—— Erscheint täglich An ausnahme der Sonn= und gesetl. Felellage. Abonnementspreis Ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage ei ine Bont.—„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Peg. vre Wonat, durch die Post bezogen für 3 Monate 1.50 Mi. verbunden Lokal-Anzeiger für Rotstonsch; Bikkot's cauger, Dortmund. tr. 30. mit den Dortmund u. Hörde und der täglichen Unterhaltungsbeilage# sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Dortmund, Samstag, den 5. Februar 1910. Erstes Blatt. Die Mißgeburt des preußischen Wahlrechtsentwurfes. Wie vermutet, so ist’s gekommen, Die Vorlage, die„in organischer Fortbildung des bisherigen Wahlrechts“ nach offiziöser Auffassung Verbesserungen bringen soll, ist ein Wechselbalg sonder Gleichen. Die Verbesserungen“ sind folgende: Direkte Wahl. Die Abstimmung erfolgt abteilungsweise in Stimmbezirken, die Stimmen werden jedoch für den ganzen Wahlbezirk durchgezählt, so daß auch die Minoritäten der einzelnen Stimmbezirke bei dem hauptergebnis zur Geltung kommen. Maximierung, v. h. bei der Abteilungsbildung wird die Steuerleistung des einzelnen Wählers nur bis zur Gesamthöhe von 5000 Mk. angerechnet. Tädurch tritt eine Verstärkung der Wählerzahlen in den oberen Abteilungen ein. Aufstellung neuer Merkmale für die Abteilungsbildung neben der Steuerleistung: Bildung, Berufserfahrung und öffentliche Tätigkeit. Die öffentliche Abstimmung wird beibehalten. Die Tendenz der Vorlage geht auf die Erhaltung des Mittelstands=Einflusses, die Beseitigung plutokratischer Wirkungen, und die Anregung zu stärkerer Wahlbeteiligung. Liese Wahlrechtsreform, die nicht einmal die iöffentliche Stimmabgabe beseitigt, kann auf die Unterstützung und Mitwirkung der Freisinnigen nicht rechnen. Das ist schon zur Genüge zum Ausdruck gebracht worden und soll hier noch einmal wiederholt werden. Von einer Neueinteilung der Wahlkreise ist nichts enthalten, wie man es überhaupt peinlich vermieden hat, wirkliche Verbesserungen in freiheitlichem Einne zu bringen. Also werfet das Scheusal in die Wolfsschlucht. Berlin, 4. Febr. Die Nordd. Allg. Ztg, schreibt über die preußische Wahlrechtsvorlage:„Die organische Fortbildung des Wahlrechts auf den verfassungsmäßigen Grundlagen, wie sie in der Thronrede vom 20. Oktober 1908 verheißen war, schloß den Uebergang zu einem völlig anderen Wahlsystem aus. Lanach kam ein nach Berufsständen gegliedertes System so wenig in Frage als ein Proportional= oder ein Pluralwahlrecht. Es handelt sich vielmehr drWochenplauderei. ms. Dortmund, 5. Februar. Immer hat es Leute gegeben, die nicht wußten sie mit der ihnen zur Verfügung stehenden freien seil anfangen sollten, die ohne einen eigentlichen Levenszweck auf allerlei unnütze Dinge verfielen. So hat 9 3. B. einmal Jemand die Arbeit gemacht, zu zählen, m; o das Wörtchen„und“ in der Bibel vorkommt, ,„, der andere haben ausgerechnet, wieviel Sekunden e Christi Geburt bis zu einem gewissen Zeitpunkt verosten waren und was derlei dummes Zeug noch mehr : Neuerdings ist von einem, der an überflüssiger ven litt, berechnet worden, daß jedes im Reichstage beiprochene Wort bare 10 Reichspfennige kostet. Dam es gleichgültig, ob Blech geredet, oder leeres ton gebroschen wird. Durch die Bank muß das Reich ledes Wort, das die Volksvertreter im ReichsI g en, 10 Pfennia an Kosten bezahlen. Manmitt dnete, der an Rederitts leidet und allzu Petterllam ist, würde es vielleicht gern sehen, wenn . ürich ihm anstatt Diäten jedes Wort, auch wenn Pienniag. die Goldwage gelegt ist, mit einem 10 nigstück aufwöge. Daß das für alle Zeiten ein ###* Wünsch bleiben möge, ist mein aufrichtigster är der„.D der schönen und unschönen Reden Ströme her...“ Ende nehmen, wenn das Reich seiner Geder P#heit zuwider so gut bezahlte. Derselbe Rechner. Mart Vorte der Reichstagsabgeordneten auf ihren #. untersucht hat, hat ferner herausgerechnet, daß les ugg: der Mitglieder des preußischen Herrenhaueinhalb g.““ sind, daß jedes davon etwa 16= für 18=r u19 kostet. Wenn man bedenkt, daß man einen g..— Pfennig überall ein gutes Glas Bier, brauch=.t: Das oder sonst einen nützlichen Verdaß aktirel erhält, und wenn man weiter bedenkt, Institu. Herrenhaus eine ganz überflüssige ich sage Jas# wird man mir recht geben, wenn schwendet zud.: Staate Preußen doch recht viel verGute“ das man besser den armen Leuten zu auf de Marr 4en sollte. Uebrigens blicke ich neidisch werden spertreter, deren Worte so hoch bewertet legen niemer. wohl alle meine deutschen Kolemaiv erleben werde, daß meine Worte, die, rum, das bisherige Wahlrecht auf Grund der gewonnenen Erfahrungen von Mängeln zu befreien und den Verhältnissen der Gegenwart anzupassen. Die Behauptung, daß die Drei=Klassen=Wahl die breiten Volksschichten vom Einfluß auf die Wahl ausschließen und regelmäßig zur Ueberstimmung der 3. Abteilung durch die beiden oberen Abteilungen führe, hält vor der Statistik nicht stand. Die Mängel des Systems liegen in der indirekten Wahl und der mit dem Wahlmännersystem zusammenhängenden Vernachlässigung der Minoritäten. Sodann in den Anormalien, die sich in der ersten Abteilung aus dem übermäßigen Stimmengewicht der großen Steuerzahler ergeben, weiter in der ausschließlichen Anwendung des Steuermaßstabes bei der Bildung der Abteilungen. Diesen Mängeln will die Vorlage durch folgende Maßnahmen abhelfen: Von der indirekten soll zur direkten Wahl übergegangen werden. Durch diesen Uebergang wird das politische Interesse der Wähler gefördert und der größeren Teilnahme an den Wahlen werden die Wünsche der Bevölkerung besser zum Ausdruck gelangen. ... Die Tendenz der Vorlage läßt sich dahin zusammenfassen, daß sie unter Aufrechterhaltung der bisherigen Grundlage des Wahlrechts und des Einflusses der mittleren Stände plutokratische Ausartungen beseitigt und für die Zukunft verhindert, und daß sie die Teilnahme der Wählerschaft an den Wahlen belebt.“ Die Beibehaltung der öffentlichen Abstimmung wird folgendermaßen motiviert: „In kleinen Stimmbezirken, die zur Erleichterung der Wahl notwendig sind, läßt sich das Wahlgeheimnis für die zweite und erste Abteilung nicht wahren, und man kann nicht der dritten Abteilung gewähren, was sich für die beiden anderen nicht sichern läßt. Gegen böswillige Verletzung des Wahlgeheimnisses und gegen terrortstische Beeinflussung der Wähler schützt auch die geheime Wahl erfahrungsgemäß nicht. Sie begünstigt eher die Neigung, sich solcher Mittel zu bedienen, und stumpft das politische Verantwortlichkeitsgefühl ab. Die Oeffentlichkeit der Stimmabgabe er hält das Bewußtsein politischer Verontwortlichkeit reger, dagegen gibt das geheime Wahlrecht staatsfeindlichen Bestrebungen den Schein einer Stärke und Verbreitung, die sie nicht besitzen. Was die neuen Merkmale für das Aufsteigen in eine höhere Abteilung anbelangt, so soll abgeschlossene Hochschulbildung, die Mitgliedschaft im Reichsund Landtag, ehrenamtliche Tätigkeit in den Selbstwerwaltungsbehörden und in den Verwaltungskörverschaften der höheren Kommunalbehörden sowie Offiziersdienst im Heer und in der Flotte zum Aufstieg aus der zweiten und dritten Abteilung in die nächst höhere berechtigen. Die ehrenamtlich in den Verwal tungskörpern der engeren Kommunalverbände tätigen Wähler sollen aus der dritten in die zweite Abteilung aufrücken. Der Anspruch auf das erhöhte Stimmrecht soll dauernd durch wenigstens zehnjädrige Tätigkeit in den bezeichneten Ehrenämtern erworben werden. Endlich sollen diejenigen Wähler der zweiten Abteilung der dritten Abteilung zugewiesen werden, die mit Einkommen von mehr als 1800 Mark zur Staatseinkommensteuer veranlagt sind, und entweder seit 15 Jahren sich im Besitze der Befähigung zum einjährig=freiwilligen Dienst befinden, oder seit wenigstens 5 Jahren ununterbrochen die Berechtigung zur Anstellung im Zivildienst auf Grund wenigstens zwölfjährigen militärischen Dienstes oder die Berechtigung zur Einstellung in den Forstdienst besitzen. Beide Gruppen sollen den Anspruch aber erst besitzen, wenn sie eine reifere Lebenserfahrung und Einsicht in öffentliche Angelegenheiten gewährendes Lebensalter erreicht haben und auch nach ihrer äußeren Lebenslage zu den Angehörigen des Mittelstandes gerechnet werden können. Die Feststellung des Wahlergebnisses soll sich folgendermaßen vollziehen: Für jede Abteilung besonders wird die Zahl der im ganzen Landtagswahlbezirk abgegebenen gültigen Stimmen zusammengerechnet und der Anteil jedes Kandidaten an den abgegebenen gültigen Stimmen zusammengerechnet und der Anteil jedes Kandidaten an den abgegebenen gültigen Stimmen abteilungsweise nach hundert Teilen der Stimmen festgestellt. Diese gewonnenen Zahlen aller Stimmen jeder Abteilung werden für jeden Kondidaten zusammengezählt; ihre Summe wird durch drei geteilt. Gewählt ist der, dessen Durchschnittsstimmenanteil hiernach mehr als 50 von 100 beträgt.“ Berlin, 4. Febr. Am Montag tritt der Seniorenkonvent des Abgeordnetenhauses zusammen, um zu beraten, ob Dienstag und Mittwoch den Abgeordneten zum Studium der Wahlrechtsvorlage freigegeben werden soll. Die erste Lesung der Vorlage würde dann am Donnerstag erfolgen. Berlin, 5. Febr. Von den hiesigen Morgenblättern befaßt sich nur ein Teil mit der gestern veröffentlichten Wahlrechtsvorlage. Das„Berl. Tagebl.“ schreibt u. a.: Die Väter der Reform hätten ihre staatsmännische Unvollkommenheit, Herr v. Bethmann Hollweg hätte die geistige Armut seiner Bureaukratenphilosophie gar nicht schlimmer bloßstellen können, als daß sie diese Selbstverständlichkeiten zum Angelpunkt des sog. Reformwerkes machten.— Die„Boss. Ztg.“ sagt: Die wenigen, winzigen Verbesserungen der Vorlage sind kaum der Rede wert, es ist eine klägliche und kümmerliche Vorlage und gibt denen, die nach Brot rufen, einen Stein. Im ganzen bedeutet sie vor allem für die, die noch hofften, eine schwere Enttäuschung.— Die„Nat.=Ztg.“ schreibt: Die Aufgabe der liberalen Parteien wird es sein. die wenn sie auch nicht gesprochen, sondern geschrieben sind, doch nicht größeres Blech sind als die meisten Worte der Volksvertreter, mit 10 Pfennigen das Stück aufgewogen werden. Der arme„Zeitungsschreiber muß heutzutage froh sein, wenn der Verleger ihm sage und schreibe ganze 5 Reichspfennige nicht etwa für das Wort. sondern für die ganze Zeile von manchmal recht beträchtlicher Länge großmütig in die Hand drückt. Doch will ich dies Thema lieber abbrechen; ich befürchte, daß mir mein Verleger auf's Dach steigt, wenn ich meinem Unwillen über die Geringschätzung meiner Worte hier kreien Lauf lasse. Dann auch habe ich so das Gefühl, als wenn sich meine verehrlichen Leier und Leserinnen gerade setzt nicht gern von den Schattenseiten des Lebens unterhalten lassen, sondern viel eher etwas Lustiges hören möchten, über das sie herzlich lachen können. Der Hang zum Lachen ist der menschlichen Natur angeboren und unterscheidet, wie der ariechische Philosoph Arkstoteles schon gesagt hat, den Menschen vom Tiere. Allerdings soll es auch ernste und tiefsinnige Männer gegeben haben, die, wie z. B. Wallenstein, niemals gelacht haben. Doch das sind Ausnahmen, die die Regel bestättgen, daß das Lachen eine berechtigte Eigentümlichkeit des Menschen ist. Es wird wohl zu keiner Zeit des Jahres mehr gelacht und gescherzt als in der Karnevalszeit. Daß man diese gesunde Motion in gewissen Kreisen nicht gern skeht, habe ich in meiner Wochenplauderei vom letzten Samstag ja schon dargelegt. Deshalb halte ich es für sehr erfreulich, wenn sich gelehrte Leute finden, die es sich zur Aufgabe machen, die Berechtigung und Bedeutung des Karnevals nachzuweisen. Kein Zweifel, der Mensch, der das ganze Jahr hindurch sich mühselig durchs Leben schlägt, verlangt sehnsüchtig und ungestüm nach gewissen Ruhepunkten, nach Feiertagen, welche die Einförmigkeit des Werktaglebens heilsam und erfrischend unterbrechen, damit sich der Körper ausspannen und der eingepferchte Geist gehen lassen kann. Schon im Mittelalter haben selbst Geistliche die Berechtigung von Narren= und Spottfesten anerkannt, damtt, wie sie sich ausdrückten,„die dem Menschen angeborene Narrheit wenigstens einmal im Jahre sich recht austoben könne: ließe man dies nicht zu, würde der Mensch zerspringen gleich einem alten Weinfasse.“ Der alte Spötter Savhir hat es freilich nicht unterlassen können, seine Satyre auch an dem Karnevalstreiben zu üben. So spricht er von der„großen Drehkrankheit der Faschingszeit, die nicht nur die Schafe befalle, die in der Wolle sitzen, sondern auch die Schäfchen im Mieder und Krinoline, wo der Himmel voll Geigen und die Erde voll Versatzzettel hänge.“ Wo Saphir recht hat, da hat er recht und ich will ihm auch nicht bestreiten, daß in der Faschingszeit wesentlich mehr versetzt wird, als zu anderen Jahreszeiten. Die städtische Leihanstalt sowie vornehmlich die verschiedenen privaten Versatzinstitute können davon viel erzählen. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen, daß ein Ehepaar eine Nähmaschine zur Pfandleihanstalt brachte, um, wie ich aus dem Gespräch der einander würdigen Leutchen hörte. das Geld zu erhalten, das sie dringend„nötig“ hatten, um einen Maskenball besuchen zu können. Natürlich sind solche Fälle tief bedauerlich, aber bilden zum Glück nicht die Regel; sonst könnte man vielleicht zu dem Vorschlag kommen, daß in der Faschingszett das Versetzen überhaupt verboten werde. Aber vereinzelte Fälle, die Saphirs Ausspruch als berechtigt erscheinen lassen, nimmt man wohl oder übel in den Kauf, wenn man sich gegenwärtig hält, daß der Karneval in hohem Grade geeignet ist, durch die Nahrung, die er dem angeborenen Frohsinn des Menschen bringt, seine Lo benskraft zu stärken, ihm eine heilsame Medizin gegen zerstörenden Trübsinn zu liefern, ja sein Leben zu verlängern. Wer sein Leben liebt, tut gut, den Frohsinn zu pflegen. Dieser kommt nirgend mehr zum Ausdruck als im Karneval. Daher lasse man sich durch Kapuzinerpredigten, wie sie kürzlich von wangeltscher Seite versucht wurden. nicht gegen den Karneoal einnehmen, sondern bleibe ihm treu zum eigenen Nutzen und Wohlergehen. Die Prediger in der Wüste werden bald einsehen, daß ihre Worte auf recht steinigten Boden fallen, daß wie der Hang zum Lachen, auch die Narrheit zu den menschlichen Bekleidungsstücken gehört und daß ein altes Narrenlied, wie ich zum Schluß nech erwähnen möchte, mit Recht singt: „Zählt mir die Blätter aller Bäume. Die Kubikfuß der Sternenräume. Die falschen Haare aller Damen. Die Tröpfchen, die aus Schöppchen kamen. Inserate die S gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Pfg. Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Pfg. Beilagen nach Uebereinkunst. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann, Dortmund. Vorlage so auszubauen und umzugestalten, daß sie den Anforderungen des modernen politischen Lebens mehr angepaßt sein wird.— Die„Tgl. Rosch.“ und die „Freis. Ztg.“ vermissen in der Vorlage vor allem die Angaben über eine Neueinteilung der Wahlkreise.— Der„Vorwärts“ meint: Die Wahlrechtsvorlage bedeute nichts Geringeres als die dauernde Knebelung und Entrechtung der preußischen Volksmehrheit, de sei die Kriegserklärung an das preußische Volk. Der„ungekrönte Rönig“ von Preußen, Herr v. Heydebrand, hat auf dem hannoverschen Parteitag der Konservativen eine Rede zur Verherrlichung seiner Partei gehalten. In dieser leistete er sich nach einem Telegramm folgende Sätze: Es wird der konservativen Partei vorgeworfen, daß sie der freien Betätigung des Volkes nicht diejenige Bahn öffnen will, die ihm zukommt, Demgegenüber habe ich zu erklären, daß wir Konservative an den Rechten des Volkes, wie sie unsere Verfassung gegeben hat, nicht rütteln lassen wollen. Wir haben eine Empfindung dafür, und wir glauben, daß in unserer modernen Zeit eine Beschränkung dieser Rechte nicht am Platze ist. Wir wünschen ein freies Volk, wir wissen, daß auch in der Freiheit sich eine starke Autorität bewähren kann. In der Tat kann die Liebe freier Männer auch den Thron stärker schützen als andere Mächte. Diese famosen Sätze wurden nicht etwa mit der) ständnisvollem Hohngelächter, sondern mit„stürmischem Beifall“ ausgenommen. Tann folgte folgende landesübliche konservative Verbeugung vor dem Königstum: Wenn wir aber dieser Anschauung hildigen, wenn wir an den Volksrechten nicht rütteln latsen wollen, so wissen wir doch andererseits, daß eine starke Königsmacht für unser preußtsches Vaterland unter allen Umständen ebenso notwendig ist. Wir wissen, was das angestammte Königshaus in Preußen unserem Vaterlande gewesen ist, und wir haben die Hoffnung, daß es so bleiben wird. Wir wissen, daß es in den Kämpfen, die von allen Seiten gegeneinander geführt werden, eine Macht geben muß, die ausgleichend wirkt. Je mehr wir Konservativen es ablehnen müssen, eine Herrschaft einzelner Parteien zu stabilisieren, um so mächtiger muß die Gewalt gegründet werden, die über den Parteien steht. Wenn das nicht so ist, dann haben wir die Herrschaft einzelner Parteten, und das paßt nicht für unser Vaterland. Es ist eine alte Tevise der preußischen Junker: „Und der König absolut, wenn er uns den Willen tut.“ Hiernach ist ihre monarchistische Lemonstrationsgepflogenheit zu bewerten. Die Furcht vor der „Herrschaft einzelner Parteien“ fängt, wie die Berl. Volksztg. bemerkt, bei den Konservativen da an, wo Und ich zähle Euch sogleich Die Narren all im Narrenreich; Denn soviel Köpfe, soviel Sinnen, Auch soviel Sparren stecken drinnen Dortmunder Stadttbeater. Spielplan von Sonntag, den 6. Februar bis Sonntag, den 13. Februar 1910. Sonntag, den 6. Februar 1910. Nachmittags=Vorstellung zu volkstümlichen Preisen. Anfang 3 Uhr. „Gespenster“. Ein Familiendrama in drei Aufzügen von Henrik Ibsen. Abends 7 Uhr. Opernpreise.„Die Meistersinger von Nürnberg“. in 3 Aufzügen von Rsch. Wagner.. Montag, den 7. Februar 1910. Anfang siebeneinhalb Uhr. Schauspielpreise. Serie A. Nr. 34, grüne Karten. Zum dritten Male.„Der Deutsche König“. Schauspiel in 5 Aufzügen von Ernst v. Wildenbruch. Dienstag, den 8. Februar 1910. Anfang siebeneinhalb Uhr.. Opernpreise. Serie B. Nr. 34, braune Karten. Uraufführung in Deutschland. Zum ersten Male.„Im Paradies Mahomets“. Operette in drei Aufzügen von Robert Planquette.(Komvonist der„Glocken von Corneville“). Mittwoch, den 9. Februar 1910. Anfang stebeneinhalb Uhr. Volksvorstellung bei aufgehobenem Abonnement. Jahreskarten gültig. Volkstümliche Preise. „Judith“. Trauersviel in fünf Aufzügen von Friedrich Hebbel. Donnerstag, den 10. Februar 1910. Anfang siebeneinhalb Uhr. Overnpreise. Serie A. Nr. 35, grüne Karten. Zum 2. Male.„Werther“, Lyrische Oper in drei Aufzügen von I. Massenet. Freitag, den 11. Februar 1910. Anfang stebeneinhalb Uhr. Schauspielpreise. Serie B. Nr. 35, braune Karten. Jum 1. Male.„O diese Leutnants“, Lustspiel in 3 Aufzügen von Kart Kraatz. Sonnabend, den 12. Februar 1910. AAnfang acht Uhr. Opernpreise. Serie C, Nr. 34, rote Karten. Zum 2. Male.„Im Paradiese Mahomets“, Operette in 3 Aufzügen von Robert Planquette (Komponist der„Glocken von Corneville“). Sonntag, den 13. Februar 1910. Nachmittgasporstellung zu volkstümlichen Preisen. Anfang dreieinhalb Uhr.„Die Großstadtluft“. Schwank in 4 Aufzugen von Oskar Blumenthal und Gustav KadelAbends acht Uhr. Overnpreise.„Eln Sommer= nachtstraum". Lustspiel in drei Aufzügen von W. Shakespeare. Mukik von Feliz Mendelssohn Bartholdn sie das Aufhören der konservativen Parteiherrschaft befürchten. Taher auch ihr Sträuben, dem„freien Volke“ ein Wahlrecht zu geben, das der Gerechtigkeit und der Vernunft enspricht“ Deutsches Reich. Reichswertzuwachssteuer. Dem Reichstag wird bis längstens 1. Aprik 1911 die Vorlage einer Reichswertzuwachssteuer zugehen. Die Regierung beabsichtigt, in dem Gesetz rückwirkende Bestimmungen einzubringen, falls die Privatspekulation durch Beschleunigung von Grundstücksübertragungen vorher noch Profite in abnormem Umsange einzuheimsen versuchen sollte. Geschäftsordnungsrevision im Im Reichstag ist von freisinniger Seite ein Antrag auf Reviskon der Geschäftsordnung eingebracht worden. Danach soll u. a. die Zeit der Besprechung der Interpellationen näher präzisiert und die Stellung von Anträgen bei Interpellationen für zulässig erklärt werden. Weiter wird verlangt, daß die Stellung kurzer Anfragen tatsächlicher Art(kleiner Interpelkationen) an den Bundesrat oder an den Reichskanzler möglich ist, und daß die Behandlung der Schwerinstage und der Initiativanträge einer Revision unterzogen wird. Wirthausverbet. Im Zusammenhang mit der Neugestaltung unseres materiellen Strafrechts wird geplant, die Gerichte zu ermächtigen, bei strafbaren Handlungen, die auf Trunktucht zurückzuführen sind, neben der Strafe dem Verurteilten den Besuch der Wirtshauser auf die Dauer bis zu einem Jahre zu verbteten. Nachdem der Zusammenhang des Alkoholmißbrauchs mit der zunehmenden Kriminalität überzeugend nachgewiesen ist, sollen, diejenigen, die sich strafbarer Handlungen in der Trunkenheit schuldig machen, auf längere Zeit von den Orten ferngehalten werden, wo sich die Gelenenheit zur Berauschung bietet. Ein solches Wirtshausverbot ist auch in anderen Ländern schon erfolgreich als Nebenstrafe für Trunkenheitserzesse durchgeführt worden und es soll, setzt auch das deutsche Strafgesetz eine derartige Bestimmung zur Einschränkung der Trunksucht erhalten. Dortmund, 5. Februar. —* Dortmunder Pserdemärkte finden am 2. u. 3. März dieses Jahres statt. Marktzeit an beiden Tagen ist von 8 Uhr vormiltags bis 6 Uhr nachmittags Die nächsten Märkte finden weiter statt am 3. und 4. August, sowie am 27. und 28. Oktober. —* Freunde evangelischer Freiheit. Auf dem zweiten Diskussionsabend Montag, den 7. Februar soll über die Frage der seruellen Aufklärung gesprochen werden. Das einleitende Neferat hat Pfarrer Lic. Traub. Jedermann ist willkommen. —* Mit Feuer spielten gestern Nachmittag die drei Kinder im Alter von 6 bezw. 4 und 2 Jahren eines Bahnbeamten in der Lessingstraße 53, als sie von den Eltern allein zu Hause gelassen worden waren. Die Kinder steckten eine Kerze an, die sie dann auf die Fensterbank stellten. Innerhalb weniger Augenblicke hatten die Fenstervorhänge und Gardinen Feuer gefangen und standen in Flammen. Schnell hatte sich das Feuer mehreren Möbelstücken mitgeteilt, auch war ein Bett in Brand geraten, alles in Rauch einhüllend. Nachbarn entdeckten den Brand und benachrichtigten einen Polizeibeamten, der die Tür öffnete und die bereits deml Erstickungstode nahen Kinder ins Freie brachte. —* Musikalische Gesellschaft. Beim dritten Vereinskonzert, das am 20. Februar, nachmiktags fünfeinhalb Uhr im Festsaal des alten Rathauses stattfindet. wirken außer dem bedeutendsten deutschen Lautensänger Robert Kothe aus München noch mit Frl. Emmy Heine(Sopran), Frl. Helene Tellering(Klaviec), Herr Robert Schirmer(Tenor) und Herr Willy Eickemeyer (Klavier), sämtlich Lehrkräfte am Konservatorium der Musik Holtschneider=Hüttner. Der Stuhlplan lkegt im Verkehrsbüro am Markt auf, woselbst auch die Eintrittskarten zu haben sind. —' Polizei=Bericht. In vergangener Nacht bezw. im Laufe des gestrigen Tages wurden 18 Personen festgenommen und zwar: 5 wegen Obdachlosigkeit, je 3 wegen Diebstahls und Fürsorgeerzlehung, 2 wegen schwerer Körperverletzung und je 1 wegen Betrugs, Unfugs. Umhertreibens, Trunkenheit und Uebertretung der sittenpolizeilichen Vorschriften.— Am 1. d. Mts, ist vor Berliner Brief. - h. Berlin, 4. Februar. Der moderne, wenn auch oft recht hohle Glanz unieres Gesellschaftslebens macht sich in den letzten Jahren mehr und mehr auch nach außen geltend. Man sehe nur bei den Galaopern, bei den vornehmen Bällen und dergleichen die prunkvollen Toietten, und man sehe sich einmal die Eleganz der Gäste an, welche die Speisesäle unserer neuen erstklasigen Hotels füllen. Hier gewahrt man Bilder, wie man sie selbst noch in den 90er Jahren kaum für möglich gehalten hätte. Während früher unsere sogenannte Gesellschaft es meist auf das peinlichste vermied, sich, außer, wenn es unbedingt notwendig war, in der weiteren Oeffentlichkeit zu zeigen, gehört es in diesen Kreisen jetzt zum guten Ton, nach großen gesellschaftlichen Veranstaltungen, iie Hofbällen, Wohltätigkeitsfesten usw. einige Zeit in den Sälen der vornehmen Hotels, wie Esplanade, Adlon, Kaiserhof usw. zuzubringen, und hier entsaltet sich allabendlich ein wirklich farbenprächtiges Bild. Früher fuhr man nach Haus, höchstens, daß die Herren vom Militär, namentlich die älteren Chargen, noch ein paar Schoppen Bier bei Siechen oder Pschorr rertllaten. Heut zu Tage ist man eben nobler gewocden. Nur eine große öffentliche Veranstaltung hat ihren alten Charakter gewahrt: Der Presseball. Die Kreise, welche konst de Riltter von der Feder hochmütlg über die Achsel ansehen, kommen an diesem Abend sehr gern als Gäste nach der Philharmonte, um zu sehen und gelehen zu werden. Wie ein Ei dem andern gleicht sich die Veranstaltung alle Jahre, es herrscht das fürchterlichste Gedränge, man sieht die Minister, hohe Beamte. viele jüngere Offiziere, die Finanzaristokratie, aber herzlich wenige Angehörige der Presse, daher der Name! Für die Damen gibt es die übliche Spende in Gestalt eines materiellen. sowie eines amtthan Ganufle# dem Korbwarengeschäfr von Arnoto Vossen, Markt 9. eine Kiste mit ca. 300 Apfelsinen im Werte von etwa 15 Mark gefunden worden. Die Kiste trägt die Zeichen„Barge 714“. Der Eigentümer wolle sich auf dem Fundbüro, hier. Olpe 7 II. melden. — 5. Kirchenmusik in der Reinoldikirche. Am Sonntag, den 6. Februar abends 7einviertel Uhr veranstaltet Herr Musikdirektor Holtschneider im Auftrage des Presbyteriums die fünfte Kirchenmusik. Zur Aufführung kommen ausschließlich Kompositionen von Joh. Seb. Bach. Mitwirkende sind Herr Hugo DTox (Gesang). Frhr. Quadt aus Arnsberg(Violine), der Chor der musikalischen Gesellschaft und der Reinoldikirchenchor. Der Eingang zur Kirche ist nur von der Turmseite her. Der Eintritt ist frei. Programme sind a 10 Pfg. im Verkehrsverein am Markt, sowie am Kircheneingang zu haben. —“ Der Verein Rheinland sah in seiner letzten Kappensitzung, die er am Donnerstag im Gewerbeverein abhielt, wiederum eine große Schar treuer Freunde und Freundinnen unter dem Szepter seines allen Lagen gewachsenen im Feuer des Faschings erprobten und gehärteten Präsidenten Jcan Wirtz versammelt, um alle Sorgen hinter sich lassend, noch einmal nach rheinischer Art die Faschingsfreude in vollen Zügen zu genießen. Daß man im Verein Rheinland den Karneval in froher Stimmung, aber ohne seine sonst mit Recht gerügten Auswüchse zu feiern versteht, hat der Verein im Laufe seines 24jährigen Bestehens bewiesen und in In der jetzigen leider zu kurzen Saison von Neuem gezeigt. Das ist bekannt und drum geht man gern zum Verein Rheinland. Am Donnerstag sah man in der Bütt Frau Becker als Dienstmädchen von SchulteKump und Herrn Seligmann als Zimmermädchen, während uns Frl. Elly Brand etwas aus dem Lande der Zitronen erzählte. Auch Herr Rogge erfreute nochmals durch humoristische Vorträge. Herr Mathies=Edderich präsentierte sich als Popolski vom dicken August in Dorstfeld und Herr Schulte=Kump erregte durch sein bekanntes ABC wiederum stürmische Heiterkeit. Da zur letzten Sitzung noch allerlei herzliche Lieder vorlagen und gesungen wurden, war die Stimmung der närrischen Schar bald die allerfidelste. Mit freudiger Cenugtuung wird man allgemein an die herrliche, leider zu kurze Faschingszeit des Jahres 1910 zurückdenken. Heute Abend beschließt ein großer Preis=Maskenball die karnevalistischen Veranstaltungen des Vereins Rheinkand. Die Maskenbälle des Vereins Rheinland haben von jeher eine starke Anziehungskraft ausgeübt. Der heutige wird sich seinen Vorgängern würdig anschließen. — Mäßigkeitsbestrebungen. Der geschäftsfühdende Ausschuß des Vereins gegen den Miß brauch geistiger Getränre wählte den Magistratsassessor Dr. Pieper zum Vorsitzenden, Gymnasialdirektor Dr. Franz zum stellv. Vors., Rektor Tölle zum Schriftführer und Oberstadtsekretär Andrecke zum Kassenwart. Die Mitgliederzahl ist von 74 im November auf 106 gestiegen. Man will zur Gewinnung neuer Mitglieder in Schulen, Gerichten, bei der Post, Eisenbahn 2c. Einzeichnungslisten zirkulieren lassen. Die Wohltätigkeitsvereine sollen zur Erwerbung der Mitgliedschaft aufgefordert werden. Die jedem zur Verfügung stehende Vereinsbibliothek umfaßt 65 Nummern. Ueber ein Angebot, in einem öffentlichen Neubau einen alkoholfreien Erfrischungsraum einzurichten, soll die Entscheidung in nächster Zeit fallen. Mit der Gemeinnützigen Gesellschaft für Milchausschank in Düsseldorf wird wegen Aufstellung von etwa 10 weiteren Milchhäuschen verhandelt. Die Landesversicherungsanstalt„Westfalen“ hat für Trinkerfürsorge dem Verein für das laufende Etatsjahr(1. 4. 09—31, 3. 10) 300 Mark überwiesen, nachdem sie bereits 200 Mark für dieses Jahr der evangel. Fürsorgestelle für Alkoholkranke überwiesen hatte. Die Landesversicherungsanstalt hat die Hergabe eines mit 4 Proz. verzinsbaren und amortisierten Tarlehns bis zu 5000 Mk. abgelehnt, da sie ihr Geld gemäß Paragr. 164 Inv. Vers. Ges. nur mündelsicher anlegen dürfte. Das Geld solle zu dem Zwecke aufgenommen werden, Verkaufsbuden für Selterswasser, Kaffee, Milch und andere Nahrungsmittel auf öffentlichen Plätzen aufzustellen. Das Eisenwerk Hoesch hat einen größeren Beitrag in Aussicht gestellt. An die übrigen Werke und Unternehmer in Tortmund soll gleichfalls in nächster Zeit mit der Bitte um einen Zuschuß herangetreten werden. Für Dortmund kommen rund 100 Unternehmungen in Betracht. Bei der Armenverwaltung ist z. Zt. eine Statistik in Bearbeitung, um möglichst genau die der Stadt durch die Trunksucht entstehenden Kosten zu berechnen. Je nach dem Ergebnis werde, wurde mitgeteilt, die Stadt wohl nicht abgeneigt sein, die in diesem Jahre aus Sparkassenüberschüssen für die Trinkerfürsorgestellen bewilligte Summe von 1000 Mk. im nächsten Jahre zu erhöhen.— Der Zentralausschuß der Mäßigkeitsund Abstinenzbewegung in Tortmund wählte Amts richter Reining und Frau Oberbergrat Schlüter zu Mitgliedern. Der Ausschuß besteht z. Zt. aus 37 Personen. Die kathol. Försorgestelle für Alkohol= kranke wird in Wirksamkeit treten, sobald die vom Magistrat vorgeschlagenen 500 Mark aus Sparkassenüberschüssen von den Stadtverordneten bewilligt seien, spätestens jedoch am 1. April d. I. Die Stadt wird den beiden Fürsorgestellen wahrscheinlich einen gemeinschaftlichen Raum in der allten Herbeige unentgeltlich zur Verfügung stellen. Der Zentralausschuß beschloß, die Trnikerfürsorge wie folgt zu organisieren: Die Armenverwaltung, Gemeinde=Waisenrat, sowie die Vereine, die sich mit Armenpflege und Jugendfürsorge beschäftigen, sollen den Fürsorgestellen, die ihnen bekannt gewordenen Trinker sofort mittcilen. Die Fürsorgestellen sollen dann möglichst dahin wirken, daß die Trinker abstinenten Vereinen als Mitglieder beitreten, und die Trinker durch ihre Helfer ständig zu überwachen. Falls Zwangsmaßnahmen nötig sind, soll die Armenverwaltung angegangen werden, mit Anträgen auf Entmündigung, bestrafung, Entziehung der elterlichen Gewalt und Fürsorgcerziehung. Die Fürsorgestellen sollen außerdem ständig Fühlung haben mit den wohltätigen Vereinen und Jugendfürsorgevereinen und diese auf geeignete Fälle für ihr Einschreiten aufmerksam machen. Der Vorsitzende teilte mit, daß die Landesversicherungsanstalt im Jahre 1903 zwei Personen und 1908 79 Personen in Trinkerasylen untergebracht habe. Von den 79 Personen seien entlassen 43 mit gutem, 26 mit mittlerem und 10 ohne Erfolg. 1908 seien hierfür insgesamt 24 750 Mk. aufgewendet worden. Es wurde beschlossen, die Einrichtung von Sel terswasserbuden, deren z. Zt. rund 150 in Dortmund vorhanden sind, sowie Milchhäuschen zu fördern. Bezüglich der Selterswasserbuden wurde es als Mangel empfunden, daß sie in den Wintermonaten geschlossen seien. Man glaubte, wenn im Winter Milch, Kaffee und Brot verkauft würde, die Buden sich auch im Winter rentieren würden. Nach dieser Richtung hin soll mit den Budenbesitzern verhandelt werden. Die tere Milchhäuschen zu errichten. Wegen der Milchvergung in Düsseldorf sind nach Mitteilung des Vor sitzenden im Winter und Sommer von morgens 5 Uhr ab geöffnet und rentieren sich. Es soll der Gesellschaft vorgeschlagen werden, an neun Punkten weitere Jilchhäuschen zu errichten. Wegen der Milchversorgung der Schulen soll mit der Gesellschaft in Tüsseldorf, der Schuldeputation und den Schulkurato rien verhandelt werden. Man glaubt, daß, wenn die Schuldiener die Milch für 19 Pfg. das Liter bekommen, sie diese für 24 Pfg. verkaufen können. Auch wurde der Verkauf der Milch durch berumziehende Wagen, wie sie bereits in Hamburg mit gutem Erfolge tätig seien, für zweckmäßig gehalten. Um den Verkauf der Milch auf größeren Neubauten zu fördern, soll die Düsseldorfer Gesellschaft veranlaßt werden, mit den Polieren zu verhandeln. Zwecks Aufklärung soll die Zentrale des Vereins gegen den Mißbrauch pp. in Berlin um Bezeichnung geeigneter Merkblätter und Schriften für Jugendliche und Erwachsene angegangen werden. Die Schulen sollen ersucht werden, sich diese Schriften für die Schülerbibliotheken anzuschaffen. Auch sollen die Schriften, soweit die Geldmittel des Vereins reichen, in größeren Mengen an Schüler und Schülerinnen der höheren Schulen, der Maschinenbau= und HandwerEltern der Volksschüler sollen durch Vermittlung der Schuldeputation in den Elternabenden über die Notwendigkeit der alkoholfreien Jugenderziehung aufgeklärt werden. —“ Städtische Schreibstube in mund. In der städtischen Schreibstube für Stellenlose Brüderweg 38 wurden im Jan. 1910 angefertigt: 35033 Adressen, 2381 Seiten Abschriften, 3044 Seiten Vervielfältigungen. Es wurden 10 Schreiber 995 Stunden in der Schreibstube bei einem Stundenlohn von durchschnittlich 33 Pfg. beschäftigt. Außerdem wurden 29 Schreiber 4448 Stunden außerhalb der Schreibstube bei Geschäftsleuten usw. beschäftigt, was einer Gesamtleistung von rund 680 Tagen entspricht. Geschäfts= und Privatleute, die Schreibarbeiten zu vergeben haben und denen geeignete Kräfte nicht zur Verfügung stehen, werden gebeten, sich der Schreibstube, die bekanntlich stellenlosen Schreibern und Kaufleuten vorübergehende Beschäftigung gewährt, zu bedienen. —' Hauptarbeitsnachweis Dortmund. (Vereinigte Arbeitsnachweise der Stadt Dortmund und der Handwerkskammer Dortmund.) Abteilung für ungelernte Arbeiter(Städtischer Arbeitsnachweis.) Im Monat Jan. 1910 meldeten sich 1115 Stellenlose, 319 offene Stellen wurden angemeldet und 250 Stellen wurden besetzt.(Abteilung für Handwerksgesellen und Lehrlinge Arbeitsnachweis der Handwerkskammer Dortmund.) Im Monat Jan. 1910 meldeten sich 1666 Stellenlose 366 offene Stellen wurden angemeldet und 314 Stellen wurden besetzt. Abteilung für Hotel= und RestaurationsTombola mit vielen Nieten und einen ganz kleinen Raum, der für den Tanz mit Mühe und Not reserviert ist. Es geht ziemlich steif zu, von fröhlicher Geselligkeit ist nichts wahrzunehmen; hört man aber einen, der dabei war, so hat er sich natürlich köstlich amüsiert. Während in anderen Hauptstädten einzelne Diplomaten in der Gesellschaft eine führende Rolle spielen. treten die hiesigen Botschafter, vielleiht mit Ausnahme des österreichischen nur wenig hervor, wenn es natürlich auch an der notwendigen Repräsentanz nicht fehlt. Am wenigsten hat man in den letzten Jahren namentlich seit Cambon in das schmucke Palais am Pariser Platz seinen Einzug gehalten hat, von der französischen Kunstausstellung ein bischen nachgeholt. Ein alänzendes Haus führte dagegen der Vertreter einer anderen Republik Herr Charlemagne Tower, amerikanischer Botschafter in Berlin, der es sich im Hinblick auf seine Millionen leisten konnte. Sein Auftretem gefiel aber seinen Landsleuten weniger und man sägte ihn bekanntlich zum Leidwesen der hiesigen Stellen ab. und gab ihm in der Person des einfachen Hill einen Nachfolger. Nunmehr will aber die Unionsreaierung für eine entsprechende Repräsentation selbst sorgen und in Berlin ein eigenes Botschafterpalais unterhalten. Vielleicht wird dann Herr Hill etwas mehr Glanz entsalten, als ihm dies jetzt in einer Mietswohnung mörlich ist. In der hiesigen amerikanischen Kolonie, die trotz ihres großen Umfanges sehr zusammenhält, würde man einen derartigen gesellschaftlichen Mittelpunkt sicherlich sehr gerne sehen, es fragt sich aber, ob der amerikanische Kongreß in unentwegt republikanischer Gesinnung der Reaterungsforderung zustimmen wird. Wie die Dinge heut zu Tage liegen, kann ein amerikanischer Staatsbürger einen Botschafterposten nur übernehmen. wenn er reich ist, da die hierfür ausgeworfenen StaatsAalber Lächerlich garina Huh(Es ilt aber nicht immen versonal.(Städtischer Arbeitsnachweis). Im# Jau. 1910 meldeten sich 622 Stellensuchend, attens Etellen mmutrhen andemsalhet aung„ offene Stellen wurden angemeldet und 504 wurden besetzt. Abteilung für weibliche Persoven,(gig, Arbeitsnachweis). Im Monat Jan. 1910 sich 323 Stellenlose, 236 offene Stellen wurden det und 193 Stellen wurden besetzt. besetzt. Hörde, 4. Febr. Seit Montag dieser Wochder hier auf dem Hörder Verein in Stellung stei# Beamte E. Ihne aus Niederhfoen verschwunder en. 0j demselben ein Unglück zugestoben ist, hat man bieknicht erfahren können.886 Bottrop, 5. Febr. Gestern vormittag wurdeinem Holstall bei dem Hause Kirchhellenerstraße 2# die Leiche eines Mannes gefunden. Der Verstorben# zweifellos ein Opfer des Winters geworden und dem kalten Stall erfroren. Es handelt sich um. Handlanger Julius Brachem von hier, der in der Mas. straße wohnte. Neuß, 5. Febr. Heute morgen starb hier JosBror im Alter von 53 Jahren, Vertreter der rie nischen Zentrumspartei. Letzte Telegramme. „Zeppenn IV“. Stüttgakt, 4. Febr. Das Beppelinse, Luftschift„Z IV“, das den Typus eines gesprochenen Passagierluftschiffes erka# schreitet in seinem Bau rüstig voran. Bereits steht#### Gerippe in dreiviertel Länge da. Auf die Passagierlabig wird besondere Sorgfalt verwandt; sie wird in mehren hübsch getrennte Räume zerfallen und mit mancherle Komfort ausgestattet werden. Drohbriefe an das rumänische Kabinett. Bukarest, 5. Febr. Sämtliche Minister des Kabinet Bratiann haben gestern Drohbriefe erhalten, in denn ihnen der baldige Tod durch Erschießen in Aussicht ge stellt wird. Einzelne Minister werden ständig Polizeibeamten begleitet. In den Wandelgängen de# Senats wurden ein Konditorlehrling und ein andern Bursche verhaftet, die beide Revolver bei sich trugen Auch bei einer Haussuchung in ihren Wohnungen wurde belastendes Material gefunden. Journalistenstreik in der bayerischen Kammer. München, 4. Febr. Die Journalisten au der Tribüne der Kammer der Abgeordneten erhielten heute einen Auszug aus dem Protokoll über die Sitzuz des Direktoriums der Kammer der Abgeordneten,u dem zur Sprache gebracht war, daß die Journaliste gegen Schluß länger dauernder Sitzungen mehrmal in ostentativer Weise zusammen die Plätze verlassen hätten. Das Direktoriun bevollmächtigte den Präsidenten, den Journalisten di Auffassung des Direktoriums bekannt zu geben, d dieses Vorgehen als ein auffälliges, unfreundliches und ##geeignetes erachtet werde. Es sei Sache des Präßlums, über die Dauer der Sitzungen zu entscheien Jeder Versuch der Journalisten, in dieser Frage Einflut „rdei Versuch der„burnaristen, i ieser Wral mitanilben, werde mit aller Entschiedenheit zurückewiesen. Da nun heute außer der Vormittagt gewiesen. Da nun heute außer der Vormittagr itzung auch eine Nachmittagssitzung anberaum beschlossen die Journalisten, über die heutig war, Nachmittagssitzung nicht zu berichten. Meteoritenregen in Italien. Rom, 5. Febr. Bei Mugello in der Nähe vu Florenz wurde gestern Abend ein höchst merkvüldige Schauspiel beobachtet. Von Vaglia bis Sampiero gin ein Regen kleiner runder Meteoriten, die sich in gle hendem Zustande befanden, nieder. Die Straßen, Fel der und Weinberge waren davon bedeckt. Ein große Teil der Kulturen wurde zerstört. Nach diesem Feuer regen zerriß plötzlich der Wolkenschleier und ein Kom in strahlendem Glanze wurde sichtbar. Unter der Be völkerung herrscht große Aufregung. Die türkischen Rüstungen. Paris, 5. Febr. Nach authentischen Meldunge aus der Türkei die an hiesiger offizieller Stelle ein getroffen sind, seien alle drei in der europäischen Tür kei dislozierten türktschen Armeekorps bereits vollf'än dig schlagfertig. Von türkischer Seite wird versichen, Auf Credi gesagt, daß die Reichsten auch die Klügsten sind, und hierauf dürfte wohl nicht in letzter Linie das mehrfache Versagen der amerikanischen Diplomatie zurückzuführen sein. An Operetten ist augenblicklich, nachdem man lange vom Niedergang dieses Genres gesprochen hat, kein Mangel. im Gegenteil es herrscht eine Art Ueber schwemmung, und tatsächlich ist trotz dieser Hausse nicht weniges, was sich über den üblichen Durchschnitt erhebt. Anders ist es dagegen auf dem Gebiete der Oper, auf welchem nur wenig Neues auf dem Markte erscheint. Allerdings begreiflich, denn Opern schlagen nicht so leicht beim Publikum ein, die Theaterdirektoren sind im Hinblick auf die großen Unkosten von Opern sehr wählerisch, und nur selten einmal gelingt der große Wurf. Wir hier in Berlin kommen noch seltener in den Genuß der Uraufführung einer Oper, weil die Komponisten im Hinblick auf die mehr als scharfe Kritik sich lieber an große Provinzbühnen wenden und dort ihr Heil versuchen. Eine Ausnahme machte man kürzlich in der hiesigen Volksoper, also nicht einmal an einer ersten Opernbühne, und dieser Wagemut ist erfreulicher Weise belohnt worden, man gab die drei aktige Oper Kleopatra des dänischen Komponisten Auaust Enna. Die Oper ist bereits vor vielen Jahren geschrieben worden und im Geiste Wagners gehalten, erblickte aber erst jetzt das Licht der Rampen. Es handelt sich um eine überaus talentvolle und geschickte Arbeit, die in jeder Beziehung auch höheren künstlerischen An sprüchen genüat. Die Oper wurde mit Begeisterung aufgenommen und die Aufführung war eine der vorzüglichsten, die man in Berliner Opernhäusern zu sehen bekommt. Jedenfalls hat die unter Leitung des Herrn Alkier stehende junge Bühne ihre Feuerprobe über Erwarten gut bestanden, und es wäre zu wünschen, daß dieses Streben durch guten Besuch seitens der Vuublikiinne Möbel Kleider-, Spiegel-, Bücher- u. Küchenschränke, Schreib-, Zug- u. Salontische, Vertikovs Büfetts, Sofas, Divans, Chaiselongues, Trumeaux, Uhren, Teppiche, Spiegel Anzahlun-v. 3 0 k.an. Herren- Anzüge, Paletote DamenKostüme, Jacketts, Röcke Blusen, Pelzkragen Anzahlung von 3 Mk. an 0 Rabatt erhält jeder Kunde, welcher diese Annonce mitbringt, sofort von der Anzahlung vergütet. Bitte die Annonce erst nach Kauf vorzuzeigen. N. Fuchs Dortmund, Ostenhellbseg 41. is die Kriegsrüstung grichtet Schwere Ers maris, 4. Fev. J Zielten sich gestern semahnende Szenen Ge cbe ericen harten alles, was Brisktas vicher kerbeigeholt werden. i eingeleite.. Ein Stimmu Vetersburg, 4. ## plötliche pose Wremsa“ gegen Schmäbartikeln zuf und lobt in aufsä Blatt bringt, wenn an schafters Grasen Pou Heser Simmungswel Manbenn in einer Sitzung der den 7. Februar 1910, nei T 1. Kenntnisnahm Jürgerung der Famili Wilchelm Wolf. 2. Auslosung von tation zu Ende 1911 3. Antrag der Hi Gen. den Magistrat derdiesjährigen Etate verzulegen, welche# 3 Jahren geführt ha Städtische Sämtliche 2 bleiben von heute ab Mittags, also eine 38 Dortmund finden am 2. und zeit an beiden Tagen Abends. Nächste Märkte: Oktober. Städtist Der Verkauf der ve dem Monat Dezember bruar 1910 vo1 nigshof 15, stat Die bei der Ber anerhalb 6 Wochen nach Möb Speditio Lukaszewsk Stra Die Uebelgönn vird wegen Umflaste 18. ab auf etwa s gesperrt. Dortmund, de Beka Die Grundeic Interesse der Sich Abwendung von bürger ersucht, bei stehender Glätte u Bürgersteige v dene glatte Steller Dortmund, it Pressluftnit Horhalter, Hietenwärn Zusammen! Blee #r Motelung 0 Dertmunder Bri zuch Warum ist das Möbel u. Waren-Credit-Haus Dortmund, I. Kampstrasse 46, Weil man dort eine riesige Auswahl hat. zu spottbilligen Preisen gute dauerhafte Sachen kauft. günstige Zahlungsbedingungen erhält. in Krankheitsfällen und bei Arbeitslosigkeit Berücksichtigung findet. Darum auf nach Dortmund, 1. Kampstrasse 46 seis). Im 21### und 504 Steh. Persoten.(eich. 1910 welig wurden aungeng dieser Woche Stellung stedant verschwunden. I1 hat man bisßg rmittag wurde hellenerstraße 24 Der Verstorbenen geworden und ndelt sich um der in der Wal. starb hier JosVertreter der ihe minie. Lypus eines aus chiffes erhal Bereits steht die Passagierkabin ie wird in mehren nd mit mancherle e Kabinett. ister des Kabinett erhalten, in dene ßen in Aussicht gerden ständig v#n Wandelgängen de# und ein andere er bei sich trugen Wohnungen wurde schen Kammer. urnalisten au seordneten erhielte oll über die Sitzuz Abgeordneten, u aß die Journalisten itzungen mehrmalt usammen die Direktoriun en Journalisten i innt zu geben, dai unfreundliches und ei Sache des Präßigen zu entscheiden ieser Frage Einflut diedenheit zurücker der Vormittag itzung anberaumt ber die heutig zu berichten. talien. in der Nähe vu höchst merkvüldige bis Sampiero gin en, die sich in gltDie Straßen, Fel bedeckt. Ein große Nach diesem Feuer leier und ein Koma ar. Unter der Bengen. entischen Meldungen ffizieller Stelle ein er europäischen rps bereits vollftän eite wird versichen, TrE Sprie cher- u. chreibrtikovs ChaiseUhren, e1 k. an. Röcke igen Ik. an. welcher ltbringt, zahlung Innonce uzeigen. lisen 41. die Kriegsrüstungen keineswegs giegen Bulgarten seten. Schwere Exzesse streikender Weber 1 Tebr. In einer Weberei bei Amiens *“ iac gestern an den wudesten Aufruhr pielten## buan a5. Zehn Weber waren von der zemahte gieberei entlassen worden und als die direktior, uue Wiedereinstellung verlangten, ####s. 1, von der Direktion abgewiesen. Daraufhin wurden F“ Jäufzig Weber in die Fabrik ein, wo Rand„Lsicher Zeit 1500 Leute arbeiten, und zerEttuases, Das nicht niet= und nagelfest war. ** zwei Schwadronen berittener Jäger erbeigehoft werden. Eine gerichtliche Untersuchung i eingeleitet. Ein Stimmungswechsel in Rußland. #.##r 8burg. 4. Febr. Viel bemerkt wird hier sätiiche Stimmungswegsel der„Ko#gn gegen Deutschland. Nach wilden Tämähartileln zieht das Blatt plötzlich andere Sauen Schnug sobt in auffälliger Weise die Deutschen. Das wiat bringt, wenn auch verspätet, die Rede des Botesters Grafen Pourtalss zu Kaisers Geburtstag. Dieser Stimmungswechsel wird gedeutet zugunsten einer Pudtn Einladung i einer Sitzung der Stadtverordneten auf Montag, don 7. Februar 1910, abends 6 Uhr, im Stadtverorden. geten=Sitzungssaal. Tagesordnung: 1. Kenntnisnahme von der erfolgten WiedereinzArgerung der Familie Privatlehrer Julius Karl Ernst Ausl- ung von je 3 Mitsliedern der Hafendeputation zu Ende 1911 und zu Ende 1913. 3. Antrag der Herren Stadtverordneten Möller u. Hen, den Magistrat zu ersuchen, noch vor Beendigung derdiesjährigen Etatsberatung eine Aufstellung darüber verzulegen, welche Prozesse die Stadt in den letzten 3 Jahren grführt hat ulo. Städtische Badeanstalten. Sämtliche Bäderabteilungen unserer Anstalten bleiben von heute ab an Sonn= u. Feiertagen bis 1 Uhr Mittags, also eine Stunde länger als bisher geöffnet. Die Verwaltung. Dortmunder Pferdemärkte finden am 2. und 3. März ds. Is. statt. Markteit an beiden Tagen von 8 Uhr Vormittags bis 6 Uhr Nächste Märkte: 3. und 4. August, 27. und 28. Ottober. 250 Magistrat. Städtisches Leihhaus. Der Verkauf der verfallenen Psänder Nr. 22634—25859 aus den Monat Dezember 1908 findet am Mittwoch, den 16 Fedruar 1910 vormittags 9 Uhr, im Geschäftslokale königshof 15, statt. Die bei der Versteigerung erzielten Ueberschüsse können anerhalb 6 Wochen nach dem Verkaufe erhoben werden. 264 — Möbeltransport— Spedition— Lugerung. Lukaszewski&am Richter wahlsche Besitzang) Straßensperrung. Die Uebelgönne von der Union= bis Ritterstraße, vird wegen Umflasterung des Fahrdammes vom 7. d. Mis. ab auf etwa 8 Tage für den Fuhrwerksverkehr gesperrt. Dortmund, den 4. Februar 1910. Polizeiverwaltung. Bekanntmachung. Die Grundeigentümer in der Stadt werden hiermit im Interesse der Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs und zur sowendung von Gefahren für Leben und Gesundheit der Mit##er ersucht, bei eintretendem starken Schneefall, wie bei entchender Glätte und bei polizeilichem Eintritt von Tauwetter bürgersteige von Schnee und Eis zu reinigen und vorhandene glatte Stellen mit Sand und Asche zu bestreuen. Dortmund, im Februar 1910. Magistrat. Bekanntmachung In der Zeit vom 1. bis 20. März d. Is. findet das kurttagen der Kriegsbeorderungen und Paßnotizen für ee5 Mobilmachungsjahr 1910/11(erstere auf rotem Popier, letztere auf weißem mit einem roten Rand verhenen Papier:) durch die Post statt. wec#### noch nicht zur Meldung gebrachte Wohnungsdem Hauptmeldeamt II Dortmund sofort zu nelden. die Manschaften des Beurlaubtenstandes sich 22* selost zur Empfangnahme zu Hause aufhalten können, eioen sie einen ihrer(verwachsenen:) Anverwandten, Stattterwirte oder Mitbewohner domit zu beauftragen. bis Mann(: ausgenommen Landwehr II:), der u. onm 25. März keine Kriegsbeorderung oder Paßno#em a ten ha., hat dieses schriftlich oder mündlich sofort erptmeldeamt II Dortmund zu melden. #. die vom 1. April 1910 ab nicht mehr gültigen Nen goerungen(zauf gelvem Papier:) und Paßnodie#, an diesem Tage, aber keinesfalls früher, durch manschaften selbst zu vernichten. Dortmund, den 4. Fehrnar 1910. gonigliches Bezirkskommande II Dortmund. Eressluftnieter, Reie c. Gietenwärmer, Zusammenbauer Mens erieus Bliechverkstatt Dortmunder Brückenbau S. J. Juche. Tüchtige, an sauveres Arbeiten gewöhnte Ankörner suchen Stefens, Nölle& Cie., G. m. b. H. Eisenboch= und Brückenbau, Stovvenbera bei Essen. Tücht. Küchenmädchen as Hausarbeit mit übernimmt, m 15. Februar od. später ges. Zweitmädch vorhand. stau" ergrat v. Meer, Gladbeck* W. 4. Erste Lesung des Haushaltsplanes für die Armen= und Gem= indewaisenratskasse für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 988 500 Mark, im Extraordinarium mit 800 Mark. 5. Erste Lesung des Haushaltsplanes des technischen Lehrerinnenseminars für 1910, abschließzend in Einnahme und Ausgab: mit 30160 Mark. 6. Erste Lesung des Haushaltsplanes des Archivs, der Bibllotheken und Lesehallen für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 60910 Mark, im Extiaordinarium mit 17000 Mark. 7. Antrag des Magistrats— 1., 4066— seinem Beschlusse, daß das Wappen der Stadt Dortmund in Zukunft aus schwarzem, rotbewehrten(Schnabel und Fängen! Adler auf silbernem Grunde bestehen soll, zuzustimmen. .: 8. Antrag des Magistrats— 7., 4611— die Verwaltungsordnung für die städtischen Badeanstalten zu genehmigen. 9. Antrag des Magistrats— 8., 192— von dem vorliegenden Finalabschluß der Kämmereikasse für das Rechnungsjahr 1908 Kenntnis zu nehmen und die endgültige Deckung der außerordentlichen Ausgaben für das genannte Jahr nach dem ebenfalls vorliegenden Vorschlage zu genehmigen. 10. Antrag des Magistrats— 4 b, 4179=09— die durch die Teilnahme der freiwilligen Feuerwehr an dem Verbandsfeste in Hagen im Jahre 1907 entstandenen Kosten in Höhe von 1200 Mark neu zu bewilligen. 11. Antrag des Magistrats— 10., 6408— zuzustimmen, daß aus den beim Schulneubau der Pestalozzi= Overberg=Schule erzielten Ersparnissen von rund 40 bis 45000 Mark folgende Arbeiten ausgeführt werden: 1. Die Herstellung einer Einfriedigung um den Spielplatz der Pestalozzi=Overberg=Schule nach dem vorliegenden Kostenanschlage zum Betrage von 16 000 Mark und 2. Beleuchtungsanlagen in den Lehrer= und Rektorenzimmern, in der Bibliothek und auf den zugehörigen Treppen dieser Schule nach den vorliegenden Kostenanschlägen zum Betrage von zusammen 630 Mark herzustellen. 12. Antrag des Magistrats— 12., 5626— die bei der Vieh= und Schlachthofkasse im Rechnungsjahre 1908 bei verschiedenen Etatspositionen vorgekommene Ueberschreitung in Gesamthöhe von 17679,14 Mark zu genehmigen. Tücht. Sandformer sofort gesucht. Vereinigte Wuppertaler Eisenhütten Fr. Teuge=Spies A.=G. Barmen, Abteilung, L imba“. Tüchtiges, älteres Verkmeister I erera. Kralt für Kunst= und Bauschlosserei, Eisenkonstruktion welcher mitarbeit, für Frankfurt a. M. gesucht. Zeugnisabschrieten Gehaltsansptsiche und Photographie unter P Z. W. 606 an Rudolf Mosse Frankfurt am Main Wir suchen zum sofortigen Eintritt für unsere mechanische Werkstätte einige ältere erfahrene Bohrer, die bereits längere Zeit an schweren Maschinen gearb. haben, für dauernde Stell. Maschinen abrik Sock, 6. m. b. O., Düff=ldor'=Rith. Für sofort suche ich einen aufgeweckten Knaben mit guter Schulbildung als Setzerlehrling bei sofortigen Verdienn. Buchdruckerei des Dortmunder Tageblatts Prinzenstrasse 9- 11. 1. Etage Dresdenerstr. 50. 6 Zimmer, Bad u. Speiser., per 1. April Preiswert zu ver Näh Dresdeuerur. 48. Mädchen in kleinen, kinderlosen Haushalt per sofort gesucht. Witwe N. Hasenelever Haspe i. W., Enneverstaße 21. Mädchen mit guten Zeugnissen erhalter kostenfreie Stelle. Wasch= und Putzfrauen uchen Stellung. Städt Stellen=Vermitll Wißstraße 19. Freundl. möbl. Zimmer mit voller Pension per 15. d. Rts. 1 ZAmmen ebenfalls m. Pension per 1. März zu beziehen 2. Kampfer. 34, II. Etage. Abgeschlossene der Neuz. ent, prechend eingerichtete Wohnung von 4 und 5 Räumen nebst Zubehör sof; od. später zu verm Näh Kreuzstr. 32. p. 13. Antrag des Magistrats— 12., 4551— für das laufende Rechnungsjahr bei der Viehho kasse einen Kredit von 3657,15 Mark und bei der Schlachthofkasse einen Kredit von 1700,45 laut der vorliegenden Zusammenstellung nachzubewilligen. 14. Antrag des Magistrats— 4a, 984— zur Beschaffung eines neuen Herdes für das Wohn= und Wirtschaftsgebäude am Stadthafen, anstelle eines abgängigen, 895,42 Mark aus dem Rücklagefonds bereitzustellen. 15.. Antrag des Magistrats— 4a, 19 503— den verliegenden Erbbauvertrag vom 3. Dezember 1909 zwischen der Stadtgemeinde Dortmund und dem Reeder Kasvar Mittrov in Dortmund über die Bestellung eines Erbbaurechtsan einem 138 Quadratmeter großen Grundstücks im Hafengelände zu genehmigen. 16. Antrag des Magistrats— 4a, 16 861— der im Beiblatt zum Behauungsplan Nr. 2 Blatt 1(Küuffserstraße) dargestellten Abänderung der Fluchtlinienfestsetzung der Küpfferstraße zuzustimmen. Notiz: Der Plan wird zur Sitzung angeheftet und kann bis dahin im städtischen Vermessungsamt eingesehen werden. 17. Antrag des Magistrats— 4a. 18069— der Festsetzung von 5 Meter breiten Vorgärten a) für die Ringstraße von Märkischestrak= bis Kaffer WilhelmAllee bezw. Hain, b) für die Ostseite der Parallelstraße zum Kronengarten, wie im Bebauungsplan Nr. 2 Blatt 4 dargestellt, zuzustimmen. Notiz: Der Plan wird zur Sitzung angeheftet und kann bis dahin im städtischen Vermessungsamt eingesehen werden. 18. Antrag des Magistrats— 4a, 1005=10— zu genehmigen, daß a) die Parzelle Flur 54 Nr. 81=34 — groß 0.33 Quadratmeter— an den Metzgermeister Gustav Hermann hier, b) die Parzelle Flur 54 Nr. 82=34— groß 1 Quadratmeter— an den Händler Julius Bredtmann hier, c) die Parzelle Flur 54 Nr. 83=34— groß 1 Quadratmeter— an den Spezereihändler Josef Solf hier gegen Zahlung eines Pauschalpreises von 50,00 Mark seitens des Händlers Jos. Solf aufgelassen wird. 19. Antrag des Magistrats— 4a, 17973— die Aufstellung von 23 Gasglühlichtlaternen nach Inhalt der Vorlage vom 4. Januar 1910 zu genehmigen. 20.. Antrag des Magistrats— 10., 262— die vorliegenden Ortsstatute vom 25. Januar 1910 betr. die Schulpflicht an der städtischen kaufmännischen und gewerblichen Fortbildung= hur= zu Dortmund, welche an Stelle der bisharigen Ortsstatute rom 10. Februar 1905 und 20. Juli 1907 treten sollen, sowie ferner die infolge Einführung der Schulpflicht für die weiblichen kaufmännischen Angestellten erforderlich werdenden Aenderungen zu dem in erster Lesung des Etats bereits genehmiaten Haushaltsplan der obligatorischen kaufmännischen Fortbildungsschule für 1910 nach Inhalt der Vorlage vom 28. Januar 1910 z genehmigen.. 21. Geheime Sitzung(9 Sachen). Dortmund, 80. Januar 1910. Der Stadtverordnetenvorsteher: Tewaag. Eingesandt. Die Eheleute M. Kahn, Klosterstraße 5, feiern am heutigen Tage das Fest der silbernen Hochzeit.— Wir wünschen dem Jubelpaare, daß es auch das Fest der goldenen Hochzeit im vollen Kreise ihrer Kinder und in bester Gesundheit erlebt. Vatter, was werDir 5 den sie heute verhauen. Der Wintersport hat seinen Höhepunkt erreicht. Auf allen Fern=Bahnhöfen ist der Verkehr beinahe ebense stark, wie im Hochsommer. Alles drängt nach auswärts um die Winterfreuden zu geniehen. Auch an diese(Zeit hat die Salamander Schuhlesellschaft ge dacht, die jetzt als Neuheit einen Gebirgs= und JagdStiefel für Damen und Herren bringt. Dieser Stiefel entspricht allen Anforderungen und ist in der Ausführung wie alke anderen Salamander=Stiefel unübertroffen Das Kre Seidenhaus Hackenholtz u. refelder Co. Westenhellweg 71 wird heute Samstag nachmittags 5 Uhr eröffnet und bietet fortan beste Gelegenheit zum Einkauf von Seidenstoffen, Borden, Spitzen, Sammeten Jupons, Gürteln, halbfertigen Roben usw. Es gelangen nur Erzeugnisse der bedeutendsten Fabriken zum Verkauf. Indem auf die geschmackvolle Eröffnungsdekoration hingewiesen wird, sei bemerkt, daß eine Besichtigung ohne Kaufzwang gern gestattet ist. Inhuberin des Krefelder Seidenhauses hat als Lei terin erster Gschäfte der Rheinlands reiche Erfahrungen gesammelt und wird auf eine aufmerksame Bedienung der Kundschaft größten Wert legen. Im übrigen sei auf das Inserat verwiesen. Gewerbe=Verein. Sonnabend, den 26. 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Hüger, in Dort####hessen unmittelbarer Vorgesetzter er längere Kg ndurch war, eine Rolle gespielt. Er ist von Kbirck Hüiger, in dessen Eingaben an den deutschen E.eztag sehr heftig mitgenommen worden und steht tia nseder im Mittelpunkte einer sensationellen Fure. gus Vetter des Fideikommißherrn K##rl Witzendorff, Eigentümers der Güter Groß=ZsP und Marienstätt im Herzogtum Lauenburg, war Eaneral von Witzendorff früher Vorsitzender eines Ga Eisenrates, der für das Fideikommiß der Familie zur P###ct hestellt war. Er hatte aber seinem Vetter, Eigentümer, die Verwaltung des Fideikommisses h einen Vertrag entzogen, den er mit ihm im ahre 1903 abschloß. Turch diesen Vertrag begab sich Eigentümer aller Rechte an dem Fideikommiß übertrug diese Rchte an seinen Vetter, den GeBurch neral auf 12 Jahre, eventl. länger. Der General von Witzendorff hatte nach diesem Vertrage seinem Vetter aus dem schuldenfreien Gute, das fast aus dem großen und schuldenfreiem Gute, das fast ausschließlich besten Weizenboden enthält, nur eine jährliche Rente von 9000 Mark zu leisten. Der Fideikommißherr wurde aber zwei Jahre, nachdem er diesen Vertrag abgeschlossen hatte, wegen Geistesschwäche entmündigt und der Beklagte, Pastor Splittoerber der seine Schwester zur Frau hat, zu seinem Vormund bestellt. Der Pastor strengte sofort gegen General von Witzendorff Klage an auf Räumung des Gutes und Rechnungslegung. Die Klage wurde gestützt auf die Behauptung, daß der General von Witzendorff den Vertrag nicht nur unter Ausnützung der Geistesschwäche des Vetters, sondern sogar mit der Drohung zustande gebracht habe, daß er seinen Vetter, wegen falscher, der Fideikommißbehörde gelieferten Abrech= nungen ins Gefängnis bringen könne. Der Geueral von Witzendorff beantwortete diese Klage damit, daß er abzog und die Kosten bezahlte, die sich schon bei der ersten Verhandlung auf nahezu 8000 Mark beliesen. Er verpflichtete sich auch zur Rechnungslegung, hat aber diese in irgend wie ausreichendem Maße bisher nicht geleistet. Er hinterließ dem Vormund, als dieser die Güter wieder antrat, eine erhebliche Schuldenlast und keinerlei Erträge aus den Gütern. Der Vormund hatte auch nach diesem erfolgreichen Prozeß weiter gegen General von Witzendorff zu kämpfen, denn dieser betrieb die Aushebung der Entmündigung seines Vetters und wirkte mit diesem Verter in jeder Hinsicht gegen den Vormund zusammen. Der Kampf, den der Vormund zu führen hatte, wurde dadurch kompliziert, daß die Fideikommißaufsichtsbehörde, das Oberlandesgericht zu Kiel, sich durch aus auf die Seite des Generals von Witzendorff stell te und diesen geegen die Klage und gegen alle Beschwerden des Vormundes schützte. Präsident des be treffenden Senates ist der Vizepräsident des Deut schen Reichstages, Herr Peter Spahn, der neuerdings den außergewöhnlichen Schritt getan hat, den Vormundschaftsrichter in Potsdam bei dem Justizmniister Dr. Beseler anzuzeigen, weil der Vormundschaftsrichter nach der Behauptung des Oberlandesgerichts Kiel den Vormund unzulässig begünstigte. Während nun General von Witzendorff alle früheren gegen ihn gerichteten schweren Anklagen im wesentlichen unbeachtet gelassen hat, reichte er sofort eine Klage wegen Beleidigung ein, als der Vormund Pastor Splittgerber in seiner Vormundschaftsrechnung vom vorigen Jahre in Bezug auf einen Scheck über 600 Mark irrtümlich folgende Behauptung aufgestellt hatte:„Der Generalleutnant von Witzendorff hat sich, da der abgehobene Betrag verschwunden ist, denselben wie viele andere Beträge widerrechtlich angeeignet!" Der Beklagte war sofort, als sich dieser Irrtum herausstellte, bereit, ihn zu berichtigen. Es schwebten auch Vergleichsverhandlungen, da aber in wischen der Privatbeklagte den Beweis der Wahreit für die Behauptung angetreten hatte, daß General von Witzendorff in der Tat in einer gro# sen Anzahl von Fällen sich widerrechtlich Eigentung seines Vetters angeeignet, bezw. sich solches Eigentum durch falsche Vorspiegelungen verschafft habe so scheiterten die Vergleichsverhandlungen an dem Votum des Ehrenrates, den der General von Witzendorff inzwischen angerufen hatte und der dahin entschieden hat, daß bei der Schwere der Anschuldigungen von einem Vergleich nicht die Rede sein könne. Den Vorsitz in der Verhandlung führte Amtsgerichtsrat von Muschwitz. Der Privatkläger Generallentnant z. D. Ulrich von Witzendorff ist persönlich erschienen. Als sein Rechtsbeistand sungiert Rechtsanwalt Jacobsen(Hamburg), während der Beklagte Pastor Splittgerber nicht erschienen ist, und durch die Rechtsanwälte Bahn(Berlin) und Schmitz (Potsdam) vertreten wird.— Die Verhandlung drehte sich im wesentlichen um die Beweisanträge, reiche von Rechtsanwalt Bahn über die widerrechtliche Aneignung des Gutes Groß=Zecher, sowie wegen einzelner wirtschaftlicher Beträge und Erträgnisse gestellt wurden. In der Verhandlung wurde von Seiten des Beklagten behauptet, daß Generalleutnant v. Witzdorff unter Ausnützung der Geistesschwäche seines Vetters, des Majoratsherrn von Groß=Zecher und unter Trohung mit Anzeige einer strafbaren Handlung einen Vertrag über die Verwaltung des genannten Gutes widerrechtlich herbeigeführt haben soll, durch die er sich in den Besitz des 7000 Morgen großen am Schaalsee wunderschön gelegenen MaSMMT refe Dortmund, Westenhellweg 71. F Seidenhau Hackenholtz& Co. 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Sinowka. 16 # ohr Zauber wirkt so stark auf ihn, daß sie ihn, „en die Erinnerung an jenen Vorfall ihn namenlos ## doch immer noch zu beschwichtigen vermocht hat. in er sie nicht sieht, nimmt er sich fest vor, eine Er„Lng von ihr zu erzwingen, in ihrer Gegenwart aber #er zaghaft und läßt es bei dem guten Vorsatz bewasen Ebenso endigt die Sache mit diesem Brief. ####tel an der Geliebten und bittere, qualvolle Eifer„agen an ihm, er gewinnt es nicht über sich, Lidia re bitte abzuschlagen ih erseits merkt wohl, was in dem Herzen ihres einem ge“ Anbeters vorgeht.„Fürchten Sie sich vor Figf## Later, Julius Petrowitsch, dann geben Sie den hd Mags zagt sie verächtlich,„ich werde schon Mittel ssien, Ich zagert 2 durch jemand andern besorgen zu nmir#2 dachte, Sie wären mir ergeben und wollmich wweisen, daß Sie ein Mann sind, darin habe sitdenn Firiatsch“ alsolassen wir die Sache fallen. Her freilich erst recht nicht nach Julius' Sinn. in die Gure,#orgen,“ sagt er entschlossen und steckt in die Brusttasche seines Ueberrocks. in dies gdige Gefälligkeit muß ihren Lohn finden. buig. d.“ Ansicht ausgehend, hält Lidia es nur für Egenkomnie.“ erschen ausnahmsweise etwas entwohnt 3" behandeln, als er es sonst von ihr ## af,##schte Kind,“ rannt sie ihm in die Ohren. nen Gesi.:* hrhaftig, Sie bilden sich ein, daß ich vermag Fug? Was?“ Ehe er noch zu antworchten Hand kai.:ie sie leicht und flüchtig mit der het sie, ihne a Bauge streicht.„Und nun geh,“ flüD wieder zurück hicz Hartdrlülugend.„Geh, damit Du paar Stundern 24: Die andern werden sicher noch lagt seman. schlafen und Dich kaum vermissen. Du hast Dir die sage 2“ ich dem Hüttenpächter bezüglich des sleit zitternd vaz.!“ Julius, dessen Herz vor Glück„Nichts, als daß er den Brief mit seinen eigenen bei nächster Gelegenheit befördern soll. Der Wächter in der Hütte, in der wir rasteten ist von Papa abhängig, ihm ist nicht zu trauen. Folglich muß ich mich an diesen hier wenden. Aber halt, hier hast Du einen Rubel, den gib den Mann für seine Gefälligkeit. Und nun geh.“ Julius steht noch zaudernd. Er hofft im stillen, daß der ersten Liebkosung eine zweite folgen möchte. Als Lidia ihm aber jetzt den Rücken wendet, bequemt er sich dazu, seinen Botengang anzutreten. Ein paarmal kehrt er sich noch nach ihr um, und beim letzten Mal gewahrt er zu seinem Entzücken, daß Lidia ihm nachsteht. Er möchte ihr gern ein Zeichen geben, aber die Entfernung hat sich allmählich zwischen ihnen vergrößert, und er muß sich damit begnügen, die Mütze gegen sie zu schwenken. Und jetzt, was ist das? Trügen ihn seine Augen nicht? Scheint es nicht gerade, als ob sie einen Finger gegen den Mund erhebt, gleich als wollte sie ihm einen Kuß nachsenden? Freilich recht genau vermag er die Bewegung nicht zu unterscheiden, sie sind schon gar zu weit auseinander und außerdem blendet der Schnee, aber mag er sich auch getäuscht haben, was tut's? Vorhin hat sie ihn doch mit ihrer Hand berührt und„Du“ hat sie ihn genannt, „Du“! Der große Junge eilt ausschreitend, als trüge er Flügel an den Füßen, durch die Taiga, voller Jubel das Herz, und allerhand törichte, kindische Pläne im Kopfe. Herr Niegowo kam als Verschickter hierher nach Sibirien, er aber, Julius Berger ist ein unbescholtener und noch dazu höchst gebildeter, junger Mann, wenn es jenem möglich war, trotz seines schlechten Leumunds und dem gelben Carreau=Aß auf dem Rücken, Millionen zu erwerben und zu Ehre und Ansehen zu gelangen, dann wird er, Julius Berger, das doch wohl auch noch fertig bringen können. O, er begehrt gar nicht nach seines Prinzipals Reichtümern, er wird selbst welche erringen er will und er wird. Wenn man liebt kann man alle un der Lohn, der in der Ferne winkt, verzehnzachl die Kräfte der Menschen.„Ach, Lidia, Lidia!“ Julius Berger ruft den Namen laut in die Wildnis hinaus und dann wirft er seine Mütze wie ein kleiner Junge in die Höhe und stößt einen Jauchzer aus, daß es weit in die schweigende Taiga hinausschalt. Lidia hat recht prophezeit, als sie behauptete, daß man Julius Abwesenheit kaum bemerken würde. Die ganze Gesellschaft, mit Ausnahme von Helga, die ein paar Stunden früher aufstehen muß, um für die Bewirtung ihrer Gäste zu sorgen, ist so übermüdet, teils durch die lange Fahrt, teils durch das späte Aufbleiben und viele Trinken, daß sie bis in den späten Nachmittag hinein schläft. Auch Lidia hat sich, nachdem sie von ihrem Gange zurückgekehrt ist, noch einmal niedergelegt. Julius kommt tatsächlich noch rechtzeitig zum Essen. Es ist inzwischen so dunkel geworden, daß man die Lampen hat anzünden müssen, und bei ihrem Licht sieht er jammervoll müde und abgespannt aus. Alle Anwesenden bemerken es und erkundigen sich besorgt, ob ihm etwas fehle. Getreu Lidias Weisung erwidert er, daß er einen Spaziergang in die Umgegend gemacht, und sich dabei wohl etwas angestrengt habe, immerhin wäre es von Interesse für ihn gewesen, die Taiga hier herum kennen zu lernen. „Er sieht ja ganz käsig aus!“ ruft Herr Niegowo. „Sowie Sie satt sind, Julius Petrowitsch, gehen Sie auf Ihr Zimmer und legen sich in das Bett. Sie werden sonst noch krank und wir müssen ohne Sie abfahren. Also eilen Sie sich.“ Unter anderen Umständen würde seines Prinzipals gebieterischer Ton Julius höchlichst verdrossen haben, heute jedoch ist er Herrn Niegowo aus tiefstem Herzen dankbar, daß er so kurzweg über ihn bestimmt, denn er fühlt sich wirklich zum Umsinken müde, und aus eigenem Antrieb würde er nicht den Mut gehabt haben, sich von der Gesellschaft zurückzuziehen. „Aber ein paar Stunden wenigstens lassen Sie ihn doch noch bei uns bleiben,“ suchen die Gastgeber, die den jungen Menschen aufrichtig bedauern, weil er ein von ihnen hochgeschätztes Vergnügen entbehren soll, Herrn Niegowo zu überreden. „Wenn er sich doch nur nicht erbitten lassen möchte.“ denkt Julius ängstlich. Aber Gott sei Dank, Herr Niegowo bleibt fest. „Er geht schlafen und damit basta!" erklärt er.„Nachher mögen Sie ihm noch eine Kanne Punsch ins Zimmer schicken, das wird ihm gut tun nach diesem verrückten Spaziergang. Als ob wir nicht gestern den ganzen Tag durch die Taiga gefahren waren und er nicht zu Hause ebenfalls Spaziergänge machen könnte. Eine unsinnigere Idee als diese Wanderung ist mir in meinem ganzen Leben noch nicht vorgekommen. Wenn es nicht so ganz und gar unmöglich wäre, würde ich glauben, daß er zu einem Stelldichein gelaufen ist.“ Dora, die sich bei dieser Szene unwillkürlich an jenen Abend erinnert, an dem Herr Niegowo sie ebenfalls kategorisch zu Bett schickte, kann nicht umhin, ihrem Prinzipal beizupflichten. Auch sie vermag nicht zu begreifen, was Julius zu dem Spaziergang veranlaßt. hat. Was mag er nur mit sich angefangen haben, um in diesen Zustand zu geraten? fragt sie sich, des Bruders fast grünlich blasses Gesicht besorgt betrachtend. Wenn sie bei ihrem Erwachen Lidia nicht fest schlummernd in ihrem Bett gesehen hätte, würde sie die Sache mit ihr in Verbindung gebracht haben, so aber scheint es ihr unmöglich, daß sie dabei beteiligt ist. Nach dem Essen besucht sie Julius, der bereits zu Bett gegangen ist, und unternimmt es, ihn über den Gegenstand auszuholen, doch vergebens, aus Julius ist nichts herauszubekommen. „Steckt Lidia dahinter?“ fragt Dora aufs Geratewohl. Julius wird blutrot.„Lidia? Wie kommst Du darauf?“ stammelt er verlegen.„Ganz gewiß nicht, ich.. ich..“ und sich überhastend, wiederholt er mit ganz unnötigem Wortreichtum, daß es doch nur natürlich wäre, wenn er, von seiner Wißbegierde getrieben, die Landschaft in Augenschein habe nehmen wollen. Er sei, wie die Schwester wisse, ein leidenschaftlicher Naturfreund und etwas Schöneres als einen Wald im Winterkleide gäbe es nicht für ihn. Ein wahres Elend, daß die Frauenzimmer hinter allem immer gleich einen Roman witterten. 176,18 Dora verschmäht es zu erwidern. Sie weiß auf diese alberne Rede eimas weiß jetzt genug. Also doch, Lidia! jorats zu setzen wußte und einen Nutzen von jührlich 15000 Mark aus dieser Vermaltung zeg. Seitens der Verteidigung des Betlagten wurde hervorgehoben, daß der Privatkläger auch die bei dem Altonaer Landgericht von dem Vormund des entmündigten Carl von Witzendorff angestrengten Klage auf Herausgabe des Gutes sich garnicht geäußert hat, sondern dieses einfach räumte. Bisher ist aber weder über die Forst noch über die Landwirtschaft eine Rechnungslegung von dem Privatkläger zu erlangen gewesen. Im einzelnen wurde von Sei#en des Verteidigers des Beklagten unter Beweis gestellt, diß der Privatkläger sich 8500 Mark für Verschönerung des Herrensitzes unter einer falschen Behauptung aus dem Fideikommißfonds von dem Kieler Oberlandesgerichtals der zuständigen Aufsichtsbehörde verschafft vabe, daß er weitere 2400 Mark für gelieferte Feld scheine an die Chausseeverwaltung Ratzebur für sich behalten, ebenso Pachtsummen aus Fischerei= und Mühlenbetriebe, sowie schließlich verschiedene Naturalien rechtswidrig angeeignet habe. Endlich soll der Privatkläger ca. 30000 Mark Einnahmen nicht belegen können und ferner den Buchführer Plinck veranlaßt haben, 17000 Mark als eingegangen zu buchen, während dieser Betrag an Plinck nie abgeführt worden sei.— Dieser Beweisführung wurde von der Gegenpartei mit der Begründung entgegengetreten, daß diese Fälle garnicht zur Anklage steheu und daß offenbar eine Verurteilung des Beklagten aus Paragr. 187 Str.=G.=B.(verleumderische Belcidigung) erfolgen müsse. Hierbei kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem Vertreter des Privatklägers Rechtsanwalt Bahn über die von dem Privatkläger auf der Majoratsherrschaft GroßZecher geführte Verwaltung; insbesondere auch über die Ausnutzung der Forst. Vom Vertreter des Beklag ten wurde behauptet, daß der Privatkläger die Forst krährend seiner dreijährigen Verwaltungszeit bedeutend mehr hat schlagen lassen, als dies nach den fideikommißrechtlichen Bestimmungen und den allgemeinen Grundsätzen der Forstwirtschaft zulässig gewesen wäre. Ferner wurde gegenüber dem Privatkläger der Vorwurf erhoben, daß er die Geistesschwäche seines Vetters Carl von Witzendorff benützt habe, um sich alle diese Vorteile zu verschaffen und daß er sich den Administrationsvertrag lediglich zu dem Zwecke abgeschlossen hätte, um sich persönlich einen dauernden angenehmen Herrensitz und sonstige Vorteile zu verschaffen.— Angererseits behauptete der Privatkläger, daß er unter seiner Verwaltung das Gut erst wieder hochgebracht habe.— Vorn der beklagtischen Seite wurde hiergegen eingewendet, daß der Privatkläger durch drei Jahre hindurch die günstigsten Ernten gehabt und trotzdem mit einer Schuldenlast von 24000 Mark seine Verwaltertätigkeit ab. geschlossen habe, während die neue Verwaltung nicht nur diese Schulden bezahlt, sondern auch noch Ueberschüsse erzielt habe.— Aus der Gegenüberstellung dieser Resultate schließt die Verteidigung des Beklagten, daß der Privatkläger erhebliche Beträge in seine eigene Tasche gesteckt hat, über die er Rechnung nicht legen kann.— em Laufe der Verhandlung suchte der Privatkläger seine Buchführung als ordnungsmäßig hinzustellen, mußte aber zugeben, daß er viele Posten nicht belegen kann, da seine Abrechnungen dermaßen erfolgt seien, daß er dem Familienrat nur Notizen vorgelegt und hierzu mündliche Erklärungen gegeben habe, und daß die Bücher an sich gar nicht verständlich sein würden, sodaß ein Bücherrevisor zu einem Resultat nicht kommen könnte.— Das Gericht beschloß, Beweis über die gegenseitigen Behauptungen der Beteiligten zu erheben. Unter den zu ladenden Zeugen befindet sich u. a. der frühere Reichstagsabgeordnete Hans Leuß, der das v. Witzendorfsche Gut saniert hat, ferner die Gattin des entmündigten Majoratsfreiherrn v. Witzendorff und Beamte und Angestellte des Fideikommisses. In der Freitagsitzung wurde der Etat des Reichstags erledigt. Die Debatte drehte sich dabei naturgemäß um interne Dinge des hohen Hauses, so verlangte Abg. Bassermann(nat.=lib.) in einem Antrag Ausdehnung der Freifahrtkarte für die Abgeordneten nicht nur für die Dauer der Session, sondern der ganzen Legislaturperiode, ebenso eine Abänderung der Geschäftsordnung betreffend Besprechung von Interpellationen. Dem ersten Antrag hatte sich das Zentrum angeschlossen, dem zweiten der Freisinn und die Sozialdemrokratie. In der regen und ausgedehnten Debatte führte u. a. Abg. Neumann=Hofer(freis. Vg.) Beschwerde über die langsame Prüfung der Wahlen. Drei Jahre sitze der Reschstag zusammen und noch seien nicht alle Wahlen geprüft.(Hört! Hört) Sämtliche Anträge wurden der verstärkten Geschäftsordnungskommission überwiesen. Der Handelsvertrag mit Portugal wurde in dritter Lesung definitiv genehmigt. Nach Erledigung einiger Rechnungssachen vertagte sich das Haus auf Samstag, 11 Uhr: Handelsabkommen mit Amerika. Schluß 7 Uhr. AbgeordnetenBerlin, 4. Februar. Am Ministertische Beseler. Vizepräsident Dr. Porsch eröffnet die Sitzung 11,15 Uhr. Die neuen Entwürfe des Justizministers. Erste Beratung der Gesetzentwürse betressend die Abänderung des preußischen Gerichtslostengesetzes, betressend die Abänderung der Gebührenordnung für Notare und betressend Abanderung des Gesetzes enthaltend die landesgesetzlichen Vorschriften für die Gebühren der Rechlsanwalte und Gerichtsvollzieher. Beseier: Das seit fünszehn Jahren bestehende preußische Gerichtslostengesetz hat sich als recht verr##nernnasrebürftig erwiesen. Turch das Vorgehen der Frriches ist auch für Preußen die Notwendigkeit gegeven, die Mungel des preußischen Gesetzes zu beseitigen. Der Sesiannegang hatte es mit sich gebracht, daß dei Einziehung der Auslagen viel mehr Ausgaben verursacht wurden als oft wieder einkamen. Endlich soll bei dieser Aenderung auch die freiwillige Gerichtsbarkeit, wie hauptlachlich Privatinteressen dient, mehr zu den Kosten herangezogen werden als bisher, wenn auch nicht alle Kosten ge###ckt werden, wie das im Entwurf ja auch zum Ausornck kommt. Ausgenommen sollen blog die Vormansimmrtenten insosern werden, als Paris nach der Ratastrophe Varhe eruna bei fonfainsbltso. # abte.— i E „Zerstörte Strasse in Paris Nachdem nunmehr mit den Aufräumungsarbeiten in Paris und seinen Vorroten begonnen wurde, ist man in der Lage. die Zerstörungen des Hochwassers erst richtig zu beurteilen, sie sind größer als selbst der Pessimist sie voraussetzte. Wo das Wafser verschwunden ist, liegt alles im Argen, in den Straßen liegt der Schlamm und ein häßlicher Schmutzgeruch mischt sich mit dem Duft der Desinsektionsmittel. Von der Wirkung des Hochwassers geben unsere Bilder ein beredtes Zeugnis. Das obere stellt die Verheerungen der entsesselten Seine in der Nähe von Fontainobleau dar, während das untere Bild einen durch Unterwaschen und Bruch des Straßenpslasters entstandenen Abgrund in der St.. Honorestraße zeigt. bei diesen die E der arruntenfreien Klagen für u von 500 M. auf Sachen von 1000 M. vorgenommen wird. Im allgemeinen hat eine Erhöhung der Gerichtsgebuhren um 10 Prozent staltgefunden, wodurch sich eine Mehreinnahme von 23 Millionen Mark ergibt. Dazu trelen noch etwa 500 000 Mark aus der Gebührenerhöhung für die freiwillige Gerichtsbarkeit. Nach dem Vorgehen des Reiches habe auch die Gebührenordnung für die Rechtsanwälte und Notare eine entsprechende Aenderung erfahren. Ueber Einzelheiten wird man sich noch verständigen. Ich empfehle Ihnen die Annahme des Entwurfs. Abg. Boehmer(kons.) beantragt Verweisung des Gesetzes an die auf 21 Mitglieder verstärkte Justizkommission. Auf die Interessen des Grundbesitzes und der Handwerker wird zu wenig Rücksicht genommen. Große Sympathie können wir darum der Vorlage nicht entgegenbringen. Abg. Reinhardt(Zentr.): Auch uns berühren die Vorlagen nicht angenehm. Die schwächeren Schultern sollen stärker herangezogen werden. Das wollen wir nicht und haben deshalb die allergrößten Bedenken, ob wir den Vorlagen zustimmen können. Ein Kommissar des Finauzministeriums erwidert, daß schon der Finanzminister in seiner Rede dargelegt hat, daß, wenn man zu einer Balancierung des Etats kommen wolle, man nicht nur die Ausgaben einschränken, sondern auch die Einnahmen erhöhen müsse. Das könne mit diesem Gesetz erzielt werden. Im weiteren Verlauf der Debatte wies Justizminister Beseler Angriffe des Abgeordneten Liebknecht(Soz.), namentlich den, die Regierung habe in der Begründung der Vorlage den Beamten ihre Gehaltsaufbesserungen vorgeworfen, zurück. Die Regierung habe jedenfalls größeres Wohlwollen und größeres Interesse für die Beamten, als die Sozialdemokraten.(Lebh. Beifall rechts.) Auch die Abgg. Peltasohn(freis. Vg.), Boisly(nat.= lib.) und Bartscher(Zentrum) äußerten Bedenken gegen die Vorlage, die darauf an die vorgeschlagene Kommission überwiesen wurde. Bei der darauf folgenden zweiten Lesung des Justizetats wurden die Einnahmen dieses Etats bewilligt. Abg. v. Woyna(freikons.) bat, die gerichtlichen Bekanntmachungen auch in den kle“#en ländlichen Zeitungen erscheinen zu lassen. Abg. Bell(Zentrum) beschwert sich über die dem Handwerk entstehende Konkurrenz durch die Gefängnisarbeit. Nach einer anscheinend offlziösen Mitteilung der „Norddeutschen“ soll die Gefängniskonkurrenz für die freien Gewerbe dadurch möglichst ausgeschlossen werden, daß die Beteiligung der Gefängnisbetriebe an Submissionen verboten ist. Die Gefängnisbetriebe sollen nur noch für die Staats= und Reichsbehörden arbeiten. Nun ist es aber vorgekommen, daß die Gefängnisverwaltung in Tegel bei Berlin bei einer Submission für Tischler= arbeiten sich an der Konkurrenz beteiligte und mit ihrem Gebot hinter dem niedrigsten Privatangebot zurückgeblieben ist. Diese Handlungsweise steht in offenen Widerspruch zu den Ansichten im Ministerium des Innern, und es muß deshalb dahin gewirkt werden, daß der Ministerialerlaß, wonach die Gefängnisse nur für Staatsbetriebe arbeiten bürfen, auch befolgt wird. Ein Regierungskommissar erwidert, daß es ausdrücklich verboten sei, Submissionen an die Gefängnisverwaltungen zu vergeben. Das Haus vertagte die Weiterberatung auf Samstag 11 Uhr. Schluß 4 Uhr. Aus dem Gerichtsaal. Schwurgericht Dortmund. Dortmund, 4. Fedruar. Für die zweite diesjährige Tagung des Schwurgerichts, in der Herr Landgerichtsdirektor Büren den Vorsitz führt, wurden folgende Herren als Geschworenc ausgelost: 1. Chemiker Aug. Forschepiepe, Tortmund. 2. Kaufmann Eduard Behrens, Hörde, 3. Kaufmann Hugo Dieckmann, Dortmund, 4. Direktor Robert Hoesch, Dortmund, 5. Kaufmann Robert Asbeck, Hamm, 6. Ingenieur Josef Sieger, Hörde, 7. Brauereibesitzer Lehmluhl, Tortmund, 8. Kaufmann Franz Kölling, Marten; 9. Kaufmann Hermann Wilms, Hamm, 10. Kaufmann Hugo Kruskopf, Tortmund 11. Bankier Robert Wiskott, Tortmund, 12. Landwirt Friedr. Dieckmann, Asseln, 13. Rentner Wilhelm Kleist, Werl, 14. Brennereibesitzer Karl Korlohe, Lünen, 15. Architekt Karl Hannebeck, Tortmund, 16. Kaufmann Jul. Meyer, Castrop, 17. Landwirt Ewald Holthoff, Wienhagen, 18. Holzhändler Heinrich Merkel Hamm, 19 Landwirt Diedr. Wilms, Lütgendortmund, 20. Ingenieur Oberlehrer Ernst Born, Dortmund. 21. Kaufmann Emil Hahne, Tortmund, 22. Prokurist Gustav Grote, Tortmund, 23. Fabrikant Wilhelm Nölle, Hamm, 24. Rentmeister Robert Kuhlmann, Hamm, 25. Gutsbesitzer Karl Schulze=Nieden, Lohne, 26. Kaufmann'r. Wilhelm Ruhfus, Dortmund. 27. Landwirt Georg Altehöfer, Neugeseke, 28. Prokurist Josek Keller, Tortmund, 29. Gutsbesitzer Karl Röper, Westrich, Amt Lohne, 30. Brauereidirektor E. Eberhardt, Lütgendort mund Strafkammer Dortmuns. X Dortmund, 4. Februar. Es kommt nicht oft vor, daß die Staatsanwaltschaft zu Gunsten eines Angeklagten Berufung gegen ein Urteil einlegt. In einer Strafsache, die sich gegen den Arbeiter Otto Müller aus Schwelm richtete, war solches der Fall. Der genannte Angeklagte latte dem Bergmann Franz Nodiz ein Fahrrad gestohlen und war dieserhalb vom Schöffengericht zu einer Gefängnisstrafe von sochs Monaten verurteilt worden. Da der Angeklagte infolge Antrages des Richters vom versönlichen Erscheinen entbunden war, konnte auf diese hohe Strafe nicht erkannt werden, weil nach den gesetzlichen Bestimmungen ein Angeklagter nur vom versönlichen Erscheinen entbunden werden kann, wenn die verwirkte Strafe höchstens sechs Wochen beträgt. Die Berufungskammer hob das schöffengerichtliche Urteil auf und setzte gegen Müller eine Gesängnisstrafe von sechs Wochen fest, die aber durch erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erachtet wurde. Ein Herzog als Wechselfälscher Wir sind heute in der Lage, unsern Lesern ein Bild des Herzogs von Campobello zu bringen, der bekanntlich eine ganze Anzahl auf den Namen seines Onkels, des Kardinals Rampolla, lautende Wechsel gesälscht und ausgegeben hat. Die Angelegenheit dürfte Vermischtes. Hamburg, 4. Febr. Heute mittag kurz vor 12 Uhr ereignete sich auf dem Beddel ein Sieleinsturz, wobei mehrere Arbeiter teils schwere, teils leichtere Verletzungen erlitten. Einige Arbeiter wurden verschüttet. Bi#er ist nur einer lebend gevorgen worden. ninzelheiten fehlen noch. Magdeburg, 4. Febr. Der Kaiser hat den wegen Ermordung seiner Frau und seines Kindes zum Tode verurteilten Materialwarenhändler Otto Theuerkauf zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Paris. 4. Febr. In der Rue Pilletville spielte sich gestern eine blutige Tragödie ab. Ein Elektrizitätsarbeiter namens Basille erschien in einem großen Pariser Bankinstitut und gab auf den Bureauchef Frédérie Collas fünf Revolverschüsse ab. Drei Kugeln trafen den Bureauches in deri Kopf und verwundeten ihn schwer. Dem Elektrizitätsarbeiter war aufgefallen, daß seine Frau sich in letzter Zeit eleganter kleidete als sonst und Schmucksachen trug. Er spionierte in ihren Schränken herum und fand eine Karte mit dem Namen Frédérie Collas, in welchem er den Bureaudirektor der Bank vermutete. Basille wurde vorläufig auf freiem Fuß belassen. Der Wechselfälscher Herzog Campobella in Kürze die italienischen Gerichte beschäftigen, und wird, da es sich um Riesensummen handelt, zu einem umfangreichen Sensationsprozeß führen. Der Herzog verkehrt trotz seiner angesehenen hochstehenden Verwandten und seines Titels nur noch in der römischen Lebewelt. Paris, 4. Febr. Die Substriptton der Parn, für die Opser der Ueberschwemmungskatastrophe am Donnerstag morgen 2415 149 Frank, wo gesamt 1732000 Frank unter den Notleiderd. Paris und Umgegend verteilt worden sind. Paris, 4. Febr. Aus dem Viertel des Gro##ist das Wasser ganz verschwunden. Stark gefallen im Bois de Boulogne; die Rennbahn Longchamtwie das Gelünde des Poloklubs stehen aber un Wasser. Die Flächen, die vom Wasser bedeckt#### bieten einen trostlosen Anblick. Bei Juvisy ist die# beinahe in ihr Bett zurückgetreten, und die Straßen sind frei von Wasser. In Charenton. Alfort und Alfortville fällt das Wasser weiter Nanterre stehen noch große Flächen und 170 6 1 unter Wasser. Nach annähernder Schä Zahl der durch das Hochwasser Betroffenen au 20 000 angegeben, abgesehen von den vielen Ta### von Arbeitern, die durch die Ueberschwemmung Fabriken beschäftigungslos geworden sind. D## nator des Departements Seine=et=Marne,#### richtete an den Ministerpräsidenten ein Schreiben#### er anregt, daß die durch die Ueberschwemmun schädigten kleinen Kaufleute und Gewerbetre langfristige Vorschüsse zu geringen Zinsen erhalten sie sonst zum Bankerott gezwungen würden. Die gal Banken könnten hierzu mit den Handelskammen sammenwirken. Jassy, 5. Febr. In einer hiesigen Fettwang fabrik brach ein Riesenbrand aus. 22# sonen erlitten zum Teil lebensgefährliche Brandwu## Der Schaden beläuft sich auf 24 Millionen Mark mn nur zum Teil durch Versicherung gedeckt. Der F### besitzer wurde auf Ersuchen der Staatsanwa##### verhaftet. Dem Brande sind auch viele benacht Häuser zum Opfer gefallen. Konstantinopel, 5. Febr. In der#### Hussnimansur wurden durch eine Feuen# brunst 400 Häuser und Magazine ein äschert. Der Brand ist auf Brandstiftung zurst führen. St. Paul, 4. Febr. Ein hiesiger Millionär, der### verheiratet hatte, ließ ein eigenartiges Festessen# anstalten. Das gesamte Tafelgeschirr, Löffel, und Messer mit einbegriffen, bestand aus Gold### wurde, nachdem das Essen eingenommen worden#### in den Missisippifluß geworfen, dessen Uferbewoh dieses eigentümliche Andenken, jedes Stück trug# Datum der Feier nebst Namen des jungen Paans auffischten und nunmehr als Kuriosität verkaufen“ auf diese Weise dem Fluß geopferte Tafelgeschirr aus 4000 Teilen. Aus dem„Ulk“. König Heydebrand: Ein schlechter Haul langer, dieser Oldenburg! Sagt immer laut, was heimlich denke! Ein hochverehrliches Publikum machen wir im Interesse unseres Ansehens darauf aufmut sam, daß wir mit der Konservativen Reichstags-Schließgesellschaft v. Oldenburg, Kreth u. Co. nicht identisch sind. Erste Berliner Wach= und Schließgesellschaft. Zirkus Busch. Austreten des allein echten Elard v. Oldenburg Verdrehter des Reichstagswahlkreises Elbing=Marienb# mit seiner unübertrefflichen Gesangsnummer: „Zum Reichstag zogen zehn Grenadier'!“ Vor Nachahmungen wird gewarnt. Ein Riesenerfolg! Jeder lacht Tränen! In der letzten Woche haben sich zweihundert Personen# gelacht, dar unter 15 bisher unheilbare Hypochonder. Aus der„Berl. Illustr. Ztg.“ A:„Sagten Sie nicht, der Mann und die dort seien verheiratet?“— B:„Das stimmt ig g# —A.:„Aber sie benehmen sich doch gar nicht Mann und Frau.“— B.:„Habe ich denn beh## daß sie miteinander verheiratet seien?“ „Angeklagter, Sie haben den Arbeiter K. mi nem Bierseidel auf den Kopf geschlagen.“— Herr Jerichtshof, det stimmt nich, ich hab' bloß Salamander auf ihm jerieben.“ „Wenn ich Deine Braut sehe, freue ich mich mer!“—„So? Warum?“—„Weil sie nicht meine ist.“ „Ist's wahr, daß Du, wie ichh hörte, mit merzienrat Goldsteins Tochter verlobt bist?“—. weit ist's leider noch nicht. Ich habe erst vor Hand unter der Hand um die Hand angehalten Auf Teilzahlung Piskretion Ehrensache! und gegen kaufen Sie * einzelne Möbel, Herde. prima Betten komplette Einrichtungen und Aussteuern am besien und billigsten mit ganz geringer An- u. Abzahlung bei Möbel- und Waren-Kredit-Haus I. Ranges Dortmund, am Markt gegenüber den Wandelhallen. NB. Brautleute erhalten belm Elnkauf ein schönes Hochzeltsgeschenk. Wagen ohne Firma 5 24,4 Nr. 125. Heitere Skizze aus den Bergen. Von Mathilde Tipp. Wenn der erste Schnee auf die herbstlichen Beete fiel, pflegte Frau Sondermeier ihr Landhaus zu verlassen, um in die Stadt überzusiedeln. Die Schlüssel zu der kleinen Villa im Josefstal bekam schon seit langen Jahren der Kloeber hiesl, stellvertretender Bürgermeister und Beigeordneter der Gemeinde Schwarzsee. Die Bauern verehrten in ihm einen gottesfürchtigen, energischen, rerlichen Berater, der ganze Umkreis hielt ihn weitaus für den gescheitesten Mann. Er hatte nur einen Fehler; er wollte noch gescheiter sein. Niemals fragte er jemand um Rat, nie ließ er eine andere Meinung unbedingt gelten, nichts gab es, was ihm imponierte, was er nicht gekonnt, gehört oder gesehen hätte. Das war eine Schwäche von ihm. Frau Sondermeier hielt sehr viel auf ihn, besonders auf seine Ehrlichseit, und lediglich der Ordnung halber übergab sie ihm mit den Schlüsseln zugleich auch ein Verzeichnis sämtlichen Inventars und Schränkeinhalts. Der Hiesl empfing's auch heuer wieder mit dem üblichen:„Is schon recht...“ und nachdem er die alte Dame nebst ihrem vielen Gepäck auf die Bahn gebracht hatte, trat er den Dienst der Verwaltung und Aufsicht gewissenhaft an. Er legte Fußangeln und Selbstschüsse, einbrecherische Absichten zu vereiteln, streute in den Zimmern Mehl, die Spur eventueller Mäuse oder Marder zu kontrollieren, lüftete fleißig und stieg auch im tiefsten Schnee den Berg hinan, das Terrain zu rekognoszieren. Ter Winter ging vorüber, und der Lenz lachte ins Tal. Ta öffnete eines Tages der Hiesl die Läden der kleinen Villa, ließ fegen und putzen, die Gartenwege harken und säubern, band die Rosen auf und nagelte die Starenkästen an, denn in den nächsten Tagen sollte die Besitzerin wieder einziehen. Frau Sondermeier, eine gemütliche Frankfurterin, fand für alle Mühe, die sich Kloibers genommen, um das Heim behaglich herzurichten, lebhafte, anerkennende Worte; und als ihr der Hiesl Schlüssel und Inventarverzeichnis mit den Worten übergab: „Es feit sie nixen,“ sagte sie freundlich und überzeugt:„Will's gern glauwe.. Sie stapfte nun durch Haus und Hof und Garten, gab ihrer Freuoe, wieder hier zu sein, beredten Ausdruck und ihr„Mitbringsel“ wurde von den Kloibers mit„saunobel“ bezeichnet. Das Frühlingswehen hatte sich als naseweis und trügerisch erwiesen. Es wurde bitter kalt, es schneite, hagelte, regnete, und dunkelverhangen lag Josefstal zwischen den hohen Bergen. Ta schickte Frau Sondermeier nach dem Hiesl. „Es ist wege dem Verzeichnis, wisse Se...“ empfing sie ihn.„Ich bin scho ganz nervös vom Suche...“ „Geht was ab?“ fragte der Hiesl verblüfft. „Ja, sehe Se, es is mer recht zuwider, daß ich's sage muß. Aber Nr. 125 fehlt, und grau mei Fisserillche...“ „Ja, was wär denn dös!“ rief Kloiber aus und kratzte sich hinterm Ohr.„Ausg’rechnet grad' dös...“ „Ja.... Un Se halbe koi Ahnung, wo's is?“ Maria und Josef! Wenn er nur eine Ahnung hätte, was es ist... Aber nun er voreilig schon gesagt hatte:„grad' dös...- konnte er doch nicht mehr fragen. Er hätte sich sonst eine Blöße gegeben, und das ging gegen seinen Stolz. Er nahm das Verzeichnis und suchte im ganzen Zimmer planlos herum. Herrgott! Wenn er nur wüßte, wie ein „Fisserillche" beiläufig aussieht... Er schlich durchs ganze Haus, dachte nach, kramte und visitierte. Was zum Kuckuck konnte es nur sein. Etwa das ausgestopfte Eichkatzl? Nein, das bing richtia im ersten Stock über der Tür War's die Fußbank mit dem zottigen Fell? Er schaute danach und fand sie unter dem Schreibtisch Nannte sie vielleicht den Nähkorb mit so vielen Quasten? Oder die Häubchen, die sie auf dem dünnen Scheitel trug? Alles da... Wo und was aber ist Nr. 125? Der Hiesl wollte schier verzweifeln. Und die unruhige Frau Sondermeier kam seinen geistigen Anstrengungen auch nicht ein bißchen entzgegen, sondern jammerte nur um ihr„Fisserillche"... Schließlich fragte er:„Wo is es denn zuletzt g’wesen?“ „Ta— in dem Schächtelche... Einer von meine Buwe hat's mer amol g'schenkt. Nir annersch is mer so am Herze gelege...“ „War net übel, bal mer's net finden möcht"..“, tröstete der Hiesl, und als sie gerade durch den Briefträger abgerufen wurde, benutzte er die Gelegenheit, zum Lehrer hinüberzuspringen, von dem er wußte, daß er ein Lexikon hatte, wo man alles drin finden konnte. Er war doch recht gescheit... Und mit stolzer Sicherheit schlug er nach. Aber das omniöse Wort„Fisserillche" stand nicht darin. Er hätte so gern den Lehrer gefragt, aber das ließ sein geistiger Hochmut nicht zu. Kloiber rannte in sein Haus und fuhr sein Weib an:„Wo hast denn Tu der Gnädigen ihr Fisserillche hinverwurschtelt, hä?“ „Ihr— was?“ „Frag' net so dumm, wirst eh' wissen, was i mein'... Nr. 125 fehlt,— das erste Mal, daß was abgeht...“ Nachdem auch hier keine Aufklärung zu erwarten war, lief er wieder zu Frau Sondermeier. Sein Ehrgeiz ließ ihn nicht ruhen. Jetzt mußte er dahinterkommen, was ein„Fisserillche“ war. „Brauchen Sie's denn gleich?“ erkundigte er sich diplomatisch. „Ja ebe... Is ais mei beschter Schutz gege mein Rheumatismus Hab's immer getrage... Könne Se sich's denn nimmer denke?“ „Freilich, freilich, nickte er eifrig, und ein Leuchten ging über sein Gesicht. Jetzt wußte er's doch endlich: ein Amulert. Die Schachtel, in der es gelegen haben sollte, kam ihm zwar reichlich groß vor, aber es war halt eine Menge Seidenpapier dabei... „Es wird sich schon noch zeigen,“ versicherte er, ging heim und kam zu folgendem Entschlusse: ich hab' das Verzeichnis anerkannt, also bin ich auch haftbar, wenn etwas fehlt. Ich muß also für Nr. 125 einen Ersatz schaffen. Wird ihr dann auch recht sein, wenn's just nicht dasselbe Amulett ist. Vielleicht so eins mit der Mutter Gottes von Lourdes, wie's die Schwester vom Herrn Pfarrer har.... Ohne ihn weiter ins Vertrauen zu ziehen, hat Hiesl den Pfarrer, ihm ein solches Amulett zu besorgen. Mit wendender Post traf es ein, wurde geweiht und hochbefriedigt stieg der Hiesl den Berg zur Villa hinan, den Verlust zu ersetzen. Da kam ihm Frau Sondermeier so eilig entgegen, als es ihre korpulente Konstitution erlaubte; und rief ihm zu:„Denke Se nur,— ich hab's g'funne... Seie Se mir net bös, aber im Verzeichnis is e archer Irrtum unnerlaufe... Mei Fisserillche is net in dem Schächtelche gewese— ich muß es noch am letzten Tag in der Eil' in de Kleiderschrank geschobe hawe.... Und heiter strich sie mit den weißen, ringgeschmückten Händen über eine Spitzenboa, die sich um ihren Hals schlang. Das also war ein„Fisserillche...“ „Herr vergelt's Gott, daß es da is...“ grinste der Hiesl, froh, einer„Blamasch“ entgangen zu sein, und versteckte schnell etwas in der Tasche. " Als die Kloiberin wenige Wochen später ihren Namenstag feierte, wurde sie von allen Basen sehr beneidet um das„sakrisch=feine“ Amulett, das ihr der splendide Eheherr zum Präsent gemacht hatte. S — S S Snn *—..— S 60— aE — □ 10* 60•— 5 2 2— * S.. 2 2SGnE — ".— 8— S•.•• ——— D E3• S G.Be o 2 6 D * n a S S 2 2 " G.-a ü—"—— —• 9—. —.— L.— —— L ·Uw 8 * umsC 822 Blätter für Unterhaltung und Belehrung. Nach langen Kümpfen Den Erinerungen eines Detektivs nacherzählt von H. Rockwood. 24 (Schluß.) „Wollen Sie mir diese Angaben bestätigen, Herr Gresham?“ „Jowohl, wenn ich dazu aufgerufen werde.“ „Sehr gut, ich will Sie nicht länger aufhalten, denn ich habe noch nac anderen Geschäften zu sehen. Aber ich muß Ihnen sagen, daß ich glaube, daß ein Teil der Geschichte erdichtet ist. Es mag sein, daß Brandon sich selbst des Mordes für schuldig hält, aber ich teile nicht diese Meinung.“ Ehe die beiden Männer von ihrem Erstaunen infolge dieser Erklärung sich erholen konnten, hatte Foster sie plötzlich verlassen und stieg die Treppen hinab. Auf der Treppe stieß er beinahe mit einem kleinen untersetzten Manne zusammen. Dieser blieb plötzlich stehen und warf einen raschen Blick auf das Gesicht des Tetektivs „Sino Sie Herr Gresham?“ fragte der Fremde. „Nein, ich danke Ihnen,“ erwiderte Foster lächelnd. Auch der andere lächelte, als er bemerkte, daß der Angeredete sich durch diese Bemerkung nicht besonders geehrt fühlte. „Aber Sie kennen doch Herrn Gresham?“ fuhr er fort. „Ich habe ihn vor kaum 5 Minuten gesprochen.“ „Ist seine Schreibstube in diesem Hause?“ 4 „NG „Vielleicht haben Sie einen gewissen Philipp Roß gesehen?“ Fosters Interesse erwachte. „Ja, ich habe ihn gesehen, wenn Sie auch nach Munro gefragt hätten, so hätte ich Ihnen eine ähn, liche Antwort geben können. Was wissen Sie von diesem Herrn?“ „Hale, denn das war der Fremde, geriet jetzt seinerseits in Erstaunen. „Ich wünsche ihn zu sprechen, das ist alles,“ war seine zurückhaltende Antwort. „Nein, das ist nicht alles, ich wünsche zu wissen, warum sie ihn sprechen wollen.“ „Das kann ich Ihnen nicht sagen.“ „Ist es wegen der Schwierigkeiten, in denen Brandon sich befindet?“ Hale fuhr heftig zusammen, und sein Gesicht wurde um einen Schatten bleicher. Er ergriff den Detektiv hastig am Arm und fragte: „Wer sind Sie, mein Herr? Sie kommen mir nicht bekannt vor, und doch scheinen Sie etwas zu wissen über ein Ereignis der Vergangenheit, welches selb stvon denen, die es angeht, beinahe vergessen sein muß.“ Foster saßte den Fremden einen Augenblick scharf ins Auge, dann sagte er in ruhigem Ton: „Kommen Sie mit mir in Greshams Schreibstube, und dann werden wir uns bald verständigen. Munro und Gresham sind beisammen, und Sie können also beide sprechen.“ Hale folgte ohne Zögern. In dem Augenblick als sie in die Schreibstube eintraten, ohne daß sie zuerst den Glockenzug zogen sprangen Gresham und Munro auf, sahen einen Augenblick den Fremden an und riefen unwillkürlich: „Das ist Frank Jordan!“ XXVIII. Mit seiner gewohnten Geistesgegenwart schloß Forster die Türe zu Greshams Schreibstube ab, ohne daß die andern dies in der großen Erregung bemerkt hätten. „Ja, ich bin Frank Jordan,“ erwiderte der Mann, der sich Hale genannt hatte.“ „Müssen Sie gerade in diesem Augenblick auftauchen! Ich hoffte, Sie seien wirklich tot, wie jedermann meinte.“ „Sie sehen mich in vortrefflicher Gesundheit, nie in meinem Leben habe ich mich besser befunden. Aber das nebenbei.“ Während er dies sprach, wandte sich Jordan zu Forster und fragte: „Wollen Sie sogleich einen Polizeibeamten herbeirufen?" „Das ist nicht nötig. Ich bin ein staatlicher Detektiv und habe alle Autorität eines Polizeibeamten," erwiderte Firster. „Tann verhaften Sie diesen Mann, Jerome Munro, wegen Fälschung Er ist derselbe Rogers von NewYork, auf dessen Verhaftung wegen Fälschung eine Belohnung von 2000 Tollars gesetzt wurde. Es sind verschiedene Beamte hier in der Stadt, welche danach jagen.“ Jordan sprach rasch. Ehe er zu Ende gesprochen hatte, lecte Forster seine Hand auf Munros Schulter und sagte. „Ich habe genügeno Grund, Sie wegen Fälschung zu verhaften, Jerome Munro!“ Ter Schurke machte einen Sprung zurück und versuchte, die Türe zu öffnen, aber zu seinem Verdruß fand er diesen Ausweg abgeschnitten. Er stellte sich dem Detektiv gegenüber und rief: „Sie haben mich überlistet und das Spiel gewonnen. Ich werde ohne Widerstand mit Ihnen gehen, aber dieser da,“ fügte er auf Jordan deutend hinzu, „soll seinen Verrat büßen Wäre ich nicht gewesen,“ so würde er diesen Augenblick nicht erlebt haben. Als Brandon ihn niederschlug, und wir alle glaubten, er sei tot, habe ich ihn in Sicherheit gebracht und 95 83 95 e ## . 8 — m S S8. R SDDST 8 95 ∆ 935 3 242 ihm das Leden gerette:. Als er sich wieder erholte, veranlaßte ich ihn, die Stadt in geheimnisvoller Weise zu verlassen, sodoß Brandon glauben mußte, er sei wirtlich tot. Als Erwiderung für den Dienst, den ich ihm geleistet hatte, willigte er ein, dies zu tun. Ich habe ihn seitdem oft gesehen, aber da ich mich weigerte, ein so strenges Leben zu führen, wie er, brandmarkt er mich als Schurke und vergaß den Dienst, den ich ihm geleistet hatte und jetzt hat er meine Verhaftung veranlaßt wegen eines Verorechens, welches nicht anders entdeckt werden konnte, als durch seine Bekanntschaft mit mir!“ Frank Jordan läche te ruhig. „Tamit werden Sie wenig Sympathie erwecken. Ich kenne Sie zu gut. Nicht, um mir einen Dienst zu erweisen, haben Sie mitgewirkt, mein Leben zu erhalten, Sie verfolgten damit Ihre Absichten gegen Brandon. Ich habe Ihre Pläne ganz vor kurzem entdeckt, und es tut mir leid, daß ich das Mittel war, das Ihnen indirekt geholfen hat, gegen einen unschuldigen und reuevollen Mann so vorzugehen. Wenn Sic Geld oder ander: Vorteile von Brandon erpreßt haben durch Ihre Kenntnis seines vermeintlichen Verbrechens, so wird ihm alles klar gemacht werden, und er soll wissen, daß ich keinen Groll gegen ihn habe. Ich war an der Sache ebenso schuldig, wie er.“ Mit einer großen Erleichterung vernahm Forster diese Angaben, welche Brandon von aller Schuld frei sprachen. Munro wurde verhaftet, nach dem Polizei=Tirektorium geführt und nach kurzer Untersuchung den NewYorker Gerichten übergeben. Gertrud ging direkt nach der Wohnung von Frau Manchester in Lynn, zitternd vor Aufregung trat sie in das elegant eingerichtete Wohnzimmer. Zwei Personen saßen in dem Zimmer, und mit einem Gemisch der Freude und der Aufregung rief sie: „Papa und Howard!“ Der letztere erhob sich und trat mit ausgestreckten Händen und Tränen des Mitleids und der Freude in den Augen auf sie zu, indem er sagte: „Ich weiß alles Gertrud, Tein Vater hat mir die ganze Geschichte erzählt. Kannst Tu, willst Du mir mein scheinbares Mißtrauen vergeben?“ Er sprach mit bewegter Stimme und überwältigt von ihrem plötzlichen Glück warf sie sich in seine Arme. „Vergeben?“ wiederhotte sie in leisem Tone, ich habe Dir nichts zu vergeben. Ich bin so froh, daß Du alles weißt, daß Papa Dir alles gesagt hat. Er glaubte Tu würdest mich und Ihn verabscheuen, wenn Du die schreckliche Wahrheit erfährst, ober ich kannte Dich besser!“ Brandon stand nahe bei ihnen. Ihre Freude machte ihn glücklich und doch zugleich bekümmert. Selbst in diesem Augenblick konnte er die schreckliche Gefahr, die ihn bedroht hatte, nicht vergessen, die Entdeckung seines vermeintlichen Verbrechens. Nach der ersten Aufregung besprachen sie in ernstem Ton die Lage des Aldermanns. Währerd dessen trat ein Diener ein und meldete einen Besuch an. „Herr Brandon und Herr Howard werden zu sprechen gewünscht meldete er. „Ein Herr oder ein: Tame?“ fragte Howard. „Keines von beiden, es ist ein junger Mensch. Sein Name ist Dick Chase, sagt er. Ich dachte zuerst, er wolle einen mutwilligen Streich ausführen und wollte ihn wegsenden, aber er sagte, er gehe nicht, bis er Fräulein Brandon gesprochen habe, und wenn er bis zum nächsten Morgen warten müsse.“ „Führen Sie ihn sogleich herein,“ erwiderte der junge Mann. Zu Gertrud gewandt, fügte er hinzu:„Das ist Dick Chase, und er bringt eine Botschaft von Forster. Auf diesem Detektiv berusen alle meine Hoffnungen auf Befreiung von Teinen Sorgen. Ich glaube, es gibt keine Aufgabe, die er nicht lösen kann, wenn er es einmal unternimmt.“ Während er sprach, öffnete sich die Tür wieder und Dick Chase trat ein. Unter dem Gaslicht sah sein ehrliches, schlaues Gesicht beinahe schön aus und jetzt eben zeigte es einen Ausdruck des Entzückens. Man sah ihm an, daß er gute Nachrichten brachte. „Ein Brief für Fräulein Gertrud, er ist von Herrn Forster.“ Mit nervöser Hast öffnete Gertrud den Brief, den ihr Dick Chase überreichte. Er war sehr kurz „Fräulein Brandon! Es gereicht mir zum Vergnügen, Sie von der Erfüllung meiner Voraussage zu benachrichtigen. Die Wolken sind verschwunden, Ihr Feind ist verhaftet wegen Fälschung. Das geschah kurz, nachdem ich Sie heute morgen verließ. Ihr Herr Vater hat nichts zu befürchten, er war das Opfer einer Täuschung, welche nur Jerome Munro gepflanzt haben konnte. Ich weiß alles, jede Einzelheit! Frank Jordan, den Ihr Vater in jugendlichem Zorne getötet zu haben glaubte, ist nicht tot, er ist lebendig hier und kann alles ausführlicher erzählen, als ich. Sie und Herr Howard werden gut daran tun, zur Stadt zurückzukehren, und wenn Sie wissen, wo Ihr Herr Vater ist, ihm dies anzuzeigen. Er wird vielleicht ungläubig sein, aber er kann sich von den Tatsachen überzeugen, wenn er auf die Polizeidirektion geht. Kommen Sie und vergessen Sie nicht, dem Himmel für das Glück zu danken, das Ihnen zuteil geworden ist. Ter treue Dick Chase, den ich nächstens als Gehilfen anstellen werde, wird ihnen diesen Brief in eigener Person überbringen. Ihr ganz ergebener N. Forster. Gertrud las den Brief laut vor, dann ergriff sie ihres Vaters Hände mit freudigem Triumph und lüßte sie wieder und wieder. Munro wurde als Fälscher zu einer längeren Freiheitsstrafe mit Zwangsarbeit im Gefängnis zu SinSin in New=York verurteilt. Aber nicht einen vollen Tag seiner Strafzeit brachte er dort zu. Er riß sich von seinen Wärtern los und machte einen Versuch zu entkommen. Das wäre ihm gelungen, wenn nicht ein Pistolenschuß ihn tötlich verwundet hätte. So wurde Clarissa Howard von ihrem treulosen Mann befreit durch ein höheres Gericht, als das der Menschen. „Fräulein Clarissa, hat Ihnen sehr viel gelegen an Philivn Gaß?“ fragte Forster seinen schönen Schützling etwa einen Monat nach dem Tode Munros. „Ich glaubte so zu der Zeit, als er mir diese Frage stellte,“ erwiderte sie. „Nun, und was halten Sie von mir, im Vergleich zu ihm?“ Clarissa lachte. Tann erlob sie ihre beiden Hände, bis sie auf seiner Schulter ruhten. „Sie sind der edelste und vortrefflichste Mann, der je gelebt hat," begann sie. Tann verstummte sie, während ihre Wangen sich röteten. Einen Augenblick verließ den tapferen Mann sein Mut. Tann beugte er sich nieder und küßte die emporvorgerichteten Lippen, indem er sagte: „Sie müssen meine Frau sein, Clarissa, und dann können Sie Ihr ganzes Leben mir solche schönen Tinge sagen, wollen Sie?“ Was ihre Antwort anbetrifft, so verweisen wir den Leser nach einer Stätte des Glückes in Boston, der Heimat von Detektiv Forster. Die Hochzeit von Gertrud und Howard wurde sehr still gefeiert in dem schönen Stadthaus Brandons 15 S SgSgSSSgFs ——E SabESTESST gor-SwüIONE San c— D 2 S U# un G5GEES TEEEEEETHE G-gagu E i RESES ··EE und an demselben Tag, auf den sie ursprünglich festgesetzt war. Ihre Trennung war eine schwere Probe für ihre Liebe gewesen, aber Howard errang einen Preis, wie er nicht jedem Manne zufallen kann. Gertrud Brandon hatte eine schwere Probe bestanden, aber sie diente nur dazu, ihre edle Weiblichkeit zu verfeinern und zu heben. Aldermann Brandon und Frank Jordan erneuerten ihre alte Freundschaft und die Vergangenheit wurde zu tief begraben, als daß sie wieder erstehen konnte. Forster ist noch immer ein Schrecken der Uebeltäter, und in späteren Fällen bildete er sich Dick Chase zu seinem Gehilfen heran. Der Doktor und die Diamanten. Eine Dame in prächtiger Equipage, bespannt mit zwei herrlichen Rossen, fuhr bei dem Hause eines berühmten Spezialisten für Geistesstörungen vor und ließ sich bei ihm als die Gräfin de B. anmelden. Mit der selbstbewußten Miene einer Tame der vornehmsten Gesellschaft, hochmodern und sehr kostbar gekleidet, trat sie bei ihm ein. „Herr Doktor, ich befinde mich in wirklicher Verzweiflung. Mein geliebter, mein einzigr Sohn zeigt Spuren—“ „Von geistiger Störung? O, o, wie traurig! Bitte, beschreiben Sie mirs deutlicher. Worin äußert sich sein Leiden? Monomanie, Melancholie, Wutanfälle?“ „Monomanie, Herr Doktor, und von der seltsamsten Art. Er kauft unaufhörlich Juwelen.“ „Für sich selbst?“ „Darüber haben wir lein. Ahnung. Er liebt am meisten Diamanten, aber auch Perlen und edle Steine jeder Art. Was er aber damit anfängt, weiß niemand.“ „Bezahlt er sie?“ „Jedenfalls— soweit es uns bekannt ist. Mit Mitteln ist er immer reichlich versehen, wir haben ihn nie knapp gehalten.“ „Es wird eine Form Monomanie sein, die nicht selten auftritt. Wahrscheinlich hat er einen geheimen Versteck, wo er seine Schätze ausspeichert. Genaueres lann ich Ihnen erst sagen, nachdem ich mit Ihrem Sohne gesprochen habe.“ „Sie wollen ihn sehen?“ „Selbstverständlich. Ich könnte ohne das keinen Rat erteilen.“ „Tann werde ich ihn hierherbringen. Morgen?“ „Morgen, ja, um 12 Uhr mittags werde ich frei sein. Bitte also um diese Stunde.“ Nicht lange vor der vom Toktor festgesetzten Stunde fuhr am folgenden Tage die Gräfin nach der Rue de la Paix. Hier befinden sich einige der vornehmsten Juweliergeschäfte von Paris, die in ihren Schaufenstern Prachtstücke von ungeheuerem Werte ausgestellt haben. „Ich bin die Komtesse de B,“ stellte die Dame sich in dem feinsten Laden vor.„Ich möchte mir den im Schaufenster besindlichen Diamantschmuck näher ansehen.“ Er wurde hereingeholt und die Gräfin belustigte sich geraume Zeit, damit die unermetzlich wertvollen Steine zu betrachten. Schließlich traf sie ihre Auswahl; Halsband, Armband, Haarnaoein und Ringe im Gesamtbetrage von 170000 Franken. Dann zog sie ihr Geldtäschchen hervor, um zu zahlen. „Ah, ich sehe, daß ich ein wenig zu weit gegangen bin,“ sagte sie.„Auf 50000 Franken hatte ich mich eingerichtet. Ihr Schmuck macht mich jedoch zur Verschwenderin. Er ist bezaubernd schön. Schicken Sie ihn mir doch lieber ins Haus und die Quittung mit,“ „Ganz wie die Frau Gräfin befehlen,“ sagte der diensteifrige Juwelier. Sie spielte noch mit dem Geschmeide, als könne sie sich nicht von ihm trennen. „Oder, besser noch,“ sagte sie,„ich nehme ihn gleich mit und Sie schicken einen zuverlässigen Menschen mit mir mit, er kann mit in meiner Equipage fahren. Tann bezahlt mein Gemahl ihn gleich auf der Stelle.“ „Ganz nach Befehl,“ war die verbindliche Antwort, und einer der jungen Leute im Geschäft, ein ansehnlicher, eleganter Herr, wurde beauftragt, die Dame heimzubegleiten. Die Fahrt machte ihm viel Vergnügen. Alle Tage passierte es ihm nicht, in einer so eleganten Equipage einer Komtesse gegenüberzusitzen, und die Dame war sehr leutselig. 24,3 Jetzt erreichten sie ihr Ziel. Die Torflügel eines imposanten Hauses öffneten sich weit vor ihnen, und die Gräfin samt ihrem Begleiter wurden mit großem Respekt empfangen. Sie begaben sich in ein reich ausgestattetes Vorzimmer. „So, nun geben Sie mir die Diamanten auf einen Augenblick,“ sagte die liebenswürdige Dame zu dem jungen Kaufmann.„Ich will sie meinem Gatten zeigen, und er wird Ihnen sofort den Betrag auszahlen.“ Sie trat in ein anstoßendes Zimmer, und ehe der Vertreter des Juweliers Zeit fand, sich über die ihm genommenen Diamanten zu beunruhigen, kam sie wieder heraus zu ihm und sagte mit einer verbindlichen Handbewegung:„Bitte, hier herein! Es ist alles in Ordnung!“ Ein älterer, sehr würdig aussehender Herr trat ihm mit großer Höflichkeit entgegen und forderte ihn auf, sich zu setzen, während die Gräfin sich durch eine andere Tür entfernt hatte.„Wie fühlen Sie sich, mein junger Freund?“ erkundigte er sich, indem er den jungen Kaufmann scharf beobachtete. „Danke, sehr wohl," erwiderte der Befragte, unangenehm überrascht.„Sie wissen aber, weshalb ich hier bin, die Diamanten—“ „O, natürlich weiß ich's. Jawohl, die Diamanten. Sie lieben wohl Diamanten sehr?“ „D ja, ich kann's nicht leugnen, ich habe sie gern.“ „Und Sie verstehen sich sehr gut darauf, wie?“ „Ich arbeite mich immer mehr in die Branche hinein. Es gibt da viel zu lernen. Aber wir verlieren unnütz Zeit. Sie wissen, was mich hierher führt.“ „Nun, erregen Sie sich nicht.„So eilig ist die Sache nicht. Ich möchte mir doch, etwas mit Ihnen erzählen.“ „Aber ich möchte mein Geld haben. Ich habe die Rechnung mitgebracht.“ „So, also die Rechnung haben Sie mitgebracht? Für Diamanten, nicht? Ist wohl eine hübsche Summe?“ „170000 Franken. Bitte, zahlen Sie und lassen Sie mich gehen!“ „Nehmen Sie einmal an, ich bezahle nicht. Was dann?“ „Dann wäre es umso schlimmer für Sie und für uns, aber ich verstehe, wo das hinaus soll: es ist ein Schwindel, eine abgekartete Geschichte! Ich lasse mich aber nicht so abfertigen— ich verlange mein Geld!“ Und der junge Mann, der in seiner Erregung mit sehr gehobener Stimme gesprochen hatte, näherte sich mit drohender Geberde dem vermeintlichen Grafen. Dieser berührte plötzlich eine Bedientenklingel auf dem Tische neben sich, und sofort stürzten drei kräftige Wärter herein, die auf des Doktors Wink den in Wut Geratenen mit kundiger Hand überwältigten. „Was soll das?“ schrie dieser und sträubte sich aus Leibeskräften.„Ich leide es nicht. Ich verklage Sie. Lassen Sie mich los!“ „Niemand wird Ihnen ein Leid antun, mein lieber, junger Freund,“ sagte der Doktor,„solange Sie sich ruhig verhalten. Wutausbrüche kann ich mir nicht gefallen lassen.“ „Sie alter Schurke, di. Polizei wird Ihnen bald den Standpunkt klar machen, wenn Sie mir nicht schleunigst meine Rechnung bezahlen!“ „So? Wessen Rechnung sollte ich denn bezahlen?“ „Natürlich die Rechnung meines Chefs. Sie haben ja doch die Diamanten bekommen!“ „Ich? Sie sind ja so versessen auf Diamanten. mache mir garnichts aus ihnen.“ „Desto mehr aber Ihr. Gemahlin!“ „Meine Gemahlin? Zufällig bin ich Witwer.“ „Ja, sind Sie denn aber nicht der Graf de B.?“ „Ich? Nicht entfernt. Ich bin Dr. X.“ „Und die Dame, die mich hierherbrachte?“ „Ist ja doch Ihre Mutter, die Sie durch mich von Ihrer Monomanie für Diamanten heilen will.“ „Wo ist sie? Sie hat die Steine, sie hat meine Firma um 170000 Franken beschwindelt!“ Es war nur zu wahr. Die vornehme Tame war mit den Tiamanten davongefahren, sobald sie ihren Begleiter dem Doktor überliefert hatte. Man hat nie wieder etwas von ihr gebür!. 8 Ich