Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und gesetzt. Feiertage. Abonnementspreis Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage und dem Sseitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 pro Monat, durch die Post bezogen jür 3 Monate 1.50 Me. verbunden mit dem Lokal-Anzeiger für Dortmund u. Körde und der täglichen Unterhaltungsbeilage K##T sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3293. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Pfg. Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 PfeBeilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangsweiser Beitreibung der Insertionsg ebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Rabatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann, Dortmund. Nr. 29. Dortmund, Freitag, den 4. Februar 1910. 27. Erstes Blatt. der„unbedingte“ Gehorsam. In jeder einigermaßen gut geführten Kompagnie orgt der Chef dafür, daß den Mannschaften in den Unterrichtsstunden klar gemacht wird, daß der„unbedingte“ Gehorsam seine Grenze hat, daß ein zum Verbrechen oder Vergehen(Mißhandlung!) aufgefordeter Untergebener seinem Vorgesetzten zu sagen die Pflicht hat:„Das darf ich nicht kun!“ Es soll ja noch Truppenteile geben, in denen solche Fragen zu erörtern vermieden wird. Grund ist die gefürchtete Aufklärung der Untergebenen, die daraus den Mut zu Beschwerden und Klagen nehmen könnten. Auch gilt es an vielen Stellen noch für kattlos, die richtige Kenntnis dieser Weisheit gelegentlich der Vorinstruktion vorzuführen. Ganz vervönt aber ist es, den Glauben zu erwecken, als könne ein Soldat auch seinem obersten Kriegsherrn gegenüber in eine Lage geraten, die ihm zur Pflicht macht, in dienstlich bescheidener Form seinen Gehorsam zu verweigern. Der„Fall Oldenburg“ wird die Armee nötigen, sich näher mit Obigem zu beschäftigen, und es wird kaum mehr möglich sein, die holde Unwissenheit, wie sie der ehemalige Leutnant von Oldenburg aus seinem Militärverhältnis mit ins Leben— ja sogar in den Reichstag— gerettet hat, aufrecht zu erhalten. Zu fordern ist angesichts der Ungeheurlichkeit des junkerlichen Ausspruchs, daß vor allem das Offizierkorps auf die notwendige Kenntnisnahme des Militarstrafgesetzbuchs hingewiesen wird. Die Herren Kommandeure muß man strengstens dafür verantwortlich machen, daß solche Unwissenheiten auch unter den Landwehr= und Reserveoffizieren gelegentlich der Uebungen ausgerottet werden. Zur Begründung das Nachstehende: Der§ 47 des Militärstrafgesetzbuches lauket: „Wird durch die Ausführung eines Befehls in Zienstsachen ein Strafgesetz verletzt, so ist dafür der befehlende Vorgesetzte allein verantwortlich. Es trifft jedoch den geyorchenden Untergebenen die Strafe des Teilnehmers. 1) wenn er den ihm erteilten Befehl überschritten hat oder 2) wenn ihm bekannt gewesen, daß der Befehl des Vorgesetzten eine Handlung betraf, die ein bürgerliches oder militärisches Verbrechen oder Vergehen bezweckte.“ Der§ 81 des Reichsstrafgesetzbuches bestimmt ferner in seiner Ziffer 2: „Wer es unternimmt, die Verfassung des Deutschen Reiches oder eines Bundesstaates oder die in demselben bestehende Thronfolge gewaltsam zu ändern, wird wegen Hochverrats mit lebenslänglichem Zuchthaus oder lebenslänglicher Festungshaft bestraft.“ Die Kinder des Sträflings. Roman von A. Sinowka. 15 Doras Herz schlägt heftig und bang. O, sie ist nicht lo kindisch und blind, wie Lidia meint. Sie versteht kecht gut, worauf deren sonderbare Reden hindeuten, und ein tiefes Mitleid mit dem armen reichen Mädchen, dem der Vater alles gibt und gewährt, wonach sie verlangt, bis auf das eine, das allein Leben und Seligkeit für sie bedeutet, erfüllt sie. Wie gern möchte sie Lidia helfen, wenn es in ihrer Macht stände. Wie Lidia jenen Nikolai Lawalski lieben muß, weil sie so bitter um ihn leidet. Und ob Liebe immer nur bestimmt ist, Leiden zu bringen? Dora stellt sie sich vor als etwas unendlich Beglückendes, oder zum minLesten, hat sie sie sich bisher so vorgestellt. Aber freiisch, sie kennt die Liebe auch nicht. Wirklich nicht? Nein, nein, nein! spricht sie zu sich selbst. Ich kenne sie nicht. Ich will nur die kennen, welche Segen bringt, nicht aber sene, welche Zwietracht in die Familien trägt und El.von Kindern scheidet. Und weil ich von dieser sichts wissen will, darum weiß ich auch von der ganzen, vielbesungenen, hochgepriesenen Liebe nichts. Durch das winzige Fensterchen der Kammer scheint der Vollmond. Seine Strahlen treffen den Ring an ihrem Finger und lassen den Rubin blutigrot leuchen. Dem deutschen Mädchen scheint er ein Symbol „ster Liebe, von der es nichts wissen will, jener Liebe ie Elend und Zwietracht statt Liebe bringt. Vora liegt noch in tiefstem Schlaf, als Lidia sich nachsten Morgen, ihrer Gewohnheit entgegen, frühseing schon erhoben hat. Die Damen haben sich jede gag, Losfer mit einem Morgenkleide und einer Tabestollette mitgenommen, da ihre Reiseanzüge durch „„weite Fahrt leiden müssen. In Sibirien hält man „#### elegante Toilette. Lidia in einem weißwolleben, lpitzenbesetzten Neglige, mit den unvermeidlichen Imelen behängt, sieht wunderschön aus und das finMa Julins Berger, als er sie im Türrahmen des Bohnzimmers erblickt, in dem er sich zur Zeit mutterseelenallein befindet. kromitsa...“ morgen nicht zu spät auf, Julius Pevolilch“ hat sie am Abend zuvor zu ihm gesagt. Und der§ 8 2 schreibt vor: „Als ein Unternehmen, durch das das Verbrechen des Hochverrats vollendet wird, ist jede Handlung anzusehen, durch die das Vorgehen unmittelbar zur Ausführung gebracht werden soll.“ Der„Leutnant des Herrn von Oldenburg“ würde also sitzen müssen. Auch die zehn unglücklichen Mann, die ihm dabei geholfen. So steht also die„Oldenburgische Tisziplin“ mit der Rechtslage nicht im Einklang. Und wenn der Fahneneid auch nur von den Pflichten gegenüber dem Landesherrn handelt, so ist doch immer zu beachten, daß der Fahneneid dem Kaiser als„Repräsentanten des Staates“, nicht seiner„Person" geleistet wird. Ebenso, wie der Kaiser nicht kraft eines Privatrechts Herrscher ist, sondern Kraft des Verfassungsgesetzes oberstes Staatsorgan. „Der kaiserliche Oberbefehl äußert sich“, wie die „Nat.=Ztg.“ richtig ausführt, einmal in der Armeeverordnung und ferner in dem Armeebefehl. Die Armeeverordnung beruht wie jede andere kaiserliche Verordnung schlechthin auf der Regierungsgewalt des Kaisers. Sie muß gegengezeichnet werden und charakterisiert sich schon dadurch als ein gewöhnlicher Staatsarr— Der Armeebefehl hingegen beruht auf der Kommanoogewalt, die als eine besondere Gewalt aus der allumfassenden Herrschermacht des Reiches ausgeschieden ist, kraft besonderer Anordnung der Verfassung dem Kaiser zusteht und der Gegenzeichnung nicht bedarf. Der Artikel 64 der Verfassung kennzeichnet den Armeebefehl wie folgt:„Alle deutschen Truppen sind verpflichtet, den Befehlen des Kaisers unbedingt Folge zu leisten. Diese Verpflichtung ist in den Fahneneid aufzunehmen.“ Diese auffallend schneidige Formulierung des Armeebefehls ist aber lediglich aus Zweckmäßigkeitsgründen erfolgt, da bei unmittelbaren militärischen Aktionen vor allem auf dem Schlachtfelde, eine straffe Zentralgewalt unbedingt erforderlich ist, und unmöglich bei jeder Entschließung die ministerielle Gegenzeichnung erst abgewartet werden kann. Im übrigen ist es in der staatsrechtlichen Literatur unbestritten, daß auch die Kommandogewalt genau wie die Regierungsgewalt des Kaisers lediglich ein Ausfluß der einheitlichen Staatsgewalt ist, als deren Träger hier der Kaiser erscheint. Mithin ist die gesamte Tätigkeit des Kaisers als oberster Befehlshaber als Staatstätigkeit aufzufassen und nicht als private Betätigung.“ Den Januschauer Junker, den seine sehr kurze Offizierslaufbahn so oft ganz erschreckend aufbläht, möchten wir schließlich darauf hinweisen, was ihm selbst nach seiner Auslegung der„Tisziplin“ geschehen könnte. Das„Berl. Tagebl.“ bemerkt, daß folgerichtig der König von Preßen auch jeden Augenblick imstande sein müßte, zu einem Leutnant zu sagen: „Nehmen Sie zehn Mann und lassen Sie den Junker von Januschau totschießen.“ Hoffentlich tut das der König von Preußen nicht, auch nicht wenn der Herr von Oldenburg weiterhin zu„Staatsstreichen“ auffordert, ermäßigt wenigstens die schwere Strafe und läßt ihm, wie in den Zeiten des Alleinherrschers Harun al Raschid, nur fünfundzwanzig irgendwo aufzählen. Mittelstand und Hansa-Bund. Nachdem der Hansabund die Frage der Abhilfe der mittelständischen Kreditnot in Bearbeitung genommen hat, wurde in der letzten Präsidialsitzung die Veranstaltung eines Preisausschreibens über praktisch durchführbare Mittel zur Hebung des Mittelstandes beschlossen. Die Einzelheiten werden demnächst besonders veröffentlicht werden. Die Agrarier wollen den Fürsten Bülow nicht gestürzt haben. Auf einer Bündlerversammlung in Bunzlau machte Herr Dr.. Diedrich Hahn geheimnisvolle Andeutungen, daß im Gegenteil dre Bund der Landwirte sich alle Mühe gegeben habe, den verflossenen Reichskanzler, dem sie allerdings zum großen Dank verpflichtet waren, zu halten. Er erklärte nämlich nach dem Bericht der„D.. T.=33.“(1.2.): „Wen ich ermächtigt wäre, aus den engeren Kreisen zu erzählen, so würden sie sehen, daß wir im Bun'e der Landwirte sogar alles getan haben, was wir vermochten, um den Fürsten Bülow im Amte zu erhalten.“ Fürst Bülow hat andererseits öffentlich erklärt, daß das Verhalten der Agrarkonservativen bei der Reichsfinanzreform sein Verbleiben im Amt unmöglich gemacht habe. Wer hat nun recht? Vielleicht lüftet der wichtigtuerische Herr Dr. Hahn gelegentlich etwas den Schleier von diesem angeblich zugunsten der Amtserhaltung des Fürsten Bülow getanen Schritten der Agrarier. Herr Dr. Hahn entrüstet sich in dieser Versammlung auch daß die Freisinnigen in Ermangelung besserer Gründe uns immer noch dias Wort von der„gräßlichen Fiett.“ vorhalten, daß ich bei einem bestimmten Anlaß mit Rücksicht auf eine bestimmte Vorlage gesagt haben soll.— Soll? Herr Dr. Hahn hat das Wort bisher nie abgeleugnet. Jetzt will er mit einem Male ein mystisches Dunkel über die Autorschaft verbreiten, um ebt der nächsten Gelegenheit vielleicht in aller Gemütsruh: zu erklären: Ich heiße Hase, ich weiß von nichts. Der Streit um das Eosin. Der Minister für Handel und Gewerbe gibt jetzt den Int ressenten bekannt, daß die Eosinmenge in der zum Denaturieren der Gerste bestimmten Farbflüssigkeit son an um 20 Prozent herabgesetzt werde. Bezüglich der Klagen über die Verunreinigung der Schiffsräume bemerkt der Erlaß des Ministers, daß diese in Zukunft infolge der zunehmenden Geschicklichkeit der Joll= stellen im Färben an Berechtigung verlieren wird. Die rote Farbe der Schiffsräume, in denen mit Eosin gefärbte Gerste verladen wird, lasse sich zwar durch Waschen mit heißem Wasser und Schmierseife nicht ganz beseitigen, wohl aber werde die Farbe auf andere in denselben Schiffsräumen verladene Waren nicht übertragen. Im übrigen seien Ermittlungen angestellt, um ein Mittel zu finden das der Eosinlösung beigemischt, die Uebertragungsmöglichkeit dieses Stoffes auf Schiffsräume bezw. auf Mahlgänge völlig ausschließt. Junkerliche Ueberhebung. Otts von Gottberg hat im„Taheim“ et. nen Artikel über„Polarschwindel“ geschrieben und sich darin recht abfällig über die gesamte„Zunft“ der Reiseschriftsteller und Forscher geäußert. Mit einer gradezu ungeheuerlichen Keckheit bezeichnet diese„Blüte edelsten Geschlechtes“ den Stand der orscher von vornherein als minderwertig gegenüber dem Offiziersstand. Er behauptet nämlich dreist und gottesfürchtig: „Der Stand der Forscher ist doch kein geschlossener, für Ehre und Wahrheitsliebe seiner Angehörigen irgendwie verantwortlicher. Es gehören ihm Männer mit weißer Weste und hohem Verdienst, aber auch schäbige Glücksritter an. Ganz anders klingt es ja, wenn Peary sagt, er sei am Pol gewesen. Er ist Offizier und für seine Expedition nur beurlaubt. Er hat nach jeder Heimkehr in Washington seinen Vorgesetzten dienstlich Meldung über das von ihm Erkundete zu machen. Darum mögen wir ihm glauben. Die Gesamtheit des Standes, dem er angehört, muß für die Richtigkeit seiner Meldungen und Angaben bürgen.“ So? Da ist ja eine wundervolle Argumentation. Demnach hätte also das gesamte Offizierkorps wohl auch für solche nette Kulturpflanzen wie die Grafen Lynar und Hohenau schon aus Solidaritätsgefühl Sympathieerklärungen erlassen müssen. Herrn von Gottberg scheint jedes Gefühl difür abzugehen, wie sehr er seinen eigenen Stand durch eine solche lächerliche Argumentation herabsetzt. Die Roburger Stiftung Leopolds II. Unerwartet hat die Streitfrage um die Erbschaft König Leopolds einen politischen Anstrich bekommen, König Leopold hat nicht die sämtlichen Besitztitel der mit der Uebernahme des Kongostaats aufgelösten Kiondomäne an Belgien abgegeben, sondern hiervon namhafte Werte für sich zurückbehalten, die er dann später der Koburger Stiftung, der Societe des Sites und der Societt de la Cote d'Azur überwiesen hat. DiesBesitztitel wurden in dem Verzeichnis, das Lei der Uebergabe angefertigt wurde, verschwiegen.— Ruch wenn man zugiebt, daß die Beweggründe nicht selbstischtiger Art waren, so bleibt doch die Tatsache bestehen. daß Lopold 2. bei einer so wichtigen Staatshandlung wie der Uebergabe des Kongostaates eine absichtliche Täuschung begangen hat. Ob man diese Täuschung mit dem Grundsatz„der Zweck heiligt die Mittel“ entschuldigen kann, wollen wir dahingestellt sein lassen. Daß jedenfalls der belgische Staat die vom König zurückbehaltenen Werte jetzt für sich in Anspruch nimmt, wurde schon berichtet und, wie verlautet, werden die Erbinnen dieser Forderung nicht entgegentreten. Das Laufmännische in der verwaltung. Mit der Vereinfachung des behördlichen Verwaltungsbetriebes nach kaufmännischem Muster ist die Stadt „Nach einer längeren Fahrt bin ich meist zu nervös, um bis in den Mittag hinein zu schlafen. Ich will dann aber Gesellschaft haben, denn allein langweile ich mich. Nicht wahr, Julius Petrowitsch, Sie werden es nicht verschmähen, mir morgen vormittag Gesellschaft zu leisten?“ Als ob es dieser Frage und des koketten Blickes, der sie begleitet hatte, noch bedurft hätte. Julius wäre, um zehn Minuten mit ihr allein zu sein, gern die ganze Nacht aufgeblieben und wenn er auch nahe daran war, vor Müdigkeit umzusinken. „Guten Morgen, Julius Petrowitsch!“ ruft Lidia ihm munter entgegen.„Schön, daß Sie Wort gehalten haben. Die andern schlafen alle noch. Freilich, die Herren haben auch tüchtig getrunken, nur Sie sind ganz nüchtern geblieben. Sehen Sie, das liebe ich, das gefällt mir an Ihnen, daß Sie nie des Guten zu viel tun. Aber nun wollen wir zuerst Kaffee trinken, und dann gehen wir ein wenig ins Freie.“ Auf dem Tisch steht zu beliebigem Gebrauch die dampfende Kaffeemaschine und ein Teller mit Gebäck. Lidia schenkt Julius selbst den braunen Trank ein, versorgt ihn mit Kuchen und schwatzt dabei unaufhörlich. Nichts besonders Wichtiges oder Geistreiches ist es, aber der junge verliebte Mensch horcht doch mit Entzücken darauf, denn ihre Stimme hat einen weichen Klang, den er noch nie bei ihr wahrgenommen, und ihre Sammetaugen sehen ihn so schmachtend an, daß es ihm heiß und kalt über den Rücken rieselt. Nach dem Frühstück geyen sie in die schneeüberwehte Taiga hinaus. „Werden Sie sich auch keine nassen Füße machen und sich erkälten?“ fragt Julius besorgt. Doch sie zeigt lachend ihre in hohen pelzgefütterten Ueberstiefeln steckenden Füße.„Damit kann ich durch den tiefsten Schnee gehen,“ sagte sie. Den weißen Morgenrock hat sie hochgeschürzt und ihren weitärmeligen Astrachanpaletot, dessen Haare nach außen gekehrt sind, darüber gezogen; er reicht nur wenig über die Knie und läßt ein Paar Pumphosen aus gelbem Leder, reich mit seidenen Borten und Stickereien, wie die Frauen der Jakuten sie an Festtagen tragen, sehen.. so leicht sie von weitem mehr einem Mann in stutzerafter Landestracht, als einer Frau. Julius verschlingt sie mit entzückten Blicken. Er ist noch so jungenhaft in seinem Geschmack, daß gerade das Abenteuerliche und Phantastische ihres Aufzuges mächtig auf ihn wirkt. „So wandert es sich gut,“ meint Lidia befriedigt. „Kein Schnee und kein Wetter kann einem etwas anhaben.“ Und übermütig stapft sie durch die zusammengewehten Schneehaufen, als wollte sie die Festigkeitihrer Gewandung erproben.„Eigentlich hätte ich ein Mann werden sollen,“ sagt sie.„Dazu würde ich viel besser passen.. sind Sie nicht auch der Ansicht, Julius Petrowitsch?“ Er schütttelt den Kopf.„Sie sind viel zu schön dazu. Es wäre schade um den Liebreiz, der doch nur bei einer Frau recht zur Geltung kommt.“ „Als ob es keine schönen Männer gäbe! Mir sind schon welche bekannt.“ „Und wer sind oder vielmehr.. wer ist der?“ fragt Julius mit rasch erwachter Eifersucht.„Denn sicher handelt sichs doch nur um einen einzigen.“ „Vermutlich,“ gibt sie lakonisch zurück. „Lidia Ssemenowna,“ fährt Julius auf,„das sagen Sie doch nur, um mich zu quälen? Nicht wahr, es ist nichts dran an diesen Reden?“ „Wenn Sie es genau wissen, warum fragen Sie?“ Der große dumme Junge blickt flehend zu ihr auf. „Sagen Sie mir die Wahrheit, Lidia,“ bittet er. „Ja, was soll ich Ihnen denn nur sagen?“ „Sie wissens ja...“ „Unsinn! Nichts weiß ich, als daß Sie ein großes Kind sind.“ „Ich bin kein Kind,“ braust er auf.„Wenn ich es Ihnen beweisen könnte, wenn...“ „Gut, so will ich Ihnen die Gelegenheit geben, mir einen Dienst zu erweisen, zu dessen Ausführung der Mut eines Mannes gehört. Keine Beteuerung," wehrt sie, „hören Sie lieber, was ich von Ihnen verlange. Wenn Sie hier diesen Weg verfolgen, so rommen Sie in etwa wei Stunden z einer Taigahlitte, dem Wächter derelben bringen Sie einen Brief, den ich Ihnen geben werde.“ „An wen ist der Brief?“ fragt Julius argwöhnisch. Lidig zieht ihn aus ihrer Tasche versiegelte Schreiben.„Lesen Sie die Adresse,“ sagt sie ruhig. „An Fräulein Tatiana Wenzeslawna Weleschauski,“ liest er.„Wer ist die Dame?“ Lidia zuckt die Achseln.„Lieber Gott, meine Freundin! Ich darf nicht offen mit ihr verkehren, da Papa mit ihrem Vater verfeindet ist, ich aber füge mich dem Zwange nicht, denn ich liebe sie mehr als sonst einen Menschen auf der Welt. Wir kannten uns schon als Kinder dazumal, als Gregor und ich noch bei unserer Großtante in Petersburg lebten. Dann kam ich zu meinen Eltern und ihr Vater wurde als Direktor einer unserer Strafkolonien nach Sibirien versetzt, aber bald darauf trafen wir uns wieder im Pensionat Irkutsk wo wir beide erzogen wurden. Als ich später ins Elternhaus zurückkehrte, waren unsere Eltern bereits verfeindet, und wir durften uns nur noch heimlich sehen. Wenn ich einmal wieder gern mit ihr zusammen sein wollte, so mußte ich eine Besuchsreise zu einer anderen Freundin vorschützen. Sie gut erzogener Jüngling,“ fährt Lidia spöttisch fort,„erachten es wahrscheinlich für höchst verwerflich, daß ich hinter meines Vaters Rücken einen ihm mißliebigen Verkehr fortsetze, aber, lieber Himmel, was wollen Sie? Soll ich mir von meinem Vater selbst diese karge Freude rauben lassen? An sich ist diese Freundschaft doch kein Unrecht, das müssen Sie mir selbst zugestehen.“ Julius hörte die Erklärung mit seltsam gemischten Empfindungen an. Was Lidia da sagt, dünkt ihn in Anbetracht ihres und Herrn Niegowos Charakt keineswegs unwahrscheinlich und doch ist etwas in ihm, was ihn mit Mißtrauen gegen das schöne Mädchen erfüllt. Er denkt an die Geschichte mit dem Schlitten, den er für sie mieten mußte, diese Geschichte bezüglich deren er noch immer im Dunkeln tappt. Lidia hat ihm auf sein Drängen wiederholt versprochen, ihm zu sagen, wie die Sache zusammenhing, aber sie ist ihm eine betriedigende Antwort dessenungeachtet bis heute schuldig geblieben. Sowie er darauf zu reden kommt, speist sie ihn mit leeren Ausreden ab und wenn er ungeduldig wird und endlich die Wahrheit zu erfahren verlangt, versichert sie ihm, daß es sich dazumal um keine Schlechtigkeit oder Niedrigkett gehandelt habe und daß er ihe und reicht ihm das unbedingt vertrannn dürte Dresden in bemerkenswerter Weie vorgegangen. Wie Oberbürgermeister Geh.-Rat Dr. Beutler in der ersten diesjährigen Sitzung der Stadtverordneten ausführte, werden beispielsweise durch Vereinfachungen im Vermessungsamt von fünf Inspektionen zwei eingezogen werden können, und durch Einstellung einer kaufmännischen Kraft im Rehnungswesen der Bauämter erhofft man bei diesen eine Verminderung der mit der Buchführung beschäftigten Beamten, deren Zahl jetzt nicht weniger als siebenundzwanzig beträgt. Für die Registrand: soll ein einsaches Kartensystem angewendet wrden, und außerdem ist bei Führung der Registrande die obligatorische Verwendung der Gabelsbergerschen Stenographie vorgeschrieben, deren Kenntnis von allen städtischen Beamten verlangt wird und die bisher schon in grobem Umfange in der Verwaltung benutzt wurde. Der Rat hat nach einer weiteren Mitteilung des Oberbürgermeisters auch der sächsischen Regierung In einem umfassenden, nahezu alle Verwaltungszweige behandelnden Gutachten eingehende Vorschläge zur Vereinfachung des Dienstbetriebes unterbreitet. Die Wahlrechtsvorlage wird dem Abgeordnetenhause am Sonnabend zugehen. Gestern fanden Besprechungen von Parteiführern im Reichskanzlerpalais statt. Der Rompentenzkouflikt mit den Bischöfen. In der gestrigen Vermittagssitzung des elsaß=lothringischen Landesausschusses behandelte Unterstaatssekretär Dr. Petri ausführlicher den Kompetenzkonflikt mit den Bischöfen. Er verteidigte mit Nachdruck den Standpunkt der Regierung, die in einem ähnlichen Falle wieder so handeln würde, wie sie es getan habe. Weltliches und religiöses Gebiet müßten scharf getrennt bleiben. Dr. Petri schloß in der Hoffnung, daß zur Erhaltung der beiden Denkmäler eines gesitteten Gemeinwesens, Gottesfurcht und Nächstenliebe, ein einträchtliches Zusammenarbeiten des Staates mit der Kirche sich eintellen werde. Ausland. Türkei. Saloniki, 3. Febr. Vor einigen Wochen wurde der Komitatschi Dinga im Gebiet von Monastir verhaftet. Die Untersuchungskommission verfügte auf Grund der bei Dinga gefundenen Papiere die Einsperrung zahlreicher Bulgaren. Alle wurden dann vor das Kriegsgericht, gestellt, das nach dem 23. Artikel des Bandengesetzes(Wer Banden organisiert, um die öffentliche Ruhe zu zerstören, verfällt der Todesstrafe) das Todesurteil über 8 Personen fällte, zehn andere erhielten Kerkerstrafen zugesprochen. Die Familien aller verurteilten Personen wurden in ferne Provinzen verbannt. Diese kriegsgerichtliche Massenverurteilung ist es, die in Bulgarien große Erregung verursacht und Demonstrationen gegen die Türkei veranlaßt, die ihrerseits auf die drohenden bulgarischen Manifestationen mit Kriegsvorbereitungen antwortet. Konstantinovel, 3. Febr. Die Pforte hat beschlossen, die Todesstrafe der vom Salonikier Kriegsgericht in der Affäre Nepropok verurteilten Bulgaren in Freiheitsstrafe umzuwandeln. Griechenland. Athen, 3. Febr. Sowohl die griechische, als auch die Regierung in Canea haben die vier Schutzmächte verständigt, daß sie deren Wünsche bedingungslos erfüllen werden. Asien. Saloniki, 2. Februar. Nach dem Beispiel der christlichen Araber, die sich vom Konstantinopeler ökumenischen Patriarchat losreißen wollen, fordern nur auch di. Juden Jerusalems ihre Unabhängigkeit vom Stabuler Großrabbinat, und diese Autonomiebestrebungen haben bereits zu so bedrohlichen Zwischenfällen in der heiligen Stadt geführt, daß der Großrabbiner der ganzen Türkei Haim, Naum Efendi, begleitet vom Großrabbiner Saloniki, Jakob Meir Rebi, sich sofort nach Jerusalem begibt, um den Abfall der Juden Jerusalems von dem Konstantinopeler Großrabbinat zu verhindern. Dortmunder Stadttbeater. E. Dortmund, 3. Februar. „Samson und Dalila“. Oper in 3 Akten von Camille Saint=Saëns. Nachdem die Direktion unteres Stadttheaters vor wenigen Tagen den Massenet'schen„Werther“ zur Aufführung brachte ließ sie heute schon wieder einen französischen Komponisten zu Worte kommen, und zwar den bedeutendsten des heutigen Frankreichs: Charles Camille Saint=Saens. Dieser seltene Künstler ist von einer außerordentlichen Vielseitigkeit; in seinen jüngeren Jahren Organist an der belannten Madeleine=Kirche in Paris, hat er seinen Ruhm als reproduktiver Künstler erst durch ausgedehnte Konzertreisen als Orgelund Klaviervirtuose begründet. In Deutschland wurde sein Name zuerst durch seine symphonischen Dichtungen rühmlichst bekannt; es gibt wohl kein größeres Orchester, das nicht zum minde## en den phantastischen„Totentanz“(Danse macabre) in sein Repertoire ausgenommen hätte.— Aeußerst fruchtbar ist Saint=Saens als Opernkomponist, er hat bis jetzt 12 Opern geschrieben und arbeitet zur Zeit in Kairo, wo er sich zur Erholung aufhält, an einer neuen Oper, deren Stoff er seinen Eindrücken in Aegypten entnommen hat. Den größten Erfolg brachte ihm ohne Zweifel die Oper„Samson und Dalila“, die uns heute zu Gehör gebracht wurde.— Das Libretto hat Lemaire der Simsonsage im alten Testament(Richter 13—16) entnommen, die von der ungeheuren Körperkraft Simsons, des Nationalhelden der alten Israeliten, erzählt. Der Ort der Handlung ist Gaza in Palästina, die Zeit 1150 v. Chr. Simson befreit sein Volk von dem Joche der Philister, sein Herz aber erglüht in Liebe zu der philisträischen Priesterin Dalila, die scheinbar seine Liebe erwidert, in Wirklichkeit ihn aber nur in ihre Netze locken will, um sich an ihm zu rächen. Dies gelingt ihr vollkommen, er gerät in die Gefangenund Provinzielles. Dortmund. 4. Februar. —' Verein Frauenbildung-Frauenerwerb.— Die Mitglieder des Vereins Frauenbildung=Frauener= verb machen wir besonders auf den Freitag Nachmittag zweieinhalb Uhr pünktlich beginnenden Vortrag des Herrn Museumsdirektors Baum aufmerksam. Damit zu d.r Besichtigung noch das Tageslicht ausreicht, muß dr Vortrag schon um zweieinhalb Uhr anfangen und wir bitten unsere Mitglieder sich recht pünktlich und zahlreich in der ehemaligen Reichsbank am Königswall einzufinden. —* Die Rieselfelder der Stadt Dortmund hatten zu Ende des letzten Rechnungsjahres eine Größe von 950 Hektar,(rund 3800 Morgen). Hiervon entfallen auf aptierte Grundstücke 680 Hektar, Zuleitungsgräben 7,5 Hektar, Entwässerungsgräben 19,5 Hektar, Wege im Rieselgebiet 28,8 Hektar, Wiesen und Weiden zum Wildrieseln 46 Hektar, Acker und Naturland 41 Hektar, Haus= und Obstgärten 6,5 Hektar, Hofräume 5 Hektar, Wiesen, Weiden, Heide und Sandgruben 67,5 Hektar, Wald 72,5 Hektar, Fischteiche 9,3 Hektar und in Aptierung befindliche Flächen 13,5 Hektar. Im Rieselgebiet liegen 5 Höfe und 20 Kotten, das Verwaltungsgebäude mit Wohnräumen und Stallungen für den Inspektor, Schreibgehülfen und Kutscher; ferner zwei Dienstgebäude für den Rieselmeister und Bauaufseher. Verpachtet sind 626 Hektar aptierte Flächen und 165 Hektar nicht aptierte Flächen, Weiden, Wiesen und Naturland. Die übrigen nicht verpachteten Flächen entfallen auf Zuleitungs= und Entwässerungsgräben, Wegen, Fischteiche, Baumschule, Eigenbewirtschaftung usw., Mit den Höfen und Kotten verpachtet sind 305 Hektar. In Einzelstücken an rund 200 Pächter sind vergeben 486 Hektar zum Durchschnittspreis von 100 Mk. für das Hektar. Für Vergrößerung der Nieselfelder sind in den Gemeinden Olfen und Ahsen neu erworben rund 364 Hektar. Die bisherigen Gesamtkosten für das Rieselfeld betragen rund 6000000 Mark. Hiervon entfallen auf Grunderwerb rund 3100000 Mark. Der Rest von rund 2900000 Mark entfällt auf die Aptierung und alle Nebenanlagen, wie Gebäude, Gräben und Wege. Im Jahre 1908=09 sind dem Rieselfeld von der Kläranlage rund 16000000 Kubikmeter Schmutzwässer zugeleitet worden. —* Ueberfahren. Gestern Nachmittag wurde an der Ecke der Münster= und Kapellenstraße durch den Fuhrmann Theodor Scharbetze der 9 Jahre alte Sohn des Reisenden Karl Kuhlmann von hier mit einem einspännigen. Fuhrwerk überfahren und schwer verletzt. —* Diebstähle. Aus dem Hausflur der Augustaschule in der Kirchenstraße wurde gestern nachmittag einer Schülerin eine dunkle wertvolle Jacke gestohlen. — Auf der Strecke Markt=Hörde wurde gestern Nachmittag einer Dame im Straßenbahnwagen von einer neben ihr sitzenden Person das Portemonnaie mit gröberem Barinhalt aus der Kleidertasche gestohlen. Der Diebstahl wurde zu spät bemerkt, es gelang deshalb die Feststellung des Diebes bisher nicht.— In vorgestriger Nacht haben Diebe bei dem Fleischermeister Heinrich Sils, Langestraße 65, einen Besuch abgestattet. Die Diebe haben die Küchentür sowie die zur Wurstküche gehende Tür mittels Nachschlüsses geöffnet und an barem Gelde etwa 250 Mark sowie Schinken, Wurst und Speck für rund 100 Mark gestohlen. Die Diebe sind unerkannt entkommen. —* Ju vergangener Nacht beabsichtigten drei Burschen auf der Hohen Straße in einem Geschäft einzubrechen. Sie waren jedoch von einem Polkzeibeamten becbachtet worden. Als die Einbrecher des Beamten ansichtig wurden, gaben sie Fersengeld. Zwei entkamen, der dritte wurde jedoch von einem Polkzeihund in den Anlagen des Luisenhospitals gestellt und konnte festgenommen werden.— Ein eigenartiger Diebstahl wurde gestern Mittag beim Restaurateur Hermann in der 1. Kampstraße ausgeführt. Während H. unten im Tageslokal sich aufhielt, öffnete ein Dieb in der 1. Etage ein Privatzimmer und stahl aus einem von ihm gewaltsam geöffneten Schrank 400 Mark bares Geld. Ungesehen, wie er gekommen, verschwand der Dieb mit seiner Beute. —* Polizei=Bericht. In der Nacht zum Don nerstag, bezw. im Laufe des Mittwoch wurden acht Personen festgenommen und zwar: 3 wegen Obdachlosigkeit, 2 wegen Unfugs und je 1 wegen Fürsorgeerziedung, Diebstahls und Haftbefehls.— Ein Etagendiebstahl wurde gestern Abend in einem Hause an der Düsseldorferstraße ausgeführt in einer Zeit, als sich schaft der Philister; des Haares und des Augenlichtes beraubt, muß er einen Schleifstein drehen. Die Israeliten kommen abermals unter das Joch der Philister; diese begehen zur Feier ihres Sieges in ihrem Tempel ein grohes Fest, zu dem man auch Simson geführt hat, um ihn zu verhöhnen. Dalila selbst reicht ihm den goldenen Becher, dabei seiner spottend, daß er an ihre Liebe geglaubt habe. Der Oberpriester gibt den Befehl, ihn zum Opferaltar zu führen; von Schmerz gebeugt fleht Samson zu Gott, ihm noch einmal seine alte Särke wiederzugeben; er umklammert die Säulen des Tempels, daß dieser krachend zusammenstürzt. So wird er selbst mit dem Volke der Philister unter den Trümmern begraben. Saint=Saens hat zu dieser Handlung eine phantasiereiche, espritvolle Musik geschrieben, deren Hauptvorzug in einer krystallklaren Ausdrucksweise besteht, die auch selbst in Momenten höchster Leidenschaft niemals die Schönheitslinie zu Gunsten der Charakteristik übertritt. Insofern ist seine Musik von klassischem Geist durchweht; denken wir aber an die vielen virtuosen orchestralen Instrumentationskünste, so müssen wir feststellen, daß Saint=Saens in dieser Oper den Klassictsmus und die Moderne auf das Glücklichste zu verbinden wußte. Die heutige Aufführung ließ bei der durchweg guten Besetzung wenig zu wünschen übrig. Die Titelrol= len befanden sich in den Händen bewährter Künstler; Frau Wildbrunn als„Dalila“ bot wie gewöhnlich eine mustergültige Leistung, die im zweiten Akte ihren Höhepunkt erreichte.— Die Rolle des„Samson“, die in der vorigen Spielzeit von Herrn Schirmer verkörpert wurde, hatte in Herrn Wildbrunn einen würdigen Nachfolger gefunden, der vor allem darstellerisch Vortreffliches leistete. Die Herren Stury als„Oberpriester" und Loosen als„Satrap von Gaza“ boten gute Leistungen, jedoch ist ihnen eine deutliche Aussprache sehr zu empfehlen.— Herr Bark verkörperte einen alten Hebräer im Maske und Spiel äußerst stilgemäß. der Wohnungsinhaber mit seiner Familie nicht zu Hause befand. Die Diebe sind an der Rückseite des Hauses durch ein Fenster eingestiegen, haden in der Wohnung einen Schreibtisch erbrochen und daraus außer zwei Uhrketten ein hellbraunes Portemonnase mit 300 Mk. Inhalt gestohlen. Nach den vorgefundenen Spuren haben die Diebe noch andere Möbel aufbrechen wollen, sind aber anscheinend bei der Arbeit gestört worden. —* Emscher=Uferstraßen. Bei den Verhandlungen mit der Emschergenossenschaft über die Eindeichung des neuen Emscherlaufes wurde die Frage aufgeworfen, im öffentlichen Interesse der berührten Grundeigentümer beiderseits des neuen Emscherlaufes Promenadenwege mit einseitiger Baufluchtlinie und Front gegen die Emscher anzulegen. Die Ausführbarkeit des Planes hängt im wesentlichen von der Bereitwilligkeit der Grundeigentümer ab. Gedacht sind diese Straßen in 20 Meter Breite, wovon je 11 Meter auf die eigentliche Straße und je 9 Meter auf Bepflanzung am Uferrand fallen sollen. Wenn der Plan zur Ausführung gelangen wird, würde eine mehrere Kilometer lange Promenade beiderseits der Emscher geschaffen und jetzt von der Bebauung ausgeschlossenes Gelände aufgeschlosfen werden. — Das Kanalnetz der Stadt Dortmund hatte zu Beginn des laufenden Rechnungsjahres eine Gesamtlänge von 161 Kilometer. Abgesehen von dem nordöstlichen Stadtteil mit der Kolonie Kaiserstuhl, für welchen wegen der tiefen Lage des Geländes einc Pumpstation mit Trennsystem vorgesehen ist, deren Ausführung aber bisher durch die weigerliche Hiltung eines größeren Grundbesitzers aufgehalten wurde, und al gesehen von einzelnen Flächen an der Peripherie des Stadtgebietes an der Emscher sind sämtliche Straßen mit Kanälen versehen und die Häuser angeschlossen. Straßensinkkästen sind rund 3700 Stück vorhanden, welche 1 bis 2 mal wöchentlich entleert nerden. Die Gesamtzahl der Kanalhausanschlüsse betrug zu Beginn des Rechnungsjahres 10 225 Stück, die Zahl der vorhandenen Abortanschlüsse 9222 Stück, also 90 Prozent der bestehenden Hausanschlüsse. — Auszeichnung treu Dienender. Der Dortmunder Wirteverein hat eine Prämiierung der im Wirteberufe treu Dienenden vorgenommen. Für dreijährige Tienstzeit sind prämiiert worden: Kellner Erich Kuizinski bei Oskar Schmidt, Tienstmädchen Anna Schebaum bei Göbbeln, Kellner Ullrich Kolbe bei Schmitz, Kellner Conrad Niemeiyer bei Eickmann, Kellermeister Georg Boos bei Beckmann, Dienstmädchen Paula Spindeldreifer bei Wiemers, Buffetfräulein Wilhelmine Fister bei Schilling, Eving, Buffetfräulein Anna Schnepel, bei Ulmer, Bahnhofsrestaurateur, Haushälterin Maria Baader, bei Ulmer, Bahnhofsrestaurateur, Wäschefräulein Emma Sperling, bei Dieckmann, Rheinischer Hof, Buffetier Leonhard Spaarenbei Dieckmann, Rheinischer Hof, Kellner Otto Spiekermann bei Wenker, Dienstmädchen Elisabeth Lieke, bei Fritz Kleine, Dienstmädchen Leokadia Pryzibilsko, bei Fritz Kleine, Dienstmädchen Susinne Olk bei Wilhelm Holzknecht, Dienstmädchen Auguste Lednarzyk, bei Buchmann, Köchin Maria Schneider bei Franz Wehling, Ratskeller, Kellner Sinon Huscher, bei Franz Wehling, Ratskeller, Buffetier Friedrich Brinkmeier, bei Aug. Heinz, Lindenhof, Kellner P. Schüler, bei Aug.' Heinz, Lindenhof. Tienstmädchen Julie Norolewki, bei C. H. Bömke, Stütze Hedwig Schmieding, bei Lentze, Dienstmäd yen Elisabeth Plate, bei Wylich; für 6jährige Tenstzeit: Tienstmädchen Anna Röder bei Schilling=Eving, Buffetfräulein Maria Rosinski, bei Gottl. Tobien, Bufsetfräulein Emma Schreiber, bei Jos. Höfer, Oberkellner Fritz Grümmer, bei Ulmer, Bahnhofsrestaurateur, Küchenschef Paul Nikalaischek bei Otto Dieckmann„Rheinischer Hof, Kaffeefräulein Minna Salmen bei Otto Dieckmann, Rheinischer Hof, Dienstmädchen Pauline Haster, bei Fritz Kleine, Stütze Emilie Schwetzler bei Karl Hengstenberg, Dienstmädchen Maria Heinrichs bei Conrad Smidt, Portier Hermann Lückmann, bei Hotel Römischer Kaiser, Kellner Franz Goldfinger, bei Obermann, Kellner Adolf Segtrop bei Franz Wehling, Ratskeller, Kellner Heinrich Wellmann bei Jul. Gosebruch, Zentral=Theater; für zehnjährige Dienstzeit: Dienstmädchen Anna Hülsmann, bei Eilinghoff, Stütze Maria Ulmer, bei Ulmer, Bahnhofsrestaurateur. Nachträglich sind noch prämiiert: Kellner Heinrich Wellmann, Stütze Antonie von Rötel, Kellner Ostermann, Kellner Heinrich Knoche.— Folgende Wirte haben ihr 25jähriges Jubiläum gefeiert: Julius Rettberg, Diedr. Kohlmeyer, Heinr. Beckmann, H. Zimmermann, Fritz Stehmann, Wilhelm Schreiber, Herm. Meier=Ebert, Adam Lorenz, L. Cromberg. sein Bak ist von sonorem, metallreichem Klang.— Die Herren Scherer, Förster und Wehrhard verdienen, lobend erwähnt zu werden.— Das Ballett gelang im dritten Akt besser als im ersten. Wenig günstiges ist über den Chor zu sagen, der oft stark detonierte. Herr Kapellmeister Wolfram hatte die Oper sorgfältig einstudiert; das Orchester stand auf gewohnter, künstlerischer Höhe. Last not least dem Regisseur, Herrn Direktor Hofmann, ein Wort warmen Dankes für die wohlgelungene Aufführung. Dortmund, 8. Februar. Ihr zweites Gastspiel absolvierte die kg.] Hofschauspielerin Frl. Josefine Rottmann aus München gestern Abend als Bersabe in der„Rabensteinerin“ von Wildenbruch. Wie als Judith so zeigte sich Frl. Rottmann auch als Bersabe als eine vollendete Künstlerin von seltener Gestaltungskunst. Auch wer, wie ich, die heimischen Kräfte hoch schätzt, muß zugestehen, daß Frl. Rottmann nicht unbeträchtlich aus dem Ensemble, in das sie sich hier gestellt, herausragt. Mag auch die Judith nicht geringe Anforderungen an die Künstlerin stellen und ihr auch mehr Gelegenheit, ihre Kunst zu entfalten, geben, so darf doch auch die Bersabe als ein Prüfstein für die Leistungsfähigkeit betrachtet werden. Es läßt sich garnicht bestreiten, daß auch aus der Bersabe die selbständig denkende und schaffende Künstlerin zu erkennen war, wenn man auch über die Auffassung der wilden Hummel vielleicht anderer Ansicht als Frl. Rottmann sein kann. Einsach, lebenswahr und überzeugend verkörperte sie die in zügelloser Freihett und eigenartigen Anschauungen aufgewachsene Jungfrau, wußte in Haß und Liebe, Verachtung und Rührung, Freude und Schmerz den richtigen Ton zu finden und durch ausdrucksvolles stummes Spiel die an sich treffliche Wirkung ihrer Worte noch zu erhöhen und zu vertiefen. Für ihre Kunstleistung ersten Ranges ward Frl. Rottmann eicher Beifall enteil Barop, 3. Febr. Die 4 Jahre alte Tochter## Bergmanns Walkewitz fand dadurch ihren Tod. 3# sie in einen Topf mit siedendem Wasser stürzte. Hombruch, 3. Febr. Seit einigen Tagen ist zz. elektrische Drahtseilbahn, die in Kürze den gesamteKohlentransport von Schacht„Gotthelf" nach ladeschacht„Giesbert“ aufnehmen soll, probewetze## Betrieb. Die Anlage funktioniert bisher tadellos. Go bald nun auf Schacht„Gotthelf“ die unterirdtchen Verrihtungsarbeiten so weit gediehen sind, daß auf diesem Schachte die ganze Belegschaft von Schacht „Giesbert“ unterbringen kann, wird die neue Seilbahn desinitiv in Betrieb genommen und der letztgenannte Schacht still gesetzt werden. Dies dürfte schon in gankurzer Zeit geschehen. Gelsenkirchen, 4. Feb. Im hiesigen Kranken, hause starb heute der Kaufmann Hagemeister. der in de. Samstagnacht von den Hilfsschutzmonn Thurau durch zwei Revolverschüsse lebensgefährlich berletzt worden war. Hagemeister, der eine Frau mit 9 Kindern hinterläßt, ist völlig unschuldig. Der Hilfsschutzmann, der verletzt worden ist will von Hagemeister überfallen worden sein und in Notwehr gehandelt haben. Er scheiut sich die Verletzungen jedoch selbst beigebracht zu haben, da er sofort nach dur Tat flüchtete. Eine Untersuchung ist eingeleitet. Gelsenkirchen, 3. Febr. Ein Fall von Ueber schreitung der dienstlichen Befugnis eines Schutzmannes scheint sich hier ereignet zu haben. Der Kans. mann Hagemeister wurde in der Sonntugnacht in der Rotthausenerstraße von dem, Hilfsschutzmann Thurau durch zwei Revolverschüsse lebensgefährlich verletzt. Heute ist H. im evangelischen Krankenhause an der erlittenen Verletzungen gestorben. Er hinterläßt ein Frau und 9 Kinder. Tieser Vorfall bedarf noc dringend der Aufklärung, da H. an den von der Schutzmann berichteten Zusammenstoß nicht beteilig, gewesen sein soll. Die Verletzungen, die der Beamt hatte, soll er sich, wie verlautet selbst beigebracht haben. Die Untersuchung ist bereits eingeleitet. Siegen, 3. Feb. In Gleisweid erschoß ein Geu knabe seinen Kameraden aus Unvorsichtigkerit mit einer Vogelflinte. Köln, 3. Febr. Operndirektor Lohse, dem A gelo Neumann die erste Kapellmeisterstelle an der neuen großen Oper in Berlin angeboten hatte, hat der Stadt Köln erklärt, daß er keinesfalls vor 1913, wo die Werke Richard Wagners frei werden, die ihm angebotenz Stelle annehmen werde. Die Stadt Köln hat nun mit Lohse einen neuen Vertrag vereinbart, wodurch Lohse bedeutend höhere Einnahmen gesichert werden. Ferner hat Lohse das Recht der Kündigung seinerseits zum Jahre 1913. und Frankfurter Abendbörse. Kredit Deutsche Bank Staatsbahn Baltimore Ohio Paketfahrt Eschweiler Harpener Luremburger Oberschlefischer BedBöse Akkum. Bulgarischer Tabaf Diskonto Dresdener Bank Lombarden Schantung Norddeutscher Llond Gelsenkirchen Phönix Oberschlesisches Eisen Edison Mannesmannsröhren Tendenz: Matt. 211,00 255.30 161,10 113,90 133,60 207.00 206.00 214.50 110,00 27.50 101.30 194,60 161,80 32.50 119,80 02.00 216,00 218,00 108,00 257.00 231,50 Vermischtes. Von einer famosen Theaterrede eines Poli zeimeisters berichtet ein Petersburger Blatt: Die Lieb habr dramatischer Kunst in Kißlowodsk führten jüng ein kleinrussisches Stück auf. Vor dem zweiten Akte erschien der Polizeipristaw Schach=Mursiew vor dem Vorhang und rief:„Ich bitte um Gehör!“ Es trat sofort Stille ein, und der Pristaw sprach:„Meine Damen! Meine Herren! Dieses Theater ist von der Administration freundlichst zu derartigen Aufführungen wit die heutige hergegeben worden. Ich meinerseits bir ein Freund derartigen Zeitvertreibs, denn er ist vernünftig. Aber ich bitte um eins: Keinen Mißbrauch trei ben! Es gibt unter Ihnen einige Persönlichkeiten, die sobald Feiertage sind, sich dem Trinken ergeben und in betrunkenen Zustande die Nuhe und Ordnung in der Stadt stören. Wollen Sie, bitte, nicht vergessen, da ich Si: verhaften kann! Jawohl, einsperren! Und zwar bis zu einer Woche! Aber ich habe garnicht der Wunsch, mich von dieser strengen Seite zu zeigen. Darum bitte ich Sie, führen Sie sich anständig auf! Voriges Jahr spielte dieser Liebhaberkreis den ganzen Winter und alles ging vortrefflich. Also nochmals meine Herren von der Verwaltung des Theaters, und auch Sie, meine Herren Schauspieler=Dilettanten, ich bitte Sie, nicht zu saufen und Skandal zu machen! Wenn Si: meine Warnung nicht berücksichtigen, so werde Ihnen dieses nette Theater schließen— und das wäre doch für alle Teile unangenehm. Jetzt bitte ich— winn vas aber nichts hilft... dann, meine Herren, kommt der Stock!“ Das Publikum war starr. Pristaw aber schritt, stolz auf den sichtbaren Effekt, den seine Rede hervorgebracht hatte, sehr selbstbewuhl daron! Der„kleine Cohn“ in Amerika. Je „kleine Cohn“ hat seinen Einzug in Newyork gehalten hat jedoch dort seinen Namen und seine Religion astnechleit und iR ein Irrländer namens gewechselt, und ist ein Irrländer namens„Kelly“ worden. Ganz Newyork fragt jetzt:„Haben Sie nicht Kelly gesehen?" Das Lied ist mindestens so pulär geworden, wie seinerzeit das Original in Enropa. Vor einigen Tagen kam es sogar Kellys wegen einem richtigen Theaterskandal. Im Brogd###h; eater beklagt nämlich allabendlich die amerikanise# Soubrette Nora Bays das Verschwinden Kellys,„de in des Volkes Menge ins Gedränge kam". sich mit ihrer Frage nach Kelly an das Publikhk, wandte, erschollen ihr regelmäßig aus den Parkett reihen recht anzügliche Redensarten über Kellys bleiben entgegen. Taraufhin trat sie entschlosse die Rampe und erklärte dem hohen Publikum, ihr unmäglich sei, das Lied weiter zu singer. alhe baih si. Boit, 3cen. ##t Ihre Worte hatte Ruhestöger, wurden furcht berschollenen Kelty fande Gegen amerik Die großen ameri Chikagos haben lange Zei strupelloser Kundinnen Ansicht schicken ließen un Tage trugen, um sie später senden. Um sich gegen di getroffen, derzufolge an Stück mit einer Plombe, d ma tragt, ein zehn Zent befestigt wird, das die 2 Wird nicht zurückgenomm Unter den Tamen Chirag rüstung über diese Neuer doch als äußerst praktisch lichkeit unehrliche Kundir tragen, die nur zur Anst Aus dem Strafkamme Fünf Kaninchen und Nacht zum 12. Tezember Barau in Castrop aus d Der Angeklagte ist gestän daher mildernde Umstär Rücksicht auf die Vorstra Jahr Gefängnis. Wegen schwerer Urku Eheleute Karl Landgraf a kammer zu verantworten schaft mit seiner Chefrau beamten F. Lindner eine sülscht haben. Landgraf tregen Krankheit dispensi klage beantragte nament empfindliche Strafe. Da Sache gegen den Mann a da sie jedenfalls unter de handelt, zu 2 Wochen Ge Wegen Diebstahls ha ##n Meier aus Ostbüderi antworten. Die Frau Arbeiter Heinrich Gockel entwendet haben. Das( Unterschlagung an, im a sprechung erkannt werd nicht die Rede sein kon setzte das Gericht gegesängnisstrafe von 2 Woc Zum Nachteil seine Biasaki unterschlug der Sodingen den Betrag kar heute vor der Str gleoten Vergehens geste eil des Geldes zurückz leinen Vertrauensbruch seinem Mündel handelt enpfindliche Strafe erk erkannte auf 3 Wochen Wegen Vergehens (Verbrechens gegen das unverehelichte Elise Beck Thorn, 3. Febr. verurteilte die Strafk aus Barden wegen unzüc gädchen, in den letzten Jahren Gefängnis. Das die Unfähigkeit zur Bekle die Dauer von fünf Ja Letzt Berlin. 4 neinschaft hat si. verbereiteten En und den Organi Organisationen d inderungen besch, rde einstimmie Müller=Meininge i„Fortschrittli. verammbestimmun bebiete der Fra Redaktion noch verwiesen. Das Berlin. 3 stage einen Ant neten während Fahrt auf den Voll. nserate für Du Tochter be„Tor, be türzte. agen ist dse gesamten h dem Verobeweise in dellos. Sonterirdischen , daß man von Schacht De Seilbahn etztgenannte be jedoch die die vom son in ganz m Kranken. , d e r i n d e. iu durch zwei war. Hage. ßt, ist völlig worden ist, und in der Verletzungen irt nach der t. von Ueber Der Kanslacht in der nn Thurau ich verletzt. use an den erläßt eim jedarf noch i von den ht beteilig, der Beamte beigebracht leitet. iß ein Geu mit einer , d e m A r n der neuen der Stadt 3, wo die angebotenz n hat nun rt, wodurch ert werden. a seinerseits hr. .00 5.30 „10 1.90 .60 90 5.40 .50 1.00 .50 .30 .60 80 2.50 9.80 1.00 1.00 3.00 3,00 □0 1.50 ines Poli Die Liebirten jüng heiten Akte vor dem * Es trat Meine Daon der Adrungen wi erseits bir er ist verbrauch trei keiten, die den und im ing in der gessen, das ren! Und arnicht der igen. Darauf! Voanzen Winnals meine , u n d a u c h i, ich bitte en! Wenn werde ic das wäre itte ich— ne Herren, starr. Der ren Effekt, elbstbewuht - Anstetzt gestört würde. Sie würde dafür ie vun zie das Lied singe, die Ruhestörer je T., Worte hatten ihren Zweck, denn # wurden furchtbar verhauen und an Eriiche Luft gesetzt, und die letzten Strophen serschollenen Kelky fanden tosenden Beifall. Gegen amerikanssche UmtauschsitDie großen americanischen Konseltionshäuser (e n haben lange Zeit unter den Machinationen Fruelloser Kundinnen zu leiden gehabt, die sich Fütare Abendnäntel, Pelze und selbst Ba. uder zur und diefe dann ein oder zwei ### erugen, um sie später als nicht geeignet zurückzutuder“ Um sich gegen diese Ausbeutung zu schützen, “oe zug großen Modeateliers eine Vereinbarung getroffen, derzufolge an jedem zur Ansicht gesandten einer Plombe, die das Monogramm der Fir in trägt, ein zehn Zentimeter großes rotes Placat hefestigt wird, das die Worte trägt:„Zur Ansicht! Kird nicht zurückgenommen, falls dies Etrkett fehlt.“ unter den Tamen Chikagos herischt zwar große Entrüistung über diese Neuerung, sie hat sich bisher jedoch als äußerst praktisch erwiesen, da sie in Wireunehrliche Kundinnen verhindert, Sachen zu tragen, die nur zur Ansicht geliehen sind. Aus dem Gerichtsaal. Strafkammer Dortmund. X Dortmund, 3. FebruarFünf Kaninchen und 2 Hühner entaendete in der Nacht zum 12. Tezember v. J. der Bergmann Anton Parau in Castrop aus dem Stalle seines Nachbärs. Der Angeklagte ist geständig, das Gericht billigte ihm daher mildernde Umstände zu, erkannte aber mit Rücksicht auf die Vorstrafen des Angeklagten auf 1 Jahr Gefängnis. Wegen schwerer Urkundenfälschung hatten sich die Eheleute Karl Landgraf aus Tortmund vor der Strafkammer zu verantworten. Landgraf soll in Gemeinschaft mit seiner Chefrau auf den Namen des Bureauheamten F. Lindner einen Wechsel von 313 Mark gesälscht haben. Landgraf selbst war vom Erscheinen negen Krankheit dispensiert Der Vertreter der AnSache gegen da sie jedenfalls unter dem Einfluß ihres Mannes gehandelt, zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt. Wegen Tiebstahls hatte sich die Ehefrau Franziska Meier aus Ostbüderich wegen Diebstahls zu verantworten. Die Frau soll im Oktober v. J. dem Arbeiter Heinrich Gockel zuerst 26 und dann 2 Mark entwendet haben. Das Gericht nahm im ersten Falle Unterschlagung an, im anderen Falle mußte auf Freisprechung erkannt werden, da von einem Tiebstahl nicht die Rede sein konnte. Wegen Unterschlagung setzte das Gericht gegen die Angeklagte eine Gesängnisstrafe von 2 Wochen fest. Zum Nachteil seines Mündels, des Wladislaus Biasaki unterschlug der Bergmann Joh. Habier von Sodingen den Betrag von 54 Mark. Der Mann kar heute vor der Strafkammer des ihm zur Last geleoten Vergehens geständig; obschon Habier einen Leil des Geldes zurückzahlte, mußte, da es sich um einen Vertrauensbruch eines Vormundes gegenüber seinem Mündel handelte, immerhin noch auf eine enpfindliche Strafe erkannt werden. Das Gericht erkannte auf 3 Wochen Gefängnis. Wegen Vergehens gegen§ 218 des Str.=G.=B. (Verbrechens gegen das keimende Leben) wurde die unverehelichte Elise Beckmann von hier freigesprochen. Thor., 3. Febr. In Braunsberg(Ostpreußen verurteilte die Strafkammer den Lehrer Kienest aus Barden wegen unzüchtiger Handlungen an Schulmädchen, in den letzten zehn Jahren, zu zweieinhalb Jahren. Gefängnis. Das Gericht erkannte ferner auf die Unfähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von fünf Jahren.,.. Telearamme. Zur Einigung der Linksliberalen. Berlin, 4. Febr. Die freisinnige Fraktionsgemeinschaft hat sich erneut mit den vom Viererausschuß perbereiteten Entwürfen des neuen Parteiprogramms ##o den Organisationsstatuten bezw. mit den von den ekganisationen der einzelnen Parteien beantragten Abrnderungen beschäftigt. Von der Fraktionsgemeinschaft einstimmig ein Vorschlag des Abgeordneten Dr. Laller=Meiningen angenommen, die neue Gesamtpar*„Fortschrittliche Volkspartei“ zu nennen. Die Proskammbestimmungen über die Forderungen auf dem spiete der Frauenfrage wurden behuss anderweitiger kdaktion noch einmal an den Viererausschuß zurückverwiesen. Das Zentrum will freie Fahrt. Herlin, 3. Febr. Das Zentrum hat im ReichsFede einen Antrag eingebracht, wonach den Abgeordg#en während der Dauer der Legislaturperiode freie dichr auf den deutschen Eisenbahnen gewährt werden Keichskanzler und Alldeutsche. Berlin, 4. Febr. Die Vereiigung rheinisch=westfälischer Vertrauensmänner des Alldeutschen Verbandes teilte dem Kanzler schriftlich eine Resolution mit, wonach in den Kreisen der Alldeutschen das Vertrauen zum Auswärtigen Amte geschwunden ist, und der Reichskanzler gefragt wird, wie lange er noch das politisch wie wirtschaftlich gleich schädliche Gebaren des Auswärtigen Amts mit seiner Verantwortung decken wolle. Der Kanzler übersandie dieses Schreiben der Hauptleitung des Alldeutschen Verbandes in Mainz mit dem Bemerken: „Es ist unverantwortlich, daß von Gliedern einer Organisation, die, wie der Alldeutsche Verband, nach ihren Satzungen im nationalen Sinne wirken will, gegen eine Reichsbehörde sa unwürdige und beweislose Anschuldigungen geschleudert werden. Ich lehne es ab, diese Entschließung entgegenzunehmen" Der Nachfolger des Herrn v. Schuckmann. Berlin, 3. Febr. Mit dem Rüctritt des Gouverneurs von Südwestafrika, Herrn v. Schuckmann, darf nunmehr mit Bestimmtheit gerechnet werden. Als sein Nachfolger wird bereits der Oberbürgermeister von Bülkeburg, Dr. Kuelz, genannt, der seinerzeit die Selbstverwattung in Südwestafrika eingeführt hat und als einer der besten Kenner dieser Kolonie gilt. Die preußische Wahlrechtsvorlage. Berlin, 3. Febr. Der König hat, wie bereits gemeldet, gestern dem Prusidenten des Staatsministeriums und den Ministern der Justiz und des Innern die Ermächtigung erteilt, daß der Entwurf eines Gesetzes auf Abänderung der Vorschriften über die Wahlen zum Hause der Abgeordneten am Samstag in die Mappen der Abgeordneten kommt. Zugleich wird die Vorlage in einem offiziösen Auszug auch der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die jetzt in der Presse verbreiteten Nachrichten über den Inhalt der Vorlage sind ausnahmslos unzutreffend. Die Vorlage baut sich weder aus einem System nach dem Muster des sächsischen Pluralrechts, noch auf dem reinen Proportionalwahlverfahren auf. Die geheime Stimmabgabe ist in der Vorlage nicht vorgesehen. Es ist beabsichtigt, die Vorlage möglichst bald im Abgeordnetenhaus zur ersten Beratung zu stellen, sobald die Fraktionen selbst sich über ihre Stellung schlüssig geworden sind. Arbeitsplan des Abgeordnetenhauses. Berlin, 3. Febr. Im Abgeordnetenhause wird beabsichtigt, falls der Justizetat noch in dieser Woche erledigt wird, den Montag und Dienstag, eventuell auch den Mittwoch noch freizugeben, um den Fraktionen Zeit und Gelegenheit zum Studium und zur Beratung der Wahlrechtsvorlage zu bieten. Dann soll Ende nächster Woche, womöglich schon am Donnerstag, der Entwurf an das Plenum des Hauses zur ersten Beratung gelangen, da der Reichskanzler sehr auf eine schleunige Erledigung drängt. Die Schiffahrtsabgaben. Berlin, 3. Febr. Die gestrige Beratung der vereinigten Bundesratsausschüsse für Handel und Verkehr, für Justizwesen und für Verfassung über den preußischen Gesetzesvorschlag betr. die Erhebung von Schiffahrtsabgaben hat, wie der„Reichsanzeiger“ heute meldet, zu dem Ergebnis geführt, daß die verfassungsmäßige Mehrheit gemäß Art. 78 der Reichsverfassung für den Grundgedanken dieses Vorschlages, nämlich: Ausbau des deutschen Wasserstraßennetzes unter billiger Heranziehung der Beteiligten durch Erhebung mäßiger Schiffahrtsabgaben und Zusammenfassung der Uferstaaten innerhalb der einzelnen Stromgebiete in Zweckverbände zur Finanzierung der erforderlichen Bauten aus gemeinsamen Stromlassen vorhanden ist und daß auf der so bezeich neten Grundlage in eine weitere Erörterung der Einzelheiten des Entwurfs eingetreten werden soll Kein Zollkrieg mit den Vereinigten Staaten. Berlin, 3. Febr. In dem heute dem Reichstag zugegangenen Gesetzentwurf betreffend die Regelung der deutsch=amerikanischen Handelsbeziehungen ersucht die Regierung den Reichstag um die Ermächtigung, den Vereinigten Staaten von Nordamerika die Sätze eines deutschen Vertragstarifes ganz oder teilweise gegen die Gewährung des amerikanischen Konventionaltarises einräumen zu dürfen. Die Fraktionen des Reichstags werden morgen über die Vorlage beraten und am Samstag soll sie zur ersten Lesung auf die Tagesordnung gesetzt werden. Wenn der Reichstag der Regierung die erbetene Vollmacht erteilt, so werden die Sätze unseres Generaltarifes am 7. Februar nicht in Kraft treten. Da inzwischen die Verhandlungen in Washington zu einer Verständigung geführt haben, so darf die Gefahr eines Zollkrieges wohl als endgültig beseitigt gelten. Die Mandatsniederlegung des Abg. Heimann. Berlin. 3. Febr. Die Mandatsniederlegung des Abg. Heimann(Soz.) im preußischen Abgeordnetenhause(vgl. den Parlamentsbericht) erregt einiges Aufsehen, trotz der Begründung mit„Gesundheitsrücksichten“. Abg. Heimann hat noch jüngst auf dem Parteitage der preußischen Sozialdemokratie das Hauptreferat gehalten. Von Krankheit war dabei nichts zu bemerken. Wenn er nun unmittelbar bevor die Wahlrechtsvorlage ins Abgeordnetenhaus kommt, sein Mandat niederlegt, so müssen gewichtige Gründe dafür vurhänden suln. S mann duie Mennolllsuleberiegung selbst bei der Abstimmung eine Rolle spielen. Es ist senkbar, daß eine einzige Stimme der Sozialdemokraten den Ausschlag für das geheime Wahlrecht gibt Heimann ist bekanntlich Verleger einer großen Anzahl von Werken und Kommentaren zu Gesetzen und Vervaltungsbestimmungen, die namentlich in Beamtenkreisen viele Abnehmer haben. Vielleicht ist auch diese Tätigkeit Heimanns bei seinen Mandatsniederlegung sicht ganz ohne Einfluß gewesen. Am nächsten liegt ie Vermutung, daß Heimann den Platz für Hoffmann reimachen mußte. Allgemeiner Knappschaftsverband. Kassel. 3. Febr. Unter dem Vorsitz des Geh. Vergrats Dr. Weidtman, Schloß Rahe bei Aachen, sand heute hier eine Sitzung des ständigen Ausschusses des allgemeinen deutschen Knappschaftsverbandes statt, in welcher Geh. Oberbergrat Steinbrink und Bergverksdirektor Dr. Hense-Berlin als Vertreter des preußischen Handelsministers, sowie Oberbergrat Mader=München als Vertreter der hayerischen Generaldirektion der Berg=, Hütten- und Salzwerks teilnahmen. Außer Gesellschaftsangelegenheiten wurde namentlich die Frage, wie die doppelte Hinterbliebenenversicherung bei den Mitgliedern der Knappschafts- und Pensionskasse zu vermeiden sei, eingehend erörtert. Dann kamen andere Punkte der Reichsversicherungsordnung und des Knappschaftswesens zur Verhandlung. Dumadeputierte nach Sibirien verbannt. Petersburg, 3. Februar. Gechs ehemalige sozialistische Deputierte der zweiten Duma wurden zur Zwangsarbeit nach Sibirien transvortiert. Sie waren in Ketten gelegt. Der Wirrwarr auf dem Balkan. Paris, 3. Febr.„Echo de Paris" berichtet aus Konstantinopel: Die Pforte ist benachrichtigt worden, daß lebhafte Verhandlungen zwischen den Schutzmächten Kretas im Gange sind, en denen auch Deutschland und Oesterreich=Ungarn teilnehmen. Diese Verhandlungen haben den Zweck, die Kretafrage endgültig zu lösen. Die Pforte hat infolgedessen beschlossen, die bereits fertiggestellte und zur Absendung bereitliegende Note, in der sie die sofortige Lösung der Kretafrage beantragt, an die Mächte nicht abzusenden. Malta, 3. Februar. Ein englisches Geschwader, bestehend aus einem Panzerschiffe, drei Kreuzern und vier Torpedobootszerstörern, ist unter dem Besehl des Konteradmirals Callaghan nach dem Piräus abgegangen. Nach der Ueberschwemmung. Paris 4. Febr. In der Gegend, wo das Palais Roths#ild und die Präfektur stehen, haben Erdsenkungen stattgesunden. Die Gegend wurde infolgedessen abgesperrt. Der Pariser Vorort Villeneuf ist infolge Mangels einer genügenden Kanalisation schwer mitgenommen. Tort steht das Wasser stellenweise bis 5 Meter hoch. Die Deutsche Bank und die Berliner Diskontogesellschaft haben für die Ueberschwemmten je 25000 Mark gespendet. Ferner sind einige der französischen Künstler eingeladen worden, über ihre Eindrücke in Deutschland Vorträge zu halten. Die Einnahmen sollen den Opfern der Ueberschwemmten überwiesen werden. London 4 Febr. Die Subskription des Lordmäyors betrug grstern 1100 000 Fr. Die Bank von England ze#chnete 25000 Fr. Verbrennung neugeborener Kinder. Wien, 4. Febr. Ueber die Kindesverbrennung in Sistiana wird folgendes berichtet: Ein Aftermieter einer Frau namens Leban hörte, wie deren beide Töchterchen sich gegenseitig über Mißhandlunlungen durch den Geliebten der Leban, einen gewissen Caspari beklagten. Das ältere Kind sagte, daß Caspari und seine(des Kindes) Mutter kleine Kinder verbrannt hätten. Der Aftermieter verständigte die Gendarmerie, die die Kinder vernahm. Sie sagten aus, daß sie einmal krank gewesen seien. Caspari sei dazu gekommen, habe etwas blutiges unter der Bettdecke hervorgeholt und in den Backofen geworfen. Dies sei öfters geschehen. Diie Gendarmerie verhaftete die Leban, ihr Geliebter ist verschwunden. Sven Hedin beim Papst. Rom, 4. Febr. Der Tibetforscher Sven Hedin hatte gestern beim Papst, der sich über die Reise des Forschers eingehend berichten ließ, eine längere Audienz. Der Papst forderte ihn zu neuen Kulturtaten auf. Sven Hedin wurde dem Papst vom Generalsekretär der Ge cgraphischen Gesellschaft vorgestellt, was aus die Bes serung der Beziehungen zwischen dem Vatikan und dem offiziellen Italien ein interessantes Streiflicht wirft. Eingesandt. Das Eingesandt des Herrn F. B. in der DonnersMorgenausgabe der Tortmunder Zeitung würde zum Lachen reizen, wenn es nicht gar so taktlos wäre. Wie rommt Herr F. B. dazu, mich mir einenurtikel in Verbindung zu bringen, den ich noch nicht einmal gelesen habe, geschweige denn geschrieben? Wie kommt er zweitens dazu mich eine„zionistische Tame" zu nennen? Mit welchen echt spricht Herr B. von meiner Entgleisung in mehreren Frauenversammlungen? Temgegenüber stelle ich fokgendes fest: 1) Habe ich noch nie ein„Eingesandr“ eingeschickt mit K. H. unterschrieben, sondern meine Initialen sind 8. H. 2) Bin ich keine„Zionistin“", sondern verfolge mit Interesse die Arbeiten der zionistischen Juden, weil ich sie für wertvoll und beachtenswert hakte und sie mich interessieren. 3) Bin ich mir keiner Entgleisungen in Frauenversammlungen bewußt. Sollte ich bei einer Gelegenheit nicht den Beifall des Herrn F. B. gefunden haben, so ist mir das nur ein Beweis mehr, daß ich andere Ideen und andere Ansichten habe wie dieser Herr, der mir so viel Interesse entgegenbringt. Wer immer schön den Mund hält, kommt nicht in Gefahr, sich„den Schnabel zu verbrennen“, wer aber riskiert, auch mal öffentlich seine Ansicht zu äußern. wird immer Widersacher finden. Natürlich wird mich das nicht irre machen, alles das zu tun, was ich für richtig halte. Ganz entschieden aber verwahre ich mich gegen solche unmotivierten, persönlichen Angrisse. Frau Clara Heinemann. Carneval Fredenbaum. Die letzte Sitzung der Carnevalsgesell schaft Kredenbaum wußte Präsident Toni Schmitz wieder zu einer Glanzsitzung zu gestalten. Zündet wirkten seine Worte schon in der Begrüßung der Narrenschar und insbesondere der vertretenen Schwester=Gesellschaften: Große Allgemeine Hagen, Verein Rheinland und Nördl. Carnevalsgesellschaft mit ihren Präsidenten. Hierbei stiegen auch die Wogen des Frohsinns bei jeder Tarbietung zu gewaltige: #ue. Dem Anwalt(Herr Georg) mit seinen feinen Beobachtungen an der Schwiegermutter folgte die lustige Tienstmagd(Frl. Kürschner) mit ihren witzigen Ausführungen über die Herrschaften, Herr Husemann hatte mit seinem Couplet durchschlagen den Erfolg und ebenso ernteten vollen Beifall Herr Timmer als ganz gediegener Schuljunge. Mitglieder der Nördlichen Carnevalsgesellschaft(Michels und Sudhaus) wirkten im Vortrag und Erzählung in ihrem bekannten Zwiegespräch als Dichter und Bauer äußerst originell; dasselbe gilt von den Herren Ewald, Zwiehoff und Viefhaus. Auch die gemeinsamen Lieder trugen zu der hochflutenden Begeisterung wesentlich bei.— Nur noch eine kurze Zeit, dann ist aller närrischer Jubel und Trubel wieder ins unendliche Meer verschlungen und wir finden den Abschluß der Saison stets in den Masken. Die Carnevals=Gesellschaft Fredenbaum veranstaltet zwei Miskenbälle, ein Unternehmen, welches von keiner anderen Gesellschaft am hiesigen Platz ausgeführt wird. erste Gala=Preismaskenball findet am Sonnabend, den 5. Februar statt und Montaa, den 7. Febr. erfoagt der bekannte Rosenmontags=Preis=Maskenball. Der Fredenbaum ist hierzu besonders in sämtlichen Räumen ausgeschmückt und wirken am Sonnabend 5 Musikkapellen und am Montag 6 Musikkapellen mit. Der große Saal ist bei beiden Maskenbällen zu einem großen Tummel= und Masteradenplatze umgewandelt. Die Preisverteilung geschieht um tteinhalt Uhr und gelangen zu jedem Maskenball 10 Drmenund 6 Herrenpreise sowie verschiedene Gruppenpreise zur Verteilung. Die Eintrittspreise sind sehr niedrig gestellt; ebenso sind eine Anzahl Vorverkaufsstellen inmitten der Stadt eingerichtet, welche zu herabgesetzten Preisen Karten abgeben. Zieht man nun noch Küche und Keller des Fredenbaum=Wirtes in betracht, so ist man überzeugt, daß man in der Gastfreundschaft des Herrn Windhäuser sich am Fredenbaum einige genußreiche Stunden an den Carnevaltstagen verschaffen und sorgenlos hingeben kann. Fahrgelegenheit bietet sich zu jeder Zeit. Tarum auf zum Fredenbaum. Helau! Zentral=Automat, Steinplatz. Während der Karnevalstage finden in dem großen Saale des Zentral=Automaten am Steinplatz täglich Maskenbälle statt, welche sich wohl eines starken Besuches erfreuen dürften. Durch die geringen Eintrittspreise ist es Jedem ermöglicht, diese Festlichkeiten zu besuchen. Rosen=Montag findet großer Preis=Maskenball statt, zu dem der Eintrittspreis 75 Pfg. beträgt. Die 18 zur Verteilung kommenden Preise sind im Schaufenster des Zentral=Automaten ausgestellt.— Wir machen besonders darauf aufmerksam, daß der Eintrittspreis zum Kinematographen im Zentral=Automat auf allen Plätzen für Erwachsene 20 Pfg. und Kinder 10 Pfg. beträgt. Olympia=Theater. Täglich steigernder Erfolg des glänzenden Spezialitäten=Programms(11 der hervorragendsten Novitäten der Gegenwart), bilden einen hochinteressanten Spielplan. den Jeder gesehen haben umß.. Karneval in der Hölle! Elite=Maskenfest am Montag, den 7. und Dienstag, den 8.. Februar im Olympia=Theater in Dortmund. Feenhafte Ausstattung sämtlicher Räume. Ballett=Ensemble! Zahlreiche Ueberraschungen! Die neueste Sauerstoffheilmethode. Vanadioserum(Injekt on) Phosphor-Vanadiol. Septo., Vanadoform usw., konzentriette wässerige Lömainti rstoff überladenen Chloratialzen mit einem ###n Vanadiumialz. 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Die Absuhr der im städtischen Kranlenhause„Louisenhafpital“ und„Dudenstift" verbleibenden Küchenabfälle und Speisereste soll für die Zeit vom 1. April 1910 bis 31. März 1911 an den Meistbietenden vergeben werden. Tägliche Verpflegung ea. 600 Personen. Verschlossene mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote sind bis zum 10. Februar er. im städtischen Krankenhause„Lonisenhospital“, Zimmer Nr. 5, abzugeben, wo auch die näheren Bedingungen zu erfahren sind. Dortmund. den 31. Januar 1910. 222 Die Verssaltung des städt. Krankenhauses„Luisenhospital“ Dr. Fluhne. 19 ! Gortmunder Pa K — Mletnanme vn." Staus u. JFamilienmdache Gardinenmasche u ppechten — u.beelfe Redienung nendigmenfiert Telephon 3374 oder an die neueröffnote Filiale Burgwall 26 zwischen Hotel Burghof u. Hotel Lindenhof. Meine Möbel empfehlen sich ohne große Reklame von selbst. 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April 1910, vormittags 8 Uhr. für die Reklamanten aus den Aemtern Dorstfeld, Lütgendortmund, Derne und Eving. Zu denselben Terminen findet auch die Verhandlung über die Zurückstellungsgebühr der Mannschaften der Reserve, Marine-Reserve, Landwehr, Seewehr, Ersatzreserve, und Marine=Ersatz=Reserve, sowie ausgebildeter Landsturmpflichtiger des zweiten Aufgebots gemäß 8123, Nr. 2 der Wehr=Ordnung statt. Gemäß bestehender Vorschrift müssen diejenigen Fa milien=Angehörigen eines Militärpflichtigen auf deren angebliche Erwerbs- resp. Aufsichts-Unfähigkeit ein Anspruch auf Befreiung oder Zurückstellung des Letzteren vom Dienste im stehenden Heere gegründet werden soll, sich sowohl der Ersatz= als der Ober Ersatz=Kommission per sönlich vorstellen. Indem ich dieses zur öffentlichen Kenntnis bringe, mache ich zugleich darauf aufmerksam, daß die Rekla manten den Nachtell, der ihnen durch die etwaige Nichtbefolgung dieser Vorschrift erwachsen möchte, sich selbst beizumessen haben. Dicht große Reklame und hoher Preis sind Merkmale für den Gebrauchswert eines Haferkakaos, sondern seine Güte und das für 1 Mark gelieferte Gewicht. Vom Reichardt=Haferkakao„Halb und Halb“ erhält man dafür ein volles Pfund. Auf der Auswahl des Hafermehles beruht sein Wohlgeschmack fast ebenso sehr, wie auf der Qualität des Kakaos. Hasermehle mit strengem,„haferigem“ Geschmack eignen sich für Haferkakao, Hafersuppen, Kinderernährungusw. viel weniger als Reichardts lieblich schmeckendes Ozamin zu nur 40 Pfennig das Pfund. Man erprüfe dieses aufgeschlossene Hafermehl und vergleiche es mit anderen, dann wird man verstehen, weshalb auch Reichardts Haferkakao Halb“ einen so vorzüglichen Geschmack aufweist. Einzelverkauf dieser wohlfeilen, hochbekömmlichen Kinder= und Kranken=Nährmittel an Private in der Reichardtfiliale Dortmund, Dortmund, den 2. Februar 1910. Der Landrat: v. Rynsch. Bekanntmachung. § 1396 Absatz 2 Ziffer 2 der Reichs-GewerbeOrdnung werden für das Jahr 1910 nachstehende Tage für einen verlängerten Geschäftsverkehr freigegeben und zwar der: 19, 20, 21, 22. und 23. Dezember bis 9 Uhr abends, 24. Dezember bis 10 Uhr abends. An diesen Tagen darf eine Kürzung der Mindestruh zeit für Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter in offenen Verkaufsstellen und den dazu gehörigen Schreibstuben(KKontore:) und Lageräumen stattfinden. Dortmund, den 1. Februar 1910. Die Polizei=Verwaltung. Schmieding. Bekanntmachung Auf Grud des§ 11 des Gesetzes über die PolizeiVerwaltung von 11. März 1850 verordnen wir für den Umfang unseres Regierungsbezirkes, was folgt: Gastwirte, Schankwirte und Kleinhändler mit Brannt vein oder Spiritus, welche selbst oder durch ihre Angehörige resp. Geschäftsgehilfen an solche Personen, welche unzweifelhafte Kennzeichen des Zustandes der Trunkenheit an sich tragen, alkoholartige Getränke verabfolgen, oder denselben zugänglich machen, verfallen in eine Strafe bis zu 30 Mk. evtl. verhältnismäßiger Haftstrafe. Arnsberg, den 13. April 1876. Königliche Regierung. Gewerbe- Koch- u. Haushaltungsschule Ostraudweg 15. Deutsch, Litteratur, Französisch, Englisch, 2 eichnen. Handarbeit, Kunststickerei und Wüschezuschneiden, Wäschenähen, Kleidernähen und Zuschnelden, Kochen, Backen, Rüzeln. LL Tertialkurse ab 22. April, 15. Sept, 8. Jan. Auswärtige Schülerinnen erhalten Schülerfahrkarten. Anfragen a. Prospekte bei der Vorsteherin Alwine Neugebohrn. Nähere Auskunft erteilen auch: Frau E. Wiskott. Märkische Strasse 11. Frau Koncul Hoesch. Ostwall 14 1 1 Auf die bevorstehende Polizei=Verordnung wird insbesondere bei der bevorstehenden Musterung der Militär pflichtigen vom 14. Februar bis 5. April 1910 aufmerksam gemacht. Bei Trunkenheitsfällen wird die Feststellung erfolgen, wo zuletzt der Trunkene alkoholartige Getränke erhalten hat. Die Uebertretung wird nicht nur mit der polizeilichen Strafe geahndet, sondern auch die Erwägung zur Folge haben, ob die Erlaubnis zum Wirtschaftsbetriebe und dem Kleinhandel mit Getränken zu entziehen ist. Dortmund, den 2. Februar 1910. Der Landrat: v. Rynsch. VISITENKARTEN liefert schnell und sauber die Druckerei des„Dortmunder Tageblatts“ Telephon 8299 Prinzenstraße 9—11. Westenhellweg 80. Fernspr. 7608. Postkolli von 6 Mk. an paketportofrei. Proben und Prospekte kostenlos. Bahnkisten frachtfrei mit Rabatt direkt durch unsere Fabrik: Kakao-Compagnie Theodor Reichardt Deutschlands großte Kakaofabrik, Hamburg=Wandsbek Bekanntmachung. Die Erneuerung der Katasterkarte und des Flurbuches von Dortmund ist nunmehr für den ganzen, nördlich der Köln=Mindener Eisenbahn gelegenen Teil des Stadtkreises beendet, soweit er nicht dem noch schwebenden Zusammenlegungsverfahren unterliegt. Die im laufenden Rechnungsjahre in das Kataste übernommenen Ergebnisse der Kartenerneuerung betreffer die bisherigen Fluren 2 und 25 ganz, von den Flurer 3, 11, 12, 17 23 und 24 die Teile nördlich der KölnMindener=Eisenbahn. Die Grundstücke dieses Bezirks haben eine neue Katasterbezeichnung(Flur= und Parzellen=Nummer) erhalten, im übrigen sind die bisherigen Flächeninhalte unverändert übernommen und die katastermäßigen Grenzen in den neuen Karten in größerem Maßstab, doch sonst in Uebereinstimmung mit der bisherigen Katasterkarte bargestell worden. Die neuen Karten und Bücher der Fluren 77—80, 82—98, 100, 101 und 103—106 werden im Katasteramt I, Schwanenstraße 89, Zimmer Nr. 57, während des Monats Februar 1910 in den Dienststunden zu Einsicht aller Beteiligten offen liegen auch wird der Grundeigentümern auf Wunsch eine Gegenüberstellung der alten und neuen Katasterbezeichnung kostenlos erteilt werden. Dortmund, den 28. Januar 1910. Königliches Katasteramt 1. Pack. Frei den 4. Zweite Landwirtse Gewerbe Berufszählung narig nachgewiesen, da Linie Industriestaat un staat ist. Die Landwirtschaft 18 501 307 1907 16 691176 In Verhältntsziffer des gesamten deutschen Landwirtschaft G 805 35,74% 907 28.65% Innerhalb der wir Bevölkerungskreise— hörigen und der Dienst handel und Industrie auf die Landwirtschaft Wenn demgegenük wurde, die Bedeutung len und auf eine ange zelnen Erwerbsgrupper zu verweisen, welche ze langt, daß Landwirth zweige ungefähr gleich bemerkt werden, daße keinen wissenschaftlicher fern, auf welchen ma den einzelnen Erwerbs aufbauen könnte, exist len können nur auf sind mehr oder wenig her beweisunkräftig. die Produktion an B schweren Industrie gl weisen. Wären aber je müssen die steuerlic lichen Berufe im Geg um so mehr auffalle Wie auch bei de hervorgehoben wurde der Einkommen in P kerung aufgebracht. dem platten Lande nur 40 v. Hundert st über 60 v. Hundert. Javne 1907 von der licnen Mark Einkom gegen nur 54 Millio trag der Einkommen doppelt, während er au 54 Millionen st Erfolgrei der Lun Die Lungentuberku bazillen verursacht. Zi allem eine gewisse Dis müssen einen günstigen nicht entwickeln und es Sobald man olso den Patienten so zu veränd berkelbazillen nicht meh mehr vorfinden, so mu Hand in Hand gehen. jetzt nahegekommen. 2 Universität Gen Versuche mit dem in le Di. Fehrlin in Schaffh# veröffentlicht einen Ber Herr Jahren, Schwest begreifli schiver die M ten, w0 mäßig es in it bei Nie Troß v ten wo schaft der be seher zeit k merkt nissen, Keller aber si konserr Menge wol prii seit kei den 4. Februar 1910. rimunder Tageblatt. Nr. 29. 27. Jahrgang. Zweites Blatt. Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe und Handel. Berufszählung vom Jahre 1907 hat zaylen msbig nachgewiesen, daß das Deutsche Reich in erster Lins: Industriestaat und erst in zweiter Linie Agrarnagt ist. Die Berufsangehörigen verteilten sich auf Landwirtschaft Gewerbe, Handel und Industrie 18 501 307 26 220087 907 16 691176 34 664 706 en Verhältntsziffern stellt sich die Berufsgliederung des gesamten deutschen Volkes so dar: Landwirtschaft Gewerbe, Handel und Industrie 895 35,74% 50,65 907 28.65% 56,16% Innerhalb der wirtschaftlich werbend auftretenden Zevölkerungskreise— ausschließlich der Familienangehörigen und der Dienstboten— entfallen auf Gewerbe, handel und Industrie zwei Drittel(66,22 Prozent), auf die Landwirtschaft nicht ganz ein Drittel. Wenn demgegenüber kürzlich im„Tag“ versucht wurde, die Bedeutung dieser Zahlen in Frage zu stellen und auf eine angebliche Statistik der von den einzelnen Erwerbsgruppen geschaffenen produktiven Werte zu verweisen, welche zahlenmäßig zu dem Ergebnis gelangt, daß Landwirtschaft und die übrigen Erwerbszweige ungefähr gleiche Werte schaffen, so muß dazu bemerkt werden, daß eine solche rechnerische Aufmachung keinen wissenschaftlichen Wert hat. Irgend welche Ziffern, auf welchen man eine solche Statistik der von den einzelnen Erwerbsgruppen produzierten Werte erakt aufbauen könnte, existieren nicht. Alle derartigen Zahnn können nur auf ungefähren Schätzungen beruhen, sind mehr oder weniger willkürlich gefunden, und daher beweisunkräftig. Mit einer Argumentierung, daß die Produktion an Butter und Käse der der gesamten schweren Industrie gleichkommen soll, ist alles zu beweisen. Wären aber die angegebenen Ziffern richtig, je müssen die steuerlichen Leistungen der landwirtschaftlichen Berufe im Gegensatz zu den übrigen gewerblichen um so mehr auffallen. Wie auch bei der Gründung des Hansa=Bundes hervorgehoben wurde, wird der weitaus größte Teil der Einkommen in Preußen von der städtischen Bevölkerung aufgebracht. Von der Gesamtbevölkerung auf dem platten Lande sind einschließlich der Angehörigen nur 40 v. Hundert steuerpflichtig, in den Städten aber über 60 v. Hundert. Der preußische Staat erhob im Jahr: 1907 von der städtischen Bevölkerung 169 Millicnen Mark Einkommensteuer, von der ländlichen dagegen nur 54 Millionen. Seit 1892 hat sich der Ertrag der Einkommensteuer in den Städten reichlich verdoppelt, während er auf dem Lande nur von 30,5 auf 54 Millionen stieg. Dazu kommen die Aktiengesellschaften usw., von denen der preußische Staat im Jahre 1907 24,3 Millionen Mark bezog. Das von dir preuhischen Ergänzungssteuer erfaßte Vermögen betrug im Jahre 1905 auf dem Lande nur 20 Milliarden, in den Städten dagegen über 55 Milliarden. Das Steuersoll au der preußischen Gewerbesteuer, von welcher die Landwirtschaft überhaupt befreit ist, betrug im Jahre 1908 gegen 43 Millionen Mark. An direkten Steuern zieht jedenfalls der preußische Staat von der vorwiegend in Gewerbe, Handel und Industrie tätigen Bevölkerung mehr als das dreifache, als ven den in der Landwirtschaft beschäftigten Personen. Diese Nachweisungen sollen die Bedeutung der Landwirtschaft als solcher für die wirtschaftliche und staatliche Entwicklung nicht schmälern, sie zeigen aber vor allem, daß es im eigenen Interesse des Staates liegt, Handel, Gewerbe und Industrie jede nur möglich: Fürderung angedeihen zu lassen. Deutscher Berlin, 3. Februar. Am Tische des Bundesrats: Dernburg, von Linde, von Lindequist. Vizepräsident Dr. Spahn eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten. Eingegangen ist der Gesetzentwurf über die Handelsbeziehungen zu den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Das Amtsgericht Aschaffenburg bittet um die Erteilung der Genehmigung zur Strafverfolgung des Abg. Gerstenberger(Zentrum) wegen Beleidigung. Abg. Dr. Giese(kons.) beantragt im Namen der Geschäftsordnungskommission die Genehmigung nicht zu erteilen. Abg. Erzberger(Zentrum) widerspricht. Die Immunität der Abgeordneten müsse natürlich gewahrt werden, aber im vorliegenden Falle wünsche der Abgeordnete Gerstenberger selbst, daß die Genehmigung erteilt werde, damit er in der Lage sei, die über ihn kursierenden Gerüchte zu zerstreuen. Die Genehmigung wird erteilt. Der Kolonialetat. Die zweite Lesung wird fortgesetzt. Abg. Lattmann(wirtsch. Vg.): Die Sozialdemokraten wollen in der Kolonialpolitik Humanität und Erziehung, keine Maschinengewehre und keine Herrenmoral. Aber ehe Lehrer und Aerzte an die Eingeborenen herankommen, bedarf es der Entwicklung der Kolonien durch Bahnen unter dem Schutz der Maschinengewehre. Ausbeutung und Ausrottung der Neger will niemand. Die Arbeit der Missionen begrüßen wir. Wir haben für unsere weißen Kinder noch nicht genug Regierungsschulen, und von den 20000 Negerkindern in Kamerun gehen nur 500 in Regierungs=, 19 500 in Missionsschulen. Gouverneur v. Schuckmann wird nur schwer zu ersetzen sein. Redner geißelte es, daß einem Somalthäuptling in Hagenbecks Tierpark feierlichst das Allgemeine Ehrenzeichen überreicht wurde. Unterstaatssekretär v. Lindequist: Die Behauptung des Abgeordneten Noske. daß die Ansiedelungen in Ostafrika mißglück seien, ist unrichtig. Widerlegt wird das u. a. auch durch den Ausschwung der Tabakkultur auf den Klein=Siedelungen. Auf den ganz verfehlten Gedanken, ganz Südwest mit Klein=Siedelungen zu überziehen, ist noch niemand gekommen. Auch über die landwirtschaftlichen Unternehmungen läßt sich noch kein Urteil abgeben; dazu sind sie noch zu jung. Abg. Schwarzer(Zentrum) empfiehlt verstärkten Wegebau in Südwest. Abg. Storz(deutsche Vp.): Eine Differenz, wie sie zwischen der Zeutral= und der Lokalverwaltung in Südwest ausgebrochen ist, wird sich hoffentlich nicht wiederholen. Nach Ausführungen der Abgg. Noske(Soz.), Gotter (Vp.) und Erzberger(Ztr.) gab Staatssekretär Dernburg verschiedene Erklärungen ab. Die Regierung habe ein Interesse daran, deutsche Missionen in ihren Kolonien zu haben, das sei nötig, um den Zusammenhang mit der Heimat aufrechtzuerhalten. Abg. Müller=Meiningen(frs. Vg.) bezeichnete es als unerhört, daß ein französischer Bischof in Semsa den Angehörigen der katholischen Kirche Kirchenstrafen androhe, falls sie die deutsche Regierungsschule besuchen. Beim Etat für Ostafrika kritisierte Abg. Arendt(Rp.) die geltende Währung, die entschieden unpraktisch sei. Abg. Werner(Rfp.) trat ebenfalls für Einführung der Reichswährung ein. Staatssekretär Dernburg erklärte die Zeit für einen Wechsel der Währung noch nicht für gekommen. Freitag 1 Uhr: Etat des Reichstags. Schluß T8r. Berlin, 3. Februar. Am Ministertisch: Minister v. Arnim, Wesener. Vizepräsident Porsch teilt zu Beginn der Sitzung mit, daß der Abg. Heimann(Soz.) sein Mandat niedergelegt habe. Die Beratung des Forstetats wird fortgesetzt. Beim Titel„Einnahmen aus der Jagt“ ist ein Autrag Borgmann(Soz.) eingegangen, die admmnterten Jagdbezirke künftig an den Meistbietenden zu verpachten. Die Abgg. Herold(Ztr.) und Dippe(nat.=lib.) sprachen sich gegen den Antrag aus. Nach weiteren Ausführungen des Abg. Strosser(kons.) und des Ministers v. Arnim wurde der Antrag Borgmann gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Abg. Liebknecht(Soz.) begründete einen Antrag, der die Revision des Forstpolizeigesetzes verlangt. Abg. v. Böhlendorff=Koelpin(kons.) trat für eine ausreichende Unterstützung der Familien der Forstarbeiter ein. Abg. Hieber(nat.=lib.) empfahl, daß die Geldstrafen für Forstdiebstahl auch abgearbeitet werden können. Beim Titel: Erlös aus dem Verkauf von Forstgrundstücken begründete Aba. v. Brandenstein(kons.) einen Antrag dabingehend, daß die zum Verkauf bestimmten fiskalischen Waldparzellen in der Nähe großer Städte möglichst von den anliegenden Gemeinden oder Zweckverbänden erworben werden. Durch Kaufvertrag soll die dauernde Erhaltung der Wälder sichergestellt werden. Minister v. Arnim erwiderte: Es wird bei den Veräußerungen dafür Sorge getragen werden, die Interessen des Staates mit den Wünschen des Hauseh in Einklang zu bringen. Dem Wunsch, die Ufer der Flüsse und Seen vom Verkauf freizulassen, sind wir bisher nachgekommen. Abg. Bülow=Homburg(nat.=lib.) begründet einen Antrag, den Gemeinden zur Förderung der Leibesübungen der Schuljugend fiskalisches Terrain zu Spielplätzen für einen angemessenen Kauf= oder Pachtpreis. zu überlassen. Der Antrag Brandenstein wurde der verstärkten Gemeindekommission überwiesen. Der Forstetat wurde bewilligt, ebenso ohne wesentliche Debatte der Domänenetat. Landwirtschaftsminister v. Arnim erklärte zu der vom Abg. v. Dewitz=Oldenburg(kons.) ausgeworfenen Frage der Seßhaftmachung ländlicher Arbeiter auf den Domänen, daß er sich in dieser Sache bereits mit den Kolonisationsgesellschaften in Westpreußen, Pommern usw. in Verbindung gesetzt habe. Nächste Sitzung: Freitag 11 Uhr: Gerichtskostengesetz, Justizetat. Gewerkvereins-Teil. Der praktische Wert der staatlichen Invalidenrente. Man hört oft von der Invalidenrente mit Geriigschätzung sprechen, sie haben keinen Wert. Aus den Kreisen des Reichsversicherungsamts wird festgestellt, das die Renten jetzt noch nicht so hoch sei. önnen, da din Invalidenversicherung erst verhältnismäßig kurze Zeit besteht. Im Laufe der Zeit erhöhten sich dic Renten immer mehr. Die fortgesetzte Steigerung in der Werthöhe der Beträge wirkt weiter erhöhend auf die Rente. Die Invalidenrente sollte nach der Absicht des Gesetzgebers nur den notdürftigen Unterhalt für eine Person decken. Neben ihr kommen in den meisten Fällen noch andere Einnahmequellen in Betracht. Eine große Zahl von Rentenempfängern ist in der Lage, zur Rente noch etwas hinzuzuverdienen. oder sich im Hause von Kindern usw. nützlich zu machen. In manches Haus fallen mehrero Renten. Im deutschen Reiche werden z. B. Unfallrenten an mehr als eine Million Personen gegeben, Dazu kommen häufig Bezüge aus Fabrikkassen, Knappschaftskassen, Hülfskassen, Veteranenbeihilfen, und andere Militärrenten, Verpflegungsgelder von erwachsenen Kindern Erträge eines kleinen Besitzes oder Pachtlandes usw. Besenders gilt dies für die Arbeiter der Großindustrie Der Gesetzgeber hat gar nicht beabsichtigt, daß der Versicherte sich nur auf die Invalidenrenten verlassen und aufhören solle, daneben für seine ZZukunft zu sorgen. Tatsächlich handelt auch der größere Teil des Volkes Erfolgreiche Behandlung der Lungentuberkulofe. Die Lungentuberkulose wird bekanntlich durch die Tuberkelbazillen verursacht. Zur Entfaltung dieser Bazillen gehört vor allem eine gewisse Disposition der Besallenen. Die Bazillen müssen einen günstigen Nährboden finden, sonst können sie sich nicht entwickeln und es kann auch keine Ansteckung erfolgen. Sobald man olso den Gesamtorganismus eines tuberkulösen Patienten so zu verändern vermag, daß die vorhandenen Tuderkelbazillen nicht mehr gedeihen können. keinen Lebensboden mehr vorfinden, so muß damit die Heilung des Erkrankten pand in Hand gehen. Diesem längst erstrebten Ziel sind wir jetzt nahegekommen. Die medizinische Klinik der Universität Genua, wo an Tuberkulösen ausgedehnte Versuche mit dem in letzter Zeit so viel besprochenen, von Herrn D. Fehrlin in Schaffhausen entdeckten Histosan gemacht wurden. betöffentlicht einen Bericht über die mit diesem Mittel gemachten Erfahrungen und schreibt u. a.:„Die prompte und außerordentliche Wirsamkeit des Histosans beruht auf einer gründlichen Sauterung des Blutes und der Gewebesätte, wodurch der erkrankte Organismus schnell in einen Zustand versetzt wird, in welchem dann die Natur eingreifen und die völlige Geneung herbeiführen kann“ Und aus einem andern Ort des Südens, wo sich so viele Lungenkranke hinflüchten, aus dem berühmten Winterkurort Catania kommt eine Nachricht, welche die in Genua enthaltenen Resultate nicht nur bestätigt, sondern noch weit glänzender charakterisiert. Das Institut für pathologische Anatomie der Königlichen Universität Catania hat nämlich einen Bericht über die mit dem Histosan gemachten Erfahrungen mit den Worten geschlossen:„Nach alledem gereicht es uns zum Vergnügen, Ihnen anfrichtig zu gratulieren, daß es Ihnen gelungen ist, ein solches Heilmittel herzustellen, welches mit leichter Anwendbarkeit eine sichere und dauernde Wirkung vereinigt, Histosan darf mit ruhigem Gewissen, nach Ursache wie Wirkung, als das beste, wirksamste und geeignetste Rittel gegen die Lungentuberkulose bezeichnet werden.“ Zahlreiche andere Untersuchungen in Krankenhäusern und Sanatorien des In= und Auslandes haben ebenfalls ergeben, daß das Histosan geradezu überraschende Resultate in Bezug auf Entfieberung, Aufhebung der katarrhalischen Erscheinungen Kräftigung und Belebung des Organismus und Erhöhung des Körpergewich es bewickt. In den Sanatorien von Davos, Arosa, Leyfin, auf dem St. Gotthard=Sanatorium, ferner in Bozen, Meran, Abbazia und in vielen Heilstätten des deut schen Reiches ist das Histosan in täglicher Verwendung, ebenso in Kinderspitälern und Krankenhäusern. Die wohltnende Wirkung des Histosans macht sich sehr bald geltend. Besonders merkwürdig ist, wie gut es gegen die Hustenaufälle wirkt. Die Verabreichung von Cadein und ähnlichen Narcoticis wird vollständig überflüssig. Deswegen wird es von vielen Aerzten auch bei gewöhnlichen, nicht luberkulösen Erkrankungen der Atmungs organe jetzt allen anderen Mitteln vorgezogen. Es liegen hierüber ausführliche medizinische Berlote vor. So berichtet z. B die Eisenbahnheitstätte Melsingen bei Cassel, daß das Hustosau bei nicht kuberkulösen, bronchitischen Erkrankungen sehr günstig wirke und zwar sowohl auf die subjektiven Beschwerden als auf den Krankheitsprozeß selbst, und bei Keuchhusten, Katarrh. Heiserkeit gibt es entschieden kein Mittel, daß auch nur annähernd so zuverlässig wirkt wie das Histosan. Natürlich sind jetzt schon sogenannte Ersatzprodukte ausgetaucht und es sei deshalb hier Federmann gewarnt, sich solche Mittel unter irgendwelchem Namen empfehlen zu lassen. Es gibt keinen Ersatz für Histosan. Das Histosan ist kein Geheimmittel, sondern eine Eiweißverbindung des Guajacols, welche in allen Kulturstaaten gesetzlich geschützt ist, während die sogenannten Ersatzprodukte keinen Patentschutz genießen, weil sie nur wertlose Nachahmungen des Histosans sind Es wird heigestellt in der Histosan=Fabrik in Singen am Hohentwiel. Ein direkter Verkauf des Histofans an das Privatpublikum sindet seitens der Fabrit nicht statt; es wird von derselben nur an Großhändler und Apotheken verkauft. Wo das Histosan nicht in Apotheken erhältlich ist, bestelle man es bei der Stadtavotheke in Singen a.sH. Eine Flasche kostet portofrei Mf. 3.20. Die Kinder des Sträflings. Roman von A. Sinowka. 14 „ perr Nowetschdoff ist ein Mann von kaum dreißig Tahren, der hier mit seiner fünfundzwanzigjährigen Schwester Helga allein wohnt. Es erscheint daher nur Agreiflich, daß die Geschwister unter der Einsamkeit Awer leiden, denn abgesehen davon, daß es ihnen an Aowechslung mangelt, besitzen sie auch nicht annähernd die Mittel, um sich das Dasein so angeneym zu gestalten, wie die Niegowosche Familie. Sie sind verhältnismatzig wohlhabend, aber keineswegs reich. Weder gibt esm ihrer Häuslichkeit den Luxus und Komfort, die a. Niegowo üblich sind, noch halten sie einen solchen Troß von Beamten, wie jene; wenn sie sich unterhalschas### sind sie nur auf ihre gegenseitige GesellEr angewiesen, während man bei Niegowo mit Hilfe (oh#“ dem Bergwerk angestellten Ingenieure, Oberauf„ind sonstigen Beamten mit ihren Familien jederweinere Festlichkeiten veranstalten könnte. Heute wie man jedoch nichts von den bescheidenen Verhältssen, denn es wird aufgetragen, was Küche und bieten. Die Tafel ist zwar nur einfach gedeckt, #a###.#e bricht fast unter der Fülle der Fleisch= und Fischerven und Konfitüren, zu denen schwerer Wein in Menge getrunken wird. .. Während die Herren sich übergeschäftliche Dinge unneugs# Helaa ihre weiblichen Gäste über die maha:„ Moden ausfragt und ihre Toiletten bewundert, prüfend nicht umhin kann, die Stoffe der Kleider Non 2e 1 die Finger gieiten zu lassen, schweifen Wakraaczdefs Blicke fortwährend mit unverhohlenem sein#n=tulten zu Dora hinüber. Sie hätte kein Weib erwas in g; un es nicht zu bemerken, und es setzt sie keit vor Ois;unen, daß er ihrer bescheidenen Lieblichgeben sche: strahlender Schönheit den Vorzug zu lich wicz: Sonderlich geschmeichelt fühlt sie sich freihohelte(g durch seine Bewunderung, denn der ungeSchliff mag" i der Taiga das bißchen äußerer Ia##n as er vordem noch besessen haben mag, verLangen ist, sagt ihrem Geschmacke wenig zu. thro(.:.waste sich, erst spät nach Mitternacht, in ehimmer zurückgezogen haben, fragte Lidia, die mit Dora zusammen einlogiert ist, diese plötzlich ganz unvermittelt:„Nun, wie gefällt er Ihnen?“ Dora, die eben im Begriff ist, ihr Haar für die Nacht zu ordnen, blickt erstannt auf.„Er? Wer soll mir gefallen?" „Nun, Dimitri Feodorowitsch Nowetschdoff natürlich.“ „Ach! Ich habe wirklich kein Urteil über ihn,“ entgegnete das junge Mädchen gleichgültig.„Er scheint mir gutmütig zu sein, aber ist doch nur ein sehr einfacher Mann.“ „So! Und einen so einfachen Mann würden Sie nie heiraten?“ Dora bricht in ein helles Gelächter aus. Die Frage däucht ihr zu spaßhaft.„Wie kommen Sie nur auf so etwas, Lidia Ssemenomna?“ meinte sie belustigt.„Ich habe Herrn Nowetschdoff heute abend um ersten Male in meinem Leben gesehen und man denkt doch nicht gleich aus Heiraten, wenn man einem jungen Mann begeguet.“ „Hier in Sibirien hat man aber nicht Gelegenheit, sich vor der Heirat kennen zu lernen: die meisten Ehen, in der Taiga zum mindesten, werden nach allerflüchtigster Bekanntschaft geschlossen,“ wirft Lidia ein. „Nun, ich würde mich jedenfalls nicht verheiraten, ehe ich einen Mann kennen und lieben gelernt hätte," entgegnete Dora bestimmt,„Lieber werde ich eine alte Jungfer. Und Herrn Nowetschdoff, dessen bin ich sicher, würde ich überhaupt nicht lieben.“ „So gehört Ihr Herz wohl einem andern?“ forscht Lidia, die mächtigen Augen in die Doras bohrend. Das deutsche Mädchen begegnet jedoch unbefangen dem Blick.„Aber nein doch, ganz gewiß nicht,“ versichert sie, die blonde Haarmähne mutwillig schüttelnd. Wie sie dasteht, mit ihren rosigen Wangen und blitzenden Augen, bietet sie ein Bild unbekümmerter froher Jugend. Lidia wendet den Blick von ihr.„Was für ein glückliches Geschöpf Sie sind, Dora Petrowna!“ spricht sie seufzend. „Nicht wahr? Ich habe es aber auch wirklich herrlich getroffen hier. Alle meine Schicksalsgenossinnen in Deutschland würden mich beneiden um diese Stelle.“ „Na ja, das meine.. Lioia verschluckt den Rest. „So gefällt es Ihnen bei uns?“ fragte sie. „Aber wie sollte es das nicht!“ gibt Dora mit Ueberzeugung zurück.„Ich habe ein Leben wie eine Prinzessin, kann tun, was ich will, gehe prächtig gekleidet und bekomme noch obendrein eine Masse Geld ausgezahlt. Und alle sind freundlich zu mir und behandeln mich mehr wie einen Gast als wie eine Untergebene. Noch nie ist es mir ähnlich gut gegangen. Wenn denke, wie ich mich vordem plagen mußte. Ein Dienstbote war ich, jetzt bin ich eine große Dame!“ Und mit kindischer Eitelkeit betrachtet das Mädchen seine entblößten Arme, an denen zwei goldene Armreifen blitzten, Geschenke von Frau Niegowo, die sie russischer Sitte nach auch während der Nacht nicht ablegt. Da geschieht plötzlich etwas ganz Unerwartetes, Ueberraschendes. Herrn Niegowos stolze Tochter geht rasch auf die Bonne ihrer kleinen Schwester zu und küßt sie sanft auf die Stirne.„Bleiben Sie so, Dora,“ spricht sie fast feierlich,„dann kann Ihnen nichts geschehen. Kinder haben ihren Engel, der sie beschützt.“ Dora ist völlig verdutzt über die Liebkosung der bisher so Unnahbaren. Lidia ist ihr eherantipathisch gewesen und sie hat immer geglaubt, daß dies Gefühl auf Gegenseitigkeit beruhte, daher vermag sie sich die unmotivierte Zärtlichkeit des kühlen, verschlossenen Mädchens absolut nicht zu erklären. Während sie noch über ein paar freundliche Worte nachsinnt, die sie jener sagen könnte, schlägt Lidia plötzlich mit heftiger Geberde die Hände vors Gesicht und bricht in leidenschaftlichesSchluchzen aus. „Lidia..- ruft Dora, erschrocken auf sie zueilend. „Lidia Ssemenowna, was ist Ihnen? Sind Sie unglücklich? Kann ich etwas für Sie tun?“ Sie hat ihre Arme um der Weinenden Nacken gelegt und streichelt leise und schüchtern deren glänzenden Scheitel.„So sprechen Sie doch,“ drängt sie.„Wollen Sie mir nicht Ihren Kummer anvertrauen?“ Doch Lidia schüttelt den Kopf.„Nein, Kind. Wenn es mich in dieser Stunde auch reizt, Ihnen alles zu sagen, so tue ich es doch nicht. Ich würde damit ein Unrecht gegen Sie begehen und ich würde Ihre schöne, kindliche Unbefangenheit stören und Ihnen Ihre Sicherheit rauben, die Ihr bester Schutz ist. Vergessen Sie diese Stunde, Dora,“ sagt sie und trocknet die Tränen von ihrem Gesicht,„und sagen Sie niemand, daß Sie mich haben weinen sehen, weder jetzt, noch später. Versprechen Sie mir das, Dora?“ „Ja. Wenn Sie es verlangen, natürlich,“ stammelt Dora. Lidia nickt langsam. Dann streift sie einen Ring mit einem von Brillanten umgebenen Rubinherz vom Finaer und reicht ihn Dora.„Tragen Sie das zum Andenrei an mich, Dora.“ „Zum Andenken?“ haucht das Mädchen tödlich erschrocken.„Wollen Sie uns denn verlassen, Lidia Ssemnenowna?“ „Nin., wenn auch nicht jetzt, aber.. Immer werden wir doch nicht zusammenbleiben, Kind Einmal werden Sie sich verheiraten, vielleicht auch verheirate ich mich früher.. wer weiß es? Da nehmen Sie den Ring, Dora, keinen Dank.“ „Aber was wird denn Ihre Mutter sagen, wenn sie den Ring an meinem Finger sieht? Solch' ein kostbares Geschenk darf ich doch gar nicht annehmen!" stammelte Dora, auf den Rubin blickend, der ein wunderliches, geheimnisvolles Licht auszustrahlen scheint. „Was meine Mutter sagen wird?“ fragt Lidia mit hartem Lachen.„Gar nichts, Kind. Meine Eltern bekümmern sich um solche Kleinigkeiten nicht. In dergleichen lassen sie ihren Kindern volle Freiheit. Wenn es mir einfiele, Ihnen meine gesamte Garderobe zu schenken, so würde meine Mutter kein Wort darüber verlieren. Und mein Vater erst!„Was geht es mich an, was Du tust?“ sagt er, wenn ich seine Erlaubnis für irgend etwasbitte. Nurin einem, dem Größten, da heißt es, parieren, und wenn man darüber zu Grunde geht! Und nun legen Sie sich zu Bett, Kind. Noch einmal.. keinen Dank. Gute Nacht, Dora.“ Die Kerze ist längst verlöscht, aber Dora liegt noch immer wachend und über die Szeue nachdenkend, die sie eben erlebt hat. Lidia tut, als ob sie schläft, aber ein paarmal ist es Dora vorgekommen, als ob sie von ihrem Bett her leises Schluchzen vernähme, doch gleich darauf ist alles wieder still. 176.10 danach, wie die Statistik zeigt. End: 1906 liesen sast 5.5 Millionen Volksversicherungen über 955 Millionen Mark. Den Sparkassen sind in jedem Jahre von 1901 bis 1906 je 750 Millionen Mark zugeführt worden. Die Arbeiterschaft ist hieran wesentlich beteiligt. Ein Teil der Ersparnis: kann auch für die eigene Invalidenversicherung dadurch nutzbar gemacht werden, daß freiwillig eine höhere als die gesetzlich vorgeschriebene Lohnklasse benutzt wird. Z. B. läßt sich durch Beitragserhöhung von jährlich 3 Mk. die jährliche Invalidenrente nach 10 Jahren um 20 Mk., nach 30 Jahren um 40 Mark steigern. Leider wird von derfreiwilligen Höherversicherung im allgemeinen aus Unkennteis nicht der Gebrauch gemacht, wie eigentlich erwartet werden müßte. Es kann den rund 14 Millionen verücherten Personen nur dringend empfohlen werden, sich mit dieser Höherversicherung vertraut zu machen, und sich deren Vorteile zu sichern. *** Arbeitgeber= und Arbeitnehmer=Nachweise. S. R. Die Errichtung des Zechenarbeitsnachweises im Ruhrrevier hat die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Arbeitsnachweis als Kampfmittel gelenkt. Den Arbeitgeberverbänden, die die Errichtung einseitiger Arbeitsnachweise in ihr Programm aufgenommen haben, sollen diese nicht nur zur Arbeitsvermittlung, sondern vor allem auch dazu dienen, mißliebige Arbeiter auf längere oder kürzere Zeit von jeder Arbeitsgelegenheit abzusperren und umgekehrt bei Streitfällen, Arbeitswillige für den betreffenden Arbeitgeder zu beschaffen. Entsprechend wird der einseitige Arbeitnehmernachweis im Kampsesfalle dazu benutzt, Arbeitgebern Arbeitskräfte zu enrziehen um Arbeitswillige sern zu halten. Die heutigen Entwicklungstendenzen gehen dahin, daß bei den Gewerkschaften die Reigung besteht, von den einseitigen Nachweisen zu den parktätischen überzugehen, während die Arbeitgeberverbände mit ihrem Erstarken die paritätischen Nachweise bekämpfen und einsitige Arbeitgebernachweise zu schaffen suchen. Daher stellt auch der unparitätische Arbeitsnachweis im Ruhrrevier durchaus kein Novum der Arbeitsvermittlung dar, sondern einseitige Arbeitgebernachweise bestehen bereits in einer ganzen Anzahl von Gewerben und namentlich da, wo starke Arbeitgebervereinigungen vorhanden sind. In vordester Reihe steht die Metallindustrie; dem; Verein deutscher Arbeitgeberverbände aus der Metallindustrie gehörten am 1. Dezember 1909: 40 einseitige Nachweise an. Nächst der Metallindustrie ist es das Verkehrsgewerbe, insbesondere der Hafenund Kaibetrieb in den Secstädten, wo der Gedanke des Arbeitsnachweises Eingang sand. Während in der Textilindustrie die Bewegung sich noch in den Anfängin befindet, hat namentlich, in neuester Zeit das Baugewerbe mit der Schaffung solcher Nachweise begonnen und die jüngsten Verzeichnisse des Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe wiesen deren 63 nach. Insgesamt wird man die Anzahl der reinen Arbeitgebernachweise in Deutschland auf wenigstens 150 beziffern können, eine Zahl, deren Bedeutung sich besser erfassen läßt, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Gesamtzahl der öffentlichen Arbeitsnachweise, die dem Verbande Deutscher Arbeitsnachweise angehören, für 1908 mit 389 angegeben wird. Die Anzahl der vermittelten Stellen bei den Arbeitgebernachweisen betrug 1908 rund 500000, bei den öfsentlichen Arbeitsnachweisen etwa das doppelte. Die Anzahl der Arbeitnehmernachweise, die im Reichsarbeitsblatt auf rund 1000 angegeben wird, ist zwar erheblich höher, aber dabei ist zu berücksichsichtigen daß vier Fünftel ven diesen nur ganz kleine sind, die nicht mehr als vielleicht 200 Vermittlungen im Jahre aufzuweisen haben. Die Bedeutung der einseitigen Arbeitgebernachweise ist jedenfalls nicht zu unterschätzen und da es eine Gesahr für das Wirtschaftsleben und seine gedeihliche Entwicklung darstellt, wenn das so wichtige Gebiet der Arbeitsvermittlung sich in der Gewalt einer der beiden großen Parteien auf dem Gebiete der Wirtschaftsführung befindet, so liegt es im allgemeinen Interesse, auf die Stärkung und Ausdehnung der paritätischen Arbeitsnachweise hinzuarbeiten. *** Düsseldorf, 2. Februar. Die Krisis im Werk meisterverbande ist noch nicht zu Ende. Ein außererdentlicher Delegiertentag der auf Antrag von Andrittel der Delegierten einberufen wird, nimmt Stellung zu dem Austritt des Reichstagsabgeordneten Dr. Pottheff und zu dem Vorgehen des Zentralvorstandes und des Aufsichtsrates. Urheber des Delegiertentage, der Seit mehr als 50 Jahren schwebt nunmehr die Irage des Turchbruchs der Vogesen, doch ist es bekinntlich noch nicht gelungen, zwischen Berlin und Paris eine Verständigung hierin zu erzielen, da die französische Regierung, besonders wohl aus Gründen der Landesverteidigung, sich durchaus ablehnend verhielt. Von den, um die Förderung der deutschfranzösischen Wirtschaftsbezichungen verdienten Körverschaften ist das Projekt jetzt seiner Verwirklichung einen bedeutenden Schritt näher gebracht, denn es ist bereits in der französischen Deputiertenkammer besprochen worden. Im Laufe der Beratung des Budgets der öffentlichen Arbeiten forderte der Abg. Schmidt den Bau einer Eisenbahn von„Saint“ „Die" nach dem Elsaß, er legte unter anderem die Notwendigkeit besserer Verbindungen zwischen Frankreich dar, betonte auch, daß die Verteidigung des Landes durch die neue Linie nicht gejährdet werde. Aus der Antwort, die Minister Millerand gab, ist zu ent nehmen, daß die französische Regierung im Prinzip der Forderung der beteiligten Landesteile zustimmend gegenübersteht, wie bekanntlich auch die deutsche. Die bisher vorhandene Verbindungen Mülhausen=Epinat und Straßburg=Luneville sind schon seit langer Zeit völlig unzureichend. Für den Vogesendurchstich kommen seit langem mehrere Projekte in Frage; der hauptsächlichste, wohl auch zur Ausführung kommende wird Saint=Die mit Markirch verbinden und so eine direkte Verbindung Mülhausen=Nancy herstellen. Weitere Bahn= und Turchstichsprojekte (in unserer Karte mit Nebenprojekte bezeichnet) bezwecken ebenfalls die wirtschaftliche Hebung der Provinzen an beiden Seiten der Vogesen. den erheblichen Kostenaufwand von 8000 Mark beansprucht, sind die sächsischen und füddeutschen Delegierten.. Die Mehrheit der Delegierten soll auf seiten des Vorstandes stehen. Der Delegiertentag wird warscheinlich in einer Stadt Mitteldeutschlands stattsinden. London, 3. Febr. In Amble im Kohlendistrikt Northumberland, wo die Bergleute wegen Differenzen über den achtstündigen Arbeitstag in den Streik eingstreten sind, unternahmen die Ausständigen einem Angriffauf 10 Waggons Kohlen, die für einen im Hasen von Ambbe liegenden Dampser bestimmt waren. Sämtliche Kohlen bis auf 30 Tons wurden beiseite geschafft. München, 3. Februar. Hier hat ein Bürger seinen Schwager nachts auf dem Heimwege vom Wirtshaus meuchlings erstochen, weil er die minderjährige Schwester seiner Frau verführt hatte. Bei seinem furchtbaren Racheakt geriet der Täter in eine solche Rascrei, daß er auch seinen eigenen Bruder der ihn begleitet hatte, durch Me'serstiche lebensgefährlich verwundete. 33u hause angelangt, brach der Mirner ohnmähtig zusammen, sodaß bei seiner Verhaftung die Sanitätskolonne requiriert werden mußte. Hamburg, 3. Febr. Gestern abend stieß der ausgehende schwedische Dampfer„Annie“ bei Bielenberg in der Nähe von Glückstadt mit dem elbauswärtsfahrenden Vollschiff„Susanna“ zusammen. Der Dampfer„Annie“ ist gesunken. Sechs Mann der Besatzung sind ertrunken. Budavest, 3. Febr. Heute vormittag erschoß sich der Chesarzt der sozialdemokratischen Arbeiterkrankenkasse, Dr. Czillag. In einem zurückgelassenen Schreiben bezeichnet er ein quälendes Nervenleiden als Beweggrund zur Tat. Dr. Czillag hat bereits vor mehreren Jahren einen Selbstmordversuch durch Morphiumvergiftung unternommen. Der Verstorbene entsaltete in früheren Jahren eine lebhafte Agitationstätigleit und war der Gründer der Budapester sozialdemoratischen Arbeiterorganisation.— Budapest, 3. Febr. Der Kaufmann Adolf Cohn erhielt gestern einen Brief, in dem er aufgeordert wird, unverzüglich einen Betrag von 4000 kronen an einem bestimmten Ort zu hinterlegen, im Verweigerungsfalle würde er mit seiner ganzen Familie ermordet werden. Der Briefchreiber motiviert seine Forderung damit, daß die Welt infolge des Auftretens des neuen Kometen huedies nicht mehr lange bestehen werde und ohn sein Vermögen nicht allein genießen könnte. Der impfänger des Briefes hat bei der Polizei Anzeige #ttet. Brüssel, 3. Fedr. In der Nahe von 2# brachen mehrere Schullnaben beim Schlittschuhlaus.. auf einem zugefrorenen Teiche ein und versazwand. unter dem Eise. Einer wurde gerettet, errranken, bevor Hilfe zur Stelle war. w Paris, 3. Febr. Die Not in den Voron# Courbevier, Colombes, Jvry und Hensevillers ist unn mehr in ihrem ganzen Umfange übersichtlich. St. Denis wurden 1300 Notleidende von den umliec. den Ortschaften verpflegt. Etwa 20.000 Notleidenz, sind allein in diesen Vororten genährt und beherherg# worden. In Maisons Alfort wurden 4000 M.:..““ beköstigt. Im Pariser Rathause versamme. die Gemeinderäte, Generalräte, Abgeordneten Senatoren des Departements, um eine gemeinsamAktion einzureichen, zwecks Unterstützung der notleiden. den Bevölkerung. Alle Anwesenden vertraten Ansicht, daß es die Pflicht der Regierung sei. 7. betroffenen Gemeinden durch Gewährung von En sidien zu unterstützen. Es wurde darauf hingewiese, daß Tausende von Familien ihre ganze Habe haben und daß ihnen schnell geholsen werden muß. Paris, 3. Febr. Der amerikanische Botschafter### Paris überreichte gestern dem Minister des Aeußern au erstes Ergebnis der amerikanischen Sammlung zu. gunsten der Ueberschwemmten einen Schechk 60000 Frank. a Kowno, 3. Febr. Eine furchtbare Blut, tat hat sich in Corwenichek, einer Station hinter Kowno ereignet. Dort kehrte eine amerikanische Rück. wanderin bei einem verwandten Bauern ein. Sie erzählte, daß sie noch zweihundert Rubel besitze, woran# der Mann beschloß, sie zu berauben und zu töten Wie es in dem kleinen Orte üblich ist, wurde der Fremden eine Lagerstätte auf dem Boden angewiesen Der Mann ging auf den Hof und grub eine Grube für sein Opfer. Währenddessen begann in der Stube der Säugling zu schreien. Die Rückwanderin erbei sich, das Kind zu beruhigen und veranlaßte die Bauern. frau, ihr Nachtlager auf dem Boden aufzusuchen. Kurz darauf ging der Bauer nach dem Boden und erschlug in der Dunkelheit seine eigene Frau mit der Art. Laredo(Texas), 3. Febr. In Las Esperanzas (Mexiko) sind bei einer Grubenexplosien 68 Personen gerotet und 50 verletzt worden Die Explosion wird darauf zurückgeführt, daß ein Berzmann trotz des bestehenden Verbots in der Grube ein Zigarette rauchte. Bruder Straubinger beim Gendarm# Gast. Wie den Kieler N. Nachr. aus Tondern ge schrieben wird, wurde dort dieser Tage unter eigentünlichen Umständen ein Handwerksbursche verhaftet. Buder Straubinger war von ungefähr beim Betrein aub in das Haus des Oberwachtmeisters gekommen, woa den gedeckten Mittagstisch vorfand. Da niemand erschien, setzte der hungrige Wandersmann sich nieder und verzehrte die für den Herrn„Ober“ bestimmten Renladen bis auf einen geringen Rest. Der Oberwachtmeister kam gerade noch rechtzeitig, als sich der gesättigte Ritter der Landstraße wieder unbemerkt empfehlen wollte.„Janz egal“, soll der Gourmand und Freischlucer nach seiner Einlieferung im Gefängnis zum Aufseher gesagt haben,„wenn's auch vier Wochen gibt. Frau Wachtmeester versteht det Kochen, jrüßen Sie ste man von mir.“ Ein Paket Quaker Oats liefert mehr Portionen und schmackhaftere Nahrung als ein Paket anderer Haferprodukte. Die Süte des verwendeten Getreides und die sorgfältige Vermahlung bürgen für die unerreichte Qualität von Quaker Oats. Artikel Spezial-Abteilung für Bettwaren. — Bettfedern, Daunen. Daunen-Satins, Bettbarchande, Matratzendrells in allen Qualitäten und Preislagen. Eisenbettstellen von 9—35 Vk., Kinderbettstellen, Holzbettstellen von 19—.40 Mk. Holl. Kapockmatratzen, bester Ersatz für Rosshaar. Pat. Zugfedermatratzen von Westphal& Rein’## Selbstgefertigte Seegras und Sprungfeder-Matratzen, Steiners Reform-Betten. Grosses Lager in hocheleganten engl. Metall-Bettstellen. Messing-Bettstellen. Reiche Auswahl! Billige Preise! Rose& Co., Dortmund hielten s#rmais für ein Glück, es war aber keins. Ich war even die Hausfran nicht, die er sich geträumt hatte, ich war zu allen: eher vorgebildet als dazu. Er verlangt, daß die Frau, wie er es nennt,„die Königin ihres Hause““ sei, er verstehr aber daranter nicht wie ich, daß sie befähigt sei, ihre Dienstbeten zu allen Notwendigen anzuhalten, sondern daß sie alles mas der Haussiand erfordert, nicht blos von Gruno aus versteir, sondern im Falle der Rot auch selber machen könne.“ „Das würbe ich auch darunter verstehen,“ flocht ich ein. *„Ja. du,“ sagte Ello resigniert,„du hast auch eine andere Erziehung gehabt als ich. Pin ich schuld an diesem Mangel meiner Erziehung? Ich leide aber umsomehr darunter; denn nachholen läßt sich eine so gründliche Versäumnis nicht. Der „Fall der No:“ war bei uns von Anbeginn da. Edmunds Gehalt reichte bei weitem nicht aus für die Ansprüche, die wir beide ans Leben stellten, reichte selbst dann nicht aus, als er. widelwillig genug, neben seinen Institutsstunden noch eine Menge Privatstunden übernahm. Er schob die Schuld natürlich auf mich und es mag sein, daß er damit recht hatte, denn ich befinde mich eben hier nicht an dem richtigen Platze. Ich bin Musitlehrerin und Rusikenthusiastin, aber nicht Küchenmagd und Aschenbuttel. Ich kann nun einmal die tausenderlei kleinüchen Arbeiten und das noch kleinlichere Einrichten, das solch ern Wirtschaften mit beschränkten Mitteln einem auferlegt, nicht leisten, so etwas muß man von Kind auf gelernt haben.“ „Ganz gewiß, ist es die Aufgabe der Mutter, den Töchtern das beizubringen,“ gab ich ihr zu. Ohne auf meine Unterbrechung zu achten, fuhr sie fort: „Als wir noch Brautleute waren, mochte ihm wohl schon ein ahnungsvolles Bedenken aufsteigen. Er fragte zuich in Gegenwart meiner Mutter, ob ich denn auch ein guté hausfrau sein werde, und ob ich auch alles verstehe, was dies Ehrenamt mit sich bringe.„Ei, was man nicht schon versteht, lernt man,“ bemerkte ich hoffnungsfreudig,„die Liebe solt ja die beste Lehrmeisterin sein.“ Meins Mutter redete ihm in gleichem Sinne seine Besorgnis aus, indem sie den großen Ausspruch tat:„Das Wirtschaften und Haushalten liegt von Natur in jedem weiblichen Wesen drin, das sind angeborene Frauenkünstc; sobald eine sie braucht, beherrscht sie sie, ohne erst lange Studien dazu nötig zu haben!“ Wie unrecht hatte meine gute Mutter mit ihrer naiven Annahme! Ich bin bis auf diesen Tag keine Hausfrau in meines Mannes Sinne und werde auch nie eine werden.“ „Aber Ella,“ unterbrach ich sie,„rede doch nicht solch törichtes Zeug! Was ein Mensch ganz ernstlich will, das muß und wird er doch auch erreichen „Tamit habe ich mich früher auch getröstet," widersprach sie mir,„es hat mir aber nichts genützt, so viele Mühe ich mir auch gegeben habe und so heiße Angst ich vor den ewigen äuslichen Szenen empfinde, die bloß aus diesem Grunde bei uns entstehen. Ich kanns anstellen wie ich will, ich bin doch schuld an unserem Ruin und daran, daß er sich zu Tode arbeiten muß. Das höre ich alle Tage. Gewiß, in seiner Weise hat er recht, ich verwirtschafte mehr, als er herbeischaffen kann, ich brauche fremde Leute zu allem, was andere Frauen in meiner Vermögenslage selber machen; aber soviel ich mich quäle, ich bekomme es doch nicht fertig und fühle mich in dem allen so wenig an meinem Platze, wie nur möglich. Die Folge ist, daß mein Mann und ich uns je länger, desto mehr voneinander entfernen und daß die frühere Liebe sich immer rettungsloser verliert. Ach, hätte ich nie geheiratet und könnte meiner geliebten Musik leben! Kannst du mir denn keinen Rat geben, wie ich aus diesem Konflikt herauskomme? Ich weiß mir nicht zu helfen!“ „Kind, Kind,“ sagte ich tieftraurig,„was du mir da mitteilst, ist ja mehr als schrecklich! Aber wenn du sagst, du hast alles versucht, und kannst das in der Jugend Versäumte nicht nachholen, so finge ich in deiner Stelle die Geschichte ganz vom entgegengesetzten Ende an, denn daß sie so nicht weitergehen kann, ist ja selbstverständlich Ich würde gütlich mit meinem Rann reden und ihm vorschlagen, das unternehmen zu dürfen, wofür ich die nötige Ausbildung genossen habe, nämlich Klavierstunden zu geben, den Haushalt aber, den ich nicht gelernt habe, nach meinen bisherigen Erfahrungen auch nicht mehr lernen werde, von einem sachverständigen und zuverlässigen anderen weiblichen Wesen besorgen zu lassen, überlege nur schon immer wen du ihm dafür vorschlagen könntest, irgend eine Verwandte oder gute Bekannte.“ Ella sah mich an, als erscheine ihr mein Rat wie eine Offenbarung aus einer andern Welt. „Weißt du,“ sagte sie,„dein Gedanke ist vorzüglich, wenn sich der durchführen ließe, dann wäre uns allen geholfen. Aber wie könnte ich meinen Mann dazu bereden? Ich getraue mich nicht, ihm damit zu kommen, du hast ja gesehen, er steckt so voller Zündstoff, daß jedes Fünkchen eine Explosion herbeiführen kann.“ „Willst du, daß ich mit ihm rede?“ fragte ich resolut. „O, bitte, tue es,“ bat di. junge Frau leidenschaftlich.„Du rettest das Lebensglück zweier Menschen.“ Ich nahm all meinen Mut zusammen und ging allein in das Zimmer, in welchem ich zuerst mit dem Ehepaar gesessen hatte.„Ello hat mir ihr Herz ausgeschüttet,“ fing ich ohne weitere Einleitung an,„und ich empfinde tief mit ihr sowohl wie mit Ihnen. Mir scheint jedoch der Karren so rettungslos verfahren—“ „Das ist er allerdings,“ bestätigte er dumpf, sich langsam vom Fenster nach mir umwendend. „— Taß ein völliger neuer Anlauf genommen werden muß,“ vollendete ich unbeirrt meinen Satz.„Foren Sie, was mir als der einzige passierbare Weg dabei erscheinen will.“ Ich trug ihm meinen Plan vor und wenn er mich auch zweimal mit dem Einwurf unterbrach:„Soll das etwa ein Familienleben sein?“ so ließ er sich doch weniger unzugänglich finden, als seine Frau vorausgesetzt hatte. Er bequemte sich dazu, auf meine Vorschläge einzugehen und erklärte sich freiwillig bereit, bei einer verwitweten Tante anzufragen, ob sie das„schwierige Amt übernehmen wolle, den verlodderten Hausstand wieder in Ordnung zu bringen. Als ich am drittnächsten. Tage meine Reise fortsetzte, hatte ich die Genugtuung, die Umgestaltung der Dinge im Wieseschen Hause gesichert zu sehen, hatte auch noch die in den kräftigsten Jahren stehende Tante persönlich kennen gelernt, deren bescheidenes, ruhiges, verständiges Wesen mir volles Zutrauen einflößte. Ella war überglücklich.„Wenn ich denke, was für wahnsinnige Projekte ich entworfen habe, um dem unhaltbaren Zustande ein Ende zu machen,“ sagte sie,„Das zahmste war noch, daß ich meinem Mann heimlich weglaufen und zu meinen Eltern zurückkehren wollte. Ein paarmal habe ich aber schon vor der Eisenbahnbrücke gestanden, um mich überfahren zu lassen, und vor dem Spiegelhaken um mich aufzuhängen.“ Ich schied, über die Zukunft meiner Freunde beruhigt, von den wärmsten Tankesworten der wiedervereinigten Gatten begleitet. Wie seitdem aus ihren Karten ersichtlich ist, bewährt sich meine Idee großartig. Ella hat Stunden in Hülle und Fülle, die Tante hält, was ihre vertrauenerweckende Persönlichkeit versprach, der Mann fängt an, Schulden abzuzahlen: die neue Ordnung der Tinge stellt alle Beteiligten zufrieden. Die Lehre aber, die ich mir daraus gezogen habe und die ich auch namentlich den Müttern unter meinen lieben Leserinnen recht warm ans Herz legen möchte, ist die: Verlasse sich doch niemand darauf, daß sich etwas so Unerläßliches, wie die Ausbildung für den wichtigen Beruf der Hausfrau, von selber finden werde. Erziehe doch jede Mutter ihre Töchter, auch wenn sie auf den Broterwerb angewiesen sind, daß sie bei einer etwaigen Verheiratung nicht den Verzweiflungsschrei ausstoßen müssen: Ich bin in diesem Posten einmal nicht auf meinem Platze. Mandelbrödchen. 125 Gramm Butter werden schaumig gerührt, gibt 20 Gramm Zucker 90 Gramm feingewiegte Mandeln, die abgeriebene Schale einer Zitrone und ein Ei darein, dieses zusammengearbeitet, den Teig ausgerollt, rund ausgestochen, mit Eigelb bestrichen und bei mäßiger Hiße gebacken. Anisstollen. Von 2 Pfund Mehl macht man ein kleines Dampferl von etwa 5 Pfennig Hese, läßt es gehen, dann tut man ¼ Pfund Butter, ¼ Psund Zucker und 2 Eier hinein, macht den Teig fertig mit ¼4 Liter Milch und etwas Anis, läßt ihn so 2 Stunden gehen, formt einen Kipf daraus und backt ihn mäßig. In Scheiben geschnitten und gebäht, halten sie lange. 2 03 .• 7•*** TacheSügagn —•- B1 H. =— San 3=* * K 2 #— *"— —— F X *— *———* SSSen SS8— #. S E F * 5 5" —.* —. E 9 7 2 a SDGTS W— •• E R3 3 — San — 19 2 □ ——— S 9 2S— ∆ E#à T—* □——* 5——— „..— 133-PEs Eygeßte-,Enzen S S EE GÄEETTTI JSZSDES EEFZ E Klätter für Unterhaltung une Belehrung. Nach langen Kämpfen Den Erinerungen eines Detektivs nacherzählt von H. Roawood. 23 Foster stand auf uno war im Begriffe, zu gehen, als Gertrud ihn zurückhielt. „Ich möchte Sie nach Howard fragen,“ sagte sie. „Nun?“ „Er ist in seiner Pension nicht zu finden, und ich weiß nicht, wohin er gegangen ist.“ „Ah. Sie haben ihm also nachgespürt? Das ist echt weiblich. Sie können mich als verantwortlich für seine Abwesenheit ansehen. Er ist nach Luyn gegangen und beabsichtigt, bei seiner Schwester zu bleiben, bis ich ihm gute Nachrichten von Ihnen sende.“ „Ich wünschte sehr, ihn zu sprechen.“ „Soll ich nach ibr senden?“ „Nein, ich will selbst aehen, denn dort kann ich besser mit ihm sprechen.“ „Wie Sie wünschen.“ Im nächsten Augenblick war Foster auf der Straße, auf dem Wege nach den schon erwähnten B.=L.=Klub. Kaum hatte er das Gebäude erreicht, als er einen groß gewachsenen Ma von dunkler Gesichtsfarbe erblickte, welcher die Stufen hinaufstieg und eintrat. Fouer verlangsan.“ seine Schritte und wartete, bis er überzeugt war, daß der Fremde die beiden Treppen zum Klubl ikal hinaufgestiegen war, dann folgte er ihm kühn nach. Oben angekommen, zog er die Glocke. Es dauerte einige Zeit, bis die Türe geöffnet wurde, dann stand er Gresham gegenüber. „Ah!“ ries dieser und schloß die Türe halb wieder, als er den Ankömmling erkannte. „Ich hoffe, Sie sino nicht erschrocken, Herr Gresham, ich bringe keine Verhaftsbefehl für irgend jemand!“ ries Foster trocken. „Ah! Welchem Umstand verdanke ich die Ehre dieses Besuches?“ fragte der Advokat. „Ich möchte gern noch eine Unterredung mit Ihnen haben.“ „Unmöglich in diesem Augenblick! Ich bin anderweitig beschäftigt!“ „Haben Sie einen Besuch außer mir?" „#a, mein Herr.“ „Schadet nichts, wenn Sie nur einen haben. Ich sah ihn hereinkommen. Wenn ich nicht irre, ist es Jerome Munro, und in diesem Falle wäre es mir sehr angenehm, auch ihn sprechen zu können.“ Gresham stieß eine Ruf der Ueberraschung aus. Cho, ich denke Sic irren sich.“ Aber Forster unterbrach seine beabsichtigte Ableugnung durch eine gebieterische Handbewegung. „Machen Sie sich nicht die Mühe, die Anwesenheit Munros zu leugnen. Ich sah ihn eintreten und wünsche sehr, ihn zu sprechen. Was haben Sie gagegen: Fürchten Sie sich vor mir?" „L nein, warum sollte ich Sie fürchten? Kommen Sie nur herein. Aber ich hoffe, Sie werden uns nicht lange aufhalten, denn Herr Munro hat eine woichtige Prozeßangelegenheit mit mir zu besprechen.“ Gresham führte Forster in nervöser Hast durch einen Saal des Klubs in das kleine, früher beschricbene Schreibzimmer. Wie Forster erwartet hatte, war Munro bereits zugegen und saß in einem Lehnstuhl. Als Forster eintret, warf Munro ihm einen scharfen, ärgerlichen Blick zu. „Das ist ein— ein Freund, Herr Munro, ein — ein Detektiv. von welchem Sie ohne Zweisel gehört— haben, Heri Forster!“ stotterte Gresham. Munro zog die Stirne zusammen, und seine kohlschwarzen Augen begegneten dem talten Blick Forsters mit furchtlosem Trotz. Er antwortete auf die Vorstellung Greshams auch nicht mit einem Kopfnicken und starrte eine Weile vor sich hin, als ob er seine Gleichgültigkeit zeigen wolle. Aber Forster ließ sich davon nicht beeinflussen. Er trat rasch auf Munro zu und ließ seine Hand mit ziemlicher Stärke auf die Schulter desselben niederfallen. „Ich habe eine besondere Mitteilung für Sie; Jerome Munro!“ rief er. Der andere sprang mit zornig funkelnden Augen auf. „#as sollen diese Beleidigungen heißen“ rief er. „Ich habe keine Beleidigung beabsichtigt. Ich wollte nur Ihre Aufmerksamkeit auf mich lenken, oa Sie bei Herrn Greshams Vorstellung soviel Gleichgültigkeit entwickelt haben. Aber, bitte, lassen Sie sich nicht stören.“ munro starrte einen Augenblick Forster mit wildem Blicke an und sagte: „Ich bin bereit, zu hören, was Sie mir zu sagen haben, wenn Sie nicht zu viel von meiner tostbaren Zeit in Anspruch nehmen.“ Forster hielt seine Augen auf die Miene des Schurken gerichtet und rief in strengem Ton: „Ich habe einige Fragen an Sie zu richten über die schöne und unschuldige Frau, die Sie gestern abend einem schrecklichen Schicksal überliefert haben.“ XXVII. Munro erbleichte plötzlich und starrte Forster mit sprachlosem Erstaunen einen Augenblick an, dann brachte er hervor: „Was— was wollen Sie mit der Beschuldigung sagen?“ „Ich denke, Sie verstehen Sie genügend, ohne •——* S S S "—— 72 daß ich vor einer dritten Person Einzelheiten zu erwähnen brauche,“ erwiderte Forster. Munro schwieg, er sah bald den einen, bald den anderen an, uno wartete augenscheinlich auf die weitere Entwickelung. Endlich sagte Forster: Ihr Name ist Jerome Munro, nicht wahr?“ „So ist's,“ erwiderte der Andere. „Wer ist dann Phiipp Roß?“ „Ich— in; weiß es nicht.“ „Warum leugnen Sie das, was Sie doch wissen müssen? Sie werden es vorteilhafter finden, streng bei der Wahrheit zu bleiben. Ich bin nicht hierhergekommen, um Sie zu verhaften, obgleich ich damit nur der Gerechtigkeit einen Dienst leisten würde, aber ich erworte Höflichkeit von Ihnen und eine aufrichtige Antwort auf diese Frage. Wollen Sie mir diese geben?“ Munro schien in tiefer Nachdenken versunken zu sein, dann begegnete er trotzig wieder Forsters Blicken und sagte: „Ja, ich will Ihre Frage beantworten.“ Foster war erstount über die anscheinende Bereitwilligkeit von seiten des Schurken. „Das ist alles, was ich verlange, wünschen Sie, daß Herr Gresham bei unserer Unterredung zuhört?“ „Auf jeden Fall und er soll auch daran teilnehmen, wenn er es für nötig findet.“ „Sehr gut. Also erstens: Haben Sie nicht vor kurzem ein junges Mäochen in New=York geheiratet wobei Sie den Namen Philipp Roß annahmen?“ .** „Sie haben Sie verlassen, und als Sie bemerkten, daß sie Ihnen nachgefolgt war und Ihnen Verlegenheiten verursachen konnte, haben Sie Maßregeln getroffen, um sich derselben für immer zu entledigen. „Das war nicht meine Absicht, die Heirat war nicht gesetzlich gültig—“ Foster unterbrach ihn, indem er lebhaft mit dem Fuße aufstampfte. „Das ist falsch, die Zeremonie war gesetzlich, das kann bewiesen werden.“ „Gleichviel, wir wollen nicht darüber streiten.“ „Dennoch treffen Sie jetzt Vorbereitungen, um eine andere junge Dame an ihrer statt zu heiraten.“ „Nun ja, das weiß ich.“ „Wollen Sie Ihre Absicht durchführen?“ „Meine Aussichten sind ziemlich schwach, glaube ich.“ „Tann haben Sie als: den Plan aufgegeben?“ „Einen Teil desselben— ja.“ „Und Sie beabsichtigen, noch immer einen Teil Ihrer Pläne auszuführen?“ „Ja.“ „Worin bestehen diese?“ „Rache!“ Fester lächelte. „Wer wird das Opfer derselben sein?“ „Der Aldermann Brandon.“ „pat er Ihnen Unrecht zugefügt?“ „Er hat mich hetrogen.“ „Erklären Sie sich!“ „Er versprach mir seine Tochter zur Frau, dann erlaubte er ihr, sich mit einem andern zu verloben, wodurch meine Aussichten nahezu vernichtet wurden.“ „Wann hat er diese Uebereinkunft mit Ihnen geschlossen?“ „Als seine Tochter noch ein Kind war, vor 18 oder 19 Jahren.“ „Warum hat Brandon Ihnen ein so unsinniges Versprechen gegeben?“ „Wir waren damals Freunde, und ich bat ihn darum.“ „Ein sonderbares Verlangen für einen jungen Mann.“ „Mag sein, aber Brandon war in guten Verhältnissen, und ich war arm. Ich glaubte, es wäre ganz gut, auf diese Weise meine Zukunft zu sichern.“ „Wieder ein unsinniger Grund.“ „Das ist so. Natürlick hat keiner von uns damals großen Wert auf den Vertrag gelegt, aber, nachdem das Kind jetzt erwachsen und eine schöne Gesellschaftsdame geworden ist, sehe ich die Sache mit anderen Augen an.“ „Gut, fahren Sie fort. Brandon wäre über ein solches Versprechen schwerlich in solche Aufregung geraten, wie in letzter Woche, wenn Sie nicht eine Macht hätten, durch die Sie ihn zur Erfüllung zwingen können. Hier liegt ein Geheimnis zwischen Ihnen beiden, das ich ergründen will“ „Ihre Neugierde wird befriedigt werden, obgleich Aldermann Brandon und seine Tochter eher alles, was sie besitzen, darum geben würden, damit ich es Ihnen nur nicht enthüllen würde. Ihrer Bitte entsprechend, werde ich mit der Erfüllung meiner Rache beginnen.“ „Weiter, weiter!“ „Ich werde Ihnen eine kleine Geschichte erzählen; sehr kurz, einen Auszug von Brandons Lebensgeschichte, die er gern in Vergessenheit begraben würde.“ „Machen Sie Ihre Erzählung so kurz wie möglich.“ „Nur wenige Worte sind nötig.“ Munro zögerte einen Augenblick, als ob er sich einiger Umstände erinnern wollte, die seinem Gedächtnis entfallen waren, dann sagte er: „Brandon, Freund Gresham hier, ein junger Mann namens Frank Jordon und ich besuchten alle dieselbe Rechtsschule, und zwar zu gleicher Zeit, und waren gute Freunde. Brand in und Jordan lebten damals ein bißchen wild, aber Gresham und ich hielten immer unsere Absätze rein, wenn wir auch keine Tugendmuster waren!“ „Eines abends woren wir alle ausgegangen um eine Rundreise leichtsinniger Art zu machen. Seit fast einem Jahr war Brandon sehr mäßig in seinen Gewohnheiten gewesen, da er kurz zuvor geheiratet hatte, aber Jordan veranlaßte ihn, bei dieser Gelegenheit uns zu begleiten, und noch vor Mitternacht waren sie ziemlich stark betrunken. Gresham und ich waren, wie gewöhnlich, mäßig geblieben. Wir waren beisammen in einem Privatzimmer, in einem Etablissement der Breitenstraße und spielter, Karten. Da entstand zwischen Brandon und Jordan Streit, und der letztere, der von hitziger Gemütsart war, stieß eine Beleidigung aus. Sein Gegner sprang auf, bleich vor Wut. Ehe Gresham und ich es verhindern konnten, ergriff Brandon seinen schweren Stock und versetzet Jordan einen furchtbaren Schlag über den Kopf, so daß Jordan leblos niederfiel. Wir beugten uns über ihn und versuchten, ihn wieder zur Besinnung zu bringen. Aber Sie können sich unseren Schreck denken, als wir sahen, daß der junge Mann tot war. Wir wußten nicht, was wir tun sollten, aber es gelang uns, die Leiche zu verbergen, und sie später ganz beiseite zu schaffen. Brandon war während der Zeit außer sich und wußte nicht einmal, was wir mit seinem Opfer taten. Wir waren übereingekommen, das Verbrechen zu verschweigen, und da Jordan keine Verwandten hatte, welche eine Nachforschung veranlaßt hätten, kam die Sache garnicht ans Tageslicht. Tamals war es, daß Brandir mir die Hand seiner Tochter versprach, unter der Bedingung, daß ich sein schreckliches Geheimnis verbergen werde.“ Foster hörte diese Enthüllung zu, ohne die geringste Unterbrechung. Als Munro geendet hatte, wandte sich Foster an Gresham und sprach: (Schluß folgt.) 28 Der verschwundene Klavierschlüssel. Humoreske von Clara Düsterhoff. (Schluß.) Ta trat Doktor Ermler auf den Plan und rettete den so heiter begonnenen Abend.„Wenn es den Herrschaften recht ist,“ äußerte er bescheiden,„so biete ich mich Ihnen als Lückenbüßer an. Ich habe zufällig einen Reuterband in der Tasche meines Ueberziehers und ich bin bereit, Ihnen, wenn Sie wollen, einiges von meinem berühmten Landsmann vorlesen. O, der Alp, der den Wirten und den meisten Gästen vom Herzen fiel! Mit tausend Tank nahm man allseitig sein freundliches Anerbieten an, und während der Toktor seinen Reuter hereinholte, ordnete sich alles erwartungsvoll auf den verschiedenen Sitzgelegenheiten— Lieschen mit einem unaussprechlichen Triumphgefühl in ihrer schwarzen Seele. Und nun begann der„Retter in der Not“, seine sorgfältig vorbereitete Auslese aus der„Stromtid“ zum besten zu geben und fesselte seine Zuhörer damit in solchem Grade, daß der verschwundene Schlüssel schnell vergessen war oder höchstens noch ein dankbares Andenken fand— nämlich für sein rätselhaftes Verschwinden. Toktor Ermlers Begeisterung wuchs bei dieser sozusagen atemlosen Aufmerksamkeit rundum mit jeder Viertelstunde, und je mehr sie zunahm, desto unwiderstehlicher riß er sein Auditorium mit sich fort. Nicht selten wurde er durch Beifallsstürme unterbrochen und mußte eine erzwungene Pause machen. Er fühlte sich als Held des Abends, und war es auch. Für niemanden freilich so unbedingt wie für Lieschen Albrecht. Sie war so ergriffen von seiner meisterhaften Leistung, daß sie nicht wie die übrigen lauten Beifall spenden konnte; die Träne aber, die er an den schönsten Stellen in ihren ausdrucksvollen Augen schimmern sah, galt ihm mehr als das rauschende Lob der andern. Kurz und gut: Der Doktor geleitete als würdigen Abschluß des Festes in seiner Dankbarkeit das junge Mädchen nach Hause, das ihm durch seine List einen mächtigen Triumph ermöglicht hatte. Sobald sie keinen Lauscher mehr in der Nähe hatten, fragte er sie:„Was haben Sie mit dem weggekaperten Schlüssel angefangen?“ „Im Vorzimmer soeben in den Falten der Gardine gesteckt,“ bekannte sie lachend.„Haben Sie meine Kriegslist doch beobachtet?“ „Wie sollte ich nicht! Und ich war Ihnen von Herzen dankbar dafür!“ Als die beiden eine halbe Stunde später Abschied voneinander nahmen, waren sie ein verlobtes Paar— dank dem verschwundenen Klavierschlüssel! Nicht am richtigen Platze. Stizze von Clara Tüsterhoff=Berlin. Wenn jemals die Verbindung zweier Menschen aus idealer Liebe geschlossen wurde, so war es die meiner Cousine Ella mit ihrem Musiklehrer Edmund Wiese. Sie waren tatsächlich durch die Begeisterung für die Kunst zusammengeführt worden, er ein enthusiastischer Wagneranbeter, sie, an Jahren bedeutend Unter ihm, die gelehrigste und begabteste seiner Schülerinnen in einem namhaften Berliner Musikinstitut. Sie wollte sich auf den Rat all ihrer Lehrer zur Klaviervirtuosin ausbilden lassen, nebenbei aber zur Gewinnung ihres Lebensunterhalts(denn ihre Eltern lebten in bescheidenen Verhältnissen) Musikunterricht erteilten. Als sie schon auf dem besten Wege dazu war, kam die Liebe und machte einen Strich durch die Rechnung. Ella und Edmund traten nach kurzem Brautstand in den Stand der heiligen Ehe. Nie werde ich die hochfliegende Kunstschwärmerei vergessen, die auf dieser eigenartigen Hochzeit von allen Seiten zum Ausdruck gebracht wurde, nie auch die verzückte Miene, mit der die Braut mir beim Abschied zurief:„Du mußt bald kommen, dir unser Nestchen anzusehen, in dem es von Harmonien klingen und tönen wird, wie sie aus keinem Nachtigallennest schöner ertönen können. Ich schreibe dir eine ausdrückliche Einladung, so bald ich mich in meinem neuen Pflichtenkreis etwas eingelebt habe.“ Sie reisten ab: Edmund Wiese hatte an einer auswärtigen Musikschule eine gutdotierte Stelle angenommen. Ich freute mich darauf, sie besuchen und Zeugin eines voraussichtlich so überaus harmonischen Eheglücks sein zu dürfen. Allein, der Mensch denkt— Gott lenkt! Das ersehnte Einladungsschreiben kam und kam nicht. Briefe, oder vielmehr Ansichtskarten, denn fürs Briefschreiben konnte Ella Wiese sich nie erwärmen, kamen in Fülle. Was aber auf denen Platz fand, war nur dürftig und ließ auf die in dem neuen Neste herrschende Harmonie keine Schlüsse ziehen. Mir kam's indessen vor, als klängen sie nach und nach bedenklich kühler, und als ich mein Ansichtskartenalbum dahin durchforschte, und Ellas erste Karten mit den späteren und den letzten verglich, wurde mir diese Wahrnehmung unzweideutig bestätigt. Hier und da brach sogar ein ihr völlig fremder Weltschmerz durch. Mir ahnte nichts Gutes. Ella war eine so durchsichtige, ehrliche Natur, daß ihr jede Stimmung sofort anzumerken war, und das geflissentliche Vergessen ihrer damaligen Enladung sah an sich verdächtig genug aus. Um mir Klarheit zu verschaffen, richtere ich im dettten Jahre nach ihrer Hochzeit meine Sommerreise so ein, daß ich ihren Wohnort passieren mußte, und fragte bei ihr an, ob ich sie auf der Durchreise besuchen dürse. Umgehend traf eine erfreute Karte ein, die meinen Besuch herzüch willkommen hieß, mich aber bat, nicht nur auf der Durchreise, sondern für mehrere Tage ihr Gast zu sein. Diese offenbare Freude beruhigte mich. Ich sand mich zur festgesetzten Stunde auf ihrem Bahnhof ern von beiden Gatten mit Wärme begrüßt. Meine Besorgnis schwand immer mehr und verlor sich fast ganz, als ich ihr„harmonisches Nest" betrat und den Hauch von Kunst= und Schönheitsekstafe empfand, der darin herrschte. „Hier erkenne ich das kunstliebende Brautpaar von vor drei Jahren wieder," rief ich ganz entzückt aus.„Teine Karten, Ella, klangen mir manchmal etwas nüchtern und ließen mich fürchten, Euer damaliges Feuer habe den fortgesetzten Wasserstrahlen des alltäglichen Lebens doch nicht widerstehen können.“ Ich erschrak über die Wirkung dieser harmlos hingeworfenen Aeußerung: Ella heftete einen verstohlenen Blick auf ihren Mann und verriet durch ihre ganze Haltung peinliche Verlegenheit; der Mann aber wendere sich jäh um und trat aus Fenster. „Das Alltagsleben übt ja freilich manchmal einen stark ernüchternden Einfluß aus,“ bemerkte er trocken und, wie mir's klang, etwas scharf. „Ohne Zweifel; Kunst und Liebe jedoch heben einen über solche Ernüchterung immer wieder hinweg,“ entgegnete ich in warmem Tone, immer bemüht, den Mißklang, den ich verschuldet zu haben schien, harmonisch aufzulösen. „Man sagt so,“ gab er stark pointiert zurück.„Zum Alltagsleben gehört aber doch allerhand mehr als Kunst und Sebe!“ Ella rutsche unruhig auf ihrem Stuhle hin und her.„Vor lauter Freude, dich zu sehen, vergesse ich ja aber ganz, dir einen Imbiß anzubieten,“ rief sie plötzlich lebhaft und sprang auf, mich an der Hand mit sich hinausziehend. „Tu hast aber ein ausgesuchtes Pech.“ sagte sie leise, sobald sich die Tür hinter und geschlossen hatte.„Mir lag soviel daran, dich über allerhand Dissonanzen, die sich hier bei uns eingeschlichen haben, hinwegzutäuschen. Ich sehe, daß das ein vergebliches Bemühen ist. Was ist auch schließlich daran gelegen. Du mußt nämlich wissen, daß wir garnicht glücklich miteinander leben,“ strömte es dann plötzlich wie der Aufschrei eines gequälten Herzens unaufhaltsam über ihre Lippen, während sie mich an einen gedeckten Tisch führte, den ich natürlich vor Schreck und Mitleid unangerührt stehen ließ, ohne daß sie es merkte. „Das ist ja furchtbar,“ stammelte ich „Das ist es auch,“ fuhr sie fort.„Edmund ist ein herzensguter Mann, aber ich passe nicht für ihn, ich kann die Anforderungen nicht erfüllen, die er an seine Frau stellt, die zu stellen er ja wohl auch berechtigt sein mag, nur daß ich nicht dafür erzogen worden bin. Du weißt, was das Ideal meiner Eltern war: ich sollte imstande sein, mich durch eigene Arbeit zu ernähren, ohne Vermögen zu besitzen und ohne auf eine Verheiratung angewiesen zu sein, die mir vielleicht nichts weniger als lieb wäre. Nun, du weißt auch, wie ich dafür studiert habe, wie ich meine Kunst geliebt habe. Ich hatte Tag und Nacht keinen Gedanken auß.r ihr, hatte neben ihr für nichts Zeit. Da kam das Unglück, daß ich mich zu Edmund so hingezogen fühlte, wie er sich zu mir, und daß wir uns heirateten. Wir 8 ∆ 5