Erscheint täglich wit Ausnahme der Sonn= und gesetl. Feiertage. Abennementspreis Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inserate Biktor Schanzer. Dortmund. verbunden Lokal-Anzeiger für mit dem Dortmund u. Hörde Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Pfg. Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 PfoBeilagen nach Uebereinkunft. Bei gue-* und der täglichen Unterhaltungsbeilage# sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Nr. 33. Dortmund, Mittwoch, den 9. Februar 1910. Erstes Blatt. Ein Rapitel zur Rulturpolitik des„Kulturstaats“. Was einem preußischen Bureaukraten am allerunverständlichsten zu sein pflegt an der sozkalen Bewegung, ist dies, daß der Arbeiter keine Wohltaten will, daß er so undankbar“ ist, wie der Kunstausdruck dafür lautet. Andererseits ist dieser Mangel an Verständnis beim preußisch deutschen Gehaltempfänger selbst nur allzu verständlich. Denn ihm ist sein Gehalt vom frühesten Anfang an nicht als die wohlverdiente und selbstverständliche Gegenleistung für seine Arbeit. sondern als unverdiente Enade von oben zum Bewußtsein gebracht worden. Besonders wenn er in der Wahl seiner Eltern unvorsichtig war. Dann ging es schon auf der Schule los. Er bekam eine Freistelle, die ihm ab und zu in liebevolle Erinnerung gebracht wurde. So war er gezeichnet zum Streber. War er nicht von herkulischer innerer Gesundheit, so mußte ihn ja das früh eingeimpfte Mitgefühl mit seinem„armen Vater“ um die Möglichkeit bringen, sein Rückgrat zu kräftigen. Auf der Universität war er dann auf Stipendten angewiesen.. Es gibt meines Wissens keine für die Verleihung von Stipendien verantwortliche Stelle in Preußen=Deutschland, die dafür Verständnis haben würde, wenn der junge Mann sich das Stipendium forderte oder wenigstens sich darauf beschränkte, auseinanderzusetzen, weshalb er ein Anrecht auf den Bezug der Summe habe. Ein jeder weiß vielmehr, Stipendien sind Wohltaten, deren man sich durch Strebsamkeit und besonders durch ein sittsames und bescheidenes Wesen„würdig“ macht. Und dann kommt die eigentliche Verknotung dieses langen Jochseils, die Zeit des großen Wettekriechens vor der Anstellung. Doch ist es damit nicht zu Ende, Auch das Gehalt noch zerfällt in zwei Portionen, das feste Einkommen und die außerordentlichen Zuwendungen. Die festen Summen werden nach den Grundätzen unserer Finanzpolitik so bemessen, daß sie zum Verhungern entschieden zu groß, aber zum Sattessen zu klein sind. Es hat das seinen sehr tiefen und menschenfreundlichen Siuu. Als ich einmal zur Zeit irgend einer neuen Gehaltsregulierung jemanden der Bescheid wissen konnte, darauf hinwies, daß das vorgeschlagene Anfangsgehalt doch handgreiflich zu klein sei für die Lebenshaltung der betreffenden Beamtenklasse, wurde mir die Antwort, das lei gerade ein Akt sozialer Ausgleichung zwischen denen, die eigenes Vermögen hätten und den andern, welche von dem an jenen gesparten Geld Zulagen bekommen könnten. So bleibt die Erziehung zur Strebsamkeit auch auf das höhere Alter ausgedehnt; denn nun gilt es, durch eine bessere besoldete Stellung sich aus dieser unwürdigen Lage zu befreien. und ebenso sich ein sorgenloses Alter zu verschaffen. natürlich richten sich auch die Pensionen nach dem Ertrag der Stellung, in welcher man pensioniert wird. Das bayerische Oberkonsistorium hat vor zwei Jahren mit einer Naivität, die fast etwas Versöhnendes hat, verraten, wie es das Aufrücken, der iom nachgeordneten Pfarrer von den Zensuren ihrer VorRhetzten über Eifer, Strebsamkeit und Gutgesinntheit abhängig wünscht,(vergl. Chronik der Christlichen Welt von Anfang Mai 1907.). Es ist leicht auszurechnen, was für ein Charakter durch dieses System unserer Beamtenschaft und durch ihre Vermittlung dem ganzen Volke angezüchtet wird. Und da, wie es scheint, alle Verwaltungsneuordnungen in der ausgesprochenen Richtung sich bewegen, diese Erziehung zur Gutgesinntheit durch außerordentliche Beihilfen noch systematischer zu betreiben, so ist es eine sehr wichtige Frage, wie man dem entgegenwirken kann. Es gibt hier wie überall in ähnlichen Fällen, wenn ich recht sehe zwei Wege, den einen über die Institetionen, den andern durch Einwirkung auf die Gesinnung. Und hier wie überall müssen beide gleichzeitig eingeschlagen werden. wenn ein Erfolg erzielt werden soll; denn auchdie Verhältnisse die man ändern will, entstammen nicht eineitig einen nur äußeren oder nur inneren Faktor, soudern einer unheilvollen Wechselwirkung beider Arten von Ursachen. Was die äußeren, institutionellen Ursachen betrifft, so scheinen mir die Parlamente doch nicht völlig machtlos zu sein. Ich bin nicht Verwaltungstechniker genug, uim hier eine endgültige Parole versuchen zu dürfen. Aber ich denke, über eine strenge und eingehende Neuregelung und. soweit tunlich, Abschaffung der sogenannten Dispositionsfonds würde der Weg gehen. Die Unterstützung bedürftiger Gemeinden müßte dabei eher erhöht, als erniedrigt werden. aber sie müßten festgelegte Zuschüsse sein, die sich nach irgend einem streng objektiven Maßstab zu richten hätten,(Auf den Dörfern spielt der Hinweis auf die Dispositionsgewalt des Landrats stets eine entscheidendende Roile, bei der Er###lon gntgesinnter Wahlen.) Die persönlichen Beihilfen müßten erbarmungslos fallen, und durch ausgiebige Erhöhung der Gehälter der unteren Stufen ersetzt werden.. Hier ist ein weites Feld zur Debatte. Die Regierungen würden sich gewiß nach Kräften wehren. Es wird eines starken Ansturmes der linken Parteien bedürssen. Es ist indes möglich, daß sich das Zentrum anschließen würde, Vor allem wäre zu hoffen, aus das Ehrgeühl der Beamtenschaft selbst. Und hierauf bezteht sich auch der anders mehr nach innen und auf die Gesinnung zielende Weg. Man darf nicht aufhören, der Beamtenschaft klar und immer wieder klar zu machen, was für eine Nolle sie spielt. Das psychologische Element, auf das man dabei bauen kann, ist dies, daß eine solche Erziehung zum Wettekriechen ebensoweil zur Empörung als zur Rückgratlosigkeit führen kann. Bei den kräftigeren Naturen wird ersteres sogar die natürlichere Entwiclung sein! Wer so und so oft gezwungen war, mit Zähneknirschen seine demütigen Eingaben zu schreiben, dem fährt das ins Blut! Und bei einer unseren Beamtenklassen scheint dieser Erfolg bisher der weit größere geblieben zu sein: beim Stand der Volksschullehrer. Es gereicht ihm sehr zur Ehre. Deher auch wohl die liebevolle Aufmerksamkeit, welche die neue Ordnung des Landratswesens diesem Stande schenkt. Es gibt wenigstens Leute, die den Sinn dieser ganzen Neuordnung in der Unterwerfung der Landlehrerschaft unter die Landräte sehen. Dann würde auch bei der Aenderung der Schulaussicht eins so schlimm sein wie das andere. Frift. Itg. Die Kinder des Sträflings. Roman von A. Sinowka. 22 „Ich weiß es nicht, Vater," beteuert Gregor.„Ich darans#####as Vertrauter gewesen, ich gebe mein Wort schiar:: Wenn ich mich weigere, sie zu verfolgen, so ge9% das eben so sehr in Deinem, wie ihrem Interesse. wazn s: Dauer kannst Du sie doch nicht halten, also zn die ewige Aufregung, der ewige Krieg zwischen sie traiße ihr" Laß sie ziehen, dorthin, wohin ihr Herz bei uns“ ihr Herz ist ja doch lange schon nicht mehr gewesen, was nützt es Dir, wenn es Dir auch bringen= 9'##en sollte, sie in Dein Haus zurückzuzmieden* Tuß sie ziehen, wenn erst weite Länderstrecken sie densen 2#2 liegen, wirst Du vielleicht milder über gebissengr stößt der Kranke zwischen den zusammenten:: Zähnen hindurch.„Dora Petrowna, antworhat 2n“ wissen Sie, wohin Lidia sich gewandt an mits, Jund weit öffnet er die Augen und sieht Dora mals###“ en seltsamen finstern Blick, vor dem sie oftStunde##.#er# der ihr aber merkwürdigerweise in dieser kunde keine Furcht einflößt. mie heifig 2ie 99e; sich schwöre Ihnen bei allem, wos blonde Kind feiarst.0 nichts davon weiß,“ spricht das danken zi auch nicht, daß Lidia sich mit dem Gedieser Flucht trug?“ bereitet, guls Frgge ist das Mädchen freilich nicht vorWaisenhaug:, sie kennen, ihre Erzieherinnen im au., die je m.i2## cheren Brotherren, der Förster, kurz, idre Wahrheitg i##.“ Verührung gekommen sind, haben eine Unart zusz gerühmt, nie ist es ihr eingefallen, Augenblig ab: Lüge zu entschuldigen, in diesem ist sie doge ua: zum erstenmal in ihrem Leben.. nen. zezu entschlossen, die Wahrheit zu verleugWen Anverwandt aus an., Kustern, stahlharten Augen nicht so lich körperlich haften möchten. Sie tun ihr förmLauken von 3.62%sb; es ist ihr, als ob sie ihr die Genicht zug.nne lesen. Sich selbst zuliebe würde sen, aber, sie kann und darf Gregor nicht verraten, denn er ist's doch, der ihr gesagt hat, daß Lidia im Begriff war, ihre Eltern und ihre Heimat zu verlassen. Schon öffnet sie die Lippen, um Herrn Niegowo zu versichern, daß sie nichts von Lidias Flucht gewußt habe, da mit einemmal klingen ihr die Worte der Vorsteherin des Waisenhauses in den Ohren, die vor Jahren äußerte:„Die Dora ist ein eitles Ding, mit einem Kopf voll abenteuerlicher romantischer Schrullen, aber jede Silbe, die sie spricht, würde ich unbedenklich beschwören.“ Sie ist damals sehr stolz auf dieses Lob gewesen und hat sich selbst das Gelöbnis abgelegt, es für alle Zeiten zu verdienen, soll sie ihm jetzt untreu werden? Nein, mag daraus entstehen, was da wolle, lügen kann sie nicht. Und blaß bis in die Lippen, aber mit fester Stimme, sagt sie:„Ja, Herr Niegowo, ich habe es gewußt, aber Sie werden nicht von mir erfahren, woher.“ „Ich habe es ihr erzählt, Vater," ertönt da Gregors Stimme.„Ich kam gerade dazu, als Lidia ihren Schmuck in ihre Kleider nähte. Es war nicht schwer für mich, den Schluß daraus zu ziehen.“ „Nun wird er uns schlagen!" denkt Dora, zitternd anf ihres Prinzipals Antlitz sehend, das sich plötzlich dunkel gerötet hat. Auch Frau Valeska muß ähnliches fürchten, denn sieumklammert angstvoll den Arm ihres Gatten. Aber merkwürdig, kein Zornausbruch von seiner Seite erfolgt. Die Glut entweicht ebenso schnell aus seinem Gesicht, wie sie gekommen ist und ganz ruhig, nur mit einem leisen Anfluge von Spott, sagt Herr Niegowo:„Bravo, Gregor, ritterlich muß der Mann sein, das gehört sich so. Sie haben ihn vortrefflich erzogen, Dora Petrowna, ich mache Ihnen mein Kompliment. Im übrigen, meine Kleine, setzt es mich natürlich keinen Augenblick in Erstaunen, daß Sie die einzige im Hause sind, der mein Herr Sohn sich gedrungen fühlte, seine Beobachtungen auszusprechen. Das ist ja so natürlich.. so natürlich!“ Und er lacht kurz auf. Es:" der sein altes, häßliches Lachen. ist wieDora und Gregor sind beide wie mit Blut übergossen. Herrn Niegowos Worte lassen kaum eine falsche Deutung zu. Er weiß offenbar um ihre Beziehungen. Wenn der Augenblick nicht gar zu ungeeignet dazu gewesen Deutsches Reich. Zur Wahlrechtsvorlage wird morgen Donnerstag im preußischen Abgeordnetenhause sofort der Ministerpräsident von Bethmann Hollweg das Wort zur Begründung ergreifen und sich. wie die agrarisch=konservative„Deutsche Tagesztg.“ mitzuteilen in der Lage ist, u. a. auch ausführlich über die Gründe der Beibehaltung der öffentlichen Wahl auslassen. Der Ministerpräsident wird die Erklärung abgeben, daß die Regierung das Zugeständnis, die geheime Wahl einzuführen, nicht machen könne, und wird an die Parteien die Bitte richten, die Vorlage ohne Voreingenommenheit zum Wohle des Volkes zu prüfen und sie zu einem glücklichen Abschluß zu führen. Oberbürgermeister Ehlers Oberbürgermeister Ehlers in Danzig, welcher sich vor einigen Wochen einer Brustoperation unterziehen mußte, ist gestern nachts gegen 2 Uhr plötzlich, nachdem er bereits aus dem Krankenhause entlassen werden sollte, an einem Herzschlag, 65 Jahre alt, gestorben. Die Operation selbst war glücklich verlaufen. Roosevelt in Berlin. Es steht nunmehr fest, daß der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten, Roosevelt, am 28. April in der Reichshauptstadt eintreffen wird, wo er zwei Tage verweilen will. Orinz Eitel Friedrich Ssterreichischer Major Der Kaiser von Oesterreich ernannte den Prinzen Eitel Friedrich von Preußen zum Major im Infanterieregiment Wilhelm 1. Deutscher Kaiser und König von Preußen Nr. 34. Das Zentrum und die Wahlreform. Die leitenden Zentrumsblätter hatten die Mitteilung des Freikonservativen Frhrn. v. Zedlitz=Neukirch, daß das Zentrum den Konservativen zuliebe sich mit der Wahlreformvorlage der preußischen Regierung einverstanden erklären und auf die Einführung der geheimen Stimmabgabe Verzicht leisten werde, mit Entrüstung als unwahr zurückgewiesen. Man durfte danach erwarten, daß das Zentrum die Vorlage ohne weiteres ablehnen werde, da sie die in erster Linie erhobene Forderung der geheimen Wahl nicht enthält. Diese Erwartung wird nicht erfüllt. Denn die„Termonia“ bläst schon zum Rückzuge, indem sie schreibt: „Man darf aber nicht verkennen, daß die Vorlage gegenüber dem bisherigen Zustand, unbeschadet von Einzelheiten, einen Vorteil bedeutet, sodaß die Frage. ob die Vorlage bei Ablehnung der geheimen Wahl von vornherein zu verwerfen sei, nicht ohne weiteres bejaht werden kann.“ Wir sind nicht überrascht. Wir haben das, was hier die Tremonia allerdings noch etwas verschämt ankündigt, befürchtet, daß das Zentrum auch in der Wahlreform das Volk verrät und verraten muß, weil es sich zu den reaktionären Konservativen in ein wäre, würde Gregor ihn benutzt haben, aber wie die Dinge nun einmal lagen ist das unmöglich. Zur Erleichterung aller tritt jetzt eben Julius ein. Er trägt einen Reitanzug und meldet Herrn Niegowo, daß er bereit sei, in Begleitung des dazu bestimmten Knechtes sich aufzumachen, um Lidia aufzufinden. Dora blickt scheu nach dem Bruder hinüber und wundert sich, daß er so wenig betrübt aussieht. Vermutlich hat der erhaltene Auftrag ihn mit einem Gefühl der Wichtigkeit seiner eigenen Person erfüllt, der ihn für jetzt seinen Kummer vergessen läßt. „Ich kann Ihnen keinerlei Direktiven geben, Julius Petrowitsch,“ spricht Herr Niegowo mit müder Stimme. „Niemand weiß, wohin Lidia sich gewendet hat. Sie werden sie auch nicht finden, aber ich will dennoch nichts unversucht lassen. Wenn ich nicht den Bitten meiner Frau nachgeben würde, so würde ich meine sämtlichen Leute ausschicken, um das saubere Paar zu suchen, aber meine Frau,“ er vollendete nicht; die gewaltsame Anspannung seiner Kräfte, die ihn für eine Weile aufrecht erhalten hatte, hat nachgelassen, matt fällt sein Haupt zurück und seine Augen schließen sich. „Allmächtiger Gott.. er stirbt!“ kreischt Frau Valeska und wirft sich jammernd über den Gatten, indes Gregor hinausstürzt, um den alten Bergwerksarzt zu holen, der erst vor einer halben Stunde den Kranken verlassen hat. Als er wenige Minuten später mit dem Doktor zurückkehrt, erklärt dieser jedoch bestimmt, daß keinerlei Lebensgefahr bestände. Man solle fortfahren, kalte Umschläge zu machen und vor allem dafür sorgen, daß der Kranke sich nicht immer von neuem aufregte, dann würde der Anfall in wenigen Tagen vorüber sein. „Ssemen Nikolowitsch leidet an solchen Anfällen, so lange ich ihn kenne und das sind bald fünf undzwanzig Jahre,“ sagt der Arzt. „Aber so heftig ist noch keiner gewesen,“ klagt Frau Niegowo. „Er hat sich wohl auch nie in ähnlichem Maße aufgeregt,“ meint der Arzt. Inzwischen ist Julius mit seinem Begleiter die Dorfstraße hinabgeritten. Er kennt sein Ziel ganz genau und ist fest überzeugt, daß er Lidia finden wird. Vor einer zwangsweiser Beltreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt hinfällig. Aufnahme von Inseraten an destimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemaun. Dortmund. 27. Jahrg. schmähliches Hörrigkeitsverhältnis gegeben hat. Frhr. v. Zedlitz=Neukirch wird Recht behalten. Das„tapfere“ Zentrum wird umfallen und sich als Schutztruppe der von den Konservativen am Gängelbande geführten Regierung erweisen. Kriegsrüstungen im Baugewerbe. Der Zentralverband der Maurer Deutschlands, Zweigverein Berlin, hatte zum letzten Sonntag eine außerordentliche Generalversammlung aller Mitglieder des Gesamtzweigvereins— der sich auf auf die Vororte erskreckt— einberufen. Ter Besuch der Versammlung war außerordentlich stark. Bevollmächtigter Hanke berichtete über die gegenwärtige Lage in der Lohnbewegung. Der Inhalt des vom Arbeitgeberbund aufgestellten Vertragsmusters mit seinen unannehmbaren Bestimmungen, der Verlauf der bisherigen örtlichen Verhandlungen und die Warnung des Arbeitgebervorstandes vor der Bewüligung von Lohnerhöhungen und Arbeitszeitverkürzung haben erkennen lassen, daß der Arbeitgeberbund eine friedliche Erledigung der Tarifbewegung nicht wolle. Allem setze aber die Krone auf die jüngste Kundgebung des Arbeitgeberbundes, in der es als notwendig bezeichnet wird, das Vertragsmuster zur Geltung zu bringen, und in der weiter ausgesprochen wird, daß die Arbeitgeber nicht in der Lage seien, unter anderen Bedingungen weiter zu arbeiten, sondern gezwungen sein würden, im Falle des Nichtzustandekommens des Vertrages ihre Geschäfte zu schließen. Bei dieser Haltung des Arbeitgeberbundes seien die Aussichten auf eine friedliche Verständigung bei den nach dem 24. Februar stattfindenden neuen zentralen Verhandlungen gering. Die Arbeitnehmerer, anisationen waren bemüht, den Frieden im Gewerbe zu erhalten, wenn die Arbeitgeber aber den Kampf wollten, so seien die Arbeiterorganisationen auch darauf gerüstet und bereit, ihn auszunehmen. Angesichts der mit der Aussperrungsdrohung der Arbeitgeber ausgebrochenen Kriegserklärung sei es jetzt Sache der Arbeiter, sich auf den unvermeidlich scheinenden Kampf zu rüsten. Deshalb müsse vor allem der Kriegsfonds gestärkt werden. Die Organisationsleitung schlage vor, den wöchentlichen Beitrag um 15 Pfennig, von 75 auf 90 Pfennig zu erhöhen. In der Diskussion, die dem Referat folgte, stimmten alle Redner dem Referenten zu und fast einstimmig wurde der von ihm gemachte Vorschlag zum Beschluß erhoben. Auch in den Versammlungen anderer baugewerblicher Arbeiter wurden ähnliche Beschlüsse gefaßt. Die Berliner Gewerkschaftskommission hat allen ihr angeschlossenen Organisationen die Beitragserhöhung mit Rücksicht auf die kommenden Kämpfe empfohlen Woche ungefähr schickte Herr Niegowo Julius in geschäftlicher Angelegenheit nach dem nächsten, fünfzig Werst entfernten Dorf und Lidia gab ihm als sie von der Reise erfuhr, einen Brief an den Wärter der Taigahütte mit, in der man gelegentlich des Besuches bei Nowetschdoff gerastet hatte. Außerdem sollte er verschiedene Lebensmittel, Konserven, Wein und Schokolade besorgen, so gut, als er die Sachen in dem Dorfladen zu kaufen bekam und sie ebenfalls an den Wärter senden. Dieser wäre ihr guter Freund, hatte Lidia ihm gesagt, dem sie mit dem Geschenk gern eine Freude machen wollte. Julins war damals, wie meist Lidia gegenüber, ganz arglos gewesen und hatte sich's zur Ehre gerechnet, ihr gefällig zu sein, heute jedoch urteilt er ganz anders über die Sache. Nachdem Herr Niegowo mitgeteilt hat, daß Lidia in ihrem Abschiedsbriefe an die Eltern unverhohlen ihre Absicht; mit Nikolai Lawalski Sibirien zu verlassen und bei erster Gelegenheit seine Gattin zu werden, ausgesprochen hat, kann er kaum mehr daran zweifeln, daß sie fürs erste in der Taigahütte einen Unterschlupf zu suchen gedenkt und daß die Lebensmittel bestimmt sind, ihr dort zur Nahrung zu dienen. Seit Julius Gewißheit besitzt, daß Lidia seines Vorgängers heimliche Verlobte gewesen ist, viel länger, als er selbst sie kennt, hat seine wahnsinnige Erregtheit einer gewissen Ruhe Platz gemacht, die allerdings nicht geduldiger Ergebung, sondern dem Rachebedürfnis entspringt. Gespielt hat sie mit ihm und das nicht einmal aus Lust am Flirt oder aus, wenn auch noch so flüchtigem Wohlgefallen an seiner Person, sondern einzig und allein aus kaltblütiger Berechnung. Er ist ihr nichts als ein Werkzeug zur Erreichung ihrer Pläne gewesen. Und er hat sich mißbrauchen lassen in unerhörter Weise. Alles hat er getan, was sie ihm auftrug. alles ihr geglaubt, selbst die durchsichtigsten und albernsten Lügen nahm er für Wahrheit, weil sie aus ihrem Munde kamen. Und wenn doch einmal die innere Stimme ihn vor ihr warnte, dann schalt er sich gleich#interher wegen seines Mißtrauens. Wie mag sie im stillen über den leichtgläubigen Toren, den dummen Jungen, gelacht haben. 176,18 Tokales und Dortmund, 9. Februar. — Verein der freisinnigen Volkspartei. Morgen Donnerstag findet abends 9 Uhr im Reinsoldushof eine Sitzung des Vereins der Freisinnigen Volkspartei statt, in der über die Auswahl der Delegierten zu dem am 5. und 6. März stattfindenden Parteitagen gesprochen und auch zur Wahlrechtsreform Stellung genommen werden soll. Zahlreicher Besuch der Sitzung ist sehr wünschenswert. —* Der freisinnige Nem##tagsabgeorduete Fegter wird am 25. Februar in Dortmund über„Die politische Lage nach der Reichsfinanzreform“ sprechen. Stadtverordneten=Sitzung. Obgleich die vorgestrige Sitzung der Stadtverordneten ein: rahezu vierstündige Dauer aufzuweisen hatte, findet nächsten Montag, den 14. dieses Monats schon wieder eine Sitzung statt, in welcher außer den vorgestern zurückgestellten Gegenständen über folgende Punkle verhandelt werden soll: Verteilung der Sparkassen=Ueberschüsse aus dem Jahre 1908; Ausdehnung der Verwaltungsordnung für das städtische Schulkuratorium(Realgymnasium, Oberrealschule, Realschule und höhere Mädchenschule). auf das technische Lehrerinnen=Seminar und die städtische Mädchenmittekschule. Sodann steht die Abnahme von nicht weniger als 15 Jahresrechnungen auf der Tagesordnung. In der geheimen Sitzung sind 4 Sachen zu erledigen. —“ Ein anonymer Feind des Liberalismus macht in einem„Eingesandt“ in der Samstags=Nummer der Tremonia vom 5. Febr. er. den Versuch, den hiesigen Freisinnigen und namentlich dem Vorsitzenden des Vereins der Freisinnigen Volkspattei Herrn Stadtverordneten Justizrat Doepner wegen ihrer bezw. seiner angeblichen Stellung zur geheimen Wahl etwas am Zeuge zu flicken. Tabei sollte doch dem betreffenden Herrn als anonymen Mitarbeiter der Tremonia bekannt sein, das in dem 2 Tage vorher erschienenen Bericht der Tremonia über die beregte Versammlung des Bürgervereins der Altstadt ausdrücklich hervorgehoben ist, daß Herr Justizrat Toepner sich für die geheime Wahl auch zur Stadtverordnetenversammlung ausgesprochen hat, und daß der davon abweichende Bericht ia anderen Zeitungen unrichtig sei. Gelesen wird der Herr „Anonymus“ das auch haben, aber nun grade erst recht. Es muß am Wort herumgeklaubt werden, bloß um den verhaßten Freisinnigen eins auswischen zu können. Daß Herr Justizrat Doepner Herrn Lanvi#gsubgeordneten Landgerichtsrat a D. Schmieding trotz seines in Frage der öffentlichen oder geheimen Wahl abweichenden Standpunktes für einen ehrlichen Politiker hält, kann Herrn Toepner doch ernstlich nicht zum Vorwurf gemacht werden, um so weniger, als Herr Doepner Herrn Landgerich. rat Schmieding vor längeren Jahren noch in seiner Stellung als Richter kennen und schätzen gesernt hat. — Ein Jack the Ripper treibt gegenwärtig in Tortmund sein Unwesen und hat den Süden, wo er seine Stechereien ausgeführt hat, in nicht geringe Aufregung versetzt. Am Sonntag früh seinviertel Uhr wurde ein nach der Propsteikirche auf dem Wege befindliches 13 Jahre alltes Mädchen, als es von der Hohenstraße zum Hiltroppwall einbog, von einem gutgekleideten Manne im Vorbeigehen mit einem Messer in die rechte Hüfte gestochen. Das Mädchen bemerkte alsbald, daß sie gestochen sei, und rief um Hilfe. Passanten verfolgten den Attentäter, der aber entkam. Später erfuhr man, daß an der Ecke der Sonnen= und Hohenstraße ein 12jähriges Mädchen einen Stich in die Brust bekommen und an der Ecke Neuer Graben und Hohe Straße ein drittes Mädchen eine gleiche Verletzung erhalten hatte. Die Gestochenen können von dem Burschen, der in den Neuen Graben oder in die Kreuhstraße gelaufen sein soll, keine genaue Beschreibung geben.— Am Montag Abend hat der Bursche in der Mittelstraße ein Attentat auf die Tochter des Bäckermeisters Sauer verübt. Zum Glück sind die Verletzungen des Mädchen nicht bedenklich. Die Polizei ist natürlich fieberhaft tätig, um des Attentäters habhaft zu werden und ihn unschädlich zu machen. —“ Im Alter von 77 Jahren verschied am Montag Abend Herr Bergwerksdirektor Robert Reinhard. Eine zahlreiche Familie trauert um den Entschlafenen, der allgemein geachtet und geehrt wurde. Dortmunder Stadttbeater. E. Dortmund, 8. Februar. „Im Paradiese Mahomets“. Operette in 3 Akten von Robert Planquette. Zu Ehren des Prinzen Karneval hatte sich die Direktion unseres Stadttheaters heute eine Operette vom Strande der Seine verschrieben. Die französischen Komponisten sind z. Z. auf unserer Bühne sehr bevorzugt. Nach Massenet und Saint=Saens kam heute ein Komponist im Genre Offenbachs, Robert Planquette, m Woret, der durch seine Operette„Die Glocken von Corneville“ bekannt geworden ist. Die Franzosen nennen seine Musik sehr treffend„Musiquette“; man versteht darunter eine leichte, flotte Musik, die, wenn auch ohne inneren Wert, durch äußeren Glanz und elegante Meodik sich einschmeichelt Von großem, musikalischem Werte kann auch bei der Operette„Im Paradiese Mahomets“ keine Rede sein— nicht jede Operette kann ein„Bettelstudent“ oder gar eine„Fledermaus“ sein— jedoch versteht es der Komponist, seine Skmili=Diamanten in melodösen Chansons und bestrickenden Walzermelodien leuchten zu lalsen. Eine besondere Glanzuummer ist der Hochzeitschor „Schnell eilel zum Ulema“. Eine phantastische, märchenhafte Handlung spielt sich vor uns ab. Wir befinden uns in Trapezunt, einer malerisch am Schwarzen Meer gelegenen großen Handelsstadt der asiatischen Türkei. Ein türkischer Don Juan, Prinz Tschinradin, narkotisiert eine ganze Hochzeitsgesellschaft, um die Braut, die schöne„Bengaline“ und ihre Tante„Selika“ in seinen Harem zu entführen. Der Prinz veranlaßt seine Haremsfrauen, sich so zu stellen, als ob sie im Paradiese Mahomets, d. s. im Himmel, wären, wodurch die im Schlafe entführten beiden Frauen in den Glauben versetzt werden, sie wären bereits gestorben und befänden sich jetzt im Paradige. Eine tolle, bunte Handlung. durchflochten — Der Dortmunder Gartenbau=Verein hält heute Mitlloch, abends achteinhalb Uhr im oberen Saale des Restaurants„Zum schwarzen Raben“, seine ordentlichen General=Versammlung ab. Die Tagesordnung lautet: 1. Erstattung des Jahres= und Kassenberichtes. 2. Vorstands= und Kommissions=Wahl. 3, Referat über die Tätigkeit und Erfolge des Vereins während seines 15jährigen Bestehens und der beabsichtigte Weiterbau des Vereins. 4. Bericht der Geschäftskommission über das Programm zu dem am 5. März im Festsaale des Lindenhofes stattfindenden Familien= Abend —* Gemeinverständliche Vortäge der freistudentischen Ortsgruppe Dortmund. Am Donnerstag, dieser Woche, den 10. Februar 1910, hält Herr Kand. Hermann Reiners einen Vortrag über„Die Lufthülle der Erde.“ Als Herr Reiners an 16. Dezember v. I. einen Vortrag über„Unsere Erde“ hielt, wünschten die Besucher allgemein, es möchten weitere Vorträge aus dem interessanten Gebiet der Erdbeschreibung veranstaltet werden. Diesem Wunsche kommt die hiesige freistudentische Ortsgruppe mit ihrem nächsten Vortragsabend nach. Wurden am 16. Dezember die Entstehung der Erde, die Gestaltung der Erdoberfläche und deren zahlreiche Veränderungen erörtert, so wird der nächste Vortrag sich mit der die Erde umgebenden Lufthülle, mit den Bestandteilen und den verschiedenen Erscheinungen der Luft befassen. Wolken, Nebel, Feuchtigkeit der Luft, die verschiedenen Arten von Niederschlägen, Magnetismus, Polarlicht, Gewitterelektrizität, die verschiedenen Blitze, Donner, Morgen= und Abendröte, Regenbogen, Brockengespenst, Sonnen= und Mondringe, Winde, Witterung, die Lehre vom Klima und dessen Bestimmung u. a.— meist Dinge, die uns täglich begegnen und über die sast jeder schon viel nachgedacht hat— werden in einer für jeden verständlichen Form erklärt werden. Zeichnungen, Anschauungsbilder u. dergleichen werden wieder die mündlichen Ausführungen erläutern und so zur größeren Verständlichkeit beitragen. Die Kenntnis des ersten Vortrages aus dem Gebiete der Erdbeschreibung ist zum Verständnis dieses zweiten nicht erforderlich. Der Besuch ist also jedem, der sich für die aufgeührten Dinge interessiert und sich über deren Wesen auf bequeme Weise crientieren möchte, sehr zu empfehlen. Der Vortrag findet wieder im Speisesaal des Eisen= und Stahlwerkes Hoesch(Endstation der Straßenbahnlinie Reinoldikirche— Hoesch) statt und beginnt pünktlich achteinviertel Uhr abends. Als Eintrittsgeld werden wie bisher pro Person 10 Pfg. erhoben. Inhaber von Dauerkarten haben ohne weiteres Zutritt.— Ferner wollen wir schon heute darauf hinweisen, daß am 17. Februar Herr Pfarrer Lic. Goetz über„Die Friedensbewegung“ spricht. —“ Baugesuche. Wiederholt und jetzt erneut ist vom Magistrat die im Anzeigenteil der vorliegenden Nummer enthaltene Bekanntmachung betr. Baugesuche erlassen, worin empfohlen wird, zur schnelleren Erledigung der Baugesuche vorher die Fortschreibung des abzutretenden Straßengeländes zu bewirken. Die genaue Befolgung dieser Anregung können wir nur drin gend empfehlen, weil die meisten Baugesuche unangenehm lange Verzögerungen i der Erledigung durch die bedingte vorherige Abtretung erleiden. Es liegt daher im eigensten Interesse der Baulustigen bezw. der Eigentümer von Baugrundstücken schon vor der Bebauung die Vermessung— Fortschreibung und erforderlichenfalls Freistellung der in die Straßen fal lenden Flächen zu bewirken, um nicht später bei beab sichtigter Bebauung die beste Bauzeit durch die Verhandlungen zur Genehmigung der Baugesuche zu verlieren. Weiterhin liegt auch die vorherige Abtretung der Wegeflächen an die Stadtgemeinde schon zur Ersparung der auch auf sie entfallenden Grundsteuer von 3.25 vom Tausend im Vorteil des Eigentümers. Weiterhin können wir den Baulustigen nur anraten, von der freigestellten Erkundigung beim Tiefbauamt nach den un gefähren Freilegungs= und Ausbaukosten sowohl bei den alten fertigen wie bei den neuen und unfertigen Straßen vor dem Kauf von Bau= oder Haus=Grundstücken Gebrauch zu machen. Mancher wird sich hierdurch vor Schaden oder übereiltem Kause bewahren, weil vielfach in Straßen das Straßengelände teils unentgeltlich abgetreten, teils zu hohen Summen gekauft oder enteignet ist. Die gezahlten Entschädigungen werden den betreffenden Grundstücken belastet, sodaß an ein und derselben Straße auf dem einen Grundstücke hohe Grunderwerbskosten ruhen können, während das andere frei bleibt, je nachdem ob das Straßengelände gegen Entgelt oder frei abgetreten ist. Es empfiehlt sich deshalb. bei Grundstücks= oder Hauskäufen mit dem Vorbesitzer die Einigung über die das Grundstück treffenden Anliegerbeiträge vertraglich festzulegen. — Schulmuseum. Die feierliche Eröffnung des Westfälischen Schulmuseums in der hiesigen Pestalozzischule ist auf den 23. März d. I. festgesetzt Mengede, 8. Febr. In der Wilhelmstraße der Kolonie der Zeche„Adolf von Hansemann“ wurde gestern Abend ein junges Mädchen von einem Italiener unsittlich angefaßt. Als auf das Hilfegeschrei des Mädchens der Bergmann E. Ceh herbeieilte, wurde dieser plötzlich von dem Burschen mit einem Tolchmesser bearbeitet und so schwer verletzt, daß seine Ueberführung ins Krankenhaus erfolgen mußte. Der Verletzte erhielt mehrere Messerstiche in den Rücken, Brust und Hand. Der Bursche ist leider unerkannt entkommen, Da auch das überfallene Mädchen sich bis jetzt noch nicht gemeldet hat, wird es der Polizei kaum gelingen, den Messerhelden ausfindig zu machen. Hagen, 8. Febr. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten kam es zu Beginn der Sitzung zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Sanitätrat Dr. Müller und dem Zentrumsführer Justizrat Bueren. Ersterer hatte in der letzten Sitzung behauptet, daß katholische Krankenschwestern von ihnen zu pflegende Kranken zum Eintritt in das Marien=Hospital zu bewegen suchten, ohne daß der behandelnde Arzt davon in Kenntnis gesetzt werde. Diese Behauptung hat zu einem Schriftwechsel zwischen Sanitätsrat Dr. Müller und dem leitenden Arzte des Marien=Hospitals Dr. Martini geführt. Diesen Schriftwechsel hat der katholishe Pfarrer Lillotte drucken und den Stadtverordneten zustellen lassen. Sanitätsrat Dr. Müller hielt auh seine Behauptungen aufrecht, während Justizrat Bueren den Standpunkt vertrat, daß die ganze Angelegenheit die Stadtverordneten gar nichts angehe, wogegen Oberbürgermeister Cuno erwiderte, daß dies wohl der Fall sei, da es sich um die Verwendung städtischer Gelder handele. Die Angelegenheit soll bei der Beratung des Haushaltsplanes weiter erörtert werden. Es wurde sodann in die Beratung der einzelnen Haushaltspläne eingetreten. Die bisher von der Finanzkommission vorgenommenen Abstriche für den neuen Haushaltspkan betragen 50000 Mark, so daß, wenn die Gewerbesteuer mit 325 bis 350 Prozent belastet werden kann, es möglich sein wird, die übrigen Steuersätze auf 280 Prozent zu halten, gegen 255 Prozent bisher. Auf Antragd es Stadtverordneten Lösenbeck zum Haushaltsplan der höheren Schulen wurde beschlossen, den Oberbürgermeister zu ermächtigen, mit der Staatsregierung zwecks Uebernahme des Gymnasiums oder des Realgymnasiumt in Unterhandlungen zu treten.(Rh.=Westf. Z.) Münster, 8. Febr. Trotz des seit vorgestern andauernd niederrieselnden feinen Sprühregens bewegt sich in diesen Tagen eine nach vielen Tausenden zählende frehbewegte Menge durch die Straßen der Stadt. Der gestrige Rosenmontagszua bot ein prächtin buntes Bild und eine Fülle feinen und itäftigm Sumars. Bochum. 8. Febr. Der Invalide Julius Brüse von hier, der vor einigen Monaten in der Wiemelhauserstraße seine eigene Schwester erschos, ist zur Beobachtung seines Geisteszustandes durch das Medizinal kollegium der Provinz nach Münster überführt worden. Rheine, 8. Febr. Als ein Arbeiter auf der Eisenbahnstrecke Rheine=Salzbergen an einer Arbeitsstel vorbeifuhr, warf er aus dem Zug eine Art, durch die ein Rottenarbeiter getroffen und so schwer verletzt wurde, daß er bald darauf starb, Lennep, 8. Febr. Im benachbatten Beyendurg kuhren auf einer Wiese neben dem elterlichen Hause ein 10jähriges Mädchen und ein 4jähriger Knabe Schlitten. Infolge des starken Gefälles übersprang der Schlitlen einen Graben. Die Kinder stürzten eine steile Böschung hinab und fielen in die hochgehende Wupper. Die Mutter hatte vom Fenster aus den entietzlichen Vorgang angesehen und sprang sofort in die Wupper. Der Knabe wurde gerettet, während das Mädchen ertrank. Elberfeld, 9. Febr. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung wurde mit allen gegen 5 Stimmen beschlossen, fortan der sozialdemokratischen Partei für volitische Versammlungen die Stadthalle freizugeben. Der Oberbürgermeister hatte vorher erklärt, daß er einen derartigen Beschluß beanstanden müsse, auf Grund eines Urteils des Oberverwaltungsgerichts, wonach in der Uebergabe städtischer Gebäude zu sozialdemokratischen Versammlungen eine Förderung der Bestrebungen der Sozialdemokratie gefunden wird, die die Grundlage der staatlichen Ordnung zu gefährden in der Lage seien von Liebesabenteuern und Verwechslungen, spielt sich vor uns ab, bis schließlich Bengaline und Selika über alles aufgeklärt werden und nach Trapezunt zurückkehren. Ihre Ehemänner, die ihnen in das„Reich Mahomets“ gefolgt waren, verklagen nun den Prinzen Tschinradin beim Kadi, und dieser spricht das Urteil dahin: daß die Ehe Bengalinens mit ihrem Manne„Baskir" ungültig sei und der Prinz Bengaline heiraten müsse, um ihre Ehre zu retten. Baskir heiratet seine frühere Geliebte„Fatme“ und Selika versöhnt sich mit ihrem Gatten„„Mabul“. Der Komponist hat die Erstaufführung seines Werkes nicht mehr erlebt, er starb 1903; die Operette wurde erst 1906 zum ersten Mal in Paris aufgeführt. Die Uraufführung des Werkes in Deutschland fand heute Abend auf unserer Bühne statt. Der Kritiker ist in der angenehmen Lage, im allgemeinen über zufriedenstellende Leistungen zu berichten. Die Vertreter der Hauptrollen, Herr Wevhard(Prinz Tschinradin) und Fräulein Droll(Bengaline). legten sich eine gewisse Reserve auf, etwas mehr Verve würde nicht geschadet haben.— Angenehm stach dagegen das frische Spiel und die sympathische Stimme des Herrn Scherer(Baskir) ab.— Fräulein Kluge als Selika bot eine amüsante Leistung.— Von köstlichem, urwüchsigem Humor war Herr Laumen als Mabul, sein übermütiges Spiel wirkte auf das Publikum geradezu elektrisierend.— Auch Herr Förster bot treffliches, er verkörperte den Sekretär des Prinzen und hatte diese„Kindermann"=Figur mit allen Chikanen ausgearbeitet.— Das Zigeuner=Geschwisterpaar Fatme und Babn fand in den Damen Artot und Stylianides temperamentvolle Vertreterinnen. Der musikalische Leiter, Herr Kapellmeister Weitleder, entledigte sich seiner Aufgabe mit vielem Geschick und jugendlichem Feuer.— In Bezug auf Ausstattung bot besonders der Haremsgarten im zweiten Akt ein prächtiges Bild.— Das gut besetzte Haus nahm die Novität beifällig auf. Beim Motogirl im Olympia. Von Merlo. Dortmund, 8. Februar. Alles Rätselhafte, Geheimnisvolle reizt und lockt den Menschen; deshalb hatte auch der Manager mit der Tricolore einen sensationellen Erfolg seines Motobabys zu verzeichnen. Ist das Zauberbaby wirklich eine Puppe, dem Erfinderkopf eines hervorragenden Mechanikers entsprungen, oder ist es ein Wesen von Fleisch und Blut? Im Publikum wurden hohe Wetten entriert auf Puppe oder menschliches Wesen? Wie sie zum Austrag kamen, kann ich leider nicht verraten; denn ich weiß nicht, ob der Besitzer des blondgelockten Wunders sein Geheimnts den Wettlustigen preisgegeben hat. Mich interessierten nur die verblüfften, erstaunten Gesichter der Zuschauer, als die vermeintliche Puppe plötzlich sprang, tanzte und Kußhände warf, wie ein ausgewachsenes ungefähr zehnjähriges Mädchen. Es wäre ganz amüsant, wenn die Olympia=Direktion eine Enquete inszenierte, bei der jeder Theaterbesucher seine Meinung abgeben könnte. In amerikanischen Varietes geschieht das oft, warum nicht zur Abwechslung auch mal In Klein=Amerika=Tremonia, wo man auf dem Gebiete der Spezialitätenbühne mit Attraktionen geradezu überhäuft wird. Bei dem diesmaligen Programm, das, soviel ich weiß, bis rum 15. Februar dasselbe bleibt, ist fast jede Nummer sensationell. Die appettklichen Holzschuhtanzenden Holländerinnen, der weltbekannte Hundedresseur Clown„Zeptho“ mit seinen vielen klugen vierbeinigen Schülern, der Althoff'sche Jockeyakt usw. dies alles sind Produktkonen, die dem verwöhntesten Großstädter Amüsement bringen; nur der Osranitruppe möchte ich raten, etwas weniger Pfeffer und mehr Salz bei ihrer Pantomime zu verwenden. Der rühmlichst bekannte Humorist Gottlieb Nerk braucht eigentlich gar keine Couplets zu singen, sein alkigen Lachen allein genügt, um das Publikum in die fidelste Stimmung zu bringen. Da er, wie Otto Reuter, leine Aus dem Gerichtsaal Schöffengericht Dortmund. Dortmund, 8. Feb Die Zeitung„Tremonia“ hatte am 25. Sepi#ber vorigen Jahres eine Wochenplauderei veröffentng in welcher sie behauptete, der Gewerkschaftssekretär g. nus Scheibe habe sich bei der Verpachtung des zialdemokratischen Gewerkschaftshauses„schmieren“ I. sen. Scheibe fühlte sich dadurch beleidigt und ve## Strafantrag gegen den Verleger der„Tremonia“ bert Lensing. Das Schöffengericht, bei dem die heute zur Verhandlung stand, verurteilte Lensing u. gen Beleidigung zu 200 Mark Geldstrafe. Essen(Ruhr), 8. Febr. Im November Vorigeg Jahres übersielen zwei 14jährige Jungens einen jährigen Knaben, entkleideten ihn und brachten u# nit einer verrosteten Gabel zahlreiche Stiche bei. auf fesselten sie ihn an einen Baum, warfen ihm seizacke über den Kopf und überließen ihn seinem al. Am nächsten Tage wurde der bedauernswerte Jung halb erstickt aufgefunden. Die Strakammer verurtein die beiden Bürschchen gestern zu acht Monaten beiy erei Wochen Gesängnis. Der Staatsanwalt bedaun# in seinem Plaidoyer, daß er für eine solche Rohhei nicht die Prügelstrafe in Anrechnung bringen könne Die„Generalprobe“ zum Weltuntergang. Noch immer spukt, obschon wiederholt auf## Grundlosigkeit jeder Angst hingewiesen worden# die Furcht vor dem Weltuntergang in den Köosen der gelegentlich des Durchganges der Erde durch e# Schweif des Halleyschen Kometen am 19. Ma morgens 4 Uhr erfolgen soll. Dieses Märchen, v## dem alten Phantasten Camille Flammarion in i Welt gesetzt, ist auch, schreibt die„Deutsche Warte“ von uns schon hinreichend getennzeichnet worden; ahe erfahrungsgemäß ist es leichter, derartige Geschichten in die Welt zu setzen, als sie wieder aus den Kön fen der Allzuängstlichen herauszubringen. Zur Beruhigung aller derer, die trotzdem noch dem 19. Ma mit Bangen entgegensehen, sei hier darauf hingewie en, daß sie Gelegenheit haben, schon am 1. Mai o etwas wie eine Generalprobe des von icnen beürchteten Weltunterganges aus sicherer Entfernun mit anzusehen. An diesem Tage geht nämlich unser Schwester gestirn und Nachbarplanet Venus, ihrerseits duch den Schweif des Kometen, und wir können von u Erde aus ohne einen Pfennig für unsern Parkettply zu zahlen, zusehen, wie sich dieses Schauspiel in Weltentheater abrollt. Venus steht nämlich am! Mai rund 45 Grad westlich von der Sonne und leuchtet reichlich 3 Stunden als Morgenstern. Wir wer den den Nachbarplaneten schon von etwa 1 Uhr nachtt an am Osthimmel sehen und, heiteren Himmel voraus. gesetzt, ganz genau beobachten können, wie Venn durch den Kometenschweif wandert. Da der Abstmn der Venus von der Erde zur Sonne geringer ist i# die Entfernung von der Erde zur Sonne, und da sit der Komet Halley kurz vorher in seiner Sonnennäh befunden hat, so muß Venus durch einen Teil## von der Sonne abgewandten Kometenschweifes# hen, der dem Kometenkern viel näher ist, als der Te des Schweifes, den die Erde 19 Tage später durchziehe wird. Die Schweifmasse, wenn man bei dist dünnen, unwägbaren Materie überhaupt von sprechen kann, muß also hier dichter sein, als dem später von der Erde berührten Teile, und wea der Venus bei diesem Rekontre etwas passiert, so km Suppen Fix und fertig— 3 Teller 10 Pfg Knorr-Sos würzt fames Siggen Zellden emier sch Fleischspeisen gilt als erse mit den vortrefflichen Pointen selbst verfaht, natürlich stets Aktuelles auf Lager. Wenn er! . den Reim losläßt:„In Husum war ein Bürgel seister, Lothar Schücking heißt er, schmunzeln Dortmunder" im Auditorium ganz besonders vergmutt weil sie Schücking jetzt, seitdem er hier als Ren agnon der Rechtsanwälte Frank und Eljas tätig ihren Mitbürgern zählen können. Da wir hier# Kangel wie Ueberfluß an Berühmtheiten haben, einabe Pflicht, über diese neue Aquisition erfreu? in— zumal für echte Westfalen. Selbst Wven elittsh zu einer ganz anderen Richtung schwören, b Schücking“ für sie immer noch der Enkel des en Freundes der westfälischen Nationaldichterin ette von Droste=Hülshofs Reinelt. Dortmund, 8. Das Philharmonische Streichquartett, us den Herren Konzertmeister Schmidt„Reineg luyter=Korver, Pörsken und Weißer, gab ig im Musiksalon Reinelt eine Matinee. er spielte Mozarts Violinsonate Nr. 10 und ir seine vorzügliche Wiedergabe dieser Kompo“, eichen Beifall, der auch Frl. Cata Reinelt fit. em Violinspiel sich ebenbürtig anpassende, Be##“. ung am Klavier zu einem großen Teil galt. örsken sang mit seiner sympathischen Stimm,# iton)„Tropfen“ und„Abendgang im Soiuug, u# lamrath,„Liebe im Schnee“ von Weingatt's# Traum durch die Dämmerung“ von Richa#### schr gesiel das Mendelschn'sche Streichhsgseg# =moll, bei dessen Aufführung sich die Kürtzuch oohl durch eine einwandfreie Auffassung V's., g# usgezeichnetes Zusammenspiel hervortaten„ n### icher erkannten das Bemühen des Herr.“### en auserlesenen Kunstgenuß zu bieten, da##nnto# #as Philharmon. Streichquartett wird an en 20. März in einer 3. Matinee vor die Ba .i4 Astronomen, 5 in biser Nache keit ihre Instrumente sen, um auf dem du Ees Sance chce Seisten ece esgnes Rlausäure“ in die Atn Gest wenn ein den erfolgen sollte. Spektrum des### epetrum der Vexusat Sienn es, was 10 tende Wesen auf dei ids Ger ch. Peche was für eine„Gefahr wals den Himmel sehe sichten Atmosphäre na neten umgebenden Wol tmweit wir das von der rienals zerteil= und e insolgedessen unmöetich nuch wir von der Obe satz zu der des Mars der schöne Planet im mernder, von glühende weniger sichelförmiger dach uuch berechnet.? zustrahlt, der Lick von der Sonne beleu der Größe des Venus ten wir also ab, was! lete Nachbarplanet un mit dem Kometenschir shisch erzählen wird. Der Ein Schurke. #ot ist es gelungen, di scher Kolonisten in Sü der Gewissenlosigkeit #en beinahe gehängt ###. wird darüber gesch der Polizeiheamte vo in die nächstgelegene äällige Abgaben einzu Rame dieses Musterbe nnit einem reichen A Pottka. Nachdem er hatte, interessierte ih er gab Befehl, ihm so hübsch sollte sie sein— #er Kolonisten hatte m sein, das„Weib“ aber nicht gewillt, zu lich gegen die Frau merte, als er bei ihr sanze Einrichtung de hne Lebensgefahr in Heute abend ve Leiden mein innig treusorgender Vatt vater, der Bergi Robert im eben vollendet Die traue Alwine Re Robert Re Mimi Stei Ernst Reit helene Re illa Rein Gustav St kenne Rei Dr. J. Ind und 7 Dortmund, Zabr Die Beerdigung vormittags 10½ U straße 66, aus sta daselbst. lortmunde nden am 2. und gei au beiden Tage Abends. „Nächste Märkl Pktober. Bekan tsaal kund. mund, 8. Februn um, 29. Sepig. rei chaftssekretär 2 dachtung des hn# „schmieren“ lal jidigt und Relle Tremonia“. Lon ei dem die Soa, #ilte Lensing v# strafe. ovember vorige gens einen nd brachten Stiche bei. Duwarfen ihm sein ihn seinem Schie uernswerte Junge ammer verurteiste Monaten bezy, anwalt bedauem ne solche Rohheil g bringen könne e“ zum na. iederholt auf du iesen worden i in den r Erde durch de# ten am 19. Mi ses Märchen, vn ammarion in die „Deutsche Warte, hnet worden; aber artige Geschichten er aus den Köp ringen. Zur Betoch dem 19. Mai darauf hingewie chon am 1. Mai es von icnen becherer Entfernun unser Schwester s, ihrerseits durh r können von der insern Parkettpl## es Schauspiel in ht nämlich am! : Sonne und leuchinstern. Wir weretwa 1 Uhr nachtt In Himmel voraus. innen, wie Venn Da der Abstmn ne geringer ist## Sonne, und dasith seiner Sonnennäh ech einen Teil d## metenschweifes## er ist, als der T# e später durchziehe i man bei die erhaupt von M chter sein, als n Teile, und wen as Hassiert, so km 105 19 emuse, Jede andfiasste enthält: Gutschen erfaßt,## senn er Bürgn zeln# vergnug als Kom tätio hier ben, It“ erfreut wenn ren, des Iat entgehen, und wir können uns uns das vicht.— Lometenstaube machen. F#t ie Astronomen, die nicht so ängstlich sind, werV Sie V Nacht mit besonderer Aufmersambes iv Festrumente auf den Nachbarplaneten richkeit re auf dem dunklen Teile der Venusoberten,#i, leicht durch schwache Lichterscheinungen eine e bar der leuchtenden Schweisctmaterte wahrur von ber. eine sehr dichte Atmospäre P#rszu, üßte sich schon eine geringe Helligkeitsverbet, ng Fektrostopisch nachweisen lassen, und wir Psschen selbst imstande sein, den Uebergang von P##ers.“.- in die Atmosphäre der Venus nachzuwei„## genn ein solcher auch nur in geringsten Menkez erfolgen sollte. Die Zyan=Wasserstofsline aus ### Thektrum des Kometen würde dann auch im der Venusatmosphäre wahrzunehmen sein. Speit“.! Lung ia schließlich nicht völlig undenkbar ist, Elende Biesen auf der Venus gibt, so könnten sie rus eigentlich leid tun; denn sie wissen g., ni.tg1, Ius zür eine„Gefahr“ ihnen bevorsteht, da sie nie#afe den Himmel sehen. Venus besitzt infolge ehrer lichten Atmosphäre nämlich einen den ganzen rsten umgebenden Wolkenschleier, der sich, wenigstens E#test wir das von der Erde aus beobachten können, Eianals zerteilt und einen Blick auf das Firmament infolgedessen unmöglich macht. Daher kommt es, daß oa#uir un der Vberläche der Vernus in Gegen#n der des Mars nichts wissen, und daß uns schöne Planet im Fernrohr nur wie ein flim#ornder, von glühender Sonne bestrahlter mehr oder heriger sichelförmiger Wolkenball erscheint. Hat man doch auch berechnet, daß die Helligkeit, die Venus uns zustrahlt, der Lichtstärke gleich ist, die ein Ball von der Sonne beleuchteter Wasserdampfwolken in der Größe des Venus rechnerisch besitzen muß. War#en wir also ab, was dieser leuchtende, wolkenumgürsete Nachbarplauet uns von seinem Zusammentreffen mit dem Kometenschweif teleskopisch und photograsthisch erzählen wird. Vermischtes. Ein Schurke. Nur mit großer Mühe und not ist es gelungen, die Unschulld einer Anzahl deutscher Kolonisten in Südrußland zu beweisen, die dank ser Gewissenlosigkeit eines russischen Polizeibeamien beinahe gehängt worden wären. Dem„B. L.= #. wird darüber geschrieben: Im April 1908 wurde er Polizeibeamte von Quidiogol nahe bei Odessa, in die nächstgelegene deutsche Kolonie entsandt, um sillige Abgaben einzutreiben. Szljezak— so ist der Rame dieses Musterbeamten— begann seinen Tienst nit einem reichen Mahl und der nötigen Ration Pottka. Nachdem er sich mehr als genügend gestärkt hatte, interessierte ihn nur noch das„Weib", und er gab Befehl, ihm sofort eine Deutsche—jung und hübsch sollte sie sein— zur Stelle zu schaffen. Keiner #er Kolonisten hatte Lust, der„Obrigkeit" gefällig m sein, das„Weib" blieb aus. Herr Sljezak war iber nicht gewillt, zu verzichten. Er wurde zudringsich gegen die Frau des Gastgebers und zertrümmerte, als er bei ihr kein Entgegenkommen fand, die ganze Einrichtung der Gaststube. Niemand konnte hne Lebensgefahr in seine Nähe dringen. Als er sich ausgetobt hatte, befahl er, die Gastwirtschaft zu schließen, ging ins Dorf und versuchte, en die Hauser der deutschen„Revolutionäre“ zu dringen. Schließlich erteilte er den Befehl, einige der Kolonisten ins Gefängnis zu schleppen. Die unschuldigen Dorfbewohner gerieten nun in Verzweiflung, taten sich zusammen und verprügelten den Beamten. Als Sljezak am nächsten Tage mit schwerem Kopf und schmerzendem Rücken aufwachte, betrachtete er die ganze Angelegenheit als„revolutionären Aufstand“ der deutschen Kolonisten und stattete in diesem Sinne Bericht an seine Vorgesetzten ab. Es kam zum Prozeß, und da über das Gouvernement damals der Kriegszustand verhängt war, gelangte die Sache vor das Kriegsgericht, das sämtliche 16 Angeklagte zum Tode durch den Strang verurteilte. Beherzte deutsche Kolonisten traten nun mit der Wahrheit hevor, erklärten ihre Stammesgenossen für unschulldig und drohten bis zur höchsten Instanz zu gehen. Sljezaks Niedertracht kam ans Licht, das Urteil des Keiegsgerichts wurde aufgehoben, und die Kolonisten erhielten nur 14 Tage Arrest. Dieser Tage nun wurde der Polizeibeamte Sljezak von der Odessaer Gerichtskammer wegen seines empörenden Betragens zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, viel zu wenig für einen Beamten, durch dessen Schuld beinahe 16 Menschen ihr Leben eingebüßt hätten.“ Der seltene Gast. Folgendes Geschichtchen aus Kindermund erzählt ein Leser der Tägl. Rundsch.: Meine siebenjährige Jüngste liest eifrig in ihrem Weihnachtsbuch und buchstabiert an einem Rätsel, dessen Lösung, wie ich bald erriet, der 29. Februar sein sollte. „Er ist ein selt'ner Gast Und macht nicht lange Rast. Nur einmal in vier Jahren Kommt er ins Land gefahren, Und ist bereits entschwunden Nach vierundzwanzig Stunden.“ So liest sie laut, und nach einigem Nachdenken ruft sie:„Ich hab's, der Kaiser!“ Cälarenwahn eines Münzen prägers. Im Körmözer Münzamte jüngst geprägte 150000 Stück a 5 Kronen mußten eingezogen und eingegossen werden. weil der Präger Schwarz unter das Bild des Königs statt der Initialen des Souveräns seinen eigenen Namen gesetzt hatte, und dies in so winziger Schrift, daß man es zu spät bemerkte. Es stellte sich dann heraus. daß Schwarz vom Wahne befallen ist, er sei der Monarch. Als man die Münzen einzuziehen begann. brach bei Schwarz der Wahnsinn vollständig durch, und man mußte den Mann ins Irrenhaus bringen. Der Staat hat kein Geld. Ganz außergewöhnlichen Patriotismus zeigte kürzlich in dem bayrischen Städtchen Bogen ein Bauer aus Einfürst, der in einem Prozesse als Zeuge eine Aussage zu machen hatte. Bei der Auszahlung des Zeugengeldes fragte, er, wer das Geld bezahle. Als er zur Antwort bekam, daß der Staat für die Zeugengebühren aufzukommen habe, meinte er treuherzig:„Dann mag i koans. der Staat hat so nix!“ Kunst und Der Entdecker des Masernerregers. Dem Privat=Dozent Dr. Sittler in Colmar i. Elsaß ist es gelungen, eine medizinische Entdeckung von großer Bedeutung zu machen. Er sand den Erreger der Masernkrankheit, dieser gefährlichen u. hau sigen Kinderkrankheit, die auch Erwachsene oft mit schlimmem Ausgange heimsucht. Die Krankheitserreger sind in Nase, Rachen, Luftröhren und BronOr Sittlar chien zu finden, also nur in den Luftwegen. Der bekannte Ausschlag am Körper des Erkrankten ist also nicht die eigentliche Krankheit. Hoffentlich wird durch die Sittler'sche Entdeckung ein Weg zur erfolgreichen Bekämpfung der Krankheit gefunden. *** Paris, 8. Febr. Im Befinden Björnsons ist keine Aenderung eingetreten, sein Zustand ist andauernd sehr ernst. Letzte Telearamme. Neues Hochwasser. Breslau: 9. Febr. Die Oder ist im Steigen begriffen. Der Pegelstand betrug gestern mittag 12 Uhr 2,18 Meter, nachmittags 4 Uhr 2.56 Meter über Normalnull. Kassel: 9. Febr. Das Wasser der Fulda ist um 1 Meter gestiegen und hat weite Strecken überschwemmt. Vom Oberlauf des Stromes wird weiteres Steigen gemeldet. Bei Rotenburg ist der Wasserstand 5,65 Meter über normal. 8 Personen unter einstürzende Häuser begraben. London, 9. Febr. In dem Zechendorf WestWylam erfolgte infolge der heftigen Regenfälle ein Erdrutsch. Drei Häuser stürzten plötzlich ein, acht Personen unter ihren Trümmern begrabend. 4 Frauen wurden schwer verletzt, drei tot von den herbekeilenden Bergleuten unter dien Trümmern hervorgezogen. Auch ein Mann wurde schwet verletzt. Die Ehemänner der Verunglückten waren zur Zeit der Katastrophe im Schacht ebschäftigt. Eine wertvolle Erfindung. Neu=Münster, 9. Foo.. Der liesige Kutscher Reimspieß erfand eine Vorrichlung, welche die Eisenbahnbeamten der Bemühung überhebt, beim Jusammenkoppeln und Abloppeln der Wagen in das Gleis zu treten, wodurch Unglücksfälle vermieden werden. Die preußische Eisenbahnverwaltung zahlte für die Erfindung 120000 Mark. Standesamts=Nachrichten. Dortmund 1. Vom 7. Februar. Geburten: Ein Sohn: Arbeiter Signarows= ki, Neue Radstr. 4. Sandformer Walgenbach, Schaenhorststraße 45. Wagenführer Wittenberg, Ritterstr. 16. Fuhrmann Kirchner, Katharinenstr. 5a. Friseur Kreutzberger, Wilhelmstr. 8. Brauer Paschold, Amalienstraße 10. Eine Tochter: Hülfsschaffner Kniewel, Lessingstr. 58. Schuhmacherm. Brandt, Brüsselerstr. 29. Maurer Erimer, Schillerstr. 74. Schlosser Müller, Unionstraße 22. Oberlehrer Miehling, Leipzigerstr. 26. Schneider Stärz, Ardeystr. 114. Schmied Kostecki, Langestr. 62. Buffetier Weis, Märkischestr. 33. Arbeiter Schwabe, Leopoldstr. 23. Aufgebote: Elektromonteur F. Gademstt und Maria Heider. Arbeiter A. Rinecke und Sophie Ewers. Eheschließungen: Metzger V. Märie Lipczak. Kaufmann W. Schul und ligmann. Maschinist I. Pähler und Erna Kaup. Schreiner F. Kronmaier und Minna Jankuhn. EisenBetriebsingenieur R. Teltscher und Hedwig Stewin. Sterbefälle: Handlanger Chr. Scholle, Leopoldstraße 72, 35 J. Ehefrau Paula Senger, Hamm. 26 J. Ehefrau Maria Markowski, Schützenstr. 103, 66 J. Katharina Fischer, Westerbleichstr. 1, 2 M. Elise Plate, Märkeschestr. 33, 18 J. Arbeiter W. Kal, Sunderweg 107, 34 J. Witwe Charlotte Gärtner, Baumstr. 18, 70 J. Ehefrau Henriette Silberberg, Knappenbergerstr. 32, 74 J. Cyplik und nd Olga SeEingesandt. Im Auftrage unserer hiesigen und auswärtigen Theaterfreunde, wird die Direktion des Stadttheiters gebeten, doch wieder einmal„Cyrano von Bergeac“ zur Aufführung zu bringen. A. E. Kopfschmerzen-Rückenschmerzen sind Zeichen von Verdauungsstörung und unregelmäßiger Stuhlbeförderung, und ist bei solchem Zustande Dr. Wegener’s Thee das einfachste und sicherste Mittel. Von Tausenden erprobt. Preis Mk. 1,50 das Packet, in allen Apotheken zu haben, wo nicht wende man sich an die Ferromanganingesellschaft, Frankfurt a/ M., Kronprinzenstraße 55. Heute abend verschied sanft nach längerem Leiden mein innigstgeliebter Mann, unser guter treusorgender Vater, Schwiegervater und Großvater, der Bergwerksdirektor Robert Reinhard im eben vollendeten 77. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Alwine Reinhard, geb. Westermann. Robert Reinhard. Mimi Stein, geb. Reinhard. Ernst Reinhard. helene Reinhard illa Reinhard, geb. Hager. Gustav Stein. Renne Reinhard, geb. König. Dr. J. Müller 291 und 7 Enkelkinder. Dortmund, Zabrze, Duisburg, 7. Februar 1910 Die Beerdigung findet am Freitag d. 11, Febr., vormittags 10½ Uhr, vom Trauerhause, Arndt4aße 66, aus statt. Um 10 Uhr Trauerfeierl daselbst. lortmunder Pferdemärkte Wen am 2. und 3. März ds. Is. statt. Markt#, an beiden Tagen von 8 Uhr Vormittags bis 6 Uhr bends. Nächste Märkte: 8. und 4. August, 27. und 28. *— 250 Magistrat. Städtisches Leihhaus. m Mans der verfallenen Pfänder Nr. 22634—25359 aus Frornen Sezember Im findet am Mittwoch, den 16 königsh.s vormittags 9 Uhr, im Geschästslokale . 1 5, s t a t t. erhalb ggn## Versteigerung erzielten Ueberschüsse können ochen nach dem Verkaufe erhoben werden. 264 Bekanntmachung. Interest Erledigung der Baugesuche ist es ß vorher 3: Bauenden selbst zweckmäßig und notwendig, p und 5.2““. Fortschreibungsverhandlungen erledigt wertadt auf Jag, die Straße fallende Gelände an die # wird dies###..: Jur Vermeidung von WeiternnPgängig wirs## öffentlich bekannt gemacht. Soweit efbauamt:ustigen ohne Gewähr Auskunft ir #bankosten### ungefähre Höhe der Grunderwerbs= und eilt. B.a## 2““ an fertigen wie unfertigen Straßen Mirage#.“ auf von Hausgrundstsicken usw. wird auf #en erfolgt ie.: oo Zahlung von Anliegerbei#8 von Mag. der noch bevorsteht, sowie ob Abtrepohl zur4ecgelände noch erfolgen muß. 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Schullehrersen Sie an Neujahr „Erziehungsansta geistig Zurückgeb ten“— Lumpenb In der Jugend Asthe Ohne jegliche Morgens kreischen ein. Ich versuchte zubringen, jedoch diesem Uebel auch steigerte, und kan großen Schweiß, Der Husten war bewußtlos zu B mir unter solchen beiten. Nicht ei Tag und Nacht si ringsten Bewegn und würde ich d mir ein Ende gemäß muß ich darstellte. Dur ich ein Mittel, 1 selbe brachte mir Heilung konnte ungefähr zwei I ca. 70 Mark. pfohlen undentse zu lassen. Sch. mir gegeben wu kommen, und si Ich habe alles Die Ki 9 Doch das Zi Auf dem Tisch auf den der Vate tierähnlichen Ge „Ssemnen..“ in den Arm fa sich ab.„Führe und dann, mit gen, fährt er in alle hinaus.. Widerwillig geht, die beide rend. Nur Fre zu entfernen, T ven bei Herrn? Mittwoch, den 9. Februar 1910. Zweites Blatt. Aus einem baperischen Lehrerseminar. Die„Freie Bayerische Schulzeitung" brachte in zarer Nummer vom 9. Dezember v. Is. unter der Thitzmarke: Seminaristen:Erziehung eine Sammlung Schimpfwörtern, mit denen ein bayerischer Se minarlehrer die angehenden Lehrer(raktierte. Die zu denen dieser Seminarsehrer sich hinreißen ließ, und in denen er sich ofsenbar pudelwohl fühlte, verleiteten ihn zu folgenden freundlichen Anreden: Sie gehören nach X, zu den Idioten,— sie Erzsimpel.— Sie Lumn— Sie Erziump— Sie ganz gemeiner Lump— Sie Gauner— Sic Erzgauner— Sie Tagdieb— Sie ganz niederträchtiger Bube— Sie sind der größte Simpel in ganz a. — Der Teufel muß den Sprachunterricht an der Präparandenschule geleitet haben.— Sie muß gleich der Teufel reiten— Sie sind dem Teufel zu schlecht Mit Teer streicht man solche Leute an und gibt sie auf dem Markt für Mohren aus— Sie Heuochs— Sie werden jetzt bald anfangen zu muhen — Ihnen werden gleich die Hörner wachsen— Statt „Lal. Schullehrerseminar“ gehört mit Flammenschrift gußen angeschrieben„Kgl. Idiotenanstalt“— Das kl. Schulsehrerseminar macht bald bankerott.—Wenn Sie an Neujahr wiederkommen, ist es überschrieben „Erziehungsanstalt für verwahrloste Präparanden, geistig Zurückgebliebene und verbummelte Studenten“— Lumpenbande— Saukurs— Schandkurs— * Dortmunder Tageblatt. Nr. 35. 27. Jahrgang. Schwefelbande.— Sie verteufelten Buben.— Sie gehören mit der Hundepeitsche ausgehauen— Mit der Knute gehören Sie gegeißelt— So eine versimpelte Gesellschaft kann der Teufel nicht besser zusammentragen— Sie bestehen die Aufnahmeprüfung in der Idiotenanstalt nicht— Bei einer solchen versimpelten Bande möchte man die Fenster aufreißen und Zeter und Morido schreien— Sie mit Ihrem Eidechsenkopf sitzen wieder drin wie ein Aefflein.—Sie gehören als größtes Kamel auf die Messe geführt und Sie als Aefflein müssen sich oben draufsetzen— Sie Täpp.— Sie Generaltäpp.— Sie Kretine.“ Seit eineinhalb Jahren bemerkt die„Frank. Tagespost“, ruht diese Schimpfliste in unserer Mappe. Wir haben uns damals erkundigt, ob die Sache sich so verhält. Es ist alles totsicher, Aber es wurde gesagt, der Seminarlehrer habe sich gebessert. Das glaubten wir und legten die Liste wieder an einen sicheren Ort. Ob die Besserung so nachhaltig war, darf man jetzt füglich bezweifeln. Denn inzwischen ist der Betreffende Seminardirektor geworden. Und nun geht es in dem alten Tone weiter: Sie sind der größte Lump, der mit dem anderen Lumpenpack(damit sind die anderen Seminaristen gemeint) unter eine Decke steckt— Sie Idioten— Sie versimpelten, verdummten Hohlköpfe— Sie ehrlosen, ganz gemeinen, niederträchtigen Menschen— Vor Ihnen muß ich ausspucken usw. Taß ein Mann, der in solchem Tone redet, überhaupt nicht in ein Lehramt gehört, braucht nicht besonders betont zu werden; nicht einmal auf den Kasernenhof würd er passen. Daß aber ein solcher Mann gar zum Direktor einer Lehrerbildungsanstalt gemacht wird, dürfte einzig in seiner Art dastehen. Hat man im bayerischen Kultusministerium, in dem man die„Freie Bayer. Schulztg.“ doch sonst liest— schon der Person ihres Herausgebers wegen— von dem vorstehenden Schimpf=Schatzkästlein gar nichts erfahren und wenn doch, hat man es nicht der Mühe wert gefunden, der gewiesenen Spur einmal nachzugehen? Die„Fränkische Tagesp.“ machte den Sitz des Seminars an dem der schimpflustige Direktor waltet, deutlich kenntlich und man darf wohl erwarten, daß sich das Kultusministerium diesen Herrn nunmehr gründlich vornimmt. Wer so sein Lehramt mißbraucht, hat das Recht auf dieses Amt u. E. ohne weiteres verwirkt. Aus dem Gerichtsaal. Strafkammer Dortmund. Dortmund, 8. Februar. Beim Kartenspiel gerieten die Bergleute August Lappe und Heinrich Brüning von Brambauer in Dirferenzen; es kam zu Tätlichkeiten, Lappe versetzte schließlich seinem Gegner mit einem Messer mehrere Stiche, sodaß Brüning 4 Wochen seiner Beschäftigung nicht nachgehen konnte. Lappe behauptete heute er sei überfallen und von Brüning zuerst angegriffen worden. Die Angaben wurden widerlegt, das Gericht verurteilte Lappe zu einer Gefängnisstrafe von 9 Monaten. Wegen Urkundenfälschung und Betruges in mehreren Fällen hatte sich der Kommis Hugo Mester von Dortmund zu verantworten. Der Angeklagte war geständig, er wurde mit Rücksicht hierauf und in Anbetracht seiner bisherigen Unbescholtenheit nur zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Ein unangenehmer Gast hielt am 13. Dezember v. Jahres Einkehr in die Wirtschaft des Herrn Deimel in Soest. Es war der Arbeiter Karl Paliwoda von Soest, der sich derartig einen Rausch angetrunken hatte, daß der Wirt ihm das Lokal verbot und Getränke verweigerte. Polktoda wurde frech, er glaubte ein Recht zu haben, in dem Lokal zu verweilen, wurde aber schließlich nach erfolgter Aufforderung gewaltsam entfernt. Vor der Tür schimpfte er und beleidigte den Wirt, zertrümmerte auch eine Scheibe von erheblichem Werte. Als Deimel sich auf die Straße begab, um den Menschen zur Ruhe zu bringen, wurde er von letzterem angefallen und mit einem Messer in die Schulter und Rücken gestochen; die Wunden waren zwar tiet aber nicht gefährlich. Paliwoda, der sich heute vor der Strafkammer zu verantworten hatte, schützte Notwehr vor, von der aber keine Rede sein konnte. Das Urteil lautete auf 1 Jahr Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte 2 Jahre beantragt. Wegen Körperverletzung hatten sich die Bergleute Friedrich Marstall und Karl Jazinowski von WickedeAsseln zu verantworten. Die beiden Angeklagt#i gerieten am 12. Dezember vorigen Jahres mit dem Bergmann Heinrich Runthe in Streit. Marstall stach den Runthe mit einem Messer in den Nücken, kohrend Jazinowski den Mann durch Stoßen mißhandelte. Die Strafkammer verurteilte Marstall heute zu 9 Monaten Gefängnis. der Mitangeklagte Jazinowski kam mit einer Geldstrafe von 10 Mark davon. Eine Uhr stahl der Dreher Karl Mentrop dem Invaliden Neumann von Brambauer. Mentrop, der im Rückfalle handelte, erhielt von der Straskammer wegen Diebstahls 6 Monate Gesängnis und wurde sokort in Haft genommen. Wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit erhielt der Schreiner Karl Feuerbaum von Wambelerholz eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr. Die Ehrenrechte wurden ihm auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt. Unter der Anklage des Betruges hatte der Kaufmann Josef Esser von Dortmund vor der Straskammer zu erscheinen. Der Angeschuldigte betrieb früher in Dortmund ein Partiewarengeschäft, es kam der Kaufmann Wilhelm Middeldors zu ihm und sagte, daß er G Asthma Bronchialkatarrh, Lungenbluten, Lungenleiden Magenleiden Chronisch Leidende — insbesondere alle an— Erkrankte wollen sich die Zeit nehmen, endstehende Urteile zu prüfen. Es ist dies nur ein verschwindend kleiner Teil der fortgesetzt eingehenden. Sie werden ohne jeden Kommentar veröffentlicht, weil man die Ueberzeugung hat, daß das leidende Publikum sehr wohl im Stande ist, sich selbst eine Meinung zu bilden. Die Urteile sind außer stilistischen Abänderungen und Kürzungen, letztere wegen Raum=Mangel vorgenommen, wortgetreu. Originaldankbriefe deren Unterschriften behördlich beglaubigt sind, liegen zur Einsicht aus und wird dringend gebeten, hiervon umfangreichen Gebrauch zu machen. Behördlicherseits ist dies bereits geschehen. Abweichungen, von der Wahrheit, gleichviel ob sie in diesen einleitenden Worten oder in den nachfolgenden Urteilen gefunden würden, zögen strenge Strafen nach sich.— Um den Laien die Möglichkeit in die Hand zu geben, nicht erst den Ausbruch der Krankheit abzuwarten, sondern bei Auftreten auch nur eines einzigen Symptomes sich rechtzeitig nach Hilfe umzusehen, folgen hier einige der am häufigsten vorkommenden Lusten, vielfach zum Erbrechen reizend.— Auswurs zähen Schleimes.— Stechen auf Brust und Rücken.— Druck in den Schulterblättern.— Nachtschweiße.— In der Regel kalte Hände und Füße.— Atemnot.— Das Atmen ist später von hördarem pfeisenden und schnurrenden Geräusch begleitet.— Blutsvucken.— Oft heftiger unregelmäßiger Herzschlag, verbunden mit starkem Angstgefühl.— Mangelhafter Schlaf.— Schlechte Verdauung 2c. 2c. Zur Kur=Einleitung ist nötig die genaue Angabe des Leidens. Alters und Art der Beschäftigung. Symptome: Kur-Institut„Spiro spero“. Dresden-Niederlössnitz, Hohestrasse Nr In der Jugend schwer leidend. 9 Prs s.. 2 Asthma, Brouchtalkataerh. Ohne jegliche Vorahnung stellten sich bei mir eines Morgens kreischende und pfeifende Töne in der Luftröhre ein. Ich versuchte, dieselben durch Räuspern wieder wegzubringen, jedoch vergebens. Gleichzeitig gesellte sich zu diesem Uebel auch noch Atemnot, die sich von Tag zu Tag steigerte, und kam ich bei der geringsten Anstrengung in großen Schweiß, der stets sehr böse Folgen hinterließ. Der Husten war so arg, daß er mich nicht selten fast bewußtlos zu Boden warf. Selbstverständlich war es mir unter solchen Umständen auch nicht mehr möglich zu arbeiten. Nicht einmal liegen konnte ich, sondern mußte Tag und Nacht sitzend zubringen. Bei jeder, auch nur geringsten Bewegung steigerte sich bei mir die Atemnot und würde ich damals nur froh gewesen sein, wenn mit mir ein Ende gemacht worden wäre. Der Wahrheit gemäß muß ich sagen, daß ich ein jammervolles Bild darstellte. Durch vieles Suchen in den Zeitungen fand ich ein Mittel, und zwar ein sog. Asthmapulver. Dasselbe brachte mir wenigstens etwas Hilfe, doch von einer Heilung konnte keine Rede sein. Ich gebrauchte es ungefähr zwei Jahre und belief sich der Preis dafür auf ca. 70 Mark. Nun wurde mir Ihre Kur empfohlen und entschloß ich mich auch, dieselbe nicht unprobiert zu lassen. Schon durch die ersten Verordnungen, die mir gegeben wurden, hatte ich Hoffnung und Mut bekommen, und siehe die letztere Kur war auch die beste. Ich habe aure energisch und kleißig durchgtführt und kann mit Recht sagen, daß ich nach Gott Ihnen meine lebensfrohen Tage, die ich jetzt wieder genteße, zu danden habe. Mit aller Hochachtung Franz Xaver Wagner, Haunstetten(Bayern). Die Echtheit vorstehender Unterschrift bestätigt Hannstetten,(Bayern).(L. S.) E. Hüber, Bürgermstr. Lungenkatarrh. Es war im Jahre 1903, wo ich zuerst einen schrecklichen Husten bekam, ich versuchte jedes Mittel, welches man mir sagte, auch habe ich mehrmals den Arzt aufgefuht, welcher etwas verschrieb, doch der Husten verging nicht mehr, er verlor sich ein bischen, doch ganz verging er nicht. Doch im September des Jahres 1905 wurde mein Leiden immer schlimmer, ich hatte große Schmeczen in der Brust und im Rücken, meine Schritte die ich machte, wurden langsam, weil mir di: List knapp wurde, auch schwollen mir später Hände und Füße an. Daraufhin ging ich wieder zum Arzt, welchem ich mein Leiden vorstellte, welcher erst eine Urinuntersuchung vornahm, und dann mich untersuchte, worauf er mir Schröpfköpfe setzte und mich wirder nach Hause schiate. Den ersten Augenblick war es mir ja leichte:, aber nachher war mein Leiden soviel schlimmer die Schmerzen wurden immer größer. Da wurde ich in der Zeitung aus Ihr Inserat aufmerksam, worauf ich mich an Sie wandte. Nach 14tägiger Kur war ich scho wieder ganz lustig und freute mich meines Avens, Ich besolgte Ihren Rat weiter, und heute bin ich wieder vollkommen hergestellt. Ich bin Ihnen ewia Dank schuldig und werde Ihr Kur=Institut allen ähnlich Leidenden empfehlen. Robert Kuhn. Müller, Frauendorf 5. Stettin Herrenwieserstr. 49, I. Die eigenhändige Unterschrift des v. Kuhn wird hierdurch amtlich bescheinigt. Frauendorf. Der Gemeindevorsteher Halbmek. 239 B. Im Mannesalter von robnster Gesundheit und atte Arbeiten mit Leichtigkeit verrichter kann. Sage Ihnen nur meinen aufrichtigsten Dank. Achtungsvoll Minna Beilschmidt 95*.. in Bant bei Wilhelmshaven, Hafenstr. 2. Obige Unterschrift beglaubigt Der Gemeindevorsteher Brust. Lungenleiden. Seit meiner'frühesten Jugend litt ich an einer Krankheit, welche sich von Jahr zu Jahr verschtimmirte. Alle Aerzte, die mich behandelten, konnten neir nicht helfen. Ich bin jetzt 19 Jahre alt, vor einem Jahre trat die Krankheit wieder sehr schlimm auf Dei Arzt konstauirte ein Lungenl iden. Er behandelte mich zwar doch trat nur eine kurze Zeit Besserung ein. Da traf es der Zufall, daß ich auf Ihr wertes Institut aufmerksam wurde. Ich kann Ihnen nur mitteilen, daß ich durch Ihre Kur vollständig gesund geworden bin. Durch Erkrankung an Jufluenza bekam ich chronisches Magenleiden, meine Gesichtsfarbe wurde gelb und konnte ich nichts mehr essen. Die Kräfte wurden ganz alle, und glaubte ich an dem schrecklichen Uebel eingehen zu müssen. Ich habe mich mit demselben ziemlich ein halbes Jahr geplagt, bis ich endlich durch die„Chemnitzer Allgemeine Zeitung“ auf Ihr Kur=Institut aufmerksam wurde. So habe ich mich an Ihr Kur=Institut gewandt, und schon 8 Tage nach Gebrauch Ihrer Kur, alles genau nach Ihrer Vorschrift durchführend, fühlte ich bedeutende Besserung. Der Appetit kam wieder. die Gesichtsfarbe wurde wieder normal rot und schon nach 8tägigem Kurgebrauch nahm ich an Körpergewicht 5 Pfund zu. Ich war in kurzer Zeit wieder genesen und erfreue mich heute der besten Gesundheit. Ich kann darum nicht unterlassen, Ihnen für Ihre Hilfe meinen besten Dan auszusprechen und werde mich bemühen,, Ihre Kur weiteren Patienten. zu empfehlen. Hochachtungsvoll Clemens Spindler, Gutsbef. Cunnersdorfb. Hainichen. Beglaub. Bimberg. Gem.=Vorst. Die Kinder des Roman von A. Sinowka. 21 Doch das Zimmer ist leer und Lidias Bett unberührt. Auf dem Tisch aber liegt, sauber kuvertiert, ein Brief, auf den der Vater der Verschwundenen sich mit einer raubtierähnlichen Geberde stürzt. „Ssemen..“ kreischt Frau Niegowo auf und will ihm in den Arm fallen, doch ihr Gatte wehrt sie finster von sich ab.„Führe die Mutter hinaus," befiehlt er Gregor und dann, mit einer Handbewegung nach den übrigen, fährt er mit fast lallender Zunge fort:„Hinaus.. alle hinaus.. ich will allein sein.“ Widerwillig gehorchen die Anwesenden, auch 9% D#e beiden kleinen Mädchen an der Hand führend. Nur Frau Niegowo setzt allen Bestrebungen, sie A entfernen, Widerstand entgegen, sie und Gregor bleiden bei Herrn Niegowo. als Dora mit ihren Pfleglingen oben in ihrem Zimer anlangt, hört sie Julius' keuchende Stimme hinter # Spra..“, fährt er sie an und packt sie am Arm, verstehst Du das?“ arme Junge sieht so erschrocken und verzweiaus, daß er Dora, trotzdem sie seine Liebe nie recht ern, Lenommen hal, leid tul. die####9t einen Augenblick in mein Zimmer," bittet sie Kleinen,„ich komme gleich nach.“ ge Tachdem die Tür sich hinter Blanka und Alexandra hüstert# bai, tritt sie dicht zu dem Bruder heran und keinen##m zu:„Wenn Du vernünftig sein willst und hat I.# wachst, werde ich es Dir sagen.. Lidia zin### Vaterhaus verlassen, um ihres Geliebten GatA werden. Sie kehrt nie mehr zurück.“ heis. 1 dat von ihren Worten aber vornehmlich die log mi2#9*es Geliebten“ vernommen und verständnises toulen 20st er sie.„Wer ist ihr Geliebter?“ kommt Wera g Lippen. Nitolgi o. 2“ weiß doch jeder Mensch hier am Ort.. awalst., Dein Vorgänger.“ fragt„ braust der Bruder auf.„Ich habe sie gemi 18 g#en dem Gerücht Wahres ist und da hat sie s Gesicht gelacht.“ sund ras Gerücht widerlegt?“ „Dazu deuchte sie's zu albern.“ Dora zuckt mit den Achseln.„Lieber Julius," spricht sie mit dem mütterlichen Ton, den sie letzhin dem Bruder gegenüber angenommen hat, der auf der weiten Reise von Deutschland nach Sibirien ihr Beschützer und Vormund gewesen ist,„wie kannst Du nur so blind sein? Der Gedanke, daß Lidia Dich lieben könnte, scheint Dir keineswegs albern und Du.. Du vermagst Dich doch nicht mit jenem Nikolai Lawalski zu vergleichen! Er ist, wenn auch verarmt, ein Aristokrat, einer alten, vornehmen Adelsfamilie entsprossen, er war Gardeoffizier, und was bist Du? Ein kleiner, bürgerlicher Kommis! Ein Mädchen, wie Lidia, liebt nicht einen jungen Menschen Deinesgleichen.. das kannst Du mir glauben.“ „Du weißt nicht, was zwischen uns vorgefallen ist,“ stöhnt Julius.„Und, wie kannst Du über diese Sache urteilen? Und überhaupt, was weißt Du von Liebe? Ein Kind, wie Du?“ Dora ist es müde, mit dem Bruder zu streiten. Er kommt ihr bezüglich seines Verhältnisses zu Lidia halb unzurechnungsfähig vor.„Du bist sehr scharfsichtig," sagt sie kühl und wendet ihm den Rücken. „Du irrst Dich doch,“ ruft er ihr nach.„Ich glaube es nicht, daß sie mit einem Menschen davongelaufen ist. Weiß Gott, welch' einen Grund sie gehabt hat, ihr Elternhaus zu verlassen. Vielleicht war der Alte, ihr Vater, brutal gegen sie, er hat sie ja nie verstanden .. vielleicht.. Ach Gott, ach Gott, hätte sie mir nur vertraut! Ich wäre mit ihr gegangen.. ich hätte für sie gearbeitet, ich.. Dora hört nichts mehr, die Türe hat sich bereits zwischen ihnen geschlossen. Weiß der Himmel, um Julius' willen ist es ihr lieb, daß Lidia nicht mehr im Hause weilt. Er war stets so verständig, in jeder Hinsicht, bis das unselige Geschöpf seinen Weg kreuzte. Aber nun, da sie fort ist, wird er wieder der Julius von ehedem werden.. hoffentlich. Seit Dora hier ist, fällt ihr jetzt zum ersten Mal die Gesellschaft der Kinder lästig. Sie schwatzen fortwährend von Lidia und verlangen von ihrer jungen Erzieherin Antwort auf Dinge, auf die Dora ihnen keine Antwort geben dorf. Wie sich herausstellt, wissen sie von Lidias Beziehungen zu dem früheren Sekretär ihres Vaters mehr, als man hätte denken sollen. Sie sind eben vordem viel zu viel mit den Dienstboten zusammen gewesen, um nicht allerhand aufzuschnappen, was nicht für ihre Ohren bestimmt war. „Wahrscheinlich hat Nikolai Lawalski Lidaschka entführt," meint Blanka altklug. „Das darfst Du nicht sagen,“ ermahnt Dora sie streng. „Aber wenn's doch richtig ist?“ verteidigt sich die Kleine.„Die Amme hat immer prophezeit, daß Lidaschka über kurz oder lang mit Nikolai Lawalski entfliehen würde.“ „Wenn ich groß bin, lasse ich mich auch entführen,“ fügt Alexandra wichtig hinzu,„dann besuche ich mit meinem Mann Lidaschka und...“ „Ich bitte Such um des Himmels willen, seid still," fleht Dora, si## die Ohren zuhaltend,„ich habe unerträgliches Kopfwey und muß Ruhe haben.“ Sofort schwiegen die Kinder, und als Dora ihnen ein Bilderbuch in die Hand gibt, setzen sie sich damit ruhig ans Feuster, während das junge Mädchen sich auf das Sofa legt und die Augen schließt. Im Hause heirscht beständige Aufregung, Dorashört, wie treppauf, treppab gelaufen wird und hier und dort unterdrücktes Geflüster und dazwischen laute Rufe erklingen. Ein Wagen fährt vor, aber gleich darauf kommt ein Diener heraus und weist den Kutscher an, wieder auszuspannen. Vermutlich will Herr Niegowo doch Schritte tun, um der entflohenen Tochter habhaft zu werden, aber was er zu diesem Zweck unternimmt, vermag Dora sich nicht vorzustellen. Etwa eine Stunde, nachdem Lidias Flucht entdeckt ist, klopft der Diener Iwan an Doras Tür und meldet ihr, daß Herr Niegowo sie bitten lasse, zu ihm in sein Arbeitszimmer zu kommen. Zitternd und geängstigt folgt Dora dem Ruf. Auf das, was sie erwartet, ist sie aber doch nicht vorbereitet. Herr Niegowo liegt in dem weiten Raum, in dem er seine Schreibereien zu erledigen und mit seinen Be amten abzurechnen pflegt, auf dem Sofa, während seine Frau und Gregor neben ihm sitzen, aschfahl im Gesicht mit Kompressen auf dem Kopf. Sein Aussehen ist das eines schwer Leidenden, und seine Züge sind so verzerrt, daß Dora alles andere darüber vergißt und auf ihn zufliegt. „Sind Sie krank?“ forscht sie angstvoll. Aus ihrer Stimme spricht solch aufrichtige Besorgnis, daß der leidende Mann unwillkürlich nach ihrer Hand greift und sie leise streicheli.„Sie werden mich nichtbetrügen, Dora Petrowna,“ murmelt er,„Sienicht.“ „Vater hat sich über Lidias Verschwinden so aufgeregt, daß er einen Nervenaufall bekommen hat,“ agt Gregor erklärend zu Dora.„Er ist daher nicht imstande, selbst Nachforschungen nach meiner Schwester anzustellen und wird Ihren Bruder an seiner Stelle ausschicken.. „Weil mein Herr Sohn sich weigert, es zu tun," bricht der Kranke los, indem er sich jäh aufrichtet und Gregor mit zornfunkelnden Augen anstauert. „Rege Dich nicht auf, Ssemen.. rege Dich nicht auf,“ bittet seine Frau. „Nicht aufregen soll ich mich, wenn meine eigene Fa milie sich gegen mich auflehnt, mich belügt und betri## Und dabei hilflos dazukiegen hilflos und schwach in: ein Kind! Dies Schicksal. dies Schicksal!" stöhnt der leidende Mann. Noch nie hat Dora ihn so gesehen. Trotzden:“#s erriet, daß Leidenschaften in ihm tobten, hat ste ihn doch immer selbstbeherrscht und ruhig gesehen. Wie gebrochen, wie verzweifelt muß er sein, um sich so geheu zu lassen. Ein grenzenloses Erbarmen überkommt das Mädchen; neben dem Lager niederkniend, dittet sie den Mann leise, sich wieder in die Kissen zurückzulegen und als er ihrem Geheiß folgt, ordnet sie die von seinem Kopf geglittenen Kompressen und redet ihm liebevoll zu, ruhig zu sein. Ihre saufte Stimme übt eine wunderbare Wirkung auf ihn aus, er beruhigt sich wirklich, seine Augen schließen sich, und er atmet regelmäßiger. „Dora Petrowna,“ hebt er nach einer Weile zu spiechen an,„ich habe Sie rufen lassen, um Sie zu frage“, ob Sie irgend etwas über Lidias Flucht wissen, ob Sie mir einen Anhalt darüber geben können, wohin sie sich gewandt hat. Man muß Ihrem Bruder doch sagrn, wo er sie suchen soll. Mein Herr Sohn ist nicht mehr zum Sprechen zu bringen—“— 373,13 ohne Stellung sei. Wenn Esser ihm enne solche verschaffe, würde er(Middeldorf) ihm 2000 Mark für geschäftliche Zwecke zur Verfügung stellen. Der Angeschuldigte nahm den jungen Mann in sein eigenes Geschäft auf und erhielt von dem Rentner Heinrich Middeldorf in Gelsenkirchen zwei Sparkassenbücher über 2000 Mark lautend. Esser gebrauchte aber bares Geld er gab dem jungen Manne auf. die Bücher zu verpfänden, den Betrag von 1700 Mark nahm Esser an sich. Das Gericht hielt ihn des Betruges für schuldig und erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 5 Monaten. Kinder= und Backfischmoden. Gearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmannsaktur, Dresden=N. Keichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch a 60 Pf. daselbst erhältlich. Von jeher hat die Kindermode ihre Anregungen aus der Mode der Großen geschöpft. Am deutlichsten läßt sich das an den Kinderbildnissen altniederländischen und altspanischer Maler beobachten, deren Kinderfiguren mit ihren Krinolinen= oder langen Faltenröcken, dem in die Schnürbrust gepreßten Oberkörper und dem gepuderten Haar, getreue Kopien ihrer Mütter sind. Und wie unkindlich wirken sie, diese kleinen Geschöpfe, denen wir ob der unbequemen, ungesunden Tracht unser Mitleid nicht versagen können! Von einer wirklichen Mode für Kinder kann da also kaum die Rede sein. Und wenn wir heute um 50 Jahre zurückgehen, so ist das Bild der damaligen Kindermode nicht weniger komisch: die Mädchen in den oft von oben bis unten mit Falbeln überladenen Krinolinröcken, ausgeschnittenen Taillen, Zichus, die Knaben in langschößigen Röckchen und langen Beinkleidern, lauter Tämchen und Herren, nur keine Kinder! Und heute? Heute haben wir endlich eine Kindermode, die die Kinder wirkliche Kinder sein läßt (die es ihnen erlaubt, sich frei vom Zwange ungesunder SR Modell Nr. 5180. Modell Nr. 4500. und unbequemer Kleidung nach Herzenslust zu tummeln), sofern nicht eine unvernünftige Mutter ihnen schon in von emitter wifKindern mit solchem Inzuge antun, wie sie die kindlichsten Wünsche damit unterbinden und Unnatur und Eitelkeit an deren Stelle pflanzen. Und wozu der Zwang, wo doch gerade jetzt die Mode so vielerlei hübsches, der kindlichen Natur angepaßtes bringt? Gleich ein Beisviel dafür gibt das ebenso elegante wie bequeme Kleidchen Nr. 6180, das eine der letzten Neuheiten darstellt. Es ist zweifellos aus der Mode der Panzerkleider entstanden, die durch ihre anliegende Machart alles andere als kleidsam für die Kinder sind. Das glatte Oberteil ist bei diesem Modellchen weit und lose genug geschuttten, um den Körper nirgends einzuengen, ohne dabei aber plump zu wirken. Wie ein loses Ueberkleid sällt es auf den Quetschfaltenvolant, der nach hinten zu von einer Schärpe abgeschlossen Der Güterverkehr auf den deutschen Wasserstraßen. Modell Nr. 5170. wird. Besonders hübsch macht es sich, wenn der Volant aus dem gleichen karierten Stoff wie die Blenden besteht, die das Mittelteil begrenzen.(Außerdem ist es durch die Verweudung von zweierlei Stoff der Verarbeitung von Stoffresten recht günstig, wie es für die jetzige Moderichtung nut ihrer Bevorzugung der Prinzeßform und den schlanken Linien geradezu typisch ist). Anliegender, schlanker sind die Leibchenröcke, deren glattem, verlängerten Taitlenteil der sehr hohe Volant gleich angesetzt ist. Da man sie mit auswechselbarer Bluse trägt, haben sie alle Aussicht, für den Sommer eine besonders beliebte Form zu werden. Für schmächtige Kinder dürften immerhin die blusigen Formen empfehlenswerter sein, denen das Röckchen gleich angesetzt ist. Die allermodernsten Bluschen haben Passen, denen ein Garniturstreien angeschnitten ist, der den Seitenschluß deckend, bis zum Rocksaume läuft oder sie sind in ausspringende Fältchen abgenäht, die zu beiden Seiten von breiten, über die Schultern greifenden Falten begrenzt werden. Für die größeren Mädchen setzt sich er Anzug meist aus Bluse und Rock zusammen, wobei Mieder= und Passenröcke eine besonders große Rolle spielen, die Bluse aber in Matrosen=, Hemdvder garnierter Form getragen werden kann. Die kleinen Mädels steckt man nach wie vor mit VorA#ssabfd breiten der Bänder d. Srecheserkehrs u. chebbrchn d Ause d.ort werkebrs in Jossend ufenen ableer Ralilärung Otonctehrgahmfte OST-PREUSSEN. Die Beratung über den Gesetzesvorschlag betreffend die Erhebung von Schiffahrtsabgaben hat im Bundesrat begonnen und wird in Kürze, da nach dem „Reichsanzeiger“, die verfassungsmäßige Mehrheit dafür bereits vorhanden, zur Annahme gelangen. Da die Durchführung des Gesetzes von entscheidender Wirkung auf den gesamten Güterverkehr innerhalb der deutschen Grenzen sein wird, bringen wir heute unseren Lesern eine, nach amtlichem Material gezeichnete Karte, welche übersichtlich den gewaltigen Transport von Massengütern auf den Wasserstraßen Deutschlands veranschaulicht. Die Binnenschiffahrt Deutschlands hat sich infolge der Verbesserung des Fahrwassers der großen Ströme und der Herstellung leistungsfähiger künstlicher Wasserstraßen seit einer Reihe von Jahren in hohem Maße entwickelt, sowohl hinsichtlich ihres Umfanges und der Schnelligkeit, Sicherheit und Billigkeit des Betriebes, als auch hinsichtlich der Größe und Beschaffenheit der Fahrzeuge. Der starken Zunahme des gesamten Was serstraßenverkehrs entspricht diejenige auf den einzelnen Strömen und Kanälen. In ähnlicher Weise wie der Güterversand hat sich auch die Zahl und namentlich die Tragfähigkeit der Fahrzeuge vermehrt. In unserer beistehenden Karte ist nun der Güterverkehr auf den oben genannten Wasserstraßen in mehr oder minder breiten Rändern dargestellt je nach der Bedeutung desselben(hierzu der besondere Maßstab in der Karte), u. zw. ist der Talverkehr(flußabwäcts) durch horizontale Schraffierung, und der Bergverkehr(flußaufwärts) durch vertikale Schrafierung kenntlich gemacht. Die schwarzweißen Kreise der einzelnen Städte bezw. der am Verkehr direkt beteiligten Bezirke zeigen den Ankunftsverkehr(schwarz), den Abgangsverkehr(weiß) und zusammen den gesamten Ortsverkehr an(siehe hierzu die Zeichenerklärung). Die Richtung des Verkehrs ist auch noch durch kleine Pfeile neben den schraffierten Bändern deutlich gemacht. einer Riesenschlange. Eine erlegte Riesenschlange mit einem Wildschwein Im Magen Kürzlich wurde von einigen Jägern auf Java eine Tigerschlange erlegt, die ein ganzes Wildschwein, welches 40 Kilogramm wog, im Magen hatte. Die Riesenschlange maß 5 Meter Länge, und scheint grade ihr Mittagsmahl eingenommen zu haben, da man das Opfer in gänzlich unverdautem Zustande im Magen fand. Das Reptil wurde durch drei gutgezielte Schüsse getötet; es leistete keinen Widerstand und nahm überhaupt nicht von der Annäherung der Menschen Notiz und lag mit der unförmig aufgetriebenen Leibesmitte schläfrig in der Sonne. gend ist die Dehnbarkeit des Schlangenrachens, der imstande ist, nach vorheriger Zermalmung aller Knochen ein großes Tier hinabzuwürgen, und ebenfalls staunenswert ist die Verdauungskraft eines Schlangenmagen, der dermaßen überladen es fertig bekommt, ohne Schaden zu leiden, das Opfer mit Haut und Haaren zu verdauen. liebe in hänger=, oder kittelartige Kleidchen, in denen es ganz reizende Sachen gibt. Schlank wirken sie alle, ob sie durch den Gürtel straff hekabgezogen, oder lose herabfallend getragen werden. Eine allerliebste, seitlich geschlossene Form, zeigte die schmalen Fältchen unterhalb der Taille ausspringend, während sich über die Schultern ein dreifaches Epaulette legte, das sich graziös dem kleinen runden, durch eine Tüllpasse gefüllten Ausschnitt anschmiegte. Auch das Hängerchen hat allerlei Wandlungen durchgemacht und sich der heutigen Mode anzupassen gewußt. Besonders niedlich für zierliche Kinder sind die Empirehängerchen mit der kurzen, in seine Fältchen abgenähten Taille, an der die Tüllpasse nicht fehlt und die ein Gürtelchen abschließt. Und kann das Hängerkleid, das unsere Nr. 5170 veranschaulicht, nicht auch Anspruch auf aparte Wirkung machen? Das Quetschfaltenröckchen ist hier einem boleroartigen Teil angesetzt, das durch Träger auf den Schultern festgehalten wird und eventuell durch Soutache verziert werden kann, falls das Kleid festlichen Zwecken dienen foll, zu denen es dann durch eine duftige weiße Bluse vervollständigt wird. Und nun ein Wort über das Konfirmationskleid! Weiß oder schwarz ist hier die brennende Frage, die Uich immer mehr zu Gunsten der Unschuldssarbe hinneigt(weil dieser mit schlichter Machart gepaart, jug dssarbe hinneigt(1 dieser mit schlichter Machart gepaart, jugendlicher als das düstere Schwarz wirkt und dabei ebenso dem Ernst des Tages zu entsprechen vermag wie dieses.) Die Hauptsache wird aber immer die Form bleiben, die in Rücksicht auf die meist noch unfertigen Figuren gern blusig gewählt wird, wobei reiche Garnituren und alles Auffallende, Kokette zu vermeiden ist. Als vorbildliches Konfirmationskleid könnte unser kleidsames Blusenkleid Nr. 4500 gelten, das in schwarz wie in weiß nur durch seines Seidenplissee, eine Tüllpasse und Tüllmanschetten ausgestattet wird. Auch das schlichte Russenblusenkleid mit seiner leicht schließenden Bluse und dem seitlich geschlossenen tunikaartigen Rock ist für die Konfirmandin durch sein jugendliches Gepräge recht empfehlenswert, wenn schmächtige Figürchen auch besser eine faltige Bluse mit einem der modernen, vorn schildartig geformten Miedergürtel wählen dürften. Reizvoll und jugendlich aber nur in leichten Stoffen ausführbar, sind die in keine Längsfältchen abgenähten Blusenprinzeßkleider, die durch einen Gürtel abgebunden, die Fältchen macht ilin, wähuntzahen Kaschmir oder Chevivt verwendet wird. Die leu### werden vielfach mit oberhalb der Knie umgase.“ Schärpen getragen, die dann den hohen Volant#. grenzen. Das glatte Panzerteil halten Träger Faltenteile auf den Schultern fest, während die nhas Partie Seide oder Stüfchentüll bekleidet. Die Arizeßkleider präsentieren sich meist als Leibchenrück. die zur Konfirmation durch gleichfarbige Seiden, Stickereiblusen ergänzt werden. Besonders hüßsch sind sie mit hohem Volant u. Trägerteilen, von ei#. facherer Wirkung mit glattem Rock, faltiger Vorder, bahn, Gürtel und Bretellen, die in Falten gelegt sinz Bedenklich bei diesen Kleidern ist nur der Kasus, ds sie ziemlich große Ansprüche an die Figur stellen Ist Mutter Natur aber in diesem Punkte gütig genesen, so darf Fräulein Backfisch unbedenklich en prin, cesse erscheinen, im anderen Falle ist Entsagung das Allerbeste, was wir ihm empfehlen können. Handel und Verkehr. Patent=Listen. Zusammenstellung der vom Patentbüro Conrad K##. ling, Dortmund, Steinplatz 1., erwirkten mit Eluschlu der in den Verbreitungsbezirk der Zeitung entfallendg Schutzrechte der letzten Woche. A. Patentanmeldungen. Klammer zur Befestigung von Schienen auf Heuschwellen: D. Hülsmann, Dortmund.— Elektromaz= netisch betriebener Musterstechapparat: N. Seyffartz, Dortmund. B. Gebrauchsmusteranmeldungen. Straßenkasten für Gasleitungen: W. Möller 1 Schwerte(Ruhr).—. Druckstoß=Gasfernzünder mit durc zwei nebeneinander angeordneten Exzenterscheiben steuerten Ventilen für die Haupt= und Zündflamme: I. Wirtz und F. Hinne, Dortmund.— Druckstoß=Gassenzünder für als Abend= und Nachtlaternen verwendban Gaslaternen: I. Wirtz und F. Hinne, Dortmund.— Ausschalter für elektrische Glühlampen, welche in er plosiblen Gasen brennen: F. Färber, Dortmund.— Automatische Kinderwiege mit Feder=, Kurbel= und Kniehebelantrieb: H. Stagneth und Hedwig Stuckmann, Hordel b. Bochum.— Zerlegbares Regal au Metall für Waren und Werkzeuge aller Art u. dergl.: L. Heymer, Dortmund.— In eine Zeugmangel umwandelbaret Küchentisch: M. Glaß, Dortmund.— Schutzvorrichtung für Holzbearbeitungsmaschinen: R. Teutenberg, Dortmund.— Mit Ventilationsöffnungen versehener Posticheschrank: Karl Treeck, G. m. b. H, Dortmund. *** Frankfurter Abendbörse. Tendenz: Fester. Literatur. Die Sozialistischen Monatshefte ben soeben das 3. Heft ihres 16. Jahrganges erscheinen lassen. Aus seinem Inhalt heben wir herv#r Dr. Leo Arons: Die Wahlrechtsvorlage der preußischen Regierung.— Karl Sebering: Die gesetzliche egelung der Tarifverträge.— Gerhard Hildebrand Weiße Siedelungen in Tropenländern.— Dr. Ar thur Schulz: Freihandel in der Landwirtschaft.— mund Fischer: Der Gemeindesozialismus.— Dr. Anselm Ruest: Richard Dehmel.— Prof. Dr. Franz Staudinger: Zur Geschichte der Weltsprachebewegunz — Staatssozialismus von W. Schröder. Naturwisenschaften von Dr. B. Borchardt.— Rechrswissenschaft von O. Lang.— Bildende Kunst von?. Technik von Dr. H. Lux. Als künstlerische enthält das Heft ein Porträt von Richard Dehm gezeichnet von Hans Wildermann. Hals-, Brust- und Lungenleidende die andere Mittel und Methoden zur radikalen Beseitigung ihrer Leiden erfolglos versuch haben, werden in ihrem eigenen Interesse gebeten, sich einmal eine kostonfreie Probe des echten arabischen oder Utn-Balsams(des naturreinen Saftes eines an den Küsten des Roten Meeres wachsenden Balsambaumes) von uns kommen zu lassen. Der Utu-Balsam gilt Im ganzen Orient schon seit alters her als das denkbar beste Mittel gegen chron. Erkrankungen der Atmungsorgane, und die mit ihm in zahlreichen Fällen von hervorragenden Aerzten angestellten Versuche waren fast durchweg von geradezu überraschenden Erfolgen begleitet. Jeder Probe legen wir eine aus der Feder eines praktischen Arztesstammendehochinteressante Broschüre ebenfalls durchaus kostenlos bei. Der Besitz dieser Probe und Broschüre kann fürmanch. noch zum rettenden Engel werden! Morgenländische Drogen-Import-Gesellschaft Jaffa Calästina). Kerrespondenzen aus Deuteohland adresslere man an die GENERAL-VERTRETEN: BROCKHAUS& Co. Berlin- Grunewald. 5 #. **#E SS.-Tage SG.-„aTDE RSSMS STT ——.— .—* ——— S* —* 1.5— JOE„ANITLNS““9. 1 ASaSAESRSSSSESE 3 Nur ein Dienstmädchen. Weihnachtserzählung von A. Asten. O, wie billig hier, Zappelmänner aus Papier, so klang es mit dünnem, heiserem Stimmchen von den blaugefrorenen Lippen eines kleinen, achtjährigen Mädchens, das dicht an eine Bude gedrängt, seine Ware anpries und mit flehenden Augen zu den Vorübergehenden aufschaute Aber niemand hörte auf das zitternde, im Geschrei der Budeninhaber und dem fröhlichen Schwatzen der Menge verhallende Stimmchen, und achtlos schritt alles an dem weinenden Kinde vorüber Fröstelnd hüllte es sich in das dünne, vielfach geflickte, aber saubere Mäntelchen und blies in die erstarrten Hände, traurig auf die vorüberwogende Menge blickend Wieder erhob das Mädchen seine Stimme und gar rührend klang seine Bitte: „Ach, lieber Herr, kaufen Sie mir doch etwas ab,— Mütterchen ist so krank und wir haben kein Brot im Hause!“ Alles vergeblich, nicht ein Käufer stellte sich ein Da wimmelte es ja von Buben und Mädchen auf dem Christmarkte und wenn auch der größte Teil zu dem armseligen Erwerbszweig griff, um nur ein paar Groschen nach Hause zu bringen, so sah man doch auch manchen, der wohlgenährt und fürsorglich eingepackt mit übermütiger Stimme seine Erzeugnisse feilbet, um dann die verdienten Groschen in unnütze Tändeleien oder Leckereien umzusetzen Wer sollte sich da wohl die Mühe geben, unter den wirklich Bedürftigen zu wählen? Wer wirklich etwas benötigte, nahm es von dem ersten besten; die größten Schreier machten die besten Geschäfte Das Mädchen war wieder verstummt und lehnte sich weinend gegen einen Laternenpfahl „Was weinst du denn, kleines Busselchen?“ „Mich friert,“ klagte die Kleine „Und da bleibst du auch noch hier stehen?“ Geh' doch nach Hause!“ „Ich kann nicht, habe ja noch nichts verkauft!“ schluchzte das Kind „Ach du lieber Gott!“ grollte das Dienstmädchen und rieb die kleinen, eiskalten Händchen „Und da schickt man so'n kleines Ding hinaus, während sichs die Eltern hinterm warmen Ofen wohl sein lassen“ „Ach nein, liebes Fräulein,“ versetzte die Kleine,„wir haben gar kein Holz zum Feuer machen; denn Mutter ist krank und kann nichts verdienen und Vater ist schon lange tot!“ „Du armes Wurm“, fuhr das Mädchen fort,„das ist freilich recht traurig und wenn das die Leute wüßten, wärst du längst deine Pappemänner los— Na, warte, vier Stück will ich dir abkaufen: die kann ich schon verwenden Gieb mal her!“— Freudig knüpfte das Kind das Verlangte los und blickte dankbar zu dem Mädchen auf Dieses hatte inzwischen sein Geldbeutelchen vorgeholt und wollte eben dem Kinde fünfzig Pfennige geben; da besann sie sich und steckte das Geld wieder ein„Was ist dem Kinde mit fünfzig Pfennigen geholfen?“ murmelte sie für sich hin— „Heut, wo mich meine gute Herrschaft so reichlich beschenkt hat, kann ich schon mal was drauf gehen lassen": „Komm, Kleine, behalt nur deine Männer, wir wollen zu Muttern gehen!“— Freundlich schob sie das Kind durch den Trubel, hier und da stehen bleibend und Kleinigkeiten erstehend, die ein Kinderherz erfreuen Auch ein Bäumchen, Lichter, Aepfel und Nüsse kaufte sie und schritt dann mit der Kleinen freudigen Herzens der bezeichneten Wohnung zu Es war ein gar armseliges Häuschen, in dem die Witwe Müller wohnte, und fast atemlos langten beide in dem niedrigen Dachstübchen an Freilich, recht dürftig sah es hier aus, nur das Notdürftigste war vorhanden, aber sauber und reinlich gehalten das sah man auf den ersten Blick Eine bleiche verhärmte Frau richtete sich im Bett empor „Bis du endlich da, Trudel und hast du etwas verkauft?“— „Ach nein, Mutter— bei dem Trubel!“ entgegnete das Kind „Nur gut, daß ich das arme Wurm gefunden habe" Mit schweren Tritten trat ein Mann ein und brachte Holz und Kohlen Dann ging er wieder. „So, jetzt wollen wir erst mal'n ordentliches Feuerchen machen; hier ists ja entsetzlich kalt,“ sagte der Gast Und bald knisterte es gar lustig in dem kleinen Ofen, bald eine wohltuende Wärme in dem Zimmer verbreitend Stumm hatte die Kranke dem Beginnen des Mädchens zugeschaut „D, wie gütig Sie sind, mein Fräulein! Wer führte Sie zu uns?“ „Bleiben Sie nur ruhig liegen, gute Frau“,— wehrte diese ab:„Eine Weihnachtsfee bin ich nicht, noch weniger ein Fräulein, nur ein Dienstmädchen Deswegen brauchen Sie sich aber nicht zu ängstigen; ich geb’s gern, wenn ich auch keine reiche Dame bin! „Und nun komm, Trudel, jetzt wollen wir auch etwas zu essen holen!“ Schwerbeladen kam sie bald darauf wieder, Brot, Butter, Fleisch, Kaffee, brachten sie mit An alles hatte das Mädchen gedacht „Trudel kommt auch gleich", wandte sie sich an die vor Freude schluchzende Frau,„wollte nur inzwischen das kleine Bäumchen schmücken!“ Geschäftig deckte sie den Tisch, zündete das kleine Bäumchen an und legte einige kleine Geschenke darunter Klein Trudel war gar verwundert, als es in das hellerleuchtete Stübchen trat und laut jubelte sie auf, als sie das hübsche Püppchen und den schönen Pfefferkuchen erblickte „Mama, das ist gewiß das Christkind?“ frug sie und schaute mit leuchtenden Augen zu dem Mädchen auf „Jawohl, Trudel,“ lächelte die Mutter unter Tränen„Geh' nur und bedanke dich bei ihm!“ Schüchtern, mit gefalteten Händen trat die Kleine näher, aber das Mädchen nahm sie auf den Arm und küßte sie „Laß nur, Trudel,“ sagte sie bewegt Jetzt wollte ihr auch die Mutter danken, sie mochte davon aber nichts wissen. „Wozu denn, Frau Müller? Wenn mich der liebe Herrgott zu seinem Christkind ausersehen hat, wird er schon wissen, warum und mirs gutschreiben. „Nun, will ich aber gehen, denn mein Heinrich erwartet mich Und wenn Sie gesund sind, besuchen Sie mich mal; vielleicht kann ich Ihnen Arbeit verschaffen. Dann wäre Ihnen gleich geholfen!“— „Gott segne Sie,“ schluchzte die Kranke. „Also Kopf hoch, Frau Müller,'s wird schon wieder besser werden. Fröhliche Weihnacht!“ Und stillbeglückt ging das Mädchen von dannen. An diesem Abend vergaß Mutter Müller alle Sorgen und allen Schmerz. Sein Geburtstagkuchen. Humoreske von Clara Tüsterhoff. „So,“ sagte er stolz,„hier ist auch mein Kuchen. Das ist ein Kirschenkuchen, wie er sein muß!“ Seine Frau nahm das Seidenpapier ab, das der Nachbar darüber gebreitet hatte.„Ah, eine Karte,“ sagte sie und beugte sich näher hinab, um sie lesen zu können. Laut las sie vor: Sehr geehrter Herr Arnold! Kirschen konnte ich leider nicht mehr auftreiben. Ich schicke Ihnen daher einen Pflaumenkuchen. Es wird Ihnen ja wohl nichts ausmachen. Gut ist er. Ihr ergebenster F. Schimmelpfennig, Bäcker.“ Ist es sehr zu verwundern, daß die Eingeweihten unter den Gästen vor unterdrückten Lachkrämpfen zu ersticken drohten, und daß der Hausherr, sobald er nun„seinen“ Kirsch=, ach nein, Pflaumenkuchen glücklich niedergesetzt hatte, für geraume Zeit unsichtbar wurde? Bäcker Schimmelpfennig aber, auch das ist kaum zu verwundern, war durch seinen Geniestreich einen Kunden losgeworden. Der Geburtstagskuchen war das letzte, was er für seinen Nachbar Arnold zu liefern hatte. Lustige Ecke 1123 — Praktisch. Dorfbader zu seinem neuen Lehrling): „Daß du's weißt, bei mir herrscht Ordnung und Reinlichkeit!.... Hier sind vier Nägel— an jedem hängt ein Handtuch. Das erste g'hört für'n Herrn Pfarrer, das zweite für'n Herrn Lehrer, das dritte für'n Bürgermeister und das vierte für die übrige Kundschaft. Jeden Monat am Ersten nimmst du das vierte Handtuch weg, hängst von den drei andern jedes um einen Nagel weiter nach rechts, und an dem ersten Nagel kommt ein frisches. Verstand'n?“ PUSISG OGDUTOPUOSHSUNSU OockAUDUNSBURG S 808555uO0SSSS□ ** 2 K2 —. S S. 38— + 91 2 2* S3SoSS S•1— B 1BEn 3 —. S BSSKSERT 98 -0 83 * 52 2 X 2. .# 011* 8 e 1 nE S 2 58 L ————— *=O—EüSSTT —• =78 S Feierstunden Blätter für Unterhaltung und Belehrung. In letzter Stunde. Roman von Hugo Ebersbach. 3 „Taß die Dinge so liegen könnten, ahnte ich nicht,“ fuhr er mit heiserer Stimme fort;„jetzt freilich sehe ich die Notwendigkeit ein, der Behörde von dem Vorfall Anzeige zu machen Ich werde das ohne Verzug tun. Der Verbrecher muß verfolgt werden! Sobald die nötigen Schritte geschehei sind, komme ich zu Ihnen.“ Er eilte hinaus. In dem Blick, welchen der Kommerzienrat ihm nachsanote, spiegelte sich weder Freundschaft noch Wohlwollen. „Haben Sie Mitleiz mit ihm,“ bat die Witwe; „er hat der Versuchun nicht widerstehen können, aber es wird ihm eine Lehre scin, die er gewiß niemals vergißt. Glauben Sie ihm! Was er Ihnen gesagt hat, ist Wahrheit; davon bin ich fest überzeugt, wenn ich auch nicht verstehe Hossentlich wird der Gauner verhaftet und das Geld bei ihm gefunden; was daran fehlen sollte, werden wir ersetzen, müßte ich auch bei meinen Verwandten an den Knieen darum betteln.“ Der Commerzienra fuhr, tief aufatmend, mit der Hand über die Augen. „Der Verlust des Geldes ist es nicht, was mich so tief betrübt,“ sagte er:„ich könnte die Summe verschmerzen. Aber daß ich in meinem Vertrauen und meinen Hoffnungen#s# bitter getäuscht worden bin, das geht mir tief in's Herz.“ „Machen Sie iyr nicht unglücklich!“ „Wird er es, so i: dies seine eigene Schuld; mich kann wohrlich kein Vorwurf treffen. Sie wissen, welch' treuer Freund ich Ihrem Gatten gewesen bin: ich übertrug nach seinem Tode die ganze Freundschaft auf seinen Sohn—“ „Und dafür werde ich Ihnen danken, so lange ich lebe!“ „Den Tank, welchen ich erwartete, habe ich nicht geerntet; aber das Andenken an seinen ehrenwerten Vater schützt auch jetzt noch den Undankbaren. Er mag heute noch abreisen— ich werde ihn nicht verfolgen lassen; aber sagen Sie ihm dabei, daß ich ihn nie wieder zu sehen wünsche.“ „Sie glauben an seine Schuld?“ fragte Frau Winkel bestürzt. „So lange er nicht das Gegenteil beweist, muß ich ihn für schuldig halten, erwiderte er in hartem Tone. „Mögen Sie es tun— ich kann's nicht! Wohl muß ich zugeben, daß er nicht ganz frei von Schuld ist, aber— „Sie glauben an da Märchen?“ fiel Steinfeld ihr ins Wort, indem er seige: Hut nahm.„Ich begreife das:— Hugo ist Ihr Sohn und das Mutterherz findet immer Gründe, welche den Fehltritt des eigenen Kindes entschuldigen. Wie ich aber über die Sache denke wissen Sie nun; ich wiederhole Ihnen, daß es nicht in meiner Absicht liegt, Ihren Sohn verfolgen zu lassen, wenn er es für ratsam hält, dieser Stadt den Rücken zu wenden.“ Er reichte ihr die Hand und verließ das Zimmer. Laut schluchzend sank die schwergeprüfte Frau in die Sofaecke zurück. Der Commerzienrat hatte nach seiner Heimkunft eine lange Unterredung mit dem alten Buchhalter gehabt; jetzt schritt er in seinem Kabinett mit großen Schritten auf und nieder. Er war zu sehr erregt, um sich der Arbeit zu widmen Seine Gedanken hasteten an dem Rätsel, dessen Lösung er vergeblich suchte. Und je länger er darüber nachdachte, desto klarer ward es ihm, daß die Mitteilungen Hugo's keinen Glauben verdienten. Johann meldete den Besuch des Gerichtsrats Sommer an. Der Bankier wa; mit diesem Herrn, der als Untersuchungsrichter fungierte, befreundet. „Coeben war Ih Kassierer bei mir,“ sagte der Gerichtsrat eintretend;„das ist ja eine ganz fabelhafte Geschichte, die er mir erzählt hat.“ „Finden Sie da auch?“ fragte Steinfeld, während er ihm einen Sessel anbot.„Ich zerbreche mir schon seit zwei Stunden den Kopf darüber, was ich von dieser Geschichte halten soll; ic kann, offen gestanden, nicht klug daraus werden.“ Ein bedeutsames Lächeln umspielte flüchtig die Lippen des Richters; c. nahm seine Brille ab, hauchte auf die Gläser und rie“ sie mit dem Taschentuch. „Ich) habe mich sofo, auf den Weg gemacht, um von Ihnen das nähere, hüren,“ erwiderte er.„Welches Zeugnis stellen Sie de jungen Manne aus?“ „Das beste!“ „In der Tat? Das hatte ich nicht erwartet. Sollte er keine Leidenschaft haben, deren Befriedigung namhafte Summen kostet?“ „Wäre dies der Fall, so würde es mir nicht verborgen geblieben sein,“ erwiderte der Bankier kopfschüttelnd.„Tas warme Interesse, welches ich stets an diesem Manne genommen habe, veranlaßte mich, ihm meine vollt Aufmerksamkeit zu widmen, und hätte ich nur den leisesten Grund zur Unzufriedenheit gefunden, so würde ich ihm gegenüber kein Hehl daraus gemacht haben. Er war auf seinem Posten treu, gewissenhaft und zuverlässig, im Privatleben einsach und nüchtern. Ich glaube nicht, daß irgend Jemand irm ein anderes Zeugnis geb: kann.“ „Aber Sie werden doch auch zugeben, daß seine Mitteilungen über die Ereignisse des gestrigen Abends sehr unglaublich klingen: Dieser große Unbekannte, dem alle Schuld zugeschoben wird, spielt in den Unter* 1 Hals-, Brust- und Lungenleidende man an die GENERAL- VERTRETEN: BROCKHAUS& Co. Berlin- Grunewald. Modell Nr. 5180. Modell Nr. 4500. und unbequemer Kleidung nach Herzensrust zu tummeln), sofern nicht eine unvernünftige Mutter ihnen eine Art Zwangskleidung aufotrviert, die schon in einem geputzten Kleide oder einem solchen von empfindlicher Farbe bestehen kann. Die Mütter wissen ja garnicht, was sie ihren Kindern mit solchem Anzuge antun, wie sie die kindlichsten Wünsche damit unterbinden und Unnatur und Eitelkeit an deren Stelle pflanzen. Und wozu der Zwang, wo doch gerade jetzt die Mode so vielerlei hübsches, der kindlichen Natur angepaßtes bringt? Gleich ein Beispiel dafür gibt das ebenso elegante wie bequeme Kleidchen Nr. 6180, das eine der letzten Neuheiten darstellt. Es ist zweifellos aus der Mode der Panzerkleider entstanden, die durch ihre anliegende Machart alles andere als kleidsam für die Kinder sind. Das glatte Oberteil ist bei diesem Modellchen weit und lose genug geschuttten, um den Körper nirgends einzuengen, ohne dabei aber plump zu wirken. Wie ein loses Ueberkleid sällt es auf den Quetschfaltenvolant, der nach hinten zu von einer Schärpe abgeschlossen ohne Stellung sei. Wenn Ester ihm ekne solche verschaffe, würde er(Middeldorf) ihm 2000 Mark für geschäftliche Zwecke zur Verfügung stellen. Der Angeschuldigte nahm den jungen Mann in sein eigenes Geschäft auf und erhielt von dem Rentner Heinrich Middeldors in Gelsenkirchen zwei Sparkassenbücher über 2000 Mark lautend. Esser gebrauchte aber bares Geld er gab dem jungen Manne auf, die Bücher zu verpfänden, den Betrag von 1700 Mark nahm Esser an sich. Das Gericht hielt ihn des Betruges für schuldig und erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 5 Monaten. Der Güterverkehr auf den deutschen Wasserstraßen. Die Beratung über den Gesetzesvorschlag betreffend die Erhebung von Schiffahrtsabgaben hat im Bundesrat begonnen und wird in Kürze, da nach dem „Reichsanzeiger“, die verfassungsmäßige Mehrheit dafür bereits vorhanden, zur Annahme gelangen. Da die Durchführung des Gesetzes von entscheidender Wirkung auf den gesamten Güterverkehr innerhalb der deutschen Grenzen sein wird, bringen wir heute unseren Lesern eine, nach amtlichem Material gezeichnete Karte, welche übersichtlich den gewaltigen Transport von Massengütern auf den Wasserstraßen Deutschlands veranschaulicht. Die Binnenschiffahrt Deutschlands hat sich infolge der Verbesserung des Fahrwassers der groben Ströme und der Herstellung leistungsfähiger künstlicher Wasserstraßen seit einer Reihe von Jahren in hohem Maße entwickelt, sowohl hinsichtlich ihres Umfanges und der Schnelligkeit, Sicherheit und Billigkeit des Betriedes, als auch hinsichtlich der Größe und Beschaffenheit der Fahrzeuge. Der starken Zunahme des gesamten Wasserstraßenverkehrs entspricht diejenige auf den einzelnen Strömen und Kanälen. In ähnlicher Weise wie der Güterversand hat sich auch die Zahl und namentlich die Tragfähigkeit der Fahrzeuge vermehrt. In unserer beistehenden Karte ist nun der Güterverkehr auf den oben genannten Wasserstraßen in mehr oder minder breiten Rändern dargestellt je nach der Bedeutung desselben(hierzu der besondere Maßstab in der Karte), u. zw. ist der Talverkehr(flußabwäcts) durch horizontale Schraffterung, und der Bergverkehr(klußaufwärts) durch vertikale Schrafierung kenntlich gemacht. Die schwarzweißen Kreise der einzelnen Städte bezw. der am Verkehr direkt beteiligten Bezirke zeigen den Ankunftsverkehr(schwarz), den Abgangsverkehr(weiß) und zusammen den gesamten Ortsverkehr an(siehe hierzu die Zeichenerklärung). Die Richtung des Verkehrs ist auch noch durch kleine Pfeile neben den schraffierten Bändern deutlich gemacht. Modell Nr. 5170. wird. Besonders hübsch macht es sich, wenn der Volant aus dem gleichen karierten Stoff wie die Blenden besteht, die das Mittelteil begrenzen.(Außerdem ist es durch die Verwendung von zweierlei Stoff der Verarbeitung von Stoffresten recht günstig, wie es für die jetzige Moderichtung nut ihrer Bevorzugung der Prinzeßform und den schlanken Linien geradezu typisch ist). Anliegender, schlanker sind die Leibchenröcke, deren glattem, verlängerten Taitlenteil der sehr hohe Volant gleich angesetzt ist. Da man sie mit auswechselbarer Bluse trägt, haben sie alle Aussicht, für den Sommer eine besonders beliebte Form zu werden. Für schmächtige Kinder dürften immerhin die blusigen Formen empfehlenswerter sein, denen das Röckchen gleich angesetzt ist. Die allermodernsten Bluschen haben Passen, denen ein Garniturstreien angeschnitten ist, der den Seitenschluß deckend, bis zum Rocksaume läuft oder sie sind in ausspringende Fältchen abgenäht, die zu beiden Seiten von breiten, über die Schultern greifenden Falten begrenzt, werden. Für die größeren Mädchen setzt sich er Anzug meist aus Bluse und Rock zusammen, wobei Mieder= und Passenröcke eine besonders große Rolle spielen, die Bluse aber in Matrosen=, Hemndvder garnierter Form getragen werden kann. Die kleinen Mädels steckt man nach wie vor mit VorKürzlich wurde von einigen Jägern auf Java eine Tigerschlange erlegt, die ein ganzes Wildschwein, welches 40 Kilogramm wog, im Magen hatte. Die Riesenschlange maß 5 Meter Länge, und scheint grade ihr Mittagsmahl eingenommen zu haben, da man das Opfer in gänzlich unverdautem Zustande im Magen fand. Das Reptil wurde durch drei gutgezielte Schüsse getötet; es leistete keinen Widerstand und nahm überhaupt nicht von der Annäherung der Menschen Notiz und lag mit der unförmig aufgetriebenen Leibesmitte schläfrig in der Sonne. nehmen bekanntlich alle 14 Tage bis drei Wochen Nahrung zu sich, und brauchen die Zwischenzeit zur Verdauung der Beute. Staunenerregend ist die Dehnbarkeit des Schlangenrachens, der imstande ist, nach vorheriger Zermalmung aller Kno chen ein großes Tier hinabzuwürgen, und ebenfalls staunenswert ist die Verdauungskraft eines Schlangenmagen, der dermaßen überladen es fertig bekommt, ohne Schaden zu leiden, das Opfer mit Haut und Haaren zu verdauen. liebe in hänger=, oder kittelartige Kleidchen, in denen es ganz reizende Sachen gibt. Schlank wirken sie alle, ob sie durch den Gürtel straff hekabgezogen, oder lose herabfallend getragen werden. Eine allerliebste, seitlich geschlossene Form, zeigte die schmalen Fältchen unterhalb der Taille ausspringend, während sich über die Schultern ein dreifaches Epaulette legte, das sich graziös dem kleinen runden, durch eine Tüllpasse gefüllten Ausschnitt anschmiegte. Auch das Hängerchen hat allerlei Wandlungen durchgemacht und sich der heutigen Mode anzupassen gewußt. Besonders niedlich für zierliche Kinder sind die Empirehängerchen mit der kurzen, in seine Fältchen abgenähten Taille, an der die Tüllpasse nicht fehlt und die ein Gürtelchen abschließt. Und kann das Hängerkleid, das unsere Nr. 5170 veranschaulicht, nicht auch Anspruch auf aparte Wirkung machen? Das Quetschfaltenröckchen ist hier einem boleroartigen Teil angesetzt, das durch Trüger auf den Schultern festgehalten wird und eventuell durch Soutache verziert werden kann, falls das Kleid festlichen Zwecken dienen foll, zu denen es dann durch eine duftige weiße Bluse vervollständigt wird. Und nun ein Wort über das Konfirmationskleid! Weiß oder schwarz ist hier die brennende Frage, die Iich immer mehr zu Gunsten der Unschuldssarbe hinneigt(weil dieser mit schlichter Machart gepaart, jugendlicher als das düstere Schwarz wirkt und dabei ebenso dem Ernst des Tages zu entsprechen vermag wie dieses.) Die Hauptsache wird aber immer die Form bleiben, die in Rücksicht auf die meist noch unfertigen Figuren gern iche Garni immer die Form bleiben, die blusig gewählt wird, wobei reiche Garnituren und alles Auffallende, Kokette zu vermeiden ist. Als vorbildliches Konfirmationskleid könnte unser kleidsames Blusenkleid Nr. 4500 gelten, das in schwarz wie in weiß nur durch seines Seidenplissee, eine Tüllpasse und Tüllmanschetten ausgestattet wird. Auch das schlichte Russenblusenkleid mit seiner leicht schließenden Bluse und dem seitlich geschlossenen tunikaartigen Rock ist für die Konfirmandin durch sein gendliches Gepräge recht empfehlenswert, wenn schmächtige Figürchen auch besser eine faltige Bluse mit einem der modernen, vorn schildartig geformten Miedergürtel wählen dürften. Reizvoll und jugendlich aber nur in leichten Stoffen ausführbar, sind die in keine Längsfältchen ubgenähten Blusenprinzeßkleir, die durch einen Gürtel abgebunden, die Fältche unterhalb der Hüfte ausspringen lassen. Man macht sie meist aus Voile, Eolienne oder Wollbatist, während für die. kompakteren Vapzerkleider entwreder Kaschmir oder Chevipt verwendet wird. Die leu### werden vielfach mit oberhalb der Knie umgesegtgSchärpen getragen, die dann den hohen Volant a. grenzen. Das glatte Panzerteil halten Träger= vl. Faltenteile auf den Schultern fest, während diPartie Seide oder Stüfchentüll bekleidet. Die Kri# zeßkleider präsentieren sich meist als Leibchenrüg, die zur Konfirmation durch gleichfarbige Seiden: n### Stickereiblusen ergänzt werden. Besonders hübsch sind sie mit hohem Volant u. Trügerteilen, von ein, facherer Wirkung mit glattem Rock, faltiger Vorder bahn, Gürtel und Bretellen, die in Falten gelegt sinz Bedenklich bei diesen Kleidern ist nur der Kasus. d.3 sie ziemlich große Ansprüche an die Figur stelleIst Mutter Natur aber in diesemr Punkte gütig gewesen, so darf Fräulein Backfisch unbedenklich en prin, cesse erscheinen, im anderen Falle ist Entsagung das Allerbeste, was wir ihm empfehlen können. Handel und Verkehr. Patent=Listen. Zusammenstellung der vom Patentbüro Conrad Kös, ling, Dortmund, Steinplatz 1., erwirkten mit Eluschlat der in den Verbreitungsbezirk der Zeitung entfallendg Schutzrechte der letzten Woche. A. Patentanmeldungen. Klammer zur Befestigung von Schienen auf Helschwellen: D. Hülsmann, Dortmund.— Elektromas= netisch betriebener Musterstechapparat: N. Seyffartz, Dortmund. B. Gebrauchsmusteranmeldungen. Straßenkasten für Gasleitungen: W. Möller 1 Schwerte(Ruhr).—. Druckstoß=Gasfernzünder mit durc zwei nebeneinander angeordneten Exzenterscheiben gesteuerten Ventilen für die Haupt= und Zündflamme: 3. Wirtz und F. Hinne, Dortmund.— Druckstoß=Gassennzünder für als Abend= und Nachtlaternen verwendbare Gaslaternen: I. Wirtz und F. Hinne, Dortmund.— Ausschalter für elektrische Glühlampen, welche in e# plosiblen Gasen brennen: F. Färber, Dortmund.— Automatische Kinderwiege mit Feder=, Kurbel= und Kniehebelantrieb: H. Stagneth und Hedwig Stuckmann, Hordel b. Bochum.— Zerlegbares Regal au Metall für Waren und Werkzeuge aller Art u. dergl.: L. Heymer, Dortmund.— In eine Zeugmangel unwandelbaret Küchentisch: M. Glaß, Dortmund.— Schutzvorrichtung für Holzbearbeitungsmaschinen: K. Teutenberg, Dortmund.— Mit Ventilationsöffnungen versehener Posticheschrank: Karl Treeck, G. m. b. H, Dortmund. *** Frankfurter Abendbörse. Kreditaktien 212,50 Diskonto 196.00 Franzosen 161,40 Baltimore 112,90 Norddeutscher Lloyd 102.40 Chem. Werke Weiler ter Meer 196.00 Deutsch Uebersee Elektr. 183,70 Harpener 206.75 Rütgerswerke 186,75 Berliner Handelsg. 182,70 Dresdener Bank 164,30 Lombarden 23,10 Hamburger Packetfahrt 135,70 Adlerwerke Klener 379,80 Deutsch Luremburger 216,30 Eschweiler Bergw. 208.25 Phönix 219,90 Bulgar. Tabak 101,25 Tendenz: Fester. Literatur. Die Sozialistischen Monatshefte## ben soeben das 3. Heft ihres 16. Jahrganges erscheinen lassen. Aus seinem Inhalt heben wir herver Dr. Leo Arons: Die Wahlrechtsvorlage der preu#i schen Regierung.— Karl Severing: Die gesetzlich Regelung der Tarifverträge.— Gerhard Hildebrau) Weiße Siedelungen in Tropenländern.— Dr thur Schulz: Freihandel in der Landwirtschaft.— Eomund Fischer: Der Gemeindesozialismus.— Dr. Anselm Ruest: Richard Dehmel.— Prof. Dr. Fran Staudinger: Zur Geschichte der Weltsprachebewegung — Staatssozialismus von W. Schröder. Naturwosenschaften von Dr. B. Borchardt.— Reihrswissenschaft von O. Lang.— Bildende Kunst von 2. Stern. Technik von Dr. H. Lux. Als künstlerische Beigabe enthält das Heft ein Porträt von Richard Dehm gezeichnet von Hans Wildermann. und Gearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnittmannsaktur, Dresden=R. keichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch a 60 Pf. daselbst erhältlich. Von jeher hat die Kindermode ihre Anregungen aus der Mode der Großen geschöpft. Am deutlichsten läßt sich das an den Kinderbildnissen altniederländischen und altspanischer Maler beobachten, deren Kinderfiguren mit ihren Krinolinen= oder langen Faltenröcken, dem in die Schnürbrust gepreßten Oberkörver und dem gepuderten Haar, getreue Kopien ihrer Mütter sind. Und wie unkindlich wirken sie, diese kleinen Geschöpfe, denen wir ob der unbequemen, ungesunden Tracht unser Mitleid nicht versagen können! Von einer wirklichen Mode für Kinder kann da also kaum die Rede sein. Und wenn wir heute um 50 Jahre zurückgehen, so ist das Bild der damaligen Kindermode nicht weniger komisch: die Mädchen in den oft von oben bis unten mit Falbeln überladenen Krinolinröcken, ausgeschnittenen Taillen, Fichus, die Knaben in langschößigen Röckchen und langen Beinkleidern, lauter Tämchen und Herren, nur keine Kinder! Und heute? Heute haben wir endlich eine Kindermode, die die Kinder wirkliche Kinder sein läßt (die es ihnen erlaubt, sich frei vom Zwange ungesunder Das Mavl einer Riesenschlange. 4 ####5 8 S S 6 WSSEELTS 3 3 EEEES 2 2SST = 5•—= B S 8. * S— .*.-geneeen = SEE S.-FEn S SSEn Fflvol —— an* a.— U..• " □ .8— ** S — 80 =SenaraS 9.— EUNIOE SESESANRN OOÖOHNGNN begielegg SS 1 SSSSESS 2·. 8 i 5 SScc ""*— „ SWEEEES.L 42 3.4 Nur ein Dienstmädchen. Weihnachtserzählung von A. Asten. O, wie billig hier, Zappelmänner aus Papier, so klang es mit dünnem, heiserem Stimmchen von den blaugefrorenen Lippen eines kleinen, achtjährigen Mädchens, das dicht an eine Bude gedrängt, seine Ware anpries und mit flehenden Augen zu den Vorübergehenden aufschaute Aber niemand hörte auf das zitternde, im Geschrei der Budeninhaber und dem fröhlichen Schwatzen der Menge verhallende Stimmchen, und achtlos schritt alles an dem weinenden Kinde vorüder Fröstelnd hüllte es sich in das dünne, vielfach geflickte, aber saubere Mäntelchen und blies in die erstarrten Hände, traurig auf die vorüberwogende Menge blickend Wieder erhob das Mädchen seine Stimme und gar rührend klang seine Bitte: „uch, lieber Herr, kaufen Sie mir doch etwas ab,— Mütterchen ist so krank und wir haben kein Brot im Hause!“ Alles vergeblich, nicht ein Käufer stellte sich ein Da wimmelte es ja von Buben und Mädchen auf dem Christmarkte und wenn auch der größte Teil zu dem armseligen Erwerbszweig griff, um nur ein paar Groschen nach Hause zu bringen, so sah man doch auch manchen, der wohlgenährt und fürsorglich eingepackt mit übermütiger Stimme seine Erzeugnisse feilbot, um dann die verdienten Groschen in unnütze Tändeleien oder Leckereien umzusetzen Wer sollte sich da wohl die Mühe geben, unter den wirklich Bedürftigen zu wählen? Wer wirklich etwas benötigte, nahm es von dem ersten besten; die größten Schreier machten die besten Geschäfte Das Mädchen war wieder verstummt und lehnte sich weinend gegen einen Laternenpfahl „Was weinst du denn, kleines Busselchen?“ „Mich friert,“ klagte die Kleine „Und da bleibst du auch noch hier stehen?“ Geh' doch nach Hause!“ „Ich kann nicht, habe ja noch nichts verkauft!“ schluchzte das Kind „Ach du lieber Gott!“ grollte das Dienstmädchen und rieb die kleinen, eiskalten Händchen „Und da schickt man so'n kleines Ding hinaus, während sichs die Eltern hinterm warmen Ofen wohl sein lassen“ „Ach nein, liebes Fräulein,“ versetzte die Kleine,„wir haben gar kein Holz zum Feuer machen; denn Mutter ist krank und kann nichts verdienen und Vater ist schon lange tot!“ „Du armes Wurm“, fuhr das Mädchen fort,„das ist freilich recht traurig und wenn das die Leute wüßten, wärst du längst deine Pappemänner los— Na, warte, vier Stück will ich dir abkaufen: die kann ich schon verwenden Gieb mal her!"— Freudig knüpfte das Kind das Verlangte los und blickte dankbar zu dem Mädchen auf Dieses hatte inzwischen sein Geldbeutelchen vorgeholt und wollte eben dem Kinde fünfzig Pfennige geben; da besann sie sich und steckte das Geld wieder ein„Was ist dem Kinde mit fünfzig Pfennigen geholfen?“ murmelte sie für sich hin— „Heut, wo mich meine gute Herrschaft so reichlich beschenkt hat, kann ich schon mal was drauf gehen lassen": „Komm, Kleine, behalt nur deine Männer, wir wollen zu Muttern gehen!“— Freundlich schob sie das Kind durch den Trubel, hier und da stehen bleibend und Kleinigkeiten erstehend, die ein Kinderherz erfreuen Auch ein Bäumchen, Lichter, Aepfel und Nüsse kaufte sie und schritt dann mit der Kleinen freudigen Herzens der bezeichneten Wohnung zu Es war ein gar armseliges Häuschen, in dem die Witwe Müller wohnte, und fast atemlos langten beide in dem niedrigen Dachstübchen an Freilich, recht dürftig sah es hier aus, nur das Notdürftigste war vorhanden, aber sauber und reinlich gehalten das sah man auf den ersten Blick Eine bleiche verhärmte Frau richtete sich im Bett empor „Bis du endlich da, Trudel und hast du etwas verkauft?“— „Ach nein, Mutter— bei dem Trubel!“ entgegnete das Kind „Nur gut, daß ich das arme Wurm gefunden habe" Mit schweren Tritten trat ein Mann ein und brachte Holz und Kohlen Dann ging er wieder. „So, jetzt wollen wir erst mal'n ordentliches Feuerchen machen; hier ists ja entsetzlich kalt,“ sagte der Gast Und bald knisterte es gar lustig in dem kleinen Ofen, bald eine wohltuende Wärme in dem Zimmer verbreitend Stumm hatte die Kranke dem Beginnen des Mädchens zugeschaut „O, wie gütig Sie sind, mein Fräulein! Wer führte Sie zu uns?“ „Bleiben Sie nur ruhig liegen, gute Frau“,— wehrte diese ab:„Eine Weihnachtsfee bin ich nicht, noch weniger ein Fräulein, nur ein Dienstmädchen Deswegen brauchen Sie sich aber nicht zu ängstigen; ich geb's gern, wenn ich auch keine reiche Dame bin! „Und nun komm, Trudel, jetzt wollen wir auch etwas zu essen holen!“ Schwerbeladen kam sie bald darauf wieder, Brot, Butter, Fleisch, Kaffee, brachten sie mit An alles hatte das Mädchen gedacht „Trudel kommt auch gleich", wandte sie sich an die vor Freude schluchzende Frau,„wollte nur inzwischen das kleine Bäumchen schmücken!“ Geschäftig deckte sie den Tisch, zündete das kleine Bäumchen an und legte einige kleine Geschenke darunter Klein Trudel war gar verwundert, als es in das hellerleuchtete Stübchen trat und laut jubelte sie auf, als sie das hübsche Püppchen und den schönen Pfefferkuchen erblickte „Mama, das ist gewiß das Christkind?“ frug sie und schaute mit leuchtenden Augen zu dem Mädchen auf „Jawohl, Trudel," lächelte die Mutter unter Tränen„Geh' nur und bedanke dich bei ihm!“ Schüchtern, mit gefalteten Händen trat die Kleine näher, aber das Mädchen nahm sie auf den Arm und küßte sie „Laß nur, Trudel,“ sagte sie bewegt Jetzt wollte ihr auch die Mutter danken, sie mochte davon aber nichts wissen. „Wozu denn, Frau Müller? Wenn mich der liebe Herrgott zu seinem Christkind ausersehen hat, wird er schon wissen, warum und mirs gutschreiben. „Nun, will ich aber gehen, denn mein Heinrich erwartet mich. Und wenn Sie gesund sind, besuchen Sie mich mal; vielleicht kann ich Ihnen Arbeit verschaffen. Dann wäre Ihnen gleich geholfen!"— „Gott segne Sie,“ schluchzte die Kranke. „Also Kopf hoch, Frau Müller,'s wird schon wieder besser werden. Fröhliche Weihnacht!“ Und stillbeglückt ging das Mädchen von dannen. An diesem Abend vergaß Mutter Müller alle Sorgen und allen Schmerz. Sein Geburtstagkuchen. Humoreske von Clara Tüsterhoff. „So,“ sagte er stolz,„hier ist auch mein Kuchen. Das ist ein Kirschenkuchen, wie er sein muß!“ Seine Frau nahm das Seidenpapier ab, das der Nachbar darüber gebreitet hatte.„Ah, eine Karte,“ sagte sie und beugte sich näher hinab, um sie lesen zu können. Laut las sie vor: Sehr geehrter Herr Arnold! Kirschen konnte ich leider nicht mehr auftreiben. Ich schicke Ihnen daher einen Pflaumenkuchen. Es wird Ihnen ia wohl nichts ausmachen. Gut ist er. Ihr ergebenster F. Schimmelpfennig, Bäcker.“ Ist es sehr zu verwundern, daß die Eingeweihten unter den Gästen vor unterdrückten Lachkrämpfen zu ersticken drohten, und daß der Hausherr, sobald er nun„seinen“ Kirsch=, ach nein, Pflaumenkuchen glücklich niedergesetzt hatte, für geraume Zeit unsichtbar wurde? Bäcker Schimmelpfennig aber, auch das ist kaum zu verwundern, war durch seinen Geniestreich einen Kunden losgeworden. Der Geburtstagskuchen war das letzte, was er für seinen Nachbar Arnold zu liefern hatte. — Praktisch. Dorfbader zu seinem neuen Lehrling): „Daß du's weißt, bei mir herrscht Ordnung und Reinlichkeit!.... Hier sind vier Nägel— an jedem hängt ein Handtuch. Das erste g'hört für'n Herrn Pfarrer, das zweite für'n Herrn Lehrer, das dritte für'n Bürgermeister und das vierte für die übrige Kundschaft. Jeden Monat am Ersten nimmst du das vierte Handtuch weg, hängst von den drei andern jedes um einen Nagel weiter nach rechts, und an dem ersten Nagel kommt ein frisches. Verstand'n?“ 143 5X— In letzter Stunde. Roman von Hugo Ebersbach. „Taß die Dinge so liegen könnten, ahnte ich nicht,“ fuhr er mit heiserer Stimme fort;„jetzt freilich sehe ich die Notwendigkeit ein, der Behörde von dem Vorfall Anzeige zu machen Ich werde das ohne Verzug tun. Ter Verbrecher muß verfolgt werden! Sobald die nötigen Schritte geschehei sind, komme ich zu Ihnen.“ Er eilte hinaus. In dem Blick, welchen der Kommerzienrat ihm nachsanote, spiegelte sich weder Freundschaft noch Wohlwollen. „Haben Sie Mitleiz mit ihm,“ bat die Witwe; „er hat der Versuchun nicht widerstehen können, aber es wird ihm eine Lehre scin, die er gewiß niemals vergißt. Glauben Sie ihm! Was er Ihnen gesagt hat, ist Wahrheit; davon bin ich fest überzeugt, wenn ich auch nicht verstehe Hossentlich wird der Gauner verhaftet und das Geld bei ihm gefunden; was daran fehlen sollte, werden wir ersetzen, müßte ich auch bei meinen Verwandten an den Knieen darum betteln.“ Der Commerzienra fuhr, tief aufatmend, mit der Hand über die Augen. „Der Verlust des Geldes ist es nicht, was mich so tief betrübt,“ sagte er:„ich könnte die Summe verschmerzen. Aber daß ich in meinem Vertrauen und meinen Hoffnungen s# bitter getäuscht worden bin, das geht mir ties in's Herz.“ „Machen Sie iyr nicht unglücklich!“ „Wird er es, so n; dies seine eigene Schuld; mich kann wohrlich kein Vorwurf treffen. Sie wissen, welch' treuer Freund ich Ihrem Gatten gewesen bin; ich übertrug nach seinem Tode die ganze Freundschaft auf seinen Sohn—“ „Und dafür werde ich Ihnen danken, so lange ich lebe!“ „Den Tank, welchen ich erwartete, habe ich nicht geerntet; aber das Andenken an seinen ehrenwerten Vater schützt auch jetzt noch den Undankbaren. Er mag heute noch abreisen— ich werde ihn nicht verfolgen lassen; aber sagen Sie ihm dabei, daß ich ihn nie wieder zu sehen wünsche.“ „Sie glauben an seine Schuld?“ fragte Frau Winkel bestürzt. „So lange er nicht das Gegenteil beweist, muß ich ihn für schuldig halten, erwiderte er in hartem Tone. „Mögen Sie es tun— ich kann's nicht! Wohl muß ich zugeben, daß er nicht ganz frei von Schuld ist, aer— „Sie glauben an da Märchen?“ fiel Steinfeld ihr ins Wort, indem er seige Hut nahm.„Ich begreife das:— Hugo ist Ihr Sohn und das Mutterherz findet immer Gründe, welche den Fehltritt des eigenen Kindes entschuldigen. Wie ich aber über die Sache denke wissen Sie nun; ich wiederhole Ihnen, daß es nicht in meiner Absicht liegt, Ihren Sohn verfolgen zu lassen, wenn er es für ratsam hält, dieser Stadt den Rücken zu wenden.“ Er reichte ihr die Hand und verließ das Zimmer. Laut schluchzend sank die schwergeprüfte Frau in die Sofaecke zurück. Der Commerzienrat hatte nach seiner Heimkunft eine lange Unterredung mit dem alten Buchhalter gehabt; jetzt schritt er in seinem Kabinett mit großen Schritten auf und nieder. Er war zu sehr erregt, um sich der Arbeit zu widmen Seine Gedanken hasteten an dem Rätsel, dessen Lösung er vergeblich suchte. Und je länger er darüber nachdachte, desto klarer ward es ihm, daß die Mitteilungen Hugo's keinen Glauben verdienten. Johann meldete den Besuch des Gerichtsrats Sommer an. Der Bankier wa; mit diesem Herrn, der als Untersuchungsrichter fungierte, befreundet. „Coeben war Ih Kassierer bei mir,“ sagte der Gerichtsrat eintretend;„das ist ja eine ganz fabelhafte Geschichte, die er mir erzählt hat.“ „Finden Sie da auch?“ fragte Steinfeld, während er ihm einen Sessel anbot.„Ich zerbreche mir schon seit zwei Stunden den Kopf darüber, was ich von dieser Geschichte halten soll; ic kann, offen gestanden, nicht klug daraus werden.“ Ein bedeutsames Lächeln umspielte flüchtig die Lippen des Richters; c. nahm seine Brille ab, hauchte auf die Gläser und rie“ sie mit dem Taschentuch. „Ich habe mich sofo auf den Weg gemacht, um von Ihnen das nähere## hüren,“ erwiderte er.„Welches Zeugnis stellen Sie de jungen Manne aus?“ „Das beste!“ „In der Tat? Das hatte ich nicht erwartet. Sollte er keine Leidenschaft haben, deren Befriedigung namhafte Summen kostet?“ „Wäre dies der Fall, so wurde es mir nicht verborgen geblieben sein," erwiderte der Bankier kopfschüttelnd.„Tus warme Interesse, welches ich stets an diesem Manne genommen habe, veranlaßte mich, ihm meine vollr Aufmerksamkeit zu widmen, und hätte ich nur den leisesten Grund zur Unzufriedenheit gefunden, so wurde ich ihm gegenüber kein Hehl daraus gemacht haben. Er war auf seinem Posten treu, gewissenhaft und zuverlässig, im Privatleben einfach und nüchtern. Ich glaube nicht, daß irgend Jemand irm ein anderes Zeugnis ger; konn.“ „Aber Sie werden doch auch zugeben, daß seine Mitteilungen über die Ereignisse des gestrigen Abends sehr unglaublich klingen“. Dieser große Unbekannte, dem alle Schuld zugeschoben wird, spielt in den Unter 2 1 S Sst Se S □ S25 85E S. SSEEEOEESAEE EERRRBRR 8 3.2 suchungsakten eine hervorragende Rolle: er wird oft verfolgt und niemals entdeckt; und unter uns gesagt, die Geschichte Ihres Kassierers zeugt noch nicht einmal von großer Erfindungsgabe.“ „Glauben Sie wirklich, daß Sie erfunden sei?“ „Vou A bis 8.“ „So werden Sie den französischen Flüchtling nicht verfolgen lassen?“ „Das wohl, ich habe die nötigen Befehle bereits gegeben, aber Sie weroen sehen, es sind nutzlose Bemühungen, die man sich besser ersparte.Qu est la semme? sagt der Franzose, ich möchte auch diese Frage aufwerfen. Der junge Her erklärt, er sei wegen einer Summe von zweitausen. Talern in großer Verlegenheit gewesen, will aber keine näheren Mitteilungen darüber machen—“ „Ich glaube, diesen Punkt erläutern zu können,“ erwiderte der Commerzienrat.„Der Bruder meines Kassierers ist Secondelieutenant, und wie ich höre, soll dieser Herr sehr verschuldet sein.“ „Spielschulden?“ „Wahrscheinlich; ich glaube, mit ziemlicher Sicherheit annehmen zu dürfen, daß Hugo Winkel sich der Schulden seines Bruders wegen so große Sorgen machte.“ „Und gesetzt, diese Annahme sei richtig: welche weitere Folgen lassen sich daraus ziehen?“ sagte der Gerichtsrat. „Es gelang ihm nicht, sich das Geld zu verschafsen; wollte er seinen Bruder retten, so blieb ihm nichts anderes übrig, als einen Griff in die ihm anvertraute Kasse. Ob er nun viel oder wenig nahm: seine Existenz wurk durch dieses Verbrechen bedroht. Deshalb zog er es vor, so viel zu nehmen, daß er die Felgen ohne Sorge um die eigene Zukunft erwarten konnte. Vielleicht glaubte er auch, durch das Märcheni Sie zu täuschen; vielleicht vertraute er darauf, daß Sie sich mit seiner Entlassung begnügen und die Sache nicht weiter verfolgen würden; in jedem Folle aber besaß er eine Geldsumme, die ihn über sein ferneres Schicksal beruhigte.“ Ter Commerzienrat stond am Fenster und blickte gedankenvoll auf den großen, sorgsam gepflegten Garten hinaus. „Ich möchte das alles doch nicht so bedingungslos unterschreiben,“ entgegnete er;„ich meine, er würde in diesem Falle eine ressere Geschichte ersonnen haben. Er konnte ja behaupten man habe ihn überfallen und ihm die Schlüssel geraubt—“ „Vielleicht dachte er, die Geschichte, wie er sie erzählt hat, klinge wahrscheinlicher. Als er mich verließ, ertlärte er, auch der Polizei die Anzeige zu machen: die Beamten sollten den Franzosen in den hiesigen Gasthösen suchen; ich glaube, daß er auf diesem Wege bleiben wird.“ „In Gottes Name ich will auf seine Bestrafung verzichten!“ „Aus besonderer Gründen?“ fragte der Gerichtsrat; der seine Ueberraschung nicht verbergen konnte. „Sein Vater war mein Freund, und seiner Mutter möchte ich den Schm:: ersparen, den Sohn im Zuchthause zu wissen Zudem wäre es mir auch nicht lieb, wenn diese fatale Geschichte mit allen Glocken ausgeläutet uno später in öffentlicher Gerichtsverhandlung verhandelt würde Es gib, immer Leute, die aus solchen Vorfällen Kapital schlagen und ihre eigenen Vermutungen daran knüpfen; eben das möchte ich vermeiden" Ter Gerichtsrat rückte die Brille dichter vor die blitzenden Augen und schüttelte unwillig das Haupt „Man kann auch zu milde verfahren,“ sagte er, „und es ist immer heilsam, wenn die Gelegenheit, ein Exemxel zu statuiren, benutzt wird. Bitte führen Sie mich ins Kassenzimmer; eine kleine Lokalbesichtigung kann niemals schaden“ Steinfeld kam dem Verlangen nach. Der Untersuchungsrichter besichtigre alle Schlösser, warf einen Blick in den Geldschrank und richtete einige Fragen an den Diener, welche dieser nicht befriedigend zu beantworten wußte. Er war oamit eben fertig geworden, als die Tür hastig ausgemacht wurde und Hugo eintrat. Er stutzte, als er den Untersuchungsrichter sah; er befand sich überhaupt in einer Erregung, die es ihm schwer machte, seine Fassung zu behaupten. Die beiden Herren kehrten in das Kabinet zurück, Hugo folgte ihnen. „Haben Sie die Anzeige bei der Polizei gemacht?“ wandte sich der Richter zu ihm.„Ich glaube nicht, daß Sie etwas damit erreichen werden; sind Ihre Angaben wahr, so wire der Franzose sich schon gestern Abend aus dem Staube gemacht haben, und wie ich Ihnen bereits sagte, verspreche ich mir von seiner Verfolgung nicht das geringste Resultat.“ Ter junge Mann stützte sich auf die Lehne des Sessels; sein Blick ruhte finster und vorwurfsvoll auf dem Redenden. „Das heißt mit anderen Worten: Sie glauben nicht an die Wahrheit meiner Mitteilungen?“ sagte er. „Wollen Sie mir noch einige Fragen beantworten?“ „Jede, Herr Rath!“ „Wann verließen Sie gestern Abend dieses Haus?“ „Kurz vor sieben Uhr.“ „Und wann trafen Sie mit dem Franzosen in dem Gehölz zusammen?“ „Eine halbe Stunde später.“ „Nehmen wir nun an, der Franzose habe Ihnen die Schlüssel geraubt, so hätte er keinesfalls vor acht Uhr hier den Tiebstau! ausführen können,“ sagte der Gerichtsrat, indem er an der Brille rückte und den jungen Mann fest anschaute;„dann aber hat das Geschäftspersonal sich längst entfernt, und das Haus ist geschlossen. Auf welchem Wege sol der Dieb nun in das Haus gelangt sein? Spuren eines Einbruchs sind nicht entdeckt worden, und Sie selbst geven zu, keinen Schlüssel zur Haustöre besessei, zu haben.“ „Gestern abend war das sehr wohl möglich,“ erwiderte Hugo;„der Kommerzienrat gab ein Souper, und an solchen Abenden wird die Haustüre nicht geschlossen. Einem Manne, der dieses Wagnis unternehmen wollte, konnte es also nicht schwer fallen, sich in das Haus hineinzuschleichen, die Türe des Kassenzimmers mit dem bei mir gefundenen Schlüssel zu öffnen, und hinter sich wieder zu schließen. Tann hatte er Zeit genug, den Geldschrank auszuräumen.“ „Konnte das Alles unbemerkt geschehen?" fragte der Richter den Kommerzienrat.„War der Hausflur nicht hell beleuchtet, und standen dort nicht Diener, um die Gäste zu empfangen?“ „Beides,“ erwiderte Steinfeld,„aber der Dieb konnte immerhin die Gelegenheit abwarten, ich muß diese Möglichkeit zugeben. Herr Winkel war ebenfalls zu dem Souper eingeladen, er lehnte die Einladung ab.“ welchen Gründen?“ wandte sich der Gerichtsrat zu dem jungen Manne. „Weil ich die Zusammenkunft mit dem Franzosen verabredet hatte.“ „Und Sie wollen uns keinen Aufschluß darüber geben, zu welchem Zwecke Sie der zeitausend Taler bedurften?“ „Ich darf es nicht, und für die Untersuchung wäre dieser Aufschluß auch ganz wertlos.“ Fortsetzung folgt. * 8 Se SSE: Eine Schicksalsphotographie. Novelette von Clara Düsterboff. Im pholographischen Atelier von Alfred Rösner befand sich ein neuer Kunde, der mit ungewöhnlichen Launen behaftet sein schien. Er war offenbar ein reicher Mann, stellte aber von vornherein die Bedingung, nicht eher einen Pfennig zu zahlen, als bis er ein Probebild gesehen habe und mit ihm zufrieden sei. Und als der Photograph, widerwillig genug, darauf eingegangen war, nahm er zur Aufnahme eine nicht nur ungebräuchliche sondern geradezu unschöne Stellung an, so daß Rösner erklärte, in dieser Weise könne er ihn unmöglich photographieren. Er legte nämlich die rechte Hand quer über die Brusttasche seines eleganten Rockes, daß es aussah, als wolle er sie vor. Dieben schützen. „Warum wollen Sie mich nicht so darstellen?" fragte er scharf.„Ich dächte, das wäre meine Sache, nicht die Ihre" „O, durchaus nicht,“ gab Rösner ihm zur Antwort, der Photograph gibt auf jedem Bilde seine Firma an. Es kann ihm nicht gleichliltig sein, wenn er eine völlig ungeschickte Aufnahme mit seinem Namen decken soll.“ „Unsinn! Ich habe meine Gründe, weshalb ich mich gerade so will abnehmen lassen. Gehen Sie darauf nicht ein, so suche ich einen anderen auf.“ Kopfschüttelnd gab Rösner unter den Umständen den Kampf gegen die Marotte des wunderlichen Mannes auf: die schauderhafte Stellung mit zugedeckter Brusttasche wurde von der unbestechlichen Platte festgehalten. Das erzielte Bild war großartig gelungen. Mit Genugtuung erwartete Rösner an dem festgesetzten Tage den Besuch seines eigensinnigen Auftraggebers, der das Probebild in Augenschein nehmen und, wenn es ihm gefiel, die ausbedungene Summe zahlen wollte. Wer aber nicht tam, war Herr Klitzinger, so hieß der Besteller, und da er die Bilder zum Geburtstagsgeschenk für seine Adoptivtochter haben wollte, wie er nach Schluß der Sitzung geäußert hatte, dieser Geburtstag aber sehr nahe war, so schrieb der Photograph Herrn Klitzinger, er möge doch kommen und das Probebild prüfen, damit die Bilder rechtzeitig fertiggestellt werden könnten. Der Brief kam mit dem postalischen Vermerk zurück: Adressat verstorben. „Da haben wir die Strafe für die leichtsinnige Ausführung einer Bestellung ohne Vorausbezahlung,“ sagte Rösner ärgerlich zu seinem Assistenten.„Jetzt kann ich das Geld in den Rauchfang schreiben. Und nicht einmal zur Schaukastendekoration kann ich das Bild mit der verrückten Handhaltung verwerten, so sehr es sich sonst dafür eignete.“ Nicht lange darauf befand sich Rösner in einem befreundeten Familienkreise und war dort Zeuge eines Gesprächs zwischen der Hausfrau und einem andern Gaste.„Ist nicht Ihre Freundin Alice jetzt in den Besitz eines großen Vermögens gekommen?“ erkundigte sich der Gast „Ach nein, die arme Alice!“ war die bedauernde Auskunft der Wirtin.„Denten Sie sich, sie geht ganz leer aus.“ „Aber wie ist das möglich? Ihr Adoptivvater ist doch gestorben und es hieß ja immer, er habe sie zur Universalerbin bestimmt?“ „Das hat er sicherlich auch getan, aber das Testament ist nicht zu finden und ein Neffe, der sich sonst nie um ihn bekümmert hat, beansprucht die ganze Hinterlassenschaft für sich.“ „Hat man denn gar keinen Anhaltepunkt für den Versteck des wichtigen Dokuments?“ „Den glaubte man auch zu haben, denn der Verstorbene hatte immer gesagt, er trage das Testament stets mit sich herum, damit nicht gar einmal bei einem etwaigen Unfall, der ihn treffen könne, seine geliebte Alice um das ihr Zugedachte komme. Natürlich suchte man vor allen Dingen sämtliche Kleidungsstücke durch, die er zu tragen pflegte, aber nirgends war eine Spur von dem Testament zu entdecken. Der alte Herr Klitzinger war leider ein sehr schrullenhafter und unzulänglicher Mensch, er pflegte sich nie auszusprechen.“ „Herr Klitzinger?“ mischte sich hier der Photograph ein, den jetzt die Sache zu interessieren anfing.„Wohnte der Mann da und da?“ „Ja, allerdings,“ bestätigte die Wirtin.„Kannten Sie den Herrn?“ „Ich habe kurz vor seinem Tode eine Aufnahme von ihm gemacht, und es wäre vielleicht nützlich, wenn seine Adoptivtochter sich einmal in mein Atelier bemühte, um das Bild in 3,3 Augenschein zu nehmen," erwiderte Rösner, dem plötzlich die unbegreifliche Handhaltung des Verblichenen eine Bedeutung zu gewinnen schien. „Das, will ich ihr gern bestellen,“ sagte Alices Freundin. Gleich am nächsten Tage erschien in dem photographischen Atelier eine junge Dame in tiefer Trauer, die sich als Herrn Klitzingers Adoptivtochter vorstellte.„Ich höre, daß Sie ein Bild meines besten Freundes noch kurz vor seinem Tode aufgenommen haben,“ sagte sie. „Jawohl, gnädiges Fräulein,“ erwiderte er,„und ich kann den Gedanken nicht loswerden, daß möglicherweise dies Bild das Mittel werden könnte, Ihnen zu dem verschwundenen Testament zu verhelfen.“ Damit legte er ihr das Bild vor, das sie mit großer Rührung betrachtete. „War es seine gewöhnliche Manier, die Hand in dieser Weise quer über die linke Brust zu breiten?“ erkundigte sich der Photograph. „Das glaube ich nicht,“ versetzte sie sinnend,„es müßte mir doch aufgefallen sein.“ „Ich dachte es mir. Wie er selbst sagte, verfolgte er eine bestimmte Absicht damit. Ich meine, er wollte Ihnen durch diese absonderliche Unterbringung der Hand einen Hinweis auf den Versteck des Testamentes geben.“ „Aber ich habe seine ganze Gaderobe aufs peinlichste durchsucht, es ist nirgends eine Spur von dem Dokument aufzufinden gewesen,“ versicherte sie. „Haben Sie die Brusttaschen aufs Korn genommen?“ „Es ist nichts übersehen worden,“ versicherte sie noch einmal.„Uebrigens ist der Rock, den er auf diesem Bilde trägt, der neueste, den er sich hat machen lassen, und ich erinnere mich, daß gerade dieser Rock überhaupt keine Brusttasche hat.“ Der Photograph grübelte einige Augenblicke nach. Dann sagte er:„Würden Sie mir nicht gestatten, mein gnädiges Fräulein, einmal den Rock zu durchforschen, den Herr Klitzinger bei Aufnahme dieses Bildes getragen hat?“ „Aber gewiß, gern,“ erwiderte die junge Dame. „Dann komme ich heute nach Schluß meiner Geschäftsstunden, um 6 Uhr etwa,“ entschied Rösner. Als er die Wohnung des Verstorbenen betrat, hatte das Fräulein mit Hilfe der Wirtschafterin schon alle Röcke, die in Betracht kommen konnten, bereit gelegt, obenauf den neuesten der keine Brusttasche besaß. Rösner überzeugte sich, daß tatsächlich die Tasche wohl durch Nähte markiert, aber nicht vorhanden war. Er kniffte und tastete an dem feinen Stoffe umher „Halt! Da knistert etwas! Darf ich die Naht hier auftrennen?“ „Bitte!“ Schon hatte er sein Taschenmesser hervorgeholt und brachte sorgsam eine Oeffnung zustande. Das junge Mädchen sah ihm mit atemloser Spannung zu Die Erwartung einer bevorstehenden glücklichen Lösung ihrer Wirren zauberte ein anmutiges Rot auf ihre bleichen Wangen. Der Schlitz im Rock war nun so groß. daß der Photograph die Hand hineinstecken konnte. Er ging tastend dem leisen Knistern nach.„Wahrhaftig, die Brusttasche ist ganz regelrecht da, bloß nicht von außen erreichbar,“ sagte er triumphierend. Noch ein paar Schnitte mit dem Messer und das Geheimnis war ergründet: aus der bloßgelegten Tasche kam ein sorglich versiegeltes Schreiben zum Vorschein. „Mein Testament“ stand mit großen Buchstaben als Aufschrift auf dem Umschlage Im nächsten Augenblick war das Kuvert aufgeschnitten und Alice hielt das schmerzlich vermißte Schriftstück in ihren zitternden Händen Sie konnte vor Tränen kein Wort unterscheiden. „Lesen Sie!“ bat sie Es war ein unantastbares Testament, das der Photograph ihr vorlas Bis auf einige Legate an seinen Neffen und an entfernte Verwandte sowie an seine Haushälterin war die ganze Hinterlassenschaft des alten Herrn„seiner herzlich geliebten Adoptivtochter Alice“ vermacht worden. Der Neffe Klitzingers, der nun doch um die schon für sicher gehaltene Erbschaft kam, versuchte, die„lumpigen paar tausend Mark“ die ihm zugefallen waren, zu verhundertfachen, indem er keck um Alices Hand bat. Die schöne, kluge Erbin ließ ihn jedoch mit verdienter Kälte ablitzen Dagegen bildete sich zwischen ihr und Rösner bald ein freundschaftliches Verhältnis heraus, das nach einigen Monaten zur Verlobung und nicht lange darauf zur Hochzeit führte Allem üblen Anschein zum Trotz hatte sich die schrullenhafte Aufnahme des Sonderlings schließlich als eine sehr wohltätige „Schicksalsphotographie“ ausgewiesen