Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und gesetzl. Feiertage. e ins Hout, nd dem se ro Monat, Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inserate boto!, ia, Biktor Schanzer, Dortmund. verbunden für mit dem Dortmund u. Hörde und der täglichen Unterhaltungsbeilage sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Pfg. Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Pfg. Beilagen nach Uebereinkunst. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt binsällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann, Dortmund. Erstes Blatt. Hepdebrand. Wie ein Nachhall aus vergangener Zeit klingt es, wenn man die einleitenden Ausführungen der groden Rede liest, die Herr von Heydebrand und der Lasa auf der hannoverschen Tagung seiner Partei gehalten hat. In einer Provinz, in der die Gegensätze zwischen Konservativen und Nationalliberalen so scharf sind wie nirgend sonst, beginnt der Führer der Konservativen seine Rede mit einer ostentatiden Anerkennung der großen Verdienste, die sich die nationalliberale Partei speziell in Hannover erworben habe. Und was hier von den Nationalliberalen gesagt ist, wird sehr bald auch auf die anderen Liberalen ausgedehnt:„Wir haben jetzt große gemeinschaftlich Pflichten zu erfüllen und wir wissen wohl, was die großen liberalen Parteien für unser Vaterland zu bedeuten haben". Liest sich das nicht beinahe wie eine Blockrede, eine Einladung zu einem neuen Versuch mit der konservativ=liberalen Paarung? Herr von Heydebrand meint es sicherlich nicht so; was ihm vorschwebt, ist nicht der alte BülowBlock, der zu einer gewissen Kampfstellung gegen das aguarisch=konservative Zentrum zwang, sondern eine feudal=klerikal=nationalliberale Koalition mit der Spitze gegen die Sozialdemokratie und unter Kaltstellung des entschiedenen Liberalismus. Deshälb die Beschränkung des Heydebrandschen Lobes auf die großen liberalen Parteien und deshalb die Hervorhebung:„Wir haben einen gemeinsamen Feind, der energisch an der Tür unserer ganzen Staats= und Gesellschaftsordnung rüttelt". Dieser antisoziäldemokratische Block wäre in der Tat die beste Rettung der Konservativen aus den schlimmen Nöten, in denen sie sich seit der Reichsfinanzreform besinden. Die konservative Tonart ist seither ja bei den verschiedensten Gelegenheiten so milde und lockend geworden! Unverbesserliche Draufgänger wie Dr. Hahn und der Januschauer Oldenburg werden von dem ersten Führer der Partei in kaum noch verhüllter Form gerüffelt. Der„scharfen, schneidigen Klinge" des Dr. Hahn wird eine gnädige Redefloskel gewidmet, aber sofort hinzugefügt: damit sei es nun genug und man müsse sich jetzt wieder zu verständigen suchen. Und aus den rednerischen Exzeß des Herrn von Oldenburg bezieht sich die feierliche Beteuerung, daß die konservative Partei an den verfassungsmäßigen Rechten des Volkes nicht rütteln lassen wolle.„Wir haben eine Empfindung dafür, und wir glauben, daß in unserer modernen Zeit eine Beschränkung dieser Rechte nicht am Platze ist. Wir wünschen ein freies Volk; wir wissen, daß auch in der Freiheit sich eine starke Autorität bewähren kann.“ Ein freies Volk? Es sind falsche Töne, die diese Rede in die preußisch=konservative Musik hineinbringt. Eben ist Die Kinder des Sträflings. Roman von A. Sinowka. 20 Die deutsche Heimat verschwindet in nebelhaften Ferhin;5: Abirien, die weite, unendliche Taiga ist fernervon an=lieins Wohnhaus treten will, sieht sie Scharen g annern, Frauen und Kindern sich vor dem nächstestaeen Gebäude, dem Warenhaus, drängen. Zum von#edie in diesem Jahr wird heute ein Trupp aute, funszig Arbeitern nach dem etwa dreißig Werst wireinten Schurffeld gesandt, und nach alter Sitte beman die Leute vor dem Auszug mit Branntfuseligag#u# wie das sibirische Landvolk das starke se Getränk nennt. Neugierig tritt Dora näher und erhale der der Schürfer ein großes Glas voll ma####er Rest wird in der großen, offenen Halle des anderns auf Flaschen gezogen, die man nebst Schürs,##n#mitteln auf Schubkarren ladet. Denn die viant ud iben mehrere Wochen fort und nehmen Proräumiggs m.“ acht Tage erneuert wird. Ein genen i' Blockhaus, in dem sie während der Zeit wonTagen 1# 28“ zuvor errichtet worden.. vor wenigen Kindern L. Herrn Niegowo, Gregor und den nehmen a: dewesen, um den Bau in Augenschein zu chen nas lustige Fahrt war es, an die das Mädhen noch mit Vergnügen zurückdenkt. Arbeiter sämtlich ihr Teil erhalten. sie ihre ade“ Abschied von Frau und Kindern ziehen Branntmein Gregor, der neben dem mächtigen noch einig R steht und dem Aufseher der Schürfer nen siess Verhaltungsmaßregeln erteilt, dann orddie Dorfstras Zuge und schreiten langsam, paarweise dem Pronian: in die Taiga. Die Karren mit ren im Schrit: die von Pferden gezogen werden, fahdie Kutsch““9kan. Es sieht wunderlich aus, wie breit abstabens=i92, faltigen, roten Hemden und den Deichsel nu# pliischenen Pluderhosen fast auf der Erde berühren,“ uieotig, daß ihre Füße beinahe die „„Arbeiter hat das sogenannte„Marschlied“ eingefallen##.it rauhen Stimmen sind die übrigen -Nundum gehen wir längs dem Meere.. die Wahlrechtsvorlage Ereignis geworden, die die preußische Regierung nach agrarkonservativen Rezepten hergestellt hat: ein Werk, so bar jedes politischen Gedankens und jedes Funkens von Verständnis für die Notwendigkeit der Zeit, daß die absolute geistige Ohnmacht seiner Urheber nicht krasser dokumentiert werden konnte. Die hier gebotene neueste Frucht des preußischen Konservativismus ist für den Geist dieser politischen Richtung beweiskräftiger als der vorsichtig berechnete Reinigungseid des Herrn v. Heydebrand; sie wird, wie wir hoffen, auf die Massen, deren politische Rechtlosigkeit neu sanktioniert werden soll, so aufreizend wirken, daß die völlige Wirkungslosigkeit aller besänftigenden Redensarten schließlich auch den konservativen Machthäbern aufgehen wird. Herr von Heydebrand faßte seine politische Weisheit schließlich in die salomonischen Worte zusammen:„Wir wollen eine freie und doch gleichzeitig gebundene Entwicklung.“ Das ist eine wundervolle Formel: sie klingt halb liberal und gestattet doch ohne weiteres eine ganz reaktionäre Anwendung. Eine„gleichzeitig gebundene Entwicklung": diese reservatio mentalis hebt alle scheinbar vorangegangenen Zuständnisse an freiheitliche Auffassung in aller Form wieder auf. Das Deutsche Haus auf der Brüsseler Weltausstellung. S. u. H. Brüssel, 6. Febrnar. Die bevorstehende Brüsseler Weltausstellung, die im April d. J. eröffnet werden wird, bringt wieder die Einrichtung eines Deutschen Hauses, das schon auf der Chikagoer Weltausstellung und später auch auf der Pariser einen vollen Erfolg hatte. Als Novum wird diesmal Deutschland seine Ausstellungshallen, in die sich das Deutsche Haus als Repräsentationsraum organisch einfügen soll, mit Hilfe Belgiens selbst bauen, da die belgischen Hallen bereits stark überlastet sind. Für den Bau einzelner Hallen sind hervorragende deutsche Architekten und Künstler gewonnen worden. Die Ausführung wird direkt von Beclin aus geleitet und ist dem Architekten Otto Walter unter der Aufsicht des Reichskommissariats übertragen worden. Bei diesem Beschlusse ist man einem Vorschlage des Professors Emanuel von Seidel gefolgt, der mit dem Entwurf der Pläne für das Deutsche Haus vom Reichskommissariat betraut worden ist. Die wesentlichste Tendenz der Hallenbauten geht dahin, einen interessanten, architektonischen Abschluß zu zeigen, ohne ihren Charakter oder ihre Konstruktion irgendwie zu verleugnen. Bei den Hallenkonstruktionen wird u. a. als Neuerung ein gebogener Holzbinder verwendet, der eine Spannweite von 43 Metern ohne jede Unterstützung hat. Die Gebäulichkeiten selbst sind in der Hauptsache sehr einfach gehalten, immerhin ze'gen sie aber eine stark vornehme Tendenz und fortschrittliche moderne Tenkungsweise. In der Farbe sind sie möglichst einfach zusammengehalten: weiße Fassaden mit grauen Ziegeldächern, schwarze Säulen und teilweise Vergoldungen, die hauptsächlich an den Plastiken. Bestimmend hierfür war, daß den Bauten der holländische bunte Blumengarten vorgelagert ist und daß es möglich wurde, diese Gartenanlagen so aufzumachen, daß sie auch in ihrer Ausschmückung mit Plastiken, Bänken usw. das ganze Bild ergäuzen und heiter gestalten. Unter den Plastiken des Gartens befinden sich eine riesige Reiterfigur auf einer 18 Meter hohen Sandsteinsäule von Bildhauer Ebbinghaus, Berlin, die Produktivität darstellend, sowie Nimpfenburger Porzellanarbeiten. Das Innere des Repräsentationsgebäudes ist in seinen unteren Teilen wirkungsvoll mit Vorhallen ausgestattet. In dem Treppenhause wurde der von der Ausstellung München 1908 her bekannte Brunnen von Professor Hildebrand aufgestellt. Dem Bureau des Reichskommissars ist ein Empfangssaal vorgelagert. Die Wände werden mit Bildern von der Hand erster Münchener Künstler geschmückt. An den Empfangssaal schließt sich ein elegantes Damenzimmer an, während auf der anderen Seite des Vestibuls ein Vortragssaal eingerichtet ist. Die Treppen führen zu einem großen Repräsentationssaal, der für größere Feste direkt mit den Restaurationsräumlichkeiten in Verbindung gebracht werden kann. Der Saal ist hauptsächlich als Gewölbelösung interessant. Die Wände werden mit Damasten geschmückt werden, außerdem hat der Prinzregent, da bei der ganzen Ausstellung die Münchener Kunst so stark im Vordergrunde steht, zur Ausschmückung ausnahmsweise auch die Herkulesgobelins der Münchener Residenz zur Verfügung gestellt. Das Weinrestaurant ist in seinem ganzen Innern als Porzellansaal durchgeführt und zwar von der Porzellanmanufaktur Nympfenburg. Ein besonderes reizvolles Moment der Ausstellung dürfte das unter Bäumen liegende Münchener Haus bilden, das, von den vereinigten Münchener Brauereien ausgeführt, sowohl in seinem Aeußeren wie in seinem Innern die Münchener Architektur und Kunst speziell auf diesem Gebiete vorführt. Es ist zu hoffen, daß Teutschland durch die geplanten Bauten eine würdige Vertretung auf der Ausstellung erhält. Ausland. Belgien. Brülsel; 7. Febr. Mit einer bedeutungsvollen Angelegenheit wird sich demnächst die Devutiertenkammer zu beschäftigen haben. Es handelt sich nämlich um ihre Zustimmung zu einer gerichtlichen Verfolgung, die gegen einen der Deputierten eingeleitet werden soll. Der Abgeordnete, ein Herr Hubin, ist Sozialist, und in dieser seiner Eigenschaft als Mitglied einer die Klassenjustiz und mit ihr die bürgerlichen Gesetze gründlich verachtende Partei. hat er denn ein Verbrechen gegen die bestehende Ordnung begangen, das nach Ansicht Werfen ab des Kummers Schwere usw.“, hört man es noch von fernher schallen. Während die Frauen und Kinder der Schürfer sich schwatzend zerstreuen, eilt auch jetzt Dora ins Haus. Dort tritt Alexandra ihr entgegen.... „Sieh, was ich für Dich habe!“ ruft die Kleine, einen Brief in der hochgehobenen Hand haltend. Dora greift rasch danach. Sie hat noch nicht viele Briefe erhalten, seit sie in Sibirien ist, aber wenn es einmal geschieht, kommt sie sich förmlich wichtig vor. Dieser hier ist von ihrer liebsten Freundin aus dem Waisenhause. Was Frida wohl sagen wird, wenn sie erfährt, daß ich mich in Sibirien verheirate! denkt sie. In ihrer heutigen Glücksstimmung bringt sie ein Jegliches, das ihr begegnet, in irgend eine Beziehung zu der Geschichte ihrer jungen Liebe. Nachdem sie den Brief gelesen hat, steckt sie ihn in die Tasche, um ihn erst spät abends zu verwahren. Als sie jedoch das geheime Fach ihres Schreibpultes, in das sie ihre wenigen Schriftstücke zu legen pflegt, öffnet, prallt sie erschrocken zurück. Lidias Bild, das zusammengebundene Päckchen Briefe und das goldene Armband sind fort! Wie ist das möglich? Dora hat die Sachen vor wenigen Tagen noch dort liegen gesehen und den Schlüssel zum Pult stets bei sich getragen. Auch jetzt eben hatte sie es fest verschlossen gefunden. Dem jungen Mädchen zittern die Knie, sie schiebt das Pult rasch zu, verschließt es und legt den Schlüssel in die Schublade ihres Nachttisches. Dann kleidet sie sich in fliegender Hast aus, legt sich zu Bett und zieht das Deckbett bis zum Kinn empor, wie die Kinder es tun, wenn sie sich vor Gespenstern fürchten. Wie unheimlich das alles ist. Keinen Augenblick sicher zu sein, daß man nicht beobachtet wird, kein Plätzchen zu besitzen, das nicht untersucht wird.. schauerlich! Der Sonnenschein, der den ganzen Tag über ihr Herz gefüllt, ist gewichen, sie fröstelt und fühlt sich so verlassen, so verlassen. Doch nur für einen Augenblick. Als sie sich vornimmt morgen mit dem Geliebten von der rätselhaften Tatsache zu sprechen, fühlt sie sich sofort beruhigter, und es überkommt sie sogar so etwas wie ein gruselndes Behagen, ähnlich wie man es beim Lesen eines Spukromanes empfindet. Wer aber mag es nur gewesen sein, der die Sachen aus ihrem Pult genommen hat? Ihr erster Gedanke war Herr Niegowo,. aber bald will ihr dies nicht recht glaubhaft erscheinen. Denn wenn dieser einen Nachhlüssel zu dem Pult besitzen sollte, warum in aller Welt hat er ihn erst jetzt benutzt, warum erst jetzt die verschwundenen Gegenstände von ihrem Platz entfernt? Wenn es aber nicht Herr Niegowo gewesen ist, wer anders kann es dann gewesen sein, als Lidia? Denn Frau Niegowo ist ja viel zu phlegmatisch für dergleichen, ihr liegt so etwas gar nicht nahe. Aber Lidia, ja, das ist ganz etwas anderes. Mit dem Gedanken an das schöne, seltsame Mädchen schläft Dora ein. Einmal in der Nacht wacht sie über ein Geräusch, das ihr von draußen zu kommen scheint, auf. Sie richtet sich im Bettempor und horcht, aber nichts VerSeufzer der Erleichterung legt Dora sich Kissen zurück, um in der nächsten Minute schon einzuschlummern. Als sie am nächsten Morgen herunterkommt, findet Pferde und eine kleine Telega gestohlen sind. Unbegreif lich, wie der Dieb in den Stall und die Wagenremise hat gelangen können. Um so unbegreiflicher, als beide Räumlichkeiten am Morgen fest verschlossen waren. Offenbar hat der Dieb einen Nachschlüssel gehabt. Daß der Knecht, der im Pferdestall schläft, in der Nacht kein verdächtiges Geräusch vernommen hat, setzt niemand in Erstaunen, weil er gestern beim Branntweinabfüllen mit beschäftigt gewesen ist und vielleicht eine Flasche davon für sich beiseite gebracht hat. Dergleichen geschieht hier zu Lande bei solchen Gelegenheiten meist.. keine, noch so strenge Aufsicht vermag davor zu schützen. Dora, der ihre nächtlichen Beobachtungen einfallen, hält sich für verpflichtet, davon zu berichten. „Wo haben Sie das Pferdegetrappel zu hören gemeint?“ erkundigt sich Herr Niegowo lebhaft interessiert. „Auf der Dorfstraße,“ will Dora antworten, aber die Worte bleiben ungesprochen, denn ein ausdrucksvoller. der Staatsanwaltschaft unbedingt gefühnt werden muß, Zwar hat er sich keine hochverräterische Handlung zu Schulden kommen lassen, er hat auch kein Dynamitattentat oder eine sonstige jener Heldentaten verübt, wie sie in Belgien an der Tagesordnung zu sein pflegen, sobald das geknechtete Volk unter sozialistischer Leitung des kapitalistische Joch ein wenig zu lockern sucht. Aber er hat doch vor nunmehr sechs Monaten sich in anderer Weise frech gegen das Gesetz aufgelehnt, indem er auf einer Reise nach Brüssel in einem Abteil für Nichtraucher trotzig eine Pfeife rauchte. An die Aufforderung des Schaffners, die Pfeife wegzulegen, störte sich Herr Hubin nicht im mindesten, ja er fing hierauf sogar an, der schaffnerischen Autorität zum Trotze lich in noc dichtere Rauchwolken zu hüllen. Ein solches unerhörtes Vergehen dürfte man selbst bei einem Deputierten nicht ungestraft hingehen lassen, und auf den Antrag des Vertreters der Staatsanwaltschaft beim Friedensgerilie in Nandrin wird daher das hohe Haus der Abg neten demnächst seine Ansicht über jene Freveltat kundzugeben haben. Selbstredend werden sich bei dieser Gelegenheit die Sozialisten in endlosen Reden für ihren harmlosen Genossen und gegen die Ungerechtigkeit der bürgerlichen Einrichtungen ergehen, und die Strafe von 3—5 Francs, die Herrn Hubin im ungünstigsten Falle treffen kann, wird Tausende von Franken an Tagesgeldern für die Deputierten verschlingen. Aber was liegt hieran, wenn nur der Gerechtigkeit Genüge geleistet wird! Fiat justicias pereat mundus! Wenigstens der misera plebs gegenüber ist dieser Grundsatz in Belgien noch immer hochgehalten worden. Oesterreich=Ungarn. Wien, 7. Febr. Das Militär=Sanitätskomi kee hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, den Geisteszustand des wegen Giftmordes angeklagten Oberleutnants Hofrichter durch einen Sachverständigen untersuchen zu lassen. Die Untersuchung soll nicht allein wegen bestehenden Verdachts einer Geister störung, sondern im Sinne des Militärstrafprozesses zur Klarstellung der Angelegenheit erfolgen. Wien, 7. Febr. Wie die„Neue Freie Presse“ erfährt, sandten die Schutzmächte ihren Konsuln in Kanea eine in kategorischer Weise abgesaßte Rote zur Uebergabe an die kretische Regierung. Frankreich. Paris, 7. Febr. Die heute im Ministerrat angenommene Marinevorlage sieht für die Schlachtflotte 28 Panzerschiffe, 10 Aufklärungsschiffe und 52 Hochseetorpedoboote vor, während für die Küstenverteidigung 94 Unterwasserboote und für ausländische Stationen 10 Schiffe bestimmt sind. Die Panzer der Schlachtflotte sollen in zwei Verbände, jeder zu zwei Geschwadern, davon eines mit voller und eines mit reduzierter Besatzung, eingeteilt werden. Gesamtsumme der Auslandsspenden für Frankreich. Paris, 7. Febr. Die Gesamtsumme, die bis her vom Auslande für die Opfer der Ueberschwemmungskatastrophe eingelaufen ist, beläuft sich auf vier Millionen Frank. Die Sammlungen der Pariser Presse erreicht bis heute über drei Millionen Frank. warnender Blick Gregors hat sie getroffen, begleitet von einem unmerklichen Kopfschütteln.„Ich war zu schlaftrunken, um es bestimmen zu können,“ stammelt das Mädchen. Ein scharfer, forschender Blick Herrn Niegowos, unter dem sie dunkel errötet, fliegt über sie hin, doch sagt er nichts. Bald darauf verlassen die beiden Herren sie, um nach dem Täter zu forschen, und Dora ihrerseits sucht ihre Zöglinge auf. Hat Gregor nicht sehr blaß ausgesehen, und zitterten seine Hände nicht, wenn er die Kaffeetasse zum Munde führte? Der Vormittag vergeht in gewohnter Weise, als man sich aber zum Mittagessen versammelt, fehlt Lidia. „Berdammte lnpünktlichkeit“ murmelt Herr Niegowo verdrießlich.„Ich mag dergleichen nicht mehr länger leiden.“ Und sich zur Haushälterin wendend, befiehlt er: „Rufen Sie Lidia Ssemenowna. Ich lasse ihr sagen, daß sie augenblicklich zu Tisch kommen soll.“ Die Haushälterin entfernt sich und kehrt nach einer Weile mit betretenem Gesichtsausdruck zurück.„Lidia Ssemenowna hat die Tür von innen verschlossen und gibt auf mein Zurufen keine Antwort,“ meldet sie. Herr Niegowo springt heftig auf.„So will ich selbst gehen,“ stößt er heiser hervor. Bevor noch seine Gattin ihm ein paar beruhigende Worte zuzuflüstern vermag, ist er fort. Frau Valeska, die totenbleich geworden ist, und mit ihr alle Anwesenden hören, wie er mit der Faust an Lidias Türe schlägt und zornig ihren Namen ruft.. wieder und wieder, ohne daß sie eine Gegenantwort vernehmen. Länger vermag Frau Valeska ihre Unruhe jedoch nicht zu zügeln, am ganzen Leibe zitternd, erhebt sie sich und schwankt hinaus, die andern, voran Gregor, folgen ihr. Der Hausherr aber haut noch immer wütend auf die Türe ein, er tritt mit dem Fuß nach ihr, aber vergebens.. die starken, kiefernen Stämme wanken und weichen nicht.„Eine Axt,“ schreit er,„eine Axt!“ Schon stürzt einer der Beamten davon, um sie zu holen, im nächsten Augenblick ist sie zur Stelle, und von einem wuchtigen Hieb getroffen, springt die schwere Tüe krachend auf. 176,19 Sitzung der Stadtverordneten ms. Dortmund, 7. Februar. Die Sitzung wird abends 6 Uhr durch Herrn Stadtverornedten=Vorsteher Geheimrat Tewaag eröffnet. Ver Eintritt in die Tagesordnung widmet der HerVorsitzende dem durch einen plötzlichen Tod aus dem Oahin beschichenen SSentar Vorsigende dem burch einen Pipozich, Leben geschiedenen Senior des Kollegiums Herrn Verninghaus einen überaus warmen Nachruf. inoem er die Verdienste des Verstorbenen um die Stadt gebührend hervorhebt. Sein Andenken werde dankbar in Ehreu gehalten werden. Die Stadtverordneten erheben sich zum Andenken an den Verstorbenen von ihren Plätzen. Frau verw. Staatsminister Holle sagt für die ihr beim Ableben ihres Mannes bewiesene Teilnahme Dank. Tagesordnung: 1. Von der Wiedereinbürgerung der Familie Pri.##ishalm Wolf wir datlehrer Julius Karl Ernst Wilhelm Wolf wird Kennnis genommen. 2. Von der Hafendeputation werden durch das Los die Herren Mathies, Linde, und Asemann zum Ausscheiden Ende 1911 und die Herren Sternau, Köster, Zur Hellen zu Ende 1913 bestimmt. 3. Antrag der Herren Stadtverordneten Möller u. Gen. den Magistrat zu ersuchen, noch vor Beendigung derdiesjährigen Etatsberatung eine Aufstellung darüber verzulegen, welche Prozesse die Stadt in den letzten 3 Jahren geführt hat usw. Herr Stadtv. Möller begründet seinen Antrag, der darauf hinausläuft, den Stadtverordneten Kenntnis von dem Ausgange der Prozesse, den entstandenen Kosten usw. zu verschaffen. Der Paragraph 37 der Städteordnung gebe den Stadtverordneten das Recht, die in diesem Antrage liegende Kontrolle auszuüben. Man werde dann auch sehen müssen, wie überflüssige Prozesse zu vermeiden seien. Die juristische Kommission hätte sich zweckmäßig über die Aussichten der Prozesse zu äußern. Billiger würde die Stadt fahren, wenn sie mit Führung der Prozesse einen Ratsassessor betraue. Redner ist der Ansicht, daß sich die Stadtverordneten nicht mit städtischen Arbeiten befassen soll ten. Herrn Bürgermeister Dr. Eichhoff ist nichts bekannt, daß bereits vor zwei Jahren eine Aufstellung, wie sie jetzt von ihm gefordert werde, gegeben worden sei.. Es liege nur eine Aufstellung der Prozesse vor, die vor 14 Jahren geführt worden seien. Diese habe eine kolossale Arbeit gemacht. Schließlich habe in der Stadtverordnetenversammlung kein Hahn danach gekräht. Wenn dem Antrag des Herrn Möller stattgegeben werde, halse man dem Magistrat eine ganz enorme Arbeit auf, die viel zu groß sei, im Vergleich zu dem daraus etwa entsprießenden Gewinn. Die Aufstellung solle vor Beendigung der Etatberatung beendet sein. Das sei nicht möglich. Eine Aufstellung über den Ausgang der Prozesse sei schon deswegen zweckmäßig, um die Ansicht zu zerstreuen, daß die Stadt alle Prozesse verliere. Eine solche Aufstellung sei bereits und zwar summarisch gemacht worden, um den Stadtverordneten vorgelegt zu werden. Was eine Zusammenstellung der Kosten für einen Zweck habe, ist Redner nicht erfindlich. Ebenso die Namensnennung der Anwälte. Es isei jedenfalls hart und verkehrt, die Anwälte, die dem Plenum angehörten, auszuscheiden. Herr Stadtv. Raude hält sich für verpflichtet, zu erklären, daß Herr Möller den Antrag für seine eigene Person gestellt hat, daß die Forderung der Namensnennung der Anwälte ebensowenig gebilligt werde, wie die Begründung, die Herr Möller seinem Antrage gegeben habe. Die Heranziehung der juristischen Kommission vor Anstrengung prinzivieller Prozesse befürwortet Redner, der sich gegen den Ausschluß der Stadtverordneten von städtischen Arbeiten wendet, weil das eine Strafe für die Bürger bedeute, die als Stadtverordnete ihre Zeit der Stadt unentgeltlich widmeten. Herr Stadtv. Möller verteidigt seine persönlichen Ansichten. Es gefällt ihm nicht, daß man in der Bürgerschaft von besoldeten Stadtverordneten spreche. Herr Stadtv. Ellerbeck hat nichts von besoldeten Stabtverordneten gehört. Ein vernünftiger Bürger werde solche Aeußerungen nicht tun. Auch dieser Redner kann sich mit dem Antrag Möller nicht befreunden. Der Gewissenhaftigkeit des Magistrats, dessen Assefforen und den Anwälten könne man das Vertrauen entgegenbringen, daß sie die Prozesse ordnungsgemäß führten. Herr Stadtv. Bartels unterstützt namens seiner Freunde den Antrag Möller. Auch er ist dagegen, daß die Stadtverordneten Lieferanten der Stadt seien. Deshalb stellt er ein Amendement zu dem Antrag Möller dahin, daß eine Aufstellung gemacht würde, welche Stadtverordneten und in welchem Umfange in den letzten fünf Jahren Arbeiten für die Stadt geliefert hätten. Weitere Ausführungen über Gerüchte, die über Lieferungen von Stadtverordneten an die Stadt bei der letzten Wahlbewegung laut gewerden, verhindert der Herr Vorsitzende als nicht zu dem Thema gehörig. Herr Oberbürgermeister Geheimrat Dr. Schmieding hat in seiner langen Tätigkeit Unrichtigkeiten bei Vergebung von Arbeiten durch die Baukommission, die doch vor allem in Frage komme, nicht zu bemerken vermocht. Herr Stadtv. Möller hält seinen Antrag aufrecht, der, nachdem das Amendement Bartels zurückgezogen worden ist, mit aroßer Mehrheit abgelehnt wird. 4. Erste Lesung des Haushaltsplanes für die Armen= und Gemeindewaisenratskasse für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 988 500 Mark, in: Extraordinarium mit 800 Mark. Die Kämmereikasse hat für 1910 einen baren Zuschuß von 686000 Mark, für 1909 von 647500 Mark zu leisten. Der Mehrzuschuß von 38500 Mark gründet sich in der Hauptsache auf das Mehrbedürfnis in der offenen Armenpflege. Den Armenbezirken werden 50000 Mk. mehr an laufenden Barunterstützungen überwiesen. Auch sonst sind noch Erhöhungen vorgesehen. Die Mehrforderun avon insgesamt 60 800 Mark für die offene Armenpflege wird wie folgt begründet: Die Zahl der Unterstützungsfälle ist erheblich im Steigen begriffen; sie betrug am 1. April 1908: 774 Familien mit 2392 Köpfen, am 1. April 1909: 894 Familien mit 2937 Köpfen, am 1. Oktober 1909: 933 Familien mit 3071 Köpfen. Im ersten Halbjahr 1909 mußten an Barunterstützungen gezahlt werden 114968 Mark, das würde für das gesamte Rechnungsjahr ausmachen an sich 229936 Mark, hinzuzurechnen sind aber für den Winter zum mindesten noch weitere 10000 Mark, sodaß insgesamt rund 240000 Mark vorzusehen sind. Die Novelle zum Unterstützungswohnsitz=Gesetz wird auch Mehrkosten verursachen a) durch Herabsetzung des Zeitpunktes zum Erwerb des Unterstützungs=Wohnsitzes vom 18. auf das 16. Lebensjahr, b) durch Kürzung der Frist, deren Ablauf der Erwerb und Verlust des Unterstützungs=Wohnsitzes bedingt, von 2 Jahren auf 1 Jahr. Die Gesamtmehrkosten in dieser Hinsicht werden auf 20000 Mark geschätzt. Für Kinderpflege sind 13 400 Mark mehr als das Jahr vorher, insgesamt 115 976,19 Mark in den Etat eingestellt worden. Zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit sollen 5500 Mark verwandt werden. Von 100 lebend geborenen unehelichen Kindern starben im 1. Lebensjahr 1900: 41 Prozent, 1901: 46 Prozent, 1902: 45 Prozent, 1903: 48 Prozent, 1904: 50 Prozent, 1905: 49 Prozent, 1906: 45 Prozent, 1907: 41 Prozent, 1908: 44 Prozent. Es soll neben den bisherigen Kontrollein= richtungen für die unehelichen Kinder und deren Ziehmütter eine Mutterberatungsstelle für alle Mütter eingeführt werden. Weitere Kinderfürsorge wird im Auge behalten. Herr Stadtv. Hilgering erstattet Bericht. Herr Stadtv. Heinemann hält es nicht für richtig, daß von der Naturalunterstützung zur Bauunterstützung über die bei zweckmäßigen Einrichtungen billiger einkaufen könne. Redner stellt den Antrag, die in Betracht kommenden Positionen zu ändern. Des weiteren beleuchtet Redner die Statistik über die Sterblichkeit der unehelichen Kinder, die doch sehr zu Bedenken Anlaß gebe. Es müßten Mittel und Wege gefunden werden, um diese Mißstände zu beseitigen. Bessere Milch sei vor allem zu beschaffen. Würde die Stadt keine Mittel zur Steuerung der hohen Säuglingssterblichkeit von privater Seite erhalten, so müsse sie felbst in den Säckel greisen. Herr Stadtrat Dr. Cremer bemerkt, daß der Magistrat bemüht sei, den Anregungen des Vorredners stattzugeben. Die Bekämpfung der Säuglings= sterblichkeit habe schon gute Erfolge gezeitigt. Demnächst solle gute Milch verabfolgt werden. Das hier von privater Seite gebildete Komitee zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit befasse sich mit der Frage der Milchversorgung und werde in Kürze Vorschläge machen. Herr Stadtv. König meint, daß die Arbeiter noch unter der Krise schwer zu leiden hätten, weshalb es, um Nachverwilligungen zu vermeiden, nötig sei, die Ausgaben für die Armenpflege nicht zu niedrig zu veranschlagen. Redner ist kein Freund von Maximalgren zen für die zu gewährenden Unterstützungen. Dem Armenpfleger müsse freie Hand gelassen werden, über die Höhe der Unterstützung nach Lage der Verhältnisse zu befinden. Unterstütze man die Armen nicht sofort hinreichend, dann dränge man sie auf die Bahn des Verbrechens, Unter den die Ausnahme bildenden gerissenen Kunden dürfe man die wirklich Bedürftigen nicht leiden lassen. Redner beantragt, die Ausgabe um 40000 Mark zu erhöhen. Des weiteren weist er einen ihm in einer früheren Sitzung gemachten Vorwurf, mit falschen Zahlen operiert zu haben, zurück, indem er sich auf die Zahlen des Verwaltungsberichtes bezieht. Auch auswärts sei wiederholt darauf hingewiesen, daß in Dortmund nicht gerade übermäßig für die Armen gesorgt werde. Mit dem Wiederbeitreiben der gewährten Armenunterstützungen möge äußerst loyal vorgegangen werden. Auf dem Gebiete der Fürsorgeerziehung werde zu schnell gearbeitet und so der Armen=Etat zu sehr belastet. Das, was der verstorbene Oberbürgermeister Zweigert in Bezug auf die Armenpflege gesagt habe, sei ein vollständiges Programm, das man befolgen müsse. Des weiteren beantragt Redner im Verfolg der Anregung des Herrn Heinemann, für Naturalien statt 5000 Mark 15000 Mark in Ausgabe zu stellen. Den Säuglingen müsse gute Milch gewährt werden. Die Milchversorgungsstelle sei unverzüglich einzurichten. Die im Etat ausgesprochenen Wünsche in die Tat umzusetzen, sei der Magistrat durch die Stadtverordneten in den Stand zu setzen. Schließlich spricht Herr König für Errichtung von Wärmehallen, damit die Leute, die sich sonst in den Schnapskaschemmen umhertreiben und damit zu Gesetzesüberschreitungen geneigt sind, einem ordentlichen Lebenswandel zugeführt werden. Die Arbeiterorganisationen jeder Richtung täten schon alles, um die Behörden zu entlasten. Nun sei es an den Behörden, auch ihrerseits ihre Pflicht zu tun. Herr Stadtv. Bartels hat die städtischen Armenhäuser besucht und ist nicht entzückt gewesen von den Zuständen darin. Er führt eine Reihe von Fällen an, die, falls sie den tatsächlichen Verhältnissen entprechen, einer Stadt wie Dortmund nicht zur Ehre gereichen. Redner wird sein Material der Armenverwaltung zugehen lassen. Herr Stadtrat Dr. Cremer wird die Sache nachprüfen und Ordnungswidrigkeiten, wie sie vorzuliegen schienen, zu beseitigen wissen. Die Aufstellung des Etats beruhe auf Schätzung. Ganz genau könne man ja nie nehmigung des Etats anzuerkennen, daß der ma## das Menschenmögliche auf dem Geblete der pflege tue. Herr Stadtv. Möller weiß,# Stadt Dortmund sehr viel für die Armer tue### Marimalgrenze müsse da sein. Sei sie zu niedrfa:“ müßte sie erhöht werden. Redner kann Herrn" nicht folgen, wenn dieser fordert, daß der Armenpflege übernehmen solle. Die beste Mar2 wäre für die Umherlungernden, daß sie einmal v.sa arbeiteten. Herr Stadtv. Jur Hellen nimme städtische Armenpflege, die auf dem Elberfelder Saz. basiere, ganz entschieden in Schutz. Die Armenny. erfolge mit der ausgesprochenen Absicht, die bald wieder zur Arbeit und auf eigene Füße m.:. gen. Wer sich der Unterstützungspflicht gegenüber s. Angehörigen böswillig entziehe, müsse sofort scharf. gesaßt werden. Die Armenverwaltung schaffe Abhülfe, wenn man ihr Mißstände, anstatt diese2 die große Glocke zu hängen, mitteile. Herr Blume hat von einer früheren Anregung des HerStadtrat Dr. Cremer Notiz genommen und wird i zur Kenntnis kommende Mißstände mitteilen ein milderes Vorgehen gegen die der Fürsorge bedür tigen Burschen erklärt sich Redner ebenso wie die a. sagen, was gebraucht werde. Ob man 260000 Mark oder 300000 Mark in den Etat einstelle, werde auf — in Einfluß haben— die Unterstützung der Armen keinen Einfluß haben. Was gebraucht werde, werde ausgegeben werden. Die Kosten der Armenverwaltung seien in den letzten Jahren enorm gestiegen, wie man aus den Zuschüssen ersehen könne. Dortmund tue für seine Armen nicht weniger, sondern wesentlich mehr als benachbarte Städte mit etwa gleichen Verhältnissen. Nicht alles, was die Stadt tue, trete im Armenetat in die Erscheinung, doch müsse es bei Berurteilung der städtischen Fürsorge für die ärmere Bevölkerung mit in Rücksicht gezogen werden. Dann komme man aber auch zu einem anderen Schlusse als Herr König. So würden von den Sparkassenüberschüssen allein 70—80000 Mark an die Armen verteilt. Bel Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit wolle man hier Schritt vor Schritt rückwärts gehen, und a b e n d e r P r ü f u n g zwar nach eingehender Prüfung. Er bittet, durch Geden. Herr Stadtv. König verlangt aug vor dene die arbeiten können, daß sie arbeiten, nur müßte s Arbeitsmöglichkeit vorhanden sein. Wenn das Möller nicht einsehe, so bedauere er ihn und sein alte Weltanschauung. Die Wärmehallen würden Verschönerung des Straßenbildes beitragen. Die Aug gaben für das Armenwesen sind wesentlich gestieg auch die anderen Au das sei nicht zu bestreiten; aber auch vin#nerten gaben seien ebenso gewachsen. Dortmund stehe da nicht so gut da, wie Herr Stadtrat Dr. Cremer### haupte. Auch die Dortmunder Wohltätigkeit sei miaso berühmt, als gesagt werde. Nachdem noch#### Möller persönlich bemerkt, daß schon vor dem s. scheinen Königs für die Arbeitslosen gesorgt worden s## wird der Etat in erster Lesung genehmigt unter A. lehnung der König'schen Anträge und Annahme d# Heinemann'schen Antrages betr. die Erhöhung des R## trages für Naturalverpflegung um 5000 Mark und en sprechender Herabsetzung der Barunterstützungen. 5. Erste Lesung des Haushaltsplanes des tecnischen Lehrerinnenseminars für 1910, abschließend# Einnahme und Ausgabe mit 30160 Mark. Die Kämmereikasse hat einen Zuschuß von 2900 Mark gegenüber 400 Mark im Vorjahre zu leisten.# Schulgeld wird die Summe von 22626 Mark gega 14 950 Mark im Jahre 1909 erwartet. Nach dem Referat des Herrn Stadtv. Kösteru aus dem Posten 500 Mark von Hörerinnen der Schlu zu ziehen, daß durch die Zulassung der Hörerinnen der Unterricht leiden und eine unliebsame Erweiterung fahren werde. Dazu komme das Rundschreiben vo# Frl.. Bathe, dem sich auch Frl. Neugebohrn angeschlossa habe. Herr Stadtschulrat Dornheckter hat erklän daß nur Hörerinnen für wissenschaftliche Fächer zuge lassen werden sollten. Dadurch ist Frl. Bathe ben higt worden. Herr Stadtschulrat Dornheckter zerstreu durch entsprechende Erklärungen die gehegten Befürc*— alk rügt tungen. Herr Stadtv. Dr. Gottschalk rügt im weeinzugehen bei Beratung über Verteilung der Käm mereizuschüsse. Herr Stadtrat Dr. Glum erwiden daß eine Schädigung des Frl. Bathe nicht erfolge werde. Herr Referent empfiehlt Genehmigung des Etats Herr Stadtv. Heinemann erklärt sich mit der Erklärung betr. den Unterricht an die Hörerinnen befrie digt. Die von Herrn Gottschalk angeregten Dinge dür ten später zu besprechen sein. Redner hat Bedenken ge gen die in Aussicht genommene Vergrößerung des Se minars. Er fragt, warum für das Seminar und di Mittelschule kein Kuratorium geschaffen werde, das drir Wegen Umbau Verkauf grosser Posten Schuhwaren zu herabgesetzten Preisen. Damen-Schnür-Stiefel fein Boxleder, elegante Form und sein zit Lackspitze und garantiert jetzt nur Chromleder mit echt Chevreau Mk. Damen-Schnür- u. Knopfstiefel la. Boxleder, elegant und äusserst dauerhaft früher 7.50 jetzt nur Mk. Damen-Schnür-Stiefel echt Boxcalf, extra preiswert früher 8.75 jetzt nur Damen-Schnür-Stiefel echt Boxcalf, vorzügl. Passform. früh. 8.75 jorat nun echt Chevreau, mod. Ausführung früh. 10.50 getei Kuf Mk. Mk. Damen-Schnür-Stiefel echt Chevreau„Original-Goodyear-Welt“ früherer Preis Mk. 12.50 jeizt nur Mk. Damen-Melton-Schlappen 25 in allen Größen nur 00 73 Dieselben in eleganter Ausführung...." nur 9 0 Cord-Schlappen. 55.. Ahrmit gestifteter Tuchschle für Herren CO Pf. Damen JO Damen-Melton-Steppschuhe B8, mit Filz- und Ledersohle JO Damen-Oberfilz-Hausschuhe 125 mit Plüscheinfassung" 1.45 0 M. mit. Kamelhaar-Hausschuhe„ 75r, für Herren 85 Pf. für Damen S 0 Große Posten Kinder-Hausschuhe in verschiedenen Ausführungen — zu staunend billigen Preisen.— Herren-Schnür-Stiefel sein Boxleder, moderne breite Form. sein Chromleder mit Lackkappe früher 7.50 jetzt nur Mk. Herren-Zugstiefel aus kräftigem Spiegelleder früher 8.30 jetzt nur Mk. Herren-Schnür-Stiefel echt Chevreau, elegante Straßenstiefel früher 9.50 jetzt nur Mk. Herren-Schnür- und Knopf-Stiefel echt Chevreau mit Lackkappen früher 10.50 und 13.50 jetzt nur Mk. Schul-Stiefel, extra billig aus dauerhaftem Roßleder, bequeme Paßformen Größe 22—24 25—26 87—30 1.85 2.35 2.85 81—35 8.35 Dieser Extra-Verkauf dauert nur noch kurze Zeit! Conrad Tack& Cie Verkaufshaus Dortmund: Brückstrasse 46. ls den Frrsog Gotichlt wird Hieraur Schlub der Cokales un Die geheime ührte bis 10einhalb eihe wichtiger Punkt in Althoffschen Neub tadtverordneten stim: der Magistrat wu in neue Verhandli prung des Preises für autretenden Quadrat rat wird das versuche ellung des bisherigen 8 Polizeiwachtmeister btligen, für den Un gelchnt. Die höher n Frl. Paula Göke i. Man bewilligte ick und 12000 Mark tzerin. Ferner wurd enbahndirektion Ess verpflichtet, ihren rEnergie für den zu der städtischen el beziehen, mindestet kark jährlich. Die u idnung wurden verte — Verein der in der am Donnerstag „Wahlrechtsreform m. Ein starker Besuc — Badewesen. erwaltung der städtis alten neben den Wan ingeführt worden: S sichtennadelbäder. Er fankheiten usw. von in= und Fichtennadel lrt, sei es in den G# ei Ausschwitzungen in en, sowohl infolge v# blge von Unfällen, an rauch der Loh=Tann sie Ischias usw., bei 1 eiten von Erfolg ge — Der Beleidig segen den Kaplan# em hiesigen Schöffen sst auf unbestimmte * Eine Verbands=2 älischen Hausbesitzerve igte, und an der Ver Provinzen teilnahmen, zierung zu Arnsberg, lädtischen Sparkassen fur Verlesung, in der zierung wolle der C sprechende Maßnahme eine Spannung in der gegen die Einlagen ül Einführung gelangen. ie Regierungen zu D serichtet werden: es s nine höhere Spannung selbe Antrag gestellt am 29. Mai in Rems Remse WirtschaftSchentwirtschaft der in für rund 222.000 ##dor Sailler hier ve mat eine Größe vor —'h=Moll=Mess #ofachen Wunsch hal reising bereit erklär strag zur Einführung gu halten, welche an Ponzert des Dortmu b#elangt. Der Vortr bruar abends 8 Uhr Piktoria=Bücherei sto * Polizei=Be pezw. im Laufe de im Taufe 0 estgenommen und 3 wegen Trunkenheit 1 perverletzung.— In #I. Januar der Be spomnbruch bei Baro struges festgenommen #in letzten vier Mon Orgelke Rei der eblete der #r Me 8. bt iu Armen tue. Gi. sie zu niedrig rann Herrn 92.# daß der Gesche e ech be 6 5 6e. P escse s lle. Herr Stada nregung des Hemen une bicg Gerse Die be len für Eckenfekg, bon bewviller un gt auch von dener nur Wenn das Hoer ihn und seig hallen würden i sitragen. Die An seihige h die anderen Au#rtmund stehe da it Dr. Cremer b hltätigkeit sei n achdem noch Hm chon vor dem E. gesorgt worden s## nehmigt unter A und Annahme de Erhöhung des B## 00, Mark und en terstützungen. splanes des tech10, abschließend# 60 Mark. Zuschuß von 290 ahre zu leisten. An 2 626 Mark gege irtet. Stadtv. Kösteri rerinnen der Schlu der Hörerinnen de ne Erweiterung en Rundschreiben von ebohrn angeschlossa eckter hat erklän, ftliche Fächer zuge Frl. Bathe ben# dornheckter zerstreut gehegten Befürcchalk rügt im weBathe und Neugeewährt werde, der dem Ruin entgege vor, darauf weit rteilung der Käm Glum erwiden, athe nicht erfolgen ehmigung des Etats rt sich mit der ErHörerinnen befrie seregten Dinge dür er hat Bedenken ge rgrößerung des Se Semtnar und d## fen werde, das drir ren romnur Mk. nurMk. st nur# Mk. nur Mk. men 81—35 8.35 Lia sei. Herr Stadtschulrat Dornheckund Potert# burch die Erweiterung des SemiEr ecwidert, Bov„ ne Aussichten auf soätere Verlars den Sch#.: Aürden und werden könnten. Auf brauns Tertlsäiage wpied der Etat unter Vorbehalt ae Untrag Gotile— uß der öffentlichen Sitzung um achteinProvinzielles Dortmund, 8. Februar. Die geheime Sitzung der Stadtverordneten bis 10einhalb Uhr. In dieser standen eine I. wichtiger Punkte zur Beratung. Auch über I, Althofschen Neubau wurde verhandelt. Die adtverordneten stimmten der Vorlage im Prinzip #r Magistrat wurde jedoch ersucht, mit Altbif in neue Verhandlungen einzutreten, um die Erkrung des Preises für die an Althoff städtischerseits Lintretenden Quadratruten zu erreichen. Der Magi### wird das versuchen. Im übrigen wurde die Aneitung des bisherigen Polizeisergeanten Wickenberg I Polizeiwachtmeister genehmigt, dagegen wurde der urag, dem Stadtrat Dr. Boldt 1000 Mark zu beisligen, für den Unterricht an städtische Beamte, haelehnt. Die höhere evang. private Töchterschule #u Frl. Paula Göker wurde anzukaufen beschlosI. Man bewilligte 93000 Mark für das Grundz und 12000 Mark als Entschädigung an die BeLonn. Ferner wurde ein Vertrag mit der Kgl. Eiienbahndirektion Essen beschlossen, wonach dieselbe verpflichtet, ihren sämtlichen Bedarf an elektriEnergie für den neuen Hauptbahnhof Dortmund Li der städtischen elektrischen Zentrale Dortmund beziehen, mindestens aber in Höhe von 150000 nark jährlich. Die übrigen Gegenstände der Tagesdnung wurden vertagt. — Verein der freisinnigen Volkspartei.— In der am Donnerstag stattfindenden Sitzung soll über L.„Wahlrechtsreform“ in Preußen gesprochen wern. Ein starker Besuch der Sitzung ist sehr ratsam. — Badewesen. Seit einiger Zeit sind von der Verwaltung der städtischen Badeanstalten in allen Analten neben den Wannenbädern auch sogen. Heilbäder ingeführt worden: Schwefelbäder, Loh=Tannin= und ichtennadelbäder. Erstere sind besonders bei Hautkankheiten usw. von Wirkung, während die Loh=Tanin= und Fichtennadelbäder bei Rheumatismus jeder ltt, sei es in den Gelenken oder in der Muskulatur, bei Ausschwitzungen in den Gelenken und Sehnenscheien, sowohl infolge von Entzündung als auch im Gebige von Unfällen, angezeigt sind. Ferner ist der Gerauch der Loh=Tanninbäder bei Nervenentzündungen vie Ischias usw., bei Unterleibsleiden und Frauenkrankheiten von Erfolg gekrönt. — Der Beleidigungsprozeß des Pfarrers Traub begen den Kaplan König, der am Donnerstag vor dem hiesigen Schöffengericht verhandelt werden sollte, ist auf unbestimmte Zeit vertagt worden. * Eine Verbands=Vorstandssitzung der rheinisch=westsälischen Hausbesitzervereine, die am Sonntag in Elberfeld sagte, und an der Vertreter aus 17 Städten der beiden Provinzen teilnahmen, gelangte eine Eingabe an die Rezierung zu Arnsberg, betreffend das Zinssystem der Zädtischen Sparkassen im westfälischen Industriebezirk zur Verlesung, in der beantragt worden war, die Rezierung wolle der Entwicklung der Sparkassen entprechende Maßnahmen treffen, die es verhindern, daß eine Spannung in der Verzinsung der Ausleihekapitalien die Einlagen über 4 Prozent für die Zukunft zur inführung gelangen. Die gleiche Eingabe soll auch an die Regierungen zu Düsseldorf, Köln, Koblenz und Trier gerichtet werden; es soll ferner an alle Städte, in denen eine höhere Spannung als 4 Prozent eingeführt ist, derselbe Antrag gestellt werden. Der Verbandstag findet am 25. Mai in Remscheid statt. —' Wirtschaftsverkauf. Die unbeschränkte schentwirtschaft der Witwe Furthmann, Hohestr. 61 ii für rund 222000 Mark an den Restaurateur ThePdor Sailler hier verkauft worden. Das Grundstück pet eine Größe von 45 Geviertruten. Moll=Messe von Joh. Seb. Bach. Auf man4uchen Wunsch hat sich Herr Gynmasialdirektor Dr. ietzsing bereit erklärt, auch in diesem Jahre einen Vor#llag zur Einführung in die Große Messe von Bach ### halten, welche am Sonntag, den 15. Februar im konzert des Dortmunder Musikvereins zur Aufführung selangt. Der Vortrag wird am Freitag, den 11. Feabends 8 Uhr im Lesesaal der Wilhelm=Auguste Bittoria=Bücherei stattfinden. Der Eintritt ist frei. Polizei=Bericht. In der Nacht zum Montag #9w. im Laufe des Sonntags wurden 11 Personen Pesgenommen und zwar: 7 wegen Obdachlosigkeit, 2 enen Trunkenheit und je 1 wegen Hehlerei und Köreberietzung.— In Mülheim a. d. Ruhr wurde am dannar der Bergmann Bernhard Scheimann aus vomdruch bei Barop wegen Logisschwindels und Be:ides festgenommen. Er hat eingestanden, daß er in gel letzter vier Monaten, hauptsächlich im hiesigen Kohin der St. Reinoldikirche. „. Dortmund, 7. Februar. ##ete n.r seiten gut besuchtes Orgelkonzert veranstalirchP“tschneider gestern Abend in der Reinoldi Eehasti###en nur Werke des Altmeisters Jahann mit args.##9 zu Gehör und war das Progrimm ##### künstlerischen Geschick zusammengestellt. ausgegl:“ beidient der Konzertgeber wegen seines V##lanhenen Spieles gelobt zu werden; am besten Toccataeiner Ansicht nach die bekannte T=mollschaft-8.— Ein Mitglied der musikalischen Gesellsich alsa“ Oberpostpraktikant Hugo Dox, erwies weiß: er#ger, der geschmackvoll zu gestalten einer nie seinem syrepathischen Bariton trotz # Herr 22½, Leuanenden Disposition zum Siege.— einige Bigline.“.vn Quadt aus Arnsberg trug schönen. positionen vor; er verfügt über einen tragswugung.“ Ton und eine gediegene Vorsiichen# wenngleich ich mit seinem rein violinjären## 3en nicht so ganz einverstanden er üher uu....“ Reinoldikirchenchor haben wir nlich nicht zm besser singen hören und ließ er #i Schulden rhythmische Ungenauigkeiten ärzen, daß das u*— Es ist erfreulich, zu konstrMusie unde.. e Publikum für die ernste, edle nehr und- unergleichlichen„Johann Sebastian“ #re und mcht Interesse zeigt. lenrevier, wiederholt Logssschwindel verülbt hat, namentlich hat er sich durch die Angabe, sein Vater sei tödlich verunglückt und seine Mutter gestorben, bei den Logiswirten Kredit zu verschaffen gewußt. Hauptsächlich hat er Bergmannsfamilien aufgesucht und sie dadurch geschädigt, daß er plötzlich, ohne seine Schulden zu bezahlen, verschwand, nachdem er vorher auch noch Geld geliehen hatte. Meistens ist er unter dem Namen Schulte aufgetreten. Diejenigen Personen, welche von dem Täter auf diese Weise betrogen worden sind, wollen sich bei der nächsten Polizeibehörde melden. — Schon wieder ein Hauptgewinn! Bei der am Samstag, den 5. Febr. stattgefundenen Ziehung der Schlesischen Pferdelotterie fiel ein wertvolles Pferd in Jülichers Glückskollekte, Haupt=Lotteriebank Münsterstraße 4. Der glückliche Gewinner ist ein hiesiger Arbeiter. Gelsenkirchen, 7. Febr. Der Vorstand der hiesigen Nationalliberalen Partei hat an den Zentralvorstand der Nationalliberalen Partei in Berlin folgendes Telegramm gerichtet:„Der hiesige Parteivorstand bittet dringend, entschieden dafür einzutreten, daß in dem neuen preußischen Wahlgesetz den älteren Volksschullehrern, welchen früher die Berechtigung zum einjährigen Dienst nicht zustand, auf Grund ihrer Vorbildung wenigstens dieselben Rechte gegeben werden, wie den Inhabern des Zeugnisses für den einjährigen Dienst.“— Unseres Erachtens hätte der Vorstand vernünftiger gehandelt, wenn er gegen die ganze Vorlage energischen Protest eingelegt hätte. Hagen, 7. Febr. Die Vertrauens= und Wahlmänner der Freisinnigen Volkspartei im Wahlkreise Hagen=Schwelm nahmen gestern nachmittag zur Wahlrechtsvorlage eine Entschließung an, in der es heißt:„Die Vertrauens= und Wahlmänner sind entrüstet und enttäuscht über die Wahlreformvorschläge der preußischen Regierung. Der Entwurf ist geradezu eine Verhöhnung des Volkes. Die gänzlich unberechtigte Privilegierung einzelner Personen, die Beibehaltung des Dreiklassensystems, der öffentlichen Stimmabgabe, sowie der veralteten Wahlkreiseinteilung sind so schwerwiegende Mängel, daß ihnen gegenüber die Einführung der direkten Wahl nicht ins Gewicht fällt. Die geringen Verbesserungen werden das Volk nicht darüber täuschen, daß das preußische Wahlrecht auch weiterhin dazu dienen soll, die Herrschaft des Junkertums zu erhalten. Die Vertrauens= und Wahlmänner erklären den Entwurf als unannehmbar für die Freisinnigen.“ Dem Vorschlage des Kreiswahlkomitees, den Fabrikanten August Bilstein in Altenvörde(Kreis Schwelm) als Landtagskandidaten aufzustellen, wurde einmütig zugestimmt. Köln, 7. Febr. Daß seit Samstag Abend ununterbrochen anhaltende Regenwetter hat den Fremdenzufluß nach der rheinischen Metropole ungemein geächt. Desgleichen hat das karnevalistische Treiben während des gestrigen und heutigen Tages nicht den Charakter und den Umfang angenommen, als man es in frücheren Jahren zu schauen gewohnt war. Die den Kölner Karneval auszeichnende Fröhlichkeit und Herzlichkeit will nicht aufkommen. Unter der Ungunst der Witterung hatte naturgemäß auch der heute nachmittag die Straßen der Stadt passierende Rosenmontagszug ungemein zu leiden, der in einzelnen Gruppen humoristische, in anderen ungemein prunkvolle Wagen brachte. Kurz vor 2 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung; ein fesselndes Schauspiel, das Unzählige zu Zuschauern hatte. Wer den Zug gerecht würdigen will, darf nicht nur die Wagen berücksichtigen. Gerade in den Fußtruppen ist die dem Wagen zugrunde gelegte Idee oft am besten und charakteristischsten ausgeführt. Allerdings kommt es auf die ausführenden Gesellschaften an; manche bringen auch im Zuge ihre Qualität in überzeugender Weise zum Ausdruck. Das zeigte sich zunächst bei dem Wagen der Großen Allgemeinen Karnevalsgesellschaft: Die Entdeckung des Nordpols. Vom Musikkorps der Eisbären und den Eskimos auf Renntieren bis zum Polarmeer und dem Nordvol war alles naturgetreu dargestellt worden. Dasselbe gilt auch von dem Japanischen Blütenfest der Gesellschaft„Eintracht". Der Faschingsbrunnen der Großen Kölner Karnevalsgesellschaft wirkte ebenso monumental als erheiternd. Der Wagen der Greesberger: Diamantenfunde in Afrika, hatte ein durchaus tropisches Gepräge. Nur die Farmer aus Südwest hätten vielleicht eine charakteristischere Ausrüstung er=, halten können. Eine der besten Darstellungen war der Rheinzauber mit König Wein(Kölner Narrenzunft). Die ganze Poesie des Rheins trat hier in die Erscheinung. Fröhliche Winzer, weinfrohe Küfer, edle Ritter, Minnesang und Turnierspiel erhielten Leben und Bewegung. Kostüme und szenische Ausstattung waren tadellos. Prachtwagen waren auch diejenigen des Bauern und der Jungfrau, des Prinzen Karneval (Dienstags=Ballgesellschaften) und Kölner FaschingsBlumenspiele(Große Karnevalsgesellschaft). Daß die beiden Funkenkorps ebenso wie die Prinzengarde und die Ehrengarde der Stadt an Haltung und Ausrüstung nichts zu wünschen übrig ließen, bedarf kaum der Versicherung. Nicht so sehr wie die Prunkwagen ließen die dem Humor gewidmeten Wagen den beabsichtigten Zweck erkennen. Der Eingemeindung von Kalk und Vingst, durch einen Pfingstochsen und einen Kalkofen, ließ sich Originellität nicht abstreiten. Am besten durchgeführt war die dem Wagen folgende Zigeunertruppe. Die Wagen: die Einverleibung Hollands durch das Rheinland, die Original Kölner Fluchmaschine, der Bierkrieg, die Stadtratswahlen waren ausschließlich dem Humor gewidmet. Der Schlußwagen Linie Nippes=Flora hatte wie sein Vorbild Panne erlitten und war auf der Strecke liegen geblieben. Umjubelt von seinen Getreuen zog Prinz Karneval auf fein gegliedertem, mit Blumen reich geschmücktem Muschelwagen durch sein Reich, mit vollen Händen Gaben spendend. Herr Jakob Schoß führte seine Rolle gut durch: ein stattliches Paar waren auch Bauer und Jungfrau(die Herren Meyer und Pleiß). Vom Regen wurde der Umzug ziemlich verschont und ohne Unfall langte er gegen 6 Uhr wieder auf dem Neumarkt an. — In den Straßen setzte nach der Zugauflösung das Maskentreiben wieder stärker ein. Letzte Telearamme. Ablehnung der Wahlrechtsvorlage? Berlin, 7. Febr. Die Wahlrechtsvorlage bildete im Abgeordnetenhause heute in den Kreisen der Parlamentarier den Gegenstand eines lebhaften Meinungsaustausches. Aus diesem Meinungsaustausch glaubt man bereits die Ueberzeugung gewonnen zu haben, daß das Schicksal der Vorlage in ihrer jetzigen Form so gut wie besiegelt ist, d. h., daß sie keine Aussicht auf Annahme hat. Die Mehrheit wird sich für die Einführung der geheimen Wahl aussprechen. Maßgebende Männer der Zentrumsbarkei haben erklärt, daß sie gegenüber dieser Vorlage 5siverständlich an ihrer altes Forderung festhalten, wonach auch der preußtsche Landtag auf Grund eines geheimen Wahlrechts berufen werden soll. Die Stellung der linksstehenden Parteien und der Polen ist ja bekannt. Berlin, 7. Febr. Die Wahlrechtsvorlage wird einem besonderen Ausschuß von 28 Mitgliedern übergeben werden. In der Wahlrechtskommission sind der Freisinn mit drei Mitgliedern, die Konservativen mit neun Mitgliedern vertreten. Die übrigen Parteien sind wie folgt vertreten: Freikonservative 4, Nationalliberale 4, Zentrum 6, Polen 1, Sozialdemokraten 1. Der Vorsitz fällt den Freikonservativen zu, die Stellvertretung den Konservativen. Die Mitglieder für den Wahlrechtsausschuß werden in den nächsten Tagen ernannt werden. Der Ausschuß wird seine Arbeiten am 16. oder 17. Februar beginnen. Neue Verschwörung in Montenegro? Rom, 7. Febr. Der„Secolo" erhält aus Triest die Nachricht, daß eine Verschwörung in Montenegro entdeckt worden sei. Die Insurgenten sind in das staatliche Waffen= und Munitionsdepot eingebrochen. Zahlreiche Verhaftungen sind vorgenommen worden. Unter den Verhafteten befinden sich alle Verwandte des enemaligen Ministers Radowich, der sich evenfalls gegenwärtig im Gefängnis befindet. Die Bevölkerung von Cetinje hat Kundgebungen veranstaltet, um die Freilassung der Gefangenen zu erwirken Türkische Schiffsbauken. Konstantinopel, 7. Febr. Die Blätter melden, daß der Ministerrat das Programm für die Schiffsbauten genehmigte. Danach sollen im Verlaufe von zehn Jahren insgesamt fünf Millionen Pfund zu Schiffsbauten aufgewendet werden. U. a. sind zwei„Dreadnoughts“ und zwei Vanzerkreuzer vor gesehen. Plötzliche Erkrankung der Prinzessin Stephanie. Brüssel, 7. Febr. Wie nachträglich mitgeteilt wird, wurde die Prinzessin Stephanie(Gräfin Lonyay) am Freitag in der Nähe von Jenell in dem Eilzuge, der sie nach Basel=St. Moritz brachte, plötzlich unwohl, was in ihrer Umgebung große Aufregung verursachte. Ein Militärarzt, der sich gerade im Zuge befand, ließ der Kranken seine Pflege angedeihen. Sie konnte ihre Reise ohne weiteren Zwischenfall fortsetzen. Bombenfund. Pekersburg, 8. Febr. Aus Elisabethpol wird ein großer Bombenfund in Schuscha gemeldet, wo 7 scharf geladene Bomben, sowie viele Patronen und Sprengstoffe gefnnden wurden. Eingesandt. Herr F. Buchthal hat entdeckt, daß der Zionismus der von ihm, wie er, sich brüstend, wiederholt betont, gegründeten Brockensammlung abträglich sei. Es sei ihm hiermit gesagt, daß er Gespenster sieht. Dem Ziontsmus fällt es gar nicht ein, sich mit dem, aus mir unbekannten Gründen aus der jüdischen Gemeinde ausgeschiedenen Buchthal und seinen Gründungen zu beschäftigen. Er hat wahrhaftig besseres zu tun. Die Klagen über Belästigungen durch die Galizier eristieren wohl nur in der Phantasie des Herrn Buchthal, der, wie alle Renegaten, eine„Ehrenpflicht" darin erblickt, durch Angriffe auf seine früheren Glaubensgenossen sich bei seinen jetzigen als besonders gesinnungstüichtig zu erweisen. Eine Unverfrorenheit sonder gleichen aber ist es, wenn Herr Buchthal in seinem füngsten Eingesandt sagt, daß er sich auf persönliche Angriffe nicht einlaffe. derselbe Herr Buchthal, der sich nicht geschämt hat, eine Dame ohne den geringsten Grund persönlich zu ver unglimpfen. Allgemeine Zustimmung findet Herr Buchthal, wenn er nunmehr, nachdem er sich zur Genüge blamiert hat, den Mund halten will. R. H. Briefkasten. A.=N.. Strengen Sie Klage an, wenn Sie Geld überflüssig haben. Olga N. Sie haben die Frist verstreichen lassen.. Der Anspruch hätte innerhalb eines Jahres nach Ihrer Verheiratung gestellt werden müssen. H. Str. Das uneheliche Kind ist bis zum vollendeten 16. Lebensjahre zu alimentieren.. Humoristisches. Aus der„Jugend.“ „Mama, Onkel Billy sagt, diese Statue sei Venus, wie sie aus dem Bade kommt. Aber ich glaube, sie geht in die Oper!“ Trauzeuge(vor der Hochzeit zur Braut):„Sie sehen ja ganz übernächtig aus? Wahrscheinlich haben Sie vor Aufregung nicht schlafen können?“— Braut: „Das weniger, aber mein Bräutigam hat die ganze Nacht gehustet!“ In der Zeit vom 1. bis 20. März d. Is. findet das Austragen der Kriegsbeorderungen und Paßnotizen für das Mobilmachungsjahr 1910/11(erstere auf rotem Papier, letztere auf weißem mit einem roten Rand versehenen Papier:) durch die Post statt. Jeder noch nicht zur Meldung gebrachte Wohnungswechsel ist dem Hauptmeldeamt II Dortmund sofort zu melden. Falls die Manschaften des Beurlaubtenstandes sich nicht selbst zur Empfangnahme zu Hause aufhalten können, haben sie einen ihrer(derwachsenen:) Anverwandten, Quartierwirte oder Mitbewohner damit zu beauftragen. Jeder Mann(: ausgenommen Landwehr II:), der bis zum 25. März keine Kriegsbeorderung oder Paßnotiz erhalten hat, hat dieses schriftlich oder mündlich sofort dem Hauptmeldeamt II Dortmund zu melden. Die vom 1. April 1910 ab nicht mehr gültigen Kriegsbeorderungen(z auf gelbem Papier:) und Paßnotizen sind an diesem Tage, aber keinesfalls früher, durch die Manschaften selbst zu vernichten. Dortmund, den 4. Febrnar 1910. Königliches Bezirkskommando II Dortmund. Städtisches Leihhaus. Der Verkauf der verfallenen Pfänder Nr. 22634—25359 aus dem Monat Dezember 1908 findet am Mittwoch, den 16. Februar 1910 vormittags 9 Uhr, im Geschäftslokale Königshof 15, statt. Die bei der Versteigerung erzielten Ueberschüsse können ruerholb 6 Wochen nach dem Verkause erhoben werden. 264 Hleute mittag verschied nach langen, schweren Leiden unsere liebe Mutter, Grossmutter, Schwester, Schwägerin und Tante geb, Mansbacher im 76. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Im Namen der Hinterbliebenen Dina Oelsner geb. Silberberg. Georg Oelsner, Karl. WIlli, Gerhard als Enkel. Dortmund, Elberfeld(Vohwinkel), den 7. Februar 1910. Die Beerdigung findet Freitag, den 11. Febr. mittags 12 Uhr vom Trauerhause, Knappenbergerstrase 32. aus statt. Deutsche Dampffischerei-Gesellschaft „Hordsee“ Gerberstraße 1-J. Rheinischestraße 19. Fernruf Nr. 217. Extra-Offerte: Schellfisch großer... Pfund 42 Pfg. ff. mittel... Pfund 36 Pfg. ff. kleiner... Pfund 16 Pfg. 8 Pfund 47 Pfg. im Schnitt... Pfund 35 Pfg. 1500 Pfund Cabliau das Pfund nur 25 Pfennig. ff große Schoue„..... Pfd. 57 Pfg. ff. Rotzunge Pfd. 60 Pfg. ff. Goldbarsch....... Pfd. 24 Pfg. ff. Knurrhahn....... Pfd. 19 Pfg. Feinst. grüne Heringe Pfd. 14 Pfg. 4 Pfd. 55 Pfg. Neu! Seeforellen(Petermann). Pfd. 20 Pfg. Lebende Karpfen Pfd. 95 Pfg. Lebende Schleie.....: Pfd. 180 Pfg. Steinbutt ff. großer..... Pfd. 220 Pfg. Steinbutt ff. miire.„.... Pfd. 150 Pfg. Zander......... Pfd. 100 Pfg. Im Schnitt: Seelachs........ Pfd. 23 Pfg. Lengsisch........ Pfd. 22 Pfg. Lachs(Salm).....:. Pfd. 130 Pfg. Heilbun Pfd. 160 Pfg. Feinster Stocksisch... Pfd. 100 und 140 Pfg. Feinst. Kieler Sprotten ¼ Pfd 30 Pfg. Kistchen 74 Pfg. Feinste echte Kieler Bücklinge 8 Stück 20 Pgf. Kiste 120 Pfg. Markreienbücklinge.::.:.. Stück 10 Pfg. Hochfeine Fleckheringe„... Stück 10 Pfg. Lachsheringe........ Stück 15 Pfg. II. Endener-Gollberinge" otd. Ju. 5o, 50. J0. 99 100 Pie Riesen Fettberinge.. Stück in big. dutzend 10d Pi, (sehr zart) Rezept zar Herstell. v. delikat. Gahelbissen gratis. Täglich frische Sendung: Hummernkrabben....,„J. Psd. 35 Pf. Geräucherten Aal. Psd. 150, 170, 200 Pf. Caviar in allen Preislagen. Grasse Ouscabl in eigenen Räuchergiaren und Marinaten. Wirklichtüchtige Dreher, welche Präzisionsarbeit gewöhn sind und sich hierüber ausweisen können, für dauernde Beschäftigungen per sofort gesucht. Wolf& Struk, Nachen, Tüchtige Näherinnen für Weißwaren u. Schürzen gesucht Gebrüder Dloberg. Dortmund, Brückstraße 26. Tücht. Küchenmädchen das Hausarbeit mit übernimmt, zum 15. Februar od. später ges. Zweitmädch. vorhand. Frau Berarat v. Meer, Gladbeck i. W. Tüchtiges, älteres in kleinen, kinderlosen Haushalt per sofort gesucht. Witwe N. Hasenclever, Haspe i. W., Enneperstaße 21 Freundl. möbl. Zimmer mit voller Pension per 15. d. Mts. 1 Zimmer ebenfalls m. Pension per 1. März zu beziehen 2. Kampftr. 34, II. Etage Möbl. Zimmer zu vermieten. Nähe der Hauptpost und des Theaters. Kubstraße 21. 1. Etage Dresdenerstr. 50. 6 Zimmer, Bad u. Speiser., per 1. Aptil P eiswert zu vernz Näh Dresdenerstr. 48. 3. Etage, Arndtstr. 6. 6 Zim, Badezim. Speisek. Ver. Erker, 1 Mans. z. 1. April ev. früh. zu verm Näheres Hamburgerst. 79. 2 möblierte Zimmer mit separat. Eingang mit Früstüch zu vermieten. Beliebt bei Allen ist die allein echte Steckenpferd-Lillenmilch-Seile v. Bergmann& Co., Radebeul, denn diese erzeugt ein zartes, reines Gesicht, rosiges jugendfrisches Aussehen, weiße sammetweiche Haut u. blendend schönen Teint. à St. 90 Uf. bei: Alb. Brügmann, Betenstr. 27 und Hohestraße 6. Paul Prött, am Markt. 5308 Ed. Blumberg. Münsterstr. 74 Ed. Stehmann, Brückstr 19 Theod. Strick, Westenhellweg Jacob Münster, Wißstraße. Heinr. Köhler, am Markt. Löwen=Apotheke, Münsterstr. 9. 5—6000 Mark sofort oder später hinter 30 000 Sparkasse gesucht. Angebote u. D. 36066 an die GeschästCelle dieser Zig. welche aus den Staatsgemächern des Jildiz-Kiosk in Konstantinopel erworben sind. Diese kostbaren Teppiche, welche von uns von Montag, den 7. bis Freitag, d. 11. Februar ausgestellt werden, sind von seltener Schönheit und wunderbarer Farbenpracht. Die ausführliche Beschreibung die Prunkstücke stcht kostenlos in unserer Aus= stellung gerne zur Verfügung. Im Auschluss hieran Veranstalten wir während dieser Ausstellung einen Spezial-Verkauf Orientalischer Teppiche = Erzeugnisse aus Kleinasien, Anatolien, Kankasien, Persien und Turkestan= zu ganz besonders billigen Preisen Ansstellung I. Etage. Besichtigung ohne Kaufzwang erbeten. Rose& Co., Dortmund. Neu eingerichtet: Eigenes Einkautsbureau in Konstantinopel. Heute Dienstag, abends 8 Uhr: Gross. Elite-Maskenfest (Kostümball.) Karneval in der Hölle =Feenhafte Ausstattung! Ballett!! Panorama! Hagenbecks Tierpark! Lachkabinett! Zahlreiche Ueberraschungen! Damenkarten 1 Mk. Herrenkarten 1.50 Mk. Reservierte Logenplätze 3 Mk. Morgen Mittwoch, abends 8 Uhr: Grose Vorstelluung 11 der grössten Novitäten der Gegenwart. Schellfisch lebendfrisch. per Pfd. 12 Pfg. Bekanntmachung. Die Lieserung des Kohlenbedarfs von eiwa 10000 Tonnen und zwar Magerunß I und II. Fettnuß II und IV, Anthrazitnuß II und III, Fettkohlen und Eierbriketts sowie Knabbelkohlen für die städtischen Verwaltungsgebäude, Schulen und Anstalten soll für die Zeit vom 1. April 1910 bis dahin 1911 vergeben werden. Die Lieserungsbedingungen werden auf Zimmer 15 im Verwaltungsgebäude, Spitthof 2, verassoigt. Angebote mit der Ausschrift„Angebot auf Lieserung des Kohlenbedarfs" versehen, bis zum 15. Februar an den Magistrat Bureau IVb Kleppingstraße 2., Zimmer 246 einzusenden. Dortmund, den 1. Februar 1910. Der Magistrat. Landkreis Dortmund. Bekanntmachung Bratheringe große Dose 2.30 Mk. Süße Pflaumen per Pfd. 17 Pfg. Holl. Käse, weich, per Pfd. 56 Pfg. Hausmachernudeln Pfd 28 Pfg. Samos vom Faß per Ltr. 80 Pfg. Rollmöpse per Stück 5 Pfg. Rosinen (Sultan) p. Pfd. 39 Pfg. Saftiger Schweizerkäse Pfd. 33 Pfg. Haferflocken v. Pfd. 20 Pfg. Griech, Blutwein per Liter 85 Pfg. ImporthausF. Wens 73 Westenhellweg 73. 8 Bekanntmachung. „. Die Grundeigentümer in der Stadt werden hiermit im Interesse der Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs und zur Abwendung von Gefahren für Leben und Gesundheit der Mitbürger ersucht, bei eintretendem starken Schneefall, wie bei entstehender Glätte und bei polizeilichem Eintritt von Tauwetter die Bürgersteige von Schnee und Eis zu reinigen und vorhandene glatte Stellen mit Sand und Asche zu bestreuen. Dortmund, im Februar 1910. Magistrat. Die Verhandlung unb Entscheidung über die zum diesjährigen Kreis=Ersatz=Geschäft angebrachten MilitärReklamatioren findet wie folgt im Gewerbe=Uerein, zu Dortmund, Kuhstraße statt: I. am 6. April 1910, vormittags 8 Uhr für die Reklamanten aus der Stadt Lünen, Stadt Castrop, den Aemtern, Brackel, Mengede, Giesenberg=Sodingen und Rauxel. 2. am 7. April 1910, vormittags 8 Uhr. für die Reklamanten aus den Aemtern Dorstfelo, Lütgendortmund, Derne und Eving. Zu denselben Terminen findet auch die Verhandlung über die Zurückstellungsgebühr der Mannschaften der Reserve, Marine-Reserve, Landwehr, Seewehr, Ersatzreserve, und Marine=Ersatz=Reserve, sowie ausgebildeter Landsturmpflichtiger des zweiten Aufgebots gemaß 8123, Nr. 2 der Wehr=Ordnung statt. Gemäß bestehender Vorschrift müssen diejenigen Familien=Angehörigen eines Militärpflichtigen auf deren angebliche Erwerbs- resp. Aufsichts-Unfähigkeit ein Anspruch auf Befreiung oder Zurückstellung des Letzteren vom Dienste im stehenden Heere gegründet werden soll, sich sowohl der Ersatz= als der Ober-Ersatz=Kommission persönlich vorstellen. Indem ich dieses zur öffentlichen Kenntnis bringe, mache ich zugleich darauf aufmerksam, daß die Reklamanten den Nachteil, der ihnen durch die etwaige Nichtbefolgung dieser Vorschrift erwachsen möchte, sich selbst beizumessen haben. Dortmund, den 2. Februar 1910. Der Landrat: v. Rynsch. Inserate für Dulsburg (210000 Einvo ner) und den Niederrhein veröffentlicht man im weitverbreiteten Ecbo vom Hiederrhein, Duisburg. Zeilenpreis 15 Pfr. Wohnungs- und Stellenanzeigen 10 Pig.) Abteilung: Tailor made Costumes! Die letzten Original-Modelle Original engl. Stoffe für Jackenkleider für B 8 Kontirmanden und Kommunikanten % Hansastrasse 80 Joc. Biergaus Nachf. Hansastrasse 80 en gros in en detail Hemden, Hosen, Röcken, #99 Taschentüchern, X %e Corsets. P endschuhen Ieiune. 56 # Stadttheater Dienstag, den 8. Februar 1910 B. 34. 7½-10½ Opernpreise. Uraufführung in Deutschland In Paradiese Hohamets Operette v. Rob. Planquette Mittwoch, 9. Februar 1910. Außer Abonnement. Jahreskarten gültig. 7½—10½. Volkstüml. Preise Judith. Trauerspiel von Hebbel. sind in hervorragend schöner, großer Auswahl bereits am Lager. Dortmund, Beteustr. 9. — Fernruf 3210.— Scheu wieder ein Rauptgewinn. Bei der am 5. Febr. stattgefundenen Ziehung der Schlesischen Pferde=Lotterie fiel ein wertvolles Pferd in meine Glückskollekte. Eilt Grosse WohlfahrtsGeldLotterie Hauptgewinne: Mk. 75000 Mk. 40000 Mk. 30000 Mk. 20000 Mk. 10000 mit 10167 Geldgewinne. Los Mk. 3.75 und 80 Pfg. für Porto und Liste. Ziehung 1d., 11. u. 18. Febr Königsberger Lotterie Los 1 Mk. 11 Stück 10 Mk. Hauptgewinn: Mk. 15000 Nur Geldgewinne. Jülichers Glücks-Kollekte. Haupt=Lotterie=Bank. * Münsterstraße## Im Jnt resse meiner geehrten Kundschaft bitte genau auf dle Hausnummer 4 zu achten. Verdingung. Für das Rechnungsjahr 1910/11 sollen die Unterhaltungg arbeiten an städtischen Gebäuden verdungen werden. Zur Vergebung gelangen: I. Erd-, Maurer- und Steinmetzarbeiten, 2. Zimmerarbeiten, 3. Schreinerarbeiten, k. Schlosser- und Schmiedearbeiten, s. Dachdeckerarbeiten, 6. Klempner- und Installationsarbeiten, 7. Maler-, Anstreicher- und Glaserarbeiten. Verdingungsunterlagen sind gegen postfreie Zahlungm# je 0,75 Mark für Nr. 1, 2, 3 und 7, von je 0,50 Ml. Nr. 4, 5 und 6 im Bureau des Hochbauamts, Stadtzu Zimmer 127 zu haben. Angebote sind in verschlossenen und mit entsprechen Aufschrift versehenen Umschlägen bis Mittwoch, den 23. Februar 1910, vormittags 11 Uhr, an das Hochbauamt einzureichen. Die Eröffnung erfolgen dieselbe Zeit im Geschäftszimmer 246 in Gegenwart der in erschienenen Bewerber. Dortmund, den 7. Februar 1910. Magistrat. Landkreis Dortmund. Bekanntmachung. Die Ersatz=Kommission für die Musterung der N tärpflichtigen tritt in diesem Jahre, wie nachstehenda gegeben zusammen: 1. In der Wirtschaft Neuhaus in Asseln, Hellu### Nr. 193 Margens Zeinhalb Uhr.. am 14. 15. 16. und 17. Februar für die Militärpslh tigen des Amtes Brackel. 2. In der Wirtschaft Hartmann in Lünen, 9 Uhr.snn am 18. 19. 21 und 22. Februar für die Militärpslip# gen der Stadt Lünen und des Amtes Derne. 3. In der Wirtschaft Mascher in Eving, Morz achteinhalb Uhr. am 23. 24. 25. und 26. Februar für die Militärpflichtigen des Amtes Eving. 4. In der Wirtschaft Koke in Mengede, Morsti achteinhalb Uhr. am 28. Februar, 1. 2. und 3, März für die Militärhich tigen des Amtes Mengede. 5. In der Wirtschaft W. Dreckmann in Castros: Morgens achteinhalb Uhr. am 4. 5. 7. 8, 9, 10, 11, 12, 14,und 15 März fü Militärpflichtigen der Stadt Castrop, der Aemter gen und Rauxel. 6. In dem Hotel Wilhelm Specht in Lütgendortmin Morgens achteinhalb Uhr. am 16. 17. 18. 19, und 29, März für die Militächsl tigen des Amtes Lütgendortmund. 7. In der Wirtschaft Korte in Marten, Mois 8 Uhr. am 30. 31. März, 1. 2, und 5, April für die tärpflichtigen des Amtes Dorstfeld. Die zur Gestellung verpflichteten Militärpflicht; gen haben sich bei Vermeidung der gesetzlichen Strafe“ den bezeichneten Terminen pünktlich einzufinden. Jede Störung der Ruhe und Ordnung des rungsgeschäft wird mit Geldstrafe bis zu 19 oder mit verhältnismäßiger Haftstrafe geahndet. en aleiche Strafe trifft denjenigen, Militäxpflichtigen cher sich ohne Erlaubnis der Ersatz=Kommisso, dem angewiesenen Sammelplatze entfernt. Auch! Mitbringen von Stöcken in das Musterungslokal In der Poltzei=Verordnung des Herrn Reghrllspissg siidenten zu Arnsberg vom 26. Mai 1900, Reht“gug Amtsblatt 1900, Nr. 960, Seite 373 ist im meinen Folgendes bestimmt: 81ungs bi Die Militärpflichtigen haben zum Musterngig Aushebungsgeschäft in ordentlicher, sauberer und mitt rein gewaschenem Körper zu erscheinen# Innerhalb und außerhalb des Musterung## hebungslokals haben die Militärpflichtigen wähle,„in Dauer des Geschäfts sich ordnungsmäßig und zu betragen und jede Störung des Geschäfts durc uun kenheit, Wiedersetzlichkeit unerlaubte tiges Sprechen, sowie ähnliche Ungehörigkeiter meiden. Das Rauchen ist den Militärpflichtigen auf erst, Songen vlatz und in den Räumen in denen das Musteru schäft stattfindet verboten. 100 Stück Delihatess-Kümmelkäse (Postcolli) für Mk. 3.50 fronko 50 Stück„Bauernhandkäse“ für Mk. 400 franco liefert das Köseversandhaus von Herm. Schoning Kniestedt b. Calzaitter i. H. mit Gelbstrafen bis zu 00 Mark, im Pr“ggzung welcg. mit verhältnismäßiger Haft bestraft. Die Losum wir unter der jüngsten Altersklasse, unter den##m 1890 geborenen Militärpflichtigen einschlieblig Ueberschlagenen erfolgt, findet am 8. Ayril,pguse achteinhalb Uhr im Kreishause zu Dortmund, st stattfindet verboten.— nuna#6t% Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung galt Geldstrafen bis zu 60 Mark. im Unvermer; wesch straße 11, statt.. 16. Lx Heffönliche I, In diesem Losungstermine ist das inen der Militärpflichtigen nicht erforde:2.### denselben frei,: einen andern scheinen mehr steht es denselben frei,: einen anvern sung zu beauftragen oder es geschehen zu von den Eltern, Vormündern oder einem der Kommission für sie gelost wird. Dortmund. den 2. Februar. 1910. Zwei Verrat von Vor der hiesige teressanter Prozeß von Geschäftsgehein fabrik von Bischof heiter tätig, die d tung besaßen und chen und Schmelzarb Zusammensetzung de stahlfabrik als strei was den beiden Ar schrieben sie masse ab, um sie Zeit wollten sich di verbessern und rich werbungsschreiben, sie mit der Schmelz zepte zur Herstellun einen Zufall kam die beiden Arbeit reits vorher Verde tersuchung der Arl schiedene Rezepte ur beiden Arbeiter ur dann gegen sie die erhoben. Ein Ver der Verhandlung, geheimnis geweser Preisgabe einen klagten behauptete sammengestellt hät zepte mit einem so übereinstimme. T Seri Blusenstot Kostümste Kammgart Die hättel dunke gen Aber mehr Dora Tätig kräft Tun ohn kam Runsch. ing. sollen die Unterhaltung# ungen werden. ingen: nmetzarbeiten, arbeiten, tionsarbeiten, d Glaserarbeiten. en postfreie , von je 0,50 Ml. Hochbauamts, Stadt und mit entsprechen vormittags 11 Uhr, ie Eröffnung erfolge un in Gegenwart der an Magistrat. ortmund. ichung. ie Musterung der N sre, wie nachstehendo aus in Asseln, Hella r für die Militärpflh ann in Lünen, Morzea für die Militärpflip Amtes Derne. er in Eving, Mora# 1r Imtes Eving. in Mengede, Morsts ärz für die Militärpfüh reckmann in Castrop: 14,und 15März f.h trop, der Aemter Sodd pecht in Lütgendortnun ärz für oie Militärpflih nd. e in Marten, Morsch 5. April für die feld. Elm ichteten Militcärplistug er gesetzlichen Strafens tlich einzufinden. nid Ordnung des A trafe bis zu 15 aftstrafe geahndet. Ei Militärpflichtigen, Ersatz=Kommisliog. eentfernt. Auch t Is Musterungslokal u s Herrn Regierungisch Mai 1900, Negier“s Seite 373 ist im au srend e ch n 9 g zu der unge Die Lolsck oae ter den ee Rehlne 1 s ersorderlich, dern mit ber. Dienstag, den 8. Februar 1910. Zweites Blatt. Verrat von Geschäftsgeheimnissen. S. u. H. Duisburg, 6. Februar. Vor der hiesigen Strafkammer spielte sich ein interessanter Prozeß ab, deisen Hintergrund der Verras : Geschäftsgeheimnissen bildete. In der GußstahlJabrik von Bischof waren einige Jahre lang zwei Arheiter tätig, die das volle Vertrauen der Fabrikleizung besaßen und infolgedessen auch zu Schmelzversuchen und Schmelzarbeiten herangezogen wurden. Die Zusammensetzung der Schmelzmasse wird von jeder Gußsahlfabrik als strengstes Geschäftsgeheimnis betrachtet, zugs den beiden Arbeitern auch bekannt war. Trotzdem schrieben ste sich die Rezepte zur Herstellung der Stahlasse ab, um sie später zu verwerten. Vor einiger geit wollten sich die beiden Arbeiter in ihrer Stellung verbessern und richteten an verschiedene Fabriken Bewerbungsschreiben, die auch die Angabe enthielten, daß sie mit der Schmelzarbeit vertraut seien und gewisse Rezepte zur Herstellung der Schmelzmasse besäßen. Durch einen Zufall kam die Firma Bischof dahinter, daß sich die beiden Arbeiter verändern wollten. Da sie bereits vorher Verdacht geschöpft hatte, wurde eine Untersuchung der Arbeitsplätze vorgenommen, wobei verschiedene Rezepte und Stahlproben gefunden wurden. Die beiden Arbeiter wurden zunächst sofort entlassen, und dann gegen sie die Klage wegen unlauteren Wettbewerbs erhoben. Ein Vertreter der Firma Bischof bekundete in der Verhandlung, daß die Rezepte strengstes Geschäftsgeheimnis gewesen seien und die Firma durch deren Preisgabe einen schweren Schaden erleide. Die Angeklagten behaupteten, daß sie sich die Rezepte selbst zusammengestellt hätten, und daß kein einziges ihrer Rezepte mit einem solchen der Firma Bischof vollständig übereinstimme. Trotzdem hielt der Gerichtshof die AnDortmunder Nr. 32. " 27. Jahrgang. geklagten des. Verrats von Fabrikgeheimnissen schuldig und verurteilte sie zu je zwei Monaten Gefängnis. Die Folgen eines Heiratsgesuchs S. u. H. Kiel, 6. Februar. „Zwecks baldiger Heirat“ suchte ein 66 Jahre alter Privatmann in Groß=Flottbeck eine Frau, die er mittels eines Inserates denn auch bald in einer hiesigen 60 Jahre alten Witwe kennen lernte. Im Laufe der Bekanntschaft kam das„junge Paar“ auch auf die Vermögensverhältnisse zu sprechen und der glückliche Bräutigam mußte seiner Braut die tieftraurige Mitteilung machen, daß er nicht eher heiraten könne, bis er sich mit seinen Kindern auseinandergesetzt habe, wozu die Kleinigkeit von 25000 Mark gehörte. Die Witwe hatte zwar kein bares Geld, dafür aber zwei Hypotheken in Dänemark über je 25000 Mark, ferner einen Silberschatz im Werte von 15000 Mark und außerdem eine Hypothek von 15000 Mark, wegen der sie freilich in einem Prozeß liege. Dazu benötigte sie 2000 Mark, die bei Gericht eingezahlt werden mußten. Der Bräutigam gab die 2000 Mark her, war aber vorsichtig genug, selbst mit aufs Gericht zu gehen, um sich davon zu überzeugen, daß das Geld auch wirklich bei der Kasse eingezahlt würde. Die Frau verstand es aber, den alten Mann zu täuschen und benutzte die 2000 Mark, um alte Schulden zu bezahlen. Außerdem schwindelte sie ihm vor, daß sie ein Haus besitze. Als der Bräutigam das sehen wollte, wurde ihm von weitem ein Gebäude bezeichnet. Näher herangehen durfte er nicht, das hätte Aufsehen erregt und die Braut geniert. Die beiden Hypotheken der reichen Witwe lagen, wie sich später herausstellte, sicht in Dänemark, sondern im Monde. Als der Silberschatz im Werte von 15000 Mark von dem Bräutigam besichtigt werden sollte, war die betreffende Familie, der er zur Verwahrung übergeben worden war, leider Gottes eben EEII LE zur Silberhochzeit nach Mecklenburg abgereist. Dem Bräutigam dämmerte allmählich die Erkenntnis, daß die Reichtümer seiner Braut nur in deren Einbildung existierten und er löste daher das Verhältnis. Als er trotz wiederholter Mahnung die bar gegebenen 2000 Mk. nicht wieder bekam, erstattete er gegen die Frau Anzeige wegen Betrugs. Der Gerichtshof sah die Sache sehr milde an und verurteilte die Frau nur zu 100 Mark Geldstrafe. Der Kampf gegen Karl S. u. H. Augsburg, 6. Februar. Im Kampfe gegen Karl May, dem„berühmten Weltreisenden“, nimmt jetzt auch ein hervorragender Würdenträger der katholischen Kirche Stellung gegen den ingentösen Fabulierer. Der Benediktinerpater Ansgar Pöllmann von der Abtei Beuron kündigt unter dem bezeichnenden Titel„Ein Abenteurer und sein Werk“ eine Serie von Aufsätzen gegen Karl May an, die in der Schmidt'schen Revue„Ueber den Wassern“ demnächst erscheinen soll. Inzwischen hat sich der Benediktinerpater mit einer Erklärung May's in der„Freien Stimme“ beschäftigt, in der May die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen zu widerlegen versucht. Gegenüber dieser Erklärung trifft Pöllmann verschiedene Feststellungen, die stark zu Ungunsten May's sprechen. Er konstatiert z. B., daß May nicht leugne, daß er sich in unschöner und häßlicher Weise von seinem rechtmäßigen Weibe nach 23jähriger Ehe habe scheiden lassen. Die Behauptung May's er habe nie katholisierende Tendenzen gezeicht, bezeichnet der Herr Pater zwar etwas derb. aber treffend als„bodenlose Unverfrorenheit.“ Pöllmann stellt weiter in Aussicht, daß er von den Stubenreisen und Plagiaten May's noch allerlei erzählen werde, auch von seiner Kenntnis fremder Sprachen, vom englischen bis zum chinesischen. Er, Pöllmann, kenne genau einen Fall, wo May in offener Gesellschaft durch einen englisch redenden Amerikaner sehr blamiert worden sei. Schließlich erklärt Pater Pölmann, noch, May werde wohl selbst wissen, daß er lange Zeit widerrechtlich den Doktortitel geführt habe, bis die sächfische Regierung diesem groben Unfuge ein jähes Ende bereitet habe. Nach diesen Kostproben kann man auf die versprochene Serie des Benediktinerpaters mit Recht sehr gespannt sein. Aus dem Gerichtsaal. Strafkammer Dortmuns. &m Dortmund, 7. Februar. Die traurigen Folgen der Schundlitteratur traten heute in einer vor der Strafkammer geführten Gerichtsverhandlung mit erschreckender Teutlichkeit zu Tage. Zwei 14 Jahre alte Burschen hatten sich nach Räuberart zusammengetan, hausten in dem Gemäuer einer alten Ziegelei und zogen bewaffnet mit sogenannten Scheintotpistolen in der Dämmerung in der Nähe der Buschmühle des Weges und fielen gleichaltrige Knaben an, denen sie die Pistolen auf die Brust hielten. Am 24. November stellte der eine der Wegelagerer, Wilhelm Weitkamp mit Namen, den 9 Jahre alten Knaben Karl Bobbert, indem er mit der Waffe drohte. Der Schlingel band dem zu Tode erschrockenen Knaben dann die Augen und den Mund zu und schleppte ihn an an einen Teich, hier erschoß der Bursche einen Hund, schnitt diesem den Bauch auf und riß ihm das werz heraus, dabei dem kleinen Bobbert drohend, so werde er es mit ihm auch machen, wenn er es wage, einen Laut von sich zu geben. Dann entblöste der Knabe dem Burschen das Gesäß und brachte ihm mit einer verrosteten Nadel etwa 40 Stiche bei, und peinigte ihn in einer hier nicht wieder zu gebenden Weise. Tann schleppAußergewöhnlich vorteih. Angebot Extra-Tisch-Auslage im Parterre. Ausgelegt sind nur vorzügliche solide Qualitäten weit unter sonstigen Verkaufspreisen. Serie 1 Ntr. Serie II 1.45 Serie III Ntr. 2.35 Blusenstoffe Popolines, reinwollene Flanelle und andere Kostumstone 110 cm broite schwere Qualitäten, Kammgarn-Cheviots schöne, reinwoll., elsässer Ware, in allen Farbon, Blusenstoffe Elegante Frühjahrs-Neuheiton in Popeline Kostümstoffe Sortimente. Ini-Dualitäton 110 cm breite reinwoll. Cheviots, GarantieUnl-dualitäten Qual., Mohair-Cheviot äu ß. sol. eleg. Gewebe Rlugenstoffe die elegantesten und beston Qualitäten, hochBlusenstUNd sparte Neuheiton. Kostumstönle feinste Gewebe, hochelegante Dessins. Ini-Dlualitäten Satintuch, 110 cm, br. bek. Spezial-Marke, Unl-dualttäten in allen mod. Farben Sergos u. Popelines Schwarze Kleiderstoffe unsere bekannt guten Qualitäten sehr preiswert. & Günther Dortmund Steinplatz. Telephon 3235. 9 *04 Se Die Kinder des Sträflings. Roman von A. Sinowka. 19 „Mein Eigentum?“ fragt Dora.„Wieso meines?“ „Nun, Sie sagten doch, daß Sie die Blumen gern halten und darum..“ er endet nicht, denn Dora wird oünkelrot und schlägt in hilfloser Verwirrung die Auden zu Boden und dadurch wird auch er verlegen. er nur für eine kurze Weile. Denn Gregor ist nicht der stille, schüchterne Mensch, der er war, als Kora iyn kennen lernte. Durch die strenge, geregelte Latigkeit, deren er sich seitdem befleißigt hat, ist sein Frästsächerußtsein gestiegen. Er sieht männlicher und estiger aus, hält sich strammer und zeigt in seinem in mehr Energie und Lebhaftigkeit. Dora hat ihn, nie es selbst zu wissen, erzogen und Herr Niegowo i mit dem Resultat zufrieden sein. „. Wir haben im Garten auch wildwachsende Frühdie u###ien,“ fängt Gregor wieder zu reden an.„Aber .„ sind blaß und traurig, und ich wollte doch, daß Sie 8 an bunten, freudigen Farben ergötzen sollen. Wissen pflonzr as ich mir dachte, als ich die Anemonen ichonzte? Wenn keine einzige weiße darunterist.. dachte es als eine gute Vorbedeutung für unjere Zukunft betrachten.“ legenkert: Zukunft?" wiederholt Dora, die in ihrer Verseicheit ihn wieder einmal veranlaßt, das auszuspresie nicht hören will. Wie oft hat sie das schon getan. Wenn Gregor sie nicht so gut kennte, § er sie für kokett halten können.„Unsere Wege lau#en sich doch einmal trennen.. ich kehre nach Deutschand zurück und Sie Du bis, h##t sie ihn dicht an ihrem Ohr flüstern:„Wo da bleibe ich auch.. nichts auf Erden kann uns trennen.. nichts!“ ben,“ Jfr B.g 42 fragt er leise.„Wenn zwei sich liei das doch weder ein Unglück, noch eine Sünde.“ melt das=:: es ist ein Unglück in diesem Fall,“ stamseine Einmi.“ Sie wissen, daß Ihr Vater nie ., uig" illigung geben wird, daß ich Ihre Frau werde *:. Denken Sie an Ihre Schwester!“ „Meine Schwester? Lidia?“ Gregor lächelt seltsam. „Ichwill Ihnenetwas sagen, Dora Petrowna, was Sie aber niemand verraten dürfen. Ehe die Blumen auf diesem Beet verblüht sind, wird Lidia das Weib ihres Liebsten sein. Mein Vater wird toben und ihr fluchen, gewiß, aber ändern wird er nichts an dieser Tatsache. Lidia ist mündig und Besitzerin eines großen Kapitals, das sie von unserer Großtante geerbt hatte. Ich erzählte Ihnen doch schon einmal, daß wir beide deren einzige Erben sind. Allerdings steckt das Geld in den Besitzungen unseres Vaters, aber er muß es uns ja herausgeben, wenn wir es verlangen. Ich bin mündig, wie Lidia.“ „Aber ich will nicht, daß Ihr Vater Ihnen flucht, um meinetwillen," stößt Dora heftig heraus.„Ich könnte das nicht ertragen, lieber sterbe ich. Und ich gebe Ihnen mein Wort, Gregor Ssemenowitsch, daß ich gegen den Willen Ihres Vaters nie Ihr Weib werde.. nie!“ Eine Weile steht Gregor heftig atmend, mit finster zusammengezogenen' Brauen da, dann wirft er entschlossen den Kopf in den Nacken.„Gegen seinen Willen.. nie, aber mit seinem Willen?“ Und sie umfassend und hastig auf den Mund küssend, spricht er leise: „Ehe diese Blumen hier zum zweiten Male blühen, ist Dora Petrowna mein Weib.“ Ein paar Herzschläge lang liegt das Mädchen willenlos in seinen Armen. Sie hat sich monatelang ihm überlegen gefühlt, weil er sie zu seiner Herrin gemacht, aber in der letzten Zeit, als er alles Jungenhafte und Träumerische abwarf, da war er auch in ihrer Schätzung größer und größer geworden, so daß sie in diesem Augenblick unbedingt seiner Versicherung glaubt. Als sie jetzt fragt:„Aber wie ist denn das möglich, daß Ihr Vater Ihrer Wahl zustimmt?“ da sind es nur ihre Lippen, die den Zweifel aussprechen, im tiefsten Innern ist sie fest überzeugt, daß ihr Geliebter die Fähigkeit und Kraft besitzt, um sein Wort einzulösen. „Wenn mein Vater erkennt, daß ich fest bleibe, ohne ihm doch zu trotzen.. unerschütterlich fest, so wird und muß er nachgeben. Es kommt nur darauf an, ihn zu überzeugen, daß ich meinen Willen nicht von ihm brechen Dora nickte gedankenvoll.„Ich kann mir wohl vorstellen, daß er den Willen eines Knaben erbarmungslos bricht, aber den eines Mannes achtet,“ meinte sie, um aber gleich darauf ängstlich hinzuzufügen,„aber Lidia. sie ist auch unerschütterlich fest geblieben in der Liebe und Treue für den Mann ihrer Wahl.“ „Das ist ganz etwas anderes," fällt Gregor rasch ein.„Mein Vater haßt Nikolai Lawalski. Dieser ist der Sprößling eines alten Adelsgeschlechts und hochmütig und vorurteilsvoll. Er war früher Offizier bei der Garde und kam nach Sibirien, weil er in jugendlichem Leichtsinn sein Vermögen verschwendet hatte. Wenn ihm ein anderer Ausweg geblieben wäre, würde er die Stelle bei meinem Vater nicht angenommen haben. Im Grunde aber hielt er meinen Vater nie für seinesgleichen und hat wiederholt Aeußerungen über ihn getan, die seinen Standpunkt kennzeichneten und sich besonders darauf bezogen, daß mein Vater ein Verschickter war. Die hat man diesem dann hinterbracht. Nun muß man wissen, wie empfindlich mein Vater gerade in diesein Punkt ist. Er zeigtes äußerlich nicht, aber innerlich nagt es an ihm, daß er mit dem gelben Carreau=Aß auf dem Rücken nach Sibirien gekommen ist. Er sieht jeden Menschen darauf an, ob er ihn deswegen geringschätzt.. seine Härte, sein mißtrauischer Sinn stammen vornehmlich aus dieser Quelle. Von dem Moment, da er hörte, was Nikolai Lawalski über ihn gesagt hatte, haßte er ihn mit einem bitteren unversöhnlichen Haß. Daß er ihn trotzdem in seinen Diensten behielt, geschah nur, weil es ihm eine grimmige Befriedigung gewährte, einem Menschen, der ihn tief unter sich erachtete, den Herrn fühlen zu lassen. Lidia war früher sein Liebling, aber als sie dann so ganz unter Nikolai Lawalskis Einfluß geriet, daß sie den eigenen Vater auch gering zu schätzen begann, da hat seine Liebe für sie auch eine Beimischung erhalten, die fast wie Haß aussieht.“ „Dein armer, armer Vater,“ spricht Dora leise vor sich hin. „Du bedauerst ihn?“ fragt Gregor. „Wie sollte ich nicht! Er war immer gütig zu mir und sieh.. ich habe meine Eltern kaum gekannt, da ist es mir oft, als ob er mein eigener Vater wäre. Und er ist doch der Deine. Schon darum muß ich ihn lieb ha ben.“ „Du liebes. süßes Kind!“ sagt Gregor gerührt.„Auch schon darum, weil mein Vater Dich gern hat, wird er eher in meine Wahl willigen.“ Sosuchen die beidenjungen Menschen sich Gründe um Gründe hervor, um sich gegenseitig davon zu überzeugen, daß Herr Niegowo ihren Gründen auf die Dauer nicht entgegen sein wird. Dabei vergessen sie ganz, daß sie kaum eine halbe Stunde zuvor ganz anderer Ansicht gewesen sind. „Woher weißt Du, daß Lidia uns in kurzem verlassen will?" forscht Dora plötzlich. „Ich kam gestern abend zufällig in ihr Zimmer, als sie dabei war, ihren Schmuck in ein rotes wollenes Bauernhemd einzunähen.“ „Sie warf rasch ein Tuch darüberund ich tat auch, als hätte ich nichts bemerkt, aber ich weiß jetzt sicher, daß sie in wenigen Tagen verschwunden sein wird. Sie hat vermutlich ihre Flucht aufgeschoben, bis der Schnee und Eis in der Taiga aufgetaut waren, denn vorher ist es gar zu schwer, unbemerkt durchzukommen. Es ist auch am besten, wenn diese traurige Geschichte endlich ihren Abschluß findet. Die Gegnerschaft zwischen meinem Vater und Lidia spitzte sich ständig stärker zu, Frieden gab es, wie die Dinge liegen, nun einmal zwischen ihnen nicht mehr. Sieh nicht so unglücklich aus, mein Liebling," bittet Gregor, indem er das Mädchen an sich zieht. Es werden noch böse Tage hier kommen.. das ist sicher .. aber sie gehen vorüber.“ „Laß mich,“ fleht Dora angstvoll,„ich bin so bange, daß jemand kommt.“ „Du hast recht,“ sagt er, sie loslassend.„Es ist auch Zeit, daß ich nach dem Warenhause gehe, um:.5 zu sein, während die Arbeiter, die aufs Schurffeld gehen, mit Schnaps traktiert werden.“ Und er eilt davon, glückselig und strahlend. Dora bleibt noch eine Weile bei dem Anemonenbeete stehen, das er für sie bepflanzt hat, dann g-t sie ebene falls langsam heimwärts. Wie verändert ihr plötzlich die altgewohnte Umgebung erscheint. Der Garten mit seinem sprossenden Grün, der birkenumstandene Weiher, die Blockhäuser im Hintergrunde, ja selbst die finstere, schweigsame Taiga, die ihr oftmals Grauen eingeflößt hat, zeigen ihr ein neues. heiteres Gesicht. Der Geliebte ist ja hier geboren undd sie wird mit ihm hier leben und glücklich sein. 176 19 te er den sammernden Knaben an einen Baumstamm, fesselte ihm Hände und Füße und band ihn am Baum fest. In dieser hilflosen Lage ließ der verrohte Bursche sein Opfer liegen, warf ihm noch die Jacke über den Kopf, sodaß der Knabe nahe daran war, zu ersticken. Glücklicherweise kam alsbald ein Knecht des Weges, der das Wimmern hörte, hinzuging und den Knaben aus seiner Lage befreite. Die Polizei verhaftete den Uebeltäter am folgenden Tage, und nahm auch dessen Komplizen, den Arbeiter August Kohlmann fest, der in Gemeinschaft mit Weitkamp zwei Tage vorher zwei Knaben angefallen und mit Totschießen bedroht hatte. Der Staatsanwalt bedauerte, daß ihm nicht die Möglichkeit gegeben sei, gegen solche Roheiten die Prügelstrafe in Antrag bringen zu können, diese sei für solche Menschen das wirksamste Erziehungsmittel. Der Vertreter der Anklage beantragte gegen Weitkamp 4 Monate und gegen Kohlmann 3 Wochen Gefängnis. Das Gericht verhängte über ersteren aber eine Gesängnisstrafe von 8 Monaten, bei Kohlmann wurde die beantragte Strafe für angemessen erachtet. Abgeordnetenhaus. Berlin, 7. Februar. In der heutigen Sitzung wurde die zweite Lesung des Justizetats mit der allgemeinen Aussprache beim Titel„Ministergehalt“ fortgesetzt. Abg. Dr. Lieblnecht(Soz.) übte an der ganzen Justizpflege schärfste Kritik. Der Redner wurde zur Ordnung gerufen, als er erklärte, die Angeklagten vor den Kammern in Hanover hätten mit Recht das Gefühl, sie würden Wölsen vorgeworfen, aber nicht Menschen gegenübergestellt. Justizminister Beseler verzichtete darauf. auf die Ausführungen Liebknechts einzugehen, er erklärte, die Bevölkerung könne der weiteren Handhabung der Justiz vertrauensvoll entgegensehen. Abg. Strosser(kons.) stellte fest, daß die Behandlung der Frau v. Schönebeck seitens der Justiz in den weitesten Völkerkreisen Kopfschütteln und Empörung erregt habe. Durch die Fälle Wrede und Schönebeck sei das Volk irre geworden an seinen Gesetzen, die Justiz muß dafür sorgen, daß jedes Verbrechen seine Sühne findet. Abg. Dr. Bell(Zentr.) forderte eine Vermehrung der Amtsrichter. Abg. Dr. Krause(nat.=lib.) wünschte eine Reorganisation des juristischen Studiums. Justizminister Beseler stellte fest, er sei kein Gegner der Laienrichter. Bei gesetzgeberischen Fragen sollen auch Anwälte gehört werden. Abg. Eckert(freik.) polemisierte scharf gegen den Abg. Liebknecht und brachte Wünsche für eine Weiterentwicklelung der Justizpflege vor. Nach Bemerkungen der Abgg. v. Liszt(freis. Vg.) und Cassel(freis. Vg.) wurde das Ministergehalt bewilligt. Ebenso wurden die Titel„Justizprüfungs= kommissionen“ und„Oberlandesgerichte" bewilligt. Donnerstag 11 Uhr: Wahlrechtsvorlage. Björnstjerne Björnson. Seit Wochen bereits ruht Norwegens größter Tichter Björnstjerne Björnson auf dem Krankenlager und wenn nicht eine unvermutete Besserung eintritt, dürfte es dem 77jährigen kaum gelingen, seiner Leiden Herr zu werden; immer trostloser für die Freunde des Dichters lauten die Angaben seiner dem unterirdischen Paris. K0 „ AOR Aerzte über den Verlauf der Krankheit. Am 8. Dezember 1832 in Oesterdal als Pfarrerssohn geboren, verlebte Björnson seine Kindheit in der schönen, echt nordländischen Natur von Romsdal. Er studierte in Christiania vom Jahre 1852 ab und begann seine literarische Tätigkeit mit Kritiken und S STE 5706 de Die Gechwasserkatastrophe in Paris, deren lewaltige Schäden man jetzt mit allen Mitteln beseitigen will, ist besonders dadurch so gefährlich geworden, daß die ausgedehnten unterirdischen Höhlen und die Katakomben von dem Seinewasser zum größten Teile gefüllt wurden; und Erdsenkungen, Dammbrüche und große Gefährdung einzelner Wohnhäuser sind die unausbleibliche Folge dieser unterirdischen Ueberschwemmung. Paris steht zatsächlich auf einem Abgrund und die weniger von Höhlen durchzogenen Stadtteile sind durch den Bau der vielen Untergrundbahnen ebenfalls zu modernen Katakomben geworden. In welcher Weise die Technik gearbeitet hat, um dem Verkehrsbedürfnis der Pariser Bsvölkerung gerecht zu werden, davon gibt unser heutiges Bild eine interessante Darstellung. Am Place de la Opera kreuzen sich nicht weniger als drei verschiedene Untergrundbahnen, die an dieser Stelle untereinanderliegen. Bekanntlich ist besonders auch dieser, in der Nähe der Seine gelegene Teil des unterirdischen Bahnnetzes unter Wasser gesetzt worden, so daß noch Wochen vergehen werden, ehe es gelingt, den Betrieb in vollem Umfange wieder aufzunehmen. Feuilletons. Später debütierte er erfolgreich als. Bühnendichter und Theateidirektor, auch war er eine zeitlang als Redakteur tätig. Um Muße für seine dichterische Tätigkeit zu gewinnen, zog er nach Rom, Deutschland und Frankreich(1860—63) 1865—67 lei tete er das Theater in Christiania, später eine Art freier Bühne, auch gab er in den nächsten Jahren das„Norwegische Volksblatt“ heraus. 1875 erwarb Björnson ein Gut im Gutbrandsdal und wohnte seitdem abwechselnd vort und im Auslande, besonders in Paris, sich seiner dichterischen Tätigkeit hingebend. Auch als Politiker und Redner, besonders im Kampfe um seine Ideale: Nationale Hebung des norwegischen Bauernstandes sowie Selbständigkeit seines Vaterlandes, hat Björnson mit großem Erfolge gewirkt. Die letzten Nachrichten vom Sterbelager lauten wie folgt: Christiania, 7. Febr. Björnson befindet sich in seinem letzten Lebensstadium; er ist seit 10 Uhr vormittags in eine dumpfe Agonie verfallen. Die Lebenszeichen sind fast völlig verschwunden. Paris, 8. Febr. Die Agonie Björnsons dauert an. Das Bewußtsein ist gänzlich geschwunden. Der Dichter liegt in regungsloser Betäubung. Die„Tremonia“ hat, voreilig wie sie ist, Björnson bereits am Sonntag sterben lassen.. Es geht nichts über eine fixe Berichterstattung. Literatur. Die künstlerischen Bestrebungen in der Gartengestal tung haben sich längst Bahn gebrochen. Seit der letzten großen Ausstellung in Mannheim hört man viel darüber. So hat jetzt auch ein junges Talent, der Gartenarchitekt Kurt Hopp, dessen„Henkel=Garten“ in Mannheim den ersten Preis und dazu den Kaiserpreis erhfelt, die neuen Richtlinien unserer heutigen Gartenkunst in einem besonderen Werke behandelt: Neuzeitliche Gärten und Gartenarchitekturen. Das Problem der Gartenust. 80 Seiten mit 32 Bildertafeln und verschievenen Textbildern. Eleg., geo Mk. 3.— Vorto 30 Pfg, Wendeutsche Verlagsgesellschaft m.. b. H. in Wiesbaden. Das Buch behandelt sowohl den Hausgarten, wie auch die größeren gärtnerischen Aufgaben, Schmuckplatz anlagen usw. ** Leichte Holzarbeiten aus Stäbchen und Brettchen zum Zusammenstecken nennt sich eine Sammlung von Vorlageheften, deren erste beiden Heft e(a 70 Pfg.) eben im Verlage der bekannt und beliebten Ravensburger Spiele(Otto Maier in Ravensburg) erschienen sind. Aus ganz einfachen Bestandteilen, Balken, Brettchen und Blechhülsen, die auf Wunsch auch durch den Verlag zu mäßigen Preisein geliefert werden, lassen sich nach den Vorlagen und Detailbogen der beiden Hefte reizende Gegenstände Puppenmöbel, Pferdestall, Brücke Brunnen, Haus, Schuppen, Wagen, Mühle usw. bauen, die als Spielzeug dienen, aber nach Belieben auseinandergenommen werden können, um als Material zu an deren Bauten wieder zu dienen. und — Dortmunder Städtische Viehhof. Zu dem gestrigen Schlachtviehmarkt waren aufgetrieben: 905 Stück Großvieh, 1753 Schweine, 504 Kälber, 24 Schafe. Bezahlt für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes höchstens 7 Jahre alt 75—75 Mk. d) junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 68—72 Mk. c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere 62—67 Mk. d) gering genährte jeden Alters 54—61 Mk. Bullen a) vollfleischige ausgemästete Bullen bis zu 7 Jahren 66—68 Mk. b) vollfleischige jüngere Bullen 59—65 Mk. c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 56—59 Mk. d) gering genährte 00—00 Mk. Rinder u. Kühe a) vollfleischige ausgemästete Rinder höchsten Schlachtwertes 71—72 Mk. b) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 66—70 Mk. c) ältere ausgemästet Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Rinder 58—65 Mk. d) mäßiggenährte Kühe und Rinder 48—57 Mk. Kälber a) feinste Mast=(Voll=Mast) und beste Saugkälber 54—55 Mk. b) mittlere Mast= und gute Saugkälber 48—53 Mk. c) geringe Saugkälber und ältere gering genährte(Fresser) 42—47 Mk. Schafe a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 75—80 Mk. b) ältere Masthammel 00—00 Mk. c) mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) 00—00 Mk. Schweine a) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1¼ Jahren 71 Mk., b) fleischige 68—70 Mk. c) gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 60—67 Mk. Tendenz: Großvieh langsam, sonst mittel. Unverkauft blieben 37 Stück Großvieh. Vermischtes. alle, 7. Febr. Heute früh wurde der Bäckermeister Ackermann, seine Frau und sein zwölfjähriger Sohn im Bett erschossen aufgefunden. Ackermann war nervenleidend und hat die Tat im Einverständnis mit seiner Frau verübt. Liegnitz, 7. Febr. Auf dem Bahnhof Hennersdorf wollte eine Frau ihre achtjährige Tochter, die in Gefahr war, von einer Rangiermaschine überfahren zu werden, retten. Sie zog dabei ihr einjähriges Kind mit und alle drei wurden von der Maschine erfaßt. Die Mutter und die ältere Tochter wurden getötet, dem einjährigen Kinde wurde ein Bein abgefahren. Königshütte, 7. Febr. Auf der„DeutschlandGrube“ wurde heute der Fahrhauer Schemzyk vom Förderkorb ersaßt und buchstäblich zermalmt. Die Leichenteile konnten geborgen werden. Leipzig, 7. Febr. In Dresden ist ein Telegramm eingegangen, wonach die Hülle des seit Wochen vermißten Bullons„Luna“ geborgen sein soll. Die Hülle ist im nördlichen Teile von Finnland ohne Korb aufgefunden worden. Ueber das Schicksal des Führers Leutnant Richter ist nichts bekannt. Brüffel, 8. Febr. Die Hochwassergelgt, ist infolge der Regengüsse erneuert. Seit gestern nac mittag steigt der Sambre ununterbrochen und haslutet das Kohlenrevier, so daß der Betrieb zum grasTeil eingestellt werden mußte.40 Trier, 8. Febr. Insolge der fortgesetzten güsse ist das Wasser der Mosel wieder rapide..“ stiegen. seit 30 Stunden um zwei Meter. Warschau, 7. Febr. In Myszkow bei schau wurde eine Frau, Mutter von sechs Kindern, e mordet. Die Mörder raubten einen Geldbetrag v## etwa 26 Mark. In Abwesenheit der Eltern Übersielen Banditen das Häuschen eines Arbeiters bei Lodz. mordeten den 16jährigen Sohn und die 10jährigTochter und erbeuteten ungefähr 40 Mark, worauf g. das Haus in Brand steckten. Fünf des Verbrechens dächtige Personen wurden verhaftet. London, 7. Febr. Aus Neuyork wird jele, graphiert: Nach Meldungen aus Phönix in Arizonereignete sich dort ein furchtbares Automobil. unglück. Ein Kraftsahrzeug mit sieben Insasse fuhr auf einem Privatwege, in dessen unmittelbare Nähe sich ein Steinbruch befindet. Trotz der Warnunger der Steinbrecher, daß eben eine Dynamitladung Zeitmündung gelegt sei, fuhr der Chauffeur weiter um dicht an der Dynamitladung vorbei, die in demselber Augenblick explodierte. Alle sieben Insasser wurden getotet und das Automobil vollständte vernichtet. Neuyork, 8. Febr. Der deutsche Dampfer„Erikeschleppte gestern den deutschen Dampfer„Surzin“ ein der von Australien nach Boston bestimmt war und unter wegs einen Bruch der hinteren Welle erlitten hatte. Du Ladung der„Varzin" bestand aus Wolle und Kolonialwaren im Werte von drei Millionen Dollar. Man glautt daß der Bergungslohn Hunderttausende beträgt. Ostende: 7. Febr. Eine Anzahl Fischer, die an Samstag nach Nienport zurückkehrten, erzählen von nem merkwürdigen Phänomen, welches sie am Freitag Abend auf der See beobachtet hätten. Sie wären nanlich eben damit beschäftigt gewesen, sich den Komet z# betrachten, als dieser, der bis dahin sehr schwach geleuchtet, mit einem Male einen hell glänzenden Schei angenommen hätte. Und fast in demselben Momene hätte der Wind von unerhörter Stärke zu wehen begonnen, der das Meer derartig aufwühlte, daß mahrere von ihnen, von einer schrecklichen Angst ergrs fen, sich in die untersten Räume ihrer Schaluppen geflüchtet hätten. Da an der Wahrheit des einstimmien Berichtes der Fischer nicht wohl gezweifelt werden kan, so bleibt die Sache immerhin recht eigentümlich. Antwerven: 7. Febr. Vor einigen Tagen betraten zwei Agenten der Geheimpolizei eine Wirtschaft in der Stationsstraße, um dort eine Revision vorzunehmen. Im Hausflur bemerkten sie einen korpulenten Herrn, der beim Anblick der beiden Männer eiligst die Treppe hinauflief. Als sie sich nunmehr be dem Wirte nach jenem Herrn erkundigten, erhielten sie den Bescheid, daß derselbe ein am vorigen Abend eingetroffener Deutscher sei, der seinen Namen noch nicht in das Fremdenbuch eingetragen hätte. Die Polizisten befahlen hierauf dem Wirt, den Gast herunterzurufen, als dieser aber trotzdem nicht kam, stiegen sie zuletzt die Treppe hinauf und schauten durch das Schlüsseloch in das von dem Fremden bewohnte' Zimmer. Da sahen sie denn, daß der letztere von der Türe auf einem Stuhle saß und in der Hand ein großes Messer hielt, Im Namen des Gesetzes forderten nunmehr die Agen ten den Fremden auf, zu öffnen, und als sie hierau keine Antwort erhielten, erbrachen sie die Tür. mit Gewalt. In demselben Momente jedoch brachte sich der Bewohner des Zimmers mit seinem Messer eine fürchterliche Wunde am Halse bei, so daß ein mächtiger Blutstrom sich über den Boden ergoß und der Selbstmörder tot zu Boden stürzte. Bis jetzt konnte dessen Identität noch nicht festgestellt werden. Bei ihm vorgefundene Papiere lauteten auf den Namen Jakob Larosch, geb. in Willich bei Krefeld im Jahre 1846. Die Polizei glaubt indessen, daß diese Papiere nicht dem Selbstmörder gehörten und daß dieser vielmehr in Wirkt lichkeit ein Verbrecher war, dessen Auslieferung die deutschen Behörden kürzlich verlangt hatten. Der Zylinderhut der Schmuggler. Dem Bahnhofsportier in Bukarest, fiel es auf, daß seit einigen Tagen unter den Reisenden die über Küstendsche aus der Türkei kamen, viele Herren mit auffallend hohen Zylindern sich befanden, Er machte die Zollbeamten darauf aufmerksam, und als wieder einige solche Männer mit den verdächtigen Hüten anlangten, bat man sie höflich, ihre Zylinder zu lüften, und da bot sichden ten ein erfreulicher Anblick: Die Zylnider waren innen angefüllt mit den feinsten türkischen Tabaken und andren zollpflichtigen Dingen. Sieben der findigen Schmuggler wurden verhaftet. Berufswahl. Einen Farmer im amerikanischen Westen wollte entscheiden, welchen Beruf sein Soht ergreifen solle, Er schloß ihn in einem Zimmer mu einer Bibel, einem Apfel und einem Dollar ein. Fänd er bei seiner Zurückkehr, daß der Junge den Apfel ab. so sollte er Farmer werden, las er die Bibel, ein und falls er den Dollar in die Tasche gesteckt hatte, Fondsmarkler. Als der pfiffige Farmer das betrat, sah er aber, daß sein Junge auf der Bibel saß. den Apfel verzehrte und den Dollar in der Weste tasche hatte. Ergo machte der Vater einen Politkt aus seinem Sprößling. Das teuere Rindfleisch, das man her zur Bouillon ausrochte, verwende man liebtt zum Braten und als Saucenfleisch, denn gute Fleisch brühe kann man heute ohne Fleisch— hequemer um billiger— aus Maggis Bouillon=Würfeln zu 5 Psrbereiten. Sie sind mit bestem Fleischextrakt hei stellt, enthalten auch bereits die nötigen Gemust auszüge, Kochsalz und Gewürz, und geben nur duch Uebergießen mit kochendem Wasser— augenblicktih delikate, gebrauchsfertige Fleischbrühe, zu Trink vort Kochzwecken. Ein Versuch führt zu dauernder wendung. Man achte aber beim Einkauf stets an den Namen„Maggi“ und die Schutzmarke stern“. chte MAGGI Achtung vor Nachahmungen! hilft sparen! Jede schwache Bouillon oder Suppe, ebenso Saucen, Gemüse und Salate erhalten augenblicklich kräftigen Wohlgeschmack durch Zusatz einiger Tropfen MAGGl-Würze. 189— Probefläschchen 10 Pfg.— S FDS BaSxss • S Sn ST.. 7U ZGa S S. S #SEEn n S S AE T00 S S SHSSSER . 9 p. D0 * S•—•—.1— WSET ***""—— 40— „R 2 eTon 3 FTOpEE R* 2 . E 1 S. 0S SeneTgSaa 2,4 besseren Kirschkuchen wie diesen hier backe ich dir noch alle Tage, ohne Kochstunden genommen zu haben!“ Kaum war das Wort seinen Lippen, entflohen, so hätte er es gern zurückgenommen, wenn sich's mit seiner Würde vertragen hätte. Es kam ihm auf einmal zum Bewußtsein, daß er wohl Kuchen essen konnte, auch guten von schlechten Kuchen zu unterscheiden wußte, daß er aber keine blasse Ahnung davon hatte, wie man einen Kuchen zustande bringt Seine kleine Frau aber ließ sich die schöne Gelegenheit nicht entgehen, die Blöße auszunutzen, die ihr tadelsüchtiger Gatte sich gegeben hatte:„Nun schön, probier's doch einmal!“ sagte sie.„Die Zutaten stehen noch alle auf dem Küchentisch. Aber natürlich, Du hältst es immer nur mit den Worten. Tadeln ist leicht, wie Du weißt; Bessermachen ist schtuer.! „Oho, das will ich Dir beweisen,“ rief er, in die Enge getrieben.„Gehen wir sogleich ans Werk!“ Er begab sich festen Schrittes in die Küche, legte Rock nebst Kragen und Halsbinde ab und hielt Umschau. Ja, da standen noch die Backutensilien, wie seine Lina sie benutzt hatte. Er streifte die Hemdsärmel auf und ließ aus der Wasserleitung eine gehörige Portion Wasser in den Napf, den eine Frau offenbar zum Einrühren des Teiges benutzt hatte. Dann schüttete er dahinein nach Gutdünken aus all den Büchsen und Tüten, die er auf dem Küchentisch stehend fand: Zucker, Salz, Backpulver, Rosinen, dazu einen Teller voll entkernter Kirschen. Das alles rührte er mit dem dabeiliegenden Holzlöffel gut durcheinander. Es war aber merkwürdig, dies Gemengsel machte garnicht den Eindruck, als solle ein Kuchen daraus werden, weit eher sah es aus wie eine zukünftige Obstsuppe. „Das Zeug ist wohl ein bißchen zu flüssig geraten,“ murmelte er vor sich hin und goß ein Teil des Wassers behutsam in die Wasserleitung. Daß seine arme, mißhandelte Frau an der Türspalte stand und lachend seinem Beginnen zuschaute, kann man ihr nicht allzu übelnehmen. „Es haftet noch immer nicht zusammen,“ fuhr er in seinem leisen Selbstgespräch fort.„Ob ich noch etwas vergessen habe?“ Er sah sich ratlos in der Küche um. Was neben ihm auf dem Küchentische stand, hatte er doch schon alles hineingetan. Da fiel sein Blick aufs Fensterbrett. Aha, das war’s! Er schnalzte vor Erleichterung mit der Zunge. Da stand der Mehltopf, den hatte er bisher ganz übersehen. Indem er einen mächtigen Hausen daraus in seinen Napf schüttete, flüsterte er vor sich hin: „ein Glück, daß Lina das nicht mitangesehen hat. Sie würde sonst jedenfalls spitzfindig fragen, ob denn meine Mutter ihre Kuchen ohne Mehl gebacken habe.“ Nun rührte er aus Leibeskräften in seinem Teige herum Es war aber ein schweres Stück Arbeit, denn er hatte viel zu viel Mehl genommen und man hätte aus diesem Material Kanonenkugeln herstellen können. Das störte jedoch den guten Georg Arnold nicht, denn er hatte sich unterdes zu einem rettenden Entschluß hindurchgerungen. Blamieren durfte er sich doch nicht— um keinen Preis. So nahm er denn das an der Kochmaschine lehnende Blech und strich mit heißem Bemühen seinen unlenkbaren Teig darauf. („Die Butter hat seine Mutter wohl dabei für überflüssig gehalten,“ sagte sich die Lauscherin an der Türspalte schadenfroh.") Dann wusch er sich die Hände, bürstete Beinkleid und Weste ab, legte Rock und Halsgarnitur wieder an und stülpte den Hut auf. Seiner Frau, die von der Tür verschwunden war, rief er unternehmungslustig zu: „So, jetzt bringe ich meinen Kuchen zum Bäcker hinunter, dann werden wir wenigstens einen anständigen Kirschkuchen für unsere Gäste haben.“ Damit verschwand er. Lina wollte sich todlachen. In seinem Leben hatte doch ihr Mann noch nie Hausfrauentalente entwickelt, viel weniger eigenhändig einen Kuchen zum Bäcker hinuntergetragen!„Und wo in aller Welt mag er denn die Kirschen untergebracht haben?“ fragte sie sich.„Zu sehen waren sie doch nicht.“ Ihr Gatte trat unterdes mit seinem Blech beim Bäcker ein. Vertraulich raunte er ihm zu:„Herr Nachbar, tun Sie mir doch den Gefallen und schaben Sie das Zeug hier vom Blech einfach in den Mülleimer. Dafür backen Sie einen extraguten Kirschkuchen und schicken ihn zum Abend hinauf zu mir. Die Rechnung legen Sie nicht bei. Ich komme morgen mit heran und bezahle sie selbst.“ Als an dem Abende Georg Arnolds Geburtstagsgäste um den zierlich gedeckten Tisch saßen, klingelte es. Der Hausherr selber ging, um zu öffnen, denn er nahm sehr richtig an, daß der Bäckerjunge ihm den Kuchen bringen werde. Im Triumph trug er ihn in das Wohnzimmer, wo seine Frau und die ins Vertrauen gezogene Schwiegermutter nebst den drei Schwägerinnen erwartungsvoll und mit spöttischen Mienen auf ihn und sein Machwerk blickten.(Schluß folgt.) Amtsrichter Meyer als Nähschulfestredner. Humoreske von Clara Düsterhoff. (Schluß. „Herr Amtsrichter,“ konnte die Generalin doch nicht umhin, zu erinnern,„Sie unterschätzen vielleicht die Zahl der Teilnehmer. Es sind nahezu 60 Kinder in der Nähschule.“ „Macht nichts,“ erwiderte der Amtsrichter mit einer großartigen Handbewegung, dazu aber mit der inwendigen Randbemerkung:„Desto einschneidender wirkt es!“ Die Lehrerinnen blickten wie die Generalin mit immer wachsender Hochachtung auf den spendierlustigen Amtsrichter. Daß er weder Trau= noch Verlobungsring trug, hatten sie im stillen längst festgestellt. Die Kinder klopften vor Wohlgefallen und glücklicher Erwartung immerfort heimlich auf die Stelle, wo bei ihnen Herz und Magen saßen, und ihre Augen wurden immer strahlender. Die Generalin verkündete nun noch einmal zusammenfassend alles, was der„gütige Spender eines so herrlichen Festes“ mit ihnen vorhatte, und sagte dann: „Wir wollen nun noch einen Choral singen, ehe wir an unsere Spiele gehen Heute abend aber machen wir zeitig Schluß, um morgen gut ausschlafen zu können.“ Nach dem Gesange, an dem der Amtsrichter, angeregt durch die herrliche Glockenstimme seiner Nachbarin, mit vollem Herzen teilnahm, empfahl er sich, um die nötigen Bestellungen zu machen. Die jungen Tamen sahen ihm verstohlen ganz bewundernd nach. Ein schlechter Festredner war er ja freilich gewesen, sonst aber ein ausgezeichneter Mensch und sicher ein sehr vermögender Mann. Nun, damit war es in Wirklichkeit nicht so weit her. Es wäre aber zu dem, was er vorhatte, einigermaßen nötig gewesen; denn daß der Spaß ihm die Tränen aus den Augen beizen würde, erkannte Fritz Meyer bei seinen Bestellungen sehr bald. Das war's ja aber gerade, was er beabsichtigte. Die Kur sollte eine ganz einschneidende sein, um auch eine einschneidende dauernde Wirkung zu haben. Diese Wirkung hat sich denn auch, und zwar nicht bloß auf die Weise, wie er es sich vorgestellt hatte. Die sonntägliche Nachseier verlief, vom schönsten Wetter begünstigt, ganz programmäßig, bis auf die kleine Abweichung, daß statt„fast 60 Kinder“ sich deren 72 einstellten, nämlich noch eine Mandel solcher, die man in der Nähschule längst für ausgeschieden angesehen hatte. Die Generalin wollte diese Eindringlinge zurückschicken; Fritz Meyer in seiner Selbstkasteiungswut aber wünschte, daß sie blieben. „Drei Omnibusse haben wir zur Verfügung, da lassen sich die paar auch noch unterbringen.“ Unter fröhlichen Gesängen wurde die Fahrt zurückgelegt, und es traf sich glücklich, daß Fritz Meyer gerade in den Wagen geriet, in welchem die muntere Vorsängerin mit den schönen Augen bereits Platz genommen hatte. So konnte er den ganzen Weg über der angenehmen Verlockung nicht widerstehen, die von ihr angestimmten Lieder begeistert mitzusingen. Beim Spielen am Strande erwies sich dieselbe junge Dame als eine erfinderische, liebenswürdige Anführerin, bei den Mahlzeiten als ein so umsichtiges, praktisches Hausmütterchen, bei einem kleinen Unfall ferner, der einer Schülerin zustieß, als eine so geschickte Samariterin, daß Fritz Meyers unbewachtes Herz, ehe er es sich versah, Feuer fing. Kurz und gut, als der köstliche Tag, der noch viele Jahre lang in der Erinnerung der teilnehmenden Jugend fortlebte, um war, sah sich Fritz Meyer zwar um 170 Mark bares Geld ärmer, aber im geheimen um eine zärtliche Braut reicher. Und als diese ihm über seine Verschwendung scherzhafte Vorwürfe machte, erwiderte er aus tiefstem Herzensgrund und ganz der Wahrheit gemäß: „Aber dafür bin ich nun, ich fühl's, von dem bösen Fehler der allzu großen Gutmütigkeit befreit. Ich werde künftighin Nein sagen können, wo es sich gehört. Und sollte ich doch je wieder schwach werden, so ermächtige ich Dich, mein Lieb, mich ganz einfach an die Erfahrungen zu erinnern, die ich als Festredner in Eurer Nähschule gemacht habe!“ 83 für Unterhaltung und In letzter Roman von Hugo de. Je näher er der Wohnung der Witwe Winkel kam, desto mehr beschleunigte er seine Schritte; mit sieberhafter Hast stieg er die Treppe hinauf und blieb dann vor der Tür der Wohnstube atemlos stehen. Endlich llopfte er an; in der nächsten Sekunde stand er seinem Kassierer gegenüber Der hohe, schlanke Mann mit dem blonden Vollbart, konnte sein Erschrecken nicht verbergen: er schlug“ den Blick nieder und preßte die Lippen fest auf einander. Auch in den scharf markirten Zügen der hageren, gebeugten Frau, die in schlichtem Trauergewande dem Commerzienrat entgegen kam, spiegelte sich Bestürzung: ihre blauen Augen ruhten voll ängstlicher Erwartung auf ihm. „Hugo klagt über Kopfweh,“ sagte sie in besorgtem Tone,„ich habe ihm gerat#n, sich heute ruhig zu halten; aber wenn Sic es wünschen. Herr Commerzienrat, wird er sogleich zu ihnen kommen.“ Der Bankier hatte sich auf einen Stuhl niedergelassen, den sie ihm hinstellte, er legte seinen Hut auf den Tisch und atmete dabei tief und schwer auf. „Deshalb komme ich nicht,“ erwiderte er leutselig; „Jeder kann krank werden, und ich gönne dem jungen Herrn gerne die Ruhe, deren er bedarf. Ich wollte nur eine Frage an Sie richten, Herr Winkel. Unser Buchhalter Starke, der sofort die Kah## übernahm, hat eine Entdeckung gemacht, die ich mir nicht erklären kann. Sagten Sie mir nicht gestern abend, daß Schirmer und Söhne die Wechsel eingelöst hätten?“ Hugo blickte seinen Chef betroffen an. „Treißigtausend Taler— ja wohl,“ antwortete er, sichtbar verwirrt.„Treißig Paketchen Banknoten— jedes zu tausend Taler— liegen im Tressor des eisernen Geldschrankes.“ „Haben Sie die Banknoten wirklich dorthin gelegt?“ fragte der Commerzienr.:.„Besinnen Sie sich, es wäre ja möglich—“ „Nein, nein, ich weiß das ganz genau.“ „Aber sie liegen nic, mehr dort.“ „Gütiger Himmel!“ rief Frau Winkel entsetzt. „Hugo besinne Tich! Di mußt gleich hingehen, um zu suchen: es wäre ja schrecklich, wenn auf Dich ein dacht fiele.“ Der junge Mann war auf einen Stuhl niedergesunken. Er strich mit der Hand über die Stirne, auf welcher große Schweißtropfen perlten. „Ein Verdacht? Auf mich?“ sagte er mit zitternder Stimme.„Herr Commerzienrat, treiben Sie keinen Scherz mit mir; ich werde keine Ruhe finden, bis ich Alles ersetzt habe.“ Der Bankier zog die Brauen hoch hinauf: ein strenger Ebersbach. zürnender Blick traf aus seinen dunklen Augen den Kassierer, der das Haupt nicht zu erheben wagte. „Also hätte ich mich doch in Ihnen getäuscht!“ erwiderte er in herb.n Tone.„Das also wäre Ihr Tant für mein Wohlwollen, für meine Freundschaft, für mein Vertrauen?“ „Hugo!“, rief die Mutter. „Wir sind beide zu bedauern, Frau Winkel,“ fuhr der Commerzienrat fort;„denn alle Liebe, die wir an diesem jungen Manne verschwendet haben, trägt uns nur Undank ein. Zu welchem Zwecke bedurften Sie einer so großen Summe? Und wie können Sie glauben oder nur hoffen, daß Sie jemals in die Lage kommen werden, das Geid zu ersetzen?“ „Ich habe mich vergangen— ich bekenne es offen,“ erwiederte Hugo leise,„es nar ein leichtsinniger Streich, für den ich bitter büßen muß. Ich war darauf gefaßt: ich erwartete mit Sicherheit einen günstigen Ausgang, und die Verhältnisse zwangen mich, den Schritt zu tun, der überdies kein Wagnis zu sein schien.“ „Taraus werde ein Anderer klug,“ sagte der Bankier ungeduldig:„dreißigtausend Taler zu unterschlagen nenneu Sie kein Wagnis?“ „Ver behauptet, daß ich diese Summe unterschlagen hätte,“ fuhr Hugo in fieberhatter Erregung fort. „Sie selbst haben es ja zugestanden. Das Geld ist verschwunden, von einem gewaltsamen Einbruch keine Spur zu entdecken.“ „Und Tu verteidigst Dich nicht gegen diese furchtbare Anklage?“ fragte die Mutter mit gepreßter Stimme. „Sag' mir, daß Tu schuldlos bist, Hugo, und ich glaube Dir.“ „Was soll ich sagen?“ erwiderte er dumpf.„Wenn ich erzähle, was mir gestern abend begegnet ist, wer wird mir glauben?“ „Erzählen Sie!“ befahl der Commerzienrat, das Kinn auf den Elfenbeinknopf seines Stockes stützend. Hugo strich mit der Hand das blonde Haar von der feuchten Stirne zurück und blickte einige Sekunden lang finster vor sich hin. „Verhältnisse, die ich nicht näher erörtern kann, zwangen mich, alles aufzubieten, um mir eine Summe von 2000 Talern zu verschaffen," begann er.„Fragen Sie nicht nach den Gründen, ich darf sie nicht nennen; ich habe Schweigen gelobt und muß mein Wort halten. Tag und Nacht beschäftigte mich der Gedanke, wie ich es ermöglichen könne. dieses Geld zu erlangen. Meine Mutter konnte es mir nicht geben, und Ersparnisse habe ich nicht; mein Gehalt reicht eben aus, meine und meiner Mutter Bedürfnisse zu bestreiten und dem Bruder dann und wann einen Zuschuß zu seinem knappen Solde zu geben. Mein Onkel, der Gerber Bertram Winkel, ist 5 5 3 a SE — 582 E• — 8 — Ga-.HESE O#ESPDLSESSSSBEROESSS SSSESSSSSMSE „SEZE 5588565 M SSAS □ UUEENT• S U—" 0* „TESSEES S SSEES ..- SEESSEE -oEbea eFäSRSEEEFESES S Sa#ySESS"OESSSSS2 SE. SgSSOES SEEL“ S SSOSSESSSRZSSEHSSS SE 2,2 zwar wohlhabend, aber auch geizig; ich hätte ihm den Zweck des Tarlehns nennen müssen, und das durfte ich nicht. Und mein anderer Onkel, der reiche Gutsbesitzer von Weilen, will von der Familie seiner Frau nichts wissen; Frau von Weilen aber, die Schwester meiner Mutter, ist uns gegenüber ebenso adelsstolz, wie ihr Gatte. Ich durfte weder hier noch dort anklopfen; unterlag es doch für mich keinem Zweifel, daß ich mit verletzenden Bemerkungen al gewiesen würde. Und dennoch mußte ich bis zu einem gewissen Termine das Geld haben. Vorgester abend, als ich au Ihrem Hause heraustrot, Herr Commerzienrat, gesellte sich ein fein gekleideter Herr zu mir, der in französischer Sprache einige alltägliche Frar an mich richtetg. Ein Wort gab das andere; er wich nicht von meiner Seite, und im Laufe des Gespräches fragte er mich plötzlich, ob ich geneigt sei, ohne Mühr und Gefahr auf ehrlichem Bege zehntausend Franrs zu verdienen. Eine solche Frage erweckt natürlich immer Mißtrauen; ich ging auch nicht sofort auf den Vorschlag ein, aber die Mitteilungen, welche mic der Fremde hierauf machte, beseitigten meine Bevenken. „Er sagte mir, er sei ein Franzose und politischer Flüchtling. Französische Polizeiagenten verfolgten ihn; sobald sie ihn fänden, würde er verhaftet, von unserer Regierung ausgeliefert uns nach Cayenne transportiert. Ich könne wohl begreife., aiß er jedes Opfer bringe, um diesem Schicksal zu entgehen. Seine Baarschaft bestehe aus Tausen=Francs-Sillets. Es mache immer Aufsehen, wenn man ein solches Billet wechseln lasse; er wage dies um so wenige, weil er aus sicheren Anzeichen wisse, daß er beobachtet werde. Er hätte auch nicht den Mut, zu einem Bauliec oder Wechsler zu gehen. Kurz— er wußte mir seine Lage so glaubwürdig zu schildern, daß ich keinen Grund fand, die Wahrheit seiner Mitteilungen zu bezweiseln. „Er besaß zwanzig Tausend=Francs=Billets, die er mir für dreitausend Taler anbot. Die Scheine waren echt— er gab mir einige, die ich einer genauen Prüfung unterzog. An diesem Geschäft konnte ich zweitausend Taler verdienen; wenn ich es machte, so war ihm und mir geholfen. Nach kurzem Nachdenken entschloß ich mich dazu. Ich konnte die dreitausend Taler in deutschem Gelde aus unserer Kasse nehmen und sie später in französischem Gelde wieder hineinzulegen; ich glaubte, diese Erlaubnis mir nehmen zu dürfen. „Gestern abend wollten nir in einem kleinen Wirtshause, das eine halbe Stunde von der Stadt entfernt liegt, wieder zusammentreffen. Ich fand nichts Befremdendes darin, daß der Fremde: diesen Vorschlag machte, zumal er behauptete, daß er in dem Gasthofe, wo er abgestiegen war, beobachtet würde. Mit dem Gelde in der Tasche trar ich den Weg an, der durch ein Gehölz führte. In diesem Gehölz begegnett mir der Fremde. Er behauptete, schon im Wirtshause gewesen zu sein; es sei dort zu belebt, und er wünsche aus mir bekannten Gründen, das Geschäft ohne Zeugen abzumachen. Tamit hatten wir einen Pfad eingeschlagen, der in das Gehölz hineinführte. Der Fremde holte sein Portefeuille aus der Tasche, nahm die Scheine heraus und zählte sie. Scherzend meinte er, er habe auch Sorge; getragen, daß es kein trockenes Geschäft werde. Mit diesen Worten zog er aus seinem Ueberrock eine versiegelte Bordeauxflasche, die er entkorkte und mir überreichte. „Wir hatten uns mitten im Gehölz auf einem Baumstumpf niedergelassen. Ich befand mich in einer unbeschreiblichen Aufregung, und nichts Böses ahnend, trank ich herzhaft aus der Flasche. Jetzt sollte das Geschäft erledigt werden, aber ich hatte das Geld kaum aus der Tasche geholt, als mir plötzlich die Sinne schwanden. Was dann weiter mit mir geschah, weiß ich nicht. Als ich erwachte, war es Nacht; ich lag auf der feuchten Erde, un der Kopf drohte mir zu zerspringen. Ich raffte m'ch auf— meine Taschen waren leer; man hatte mir auße: der Uhr und meinem Siegelring alles geroubt. Jetzt war es mir unbegreiflich, wie ich so leichti#### hatte sein können. Die Reue kam zu spät Taß de: Verbrecher die mir gestohlenen Schlüssel benutzen könne, um unsere Kasse zu berauben, ahnte ich nicht Ich vermißte diese Schlüssel erst heute Morgen, und da i nicht wagte, Ihnen dies alles einzugestehen, so lie' ich mich krank melden.“ Hugo schwieg. Seine Mutter lag schluchzend in der Sofaecke und hielt das Taschentuch vor die Augen. Der Kommerzienrat schüttelte mit verzweifelter Niene das kahle Haupt, und der strenge Zug, welcher seine Mundwinkel umzuckte, ließ erkennen, daß er für dieses Vergehen keine Entschuldigung fand. „Das klingt wie ein Märchen,“ sagte er mit scharfer Betonung;„und verhielt sich alles so, wie Sie berichtet haben, dann könnte ich Ihre Leichtgläubigkeit nicht begreifen. Haben Sie die nötigen Schritte getan, um jenen Gauner zu ermitteln?“ „Bis jetzt noch nicht,“ erwiderte Hugo kleinlaut. „Und Sie dachten nicht einmal daran, daß dies augenblicklich geschehen müsse?“ „Ich fürchtete das Geständnis.“ „Ob heute oder morgen— einmal mußten Sie es machen! Was soll nun geschehen? Ich hätte nie geahnt, daß Sie meir Vertrauen so sehr mißbrauchen, mir mit solchem Undant lohnen könnten! Ich will Sie nicht an das Wohlwollen erinnern, das ich Ihnen schenkte, nicht an die Freundschaft, mit deren Beweisen ich Sie überhäufte:— Sie können das Alles selbst sich sagen—“ „Ihre Vorwürfe sind gerecht, Herr Kommerzienrat,“ unterbrach ihn Huge;„ich weiß, daß ich Ihr Vertrauen verloren hab und für meinen Leichtsinn bitter büßen muß; aber nur um Eines möchte ich Sie bitten: zweifeln Sie nich: an der Wahrheit dessen, was ich Ihnen mitgeteilt habe Ich werde mir keine Ruhe gönnen und den Gaune: suchen—“ „Türfen Sie hoffen, ihn jetzt noch in der Stadt zu finden? Er ist mit seinem Raube längst über alle Berge, und so lange Sie ihn nicht finden, wird Niemand an ihr Märchen glauben. Waren sie leichtsinnig und gewissenlos genug, dreitausend Taler aus der Ihnen anvertrauten Kasse zu nehmen, weshalb hätten Sie Bedenken tragen sollen, eine größere Summe zu unterschlagen?“ „Das waren harte Worte,“ sagte Frau Winkel mit zitternoer Stimme:„aber Hugo hat sie verdient. Weshalb trautest Du nicht mir Deine Sorgen an? Ich hätte mit Dir die Sache beraten und Dich vor dem verlockenden Anerbieten jenes Betrügers gewarnt.“ „Und' ich hätte ihm die Summe gerne vorgestreckt, wenn er vertrauensvoll zu mir gekommen wäre,““ fügte der Bankier hinze.„Ich hatte auf ihn alle meine Hoffnungen gebaut— eine glänzende Laufbahn lag vor ihm; ich würde— aber genug davon! Meine und seine Hoffnungen sind durch dieses Ereignis vernichter.“ Hugo blickte ihn starr an: ein tiefer Seufzer entrang sich seiner schwer bedrückten Brust. „Ich dars nicht reden,“ sagte er,„Ehre und Existenz eines Andern hängen davon ab, wenn ich darüber nachdenke, so fühle ich mich dem Wahnsinn nahe.“ Er war von seinem Sitz aufgesprungen; aus seinen verzerrten Zügen grinsten Angst und Verzweiflung. (Fortsetzung folgt.) 1 —" 0"— 52 U VAUATS TDGUUUES E 5 uS" 5· FEBEES S S8. 9———•— —„* 8. E * 70 * 2 5 S UE 9 S5 5 8 BPS a OITDU UN••—— kUG—WSBhnn S.aaHSSSSS O S— S S S S SS .**S SS S0 BEBENS 8 60 g 865 65 DaBESSS„SSÄSSDEN. L E 5 — 5 E5EP Tn K= n—- UTSTN T" D 2E.“ *** S=—.— 0 0m 5 R-—, E ES EEUGEUUNGETTwEE 1 * Ter Affe im gräflichen Eine rheinische Sage, erzählt von Kl. Düsterhoff. Die Ruinen eines alten Grafenschlosses in der Rheingegend weisen oberhalb des Schloßtores ein wohlerhaltenes Hochrelief auf, das in Stein gehauen einen Affen darstellt, der einen Apfel in der Hand hält und sich offenbar Mühe gibt, dadurch und durch seine Grimmassen ein kleines Kind zu belustigen, das gleichfalls auf dem Relief zu sehen ist. Auch im Wappen des ausgestorbenen Grasengeschlechts war der Affe verewigt. Was hatte es mit diesem Affen für eine Bewandtnis? Wie die Lokalsage zu melden weiß, deutet der Affe im Torrelief sowohl wie der im Wappen auf ein Ereignis hin, das sich hier vor einer Reihe von Menschenaltern auf diesem Schlosse zugetragen hat. Der damalige Schloßherr hatte seine junge Gemahlin durch den Tod verloren. Des trauernden Gatten einziger Trost in seinem tiefen Kummer war sein Kind, ein holdes Knäblein, und er tat alles, was in seinen Kräften stand, um es als teures Vermächtnis seines geliebten Weibes am Leben zu erhalten. Das schönste, sonnigste Zimmer in dem ganzen alten Bau wurde zum Kinderzimmer bestimmt, und zur Pflegemutter erhielt er die zuverlässigste und wohlangesehenste alte Witwe, die sich auf des Grafen Gütern vorfand. Als Spielgefährten aber wurd: dem Knäblein ein großer, zahmer Affe überwiesen, der schon der frühverstorbenen Gräfin gehört hatte. Da saßen nun die drei, Kind, Pflegerin und Affe, taugaus tagein zusammen in dem prächtigen Schloßgemach mit der weiten, sonnigen Aussicht und vertrugen sich aufs beste miteinander. Die Alte versah ihr Amt mit aller Treue, der Knabe gedieh vortrefflich dabei und der rauhhaarige Gespiele, der seinen Platz auf einer Stange unweit des Fensters hatte, versuchte in seiner drolligen Weise mit zur Unterhaltung und Belustigung des kleinen Grafenbübleins beizutragen. Daneben aber beschäftigte sich das kluge Tier damit, unaufhörlich seine gute Freundin, die alte Wittib, zu beobachten, wie sie treulich und geduldig ihren oft recht unruhigen Pflegling abwartete, bis ihr, wenn er endlich schlief, von selbst die guten, müden Augen zufielen. Eines Tages, als Kind und Wärterin wie gewöhnlich in tiefem Schlummer lagen, packte den Afsen eine unwiderstehliche Necklust. Er sprang von seiner Stange herab, ergriff das schlafende Knäblein und schlich damit zur Tür hinaus, ohne daß die Alte es bemerkte. Wie groß war ihr Entsetzen, als sie beim Erwachen inne wurde, daß das Bettchen leer und ihr Pflegling verschwunden war! In der furchtbaren Voraussetzung, daß Zigeuner, die sich in der Nähe aufhielten, den Kleinen geraubt haben müßten, rannte sie, so schnell ihre alten Beine sie tragen wollten, davon, um durch den Wald, der sich an das Schloß anlehnte, die nächste Ortschaft zu erreichen, wo nach den Erzählungen reisender Kaufleute die Zigeuner ihr Wesen trieben. Vielleicht gelang es ihr noch, ihnen das so ängstlich gehütete Grafenkind wieder abzunehmen. Als sie aber so dahinstürmte, war es ihr auf einmal, als höre sie ihren kleinen Liebling vergnügt krähen. Wie angewurzelt blieb sie stehen und lauschte. Wirklich, etwas seitlich von dem Waldpfade, den sie benutzte, vernahm sie seine wohlbekannte, kindliche Stimme. Auf den Zehen schlich sie der Stelle näher, woher diese willkommenen Laute zu ihr drangen. Jetzt hatte sie nur noch das dichte Laubwerk des Unterholzes auseinanderzubiegen und jetzt— ja, jetzt bot sich ihr der drolligste Anblick, den siei n ihrem ganzen Leben gehabt.— Da saß nämlich in weichem, grünen Moose wohlbehalten ihr kleiner Hugo, neben ihm aber kniete der groß: Affe, schnitt eine liebenswürdige Grimasse, ließ vor den Augen des Knäbleins erst den rotbäckigen Apfel, dann die Milchflasche tanzen, die er aus dem Kinderzimmer mitgenommen hatte, versteckte den eben nicht gebrauchten Gegenstand solange hinter seinem Rücken und beugte während dieser Vorstellung den Oberkörper abwechselnd nach rechts und nach links, kurz kopierte in seinem ganzen Gebaren, im Ausdruck und in jeder Bewegung naturgetreu die alte Wärterin, die er taglich so aufmerksam beobachtet hatte. Daß diese große Mühe hatte, nicht in ein lautes Gelächter auszubrechen, kann man sich denken. Es war ihr nicht anders zumute, als sehe sie ihr Bild in grotesker Verzerrung von einem Spiegel zurückgeworfen. — Und nun änderte sich auf einmal das Bild. Hugo bekam den Spaß satt, die fremde Umgebung mochte ihn ängstigen oder er vermißte die Wärterin, kurz: er stimmte ein erbärmliches Geschrei gn. Unwilltürlich wollte die Wärterin die Zweige des Strauchwerks auseinanderreißen und auf ihren Liebling zustürzen, als sie wiederum von dem Benehmen des Tieres auf ihrem Lauscherposten festgehalten wurde. Es nahm mit der ernsthaftesten Miene von der Welt den weinenden Knaben auf den Arm, wiegte ihn auf und nieder, schritt zugleich auf dem Moosteppich hin und her und brachte all die kleinen Eigentümlichkeiten seines Vorbildes auch hierbei zum Ausdruck. Und als dann das Kind eingeschlafen war, legte der Affe es behutsam auf den Waldboden, tat, als ob er es sanft zudecke und setzte sich daneben auf einen vom Blitz gefällten Baumstamm. Dort senkte er den Kopf auf die Brust, schloß die Augen, beugte mehrmals den Oberkörper nach vorn, richtete ihn mit einem Ruck wieder auf, kurz, ahmte alles nach, was die verborgene Zuschauerin nach dem Entschlummern ihres Herzblättchens zu tn pflegte und führte seine Rolle so getreulich durch, daß er auch darüber einschlief. Und da begegnete ihm dasselbe, was er in seiner Necklust vorher der schlafenden Pflegerin angetan hatte: das Kind wurde ihm geraubt. Der tierische Wärter aber schlief weniger fest, als damals die alte Frau geschlafen hatte, die jetzt mit dem süß ruhenden Jungen glückselig davon schlich. So vorsichtig sie sich dabei anstellte, der Affe erwachte dennoch davoon und machte Miene, sich wütend wie eine Bärin, der ihr Junges gestohlen wird, auf den Räuber zu stürzen, es ihm zu entreißen. Im selben Augenblick aber erkannte er, wen er vor sich hatte und sah ein, daß seinem Schützling von dieser Seite nichts Böses geschehen werde. So begnügte er sich damit, die alte Wärterin und das Kind mit kühnen Sätzen zu umspringen und beide nach Hause zu begleiten. Unterdes hatte aber der Graf seinen Sohn besuchen wollen, und als er weder ihn, noch die Wärterin, noch den Affen vorfand, dazu das Bettchen wie das Zimmer in Unordnung sah, ahnte ihm nichts Gutes. Er schickte seine Diener aus, die einen nach der, die andern nach jener Richtung, die Vermißten zu suchen. Bald stießen sie mit diesen zusammen. Die Wärterin hatte ja eigentlich von dem ganzen Vorfall nichts verraten wollen. Als aber der geängstigte Schloßherr sie scharf ausfragte, mußte sie wohl oder übel mit der Sprache herausrücken. Der Graf war zuerst außer sich über die Unzuverlässigkeit der Frau, der er sein Liebstes anvertraut hatte. Als sie ihm aber, ohne eine Verschleierung ihrer kleinen Schwächen, vormachte, wie der schlaue Affe ihr ganzes Gebahren nachgeahmt hatte, mußte er so lachen, daß er seinen Aerger und Kummer vergaß und ihr alles vergab. Gegen den Affen aber empfand der Graf eine förmliche Tankbarkeit. Er sagte sich, das wachsame mutige Tier würde den kleinen Hugo vor den Zigeunern oder irgend welchen anderen Feinden beschützt haben, die sich den Schlaf der Alten zunutze gemacht und das Kind zu entführen versucht hätten. Aus dieser Tankbarkeit heraus beschloß er, ihn sowohl im Familienwappen wie auch am Schloßportal zu verewigen und ein geschickter Steinmetz mußte die Geschichte in dem Relief darstellen, das noch heute an der Schloßruine über dem Eingangstor zu sehen ist. ...— Sein Geburtstagkuchen. Humoreske von Clara Düsterhoff. „Nein, weißt du, Frau, das Honorar für deine berühmten Kochstunden kannst du dir wiedergeben lassen,“ erklärte Georg Arnold, als seine junge Frau, obgleich sein Geburtstag war und sie sich viel Extraumstände gemacht hatte, wie gewöhnlich nicht nach seinem Geschmack gekocht und gebacken hatte. „Wollte doch der Himmel, es gelänge dir auch nur ein einziges Gericht! Das soll nun z. B. ein Kirschtuchen sein! Es gibt nichts in der Welt, was ich so gern esse wie Kirschkuchen, aber natürlich, es muß ein wirklicher Kirschkuchen sein. Was du mir hier wieder vortischst, schmeckt ungefähr wie nasse Sägespäne. Du hättest meiner Mutter Kirschkuchen dagegen kosten sollen. Das war doch noch ein Kuchen.“ Die junge Frau Arnold saß mit ziemlich verbissenem Gesicht dabei, während ihr Gatte diese Standrede losließ. Sie hatte von der Sorte schon eine gute Portion zu hören gekriegt. Jetzt fuhr sie auf:„Deine Mutter, nun ja, das kenne ich schon! Immer und immer deine Mutter! Ich wünschte nur, sie hätte dir etwas besseres beigebracht, als immer zu kritisieren!“ „Du meinst, mir meine Kuchen selber zu backen," und dann, der Eingebung des Augenblicks gehorchend, fuhr er keck und zuversichtlich fort:„Was das anbelangt, weißt du, einen ∆ 3