Erscheint täglich i Ausnadme der Sonn= und gesetzl. Abonnementspreis #ns mit der täglichen Unterhaltungsbeilage Gäctägen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pig. shanch burch die Post bezogen für 3 Monate 1.50 Ml. popertüig; Vikdor Schar Horinund. 41. Erstes Blatt. verbunden iit dem Lokat-Anzeiger für und der täglichen Unterhaltungsbeilage Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9Dortmund, Freitag, den 18. Februar 1910. hentrum und Bund der Landwirte. ger Zerfall des Bülow=Blocks und die Erleder Reichsfinanzreform durch den schwarzglock hat die Konservativen auch im Reichsden Zentrum wieder näher gebracht. In Preulaben beide Parteien trotz der Blockperlode im n ununterbrochen zu einander gestanden. In enativen Kreisen im Lande ist man über die erufrichtung der Zentrumsherrschaft nicht sonerfreut. Zu dem Mißvergnügen über die ite Reichsfinanzreform gesellt sich der Unmut die Stärkung der Zentrumsposition. Die Bechtigungsräte der Konservativen und des Bundes Lndwirte geben sich augenblicklich alle erdenkNühe, die Unzufriedenheit in den eigenen Reizurückzudrängen. Gelegentlich der neuerdings ustalteten Parade=Versammlungen des Bundes Andwirte versuchen es seine Führer, das Verbis so hinzustellen, als ob das Bündnis mit der umspartei ein ganz natürliches und nicht zu erii sei, daß die Reichsparteien dem Zentrum zlche Konzessionen machen würden. Die Zuwird das Gegenteil beweisen. Herr Dr. Oertel, zfredakteur der Deutschen Tagesztg., ging aber Verteidigung des Verhaltens der Konservativen Bündler noch über die von anderen Rednern Bundes der Landwirte angeführten Gründe hinEr erklärte in Görlitz, daß es entschieden bes„mit dem Zentrum zu gehen, als mit dem #in dem Freunde der vaterlandslosen, revoluim Sozialdemokratie", und in anderen Verin wiederholte Dr. Oertel denselben Ausset wörtlich. #er einflußreiche Leiter des Hauptorgaus des #der Landwirte empfiehlt demnach unter gleichSchnähung der freisinnigen Richtung ein indes Zusammengehen mit der ZentrumsparLas Befolgen seines Rates würde zur Klärinserer politischen Verhältnisse nicht unwesentskeitragen. Wie weit aber der Standpunkt des ## kr. Oertel von seinen Parteigenossen gebilligt is nicht zu übersehen. Es kann indes angenomberden, daß beim Befolgen der Oertelschen Pa#iderspruch aus dem konservativen Lager sehr ##nsetzen würde. Schrieb doch selbst die Kreuz# noch im Oktober 1909:„Das Zentrum als konfessionell=katholische Partei ist Uneezug für den Staat und das Reich.“ So wird ##konservativ=agrarischen Partei wohl allgemein Zentrumspartei geurteilt. Man nimmt aber ##se der Zentrumspartei zur Turchführung eiaenativ=agrarisch=rückschrittlichen Gesetzgebung ödenken sehr gern an, und das Zentrum quittiert gelegentlich schmunzelnd über einen Gegenliebesdienst, der ihm von der konservativen Seite zuteil wird. Dem Bunde der Landwirte, zu dessen Führern Herr Dr. Oertel gehört, stand die Zentrumspartei von jeher vorsichtig abwartend gegenüber. Die Bemühungen des Bundes, die politischen Parteien auszuschalten und eine agrarisch=wirtschaftliche Vereinigung als Machtfaktor in Teutschland zu schaffen, mußten in der Zentrumspartei auf Widerstand stoßen. Die Einbruchsversuche des Bundes in Zentrumswahlkreise wurden auch stets scharf zurückgewiesen. Die Vertreter der Zentrumspartei hatten für solche Unternehmungen nur Hohn und Spott. was natürlich nicht hinderte, daß Zentrum und Bund der Landwirte sowohl im Lande als auch in den Parlamenten möglichst zusammengingen. Eine im Jahre 1903 in Heiligenstadt(Eichsfeld) erschienene kleine Broschüre gibt jedoch ein lehrreiches Beispiel dafür, daß die jetzt vom Bunde der Landwirte umworbene Zentrumspartei damals über den Bund sehr ungünstig urteile. Man kann es der Zentrumspartei nachempfinden, daß sie dem Bunde der Landwirte freundschaftliche Gefühle nicht entgegenbrachte. Hatte doch schon der erste Vorsitzende des Bundes der Landwirte, Herr v. Ploetz, 1895 in Tanzig gesagt:„Das Zentrum muß gesprengt werden!“, und hatte weiter eine im Jahre 1903 erschienene Festschrift des Bundes der Landwirte behauptet, das Zentrum habe dem österreichischen Handelsvertrage nur zugestimmt aus politischen Sympathien für das katholische Oesterreich und hiermit die ihm obliegende Vertretung der Interessen seiner ländlichen Wähler vernachlässigt. In der Zentrumsbroschüre wurde daran erinnert, daß der jetzige Vorsitzende des Bundes der Landwirte, Freiherr v. Wangenheim am 12. Januar 1903 in Breslau sich folgendermaßen geäußert hat:„Was das Zentrum anbelangt, so muß es leider ausgesprochen werden, daß ein großer Teil der Zentrumspresse den Bund in viel gemeinerer Weise bekämpft, als die Freisinnigen und Sozialdemokraten". Und was die Deutsche Tageszeitung angeht, so wird in der Broschüre vom Jahre 1903 darauf hingewiesen, daß diesem„Musterexemplar“ einer politischen Zeitung mehr als einmal von der Zentrumspresse vorgeworfen worden war, daß sie ihre Spalten für Anzeigen der niedrigsten Art öffnet". Besonders erbittert war aber die Zentrumspartei über die Veröffentlichung des„Mistkäfergedichts“ in der Deutschen Tageszeitung nach der Ablehnung der Bismarckehrung. Dieses gegen die Zentrumspartei gerichtete Gedicht, das in der Broschüre „zu Nutzen und Frommen der deutschen Katholtken“ wiedergegeben wird, beginnt mit den Worten: „Was für Gewürm umkriecht Dich, Heldengre's? Blutrot und schwarz— so sind die Feuerwanzen! Mistkäfer— schwarz allein— der Hölle Schranzen! Auf der Brautschau. dumoristischer Roman von Felix Brenta. 12 beim Erwachen beseligte ihn das frohe Vorheülte an Herrn Raupachs Bank angestellt zu m eigenes Geld zu verdienen und mit seinem cht mehr von Linchens Guade und Ungnade # Er wurde selbständiger Kapitalist. Was Diuste.,#in dieser Lage, Die Arbeit des entwiche1 tädchens zu tun und in der unfreundlichen Ung des ungeheizten Morgens die Stiefeln sämtricter zu putzen? Nichts verpflichtete ihn seiner nach dazu. Kha2 Freilich meinte, daß ihn das Ehrgefühl und L% Liebe dazu verpflichte, seine arme alte Frau stei. Jorgung ihrer Mieter zu unterstützen. Vater 9,“Gegenmeinung auf, daß Ehrgefühl und seien ung Stiefelputzen ganz überflüssige SaTugend— das Stiefelputzen auch ohne diese e Diefac# ganz gur von Rosa besorgt werden sichaber war theoretisch nicht zu widerlegen, da war praktisch als wertlos, weil das Rosa noch pitdes m 1nd„m Vertrauen auf eben diese Abwewritten= an fühlte sich Frau Lichtenburg noch als hre Har. 4lleinherrscherin im Reiche der Töne und sie steste: 201 mit gewohntem Nachdruck aus. ## iie sich vor den Schrank mit ihrer Mitgift, Laren#. Ssvoller auszunehmen, schalt auf den un##stete un 4l, der von ihrer saueren Arbeit das Le##rühren?“ faul war, selbst auch nur einen Finschrie sich vor Zorn ganz heiser, so genTagest2 sflächen braunrot in den beginnenden I. mitdem er Zineinleuchteten und der Hustenihr diesmars Brüllen zu unterbrechen gewohnt zekünfter. nur aus bösem Herzen, sondern Anstelt aus bösem Halse kam. hläfe. 77½6 Pause des Morgengeschreis pflegten beruhig:„Pluse zu erwachen und bei der Fortgewöhn: einzuschlafen. Nur Herr Heuer ahren mnaser aus seinem Schlummer ems auch sogleich in seine Kleider und Stie### geng.“ fuhr er nicht in die Stiefeln, weil oct waren. Er rief das Rosa. Aber das Rosa kam nicht, weil sie immer noch nicht da war. Er dachte daran, Frau Lichtenburg zu rufen, aber er unterließ es, weil er es für unpassend hielt, ein längeres Wettgeschrei im hallenden Treppenhaus mit ihr zu veranstalten. Herr Heuer hielt es für das Richtigste, selbst in die Küche hinabzugehen, sich die Wichsgerätschaften zu leihweisem Gebrauch auszubitten und seinen Stiefeln persönlich einen neuen Schein zu geben. Als er die Küchenschwelle betrat, schlüpfte des Stabsarztes weiße Bulldogge mit einer für ihre massiven Körperverhältnisse ganz unpassenden Gewandheit durch seine Beine und, von Frau Lichtenburgs kräftiger Hand geschleudert, streifte ein Holzschemel unsanft seine nur mit leichten Pantoffeln bedeckten Füße. So war er des dicken Box Lebensretter geworden. Denn Frau Lichtenburg hatte den Holzschemel eigentlich dazu bestimmt, dem armen Tier das Lebenslicht auszublasen, weil der ihrem Peppi, dem nackten. chinesischen Köter, das linke Hinterbein blutig gebissen hatte. Diese Rache war höchst ungerecht, wenn man bedenkt, daß Peppi vorher Box' dicken Schwanz blutig gebissen hatte, Box' unschuldigen, weißen Wurstschwanz, der sich so langsam und harmlos hin und her bewegte, wie an einem dörflichen Sonntag=Nachmittag im heißen Sommer das Pendel der Kirchturmuhr. Tatsächlich hatten die lieben Tiere nur ein wenig miteinander gespielt, wobei Box den Patriotismus des deutschen Militärhundes zur Geltung gebracht hatte, während Peppi in die Rolle eines chinesischen Boxers hineingedrängt worden war. Als sich Frau Lichtenburg in der Frage der hohen Politik handelnd einmengte, überschritt sie entschieden, wie so oft, ihre Befugnisse, und zwar ohne mit ihrer Einmengung einen Erfolg zu erzielen, was ja in der hohen Politik vorkommt. Herr Heuer huldigte die Weisheit des starken Mannes, kleinlichen Zwischenfällen keine Bedeutung beizulegen. Er schleuderte mit einem leichten Zucken seines linken Beines, welches ebenso lang und kräftig war, wie das rechte, den schwer verwundeten Holzschemel in die Ecke, wo er ächzend seiner völligen Auflösung entgegensah, und bat bescheiden um Wichsgerät, damit er sein Schuhwerk für den Schulweg in Stand setzen könne. „Sie wollen doch nicht etwa in Ihrem Zimmer Stiefeln putzen?“ fragte Frau Lichtenburg beleidigt. Herr Heuer wollte das allerdings, aber Frau Lichtenburg bedeutete ihm, daß eine solche Schmutzarbeit im Wohnzimmer unzulässig sei. „Ich arme, alte Frau,“ sagte sie,„ich habe dann wieder den ganzen Tag zu sorgen und zu schaffen, den Herren den Dreck nachzuräumen, und eine Menge Diener= schaft für andere Leute zu bezahlen.“ Vernünftigen Ausführungen war Herr Heuer jederzeit zugänglich; er nahm seine verbrecherische Absicht zurück, ging wieder in sein Zimmer, nahm seine Stiefeln zur Hand, kam wieder in die Küche und machte sich ans Werk. Anfangs wollte es nicht recht klappen. Aber Frau Lichtenburg unterwies ihn mütterlich in dem Gebrauch und der richtigen Reihenfolge der verschiedenen Bürsten, und nach einiger Zeit heftigen Arbeitens war es Herrn Heuer gelungen, trotz der Winterkälte in wohltätigen Schweiß zu geraten und mit gewaltigen Strichen nicht nur seine Stiefeln, sondern auch den linken Arm und den heraufgestreiften Hemdärmel glänzend schwarz zu polieren und die übrigen Gegenden seines Aeußeren mit schwarzen Punkten zu verzieren. Die Arbeit floß ihm um so munterer fort, als sie von guten Reden begleitet wurde. Heinrich stattete natürlich Bericht von Miezes Familienglück ab, und Frau Lichtenburg geberdete sich so glücklich, als wäre sie durch diese zarte Aufmerksamkeit Miezes zur Großmutter gemacht worden. Sie floß fast eine Stunde lang nur von Schmeichelworten über, hatte die kleinen Geschöpfe natürlich sofort in einem Korb mit Betten und Heu heruntergeholt ergaß beinahe alles Schelten und machte Herrn Heuer nur ganz milde Vorwürfe, daß er sein Zimmer nicht geheizt hatte. Liebevoll war sie nun um ihre kleinen Enkelchen bemüht und wich fast nicht von dem Korb, der diese Freuden einschloß. Nicht einmal etwas Stärkendes holte ste sich heute aus dem Keller. Das Rosa war inzwischen gekommen und mußte an ihrer Statt zum Rotweinfaß gehen. Nach einer halben Stunde hatte das Rosa von dem ununterbrochenen Auf= und Absteigen der Kellertreppe geschwolleue Knie und war unfähig, ihren Dienst noch weiter zu versehen. Auch Herrn Heuers wollene Decke konnte sie infolge dessen nicht reinigen, und Heinrich erkannte bei persönDortmund u. Hörde sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. 11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Pfg. Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 PfgBeilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangsweiser Beitreibung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Rabatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann. Dortmund. 27. Jahrg. Versagen wollen Dir der Ehrung Preis: Die?!—“ Der Verfasser der Zentrumsbroschüre schreibt zu diesem Gedicht:„Die Katholiken quittieren auch über diesen Erguß der Deutschen Tageszeitung. Das Mistkäfergedicht wird nicht vergessen werden. Vierzehn(!) Tage später erschien eine lendenlahme Erklärung des engeren Vorstandes, worin dieses Gedicht gemißbilligt wurde. Vierzehn Tage später! Das Gedicht hatte seine Schuldigkeit getan, da konnte man es ja desavouieren.“ Nicht ohne Interesse dürfte es in der Jetztzeit sein, daß in der erwähnten Broschüre daran erinnert wird, daß im Jahre 1895 der Kaiser zu einer Deputation unter Führung des Bundesvocsitzenden v. Plotz die bündlerische Agitation mißbilligte,„die, über den Rahmen des Zulässigen hinausgehend, Mein landesbäterliches Herz tief kränken mußte". Das war vormittags 10 Uhr, heißt es in der Broschüre. Nachmittags 2 Uhr wurde die zweite Generalversammlung des Bundes eröffnet und hier sagte Herr v. Ploetz:„Die Mahnung seiner Majestät, wir werden sie uns gern zu Herzen nehmen, wir werden unsere Agitation stets so leiten und führen, daß wir sagen dürfen: es war ein loyales Vorgehen, und es wird ein loyales bleiben... Wir müssen für die Autorität eintreten, und wenn ein hoher Staatsbeamter vor einem Jahre sagte, wir suchten die Autorität herabzuzerren— nein, meine Herren, die Autorität liegt in unserem ganzen Vorgehen, wir stützen die Autorität, aber es muß nur die richtige sein!“ Der Zentrumsspiegel gibt ein treffendes Bild der konservativen Agrarier wieder. Zurzeit liegen sie sich aber trotz alledem in den Armen, beide, die Frage ist nur, wie lange noch das deutsche Volk sich die konservativ=klerikale Herrschaft gefallen lassen wird. Karl Schumacher. Deutsches Reich. Der freisinnige Landtagsabgeordnete DeliusHalle, der in seinem, bürgerlichen Berufe Postbeamter ist, spricht sich in der Saale=Zeitung energisch gegen die in der Wahlvorlage enthaltene Privilegierung der Beamten aus. Mit Recht sagt er, die Beamten sollten sich bei dieser Einschätzung klar werden lassen, daß ihr Ansehen dadurch in keiner Weise gehoben wird: „Ansehen und Achtung bei seinen Mitbürgern kann man nur erwerben, wenn man im Besitze der nötigen Charaktereigenschaften durch seine Tätigkeit zeigt,, daß man das notwendige Maß von Bildung, ganz gleich, wie und wo dasselbe erworben ist, und gereifte Lebenserfahrung besitzt. Die letztere Eigenschaft insbesondere kann nicht durch irgendeinen Berechtigungsschein erworben werden, sie wird nur erlangt in der Schule des Lebens. Und da sollte man meinen, müßte sie in den sogenannten freien Berufen mindestens ebenso häufig anzutreffen sein. Deshalb ist es für mich ganz klar, daß auch die anderen Parteien dieses sogenannte Bildungsprivileg ablehnen werden. Die Beamtenschaft kann sich nur gratulieren, wenn dieser neue Stein des Anstoßes schnell beseitigt wird. Das so dringend notwendige gute Einvernehmen zwischen Festbesoldeten und freien Erwerbsständen kann dadurch nur gewinnen. Das Privileg würde eine neue künstliche Schranke sehr zum Schaden des Vaterlandes aufrichten.“ Raumann über Bethmann Bollwea. Der Reichskanzler von Bethmann Hollweg wird vom Abgeordneten Dr. Naumann in der neuen Nummer der„Hilfe“ scharf kritisiert. „Er ist“, so heißt es da,„trotz aller Vorzüge kein Mann für diese Stelle! Es fehlt ihm zuerst die Bülowsche Leichtigkeit. Das mag für ihn selbst drückend sein, aber im Grunde schadet es nichts: Deutschland verträgt ganz gut etwas Ernst und Griesgrämigkeit, wenn nur sonst etwas dahintersteckt. Ihm fehlt sodann die unmittelbare Sicherheit, sich zu geben und seinen Willen den anderen aufzuprägen. Das ist schon bedenklicher, denn beim Reichskanzler hängt viel von der ungewollten Nebenwirkung ab, durch die er die Presse und die Volksmeinung für sich einnimmt... Vor allem aber dieser Mann kennt das Volk nicht! So wunderbar es klingen mag, so ist es doch offenbar, daß jemand Landrat, Regierungspräsident, Oberpräsident und Minister werden kann, ohne ein Empfinden für das Seelische, und Innerliche im Volke zu bekommen. Die Rede, die er am 10. Februar im preußischen Landtage über die Wahlrechtsfrage gehalten hat, war nicht ohne formale Klugheit, aber völlig ohne inneres Gefühl für das, worum es sich bei der Wahlrechisfrage handelt. Als Beamt# stellt er sich hin und redet gegen den Parlamentarismus an sich. Er hat nur Ironie für die Hoffnungen, daß mit einem besseren Wahlrecht die Zustände sich bessern...“ Der Verband sächsischer Industrieller gegen die Schiffahrtsabgaben. Der Verband sächsischer Industrieller hielt Mitt woch in Dresden unter Beteiligung von über 300 sächsischer Industriefirmen seine achte Hauptversammlung ab, in der zur Frage der Schiffahrtsabgaven folgende Resolution einstimmig angenommen wurde: „Die heütige Hauptversammlung des Verbandes sächsischet industrieller erhebt nochmals entschieden Einspruch gegen die von preußischer Seite geplante Aenderung der Reichsverfassung zur Herbeiführung der Möglichkeit der Erhebung von Schiffahrtsabgaben. Sie erachtet es dem Geiste der Reichsverfassung widerstrebend, wenn bedeutende Bundesstaaten des Reiches durch Mehrheitsbeschluß majorisiert werden sollten, namentlich wenn es sich um Wirtschaftsgebiete, wie das sächsische, handelt, dessen Bedeutung inlicher Besichtigung, daß weder kräftiges Ausschütteln noch die Behandlung mit einer gewöhnlichen Bürste im stande sein würde, die Decke in ihren unbefleckten Naturzustand zurückzuversetzen. Er gewann die Erkenntnis, daß Katzenhaare mit großer Beharrlichkeit sich auf der rauhesten Unterlage festhalten, und er dachte daran, die Decke gelegentlich einer Gewaltkur zu unterziehen und sie unter die Walzenkehrbürste der Straßenreinigung zu legen. Weil aber bei Schneewetter die Straßen nicht mit der Walzenbürste behandelt werden, so mußte er diese Absicht bis auf den Lenz verschieben und somit für den ganzen Winter auf den Genuß der zweiten wollenen Decke verzichten. Es war schon spät geworden, und Heinrich hatte bei der Eile, mit der er zur Schule ging, keine Zeit, um ruhig an Thea zu denken. Dann nahmen die frischen Augen seiner Jungens seine ganze Aufmerksamkeit und Geisteskraft in Anspruch, und erst beim Heimgang kam Theas zurückgedrängtes Bild wieder vollständig in seiner Seele zum Vorschein. Früher hatte er dies Bild in seinem Innern nur mit Freuden betrachtet. Seit gestern betrachtete er es mit Leidenschaft und Angst. Seit er fürchten mußte, daß Dr. Laue in all seiner schneidigen Eleganz vielleicht als sein Nebenbuhler auftreten würde, war ihm seine Liebe zu Fräulein Thea zu deutlicher und peinigender Gewißheit geworden. Als er in die Haustüre trat, kam ihm Herr Lichtenburg entgegen und flüsterte ihm ein paar Worte zu. Heinrich antwortete ebenso, lächelte befriedigt und fügte hinzu:„Halten Sie sich also hier im Hausflur auf und laufen Sie Herrn Dr. Laue, wenn er heimkommt, wie zufällig in den Weg. Seien Sie klug. Dann können Sie aus der Sache lange Vorteil ziehen.“. 177,18 Beim Mittagessen im Stern teilte er dem Referendar mit, es sei ihm bereits gelungen, die Anstellung des künftigen Kundschafters bei Herrn Raupach zu bewirken. „Nun suchen Sie Herrn Lichtenburg recht vorsichtig für sich zu gewinnen. Die Unterhandlung mit ihm ist eine schwierige Aufgabe, die ich Ihnen nicht abnehmen kann. Sie machen das als Jurist wohl geschickter, als ich, und ich denke, in ein paar Tagen haben Sie den Mann leicht soweit gebracht, daß er Ihnen aus dem Geschäft alles wiederplaudert. Aber vorsichtig müssen Sie sein!“ crecr nerhalb der deutschen Volkswirtschaft weit üver oas dem Königreich Sachsen zugestandeue Stimmenverhältnis im Bundesrate hinausgeht, und daß seine künftige wirtschaftliche Entwicklung gefährdet sehen müßte, wenn die bisherige Aufgabenfreiheit der deutschen Ströme aufgehoben werden soll. Die Versammlung vertraut der Weitsicht der deutschen Volksvertretung, daß sie ihrerseits unter Würdigung der wirtschaftlichen und nationalen Tragweite der Frage gexlanten Aenderung der Reichsversassung ihre Zuslinmung nicht geben wird. Der sächsischen Regierung spricht die Versammlung Tank und Anerkennung für die entschiedene Vertretung der sächsischen Wirtschaftsinteressen in dieser Frage aus.“ Orotest der liberalen Frauen. Die von der liberalen Frauenpartei am 15. Febr. nach Schöneberg berufene Volksversammlung protestiert gegen die preußische Wahlrechtsvorlage und fordert ihre Ablehnung, weil sie im schärfsten Widersprach steht zu allen wirtschaftspolitischen Entwicklungen der Neuzeit. Die Versammlung fordert die Einfüyrung des allgemeinen, gleichen, geheimen und birekten Wahlrechts als die notwendige Konsequenz reußischer Traditionen. Der allgemeinen Schulpflicht und der allgemeinen W.hipflicht entspricht mit Notnendigkeit das allgemeine, gleiche Wahlrecht. Die Versammlung protestiert gegen die erneute Ausschließung der Frauen vom politischen Wahlrecht. 5 Millionen preußischer Frauen stehen selbständig erwerbstätig im Kampf des Lebens und fordern das Recht, ihre Interessen im politischen Kampf selbst zu vertreten. gez. Maria Lischnewska, Berlin W., Martin Lutherstr. 16. Des Reichskanzlers Romreise. Das Türiner Blatt„Momento“ meldet, der Beuch des deutschen Reichskanzlers in Rom sei für den Monat März anberaumt, und zwar vor der Begegnung des Deutschen Kaisers mit dem König von Italien in Venedig. Der Reichskanzler werde als Gast des Fürsten Bülow in dessen römischer Villa absteizen. Der Kanzler werde auch dem Papst einen Besuch abstatten. Gründung eines Bauernbundes im Rönigreich Sachsen. Die kleineren und mittleren Gutsbesitzer Sachsens fründeten einen Deutschen Bauernbund für das Königreich Sachsen zwecks Bekämpfung der Vorrechte der Rittergüter. Der Bund will mit dem Mittelstand in Steuerfragen Fühlung nehmen. Ein schwerer Verwurf. Der nationalliberale Reichstagsabgeordnete, Landgerichtsdirektor Heinze, bedauerte in einer zu Dresden gehaltenen Rede, daß die preußische Regierung sich an den Fortschritten der Sozialdemokratie mitschuldig mache, indem sie die Gelegenheit versäumt habe, den bürgerlichen Parteien Ziele zu setzen, denen sie in gemeinsamer Arbeit zustreben könnten. Die preußische Wahlreform sei diese Gelegenheit gewvesen. Diese Reform sci auch von den Angelegenheiten des Reiches nicht zu trennen# und werde bei den nächsten Reichstagswahlen die Stimmabgabe von Hunderttausenden von Wählern bestimmen.. Hur Sehulaussicht. Der Deutsche Lehrerverein tagt dieses Jahr in Straßourg. Ein Ziel, das er mit Entschiedenheit verfolgt, ist: Beseitigung der Schulaufsicht durch pädagogische Laien, fort darum auch mit der Beaufsichtigung durch Geistliche! Daß diese Forderung immer wieder von gewisser Seite umgedeutet wird, in die Behauptung, die Lehrerschaft stehe— wenigstens in ihrer überwiegenden Mehrheit,— in offener Feindschaft gegen die Kirche ist bekannt, bleibt aber dennoch eine Unwahrheit. Um so erfreulicher ist der Beschluß, den die evangelischen Geistlichen in Elsaß=Lothringen schon im Jahre 1901 gefaßt haben. Ohne Einschränkung erkannten sie an,„daß das staatliche Aufsichtsrecht über die Volksschule mit der sich daraus ergebenden Fachaufsicht von den unteren bis zu den oberen Instanzen grundsätzlich aufrechtzuerhalten sei“; ebenso lehnten sie es ab,„als Mitglieder des Ortsschulvorstandes mit der sittlichen Ueberwachung der Lehrer irgendwie betraut zu sein“. Und Professor Ziegler in Straßburgfügt(in seiner Allgemeinen Pädagogik) diesen Beschlüssen die treffenden Worte hinzu: „Das ist der Weg zum Frieden zwischen Schule und Kirche, der angesichts des vielen Trennenden in unserm Volksleben wirklich ein großer Gewinn wäre“. Der Wohnungsgeldzuschuß für preußische Beamte. Die preußische Rezierung beabsichtigt, noch im Laufe dieses Monats eine Vorla##e einzubringen, die das Wohnungsgeldzuschußgesetz für Reichsbeamte auf Preußen überträgt. Verschlechterungen sollen jedoch ausgeschlossen sein. Wie verlautet, verhandelt die Regierung zur Zeit mit den einzelnen Parteien, um zu erreichen, daß diese keine Abänderungsanträge einbringen. Bei den liberalen Parkeien hat sie damit allerdings keine Gegenliebe gefunden, sodaß man vielleicht doch nicht mit einer mechanischen Uebertragung des Wohnungsgeldzuschusses für Reichsbeamte auf Preußen zu rechnen braucht. Ein bayerischer Orinz für das Duell. In der Kammer der Reichsräte wandte sich dieser Lae bei degr Beratung des Militäretats der Freiherr Tramer=Klett energisch gegen das Duell, das vom resigiösen, und ebenso auch vom ethischen Standpunkt aus zu verwerfen sef. Der Kriegsminister v. Horn erwiderte, die Duellsitte bestehe nicht nur im Offizierkorps, sondern entspreche den Ansichten weiterer Kreise(!). Der Prinz Georg von Bayern, der der Kammer der Reichskäte angehört, erklärte, kein Reichsrat, der Uniform trage, stehe auf dem Standpunkt Cramer=Kletts. Das Quell gehöre nicht der Vergangenheit an. Da es nur In den schwersten Fällen vorkomme, sei eine größere Einschränkung kaum möglich.— Die bayrischen Prinzen sind, wie bekannt, sämtlich sehr fromm katholisch. Nun belegt die katholische Kirche die Anhänger des Duellunfugs mit den schwersten kirchlichen Strafen. Der Vatikan wird sich aber sehr hüten, über den Prinen Georg von Bayern wegen seiner Duellrede die Exkommunikation zu verhängen. Ausland. Rußland. Berlin, 17. Febr. Von bestinformierter Seite wird dem L.A. aus Petersburg geschrieben: Das Befinden der jungen Kaiserin beginnt zu den erustesten Befürchtungen Anlaß zu geben. Sie leidet seit einiger Zeit unter Herzaffektionen, Spasmen und Krämpfen, die tagelang andauern und leicht zu einer Krisis führen können. Zuweilen läßt das Leiden völlig nach, die Kaiserin ist dann in guter Stimmung. Während der Anfälle überkommt die Patientin fast völlig Apathie, und sie will dann niemand, auch nicht ihre nächste Umgebung sehen. Anscheinend ahnt sie den Ernst ihres Zustandes und versinkt daher mehr und mehr in Melancholie. Von einer geistigen Zerrüttung, wie sie anderweitig gemeldet wird, kann aber nicht im entferntesten die Rede sein. Dänemark. Kopenhagen, 17. Febr. Die Regierung hat den Untersuchungsrichter in der Alberti=Asfäre beauftragt, eine Untersuchung darüber anzustellen, ob der Landwirtschaftsminister Christensen etwa von den Betrügereien Albertis gewußt hat, und ob er überhaupt Gelegenheit gehabt hat, etwas darüber zu erfahren. Griechenland. Konstantinopel, 17° Febr. Ueber die Athener Vorgänge gehen hier die abenteuerlichsten Gerüchte um. Man behauptet, daß die Flotte sich empört habe und nach Kreta auslaufen wolle. Die Militärliga wird wahrscheinlich dem Ansturm der Marine weichen müssen, die die Auflösung der Liga verlangt. Die Führer der Liga aber fürchten, durch Ueberstürzung der Auflösung alle bisherigen Errungenschaften und die ganze Zukunft von Hellas preiszugeben. Konstantinovel, 17. Fedr. Diplomatischen Nachrichten aus Athen zufolge soll König Georg die im Auslande weilenden griechischen Prinzen zu einem Familienrat nach Athen berufen haben. Athen, 18. Febr. Außer dem von der Halbinsel Chalkis eingetroffenen Militär sind auf Befehl des Kriegsministers Truvven aus Padras Messolonghi, Korfu, Lami und Korinth nach Athen beordert vorden. Asien Petersburg, 17. Febr. Aus Charbin wird gemeldet, seit Neujahr hätten die Chinesen die Getreidezufuhr auf Eisenbahnen verboten. In der dortigen russischen Kolonie drohe eine Hungersnot auszubrechen. Die Militärlieferanten hätten ihre Kontrakte nicht einhalten können. Die Versorgung des Amurgebietes mit Getreide habe aufgehört. Die in Blagowschtschensk überwinternden Schiffe seien ohne Ladung. Dortmund, 18. Februar. —* Zur Disziplinierung der sämtlichen Rektoren der Dortmunder Volksschulen schreibt Herr Pfarrer Traub in der„Christlichen Freiheit": Abgesehen davon, daß es für die Schuldisziplin nicht gerade erhebend wirken dürfte, wenn in den Zeitungen von den„disziplinierten Dortmunder Rektoren“ geschriene: wird, finden wir die ganze Angelegenheit tieftraurig. Sie spricht wahrhaftig nicht für die pädagogische Weisheit der Regierung. Wieviel Menschen im preußischen Staat will man eigentlich noch verärgern? Man pflegt ja geradezu mit liebender Fürsorge die Unlust am Staatsgedanken. Rechtlich bleibt der Standpunkt der Dorte munder Rektoren einwandfrei, umsomehr, als die Rektoren vorher alle übrigen Rechtsmittel in die Hand genommen hatten. Warum hatte denn die Regierung, die schon früher auf diesen einzigartigen Vorgang aufmerksam gemacht worden war, nicht vorher zu Gunsten ihrer Nektoren eingegriffen? Sie haben jederzeit das Recht, vor dem Magistrat ihre Anschauung zu verreten und es war von jeher besser, wenn solche offen vertreten wird, als wenn man die Unzufriedenheit zu einem schwälenden Feuer macht. —' Verein Frauenbildung=Franenerwerb.— Der Verein lädt seine Mitglieoer zu recht zahlreichem Besuch am Freitag Nachmittag im oberen Saal des Gewerbevereins ein. Frl. Dr, Baum wird über die Säuglingspflege und Ernährung sprechen., Gerade wir Frauen und Mütter wissen die Bedeutung dieser wimtigen Fragen zu schätzen und hoffen auch für unsere Stadt auf die Möglichkeit, allen Kindern einwandfreie Milch bieten zu können. —* Arbeitsnachweise. Auf der letzten Generalversammlung des Verbandes westfälischer Arbeitsnachweise wurde nach Genehmigung einer Satzungsänderung, wonach der Sitz des Verbandes der Wohnorl des jeweiligen Vorsitzenden ist, die Verlegung des Berbandsvorsitzenden von Dortmund nach Münster beschlossen. Landeshauptmann Dr. Hammerschmidt hat das Amt eines ersten Verbandsvorsitzenden übernommen. —* Nach Berliner Vorbild. Die Polizeiverwaltung erläßt wahrscheinlich mit Rücksicht auf die am Sonntag zu erwartenden Wahlrechtskundgebungen auf der Straße folgende Bekanntmachung: Die in den letzten Tagen von Mitgliedern der sozialdemokratischen Partei versuchten Straßendemonstrationen machen es erforderlich, daß ähnlichen unerlaubten Versuchen von Aufzügen oder Ansammlungen entgegengetreten wird. Dem Publikum wird daher im eigensten Interesse dringend angeraten, sich von derartigen Demonstrationen unbedingt fernzuhalten. —* Dekoriert. Das Militärehrenzeichen 2. Klasse ist dem ehemaligen Sergeanten in der Schutztruppe für Kamerun, Hugo Klein zu Dortmund, verliehen worden. —* Unfall. Der hier 1. Kampstraße 41 wöhnhafte Fuhrmann Fritz Ruhose kam dadurch zu Schaden, daß ihm bei Abladen von Schutt hinter der Radrennbahn sein Wagen umkippte, und er darunter geriet. Er erlitt eine schwere Quetschung des linken Beines, die seine Unterbringung im Krankenhause notwendig macht— Polizeiliches. Im verstosfenen Jahre wurden 55 geisteskranke Personen in hiesigen Anstalten verpflegt. Davon waren 29 arbeits= und erwerbsfähig; 2 davon starben im Lause des Jahres, 2 wurden wieder geistig normal und 5 mußten in Heilstätten untergebracht werden.— Im hiesigen Polizeigefängnis waren untergebracht insgesamt 3964 Männer und 548 Frauen oder 4512 Personen. Davon haben Polizeistrafen verbüßt 809 Männer und 37 Frauen oder 846 Personen. In den polizeilichen Unfallstationen wurden 92 Männern und 3 Fraueu die erste Hilfe zuteil. Nach anderen Ländern ausgewandert sind zusammen 266 Personen. Die hiesigen Herbergen haben aufgesucht insgesamt 27273 Männer, das städtische Asyl für Obdachlose 17911 Männer, 89 Frauen und 139 Kinder unter 14 Jahren. — Wirtschaftsverkauf. Die unbeschränkte Schankwirtschaft der Witwe Johann Schubert, Heroldstraße Nr. 20— Ecke der Nordstraße- ist zum Gesamtpreise einschließlich des Inventars von rund 210000 Mark an den Monteur Wilhelm Sahelschmidt von hier verkauft worden. Voraussetzung ist die Konzessionsübertragung im bisherigen Umfange. — Polizei=Bericht. In der Nacht zum Mittwoch bezw im Laufe des Dienstags rurden 4 Personen festgenommen und zwar: 5 wegen Obdachlosigkeit und je 1 wegen Diebstahls, Schamverletzung, Unfugs und Umhertreibens.— Am 1. d. M. ist in Kupferdreh auf der Ruhrweide in der Nähe der Eisenbahnbrücke eine unbekannte männliche Leiche gelandet, welche anscheinend längere Zeit im Wasser gelegen hat. Die Leiche ist ca. 1,80 Meter groß, von kräftiger Statur, hat dünnes, schwarzes Kopfhaar mit Glatze und ein längliches, mageres Gesicht und ist bartlos. Bekleidet war sie mit brauner Manchesterhose, schwarzer Kammgarnjoppe in welcher der Name der Firma„J. Klar, Tortmund. Münsterstraße 44“ eingestickt ist. Auf dem Kopfe der Leiche befindet sich ein Auswuchs— Grützbeutel—. Wer irgendwelche Angaben über die Persönlichkeit der Leiche machen kann, wolle die nächste Polizeibehörde benachrichtigen. Werne(Bez. Münster), 17. Febr, Infolge der stetigen Zunahme der Bergwerksindustrie diesseits der Lippe hat sich das Kuratorium des Krankenhauses zu einem Neubau entschließen müssen. Die Kosten desselben sind auf 500000 Mk. bemessen. Die Stadtverordnetenversammlung übernahm in gestriger Sitzung die Zinsgarantie für einen Betrag von 160000 Mark, während für einen gleichen Betrag die Landgemeinde Werne die Zinsgarantie übernimmt. Wie sehr die Zahl der zu verpflegenden Kranken sich in den letzten Jahren zugenommen hat, geht aus der Tatsache hervor, daß im Jahre 1904 durchschnittlich sieben Bergleute zu verpflegen waren, während im Jahre 1909 es durchschnittlich 35 waren. Die innere Einrichtung wird ganz den Erfahrungen der Neuzeit angepaßt. Die Weiterführung der Straßenbahn von Bergkamen=Bahnhof nach Werne ist jetzt gesichert, die Linie wird über über die Zechenkolonie Rünthe geführt werden, weil hiervon die Rentabilität der Strecke im Wesentlichen abhängt. Es fehlt dann nur noch das Stück Werne— Lünen und eine große Ringlinie, die die Kreise Dortmund=Hamm=Lüdinghausen bis tief in das Münsterland hinein verbindet, ist fertig. Die Kosten der Strecke Bergkamen bis Werne sind mit 410000 Mark berochnet, an welcher Summe die Provinz mit 140000 Mark, die Stadt Werne mit 100000 Mark, das Amt Werne und die Zeche Werne mit 110000 Mark, die Gemeinde Rünthe mit 50000 Mark und die Stadt Kamen mit 10000 Mark beteiligt ist. Der Bau der Strecke wird etwa ein Jahr dauern. Schwerte, 17. Febr. Am 19. Februar wird in diesem Jahre zum Andenken an die schweren Brandunglücke, die Schwerte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts so hart getroffen, der 250. Brandbettag gefeiert. In den Kirchen finden an diesem Tage Gottesdienste statt; die Schulen sind geschlossen. Aus der Chronik sei wiedergegeben: Am Sonntag, den 23. März 1659, brach das Feuer im Hause des Bürgermeisters Sachsenscheid aus, das den Kern der Stadt, 130 Häuser, einäscherte. Bei dem zweiten Brandunglück am 14. März 1661 wurden 50 eben wieder aufgebaute Häuser zerstört. Die dritte große Feuersbrunst ereignete sich am 19. Februar 1669. Durch diesen Brand, der am Westentor ausbrach, wurden wieder hundert und mehr Häuser bis auf den Grund eingeäschert. Bochum, 17. Febr. Heute vormittag entstand auf der Zeche„Hannibal“, Schacht I, auf der 500=MeterSohle, eine Schlagwetterexplosion, wodurch der Steiger Wachenfeld, sowie drei Arbeiter erheblich verbrannt wurden. Man war gerade damit beschäftigt, eine künstliche Bewetterung im Ueberbau einzubauen. Während der Arbeit sammelten sich im Ueberbau Schlagwetter, welche durch eine angeblich beschädigte Grubenlampe sich entzündeten. Kurz nach dem Unfall traf der Vertreter der Königl. Bergbehörde an der Unfallstelle ein. Die vier verletzten Bergleute wurden dem Bergmannsheil überwiesen. Einer von ihnen wird wohl nicht mit dem Leben davonkommen, da dessen Oberkörper völlig mit Brandwunden bedeckt ist. Dülmen, 17.° Febr. Das 600jä ie S## läum kann in diesem Jahre die Aus diesem Anlaß sind große Festlictez die im Mai oder Juni stattsinden sollen stadt Marktplatz soll ein Monumentalbrunnen den, dessen Ausführung durch namhafte g“ bereits gesichert ist. Weiter wird ein hüstgete zug veranstaltet und eine Ausstellung mern aus dem Stadt= und Landbezirk Dar. gerichtet.0ur Lulng, Münster, 17. Febr. Die von der bahndirektion geführte Untersuchung i# Ursache des Scheesseler Eisens. unglücks am 23. Dezember, bei dem Rittme:““ Maltzahn und Oberarzt Dr. Kölpin getötet und Personen verletzt wurden, ergab, daß das dem kritischen Augenblick nicht in Tätigkeit geser den konnte, da infolge des herrschenden Frastun einzelne Teile festgefroren waren und nicht funttign ten. Die Untersuchung ist noch nicht völlig abgesgt# Bielefeld, 17. Febr. Der von der hie anwaltschaft wegen Verbrechens im Amte iu schlagung amtlicher Gelder) steckbrieflich verfolgte ziehungsbeamte der Stadtkämmerei Bielefeld Klenke, stellte sich gestern nachmittag s. willig der hiesigen Kriminalpolizei. nehmen nach war Klenke nach Frankreich geflücht Paderborn, 17. Febr. Als Tag der Bischafweihe ist der 19. März in Aussicht genomme zugleich der Namenstag des neu zu weihenden Bi sein würde. Wegen der Passionswoche, in di 19. März fällt, und wegen des vor kurzem ers# Todes seiner Schwester, hat der Erwählte von äußeren, öffentlichen Feier abgesehen. Es wird wie bei früheren Bischofsweihen ein großes, öffent# Festessen stattfinden, sondern nur eine einfache bischöflichen Palais. Bochum, 18. Febr. Der Grubeninspektora Johann Schürmann in Bochum hat eine zur hütung von Grubenkatastrophen äußerst wichtig findung zum Patent angemeldet. Sie besteht in nem neuen Abteuf=Verfahren, das bei vorkonn den Einstürzen das Leben der im Schacht arbeit# Leute schützt und ihnen nach dem Einsturz das kommen aus dem Schacht ermöglicht. Bochum, 18. Febr. Der Grubeninspektor a. D. Schürmann hat eine zur Verhütung von Kataf wichtige Erfindung zum Patent angemeldet. Sie in einem neuen Abteufverfahren, das bei vorkomm Einstürzen das Leben der im Schacht arbeitenden schützt und ihnen nach dem Einsturz das Entkommen dem Schacht ermöglicht. (2) Linden, 17. Febr. Ein eigenartiger Vorsal sich vor einigen Tagen bei der Leutebeförderung der Zeche„Baaker Mulde“ zugetragen haben. während der Seilfahrt der Korb auf der mun Sohle aufsetzte, ließ der Maschinift den Korb## hinab und ein auf der unteren Etage des Iu stehender Hauer wurde in den Sumpf getaucht. Biee heißt, habe der Hauer längere Zeit im Wasser zubin müssen, und es habe erhebliche Anstrengung gelihn wieder zu beleben. Ohligs, 17. Febr. In den Karnevalstagen## sich ein 18jähriger junger Mann von hier einen lichen Bart anheften lassen. Dadurch, daß der Kleh mit einer kleinen Verletzung, die der junge Gesicht hatte, in Berührung kam, entstand eine vergiftung, die jetzt den Tod herbeigeführt hat. Elberfeld, 16. Febr. Die technischen Lehn sind hier bis jetzt gegen Stundenhonorar bes# worden. Jahrelang haben sie um feste Anstellung beten. Gestern haben die Stadtverordneten in geheimer Sitzung den Wunsch erfüllt und beschle 27 etatsmäßige Stellen für technische Lehrerinnen festem Gehalt zu schaffen. 24 weitere technische rerinnen, die noch in zu jugendliem Alter stehen, die noch nicht die vorgeschriebenen Prüfungen bes#n haben, sollen allmählich in etatsmäßige Stellen rücken. Köln, 17. Febr. In der gestrigen Stadtvan# netenversammlung wurde beschlossen, den Vertrag dem Kapellmeister der Vereinigten Stadtthealer, ½ bis Ende der Saison 1921 zu verlängern. Aachen, 17. Febr. Um das Gesamtdeftzit 1200000 Mark im städtischen Haushalt zu decen, die Stadtverordnetenversammlung zun die Brennmaterialien=, Wildpret= und Biers ter zu erheben. Dem Jahresbericht des Verbandes evanzell#en beitervereine von Rheinland und Westfalen entnh wir folgendes: Die Mitgliederzahl ist von 43500 gestiegen bei 210 Zweigvereinen. Das gen der Sterbekasse beläuft sich auf 210000 Manl gegen 200000 Mark vor einem halben Jahre, ganze Jahr ergibt sich ein Ueberschuß von 23# Der Familienkasse sind bisher 61 Vereine, briste weitere Beitritte stehen bevor, 21 neue Jahlstellen errichtet worden. Willkommen ist bei den jetzigen teuren Zeiten in jedem Hause ein billiges und dabei wohlschmeckendes Getränk.— Als solches findet von Tag zu Tag größere Verbreitung — Kathreiners Malzkaffee. 4 handel und Leasche S eune aen Erstzian die Viloni= und Flstsg eshelausene Geichd Lschsähich des Vortrage von 11533,739 2 Kir 196. Nach Wbz, Löscheibungen unde in Höbe von 120 00 e lchenin un 2.167 g. Auf Antrag der T .#n 19. März er. einbe b. Sching dier a vorzuschlagen, den L0(400 000), dem Bean stchs Nl. 100000 C lach Abzug der statutensope der Graifikation a0 M.(262 856 auf n L#winn auf Wechsel- und Koon Mi. auf Provissonst eier und Augerig, Ader Gewinn al. 967(15 500) Mi.) niffern, die einen durchaus das Geschaft der Bov' Der Umsatz stieg vo bei geringen Aufwer, dungen sehr eleg uuzmisehen Genig nur die vorzüglichen Faroritachnite! nutzen. Für die h. schneidereiganzunenr behrlich. 4 Anleitung durondes Grosse Favorlte 14 Moden-Albun (nur 70 Pf. fr.) u. dasJugenoRoden-Alnun (60 Pf. f 5— von der krrr Suchstelte uer Prarehe nicht am faktur, Milcer erahe (Postcolli) für Mr. 3.96. i1 Stück für Mt. 000 Mk. Litera Arm ringsum. Der L feindliche Macht gewe . In. Kand nornen krend, betäubend, nerven s andrängt. Alle mö st, jeder Körperteil ha #s zarteste, feinste Sinne Andlung fast schutzlos pt wird stärker belastet du des zusammenpferchen? oppern, Klopfen, und gen, Hämmern und #5 Donnern der Eisenb dagen, das Klingeln der und, als letzte Errunge Is Autos. Zu diesem blichen Lärm des Wirtso der gewollte, höchst p s dem Bedürfnisse de ügen, keine Begeisterun beicher Art, ohne Geräu allzu rege„Bewußthe nure Unsicherbeit 5 der selbstsicheren, ausge vickelter Kulturforme unn aufzuschwingen,s suad uu den prim en Felde selbst! talle musikalische Unk Brillsang, die Klavier Schwester, die das mu wphonplage. Und eegt, begeistert, berc und Schüchternheit und Ehrfurcht sich istlose Festrummel, Phrase und Pose, merte französische G Auführungen einer in #nikelferie„Die N u. Der Verfasser dieser megt ganz richtig, w# blie von außen kommt Arbeit gehen und ndern vor allem das Urmenden Herensa ienordische #. von Rußlan) #on„Geschlech brist im Verlag r. O. Adler na hildert, wodu ehen Herrscheri dazu boten# Perst unter Al #ii Nervenkran inalrat Profess wlicher Weise, den Alb der ich weiter beh stersuchung in # von einem E beleuchtet. Be #die zur größe egs Beiblatt aktueller Frag Lastration au Pchu, Brie nur 4.50 M letzte Ce Pelig Poiti 1t tedoch 17 I5 . und Si den sollen. Bo# ilbrunnen namhafte Gellg, I, ein bitborische, sstellung von## andbezirk Aehngg e . 84- C und ene b, daß das Sian in Tätigkeit gesen. rrschenden Frofin. n und nicht funtisicht völig abgesche biesien en kbrieflich verfolgte 2. merei Bielefeld ern nachmittag nalpolizei. Der## Frankreich geflüchtt. Tag der Bischaf“ lussicht genommen, u zu weihenden Bich ssionswoche, in di s vor kurzem erstt der Erwählte von gesehen. Es wird## ein großes, öffens ir eine einfache Fei## Grubeninspettor 4 um hat eine zur en äußerst wichtig det. Sie besteht in , das bei vorkomm im Schacht arbeiten dem Einsturz das rmöglicht. eninspektor a. D. tung von Kata#t angemeldet. Sie 1, das bei vorkomm Schacht arbeitenden### turz das Entkommen eigenartiger Vorsal er Leutebeförderung zugetragen haben. Korb auf der mun chinift den Korb### en Etage des Ru Sumpf getaucht. B Zeit im Wasser zubing he Anstrengung gel n Karnevalstagen#u## nn von hier einen adurch, daß der Klebst die der junge Mam am, entstand eine#### herbeigeführt hat. ie technischen Lehram undenhonorar besch um feste Anstellung Stadtverordneten n isch erfüllt und beschle echnische Lehrerinnen 4 weitere technische idliem Alter stehen, enen Prüfungen hesitan etatsmäßige Stellen er gestrigen Stadtvent chlossen, den Vertrag igten Stadtthealer, L zu verlängern. r das Gesamtdeftzit! n Haushalt zu decen, ilung zunächst bestlose pret= und Biersteuer erbandes evanhesttt und Westfalen entnche derzahl ist von 41500 eigvereinen. Das sich auf 210000 Man em halben Jahre, für eberschuß von 23000A r 61 Vereine beigetich r. 21 neue Zahlstellen Aufwerr elegant emügse! üglichen handel und Verkehr. n t f ü r D e u t s c h l a n d. I n d e r ##on ung des Aufsichtsrates wurde seitens ntotg=ePogf: Gilanz= und das Gewinn= und VerlustPltktog gelaufene Geschäft jahr vorgelegt. Dieses für bo“ ges Vortrages aus dem Vortrage einen 1533,739 Mk. gegen Mk. 10194,195 P#ec'sgag Nach Abzug der Verwaltungskosten, Fr Lächeibungen und einer Rückstellung von TaF%##. gübe von 120 000 Mk. verbleibt ein verF# geingewinn von 7 787 202 Mk. gegen 6853783 #o Auf Antrag der Direktion wurde beschlossen #.“ 19, März cr. einberufenden GeneralversammE. Rartellung einer Dividende von 6½% gegen ae vongschigen, den Resevesfonds, II. 22. 400 000), dem Beamten=, Pensions- und UnterLasinds Mr. 100000(100 000) zuzuweisen und I## atzug der statuten= und vertragsmäßiger Tansamie der Gratifikation verbleibenden Rest von mr.(262 856 auf neue Rechnung vorzutragen. im auf Wechsel- und Zinsenkonto 6 074076 auf Provisionskonto 3610108(3082973 sateg= und Kuponkonto 63 730(69 639) Mk. d# Cewinn auf Effekten= und Konsortialkonto as7(515 500) Mt.) Nach den vorliegenden #### die einen durchaus günstigen Eindruck machen, das Geschaft der Bank in erfreulicherweise geDer Umsatz stieg von 11 521000 Mk. auf 000 Mk. Literatur. #mringsum. Der Lärm ist im modernen Lene feindliche Macht geworden, die von allen Seiten End betäubend, nervenreizend, ideenzerstörend geandrängt. Alle möglichen Schädlinge werden u. jeder Körperteil hat seine besondere Hygiene; zarteste, feinste Sinnesorgan, das Ohr, ist steter ndlung fast schutzlos preisgegeben. Kein anderer bird stärker belastet durch alle die üblen Einwirdes zusammenpferchenden Großstadtlebens, durch pern, Klopfen, und Poltern in Haus und Hof, en, Hämmern und Rassern in Werkstatt und FaDonnern der Eisenbahnzüge, das Dröhnen der men, das Klingeln der Straßenbahnen und Radund, als letzte Errungenschaft, das liebliche GrunE Autos. Zu diesem mehr unwillkürlichen, unsichen Lärm des Wirtschafts=, und Verkehrslebens der gewollte, höchst persönliche Lärm, entsprunu dem Bedürfnisse der Selbstbetäubung. Kein igen, keine Begeisterung, keine Krafläußerung ireicher Art, ohne Geräusch und ohne Geschrei, daß allu rege„Bewußtheit“ übertäuben, uns über inere Unsicherheit hinwegtäuschen soll. Statt der selbstsicheren, ausgeglichenen, abgeklärten Ruhe wickelter Kulturformen wie der des englischen in aufzuschwingen, sinken wir in der„Schreikinab zu den primitivsten Kulturstufen. Hier weiten Felde selbstbetäubenden Vergnügungs alle musikalische Unkunst; das edle Bierkonzert, Prilsang, die Klavierfeuche, und ihre würo### Schwester, die das musikalische Gehör verwüstende nophonplage. Und wo man sich am eigenen wiegt, begeistert, berauscht, wo man erst Befanund Schüchternheit bann aber auch Selbsterund Ehrfurcht sich hinweglärmt, da entsteht iztlose Festrummel, da erwächst die kritiklose naPhrase und Pose, dieses nur zu gut bei uns nerte französische Gewächs. Wir entnehmen Bführungen einer in der„Gartenlaube“ erscheiAnikelferie„Die Not der Zeit“ von Dr. H. Der Verfasser dieser dankenswerten Veröffentlineut ganz richtig, wir sollten nicht warten, bis lie oon außen kommt, sondern einstweilen sselbst Arbeit gehen und nicht nur den Lärm außer nen vor allem das bekämpfen, was wir selbst Urmenden Herensabbat des modernen Lebens lienordische Semiramis. Kaiserin Kathak von Rußzland, wird in dem uns vorliegenden von„Geschlecht und Gesellschaft“(illustrierte Mohrit im Verlag der Schönheit, Berlin SW. 11) Nr. O. Adler nach ihrer sexualpsychologischen Seite schildert, wodurch das zügellose Liebesleben dieHerrscherin verständlich wird. Die Grund boten Katharinas eigenartige Memotren, eist unter Alexander 2. veröffentlicht wurden. # Nervenkrankheiten und Ehe äußert sich Geh. Ratret Professor Dr. A. Eulenburg in allgemein wdlicher Weise, während Professor Dr. Bruno den Alb der Sittlichkeitsverbrechen im Strafc weiter behandelt. Die Aufhebung der Dirseksuchung in Freiburg“ in Baden wird in ihren ## von einem Sachverständigen, Dr. Gaston Vorbeleuchtet. Belebt wird der Tert durch Illustrazur größeren Anschaulichkeit der Artikel die#5 Beiblatt„Sexualreform“ bietet wieder eine mmeller Fragen, eine interessanter wie die ankastration aus sozialen Gründen, Entjungferung 32, Polizei und Gericht, Rechtsfälle, Zeitr#chau, Briefkasten, usw.(Halbjährlicher Bezugsz 4.50 Mark.). letzte Telearamme. Erkrankung des Kaisers. L:!“, 1. Febr. Der Kaiser hat wegen einer das Schloß in den letzten drei Tagen nicht ver„begen haben in dieser Zeit die gebotenen ## und Vorträge stattgefunden. Kaiser und Landwirtschaftsrat. 17. Febr. Für die heutige Sitzung des # haftsrats hatte nach den ursprüngder Kaiser sein Erscheinen #2;. der Vorsitzende Graf Schwerin=Löwitz Ver 3.2 Eröffnung der Sitzung mit, daß der mert un leine Erkältung am Erscheinen Telegra#,### vom Oberhofmarschallamt folgen#g eingelaufen sei: Se. Majestät der und## gegen leichter Erkältung das Zimmer Kandniergguern aufrichtig, der heutigen Sitzung ris er. Waitsrts nicht beiwohnen zu können. „nur am Freitag möglich sein wird, n. Graf Eulenburg. ln fahrt des Kaisers. wierd gebr. wie über Rom aus Korfu de#7 mm 24 M“““ man dort den deutschen Ftlautet###• zu einem einwöchigen Aufenthalt. befuch Prustdent Roosevelt den Kaiser Per lsch=russische Annäherung gescheitert berischte:#., Jedi: Dem Lok.=Anz. wird aus sind die Verhandlungen . z.ch und Rußland auf dem toten Punkt ##er 9.“ wenig Aussicht vorhanden ist, in Uint g.## einer Verständigung# der BalUngüttigkeitserklärung zweier Reichstagswahlen Berlin, 17. Febr. Die Wahlprüfungskommission des Reichstages hat heute die Wahl des Abg. Arnstadt(Kons.), Mühlhausen=Langensalza und Meyer (Ztr.), Pfarrkirchen, 4 Niederbayern, für ungültig erklärt. Die Berliner Stadtverordneten gegen die Wahlrechtsvorlage. Berlin, 18. Febr. Die Stadtverordnetenenversammlung nahm den Antrag Cassel und Gen., den Landtag um die Ablehnung der Wahlrechtsvorlage zu ersuchen, einstimmig an. Die Reform der Ersten sächsischen Kammer abgelehnt. Dresden, 17. Febr. In der zweiten Kammer des Landtags wurden heute die Anträge der Nationalliberalen, Freisinnigen und Sozialdemokraten auf Reform der Ersten Kammer verhandelt. Die Sozialdemokraten wünschen deren vollständige Abschaffung, die anderen Parteien größere Berücksichtigung * Industrie. Staatsminister Graf Vitzthum v. Eckstädt lehnte unter dem Lärm der Linken namens der Regierung kurzerhand alle Anträge ab. Schwere Straßenexzesse in Frankfurt a. M. Frankfurt a. M., 18. Febr. Die Sozialdemokraten veranstalteten gestern abend in verschiedenen Siadtteilen fünf Versammlungen, in denen das Vorgehen der Polizei am letzten Sonntag scharf zurückgewiesen wurde. Nach den Versammlungen kam es auf der Zeil zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Publikum. Ein Schutzmann erhielt von einem Manne einen Dolchstich in die Lunge und gab darauf fünf Revolverschüsse auf die Menge ab, wodurch mehrere Personen verletzt wurden. Ein 30jähriger Mann erhielt einen Schuß in die Lunge, eine Frau zwei Schüsse in den Oberschenkel, ein Mann einen Schuß ebenfalls in den Oberschenkel. Einem Kriminalschutzmann wurde Pfeffer in die Augen gestreut, er griff zum Revolver und feuerte mehrere Schüsse ab. Aus der Menge heraus wurden Steine auf die Schutzleute geschleudert, auch soll aus der Menge heraus gesmossen worden sein. Wiederholt stürmte die Schutzmannschaft mit blanker Waffe auf die Menge ein und drängte sie in die Nebenstraßen zurück. Um Mittemnacht herrschte auf der Zeil noch lebhafte Bewegung. Ein Massenmeeting in Breslau. Breslau, 17. Febr. Anstelle des verbotenen Wahlrechtsumzuges genehmigte der Polizeipcäsident den Sozialisten ein nächsten Sonntag Nachmittag im Vorort Poepelwitz abzuhaltendes Massenmeeting im Garten des Etablissements„Letzter Heller", wobei 6 Redner gleichzeitig sprechen werden. Bei schlechtem Wetter finden in zehn Sälen Versammlungen statt. Ausgewiesene Rutheuen. Breslau, 17. Febr. Wie der„Oberschl. Courier“ meldet, wurden 150 auf den Vereinigten Königs= und Laurahütte gehörigen Richterschächten beschäftigte Ruthenen ausgewiesen. Sensationelle Wendung in der Hofrichterassäre. Wien, 18. Februar. Eine der wichtigsten Fragen der Untersuchung gegen Hofrichter, die der Giftbeschaffung, wurde, wie öfiiziös behauptet wird, nach den bisherigen Erhebungen nunmehr vollständig geklärt. Angeblich wurde im Vorjahre, als der Konflikt mit Serbien unvermeidlich schien, den Kommandeuren der in Bosnien und der Herzegowina zusammengezogenen Regimenter Cyankali mit der Weisung des Kriegsministeriums zugeschickt, dasselbe im Falle des Ausbruchs des Konflikts die ins Feld ziehenden Offiziere zu verteilen, damit diese es falls sie in Gefangenschaft gerateu, im Notfalle zu Selbstmordzwecken benutzen könnten. Das Gift wurde auch der 13. Gebirgsbrigade, der Hofrichter zugeteilt war, in einem bestimmten Quantum übersandt. Es soll sich jetzt herausgestellt haben daß Hofrichter, der mit der Verteilung des Gifts betraut war, nicht das ganze Quantum versandt, sondern eine bestimmte Menge zurückbehalten hat. Dieses Gift soll vollkommen luftdicht verpackt gewesen sein, so daß es sich sehr lange Zeit gebrauchsfähig erhielt. Die Untersuchung soll weiter ergeben haben, daß der Gattin Hofrichters indirekt die Schuld an dem Verbrechen ihres Mannes zuzuschreiben ist. Nach übereinstimmenden Zeugenaussagen soll sie sehr ehrgeizig gewesen sein und es nicht haben überwinden können, zeitlebens simple Offiziersfrau zu bleiben, ohne daß in Bälde ihr Mann in den Generalstab berufen würde. Briefkasten. Le. 3. Das Deutsche Reich hat etwa 5 Milliarden Mk. Schulden. Frankreich ist ihm doch über im Schuldenmachen. Desssen Schuldenlast betrug im Jahre 1908 die Kleinigkeit von 30 Milliarden Francs. Standesamts-Nacbrichten. Dortmund 1. Vom 17. Februar. Geburten: Ein Sohn: Walzmeister Meier, Wambelerstr. 31. Oberpostschaffner Tahlhoff, Möllerstraße 32. Maurer Keller, Tessauerstr. 7. Eisen. werkarbeiter Lasiak, Rheinischestr. 38. Postsekretär Fansen, Eintrachtstr. 5. Eine Tochter: Tachdecker Tuke, Dorotheenstr. 11. Schreiner Hake, Hoherwall 32. Berginvalide Hast, Friedrichstr. 92. Schreiner Brockmeier, Heinrichstr. 9. Anstreicher Rehling, Wilhelmstr. 5. Aufgebote: Chauffeur R. Kubo mit Olga Elias. Eheschließungen: Friseur F. Eichler mit Towizen Kästner. Metzger K. Holzinger mit Margarete Winterstein. Bautechniker F. Meyer mit Martha Reinert. Sterbefälle: Privatmann T. Braucks, Linbenhorsterstraße 58, 82 Jahre. Anna Nettebeck, Leibnitzstraße 29, 20 T. Ehefrau Luise Ackermann, Papengarten 66, 38 J. Karosa Bellmann, Hermannstr. 6, 2 J. Oskar Heinrich, Oesterholzstr. 110, 2 J. Im Olympia=Theater hat am Mittwoch, 16. Februar ein vollständiger Programmwechsel stattgefunden. Das neue Programm hat den größten Erfolg errungen und den stürmischten Beifall erzielt. Das Tagesgespräch der Provinz ist unstreitig das jetzige Programm Les 5 Alex, die Matadore der Luft! Die Londoner Sensation Globe of Lise! H. Ströbel, der ausgezeichnete Humorist, sowie Abrigen Novitäten muß man gesehen Fortsetung des grossen Räumungs-Verkaufes in Damen- und Kinder-Konfe ction. 0 t nhellweg 47. Fernruf 1951. W. Balster, „: Neu aufgenommen:“ Einsegnungs-Stiefel 05 Einheitspreis M. 12.50 Ein guter Stiefel, der bequem sitzt, hübsch aussicht und Haltbarkeit mit billigem Preis verbindet— das ist der Salamanderstielel. Vordern Sie Musterbuch Salamänder 1V 7 - 1 H Schuhges. m. b. H. PIANOS und Flügel in altbewährter Güte BACII-PLANOLA-PIANOS d h. IBACH Pianos mit eingebautem Klavierspielapparat, Pianolas mit Themodist und Metrostyle, sowie Harmoniums, empfichlt in reicher Auswahl zu bequemen Bedingungen Rud. IBACH Sohn Kais. u. Königl. Hof-Fiügel- und Pianinofabrik, gegr. 179—. Barmen, Neuerweg 40 Bei Kauf, Niete, Umtausch. 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Lian Artikel, in welchem die Lage im Ruhrrevier inzige der Handhabung des Arbeitsnachweises des Zehonderbandes als äußerst bedenklich bezeichnet wird. dies Urteil stützt sich auf eine Berichterstattung, die zlständig aus der Luft gegriffen ist. zunächst wirn die Behauptung aufgestellt, die gege Radbod habe deutschen Bergleuten die Kolozierchnungen gekündigt, um sie für— Ungarn freimmachen.— Zur Illustration der Tätigkeit des Arbeiterausschusses wird sodann berichtet, einem Bergarbeiter, der auf der Zeche„Hardenberg“ in Arbeit I. treten wünschte, sei auf dem Arbeitsnachweisbureau in Lortmund erklärt worden, daß er nur auf Zeche Ainister Stein" oder„Kaiserstuhl“ Beschäftigung eckalten könne. Auf vieles Bitten Labe man dem Irbeiter schließlich einen Schein ausgestellt, mit dem . um Pastor in Lindenhorst gehen sollte. Dieser tabe ihn gefragt, ob er organisiert, Sozialdemokrat, und öb er aus der Landeskirche ausgetreten sei. Nach nlativ gut bestandener Prüfung habe der Mann sodann von dem Pastor eine Bescheinigung, und auf Guund dieser endlich Beschäftigung auf Zeche„Hardenberg" erhalten. Ter Pfarrer von Lindenhorst hat der Presse bereits die Nachricht zukommen lassen, daß die Mitteilung von Anfang bis Ende erfunden sei. Ein Berg nann mit einem Schein sei niemals bei ihm gewe Dortmunder Tageblatt. Nr. 41. 27. Jahrgang. sen. Abgesehen hiervon habe er es niemals für richtig gehalten, einem Arbeiter um seiner Parteizugehörigkeit oder um seiner Stellung zur Kirche willen, seinen Arbeitsverdienst zu erschweren. Auch der Arbeitsnachweis des Zechenverbandes hat eine Berichtigung der unwahren Mitteilung gefordert. Während alle Blätter, welche den fraglichen Artikel abgedruckt haben, auch die sozialdemokratischen, die Berichtigung gebracht haben, glaubt das Berliner Tageblatt sich dieser selbstverständlichen Anstandspflicht entziehen zu dürfen. Es hat die Berichtigung des Arbeitsnachweises, die ihm in einem eingeschriebenen Briefe zugestellt worden ist, bis heute nicht aufgenommen. Die überaus mangelhäfte Berichterstattung eines Teiles der Presse über die Vorgänge in den Kohlenrevieren, insbesondere im theinisch=westfälischen Bezirk, hat schon häufig Anlaß zu berechtigten Klagen gegeben. Auch der„Zeitungsverlag", das Organ der deutschen Zeitungsverleger, hät diesen Uebelstand wiederholt getadelt und den Zeitungen größere Gewissenhaftigkeit in dieser Hinsicht empfohlen. Uebertreibungen der gesetzlichen Maßnahmen zum Schutze landschaftlich hervorragender Gegenden. Gegenüber der an sich berechtigten Bewegung für Heimatschutz und gegen die Verunstaltung des Landschaftsbildes macht sich, wie dem Hanfabunde mitgeteilt worden ist, seit einiger Zeit auf Grundl von Fehlerv in der Auslegung und Ausführung der entsprechendes. behördlichen Bestimmungen in den Kreisen des Handels und der Industrie die Besorgnis geltend, daß hierunter, die berechtigten Interessen dieser Erwerbskreise leiden könnten. Gewiß ist es wünschenswert, Kunst und Technik, künstlerische und wirtschaftliche Forderungen und Interessen in Einklag zu bringen, aber darüber muß in der Lage sein werden, in den Geist des Künstlerischen K Forderungen die Interessen von Handei und Verkehr in erster Linie zu berücksichtigen sind. Gewerbe. Handel und Industrie verdanken ihren Aufschwung in nicht geringer Weise den neuzeitlichen Betriebssystemen der modernen Propaganda und der Art und Weise, wie der moderne Kaufmänn auch rein äußerlich auf seine Waren aufmerksam macht. Namentlich gehört hierzu die Ausstattung der Ladengeschäfte, und die Art, wie die Aufmerksamkeit der Abnehmer durch Plakat: usw. für die betreffenden Waren interessiert wird. Es würde eine schwere Schädigung für die Be teiligten bedeuten, wenn auf diesem Gebiete unnötige behördliche Eingriffe dem Kaufmann das Leben schwer machten. Dazu kommt, daß die Behörden ohne genügende Studien wohl kaum immer auf den ersten Blick in der Lage sein werden, in den Geist deskünstlerischen einzudringen, und diesen, wo es notwendig ist, mit den gewerblichen Interessen vereinen. Behördliche Maß nahmen sind aber auf diesem Gebiete umsomehr überflüssig als der Geschäftsunternehmer, der von der Gunst des Publikums lebt, schon von selbst vermeiden wird, den Unwillen der öffentlichen Meinung durch nicht an gebrachte Art der Reklame herauszufordern. Gewerkvereins-Teil. — Zur Aufklärung über die Bewegung der Hochofenarbeiter auf der Friedrich=Alfreds Hütte, Rheinhausen! Die beteiligten Organisationsvertreter sehen sich veranlaßt, der Oeffentlichkeit über die tat'ächlichen Ursachen und den Verlauf der Bewegung, Aufklärung zu geben. Nachdem in letzter Zeit verschiedentlich in fast allen Betrieben der F. A. H. Lohnreduzierungen vorgenommen wurden die speziell im Hochofenbetrieb 4—5 Mark wö chentlich betrugen, war die Erregung der Arbeiter bis zur Siedehitze gestiegen. Dies führte dazu, daß die Arbeiter vom Hochofenbetrieb,— die zum größten Teil unorganisiert sind,— ohne jede Ueberlegung und vorherige Rücksprache mit irgend welchen Organisationsvertretern, am 13. nachts und am 14. morgens, die Arbeit niederlegten. Die Organisationsvertreter konnter selbstverständlich für dieses Vorgehen keinerlei Verantwortung übernehmen, versuchten aber trotzdem im Interesse der beteiligten Arbeiter, sowie der Allgemeinheit, eine Verständigung mit der Firma herbeizuführen. Die Arbeiter hatten schon durch eine Kommission mit der Firma verhandelt. und den Wunsch geäußert, die alten Lohnsätzo wieder einzuführen. Wir bemerken hierbei ausdrücklich, daß die Arbeiter keinerlei Lohnerhöhungen forderten, sondern nur die Aufhebung der Lohnabzüge beantragten. Dieses wurde rundweg abgelehnt. Herr Direktor Dr. Hilbens erklärte sogar, daß innerhalb von zwei Jahren an keine Aufhebung der Lohnreduzierungen, beziehungsweise Erhöhungen zu denken sei. Am 15. vormittags 11 Uhr, versuchten die Organisationsvertreter durch telephonische Anfrage festzustellen, ob die Firma gelillt sei, mit ihnen in Verab, wie aus dem Worklaut des nachstehenden Telegramms zu ersehen ist. Das Telegramm hat folgenden Wortlaut: Gewerkvereinsckretär Czieslik, Duisburg. Auf Ihre telephonische Anfrage mitteilen wir, daß wir bereits eine Deputation, bestehend aus unteren Arbeitern, empfangen haben und bedauern müssen, mit Vertretern der Arbeiterorganisationen nicht verhandeln zu können. Alfreds=Hülte. Nachdem dieser Versuch erfolglos verlief, wandten sich die Organisationsvertreter an den Bürgermeister in Friemersheim, um ihn zu veraulassen, vermittelnd einzugreifen. Dies wurde bereitwilligst zugesagt. Leider war der Versuch des Bürgermeisters erfolglos und berief sich die Firma auf nachfolgenden Anschlag, von dem sie nicht abgehen könne. Der Anschlag, der Aussteuer-Artikel. Spezial-Abteilung für Bettwaren. — Bettfedern, Daunen, Daunen-Satins, Bettbarchende, Matratzendrelle in allen Qualitäten und Preislagen. Eisenbettstellen von 9—35 Hk. Kinderbettstellen, Holzbettstellen von 19—40 Mk. Holl. Kapockmatratzen, bester Ersatz für Rosshaar. Pat. Zugfedermatratzen von Westphal& Reinhold. Selbstgefertigte Seegras und Sprungfeder-Matratzen. Steiners Reform-Betten. Grosses Lager in hocheleganten engl, Metall-Bettstellen, Messing-Bettstellen. Reiche Auswahl! Billige Preise! Rose& Co., Dortmund. WE . 5#.#. A.SLEIT Auf der Brautschau. Humoristischer Roman von Felix Brenta. 11 Der Referendar schüttelte ihm ebenfalls die Hand, beahlete, es sei ihm eine Ehre gewesen, und sprach seinaiche#eisterten Dank für Entwurf und Beihilfe zu dem Fmchmitzten Kriegsplan aus, was ihm ebenfalls sehr 55 von der Zunge ging, weil er Heuers Vorschlag ### Slich, für eine ganz tadellose Sache hielt, und hins derunschuldigen Stirn des blonden Riesen kein Falsch il vermuten war. I. Glücklich ging Heinrich in sein Zimmer hinüber und ug De noch eine Stunde lang auf dem Sofa von et1.. Angenehmem zu träumen und dann erst zu Bett tteie, 9# Kaum war er jedoch über die Schwelle geDe Nose g enscharfer Katzengeruch beleidigend in #iug d. 2am:“ Tieren eben nicht feindlich gesinnt, doch platonische 35 seiner Freundschaft nicht über eine gewisse mal„'sche Zuneigung hinaus, und wenn er auch einum“ Hundum seiner treuen Augen oder eine Katze diese G.5, stolzen Anmut willen lieb gewann, so blieb ibos##.## kühl und frei von allem Verlangen des Belebte es nicht, Tiere um sich zu haben. Das gestärt..“s Kanarienvogels hätte ihn im Arbeiten stäftigen#., sonderbarem Gegensatz zu seiner derbdar sein G.; daus nicht nervösen Körperbeschaffenheit ihm...:sinnso überempfindlich und reizbar, daß auberstein a;“; töglich schien, die Gegenwart auch der Das k.“aße zu ertragen. Hhonen?“# er vor einigen Wochen Frau Lichtenburgs naman ge# den deater gegenüber erwiesen, der auf den ichter Kavens.##fe. Oder vielmehr nicht hörte. Denn sein iebig ruf:charakter war viel zu vornehm, um sich be#n. Peter5ae; lassen, so wie die dummen Hunde es Verstreng un auf Befehle oder Wünsche, so zart stola uns“ auch seinen Namen flüstern mochte. Er gpnleeweißen g. mit zierlich nebeneinander gestellten Schwan, Vorderpfoten und anmutig angeschmücktem des Schnäu.L. Fleck, ohne sich zu rühren, sein roDr dann 2.““, elbstzufrieden in die Luft reckend und 9 Reigung:„“ssige Bewegung machend, wenn Lust bing ihn gerade dazu trieb. Eines Tages nun hatte ihn Lust und Neigung in das Zimmer des Kandidaten getrieben, woselbst er ohne alle Rücksicht seinen Katzenbedürfnissen hatte die Zügel schießen lassen. Als Herr Heuer nach Hause kam, sah er ihn mit dem Ausdruck unnahbarer Würde neben dem Fußteppich des Schreibtisches sitzen, auf dem Teppich selbst aber hatte er eine Tat verübt, die stark war. Herr Heuer geriet in Zorn, zählte langsam bis Hundert, um sich keiner ungerechten Uebereilung schuldig zu machen, wobei er sich zu größerer Beruhigung die Nase zuhielt. Nachdem die Beruhigung eingetreten war, ließ er seine Nase los und ergriff dafür den Sünder bei seinem dichten seidenweichen Genickpelz. Kühl abwägenden Geistes verabreichte er ihm auf diejenige. Stelle, mit der er gesündigt hatte, zwölf gerechte Schläge, während er ihm mit der Linken das rosige Schnäuzchen tief auf den Schauplatz seiner Untat herniederdrückte. Errieb ihm das Unpassende seines Benehmens so nachdrücklich unter die Nase, daß Peter tatsächlich die Farbe wechselte. Nach gewissenhaft vollbrachter Züchtigung verlor Herr Heuer kein Wort weiter über die Sache, und als er stumm die Tür öffnete, genügte das, um den stolzen Peter zu bewegen, sich ohne Gruß, aber mit großer Schnelligkeit zu entfernen. Mit Schmach und Schlimmerem bedeckt, floh er in den Keller, kam nach fünfstündigem stillen Reinigungswerke wieder an das Licht des Tages, rein und strahlend, wie je zuvor, setzte sich lächelnd vor die Haustür und ließ die Spitzen seines Schnurrbarts in der Sonne schimmern. Herrn Heuer aber würdigte er seitdem keines Blickes mehr, behandelte ihn mit Verachtung und vermied es, die Schwelle des rohen Menschen wieder zu betreten. Der heutige Katzengeruch konnte also unmöglich von Peter herrühren, sondern nur von dessen Gattin Mieze. Heinrich machte Licht. Aber nirgends war trotz ihres unleugbar vorhandenen Seelenduftes Miezes sichtbare Leiblichkeit zu entdecken, weder auf dem Sofa, noch auf, in oder unter dem Bett, noch in irgend einer Ecke des Zimmers. Heinrich aber ließ sich nicht beirren. Er war dem Astronom Leverier vergleichbar, der eines Tages den Zeigefinger nach einer verdächtigen Stelle des Himmels reckte und ausrief:„Dort stimmt etwas nicht. Dort muß sich ein bisher noch ungesehener Planet störend umhertreiben.“„Wir sehen nichts," rief lachend das Heer der Spötter und Zweifler.„Suchet, so werdet Ihr finden," entgegnete schlicht der gläubige Forscher. Und eines Tages reckte ein anderer Sternforscher namens Galle sein bestes Sonntagsfernrohr nach derselben verdächtigen Himmelsstelle, auf welche Leverier mit den Fingern gezeigt hatte, und zog den heimlichen Störenfried Neptun aus seinem Versteck andas Licht der Wissenschaft. Der Neptun war entdeckt und Leverier hatte recht. Heinrich aber war heute Leverier und Galle in einer Person. Er vermutete und entdeckte die unsichtbare Mieze, die er deutlich gerochen hatte, nur daß er sich statt eines Fernrohrs einer wollenen Decke bediente. Er pflegte nämlich unter einer wollenen Decke zu schlafen und diese einfache Hülle nur in der kältesten Jahreszeit durch eine zweite wollene Decke zu vermehren, die so lange sie nicht gebraucht wurde, sauber zusammengelegt auf dem Boden seines Kleiderschrankes ruhte. Heute war der Tag gekommen, an dem er seiner Berechnung nach ohne die zweite Decke gefroren haben würde. Denn als sich alles Suchen nach Mieze als fruchtlos herausgestellt hatte, war er mit dem Entschluß, sich ohne ihre Entdeckung zu Bett zu legen, ans Fenster geangebrachten Therfortreten und hatte an dem draußen mometer gesehen, daß die für die zweite Decke derlichen zehn Grad unter Null vorhanden waren. Mit freudigem Eutschluß öffnete er den nur halb geschlossenen Kleiderschrank, um die nunmehr gerechtfertigte Decke herauszunehmen. Da wäre ihm vor Ueberraschung fast der Leuchter aus der Hand gefallen: Mieze lag auf der weichen Decke und neben ihr vier junge Kätzchen. Er war über den Anblick so erfreut, wie Leverier und Galle zusammen, ja noch mehr. Denn er hatte nicht nur seinen Stern, sondern auch noch vier kleine Monde dazu gefunden. Er kündigte der jungen Mutter die Wohnung nicht. Zu seiner Freude fiel ihm ein, daß das Töpfchen Milch noch unberührt neben dem Spirituskocher stand, das er sonst zu seinem Tee zu gießen pflegte. Er wärmte sie, füllte sie in einen tiefen Teller und stellte sie mit ungeschickter Höflichkeit Frau Mieze zur Verfügung, die diese Wochensuppe ohne Zierereientgegennahm und dem langen blonden Menschen den ungehörigen nächtlichen Besuch großmütig verzieh. Gerührt betrachtete er das Idyll im Kleiderschrank, nahm den geleerten Teller wieder an sich und ging noch einmal aus Fenster zum Thermometer seine zehn Grad unter Null mit verächtlichem Kopfschütteln betrachtend. Dann legte er sich befriedigt zur Ruhe und war recht angenehm überrascht, daß er auch unter der einen wollenen Decke ebenso wenig fror, als wenn das Thermometer nur auf neundreiviertel Grad gezeigt hätte. Auch gegen den Katzengeruch war er unempfindlich geworden, und selbst über Frau Lichtenburgs Schnarchen, das in vollen gleichmäßigen Tönen aus dem Erdgeschoß heraufschallte, vermochte er sich heute nicht zu ärgern, obwohl Frau Lichtenburg zu der begabten Klasse der Doppelschnarcherinnen gehörte, die weder Zeit noch Luft ungenutzt verstreichen lassen und den ausgehenden, wie den eingehenden Atem in gleicher Weise musikalisch verwerten, so daß ein endloses Gewebe von Tönen entsteht, dessen einzelne aneinander geflickte Teile nur das Ohr des Kenners heraushört. Heinrich war kein Kenner, nicht einmal ein Liebhaber des Schnarchens. Er bekümmerte sich überhaupt nicht um die Geheimnisse der Tonbildung in Frau Lichtenburgs Rachenhöhle, sondern er freute sich über die beglückende Mildtätigkeit seiner Stimmung und schrieb das Schwinden seiner Unduldsamkeit, also die Besserung seines rohen, selbstsüchtigen Gemütes, dem veredelnden Einfluß zu, den Fräulein Theas beglückende Tischnachbarchaft auf ihn ausgellbt hatte, Er lächelte glücklich. Die Sterne funkelten durch die kalte Winternacht in das Zimmer. „„ 177/18 Der nächste Tag begann wie jeder im Lichtenburgschen Hause mit großem Lärm. Genau genommen begann der Lärm schon vorher, und ohne sein weckendes beräusch hätte der graue Wiutermorgen seine Augen vielleicht nicht aufgetan und die Zeit verschlafen. Nicht alles, was geschieht, hat einen vernünftigen Zweck, auch Frau Lichtenburgs Schimpfen nicht. Aber alles, was sich ereignen soll, bedarf eines zureichenden Anlasses, sogar Frau Lichtenburgs Schimpfen, Der heutige ## Anlaß beruhte in Herrn Lichtenburgs Größenwabn. nittags an sämtlichen Ecken und Plätzen angeschlagen purde, hatte folgenden Wortlaut: Bekanntmachung! Wir machen darauf aufmerksam, daß diejenigen Hochofenarbeiter, welche am Montag den 14. d. Mts die Arbeit niedergelegt haben, bezw. vom Werke fern geblieben find, sofern dieselbe die Arbeit nicht spätestens Mittwoch, den 16. d. Mts, morgens bezw, abends 6 Uhr aufgenommen haben, nach Paragraph 19 unserer Arbeitsordnung als widerrechtlich aus dem Arbeits verhältnis ausgeschieden betrachtet werden. Rheinhausen=Friemersheim, 15. Februar 1910. Friedrich Krupp A Friedrich=Alfreds Hütte. Auf Grund der Tatsache, daß durch die Organisatinslosigkeit des größtes Teiles der Arbeiter ein erfolgeiches Turchführen der B.wegung nicht möglich war, bechlossen die Arbeiter, die Arbeit am 16. wieder aufzukehmen. Hoffentlich hat die Firma die Lehre daraus geogen, daß derartige Lohndifferenzen und ihr bisheries Vorgehen nur dazu geeignet sind, die Verbitterung inter den Arbeitern noch mehr zu steigern, und derartige Vorkommnisse zu fördern, die jedenfalls auch nicht im Interesse ihrer selbst liegen dürften. Auch für die Arbeiter gilt es die Lehren daraus zu ziehen, daß nur durch die dauernde Zugehörigkeit zur Organisation, Verschlechterungen abzuwehren, und Verbesserungen durchzuführen sind. A. Czieslik, Bezirksleiter des Gewerkvereins der deutschen Maschinenbau u. Meiallarbeiter Hirsch Dunker, Duisburg, J. Burgartz, Bezirsleiter des christlichen Matallarbeiterverbandes, Duisburg. H. Martin, Geschäftsführer des deutschen Metallatbeiterverbandes, Duisburg. Deutscher Berlin, 17. Februar. Am Bundesratstische: niemand. Vizepräsident Dr. Spahn eröffnet die Sitzung um 1,15 Uhr. Ein Antrag auf Einstellung eines beim Reichsgericht schwebenden Strafverfahrens gegen den Abg. Kulerski (Pole) wird angenommen. Alsdann beginnt die Beratung des vom Zentrum wiederum eingebrachten Toleranzantrages. Der Antrag des Zentrums hat folgenden Wortlaut: Der Reichstag wolle beschließen: den Herren Reichskanzler zu ersuchen, durch Verhandlungen mit den Bundesstaaten dahin zu wirken, daß Beschränkungen der zeligiösen Freiheit, soweit solche bestehen, auf dem Wege der Gesetzgebung beseitigt werden. Hierzu liegt ein Abänderungsantrag Albrecht und Genossen(Soz.) vor, welcher dem Antrage des Zentrums folgendes hinzufügen will: a) daß aus der Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft keine Beeinträchtigung der bürgerlichen und staatsbürgerichen Rechte und Pflichten abgeleitet werden darf, b) daß lein Kind gegen den Willen der Erziehungsberechtigten zur Teilnahme an einem Religionsunterricht oder Gottesdienst angehalten werden darf, c) daß zur Bewirkung des Austritts aus einer Religionsgemeinschaft eine schriftliche oder mündliche Erklärung zu genügen hat, die vor dem Amtsgericht des Wohnorts abzugeben und von diesem der Religionsgemeinschaft mitzuteilen ist. Das beantragte Verfahren hat kosten= und stempelfrei zu sein. Abg. Fürst zu Loewenstein(Ztr.) führte besonders Klage über eine Beschränkung der Katholiken in Braunschweig. Braunschw. Geh. Leg.=Rat Boden gab zu, daß früher die gesetzliche Stellung der Katholiken in Braunschweig nicht ganz geklärt gewesen sei, heute aber sei das alles anders.— Mit dem Verlassen des braunschweigischen Bevollmächtigten wurde der Bundesratstisch völlig leer. Abg. Winckler(kons.) erklärte, daß seine Partei dem Antrag aus Kompetenzbedenken nicht zustimmen könne. Abg. Liz. Everling(nat.=llb.) kritisierte scharf die Toleranz=Anwandlungen des Zentrums, auf jeden Fall bedeute der Antrag einen Eingriff in das Hoheitsrecht der Bundesstaaten. Abg. Müller=Meiningen(freis. Vp.) forderte vom Staate, daß alle religiösen Ueberzeugungen gleichmäßig geachtet werden. Was aber den Toleranzantrag des Zentrums beträfe, so müsse man ihn von der Hand weisen, weil man wisse, wie weit die Machtgelüste des katholischen Zentrums gegenüber dem Staate gehen. Abg. David(Soz.) meinte, in besonderen Fällen könne selbst die katholische Kirche tolerant sein, wie zum Beispiel dem König Leopold von Belgien gegenüber.(Heiterkeit.) Ueber die Anträge wird in der Freitagsitzung namentlich abgestimmt werden. Die Vorlage betr. Abänderung der Bestimmungen über Lohnbücher und Arbeitszettel wurde nach unerheblicher Debatte in Kommissionsberatung gegeben. Freitag 1 Uhr: Abstimmung über den Toleranz= antrag, sozialdemokratische Interpellation über des Kanzlers Wahlrede, Etat des Reichsamts des Innern. — Schluß 7 Uhr 20 Min. Aus dem Strafkammer Dortmuns. Dortmund, 17. Februar. Aus Eifersucht brachte am 12. Oktober v. I. der Bergmann Heinrich Möller aus Oberaden seinem Nebenbuhler, dem Bergmann Vittinghoff, bei einer Auseinandersetzung mit einem Messer eine Verletzung bei. Möllek, der sich heute vor der Strafkammer zu verantworten hatte, war geständig und kam mit Rücksicht auf sein jugendliches Alter mit einer Gefängnisstrafe von sieben Monaten davon. Ein Marmorvorkommen in Deutsch=Südwestafrika. Gund Ein Marmorvorkommen bei Wir entnehmen der„Kolonie und Heimat“ folgende interessante Berichtigung über die Marmorvorkomm; in Deutschsüdwestafrika. Ein Vorhandensein von Marmor in Deutschsüdwestafriko war wohl seit längerer Zeit bekannt, doch wurde erst neuerdings durch fachmännische Unteruchungsen festgestellt, daß sich in der Gegend von Habis, Karibib, Navachab, Swakopmund, Kubas und Sphinx(Gesamtareal 80000 Hektar) Vorkommen von Marmor befinden, die auf der ganzen Welt nicht ihresgleichen haben. Von der Ausdehnung der Marmorvorkommen kann man sich einen ungefähren Begriff machen, wenn man berücksichtigt, daß der Marmor in massiven, mächtigen Bergketten auftritt, unser Bild zeig eine derartige Gebirgsformation, die eine Länge bis zu 30 Kilometer haben, bis zu 350 Meter hoch und bis 1 Kilometer breit sind. Im Gegensatz zu den bisher bekannten Marmorvorkommen, in denen der brauchbare Marmor meist nur in Schichten und Bänken auftritt, so daß ein Bruch schon für erstklassig gilt, wenn er Bänke bis zu drei Meter Dicke aufweist, bestehen die südwestafrikanischen Marmorberge ganz aus brauchbarem Marmor. Schon von weitem repräsentieren sie sich als ein geschlossenes Marmormassiv, das nur hin und wieder von Schluchten durchrissen wird, die im Laufe der Jahrtausende durch Aufwaschung der Regenzeit entstanden sind. Die Qualität der neuen Marmorsorten ist, sowohl was das Korn, die Schönheit der Färbung als auch die Gesundheit des Materials betrifft, ganz hervorragend. Man hat heute schon über 100 verschiedene Sorten festgestellt, die alle ihre besondere Eigenart haben und deren Grundfärbung vom zartesten Weiß bis zum tiefsten Blau, Rot, Geld oder Grün variiert. Nach Urteil bekannter Marmorsachverständiger Europas und Amerika ist für verschiedene Sorten ein außergewöhnlich hoher Preis, bis zu 1000 Mark für den Kubikmeter zu erzielen. Wegen Diebstahls im Rückfalle hatte sich die Ehefrau Maria Grebe, zurzeit in Untersuchungshaft, vor der Strafkammer zu verantworten. Die Angeklagte scheint den Diebstahl gewerbsmäßig zu betreiben. Im Oktober bezw. im November vorigen Jahres stahl sie dem Speisewirt Scheidelberg in Hagen eine Anzahl Blusen, Schürzen usw. und dem Bergmann Fishkat in Barop zwei Ringe, eine Halskette, eine Brosche und 18 Mark bares Geld. Die Angeklagte leugnete heute, sie wurde aber für überführt erachtet und zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Auf Leihvertrag erstand die Ehefrau Bubenzer aus Dortmund eine Nähmaschine, die erst nach völliger Abzahlung in das Eigentum der Frau überging. In der Not versetzte die Frau Bubenzer die Maschine und machte sich dadurch der Unterschlagung schuldig. Die Strafkammer verurteilte die Angeklagte heute unter Zubilligung mildernder Umstände zu 1 Woche Gesängnis. Abänderungs=Ateliers sind als selbständige Werkstätten anzusehen und fallen demgemäß unter die Be stimmungen der Gewerbeordnung. Entgegen der Auffassung des Oberlandesgerichts hat sich das Reichsgericht auf diesen Standpunkt gestellt. Der Inhaber der Firma Gebr. Nassau in Dortmund war unter Anklage gekommen, weil er in seiner Abänderungswerkstatt junge Mädchen über die gesetzlich vorgeschriebene Zeit hinaus hatte arbeiten lassen. Der Beschuldigte ließ durch seinen Verteidiger darauf aufmerksam machen, daß er in gleicher Angelegenheit vom Schöffengericht wie auch von der Berufungskammer des Landgerichts freigesprochen worden sei und welches Urteil vom Oberlandes gericht bestätigt wurde, er habe sich demgemäß in einem Irrtum befunden, der seine Bestrafung aussch ieße. In dem gegenwärtigen Fall brachte dei Anklagebehörde den Inhaber der Firma sofort vor die erste Strafkammer des Landgerichts. Diese entschied dahin, daß die Abänderungswerkstätten den Vorschriften der Gewerbeordnung unterliegen. Das Urteil lautete areine Geldstrafe von 20 Mark. „** Die Strafkammer des Landgerichts Dortmund verhandelt heute als Berufungs=Instanz gegen den Redakteur Gulbraussen vom„Simplizislimus“ wegen Belei digung der Verwaltung der Zeche Radbod. Am 14. Juni erschien im„Simplizisssimus“ ein mit berleitendem Text versehenes Bild. Zwei in einem zerstörten Bergwerk unter den Trümmern begrabene Bergleute führten folgendes Zwiegespräch:„Nun hat die Zechen bande auch noch meine Frau mit acht Kindern auf die Straße gesetzt".—„Knurre nicht, dafür gibt sie uns hier noch immer freies Logis!“ Der Angeschuldigte erklärte bereits in der Verhandlung vor dem Schöffengericht in Hamm, daß der Text wie auch das Bild auf Grund eines am 22. Mai vorigen Jahres in der Dortmunder Arbeiterzeitung erschienenen Arti kels angefertigt worden sei, der die Ermittierung der Witwe Dora zum Gegenstand hatte. Wie sich in der Verhandlung vor dem Schöffengerichte herausstellte, ent sprach der Inhalt des Artikels der Arbeiterzeitung keineswegs den Tatsachen, die Zechenverwaltung hatte durchaus korrekt gehandelt, erst als eine Anzahl Koloniebewohner über das Verhalten der Witwe Dora Beschwerde führten, sah sich die Verwaltung zur Kün digung veranlaßt. Mit Rücksicht auf die völlig unhaltbaren Darstellungen der Arb.=Itg. und im Hinblick auf die schwere Kränkung der Zechenverwaltung, die alle Witwen der Verunglückten in der wohlwollensten Weise behandelte, sah sich die erste Instanz veranlaßt, gegen den Beklagten eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten festzusetzen. Die Höhe der Strafe erregte K damals berechtigtes Aufsehen und man darf annehmen, daß die Berufungskammer das Urteil in dieser Höhe nicht bestehen lassen wird, weil der Angeschuldigte durch die unwahren Angaben der Arbeiterzeitung irregeführt worden ist. Geimpfter Ralbsbraten!! Die„Impffrage“ schreibt: Der zur sog. Schutzpockenimpfung verwendete Stoff wird bekanntlich dadurch gewonnen, daß man die Pusteln eines geimpften Kindes ansticht, die aussickernde Flüssigkeit auf eine Lanzette bringt und mit ihr über die ganze Bauchfläche eines Kalbes, lange, 1—1,5 Zentimeter auseinanderstehende Schnitte macht. Wenn diese nach drei bis vier Tagen hochgradig entzündet sind, wird die eitrige Masse abgekratzt und weiter verarbeitet. Die Kälber selbst werden geschlachtet und tierärztlich untersucht. Und dann? Ja, dann werden sie verkauft und— gegessen. Viele Hausfrauen werden das kaum für glaubhaft halten, aber wir können mit Belegen aus amtlichen Quellen aufwarten. Die„medizinal=statistischen Mitteilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte“ enthalten regelmäßig eine größere Abhandlung über„die Tätigkeit der im Deutschen Reiche errichteten staatlichen Anstalten zur Gewinnung von Tierlymphe“, darin kehrt ein Kapitel über„die Impstiere“. stets wieder. Daraus erfährt man die erbaulichsten Dinge, von denen sich die Hausfrauen sowie diejenigen, für die sie die Mahlzeiten bereiten, bisher gewiß nichts haben träumen lassen. Die Kälber werden den Impfinstituten häufig gegen eine Leihgebühr geliefert, d. h. die Fleischer nehmen die geschlachteten Tiere gegen eine Entschädigungssumme zurück. Das berichter der med.=stat. Mitt, ausdrücklich von den Impfinstituten in Kannstadt, Darmstadt, Schwerin, Weimar, Bernburg, Lübeck, Metz; vielleicht verfährt man in anderen Orten ebenso. Keineswegs wird das Fleisch dieser Tiere bloß auf der Freibank verkauft. In Leipzig scheint es allerdings allgemein üblich zu sein, daß die Tiere„nach der Abimpfung und Schlachtung auf der Freibank verwertet“ werden. Ebenso heißt es von München, daß die Tiere„bei einwandfreiem Schlacht befunde der Freibank zum Verkaufe überlassen“ wer den. Die Freibank ist an sich schon eine bedenkliche Einrichtung, da sie arme Leute durch den niedrigen Preis verleitet, minderwertiges und somit gesundheits schädliches Fleisch zu kaufen. Aber mehr als bedenklich sind folgende Fälle: 1. Aus Karlsruhe:„Das einzige gesundheitlich un angenehme Ereignis, das hauptsächlich aus wirtschaft lichen Gründen zu beklagen war, bestand darin, das sich bei 2 Tieren ungemein stark entwickelte Oedeme(Wassersucht) mit weitgehender Anschwellung und Durchtränkung der Muskulatur des Bauches am Tage der Abnahme der Lymphe, also am 5. nach der Impfung zeigten; infolge dessen wurde das Fleisch dieser Tiere nach der Schlachtung der Freibank zugewiesen. Der hieraus erwachsene Schaden im Betrage von 238 Mr. hätte dadurch vermieden werden können, daß, wie es auch in der Folge geschah(!), die Tiere bis zum Verschwinden der ödematösen Schwellung stehen blieben. 2. Aus Stuttgart:„Bei dem Tiere Nr. 53 fanden sich bei der Sektion am Nachmittage nach der morgens vorgenommenen Abimpfung graurötliche Wucherungen auf dem Rippenfell, die Lungen und Bronchialdrüsen waren geschwollen und blutig durchtränkt, auch die Milz war geschwollen. Die Lymphe wurde daher von dem Tierarzt der Anstalt wegen Verdachts der Tuberkulose für unbrauchbar erklärt, guc nuß des Fleisches wurde von dem mit der###### schau im Kanstatter Schlachthause beauftragten g. tierarzt beanstandet und sein Verkauf auf der#. erst nach vorausgegangener amtlicher Durchestattet.“(19430uug Also auch das war noch für arme Leute genug!— Das Fleisch der abgeimpften, a.22 ten Tiere wird aber auch häufig als vollwertiges Flaverkauft, so in Straßburg i. E.:„Das als vollperg. anerkannte Fleisch der geschalchteten Tiere abzuneh verpflichtete sich ein Fleischer für das ganze Jahr lerdings zu einem etwas geringeren Preise, al. d. Marktpreis betrug.“ Eine sonderbare Stellung n in den amtlichen Berichten die Stadt Hannover a. dort scheint man für einen geimpften Kalbsbraten gerad. zu zu schwärmen, wenigstens auf Seiten der Verkäuf, die wohl schwerlich ihren Kunden verraten, daß Ware vom Impfkalbe stammt. In dem Bericht zudas Jahr 1904 heißt es:„Der Lieferant hat die Beschaffenheit des Fleisches nicht geklagt; im Ge, genteil ist das Fleisch der Impfkälber von verschig denen Seiten besonders gesucht, da die Tiere in Anstalt gut genährt werden und an Gewicht zunahmen Diese Zunahme betrug bis zu 5 Kilogramm, im Durz schnitt 3 Kilogramm“. Dieser Satz wird in dem richt über das Jahr 1905 fast wörtlich wiederholt. O. wie müssen wir einer hohen Regierung dau bar sein, daß sie die Grenzen des Reiches nicht der u# beschränkten Einfuhr von Schlachtvieh öffnet, denn wi haben in Deutschland des Unappetitlichen die Hi# und Fülle. Schade, daß zur Impfstoffbereitung kein Schweine benutzt werden, sonst könnte man doch einen si# gewisse Dinge gebräuchlichen, wenn auch nicht parlamentarischen Ausdruck in des Wortes vollster Bede## tung auf diese Sache anmenden; so aber ist sie m — Kälberei. Vermischtes. Berlin, 17. Febr. Gestern vormittag fand### einer Gefechtsübung in der Kieler Bucht infolge ein Ruderstörung auf dem kleinen Kreuzer„Königberg“ ein Zusammenstoß dieses Schiffes mit den kleinen Kreuzel„Tresven“ statt. Die„Königsberg“ hat Beschädigungen am Bug erlitten, dern Ausbesserungen nur etwa sechs Tage dauern werden. An der„Dresden“ ist nur die Außenhaut beschädigt; Schiff wird in etwa acht Tagen wieder fahrbereit sein. Weimar, 17. Febr. Heute morgen erschofsit ein Militärposten vor dem Schloß unmittelbar unter dem Zimmer der Großberzogin. Die Ursache der Tati# unbekannt. Vetersburg, 17. Febr. Der bekannte Grofindustrielle und vielfache Millionär Michael Walinsl wurde im hiesigen Hotel„Europa“ verhaftet wegen großer Benechungen beim Ankauf von Kohlenbergwerken bei Jusewka im Gouvernemen Charkow. Er kaufte dort Klosterländereien für 60 000 Rubel, die einen Wert von drei Millioner Rubel haben. Zwei Ingenieure, der Klostervorstehnr und mehrere Priester sind gleichfalls verhaftet worden. Neuyork, 18. Febr. In Quellon in Chile ist en chilenischer Dampfer eingetroffen, der berichtet, daß der Kreuzer„Minister Zenteno" am Dienstag 88 Passegiere des gestrandeten Dampfers„Lima“ gerette habe. 205 Passagiere waren vorher von dem Dampfa „Hatuenet“ gerettet worden. Die Zurückgelassenen hau der Dampfer nicht mehr aufnehmen können. Die# retteten waren zwölf Tage der bittersten Rot ausgeset und bis zum Tode erschöpft. Lüttich, 17. Febr. Auf der Grube Berleu# wurden durch ein Unglück, dessen Ursache noch nicht aufgeklärt ist, vier Bergleute getötet und drei varletzt. Budavest, 17. Febr. Die Goldbergwerke#n Stanizsa im Araer Komitat, Eigentum der Nationalbank für Deutschland, werden an einen Bauern verpachtet. Unlängst wurde auf den Werken eine neu Goldader entdeckt, worauf die Mine sofort in# schlag genommen wurde. Eine kleine Verwechslung. In einem bei sischen Dorfe, das weit ab vom großen Weltgetriek liegt, hatte jüngst eine stolze Bauernmaid bei einen Besuche in der Großstadt neben anderen nützlichen 2n gen für den Haushalt auch einige Päckchen Tee# kauft, um mit diesem im Dörfchen ziemlich fremden tränk einmal die Spinnstubengäste zu Hause zu raschen. Die etwas kurzsichtige Mutter hatte es über nommen, den Göttertrunk zu brauen. Sie gleich recht stark und tat auch einen tiefen Gtil die Zuckerdose. Trotzdem wollte der#nn Trunk nicht munden, er kam ihr zu bitter r#e. dachte indes, das sei eben besonders starker Tee trank weiter. Als sich später bei allen heftiges“ brechen einstellte, fragte der Eheherr, aus welchem let die Frau den Tee genommen:„Ei, hei„u,“ dem Päckche,“ meinte die Bäuerin. Da schrieen der Mann:„Best Du verrickt, des is jo memn A0 wack, den mer die Katrin mitgebrocht hat.“ Jes stand man den„starken Tee“. Briefkasten. W. Gn. Ein tüchtiger Rechtsanwalt dürfte Ihn in dieser verzwickten Angelegenheit besseren teilen, als wir es vermögen. D. M. Wir müssen dankend ablehnen Ati#en Sache können wir uns beim besten Willen nic wärmen. R. Br. Da der Mietspreis der das ganze Jahr vereinbart worden ist und der, vertrag keine Vereinbarung über die Kündigung' enthält treten die Bestimmungen des Bürgerlich setzbuches in Kraft, nach denen zu Beginn des Bi jahres auf dessen Ende zu kündigen ist. MAGGYS Bouillon-Würfel Zu Pfg. geben augenblicklich, nur mit kochendem Wasser übergossen, eine delikate Fleischbrühe mi, leinstem Gemüsegeschmack. Sie dienen der Hausfrau aucn zu allen Gerichten, bei deren Zubereitung Fleischbrühe erforderlich ist. So werden z. B. alle Gemüse besonders schmackhalt wenn man sie statt In Wasser in Bouillon aus MAGG!“ Bouillon-Würfeln kocht. Belm Einkauf achte man genauauf den Namen MAGGl sowie die Schutzmarke(Kreusten) u. lasse sich nichts anderes aufreu## C Der Schatz. Eine Karnevalsgeschichte von Franz Wichmann. „Nichts, sagen Sie, Frau Geier, nichts?“ Mit weit offenen Augen starrte Julius Weidenbach die Haushälterin seines verstorbenen Onkels an. Ein Achselzucken bestätigte das Gehörte.„Der Herr Notar hat alles mit mir durchgesehen. Es war nichts zu finden.“ „Unbegreiflich! Alle Welt hielt doch Onkel Gustav für reich!“ „Weil er sehr geizig war,“ meinte die Haushälterin, „aber man kann sich täuschen.“ Wie ein grollender Löwo schritt der junge Kaufmann durch die kleinen, bescheiden eingerichteten Zimmer. Alles untersuchte er und warj es unwillig wieder an seinen Platz zurück. Nur um diese wertlosen alten Scharteken zu finden, sollte er die weite Reise von England herüber gemacht haben! „Ist Onkel Gustav noch auf seine alten Tage noch ein Don Juan gewesen?" fragte er plötzlich, den Inhalt eines Kleiderkastens prüfend. „Gott bewahre. Für Vergnügen hätte er keinen Pfennig andgegeben. „Aber wie kommt denn dieses Kostüm einer Zigeunerin in seinen Schrank?“ fragte der Neffe, einen schmucken Maskenanzug hervorziehend. „Das war schon da, als ich vor 15 Jahren ins Haus kam. Es hat immer am gleichen Platz hängen müssen und durfte nicht angerührt werden.“ „Ah, irgend eine teure Erinnerung. Ich glaube, der Onkel erzählte mir, ehe ich nach England ging, einmal von einer früh verstorbenen Jugendliebe. Nun, wert ist all das Gerümpel nichts. Gerade recht zum weiterschaffen. Morgen laß ich alles versteigern.“ Die Auktion war schnell beendet. Die wenigen Händler, die sich eingefunden, schimpften über das nutzlose Zeug. Nur das Bett, ein paar alte Bilder und der Maskenanzug erzielten leidliche Preise. Als sich Weidenbach mit der Haushälterin in den leer gewordenen Räumen allein befand, zog er ein Papier aus der Tasche.„Heute morgen war ich beim Notar. Da sehen Sie das Testament eines lachenden Erben. Seine ganze Hinterlassenschaft vermacht er mir als seinem Schwestersohne. Nicht einmal meine Reisekosten sind damit gedeckt. Endweder hat er nie Vermögen besessen, oder alles verspekuliert. Für Sie sind wenigstens 200 Mk. ausgesetzt. Da sind Sie besser daran als ich.“ Frau Geier fuhr gerührt mit der Schürze an die Augen. „Ach, der gute, selige Herr!— Aber ich glaube, es hat geklopft.“ Sie eilte an die Tür. Der kleine Notariatsschreiber stand draußen.„Herr Doktor Rosenberg schickt das da——“ „Wie, noch ein Brief meines Onkels?" Verwundert betrachtete Weidenbach das Schreiben.„Wo kommt der her?“ „Er ist dem Herrn Doktor mit der Bestimmung überaeben, ihn gleich nach seinem Tode an Sie abzusehen.“ „Der Brief war ja in England!“ „Er ist als unbestellbar zurückgegangen. Sie waren schon abgereist!“ „Freilich, das Telegramm erreichte mich schneller. Nun, es ist gut, ich danke.“ Als der Schreiber gegangen, erbrach der junge Kaufmann erregt das Kuvert.„Was, Moralpredigten? Werde ein ordentlicher Mensch, lebe einfach und sparsam wie ich, halte meine Sachen in Ehren, besonders den Zigeuneranzug. Fanny, — richtig, so hieß seine Jugendliebe— Fanny trug ihn auf dem letzten Maskenball, vor ihrem Tode. Er birgt meinen größten Schatz.“ „Schatz!“ rief betroffen die Haushälterin.„Herr Weidenbach, er wird doch nicht——“ Der Neffe erblaßte.„Sie meinen, daß er——““ „Herr Lohr fürchtete immer Diebe. Er suchte alles zu verstecken. Wenn er darin vielleicht sein Geld——“ „Eingenäht! Hölle und Teufel, es wäre möglich und wir, — wir haben,— Frau Geier, ich werde verrückt!“ „Sie müssen den Anzug wieder zu bekommen suchen.“ „Aber wie? Wie? Es ist schon mehrere Stunden her. Der Tändler ging gleich damit. Haben Sie ihn gekannt?“ „Zufällig, ein gewisser Veilchenmeier in der Augustenstraße.“ „Auf der Stelle muß ich hin!“—-Eine halbe Stunde später trat Weidenbach mit langem Gesichte aus dem Tändlerladen. Der Anzug war bereits an eine Maskengarderobe im Tal übergegangen. Mit der nächsten Droschke hastete er dorthin. „Ich suche ein Zigennerinnenkostüm. Es braucht nicht neu zu sein.“ Die Frau bedauerte.„Heute Vormittag habe ich eins erhalten, aber es ist vor wenigen Minuten—“ „Verliehen worden?“ „Nein, verkauft.“ „Um Gottes Willen, an wen?“ „Eine junge Dame.“ 1 „Sie wissen den Namen? „Tut mir leid. Habe die Käuferin nie zuvor gesehen. Sie ist mit der Trambahn fortgefahren.“ Vernichtet ließ Weidenbach das Geschäft. Wie sollte er unter all den Zeugerinnen, die jetzt im Karneval auf Bällen und Redouten herumschwärmten die rechte finden? Und doch, versucht muß es werden! Mit den Zentralsälen machte er am gleichen Abend den Anfang. Zigeunerinnen gab es genug. Die Gesuchte war nicht darunter. Nach einer Stunde ging er weiter. Bei Treffler, im Münchner Kindl, im Deutschen Theater, überall derselbe Mißerfolg. Blieb nur noch das Kolosseum. Die Nacht war schon weit vorgerückt. Verwundert ließ der Portier den späten Gast ein. Verzweifelt musterte Weidenbach eine Zigeunerin nach der anren. Nirgends die rechte. Oder doch? Die zierliche Kleine, die da einen Augenblick, vom Tanze sich erholend, an eine Säule lehnte trug einen Anzug, der dem Gesuchten ähnlich sah. Vielleicht hatte sie ihn etwas gcändert, den Aufputz verschönert. Um Gewißheit zu erhalten, beschloß er, gerade auf sein Ziel loszugehen. Rasch näherte er sich von hinten der schlanken Schönen. Durch ihre schwarze Samtmaske blickte sie geradeaus in den lichtüberfluteten Saal und bemerkte ihn nicht. Neben der Säul: hervortretend, redete er sie an: „Küß die Hand, schöne Maske, ich kenne dich.“ Sie fuhr herum. Ein paar dunkle Augen blitzten ihn durch die Larve an.„Pah! das sagt jeder.“ „Wie willst du das machen.“ „Aber beweisen kann es nicht jeder.“ „Indem ich dir sage, woher du deinen Anzug hast. Aus dem Tale Nr. 65 von Kati Waldgrün.“ Sie stand verblüfft. Einen Augenblick blieb sie stumm, offenbar im Zweifel, ob sie leugnen sollte. Dann antwortete sie mit einer Gegenfrage.„Und wer bist du?“— Er triumphierte innerlich.„Der, der dich schon lange sucht. Tanzen wir den Walzer zusammen?“ „Warum nicht!“ Sie hing sich leicht an seinen Arm und flog mit ihm in schwebendem Wirbel durch den Saal. Als die Musik schwieg, führte Weidenbach seine Tänzerin zu den traulichen Nischen auf der Galerie, die, von farbigen Glühlampen erhellt, mit Blumenguirlanden bekränzt und von bunten Fähnchen umflattert, zu vergnüglicher Rast einluden. Ein leeres, heimliches Plätzchen fand sich Er bestellte Pasteten und einen guten Tropfen. Die Gläser mit dem goldhellen Naß füllend, sagte er galant:„So herrlich habe ich noch nie zetanzt. Ich möchte schwören, daß du vom Ballett bist.“ Ihr zartes Gesicht wurde bis an die Larve rot.„Was denkst du, ich bin Buchhalterin. ich“—— sie schien zu bereuen, so viel verraten zu haben. „Und ich Buchhalter.“ „ay, das ist spassig,“ lachte sie.„Doch nicht bei Silberstein u. Co.?“ „Nein, viel weiter. Das kannst du nicht raten. In England in London.“ „Ei, und schaust dir den Münchner Fasching an! Ich kannte auch einen, der nach London ging, das heißt, ich war damals noch ein Kind.“ „London ist groß, aber ich kenne viele Deutsche dort. Sage mir seinen Namen.“ „Julius Weidenbach hieß er.“ Diesmal war die Reihe staunender Verblüffung an ihm. Einen Augenblick starrte er sie wortlos an.„Um Gottes Willen, du kamst mir gleich so bekannt vor, als hätte ich deine Stimme schon einmal gehört. Freilich, es muß lange her sein. Wer bist du schöne Maske?“ „Das sage ich nicht.“ „So nimm nur einen Moment die Larve ab.“ (Schluß folgt.) Feierstunden — Blätter für Unterhaltung und In letzter Roman von Hugo Ebersbach. „Das wagen Sie mir anzubieten?“ rief er empört. „Ich soll Ihr Agent, Ihr Schlepper werden?“ „Sie sollen mich nur empfehlen, weiter nichts.“ „Solche Empfehlung würde mich in den Augen meiner Kameraden entehren!“ „Bah, die Herren, die mein Geld nötig haben, werden Ihnen für diese Empfehlung dankbar sein. Was ist's denn weiter? Schulden hat Jeder; es ist nach Ihren Begriffen, keine Unehre, sie zu machen; weshalb sollte da nicht ein Kamerad dem andern einen reellen Kapitalist empfehlen dürfen?“ „Wären Sie das, so würde ich kein Bedenken hegen, Ihren Wunsch zu erfüllen,“ sagte Alfred in verächtlichem Tone,„die Achtung vor mir selbst will ich mir wenigstens bewahren. Ich bedaure Jeden, der Ihnen in die Hände fällt; wer Sie empfiehlt, tritt seine eigene Ehre in den Staub.“ Der alte Mann lächelte geringschätzend; kein Zug in seinem gelben Gesicht verriet, daß diese Worte irgendwelchen Eindruck auf ihn gemacht hatten. „Halten Sie das, wie Sie wollen,“ erwiderte er; „morgen werden Sie mir entweder das Geld bringen, oder mir auf Ehrenwort versprechen, mich bei Ihren Kameraden empfehlen zu wollen. Nur in dem letzteren Falle werden Sie mich geneigt finden, Ihnen eine neue Zahlungsfrist zu bewilligen, und von den Resultaten Ihrer Empfehlungen hängt es alsdann ab, wie weit diese Frist ausgedehnt werden soll.“ Alfred hatte seine Handschuhe vom Tische genommen und zog sie langsam an; ein trotziger Zug umzuckte jetzt seine Lippen. „Wenn Sie bei dieser Bedingung beharren, dann fürchte ich. werden Sie keinen Pfennig von mir erhalten,“ sagte er;„ich werde lieber freiwillig in Not und Elend gehen, als mich entehren.“ „Tann mögen Sie sich jetzt schon erkundigen, wann Ihnen die nächste Fahrgelegenheit nach Amerika geboten wird,“ spottete Grunewald;„aber ich denke, Sie werden sich noch besinnen Vergessen Sie nicht: bis morgen Mittag zwölf Uhr muß die Angelegenheit geordnet sein.“ Der Lieutenant nahm seine Mütze und verließ das Zimmer, ohne ein Wort auf die letzte Bemerkung zu erwidern: das heisere, höhnische Lachen Grunewald's folgte ihm. „Jetzt wollen wir's abwarten!“ sagte der Wucherer. „Will er nicht tanzen, wie ich pfeife, so lasse ich ihn fallen Seine Empfehlungen könnten mir nützen, mein Schuldner bleibt er darum doch; mit dem Ehrenschein halte ich ihn so fest gekettet, daß er mir auf den Wink gehorchen muß.“ Die Rückkehr seiner Tochter brach dieses Selbstgespräch ab. Der Notar wollte den Akt am nächsten Vormittag ausfertigen, wünschte aber vorher über einzelne Punkte desselben. it Grunewald zu reden; und so ungern auch der Wucherer sein Haus verließ entschloß er sich doch, dem Wunsche des Notars ohne Verzug zu willfahren, damit das gute Geschäft morgen glatt erledigt werden könnte. Mit Hut und Stock ausgerüstet, trat er, bevor er das Haus verließ, in den Hofraum hinaus. Turchschritt man den gepflasterten Hof, den ein magerer, an der Kette liegender Hund bewachte, so gelangte man in einen kleinen Garten, der nur zur Gemüsezucht verwendet wurde. Einige verkrüppelte, durch schlechte Pflege verkommene Obstbäume mit dürftig belaubten Zweigen standen in seiner Mitte, und der Lattenzaun, der ihn umgab, zeigte überall Lücken und schadhafte Stellen. Hinter diesem Gärtchen sag ein ziemlich wüster Rasenplatz, der zu dem Hause gehörte, welches der Antiquar Farnow, die Witwe Schaller mit ihren Söhnen und der arme lahme Kopist Gärtner mit seiner Schwester bewohnten. Einige wilde Kastanienbäume wucherten hier üppig; unter ihnen fanden die Bewohner des Hauses im Sommer ein kühles, schattiges Plätzchen. Mathias Grunewald nähirte sich mit verdrossener Miene dem Lattenzaun, an dem eben die Söhne der Frau Schaller standen. Sie waren beide robuste, kräftige Gestalten mit hellblondem Haar und frechen, trotzigen Zügen; der Jüngere von ihnen zählte mindestens fünfundzwanzig Jahre. „Was macht Ihr da?“ fragte der Wucherer mißtrauisch. „Hat er Dich gefragt, Otto?“ wandte sich der Jüngere ironisch zu seinem Bruder. „Ith glaub', es galt Dir, Hermann,“ lautete die Antwort,„er sieht ja, daß ich die Hände in der Tasche habe! „Ihr habt wohl wieder einmal keine Arbeit?“ sagte Grunewald erbost.„Das Herumlungern gefällt Euch zu gut.“ „Was arbeitet Ihr denn?“ spottete Otto.„Jor schneidet Riemen aus anderer Leute Leder.“ „Laß ihn, sagte sein Beuder;„wenn's losgeht, ist er der Erste, der an der Laterne hängt.“ „Das gefiele Euch wohl?“ höhnte Grunewald. Mein sauer erworbenes Geld möchtet Ihr teilen, wie?“ Ehe es dazu kommt, sitzt Ihr im Zuchthaus.“ ##a säßet Ihr längst, wenn Alles mit rechten Dingen zuginge,“ erwiderte Hermann Schaller.„Was wollt Ihr von uns? Wir sind hier auf unserm Boden, und was wir hier tun, geht Euch nichts an.“ S Sa S 1ESES 5 Sx TU z.T 3. BO uES *„ 5 5#— —— 5— S S E— S. S 8 9.2 „Die Vogelscheuche muß ihrem Aerger Luft machen,“ spottete Otto.„Sein Kind ist zu geduldig, da denkt er, sich an uns zu reiben. Nur immer zu, Alter, aber macht's nicht zu bunt, vir können unangenehm werden, und Alles lassen wir uns nicht gefallen.“ „Ihr werdet Euch noh vieles gefallen lassen müssen,“ fuhr der Wucherer auf, dem das Blut heiß in die Stirne stieg.„Schämt Ihr Euch nicht, die alte Mutter für Euch arbeiten zu lassen? Zwei gesunde, kräftige Menschen, wie Ihr seid—“ „Jetzt nehmt Euch in Acht,“ fiel ihm Otto in's Wort, während er dem Zaune rasch näher trat; in dem was wir wollen, lassen wir uns keine Vorschriften machen. Ihr gehört auch zu denen, die da meinen, der Arbeiter müsse seinem reichen Herrn für jedes Stück Brot die Hand küssen, und wir seien nur dafür da, um mit unserm Schweiß die anderen zu mästen. Wir verlangen von unserer Mutter nichts; wenn wir einmal Geld haben müssen, kommen wir zu Euch.“ Der Wucherer blickte ihn starr an, er mochte wohl bis zu diesem Augenblick noch nicht daran gedacht haben, welche Gefahr hier seinem Gelde drohte. „Zu mir?“ erwiderte er.„Das versucht, wenn Ihr mit der Polizei Bekanntschaft machen wollt. Uebrigens werde ich hier eine Mauer ziehen lassen, man darf von solchem Gesindel Alles erwarten.“ „Tazu seid Ihr zu geiziz,“ spottete Hermann;„übrigens kommen wir auch über eine Mauer herüber, wenn wir Euch an's Leder wollen.“ „Und die Zeit kommt dielleicht schon bald, wo Ihr Euch auf unsern Besuch gefaßt machen dürft,“ fügte sein Bruder hinzu;„Alles muß geteilt werden, die Arbeiter haben lange genug das Sklavenjoch getragen.“ Damit wandten ihm die Beiden den Rücken und gingen über den smaragdadgrünen Rasen nach Hause zu. Mathias Grunewato blieb, eine Verwünschung murmelnd, noch einige Sekunden an dem Zaune stehen, dann trat auch er mit Kopsschütteln ärgerlich den Rückweg an. 5. Im Hause des Gerbers. Die Nachricht von der Verhaftung ihres Sohnes hatte auf die Mutter Hugo's einen betäubenden Eindruck gemacht. 1106 Sie konnte an seine Schuld nicht glauben, wenn sie andererseits auch zugeben mußte, daß seine Mitteilungen über den französischen Flüchtling sehr unglaubwürdig, jo, wie eine aus der Luft gegriffene und noch dazu plump erfundene Geschichte lauteten. Taß er selbst die Untersuchung und damit auch seine Verhaftung beantragt hatte, bestärkte sie in ihrem Glauben an seine Schuldlosigkeit, aber ihr bangte auch vor den Gefahren, die durch diesen Antrag heraufbeschworen waren. Der Schein zeugte gegen ihn, das ließ sich nicht leugnen; wie leicht konnten anscheinend überzeugende Beweise gefunden werden, die der Schuld überführten und seine Richter veranlaßten, den Stab über ihn zu brechen! Die schwergeprüfte Frau eilte zu dem Kommerzienrat und dem alten Buchhalter; die Beiden vermochten ihr keinen Trost zu geben; die Tatsache der Unterschlagung ließ sich nicht leugnen, und allem Anscheine nach konnte nur Hugo die verbrecherische Tat begangen haben. Sie verhehlten ihr nicht, daß der Leichtsinn Alfred's den Bruder zu diesem Schritt gedrängt haben müßte, und die Last, unter der die arme Mutter zu erliegen drohte, wurde durch diese Mitteilung nur noch schwerer und drückender. Sie mußte Gewißheit haben, sie ließ nicht nach, bis Alfred ihr die volle Wahrheit berichtet hatte. Immer dunkler und trostloser wurde die Nacht, die vor ihr lag, und in der sie keinen Hoffnungsstern entdecken konnte. Ein Sohn im Gefängnis, der andere mit dem Verluste seiner Existenz und seiner Ehre bedroht! Die Frage, wie ihr: eigene Existenz sich nun gestalten werde, drängte sich ihr auf und gesellte sich zu der schweren Sorge um das Schicksal ihrer Söhne für deren Rettung sie die schwersten Opfer mit freudigem Herzen gebracht hätte. Ih: Schwager, der reiche Gutsbesitzer, wollte von den Verwandten seiner Gattin nichts wissen, und seine Frau hatte nie ein Herz für ihre Schwester gehabt. Dieselben hatten keine Kinder, sie konnten sich das Leben so angenehm machen, wie sie es nur wünschen mochten; sie verkehrten in Kreisen, die den Eltern Hugo's stets verschlossen geblieben waren; so gingen die Wege der beiden Schwestern mehr und mehr auseinander; und glaubte Frau von Weilen einmal, ihrer Schwester eine Aufmerksamkeit erzeigen zu müssen, so gewann dieses den Anschein eines Almosens, und dadurch wurde die Kluft nur noch mehr erweitert. Bei diesen Verwandten konnte Frau Helwig sich weder Rath noch Trost holen, sie durfte von ihnen nur harte, verletzende Bemerkungen und Urteile erwarten. Der Bruder ihres verstorbenen Mannes, der Gerber Bertram Winkel, hatte ihr zwar auch niemals besondere Teilnahme bewiesen, aber sie mußte ihn achten, und sie durste hoffen, an ihm in dieser schweren Zeit eine Stütze zu finden. Vertram Winkel hatte sich durch rastlosen Fleiß vom mittellosen Gerbergesellen zum vermöglichen Meister emporgearbeitet. Sauer genug war es ihm geworden, aber er hatte nicht geruht, bis er sein Ziel erreicht hatte; und wenn man ihn jetzt einen harten, geizigen Mann nannte, so bedachte man bei diesem Vorwurse nicht, wie schwer er sein Vermögen hatt. erringen müssen. Cin eigenwilliger Mann war er auch; der Friede in seinem Hause würde wohl oft gestört worden sein, wenn nicht seine gute, geduldige Frau ihr eigenes Wollen dem seinigen untergeordnet hätte; und da sie es ohne Murren tat, konnte man diese Ehe eine glückliche nennen. Zwei Kinder besaß dieses Ehepaar; eine Tochter die in allen Stücken der Mutter glich und wie diese dem Willen des Vaters schweigend sich unterordnete, und einen Sohn, der dem Gerber schon manche böse Stunde bereitet hatte. Georg sollte ebensalls Gerber werden, der Vater wünschte es, aber er erklürte, keine Neigung dazu zu fühlen, und damals schon war es zu einem ernsten Konflickt zwischen Vater und Sohn gekommen. Vielleicht würde Georg nachgegeben haben, wenn man ihn zu einem anoern Gerber in die Lehre geschickt hätte; er fürchtete die Strenge des Vaters, gegen die sogar die Gesellen oft sich aufbäumten. Nach langem Ueberlegen hatte er sich endlich entschlossen, zu einem Kupferschmied in die Lehre zu gehen; der Meister war ein schwacher Mann, der Sohn ein Taugenichts, Georg geriet auf die Bahn des Leichtsinns, die Vornürse des Vaters blieben fruchtlos, sie führten nur zu hestigen Szenen. Dem jungen Manne sagte das müher lle Handwerk bald nicht mehr zu; er erlernte die Brauerei und der Gerber überließ ihn seinem Schicksal, er wellte Ruhe und Frieden in seinem Hause haben, so sehr er auch im Stillen sich ärgern mochte. Es war Abend, als Frau Winkel in das Wohnzimmer ihres Schwagers trat. An dem runden Tische, auf dem bereits die brennende Lampe stand, saß die Hausfrau, emsig mit einer Handarbeit beschäftigt, indes der Gerber mit großen Schritten auf und nieder wanderte. (Fortsetzung folgt.) -0: 95 -0 □#8 83 S**— G—"* —————— „Saz B S- TTETEE —— G*"• 8— 6 E- 5 5— K FKIS 20: Der Notar von (Fort tung.) Ein kranker Greis, der unfähig ist sich zu wehren und mit dem alten Diener Nicolo allein wohnte, konnte ja von zwei eindringenden Schurken während der Nacht leicht überwältigt werden, und da das Meer so nahe ist, war eine Flucht nach vollbrachter Tat eine eben so wenig schwierige Sache. Gott mag wissen, wie weit die Mörder jetzt schon entflohen sind!“ „Das ändert aber nichts an unserer Pflicht, sie zu suchen, bis wir sie finden, Herr Tapas,“ bemerkte der Polizeichef. Dann wandte er sich an den urzi mit der Frage, ob es denkbar sei, daß der Graf während der Nacht in einem Anfall von Schwäche in einen solchen Zustand habe geraten können, daß das zufällig auf sein Gesicht gefallene Kissen sein Ersticken veranlaßt habe. Die Antwort des Arztes lautet: jedoch dahin, daß das Aussehen des Antlitzes und die Lage der Gließmaßen nur auf einen Tod schließen lasse, wie er in Folge eines langen hefligen Kampfes, nicht in Folge von Schwäche einzutreten pflege. Auf Verlangen des Richters legte der alte Nicolo die Kissen genau in dieselbe Lage auf den Kopf des Toten, wie er sie beim Eintritt in das Zimmer vorgefunden hatte, und man erkannte sofort, daß sie nicht durch Zufall, sondern mit Vorbedacht und Anstrengung in diese Lage hatten gebracht werden können. Der Polizeichef entblößte hierauf den Körper von seinen Umhüllungen und da zeigte sich nun, daß das Leintuch am Fußende vollständig zerrissen war, obgleich dasselbe nach der Aussage Nicolo's noch ganz neu und erst am gestrigen Tage in Gebrauch genommen war. Es mußte also von dem Verstorbenen während des Todeskampfes zerrissen worden sein. Bei einer Durchforschung der im Zimmer befindlichen Möbel fand sich aber nirgends die geringste Spur von Unordnung. Im Schreibtische der noch verschlossen war, lagen in einer Schublade etwa tausend Florins in Gold= und Silbermünzen. Jetzt machte der Notar den beiden obrigkeitlichen Personen die Mitteilung, daß er ein vor einem Monat ausgefertigtes Testament des Grafen Stannet verwahre, und daß darin dessen Neffe Gerasimo als Universalerbe eingesetzt sei. Das Aktenstück selbst werde er zu rechter Zeit dem Gerichte vorlegen. Nach dieser Mitteilung ward in der Durchforschung des Gemaches weitergefahren. Sogar die Fenster waren sämtlich geschlossen und in vollständig unverletztem Zustande. Der Polizeichef konstatierte hierbei die Unmöglichkeit, dieselben von außen ohne Gewalt zu öffnen, von welcher sich aber keine Spur fand. „Es ist doch erstaunlich,“ bemerkte der Untersuchungsrichter wenig geistreich.„Daß der Graf ermordet worden ist, steht außer Zweifel; auffallend aber ist dabei, daß die Diebe tausend Florins unberührt ließen, und schließlich können sie doch auch nicht durch das Schlüsselloch eingedrungen sein. Nicht wahr, Herr Notar?“ „Gewiß, gewiß!“ nickte Tapas und trocknete sich den Schweiß von der runzeligen, fahlen Stirn. „Wohnt niemand außer Ihnen im Schlosse?“ wandte sich der Richter an Nicolo. „Außer Herrn Rodines, dem Sekretär des Ermordeten, und mir wohnt niemand hier,“ antwortete der alte Diener. „Und Sie schließen die Tür jeden Abend?" warf der Polizeichef ein. „Jawohl, jeden Abend.“ „Und Sie sind sicher, dieselbe gestern Abend auch geschlossen zu haben?“ „Ohne allen Zweifel.“ „Haben Sie dieselbe auch heute morgen noch geschlossen gefunden?“ „Nein, ich fand sie offen. Da indessen Herr Rodines auch einen Schlüssel besitzt und erst spät in der Nacht nach Hause kam, hatte ich nicht den geringsten Argwohn, indem ich glaubte, er habe die Tür zu schließen vergessen.“ „Also Herr Rodines hat auch einen Schlüssel zu dieser Türe?" rief Tapas, wobei seine vorher noch bleichen Lippen sich färbten, und die hinter der grünen Brille versteckten Augen unheimlich funkelten. „Lassen Sie Herrn Rodines kommen,“ befahl der Richter. „Herr Rodines ist nicht hier, denn er reiste heute früh nach Corcyra,“ antwortete Nicolo. „Wie? Also in der Nacht spät zurückgekommen und heute früh schon abgereist! Beim Bacchus!“ murmelte der Notar, indem er seine Brille auf die Stirne schob und eine ganz erstaunte Niene machte. 9.3 „Er ist also nach Corcyra abgereist?“ fuhr der Richter fort.„Können Sie mir vielleicht die Stunde angeben, in der Herr Rodines gestern nach Hause gekommen ist?“ „Meine Herren.“ sagte Nicolo mit zitternder Stimme, „wagen Sie es nicht, zu argwöhnen, als ob Rodincs der Mörder des Grafen sei.“ „Guter Freund,“ warf der Notar rasch ein,„Rodines ist jung. Ich liebe ihn zwar, wie meinen Augapfel; aber schließlich sind wir doch alle Adamssöhne, und dir Versuchung hat immer ihren Reiz. Uebrigens ist die Sache wichtig genug: das Gericht muß den gefundenen Faden verfolgen, und ich wünsche gewiß, daß sich dabei die Schuldicsigkeit des Sekretärs herausstellt.“ „Er hat Recht," bemerkte der Richter salbungsvoll; wir müssen alle Umstände prüfen; liegt es doch gerade im Interesse des Verdächtigen, daß seine Schuldlosigkeit bald klargestellt wird. Ich bitte Sic also, mir zu antworten. Wann ist Rodines gestern nach Hause gekommen?“ „Ich kann das nicht mit Sicherheit angeben; es war um Mitternacht," antwortete der Diener. „Um diese Zeit schlief aber der Graf gewiß,“ fiel Tapas ein, indem er sich anstellte, als sei die Bemerkung unwillkürlich entschlüpft. „Haben Sie Rodines beim Nachhausekommen gesehen?“ forschte der Richter. „Nein, aber ich habe ihn kommen hören; der Schall seiner Tritte weckte mich auf; ich bin aber gleich darauf wieder eingeschlafen. „Und sonst haben Sie nichts gehört?“ „Ich habe noch gehört, daß Rodines sich in sein Zimmer begab, von dort aber sofort zurückkam und sich nach dem Zimmer des Grafen wandte. Ich vernahm, daß dort beide sich unterhielten, und schlief unterdessen wieder ein.“ Tapas warf dem Richter und dem Polizeichef einen bedeutsamen Blick zu. „Sind Sie gewiß, daß der Graf noch lebte, als Rodines heute morgen abreiste?“ „Ich weiß es nicht?“ antwortete Nicolo und brach von neuem in Schluchzen aus. „Was? Er wäre abgereist, ohne den Grafen zu grüßen?“ bemerkte der Notar mit Hast. „Ja, er reiste ab, ohne sich zu verabschieden," versetzte Nicolo.„Er sagte mir jedoch, daß er gestern Abend bereits Abschied genommen habe und deshalb, wie auch wegen seiner Eile, den Kranken nicht stören wolle.“ Der Richter und der Polizeichef sahen sich bei diesen Worten verständnisvoll an und nickten. „Sehr verdächtig in der Tat,“ murmelte Tapas, als wollte er den Gedanken der beiden andern in Worte kleiden.„Indessen kann ich nicht begreifen, daß Rodines— er mußte doch irgend ein Interesse daran haben, so zu handeln. Solange der Graf lebte, hatte er eine angenehme Stellung, oder hoffte er vielleicht, bei der Erbschaft beteiligt zu sein?“ „Sei es, wie es will,“ entschicd der Richter;„Rodines muß sich zum Verhör stellen. Das übrige werden wir ergründen.“ Hiermit war die Aufnahme des gerichtlichen Augenscheins beendigt. Die Polizei erteilte die Erlaubnis zur Bestattung des Toten, welche denn auch mit großem Pomp und unter lebhafter Beteiligung der Bevölkerung stattfand. Am folgenden Tage präsentierte Tapas das Testament des Grafen Stannet dem Tribunal in Argostoli. Es ward ohne Schwierigkeit als rechtsgültig anerkannt. Hierauf sandte er dem Grafen Gerasimo ein Billett, das kurz lautete:„Böse und traurige Neuigkeiten, Herr Graf. Der liebe Onkel ist abgegangen und sein Testament ernennt Sie zu seinem Universalerben, worüber Sie hoffentlich nicht vor Kummer sterben werden. Ich rate Ihnen, sobald noch nicht nach Argostoli zu kommen; denn es sieht sehr düster hier aus. Bleiben Sie also, wo Sie sind, oder— was noch besser ist— reisen Sie solange, bis Ihr gerechter Schmerz sich gemildert hat.“ 5. Das Verhör. Die Dampfschiffe waren damals noch selten. Rodines hatte daher für seine Reise nach Corcyra sich eines Segelschiffes bedienen müssen, und man kann sich die Ungeduld des jungen Mannes denken, als die Fahrt wegen Ungunst des Wetters fast vier Tage dauerte. Endlich lag er in den Armen seiner Mutter. K Fortsetzung folgt. LOII e