Erscheint täglich nit Ausnahme der Sonn= und gesetzt. Abonnementspreis ### ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage bis de, Zseitigen„Illuktriertem Sonntagsblatt 55 Big. hre Nonat burch die Post bezogen für 3 Monate 1.50 Ml. Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inserate veantwottlich: Biktor Schanzer, Dortmund. tr. 27. verbunden Lokat-Anzeiger für mit dem Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 P Dortmund u. Körde und der täglichen Unterhaltungsbeilage K## sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Dortmund, Mittwoch, den 2. Februar 1910. Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Beilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangswelser Beltreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an destimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann, Dortmund. 27. Erstes Blatt. as Zentrum auf krummen Wegen. Dortmund, 2. Februar. Das Zentrum hat sich immer so angestellt, als enn es der zuverlässigste Freund des Reichstags#rechts auch für die Einzelstaaten sei. Wir haben sen Versicherungen nie so recht getraut. Die Erbrung lehrt, daß wir mit unserem Mißtrauen recht sten. Das Zentrum denkt gar nicht daran, das sichstagswahlrecht auf Preußen zu übertragen, weil nun weil das den preußischen Junkern nicht paßt. er freikonservative Abg. Freiherr v. Zedlitz und ukirch, der immer eine feine Witterung für das k, was sich in Regierungskreisen und im Parlament rbereitet, hat in einem Artikel über die preusche Wahlreform im„Tag“ aus der Schule geplauund verraten, daß geheime Abmachungen zwien Zentrum und Konservativen in der Wahlrechtsge getroffen worden sind. Abg. Frhr. v. Zedlitz #r, wie hervorgehoben sein möge, ein Freund der eimen Wahl ist, führt u. a. im„Tag“ aus: In der Sache selbst bin ich nachgerade zu der festen Ueberzeugung gelangt, daß das Zentrum daffür sorgen wird, keine den Konservativen unannehmbare Aenderung unseres Wahlrechts zustande kommen zu lassen. Da die Konservativen die gecheime Stimmabgabe für unannehmbar erachten, ißt das mit anderen Worten: das Zentrum wird ffür sorgen, daß die Wahlreform unter Beibehaltung der öffentlichen Stimmabgabe oder gar nicht stande kommt. Zu diesem Ziele führen verschiedene Wege. n kann die Frage gleich in der Kommission versumpfen lassen. Etwas Aehnliches scheint erwogen zu werden. Man spricht davon, daß noch weitere tatsächliche Unterlagen als die bekannte Wahlstatistik zu fordern seien, und meint, daß weil die Erfüllung dieser Forderung längere Zeit erfordere, die Session alsbald geschlossen werden würde. Wenn man aber meint, daß diesmal die Wahlreform ad calendas graecas vertagt sei, so dürfe man die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben. Die Regierung kann angesichts der Thronrede von 1908, ohne ihr Anschen auf das schwerste zu gefährden, gar nicht inders, als, wenn die Wahlreform in dieser Sestion nicht mehr unter Dach kommt, damit den Landtag im Herbst wieder zu befassen. Ob unter diesen Umständen gegebenenfalls der Landtag nicht besser zu vertagen als zu schließen sein würde, ist eine Frage für sich. Weiter kann dafür gesorgt werden, daß der Antrag auf Uebergang zur geheimen Wahl von vornherein abgelehnt wird. Bei der knappen Mehrheit für die geheime Wahl genügt hierzu die Abkommandierung weniger Stimmen. Man kann ferner zwar die geheime Wahl in die Vorlage einschalten lassen, dann aber deren Ablehnung im ganzen herbeiführen. Das läßt sich unschwer eresolichen, indem sich ein ausreichend starker Teil des Zentrums als unentwegter Parteigänger des Reichswahlrechts aufspielt und die Parole„alles oder nichts“ ausgibt. Endlich kann man in der Ueberzeugung, daß das Herrenhaus für die geheime Wahl nicht zu haben ist, diesem deren Beseitigung überlassen, die Entscheidung bis zur Rückkehr der geänderten Vorlage an das Abgeordnetenhaus verschieben und sich dann entweder dem Herrenhause fügen oder durch Verhinderung übereinstimmender Beschlüsse beider Häuser die Verabschiedung der Wahlreform unmöglich machen. Welcher Weg gewählt werden wird, ist mit Sicherheit nicht vorherzusehen. Tabei sprechen taktische Rücksichten das entscheidende Wort. Ganzsicher aber erscheint es daß einer dieser Wege, vielleicht mit der einen oder anderen Variante beschritten werden wird. Die konservatio=leritale Entente cordiale bedeutet mithin nichts weniger als die Beseitigung jeder Chance für den Uebergang zur geheimen Wahl bei dem jetzt von der Regierung in Angriff genommenen Reformplane Dem wird zwar zunächst eifrig widersprochen werden, aber der Ausgang wird mir sicher recht geben.“ Wir stimmen dem Berl. Tagebl. zu, wenn es der Ueberzeugung Ausdruck gibt, daß das Zentrum dieses frivole Spiel mit dem wichtigsten Volksrechte spielen wird, aber auch, daß sich Niemand durch die jesuitische Taktik des Zentrums täuschen lassen wird. Das Zentrum hat sich durch seine unauflösbare Verbindung mit der preußischen Junkerpartei als eine volksfeindliche Partei vor aller Welt offenbart und wird die Wahlreform und die Vermehrung der Volks rechte den Junkern zuliebe durch allerlei Schliche verhindern. Toch das Volk wird sich durch schöne Worte und geschickte Verdrehungen nicht wieder über den Löffel barbieren und einigermaßen, wie bei der Finanzreform, besänftigen lassen. Auch die Freis. Ztg. hält die Aeußerungen des Abg. Frhru. v. Zedlitz über die Entente cordiale von Konservativen und Zentrum bei der Wahlrechtsfrage für zutreffend, zumal sie die innere Wahrscheinlichkeit für sich haben, und fügt hinzu:„Es ist längst bekannt, daß das Zentrum seine Anträge auf Einführung des Reichswahlrechts in Preußen nur gestellt hat, um seine Wähler aus der Arbeiterschaft zu beruhigen. In Wirklichkeit denkt aber die Zentrumsfraktion des Abgcordnetenhauses, in der die feudalen Herren noch weit mehr als in der Reichstagsfraktion den Ausschlag geben, nicht daran, mit ihren Forderungen Ernst zu machen. Man kann sicher sein, daß bei den bevorstehenden Wahlrechtsreformdebatten die Zentrumsredner wieder die ergötzlichsten Sprünge machen werden.“ Noch derber und dieutlicher äußert sich die Berl. Volksztg.:„Jede Reform des preußischen Wahlrechts, der die geheime Abstimmung fehlt bedeutet natürlich die bösartigste Karikatur einer Verbesserung des Wahlrechts. Danach ist das volksoerräterische Treiben des Zentrums zu beurteilen. Die gänzliche Verlogenheit des Zentrumswahlspruchs „Für Wahrheit, Freiheit und Recht“ ist niemals drastischer gekennheichnet worden als jetzt. Nur die unreifsten politischen Kinder, nur die ganz Dummen lassen sich durch das fromme Augenverdrehen und die gleißnerische Volksfreundlichkeitsspielerei des ZenDie Kinder des Sträflings. Roman von A. Sinowka. 11 Früher, als ich jünger war, tat ich es, aber jetzt mein Arbeitsgebiet zu weit, als daß ich Zeit daFk Ubrig hätte. Da muß man es gehen lassen, wie E seht. Wenn aber nachher Menschen verunglücken, dann p#id es doch dem Herrn zur Last gelegt.“ Und der Mann Fulzt aus tiefster Brust.. von allen Seiten gibt das Echo gn der wieder. " nan ist indessen in einen anderen Schacht gelangt, es dem eine Anzahl überfrorner Leitern in den tiefsten Fl des Bergwerks führen. Hier arbeiten einige Mängei mit Schafspelzen und mitten unter ihnen steht Gre# und redet eifrig mit ihnen. nisch werde von morgen an den Aufseher vertreten," Est er, als er seines Vaters ansichtig wird.„Ich habe son das Nötige mit den Leuten deswegen verabredet.“ hur uu!“ macht Herr Niszowo verblüfft.„Du.. Du # morgens schon so früh aus den Federn heraus Va, wenn Du erlaubst, Papa,“ erwidert der junge eie 8 Boden sehend, mit einer gewissen Verlegenut zzc habe nämlich eine Büchse Streichhölzer und #2 Pseise im Schacht liegend gefunden und da das ; verboten ist, in den Minen zu rauchen und wieund.„ Unglück dabei geschehen ist, so.. so..“ er stockt krampft nervös die Hände zusammen. anerkennenswert, daß Du das bemerkt hast!“ grug#.in Vater ironisch.„Ich will Dir bei Deinem Unhinen nicht hinderlich sein, aber hast Du auch been leisen Liebe., daß die Toilette hier im Schacht Schakönnte?“ Und mit unverhohlener Verachas urseu### Blick das zierlich gestickte Hemd und prünkende, rotseidene Halstuch des Sohnes. ich Arbasts isch wird sich dazu selbstverständ„Leitskleideranziehen,“ wirft Dorarasch ein. . g iß werde ich das,“ bestätigt der junge „Zu den Mahlzeiten kann ich mich ja unkleien ewor“ munda#. ist plötzlich sehr aufgeräumt sicht i0 lachr ein paarmal ganz unmotiviert, aber temner gewohnten, kurzen Art, sondern heiter, trums noch blenden. Die Wahlrechtsreform ist der letzte und beste Prüfstein dafür, ob man es bei den „Heiligen“ noch mit einem Funken von politischer Ehrlichkeit zu tun hat, oder ob sie sich nicht entblöden, sich als politische Gaukler schlimmsten Kalibers entlarven zu lassen.“ Deutsches Reich. In der antisemitischen Staatsbürgerztg. lesen wir nachstehenden Herzenserguß: Eine Enkelin Albert Traegers, so war kürzlich zu lesen, Fräulein Ada Lewin, hat sich mit dem Oberleutnant Theodor am Ende vom Infanterie=Regiment Keith(1. Oberschiesisches Nr. 22), dem Sohne des Generals am Ende, vermählt.——— Sind diese„distinguierten Kreise,„Honoratioren“ und„Hoffähigen“ nicht schon selbst um ihrer selbst wegen nicht bloß verpflichtet, sondern gradazu gezwungen, dem im Durchschnitt staatsfeindlichen Judentum entgegenzutreten? Kommt der Vollbluthebräer zurzeit auch noch schwer in das Offizierkorps, die Mischlinge besitzen den Freibrief! Welche Versündigung am deutschen Volke und Vaterland! Was heißt und wo bleibt da noch Standesehre, Ritteradel und deutsches Hochgefühl? Das blendende gleißnerische Gold aber demoralisiert!„Mache Geld, wenn du kannst, auf ehrliche Weise, aber Geld mache auf alle Fälle!" Das ist der Wahlspruch des jüdischen Volkes, des semitischen Geistes und Blutes! Das semitische Blut aber überwiegt bei Mischlingen in hohem Maße. Doch nur des schnöden Mammons wegen finden immer häusiger eheliche Verbindungen zwischen hohen und höchsten Offizieren und Jüdinnen statt Ist die JJüdin auch— aus welchen Gründen immer— getauft, der Offizier sollte wissen, daß im Blute die Gefahr für unser Volk liegt! Ein Offizier, der so wenig Verantwortlichkeitsgefühl und so wenig Empfinden seinem Volke und Vaterlande bezeigt, kann keinen hohen Grad von Selbstbewußtsein und Achtung vor seinem Stande haben. Er drückt auch bewußt oder unbewußt die Achtung des Volkes vor dem ehrenfesten Offizinersstand herab. Wohin führst du uns, deutscher Adel? Ehrlicher deutscher Adel, wo bist du??“ Die„Welt am Montag“ bemerkt mit Recht dazu: Welcher Grad sittlichen Tiefstandes gehört dazu irgend ein paar Menschenkinder, die sich gerade gefunden haben, dadurch zu beschmutzen, daß man an den höchst persönlichen Vorgang ihrer Verlobung derart unsaubere Bemerkungen knüpft! Das bringen wahrhaftig nur die Leute fertig, die Deutschtum, Moral und Christentum in Erbpacht genommen haben. Alle andere Menschen müssen sich, wenn sie solches Zeug lesen, die Nase zuhalten und sich iit einem kräftigen„Pfui Teufel" erleichtern. Aenderung der Wahlkreiseinteilung. Aenderungen der Wahlkreiseintetlung sell angeblich die Wahlrehtsvorlage der preußischen Regierung auch bringen. Wie die Magd. Ztg. erfährt, wird die ganze Aenderung hauptsächlich in der Zersplitterung einiger großer Wahlkreise des Westens bestehen.— Also eitel Flickwerk und Stümperei. Fakultative Feuerbestattung in Preußen. Für die sakultative Feuerbestattung in Preußen ist nunmehr, wie aus guter Quelle verlautet, der bekanntlich schon seit längerer Zeit in Vorbereitung befindliche Gesetzentwurf fertiggestellt und er soll noch in dieser Session dem Abgeordnetenhause unterbreitet werden.— Es ist aber auch endlich Zeit.. Das„Celephongeheimnis“. Die Justizkommission des Reichstages beschloß heute die Ausdehnung des Paragr. 153 des Str. G.=B. betreffend Verletzung des Telegraphengeheimnisses aush auf das Telephon. Gouverneur von Schuckmann. Herr von Schuckmann, der Gouverneur von DeutschSüdwestafrika, hat nun Krankheitsurlaub eingereicht. Dieser Urlaub scheint mit seinem baldigen Rücktritt stark zusammen zu hängen. Herr von Schuckmann, der nach altem patriachalischen System alles zu„regieren“ und ordnen glaubt, ist von großem Machtgefühl erfüllt und hat sich in seiner Würde um das Reichskolonialamt weGauverheur-von Schuchmann nig gekümmert. Herr Dernburg hielt dieses System bei seiner letzten Afrikareise für reformbedürftig unt hat nach seiner Rückkehr nach Berlin Remedur geschaffen. Die Antwort darauf scheint das Urlaubsgesuch zu sein. Zuguterletzt hat der kürzlich aus seiner unbekannten Dunkelheit hervorgetretene Bürgermeister von der Lüderitzbucht, Kreplin, viel dazu beigetragen, der Krankheitsurlaub zu beschleunigen. Zur Frage der Schiffahrtsabgaben schreibt das Dresdener Journal, daß die sächsische Regie rung an dem ablehnenden Standpunkte bei den bevorstehenden Beratungen in Berlin festgehalten werde. Das amtliche Blatt fährt dann fort,„Die sächsische Regierung ist hernaich entschlossen, gestützt auf das gute Recht und getragen von der Zustimmung des ganzen Landes, im Bewußtsein des Wertes, der in Frage stehenden wie jeder andere Mensch. Seine gute Laune äußert sich auch darin, daß er Dora ein paar große Erzstücke schenkt. „Betrachten Sie sich die Silberadern darin, Dora Petrowna,“ sagt er.„Wenn Sie das Erz in unseren Hochöfen ausschmelzen lassen, bekommen Sie Silber im Betrag von mindestens dreißig Rubel. Geben Sie es morgen nur gleich im Hochofen ab. Ich lasse das Silber dann wiegen und zahle Ihnen den Wert in barem aus.“ Dreißig Rubel! Solch eine Summe Geldes hat man ihr zum Geschenk gemacht, ganz unerwartet, ohne daß sie einen Gegendienst zu leisten brauchte. Ihr schwindelt es und sie muß an sich halten, um ihren Jubel nicht laut heraus zu schreien. Was ist das nur für eine herrliche Stelle, die sie hier gefunden hat. Hohes Gehalt und noch dazu Geschenke an Kleidern und Geld.. so viel, daß sie ihr Gehalt überhaupt nicht anzugreifen braucht. Wenn das so fortgeht, kehrt sie dereinst mit einem netten, kleinen Vermögen nach Europa zurück. Als Dora aber ihren Dank stammeln will, meint Herr Niegowo scherzend:„Sie müssen sich doch eine Aussteuer zusammensparen, Dora Petrowna. Wir haben hier in der Umgegend ein paar flotte, hübsche Herren, die sich solch ein fremdländisches Täubchen mit dem Goldkrönchen auf dem Kopf gern einfangen werden.“ „Goldkrönchen? Wieso das?“ fragt Dora, um nur ihre Befangenheit zu verbergen. Herr Niegowo aber zeigt lächelnd auf ihre dicken, goldblonden Zöpfe, die, hoch auf dem Scheitel aufgesteckt, tatsächlich einer Krone gleichen. Es ist bereits Abend, als man aus den Minen herauskommt. Ein heftiges Schneegestöber erfüllt die Luft und der Wind, der sich inzwischen noch verstärkt hat, treibt den drei Personen Flocken hart und schwer, wie Eis, ins Gesicht. Dora schauert ein paarmal zusammen und zieht sich ihr Jackett fest um den Oberkörper. „Wenn wir zu Hause sind, müssen Sie sofort ins Bett, Kind,“ sagt Niegowo.„Zuerst die nasse Luft in den Schächten und jetzt dies Wetter.. das ist nichts für eine verzärtelte Europäerin.“ „Ich binnicht verzärtelt," widerspricht das Mädchen. „Einerlei, Sie gehen zu Bett. Das Essen können Sie sich hinaufbringen lassen und wenn die Kinder zu Ihnen kommen, jagen Sie sie einfach fort.“ „Ach nein.“ bittet Dora kläglich.„Wozu das? Was soll mir denn das schaden, wenn die Kinder bei mir sind? Bitte, bitte, lassen Sie die Kinder mit mir essen.“ Er schüttelt verwundert den Kopf.„Meinetwegen mögen sie bei Ihnen sein. Ich dachte doch nur, daß sie Ihnen lästig wären. Lidia mag sie nicht zehn Minuten um sich haben.“ „Aber sie sind mir nicht lästig,“ versicherte Dora eifrig; „sie sind ja so lieb und so artig.“ „Artig? Hm! Es ist ja allerdings richtig, daß sie seit Ihrer Anwesenheit im Hause verändert sind.. viel manierlicher und gehorsamer. Weiß der Himmel, was Sie mit ihnen gemacht haben! Sie sind eine kleine Zauberin, Dora Petrowna.“ Daheim angelangt, begibt sich Dora sofort gehorsam zu Bett. Die Kinder sind glückselig, weil sie oben bei ihr essen dürfen. Es ist ihnen das etwas Neues und erscheint ihnen fast wie ein Fest. Als die junge Bonne mit ihren Zöglingen eben im besten Plaudern ist, geht die Türe auf und Julius stürmt herein, „Tela“. kuft er ihr entgegen,„was sagst Du dazu, daß Fräulein Niegowo die nämliche ist, für die ich den Schlitten mieten mußte? Denk Dir nur...“ „Still doch!“ macht Dora, auf die kleinen Mädchen sehend, die neugierig auf Julius blicken. „Ach Torheit! Die verstehen ja noch fast kein deutsches Wort. Also denk Dir, als ich im Bureau sitze, gleich, nachdem Ihr fort waret, öffnet sich die Türe und sie tritt ein. Ich erkannte sie natürlich im ersten Moment, denn solche Augen gibt's nicht zum zweitenmal auf der Welt. Und nun sagte sie, daß sie von meinem Hiersein wußte, daß sie Dich bereits am Morgen gesehen und daß sie käme, um mich zu bitten, ich möchte ihren Eltern nicht verraten, daß ich ihr schon begegnet wäre. Ich mußte ihr mein Ehrenwort darauf geben. Als ob das nötig gewesen wäre. Ein anständiger Mann verrät doch keine Dame.“ Dora amüsiert sich im stillen über den Bruder, der sich bei den letzten Worten in die Brust geworfen hat und sich offenbar als Ritter ohne Furcht und Tadel fühlt.„Hat sie Dir auch erzählt, wozu sie den Schlitten brauchte?" forscht sie spöttisch. „Sie hat mir gesagt, daß es eine Sache wäre, von der mehr als ihr Leben abhinge und daß ich deswegen kin Mißtrauen gegen sie zu begen brauchte,“ versicherte Julius mit glühendem Eifer.„Das war mir natürlich genug. Uebrigens hätte es auch keiner solchen Versicherung ihrerseits bedurft, denn daß hinter diesen edlen Zügen nur hohe und reine Gedanken wohnen können, sieht man ja.“ „Natürlich!“ macht die Schwester ironisch. Er nimmt ihren Ton jedoch sehr übel.„So hältst Du sie auch jetzt noch für eine Nihilistin?“ fragt er heftig. „Nihilisten sind meist Fanatiker, mein Lieber, und Fanatiker bilden sich bekanntlich oft ein, daß sie nur hohen und reinen Zielen nachstreben.“ „Was Du klug bist!“ unterbricht er sie ärgerlich.„Ich sage Dir, sie ist keine Nihilistin...“ „Habe ich das denn schon behauptet, daß ich sie dafür hielte? Ich bin im Gegenteil fest davon überzeugt, daß sie mit dem Nihilismus nichts zu tun hat.“ „Na also? Was meinst Du denn?“ „Daß Du doch noch recht grün bist und verliebt dazu.“ „Und Du.. Du bist eine.. eine.. „Ueberleg Dir draußen, was ich bin,“ fällt sie ein. „Du siehst doch, wie die Kinder aufmerken, und wenn sie auch nicht verstehen, was wir sprechen, so machen sie sich doch ihre Gedanken über Deine Erregtheit. Geh zum Essen, mein Schatz, da findest Du Deine Lidia mit den hohen und reinen Gedanken und den Augen, die es in der Welt nur einmal gibt. Gehe nur rasch, sie könnte Dich sonst vermissen!" Wütend verläßt sie der Bruder und schlägt hinter sich die Türe zu. Der gute Julius! In seinem Liebesenthustasmus ist er doch noch recht kindisch. Dora weiß eigentlich selbst nicht, warum sie ihn so arg verwöhnt und erzürnt hat. Es tut ihr hinterher fast leid, denn bisher war sie mit dem Bruder stets ein Herz und eine Seele. 176,18 Aber sie kann sich nicht helfen, diese schöne Lidia ist ihr ankipathisch und sie fühlt sich fest überzeugt, daß sie des gutmütigen Julius Ergebenheit für sienoch mißbrauchen wird. Soll sie ihm erzählen, daß sie Lidias Bild in dem Schreibtisch ihres Zimmers gefunden hat, dieses Zimmer, das vordem seinem Vorgänger gehörte? Aber Julius, blind verliebt, wie er es in Fräulein Niegowo ist, würde die Vermutungen, die sie daran knüpft, nicht teilen. LAteressen einen ablehnenden Standpuntt gegenuber der geplanten Einführung von Schiffahrtsabgaben. in bundesfreundlicherweise, aber auch mit aller Entschiedenheit zu vertreten. Die sächsische Regierung ist aber auch erfüllt von dem aufrichtigen wohlberechtigten Vertrauen, daß es dem Reichskanzler im Einvernehmen mit der preußischen und bayerischen Regierung gelinge, zur Vermeidung weiterer Komplikationen einen gangbaren Ausweg aus den bestehenden ernsten Schwierigkeiten vorzuschlagen. Einpeitscherdienste für die Sozialdemokraten m leisten, das betrachten die Führer der Demokratischen Vereinigung als ihre einzige Aufgabe. Schon vor Monaten erklärten diese Herren, nun sei die Zeit gekommen für das Anwachsen der bürgerlichen Demokratie. Aber um die Herren v. Gerlach und Breitscheid wuchs nicht nur nichts an, sondern von den paar Mänueru die in der ersten Begeisterung ihnen gefolgt waren, schlug sich einer nach dem andern seitwärts in die Büsche, Darum verzichteten jene„Demokraten“ von vornherein vorsichtig auf die Aufstellung eigener Reichstagskandidaten obwohl in zwischen Reichstagsersatzwahlen in den verschiedensten Landesteilen und unter den verschiedensten Parteikonstellationen stattgefunden haben. Dagegen wandert Herr Dr. Breitscheid unermüdlich in die Bezirke, in denen die Sozialdemokratie in Frage kommt, und fordert zur Wahl des Sozialdemokraten auf. Das hat er jüngst auch in Eisenach gemacht, und zwar indem er dabei lebhaft gegen den Abgeordneten D. Naumann polemisierte, der kurz vorher in dem Wahlkreis Eisenach=Dermbach zugunsten des Nationalliberalen aufgetreten war. Ob es gerade eine sehr würdige Tätigkeit ist, unter Verzicht auf jede Propagierung der eigenen Ideen den Schlepper für eine andere Partei zu spielen, darüber brauchen wir uns wohl nicht auszusprechen. Rußland. Petersburg, 1. Febr. Eine der größten Schuhwarenfebriken Rußlands hat seitens der englischen Regierung eine sehr große Bestellung auf Schuhwerk für die englische Armee erhalten. Paris, 1. Febr. Ein Telegramm aus Petersburg meldet, daß die Zarenyacht„Standart“ dort eingetroffen sei und instand gesetzt werde, um die Zarin zu einem längeren Aufenthalt nach dem Süden Europas zu bringen. Bulgarten. Sofia, 1. Febr. Die Prosessoren der hiesigen Universität haben an die türkische Regierung ein Schreiben gerichtet, in welchem sie ersuchen, die vom Kriegsgericht in Soloniki zum Tode verurteilten acht Komitatchis zu begnadigen, damit die aufgeregte Bevölkerung in Bulgarien sich wieder beruhigen könne Asien Petersburg, 1. Febr. Aus Charbin wird telegraphiert, daß in Japan z. Zt. eine geheime Teil=Mobilision vor sich gehe. Die mobilisierten Truppen seien nach Charon bestimmt, dem Stabsquartier der Division, bei der in diesen Tagen groze Kasernenbauten zu Ende geführt worden sind. Nanam, der Hauptfestung des nördlichen Korea wird ein ganzes Netz neuer Batterien aufgeführt und die Garnison durch. 3 Infanterie=Regimenter mit 25 Geschützen verstärkt. Amerika. Newyork: 1. Febuarr., Evening Sun berichtet, der Fleischtrust habe seine Agenten heimlich beauftragt, die Fleischpreise weiter in die Höhe zu treiben, da der Trust sich vor seinen Abnehmern nicht zu fürchten brauche. Die Mittel, deren sich der Trust in seinem Kampfe gegen die Bevölkerung bedient, sind Gefrierhäuser, in denen das Freisch, eine lange Zeit hindurch erhalten werden zann und der Trust infolgedessen nicht gezwungen ist, das Flisch zu niedrigen Preisen zu verkaufen. Die bekannte Twift=Gesellschaft bezeichnet die Nachricht da die Preise noch erhöht werden sollen, für lächerlich, Gestern#ichten in Newyork und Chicago Stadtälteste den Vorschlag, das in den Gefrierhäusern aufbewahrte Fleisch amtlich zu stempeln, um zu vermeiden, daß zu altes Fleisch zum Verkauf gelange. Die Londoner Morning=Post berichtet aus Washington: Professor Cainer von der Harvard=Universität, eine Autorität auf dem Gebiete der Nationalökonomie, der die im Jahre 1907 über die Vereinigten Staaten hereingebrochene wirtschaftliche Katastrophe vorausgesagt hatte, erklärt nunmehr, daß die hohen Preise für Nahrungsmittel und der Fleisch=Trust=Boykott nur Verboten eines großen wirtschaftlichen Debacles seien, der in den nächsten 2 Jahren eintreten werde, Professor Carner behauptet mit Bettimmtheit, daß das Jahr 1912 oder 1913 eine der ger als die Nachfrage, sodaß die Vereinigten Staaten bringen werde. Das Angebot für Nahrungsmittel in den Vereinigten Staaten würde langsam aber sicher geringer als die Nachfrage. sdoaß die Vereinigten Staaten vor Ablauf von wenigen Jahren gezwungen sein werden, große Mengen Fleisch und andere Nahrungsmittel zu importieren. Lokales und Provinzielles. Dortmund. 2. Februar. —“ Verein der freisinnigen Volkspartei.— Tonnerstag abends 9 Uhr findet im Reinoldushof eine Sitzung statt. Wir machen die Parreifreunde darauf aufmerksam, und ersuchen um möglichst reichen Besuch, da rege Aussprache über politische und kommunale Angelegenheiten gepflogen werden soll. —* Die nächste Stadtverordneten Sitzung findet Montag, den 7. d. M. abends 6 Uhr statt, Auder den in der vorigen Sitzung zurückgestellten Etats der Armen= und Gemeindewaisenratskasse, des technischen Lehrerinnenseminars und des Archivs, der Bibliothelen und Lesehallen finden wir auf der Tagesordnung folgende Beratungsgegenstände: Antrag Möller, den Magistrat zu ersuchen, eine Nachweisung der in den letzten drei Jahren von der Stadt geführten Prozesse vorzulegen; Antrag des Magistrats, wonach das Wappen der Stadt Dortmund in Zukunft aus schwarzem, rot bewehrten Adler auf sülbernem Grunde bestehen loll: die Verwaltungsordnung für die städtischen Badeanstalten; den Frnalabschluß der Kämmereikasse für 1908: Nachbelvilligung von 17679,14 Mark für den Vieh= und Schlachthof; die anderweite Festsetzung der Fluchtlinien für die Küpfferstraße; die Festsetzung von 5 Meter breiten Vorgärten für die Ringstraße von Märkischestraße bis Kaiser Wilhelm=Allee und für die Ostseite der Parallelstraße zum Kronenburggarten; die Aufstellung von 23 Gasglühlichtlaternen und die Genehmigung der vorliegenden Ortsstatute betr. die Schulpflicht an der städtischen kaufmännischen und gewerblichen Fortbildungsschule. Die Tagesordnung für die geheime Sitzung umfaßt 9 Sachen. —“ Im Bürgerverein der Altstadt sprach Herr Sichting über„Die Notwendigkeit der geheimen Ab stimmung bei den Kommunalwahlen“. Referent hielt den Zeitpunkt, da die Wahlrechtsreform im preußischen Landtage verhandelt werden solle, für geeignet, auch an eine Aenderung des Kommunalwahlrechts heranzutreten. Er ersuhr zwar aus der Versammlung Widerspruch, da es nicht Sache der Bürgervereine sei, sich mit politischen Dingen zu befassen, doch hatte er die Genugtuung, daß die Versammlung schließlich beschloß, an die anderen Bürgervereine heranzutreten, ob sie mit dieser Frage prinzipiell einverstanden seien. Sodann sprach Herr Justizrat Doepner über die Umsatz= und Werlzuwachssteuer. Er verwarf die Umsatzsteuer und trat für deren Beseitigung ein. Ein Ersatz dafür dürfte sich in einer Erhöhung der Wertzuwachssteuer finden lassen Die geplante Erweiterung des Althoffschen Geschäftshauses unter Einziehung der Schwarzen Brüderstraße wurde recht lebhaft diskutiert. — Frennde evangelischer Freiheit. In der Hauptversammlung der Ortsgruppe Tortmund der Freunde evangelischer Freiheit wurde die Anregung gegeben, auf der Verbands=Hauptversammlung zu Köln dahin zu wirken, daß sich die Verbände bei Eingrissen in die Gemeinderechte zu gemeinsamem Vorgehen vereinigen möchten. Pfarrer Traub konnte mitteilen, daß hierin bereits wesentliche Schrikte getan worden seien. An dem vom 6. bis 9. August stattfindenden Weltkongreß für freies Christentum zu Berlin wird sich auch der Verband der Freunde evangelischer Freiheit betätigen. Einen Tag vor dem Beginn des Kongresses werden etwa 120 amerikanische Vertretei als Gäste des Verbandes nach Köln kommen. Es erfolgt eine Rheinfahrt und eine Besichtigung der Lutherstädte. — Vortrag. Herr Eugen Schulte hält den nächsten der von der freistudentischen Ortsgruppe Dortmund veranstalteten Vorträge Donnerstag Abend Leinviertel Uhr in der Speisehalle des Stahlwerks Hresch über die Hauptstadt des englischen Reiches London. Ter Vortragende, der sich mehrere Jahre in London aufgehalten hat, wird eine Reihe von Lichtbilder zeigen. Der Eintritt ist wie immer nur 10 Pfennig. — Das Löwendenkmal ist versetzt worden. Es ist vom Königswall nach dem Hohenwall gebracht worden. — Die Krankenkasse der Beamten und Angestellten der Stadt Dortmund hiest gestern Abend eine Versammlung ab, um sich über die Fortexistenz der Kasse schlüssig zu machen. Der Vorstand beantragte zu beschließen, daß vom 1. April 1910 ab die Beiträge für jedes männliche und weibliche Mitglied auf 13,50 Mark und für jedes Kind auf 3 Mark unter der Voraussetzung erhöht werden, daß die Stadt für die Mitglieder mit einem Eintommen bis 2500 Mk.(eventl. bis 2000 Mk.) ein Tritter der Beiträge zahlt. Falls die Stadt die Uebernahme dieses Trittels ablehnen sollte, so wird die Kasse aufgelöst. Diesem Antrage trat die Versammlung bei. —* Aus dem Sommerfahrplan. Die Eisenbahnverbindungen auf der Strecke Berlin—Hannover—Köln beabsichtigt die preußische Eisenbahnverwaltung im kommenden Sommerfahrplan noch weiter außer den von uns schon angekündigten neuen Tageszügen Berlin— Köln—Paris zu verbessern. Neben dieen neuen DZügen mit Gabelung und Anschlüsen werden zwei neue Eilzüge auf der Strecke eingelegt. Von Köln geht jetzt morgens 9 Uhr ein Eilzug ohne Zuschlag über Essen bis Hamm, wo er 11,42 Uhr eintrifft, um nach Münster weiter geführt zu werden. 9,09 fährt von Köln ein Eilzug über Elberfeld nach Hamm, wo er 11,46 Uhr eintrifft. Die beiden vereinigten Züge aus Köln über Essen und Elberfeld sollen vom 1. Mai an von Hamm bis Hannover durchgeführt werden. Er trifft dort 2,20 Uhr nachmittags ein. In umgekehrter Richtung wird der neue Eilzug am Abend eingelegt. Der neue Zug geht von Hannover 9,20 Uhr abends nach Dortmund, wo er 12,42 Uhr nachts eintrifft. Es ist auch in Erwägung gezogen, den neuen Eilzug bis Essen durchzufühern. — Bezirksausschuß. Gestern standen vor dem Bezirksausschuß Arnsberg zwei Termine in Verwaltungsstreitsachen aus dem Stadtbezirk Dortmund an Es klagten in der Berufungsinstanz 1. der Kalkulatorassistent Klemens Oelmann von hier auf Erteilung der behördlichen Genehmgiung zum unbeschränkten Betriebe der Gastwirtschaft in einem an der Ecke der Wambelerstraße und der Straße im Späenfelde, 2. der Destillateur Franz Schulte von hier auf Gewährung der unbeschränkten Schankwirtschaft in seinem Hause Hohestraße 56. Beide waren bereits von dem hiesigen Stadtausschuß mit den gleichen Anträgen abgewiesen und hatten damit im gestrigen Termine ebensowenig Glück; der Bezirksausschuß erkannte wiederum auf Klageabweisung unter Auferlegung der Kosten beider Instanzen. —“ Der Verband der Verkehrsvereine Westsa lens u. G. Vorort Tortmund, hält am 5. Februar 1910 im Hotel„Lindenhof" in Tortmund wiederum eine Vorstandssitzung ab. Der Sitzung liegt eine umfangreiche Tagesordnung zu Grunde. An Eisenbahnverbindungen stehen die direkte Linie TortmundMünster, die Nachtverbindung von Unna nach Letmathe durch Zusammenlegung der Züge 1336, 1316 und 1330 und die Abendverbindung von Steele, Blankenstein nach Hagen zur Beratung. Außerdem beabsichtigt der Verband, weil der Bund Deutscher Verkehrsvereine eine praktische und zwickmäßige Arbeit nicht leistet, durch die Zusammenarbeit der benachbarten Verkehrsverbände von Rheinland, Hannover und Provinz Sachsen eine Organisation zu schaffen, durch welche die Arbeiten, die wegen ihrer Wichtigkeitund allgemeinen Bedeutung das Gebiet einer Provinz überschreiten, zweckmäßiger und mit Nachdruck vertreten werden können. Auch die Vorbereitungen zum 2. ordentlichen Verbandstage sind zu treffen. Daß die Arbeiten des Verbandes Anerkennung finden, sieht man daraus daß der Vorstand in der Lage ist, fast in jeder Sitzungneue Mitglieder aufzunehmen. Hoffentlich entschließen sich die dem Verband zur Zeit noch fernstehenden Verkehrsvereine der Städte, Aemter, Kreise und sonstigen Korporationen baldigst, ihren Beitritt zu erklären, damit hierdurch der Verband in die Lage kommt, den an ihn in immer größerem Umfang herautretenden Forderungen gerecht werden zu können. — Dortmunder Musikverein. Ueber die Altistin Frl. Else Schünemann aus Berlin, die im 3. Konzert des Tortmunder Musikvereins am 15. Fehr. die Alt=Soli in der„Hohen Messe“ von J. S. Bach ausführt, wird aus München berichtet:„Die hier bestens bekannte Altistin Frl. Schünemann bewies auch dieser Tage wieder in ihrem Liederabend, daß sie in ihrem Fache wirklich zu den Auserwählten gehört. Tiefempfunden brachte sie mit ihrer ausdrucksvollen, glänzend geschulten Stimme ihre Liedergaben zu Gehör.... So vermag nur ein große, ernste Künstlernatur zu gestalten, denn sie ist eben eine wirklich Altistin im wahrsten Sinne des Wortes.“ —“ Königlich Preußische Klassenlotterie.— Die Erneuerungsfrist der Lose zur zweiten Klasse 222. Lotterie schließt am Montag, 7. Fedruar, abends 8 Uhr. Die Spieler, die die Unbequemlichkeiten des starken Andranges zu den Kassen am letzten Erneuerungstage vermeiden wollen, tun gut, wenn sie ihre Lose bereits im Laufe dieser Woche umtauschen. — Was bezweckt die Auskunstsstelle si Frauenbernse? Ja, wenn wir nur gewußt hätten, daß der Beruf so überfüllt ist,— aber woher soll man denn auch wissen, welche Schulen gut sind— nun ist unsere Tochter schon eineinhalb Jahre in der Lehre und noch immer macht sie dieselben mechanischen Arbeiten, Litze annähen, Nähte bestecken, Aermel einsetzen, usw.; wenn das soweiter geht, dann wird sie sicherlich nicht mehr lernen ein ganzes Kleid zu machen, in einem halben Jahre ist die Lehre schon zu Ende und was dann?— So und ähnlich hört man die Eltern oft reden. Die Berufsbildung von Mädchen ist eben immer noch etwas neues, die Unsicherheit daher groß. Darunter hat die heranwachsende Jugend naturgemäß am meisten zu leiden. Ungelernte oder halbgesernte Arbeit gibt keinem Menschen Befriedigung. Wollen wir arbeitsfreudige und somit lebensfrohe Menschen erziehen, dann müssen wir auch dafür sorgen, daß sie Tüchtiges lernen, gleichviel, welchen Beruf sie ergreisen, ob sie Hausangestellte werden, oder irgend einen außerhäuslichen Erwerbsberuf wählen. Die Frauenvereine haben längst die Unsicherheit erkannt, die sich der Eltern in Bezug auf die Ausbildung ihrer Töchter bemächtigt und in vielen Städten Auskunftsstellen geschafsen, die hier beratend und vermittelnd eintreten sollen. Auch in unserer Stadt ist eine solche Auskunftsstelle von den vereinigten Frauenvereinen auf interkonfessioeller Basis ins Leben gerufen.— Junge Mädchen, die einen Beruf ergreifen wollen, oder deren Eltern wird kostenlos Auskunft erteilt über vorhandene Ausbildungsmöglichkeiten für alle sogenannten Frauenberufe und über die späteren Aussichten, die die verschiedenen Berufe den jungen Mädchen bieten. Außerdem gibt die Auskunftsstelle Anleitung zum Abschluß von Lehrkontrakten usw. Die Auskunftsstelle befindet sich Schwanenwall 5 pt. Sprechstunden täglich von 11—3 Uhr außer Sonntags. —“ Die Hochwasserkatastrophe in Paris. über welche in den letzten Tagen so betrübende Nachrichten in die Welt drangen, wird jetzt naturgetreu im Elite= Theater am Westenhellweg dem Publikum vorgeführt. Aber auch das übrige Programm des Elite=Theaters erbringt den Beweis für die vorzügliche Leitung des Theaters. Neben außerordentlich interessanten und belehrenden Naturaufnahmen wie Neu=Süd=Wales und Der Lunapark in Paris enthält das Programm mehrere gradezu zwergfellerschütternde Humoresken wie z. B.„Pneumatik Micheltn“„Der kurzsichtige Jäger". Die Tonbilder„Opiumrausch“. „Die kleinen Krabben“ und„Ara Zebra, Vora" bieten einen schönen musikalischen Genuß wegen der Reinheit der Starkstrommaschine der Präzision in der Vorführung. In der kurzen Zeit hat das Theater es zu Stande gebracht, die besten Kreise der Stadt für das Kino zu interessieren; besonders ist die elegante Damenwelt in den Nachmittagsstunden sehr stark vertreten. Brackel, 2. Februar. Der wegen Unterschlagung flüchtige Postschaffner Dreischer bat sich in Hamburg der Polizei gestellt. Dr. war früher Schutztruppler. Er hat 130 Mk. unterschlagen. Annen, 1. Febr. Hier wurde dem Lehrhauer Volmer durch herabfallende Steine der Kopf vollständig gespalten,, so daß der Tod sofort eintrat. Münster, 1. Febr. Der Stallschweizer Jonkmann, ein Holländer, hatte in der Nacht zum 12. Januar das Dienstmädchen Ammermann aus Rache erschossen und seinem früheren Dienstherrn, dem Gutspächter Grobe=Kleimann zu Lütkenbeck, lebensgefährliche Schußwunden am Kopfe beigebracht. Kleimann ist gestern nach dreiwöchentlichem Krankenlager im hiesigen Klemenshospital seinen Verletzungen erlegen. Bielefeld, 1. Febr. In der Nähe von Eißen stürzte der Arbeiter Wilhelm Kirchhoff aus einem in voller Fahrt befindlichen Personenzuge. Der Mann brach das Genick und war sofort tot. Elberfeld, 1. Febr. Gestern vormittag erlitt der Schulrat Schirlitz bei Erteilung des Unterrichts im Lyceum, dessen Leiter er war, einen Schlaganfall, der seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Der Verstorbene war eine Autorität auf dem Gebiete des Schulwesens. Solingen, 1. Febr. Großfeuer zerstörte die große Bandfabrik von Eduard Johann in Höhrath. Der Schaden ist erheblich, zahlreiche Arbeiter sind beschäftigungslos geworden. Oberhausen, 1. Febr. In Sterkrade ermordeten zwei holländische Arbeiter den holländischen Bergmann Rokz, Vater von neun Kindern. Der Mörder wurde verhaftet. Homberg, 1. Febr. An dem mit keiner Schranke versehenen Bahnübergang der Zechenbahn von „Rheinpreußen" bei Homberg wurde ein Lastfuhrwerk von einem Güterzuge überfahren. Die vor den Wagen gespannten Pferde wurden auf der Stelle getötet. Der Bahnwärter geriet unter den Lastwagen und trug schwere Verletzungen davon. Köln, 2. Febr. Genstern Abend beging der Reichsbankdirektor Schmidt, bei dem sich seit einiger Zeit Spuren von Schwermut zeigten, Selbstmord durch Erhängen. Trier, 1. Jan. Der katholische Geistliche Laur in Medernach, der sich seit vielen Jahren an Kommunikantinnen in keiner Wohnung vergangem hatte, wurde verhaftet. Vermischtes. Budavest, 81. Januar.. In Sabar ermordete der Gastwirt Josef Mirtau seine 79 jährige Grohmutter weil sie ohne seine Erlaubnis ein Glas Schnaus gmommen hatte. Der Unmensch legte sich nach vollbrag Mord runig zu Bette und schlief, wie mit gutem Geinez. bis ihn die Gendarmen holten. London, 31. Januar.. Die seit einigen Tagen# den nördlichen Grasschaften Englands hereschentg S4.) stürme sind die schwersten seit Menschengeoenken Eisenbahnrerkehr ist zum größten Teile unterbrag. Vale Städte und Dörfer sind von der Welt vö n### „„*.0 a geschnitten, sogar von den telegraphischen V gen. Auf den Landstraßen liegt der Schnee 10 bis### Fus hoch. Infolge der schweren Regengüsse der latzTage ist die Themse in der Nähe von London un Fuß gestiegen. Am schlimmsten scheinen die St der letzten Tage an der Ostküste Irlands gewütet zu 1. ben. Der Blizzard an der irischen Ostküste war de schlimmste seit dem großen Schneesturm während z. deutsch=französischen Krieges. In Seaport ist der Seedamm durchbrochen. Ungeheure Flutwellen chen in die Stadt. Die Bewohner sind von jedem 3. kehr untereinander abgeschlossen. Ebenso trat Manaan Lebensmitteln ein. Letzte Telegramme. Eine japanische Sondergesandtschaft am Kaiserhose. Berlin, 1. Febr. Heute früh ist in Berlin ein apanische Sondergesandtschaft unter rung des von seiner Gemahlin Tokugawa(einer Tochte des letzten Shoguns) begleiteten Prinzen Hiroyal Fuschimi eingetroffen. Sie überreichte dem Kaiser, paar und dem Kronprinzenpaar Geschenke ihm Souveräns, die u. a. in kostbaren Vasen und japanischer Eandschirmen bestehen. Der Prinz und seine Gemahli werden auch der kaiserlichen Einladung zum Hofball an L. Februar Folge leisten und gedenken bis zum 9. d. M. in Berlin zu bleiben. Dem Prinzen Fuschimi wurde das Croßzkreuz des Roten Adlerordens mit der Kette v#r liehen. Die Erkrankung des Reichstagspräsidenten. Berlin. 1. Febr. In dem Befinden des Reich. tagspräsidenten Grafen Stolberg ist erneut ein Verschlimmerung eingetreten. Zu der doppelseitigen Lungenentzündung hat sich eine bedenklich Herzschwäche eingestellt. Der Militäretat in der Budgetkommission. Berlin, 1. Febr. In der Budgetkommission des Reichstags fragte heute ein Ausschußmitglied nach der Resultaten der Prüfungen auf dem Gebiete der Avialik Die Frage sei bedeutungsvoll wegen der geringen Kosten der Flugmaschinen gegenüber den Luftschifsen. Oberst Wandel erkennt die weseinlichen Fortschritte de Luftschiffahrt an. Die verschiedenen Systeme er gänzten sich. Unter günstigen Verhältnissen seien gun Erfolge zu erwarten. Vollkommen sei kein System Alle seien von der Windstärke abhängig. Jede Ueber. schätzung sei zu vermeiden. Der Militärluftschiffbau habe neuerdings gute Fortschritte gemacht. Eine Lustschifflotte solle nicht gebaut werden. Die Flugmaschiner hätten bis jetzt den Fehler, daß sie nicht langsam fahren könnten. Auch habe die Mitführung einer zweiten Person auf Entfernungen und in Höhen, die militärisch von Wert sind, noch nicht stattgefunden. Aus dem Ausschuß wurde es als beschämend bezeichnet, daß die Antriebsmaschinen aus dem Ausland bezogen werden müßten. Demgegenüber sprach Oberst Wandel der deutschen Industrie hohe Anerkennung aus. Ihre fortwährenden Fortschritte würden eine baldige gänzliche Unabhängigkett vom Ausland ermöglichen. Der Berichterstatter emdfahl im übrigen die Annahme der Regierungsforderung. Suppen Flx und fertig— 3 Teuer 10 Pfg knorr-Sos würzt sames Suppen, Saucen, Gemuse, Jede Fleischspeisen etc Umschlag Standilss gilt als Gutschein. erthält 1 Gutscicn Ehrensache! 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Kriegsvorbereitu ien mit größtem Eiser #wiet=Pascha steht seit W raphischen Verkehr mit sischen Armeekorps. Bei arischen Grenze ist alles mt. alle Grenzgarnisone kirkt. Wie verlautet, en seinerseits eine T Paris, 1. Febr. Den a und Konstantinopel g „Echo de Paris“ aus a Ele die Beziehungen zwi Türkei als befried Mobilisierung der türkisch gen Griechenlaub zenland herrschende An kei vor Ueberraschungen London, 1. Febr. De die österreichische Regie Apveumassen an enze zusammenziehe. ierung habe Kenntnis d Un und Montenegre blija=Distrikt beabsichtigte edessen auf alle Fälle vor Wien, 1. Febr. De ichnet alle Meldungen au sichen Truppenver nze des Sandschaks Ro den. sofia, 1. Febr. Mit vischen der Türkei un bestehe. Die Oeffent ers wegen der letzten Die Nervosität wird hen Vorbereitungen# Konstantinopel, 1. Angünstige Nachrichten ter Schefket Pascha un besuchten gestern gem er Ismail Kemal, der n Komitee geflohen war Parlamentssitz wied ng mehrfach scharf anges diesem Besuche große Schweres Gruben: 150 Ber keuyork, 1. Fe do) berichtet wird, pen der Colorados Explosion v mehrals 10 Zeitere Meldungen lewyork, 1. Bergwerk der FuDie Grube pen und Kinder m efahr entstand, Die erste Rettu nger Arbeit unter #ngen der Explos Leichen waren alle 150 Ber mnfolge der Explo vorgefun zwei Jahren in Tote. Vergwerken der verunglückten B #h 15 als Lei vuß von den Slawen und enist. Fenyork, 1. en von den in Iron Compai schterstickt nscheinlich gest . Zur Se feststeht, 149 Kondon, 2. sind and Iron C ausbeförd nenen befinder dd vollbrachten Geptg ch gedenken.#. unterbret Bel. 4 en mee 10 bis u. er bh London un n die Stüg gewütet zu h. üste war d. während I— ort ist geien Flutwellen in von jedem Betrat Mangg Kaiserhose 1 Berlin ein ft unter Fü (einer Tochtg izen Hiroyas dem Kaiser Geschenke ihrt und japanischer seine Gemahlt um Hofball an S zum 9. d. M. schimi wurde t der Kette ver isidenten. en des Reich. t erneut ein u der doppel. ne bedenklich imission. ommission des tglied nach der ete der Aviatik der geringen en Luftschifsen. Fortschritte de Systeme er issen seien gute kein System " J e d e U e b e r. tärluftschiffbau cht. Eine Lust Flugmaschiner langsam fahren einer zweiten die militärisch Aus dem Ausnet, daß die sezogen werden t Wandel der us. Ihre fortildige gänzliche chen. Der BeAnnahme der ISe, erchalt: Gutschem en mit zahlung das neue Kaligesetz. Feu. Der Bundcsrat hat heute a den nach den Wünschen süddeutscher Eierungen abgeänderten preuzischen Kaligesen: #ursangensmmen Sozialdemokratische Protestversammlungen. .2 9 Kebr. Lum Protest gegen d I#des Abgeordneten v. Oldenbur di: Sozi al demekrate s. genern abend ersammlungen ab, daß die Lokale vorzeitig die 9 in die Aldsen, Bettoverl Die Bähale Port beizdan mußten. In allen Versammlungen 'r scharfen Worten gehaltene Resolution pe eine iv giachf den Versommlungen kam es zu hn Zusammenstoß mit der Polizei, die zahlreiche kerungen vornahm. Aus Meiningen. hera. 1. Febr. Die Meininger .gierung lehnte die im Finanzausschuß Besteuerung des sammens des Herzogs, sowie die Besteuedes herzoglichen Domänenvermögens ab. Aus dem russischen Angiasstall. erersburg, 2. Febr. Eine vom Wegebauster Ruchlow nach Kiew entsandte Kommission zur suchung der Mißbräuche und Bestechungen bei den estbahnen machte dem Minister Mitteilung von Betrügereien, die bei der Kasanbahn aufgedeckt en sind. Kryschanowsky, der Chef der Abnahme Lieferungen, ist sofort seiner Stellung enthoben n. 26 Fischer ertrunken. madr id, 2. Febr. Wie jetzt festgestellt, sind ige infolge der letzten Stürme insgesamt 26 Fiertrunken. Türkisch=bulgarische Kriegsrüstungen? Konstantinovel, 1. Febr. Die Pforte setzt eriegsvorbereitungen, gegen Bul#ien mit größtem Eiser fort. Der Kriegsminister #wiet=Pascha steht seit Wochen Tag und Nacht im raphischen Verkehr mit allen europäischen und tischen Armeekorps. Bei Mustapha=Pascha an der arischen Grenze ist alles in Verteidigungszustand v. Alle Grenzgarnisonen sind auf das Fünffache krkt. Wie verlautet, mobilisiert Bulien seinerseits eine Tundscha=Division. aris, 1. Febr. Den Alarmnachrichten aus und Konstantinopel gegenüber stellt eine Notiz „Echo de Paris“ aus angeblich gutunterrichteter llie die Beziehungen zwischen Bulgarien und Türkei als befriedigend dar. Man sähe Mobilisierung der türkischen Reserven in Sofia als en Griechenland gerichter an, da die in senland herrschende Anarchie die Besorgnis der sei vor Ueberraschungen als berechtigt erscheinen en. ondon, 1. Febr. Der„Standard“ will wissen, die österreichische Regierung von neuem große prenmassen an der türkischen enze zusammenziehe. Es heißt, die österreichische lerung habe Kenntnis davon erlangt, daß Sern und Montenearo einen Angriff auf den lija=Distrikt beabsichtigten. Oesterreich glaube indessen auf alle Fälle vorbereitet sein zu müssen. Lien, 1. Febr. Das Reichskriegsministerium alle Meldungen auswärtiger Blätter von ansichen Truppenverschiebungen an der nze des Sandschaks Novibazar für völlig erden. sofia: 1. Febr. Ministerielle Kreise geben zu, vischen der Türkei und Bulgarien eine„Abkühlbestehe. Die Oeffentlichkeit ist ungehalten, bers wegen der letzten Saloniker KriegsgerichtsurDie Nervosität wird durch die türkischen milihen Vorbereitungen vermehrt. konstantinovel, 1. Febr. Auf der Pforte traIngünstige Nachrichten aus Albanien ein. Kriegster Schesket Pascha und Kammerpräsident Achmed besuchten gestern gemeinschaftlich den Albanesener Ismail Kemal, der nach der Aprilrevolution vor Komitee geslohen war, aber seit einigen Wochen Parlamentssitz wieder einnimmt. und die Renig mehrfach scharf angegriffen hat. Politische Kreise diesem Besuche große Bedeutung bei. Schweres Grubenunglück in Amerika. 150 Bergleute verschüttet. feuhork, 1. Febr. Wie aus Primero(Kodo) berichtet wird, sind gestern abend in den Bergen der Colorado Fuel and Iron Company infolge Explosion viele Bergleute getötet mehr als 100 verschüttet worden. eitere Meldungen über die Katastrophe besagen: lewnork, 1. Febr. Zu den Katastrophe auf erhwerk der Fuel and Iron Company wird noch !: Die Grube wurde jetzt abgesperrt, da die und Kinder mit einer solchen Hast vordrangen, Fahr entstand, sie würden in die Einfahrt stürerste Rettungsmannschaft, welche nach eine Arbeit unter Tage zurückkehrte, erklärte, die igen der Explosion seien entsetzlich. Die gefunLeichen waren schwer verstümmelt. Wahrscheinnd alle 150 Bergleute tot. Drei Personen wursbige der Explosion an der Einfahrt in Atome # vorgefunden. Bei einer Explosion, die 5% Jahren in derselben Grube stattsand, gab Tote. a#2##k, 1. Febr. Von den bei der Explosion Hergwerken der Colorado Fuel and Iron Com#.=ckunglückten Bergleuten waren bis heute I.1 als Leichen gevorgen. Man be“# e von den noch üver hundert Verschütteten, 4pen und Ungarn, keiner mehr am enist. 99rk, 1. Febr. Bis heute mittag #### don den in den Bergwerken der Colorado Fuel 2 on eompany Verschütteten 79 im Luftmichenng.“ gusgefunden, wohin sie sich #ilich geflüchtet hatten, um dem Tode zu entseistett. 140#.. 4#####e waren, wie #stg me Fevr. Nach einem Telegramm aus #" end aus dem Bergwerke der Colorado us bessedert n. 451er st Beig benen Lesr.. worden Unter von um enen befinden sich auch Deutsche. Sammlungen für die Ueberschwemmten in Paris. London, 2. Febr. Die Sammlung des Lordmayors von London erreichte gestern 650000 Fr. Der französische Botschafter richtete ein Dankschreiben an den Lordmayor für seine Unterstützung.— Die französische Kolonie in Rio de Janeiro spendete 40 000 Fr. als ersten Teil einer öffentlichen Sammlung, welche von der französischen Kolonie in Rio de Janeiro eingeleitet worden ist. Belarad, 1. Febr. Die Skupschtina hat für die Opser der Hochwasserkatastrophe in Paris die Summe von 30000 Franken bewilligt. Arbeiterbewegung. London, 3. Febr. Am heutigen Tage eröffnet das neue Arbeitsaustausch=Departement des Handelsamtes seine Tätigkeit. Der Zweck des Departements ist, die Stockungen im Arbeitsmarkt, die sich unabhängig von der allgemeinen Konjunktur durch schlechte Organisation des Wirtschaftslebens einstellen, zu beseitigen und Arbeiter, an Stellen, wo Nachfrage besteht, hinzustellen. Wilhelmshafen, 1. Febr. Wegen Arbeitsmangel wurden 100 Personen vom Schifjsbauressort der Reichswerft gekündigt. Fredenbaum. An dem offiziellen Kaiseressen am„Fredenbaum“, nahmen, wie bereits mitgeteilt, rund 1000 Personen teil. Eine Zahl, die bis jetzt noch nicht übertroffen worden ist. Die 1000 Gäste schlugen alle eine gute Klinge und da das Mahl so vorzüglich mundete, so konnte es nicht ausbleiben, daß die gewaltigen Vorräte aus Küche und Keller des Herrn Windheuser so ziemlich bis auf den letzten Rest verzehrt wurden. Nun wird es unsere Leser interessieren, was alles an eßbarem Material notwendig ist, um tausend festlich gestimmte aber immerhin auch hungrige Tischgenossen zu befriedigen. Und nun höre man: zunächst waren 820 Pfd. Ochsenbrust erforderlich, geliefert von den Metzgermeistern Lindner, Pörtner und Schmalenberg. Nicht weniger als 30 blühende Ochsen mußten ihr Leben lassen um dieses Quantum an delikatem Brustfleisch zu gewinnen. Der in dem seinsten Burgunder servierte Schinken umfaßte 55 Stück allerbeste Ware, geliefert von der Ravensberger Fleischwarenfabrik Pfensig, Steiber und Niewels in Oeynhausen. Dazu kamen drei Zentner wohlschmeckende Mettwürstchen von der Firma Lindner. Von Brüssel waren ferner 160 Masthühner bezogen, von denen nicht ein Beinchen übrig blieb. Das ist die Musterkarte der verschiedenen Fleischsorten. Jetzt kommen wir zu etwas Anderem. Daß nicht weniger als dreieinhalb Zentner Sauerkraut und zehn Zentner Kartoffeln auf den„Tisch des Hauses“ gebracht wurden, werden unsere Leser nicht bestreiten wollen. Hierzu kommen ferner 500 Köpfe Salat, 150 Stangen Meerrettich, 2 Tonnen Gurken. Außerdem ging den Weg allen Fleisches zwei Zentner Obst als Dessert. 20 Büchsen Kompot, 1 Zentner Butter, 90 Pfund Käse, 1800 Brötchen und 120 der schönsten Torten aus der eigenen Konditorei des„Fredenbaum“. Das genügt gewiß! Um alle diese Herrlichkeiten den Gästen pünitlich vor Augen zu führen, war naturgemäß ein umfangreicher Apparat erforderlich. Neunzig vom hiesigen städtischen Arbeitsnachweis gestellte Kellner hatten diese gewiß nicht leichte Aufgabe zu erfüllen, aber jeder hat seine Schuldigkeit getan. Und nun werfen wir noch einen Blick in die Küche. Dort hantierten zehn Köche, fünf Köchinnen und etwa 40 Hilfskräfte, und zwar nicht allein während des Festmahles, sondern schon Tage vorher, um die nötigen Vorbereitungen zu trefsen. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß insgesamt 3000 Flaschen Wein und etwa 500 Flaschen Sekt getrunken wudern. Dazu kamen einige Tonnen helles und dunkles Klosterbräu, das zu dem Sauerkraut gereicht wurde und als eine ganz willkommene„Oase“ inmitten des wogenden Wein=Meeres erwies. Alles in allem können wir nur sagen— und jeder Teilnehmer am Kaiseressen wird uns darin beipflichten— daß der neue Fredenbaumwirt mit diesem offiziellen Festmahle den Beweis geliefert hat, daß er die passende Persönlichkeit ist, um einem so anspruchsvollen und vielseitigen Lokal, wie es der„Fredenbaum“ ist, mit Geschick und Uebersicht vorzustehen. Bemerkt sei noch, daß der„Fredenbaum“ unter der Leitung des Herrn Windheuser mannigfaltige Neuerungen und Verbesserungen erfahren hat, die jeden Gast beim Betreten der Räumlichkeiten angenehm ins Auge fallen. ET AEE Diegrösste Kundenzahl Die grösste Auswahl! Die belligsten Preise! 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Geleitet von ernster Auffassung seiner ehrenamtlichen Berufspflichten, hat er sein bestes Wollen und Können bereitwillig in den Dienst unseres Gemeinwesens gestellt. Eine langjährige eingehende Kenntnis der örtlichen Verhältnisse und reiche Lebenserfahrungen befähigten ihn zur nutzbringenden Mitarbeit an den mannigfaltigen Aufgaben der Stadtverwaltung. In dem Entschlafenen ist ein Mann von echtem Bürgersinn und lauterem Charakter heimgegangen, dem wir allezeit ein treues ehrendes Andenken bewahren werden. Dortmund, den 31. Januar 1910. Der Magistrat. Die Stadtverordneten-Versammlung. Schmieding. Tewaag. 223 Beim Einkauf eines modernen Waschmittels überzeugen Sie sich davon, dass man Ihnen das Richtige für die Wäsche gibt: Krumrach Ges. geseh. #nisse Frauen Bei Regelstörung oder Stockung ist mein Menstruat. Pulver Japanol von sicherer Witlung. Gesetzlich frei! Unschädlich! Garantieschein in jeder Sendung. Preis bei Voreinsendung nur 5 Mark. Nachnahme 55 Pf. mehr. el Güniher. 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Kämpf(freif trag rechtfertigt sich 6 Behandlung der Ang materielle Resultat, d Reihe von Industriez mntiäuscht worden. händler mußten mit retten sei, in die Vei Position war daher günstige. Nicht die llagen, sondern unser Durch den Vertrag u unsere Industrie die die Zollsätze auf lang Erwägungen heraus, in ihrer überwiegend men.(Bravo! links. Spiegelglatte Eisbahn. Ro „Sie crowona, „Wenn E ten.“ Dora woelchem gegen sie darüber: hat, ihr Niegowo und schin chen um erwartet. Herr ten Röcker meint er. gen an. teus, pas den Befe begibt sich ihr ein Bi der Dier den Spiliebster h engegen. Jacke pa tenstiefel Händen! auf dem nach ob 73 zusam A schein daß ist n un Mittwoch, — Nr. 27. " 27. Jahrgang. Zweites Blatt. Deutscher Berlin, 1. Februar. Haus und Tribüne sind stark besetzt. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Beschlußfassung über den Einspruch des Abg. Ledebour n den ihm am Sonnabend von dem Vizeprästdenten Erbprinz Hohenlohe erteilten Ordnungsruf. Debattelos wird der Einspruch gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, der Freisinnigen und den Polen verworfen. Es folgt die zweite Lesung des Handelsvertrages mit Portugal. Der Berichterstatter Abg. Hormann beantragt namens der Kommislkon Ablehnung des Vertrages und erstattet ausführlichen Bericht über die Verhandlungen der Kommission, die ihren Beschluß mit 15 gegen 13 Stimmen gesaßt habe. — Abg. Herold(Zentrum): Einig sind wir alle darin, daß der Antrag für Deutschland verhältnismäßig ungünstig ist.(Sehr richtig! im Zentrum.) Trotzdem wird ein Teil meiner politischen Freunde für den Antrag stimmen, weil er den vertragslosen Zustand noch für ungünstiger hält als den Vertrag. Besonders erblickt dieser Teil in der Meistbegünstigung einen nicht unbedeutenden Vorteil für den deutschen Exporthandel mit Portugal und auch für die einzelnen Industriezweige. Der Teil meiner Freunde, der sich ablehnend verhält, ist der Ansicht, daß die Tarife seitens Portugals so hoch gehalten sind, daß der Vertrag für einzelne Industriezweige geradezu prohibitiv wirken wird.(Sehr richtig!) Der Teil meiner Freunde, der dem Antrag zustimmen wird, muß aber die Erwartung aussprechen, daß die Regierung beim Abschlusse neuer Handelsverträge in Zukunft günstigere Bedingungen zu erzielen bemüht ist.(Beifall.) Abg. Kämpf(freis. Vg.): Der Unmut über den Vertrag rechtfertigt sich ganz besonders durch die formelle Behandlung der Angelegenheit und dann auch durch das naterielle Resultat, das dabei herausgekommen ist. Eine Reihe von Industriezweigen ist durch den Vertrag bitter intiäuscht worden. Kein Wunder, denn unsere Unterhändler mußten mit der Parole, zu retten, was noch zu retten sei, in die Verhandlungen hineingehen, und ihre Position war daher von vornherein eine überaus ungünstige. Nicht die Unterhändler sollte man also anslagen, sondern unser ganzes handelspolitisches System. Durch den Vertrag wird der Zollkrieg vermieden, wird unsere Industrie die Meistbegünstigung erhalten, werden die Zollsätze auf lange Zeit hinaus gebunden. Aus diesen Erwägungen heraus, werden meine politischen Freunde in ihrer überwiegenden Mehrheit für den Vertrag stimmen.(Bravo! links.) Abg. Graf Schwerin=Löwitz(kons.) erklärt namens seiner politischen Freunde, daß sie dem Handelsvertrag einstimmig zustimmen würden, wenn sie auch die großen Mängel des Vertrages nicht verkennten. Bedauerlich sei, daß die Regierung nicht mehr bemüht gewesen sei, für die Textilindustrie und den Weinbau günstigere Bedingungen zu erzielen. Immerhin sei seine Partei der Meinung, daß der Schaden, der unserer Industrie aus einer auch nur vorübergehenden Störung unserer Haudelsbeziehungen zu Portugal bei der außerordentlich starken aktiven Handelsbilanz, die wir gegenüber Portugal haben, größer sein würde, als etwaige Verbesserungen, die nach einer solchen Störung etwa in diesen Vertrag hineingearbeitet werden könnten. Wir nehmen den Vertrag nur an mit der ausdrücklichen und entschiedenen Verwahrung dagegen, daß etwa aus dieser unserer Stellungnahme irgendwelche Schlüsse gezogen werden könnten auf eine gleiche Bereitwilligkeit und Nachgiebigkeit gegenüber Ländern, bei denen unserer Ansicht nach unsere Handelsbeziehungen in wesentlichen Punkten gerade entgegengesetzt liegen wie bei Portugal.(Beifall.) Abg. Dr. Stresemann(nat.=lib.): Die deutsche Ausfuhr nach Portugal ist im Verhältnis zu der gesamten Ausfuhr Deutschlands so gering, daß sie das deutsche Wirtschaftsleben ernstlich nicht treffen kann. Der Ausfall der Ausfuhr kann also nicht maßgebend sein für die Annahme oder Ablehnung des Vertrages, der auch nach unserer Ansicht überaus ungünstig für Deutschland ist. Sehr bedauerlich ist, daß der Wirtschaftsausschuß erst so spät von dem Stande der Verhandlungen in Kenntnis gesetzt ist. Die Regierung sollte sich doch bei so wichtigen Fragen darauf einrichten, stets Sachverständige bei der Hand zu haben, um ihr Urteil jederzeit einholen zu können. Wir sind einmütig der Ansicht, daß der Handelsvertrag nicht befriedigt, daß er vielmehr zu ungünstig ist. Für einen großen Teil unserer Industrie wird die Ausfuhr geradezu unmöglich gemacht, zum Teil ganz erheblich erschwert. Der überwiegende Teil meiner Freunde wird gegen den Antrag stimmen. Ein kleiner Teil dagegen wird ihm zustimmen, weil er einen vertragslosen Zustand für noch ungünstiger ansieht, als den vorliegenden Antrag. In der weiteren allgemeinen Debatte erklärt Staatssekretär Delbrück, er sei auch der Meinung, daß bei derartigen handelspolitischen Aktionen die Interessenten so rasch und so zahlreich wie möglich gehört werden müssen, und er werde dafür sorgen, daß dies jedenfalls in Zukunft geschieht. Diesmal sei es allerdings in dem Maße, wie es erwünscht und notwendig sein mag, nicht möglich gewesen. Der Vertrag sei jedenfalls besser als die zollpolitischen Verwicklungen, deuen wir im Falle seiner Ablehnung unweigerlich entgegengehen würden. Bei der Spezialberatung macht Abg. Prinz Schönaich=Carolath(nat.=lib.) Zweifel geltend, ob die Uebersetzung des französischen Vertrages ins Deutsche überall zutreffend sei. Staatssekretär v. Schön: An sich könne man darüber streiten, ob die Uebersetzung überall absolut genau sei. Kleine Abweichungen seien sachlich belanglos. Der Verirag wirv mit schwacher Meyrheit angenommen. Geschlossen dafür stimmten nur die Konser vativen und Sozialdemokraten. Es folgte die Forlsetzung der zweiten Beratung über den Kolonialetat. Abg. Liebert(Rp.) begrüßte das Aufhören des Kolonialpessimismus, Abg. Geller(freis. Vg.) die Erfolge des kaufmännischen Geistes. Staatssekretär Dernburg erklärte, daß die Grenzfeststellungen zwischen Togo und dem französischen Nachbargebiet noch nicht abgeschlossen seien. Die Meutereien in Kamernn seien durch die Maßnahmen gegen die Vielweiberei der Neger hervorgerufen worden. Ueber die Förderung der Baumwollenkultur, die er für sehr wichtig halte, hoffe er dem Reichstag in einiger Zeit abgeschlossenes Material vorzulegen. Donnersing 1 Uhr: Fortsetzung. Schluß 47 Uhr. haus. Berlin, 1. Februar. Die Dienstagsitzung des preußischen Abgeordnetenhauses begann mit der Erledigung des* Gestütsetats. Ein Antrag der Budgetkommission, 40 600 M. für den Neubau eines Ochsenstalles auf dem Hauptgestüt Georgenburg zu streichen, wurde einstimntig angenommen. Sodann wurde der Forstetat mit einer Reihe von Anträgen erledigt. Eine bemerkenswertere Debatte entspann sich nur bei dem Antrag Bergmann(Soz.), der Auskunft verlangte, wie beim Abtrieb der durch Nonnenfraß geschädigten ostpreußischen Wälder für die Arbeiter Vorsorge getroffen wurde. Oberlandforstmeister Wesener stellte fest, daß unter den betreffenden Arbeitern, größteiteils Bayern, Unzufriedenheit hauptsächlich deshalb herrschte, weil ihnen das Königsberger Bier nicht schmeckte, sie waren gewohnt, sechs Liter täglich zu trinken. Abg. Graw(Ztr.) bestätigte noch, daß die Arbeiter in Ostpreußen tatsächlich 8 Mark täglich verdienten. Messerstechereien kamen täglich vor. Minister v. Arnim erklärte, der Staat habe in letzter Zeit 160 000 Hektar Land zur Aufforstung angekauft. Die Einnahmen des Etats wurden bewilligt. Einen Antrag Borgmann(Soz.) auf Verpachtung der tskalischen Jagdbezirke an den Meistbietenden bat der Minister abzulehnen; die Jagd sei das einzige Vermnügen der Förster, die abgeschlossen von der Welt lebten, ob mon ihnen das einzige Vergnügen rauben wolle? Nachdem die Abgg. Weißzermel(kons.) und Bahrenhorst(freikons.) gegen den Antrag gesprochen hatten, vertaate sich das Haus. Aus eine Anfrage des Abg. Friedberg(nat.=lib.) er stlärte Vizepräsident Porsch, daß zu der nationalliberalen Interpellation wegen der Posener Beamtenmaßregelungen noch Ermittelungen seitens der Regierung schweben.— Donnerstag 10 Uhr: Fortsetzung.— Schluß 5 Uhr. Gewerkvereins-Teil. Wodurch wird die Einführung der Pensionsversicherung verzögert? Aus diese Frage hat der Staatssekretär für Sozialpolitik Dr. Delbrück gelegentlich der Interpellation über den Stand der Pensionsversicherungsfrage eine doppeltAntwort gegeben. Er versicherte, daß er ebenso wie seine Vorgänger die wirtschaftliche und fittliche Berechtigung der Pensionsversicherung der Privatangestellten anerkenne, erklärte sich auch bereit, daß er die Angelegenheit weitern fördern wolle. Wie kommt es dann aber, daß trotz so viel guten Willens die Einbringung eines Gesetzentwurses bisher nicht erfolgt ist? „Durch die technischen Schwierigkeiten“, antwortet der Staatssekretär,„die sich einer Ausarbeitung im Sinne der zweiten amtlichen Denkschrift entgegenstellen.“ Es scheint demnach, als ob man selbst an den maßgebenden amtlichen Stellen sich die Einwände gelten ließ, die von den Anhängern des Ausbaues der Invalidenversicherung gegen eine weitere Jersplitterung unserer staatlichen Versicherungs=Gesetzgebung geltend gemacht werden. Teilte doch Staatssekretär Delbrück im Reichstage selbst mit, daß er erwogen habe, ob es etwa möglich wäre, die Wünsche der Privatangestellten im Rahmen der Reichsversicherungsordnung zu erfüllen. Diese Erwägungen hätten bisher zu dem Ergebnis geführt, daß es„unzweckmäßig“ sein würde, den Privatangestellten weniger zu bieten, als die Anhänger der Sonderkassen wünschen und zugleich die an sich schon außerordentlich schwierige Versicherungsordnung auch mit dieser Frage zu belasten.„Aus diesen rein äußerlichen Gründen“ erklärte Delbrück wörtlich, habe sich für ihn „die unabweisbare Notwendigkeit ergeben. die Vorlage eines Gesetzentwurfs über die Versicherung der Privatangestellten zurückzustellen.“ Mit anderen Worten: Dei baldigen Verwirklichung der Pensionsversicherung würden keine nennenswwertem Hindernisse entgegenstehen, wenn die Mehrheit der Privatangestellten sich dazu verstanden hätte, ihren Wünschen von vornherein eine Form zu geben, die es der Regierung ermöglicht hätte, die Forderungen der Angestellten zugleich mit der Reform der Arbeiterversicherung zu berücksichtigen! Denn alle Gründe, die der Staatssekretär gegen die schnellere Erledigung der Frage geltend machte, sind, wie er selbst zugibt, so rein äußer„„„„„„„ Sinn& Co. Dortmund. Heute, Donnerstag, Freitag, Samstag Extra-Angebot in Damen- und Kinder Schürzen. E Die Kinder des Sträflings. Roman von A. Sinowka. 10 „Sie äußerten wiederholt den Wunsch, Dora Petrowna, einmal die Minen zu besichtigen,“ sagt er. „Wenn Sie Lust dazu haben, können Sie mich begleiDora ist sofort bereit dazu. Sie begreift zwar nicht, welchem Umstande sie ihres Prinzipals plötzliche Güte gegen sie zu danken hat, aber sie denkt auch nicht viel darüber nach, sondern zieht sich, nachdem er sie verlassen hat, ihr ältestes und schlechtestes Kleid an, da Herr Niegowo ihr gesagt hat, daß es in den Minen feucht und schmutzig sei, nimmt ein abgetragenes Mäntelchen um und eilt hinunter, wo er sie bereits mit Gregor erwartet. Niegowo mustert sie lächelnd.„In diesen weiken Röcken können Sie unmöglich in den Schacht steigen,“ meint er.„Ziehen Sie einen Anzug von unsern Jungen an. Boris Sachen werden Ihnen, meines Erachtens, passen.“ Darauf erteilte er einer der Dienerinnen den Befehl, das Betreffende herauszusuchen und Dora begibt sich nochmals auf ihr Zimmer zurück, wohin man hr ein Bündel mit Kleidungsstücken bringt. Mit Hilfe der Dienerin ist sie rasch umgekleidet. Als sie jetzt in den Spiegel blickt, muß sie selbst lachen. Ein allerlebster halbwüchsiger Junge sieht ihr aus dem Glas Sagesen., Das dicke, rote Wollhemd und die schwedische zu passen ihr tadellos, nur die landesüblichen FalHaus:“ und etwas zu groß für ihre Füßchen. An den gus dam a## sie grobe, grasgrüne Fausthandschuhe und 7 dem Kopf eine Bibermütze, nicht sonderlich hoch, aber huntass: zu immer breiter werdend. Ein lederner, zusomman Lürtel hält das Blusenhemd um die Taille sie in dieser Tracht bei den beiden Herren erscheint, mustern diese sie bewundernd. #### berade wie Boris,“ meint Herr Niegowo,„nur ist.##brünett und lange nicht so hübsch ist.“ Boris Rartschins der ältere der beiden Knaben, welche in Nertschinsk in Pension sind. um a;#### müssen beinahe eine Viertelstunde gehen, *“ ven Minen anzulangen. Der Schnee knistert unter ihren Füßen und wenn sie auf einen der Grashalme treten, die hie und da gleich kleinen spitzen Schwertern sich aus der weißen Decke erheben, gibt es allemal ein leises krachendes Geräusch. Ein scharfer, schneidender Wind weht von der Hügelkette her, die im Nordwesten die Taiga von der Ansiedlung trennt, aber Dora achtet seiner nicht. Sie ist so froh, daß sie einmal etwas von der Umgebung ihres Wohnorts zu sehen bekommt und läßt ihre Augen munter umherschweifen. Im Norden, Nordosten und Südosten erblickt man allent halben dichtes Nadelgehölz, durch das ein ziemlich gut gehaltener Weg im Halbkreis um die Ansiedlung führt. Breite schneebedeckte Fußwege, auf denen jedoch zur Not auch die größten Wagen fahren können, münden in jenen. Herr Niegowo erklärt Dora, daß der eine derselben in der Richtung nach Nertschinsk, ein zweiter nach Irkutsk und ein dritter nördlich bis zur Tundra läuft. „Sind die Wege denn im Winter passierbar?“ fragt das junge Mädchen. Er lachte kurz auf.„Für unsere Schlitten und Pferde ja, für andere Fahrzeuge schwerlich. Im übrigen sind Sie, um Irkutsk zu erreichen, bei ungünstiger Witterung auf dem Nertschinsker Wege hergekommen, Dora Petrowna.“ „Aber ich fuhr von Nertschinsk doch noch mehrere Tage mit der Bahn,“ wendete Dora erstaunt ein. „Das wohl, immerhin nimmt der Weg erst bei Nertschinsk ein Ende. Die andern beiden Wege sind aber noch viel, viel länger, und man würde darauf von hier aus zu Wagen oder Schlitten vierzehn Tage gebrauchen. Ja, ja, unsere Taiga ist weit.. weit wie das Reich des sibirischen Wolfs,“ meint Herr Niegowo und wieder lacht er kurz auf.„Unerfahrene Leute sind darin verloren.. wenn feindliche Mächte ihr Herauskommen hindern wollen.“ Dora blickte scheu zu ihm auf. Ein grausamer, brutaler Zug liegt um seinen Mund, und das junge Mädchen fragt sich unwillkürlich, ob er glaubt, daß jener Nikolai Lawalski, den seine Tochter lieb hat, auch den feindlichen Mächten der Taiga zum Opfer gefallen ist. Gott bewahre jeden davor, den Zorn dieses Mannes wider sich zu reiz „Wölfe?“ fragt sie schaudernd.„Gibt es hier in der Nähe denn auch Wölfe?“ „Der Taigawolf hat keine feste Wohnstätte. Er geht bald hier, bald dorthin, die ganze Taiga ist sein Gebiet und was drin atmet und seine Begehrlichkeit reizt, seine Beute. Zu uns freilich wagt er sich nicht, denn bei uns gibt es zu viel Füchse und der einzige, der den Taigawolf überlistet, ist der Taigasuchs, sein Verwandter. Blutsverwandte aber schont auch der Wolf.“ Dora weiß nicht, was sie von dieser seltsamen Rede zu halten hat. Der Mann an ihrer Seite scheint ihr plötzlich das menschliche Ebenbild des Taigawolfs zu sein .. grausam und schonungslos gegen jeden, der seine Kreise stört, schonungübend nur gegen sein Fleisch und Blut. Oder ist er Wolf und Fuchs in einer Person. Inzwischen sind sie bei den Minen angelangt. Dort befindet sich neben einem etwa 800 Meter hohen Berge ein Pulvermagazin, ein als Werkzeugkammer eingerichtetes Holzhaus, ein Keller zur Aufbewahrung des Dynamits und ein Wachthaus. Rings umher wächst Nadelholz, das sich in der Ferne zunehmend verdichtet. Herr Niegowo befiehlt einem der Männer, die hier beschäftigt sind, drei Talgkerzen zu bringen, von denen jedes der kleinen Gesellschaft eine in die Hand nehmen muß. Dann ersteigt man in Begleitung eines Arbeiters, der voran geht, den Berg, auf dem man durch eine kleine Tür in eine enge und niedrige Galerie gelangt. Hier werden die Lichter angezündet und in gebückter Stellung kriecht man mehr, als daß man geht, bis zur Oeffnung des Hauptschachtes. Dort befindet sich eine Leiter, die nach unten führt. Dora kletiert sie behende herunter wie ein Eichhörnchen, rascher und gewandter fast, als die Männer. Man muß noch mehrere Leitern abwärts steigen, dann geht es wieder über glatte, schlüpfrige Bretter, darauf abermals ein paar Leitern hinunter.. Dora meint, daß sie jetzt Tausende von Metern unter der Erde sein müsse, aber Herr Niegowo belehrt sie darüber, daß man kaum hundert Meter heruntergestiegen ist. Die Flammen der Talglichte schimmern bläulich, bald leuchten sie hell auf, bald drohen sie zu verlöschen. Allenthalben liegen Haufen von Erz, die in der Dämmerung rötliche Funken zu entsenden scheinen, doch blitzen dieselben noch lange nicht so hell wie die Eiskristalle an den Wänden, wenn ein Lichtschein auf sie fällt. Alle Farben des Regenbogens scheinen sich in ihnen zu brechen, bald gleichen sie Smaragden, bald Rubinen, Saphiren oder Topasen. „Wie herrlich!“ ruft Dora entzückt aus.„Gerade als ob wir in Aladins Zauberhöhle wären!“ Herrn Niegowo macht ihre Freude Spaß.„Seltsam, daß Sie sich für diese Dinge interessieren, Dora Petrowna," meint er.„Meine Tochter Lidia ist noch niemals in den Minen gewesen und Gregor würde auch nicht hergehen, wenn er nicht müßte. Auf der Chaiselongue liegen, lesen und Papyros rauchen oder spazieren gehen und träumen, das ist alles, was mein Herr Sohn kann, aber sich um das zu kümmern, was sein Vater geschaffen hat und dessen Herr er einst sein soll, das fällt dem Beugel nicht ein.“ „Gregor Ssemenowitsch hat wahrscheinlich mehr Interesse für das Studium," wirft Dora schüchtern ein. Die grauen, stahlharten Augen unter den buschigen Brauen sehen sie forschend und mißtrauisch an.„Er hat sich für das zu interessieren, was ich ihm befehle und für nichts anderes," stößt der finstere Mann heftig heraus.„Der Teufel soll ihn holen, wenn er das nicht tut.“ Das junge Mädchen blickt sichängstlich nach dem Gescholtenen um, aber sie sucht ihn vergebens.„Wo mag Gregor Ssemenowitsch nur sein?“ fragte sie besorg.. Gregors Vater aber lacht laut auf.„Wo wird er sein? Vermutlich ist er zurückgeblieben, um sich die Anstrengung des Kletterns zu ersparen. Wenn wir nach oben zurückkehren, werden wir ihn schon sehen, wie er dasitzt und mit offenen Augen träumt. Kommen Sie weiter, Dora Petrowna.“ Und weiter gehts durch ein Labyrinth von Gängen, tiefer, immer tiefer in die Erde hinein. Die Temperatur ist überall weit unter dem Gefrierpunkt und ein widriger Geruch, der, wie Niegowo sagt, von Dynamitexplosion herrührt, macht sich bemerklich. „Es ist in letzter Zeit hier mancherlei passiert, was nicht vorkommen dürfte,“ grollte er.„Der Aufseher liegt krank seit drei Wochen, und der Kerl, welcher seine Stelle vertritt, ist unzuverlässig und faul, ich aber kann nicht überall sein. Außerdem ist es am Ende nicht Sache des Herrn, vom frühen Morgen an im Schacht##stehen und die Leute zu beaufsichtigen.... 176.18 2 re EEEREEE licher Natur, daß ihre Beseitigung nicht die geringsten Schwierigkeiten bereiten würde. Die Reichsversicherungsordnung ist schon heute ein so weitschichtiges besetzeswerk, daß es auf einige Paragraphen mehr oder weniger— viele wären tatsächlich nicht erforderlich— schließlich nicht ankommen kann. Die„Angestellten=Versicherung" bemerkt dazu: Es ist möglich, daß diese Lötung einzelne Vertreter der Sonderkasse nicht befriedigen würde; wenn aber der Ausbau der Invalidenversicherung zugunsten der Angestellten nur weitgehend genug ausfallen würde, wären nicht nur weite Kreise der Privatbeamten damit zufrieden, sondern auch den Arbeitern würde das unangenehme Bewußtsein erspart bleiben, als ob sie in Zukunft auch in der staatlichen Versicherung minderen Rechts sein sollten. Schließlich aber— und das spricht am meisten für diese Lösung — würde die Pensionsversicherung auf diese Weise sehr bald unter Dach und Fach kommen, während im anderen Falle mindestens noch ein Jahrrehnt vergehen würde. Aus dem Gerichtsaal. Strafkammer Dortmund. Dortmund, 1. Februar. In einer vor der Berufungstammer geführten Versandlung gegen den Reisenden Hugo Stensbeck von Dortmund wurden Dinge erörtert, die das Verhalten einiger Schutzleute in einem eigentümlichen Lichte erscheinen lassen und das die Beamtenqualität dieser Leute zu Bedenken Veranlassung giebt. Der genannte Reisende hatte bei den in der Burgholzstraße wohnenden Eheleuten Gerbach eine Wohnung inne, die er in der Nacht zum 22. Mai v. J. ohne stichhaltigen Grund verlassen sollte. Als Stensbeck sein Zimmer nicht räumte, brauchte Gerbach Gewalt, er verprügelte seinen Zimmerherrn und stieß ihn dann auf die Straße. Vergeblich wandte er sich an eine Polizeipatrouille, versuchte bei den im selben Hause wohnenden Leuten wenigstens für die Nacht ein Unterkommen zu finden und als er abgewiesen wurde, drückte er an der Korridortür der Gerbach'schen Wohnung eine Scheibe ein, schloß die Tür auf und begab sich auf sein Zimmer. Gerbach, der sich einen Nachbar zu Hülfe geholt hatte, drückte gewaltsam die Tür auf und forderte den ruhig im Bette liegenden Mann auf, das Zimmer zu verlassen. Inzwischen waren die Schutzleute Blum und Gräwe benachrichtigt, die um Hülfe angegangen waren. Zuerst betrat Blum das Zimmer und forderte den ruhig im Bette liegenden Mann auf, sich zu erheben und mit zur Wache zu kommen. Als Stensbeck flehentlichst bat, ihn doch in Ruhe zu lassen, er sei müde und wolle schlasen, man möge am Tage wieder kommen, um Feststellungen zu treffen, riß Blume dem Manne die Bettdecke fort und zerrte ihn aus dem Bette; inzwischen war der Schutzmann Gräwe herbeigekommen, ohne sich zu erkundigen, was Stensbeck denn nun eigentlich verbrochen, legte er ihm die Knebelketten an und dann wurde der Gefesselte auf den Flur geschleift, die Treppe heruntergezerrt, sodaß die Beine nachschleiften, vor der Tür sank Stensbeck erschöpft zusammen; jetzt kam der Schutzmann Böhm hinzu, der den am Boden kiegenden Mann noch eine Ohrfeige versetzt haben soll. Sodann wurde Stensbeck mittellt Droschke zum Polizeigewahrsam gebracht, am andern Morgen aber wieder entlassen. Er mußte Aufnahme im Brüderkrankenhause finden, wo noch nach acht Tagen die Spuren einer erfolgten Mißhandlung deutlich erkennbar waren. St. stellte gegen die Beamten Sratsantrag, es scheint aber aus der Sache nichts geworden zu sein, vielmehr wurde gegen ihn Anklage wegen Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Widerstand gegen die Staatsgewalt erhoben. Das Schöffengericht sprach Stensbeck indessen kostenlos frei, da festgestellt wurde, daß gar keine Veranlassung vorlag, den Mann aus der Wohnung zu entsernen, die Beamten sich auch gar nicht in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes befanden. Die Schutzleute verwickelten sich auch gegenüber den einwandsfreien Aussagen einer Reihe von Zeugen in bedenkliche Widersprüche, sodaß das Schöffengericht den Aussagen der Schutzleute keinen Glauben beimessen konnte. Die Verhandlung vor der Berufungsstrafkammer währte etwa 5 Stunden. Es ergaben sich dieselben Widersprüche, Die Frau des Gerbach, die wegen Krankheit kommissarisch vernommen worden ist, sagte selbst eidlich aus, daß Stensbeck ruhig im Bett gelegen habe, kein Laut sei über seine Lippen gekommen, während der Schutzmann Blume bekundete, daß Stensbeck wie ein Wahnsinniger gebrüllt habe. Der Monteur Welke, der zugegen war, als Stensbeck, der übrigens auch auf der Wache mit einem Gummischlauch geschlagen sein will, die Treppe hinuntergeschleift wurde, empörte sich über das Vorgehen der Beamten und rief ihnen zu:„Die Behandlung ist doch keine menschenwürdige, so geht man la nicht einmal mit einem Stück Vieh um!" Der Schutzmann Böhme bestreitet auch, daß er den Mann ins Gesicht geschlagen habe, er behauptet vielmehr Stensbeck habe ihn ins Gesicht gespuckt. Das Gericht sprach den Angeklagten Stensbeck auch heute wieder frei, obschon der Vertreter der Anklage wegen Widerstands 100 Mark Geldstrafe in Antrag brachte. Es sei bemerkt, daß gegen die beteiligten Beamteu eine Anzeige wegen Meineids erstattet worden ist. „Lerne Leben ohne zu arbeiten!“ Diese Worte hatte der Hausdiener Karl Dietrich von Dortmund in sein Notizbuch geschrieben. Er handelte auch darnach. Am 13. Dezember v. I wurde er dabei ertappt, als er aus der Merlinschen Wirtschaft einen dem Sohne des Wirts gehörenden Ueberzieher gestohlen hatte. Wie nachträglich festgestellt wurde, hat Dietrich noch mehrere Diebstähle auf dem Kerbholze. Heute erhielt er wegen einfachen Diebstahls zunächst 2 Monate Hesängnis. Wegen gefährlicher Körperverletzung hatte sich der Bergmann Lorenz Drop von Kastrop vor der Strafkammer zu verantworten. Am 24.. Oktober vorigen Jahres hatte Drop mit einigen Freunden eine Bierreise unternommen, die zu einem Streit führte, wobei er dem Bergmann Johann Gierski eine nicht unerhebliche Verletzung am Kopfe zufügte und den Mann mit„kaputmachen“ drohte. Da es sich um eine Streitigkeit zwischen jungen Leuten handelte, setzte das Ge richt gegen Drov 2 Monate und 1 Woche Gesängnis fest. Ein Pferdedieb erschien heute in der Person des Schuhmachers Hermann Müller von Dortmund aus der Anklagebank. Am 9. Januar vorigen Jahrts stahl er dem Fuhrunternehmer Tissen ein Pfers, das er sofort zu verkaufen suchte. Bei dem Handelsgeschäft wurde Curiositäten aus aller Welt. Der hänge Falir. Das kleinste Pferd der Welt. Curlo###ten aus aller Welrt Das kleinste Pferd der Welt hat kürzlich der englische Forschungsreisende, Kapitän Norton aus Zentralasien mitgebracht. Das Tierchen ist vier Jahre alt und 43 Zentimeter hoch. Das putzige Pferdchen ist von mongolischer Zucht, mausesarbig, dicht beharrt, und besitzt im Verhältnis zur Körpergröße einen großen Kopf und kurze Beine. Das Pferdchen ist selbstverständlich eine Abnormität, von der Laune der Natur hervorgebracht. In der Nähe von London hat sich ein achtjähriger Schulknabe ein Wohnhaus in drei Aesten eines Baumes gebaut. Das Häuschen sieht aus wie ein Taubenschlag und ist groß und geräumig genug, dem Jungen ein behagliches Wohnen zu gestatten. Der„Einstieg“ in dieses seltsame Tuskulum erfolgt mittelst Leiter. Weniger lustig wirkt der hängende Fakir Dsckoai von Fschoppa in Indien, der ebenfalls auf einem Baum seine Wohnstätte aufgeschlagen hat, das heißt, sich täglich 10 Stunden ohne Speisen und Trank„aufhängt“. Dieser„heilige“ Fakir hat bei dieser religiösen sanatischen Tortur den seltenen Anblick, die Welt auf den Kopf gestellt zu sehen, nämlich er hängt sich bei den Beinen auf. Eine schwimmende. Schule für lungenkranke Rinder. ∆ 88 Die Witwe des kürzlich verstorbenen amerikanischen Eisenbahnkönigs Harriman in Newyork, hat einen Hudsondampfer gekauft und denselben als Schule für lungenkranke Kinder ausbauen lassen. Die Kinder erhalten auf dem Schiff auch Beköstigung und Wohnung. Die edle Wohltäterin, welche nebenbei die reichste Frau Amerikas ist, verspricht sich sehr viel von der Einwirkung der frischen staubfreien Seeluft auf die kranken Kinder; und beabsichtigt, wenn sich ihre Hoffnungen erfüllen, weitere schwimmende Schulen in den verschiedenen Großstädten Amerikas einzurichten. Selbstverständlich handelt es sich hier um Kinder der ärmeren Klassen. der Pserdedieb abgefaßt und der Polizei übergeben. Da Müller wegen ähnlicher Vergehen bereits vorbestraft ist, setzte das Gericht gegen den Dieb eine Gesängnisstrafe von einem Jahre fest. Berlin, 1. Febr. Ein Militärmonsterprozeß, wie er die deutschen Militärgerichte noch nicht beschäftigt haben dürfte, begann heute vor dem Kriegsgericht der zweiten Gardedivision. Es handelt sich um Vorgänge in der Fußartillerieschießschule in Jüterbog. Angeklagt sind wegen Unterschlagung bezw. Bestechung ein Wachtmeister, zwei Vizewachtmeister, ein Sergeant und ein Fahrer, 118 Zeugen sind geladen. Leipzig, 1. Febr. Das Reichsgericht hat die Revision des Kaufmanns Oswald GrosserSteglitz, der am 11. Dezember 1909 vom Schwurgericht Leipzig wegen vollendeten und versuchten Totschlags zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden war, verworfen. Grosser hatte am 16. November 1908 im Reichsgericht den Rechnungsrat Straßburg erschossen und den Reichsgerichtsrat Männer verwundet. und Verkehr. Das Bankhaus E. Calmann in Hamburg brnigt seinen altbekannten Kalender für Besitzer von Wertpapieren von 1910 zur gabe, worauf wir unsere Leser hinweisen. Dieses praktische wesentlich erweiterte Handbuch enthält die Verlosungspläne und Ziehungsarten aller Prämien= Anleihen, welche in Deutschland gehandelt werden, ferner genaue Angaben der Auslosungen von Renten, Pfandbriefen, Eisenbahnprioritäten 2c. 2c. Eine besondere Annehmlichkeit des Kalenders ist die mit großer Sorgfalt ausgearbeitete Uebersicht über Papiere, welche gegen Kursverlust gesichert werden müssen. Auch sonst enthält das Buch viele wissenswerte Notizen, Kursangaben 2c. 2c. für Besitzer von Wertpapieren. Der Kalender wird Jedem von obigem ankhause auf Wunsch gratis und kostenfrei übersandt. Frankfurter Abendbörse. Kredit 211,40 * Berliner Handel 182,70 „ Lombarden— 22,90 Paketfahrt 134.25 . Laura 197.10 Gelsenkirchener 216,00 * Phönix 221,10 r.. LLuremburger 217,40 — Edison 259,00 Uebersee 182,60 Bulgaren 101,50 % Diskonto 295,50 D Staatsbahn 161,60 * Ohio 215,90 Kloyd 102.30 Eschweiler 212,75 Harpener 206,70 Eschweiler Eisen 163.00 Wittener Stahl 333.00 — Schuckert 136,50 Jendenz leicht gebessert.* Lissabon, 1. Feor. Die Baynanlage von 3., hambane wurde der Orenstein u. Koppel, Inhaber thur Koppel A.=G. in Berlin übertragen. Hamburg, 1. Febr. Die Kaiserliche Werft#. Kiel schreibt den Verkauf von Altmaterial zu verschört. ten Bedingungen aus. Vermischtes. Berlin, 1. Febr. Eine smwere Explosig# ereignete sich heute mittag in einer Gemeindeschule in Friedenau bei Experimental, vorführungen eines Lehrers, der dabei erheblichVerletzungen erlitt. Die Fenster der Klasse wurder zertrümmert. Die Kinder liefen schreiend auf die Straße. Erwachsene wurden dadurch alarmiert um riesen die Feuerwehr herbei. Berlin, 1. Febr. Bei der Explosion in de3. Gemeindeschule in Friedenau wurde den Lehrer die linke Hand abgerissen, während die rechte Hand schwere Verletzungen erlitt. Das Blut spritzte in weiten Bogen auf die Schulkinder, die im ersten Augenblick starr vor Entsetzen waren. Dann ergriff sie eine ge waltige Panik; sie stürzten schreiend den Ausgängen wo sich inzwischen die Kinder aus den anderen Klassen die die Detonation gleichfalls gehört hatten, versammelten. Der Unterricht wurde in der ganzen Schule sofon abgesagt. Bei der Explosion sind fünf Mädchen leicht verletzt worden. Die Detonation war s# heftig, daß in der Aula einige Fensterscheiben zertrüm. mert wurden und in den Nachbarzimmern der Kall von den Wänden fiel. Brunn, 1. Febr. In Palowitz bei Jamnitz vurde der als Knecht auf einem Meierhof bedienstete ussische Untertan Michael Malek verhaftet unter em Verdachte, an der Familie Wasilieska in Bogus. awice in Preußen den achtfachen Raubmer begangen zu haben. Wiesbaden, 1. Febr. Einen eigenartigen Selbstmor hat eine hiesige etwa 40jährige Rentnerin begangen, Nachdem sie die im Mainzer Kolumbarium aufgestellten Aschenreste ihrer Mutter besucht hatte, legte sie sich an einer einsamen Stelle des Biebricher Rheinufers so nieder, daß der Kopf in das Wasser kam, während der Körper auf trockenem Uferboden lag. Tags darauf fand man die Leiche. In den Taschen der völlig trockenen Kleidung der Selbstmörderin fanden sich schriftliche Bestimmungen über die Einöscherung und die Ordnung ihres Nachlasses. Paris, 1. Febr. Es liegen weitere Nachrichte vor: In den meisten Stadtvierteln nimmt das Straßenleben so ziemlich das gewöhnliche Aussehen wieder an. Nur am Abend gewähren die großen Boulevards und Hauptstraßen wegen Mangels an elektrischem Licht ein recht trostloses Bild. Die meisten Geschäfte werden notdürftig mit Petroleumlampen und Kerzen beleuchtet. Die Straßen, aus denen sich das Wasser bereits zurückgezogen hat, werden den ganzen Tag mit desinfizierenden Flüssigkeiten besprengt und gereinigt. Dasselbe geschieht mit den Erdgeschossen und Toreinfahrten der überschwemmt gewesenen Häuser. Die Keller sind auch jetzt noch bis zur Decke mit Lehm und aus dem aus den Sammelkanälen stammenden Schmutzwasser gefüllt. Hand- und Dampfpumpen sind tätig, um die Keller zu entleeren. Doch hat die Polize dies in den einzelnen Straßen verbieten müssen, de befürchtet wird, die Kanäle könnten einen allzu großen Wasserzufluß nicht aushalten. Die Leitung der Unter undbahn hat an verschiedenen Punkten mächtig aufgestellt, und wartet das weitere Fallen der ne ab, um mit der Pumparbeit zu beginnen. Er heißt, daß die Untergrundbahn gegen die Nord=Süduinie, welcher sie das Eindringen des Wassers in ihre Tunnels zuschreibt, sowie gegen die Stadt Paris als Konzessionsverleiherin einen Schadenersatzprozeß anstrengen wolle. Die Gesellschaft der Nord-Südlinie erhebt in den Blättern energisch Einspruch dagegen, daß ne wegen der Ueberschwemmung des Bahnhofs von St. Lazare, wo an verschiedenen Stellen Erdsenkungen stattgefunden haben, verantwortlich sei. In einigen trocken gelegten Straßen, so namentlich am Boulevard St. Germain, haben sich infolge der Senkungen ties schachtartige Löcher gebildet, die bis zum Rande mu Wasser gefüllt sind. In allen von den Ueberschwemmungen betroffen Arrondissements werden Kleider und Lebensmittel verteilt. Es fehlt an Lebensmitteln und an manchen Orten mangelt es an Betten.— Die Devutiertenkammer hat einen Antrag einstimmig angenommen, durch welchen die Regierung ersucht wird, bei den von der Ueberschwemmung Betroffenen die Beitreibung der Steuerrückstände auszuschieben. Paris, 1. Febr. An der Austerlitzbrücke steht das Wasser der Seine 7,64 Meter hoch, es ist also im ganzen um 98 Zentimeter gefallen. Im Faubourg St. Antoine wurde der Straßenbahnverkehr wieder aufgenommen. Auch vom Kai d'Orsay ist das Wasser völlig verschwunden. Paris, 2. Febr. Die Angriffe räuberisches Banden(Apachen) auf das Eigentum mehren sich. Gestern nacht kam es zu einem Zusammenstoß zwischen einer Militärpatrouille und Einbrechern, die mit Booten in eine verlassene Villa eindringen wollten. Die Soldaten schossen auf die Apachen, von denen zwei schwer verletzt wurden. Paris, 1. Febr.„Neuyork Herald“ meldet aus London: In einer gestern abend abgehaltenen Versammlung der Wissenschaftlichen Vereinigung fü Geographie und Naturkunde hielt Kapitän Scott einen bemerkenswerten Vortrag, in welchem er seiner festen Hoffnung Ausdruck verlieh, den Südpol bis zum 22. Dezember 1911 sicher zu erreichen, wenn alle seine Pläne ohne Unfall ausgeführt werden könnten. Ich hoffe, sagte er, im März des darauffolgenden Jahres wieder in London zu sein. Paris, 1. Febr. Ein Kassenbote der Bauque de France, der eine Summe von 100000 Frank einkassiert gestern mit dem Geld verschwunden. Die Direktion der Bank benachrichtigte die Polizei und das Gericht. Der Verschwundene ist 28 Jahre alt und Familienvater. Neuvork, 2. Febr. Wie aus Baltimore gemeldet wird, wütet dort ein Riesenbrand, dem bereits mehrere Fabriken zum Opfer gefallen sind. Bedroht sind auch die Werft und die im Hafen liegenden Schiffe. Einen gewaltigen Dauermarsch, den Berliner Militärgepäck=Marsch über 50 Kilometer, hat auch vor einiger Zeit wieder der bekannnte Prager vegetaxisch lebende Sportsmann Emmerich Rath gewonnen. Damit ist er definitiv an die erste Stelle unserer Geher gerückt; dennn er hat nunmehr zum vierten Male den Sieg in dieesm klassischen Wettkampf gegen die bester Gegner, Athleten wie Soldaten, errungen. Zugl#n stellte Nath diesmal einen neuen Rekord über 50 lometer auf, indem er die ganze Strecke in feldmar mäßiger Ausrüstung in 6 Stunden 15 Min. zurücklegic Rath ist seit zehn Jahren, dem Beginn seiner sportlichen Tätigkeit, Anhänger einer streng naturgemäßen Lebens weise. So trinkt er u. B. seit Jahren ausschließlich Kathreiners Malzkaffee, dessen vorzügliche Eigen schaften sa bei Millionen anerkannt und bewährt, sin?, — Rath ist fest davon überzeugt, daß er seine svort“ sichen Erfolge in erster Linie seiner gesunden Lebens ##d Ernährungswelle zu danken bat. e 21.4 „Ist ja recht schmeichelhaft,“ war die Angeredete schmollend dazwischen, während der Toktor gemütlich auflachte. Ihm erging es in dem Punkte nämlich nicht viel anders. „Ist nichtsdestoweniger eine Tatsache," fuhr Günther fort, „hat sich schon so aus der Kindheit herübergeschleppt, wo ich auch vor dir ein ganz Teil mehr Respekt hatte als vor Vater und Mutter." „Da hört aber doch alles auf.“ rief Ida beleidigt.„Als ob dich ein Mensch gründlicher verhätscheln konnte als ich!“ Ja, ja, das ist's eben,“ meinte der Bruder und nickte ihr aunsthaft zu.„Tu und, daß ich's nicht vergesse, dieser würdigje Vertreter der medizinischen Wissenschaft, Ihr habt mich leider allzusehr verhätschelt, sodaß ich aus lauter übertriebener Liorsicht niemals ein rechter Junge sein, niemals ein echtes Knabenspiel treiben konnte— außer natürlich heimlich hinter Earem Rücken.“ „Tieser schnöde Undank!" stöhnte die Schwester. Der Beuder ließ sich aber dadurch in seinen Bekenntnosen nicht stören. Er hatte eben jetzt den Bann von sich abgeschüttelt, der ihn so lange in all seinen Entschließungen gelähmt hatte. „Ja. und siehst du, so ist das weitergegangen durch meine Jünglingsjahre, und es verfolgt mich bis in mein Mannesalter lünein— auf Schritt und Tritt Ueberwachung, Bevormundung, Verweichlichung. Dank dieser gänzlich unangebrachten Hät schelei und Gängelei bin ich jetzt ein einsam und verkümmert dastehender Baum ohne Blätter und Früchte, und Tank meiner mimosenhaften Scheu vor dir bin ich heute in die erbärmliche Dummhlit und Feigheit einer Lüge geraten, die danin nach des Dichters tiessinnigem Wort wie ein von einem Gotte gewendeter Pfeil zurückgeprallt ist und den Schützen gestrofsen hat. So war ich es, der in den Schwitzosen gesteckt wurde, während Fräulein Weber es war, die das Schwitzbad nötig hatte." „Und wirst du dich nun endlich gemüßigt sehen, uns den Schlüssel zu dieser ganzen rätselhaften Tirade in die Hand zu geben?“ sagte das alte Fräulein kühl. „Gewiß, wenn du ihn noch nicht hast; jetzt kommt er. Die Sorge nämlich, daß du wieder deiner Phantasie würdest den Zügel schießen lassen, wenn du von meiner Fürsorge für meine leidende Musterzeichnerin hörtest, gab mir den törichten Gedanken ein, als ich unsern guten Toktor um ein Hustenmittel für Fräulein Weber angehen wollte, ihm vorzureden, ich sei der Kranke und habe das Mittel für mich selber nötig. Alles andere weißt du.“ „um, und?“ „Nun, und als ich da in dem Höllenschwitzkasten anfing, mich dem Sieden und Zerschmelzen nahe zu fühlen, erkannte ich daß mein ganzes bisheriges Leben eine elende Lüge war, und daß diese Lüge ihre Wurzel hatte in dem unheilvollen System deiner Bemutterung und Verpäppelung, die ich heimlich doch unaufhörlich betrügen müßte, und da, ja, siehst du, da unter den aus allen Poren brechenden Schweißtropfen, die mir meine an sich so gut gemeinte Lüge auspreßte, gelobte ich mir, von heute ab der Wahrheit die Ehre zu geben.“ „Bitte, fahre fort,“ sagte sie eisig kalt. „Wisse denn also, liebe Schwester und auch Sie, sehr verehrter Herr Toktor, daß ich mir gestattet habe, das mehrfach erwähnte Fräulein Weber, meine Musterzeichnerin, mit besonderer Wäre ins Herz geschlossen zu haben, und daß ich, wenn die junge Tame damit einverstanden ist, gesonnen bin, mit ihr vor den Traualtar zu treten. „Ich glaube, du bist komplett verrückt geworden,“ polterte jetzt das alte Fräulein, das seine schlimmsten Befürchtungen eingetroffen sah.„Tu bei deiner Konstitution heiraten?“ „Was willst du von meiner Konstitution? Die läßt gar nichts zu wünschen übrig,“ hielt der plötzlich Selbständiggewordene ihr entgegen.„Freilich, wenn ich alle Vorsichtsmaßregeln beobachtet hätte, die du im Bunde mit diesem wohlmeinenden Jünger Aeskulaps mir einprägtest, dann möchte ich wohl ein gutes Exemplar von einem Manne geworden sein — ein Zierpüppchen, von jedem Windhauch krank gemacht, nur eben reif dazu, in Watt eingewickelt und ins Glasspind gestellt zu werden. Zum Glück aber wohnte mir noch so viel gesundes Blut und gesunder Sinn inne, um mich gegen dies Uebermaß naturwidriger Bemutterung zu empören und dir gerade nur solange zu gehorchen, als ich mich im Bereiche deiner Argusaugen befand, was eben auch eine elende Lüge war, die du dir gefälligst auf dein Konto schreiben mögest! So hat mich denn die gütige Mutter Natur schließlich zu einem verhältnismäßig noch ganz kräftigen und gesunden Exemplar der Spezies Mensch werden zu lassen, das es nun endlich einmal mit einem kühnen Gewaltsakt erzwingen wird, auch die höchste Staffel der menschlichen Entwicklung zu erklimmen und in den Stand der heiligen Ehe zu treten!“ „Aber bester Herr Toktor, was sagen Sie nun bloß zu soviel heilloser Selbstverblendung?“ knurrte das Fräulein, sich nach einem Verbündeten umsehend. Glücklicherweise war der Doktor nun aber mit einem lebhaften Sinn für Humor begabt. Er lachte gemütlich vor sich hin und meinte achselzuckend: „Ja, na, was soll ich dazu sagen? Es scheint mir, daß wir mit unserer Erziehungsmethode reingefallen sind! Indessen, da die Konstitution dieses jungen Menschen immerhin kräftig und widerstandsfähig genug gewesen ist, gegen unsere wohlgemeinten Vorbeugungsmaßregeln zu rebellieren, und da ihm obenein das Experiment gut bekommen ist, so kann ich nur sagen: Mög's ihm weiterhin gut bekommen! Und mit welchem Recht wir ihn von einer Heirat zurückhalten sollen, sehe ich nicht ein.“ „Bravo, Doktor!“ rief Höfner fröhlich.„Sie sind mein ältester und bester Freund und der vernünftigste Vertreter Ihrer unentbehrlichen Wissenschaft, und Sie sollen der erste sein, den ich zu meiner Hochzeit einlade. Nun stehen Sie mir bloß fernerhin bei, diese vieledle Jungfrau mit meinem Vorhaben auszusöhnen! Dann wird noch alles gut!“ Der Doktor tat, was er konnte, um diesen Wunsch seines „rebellischen Päppelkindes“, wie er den Fabrikbesitzer nannte, zu erfüllen, und das mit solchem Erfolge, daß in garnicht langer Zeit im Hause Höfner eine fröhliche Hochzeit gefeiert wurde und eine bescheidene und pflichttreue, junge Hausfrau (nun nicht mehr hustend und prustend) ihren Einzug hielt. Schwester Ida zog nicht weit vom Wohnorte ihres Bruders aufs Land und richtete ein nettes Häuschen nebst Obstgarten und Hühnerhof ein, das vor allem die Bestimmung hatte, das junge Geschlecht der Höfners, das jener glücklichen Verbindung entsprießen sollte, am Busen der Natur erstarken zu lassen, sei es auch nur in den Ferien, damit die„schwächliche Konstitution“ ihres Vaters sich nicht als trauriges Erbteil früher oder später bei ihnen geltend mache. In dieser schönen Aufgabe fand sie einen befriedigenden Lebenszweck und stand bis an ihr Ende mit Bruder und Schwägerin, mit Neffen und Nichten im besten Einvernehmen. Und so wurde durch den mannhaften Entschluß des beinahe um sein Lebensglück betrogenen Helden dieser wahrhaften Beschichte in diesem Falle der klassische Fluch„O weh der Lüge" zu allseitigem Segen umgewandelt 5 Für's Haus#33 Pickelsteiner. Für sechs Personen rechnet man zwei Pfund Rindfleisch. Dies wird in Scheiben geschnitten, geklopft und mit Pfeffer, Salz und geriebenen Zwiebeln bestrichen. Tann schält man so viel Kartoffeln, als nötig, putzt das nötige Grüne, als Kohlrabi, Lauch, Petersilienwurzeln, Kraut, Wirsing, Mohrrüben, sauber ab und legt dies auf den Boden eines ziemlich großen Topfes. Darauf kommt eine Lage Fleisch, eine Lage Kartoffeln und so fort, bis der Topf ungefähr dreiviertel voll ist. Tann gießt man soviel Wasser darauf, daß es handbreit darüber steht, tut das fehlende Salz sowie zwei bis drei Zwiebeln daran, und läßt dies zwei bis drei Stunden langsam kochen. Man kann auch halb Rind=, halb Hammelfleisch dazu verwenden. Teebrot. Man nehme 210 Gramm Zucker, rühre ihn mit drei ganzen Eiern und drei Eigelb schaumig, tue 210 Gramm feines Mehl darunter, für 10 Pfg. Pommeranzenschale, und Zitronat, etwas Weinbeeren und Sultaninen, zuletzt den Schnee von den drei Eiweiß hinein und in einer mit Butter und Brösel ausgestrichenen Form, aber nur längliche, gebacken. In Scheiben geschnitten und gebäht, hält es 3—4 Wochen. Feierstunden Blätter für Unterhaltung und Belehrung. e Nach langen Kämpfen Den Erinerungen eines Detektios nacherzählt von H. Rockwood. 21 „Ja; ich glaube so. Ich bin der Meinung. daß Ihre Frau Schwester nicht auf diese Weise zu täuschen war, aber dieser Roß macht sich kein Gewissen daraus, sich mit einer Frau zu verbinden, und sie dann als der unbedeutendsten Ursache wegzuwerfen, wenn sie ihm bei späteren Plänen im Wege steht, und sie auf irgend eine Weise Leiseite zu schafsen. Deshalb hat sich Ihre Schwester in bedenkliche Gefahr begeben, als sie dem Menschen hierher folgte. Er wird nicht anstehen, einen Schurken zu dingen, um sie zu vergiften und ihre Leiche bei nächster Gelegenheit in den Hafen zu werfen. Haben Sie sie gesehen, seit sie in Boston angekommen ist?“ „Ja, und sie ist jetzt in Sicherheit.“ „Können Sie mich nicht mehr darüber sagen?“ „Warum wollen Sie mehr wissen?“ „Es liegt mir sehr daran, zu erfahren, ob sie den jetzigen Aufenthalt ihres Mannes kennt?“ Sie war in den letzten 24 Stunden mit ihm zusammen.“ „Sie sind dessen sicher?“ “ „Sind sie auch jetzt noch beisammen?“ „Nein. Sie hat jetzt seine Gewissenlosigkeit kennen gelernt und verbirgt sich vor ihm.“ „Ah, das ist gut. G. ist also sicher, daß Roß noch ist Beston ist?“ „Jomohl!“ „Haben Sie ihn gesehen?“ „Meines Wissens nicht. Ich habe auch nicht den geringtten Begriff, wie er aussieht, und kann ihn deshalt nicht erkennen.“ Der Fremde schwieg einen Augenblick. Die beiden hatten sich aus dem Gedränge des Bahnhofes während des Gesprächs zurückgezogen und waren jetzt allein. „Das beste, was ich tun kann, ist, sogleich nach Boston hineinzugehen, aber es ist wahrscheinlich schwierig, meinen Mann dort zu finden,“ sagte der Frumde. „Tarf ich fragen, wegen welchen Verbrechens Sie diesen Philipp Roß suchen?“ „Wegen einer Fälschung.“ „Sind Sie ein Beamter?“ „Nicht gerade von Profession. Ich bin ein Advokat, aber seit mehreren Jahren erlaubt mir meine Gesundheit nicht, diesen Beru, weiter zu betreiben. Deshalb reise ich in verschiedenen Geschäften und habe in letzter Zeit als Privatdetektiv gearbeitet. Für die Ergreifung dieses Roß ist eine Belohnung ausgesetzt, und da ich vor Jahren den Mani persönlich kennen lernte, so bin ich im Vorteil gegen meine Konkurrenten, die Detektivs von Beruf.“ „Sie haben also früher einmal Philipp Roß gekannt?“ „Ja, wir waren Fceunde.“ „Er war also nicht immer ein Schurke?“ „Er war nie ein ehrenwerter Mann, aber natürlich bewegte sich seine Laufbahn in absteigender Richtung.“ „Ist er ein ausschweifender Mensch?“ „Sonderbarerweise war er immer streng mäßig. Er enthielt sich aller geistigen Getränke. „Sie haben eine äußere Erscheinung nicht beschrieben.“ „Das werde ich jetzt auch nicht tun.“ „Warum nicht?“ „Weil ein anderer Detektiv—— ist und es nicht in meinem Interesse liegt, diesem oder sonst jemand Angaben zu liefern, die ihnen förderlich sein könnten.“ „Handelt es sich um ein großes Verbrechen bei Roß?“ „Er hat Cheks und andere Papiere im Werte von 10000 Tollars gefälscht.“ „Ich würde Ihnen gern behilflich sein, ihn zu finden, denn er hat das Glück meiner schönen Schwester vernichtet. Ich zweifle nicht daran, daß Sie in Ihren Nachforschungen Erfolg haben werden.“ „Dessen bin ich durchaus nicht sicher. Er reist unter verschiedenen Namen und es bedarf bedeutender Schlauheit, ihn zu überlisten.“ „Wie haben Sie das erfahren?“ „Ich wußte, daß Roß ein Fraulein Clarissa Howard geheiratet hat. Turch Nachfragen erfuhr ich auch, daß sie einen Bruder und eine Schwester hat. Zufällig traf ich den jungen Mann, der mir Sie zeigte, als Sie aus dem Zuge stiegen.“ „Sie haben mir noch nicht Ihren Namen genannt. Wenn ich irgend etwas von Wichtigkeit erfahren sollte, so könnte ich es Ihnen mitteilen.“ „Richtig, richtig! Schreiben Sie mir nach EastBoston, Chelsee=Street. Mein Name ist Hale.“ Nach einigen kurzen Bemerkungen kehrte Hale zum Bahnhof zurück, wo er eben noch einen Zug nach Boston erreichte. Howard ging nach dem Hause von Frau Manchester, seiner Schwester. Er erzählte ihr Clarissas Erlebnisse und ihre Rettung aus drohender Gefahr durch Forster. Tann berichtete er sein eigenes Mißgeschick durch die geheimnisvolle Flucht von Gertrud Brandon. Der Tag ging vorüber, Als die Dämmerung einbrach kam ein Mann. Der Diener brachte Howard eine Karte. „Ein Herr wünscht Sie zu sprechen,“ sagte der Diener. Als der junge Mann einen Blick aus die Karte warf, sprang er in heftiger Erregung auf. S SS-ESE: 1— 9 2 58 S#2 95 S S2 89— S 55 9 000 6 PESES Tenn B#S.ES 8 2 5 3 S S#. 25 SS 65 G * ( S 91 2 S S8 S 8 058 0 0 8 5 5 5 5#s S 5 8 # 5 5 21.2 „Es ist Brandon, Gertruds Vater. Endlich muß das Gebeimnis sich acusklären. Ich muß ihn allein sprechen, Helene!“ rief er „Tann werde ich Euch verlassen. Der Himmel gebe, daß sich alles zum Guten wende,“ sagte Frau Manchester, welche ihrem Bruder sehr zugetan war. Sie verließ das Zimmer und im nächsten Augenblick trat Brandon ein. Er grüßte Howard mit ernster Höflichkeit, aber Howard sah, wie er eine starke Aufregung zu beherrschen suchte. Er sah auch, daß der Aldermann schwere Stunden durchgemacht hatte, seit er ihn zum letzten Mal gesehen. „Herr Howard, ich komme, um Ihnen ein Geständzu machen, und eine Gefälligkeit zu erbitten. Sie werden in hohem Grade erstaunt vielleicht sogar entrüstet sein, wenn Sie hören, was ich Ihnen zu sagen habe. Nur die Notwendigkeit, für meine Tochter zu sorgen, soweit dies möglich ist, konnte mich veranlassen, zu sprechen.“ Brandon sagte dies in heiserem, unnatürlichen Ten. Während des kurzen Schweigens, das auf diese Bemerkung folgte, wischte er seine heiße Stirn. Er schien das Opfer eines dauernden Schmerzes zu sein, der selbst auf jugendlichen Gesichtern Falten hervorruft. „Jahren Sie fort, Herr Brandon. Sie können sich nicht vorstellen, in welcher Angst ich während dieser wenigen Tage gelebt habe, wo alle Erwartungen und Hoffnungen plötzlich von einer dunklen Wolke umhüllt wurden, welche; schwarz und undurchdringlich ist, daß mir kein Hoffnungsstrahl geblieben ist.“ Howard sagte dies ruhig, obwohl er seine Erwartung kaum zügeln konnte. „Sie lieben also meine Tochter in hohem Grade?“ „Habe ich Ihnen jemals Grund gegeben, daran zu zweifeln?“ „Nein, aber ich bin genötigt, Ihre Hingebung auf eine schwere Probe zu stellen?“ „Sie ist bereits au: die Probe gestellt worden.“ „Ja, und ich fürchte sie ist erschüttert worden.“ „Nein, nein, ich versichere Sie, daß ich niemals einen Augenblick geschwankt habe in meinem Vertrauen auf Gertrud. Ich habe nur gelittten, weil sie kein Vertrauen zu mir zu haben schien.“ „Sie machen ihr also zum Vorwurf, daß sie Ihnen dies Geheimnis nicht aufgeklärt hat?“ „Ich konnte doch nicht anders, als glauben, daß sie mir nicht mehr vertraue.“ „Ich mache Ihnea keinen Vorwurf, aber auch Gertrud trifft keine Schuld. Es war mein Geheimnis, nicht das Ihrige, und sie wagte nicht, es ohne meine Einwilligung zu enthüllen. Aber es kann nicht mehr lange bewahrt werden. In einer Woche wird mein Name mit Schimpf durch die Zeitungen gezogen werden. Es ist ein schreckliches Geständnis, daß ich Ihnen zu machen hale, Howard, sind Sie bereit es anzuhören?“ XXV. Gertrud weilte in der Pension der Frau Harrendon nur wenige Augenblicke, nachdem sie erfahren hatte, daß Howrard abgereist sei. Niedergeschlagen ging sie zurück nach der Akazienstraße, aber noch ehe sie den halben Weg zurück gelegt hatte, begegnete sie plötzlich Foster. „Ich suchte Sie, Fräulein Brandon!“ rief er* „Haben Sie bei Frar: O'Brien nach mir gefragt?“ „Ja, Sie wußte nicht, wohin Sie gegangen waren. Es ist weiner Zufall, daß ich Ihnen begegne. Die junge Tame, die neulich nach Ihrem Leben trachtete, wünscht Sie zu sprechen. Sie ist in einer Pension hier in der Nähe, und da Sie Ihnen ohne Zweifel wichtiges mitzuteilen hat, so wäre es am besten, wenn Sie mich dabin begleiten würden. Fürchten Sie nichts, diese Unterredung kann nur gutes bringen.“ Gertruds Neugierde war plötzlich lebhaft erregt, und da sic jetzt vollkommenes Vertrauen zu der Ehrenhaftigkeit des Detektivs hatte, begleitete Gertrud den letzteren sogleich nach dem angegebenen Ort. Gertrud wurde von Foster in ein kleines, hübsch eingerichtetes Wohnzimmer geführt. Clarissa erschien und begrüßte Getrud in ihrer lebhaften Weise. „Ich sreue mich, daß sie so schnell kommen, Fräulein Brandon, denn ich wünsche sehr, Sie zu sprechen!“ rief sie, Gertrud bewillkommnend, und sich zu dem Tetektiv wendend, fügte sie hinzu:„Ich wünsche, daß Sie auch hierbleiben, S: haben sich als den besten Freund erwiesen, den ich habe.“ Foster lächelte u.s setzte sich. Nach einem kurzen, etwas verlegenen Schweigen sagte Clarissa in niederge schlagenem Tone: „Ich habe mein Leben lang sehr unbedacht und töricht gehandelt, und nur der wachsamen Vorsehung habe ich es zu verdan en, daß ich nicht einem traurigen Schicksal verfiel. Meine erste große Torheit war, allein nach New=Yor:, entfliehen. Ich habe Gefahren durchgemacht, von welchen ich nie eine Ahnung hatte. Bald darauf begegnete ich meinem bösen Genius. Es war ein Mann, doppelt so alt als ich, Namens Philipp Roß. Das einzige, was ich zu seinen Gunsten sagen kann, ist, daß er mir nichts anderes, als ehrliche Heirat anbot. Warum ich ihn liebte, ist mehr, als ich erklären kann. Er besaß eine zauberhafte Macht über mich, der ich in seiner Gegenwart nicht widerstehen konnte. Er verließ mich eine Woche nach unserer Heirat, und ich rerfolgte seine Spur hierher. Wieder folgte ich ihm von Ort zu Ol= und es gelang mir, beständig seine Spur zu verfolgen Bald aber entstand in mir der Verdacht, der m“ fast wahnsinnig machte. Ich hatte Ursache, zu glauben, daß er dieses Fräulein Brandon heiraten wollte, und ich hörte, wie diese Vermutung von verschiedenen Personen wiederholt wurde.“ „Wer hat eine so unsinnige, grundlose Bemerkung aufgestellt?" fragte Gertrud. „Clotilde Grey, eine junge Dame, welche mir Freundlichkeiten erwies, als ich zum ersten Male in diese Stadt gekommen war, und sie war nicht die erste, die es sagte. Spärt sagten mir andere dasselbe, und das Gerücht wurbe bestätigt durch das, was sie selbst sahen.“ Foster, welcher bisher geschwiegen hatte, beugte seine schlanke Figur vor, wie es seine Gewohnheit war, wenn ihn etwas lebhaft interessierte, was gesprochen wurde. „Fräulein Brandon wollen Sie mir erlauben, an diese junge Tame eine Fragen zu richten, deren Beantwortung Sie eben", gut anhören können, als ich?“ fragte er. Gertrud stimmte zu und wartete gespannt auf die Enthüllungen, welche, wie sie fühlte, unmittelbar bevorstanden. Zu Clarissa gewandt, sagte Foster: „Zuerst will ich Ihnen einen Punkt erklären, über den Fräulein Brandon in Unwissenheit erhalten wurde. Ihr Bräutigam, Herr Howard, und Sie selbst, sind Bruder und Schwester. Er hat seiner Braut Ihre Torheiten wie wir es nennen wollen, verschwiegen, nur um ihr den Versruß darüber zu ersparen. In nächster Zukunft also werden Sie beide, deren Glück so seltsam verkettet ist, wirkliche Schwestern werden.“ Gertrud war äußerst überrascht über diese Mitteilungen Fosters. Sie wußte, daß Howard eine jüngere Schwester besaß, glaubte aber, sie sei wie früher in einer Schuhfabrik in Lynn beschäftigt. Fortsetzung folgt. ————— m T DSENTTUPUTTOETS gi n H.=SS.ESEESDS— O Tog.AEg ap U SSSEG2•... SE Pr#slssrxs##gs #SBSEGSSESE HSSSSSERSSSLESRSSS E5 93 O .— B3358585S SS5553 SSSS5 SSSSS 6S 525S B 55 55 SERESSGS SSSESS ASS SE O weh der Lüge. Humoreste von Clara Düsterhoff. (Schluß.) Vor der Tür standen sie noch einen Augenblick still und lauschten in das Krankenzimmer hinein. Da hörten sie drin ein lautes, lustiges Auflachen und ein leises Selbstgespräch. Besorgt blickten sie einander an. „Ein recht ernster Fall,“ meinte der Arzt, bedenklich den Kopf schüttelnd.„Tun Sie mir den Gefallen und schicken Sie nach mir, sobald Sie irgend ein verdächtiges Symptom bemerken. Mir wills scheinen, als finge er schon an zu phantasieren.“ Die nur allzu ängstliche Schwester des vermeintlichen Patienten gab das geforderte Versprechen von Herzen gern und so empfahl sich der Arzt. Der da drinnen in Bett.n Begrabene hatte das Zuschlagen der Korridortür gehört und lauschte nun bloß noich auf das Einklinken der Wohnstubentür. Dann aber schnellte er mit einem energischen Ruck in die Höhe, schleuderte die ihn einschnürenden Decken weit von sich und sprang mit beiden Füßen zugleich aus dem Bette, das mit seiner Treibhaushitze ihm bereits den hellen Schweiß aus den Poren zu treiben begann. Barfuß schlich er sich an die Tür und verriegelte sie geräuschlos, dann schlüpfte er mit erstaunlicher Behendigkeit wieder in seine Kleider. Ein glückliches, resolutes Lächeln umspielte dabei seine Lippen: ufffenbar hatte er sich zu einem großen Entschlusse hindurchgerungen. Er fuhr sich mit der Hand über Stirn und Hals. „Wahrhaftig,“ sagte er seiner Gewohnheit nach im halblauten Selbstgespräch,„die heiße Milch und die vermaledeiten Wärmkruken haben schon angefangen, ihre Schuldigkeit zu tun. Da perlt bereits ganz lustig Tropfen an Tropfen. Das wäre ja eine reizende Bescherung geworden! Kuriert man mich nolens voleus von der Erkältung, die sich meine gute kleine Weber zugezogen hat! Das kommt aber von dem feigen Komödienspiel. Warum sage ich nicht wie ein Mann:„Das Fräulein hier ist krank, bitte, nehmen Sie es in die Kur.“ Statt dessen webe ich mich au. lauter Angst vor der Tyrannin aus Liebe, der alten dummen Ida, in ein Lügengespinnst ein, das mich zum regelrechten Popanz macht und auf dem besten Wege war, mir die sauersten Schweißtropfen auszupressen. Wie sagt doch der kluge Menschenkenner Goethe? O weh der Lüge! Sie befreiet nicht Wie jedes andre wahrgesprochene Wort Die Brust; sie macht uns nicht getrost, sie ängstei Den, der sie heimlich schmiedet und sie kehrt, Ein losgedrückter Pfeil, von einem Gotte Gewendet und versagend, ich zurück Und trifft den Schützen. Na, ich habs erfahren, der Mann hat recht! In meinem Leben will ich mich nicht wieder mit der verdammten Lügerei einlassen, zu der ich nun einmal kein Geschick habe. Und jetzt soll auch ein= für allemal mit jeder anderen Lüge und Feigheit ein Ende gemacht werden!" Traußen an der Tür stand nun aber Schwester Ida und lauschte in ihrer Herzensangst mit angestrengtem Ohr, ob denn nun aufh ihr geliebter Kranker unter der doppelten Einwirkung der molligen Betten und der heißen süßen Milch schwitze und schlafe. Sie hörte drin sein halblautes Sprechen. „O du grundgütiger Himmel,“ sagte sie sich mit ängstlichem Herzklopfen,„er phantasiert ja wirklich! Nur schnell zum Toktor!“ Tamit trat sie in die Küche und befahl dem Mädchen, sogleich den Arzt herbeizuzitieren, der ganz in der Nachbarschaft wohnte. Während der Wartezeit stand sie wieder Posten an der Tür ihres„Patienten“, denn hineinzugehen getraute sie sich nicht aus Furcht, ihn vielleicht beim Einschlafen zu stören. Drin war jetzt alles still. Höfner stand vorm Spiegel, kämmte sich Haar und Bart und knüpfte seine Kravatte zu einem eleganten Knoten. Er beschaute mit zufriedenem Lächeln sein Spiegelbild; denn das durfte er sich ohne Schmeichelei sagen, daß er erstens aussah wie ein rechtes Bild von Gesundheit und daß er zweitens, wenn auch schon ein angehender Vierziger, doch noch ein ganz ansehnlicher Mann sei, an dem schließlich auch ein bedeutend jüngeres Mädchen vielleicht doch Wohlgefallen finden dürfte. Da klingelte es draußen vorsichtig, gedämpfte Stimmen wurden vernehmbar, dann legte sich eine Hand behutsam auf die Klinke seiner Tür und versuchte, sie aufzumachen. Leider war das Bemühen vergeblich. Die Tür war noch verriegelt. Höfner lachte belustigt vor sich hin, als jetzt der Versuch mit größerem Nachdruck wiederholt wurde. Er konnte sich deutlich die Ratlosigkeit, die verständnislosen Blicke der draußen Harrenden vorstellen, die sich doch von ihm, dem hilflos in Betten Verpackten, kein tätiges Eingreifen versehen konnten. Mit ein paar leisen Schritten trat er heran und öffnete die Tür. Entsetzt prallten die Traußenstehenden zurück. „Günther, du aus dem Bette!?“ „Na nu, was sind denn das für Streiche?“ so kam es gleichzeitig über die schreckensbleichen Lippen der Schwester und des Toktors, als sie den vermeintlich Schwerkranken angekleidet und mit Sorgfalt gekämmt und gebürstet vor sich stehen sahen, und zwar mit dem Lächeln der Gesundheit und des Glückes um die frischen roten Lippen und in den glänzenden braunen Augen. „Ja, ich bitt' Euch, Menschenkinder, was wollt Ihr denn von mir? Warum soll ich denn durchaus schwitzen? Ich bin ja garnicht krank und weiß nichts von Husten, Schnupfen und Jufluenza— das war ja Fräulein Weber!“ „Fräulein Weber?! Wer ist das?“ fragte Schwester Ida scharf. „Fräulein Weber? Du weißt nicht, wer Fräulein Weber ist? Aber das ist ja die außerordentlich geschickte Musterzeichnerin, die ich im Geschäft habe,“ erklärte der Fabrikherr mit möglichst harmloser Miene.„Eine junge Malerin von erstaunlicher Erfindungsgabe— geradezu meine rechte gand— „Nun, und was ist mit der?“ unterbrach Ida Höfner den Redestrom ihres Bruders ziemlich unsanft und ungeduldig. Einer der Romane, die ihre fruchbare Phantasie um ihr Sorgenkind zu weben liebte und durch die dies Sorgenknd selber zur Verzweiflung gebracht wurde, war fix und fertig ausgedacht „Die ist's, die sich so schlimm erkältet hat, daß ich ärztliche Hilfe für sie in Anspruch nahm.“ „Aber ich verstehe nicht,“ unterbrachen ihn beide Zuhörer wie aus einem Munde. „Ja, das ist nun eben das ehrfurchtgebietende„O weh der Lüge," antwortete Günther in munterster Stimmung. „Denn seht Ihr beiden liebevollen, ehrlichen Seelen, ich habe einen Schritt vom Wege getan und habe mich mit der Lüge eingelassen, für die ich glücklicher= oder unglücklicherweise gar kein Talent habe.“ „Aber so sprich doch endlich einmal deutlich, daß man verstehen kann, wo du hinauswillst,“ drängte die Schwester durchaus nicht liebenswürdig. „Na ja, ich steure ja schon darauf los. Wenn ich bloß dabei etwas zu beißen und zu brechen kriegte, Kinder,“ meinte Günther und hielt sich mit kläglicher Geberde den Magen. „Ich komme nachgerade vor Hunger um, und Ihr seht doch nun wohl, daß ich so gesund bin wie ein Fisch im Wasser und ganz und garnicht auf Krankendiät gesetzt zu werden brauche.“ „Garnichts sehen wir bis jetzt," erklärte aber Fräulein Ida unwirsch.„Wenn du hebräisch sprächest, könnte uns dein Gewäsch nicht unverständlicher sein.“ „Das mag wohl von der Leere der Magenwände kommen,“ hub Günther an. Der Doktor aber unterbrach ihn und ergriff Partei für den Ausgehungerten. Der Erkenntnis konnte er sich doch nicht rerschließen, daß er es tatsächlich hier mit keinem Patienten zu tun hatte. „Geben Sie ihm nur schon zu essen, Fräulein Höfner," bat er gutmütig.„Er kann uns ja beim Speisen sein Herz ausschütten.“ Nun rief das Fräulein unter heftigem Kopfschütteln auf den Korridor hinaus, das Essen solle so schnell wie möglich aufgetragen werden—„für den Herrn mit!“ Tamit begaben sich die dri ins Speisezimmer, wo Höfner bald mit Berserkerwut in die ihm vorgesetzten Gerichte einhieb. „Nun fang endlich an mit deinem Bericht," trieb Ida, nachdem sie dem wortlos Kauenden eine Weile schweigend zugeschaut hatte. Ihr selber war vor der schwülen Erwartung dessen, was da kommen würde, gründlich der Appetit vergangen. In gutgespielter Verlegenheit setzte Günther ein:„Die Sache ist nämlich die, liebe Schwester, daß ich vor dir eine ganz grausame Angst habe."