0 ortmunder Tageblatt mit Erscheint täglich Ausnahme der Sonn= und gesetzl. Feiertage. verbunden Abonnementspreis i Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage a dem 8seitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pig. pre Monat, durch die Post bezagen für 3 Monate 1.50 Mk. Manwanlicht Bilter Scharze Dehuct. Nr. 26. Erstes Blatt. Lokal-Anzeiger für und der täglichen Unterhaltungsbeilage mit dem Dortmund u. Hörde sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Ervedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Dortmund, Dienstag, den 1. Februar 1910. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 PfgReklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 PfgBeilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt dinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann, Dortmund. 27. Jahrg. Sozialdemokratisches. Ein für Ueberspannung von Forderungen durch die Sozialdemokratie bezeichnender Vorgang spielte sich in Jena ab:. Ein Arbeiterausschuß besteht dort innerhalv des Betriebes der Firma Carl Zeiß auf Betreiben des verstorbenen Professors Abbe seit 13 Jrhren. Er wuchs schon zu Lebzeiten auf 66 Mitglieder an, weshalb beschlossen wurde, die eigentliche Vertretung der Arbeiterschaft gegenüber der Geschäftsleitung einer Siebener=Kommission zu übertragen. Seit etwa einem Jahre werden zwischen der Geschäftsleitung und dem Arbeiterausschuß Verhandlungen über ein neues Statut für den Arbeiterausschuß geführt. Am 1. Dezember 1909 publizierte die Geschäftsleitung die Satzungen für den Arbeiterausschuß und die Abteilungsvertreter. Der Gedanke, der seinerzeit zur Errichtung der Siebener=Kommission geführt hatte, nämlich, daß der Verhandlungskörper zu groß sein dürfe, wurde übernommen: Der Arbeiterausschuß soll aus 15 Mitgliedern bestehen. Diesem Ausschuß sollen die Rechte zustehen, die dem alten Arbeiterformell zustanden, die er aber in der Hauptsache schon seit Jahren durch die Siebener=Kommission ausüben ließ. Eingeführt wird das Verhältniswahlsystem, und zwar nach einem Wunsche der Siebenerkommission mit gebundenenListen. Neben dem Arbeitelausschuß sollen noch Abteilungsvertreter genählt werden, und zwar auf 15 Personen einer, welche die Wünsche der einzelnen Abteilungen und der Abteilungsangehörigen dem Werkmeister und Obeimeister zu Gehör bringen. Die Gewerkschaften verlangten aber die Aufnahme einer Bestimmung in die Satzungen, durch welche die Geschäftsleitung verpflichtet wird, auf Antrag in Betriebsversammlungen zu erscheinen. Die Geschäftsleitung hat darauf erwidert, daß sie unten Umständen auch Betriebsbeisammlungen besuchen werde, wenn sie es für zweckmäßig halte. Eine Verpflichtung dazu hat sie abgelehnt. Ferner wollen die Abteilungsvertreter das Recht haben, von der Geschäftsleitung gehört zu werden. Die Geschäftsleitung dagegen hat den Standpunkt vertreten: sie wolle auch die Abteilungsvertreter hören, wenn die Sache ihr wichtig genug erscheine; aber außer dem Arbeiterausschuß auch noch erwa 140 Einzelpersonen das Recht einzuräumen, von ihr gehört zu werden, könne man billigerweise von ihr nicht verlangen. Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter haben darauf, wie bereits gemeldet, die Beteiligung an den Wahlen zum Arbeiterausschuß abgelehnt. Die Hirsch=Dunckerschen Gewerkvereine haben beschlossen, sich an den Wahlen zu beteiligen, und so wird wohl ein Arbeiterausschuß zustandekommen. Angesichts der Angriffe, die in den Spalten der sozialdemokratischen Presse gegen die Epigonen Abbes, das„Schandwrahlgesetz", das„reaktionäre Machwerk“, das„Feigenblatt für den Absolutismus“ usw erhoben werden, wird man lebhaft an eine Rede Abbes über den Arbeiterausschuß erinnert, in der er sagte:% „Wer hier u. e er könne Arbeiterinteressen nur in der Positurahnes vertreten, der hat seinen Beruf verfehlt: Der Kampfhahn, dem nicht ein anderer in derselben Positur gegenübersteht, ist eine lächerliche Figur, und das Kikiriki, dem nicht ein anderes Kikeriki entgegentönt, ist ein komisches Geräusch.“ Im übrigen aber ist dieser Vorgang deshalb so interessant, als er aufs neue beweist wie die Sozialdemokratie jedes Arbeitsverhältnis— auch das beste und reinste— zu vergiften bemüht ist. Drohende soziale In den nächsten Wochen werden im Holzgewerbe und im Baugewerbe eine große Anzahl von Tarifverträgen ablaufen. Die Sozialpolitische Rundschau bezeichnet die Aussichten für eine friedliche Verständigung in der Holzindustrie als sehr ungünstia. In dieser Industrie laufen sehr viele Verträge ab, die bis zum 1. April durch neue ersetzt werden müssen. Es war vorgeschlagen, daß die Disserenzen durch ein Schiedsgericht beseitigt werden sollten, die Einsetzung eines solchen Schiedsgerichts ist jedoch von den Arbeitgebern abgelehnt worden. Im deutschen Holzarbeiterverband, der größten Arbeiterorganisation in der Holzindustrie, ist zur Verstärkung des Kampfsonds die Entrichtung von Extrabeiträgen beschlossen worden, ferner sollen die Bestände der Lokalkassen in die Hauptkasse des Verbandes überführt werden, ebenso ist der christliche Holzarbeiterverband auf eine Verstärkung seiner Kampfmittel bedacht. Daraufhin hat auch der Arbeitgeber=Schutzverband in der Holzindustrie die Entrichtung von Ertrabeiträgen beschlossen; für jeden beschäftigten Arbeiter sollen als Extrabeitrag 3 Mark in die Verbandskasse abgeführt werden. Vor allen Dingen wollen die Arbeitgeber keine Verkürzung der Arbeitszeit zugestehen und auch über die Festsetzung des Endtermins der vorgeschlagenen Verträge kann es zu Differenzen kommen, die durch friedliche Unterhandlungen schwerlich ausgeglichen werden können. Falls keine Einigung zustande kommt, wollen die Holzindustriellen eine allgemeine Aussperrung vornehmen. Im Baugewerbe liegt ebenfalls die Gefahr eines schweren Konfliktes zwischen Arbeitgebern und Arbeitern vor. Hier werden die Unterhandlungen besonders erschwert, weil der Arbeitgeberbund den Arbeitgebern in den einzelnen Orten zu wenig Bewegungsfreiheit läßt. Im Baugewerbe wollen die Unternehmer noch geringere Zugeständnisse machen, als im Holzgewerbe. Allgemeine Lohnerhöhungen sollen überhaupt nicht zugestanden werden, nur wenn verschiedene benachbarte Orte verschiedenartige Löhne haben, ist ein Lohnausgleich zugelassen. Auf weniger als zehn Stunden darf die Arbeitszeit nirgends mehr herabgesetzt wer den und dort, wo die Arbeitszeit schon niedriger ist, darf unter keinen Umständen eine Herabsetzung eintreten. Außerdem sollen die lokalen Verträge nur Gültigkeit haben, wenn auch das allgemeine Vertragsmuster in Geltung kommt und wenn die abgeschlosssenen Verträge vom Arbeitgeberbund genehmigt sind. Sehr viel Erbitterung hat sich wegen Einführung des Zwangsarbeitsnachweises unter den Bergleuten in Westfalen und Rheinland angesammelt und es muß damit gerechnet werden, daß bei einer neuen Hochkonjunktur ein gewaltiger Bergarbeiterstreik zum Ausbruch kommt. Wie die Gefahr besteht, daß sich ein Borgarbeiterausstand in noch größerem Umfange wiederholen kann, so Die Kinder des Sträflings. Roman von A. Sinowka. 9 „Sie müssen. Was denken Sie nur von mir? Halten Sie nich für einen albernen Narren, der sich einbildet, jedes Madchen müßte sich in ihn verlieben? Das bin ich nicht, aber ein unglücklicher Mensch bin ich, unglücklicher als Sie ahnen. Ich möchte Techniker werden, wie mein Bruder, der in Irkutsk studiert, aber da ich unglücklichetweise der Aelteste bin, so verlangt mein Vater, daß sch einstmals nach ihm die Bergwerke übernehme. Datum muß ich hier bleiben unter seinen Augen, muß mir seine Tyrannei gefallen lassen, seine Verachtung, genn er verachtet mich, weil ich nicht seine tatkräfiige und herrische Natur besitze und nach seiner Ansicht en schwachmütiger, schlaffer Gesell bin. Aber..“ Warum erzählen Sie mir das?" stößt Dora hervor. „Warum.“ „=Warum?“ Er starrt sie an und seine großen Augen, melancholisch und düster sind, wie die Taiga Sigewinnen einen weichen, schimmernden Glanz. zgn Sie anders sind, als die Menschen hier, weil uud“ einbildete, daß Sie mich verstehen müßten. “ sann.. dann erzähleich es Ihnen, damit Sie meine zerungen über Elsa Borowna begreifen und ent10moigen. Sie, Elsa, wußte natürlich, daß ich der Hauptde meiner Eltern sein würde und darum.. ich will eingcht anklagen, aver.. sie sehnte sich wohl danach, ### keiche Frau zu werden und glaubte, daß der sibibi#se Palbwilde sich glücklich schätzen würde, eine so gemein I... 4“ finden. Und das Schlimmste war, daß auch dagers seiner geringen Meinung von mir das Elia üdte, es wäre ihm ganzgleichgültig, wenn ich mit rsonst, wem ich wollte.“ der junge Mann stockt glehkeine kurze Weile mit finster zusammengezogenen een vor sich hin.„Ich kann Ihnen nicht wiederholen, ; w a s m e i n V a t e r z u m i r s p r a c h,“ b e g a n n e r d a n n „Genug, daß er dachte, ich ware dumm geen, das ggs jedem weiblichen Wesen fangen zu lasnicht gausa auf anlegte. Sie kennen meinen Vater noch kaun Jaus. und wissen nicht, wie schrecklich er sein würden Sie begreisen, daß mir nichts übrig blieb, als Elsa Borowna mit äußerster Schroffheit zu begegnen und ihr aus dem Wege zu gehen, so viel das möglich war. Nicht aus Feigheit sondern aus Mitleid mit dem armen Geschöpf, das mein Vater auf der Stelle schonungslos aus dem Hause gejagt haben würde, wenn er geglaubt hätte, daß ich auch nur im mindesten auf ihr Entgegenkommen einginge. Unddas.“ schließt Gregor tiefatmend..„ist die Geschichte, die ich Ihnen erzählen mußte, nachdem Blanka und Alexandra einmal davon zu Ihnen geredet hatten. Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, manches hinzunehmen, aber auch von Ihnen falsch beurteilt zu werden.. das konnte ich nicht ertragen.“ Eine kleine Pause entsteht, dann hebt Dora ihr zartes Gesichtchen zu dem leidenschaftlich erregten jungen Mann auf.„Aber was kann Ihnen denn an meinem Urteil liegen?“ fragt sie.„Ich bin kaum mehr als ein Kind und kenne die Welt so wenig.“ „Aber immer noch besser, als ich. Seit meinem vierzehnten Jahre bin ich nicht über Nertschinsk hinausgekommen. Alle meine Erfahrungen an der Welt da draußen rühren aus meiner Kinderzeit her. Lidia und ich wurden dazumal bei einer alten Verwandten, einer Taute meines Vaters, in Petersburg erzogen, dann als Lidia fünfzehn und ich vierzehn Jahre zählte, starb die Großtante und hinterließ uns beiden ihr großes Vermögen. Da kamen wir wieder in unser Elternhaus zurück, das ich seitdem nie länger als auf ein paar Tage verlassen habe. Daher können Sie sich nicht wundern, Dora Petrowna, daß ich der tölpelhafte Gesell bin, als der ich hier vor Ihnen stehe. Es hätte vielleicht auch aus mir etwas werden können, wenn man mich in die Welt geschickt hätte, um zu studieren und Erfahrungen zu sammeln. Hier jedoch muß ich verkümmern. Denn ich tauge nicht für dieses Leben, mir fehlt das Organisationstalent meines Vaters, die Arbeiter gehorchen mir nicht, mein Vater hat ganz recht, wenn er behauptet, daß ich beständig Dummheiten mache, und dann widert die Rohelt, die mich hier umgibt, mich an. Ich fühle, daß ich stumpfsinnig werde in diesem verhaßten Leben.“ Der junge Mensch ist ganz außer sich, er preßt die Hände ineinander und beißt die Lippen sich wund. Dora dauert er unsäglich und doch vermag sie kaum ist es auch nicht unmöglich, daß in der Weberstadt Krimmitschau ein neuer Kampf entsteht. Auch dort haben die Arbeitgeber einen Zwangsarbeitsnachweis eingerichtet. durch den schon einige hundert Arbeiter gemaßregelt worden sind. Ferner klagen die Arbeiterinnen, daß in Krimmitschauer Fabriken die seit dem 1. Januar bestehenden Bestimmungen über die zehnstündige Arbeitszeit der Arbeiterinnen umgangen werden. Um die Abstellung dieses Mißstandes zu erreichen, haben lich die Arbeiter an die Gewerbeinspektion gewandt. Ernste Differenzen drohen auch im Steindruckgewerbe.“ In diesem Geschäftszweig haben die Arbeitgeber ohne Anhörung der Arbeiter eine neue Arbeitsordnung aufgestellt, die von den Arbeitern abgelehnt wird und deren Einführung sehr leicht mit einem Ausstand beantwortet werden kann. Auch noch in anderen Gewerben drohen Arbeitskämpfe. Dagegen ist wenigstens im Malergewerbe ein friedlicher Ausgleich erreicht worden. Deutsches Reich. Dem Aba. v. Oldenburg=Januschau, der am Samstag im Reichstage durch seine Forderung, daß der Kaiser jederzeit einen. Leutnant zu beauftragen in der Lage sein müsse, mit zehn Mann den Reichstag zu schließen, ersteht in der Zentrumspresse ein warmer Verteidiger. Man sucht den Mantel der christlichen Nächstenliebe über den konservativen Bruder zu decken tei, die wir niun schon besitzen, folgendermaßen: „Was man erst als aufstrebende freiheitliche Bürerpartei begrüßte, erwies sich bald als Trugbild. dr. Barth starb, und diesen Schlag hat die„D. V.“ nicht überwinden können. Mit diesem Einen, mit diesem Einzigen mußte auch ein kühner Traum der Traum von dem Erwachen des demokratischen Bürgertums zu Grabe getragen werden.“— Die „sorgfältig geführten Listen“ der demokratischen Vereinigung bespöttelt der„Demokrat" weidlich. Bekanntlich hatte der„Demokrat" neulich geschrieben, in der letzten Zeit seien aus der Temokratischen Vereinigung 1009 Mitglieder ausgetreten. Die Zentrale der Demokratischen Vereinigung hatte daraufhin in einer Berichtigung behauptet, daß nur 19 Herren ausgetreten seien. Dazu schreibt nun wieder der „Demokrat":„Ausgerechnet 19! Wir hatten 1009 gezählt, nun ja, die Zentrale zählt eben die Nullen, v. Oldenburg-Januschau und ihn so Den berechtigten Angriffen zu entziehen. Sonderbar mutet diese Verteidigung Oldenburgs durch das Zentrum an, wenn man hört, daß der Reichskanzler Bethmann Hollweg ganz konsterniert war, als er von der viel erörterten Aeußerung hörte, und aus seinem lebhaften Bedauern darüber kein Hehl machte, ohne Worte der Entschuldigung wie die Freunde vom Zentrum zu finden. Ueber die Demokratische Vereinigung urteilt der„Demokrat", das Organ der Freien Demokratie, bekanntlich der zweiten demokratischen Parim Gegensatz zu ihrem sonstigen Brauch, in diesem Falle nicht! Die„sorgfältig geführten Listen“ wissen nichts davon, daß z. B. im 6. Wahlkreis die Mitgliederzahl auf ein Drittel zurückgegangen ist, daß gegenüber dem vorigen Jahre die Abnahme allein in diesem Wahlkreise über 300 beträgt, eine Zahl, die sich noch vermehren würde, wenn erst der Mann mit dem Klingelbeutel herumgehen würde. Ja noch mehr: in einzelnen Organisationen wissen die Vorstandsmitglieder selbst nicht, ob die Organisarion noch besteht oder nicht„da sie ein Lebenszeichen seit Monaten nicht mehr von sich gegeben.— Und wie es im 6. Wahlkreis geht, so in anderen Organisationen von Groß=Berlin, so daß kundige Thebauer unsere Ziffer(die auf Grund sicherer Angaben festgestellt ist) als viel zu niedrig angegeben hinstellen, da in allen Organisationen Groß=Berlins bisher der Mirgliedsbeitrag noch nicht eingezogen und das Debacle noch nicht ganz offenkundig ist. Nach den sehr„sorgfältig geführten Lißen“ der Zentrale müßte die V.“ jetzt einen Mitgliederbestand von mindestens bis 9000 haben! Vielleicht„berichtigt“ die Zertrale auch diese Ziffer als zu niedrig!“ Ausland. England. London. 31. Jan. Wenn auch noch einige Wahlresultate ausstehen, so läßt sich das Endergebnis des englischen Wahlkampfes doch bereits bis auf einige Stimmen feststellen. Die Parlamentswahlen sind nunmehr so gut wie beendet und der Reeierungsblock besitzt eine Majorität von mindestens 121 Stimmen. Hierzu kommen noch weitere 7 Resultate, die höchstens eine oder zwei Stimmen Unterschied machen können. Wenn diese 7 Kreise unverändert bleiben, wird die Regierung über eine Mehrheit von 122 Stimmen gebieten. Die einzelnen Gruppen stellen sich bis jetzt wie folgt: 271 Unionisten, 273 Liberale, 40 Arbeitervertreter und 80 Nationallisten. Danach haben also die Liberälen allein schon die Mehrheit über die Unionisten. Die 273 Liberalen sind überdies, wie die Regierungspartei hervorhebt, sämtlich Engländer und Schotten, während zu den 271 Unionisten 20 irische Vertreter gehören. England und Schottland hat sich also ebenso unzweidentig wie Irland für den Freihandel erklärt. etwas anderes zu denken als wenn Herr oder Frau Nie= haben, und daß der Besitzer derselben jede Silbe des gowo sie doch nur nicht zusammen sehen möchten! Zwiegesprächs mit angehört bat. „Gregor Ssemenowitsch,“ sagt sie hastig und wun Dora fühlt sich wie im Tr dert sich dabei selbst wie ihr die Worte in den Mund kommen,„ein rechter Mann darf sich nicht in tatenlosem Jammer verzehren. Wenn Sie sich in Ihrer Lage wirklich so unglücklich fühlen, dann befreien Sie sich aus derselben, und wenn Sie nicht den Mut dazu haben, so strengen Sie Ihre Ihnen verliehenen Gaben an, um auf Ihrem Platz etwas zu leisten, das Ihrem Vater Achtung vor Ihnen abgewinnt. Dann wird er auch nicht länger Ihren Wünschen widerstreben. Aber wie können Sie verlangen, daß er Sie Ihren Weg gehen läßt, bevor Sie ihm noch nicht einmal den kleinsten Beweis geliefert haben, daß überhaupt etwas in Ihnen steckt. Jammern kann jeder, ein rechter, tüchtiger Mensch aber zwingt die Verhältnisse.“ Dora erschrickt selbst über die Standrede, die sie dem jungen Menschen gehalten hat, als sie aber die Wirkung derselben in seinen Zügen sieht, erschrickt sie fast noch mehr. Entzücken, Bewunderung, Begeisterung, das ist es, was ihr aus dem jungen schwermütigen Antlitz entgegenstrahlt. Ehe sie es hindern kann, hat Gregor ihre Rechte gefaßt und an seine Lippen gepreßt. „Ich wußte es ja, Dora Petrowna, daß es mir Segen bringen würde, mich Ihnen anzuvertrauen,“ flüsterte er ihr zu.„Ich wußte es von dem Augenblick an, da ich Sie mit meinen Schwestern im Garten sah, mit ihnen spielend, wie ein Kind und doch so überlegend und sie beherrschend mit Ihrem Willen. Und nun behaupten Sie noch, daß Sie nicht welterfahren sind! Ach, ich sage Ihnen, Sie sind welterfahrener und klüger, als wir alle hier. Aber Sie sollen nicht umsonst mich ermahnt haben. Ich kenne jetzt den rechten Weg und ich werde ihn gehen. Sie werden es erleben, daß ich es tue.“ Noch einen Kuß drückt er auf ihre Hand, dann läßt er sie los und gleitet geräuschlos aus dem Zimmer. Vermutlich fürchtet auch er, hier mit Dora überrascht zu werden und sich und sie Mißdeutungen auszusetzen. Wenn die beiden geahnt hätten, daß durch ein win ziges Schiebfensterchen, welches an einer Tapetentüre angebracht ist zwei harte. graue Augen sie beobachtet Dora fühlt sich wie im Traum! Daß man ihre Worte als Offenbarungen hoher Weisheit aufgenommen hat, ist ihr in ihrem jungen Leben noch nicht pasiert. Im Försterhause hieß es immer, wenn sie wagte, hre Meinung zu äußern:„Ach, Kleine, davon verstehen Sie ja nichts," und im Waisenhause, da fand sie überhaupt keine Gelegenheit, sich erwachsenen Leuten zegenüber auszusprechen. Ein stolzes Empfinden überommt sie, zum ersten Mal hat sie ihre Macht kennen gelernt und nicht nur als Weib, sondern als Mensch. Das erhebt sie in ihrer eigenen Schätzung und es will ihr fast erscheinen, als ob sie wirklich ein ganz außerordentliches, seltsames Wesen sei. Bald darauf treten die übrigen Hausgenossen ein, einer nach dem andern kommen sie, auch Julius, und eine Weile später Herr Niegowo.. Lidia erscheint nicht Dagegen berichtet Frau Niegowo den Anwesenden, daß ihre älteste Tochter von ihrer Besuchsreise zurückgekehrt, aber noch so angegriffen sei, daß sie es vorziehe, auf ihrem Zimmer zu speisen. So hat sich Dora fürs erste umsonst vor dem Zusammentreffen Julius mit Lidia geängstigt. Leider gelingt es ihr aber auch jetzt nicht, den Bruder allein zu sprechen, da Herr Niegowo ihn sofort nach dem Essen wieder mit ins Bergwerk nimmt. *** Herr Niegowo ist schon sehr früh mit Julius arr. dem Bergwerk zurückgekehrt. Dora sieht die beiden Verren ins Nebenhaus treten, in dem sich die Bureaus befinden, nach einer kleinen Weile jedoch kommt ihr Prinzipal allein zurück und zu ihrer unaussprechlichen Verwunderung hört ste ihn an ihrer Türe fragen, ob sie zu sprechen sei. Ein tödlicher Schreck überfällt sie, denn sie glaubt nicht anders, als daß er ihr wegen irgend etwas Vorwürfe zu machen beabsichtigt. Sie empfindet immer noch und zwar nach ihrem Gesprüch mit Gregor doppelt, eine fürchterliche Angst vor dem finstern Mann, dem ehemaligen Verschickten. Als Herr Niegowo aber auf ein schüchternes„Herein“ eintritt, blickt er ihr mit einem so freundlichen Lächeln entgegen, wie sie es bei ihm bisher einzig und allein im Verkehr mit seiner Gemablin beobachtet hat. 176.19 Lokales und Orovin,ielles. Dortmund, 1. Februar. — Der Kaiser hat aus das ihm von dem Fest essen am Fredenbaum gesandte Glückwunschtelegramm wie folgt antworten lasten:„Seine Majestät der Kaier und König lassen für die freundlichen Glückwünsche zu Allerhöchstihrem Geburtstage herzlich danken. Der Geheime Kabinettsrat: v. Valentini.“ — Stadtverordneter Karl Berninghaus F. Wiederum hat der Tod eine Lücke in das Stadtverordnetenkollegium gerissen. Nach kurzer Krankheit verschied am Sonntag im Alter von 74 Jahren der in industriellen Kreisen wohl bekannte Fabrikbesitzer Karl Berninghaus, der dem Stadtverordnetenkollegium seit dem 1. Januar 1901 angehörte. In Berninghaus ist ein Mann aus dem Leben geschieden, der sich allgemeiner Wertschätzung erfreute. Seinen Arbeitern war er ein Arbeitgeber, wie er nicht immer gefunden wird. Zwar streng, aber gerecht schlug sein Herz warm für seine Arbeiter, denen er in fleißiger Pflichterfüllung ein glänzendes Beispiel gab, Wie er in seinem engeren Kreise vorbildlich wirkte, so war er auch, nachdem ihn das Vertrauen seiner Mitbürger mit ihrer Vertretung im Stadtparlament betraut hatte, für die Stadt ein wertvoller, fleißiger und umsichtiger Mitarbeiter. In einer Reihe wichtiger Kommissionen leistete er durch Rat und Tat der Stadt hervvrragende Tienste, die ihm ein ehrenvolles, dankbares Andenken in der Bürgerchaft sichern. Auch als Handelsrichter stellte er seine Kräfte in den Dienst der Allgemeinheit und füllte als solcher sein Amt in vollem Maße aus. Möge ihm die Erde leicht sein. —* Der Provinziallandtag der Provinz Westfaen ist zum 27. Februar nach Münster einberufen worden. —* Die Dienststunden bei den städtischen Bureaus ind Kassen beginnen von heute ab wieder um acht Uhr vormittags. — Sonderzug zum Winterfest in Winierberg Wer unserem schönen Sauerland im Winter einen Besuch abstatten sein Herz einmal an den winterlichen Freuden erfreuen und eine kurze Erholung sich gönnen will, dem bietet sich keine bessere, vor allem billigere Gelegenheit, als den Sonderzug zu benuetzn, der zum Winterfest am Sonntag den 13 ). J. von Essen nach Winterberg fährt. Von Dortmund hat man an diesen am besten in Laugendreer, aber auch in Witten und Schwerte guten Anschluß. Da der Zug bereits 10,19 Uhr in Winterberp eintrifft, und erst abends 8 Uhr zurückjährt, hat jeder lange Zeit, die gesuchte Erholung in der Art, wie er will, sei es durch Teilnahme am Winterfest, sei es durch eine Tour in die winterlichen Berge, zu inden. Tazu ist der Fahrpreis bedeutend ermäßigt die Fahrt hin und zurück Winterberg kostet von Langendreer 5,20 Mk., von Witten 5 Mk. von Schwerte 3,90 Mk. Hauptsache ist nur, daß der, welsher sich zur Fahrt entschließt, sich umgegend, stäestens bis zum 3. Februar Mittags einen Gutschein im Büreau des Verkehrsvereins, Markt 2a, kauft, da sonst mangels Beteiligung der Sonderzug nicht fährt. Des Geldes geht keiner verlustig, da der Betrag des Gutscheins, falls der Sonderzug am Sonntag, 13. Februar ader an einem späteren Sonnage der Witterungsverhältnisse wegen nicht verkeh. ren kann, zurückgezahtl wird. Das genaue Programm des Winterfestes und der Fahrplan des Sonverzuges sind im Bureau des Verkehrsvereins, Markt ra, einzusehen. Also frisch auf! —“ Vom westfälischen Sängerbund. In der im Sonnabend unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Eichhoff tagenden Bundesausschußsitzung wurde nach einem längeren Vortrag des Baurats Kullrich u. a. der Beschluß gesaßt, für das am 3. und Juli hierselbst stattfindende Bundes=Sängeriest auf der Festwiese am Fredenbaum eine große Säncerhalle aus Holz zu erbauen. Die bebaute Grundfläche soll 7000 Quadratmeter betragen. Es ist eine Buyne für aub Sanger und ein Zuschauerraum für 10 000 Personen vorgesehen und zwar 200 Logen=, 800 bevorzugte, 4000 Stuhl= und 5000 Bankplätze; sämtliche Plätze sind numeriert. Außerdem werden Räume für den Bundesausschuß, die Garderobe, Presse, Post, Sanitätswache und Feuerwehr hergerichtet. Der Fredenbaum=Saal ist zur Abhaltung des Festkommerses, Festessens und des Festballes bestimmt. Aus dem Philharmonischen Orchester und dem Hagener städtischen Orchester wird ein Musikkörper von 100 Musikern gebildet. Als Ehrenschutzherr ist der Oberpräsident gebeten worden. Der Beitrag für die teilnehmenden Sänger, deren Anmeldung baldigst erwünscht ist, beträgt 1 Mk., wofür das Festbuch, Abzeichen, Noten und freier Eintritt gewährt wird. Am 6. Februar beginnt der Notenversand an die Vereine. —' Besitzwechsel. Das seither dem Lehrer Albert Rusche gehörende Einfamilienhaus Winkelstraße 28 ist durch Kauf in den Besitz der Geschwister Lehrerin Emma Krahnefeld und Klavierlehrerin Anna Krahneseld übergegangen. — Besitzwechsel. Die Hausbesitzungen Gutenbergstraße 49=51 dem Hülfsvollziehungsbeamten Herrn W. Kreutzkamp, hier, gehörend. sind zum Preise von 35 000 Mark in den Besitz des Bäckermeisters Fritz Müller zu Bochum übergegangen. Letzterer läßt die beiden Häuser niederreißen und auf dem dann freiwerdenden Bauplatze zwei der Neuzeit entsprechende Wohn= und Geschäftshäuser aufführen. Herr Müller will, da die Lage für ein derartiges Geschäft dort sehr günstig ist, in einem der Neubauten seine Bäckerei mit elektrischem Betriebe einrichten. — Lebensmüde? Ein Wächter der hiesigen Wachund Schließgesellschaft fand in der Nacht zum Sonntag gegen eineinhalb Uhr auf seinem Rundgange in der Nähe des Fredenbaums einen Mann mit durchschnittener Puls=Schlagader des rechten Armes und mehreren Stichen besinnungslos auf der Erde liegen. Der Wächter legte dem Bedauernswerten sofort einen Notverband an und übergab ihn zwei inzwischen hinzugekommenen angeblichen Bekannten des Verletzten, welche für sein Unterkommen sorgten. —“ Polizei=Bericht. In der Nacht zum Montag bezw. im Laufe des Sonntags wurden sieben Personen festgenommen und zwar: 3 wegen Obdachlosigkeit, je 2 wegen Diebstahls und Unfugs.— Bei einem Metzgermeister in der Langen Straße wurden in der Nacht zum Sonntag mittelst Einbruchsdiebstahls Fleischund Wurstwaren, außerdem auch ein größerer Geldbetrag gestohlen. Mengede, 1. Febr. Der„Gemeinnützige Bauverein für das Amt Mengede“ hat von der hiesigen Gemeinde den sog. Judenkamp an der Brünninghausergrenze, käuflich erworben. Auf diesem Grundstück sollen 29 Einfamilienhäuser mit Gärten errichtet werden. Die Gesellschaft beabsichtigt schon in diesem Frühjahr mit dem Bau von 10 Wohnhäusern zu beginnen. Hagen, 1. Febr. Die Landtagsersatzwahl im Wahlkreise Hagen=Schwelm findet am 21. Februar statt. Oberhausen, 1. Febr. Auf der Zeche„Nordstern“ beschäftigten sich mehrere junge Arbeiter an dem Aufzug. Dieser ging plötzlich hoch, wobei ein Arbeiter sofort zerdrückt, zwei andere tötlich verletzt wurden. Eupen, 1. Febr. Bei den gestrigen Stadtratswahlen der zweiten Klasse hat das Zentrum gesiegt. Düsseldorf, 1. Febr. Auf dem unterirdischen Schießplatz der Rheinischen Metallwaren= und Maschinensabrik wurden gestern bei Schießversuchen durch abspringende Geschützteile fünf Personen, darunter ein Ingenieur, verletzt. Drei der Verunglückten, die im Marienhospital Aufnahme fanden, haben sehr schwere Verletzungen erlitten. Einem Arbeiter wurde die linke Hand halb abgerissen, außerdem erlitt er eine Schußverletzung im Unterleib„sodaß kaum Aus sicht auf Erhaltung seines Lebens vorhanden ist. Die beiden anderen Arbeiter wurden an Armen und Händen sehr schwer verletzt, einer trug auch noch einen linksseitigen Beinbruch davon. Der Ingenieur und der vierte Arbeiter kamen mit leichten Verletzungen davon. Schwerte, 31. Jan. In einer hier abgehaltenen Vorstandssitzung des Korpsverbandes der Vereine des 16. Armeekorps. in der man sich mit den Vorbereitungen für den nächsten Korvsappell beschäftigte, wurde mitgeteilt, daß Graf Häseler sein persönliches Erscheinen zugesagt habe. Der Korpsappell findet in Schwerte statt. Im Hinblick auf die bestimmt zu erwartende Teilnahme des DeutschAmerikanischen Kriegerbundes in Neuyork wurde für die Veranstaltung der 5. Juni in Aussicht genommen. Insgesamt werden etwa 6000 ehemalige Soldaten des Grenzkorps an dem Korpsappell teilnehmen. Eickel bei Wanne, 31. Jan. Hier hat sich heute ein Liebesdrama abgespielt. Der Reisende Gründer aus Essen unterhielt mit der Näherin Klara Christofiak ein Liebesverhältnis. In der letzten Zeit scheint es liebte, von der er wußte, daß sie um diese Zeit an der Restauration vorüber zur Arbeitsstelle ging. Als das junge Mädchen kam, trat Gründer aus der Wirtschaft heraus und ging neben dem Mädchen her. Plötzlich zog er einen Revolver und gab fünf Schüsse auf die Christofiak ab. Zwei Kugeln drangen ib in den Hals, eine in den Kopf und eine in die Seite. Das Mädchen wurde, lebensgefährlich verletzt, nach dem Krankenhause geschafft. Gründer flüchtete nach der Tat in die Wirtschaft von Oelmann, wo er seinen Revolver abgab. Er wurde von einem Polizeisergegnten„verfolgt und verhaftet. sei. Die Väter verschiedener Tänzerinnen, denen#. Mädchen von dem brüsken Verhalten Bergere o##“ teilung gemacht hatten, sollen versucht haben, durVermittlung des Sekretärs des Hoftheaterinten. ten, Grafen Weber, die Mißstände zur Kenntnis maßgebenden Instanz zu bringen. Ter Setretär ihnen aber die ablehnende Antwort gegeben 5.““ Köln, 31. Jan. In einem Abteil zweiter Klasse eines hier abgehenden Schnellzuges hat sich Sonntag früh gegen 5einhalb Uhr ein etwa 25jähriger Reisender aus Würzburg durch einen Revolverschuß in die Herzgegend getötet. Hinter den Kulissen der Dresdener Hofoper. S. u. H. Dresden, 31. Januar. Verschiedene pikannte Geheimnisse des Dresdedeuer Hofheaters werden dieser Tage in einer Verhandlung vor dem hiesigen Schöffengericht zur Sprache kommen. An der Dresdener Hofoper spielt bekanntlich nach alter Tradition das Ballet eine große Rolle. Es ist bekannt, daß vielleicht an keiner Bühne des Kontinents so prunkvolle und künstlerisch vollendete Balletbilder zur Auführung gelangen, als an dem Dresdener Königlichen Institut, auf das man daher in ganz Sachsen mit berechtigtem Stolze zu blicken pflegt. Um so größeres Aufsehen erregte es daher, als bekannt wurde, daß hinter den Kulissen der Dresdener Hofoper sehr eigentümliche Zustände herrschen sollten Die„Dresdener Rundschau" beschäftigte sich in einem Artikel eingehend mit diesen Verhältnissen„für die sie die Hauptschuld dem Balletmeister August Berger in die Schuhe schob. In dem Artkeli wurde behauptet, daß sich die Angehörigen des Ballets von Berger die gröbsten Schimpfworte gesalten lassen müßten. Ausdrücke wie„Saumensch, Idiot, fauler Hund“ seien an der Tagesordnung, bedeuteten aber noch nicht die krafsesten Bezeichnungen. Berger wurde weiter vorgeworfen, daß er im Dienst diejenigen Damen die seine Anordnungen nicht ganz genau ausführten, recht handgreiflich zurechtweise, sie an den Haaren ziehe usw. Der Herr Balletmeister habe ferner die Sonne seiner Huld nicht nach Recht und Gerechtigkeit leuchden lassen, sondern je nach der persönlichen Liebenswürdigkeit, die die Damen ihm entgegenbrachten. So habe er mehrere Solotänzerinnen mit Liebesanträgen verfolgt, allerdings aber nur bei einer Erfolg gehabt. Diese soll nun als Favoritin Bergers einen solchen Einfluß auf diesen gewonnen haen, daß eine Art Günstlingswirtschaft eingerissen Exzellenz wünsche mit solchen Kleinigkeiten nicht lästigt zu werden. Als doch eine Reihe von Beschwer den bei der Intendanz einliefen, soll Berger einleichte Rüge erhalten haben. Daraufhin seien## Verhältnisse wohl insofern besser geworden, als Ber ger sich mit seinen Aeußerungen wohl etwas in Acht nehme, er suche aber durch kleinliche Clikanen seine Rache zu nehmen, indem er Ordnungsstrafen verhänge, Spielhonorare entztehe usw. In dem Ar tikel war als die Favoritin des Balletmeisters eiFräulein H.. genannt, Die Solvtänzerin Fräu lein Heß bezog nun diese Bezeichnung auf sich und Berger sowohl wie sie erhoben gegen den verantwortn chen Redakteur der Dresdener Rundschau, Rauw, diPrivatbeleidigungsklage. In der Angelegenheit###nd bereits einmal Termin an, der aber vertagt wurde da sich inzwischen infolge der Veröffentlichungen in der Presse neue Zeugen gemeldet hatten. Insbesondere sind von verschiedenen Personen aus Prag zeigen eingelaufen, daß Berger auch als Balletdme ster an dem Königlich=deutschen Landestheater in Prag sich ähnliche Verfehlungen wie in Dresden habe zuschulden kommen lassen. Der Beklagte gedenkt daher einen umfangreichen Wahrheitsbeweis für seine Behauptungen zu führen und hat zu diesem Zweck eine große Reihe von Zeugen und Zeuginnen laden lassen. Darnuter befinden sich fast sämtliche Tänzer und Tänzerinnen der Hofoper, die Kammersänger Scheidemantel und Burian, sowie eine Anzah# weiterer Sänger und Sängerinnen, denen die geschilderten Vorgänge bekannt gewesen sein sollen. Ferner hat der Angeklagte die Ladung mehrerer Sachverständiger darüber beantragt, in welchem Umfange einzelne Tänzerinnen infolge der Behandlung durch davon getragen Berger gesundheitliche Schädigungen davon getragen haben. Wir werden über die Verhandlungen berichten. Letzte Telegramme. Der Dank des Kaisers. Berlin. 31. Jan. Der„Reichsanzeiger" veriffentlicht nachstehenden Erlaß des Kaisers an den Reichskanzler: „Auch mein diesjähriger Geburtstag ist durch die herzliche Anteilnahme des deutschen Volkes und der im Auslande lebenden Stammesgenossen für mich zu einem rechten Freudentag geworden. In zahlreichen Telegrammen und Zuschriften sind mir aus allen Schichten der Bevölkerung ohne Unterschied des Bekenntnisses und der Parteistellung freundliche Glück= und Segenswünsche dargebracht worden. Durch diese patriotische Kundgebungen auf freudigste bewegt, drängt es mich, den städtischen und ländlichen Gemeinden, Vereinen und Korporationen, sowie allen, welche mir an diesem Tage ihre Anhänglichkeit und Zuneigung in so mannigfacher Art zum Ausdruck gebracht haben, meinen herzlichen Dank zu sagen. Gott der Herr aber wolle unser teures Vaterland auch fernerhin in seinen Schutz nehmen und das deutsche Volk durch Einmütigkeit und Opferwilligkeit zur Erfüllung der großen sozialen und kulturellen Aufgaben unserer Zeit stark machen. Ich ersuche Sie, diesen Eklaß zur öffentlichen Kenntnis zu bringen.“ Kaiser und Kanzler. Berlin, 31. Jan. Der Kaiser machte heute ermittag dem Reichskanzler v. Bethmann Hollweg einen Besuch Die belgische Sondergesandtschaft beim Kaiser. Berlin. 31. Jan. Der Kaiser empfing heute die elaische Sonderaesandtschaft in Gegenwart Dortmunder Stadttbeater. ms. Dortmund, 31. Januar. Zum 1. Male: „Judith“. Tragödie in 5 Akten von Friedrich Hebbel. Trotzdem Friedrich Hebbel nach Grillparzer der bedeutendste deutsche Dramatiker ist, hat seine stolz einherschreitende Muse nur ganz allmählich auf den deutschen Bühnen Fuß fassen können. Seine Werke sind dem großen Publikum unbekannt. Man übertreibt wohl nicht, wenn man sagt, daß nur Literaturkundige sie kennen. Erst in neuerer Zeit hat man sich mehr mit Hebbel und seinen gewaltigen Werken beschäftigt. Es scheint, als wenn früher das Publikum noch nicht reif zur Aufnahme der Hebbelschen Dichtungen gewesen sei, und daß wir jetzt erst Hebbel nahe genug gerückt sind, um seinen Werken dus rechte Verständnis entgegen zu bringen. Es ist eine alte Erfahrung, daß die Zeit der großen Dichter immer erst dann ist, wenn die Welt ihnen langsam nachgereift ist, Hebbel bestätigt das ganz besonders. Ich freue mich stets, wenn eine Bühne sich gedrungen fühlt, das Andenken Hebbels zu ehren und dem lang: verkannten Dichter zu einem nachträglichen Siege zu verhelfen. Unser Stadttheater hat, zu seinem Lobe ist es zu sagen, Hebbel seine Pforten nicht verschlossen, sondern ihn bereits öfter zu Worte kommen lassen.. Ich erinnere nur daran, daß die gewaltige Nibeungen=Trilogie Hebbels zu vortrefflicher Widergabe auf unserer städtischen Bühne gelangt ist. Heute kam Hebbel wieder einmal zu Wort und zwar mit seiner dramatischen Erstlingsarbeit„Judith“, die er im Winer 1839 auf 1840 als 27jähriger geschrieben. Mit „Judith“ hat Hebbel sich einen Platz in der Literatur besichert. Allgemein sah man damals mit neugierigen Augen auf das neue Talent, das sich in so neuartiger Weise zngestüm ankündigte. Allerdings blieb das große Publikum den vielen Eigentümlichkeiten des Dichters geenüber überaus kühl, was nicht wunder nimmt. wenn nan beachtet, wie Hebbel die reichen Geistesschätze in einen Dramen mit Wunderlichkeiten und knorrigem Welen derart umgibt, daß sie nicht bedengungslos genosen werden können; wenn man berücksichtsgt, daß Hebbel peniger Sinn für schlichte Schönheit, für das Einfache ind Harmonische hat, als für das Bizare. Wie beseits angedeutet, wurde Hebbels Name nach dem Ercheinen des„Judith“ schnell allenthalben bekannt. Das von Kraft Ueberschäumende schaffte ihm, wie einst Goethe rr„Goetz“ und Schiller die„Räuber“ begeisterte Annger; aber diese, die von dem ganzen Duft, der anzen herben Kraft und der Ursprünglichkeit des eren Dramas eines genialen Dichters sich hatten forteißen lasssen, waren enttäuscht, als die folgenden Werke sichts von der fortreißenden Esgenart des Erstlingsherkes zeigten. Erst später erhob sich Hebbel in seiiem„Herodes“, in„Marjanng“ usw. zu reifer Höhe. doch es ist hier nicht Zeit und Ort, die ganze litegern will, entschließt, die Stadt dadurch zu retten, daß — preiedoch es ist hier nicht Zeit und Ort, die ganze litearische Tätigkeit Hebbels, wenn auch nur in knappen Zügen, zu würdigen. Hier gilt es lediglich, der„Jusith“ einige Worte zu widmen. Den Stoff für das Drama„Judith“ hat Hebbel in der Bibel gefunden. lber die biblische Judith ist eine ganz andere, wie ne des deutschen Dichters. Die Judith der Bibel k ein schönes, frommes Weib, das sich, als der Felderr des Königs Nebukadnezar vor den Thoren Behuliens lieat: und die Bewohner der Stadt aushunsie sich dem assyrischen Feldherrn preisgibt, um ihn dann im Schlafe um eines Hauptes Länge kürzer zu machen. Der grübelnde Sohn des Nordens sah in der„Judith“ nicht das verführerische schöne Weib, das arglistig den Holofernes in seine Schlingen lockt, um ihn töten zu können, er gab ihr eine tiefere Empfindung und ließ sie durch einen inneren Konflikt zur Tat treiben. Hebbels Judith ist ein Mitteldeng zwischen Frau und Jungfrau, eine Witwe, die nur sechs Monate ihrem Manne angehörte, aber nie von ihm berührt worden ist, denn in der Brautnacht trat etwas Entsetzliches, das nicht näher bezeichnet wird, zwischen Mann und Weib. Hebbel will Judiths Tat menschlisch erklären. Judith opfert dem Holofernes ihre Jungsräulichkeit, aus Haß rächt sie sich an dem Vernichter ihrer Ehre. Sie ist keine jauchzende Siegerin wie in der Bibel, sondern ein angsterfülltes, bebendes Weib, das sich selbst vernichtet, indem es sein Volk errettet.„Die Judith der Bibel“, so schreibt Hebbel dem Prof. Heiberg,„ist eben nichts als eine Charlotte Corday, ein fanatisch=listiges Ungeheuer. Sie singt und tanzt drei Tage lang um die Bundeslade und gibt ihren„lieben Brüdern“ in den Aufatmungspausen die Versicherung, daß sie von dem gräulichen Tyrannen keineswegs„verunreinigt“ worden sei. Erst meine Erfindung, erst die surchtbare Situation am Schluß, daß sie dem Ermordeten einen Sohn gebären und so nach dem alten Diktum: Auge um Auge, Zahn um Zahn, Blut um Blut den Muttermörder, also die Nemesis in ihrem eigenen Schoß tragen kann, hat sie in den tragischen Kreis erhoben.“ Aus Holofernes ist unter des Dichters Hand ebenfalls ein anderer geworden, als wir ihn aus den apogryphischen Büchern kennen. Hebbels Holofernes ist eine Herrennatur, die nicht einmal Nebukadnezar über oder neben sich zu dulden entschlossen ist, ein blutdürstiger Tyrann, der nur Sklaven um sich kennt und diese unterwürfigen Sklaven von Grund aus verachtet. Was Hebbel mit seiner Tragödie bezweckt hat, teilt er uns wie folgt mit:„Judentum und Heidentum sind wiederum nur Reprässentanten der von Anbeginn in einem unlösbaren Dualismus gespaltenen Menschheit, und so hat der Kampf, in dem die Elemente meiner Tragödie sich gegenseitig an einander zerreiben, die höchste symbolische Bedeutung, obwohl er von der Leidenschaft entzündet und die Wallung des Blutes und die Verirrungen der Sinne zu Ende gebracht wird.“ Demnach hatte Hebbel eine Symbolik vor Augen, die das götterreiche Heidentum und das glaubensstarke Israel verkörpern sollte. Wie weit ihm das gelungen ist, mag dahin gestellt bleiben. Der Gang der Handlung der„Judith“ ist, trotz einiger nüchterner Stellen, energisch, die Darstellung des fu dischen Volkstums scharf umrissen, die Gliederung der Massenszenen vortrefflich, die Charakteristik der Hauptsiguren von äußerster Feinheit und künstlerischer Vollendung. Der Gegensatz zwischen Holofernes und Judith ist von Hebbel meisterlich herausgearbeitet worden: die Judith ersteht als das echte starke, über ihr Geschlecht hinauswachssende Weib nicht minder plastisch aus dem dichterischen Wollen wie Holofernes, der nicht nur ein Typus des Tatmenschen ich, sondern auch„die gewaltigste Verkörperung des Uebermenschen, welche die neuere Literaturgeschichte kennt.“ Nun zu der heutigen Aufführung, die von Herrn Oberregisseur Karl Habermener mit der ihm schon häufig mit Recht nachgerühmten„kundigen Hand“ inzeniert worden War. Es ist dankbar auzuerkennen. Sab das Drama nicht durch Streichungen verhunzt, sondern nach dem Original gegeben worden ist. Die Ausstattung war orientalich=üppig; doch hatte die Regie im ersten Akt vermutlich aus technischen Gründen andere Wege eingeschlagen, als sie Hebbel vorgezeichnet, vom Lagerleben war nicht viel zu bemerken. Die prächtige Volksszene im dritten Akte hätte auch im Hintergrunde etwas beweglich sein können, denn so ganz teilnahmlos an den dramatischen Vorgängen ist auch ein unter Hunger und Durst leidendes Volk nicht, wie dasjenige, welches hier die Staffage bildete. Erfreulich war, daß das Haus nicht Zeuge von der Ermordung des Holosernes zu sein brauchte und ihm der Anblick des blutigen Hauptes erspart blieb. Das Hauptinteresse richtete sich selbstverständlich auf Frl. Josefine Rottmann vom Kgl. Hoftheater in München, die in der Titelrolle gastierte. Wie unsere bedeutendsten Heroinen, die Ellmenreich, Klara Ziegler, Wolter und andere, sich die Judith gewissermaßen als Paraderolle aufs Korn genommen, so hat auch Frl. Rottmann, die schon auf den Höhen der Kunst wandelt, die Judith gewählt, um zu glänzen. Und sie glänzt. Ihre Judith ist eine überragende Erscheinung, eine ungeheuerliche Individualität, wie der Dichter selbst sie nennt. Frl. Rottmann ließ den Keim des großen Entschlusses, das Ausersehensein für die Rettungstat scharf in die Erscheinung treten, gab den inneren Kampf mit seltener psychologischer Feinheit wieder, wuchs in der Leidenschaft zu wuchtiger Größe an, war von Haz und Liebe gleichmäßig verzehrt, verlieh der sinnlichen Bewunderung des starken Holofernes überzeugenden Ausdruck, kurz war all den ganz bedeutenden Anforderungen der Rolle bis auf den letzten Rest gewachsen. Sie verstand es, das Publikum von Akt zu Akt immer mehr zu erwärmen und schließlich zu stürmischem Beifall hinzureißen. Mit dem Holofernes trat dem Gaste Herr Mayr recht gut zur Seite. Der Raubtiernatur des assyrischen Feldherrn lieh er ebenso wirksamen Ausdruck wie der zynischen Menschenverachtung, dem Größenwahn und der Sinnlichkeit. Auch die übrigen Mitwirkenden, deren es so viele ssind, gaben sich be, ihre Aufgaben würdig zu lösen. Es können hier nur einige besonders herausgehoben werden. Ein guter Ephraim war Herr Gerdes; als Mirza war Frl. Hrubesch ganz am Platze; den Aeltest Bethulien sprach Herr Fischer tadellos; eir treffliche Leistung war der stumme Daniel des sten von ne voriche Leistung war der stumme Daniel des Herrn Binder, aus dem plötzlich Jehova zum Volke redet: recht verständnisvoll verkörverte Frl. Proß die Delia, deren Mann Samaja durch Herrn Kaufmann sowobl im Spiel wie Maske trefflich dargestellt wurde. nerkennend seien noch die Herren Matthias als Hauptmann Achior, Klug als Samuel, Engelke als Assad und Kaul als Oberpriester von Bethulsen genannt. Das Haus war zwar gut besetzt, aber doch nicht so, wie es im Hinblick auf die Erstaufführung der „Judith“ und auf den hervorragenden Gast hätte erwartet werden müssen. 4. Solisten=Aonzert Philharmonischen Orchesters -E. Dortmund, 1. Februar. Herr Musitdirektor Hüttner hatte zu dem getrigen Künstlerkonzert ein Programm vornehmen Etils eusammengeltelle: nur Word# beestichen#lRlai. ster kamen zu Gehör; Bach war mit einer Snite für Flöten und Streichorchester vertreten, Brahms mit seinem einzig schönen Violinkonzert und Liedern, Reger und Wolf ebensalls mit Gesangskompositionen, zum Schluß Richard Strauß mit seinem Don Juan. Die Bach'sche Sutte für Flöte und Streichorchester ist nicht so bekannt, wie die Ddur=Suite mit dem überaus populär gewordenen Air, steht dieser aber an musikalischem Werte durchaus nicht nach; die Aufführung dieses an polyphonen Schönheiten so reichen Werkes verdient mustergiltig genannt zu wer den, vor allem sei dem Soloflötisten unseres Philharmonischen Orchesters, Her##### p. ein Wort des wärmsten Dankes gespendet. Das andere Orchesterwerk des Abends stand in schroffem Gegensatz zu der ehernen klassischen Kunst des Altmeisters Bach; Richard Strauß, der energischste und erfolgreichste Vorkämpfer der Programmusik, führte seine Don Juan=Fantasie ins Treffen. Sinnliche Glut und schillernde Farbenpracht zeichnen auch dieses Werk des Modernsten unter den Modernen aus. Es ist zu bewundern, mit welcher Meisterschaft Richard Strauß Motive, die in Tonart und Charakter scharf kontrastieren, zu einem einheitlichen Ganzeu verschmilzt.— Dieses mit Schwierigkeiten gespikte Werk wurde unter der anfeuernden Leitung Hüttners glänzend durchgeführt. Zwischen diesen beiden genannten großen Werken erfreuten die Solisten des Abends, Frl. E Schenk=Weimar, eine geborene Dortmunderin, und Altstimme, sie interpretierte Lieder von Brahms, Reger und Hugo Wolf mit feinem Eingehen auf die In tentionen der Komponisten. Anfangs zwar etwas kalt lassend, wuchs ihr künstlerisches Können von Lied zu Lied; am besten gelangen ihr: das neckische „Ständchen“ von Brahms,„Waldeinsamkeit“ von Max Reger und das an seinen harmonischen Wendungen reiche„Heimweh“ von Hugo Wolf.— Die Beglei tung zu den Liedern führte Herr Eikemever erall und geschmackvoll aus. Herr Karl Pecst spielte das Brahms'sche Violinkonzert; dieses am 1. Januar 1879 von Josef Joachim in einem Leipziger Gewand hauskonzert in die Oeffentlichkeit eingeführte Werk wird nach und nach ein immer größerer Liebling der Geigerwelt. Auch in Dortmund ist es in letzter Zeit schon verschiedentlich gespielt und von der Presse gewürdigt worden, weshalb sich ein näheres Eingehen auf die Komposition erübrigt. Der Solist entledigte sich seiner Aufgabe in vornehmer Weise; sein Empfinden sagte ihm stets richtig, wo er zu dominieren und wo er sich dem Orchester unterzuordnen hatte. Einige kleine Intonationsschwankungen, besonders bei den Dezimengriffen im 1. Satz, dürften die Wirkung des Ganzen kaum beeinträchtigt h## ben.— Die zahlreiche Zuhörerschaft spendete lichen Ausführenden reichen Beifallesc Ag:###stückstafel gele brachen erster Klass, den Die preußische We Perlin, 31. Jan. slage unterschrieben. S Reichstagsersatzahl Los vortiegenden Wahse Elfe- Gesse Ei von 103 Stimmen ge Sozialdemokrat Landsberg, 1. Febr zordnetenwahl wurden sät gewählt. Prinzessin Louis# Paris, 1. Febr. Der #in Louise sei von ihrem hit worden, daß ihr Sch Schleswig=Holstein geste ne Schwiegermutter unter Zur griech Inaris. 1. Febr. Nache Ang hat Theotokis die b krochen, daß die Militärlig baldigst auflösen werde. keisen wird dieser Optin Das Befinde Petersburg, 31. Jal ngs wieder ungünstige Ge er Zarin. Demnächst so #erden, zu welchem auslö zogen werden sollen. Der uns der Kaiserin soll nicht Die türkische Kre Konstantinopel, 3 ention der Kretamächte in sorte die Ueberreichung de die Schutzmächte verse Das chinesis Peking, 31. Jan. escheidet das Gesuch der Parlament vor dem usen, abschlägig. Als scheides wird angegeben, d henügend vorbereitet sei. Unruher Tokio. 31. Jan. A büd=Phioegan wird der kuhen gemeldet. 20 ja mordet sein. Handel u — Dortmund in dem gestrigen Schlad 50 Stück Großvieh, Schafe. Bezahlt für a) vollfleischige, ausg bchstens 7 Jahre alt 7 iicht ausgemästete und i## mäßig genährte junge, k. d) gering genährt ullen a) vollfleisch 7 Jahren 66—68 Jullen 62—65 Mk. c) nährte ältere 56—61 k. Rinder u. Kühe a schsten Schlachtwertes sgemästete Kühe höch ahren 68—71 Mk. c) ie Ehr. ut Te a einzelne prim komplette und A am besien ganz geringel und Wart R gegenüber 4 NB. Braut Einkauf ein: schenk. ahn W rnberwumgr o v ge. 1 bi becben teriatendan enurnte Setretär sog haben en nicht be. n seien die als etwas de Elikanen turssurate In dem Nr. meisters eizerin Frauuf sich und erantwortk= Rauw, die enheit stand tagt wurde ichungen in InsbesonPrag ArBalletdmerter in Prag habe zu gedenkt das für seine esem nnen laden tliche Tänammersän. ine Anzahl en die gesollen. Fercerer Sachn Umfange lung durch getragen lungen bee durch die s und der für mich In zahlmir aus Unterschied reundliche worden. auf das ischen und serationen, e Anhäng= Art zum Dank zu res Vaterhmen und tigkeit üllung trellen achen. ffentlichen chte heute n SoII aiser. heute die Begenwart ner Snite , Brahms und Liengskomponit seinem treichorchete mit dem dieser aber ); die Aufen so reist zu wereres Phil ein Wort s stand in schen Kunst energischgrammusik, en. Sinnchnen auch Modernen keisterschaft id Charakichen Gangkeiten gein Leitung oßen WerFrl. E iderin, und Is am hieen Darbieompathische rahms, Reuf die In war etwas innen von is neckische von Max Wendungen die Begleiher erakt spielte das Januar : Gewand ihrte Werk r Liebling in letzter der Presse res EingeSolist entWeise; sein zu domierzuordnen ungen, beitz, dürften ichtigt hadete Staatstetreiy,, gb, en Rönig Leopolds und die notisizter„ Alberts von Belgien. Unmittelonbesteigung„iser den belgischen Gesandten, daranf empling Aberreichte sein Beglaubisvon#. Die Herren der Botschaft waren beim Frsthhückstasel geladen. Dem„B. T.“ zufolge, Laiser dem Leiter der Gesandtschaft, Generalie) eugram Wahis, das Großkreuz zum Roten rarhen erster Klasse, dem Vikomte de Chelliuck den ienorden erster Klasse. Die preußische Wahlrechtsvorlage. 21. Jan. Der König hat heute die Wahlage unterschrieben. Sie geht dem Landtag am Reichstagsersatzwahl in Eisenach=Dermbag. 31. Jan. Nach dem nunmehr volliagenden Wahlergebnis im zweiten WahlLis“ Tachsen Weimars hat der sozialdemo: #ische Kandidat Leber mit einer Mehrvon 103 Stimmen gesiegt. Sozialdemokratischer Wahlsieg. Landsberg, 1. Febr. Bei der gestrigen Stadtordnetenwahl wurden sämtliche fünf Sozialdemokragewählt. Prinzessin Louise unter Kuratel? maris, 1. Febr. Der Matin schreibt, die Prinvin Louise sei von ihrem Wiener Anwalt benachrich#i worden, daß ihr Schwiegersohn Herzog Günther In Schleswig=Holstein gestern den Antrag gestellt habe. ne Schwiegermutter unter Kuratel zu stellen. Zur griechischen Krise. Paris. 1. Febr. Nach einer hierher gelangten Mel#ug hat Theotokis die bestimmte Erwartung ausgekochen, daß die Militärliga, ihrem Versprechen getreu, baldigst auflösen werde. In Athener diplomatischen keisen wird dieser Optimismus nicht völlig geteilt. Das Befinden der Zarin. Petersburg, 31. Jan. Hier zirkulieren neuernas wieder ungünstige Gerüchte über das Besinden er Zarin. Demnächst soll ein Konzilium abgehalten #erden, zu welchem ausländische Kapazitäten hinzuzogen werden sollen. Der Ursprung des nervösen Leine der Kaiserin soll nicht richtig diagnostiziert worden Die türkische Kretanote verschoben. Konstantinopel, 31. Jan. Infolge der Interention der Kretamächte in Kanea und Athen hat die forte die Ueberreichung der angekündigten Kretanote die Schutzmächte verschobev. Das chinesische Parlament. Peking, 31. Jan. Ein Erlaß des Kalsers bescheidet das Gesuch der Provinzialdeputierten, das arlament vor dem festgesetzten Termin einzubeufen, abschlägig. Als Grund des abschlägigen Behheides wird angegeben, daß die Bevölkerung noch nicht henügend vorbereitet sei. 2 Unruhen in Japan. 4 Tokio, 31. Jan. Aus der koreanischen Provinz büd=Phioegan wird der Ausbruch ernster Unruhen gemeldet. 20 japanische Ansiedler sollen ermordet sein. Handel und Verkehr. — Dortmunder Städtische Viehhof. ii dem gestrigen Schlachtviebmarkt waren aufgetrieben 50 Stück Großvieh, 1744 Schweine, 401 Kälber, Schafe. Bezahlt für 100 Pfund Schlachtgewicht: Och i a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes bchstens 7 Jahre alt 74—75 Mk. b) junge fleischig icht ausgemästete und altere ausgemästete 70—73 Mk. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 64—69 kk. d) gering genährte jeden Alters 55—63 Mk sullen a) vollfleischige ausgemästete Bullen bis 7 Jahren 66—68 Mk. b) vollfleischige jüngere füllen 62—65 Mk. c) mäßig genährte jüngere und gut Pnährte ältere 56—61 Mk. d) gering genährte 00—00 #. Rinder u. Kühe a) vollfleischige ausgemästete Rinder schsten Schlachtwertes 72—73 Mk. d) vollfleischige, ögemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 ihren 68—71 Mk. c) ältere ausgemästet Kühe und iskretion 4 Ehrensache! Auf Teilzahlung und gegen Kassa laufen Sie einzelne Möbel, Herde. prima Betten # komplette Einrichtungen und Aussteuern am besien und biiligsten mit ganz geringer An- u. Abzahlung bei Tobel- und Waren-Kredit-Haus I. Ranges am Markt gegenüber den Wandelhallen. „### Brautleute erhalten beim Schegt ein schönes HochzeitsgeWngen ehne Firma! wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Rinder 60—67 Mk. d) mäßiggenährte Kühe und Rinder 50—59 Mk. Kälber a) feinste Mast=(Voll=Mast) und beste Saugkälber 54—56 Mk. d) mittlere Mast= und gute augkälber 48—53 Mk. c) geringe Saugkälber und ältere gering genährte(Fresser) 42—47 ulk. Schafe a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 75—80 Mk. b) ältere Masthammel 00—00 Mk. c) mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) 00—00 Mk. Schweine ) v o l l f l e i s c h i g e d e r f e i n e r e n R a s s e n u n d d e r e n K r e u z u n g e n im Alter bis zu 1% Jahren 71 Mk., b) fleischige 68—70 Mk. e) gering entwickelte, sowie Sauen und Eber 62—67 Mk. Tendenz: mittel. Unverkauft blieben 37 Stück Großvieh. Standesamts=Nachrichten. Dortmund 2. Vom 29. Januar. Geburten: Ein Sohn: Hammerschmied Hunger, Rheinischestr. 72. Elektro=Ingenieur Latter, Dresdenerstr. 26. Puddler Sukowst., Adlerstr. 101, Eisenwalzer Petta, Paulusstr. 3. Schlosser Günther, Unionvorstadt Dstr. 39. Schreiner Piwecki, Hagenstraße 43. Eine Tochter: Schirrmann Kordus, Ritterstr. 14. Arbeiter Krystkowiak, Leierweg 46. Kaufmann Hilgering, Rheinischestr. 7. Aufgebote: Metzger K. Holzinger und Marsarete Winterstein. Rechnungsführer Ed. Verres und lisabeth Pokorny. Eheschließungen: Maurer Ed. Rück und Maria Burd. Lagerarbeiter Franz Stiebert und Michaline Moorh##arb. Jonmnn Kudruß und Ottilie Sczupinski. Sterbefälle: Bauarbeiter Aug. Balzer, Hermannstraße 25, 67 J. Kaufmann Wilhelm Weis, Dresdenerstr. 37, 31 J. Ehefrau Marianne Zolodowski, Westerbleichstr. 39, 40 J. Fuhrmann H. nnemann, Südrandweg 6, 79 J. Witwe Theodore retz, Hohensyburgstr. 98, 77 J.“ Im„Blücher“. Mi morgen Mittwoch wieder, ginnend. tarnevalistischer rtee statt. Das Konzert ist mit ei de; auch #alb Uhr bebei sreiem EnTanz=Reunion verbunden. Die Musik wird vom r. nommierten Künstler=Ensemble„Goldklang“ ausges#ihrt. Wir leisen noch darauf hin, daß Donnerstag Abend die vorletzte närrische Kappensitzung mit Damen der Nördlichen Karnevalsgesellschaft stattfindet. in Ihr Gedächtnis müssen Sie sich, daß es lose ausgewogenen Kathreiners Malzkaffee nicht gibt. Zwischen Malzkaffee und Mkalzkaffee ist ein Unterschied wie Cag und Nacht! Loser Malzkaffee ist vielfach weiter nichts wie gebrannte Gerste. Der echte Hathreiners Malzkaffee kommt nur in geschlossenen Daketen mit Bild des Ofarrer Uneipp zum Verkauf und bietet die sicherste Garantie für Wohlgeschmack und Reinheit. Mlan achte auf die bekannte Dackung, es gibt Nachahmungen! Neuester Katslog mit Empfehlungen vieler Aerzte u. Prot. a. Wunsch gratie, franko u. C. Klanpanbach. .4i. Fer verschlossen. Halle a. S., Gr. Ulrichstr. 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Erzberger(Ztr.): A ht zustimmen. Wir tun Thalt, der begründet ist er Staatssekretär hat den nialgeselschaft als vortei Lichnet. Da ist es doch beze ertrag noch nicht abgeschlo lage um 100 Prozent gesu übe schon bei der zweiten Eß die Kolonialgesellschaft me verzichtete. Ich würde Elegenheit zurückkommen, Immnis mich dau zwing sellschaft hat am Samstag ktitel veröffentlicht, in dem brlegt und in aller Offenk lich Inhalt und Form alsz bri!) Er sei nicht notariell übe sie auf ihre Bergwerk #undenkbar, daß die Kolr sung teilen kann.(Sehr ri stehen, daß die Kolonialv fnden an der von der üb eichstages vertretenen Au esem Vorbehalt werden mmen.(Beifall.) Abg. Dr. Arming(nat.= #ng, daß die Gesellschaft d Efihre Bergwerksgerechtsa Abg. Dr. Arendt(Rp.): 2 olonialgesellschaft für Si Phört. Sie verstößt gegen! Gesellschaft als solche er cht mehr zu verhandeln hitiative des Staatssekretö eser Gesellschaft gegenübe ahren wird. Und wenn: r Gesetzgebung in der rück eselschaft vorgegangen w mmung.) Staatssekretär Dernbur Bort gemeldet, um festzust en Ausführungen fest st macht habe. Der Vertra or die rechtsgültige Grun stzung zwischen Fiskus ur er Vertrag notariell gem ge, die lediglich die Ju Abg. Dr. Goercke(nat. ür Gesellschaft richtig wä scht in der Lage sein, den Benn wir es tun, so tun üicklichen Vorbehalte, da secht besteht und daß durch ergwerksgerechtsame end Abg. Frhr. v. Richthoft hrung der Gesellschaft led en eine Pression auf das Abg. Ledebour(Soz.): inerlei Bergwerksgerecht Rettstellen lolzbettstelle lolzbettstelle lolzbettstelle lolzbettstelle lolzbettstelle lozbettstelle M. — Kinder- Ei. sämtlicht in grösster Auswe Dienstag, 1. Februar 1910. Dortmunder Nr. 20. 27. Jahrgang. VRAT Zweites Blatt. Deutscher Reichstag. Beriin, 31. Januar. uuf der Tagesordnung steht zunächst die dritte Beung des lolonialen Nachtragsetats. as handelt sich um Forderungen zum Schutze gegen zu Diamantenschmuggel und solche für Bahnbauten Ost= und Südwestafrika. Erzberger(Ztr.): Wir werden dem Nachtragszustimmen. Wir tun das aber mit einem VorPhalt, der begründet ist in den Beziehungen der ntichen Kolonialgesellschaft zur Kolonialverwaltung. Staatssekretär hat den neuen Vertrag mit der Komialgesellschaft als vorteilhaft für das Reich beschnet. Da ist es doch bezeichnend, daß die Aktien der plonialgesellschaft, als es bekannt wurde, daß der ertrag noch nicht abgeschlossen sei, in einem einzigen hae um 100 Prozent gesunken sind.(Heiterkeit.) Ich be schon bei der zweiten Lesung darauf hingewiesen, die Kolonialgesellschaft auf ihre Bergwerksgerechtne verzichtete. Ich würde nicht nochmals auf die Anlegenheit zurückkommen, wenn nicht ein neues Vormmnis mich dazu zwingen würde. Die Kolonial= sellschaft hat am Samstag in der„Köln. Ztg.“ einen ztitel veröffentlicht, in dem sie ihren Rechtsstandpunkt rlegt und in aller Offenheit den Vertrag von 1908 ch Inhalt und Form als zweifelhaft bezeichnet.(Hört, rt!) Er sei nicht notariell beglaubigt, und keinesfalls be sie auf ihre Bergwerksgerechtsame verzichtet. Es undenkbar, daß die Kolonialverwaltung diese Aufssung teilen kann.(Sehr richtig!) Wir müssen darauf stehen, daß die Kolonialverwaltung unter allen Umnden an der von der überwiegenden Mehrheit des ichstages vertretenen Auffassung festhält. Nur unter sem Vorbehalt werden wir dem Nachtragsetat zuimen.(Beifall.) Abg. Dr. Arming(nat.=lib.) ist gleichfalls der Mein. daß die Gesellschaft durch den Vertrag von 1908 fihre Bergwerksgerechtsame endgültig verzichtet hat. Abg. Dr. Arendt(Rv.): Die Erklärung der Deutschen lonialgesellschaft für Südwestafrika ist einfach unirt. Sie verstößt gegen Treu und Glauben und läßt Gesellschaft als solche erscheinen, mit der überhaupt st mehr zu verhandeln ist. Ich erwarte von der itiative des Staatssekretörs, daß er mit aller Energie ser Gesellschaft gegenüber die Rechte des Fiskus hren wird. Und wenn nicht anders, muß mit Hilfe Gesetzgebung in der rücksichtslosesten Weise gegen die sellschaft vorgegangen werden.(Beifall und Zuimung.) Staatssekretär Dernburg: Ich habe mich nur zum ort gemeldet, um festzustellen, daß ich durchaus auf Ausführungen fest stehen bleibe, die ich früher cht habe. Der Vertrag von 1908 bleibt nach wie die rechtsgültige Grundlage für die Auseinanderung zwischen Fiskus und Kolonialgesellschaft. Ob t Vertrag notariell gemacht ist oder nicht, ist eine age, die lediglich die Juristen interessiert. Abg. Dr. Goercke(nat.=lib.): Wenn die Auffassung Gesellschaft richtig wäre, würden wir überhaupt t in der Lage sein, den Nachtragsetat anzunehmen. enn wir es tun, so tun wir es nur mit dem ausüicklichen Vorbehalte, daß der Vertrag von 1908 zu cht besteht und daß durch ihn die Gesellschaft auf ihre rgwerksgerechtsame endgültig verzichtet hat. Abg. Frhr. v. Richthofen(kons.) erblickt in der Errung der Gesellschaft lediglich einen Schachzug, durch n eine Pression auf das Reich ausgeübt werden soll. Abg. Ledebour(Soz.): Die Kolonialgesellschaft hat inerlei Bergwerksgerechtsame mehr, und wir müssen Phört. beser Den gegen die Manipulationen der Gesellschaft aus schärfste protestieren. Abg. Erzberger(Ztr.): Die Debatte zeigt, daß diese Frage von großer Bedeutung ist. Wir können der Gesellschaft nur dankbar dafür sein, daß sie den Artikel noch vor der dritten Lesung veröffentlicht hat.(Sehr gut!) Wenn der Staatssekretär in präziser Form erklärte, daß der Vertrag von 1908 die einzige Quelle der Rechte der Kolonialgesellschaft ist, können wir dem Nachtragsetat zustimmen. Ich möchte hier zu erwägen geben, ov es nicht angezeigt wäre, Maßnahmen gegen solche Manipulationen zu treffen.(Sehr richtig!) Es scheint mir, daß die Mitglieder der Gesellschaft genau so vom Diamantenfieber befallen sind wie Herr Kreplin. (Heiterkeit und Beifall.) Staatssekretär Dernburg steht auf dem Standpunkt, daß der Rezeß der Gesellschaft gültig ist und daß nur aus diesem Rezeß sämtliche Rechte der Gesellschaft auf die Bergwerkshoheit hergeleitet werden können. Abg. Dove(freis. Vg.) vertritt ebenfalls die Auffassung, daß die Deutsche Kolonialgesellschaft aller Bergwerksgerechtsame entsagt hat. Abg. Ledebour(Soz.): Wir lehnen unserer grundsätzlichen Haltung entsprechend diesen Nachtragsetat ab, aber wir werden alles unterstützen, was das Haus beschließen sollte, um die ungeheuerlichen Zumutungen der Gesellschaft zurückzuweisen. Der Nachtragsetat wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten bewilligt. Es folgt der Kolonialetat. Abg. Erzberger(Zentr.) bezeichnet das koloniale Gemeindewesen für verbesserungsbedürftig und klagt über die Zunahme des Islam in Ostafrika. Abg. Arning(nl.): In Neu=Guinea schädigt der Ausfuhrzoll die Kopraausfuhr. Namentlich zu beklagen sind auch die Einfuhrzölle daselbst auf Lebensmittel, sie verhindern die Einfuhr aus Deutschland gänzlich. Redner fragt dann an wegen des Standes der Grenzregulierungen in Togo und wegen der Meuterei in Kamerun.. Um diese Kolonie dauernd zu halten, soll die Kolonialverwaltung insbesondere auf Förderung von Oelproduktion bedacht sein. Redner geht dann gleich dem Vorredner, näher auf die Selbstverwaltungsfragen in den Kolonien ein, ebenso auf die Arbeiterfrage. Vor Einführung des Christentums müsse der Eingeborene zur Arbeit gezegen werden. Staatsekretär Dernburg erklärt, mit der Selbstverwaltung müsse vorläufig vorsichtig vorgegangen werden, wegen der noch sehr kleinen Oberschicht und der sehr großen Unterschicht. Die Missionen leisten Gutes, wenn sie sich manchmal auich Uebergriffe zuschulden kommen lassen. Die Ausbreitung des Islam ist leider Tätsache, sie erklärt sich daraus, daß diese Konfession aus bestimmten Gründen dem Neger mehr zusage. Abg. Dove(freis. Vg.) meinte, daß das Christentum ohne staatliche Unterstützung seine Ueberlegenheit über den Islam erringen muß. Abg. v. Richthofen wünschte eine Besoldungsund Rechtsreform für die Kolonien. Abg. Noske (Soz.) negierte die Kolonialpolitik in der Form, wie sie heute betrieben werde. Vizepräsident Dr. Spahn schlägt vor, auf die Tagesordnung von Dienstag 1 Uhr zu setzen: 1. Abstimmung über den Einspruch des Abg. Ledebour, 2. zweite Beratung des Handelsvertrages mit Portugal, 3. Fortsetzung der Etatsberatung. Geschäftsordnungsdebatte. Abg. Bebel(Soz., zur Geschäftsordnung): Ich bitte den ersten Punkt der von Ihnen vorgeschlagenen Tagesordnung für Donnerstag auf die Tagesordnung zu setzen. Ich erinnere dazu an folgendes: Als am Samstag der Vizepräsident Erbprinz zu Hohenlohe den Aba. Ledebour zur Ordnung rief, hat dieser den Vizepräsidenten gefragt, ob ihm der Oronungsruf gegolten habe. Als ihm das bejaht wurde, bat er um die Vorlegung des Stenogramms. In diesem Stenogramm war der Abg. Ledebour ausdrücklich mit Namen ge nannt. In dem uns heute abend zugegangenen Steno gramm dagegen ist ein Name überhaupt nicht genannt. Es heißt da einfach:„Ich rufe Sie zur Ordnung.“ Das ist doch gewissermaßen eine Verdunkelung des Ordnungsrufes.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Dazu kommt noch ein zweites. In dem zweiten, und heute zugegangenen Stenogramm finden sich zwei Zurufe, die in dem ursprünglichen— ich möchte sagen Originalstenogramm— nicht enthalten waren(Hört, hört!), nämlich die Worte:„Sie haben den Reichstag besudelt! Das ist ein Skandal!“ An diese beiden Zurufe schließt sich der Ordnungsruf an. Das Stenogramm gibt uns keinerlei Auskunft darüber, von wem diese Zurufe ausgegangen sein sollen, wem also der unmittelbar folgende Ordnungsruf eigentlich gelten sollte. Vizepräsident Dr. Spahn: Ich vertrete demgegenüber die Auffassung, daß eine Diskussion über den Antrag des Herrn Bebel hier nicht stattfinden kann. Wenn Herr Ledebour auf Grund des Stenogramms zur Ansicht kommt, daß der Ordnungsruf ihm nicht gegolten hat, so ist er ja in der Lage, seinen Protest zurückzuziehen.(Beifall, Widerspruch und Heiterkeit.) Ich kann also auch eine Geschäftsordnungsdebatte über den Inhalt der Worte des Abg. Bebel nicht zulassen. Abg. Mommsen(freis. Vg.): Ich weiß sehr wohl, daß sich an den Antrag Bebel keine Debatte anknüpfen darf, aber wir haben doch das Recht, zu fragen: Auf welche Aeußerung hin ist denn nun eigentlich der Ord nungsruf erfolgt und wem hat er gegolten? Nur diese Frage möchte ich an den Herrn Präsidenten richten. Vizepräsident Dr. Spahn: Nach der von mir gegebenen Auslegung der Geschäftsordnung, wie ich sie verstehe, bin ich nicht berechtigt, diese an mich gerichtete Frage zu beantworten.(Unruhe links.) Abg. Dr. Müller=Meiningen(freis. Vp.): Wir wollen jetzt keine Entscheidung über den Ordnungsruf treffen, sondern wir wollen nur eine Vorfrage erörtern, die uns eine Entscheidung überhaupt erst ermöglichen soll.(Beifall und Widerspruch.) Abg. Bassermann(nat.=lib.)! Wenn wir uns darauf einlassen wollten, so würde dadurch derjenige Paragraph der Geschäftsordnung, der eine Diskussion ausschließt, einfach illusorisch gemacht werden.(Sehr richtig! und lebhafte Zustimmung.) Für uns muß das amtliche Stenogramm maßgebend sein 2— aus diesem ergibt sich zweifellos, daß sich der Ordnungsruf gegen den Abgeordneten Ledebour richtete. Abg. Erzberger(Zentrur.“ schließt sich diesen Ausführungen an. Es gede nicht an. auf dem Umwege einer Geschäftsordnungsdebatte nun oot eine Debatte über den Antrag herbeizuführen.(Sehr richtig!) Abg. Bebel(Soz.): Die####e liegt jetzt so, daß sich aus dem Stenogramm nicht ergibt, wer mit dem Ordnungsruf gemeint ist. War der Abgeordnete Ledebour gemeint, dann mußte er auch mit dem Namen genannt werden. Abg. Frhr. v. Richthofen(kons.) schließt sich den Ausführungen des Abgeordneter Bassermann an. Abg. Dr. Pachnicke(freis. Va.): Es ist nur einer hier im Hause, der alle Zweifel beseitigen kann, und das ist der zweite Herr Vizepräsident. Abg. Erbprinz zu Hohenlohe=Langenburg(Rp.) erklärt, daß der Ordnungsruf dem Abgeordneten Ledebour gegolten habe und zwar als Fortsetzung der diesem kurz vorher erteilten Rüge. Vor der Abstimmung über den Antrag Bebel bezweiselt Abg. Graf Westarp(kons.) die Beschlußfähigkeit des Hauses. Das Bureau schließt sich dem Zweifel an. Es verbleibt also bei der vom Präsidenten festgesetzten Tagesordnung. Berlin, 29. Jannar. In der heutigen Sitzung wurde die Beratung des Landwirtschaftsetats fortgesetzt. Die Debatte verlor sich wie am Tage vorher, in der Erörterung einer Reihe spezieller Wünsche. Einstimmig angenommen wurde ein Antrag des Zentrums, der Maßnahmen wünscht, um in verstärkterem Maße als bisher eine Umwandlung von Moor= und Oedländereien in Ländereien vom höherem wirtschaftlichen Wert für die Landwirtsschaft herbeizuführen. Auf eine Anfrage des Zentrumsabgordneten Cahensly nach dem Stande der Entschädigungsansprüche der der Eliviller Weinbauzentrale angeschlose senen Winzer konnte der Minister nichts antworten, weil ihm immer noch ein amtlicher Bericht darüber fehlte. Abg. Dr. Crüger(Frs Vp) tadelte diese Verzögerung mit Recht und geißelte sodann die„Genossenschafts=Großmannssucht“, die zu der wirtschaftlichen Katastrophe im Rheinlande geführt habe. Zum Schluß nahm das Haus noch gegen die konservativen Stimmen einen Antrag auf Erhöhung des sogenannten Westfonds an, der Beihilsen zur Förderung der Landwirtschaft im Westen gewährt. Für diesen Antrag trat auch der freifinnige Abg. Gantert ein. Berlin, 31. Jannar. Am Ministertische: von Arnim. Die zweite Lesung des Landwirtschaftsetals wird sortgesetzt bei den einmaligen und außerordentlichen Ausgaben. Bei dem sogenannten Ostfonds in Höhe von 1245000 Mark bemängelt Abg. Graf Kanitz(kons.), daß der Minister auf ein Maßhalten in den Ausgaben der Landwirtschaftskammern hinwirke. Landwirtschaftsminister v. Arnim erklärte: Die Landwirtschaftskammern sind selbständig, und deshalb muß sich auch die Regierung von einer Einmischung in deren Angelegenheiten enthalten, ausgenommen in den nach dem Gesetz ausdrücklich vorgesehenen Fällen. Zum Titel Förderung der inneren Kolonisation in Ostpreußen, Pommern und Frankfurt(Oder) liegt eine Denkschrift über die Verwendung dieses Fonds vor. Abg. Dr. Crüger=Hagen(freis. Vp.) legt dar, daß der Großgrundbesitz den Werken der inneren Kolonisation ablehnend gegenüberstehe. Dem Abgeordneten v. Oldenburg müsse man dankbar sein, daß er offen ausgesprochen habe, was andere nur dächten. Die Denkschrift sei zu, knapp. Sie sollte auch Auskunft geben über die Erfolge der Erwerbsgesellschaften und des Privatunternehmens auf dem Gebiete der inneren Kolonisation, sowie über die Rückwanderung aus der Industrie. Landwirtschaftsminister v. Arnim: Reden und Polemiken, wie die des Abg. Dr. Crüger, sind nur geeignet, dem Werke der inneren Kolonisation zu schaden. Ich will nur konstatieren, daß die Konferenz zur Prüfung der inneren Kolonisation unser Vorgehen voll gebilligt hat und daß der Großgrundbesitz für die innere Kolonisation viel mehr tut, als Herr Dr. Crüger ahnt. Abg. v. d. Gröben(kons.) billigt die von der Regierung getroffenen Maßnahmen bezüglich der inneren Kolonisation. Alle diejenigen, welche die Frage der inneren Kolonisation dazu benutzen, um einen Keil zwischen den Großgrundbesitz und den Mittel= resp. Kleingrundbesitz zu treiben, würden sich schwer täuschen. Die zwischen Groß=, Mittel= und Kleinbesitz bestehende Interessengemeinschaft werde länger dauern, als er(Redner) und Herr Dr. Crüger, der gern Uneinigkeit in die Landwirtschaft hineintragen wolle, leben würde. Wie Herr, v. Oldenburg seine Rede verstanden wissen will, habe er im Reichslage dargelegt, so daß man hier nicht weiter darauf einzuaeben brauche. Nusserordentlich preistoertes .- Angebot!-. Rettstellen mit Natratze Bettfedern und Daunen lolzbettstelle Wamform m Matratrs 16.50 lolzbettstelle Sprungfedermatratse 29.75 und Keil volzbettstelle mit Sprungfederms- 3b.(5 tratze und Keil Jolzhodt: mit hohem Haupt, ozbettstelle prima roter sprung. 46.00 federmatratze u. Keil Inl-hIR:. engl. Form, NusslOlzbettstelle besr„eders-Eiche 49.00 federmatratze u. Keil Ozbettstelle Nusb. lack, mit la. rot 56.00 Sprungfedermatr. u. Keil Kinder- Eisenbettstellen sämtliche neue Formen 1 grösster Auswahl zu billigsten Preisen. Wildfeder u. greinist pfd. 00 Pf. Chin. 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Der arrondierte Großgrundbesitz kommt weniger bei eigentlichen Agrariern vor als bei Großkapitalisten, die den Landaufenthalt und den Besitz von Landgütern sozusagen als Sport betreiben. Mit dem Bauernbund sollte von freisinniger Seite nicht immer operiert werden. Er ist ja doch nur ein Teil des Hansabundes, er ist dessen Abteilung für Bauernsang.(Große Heiterkeit.) Das gefährlichste, was es für die Fortschritte der inneren Kolonisation gibt, sind die von Herrn Crüger und seinen Gesinnungsgenossen unternommenen Versuche, Großund Kleinbauern gegeneinander auszuspielen. Zur Beurteilung der jüngsten Vorgänge im Reichslage konstatiere ich folgendes: Die Worte des Abgeordneten von Oldenburg wurden auch von der Linken zunächst mit außerordentlichem Vergnügen entgegengenommen. Erst als man bann einsah, daß die Sache sich ausschlachten ließ, da versuchte man, sich gewaltig zu entrüsten, was denn mit einem gewissen schauspielerischen Geschick ganz gut gelang.(Lebhafter Beifall und Zustimmung rechts.) Abg. Dr. Pachnicke(freis. Vg.) führt aus, daß seine Parteifreunde die Güterschlächterei niemals gut geheißen oder protegiert hätten. Wenn er dem Bund der Landwirte einen Namen zu geben hätte, dann würde dieser Name folgendermaßen lauten: Konservative Partei, Abteilung für Bauernfang.(Zuruf rechts: Au, au! Heiterkeit.) Die Denkschrift wird durch Kenntnisnahme erledigt und der Titel bewilligt. Abg. Humann(Zentrum) bedauert beim Titel Einrichtung und Durchführung eines öffentlichen Wetterdienstes in Norddeutschland, daß trotz der Gründung einer Wetternebenanstalt in Dortmund die Wetterkarten der Wetterstation Aachen den Landgemeinden nicht am gleichen Tage der Ausgabe zugestellt werden. Redner wünscht, daß für den Wetterdienst etwas mehr geschehen möge, als bisher. Zum Titel„Beihilse für Versuche zur Entschuldung des landwirtschaftlichen Grundbesitzes erklärt Minister v. Arnim: Meine beiden Hauptausgaben sind die Lösung der Arbeiterfrage und das Entschuldungsproblem. Beide Fragen können nur in Jahrhunderten und durch unermüdliche Kleinarbeit vieler Generationen gelöst werden. Eine zwangsweise Entschuldung ist nicht möglich. Wir können nur zur Entschuldung anregen und versuchen, den Zinsfuß möglichst billig festzusetzen. Zu einer Entschuldung der Landwirtschaft ist auch jetzt die beste Zeit, weil sich die Landwirtschaft momentan in günstiger Lage befindet. Abg. Dr. Crüger=Hagen(freis. Vp.) beantragt Zurückverweisung an die Kommission. Die Abgg. Graf Strachwitz(Zentrum), Graf Moltke(kons.), v. Brandenburg (kons.) und Heine(nat.=lib.) billigen den Standpunkt der Regierung. Der Rest des landwirtschaftlichen Etats wird bewilligt. Dienstag 10 Uhr: Gestütsetat, Forstetat, Domänenetat. Schluß 52 Uhr. S. u. H. Asch i. Böh., 30. Januar. Eine überraschende Aufklärung haben die Einbrüche gefunden, die seit einiger Zeit namentlich die hiesige Geschätswelt beunruhigten. Vor allem wurde von den Dieben die Wirkwarenfirma Geipel und Klauß heimgesucht, bei der verschiedentlich nicht nur Waren, sondern auch Geldbeträge aus den Taschen der im Fabrikraum aufbewahrten Arbeitskleider gestohlen wurden. Vor einigen Tagen erhielten nun 2 Arbeiterinnen, die außerhalb wohnen, wegen schlechten Wetters die Ermächtigung. im Fabrikgebäude zu übernachten. Früh morgens sahen sie zu ihrem Schrecken, wie sich die Tür öffnete und ein großer Mann in Unisorm, mit Säbel und Revolver, bewaffnet. eine Blendlaterne vor sich hinhaltend, langsam hereinschlich, die Taschen der Arbeitskleider untersuchte und mit verschiedenen Waren wieder verschwand. Nach einiger Zeit kam er wieder und verschloß sorgfältig alle Türen. Als die Mädchen am nächsten Morgen das nächtliche Erlebnis erzählten, wollte man es zunächst nicht glauben. Die Fabrikleitung ordnete dann an, daß in der nächsten Nacht 3 handfeste Arbeiter den nächtlichen Gast erwarten sollten. Die 3 legten sich auf die Lauer, und warteten, aber diesmal vergeblich. Die Wache bezog aber auch den folgenden Tagen ihren Posten und in der dritten Nacht erschien dann auch der Mann in der Uniform wieder. Er wurde überwältigt, und war selbst über das Zusammentreffen so verwundert, daß er in Ohnmacht fiel. Als man ihn sich näher ansah, endeckte man in ihm den Inspektor der hiesigen Wachund Schließgesellschaft. Er wurde in Untersuchungshaft genommen und hat bereits ein Geständnis abgelegt. Das Urteil im Krakauer Advokaten= mordprozeß. S. u. H. Krakau, 30. Jannar. Nach vierzehntägiger Verhandlung ist in dem Mordzrozeß gegen Frau Janina Vorowska die unter der Anklage stend, den Advokaten Dr. Wladimir Lewicki vor sätzlich getötet zu haben, das Urteil besprochen worden. Der Ad elat wurde am 4. Juni v. J. früh morgens oen Angestellten der Rettlungsgesellschaft mit einem Schuß in der Schläse aufgesunden. In der Wohnung befand sich auch die Borowska, die dem Arzte erzählte, daß Lewicki einen Selbstmordversuch begangen habe. Da sie der Meinung war, daß es sich nur um eine leichte Hautwunde handele, habe sie zunächst keinen Arzt geruen. Dr. Lewicki wurde ins Krankeuhsaus geschafft, wo er bald darauf in Agonie verfiel und, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, verstarb. Die Anklage stand auf dem Standpunkte, daß ein Eifersuchtsdruma vorliege. Dr. Lewicki war der Verteidiger der Angeklagten in einem Srionageprozeß, in dem diese vertokelt werden wal und hatte nachher ein Verhältnis mit ihr angefangen, das er aber später wieder zu lösen versuchte, da er ein: andere Frau zu heiraten gedachte. Die Verhandlung war reich, an dramatischen Momenten. Die Angeklagte erhielt mehrfach die Erlaubnis, sich mit ihrem Manne zu unterreden. Sie war im übrigen so schwach, daß sie nur dur Verabfolgung von Arzneimitteln in die Lage versetzt werden konnte, den Verhandlungen zu folgen. Trotzdem verteidigte sie ssich mit grossem Geschick, sodaß die Geschworenen den Schuldbeweis nicht für erbracht anfahen, worauf die Angeklagte freigesprochen werden mußte. Die Jubelfeier des Leipziger Männer= S. u. H. Leipzig, 30. Januar. Die Sängerschaft Alldeutschlands, die im Deutschen Sängerhunde organisiert ist, beging am heutiAdolf Spieß zu seinem 100. Geburtstage am 3. Februar. in den Mund und zündete sie an. Die Pas„ plodierte sofort und zerriß den Kopf des in hundert Stücke. J gen Hundert Jahre sind am 3. Februar verflossen, seit der Begründer des deutschen Schulturnens, Adolf Spieß, zu Lauterbach am Vogelberge das Licht der Welt erblickte. Bereits in frühester Kindheit in der Erziehungsanstalt seines Vaters mit Leibesübungen vertrant, wurde er später als Student durch den Verkehr mit dem Turnvater Jahn und durch sein ständiges Turnen bei dem Freunde Jahns, dem Berliner Turn= und Fechtlehrer Eiselen für seine Idee, gen Sonntag hier in Leipzig das Jubiläum eines ihrer bedeutendsten Männer, des Chormeisters stav Wohlgemuth, der nunmehr 25 Jahre hindurch Dirigent des altberühmten Leipziger Männerchors ist. Darüber hinaus erfreut sich Gustav Wohlgemuth ei nes langjährigen und wohlbegründeten Ansehens in der ganzen deutschen Sängerschaft, denn er ist nicht nur der„Festdirigent“ des 6. Deutschen Sängerfestes in Graz als auch des 7. Deutschen Sängerfestes zu Breslau gewesen, sondern er hat auch kürz lich in Amerika beim großen Deutschen Männergesangwettstreit als Preisrichter fungiert. Vor 25 Jahren übernahm er hier in Leipzig die musikalische Leitung des Männergesangvereins„Liederrasel". 1891 vereinigte er diesen Verein mit einem ebenfalls von ihm begründeten Verein„Liederhort" und gründete damit den Leipziger Männerchor. Vor 12 Jahren wurde Gustav Wohlgemuth außerdem Vorstandsmitglied des Leipziger Gau=Sängerbundes, etwas später Mitglied des Gesamtausschusses des Deut schen Sängerbundes, wie er auch seit 3 Jahren das Amtsblatt des Deutschen Sängerbundes redigiert. Diese engen Beziehungen Gustav Wohlgemuths zur Deutschen Sängerschaft brachten es von selbst mit sich, daß sein 25jähriges Dirigenten=Jubiläum von der ganzen deutschen Sängerschaft als eine willkommene Gelegenheit zu einer imposanten Huldigung für Wohlgemuth benutzt wurde. Der Leipziger Männerchor hatte deshalb zu heute Vormittag im größten Etablissement der Stadt, der Alberthalle, ein großes Jubiläums=Festkonzert angesagt, zu dem sämtliche Gesangvereine Leipzigs einen von Wohlgemuth dirigierten Massenchor stellten. Vertreter aus Breslau Franksurt a. M., München, Hannover, Hamburg, Magdeburg, Braunschweig, Köln und aus Oesterreich brachten ihre Glückwünsche dar. Der Berliner Lehrergesangverein überreichte als Jubelgeschenk durch seinen Vorstand einen prächtigen silbernen Eichenkranz, der Leipziger Sängerbund eine aus Goldstücken hergestellte 25. Auch die Vertreter anderer Vereine stellten sich mit prächtigen Ehrengaben ein. Als Schluß der Feier fand eine Art Tefilierkour der Teilnehmer vor dem Jubilar statt. Sport. Literatur. die Turnkunst in die Unterrichtsfächer der Schule einzufügen, gewonnen. Er war dann in verschiedenen Städten erfolgreich als Turnlehrer tätig, so u. a. in Burgdorf in der Schweiz und Basel. 1848 kehrte er in die Heimat zurück um bis zuseinem, am 9. Mai 1858 erfolgten Tode, dortselbst segensreich zu wirken. Bekannt sind seine umfangreichen Werke „Die Lehre der Turnkunst“ und sein„Turnbuch für Schulen". viel Menschen wird chinesisch gesprochen?— Wie heißt der höchste Bera in Australien und wie hoch ist er? — Hat Oesterreich=Ungarn einen größeren Flächeninhalt als Deutschland?— Welcher dieser beiden Staaten hat mehr Einwohner?— Zahlt Frankreich jährlich mehr an Zinsen für seine Staatsschulden als das Deutsche Reich?— Wo wird das meiste Bier gebraut?— Wieviel Kartoffeln baut Spanien?— Wie heißt die Einheitsmünze des Königreichs Siam und wie sieht sie aus?— Seit wann hat Japan Eisenbahnen?— Welche Stadt hat mehr Einwohner, Prag oder Odessa? usw. Solche und ähnliche Fragen tauchen Unzählige Male in Gesellschaft auf, ohne daß es einem der Anwesenden möglich wäre, sie sofort zu beantworten. Es ist daher auf Hickmann's Universal=Taschenat= las 1910(Preis gebunden 4,50 K. gleich 3.80 Mark, Verlag der k. u. k. Hof=Kartographischen Anstalt G, Freytag u. Berndt, Wien VII=1, Schottenfeldgasse 62 und Leipzig) aufmerksam gemacht. Das außerordentlich klar und übersichtlich gearbeitete, sehr inhaltsreiche Werk enthält eine Fülle von Daten nach amtlichen Angaben über die verschiedensten Dinge. Wir empfehlen unseren Lesern, die für ein handliches Nachschlagewerk Interesse haben, Hickmann's Universal=Taschenatlas 1910 als einen für jeden Gebildeten unentbehrlichen Behelf, dessen billiger Preis in keinem Verhältnisse zu der Fülle des Gebotenen steht. Winterfest in Winterverg am 12. und 13. Februar 1910. Folgendes Programm ist für den 3. Skiwettlauf am Kahlen Astenberg bei Winterberg i. W., veranstaltet vom Skillub Sauerland, aufgestellt worden: 1. Läufe am Sonnabend, den 12. Februar 1910: 1. Großer Dauerlauf für Herren. Ablauf 9,15 Uhr. Laufstrecke 10 Kilometer. 3 Ehrenpreise.— 2, Kunstlauf für Damen.(Abfahrt mit Schwüngen); nur für Klubmitglieder, die bisher ohne Auszeichnung. Ablauf 9,45 Uhr. Mehrere Ehrenpreise.— 3. Wettlauf. für Damen; nur für Klubmitglieder, die bisher ohne Auszeichnung. Laufstrecke etwa 2 Kilometer.. Ablauf 10.30 Uhr. Mehrere Ehrenpreise.— 4. Kunstlauf für Herren; nur für Klubmitglieder, die bisher ohne Auszeichnung. Ablauf 1,30 Uhr., 3 Ehrenpreise,— 5, Jugendwettlaufen: offen für Knaben und Mädchen unter 18 Jahren, in zwei Altersklasssen und in besonderen Mädchen= und Knabenabteilungen. Ablauf 3 Uhr. Zahlreiche Preise.— II. Läufe am Sonntag, den 13. Februar 1910: 1. Kunstlauf für Knaben und Mädchen unter 18 Jahren(Abfahrt mit Schwüngen); wie unter I Nr. 5. Ablauf 9 Uhr. Zahlreiche Preise, 2, Kunstlauf: a) Herren Absahrtslauf in schwierigem Gelände) Ablauf 9,30 Uhr. 3 Ehrenpreise. b). Damen. (Abfahrt mit Schwüngen.) Ablauf 10 Uhr.. 3 Ehrenpreise. 3. Sprunglauf(2. Klasse) Beginn 10,30 Uhr, 3 Ehrenpreise. 4. Sprunglauf der Knaben unter 18 Jahren. Mehrere Preise. Sodann Gang zum neuen Sprunghügel am Rauchloch. 5.. Großer Sprunglauf(1, Klasse) am Rauchloch. Beginn 12 Uhr., 3 Ehrenpreise, Maßgebend für alle Läufe ist die Wettlaufordnung des D. S. V. Wer gibt Auskunft in folgenden Fragen? Wo leben die meisten Menschen mit einem Alter von mehr als 70 Jahren?— Was kostet der Frieden Rußland?— Wieviel Schweine besitzt Serbien?— In welchem Lande wird die Post am meisten benützt?— Welcher Staat hat die meisten Analphabeten?— Ist die Bevölkerungszahl von Wien größer als von Chicago?— Wie hoch ist die durchschnittliche Jahrestemperatur in Wien, in Berlin, in London?— Von wiVermischtes. Berlin, 31. Jau. Im Industriegeoaude der Watschauer Brücke entstand heute vorrgittag. in: solge einer Feuersorunn unter den ind Arbeiterinnen eine Panik. Nädchen versielen in Schreilrämpfe u mmupren Droschken und Krankenwagen in ihre Wohnungen ge schafft werden.„ Hannover, 31. Jan. Im Kaiserin=Auguste=Viktoria Gymnasium in Linden wurden die im Direktorzimmer im geschlossenen Umschlage aufbewahrten Aufsatzthemen erbrochen. Die Untersuchung hat ergeben, daß der im Examen stehende Sohn des Direktors die Tat verübt hat. Die Affäre ist dem hannoverschen Provinzialschulkollegium mitgeteilt. Gießen, 31. Jan. Die Strafkammer verurteilte vier Studenten der Gewerbeakademie in Friedberg, die sich duellierten, zu je vier Monaten Festungshaft. Dresden, 31. Januar. Die deutsche Lustschifffahrtgesellschaft hatte für gestern nachmittag den Franzosen Gaubert zu ihren Flügen auf ihrem Flugplatz Mügeln eingeladen. Trotzdem es nahezu windstill war, verweigerte Gaubert den Flug. Als dies nach mehrstündigem Warten dem Publikum bekannt wurde, drängte es Polizei und Feuerwehr zur Seite, riß die Schranken nieder und stürmte auf Gaubert und seinen Doppeldecker mit Wutausbrüchen über Gaubert und den Vereins vorstand ein. Die Polizei mußte schließlich eingreisen. Gaubert hatte auch den von den Behörden geforderten Probeflug verweigert, infolgedessen der eigent liche Flug von den Behörden verboten wurde. Reichenberg, 31. Jan. In der Sommerfrische Ferdinandstal bei Reichenberg in Böhemen, hat gestern der Gastwirt Bergmann seine beiden Kinder durch Beilhiebe ermordet und seine Frau tötlich verwundet. Dann brachte er sich selbst durch Aufschneiden der Pulsader schwere Verletzungen bei, Bergmann hat die Tat allem Anscheine nach in einem Anfall von Geistesstörung vollführt. Weiden(Oberpfalz), 31. Jan. Gestern ertranken beim Schlittschuhlausen auf dem dünnen Eis des Mühlbachs vier Kinder, darunter drei Geschwister. Posen, 31. Jan. Gestern nachmittag brachen auf dem Eise der Militärschwimmanstalt zwei Schwestern im Alter von 9 und 6 Jahren ein. Die ältere ertrank, die jüngere konnte lebend herausgezogen werden. Posen, 31. Jan. Auf dem Rittergut Guhenhof wurde eine siebenköpfige Familie durch Kohlenoxydgas vergiftet. Zwei Personen sind bereits gestorben, die andern liegen hoffnungslos danieder. Posen, 30. Jan. Auf dem Wege zwischen Sem polno und Neitomischel wurden gestern von dem Landgerichtwachtmeister Schütz ein Mann mit einem Mädchen verhaftet. Der Mann steht in dem Verdacht, der russische Deserteur Kochinski zu sein„der den achtfachen Mord in Boguslaw begangen hat. Die Beschreibung paßt genau auf den Verhafteten. Zaritzin(Rußwand), 31. Jan. Hier wurde eine siebenköpfige Familie namens Szcuki. Eltern und 5 Kinder, im Alter von 11 bis 4 Jahren, ermordet aufgefunden. Der Mörder ist Sczulis eigener Sohn aus erster Ehe. Budapest, 30. Jan. In einem Walde bei Kronstadt wurde der 5jährige Josef Milo, der sich verirrt hatte, von einer Wildsau angefallen und bis auf die Knochen aufgefressen.— In Csiki, wo sich eine Dynamitfabrik befindet, fand der 13jährige Georg Csentos eine Dhnamitbatrone. Er steckte sie Paris, 30. Jan. Die Zahl der im Priesterseminar St. Sulpice untergebrachtser der Ueberschwemmung beträgt mehr In der Nähe des Bahnhofes St. Lazare siebt Wasser 45 Zentimeter hoch und erhält aus den Bau der Untergrundbahn angelegten sortwährend neuen Zufluß. Am Pont d'Austersiz trug der Wasserstand nachmittags 2 Uhr 3.35 ml. Die Seine ist also##'t Mittag 2 Zentimeter len. Paris, 31. Jan. Die heutigen Morgeng ter verzeichnen bereits zahlreiche Plünderungen in den letzten drei Tagen in verschiedenen ein Ortschaften stattgesunden haben. Die Apachen# gen, als Retter verkleidet, in die Wohnungen abgesperrten Personen ein und plünderten u. Ivry wurde gestern einer dieser Apachen in das er geworfen. Ein anderer wurde an einen 3 angeknüpft, wurde aber wieder befreit, und## eilenden Polizisten übergeben. In Vitcy m zwei Personen, die in einer Villa einen Diebstahl; übten, ertappt und von der Bevölkerung den dramen ausgeliefert. In Pres St. Germain die Polizei einen 16jährigen Burschen, der die schen mit gestohlenen Juwelen gefüllt hatte, In Alfortville wurde ein mit Plünderern bese Boot von Matrosen verfolgt. Die Apachen fen Revrlverschüsse auf die Matrosen ab, die das erwiderten und das Boot zum Sinken brachten. der Apachen ertranken, einer entkam. Vier wun ohne weiteres von den Zeugen des Vorfalls an Telegraphenstange angeknüpft. Von 7 Uhr aln an ist es nicht mehr ratsam, auf den Wegen Waldes zu prominieren. Auch in Pacis sin Plünderer beim Handwerk. In der letzten Nacht ben die Apachen einen Tabakladen ausgeraubt. Paris, 31. Jan. Gestern abend um 9 Uhr vom Oberlauf der Marne und der Seine ein Fa jedoch von der Yonne ein Steigen des W gemeldet. Im Stadtrate verwahrte sich der 0 ingenieur für die Wasser= und Kanalanlagen gegen Gerücht, daß eine Anzahl Kanäle geborsten sei Charenton hat sich die Lage gleichfalls gebessert; den Straßen ist das Wasser um 50 Zentimeter gesa Mehrere Pländerer wurden dort verhaftet. In Rue de la Chaussée d'Antin haben mehrere Bankhä die durch das Hochwasser gefährdet waren, Pu aufgestellt, um das Eindringen des Wassers in die irdischen Kammern, wo Millionen an Werten lieg zu verhindern. Die Nachbarschaft, die um ihre Rela besorgt wurde, zerstörte die Saugrohre der Puny# die jetzt polizeilich bewacht werden. Die Lage vor da Bahnhof St. Lazare hat sich merklich gebessert; mehm Straßen in dieser Gegend waren im Laufe des Ab fast wieder trocken geworden. Um Mittemnacht ma sich das Fallen des Wassers in zahlreichen Stra ganz deutlich bemerkbar, besonders im Quar Charonne, Faubourg, St. Antoine, in Charenton in der Gegend des Lyoner Bahnhofs. Der Kap verkehr ist hier schon nicht mehr möglich, aber# Straßenseger, die auch die Reisenden auf den Schulta tragen, haben viel zu tun, denn die Straßen sindm dickem Schlamm bedeckt. Wien, 31. Jan. Der Gemeinderat beschloß in sein heutigen Sitzung, für die von der Ueberschwemmun## katastrophe Heimgesuchten in Paris eine Spende in 50 000 Kronen zu bewilligen. Petersburg, 31. Jan. Ein Revolution der auf einen General feuerte, in der Annahme, es der Kriegsminister, verübte Selbstmord, indem er sich so Taschentuch mit Petroleum tränkte, es um den Hals band und anzündete. starb unter entsetzlichen Qualen. Palermo, 31. Jan. Im Stadthause Sam Calarina Villabasso bei Palermo versammelten gestern zu einent Wohltätigkeitsfest die Schuln der Stadt, als plötzlich der Fußboden einbrat und sämtliche Teilnehmer in den darunterliegene Raum stürzten. Aus dem Trümmerhausen erscholl de surchtbare Jammern und Klagen der Verunglück Die sechs Karabinieri des Ortes machten sich an Rettungsarbeiten. Fast alle Personen sind mehr o## minder schwer verletzt, viele trugen Arm= und Be## brüche davonRom, 30. Jan. Einer Menagerie entsvrang der Reise nach Luino ein alter Tiger aus s## Käsig und flü' tete in die Testiner Berge. Antn Bewohnern der einzelnen Bergdörfer herrscht Schrecken. Die Bestie zerriß bereits mehrere Stück und es ist trotz mehrere auf das Tier veranstalte Jagden nicht gelungen, die Raubkatze zur Strece bringen. London, 31. Jan. Wie berichtet, entgleiste## Samstag in Stoats Nest auf der London=Brightu# Bahn ein Expreßzug, wobei zehn Personen getötet 20 schler verletzt wurden. Ein Reisender, der deni glückszug benutzte, schildert das Unglück folgendermaße Ich saß in einem Abteil 3. Klasse mit einem Herrn und dessen Knaben zusammen. Plötzlich vers### ten wir einen Stoß wie von einem Erdbeben. wurden hin= und hergeworfen und waren eine lang vollständig betäubt. Als ich wieder zu mir sah ich, daß meine beiden Mitreisenden tot waren. sprang aus den Wagen heraus und bemerkte, das ersten vier Wagen die Weiche der Station pastiert ten, während die sechs letzten entgleist waren. Der Wagen dritter Klasse war umgestürzt. Der Arbeiter Miller, der als erster an die Unglücksstelle kam, zo junges Mädchen aus einem Wagen hervor. Die*“ ste, der die ganze Brust eingedrückt war, befand noch bei vollem Bewußtsein, starb aber kurz datt Ein Vorarbeiter, der von einer nahegelegenen stelle herbeieilte, als er das Krachen hörte, holte, einer Art die Türen des umgestürzten Wagens schlagend, eine tote Frau heraus, deren Leiche bis## Unkenntlichkeit zermalmt war. Einer andern Frau der Kopf vom Rumpse getrennt worden. Da an Unfallstelle Dunkelheit herrschte, mußten die Rettunt arbeiten bei Gasolinlicht vorgenommen werden. Ursache der Entgleisung ist noch nicht amtlich festges doch besteht nach den Aussagen von Augenzeuge nach dem Befunde die begründete Vermutung, der“ Weiche in dem Augenblick umgestellt wurde, als Zug die Weiche überfuhr. Dadurch ist es erklaltn daß die ersten vier Wagen, die Weiche glatt palit ten, während die anderen entgleisten.. 1 London, 30. Jan. Eine Feue sbrung E. störte gestern die Tabak= und Zigarettenfabt! Harries u. Sohn in Whitechapel. Eine ga####i# gade der Feuerwehr bemühte sich lange bein mit 70 Dampfspritzen des Feuers Herr zu werde“, Fabrik wurde fast vollständig eingeäschert, lang es der Feuerwehr, die Ausbreitung trotz der dort dicht zusammengedrängten Gebaudt 11 Fabriken zu verhindern. Der Schaden betraht“ Millionen Mars. S vor und wollte an der Schwester vorüber aus dem Schlafzimmer ins Speisezimmer gehen. Sie aber hielt ihn mit ihren knochigen Händen zurück. „Günther, sei doch nicht so unverständig! Tu— befindest dich in höchster Lebensgefahr. Die Influenza—“ „A, was, papperlapapp, gib mir was zu essen,“ schrie Höfner und riß sich von ihr los. In dem Augenblick klingelt. es. Das Mädchen öffnete. „Gottlob, es ist der Toktor,““sagte Ida beim ersten Ton seiner Stimme erleichtert aufatmend. „Nur hier herein, Herr Doktor! Denken Sie, er will sich durchaus nicht ins Bett bringen lassen.“ Als Günther den Tottor sah, fiel ihm die für so unschuldig gehalte e Lüge von vornherein mit Z utnersch weie aufs G wissen: die hatte er ganz vergessen! Nun erst verstand er das ihm vorher so unbegreifliche Gebahren seiner Schwester. Die Arme sanken ihm schlaff am Leibe herunter, er starrte den Besucher rat= und hilflos an wie ein zum Karzer verurteilter Schüler den ihn zur Einlochung abholenden Pedell. Taß nicht er der Kranke gewesen war, für den er ärztlichen Rat eingeholt hatte, konnte er doch nun nicht gestehen, ohne sich lächerlich zu machen, sagte er sich. „Ihr Aussehen ist nicht gerade schlecht," bemerkte der Arzt, den Puls des wortlos Dastehenden fassend.„Aha— Blutzirkulation unregelmäßig und erredt, Hände kalt, Stirn heiß. Der kalte Schweiß steht Ihnen ja auch auf dem Gesicht. Nur keine weiteren Umstände, Verehrtester— hinein in die Federn! — Ah, schön durchwärmt hat die gute Schwester das Bett auch schon.“ „Gewiß. Und die heiße Milch zum Schwitzen steht in der Köhre," ergänzte geschmeichelt das alte Fräulein. Ehe sich's Höfner versah, war er von vier rücksichtslos zugreisenden Fäusten gepackt entkleidet und in das mit drei Wärmekruken gespickte Bett gesteckt, wie wenn er ein kleiner beim Schlittschuhlaufen verunglückter Bube gewesen wäre. Am gluthauchenden Ofen lagerte ein zweites Deckbett, das wurde über ihn gestürzt und von den beiden Schergen ringsum fest eingestopft. Tann stützte der Doktor ihm den Rücken und die Schwster brachte ein Weißbierglas voll heißer, süßer Milch, und trotz seines Aechzens und Sträubens mußte er das weichliche Zeug hinunterschlürfen. Was das meiste dazu betrug, ihn gefügig zu machen, war freilich die Vorstellung, daß es schließlich noch besser sei, man halte ihn für einen wirklichen Kranken als für einen Lügner! Als sie ihm nun noch ein großes Plaid übergebreitet hatten, zogen sich die beiden an so unrechter Stelle Fürsorglichen befriedigt zurück.(Schluß folgt.) Nur ein Sträfling. Skizze von Clara Tüsterhoff. (Schluß.) „Wenn ich Ihnen jemals von Nutzen sein lann, Sennora, so will ich es tun, koste es was es koste,“ sagte der Sträfling sehr ernsthaft.„Tausend Dank für Ihre gütige Hülfe! Adios!“ Und Jose Garcia verließ das Haus in entgegengesetzter Richtung von dem nur wenig entfernten Havanna. *** Als der Morgen dämmerte, befand sich Garcia vor der Hütte eines ehemaligen Genossen seiner Verbrechen. Ohne Zögern trat er ein, wurde mit stürmischer Freude begrüßt und erhtelt unverzüglich ein Frühstück und einen anderen Anzug. Wenn auch der Bewohner dieser Hütte ein Räuber war wie Garcia, so war er doch seinen Freunden treu, und wenn es sein eigener Untergang gewesen wäre. Indem Gomez die Geschichte von Garcias Rettung durch Miramos Gattin mitanhörte, riß er vor Erstaunen die Augen weit auf.„Um die gute Sennora tut's mir leid,“ sagte er. „Ihr Mann hätte ebensogut ein besseres Los verdient wie sie. Sie verurteilten ihn zur Zaylung von 10000 Pesos oder zur Einkerkerung auf zehn Jahre. Er konnte nicht zahlen, und die ganze Gegend weiß, daß er in weniger als einem Jahr daran zugrunde gehen wird.“ Garcia kratzte sich hinter den Ohren und blickte gedankenvoll vor sich nieder. Dann stand er auf und trat vor die Hütte hinaus, um ungestörter seinen Gedanken nachhängen zu können. Plötzlich schlug er sich vor den Kopf und fing an, laut mit sich selber zu reden. „Du Galgenvogel, jetzt hast du doch einmal Gelegenheit, einen Mann aus dir zu machen,“ sagte er.„Natürlich wird die Regierung auf deine Ergreifung einen Preis aussetzen und ohne Zweisel einen großen, wahrscheinlich wieder 10000 Pesos. Früher oder später kriegen sie dich ja doch. Nun, warum solltest du die 10000 Pesos nicht der Regierung abzwacken und die bleiche Sennora glücklich machen, indem du damit die Freiheit ihres Mannes erkaufst?“ Die Vorstellung schien Garcia so zu ergötzen, daß er laut auflachte und sich dann doch mit dem Handrücken eine Träne aus dem Auge wischte. Er richtete sich so stolz in die Höhe, daß gewiß niemand in ihm einen entlaufenen Sträfling vermutet hätte.„Ich muß mit Gomez reden und ihn dazu bringen, daß er di. Sache auf sich nimmt. Ob ich mich jetzt totschießen lasse oder ein paar Wochen später von den Verfolgern eine Kugel in den Rücken bekomme, kommt ganz auf eins heraus,“ sagte er zu sich selbst. Die beiden Freunde hatten eine lange ernste Unterredung über den Fall. Schließlich sah Gomez alle seine Einwendungen über den Haufen gerannt und willigte ein, sich nach Havanna zu begeben und die Prämie auszukundschaften, die auf Garcias Haupt gesetzt worden war. Sie betrug wirklich 10000 Pesos. *** Am selben Abend um 10 Uhr betraten zwei in Mäntel gehüllte Männer den Palast des in Havanna stationierten Generals. Ter eine von ihnen hielt die Arme auf den Rücken gefesselt; der Mantel jedoch verbarg diesen Umstand den Vorübergehenden. Es kostete viele ernste Vorstellungen ehe die Fremden Audienz beim General erhielten; endlich aber standen sie ihm gegenüber. In stolzem Tone fing Gomez an:„Hier bringe ich Ihnen Jose Garcia, für den Ew. Exzellenz 10000 Pesos ausgesetzt haben, sei er tot oder lebendig.“ Er streifte Garcias Hut und Mantel ab und wies seinen Gefangenen vor, der das Haupt auf die Brust sinken ließ. „Das habt Ihr gut gemacht,“ sagte der General, indem er Gomez mißtrauisch betrachtete.„Wie habt Ihr's aber fertig bekommen, diesen tollkühnen Bluthund unterzukriegen?" „Ich fand ihn schlafend im Walde,“ war die wohlvorbereitete Antwort.„Und da mir sein Gesicht nur zu wohl bekannt war, denn der Schurke hat mich einmal vollständig ausgeplündert, fiel ich über ihn her und band ihn.“ Der General ließ einen Offizier herbeirufen, der Garcia eingehend beschaute und nach kurzer Zeit entschied:„Das ist der Mann.“ „Und dieser da?“ forschte der General und wies hochmütig auf Gomez. „Sein Gesicht gefällt mir gerade nicht,“ versetzte der Offizier; „aber er ist niemals in meinen Händen gewesen.“ „Tann sorgen Sic dafür, daß er sein Geld bekommt, und schaffen Sie diesen Mann nach der Festung,“ befahl der General. So wurde Garcia unter sicherer Bedeckung nach einer Richtung forttransportiert, Gomez nach der anderen aus dem Schlosse gelassen. *** Jose Garcia wußte sehr genau, was sein Schichal sein wurde. Funf Jahre hindurch war er das Haupt einer Räuberbande gewesen und hatte alles Unheil angerichtet, das man mit Feuer und Schwert anrichten kann.“ Er hatte des Generals eigene Plantage geplündert und hatte einen Aufstand im Lande tatkräftig unterstützt. So antwortete er nur mit einem Lächeln, als am folgenden Tage ein Soldat in seine Zelle trat, Hände auf den Rücken fesselte und ihn in den Festungshof hinunterführte, wo die Soldaten in Reih und Glied aufmarschiert standen. „Zielt gut!“ rief er ihnen zu und fügte dann leise für sich hinzu:„Was wohl die Senora dazu sagen würde?“ Gleich die erste Kugel streckte ihn tot zu Boden. *** Eine Woche später verließen Dr. Miramon und die Senora Kuba. Zu ihrem und jedermanns großem Erstaunen hatte irgend ein unbekannter Freund seine Strafsumme bezahlt und seine Freilassung bewirkt. Ein Priester hatte die Verhandlungen geführt, hatt= aber jede Erklärung verweigert. Er gab nur die eine Auskunft, daß er im Auftrag eines anderen handele. Trotzdem fühlten sich die Miramons nicht sicher in Kuba und werden schwerlich dorthin zurückkehren. Bis auf diesen Tag aber haben sie nicht die leiseste Ahnung davon, daß Miramons Befreiung einem dankbaren Sträfling das Leben gekostet hat. * 2• Den Erinerungen eines Detektios nacherzählt von H. Rockwood. „Tas kann „Wissen Sie. ob „Ich weiß daß 20 Am nächsten Morgen ging er aus, in der Hoffnung. Foster zu bezegnen, und näheres über die kühne Rettung von Clarissa zu erfahren. Einige Zeit ging er in der Nähe von Fosters Wohnung umher, als####er jemand erwartete, aber ohne Foster zu treffen. Ungeduldig wollte er weiter gehen, als er Tick Chase erblickte, welcher müßig umherging, als ob er jemand erwartete. Howard erkannte Dick sogleich, da er ihn mehrmals mit Foster gesehen hatte. Er waste auch, daß Die der Sohn von Frau Chase war, bei welcker Gertrud wohnte seit ihrer geheimnisvollen Flucht von Hause. Bi' jetzt wußte er nicht, daß Gertrud das Haus von Frau Chase verlassen hatte. Warten Sie auf perrn Foster?“ fragte Howard, indem er seine Hand auf die Schulter des Knaben legte. Tick blickte auf und sah dem jungen Mann ins Gesicht. sein,“ erwiderte er zurückhaltend diesen Morgen hier ist?“ hier sein müßte.“ „Nun, ich möchte ih. auch sprechen.“ „Ich habe nichts dagegen, Herr Howard,“ Howard schwien verwundert über dus ausweichende Wesen des Knaben. „Sie heißen Dick Chase, nicht wahr?“ fragte er. Er wünschte etwas v. i Gertrud zu erfahren „Ja, so heiße ich.“ „Eine junge Tam: wohnt bei Ihrer Mutter?“ „Wer sagt das?“ „Ich weiß es.“ „Tann wissen Si; etwas, was nicht wahr ist.“ „Wollen Sie etw; sagen, daß keine junge Tame bei Ihre Mutter wihnt. „So meine ich.“ „Ich glaube, Si. wollen mich täuschen.“ „Tann gehen Sie und sehen Sie selbst nach.“ : Dick wandte sich mit kühler Gleichgültigkeit ab, aber Howard ergriff ihn am Arm und rief ungeduldig: „Sagen Sie mir, hat Fräulein Brandon das Haus Ihrer Mutter verlassen?“ „Habe ich nicht gesagt, sic sei nicht da?“ erwiderte Tick. „Wohin ist sie gegangen?“ „Das ist mehr als ach weiß.“ „Wann ist sie fortgegangen?“ „Am Morgen, nachdem Sie dort waren. „Hat ihr Vater sie abgeholt?“ „Wer hat sie dann begleitet?“ „Sie ging allein „Hat Sie keinen Grund angegeben, bei ihrem plötzlichen Weggehen?“ „Sie sagte, sie wex nicht länger zu bleiben.“ „Vor wem hatte= denn Furcht?“ „Vor Ihnen, glaube ich. Wenigstens hat sie vom Weggehen nicht gesprochen, ehe Sie dagewesen sind.“ Howard dachte nach. Seine Trennung von Gertrud und ihr seltsames Benihmen gegen ihn war eine Quelle bestärdiger Qual für iha gewesen. Er fand es unmöglich, seine Geschäfte auf der Bank zu versehen. Beständig kehrten seine Gedanken zu dem schrecklichen Geheimnis zurück, bis alle seine Geisteskräfte dadurch gelärmt erschienen. Beständig fühlte er, daß er ungerecht gegen sie gewesen war „Sie können mir also nicht sagen, wo sie sich jetzt befindet?“ fragte Howard, als der Knabe ihn wieder verlassen woll.. „Nein Herr, kein Wort.“ „Ich glaube, Sie würden auch nichts sagen, wenn Sie könnten?“ „Tus würde von Ihren Wünschen abhängen.“ „Hat sic Ihnen gesugt sie suche einen Aufenthalt, wo ich sie nicht finden könne?“ „Nein, davon hat sie nichts gesagt.“ „Sie wissen nicht, vo; wem sie sich verbirgt?“ „Ich habe meir: Vermutungen.“ „Nun, heraus n; der Sprache.“ Der Bursche strich sein glattes Kinn mit wichtiger Miene. „Ich wüßte nicht, daß ich verpflichtet wäre, für Sie zu denken. Sie wissen wahrscheinlich mehr, als ich und sollten sich die Sache besser klar machen können. Wenn Sie das nicht können, so ist es nicht meine Sache, Sie klüger zu machen.“ „Ich glaube, Sie wollen mir etwas verheimlichen. Glauben Sie, ich sein ein Feind von Fräulein Brandon? „Ich behaupte nicht, das zu wissen.“ „Ich bin der best: uno der treueste Freund, den sie auf der Welt het.Das würde sie Ihnen selbst sagen, wenn Sie sie danach fragen würden.“ „Sie halten mich wohl für grün?“ rief Tick, indem er dem jungen Man plörlich ins Gesicht sah „Ichverstehe Sie nicht.“ „Glauben Sie etwa, ich wisse nicht, daß Sie und die Tochter des Aldermanns verlobt sind?? Ich verstehe das alles. Aber sie haben sich miteinander gezankt. Ich glaube aber, Fräulein Brandon ist im Recht. Ich denke, sie ist eine sehr schön Tame, und ich würde nicht ruhig zusehen, wenn irgend jemano sie beleidigen wollte. Der junge Ma n sagte dies mit bedeutendem Enthusiasmus, über welche Howard unwillkürlich lachen mußte. 6 ∆ 8 * X R G 55 F Ba □ D 121 22 5 2 — T 8• 8 82 BEScES •* ∆ □ a FEES ESR = 455 S 1— "— 3* 9— S„. 5.——— —.——"—— 4— " ü• BSGIESSSEST #SSEELEEE 5 U..— „ DEES *„UTESE n2 E 0•** — G ESSS.—"E*“ SS;SSSE V E P•Un 1— S SSSSSSSS 5•0 G.a u-. 202 „Ja, ohne Zwei, I habe ich mehr Schuld, als sie. Zu diesem Entschlusse bin ich schon selbst gekommen, und ich habe mich entschlossen, ihr das zu sagen, sobald ich sie finden kann,“ gestan; der junge Mann. „Tazu hätten Sit sich schon früher entschließen sollen.“ „Sie wissen also wirklich nicht, wo sie sich jetzt befindet?“ „Ich weiß nicht mehr davon, als Sie, außer, daß sie am nächsten Morgen weggegangen ist, nachdem jemand den Versuch gemacht hatte, sie zu erschießen.“ Unwilltürlich faßte Howard mit starkem Griff den Knaben am Arm. „Jemand hatte versucht, sie zu erschießen?“ fragte er. „Ja; aber sie wurde nur leicht verletzt.“ „Sagen Sie mir alles, was Sie darüber wissen.“ Der Knabe erzählte den Vorfall kurz, aber nur so neit, als seine Mutter ihn verstanden hatte. Aus seinen Angaben konnte Howard nicht darauf schließen, daß er oder der Detektiv den Täter kannten. Heward hörte mit gespanntem Interesse zu. Er war in großer Sorge uno wußte sich den Vorfall nicht zu erklären. „Sie sagen, sie sei nur leicht verwundet?“ fragte er „Ja, der Schuß streifte nur ihr Handgelenk, sagte meine Mutter. „Hat sie nicht auf irgend jemand Verdacht?“ „Ich glaube nicht.“ „Sie muß furchtbar erschrocken sein.“ und sie fiel beinahe in Ohnmacht.“ „Haben Sie keinen Versuch gemacht, den Mörder zu finden?“ „Natürlich haben wir einen Polizisten gerufen, aber er konnte nichts finden.“ „War das die Ursache von Fräulein Brandons Flucht aus ihrem Hause? „Ich deufe, das war's.“ „Weiß Foster etwas von dem Vorfall?“ „Er weiß alles, was ich Ihnen gesagt habe.“ „Von wem weiß er es?“ „Von mir.“ „Auf wen hat er Verdacht?“ „Ich hab ihn nicht gefragt.“ „Hat er überhaut. Verdacht?“ „Ich glaube wohl.“ „Hat er nicht irgend jemand eine Vermutung dadarüber ausgesprochen? „Ich habe nichts davon gehört.“ In diesem Augenblick wandte sich Dick plötzlich um und rannte die Straße hinab. Erstaunt sah ihm Howard nach. Bald beemrkte er die Ursache dieser plötzlichen Unterl.rechung. Foster stand vor einem Hause, das mehrere Straßenviertel weit entfernt war, und bald hatte ihn Dick erreicht. Sie wechselten einige Worte, dann ging Dick in entgegengesetzter Richrung davon, während der Detektiv auf Howard zuging. „Gute Nachrichten, Howard!“ rief Foster, nachdem sie sich begrüßt batten. „Ueber Clarissa?“ fragte der junge Mann. “ „Nun, wie ist es?“ „Sie ist jetzt überzeugt, daß ihr Ehemann ein Schurke ist, und sie versprach, ihm nicht wieder zu vertrauen.“ „Wo ist sie jetzt?“ „Sie ist bei der Tame, die die Pension hält, in der ich wohne. Die Dame wird sie etwa eine Woche beschäftigen, bis ich sie dazu bringen kann, daß sie von Ihnen oder Ihrer Schwester Unkerstützung annimmt.“ „Sie haben es gut verstanden, den rebellischen Geist dieses Mäochens zu lenken. Aber ich möchte mit Ihnen noch über etwas anderes reden.“ „Ueber was? Bitte, sprechen Sie rasch, ich habe keine Zeit.“ „Von Gertrud wissen Sie schon; daß sie das Haus der Frau Chase verlassen hat?“ „Ch, sprechen Sie!" 3 4 „Tas kann jetzt nicht geschehen; mein Freund, sie wünscht im Verborgenen zu bleiben und wenn Sie hoffen, jemals ihr Vertrauen wieder zu erlangen, so dürfen Sie sie nicht wieder stören. Außerdem glaube ich, dau sie die Quelle ihrer Sorge kennt und wenn ich nicht irre, so werden Sie sie in einer Wiche auch erfahren. Aber ich kann mich jetzt nicht aufhalten, um Ihnen das alles genauer zu erklären. Ich rate Ihnen, nach Lynn zu gehen und mit Ihrer Schwester über Clarissa zu sprechen.“ Ehe Howard noch weierte Fragen stellen konnte, ellte Foster einem Straßenbahnwagen nach und Howard blieb zurück mit seinen Gedanken über diese seltsamen Ereignisse. Er beschloß, Fosters Rat zu folgen. Eine Stunde später ging er nach Lynn und das war der Grund, weshalb ihn Gertrud nicht finden konnte, als sie ihn so dringen zu sprechen wünschte. IXIV. Noch etwas über Philipp Roß. Als Howard am Bahnhof in Lynn ausstieg, hörte er zu seinem Erstaunen seinen Namen von einer bekannten Stimme. Als H ward sich un wandte, sah er einen Bekannten, einen Mitbewohner von Frau Harrendons Pension, welcher mit einem kurzgewachsenen, untersetzten Manne sprach. Ter letztere war Howard nicht bekannt. Gleich darauf kam der untersetzte Unbekannte rasch auf Howard zu. Ter andere wande sich ab und verschwand in dem Gedränge auf dem Bahnhof. „Sie sind Herr Howard, nicht wahr?“ fragte der Fremde. „Das ist mein Name,“ erwiderte Howard. „Haben Sie eine Schwester namens Clarissa?“ Howards Interesse erwachte sofort. „Gewiß,“ war seine Antwort. „Sie hat sich kürzlich in New=Yort verheiratet mit einem Mann namens Philipp Roß?“ „So glaube ich. „Haben Sie später erfahren, daß Roß sie verlassen hat und nam#istor kam?“ „So habe ich gehört“ „Ihre Schwester ist hierher gekommen, um seine Spur zu verfolgen, wie ich glaube, und ich dachte, Sie würden ihren jetzigen Aufenthalt wissen.“ „Vielleicht weiß ich ihn. aber ich verstehe nicht, aus welchem Grunde Sie sie suchen.“ „Ich suche auch nicht sie selbst, ich wünsche nur etwas über Roß von ihr zu erfahren.“ „Ah, was ist das?“ „Ich wünsche sehr, ihn festnehmen zu können.“ Howard sprach das mit einiger Ungeduld. „Gut, das soll geschehen. Dieser Roß, welches nebenbei gesagt, ein angenon niener Name ist, ist ein Schurke von der gewöhnlichsten Sorte, Ihre Schwester ist leider von ihm getäuscht worden“ Howard unterbrach ihn durch eine lebhafte Bewegung. Fortsetzung folgt. 55 O weh der Humoreste von Clara Tüsterhoff. Hatsi! Hatsi! Nun ging es schon ein paar Stunden hintereinander aus dem kleinen Hinterzimmer, in welchem Fräulein Weber bei ihren Entwürfen neuer Teppichmuster saß. Der Fabrikherr, dessen Kontor nur durch eine Tapetenwand von diesem Gemach getrennt war, wurde alle Augenblicke durch dies Prusten, Niesen, Schnauben und Husten aus seinen Berechnungen und Schreibereien herausgestört. Er war ein Mann, der für seine Untergebenen ein fürsorgliches Herz hatte, und die Plage, welche seine emsige kleine Malerin offenbar ausstand, tat ihm leid. „Sie haben sich ja ganz fürchterlich erkältet, Fräulein Weber,“ sagte er mitleidig, als er sie in ihrem Arbeitszimmer aufsuchte. „Ich störe Sie wohl gar dadurch?“ sagte das hübsche Mädchen ganz erschrocken. „Je, nun, das wäre das Schlimmste nicht,“ meinte er gutmütig.„Aber man merkt Ihnen doch an, daß Sie viel zu leiden haben. Hier ist's allerdings unvernünftig schwach geheizt.“ Er rief nach dem Hausknecht, der eilfertig erschien. „Friedrich, heizen Sie hier schnell noch einmal, aber kräftig, und daß mir dies Zimmer nicht noch einmal so kalt ist! Wer soll denn mit steifen Fingern zeichnen und malen? Da, hören Sie mal, wie das Fräulein sich schon erkältet hat!“ Hatsi, hatsi! ging es ein halb Dußend Mal hintereinander. „Sie brauchen doch auch etwas gegen Ihren Zustand?“ erkundigte sich der Chef. „Bis jetzt noch nicht, Herr Höfner. Ich denke, es soll sich allein wieder geben,“ antwortete das junge Mädchen dankbar und bescheiden. „Das ist nicht recht, Fräulein Weber. So etwas zieht sich manchmal schrecklich lange hin und artet zuweilen zu etwas Ernsterem aus. Wozu auh sich unnötig quälen lassen, da doch die medizinische Wissenschaft Mittel dagegen hat. Ich werde mal gleich meinen Hausarzt fragen, was man in solchen Fällen anwenden kann. Was für Beschwerden haben Sie denn?“ „Ach, Herr Höfner, Sie sind wirklich zu gütig,“ erklärte Fräulein Weber im Tone tiefer Ueberzeugung und der Blick, den sie dabei auf ihren Chef heftete, sprach ganz entschieden nicht ron einer besonderen Abneigung.„Außer dem greulichen Kitzel zum Husten und Niesen habe ich empfindliche Kopfschmerzen, Stechen in der Brust und Schlingbeschwerden im Halse Tazu reißt und zwickt es mich in Armen und Beinen, und ich habe immerfort Durst.“ „O, das ist ja mehr als genug! Wenn wir nicht so dringend zu tun hätten, würde ich sagen: Sie müssen ein paar Tage ausspannen und im Bett liegen. Aber wir wollen mal erst unsern Tottor hören.“ Er eilte in sein Kontor zurück und setzte sich telephonisch mit seinem Hausarzt in Verbindung. Indem er ihm mitteilen wollte, daß seiner Zeichnerin dies und dies fehlte, schoß es ihm durch den Sinn, daß seine Schwester, die ihm die Wirtschaft führte, geradezu unvernünftig eifersüchtig auf ihn war und ihn stets im Verdachte hatte, für seine weiblichen Angestellten ein tieferes Interesse zu haben, wogegen sie sich mit aller ihr innewohnenden Energie sperrte Wenn der Doktor zufällig ihr gegenüber erwähnte, daß er, ihr sokglich vor Hymens Banden behüteter Bruder, für eine kleine Malerin, die in seinen Diensten stand, ärztlichen Rat eingeholt hatte, so machte sie sich sogleich einen Roman daraus zurecht und das haßte er. Die Sache ließ sich ja auch umgehen, wenn er morgab, er brauche den Rat für sich selber. Und ohne Stocken strömte es von seinen Lippen:„Doktor, können Sie mir kein Mittel gegen den Schnupfen herum schicken? Ich muß mich ziemlich stark erkältet haben.“ „Erlältet? Schnupfen?“ kam es vom entgegengesetzten Ende des Telephons zurück.„Ist nicht leicht zu nehmen in dieser Zeit, da die Iufluenza wieder einmal so arg im Schwunge ist. Was für Symptome machen sich denn bei Ihnen bemerklich?“ Der Fabrikbesitzer lachte triumphierend in sich hinein, daß er so schlau gewesen war, sich im voraus über diese Symptome bei seinem Pflegling zu unterrichten. „O.“ sagte er mit großer Geläufigkeit,„ich habe Husten und Schnupfen, dazu Schmerzen in Hals, Brust und Kopf. Auch verspüre ich immerfort das Bedürfnis, zu trinken.“ Hatsi! Hatsi! klang es dabei hartnäckig aus dem Nebenzimmer heraus. „Im, hm!“ machte der Doktor bedenklich.„Na, ich werde Ihnen Pastillen herumschicken, davon neymen Sie alle Viertelstunde eine. Vor allen Dingen aver ins Bett, gleichmäßige Wärme und wenn irgend möglich schwitzen.“ „Jawohl, Doktor, sobald ich hier abkommen kann,“ versicherte Höfner und damit hatte die Unterredung ihr Ende erreicht. Herr Höfner begab sich zu seiner verzweifelt niesenden Nachbarin und sagte:„Fräulein Weber, es wird sich doch nicht umgehen lassen, Sie müssen einen oder ein paar Tage zu Hause bleiben, müssen aber fest im Bette liegen. Die gleichmäßige Bettwärme soll sehr heilsam dabei sein. Sie müssen aber auch etwas zum Schwitzen einnehmen. Eine Arznei wird mein Arzt sogleich herumschicken; nehmen Sie viertelstündlich eine Pastille davon ein. Packen Sie nur immer Ihre Sachen zusammen.“ „Sie sind aber wirklich— hatsi! hatsi!— zu gut, Herr Höfner," beteuerte die junge Dame, deren zierliche Nasenspitze schon ganz gerötet war. „Na, schon gut,— ist ja einfach Nächstenpflicht,“ schnitt Höfner jede weitere Tanksagung ab, die ihn immer nervös machte. Da kam auch schon der Bote des Doktors mit den Pastillen, die der Fabrikant dann dem hustenden, prustenden Fräulein einhändigte mit der eindringlichen Empfehlung, nur alles getreulich zu tun, was der Doktor verordnet hatte. „Gewiß, natürlich, Herr Höfner, ich werde doch suchen, sobald wie möglich wieder auf die Beine zu kommen,“ versicherte die Leidende aus dem Gefühle inniger Tankbarkeit heraus und ging unter fleißiger Benutzung des Taschentuches nach Hause. Ihr Brotherr setzte sich mit der frohen Gemütsstimmung, die das Bewußtsein einer vollbrachten guten Tat einem verleiht, wieder an seine Geschäftsbücher und=Briefe. Er ahnte nicht, welches Unheil er mit seiner unschuldigen Komödie über sein eigenes Haupt heraufbeschworen hatte. Der alte Hausarzt hatte nämlich gleich nach seinem Gespräch mit dem Fabrikherrn die Schwester desselben telephonisch dahin verständigt:„Bei Ihrem Bruder ist die Jnfluenza im Anzuge. I, habe ihm eine vorbeugende Arznei gegeben. Sorgen Sie nur, daß er gleich nach seiner Heimkehr zu Bett geht und ordentlich schwitzt. Ich spreche heute abend noch bei Ihnen vor.“ Zu Tode erschrocken, hatte das gute Fräulein ihm die treue Beachtung seiner Wünsche versprochen. Nun war aber Fräulein Ida Höfner ganz die geeignete Persönlichkeit, um die unbedingte Befolgung jeder ärztlichen Vorschrift bei ihrem„kleinen Bruder“(er war nämlich zwanzig Jahre jünger als sie) durchzusetzen. Sie sah recht eigentlich ihren Lebenszweck darin, den nach ihrer Meinung überaus schwächlichen Nachkömmling der Familie zu päppeln, zu pflegen, zu verhätscheln und ihn strenge nach den Anweisungen des greisen, überängstlichen Hausdoktors zu halten. Kaum hatte er daher in ahnungsloser Gemütsruhe einen Fuß über die Schwelle seines behaglich eingerichteten Heims gesetzt, als sie ihn auch schon mit den besorgten Worten empfing: „Nun, wie gehts dir, armer kleiner Kerl? Hat die Arznei dir schon Linderung verschafft? Warum hast du mir nicht gesagt, daß dir etwas fehlt? I, hätte dich doch in deinem Zustand nicht ins Geschäft gehen lassen!" Ganz verblüfft blieb der also Empfangene in der Korridortür stehen. „Aber um Himmelswillen, Günther, komm doch nur herein! Tu darfst doch nicht in der zugigen Tür stehen bleiben— noch dazu in deinem Zustande!“ drängte die besorgte Schwester und schob den schier Erstarrten in sein badwarm geheiztes Schlafzimmer. „So, nun komm und zieh dich schnell aus, dein Bett habe ich schon erwärmt und heiße Milch steht auch schon bereit. Nur schnell!“ „Bett erwärmt? Heiße Milch bereit? Ja, was soll denn das?“ fragte der Heimgekehrte noch ganz fassungslos. „Aver Günther, das siehst du nicht ein? Es soll dich von deiner Erkältung kurieren und den Ausbruch der Jufluenza verhüten,“ erwiderte Fräulein Ida und half dem Bruder seinen Ueberzieher ablegen. „Na, hör mal, nu mach' aber keine Faxen,“ gab dieser gereizt zurück.„Sorge lieber, daß das Essen schnell auf den Tisch kommt. Ich habe einen Bärenhunger.“ „Gewiß, ja, ja,“ suchte Ida Höfner ihn zu beschwichtigen. „Tu kriegst ja auch dein großes Glas süße Milch mit Zucker, komm nur erst ins Bett.“ „Ich glaube, du— bist verrückt, Ida, nimm mirs nicht übel,“ stieß der so unangenehm Bewillkommnete ärgerlich her