Re er ts einen DemansStadt, der un m nonstranten brat echt aus und in kanstatieren Unjestört wurde, so ungsmannschaften zuzuschreiben. 1. mnserer Poltzeimn rn gehalten und jewesen, den De hätten, den I. ruhiger hergega ch lediglich des es nicht ihretwan fen, als sowohl g. an der Mündung i. Polizeiorganm oh ner Weise angesaihn n rholen zum so unn me Anfragen nich ertrauen gegen Ven -Lotterie, 20 000 usw. Ziehm eser Woche. Lose mi ekte Münsterstraßel schnitte lebiet für Gelehrt schritten, Finanziers c. das bestorganisch Erscheinen—— Fr Zeitungs-Buschuft. Irchplatz 21. I Erste Referenzen Mk. unserer Schauteuste. Blutte 700 Nl. 6Nur 5 Schirme reicher Auswabl“ preiswer Reparature“ und Neubeziehen billig und e### Dickmarh Wißstr. 21. Fernru enscen Bugahe u und des Therlir 9. M.e germichl ension sof 3u Pt: g8. po Erschelnt täglich ## Ausnahme der Soun= und gesetzl. Feiertage. Abonnementspreis owie für die Inscrate #er, Dortmund. verbunden Lokal-Anzeiger für Mranwortlich: Biktor Schen Nr. 38. mit dem Dortmund u. Körde und der täglichen Unterhaltungsbeilage K## sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— wernsprech=Anschluß Nr. 3299. Dortmund, Dienstag, den 15. Februar 1910. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Psa Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Pfg. Beilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangsweiser Beltreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebene: Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann. Dortmund. 27. Jahrg. Erstes Blatt. Bethmann Hollwegs Weisheiten. Wir lesen im„Nürnberger Anzeiger“: Nun hat also der Philosoph, der im Reich und in Freußen an der Spitze der Regierung steht, in seiper Rede zur Einleitung der Wahlrechtsberatung des breußischen Landdtags sein politisches System vorgetragen. Die Hörer trampeln Beifall oder geben zischend ihre Mißstimmung kund, je nach ihrer Parteisellung. Seine schärfsten Gegner bereiteten dem Redver, wie er das Wort ergriff, von vornherein einen feindseligen Empfang, der einen Ausbruch berechtigten Unmutes darstellt. Und diese ablehnende Grundstimmung gegen Bethmann Hollwegs Weltanschaung erweist sich auch bei ruhiger und unbefangener Nachprüfung als durchaus berechtigt: dieser Staatsphilosoph verkündet Irrlehren! Er stellt die Dinge auf den Kopf, wenn er die Regierung als Selbstzweck auffaßt, die sich um die Kritik und um die Strömungen der Oeffentlichkeit nicht kimmern darf. Die Weltanschauung Bethmann negs ist völlig verkehrt. Man muß schon ein Anhänger eines Gottesgnadentums in erweiterter Form sein, um seniem Gedankengang Glauben zu schenker. Tann könnte man sagen: Gott setzte den Köuig in die Welt, dieser erschuf die Regierung und die Regierung erschuf dann Untertanen, die nun mit Glück und Wohltat von Regierungswegen überhäuft nerden. Das Volk aber hat in seinen breiten Massen überhaupt nichts mehr zu wünschen. Es lebt in der denkbar vollkommensten Welt, nämlich im Lande der übertrefflichen Verwaltung, dem mit Freiheit, Genätigkeit, Wohlergehen und Kultur gesegneten Preusen. Preußen, das Ideal unter den deutschen und mitceldeutschen Staaten! Lieber, als daß er in solcher selbstzufriedenheit, in einem derartigen unheilbaren Glückseligkeitswahn schwelgte, hätte der Staatsmann reiter schweigen sollen, dann wäre ihm vielleicht der Ruf geblieben, ein Philosoph zu sein. Tenn die öffentliche Meinung stimmt ihm jetzt in keinem Leil seiner optimistischen Lehre zu. Er scheint sie sast so gering zu achten, wie jener selige Landgerichtsdirektor Brausewetter, der erklärte, sie existiere gar nicht. Er spricht spöttisch von der Suggestionskraft im Zeitalter der Zeitungen. Sei es drum. Tenn auch die uffenkundigen, unbestreitbaren Tatsachen wideysprechen jedem einzelnen Lehrsatz Bethmann Hollregs. Vor allem der Grundanschauung. Das Volk nicht dazu da, der Regierung zu dienen, sondern die Regierung soll dem Volk dienen. Die Regierung ist lichts mehr und nichts weiter als ein Ausschuß, den der Staat sich schafft, damit er den Volkswillen bestzicht, im Auftrage und zum Wohle des Gauzen. Das ist der moderne Staatsbegriff, und er ist keineswegs eine neuzeitliche bloße Mode, sondern der uralte demokratische Gedanke. Die Machthaber mögen sich zeitweise gegen ihn sträuben, er erweist sich zuletzt stärker als sie. Er stützt sich auf die wahre Natur der Dinge, und deshalb erzwingt er unwiderstehlich die notwendigen Umgestaltungen. Staatsmänner von rückständiger Gesinnung mögen ihn zeitweise aufhalten, sie können den Fortschritt nicht aus der Welt schaffen. So läßt sich auch die Referm des preußischen Wahlrechts vielleicht behindern, aber nicht unterdrücken. Sie kommt! und zwar eine aufrichtige, wirkliche Verbesserung, nicht nur eine Scheinreform in Bethmann Hollwegs Aufmachung. Die frecheltliche Volksforderung wird der leitende Geist der Regierung damit abspeisen, da er die leidlichen Zustände der preußischen Finanzen betont. Ja, wer verlangt denn, daß Preußens Finanz= gebahrung ungünstiger wird? Lausen wir gegen die Einkommensteuer Sturm? Sie könnte besser sein, aber ihr Leitgedanke ist richtig. Bekämpsen wir etwa den Staatsbahngedanken? Ei wir unterstützen ihn; wir nehmen seinetwegen viele Mängel in Kauf, die ihm bei seiner Verwirklichung anhaften. Schwärmen wir für die indirekten Reichssteuern? Wer sind denn die Urheber der gar köstlichen Reichsfinanzreform? Doch nicht die freiheitlichen Parteien, sondern die reaktionären. Und wenn Bethmann Hollweg die Selbstverwaltung der preußischen Gemeinden rühmt und an die Verdienste der Gesetzgebung Steins und Hardenbergs erinnert, so vergißt er, wieviel Steine die preußische Regierungsmaschinerie in den Garten der Selbstvernaltung geworfen hat. Die Kulturleistungen in Preußen sind nicht wegen, sondern sie sind trotz reaktionärer Richtung zustandegekommen. Im Rechtswesen und in der Polizei blüht die preußische Bevormundung allerwegen so üppig wie miiglich. Das kann man wohl mit schönen, großen Worten bestreiten, aber die Taten liefern das häßliche Gegenbeispiel massenhaft. Wie sollte es auch anders sein, da Bethmann Hollweg wieder offen erklärt, der„Takt“ müsse bei den Beamten den„Dienern der Regierung", die freie Ueberzeugung einschränken. Deshalb soll ja durch die Wahlrechtsvorlage der Regierung das Beamtenheer zur öffentlichen Stimmabgabe gezwungen und in dem Gewicht seiner Stimme vervielfacht werden. Das Volk denkt anders als die Staatsweisheit. Die Arbeiterschaft und das freiheitliche Bürgertum sagt laut und bestimmt: Preußen bedarf seiner inne ren Erneuerung durch ein ehrliches Bekenntnis zur Rechtsgleichheit und zur neuzeitlichen Entwicklung. Das will die Wahlrechtsforderung des preußischen Volks. Sie will nicht mit Philosophie vertröstet werden, sondern sie will ein befreites staatsbürgerliches Leben, die Mitbestimmung und Sicherstellung der öffentlichen Zustände durch alle Volksgenossen, ohne erklügelte und erkünstelte Vorrechte einzelner Kasten. Erst leben, dann philosophieren. Bethmann Hollweg möchte die natürliche Regel ins Gegenteil umkehren. Dies Unternehmen muß und wird fehlschlagen. Deutsches Reich. Mittelstand und geheime Wahl. Nach Veröffentlichung der preußischen Wahlrechtsvorlage hat die„Mittelstandsvereinigung für Handel= und Gewerbe“ eine Eingabe an das Abgeordnetenhaus gerichtet, die sich natürlich für Einführung der geheimen Wahl ausspricht und wie folgt lautet: „Dem Hohen Hause der Abgeordneten gestatten wir uns folgendes zu unterbreiten: Der Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung der Vorschriften über die Wahlen zum Hause der Abgeordneten hat die seit vielen namentlich aus den Kreisen des des gelerblichen Mittelstandes erhobene Forderung auf Beseitigung der öffentlichen Wahl nicht erfüllt und damit den Beteiligten eine schwere Enttäuschung bereitet. Der Gewerbetreibende ist von einem großen Kundenkreise abhängig, der sich aus Anhängern der verschiedensten Parteirichtungen zusammenzusetzen pflegt. Turch die öffentliche Stellungnahme zu einer Partei wird er leicht bei den Anhängern einer anderen Richtung anstoßen und besonders in den Zeiten politischer Erregung seine Existenz gefährden. Die Beibehaltung der öffentlichen Wahl wird deshalb nicht die Stärkung des politischen Verantwortlichkeitsgefühls und seine steigende staatsbürgerliche Erziehung, sondern wahrscheinlich in vielen Fällen eine Abkehr von aller politischer Betätigung, wenn nicht gar einen Zwang zu politischer Heuchelei zur Folge haben. Zur Unterstützung unseres Antrages erlauben wir uns, auf die Vorgänge bei den letzten Landtagswahlen in Berlin hinzuweisen, bei denen die Gewerbetreibenden in ganz unglaublicher Weise terrorisiert worden sind. Solche Vorgänge sind bisher in denjenigen Bundesstaaten, in denen das geheime Wahlrecht bereits eingeführt ist, nicht zu verzeichnen gewesen. Wenn demnach die öffentliche Wahl erwiesenermaßen die Hineintragung persönlicher Gehässigkeit in den Wahlkampf zur Folge hat, so kann ihre Beibehaltung als Mittel für die Selbsterziehung des Volkes zur Staatsgesinnung und zu politischem Verständnis nicht mehr in Anspruch genommen werden. Da für den gewerblichen Mittelstand die geheime Wahl eine wirtschäftliche Frage von ernster Be deutung ist, bitten wir das Hohe Haus, mit allem Nachdruck für die Beseitigung der öffentlichen Wahl eintreten zu wollen.“ Das Herzogtum Meiningen erwibt sich einen Namen dadurch, daß es mit radika len Neuerungen im Staatsleben vorgeht. Es hat als erster der deutschen Bundesstaaten die vollständige Trennung des Unterrichtswesens von der Kirche durchgeführt. Jetzt scheint man dort auch ernstlich daan zu gehen das Einkommen des Landesherrn de Steuepflicht zu unterwerfen. Sämtliche bürgerlichen Partesen des Landtages haben an den Herzog von Meiningen eine Eingabe gerichtet, aus eigener Entschließung in die Unterstellung des Domänenfiskus unter die Bestimmungen des Einkommensteuergesetzes zu willigen. Aktuell ist diese Frage in Meiningen durch die Einbringung eines euen Einkommensteuergesetzes geworden, das die geringeren Einkommen durch Erhöhung der oberen Steuersätze entlasten will. Dadurch wird der Ertrag der Einkommensteuer herabgemindert, und die Besteuerung des herzoglichen Domäneneinkommens soll dazu dienen, diesen Ausfall zum Teil auszugleichen. Der Mordversuch eines Fürsorgezöglings. S. u. H. Bautzen, 15. Februat Unter der schweren Anklage des versuchten Morder hatte sich vor dem Jugendgericht des Landgelichts Bautzen der noch nicht 17 Jahre alte Dienstknecht Kacl Pietsch zu verantworten. Der Angeklagte legte in der Verhandlung ein offenes Gestndnis ab, sodaß die Beweisauf nahme sich sehr kurz gestaltete, Pietsch hatte beim Bäcker für Naschwaren 4 Mk. Schulden gemacht und sollte diese bezahlen. Da er selbst kein Geld hatte, stahl er seinem Arbeitskollegen Siebert aus dem Ueberzieher den Betrag von 5.50 Mark. Als der Bestohlene den Dieb stahl entdeckte, erklärte er, er werde Anzeige machen und die Polizei werde den Täter schon finden. Aus Angst vor Entdeckung will Pietsch den Plan gesaßt haben, den Siebert zu ermorden. Zwei Tage vor Weihnachten begab er sich frühmorgens in den Stall und fütterte die Pferde. Während dieser Zeit überlegte er sich den Mordplan. Er wußte, daß in der Kammer Sieberts hinter dem Ofen eine große eiser#### Kohlenschaufel lag. Der Angeklagte erzählte dann ganz teilnahmslos weiter, wie er sich in die Kammer des Siebert geschlichen habe. Es sei noch ganz dunkel gewesen, aber der Mond habe durch das Fenster geschie neu, sodaß er genau das Gesicht des Schlafenden sehen konnte. Er habe Siebert ungefähr 5 Minuten beobachtet und lange mit der Ausführung der Tat gezögert. Plötzlich habe Siebert eine Bewegung gemacht; er habe gefürchtet, daß er aufwachen könnte und habe daher die Schaufel hervorgeholt und damit zweimal auf Siebert losgeschlagen. Der Ueberfallene hat eine äußerst schwere Verletzung davongetragen und ist von dem Angeklagten, von dessen Täterschaft man noch nichts wußte, selbst ins Krankenhaus gefahren worden. Er wird zeitlebens ein siecher Mann bleiben. Sein Gehör ist dauernd verloren, beim Gehen schwankt er hin und her, auch die Geistesfunktionen haben gelitten. Ein Sachverständiger bekundete, daß er vollständig erwerbsunfähig geworden ist und wahrscheinlich in einer Anstalt sein Leben wird beschließen müssen. Verschiedene Leumundszeugen bekundeten, daß Pietsa ein fleißiger Mensch, aber stets mürrisch und verschlossen gewesen sei. Es ist wahrscheinlich, daß der Angeklagte durch die Lektüre von Schundromanen zu der Tat veranlaßt worden ist, denn ein Arbeitskollege sagte aus, Pietsch habepft in solchen Büchern gelesen. Der Gerichtshof erkannte auf die höchst zulässige Strafe und verurteilte den Angeklagten inkl. einer Strafe wegen Diebstahls zu 7 Jahren und 7 Monaten Gefängnis.„ Auf der Brautschau. Cumoristischer Roman von Felix Brenta. 6 perr Heuer errötete über die Worte Theas so, wie * dor Herrn Raupach oder Herrn Direktor Träger niemals errötet wäre, und war nahe daran, all' seine Unkangenheit und Munterkeit einzubüßen. Da beruhigte eer verständige und sachliche Ton, den Fräulein Thea anschlug, sein erregtes Blut wieder, und aufmerkein hörte er ihr zu, indem seine Zähne nach langem Etechen endlich Zeit fanden, etwas Gäusebraten zu kauen. „Sie haben ja an unserem Karl wahre Wunder geen,“ sagte sie.„Sein Klassenlehrer hat immer über „# armen Jungen gescholten und ihn fast jeden Tag etaft wegen seiner ungenügenden Leistungen im La. u. Er hat geradezu Schimpsworte gebraucht und n einen dummen, faulen Bengel genannt.“ m is ist er auch," dachte Heinrich, sprach es aber nicht von g“““ es unschicklich gewesen wäre, mit einem Gansebraten übersüllten Munde zu reden. Mama war empört,“ fuhr Fräulein Theafort.„Sie 2 seillem Lehrer die teuersten Privatstunden angebomit#er vergeblich. Er sagte, er hätte keine Lust, sich unmen Bengel herumzuärgern, und hat uns an Sie een, Sie hätten dazu mehr Talent und wären auch „Net. Seit Sie ihm Nachhilfe geben, stellt es sich nun vaß Karl im Lateinischen recht begabt ist. Wie öher## daß Ihr Herr Kollege, der doch zwei Klassen leids“ rrichtet, diese Begabung nicht erkannt hat, wähSte sie sofort ausgefunden haben?“ ich##### eine verzeihliche Schwäche schöner Mädchen Larum fr Begabtheit ihrer Brüder zu sonnen. (#i enie sich Thea, ihren Bruder nicht mehr Dummper# iten„a hören, darum war sie begierig, jetzt von Au ders Lippen zur Abwechslung einmal nicht ihr #.9 f.—# sondern das ihres Bruders zu vernehmen ### wanidte ihr liebreizendes Antlitz erwartungsstem behaglich kauenden Nachbar zu. lose##m der war zwar ihrem Liebreiz längst in willendech und sas aus unterlegen, Karls freches Gemüt jeder Anblick seiner nicht immer gewaschenen en bisher noch nicht den mindesten Zauber auf ihn ausgeübt. So schluckte er denn ruhig den letzten Rest des zarten, bräunlichen Bruststücks hinunter und sagte gleichmütig:„Ja, mein liebes, gnädiges Fräulein, ich muß eigentlich der Ansicht meines Kollegen durchaus beipflichten. Ihr Bruder ist wirklich außerordentlich unbegabt. Nun tut es mir leid, daß er sich trotz seiner Unfähigkeit und Unlust all' den klassischen Kram in den Kopf quälen soll. Weil er mir so von Herzen leid tut, gebe ich mir natürlich besondere Mühe, ihm das verhaßte Lernen leichter zu machen. Das fühlt der Junge, ist mir dankbar und gibt sich deshalb jetzt wirklich mehr Mühe, als früher. Das ist das ganze Geheimnis.“ Thea war etwas enttäuscht, aber wenn sie den guten blonden Menschen neben ihr in die großen, ehrlichen Augen sah, dann war es ihr unmöglich, ihm böse zu sein, und sie erwiderte:„Lassen Sie das nur Mama nicht hören. Mama ist natürlich ganz entzückt von ihrem Jungen, und weil Karl so sehr von Ihnen schwärmt, so bildet sie sich ein, Sie haben auch selbst den Jungen so gern.“ „Das habe ich auch! Ich habe alle Jungens gern!“ „Ich weiß wohl, Herr Kandidat. Karl stellt Ihre Geduld gewiß auf harte Proben. Er ist manchmal noch elwas ungezogen!“ „Sehr ungezogen ist er. Freilich! Oder vielmehr verzogen. Sie scheinen dem Schlingel zu viel nachzusehen und haben ihn tüchtig verwöhnt. Na, ich treibe ihm diese verkehrte Erziehung schon wieder aus. Ich habe auch die ungezogenen Jungens sehr gern. An denen gibt es umsomehr zu arbeiten. Und dann tut mir der arme Kerl auch leid, daß seine Eltern ihn nicht verständiger behandelt haben.“ Es soll für eine Dame ein Hochgenuß sein, einen großen, starken Mann vor ihren Augen in die tödlichste und rötlichste Verlegenheit kommen zu sehen. Fräulein Thea lächelte daher ganz leise über Herrn Heuers eifrige Erklärung und war gerade im Begriff, ihn plötzlich zum Bewußtsein der Beleidigungen zu bringen, die er soeben mit seiner abfälligen Kritik ihrer Erziehungsweisheit den Eltern Raupach so rührend harmlos zugefügt hatte. „Sie halten meine Eltern wohl noch für dümmer, als den Bruder?" begann lie eben, da wurde sie von dem gegenübersitzenden Fräulein Melchor, einer alten Freundin des Hauses, unterbrochen. Wenn die Dichter früherer Jahrzehnte vielleicht einmal von Fräulein Melchors Kirschenlippen gesungen hatten, so hätte ein wahrheitsliebender Poet der Gegenwart ihren Mund passend eine Rosine oder eine Backpflaume nennen können. Ja, wenn sie ihn zur Bereitung süßer Redensarten verwendete, machte er ganz deutlich den Eindruck eines gedörrten Kusses. Jetzt entschlüpften ihren liebenswürdig gekräuselten Lippen zunächst einige Seufzer, die sich dann zu lieblichen Worten verdichteten und an Thea gerichtet waren:„Ich höre eben, daß Sie von Ihrem lieben Brüderchen sprechen, mein liebes Fräulein. Schade, daß der nette junge Herr so weit von uns entfernt ist. Ein so goldiger, wohlerzogener Knabe muß doch Eliern, Geschwistern und Lehrern viele Freude machen. Ich werde entzückt sein, den kleinen Herrn dann nach Tisch näher kennen zu lernen.“ In diesem Augenblicke traf, von dem Platze des wohlerzogenen Knaben her, ein wohlgerundetes und gehärtetes Brotkügelchen in flachem Aufschlagswinkel ihren Nasenrücken, durchbohrte ihn aber nicht, sondern sprang, den Gesetzen der Ballistik getreu in einem erneuten Bogen davon, und kein menschliches Auge würde das Geschoß jemals wieder erblickt haben, wenn der Herr Regierungsrat nicht vor dem Trinken sehr genau in sein Glas hineingeschaut hätte. Er begnügte sich aber nicht mit der Entdeckung des in seinem Weine schwimmenden Wurfkörpers, sondern nahm eine gründliche Untersuchung vor und stellte fest, daß die Kugel trotz ihrer Kleinheit einem gefüllten Pfannkuchen vergleichbar war. Denn sie enthielt eine tote Fliege. Herr Raupach war über die Verkündigung dieser Entdeckung gar nicht erfreut und rief:„Karl, Du verläßt sofort das Zimmer." Frau Raupach wischte diesen Befehl jedoch mit einigen Blicken wieder aus, noch ene Karl überhaupt die Frage erwogen hatte, ob er gehorchen müsse oder trotzen dürfe. „Aber Oskar,“ sagte die Mutter,„das Kind weiß doch gar nicht, was es tut. Du nimmst unseren Gästen nur die Gemütlichkeit, wenn Du so viel Aufhebens von der Sache machst. Der Regierungsrat bekommt ein anderes Glas und wird den lustigen Zwischenfall gewiß verzeihen. Margarete hätte freilich sorgfältiger acht geben sollen und das arme Kind nicht unbeaufsichtigt seinuem Unfug überlassen dürfen.“ Margarete errötete. In den wenigen Augenblicken, während deren sie sich mit ihrem Teller beschäftigte, war es dem kleinen Bruder tatsächlich gelungen, ihre Wachsamkeit zu täuschen, und er hatte die Federkraft eines silbernen Kompottlöffels benutzt, um ein wenig Katapultschießerei zu betreiben in der Art, wie er die klassischen Belagerungsgeschütze in Cäsars Gallischen Krieg geschildert gelesen hatte. Im entscheidenden Augenblick hatte Margarete zwar noch die Hand des Schützen ergriffen, aber die Tat nicht mehr verhindern können, sondern den Schuß nur abgelenkt. „So dumm," bemerkte Karl unwillig.„Ichwollte doch auf Thea schießen. Nun hast Du mich geschubst, und es ist daneben gegangen.“ Margarete kniff den Sünders jetzt mit gellbter Hand erfolgreich ins Bein und bewog ihn so zum Schweigen und augenscheinlichem Artigsein. Denn sobald er sich aufmerksam von ihr beobachtet wußte, war er fast so brav, wie unter Herrn Heuers Einfluß. Thea hatte jedoch die Aeußerung seiner Absicht vernommen und drückte ihr Mißfallen darüber aus:„Es ist mir wirklich peinlich, Herr Heuer, daß sich meine Schwester nicht mehr Mühe gibt, den Jungen von seiner Ungezogenheit abzuhalten. Sie ist ja freilich noch so wenig Dame, daß wir oft gar nicht für Schwestern gehalten werden. Finden Sie nicht auch?“ Heinrich fühlte sich leider in seinem Gewissen gedrungen, dem angebeteten Fräulein Thea zu widerspregen. „O,“ sagte Heinrich,„ich finde Fräulein Margarete nicht unwert, Ihre Schwester zu sein. Sie ist allerdings nicht so elegant wie Sie. Bei weitem nicht. Aber sie ist doch frisch und natürlich...“ „O ja, das ist sie! Und sehr ungezwungen. Ihr höchstes Glück ist es, gar keine Toilette zu machen und mit einer großen Leinwandschürze angetan wie eine Magd in Haus und Küche herumzuwirtschaften. 177,18 Sitzung der Stadtverordneten ms. Dortmund, 14. Februar. Herr Stadtverordneten-Vorsteher Geheimrat Tewaag eröffnet die Sitzung kurz nach 6 Uhr. Es ist ein Antrag des Herrn Stadtr. Könla eingelaufen: „Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen: Ein: Pelition an das Haus der Abgeordneten einzusenden, in der sie Protest erhebt gegen die Wahlrechtsvorlage im allgemeinen und die Entrechtung der Vertreter städtischer Verwaltungskörverschaften im besonderen, und in der serner die Einführung des allgemeinen, geheimen, gleichen und direkten Wahlrechts für die Kommunen verlangt wird. In der Begründung der Petition soll speziell vom Sandtpunkt der Dortmunder Bürgerschaft die sogenannte Wahlrechtsreform in ihren entrechtenden Wirkungen auf die breiten Schichten der städtschen Einwohner dargelegt werden. Die Stadtverordnetenversammlung ersucht weiter den Magistrat: den Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung beizutreten.“ Herr Vors. Tewaag lehnt es ab, den Antrag zur Verhandlung zu stellen, da es sich um einen politischen Antrag handelt, dessen Behandlung nicht zur Kompetenz der Stadtverordneten gehöre.. Herr Stadtv. König fragt nunmehr an, was der Magistrat in der Wahlrechtsfrage zu tun gedenke.. Herr Vors.. Tewaag unterbricht den Redner, daß er hier in der kommunalen Körperschaft politische Angelegenheiten nicht verhandeln lasse. Des weiteren orbittet er sich eine Kritik an seiner Geschäftsführung, die Derr Stadtv. Bartels durch den Zuruf„Interessenpolitik“ geübt hatte.. Togesordnung: 1. Erste Lesung des Haushaltsplanes des Archivs, der Bibliotheien und Lesehallen für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 60910 Mark, im Ertinordinarium mit 17000 Mark. Aus der Kämmereikasse sind Zuschüffe zu leisten und zwar an Archiv und Stadtbibliothek 14780 Mk., Wilhelm=Auguste Viktoria=Bücherei 34.880 Mk., Lesehalle an der Rheinischen Straße 4930 Mark, Volksbibliotheken an den Volksschulen 2400 Mark, insgesamt Mk. 56990 Mark. Aus dem Sparkassen=Guthaben stehen der Bücherei 17000 Mark zur Vermehrung des Bücherbestandes zur Verfügung. Herr Stadtv. Crüwell erstattet Bericht und konstatiert die erfreuliche Entwicklung der Stadtlibliothek, für die man ohne weiteres das Mehr von 5000 Mark zur Erhaltung der Bestände auf richtiger Höhe bewilligen könne. Herr Stadtv. Bredenbeck vermißt die Errichtung weiterer Filialen in den Arbeitervierteln und wünscht, daß dieser Frage näher getreten werde. Die Lesehallen seien ein nicht zu unterschätzendes Mittel zur Bekämpfung des Alkoholmibbrauchs.. Redner beantragt, eine weitere Lesehalle im Laufe des Etatsjahres zu errichten. Auf die Frage des Herrn Vorsitzenden Tewaag. aus welchen Mitteln die Errichtung erfolgen solle, antwortet Herr Stadtv. Bredenbeck: Aus allgemeinen Mitteln! Der Etat wird genehmigt und Herr Bredenbeck erklärt sich damit einverstanden, daß der Magistrat die Frage, die Herr B. angeregt, im Auge behalten wolle. 2. Der Magistrat ersucht um Zustimmung, daß das Stadtwappen künftig aus schwarzem, rotbewehrten (Schnabel und Fänger) Adler auf silbernem Grunde bestehen soll. Herr Stadtv. Dr. Meininghaus erinnert als Referent daran, daß mit Genehmigung des Magistrats die Kunstdeputation beschlossen habe, für Urkunden den alten historischen, für den Geschäftsverkehr den modernisierten Renaissance=Adler zu verwenden. Nun solle der Renaissance=Adler allgemeine Verwendung finden. Es empfehle sich doch, die Sache erst nochmal an d' Kunstdeputation zurückzuverweisen. Herr Baurat Kullrich bemerkt, daß hier nur die Farbe, nicht die Form des Adlers festgelegt werden solle. Es bedürfe also der Zurückverweisung an die Kunstdeputation nicht. Herr Stadtv. Schneider spricht für Ablehnung der Vorlage. Nachdem noch Herr Stadtv. Schliever das Wort genommen, wird die Vorlage zurückverwiesen. 3. Der Magistrat hat für die städtischen Badeanstalten eine Verwaltungsordnung aufgestellt, deren Genehmigung das Stadtverordneten=Kollegium ausspricht. Herr Stadtv. König regt an, eine Bestimmung über die Regelung der Lohnverhältnisse dahin zu fassen, daß die Verwaltungsdeputation die Lohnverhältnisse zu regeln habe. Herr Referent Stadtv. Bickhoff bemerkt, daß Herr König beruhigt sein möge; es geschehe bereits alles, um die Löhne auf angemessene Höhe zu bringen. Herr Stadtv. Dörsch wünscht gleiche Preise für alle Badeanstalten. Herr Badedirektor Major a. D. W alter begründet den Beschluß der Verwaltungs=Deputation, die Jahreskarten für die nördliche Badeanstalt um 4 Mark niedriger abzugeben. Ebenso bedeute es eine Neuerung, daß die Volksschüler zum halben Preise, den die anderen Schüler bezahlen, baden könnten. Herr Stadtv. Suhrmann beantragt, daß die Anstellung der Beamten durch den Magistrat „nah Anhörung der Stadtverordneten=Versammlung“ zu geschehen habe. Herr Oberbürgermeister Geheimrat Dr.. Schmieding bemerkt, daß diez ohnehin geschehe. Aber es sei nichts gegen die Einfügung der Worte einzuwenden. Herr Stadtv. König beantragt, daß die Anstellung vom Magistrat und der Verwaltungsdeputation gemeinsam geschehe. Herr Oberbürgermeister Geheimrat Dr. Schmieding betont, daß dies der Städteordnung zuwiderlaufe. Die Anstellung erfolge durch den Magistrat. Herr Stadtv. Bickhoff bemerkt, daß die Mitwirkung der Deputation bei Anstellung von Beamten tatsächlich vorhanden sei. Herr Stadtv. Zur Heilen ersucht Herrn König, seinen Antrag zurückzuziehen. Herr Stadtv. König stellt richtig, daß nach seinem Antrage nich die Anstellung der Beamten, sondern nur die Feststellung der Lohnverhältnisse gemeinsam von Magistrat und Deputation erfolgen solle. Ueber die Badepreise sprecen noch die Herren Stadtv. Dörsch und Direktor Walter.— Die Verwaltungsordnung wird unter Ablehnung der ge stellten Anträge unverändert genehmigt. 4. Von dem Finalabschluß der Kämmereikasse für das Rechnungsjahr 1908 wird Kenntnis genommen und die Deckung der außerordentlichen Ausgaben vorschlagsgemäß genehmigt. Es ist gegen den Voranschlag ein Ueberschuß von 662 427,17 Mark erzielt worden. Von den gesamten Ueberschüssen der Vorjahre in Höhe von 811 234,98 Mark, sind, nachdem 360000 Mark zur teilweisen Deckung außerordentlicher Ausgaben i. J. 1908 verwendet wurden, noch 461 234,98 Mark vorhanden, sodaß die Gesamtüberschüffe bis Ende 1908 1 123 662.15 Mark betragen. Davon sind zur Herstellung des Gleichgewichts in den Etat für 1909 eingestellt 260000 Mk. Ferner kann das Tiefbauamt noch über 219 385,16 Mark verfügen. Hiemnach würden, wenn das Rechnungsjahr weder Ueberschuß noch Defizit hätte. Ende 1909 an Ueberschsssen der Vorjahre zur Verfügung stehen Mark 644 276,99. Herr Stadtv. Dr. Gottschalk weist darauf hin, daß die Voraussage des Herrn Bürgermeisters Dr. Eich hoff eingetrofen sei und sich ein ansehnliher Ueberschuß ergeben habe. Ueberschüsse und Rücklagen be tragen insgesamt rund sechseinviertel Millionen Mark. Hofsentlich ließe sich durch Heranziehung der Ueberschüsse der Etat ohne wesentliche Steuererhöhung gealten. 5. Durch Teilnahme der freiwilligen, Feuerwehr an dem Verbandsfeste in Hagen 1907 sind 1200 Mk. Kosten entstanden. Diese ersucht der Magistrat auf die Stadtkasse zu übernehmen. Nach dem Referat des Herrn Stadtv. Schmidt. der die Bewilligung emntiehlt, loricht Herr Stadtv., Bartels gegen die Uebernahme auf die Stadtkasse, weil derjenige, der die Musik bestellt habe, sie auch bezahlen müsse. Die Kosten der Feste solkten die Festteilnehmer tragen. Herr Stadtv. Schmidt bemerkt darauf, daß die Summe bereits bewilligt nur unrecht gebucht sei. Im übrigen müsse man bedenken, daß die freiwillige Bürgerseuerwehr in anerkennenswerter Weisc sich in den Dienst der Allgemeinheit gestellt und der Stadt große Summen erspart habe. Herr Stadtv. Möller ergänzt diese Ausführungen, indem er der Tätigkeit der Feuerwehr warme Worte der Anerkennung zollt. Herr Stadtv. Bartels war der Ansicht, daß der Posten noch nicht bewilligt sei. Er kann nicht zugeben, daß die freiwillige Feuerwehr der Stadt so großen Nutzen gebracht habe. Wozu habe man denn die Berufsfeuerwehr. Die freiwillige Feuerwehr möge sich an Versicherungsgesellschaften wenden.(Zuruf: Die freiwillge Feuerwehr existiert ja nicht mehr!) Wenn man für das Westsälische Sängerfest 10.000 Mark bewillige, möge man auch dem Arbeitersängerbund Unterstützung gewähren. Herr Stadtv. Möller konstatiert, daß vor der Berufsfeuerwehr die freiwillige den Feuerlöschdienst in der Stadt besorgt habe. Wenn das die Herren nicht wüßten, sei es ihnen zu vergeben, weil die Herren noch nicht lange im Kollegium seien. Einer gewissen Sängerrichtung Zuschüsse zu gewähren, dafür sei die Stadt nicht da. Im übrigen seien im Westfälischen Sängerbund die meisten Sänger Arbeiter, die seien, wie auch Herr Stadtv. Dopheide betont. in Dortmund herzlich willkommen seien. Die Vorlage wird genehmigt. Herr Vors. Tewaaa rügt den Stadtv. Bartels, weil er häufig die Redner durch Zwischenrufe stört. 6. Aus den Ersparnissen von 40—45000 Mk. beim Bau der Pestalozzi=Overberg=Schule beantragt der Magistrat 1. Die Herstellung einer Einfriedigung um den Spielplatz der Pestalozzi=Overberg=Schule nach dem vorliegenden Kostenanschlage zum Betrage von 16 000 Mark und 2. Beleuchtungsanlagen in den Lehrer= und Rektorenzimmern, in der Bibliothek und auf den zugehörigen Treppen dieser Schule nach den vorliegenden Kostenanschlägen zum Betrage von zusammen 630 Mark herzustellen. Herr Stadtv. Zur Hellen referiert und empfiehlt Genehmigung. Herr Stadtv. Suhrmann hat gegen die Einfriedigung nichts einzuwenden, kann sich aber für den zweiten Teil der Vorlage nicht erklären. Herr Stadtrat Dr. Glum bemerkt, daß die Baukommission sich schließlich auch für den zweiten Teil der Vorlage ausgesprochen habe. Redner begründet diese Forderung des Näheren. Der Herr Referent vervollständigt diese Ausführungen. Herr Stadtv. Schmidt regt die Benutzung der betr. Zimmer am Tage statt abends an, dann werde man die Beleuchtung sparen. Herr Schulrat Dornheckter spricht für die Vorlage.— Die Vorlage wird genehmigt. 7. Bei der Vieh= und Schlachthofkasse sind 1908 insgesamt 17·679,14 Mark Ueberschreitungen vorgekommen. Demgegenüber stehen 47·000 Mark Mehreinnah men und 27000 Mark Minderausgaben. Die Ueberschreitungen werden nachträglich genenmiat. 8. Für das laufende Rechnungsjahr wird ein Nach tragskredit von 3657,15 Mark, bei der Viehhofkasse und ein solcher von 1700,45 Mark für die Schlachthofkasse verlangt und genehmigt. 9. Für einen neuen Herd für das Wohn= und Wirtschaftsgebäude am Stadthafen werden 895,42 Mark bereitgestellt, nachdem die Herren Stadtv. Raude und Hafendirektor Schmidt dazu gesprochen. 10. Der Erbbauvertrag mit dem Reeder Mittror in Dortmund über ein Grundstück am Hafen wird gut geheißen. 11. Der Magistrat beantragt, die Fluchtlinienfestsetzung der Küpfferstraße abzuändern gemäß den Wünschen, die von dien Anliegern geäußert worden sind. Herr Stadtv. Reckert berichtet und empfiehlt die Annahme des vorgelegten Planes, die erfolgt. 12. Der Magistrat beantragt, daß die Stadtverordneten der Festsetzung von 5 M. breiten Vorgärten a) für die Ringstraße von Märkischestraße bis Kaiser WilhelmAllee bezw. Hain, b) für die Ostseite der Parallelstraße zum Kronengarten zustimmen. Den zweiten Teil der Vorlage hat der Magistrat zurückgezogen. Der erste Teil wird genehmigt. 13. Der Magistrat ersucht die Stadtverordneten, zu genehmigen, daß a) die Parzelle Flur 54 Nr. 81=34 — groß 0.33 Quadratmeter— an den Metzgermeister Gustav Hermann hier, b) die Parzelle Flur 54 Nr. 82=34— groß 1 Quadratmeter— an den Händler Julius Bredtmann hier, c) die Parzelle Flur 54 Nr. 83=34— groß 1 Quadratmeter— an den Spezereihändler Josef Solf hier gegen Zahlung eines Pauschalpreises von 50,00 Mark seitens des Händlers Jos. Solf aufgelassen wird. Die Genehmigung wird erteilt. 14. Zu der Magistratsvorlage, betr. die Verteilung der Sparkassenüberschüsse sind f. Z. verschiedene Anträge gestellt worden, weshalb Vertagung eintrat. Nachdem Herr Stadtv. Köster die abgeänderte Magistratsvorlage zur Genehmigung empfohlen, spricht Herr Stadtv. Heinemann gegen die Bewilligung von 3000 Mark an den Musikverein.“ 2000 Mark seien hinreichend. Die dann ersparten 1000 Mark möge man der Musikalischen Gesellschaft zuwenden, nicht aber den Hüttnerfonds kürzen, da man auch nicht wisse, in wie weit man ihn brauche. Herr Stadtv. Zur Hellen beantragt, die zum Bau von Krankenhäusern ausgeworfene Summe je zur Hälfte der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde zuzuwenden. Die von Herrn Stadtv. Ruppel gestellten Anträge sind auf der Berichterstatter=Tribüne nicht recht verständlich. Herr Stadtv. König beantragt Streichung von 2500 Mark für Vervollständigung des Instrumentariums des Luisenhospitals, da diese Forderung in den Etat gehöre. Des weiteren beantragt er die Streichung wei terer Unterstützungen an Wohlfahrtsvereine, weil keine Kontrolle über die sachgemäße Verwendung stattfinde. Des weiteren wendet sich Redner gegen die von Herrn Möller erhobenen Vorwürfe, daß man wohl Ausga ben beantrage, aber nicht für Deckung sorge. So sei jüngst der Ankauf eines Schulgebäudes beschlossen wor den, ohne daß über die Deckung der Kosten Beschluß gefaßt worden sei. Die durch die Abstriche gewonnene Summe möge zum Bau eines Armenhauses verwendet werden. Gegen die Unterstützung Hüttners hätten er und seine Freunde nichts, doch müßten auch mal im Norden Promenadenkomerte abgehalten werden. Herr Stadtv. Raude bemerkt, daß die Königschen Anträge. für nächstes Jahr zurückzustellen seien, da sie im jetzigen Stadium der Verhandlungen keine Aussicht auf Annahme hätten. Dann spricht er gegen die Kürzung der Subvention an den Musikverein, den man unter dem neuen Verein nicht leiden lassen dürfe. Mit dem Antrag Zur Hellen ist Redner einverstanden. Hinsichtlich des Antrages für das Instrumentarium des Luisenhospitals nichts aus den Sparkassenüberschüssen zu bewilligen, weist er darauf hin, daß die Summe bereits genehmigt worden sei. Nachdem noch die Herren Stadtrat Cremer, Stadtv. Brandt(für Unterstützung der beiden jüdischen Vereine für Krankenpflege, deren Tätigkeit Redner warm anerkennt), Suhrmann läßt seinen Antrag auf Streichung des Beitrages an den westfälischen Verein zur Förderung des Kleinwohnungswesens für dieses Jahr fallen, regt aber den Austritt aus dem Verein an, weil er für Dortmund keinen Zweck habe, tritt für Unterstützung der jüdischen Krankenpflegerinnen, die vorzüglich und völlig unentgeltlich pflegten ein, und unterstützt den Heinemannschem Antrag hinsichtlich des Musikvereins), Stadtrat Dr. Boldt (erläuternd über die ersprießliche Tätigkeit des Vereins zur Förderung des Kleinwohnungswesens, dem alle größeren Städte angehörten), Stadtrat Dr. Glum, in Bichoff die beiden letzteren geven die von Herrn König beantragte Streichung der Beiträge für verschiedene Wohltätigkeitsvereine, der letztere für weile tere Unterstützung des Musikvereins in bish #es Musikvereins in bisheriger Wei se), Ruhfus für Unterstützung beider jüdischen Krankenpflege=Vereine mit je 250 Mark als Anerkennung der Gleichwertigkeit und gegen den Antrag Zur Hellen, die 8000 Mark für konfessionelle Krankenhäuser schon heute zu teilen, weil später über den zu bildenden Fonds zu verfügen sei und zwar nach dem dann vorhandenen Bedürfnis. Möller für Teilung der 8000 Mark, Unterstützung beider jüdischen Vereine für Krankenpflege und für allseitige Vorsicht in den gegeneinander anzuwendenden Ausdrücken zur Verhütung von Ordnungsrufen, Ruppel und Bürgermeister Dr. Eichhoff. Die kombinierte Vorlage wird genehmigt unter Berücksichtigung des Antrages Zur Hellen. von dem 16000 Mark betragenden Fonds für konfessionelle Krankenhuäser je 8000 Mark für ev. und kath. zur Verfügung zu stellen und des Antrages Ruppel, je 250 Mk. den jüdischen Vereine für Krankenpflege. Die übrigen Anträge werden abgelehnt. 15. Der Magistrat stellt den Antrag, daß die vorliegenden Ortsstatute vom 25. Januar 1910 betr. die Schulpflicht an der städtischen kaufmännischen und gewerblichen Fortbildungsschule zu Dortmund, welche an Stelle der bisherigen Ortsstatute vom 10. Februar 1905 und 20. Juli 1907 treten sollen, sowie ferner die infolge Einführung der Schulpflicht für die weiblichen kaufmännischen Angestellten erforderlich werdenden Aenderungen zu dem in erster Lesung des Etats bereits genehmigten Haushaltsplan der obligatorischen kaufmännischen Fortbildungsschule für 1910 nach Inhalt der Vorlage vom 28. Januar 1910 genehmigt werden. Die Vorlage wird dem Referat des Herrn Stadtv. Köster gemäß genehmigt. 16. Antrag des Magistrats,— 10., 7975—. zu nehmigen, daß die Verwaltungsordnung für das Kuratorium des Realgymnastums, der Oberrealschule, der Realschule und der höheren Mädchenschule auch auf das technische Lehrerinnenseminar und die Mädchenmittelschule ausgedehnt wird. Herr Stadtv. Raude empfiehlt als Referent die fiehlt a. Annahme der Magistratsvorlage, die die Verwaltungsordnung für das Kuratorium des Realgymnastums, Oberrealschule, der Realsschule und der höheren Mädchen schule auch auf das technische Lohrerinnenseminar und die Mädchenmittelschule ausgedehnt wissen will. Er verweist im wesentlichen auf den Inhalt der ausführlichen Vorlage und regt an, ob man nicht zweckmäßiger für das Mädchenschulwesen ein besonderes Kuratorium schaffe. Herr Stadtv. Dr. Gottschalk plädiert für Ablehnung der Magistratsvorlage, indem er dabei anerkennt, daß der Magistrat die Mädchenmittelschule nicht unter die Bestimmungen für die Volksschulen stellen will. Die städtischen Körperschaften hätten alle Ursache, ihr Selbstverwaltungsrecht in Bezug auf das höhere Schulwesen zu wahren. Des weiteren beleuchtet Reddie schiefe Stellung, in die der Stadtschulrat ner Dornheckter gebracht werde, wenn er in das Kura torium in zweierlei Eigenschaft entsandt werde. Herr Oberbürgermeister Geheimrat Dr. Schmieding verteidigt die Vorlage, die nur ein Provisorium bilden solle als Uebergang zu der Zeit, in der alle die in Aussicht genommenen Schulen eingerichtet seien. Es sei jedenfalls zu weit gegangen, wenn man die Stadtschulräte, weil sie zugleich staatliche Kreisschulräte seien, an der Gestaltung des städtischen Schulwesens nicht mitarbeiten lassen wolle. Auch ihm sei es lieber, wenn die Kreisschulinspektoren städtische Beamte seien und die Stadt die Aufsicht führe. Aber das sei nicht möglich, man müsse sich eben den anders gearteten Gesetzen fügen. Wenn die Vorlage abgelehnt werde, bleibe es vorläufig beim Alten. Vselleicht komme man dann zur Bildung eines eigenen Kuratoriums. Herr Stadtv. Dr. Meininghaus spricht sich ebenfalls gegen die Magistratsvorlage aus, weil das Kuratorium bereits Überlastet sei und ein eigenes Kuratorium für die Mädchenschulen zu bestellen sei. Es sei jedenfalls nicht erforderlich, daß Herr Schulrat Dornheckter auch mit dem höheren Schulwesen befaßt werde. Herr Oberbürgermeister Geheimrat Dr. Schmieding tellt mit, daß die Anstellung der Lehrkräfte an den Mädchenmittelschulen der Stadt Dortmund von der Regierung streitig gemacht werde, wiewohl andere Städte das Recht der Anstellung hätten. Die Regierung leite aus der französischen Zeit das Recht der Anstellung für sich her. Bei Unterstellung der Mädchenmittelschule unter das Kuratorium für das höhere Schulwesen werde man den Anspruch illusorisch machen. Die Regierung wolle weiter die höhere Mädchenschule nicht als solche anerkennen, weil das Gehalt der Oberlehrerinnen etwas unter dem Gehalt der staatlichen Oberlehrerinnen bleibe. Herr Stadtv. Heinemann ist mit dem Antrag Gottschalk einverstanden. Er versteht nicht, weshalb man für die Mädchenschulen nicht schon jetzt ein Kuratorium schaffen wolle. Er beantragt, bei Zurückeorweisung der Vorlage den Magistrat zu ersuchen, eine neue Vorlage über Schaffung eines Kuratoriums einzubringen, und regt an, in dies Kuratorium auch Mädchen und Frauen mit beratender Stimme zuzulassen. Herr Stadtv. Ellerbeck ist ebenfalls gegen die Magistratsvorlage, da das höhere Mädchenschulwesen doch anders geartet sei als das Knabenschulwesen. Im übrigen sympathisiert er mit dem Antrag Heinemann. Nachdem noch Herr Stadtv. Dr. Gottschalk gewarnt hat, die Selbstverwaltung zu gefährden, wird die Magistratsvorlage mit großer Mehrheit abgelehnt. Auch de dazu gestellten Anträge werden abgelehnt. 17. Bei Ausführung der Plattierungsarheiten im Dampfbad der füdlichen Badeanstalt sind 300 Mark erspart worden. Diese sollen für die Erhöhung der Wandplattierung im Kaltduscheraum des Schwitzbades Verwendung finden. Die Stadtverordneten sind damit einverstanden. 18. Gegen die Rechnung der Badeanstaltskasse für 1907, die im Ordinarium mit 249004,74 Mark und im Ertraordinarium mit 28847,86 Mark balanziert, ist nichts zu erinnern. Sie wird abgenommen, die Ueberschreitungen in Höhe von 215,73 Mark werden genehmigt. Aus dem Kommissionsbericht ist zu entnehmen, daß an Zuschuß das Südbad 44 486,15 Mark das Nordbad 32.039,65 Mark und das Westbad 4486,05 Mark erforderte. 19. Die Rechnung der Theaterkasse für 1907 schließt ab in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 152 26,22 Mark7(mehr 11 776,22 Mark gegenüber dem Anschlag), im Extraordinarium mit 43578,33 Mark (mehr 33578,33 Mark). An Zuschluß aus der Kämwereikasse waren im Ordinarium 142389,06 Mark (30 889,06 Mark mehr als der Voranschlag) zu leisten. Die Mehrausgaben sind bis auf 215,73 Mark bereits nachverwilligt worden. Auch dieser Rest wird bewilligt und die Rechnung unter Entlastung der Rechnungsleger abgenommen. 20. Die Jahresrechnung der Gymnasialkasse für 1907 schließt im Ordinarium mit 241053,32 Mark(weniger 546,68 Mark) ab. Der Zuschuß aus der Kämmereikasse betrug 144 735,84 Mark, gegen den Voranschlag 7464,16 Mark weniger, wesentlich infolge der Mehreinnahme von 6922,50 Mark an Schulgeld. Das den Gymnasialfonds bildende Kapitalvermögen beträgt 173349,15 Mark. Die Rechnung wird abgenommen. Zu 18—20 berichtet Herr Stadtv. Dr. Gottschalk. 21. Die Jahresrechnung der Kohlgartenstiftskasse für 1907 schließt in Einnahme und Ausgabe ab im Ordinarium mit 17906,94 Mark im Extraocdinarium mit 14630 Mark. Das Kapitalvermögen beträgt Mk. 429991,09. Es erfolgt Entlastung. 22. Die Rechnung der Altersrentenkasse für 1907 balanziert im Ordinarium mit 19212,08 Mark, im Extraordinarium mit 12000 Mark. An Renten sind zusammen 17 605,58 Mark verausgabt, gegen 15069,05 Mark im Jahre vorher. Der Ueberschuß von 1217,76 Mark ist dem Reservefonds zugeführt worden. Das Kapitalvermögen einschl. Reservefonde beträgt Mark ##s Artolat## 254 309.02. Enilaitzung Zu 21. und 22. berichtet Herr Sladtv. Mi23. Die Rechnung der Kasse des technischen innen=Seminars für 1907 weist bei einer Ein a Ausgabe von 15 557,57 Mark einen Zuschuß aus: Kämmereikasse von 5760,62 Mark auf, gegenüber.. Voranschlag mehr 1460,62 Mark. Nachverwilligt voi. eine Mehrausgabe von 88,84 Mark und die Fuff. ung ausgesprochen.— Dis Entlast, ###. Die Rechnung der höheren Mädchen=Schul1907 balanziert im Ordinarium mit 151 466.82 m Der Zuschuß aus der Kämmereikasse betrug 54 802.g; Mark gegenüber 66100 Mark im Voranschlag. a“ Ueberschreitung von 429,15 Mark ist nachträglich# genehmigen. Im Extraordinarium wurden 28.061#5 Mark durch die Baukasse verausgabt. Insgesamt durch die Baukassse für den Erwekterungsbau Mars 209 767,34 verausgabt, 232,66 Mark weniger als hawilligt. Die Rechnung wird als richtig anerkannt." 25. Die Rechnung des Realgymnasiums für 1907 weist bei einer Einnahme und Ausgabe von 227 368 Mark im Ordinarium einen Zuschuß aus der Kämmereikasse von 124 346,51 Mark auf, während 132600 Mark vorgesehen waren; doch erhöht sich infolge eines Additionsfehlers der Zuschuß um 2000 Mark Extraordinarium sind 182 100,91 Mark verausgabt. Vor den für den Erweiterungsbau 1906 und 1907 zur Vergewachsen. an Die Rechnung wird abgenommen. Zu 23—25 berichtet Herr Stadtv. Pahl. 26. Die Rechnung der Armenkasse für 1906 weih einen Zuschuß aus der Kämmereikasse von 368 250.96 Mark auf. 40 550,96 Mark mehr als im Etat vorgesehen, gegen 1905 mehr 20 427,49 Mark, pro Kon der Bevölkerung genau 2,00 Mark. Noch nicht genehmigt sind 4183,38 Mark Mehrausgabe. Auf Antrag des Referenten Herrn Stadtv. Heinemann erfolgt Abnahme und Entlastung. 27. Die Rechnung der Beerdigungskasse für 1907 die einen Ueberschuß von 18572,40 Mark aufweist, 16 772,40 Mark mehr als vorgesehen, wird richtig gesprochen. Reserent: Herr Stadtv. Heinemann. 28. Die mit 199 740,16 Mark balanzierende Rechnung der Oberrealschulkasse für 1907 wird anstandslos abgenommen. 29. Die Rechnung der Realschulkasse für 1907, die im Ordinarium mit 90 159,55 Maik, im Ertraordn rium mit 169 806,71 Mark balanziert, wird mit Nachverwilligung von 768,91 Mark Uehter chreitungen licht gesprochen. Zu 28 und 29. berichtet Herr Suhrmann. 30. Die Rechnung der Handwerkerschule für 1907, die in Einnahme und Ausgabe abschließt im Ordingrium mit 3863,35 Mark, wird ohne Beanstandung abgenommen. 31.. Die Rechnung der gewerblichen Fortbildungsschule sowie 32. diejenige der höheren Handelsshue fü 1907 werden ebenfalls richtig gesprochen. 32. Abnahme der Jahresrechnung der Kasse der höheren Handelsschule für 1907, abschließend in Einnahme mit 26.802,33 Mark, in Ausgabe mit 26 350,69 Mark, mit einem Bestande von 451,64 Mark, Genehmigung der vorgekommenen Ueberschreitung in Höhe von 367,74 Mark, sowie Entlastung der Rechnungsleger. Ein Antrag des Herrn Stadtv. Möller, beii, Veränderung der Unterrichtszeit wird abgelehnt. Zu 30—32 berichtet Herr Stadtv. Linde. 33. Der Magistrat beantragt, die Aufstellung von 23 Gasglühlichtlaternen, die die Stadtverordneten genehmigen. Herr Stadtv. Bormann berichtet und empfiehlt Annahme. Herr Stadtv. Schlieper fragt an, wann in der unteren Märkischen Straße die beschlossenen Bogenlampen aufgestellt würden. Herr Stadtv. Dopbeide bringt Beleuchtungsschmerzen aus dem Osten zum Ausdruck; weitere Wünsche äußerten die Herren Stadtv. Bickhoff und Hilgering hinsichtlich der Alexanderstraße und des Westens. Auf all die Wünsche ant wortet Herr Baurat Bovermann in beruhigendem Sinne. Herr Stadtv. Möller spricht für Ueberweisung der Fünsche an die Beleuchtungskommission. Hierauf Schluß der öffentlichen Sitzung um neun Uhr. Lokales und Dortmund, 15. Februar. —* Auf die Straße! Auch gestern Abend folz te eine große Menschenmenge dem von sozialdemokm tischer Seite an sie ergangenen Rufe: Auf die Straße! um gegen die Wahlrechtsreform der preußischen Regier ung zu protestieren und für das Reichstagswhl recht zu demonstrieren. Die Demonstration sollte au genscheinlich dem von den sozialdemokratischen Stadt verordneten im Stadtverordneten=Kollegium gestell ten Antrage Nachdruck verleihen. Der Zug Die rechnende Hausfrau will ein tägliches Getränk für die Familie haben, das erstens zweitens aber auch ganz unschädlich und wohlschmeckend ist. Kathreiners Malzkaffee ist erstaunlich ausgiebig und billig, enthält keinen einzigen schädlichen Bestandteil und hat aromatischen Wohlgeschmack. enen beim berse e iche e sindet am 28. E DP Cr #ird dem von den hiesie Boltepartei und der Freis schteten Ersuchen entsprech in Reinoldushof über„d sganzreform“ in öffentlich Li schon jetzt darauf aufn Eine Jubiläun i aus Anloß des bald äums des städtischen Vie — Dem Verkehr ofsizielle Vertretung sei piseebäder übertragen. hierdurch in den Stand ses Verbandes sofort n meitglieder und Interess in seinem Bureau, Mi Es wird gebeten, von d #igsten Gebrauch zu mo — Wegen Achti Rektoren der hiesigen schulinspektor einen Rü rung, weil sie in eine sie ihnen widerfahren haltsregelung gegenübe Lehrern an höheren S rechtigkeit und eine Un schule geleisteten pädag ten. — Philharmoni 1883 ist Richard Wag: 19. Jahrhunderts und gischsten, konzentriertes Zeiten, zugleich ein 2 zption zu Venedig ge alle Veranlassung, dies Ler neugegründete Ph un, er hat beschlosse februar mit seinem er schen Mannes zu geden uus Werken Richard A cher Heldenbariton, He vom Kgl. Theater in V gewonnen. Die Mitg Vereins werden in dies kraft finden, zählt doc u den beliebtesten# Festspiele. Jedes Mit eins bekommt zu diest butschein für zwei K lt werden im Bureg Stuhlplan aufliegt.! armonischen Verein! Lr. Eichhoff gelangen — Der Bantech ug in Hamm verhaft in das hiesige Gerich Lie in Hamm ihm zur widiebstahl und Wec das Realgymnasium bereits eingestanden. — Polizei=Ber bezw. im Laufe des etgenommen und and je 1 wegen Un 9. Januar wurde in lieb festgenommen, 1 ind Kleidungsstücken bei sich führte, die zw en. Der Täter, der gegend aufgehalten schiedenen falschen 9 hinterlassung der Ko kleidungsstücken seine nennt sich Nikolat 45 Jahre alt. den Tätern be st, volle sich bei de nelden. — Unfall. Eir kochter Maria der Josefstraße als sie ten Radfahrer ange sen wurde. Der Rad ins Krankenhaus tr böro., 14. Fel ecardt von hier wi zahl Logisschwindele #ed. Eckart ist ein auz emiertel Jah vawdinen zugebrach 14. Febr dier Meter Mauerw Aingestürzt. Nach de scporliegen. Es entfernt wr Essen, 14. Febkupfirdreer wurden schüttet. Beide war Setamee trumsversammli as e.. Khalb aunr 1. aus der egenüber den Pilligt wich die Entlast. 56565 Aoeh 916g. 6r achträtlich m en 28 061.77 nsgesamt sins gsbau Mai niger als beanerkannt. ms für 1907 on 227 368.49 rend 132 600 eines Mark. Im ausgabt. Von 907 zur Verde des Jahres r Overbeckch. 70 Mark Pahl. 1r 1906 weis. zn 368250,96 im Etat vorirk, pro Kopf koch nicht geabe. Stadtv. Heitung. asse für 1907, Lark aufweist, ird richtig geann. zierende Rechrd anstandslos für 1907, die etraordin rium mit Nachveritungen licht tmann. hule für 1907, zt im OrdinaBeanstandung Fortbildungsindelsshule fir en. der Kasse der eßend in Einmit 26 350,69 34 Mark, Geeitung in Höhe der Rechnungsköller, beir abgelehnt. Linde. Aufstellung von verordneten geund empfiehlt fragt an, wann eschlossenen BoStadtv. Dopius dem Osten ten die Herren ich der Alexane Wünsche ant sigendem Sinne. erweisung der 11l. itzung um neun nzielles. 15. Februar. ern Abend folz sozialdemokreAuf die Straße! ußischen Regier Reichstagswahlation sollte auratischen Stadtllegium gestellder Zug wurde ROT ik für die ens mnschädlich sathreiners ausgjebig n einzigen id hat aroheim Theater entgegentrerenden „„seinandergetrieben und in alle Winde ausdeer,„tern dies überhaupt noch nötig war, da perstreut, anten sich schleunigst seitwärts in die Büen, als sie die Polizei erblickten. Bemer“:: Zwischenfälle kamen daher nicht vor. n„ Die nüchste Sitzung der Stadtverord# findet am 28. Februar statt, die folgende am *# Herr Reichstagsabgeordneter Fegter dem von den hiesigen Vereinen der Freisinnigen ggepartei und der Freisinnigen Vereinigung an ihn geErsuchen entsprechen und Freitag, den 25. Febr. Keinoldushof über„die politische Lage nach der Reichsgaanzreform“ in öffentlicher Versammlurg sprechen, Es chon jeszt darauf aufmerksam gemacht. * Eine Jubiläums=Masvieh=Ausstellung n aus Anloß des bald stattfindenden 25 jihrigen Jubis des städtischen Viehhofs in Aussicht genommen. .# Dem Verkehrs=Verein Dortmund ist die zizielle Vertretung seitens des Verbandes Teutscher gssebäder übertragen. Der Verein wird hierdurch vierdurch in den Stand gesetzt, alle Drucksachen diezaa Verbandes sofort nach ihrem Erscheinen an alle itglieder und Interessenten vollständig unentgeltlich in seinem Bureau, Markt 2a, abgeben zu können. es wird gebeten, von dieser Einrichtung den ausgiebigsten Gebrauch zu machen. — Wegen Achtungsverletzung erhielten die zettoren der hiesigen Volksschulen von dem Kreisschulinspektor einen Rüfsel in Gestalt einer Verwarnung, weil sie in einer Eingabe an den Magistrat die ihnen widerfahrene Zurücksetzung bei der Getaltsregelung gegenüber den seminaristisch gebildeten Zchrern an höheren Schulen als eine soziale Ungerechtigkeit und eine Unterschätzung der in der Volksschule geleisteten pädagogischen Arbeit bezeichnet hatten. — Philharmonischer Verein. Am 13. Febr. 1883 ist Richard Wagner, der größte Komponist des 19. Jahrhunderts und ohne Zweifel eine der energischsten, konzentriertesten musikalischen Tenker aller Leiten, zugleich ein Tichter von hochgenialer Konzption zu Venedig gestorben. Wir Deutsche haben alle Veranlassung, diesen Gedenktag würdig zu feiern. Ler neugegründete Philharmonische Verein will dies uun, er hat beschlossen, nächsten Montag, den 21. februar mit seinem ersten Konzert des großen deutschen Mannes zu gedenken. Das Programm wird nur uus Werken Richard Wagners bestehen. Der Bayreucher Heldenbariton, Herr Hofopernsänger Karl Braun von Kgl. Theater in Wiesbaden ist für dieses Konzert gewonnen. Die Mitglieder des Philharmonischen Vereins werden in diesem Künstler eine hervorragende kraft finden, zählt doch Herr Braun schon seit Jahren lu den beliebtesten Mitwirkenden der Bayreuther Festspiele. Jedes Mitglied des Philharmonischen Vereins bekommt zu diesem großen Wagnerabend einen butschein für zwei Karten. Die Plätze können be#ut werden im Bureau des Verkehrsvereins, wo der Etchlplan aufliegt. Neuanmeldungen für den tarnonischen Verein bittet man Herrn Bürgermeister Lr Eichhoff gelangen zu lassen. — Der Bantechniker Lüttgert, der am Sonnin Hamm verhaftet worden ist, ist auf Ersuchen in das hiesige Gerichtsgefängnis überführt worden. lie in pamm ihm zur Last gelegten Straftaten, Päle#tdiebstahl und Wechselfahrerei, hat Lüttgert, der das Realgymnasium bis Untersekunda besucht hat, bereits eingestanden. — Polizei=Bericht. In der Nacht zum Montag bzw. im Laufe des Sonntags wurden 4 Personen estgenommen und zwar: 2 wegen Obdachlosigkeit, ind je 1 wegen Unfugs und Trunkenheit.— Am 3. Januar wurde in Herne ein Logisschwindler bezw. Lieb festgenommen, der außer verschiedenen Wäscheind Kleidungsstücken auch noch sonstige Gegenstände dei sich führte, die zweifellos aus Diebstählen herrühen. Ter Täter, der sich auch hier und in der Umbgend aufgehalten haben will, hat sich unter verlschiedenen falschen Namen einlogiert und ist unter vinterlassung der Kostschuld und Mitnahme von Beleidungsstücken seiner Schlafkollegen verschwunden. enennt sich Nikolaus Stanislawski, ist Arbeiter und 45 Jahre alt. Wer in der geschilderten Weise svon den Tätern betrogen bezw. bestohlen worden i, wolle sich bei der nächsten Polizeibehörde sofort nelden. * Unfall. Einen Beinbruch erlitt die 10jährige eochter Maria der Witwe Amanda Hölscher in der als sie gestern Mittag von einem wü“ Radfahrer angefahren uno zu Boden geworeen wurde. Der Radfahrer entkam. Das Kind mußte krankenhaus transportiert werden. vorde, 14. Febr. Der Bergmann Wilhelm ntor von hier wurde in Hamm wegen einer Ann Logisschwindeleien und Tiebstählen festgenom*. Eckart ist ein alter Zuchthausbruder, der beTis einviertel Jahrhundert hinter den schwedischen bardinen zugebracht hat. dagen, 14. Febr. In der vergangenen Nacht sind ““ Rleter Mauerwerk im Goldbergtunnel bei Hagen Enurzt. Nach der Hagener Zeitung soll ein Nachevorliegen. Es sollen, wie verlautet, in der Nacht aten entfernt worden sein. Sssen, 14. Febr. Auf der Zeche„Adolar" bei esetoreer wurden zwei verheiratete Bergleute verEin Frauenmord in Oberschlesten. S. u. H. Gleiwitz, 12. Februar. Interessante Rückschlüsse auf das Kulturniveau der polnischen Bevölkerung in Oberschlesien gestattete eine Verhandlung vor dem hiesigen Schwurgericht, das sich mit einer Strafsache wegen Mordes gegen den 22jährigen Arbeiter Zientik zu beschäftigen hatte. Der Angeklagte ist ein arbeitsscheuer Mensch und trotz seiner Jugend 7 mal vorbestraft. Sein Opfer war eine 45 Jahre alte, vollständig dem Trunte ergebene Frau Wawrzik, deren völlig entkleidete Leiche im August v. Is. auf einer Wiese aufgefunden wurde. Es best ind zunächst der Verdacht, daß der Ehemann der Ermordeten, der ebenfalls täglich betrunken war, als Täter in Betracht komme, doch häuften sich schließlich die Verdachtsmomente gegen den Angeklagten. In der Beweisaufnahme sagten verschiedene Zeuginnen aus. daß der Angeklagte ihnen unsittliche Antrage gestellt, bezw. sie vergewaltigen wollte. Der Ehemann der Ermordeten bestritt energisch, seine Frau geschlagen zu haben; bei den ehelichen Streitigkeiten habe er stets unten gelegen und die meisten Prügel bekommen. Einer Zeugin wurde die Aussage ihres Ehemannes vorgehalten, worauf sie erklärte, ihr Mann sei genau so ein Lump wie der Angeklagte. Auf Grund der Beweisaufnahme bejahten die Geschworenen die ihnen vorgelegten Schuldfragen. Das Urteil tautete auf 3 Jahre Gesängnis, da es nicht direkt erwiesen sei, daß der Tod auf die der Ermordeten vom Angeklagten beigebrachte Verletzung zurückzuführen sei. Handel und Verkehr. — Dortmunder Städtische Viehhof. Zu dem gestrigen Schlachtviehmarkt waren aufgetrieben: 841 Stück Großvieh, 1862 Schweine, 393 Kälber, 11 Schafe. Bezahlt für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes höchstens 7 Jahre alt 75—77 Mk. b) junge fleischige nicht ausgemästete und allere ausgemästete 70—74 Mk. c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere 63—69 Mk. d) gering genährte jeden Alters 55—62 Mk. Bullen a) vollfleischige ausgemästete Bullen bis zu 7 Jahren 66—68 Mk. b) vollfleischige jüngere Bullen 62—65 Mk. c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 58—61 Mk. d) gering genährte 00—00 Mk. Rinder u. Kühe a) vollfleischige ausgemästete Rinder höchsten Schlachtwertes 72—74 Mk. b) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 68—71 Mk. c) ältere ausgemästet Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Rinder 59—67 Mk. d) mäßiggenährte Kühe und Rinder 50—58 Mk. Kälber a) feinste Mast=(Voll=Mast) und beste Sangkälber 54—56 Mk. b) mittlere Mast= und gute Saugkälber 49—53 Mk. c) geringe Saugkälber und ältere gering genährte(Fresser) 42—48 Mk. Schafe a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 00—00 Mk. b) ältere Masthammel 60—65 Mk. c) mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) 00—00 Mk. Schweine a) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1¼ Jahren 71 Mk., b) fleischige 67—70 Mk. c) gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 62—66 Mk. Tendenz: ziemlich gut. Unverkauft blieben 29 Stück Großvieh. *** Der Aufsichtsrat des Barmer Bankvereins hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, für den 21. März die ordentliche Generalversammlung und daran anschließend eine außerordentliche Generalversammlung einzuberufen. Nach vorgelegter Bilanz vro 1909 stellte sich der Gewinn aus schüttet. Zentru Bora in# sammlung wurde mitgeteilt, daß für die 0 Reichstagsersatzwahl Mülheim=Wipperfürth Rzieh, eschlossen haben, ihre Kandidatur zurückeinzutr. für den Kandidaten des Zentrums Beide waren sofort tot. entheim, 14. Febr. In einer heute stattgehabten Mk. 4,261,285 88(1908: „ 3,271,708,46)„ Zinsen Provision Effekten Vortrag a. d Vorjahr„ denen an Unkosten, Mk. 8,595.942.11 11908: Mk. 8,147 710.61 Steuern etc. gegen=„ 3,184,692,32.)„„ 2,874 393.31 Überstehen. Nach Ab— 166— schreibung 79. 605,64 13 267.34 : M k. 4, 8 7 1, 6 8 8 4 6 2,865,469,92 154,539,36 256 012,37 von auf Mk. 5,412,249,79 9.79 11908: Mk. 5,273,317.30 Bankgebäude und Mo= 114,806.00 1„„ 99,4·9,60 bilien verbleibt dem nach ein Reingewinnv. Mk. 5 217.413.74(1908: Mk. 5,173,887,70 Davon werden Teinhalb Prozent Dividende wie im Vorjahre auf das Kapital von 60 Millionen Mark verteilt werden. Der Reserve werden Mk. 250 000 (i. V. Mk. 150000) und dem Beamtenpensionsfonds Mk. 15000 zugewiesen; es verbleibt danach ein Vortrag für 1910 von Mk. 287700 gegen Mk. 267342 im Vorjahr. Die fortgesetzte Ausdehnung des Geschäfts macht die Stärkung der Betriebsmittel erforderlich. Es soll daher der außerordentlichen Generalversammlung die Erhöhung des Kapitals um Mk. 15 Millionen vorgeschlagen werden. Das Kapital des Bankvereins wächst nach Turchführung dieses Beschlusses auf Mk. 75 Millionen. Die neuen Aktien sollen mit Dividendenberechtigung vom 1. Jan. d. J. ab ausgestellt werden. Mit der Direktion der Tiskonto=Gesellschaft sind Abmachungen getroffen, wonach diese die Aktien, soweit sie nicht zur Rückerstattung der zwecks Uebernahme der Bonner Privatbank, der Lenneper Volksbank und der Wermelskirchener Bank geliehenen Aktien dienen, für ein Konsortium zeichnet. Es werden Mk. 13 Millionen Aktien den alten Aktionären zu 125 Prozent durch die Disconto=Gesellschaft zum Bezuge angeboten werden. *** Neunork, 14. Februar. Die Central= Foundrei=Company hat ihre Zahlungen eingestellt. Die Passiven übersteigen die Aktiven um 42 Millionen Dollar. Die Gesellschaft war 1899 in Neu=Jersey mit einem Kapital von 14 Millionen Dollat gegründet worden und hat später weitere 4 Millionen Dollar in Obligationen ausgegeben, von denen noch für 3 863 000 Dollar im Umlauf sind. Die Gesellschaft belaß das Kapital der Central Iron= and Coal. Combany. Vermischtes. Goslar, 13. Februar. Eine alte Bergmannsgiecke, die mehr als drei Jahrhunderte hindurch den Bergknappen das Zeichen= zum Ein= und Ausfahren geieben hat, ist nunmehr ihres Amtes enthoben worden und wird ihren Ruheplatz im hiesigen Museum finden.. Die Glocke hing im Turme auf dem Einfahrtshause des Rammelsberger Bergwerks, das in mehrfacher Beziehung bemerkenswert ist. Die Ausbeutung des Bergwerks, das einige der wenigen Fundstätten von Edelmetallen in Deutschland repräsentiert geschieht nicht durch senkrechte kondern überwiegend wagerechte Stollen in den Rammelsberg hinein. Bis vor einigen Jahren stand der Besuch des Bergwerks jedermann frei; diese Erlaubnis hat aber aufgehoben werden müssen, da sich manche Unzuträglichkeiten ergaben und sich auch Unglücksfälle ereigneten.. Die alte Glocke wurde im Jahre 1896 schadhaft. Versuche, die verschiedenen Sprünge mit Glockenmetall wieder auszufüllen, sind mißlungen. Sie ist nach einer Inschrift ein Werk der ehemals blühenden Goslar’schen Glockengießerzunft und weist den lateinischen Spruch auf:„Im Dienste anderer verzehre ich mich.“ Ein weiterer Teil der Inschrift nennt als damaligen Regenten den Herzog Julius von Braunschweig, und Lüneburg und als Glockengießer den Meister Hans Martens. Der Prozeß um den Schlaf. Kann man sermand durch Schlafen beleidigen? Kann man ihn dadurch schädigen? Diese Frage hat jüngst ein Richter in Newyork bejaht.. Fräulein Marta Glabeer die Primadonna eines größeren Theaters hatte nämlich eine Schadenersatzklage gegen einen Herrn Norik angestrengt, der, wie sie sagte, jeden Abend in ihr Theater kam und dort während der ganzen Vorstellung schlief. Dadurch habe er sie in ihrer Wirksamkeit so beeinträchtigt, daß sie hat kontraktbrüchig werden müssen. Sie verlangte deswegen eine Entschädigung in Höhe des verursachten Schadens, nämlich der Kleinigkeit von 8000 Dollar.. Zuerst schien dem Richter die Sache ungläublich, der Angeklagte gab jedoch alles zu, und fügte eine höchst merkwürdige jedoch ebenfalls wahre Erklärung hinzu: seine Frau ist nämlich entsetzlich eifersüchtig! Sie ist sogar auf seinen Schlaf und seine Träume eisersüchtig, und deshalb läßt sie ihn zu Hause nicht schlafen. So hat er im Theater Zuflucht suchen müssen, wo er vort:efflich schläft. „Als de: Richter das hörte schüttelte er wieder denK of da in jedoch, stellte sich heraus, daß ein gut Teil Solomo in ihm steckte.. Die Schauspielecin war zweisellos geschädigt, Herr Norik war aber nicht der Schuldige, sondern hatte nur als Werkzeug einer Frau gediert, und so wurde diese zur Zahlung einer Entschädtgung von 400 Dollars verurteilt.— So wird es uns aus Newyork gemeldet.... Letzte Telearamme. Gegen die Wahlrechtsvorlage. Berlin, 14. Februar. Geh. Justizrat Cassel(Freis. Volksvartei) hat bei der Berliner Stadtverordnetenversammlung einen von zahlreichen Stadtverordneten mit unterzeichneten Antrag eingebracht, wonach diese deu Magistrat ersuchen soll, in einer an das Abgeordnetenhaus zu richtende Petition für eine zeitgemäße entsprechende Aenderung der Wahlrechtsvorlage einzutreten Verkauf des Achilleions? Berlin, 14. Febr. Nach Meldung eines hiesigen Blattes soll der Verkauf des Achilleions in Aussicht stehen. Angeblich hat die Bewirtschaftung dieser Besitzung an die kaiserliche Schatulle solche Anforderungen gestellt, daß sie in gar keinem Verhältnis zu der Ausnützung stehen. Die Wahlrechtsdemonstrationen. Berlin, 14. Febr. Bei den gestrigen Kundgebungen gegen die Wahlrechtsvorlage sind in Berlin im ganzen drei Personen vorläufig festgenommen worden, ein Mann wegen groben Unfugs, der zweite wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und der dritte, weil er dabei betroffen wurde, als er versuchte, ein Plakat mit der Warnung des Polizeiprästdenten von der Säule herunterzureißen. In Rixdorf befindet sich unter den zehn Festgenommenen auch eine Frau. Breslau, 15. Febr. Der Polizeipräsident von Oppen hat einen Antrag der Breslauer Sozialdemokraten, am Sonntag, den 20. d. M., einen Demonstrationsumzug gegen das preußische Wahlrecht zu veranstalten, ablebnend beantwortet. Pensionsanstalt deutscher Journalisten. München, 14. Febr. Die Pensionsanstalt deutscher Journalisten und Schriftsteller nahm in der gestern abgehaltenen außerordentlichen Hauptversammlung die durch das neue Versicherungsgesetz bedingte Satzungsänderung an, die den Mitgliedern eine Reihe weiterer Vorteile bietet. Die Mitteilungen des Vorstandes zeigten ein sehr günstiges Bild von der Entwicklung der Pensionsanstalt im verflossenen Jahre. Raisuli lebt noch. Tangek, 14. Febr. Die Meldung. Raisuli sei ourch Gift ermordet worden, wird dementiert. Er soll sich der besten Gesundheit erfreuen. Bekanntmachung. Die Königliche Ersatzkommission für den Stadtkreis Dortmund tritt zur Musterung der Militärpflichtigen hiesiger Stadt in diesem Jahre am 21. 22. 23. 24. 25. 26. 28. Februar, 1. 2. 8. 4. ö. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 29. 30. 31. März, 1. 2. ö. 6. 7. 8. und 9. April, vormittags von 8½ Uhr im Saale des Reinoldushofes. Wißstraße Nr. 17 zusammen..— Die zur Gestellung verpflichteten Militätpflichtigen haben sich sauber gewaschen und in reinlicher Kleidung bei Vermeidung der gesetzlichen Strafe zur Musterung pünktlich einzufinden und ihre früher erhaltenen Losungsscheine mitzubringen. Jede Störung der Ruhe und Ordnung während des Musterungsgeschäftes wird mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mk oder mit entsprechender Freiheitsstrafe geahndet. Eine gleiche Strafe trifft denjenigen Militärpflichtigen, welcher im Musterungstermine ohne Erlaubnis der Ersatz=Kommission sich von dem angewiesenen Sammelplatz entfernt. Auch ist das Mitbringen von Stöcken und Messern in das Musterungslokal streng unterlagt..— Bei der Losung, die am 9. April, von Vormittags 8½ Uhr stattfiudet und nur unter der jüngsten Altersklasse d. i. unter den im Jahre 1890 geborenen Militärpflichtigen, und den etwa in früheren Jahren Uebergegangenen, ist das persönliche Erscheinen der Militärpflichtigen nicht erforderlich, weil für die Nichterschienenen von einem Mitgliede der Ersatzkomission gelost wird. Die Beurteilung der angebrachten Reklamationen erfolgt erst nach Beendigung des Musterungsgeschäfts und zwar vom 5. bis 8. April. Bezüglich der Reklamationen bemerken wir noch, daß nach den geltenden Bestimmungen diejenigen Familienmitglieder, auf deren Erwerbs- und bezw, Aussichtsfähigkeit es bei der Beurteilung ankommt sowohl vor der Ersatz- als auch vor der Ober-ErsatzKommission persönlich erscheinen müssen. Die Betreffenden haben den Nachteil, der ihnen aus der Nichtbefolgung dieser Vorschrift erwächst, sich selbst beizumessen. Die Klassisikation der Reservisten, Landwehrleute und Ersatzreservisten findet am 9. April, Vormittags nach Beendigung der Losung statt. Könial. Landratsamt des Stadttreises Dortmund. Um Platz für die eintreffenden Neuheiten zu schaffen auf alle Besätze bis zum 21. Februar 10•25 Rabatt Ein Posten Seidenstoffe für Blousen unter Preis. RZud. Lange Erstes Spezialhaus - In Seideustoffen und Begätzen.Dortmund, 306 Deutsche Daupflischerei-Gesellschaft Nordsee“ Gerberstraße 1-J. Rbeinischestraße 11. Fernruf Nr. 217. Feinster Gabliau Ein Pfund Drei Pfund 16 Pfg. 7 Pfg. 3 biädchen vom Lande suchen Dienststellen. Off. Cenralblatt Heiligenstadt Eichseld mit Rückporto erb. Ein junges aller Neuerscheinungen EEWTEE Guter Verdienff Berion Jurch Verkauf von interessanten wissenschaftlichen Büchern. Anfragen an Carl Schüler, Stolberg, Harz Rotten-Arbeiter für sofortigen Eintritt und dauernde Beschäftigung gesucht. Hüstener Gewerkschift, A.=G Hüsten a. d. Ruhr. Perfekte Drahizieher von einem größeren Drahtwerke im Osten zu möglicht sofortigem Antritt gesucht. Meldungen unt. J. 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Mai 1910 sein 50jähriges Bestehen feiern. Alle ehemaligen Angehörigen und Kriegsteilnehmer des Regiments, die an der Feier teilzunehmen wünschen, werden gebeten, hiervon dem Regiment Kenntnis zu geben, unter Angabe des Vor= und Zunamen, Stand, Wohnort, Straße und Hausnummer, Tag des Eintritts in das Regiment, Kompagntenemmer, Dienstgras, Feldzüge. Sammelmeldungen durch Kriegervereine pp sind erwünscht. Aus dem Rheinland werden Sonderzüge zu ermäßigten Preisen von Coblenz und Cöln aus zusammengestellt, an die anzuschließen sich empfiehlt. Die Aufforderungen, enthaltend Programm und Kostenvoranschlag, werden den sich Meldenden später zugehen. gez. von Oetinger erst und Oberst und Realments=Kommandeur. Schirme in reicher Auswahl sehl preiswert. Reparaturen und Neubeziehen billig und exakt Dickmann 990. Leiu.E Klus ur. wenden sich: Slub 2c. Drl stim mter Vorgänge, Flus trauensv. an Pr. Ja“., gr. 49. (Westf.) ingstr sanksche. 1o78 en Dien den 15. F Zwei XI. In der gestrig nomiekollegiums r Burckardt(Berlin) bichversicherung“. einer Erhebung übe sicherung und die schan den Nachwei der Schlachtviehve Wenn trotzdem di stens teilweise von Regelung der Frag hierin wesentlich d reichenden Staat hofft eine Reihe vo der Schlachtviehver dürfnis Rechnung anzunehmen, daß h chen sein wird. E ungsvereine für sähigkeit der mei len. Ein Zusan und Fleischern in den Schlachthöfen Erfolg. Die Flei haben, daß sie au maßen Aussicht di munaler Kreisver reits im Kreise T der Jugend so Asthm Ohne jegliche Norgens kreischent ein. Ich versuchte, zubringen, jedoch diesem Uebel auch skeigerte, und kam großen Schweiß, der Husten war bewußtlos zu mir unter solchen U beiten. Nicht ein und Nacht sitz ringsten Bewegun und würd; ich da wir ein Ende gemäß muß ich darstellte. Durch ich ein Mittel, ur selbe brachte mir Heilung konnte ungefähr zwei Ja a. 70 Mark. pfohlen und eutschi m lassen. Schon nir gegeben wur kommen, und siel Ich habe alles e Dienstag, den 15. Februar 1910. Dortmunder Tageblatt. Nr. 38. 27. Jahrgang. Zweites Blatt. des Königl.= neusischen Landesökonomiekollegiums. Prerew 8. u. H. Berlin, 15. Februar. der gestrigen Schlußsitzung des Landesöko= nomiekollegiums referierte zunächst Oekonomierat Burckardt(Berlin) über„Die Regelung der Schlachtvichversicherung". Der Redner suchte an der Hand einer Erhebung über den Umsang der Schlachtvrehversicherung und die Beanstandung durch die Fleischbehau den Nachweis zu führen, daß eine Regelung der Schlachtviehversicherung absolut notwendig sei. Benn trotzdem die Landwirtschaftskammern wenigvens teilweise von einer staatlichen und obsigatorischen Regelung der Frage vorläufig absehen wollen, so srielt hierin wesentlich die geringe Aussicht auf einen ausreichenden Staatsausschuß eine Rolle. Zwar hofft eine Reihe von Kammern durch Ausbau bestehender Schlachtviehversicherungen dem vorhandenen Bedürfnis Rechnung tragen zu können, doch ist kaum anzunehmen, daß hier ein wesentlicher Erfolg zu erreichen sein wird. Eine Uebertragung an die Versicherungsvereine für lebendes Vieh würde die Leistungssätzigkeit der meisten derselben stark in Frage stellen. Ein Zusammenarbeiten zwischen Landwirten und Fleischern in den Anstalten der Fleischer auf den Schlachthöfen hat ebenfalls geringe Aussicht auf Erfolg. Die Fleischer werden sofort die Befürchtung haben, daß sie ausgeschaltet werden sollen. Einigermaßen Aussicht dürfte daher nur die Schaffung kommunaler Kreisversichérungsvereine haben, wie sie bereits im Kreise Teltow bestehen. Diese Vereine müßten dann aber nicht nur die Versicherung des im Kreise geschlachteten, sondern auch des zum Schlachten verkauften Viehes übernehmen. Der Redner legte schließlich eine seinen Ausführungen entsprechende Resolution vor, die angenommen wurde.— Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf die Frage der„Bildung von Rentengütern aus bestehenden Objekten", worüber Rittergutsbesitzer Graf zu Rantzau referierte. Nach längerer Besprechung, in der der Landwirtschaftsminister erklärt hatte, daß gesetzmäßig aus dem Ostmarkenfond keine Beträge zur Rentengutbildung in Schleswig entnommen werden dürften, nahm die Versammlung einen Antrag an, wonach an den Landwirtschaftsminister die Bitte gerichtet werden soll, daß unter Abänderung der bisherigen Vorschriften künftig die Rentengutbildung in nationalspolittisch gesährdeten Tistrikten, wie im nördlichen Schleswig, nicht von der Neubegründung von Rentengütern abhängig zu machen, sondern nach dem Ermessen des Landwirtschaftsministers auch bei dem Uebergange bereits bestehender Stellen von einer Hand in die andere als zulässig anzusehen sei. Als letzter Punkt der Tagesordnung behandelte dann die Versammlung das neue Stellenvermittlungsgesetz. Referent war Dr. Ludwig=Berlin. Er legte der Versammlung eine Reihe von Abänderungsvorschlägen vor, in denen es u. a. heißt: Das Landesökonomie=Kollegium begrüßt den zur Zeit dem Reichstage zur verfassungsmäßigen Beschlußnahme vorgelegten Entwurf eines Stellenvermittelungsgesetzes mit der Tendenz, das gewecbliche Vermittlungswesen allmählich auszuschalten. Im einzelnen gehen die Abänderungsvorschläge dahin, bestimmte Paragraphen zu verschärsen. So soll der wichtige Paragraph 3 folgende Fassung erhalten: Wer das Gewerbe eines Stellenvermittlers betreibt, darf Gastwirtschaft, Handel mit geistigen Getränken. gewerbsmäßige Vermietung von Wohn= und Schlafstellen, Handel mit Kleidungs= oder Verzehrungsgegenständen oder mit Lotterielosen, das Geschäft eines Geldwechslers oder Psandleihers weder selbst noch durch andere betreiben. Der Stellenvermittler darf mit anderen Gewerbetreibenden der bezeichneten Art nicht so in Geschäftsverbindung treten, daß er sich für die Ausübnug seiner Tätigkeit von ihnen Vergütungen irgend welcher Art gewähren oder versprechen läßt. Die Vorschläge des Referenten wurden mit unwesentlichen Aenderungen angenommen, wonach der Vorsitzende Graf von Schwerin=Löwitz die Tagung mit einem Kaiserhoch für geschlossen erklärte. Ein meineidiger Sanitätsrat S. u. H. Mainz 15. Februar. Die mehrfach vertagte Meineidsasfüre des Sanitätsrat Dr. Rolly hat mit der Verurteilung des Angeklagten durch die hiesige Strafkammer ihre Erledigung gefunden. Sanitätsrat Dr. Rolly, ein 65jähriger Mann, praktizierte in Osthofen und gilt als sehr vermögend. Die zur Anklage stehende Straftat reicht in das Jahr 1907 zurück. Rolly, der auch Weingutsbesitzer ist, wurde damals wegen Weinfälschung und Urkundensälschung verurteilt. Die Fälschung war dadurch begangen worden, daß vor einer Flasche Wein, die der Weinkontrolleur versiegelt hatte, das Siegel widerrechtlich entfernt und besserer Wein in die Flasche gefüllt worden war. Zur Herstellung des neuen Siegels war ein badischer Kreuzer verwandt worden. Dr. Rolly, der 3 Monate Gesängnis erhalten hatte,bestritt energisch, an den betrügerischen Manipulationen beteiligt gewesen zu sein und legte Berufung ein, die Revisionsinstanz bestätigte aber das erstinstanzliche Urteil. Die Anklage behauptet nun, daß Dr. Rolly verschiedene gesetzwidrige Handlungen begangen habe, um ein Wiederaufnahmeverfahren zu erreichen. Merkwürdigerweise erhielt der Ortsgeistliche in Osthofen eines Tages einen anonymen Brief, in dem der Briefschreiber erklärte, das er aus Rache gegen Rolly den Wein in der versiegelren Flasche durch anderen ersetzt und zur Herstellung eines neuen Siegels einen badischen Krenzer benutzt habe, den er gleich miteinschickte. Dr. Rolky erhielt von dem Brief Kenntnis und forderte durch Inserate den Briefschreiber auf, sich gegen eine Belohnung von 500 Mark zu melden. Auf diese Veröffentlichung meldete sich ein angeblicher Hack der behauptete, er habe gesehen, wie ein Unbekannter im Wartezimmer des Dr. Rolly die Manipulation mit der Flasche vorgenommen habe. Dr. Rolly machte verschiedene Versuche, diesen Hack persönlich zu sprechen, der aber angeblich immer nicht zu haben war. Die Ermittelungen der Staatsanwaltschaft, die inzwischen wieder eingesetzt hatten, ergaben,daß dieser Hack mit einem Bauunternehmer. in Barmen identisch sein mußte. Bei seiner Vernehmung erklärte aber nun Hack, daß er den fraglichen Briegarnicht geschrieben habe, daß aber Dr. Rolly versuchthabe, ihn zu einer salschen Aussage und dainit zum Meineide zu verleiten. Die weiteren Untersuchungen ergaben, daß im Auftrage des Dr. Rolky den Detektiv Karl Großkortenhaus aus Köln die Seele der Betrügereien gewesen war. Darauf wurden Rolly und Großkortenhaus in Untersuchungshaft genommen. In der Haft soll Dr. Rolly den Großkortenhaus angeregt haben, sich mit einem Gefangenaufseher in Verbindnug zu setzen, um durch dessen A iide ir-ae # Asthma Bronchialkatarrh, Lungenbluten Lungenleiden Magenleiden 17 Chronisch Leidende — insbesondere alle an— Faktankte wollen sich die Zeit nehmen, endstehende Urteile zu prüfen. Es ist dies nur ein verschwindend kleiner Teil der fortgesetzt eingehenden. Sie werden ohn eden Kommentar veröffentlicht, weil man die Ueberzeugung hat, daß das leidende Publikum sehr wohl im Stande ist, sich selbst eine Meinung zu bilden. Die Urteile sind ußer stilistischen Abänderungen und Kürzungen, letztere megen Raum=Mangel vorgenommen, wortgetreu. Oriainaldankbriefe deren Unterschriften behördlich beglauvigt nh, liegen zur Einsicht aus und wird driugend gebeten, hiervon umfangreichen Gebrauch zu machen. Behördlicherseits ist dies bereits aeschehen. Abwei hungen, on der Wahrheit, gleichviel ob sie in diesen einleitenden Worten oder in den nachfolgenden Urteilen gefunden würden, zogen strenge Strafen nach sich.— Um den Laien ie Möglichkeit in die Hand zu geben, nicht erst den Ausbruch der Krankheit abzuwarten, sondern bei Auftreten auch nur eines einzigen Symptomes sich rechtzeitig nach Hilfe umzüsehen, folgen hier einige der am häufigsten vorkommenden Husten, vielfach zum Erbrechen reizend.— Auswuef zähen Schleimes.— Stechen auf Brust und Rücken.— Druck in den Schulterblättern.— Nachtschweiße.— In der Negel kalte Hände und Füße.— Atennon.— Das Atmen ist später von hörbarem pfeisenden und schnurrenden Geräusch begleitet.— Blutspucken.— Oft heftiger unregelmäßiger Herzschlag, verbunden mit starkem Angstgefühl.— Mangelhafter Schlaf.— Schlechte Verdauung 2c. 2c. As Zur Kur=Einleitung ist nötig die genaue Angabe des Leidens, Alters und Art der Beschäftigung. ymptome: In der Jugend schwer leidend. Asthma, Bronchialkataerh. Ohne jegliche Vorahnung stellten sich bei mir eines Norgens kreischende und pfeifende Töne in der Luftröhre ein. Ich versuchte, dieselben durch Räuspern wieder wegzubringen, jedoch vergebens. Gleichzeitig gesellte sich zu diesem Uebel auch noch Atemnot, die sich von Tag zu Tag keigerte, und kam ich bei der geringsten Anstrengung in großen Schweiß, der stets sehr böse Folgen hinterließ. per Husten war so arg, daß er mich nicht selten fast bewußtlos zu Boden warf. Selbstverständlich war es mir unter solchen Umständen auch nicht mehr möglich zu arbeiten. Nicht einmal liegen konnte ich, sondern mußte und Nacht sitzend zubringen. Bei jeder, auch nur geringsten Bewegung steigerte sich bei mir die Atemnot und würd; ich damals nur froh gewesen sein, wenn mit wir ein Ende gemacht worden wäre. Der Wahrheit eemäß muß ich sagen, daß ich ein jammervolles Bild darstellte. Durch vieles Suchen in den Zeitungen fand ich ein Mittel, und zwar ein sog. Asthmapulver. Dasselbe brachte mir wenigstens etwas Hilfe, doch von einer beilung konnte keine Rede sein. Ich gebrauchte es ungefähr zwei Jahre und belief sich der Preis dafür auf 70 Mark. Nun wurde mir Ihre Kur embiohlen undentschloß ich mich auch, dieselbe nicht unprobiert iu lassen. Schon durch die ersten Verordnungen, die gir gegeben wurden, hatte ich Hoffnung und Mut behommen, und siehe die letztere Kur war auch die beste. Ich habe alles energisch und kleißig durchgeführt und Kur-Institur„Spiro spero“. Dresden-Niederlössnitz, Hohestrasse Nr. 239 B. Mannesaster#en ta#ter ammmten evenseng Vonere....— Im Mannesalter von robuster Gesundheit und alle Arbeiten mit Leichtigkiit verrichter kann. Sage Ihnen nur meinen aufrichtigsten Dank. Achtungsvoll Minna Beilschmiet 95.... in Bant bei Wilhelmshaven, Hasenstr. 2. Obige Unterschrift beglaubigt Der Gemeindevorsteher Brust. kann mit Recht sagen, daß ich nach Gott Ihnen meine lebenssrohen Tane. die ich jetzt wieder genieße, zu danken habe. Mit aller Hochachtung Franz Xaver Wagner, Haunstetten(Bayern). Die Echtheit vorstehender Unterschrift bestätigt Haunstetten,(Bayern).(L. S., E Hüber, Bürgermstr. Lungenkatarrh. Es war im Jaare 1905, wo ich zuerst einen schrecklichen Husten bekam, ich versuchte jedes Mittel, welches man mir sagte, auch habe ich mehrmals den Arzt aufgesu hl, welcher etwas verschrieb, doch der Husten vers ing nicht mehr, er verlor sich ein bischen, doch ganz verging er nicht. Doch im September des Jahres 1905 wurde mein Leiden immer schlimmer, ich hatte große Schmeczen in der Brust und im Rücken, meine Schritte die ich machte wurden langsam, weil mir di List knapp wurde, auch schwollen mir sräter Hände und Füße an. Daraufhin ging ich wieder zum Arzt, welchem ich mein Leiden vorstellte, welcher erst eine Urinuntersuchung vornahm, und dann mich untersuchte, worauf er mir Schröpfköpfe setzte und mich wirder nach Hause schiate. Den ersten Augenblick war es mir ja leichtee, aber nachher war mein Leiden soviel ichlimmer die Schmerzen wurden immer größer. Da wurde ich in der Zeitung aus Ihr Inserat aufmerksam, worauf ich mich an Sie wandte. Nach 14tägiger Kur war ich scho- wieder ganz lustig und freute mich meines——bens, Ich besolgte Ihren Rat weiter, und heute bin ich wieder vollkommen hergestellt. Ich bin Ihnen zwig Dank schuldig und werde Ihr Kur=Institut allen ähnlich Leidencen einpfehlen. Robert Kuhn, Müller, Frauendorf b. StettinHerrenwieserstr. 45, I. Die eigenhändige Unterschrift des v. Kuhn wird hierdurch amtlich bescheinigt. Frauendorf. Der Gemeindevorsteher Halbmek. Seit meiner frühesten Jugend litt ich an einer Krankheit, welche sich von Jahr zu Jahr verschtimmrte Alle Aerzte, die mich behandelten, konnten neir nicht helfen. Ich bin jetzt 19 Jahre alt, vor einem Jahre trat die Krankheit wieder sehr schlimm auf Der Arzt konstattirte ein Lungenliiden. Er behandelte mich zwar doch trat nur eine rurze Zeit Besserung ein. Da traf es der Zusall, daß ich aus Ihr wertes Innstut aufmerksam wurde. Ich kann Ihnen nur mitteilen, daß ich durch Ihre Kur vollständig gesund geworden bin. Magenleiden. Durch Erkrankung an Jufluenza bekam ich chronisches Magenleiden, meine Gesichtsfarbe wurde gelb und konnte ich nichts mehr essen. Die Kräfte wurden ganz alle, und glaubte ich an dem schrecklichen Uebel eingehen zu müssen. Ich habe mich mit demselben ziemlich ein halbes Jahr geplagt, bis ich endlich durch die„Chemnitzer Allgemeine Zeitung“ auf Ihr Kur=Institut aufmerksam wurde. So habe ich mich an Ihr Kur=Institut gewandt. und schon 8 Tage nach Gebrauch Ihrer Kur, alles genau nach Ihrer Vorschrift durchführend, fühlte ich bedeutende Besserung. Der Appetit kam wieder. die Gesichtsfarbe wurde wieder sormal rot und schon nach 8tägigem Kurgebrauch nahm ich an Körpergewicht 5 Pfund zu. Ich war in kurzer Zeit wieder genesen und erfreue mich heute der besten Gesundheit. Ich kann darum nicht unterlassen, Ihnen für Ihre Hilfe meinen besten Dam auszusprechen und werde mich bemühen,, Ihre Kur weiteren Patienten zu empfehlen. Hochachtungsvoll Clemens Spindler, Gutsbes. Cunnersdarf b. Hainichen. Beglaub. Bimber g, Gem.=Vorst. Auf der Humoristischer Roman von Felix Brenta. 5 Kein Ehrenmann hätte mit gutem Gewissen sagen cnnen, der Bart des Herrn Heuer sei unverschnitten, in diesem erhebenden Bewußtsein kaufte er sich unternoch zwei Streifen englisches Heftpflaster, um die wunden seines Halses zu schließen, und schritt dann froh Ewegien Herzens dem Raupachschen Hause und dem wiedersehen mit Fräulein Thea entgegen. . Im Schoße der Raupachschen Familie hatte sich über „N 61tz, den Herr Heuer bei Tisch einnehmen sollte, me kleine Meinungsverschiedenheit entsponnen. Wie unter hatte dabei Herr Raupach recht, weil er der Klüsiie war. Aber eben, weil er der Klügere war, gab er mürlich stets nach, so daß dann schließlich Herr Raurich recht hatte und Frau Raupach recht behielt, auf eeiche einfache und gerechte Weise die Rechtsgüter von 127 unter den Ehegatten verteilt worden waren. Nie ite es bei diesen reichen und feinen Leuten möglich gewesen, daß wie etwa in der Lichtenburgschen Ehe, der ei ohne jedes Recht geblieben ware, und sich alle Macht Händen der Frau gesammelt hätte. Raupach hatte auf Theas Wunsch den Vorschlag und#; vaß Herr Heuer an deren Seite sitzen sollte, sura Raupach hatte dem an das Freudigste wider##9 lehe schon, Ihr wollt wieder einmal Euren * Dürchsetzen und durchaus eine Dummheit machen!" rümpfte das Näschen und die Mutter zuckte die ren von du fuhr gereizt fort:„Wir haben einige Herkönn. Regierung und auch ein paar Offiziere. Wie deu g.i, es vor denen verantworten, wenn wir ihnen Mplen Kandidaten vorziehen?“ 2s ihn aber so gern als Tischnachbarn hasind##.# Thea und die Mutter entgegnete ruhig:„Wir er sich mi; beuer viel Dank schuldig für die Mühe, die wahrenr uiserem Karl gibt. Der Junge hängt ja mit Begeisterung an ihm!“ Hstr Ie den braven Schulmeister doch neben Karl!“ „Na, ja!“ Oder wenn es durchaus eine von unseren Töchtern sein muß, warum denn nicht Margarete?“ „Aber Papa!“ antwortete jetzt Thea. „Wer soll denn dann Karl bei Tisch beaussichtigen? Margarete muß unbedingt neben dem Bengel sitzen, um ihn einigermaßen im Zaume zu halten. Margarete paßt für so etwas vorzüglich und ist da ganz unentbehrlich.“ Margarete war bei dieser Unterhandlung nicht zugegen. Aus der Küche war sie zwar heute durch eine lochfrau verdrängt, aber zum Ersatz hatte sie sich jetzt Theas Handschuhvorrat hervorgeholt und besorgte nun mit Eifer, was daran zu flicken oder zu reinigen war. Sie war eine Meisterin in solchen Sachen und fühlte sich glücklich, ihrerältesten Schwester gefällig sein zu dürfen. Thea spendete ihr für solche Liebesdienste auch immer das wohlwollendste Lob. Sie ließ sich in mancherlei Pflichten gern von Margarete vertreten. Aber die Aufgabe, Herrn Heuer durch ihre Tischnachbarkeit zu ehren, übernahm sie doch lieber selbst. Der Vater freilich versetzte im strengsten Ton:„Du bist für den großen, ungeschliffenen Menschen viel zu fein und elegant und setzest Dich auf keinen Fall neben ihn. Das ist mein letztes Wort.“ Mutter und Tochter waren erfreut, daß dies Vaters letztes Wort war. Vater ging in sein Kontor, und Thea schwebte in ihr Zimmer, trieb Margarete, die dort ihren Handschuhvorrat ausgebreitet hatte, unwillig hinaus, schalt über den lästigen Benzingeruch, und schrieb mit zierlichen Buchstaben die Tischkarten. Als Herr Raupach mittags ins Speisezimmer trat und die Tischordnung musterte, sah er natürlich Herrn Heuers Karte neben derjenigen Theas liegen. Er zürnte ein wenig. Dann aber trat er Frau und Tochter triumphierend gegenüber und sagte:„Na also! Ich habe es ja gleich gesagt, daß Ihr wieder Euren Kopf durchsetzen würdet. Selbstverständlich! Ich hatte also wieder einmal recht.“ So waren alle Glieder der Familie mit der Tischordnung zufrieden, und noch mehr Herr Heuer, der sich auf seinem Platz neben Fräulein Thea im Himmel ailer Ehren und allen Glückes wähnte. Anfangs fühlte er sich allerdings etwas beklommen. Er hatte bisher nur selten in großer Gesellschaft verkehrt, und zu seinem Bedauern verwandelte sich heute die schlichte Freundlichkeit des Hauses Raupach in widerlich übersüße Worte und beinahe grinsende Geberden. So verlangte es die Feierlichkeit des guten Tones. Alle Anwesenden hatten ihre Mienen auf ein liebenswürdiges Lächeln eingestellt und legten den allervornehmsten Anstand in ihre Bewegungen. In den knappanliegenden Seidenstoffen der Damenkleider zeichneten sich die edlen Linien der modernsten Korsetts ab, und die wohlgebürsteten schwarzen Röcke der Herren vom Zivil waren fast genau so breit und faltenlos wattiert, wie die schimmerndern Soldatengewänder der stattlichen Kriegsmänner. Es wurden Höflichkeiten ausgetauscht, und die schlichten Gefühle des Alltags hülllten sich in wallende Redensarten, die ihnen viel zu weit waren und die lächerlichsten Falten schlugen. Heinrich Heuer zeigte sich nicht eben als Meister in der Kunst des glänzenden Betragens, auch war sein schwarzer Schulmeisterrock mehrere Höhenlinien von dem Gipfelpunkt diesjähriger Schneiderkunst entfernt. Aber doch erregte er sichtbarlich die Aufmerksamkeit der ganzen Gesellschaft, und er war unbescheiden genug, diesen offenkundigen Erfolg nicht nur seiner ihm von Gott gegebenen stattlichen Gestalt zuzuschreiben, sondern wenn er die Richtung der ihn bewundernden Blicke genau prüfte, so glaubte er zu fühlen, daß die hauptsächlich seinem aus eigener Kraft so schön verschnittenen Spitzbart galten. Heinrich traf mit seiner stolzen Vermutung die Wahrheit. Auch Thea schien heute ganz besonders glücklich zu lächeln, so oft sie ihn ansah. Sehr begreiflich! Denn ihr zu Liebe hatte er ja diese elegante Veränderung seiner Barttracht vorgenommen. Nachdem die Gesellschaft den steifen Anfang und die pflichtgemäßen Krämpfe der ersten Wohlanständigkeit überwunden hatte, ließ der gute Ton unter dem freundlichen Einfluß des Weines allmählich nach. Alles atmete freier, auch Heinrich fühlte sich nicht mehr beengt und plauderte so ungezwungen mit seiner reizenden Nachbarin, als säße er wie im gemütlichen Familienkreis am abendlichen Teetisch neben ihr. Mit Eifer sprach er von ihrer hübschen Kleidung, ihrem schönen Aussehen und ihrer großen Liebenswürdigkeit zu ihr und sagte halb unbewußt eine glühende Schmeichelei nach der anderen, ohne in seiner Harmlosigkeit an die für solche Fälle so empfehlenswerten Vorzüge der Flüsterstimme zu denken. Fräulein Thea ließ sich die stürmischen Huldigungen ihres Hofmachers gnädig gefallen. Sie bemerkte mit Genugtuung, daß kein anderer Herr, selbst die beiden jungen Leutnants nicht ausgenommen, so lebhaft und erregt mit seiner Dame sprach, wie der ihrige. Sie gewahrte es mit Vergnügen, daß die lauten, schwärmerischen Ausrufe des Herrn Heuer auch in die Ohren ihrer weniger leidenschaftlich unterhaltenen Freundinnen drangen, daß Toni und Paula vor Neid erblaßten, während die den Backfischjahren schon überreichlich entwachsene Lena sogar gerglbte. Aber ste schämte sich doch ein wenig der strafenden Blicke einiger Tanten in den Uebergangsjahren, und sie errötete über die spöttischen Mienen, mit denen inige ruhigere Herren das heiße Minnewerben Herrs Heuers verfolgten. Es wäre ihr peinlich gewesen, wegen der ungeschickten Art seiner Verehrung etwa sich selbst einem Lächeln ausgesetzt zu sehen. Deshalb begegnete 7= den Spöttern mit Augenzwinkern und geschicktem Gegenlächeln, das sich mit ihnen in Einverständnis zu segzen und etwa zu sagen schien:„Ich spaße nur mit ihm. Er ist mein guter Zottelbär, den ich mir abgerichtet habe und jetzt nach meiner Laune tanzen lasse.“ Dann wandte sie mit anmutiger Neigung des feinen Halses ihr braunlockiges Köpschen dem blon.. Bären zu und trieb ihm mit ihren schwarzen Augen das Blutz in die Wangen. „Sie haben mir so viel angenhwresgesagt. Hert Heuer“ flüsterte sie,„daß Sie mir schon g-statten müssen, Ihnen auch mit einer Schmeichelei oufzuwarten.“ „Aber, gnädiges Fr.alein!“ fiel ihe Heuer beinahe erschrocken in die Rede. „Ver higen Sie sich, Herr Kandidat. Es wird nicht schlimm. Solche Torheiten, wie Sie, bringe ich i# über die Lippen. Aber ich muß Ihnen meine Anerkennnna aussprechen über Ihre märchenhafte Tüchtigkeit als Leye rer. Ich nehme an, daß Ihnen ein Lob von mein## Lippen besser schmeckt, als aus Papas oder Direktor Trigers Munde." 177.18 Vermittlung von den Zeugenaussagen Kenntnis zu erhalten. In der Verhandlung erklärt Dr. Rolly sonohl wie sein Mitangeklagter Großkortenh ius, der sichwegen Begünstigung zu verantwocten hatte, daß sie beide unschuldig seien. Der als Zeuge vernommene Bauunternehmer Hack behauptete aber under seinemEEide, daß Rolly ihm vermögensrechtliche Vorteile versprochen habe, wenn er sich als Verfasser des Briefes und als Augenzeuge der darin belaupteten Tatsachen bekenne. Das Urteil lautete gegen Dr. Rol###gen Verleitung zum Meineide auf anderthalb Jahr. nuchthaus, gegen Großkortenhaus wegen Begünfnigung auf 1 Jahr Gesängnis. Dr. Rolly brach nach der Urteilsverkündung zusammen, und mußte aus dem Saale getragen werden. Deutscher Reichstag. Berlin, 14. Fer##uar. Am Bundesratstische: Handelsminister Sydow und Landwirtschaftsminister v. Arnim. Vizepräsident Spahn eröffnet die Sitzung um Auf der Tagesordnung steht die erste Lesung des Kaligesetzentwurses. Handelsminister Sydow: Der Entwurf faßt die Produzenten zu einer Gemeinschaft zusammen und enthält Vorschriften, die sie bei Verkauf ihrer Produkte zu beachten haben. Es ist nicht zu bestreiten, daß der Vorgang neu und nicht gerade gewöhnlich ist. Neu und ungewöhnlich sind aber auch die Umstände, die die Veranlassung zu seiner Einbringung gegeben haben. Es ist bekannt, daß die Kaliindustrie sich bisher zu einem privaten freiwilligen Bündnis herausgebildet hat, das in gewissen Zeitabschnitten erneuert wurde, und über das dem preußischen Handelsminister ein gewisser Einfluß zustand. Mit dem zunehmenden Absatze und den günstigen Einnahmen wuchs die Zahl der neuen Werke. Von 1900 bis 1908 stieg ihre Zahl von 15 auf 30, hat sich also verdoppelt, und wird voraussichtlich in wenigen Jahren auf 100 kommen. Dabei ist der Absatz inzwischen geringer geworden. Damit erhöhen sich die Betriebskosten, so daß die Rentabilität herunter geht. Daraus ergab sich, daß die leistungsfähigen Werke sich durch das Syndikat beschwert fühlten und neue ihm nicht beitreten wollten. Der Vorlage liegen drei Gesichtspunkte zugrunde: 1. die Kaliindustrie muß dem Inlande erhalten bleiben; 2. die Preise im Inlande sollen niedrig sein; 3. die Preise für das Ausland dürfen nicht niedriger sein als bei uns im Inlande. Der Entwurf schlägt deshalb für sämtliche Kaliproduzenten eine Verkaufsgemeinschaft vor. Also ein Kalisyndikat wie bisher, aber in einer neuen Fassung derart, daß nicht der einzelne Produzent in der Lage ist, durch einen Austritt den Fortbestand des Syndikats in Frage zu stellen. Der Gedanke, die Produktion einzuschränken auf die Werke, die zu einer bestimmten früheren Zeit bereits bestanden, scheiterte an dem Einspruch der Interessenten. Durch die Vorlage wird die Macht der großen Werke eingeengt, anderseits sind aber auch die schwachen Werke nicht mehr so wie bisher in der Lage, eine Pression zur Erlangung größerer Quoten auszuüben. Was die Lieferungsverträge mit dem Auslande anlangt, so muß die Betriebsgemeinschaft sie zwei Jahre lang erfüllen. Darüber hinaus bedürfen die Lieferungen der Genehmigung der Gemeinschaft; eventuell wird Ausgleich geschaffen durch Abgaben an die Gemeinschaft. Die Kaltindustrie ist im großen und ganzen mit dem hier eingeschlagenen Wege einverstanden, der auf 20 Jahre Geltung haben soll. An dieser Frist bitte ich nicht zu rütteln. Kommt das Gesetz nicht zustande, entsteht ungeheurer Schaden für die deutsche Volkswirtschaft, und namentlich auch für die Landwirtschaft. Abg. Heim(Zentr.) wies aus das völlig Neuartige der Vorlage hin: ein Privatmonopol mit Staatshilfe!— und äußerte verschiedene Bedenken. Abg. v. Gamp(Rp.) gab zu bedenken. ob das vorgeschlagene Mittel, das zu einer Sanierung führen soll, nicht vielmehr zu einem Zusammenbruch der Kaliindustrie führen wird. Abg. Gothein(freis. Vg.) übte scharfe Kritik an der Vorlage, die weder im Interesse der Landwirtschaft noch der Industrie liege. Ueber die Ursachen, die zur Ueberproduktion in Kali geführt haben, schweige der Minister sich völlig aus, der überhaupt wohl wenig von der ganzen Sache verstehe. Es sei ja gar nichts Seltenes, daß oftmals Herren Ressorts übernehmen müßten, von denen sie auch nicht die geringste Ahnung hätten! Der Rednet empfahl als Heilmittel freien Wettbewerb. Minister Sydow wies die Einwände des Vorredners gegen die Vorlage zurück und stellte fest, daß Abg. Gothein ihm von dem verstorbenen früheren Handelsminister Brefeld vertraulich gemachte Mitteilungen gegen die Regierung von der Tribüne des Hauses ausgenutzt habe. Gegen einen Ausfuhrzoll äußerte der Minister Bedenken. Nach weiterer Debatte wurde die Sitzung vertagt. Dienstaa 1 Uhr: Fortsetzung der Beratung, Arbeitskammer= und Heimarbeitergesetz. Preußisches Abgeordnetenhaus. Berlin, 14. Februar. Ministertisch: Minister des Innern v. Moltke. Auf der Tagesordnung steht zunächst die nationalliberale Interpellation: Ist es der Regierung bekannt, daß in der Provinz Posen gegen Beamte wegen Eintretens für die narionalliberale Partei amtliche Maßnahmen ergrissen wurden, und billigt sie diese?" Abg. Friedberg(nat.=liv.) begründet die An(rage und füyrt dabei aus: Als bei der Ersatzwahl ein ationalliberaler Kandidat aufgestellt wurde, wurde vom Regierungspräsidenten in Bromberg dem Kreisschulinspettor in Kolmar untersagt, für den nationalliberalen Kandidaten einzutreten, weil die besonderen poluischen Verhältnisse es jedem Beamten zur Pflicht machen, mit seiner eigenen politischen Ueberzeugung zurückzuhalten. nuch dem nationalliveralen Kandidaten Pastor Altmann wurde nahegelegt, von der Kandidatur zurückzutreten. Gymnasialprozessor Gerlich wurde, weil er für den Nationalliberalen eingetreten,„im Interesse des Dienstes" versetzt. Desgleichen wurde Postdirettor Funk-Bromberg versetzt, weil er in Schneidemühl zur Gründung eines nationalliberalen Vereins aufgefordert hat. Das Eintreten der Regierung gegen die Nationalliberalen beweist zur Genuge, daß wir in Preußen ein konservatives Parteiregiment haven, und widerspricht der neulichen Etklärung des Ministerpräsidenten, daß Beamten in Ausüvung ihrer staatsbürgerlichen Rechte nicht beschränkt werden sollen. Wir verlangen Aufklärung, damit wir die Konsequenzen daraus ziehen konnen. Es liegt an der Regierung, unser Vertrauen zu ihr wieder herzustellen.(Beifall links.) Minister des Innern v. Moltke schildert ausführlich die Vorgänge bei der Wahl in Kolmar=Czarnikau, die schließlich zur Aufstellung der nationalliberalen SEndorkandidatur kührten und führt dann aus: Der Die Wahlrechtsdemonstrationen in Berlin. 1 1 a T e Die Wahlrechtsdemonstration in Berlin. Ablenkung des Zuges in der WilhelmSrasst vom Reichskanzlerpalais durch die Polizeikenen Gegen die neue Wahlrechtsvorlage haben in ganz Preußen am Sonntag große, von der Sozialdemokratie veranstaltete Kundgebnugen stattgefunden. Ganzen sind diese Demonstrationen ohne größere Ausschreitungen verlaufen, nur in Halle und Tuisburg ist Blut geflossen. In Halle sind über 10 Verletzte in der dortigen Klinik verbunden worden; zur Unterstützung der Polizei im Kampfe gegen den„inneren Feind“ hatte man Infanterie herangezogen. Am deutsche Wahlverein wurde durch das Vorgehen der Nationalliberalen ausgeschaltet und dadurch das Zusammenhalten der deutschen Parteien verhindert, so daß der nationale Besitzstand gefährdet war.(Widerspruch links.) Von einer Drangsalierung der Beamten kann nicht die Rede sein. Der Regierungspräsident erklärte dem Schulinspektor nur, daß er durch sein agitatorisches Auftreten die Wahl des deutschen Abgeerdneten nicht in Frage stellen möge. Aehnlich verhielt es sich mit dem Postdirektor Funk. Was der Ministerpräsident über das Verhalten der politischen Beamten sagt, gilt auch für mich als Richtschnur. Im Staatsinteresse muß dagegen eingeschritten werden, wenn ein Staatsbeamter für einen Nationalpolen direkt eintritt. Die Ausübung des Wahlrechts wurde hier nicht verkümmert, und von einer Maßregelung war überhaupt nicht die Rede. Es handelt sich hier ausschließlich darum, daß der Oberpräsident und der Regierungspräsident sich aufklärend an einige Beamten wandten und sie warnten, für die Polen zu stimmen. Den Ausbau der nationalliberalen Partei in Posen zu zerstören, liegt durchaus nicht in der Absicht der Regierung. Die nationalliberale Partei war der Regierung stets eine treue Stütze bei der Ostmarkenpolitik. Hoffentlich bleibt die Partei sich auch in Zukunft ihrer nationalen Pflichten bewußt und stellt diese höher, als die Interessen und Wünsche der einzelnen Parteien.(Beifall rechts.) Abg. v. Bieberstein(kons.): Dem Verhalten des Oberpräsidenten gegenüber der Zersplitterung bei der Wahl in Kolmar=Czarnikau sind wir Dank schuldig. In keinem Falle erfolgte eine Maßregelung der Beamten. Die Freiheit der Ausübung der politischen Rechte findet ihre Grenze an der Pflicht gegen die Nation. Der von den nationalliberalen Beamten unterzeichnete Wahlaufruf strotzt von Angriffen gegen die Konservativen. Die Beamten haben ihre Amtstitel unter den Aufruf gesetzt.(Der Redner verliest die Unterschriften. Zuruf des Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): „Sie denunzieren!"). Nein, Herr Liebknecht, das Denunzieren überlasse ich Ihrer Sippe. Vizepräsident Dr. Krause ruft den Abg. Liebknecht zur Ordnung. Abg. Liebknecht bittet, auch den Redner wegen des Ausdrucks Sippe zur Ordnung zu rufen. Abg. Rogalla v. Bieberstein: Wenn ich mich mit dem Ausdrun„Sippe“ vergriffen haben sollte, nehme ich ihn zurück. Ich bedaure die aggressive und die ganz unangenehme Tonart des Abgeordneten Friedberg. Sie erschwert unseren persönlichen Verkehr mit den Nationalliberalen bei einer so wichtigen Vorlage wie die Wahlreform. Wir befinden uns bei dieser Interpellation in voller Uebereinstimmung mit der Haltung des Ministers.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Viereck(freik.): Die Regierung war im Recht, wenn sie gegen die Zersplitterung in dem genannten Wahlkreise vorging. Das Vorgehen der Regierung war nicht gegen die nationalliberale Partei als solche gerichtet. Der Bauernbund möge sich hüten, einen Keil zwischen den nationalen Parteien in Posen zu treiben. Abg. Aronsohn(freis. Vp.): Jede Beschränkung der Wahlfreiheit der Beamten mißbilligen wir, die Verhältnisse waren hier aber anders als der Abg. Friedberg sie schildert. Von einem einseitigen konservativen Parteiregiment des Oberpräsidenten kann nicht die Rede sein. Abg. Bell(Zentr.): Wir stehen auf dem Standpunkt der Interpellanten. Die ganze Sache zeigt, wie gefährlich es ist, wenn der Regierung das Recht zustehen soll, einfluß auf die politische Betätigung der Beamten auszuüben. Abg. Switala(Pole): Die Beamten zu Dienern des Staates zu machen, ist gefährlich. Abg. Friedberg(nat.=lib.): Die Tatsache bleibt bestehen, daß den Beamten die politische Betätigung während der Wahl unterbunden wurde. Wir hoffen, daß der Beamtenapparat zukünftig wieder unparteiisch arbeitet. Auffallend war mir, mit welcher Wärme sich der Herr Kollege Aronsohn des Oberpräsidenten von Posen annahm.(Heiterkeit.) Dem Abg. v. Bieberstein sind Sprichwörter, wie: Wer im Glashause sitzt, soll nicht mit Steinen wersen, fast auf den Leib zugeschnitten. Der Abg. v. Bieberstein hat ein— geheimes, wie er zwar gleich einwenden wird, aber das verschlimmert noch die Sache— Rundschreiben an die Vertrauensmänner seines Kreises erlassen, in dem er ausführt, die Nationalliberalen wären die schlimmsten Feinde der Landwirtschaft und müßten in der allerschärfsten Weise bekämpft werden. (Hört, hört! bei den Nationalliberalen.) Wer solche Bedauntungen aufstellt, die ich nicht näher charakterisieren win, hat nicht das Recht, sich über die Agitation anderer zu beschweren.(Lebhafte Zustimmung bei den Nationalliberalen.) Die Seklärung des Ministers erkennen wir als durchaus entgegenkoniniend an. Er hat vollkommene Unparteilichkeit zugesagt. Er möge es aber bei diesen Ausführungen nicht bewenden lassen, sondern sie auch zur praktischen Durchführung innerhalb unseres Beamtentums bringen.(Sehr gut! links.) Wenn der Minister Besserung erreicht, werden wir ihm ganz besonders dankAbona 1I. heditin Sobeide Eröhere Gräfin Marianne Török größten, zugleich auch am imposantesten waren die Kundgebungen in Berlin. Gewaltige Lemonstrationszüge fanden hier statt; die Zahl der Teilnehmer wird auf über 150000 geschätzt. Trotz dieser riesigen Menschenemugen sind nur geringfügige Zusammenstöße erfolgt, obgleich die Polizei vollzählich auf den Straßen und die gesamte Berliner Garnison in Bereitschaft war. var dafür sein, daß er der erste Minister yter gewefen ist, der mit fester Hand diese Besserung durchgeführt hat. (Lebhafter Beifall links.) Darauf wurde die Aussprache geschlossen. Es folgt die zweite Lesung des Etats der Zölle und der indirekten Steuern. Auf Anregung des Abg. v. Pappenheim erwidert Finanzminister v. Rheinbaben: Unserer Zollverwaltung gebührt große Anerkennung, daß sie ohne Vermehrung des Beamtenkörpers die großen Aufgaben erfüllte, die ihr aus der Reichsfinanzreform erwuchsen. Bedauerlich ist, daß Preußen für die Erhebung der Zölle nicht nur keine Vergütung vom Reich erhält, sondern noch 12 Millionen Mark jährlich zuschießen muß. Daher ist eine Aenderung in diesem Sinne erforderlich. Auf Anfrage des Abg. Pacnicke(freis. Vg.) erwidert der Finanzminister: Den Wünschen der Brauereien und anderer Industrien wird Rechnung getragen werden, damtt ihnen das Einleben in die neuen Steuergesetze erleichtert wird. " N a c h k u r z e n B e m e r k u n g e n d e r A b g g. W i t z m a n n (nat.=lib.), Wollkowski(kons.) und Weise(Zentr.) wurde der Haushaltsplan bewilligt. Darauf vertagte sich das Haus. Mittwoch 11 Uhr: Justizhaushaltsplan. Rhodivin Sobeida, frühere Grafin Török. Es ist eine interessante Laufbahn, die der ungartschen Gräfin Marianne von Török, der jetzigen Gattin des Khediven von Egypten, Abbas II., beschieden war. Als nunmehrige Khedivin Sibeida erhielt sie den Rang einer Prinzessin, um als solche in den Harem ihres Gatten einer sorgenlosen Zukunft entgegen zu träumen. Die Gräfin ist eine gefeierte Schönheit und abenteuerlustige Dame, welche sich früher als Bühnenkünstlerin, doch mit wenig Erfolg hervorgetan hat. Bald darauf begann sie ihre großen Vergnügungsreisen nach der Riviera und dem Orient um überall durch ihr Auftreten Aufsehen zu erregen. Seit einigen Jahre hält sie sich in Kairo auf, wo sie ihre Netze nach dem Herrscher ausgestreckt hatte, der sie nun als Gattin heimführt. Ob der lebenslustigen Dame, die zum Mohamedanismus übergetreten ist, ein längerer Aufenthalt in dem weltabgeschlossenen Harem ihres Gatten besnoders gefallen wird, ist kaum denkbar. Vielleicht kommt dann noch ein kleines Skandälchen zum Vorschein. Immerhin klingt diese Liebesheirat wie ein Märchen von Tausend und eine Nacht. Gewerkvereinsteil. Der Streik in den Hannoverschen Cakesfabriken.: In den Betrieben der bekannten Hanndverschen Lakesfabriken H. Bahlsen ist dieser Tage ein in sei nen Ursachen und seinen weiteren Konsequenzen interessanter Streik ausgebrochen. Ein Teil der dort beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen hat ohne Kündigung die Arbeit niedergelegt, nach der Fabrik ordnung gelten diejenigen Arbeiter, die ohne Kündi die Arbeit niederlegen, ala entlassen. Die Zahl der Ausständigen beträgt ungefähr 370, wanrarJabrik in der flotten Geschäftszeit erwa 1000 J.g. und Arbeiterinnen beschäftigt. Die Fabrie etwa 10 Jahren mit ihrer Arbeiterschaft Tanz. träge eingegangen, um dieser Gelegenheit zu 2.0 an der Festsetzung der Löhne mitzuarbeiten.#.# unerfüllbare Forderungen hat es die Arbeiten. indes der Fabrikleitung unmöglich gemacht, den## risvertrag wieder zu erneuern; diese hat deshalt„ Lohnsätze sestgestellt, wobei ihr die Lohntabellen ger der größten Fabriken Hannovers als#. gedient haben. Hiermit ist ein Teil der Arbeitersa.s nicht zufrieden gewesen und deshalb in den: getreten. — Syouey, 14. Febr. Der Ausstand der g. rbeiler des Südreviers ist beendiat## ergarbeiter des Nordreviers werden am 21. 2.= ie Arbeit wieder aufnehmen. Pestug Vermischtes. Hameln, 14. Febr. Gestern abend explodse, in der Wohnung des Gefängniswärtervorstehere eine Lampe. Die Küche geriet in Flammen.### Kinder der Familie erlitten so schwere Verletzungen# z wei bereits in der letzten Nacht gestorben sind un das dritte hoffnungslos daniederliegt. Ein viertes### und ein weiteres kleines Mädchen erlitten geringstag Brandwunden. Das Elternpaar war verreist. Hirschberg(Schlesien), 14. Febr. Bei ein Wintersportfest in Krummhübel sind mesBobsleighs auf der vereisten Bahn umgestürzt. Einen der Fahrer brach die Steuerung, ein Eisenteil drauihm in den Unterleib und führte den Todberbel Ein anderer Fahrer erlitt zwei Rippenbrüche. Stuttgart, 14. Febr. In der vergangenen n### wurde ein Geisteskranker, der in das Wilheln palais mit einem großen Messer eindringen wolle von dem Militärposten festgenommen und einem manne übergeben. Paris, 14. Febr. Als im nordfranzösischen Gruben revier eine Bergarbeiterfrau ihrem Manne die Wiedn aufnahme der ehelichen Gemeinschaft verweigerte, schleu derte der Mann sein kleines Kind der Mutter mit solche Gewalt vor die Füße, daß das Kind sofort tot war. Da Täter wurde verhaftet. Paris, 14. Febr. In der Hasenzollla## von Havre wurden große Defraudatione entdeckt. Bei den Unterschlagungen— es handelt sie um über drei Millionen Frank— waren auch drei Pariser Industrielle beteiligt, darunter da Weingroßhändler Juhel, sowie mehrere Hafenbeamte. Paris, 14. Febr. Zu dem Untergangde „General Chanzy“ wird aus Palma noch### meldet, daß man auf offener See einige Rettungsboot und mehrere mit Schwimmgürteln versehene Menschen gesehen hat, die sich an rettern festgeklammert hatten. Ein mit Drucksachen, welcher ans Land geschwemmt wurde, roch stark nach Rauch. Man nimmt deshalb an, daß in folge einer Kesselexplosion auf dem Schiff eine Feuersbrunst ausgebrochen ist. Cannes, 14. Fedr. Sechs Torpedodool zerstörer sind nach Minorka abgegangen, um die Leichen der mit„General Chanzy“ Untergegangenen aufzusuchen. Neunork, 14. Febr. Großes Aufsehen erneg ein Mord, den der bekannte Physiker Dr. Hyden dem Millionär Obersten Thomas Swope begangn haben soll. Es hat im ganzen Lande große Uebe raschung hervorgerufen, daß Dr. Hyde gegen Kaution von 25000 Dollar aus der Haft entlassen worden ist, obwohl die Anklage gegen ihn auf Non lautet. Ein derartiger Fall steht in den Annalen de amerikanischen Rechtsprechung bisher einzig d# Bemerkenswert ist, daß sich der Zustand der Frau Dr. Hyde, die unter den gleichen Erscheinungen erkransk war wie der Oberst Swope, seitdem ihr Mann verhaftet war, gebessert hat. Es hat sich herausgestellt, daß der Tod des Millinnärs durch Strychnin erfolgt ist. Santiago de Chile, 14. Febr. Der in Naghelaensstraße, westlich der Insel Huambtin ge scheiterte englische Dampfer„Sima“(nich „Lucia") ist vollständig verloren, dagegen sind die Bord befindlichen Personen, 44 Passagiere ind 8 Mann Besatzung, anscheinend vollständig unversehn. Der Dampfer„Lima" befand sich auf der Ueberfahrl von Liverpool nach Gallas. Die Wogen schlagen um roßer Gewalt über das Wrack. Es ist sehr zweifelheft ob die Hilfe noch zur rechten Zeit kommt. Schwarzer Schnec., Zu den vielen Un= un Uebeltaten, deren sich der böse Hallen=Komet zur Feie seines Zusammenpralls mit Mutter Erde hat zu schuld kommen lassen, gehört nun auch die Wahrnehmun#,# in den nordskandinavischen Filden der jüngst gefallet Schnee seine gewohnte blütenweiße Unschuldssarbe trauerndes Schwarz gewandelt hat. Das Phänömen# auffällig zu Beginn der Woche an verschiedenen Omm im Bereich des Juldals Eli und in der Amgebung v## Oernskjöldsvik bemerklich auf, was der löndlichet völkerung Veranlassung bot, sich ungesäumt in p####, phischen Betrachtungen über die allumfassenor tätigkeit des bösen Kometen zu ergehen. Denn das i schwarze Schnee nichts anderes als die verbrannten lenteile im Schweife des unseligen Gestirns,„datltsuz unterlag natürlich keinen Zweifel. In der Stockholmt Wetterwarte ist man anderer Ansicht, und schreidt“ Erscheinung der Tätigkeit eines der isländischen Kie zu, deren vulkanische Asche vom Westwinde nach“ skandinavischen Küste übergeführt worden sein duni N Man entleere ein Paket Quaker Oats auf den Tisch. Das überraschend grosse Volumen beweis am besten die Preiswürdigkeit dieser Kra gelegenheit vorsichtig, damit Sie sich die Hand nicht verbrennen. Ohne vernäünftigen und rechtsgiltigen Grund ist niemand befugt, seine natürlichen Erben zu übergehen und der Graf Gerasimo könnte eventuell seine Ansprüche mit Erfolg geltend machen.“ „Die rechtsgiltigen Gründe fehlen dem Grafen Stannet leider nicht,“ entgegnete Rodines,„und er hat dieselben auch in seinem Testament angeführt. Hat er doch gerade deshalb das Schriftstück nur unter Privatunterschrift ausgestellt: verstehen Sie wohl!“ „Gewiß gewiß! Ich habe allerdings von einigen Jugendstreichen des Grafen Gerasimo reden hören; es bleibt mir aber noch immer unverständlich wie der Graf Dionisius Stannet ihn deshalb enterben könnte.“ „In meinem Interesse liegt es nicht, den Neffen anzuklagen,“ bemerkte Rodines.„Andererseits haben Sie auch kein Recht, den Grafen Dionisius wegen seiner Handlungsweise zu tadeln. Gerasimo hat deu hochgeachteten Namen der Stannets vollständig entehrt. Ir. Italien ist er wegen Diebstahls eingelerkert worden — ein schwerer Schlag für das Herz seines Oheims. Diese Schande warf den alten Herrn auf das Schmerzenslager, welches er wahrscheinlich nur verlassen wird, um ins Grab zu steigen. Indessen vermochte der junge Mann durch die rührendsten Briefe das Mitleid des Oheims zu wecken und dessen Ab scheu nach und nach zu überwinden; in seinen Briefen versprach er Reue und Besserung: der Graf verzieh ihm und erlöste ihn aus dem Gefängnis. Auch die Freunde des Oheims öffneten dem Neffen wieder ihr gastliches Haus. Besonders nahm der reiche Kaufmann Vorates, ein vertrauter Freund des Grafen Dionisius, dien reuigen Gerasimo wie einen Sohn des Hauses auf. Da reiste Vorates eines Tages nach Corcyra und ließ den jungen Mann, der gerade zum Besuch bei ihm verweilte, allein zurück. Und als er zurückkam, war der Gast verschwunden; sämtliche K en und Kasten des Kaufmanns aber waren gänzlich ausgeraubt. Dieser Diebstahl stürzte den Unglücklichen in Armut und in die Schande des Bankerotts. Denken Sie sich das allgemeine Aufsehen, als man erfuhr, daß Vorates, anstatt die Entdeckung der Diebe mit Energie zu betreiben, auf alle Nachforschungen verzichtete und sich natürlich dadurch dem Verdachte eines betrügerischen Bankerotts aussetzte! Aber ahnen Sie, weshalb der edle Mann seinen tadetlosen Ruf opferte, seine Familie der Armut preisgab und es vorzog, in der Verborgenheit zu leiden? Er tat dies, um einem Greise, seinem kranken Ircunde, nicht das Herz zu brechen! Seit jener Zeit nahm die Kränklichkeit des Grafen einen tödlichen Charakter an: denn er kannte den Dieb, das geheime Leid seines Freundes Vorates, und sein Entschluß stand fest, den Schuldigen zu enterben und auf indirektem Wege dessen Verbrechen zu sühnen. Jetzt wissen Sie Alles, Herr Tapas, sorgen sie nun, daß Sie mir die erwähnte Summe verschaffen können; ich werde sie in einigen Tagen abholen.“ Rodines schwieg, aber auch der Notar saß regungslos da und stützte den Kopf in beide Hände, wie in tiefen Gedanken verloren. Plöhli# hörten Beide vom benachtbarten Zimmer her den Klang einer Guitarre, und ein zweistimmiges Lied ertönte, von dessen Refrain nur folgende Worte verständlich waren: „In den Wolken verhüllend die Silberpracht, Der Mond versintet im Dunkel.“ Tapas warf einen verwirrten Blick um sich her, als erwache er aus tiefem Schlafe; wie nun aber sein Blick auf Rodines siel, schien er plötzlich wieder zum vollen Bewußtsein zlu kommen und sagte: „Ah, mein Lieber, wegen der Anleihe? Es geht, es geht. Rorgen wollen wir mehr davon reden, wir werden uns schon einigen. Heute abend aber habe ich noch ein kleines Geschäft abzuwickeln. Auf morgen also, werter Herr!“ Nit diesen Worten erhob er sich, und Rodines nahm Abschied. „Meine Empfehlungen au den Herrn Grafen Stannel!“ rief ihm Tapas noch nach, dann aber fügte er mit leiser Stimme hinzu:„Ah, wir werden sehen, wer Erbe wird.“ Hierauf schritt er langsam den Korridor entlang und öffnete die Türe des Fremdenzimmers. 2. Die schöne Erbschaft. Mit gekrenzten Armen blieb Tapas auf der Schwelle stehen. Er hatte seinc Brille auf die Stirn geschoben und heftete seine forschenden Blicke auf ein Paar, welches auf dem Sosa Platz genommen hatte. Ein schönes blondlockiges Rädchen mit blauen Augen und einem fast schwermütigen Gesichtsausdruck sang mit zarter Stimme ein Volkslied, während ein in nachlässiger Haltung in der andern Sofaecke lehnender junger Mann die Sängerin mit seiner Stimme und mit der Guitarre begleitete. „Wie gefällt dir dieses Lied, meine Liebe?“ sagte der junge Mann, sein Spiel unterbrechend.„Ich habe es von Tamburini erhalten und es der Primadonna des Carlotheaters zu Neapel oft vorgesungen; sie konnte es kaum anhören, ohne den Verstand zu verlieren.“ In diesem Augenblick bemerkte er den im Schatten der Türe stehenden Notar. „Ei, guten Abend Herr Tapas,“ rief er diesem zu;„es ist eine Schande, daß Sie nicht früher gekommen sind, um mein famoses Lied mit anzuhören. Sie kommen sehr spät, die Geschäfte haben Sie heute lange aufgehalten. „Und Euer Gnaden sind sehr früh gekommen,“ antwortete Tapas finster. „Sehr früh, sagen Sie? Der alte Papa ist sehr liebenswürdig! Wissen Sie auch, woher ich komme? Direkt von Korfu! Sie zucken zwar die Achseln, aber beim heiligen Gerasimo— es ist wahr! Vor zwei Monaten bestellte ich ein schönes Pferd und wettete damals mit dem Oberst Redoat und seinen Offizieren, daß ich sie sämtlich auf einem Ritte von Lixouri bis Phalakrades um wenigstens fünf Minuten überholen würde; im Falle des Verlierens mußte ich an irgend einem Orte ein Diner bezahlen. Zehn Tage später brachte man mir eine Stute, die ich mit achthundert Zerlini bezahlte, oder vielmehr bezahlen werde, wenn ich erst weiß, wovon. Sehen Sie, alter Papa, Sie wären imstande, das Tier zu küssen, wenn Sie es sähen, so schön ist es! Vorgestern ging also das Reiten los, und mein Pferd flog wie der Wind allen Rennern voraus; doch als wir beim nächsten Dorfe ankamen, scheute die Hexe an irgend einem Gegenstande, machte einen jähen Seitensprung und warf mich ab, infolgedessen der Fähnrich Orsouix mir vorkam. Hätten die Offiziere mich nicht zurückgehalten, ich würde der launigen Bestie eine Kugel durch den Kopf gejagt haben. Gestern habe ich nun mein Diner bestellt, und zwar ein Diner— nun Sie kennen ju Geschichte— seit der Zeit, daß die Phäaken den Odysseus bewirteten, haben die sieben Inseln kein solches Fest gesehen. Tokayer wurde getrunken, wie der Palatin von Ungarn keinen bessern trinkt.“ „Prosit die Mahlzeit!“ murrte Tapas vor sich hin. Gerasimo fuhr fort. „Der Oberst Redoat mit seinen Offizieren ist also zu Corcyra, und ich bin ihnen ein Diner schuldig; es wird daher eine Goelette gemietet und mit Wein und Delikatessen befrachtet. Doch ich hatte seit zwei Tagen Marina nicht gesehen. Was tue ich also? Während die Goelette mit den Offizieren sich auf die Fahrt nach Corcya macht, benütze ich die einbrechende Dunkelheit, um unbemerkt in einem Kahne nach Argostoli zurückzukehren; ehe es aber Tag wird, bin ich schon wieder auf offenem Meer. Mein Diner soll Aufsehen erregen, alter Papa! Alle Zeitungen der sieben Inseln würden davon berichten, wenn die sieben Inseln überhaupt Zeitungen hätten. Haben doch die Zeitungen von Neapel einen ganzen Monat hindurch spaltenlange Artikel über ein Gabelfrühstück gebracht, welches ich infolge einer Wette zu Pompeji gab.“ „Besorge unser Abendbrot, Marina,“ sagte Tapas, und als sich das junge Mädchen entfernt hatte, wandte er sich wieder zu seinem Gast: „Sie haben sich also in Neapel sehr gut amüsiert, Gra?“ „Das können Sie glauben; es war ein herrliches Leben dort!“ „Warum haben Sie denn das herrliche Leben im Stiche gelassen?" bemerkte der Notar mit sarkastischem Lächeln. „Ah so!.... Ja, das ist eine eigentümliche Sache, Herr Tapas, und läßt sich schlecht erklären. Wegen meiner Grundsätze geriet ich in Konflikt mit der neapolitanischen Regierung. Als Liberaler wurde ich scharf überwacht, und man versuchte sogar, mich als Carbonaro einzustecken! Ergebenster Diener! Ich gehöre nicht zu denjenigen, die sich hinter Schloß und Riegel sperren lassen! Ich zerbrach daher meinen Käfig und flog wieder zu meinem Neste.“ „Sie sind ja ein rechter Spaßvogel und haben Recht dabei getan, Herr Graf! Aber warum sind Sie nicht in Ihrem Neste geblieben und haben Ihre Eier ausgebrütet? — Apropos, haben Sie nichts von einer anderen Geschichte gehört? Als Sie kaum fort waren, hat man die Kasse des beklagenswerten Vorates erbrochen und dem Aermsten fast nichts übrig gelassen. Haben Sie davon nichts erfahren, Herr Graf?“ „Und wenn ich davon gehört hätte!“ versetzte der jonische Graf ungestüm.„Bin ich etwa der Wächter von Vorates Kasse?“.(Fottsetzung folgt.) In letzter Roman von Hugo Ebersbach. „Können mich nicht abschrecken,“ erwiderte rasch der Fremde„Wer ist der Eigentümer?“ „Herr Mathias Grunewald; er hat nach dem Tode des letzten Eigentümers das Haus übernehmen müssen, weil er der Hauptgläubiger war. Ta in der Versteigerung niemano darauf bieten nallte, so ist es ihm zu einem Spottpreise zugeschlagen i#ven, und ich glaube Ihnen die Versicherung geben zu können, daß er das Huas billig verkaufen wird.“ „Wenn es so lange unbewohnt war, dann wird es wohl eine namhafte Summe kosten, das Haus wieder wohnlich zu machen?“ „Wenn Sie es besichtigen wollen, so kann der Wunsch sofort erfüllt werden: ich besitze die Schlüssel.“ „Das ist mir sehr angenehm,“ erwiderte der Graf. Die alte Dame nickte zustimmend und holte die Schlüssel aus einem Schräuschen. „Herr Grunewald hat sie mir zu diesem Zweck übergeven,“ sagte sie, wayrend sie die Tür öffnete;„ich machte im vorigen Jahre zuletzt Gebrauch davon. Solid gevaut ist das Haus, auch im Innern wirklich recht bequem eingerichtet; wenn nur nicht alle diese grausigen Erinnerungen sich daran knüpften!“ Traußen schloß der Diener sich den beiden an. der Graf wechselte mit ihr einige Worte in fremder Spriche, die Frau Helwig nicht verstand. Das Gittertor kreischte in seinen Angeln, und der Weg, welcher durch den großen, verwilderten Garten zum Hause führte, war vom Regen durchweicht und von Untraut überwuchert. Sie traten in das Haus und durchwanderten langsam alle Räume: in jedem Zimmer wies Frau Helwig auf eine Erinnerung hin. „Hier lag die Leiche der Haushälterin,“ sagte sie in der Küche, auf die Steinplatten deutend, die vor dem gemauerten Heerde lagen.„In dem Zimmer nebenan ist der alte Herr ermordet worden, während er vor dem Schreibtisch saß, ich glaube man kann noch Blutflecken sehen“. Ter Graf lächelte und sein Diener zuckte geringschätzend mit den Achseln: auf die Beiden schienen diese Mitteilungen keinen Eindruck zu machen. „Hier war das Schlafzimmer des jungen Ehepaares,“ nahm die alte Tame im oberen Stockwerk wieder das Wort;„hier tobte der Irrsinnige, den vier starke Männer nicht zu bändigen vermochten.“ „Wenn man die Wand zwischen diesem und dem anstoßenden Zimmer niederlegt, so wird dadurch ein großer Saal geschaffen," erwiderte der Graf ruhig. „In dem anstoßenden Zimmer hat der letzte Eigentümer seine Gattin ermordet.“ „Was schadet das?“ scherzte er, an's Fenster tretend, um einen Blick hinaus zu werfen.„Mich stören diese Erinnerungen nicht, und meine Gäste werden sich nicht dadurch zurückschrecken lassen. Kaufe ich das Haus, so muß hier manche Veränderung getroffen werden; ich beabsichtige nicht, in diesen Räumen das Leben eines Einsiedlers zu führen“. In der Tachkammer zeigte ihm Frau Hellwig den Haken, an dem die Leiche des letzten Eigentümers gehangen hatte; der Diene erfaßte ihn, ohne ein Wort zu erwidern, und brach ihn ab, dann warf er das Stück Eisen zum Fenster hinaus „Ta sehen Sie, welchen Wert wir auf solche Dinge legen,“ sagte der Graf in gleichgültigem Tone;„wir kennen beide keine Gespensterfurcht. Jetzt wollen wir noch die Kellerräume besichtigen; bleiben Sie nur ruhig hier oben, Madame, wir finden den Weg schon allein.“ die alte Dame schüttelte das Haupt; wachsendes P emden sprack aus jedem Zuge ihres treuherzigen Gets. „Von diesem Keller erzahlt man seltsame Dinge,“ iahm sie nach einer Pause wieder das Wort;„eine Falschmünzerbande soll vor i ger Zeit darin gehaust haben; man behauptet, er enthalte ein geheimes Versteck mit einem besondern Ausgang.“ Graf Krasinski lachte und bat die Tame noch einmal, oben zu bleiben; dann stieg er mit seinem Diener die Kellertreppe hinunter. Eine lange Zeit verstrich, ehe die Beiden zurückkehrten; der Graf trat in den Garten hinaus und befahl senemi Diener, ihn vom Staube zu reinigen. „Es ist sehr kühl da unten,“ sagte er,„ein vorzüglicher Weinkeller Wenn das Haus gründlich gelüftet und gereinigt ist, wird es schon anders aussehen; einige Aenderungen sind freilich nötig, und Geld wird's kosten, aber ich den'e, das Alles kann in dieser guten Jahreszeit rasch gemacht werden, so daß ich meinen Einzug nicht allzulange hinauszuschieben brauche.“ „Sie sind also entschlossen?“ fragte Frau Hilwig, noch immer ungläubig. „Jawohl,“ sagte er, während er an ihrer Seite langsam hina#isschritt,„ich werde es kaufen, wenn ich es billig erwerben kann. Die Straße hier ist wohl sehr still?“ „Außerordentlich; außer der Schuljugend, die hrer ihren Tummelplutz hat, sieht man selten einen Menschen.“ „Um so besser, ich liebe die Stille.“ „Sie erklärten vorhin, nicht das Leben eines Einsiedlers führen zi wollen.“ „Gewi ßnicht, ich werde Besuche machen und empfangen,“ erwiderte er, indem er stehen blieb.„Und nochmals besten Tank für Ihre liebenswürdige Freundlichkeit und auf baldiges Wiedersehen!“ Er nahm den Hu. ab und schied mit einer leichten * ————** „ 6 F 15 * E 55 S ( 6/2 Verbeugung, und die alte Tame sah ihm nach, bis er in eine andere Straße einbog und ihrem Blick entschwand. Gedankenvoll kehrte sie in ihr Haus zurück und ging in die Küche, um nach dem Mittagessen zu sehen; ihr Bruder und ihr Sohn mußten in einer halben Stunde eintreffen, und die beiden Herren waren an Pünktlichkeit gewöhn.. „Ein polnischer Graf war der Herr?“ fragte das Dienstmädchen mit unverkennbarer Neugier.„Der Bursche sagte mir, sie wollen das Mordhaus kaufen, aber ich kann's nicht glauben.“ „Es ist unglaublich, erwiderte Frau Helwig zerstreut. „Ter Bursche heit Michael, er ist auch ein Pole, man hört's ihm nicht an, er spricht so gut deutsch, wie wir beide,“ fuhr das Mäohn redselig fort.„Er sagte mir, sein Herr sei furchtr reich, und wenn er das Haus kaufe, dann würde es hier lebendig werden. Früher haben sie in Pari' gewohnt, aber da gefiel es ihnen nicht mehr, und nach Polen dürfen sie auch nicht zurück, sonst werden sie nach Sibirien geschickt.“ „Das Alles hat Dir der Mann in der kurzen Zeit gesagt?“ fragte die alte Tame mißtrauisch.„Er scheint Dir ja sehr gefallen zu haben.“ „Ganz und gar nicht, aber sein Herr ist ein schöner Mann!“ Frau Heiwig gab keine Antwort darauf, sie verließ die Küche und ging in's Wohnzimmer, um die Tafel zu decken. Kaum hutte sie dieses Geschäft beendet, als die beiden Hercen mit gewohnter Pünktlichkeit sich einfanden. Rudolf Helwig, der einzige Sohn der Tame, war ein hübscher junger Mann im Alter von etwa fünfundzwanzig Jahren. Ein blonder Schnurrbart beschattete die Lippen, sein frisches, b'ühendes Gesicht hatte die offenen treuherzigen Züge der Mutter. Es gab viel zu erzählen an diesem Mittag: der Buchhalter berichtete die Verhaftung Hugo's, Frau Helwig teilte ihre Unterredung mit dem polnischen Grafen mit; beide Ereignisse wurden lebhaft besprochen. Die Angelegenheit mit dem polnischen Grafen war bald erledigt, die Verhaftung Hugo's hingegen beschäftigte die Gemüter noch lange. „Toktor Leitenring wird jedenfalls mit der Verteidigung beauftragt werden,“ sagte Rudolf, nachdem das Tienstmädchen den Tisch abgeräumt und die beiden Herren sich Zigarren angezündet hatten,„er ist der beste Freund des Lieutenan! Winkel.“ „Und der Lieutenant hatte seinen Bruder in dieses Unglück hineingeritten,“ erwiserte Starke unwillig,„das ist meine feste Ueberzeugung. Hugo Winkel hat seiner Familie stets Opfer gebracht, um die Spielschulden des Bruders hätte er sich nicht kümmern sollen.“ „So groß sollten di Svielschulden gewesen sein?“ fragte seine Schwester bestürzt. „So groß vielleicht nicht, aber streckt man einmal die Hand nach der verbotenen Frucht aus, dann nimmt man, soviel me; bekommen kann.“ „Freilich, es ist eine fatale Geschichte," sagte Rudolf, den blauen Rauchwölkchen seiner Zigarre gedankenvoll nachblickend.„Der alte Grunewald läßt nicht los, bis er seinem Opfer die Kehle zugeschnürt hat, und für einen Offizier ist es doppelt gefährlich, von der Gnade eines Mannes abzuhängen. Die Wucherer verlangen neben dem Wechsel oder Schuldschein auch noch einen Ehrenschein, und dem Offizier ist es strenge verboten, solche Schein auszustellen; fällt der Ehrenschein in die Händ. des Regiments=Kommandeurs, so muß der Lieutnant seinen Abschied nehmen.“ „Tarum sollte der Lieutenant sich vor Schulden und namentlich vor Spietschulden hüten," brummted der Buchhalter.„Wer hat Dir das alles gesagt?“ 1 „Toltor Leitenring.“ Der alte Herr blies einige Rauchwolken vor sich hin und heftete den Blick erwartungsvoll auf seinen Nessen. „Kannst Du Dich noch immer nicht entschließen, die Schreiberstelle bei dem Advokaten zu quittieren?“ fragte er.„Es muß eine trockene Arbeit sein, und auf eine gesicherte, sorgenfreie Existenz darfst Du dabei auch nicht rechnen. Wie ganz anders und weit angenehmer würde Teine Zukunft sich gestalten, wenn Du meinem Rate folgen und in unser Bankgeschäft eintreten wolltest! Jetzt ist wieder eine Vakanz in unserem Hause: der Herr Commerzienra, würde Tich auf meine Empfehlung hin sofort engagieren, und unter meiner Anleitung könntest Du nach einigen Jahren meinen Posten übernehmen. Reizt Dich das alles nicht? Du solltest es Dir doch überlegen.“ „Ueberlegt habe ich es mir, Onkel,“ erwiderte Rudelf kopfschüttelnd;„ich bin Dir gewiß von Herzen dankbar für Teinen Rat. aber befolgen kann ich ihn nicht. Ich wäre undankbar, wenn ich den Doktor Leitenring jetzt verlassen wolite, der mir so viel Freundschaft erwiesen hat“ „Ach was, er findet immer einen Schreiber!“ „Aber ich bin ihm mehr als nur ein Schreiber, ich bin ihm ein Gehülfe und nach einigen Jahren werde ich selbständig auftreten können. Auch gefällt mir gerade dieses Fach: ich habe meine Freude an den juristischen Spitzfinoigkeiten, und was die finanzielle Frage betrifft, so darf ich mit meinem Einkommen zufrieden sein. Ein guter Buchhalter würde ich niemals werden, dazu fehlt mir die Ruhe und Geduld; nimm es mir nicht übel, daß ich meine Meinung offen ausspreche, ich meine es sei ehrlicher, als damit hinter dem Berge zu halten.“ Die Stirne des alten Herrn zog sich in Falten. „Ich fürchte, Tu urteilst sehr rasch und sehr leichtfertig,“ sagte er;„das ziemlich ungebundene Leben mag Dir jetzt wohl besser behagen, aber die Zeit kommt auch einmal, in der Du Deinen eigenen Herd gründen willst; dann möchtest Du wohl zu der Einsicht gelangen, daß Tein Einkommen dazu nicht ausreicht. Ich würde unter allen Umständen das Solide dem Unsichern vorziehen, wenn es mir anfangs auch schwer siele—“ „Rudolf muß das ja selbst wissen, August,“ unterbrach ihn seine Schwester begütigend;„es hat nicht Jeder das Zeug in sich, ein tüchtiger Buchhalter werden. Er ist noch jung, und der Toktor Leitenting bat selbst mir gesagt, ich brauche mir keine Sorge um seine Zukunft zu machen; also wollen wir ihn seinen Weg gehen lassen und das Beste hoffen.“ „Tu bist eine recht brave Frau, Marie,“ erwiderte er,„aber ich habe Dir schon oft gesagt, Dir fehlt die Energie, und Teinem Sohne fehlt sie auch. Wir wollen nicht weiter darüber streiten— des Menschen Wille ist sein Himmelreich— und ich kann Rudolf nicht zwingen, meinem wohlgemeinten Rat Folge zu leisten. Wie gesagt, die Gelegenheit wäre augenblicklich günstig, und ich bin bereit, ihm die Stelle zu verschaffen. Wenn die Untersuchung gegen Hugo Winkel auch im Sande verlaufen, oder er selbst freigesprochen werden sollte, zu uns darf er nicht zurückkehren; der Commerzienrat vergißt ihm diesen Vertrauensbruch niemals.“ Tamit hatte der aule werr sich von seinem Sitz erhoben. Er ging nun, wie er es in der Regel nach Tisch zu tun pflegte, in seinen kleinen Garten, um sich dort ein halbes Stündchen zu beschäftigen.“ „Er meint es gewiß gut,“ sagte Rudolf, als er mit seiner Mutter allein war;„aber er sollte doch endlich einmal einsehen, wie nutzlos es ist, immer wieder auf dieses Steckenpferd zurückzukommen.“ Fortsetzung folgt. □ 95 83 O 8 * a 82 SoEnzn K u. n g 0*5 „ PERTS POB9 ——*——„ S• 2 52 n #— 8= ** S 8— ——# a5 2 " E 4—— — 610 ESOSSEE E „ Ss 8 Benae S 8 S S— — 8 S—— S PGUS! S 2 —— B— U SÖE POTTEBEGETE U——U——„„"— S2 E Se S• S S — 9 5* = 2. S S ESSS —.—— .*— — 2 a.= POUE S S 3 S-"—+.—** SSESE ""— „„-EPeEEES —#TuS- 2•— * S Der Notar von Argostoli. 1. Im Bureau des Notars. In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts lebte in Argostoli, der Hauptstadt der Insel Kephalonia, der Notar Tapas. Es war ein alter Mann von gebeugter Haltung, mit kahlem Haupte und zahnlosem Munde; seine grüne Brille verbarg ein Paar sehr lebhafter Augen und einen lauernden Blick. Eines Tages finden wir ihn gegen Abend in seinem Bureau. Er sitzt in einem alten Lehnstuhl und schreibt, ohne auf die zahlreichen Klienten zu achten, die geduldig warten, bis die Reihe an sie kommt. Plötzlich tritt ein junger Mann ein und geht mit etwas unsicheren Schritten auf den greisen Jünger der Themis zu. Tapas lüpft ein wenig seine Brille und wirft dem Ankömmling einen forschenden Blick zu. Kaum hat er ihn aber erkannt, so schiebt er die Brille ganz auf die Stirne hinauf, steckt die Feder hinter das rechte Ohr und begrüßt den jungen Mann mit den Worten: „Ah! Sie sind es, Herr Rodines? Seien Sie willkommen, mein Bester! Was befiehlt der Herr Graf Stannet?“ „Der Graf ist leider noch immer krank," antwortete der junge Mann;„ich komme auch nicht in seinem Auftrage, sondern wollte von Ihnen eine Gefälligkeit für mich selbst erbitten.“„ Bei dem Worte„Gefälligkeit" zuckte der Alte erschrocken zusammen und ließ unwilltürlich die Brille auf die Nase herabfallen. „Gut, gut!“ sagte er,„was befehlen Sie? Womit kann ich Ihnen dienen?“ „Ich brauche in nächster Zeit etwa tausend Florins und möchte Sie bitten, mir diese Summe vorzuschießen.“ Der Notar lachte mit dem ihm eigentümlichen, suchsartigen Ausdruck im Gesichte.“ „Tausend Florins!“ sagte er;„beim Bacchus! Rein lieber Herr, die Florins findet man heutzutage auf Kephalonia nicht auf der Straße; die Geschäfte gehen schlecht, der Preis der Trauben ist gefallen, und die Kassen sind leer.“ „Ich kenne die Schwierigteiten, Herr Tapas!“ versetzte Rodines,„und deshalb komme ich gerave zu Ihnen. Ich bedarf die Summe erst in einigen Tagen, und um etwaige Bedenken Ihrerseits zu heben, erkläre* Ihnen, vaß Sie sich inbetreff der Zinsen und Gebühren durchaus nicht zu sorgen brauchen; ich bin zu jedem Opfer bereit.“ „Wohl, wohl! Aber wie ich Ihnen schon gesagt habe, die Zeiten sind schlecht. Wer jetzt Geld hat, hält es fest, und wer darleihen will, verlangt sichere Bürgschaft.“ „Ich werde Ihnen meine Unterschrift geben,“ entgegnete Rodines, und seine stolze Haltung erinnerte dabei an jenen spanischen General, welcher einst sagte:„Als Unierpfand diene mein Schnurrbart.“ „Ihre Unterschrift? Potz tausend! Wohin denken Sie, Herr Rodines, mein Teuerster! Ich würde Ihnen das Geld des Krösus geben, wenn ich es hätte; aber die Gläubiger begnügen sich nicht mit Ihrer werten Unterschrift.“ „So mögen Sie den Gehalt nehmen, den mir der Graf Stannet zahlt. Wird das nicht genügen?“ „Warum soll das nicht genügen? Aber wissen Sie, was die Kapitalisten sagen werden? Heute haben Sie noch Anspruch auf Ihren Gehalt, morgen aber vielleicht nicht mehr, und schließlich, wenn der Gehalt auch die Zinsen deckt, wo bleibt die Bürgschaft für das Kapital?“ „Der alte Gott lebt noch, guter Freund,“ antwortete Rodines lächelnd,„und Kapitalien sind bald gespart.“ „Gott kümmert sich um das Schuldenmachen sehr wenig,“ sagte Tapas, die Achsel zuckend,„und Sie wissen recht gut, mein lieber Herr, daß er die Wechsel nicht einlöst, die Sie ihm präsentieren. Glauben Sie, mein Teuerer, Anleihen sind wurmstichige Stützen; sie sind wie ein Stein, den einer sich an den Hals bindet und der ihn in den Abgrund zieht. Verzichten Sie auf die Anleihe und glauben Sie mir: mit anderer Leute Flügeln fliegt man nicht weit.“ „Hören Sie, Herr Tapas“— versetzte Rodines mit dem Tone eines Menschen, der eher Geld als gute Ratschläge nötig hat—„wenn Sie mir die tausend Florins verschaffen, und der Darleiher begnügt sich nicht mit der Anweisung auf meinen Gehalt, so biete ich demselben auch liegende Güter als Pfand an.“ „Wohl Ihr Haus auf Korfu?— Dann bedauere ich, denn auf diese Hypothek erhalten Sie keine zweihundert Florins.“ „Genügt das nicht,“ fuhr Rodines fort,„so kann ich eine Anzahl auf Kephalonia gelegener Häuser, Weinberge, Güter und Ländereien verpfänden, deren Wert die verlangte Summe auf das Zehnfache übersteigt.“ Der Notar wandte sich bei diesen Worten erstaunt nach Rodines um und betrachtete denselben von oben bis unten. Rodines lachte über das Erstaunen des Alten, trat dann näher und flüsterte: 63 „Kann ich einige Worte unter vier Augen mit Ihnen reden?“ Tapas wandte sich gegen die übrigen Klienten und sagte: „Meine Herren, kommen Sie morgen wieder, wir werden dann das Geschäft fortsetzen!“ Diese Worte begleitete er mit einer bezeichnenden Handbewegung, welche die Klienten veranlaßte, sich schleunigst zu entfernen. Rodines blieb mit dem Geschäftsmanne allein im Bureau. „Nun also, wir haben Paläste, Schlösser, lieber Freund; wir sind Millionär, und Sie haben mir bisher nichts davon gesagt," begann der Notar, seinen Klienten einen durchdringenden Blick zuwerfend.„Wie ist denn dieses Wunder geschehen? Wenn Sie gar einen verborgenen Schatz gefunden haben, so haben Sie doch nicht nötig, Anleihen zu machen?“ „Mein lieber Herr Tapas," versetzte der junge Mann: „ein Beamter wie Sie ist gewissermaßen als Gewissensrat zu betrachten, und ich kann Ihnen daher ein Geheimnis anrertrauen. Warum ich diese Anleihe machen muß, das wird Ihnen einstweilen gleichgültig sein; in den nächsten Tagen werden Sie wahrscheinlich zu einer Amtshandlung berufen werden, die Ihnen alles erklärt.“ „Ich verstehe, bei Gott! Ich gratuliere, Herr Rodines. Das riecht ja nau,.... Beim Bacchus! Darf man wissen, wer die Glückliche ist?“ „Sie werden es erfahren, wenn die Sache geregelt ist.“ „Ah! Geheime Ehe! Ist es das? Und darf man wissen, wie groß die Mitgist ist? Also von dort stammen die Weinberge und Schlösser; aber, mein Lieber, Sie werden doch nicht diese Mitgift als Unterpfand stellen wollen?“ „Ich weiß, daß dies nicht geht, perr Tapas: die Garantie, welche ich Ihnen anbot, stammt auch nicht von einer zu erwartenden Mitgift.“ Nachdem er mit einem Blick das Bureau gemustert hatte, als fürchte er, von Jemand gehört zu werden; neigte er sich zu dem Ohre des Greises herab und flüsterte: „Es ist der ganze Reichtum des Grafen Stannet, den ich Ihnen als Unterpfand stellen kann: denn er setzt mich zu seinem Universalerben ein. Ich hoffe, daß sich damit selbst die vorsichtigsten Darleiher beruhigen können.“ „Was? Sein Universalerbe?“ schrie Tapas laut und sprang, wie von einer Feder geschnellt, vom Sessel auf. Dann ließ er die Brille herab und lehnte sich, wie eine lauernde Katze, mit halbgeschlossenen Augen in seinen Sessel. „Beim Bacchus!“ nahm er wieder das Wort,„der Graf will Sie aelso zu seinem Erben machen? Schön, sehr schön! Aber, Theuester, sind Sic dessen auch sicher? ach wüßte nicht, daß er ein derartiges Testament gemacht hätte?“ „Da haben Sie Recht, Herr Tapas; er hat diese Verfügung auch nur unter Privatunterschrift getroffen." „Ei, ei! Sie sagen mir nicht, wann dies geschehen ist?“ „Erst heute; aber Sie können sich doch denken, daß Niemand etwas davon erfahren darf.“ „Bei Gott, was sagen Sie da? Ein Testament des Grafen Stannet! Beim Bacchus, welche Bürgschaft! Aber wir wollen überlegen, Teuerster; der Graf hat doch, wenn ich nicht irre, einen Neffen?“ „Jawohl, in Lirouri lebt sein Neffe Gerasimo.“ „Dieser ist also nicht sein Erbe geworden?“ „Das war schon längst abgemacht," versicherte Rodines, „und glauben Sie mir, mein ehrenwerter Herr Tapas, ich habe alles Mögliche aufgeboten, um seinen Oheim auf andere Gedanken zu bringen; es war aber Alles vergeblich, und ich sah endlich ein, daß ich den alten Mann ganz umsonst aufregte und quälte. Als ich ihm erklärte, daß ich mich lieber seiner Ungnade aussetzen, als die Erbschaft annehmen wolle, sagte er zu mir: „Rede nicht mehr von ihm, meine Dispositionen werden doch nicht geändert; er ist ein Elender, der mit seinem verbrecherischen Lebenswandel mein Leben vergiftet hat, und er soll sogar meinem Begräbnie fern bleiben. Du aber kannst mein Geschenk mit ruhigem Gewissen annehmen: ich gebe dir mein Erbe, damit es durch dich auf einen Mann übergeht, dem ich es hundertfach schulde, der es aber aus meiner Hand nie annehmen würde. Durch deine Vermittlung gelange es an einen Mann, der von meinem gottlosen Neffen um Hab und Gut gebracht worden ist, der aber in seiner heroischen Freundschaft lieber Elend und Schande auf sich nehmen wollte, als mich durch die Enthüllung der Schande meines nächsten Verwandten zu kränken. Wenn du nun meinen Reichtum nicht für dich nehmen willst, so hilf mir wenigstens die heiligste meiner Pflichten erfüllen, damit ich ruhig sterben kann.“— Sie können sich nun wohl denken, Herr Tapas, daß unter solchen Umständen eine Ablehnung meinerseits nicht möglich war.“ „Bei Gott, der Graf Gerasimo „Er ist enterbt und mirt verbietet das Testament ausdrücklich, ihm auch nur den kleinsten Teil des Erbes herauszugeben.“ „Enterbt, gänzlich enterbt!“ schrie Tapas mit krampfhaftem Lachen und sprang vom Sessel auf.„Saubere Geschichte! Ich rate Ihnen indes, mein lieber Rodines, seien sie in dieser An*