawallen auf der Zeil wurden zwanzig Schutzleute und Kommissare zum Teil durch Stockhiebe, zum Teil durch Flaschen und Glasscherben, die aus den Fenstern der Häuser geworfen wurden, verletzt. Im ganzen wurden sieben Personen verhaftet, darunter der Leiter des Demonstrationszuges. Die Unruhen dauerten bis 2 Uhr nachts. Zuletzt spielten b. Die N sich die Vorgänge in der Fahrgasse ab. Die Rettungswache wurde von fünfzig Personen aufgesucht. Fünf Personen sind schwer verletzt, ein Mann, der einen Schutz in die Lunge erhielt, tödlich. Der für Sonntag nachmittag geplante Demonstrationsumzug vom Hohenzollernplatz nach dem Gewerkschaftshause ist von der Polizei verboten worden. mit C ahppeis 9 G5 um Demonstranten, Hiede Sanitätswache behandelte insgesamt Schußverwundungen sind zum Glück ui als man anfänglich glaubte. Die 2## wundeten sind wieder entlassen worden.= wundete liegen im Krankenhaus. Bei#=1, S ist der Zustand bedenklich, nur bei den zwei gaen die Dolchstiche erhielten. Nach glaubwürdie. sicherungen handelt es sich um bewuc. bereitete Angriffe, besonders gegen di.“ nalbeamten. Es wurden in den Tascha# nalbeamten. Es wurden in den Taschen der:“ teten Revolver, Messer, Schlagringe, und Tüten mit gestoßenem Pfesser gesunden. hervorgeht, daß es sich in der Tat um eine gen abredung unter den unlauteren Elementen Man hatte die Aufforderung, sich etwas in##.## zu stecken, verstanden und befolgt. Bezeichne auch, daß das Asyl für Obdachlose gestern aben, 7 Leute beherbergte, während sonst die Zahl wac 70 beträgt. Diese Obdachlosen müssen sich unter den Pöbel gemischt haben. Breslau, 19. Febr. Der Polizel####g. verbot den Anschlag der Einberufung zu? sammlungen der Demokratischen Vereinign dem Referat:„Die preußische Wahlrechtsreigen“ Verhöhnung des Volkes."40 Die Lage auf dem Balkan. Konstantinovel, 18. Febr. Der zetta“ zufolge sind die türkischen Botschaft in Wien, Paris und Petersburg, sowie der Gein in Sofia telegraphisch nach Konstantinopel### worden. Konstantinopel, 18. Febr. Einer meldung zufolge beschloß der Generalstab, Sala## zu befestigen. Französische Parlamentarier in Rußland. Petersburg, 18. Febr. Sechzehn fran## sische Parlamentarier und Senatoren deren Spitze der bekannte Politiker Baron Destem de Constans steht, sind heute in Petersburg eingene Eingesandt. Die„gefälschten" Lohnlisten im Ruhrbergbe## ae Wer die Scthater den Gerche licher Bergarbeiter Deutschland, veröffentig r Tage in verschiedenen Zentrumsblättem n Artikel, in dem er den Landtagsabgeordneten e## kus Hirsch, Essen, den Vorwurf machte, im Abgeon „*— Weise die ten thause in irreführender Weise die Lohng### tistik des Alloem--—7....... Frankfurt a. M., 19. Febr. Nach den endgültigen Feststellungen sind bei den vorgestrigen Straßenkämpfen 25 Schutzleute und 3 Kommissare verletzt worden, davon 2 schwer. Es hat sich herausgestellt, daß ein Schuß, den der gänzlich unbeteiligte Kaufmann Scheintal erhielt, nicht aus einer Browningpistole der Schutzleute, sondern aus einem kleinkalibrigen Revolver aus der Menge heraus abgegeben worden ist.— Unter den 67 Personen, die durch Säbelhiebe verletzt wurden, befindet sich ein Postassistent, der zum Nachtdienst gehen wollte, ferner eine Anzahl Reisende und Leute aus dem Publikum, die die Straße passierten. Auch Aerzte und Sanitätsmannschaften erhielten von den geheimen Schutzleuten, die der Meinung maren, es handele sich statistik des Allgemeinen Knappschaftsvereins zu chum verwandt zu haben. In Zurückweisung unberechtigten Angriffes hatte die Kölnische Zein auch an die wenig rühmliche Rolle erinnert, die Effert vor 3 Jahren in der Frage der Fälsch der Lohnnachweisungen im Ruhrbergbau gespielt In seiner Entgegnung beruft sich Herr Essen den Unterzeichneten zum Beweise dafür, daß ir „gehütet habe, das Wort„Fälschung“ zu genn chen", was nach dem ganzen Zusammenhang b### soll, daß es ihm s. Zt. nicht beigefallen sei, Zeche Nordstern eine Fälschung der Lohnliste### werfen. Es war sehr unklug von Hrn. Effert, mich Schwurzeugen aufzurufen. Allerdings habe ich zu bestätigen, daß er m. W. das Wort Fälsch nicht gebraucht hat, muß jedoch hinzufügen, u## wie ich auch s. Zt. schon in einer Zuschriftu### „Bergknappen“ betont habe, zweifellos eine### im Sinne hatte. Das läßt sich ebenso aus# geschriebenen wie gesprochenen Worten und nicht wenigsten aus der ganzen Art ableiten, wieer betreffenden Fall auszuschlachten versuchte. Wie er auch sonst dazu gekommen, den Staatsannat gen die Zechenverwaltung anrufen zu wollen? übrigen kann man doch jemanden als einen### hinstellen, ohne daß man gerade dieses Wort gebmn und Herr Efsert hat damals der Zeche No### zum mindesten auf diese Art eine Fälschung Lohnliste vorgeworfen, sollte er auch die Anwen#### dieses Wortes selbst vermieden haben. Der### für den seine Ausführungen berechnet waren, ihn auch sehr wohl verstanden. So schreibt die so## Tortm. Arbeiterztg. am 7. Dezember 1906 u der Ueberschrift„Die gesälschten Lohnlisten im bau“: „Auf der Revierkonferenz in Essen am 2. vember sprach Effert über gefälschte Lohnlister, Wenn jetzt Herr Effert den Vorwurf der# schung abstreitet, so ist das eine fahrlässige aber wußte Unwahrheit. Wenn er weiter in Abrede sich seitwärts in die Büsche schlägt und auf der Flucht sein Heil sucht, sobald er die Spitze eines Schutzmannshelmes erspäht hat. Kein Wunder, wenn angesichts solcher Vorkommnisse den sozialdemokratischen Führern der Vorwurf gemacht wird, daß sie die Massen auf die Straße treiben und zu lauten Demonstratkonen aufstacheln, während sie selbst in Sicherheit hinter dem warmen Ofen sitzen bleiben. Also ich sagte, daß ich keine Lust zur Beteiligung an den Demonstrationen auf der Straße verspüre. Darum aber werde ich denen, die auf Straßendemonstrationen versessen sind, das Recht darauf nicht bestreiten. Nun wird, wenn man auf Enlgand und Amerika vertneist, behauptet, die deutsche Arbeiterschaft sei bei weitem nicht so diszurliniert wie die englische und amerikanische. Das ist natürlich eine ganz saule Ausrede. Der ruhige Verlauf der Wahlrechtsdemonstration in Berlin am vergangenen Sonntag hat ja klipp und klar gezeigt, daß der deutsche Arbeiter trotz der in befehlhaberischem Lapidarstil von Stapel gelassenen Provokation, ich wollte sagen Proklamation des Berliner Poltzeipräsidenten seine Erregung bemeistern und in aller Ruhe demonstrieren kann. Ihm ist sicher die Einsicht gekommen, daß blutige Straßenkrawalle dem Demonstrationszweck nur Eintrag tun können. Wenn die Polizei dabei bedenken wollte, daß es eine ganze Masse Leute gibt, die einem freundlichen Wort, einem begütigenden Zureden stets zugänglich sind, bei weitem zugänglicher als einem herrischen Befehl, einer barschen Gebärde, einem Pufken, Stotzen und Schlagen, dann würde jede. aber auch jede Demonstration in der größten Gemütsruhe verlaufen. Natürlich ist Voraussetzung für eine ruhige Haltung, für eine besonnene Zurückhaltung der Polizei, daß die Demonstranten Ungeschicklichkeiten vermeiden. Ebenso bedauerlich wie der Ordnungsfuror gewisser Poltzeibeamten ist der Drang der sozialdemokratischen Jugend und auch der älteren Fanatiker, sich in Schmähungen und Beschimpfungen Andersdenkender hervorzutun. Verlangt der Demonstrant, daß man ihn ruhig gewähren läßt, ihn nicht durch Unbesonnenheiten in umötige Aufregung versetzt, so nuß er anderseits dar Verlangen respektieren, auch die Ansichten der anderen zu acbten. mögen de tön ancc noc so fehr irüber dies Strich als eine Niederlage Arsisen Punkte milde v. De bv.. um von ih #v#. Daue war, um von ih os#rähe, zu können. n werde“,### unwahr, Eermer ist es unwahr, bei der Untersucht Bvi, uch den Tirekton Prsch ongenden Bergie ##laht er(Effert) in der ae sagten gerade Ehs die boer Mrüighe fiht # 4 or verössentlicht Lirektors der Zeche In einem Punkte hen, wenn er nam eiche nicts Kuschuen, da er dies be Esorderung hin, bet fr E seinem Gedächtnis al Lteäiglichen Erklärunge un Esener Generalanz 4 3. 07) schließt er #ian und die Betriebsle der Sache keine Schuld n Gomurf nint gr.; Eärift an dasselbe Bla E'g). 4. 07) leitete er des Essener Generala ait ber Laderkedirektors Bergas Ense geirt. und d kuliste gehalten hätten. die Ausschußmitgliede # daß tatsächlich ein und nehme ich der im Falle Holtkamp u. Ein Fall handelt es sich gehen. Da ist es nun Sache der erfahrenen# dafür zu sorgen, daß die Ordnung aufrechterhalten den heißblütigen Demonstranten das Favete lin# recht sorgfältig eingeprägt wird. In Volksbeu# gen fällt begreiflichetweise manchmal ein 2... besser unterbliebe, aber tausend solche Worte noch nicht so schwer, wie eine einzige Schutzmanndie auf dem Publikum herumtrommelt. Und ma es deshalb auch in Dortmund nicht gerade sen lich erachten können, daß die Polkzei mit rauher# am Sonntag und Montag„Ordnung“ zu schaffe bemüßigt fühlte. Nicht nur in den Neihen% monstranten ist man über das Eingreisen der?“ recht empört gewesen, auch sonst ruhige Bürht“, anderen politischen Lagern sind sehr mißvergnutt“ die unmotivierte Aggressivität unserer Polizel Warum ich hier diese langen Darlegungen mache ndargen wiederum zu befürchten steht, daß bei: erwartenden großen Wahlrechtsdemonstration lizet die„Zurückhaltung vermissen läßt, die im ruhigen Verlanf der Kundgebung Voraussekrn, Mir will scheinen, als wenn unsere Polizei# nervös geworden ist. Wie ich höre, in itt“ Beine hat, für morgen beg. dert worden, un monstranten zu begegnen. Wozu P'e“ monstran sich am letzten Sonntag und Montag: gen, so M von Gesetzesverletzungen frei gehalten ha den sie das auch morgen tun, zumal aller A# lichkeit nach der Abg. Bömelburg schon bis"— Weilungen ergehen lassen wird. Für Ordnung dann die von Parteilvegen bestellten Ordktnitta schaften, die gern der Polizei den ihr wohl brng## genehmen Dienst abnehmen. So werden d'e po mit Gesang und Hochrufen die Stadt durchttele„zz sich dann der Schwarm verlaufen hat, wird bis t“n Ruhe herrschen und auch der ängstlichste..#### sich sagen können, daß er sich ohne Grund gein“. Ruhe ist die erste Bürgerpflicht, aber V al die Polizei bei öffentlichen Kundgebungen“ massen. Das zu beherzigen, empfehle ich f“:# gigigen Tag, und empfehle er ganz beso#d““ zlatsa blick auf die den Lefern des Dortmunder###t ##wu bekamnte Warnung der hiesigen PoltzeibColonial gegenüb oberhalb des alle Deli Kaffee— Ferner werden B 325 Telefon 350 Am 16. F vo er Genesun aus München. Einem let zeige ich diese ergebenst an. H. C. Herren Hansastraße 57. vis-à-vis Althoff. Vornehme Verarbe Permanente Auss Gerate für Du Ebo vom Nie 15 Piz. Wohn ast neues Dan bestes deut Häh.: 1: 50 Fis. Bei keinem der# 1 den zwei Pol. osbmüicher: m bewuß Te der Taschen der schwere 82 fer gefunden, um eine gewis.#. Elementen 5.2 eiwas in die 3ed ose gestern abenmülber 32. ne. müssen sich alle iberufung Balkan. chen otschafl 1, sowie der konstantinopel febr. Einer Bl neralstab, Salan## er in Rußland. Sechzehn franz und Senatoren, er Baron Destourn etersburg eingette nôt. : im Ruhrbergbau r des Gewerkben schland, entrumsblätter in gsabgeordneten en machte, im A. eise die Lohng##, pschaftsvereins zu Zurückweisung die Kölnische kolle erinnert, die Frage der zi ihrbergbau gespielt ; s i c h H e r r E s s e n eise dafür, daß ir Fälschung“ zu gein Zusammenhang b# ht beigefallen sei, ig der Lohnliste n Hrn. Effert, mich llerdings habe ich das Wort Fälch och hinzufügen, u#f einer Zuschriftu## zweifellos eine sich ebenso aus Worten und nicht it ableiten, wieer ten versuchte. Wie den Staatsannat rufen zu wollen? nden als einen#### e dieses Wort gebn s der Zeche #t eine Fälschung er auch die Anwen en haben. Der? berechnet waren, So schreibt die son Dezember 1906 un en Lohnlisten im B### nz in Essen am 2. gefälschte Lohnlister, den Vorwurf der ine fahrlässige aber weiter in Abrede „ Ane Niederlage geholt zu haben, so mögen gamd!““unkte milderndellmstände zuzubilligen in biesem F näglicherweise seine Blamage nicht u., d0 Wr, um von ihm als Niederlage cmpfunkönnen.„Gefühl ist alles“. in werde“g# unwahr, daß wie Herr Effert jetzt o, der Untersuchung der Fälschungsangeleribt, rt, den Tirektor der Zeche Nordstern in kabeit Aummenden Vergleute dasselbe ausgesagt hätEtracht“.(EFifert) in der Oeffentlichkeit behauptet ## M'i: zagten gerade das Gegenteil aus. Ber.#. von mir u. a. im Essener Generalanzeiger W: 2# 07 verösfentlichte dokumentarische Erklär# girektors der Zeche(s. auch weiter unten). I# Inem Punkte muz ich Herrn Effert allerdings Inen penn er nämlich betont, däß er in dier.# nichts zurückzunehmen habe, aber nur dann *„ zamit meint, er habe jetzt nichts mehr zuund““ un, da er dies bereits auf meine öffentliche na hin, bei früherer Gelegenheit getan. Pieigem Gedächtnis auszuhelfen, setzte ich seine Ehrüglsichen Erklärungen hierher. Eine Zuschrift in Eisener Generalanzeiger(abgedruckt in Nr. 52 #### 2°07) schließt er mit den Worten:„DieDian und die Betriebsleitung von Nordstern trifft be Sache keine Schuld und beabsichtige ich ihnen ## Vorwurf nicht zu machen“ und eine spätere ärift an dasselbe Blatt(abgedruckt in Nr. 98 ##d 4. 07) leitete er wie folgt ein:„In Nr. ##s Essener Generalanzeigers vom 6. April d. ##st Herr Dr. Jüngst, Essen, ein Schreiben des Lachertsdirektors Bergassessor Freund mit, wonach #usschußmitglieder sich in der von mir aufgeworTrage geirrt und den Schichtenzettel für die knliste gehalten hätten. Auch mir gegenüber hadie Ausschußmitglieder eine Erklärung abgege##s tatsächlich ein solcher Irrtum vorliegen bue und nehme ich den Vorwurf insoweit zurück, im Falle Holtkamp und Kameradschaft(nur um in Fall handelt es sich in der Fälschungsangelegenheit. D. U.) derselbe von mir erhoben worden war, nämlich die Lohnliste enthalte nicht dieselben Lohnanguben, als wie die Lohnbücher der betreffenden Kameradschäft und da aus den Lohnlisten die amtlichen Lohnstatistiken angefertigt würden, könnte auch in diesem Falle die amtliche Lohnliste nicht stimmen.“ Wer, wie in dem vorliegenden Falle Herr Effert derartig dokumentarisch zu belegende Tatsachen außer acht läßt, sei's selbst nur fahrlässig, der hat das Recht, seine Ansicht vor der Oeffentlichkeit zur Geltung zu bringen vorwirft. Glückauf! Dr. Jüngst. Das gegenwärtig im Cafee Metropol konzertierende Orchester des rührigen Meisters Arthur Dröge übt auf die Besucher große Anziehungsfraft aus. Alle Piecen werden auf das Exakteste zum Vortrag gebracht. Ueber die Bedienung im Metropol etwas zu sagen, erübrigt sich; jeder Besucher fühlt sich in dem gemütlichen Lokale heimisch. Wir haben mit einem Worte ein nach echt weltstädtischem Muster zugeschnittenes Cäfee vor uns, in dem sich niemand langweilt. Im Olympia=Theater hat am Mittwoch, den 1. Februar ein vollständiger Programmwechsel stattgefunden. Das neue Programm hat den größten Erfolg errungen und den stürmischten Beifall erzielt und bildet unstreitig das Tagesgespräch der Provinz. Les 5 Alex, die Matadore der Luft! Die Londoner Sensation Globe of Lise! Bellönis Kunstradfahrer auf dem Einrade. H. Stiebel, der ausgezeichnete Humorist sowie die übrigen Novitäten bilden einen Spielplan wie er glänzender und reichhältiger nicht gedacht werden kann und den wegen der enormen Unkosten nur Weltetablissements bieten können. Morgen Sonntag sind 2 große Galavorstellungen, nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr. In beiden Vorstellungen treten die gesamten Attraktionen des neuen glänzenden Februarprogramms auf. Bekanntmachung. Die Königliche Ersatzkommission für den Stadtkreis Dortmund tritt zur Musterung der Militärpflichtigen hiesiger Stadt in diesem Jahre am 21. 22. 23. 24. 25. 26. 28. Februar, 1. 2. 8. 4. ö. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 29. 30. 31. März, 1. 2. 5. 6. 7. 8. und 9. April, vormittags von 8½ Uhr im Saaldes Reinoldushofes, Wißstraße Nr. 17 zusammen. Die zur Gestellung verpflichteten Militälpflichtigen haben sich sauber gewaschen und in reinlicher Kleidung bei Vermeidung der gesetzlichen Strafe zur Musterung pünktlich einzufinden und ihre früher erhaltenen Losungsscheine mitzubringen. Jede Störung der Ruhe und Ordnung während des Musterungsgeschäftes wird mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mk oder mit entsprechender Freiheitsstrafe geahndet. Eine gleiche Strafe trifft denjenigen Militärpflichtigen, welcher im Musterungstermine ohne Erlaubnis der Ersatz=Kommission sich von dem angewiesenen Sammelplatz entfernt. Auch ist das Mitbringen von Stöcken und Messern in das Musterungslokal streng untersagt. Bei der Losung, die am 9. Aprfl, von Vormittags 8½ Uhr stattfiudet und nur unter der jüngsten Altersklasse d. i. unter den im Jahre 1890 geborenen Militärpflichtigen, und den etwa in früheren Jahren Uebergegangenen, ist das persönliche Erscheinen der Militärpflichtigen nicht erforderlich, weil für die Nichterschienenen von einem Mitgliede der Ersatzkowission gelost wird. Die Beurteilung der angebrachten Reklamationen erfolgt erst nach Beendigung des Musterungsgeschäfts und zwar vom 5. bis 8. April. Bezüglich der Reklamationen bemerken wir noch, daß nach den geltenden Bestimmungen diejenigen Familienmitglieder, auf deren Erwerbs- und bezw, Aussichtsfähigreit es bei her Beurteilung ankommt sowohl vor der Ersotz- als auch vor der Ober-Ersatz Kommission persönlich erscheinen müssen. Die Betreffenden haben den Nachteil, der ihnen aus der Nichtbefolgung dieser Vorschrift erwächst, sich selbst beizumessen. Die Klassifikation der Reservisten, Landwehrleute und Ersatzreservisten findet am 9. April, Vormittags nach Beeudigung der Losung statt. Königl. Landratsamt des Stadttreises Dortmund. Schmieding Bekanntmachung Das Königin Augusta Garde=Grenadier=Regiment Nr. 4 wird am 3. Mai 1910 sein 50jähriges Bestehen feiern. Alle ehemaligen Angehörigen und Kriegsteilnehmer des Regiments, die an der Feier teilzunehmen wünschen, werden gebeten, hiervon dem Regiment Kenntnis zu geben, unter Angabe des Vor= und Zunamen, Stand, Wohnort, Straße und Hausnummer, Tag des Eintritts in das Regiment, Kompagnienummer. Dienstgrad, Feldzüge. Sammelmeldungen durch Kriegervereine pp sind erwünscht. Aus dem Rheinland werden Sonderzüge zu ermaßigten Preisen von Coblenz und Cöln aus zusammengestellt. an die anzuschließen sich empfiehlt. Die Aufforderungen, enthaltend Programm und Kostenvoranschlag, werden den sich Meldenden später zugehen. gez. von Oetinger Oberst und Regiments=Kommandeur. sdonialwaren, Brandau& Co., Ostenhellweg 50. Delikatessen. Wir eröffneten ein zweites Geschäft gegenüber der Reinoldikirche, oberhalb des Hotels„Römischer Kaiser“. gegenüber der Reinoldikirche, oberhalb des Hotels„Römischer Kaiser“. Wir halten in diesem Geschäft vorrätig; Fleischwaren— Konserven— Früchte— Weine. Spezial-Abteilung für: Kaffee— Tee— Kakao— Chocoladen— Cakes— feine Confituren in reicher Auswahl. Ferner werden Bestellungen auf sämtliche Kolonialwaren wie wir solche in unserem Hauptgeschäft führen, entgegengenommen u. prompt erledigt.— Versand nach auswärts. alle Delikatessen 325 Telefon 3501. Brandau& Co. Am 16. Februar d. Js. verstarb zu Gardone Riviera, vo er Genesung gesucht hatte, im 61. Lebensjahre der Rentner Herr Wilhelm Brothuhn aus München. Einem letzten Wunsche des Verstorbenen entsprechend zeige ich dieses hierdurch seinen Freunden und Bekannten ergebenst an. Blumenthal, lustizrat. 5 ahrenen Fü# echterhalten Favete ling# Volksbel ein Wort, Worte wieg schuhmanns Und man terade sehr eit rauher#a zu schaffer Keihen der isen der Voll ge Bürser ißvergnügt Poltzei gen en mache! daß bei ration die die für oraussetzung olizei unetleh ist alles, 2 m, um gtregung! Demonst # ben, so# r on die k.— Ordnung so#9 Ordnuh. a wohl Die Toyrg rchgschen. vied Ve uung ub eege per allen P Sesch age 1 H. C. Howe Herrenschneider 335 Telephon 7530. Hansastraße 57. vis-à-vis Althoff. Vornehme Verarbeitung Billigste Preise. Fermanente Ausstellung im Schaufenster. üte für Dulsburg "„ Im wenversten Niederrhein, Duisburg. “ F. wohnungs- und Stellenanzeigen 10 Pig.) (210000 Einwohner) und den Niederrhein veröffentlicht man im weitverbreiteten ## sast neues Damenrad deßtes deutsches Fabrikat) billig zu verkaufen. 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Windheuserkarten mit 15 Pf. Nachzahlung. FIE Oberrealschule. Das neue Schuljahr beginnt am 13. April. Meldungen von Schülern müssen spätestens bis zum 5. April erfolgen, sind aber möglichst bald erwünscht. Anmeldescheine sind beim Pedell im Gebäude der Oberrealschule am Hohen Wall kostenlos zu haben Für die Aufnahme der Schüler in die unterste Klasse (Sexta) stellen alle höheren Schulen gleiche Anforderungen Prof. Dr. Stoltz 330 Direktor, Städtisches ev. Gymnasium in Dortmund. Das neue Schuljahr beginnt am 13. April. Anmeldungen nehme ich in den Sprechstunden, 12—1 Uhr an den Schultagen, im Amtszimmer, Märkischestraße 2, entgegen. Auch können sie schriftlich unter Benutzung der beim Schuldiener vorrätigen Anmeldungsscheine erfolgen. Bei Anmeldungen für Sexta bitte ich anzugeben, ob der Schüler nach dem alten Lehrplan (Beginn mit Latein) oder nach dem Reformlehrplan (Beginn mit französisch) unterrichtet werden soll. Dr. Franz. Gymnasial-Direktor. 272 Brautleute die eine wirklich gediegene Einrichtung zu fabelhaft billigen Preisen kaufen wollen, wenden sich an die Möbelfabrik August-Becker 49 u. 64 Steinstrasse 49 u. 64 Telephon 3374 oder an die neueröffnete Filiale Burgwall 26 zwischen Hotel Burghof u. Hotel Lindenhof. Meine Möbel empfehlen sich ohne große Reklame von selbst. Mein Kundenkreis zählt an Tausende selbst nach vielen größeren Städten lieferte ich große Ausstattungen; ich bin im Besitz zahlreicher Anerkennungen. Vergleichen Sie bitte genau meine Waren und Preise und worden Sie den großen Vorteil erkennen Stadttheater Sonnabend, 19. Februar 1910. C. 36. 7=11. Opernpreise. Die Walküre Handlung in 3 Aufzügen v Rich. Wagner. Sonntag, den 20. Februar 1910 Nachmittags 3 Uhr. Volkstümliche Preise. Hasemann’s Töchter. Volksstück von L'Arronge. Abends 7¼- 10½. Opernpr. Im Paradiese Nahomets. Operrette von Planquette. Kronenburg. Philharmon. Orchester. 1392/95 Jeden Sonntag und Mittwoch nachmittags 3½ Uhr: Hüttner-Konzerte. Jeden Freitag. abends 8 Uhr Symphonie-Konzert. „Zum Blücher“ 77 Münsterstrasse 77. Sonntag nachmittag 4 Uhr Grosses Künstler- Konzert bei freiem Entree. d. Musik-Ensembie „Goldklang.“ Gesang- u. hum. Vorträge, Vorzügl. Küche. Ia. Biere. Feines Weinrestauragt (altdeutsche Weinstube.) Weine aus eigener Weingrosshandlung. Musikalische Gesellschaft. Sonntag, den 20. Februar, nachmittags 5½ Uhr Im Festsaale des alten Rathauses III. Vereinskonzert Solist Robert Kothe, Lautensänger aus München Programm: Deutsches Liederspiel von Herzogonberg. Mitwirkende: Frl. Emmy Heyne(Sopran) Frl. Heiene Tellering(Klavier) Herr Robert Schirmer(Tenor) Herr Willy Eickemeyer(Klavier) sämtlich Lehrer am Konservatorium Holtschneider—Hüttner. Lieder zur Laute 321 Chöre à capella Eintrittskarten à Mk. 3.—. 2.-. und 1.— im Verkehrsbüro, Markt und a. d. Kasse H. Gockel Dortmund, Telefon 945. Gerichtstaxator Taxator der städt. 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Kuratorium für Jädische Krankenpfiegerinnen Gegründet 1903. in Dertmund Gegründet 1903. Unsere Station, welche mit zwei Logenschwestern des Breslauer Mutterhauses besetzt ist, übernimmt Pflegen Nachtwachen und vorübergehende Hilfeleistungen ohne Unterschied des Standes und des rellgiösen Bekenntnisses. Die Pflegen sind unentgeltlich, doch werden freiwillige Zuwenduugen dankbar angenommen. 382 Bestellungen werden an den Vorsitzenden Herrn S. Elkan. Neuer Graben 16,(Fernspr. 2588) erbeten. Dortmunds Gebr. Enge Westenhellweg 37 Stets vorrätig Teppiche mit kleinen Druckfehlern. welche wir bedeutend unter Prets verkaufen. Nur neueste Muster Philharmonischer Veréin Montag, den 21. Februar cr. abends 8 Uhr. im grossen Saale der„Kronerburg“ Richard Wagner-Abend Ausführender: Herr Hofopernsänger Karl Braun vom Königlichen Hoftheater Wiesbaden. und d. Philharmonische Orchester(Dir. Georg Hütlgerl. PROGRAMM. Gesänge für Bariton mit Orcheser aus„Tannhäuser“, dem„Fhlegenden Holländer“ und der Walküre, Vorspiel zu„Parsifal“, Walz. weben aus„Siegfried“ und Vorspiel zum 3.Ah Tanz der Lehrbuben usw. aus den„Meister. singern“, Walkürenritt aus der„Walküre“, Nlur Mitglieder und deren Angehörige haben Zuth Anmeldungen zur Mitgliederschaft des Phllharmoniichen Vereins bitte an Herrn Bürgermeister Dr. Eichheif zu richten, auch an der Abendkasse werden jolde noch entgegengenommen, 21 2 etss Dortmunder Gewerbe- Koch- u. Haushaltungsschule Ostraudweg 15. Deutsch, Litteratur, Französisch, Englisch, 2 eichnen Handarbeit, Kunststickerei und Wüschezuschnelden, Wäschenähen, Kleidernähen und Zuschnelden, Kochen, Backen, Bügeln. Tertialkurse an 22. April, 15. Sept, 3. Jan. Auswärtige Schülerinnen erhalten Schüler fahrkarten. Anfragen u. Prospekte bei der Vorsteherin Alwine Neugebohrn. Nähere Auskunft erteilen auch: Frao E. Wiskott. Märkische Strasse 11, Fras Konsul Hoeson. Ostwall 14 Auf Cr sind Möb zu folgenden günstigen Bediugungen einzig allein nur bei mir zu haben. Zimmer 65 Mk., Anzahlung 5 Ml. Zimmer 92 Mk., Anzahlung 8 Mi. Zimmer 220 Mk., Anzahlung 15 Zimmer 310 Mk., Anzahlung 25 Ml. 1 Inzüge, Paletots, Pelae Damen-Garderoben Anzahlung Nebensache! Kaufmann der über ein Kapital von 8-10000 Mark Möbeltransport Spedition— Lagerung. Lukaszewskic Richter Wablsche Besitzung). verfügt, kann sich an einem gut nde gehenden Geschäfte, daß seit mehreren Jahren besteht, und jetzt vergrößert werden soll, beteiligen. Fachkenntnisse nicht erforderlich. Interessenten wollen ihre diesbezüglichen Mitteilungen unter B. S. an die Geschäftsstelle dieser Zeitung senden. Kredithaus DORTMUND 19—14 Brüekstrasse 12—14 Im Hause der Stehbierhalle Wilberg. Kredit nach auswärts Samst ben 19. Feb Zweite Deutsche Am Bundesratstische: matssckretär WahnschaffSchicter Gras v. Sel IIsepräsident Spahne Abstimmung üb Auf der Tagesordnur absimmung über den A zeutrum) betreffend di ur retigiösen Freiheit. mutag Albrecht und Ge Antrag wird mit 233 ge Antrag Hertling wird be gegen 150 Stimmen abg Es folgt die Interpe betrefsend die Aeußerung des Reichs sber das Reichstagswa Staatssekretär Delbri bereit, die Interpellatio Vizepräsident Dr. S. vorschlagen, die Inter# Tagesordnung zu setzen Hierauf werden die Etat des Re Es liegen zu diesem Abg. Dr. Mayer=Ka vorwiegend wirtschafts daß unsere Exportfähig weitert und unsere I# werde vom Auslande. seiner Partei auf Erric Staatssekretär Delbr elretär den Etat des hielt eine längere Rede Politik, insbesondere d und sich von den bishei würden. Er gab eine Entwicklung der inner schen Reiches, in dem Periode von politischer schaftlicher Kämpfe ab eien der sozialistische wirtschaftlichen Kräfte bungen dahin gehen, z bisher schon eingese könne und wolle wed verlassen. Den Haup die Förderung des M Abg. 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Anzahlung 25 Ml. vn 1 Hrk. u. tots, Peli rderoben ebensache! haus HUND rasse 12—14 dierhalle Wilberg. auswärts Samstag, den 19.„ebrnär 1910.( Zweites Blatt. Deutscher Berlin, 18. Februar. Bundesratstische: Staatssekretär Delbrück, Unteretssefretär Wahnschaffe, bayerischer BundesratsbevollEächigter Graf v. Lerchenfeld und andere Bevollizepräsident Spahn eröffnet die Sitzung um 1,17 Uhr. Abstimmung über den Toleranzantrag. der Tagesordnung steht zunächst die namentliche Nr. 42. 27. Jahrgang. u Abfimmung über den Antrag des Freiherrn v. Hertling zeutrum) betreffend die Beseitigung der Beschränkung retigiösen Freiheit. Zunächst wird über den Zusatzuirag Albrecht und Genossen(Soz.) abgestimmt. Der Autrog wird mit 233 gegen 89 Stimmen abgelehnt. Der zutrag Hertling wird bei 8 Stimmenthaltungen mit 160 gegen 150 Stimmen abgelehnt. Es folgt die Interpellation Albrecht und Genossen betrefsend die Aeußerung des Reichskanzlers im Abgeordnetenhause über das Reichstagswahlrecht. Staatssekretär Delbrück: Der Herr Reichskanzler ist tereit, die Interpellation morgen zu beantworten. Zizepräsident Dr. Spahn: Dann werde ich dem Hause zorschlagen, die Interpellation für morgen auf die Tagesordnung zu setzen. hierauf werden die Etatsberatungen fortgesetzt mit dem Etat des Reichsamts des Innern. Es liegen zu diesem Etat 38 Resolutionen vor. Abg. Dr. Mayer=Kaufbeuren(Zentrum) behandelte eerwiegend wirtschaftspolitische Fragen. Er wünschte, daß unsere Exportfähigkeit gestärkt, das Absatzgebiet erweitert und unsere Industrie unabhängiger gemacht werde vom Auslande. Er empfahl weiter die Resolution seiner Partei auf Errichtung eines Reichskartellamts. Staatssekretär Delbrück, der das erstemal als Staatsselretär den Etat des Reichsamts des Innern vertritt, hielt eine längere Rede über die Richtlinien, die für seine Politik, insbesondere der Sozialpolitik, bestimmend sein und sich von den bisher eingehaltenen nicht unterscheiden pürden. Er gab einen historischen Ueberblick über die Entwicklung der innerpolitischen Verhälinisse des Deutschen Reiches, in dem nach der seiner Gründung eine Periode von politischen Idealen von einer solchen wirtschaftlicher Kämpfe abgelöst sei; dessen Charakteristikum eien der sozialistische Zug und die Konzentration aller wirtschaftlichen Kräfte. Deshalb müßten alle Bestrebungen dahin gehen, zu versöhnen und auszugleichen. Die bisher schon eingeschlagene sozialpolitische Richtung könne und wolle weder er noch einer seiner Nachfolger verlassen. Den Hauptwert legte der Staatssekretär auf die Förderung des Mittelstandes. Abg. Pauli=Potsdam(kons.) dankt dem Staatssekreüür für seine Ausführungen, die das Richtige getroffen haben. Wir können stolz sein auf unsere sozialpolitische Gesetzgebung, und das ist die Sozialpolitik eines muarchischen Staates. Der Hansabund hat Geld, und pirsollen ihm die Leute stellen, im Ernstfalle läßt er uns hudwerker aber im Stich. Die Hauptsache ist sorgälige Trennung zwischen Großbetrieb und Handwerk. Lie Industrie muß zu den Kosten der Handwerkerausbildung beitragen. Abg. Fischer(Soz.): Wir wollen die Verhältnisse so zestalten, daß die Arbeiter im Himmel es nicht besser haben können.(Stürmische Heiterkeit.) Abg. Linz(Rp.) dankt dem Staatssekretär und fordert Unterstützung des Handwverks. Samstag 11 Uhr: Sozialdemokratische Interpellation wegen der Wahlrechtsrede des Reichskanzlers. Fortsetzung der Etatsberatung. Schluß 27 Uhr. Berlin, 18. Februar. Am Ministertische: Dr. Beseler. Vizepräsident Dr. Porsch eröffnet die Sitzung um 11.15 Uhr. Der Jlstizetat. Beim Kapitel Land= und Amtsgerichte begrüßt Abg. Goebel(Zentrum) die bevorstehende Beseitigung des Unterschiedes zwischen Gerichtsvollziehern erster und zweiter Klasse. Abg. Frhr. v. Maltzahn(kons.) schließt sich ihm an. Zu bedauern seien nur die Nachteile, die den kleinen Städten durch die Streichung von 139 Gerichtsvollzieherstellen erwachsen. Ein Regierungskommissar erwidert, daß diese Stellen sehr wohl gestrichen werden könnten, da die betreffenden Gerichtsvollzieher nicht genügend zu tun hatten. Abg. Bartscher(Zentrum) wünscht Besserstellung der Aktuare. Geheimrat Fritze: Die Aktuare stehen schon jetzt besser als früher. Wir werden nach wie vor auf normale Anstellungsverhältnisse für sie Bedacht nehmen. Abg. v. Pappenheim(kons.): Die ernste Frage der Unterbringung irrer Verbrecher beschäftigt andauernd die Behörden. Früher wurden die Irrenhäuser wie Zwinger für wilde Tiere eingerichtet. Seit zwei Jahrzehnten ist Treffliches geleistet, um den Irren das Leben erträglich zu machen. Ann hat das Oberverwaltungs= gericht entschieden, daß den Irrenanstalten, die die gewöhnlichen Irren aufnehmen, auch die sogenannten irren Verbrecher überwiesen werden. Diese sind tief degeneriert und zählen zumeist zum Abschaum der Menschheit. Es ist eine Grausamkeit, die Irren, die zumeist ein Opfer eines Unglücks sind, mit diesen verbrecherischen Irren zusammenzubringen. Abg. Schmedding(Zentrum) tritt dem Vorredner bei und weist an der Hand der Geschäftsberichte der Rheinischen Provinzialverwaltung das stetige Zunehmen der Zahl der irren Verbrecher nach, die im Rheinland von 1904 bis 1907 von 174 auf 298 gestiegen sei. Westfalen weist bis zu Anfang des Jahre 1907 88 geisteskranke Verbrecher auf. Redner plädiert dafür, daß überall da, wo sich die Notwendigkeit ergibt, auch katholische Geistliche an den Gefängnissen angestellt werden mögen. Justizminister Dr. Beseler erkannte die Berechtigung der Beschwerden an, meinte indessen, ihre Abänderung sei in der Hauptsache Sache des Ministers des Innern. Für die Zukunft werde durch das Strafgesetzbuch für eine sachgemäße Ordnung der Frage zu sorgen sein.— Der Etat wurde mit Ausnahme einer Bauposition, die auf Anregung des Zentrums als nicht völlig aufgeklärt abgesetzt wurde, unverändert angenommen. Damit ist die zweite Lesung des Justizetats beendet und es folgte sodann die erste und zweite Lesung der Novelle zum Gesetz betr. die Gewährung von Zwischenkredit bei Rentengutsgründungen, welche schließlich der Agrarkommission überwiesen wurde. Bei der ersten Lesung des Gesetzentwurfs betr. die Reisekosten der Staatsbeamten betonte Abg. Lehmann(nat.=lib.), daß die Beamten viel zu viel reisten. Abg. Viereck(freikons.) stellte fest, daß 51 Prozent der gesamten Tätigkeit der Oberrechnungskammer der Nachprüfung der Reisekostenrechnungen der Beamten gelte. Ein konservativer Antrag, den Antrag betr. Abänderung der Geschäftsordnung auf die Tagesordnung des Samstag zu setzen, wurde zurückgezogen. Er kommt am Montag zur Beratung. K Man hüte sich vor Nachahmungen! 13 Auf der Brautschau. Humoristischer Roman von Felix Brenta. Dr. Laue legte mit heiterem Selbstbewußtsein Meser und Gabel nieder, lehnte sich wohlgefällig in seinen zurück und sagte nicht„Herr Kamerad“, son„Mein guter Herr Kandidat, das habe ich längst Eledigt. Den Mann im Hausflur getroffen, herangeomkt, ein paar Taler in die Hand gedrückt, ihm kurz seme Instruktion erteilt, in einer Minute war die Sache nogemacht. Der Kerl steht jetzt in meinem Sold. Man nutz ben elwas Menschenkenntnis besitzen und die Leute Anehmen wissen. Dann kann man mit den lieben benossen spielen wie mit Schachfiguren. Schachfigur merkt Er nichts und bildet sich schließlich gar ein, selbst ein Shlankopf zu sein. Sie glaubt zu schieben und sie wird geschoben!“ Deinrich stimmte dieser Meinung aus herzlicher UeberEislng zu, drückte ihm die Hand und sagte:„Ichwünsche Amen Glück zu der raschen und kräftigen Art, mit der # meinen bescheidenen Gedanken in die Wirklichkeit mir:“aue lächelte geschmeichelt und erwiderte:„Pst. #„#ind nicht mehr allein. Dort kommt eben der Herr enessor und zwei Kollegen von Ihnen.“ Nach 3.,„Perrn Heuer war heute ein anstrengender Tag. a1, breistündigem Nachmittagsunterricht in der Schule er dem kleinen Karl Raupach eine Nachhilfestunde waren 24 Aber diese Nachhilfestunden, so mühsam sie „:“ schienen ihm immer eine Erholung, erstens weil vollen o., ende machte, wie sich unter seiner festen, liebeLerulug. in dem faulen, verzogenen Schlingel die Rähe max“ zweitens, weil Fräulein Thea in der allerzi Oeginn der Stunde wurde Thea Herrn Heuer g 6#e#mal nicht sichtbar. #4 7, Raupach nahm ihn beiseite und sagte stolz: Aiche dute wieder mal recht, Herr Kaudidat. Ihr Herr 96 a 2uig erweist sich als vorzügliche Auskunftsquelle. gick.““ natürlich gleich mit verständnisvollem Geund iu etei, ihm ein paar Taler in die Hand gedrückt noc#vertraulich auf die Schulter geklopft, was oft echlamer ist, als der Mammon; sofort gelang Das Haus vertagt sich auf Samstag 11 Uhr: Fortsetzung und Etat des Finanzministeriums. Schluß 35 Uhr. Gewerbliches Fortbildungs= und Fachschulwesen in Dortmund. Die Leitung der städtischen generblichen Fortbildungsschulen und der städtischen staatlich unterstützten Handwerkerschule sowie auch der Meisterkurse für die Provinz Westsalen veröffentlichte vor kurzem ihre ausführlichen Schulberichte, die über die Entwicklung dieser Anstalten sehr wertvolle Mitteilungen erhalten. Vielleicht dürfte sich für diese Publiration ein gesteigertes, öffentliches Interesse schon aus dem Umstande ergeben, daß auch die vom Vaterländischen Frauenverein hier veranstalteten Vorträge sich mit den Fragen gewerblicher Erziehung und Beschulung befassen und so die weitblickenden Ausführungen der Theoretiker eine etwas weniger fesselnde aber doch notwendige Ergänzung aus der Praxis der Schule selbst erhalten. Es kommt hinzu, daß auch die beispiellos vorwärtsschreitende Neubelebung gewerblichen Schaffens überhaupt mit der Entwicklung dieser Schulen in inniger Verbindung steht, sodaß die Schulgeschichte dieser letzten Jahre zugleich zu einem bedeutenden Kapitel der Zeit= und Kulturgeschichte wird. I. Die gewerbl. Fortbildungsschule der Stadt Dortmund. Die Anfänge der gewerblichen Fortbildungsschule Tortmunds reichen bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts zurück. Unter der nebenamtlichen Leitung des im Jahre 1902 verstorbenen Professors Dr. Kneebusch hatte sich als Abend= und Sonntagschule schon eine straffere Organisation erhalten, die ihr Arbeitsglied durch Angliederung zweier aufsteigender Bauhandwerkerklassen, sowie einer Wintertagesklasse für Maler wesentlich erweitern konnte. Seit April 1903 liegt die Leitung der Schule in der Hand des Tirektors F. Regling, der im folgenden Jahre die Handwerkerfachschulklassen zu einer selbständigen Handwerkerschule verband und die Fortbildungsschule auf Grund des vom 18. Juli 1904 datierenden Ortsstatuts reorgnaisierte. Der dabei angeordnete Pflichtbesuch der Schule für alle em Bezirk der Stadtgemeinde Dortmund wohnhaften, der allgemeinen Schulpflicht nicht mehr unterliegenden Lehrlinge im Handwerk und Fabrikbetrieb konnte natürlich nur schrittweise durchgeführt werden, einmal aus rein äußer lichen Gründen der Beschülung und zum andern auch um diese in die Gewerbstätigkeit tief einschneidende Bestimmung nicht zu einer unwillkommenen Härte für die Arbeitgeber werden zu lassen. Wenn sich trotzdem bei einer von 805 auf 2100 angewachsenen Schülerzahl nennenswerte Unregelmäßigkeiten im Schulbesuch heute nicht mehr zeigen, so ist das ein erfreulicher Beweis für die bei Arbeitgebern und Schülern gleicherweise gefestigte Wertschätzung des Fortbildungsschulunterrichts. Allerdings hatte der Arbeitsplan der Schule hiusichtlich des Lehrplanes auch inzwischen eine Gliederung erhalten, die durch Einführung des berufskundlichen Unterrichts den Forderungen der Praxis nach Möglichkeit entsprach, eine Aufgabe, die bei der Mannigfaltigkeit der Berufsarten und der Schwierigkeit der Lehrerausbildung für diese besonderen Ziele mancherlei Hindernisse zu überwinden hatte. Es handelt sich um fast 2 Dutzend verschiedene Klassenbezeichungen je nach den verschiedenen Berufen der Schüler und unter kunlichster Kombinierung verwandter Berufsarten. Eine Vereinfachung dieser komplizierten Gliederung geschieht durch die Dreiteilung, die a) die schmückenden, bezw. die kunstgewerblichen Berufe, b) die handwerklichen, technischen und industriellen Beruse und c) die bekleidenden und ernährenden Berufe wieder zu besonderen Gruppen vereinigt. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, besteht für sämtliche Klassen die Verpklichtung zum Besuch von wöchentlich 6 Schulstunden, von denen je 2 auf die Zächer Zeichnen, Teutsch und Rechnen entfallen. Auf den Oberstufen wird unter entsprechender Kürzung des Rechenunterrichts die Buchführung aufgenommen. Soweit durchführbar sind für bestimmte Berufsgrupxen(Buchbinder, Maler u. a.) auch praktische Werkstattübungen eingeführt. Niue Unterrichtsgegenstände (Materialienkunde, Berufskunde, Bürgerkunde) wurden an den Häuptdisziplinen eingegliedert. Während der Zeichenunterricht zu allererst den beruflichen Verhältnissen entsprechend ausgestaltet werden konnte, mußte zwecks Anpassung der anderen Fächer an die praktischen Bedürfnisse manche neue Ausgabe gelöst werden. Turch die Doppelstellung, die die Fortbildungsschule einmal als Ergänzung der Volksschule und zum anderen als Fach= und Berufsschule einnimmt, ergeben sich für die Gewinnung der Lehrkräfte allerlei Schwierigkeiten, die schon aus der Verschiedenheit der Berufsgruppen(s. S. 15) erhellt. Den Hauptanteil haben begreiflicherweise die Volksschullehrer und=Rektoren, deren Zahl von 31(im Jahre 1905=04) auf 93 also das Dreifache(i. J. 1908=09) anwächst. Die Zahl der sonst noch beschäftigten Lehe rer anderer Schulen geht von 9 auf 5 zurück. InSchuljahre 1908=09 sind also insgesamt 93 und### Berufslehrer an der Fortbildungsschule nebenamtlich beschäftigt, wozu noch ein hauptamtlicher Fortbildungsschullehrer kommt. Taneben sind 30 Praktiker an der Schule tätig: 5 Architekten, 4 Bildhauer Maler, 9 Handwerksmeister und 12 Ingenieure und Techniker. Verhältnismäßig bleibt diese Zahl in ihrem Aufsteigen hinter der der Lehrer zurück; an der Steigerung besonders beteiligt sind die Handlverksmeister, die von 1 im Jahre 1903=04 auf 9 im Jah## 1908=09 änwachsen, ein erfreulicher Beweis des wachsenlden Interesses aus diesen Kreisen. Die Gesamtzahl der im letzten Schuljahre an der Fortbildungsschule tätigen Lehrpersonen beläuft sich auf 129; sie hat sich in den 5 Jahren, die der Bericht umfaßt, mehr wie verdoppelt.— Eine interessante Uebersicht(s. S. 16) zählt die Reihe der Informationsreisen auf, die während der Berichtsjahre insgesamt 68 Lehrpersonen an zusammen 128 Tagen für unterrichtliche Zwecke unternahmen. Zu längeren Ausbildungskursen von 2 bis 6 Wochen Dauer wurden 9 Lehrer nach verschiedenen Städten entsendet; daneben veranstaltete auch die Dortmunder Handwerkerschule im Laufe der Jahre 12 Kurse im Fachzeichnen, ornamentalen Zeichnen u. a. m., an nen durchschnittlich 20 Herren teilnahmen. Die Haushältspläne zeigen ein langsames Anwrachsen der Unterhaltungskosten(s. S. 19) die von 28,89 pro Schüler im Jahre 1904=05 auf 36,36 im Jahre 1908=09 steigen. Im wesentlichen ist jedoch diese Steigerung eine Folge der der fortschreitenden Entwicklung entsprechenden berufskundlichen Gliederung der Schüler. Sehr viel verheißend sind die erfolgreichen Anfänge einer Jugendfürsorge„die Körper und Geist unserer gewerblichen Jugend auch über die Ziele des Schullehrplanes hinaus zu fördern suchen. Gemeinsame Wanderungen, belehrende Exkursionen wurden unternommen; für ältere Schüler sind verschiedentlich Samariterkurse abgehalten: regen Zuspruch findet auch der fakultative Turnunterricht. Wie der Bericht zum Schlusse mitteilt, ist eine bedeutende Erverlange man ausdrücklich echte MAGGI-Würze mit dem Kreuzstern 4 und achte darauf, daß die Würze aus der großen Original-MAGGlFlasche gefüllt wird; denn in diesen Flaschen darf gesetzlich nichts anderes als echte MAGGl-Würze feilgehalten werden. „MAGGIs gute, sparsame Kücha“ es mir, ihn zum Geständnis zu bewegen, daß der elegante Doktor ein ziemlich lockerer Vogel ist. Gestern abend hat er sich zum Beispiel ein Abendessen für zwei Personen auf sein Zimmer kommen lassen und die halbe Nacht hindurch ein Punschgelage gefeiert.“ „Das hätte ich nicht für möglich gehalten," versetzte Heinrich, den seine neu entdeckte Fähigkeit, Komödie zu spielen, mit ebenso viel Vergnügen erfüllte, als ihn der Gedanke an eine etwaige schließliche Aufklärung und an die Enthüllung der Mitwisserschaft beunruhigte. „Hat Ihnen Herr Lichtenburg näheres über die Person mitgeteilt,“ fuhr er kleinlant fort,„die an der verdächtigen nächtlichen Schwelgerei teilgenommen hat?“ „Er behauptete, nichts weiter zu wissen.“ „Hm. Darüber wird wohl nur Frau Lichtenburg genaue Auskunft geben können. Doch möchte ich Ihnen nicht raten, die kundige Dame mit in den Bereich Ihrer Nachforschungen zu ziehen. Ein trunksüchtiges Weib ist für so heikle Fragen doch nicht zuverlässig genug.“ „Natürlich,“ antwortete Herr Raupach eifrig.„Ich hatte also wieder einmal ganz recht, daß ich mir lieber den Mann für meine Zwecke kaufte. Ich weiß schon, wie ich am besten fahre.“ Hier wurde er von seiner Frau unterbrochen, die geräuschvoll ins Zimmer trat. „Aber Oskar,“ sagte sie.„Du nimmst den Herrn Kandidaten schon wieder einmal in Beschlag, beraubst ihn seiner Zeit und hältst ihn ab, unsern Karl zu unterrichten. Der sitzt schon ganz ungeduldig in seiner Arbeitsstube und wartet auf den Lehrer." „Jawohl, gehen Sie, gehen Sie, lieber Freund,“ versetzte Herr Raupach ängstlich.„Wir reden nach der Stunde weiter. Sie bleiben doch wieder etwas bei uns?“ Karl hatte heute seine unregelmäßig lateinischen Verben recht brav gelernt. Auch seine schriftliche Uebersetzung eines deutschen Diktats lieferte er diesmal fast fehlerlos. Sehr erstannt war er daher, als der Herr Kandidat zum Schluß nicht das kleinste anerkennende Wort für ihn hatte.„Na?“ sagte er verwundert uno zog sein hübsches Bubengesicht in beinahe trotzige Falten, glättete es aber auf einen strengen Blick seines Herrn Lehrers wieder in schüchterner Bescheidenheit. „Was sollte denn das eben heißen, Karl?" fragte Heuer ruhig.. „Sie loben mich heute auch nicht ein bißchen!“ „Nein!“ „Warum dennnicht?“ klangjetzt eine schüichterne Frage, und die eben noch trotzigen Knabenlippen zuckten traurig. „Weil Du unartig warst!“ „Aber ich habe mir doch gerade heute besonders so viel Mühe...“ „Gestern bei Tisch.“ „Achso! Wegen der dummen Katapultschießerei. Aber das habeich doch nicht bei Ihnen in der Stunde gemacht? Damit habe ich Sie nicht ärgern wollen. Wahrhaftig nicht.“ „Du hast Deine Eltern damit geärgert. Das ist noch viel schlimmer. Und Du hast es in meiner Gegenwart gemacht. Ich mußte mich vor allen Gästen schämen, daß mein Schüler sich so unartig betrug wie ein Gassenjunge. Ich habe also gar keinen Grund, mich über Dich zu freuen, oder Dich zu loben. Tadeln mag ich Dich auch nicht. Es nützt ja doch nichts, da Du gar keinen Versuch machst, Dich zu bessern.“ Karl traten die Tränen in die Augen. Schamrot zupfte er an seinem Schreibheft.„Nun erzählen Sie mir keine Geschichten mehr nach der Stunde?“ fragte er schluchzend. „Nein!“ „Ich schäme mich so,“ rief er jetzt mit ausbrechendem Weinen.„Werden Sie denn nie wieder gut zu mir?“ Da zog Heinrich den bebenden Jungen an sich, strich ihm das dunkle Haar aus der Stirn und sagte gütig: „Vielleicht kann es wieder werden, wenn Du versprichst und Dich bemühst, selbst gut zu werden. Hör zu! Wenn Du fortfährst, Deine lateinischen Aufgaben fleißig zu lernen, und vor allem auch Deinen Eltern und Deinen Schwestern gegenüber hübsch folgsam bist, dann lade ich Dich in einigen Tagen mit zu mir ein!" „Oh!“ „Meine ganze Klasse ist dann bei mir, und es wird Theater gespielt.". T 8 „Theater? Und auch mit richtigen Kulissen? Können Sie das?" 30ge. 9058 „Du wirst es ja sehen," versetzte Heinrich lächelnd, „vorausgesetzt, daß Du fleißig und artig bist. Jetzt trat Thea mit Margarete ins Zimmer und sagte: „Papa hat uns gebeten, Sie bis zu seiner Rückkehr festzuhalten. Wir versuchen das hiermit, und Sie würden uns diese Aufgabe sehr erleichtern, wenn Sie uns freundlichst Gesellschaft leisteten.“ Es hätte der strahlenden Blicke ihrer Augen nicht bedurft, um Heinrich zu bewegen, ihrer Aufforderung Folge zu leisten. Aber es bedurfte all ihrer Ermunterungskünste, um den heute etwas schüchternen und verlegenen Kandidaten zum Plaudern zu bringen. Endlich waren ihre Bemühungen erfolgreich, und Heinrich erzählte aus dem unerschöpflichen Erinnerungsvorrat seiner Kinderjahre. Thea hörte ihm sehr gerne zu. In seinen Schilderungen verband sich die ruhige Darstellungskraft des gebildeten Mannes mit der harmlosen Unschuld des Kindergemüts. Von den vielen Spielen und Mühen seiner Knabenzeit erzählte er. „Die Eltern bestimmten mich, meines leichten Lernens wegen, zum Theologen. Ich lernte gern. Aber das Katheder besaß mehr Anziehungskraft für mich, als die Kanzel. Von jeher war es mein höchster Wunsch, das zu ## werden, was der Vater war. Daß ich zum Lehrer vorFausbestimmt war, war übrigens auch die Ueberzeugung aller meiner Spielgefährten, und zwar gründete sich diese Ueberzeugung weniger auf meinen guten Kopf, als auf meine kräftigen Arme.“ „Aber die Schulmeisterei ist doch kein Handwerk?“ wandte Margarete verwundert ein. „Sie meinen, weil sie keinen goldenen Boden hat? Gleichwohl geht es nicht immer ohne Handwerkerei ab. Man bedarf ihrer bis weilen sogar im buchstäblichen Sinne. Meine Freunde wurden nämlich im Faustkampf sämtlich von mir besiegt. Daher ihre an Lehrer=Ehrfurcht grenzende Hochachtung.“ „War denn das Prügeln an Ihrer Schule so unentdehrlich?“ fragte Margarete bedauernd, die mit jedem Kinderschmerz Mitleid empfand. 177,18 „Es war gebräuchlich,“ erwiderte Heinrich lächelnd. „Mein Vater glaubte an den Satz„Gefühl ist alles“ und das harte Fell der jugendlichen Dorfgemüter wird durch =St. Auch Karl legte noch ein feierliches Gelöbnis seiner Besse= 1 Zartgefühl nicht immer ganz zureichend beeinflußt. rung ab. und daviit wor der Unterricht beeudet'“ Lich hobe Vaters schwere Hand oft genug verspürt.“ weiterung dieser segensreichen Einrichtungen geplant, sobald der Neubau der Handwerkerschule bezogen sein wird, deren Bibliothek, Aula, Spielplätze u. a. m. den Schülern gemeinsam zur Verfügung stehen werden. Aus dem Gerichtssaal. Strafkammer Dortmund. Dortmund, 17. Februar. Heute vormittag wurde vor der Strafkammer des Dortmunder Landgerichts die Beleidigungsklage der Direktion der Zeche Radbod gegen den Redakteur Gulbransson vom Simplizissimus verhandelt. G. ist am 7. Dezember vor. Is, vom Schöffengericht in Hamm wegen Beleidigung der Repräsentanten der Zeche Radbod zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Veranlassung zu der Klage hatte die am 14. Juli 1909 im Simplizissimus erschienene Zeichnung gegeben, die zwei unter Trümmern festgeklemmte Bergmannsskelette darstellte, die der Angeklagte folgendes Gespräch führen läßt:„Nun hat die Zechenbande auch noch meine Frau mit acht Kindern auf die Straße gesetzt.“„Knurr' nicht! Dafür gibt sie uns noch immer freies Logis!“ Es ist anzunehmen, daß der Text zu der Zeichnung aus den Mitteilungen der Arbeiterzeitung geschöpft war, in denen es u. a. hieß: Die Zechenverwaltung habe die bekannte Witwe Dora auf die Straße gesetzt, weil sie nicht die Miete bezahlt habe. In dem erstinstanzlichen Urteil stellte der Richter fest, daß der Wahrheitsbeweis in keiner Weise von dem Angeklagten geführt worden sei. Der Vorderrichter begründete das Strafmaß von sechs Monaten Gefängnis mit dem Hinweis darauf, daß die erhobenen Vorwürfe jeder Grundlage entbehrten. Die Aussagen der vor dem Schöffengericht vernommenen Zeugen wurden zunächst verlesen. Sie ergaben nichts, woraus der Zeche ein Vorwurf hätte erhoben werden können. Der Vertreter des Angeklagten, Rechtsanwalt Hausmann, machte darauf aufmerksam, daß die Künstlerkommmission des Simplizissimus die von einem Berliner Mitarbeiter eingereichte Kreidezeichnung für aufnahmefähig erachtet habe; und zu dieer Zeit sei diurch die Presse eine Nottz gegangen, nach der die Zechenverwaltung eine Witwe mit ihren acht Kindern auf die Straße gesetzt habe. Gulbransson habe den dem Bilde beigefügten Text vorher nicht gekannt. Dieser rühre nicht von ihm, sondern von einem anderen Journalisten. Die preßgesetzliche Verantwortung übernehme er indessen. Der zweite Verteidiger. Rechtsanwalt Frank, rechtfertigte zunächst die Berufung und führte aus, die Zechenverwaltung habe der Witwe nicht die nötige Rücksichtnahme entgegengebracht. wenn es auch richtig sei, daß die Witwe sich sehr häßlich benommen hätte. Rechtsanwalt Hausmann bedauert, daß man noch den fliegenden Gerichtsstand der Presse habe. Es sei für einen Redakteur hart, wenn er nicht in seinem Heimatsorte, sondern an jedem Orte vor dem Richter zu erscheinen habe, an dem die Beleidigten ihren Wohnsitz hätten. Sein Mandant habe der Zeche keinesweas einen Vorwurf machen, sondern in dem Bilde nur das Mitleid mit den oon dem großen Unglück Betroffenen widerspiegeln wollen. Den Wahrheitsbeweis hielt der Vertridiger für erbracht. Gegen das Verhalten der Zeche gebe es keinen anderen Druck, als den der öffentlichen Meinung. Was das Strafmaß angehe, so wolle er darauf aufmerksam mächen, daß seinem Mandanten kein gemeiner Beweggrund vorgeschwebt habe und der Aufruf zu einem menschlicheren Verhalten nicht hetzerisch genannt werden könne. Der Redner bittet das Gericht, nicht durch ein drakonisches Urteil die gute und berechtigte Satyre totzuschlagen. Nach etwa dreiviertelstündiger Beratung verkündete der Vorssitzende des Gerichtshofes, Landgerichtsdirektor Opitz. folgendes Urteil: Das angefochtene Urteil des Schöffengerichts wird, soweit das Strafmaß in Frage kommt, aufgehoben und der Angeklagte wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 1500 Mark, an deren Stelle im Falle der Nichtzahlung für je 10 Mark 1 Tag Gefängnis tritt. In der Sache selbst ist der Gerichtshof zu der Auffassung gekommen, daß durch das Bild im Simplizissimus gesagt werden solle, während noch die Leichen in der Grube liegen wird die Witwe eines Verunglückten auf die Straße gesetzt, weil sie die Miete nicht zahle. Der verbindende Text deutet darauf hin, und insoweit ist das Gericht dem Vorderrichter gefolgt. Was den Wahrheitsbeweis anbetrifft, so ist derselbe soweit die bildliche Darstelluna in Frage kommt, nicht erbracht und der Gerichtshof habe annehmen müssen, es solle im allgemeinen der Vorwurf erhoben werden, daß die Verwaltung in Geldfragen rücksichtslos vorgegangen ist. Der Gerichtshof nimmt an, daß die Verwaltung vollkommen schuldlos ist an den gegen sie erhobenen Vorwürfen. Die Verhandlung hat ergeben, daß die Witwe Dora sich in hohem Maße unbeliebt gemacht hat, daß sie sich in schweren Ausdrücken gegen die Zechenverwaltung erging, daß sie in sozialdemokratischen Versammlungen als Rednerin gegen die Zechenverwaltung auftrat und daß von ihr aus eine nicht zu billigende Wühlarbeit ausging. Die Verwaltung ist darauf energisch vorgegangen und traf Maßnahmen, die Dora aus der Kolonie zu bekommen. Dabei ist die Verwaltung durchaus nicht rigoros vorgegangen, sie hat der Witwe sogar noch einen Monat Frist gegeben, der Vorwurf. sie habe inhuman gehandelt kann sie nicht treffen. Anders liegt die Sache allerdings, soweit der Koloniepoat Teichmüller in Frage kommt, der mehr Rücksicht gebrauchen mußte und der im letzten Augenblicke in äußerordentlicher sehr mißzubilligender Weise vorgegannen ist. Er hätte sich vergewissern müssen, ob die Witwe eine Wohnung hatte. Bei Beurteilung der Sache selbst konnte diese Tatsache nicht berücksichtigt werden, weil der Verwaltung dieserhalb kein Vorwurf m machen ist. Bei der Strafzumessung hat das Gericht 1., Rücksicht gezogen, daß der Vorfall der Ermitierung gerzede am Himmelfahrtstage vor sich ging und daß ferner das Vormundschaftsgericht in der Sache eine allzu große E.s an den Tag legte, wenkastens chien es nicht angebrach: gewesen zu sein, der Mutter ofort die Kinder abzunehn.A. Waß die Dinge, die sich am Himmelfahrtstage abspillten, fur die Umstesenden recht traurige waren, ist begs#iflich und forderte zu einem berechtigten Notschrei herass. Diese TTatsachen und die Rücksichtslosigkeit des Kolonkevogts haben den Gerichtshof bestimmt, die Gefängnisstrafs m eine Geldstrafe umzuwandeln. Das gesetzlich höchst zulässsige Maß erschien aber angemessen. „Haltet den Dieb!“, so rief der Arbeiter Ignatz Tokerski. als er von mehreren Personen verfolgt, in Die Unruhen in Wadai. EIN- A81E R 8 Tolen Djanet Akass Banou# COHG0-STAAT Lonte Faanzös. 6ebler I Turkisch. Gebiet — Ubritze landtrenzen — isenbahnen Teietzraphen aupt karawanen(weze J0 Brannen- Dasen Sandwüsten Masstab 0 300 600 Kilometer Zu den Unruhen in Nadai(Französisch Cenkralafrike). Erst vor einigen Tagen war in der italienischen Kammer von der Besetzung Wadais im Tschadsee=Gebiet durch Frankreich die Rede und wurde als ein Erfolg der französischen Afrikapolitik besprochen. Gleichsam als Quittung dieses„Erfolges“ kommt nunmehr die schaurige Kunde von der Niedermetzelung des größten Teiles der in diesem Gebiet stehenden französischen Kolonialtruppe, die am 24. Januar auf einem Expeditionszuge nach Massalith in einem Hinterhalt geriet und dort völlig aufgerieben wurde. Eigenartigerweise hat dieser Ueberfall an derselben Stelle stattgefunden, an welcher im Jahre 1856 der deutsche Afrikaforscher Vogel unter den Speeren der Eingeborenen sein Leben lassen mußte. Jedenfalls wird die Unterwerfung der vielen Sultane des französischen Fennignn der Kolonial= armee Frankreichs noch schwere Kämpfe kosten; schon die Bestrafung des Urhebers des letzten Ueberfalls, des Sultans Tudmora von Massalith, der über eine Anhängerschaft von über 6000 Mann verfügt, wird wohl einen Feldzug größeren Stils nötig machen. Unsere heutige Karte gibt eine größere Uebersicht des WadaiGebietes sowie des Hinterlandes von Tripolis, das besonders durch die, um diiesen Teil sich entwickelnde Rivalenschaft Italiens und Frankreichs aktuelles Interesse gewonnen hat. Der Ort des Ueberfalls vom 24. Januar liegt unmittelbar hinter Abechr, der im Juli vorigen Jahres von Frankreich besetzten Hauptstadt des Wadai=Gebietes. der Richtung zum Nordmarkt davonrannte. Tokerski wandte den alten Spitzbubentrik an, die bei der Verfolgung selbst mit rufen:„Haltet den Dieb!“ und dabei auf vor ihnen hergehende Personen zeigen. Der bereits wegen Diebstahls vorbestrafte Bursche hatte bei dem Schaffner Robert Busse die verschlossene Wohnung geöffnet und eine Damenuhr, sowie etwa 2 Pfund Schinken und Plockwurst gestohlen. Dann war er in die Wohnung des Schlossers Th. Lindfeld gedrungen um dort ebenfalls zu stehlen; es fielen ihm aber nur einige Pfennige in die Hände, weil er überrascht wurde und schleunigst davonlief. Den letzteren Diebstahl gab der Angeklagte heute vor der Strafkammer zu, den anderen bestritt er. Das Gericht hielt ihn aber in beiden Fällen für überführt und setzte gegen den Dieb eine Gefängnisstrafe von 2 Jahren fest, die Ehrenrechte wurden ihm auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt. Nach viertägiger Verhandlung abend vier Zürich, 18. Febr. Nr# verurteilte das Schwurgericht gestern al wegen Giftmordes an der Trambahnführersfrau Karli aus Zürich Angeklagte zu lebenslänglichem Zuchthaus. Der Staatsanwalt erkrankte unter dem Einfluß einer großen Gemurserregung unmittelbar nach der Schuldsprechung. Vermischtes. " Danzia, 19. Febr. In Trutenau schnitt eine Frau Knetschke ihren beiden jüngsten Kindern den Hals durch und erhängte sich dann. Die drei altesten Kinder konnten auf ihr furchtbares Geschrei aerettet werden.— Kopenhagen, 19. Febr. Das deutsche Segerschiff„Amma; aus Hamburg, Kapitän Ullrich, ist gestern bei Laaland gestrandet und später gesunken. Die Besatzung bestand aus dem Kapitän und zwei Mann. Die Matrosen bestiegen ein Rettungsboot und landeten gegen Abend auf Seeland. Der Kapitän war an Bord geblieben und ist mit dem Schiff untergegangen. Stockholm, 18. Febr. Wie nunmehr durch polizeiliche Untersuchung festgestellt ist, handelt es sich bei den Vergiftungserscheinungen in der Stockholmer Hofgesellschaft nicht um ein Verbrechen, sondern um den Einfluß verdorbener Konserven. Der Rest der Konserven wurde polizeilich beschlagnahmt. Kaire(Illinois), 18. Febr. Zwischen Beamten des Scheriffs und niederem Volk ist es zu einem Straßenkampf gekommen, wobei ein Weißer getötet und mehrere andere schwer verwundet wurden. Die Menge wollte einen Reger, der gestern abend eine Geldbörse gestohlen hatte und deshalb verhaftet worden war, lynchen. Mehr als 500 Leute zogen vor das Gefängnis und verlangten die Herausgabe des Gefangenen. Auf die Weigerung des Scheriffs drohte die Menge, in das Gefängnis einzudringen. Darauf ließ der Scheriff feuern. Truppenabteilungen sind nach der Stadt abgegangen. Oakland(Kalifornien), 18. Febr. Durch eine Explosion ist das Pulverwerk von San Lorenzo zerstört worden. 20 Angestellte werden vermißt. euyork, 18. Febr. Die Mittel= und Weststaaten sind vorgestern von einem schweren Bliszard (Schneesturm) heimgesucht worden, der 24 Stunden andauerte. Der Sturm begann im Südwesten des Staates Texas und ging den ganzen Mississippi entlang, bis zum Staate Ohio. Die Temperatur fiel bis weit unter den Gefrierpunkt. Sturmwarnungen find nach Neuyork gegeben worden, wo man die Ankunft des Blizzards für die letzte Nacht und heute morgen erwartete.— Kanea, 18. Febr. Heute früh sand hier ein heftiges vertikales Erdbeben statt, das 14 Sekunden dauerte. Die Spitze eines Minarets fiek um und zerörte die Kuppel der Moschee. Vier Mauern stürzten in. Meldungen von Schäden treffen aus der ganzen lmaegend ein. In Varipetro wurden sechs Einwohner inter den Trümmern eines Hausos bearaban man arbeitet gegenwärtig an ihrer Aus dem„Ulk“. Ein sinniges Geschenk. August Bebel feiert nächstens seinen siebzigsten Geburtstag. Die Berliner Genossen wollen ihn an diesem Tage mit einem prächtigen Bilde erfreuen, das den eifriasten Förderer der Sozialdemokratie darstellt. Das Gemälde zeigt Herrn von Bethmann in edler Pose. In der Rechten hält er die preußische Wahlrechtsvorlage. In der Linken stößt er auf Widerspruch. *** Man schreibt uns: Ein Einjährig=Freiwilliger, der sein Jahr bei einem Artillerie=Regiment abdiente, wurde schon nach 3 Wochen als dienstuntauglich entlassen. Er zog wieder in die goldene Freiheit zuruck. Am seiner Verabschiedung wurde beim ApnDurch die Entlassung des Einjährig=Freiwin noniers Müller ist ein Pferd frei geiorde. Militärische S#### Die Zurücksetzung des gemeinen Mannes. der Bevorzugung gewesener Unteroffiziere und oa## liegt, kennzeichnet die Wahlrechtsvorlage als nes Hauptmanns der Reaktion, als welcher uch jor von Bethmann erweist, der es noc gen wird, daß das Unterste zu Oberst geker. der Regierung vom Volke eine General=Quittun sentiert wird. *** Rückblick. „Ich stelle mich nicht zum Spaße hin“ So rief v. Bethmann mit üblem Sinn Nun ja, wahrhaftig nicht zum Spaß. Denn wirklich war er, als er im JochDes Junkertums sein Sprüchlein las. Das traurigste Bild in der Karnevalswor *** Herr von Bethmann. Von Politik nicht viel ver##hr man, Das deutsche Reichstagswahlrecht schmäht man Nie, kommt zur Popularität man, In ebilligen Phrasen sich ergeht man, Als Feind der Bürger sich verrät man. Im Dienst der Junkerklique steht man. Das Strebertum nährt und erhöht man, Die Wut des Volkes auf sich lädt man, Wenn seine Zeit so schlecht versteht man. Dann bester Herr Major von Bothmann, Dann geht man lieber: geht man! geyr man Aus der„Berl. Illustr. Ztg.“ „Sie haben mein Herz in Fesseln gelegt, als fangener liege ich Ihnen zu Füßen.“—„Als Fraig wären Sie mir viel lieber.“ „Na, Onkelchen, wie gefällt Dir Fräulein#### tus?“— Onkel(der Arzt ist):„Hm, ganz gut, an blutarm.“—„Irrst Dich, Mädel hat 90000 Pa Rente, und das nennst Du blutarm?“ „Aber, Hans, schämst Du Dich denn gar nicht lügen? Wie ich in Deinem Alter war, habe ic ni gelogen.“—„Wann hast D denn angefangen, Parg Wichtig für Damen! Besonders günstige Gelegenheit bietet sich der geehrten Damen beim Einkauf von und Festons. Ich versende an Private Madopolamstickerei auf Doppelstoff Meter 10 Pf, für Beinkleider auf Nachtjacken Meter 15 u, 20 Pf, Rockstickerei Meter 30 und 40 Pf., bunie Stickereien Meter 15 u. 20 Pf., Wäschebändchen große Auswahl, 10 Meter 20 Pf., Hemdenpassen (Handarbeit) Stück. 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Rodines wurde abermals gerufen. „Sie haben sich am 9. dieses Monats zu dem Notar Tapas begeben, um ein Darlehen von tausend Florins zu erhalten," begann der Richter.„Können Sie uns angeben, wozu Sie diese Summe verwenden wollten?“ Da Rodines mit der Antwort zögerte, fügte er hinzu: „Besinnen Sie sich genau und denken Sie daran, daß es unter Umständen für Sie von der größten Wichtigkeit sein kann, die volle Wahrheit gesagt zu haben.“ „Wenn das Gericht es zur Aufklärung der Sache für erforderlich hält, auf diese Weise in meine geheimsten Privatangelegenheiten einzudringen," erwiderte der Sekretär,„so bin ich, wenn auch sehr ungern, zur Beantwortung der Frage bereit. Ich habe den Notar allerdings um ein Darlehen angegangen, aver nicht für den Augenblick. Man hatte mir versprochen, für mich um die Hand von Fräulein Angelika Vorates zu bitten, und ich hatte die tausend Florins erst nötig, wenn die Bitte gewährt wnde. Aber Sie haben doch dem Notar Tapas gesagt: Sie könnten den Darleihern meyr als zehnfache Sicherheit leisten. Da Sie aber auf Kepolonia kein Vermögen besitzen, war Ihr Anerbieten doch wohl kaum möglich!" „Ich selbst habe auch wirklich kein Vermögen; aber Graf Stannet hatte mir das seinige vermacht. Da ich indeß, so lange er lebte nichts erwähnen wollte, suchte ich, mir einstweilen durch eine Anleihe zu helfen.“ „Graf Stannet hat Sie also zu seinem Erben eingesetzt? Aber er hatte doch noch seinen Neffen!“ (Fortsetzung folgt.) Der Schatz. Eine Karnebalsgeschichte von Franz Wichmann. (Schluß, „Fällt mir nicht ein. Rate!“ „Wäre es möglich, daß du——“ „Wenn du am Ende selbst Julius Weidenbach—“ „Grete, die kleine Grete! Nein, das große Fräulein Brunner, verzeihe! „Wenn wir uns doch erkannt haben, wozu die Verstellung?“ Rasch nahm sie die Maske ab. Wie verzaubert blickte er in das reizende Gesicht.„Fräulein Grete, ja wahrhaftig, das sind Sie, so müssen Sie heute aussehen!“ „Bleib nur bei dem Du, das ist Narrenrecht.“ „Ich komme mir wirklich ganz närrisch vor. Und du, Grete, du hast mich nicht vergessen?“ „Unsern wackeren Lehrling, der mir das Leben rettete, als ich auf dem Eise des Stadtbachs einbrach, wie könnte ich je! Du warst damals 16, ich 8 Jahre.“ „Ja, 10 Jahre ist es her. Aber wie kommst du hier auf die Redoute?“ fragte er etwas verwundert.„Sind deine Eltern auch hier?“ Ein trüber Schleier legte sich über ihre hellen Augen. „Sie ruhen beide längst im Grabe.“ „Wie mir das leid tut! Aber es geht dir doch nicht schlecht, Greie?“ „Man schlägt sich so durch. Nach dem Tode meiner Mutter begann der Vater zu spekulieren und verlor sein ganzes Vermögen. Bald völlig verwaist, mußte ich mir eine Stelle suchen. Jetzt bin ich Buchhalterin bei Edmund König hier und meine Kolleginnen überredeten mich, heute einmal mit auf die Redoute zu kommen. Hätte ich ahnen können, daß du——“ „So wärst du nicht gekommen?“ fragte er mit verhaltenem Atem. „Nein, so hätte ich nicht solange gezögert und mir nicht erst in letzter Stunde dieses allte Zigeunerkostüm gekauft.“ „Das ist ja gerade das Glück.“ Sie sah ihn erstaunt an.„Ich verstehe dich nicht, wie konntest du überhaupt wissen, wo ich das Kleid—“ „Weil es meinem Onkel gehörte,“ fiel er rasch ein. „Deinem Onkel? Geh, du liist ein Narr,“ „Es ist das beste Stück meiner Erbschaft.“ „Das mußt du genauer erzählen, sonst glaube ich dir nicht.“ Während er offenherzig alles berichtete, fühlte er sich durch den reizenden Anblick Gretens immer mehr bezaubert. Diese dunklen Augen, das feine Gesichtchen, der zierliche Mund, der kleine Fuß, die schlanke Taille, das alles war entzückend und erschien ihm noch begehrenswerter als das Kleid, das sie trug. Mit wachsender Verwunderung hörte das junge Mädchen ihm zu.„Ein Schatz, ein ganzes Vermögen soll darin sein? Und als ich es heute Nachmittag ein wenig aufputzte habe ich gar nichts gemerkt. Wenn ich dir nun durchbrennte, Julius," lächelte sie schelmisch. „O, ich lasse dich nicht mehr aus den Augen. Nicht wahr, Grete, heute bleiben wir zusammen?“ „Ei, ei, du traust mir doch nicht ganz! Und morgen?“ „Morgen trennen wir zusammen das Kleid auf und nehmen seinen kostbaren Inhalt heraus. Darf ich dich besuchen?" „In meiner Wohnung?— Nein, das geht nicht Man könnte im Hause Schlimmes denken. Aber weißt du was, komm morgen Mittag zu König, um diese Zeit bin ich im Kontor allein. Das Kleid werde ich mitnehmen. Da können wirs ungestört untersuchen.“ Es war spät geworden die letzte Nacht. Weidenbach hatte kaum eine Stunde geschlafen. Der Geoanke an Grete, der ion weit mehr beschäftigte als sein glücklich wieder erlangter Reichtum, ließ ihm keine Ruhe. Wie schade, daß es heute aus war mit diem Narrenzauber und dem traulichen„Du“. Zu Mittag war er pünktlich am Platze. Kaum hatten die letzten Angestellten das Geschäft verlassen, als er eintrat. Grete, die erst später zu Tisch ging, bewillkommnete ihn herzlich und führte ihn sogleich ins Kontor. Auf dem Tische lag schon das volle Zineunerinnenkleid. „So, nun wollen wir Sie zum Krösus machen, Herr Weidenbach.“ Sie nahm eine große Schere und begann mit flinken Fingern die Nähte aufzutrennen.„Aber Sie sehen ja gar nicht zu. „Ach, ich muß immer Sie ansehen, Fräulein Grete.“ Sie neigte errötend den braunlockigen Kopf. „So jetzt können Sie schon hineinlangen.“ „Ach, bitte— Sie! Ich möchte das Glück aus Ihrer Hand empfangen.“ „So suchen wir zusammen. Haben Sie etwas?“ „Wahrhaftig ich glaube.“ Er zog die Hand hervor. „Nicht doch, es ist nur Watte. Und Sie?“ „Auch Watte!“ Sie sahen sich an und lachten. „Meines Ontels Liebchen scheint etwas mager gewesen zu sein.“— „Herr Weidenbach, halten Sie, ich, ich fühle—“ „as?“ „Ein Papier, und etwas Hartes darin.“ Fieberhafte Aufregung bemächtigte sich seiner.„Endlich!“ Sie brachte ein zusammengefaltetes Papier zum Vorschein. Nach einem großen Vermögen sieht das aber nicht aus. „Oeffnen Sie!"„ „Ah, ein Medaillon, ein Bild, ein reizender Mädchenkopf darauf!“ „Meines Onkels Jugendliebe jedenfalls.“ „Sollte das sein größter Schatz gewesen sein?“ Weidenbach verfärbte sich leicht.„Wenn sonst nichts mehr—“ „Ich habe alles aufgetrennt. Es kann nichts mehr darin sein. Sie Armer, da sind Sie um eine schöne Hoffnung betrogen.“ „Nein, sagen Sie das nicht, Grete, ich könnte reich, unermeßlich reich sein, wenn—“ Sie erbebte.„Was meinen Sie?“ „Wenn du wolltest, Grete, wenn du mich ein wenig gern haben könntest—“ „Julius!“ Sie lag plötzlich an seiner Brust.„Ich habe ja immer an dich denken=müssen. Schon das Kind hat dich geliebt!“ „O, nun ist alles, alles gut!“ jubelte er.„Grete. du willst mein werden, wirklich?" „Wenn deine Verhältnisse es erlauben—“ „Zum Heiraten reicht es schon. Ich werde arbeiten für dich und glücklich sein. Was liegt an dem schnöden Mammon. Nur deinetwegen tut es mir leid.“ „Nein, Julius, mir ist es lieber so.“ Leber?“ „Ja, hättest du nicht denken können, daß ich dich nur um des Geldes willen—“ „Nein, Grete, ich kenne dein goldenes Herz. Nichts habe ich verloren und alles gewonnen. Dieses Kleid soll mir ein Heiligtum bleiben. Der Onkel hat recht gehabt. Es barg den größten Schatz auch für mich, denn in ihm habe ich dich gefunden!“ 3 eierstunden = Blätter für Unterhaltung und Belehrung. In letzter Stunde. Roman von Hugo Ebersbach. 10 Das runde, freundliche Gesicht der ziemlich beleibten Frau heftete sich mit dem Ausdruck herzlicher Teilnahme auf die Eintretende; der breitschulterige Mann blieb stehen und nahm die seidene Mütze ab, die das kurzgeschorene, braune Haar bedeckte. „Wir haben dich erwartet, Anna,“ sagte er, während seine Frau der Schwägerin entgegenging, um ihr stumm die Hand zu reichen und sie zu dem alten, mit geblümten Kattun überzogenen Sopha zu führen.„Das ist ja wie ein Blitz aus heiterem Himmel gekommen, ich hätt's nimmer geglaubt.“ „Wißt Ihr Alles?“ fragte Frau Winkel, schmerzlich seufzeno. „Ich bin gleich zum Untersuchungsrichter gegangen,“ nickte er, mit der Hand über den dunklen Vollbart streichend, der, wie das Haar, kurz geschoren war. „Eine ganz sonderbare Geschichte, die dem Jungen Niemand glauben wird Wo nur die Klara mit meinem Abendbier bleiben mag, Kärhe?“ Frau Käthe wollte sich wieder erheben, aber in demselben Augenblick trat auch Klara ein, stellte einen mächtigen Steinkrug und ein Glas auf den Tisch und bot der Tante mit einem tiefinnigen Blick aus den dunklen Augen die Hand „er ist schuldlos, Bertram,“ sagte die schwergeprüfte Frau,„er kann dieses Verbrechen nicht begangen haben“ „Ist er's wirklich?“ fragte der Gerber, während er das Glas füllte.„Ich glaub's nicht, und der Gerichtsrat Sommer zweifelt auch daran. Das hat man davon, wenn man sich um andere Leute Sorgen macht, um Leute, die es garnicht verdienen. Hugo hätte sich um die Schulden seines leichtsinnigen Bruders nicht kümmern sollen, der Herr Lieutenant mochte selbst zusehen, wie er mit seinen Gläubigern fertig würde.“ Er erhob das Glas und leerte es auf einen Zug. Klara wechselte mit ihrer Mutter einen schmerzlichen Blick, und ein leiser Seufzer entrang sich ihren Lippen. „Es ist leider die Wahrheit,“ sagte Frau Winkel leise mit zitternder Stimme;„ich weiß keinen Rat, all das Furchtbare stürmt so plötzlich auf mich ein, daß ich meine, es könne nur ein wüster Traum sein. Alfred ist einem Wucherer in die Hände gefallen, die Wechsel müssen morgen eingelöst werden; geschieht es nicht, so will Grunewald die Sache dem Regimentskommandeur anzeigen.“ „Wie groß ist die Summe?“ fragte Klara rasch. Lieber Gott, zweitausend Taler. Alfred hat nur den dritten Teil davon bekommen, aber jetzt muß die ganze Summe gezahlt werden“. „Das kommt vom Leichtsinn!“ sagte der Gerber, und weder Bedauern noch Teilnahme drückte sich in seiner Stimme aus.„Jett ist er unglücklich, und sein Bruder dazu! Gdunewald spaßt nicht, dafür ist er bekannt; es wäre Unsinn, ihm gute Worte geben zu wollen? Woher will der Herr Lieutenant das Geld nehmen? „Hast Du benn gar kein Mitleid?“ fragte seine Frau vorwurfsvoll. „Mit solchen Leuten nicht! In den Tag hinein wirtschaften und Schulden machen kann Jeder; nachher, wann die bösen Folgen kommen, sollen andere Leute helsen Dann heißt es gleich. die reichen Verwandten müßten ein Uebriges tun und den Geldbeutel öffnen. Prosit die Mahlzeit! Ich hab' mein Geld nicht deshalb mit saurer Arbeit verdient, um die Schulden leichtsinniger Verwandten zu bezahlen.“ Hatte Frau Winkel wirklich gehofft, der Schwager werde für die Ehre seines Neffen eintreten, so konnte sie schon jetzt nicht mehr daran zweifeln, daß sie auf die Ersüllung dieser Hiffnung verzichten mußte. Einige Minuten lang herrschte Schweigen; das harte; wenn auch gerechte Urteil des Gerbers, der jetzt wieder auf und nieder schritt, hatte Alle unangenehm und peinlich berührt.„Deine Schwester wird ihre milde Hand auch nicht öffnen,“ nahm er endlich wieder das Wort;„sie könnte es, denn sie ist ohne Mühe zu ihrem Reichtum gekommen.“ „Daraus ist nicht zu hoffen,“ erwiderte Frau Winkel kleinlaut;„wenn sie auch wollte, Herr von Meilen würde seine Zustimmung nicht geben.“ „Und dem Lieutenant wäre dadurch nicht geholfen, er würde nach einigen Monaten wieder in derselben Klemme sein.“ „Er, wird diese Lehre nicht vergessen!“ „Schon in acht Tagen denkt er nicht mehr daran. Ich kenn meine Pappenheimer, Anna; wein Georg ist nicht besser, wie Dein Alfred. Was aus den Beiden werden wird, mag der liebe Himmel wissen. Warnungen und Drohungen, guter Rat und Bitten helfen nichts, man predigt nur tauben Ohren, und schließlich muß man die Dinge gehen lassen, wie sie wollen. Wir sind beide zu schwach gewesen, wir hätten die Burschen in der Jugend kräftig züchtigen sollen; jetzt ist es zu spät.“ „Die Existenz Alfred's steht auf dem Spiel,“ erwiderte Frau Winkel, mit trauriger Miene das Haupt schüttelnd;„er muß seinen Abschied nehmen, wenn dem Oberst die Sache angezeigt wird. „Na, und dann?“ fragte Meister Vertram, während er sein Glas wieder füllte „Dann will er nach Amerika auswandern.“ „Denkt er vielleicht, das Geld läge dort auf der Straße? Schaden könnte es ihm nicht, wenn er sich drüben die Hörner ablaufen müßte, aber er soll nur Secsee 83 S 2 8 833 10,2 nicht glauben; daß ihm die gebratenen Tauben in den Mund fliegen. Freilich, ein verabschiedeter Offizier ohne Pension und ohne eigenes Vermögen ist immer ein bejammernswerter Mensch, aber wenn man solche Folgen voraus weiß, hüte man sich, doppelt vor dummen Streichen. Ich kann ihm nicht helfen. Am Ende wird er auch schon seines Bruders halber den Abschied nehmen müssen, da wär's Unsinn, dem Wucherer vorher noch das schöne Geld in die Tasche zu jagen.“ Klara hatte die Augen mit der Hand bedeckt; der Blick ihrer Mutter ruhte voll Bedauern auf ihr; der Vater schien den Seelenschmerz seines Kindes nicht zu bemerken. „So kann und darf ich nicht urteilen,“ sagte Frau Winkel mit leisem Vorwurf;„meine Kinder sind unglücklich; mir darf kein Opfer zu schwer sein, um sie vor dem Schlimmsten zu beschützen. Es ist leicht, den Stab über einen Menschen zu brechen, der einen Fehltritt begangen hat, aber dem Mutterherzen soll man das nicht zumuten.“ „Besser ist's, der Wahrheit in's Gesicht zu schauen und sich keine Illusionen zu machen,“ erwiderte er hart.„Wie man sich bettet so liegt man; Alfred konnte das alles voraus wissen. Und Hugo hätte nicht so leichtsinnig sein sollen, dem Bruder um jeden Preis helsen zu wollen—“ „Hugo würde nicht selbst die Untersuchung verlangt haben wenn er die Tat begangen hätte!“ „Nimm mir's nicht übel, Anna, das kann auch Spiegelfechterei sein.“ „Aber bewiesen ist ihm doch noch nichts!“ warf Frau Käthe ein.„So rasch darf man nicht urteilen, Mann; der Schein trügt oft, er kann es auch hier tun.“ „Und Alfred würoe Dir gewiß dankbar sein, wenn Du ihm helsen wolltest,“ sagte Klara in bittendem Tone.„Vielleicht könntest Du mit dem Wucherer ein Abkommen treffen, das, er auf einen Teil der Summe verzichtet.“ „Damit laßt mich in Ruhe,“ erwiderte er mit einer energisch ablehnenden Handbewegung,„in solche saule Geschichte mische ich mich nicht. Für Dich ist gesorgt, Anna, wenn Not an den Mann geht; im Stich lassen wir Dich nicht, aber für Deine Jungen kann ich leider nichts tun. Laß den Alfred ruhig nach Amerika reisen; wenn er nicht anders will. Es fände sich wohl auch hier passende Arbcit für ihn, wenn er nicht zu stolz wäre; sie anzunehmen; man muß das ihm anheimstellen, er ist alt genug geworden, um selbst sein Schicksal sich schmieden zu können. Und was Hugo betrifst, so muß man eben abwarten, wie die Dinge sich entwickeln. Bei der Haussuchung ist kein Geld gefunden worden; kann man ihm nichts beweisen, so wird er vielleicht freigesprochen. Dann muß man sehen, was es weiter gibt.“ „Damit beruhige ich mich nicht, Bertram!“ „Wirst es müssen; das Einzige, was Du tun kannst, ist mit einem tüchtgien Advokaten zu reden und ihn zu bitten, Deinen Sohn zu verteidigen.“ „Alfred will mit dem Doktor Leitenring beraten, ich gehe morgen auch zu ihm.“ „Ich wüßte Dir keinen besseren zu empfehlen, Leitenring ist ein geschickter Advokat, er wird das Seinige tun.“ „Wißt Ihr's schon?“ rief in diesem Augenblick des Gerbers Sohn, welcher ungestüm eintrat.„Den Tugendspieler haben sie heute Mittag in's Gefängnis gebracht — oh, da ist ja die Tante, sie wird's Euch erzählt haben!“ „Dir scheint das wohl Freude zu machen?“ fragte der Gerber mit scharfer Betonung, und aus seinen blitzenden Augen traf ein zornflammender Blick den Sohn, über dessen glattes, breites Gesicht ein höhnisches 8aschein ar „Er ist mir ja immer als leuchtendes Beispiel vorgehalten worden!“ erwiderte Georg, der mit seinen breiten Schultern, dem kräftigen, gedrungenen Wuchs und dem kurz geschorenen Haar dem Vater glich, wie ein Wassertropfen dem andern.„Ich hab's fast jeden Tag hören müssen, daß er besser sei, wie ich; jetzt kommt es heraus, was er heimlich getrieben hat. Und wenn ich jetzt kein Mitleid mit dem Vetter habe, so tragt Ihr allein die Schuld daran; weshalb habt Ihr ihn immer über mich gestellt!“ „Ungeratener Bursche!“ rief der Gerber in zorniger Auswallung.„Du bist nicht besser, wie er, das laß Dir gesagt sein!“ „Ein Spitzbube bin ich nicht, ich kann jedem Menschen frei ins Auge sehen,“ grollte der junge Mann. „Wenn Du mit ihm kein Mitleid hast, so solltest Du es doch mit der armen Tante haben,“ sagte die Mutter vorwurssvoll.„Unglück kann jeden treffen—“ „Spar' die Worte!“ fiel der Gerber ihr in's Wort. „An dem Burschen ist Hopfen und Malz verloren.“ Georg zuckte mit den Achseln. „Ich bin's ja gewohnt, daß man hier nur Schlimmes von mir denkt,“ sagte er;„die Herren Vettern werden immer noch in Schutz genommen, wenn sie auch im Buchthaus sitzen. In den Wirtshäusern werden jetzt schöne Dinge von ihnen erzählt; Alfred soll ein Hazardspieler und Schuldenmacher sein—“ „Denk an dem Balken im eigenen Auge!“— unterbrach ihn Klara empört. „Daß man damit bei Dir nicht ankommen würde, wußte ich voraus,“ fuhr er höhnisch fort;„der Herr Lieutenant mit seinen glätten Manieren—“ „Schweig'!“ befahl die Mutter, deren Antlitz sich dunkelrot färbte.„Kein Wort weiter, oder— Frau Winkel hatte sich erhoben. „Ich will gehen,“ saote die tiefgebeugte Witwe mit zitternder Stimme;„dars ich morgen noch einmal wieder kommen, Bertram?“ „So oft Du willst,“ nickte er, ihr die Hand reichend, „Nimm dem Burschen die bösen Worte nicht übel, er hat kein Wort für andere Leute, nicht einmal für seine Eltern, denen er Kummer und Sorge übergenug macht. Komm Du nur zu uns, wir lassen Dich nicht im Stich.“ „Und Alfred?“ fragte sie kummervoll. „Ich kann ihm jetzt nicht helfen, er soll's in Gottes Namen kommen lassen, wie es kommt; nachher wollen wir weiter beraten. Mit der Carriere ist's ohnehin vorbei; es ruht einmal ein Flecken auf unserem Namen, und als Offizier muß er darunter leiden.“ „Das wäre ungerecht, Bertram!“ Aber es ist einmal so, und ändern kann man's nicht. Da ist's besser, bei Zeiten umsatteln, als noch lange warten und das, was doch einmal geschehen muß, hinausschieben Sag' ihm das; ich denke, er wird mir Recht geben. Gute Nacht!“ Klara und ihre Mutter begleiteten die Tante hinaus; der Gerber trat vor seinen Sohne und blickte ihm fest in die Augen. „Was wolltest Du vorhin über Alfred sagen?“ fragte er mit gedämpfter Stimme.„Klara verteidigte ihn—“ „Weil sie ln ihn vernarrt ist!“ unterbrach ihn Georg einmal mit ihnen zu versuchen; arbeiten können sie, „Woher weißt Du das? Er ist selten in unser Haus gekommen.“ „Oefter als Du weißt; er kam Abends, wenn Tu nicht zu Hause warst.“ Und die Mutter hat mir nichts davon gesagt!“ erwiderte er ärgerlich.„Ich bin hier Herr im Hause und will's bleiben.“.. ***. Fortsetzung folgt. 5 ∆ 5# 5 S augEFE * S 18 # S S 5 55 5 E —.— S 22 5 5 5 5 8. SSpSE S 5 S255555 95 Der Notar von Argostoli. oll ung In wenigen Minuten hatte er sie mit dem Glücke bekannt gemacht, ihre Einwilligung und ihren Segen erhalten und ihr das Testament gezeigt, worin ihr der Graf ein Legat von viertausend Florins ausgeworfen hatte. Nachdem er die zahllosen Aeußerungen des Dankes entgegengenommen, welche er dem edlen Wohltäter überbringen sollte, blickte er sehnsüchtig nach der Küste und überlegte, wie er dem Drängen seiner Mutter, wenigstens einen oder zwei Tage bei ihr zu bleiben, widerstehen sollte. Die würdige Frau hatte daher trotz der kindlichen Zuneigung ihres Sohnes einen schweren Stand. Sie erhielt zunächst nur einige Stunden bewilligt; dann überredite sie ihn. bis zum Mittagessen zu warten; bei Tische stritt man sich darüber, ob er nicht wenigstens die Nacht noch da bleiben könnte, und Rodines war eben auf dem Punkte, abermals nachgeben zu müssen, als ein Diener eintrat und einen versiegelten Brief übergab. „Wer hat ihn gebracht?“ fragte Rodines. „Drei Polizeikonstabler,“ antwortete der Diener;„sie warten unten im Hofe.“ „Diese kommen gewiß, um mir in deinem Streite mit dir beizustehen,“ sagte Rodines lächelnd zu seiner Mutter, obaleich seine Stimme eine gewisse Aufregung verriet. „Wie meinst du das? Sie sollen dir beistehen gegen mich?“ Es sind Polizisten von Kephalonia; man fordert mich auf, ohne Verzug dahin zurückkehren.“ „Was? Und du bist kaum angekommen! Was soll das heißen? Wenn du aber heute noch abreisen willst—“ „Diese Leute haben Befehl, mich mitzunehmen, mag ich nun wollen oder nicht.“ „Was soll das bedeuten? O mein Gott, ich ahne nichts Gutes!" rief die zärtliche Mutter. „Ich kann mir auch nicht erklären, was das zu bedeuten hat,“ erwiderte Rodines;„aber sei nur ruhig, Mutter! Ich will den Ueberbringer des Befehls selbst fragen.“ Derjenige der drei Polizeiagenten, welcher von der Gerichtsbehörde auf Kephalonii mit der Ueberbringung der Vorladung beauftragt worden war, trat zögernd auf Rodines zu, während die beiden andern, welche ihm von der Zentralbehörde auf Korfu zur Unterstützung beigegeben waren, die Türe besetzt hielten. „Nun, Herr Gianetto,“ fragte Rodines,„man wünscht mich nach Kephalonia zurück? Können Sie mir sagen, was das zu bedeuten hat?“ Der Mann ward verlegen. :„ M e i n H e r r,“ s a g t e e r n a c h k u r z e m B e s i n n e n,„ d e r G r a f Stannet ist tot, und— man vermutet, daß er ermordet worden ist. Die Untersuchung ward deshalb eingeleitet, und man verlangt Sie als— Zeugen.“ Diese Worte machten auf den jungen Mann einen betäubenden Eindruck. „Der Graf!— Tot!— Ermordet!— O mein Gott!“ rief er und taumelte. Seine Mutter unterstützte ihn, daß er nicht zu Boden fiel. Die Polizeiagenten sahen sich verwundert an. Nach wenigen Minuten hatte sich Rodines erholt; er raffte seine ganze Kraft zusammen und wandte sich an die Polizisten mit den Worten: „Laßt uns gehen, meine Herren! Das Glück konnte warten, und die Sehnsucht ließ sich zurückdrängen; doch der Ruf der Pflicht duldet keinen Aufschub.“ Es war ein schmerzlicher Abschied von der Mutter. In Argostoli angekommen, wollte Rodines sofort nach dem Grabe seines Wohltäters eilen; aber er ward ins Gefängnis geführt. Der junge Mann glaubte einen bösen Traum zu träumen. Am andern Morgen wurde er in aller Frühe vor Gericht geführt, wo er durch wenige Worte sich aus seiner peinlichen Lage erlösen zu können hoffte. Das Verhör begann. „Ihr Name?“ „Athanasius Rodines.“ „Ihre Heimat?“ Korchra!“ „Ihr Alter?“ „Vierundzwanzig Jahre!“ „Ihr Gewerbe?“ „Sekretär des Grafen Stannet.“ „Wo haben Sie den Tod des Grafen vernommen?“ „Ir Corhra, durch die Peitzeinzenten,###iche ich nerher gen.3: baden.“ n imn nach Korchra „Am zehnten Tage dieses Monat: Ur Uhr?“ „i fünf Uhr morgens.“ welchen Zustande ließen Sie den Grase: Stauet bei Ihrer Abreise?“ „Er schlief.“ „Roher wissen Sie, daß er schlief?“ „Sein Diener sagte er mir.“ „Und Sie sind nicht zu ihm hineingegangen, um Abschied zu nehmen?“ „Nein, ich wollte ihn nicht im Schlafe stören?“ „Das ist sehr sonderbar in Anbetracht der vertratlichen Stellung bei dem Grofen.“ „Da ich in aller Frühe abreisen mußte, hatte oh mich bereits verabschiedet.“ „Sie sind an jenen Abend außer dem Hause gewesen? Wo waren Sie damals und wann sind Sie zurückgekehrt?“ „Ich war zunächst bei dem Notar Tapas; und ron dort ging ich zu Herrn Vorates, mit dem ich zum Grafen zurückkehrte. Hierauf begleitete ich Herrn Vorates nach ressen Hause, blieb dort bis nachts 1 Uhr und begab mich den nach Hause.“ „Was haben Sie nach Ihrer Heimkehr geran?“ „Ich habe mich auf mein Zimmer begeben, die Vorbereitung zu meiner Abreise getroffen und mich dann au. Bet: gelegt.“ „Hatten Sie einen Türschlüssel?“ * Der Richter ließ hierauf den Notar Tapas rufen, welcher auf Befragen erklärte, daß Rodines am neunten des Monats nachmittags zu ihm gekommen sei und in Gegenwart mehrerer Klienten ein Darlehen von tausend Flerins verlangt habe, mit der Versicherung, diese Summe in kurzer Zeit zurückzahlen zu können. Auf näheres Befragen habe Rodines dann erzählt, Graf Stannet habe ihn in einem unter Privatunterschrift ausgestellten Testamente zum Universalerben eingesetzt.„Da ich wußte,“ fuhr der Rrtar fort, „daß Graf Stannet einen Monat vorher durch notoriellen Akt sein ganzes Vermögen seinem Neffen hinterlassen hatte, vervutete ich eine beabsichtigte Täuschung, und zwar um so mehr, als daß von mir ausgenommene Testament die Klausel enthielt, daß jede Aenderung des darin ausgesprochenen letzten Willens nur dann Gültigkeit haben sollte, wenn dieselbe in Form eines Codicils zu diesem Testamente abgefaßt sein würde.“ Der weise Richter erkannte sofort die große Wichtigkeit dieser Erklärung und ließ die Klienten vorloden, welche damals, als Rodines das Darlehen forderte, in dem Beereau des Notars gewesen waren. Dieselben bezeugten denn auch die Richtigkeit der Aussage des Notars und fügten noch hinzu, daß Rodines geäußert habe, er werde in nächster Zeit eine tausendfache Summe zurückerstatten können. Der hierauf vorgerufene Vorates erklärte, daß Robines ihn um 9 Uhr abends zu dem Grafen eingeladen und er sich nebse seiner Tochter sofort zu ihm begeben habe. Auf die lebhaften Bitten des Grafen habe er auch in dessen Gegenwart seine Tochter Angelika mit Rodines verlobt. „Sie werden verzeihen, daß ich mich mit Ihren Familien= angelegenheiten befasse,“ sagte der Richter freundlich;„ich werde mich dabei auf das Allernotwendigste beschränken. Sie wissen doch daß Rodines arm ist; oder hat mit Ihnen der Graf Stanne: hierüber nicht gesprochen, als er den Brautwerber machte?“ „Der Graf hat mir gesagt, daß Rodines allerdings kein Vermögen dagegen in seinem Talente und in seiner Rechtschaffenheit die Mittel besitze, eine Frau zu ernähren.“ „Hat denn der Graf am Abend vor seinem Tode nicht davon gesprochen, daß er Rodines zu seinem Erben eingesetzt habe?“ fragte der Richter verwundert. „Rodines, sein Erbe?“ rief Vorates.„Nein, davon hat er mir nichts gesagt, das ist eine Verleumdung für Rodines!" „Sie sind also an jenem Abend mit Rodines vom Grafen weggegangen?“ 71 j.t 1 9 „Ja.“ 1 4 11 „Und wann hat Rodines Sie wieder verlassen?“ „Um 1 Uhr ungefähr.“ Nicolo, der hierauf verhört wurde, wiederholte seine Erklärung, worin er behauptete, daß er gehört habe, wie Rodincs bei seinem Nachhausekommen sich nuch dem Zimmer des Grafen be