! Erscheint täglich wit Ausnahme der Sonn= und Abonnementspreis ##n ius Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage ch dam Sseitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Vig. voe Ronat, durch die Bos bezegen süe 3 Monate 1.50 Mi, K. 28. Erstes Blatt. fortschritte der Sozialpolitik im Auslande. In der Schweiz wurde ein Gesetz über die Förderung des Arbeitsnachweises erlassen, demzufolpe der Bund den kantonalen und städtischen Arbeitshermittlungsämtern, den kantonalen Verländen für aturalverpflegung und dem Verbande schweizerischer Arbeitsämter Subventionen gewährt. Die kantonaen und städtischen Arbeitsnachweise, welche auf die undes=Subvention Anspruch erheben, müssen partätisch verwaltet sein, sie müssen die Vermittlungsätigkeit für beide Geschlechter kostenlos betreiben und dürfen sie bei Streiks und Aussperrungen nicht einstellen, doch haben sie in solchen Fällen die Tatache des Konflikts bekannt zu machen. Die Bunubvention besteht in einer Beisteuer bis zu einem krittel der Verwaltungsauslagen der Arbeitsnachveise, im Ersatz der Kosten des Zentraldienstes, der hlung von 50 Cts. für jede Arbeitsvermittlung er kantonalen Verbände für Naturalverpflegung und in der Vergütung der Hälfte der Ausgaben des Verbandes schweizerischer Arbeitsämter.— Das im Kanm Genf erlassene Gesetz über Arbeitslosenversicherung garantiert den Gewertschaften auf die Dauer von zehn Jahren eine Entschädigung von 60 Proz. er an ihre arbeitslosen Mitglieder geleisteten Unerstützung. Die Organisationen haben sich alljährich auf der Staatskanzlei einzutragen und ein Exemar ihrer Statuten und Reglemente über die Arheitslosenversicherung zu deponieren, sowie sich ins andelsregister eintragen zu lassen. Die Gewerkaften sind verpflichtet, über die Arbeitslosenversiherung gesondert Buch zu führen. Die staatliche Unterstützung wird nur für 60 Arbeitslosentage desiven Mitgliedes im Jahre geleistet. In Frankreich bestimmt ein Gesetz vom 27. kovember 1909, daß Arbeiterinnen vor und nach der Niederkunft insgesamt acht Wochen von der Arbeit fern bleiben dürfen, ohne daß der Unternchmer jährend dieser Zeit das Recht hat, ihnen während dieser Zeit zu kündigen. Tut er es dennoch, so hat die Arbeiterin auf Schadenersatz Anspruch, vorausgelsetzt, daßsie über den Grund ihres Fernbleibens Auskunst gab.— Ein Gesetz vom 7. Dezember regelt die Bedingungen der Zahlung des Lohnes an Arbeimer und andere Personen. Die Löhne sind in Barbeld zu zahlen und zwar den gewerblichen Arbeitern mindestens zweimal monatlich in längstens 16tägiden Zeitabschnitten, anderen Bediensteten mindestens einmal monatlich. Stückarbeiter, welche zur AusRührung einer Arbeit länger als zwei Wochen brauchen, sind zu einem Lohnvorschuß berechtigt. Am Ruhetage darf die Lohnzahlung nicht geschehen, auch ticht in Schänken und dergl.— Der Senat ist verbunden Lokat-Anzeiger für mit dem Dortmund u. Hörde und der täglichen Unterhaltungsbeilage K### sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Pfa Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Pig. Beilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangsweiser Beitreibung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt binkällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann, Dortmund. Dortmund, Donnerstag, den 3. Februar 1910. 27. Jahrg. dabei, den Gesetzentwurf über die Altersversorgung zu erledigen; er nahm u. a. den Gesetzartikel an, welcher für die Zwecke des Gesetzes die Ausländer den Franzosen gleichstellt. Ein belgisches Gesetz vom 31. Dezember 1909 setzt die Schichtdauer der im Kohlenbergbau unter Tag beschäftigten Arbeiter für gewöhnlich auf 9 Stunden fest. Die Arbeitszeit wird von der Einfahrt der ersten Leute derselben Schicht gerechnet. Die normale Schichtdauer kann für besonders ungesunde Werke durch königliche Verordnung herabgesetzt werden. Eine längere Schichtdauer ist ausnahmsweise zulässig. In Schweden ist Ende 1909 die gewerbliche Nachtarbeit für Frauen in Gemäßheit mit den Beschlüssen der internationalen Arbeiterschutzkonferenz von 1906 geregelt worden. In Bergwerken, Fabriken, Werkstätten und ähnlichen Betrieben, wo mindestens 10 Personen tätig sind, muß den Arbeiterinnen eine tägliche ununterbrochene Ruhezeit von 11 Stunden(bis Ende 1913 10 Stunden) gewährt werden und in der Zeit zwischen 10 Uhr abends und 5 Uhr früh dürfen sie überhaupt nicht beschäftigt sein. Bei unvorhergesehenen Ereignissen usw. darf der Unternehmer die Ruhczeit verkürzen, oder ohne behördliche Genehmigung durch nicht mehr als eine Woche. In Saisongewerben kann die Ruhezeit an 60 Tagen im Jahr auf täglich 10 Stunden herabgesetzt werden. In Oesterreich nahm das Abgeordnetenhaus den Gesetzentwurf über den Dienstvertrag der Handlungsgehilfen und anderer Dienstnehmer in ähnlicher Stellung((Handlungsgehilfengesetz) in der Fassung, in der er die Zustimmung des Herrenhauses und des volkswirtschaftlichen Ausschusses des Abgeordnetenhauses erlangt hat, in dritter Lesung an. Außerdem wurde auch die Gesetzvorlage über die Arbeitszeit im Handelsgewerbe angenommen. Deutsches Reich. Die Spende Raiser Wilhelms. Kais.r Wilhelm hat für die durch die Ueberschwemmungskatastrophe in Frankreich Geschädigten 20 000 Mk. gespendet. Er ließ außerdem durch den Botschafter Fürsten Radolin der französischen Regierung sein Beileid für die Opfer der Katastrophe aussprechen. Eine„liberale Wahlniederlage“. Den Ausgang der Wahl in Eisenach rebriziert die Zentrumspresse als eine Wahlniederlage der Liberalen, obwohl es sich um nichts weiter als den mißglückten Versuch der Zurückeroberung eines bereits früher verloren gegangenen Mandats handelt. Bei klügerem Vorgehen und verständiger Rücksichtnahme auf die Stimmung der Wählerschaft, die von einem Pai tieren und Liebäugeln mit Rechts nichts wissen will, wie der Ausgang aller seit der Reichsfinanzreform des schwarzblauen Blocks vorgenommenen Wahlen deutlich genug gezeigt hat, wäre es allerdings für die liberalen Parteien nicht unmöglich gewesen, den Wahlkreis zurückzugewinnen. Verloren hat ihn aber diesmal nicht der Liberalismus, sondern die Koalition von Antisemiten, Konservativen, Bündlern und last not least Zentrum. Das Zentrum, das schon das letzte Mal für Triolen=Schack votiert hatte, war auch jetzt wieder Bundesgenosse des antisemitischen Mandatsbewerbers.— Es ist also direkt mit unterlegen. Die preußische Wahlrechtsvorlage hat das Staatsministerium passiert und befindet sich zur Zeit im Königlichen Kaibnett. Von mehreren Seiten wird als wahrscheinlich bezeichnet, daß die Vorlage noch im Laufe dieser Woche dem Abgeordnetenhause zugehen wird. Da der Gesetzentwurf eine Verfassungsänderung vorsehen dürfte, so wird dadurch in beiden Häusern die Wiederholung der endgültigen Abstimmung nach drei Wochen bedingt. Selbst wenn alsbald übereinstimmende Beschlüsse beider Häuser zustande kommen, bedarf es gllso zur Vollziehung der vorgeschriebenen wiederholten Abstimmungen voller 6 Wochen. Eine alsbaldige Verständigung zwischen Herrenhaus und Abgeordnetenhaus ist aber keineswegs sicher. Kommt eine solche nicht gleich zustande, so verlängert sich dieser Zeitbedarf um mindestens drek weitere Wochen. Wenn daher nicht mit großem Nachdruck an der Lösung der gesetzgeberischen Aufgabe gearbeitet wird, müßte mit einer sehr langen Dauer der Session zu rechnen sein. Ein Sessionsschluß vor der endgültigen Beschlußfassung ist bestimmt nicht zu erwarten. Deutsch=franzssischer Zollkonflikt. Wie das Berl. Tagebl. erfährt, hat die deutsche Regierung der französischen keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie, fallls der Senat den von der Teputiertenkammer beschlossenen gegen die deutsche Einfuhr gerichteten Zollerhöhungen ohne Rücksicht auf die deutschen Beschwerden und Wünsche zustimmen sollte, unverzüglich zu Gegenmaßregeln schreiten würde. Regierung und Reichstag sind vollständig einig darin, daß in diesem Falle alles geschehen müsse, um die französische Ausfuhr nach Deutschland durch entsprechende Repressivmaßregeln empfindlich zu treffen. Ausland. Türkei. Konstantinopel, 2. Febr. Prinzessin Fehime Sultan, eine Tochter des verstorbenen Sultans Mu rad V., veranstaltete ein Nachmittagsjour nach curopäischer Art mit Tee und Musik. Zahlreiche europäische Tamen waren eingeladen worden und erschienen, unter ihnen die Frauen Charikow und Ponafidin, die Gattinnen des russischen Botschafters u. des russischen Generalkonsuls. Sämtliche Türkinnen, die an dem Jour beteiligt waren, trugen europäische Kleider. England. London, 2. Febr. Den Evening News zufolge betragen die amtlich festgestellten Kosten der letzten allgemeinen Wahlen rund 25 Millionen Mark; die wirklichen Kosten sind viel höher und werden auf 40 Millionen geschätzt. Sie übersteigen die Aufwendungen für sämtliche seitherigen Generalwahlen bedeutend. London, 3. Febr. Der oberste Marinerat ist gestern zusammengetreten. Der Marineminister hatte den Rat einberufen angesichts der jüngsten Erneuerung in seiner Zusammenstellung und um endgültige Entschlüsse vor dem Zusammentritt des Parlaments zu treffen. Der Rat dauerte eineinhalb Stunden und beschloß im Einvernehmen mit den vorherigen Beschlüssen das Marineprogramm zu beraten, welches u. a. die Inangriffnahme von 6 Panzerschiffen von 23 500 Tons bis 1912 vorsieht. Mit dem Bau von zweien dieser Schiffe soll in diesem Jahre begonnen werden. Griechenland. Athen, 3. Febr. Die Ernennung Kalergie zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten wird mög licherweise noch Konsequenzen haben, da sie die Türkei als Provokation auffaßt. Kalergis zu unterstützen der als Konsul in Monastir eifrigst die antitückische Agitation schürte und auf Verlangen der Türkei ab berufen wurde. Die Nationalversammlung wird in 10 bis 12 Monaten(?) einberufen werden. Es gilt als sicher, daß die Kreter ihre Abgeordneten schicken Ein Teil der hiesigen Blätter konstatiert die Tatsache, daß die Türkei an der griechischen Grenze Kriegsvorbereitungen trifft. Man fürchtet, daß der türkischbulgarische Konflikt nur ein Vorwand sei, um über Griechenland herzufallen.— Es bestätigt sich, wie aus Petersburg gemeldet wird, daß die griechische Regierung beschlossen hat, die Leiter der diplomatischen Vertretungen Griechenlands aus den verschiedenen europäischen Hauptstädten zurückzuberufen und die Legationssekretäre mit der Geschäftsführung zu betrauen. Nur der griechische Gesandte in Konstantinopel soll auf seinem Posten verbleiben. Frankreich. Paris, 3. Febr. An der Austerlitzer Brücke betrug der Pegelstand um Mitternacht 7,32 Meler, sodaß der Fluß 1,59 Meter gesunken ist. Aus allen Teilen des Gebietes der Seine und ihrer Zuflüsse kommen immer weitere günstige Nachrichten. Die telegraphischen und telephonischen Verbindungen mit dem Auslande haben sich bedeutend gebessert. Unter den Sammlungen ist hervorzuheben die Anweisung eines Schecks über 600 000 Fr. seitens des amerikanischen Botschafters als erste Rate der amerikanischen Subskription. Es heißt, daß der Bautenminister Millerand beschlossen habe, im Ministerrat am Samstag einen Ausschuß zu ernennen, der beauftragt werden soll, Lehren aus der Katastrophe zu ziehen. Die Kinder des Sträflings. Roman von A. Sinowka. 13 „Wenn Du mir untreu wirst, so ermorde ich Dich und nlich, sobald ich frei werde," hatte er ihr beim Abschied Ersagt,„wenn Du aber an mir festhältst und mein Weib Test, mache ich Dich zu einer der reichsten Frauen Mu.r0 Stvirien. Du sollst auf Teppichen gehen, seidene und Edelsteine haben, so viel Du willst, und Eder Deiner Wünsche soll erfüllt werden. Das schwöre ## und eher sterbe ich, als daß ich meinen Schwur sicht halte.“ Lse kleine Seiltänzerin war ihm treu geblieben und sein a seworden, weniger aus Liebe, als aus einer fast aber9%Her Angst vor den Drohungen des finstern ManSsemen Nikolowitsch hatte sein Wort gehalten. hatta wer eine glückliche geworden, Valeska Antrowna Kltehelernt, des Gatten Liebe zu erwidern, denn er gab kinera# wonlach ihr kühles, eitles Herz begehrte, und ge“ kauhen Seiten kehrte er dem abgöttisch geliebten * gegenüber nie vor. Er betete sie noch heute an, Jugend und hielt jeden Tag, den er #.0 ihr verlebte, für einen verlorenen; wie konnte igkeit#.# er lich dennoch so völlig über die Liebesfäner eigenen Tochter täuschen, die ihm doch Ain uuufsersaugen Sein und Wesen glich? Es war das b#schs Rätsel für Valeska Antrowna. Daß LiBurchmar.i dem Vater lieber alle sieben Höllen Hlaubt„..“ statt von ihrem Liebsten zu lassen, Frnd sie zu wissen. enden Zulz Du?“ fragt Herr Niegowo, den träun Blick seiner Gattin bemerkend. vollen Haus..“ Valeska fährt sich mit der hübschen W#en dargz die Stirne.„Ich erinnerte mich nur leichten Haus?“ mich vor jenen Zeiten auch nicht rr teichten Kauses aufgegeben hast.“ kauf auf Garsst Du damit sagen? Willst Du daie gf22. 2°ora Petrowna und Gregor schließen? Ueber esprochen.“.. Dir bereits meine Meinung ausricht nur mein. Jungen anbetrifft, so ist der nein Herachendern auch Dein Sohn. Du aber, schen, meine Valeska, warst nie eine troßzige, energische Natur. Gott sei Dank!“ Und zärtlich küßt er die Gattin auf die weiße Stirn. Nein, sie, Valeska Antrowna war nie eine trotzige energische Natur, das sieht sie selbst ein, und gleich Ssemnen Nikolowitsch spricht auch sie:„Gott sei Dank!“ Aber Lidaschka.. Lidaschka... Wenige Tage darauf fährt man wirklich zu Dimitri Feodorowitsch Nowetschdoff. Die ganze Familie, mit Ausnahme der Kleinsten, dazu Dora und Julius, kriechen in den geräumigen Tarantaß, der trotz Herrn Niegowos Reichtum nicht eleganter aussieht als die andern gleichartigen Fahrzeuge dieser Art, und hüllen sich bis an den Hals in prächtige Pelzdecken ein. Man bricht schon am Vormittag auf, da die Reise zehn Stunden dauert, und man ohnehin erst abends in der Nowetsch= doffschen Ansiedlung anlangt. Die Rückkehr ist vorläufig auf den zweitfolgenden Tag festgesetzt. Der Weg führt fast in gerader Linie nach Norden, ununterbrochen durch die Taiga. Dörfer berührt man hier überhaupt nicht, es ist einer der wildesten Teile des nordöstlichen Sibirien. Herr Niegowos Bergwerk liegt bereits weit ab von der großen Heerstraße, fast dreihundert Werst nordöstlich von Nertschinsk; um die Nowetschdoffsche Ansiedlung zu erreichen, muß man aber noch achtzig Werst nördlich fahren. Der März hat schon angefangen, aber der Schnee liegt noch allenthalben berghoch und der Kutscher muß sorgfältig darauf achten, die Spuren inne zu halten, welche die Schlitten gerissen haben. Da es an diesem Tage nicht schneit, können die Reisenden sich ungestört an dem Anblick des Waldes in seinem Winterkleid erfreuen. Im Laufe des Nachmittags langt man bei einer kleinen, schiefen Hütte an, die zur Rast für die Taigawanderer bestimmt ist. Sie hat ein hohes Dach und einen breiten, gedeckten Vorflur, dahinter befindet sich ein Schuppen für Wagen und Pferde. Die Gebäude sind aus unbehauenen Baumstämmen aufgeführt und völlig regendicht, was auch durchaus notwendig ist, da die Reisenden und mehr noch die Fußwanderer häufig darin übernachten. Im Winter wird auch jede dieser Taigahütten von einem Wächter bewohnt, der sie heizt und rein hält. Im Sommer dagegen verläßt er sie, um sich anderweit Lohnarbeit zu suchen. Dann stehen die Türen weit offen, und jeder, der hinkommt, sei er auch ein Flüchtling und Verbrecher, ist unumschränkter Herr der Hütte. Auch Herr Niegowo mit den Seinen macht hier Rast für eine Stunde. Während der Kutscher die Pferde füttert, bereitet Dora mit Hilfe des Wärters eine Mahlzeit. Die nötigen Speisen hat man in einem großen, wattierten Deckelkorb mitgebracht, Kochgeschirr findet man dagegen in der Hütte. Auf Wandbrettern steht ein Samowar, blecherne Tassen und Teller, sowie sonstige Küchengeräte. Auch dies ist Allgemeingut, das jedem Obdachsuchenden in gleichem Maße gehört. So viele es aber auch benutzen, so vergreift sich doch niemand daran, selbst der verkommenste Strolch stellt die Sachen, nachdem er sie benutzt hat, sauber gereinigt wieder auf ihren Platz zurück. Häufig legt er auch noch ein Stück Brot, ein Päckchen mit Tabak oder Grütze oder sonst etwas, das er zu entbehren vermag, für solche, die ärmer sind als er, zu dem Kochgeschirr. Rasch hat der Wächter den Tee bereitet und die Blinis gewärmt. Indes deckt Dora den Tisch mit dem mitgenommenen spitzenbesetzten Tafeltuch, stellt Teller, Tassen und kalte Küche auf und legt Messer und Gabeln hin. „Darf ich Ihnen nicht helfen, Dora Petrowna?“ fragt Gregor.„Wir können doch gar nicht dulden, daß Sie sich derart für uns bemühen.“ Dora lacht.„Eine große Mühe wahrhaftig! Bleiben Sie ruhig sitzen, Gregor Ssemenowitsch, dergleichen ist nicht Männerarbeit.“ „Aber Damenarbeit doch auch nicht,“ wirft er ein. „Gewiß ist es Damenarbeit. Selbst eine Fürstin würde sich unter solchen Umständen bei uns nicht für zu gut halten, den Teetisch zu arrangieren und das eine oder das andere Gericht zu bereiten. Viele vornehme deutsche Frauen kochen regelmäßig die Mahlzeiten für sich und ihre Familien.“ „Einevernünftige Sitte!" lobte Herr Niegowo.„Lidia, hilf Du Dora Petrowna.“ Das schöne Mädchen, das in seinem dunkelroten, mit Silbersuchs besetzten Reisekleid wie eine orientalische Fürstin aussieht, verzieht spöttisch ihre Lippen. „Wir sind in Sibirien, Vater,“ sagt sie, ohne sich von ihremn Platze zu rühren. „Und in Sibirien meinst Du, ist es nicht Brauch, daß Damen irgend etwas nützliches tun?“ fragt ihr Vater scharf.„Magst recht haben, dafür ist aber etwas anderes bei uns Brauch, nämlich, daß die Kinder ihren Vätern gehorchen.“ Die Adern auf Herrn Niegowos Stirn sind dick angeschwollen und seine Augen ruhen drohend auf der Tochter, die totenblaß geworden ist und nervös an ihrer Unterlippe nagt.„Nun, wird es bald?“ fügt er gebietend hinzu. „Lidaschka," ruft Valeska Antrowna beschwörend, „Du hörst doch, was der Papa sagt?“ Jetzt endlich macht das Mädchen Miene, sich zu erheben, Dora aber, die, um einem Zornesausbruch ihres Prinzipals vorzubeugen, das Tafeldecken nach Möglichkeit beschleunigt hat, ruft rasch:„Ich bin schon fertig, Lidia Ssemenowna braucht sich nicht zu stören.“ Herr Niegowo brummt etwas Unverständliches in den Bart, indes Lidia sich mit ihren hoheitsvollen Bewegungen wieder setzt. Dann beginnt man zu speisen, aber leider ist die Stimmung durch den kleinen Zwischenfall getrübt und trotzdem jeder sich zu sprechen und Unbefangenheit zu heucheln bemüht, will doch keine rechte Heiterkeit mehr aufkommen. Es ist nicht das erste Mal, daß Dora derartige Szenen beobachtet. Fast an jedem Tage findet sie Gelegenheit zu bemerken, daß das Verhältnis zwischen Vater und Tochter nicht das beste ist. Herr Niegowo hat einen eigenen, grollenden Ton, wenn er mit Lidia spricht, und sie ihrerseits begegnet ihm mit einem versteckten Trotz, hinter dem sich aber doch, wie Dora recht gut herausfühlt, zitternde Angst birgt. Frau Niegowo leidet offenbar unter dem schlechten Einvernehmen der beiden, doch steht sie ungeachtet ihrer blinden Liebe für die Tochter viel zu sehr unter dem Einfluß des Gatten, um offen Lidias Partei zu nehmen. Erst um zehn Uhr abends, später als man gedacht, kommt die kleine Gesellschaft in der Nowetschdoffschen Ansiedlung an, wo sie mit aufrichtiger Freude einpfangen wird. In diesen dünnbevölkerten Gegenden, zumal zur Winterszeit, ist ein Besuch ein Ereignis, welches allein angenehme Abwechslung in das einsame, einförmige Dasein bringt. Man pflegt daher alles aufzubieten. was den Gästen den Aufenthalt in dem fremden Hause behaglich zu machen und sie zulängerem Bleiben zu veranlassen vermag. 176.18 EE und Dortmund, 3. Februar. — Verein der Freisinnigen Volkspartei.— Auf di: heute Abend 9 Uhr im Reinoldushof stattsind nde Sitzung wird an dieser Stelle nochmals aufmerksam gemacht. —“ Vom Stadtausschuß. Gestern fand unter dem stellrertretenden Vorsitz des Herrn Bürgermeisters Dr. jur. Eichhoff eine geschlossene Sitzung des Stadtausschusses im Verwaltungsbeschlußverfahren statt. Darin wurd; erteilt: 1. dem Restaurateur Wilh. Flender di behördliche Erlaubnis, seinen unbeschränkten Schenkwirtschaftsbetrieb auf eine im Kellergeschoß seines Haues Bernstraße 65 neu anzulegende Kegelbahn auszudehnen; 2. dem Friseur Hugo Gurski die Erlaubnis zum Betriebe der gewerbsmähigen Stellenvermittlung in dem Hause Hoher Wall 3. Vier weitere Anträge von Anwehnern der Hamubrger=, Saarbrücker=, Kraut= und Flinsburgerstraße wurden unter Verneinung der Bedürfnisfrage ablehnend beschieden. —* Herr Wilhelm Kreutzkamp bittet uns mitzuteilen, daß der gemeldete Verkauf seiner Hausbesitzungen Gutenbergstraße Nr. 49=51 in letzter Stunde rückgängig gemacht sei, da der gen. Käufer inzwischen eine Gastwirtschaft, die von diesem hoch beliehen sei, im Subhastationswege habe kaufen müssen, deren Führeng dieser selbst übernehmen werde, aus diesem Grunde auch den Bäckereibetrieb aufgegeben habe. —“ Eisenbahnunfall. Dienstag Abend gegen 9 entgleisten vom ausfahrenden Eilgüterzuge 6057 in der Nähe des Burgtores 3 Wagen, wodurch die beiden Hauptgleise gesperrt waren. Erst gegen 11 Uhr nachmittags war das Hindernis beseitigt; bis zu dieser Zeit mußten die Eil= und Personenzüge für beide Richtungen über Unna verkehren statt über Kamen. Turch die Umleitung erhielten die inbetracht kommenden Züge erhebliche Verspätungen, wodurch verschiedene Anschlüsse nicht erreicht wurden. —* Im Verein Rheinland findet heute Abend die letzte Kappensitzung statt, für die ein besonders auserlesenes Programm alufgestellt worden ist. Wer sich in guter Gesellschaft noch einmal lustig machen und des Karnevals Freuden genießen will, der gehe heute Abend nach dem Gewerbeverein zum gastlichen Verein Rheinland. Es sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, daß der Verein Rheinland am Samstag einen Gala=Preis=Maskenball veranstaltet, an dem sich auch Nichtmitglieder beteiligen können. — Polizei=Bericht. In der Nacht zum Dienstag bezw. im Laufe des Montags wurden 8 Personen festgenommen und zwar: 2 wegen Obdachlosigkeit und je 1 wegen Unterschlagung, Bettelns, Umhertreibens, Unfugs, Trunkenheit und Haftbefehls.— Dem Gastwirt Hermann von hier wurden am 31. v. M. mittels Einbruchs ca. 700 Mk. gestohlen,— In der Nacht zum Mittwoch bezw. im Laufe des Tienstag wurden 15 Personen festgenommen und zwar 4 wegen Obdachlosigkeit, je 2 wegen Umhertreibens und Trunkenheit und je 1 wegen Betrugs Fürsorgeerziehung, Tiebstahls, Zuhälterei, Haftbefehls, Uebertretung der sittenpolizeilichen Vorschriften und Ueberweisung an die Landespolizeibehörde. — In der Nacht zum 2. d. M. sah ein Wächter der hiesigen Wach= und Schließgesellschaft wie ein Mann die Scheibe eines Schaukastens am unteren We stenhellweg zertrümmerte. Der Wächter verständigte hiervon einen Polizeibeamten, der die Personalien des Betreffenden feststellte.— Ein anderer Wächter sah in derselben Nacht, wie ein Mann eine Scheibe in einer Wirtschaftstür am Ostenhellweg mutwilligerweise zertrümmerte. Der Mann sah sich verfolgt und nahm Reißaus. Der Wächter ergriff ihn jedoch und brachte ihn auf die Polizeistation. Hörde, 2. Febr. Der Berginvalide Eduard Brieke, Berghofermark, wurde gestern Abend in der Benninghoserstraße von einem Automobil überfahren und anscheinend schwer verletzt. Der Verletzte wurde mittelst Krankenwagen in das Krankenhaus gebracht.— Vielsache Baumbeschädigungen an den seitens des Kreises Hörde an den Kreisstraßen gepflanzten Bäumen haben dem Landrat zu Hörde Veranlassung gegeben, allen denjenigen, die in solchen Fällen den Täter ermitteln, sodaß eine Bestrafung erfolgen kann, eine Belohnung von 60 Mark zuzusagen. Oespel, 3. Febr. Die Gewerkschaft Oespel=Berussia soll, wie es heißt, an ein Hüttenwerk verkauft werden. Die Kuxen sind seit dem Sommer vorigen Jahres etappenweise von 1875 Mark auf rund 4000 Mark in die Höhe gegangen und in der gestrigen Essener Nachmittagsbörse wurden zeitweilig sogar 4200 Mark bezahlt. An der Börse heißt es, als Reflektant für das Bergwerk komme die Rombacher Hütte in Frage. Hagen, 2. Febr. Der nationalliberale Kreiswahlausschuß im Wahlkreise Hagen=Schwelm hat in seiner gestrigen Sitzung zur kommenden Landtagsersatzwahl folgende Entschließung gefaßt: Die nationalliberale Partei des Kreises Hagen=Schwelm hält sich für die bevorstehende Landtagsersatzwahl an die 1908 für Westfalen mit der freisinnigen Volkspartei getroffenen Vereinbarungen gebunden und empfiehlt daher den Wahlmännern, bei dieser Nachwahl ihre Stimmen für Herrn August Bilstein in Altenvörde abzugeben. Ausdrücklich wird betont, daß die Partei für die nächsten allgemeinen Wahlen hierdurch in keiner Weise sich festlegt, sondern ihren Anspruch auf Einräumung eines der beiden Landtagssitze aufrecht erhält. Meschede, 1. Febr. In der Nähe des hiesigen Bahnhofes scheute aus irgend einem Grunde das Pferd des Hotelbesitzers Gerken und ging mit dem Hotelwagen durch. Ein von Oventrop kurz vorher mit dem Zuge hier angekommener älterer Mann, dessen Personalien noch nicht festgestellt werden konnten, wurde auf der Bahnhofstraße von dem Fuhrwerke erfaßt und überfahren, wobei der Mann so schwere Verletzungen erlitt, daß er in kurzer Zeit eine Leiche war. Essen(Nuhr), 3. Fehr. Im Tyssen'schen Gutshof auf Schloß Styrum brannte gestern das Stallgebäude vollständig nieder. Das Vieh konnte nur mit groker Mühe gerettet werden. Unter dem dringenden Verdacht der Brandstiftung wurde der Gutspächter Heinrich Otto verhaftet. Essen(Ruhr), 8. Febr. Die Flugmaschtne der Sektion Essen des niederrheinische Vereins für Lustschiffahrt hat gestern ihre ersten wohlgelungenen Flüge auf den Ruhrweiden ausgeführt Es wurden 8 Flüge von 30 bis 100 Meter ausgeführt. Die Steuerung bewährte sich ausgezeichnet. Der ganze Apparat. mit Ausrahme des Motors, ist aus deutschem Material hergestellt. Hattingen, 2. Febr. Die frühere Feldmannsche Pavierfabrik ging in Flammen auf. Es verbrannten für 4000 Mark Warenvorräte, die nur teilweise versichert waren. Bestimmtes über die Entstehungsursache hat sich noch nicht ermitteln lassen. Krefeld, 2. Febr. Für die Bier= und Brausteuer sind im Voransch'age für den städtischen Haushalt pro 1910 Mk. 86000 eingesetzt, Mk. 90000 in den Vorjahren; man rechnet mit einer Abnahme des Verbrauchs wegen der Erhöhung der Brausteuer. Neu erscheint im Etat die Wertzuwachssteuer. Der Bedarf des Ordinariums schließt pro 1910 in Einnahme und Ausgabe ab mit 10344000 Mark gegen 9476 500 Mark im Jahre vorher. Mülheim Gummersbach, 2. Febr. Daß die christlich=soziale Sonderkandidatur des evangelischen Pastors Hoemann einfach eine Gunstbezeugung der Agrarier und Antisemiten gegen das Zentrum bedeutet, hat die Agitation in dem Wahlkreis Mülheim=Gummersbach je länger desto deutlicher erkennen lassen. Der„Bergische Türmer“ weist darauf hin, daß die christlich=sozialen Bündler nur in dem vorwiegend liberalen Kreise Gummersbach auftreten, dagegen der katholische Kreis Wipperführt vollständig beiseite gelassen wird. Trotzdem liegen hier die Verhältnisse für die Agrarier viel günstiger; hier gibt es eine Anzahl Ortsgruppen des Bundes, und 1903 wurden in dem Kreise allein 400 Stimmen für einen agrarischen Sonderkandidaten abgegeben. Auch im Kreise Mülheim lassen sich die Mannen des Januschauers nicht blicken, obwohl sie auch hier 1903 annähernd 400 Stimmen aufbrachten. Das Zentrum hat die Agarier in die rein evangelischen und vorwiegend liberalen Bezirke abkommandiert. Warum, ist klar. Die Klerikalen fürchten eine Vermehrung der liberalen Stimmen und eine Stichwahl mit dem Jungliberalen Falk; denn es kann keinem Zweifel unterliegen, daß in diesem Falle die Sozialdemokraten Mann für Mann die Liberalen unterstützen würden. Düsseldorf, 2. Jan. Die Stadt Düsseldorf hat mit dem Verkauf des Baugeländes des bisherigen königlichen Schlosses Jägerhof begonnen. Es wurden bereits Baustellen im Werte von über einer Million Mark „verkauft. Nach den erzielten Grundstückspreisen darf die Stadt mit einem voraussichtlichen Gewinn von etwa eineinhalb Millionen Mark rechnen. Düsseldorf, 3. Fehr. Aus einer bisher noch nicht festgestellten Ursache fand gestern nachmittag in der Gummi= und Asbestfabrik von Pahl in Düsseldorf=Rath eine Explosion statt, die ihren Ausgang von einer Abzugsröhre nahm. Durch das entstandene Feuer wurde ziemlich beträchtlicher Schaden angerichtet. Die Betondecke stürzte auf mehrere Quadratmeter ein und dadurch bemächtigte sich der Arbeiterinnen eine ungeheure Aufregung. Ein junges Mädchen sprang durch ein Fenster ins Freie, andere folgten ihrem Beispiel und mehrere von diesen fielen der zuerst herausgesprungenen auf den Leib. Das unglückliche junge Mädchen Olpmpia=Theater. X Dortmund, 2. Februar. Nachdem die Operettengesellschaft ihr Gastspiel Ende Januar beendet, haben mit dem gestrigen Tage nieder Spezialitäten=Truppen ihren Einzug gehalten. Durch Voranzeigen in den Tageszeilungen nar bereits darauf hingewiesen worden, daß dieses Mal einar ganz besonderes geboten ur#en sollte, und so will ich, denn vorab bemerken, daf die zahlreich erschienenen Besicher in ihren Erwactuigen nicht grtöuscht worden sind. Zunächst produzierte sich die Tarnett=Truppe, Schleuderbrett=Akrobaten, welche von früheren Gastspielen im Olympia=Theater, mir noch von der besten Seite bekannt war. Auch dieses Mal ernteten diese Künstler, durch wahrhaft hervorragende Leistungen, großen Beifall. Tarauf stellte sich ein holländisches Gesangs= und Holzschuh=Tanzensemble vor. Diese Gesellschaft sang einige holländische Lieder mit obligatem Holzschuhgeklapper dazu, aber auch ihre Tänze klappten ganz vortrefflich und zeichnete sich namentlich ein Solotänzer durch besondere Gelenkigkeit und exaktes Tanzen aus. Diesen folgte das Tom Jack=Trio)2 Tamen und 1 Herr) welche auf allen möglichen Instrumenten die schönsten musikalischen Genüsse hervorzauberten. Moto=Baby eine Holz= oder Wachsfigur wird durch Elektrizität in Bewegung gesetzt, macht alle möglichen Bewegungen, geht durch den Saal und macht zum Schluß graziöse Verbeugungen und Sprünge. Es ist gradezu erstaunlich, was da gezeigt wird, solches läßt sich nicht alles beschreiben, das muß man selber sehen. Genau so ist auch das Auftreten des Herrn Alva Stanhope,„das elektrische Rätsel“. Es ist kaum glaublich, wenn man sieht, was diese junge Mann seinem eigenen Körver durch den elektrischen Strom zumuten kann. Unter den 14 Nummern seines Programms seien nur folgende genannt:„Abnehmen der Funken von Arm, Brust und Mund“,„Entzünden zweier Pechfackeln durch die blo* Finger ße Hand“,„Karbidlaternen mit Fingerspitzen entzünden" usw. Eine Glanznummer war zweisellos das Auftreten des Clown Zertho mit seinen wunderbar dressierten Hunden, ein wahres Kabinettstück von Hundedressur. Das Balettensemble Semiramis gefiel sehr und nicht minder Hermann Althoffs vierfacher Jockeyakt. Gottlieb Reeck ist ein gewandter Humorist und hatte stets die Lacher auf seiner Seite. Die Pantomime der Orrani=Truppe„Der arme Onkel“ steigerte als Schlußnummer die Stimmung, durch allerlei tolle Sprünge aufs äußerste. Wahre Lachsalven dröhnten durch den Saal. Mit einem Wort, es war ein außergewöhnlich genußreicher Abend und gebührt Herrn Lirektor rensdorff dafür wärmster Tank. Wer also einige wirklich genußreiche Stunden verleben will, der gehe ins Olympia=Theater. Dortmunder Musikverein Im 3. Konzert des Dortmunder Musikvereins führt Heinrich Kühlborn aus Frankfurt am Main die Tenorsoli in der„Hohen Messe“ von J. S. Bach aus. Ueber den genannten Künstler berichtet die National=Zeitung in Basel nach der Aufführung des Oratoriums„Israel in Aegypten“ von Händel:„Herr Kuhlborn hat sich als ausgezeichneter Sänger ausgewiesen: er besitzt eine Stimme von völlig unverdorbenem, frischem Klang, spricht sehr klar aus und erfreut durch ebenmäßige Ausgleichung in allen Lagen. Auch die Reinheit der Intanation ist überall vorzüglich gewahrt. trug schwere innere Verletzungen davon. Durch die Erplosion selbst wurden drei Arbeiter lebensgefährlich verwundet. Von ihnen ist der Arbeiter Schröder am schlimmsten davongekommen; er befand sich im Augenblick der Explosion im Keller und wurde von abstürzindem Mauerwerk verschüttet. Er trug schwere Quetschungen und Brandwunden davon. Ein Ohr ist ihm vollständig abgesengt worden. Der Unglückliche wurde ins Rathr Krankenhaus gebracht. Man glaubt nicht, daß er mit dem Leben davonkommen wird. Der Zustand der anderen Verletzten ist nicht hoffnungslos. Die Fabrikräume, in denen das Unglück sich ereignete, sind schwer mitgenommen. Bonn. 2. Febr. Das Schloß Drachenburg bei Köniswinter ist mit allen Nebenanlagen und Grundbesitz durch Kauf an den Rittmeister a. D. v. Simon in Charlottenburg übergegangen. Dieser beabsichtigt, das Schloß durch Vermehrung seiner Kunstschätze zu einer hervorragenden rheinischen Stätte deutscher Kunst noch weiter auszugestalten. Hervorragende Künstler, z. B. die Proefssoren Gustav Eberlein und Werner Schuch, haben sick neben anderen als künstlerische Beiräte in den Dienst dieses von vaterländischem Geiste getragenen Unternehmens gestellt. Im Interesse des den Rhein und speziell das Siebengebirge besuchenden Publikums ist dieser Eigentums=Uebergang mit Freuden zu begrüßen. Bonn. 2. Febr. Bei einem Tunnelbau in Dümpelfeld=Ahr ging frühzeitig ein Sprengschuß los und verletzte vier italienische Arbeiter schwer. Einer von ihnen starb auf dem Transport nach dem Krankenhaus. Das Aufkommen der übrigen drei ist zweifelhaft. Aachen, 2. Febr. Die Strafkammer hat den Briesträger am Hauptpostamte Karl Clar zu einem Jahr Gesängnis verurteilt. Clar hat monatelang hunderte von Briefen, in denen er Wertinhalt vermutet, sowie Mustersendungen unterschlagen. Aus dem Gerichtsaal. Gewerbegericht Dortmund. Unter dem Vorsitz des Herrn Landrichters Ploeger fand gestern eine Gewerbegerichtssitzung statt, in der folgende Streitfälle ihre Erledigung fanden: Der Fuhrmann Paul Nüsken klagte wider den Bauunternehmer Ferdinand Budenz auf Zahlung von 14 Mark Restlohn. Die Forderung als solche erkannte der Beklagte als richtig an, weigerte aber Zahlung, da Kläger noch bei ihm zur Miete wohne. Beklagter wurde darauf hingewiesen, daß eine Zurückhaltungsrecht am Arbeitslohne wegen Mietforderungen nicht statthaft sei. Daraufhin erkannte Beklagter die Forderung an und wurde durch Anerkenntnisurteil zur Zahlung verurteilt. Wegen rechtswidriger Entlassung klagte der Handlanger Johann Lewicki gegen den Bauunternehmer O. Kampmann auf Zahlung einer Lohnentschädigung von 22 Mark. Nach der Aussage eines Zeugen ist Kläger nicht entlassen worden, sondern hat selbst die Entlafsung gefordert. Kläger nahm seine Klage zurück. Von der Firma C. H. Jucho will der Nieter August Kowalski grundlos ohne Kündigung entlassen worden sein und klagte dieserhalb auf Zahlung einer Lohn— Auf Vorha entschädigung von 60 Mark. Auf Vorhaltungen seitens der Beklagten gab Kläger zu, daß er nur eine Woche ohne Arbeit gewesen sei. Beklagter erklärte sich vergleichshalber bereit, dem Kläger 15 Mark zu zahlen. Der Kläger willigte in dieses Angebot. Auf Zahlung von 8,17 Mark Restlohn und 50 Mark Schadenersatz wegen kündigungsloser Entlassung klagte der Arbeiter Wilhelm Herberhold gegen die Firma Keuser u. Ko. Beklagter erkannte die Restlohnforderung des Klägers an, beantragte aber im übrigen Abweisung der Mehrforderung des Klägers, da mit diesem ausdrücklich Kündigungsausschluß ausgemacht worden sei. Kläger gab dieses im Laufe der Verhandlung zu und ebfriedigte sich mit dem ihm angeboetnen Betrage von 8,20 Mark. Gegen die Firma Wilhelm Böhme klagte der Schlosser Alfred Husemann auf Zahlung einer Lohnforderung von 16,74 Mark. Beklagte war zum Termine nicht erschienen. Dem Antrage des Klägers auf Erlaß eines Versäumnisurteils gegen die Beklagte wurde stattgegeben. In der Vormittagssitzung wurde unter dem Vorsitz des Herrn Justizrat von Bodecker u. a. über folgende Streitsachen verhandelt: Der Schreinergeselle Julius Alt klagte gegen den Möbelhändler Hermann Meyer hier auf Zahlung einer Lohnentschädigung von 60 Mark wegen rechtswidriger Entlassung. Beklagter wandte ein, daß mit dem Kläger ausdrücklich Kündigung ausgeschlossen worden sei. Da diese Behauptung des Beklagten im heutigen Termine durch Vernehmung eines Zeugen erwiesen wurde, erfolgte kostenpflichtige Abweisung der Klage. Von dem Fuhrunternehmer Anton Schütte forderte der Fuhrmann Robert Vornhage 14 Mark rückständigen Lohn. Beklagter behauptete, daß Kläger einen Pfeiler böswilliger Weise umgefahren habe, wodurch ein Schaden in Höhe der Klageforderung entstanden sei. Da Beklagter aber für seine Behauptung Beweise nicht zu erbringen vermochte, zog er es vor, sich mit dem Kläger im Vergleichswege auf die Hälfte der Klageforderung zu einigen. So ist die Bekanntschaft für uns eine höchst erfreuliche gewesen.“ Regerfest, 7. 8. und 9. Mai in Dortmund. Das Regerfest gewinnt immer mehr an Interesse, heute haben die Böhmen(das sogenannte Böhm'sche Streichquartett) ihre Mitwirkung zugesagt. Es ist ganz eigentümlich, die hervorragendsten Künstler aller benachbarten Länder interessieren sich für dieses Fest, viele wollen mithelfen, andere drücken ihre Freude aus, daß Dortmund die Initiative ergriffen, eine Regerfeier groben Stils zu veranstalten. Es unterliegt auch keiner Frage, derartige Veranstaltungen, wo es sich um Geistesgrößen und ihre Werke handelt, mögen sie auf dem Gebiete von Kunst oder Wissenschaft liegen, können einer Stadt und ihrer Bürgerschaft nur zur Ehre gereichen. Streichquartett. Die 2. popülläre Kammermusik=Matinee findet am Sonntag, den 6. Februar vormittags elfeinhalb Uhr im Musik=Salon Reinelt, Balkenstraße 14=16 statt. Es kommen zum Vortrag u. a. Lieder für Bariton. gesungen von Herrn Adolf Pörsken, welcher seine Gesangsstudien bei Herrn Stury vom hiesigen Stadttheater absolviert hat. Außerdem werden vorgetragen die F=dur Violin=Sonate von Mozart und ein Streichquartett von Mendelssohn. Karten zu 1 Mark sind im Verkehrsverein und an der Kasse zu haben.(Siehe Inserat.) Gegen den Bauunterneymer Hermann Stoez Haktingen klagten die Maurer Wilhelm Schneider und Robert Kania auf Zahlung eines ständigen Lohnes in Höhe von 124 Mark. ter zum Termin nicht erschienen war, wurde er Antrag der Kläger durch Ver'siumnisurteil zur verurteilt. Ebenfalls im Wege des Versäumnisurteils ums der Bauunternehmer August Mihm verurteilt, an# Maurerpolier Christoph Henkel wegen rechtswide'# 489 on 95 Entlassung eine Lohnentschädigung von 74,83 Mar) zahlen Der Monteur Ewald, Scharpenberg in Witten so derte von dem Westfälischen Berliner Elektrizitätswa21,40 Mark rückständigen Lohn. Beklagte hatte de# Kläger diesen Betrag für Werkzeuge, die ihm übn geben waren, und die Kläger bei seinem Weggang nicht wieder abgeliefert hatte, einbehalten. Kläger b# hauptete, daß er für die fraglichen Werkzeuge ni## verantwortlich zu machen sei, da er nicht ausdrückte darüber quittiert habe. Das Gericht war indes derer Meinung und wies den Kläger bis auf Betrag von 4,90 Mark wegen Vorenthaltung Papiere für einen Tag mit seiner Klage kostenpflichtz Literatur Die nordische Semiramis, Kaiserin 2.. tharina II. von Rußland, wird in dem uns vorliegen den Heft 8 von„Geschlecht und Gesellschaft (illustrierte Monatsschrift im Verlage der Schön, heit, Berlin SW. 11.) von Dr. O. Adler nach irr sexualpsychologischen Seite hin geschildert, wodurz das zügellose Liebesleben dieser großen Herrschenz verständlich wird. Die Grundlagen dazu boten##tharinas eigenartige Memoiren, welche erst une Alexander II. veröffentlicht wurden.— lieber Nervenkrankheiten und Ehe äußert sich mer Medizinalrat Prof. Dr. Eulenburg in allgemeinverständlicher Weise, während Professor Dr. Buno Meyer den Alb der Sittlichkeitsverbrechen im Strafgesetzbuch weiter behandelt. Die Aufhebung der Dirnenuntersuchung in Fuiburg in Baden wird in ihren Folgen von einen Sachverständigen, Dr. Gaston Vorberg, beleuchtet Belebt werd der Text durch Illustrationen, die zu größeren Anschaulichkeit der Artikel dienen. Ta Beiblatt„Sexualreform" bietet wieder ein Reihe aktueller Fragen, eine interessanter wie die andere: Kastration aus sozialen Gründen, Entjunz ferung durch Sturz, Polizei und Gericht, fälle, Zeitschriftenschau, Briefsasten usw.(Halbjähnger Bezugspreis nur 4,50 Mt.) Erste Hilfe am Krankenbett. Saman terlehrbuch und Einführung in die Krankenoflege betitelt sich ein soeben im Verlage von Schweizer# Co., Berlin NW. 87 erschienenes illustriettes Handbuch aus der Feder des bekannten Berliner Mediziners Dr. med. Heinz Zikel, leitender Arzt des Mommsen=Sanatoriums, Charlottenburg, ferner Dozent an der Freien Hochschule zu Berlin. Das Thema, du der Verfasser in lichtvoller und umfassender Tarstellung behandelt, ist außerordentlich wichtig für jeden Gebildeten, insbesondere für die Frauenwelt. Frau, die sich verantwortlich für das Wohl ihrer Mitmenschen fühlt, sollte nicht eher ruhen, als bis sie sich den Inhalt des Dr. Zikel'schen Samariterbuches zu eigen gemacht hat, denn es ist eine alte Erfahrung daß bei plötzlichen Erkrankungen und Unglücksfällen die Hilfe meist dann kommt, wenn es zu spät ist durch falsche Maßnahmen Unwissender die Heilung hinausgeschoben oder zur Unmöglichkeit gemacht wird. Es war wohl keiner so sehr beruten, durch Herausgabe eines praktischen Ratgebers hier auftlä rend und belehrend einzugreifen, wie Dr. Zikel, der schon seit langer Zeit auf dem Gebiete des Samariterwesens tätig ist und als Dorent der Freien Hochschule zu Berlin Jahr für Jahr Vorlesungen und praktische Kurse über Samariterpflege hält, die von vielen tausenden von Zuhörern besucht worden sind Der Preis ist für das ebenso umfang; wie inhiltsreiche und mit belehrenden Bildern versehene But sehr niedrig mit Mk. 2,50 angesetzt. Dr Zickels Samariterbuch, das durch alle Buchhandlungen oder vom Verlage Schweizer u. Co., Berlin NW. 87, zu beziehen ist, wird sich bald den Platz eines unentbehrlichen Handbuches in jeder Familie crobern. Vermischtes. Der Familienhochzeitstag. Aus Belgrad wird geschrieben. In Nisch beging das Ehepaa: Joa und Maria Petrowitsch am Sonntag die Jubelftir dn eisernen Hochzeit. Am selben Tage konnte der Sohr Milian die silberne Hochzeit mit seiner Lebensgefährtin feiern Um am Familienhochzeitstag festzuhalten, heirateten an diesem so vom Jamilienglück erfüllten Tage, die beiden Urenkel, des Greisenpaares. Franz und Georg. Zu diesem Massenhochzeitsfest erschien der Bischof von Nisch, die Kirche, in der die fünf eingesegnet wurden, konnte kaum die Menge fassen, di aus der ganzen Umgegend herbeigeströmt war, Di Straße, in der die Familie Pitrowitsch wohnt, war abends illuminiert. Den Festtag beschloß ein Mah, u dem ein Viehhändler zwölf Schweine gespendet hatte. Etwa 400 Gäste beteiligten sich an dem Verzehren die ses Schweinedutzends. Winterelend in London. Das plötzlich setzen der Kälte hat das Elend in dem Londoner Easten außerordentlich verschärft. Nach Statistiken, die allet dings keinen Anspruch auf Genauigkeit erheben, beinen 2000 Personen jede Nacht ohne Obdach im Freien London zu. Unter Turwegen, Brückenbogen, und um gekippten Handwagen suchen und finden sie ihre Schlaf stätte. In einzelnen Gegenden, der riesigen Stadt werden möblierte Zimmer an diese Unglücklichen ver mietet, deren einzigen Möblement aus einer alten e nen Bettstelle und einigen Lumpen darauf besteht. Miete ist allabendlich an den Vertreter des Wirts bezahlen, und wer nicht in der Lage ist, seinen Obt lus zu entrichten, wird unbarmherzig auf die Straf; geschickt. Viele Familien bringen auf diese Weise die Nächte in der Woche im Freien zu. Kohlen können nu pfennigweise erstanden werden. Todesfälle durch Er frieren, oder Verhungern sind an der Tagesordnung Böser Reinfall. Brüsseler Blätter erzäh len ein Abenteuer, das einem Berliner Kaufmann in Brüssel passiert sein soll. Dieser Herr, der Schwabenalter längst überschritten hat, denn mas sagt, er sei 51 Jahre alt, wollte sich in der schen Hauptstadt einmal gründlich amüsieren. schrieb deshalb an einen Bekanten, der als en schuldigung anführen kann, erst 21 Jahre alt sein. Kurz und gut, der einundzwanzigjährige sollte dem Berliner nette Damengesellschaft ver teln, da er aber selbst nicht recht Bescheid ww##t“ #rieb er an(inen Beleter, Echlen wurde. Der Bele Essten wreht veru.end je Blond und stellte elich vor der Hauptpof,“ uus gewinschte Amüsser rie sie in seine Wohung, ebedürftige Tamen vorzi E die Bekanntschaft zwe n auch sofort zur die beiden Deutschen und verlangten vro Per Ar mußte 300 Mark bezah eben, daß er nichts verr Si#el gelausen, und als Der das Gaunernest ausn L##atürlich ausgepfloge Tele Vom Krankenlager des 9 Berlin, 3. Felr. Die i gestern Abend gegen 1 einbefinden des Grasen erung zu verzeichnen sei. digend. Aenderung der elsaß=loth Straßburg, 2. Febr. Attion des Landesausschuf auf Aenderung der elsa bebracht. Gefordert werd Ebringens mit den übriger e, allgemeine, geheime 1 brausschuß. Verhaftung russise Konstantingvel, 3. kil Makrikoe sind zwei ri werden, die sich in ver säude zu schaffen machten Der Herzog der Ab Athen, 3. Febr. Hier Uüht im Umlauf, daß vor Abruzzen sich kurze 3 k. Der Herzog wurde be schten von der Abdankung gebracht. Standesamts-? Dortmund 1. 1 Geburten. Ein Sohn de 39. Arbeiter Blazej #smann Heimann, Märk #ig, Hucarderstraße 82. uffenstraße 47. Schlosse Dr. med. Kretschmer, #v. Kirchdernerstraße 12 enburgerstraße 8. Satt 71a. Dortmund 2. 1 Eine Tochter: Brieft: naierer Lucke, Huckarders n, Wüstenhof 10. Sch Bergmann Niederque rwyk, Schützenstraße 7 acherstraße 25. Arbeit tkorrespondent Kaeder, Eheschließungen: Anna Stephan. Elek Klara Quadbeck. Bä: Herbold. Fuhrmann berg. Todesfälle: Heinr 16 Jahre. Magazinauf Instraße 39, 61 Jahre. bestraße 83, 54 Jahre. 9 Kampstraße 47, 37 Ja Dortmund 1. Geburten: Ein S Arneckestr. 30. Buck pe 21. Stuckateur K Rogge, Redtenbacher Huckarderstr. 96. Eine Tochter: Stah sraße 13. Schmied hmacherm. Eickholdt, Aufgebote: Zus ##e Hoer. Ingenie Remling. Platzmeis riette Höster, Schloss ler. Hauer Theodor „Eheschließunge Ehrenfeuchter. Anna Sahlmen. Ste abeth Fleer. Monter nin Bobt, Ja D, Lbes 14 wurde er a. zur Jabung zurleils wurd irteilt, an de achsmpibigen 4,88 Mark n.„Witten soo ektrizitätsben gte hatte den die ihm übn em Wezgag, erkzeuge 1h ht ausdrückig indes an bis auf ein haltung seing kostenpflichti, Kaiserin uns vorlieger sellschaft e der Schön, ler nach irrer dert, wodurz u Herrschern zu boten Kohe erst unter lieber Nerst sich Geheiurg in allgeessor Dr. Vrnitsverbreelt. Die Aufung in Fur n von einem g, beleuchtet ionen, dic zu dienen. Tar wieder eine inter wie die den, Entjung richt, Rechtstt. Samar= nkenoflege beSchweizer 1 trieetes Handrliner Medizizt des Mommter Tozent an 8 Themna, du sender Tarstel###g für jeder tenwelt. 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Sie gingen die beiden Deutschen mit gezogenem Revolver und verlangten pro Person 200 Francs Lösegeld. Züngling hatte kein Geld bei sich, der Berliner mußte 300 Mark bezahlen und das Versprechen ben, daß er nichts verrate. Er ist trotzdem zur zei gelaufen, und als diese eine halbe Stunde das Gaunernest ausnehmen wollte, waren die bei natürlich ausgepflogen. Telearamme. Vom Krankenlager des Reichstagspräsidenten. Berlin, 3. Fehr. Die behandelnden Aerzte melI.. gestern Abend gegen 10 Uhr, daß in dem AllLeinbefinden des Grafen v. Stollberg eine kleine erung zu verzeichnen sei. Der Kräftezustand sei bedigend. Aenderung der elsaß=lothringischen Verfassung. Straßburg, 2. Febr. Die liberal=demokratische ition des Landesausschusses hat einen Initiativanauf Aenderung der elsaßz=lothringischen Verfassung bebracht. Gefordert werden: Gleichstellung Elsaßhringens mit den übrigen Bundesstaaten und das e. allgemeine, geheime und direkte Wahlrecht zum brausschuß. Verhaftung russischer Anarchisten. Konstantinovel. 3. Febr. Bei der Pulver##i Makrikoe sind zwei russische Anarchisten verhafwerden, die sich in verdächtiger Weise bei dem häude zu schaffen machten. Der Herzog der Abruzzen in Athen? Athen, 3. Febr. Hier ist das unkontrollierbare #üht im Umlauf, daß vor einigen Tagen der Herzog Abruzzen sich kurze Zeit in Athen aufgehalten . Der Herzog wurde bekanntlich seinerzeit mit den schten von der Abdankung König Georgs in Verbingebracht. Standesamts-Nachrichten. Dortmund 1. Vom 1. Februar. Geburten. Ein Sohn: Maurer Jakobi, Baume 39. Arbeiter Blazejewski, Neue Radstraße 8. #mann Heimann, Märkischestraße 57. Blockfahrer ig. Hucarderstraße 82. Marmorschleifer Hölter, uffenstraße 47. Schlosser Bußmann, Hoher Wall Dr. med. Kretschmer, Liebgistraße 6, Arbeiter , Kirchdernerstraße 123. Buchdrucker Kerwien, nburgerstraße 8. Sattler Boßmeyer, Adlerstraße 71a. Dortmund 2. Vom 1. Februar. Eine Tochter: Briefträger Rode, Hohestraße 87. gierer Lucke, Huckarderstraße 146. Fuhrmann Biern. Wüstenhof 10. Schlosser Nettebek, Leibnitzstraße Bergmann Niederquell, Leopoldstraße 74. Hauer #rwyk, Schützenstraße 76. Jollaufseher Nolte, Redacherstraße 25. Arbeiter Siebeck, Unionstraße 24. tkorrespondent Kaeder, Redtenbacherstraße 33. Eheschließungen: Kaufmann Ignatz Schilling Anna Stephan. Elektrotechniker Anton Bierhaus Klara Quadbeck. Bäcker Anton Peters und TheHerbold. Fuhrmann Johann Hüwel und Maria lberg. Todesfälle: Heinrich Witteborg, Herderstraße 16 Jahre. Magazinaufseher Wilhelm Schrick, Hütteanstraße 39, 61 Jahre. Witwe Elisabeth Sorries, bestraße 83, 54 Jahre. Reinigungsunternehmer Maas Kampstraße 47, 37 Jahre. Dortmund 1. Vom 2. Februar. Geburten: Ein Sohn: Lokomotivführer SchulArneckestr. 30. Buchbinderm. Beckmann, Hohede 21. Stuckateur Kuhn, Heiderstr. 3. Reisenzogge, Redtenbacherstr. 14. Bierkutscher Huckarderstr. 96. Eine Tochter: Stahlputzer Smajewski, Huckar13. Schmied Niklaus, Blumenstraße 15. hmacherm. Eickholdt, Gustavstr. 3. #ufgebote: Zuschläger Pieter Struik und de Boer. Ingenieur Erich Sander und Manemling. Platzmeister Heinrich Fortmann und kiette Höster, Schlosser Oskar Heller und Anna ster. Hauer Theodor Iffarth und Theresia Krall. ließungen: Müller Karl Gramm und „ie Ehrenfeuchter. Kaufmann Josef Krawinke. ue Sahlmen. Stellmacher Hans Dethloff und ab. Fleer. Monteur Heinrich Marquardt und Maria Schräder. Schreiner Wilhelm Gruß und Anna Bischof. Steinhauer Siegfried Schäfer und Wilhelmine Viehmeyer. Sterbefälle: Emilie Trauerlicht Unionvorstatt, E=Straße 25, 1 J. Hülfsschaffner Friedrich Rellmann, Schützenstr. 77, 31 J. Ehefrau Luise Obermeyer, 2. Kampstr. 45, 36 J. Kurt Senger, Sunderweg 17, 6 M. Hellmut Keller, Neuer Graben 55, 1 Tag. Dortmund 2. Vom 2. Februar. Geburten: Ein Sohn: Zuschläger Kruse, Feldstraße 34. Kutscher Winkler, Bornstr. 104. Eine Tochler: Arbeiter Wiegand, Missundestr. 7. Arbeiter Studinski, Courlerstr. 21. Expedient Seithe, Gronaustr. 52. Mechaniker Hendrich, Jägerstr. Lokomotivheizer Schmidt, Kronprinzenstr. Kalkulationsgehilfe Sirges, Bornstr. 13. Schlosser Stams, Oestermärschstr. 21. Aufgebote: Ingenieur Otto von Monschaw und Maria Ophoven. Eisenformer Johann Mackenberg und Sophie Funke. Maschinist Franz Nau und Elfriede Rißmann. Zuschläger Heinrich Stricker und Marianna Czychoniak. Sterbefälle: Lehrling Heinrich Remmert, Bremerstr. 24, 17 J. Berta Studinski, Courlerstr. 21, 1 Tag. Im falschen Verdacht. Als Verfasserin des mit K. H. unterzeichneten Eingesandts in unserem Blatte, das sich gegen ein die Brockensammlung und die ganzischen Handelsleute behandelndes Eingesandt des Herrn F. B. in der Dortmunder Zeitung richtete, bezeichnet in einem neuerlichen Eingesandt Herr F. B. eine Dame, Frau K. H. Wir erklären, daß sich Herr F. B. damit ganz gehörig auf dem Hoizwege befindet. Frau K. H. hat mit dem Eingesandt in unserem Blatte nicht das Mindeste zu tun. Das Eingesandt ist aus der Feder eines Mannes geflossen, der zu Frau K. H. keinerlei Beziehungen hat, deshalb von ihr auch nicht inspiriert sein kann. Zu dieser Erklärung hielten wir uns verpflichtet, um weitere pöbelhafte Anrempelungen der ganz unbeteiligten Dame zu verhindern. Die Redaktion des„Dortmunder Tageblatts“. Karneval in der Hölle! Am Montag den 7. und Dienstag, den 8. Februar: Elite=Maskenfest(Kostümball) im Olympia=Theater. Feenhafte Ausstattung! Zahlreiche Ueberraschungen. Bekanntmachung. WS a. GH Die Gelehrten and darüber einig, dass Kathreiners Malzkaffee jeder Famil ist * aufs beste empfohlen werden kann, denn er von vorzüglichem Geschmack, wohlbekömmlich und „Abei ausserordentlich billigl Für Kinder, Frauen. Nervenwägenleidende von hervczragenden deutschen Aerzten 7Pohlen! Machen Sie einen Versuch und verlangen * N a t h r e i n e r s M a l z k a f f e e b e i I h r e m K a u f m a n n. - Franen Warannn Bei Störungen der Blutzirkulation gebrauchen Frauen nur noch die echten Tropfen „Freuenwohl“. Aeußerst und empfohlen, vollständig unschädlich. Fl. Mk. 3.50, ertra stark Mf. 6.— gegen Nachnahme. Nur zu beziehen durch Sanitätshaus C. Klavver bach, Halle a. S. Gr. Ulrichstraße 41 191 Im Cafee Monopol konzertieren augenblicklich vier Künstler, wie man sie selten zusammenfindet. Hier werden die höchsten Anforderungen spielend leicht zu Gehör gegeben. Dem Leiter der kleinen Künstlerschar, Herrn Dirktor Max Kremer aus Wien geht ein großer Ruf voraus; er ist häufig mit hohen Auszeichnungen bedacht worden. Unreine Haut hat nur derjenige, welcher unreines Blut hat, und wodurch sehr oft ernste Geschwüre und Beulen auftreten. Dr. Wegener’s Thee wird als zuverläßlichstes Mittel empfohlen, das Blut zu reinigen, und dadurch gesunde, reine Haut zu erhalten. Preis Mk. 1.50 das Packet, in allen Apotheken zu haben, wenn nicht, wende man sich an die Ferromanganingesellschaft, Frankfurt asM.; Kronprinzenstraße 50. 6558 Bekanntmachung Auf Grund des§ 11 des Gesetzes über die PolizeiVerwaltung von 11. März 1850 verordnen wir für den Umfong unseres Regierungsbezirkes, was folgt: Gastwirte, Schankwirte und Kleinhändler mit Branntwein oder Spiritus, welche selbst oder durch ihre Angehörige resp. Geschäftsgehilfen an solche Personen, welche unzweifelhafte Kennzeichen des Zustandes der Trunkenheit an sich tragen, alkoholartige Getränke verabfolgen, oder denselben zugänglich machen, verfallen in eine Strafe bis zu 30 Mk. evtl. verhältnismäßiger Haftstrafe. Arnsberg, den 13. April 1876. Königliche Regierung. Auf die bevorstehende Polizei=Verordnung wird insbesondere bei der bevorstehenden Musterung der Militärpflichtigen vom 14. Februar bis 5. April 1910 aufmerksam gemacht. Bei Trunkenheitsfällen wird die Feststellung erfolgen, wo zuletzt der Trunkene alkoholartige Getränke erhalten hat. Die Uebertretung wird nicht nur mit der polizeilichen Strafe geahndet, sondern auch die Erwägung zur Folge haben, ob die Erlaubnis zum Wirtschaftsbetriebe und dem Kleinhandel mit Getränken zu entziehen ist. Dortmund, den 2. Fehruar 1910. Der Landrat: v. Rynsch. Der„Verband Deutscher Elektrotechniter gen die Fassung einzelner, auf die elektrische tung bezüglicher Bestimmungen des Musters zu einer neuen Polizei=Verordnung über die bauliche Anlage uw. von Theatern, öffentlichen Versammlungsräumen und Zirkusanlagen von 1909(Runderlaß vom 6. April d. J.— 3. B. 7, 75.D=B. M. d ö A. 2 c. 1146 M. d. J.) Bedenken erhoben Um Mißverständnisse vorzubeugen, stellen wir als den Sinn der beanstandeten Bestimmungen folgendes fest: 1. Zu Ziffer 2 Satz 3 der Paragraphen 36 und 116. Die Bestimmung hat nicht das Dreileiterlystem für die ganze Anlage ausschließen, sondern nur fordern wollen daß die einzelnen Zweige der Beleuchtungsanlage an welche Lampen angeschlossen sind, von den Verteilungstafeln ab im Zweileitersystem ausgeführt werden sollen. 2. Jiffer 3 Satz 1 der Paragraphen 36 und 116. hat nur die Notbeleuchtung näher regeln, die Einrichtung und Anordnung der allgemeinen Beleuchtung aber dem Unternehmer überlassen wollen. Doppelte Beleuchtung für alle zu beleuchtenden Räume wird also durch die Bestimmung nicht verlangt. Da in Sackgassen Notsampen dadurch gefährlich werden, daß sie das den Ausgängen zustrebende Publikum irreführen, so wird in solchen Fällen von der durch Paragraph 126 gegegebenen Dispensmöglichkeit Gebrauch zu machen sein. 3. Zu Jiffer 3 Abs. 2 Satz 2 der Paragraphen 36 und 116. Der hier gegebenen Vorschrift gruppenweise AnordLampengruppen und für jede der beiden Gruppen eine besondere Akkumulatorenbatterie vorhanden sind. Mit der weiteren Forderung, daß jede Lame grupfe mit ihrer Akkumulatorenbatterie durch unverzweichte Hin= und Rückleitungen verbunden sein müsse, hat nur die wechselseitige Verbindung von verschiedenen Lampengruppen hinter ihrer Abzweigung aus der Hauptleitung ausgeschlossen werden sollen. 5. Jifker 3. Absatz 2 Satz 4 der Paragraphen 36 und 116. Der Begriff des„Panzerrohres ist kein ganz feststehender. Jedenfalls haben nach den Absichten des Musters alle, die Leitungen gegen mechanische Beschädigung schützenden Metall= oder mettallisch überzogenen Rohre, und dahei auch Schlitzrohre zugelassen werden sollen. 5. Jiffer 2, Absatz 2 Satz 4 der Paragraphen 36 und 116. Unbedingte Sicherheit bietende Apparate für die Prüfung elektrischer Kraftquellen auf ihre jeweilige Leistungsfähigkeit gibt es zur Zeit noch nicht. Die Bestimmung hat selbstverständlich nur die jeweilig vorhandenen Prüfungsapparate im Auge. 6. Zu Ziffer 4 der Paragraphen 36 und 116. Nach der Absicht der Verordnung sollen auf elektrische Anlagen in Theatern und Zirkusanlagen die Vorschriften des„Verbandes Deutscher Elektrotechniker“ nur soweit anwendbar sein, als sie nicht durch die Bestimmungen der Paragraphen 36 und 116 der Verordnung ersetzt sind. 7. Zu Paragraph 36 Jiffer 5, Paragraph 67 Ziffer Paragraph 71 d und Paragraph 116 Ziffer. 5. Drahtschutznetze haben nur für die Glocken der groken Bogen= und Kugellampen gefordert werden sollen. Für die Glocken sogenannter Sparlampen mit eingeschlossenen chlossenem Lichtbogen, elektrischer Dauerbrandlampen, owie von Glühlampen sollte dieser Forderung nicht gelten. 8. Zu Paragraph 71d Satz 1. . Die Bestimmung über die elektrischen Bogenlampen sollte sich nicht auf Sparbogenlampen beziehen. Eure Tit. ersuchen wir, die Polizeibehörden anzuweisen, bei der Anwendung der Theaterbauordnung in diesem Sinne zu verfahren. Abdrucke dieses Erlasses zu Verteilung an die Landräte die Polizeiverwaltungen In Städten mit mehr als 10000 Einwohnern sowie an die Kreisbauinspektionen sind beigefügt. Für die Landräte sind 3—4 Abdrucke bestimmt, damit sie— soweit dies nach den örtlichen Verhältnissen nötig ist,— eini ae Abdrucke bei den ihnen nachgeordneten Polizet behörden zur Kenntnisnahme in Umlauf. setzen. Berlin, den 10. Dezember 1909. Der Minister der öffentl. Arbeiten. Der Minister d. Innern Im Austrage. In Vertretung. gez. Hinckeldeyn. 6e3. Vorstehender Runderlaß wird hiermit zur Kenntnisnahme der Interessenten gebracht. Dortmund. den 24. Januar 1910. Bau=Polizei=Verwaltung Dr. Schmieding Beheimer Regiernngsrat. Stores Bettdecken zu Fabrikpreisen Gebr. Engel Fabriklager Westenhellweg 37. Bekanntmachung. Von dem Kaiserlichen Patentamt zu Berlin herausgegebenen 89 Klassen der Patentschriften werden in der Wilbelm=Augusta=Viktoria=Bücherei an jedem Mittwock und Donnerstag Nachmittag von 3—6 Uhr folgende Klassen unentgeltlich ausgelegt: Klasse: 1, 3, 4. 5, 7. 8, 10, 12, 13, 14, 16 17, 18, 19, 20, 24, 26, 27, 30, 31, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 40, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 49. 50, 51, 53, 57, 58, 59, 60, 63, 64, 68, 70, 74, 75, 80, 81, 82, 84, 85 und 89. . Durch die Auslegung der Patentschriften wird jedem Gelegenheit gegeben, sich über den Inhalt der vorbenannten Patente zu unterrichten. Die neuerscheinenden Patentschriften werden den Auslagestellen vom Kaiserlichen Patentamt in Berlin in einwöchentlichen Zwischenräumen überwiesen und dem Publikum alsbald nach ihrem Erscheinen zugänglich gemacht. Außerdem wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß die vom Kaiserlichen Patentamt herausgegebene amtliche Liste der Patentschriften auf Wunsch unentgeltlich verab. folgt wird. Seit Uebernahme der Patentschriften in die Verwal tung der Wilhelm=Augusta=Viktoria-Bücherei(etwa 1. April 1908) gelangen stets sämtliche Klassen der Patentschrifte: zur Auflage. Dortmund, den 21. Januar 1910. Der Magistrat. Deursche Damplischerei-Gesellschaft „Hordsee“ Gerberstraße 1-3. Rbehlischestraße 11. Fisch ist wieder billig! Brathiichingg echte Monnikend. Dtz. 120 Pf. Bratbuckinge Ostender... Dtz. 60 Pf. Feinste echte Kieler Zückinge 3 St. 20 Pf. Kiste 120 Pf. Hochfeine Lachsheringe Stück 15 Pfg. II. Endener Vollhberinge Riefenfetther- Ds. 100 5; Dtz. 50. 60, 80, 90, 100 Pf.(zur Herstellung von delikat. Flide Aunusbraüben Füäfise Pfd. 31 Pf. Psd. 140 Pf. in Senf=Sauxe Delikateßheriggs in Ehampianon=Sauxe in Mixed Pickles in Wein=Sauxe in Tomaten=Sauxe in Bouillon Dose 75 P 113 PI. Feinste Caviar in alllen Preislagen. Feialte Raf. Kronfardinen in Fäbcen zu 8 8 ö. 150 Pf. Gr. 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Ständige Zahlstellen befinden sich: 2) Verswordistr.2(Haupistenerkasse) port T 6. 12 Uhr ucz b) Nordstr. 13(Nebenkasse(tags und 3—5 Uhr c) Rheinischestraße 58(Nebenkasse)) Saunahend Nachmütz, Ferner können die Steuern gezahlt werden am 8. un Februar in der Wirtschaft Wolters in Körne, szwie# 14, 15., 16., 26. und 28 Jebru r und am 1. Marz in Is öfer, Rheinischestraße Nr 1: und J. Kortmann, Wamdt“ straße Nr. 4, jedesmal des Nachmittags von 2—5 Uhr. Die im nördlichen bezw im westlichen Stadtteile wir. nenden Steuerzahler werden gebeten, ihre Steuern mög bei den obenbezeichneten Nebenkassen ihres Stadtteils tm zahlen. Die Vollziehungsbeamten sind zur Annahme vo# beträgen nur bei der Ausführung von Pfändungen und steigerungen ermächtigt. Wir bitten, die Zahlung möglichst bald vortht#ge a sonst die Steueriaher unter dem drang bei den Kassen zu leiden haben und erlieren. Dortmund, den 24. Januar 1910. Magistrat. Eichhoff. 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Gleich Gesamtberufsgenosse stiegen, sondern gefa entschädigungspflich gezählt, 1908 abern ihm behaupteten„e schaften zu erbringe fallziffer bewirkt he pen“ nicht möglich strengung, d. i. des begegnet sehr großer haltspunkt für ihr Schicht auf, den Ko der eigentlichen gebnis. Dieses ste Ruhrbezirk a b 1905 0,855t 1,781 1906 0.885 t 1,806 1907 0,849 t 1,741 1908 0.821 t 1,698 Mit Ausnahm hin in 1908 eine S dem Ergebnis der läge daher nahe, e tete Mehranstrengt Vergleich mit den dem auch sei, so e es sich mit dier C faltziffer machen, Es ist ja sehr bekonjunktur werde berei gesteigert un tur wirke die info aufgezwungene M Richtung. Zutref Die Ki " Weiß der Erklärungen de Schlitten ausge ihre Entdeckung Späler findet si klären. Die kleines lich selbst nicht, gewachsen ist, sei und Herr Niego „Tora,“ ri Essen Mürchen schöne Märcher wie keinen ande „Gewiß erzo lieber als Eur mich deswegen den ersten Pla Dabei überkom: das Gefühl, da Wesen ist. Als dann tende Suppe und gekochte Ge Sauerkraut und starker, dampfe Wein mit kandi Herz= und Ste gißt sie ihre T gen des Taselns artige, aber au einfachste Küch namentlich sag menden Süßig Das große chen unterhalte Sie schwatzen nur wennder! der Kiefern klat gefrorenen Sch Knd ephon St3. uge in nach Has illig 6117 Dortmund Rheinischestr. 90 1. Joppen etc. hung. 3 IV. Vierteljahr: rch erinnert. fnet an den Werkust 8—12 Uhr und 3—5 Uhrt igs mit Ausnahnt“ nabend Nachmittagt. werden am 8. un Körne, szwie am nt 1. März in Tr Kortmann, Wamdel“ von 2—5 Uhr. chen Stadtteile wir. re Steuern hres Stadtteils ein Annahme von 3fändungen und Nagistrat. rmann den 3. Februar 1910 Zweites Blatt. Nr. 28. 27. Jahrgang. und Lohnhöhe. Man schreibt uns: In seiner Nummer vom 22. v. M. berichtet der Bergknappe", das Organ des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter Deutschlands, über die Rechnungsgebnisse der deutschen Knappschaftsberufsgenossenchaft und stellt dabei fest, daß die Zahl der Unfallverletzungen auf Tausend Vollarbeiter von 126 in 1005 und 1907 auf 130 in 1908 gestiegen ist. Diese Entwicklung glaubt er mit dem Rückgang der Löhne erklären zu sollen. Die Lohnreduzierungen sollten wieder wett gemacht werden durch erhöhte Anstrengungen, manchmal unter Außerachtlassung der nötigen Vorsichtsmaßregeln. Es ist eine alte Erfahrung: schlechte Gedinge erhöhen die Unfallziffern". Tabei betrug der Lohnrückgang im deutschen Bergbau, wie er selbst angibt, nur 6 Mr.(1907 gleich 1407 Mr., 1908 gleich 1401 Mk.), viel bedeutender war er dagegen im Ruhrkohlenbergbau(Sektion 2), wo er sich auf 54 Mk.(1907 gleich 1693, 1908 gleich 1639 Mark stellte. Gleichwohl ist hier im Gegensatz zu der Gesamtberufsgenossenschaft die Unfallziffer nicht gestiegen, sondern gefallen uno zwar wurden 1907 16,97 entschädigungspflichtige Unfälle auf 1000 Versicherte gezählt, 1908 aber nur 15,99. Den Nachweis der von ihm behaupteten„erhöhten Anstrengung“ der Belegschaften zu erbringen, welche die Steigerung der Unfallziffer bewirkt haben soll, dürfte dem„Bergknappen“ nicht möglich sein. Die Feststellung der Anstrengung, d. i. des Leistungsaufwandes der Bergleute begegnet sehr großen Schwierigkeiten; den besten Anhaltspunkt für ihre Beurteilung bietet das in der Schicht auf, den Kopf der Gesamtbelegschaft(a) oder der eigentlichen Bergarbeiter(b) erzielte Förderergebnis. Dieses stellt sich Ruhrbezirk Oberschlesien Saar a b„ b„ b 1905 0,855t 1,781t 1.115t 2,106t 0.793t 1,343t 1906 0.885 t 1,806 t 1,165t 2.202t 0,986 t 1.347t 1907 0.849t 1,741t 1,185 t 2,262t 0,749t 1.322t 1908 0.821 t 1.698 t 1,125 t 2170 t 0,756 t 1,507t Mit Ausnahme des Saarbezirkes finden wir mithin in 1908 eine Schichtleistung, die bedeutend hinter dem Ergebnis der drei Vorjahre zurückbleibt. Es läge daher nahe, eher eine Minder= als die behauptete Mehranstrengung der Belegschaften für 1908 im Vergleich mit den Vorjahren anzunehmen. Aber wie dem auch sei, so einfach, wie die Bergarbeiterblätter es sich mit dier Erklärung der Bewegung der Unfallziffer machen, liegt die Sache denn doch nicht. Es ist ja sehr bequem zu behaupten, in der konjunktur werde die Unfallziffer durch die Antrei berei gesteigert und beim Niedergange der Konjunktur wirke die infolge des Lohndrucks den Bergleuten aufgezwungene Mehranstrengung in der gleichen Richtung. Zutreffend ist diese Behauptung darum noch lange nicht. So war z. B. dem Hochkonjunk turjahr 1900 im Ruhrbezirk die Zahl der tödlichen und der entschädigungspflichtigen Unsälle mit 2,342 und 14,19 von Tausend erheblich niedriger, als im Durchschnitt der Jahre 1896—1900, wo sie 2,63 und 15,10 vom Tausend betrug. Das letzte Hochkonjunkturjahr 1907 erforderte zwar mehrere Todesopfer als die vorhergehenden Jahre, die Zahl der entschädigungspflichtigen Unfälle war jedoch mit 16,97 vom Tausend beträchtlich kleiner als in den vier Vorjahren, wo sie sich zwischen 17,09 und 18,40 vom Tausend bewegte. Es wäre dringend zu wünschen, daß die Arbeiterblätter bei der Behandlung dieser Fragen etwas sorgsamer zu wege gingen, das wird jedoch schwer lich solange geschehen, als sie in der hohen Zahl der Verunglückungen, die bedauerlicher aber auch unvermeidlicher Weise dem Bergbau eignet, ein zug kräftiges Agitationsmittel erblicken. Meineids=Proieß gegen den Grafen Pfeil. S. u. H. Thorn, 1. Februar. In der Affäre der Gräfin Stephanie von Pfeil und Klein=Ellgut, die seit längerer Zeit die Oeffentlichkeit beschästigt hat, ist nunmehr Tirmin zur Hauptverhandlung gegen den Grafen Hauptmann Hans von Pfeil und Klein=Ellguth vom 145. InfanterieRegiment in Graudenz vor dem Militärgericht in Thorn auf den 22. d. M. festgesetzt worden. Die Anklage gegen den Grafen, der sich trotz eines Selbstmordversuches und einer sechswöchentlichen Beobachtung seines Geisteszustandes im Garnison=Lazacett in Posen auffreiem Fuße befindet, wenn er auch nicht Dienst tut, lautet auf fahrlässigen Falscheid und Verleitung zum Meineide. Das letztere Vergehen wird darin erblickt, daß Graf Pfeil in seinem Ehescheidungsprozeß mit der Gräsin Pfeil mit Erfolg versucht haben, soll seinen Tienstboten, Burschen und zahlreiche andere Personen, welche mit der Gräfin Pfeilschen Familie während ihres Aufenthalts in den Garnisonen Hagenau i. E., und Jauer i. Schles. zu tun gehabt haben, zu falschen Aussagen wider seine damalige Gattin zu veranlassen. Der Erfolg dieses Ehescheidungsprozesses war bekanntlich, daß die Ehe des gräflichen Paares, zunächst nur aus dem Verschulden des Grafen, auf Grund der falschen Zeugenaussagen aber schließlich aus dem Verschulden beider Ehegatten geschieden und die der Ehe entsprossenen beiden Kinder Stanislaus und Hella dem Vater überantwortet wurden. Graf Pfeil überantwortete in der Folge die Kinder der Familie der Freiherren von Richthofen, die in Mittelschlesien zahlreiche Aemter vom Gemeindevorsteher bis zum Landrat des Kreises Striegau hinauf bekleiden und von denen zwei Mitglieder des Reichstages bezw. Preußischen Abgeordnetenhauses sind.— Nach einem kast jahrzehntelangen Kampf gelang es der Gräfin Pfeil, der Militärbehörde gegenüber den Nachweis zu führen, daß Graf Pfeil Zeugen beeinflußt hatte, die bei ihrer Vernehmung vor dem Militärgerichten in Graudenz, Danzig und Thorn umfielen und jetzt zu Gunsten der Gräfin aussagten, daß diese von dem Grafen in der unmenschlichsten Weise mißhandelt und durch eine gradezu sadistische Behandlung aus dem Hause getrieben worden sei. Darauf ordnete die Militär behörde eine Untersuchung gegen den Grafea Pfeil an, in deren Verlauf dieser im Juli v. J. einen höchst mysteriösen Selbstmordversuch durch Oeffnen der Gashähne in seinem Schlafzimmer verübte. Man nahm infolgedessen an, daß der Graf geistesgestört sei, doch hat seine Beobachtung im Garnisonlazarett von Posen keine Anzeichen dafür ergeben. Als der Gras einige Zeit später in den Verdacht geriet, das Vermögen seiner Gattin, einer Tochter des Berliner Millionärs Heim, des Erbauers der Berliner Stadtbahn, bei Seite schafsen zu wollen, und sich noch verschiedene andere verdächtige Momente ergaben, welche den Behörden ein Recht zu der Annahme zu geben schienen, daß Graf Pfeil im unrechtmäßigen Besitze der Kinder sei, ordn#te das Vormundschaftsgericht Graudenz die Herausgabe der Kinder an die Gräfin Pfeil an. Als jedoch die Beauftragten der Gräfin in Schlesien erschienen, um die Kinder abzuholen, verweigerten die Freiherren von Richthofen nacheinander die erbetene Rechtsbeihilfe, und schließlich hob das Landgericht Graudenz den Beschluß des Vormundschaftsgerichts wieder auf bis zur Beendigung des gegen den Grafen Pfeil schwebenden Verfahrens. Somit wird der bevorstehende Prozeß gegen den Grafen Pfeil zugleich die Entscheidung darüber bringen, ob die Gräfin ihre Kinder endlich wiedererhält. Graf Pfeil hatte sich bekanntlich inzwischen wieder verheiratet, und zwar mit einer Baronesse von Behr aus Mitau in Rußland, die jedoch unter der Anschuldigung, daß Graf Pfeil sie auf das brutalste mißhandelt habe, wieder von ihm gegangen ist und die Ehescheidungsklage angestrengt hat. Der Thorner Prozeß dürfte angesichts der heitlen Dinge. um die es sich handelt, voraussichtlich unter vollstem Ausschluß der Oeffentlichkeit vor sich gehen. Gräfin Pfeil, die augenblicklich in Paris weilt, ist sowohl als Zeugin geladen wie als Nebenklägerin zugelassen. Der Dresdener Hoftheaterprozeß vertagt. S. u. II. Dresden, 1. Februar. Nachdem der Prozeß gegen den verantwortlichen Redakteur der Dresdener Rundschau Nauw wegen Beleidigung des Ballettmeisters August Berger, und der Solotänzerin Fräulein. Heß bereits einmal der Vertagung anheimgefallen war, mußte auch der neue Termin, der für morgen anstand, wiederum verschoben werden. Der Prozeß soll bekanntlich gewisse Verhältniffe der Dresdener Hofoper aufdecken, die der Beklagte in einem für die Privatkläger sehr ungünstigen Sinne in seinem Organ besprochen hat. Dem Ballettmeister Berger wurde in dem Artikel eine Art Pascha Wirtschaft, sowie schwere Beleidigungen der weiblichen Mitglieder des Ballettkorps zum Vorwurf gemacht. Aus die Ausfühmeldeten sich auch Angehörige anderer Bühnen, die früher unter Berger beschäftigt waren. Namentlich solche des Königl. deutschen Landestheaters in Pragemit der Bekundung, daß sich Berger auch ihnen gegenüber ähnlich: Verfehlungen habe zuschulden kommen lassen. Aus diesem Grunde wurde seinerzelt der eiste Termin vertagt und ähnliche Momente sprechen auch jetzt bei der zweiten Vertagung mit. Die Untersuchung hat durch verschiedene neu benannte Zeugen eine Erweiterung erfahren, und konnte bis zu dem festgesetzten Termin am morgigen Tage nicht erledigt werden, sodaß eine weitere Verschiebung des Prozesses geboten war. Otto Julius Bierbaum+. Am Montag Abend ist in Dresden Otto Julius Bierbaum, einer unserer liebenswürdigsten modernen Dichter, nach dem Tode Otto Erich Hartlebens eigentlich das Haupt der modernen Dichtkunst, infolge Herzlähmung gestorben. Bierbaum ist nur 45 Jahre alt geworden; am 28. Juni 1865 wurde er zu Grünberg Otto Julibs Bierbaum in Schlesien geboren. Seine Ausbildung erhielt er au dem Freimaurerinstitut in Dresden, dem Gymnasium in Leipzig, und dem in Wurzen. Er studierte in Zürich, Leipzig, München und Berlin, widmete sich aber sehr bald der literarischen Tätigkeit, und hier hat er, von enormer Vielseitigkeit, Bedeutendes geleistet. Mit Bierbaum ist eine der reichsten und vielseitigsten Begabungen der deutschen Literatur dahingegangen. Eine Ehefrau von ihrem Geliebten erstochen. S. u. H. Metz, 1. Februar. Eine schwere Bluttat aus Eifersucht hat das hieige Schwurgericht beschäftigt vor dem sich der Schlosser Franz Sell wegen vorsätzlichen Totschlages zu verantworten hatte. Der Angeklagte, ein jetzt 33jähriger Mann ging vor etwa 12 Jahren ein Verhältnis mit der Ehefrau Schulten ein, die mit ihm in derselben Fabrik arbeitete. Trotzdem die Frau 13 Jahre älter war, mußt sie den jungen Menschen vollständig zu umgarnen. E. gab Geld für den Schulten'schen Haushalt und zechte auch mit dem Ehemann Schulten, der von dere sträflichen Verhältnis seiner Frau zu Sell Kenntnis gehabt haben soll. Sell versuchte sich wohl verschiedentlich dem Einfluß der Frau zu entziehen, aber vergeblich. Das Verhältnis erfuhr eine Unterbrechung, almit Einlagen wie Griess, Reis, Gemüse, Teigwaren usw. stellt man rasch und billig her mit MAGGI' Bouuion-Wüfel Man löst einfach die nötige Würfelzahl in kochendem Wasser auf und kocht die gewünschten Einlagen darin gar. Man achte auf den Namen MAGGl und die Schutzmarke Kreuzstern Andere Würfel sind nicht von MAGOI! Die Kinder des Roman von A. Sinowka. 12 " Weiß der Himmel, welche romanhaft seltsamen Erklärungen der Junge sich für die Geschichte mit dem Schlitten ausgesonnen hat! Nein, vorderhand wird sie ihre Entdeckungen für sich behalten und kühl beobachten. Späler findet sich schon noch Gelegenheit, Julius aufzuklären. Die kleine siebzehnjährige Dora weiß es wahrscheinlich selbst nicht, wie sehr sie in ihrer eigenen Schätzung gewachsen ist, seitdem Gregor ihre Welterfahrenheit rühmt und Herr Niegowo sie eine Zauberin nannte. „Tora,“ ruft Alexandra,„wirst Du uns nach dem Essen Märchen erzählen? Du kennst so schöne, wunderschöne Märchen und ich habe Dich auch so lieb, so lieb, wie keinen andern Menschen.“ „Gewiß erzähle ich Euch Märchen," sagt Dora,„aber lieber als Euren Papa und Eure Mama dürft Ihr mich deswegen nicht haben. Die Eltern müssen stets den ersten Platz im Herzen ihrer Kinder einnehmen.“ Zabezüherkommt die siebzehnjährige Weisheit abermals das Gefühl, daß sie doch ein fabelhaft edles und reifes Wesen ist. Als dann aber das Abendessen.. aromatisch dufkende Suppe aus roten Rüben, in der Fleischklößchen und gekochte Gelbeier schwimmen, warme Pastetchen mit Salterkraut und Fischfarce gefüllt, Blinis genannt, dazu ##rker, dampfender Tee und zum Schluß kachetischer Wein mit kandierter russischer Marmelade in zierlichen Derz= und Sternenformen, aufgetragen wird, da ver## Tugendrolle und gibt sich dem Vergnüdes Taselns uneingeschränkt hin. Das etwas fremdausgezeichnete Essen schmeckt dem an die nomant iiche gewöhnten Kinde ausgezeichnet, und sagen ihr die in Massen auf den Tisch kom8 e Mädchen und die beiden kleinen MädSie#kerhalten sich köstlich bei ihrem ungestörten Mahl. nur schwatzen durcheinander, lachen und necken sich und der Piefern srehe### Sturmwind draußen die Wipfel geirargienn4schend zusammenschlägt und die halbetenen Schneeslocken prasselud as Feuster schlagen, denkt Dora bedauernd:„Der arme Gregor! Von jetzt ab muß er selbst bei solchem Unwetter schon frühmorgens nach dem Bergwerk wandern. Wenn doch nur morgen das Wetter sich gebessert haben möchte.“ Dann hüllt sie sich fester in ihre weichen Federdecken und dehnt sich wohlig. Wie behaglich das ist, dem Tosen der Elemente zu lauschen, wenn man selbst geborgen ist und das Feuer im Kamin lustig prasselt. Aber der arme Gregor. Der arme Gregor! Mit dem Gedanken schläft sie ein. „ * „Der Junge, der Gregor, ist wie verwandelt," sagt Herr Niegowo eines Tages am Ende einer längeren Unterredung mit seiner Gattin zu dieser.„Ich will ja nicht behaupten, daß seine Leistungen hervorragend wären, aber er gibt sich Mühe, und das ist am Ende die Hauptsache. Das Verständnis und die Liebe für die Arbeit wird schon kommen.“ Die beiden Gatten befinden sich in Frau Valeskas Zimmer; sie liegt ihrer Gewohnheit nach auf der Chaiselongue, und er sitzt auf einem amerikanischen Schaukelstuhl neben ihrem Lager und raucht eine Papyros nach der andern. Dies Zimmer ist der luxuriöseste Raum im ganzen Hause, dessen Wände Tapeten bekleiden. Da seine Besitzerin die Aussicht auf die Taiga nicht liebt, hat ihr Gatte mit großen Kosten Fenster aus farbigem Glasmosaik kommen lassen, durch welche das Tageslicht bunt gedämpft hereinfällt. Geblümte Vorhänge aus chinesischer Seide sind um die Rahmen drapiert, den Fußboden bedeckten Teppiche aus Turkestan, und wirkliche echte Palmen füllen die Nischen. Palmen in einer ostsibirischen Wildnis! Es erscheint das fast märchenhaft, aber Herrn Niegowo ist nichts zu teuer, wenn er damit die Wünsche seiner geliebten Valeska erfüllen kann. Das Kostbarste in dem hübschen Gemach ist aber doch ein kolossaler vierteiliger Spiegel, welcher im Zimnker Zickzack aufgestellt, fast zwei Seiten des Zimmers einnimmt. Valeska Antrowna vermag sich in dem Glas von vorn, im Rücken und im Profil zu sehen und von jedem Punkt des Gemachs aus kann sie sich an ihrem Bilde erfreuen. Ueber der Chaiselongue hängt eine vorzügliche Kopie der sixtinischen Madonna, aber Frau Valeskas Blick fällt nicht annähernd so oft auf das Bild, als auf den Spiegel, der ihr ihre eigene Schönheit zurückstrahlt. „Ja, die Kleine,“ fährt ihr Gatte jetzt fort,„ist tatsächlich ein prächtiges Mädchen, mit der sind wir nicht betrogen, denn abgesehen davon, daß sie die Kinder vortrefflich erzieht, erzieht sie, was mir tausendmal wichtiger ist, auch den Bengel den Gregor.“ „So, meinst Du wirklich?“ fragte Frau Valeska eine kandierte Kirsche in den Mund schiebend..„daß.. „Wir Gregors günstige Veränderung Dora Petrow= nas Einfluß zu danken haben? Aber selbstverständlich! Ich habe Dir ja die Szene geschildert, die ich damals durch das Schiebefenster des Speisefensters beobachtete. Sie machte dem Jungen regelrecht seine Pflichten klar .. eine vollständige Predigt war es.. und er er hörte ihr zu, als ob sie eine Heilige wäre.. so andachtsvoll. Furchtbar spaßhaft sah der Junge aus mit seinen schwärmerisch verliebten Augen.“ „Aber wenn sie sich nun in ihn verliebt?“ wirft Frau Niegowo bedenklich ein.„Ausgeschlossen ist das doch nicht.“ „Keineswegs. Ich bin im Gegenteil überzeugt, daß sie auf dem besten Wege dazu ist.“ „Und dann? Was dann?“ „Ich verstehe nicht, wie Du das meinst,“ entgegnete er gleichmütig.„Fürchtest Du, daß die Geschichte ernsthaft werden könnte, etwa wie die zwischen Lidia und Nikolai Lawalski? Unbesorgt! Die Kleine ist viel zu fromm und pflichttreu, um den Jungen gegen den Willen seiner Eltern zu heiraten. Deutsche Art! Ich kenne die. Wir können die Sache ruhig ihren Gang gehen lassen, ohne Besorgnisse hegen zu müssen. Wenn die Kleine ihr Erziehungswerk an Gregor vollendet hat, verheiraten wir ihn.. das ist doch einfach.“ Valeska Antrowna leidet nicht an überflüssigen gefühlvollen Anwandlungen, aber in diesem Falle vermag sie sich einer Regung des Mitleids mit dem arglosen Kinde, das ihr Gatte so skrupeclos als Werkzeug seines Sohnes auserkoren hat, nicht zu erwehren.„Armes kleines Ding!“ murmelt sie bedauernd.„Was wird denn aber mit ihr?“ „Ich verheirate sie ebenfalls. Du hast gar nicht nötig, sie zu beklagen, ich will sie schon schadlos halten. In den nächsten Tagen wollen wir zu Dimitri Feodorowitsch Nowetschdoff fahren, wir sind ihm längst schon einen Besuch schuldig, der möchte gern heiraten und ist ein phantasievoller Meusch, nach dessen Geschmack die Kleine schon sein wird. Und wenn sie ihm nicht gefällt, gefällt sie einem andern. Wir müssen sie nur mehr zeigen. Nötigenfalls gebe ich ihr auch eine kleine Ausstattung.“ Frau Valeskas Besorgnisse sind aber doch noch nicht recht geschwunden.„Man sagt immer, daß diese deutschen Mädchen im Punkt der Liebe sehr hartnäckig sind. Sie sollen sich sogar aus unglücklicher Liebe zuweilen töten.“ Herr Niegowo lacht laut auf. Es ist wieder sein gewohntes, kurzes und unangenehmes Lachen.„Torheit! War Lidia im Punkt der Liebe etwa nicht hartnäckig? Und hat sie sich getötet? Was?“ „Nein, das nicht, aber.. üder Valeska Antrownas Gesicht zieht ein Schatten und ste stockt. Sie, die die Tochter auf ihre Art zärtlich liebt und ihr viel näher steht als der Vater, hat ihre eigenen Gedanken und Befürchtungen über den Verlauf dieser Liebesangelegenheit. Getötet hat Lidia sich zwar nicht, aber wenn ihr Gatte glaubt, daß Lidia sich seinem harten Willen gefügt und auf den Mann ihrer Wahl verzichtet hat, so irrt ersich höchst wahrscheinlich.“ „Auch sie, die Mutter, besitzt in dieser Sache nicht Lidaschkas Vertrauen, gewisse Anzeichen verraten ihr jedoch, daß sich hinter ihrem Rücken etwas vorbereitet, das vermutlich bestimmt ist, den Frieden ihres Hauses auf lange, lange zu stören, Valeska Antrowna überrieselt es kalt, wenn sie der Wolken gedenkt, die sich über ihrem Haupt zusammenziehen, Lidoschka lst ihres gewalttätigen und trotz seiner äußeren Kälte leidenschaftlichen Gatten rechte Tochter, Ssemen Nikolowitsch aber hatte dereinst, als er noch Lehrer an der Bauschul; in Moskau war, einen Kollegen in Kinder Wut erstochen, weil er einer kleinen Seiltänzerin, einem kaum fünfzehnjährigen Kinde.. die ihm felbst gestel, Liebesanträge machte. Als er dann verschickt und später wegen guter Führung begnadigt wurde, da hatte er nicht geruht, als bis die kleine Seiltänzerin nach Sibirien zu ihm kam und sein Weib wurde. Während seiner ganzen Strafzeit hatte das Mäachen ihm schreiben und ihm treu bleiben müssen... 176,18 die Eheleute nach Westfalen zogen. Hier soll der Ehemann Schulten seiner Frau Kupplerdienste geleistet haden, wofür er zu einer mehrmönatigen Gefängni=strafe verurteilt wurde. Das Ehepaar kam nach der Verurteilung des Mannes wieder nach dem Ellot, und während der Mann seine Strafe abbüßte, wurde von Sell das Verhältnis zu der Frau Schulten wieder ausgenom men. Sell scheint aber nicht der einzige gewesen zu sein, der sich ihrer Gunst rühmen dürfte, die Frau soll sich ihm gegenüber sogar gerühmt haben, daß sie noch mehrere Liebhaber besitze, um ihn zu gröberen Geldausgaben für sie zu verleiten. Auch als der Mann aus, dem Gefängnis zurückkehrte, nahm das dreieckige Verhältnis seinen Fortgang, es wurden in der Schultenichen Wohnung verschiedentlich gemeinsam große Schnapsorgien gefeiert. Der Alkohol scheint den Angeklagten in seiner Eifersucht noch bestärkt zu haben. Er machte seiner Geliebten öfter Vorwürfe, daß sie es noch mit anderen Männern halte, woraus dann Streitigkeiten resultierten. Am 17. Dezember v. I, war er wieder bei der Frau. Deren erwachsene Tochter schickte er weg, um Schnaps zu holen. In deren Abwesenheit soll ihm die Frau ein gemeines Wort zugerufen haben. worauf er in blinder Wut mit einem Messer auf sie eingestochen haben will. Die Frau wurde von der zurückkehrenden Tochter tot aufgefunden. Der Angeklagte begab sich zu seinen Angehörigen und erzählte dort, was er getan hatte. Seine Familienmitglieder veranlaßten ihn, sich selbst der Polizei zu stellen. In der Verhandlung war der Angeklagte geständig; das Urteil lautete auf fünf Jahre Gefängnis. und Verkehr. Vom Getreidegeschäft. Dortmund, 2. Februar. Die Fruchtmärkte zu Dortmund. Duisburg, Essen und Neuß haben ihren Jahresbericht für 1909 herausgegeben. Sie geben darin zunächst eine ausführliche Darstellung von der Gestaltung des Getreidegeschäftes im verflossenen Jahre, das sich hier, veranlaßt durch lokale Verhältnisse des österen in Widerspruch, mitunter in direktem Gegensatz zum Weltmarkte entwickelt hat. So begann das Jahr mit starkem Frost und geschlossener Schiffahrt und brachte bei guter Kauflust für greifbare und lpgernde Ware ein gutes Geschäft bei steigenden Preisen, während gleichzeitig auf dem Weltmarkte recht flaue Stimmung vorherrschte und nur wenige Ware umging. Aber schon in der zweiten Woche brachten Tauwind und Regen auch die flaue Stimmung des Weltmarktes hierher. Im Februar brachte anhaltender und heftiger Regen fast überall in Rheinland und Westfalen Ueberschwemmungen, von denen man für die Saatfelder Beschädigungen in größerem Umfange durch Verschlammen und Wegspülen befürchtete. Die Kauflust wurde hierdurch vielfach angeregt und, da auch gleichzeitig auf dem Weltmarkte eine festere Stimmung einsetzte und die Preise steigerte, so entwickelte sich auf dem hiesigen Markt ein recht lebhaftes Geschäft, worbei die erhöhten Forderungen ohne Schwierigkeiten durchgesetzt werden konnten. Dieses bessere Geschäft und die erhöhten Preise beschränkten sich aber fast ausschließlich auf Weizen, trotzdem diese Getreideart verhältnismäßig den höchsten Preisstand hatte. Dieser hohe Preisstand verursachte auch ein dauerndes Knappbleiben des Weizens, da der Einfuhrhandel vor größeren Unternehmungen scheute und immer nur mäßige Erwerbungen machte. Weizen wurde aber auch auf dem Weltmarkte knapp; die Ernte 1908=09 erwies sich mehr und mehr kaum ausreichend und namentlich im Laufe Junt waren die Vorräte und die Ankünfte so schwach, das die Preise gegen Jahresbeginn um 5 Mark anzogen. Die Vorräte in Roggen waren während des ersten halben Jahres womöglich noch geringer wie in Weizen, aber ebenso gering blieben auch Nachfrage und Verbrauch; während Weizenpreise höher und höher stiegen, regten sich Roggenpreise kaum und schließlich im Juni betrug die Spannung zwischen Weizen= und Roggenpreisen über 7 Mark für 100 Kilogramm. Nur Landroggen konnte in der gleichen Zeit im Preise gewinnen, da er im Januar mit 17,00 Mark bezahlt wurde, 3—3,50 Mark pro 100 Kilogramm unter dem Preis für russische Ware, und im Laufe der ersten sechs Monate bei stets knapper werdendem Angebot allmählich in die Preislinie für fremde Ware aufrückte. Für Hafer verhielt sich der Markt ähnlich wie für Weizen. Der Verbrauch blieb sehr rege und der Getreidehandel konnte für das erste Halbjahr auf ein recht gutes Geschäft in Hafer zurückblicken. Futtergerste machte auch im ersten Halbjahr eine Preisbesserung durch, die sich aber in recht bescheidenen Grenzen hielt. Gleich mit Beginn des zweiten Halbjahres brachte die neue an den Markt kommende Ernte wesentliche Preisverschiebungen. Weizen mußte in wenigen Wochen um 30—35 Mark für die Tonne zurück, Hafer um 20—25 Mark; nur Noggen blieb unverändert, da er im ersten Halbjahre keine Preissteigerung erfahren hatte. Bis zum Schluß des Jahres machten sich nur geringe Schwankungen, je nach Verbrauch und Angebot, geltend. Die diesjährige Welternte wird, wie der Bericht hervorhebt, sehr hoch eingeschätzt. Danach sollen diejenigen Länder, die im Herbst ernten, allein am Weizen 8 Millionen Tonnen mehr eingebracht haben, als im Jahre zuvor. Auch die Haferernte wird erheblich höher eingeschätzt, als im Jahre zuvor. An dem Mehr in Weizen ist in erster Linie Rußland beteiligt, das eine ganz besonders große Ernte gehabt haben muß. Aber den Schätzungen im Allgemeinen setzt man mit Recht einiges Mißtrauen entgegen; wenn wirklich die Wetzen=Welternte ohne Argentinien und Australien 8 Millionen Tonnem mehr gebracht haben sollte, würde sich dies schon mehr in den Preisen zum Ausdruck gebracht haben. Der Bericht führte dazu weiter aus: Wir sehen im Gegenteil, wie gerade in den letzten beiden Monaten des Jahres, in denen doch stets die Hauptzufuhren an den Märkten eintreffen, die Weizenpreise anziehen und wie überall die sichtbaren Vorräte über ein sehr bescheidenes Maß nicht hinauskommen. Wo bleiben da die angeblichen 8 Millionen Tonnen Mehrerträgnis? Müssen da nicht Zweifel an der Richtigkeit der Ernteschätzungen auftauchen? In Preußen besonders will man in diesem Jahre die reichste Ernte, seitdem statistische Erhebungen überhaupt vorgenommen wurden, festgestellt haben. Roggen soll noch ca. 400000 Tonnen mehr gebracht haben, wie im vorigen Jahre; dabei ist aber die Roggeneinfuhr vom 1. August 1909 bis 31. Dezember um 44000 Tonnen größer und im gleichen Zeitraum die Ausfuhr um 181000 Tonnen Die Balkanwirren. Armeekommando Bnonskommando I Selbst. Kar Dir. Abmande — Risenbahnen Egenommenen Benürungen des eheintsch=westfannImporteurvereins gelingen wird, auch für Weidringend notwendige Besatzklausel zu schaffen Bochum, 2. Febr. Der Grubenvorstand der werkschaft Oespel in Kley verhandelte heute über ihm vorliegendes Kaufangebot. Es wurde die berufung einer wurde die Gewerkschafts=Versammlung sen. Wie es heißt, werden für den Kur 5000 gezahlt werden. Maz Essen, 2. Febr. Der Versand der Ruhrzechen: Monat Januar an Kohlen, Koks, und Brikettes mi Eisenbahnen betrug bei 24einhalb(im Vormonat einhalb Arbeitstagen) nur 5 847 520 Tonnen gegenur 6182 530 Tonnen im Vormonat. Franksurter Abendbörse. Kredit Dresdener Bank Staatsbahn Ohio Harpener Eschweiler Mannesmannsröhren Bulgaren Diskonto Nationalbank Lombarden Norddeutscher Lloyd Phönix Luxemburger Rürgerswerke Tendenz: ruhig. 211.50 162,75 161,60 115,50 208.40 162,40 232,80 101.50 195,10 130,00 22.50 102.25 221,00 217,00 187,30 Aus Europas Wetterwinkel, dem ewig unruhigen Balkan, kommen wieder einmal Nachrichten, die einen Krieg zwischen den heißblütigen Gebirgsvölkern als nahe bevorstehend bezeichnen. Die Türkei, erbittert durch die Zuspitzung der Kretafrage, rüstet ruhig, doch energisch und hat bereits heute seine Grenztruppen außerordentlich verstärkt. Diese Rüstungen, die noch immer als Vorbereitung für die Frühjahrsmanöver dargestellt werden, richten sich in erster Linie gegen Griechenland und zwar tragen sie einen offensiven Charakter. Die dritte Partei, von der eine Störung des Friedens zu besergen ist, sind die mazedonischen Bulgaren. Streitigkeiten zwischen der Türkei und Bulgarien sind zwar nichts Neues, doch kann dies gerade jetzt, wo die Beziehungen zwischen Konstantinopel und Athen derartie gespannte sind, sehr leicht zu kriegerischen Verwicklungen führen, zumal die Gelegenheit, gemeinsam mit einem Bundesgenossen die Türken anzugreifen, den Bulgaren nie so günstig war als heute. Es dürfte daher, da wir immerhin am Vorabend wichtiger Ereignisse in den Balkanländern stehen, für unsere Leser von Interesse sein, sich die militärischen Machtmittel der einzelnen in Frage kommenden Staaten zu vergegenwärtigen. Diesem Zwecke dient unsere heutige Karte, welche die Hauptformationen der Heere Griechenlands, der europäischen Türkei, Bulgariens, Rumäniens und Serbiens sowie die Streitkräfte im Südwesten der österreichisch=ungarischen Monarchie enthält. kleiner. Einige Erklärung findet diese Verschiebung allerdings in der ungenügenden Beschaffenheit des diesjährigen Roggens. Im vorigen Jahre wurde der preußische Roggen und besonders der Ostseeroggen von alllen Verbrauchern gern gekauft, während in diesem Jahre nur geringere Mengen unterzubringen sind.— Auch hier im rheinisch=westsälischen Bezirk läßt die Ernte hinsichtlich Beschaffenheit sehr viel zu wünschen übrig, in Westfalen ist Hafer wirklich so verregnet, daß er ganzlich unbrauchbar geworden ist. Auf die Färbung der Futtergerste mit Eosin geht der Bericht ausführlich ein. Er betont, daß das Zollgesetz betr. die verschiedenen Sätze für Malzgerste und Futtergerste sich immer mehr als ein Schmerzenskind für den Einfuhrhandel nicht nur, sondern auch für die Zollbehörde erweist. Es werde immer schwieriger, zwischen beiden Gerstensorten eine Grenze zu ziehen. Die Bemühungen der Zollbehörde, das Hereinbringen von Braugerste zum niedrigen Zollsatz von 1,30 Mark zu verhindern, bringe sie zu Maßnahmen, die über das zu erreichende Ziel weit hinausschössen.. „Namentlich seitdem die letzte rustische Ernte so hohe Naturalgewichte für die Futtergerste gebracht hat, erweisen sich die nur auf Gewicht beruhenden Unterscheidungsmerkmale als gänzlich unzureichend, da große Mengen von Gerste denaturiert werden müssen, die doch nichts anderes sind als ganz gewöhnliche Futtergerste. Als Denaturierungsmittel hat man neuerdings anstelle des Anschrotens das Färben angewandt, doch hat sich hiergegen in den letzten Wochen eine lebhafte Agitation erhoben, da angeblich die gefärbte Gerste den Schweinen nicht bekommen und die intensive Farbe sich selbst auf Fleisch und Speck übertragen soll. Vielfach weigern sich die Landwirte, gefärbte Gerste anzunehmen, sodaß auf Vorstellungen seitens der Einfuhrhändler die Zollbehörde sich veranlaßt sah, ersteren anstatt Färben auch das Anschroten wieder zu gestatten. An dieser Bewegung gegen das Färben trägt die Zollbehörde zum größten Teil selbst Schuld. Durch das Färben soll die Gerste als solche gekennzeichnet werden, deren Verwendung zu unerlaubten Zwecken unter Strafe gestellt ist. Warum nun Unmassen von Farbe in die Gerste gießen? Anstatt 5—10 Prozent zu färben, würde 1—2 Prozent vollkommen genügen, die erstrebten Zwecke zu erreichen, und bei nur 2 Prozent gefärbte Körner würde auch das verwöhnteste Schwein keinen Schaden erleiden.“ Verschärfte Maßnahmen gegen Hereinbringen von Malzgerste zum Satze von 1,30 Mark werden von süddeutschen Vertretern im Reichstage gefordert, die aus der abnehmenden Einfuhr von Braugerste zu 4,00 Mark uno zunehmender Einfuhr von Futtergerste eine gesetzwidrige Verzollung in großem Maße folgen. Allerdings ist die Einfuhr von Malzgerste von 440000 Tonnen im Jahre 1906=07 auf 314000 Tonnen im Jahre 1907=08 und auf 237000 Tonnen im Jahre 1908=09 gefallen, während gleichzeitig die Einfuhr von Futtergerste von 1 660000 Tonnen im Jahre 1906=07 auf 2250000 Tonnen im Jahre 1908·09 gestiegen ist. Im laufenden Erntejahre(vom 1. August 1909 bis 31. Dezember 1909) setzt sich diese Verschiebung noch erheblich fort. Die Einfuhr von Futtergerste ist in dem letzten Halbjahre bereits 346000 Tonnen größer wie in der gleichen Zeit des Vorjahres, während die Einfuhr von Braugerste um weitere rund 30000 Tonnen sich verringerte.„Diese Jahlen, sagt der Bericht, müssen sa auf den ersten Blick den agrarischen Vertretern Süddeutschlands in ihrem Argwohn recht geben, aber in Wirklichkeit dürfte dieser Verdacht doch wehl ganz ungerechtfertigt sein. Der hohe Gerstenzoll und der außerordentlich große Preisunterschied bei Gersten hat die Landwirte veranlaßt, erheblich größere Sergfalt dem Gerstenbau zu widmen und man hat dau.ch erzielt, daß von Jahr zu Jahr ein immer grökerer Prozentsatz der eigenen Gerstenernte zu Bauzwechen Verwendung finden konnte. Wenn man dazu berücksichtigt, daß die diesjährige Gerstenernte ca. 200 000 Tonnen mehr brachte als das Vorjahr und daß dieses Mehr zum größten Teil in besserer, zu Bauzwecken geeigneter Gerste bestand, so findet die fallende Einfuhr von Malzgerste volle Erklärung.“ In seinen weiteren Ausführungen fordert der Bericht, daß wie bei Gerste und Roggen auch bei Weizen eine Besatzklausel eingeführt werde, und kann es nicht verstehen, daß gerade aus Kreisen der WeizenEinfuhrhändler die Einführung der Besatzklausel Widerspruch erfährt. Er hofft, daß es den jetzt wieder Billige Reisegelegenheit nach den G## staden des Mittelmeeres bietet in diesem Sommer wiederum die„Vereinigung für Deutsche Mittelmeerfahrten“. Dieser Verein vo Tamen und Herren aller Stände hat das Ziel, den erholungsbedürftigen Kaufleuten, Beamten, Lehrern usw. Seereisen nach dem sonnigen Süden zu erschwinglichen Preisen und in aller Bequemlichkeit ohne bisondere Vorstudien und Sprachkenntnisse zu ermöslichen. Für dies Jahr ist ein Besuch der othnographisch, künstlerisch und landschaftlich hervorragendsten Stätten des westlichen Mittelmeerbeckens geplant. Die Reise beginnt am 17. Juli in Genna und führt auf eigenem Dampfer hart an der paradiesischen Küste der Riviera entlang nach Montecarlo und über Ajaccio und Corsica, Algier, Tunis und Carthago, nach Malta und Korfu. Von hier wenden wir uns nach Italien, um Taormena, Messina, Capri mit blauer Grotte, Neapel und Pompeji zu besichtigen. 3 Tage sind für Rom vorzesehen. Zum Schluß führt der Dampfer die Gesellschaft am 4. Juli nach Genua zurück. Der Preis der 18tägigen Rundsahrt konnte einschließlich der guten und reichen Verpflegung, der Wagen= und Eisenbahnfahrten 2 Klasse, der Führung, Besichtigung, etwaiger ärzt licher Behandlung usw. äußerst niedrig, auf 360 Mt bemessen werden. Unseren Lesern, die sich für diese Fahrt interessieren, empfehlen wir, sich den ausführlichen Prospekt kostenlos von dem Schriftwart der Vereinigung Herrn Gymnasial=Oberlehrer Dr. phil. W. Löbe, Berlin W. 50, Augsburgerstr. 15 kommen zu lassen. Wie ein rettender Engel wird von zahlreichen hals- und Lungenleidenden besonders von solchen, die alle anderen Mittel und Methoden zur radikalen Beseitigung ihrer Leiden schon erfolglos versuchten, die Nachricht ausgenommen werden, daß es nach langem Vorarbeiten zum erstenmal gelungen ist, von dem berühmtesten Heilmittel bes Orients gegen alten Husten, Verschleimung, chronische Katarrhe, Asthma, Atemnot, Lungenleiden dem so seltenen und kostbaren, echten arabischen oder Utu=Balsam(dem naturreinen Harzsafte eines an den Küsten des Roten Meeres wachsenden Balsambaumes) größere Quantitäten nach Europa zu bringen, und daß die Morgenländischen Drogen=Import=Gesellschaft in Jaffa(Palästina) und Berlin W. 15, die sich mit der Einführung dieser interessanten Droge beschäftigt, bis auf weiteres Proben davon kostenlos an alle Interessenten abgibt. Der Utu=Balsam, dem bei der Behandlung chronischer Erkrankungen der Atmungsorgane wahre Wunderdinge nachgesagt werden, gilt im Orient schon seit alters her als das„kostbarste Produkt des ganzen Pflanzenreiches“ und die„edelste aller Arzneien“. Die Pilger, die nach Mekka zum Grabe des Propheten wallfahren, bringen ihn in kleinen Bleifläschchen eingeschlossen als die „Medizin der Medizinen“ mit in die Heimat, wo er wie eine Reliquie gehütet und nur im Falle der höchsten Not, wenn die Arzneikunst am Eude des Könnens angelangt ist, angewendet wird. Hervorragende Aerzte aller Zeiten haben wiederholt eingehende Versuche mit dem UtuBalsam angestellt, und berichten sie fast durchweg von geradezu überraschenden Resultaten, die mit ihm erzielt wurden. Nach Europa kam der Utu=Balsam nur höchst selten und auch dann nur in solch minimalen Quantitäten, daß an seine allgemeine Verwertung nicht gedacht werden konnte. Die Schwierigkeiten seiner Beschaffung sind jetzt aber beseitigt, und heute kann das so außergewöhnlich heilkräftige Mittel schon zu einem Preise in den Handel gebracht werden, der es auch Minderbemittelten ermöglicht, sich die Wohltat seiner einzigartigen Wirkung nutzbar zu machen. In welcher Weise der Utu=Balsam bei chronischen Erkrankungen der Atmungsorgane sowie als Unterstützungsmittel bei der Bekämpfung der Lungenschwindsucht seine Wirkung ausübt, welche Erklärungen die moderne medizinische Wissenschaft für die mit ihm in zahlreichen Fällen erzielten, geradezu verblüffenden Erfolge hat, darüber gibt eine hochinteressant geschriebene Broschüre des Dr. med. Ludwig Laßky Auskunft, die wir allen Interessenten gern kostenlos Lednr Proschör sägen uir vollständig gratis eine Probe bei geug. bent se; suchen 20 Pfennig in Briefmarken für Porto usw. beigefügt werden.(Man adressiere alle Korrespondenzen an die Morgenländische Drogen=Impori=Gesellschaft, Berlin W. 15.) Möge jeder Hals= und Lungenleidende, auch wenn anscheinend vorläufig keine Gefahr vorliegt, in seinem eigenen Interesse sich Probe und Broschüre, die beide zu nichts verpflichten, kommen lassen. In vielen, selbst verzweifelten Fällen werden dieselben noch unberechenbaren Nutzen stiften können. 5453 22.4 verschwand sie zwischen dem grünen Gestrauch. Unten floß ruhig, gleichmäßig der Fluß. Da werden unten auf einmal die Weiden auseinandergebogen, und ein bleiches Antlitz mit dunkelglühenden Augen schaut hervor. Niemand zu sehen. Schnell wirft sie den Mantel ab— ein kurzer Sprung nur— da! — sie war schon bereit, ihn zu wagen— fliegt plötzlich etwas vor ihr auf. Sie schreckt zusammen, hemmt den Schritt und blickt wie gebannt auf eine Stelle. Zwei kleine Spatzen waren es, die sie aufgestöbert hatte. Die Tierchen umkreisten ängstlich flatternd einige Mal ihr Nestchen und flogen dann auf. Und nun sah die blasse, zitternde Frau, wie aus der kleinen Brutstätte zwei zierliche, junge Vögelchen die winzigen Kövfchen hervorstreckten, wie sie die kleinen Schnäbel weit aufsperrten und nach den beiden aufgeflogenen Alten zwitscherten, die sie hilflos und einsam hiergelassen hatten. Und plötzlich, und plötzlich erscheint vor ihren sinnenden Augen ein anderes Bild. Ein Bild, so ängsterregend, daß ihr fast der Atem stillsteht. Sie, auch sie war so eine unbarmberzige, herzlose Mutter!— O Gott! Und nun überkommt sie eine tiefe Scham, daß sie fühlt, wie ihr das Blut in die Höhe steigt. Aber ist es denn möglich? Sie, sie hatte den Gedanken fassen können, von ihren Kindern geben zu wollen— diese bei fremden Leuten allein zu lassen? Ihr eigen Fleisch und Blut? O, wie elend, wie elend und krank mußte sie doch gewesen sein, als sie solchen Plan hatte fassen können! Aber Gott sei Dank, noch ist es ja Zeit. Sie will nicht krank sein, sie darf nicht, nein, nein! Und schnell flieht sie von dieser Entsetzen erregenden Stelle— sie klettert schnell an der Uferhöhe empor, sie fühlt wieder festen Boden unter den Füßen, und dann ist sie oben auf dem Fahrweg. Und nun zurück nach Hause. Leben muß sie! Für ihre Kinder muß sie leben! Das gibt ihr die Kraft wieder, ihr schweres Schicksal zu ertragen. Der verschwundene Klavierschlüssel. Humoreske von Clara Düsterhoff. Lieschen Albrecht war ein herzensgutes Mädchen und zu jeder Gefälligkeit gern bereit; nur in einer Beziehung hatte sie sich von Kindheit an unzugänglich gezeigt: sie trug nicht gern in Gesellschaft etwas vor. Die Begierde ihrer Mutter, sie zum Teklamieren oder Klavierspielen zu überreden, sobald Gäste im Hause waren, hatte ihr buchstäblich ihre Kindheit vergällt, soviele Scheltworte und sonstige Strafen hatte ihr jene tiefeingewurzelte Abneigung zugezogen. Und jetzt, da sie es bis zur anerkannten Virtuosin auf dem geliebten Klavier gebracht hatte, war ihr nichts verhaßter, als wenn sie zu irgend welchen geselligen Veranstaltungen eingeladen wurde und dann plötzlich iune werden mußte, daß man sie eigentlich nicht ihrer Person wegen, sondern zum Zweck des„Musikmachens“ eingeladen habe. Das war nun die bittere Erfahrung, die sie auch an einem denkwürdigen Novemberabend bei einer ihrer„Freundinnen", die Frau Oberstabsarzt Hinkeldey, machen mußte. Deren kleines Töchterchen, ein ausplapperlustiges Schreckenskind, begrüßte sie gleich beim Eintritt mit der angenehmen, zum Glück geflüsterten Eröffnung:„Du, du mußt heute etwas vorspielen, Mama hat's gesagt.“ Lieschen kräuselte verächtlich die frischen, roten Lippen. Ausgenupt sollte sie also werden, unter dem Deckmantel der Freundschaft ausgenutt nach allen Regeln der Kunst. Wenn Hinkeldeys zur Unterhaltung ihrer Gäste Musik haben wollten, mochten sie sich doch einen Klavierspieler engagieren. Mit ihr würden sie jedenfalls heute kein Glück haben. Taß sie dazu heute besonders entschlossen war, daran war aber der Oberlehrer Dr. Ermler schuld, mit dem sie zufällig beim Eintritt ins Haus zusammengetroffen war; er hatte ihr auf der Treppe verraten, er gedenke die Gesellschaft mit den schönsten Kapiteln aus Reuters„Stromtid“ zu unterhalten,„vorausgesetzt“, hatte er lächelnd hinzugefügt,„daß umere liebenswürdige Wirtin nicht wieder Sie und andere Opserlämmer zum Vorspielen preßt, denn dann bliebe mir zu wenig Zeit, als daß sich's lohnte, anzufangen.“ Toktor Ermier war nämlich als guter Mecklenburger ein geradezu begeisterter Reuterschwärmer. Wenn nun Lieschen Albrecht sich außer für die edle Musika noch für etwas anderes begeistern konnte, so war es ebenfalls Reuter im ganzen und großen, seine„Stromtid“ im besonderen. Und obschen si. bis dahin den Toktor noch nichts von seinem großen Landsmann hatte vorlesen hören, so konnte sie sich doch lebhaft vorstellen, wie köstlich er dessen Meisterwerk in seinem heimischen Idiom zum Ausdruck bringen würde. „Fürchten Sie nichts,“ hatte sie ihm daher versprochen, „ich werde tun, was ich kann, um weder mich, noch die übrigen Gäste um den Genuß zu bringen, den Sie uns da in Aussicht stellen.“ Und als ihr nun Edith Hinkeldey im geheimen das von der Mama festgesetzte Programm des Abends verriet, entwarf sie kurzgefaßt den wirkungsvollsten Kriegsplan, den es unter den Umständen geben konnte. Während sich die ersten Gäste im Salon zusammenfanden, näherte sie sich plötzlich dem Piano und musterte einige neue Stiche, mit denen die Wirtin die Wand darüber geschmückt hatte. Indem sie ihr über den dabei entwickelten Geschmack laute Anerkennung zollte, brachte sie es glücklich zustande, unbemerkt das Klavier zu schließen und den Schlüssel an sich zu nehmen. Unbemerkt von der Hausfrau und den übrigen Anwesenden war’s geschehen, nicht aber von Toktor Ermler. Er hatte gleich bei seinem Eintritt einen Blick auf das Piano geworfen, das mit seiner prächtigen Klangfülle Hinkeldeys berechtigten Stolz bildete, und das er heute als Rivalen fürchtete, und dabei war gerade der Schlüssel, der im Glanze der Gasglühlichkrone funkelte, ihm aufgefallen. Als jetzt Lieschen mit ihrer Inspektion des neuen Wandschmuckes fertig war und auf ihren Fauteuil zurückkehrte, fiel sofort das Fehlen des Bronzeschlüssels auf, der vorher mit seinem Blinken sein Auge auf sich gezogen hatte. Auf der Stelle aber durchschaute er auch ihre Kriegslist und war ihr aufrichtig dankbar dafür. Sein Verlangen, den Dichter seines Herzens zum Vortrag zu bringen, war heute so glühend, daß es ihm tatsächlich ein Opfer gewesen wäre, lätte er zugunsten des ewigen Klavierspiels darauf verzichten müssen. Natürlich behielt er seine Wahrnehmung wohlweislich für sich. So angeregt wie diesmal war das„Abfüttern“ im Leben noch nicht bei„Oberstabsarzts“ verlaufen, angeregt vor allem für Lieschen Albrecht in ihrer glücklichen Gewißheit, heute abend unmöglich vorspielen zu können, und für Doltor Ermler in seiner sicheren Erwartung, unter diesen Umständen doch zu der Vorlesung zu kommen, auf die er sich so lebhaft gefreut hatte. Und da die beiden Angeregten bei Tische einander gegenübersaßen, so flogen die Witzfunken und Geistesblitze zwischen ihnen nur so hin und her und rissen unwillkürlich die andern Tischgäste in ihre frohe daalbare Stimmung mit hinein. Noch nie zuvor aber hatte Toktor Ermler an Liedchen Albrechi soviel Wohlgefallen gefunden wie heute; noch nie zuvor hutte Lieschen Albrecht bemerkt, wie geistreich und anziehend doch dieser Toltor Ermler war. Ten Höhepunkt sollte das Vergnügen jedoch für alle Teile nehmer erst nach der Mahlzeit erreichen. Kaum war die vorüber, kaum hatten die Anwesenden wieder im Salon Platz genommen, als auch die Frau Oberstaksarzt auf Lieschen Albrecht losstürzte und sie in honigsüßen Tönen bat:„Nicht wahr, mein Liebe, Sie bereiten uns den Ohrenschmaus, uns etwas auf dem Piano zum Besten zu geben!?“ „Gewiß, mit dem größten Vergnügen““ ging Lieschen so bereitwillig auf die ihr zugemutete Strapaze ein, wie sie sonst nie zu tun pflegte, und heiteren Blickes folgte sie der Hausfrau an das Marterinstrument. Behend wollte diese das Klavier öffnen; es leistete jedoch Widerstand. Sie griff nach dem Schlüssel— aber was bedeutete denn das? Der Schlüssel war ja verschwunden! Klein=Edith wurde scharf ins Gebet genommen, ob sie ihn abgezogen habe. Natürlich konnte sie mit Recht ihre Unschuld beteuern, und daß sich ein anderer damit zu schaffen gemacht habe, war zum Glück dem kleinen Fräulein Scharfblick diemal entgangen. Die Dienstboten wurden ausgefragt, der Hausherr selbst vergewisserte sich, ob er nicht etwa in einem Anfall von Geistesabwesenheit den schwervermißten Gegenstand eingesteckt habe. Der. Wirtin brummte der Kopf vom vielen Suchen; die Gäste blickten einander verlegen und unbefriedigt oder auch spöttisch an.(Schluß folgt.) ## 25-SES —— ** roa-zEEn Saase .5*„„— e“ E.*"— 80 28—*— s OÄEESS SE — A PgA-* =Un ncnn SSSTEMESGSSSESSSgEL „XXMOPPIONOOBN SSNHOSASTAAA CSUHOSS8990Sce Blätter für Unterhaltung und Belehrung. Nach langen Kämpfen Den Erinerungen eines Detektios nacherzählt von H. Rockwood. Wie schon früher erwähnt, hatte Howard Gertrud niemals etwas von dim Leben seiner jüngeren Schwester gesagt. Er sprach überhaupt nur selten von ihr, und da Fräulein Brandon von Natur nicht neugierig war, so hatte sie niemals danach gefragt. Nach der augenblicktichen Ueberraschung fuhr Foster fort, immer noch zu Clarissa gewandt: „Sie sagen, Ihre eigenen Beobachtungen hätten die Gerüchte über Philipp Roß und Fräulein Brandon bestätigt?“ „Ja, bis gestern war es so,“ erwiderte Clarissa. „Bitte, teilen Sie uns mit, was Sie bemerkd haben.“ „Roß hatte Fräulein Brandon mehrmals besucht und ist auch oft bei ihrem Vater gesehen worden.“ Gertrud wollte sie hier entrüstet unterbrechen, aber Foster beschwichtigee sie durch eine Gebärde. „Wann hat Roß diee Tame besucht?“ „In dem Haus von Frau Chase vor einigen Tagen und gestern bei Frau L'Brien.“ „Ah, und haben Sie gesehen, daß Ihr treuloser Mann den zuletzt erwihnten. Besuch machte?“ „Ja, das habe sich gesehen.“ Der Detektiv wandte sich zu Getrud und sagte: „Sie haben gehört, was Fräulein Howard sagte. — Ich nenne sie liecer bei diesem Namen?“ „Je“, erwiderte Gertrud Ihre Stimme zitterte vor unterdrückter Aufregung. „Bas haben Sie zu sagen?“ „Daß ich nie in meinem Leben Philipp Roß gesehen habe.“ „Sind Sie dessen sicher?“ „Ganz sicher.“ „Können Sie uns mitteilen, wer gestern bei Ihnen Besuch machte?“ „Ja, mein Vater unt ein Mann, namens Jerome Munro, haben mich besucht.“ „Nun, bitte, beschreiben Sie Herrn Munro.“ „Er ist klein, von dunkler Gesichtsfarbe und sieht etwas finster aus.“ „Von welchem Alte. ist er?“ „Ich denke, er wi.? nahe an vierzig sein.“ Hier wandte sich Fosters Blick auf Clarissas schönes Gesicht. Er sah, daß ihre Wangen lebhaft gerötet waren. „Hier ist eine Gelegenheit, wo Fräulein Clarissa Aufklärung geben kann,“ sagte er in fragendem Ton. „Was wünschen Sie zu wissen?“ „Zuerst von welchem Alter ist Philipp Roß?“ „Er sagt 42.“ „Seine Gesichtsfarbe?“ „Ist dunkel.“ „Und seine Gestalt?“ „Er ist klein und etwas untersetzt.“ „Das alles stimm: mit Fräulein Brandons Beschreibung von Jerome Munro überein.“ „Ja.“ „Aber es läßt sich mit der früheren Beschreibung von Philipp Roß nicht vereinigen, welche Sie mir gaben, als ich Sie zuerst in Gegenwart von Clotilde Grey nach ihm gefra#t habe.“ „Das weiß ich.“ „Wie können Sie diesen Widerspruch erklären?“ „Ichhabe Ihnen damals eine falsche Beschreibung gegeben.“ „ay, dadurch erklärt sich, warum meine Nachsorschungen nach dem Mann, den Sie Philipp Roß nennen, immer wieder mißlungen sind. Erst gestern abend vermutete ich ei Täuschung, von Ihrer Seite.“ „Sie haben sich also täuschen lassen?“ „Wundervoll!“ Ic., wo wir wissen, daß Philipp Roß und Jerome Muurs dieselbe Person sind, klärt sich verschiedenes au,, nos früher unerklärlich war. Nun, Fräulein Brandon, wollen Sie mir auch einige Fragen beantworten?“ Gertrud zögerte. Sie begann einzusehen, daß Munro ein falsches Spiel spielte, und daß Clarissa ihr Vater und sie selbst seine Opfer seien. Sie fühlte sich sterk versucht, ihr schreckliches Geheimnis diesem scharfsinnigen Detektiv zu enthüllen, und ihm ihre Sorgen anzuvertrauen, um alles zum besten zu wenden. Aber noch schrat sie dave, zurück. Foster war ein unerbittlicher Diener des Gesetzes. Irgend ein Verbrechen dürfte er nicht übersehen oder verbergen, wenn auch seine besten Freunde durch die Verfolgung desselben getroffen werden konnten. So schloß nochmals die Furcht ihre Lippen. „Es gibt einige Fragen, die ich nicht beantworten kann aber ich werde Ihnen antworten, soweit ich kann,“ erwiderte Gertrud errötend unter den forschenden Blicken Fosters. „Es soll kein Kreuzverhör sein. Ich vermute, ich werde erraten können, was Sie nicht beantworten wollen“ Gertrud schauderte, ihre Furcht wuchs. Clarissa stand auf und trat an ihre Seite. „Fürchten Sie sich davor, Herrn Foster zu vertrauen?“ fragte sie. „Nein, ich würde ihm eher vertrauen als jedem andern Fremden.“ „Dann schenken Si. ihm volles Vertrauen. Er wird alle Ihre Bedrärgnisse beseitigen, daß weiß ich.“ „Ich kann nicht „Warum nicht?“ * 965 u S9 82—— S—— B•• 382 SS 58 S• 25— ### " 0 2 2——* FU SÄMREES = SS SWpEEE JHSSSTSP üs S S SSEUTESPSELSG S# *EEnETOEEZSSEE S S BBER 2— T** S GEg K S C. . — G 1 S 5 88— S1" —— G1——8— 8 *— PasIEn BEIBBEEE 5#S#SSEE 3 2 =S52 S BSTSSLRE F U 5—*— Ta S S SaES SESSSEE # 5 P• * S S30.* E E E 9 S.— S SnL S S 65 85 „Ich habe genügenbe Gründe, die ich aber nicht angeben kann.“ „Sagen Sie Heern Joster alles. Er vollbringt alles, was er unternimmt.“ Foster war verlegen durch dieses Lob seines schönen Schützlings. „Sie überschätzen meige Fähigkeiten, Fräulein Clarissa,“ sagte er,„Ich kann nur vollbringen, was für menschliches Urteil und Geschicklichkeit erreichbar ist. Gerne werde ich Fräulein Brandon helfen, soweit es in meiner Macht steht aber ich möchte meine Dienste nicht aufdrängen,“ schloß er etwas ernst. Gertrud warf einen raschen Blick auf sein Gesicht. Mein Leben möchte ich diesem Herrn anvertrauen, aber dieses Geheimnis gehört nicht mir, und ich darf es nicht aussprechen, dachte sie in diesem Augenblick der Unschlüssigkeit. XXVI Das Netzwird zugezogen. Nacch kurzem Schweigen sagte Gertrud: „Ich kann Ihnen nichts sagen, Herr Foster, denn ich wage es nicht, ohne die Erlaubnis dessen, den es mehr angeht, als mich selbst.“ „Sehr gut, dann will ich nicht darauf bestehen. Mein einziger Zweck ist Ihnen zu helfen. Ist dieser Jerome Munro, alias Philipp Roß, ein Freund oder Feind Ihres Herrn Vaters und Ihrer selbst?“ „Er ist ein Feind.“ „Ist etwas Wahres an dem Gerücht über seine Absichten?“ „Ich verstehe Sie nicht.“ „Hat er die Absicht, Sie zu heiraten?“ „Jawohl.“ „Es ist überflüssig zu fragen, ob seine Absichten günstige Aufnahme finden" „Die Frage ist überflüssig.“ „Ist dieser Munro die Ursache Ihrer jetzigen Sorgen?“ „Ja.“ „Warum ertragen Sie seine Verfolgungen? Jeder Beamte der Stadt wurde ihn gern verhaften, wenn Sie eine Klage einreichen können.“ „Wir wagen nicht, so gewaltsame Mittel anzuwenden?“ „Also fürchten Sie den Mann?“ „Hat er Gewalt über Herrn Brandon?“ „u“ „Können Sie mir sagen, in welcher Art?“ „Nein, mein Herr, daf, ist nicht mein Geheimnis.“ „die lange sind Sie mit Ihrem Feind bekannt?“ „Vor einer Woche habe ich ihn zum ersten Male gesehen.“ „Aber seine Bekarntschaft mit ihrem Herrn Vater ist schon von länger her, vermute ich?“ „So ist's.“ „Wie lange?“ „Ungefähr 23 Jahre.“ „Er weiß ein Geheimnis von Ihrem Herrn Vater, dessen Entoeckung der letztere fürchtet?“ 0 „Ist das Ereignis, welches den Gegenstand des Geheimnisses bildet von neuem Datum?“ „Nein, es ist ein Schatten der Vergangenheit.“ „Dann also leiden Sie für Ihres Vaters Schuld?“ „So ist's.“ „Das habe ich schon seit einiger Zeit vermutet. Nun, unter welchen. Bedingungen verspricht Munro dieses Geheimnis zu verschweigen?“ „Er verlangt, nur die Ersüllung eines Versprechens von meinem Vater.“ „Und was ist oas?“ „Eine Unbedachtsemseit, für welche ich jetzt zu leiden habe. Wie vi.. Eltern in gedankenloser Weise tun, hat auch mein Vatei versprochen, wenn ich erwachsen sei, sollte ich Munros Frau werden. Als dieses Versprechen ausgesproch; wurde, dachte natürlich niemand daran, daß Munro jemals seine Erfüllung verlangen werde.“ „Ohne Zweifel, und es ist gewiß, daß es auch niemals erfüllt werden wird. Munro hat Clarisse wars ganz kürzlich geheiratet, und es wird ihm nicht gestattet werden, noch weiter eheliche Pflichten auf sich zu nehmen Er kann also nicht darauf hoffen, sein Verlangen durchzuse. n. „Abei dennoch ist mein Vater in seiner Gewalt.“ „Vielleicht.“ „Sie glauben, das ist nicht der Fall?“ „Wie kann ich das wissen, Fräulein Brandon?“ Ich weiß nur, was Si. mir eben mitgeteilt haben, und darüber hinaus, kann ich nur Vermutungen haben. Aber ich glaube sicher, daß diese Wolken, welche so dunlle Schatten auf Ihe Zukunft werfen, in kurzer Zeit zerstreut sein werden.“ „Haben Sie sichere Gründe für diese Hoffnung?“ „Sie sind vielleicht noch nicht ganz sicher. Ein Detektiv muß auch eiz. Sandkorn und einen Grashalm in Erwägung ziehen, wenn er die Aussichten des Erfolges abwiegt.“ Gertrud erfoßte mit lebhafter Bewegung Fosters Hände. „Wenn ich nur wagen könnte, Ihnen alles zu sagen, so würden Sie sicher Mittel finden, meinen Vater von seiner Last zu befreien!“ rief sie stürmisch aus. „Wenn mir das gelänge, so würde es durch die allereinfachsten Mittel, die man sich denken kann, geschehen. Aber ich will Sie nicht drängen, mir mehr Vertrauen zu schenken, ols Sie für gut halten. Ich versichere Ihnen jedoch, daß ich alle die Tatsachen, die ich zu erfahren wünsche, aus anderen Quellen erfahren werde Es ist nur dann ein etwas mehr Zeit nötig.“ Foster sagte dies mit ruhiger Zuversicht. „Es steht Ihnen fre', Ihre Nachforschungen soweit auszudehnen, als Sie wollen, und ich hoffe, daß Sie Erfolg haben werden. Aber ich darf Sie nicht über Tatsachen unterrichter, welche meinen Vater Schande und Schimpf bringer können.“ Fester wandte sich z., Clarissa und sagte: „Sie sind jetzt überzeugt, daß Roß ein angenommener Name ist, nicht wahr?“ „Ja, mein Herr.“ „Glücklicherweise wird dadurch die Rechtmäßigkeit der Ehe nicht aufgehoben. Aber warum haben Sie eine falsche Beschreibung Ihres treulosen Gatten gegeben, als ich Sie zum ersten Male darum bat?“ Wieder röteten sich Clarissas Wangen. „Weil ich nicht wollte, daß sie ihn finden“ erwiderte sie.“ „Das war ein schlauer Streich, und ich gestehe, daß ich ihn nicht vermutet habe. Vertrauen Sie mir jetzt?“ „Vollkommen.“ „Aber sagen Sie mir, was weiß Clotilde Grey von Jerome Munro?“ „Sie weiß nur wenig. Sie hat ihn auf der Straße und bei anderen Gelegenheiten gesehen.“ „Das genügt, bis ich wieder einen Anfall von Neugierde habe Ich hofse, Sie werden mich entschuldigen, wenn ich jetzt zu andern Geschäften übergehe, die ich sch in zu lange vernachlässigt habe.“ Fortsetzung folgt. 5 Mutterliebe. Novellette von Paul Bliß. Weit draußen im Norden Berlins, wo die Straßen noch keinen Namen haben, sondern mit Zahlen bezeichnet ind, dort war's, wo zwei freudestrahlende Kinder fröhlich in den he llen Sommertag hineinjubelten. Aus den großen, dunklen, von dichten Brauen beschatteten Augen des Knaben blitzte es hervor, wie ein unaussprechliches Glück, währendd ie lichtblauen Augensterne des kleinen Mädchens in neugieriger Lust und prickelnder Ungeduld sunkelten. Sollten sie doch heute hinauskommen ins Freie, auf blumendustende Wiesen, in den frischen grünen Wald, wo auf dem versteckt liegenden See viel große weiße Wasserrosen träumten— o, die Mutter hatte ihnen schon lange davon erzählt— so lange! Und nun endlich sollte es wahr werden. Es waren zwei schmucke Kinderchen, für ihr Alter groß und stark genug, und wenn nicht die blasse Gesichtsfarbe und die tiefliegenden Augen an die schlechte Luft der Berliner Mietskasernen erinnert hätten, wahrhaftig, man hätte meinen können, sie seien in irgendeinem einsamen Dörschen der Mark so prächtig herangewachsen. Das kleine Mädchen stand schon fix und fertig da in seinem Sonntagsputz, den die unermüdliche Mutter erst in der letzten Nacht fertiggestellt hatte. Der Knabe aber war noch beim Ankleiden. Die eifrigen Hände der praktischen Mutter hatten noch hier und da zu ordnen und zu nähen, so daß es dem ungeduldig harrenden Burschen schon viel zu lange gewährt haben mochte, bis endlich auch er in seinem blau= und weißgestreiften Matrosenanzug fertig dastand. Nun, ja, nun kann's fortgehen. Und hell ausiubelnd stürmten die Ueberglücklichen in dem kleinen Zimmer umher, um den großen Tisch herum, über Tische und Stühle hinweg, immer drauf los— wähnten sie sich doch schon in dem großen Park des Onkels Oberförster. Da oben die Blattpflanzen am Fenster wurden ihnen zu schlanken Tannen, zu hohen zitternden Farrenkräutern die getrockneten Gräser; in dem dicht bestellten Blumenbrett sahrn sie die bunte, blumige Wiese, und das Liedchen des kleinen Kanarienvogels ließ einen vieltausendstimmigen Gesang in ihren Ohren erklingen. Der ausgestopfte Hund und das große Wiegenpferd, die beiden treuen Spielgefährten, wurden größer und größer, atmeten Leben, wirkliches Leben. Ja, sogar die Figuren auf den Konsolen wurden lebendig. Da stieg ein wirklicher Elf aus der traumumfangenen Lilie, und der neckische Kobold haschte wahrhaftig nach dem leichtbeschwingten, bunten Falter. O, ihr glückseligen Kinderträume! Lächelnd ließ sie die Mutter gewähren. In den großen Sorgenstuhl war sie hinabgesunken und sah voll stiller Freude wehmütig auf die ungebundene Jugendlust. Was für ein Unterschied zwischen diesen kraftstrotzenden Kindern und der bleichen zarten Frau! Die eingefallenen Wangen waren so durchsichtig wie die zarten, blutlosen Finger, und so schlank und leicht war die zierliche Gestalt, daß sie leise, kaum hörbar in dem hellen, lichten Gewand einherschwebte. Aus den gramverzerrten Zügen aber und den in nervöser Unruhe funkelnden Augen war es zu lesen, daß sie viel erduldet hatte im Leben. O, und was alles! Jetzt, da sie die beiden Kleinen in so heiterer Sorglosigkeit vor sich sah, jetzt fiel ihr alles Durchlebte wieder ein. Noch einmal rang sie mit dem furchtbaren Vorhaben, noch einmal ließ sie alles an sich vorübergehen: Ob es nicht doch noch besser werden könnte? Dann aber— mit einer Entschlossenheit, wie man, sie in dieser zarten Gestalt nicht vermutet hätte— wies sie alles zurück, alles! Es mußte geschehen, es war am besten so. Und nun war es Zeit zum Gehen. Die wenigen Habseligkeiten des Reisegepäcks wurden bald zusammengelegt, und dann ging man die Treppen hinunter. Unterwegs jubelten die Kleinen ihr lustiges„Adieu!" noch schnell in die Türen der Nachbarn hinein, unten im Erdgeschoß noch einen letzten Gruß an den Pförtner, und dann kam man auf die Straße und fort ging's zum Bahnhof. Der Bahnsteig bot dasselbe bunte Bild, das die Bahnbeamten jedesmal beim Beginn der großen Ferien zu sehen gewohnt waren: jubelnde Kinder an der sorgsam um sich blickender Mütter, ein Winken, Herzen, Küssen, Abschiednehmen, Kinder, wohin man sah, geputzte und heiter lachende Kinder. Abseits von dem bunten Gewühl stand die junge, bleiche Frau und herzie und küßte iore beiden Lieblinge. Wieder und immer wieder drückte sie die ungeduloig sich straavenden Gesichter an ihr pochendes Herz, bedeckte mit heißen Küssen Wangen, Mund und Stirn der Kleinen und war unermüdlich im Erfinden tausend zartlicher Koseworte. Nun ertönte das Glockenzeichen. Schnell noch einen Kuß und dann hinein! Die Türen wurden zugeworfen — sie waren getrennt. Da erschienen die beiden Köpfchen noch einmal am Fenster. Schnell sprang die bleiche Frau auf das Trittbrett, um noch einen letzten Gruß zu erhaschen— einen letzten. Aber der Schaffner kam hinzu und schob die Frau herunter, denn schon setzte sich der Zug in Bewegung. Unbarmherziger Mann! Und nun wehten die Tücher, die Mützen wurden geschwenkt und aus hundert Kehlen erschallte das letzte Lebewohl. Auch die beiden Kleinen reckten sich in die Höhe und lugten aus dem Fenster, aber vergebens— die Mutter sahen sie nicht mehr, denn sie war in den Wartesaal getreten, um einen Ohnmachtsanfall vorübergehen zu lassen. Aber sie nahm alle ihre Kraft zusammen, und so kam sie auch nach Hause. Und es ging auch wirklich. Sie kam die Treppen ganz allein hinauf und fand auch die Kraft noch, ihre Tür aufzuschließen. Dann aber, als sie im Zimmer war, ringsum auf die alten Möbel blickte und es ihr wieder einfiel, daß sie nun fort waren, die Lieben, fort, fort, für immer! Da sank sie auf dem verblichenen Sofa zusammen. Ihr gegenüber hing der einzige Schmuck des Zimmer, eines Mannes Bildnis, und aus dies richtete sie den Blick, als sie die Augen wieder aufschlug. Es waren männlich ernste, schöne Züge. Das war ihr Mann gewesen, der Vater ihrer beiden Lieblinge. Ach, wenn er noch lebte. Nach seinem Heimgang hatte sie den Kampf mit der Not mutig ausgenommen. Aber nach wenigen Jahren war ihre Kraft erlahmt, ihre Mittel waren erschöpft. Sie wußte keine Rettung mehr, keinen Ausweg, als nur den einen, den sie monatelang überdacht, und zu dem sie sich nun entschlossen hatte. All ihr Bestreben ging nur darauf, wenigstens die Kinder vor dem furchtbaren Kampf ums Dasein zu schützen. Und endlich war ihr dies gelungen. Ein Verwandter ihres Mannes, der keine Kinder hatte und mit seiner lieben Gattin still und zurückgezagen lebte, wollte ihre beiden Kleinen bei sich aufnehmen und sie als eigene Kinder erziehen. Als sie damals den Brief erhalten hatte, atmete sie auf. Zwar mußte sie noch einen entsetzlichen Kampf durchmachen, ehe sie sich dazu entschließen konnte, ihre Kinder wegzugeben. Tage und Nächte hindurch weinte und grämte sie sich heimlich und trug sich immer noch mit Erwägungen und Hoffnungen, aber das Endergebnis all dieser Träume war doch immer und immer wieder nur gewesen: Nein, es geht nicht anders, es geht bei Gott nicht anders!— Und nun waren sie fort, wirklich fort; nun war sie allein, ganz allein. Dem heißen Julitag war ein pratvoller Abend gefolgt. Ein fernes Wetterleuchten hatte die Luft bedeutend abgekühlt, so daß man nun endlich die langersehnte Erholung finden konnte. Die junge Frau hatte einen leichten Mantel umgeworfen, die Tür verschlossen und war dann gegangen. Durch die langen Straßen eilte sie nun, als ob sie von jemand verfolgt würde, weiter, immer weiter. Endlich, endlich hatte sie den Tiergarten erreicht. An den dichtbesetzten Zelten huschte sie vorüber auf den Weg. der nach Schloß Bellevue führ:. Dort war dieser Weg — dor:! Auf einer Bank ließ sie sich nieder. Sie wollte warten, bis es Nacht wurde und die Leute nach Hause gegangen waren. Und lange, lange mußte sie warten, aber jetzt war sie geduldig, nun hatte sie keine Eile mehr. Es war ganz still. Mitternacht mußte längst vorüber sein; da, auf einmal verschwand der Mond hinter einer Wolke— das war günstig. Schnell sprang sie auf und lief behend über den Fahrdamm. Drüben 935