ortmunder Tageblatt Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und gesetzt. Feiertage. Abonnementspreis #### ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage dem 8seitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pig. pro Monat, durch die Post bezogen für 3 Monate 1.50 Ml. Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inserate verantwottlich: Viktor Schanzer. Dortmund. verbunden Lokal-Anzeiger für und der täglichen Unterhaltungsbeilage mit dem Dortmund u. Hörde sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Inserate die S gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Pig. Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Pfg. Beilagen nach Uebereinkunst. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann. Dortmund. Nr. 35. Dortmund, Freitag, den 11. Jeocuar 1910. 27. Jahrg. Erstes Blatt. b, laß dich begraben! ms. Dortmund, 11. Februar. Bethmann Hollweg, der„taubstumme Reichskanzler und preußische Ministerpräsident hat gestern im preußischen Abgeordnetenhause die Sprache wieder gefunden und eine ellenlange Rede zur Verteidigung der von den Landesboten noch nicht angegriffenen und zerpflückten Wahlrechtsreform gehalten. Man hatte an dem„großen“ Tage im Abgeordnetenhause auf eine große Rede des Ministerpräsidenten gerechnet. Lang war die Rede wohl, die er gehalten hat, von Größe aber trug sie keine Spur. Wir wollen gerecht sein. Nach der vernichtenden Kritik, die die Wahlrechtsvorlage der Regierung in der Presse wohl aller Parteien erfahren hat, wäre auch ein Größerer als Herr von Bethmann Hollweg an dem Bemühen gescheitert. die Mißgeburt mit dem Glanze der Schönheit zu umgeben. Dazu kam, daß dem Ministerpräsidenten ein Empfang im Abgeordnetenhause bereitet worden war, wie keinem seiner Vorgänger je zuvor. Matt und schleppend machte der ohne Zweifel nervöse und überarbeitete Herr von Bethmann Hollweg unter dem Aufgebot all seiner Kraft seine Ausführungen zur Wahlrechtsvorlage. Mochte man sonst auch seinen schönen Reden mit Interesse gefolgt sein, hier erlahmte das Interesse gar bald, weil es dem Redner nicht gelang. neue Gesichtspunkte in die Wagschale zu werfen, um den üblen Eindruck, den sein mißratenes Kind bei der Geburt gemacht hatte, zu verwischen. Wir verzichten heute darauf, das agrarische Herz des preußischen Ministerpräsidenten gebührend zu durchleuchten, und begnügen uns damit, festzustellen, daß Herr v. Bethmann Hollweg nicht im Entferntesten daran denkt, liberalen Ideen Eingang in das preußische Staatswesen zu gewähren, weil es ihm an dem nötigen Verständnis für diese liberalen Idgen fehlt, weil er ein Produkt seiner Verhältnisse mit engem agrarischen Horizonte ganz und var beglieben ist und bleiben wird. Der gestrige Tag im preußischen Abgeordnetenhause hat dem Liberalismus allzumal mit brutaler Deutlichkeit gezeigt, daß er alle Hoffnung auf ein Entgegenkommen des Herrn von Bethmann Hollweg fahren lassen muß, sofern er nicht schon längst zu der Einsicht gekommen, daß der jetzige Reichskanzler der Mann seines Vertrauens nicht ein kann. Daß Herr von Bethmann Hollweg einen lolchen Wechselbalg von Wahlrechtsreform als einen Fortschritt in liberaler Richtung vorlegen und dann noch verteidigen konnte, spricht Bände aber nicht für die einst vermuteten liberalen Anwandlungen, sondern bielmehr für die mit aller Entschiadenheit bestrittene Abhängigkeit von dem preußischen Junkertum, dem al„organische Fortentwicklung“ des von Bismarck mit Recht das elendeste aller Wahlsysteme genannten Dreiklassenwahlrechts noch besser auf den Leib zugeschnitten worden ist. Ironisch wandte sich der Ministerpräsident gegen den Willen zur Macht bei den Liberalen. Darauf ist ihm der Redner der Freisinniden Volkspartei der Abg. Albert Traeaer die Antvort nicht schuldig geblieben, indem er demgegenüber dominierende Stellung der Konseroativen hinwies, die auch nicht annähernd dem Anhang im Volko entspreche. Wir sind, das mag sich Herr von Bethmann Hollweg sagen lassen, stolz darauf, daß im entschiedenen Liberalismus endlich der Wille zur Macht sich geltend macht, daß der Liberalismus endlich aus seiner Aschenbrödelstellung heraus und seinen bisher von anderen zu Unrecht besetzten Platz an der Sonne nunmehr selbst einnehmen will. Wer diesen Willen zur Macht als unberechtigt hinstellen will, ihn sogar zu verhöhnen sucht, der kann keinen Anspruch machen, von dem Liberalismus als guter Freund betrachtet zu werden, der kann dem Liberalismus trotz aller gelegentlichen Liebenswürdigkeiten gestohlen werden. Wir haben den Willen zur Macht und wir werden durch diesen Willen über kurz oder lang zur Macht gelangen, auch wenn sich Herr von Bethmann Hollweg mit seinen Freunden noch so sehr dagegen sträubt. Deutsches Reich. Der Reichstag dessen Verhandlungen am Donnerstag wegen der überwiegenden Wahlrechtsdebatte im preußischen Abgeordnetenhause nur geringe Aufmerksamkeit erweckten, ere a S ilitäretats, wobei Kriegsminister v. Heerinen wiederholt zu Richtigstellungen betreffend Bevorrgung des Adels im Heere und Stellung des Militärabinetts usw. das Wort ergriff. Die Bildung eines Veterinäroffizierkorps wurde genehmigt. Freitag 1 Uhr: Fortsetzung. Die Wirkungen der Eisenacher Reichstags nachwahl. Den Antisemiten ist der Schreck über den schmählichen Zusammenbruch der Partei im Wartburg=Wahlkreise ganz gehörig in die Glieder gefahren.. Der Ausgang dieser Wahl hat im benachbarten Wahlkreise HersfeldRotenburg wie ein Donnerschlag gewirkt. Man hält nun auch dort die Tage des antisemitischen Abgeordneten Werner für gezählt und wirft bereits die Frags auf. ob es nicht ratsam sei, daß sich die bürgerlichen Wähler bei der nächsten Wahl auf einen linksliberalen Kandidaten einigen. Desgleichen gilt oas Neichstagsmandat des Herrn Gräfe in dem ebenfalls an Eisenach grenzenden Wahlkreise Weimar=Apolda, das die Antisemiten nur einer bedar; ecen Schwäche der Linksliberalen verdanken, als tot.ul r verloren. Herr Lattmann kann ebenfalls ein Bündel schnüren. In Kassel=Melsungen wird er keinesfalls wiedergewählt werden. Fängt doch sogar schon die bisherige festeste antisemitische Stütze, der Wahlkreis des Herrn Liebermann von Sonnenberg, FritzlarHomberg=Ziegenhain, bedenklich an zu wanken, trotzdem die deutsch=sozialen Agitatoren landauf landab, das Evangelium der allein glücklich machenden Politik der Wirtschaftlichen Vereinigung predigen.. Die bündlerisch= antisemitischen Versammlungen sind daher fast stän g leer. In Willingshausen, der Zentrale der Schwalm wollte der antisemitische Agitator Hesse vor ganzen drei Mann sprechen, während das Nebenzimmer des Saalevollgepfropft mit Schwälmern war. Hesse mußte flüchten, da niemand seinem Wunsche, den Vortrag anzuhören nachkam, und sogar einige Schwälmer eine drohende Haltung Hesse gegenüber annahmen. In dem reichen Schwalmdorfe Loshausen soll niemand in der antisemitischen Versammlung gewesen sein. Das ist die Quittung für die famose Finanzreform, die Herr Liebermann von Sonnenberg so eifrig unterstützte. Die Lehren der Eisenacher Wahl werden von den freisinnigen Wählern des dritten keimarischen Wahlkreises(Jena=Neustadt=Blanken= hain) prompt beherzigt. Die liberalen Wähler dieses Wahlkreises haben, wie bekannt, sehr schlimme Erfahrungen mit dem„Nationalliberalen“ Lehmann gemacht, der nach seiner Wahl in den Reichstag mit seiner wahren Ueberzeugung herauskam und sich als Bündler schlimmster Sorte entpuppte. Jetzt reist Herr Lehmann, dem die nationalliberale Fraktion des Reichstages den Laufpaß gegeben hat, als Agitator des Bundes der Landwirte im Lande umher und hält Reden, die sich in nichts von den Tiraden des Bündlerhäuptlings Hahn unterscheiden. Um einen ähnlichen Reinfall bei den nächsten Reichstagswahlen zu vermeiden, haben, wie der B. V.=Ztg. aus Jena berichtet wird, die liberal=freisinnigen Organisationen den Oberlehrer Dr. Vershoven=Jena als gemeinsamen Kandidaten für die nächste Reichstagswahl aufgestellt. Es ist nicht unmöglich, sondern sogar sehr sehr wahrscheinlich, daß die Nationalliberalen auf den bisherigen Besitzstand pochend, die liberale Kandidatur in diesem Wahlkreise für sich beanspruchen werden.(Vor Lehmann war Herr Bassermann der nationalliberale Vertreter dieses Wahlkreises im Reichstage.) Geschieht dies, so werden hoffentlich die Freisinnigen in Jena den Nationalliberalen ordentlich die Zähne zeigen. Mit dem Pochen auf den nationalliberalen Besitzstand haben die Nationalliberalen bei den Reichstagsersatzwahlen bisher die drei Wahlkreise Landau, Coburg und Eisenach an die Sozialdemokraten verloren. Verfölgen sie in Jena ihre bisherige Pölitik, so ist auch dieser Wahlkreis den Sozialdemokraten sicher. Die Freisinnigen und das neue Wahlrecht. Der Berliner Parteitag der Freisinnigen Volkspartei erhob schärfsten Protest gegen die dem preußischen Landtage unterbreitete Wahlrechtsvorlage. Die im Entwurf vorgesehene ungerechte Privilegierung einzelner Berufskreise, die Beibehaltung der Treiklassenwahl, die Aufrechterhaltung der böllig veralteten Wahlkreiseinteilung und besonders die Verweigerung der geheimen Stimmabgabe sind so schwerwiegende Mängel, daß dagegen die Einführung der direkten Wahl nicht ins Gewicht fällt. Die Regierungsvorschläge bedeuten keine zeitgemäße Reform, sondern sind Flickwerk und Stückwerk mit dem öffentsichtlichen Zweck, unter dem Anschein von Verbesserungen das durch und durch ungerechte Wahlsystem zu erhalten und damit die Herrschaft des agrarischen Junkertums in Preußen auch ferner zu sichern. Akademisch gebildete Ratholiken gegen die Germania. Die„Germania“ hat bekanntlich seinerzeit behauptet, die in manchen rheinisch=westfälischen Städten gegründeten Vereinigungen akademisch gebildeter Katholiken könnten sich politischer Betätigung nicht entziehen. Tagegen veröffentlichen die Vorsitzenden der bisher ins Leben getretenen VerKinder des Roman von A. Sinowka. 25 worun un es zu einem Zweikampfzwischen unskommt inii muß ich denn der Unterliegende sein? Wir sind zwei. Kolja und ich gegen Nikolai Laa und Sie, und Sie sind noch dazu ein Weib! wolan:““#s0 gut der Sieger sein, wie Nikolai Ladon 2! Ist Ihnen das denn wirklich noch nicht in in gekommen?“ wiederholt Julius wütend. heargi#### einen tiefen Atemzug. Ach so! Nun erst zuletze„““ Der Junge fühlt sich gekränkt, daß sie die nicht: iin ausgesprochene Möglichkeit überhaupt Betracht gezogen hat. Trotz des Ernstes der mu br### muß sie sich auf die Lippen beißen, um ernst jünger 72. der gute Julius ist doch noch viel, viel vei, als sie annahm. fast zäu..: spricht sie und ihre Stimme klingt weich, den Stuu““„nein, das ist mir allerdings nicht in großmütig gekommen, denn dazu sind Sie ja viel zu gegeben F. Einen Feind erschießen, der in Ihre Hand kenne ic aus Rachsucht, das tun Sie nicht. Dazu kenne, dar: 31 gut. Und eben weil ich Sie so gut meinte man ich ja sooffen zu Ihnen gewesen. Ich men ist DDenn Sie nur alles wüßten, wie es gekommütiges gvischen uns, dann würde Ihr edles, großgetäuscht hahen zeihen. Soll ich mich in Ihnen hin, der in a# Julius?“ Lauernd sieht sie auf ihn habe Sie i?“n Wechsel rot und blaß wird.„Ich auf seine Schufn s“ gern gehabt,“ sagt sie, die Hand gene, die autter legend und ihn mit ihrem Blick zwin„ugen ihr zuzuwenden.„Wenn ich Nikolai gegneten, daug gekannt hätte, bevor wir beide uns beIuliug“# bunn lieber Julius, lieber, guter scheidenassen Sie uns in Frieden und Freundsch lassen Sie uns in Frieden und Freundschaft Mütiges Gek gangen an den seinen, ihr schönes, hochFührt es foi2##n oinmt ihm näher und näher, jetzt be.7 Inlins##ange.„Ich werde Sie nie, nie verges7 Monats: aren der einzige, der mir die letz„flüstert gneinm Vaterhaus erträglich gemacht var, Gutzr 2; lie an seinem Ohr.„Leb' wohl, Du Lie„Leb' wohl!“ stammelt er. „Sag': Ich schwöre Dir, daß ich Euch nicht verraten werde.“ „Ich schwöre Dir, daß ich Euch nicht verraten werde,“ spricht Julius mechanisch nach. „Dank heißen Dank," tönt's zurück. Was nun weiter folgt, geht so rasch von statten, daß Julius sich später die einzelnen Vorgänge nur mit Mühe zu vergegenwärtigen vermag. Er weiß nur, daß sie die Tür nach dem Vorhaus aufreißt, ein paar Worte mit ihrem Geliebten und Kolja spricht, daß jener Kolja eine Hand voll Rubel schenkt und ihm, Julius, zum Abschied die Hand reicht. Auch Lidias schmale Rechte fühlt er noch ein paar kurze Sekunden in der seinen. Dann sind Lidia und Nikolai Lawalski verschwunden und Wagenrollen ertönt, das in der Ferne verhallt. „Jetzt wollen wir uns wieder hinlegen, Väterchen, und uns tüchtig ausschlafen,“ sagt Kolja zu Julius. „Vor zehn Stunden frühestens haben die Pferde sich nicht ausgeruht. Mensch und Tier braucht Ruhe nach solch einem Ritt.“ „Aber vorher trinkt ein Glas Tee mit Branntwein“ meint der Wächter.„Das tut gut und erfrischt Euch.“ Und ohne Julius' Zustimmung abzuwarten, geht er an den Samowar und mischt zwei Becher voll Teegrogs, die er vor Julius und Kolja stellt. Julius greift rasch danach. Trinken, ja trinken, das ist das Beste in solch einem Fall. Da kommt man am ehesten über seinen Kummerhinweg. Mit durstigen Zügen leert er seinen Becher, diesem ersten folgt ein zweiter, den der Wächter ihm beflissen zureicht. Als der letztere ihn aber zum dritten Mal füllen will, legt Kolja ihm die Hand auf den Arm.„Nicht doch..“ kuumt er ihm zu..„es könnt' ihm schaden, er ist es nicht gewohnt. Kannst sicher sein, Freundchen, daß er nach den beiden, zumal nach dem Ritt vorher, vierundzwanzig Stunden mindestens schläft wie ein Murmeltier.“ Der biedere Kolja hätte seine Stimme gar nicht so zu dämpfen gebraucht, denn Julius würde ihn ohnedies nicht gehört haben. Sein Kopfist ihm vornüber auf die Brust gesunken und seine Augen sind geschlossen. Kolja und der Wächter heben ihn behutsam auf und tragen ihn nach oben, wo ste ihn auf ein Bett niederlegen. Dort schläft er, nicht wie jener es prophezeit hat, vierundzwanzig Stunden unaufhörlich, sondern noch einige mehr. Der Grog war auch gar zu kräftig. * * Vier Wochen sind verflossen seit den zuletzt geschilderten Ereignissen. In dem Garten hinter Herrn Niegowos Haus blüht der Flieder, und die Rasenplätze sind wie übersäet mit gelben, blaßblauen und weißen Frühlingsblüten. Unter einem sibirischen Weidenbaum mit langengrünen Schäfchen sitzt Dora mit den beiden kleinen Mädchen. Auf ihren Knien liegt eine kleine Handharmonika, wie sie bei dem dortigen Landvolk beliebt ist und während ihre Finger auf dem Instrument spielen, singt sie mit ihrer süßen Stimme eine traurige Melodie. „Warum singen Sie solche traurige Lieder, Dora Petrowna?“ fragt da eine tiefe, müde Stimme, und aufblickend gewahrt Dora Herrn Niegowo, der unbemerkt von ihr dazu gekommen ist. Er sieht merkwürdig blaß und gealtert aus, er hat sein Leiden doch nicht so rasch überwunden, wie der alte Bergwerksarzt anfänglich meinte. Der letzte Schlag hat ihn zu sehr getroffen und alte, nie vernarbte Wunden wieder aufgerissen. Tagelang fürchtete man für sein Leben, und in den schlaflosen Nächten, in denen Dora wiederholt Frau Niegowo bei der Pflege ihres Gatten ablöste, hat das Mädchen einen tiefen Blick in sein Inneres getan. Er sprach häufig in Delirien von der Vergangenheit mit ihrer ungetilgten Schuld, ihrer Schande und ihrem Jammer und klagte sich an wegen dessen, was er in der Leidenschaft verübt. Später, wenn er zum Bewußtsein gelangte, wußte er nicht, was er gesprochen, und Dora veiriet es ihm mit keinem Wort, aber sie selbst wußte doch, wie elend der finstere, reiche Mann im tiefsten Innern war. Seit einer Woche war er außer Bett und ging auch draußen umher, aber der Arzt hatte gesagt, daß er vor jeder Aufregung streng bewahrt werden müßte. „Warum singen Sie solche traurige Lieder. Dora Betrowna?“ fragt Herr Niegowo noch einmal. einigungen Kleve, Düsseldorf, Essen und Köln folgende Erklärung: 1. Unsere Vereinigungen haben satzungsgenäß lediglich und ausschließlich den Zweck, die religiöse Ueberzeugung ihrer Mitglieder zu festigen und zu vertiefen. Wenn der Artikelschreiber der Germania aus dieser Zweckbestimmung folgern zu soklen meint, daß unsere Vereinigungen sich politischer Betätigung nicht entziehen könnten, so weisen wir diese Interpretation nachdrücklichst zurück. Parteipolt= tische Bestrebungen jeder Art sind durch unsere Satzungen unbedingt ausgeschlossen. 2. Es ist unwahr, daß diese Satzungen nur zum Schein bestehen und tatsächlich politische Bestrebungen im Sinne der Zentrumspartei verfolgt werden Der ahnungslose Rriegsminister. Für 20 Millionen Mark blaues Militärtuch ist bekanntlich noch vorhanden und muß erst aufgebraucht werden, ehe an die allgemeine Einführung der grauen Uniformen gedacht werden kann. Die Erörterungen, die darüber in diesen Tagen in der Budgetkommission des Reichstages gepflogen worden sind, haben die Nationalliberalen veranlaßt, den nachstehenden An trag Bassermann zur zweiten Lesung des Militäretats einzubringen:„Der Reichstag wolle beschließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage bis zur Vorlegung des Etats für 1911 eine Dentschrift über die Organisation des Militärbekleidungswesens sowie über die Kosten der Verwaltung und Herstellung der Bekleidungsstücke nach dem früheren und dem jetzt in der Einführung begriffenen System zugehen zu lassen.“ Der Vorwärts berichtet noch aus den Verhandlungen der Budgetkommission vom Sonnabend:„Als die Kommission die Mehrforderung von rund anderhalb Mill. von der Gesamtforderung von 25 Millionen für Bekleidung der Truppen strich, rief der Kriegsminister ganz entsetzt aus:„Aber die Waren sind ja schon vestellt!“ worauf ihm geantwortet wurde, daß die Ausgabe von Geldern oder das Eingehen von Zahlungsverpflichtungen, Gelder vom Reichstag bewilligt wären, einen glatten Bruck Budgetrechts bedeute; wenn die Militärverwaltung aber glaube, vor Fertigstellung des Etats Bestellungen machen zu sollen, so müßte sie in den Lieferungsvertrag den Vorbehalt aufnehmen lassen:„Vorbehaltlich der Bewilligung durch den Reichstag.“— Wenn's nur etwas helfen wird! Ein Wähler zweiter Klasse. Tamit die„gebildete“ Intelligenz in der zweiten Klasse besser als bisher zur Geltung kommt, sollen die Inhaber von öffentlichen Selbstverwaltungsehrenamtern aus der dritten Klasse herausgehoben werden. Wie wertvoll diese wichtige Neuerung unter Umständen werden kann, dafür ein Beispiel. Ein Leseder Berliner Volkszeitung schickt dieser eine Num mer der Flatower Zeitung, in der wir lesen: Folgende Bekanntmachung erließ kürzlich der Gemeinde vorsteher eines Torfes im Kreise Schlochau: „Es Wirde hier mit Bekanntgemacht in der Gemeioe.... den Betreffenden Besitzer in der Stückzahl, Der Pferde, Esel Maulesel und Mauktiere einschließlich der Fohlen halten, ist jedem Besitzer hier mit bekant gemacht, das Hier eine liste vom 11 Januar Ovontlichst auf dem Schulzen Lokale zu.... Ovendlichst ausligt, Da kan Je„Ich habe dies von Stanislawa gehört,“ entgegnete das Mädchen. „Und Stanislawa kennt keine frohen?" Dora beugte sich tiefer über ihr Instrument, um die Tränen zu verbergen, die ihr in die Augen traten.„Dies ist ein Abschiedslied," sagte sie leise. „Aber Dora Petrowna will doch nicht Abschied von uns nehmen? Was sollte dann aus Gregor werden, dessen Erziehung noch immer nicht vollendet ist. Was? Haben Sie nicht das hübsche Haus gesehen, Dora, zu dem heute das Fundament gelegt wird? Ueber vier Wochen geht Gregor auf ein halbes Jahr nach Irkutsk aufs Polytechnikum, um besser mit Maschinen umgehen zu lernen, und wenn er zurückkehrt wird das Haus fertig sein. Wen meinen Sie wohl, Kind, der drin wohnen soll?“ „Herr Niegowo..“ schreit Dora auf, deren Tränen jetzt unaufhaltsam hervorbrechen. Sie stürzt zu ihm hin und küßt seine Hände..„Herr Niegowo...“ „Vater heißt das,“ spricht er leise.„Nicht weinen, Kind.. nicht weinen! Sei'n Sie doch froh! Du kannst ja noch froh sein, Dora, aber ich...“. „Sie werden auch wieder froh sein.. Vater...“ Er seufzt und streicht ihr leise über das Haar.„Du weißt nicht, wie müde ich bin, Kind!“ „Gregor hätten Sie nicht verloren.. um meinetwillen,“ gibt sie zurück. „Ich weiß es und darum bist Du doppelt mein KindKomm jetzt zu ihm, Dora.“ Auf Doras Arm gestützt, geht Herr Niegowo mit ihr dem Hause zu, wo Julius und Gregor eben heraustreten. „Julius..“ jubelt Dora dem Bruder zu... das haben wir doch nicht gewußt, als wir herkamen, daß es so schön in der Taiga ist.. schöner, als irgendwo in der Welt. Jetzt bleiben wir immer hier.. immer!" Lidia hat ja noch zwei Schwestern, und in zehn Jahren ist Blanka ein großes Mädchen! fliegt es ihr durch den und dann fällt sie Gregor in die Arme, die er ihe strahlenden Auges entgegenbreitet. — Ende!— 176.10 der Besitzer Was Pferde hüld, Sich hier Cinzehn Ob er Richtig mit Seinen Pserden Eingetragen ist. Es Wirde von den Tieren Abgaben gezahlt, Pro Stück 3 Pfennige——— 1. 15. 10. Der Gemeindevorsteher.“ Es sei, hemerkt die Volksztg. dazu, ferne von uns, dem Verfasser einen Vorwurf zu machen, weil er nicht besser Deutsch versteht. Wahrscheinlich hat er in einer jener berühmten preußischen Halbtagsschulen gesessen, in der ein Lehrer in sechs Abteilungen gleichzeitig 150 Kinder unterrichten muß. Aber die Wahlrechtsvorlage will diese Bildung durch die Ansiedelung in der zweiten Wählerklasse belohnen, während der intelligente Kaufmann, Handwerker und Arbeiter, der zufällig nicht Gemeindevorsteher ist, Staatsbürger dritter Güte zu bleiben hat. Graf v. Cattenbach Der deutsche Botschafter in Madrid, Graf Tatkenbach ist am 10. Februar früh 2 Uhr einer Lunzenentzündung, die ihn infolge einer Influenza beallen hatte, erlegen. Graf Tattenbach, dessen Bild wir heute bringen, stand im 65. Jahre und gehörte dem diplomatischen Dienst des Reiches seit ungefähr dreißig Jahren an. In Landshut in Bayern im Jahre 1846 geboren, war er zuerst im bayerischen „„ L Staatsdienst, 1872—80 in der elsaß=lothringischen Graf Tattenbach Deutschland in Persien. Regierungshospitals, der zweite Assistenzarzt an die: sem Krankenhause. Nicht nubedeutend ist dagegen die Zaul der deutschen Apotheken in Persien. Die deutsche Apptheke in Teheran wurde bereits vor 25 Jahren begründet und erfreut sich des besten Rufes. In den letzten 7 Jahren entstanden weitere deutsche Apotheken in Hamadan(1903), Kermanschah (1904), Rescht(1903), Barferusch am Kaspischen Meer (1905), Sinneh in Kurdistan(1906)' Die Apotheken von Teheran, Rescht und Hamadan werden von deutschen Apothekern geleitet, während die übrigen deutsches Eigentum sind und von Persern geführt werden, die in deutschen Apotheken ihre Lehrzeit durchmachten. Einen glänzenden Erfolg stellt die in Teheran begründete deutsche Realschule dar, die von fünf deutschen und zehn einheimischen Lehrern geleitet, heute chon 200 meist aus Söhnen der ersten Stände Periens sich zusammensetzenden Schüler zählt und mit Verbreitung der deutschen Sprache auch den jungen Persern den Weg zu Deutschlands Werkstätten der Wissenschaft und Wirtschaft weist. Wird die Zihl der Konsulatsbeamten im Laufe der Jahre mit Errichtung neuer Konsulate größer, teilt man den deutschen Bankniederlassungen in der Provinz(Täbris, Kermanschah, Buschehr) einen Arzt zu, wie dies die Russen und Engländer an verschiedenen Punkten Persiens, so in Kermanschah,, in Mesched, unter Charkterisierung derselben als Konsulatsärzte getan haben, lassen sich einige deutsche Firmen im Lande an den schon genannten Orten nieder, so dürfte die Zahl der Reichsdeutschen sich im Laufe der nächsten Jahre nicht unerheblich vermehren. Zur Ronzessionsverlängerung für den Suezkanal. Die am 9. Februar begonnene Generalversammlung der Aktionäre der Suezkanal=Gesellschaft, welche besonders über die Konzessionsverlängerung beraten sollte, dürfte inzwischen diesen Vorschlag angenommen haben. Die bisherige Konzession, welche erst im Jahr: 1968 abläuft, sollte auf englischem Drängen um weiLandesverwaltung tätig. In den achtziger Jahren war er bei den Gesandtschaften in Peking und Belgrad tätig, sodann 3 Jahre Botschaftsrat in Madrid; 1890—96 Gesandter in Marokko, darauf Gesandter in Bern und Peking. 1905 wurde er als Gesandter in außerrodentlicher Mission nach Marokko gesandt; er nahm dann auch als Vertreter Teutschlands an der Marokkokonferenz teil. Nach Beendigung derselben erhielt er den Botschafterposten in Lissabon und kam von dort im vorigen Jahre nach Madrid. Die Nachricht, daß in England ein indisches Regiment an den persischen Meerbusen al kommandirt hat, um dort„Ordnung zu schaffen", d. h. um den englischen Einfluß von Persien her gegen Mesopotamien durchzusetzen, lenkt die Aufmerksamkeit auch In Persien, das mehr auf die Frage des Deutschtums als bisher Beachtung in der deutschen Heimat beanspruchen darf. Nach den Feststellungen des verdienstvollen Forschers Dr. Hugo Grothe in den neuesten „Beiträgen zur Kenntnis des Orients" beträgt die Zahl der in Persien ansässigen deutschen Reichsangehörigen 74. Ein großer Teil von ihnen befindet sich in der Landeshauptstadt Teheran(34). Bezieht man die wenigen Schutzgenossen, zumeist Schweizer. in Teheran, Täbris und Isphahan ein, so hat man 78 Seelen. Betrachtet man die deutschen Reichsangehörigen hinsichtlich ihres Berufes, so zeigt sich, daß 6 Deutsche als Reichsbeamte der Gesandtschaft in Teherau und dem deutschen Konsulat in Buschehr angehören; 4 sind Apotheker, 2 Aerzte. 5 Lehrer, 6 Missionare, 13 Kaufleute, 2 Militärinstrukteure, 1 Journalist, 1 Baumeister, 2 Mechaniker, einer davon Kaxitän eines kleinen Tampfers auf dem Urmiasee, Telegraphist. An deutschen Handelsfirmen, die für die Einfuhr und teilweise auch für die Ausfuhr in Betracht kommen, bestehen 6 Häuser. Während die Zivilisationsarbeit englischer und amerikanischer Aerzte, Hospitäler und der ihnen angegliederten Apotheken in Persien bereits auf eine bedeutende Entwicklung zurückblicken kann, hat man sich von deutscher Seite erst in letzter Zeit diesem segensreichen Felde zugewandt. An deutschen Aerzten praktizieren in Persien zwei, beide in Teheran, einer ist Gesandtschaftsarzt und Leiter des persischen Xl. Bitter 4es DER SURZ-RACAE Mansta Sieenbolen. Ratien — Aurarenstnassere* #° uwestor, Lamictun# 5711 Dortmunder Stadttheater. ms. Dortmund, 10. Februar. „Judith“. Die gestrige Aufführung von Hebbeks„Judith“, Mitteilu die nach Mitteilung aus dem Theaterbureau die letzte in dieser Saison gewesen sein soll, fand zu volkstümlichen Preisen und, was mich überaus gefreut hat, vor beinahe ausverkauftem Hause statt. Der gute Besuch oieser Vorstellung dürfte für die Direktion vielleicht die Veranlassung sein, dieser letzten noch eine allerletzte und schließlich eine unwiderruflich allerletzte folgen zu lassen. Denn irgend einen plausiblen Grund, den Judith=Aufführungen jetzt ein jähes Ende zu bereiten, vermag ich nicht zu erkennen. Im Gegenteil. Die Tatsache, daß wir in Frl. Hennig eine hervorragende Judith=Tarstellerin haben, mußte allein schon weitere Aufführungen rechtfertigen. Nachdem in Frl. Rottmann eine Hofschauspielerin von auswärts und zwar eine, die die Judith zu ihren Paraderollen zählt und auf ihren Gastspielreisen häufig zu spielen hat, mithin bis ins kleinste Tétail beherrscht und beherrschen muß, sich den Tortmunder Theaterbesuchern eine vollendete Künstlerin vorgestellt hatte, durfte man gespannt darauf sein, wie Frl. Genn ia von dem heimischen Schauspiel=Ensemkble sich mit der Judith abfinden würde. Es war mir von vornherein klar, daß Frl. Hennig ebenso wie Frl. Rottmann ihrer Aufgabe völlig gewachsen sein würde. Sie hat mich in meiner Erwartung nicht getäuscht: sie ist dem komplizierten Charakter der Indith nschts schuldig geblieben. In Hebbels Judith srie A die verschiedenartigsten ind entgegengesetzten pindungen wieder und vertragen sich miteinander. Judith ist gottesfürchtig und ihre Frömmigkeit ist echt und tief. Sie liebt ihr Volk und zögert nicht, sich für sein Heil zu opfern. Toch befreit sie ihr Volk nicht, wie die naiv=heroische Jungfrau von Orleans, sondern wie eine sinnliche, überschwengliche Orientalin, deren Weg durch die Sünde geht. Ju ditä M•*—.-..— wird an den gesaßten Beschluß der Gesellschaft nichts ändern können. Die Engländer, welche in den 60er Jahren, wenn auch nur indirekt, dem Bau des Kanals die grohmöglichsten Hindernisse in den Weg legten, sind in den Jahrzehnten systematisch vorgegangen, um den Kanal ganz in ihre Hand zu bekommen. Die verfahrnen Verhältnisse in Aegypten taten das Ihrige, um den Briten diesen Plan zu erleichtern. Obwohl nun vorwiegend Gründe politischer Art die Konzessionsverlängerung, d. h. die völlige Preisgabe des Kanals an England vorlagen, wird natürlich ein anderer Grund vorgeschoben, der vom wirtschaftlichen Standpunkt außerordentlich für den Vorschlag sprechen soll. Die Unzulänglichkeit des Kanals und das seit Jahren bestehende Verlangen nach dem Bau eines Parallelkanals soll die politisch höchst bedeutsame Forderung durchdrücken. Um diesen Bau auszuführen, wird nämlich beabsichtigt, das Kapital der Gesellschaft zu erhöhen: als Gegengabe für diesen neuen großen Ausbau des Unternehmens verlangt die Gesellschaft die Verlängerung der Konzession. Mit allen anderen Staaten ist auch das Deutsche Reich erheblich daran interessiert, daß jetzt bei den Beratungen die übermäßig hohen Gebühren der Suezkanal=Gesellschaft verringert werden; betrugen doch die von deutschen Schiffen entrichteten Durchfahrtsgebühren im vorigen Jahre allein über 15 Millionen Mark. Die Gebühr stellt sich gegenwärtig auf 6,20 Mark für die Tonne und auf 8 Mark für den Reisenden; ein Dampfer von 7500 Tonnen und 400 Reisende an Bord hat demnach nahezu 50000 Mark an Gebühren zu eitrichten. Es wäre zu wünschen, daß die wiederholten Einsprüche der am meisten von diesen enormen Gebühren betroffenen Länder bei der jetzigen Neuordnung der Kanal=Gesellschaft Berücksichtigung fänden. In unserer beistehenden Karte ist der Suezkanal In seinem Gesamtlause zur Darstellung gelangt. Die erste Strecke von Port Said bis Ismailia mußte s. Z. sast gänzlich in festes Land neu gegraben werden, mit Ausnahme der Uferstrecke von Port Said bis Ras el Ech. Südlich Ismailia durchschneidet der Kanal den großen Bittersee und den damit verbundenen kleinen Bittersee,, um nördlich Chalouf wieder durch festes Land zu kommen. Die Entstehung des Suezkanals ist allgemein bekannt. Die ursprünglichen Kosten des nach dem Negreööi'schen Projekt zur Ausführung bestimmten Kanals waren auf 200 Millionen Francs veranschlagt, eine Summe, die lich später, da sich fortgesetzt bauliche Verbesserungen notwendig machten, wesentlich erhöhte. Die Frequenz des Kanals ist in fortwährender Steigerung begriffen. Ausland. tere 40 Jahre bis 2008 verlängert werden. Diese beipiellos vorzeitige Verlängerung der Konzession bezweckte nichts weiter, als den englischen Einfluß in der Kanalverwaltung noch mehr zu festigen und die Aegypter, welche seit langem hiergegen heftigen Protest erhoben, vollends an die Wand zu drücken. Die ägyptische Nationalverwaltung, welche nur eine beratende, keine beschließende Stimme in dieser Angelegenheit hat, ditä it nicht nur Bekennerin und Märtyrerin, sie ist vor allem Weib mit allen Instinkten eines jungen, nach Leben dürstendenden Weibes. Und deshalb ist ihr Gegner nicht blos der Feind ihres Volkes, den es zu vernichten gilt, sondern in ihm tritt ihm auch der Mann gegenüber, den sie haßt und ersehnt zugleich, und sie steht so sehr unter dem Einfluß seiner Kraft, daß sie fürchtet, ihr Herz könne schwanken und ihr Plan sich ändern. Man wird mir ohne weiteres zugeben, daß es nur eine auf den Höhen der Kunst wandelnde Darstellerin vermag, dieses Hin und Her der Stimmungen und Empfindungen in überzeugender Weise zum Ausdruck zu bringen. Weiter aber wird man mir auch beistimmen, wenn ich behaupte, daß Frl. Hennig durch die Verkörperung der Judith in diesem Sinne des Dichters von Neuem den strikten Nachweis erbracht hat, daß sie eine reise Künstlerin ist, die nicht in althergebrachten, ausgetretenen Bahnen sich bewegt, sondern sich mit bervorragenden Schaffenskraft an die schwierigste Aufgabe heranmacht, um diese sowohl in großzügiger Weise zu lösen als auch in die Details sich zu vertiefen. Ich will hier nicht Vergleiche anstellen, sondern nur konstatieren, daß wir die Judith in zweierlei Auffassung dargestellt erhielten, beide Male jedoch in einer Auffassung, die ihre Berechtigung hat. Ich freue mich dessen und zwar im Interesse Frl. Hennigs, die bei Ankündigung des Gastspiels Rottmann vielleicht zu sagen versucht gewesen ist, daß der Prophet nichts gilt in seinem Vaterlande, sofern sie die Tortmunder Bühne einmal als ihr Vaterland betrachten wollte. Die gestrige Vorstellung hat Frl. Hennig jedoch gezeigt, daß die Tortmunder ihre Kunst voll zu würdigen verstehen. Lauter Beifall wurde ihr verdientermaßen zu Teil und zwang sie wiederhölt vor den Vorhang, um sich dankend vor ihren Bewunderern zu verneigen. Ich kann es mir bei dieser Gelegenheit nicht versagen, meinem Bedauern Luft zu machen, daß Frl. Hennig am Ende der gegenwärtigen Spielzeit schon wieder aus dem Verbande unserer Bühne ausscheidet. Dies Bedauern wird von sehr vielen Theaterfreunden geteilt.„„„ gt 14 — Einen zoologischen Garten soll, wie hiesigen Blatte mitgeteilt wird, Tortmund Ein Konsortium soll die Hohertsburg zu einem“ park umgestalten wollen. Eine Hörder Brau das Etablissement auf längere Zeit zu diesem## gepachtet. — Polizei=Bericht. In der Nacht zum Mu woch bezw. im Laufe des Tonnerstags des Tonnerstags wurden Personen festgenommen und zwar: je 5 wegen ap;“ stahls und Umzertreibens, 3 wegen Trunkenbeit: wegen Unsugs und je 1 wegen Obdachlosigkeit.s telns, Haftbefehls, Uebertretung der sitten chen Vorschriften, Ueberweisung an die Landespol# behürde und zwecks Unterbringung in Fürsoraeer hng. rrr hung. —* Vom Dortmundischen Magazin“ ist soNr. 15 erschienen und hat folgenden Inhalt: Wein, lische Dichter des 17. Jahrhunderts. Von Dr. g. kum. 5.— Spiegelungen von Bernhard Naza. Studentische Unterrichtskurse für Arbeiter und ihre wicklung in Münster. Von Reserendar Otto Zo### — Dankel Friedrich Eduard Wilsing. Von W. 5.— Naturwissenschaftlicher Verein.— DortmuntTheaterbericht.— Vorträge und Vereinsanzeign. —“ 3. Vereinskonzert der Musikalischen sellschaft. Bei dem am Sonntag, den 20. Febunachmittags fünfeinhalb Uhr im Festsaal des alten hauses stattfindenden 3. Vereinskonzert vorgenannte Gesellschaft kommt u. a. das„Deutsche Liederpiel“## Heinrich Herzogenberg, einem feinsinnigen Komponiste dessen große Werke wie„Requiem",„Die Geburt Ch sti“ und die„Passion“ hier leider noch unbekannt blieben sind, zur Aufführung. Die Solis bei diee interessanten Stück werden von Frl. Emmy Heine u Herrn Robert Schirmer gesungen, während die## händige Klavierbegleitung von Frl. Helene Telle#### und Herrn Willy Eickemeyer ausgeführt wird. Programm enthält ferner deutsche Volkslieder zur La# gesungen von Herrn Robert Kothe aus München. Der Stuhlplan für das Konzert liegt im Verkehubüro auf, woselbst auch die Eintrittskarten zu habg sind. England. London; 9. Februar.„Daily Mail“ will erfahren haben, daß das vorläufige Programm der kom menden Session das folgende sein werde: Zunächst werde das Budget für das laufende Finanzjahr im Unterhause durch die Resolution des Unterhauses angenommen werden.. Darauf werde der Schatzkanzler das Budget für das kommende Finanzjahr vorlegen, worauf eine Vertagung auf vier Wochen eintreten werde.. In der Zwischenzett soll die eigentliche Vetobill ausgearbeitet werden. Diese muß dem Oberhause zur Beratung vorgelegt werden. Voraussichtlich werden die Lords die Vetobill verwerken, worauf dann eine neuerliche Auflösung des Parlaments erfolge, was wahrscheinlich im Juli der Fall sein werde. Die meisten der übrigen Blätter sind übrigens jetzt auch der Ansicht, daß das Budget in irgend einer Form zu allererst vom Unterhause wieder angenommen werden wird, bevor der eigentliche Kampf gegen die Lords beginnen kann. Konservative Zeitungen sangen jetzt schon an, zu behaupten, daß die vier Dreadnouahts für das kommende Bauprogramm unter keinen Umständen ausreichen würden, sondern daß auf jeden Fall auch diesmal wieder acht Dreadnoughts auf Stapel gelegt werden müßten. Lokales und Drovinzielles. Dortmund, 11. Februar. —“ Verein der freisinnigen Volkspartei.— In seiner gestrigen Sitzung beschäftigte sich der Verein in der Hauptsache mit der preußischen Wahlrechtsresorm. Nachdem der Vorsitzende, Herr Justizrat Doepner, einen Ueberblick über die einschneidendsten Bestimmungen des Regierungsentwurfs gegeben hatte, entspann sich eine sehr lebhafte Debatte, die mit der einstimmigen Annahme folgender Resolution endete: Der Verein der Freisinnigen Volkspartei Dortmund ersucht die freifinnigen Mitglieder des preußischen Abgeordnetenhauses, bei Beratung der Wahlrechtsreformvorlage vor allen Dingen dahin zu wirken, daß die geheime Stimmabgabe und eine der Bevölkerungszunahme und=Bewegung entsprechende Einteilung der Wahlkreise in die Vorlage Aufnahme findet. sowie eine gerechtere Klassifizierung der Wähler — sofern eine solche Überhaupt nicht zu umgehen ist — eintritt; die Vorlage aber rundweg abzusehnen, wenn diesen Forderungen nicht entsprochen werden sollte. — Bundessängerfest. Das engere Komitee hat beschlössen, das Festzelt nach dem Plane des Herrn Baurat Kullrich auf der Fredenbaumwiese zu errichten. — Zwangsversteigerung. Bei der gestrigen schestr. 223 —' Lünen, 10. Febr. Die Harpener Bergba gesellschaft beabsichtigt gemeinschaftlich mit der## werkschaft Viktoria bei Lünen einen Kohlenhafenu den Zweigkanal Datteln=Hamm für ihre Zechen ßen und Viktroia anzulegen. Das für die Anlag## erforderliche Hafengelände wird von der Kanalver waitung aiterworben und an die abaetreten. Wenden(Kr. Olpe), 11. Febr. In der Näh von Altendorf wurde die Leiche des seit einiger Ze## vermißten Mitbürgers C. Schmidt aufgefunden. Au nimmt an, daß C. sich zum Ausruhen hinlegte, ein geschlafen und dann erfroren ist. Durch die Obduktio ist der Tod durch Erfrieren festgestellt worden. Oberhausen, 10. Febr. Bei Osterfeld riß dieh### gehende Emscher den Damm um. Das Wasser überflug weite Strecken. Sterkrade, 11. Febr. In Osterfeld lehnte s# spät abends ein junger Mann, um auszuruhen, ui n Rücken gegen das Fenster. Das Fenster g## nach und der junge Mann stürzte hinaus. Er bli# mit dem Kpof nach unten im Fenster hängen, konm sich nicht befreien und fand in dieser Lage eim entsetzlich qualvollen Erstickungstod. Bielefeld, 10. Febr. Die Landtagsersatzwahln Wahlkreise Halle=Herford, für den verstorbenen Abn ordneten Lorentz, findet am 8. März d. J. statt. Düsseldorf, 10. Febr. Die in der vorigen Wo# verhafteten Eheleute Gendarm Hänichen und Frau#### aus der Haft entlassen worden, nachdem zwischen ihm und der geschädigten Gesellschaft Eureka ein Vergleit zustande gekommen ist. Der Sohn des Hänichen hatt dieser Gesellschaft einen Betrag von 113000 Mark m terschlagen, wofür er zu einem Jahre Gefängnis on urteilt wurde, das er am 1. Februar abgebüßt hutte Die Haussuchung bei den allen Hänichen förderte, schon gemeldet, einen Betrag von 60000 Mark u Tage, der aus dem unterschlagenen Gelde herrühn. Der verhaftete ehemalige Gendarm hat sich bereit# klärt, der Gesellschaft noch 30000 Mark, im gana also 90000 Mark zu zahlen. Das Verfahren gege die alten Leute wegen Hehlerei geht natürlich weitch Auch der Sohn Hänichen wurde am 1. Februar,### seine Strafzeit abgelaufen war, von neuem in Ur tersuchungshaft genommen. Köln, 11. Febr. Der Rhein und seine Nebensli se, mit Ausnahme der Mosel, steigen weiter. Aeußin traurig sieht es im Ahrtal und im Laufe der Wupc aus, wo das Hochwasser große Verheerungen auft richtet hat. Bei Hönningen machte eine Frau m ihren Kindern einen Spaziergang am Rhein lang, als ein Kind stolperte und von den doch gehenden Wogen verschlungen wurde. Die Mum mußte von einem Selbstmord gewaltsam zurüch halten werden. Unterhalb Cochem kenterte ein N### der von einem zum anderen Ufer setzen wollte, won ein Mann ertrank. In Arsoff geriet der 76jähng Nachtwächter während des Dienstes an einer dunh Stelle ins Hochwasser an der Werft und ertrank. Leiche ist noch nicht geborgen. Köln, 10. Febr. Der Rheinpegel zeigte heute aben 6 Uhr eine Höhe von 6,50 Meter. Das Wasser noch im Steigen begriffen. Coblenz, 10. Febr. Der Rheinpegel zeigt 5.83 Meter. Der untere Rheinanlagenweg und Rheinwerft sind Überflutet. Das Wasser steigt si lich um einen Zentimeter. Zwangsversteigerung der Besitzung Rheintschestr. 223 blieb der frühere Bauunternehmer Brothuhn mit 140000 Mark Letztbietender. —' Feierschicht. Donnerstag wurde auf der „Kaiserstuhl 2“ wegen Mangels an Absatz gefeiert. —' Unfall beim Rollschuhlaufen. Gestern Nachmittag verunglückte beim Rollschuhlaufen auf dem Hohen Wall der 10jährige Sohn des Obermeisters Gustav Hombeck, hier, Humboldtstraße 23. Ter Junge lief direkt gegen einen Straßenbahnwagen und wurde überfahren. Er trug erhebliche Verletzungen im Gesicht und an einem Beine davon und mußte sofbet einem Arzte überwiesen werden. —' Abbruch und Neubau. Das alte, Herrn Apotheker Funke gehörige Gebäude Westenhellweg 24 — Schwanenapotheke— wird nächste Woche abgebrochen und auf dem Bauplatze eine moderne Apotheke nebst Geschäfts= und Wohnhaus errichtet werden. Das alte Gebäude ist wohl eines der ältesten in Dortmund, da Nachweise vorhanden sind, daß das Gebäude bereits 1720 gestanden bet. Während des Neubaues wird der Apothekenbetrieb in das Erdgeschoß des gegenüberliegenden Gebäudes Westenhellweg Nr. 9 verlegt. Aus dem Gerichtssaal. aise Aülier ie gare ecer in beniche, Siolit Fru die Untersch e in Werl e eshice Soest einzufordern uhr vormittags zu W' Der Arbeiter Hei Lbei der Familie Bohl burde auch beköstigt. als Bohland zu m. sche in das Heser aus einem Ven 10 Mark. Die anidenr StreF ihg te den frechen Mensch Pecs enutehesen ut Auchchaue brrbeit nann von Tortmund brnber à. J., seinen Schwedtke Kleidungsst Mark Baargeld st Came ein Strafe von 1 Jahr Bahren Ehrverlust. Wegen Betruges sich der Gärtner Fra korten. Der Ange Schneider wegen Lie dung getreten. Sch eine Anweisung über die Hengst auch abh der bis heute noch n erhob er auf Grund jung auf den Namei der Soester Bank ei Bericht beschloß, die vertagen, um den Le den, da der Angeklag Kunkeln erworben erfolgte Verhaftung den. Der Bergmann nen schrieb einen Br in welchem er ersuch den damit der Krar den werde. Die Staals eine Aufforber### nende Leben auf u dieserhalb zu 3 Tag Strafkammer Dortmund. Dortmund, 10. Februs: Die Witwe des Landwirts Schulze=Klottrege Klotingen ist durch die Ausstellung von Gefäll“chng n wechseln in eine unangenehme Situation Die Genannte war mit den Eheleuten Johann a in Tortmund befreundet und hatte auch gen dahin gemacht, als wenn es ihr auf mehrere send Mark nicht ankomme, wenn eine mit“ reichen Nachbarn bevorstehende Heirat wirklich würde. Frau Schulze=Klotingen unterschrieb den leuten Ahlers zwei Wechsel über 750 Mark und Mark lautend, die nach Fälligkeit unter Prozer#e# gen. Der Thierarzt Hermessen in Soest, über 1000 Mark lautenden Wechsel in Hän## te übergab denselben der Polizei, al. V. Weglel in Klotingen geltend machte, sie habe keinen gesenten dieter Höhe unterschrieben, sondern den ahe uckers nur zwei Blanko=Wechsel aus Gefälltn“ c geben und zwar über 300 und 500 Mark IoL nklage nimmt nun an, daß die Eheleute A### nnsichtiger Absicht dir Wech Heur teihernschäite Leipzig. 10. warf die Revisi Blohmeschen W der am 30. Oktober wegen Verleitung Meineid, unter Anre letzung auferlegten zu einem Jahr sechs den war. De Hannove sich in Holt dreißigjährig eines Gutst sich der jung jugendlichen entind. Die tödlich. Alhalte, erhän Potsda des Bankhau Wie es heißt taben. Posen, der Bür Betrugs, 1 verhafte Frank Landmar Anzeige weg war, verübt " Bresla Entführn im Kreis# von denselben auch zum Zweck der er. Jolt, wie zortmund 31 toge mag lannna in Zahlung geben. Die EheFrau Schutze elgtigeg habe er#.####r)„#aupten, Frau Schulze=Klotingen habe 750 und 1000 Mk. und sei auch mit dem Gebrauch derser(u. urrei#unterichtieben, den gewesen, Frau Schulze=Klotingen zu diesem Zuch##ben Alupe'in heutigen Termin vor der Strafkammer ###bela Wtetntei. Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Hradn Vise uu und guour wwürcde behguhtet, dob ken 9els:„ Bunterschrift des Getreidehändlers Schetdie 8tnug unberechtigter Weise selbst vollzogen und ##### die Aufhebung eines gegen sie angesetzten badurch“„ztermins erreicht habe. Das Gericht bediesbezüglichen Akten vom Amtsgericht Aloß„„ukardern und die Sache bis Samstag Lagazin“ ist soebn n Inhalt: Weitz, 9. Von Dr. 94. ernhard Nazal.— beiter und ihre En, idar Otto Kon. Von W. Feusg n.— Dortmundg Vereinsanzeign Musikalischen g. , d e n 2 0. F e b e r s tsaal des alten Rat# mnzert vorgenanzg sche Liederpiel“ vo# mnigen Komponikg „Die Geburt Chil noch unbekannt se e Solis bei diesen Emmy Heine un während die viI. Helene Telleriy geführt wird. D# olkslieder zur La## e aus München. liegt im Verkehuittskarten zu habe Harpener Bergba iftlich mit der# ien Kohlenhafen u r ihre Zechen Pre#is für die Anlag# von der Kanalver Haféniurereisen br. In der Näh es seit einiger Zei aufgefunden. Mar ruhen hinlegte, ein Durch die Obduktio gestellt worden. sterfeld riß dieho# as Wasser überflutg osterfeld lehnte s#t im auszuruhen, mit Das Fenster g## e hinaus. Er bli# nster hängen, konm dieser Lage eim d. indtagsersatzwahln verstorbenen Abn März d. J. statt. i der vorigen Wo# nichen und Frau sin# ichdem zwischen ihm Eureka ein Vergleit des Hänichen hatt n 113000 Mark m ahre Gefängnis vur ruar abgebüßt hatte änichen förderte,# n 60000 Mark u nen Gelde herrührt. m hat sich bereit i 0 Mark, im ganza as Verfahren gege zeht natürlich weite. am 1. Februar, von neuem in Ur gel zeigte heute gber eter. Das Wasser kheinpegel zeigt lanlagenweg und Wasser steigt tur chtssaal. tmund. ortmund, 10. FebruckSchulze=Plotirige n0 von Gefälgret Situation euten Johann Ahl hatte auch Andetn, ür auf wohrer k. Seint Piehich en it unter Prser b in Soeft. de u chsel 17, Bür Schalge #l. als Frau. E/7s de keinen Pegeage idern den W“##### aus eische sle ##eest einzufordern und die o#Xer Arbeite Hein, Hervig sand aus Mitleid dot gamilie Bohland in Rauxel Aufnahme und der D# geköstigt. In der Nacht zum 14. Novemurie, Zohland zur Arbeit war, schlich sich der Ertzache in das Schlafzimmer der Frau und Rahl E½ aus einem Beutel, den sie um den Hals hatte, Die Frau bemerkte den Dieb erst, als dieser 90# Zimmer schlich. Die Strafkammer verurteilE hen frechen Menschen wegen Diebstahls zu 1 Jahr ir nis und 5 Jahre Ehrverlust. # Ein unverbesserlicher Dieb ist der schon oft auch Zuchthaus vorbestrafte Anstreicher Edmund HeideWit 0y Hortmund, der in der Nacht zum 27. Noußer 1. I. seinem Schlafkollegen, dem Arbeiter Schwedtke Kleidungsstücke im Werte von 100 Mk. und Baargeld stahl; dann entwendete er einer Lame ein Jakett. Der Langfinger erhielt heute eine Etrafe von 1 Jahr 3 Monaten Gefäignis und 5 b#sEiegen Betruges und Urkundenfälschung hatte uch der Gärtner Franz Hengst aus Soest zu veranthorten. Der Angeklagte war mit dem Landwirt Schneider wegen Lieferung von Runkeln in Verbindung getreten. Schneider sandte dem Angeklagten eine Anweisung über 43 Mark an die Soester Bank, die Hengst auch abhob. Die Bestellung hat Schneider bis heute noch nicht ausgeführt. Im November erhob er auf Grund einer von ihm gefälschten Anweiuung auf den Namen des Landwirts Schneider von der Soester Bank einen Betrag von 80 Märk. Das Bericht beschloß, die Verhandlung bis Samstag zu vertagen, um den Landwirt Hinne aus Soest zu laden, da der Angeklagte behauptete, von diesem habe er Runkeln erworben und sei durch seine inzwischen erfolgte Verhaftung an der Absendung gehindert worden Der Bergmann Valentin Kanitschli von Lünen schrieb einen Brief an einen Kölner Kurpfuscher, in welchem er ersuchte, ihm doch einen Tee zu senden damit der Krankheitszustand seiner Frau gehoben werde. Die Staatsanwaltschaft faßte diesen Brief als eine Aufforderung zum Verbrechen gegen das keigende Leben auf und verurteilte Kämitschli heute dieserhalb zu 3 Tagen Gefängnis. Leivzig. 10. Febr. Das Reichsgericht verbarf die Revision des früheren Hausvaters der Blohmeschen Wildnis, Friedrich Colander, der am 30. Oktober v. Is. vom Schwurgericht Altona wegen Verleitung mehrerer Fürsorgezöglinge zum Neineid, unter Anrechnung der ihm wegen Körperverletzung auferlegten Gefängnisstrafe von acht Monaten zu einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus verurteilt worden war. Hannover, 10. Febr. Ein ergreifendes Drama spielte sich in Holtensen bei Weetzen ab. Dort feierte ein dreißigjähriger Telegraphenausseher mit der Tochter eines Gutsbesitzers Hochzeit. Nach der Feier begab der junge Ehemann auf den Hof und zeigte dem sugendlichen Schwager einen Revolver, der sich plötzlich entind. Die Kugel verletzte den jungen Bauernsohn tödlich. Als der Ehemann sah, was er angerichtet haute, erhängte er sich. Potsdam, 10. Febr. Bankier Albrecht, Inhaber des Bankhauses Ullrich Wolff, hat sich erschossen. Die es heißt, soll er Depotunterschlagungen begangen taben. Posen, 11. Febr. In der Stadt Reisen wurde er Bürgermeister Schalowski wegen Betrugs, Unterschlagung und anderer Vergehen verhaftet. Frankfurt a. M., 11. Febr. Der Bürgermeister Landmann in Nieverlemmen, gegen den eine anzeige wegen Urkundensälschung und Untreue erstattet war, verübte Selbstmord durch Erhängen. Breslau, 10. Febr. Eine interessante Entführungsgeschichte wird aus Wansen A Kreise Ohlau gemeldet. Ein 65jähriger dütsbesitzer, der seit 30 Jahren Witwer ist, entein junges Mädchen aus achtbarer Familie, die Braut eines hohen Verwal(ungsbeamten. Die junge Dame, ein Fräulein * 2, besand sich in einem Pensionat. Der Gutsbesitzer sund sich dort ein, gab sich der Vorsteherin gegenüber ei Onkel der Dame aus und bat um die Erlaubnis e einem Spaziergang, von dem Fräulein v. D. nicht zurückgekehrt ist. Zwei Tage darauf erhielt die Ferusvorsteherin aus London die telegraphische neidung, daß dort die standesamtliche Traudes jungen Paares vollzogen worden sei. In se### Lirche von Brüssel soll die kirchliche Trauung rattgefunden haben. 5om, 10. Febr.„Secolo“ meldet aus Buenos *s comantafte Details über eine im Hochgebirge S.sa.“#ien gemachte gransige Entdeckung. w war es gelungen, in den Bergen, die im e#cn von Nio Negro gelegen sind, eine Bande von #eit#en(chinesischer Herkunft) zu entdecken, die #un gueten eine fortgesetzte Gefahr für die Reisenden sind mirreng, ann 144 Chile waren. Diese Banditen Unain#er ausraubten und töteten, sie brieten die und abgrr#: die ihnen in die Hände gefallen waren, schollen n sie auf. 62 argentinische Händler, die verhaber dürften ihr Leben auf diese Weise verloren Priet ein mi 1. Febr. Beim Karnevalssest zus dem sch 1.?.pi“ und Watte dekorierter Wagen, Kreisen 5.lunge Damen aus den vornehmsten schwere g. In Brand. Alle Mädchen erlitten aus Eiter: Es heißt, ein junger Mann habe zggen angesteckt. ###teil des„## 16. Fed.. In einem WagenLiert####ach Ocana fahrenden Zuges exploeinem### eine Bombe, welche ein Unbekannter P#lleumaschr sich führte. Der Träger der elben Abig zowie zwei Frauen, die sich in demEfunben, Suns##de“, wurden als Leichen aufegenabtei]„## Arbeiter, die in dem anstoßenden #3 Vermutet, das de. shwere Verletzungen ##te, um dar####### Unbekannte nach Ocana reisen Schicktaf zugug.n. zu verüben, wobei er vonl Schiasal ereilt wurde Handel und Frankfurter Abendbörse. Kredit 1 1 212,50 Dresdener Bank 166,30 Pfälzische Bank 101,20 Staatsbahn 161,30 Baltimore 114,30 Allg. Lok. u. Straßenbahn 154,75 Norddeutscher Lloyd 102,60 5prozentige Mexikaner 101,40 Türkenlose 178,20 Bochumer 246,10 Harpener 207,00 Deutsch Luxemburger 217,30 Kunstseide 195,00 Bast Spiritus. 235.00 Hoch= und Tiefbau 73.25 Diskonto 196,60 Nationalbank 130,50 Länderbank 127,80 Lombarden 22.80 Elektrische Hochbahn 121,25 Paketfahrt 136.20 4prozentige 02er Russer. 91,20 Leinhalbprozent. Amort. Port. 80.25 Laura 189,75 Gelsenkirchen 217,25 Eschweiler Bergw. 209,00 Chem. Weiler ter Meer 193,00 Rüttgerswerke 190,00 Holzverkohlung 210,00 Kleyer 383.25 Tendenz: Behauptet. 2 ** Berlin, 10. Febr. Der Diskont der Reichsbank wurde heute auf 4 Prozent, der Lombardzinsluß auf 5 Prozent herabgesetzt. Letzte Telearamme. Preßstimmen zur Wahlrechtsrede von Bethmann Hollweg im Abgeordnetenhause. Berlin, 10. Febr. Zur heutigen Abgeordnetenhausrede Bethmann Hollwegs, sagt die„Voss. Ztg.“: Es bleibt bei der Oeffentlichkeit der Abstimmung, schon damit nicht am Ende auch der Bundesrat demokratisiert wird. Und wenn auch Preußen in seiner„Eigenart“ hinter den deutschen Bundesstaaten zurücksteht, hinter den meisten Kulturstaaten und jetzt selbst gegen Persien, das die geheime Wahl eingeführt hat— es marschiert doch an der Spitze der Zivilisation, in Deutschland voran, in der Welt voran. Hurra! So ungefähr war der Sinn dieser Rede, die überwiegend einer Predigt, dann einer Plauderei und am Schlusse einem Triumphgesange glich. Der Ministerpräsident ist ärgerlich, daß man über Parlamentssitzungen wie über Theatervorstellungen berichte. Aber es geht manchmal nicht anders. DTenn man hat den Eindruck, über eine Komödie oder Tragikomödie mit einem nicht immer glücklichen und sieghaften Helden zu berichten. Das„Berliner Tageblatt“ schreibt: Die„große Rede“ des preußischen Ministerpräsidenten war seit Wochen angekündigt worden. Man hatte diesmal eine rhetorisch interessante Leistung erwartet. Es war nur eine zusammengestoppelte Ansprache, die jeder Disposition, ebenso wie jeder eindringlichen Behandlung der in Betracht kommenden Fragen entbehrte. Ein einziges Mäl sprach der preußische Ministerpräsident von dem„freten und vorurteilslosen Geist", mit dem Preußen sich erfüllen müsse. Von solchem Geist war leider in seiner Rede keine Spur zu finden. Aber dieser Geist lebt in der Tat, und wird über Herrn von Bethmann Hollweg wie über seine Wahlrechtsvorlage schließlich triumphieren. Die„Germania“ konstatiert, daß das Zentrum sich zu der Rede schweigend verhält und bemerkt weiter: Im großen und ganzen kann man von dieser Rede sagen„daß sie äußerlich nicht ungeschickt war, aber daß sie viel redete und wenig sagte. Für die„Deutsche Tageszeitung“ war die Rede zwar ein Genuß, nur habe ihr gerade in dem entscheidenden Punkte die zwingende praktisch=politische Durchschlagskraft gefehlt. Die Reise des Prinzen Heinrich nach England. Berlin, 10. Febr. Prinz und Prinzessin Heinrich werden die Reise nach England voraussichtlich am Montag abend antreten und zwar unter Benutzung des Schnellzuges Hamburg=Köln= Vlissingen, wo das Prinzenpaar Dienstag morgen durch den deutschen Gesandten im Haag begrüßt werden wird. Die Ueberfahrt nach Dover erfolgt mit dem Dampfer„Deutschland". Das Befinden des Königs Gustav. Stockholm, 10. Febr. Die Besserung im Befinden des Königs hat gute Fortschritte gemacht. Der König schlief fast die ganze Nacht ruhig. Er hat fast gar keine Schmerzen. Der Puls ist sehr schwach. Deutschland und Holland. 's Gravenshage, 11. Febr. In der gestrigen Kammersitzung erklärte der Minister des Aeußeren:„Da van Heeckeren seine Bemerkungen gegen den deutschen Kaiser öffentlich ausgesprochen hat, so ist der Augenblick für die Regiernug gekommen, jedes Mißtrauen zu beseitigen. Die Königin hat nie einen Brief oder sonst eine Mitteilung des deutschen Kaisers über die holländische Landesverteidigung erhalten. Ebensowenig hat irgend jemand im Namen des Kaisers mit der Königin hierüber gesprochen. Nachdem der Minister noch die reundschaftlichen Beziehungen zwischen Holland und Deutschland betont hatte, wurde die Debatte über diese Angelegenheit geschlossen. Ernste Verschiimmerung im Befinden der Zarin. Petersburg, 11. Februar. Nach glaubwürdigen Mitteilungen, hat sich der Zustand der Zarin so verschlimmert, daß eine Gesundung kaum noch erfolgen dürfte. Die Zarin wandert manchmal stundenlang in den Gemächern ruhelos umher. Die Anfälle treten stets in Gefolgschaft schwerer Nervenkrisen auf. welche nach Ansicht der Aerzte auf ein Frauenleiden zurückzuführen sind, das einen chirurgischen Eingriff erfordert hätte. Zu diesem hätte sich die Zarin nicht rechtzeitig entschließen können. Zum Ableben des Grasen v. Tattenbach Madrid, 11. Febr. König Alfons, der sich wiederholt nach dem Befinden des Grafen Tattenbach erkundigt hatte, fuhr gestern bei der deutschen Botschaft vor, um persönlich zu kondolieren. Auch an den Kaiser richtete er ein in herzlichen Worten gehaltenes Beileidstelegramm, in dem es heißt, der Kaiser habe einen treuen Tiener verloren und der König einen aufrichtigen Freund, dem er stets ein Anbenken bewahren werde.— Der Posten des Verstorbenen dürfte nicht lange interimistisch verwaltet werden. Das Ableben des Botschafters wird daher wahr scheinlich in einiger Zeit zu einer Reihe von Verschiebungen der Besetzung der diplomatischen Vertretungen des Reichs Anlaß geben, denen die jüngsten abancementsbedürftigen Anwärter mit Interesse entgegensehen. Von der macedonischen Schlachtbank. Saloniki. 10. Februar. Der Kommandant des V. Armeekorps, Hadi Pascha, wurde aus Asien nach Europa berufen und zum Organisator von fliegenden Kolonnen gegen die macedonischen Komitatschis ernannt. Mittlerweile werden die Banden energisch verfolgt. Von den jüngst verurteilten Bulgaren der Dinga=Bande sind tatsächlich infolge Rücksichtnahme auf die bulgarische Erregung der Schulinspektor Filsppoff und der Professor Moltschankoff durch sultanischen Guadenakt vor der Todesstrafe gerettet worden. Dadurch ist aber wieder eine Erregung unter den Albanesen verursacht worden, und um diese zu beschwichtinen, wurde in Monastir ein anderer Bulgare, namens Torjan, der einen Albanesen namens Ilja ermordet hat, auf der Drakorbrücke gehängt. Die offiziellen türkisch=bulgarischen Beziehungen haben sich sichtlich gebessert. Doch an den Grenzen gibt es noch immer allerlei schlimme Zwischenfälle. So wurde der türkische Grenzposten bei Bayirler vou bulgarischen Soldaten beschossen. Es entstand ein Kampf, in dem es auf beiden Seiten mehrere Verwundete gab. Zwei bulgarische Soldaten wurden von den Türken auf türkischem Gebiet gefangen genommen. Es ist also noch lange nicht alle Gefahr als geschwunden zu betrachten. Besondere Beachtung verdient es, daß die Bulgaren und Griechen, die in Macedonien einander bisher als Todfeinde gegenüberstanden, einer Union zustreben. In einigen Gegenden, wie im Vorenagebiet und im Tale des Jenidsche Wardar haben beide Nationen bereits fraternisiert. Standesamts-Nachrichten. Dortmund 1. Vom 10. Februar. Geburten. Ein Sohn: Arbeiter Flesch, Hermannstraße 17. Fuhrmann Senge, Annenstraße 10. Maurer Schickulski, Herderstraße 14. Eine Tochter: Maurer Biermann, Union=Vorstadt, E=Straße 21.. Bergmann Gremm, 1. Kampstraße 11, Maler Berley, Roonstraße 15. Glaser Benningsen, Paulinenstraße 23.. Hauer Slodowskl, Schillerstraße 1. Gemüsehändler Katthöfer, Leopoldstraße 65. Milchhändler Hockermann, Kurfürstenstraße 6. Prokurist Ruhsus, Leipzigerstraße 17. Aufgebote: Brauer G. Hofmann und Maria Siekmeyer. Eheschließungen: Handlanger A. Gösker u. Maria Krause. Sterbefälle: Ehefrau Maria Höfer, Münsterstraße 118, 41 Jahre. Witwe Maria Timmermann Boonstraße 13, 63 Jahre. Bureaugehülfe A. Körde, Schwanenstraße 64, 20 Jahre. Helene Müller, Kesselstraße 59, 6 Monate. Peter Krefter, Heinrichstraße 12, 1 Jahr. Anton Bitkowski, Blumenstraße 29, 2 Jahre. Witwe Wilhelmine Dissel, 1. Kampstraße 118, 64 Jahre. Dortmund 2. Vom 10. Februar. Geburten. Ein Sohn: Stellmacher Jagodzinski. Flensburgerstraße 4. Gefangenenaufseher Paczia, Holsteinerstraße 2. Schlosser Schreier. Am Schultenhof 3. Zugführer Mühlhausen, Haydnstraße 64. Lokomotivheizer Kaiser, Lentstraße 8. Oberpostschaffner Helmich, Haydnstraße 36.. Eisenbahnhülfsschaffner Wulf, Düsseldorferstraße 48. Kelner Kurth, Schleswigerstrake 7. Eine Tochter: Großschlachter Herzberg, Mallinkrodtstraße 157. Kesselheizer Schwarz, Oesterholstraße 85. Ofenarbeiter Fingerhut, Märkischestraße 244. Kaufmann Juch, Kaiserstraße 73. Aufgebote: Lagerarbeiter J. Schwind und Maria Schweiß. Kaufmann Sally Solomon und Emmy Nathan. Eheschließungen: Lehrhauer R. Burzlaff und Maria Evels. Sterbefälle: Mechaniker A. Joerning, Mühlenstraße 4, 54 Jahre. Stephan Jankowski, Robertstraße 25. 1 Jahr. Karl Schiers, Lambachstraße 13. zu einer Sitzung der Stadtverordneten auf Montag den 14. Februar 1910, abends 6 Uhr, im Sta dtverordneten=Sitzungssaal. Tagesordnung: 1. Erste Lesung des Haushaltsplanes des Archivs, der Bibliotheien ui.d Lesehallen für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 60910 Mark, im Extraordinarium mit 17000 Mark. 2. Antrag des Magistrats,— I., 4066—, seinen. Beschlusse, daß das Wappen der Stadt Dortmund in Zukunft aus schwarzem, rotbewehrten(Schnabel und Fängen) Adler auf silbernem Grunde bestehen soll, zuzustimmen. 3. Antrag des Magistrats— 12., 4611—, die Verwaltungsordnung für die städtischen Badeanstalten zu genehmigen. 4. Antrag des Magistrats,— 8., 192—, von dem vorliegenden Finalabschluß der Kämmereikasse für das Rechnungsjahr 1908 Kenntnis zu nehmen und die endgültige Deckung der außerordentlichen Ausgaben für das genannte Jahr nach dem ebenfalls vorliegenden Vorschlag zu genehmigen. 5. Antrag des Magistrats— 4 b, 4179=09—. die durch die Teilnahme der freiwilligen Feuerwehr an dem Verbandsfeste in Hagen im Jahre 1907 entstandenen Kosten in Höhe von 1200 Mark neu zu bewilligen. 6. Antrag des Magistrats zuzustimmen, daß aus den beim Schulneubau der Pestalozzi=Overberg=Schule erzielten Ersparnissen von rund 40 bis 45000 Mark folgende Arbeiten ausgeführt werden: 1. Die Herstellung einer Einfriedigung um den Spielplatz der Pestalozzi=Overberg=Schule nach dem vorliegenden Kostenanschlage zum Betrage von 16 000 Mark und 2. Beleuchtungsanlagen in den Lehrer= und Rektorenzimmern, in der Bibliothek und auf den zugehörigen Treppen dieser Schule nach den vorliegenden Kostenanschlägen zum Betrage von zusammen 630 Mark herzustellen. 7. Antrag des Magistrats,— 12., 5626—; die bei der Vieh= und Schlachthofkasse im Rechnungsjahre 1908 bei verschiedenen Etatsposttionen vorgekommene Ueberschreitung in Gesamthöhe von 17679,14 Mark zu genehmigen. 8. Antrag des Magistrats,— 12., 4551—, fülr das laufende Rechnungsjahr bei der Viehhofkasse elnen Kredit von 3657,15 Mark und bei der Schlachthofkasse einen Kredit von 1700,45 Mark laut der vorliegenden Zusammenstellungen nachzubewilligen. 9. Antrag des Magistrats,— 4a, 984—, zur Beschaffung eines neuen Herdes für das Wohn= und Wirtschaftsgebäude am Stadthafen, an Stelle eines abgängigen, 895,42 Mark aus dem Rücklagefonds bereitzustellen. 11 1 4—1 1/1 10. Antrag des Magistrats.— 4a, 19503— dem verliegenden Erbbauvertrag vom 3. Dezember 1909 zwischen der Stadtgemeinde Dortmund und dem Reeder Kaspar Mittrop in Dortmund über die Bestelluung eines Erbbaurechts an einem 138 Quadratmeter grohen Grundstück im Hafengelände zu geehmigen. 11. Antrag des Magistrats,— 4 a, 16 861—. der im Beiblatt zum Bebauung##lan Nr. 2, Blatt 1(Küpfferstraße) dargestellten Abänderung der Fluchttinien= festsetzung der Kürfferstraße zuzustimmen. Notiz: Der Plan wird zur Sitzung angehestet und kann bis dahin im städtischen Vermessungsamt eingesehen werden. 12. Antrag des Magistrats,— 4a, 18069—. der Festsetzung von 5 Meter breiten Vorgärten a) für die Ringstraße von Märkischestraße bis Kaiser Wilhelm=Allee bezw.. Hain, b) für die Ostseite der Parallelstraße zum Kronenburggarten wie im Bebauungsplan Nr. 2, Blatt 4. dargestellt, zuzustimmen. Notiz: Der Plan wird zur Sitzung angeheftet und kann bis dahin im städtischen Vermessungsamt eingesehen werden. 13. Antrag des Magistrats,— 4a. 1005=10—. zu genehmigen, daß a) die Parzelle Flur 54 Nr. 81=34 — groß 0.33 Quadratmeter— an den Metznermeister Gustav Hermann hier, 5) die Parzelle Flur 54 Nr. 82=34— groß 1 Quadratmeter— an den Händler Julius Bredtmann hier, c) die Parzelle Flur 54 Nr. 83=34— groß 1 Quadratmeter— an den Spezereihändler Josef Solf hier gegen Zahlung eines Pauschalpreises von 50,00 Mark seitens des Händlers Jos. Solf aufgelassen wird. 14 Antrag des Magistrats,— die Verteilung der Sparkassenüberschüsse aus 1908 nach Inhalt seiner Vorlage vom 30. Januar 1910.— 8., 2648— zu ge nehmigen. 15. Antrag des Magistrats,— 10., 262—, die vorliegenden Ortsstatute vom 25. Januar 1910 betr. die Schulpflicht an der städtischen kaufmännischen und gewerblichen Fortbildungsschule zu Dortmund, welche an Stelle der bisherigen Ortsstatute vom 10. Februar 1905 und 20. Juli 1907 treten sollen, sowie ferner die infolge Einführung der Schulpflicht für die weiblichen kaufmännischen Angestellten erforderlich werdenden Aenderungen zu dem in erster Lesung des Etats bereits genehmigten Haushaltsplan der obligatorischen kaufmännischen Fortbildungsschule für 1910 nach Inhalt der Vorlage vom 28. Januar 1910 zu genehmigen. 16. Antrag des Magistrats,— 10., 7975—, zu nehmigen, daß die Verwaltungsordnung für das Kuratorium des Realgymnasiums, der Oberrealschule, der Realschule und der höheren Mädchenschule auch auf das technische Lehrerinnensemtnar und die Mädchenmittelschule ausgedehnt wird. 17. Antrag des Magistrats.— 12., 5304·09—. zu genehmigen, daß die Ersparnisse von ca., 300 Mark bei dem durch Stadtverordnetenbeschluß vom 2.. August 1909 für Ausführung von Plattierungsarbeiten im Dampfbad der südlichen Badeanstalt bewilligten Kredit von 1500 Mark für die Erhöhung der Wankplattierung im Kaltduscheraum des Schwitzbades dieser Anstalt Verwendung finden dürfen. 18. Abnahme der Jahresrechnung der Badeanstaltenkasse für 1907, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 2490004,74 Mark, im Ertraordinarium mit 22 847,86 Mark, Genehmigung der vorgekommenen Ueberschreitungen von zusammen 664,08 Mark, sowie Entlastung der Rechnungsleger.. 19. Abnahme der Jahresrechnung der Stadtheaterkasse für 1907, abschließend in Einnahme und Aus gabe im Ordinarium mit 249004,74 Mark, im Er traordinarium mit 43578,33 Mark, Genehmigung der vorgekommenen Ueberschreitung von 215,73 Mark, so wie Entlastung der Rechnungsleger. 20. Abnahme der Jahresrechnung der Gymnasial kasse nebst den dazu gehörigen Fonds für 1907, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 241 053,32 Mark, im Extraordinarium mit 2300 Mark, sowie Entlastung der Rechnungsleger. 21. Abnahme der Jahresrechnung der Kohlgartenstiftkasse für 1907 abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarkum mit 17906,94 Mark, im Extraordinarium mit 14 630,00 Mark, sowie Entlastung der Rechnungsleger. 22. Abnahme der Jahresrechnung der städtischen Altersrentenanstaltskasse für 1907, abschließend a). in Einnahme im Ordknarium mit 19212,08 Mark, im Extraordinarium mit 12000 Mark. b) in Ausgabe im Ordinarium mit 17 994,32 Mark, im Extraordinarium mit 13217,76 Mark, sowie Entlastung der Rechnungsleger. 23. Abnahme der Jahresrechnung der Kasse des technischen Lehrerinnenseminars für 1907, abschließend in Einnahme und Ausgabe übereinstimmend mit Mark 15 557,57, Genehmigung der vorgekommenen Ueberschreitung im Betrage von 88,84 Mark, sowie Entlastung der Rechnungsleger. 24. Abnahme der Jahresrechnung der Kasse der höheren Mädchenschule für 1907, abschließend in Ein nahme und Ausgabe im Ordinarium mit 151 466,83 Mark, im Extraordinarium mit 28061,77 Mark, Genehmigung der vorgekommenen Ueberschreitungen von 429,15 Mark, sowie Entlastung der Rechnungsleger. 25. Abnahme der Jahresrechnung der Realgymnasialkasse für 1907 nebst der Anhangsrechnung über den Overbeck'schen Legatenfonds, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 227 368,49 Mark, im Extraordinartum mit 182100,91 Mark, Genehmi gung einer Ueberschreitung vom 110,94 Mark, sowie Entlastung der Rechnungsleger. 26. Abnahme der Jahresrechnung der Armenkasse und der Gemeindewaisenratskasse nebst den Anhang= rechnungen über die Stiftungs= und Lazatenfonds für 1906, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Or dinarium mit 533677,48 Mark, im Ertraordinarium mit 261 654,84 Mark,:bei der Armenkasse, ferner in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 72225,54 Mark, bei der Gemeindewaisenratskasse, Genehmigung von zusammen 4183,38 Mark Ueberschreitungen bei der Armenkasse, sowie Entlastung der Rechnungsleger. 27. Abnahme der Jahresrechnung der Beerdigut kasse für 1907, abschließend in Einnahme und Aus gabe im Ordinartum mit 138 455,12 Mark, im Er traordinarium mit 41 960,43 Mark, Genehmigung von zusammen 1019,41 Mark Ueberschreitungen, sowie Entlastung der Rechnungsleger. 28. Abnahme der Jahresrechnung der Oberrealschul kasse für 1907 abschließend in Einnahme und Ausgabe mit 199 740,16 Mark, Genehmigung einer Ueberschreitung von 13,52 Mark, sowie Entlastung der Rechnungsleger. 29. Abnahme der Jahresrechnung der Realschulkasse für 1907, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 90159,55 Mark, im Extraordinarium mit 169806,71 Mark, Genehmigung von 768,91 Mark, Ueberschreitungen, sowie Entlastung der Rechnungsleger. 30. Abnahme der Jahresrechnung der Kasse der Handwerkerschule für 1907, abschließend im Ordinarium in Einnahme und Ausgabe mit 68433,10 Mark, im Extraordinarium desgleichen mit 3863,35 Mark, sowie Entlastung der Rechnungsleger.. 31. Abnahme der Jahresrechnung der Kasse der gewerblichen Fortbildungsschule für 1907, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 70557.84 Mark, im Extraordinartum mit 5000 Mark, sowie Entlastung der Rechnungsleger. 32. Abnahme der Jahresrechnung der Kasse der höheren Handelsschule für 1907, abschließend in Einnahme mit 26.802,33 Mark, in Ausgabe mit 26 950,69 Mark, mit einem Bestande von 451,64 Mark, Genehmigung der vorgekommenen Ueberschreitung in Höhe von 367,74 Mark, sowie Entlastung der Rechnungs leger. 33. Antrag des Magistrats,— 4a, 17973—. b Aufstellung von 23 Gasglühlichtaternen nach Inhalt der Vorlage vom 4. Januar 1910 zu ssenehwigen. 34. Geheime Sitzung(4 Sachen). Dortmund, 8. Februar 1910. Der Stadtverordnetenversteher: Der grosse Reste-Verkauf beginnt Montag, den 14. Februar, morgens 8 Uhr. a cünihe 204 Die riesigen Auslagen und die horrend billigen Preise werden Aufsehen und Bewunderung erregen.— Steinplatz. Dortmund Steinplatz Täglich abends 8 Uhr: Nur noch bis ine: 15. Februar das mit so großem Beifall aufgenommene glänzende FebruarProgramm. 11 Novitäten aller Weltteile. U. A.: Nr. Stauhope das elektrische Rätsel! Zerthos Glunderdressur, Gottlieb Reech, Humorist! Hoto-Babo! Olthoffs Hfacher Jocheg-Okt! u. f. v. Dortmund. Das neue Schuljahr beginnt am 13. April. Die Anmeldungen neuer Schüler erfolgen am besten unter Benutzung von Anmeldescheinen, die bei dem Schuldiener unentgeltlich zu haben sind. Im übrigen ist der Unterzeichnete zu jeder Auskunft gern bereit. 290 Prof. Dr. Schneider, Realschuldirektor. Bekanntmachung. Die Königliche Ersatzkommission für den Stadtkreis Dortmund tritt zur Musterung der Militärpflichtigen hiesiger Stadt in diesem Jahre am 21. 22. 23. 24. 25. 26. 28. Februar, 1. 2. 3. 4. ö. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 29. 30. 31. März, 1. 2. 5. 6. 7. 8. und 9. April, vormittags von 8½ Uhr im Saale des Reinoldushofes, Wißstraße Nr. 17 zusammen. Die zur Gestellung verpflichteten Militärpflichtigen haben sich sauber gewaschen und in reinlicher Kleidung bei Vermeidung der gesetzlichen Strafe zur Musterung pünktlich einzufinden und ihre früher erhaltenen Losungsscheine mitzuvringen. Jede Störung der Ruhe und Ordnung während des Musierüngsgeschäftes wicd mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mk oder mit entsprechender Freiheitsstrafe geahndet. Eine gleiche Strafe trifft denjenigen Militärpflichtigen, welcher im Musterungstermine ohne Erlaubnis der Ersatz=Kommission sich von dem angewiesenen Sammelplatz entfernt. Auch ist das Mitbringen von Stöcken und Messern in das Musterungslokal streng untersagt. Bei der Losung, die am 9. April, von Vormittags 8½ Uhr stattfiudet und nur unter der jüngsten Altersklasse d. i. unter den im Jahre 1890 geborenen Militärpflichtigen, und den etwa in früheren Jahren Uebergegangenen, ist das persönliche Erscheinen der Militärpflichtigen nicht erforderlich, weil für die Nichterschienenen von einem Mitgliede der Ersatzkomission gelost wird. Die Beurteilung der angebrachten Reklamationen erfolgt erst nach Beendigung des Musterungsgeschäfts und zwar vom 5 bis 8. April. Bezüglich der Reklamationen bemerken wir noch, daß nach den geltenden Bestimmungen diejenigen Familienmitglieder, auf deren Erwerbs- und bezw, Aussichtsfähigkeit es bei der Beurteilung ankommt sowohl vor der Ersotz- als auch vor der Ober-ErsatzKommission persönlich erscheinen müssen. Die Betreffenden haben den Nachteil, der ihnen aus der Nichtbefolgung dieser Vorschrift erwächst, sich selbst beizumessen. Die Klossifikation der Reservisten, Landwehrleute und Ersatzreservisten findet am 9. April, Vormittags nach Beendigung der Losung statt. Königl. Landratsamt des Stadtkreises Dortmund. Stadttheater Freitag, 11. Februar 1910. B, 35. 7½—10. Schauspielpr. Zum 1. Mal. 0 diese Leuinants. Sch nieding. Bekanntmachung Auf Giu d des§ 11 des Gesetzes über die PolizeiVerwaltung von 11. März 1850 verordnen wir für den Umfong unseres Regierungsbezirkes, was folgt: Gastwirte, Schankwirte und Kleinhändler mit Branntwein oder Spiritus, welche selbst oder durch ihre Angehörige resp. Geschäftsgehilfen an solche Personen, welche unzweifelhafte Kennzeichen des Zustandes der Trunkenheit an sich tragen, alkoholartige Getränke verabfolgen, oder denselben zugänglich machen, verfallen in eine Strafe bis zu 30 Mk. evtl. verhältnismäßiger Haftstrafe. Arnsberg, den 13. April 1876. Königliche Reglerung. Auf die bevorstehende Polizei=Verordnung wird insbesondere bei der bevorstehenden Musterung der Militärpflichtigen vom 14. Februar bis 5. April 1910 aufmerksam gemacht. Bei Trunkenheitsfällen wird die FestTtellung erfolgen, wo zuletzt der Trunkene alkoholartige Getränke erhalten hat. Die Uebertretung wird nicht nur mit der polizeilichen Strafe geahndet, sondern auch die Erwägung zur Folge haben, ob die Erlaubnis zum Wirtschaftsbetriebe und dem Kleinhandel mit Getränken zu entziehen ist. Dortmund, den 2. Fehruar 1910. Der Landrat: v. Rynsch. OOIHUS Kronenburg. Orchester. Dirigent: Georg Hüttner. Freitag, den 11. Februar 1910 Nur einmal jährlich! Zum Inventurpreis! „„#e Echter Plüsch prima Qualität, (keine Axminster) wundervolle Musterauswahl. Größe ca. Mk. 130/200 cm 13.25 160/230 cm 19.25 200/300 cm 29.50 250/350 om 51.50 300/400 cm 83.50 sowie ein großer Posten Teppiche mit kleinen Druckfehlern. Teppich-Haus Gebr. Engel Westenhellweg 37. aller Neuerscheinungen EETSEE Selbständige Slektro-Monteure für Licht= und Kraft-Anlagen zu dauernder Beschäftigung gesucht Verheirat. Leute werd. bevorz. Nd. Gulehoffnungshütte, Elektr. 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April 1918, vormittags 8 Uhr. für die Reklamanten aus den Aemtern Dorstfeld, Lütgendortmund, Derne und Eving. Zu denselben Terminen findet auch die Verhandlung über die Zurückstellungsgebühr der Mannschaften der Reserve, Marine-Reserve, Landwehr, Seewehr, Ersatzreserve, und Marine=Ersatz=Reserve, sowie ausgebildeter Landsturmpflichtiger des zweiten Aufgebots gemäß 8123, Nr. 2 der Wehr=Ordnung statt. Gemäß bestehender Vorschrift müssen diejenigen Familien=Angehörigen eines Militärpflichtigen auf deren angebliche Erwerbs= resp. Aufsichts-Unfähigkeit ein Anspruch auf Befreiung oder Zurückstellung des Letzteren vom Dienste im stehenden Heere gegründet werden soll, sich sowohl der Ersatz= als der Ober-Ersatz=Kommission persönlich vorstellen. Indem ich dieses zur öffentlichen Kenntnis bringe, mache ich zugleich darauf aufmerksam, daß die Reklamanten den Nachteil, der ihnen durch die etwaige Nicht befolgung dieser Vorschrift erwachsen möchte, sich selb beizumessen haben. Schmiede- und s Schlosserarbeiten Wäsche zum Glanzbügeln wird angenommen. Heroldstr. 12, II. Etg. Privat-Uuterrichts-Justitut zu Dortmund. Vorbereitung zum Examen für den einjährig=freiwilligen Dienst, sowie für obere Klassen höherei Schulen. Für auswärtige Pension im Hause. K. O. Sichting, Ardeystraße nicht mehr Alexanderstraße 15. Partmund, den 2. Februar 1910. Der Landrat: v. Rynsch. Modes. Möbl. Zimmer Perfekte 1. Arbeiterin für besseren und mittl. Geure, sowie 3 tächtige, Arbeiterinnen zum baldigsten Eintritt gesucht. Offerten erbittet Paul Marquardt, Viersenzu vermieten. Nähe der Hauptpost und des Theaters. Kuhstraße 21. Schirme in reicher Auswahl sehr preiswert. Reparaturen und Neubeziehen billig und exakt. Dickmann Wißstr. 21. Fernruf 990. 2 möblierte Zimmer Großes Lager in Abg. Etage, mit separat. Eingang mit Früstück zu vermieten. Münsterstraße 38½ 1II. 4 Räume, nebst Zubehör zum 1. April zu vermieten. Holzhofstraße 21, 1. Etage. Abg. 4 Zim.-Wohn. 2. Etg. m. Elektr. u. 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Die Polizei=Verwaltung. werden gut und billig ausgeführt Kühl 1, an der Kuckelke. Zeitungs-Ausschnitte liefert im Original über jedes Gebiet für Gelehrte, Künstler. Schriftsteller. Fachzeitschriften, Flnauziers, Grossindustrielle, Behörden etc. eic. das bestorgani—— sierteste Bureau sofort nach Erscheinen—— Klose& Seidel, Birs für Zetnug-Auschult Berlin NO 43, Georgenkirchplatz 21. Prospekte und Zeitungsliste gratis! Erste Referenzenl Landkreis Dortmund. Bekanntmachung. Die Ersatz=Kommission für die Musterung der Mi tärpflichtigen tritt in diesemn Jahre, wie nachstehend an gegeben zusammen: 1. In der Wirtschaft Reuhaus in Asseln. Hellve Nr. 193 Morgens Zeinhalb Uhr. am 14. 15. 16. und 17. Februar kür die Militärpflic tigen des Amtes Brackel. 2. In der Wirtschaft Hartmann in Lünen, Morgen 9 Uhr. am 18. 19. 21 und 22. Februar für die Militärpflichtt gen der Stadt Lünen und des Amtes Derne. 3. In der Wirtschaft Mascher in Eving, Morzel achteinhalb Uhr. am 23. 24. 25. und 26. Februar für die Militärpflichtigen des Amtes Eving. 4. In der Wirtschaft Koke in Mengede, Morsen achteinhalb Uhr. 4714 am 28. Februar, 1. 2. und 3, März für die Militärpflitz tigen des Amtes Mengede. 5. In der Wirtschaft W. Dreckmann in Castrop: Morgens achteinhalb Uhr. u# am 4. 5. 7. 8, 9, 10, 11, 12, 14,und 15 März für Militärpflichtigen der Stadt Castrop, der Aemter Sodi gen und Rauxel.„„ 6. In dem Hotel Wilhelm Specht in Lütgendortmi am 16. 17. 18. 19, und 29, März für Die Militächfsit tigen des Amtes Lütgendortmund. 7. In der Wirtschaft Korte in Marten. Morgen 8 Uhr am 30. 31. März, 1. 2. und 5, April für die Mil tärpflichtigen des Amtes Dorstfeld. 4 Die zur Gestelkung verpflichteten Militärpkliht gen haben sich bez Vermeldung der gesetzlichen Strakeden bes.—.— Dortmund, Balkenstr. 14-16. oder mit verbaltntsmütiger Haftstrafe geapnkch, Be aleiche Strafe trifft denjenigen, Militäxpflichtsegen,# cher sich ohne Erlaubnis der Ersatz=Kommistes, dem angewiesenen Sammelplatze entfernt. Auch# Mitbringen von Stöcken in das Musterungslokal Ba der Beaitbes=Ueabung Den Herr ie Gicge stidenten zu Arnsberg vom 26. Mai 1900, Amtsblatt 1900. Nr. 960. Seite 373 tst im an meinen Folgendes bestimmt:— 2.u04 M0 Die Militärpflichtigen haben zum Musterngfu# Aushebungsgeschäft in ordentlicher, sauberer und mitt rein gewaschenem Körper zu erschefunß### Innerhalb und außerhalb des Musterung= und hebungslokals haben die Militärpflichtigen„chrstäins Dauer des Geschäfts sich ordnungsmäßig und eg#en zu betragen und je kenheit. tiges Sprell—„— Das Rauchen ist den Milttärpflichtigen blatz und in den Räumen in denen das Muster von 4 und 5 Räumen nebst Zubehör sof; od. später zu verm. Näh. Kreuzstr. 32. p. verleiht ein zartes, reines Gesicht, rosiges, jugendfrisches aussehen, weiße sammetweiche Haut u. blendend schön. Teint erf. in Küche u. Haush. oder eins. Stütze ohne Fam=Anschl. Zweitm. w. geh. Frau Pastor Rehse, Berg=Gladbach. 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Secien Aechendternter W ier Hisbolche.2 scheinen der Militärpflichtigen nicht mehr stebt en denselben frat,: Etren gahezm sagen., sung zu beauftragen oder er geschehen, im Mäitali von den Eltern, Vormündern oder einem der Kommission für sie gelost wird. Dortmund den 2. Februar. 1910. Ryusch. Freita n 11. Febr bim 11 Uhr 15 Minuten ien seinen Tribüinen, al Kaschoen sote der. Seche en scheinen Soztald elg, de die beitel sethen waren. Die Bän ios vol besebt. aimn Ministertisch sg Dr. Bescler. Al5 sdent, Reichskanzler b sen Sesel Dr. Pors Die Denschrift über! zzabgaben wird der sen. Eintritt in die rosser(kons.) dem Hau eswechsel mit dem jetz snebeck, Herrn A. O. gel hat die„B. Z. * Drohung mit einem hergeleitet. Daran erlasse das Urteil darüb sitere Eingehen auf die Die erste Lesung d Der Vizepräsident erte sidenten v. Bethmann Als der Kanzler sich eben beginnen willz „Pfui!" durch den rasende Flut von Pfui alles geht aus von d geordneten Borgmann ten Sitzen erhoben hab ter ihnen sitzenden St dauert lange, da entt deren Parteien den S ließlich der Kanzler do ite gesprochen, da beg echungen durch die So Der Vizepräsident Dr die Sozialdemokrat ir Redner später da im dauert fort. Empö dem Zentrum. Der Vizepräsident D Geschäftsordnung kei tigen Lärm einzuschr einigermaßen herg Aweg zum Wo die Rede des v. Bethm Mit Ihrer Uebe ##digungen der Th hnen vorgelegte1 srenten auf den Fundlagen organ #ie damals lehnt es bese Grundlagen zu rischluß auch nich btweg an diesem E staatsregierung ha keiner Parti Pachen links, lärme pr läßt sich auch hleit leiten, sei es ndern oder jede R ich Popularität w mmen.(Lachen li pven, die hinter m behandeln, Aen per noch einer and Prein entgegentrete m gar nicht die w daß das der Sozial diese Vorlage n asus der Thronr netzt worden sei. # Ueberzeugn nigs selbst, einer ran ist kein Wo ist die Wil migs, und für die ##e Staatsregieri Ich sprach vorhi Strömung bbe Reiorm des erise sich gelte ise dis hinter das Dreiklas auf das Reic 4 in Grund un Bei de u Freitag, 11. Februar 1910. Dortmunder Tageblatt. Nr. 35. 27. Jahrgang. eun (alfandfalt. Bichner FO. mrndache oauf ar endoche. g.pempte. sgehonlienl. hung. öffentlichen Kennind lmann von hier nu# heit als Dienstman worden ist. 1910. i=Verwaltung. schnitte ebiet für Gelehrte, zhritten, Flnanziers, s. das bestorganich Erscheinen—— Zeitungs-Ausschutt. rchplatz 21. Erste Referenzen rtmund. hung. Musterung der## wie nachstehend an s in Asseln, Hellwekür die Militärpflis nin Lünen, Morgen ür die Militärpflichte Imtes Derne. * In Eving, Morzen ites Eving. n Mengede, Morgen 3 kür die Militärpflitz ckmann in Castrop: 4,und 15 März für M op, der Aemter Sodin In Sütgendertue 3 für die Militärpflich in Marten, Morgen Lofung Peg den im Pgabe. ind, mit de 8 Der Wahlrechtswechselbalg im preußischen Abgeordnetenhause. drat: uhr 15 Minuten ist das Abgeordnetenhaus I! zinen Tribünen, auch in der Hofloge überfüllt, #stere Hälfte der Besucher sind Damen. Unter den EEterr scheinen Sozialdemokraten nur wenig verovev zein, da die meisten Karten an die Fraktionen guaren. Die Bänke aller Parteien im Saal heben waren. jast voll besetzt. ein Ministertisch erscheinen mit zahllosen KomL.zen die Minister des Innern v. Moltke und JustizBeseler. Alsbald nimmt auch Ministern Reichskanzler v. Bethmann Hollweg auf en Secel Platvizeniästdent Dr. vorsch eröffnet die I#, Denschrift über die Einführung von Schiffnzahgaben wird der Budgetkommission übervor Eintritt in die Tagesordnung macht Abg. ser(kons.) dem Hause Mitteilung von seinem eiwechsel mit dem jetzigen Gatten der Frau von zgebeck, Herrn A. O. Weber. Aus diesem Briefsel hat die„B. Z. am Mittag“ vom gestrigen Tage Drohung mit einem Duell seitens des Herrn der bergeleitet. Daran ist kein wahres Wort. Ich erlasse das Urteil darüber dem Hause und lehne jedes tere Eingehen auf diese Sache ab. Die erste Lesung der Wahlrechtsvorlage. Der Vizepräsident erteilt das Wort dem Ministersidenten v. Bethmann Hollweg. als der Kanzler sich von seinem Sitz erhoben hat eben beginnen will zu sprechen, dröhnt ein lauter zi„Pfui!" durch den Saal, und nun folgt eine rasende Flut von Pfuirufen und Schimpfworten. z alles geht aus von den beiden sozialdemokratischen geordneten Borgmann und Leinert, die sich von en Sitzen erhoben haben, während die drei anderen, ter ihnen sitzenden Sozialdemokraten sitzen bleiben. dauert lange, da entrüstete Zwischenrufe aus allen nen Parteien den Saal durchtoben. Kaum hat ließlich der Kanzler doch beginnen können und einige gesprochen, da beginnen von neuem die Untergen durch die Sozialdemokraten. Der Vizepräsident Dr. Porsch fordert vergebens auf, i die Sozialdemokraten schweigen sollen, da einer ter Redner später das Wort erhalten werde. Der im dauert fort. Empörte Rufe: Raus, raus ertönen dem Zentrum. Der Vizepräsident Dr. Porsch erklärt, leider kenne Geschäftsordnung kein Mittel, gegenüber einem derligen Larm einzuschreiten.— Nachdem endlich die einigermaßen hergestellt ist, kommt Herr v. Bethhollweg zum Wort. die Rede des Ministerpräsidenten v. Bethmann=Hollweg. Mit Ihrer Uebereinstimmung sollte nach den An#digungen der Thronrede vom 20. Oktober 1908 das dnen vorgelegte Wahlgesetz zum Hause der Abgedenten auf den auf der Verfassung beruhenden kundlagen organisch fortgebildet werden. Ebenso Eedamals lehnt es auch heute die Staatsregierung ab, Ese Grundlagen zu verlassen. Sie läßt sich in diesem stschluß auch nicht beeinflussen durch die Kritik, die eiweg an diesem Gesetzentwurf geübt worden ist. Die ffaatsregierung hat diesen Entwurf eingebracht, keiner Partei zu Liebe oder zu Leide. Fachen links, lärmende Zurufe der Sozialdemokraten.) läßt sich auch nicht von Strömungen der Oeffentleiten, sei es, daß diese eine radikalere Form # oder jede Reform entschieden ablehnen. Sucht * Lopularität wird keinen Schritt der Regierung be(Lachen links.) Das will ich auch denen gesagt Peet, die hinter meinem Bestreben, die Sache sachlich eehandeln, Aengstlichkeit und Unsicherheit wittern. Fnoch einer anderen Feststellung muß ich von vorneiin entgegentreten. Man hat es so dargestellt, es var nicht die wirkliche Ueberzeugung der StaatsKletung, daß das Wahlrecht geändert werden solle. prruse der Sozialdemokraten: Natürlich!) Als habe * Vorlage nur eingebracht, weil sie durch den nietzt#r Threnrede in eine Zwangs= und Notlage #. Porven sei. Man hat zwischen der Thronrede Bnigs gache Ven gung der Staatsregierung, ja der des gron zk.##; einen Widerspruch festzustellen versucht. iudigt i### Wort wahr. Was die Thronrede anK, ist die Willensmeinung Seiner Majestät des ### und für diese Willensmeinung tritt die Königregierung ein. Ich sprach vorhin von Strömungen in der Oeffentlichkeit, heu####n des Wahlrechts fordern. Laut genug pen uuaz9 geltens, aber um so ruhiger muß man hüie d.s hinter ihnen steht. Daß die SozialdemoP#ens mu: Dxeitlassenwahlrecht und eine nicht minim in a. Reichstagswahlrecht hinausgehende Reunderlig und Boden verdammt, ist nicht verBei den Herren spricht der nackte Wille zur Macht (Sehr richtig! rechts und Unruhe und nem##. den Sozialdemokraten.) Sie hoffen mit „ auf demokratischer Grundlage das chis) und.„ Preußens zu zerstören(Sehr richtig! allma:n darin eine Etappe auf ihrem Wege lagtes.####e“ Unterminierung des monarchischen # Soziols rechts, Unruhe und Zurufe bei Bif diesem a caten: Auf dem Wege der Vernunst!) va. Borge.. den wir den Herren nicht folgen. bis.) uad. Sie werden schon müssen! Unruhe A#uf, der van g# bleibt jede Agitation und jeder K9#sregierung ggu#1gt, auf die Entschlüsse der warten S s wirkungslos,(Abg. Borgmann: Vizepräßsen: schon lernen! Unruhe rechts.) Eiteter Ihrer. Porsch: Ich bitte um Ruhe. Ein aver var#nt# wird dann das Wort erhalten. " r e s p e k t i g a u g e n, d a ß S i e a u c h d i e j e n i g e O r d Ruse..“ d1. Sie für sich wünschen.(StürZur Ordnuna rufen!) Die Gechäftsordnung gibt leider kein Mittel an die Hand, um gegen derartiges Benehmen vorzugehen.(Stürmische Ruse rechts: Raus! Die Leute sollen erst anständiges Betragen lernen.) Ministerpräsident v. Bethmann Hollweg fährt fort: Bei der Forderung des Zentrums und des Freisinns nach dem Reichstagswahlrecht scheinen mir nicht so sehr Sucht nach eigener Herrschaft als wie ethische und po litische Motive maßgebend zu sein. Das Zentrum wird kaum an Sitzen verliere;, altschgültig, ob nach dem Reichstags= oder dem Di######n hwahlrecht refor miert wird. Es würde auch mut den Reichstagswahlrecht an Stärke nicht gewinnen, höchstens würden die Persönlichkeiten wechseln. Und der Freisinn? Man kann den Herren nicht vorwerfen, daß hinter ihren Wünschen eigennützige Motive stehen. So glänzende Zeiten wie hier im Abgeordnetenhause hat der Fortschritt, der ausgesprochene Fortschritt, im ganzen Reichstage noch nicht erlebt, und damals wurde er doch von Bismarck bekämpft. Und heute? Die Landtagswahlstatistik ist vielfach angegrifsen worden, aber es ist auch vielfach der Aufmerksamkeit entgangen, daß von all den Herren, die die Freisinnige Vereinigung ausmachen, nur einer seinen Sitz der Majorität der dritten Wählerklasse verdankt, also derjenigen Klasse, der man angeblich mit dem Reichstagswahlrecht zum Siege verhelfen und die die entrechteten Volksmassen enthalten soll. In dem Rennen um die Gunst der Massen werden Sie(zu den Freisinnigen) hinter der Sozialdemokratie immer um mehrere Pferdelängen zurückbleiben.(Zustimmung rechts.) Oder Sie müssen, wie es in den extremen Flügeln der bürgerlich demokratischen Presse schon heute geschieht, Töne anschlagen, die nicht mehr damit in Einklang stehen, daß Sie die Vertreter des gebildeten, fortschrittlichen Bürgertums sind. (Sehr richtig! rechts.) Verlassen Sie aber erst einmal diese Position, so büßen Sie damit die Selbständigkeit und damit die Bedeutung ein, die eine Fortschrittspartei für das politische und staatliche Leben hat.(Unruhe links.) Sie würden zwar die Demokratisierung des preußischen Staates, die Schwächung der Konservativen erreichen und damit Ihre Wünsche erfüllen, aber lachender Erbe wäre ein Dritter.(Sehr richtig! rechts.) Ich wiederhole, Sucht nach eigener Herrschaft steht nicht hinter Ihren Wünschen. Mit dem Zentrum halten Sie jedes abgestufte Wahlrecht und vollends das Dreiklassenwahlrecht für verwerflich(Sehr richtig! links) und allein das gleiche Wahlrecht für menschenwürdig. Hierüber werden wir uns nicht einigen. Sie sind der Ansicht, daß der nackten Zahl und damit der großen Masse der politische Einfluß ausgeliefert werden muß, damit sich Preußen glücklich entwickle. Wir sind der Ueberzeugung, daß die nackte Zahl zwar der bequemste, aber nicht der akleinige Gradmesser für die polikischen Rechte einer Nation ist. Sie halten mit politischer Zähigkeit an einer überkommenen Forderung fest, unbekümmert um alle Erfahrungen, welche mit dem gleichen Wahlrecht gemacht worden sind und gemacht werden, und unbekümmert um die gewaltige Verschiebung der staatlichen Verhältnisse, die dadurch eingetreten ist, daß die Kompetenzen zwischen dem Reiche und den Einzelstaaten geteilt worden sind, und daß wir in Preußen selbst umfangreiche Staatsaufgaben auf die Kommunalverbände übertragen haben.(Zuruf links: Süddeutschland!) Sie werden es mir aber nicht verargen, wenn ich in eine theoretische Diskussion über die Vorzüge und Nachteile des abgestuften Wahlrechts einerseits und des gleichen Wahlrechts anderseits nicht eingehe. Auch in den Kreisen des gemäßigten Liberalismus, der für Preußen das Wahlrecht des Reichstags verwirft und im Prinzip an einem abgestuften Wahlrecht festhält, ist die Bewegung, welche eine Reform des bestehenden Wahlrechts verlangt, beinahe ebenso lebendig. Ich halte es für falsch, diese Bewegung, wie es wohl geschieht, auf Stimmungsmache zurückzuführen. Es ist ja möglich, daß die radikalen Wünsche auf gewisse Kreise abgefärbt haben, die Suggestion gerade im Zeitalter der Zeitungen ist groß.(Heiterkeit rechts, Unruhe links.) Aber ich will das nicht untersuchen. Kein Unbefangener sollte leugnen, daß die Wahlrechtsfrage auch für den gemäßigten Liberalismus zu einer sehr ernsten Frage geworden ist. So offen und ehrlich ich dies zugebe und bewerte, muß ich mich doch fragen, ob es wirklich die Mängel des Landtagswahlrechts und die Vorzüge der erstrebten Reform sind, welche der Wahlrechtsfrage zu dieser Bedeutung verholfen haben. Mir scheint vielmehr, daß die Wahlrechtsfrage allmäblich die Formel geworden ist, in die alles, was an politischer Unzufriedenheit und politischer Mißstimmung besteht, möge es mit dem Wahlrecht zusammenhängen oder nicht, zusammengefaßt ist.(Sehr richtig! rechts. Zuruf bei den Sozialdemokraten: Nicht richtig!) Und dann wird auch die erstrebte Reform als der Punkt hingestellt, um den sich alles dreht, und damit wird auch die erstrebte Reform als der Punkt dargestellt, in dem alle Leiden kuriert werden können. Das ist der Grund, weshalb sich die Wahlrechtsfrage so tief eingefressen und eine Bedeutung gewonnen hat, die psychologisch weiter reicht als praktisch. Darüber kann man nicht hinwegkommen, auch wenn man unbesehen die Schlagworte hinnimmt, in denen sich diese Stimmung ausdrückt. Reaktion, Bureaukratismus, Polizeiregiment, agrarischer Feudalstaat, Junkertum sind ungefähr die Dinge, die mit der Reform des Wahlrechts beseitigt werden sollen.(Sehr richtig! links.) In ruhiger Diskussion wird wohl auf vielen Seiten zugegeben werden, daß darin handgreifliche Uebertreibungen liegen, aber man verlangt die Modernisierung eines ursprünglich auf überwiegend agrarische, zum Teil auch angeblich auf seudale Zustände zugeschnittenen Wahlsystems, das seinerzeit vielleicht den Zwecken gedient habe, jetzt aber veraltet sei, nachdem der Staat seinen feudalen Charakter längst abgestreift habe. Das bestehende Wahlsystem, behauptet man, mache das Großgrundbesitzertum, also den einseitigen Konservatismus, zum Beherrscher der Situation, während die anderen Stände, Handel, Industrie und Gewerbe, Arbeiterstand längst in eine gleichberechtigte Stellung eingerückt seien. Luft und Licht für alle, das ist der Grundton der Bewegung. Weil man diese Forderungen mit der Resorm des Wahlrechts identifiziert, darum greift die Wahlrechtsfrage so tief. Nun commt dazu noch ein anderes. Wir haben soeben in England sich einen Wahlkampf mit beispielloser Leidenschaft abspielen sehen. Die Waffen, die dort gebraucht worden sind, waren zum mindesten ebenso schartig, wie bei uns sie gewöhnlich sind. Das ist im Wahlkampfe an sich nicht wunderbar. Aber eine hundertjährige politische Kultur und Erziehung verhindert die Engländer, politische oder gar religlöse Gegensätze auf das persönliche oder soziale Gebiet zu übertragen. Der Engländer schätzt den Engländer nicht danach ein, ob er politisch oder religiös ebenso denkt wie er. Bei uns sind wir noch nicht so weit, auf allen Seiten noch nicht. Bei uns heißt es noch heute, er denkt anders wie ich, also steht er eine-Stufe tiefer. Daher kommt es, daß unsere politischen Zustände von einem Gefühl der Bitterkeit erfüllt sind, das tiefer steckt als die Realitäten in politischer Hinsicht. Der Konflikt, der im letzten Sommer über die Reichssinanzreform entstanden ist, ist deshalb so scharf geworden, weil er in die Form der persönlichen Verstimmung, ja der Mißachtung übergegangen ist. Ich will die Schuldfrage nicht untersuchen, hier scheinen alle schuld zu sein. Nun gibt es bei dem Dreiklassenwahlrecht Dinge, die als Mißstände empfunden werden und Mißstände sind, und man erwartet von einer radikalen Reform dieses Wahlrechts den Wandel aller Dinge. Das ist die Täuschung. Wenn es möglich wäre, die politischen Kräfte der Nation rein ziffernmäßig genau gegeneinander abzuwerten und dann die Verhältnisse im Parlament zusammenzufassen. Aber das sind Theorien, und wichtiger als die Theorie scheint mir doch die Praxis. Da ist es zunächst unrichtig, daß das preußische Wahlsystem auf agrarische und feudale Verhältnisse zugeschnitten ist.(Sehr richtig, rechts.) Wie ist es denn in Wirklichkeit gewesen? Das Abzeordnetenhaus ist von fortschrittlichen zu nationalliberalen und von nationalliberalen zu konservativen Majoritäten gekommen. Dafür ist nicht die Reform des Wahlsystems, sondern dafür ist die Stellung bestimmend gewesen, die die Parteien zu den aktuellen politischen Problemen eingenommen haben.(Beifall rechts.) Trifft es denn weiter zu, daß die Mängel, die man dem preußischen Wahlsystem nachsagt, die angebliche Entrechtung der Volksmassen, die Bevorzugung des Agrariertums, des Großgrundbesitzes, sein plutokratischer Charakter, daß diese Mängel die Arbeit und Politik des Abgeordnetenhauses auf eine die anderen Stände drückende einseitige und plutokratische Richtung bringen? Es ist so sehr Sitte geworden, Preußen als das Land der finstersten Reaktion hinzustellen(Lärm bei den Sozialdemokraten und Zurufe: Das ist die Wahrheit! Widerspruch rechts.), daß ich mich schon im voraus auf die Kritik freue, die mir von denen zuteil werden wird, von denen diese Behauptungen aufgestellt werden. Ich fürchte sie aber nicht. Es ist notwendig, einer Farce, die immer wieder als ein Gespenst aus vormärzlicher Zeit hervorkommt und schließlich im In= und Auslande als ein lebendiges Wesen angesehen wird, einmal ins Gesicht zu sehen. Nicht um einen Lobeshymnus auf die preußischen Zustände anzustimmen. Das wäre genau so abgeschmackt, wie das Häusen von Schimpf und Schande, das Beschmutzen des eigenen Nestes abgeschmackt und unwürdig ist.(Lebhafter Beifall rechts, Gelächter links.) Was behauptet man nicht alles, um zu zeigen, daß jedes preußische Gesetz, das mit Ihrer Hilfe und Zustimmung gemacht worden ist, einen einseitigen, rückschrittlichen, reaktionären Charakter habe, den man als Signatur seines Wahlsystems bezeichnet. Die preußischen Finanzen beruhen, wenn man in großen Zügen so spricht, auf den Einnahmen aus den staatlichen Betriebsverwaltungen und auf den staatlichen Steuern. Kein Mensch kann der preußischen Einkommensteuer und Vermögenssteuer vorwerfen, daß sie die Reichen zuungunsten der Armen bevorzuge und noch jene Novelle, die wir neuerdings zu diesem Gesetze gemacht haben, hat die Tendenz weiter verfolgt, die Bemittelten zugunsten der Unbemittelten stärker heranzuziehen.(Widerspruch links, Zustimmung rechts.) Gewiß, die wenigsten Menschen zahlen Steuern gern, aber ich habe nicht gefunden, daß die Masse des preußischen Volkes gerade unter dieser preußischen Staatssteuergesetzgebung seufzt. Dagegen wird gerade die Reichssteuergesetzgebung als agrarisch gebrandmarkt, die wir in dem auf Grund des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts gewählten Reichstage beschlossen haben. Ich halte diese Vorwürfe nicht für begründet. Aber sie werden erhoben, und gerade das letzte Reichssteuergesetz hat in vielen Kreisen besondere Mißstimmung hervorgerufen, die jetzt für Preußen das Reichstagswahlrecht verlangen. Unsere Betriebsverwaltung, ich wüßte nicht, daß die Verstaatlichung der Eisenbahnen, diese für unsere gesamte Finanzgebarung grundlegende Maßregel, unsozial wäre. Im Gegenteil, die Art und Weise, wie wir mit denen von Ihnen bewilligten Mitteln in den staatlichen Betriebsverwaltungen die Lohnfrage der Arbeiter regeln, wie wir in der Eisenbahnverwaktung zum Beispiel nicht unbedeutende Aufwendungen muchen, um die Stellung der Arbeiter über die Bezüge hinaus, die ihnen aus den Reichsgesetzen zustehen, zu verbessern, die Aufwendungen zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse der minderbemittelten Beamten und Arbeiter— alles das sind Zeichen dafür, daß das preußische Parlament seiner sozialen Verpflichtung sich wohl bewußt ist.(Beifall rechts.) Natürlich die Sozialdemokraten verlangen sehr viel.(Zurufe der Sozialdemokraten: Koalitionsrecht!) Aber wer sich genau umsieht, wird finden, daß viele sehr gut geleitete Privatbetriebe in der Nachbarschaft der staatlichen Betriebe gar nicht in der Lage sind, den Arbeitern die gleiche Lebenshaltung zu gewährleisten, wie die staatlichen.(Sehr richtig! rechts.) Ich muß noch einen weiteren hervorstechenden Zug der preußischen Gesetzgebung anführen, einen grundlegenden. Ich habe ihn vorher schon im anderen Zusammenhange flüchtig gestreift: den Ausbau der Selbstverwaltung im weitesten Sinne des Wortes.(Zurufe Unks gibt es denn eine Selbstverwaltung?) Ich lege dabei nicht das Gewicht auf die formale Seite der Sache, ich weiß, die Liberalen haben eine ganze Reihe von Wünschen, wohl aber auf den materiellen Inhalt dieser Selbstverwaltung. und da muß ich ohne jede Uebertreibunn sagen, daß der Schwerpunn der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung des Landes in der Tätigkeit der kommunalen Verbände liegt, der engeren und der weiteren, der Gemeinden, Kreise und Provinzen und der Genossenschaften kommunaler Art, kurz in der Beteiligung aller Verbände, die dem Staatsorganismus angegliedert sind, die doch das Wohl und Wehe des einzelnen Staatsbürgers richtig zu beurteilen die nächsten sind. Daran sollte man doch erinnern, wenn man über die preußischen Zustände als„reaktionäre und rückständige“ spricht. Tendenz unserer Gesetzgebung in den letzten 70 Jahren ist es gewesen, einen immer und immer größeren Kreis von Aufgaben, welche bis dahin seitens des Staates erfüllt wurden, auf die kommunalen Verbände zu übertragen. Das ist nicht geschehen, um den Staat zu entlasten, sondern weil es einem freiheitlichen Staatswesen nur auf diesem Wege möglich ist, die Entwicklung des Landes zu fördern und dabei gleichzeitig die Bevölkerung zur Mitarbeit an ihren Geschicken heranzuziehen, wie es in ähnlicher Weise bisher noch kein Parlament und kein parlamentarisches Wahlrecht gewährleistet hat. Der Kulturarbeit, welche die preußischen Kommunen geleistet haben und leisten, braucht sich Preußen weder vor dem Inlande noch vor dem Auslande zu schämen.(Lebhafter Beifall rechts.) Eine solche Gesetzgebung aber, die diesen Gedanken verfolgt, die damit nur ausgebaut hat, wozu Stein und Hardenberg den Grund legten, kann man nicht reaktionär nennen. Nun zum Kapitel Polizeiwesen: Es gibt keine Gesetzgebung, die wie die preußische in solcher Weise den Rechtsstaat auszubilden versucht (Lachen links), und jede Polizeiübertretung so mit dem Schutze von Garantien umgibt. Soweit sind wir gegangen, daß wir auf diesem Wege eine neue Art bureaukratischer Umständlichkeit und Vielschreiberei geschaffen haben, zu deren Beseitigung man jetzt um Hilfe ruft. Endlich, meine Herren, die behauptete einsettige Bevorzugung des Agrariertums zugunsten des vierten Standes. Dabei vergißt man doch ganz, daß fast die gesamte Gesetzgebung, wo eine solche Einseitigkeit hervortreten sollte, von Preußen auf das Reich übertragen worden ist. Sollte man auch hier ein Wahlsystem verantwortlich machen, so wäre es nicht das Dreiklassenwahlrecht, sondern es wäre wiederum das Reichstagswahlrecht.(Sehr richtig! rechts.) Wenn in allen diesen Beziehungen, die ich einzeln gestreift habe, das Dreiklassenparlament so ganz versagt hätte, wenn es wirklich die rückschrittliche Politik getrieben hätte, die man ihm nachsagt, ohne die Dinge zu neunen, dann würde ich vielleicht die Leidenschaftlichkeit begreifen, mit der man für eine radikale Aenderung unseres Wahlrechts eintritt. Wie die Dinge aber liegen, ist es nicht zu begreisen. Oder lassen Sie mich von einem etwas veränderten Standpunkte aus folgendes sagen: Ich glaube ja nicht, daß der gemäßigte Liberalismus die preußische Gesetzgebung, wie ich sie soeben in einigen Hauptpunkten flüchtig skizziert habe, und in der er durchgehends selber mitgearbeitet hat, für so rückschrittlich hält. Ich glaube auch nicht, daß der gemäßigte Liberalismus der konservativen Partei im ganzen absolut rückschrittliche Teudenzen zuspricht. Was die Herren meinen, das ist, daß sie behaupten, daß die Regierung in der Verwaltung und in der Anwendung der Gesetze die Konservativen einseitig bevorrechte.(Lebhaftes fehr richtig! links.) Sie werden schon hören, wie weit das richtig ist, meine Herren!(Heiterkeit.)— daß sie einseitig konservative Anschauungen vertrete, und daß sie das tue oder tun müsse unter dem Druck der mit dem Dreiklassenwahlrecht übermächtig gewordenen konservativen Partei. (Lebhafte Zustimmung links.) Wir werden uns schon noch sprechen!(Heiterkeit.) Darum soll also das Wahlrecht geändert werden. Die Stellung der Regierung zu den Parteien. Das führt mich zu der Stellung der Regierung zu den Parteien. Ich habe böse Dinge darüber zu hören bekommen, daß ich im Reichstag gesagt habe, wir könnten in Deutschland keine Parteiregierung haben. Widerlegt hat mich niemand und kann auch nlemand. Wir müßten ja, abgesehen von allem anderen, zunächst einmal die staatsrechtliche Stellung des Bundesrats beseitigen, wenn wir zu einer Parteiregierung kommen sollten. Eine preußische Staatsregierung, die in dem Sinne sich als Parteiregierung etablieren wollle, daß sie einseitig die Geschäfte einer bestimmten Partei führt, daß sie sich als deren rerum gestor oder als ihren Mandatar gebrauchen läßt, oder— richtiger gesagt— mißbrauchen ließe, die würde dem historischen Preußen sein Ende vorbereiten, und eine Partei, die es beanspruchte oder die es auch nur versuchte, eine Regierung so in ihren Bann zu zwingen, würde der Totengräber Preußens sein.(Sehr richtig!) Preußen läßt sich nicht in das Fahrwasser des Parlamentarismus verschleppen, solunge die Macht seines Königstums ungebrochen ist.(Beifall rechts.) An der Macht dieser Königstums, dessen stolze Tradition es ist, ein Königtum für alle zu sein, wird nicht gerührt werden.(Beifall rechts.) Eine Regierung, die sich in den Dienst einer einzelnen Partei, und sei es auch der stärtsten, stellte, die sich nicht in ihrem gesamten Organismus, auch in ihrer Beamtenschaft, Selbständigkeit gegenüber den Parteien bewahrte, die würde dem Lande einen halben Parlamentarismus vortäuschen, der außer allen übrigen Mängeln des Parlamentarismus noch den besonderen hätte, daß er innerlich unwahr und ungerecht wäre.(Sehr richtig! rechts.) Auch die konservative Partei will und muß ihre Unabhängigkeit und ihre Selbständigkeit gegenüber der Regierung wahren.(Lachen und Rufe links: Umgekehrt!) Je mehr Sie(zu den Konservativen) Ihre Stärke allein auf die eigene Kraft und die Ueberzeugung Ihrer Angehörigen begründen, um so besser wird es nicht nur für die Regierung und den Staat, sondern auch für Sie selbst sein, eine um so stärkere Stütze Preußens werden Sie damit werden.(Beifall rechts.) Aber dieselbe Unabhängigkeit auch der Regierung werde ich Ihnen gegenüber wahren.(Lachen links.) Ich habe in diesem Zusammenhang ausdrücklich und absichtlich die Beamtenschaft berührt. Das ist ein Punkt, auf den die Herren von der liberalen Parteien in der Wahlrechtsfrage immer wieder hinweisen und über den man sich mit voller Offenheit aussprechen muß. Sie von der liberalen Seite behaupten vielfach, daß die politischen Beamten und insonderheit die Landräte nicht nur die Konservativen unterstützen, bei den Wahlen ihnen Handlangerdienste leisten(Lebhaftes wiederholtes: Sehr richtie! links). sondern daß sie auch eine freie Wahlentsaltung verhindern.(Erneute Leohafte Zastimmung links.) Der Beamte ist ein Diener des Staates. (Zuruf bei den Liberalen: Sollte er sein! Zuruf bei den Sozialdemokraten: Ein Diener der Junker. Unruhe rechts.) Vizepräsident Dr. Porsch: Ich bitte wirklich, keine Zwischenrufe zu machen. Ministerpräsident v. Bethmann Hollweg: Der Beamte ist ein Diener des Staates und nicht Diener einer Partei. (Stürmischer Widerspruch links, vielfache Zurufe: So sollte es sein!) Wie die politischen Beamten die Regierungspolitik zu vertreten haben, gegenüber allen Parteien zu vertreten haben, darüber bestehen feste und allgemein bekannte Grundsätze.(Zurufe bei den Liberalen: Die werden nicht beachtet!) Jene Leugnung dieser Grundsätze würde den Zerfall des Organismus bedeuten. Natürlich muß der Beamte für seine Person eine feste politische Ueberzeugung haben, sonst wäre er kein guter Beamter, sonst könnte er sich in seinem Amtsbezirk nicht die Achtung verschaffen, der er bedarf. Es werden aber hierbei an den Takt und das Verantwortlichkeitsgefühl der Beamten große und schwere Anforderungen gestellt. Diese Anforderungen erhöhen sich dadurch, daß unsere Landräte durch die Dezentralisation der Staatsgeschäfte und durch die Entfaltung des kommunalen Lebens in eine Instanz gerückt sind, die sie zu Vertretern fast der gesamten Lebensinteressen der Kreisbevölkerung ohne Rücksicht auf die politische Richtung machen. Wenn sich aber die politischen Gegensätze— Gott sei Dank ist das nicht der Fall— dazu auswachsen sollten, daß der Beamte seine Macht politisch mißbraucht, so kann das für den Staat nur verhängnisvoll sein(Sehr richtig! bei den Liberalen.) Es würde das die Liebe zur Bevölkerung, die Treue zur staatlichen Mitarbeit gefährden, Eigenschaften, ohne welche ein Staat wie Preußen, mit seinem beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung nicht leben kann. Jede Verfemung des Andersdenkenden rächt sich. Deutschland und Preußen wissen davon ein trübes Lied zu singen. Denken Sie an die Zeiten der 20er und 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts, erinnern Sie sich des Drucks, der auf dem Volke lastete. Aber so gut ich sage: wo ein solcher Mißbrauch stattfinden sollte, mißbillige ich ihn aufs entschiedenste.(Lautes Lachen links.) Lachen Sie nicht immer! Wenn Sie nichts Besseres dagegen einzuwenden haben, dann schweigen Sie lieber! (Lärm links, Zustimmung rechts.) Also ich sage, ich verurteile ebenso gut jeden Mißbrauch, wie ich jede Schikane verurteile. Alles das sind kleinliche Maßregeln, die weder für den Staat, noch für den Beamten, noch für die Partei würdig sind, für die sie geleistet werden. Aber dagegen protestiere ich, daß man unserem politischen Beamtentum, unsern Landräten in ihrer Allgemeinheit oder auch nur in einem irgendwie nennenswerten Umfange die Teudenzen in ihrer Amtsführung andichtet, von denen ich soeben gesprochen habe. Ich glaube das zu wissen, ich glaube das persönlich zu wissen. Ich habe lange genug selber im preußischen Verwaltungsdienst gestanden. Unsere Landräte sind mit den wirtschaftlichen Interessen ihres Kreises so verwachsen, sie gehen so in der Arbeit für diese Interissen auf, sie erfreuen sich auch in ihrer überwiegenden Mehrzahl so des Vertrauens ihrer Kreisbewohner, daß es ein Unrecht ist, Ausnahmen, die überall vorkommen, der Allgemeinheit zur Last zu legen und von Gebräuchen und Mißbräuchen einzelner auf den Geist zu schließen, der in der Verwaltung herrscht.(Lebhafter Beifall rechts.) Lassen Sie doch neben Singularitäten, die in den meisten Fällen noch dazu falsch und aufgebauscht ihren Weg durch die Presse nehmen, die Tatsache nicht aus dem Auge, daß auch unsere Kreise für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes Großes geleistet haben. Das weiß jeder, der sich auch nur einigermaßen um die Verhältnisse kümmert. Vergleichen Sie ooch die Kreisetats aus dem Anfange der 70er Jahre mit den heutigen! Dann werden Sie sehen, in welchem Umfange die Kreise ihre Aufgaben erweitert haben. Diese ganze Tätigkeit, die sogar teils freiwillig geleistet wird, geht im letzten Ende zurück auf den Konsensus aller einzelnen. Glaubt man denn, daß die gemeinschaftliche, große Kosten verursachende Arbeit hätte geleistet werden können, wenn an der Spitze der Kreise Männer ständen, die politisch unduldsam gegen die Kreiseingesessenen wären? Ein gesundes Leben der Kreise, wie es sich bei uns entwickelt hat, wäre nicht möglich gewesen, wenn es an der entscheidenden Stelle krank wäre.(Sehr richtig! rechts.) Noch ein Wort über den Vorwurf, den man im Zusammenhang hiermit den Beamten macht. Man sagt, das preußische Beamtentum sei verlnöchert. Der Geist eines Beamtentums wie das preußische ist nicht willkürlich, nicht zufällig, er ist gewachsen und geworden mit der Geschichte, mit der Entwicklung des Staates, bei der, was man heute so gern vergißt, das Beamtentum wirklich keine unwürdige Rolle gespielt hat. Die ganze Geschichte der Entwicklung Preußens ist ein Zeichen dafür. Das hat seiner Art den strengen und vielfach barschen Charalter gegeben, durch den es das Errungene behauptet hat, wenn Sie das„konservativ“ nennen wollen; aber Preußen ist dadurch ein Staat geworden.(Beifall rechts.) Nicht immer hat dieser Geist Slich gehalten. Gerade seine besten Zeiten nach dem großen Ausschwung durch die Steinschen Reformen erstarrten bald wieder im Bureaukratismus. Die zahlreichen großen und kleinen Parteien, deren politische Kämpfe uns heute in Atem halten, würden den Bruch zwischen Staat und Bevölkerung herbeiführen, wenn die matlichen Verwaltungen sich von irgendeiner Partei abhängig machten. Der staatliche nationale Organismus Preußens, den wir erhalten wollen, kann nur erhalten werden, wenn er von einem freien und vorurteilslosen Geiste erfüllt ist.(Lachen links.) Ich habe diese Ausführungen gemacht, nicht um der preußischen Verwaltung eine Lobrede zu halten, ich habe dabei auch auf Mängel und Fehler hingewiesen, die zu ihrem Teile schuld sind an dem Mißmut, der weite Kreise des Volkes erfüllt. Dieser Unmut greift viel weiter und anderswo hin, als wohin Sie meinen, die Sie mir Sehr richtig! zuriefen. Hinter diesem ganzen Unmut steckt das unbehagliche Gefühl, daß wir nach dem Ausschwung, den wir genommen haben, uns kulturell in einer Periode der Stagnation befinden.(Sehr richtig!) Lassen Sie mich nur zwei Punkte herausgreifen. Die Sorge darum ob wir mit der höhern wissenschaftlichen Erziehung und Bildung unserer Jugend noch auf dem richtigen Wege sind, erfüllt weite Kreise unseres Volkes mit Besorgnis. Wir werden uns der Lösung dieses Erziehungsproblems auf die Dauer nicht entziehen können. Und auf religiösem Geviet. Ich will nicht von Konsessionen sprechen, es liegt mir auch fern, irgendwelche religiösen oder kirchlichen Ueberzeugungen anzutasten oder gar verletzen zu wollen, aber die tiese religlöse Bewegung, die seit Jahren die weiten Schichten unsers Volkes durchzieht, gibt mir das Recht dazu, zu sagen, daß der Drang nach innerlich verlieftem reltgiösen Leben, der immer ein Grundpfetler deutschen Wesens gewesen ist und hoffentlich für alle Zukunft bleiben wird, nicht mehr überall vorbanden in. Ich vin avgeschweift. Aver man muß zurückgehen, um zu erkennen, weshalb diese Mißstimmung, von der ich sprach, in unserm Volle vorhanden ist, und diese Mißstimmung verlangt auch eine Reform des preußischen Wahlrechts. Man wiegt sich in der Hoffnung, daß der Anfang zu allem Guten gefunden sei, wenn erst das preußische Dreiklassenwahlrecht abgeschafft worden ist. Ich muß aber immer wieder betonen, daß das ein großer Fehlgriff für alle diejenigen ist, welche in der Demokratisierung des preußischen Staates nicht das große Heil erblicken, und damit komme ich auf meine vorigen Ausführungen zurück. Wem es darum zu tun ist, alle Anklänge an einen Klassenstaat zu beseitigen, wird mir zugeben, daß das Fragen der politischen Kultur und Erziehung sind, die viel weiter reichen als die Form des Wahlsystems, und soweit sie mit dieser Form des Wah' ms zusammenhängen, behaupte ich, daß politische Kultur und Erziehung nicht gefördert werden, sondern leiden, je demokratischer das Wahlrecht gestaltet ist.(Sehr richtig! rechts.) Es hat eine Zeit gegeben, wo das Parlament die politische Bildung des Volkes ausmachte, mir scheint diese Zeit vorüber zu sein. Was einer unserer bedeutendsten politischen Schriftsteller die Politisierung der Gesellschaft nannte, kann nur noch von den untern Elementen der Gesellschaft und des Staates ausgehen. Dort wird der allgemeine formale Rahmen der Gesetzgebung von wirklichem Leben erfüllt. Dort wo man die Wirtung der Gesetzgebung am eigenen Leibe fühlt, vollzieht sich die Erziehung zum staatlichen Verantwortlichkeitsgefühl, das die Grundlage alles politischen Lebens ist. Und vergleichen Sie, welchen Anteil nimmt denn das Volk an der Tätigkeit der Parlamente in seiner großen Masse! Ich spreche nicht von Fällen, wo Lebensfragen der Nation, wo die Frage, ob Krieg oder Frieden, das Volk bis in seine Tiesen aufrührt— das wäre nicht der richtige Maßstab—, aber welchen Anteil nimmt das Volk an der laufenden sachlichen Arbeit der Parlamente? Die Presse hat die Sitte ausgebracht, von dem Parlament Stimmungsbilder zu liefern, bei denen man häufig den Eindruck hat, als sollte das ein Bericht über eine Theatervorstellung sein.(Heiterkeit.) Verläuft die Sitzung ruhig und sachlich— und würde es sich selbst um die wichtigsten Gegenstände handeln— dann heißt es, daß öde Langeweile über dem Saale lagerte. Aber wenn ein großer Tag ist, dann wird davon gesprochen, welche Weste der Minister angelegt hatte(Heiterkeit), und lustig wird es, wenn berichtet werden kann, daß der oder jener Abgeordnete temperamentvolle Angriffe gegen den Minister richtete, wobei er energische Töne fand und womöglich ein paar Ordnungsruse erhielt.(Große Heiterkeit.) So wird das Volk verführt, in der Sensation den Kernpunkt der Politik zu finden. Ich will damit keine Kritik an der Tätigkeit der Presse üben, aber ich muß doch fragen, ob die Behauptung gerechtfertigt ist, daß die Parlamente das Zentrum sind, von dem aus politische Bildung und Erziehung auf die Volksmassen ausstrahlt, oder ob nicht umgekehrt die Demokratisierung des Parlamentarismus in allen Ländern dazu beigetragen hat, die politischen Sitten zu verflachen und zu verrohen(Sehr richtig! rechts), und den Fortschrittsprozeß zu hemmen, dessen wir dringend bedürfen, und zu dessen Förderung jetzt die Reform des preußischen Wahlrechts gemacht wird. Ich habe alle diese Ausführungen gemacht, um einer Ueberschätzung des Wahlrechts in seinen Gründen und Wirkungen entgegenzutreten. Ich habe damit vielleicht Ihre Geduld übermäßig in Anspruch genommen, aber wenn behauptet wird, daß die Wahlrechtsfrage im Mittelpunkt, im Zenit unseres gesamten politischen Lebens steht, dann konnte auch ich an den allgemeinen Fragen nicht vorübergehen. Lassen Sie mich in kurzen Worten und in allgemeinen Zügen zunächst auf die Grundlagen der Reform eingehen, die wir Ihnen vorlegen. Mir ist mehrfach der Gedanke entgegengehalten worden, die Regierung müsse eine gründliche Liberalisierung des Wahlrechts vorschlagen, sonst werde die Sozialdemokratie noch mehr gestärkt. Der Vorschlag leidet an zwei großen Fehlern. Erstens ist Furcht immer der schlechteste Ratgeber, und zweitens: Glaubt man denn, daß die Sozialdemokratie sich mit irgendeinem Wahlrecht begnügen würde, daß sie nicht zur Herrschaft bringe? So unschuldig sind wir doch nicht, das zu glauben. Wenn wir aber bereits so weit sein sollten, daß große Teile der bürgerlichen Parteien zur Sozialdemokratie übergehen, weil ihnen das Wahlrecht nicht genügt, so trägt dieses daran nicht die Schuld, sondern der Mangel an staatlichem Sinn bei den Ueberläufern.(Zuruf links: Die Regierung ist schuld!) Die Regierung kann nur eine Resorm vorschlagen, welche in Anknüpfung an das historisch Gewordene Bestimmungen beseitigt, die keine innerliche Berechtigung mehr haben und die Vorsorge trifst, daß das zu Erhaltende sich nicht zu schädlichen Formen auswächst. Das tut die Regierung in dem Entwurse, und das zu tun ist ihre Pflicht. Wie oft wird in der Wahlrechtsagitation das bekannte Verdikt des Fürsten Bismarck über das Dreiklassenwahlrecht zitiert, namentlich von denjenigen, die seinerzeit die erbitteristen Gegner Bismarcks waren!(Sehr gut! rechts.) Daß Bismarck trotz dieses Verdikts in dreißigjähriger Tätigkeit das Wahlrecht nicht geändert hat, daß er am Ende seines Lebens, als er die Entwicklung in Deutschland und Preußen überschaute, in seinen Gedanken und Erinnerungen eine ganz andere Auschauung bekundet hatte, das wird übersehen.(Sehr richtig! rechts.) Man stellt eben Bismarck als den Theoretiker hin, der uns das Reichstagswahlrecht gegeben habe, weil er es für das Vollkommenste gehalten hätte und das Dreiklassenwahlre#### verdammt habe; aber er hat es nicht geändert. v#enn man Bismarck zum Kronzeugen für eine radikale Resorm des Wahlrechts anruft, so ist das also eine grenzenlose historische Voraussetzungslosigkeit. Lesen Sic doch die Rede vom 28. März 1867 durch, in der Sie eine Kritik des Dreiklassenwahlrechts finden. Darin sagt Bismarck vom Reichstagswahlrecht, dessen Mängel er ausdrücklich anerkennt, daß es uns überkommen sei als ein Erbteil der Entwicklung deutscher Einheitsbestrebungen, es sei eben dagewesen. Die Verbündeten Regierungen hätten genommen, was vorlag und wovon sie glaubten, daß es am leichtesten annehmbar sein würde; weitere Hintergedanken hätten sie nicht gehabt. Ich glaube, schärfer und präziser kann der rechtliche und geschichtliche Geist Bismarcks in der Politik gar nicht gekennzeichnet werden, und auch die heutige Regierung muß sich auf diesen geschichtlichen Boden stellen. Sie kann nur an das geschichtlich Gegebene anknüpfen, und wenn sie das tut, muß sie , u n t e r s u c h e n, o b u n d w a s v e r a l t e t i s t, u n d w a s s i e a l s veraltet ansieht, muß sie beseitigen. Das ist ihre Pflicht und auf dieser Grundlage ist der Entwurf ausgebaut. Auf die einzelnen Bestimmungen der Vorlage will ich hier nicht eingehen. Nur einen Punkt, einen negativen, will ich kurz hervorheben. Der Entwurf hält am öffentlichen Wahlrecht fest. Er ist um deswegen von vornherein für unbrauchbar, für unwürdig, für unanständig erklärt worden.(Sehr richtig! links.) Das ist ja das Votum, mit dem man bis in die gebildeten Kreise der Bürger hinein die Einrichtungen des eigenen Staates zu belegen liebt.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Die Frage der öffentlichen und geheimen Stimmabgabe ist auch eine Ueberzeugungssache. Das össentliche Wahlrecht hat so gut seine Vorzüge und Nachteile wie das geheime. Wir haben das öffentliche. Sollen wir von ihm abgehen, so müssen wir überzeugt werden, daß das geheime Wahlrecht theoretisch und praktisch das für Preußen absolut bessere sei.(Sehr richtig! rechts.) Die Regierung steht dieser Frage ganz anders gegenüber als vielleicht der einzelne Politiker. Der einzelne Politiker kann von den Vorzügen des geheimen Wahlrechts aufs leidenschaftliche überzeugt sein und es deshalb mit der größten Energie verfechten. Die Regierung hat zu fragen, ob sie ein bedeutungsvolles, prinzipielles bestehendes Recht, das für sie die Grundlage der Reform bildet, preisgeben soll oder nicht. Die Geheimheit der Stimmabgabe, so meint man, soll es dem Wähler ermöglichen in voller Unabhängigkeit eigener politischer Ueberzeugung Ausdruck zu geben.(Sehr richtig! links.) Man soll doch den Begriff dieser Unabhängigkeit nicht übertreiben. Unser ganzes Leben setzt sich aus Aohängigkeiten zusammen. Ganz frei, unabhängig wie in der Lust schwebend, ist die gottgegebene Abhängigkeit, von der Bismarck einmal sprach, die Abhängigkeit, die der Kampf der Parteien nicht zufällig mit sich bringt, nein, sich ausdrücklich zum Ziele setzt. Diese Abhängigkeiten begleiten den Wähler auch in die Isolierzelle des Wahlraums hinein, und es ist der dringende und heiße Wunsch jeder Parteileitung, daß ihre Angehörigen bei der Abgabe ihrer Stimmzettel sich ihrer Abhängigkeit recht lebhaft erinnern. Man sagt, die geheime Stimmabgabe mache die Wähler von der Rücksicht auf wirtschaftliche, soziale, religiöse Dinge unabhängig. Aber es ist falsch, was jetzt in diesen Tagen vielfach behauptet wird, daß die Abhängigkeitsverhältnisse, von denen ich gesprochen habe, in unsern gegenwärtigen Zeiten stärker seien als damals, wo das preußische Wahlrecht eingeführt wurde. Im Gegenteil, das patriarchalische Verhältnis, das zu jener Zeit die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in weitem Umfang beherrschte, ist zum Teil heute nicht mehr vorhanden. Wer im praktischen Leben steht, weiß, in wieviel Fällen es schwer ist, einen Arbeiter zu finden und festzuhalten, und daß auch der Arbeiter namentlich immer unabhängiger geworden ist, wie darüber hinaus alle Unabhängigkeiten des Lebens nicht verschwunden, aber in ihrer Wirkung geschwächt sind. Die gute Absicht des Gesetzgebers, dem Wähler in der geheimen Stimmabgabe die eigene politische Ueberzeugung auszudrücken zu ermöglichen, schafft noch nicht Unabhängigkeit. Die geheime Stimmabgabe verhilft unleugbar dazu, alle innern und geistig schwächern Wähler unfrei zu machen gegenüber den Einflüssen materieller Instinkte und persönlicher Verstimmungen und dergleichen. Darum hat die Sozialdemokratie beim geheimen Wahlrecht soviel mehr Mitläufer wie beim öffentlichen. Darum ist die Sozialdemokratie, die doch sonst den Fanatismus der Oeffentlichkeit hat, eine so begeisterte Anhängerin des geheimen Wahlrechts.(Sehr richtig! links.) Die Sozialdemokratie, die immer nüchterne und praktische Realpolitik treibt, schätzt also den Sukkurs, der ihr aus den Mitläufern bei der geheimen Wahl erwächst, höher ein als die Hilfe, die sie bei öffentlicher Wahl durch den Terrorismus erzielt, und daß die Sozialdemokratie Terrorismus in sehr viel größerm Umfang treibt als irgendeine andere Partei, das ist hier in diesem hohen Hause und in der Presse des öftern ausgeführt worden. (Lebhafte Zustimmung rechts. Zurufe bei den Sozialdemokraten: Pfui!) Vizepräsident Dr. Porsch: Herr Abg. Borgmann, ich rufe Sie zur Ordnung.(Lebhafter Beifall rechts.) Ich bitte um Entschuldigung, es wird mir eben gesagt, daß der Abg. Liebknecht Pfui gerufen hat. Ich nehme den Ordnungsruf gegen den Abg. Borgmann mit Bedauern zurück und ruse den Abg. Liebknecht zur Ordnung.(Lebhafter Beifall rechts.) Ministerpräsident v. Bethmann Hollweg: Damit ergibt sich die Gegenrechnung für alle bürgerlichen Parteien von selbst. Sie verlieren in ihrer Gesamtheit nicht viel, und zwar nicht, weil sich bei der geheimen Wahl persönliche, politische Ueberzeugung frei betätigen kann, sondern weil mangelndes staatliches Verantwortlichkeitsgefühl unter dem Schleier des Geheimnisses Einflüssen nachgibt, zu denen es sich öffentlich nicht zu bekennen wagt.(Lebhafter Beifall rechts.) Aus allen diesen Gründen hält die Regierung an der überkommenen Oeffentlichkeit der Wahl fest. (Lebhafter Beifall rechts.) Die Vorlage hat weit über Preußens Grenzen hinaus in Deutschland Interesse wachgerufen. Ich bin der Zustimmung der großen Mehrheit dieses hohen Hauses gewiß, wenn ich die Stimmen mit Entschiedenheit zurückweise, welche für das Reich eine Kontrolle über dasjenige vindizieren, was wir hier beraten und beschließen wollen.(Beifall.) Es ist vollkommen berechtigt an sich, daß man sich in ganz Deutschland dafür interessiert, wie sich in dem führenden Bundesstaat die Verfassung gestaltet, aber es ist für viele Kreise der praktische Wunsch dabei vorhanden, es möge Preußen durch ein modernes Wahlrecht so demokratisiert werden, daß ein im letzten Ende auch demokratisierter Bundesrat die Geschicke des Reiches bestimmen möge.(Sehr richtig! rechts.) Das ist eine Entwicklungslinie, der wir widerstreben und der wir widerstreben müssen gerade mit Rücksicht auf das im Reich geltende Wahrrecht.(Lebhafter Beifall rechts.) Vielsach wird gefordert, daß unsere konstitutionelle Entwicklung in verschiedenen Bundesstaaten homogene Bahnen einschlagen müsse. Das ist eine dogmatische Forderung ohne jedes Verständnis für Deutschlands Geschichte, für seine Kultur. Wenn es deutschem Wesen und deutscher Kultur entspräche, daß wir den Norden und den Süden in gleiche politische Formen paßten, dann hätte sich im Laufe der tausendjährigen deutschen Geschichte längst der zentralisierte Einheitsstaat entwickelt. Daß dies nicht geschehen ist, ist nicht ein Zufall der Geschichte, sondern liegt in einem tiefen Zuge des deutschen Wesens, der, wenn er auch die Quelle unseres politischen Elends war, doch mit dem Reichtum und der Innerlichkeit deutscher Kultur und allem, was sie geschaffen hat, eng zusammenhängt. Der individualistische Zug im deutschen Wesen, der starke Isoliertrieb, wie es Bismarck einmal nannte, hat es lange verhindert, eine politische Form zu finden, hat jahrhundertelang Deutschland zum Spielball fremder Interessen gemacht. Als aber endlich die Form gefunden wurde, weil sie gegen das Ausland gefunden werden mußte, da konnte es nur der förderative Staat sein, in dessen Wesen es eben liegt, daß die einzelnen Teile ihre durch Geschichte, durch Kultur und Charakter der Stämme gegebene Eigenart frei entfalten können, ohne daß das Ganze Schaden erleidet.T1 *„„„ bayrischen und schwäbischen und söchne und wie sie auch heißen, nicht missen, diese Eig. die sich nicht nur in den Sitten und Gewohn Bevölkerung, sondern auch in politischen Staaten aussprechen, als einen Teil s achten. Aber ebenso soll mar. uns auch nicht unsere preußische (Zustimmung.) Man soll mit den Schlagwen, „agrarisch",„reaktionär“. Preuzen nicht bringen, das dient weder dem deutschen Anfei." der deutschen Einheit.(Zustimmung.) Denz ist doch Preußen und Preußens Eigenart die nicht an letzter Stelle bei der Wiede######n. Reiches mitgearbeitet hat.(Lebhafter Beisau Aber diese Tatsache schließt auch eine in sich. Ich will mit Berufung auf sie sagen etwa in Preußen auf alle Dauer alles bleiben müsse, daß Ueberlebtes erhalten und vert#. werden müsse. Preußen muß sich im Zusammemit der ganzen deutschen Entwicklung erhalten gehört nicht nur Achtung und Verständnis g. besondere politische und Kulturkraft, sondern vor daß sich Preußen selbst stark erhält und daß dan diese seine Stärke sich dem Reiche dienstbar Wenn Sie— und damit will ich schließen—.5 Beratung der gesamten Wahlrechtsfrage neben agitatorischen Beiwerk auch solche Gesichtspunk ich sie eben angegeben habe, zu ihrem Rechte lassen, dann werden sie Beschlüsse finden, die Wohle nicht nur Preußens, sondern auch des DeuReiches dienen.(Stürmischer Beifall rechts bei den Sozialdemokraten. Darauf erneuter fall rechts.) Minister des Innern v. Moltke: Da die Vorlag# Verfassungsänderung enthält, müssen die Verhandlung in der Form einer Verfassungsänderung geführt wenDer Minister erörterte sodann die bereits einzelnen Bestimmungen des Gesetzentwurfes. Die Abg. Frhr. v. Richthofen(kons.): Das Verhalten## sozialdemokratischen Abgeordneten zu Beginn der## des Ministerpräsidenten war ganz unerhört.(Lebta Beifall rechts.) Leider haben wir hier keine Mittel# im Reichstag, um erzieherisch auf die Herren zu wug In der Wahlrechtssache, die vor allem eine preußise Angelegenheit ist, werden wir an den Grundpfeilern des preußischen Wahlrechts nicht rütteln lassen. Es gibt kein ideales Wahlrecht, das preußische Wahle hat sich bewährt. Ist denn Preußen nicht die Vorn### Deutschlands geworden?(Abg. Hirsch(Soz.) mstz Leider! Rufe rechts: Pfui und raus!) Das jetzige Ratrecht ist ein Mittelstandswahlrecht in des Wortes wahig Bedeutung.(Lebhafter Beifall rechts.) Die Sozch demokratie hat keinen Arbeitervertreter hier im Hau (Hört! hört!) Der Großunternehmer, der Tausende i Arbeitern beschäftigt, hat ein Recht auf größere poliis# Einwirkung als z. B. der Rentier, der Coupons schneidet. Die Einführung der direkten Wahl ist### Sprung ins Dunkle. Die Vorzüge unserer Beamtenscht erkennen wir durchaus an. Aber ihnen ein Vorrch#### gewähren, ist doch nicht unbedenklich, wenn das zu eng Benachteiligung des erwerbstätigen Mittelstandes (Lebhafte Zustimmung rechts.) Die Sozialdemoka## will das Volk mit ihrer Wahlrechtssorderung auf den En der Revolution drängen. Der Redner beantragt Ueberweisung der Vorlage an eine Kommission von 1 Mitgliedern, und schließt: Wir wissen, daß hier nicht m# materielle, sondern auch sehr große ideale Güter Preußenvolkes zu schützen sind.(Stürmischer, lanzn haltender Beifall rechts, Zischen bei den Sozialem kraten.) Abg. Träger(freis. Vp.): Für uns ist die Vorlage## annehmbar, weil sie nicht einmal das geheime bringt. Dem Ministerpräsidenten muß ich antwor. Jede Partei, die nicht den Willen zur Macht hat, wn zichtet damit auf ihre Existenz. Diese Vorlage kann nit als eine Erfüllung des Versprechens der Thromet gelten. Der Wahlmann ist der Grundpfeiler des un klassensystems, fällt er, muß dieses nach. Die Bevr zugung der Beamten führt zu einer politischen Ennch tung der Erwerbsstände. Wir haben bei unserer Ka## rechtspolitik uns leiten lassen lediglich von unsan Ueberzeugung, nicht von Agitationsrücksichten.(Beisat links.) Abg. Schiffer(nat.=lib.): Der Vorredner hat uns ein angenehme Ueberraschung bereitet, indem er nicht für 0 Reichstagswahlrecht eintrat. Wir lehnen nach wie vor das Reichstagswahlrecht für Preußen ab. Auf der anderen Seite wollen wir aber keineswegs## Reichstagswahlrecht im Reich antasten, sondern sieh fest zu demselben. Wir treten ein für die Beseitigung indirekten Wahl, für die Beseitigung der plutokratisch Starrheit der Wahlrechtsabstufung, für die Beseitign der öffentlichen Stimmabgabe(Beifall links), sowie die Revision der Wahlkreiseinteilung. Die Vorlagt nügt uns nicht und hat uns schwere Enttäuschung bereitet. Sie bietet zwar den Vorteil der direkten das ist aber mehr eine formale als eine materielle dir besserung. Gegen die Abstusung des Wahlrechts auss haben wir keine prinzipiellen Bedenken. Wenn es b. lingt, die gesunden Gesichtspunkte des Pluralwahlle zur Durchführung zu bringen, so haben wir dage nichts einzuwenden. Dagegen liegt im Auftucen höhere Abteilungen auf Grund, bestandener eine ungerechte Bevorzugung der Beamten. wird die dritte Klasse beschränkt auf solche Wählek, arm an Geld und Bildung sind. Wir sehen auch, ein, warum nicht die dringend erforderliche Neuei lung der Wahlkreise vorgenommen wird. Wir stebggg dem Standpunkt: Nicht weil der König uns die reform versprach, ist sie notwendig, sondern weil die Reform notwendig ist, darum hat sie uns der König versprochen.(Sehr links.) Die öffentliche Stimmabgabe ist nur geen den Terrorismus zu fördern. Die Wahlrechtsstag; eine brennende, auch wenn die Vorlage abgelehnt“ (Sehr richtig! links.) Die Wahlrechtsdemonstratt der Sozialdemokraten schrecken uns nicht, aber w“ dauern die Opfer, die sie kosten. Wir werden aue:„ um die Entwickelung der Wahlrechtsfrage zum dan Abschluß zu bringen.(Lebhafter Beifall links.) Darauf wird die Weiterberatung auf Freitag vertagt. tmunder Pferdemärhte m 2. und 3. März ds. Is. statt. beiden Tagen von 8 Uhr Vormittags bie“ 28. oste Märkte: 3. und 4. August, 27. Ub.„6 T9 — A S S 0— 2 Geg 2 8205 — O— 63* ** S·- Sugssg Surgagseua 25 # o n:——".— 2.— en. 5— 0.• A 1 8 5,4 Und nun liebte er zum ersten Male wirklich und wahrhaftig. Natürlich war es im Frühling gekommen. Ende April. Die Sonne scheint wärmer von Tag zu Tag. An allen Ecken und Enden sprießt und sproßt es. Die Kastanien sprengen ihre braunen, klebrigen Blattknospen. Der Flieder grünt und blüht, und seine Blüten schimmern schon ganz blau. Auf den Wiesen ist über Nacht ein farbenleuchtender Teppich entstanden: Primeln und Margaretenblumen, alles bunt durcheinander. Und die Sonne scheint und scheint; Lerchenjubel und Amselschlag und bunte Falter und Libellen in zahlreicher Menge. Und alles jubelt und alles singt, ein Preislied ohne Ende, dem Frühling, dem Sorgenlöser, dem Liebesspender. Und da saß der junge Student eines Tages auf einer Bank im Tiergarten. Er hielt einen Band Goethe in der Hand, aber hinein sah er nicht, träumend blickte er in die klare, hellblaue Frühlingsluft und sah dem Spiel der bunten Schmetterlinge zu, die von Blume zu Blume flatterten, neckend und kosend. Mit einem Male wird er geweckt aus seinen Träumen. Lautes Kinderlachen erklang neben ihm. Er sah sich um, und da sah er sie zum ersten Male Ein junges Mädchen, das die kleinere Schwester spazieren führte. Beide setzten sich auf seine Bank. Er war wie gebannt. Immerzu sah er sie an, ganz heimlich von der Seite. So etwas hatte er noch nicht gesehen. Blaue Augen, braunes Haar und einen Mund— zum Küssen schön! Die Figur schlank und zart und Bewegungen von einer Lieblichkeit und Anmut, wie er sie noch nie gesehen hatte. Fast war er atemlos vor freudigem Schreck und sein Herz pochte zum Zerspringen. Dann haschte das Schwesterchen nach einem bunten Falter: dabei kam sie seinen Füßen zu nahe, so daß sie stolverte und fiel. Im Nu hob er sie wieder auf und sagte ihr ein paar tröstende Worte. Und bei dier Gelegenheit sprach auch die Schöne ein paar Worte der Entschuldigung zu ihm, die ersten Worte, die sie zusammen sprachen, gleichgültig und formell, aber als sie sich ansahen, wurden sie beide rot und verlegen. Und von da an traf er sie dann jeden Tag, immer an einer andern Stelle, denn sie wich ihm aus; er aber suchte und suchte, bis er sie fand: und er fand sie immer, jeden Tag. Glückselig war er! Die ganze Welt gehörte ihm! Denn er liebte dieses schöne Mädchen, das fühlte er nur zu bald. Nach vierzehn Tagen traf er sie zum ersten Male allein. Der Flieder blühte. Ganze Wogen von füßem Duft durchwehten die Lüfte berauschend, fast betäubend. Langsam gingen sie nebeneinander. Keines sprach ein Wort. Endlich nahm er ihre kleine Hand, drückte ste innig und dann auf einmal hatte er das schöne Mädchen im Arm und stammelt: heiße Liebesworte und dann küßten sie sich, trunken vom Glück, selig in der reinen Liebe. Das Unglück wäre geschehen, meinte ein alter Herr, der aus der Ferne lächelnd das Pärchen beobachtet hatte. Die beiden Liebenden aber waren überglücklich, denn sie sahen und hörten nichts von dem, was um sie vorging, ihnen leuchtete die Sonne der Freude, die ihre Herzen schneller pochen machte. Und nun begann eine köstliche Zeit. Jeden Tag sah er Käte, und mit jedem Tage gewannen sie sich mehr lieb. Aber niemand wune um ihre junge Liebe, wie ein Geheimnis bewahrten sie ihr Glück vor jedem Dritten. Nach einigen Wochen sagte Kurts Vater zu seiner Frau: „Unser Junge ist seit kurzem ganz verändert, viel lebensfroher, als er vordem war; findest du das nicht auch?“ Die Mutter nickte nur lächelnd, sie ahnte wohl etwas, aber genau wußte sie auch nichts Eines Tages aber saß Kurt im Garten, allein mit seinen Büchern, da überraschte ihn die Mutter, als er eine Photographie an die Lippen drückte. Kein Wort sagte die kluge Frau, nur fragend sah sie ihn an, mit einem Blick voll inniger, treuer Mutterliebe! Und da war Karl aufgesprungen, umhalste die Mutter, küßte sie und gestand ihr alles mit leisen Worten „Mein guter Junge,“ sagte sie nur und streichelte über sein Haar Am andern Tage ließ der Vater Kurt zu sich kommen und sagte milde, aber ernst:„Lieber Junge, Du kannst doch nicht ans Heiraten denken, erst mußt du es doch zu etwas bringen in der Welt, und darum gib dich keinen Illusionen hin; bis du dein Studium beendet hast, ist noch lange Zeit hin und wer weiß, ob du bis dahin deiner Neigung von heute treu bleiben kannst.“ Kurt aber antwortete mit glühender Begeisterung:„Ja, Vater, unsere Liebe ist echt! Ich werde von nun an mit dopvelter Kraft arbeiten, daß ich bald eine Anstellung bekomme, und dann werde ich mein Mädchen heiraten.“ „Nun, es soll mich freuen,“ sagte ernst der Vater,„ich will ja doch nur dein Bestes.“ Und von da an arbeitete Kurt mit nie ermüdender Kraft, und immer nur sein Ziel im Auge, so lebte er weiter. Sein Mädchen hatte ihm ja Treue gelobt und er vertraute ihren Schwüren— sie wollten sich lieb behalten, bis er sich eine Stellung geschaffen, die ihm gestattete, einen Hausstand zu begründen. So kam der Sommer beran. Noch immer sahen die Liebenden sich jeden Tag und noch immer erneuerten sie ihr Versprechen— treu, bis sie einst vereint wären! Aber eines Tages, es war im Juli, überraschte Kätes Mutter das Pärchen im Tiergarten und von der Zeit an war die Herrlichkeit zu Ende. Kätes Eltern waren einfache und praktische Leute und als die Tochter mutig erklärte, daß sie warten wolle, bis Kurt eine Anstellung habe, da erklärte der Vater ernst und bestimmt, daß sie sich die Liebesgedanken nur vergehen lassen solle, denn er habe bereits einen Mann für sie erwählt. Schon am nächsten Tage durfte sie nicht allein ausgehen und als Kurt nach drei Tagen vergeblichen Wartens kam, einen Besuch zu machen, empfing ihn Kätes Vater und sagte ihm, daß seine Tochter bereits versagt sei Doch damit gab sich der junge Student nicht zufrieden: er hoffte auf den Mut und die Treue seines Mädchens, er wartete geduldig bis er sie wiedersehn würde Aber er wartete vergebens, denn Käte war bereits seit vier Tagen fort, in Begleitung ihrer Mutter nach Magdeburg gefahren, wo sie bei einer Tante untergebracht wurde. Und Briefe von Kurt bekam sie auch nicht mehr, denn die Tante verbrannte sie, einen wie den andern, bis sie endlich ausblieben. Doch Kurt hoffte auch jetzt noch, daß alles sich zum guten wenden würde, und arbeitete nun erst recht, denn gerade jetzt trieb der Ehrgeiz ihn rorwärts. Und so verging auch der Sommer, und mit Stürmen und Regenschauern kam der Herbst ins Land. Anfang Oktober bekam Kurt einen Brief von Käte, das erste Lebenszeichen seit langen. bangen Wochen. Jubelnd riß er den Umschlag auf, aber schon die ersten Zeilen machten ihn erbeben, zitternd und zagend las er weiter. Sie schrieb ihm, deg er ihr nicht zürnen dürfe, wenn sie ihn bäte, ihr das Wort zurückzugeben, sie müsse den Bitten ihrer Eltern nachgeben und einen Vetter heiraten, der in sehr guten Vermögensverhältnissen lebe, sie selbst sei ja arm und ihren Eltern müsse sie dies Opfer bringen— zwar liebe sie diesen Vetter noch nicht, aber da er sehr lieb und gur zu ihr sei, würde sie ihn wohl schätzen und lieben lernen. Zitternd sah Kurt auf den Brief. Er hörte und sah nichts mehr, was um ihn her geschah, vor seinen Augen zerrann alles in wüstem Wirrwarr und das eine ging ihm fortwährend durch den Kopf: ist es denn nur möglich daß alles, alles zu Ende sein sollte! So sank er hin und drückt: das Gesicht in das Polster und schluchzte laut auf. Und so fank ihn die Mutter. Nichts sagte sie, kein Wort des Trostes, stumm beugte sie sich zu inm nieder und legte seinen Kopf an ihre Brust und so ließ sie ihn neinen still und stumm.—— Tarüber sind nun viele, viele Jahre hingegangen. Kurt ist längst in Amt un Würden und er ist nun auch ein verständiger Mann geworden: er hat eine brave Frau bekommen und zwei stramme Buben toben und tollen durch sein Haus. Jedesmal wenn der Flieder wieder in Blüte steyt, dann sitzt er oft und sinnt und träumt, dann ersteht wieder vor ihm in all ihrer Poesie die##ige Zeit seiner Frühlingsliebe. □ Humoristisches. * Die rettende Farbe. Richter:„Sie haben die Klägerin ein„Grautier“ genannt; was meinen Sie damit?“— Angeklagter:„Herr Richter, das sollte weiter nichts heißen, als„mein Mäuschen“!“ WE er . UOü* 6 „GDESEGRS — 8-— B 6•— üraSn Sp „*— SaSTE E 1 — * FES •0• In letzter Stunde. Roman von Hugo Ebersbach. „Ich werde das erst dann glauben, wenn das verschwunoene Geld in seinem Besitz gefunden wird,“ erwiderte Adelaioe, in deren dunklen Augen es plötzlich aufleuchtet.„Tas Urteil des Herrn Gerichtsrates ist für mich nicht maßgebend, und so unwahrscheinlich auch die Erklärungen des Verhafteten laut mögen, in der Möglichkeit liegt jen Begegnung immerhin.“ Ter Kommerzienrt warf seiner Frau einen warnenden, bedeutungsvosse: Blick zu. „Wir wollen nicht darüber streiten, mein liebes Kino,“ sagte er in besorgtem Tone;„es ist ja auch mein Wunsch, daß die Schuldlosigkeit Winkels an den Tag kommen möge. Warten wir nun das Resultat der Untersuchung ab; aber wie es auch ausfallen mag: vergessen wir nicht, daß Hugo Winkel bereits eingestanden hat, mein Vertrauen mißbraucht zu haben. Jene dreitausend Taler, mit denen er das vorteilhafte Geschäft abzuschließen gedachte, nahm er ohne mein Wissen und meine Erlaubnis aus meiner Kasse; seine Erklärung, er habe dieses Geld m ersetzen wollen, entschuldigt die Tat nicht. Und nun kein Wort weiter über diese unangenehme Geschichte; ich jürchte, sie wird uns später noch Aufregung genug verschaffen.“ Tamit war die Unterhaltung beendet. Die Rätin setzte den elektrischen Telegraph in Bewegung, und gleich darauf brachte Johann die Suppe. In jener Zeit, in welcher die Ereignisse, die wir hier erzählen, sich zutrugen, hatte man noch keine Ahnung von dem Börsen= und Gründungsschwindel, der etwa zwanzig Jahre später in allen Landen des deutschen Reiches seinen tollen Reigen aufführte und die unheilvollsten Folgen hinterließ. Man baute damals nur dann, wenn Bedürfnis dazu vorhanden war; und wo ein neues Haus entstand, fand der Bauherr, wenn er es nicht selbst bewohnen wollte, sehr bald solide Mieter, die es bezogen Selbst im Herzen verkehrreicher Städte fand man zu jener Zeit noch Bauplätze genug, auf denen seit Jahren Gras und Unkraut ungestört wucherten; Niemand dachte daran, diese Grundstücke zum Gegenstand einer unsicheren Spekulation zu machen. Diese Zeit war einfach und anspruchslos, und die Menschen waren es auch. Der Wochentag gehörte der Arbeit, der Sonntag dem Gottesdienst und der Erholung. War die Einnahme knapp, so richtete man darnach auch die Ausgabe ein. Man streckte sich eben nach der Tecke, und wer das nicht konnte, oder wollte, durfte bei seinen Mitbürgern auf Achtung keinen Anspruch machen. Ausnahmen gab es freilich auch damals. Die Schwindler und Betrüger sind nie ausgestorben; aber sie wagten nicht, mit dreister Stirne aufzutreten und sich in die gesellschaftlichen Kreise einzudrängen. Man erkannte zu bald, wer s#e waren, und unsolide Elemente duldete man nicht in de: Gesellschaft. Zu jener Zeit nun standen an einer noch unbebauten Straße zwei Häuser, von denen das eine schon seit Jahren unbewohnt war. Der Eigentümer hatte es oft ausgeboten, aber Niemand wollte es kaufen, Niemand hineinziehen, und doch war es ein schönes, stattliches Haus, in dem man sich ohne Zweifel ein trauliches Heim schaffen konnte. Es gelang inmitten eines großen Gartens, bessen Beete und Wege von Unkraut überwuchert waren; eine ziemlich hohe Mauer umschloß diesen Garten, in den man von der Straße aus durch ein eisernes Gittertor gelangte. Ringsum lagen Bauplätze, auf denen die Jugend sich tummelte und die Hunde aus allen angrenzenden Straßen zusammen kamen. Das zweite Haus war bedeutend kleiner; es machte mit seinem frischen Anstrich, den blinkenden Fenstern und dem kleinen, sorgsam gepflegten Garten einen freundlichen, wohltuenden Eindruck.„ Ter Buchhalter de Commerzienrats Steinfeld, Herr August Starke, hatte es vor Jahren erbaut; er bewohnte es mit seiner Schwester, einer Witwe Helwig, und deren Schn, und er war stolz auf diese kleine Besitzung, die er von Jahr zu Jahr verschönerte. An demselben Mergen, an dem Hugo verhaftet wurde, stand Frau Helwig am offenen Fenster des kleinen Hauses und blickte sinnend auf die Straße hinaus Sie war eine kleine, hagere Gestalt, wie ihr Bruder; man fühlte sich unwilliürlich zu ihr hingezogen, wenn man in ihr gutmütiges Antlitz, in ihre tiefblauen, treuherzigen Augen schoute Diese Augen hefteten sich jetzt auf einen Herrnder, von einem Diener begleitet, langsam an ihr vorbeischritt und vor den Gittertor des unbewohnten Hauses stehen blieb Während er dort stand, hatte sie Muße genug, ihn zu betrachten. Er war eine auffallende Erscheinung, weniger wegen seines hohen schlanken Wuchses, auch nicht wegen seiner eleganten Kleidung, sondern wegen seines schönen scharf geschnittenen Gesichts, das sie, da er den breitrandigen Hur abgenommen hatte, voll betrachten konnte Die Stirne war hoch, breit gewölbt und von schwarzem, lockigen Haar in reicher Fülle umrahmt, die Nase scharf gebogen, kus Augenpuur tiefdunkel und in lebhaftem Feuer blitzeno. Ein langer schwarzer Vollbart bedeckte Wangen und Kinn, und hinter den halb geöffneten Lippen schimmerten die Zähne in blendendem Weiß. Nach der Schätzung der Frau Helwig konnte er 2 — 5= B 9" * S 5#U ∆ — 1 1 vielleicht fünf oder sechs und dreißig Jahre zählen— älter war er keinesfalls— und der funkelnde Brillant an seiner rechten Hand deutete im Verein mit seiner gewählten, eleganten Kleidung darauf hin, daß er ein reicher Herr seir muße Es unterlag wohl auch keinem Zweifel, daß der Mann, der ihn begleitete, sein Diener war; das bekundete der lange Rock mit den blanken Knöpfen und die breite goldene Tresse, die sich um den hohen Cylinderhut wand. Ueber seine klein, gebrungene Gestalt hätte Frau Helwig hinweggesehen, aber das verschmitzte Gesicht mit der Stulpnase und den aufgeworfenen Lippen, mit den lauernden unstäten Augen und den weit hervorstehenden Backenknochen gefiel ibr nicht. Er mochte einig: Jahre älter sein als sein Herr, der sich jetzt zu ihm wandte und eine geraume Weile mit ihm redete. Während dieser Unterredung entdeckte der rastlos umherschweifende Blick des Dieners die alte Tame; dieser sprach etwas zu seinem Herrn, der nun ohne Zögern sich dem Fenster näherte. „Ich bitte um Verzeihung, gnädige Frau, daß ich als Fremder mir die Erlaubnis nehme, Sie anzureden,“ sagte er mit sonorer, sympathisch klingender Stimme, indem er auf der Straß stehen blieb;„man hat mir gesagt, jenes Haus sei zu verkaufen; vielleicht wissen Sie Näheres darüber.“ „Sie wollen das unheimliche Haus kaufen?“ erwiderte Frau Helwig in unverkennbarer Bestürzung. „Weshalb unheimlich?“ fragte er lächelnd. „Tas kann ich Ihnei nicht mit zwei Worten beantworten; wenn Sie mi die Ehre schenken wollen—“ „Bitte die Ehre ist allein auf meiner Seite,“ unterbrach sich der Fremde, während er rasch auf die Haustür zuschritt. Der Diener folgte ihm bis zur Tür des Wohnzimmers, an der Frau: Helwig den Fremden empfing; dann zog er sich in Begleitung des Dienstmädchens, das ihnen die Tür geöffnet hatte, zurück. „Graf Stephan Krasinsli,“ stellte sich der Fremde mit einer leichten Verneigung vor, dann ließ er sich in den Sessel nieder, den die alte Tame ihm angeboten hatte.„Trotzdem die Worte, die Sie vorhin mir erwiderten, eine Warnung zu enthalten schienen, hoffe ich dennoch, daß wir gure Nachbarn werden,“ fuhr er in scherzendem Tone fort;„ich beabsichtige in der Tat, das Haus, das Sie als unheimlich bezeichneten, zu kaufen.“ Frau Helwig hatte dem Fremden gegenüber Platz genommen; sie wiegte mit bedenklicher Miene das Haupt, und aus ihren treuherzigen Augen traf ihn ein Strahl warmer Teilnahme. „Vielleicht lassen Sie diese Absicht wieder fallen, wenn Sic erfahren, weshalb jenes Gebäude das unheimliche Haus genannt wird,“ sagte sie. „Ich bin in der Tat neugierig.“ „Es ist, was man so nennt: ein Unglückshaus, Herr Graf, bis jetzt ist noch jeder, der es bewohnte, elend in ihm zu Grunde gegange:. Was die Leute aus längst vergangenen Zeiten von ihm erzählen, will ich nicht erwähnen; es sind grausige Geschichten, und es läßt sich heute nicht mehr feststellen, was an ihnen wahr oder erfunden ist. Aber was ich selbst erlebt habe, das will ich Ihnen erzählen; ich denke, es ist genug, um jeden Käufer abzuschrecken. Ich bin hier geboren, Herr Graf; so lange ich lebe, habe ich in dieser Stadt gewohnt; mein Bruder ist erster Buchhalter des großen Bankhauses Karl Ludwig Steinfeld und Compagnie; ich bemerke, das nur, um Ihnen zu beweisen, daß ich sehr wohl unterrichtet sein kann.“ „Ich zweifle daran nicht, gnädige Frau, nehmen Sie im Voraus meinen besten Tank für Ihre Mit„Ich war noch ein Kind als ein junges Ehepaar in das Haus einzog,“ fuhr die alte Dame fort. beiden Leute lebten sehr glücklich mit einander, aber schon domals hörte ich, daß man ihnen Unheil prophezeite. Eine Epidemie, die plötzlich ausbrach verschonte auch unsere Stadt nicht, und eines Tages trug man aus jenem Hause die junge Mutter mit ihren beiden Kindern hinaus zum Friedhof. Trei oder vier Tage später wurde der bedauernswerte Witwer ins Irrenhaus gebracht.“ „Das hätte auch in jedem anderen Hause sich ereignen können,“ sagte der Graf, dessen Lippen ein ungläubiges Lächeln umspielte. „Ich will das nicht bestreiten, aber hören Sie weiter. Ein alter Herr zog jetzt mit seiner jungen, hübschen Haushälterir in das unheimliche Gebäude. Ich erinnere mich seiner noch sehr gut; er war mit meinem Vater befreundet, wir kamen sehr oft in seinen Garten, und er hatte seine Freude daran, wenn das köstliche Obst. das dort wuchs, und mundete. Er liebte die Rosen; nie habe ich diese Blume schöner gesehen, als in seinem Garten Auch er war gewarnt worden vor dem Fluch, der auf dem Hause ruhte; ich entsinne mich heute noch, daß mein Vater es in ernster, eindringlicher Weise tat, aber der alte Herr lächette so ungläubig, wie Sie es jetzt tun: er schien zu glauben, daß er gegen jedes Unglück gefeit sei. Und eines Morgens blieb das Haus geschlossen, zwei Tage lanz war weder die Tür noch ein Fenster geöffnet worden, bis man sich endlich entschloß, der Polizei Anzeige davon zu machen. Jetzt wurde die Tür polizeilich geöffnet, und wissen Sie, was man fand? Mit zerschmettertem Kopf lag die Leiche der Haushälterin in der Küche, und dem Leben des alten Herrn hatten Dolchstiche ein Ende gemacht. Sie waren beide ermordet, und die Mörder sind bis heute noch nicht entdeckt worden.“ „Und dieser Herr war der Letzte, der das Haus bewohnte?“ fragte Graf Krasinski ruhig. „Der Letzte nicht. Das Haus stand lange leer; der Eigentümer fand keinen Mieter; er wollte es verkaufen, und der Preis, den er dafür forderte, war spottbillig. Endlich, nach Jahren fand sich ein Käufer: das Geschäft wurde abgeschlossen, und der neue Eigentümer zog mit seiner Familie ein. Auch ihn habe ich gekannt. Er war ein großer, finsterer Mann. Wie es hieß, wollte er in dem Hause eine Schule errichten, aber so sehr er sich auch darum bemühte, er fand weder Pensionäte noch Schüler. Er selbst hatte drei Kinder, mit seiner Familie lebte er in stetem Unfrieden, und man behauptete, er stecke fe tief in Schulden, daß er sich nicht mehr zu retten wisse. Er wollte das Haus wieder verkaufen, aber all' seine Mühe war vergeblich; er sank immer tiefer und tiefer Die Gläubiger drängten ihn, er ergab sich dem Trunke und wälzte die ganze Schuld an seiner Not und seinem Elend auf seine Frau, der er Putz= und Vergnügungssucht, Leichtsinn und Verschwendung vorwar*. Sein Haus ward subhastirt, sein Mobiliar gepfände:. In der Nacht, die der öffentlichen Versteigerung vorherging, erstach er seine Frau; ihn selbst fand man am anderen Tage in einer Tachkammer erhängt. Die Kinder wurden in's Waisenhaus gebracht, und seitdem steht das Haus leer.“ Ter Graf strich mit seiner weißen, aristokratischen Hand einigemal über den schwarzen Bart und ließ dabei die dunklen Augen sinnend auf dem gutmütigen Antlitz der alten Tame ruhen. „Ich danke Ihnen nochmals für Ihre Mitteilungen,“ sagte er,„ich bin nicht abergläubisch.“ „Gewiß ist überall unser Leben in Gottes Hand,“ entgegnete Frau Helwig,„und der wahre Christ vertraut stets auf die göttliche Vorsehung; aber die an dem Hause haftenden grausigen Erinnerungen—“ FgES S• S— 22 — 1— „ 5 90 5 SE SEE#ES B" A O UEN#EE 2. 15** 0 EE 2* —*——" 6 •SGEZOEUE — B # Fa. E, W T U r a T e S G —•A•-u.-ZOU „„ a- OSESPTeLSTESGES GES! TBEU·SR — S•— 20 A 839 Ein frohes Weihnachtsnovelette von Paul Bliß. Die Baronin=Witwe von Salbach=Hallstein saß in ihrem Boudoir und blätterte eifrig in einem großen Weihnachtstatalog. Sie notierte sich verschiedene Gegenstände, die ihr hübsch und preiswert erschienen— ab und zu seufzte sie leise auf: es war gar zu schwer, für jeden ein passendes Geschenk zu finden! Sie war so mit ihrer Lektüre beschäftigt, daß sie gar nicht hörte, wie an die Tür geklopft wurde, und verwundert aufsah, als die Zose vor ihr stand. „Nun, was gibts denn?“ „Graf Lebenhart fragt, ob er die gnädige Frau nicht stört.“ „Gewiß nicht! Ich lasse bitten.“ Eine Minute später stand der Graf vor der Herrin des Hauses. „Ich sehe, Sie waren beschäftigt, rief er und deutete auf die Kataloge.!“ „Allerdings, gab sie lächelnd zurück, ich dachte eben an Sie, womit ich Sie beschenken könnte— na und nun können Sie mir ja ganz einfach einen Wunschzettel schreiben!“ „Das trifft sich ja herrlich!“ rief er fröhlich,„ich komme zu Ihnen mit einer großen Bitte. Meine Eltern lassen Sie und Ihre Frau Mama durch mich bitten, das Fest draußen bei uns auf Lebenstein zu verbringen Das Lachen der Baronin verstummte.„Nein, lieber Freund,“ sagte sie,„das kann ich leider nicht erfüllen.“ „Und warum nicht, Baronin?“ „Aber sehen Sie denn das nicht selbst ein, lieber Graf? Wie dürfte denn bei meiner Bescheerung die Frau des Hauses fehlen?“ Verlegen und ärgerlich drehte er die Quasten des Fauteuils. Endlich sagte er:„Das werden meine Eltern sehr bedauern.“ „Und ich bedauere es am meisten, lieber Graf! Und Sie müssen mich daheim auch gut entschuldigen, damit Ihre Lieben mir nicht zürnen! Nicht wahr, das versprechen Sie mir?“ Er stand auf, versprach es, küßte ihr die Hand und empfahl sich. Als die Baronin allein war, athmete sie auf. Was hätte sie ihm Anderes sagen sollen? Nein, nein! Sie wußte daß er sie liebte, aber sie durfte ihm keine Hoffnung machen, damit sie ihm später keinen Korb zu geben brauchte. Also besser so! Sie zwang sich zur Ruhe, indem sie mir großem Eifer wieder ihre Arbeit von vorhin aufnahm. Eben nahm sie die Preisliste eines großen Modebazars zur Hand und plötzlich durchzuckte sie ein Schreck. Sie kannte den Künstler, der dies Titelblatt gezeichnet hatte! Ein Zittern durchschauerte sie. Wie war denn das nur möglich? Er, dem alle Welt eine glänzende Zukunft vorausgesagt hatte, war ein so armer Teufel geworden, der für den Frohn des Tages sein schönes Talent opferte? Aber sie wollte sich Klarheit verschaffen. Fünf Minuten später saß sie im Wagen, der sie nach dem Modebazar fahren sollte. Und sie erfuhr vom Besitzer des Bazars die Adresse von Eberhard Meinhold. Fast war sie einer Ohnmacht nahe— nun in seine Wohnung, nun zu ihm, zu dem Aermsten, dem Verlassenen! Endlich, endlich, ist sie da. Ein armseliges Haus in der Vorstadt. In der vierten Etage liest sie sein Schild an einer Türe. Zaghaft klopft sie und nun ruft eine Stimme:„Herein!“ Da reißt sie die Tür auf, stürzt herein und steht vor ihm. Aber nichts kann sie sagen, kein Wort— und dann sinkt sie laut aufschluchzend vor ihm nieder. Und er hebt sie sankt auf, führt sie nach dem Sofa, bettet sie dort, reibt ihr die Stirn mit Wasser und fragt mit ruhiger aber kalter Stimme:„Was wünschen Sie von mir, Frau Baronin?“ Da besinnt sie sich, steht auf, geht zu ihm und bittet mit lieben, weichen Worten:„Nicht so, Eberhard, nicht mit solchen Tönen— ich komme ja, um abzubitten, was ich an Ihnen getan, gesündigt habe.“ Er aber kalt und höflich:„Sie haben nichts abzubitten, Frau Baronin— unsere Wege berühren sich nicht mehr.“ „Nein, nicht mit diesen kalten höflichen Worten! Ich beschwöre Sie, Eberhard, ich war damals unschuldig! Ich mußte den Baron nehmen! Papa zwang mich dazu! Und er duldete keinen Widerspruch, das wissen Sie doch selbst! Einen Augenblick kämpfte er mit sich, dann fragte er ganz ruhig:„Also weshalb kommen Sie zu mir?“ „Damit Sie mir verzcihen, Eberhard!“ :„ N u n g u t, i c h v e r z e i h e I h n e n a l s o.“ „Und damit ich wieder gut machen kann, was ich damals verschuldet habe!“ „Nein, nein, es ist nicht zu spät! Hier bin ich ja!— Ich bin ja hergekommen, Ihnen zu helfen, jetzt kann ich es ja, Eberhard, jetzt darf ich es ja!“ Purpurroth stammelte er:„Kein Wort mehr, Frau Baronin! Damals war ich nichts, da konntet Ihr mich kalten Herzens von Eurer Tür stoßen, nun aber, nun Ihr mich im Hunger und Elend sitzen seht, nun kommt Ihr an und wollt wieder gut machen, was Ihr damals verschuldet habt.“ Jetzt war sie ganz ruhig geworden. Langsam ging sie zu ihm hin und sagte mit leiser sanfter Stimme:„Ihr Vorwurf ist ja gerecht, Eberhard, aber ich war damals jung und gegen Papas Willen war ich machklos. Aber nicht nur Sie, nein, auch ich habe viel gelitten!“ Wütend fuhr er auf:„Sie haben viel gelitten— o, ich glaube es. Aber wissen Sie, was Sie damals aus mir gemacht haben? Einen Stümper, einen Lumpen, einen clenden Kerl, der an seiner Kunst zum Verräter geworden ist!— O, ich habe Sie damals so lieb gehabt, daß ich für Sie gehungert und gedarbt hätte! Sie waren die lichte Göttin meiner Kunst! Mein alles!— Da, hier, da schauen Sie— das sind die Reste des ehemals so stolzen, so hochbegabten Künstlers— das, haben Sie aus mir gemacht!“— Wild aufschluchzend sank er auf das Sofa hin und vergrub das Gesicht in das Polster. Und langsam trat sie heran zu ihm, legte ihre Hand auf seinen Kopf und sprach:„Ja, Sie haben recht, ich habe elend gehandelt— jetzt erst sehe ich es ganz ein! Nun aber seien Sie der Edlere von uns Beiden, nun dulden Sie, daß ich wieder gut mache, was ich dereinst verschuldet habe.“ Ernst und finster sagte er:„Das können Sie nicht mehr.“ „Ja, ich kann es noch!“ jubelte sie laut auf,„denn ich habe dich nicht vergessen in all den Jahren, weil ich dich immer und immer geliebt habe— und hätte ich dich eher gefunden, ich hätte es dir längst, längst gesagt!“ Nun sprich dein Urteil, sprich es frei und offen aus — ich will es ertragen, wie du es damals ertragen hast.“ Da verließen ihn die Kräfte, matt sank er hin und rief: „Nein, nein, ich kann es ja nicht mehr glauben!“ Sie aber war bei ihm, fiel vor ihm nieder, umfaßte seine Knie uno rief:„Hier bin ich, hier liege ich, hier will ich büßen! Tritt mich, schlage mich, aber verstoße mich nicht, denn ich habe dich lieb, sowahr ich hier vor dir liege!""— Und da legte er seine Arme um sie, zog ihren Kopf an sich und weinte stille, glückliche Tränen.————— Das wurde ein frohes Fest! Als sie am heiligen Abend beide unter den hellen Christbaum traten, gaben sie sich das Versprechen, nun nicht mehr von einander zu lassen, bis der Tod sie dereinst trennen würde. Und da mußte sie sich lächelnd eingestehen, daß sie sich die beste Weihnachtsfreude selber beschert hatte: Sie hatte sich ihn ja wiedergeholt! Das war ein frohes Fest! Frühling. Novellette von Paul Bliß. (Nachdruck verboten.) Und immer ist es dieselbe Geschichte. Man sollte doch meinen, daß die Menschen mal vernünftig würden, daß die Jungen lernen würden, von den Alten, aber nein— immer ist es dieselbe Geschichte. Kurt liebte zum ersten Male, aber es war keine Liebelei, keine Eintagsliebe, wie sie sonst wohl bei jungen Leuten der Großstadt vorzukommen pflegt, nein, es war jene hohe, heilige Liebe, die des Mannes ganzes Denken und Fühlen in Fesseln zwingt und die dem Verliebten die Zukunft als ein endloses Glück voll Sonnenschein und Freude erblicken läßt. Kurt war einundzwanzig Jahre. Er war Student der Philologie. Er war aus guter bürgerlicher Familie, er hatte eine Erziehung bekommen; seine Mutter war eine Frau von wahrer Herzensbildung, sein Vater ein Mann von strengem Rechtsgefühl und so kam es, daß der junge Student trotz der Anfechtungen und Verlockungen der Grotstadt sich seine Ideale erhalten hatte.