0 ortmunder Tageblatt Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und gesetzl. Feiertage, Abonnementspreis ie, Heuigen„Juasteiekte Lozisgoslei, K. öh. e eut uch dis best kezsegen sür 3 Menate 1.50 ur. Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inscrate verantwortlich: Biktor Schanzer, Dortmund. verbunden Lokal-Anzeiger für und der täglichen Unterhaltungsbeilage mit dem Dortmund u. Hörde sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— werntprech=Anschluß Nr. 3299. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Pse Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 PfgBeilagen nach Uebereinkunst. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgedühren durt Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebener Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Mar Sonnemann, Dortmund. Dortmund, Montag, den 31. Januar 1910. Nr. 25. 27. Jahrg. Erstes Blatt. Skandal im Deutschen Reichstag. ms. Dortmund, 31. Januar. Wir Deutsche sind bisher mit Recht stolz darauf gewesen, daß die Verhandlungen in unseren Parlamenten, sei es im Reichstage oder in den Landtagen der Einzelstaaten, in wirklich anständigen und parlamentarischen Formen gepflogen wurden. Dieser Stolz hat einen schweren Schlag durch den skandalösen Auftritt erhalten, der am Samstag im Reichstag stattfand. Das zweifelhafte Verdienst, mit der ehrenvollen Tradition gebrochen zu haben, gebührt der konservativen Partei. Der konservative Redner zum Militäretat, der bekannte Abg. von Oldendurg=Januschau entblödete sich nicht provozierend zu fordern, daß der Kaiser jeden Augenblick in der Lage sein müsse, irgend einem Leutnant den Auftrag zu erteilen:„Nehmen Sie zehn Mann und schließen Sie den Reichstag!“ Dieser konservativen Aufforderung zum Verfassungsbruch folgten Szenen, wie sie der Deutsche Reichstag zum Glück noch nicht gesehen hat. Es war der reine Hexensabbat, der nach dieser unbedachten Aeußerung des Abg. v. Oldenburg=Januschau einsetzte. Die vollbesetzten Tribünen beteiligten sich an dem Lärm, der sich stürmisch erhob. Besonders war es die Linke, die laut lärmend Protest erhob u. dem die Verhandlungen leitenden Vizepräsidenten Erbprinzen zu Hohenlohe den berechtigten Vorwurf machte, daß er eine solch unerhörte skandalöse Aeußerung wie die, welche der Konservativen despektierliche Meinung über den Reichstag durch den Abg. Oldenburg hatte o#senbar werden lassen, ungerügt hatte durchgehen lassen, und daß er zur Führung der Präsidialgeschäfte so wenig Talent habe, wie etwa der Esel zum Flötenblasen.„Unerhört!“„Skaudal!",„Frechheit!“ ist ein Verfassungsbruch!“„Der Präsident kneift!“ „Haben wir überhaupt ein Präsidium?“. So und ähnlich scholl es wirr und wild durcheinander. Während dei Erbprinz zu Hohenlohe vergeblich versuchte, die hochgehenden Wogen der Erregung zu besänftigen und die Ruhe wieder herzustellen, gebärdete sich der Abg. Ledebour(Soz.), als wäre er von der Tarantel gestochen, sodaß der Abg. Kreth(Kons.) sich zu dem Ausruf veranlaßt sah:„Man hole einen Tierarzt!“ Endlich, nach langem, vergeblichen Bemühen gelang es, Ruhe und Ordnung wieder herzustellen. Dem Erbprinzen zu Hohenlohe war zum Glück nichts geschehen, er war nicht, wie es mancher Abgeordnete vielleicht gern getan hätte, vom Präsidentensitz herabgezogen worden und durfte weiter seines Amtes walten. Ob ihm aber am morgigen Tienstag nicht das Handwerk gelegt weiden wird, ist abzuwarten. Erbprinz Hohenlohe hatte nämlich dem Abg. Ledebour einen Ordnungsruf erteilt. Dieser hat nun in einem Schreiben an das Präsidium formellen Protest gegen diesen Ordnungsruf eingelegt und an die Entscheidung des Hauses über die Rechtmäßigkeit des Ordnungsrufes appeliert. Morgen fällt die Entscheidung, und da kann es kommen, daß auch der Erbprinz zu Hohenlohe als Vizepräsident fällt. Von Bedeutung war es, daß sämtliche Parteien Imit Ausnahme der Konservativen die Aeußerung des og. v. Oldenburg mißbilligten, sogar das Zentrum tih sich veranlaßt, von seinem Busenfreunde abzu#tisten, des en Ausrede, er habe es nicht so gemeint, :s man es aufgefaßt habe, es ebenso wie die vor F 81 Wort gekommenen Parteien der Linken nicht geten lassen wollte. Allerdings kam der Tadel des encrums aus gequälter Brust. Wenn es nicht der erte wegen gewesen wäre, hätte das Zentrum diese #### konservative Ohrfeige auf seine„demokratische“ Wunge ruhig hingenommen und milde lächelnd darü ### ankend quittiert. Aber die ohnehin durch die kastans großen Massen des Volkes ungerecht be###enden Finanzreform den Konservativen geleisteten gegen das Zentrum mit Recht emwarg Sählerkreise durften nicht noch mehr erzürnt ######n Teshalb mußte das Zentrum, alierdings oge perem Herzen sich dazu entschließen, dem feu bich:#euder eine nuge zu erteilen. Daß die Rüge Redner 2U hart traf, dafür sorgte der ZentrumsKüher..— empfinden aufrichtige Freude dadaß außer den Sozialdemokraten es die Freiein waren, die dem werrn von Oldenburg=Jany Eznt, oroentlich den Kopf gewaschen haben. So erk#r###der greise Abg. Schrader von der Freisinnigen u.„sung, die Aeußerung Oldenburgs nicht nur in, schwere Beleidigung des Reichstags, son pern für eine igs, sowie auch d'er noch schwerere des Kaisers und Köganzen Armee. Entschiedenheit protestierte später der Abg. MüllerMeiningen von der Freisinnigen Volkspartei namens seiner Parteifreunde gegen die Aeußerung des Herrn Oldenburg, die eine direkte Aufforderung zum Verfassungsbruch darstelle. Man wird die als Ausfluß junketlichen Uebermutes aufzufassende Aeußerung des Januschauers am vorigen Samstag im Reichstage im Gedächtnis behalten müssen, um bei den nächsten Wahlen daran zu erinnern. Man wird auch das„Gleiche Brüder, gleiche Kappen!“ nicht vergessen und dem Zenkrum sagen, daß es nicht besser ist, als die Konservativen, mit denen es umgeht und im herzlichen Verkehr steht. Die Handhabung des Vereinsrechtes gibt, wie die neulichen Verhandlungen im Reichstage, gelegentlich der freisinnigen Interpellation wiederum gezeigt haben, noch immer zu lebhaften Beschwerden und berechtigten Klagen Veranlassung. Der jetzige Reichskanzler hat als Staatssekretär des Reichsamts des Innern ausdrücklich betont, daß die Behörden angewiesen werden sollten, alle Härten bei der Anwendung des Reichsvereinsgesetzes zu vermeiden, und sein Nachfolger im Amt Staatssekretär Delbrück, hat dieses Versprechen aufs neue bekräftigt, So anerkennenswert dieser Standpunkt der leitenden politischen Persönlichkeiten ist, so bleibt er doch von sehr problematischem Wert für die Praxis. solange die nachgeordneten Behörden und namentlich die unteren Polizeiorgane ihn sich nicht gleichsalls zu eigen machen, und ihre Tätigkeit danach einrichten. Die Debatten im Reichstage haben auss Neue gezeigt, wie wenig dies bisher trotz aller ministeriellen Verordnungen der Fall ist, und wie an vielen Orten noch genausolche Schwierigkeiten gemacht werden, wie seinerzeit unter der Herrschaft der Vereinsgesetze der Einzelstaaten. Namentlich Preußen und Sachsen leisten hier noch immer bedauerlichen Widerstand. Es heißt doch geradezu die Anordnungen der Minister in das Gegenteil verkehren, wenn in einer Versammlung zu Ehren englischer Arbeiterdeputierter der Gebrauch der englischen Sprache verboten wird. Der preußische Minister des Innern hat die nachgeordneten Behörden angewiesen, keinesfalls Gewerbetreibenden Nachteile aus politischen Rücksichten zuteil werden zu lassen. Wenn dieser Erlaß wirklich zur Durchführung gelangt, dann müssen vor allem die Saalabtreibungen ein Ende finden. auch wenn es sich um sozialdemokratische Versammlungen handelt. Der Staatssekretär versprach, alles Material den Bundesregierungen zur Kenntnis zu überweisen, damit diese in der Lage seien, gleichfalls für Abhilfe zu sorgen.. Die Hauptsache bleibt aber, daß muß immer wieder betont werden, die ernsthafte Anweisung an die unteren Organe und Behörden betr. die Handhabung des Vereinsrechtes. Die goldene Amtskette. In der zweiten sächsischen Kammer kam es gelegentlich der Beratung einiger Nachtragsetats zu einer interessanten Debatte über die goldene Amtskette für den Rektor der Forstakademie Tharandt. Als Kosten für diese Kette sollten 1400 Mark nachträglich in den Etat eingestellt werden. Als von sozialdemokratischer Seite der Posten bemängelt wurde, der nur Aeußerlichkeite: diene, erklärte Geheimrat Wahle, daß die Amtskette bei allen deutschen Akademien eingeführt und das äußere Zeichen des gewählten Rektors sei. Man habe die Forstakademie nicht geringer einschätzen können als andere Akademien. Die Tharandter Amtskette sei übrigensehr billig, da z. B. die der Dresdener Technischen Hochschüle 5000 Mark kostete, Mit dieser Begründung war man aber auf verschiedenen Seiten des Hauses nicht einverstanden, und der nationalliberale Abgeordnete Langhammer gab dem auch Ausdruck. Wenn man den Wert einer Akademie nach dem Werte der Amtskette bemesse, dann müsse es allerdings um die Tharandter Akademie schlecht bestellt sein. Die Regierung jammere fortwährend über Geldmangel, habe aber dabei Mittel für derartige Aeußerlichkeiten über. Der freisinnige Abgeordnete Günther wurde noch schärfer. Er regte an, mit Aeßerlichkeiten, wie Amtsketten usw. überhaupt aufzuräumen und die Ketten der Technischen Hochschulen einfach zu verkaufen. Die Forstakademie Tharandt habe sich einen guten Ruf erworben, den sie auch ohne Amtskette weiter genießen werde. Bei der Abstimmung über die Nachforderung wurde diese gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Freisinnigen angenommen. der Rektor von Tharandt braucht also seine Amtszier nicht aus eigener Tasche bezahlen. Der Duellunfug. Im Reichstag„lehnte“ der Kriegsminister es, „ab“, das Duellwesen im Heere als„Unfug" bezeichnet zu sehen, und rühmte, wie„wohltätig“ die Kabinettsorder von 1894 gewirkt hätte, Nur zwölf Offiziere hätten sich im Jahre 1909 duelliert(erschießen und anschießen lassen.) Ob der Minister wohl auch die Begnadigung des Oberleutnants Granier, die jetzt erfolgt ist, für„wohltätig wirkend“ hält? Aus Berlin wird telegraphiert: Der Oberleutnant Granier vom InfanterieRegiment Nr. 61 ia Thorn, der Ende Juni v. J. im Duell den Oberleutnant Zwitzers vom Infanterie=Regiment Nr. 165 in Blankenburg erschossen hatte, ist nach kurzer Festungshaft begnadigt worden. Aaufmännische Grundsätze in den öffentlichen Verwaltungen. Das vom Hansabund aufgestellte Prinzip der Ersüllung unserer öffentlichen Betriebe mit kaufmännischem Geist ist mit Bezug auf die bereits festgesetzten Einzelpunkte durch die besonders wichtige Forderung der möglichsten Vermeidung bezw. Abkürzung des Schreibwerrs zu ergänzen. Es ist zu verlangen, daß Stenographie und Schreibmaschinen im weitesten Umfange Verwendung finden. Es muß die mechanische Leistung verkürzt und verbessert werden. Durch schnelle Arbeit ist, bei voller Sicherheit des Geleisteten, Zeit zu sparen, um die Kräfte für die intellektuelle Betätigung freizumachen, an welcher das Interesse durch die Abschreiberei verloren geht. Vor allem ist daher ür die in mittlerer Beamtenstellung besindlichen Peronen die Kenntnis der Kurzschrift unbedingt erorderlich, deren Gebrauch eine erhebliche Entlastung für die höheren Beamten durch die Möglichkeit des Diktats bedeuten würde. Bei den mit Abschreibarbeiten beschäftigten Personen ist aber vor allem die volle Beherrschung der Schreibmaschine erforderlich. Auf diesem Gebiete wirken besonders die amerikanischen und französischen Behörden vorbildlich. In den Kanzleien der Regierung zu Washington sind 1579 Personen als Stenographen beschäftigt, die sämtlich auf Grund von Wettschreiben in ihr Amt gelangt sind. In Frankreich finden häufig stenographische Wettbewerbe für männliche und weibliche Stenographen und Maschinenschreiber bei den Staatsbehörden statt. Das französische Unterrichtsministerium beschäftigt 10 Stenotypistinnen mit einem Jahresgehalt von je 3000 Francs. Auch bei unseren öffentlichen Verwaltungen beginnen obige Gesichtspunkte erfreulicherweise mehr und mehr Eingang zu inden, wenn auch einheitliche Vorschciften noch nicht bestehen. Ueber die Entschädigung der Werkmeister in der Sigarrenindustrie schreibt der Reichstagsabgeordnete Dr. Heinz Poithofk der„Sozialpolitischen Rundschau“: Bei der Erörterung der sozialdemokratischen Interpellation über die Entschädigung der Tabakarbeiter aus dem Viermillionenfonds der neuen Steuer in der Reichstagssitzung vom 17. Januar ist auffallender Weise gar nicht gesprochen worden von den Verhältnissen und Interessen der Meister in der betroffenen Industrie. Schuld daran tragen diese selbst, indem ihre Organisation, der Deutsche Werkmeister=Verband, seine direkten Verbnidungen mit dem Parlamente abgebrochen und offenbar auch das auf meine Veranlassung gesammelte Material keinem der zahlreichen Abgeordneten zugestellt hat. die sich für das Tabakgewerbe und für den Meisterstand interessieren. Diese Lücke in der Debatte ist bedauerlich, denn der Zweck einer Interpellation ist doch in erster Linie, eine Aenderung in der Handhabung gesetzlicher Bestimmungen herbeizuführen. Die Ausführungsbestimmungen sind nun im Reichstage im großen und ganzen als richtig anerkannt worden, sie haben den Klagen der Arbeiter über harte oder falsche Handhabung größtenteils den Boden entzogen. Was von Arbeiterseite jetzt noch ernsthaft geltend gemacht werden konnte, ist außer einzelnen, nie zu vermeidenden Mißgriffen von Unterbehörden die Forderung einer weitergehenden Berücksichtigung der Arbeiter in der Zigarrenkisten= und in der Zigarettenindustrie. Auf beide gehe ich hier nicht ein. Wie steht nun die Sache der Meister in der hauptsächlich getroffenen Zigarrenindustrie? Soweit vor meinem Ausscheiden aus dem Werkmeisterverbande das Material einer Umfrage vorlag, zeigte es, daß die aus der Steuer entstandene Verdienstlosigkeit der Werkmeister erfreulicherweise geringer ist, als man nach den Wirkungen der Steuer auf die Industrie und nach der Beschäftigungslosigkeit der Arbeiter fürchten mußte. Offenbar haben in weit höherem Maße, als sich nachweisen läßt, die Fabrikanten Wert darauf gelegt, ihre bewährten Meister zu halten, haben sie auch bei verminderter Produktion weiter bezahlt oder haben sie — als Arbeiter beschäftigt. Da die Stellung des Zigarrenmeisters weder wirtschaftlich noch sozial besonders „gehoben“ ist, so ist es verständlich, wenn manche Meister lieber wieder Zigarren drehen, als eine Entlassung riskieren. Soweit trotzdem eine Verdienstlosigkeit eingetreten ist, haben die Meister an vielen Stellen zunächst Schwierigkeiten gehabt und sind mit Entschädigungsansprüchen abgewiesen worden. Vermulich deswegen, weil bei der Beratung des Steuergesetzes im Reichstage Anträge, welche ausdrücklich auch die Meister als entschädigungsberechtigt anerkennen wollten, abgelehnt sind. Da aber nach dem Wortlaut des Gesetzes der Begriff „Arbeiter“ im Sinne des Titels 7 der Gewerbeordnung zu verstehen ist und zweifellos die Betriebsbeamten mit umsaßt, so ist auf eine Eingabe beim Reichsschatzamte hin eine Aenderung eingetreten und neuerdings sind meines Wissens überall die Werkmeister ebenso berücksichtigt, wie die anderen„Arbeiter“. Nur eine Kategorie bleibt unberücksichtigt: die Zwischenmeister, die nicht in festem Dienstverhältnis zu eiier bestimmten Fabrik stehen, sondern die mit eigenen Werkzeugen in eigener Werkstatt oder durch Hausindutrielle Zigarren herstellen lassen und diese zu bestimmten Sätzen an die Fabrikanten verkaufen. Wirtschaftlich unterscheidet sich ihr Verhältnis zum Fabrikanten kaum von dem eines angestellten Meisters. Aber juristisch ist dieses Verhältnis nicht ein Denstvertrag, sondern ein Werkvertrag. Das Gesetz betrachtet sie nicht als Angestellte, sondern als selbständige Unternehmer. Detzwegen konnten sie nach dem Wortlaute des Tabaksteuergesetzes wohl nicht berücksichtigt werden, ebensowenig wie die Heimarbeiter, die furistisch keine Heimarbeiter, sondern selbständige Gelwerbetreibende sind, die auf eigene Rechnung fabrizieren und ihre Produkte dem Fabrikanten verkaufen. Aber gerade diese Zwischenmeister sind von den Wirkungen der Steuer am allerschlimmsten getroffen, denn sie verlieren nicht nur ihren Verdienst, sondern haben auch Häuschen, Werkstatt und Arbeitsgeräte ungenutzt daliegen und müssen dieses Kapital verzinsen. Gerade sie sind auch stärker als die angestellten Meister von dem Produktionsrückgange beläßt. Da alle Parteien sich bereit erklärt haben, den Viermillionenfonds zu vergrößern, wenn er sich als unlaubt, durch einen Nachtrag zum Gesetze die Entschäigung ausdehnt auf diejenigen Zigarrenmeister, die zwar juristisch nicht als Betriebsbeamte gelten, wirtschaftlich diesen aber völlig gleichstehen und die am stärksten von den Folgen dier unsozialen Steuer in Mitleidenschaft gezogen sind Ausland. Rußland. Petersburg, 30. Jan. Die Senatorenrevision hat festgestellt, daß in ausländischen Banken Kapitalien im Betrage von vielen hunderttausend Rubeln liegen, die den Mitgliedern der Kasaner Intendantur=Empfangskommisssion gehören. Petersburg, 30. Jan. Die Revision des Generals Jakubowsky im Amurgebiet ergab, daß beim Bau von Kasernen und Befestigungen Millionen unterschlagen worden sind. Unter den Schuldigen befindet sich der Stabschef des Amurgebietes, General Debesch, der bereits abberufen worden ist. Der Ingenieurgeneral, der seinerzest#ien Bau der Befestigungen von Port Arthur leitete, soll mitschuldig sein; er ist bereits nach Petersburg berufen worden. Die ganze Angelegenheit wird streng geheim gehalten. England. London, 30. Jan. In den beiden letzten Tagen haben die Liberalen abermals einige Erfolge zu verzeichnen gehabt, sodaß ihre Mehrheit über die konservative Opposition sich letzt auf 121 Stimtnen beläuft. Bis gestern Nachmittag lagen folgende Wahlergebnisse vor: 271 Unionisten, 272 Liberale, 40 Vertreter der Arbeiterpartei und 80 irische Nationalisten. Die Unionisten haben 127, die Liberalen 19 Sitze gewonnen. Rumänien. Bukarest, 30. Jan. Der Finanzminister unterbreitete der Kammer einen Gesetzentwurf, der die Regierung ermächtigt, eine Anleihe von 45 Millionen für Eisenbahnbauten aufzunehmen. Asien Teheran, 30. Jan. Gestern verweigerten 28 perssische Offiziere der Kosakenbrigade den Dienst, so lange die Brigade unter russischem Kommando stehe. Der russische Oberst suspendierte sie daraus vom Dienst und stieß vier aus der Brigade aus. Diese mußten heute auf Befehl des Kriegsministers wieder eingestellt werden. Amerika. Waslhington, 30. Jan. Präsident Taft hat gemäß dem Vorschlage der Tarifbehörde Dänemark, Holland, Norwegen, Schweden, Belgien, Aegypten, Persien und Portugal die Mindestsätze des Lolltarifs eingeräumt. Noch einmal der Streit der Systeme. S. u. H. Augsburg, 29. Jannar. Der Streit: hie Zeppelin, hier Parseval treibt die sonderbarsten Blüten und ist in letzter Linie nur geeignet den deutschen Luftschiffbau zu schädigen und vor dem Auslande zu diskretieren. In Verfolg der Auseinandersetzungen zwischen der Parseval=Luftfahrzeug=Gesellschaft und der Luftschiffbaugesellschaft Zeppelin hat der Führer des Paisevalballons Oberleutnant a. D. Stelling an die Zeppelingesellschaft eine Herausforderung einer Konkurrenzfahrt zwischen den Ballons der beiden Systeme ergehen lassen. Darauf hat die Zeppelin=Gesellschaft wie folgt geantwortet:„Wenn Herr Oberleutnant Stelling meint, daß wir unfreundliche Kritik an dem Parsevalluftschiff geübt hätten, so bemerken wir, daß wir lediglich#u einem an einen Verkehrsverein gerichteten Antwortschreiben, das an die Oeffentlichkeit gelangt ist, eine durch die Anfrage und durch die Münchener Gründungsvorgänge gerechtfertigte Bemerkung über die Schwäche der Ballonet=Schifse gegenüber Gewitterlagen und dadurch bedingten vertikalen Luftbewegungen machten, die in praxi genugsam erwiesen und auf die Major von Parseval selbst in seinen Vorträgen viel schärfer als wir hinwies. Wenn Herr Oberleutnant Stelling dann in seinem Zorn eine uns ein wenig seltsam anmutende Herausforderung daran anknüpft, so meinen wir, sei es ihm ja unbenommen, in einer 38stündigen Dauerfahrt von Friedrichshafen nach Bitterfeld 1100 Kilometer zu durchmessen, bei Bülzig in einem Sturme von 15 bis 20 Metern sein Fahrzeug auf offenem Felde fest zu verankern und über haupt programmäßig bei allen— selbst übelsten — Wetterlagen auf die Reise zu gehen sowie eines unserer Schiffe auf längerer Fahrt zu begleiten, wenn wir es, den jüngsten Anschauungen gemäß, mit re sativ stärkeren Maschinenkräften ausgerüstet haben. Konkurrenzfahrten als Selbstzweck und Spiel zu anternehmen, das verbietet uns— so schmeicheldast auch die Herausforderung für uns ist— die ernsthaften und großen Aufgaben, die bekanntlich unser im kommenden Sommer harren.“ Erfreulich ist das Schauspiel, das dieser Streit bietet, gerade nicht. Lokales und Orovinzielles. Dortmund, 31. Januar. —“ Der Vürgerverein der Altstadt hält am worgigen Dienstag, abends achteinhalb Uhr, in der Wirtschaft von Christian Wolters, 1. Kampstraße, eine Versammlung ab, auf deren Tagesordnung u. a. steht: Die Notwendigkeit der geheimen Abstimmung bei den Kommunalwahlen sowie Umsatzsteuer und WertzuwachNeuer. Gäste sind wllkommen. — Kriminalwachtmeister Wentzel hat von der Regierung zu Arnsberg den Bescheid erhalten, daß er der Gefahr, wegen vermeintlicher Gemeingesährlichkeit gewaltsam in eine Irrenstalt überführt zu werden, nicht mehr ausgesetzt sei und in dieser Beziehung den Schutz der Regierung genieße. Er ist daher aus dem Auslande wieder heimgekehrt. — Tortmunder Musikverein. Für das drit te Vereinskonzert, das am 13. Febr. am Fredenbaum stattfindet, ist die Aufführung der„Hohen Messe“ von I. S. Bach bestimmt. Als Solisten sind für die Wiedergabe dieses monumentalen Tonwerkes verpflichtet: Frau Neugebauer=Ravolh aus Hamburg(Sopran), Frl. Else Schünemann aus Berlin(Alt), Herr Heinrich Kühlborn aus Frankfurt a. M.(Tenor), Herr Paul Haase aus Dresden(Baß). Nach den vorliegenden Krittken, die aus den hauptsächlichsten deutschen Musikzentren stammen, geht sämtlichen Künstlern ein bedeutender Ruf voraus. —* Dementi. Wie uns mitgeteilt wird, beruht die Notiz einiger hiesiger Blätter, über die Umwandlung der Firma Theodor Althoff in eine Kommanbitgesellschaft auf Aktien auf einem Irrtum. —' Gewerbegerichtliches. Gegen die am 10. Dezember v. Is. getätigte Wahl der Arbeitgeberbeisitzer des Gewerbegerichts ist innerhalb der festgesetzten Frist von vier Wochen Beschwerde nicht erhoben worden. Diese Beisitzerkategorie kann nunmehr ihr Amt antreten. Bezüglich der Wahl der Arbeitnehmerbeisitzer ist bekanntlich Beschwerde beim Bezirksausschuß erhoben, weil die Arbeiter der Königlichen Eisenbahnreparaturwerkstätte zur Wahl nicht zugelassen waren. Bis zur Erledigung der Beschwerde bleiben die bisherigen Beisitzer aus dem Kreise der Arbeitnehmer im Amte. —“ Kronenburg.. In dem 4. Solistenkonzert des Philharmonischen Orchesters(Dirigent: Georg Hüttner), heute Montag abends 8 Uhr, mit den olisten Elisabeth Schenk=Weimar(Gesang) und Karl Pecsi=Tortmund(Violine) wird nachstehendes Programm zur Ausführung kommen: Ouverture(Sute) für Flöten und Streichorchester von J. S. Bach (Soloflöte: Herr Heinrich Oldörp. Lieder für Alt von Brahms, Reger und Wolf. Konzert in D=dur für Violine mit Orchester von Joh. Brahms.„Ton Juan", Tondichtung nach Nic. Lenau von Richard Strauß. Nochmals möchten wir darauf hinweisen, daß bei diesen Konzerten auch 4 Freitagsabonnementskarten in Zahlung genommen werden. — Das liebe Vieh. Die am 1. Dezember v. Is. vorgenommene außerordentliche Viehzählung im tadtbezirk. Tortmund ergab 3093(3245) Stück Pferde. 1096(1085) Stück Rindvieh, 387(229) Schafe und 3205(3335) Schweine. Die Anzahl der Hauser betrua 10472(10 204). —* Im Zweigverein des Deutschen Bankbeamten=Vereins spricht am 4. Februar d.. J. abends achteinhalb Uhr im Saale des Hotel„Lindenhof“ Herr Reichstagsabgeordneter Dr. Heinz Potthoff über das Thema„Die soziale Frage des Bankbeamten“. Alle Bankbeamten sind freundlichst eingeladen. Coesfeld, 30. Jan. Ein schweres Sittllchkeitsverbrechen hat ein hiesiger Zahnarzt an einem 12jährigen Mädchen begangen. Er mußte bei dem Kind eine Mundoperation vornehmen und betäubte es zu diesem Zwecke; während der Betäubung verging er sich an dem Mädchen. Die Eltern des Kindes erstatteten bei der Staatsanwaltschaft Anzeige, worauf der Zahnarzt verhaftet wurde. Oberhausen, 30. Jan. Wegen Verbrechens gegen den Paragraphen 218 St. G. B. wurde ein Verfahren gegen 40 Frauen und Mädchen in Oberhausen eingeleitet. Ein Naturheilkundiger, der den Beschuldigten mit Rat und Tat zur Seite gestanden hatte, entzog sich seiner Verhaftung durch die Flucht. Cleve, 29. Jan. Ein merkwürdiger Vorfall wird aus Heerenberg gemeldet: Vor einigen Tagen erhielt der Kutscher eines Gutsbesitzers den Auftrag, mit einem Fuhrwerk Bestellungen in Cleve zu machen. Als er den Wald bei Heerenberg passierte, fand er eine Frau am Wege sitzen. Diese bat, mitfahren zu dürfen. Der Kutscher, ein bejahrter Mann, erlaubte dies auch. Als die Frau jedoch den Wagen besteigen wollte, bemerkte er, daß es sich um einen verkleideten Mann handle. Geistesgegenwärtig, bat er um die Tasche, damit er der Frau auf den Wagen helfen könne. In demselben Moment jagte er aber auch schon davon. Bei der Heimkunft zeigte es sich, daß die Tasche Einbrecherwerkezuge, einen Dolch, Revolver usw. enthielt. Sport. Der Dortmunder Nenn=Verein beruft für morgen, Dienstag, den 1. Februar, abends 6 Uhr seine Mitglieder zu der ordentlichen General=Versammlung im Hotel„Römischer Kaiser“ ein. Der Vorstand erstattet über das verflossene Rennjahr folgenden Bericht: Das Ergebnis des verflossenen Jahres können wir als durchaus gut bezeichnen. Der Rennsport konnte durch die Erhöhung der Preise und Prämien um ca. 33.000 Mark besonders gedeihen. Die Einnahmen sind auf allen Konten gestiegen. Durch die bedeutende Erhöhung der Preise einerseits, sowie die Ermäßigung der Einsätze und Reugelder andererseits, mußte selbstverständlich der Ueberschuß ein geringer werden. Zudem hatten wir an drei Renntagen— 8. Juli, 19. September, 14. Oktober— starken Regen, sodaß die Einnahmen an diesen drei Tagen bedeutend gegen die üblichen Durchschnitts=Einnahmen zurückblieben. Der Saldo=Vortrag auf Rechnung 1910 beträgt 202 300,38 Mk. Dem Verein traten vier Mitglieder bei; durch Tod verloren wir die Herren: G. Landmann, Freiherr v. Quadt, Fr. Wiechers, H. Zentini. Der Mitgliederbestand am 1. Januar 1910 beträgt 139. An Jahreskarten wurden ausgegeben 427 mit Berechtigung für die erste Tribüne und 522 mit Berechtigung für die zweite Tribüne. Im Jahre 1909 sind zwölf Renntage abgehalten, einer mehr als im Vorjahr. Die Rennen fanden statt am 4. und 12. April, 6. und 9, Mai, 4., 8. und 11. Juli, 16, und 19, September, 10. und 14. Oktober, 4. November. An Preisen und Prämien inkl. den Werten der Ehrenpreise wurden 222973.50 Mark gegeben, 32810,95 Mark mehr als im Vorjahr. Ar den zwölf Renntagen sind 72 Rennen gelaufen, genannt waren 1077 Pferde, von denen 372 starteten. Zu der am 8. Mai abgehaltenen Prämiierung von zweijährigen in der Provinz Westfalen gezogenen Halbblut=Pferden wurden neun Pferde vorgeführt, welche sämtlich prämiiert werden konnten. An Prämien wurden 1000 Mark gezahlt. In diesem Jahre zehlte der Verein auch Prämien an diejenigen deutschen Züchter, deren Pferde Preise bei unseren Rennen gewonnen hatten. Es wurden 5 Prozent von den Gewinnen gezahlt, in Summa 4287,50 Mark. Unser erster Vorsitzender, Herr Freiherr Cl. von Romberg stiftete für das Gisbert von Romberg=Memorial einen Ehrenpreis, ebenso die Herren M. u. M. Klönne für das August Klönne=Memorial und die Stadt Dortmund für das Tremonia=Jagdrennen. Den gütigen Gebern spricht der Verein an dieser Stelle seinen Dank aus. Der Verein legte im vorigen Jahre in ca. 40 Dortmunder Wirtschaften die Sportwelt und den Deutschen Sport auf. die Wirte zahlten zu den Abonnements einen kleinen Zuschuß. Der Vorstand bezweckt hierdurch den Sportsinn in Dortmund zu heben. Der Vorstand hat beschlossen, die Rennpreise und Prämien für das Jahr 1910 nicht besonders zu erhöhen, da im Jahre 1911 der Verein das Jubiläum seines 25jährigen Bestehens feiert und sollen dann zur Feier dieses Ereignisses die Preise einiger Rennen merklich erhöht werden. Mit den besten Hoffnungen treten wir in das neue Rennjahr, da unsere Renntage günstig liegen und wir von der steigenden Konjunktur erhöhte Einnahmen erwarten dürfen. Ein S. u. H. Düsseldorf, 29. Januar. Einen umfangreichen Spielerprozeß der wegen des ganzen Milieus hier großes Aufsehen erregte, beschäftigte die hiesige Strafkammer. Angeklagt war der Restaurateur Ambach, der beschuldigt wurde, in seinem Lokale einem Weinrestaurant, gewerbsmäßig gespielt, und Glücksspiele geduldet zu haben. Zu der Verhand lung war eine große Reihe von Zeugen geladen, darunter auch der frühere Vorsteher des hiesigen Meldeamtes Plantz, der wegen Unterschlagung von städtischen GelVereins Dortmund. Dortmund, 31. Januar. Draußen die verdrießliche Laune des Wettergottes, drinnen sonnige Klarheit, heller Jubelgesang. — Das gestrige Konzert des Lehrer=Gesangvereins mit dem Motto„Am Rhein und beim Wein“ hatte ein Programm, in dem das Volkslied, die Perle des Männergesanges, zu seinem vollen Rechte kam. Das ganze Konzert bildete einen großen Hymnus auf den Altvater Rhein und seinen Rebensaft. So ansprechend Rhein= und Weinlieder auch an und für sich sind, so war es doch des Guten etwas zu vinl. Wenn man in drei Stunden dasselbe Thema 22 mal variiert hört, so läßt die Begeisterung, die jedes Lied ein zeln hervorrufen würde, naturgemäß nach. Und so ist es wohl zu verstehen, daß der Beifall nicht so spon tan war, wie man es bei den vorzüglichen Tarbietungen des Lehrergesangvereins gewohnt ist. Am besten gelang dem Chor die altbekannte Wei se von der„Loreley“, die auf Wunsch im zweiten Teil des Programms wiederholt wurde.— Ein romantischer Zauber lag über dem Liede„Warnung vor dem Rhein“ von M. Neumann.— Ferner wirkten effektvoll die Lieder„Gretula“ von Schwalm und das altrheinische Volkslied„Och, Moder, ich well en Ding han“, wie auch die Komposition eines Vereinsmitgliedes, des Herrn Franz Wildt, der in seinem Chor„Stoß an“ durch geistreiche harmonische Wendungen aus dem Rahmen des Alttäglichen tritt. — Herr Musikdirektor Laugs führte die Sängerschar mit sicherer Hand durch alle Fährnisse und Klippen. Hervorzuheben ist die deutliche Aussprache und die klare Intonation; von seltenem Wohllaut waren die Bässe, während die Tenöre im Forte bisweilen ein wenig zu rauh klangen. : Der Solist des Abends, Herr Kammersänger Karl Rost, Köln, verfügt über eine zwar angenehme, jedoch kleine Stimme, die den großen Fredenbaumsaal nicht genügend ausfüllt. Am beiten gelangen ihm noch die Lieder von Aug. Bungert.— Die Begleitung der Soli führte Herr Laugs mit großer Gewandheit aus.— Die Konzerte des Lehrergesangvereins erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit, was sich in dem stets guten Besuche dokumenster. Olpmpia=Theater. „Das Fürstenkind“. Operette in 3 Akten v. V. Leon. Musik v. Franz Léhar. Ernst ist das Leben, Heiter die Kunst. Man mag nun über die Opcrette als Kunstgattung denken, wie man will, so wie die Welt heute ist, abgearbeitet, bis zur letzten Minute vom geschäftlichen Leben in Anspruch genommen, Deunruhigt und besorgt um den eventuellen Ausgang eines Unternehmens, verstört und abgehetzt, gibt es keine bessere Medizin für unser ganzes Nervensystem, als einige Stunden sich in Ruhe und Gelassenheit einer hübschen, lieblichen Musik hinzugeben. Heitere Minen, fröhliches Lachen, beifallfreudiges Klatschen; kein vergrämtes Gesicht, jeder Aerger über die kleinen Unzuträglichkeiten des Tages sind beiseite geschoben, man träumt vor sich hin, man träumt in Wohllaut. Franz Lehar hat es verst inden, aus einem armseligen Libretto ein Gebilde voll Lebenswärme zu schafsen; seine Melodien sind biegsam, geschmeidig und elegant, seine Instrumentation ist von apartem, eigenartigem Reize. Wenn Lehar in seinem„Fürstenkind“. auch nicht so den Volkston trifft, wie in seiner„Lustigen Witwe“, manche schöne Arie finden wir doch, die zu Gemüt spricht. Ich erwähne nur die Hauptschlager der Operette:„Papa, ich bin verliebt, da ahnst nicht wie“ und„Alt und jung, jung und alt, dürfen sich nicht finden". Auch das„Walzer“=Quintett im 3. Akt ist nicht übel. Ein wenig banal ist allerdings die Ouvertüre zum 2. Akt, wie man denn überhaupt bisweilen auch auf weniger fruchtbares Land stößt. Die Aufführung des„Fürstenkind“ ließ wenig zu wünschen übrig. Fräulein Grete Meyer vom Frankfurter Opernhaus war brillant disponiert und sang und spielte mit loderndem Temperament.— Fräulein Basil hatte die Titelrolle inne, sie entledigte sich hrer Aufgabe mit vielem Geschick.— Lobend erwähnt zu werden, verdienen vor allem Herr Schweiger und Herr Schwarze: Fräulein Schultes, Herr Albes und Herr Willens spielten mit viel Humor und trugen wesentlich zur lustigen Stimmung des Abends bei. Das Ballett im zweiten Akte war recht gut einstudiert, ebenso tat das Orchester unter der umsichtigen Leitung Herrn Binders se.n Möglichstes, wobei nicht verschwiegen werden soll, daß einige Einsätze wohl hätten präziser sein können.— Man muß der Direktion Dank wissen, daß lie keine Kosten scheut, auch mit den neuesten Erzeugnissen der Saison aufzuwarten; das Haus war gut besucht. dern zur Zeit eine eineinhalbjährige Gefängnisstrafe verbüßt, Plantz bekundete, daß er in dem Lokale des Angeklagten oft gespielt habe, gewöhnlich mit Verlust, einmal habe er 1000 Mark ein anderes Mal 2000 Mark verloren. Die Spielverluste seien auch der Grund gewesen, weshalb er sich an den städtischen Geldern vergriffen habe. Der Angeklagte selbst gab zu, dem Glücksspiel gehuldigt zu haben, bestritt aber entschieden daß er gewerbsmäßig gespielt habe. Auf Vorhalten des Vorsitzenden gab er zu, daß auch Kellner und Barmädchen sich an dem Spiele beteiligt hätten. In seiner Privatwohnung sei nur ein einziges Mal gespielt worden. und zwar mit Plantz, weil dieser das Spiel durchaus fortsetzen wollte. Dem Angeklagten wurde hier allgemein nachgesagt, daß er immer mit großem Glück gespielt, und dabei ein Vermögen gewonnen habe. Bei seiner Vernehmung behauptete er aber, daß er mehr verloren als gewonnen habe. Verschiedene Polizeibeamte entlasteten den Angeklagten, indem sie ihn nicht für fähig erklärten, gewerbsmäßig zu spielen. Ein früherer Oberkellner des Angeklagten bekundete, daß während des Spielens viel Sekt und Bier getrunken wurde. Die Zeche wurde gewöhnlich von dem Bankhalter übernommen. Der Staatsanwalt ließ die Anklage wegen gewerbsmäßigen Glückspiels fallen. Das Urteil lautete wegen Duldung von Glücksspielen auf 600 Mark Geldstrafe. und Ueber das Vermögen des Kausmanns Ernst Medecke in Dortmund, Westenhellweg 77 ist Konkurs eröffnet worden. als Konkursverwalter ist der Kaufmann S. Segall bestimmt worden. Offener Arrest und Anzeigepflicht bis zum 14. Februar 1910, Konkursforderungen sind bei dem Amtsgerichte Dortmund anzumelden bis zum 28. Februar 1910. Erste Gläubigerversammlung den 16. Februar 1910, mittags 12 Uhr. Allgemeiner Prüfungstermin den 9. März 1910, vormittags 10 Uhr, Zimmer Nr. 78. Patent=Listen. Zusammenstellung der vom Patentbüro Conrad Köchling, Dortmund, Steinplatz 1., erwirkten mit Einschluß der in den Verbreitungsbezirk der Zeitung entfallenden Schutzrechte der letzten Woche. A. Patentanmeldungen. Verfahren zum Einbringen lösbarer Heizröhre Joseph Kemna, Leith i. W.— Verfahren zur Herstellung von Ledergleitschutzdecken für Radreifen: Aloys Pieper, Lüdinghausen.— Kippwagen zur Beförderung von glühendem Koks mit aus einem fahrbaren zweirädigen Untergestell ruhendem und schwingbarem Behälter: Walter Krasemann, Dortmund, Pottgießerstr. 23.— Schlauchanschluß mit Absperrventil und Dichtung mittels eines Bajonettverschlusses und ansteigenden Gleitflächen: Johann Raml, Kourl=Husen b. Dortmund. — Spülvorrichtung, deren doppelter Glockenheber mit einer Entlüftungsleitung und einer Einrichtung zum Auffüllen des Wasserverschlusses sofort nach jeder Spülung ausgestattet ist: Karl Bayer, Eving und Wilhelm Angerbach, Dortmund.— Vorrichtung zum Abüllen insbesondere explosionsfähige Gase entwickelnder Flüssigkeiten: Grümer und Grimberg,. m. b. H., Bochum.— Vorrichtung zum Einebnen der Kohle in liegenden Koksöfen; Zusatz zum Patent 193038: Bochumer Eisenhütte Heinmann u. Dreyer, Bochum. B. Patenterteilungen: 218974. Schneidmaschine mit hin= und hergehenden Messern für Früchte und Knollengewächse: Ewald Julius Kronenberg und Heinrich Klaas, Sophienham= mer b. Hüsten, Westf.— 218 854. Schneidmaschine für Fleischwaren mit wagerechtem Ringmesser und mit einem als drehbare Scheibe ausgebildeten, innerhalb des Ringmessers gelagerten Auflagetisch: Schneidemaschinensabiik Graff und Stein, G. m. b. H, Witten an der R. C. Gebrauchsmusteranmeldungen. Elektrische Sicherheits=Kontakt=Aufzugswinde für Bühnenzwecke: Heinrich Meininghaus, Dortmund, Amalienstraße 8.— Einrichtung zum Abführen von Schwitzwasser bei Wasserbehältern mit Ummantelung: Firma August Klönne, Dortmund.— Faßfüllvorrichtung an Faßwaschmaschinen: Hermann Lehnkering, Dortmund, Märkischestraße 198.— Waschmaschinenantrieb, bei welchem die Wäscherstange während der Drehbewegung mittels einer Schnecke gehoben und gesenkt wird: August Kaesewinkel, Witten. Vermischtes. Dresden, 29. Jan. Deutschland älteste Frau: JohannaGeyer in Zittau, feierte gestern ihren 105. Geburtstag. München, 29. Jan. Ein von der Irrenanstalt Klingen=Münster in der Reinbacher Heil= und Pflegeanstalt Frankental versetzter Wärter wollte seine zwei neuen Vordermänner durch Sublimatpastillen, die er in den Kaffee getan hatte, vergiften. Durch den verdächtigen Geschmack des Getränks wurden die Wärter aufmerksam und ließen den Kaffee untersuchen. Hierdurch wurde der Giftmordversuch ent deckt. Der Täter ist verhaftet. Aberglauben auf dem Lande. Vom hannoverschen Eichsfellde wird geschrieben: Welch unglaubliche Blüten in ländlichen Kreisen der Aberglaube zuweilen treibt, zeigt folgendes Vorkommnis in einem unterreichsfeldischen Dorfe. Einem Manne war eine Menge Weißkohl gestohlen worden, ohne daß er den Täter ertappen konnte. Er ging zu einer alten Frau, um ihren Rat einzuholen, und vernahm dabei den weisen Ausspruch:„Schneide um Mitternacht vorsichtig die Fußspuren des Täters aus, tue diesen Boden in einen Sack von Leinwand, die noch nie benutzt worden, hänge den Sack in den Schornstein und benütze zum Aufhängen einen neuen blanken Nagel, den du zuvor in das Blut eines frisch geschlachteten Huhnes getaucht hast. So wie die Erde von der Hitze dörrt und gelb wird, so wird auch der Täter gelb werden und abmagern, er wird hinstechen und bald seinen Lebensgeist aushauchen.“— Gruselnd macht sich der Aufgeklärte an die Erfüllung des Rates und wartet von Tag zu Tag, bis die Folgen seines Vorgehens sich offenbaren werden. Da— unerwartet kommt der Schornsteinseger, und macht dem Unsinn ein jähes Ende, indem er den Sack mit Inhalt aus dem Schornstein befördert. Eine Stadt von Fröschen überschwemmt. Eine eigenartige Erscheinung wird über Kapstadt aus dem Städtchen Benoni in Natal gemeldet, Benoni ging es so, wie einst der Stadt Abdera, sie wurde von Fröschen überfallen, die die ganze Stadt mit Beschlag belegten. Es war an einem stürmischen Nachmittage, als plötzlich ein Gewitter ausbrach. Sowie es zu donnern anfing, verließen die Frösche den großen Teich, der sich unmittelbar vor dem Rathaus befindet, und begannen die Straßen der Stadt entlang zu ziehen. Die Hauptstraße Benonis, Marken Avenue, bildete wenige Minuten später eine einzige Masse von vorwärtszappelnden Froschkörpern. Der ganze Straßendamm war von einer Seite h# zur anderen Zirka 50 Zentimeter hoch mit tausenden und abertausenden von Fröschen bedeckt. Ein Teii der Frösche kehrte nach dem Teiche zurück als das Unwetter nachließ, während große Massen toter Fri sche, die von ihren Gefährten erdrückt worden waren, aus den Straßen zurückblieben. Eine Erklät, ung für dieses Phänomen hat bisher noch nicht gegeben werden können. Auch eine Jubilarin. In Großwarden wurde eine gewisse Paptamasi zum 500. Male alz unverbesserliche Säuferin von der Polizei perrschuh nach ihrer Heimatgemeinde expediert. Es wird weiter gejeut. Das Schicksal von Ostende, das einige Zeit in Gefahr stand, seinen früheren Glanz zu verlieren, ist wieder gesichert Dem Pächter der Ostender Spielbank, Marquet, den die Behörden in den letzten beiden Jahren einig Schwierigkeiten wegen der skrupellosen Ausbeutung des Roulette gemacht hatte, war das Geschäft bei der verschärften Aufmerksamkeit der Regierung nicht mehr lukrativ genug. Er hatte für die kommende Saison darauf verzichtet, den Kursaal in Pacht in nehmen. Daraufhin wurde ein anderer Pächter gesucht. Jetzt wird bekannt gemacht, daß Marquet wieder in den alten Pachtvertrag eintreten wird,### kein anderer Bewerber gegen ihn aufgetreten ist Die Ostender haben dafür gesorgt, daß die Regierung wieder mit ihnen und Marquet milder verfährt, indem sie erklärten, daß ihre Komune den Ruin nahe sei. Es ist anzunehmen daß das Sviel sogar noch einen Aufschwung erfährt. Marquer fühn in den von ihm subventionierten Blättern einen Kampf gegen die Regierung um die Wiedereinführ. ung der früheren Spielfreiheit. Aus dem Leben der Auster. Einen inte ressanten Vortrag über das Leben der Auster hiel der englische Professor Herdman kürzlich vor der Royal Institution. Er erklärte, es sei nachgewiesen worden, daß eine einzige Auster imstande sei, über sechzehn Millionen junge Anstern in die Welt zu setzen. Die nächste Generation sei demnach in der Lage 256 000000 000 000 Austern hervorzubringen. In der fünften Generation würden also die Nachkommen einer einzigen Auster so zahlreich sein, daß sie 151 Weltkörper bedecken könnten, die ebenso groß wie unsere Erde seien, wenn man annehme, daß jede Auster einen Platz von drei Kubikzoll einnehme. Selbstverständlich gilt diese Berechnung nur für den Fall, daß alle diese Austern am Lebe blieben. Bekanntlich hat aber kein Tier mehr Feinde als die Auster, und eine große Menge Fische, Krabben und Schwämme verzehren und vernichten sie nicht nur in Hunderten und Tausenden, sondern im Millionen. Außerdem werden Millionen junger Austern stündlich von den Wellen in die See hinausgctragen, wo sie umkommen. Professor Herdman zeigte eine Menge in teressanter Photographien, die in England, Irland, Frankreich, Italien und Amerika aufgenommen sind und ein Bild von der Verschiedenartigkeit der Austernkulter in den genannten Ländern geben. Letzte Telearamme. Die Ersatzwahl in Eisenach=Dermbach. Eisenach. 30. Jan. Das ist der Fluch der bösen Tat, daß sie fortzeugend Böses muß gebären. Bei der letzten Wahl lieferten die Wähler den Wahlkreis an den Radauantisemiten Triolen=Schack aus und heute ist er reif für die Sozialdemokratie geworden. Dank der wüsten Agitation, die von antisemitischer Seite bisher getrieben worden ist. Bis heute morgen 9 Uhr waren gezählt für Justizrat Appelius(nl.) 5715, Postassistent Hädrich(Antisemit) 3940, Leber(Soz.) 10 181 Stimmen. Etwa 10 kleinere Orte fehlen noch, die jedoch an dem endgiltigen Ergebnis nichts mehr ändern dürften. Der Antisemit aber ist vollständig unten durch in Eisenach. Auf der Spur Cooks. Heidelberg, 31. Jan. Auf der Suche nach dem flüchtigen„Nordpolentdecker“ Cook befanden sich in den letzten Tagen Scharen von Journalisten, haupt sächlich amerikanische;, ohne des Gesuchten, der sich im Sanatorium Roggenau bei Eberbach in greifbarer Nähr befand, habhaft werden zu können. Cook reiste incognito als ein Herr Günther, um den lästigen Fragern aus dem Wege zu gehen. Ganz heimlich ist er dann eines Tages in der Richtung nach Wien davongefahren. fl 4u Ein politischer Hirtenbrief. Brüsssel, 30. Jan. In allen Kirchen wurde heute ein Hirtenbrief der belgischen Bischöfe verlesen, durch den die Katholiken aufgefordert werden, sich den neuen Militärgesetz willig zu fügen. Ferner werden die Gläubigen ersucht, keine Kritik an der Regierung zu üben. Dieser Hirtenbrief hat den Zweck, angesichts der bevorstehenden Wahlen den schlechten Eindru####u verwischen, den die Annahme des unbeliebten Militärgesetzes in den Provnizbezirken unter den Katholiken hervorgerufen hat. Fallieres will abdanken? Paris, 30. Jan. Das Brüsseler Blatt„Pets Bleu“ bringt die mit Vorsicht aufzunehmende Nachricht, daß der Präsident Fallieres aus Gesundheitsrücksich ten nach den Parlamentswahlen im Sommer abdan ken wolle. Als Nachfolger kommt in erster Linie der Senatspräsident Dubost, ferner Combes, Clemenceau und Brisson in Betracht. Die neueste Sauerstoftheilmethode. Vanadozon. Vanadioserum(Injektion) Phosphor-Vanadien Vanadlolseptol. Vanadoform usw., konzentrierte wässerige Ldsungen von Sauerstoff überladenen Cyloratsalzen mit einem ungistigen Vanadiumsalz. Die mächtige Wirkung beruht an der Spaltung der Chlorade in Chloride und Sauerstoff durc das Vanadium bei Berührung mit Alkalien(Blut, Bazillen Die Mittel sind Erleuger von Ozon im großen Maßstade Die Nahrung wird prompt ausgenutzt, Magen und Dar u verdauen vollständig, das Blut vermehrt sich sehr schnell, Körperzellen erstarken, der Stoffwechsel wird normal; zugle## vernichtet der aktive Sauerstoff durch Zersetzung die atkalischen Krankheitsgifte. Die Methode ist neu, von Kliurken und Aersten genau geprüst und liefert bisher nie gekannte Resultate. Die Gebiete sind: 1) Blutschwäche. Schwäche der Kindet und Greise(Herzmuskelschwäche), 2) Magen= und Darm leiden(Appetttlosigkeit, chronische Durchfälle 2c.), 3) Tuber, knlose Bronchitis, die Folgen von Syphilis, durch Vernich tung der Toxine und Bazillen, die erhöhte Kraft des Blute und den starken Appetit, 4) Nervenleiden(75% der Neu rasthenie), chron Rhenmatismus, Veitstanz, bestimm; Fälle von Zuckerharnruhr. Nietenleiden nach Insektions“ heiten. Aerztl. Broschüre gratis. 1 Fl. für 1 Monat durch die Apotheken, wo nicht, durch die Versand=Apotheke ärztl. geleiteten Vanadiumdenot. Köln=Lindenthal, Theresiee straße 3½ Wus geht auf Atben, 30. Jan. D e Einberufung der Nation ssungs=Revision gewilligt. ildung eines außerparlame sorden. Mitglieder der W bfeuilles des Krieges und ag wird dann, ausgelöst I Konstantinopel, 3 #isentlich von der Gefahr En spricht, wird intensiv Das türtische Heer wird in # 1. März völlig kriegsbe Brieft G. Ebenso wie mit Tel achrichten zwischen entferr cht. Schall oder Elektrizit legraphische Nachricht sell utet Photographie ein m gestelltes Bild. Allerdä hotogramm ganz allgeme nter Stenographie ist sel ster Stenogramm ein stene ster Anwendung des Syf ichte Niederschrift. Einge Eine eigenartige Rekl #tg. für brtmunder Ztg. für die brden. Der Antisemitis h schon recht auffällig mmt auch noch die D ku her, für antisemiti Frachrohr zu dienen. n von Geburt evangelis nicht— erblickt au nellen Zwecken dienend Geschäftsleuten und Brockensammlung in sländern, meist Galizie bitus und an der Sp t hier„in unverfälscht pen u. ihren„Beruf“ da ar lumpige Groschen de kten alten Brocken abzus lizien sollen", wie He schäft machen", während schsehen habe zum Sch #itigen. Taß Herr F. „gute Geschäft“ nicht rer Ausdruck der der schstenliebe, die nicht na t. Tann aber ist Hei n, daß diejenigen min n„Brocken" verkaufer ig für sich brauchen u rtbarenDinge von der den, Groschen zu erhalt benden Evangelischen u lisch anderen Konfessioner hmlung übrig haben, st, aber nicht die Sch einem Kaufmann, al an— ein Kaffee kann, seinen Kaffee: kaufen, so muß es aue übrigens nur einige isen sind, unbenommer Galizien und auch and pie Leute zu hetzen, is r F. B. igen Tage nach e Wiener Operetter Male die Operette — Morgen. Die hr beginnt ein int Sensationen aller Hhervorragendsten schtet die einen Spi reichhaltiger nicht #en wir auf die hei Kaxneval in gr.(Kostümball) ebruar im Olyn ption der gesamt Lüttckens, Liefera per. ausgeführt. I Kabarett! 3 pienkarte 1 ###e, Logenplätze 3 in den bekannte #stäligen über 1000 An #abletten—. #i Gicht, R anschbrich arsenrcren: ausführlichaufklärend kostenlos 8 Loboratorium L. 6 Heute fr beste 5 Pfund Seite b# tausenden Ein Tei ia als toter Frö. dolden wane Erkläth nicht gerotzwarden Male als perrschub schicksal von and, seinen gesichert. irquet, dem hren einig Ausbeutung beschäft bei erung nicht kommende 1 Pacht zu gearquet wien wird, d getreten ist. die Regiermilder veromune dem ß das Spiel zrquer fühn ern einen edereinführ. Einen inte Auster hiell r der Royal sen worden, echzehn MilDie nächste 000 000 000 Generation en Auster so decken könn1, wenn man drei Kubike Berechnung n am Lebe mehr Feinde che, Krabben sie nicht nur n Millionen. tern stündlich agen, wo sie ie Menge in nd, Irland, men sind und r Austernkul1e. der böen. Bei Zahlkreis nd heute n. Dank eite bis 9 Uhr 5, Post10 181 , die jer ändern ten durch er Suche nach befanden sich ialisten, haupt en, der sich im reifbarer Nähr look reine inlästigen Fraheimlich ist er Wien davonKirchen wurde schöfe verlesen, berden, sich den Ferner werden der Regierung weck, angesichts en Eindruck zu beliebten Miliden Katholiken Petit dricht, cklichbdane der nund lmethode. Was geht auf dem Balkan vor? 30. Jan. Der König hat nach Einver1 i mit de Militärliga und den Parteichefs in ## FEinberufung der Nationalversammlung behufs VerKra2gs=Revision gewilligt.— Dragoumis ist mit der Eihung eines außerparlamentarischen Kabinetts betraut Katzo(Mitglieder der Militärliga werden die PorEsses des Krieges und der Marine erhalten. Die # wird dann ausgelöst werden. #onstantinope!, 30. Jan. Während man geEientlich von der Gefahr eines Krieges mit BulgaEn spricht, wird intensiv gegen Griechenland gerüstet. E“ färkische Heer wird in Stärke von 800000 Mann März völlig kriegsbereit sein. Briefkasten. 6. Ebenso wie mit Telegraphie der Austausch von achrichten zwischen entfernten Orten mit Hülfe von #cht. Schall oder Elektrizität und mit Telegramm die begraphisch. Nachricht selbst bezeichnet wird, so beh#tet Photographie ein mit Hülfe der Photographie raestelltes Bild. Allerdings wird mißbräuchlich das hotogramm ganz allgemein Photographie genannt. vter Stenographie ist jede Kurzschrift zu verstehen, Stenogramm ein stenographisches Schriftstück, eine Anwendung des Systems der Stenographie geichte Niederschrift. Eingesandt. eigenartige Reklame ist dieser Tage in der dei Ztg. für die Brockensammlung gemacht Eine rtmunder Ztg. für## rden. Der Antisemitismus der„Tremonia“ hat schon recht auffällig bemerkbar gemacht. Nun mmt auch noch die Dortm. Ztg. und gibt sich u her, für antisemitische Expektorationen als rachrohr zu dienen. Ein Herr F. B.— ob es von Geburt evangelischer Dortmunder ist, weiß nicht— erblickt außer in der streng konfesnellen Zwecken dienenden katholischen Sammelei Geschäftsleuten und Privaten eine Schädigung Brockensammlung in„ganzen Schwärmen von sländern, meist Galiziern, kenntlich am äußeren bitus und an der Sprache", die sich in letzter hier„in unverfälschter Reinkultur“ angesiedelt en u. ihren„Beruf“ darin suchen sollen, für„ein rlumpige Groschen den Tortmundern die abgelaen alten Brocken abzuschwätzen.“„Die Leute aus lizien sollen", wie Herr F. B. sagt, ein gutes schäft machen“, während die Brockensammlung das chsehen habe zum Schaden der Armen und Bestigen. Taß Herr F. B. den armen Galiziern „gute Geschäft“ nicht gönnt, ist ein recht sonderer Ausdruck der der Brockensammlung eigenen chstenliebe, die nicht nach der„Religions=Spezies“ t. Dann aber ist Herrn F. B nur das eine zu n, daß diejenigen minder Wohlhabenden, die ihre n„Brocken" verkaufen, den Erlös daraus sehr für sich brauchen und sroh sind, für die sonst rtbarenDinge von den,„Galiziern“ ein paar„lume“ Groschen zu erhalten. Wenn aber die wohlbenden Evangelischen und ihre getauften Freunde anderen Konfessionen nichts für die Brockenhmlung übrig haben, so ist das sehr beklagensst, aber nicht die Schuld der„Galizier“. Wie n einem Kaufmann, der hier— nehmen wir mal an— ein Kaffeegeschäft hat, nicht verwehkann, seinen Kaffee nach hier und auswärts zu kaufen, so muß es auch den„Galiziern“ von deübrigens nur einige wenige in Tortmund auzuffen sind, unbenommen bleiben, ihre Einkäufe Galizien und auch anderwärts zu machen. Gegen pie Leute zu hetzen, ist wahrlich keine Heldentat Fr F. B. K. H. den, Im Olymvia=Theater verabschiedet sich am stigen Tage nach einem sehr erfolgreichen Gastspiele WWiener Operetten=Ensemble und gelangt zum letzMale die Operette„Das Fürstenkind“ zur Aufführ— Morgen. Dienstag, den 1. Februar, abends ihr beginnt ein internationaler Wettstreit der größSensationen aller Weltteile und hat die Direktion hervorragendsten Spezialitäten aller Länder ver# inen Spielplan bilden, wie er glänzender keichhaltiger nicht gedacht werden kann und versen wir auf die heutige Annonce des Olympia=TheFarn ,val in der Hölle! Großes Elite=Maslest(Rostümball) am Montag, 7. und Dienstag, den Februar im Olympia=Theater. Die glänzende Deo# der gesamten Räume wird von der Firma uttckens, Lieferant des Königl. Hoftheaters, Haner, gusgeführt. Mehrere Kapellen! Großes Balarett Zahlreiche Ueberraschungen. Entree #######te 1 Mark, Herrenkarte 1,50 Mark. Reser„ Isenpläse 3 Mark sind an der Theaterkasse den bekannten Vorverkaufsstellen zu haben. s halt sofort! sstätigen üb. 1000 Anerkennungen Kranker, die Limo„#i“ Gich“, Rheumatismus anberen augen### ervrobten. Eine Probe unseres Mittels, bisches Loboratorium Deutsche Danpfischerei-Gesellschaft „Hordsee“ Gerberstraße 1-J. Rbeinischestraße 19. Heute frisch eintreffend: Erüne Heringe beste großfallende Ware 28 5 Pfund 45 Pfennig. Bekanntmachung. Vierprozentige Deutsche Reichs= und consolidierte Staatsanleihe. — Unkündbar bis 1. April 1910.— Von den auf Grund gesetzlicher Ermächtigung jetzt seitens der Finanzverwaltungen des Reichs und Preußens auszugebenden vierprozentigen Anleihen haben übernommen: 1. Di. Reichsbank, die Königliche Seehandlung(Preußische Staatsbank), die Bank für Handel und Industrie, die Berliner HandelsGesellschaft, S. Bleichröder, die Commerz= und Discontobank, Delbrück Leo& Co., die Deutsche Bank, die Direction der Disconto=Gesellschaft, die Dresdner Bank, F. W. Krause& Co. Bankgeschäft, Mendelssohn& Co., die Mitteldeutsche Creditbank, die Nationalbank für Deutschland, der A. Schaaffhausen'sche Bankverein. sämtlich zu Berlin, sowie Sal. Oppenheim jr.& Co. zu Cöln, Lazard Speyer=Ellissen und Jacob S. H. Stern zu Frankfurt a. M., L. Behrens& Söhne, die Norddeutsche Bank in Hamburg, die Vereinsbank in Hamburg und M. M. Warburg& Co. zu Hamburg, die Allgemeine Deutsche Creditanstalt zu Leipzig, die Rheinische Creditbank zu Mannheim, die Bayerische Hypotheken= und Wechselbank und die Bayerische Vereinsbank zu München, die Königliche Hauptbank zu Nürnberg, die Ostbank für Handel und Gewerbe zu Posen und die Württembergische Vereinsbank zu Stuttgart den Nennbetrag von Dreihundertvierzig Millionen Mark Reichsanleihe, 2. die Königliche Seehandlung(Preußische Staatsbank) und ebendieselben Firmen den Nennbetrag von Hundertvierzig Millionen Mark Preußische Staatsanleihe, Die Anleihen und legen beide Beträge gemeinschaftlich unter den nachstehenden Bedingungen hiermit zur öffentlichen Zeichnung auf werden mit vier vom Hundert jährlich verzinst; die Zinsen werden am 2. Januar und 1. Juli bezahlt. Berlin, im Januar 1910. Reichsbank=Direktorium. Havenstein. v. Grimm. Königliche Seehandlung(Preußische Staatsbank). von Dombois. 1958 2. Bedingungen. Die Zeichnung findet am Samstag, den 5. Februar d. J., von 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags statt bei: dem Kontor der Reichshauptbank für Wertpapiere, der Seehandlungs=Hauptkasse und der Preußischen Central=Genossenschaftskasse, bei allen Reichsbank=Hauptstellen, Reichsbankstellen und den Reichsbanknebenstellen mit Kasseneinrichtung, bei der Königlichen Hauptbank in Nürnberg und ihren sämtlichen Zweiganstalten, sowie ferner bei: der Bank für Handel und Industrie, der Berliner Handels=Gesellschaft, S. Bleichröder, der Commerz= und Disconto=Bank, Delbrück, Leo& Co, der Deutschen Bank, der Direction der Disconto=Gesellschaft, der Dresdner Bank. F. W. Krause& Co., Bankgeschäft, Mendelssohn& Co., der Mitteldeutschen Creditbank, der Nationalbank für Deutschland und dem A. Schaaffhausenschen Bankverein, sämtlich zu Berlin, Sal. Oppenheim jr.& Co. zu Cöln, Lazard Speyer=Ellissen und Jacob S. H. Stern zu Frankfurt a. M., L. Behrens& Söhne, der Norddeutschen Bank in Hamburg, der Vereinebank in Hamburg und M. M. Warburg& Co. zu Hamburg. der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt zu Leipzig, der Rheinischen Creditbank zu Mannheim, der Bayerischen Hypotheken= und Wechselbank und der Bayerischen Vereinsbank zu München, der Ostbank für Handel und Gewerbe zu Posen und der Württembergischen Vereinsbank zu Stuttgart und bei den in Deutschland belegenen Haupt= bezw. Zweigniederlassungen dieser Firmen. Die aufgelegten Anleiheverträge werden ausgefertigt für die Reichsanleihe in Schuldverschreibungen zu 10000, 5000, 1000, 500, 200 Mark, für die Preußische Staatsanleihe in Schuldverschreibungen zu 10000, 5000, 2000, 1000, 500, 200, 100 Mark, beide mit Zinsscheinen über vom 1. Juli d. J. laufende Zinsen. Der Zeichnungspreis beträgt: a) für diejenigen Stücke, die unter Sperrung bis 15. Januar 1911 in das Reichs= oder Staatsschuldbuch einzutragen sind, 101,80 Mark für je 100 Mark Nennwert: b) für alle übrigen Stücke 102.— Mark für je 100 Mark Nennwert. Die Eintragung in die Schuldbücher erfolgt gebührenfrei. Der amtliche Schriftwechsel in Schuldbuchangelegenheiten erfolgt als portopflichtige Dienstsache. Stückzinsen werden in üblicher Weise verrechnet. Bei der Zeichnung hat jeder Zeichner eine Sicherheit von 5% des gezeichneten Nennbetrages in bar oder solchen nach dem Tageskurse zu veranschlagenden Wertpapieren zu hinterlegen, welche die betreffende Zeichnungsstelle als zulässig erachtet. Die vom Kontor der Reichshauptbank für Wertpapiere ausgegebenen Depotscheine sowie die Depotscheine der Königlichen Seehandlung(Preußische Staatsbank) vertreten die Stelle der Effekten. Den Zeichnern steht im Falle der Reduktion die freie Verfügung über den überschießenden Teil der geleisteten Sicherheit zu. Zeichnungsscheine sind bei allen Zeichnungsstellen unentgeltlich zu haben. s können aber die Zeichnungen auch ohne Verwendung von Zeichnungsscheinen erfolgen, und zwar brieflich mit folgendem Wortlaut: „Auf Grund der öffentlich bekanntgemachten Bedingungen zeichne ich von den jetzt aufgelegten 4% Reichs= bezw. Preußischen Staatsanleihen nom. M.#, iie##ii. Deutsche Reichsanleihe nom. M. Preuß. Staatsanleihe und verpflichte mich zu deren Abnahme oder zur Abnahme desjenigen geringeren Betrages, welcher mir auf Grund gegenwärtiger Anmeidung zugeteilt wird. Soweit meine Zeichnung bei der Zuteilung nicht berücksichtigt wird, bin ich einverstanden, daß statt Reichsanleihe auch Preuß. Staatsanleihe oder statt Preuß. Anleihe auch Reichsanleihe zugeteilt wird*). Ich bitte um Zuteilung*) von Stücken, die unter Sperrung bis 15. Januar 1911 für mich in das Reichs= oder Staatsschuldbuch einzutragen sind, zum Preise von 101,80%. Ich bitte um Zuteilung") von Stücken, die bis 15. November 1910 der Sperre unterliegen, zum Preise von 102.—%. Ich bitte um Zuteilung") von freien, d. h. keiner Sperre unterliegenden Stücken, zum Preise von 102,—%. Als Sicherheit hinterlege ich Solche Zeichnungsbriefe können nach Belieben an jede der obigen Zeichnungsstellen gerichtet werden. 9. Die Zuteilung erfolgt tunlichst bald nach der Zeichnung dergestalt, daß zunächst die Schuldbuch=Zeichnungen, sodann diejenigen Zeichnungen vorzugsweise berücksichtigt werden, für welche der Zeichner sich, ohne Eintragung ins Schuldbuch, einer Sperre bis zum 15. November 1910 unterworfen hat; im übrigen entscheidet das Ermessen der Zeichnungsstelle. Anmeldungen auf bestimmte Stücke können nur insoweit berücksichtigt werden, als dies mit den Interessen der anderen Zeichner verträglich erscheint. 6. Die Zeichner können die ihnen zugeteilten Anleihebeträge vom 19. Februar d. J. ab jederzeit voll bezahlen, sie sind jedoch verpflichtet: „ 40% des zugetellten Betrages am 19. Februar d. J. à 20%„„„ spätestens am 3. März d. J. 20%„„„„„ 20 Auris d. J. zu bezahlen. Zeichnungsbeträge bis 1000 Mark einschließlich sind am 19. Februar d. J. ungeteilt zu berichtigen. Die Abnahme muß an derselben Stelle erfolgen, welche die Zeichnung angenommen hat. 7. Wird die Zahlung von 5% des fäll 8. Soweit nicht sogleich Schuldverschreibungen verabfolgt werden können, erhalten die Zeichner vom Reichsbank=Dirertorium bezw. ven Königlichen Seehandlung(Preußische Staatsbank) ausgestellte Interimsscheine, über deren Umtausch in Schuldverschreibungen das Erforderliche öffentlich bekanntgemacht werden wird. Soweit eine Sperrverpflichtung eingegangen ist, werden die Schuldverschreibungen wie auch die Interimsscheine den Erwerbern erst vom 15. November 1910 ab ausgehändigt. Anmerkung: Den Sparkassen wird empfohlen, die vom Verbandsvorstande in Aussicht genommene Veröffentlichung in der am 1. Februa — erscheinenden„Sparkasse“ abzuwarten. *) Das Richtzutressende ist sortzulassen. Pausenue* vien. 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Wie folgende Fall: In der det sich in einem„Jur Be Liebenen Artikel von Herr istlichen Gewerkvereins, kbeiterschaft im Bergbau h verlieren. Wer die Leben br kennt, der weiß, oder! ihnen, daß man die Berge ahlen kann, falls sie ihr kternehmer doch auch un llten sollen.“ Man muß; Fal Serie *„Ja, i ora im st nges noc sohlgemeit schicken, bit diese 3 Eslenunger Plannt. S bit den! per hat kunde er jung hr und ##ien, Dor lt, ob sie 2 hlich derne chen olina pine, ne, gestrichen etc se- und nzimmer erschiedensten ührungen. sterwaren der Art on in eigenr kstatt auf das gearbeitet er-Verein Altstadt. d. 1. Febr. 190 Uhr im Saaleda istian Wolten 1. Kampstraße un =Ecke: sammlung wendigkeit der gebesstimmung bei da talwahlen. euer und Wertz# ner. denes. sind willkommen. Der inn Ihr: 10 Sollitenbirigent: Georg " Weimar (Gesang) der-Hüttner.) hne, hier. r Flöten und r für Alt von Klavier: Herr D-dur von kichard Straus im Verkehrs asse zu haben, karten in Zah16 nuar 1910: nd Abend allen. Montag, m 31. Januar 1910. Dortmunder Tageblatt. Nr. 25. 27. Jahrgang. rreführung in der öffentlichen Meinung. Man schreibt uns: Handelsminister Sydow hat in seiner Antwort auf Interpellation des Zeutrums über den Arbeitshweis im Ruhrrevier zum Schlusse betont, die Ge5tigkeit erfordere es, daß der Appell, den der Ab Erdnete Trimborr an den Zechenverband gerichtet K. alles zu vermeiden, was den vorhandenen Zünd # noch vermehren könne, auch auf die Arbeiterführer gedehnt werde. Wie sehr er damit Recht hat, zeigt folgende Fall: In der Germania vom 9. d. M. det sich in einem„Zur Bergarbeiterbewegung“ überiebenen Artikel von Herrn Effert, dem Führer des istlichen Gewerkvereins, die folgende Stelle:„Die heiterschaft im Bergbau hat tatsächlich nicht viel mehr verlieren. Wer die Lebensverhältnisse und die Löhne #r kennt, der weiß, oder kann es sich sehr leicht nachihnen, daß man die Bergarbeiter kaum noch schlechter ahlen kann, falls sie ihre Arbeitskraft, die für den ternehmer doch auch unentbehrlich ist, aufrecht ersollen.“ Man muß Zweifel hegen, ob Unwissenheit oder Leichtfertigkeit Herrn Effert beim Schreiben dieser Zeilen die Hand geführt hat. Auch erstere wäre nicht entschuldbar, denn die amtlichen Nachweisungen über die Löhne der Bergarbeiter stehen ihm zur Verfügung, sie werden allvierteljährlich im Reichsanzeiger veröffentlicht und gehen von dort in die Presse sämtlicher Parteirichtungen über. Was lehren nun diese Lohnnachweisungen? Sie lassen ersehen, daß die Löhne im Ruhrrevier infolge des Umschlages der Konjunktur seit dem ersten Vierteljahr 1908 in ein rückläufige Bewegung eingetreten sind, die sich bis zur Mitte des abgelaufenen Jahres fortgesetzt hat, um dann wieder einer kleinen Besserung Platz zu machen; diese dürfte auch in dem letzten Vierteljahr 1909 angehalten haben. Der Lohnrückgang in den letzten beiden Jahren muß sogar, da er bei dem Schichtverdienst auf den Kopf der Gesamtbelegschaft in 1909(drei Vierteljahre) gegen 1907 und 1908 37 und 32 Pfg. ausmacht, einigerma ßen erheblich genannt werden; da jedoch in der voraufgegangenen Hochkonjunktur der Lohn auch sehr stark gestiegen war, ergiebt sich, wie die folgende Tabelle zeigt, für 1909 immer noch ein Lohn, der in der Geschichte des Ruhrbergbaues nur in den beiden vorhergehenden Jahren übertroffen worden ist, und der sogar noch 32 Pfg. über den Höchststand der vorletzten Hochkonjunktur(1900) hinausgeht. Auch der Jahresverdienst wird für 1909 den für 1900 voraussichtlich noch um 30 bis 40 Mark übersteigen. Schichtverdienst auf den Kopf der Gesamtbelegschaft 1900—1909. im Jahre 1900 im Jahre 1901 im Jahre 1902 im Jahre 1903 im Jahre 1904 im Jahre 1905 im Jahre 1906 im Jahre 1907 im Jahre 1908 4,18 Mark 4,07 Mark 3.82 Mark 3.88 Mark 3.98 Mark 4.03 Mark 4.37 Mark 4.87 Mark 4.82 Mark unerträglich eingeredet wird, und weiter, daß auch das große Publikum die Verhältnisse des Ruhrbergbaues schwarz in schwarz sieht. Um dieses Ziel zu erreichen, ist jedes Mittel, recht, mag auch die Wahrheit dehei zu kurz kommen. im Jahre 1909(3 Viertelj.) 4,50 Mark Will man aber ein zutreffendes Urteil über den setzigen Lohn gewinnen, so darf man ihn nicht mit dem der letzten Hochkonjunktur(1900 und 1907) vergleichen, sondern muß den des Jahres 1902 zur Gegenüberstellung heranziehen, das etwa denselben wirtschaftlichen Charakter aufwies wie das abgelaufene Jahr. Alsdann ergibt sich für letzteres(drei Vierteljahre) sogar ein um 68 Pfg. höherer Schichtverdienst auf den Kopf der Gesamtbelegschaft. Dieser sich aus der Natur der Sache ergebende Vergleich wird von Herrn Effert im Interesse des von ihm verfolgten Zweckes nicht beliebt. Um Aufklärung der öffentlichen Meinung ist es ihm offensichtlich nicht zu tun, er will anscheinend nur den Boden für den Streik bereiten, dessen Ausbruch er ja bereits für die Zeit, wo die allgemeine Wirtschaftlage einen aussichtsvollen Kampf verheißt, angekündigt hat. Dazu ist einmal erforderlich, daß dem Bergarbeiter seine Lage als Reformen im Theaterbau. S. u. H. Berlin, 29. Januar In der Reichshauptstadt sind bekanntlich in der letzten Zeit eine ganze Reihe neuer Theater provjekte aufgetaucht, die den Berlinern die langersehnte„Große Oper“ mit allen Einrichtungen der modernen Technik bringen sollte. Neuerdings bat der Architekt Werner Behrendt in Schöneberg ein ganz eigenartiges Modell fertiggestellt, um an ihm nachzuweisen, wie es möglich ist, auf einer verhältnismäßig sehr geringen Grundfläche, trotz der einschränkenden Polizeiverordnungen für Theaterbauten ein Publikum von 3000 bis 3200 Personen im Sinne Richard Wagner's(d. h. alle Plätze der Bühne zugewandt), ohne störende Seitengänge unterzubringen. Selbst die entlegensten Plätze sollen dabei noch einen Ueberblick über fast die ganze Bühne haben und zugleich noch im auskömmlichen Bereiche der Hörweite für die gesanglichen und orchestralen Tonwellen liegen. An dem Modell wird gleichzeitig eine neue 9Oontmund. O“ Dienstag, den I. Februar, Mittwoch, den 2. Februar, Donnerstag, den 3. Februar Verkaut von Zesten und Abschnitten Dieser Verkauf findet alljährlich nur zweimal statt, bietet besondere Gelegenheit zum Einkaut nachstehender Artikel zu ganz aussergewöhnlich billigen Preisen. Schwarze Kleiderstoffe. 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Die„Amme“ diese Funktion indessen nur bei Alexandra erfüllt, bautg##chtet wird sie im Hause nur„die Amme“ . 27.„eist eine kräftige, noch junge Person, die ####en kleinen Mädchen zusammenschläft und sie zu ### ten hat. Dienstboten gibt es hier überhaupt in Masse, hat deren mehrere, die Magd Stanislawa wird im de ausschließlich als Doras Mädchen betrachtet. ungen„Deutschen ist dies anfänglich gar nicht recht Ud erst als Frau Niegowo zu ihr sagt, sie möchte „-Lamslawa nur ordentlich beschäftigen, da es für steu Paansimner nicht gut sei, wenn sie zu viel faubegreift sie, daß sie jetzt ihre eigene Zofe hat. f######agt sich während der nächsten Tage wiederdenn hier eigentlich in Stellung oder zu Gast s 7.20 der Art, wie man sie behandelt, möchte man Arbeif Llauben. Keinem Menschen fällt es ein, ihr lich„: zutragen, Frau Niegowo verlangt tat# von ihr, als daß sie die Oberaufsicht über Mutte„3chdcen führt, dafür sorgt, daß sie ihr, ####er nicht lästig fallen und nicht ausschließlich hührige:: Gesellschaft der Dienstboten verbringen. darf schlas.#* Dora tun und treiben, was sie will, das gan: 10 lange als sie Lust dazu hai, darf er in öug aus Bett bringen lassen und im Salon bt. P.###ne“ Zimmer bleiben, ganz wie es ihr beaubt. v..„ großen Mahlzeiten ist es ihr nicht sitlich vns:ziehen, da Frau Niegowo es ungek bleibt, an weiz ein Platzan der Speisetafel unbeben im Fare.9r an iyr arbeitsreiches, einfaches ob sie dene zurückdenkt, so kommt es ihr vor, kann sich s# eer vornehmen Dame führe und birien„„“ genug wegen dieses Entschlusses, nach k Kan#hichtslose Aeußerung ihrer Brotherrin in ehmen, aber da sie im Grunde nicht beabsichtigen, sie ihre dienende Stellung dadurch fühlen zu lassen, lernt sie rasch, sich darüber hinwegzusetzen. Julius hat es nicht so leicht wie sie, denn Herr Niegowoist in seinen Forderungen strenger als seine Gattin. Er hat Julius zu seinem Privatsekretär genommen und verlangt Pünktlichkeit und angestrengte Arbeit von ihm, wie von allen seinen Untergebenen. Da er Julius aber ein höheres Gehalt gibt, als dieser vordem in Petersburg bezog und er obendrein im Hause wohnt und alles frei hat, so daß er sich nichts zukaufen braucht, als Kleider, ist er ebenfalls zufrieden. Fleißig arbeiten mußte er in Petersburg auch. Als Dora ein paar Tage nach ihrer Ankunft in einem dunkelblauen Wollrock, den sie sich aus einem ihrer alten Kleider zurechtgeschneidert hat, und einer höchst phantastischen Seidenbluse mit Goldborten besetzt, beim Mittagessen erscheint, äußert Frau Niegowo sich sehr befriedigt über ihr Aussehen. „Sie sehen reizend aus, Dora Petrowna,“ sagt sie. „Ich merkte gleich, daß Sie ein hübsches Mädchen sind, aber so hübsch habe ich mir Sie doch nicht vorgestellt. Freilich, Lidia ist noch hübscher.“ Dies letztere hat Frau Valeska ihr schon mehrfach erzählt, aber es hätte dessen nicht bedurft, denn Dora weiß selbst ganz genau, daß ihre rosige blonde Lieblichkeit sich nicht mit Fräulein Lidias Semiramisschönheit zu vergleichen vermag. Wo aberbleibt Lidia? Es heißt, sie ist bei einer Freundin zu Besiich, aber Dora glaubt es besser zu wissen. Wenn sie abends in ihrem Zimmer ist, pflegt sie wohl das geheime Fach des Schreibtisches zu öffnen, die Photographie des schönen Mädchens zu betrachten und sich zu fragen, ob die Eltern wohl noch jemals die Tochter wiedersehen werden. Sicher ist sie mit ihrem Geliebten längst über alle Berge und bald wird vielleicht von irgend woher in der Ferne ein Brief anlangen, in dem sie den Eltern meldet, daß sie nicht mehr Lidia Niegowo heißt, sondern Nikolai Lawalskis Gattin ist und nie, nie mehr nach Sibirien zurückkehren wird. Dann aber wird ein großes Klagen anheben, um das verlorene Kind, und sie, Dora, wird wissen, daß ihr eigener Bruder es war, der der Tochter half, ihren Eltern zu entfliehen. Wenn Dora bei dieser Vorstelung angelangt ist. krampft sich ihr Herz in der Brust zusammen und sie fühlt sich unwert all der Güte, die Frau Niegowo an sie verschwendet. Anfänglich hat sie wohl noch manchmal gedacht, daß Lidia Niegowo vielleicht doch nicht mit der geheimnisvollen Fremden auf der Bahnstation identisch sein möchte, aber diese Hoffnung hat sich längst als trügerisch erwiesen, denn in dem Schlafzimmer des Niegowoschen Ehepaares hängt ein großes Brustbild der ältesten Tochter des Hauses. Dora dankt Gott, daß Julius nicht dorthin kommt. Da, als die junge Deutsche eines Vormittags, aus ihrem Zimmer herunterkommt, tritt ihr Frau Niegowos Zofe Tatiana mit der Weisung entgegen, daß ihre Herrin Dora Petrowna zu sich in ihr Schlafzimmer entbietet.“ Dora folgt ganz arglos dem Befehl, aber als sie die Türe des Schlafzimmers öffnet, fühlt sie die Knie vor Schreck unter sich wanken. Denn dort, neben dem Bett ihrer Prinzipalin sitzt eine große, schlanke Gestalt mit einem wunderbaren, kameenhaften Profil und großen, nachtdunklen Augen:. Lidia. „Kommen Sie näher, Dora Petrowna,“ ruft ihr Frau Niegowo entgegen.„Lidia ist eben zurückgekehrt. Nun können Sie sich selbst überzeugen, ob sie schön ist.“ Und voll Munterkeit blickt sie die junge Exzieherin ihrer Töchter an, wie Bestätigung des zuleßt Gesagten von ihr erwartend. Ueber Doras Lippen kommt jedoch kein Laut. Sie ist so fassungslos, daß sie kaum ihre Hand in Lidias ihr entgegengestreckte Rechte zu legen vermag. Sie sieht dem schönen Mädchen nur starr in die Augen, denn diese Augen die bannen sie förmlich.„Schweig!“ scheinen sie ihr zu sagen,„denn wenn Du mich verrätst, so wirst Du es büßen.“ Erst als Lidia den Blick von ihr wendet, löst sich die Erstarrung, welche sich Doras bemächtigt hat, und sie gewinnt es über sich, auf Frau Niegowos Geplauder zu antworten. Um Lidias vollen, roten Mund aber liegt ein seltsames Lächeln, ste weiß ganz genau, daß Dora sie nicht verraten wird. Keine Miene ihres Gesichts hat gezuckt, als sie die junge Deutsche erkannte, und doch wird auch ihr Herz in Angst gebebt haben bei deren Anblick. Doras einziger Wunsch in dieser Stunde ist, den Bruder zu sprechen, um ihn auf Lidias Gegenwart vorzubereiten. Sie entfernt sich daher so schnell wie möglich aus dem Zimmer und bemüht sich Julius zu sprechen, aber umsonst. Als sie die Dienerschaft nach ihm fragt, hört sie, daß er Herrn Niewogo nach dem Bergwerk begleitet hat und vermutlich erst zu Mittag heimkehren wird. So muß sie sich zufrieden geben und tatenlos das Kommende abwarten. Eine ganze Weile vor dem Mittagsmahl befindet sie sich bereits im Speisesaal, immer in der Hoffnung, vielleicht doch noch mit Julius reden zu können, bevor er Lidia begegnet. Statt seiner erscheint dort aber als erster Gregor, den sie seit dem Morgen, an dem sie mit ihm Schneeball spielte, ihrem Vorsatz treu, gemieden hat. Der junge Mensch hat wiederholt versucht, sich ihr zu nähern und als er sich ihr jetzt allein gegenüber sieht, errötet er heftig. Als Dora bei seinem Anblick Miene macht, sich zurückzuziehen, tritt er entschlossen auf sie zu. „Dora Petrowna,“ sagt er, offenbar mit seiner Verlegenheit kämpfend,„warum fliehen Sie mich? Was habe ich Ihnen getan?“ Sein Gesichtsausdruck ist gedrückter deun je, und Dora tut es fast leid, ihm eine ausweichende Antwort zu geben, aber die Erinnerung an das, was die beiden kleinen Mädchen ihr über seine Beziehungen zu ihrer Vorgängerin erzählt haben, hält ihren Trotz aufrecht und kühl erwidert ste ihm:„Fliehen? Ich wüßte nicht, daß ich Sie geflohen habe. Es ist nur nicht meine Art, mich jungen Herren aufzudrängen, die das vielleicht mißverstehen könnten.“ Gleich hinterher fühlt sie, wie namenlos töricht und kindisch diese Anwort ist und möchte sie um jeden Preis, wenn das möglich wäre, zurücknehmen. 176,18 Gregors Gesichtsfarbe ist vom Rot zur tiefsten Blässe übergegangen und um seinen Mund zuckt es.„Blanka und Alexandra haben Ihnen die dumme Geschichte mit Elsa Borowna erzählt,“ sagte er heftig.„Leugnen Sie nicht, ich weiß es doch. Ich kann Ihnen darauf aber nur erwidern, Dora Petrowna, daß es sehr ungerecht ist, jemand für etwas verantwortlich zu machen, wosiit er wirklich nichts kann. Denn ich..“ da Dora eine Bewegung macht, als ob sie ihn unterbrechen will, faßt er rasch nach ihrer Hand und hält sie fest.„Sie müssen mich hören, Dora Petrowna,“ spricht er mit einer Ener gie, die das Mädchen ihm nicht zugetraut hätte. EAl bauliche Einrichtung vorgeführt, durch die eine liche Trennung von Bühne und Zuschauerraum erreicht und es der Feuerwehr ermöglicht wird, im Falle der Not mit ihren Wagen sogar auf die Bühne oder direkt ins Zuschauerhaus zu gelangen, während dem Publikum wieder durch neue technische Einrichtungen der sofortige Ausweg ins Freie ohne hinderliche Treppen und Korridore freisteht. Außerdem soll das Modell noch 2 andere gleichfalls unter Musterbezw. Patentschutz gestellte neue Bühnenvorrichtungen zur Darstellung bringen, die den Beweis liefern sollen, daß es ohne die bisher bekannte und verschiedentlich als unpraktisch bewiesene Drehbühne möglichst während des Spiels zwei oder mehr andere Szenerien fertig aufgebaut so bereit zu halten, daß der Szenenwechsel innerhalb weniger Minuten er folgen kann. Auf das Modell, do demnächst öfsentlich ausgestellt werden soll, darf man mit Recht gespannt sein. Deutscher Reichstag. Berlin, 30, Januar. Vizepräsident Spahn eröffnet die Sitzung und teilt den Eingang eines Schreibens des Staatssetretärs des Auswärtigen Amtes mit, in dem dem Hause von einem Dankschreiben des türkischen Botschafters für die Teilnahme=Kundgebung des Reichstags anläßlich des Brandes des türkischen Parlamentsgebäudes Kenntnis gegeben wird. Die Beratung des Militäretats, Titel Kriegsminister, wird fortgesetzt. Abg. Müller=Meiningen(lib. Fraktionsg.): Alle Sparsamkeitsbestrebungen sind erfolglos, wenn bei der Pensionierung von Offizieren alles beim alten bleibt. Auch sonst muß sich der Reichstag eine unerträgliche Behandlung gefallen lassen. Wir wiederholen unsern unsern stets vergeblich gewesenen Antrag auf Reform des gesamten Militärstraf= und Beschwerderechts und des ehrengerichtlichen Verfahrens gegen Offiziere. Das Beschwerdewesen hat der Minister neuerdings sogar wieder erschwert durch den Erlaß, der es als straf baren Ungehorsam bezeichnet, wenn bei der Beschwerde erhebung nicht die fünftägige Frist gewahrt wird. Im grellen Gegensatz zu den Mannschaftsbestrebungen steht die Behandlung der Bonner Borussen, die Freisprechung des Einjährig-Freiwilligen, weil der tätlich beleidigte Unteroffizier nicht gewußt haben soll, wer ihn geschlagen. Schon der einfachste Takt hätte verbieten sollen, in diesem Falle das Gericht zum Teil mit alten Bonner Borussen zu besetzen. Die Mißhandlung der Rekruten durch ältere Kameraden ist ein böser Uebelstand. Da den Leuten nichts passiert, so darf man sich nicht wundern, daß die niederträchtigen Mißhandlungen nicht aufhören. Ein Duellunfug ist es schon, wenn im Jahre auch nur ein Duell vorkommt. Redner begründet auch den Antrag seiner Partei auf erweiterte Berechtigung zum einjährigen Dienst. Bayerischer Generalmajor v. Gebsattel bestreitet, daß die Soldatenmißhandlungen im bayerischen Heere zu genommen hätten. Abg. Sachse(Soz.) beschwert sich nochmals über die Art des militärischen Eingreisens deim Mansfelder Vergarbeiterstreik und hält die von ihm gelegentlich der Interpellationsdebatte über diesen Gegenstand erhobenen Anklagen aufrecht. Eine von ihm aus Mansseld an den Minister gerichtete Beschwerde wurde überhaupt nicht beantwortet. Kriegsminister v. Heeringen: Dem Vorredner gegenüber halte ich meine neulichen Darlegungen aufrecht, Die Beschwerde war bereits, als ich sie empfing, durch den kommandierenden General erledigt. In der vom Abgeordneten Müller gerügten Verfügung über das Beschwerderecht ist keine Erschwerung dieses Rechtes zu erblicken. Im Bonner Falle habe auch ich bedauert, daß der Gerichtsherr nicht sofort Berufung einlegte, damit die Sache noch mehr klargestellt wird. Ein militärisches Vergehen lag nach Ansicht des Gerichts nicht vor, da der einzige im Zimmer anwesende einjährige Nichtunteroffizier nicht geschlagen, sondern nur gesungen hat. Auch die Rüge der Zusammensetzung des Gerichts war nicht stichhaltig. Die Duelle ganz zu beseitigen, ist früher nicht gelungen und wird auch in Zukunft nicht erreicht werden. Man wird sie nur einschränken können, und das ist allein möglich auf dem Wege der Kabinettsorder von 1897. Wer einmal die Erlaubnis zum Tragen der Uniform erhalten hat, kann hierauf nicht einseitig verzichten, wenn ihm einmal etwas Unangenehmes passiert. Er muß erst die ehrengerichtliche Entschiidnne abwarten. Auch bezüglich des Militärkabinetts und seiner Stellung zum Kaiser bleibt es bei dem, was ich gestern sagte. Eines Mittelsmannes zwischen dem Kriegsminister und dem allerhöchsten Kriegsherrn be dars es nicht. Der Chef des Militärkabinetts ist in be zug auf die Offziere und dereu Peusionierung an die Anträge des Generalkommandos gebunden. Wünscht man in den Pensionierungen Ausdehnung der Besug nisse des Kriegsministers, so müßte dazu die Versasfung geändert werden. Ich kann das nicht besürworten Denn gerade das persönliche Verhältnis des obersten Kriegsherrn zu den Offizieren ist ein Hauptmoment der Stärke des Heeres. Eine Bevorzugung des Adels finde nicht statt. Was die Mißhandlungsfälle und die Militärrechtspflege anlangt, so besteht das Bestreben, Gerechtigkeit zu schaffen, soweit das nach meuschlichen Begrissen möglich ist. Fehler kommen hier wie überall vor. Die Offiziers=Fehlstellen in der Arnee sind erfreulicherweise im Rückgange, z. B. gibt es deren nur noch 840. Weiter besteht auch das Bestreben, alles Pa rademäßige einzuschränken; schon jetzt ist es minimal. (Lebhafte Bravos rechts.) Abg. v. Oldenburg(kons.): Die Herren Sozialdemokraten haben sich darüber beschwert, daß bei dem Streik in Mansfeld gegen sie nicht scharf genug vor gegangen worden ist. Wenn die Sreikenden in Mans feld etwa die gesellschaftlichen Formen befessen haben sollten wie der Herr, der sich vorhin erlaubte, der Rechten zuzurufen:„Maul halten!“, dann ist mit ihnen viel zu gelinde vorgegangen worden.(Wied=rholter Beifall rechts. Zuruse bei den Sozialdemotraten: Sie können uns sonst was!) Es ist gesagt worden, jede Politik müsse vom Offizierkorps ferngehalten werven. Ganz gewiß, das Offizierkorps soll mit Politik nichts zu tun haben. In letzter Zeit gipselten die politischen Erwägungen bei den Offizieren in folgender Schluß folgerung: Die törichten Konservativen haben sich mit dem vorher glücklich beseitigten Zentrum vervunden, um für unsere höheren Gehälter das Geld zu schaffen, und das ist ein Skandal.(Sehr gut und Heiterkeit rechts.) Es ist jetzt auch dabin gekommen, daß die Offiziere sich in ihren militärischen Nöten an Abgeordnete wenden. Das war zu meiner Zeit nicht der Fall. Was die Soldatenmißhandlungen anlangt, so muß ich sagen, sie sind auf das denkbar möglichste Minimum zurückgegangen. Das Duell ist gleichfalls auf den denkbar geringsten Umfang zurückgedrängt worden. Das Militärkabinett ebenso wie die angebliche Bevorzugung des Adels in der preußischen Armec oder in Aingernen Tonen verselden oaeren auf der Preußischen Geschichte, die meinen verehrten Herren Bundesbrüdern(Heiterkeit) nicht in dem Maße zugänglich und verständlich ist.(Gelächter.) Herr Dr. Müller=Meiningen! Da Sie es getan haben, will ich auch hier des früheren bayerischen Bundesratsbevollmächtigten Freiherrn v. Endes gedenken, und dankbar eine Episode erwähnen, worin er in geradezu herzbewegenden Worten den Dank, abstattete für das, was die bayerischen Korps gehabt haben an dem Beispiel der preußischen Armee. Denken Sie an die Jahre 1866 und 1870 und an die Taten der bayerischen Korps im deutsch=französischen Krieg. Da liegt es nahe, daß diese Bundesstaaten dankbar sind für die preußischen Institutionen, die sie zum großen Teil angenommen haben. Aber denken Sie, meine verehrten Herren Bundesbrüder, noch 50 Jahre länger zurück, wenn Ihnen das möglich ist.(Heiterkeit.) Ich erinnere mich, daß ich als dreijähriger Junge einen Vers lernen mußte, um ihn zum Geburtstage meinem Vater aufzu sagen:„Und wenn der alte Fritze kommt. und klopft sie auf die Hosen, dann läuft die ganze Reichsarmee, Panduren und Franzosen.“ Rütteln Sie nicht an dem preußischen Beispiel. Und zu dem preußischen Beispiel und der preußischen Tradition gehört auch das Militärkabinett und die große Zahl der adeligen Offiziere. Große Lärmszene. Abg. v. Oldenburg(kons.) schließt mit den Worten: Auf die Meinung des Reichstages wird heutzutage ein Gewicht gelegt, wie ich es früher nicht gekannt habe. (Große Unruhe links.) Der allerhöchste Kriegsherr— das ist auch eine preußische Tradition, und daß Ihnen diese Tradition nicht paßt, glaube ich sehr gern— der König von Preußen und der deutsche Kaiser muß imstande sein, jedem Leutnant zu sagen: Nehmen Sie zehn Mann und schließen Sie den Reichstag.(Es entsteht große Bewegung und dann Lärm. Die Konservativen rusen lebhaften Beisall. Gegendemonstrationen links. Die Abgeordneten der äußeren Linken springen auf und machen Zwischenrufe. Ledebour(Soz). rust:„Haben Sie gar keine Scham?") Abg. v. Oldenburg(kons.) fährt fort: Da kann man nur den Wunsch haben, daß die Tradition in unserem Offizierkorps, die die Offizierkorps groß gemacht hat, die Armeekorps groß gemacht hat, erhalten wird, und wir von der Rechten fordern von dem preußischen Kriegsminster, daß diese Tradition aufrechterhalten wird auch in der Zusammensetzung der Offizierkorps, in der Homogenität der Offizierkorps. Die alten königlich preußischen Traditionen!(Lebhafter Beifall rechts, Zischen links. Ein Sozialdemokrat ruft:„Hauptmann von Köpenick.") Vizepräsident Erbprinz zu Hohenlohe erteilt dem Abg. Osann das Wort. Abg. Ledebour(Soz.) geht auf die Präsidentenestrade zu und ruft mehrere Male:„Was sagt der Präsident dazu? Den Reichstag schließen?“(Großer Lärm.) Vizepräsident Erbprinz zu Hohenlohe: Ich habe verstanden, daß Sie fragen, was sagt der Präsident dazu? Ich verbitte mir eine Kritik in dieser Form.(Lebhafter Beifall rechts. Große Unruhe links.) Der Abgeordnete Ledebour erhält einen Ordnungsruf. Abg. Ledebour(Soz.) richtet andauernde Zuruse an den Präsidenten, die im Lärm untergehen. Abg. Kreth(kous.) ruft: „Ist denn kein Tierarzt da?“ Der Präsident kann dem Abgeordneten Osann nur mühsam Gehör verschaffen. Abg. Osann(nat.=lib.): Ich will in sachliche Bahnen zurücktehren. Der Abgeordnete Liebermann v. Sonnenberg hat es für richtig gehalten, unsere Partei daran zu erinnern, daß sie mehr eingedenk sein solle des ersten Teiles ihrer Bezeichnung. Was national ist, das wissen wir in unserer Partei ganz genau. Wir bedürsen in der Richlung einer Mahnung des Abg. Liebermann durchaus nicht.(Lebhafter Beifall bei den Nationalliberalen.) Die Geschichte unserer Partei, die nationalen Taten unserer Partei beweisen, daß wir einen solchen Hinweis nicht nötig haben.(Sehr gut bei den Nationalliberalen.) Wir werden auf den Bahnen, die uns die Geschichte der Partei gezeichnet hat, weitergehen und wir werden in nationalen Fragen und insbesondere in den Heeresfragen den Opsermut immer betätigen, den wir gehabt haben, und werden ihn haben, solange die nationalliberale Partei besteht.(Lebhaster Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Schrader(lib. Fraktionsg.): Dem Abgeordneten v. Oldenburg können wir auf dieser Seite nur dankbar sein, daß er mit solcher Offenheit seinen Standpunkt bekannt hat, daß er dem allerhöchsten Herrn Handlungen zugemutet, die dieser absolut nicht begehen kann und nicht begehen würde. Ist das der Respekt, der von jener Seite immer von unserem Kaiser ausgesprochen wird?(Sehr wahr! links.) In unserer Armee werden Sie sicher dafür kein Verständnis finden, denn unsere Armee, das rechne ich ihr zur Ehre an, kennt unsere Verfassung und kennt die Rechte und den Respekt, die dem Reichstage zustehen. Und diesen Respekt hat Herr v. Oldenburg verletzt.(Lebhafte Zustimnung links.) Der Offizier dient dem Staate. Er hat dem Staate den Treueid geleistet.(Zurufe rechts: Nein!) Jawohl, meine Herren! Wenn der Offizier dem Könige den Treueid leistet, so leistet er ihn dem Staate, und ich bin auch überzeugt, daß der König ihm nicht zumuten wird, was der Verfassung zuwiderläuft. Die weiteren Darlegungen des Redners, der bis dahin mit höchst gespannter Aufmerksamkeit angehört wurde, beziehen sich auf die Stellung des Militärkabinetts, gehen aber leider in der nunmehr wieder Platz greifenden Unruhe verloren. Vizepräsident Erbprinz zu Hohenlohe erteilt das Wort zur Geschäftsordnung dem Abgeordneten Singer. Abg. Singer(Soz.): Ich nehme Anlaß, auf den Vorgang zurückzukommen, der sich hier abgespielt hat. Ich stelle fest, daß Herr v. Oldenburg gesagt hat, der Kaiser würde jederzeit in der Lage sein, einem Leutnant zu sagen, nimm zehn Mann und schließe den Reichstag. Ich will im Rahmen einer Geschäftsordnungsrede über die Niedrigkeit der Auffassung sprechen, die in dieser Redewendung zum Ausdruck kommt. Ich rede auch in diesem Augenblick nicht davon, daß diese Redewendung als eine direkte Aufforderung zum Verfassungsbruch zu bezeichnen ist.(Sehr richtig! links.) Ich frage den Präsidenten, der während der Rede nicht eingegrissen hat, ob er die Aeußerung gehört hat. Hat er sie gehört, so würde es wohl eine Beleidigung für ihn sein, wenn ich annehme, daß er sich mit dem Inhalt der Rede identiftziert und den Redner nicht darauf verwiesen hat, daß er er Würde und der Achtung des Reichstages schuldig ist, solche Redewendungen zu unterlassen. Hat er diese Redewendung nicht gehört, so nehme ich an, daß er nunmehr seines Amtes, den Reichstag vor Beschimpfungen zu schützen, walten wird.(Beifall links.) Erklärung des Vizepräsidenten. Vizepräsident Erbprinz zu Hoberlohe: Ich habe die Aeußerung des Herrn v. Oldenburg gehort und habe sie in folgender Weise ausgesaßt: Der Herr Abgeordnete sprach von Disziplin im preußischen Heere, und als er die Aeußerung tat, die soeben von Herrn Singer gemeint wurde, habe ich geglaubt, daß er damit nur das fagen wollte, daß der preußische Soldat bis auf das äußerste dem Rufe des obersten Kriegsherrn zu folgen habe.(Unruhe links.) Hätte ich geglaubt, daß der Abgeordnete von Oldenburg wirklich im Ernst geglaubt hätte und hätte aussprechen wollen, daß die preußische Armee dazu da sei, zehn Mann in den Reichstag zu schicken und deuselben auseinanderzusprengen, so würde ich ohne Zweifel diese Aeußerung aufs schärfste gerügt haben. Abg. v. Oloenvurg(kons.): Der Herr Präsident hat vollständig das verstanden, was ich habe sagen wollen, und ich habe es lediglich angeführt als äußersten Beweis der Disziplin. Daß das nicht vorkommen wird, ist selbstverständlich. Ich habe es lediglich als Beispiel der Disziplin angeführt(Unruhe links), die nicht zu fragen hat nach der Versassung. Abg. Bassermann(nat.=lib.): Nachdem der Abgeordordnete Singer auf den Vorsall nochmals zu sprechen kam, möchte ich namens meiner Fraktionsfreunde noch das eine erklären, daß wir die Aeußerungen des Herrn Oldenburg, in der auch wir eine Mißachtung des Reichstages und seiner verfassungsmäßigen Rechte erkennen, tief beklagen, ebenso die Tatsaché, daß diese Aeußerung Beifall auf einigen Bänken des Hauses gefunden hat.(Hört, hört! links.) Abg. Gröber(Zentrum): Ich kann die Aeußerung des Herrn v. Oldenburg nicht so harmlos auffassen, wie er sie jetzt barstellen möchte, und im Namen meiner politischen Freunde möchte ich unser tiefstes Bedauern darüber aussprechen, daß ein Mitglied dieses hohen Hauses sich zu dieser Aeußerung hat hinreißen lassen. Abg. Müller=Meiningen(lib. Fraktionsg.): Auch wir protestieren gegen die Aufreizung seitens des Herrn von Oldenburg zum Verfassungsbruch und Hochverrat. Wir sind in keiner Weise durch die Erklärung befriedigt, die Herr v. Oldenburg notgedrungen nachher gegeben hat. Herr v. Oldenburg hat in sehr demonstrativer Weise uns wiederholt als„die deutschen Bundesbrüder“ angeredet. Eine größere Gefährdung des bundesstaatlichen Charakters, als diese Art des Herrn v. Oldenburg hier auszutreten, ist nach meiner Anschauung kaum denkbar, und er hat das förderative Prinzip mit einer derartigen Redewendung nach meiner Auffassung auf das allertiefste gekränkt und gefährdet.(Sehr wahr! links.) Auch wir beklagen diese Aeußerung des Herrn v. Oldenburg, und wir protestieren auf das allerschärfste gegen die Aeußerungen sowohl, als auch die Untätigkeit des Präsidenten. (Lebhafter Beifall links.) Abg. Sachse(Soz.) ruft: Herunter vom Präsidentenstuhl Vizepräsident Erbprinz zu Hohenlohe: Wenn ich recht gehört habe, hat Abg. Sachse gesagt, herunter vom Prästdentenstuhl.(Abg. Sachse: Jawohl! Die Sozialdemokraten rufen: Sehr richtig!) Herr Abgeordneter, ich kann einen solchen Ausdruck nicht zulassen. Golange ich hier als gewählter Präsident fungiere, protestiere ich gegen einen solchen Zuruf und rufe Sie zur Ordnung.(Große Unruhe.) Abg. v. Oldenburg(kons.): Ich kann nur protestieren gegen die Auffassung, die man mir imputiert. Ich protestiere auch gegen die Auffassung, daß ich mit dem Ausdruck„Meine Herren Bundesbrüder“ irgend etwas Beleidigendes gesagt hätte. Abg. Singer(Soz.): Ich habe namens meiner Freunde ausdrücklich dagegen Verwahrung einzulegen, daß die Aeußerung des Herrn v. Oldenburg durch den Herrn Präsidenten als eine nicht ernst zu nehmende und harmlose bezeichnet wird. Es würde als Abgeordneter meinem Geschmack widerstreben, wenn ich als nicht ernst zu nehmen hingestellt würde.(Hört, hört! links.) Das hat aber Herr v. Oldenburg mit dem Präsidenten auszumachen. Was mich bewegt, noch einmal das Wort zu nehmen, ist, daß durch die Erklärung des Herrn Präsidenten nicht auch nachgewiesen ist, daß die Aeußerung von ihm richtig verstanden wurde. Im ganzen Hause konnte die Aeußerung nicht anders verstanden werden, wie sie — was ich persönlich glaube— auch gemeint war. Wenn Herr v. Oldenburg die Gelegenheit benutzt, um seine Aeußerung so abzuschwächen, so überlasse ich ihm die Beurteilung darüber, ob es dem Mute eines Mannes entspricht, seine Aeußerung in der Weise nicht zurückzunehmen, sondern abzuschwächen. Außerhalb des Parlaments würde man das Kneifen nennen. Was den Herrn Präsidenten anlangt, so stelle ich fest, daß, wenn er die Aeußerungen so verstanden hätte, wie die Mitglieder des Hauses, er sie gerügt hätte. Das hat der Präsident erklärt. Wir Abgeordneten sind der Meinung, der Präsident konnte sie nicht anders verstehen, und es wäre zum Schutze des Reichstages und seiner Würde nötig gewesen, daß er sie richtig verstanden hätte. Abg. v. Oldenburg(kons.): Ich erkläre nochmals, daß ich meine Aeußerung angeführt habe als ein Beispiel äußerster Konsequenz der Disziplin. Es fällt mir gar nicht ein, etwas abzuschwächen. Ich habe mein ganzes Leben lang das aufrechterhalten, was ich einmal gesagt habe, und was der Abgeordnete Singer darüber denkt, ist mir wurscht!(Lebhafter Beifall rechts. Unruhe links.) Abg. Ledebour ruft: Und der Herr Präsident!(Abg. Singer ruft: Der bleibt!) Vizepräsident Erbprinz zu Hohenlohe: Herr Abgeordneter, ich habe schon einmal gesagt, daß ich das Amt als Präsident kraft der Wahl dieses hohen Hauses führe, und solange ich es führe und ich es nicht niedergelegt habe, bitte ich, meine Geschäftsführung nicht in dieser Weise zu kritisieren.(Beifall rechts.) Die Worte des nächsten Redners Vogt=Hall(wirtsch. Vg.) gehen anfangs in der allgemeinen Erregung vollständig unter. Der Redner wünscht eine raschere Erledigung der Manöverschäden und eine bessere Ausgleichung der Vorspannleistungen. Bedauerlich ist es, daß hier und da das Wort„Bauer", als Schimpswort gebraucht wird. Preußischer Kriegsminister v. Heeringen: Wir erkennen dankbar die Leistungen der Landwirtschaft an. Die Manöver sind für die Ausbildung des Heeres unentbehrlich. Wenn das Wort„Bauer" als Schimpswort gebraucht wurde, so will ich es lebhaft bedauern. Ich kenne es nur als Ehrenname.(Sehr gut rechts und bei den Nationalliberalen.) Vertuscht wird im Heere nichts. Ein Unterschied zwischen König und Vaterland, Here Schrader, existiert nicht. Das ist undenkbar. Darauf wird die Aussprache geschlossen. Vizepräsident Dr. Spahn: Vom Abgeordneten Ledebour ist beim Präsidenten ein Schreiben eingegangen, in dem er dem ihm durch den Erbprinzen v. Hohenlohe erteilten Ordnungsruf widerspricht. Ich werde die Abstimmung hierüber am Montag vornehmen. Eine Disbssion is dabei nicht Stlälsig c übeil(Soz.)(mir Larm empfungen;# wenn es mir pant.— Redner erörtert zunächst ndert hat es mich, daß die Ossine1 Süddeutschland zu den Ausführungen des über die ungeheure Ueberlegenheit der kischen gegenüber den bayerischen Offizieren gesah I Schließlich nimmt ja auch niemand mebAbgeordneten Herrn v. Oldenburg ernst.(Vizeprag Dr. Spahn rügt diesen Ausdruck.) Die Meinu, jedenfalls weit verbreitet, daß es bei Herrn v. Oldennicht richtig im Oberstübchen ist.(Große Heiterkei# Preußischer Kriegsminister v. Heeringen erwiden einzelne vom Abgeordneten Zubeil vorgetragene#### In der Rede des Abgeordneten v. Oldenburg woll eine Unfreundlichkeit gegenüber den süddeutschen staaten entdecken. Jedenfalls möchte ich konstatieren für die Armee kein Grund vorliegt, Süddeutschland, Norddeutschland gegeneinander auszuspielen. Wir: nicht den geringsten Unterschied zwischen den Kont# ten der einzelnen Bundesstaaten. Die gesamte da Armee ist eins und denkt nur daran, sich bereitzuh wenn das Vaterland ruft.(Beifall rechts.) Abg. Rogalla v. Bieberstein(kons.): muß az. das entschiedenste zurückweisen, daß Herr v. Olden einen Gegensatz zwischen Preußen und Bayern in Rede konstruiert hat; das ist ihm gar nicht eingesalg Abg. Müller=Meiningen: Die Aufregung ist nicht wendig. Wir hatten den Eindruck, daß die Aeuß direkt, und zwar sehr stark unfreundlich gegen die deutschen Bundesstaaten war. Abg. Kreth(kons.): Es wäre gegen die Gepsle heiten dieses Hauses, wenn jemand von uns wagen würde, gegen irgendeinen Bundesstaat etwai sagen. Herrn v. Oldenburg hat das ganz ferngelegg Bayerischer Bundesratsbevollmächtigter v. Gebsa### In den Aeußerungen des Herrn v. Oldenburg haße eine Beleidigung der bayerischen Armee nicht erb# können. Abg. Mommsen(lib. Fraktionsg.): Herr v. Oldeny ist ja nicht da und kann ja seine Rede nicht ausle## wie er das heute schon bei einer früheren Gelegenheu tan hat.(Heiterkeit.) Damit schließt die Diskussion. Die Resolutionen der Linksliberalen auf Resorm) gesamten Militärstrafrechts wurde gegen die Stim der Rechten angenommen, die beiden Resolutionen besondere Bewertung der turnerischen Leistungen mit Stimmen der Rechten und des Zentrums abgelehnt. Vizepräsident Dr. Spahn beraumt die nä## Sitzung an auf Montag 1 Uhr: Abstimmung über trag Ledebour wegen Erteilung des Ordnungsmi## Rechnungssachen, zweite Lesung des Etats des Rei schatzamtes. Abg. Mommsen(freis. Vag.): Ich möchte Wunsch aussprechen, den Abgeordneten den Passus Stenogramms zugehen zu lassen, in welchem der nungsruf an Herrn Ledebour enthalten ist. Wir gar nicht, weshalb der Ordnungsruf erfolgt ist. Abg. Bassermann(nat.=lib.): Ich halte es wünschenswert, wenn wir das ganze Stenogramm Sitzung vor der Abstimmung über die Beschwerde Herrn Ledebour in Händen hätten. Ich möchte des vorschlagen, die Abstimmung über die Beschwerde am Montag, sondern Dienstag vorzunehmen. widerspricht in keiner Weise der Geschäftsordn (Zustimmung.) Vizepräsident Dr. Spahn: Ich habe kein Bed dagegen. Das Haus beschließt einstimmig im Sinne der regung des Abgeordneten Bassermann. Im übr bleibt es bei der vorgeschlagenen Tagesordnung Schluß 5 Uhr. Die Tragödie in der Bonner Husara kaserne. Die Tragödie in der Bonner Husarenkaserne, dien dem hiesigen Kriegsgericht zur Verhandlung stand, sich nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme wie sih zugetragen: Der Täter ist der 19jährige Husar Vi Fritz, der im zweiten Jahre diente und dem von seh Vorgesetzten allgemein ein gutes Leumundszeugnis gestellt wurde. In der Nacht vom 1. zum 2. Jan kam er, nachdem er am Nachmittag und Abend ver### dene Wirtschaften besucht hatte, ziemlich angetrunken gen einhalbeinuhr Früh auf seine Stube und legte schlafen. Einige Zeit später erschien der Husar Cro# zik, der ebenfalls nicht ganz nüchtern war, auf der Su in der er gar nicht lag und trieb dort allerlei Unsug, dem er dem Schlafenden die Bettdecke wegnahm. verbat sich das, und es kam infolgedessen zwischen und Gromzik zu einem Streit, in dessen Verlauf die von einigen Kameraden des Fritz aus der Stube drängt wurde. Er eilte nach seiner Stube, die Treppe höher lag, und kam bald wieder, wobei er sein blanken Säbel in der Hand trug. Mit diesem er auf Fritz ein, der in der Ueberraschung in sein So griff und als ersten Gegenstand ein großes Brotm erfaßte. Gromzik erhob den Säbel zum Schlag, aber Fritz mit dem Messer abwehrte, Gromzik mein# daß er einen Stich erhalten hatte, und verließ die St# mit der Drohung: Morgen sprechen wir uns wiell Auf seiner eigenen Stube angekommen, brach er nach nigen Minuten tot zusammen. Ein Stich hatte die Schlüssselbeinschlagader durchsnitten, und den# durch Verblutung herbeigeführt. Fritz wurde sofort haftet, und in Untersuchung genommen, in der er einschlief. Angesichts dieses Beweisergebnisses kam Vertreter der Anklage zu dem Schluß, daß Fritz die? wehr überschritten habe. Dieser Ansicht schloß sich## der Gerichtshof an, der unter Berücksichtigung der## gend und Unbescholtenheit des Angeklagten diestt 3 Jahren Gefängnis verurteilte. Einen wertvollen Berater für alle ständigen oder gelegentlichen Interesse hat die bekannte Annoncenexpedition Invaliden# Berlin W., soeben mit ihrem Zeitungskatalo### 1910, verbunden mit einem Kalendarium, hem gegeben. Als sehr wesentliche Neuerung erhält Katalog die Angaben, an welchen Tagen im nat bezw. der Woche die einzelnen illustrierten ter und Fachzeitschriften erscheinen, was von serenten dankbar anerkannt werden wird. Das vornehm ausgestattete und dabei han“ Werk führt in zuverlässiger, übersichtlicher Ren solge fast sämtliche Tageszeitungen, illustrierte# ter und Fachzeitschriften der Welt auf, sodaße dem, der in die Lage kommt zu inserieren, an dieses Kataloges möglich ist, sich schnell und zu orientieren. Die wohltätigen, gemeinnützigen Bestle des Invalidendank sind bereits allgemein bek! ebenso auch, daß daß seine Kaiserliche und Köng Hoheit der Kronprinz das Protektorat über Verein übernommen hat. Es wäre zu wünschen, daß im Intere hülfsbedürftigen Invaliden und deren Hinterblieh denen doch ausschließlich die Einnahmen des validendank zugute kommen, auch diejenigen unseres Blattes, welche den Invalidendank no# in Anspruch genommen haben, sich seiner z“ nern, falls einmal aus irgend einer Verau die Aufgabe von Inseraten notwendig wird:— kosten entstehen dadurch nicht. Die Versendung des Kataloges an Inseren, folgt gratis und franko von der Zentralstel: „Invalidendank“ in Berlin W. 8, Unter den ben 24 nder hon einer der nächsten Geschäftsn —. 2 6.. 0. 83 55 e. 8 T. #### T- SEE ——— 00•— „— BOHLSTHSTBTENS“ TGHOSSSAMLEgsJBES SESaSTS on-- BS.Epx STS#SSSaSSPGTSTSEEDSTSG — = 5 a8e * OpSG OSSESBöUADSS Se 8% L 19,4 dämpften Tone und blickte sic mit dem Ausdruck gespannter Erwartung an. „Wie könnte ich es vermeiden, wenn ich odenn doch einmal für das Theater ausgebildit werden soll?“ gab sie ihm zur Antwort. „Ist das unumgänglich nötig?“ wiederholte er seine vorige Frage. Etwas wie eine Ahnung kam über sie.„Was meinst du?“ fragte sie aufhorchend. „Würde dein Herz brechen, wenn du das feine Leben, den Beifallsrausch und all den glänzenden Flitter nicht mehr haben dürftest?“ erkundigte er sich eindringlich. „Mein Herz brechen? Ei warum nicht gar!“ erwiderte sie auflachend.„Wenn eine Frau dabei solchen Demütigungen ausgesetzt ist, so wünschte ich lieber ich hätte nie einen Fuß hineingesent. „Es ist ja nichts leichter, als den Fuß wieder zurückzuziehen,“ schlug er in scheinbar leichtem Tone vor. Ungläubig sah sie an.„Aber der Großherzog, bedenke, der Großherzog! Was für Summen hat er schon geopfert, um eine Primadonna für seine Oper heranbilden zu lassen! Wie kannst du denken, daß er mich jetzt noch freigeben würde! Er sprach sich heute so gütig über mein Organ und meine Leistungen aus.“ „Ja, Kind, da ist nun jeder selbst der Nächste. Uns würden auch dabei Opfer zugemutet werden, deren Größe mir erst heute zum Bewußtsein gekommen ist,“ entgegnete liebevoll der junge Handwerker.„Selbst abgesehen von allem anderen, hat es mich schon lange verdrossen, daß dieser Schuft von Kapellmeister mir immer zu verstehen gibt, ich müsse mein Geschäft ausgeben, eine Primadonna könne doch nicht in einem Klempnerkeller hausen. Was denkt sich denn der blos? Denkt der, ein ehrlicher Kerl wird sich von seiner Frau ernähren lassen und selbst als Tagedieb herumlaufen? Nein, da spielen wir nicht mit! Wenn du nur willst machen wir der ganzen Sache auf einmal ein Ende.“ Und nun eröffnete er der gespannt lauschenden Frau den ganzen Feldzugsplan, den er sich während der schweigsamen Wagenfahrt zurechtgelegt hatte.„Sieh, fast die ganze Summe, die der Großherzog dir gegeben hat, liegt unberührt da. Ich konnte unsern Hausstand von meiner Einnahme bestreiten, nachdem unsere Schulden und meine Kur bezahlt waren, und habe alles als einen Notgroschen bei Seite gelegt. Das ist mehr als genug, um uns die Ueberfahrt nach Amerika und einen hübschen Anfang drüben zu ermöglichen. Tahin können wir uns ganz unauffällig und ohne Verdacht zu erwecken gleich morgen einschissen; du brauchst nur zu deinem liebenswürdigen Lehrer zu schicken und dich wegen Untäßlichkeit für die nächsten Tage bei ihm entschuldigen zu lassen. Marie bleibt hier und verkauft unser Geschäft an Nachbar Gebhardt, der mich schon lange darum gequält hat und ein zahlungsfähiger Käufer ist. Mit dem Erlös daraus und aus unserer Wirtschaft kommt sie uns nach, undwir leben drüben unangefochten herrlich und in Freuden, denn wir gehören uns wieder ausschließlich an. Bist du damit einverstanden?“ „Ich bin's, Mann, ja, ich bin's!“ rief sie mit dem Ausdruck innigster Uebereinstimmung.„Mir hat unser früheres glückliches Stilleben und die Wartung und Erziehung unseres kleinen Otto schon lange schmerzlich gefehlt. Ich glaubte blos, es wäre nun nicht mehr möglich.“ Und so wurde es denn ausgeführt. Mit wahrem Feuers eifer machten die Gatten sich noch in derselben Nacht daran, ihre Papiere zu ordnen und die Sachen zurechtzulegen, die sie bei ihrer Flucht mitnehmen wollten, und als am andern Morgen Echwester Marie den Langschläfern den Kaffee brachte, wurde sie mit der Nachricht überrascht, daß diese noch heute nach Amerika abdampfen wollten. Mit vieler List und Gewandtheit gelang es ihnen auch, unbemerkt zu entkommen, und während der Kapellmeister sich über das verdächtige Uebelbefinden seiner geliebten Schülerin noch ängstigte und grämte, landete diese schon wohlbehalten mit ihrem Gatten auf amerikanischem Boden. Erst als die Schwester mit dem Ueberrest ihres Besitztums gleichsalls in Sicherheit war, sprach sich das Gerücht herum, daß die zukünftige Primadonna ihre goldenen Fesseln zerrissen habe, und es ist wohl zu glauben, was die Fama aussprengte, daß die auffällige Ungnade, in die der Kapellmeister fiel, darin seinen Grund habe, daß der scharssinnige Großherzog sich über den Zusammenhang der Tinge Gedanken machte, die der Wahrheit ziemlich nahe kamen. Die ehemalige Primadonna aber begnügte sich fürderhin damit, durch ihren köstlichen, wohlgeschulten Gesang ihren Mann und ihre Kinder zu entzücken, und geizt nach anderen Ruhmeskränzen nicht. Nur ein Sträfling. Stizze von Clara Lüsterhoff. Ein lebhaftes Getrappel von Füßen ließ sich auf der staubigen Chaussee vernehmen, die nach Havanna, der Hauptstadt von Kuba, führte. Eine Sennora, die auf der Veranda eines kleinen Sommerhauses mit Nähen beschäftigt war, blickte gerade in dem Moment von ihrer Arbeit auf, als ein junger Mann in dem groben Kleide des Sträflings zu ihr auf die Veranda stürzte und ihr aus keuchender Brust zuraunte: „Retten Sie mich, Sennora, mein Leben steht auf dem Spiel!“ Ein einziger Blick auf das verzweifelte Antlitz des Flüchtlings, und die Tame hatte ihren Entschluß gefaßt. Sie hörte bereits die Schritte seiner Verfolger. „Schnell hier herunter!" war ihr kurzer Befehl. Jose Garcia zögerte keinen Augenblick. Ohne eine weitere Silbe schlüpfte er unter das leichte Gewebe, an welchem die Sennora nähte, das über ihren Schoß dahinrieselte und sich zu ihren Füßen aufbauschte. Indem er den Rücken gegen das Knie seiner Beschützerin lehnte, war der entlaufene Sträfling vor jeder Entdeckung gesichert. Es war keinen Augenblick zu früh gewesen. Ein Offizier mit einer Abteilung Soldaten erschien in der Tür des Sommerhauses. „Sennora, haben Sie nicht den Flüchtling gesehen?“ erkundigte sich der Offizier ganz außer Atem. „Schüsse hörte ich fallen, hörte auch die Fußtritte eines davonlaufenden Menschen, sonst nichts,“ erwiderte die Dame. „Sie würden mir jedenfalls einen Gefallen tun, wenn Sie das Haus durchsuchten. „Ich danke Ihnen nochmals,“ sagte er dann,„der Schurke ist aber nicht hier, und wir müssen eiligst seine Spur weiter verfolgen.“ Tamit verschwand er samtr seinen Soldaten auf der Landstraße. Jose Garcia kroch unter seinem schützenden Dache hervor.„Sennora, Sie haben mein Leben gerettet,“ sagte er, die tiefste Bewegung in Stimme und Gebärde. Man hätte das dankbar bewegte, lebendige Gesicht entschieden nicht für das eines Verbrechers halten können. „Ich bin froh um Ihretwillen,“ sagte die Tame, die sich beim Blick auf seine Sträflingskleidung doch eines inneren Schauders nicht erwehren konnte.„Ich weiß wehl, daß ich etwas Ungesetzliches getan habe; aber ich war nicht imstande, Sie wie ein Wild jagen und niederschießen zu sehen Ich hoffe, Sie werden entkommen, und wenn Sie sich mir gegenüber dankbar erzeigen wollen, so hüten Sie sich, noch fernerhin mit den Gesetzen in Konflikt zu kommen“ Jose hatte während ihrer Worte seine Retterin genauer ins Auge gefaßt Er bemerkte auf ihrem bleichen Gesicht die Spuren innerer Leiden und sah, daß sie Trauerkleidung trug „Die Sennora ist Witwe, wie ich vermute,“ sagte er mitleidig„Ich zweifle nicht daran, daß sie treue Freunde hat. Sie verdient sie.“ „Nein, nein,“ war ihre hastige Erwiderung,„mein Mann lebt. Es ist Dr. Miramon, den Sie ohne Zweifel kennen. Ich trage mich schwarz, weil er sich im Gesängnis befindet, und es ist wenig oder gar keine Hoffnung, daß er mir je wiedergegeben wird. Er ist ein politischer Verbrecher. Sie werden von seinem Tun gehört haben.“ Jose Garcia hatte davon gehört. Er wußte, daß Dr. Miramon gefangen genommen worden, weil er gegen die Regierung tätig gewesen war. „Dies Häuschen," fuhr die Dame fort,„gehört mir nicht. Ich habe es gemietet und lebe hier mit zwei alten Dienstboten, die mich in meinem Unglück nicht verlassen haben. So ernähre ich mich denn kümmerlich durch meiner Hände Arbeit; Gott weiß, wie lange ich's nötig habe. Meines Mannes Gesundheit ist durch seine grausame Gefangenschaft stark erschüttert, und sein Tod wär. auch der meine, des bin ich gewiß.“ Die Schatten des Abends senkten sich auf die Gegend, und die Tame raffte ihren duftigen Stoff zusammen, um in das Haus zu gehen. (Schluß folgt.) Feierstunden Blätter für Unterhaltung und Belehrung.#. Nach langen Kämpfen Den Erinerungen eines Detektios nacherzählt von H. Rockwood. 19 War sie zu heftig und verwegen, als sie diesem Manne sagte, er möge tun, was er wolle, während er doch so große Macht hatte? fragte Sie sich selbst, während sie sich zu fassen suchte, um ruhig über ihre Sitnation nachzudenken. Aber niemand gab ihr Antwort auf diese Frage. Sie hatte niemand, der sie beraten oder in ihrer Not ihr beistehen konnte. Nur in einer Beziehung vermochte sie logisch zu denken. Sie wußte daß kein Pflichtgefühl, auch wenn es sich um die Rettung des Lebens ihres Vaters handelte, sie dazu veranlassen dürfe, Munros Frau zu werden und indem sie ihn zurückwies, konnte sie nur seine Rache beschleunigen. Ihre Lage war eine solche, daß sowohl Verwandtschaft als Reichtum ihr wenig Nutzen bringen konnten. Nur ein menschliches Wesen war imstande, ihr den Trost zu bringen, dessen sie so sehr bedurfte, und dieser eine hatte sie im Zorn verlassen und wollte nicht zurücksehren, wenn sie ihm nicht alle Sorgen anvertrauen konnte Nachdem Gertrud eine Stunde in angestrengtem Nachdenken zugebracht hatte, faßte sie einen Entschluß, Nur noch für wenige Tage konnte sie hoffen, die Schande ihres Vaters geheim zu halten, deshalb war es besser Howard schon jetzt alles anzuvertrauen, als zu warten, bis er die schreckliche Wahrheit aus den Zeitungen erführe. Nachdem sie diesen Enischluß gefaßt hatte, versäumte sie keine Zeit, ihn auszuführen. „Ich will gehen und Howard sprechen und ihm alles sagen. Ich weiß, er wilo alles vergehen. Ich glaube, beinahe, daß er uns in unserer Not Leistand leistet. Wenn wir ihn schon früher ins Vertrauen gezogen hätten, so wären mir wenigstens viele Sorgen erspart geblieben,“ dachte sie, während sie sich auf den Weg machte. Sie ging nach der Pension, in der ihr Bräutigam wohnte. Frau Harrendon, welche die Türe öffnete, begrüßte sie mit Lächeln „Ach, das ist wirklich Fräulein Brandon!“ rief sie. „Sie wünschen wahrscheinlich Herrn Howard zu sprechen.“ „Ja, und wenn er auf der Bank ist, wie ich vermute, so werde ich warten bis er kommt. In etwa. einer Stunde, glaube ich.“ Zu ihrer großen Enttäuschung schüttelte die Frau den Kopf und sagte: „Herr Howard ist verreist und wird vielleicht eine Woche ausbleiben, bedaure sehr!“ „Wohin ist er gereist?“- rief Gertrud. „Das ist eben, was ich nicht weiß, Fräulein Brandon.“ Das arme Mädchen bedeckte ihr Gesicht mit den Handen und weinte bitterlich XXII. Die Person, welche so plötzlich die Haustüre geöffnet hatte, als Forster und seine schöne Begleiterin das gefährliche Haus verlassen wollten, wie im 19. Kapitel erzählt wurde, war ein großgewachsener Mann, dessen Züge von einem starken Bart fast ganz verborgen wurden. Er schlug die Türe zu und stellte seine große Gestalt davor. „Was wollen Sie?“ fragte er schroff. „Wir wollen so rasch als möglich fortgehen,“ erwiederte Forster kühl. „Nun, ich habe nicht dagegen, wenn Sie gehen,“ erklärte der Fremde. „Warum treten Sie dann nicht zur Seite?“ „Weil ich nicht will, daß Sie das Mädchen mitnehmen.“ „Was können Sie dagegen einwenden, wenn sie mit mir gehen will?“ „Tas geht Sie nichts an, denke ich. Man hat sie hierhergebracht in sichere Obhut, und ich werde darauf achten.“ „Tann müssen Sie mich auch hier behalten.“ „Was meinen Sie damit?“ „Eben, was ich damit so Ter Mann stieß ein rauhes Lachen aus und warf einen verächtlichen Blick auf die schlanke Gestalt Forsters. Dieser Blick war Forster nicht entgangen, doch die Anspielung auf seine anscheinend schwächliche Gestalt beleidigte ihn nicht, sondern belustigte ihn nur. „Ich habe keine Zeit zu verlieren, mein Freund“, sagte Forster in bestimmten Ton, da er befürchtete, daß ihm durch das Erscheinen anderer der Ausgang erschwert werden könnte.„Ich gehe, und diese junge Tame wird mit mir gehen. „Wer hat Ihnen diesen Auftrag gegeben?“ „Ter, der sie hierher gebracht hat.“ „Sie war nicht zugegen, als Sie kamen?“ Ich glaube nicht. Die können gehen, aber ich habe Auftrag, auf das Mädchen zu achten,“ sagte der andere, indem er seine mächtige Gestalt stolz aufrichtete. „Daß weiß ich nicht.“ „Tann haben Sie also Roß inzwischen gesprochen?“ „Wer ist Roß?“ „Ter, der Ihnen den Auftrag gegeben hat, wie Sie sagen.“ „Roß ist nicht sein Name, wenigstens nannte er sich Philipps.“ „Gleichviel, wie er heißen mag. Ich frage Sie, ob Sie ihn gesprochen haben, seit er hier war?“ K S 853 S Jasss-SSNSSS! B.5 S U— A-TUTEET S SSSSSEESSGESESSS S 8SBOSSE 19,2 „Was sagte er Ihnen? „Er sagte, ich sollte hierherkommen, und ich solle auf das Mädchen Acht haben.“ „Was meinte er damit?“ „Nun, ich sollte sehen, daß nicht ein schwächlicher schwindsüchtig aussehender Bursche mit ihr davonlaufe.“ Forsters Frage war nicht ohne Zweck. Ein plötzlicher Verdacht war in ihm aufgestiegen, dem er sich bei dieser Gelegenheit Ueberzeugung verschaffen wollte, so lange er eben diese Gelegenheit hatte. Er wußte, daß er große Gefahr lief, indem er sich in dieser Weise mit dem Strolche unterhielt, aber er konnte auf keine andere Weise erfahren, warum dieser Mensch hierher gekommen war, oder vielmehr, was noch wichtiger war, erfahren, was Philipp Roß beabsichtigte, indem er diesen Strolch auftrug, Clarissa zu bewachen. Wohin dieser Verdacht Forsters zielte, wird bald ersichtlich werden. Clarissa hörte mit wachsender Furcht das Gespräch an, und jetzt erwachte auch in ihr ein unbestimmter, schrecklicher Verdacht, und sie hörte gespannt die Antworten dieses Strolches auf Forsters Kreuzverhör. „Philipps, wie Sie ihn nennen, hat Ihnen keinen solchen Auftrag gegeben," erklärte Forster entschieden. „Was wissen Sie davon?“ „Ich weiß genug, um Sie verhaften zu lassen.“ Ter Mann ballte drohend seine große Faust, aber es war ersichtlich, daß Forsters Worte ihn in Unruhe versetzt hatten. „Verhaften?“ wiederholte er. „Ja, verhaften.“ „Warum das?“ „Wegen eines beabsichtiglen Verbrechens.“ „as?“ „Wegen beabsichtigten Mordes an dieser jungen Tame.“ Mit einem Fluch schrak der Mensch zurück. Clarissa umfaßte den Arm ihres Begleiters in plötzlicher Angst schauders. Ein kurzes Schweigen trat ein, dann beugte sich der Mann herab und blickte schweigend dem Detektiv ins Gesicht. „Foren Sie, was wissen Sie von dieser Geschichte?“ fragte er in leisem Ton. „Habe ich Ihnen nicht deutlich genug gesagt, was ich weiß?“ „Nein, Sie sind Philipps nachgefolgt und haben gehorcht, was wir miteiander sprachen.“ „Sie irren sich.“ „Wie wissen Sie denn das?“ Die letzten beiden Bemerkungen des Menschen lieserten Forster gerade das, was er wissen wollte. Seine kühne Behauptung, die Absicht dieses Schurken zu kennen, hatten diesen in Bestürzung versetzt. Selbst Clarissa bemerkte und begriff das unwillkürliche Schuldbekenntnis, das dieser Mann gemacht hatte. Konnte sie ihren Sinnen trauen? Hatte der, den sie so liebte, und dem sie vertraute, einen Plan gesaßt, sie ums Leben zu bringen, eben, als sie ihm von neuem vertraute? Sie sah klar, daß das eben das war, was der Tetektiv erwähnte, aber daß dieser Philipp Roß so niederträchtig und herzlos sein konnte, diesen Gedanken vermochte sie kaum zu ertragen. Jetzt, nachdem der Tetektiv seinen Zweck erreicht hatte, lag ihm nichts mehr daran, das Gespräch fortzusetzen. Er sah an der Erregung Clarissas, daß sie die mörderischen Absichten ihres treulosen Mannes begriffen hatte. Das war es eben; was er wünschte. Das war notwendig, wenn er si: aus der Gewalt von Roß befreien wollte; dem sie eine so blinde Liebe widmete. Dieses halbe Geständnis des Schurken wirkte bedeutsamer, als alles, was Forster oder ihr Bruder ihr sagen konnten. „Kommen Sie, Clarissa, wir wollen gehen, denn ich glaube, jetzt werd. Sie sich lieber meinem Schutz anvertrauen, als dem von Philipp Roß,“ sagte Forster in leichtem To“. „Ich bin bereit, m. Ihnen zu gehen, wohin sie mich führen wallen, aber ich wage keinen Augenblick länger hier zu bleiben,“ erwiderte sie zögernd. Der Detektiv wandte sich an den Schurken und sagtesagte mit klarer, befehlender Stimme. „Treten Sie bei Seite!“ Aber der Mann stellte sich entschieden vor die Tür und sagte kurz: „Geht nicht!“ Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als Forster sich auf ihn stürzte und mit einem heftigen Stoß seinen Gegner beiseite warf. Ehe der Mann wieder festen Fuß fassen konnte, öffnete Forster die Türe und trat mit Clarissa auf die Straße. Dort sagte er zu Clarissa: „Nehmen Sie meinen Arm und gehen Sie rasch mit mir. Wir sind nicht sicher so lange wir nicht aus dieser Straße heraus sing“ Sie gehorchte schweigend. Noch hatten sie erst wenige Schritte zurückgelegt, als sie sahen, daß ein Mann aus einem Winkel zwischen zwei Häuser., hervorkam. Forster erkannte ihn augenblicklich. Es war Howard, der ungeduldig auf ihr Erscheinen gewar't hatte. Sein erster Antrieb war, mit ihnen zu sprechen und dem Detektiv zu seinem Erfolge zu gratulieren, aber als er sah, daß Forster forteilte, ohne sich aufzuhalten, schloß er daraus, daß Forster nicht wünschte daß Clarissa wissen sollte, ihr Bruder sei in der Nähe. Bald sah der junge Mann, wie richtig Forster daran gehandelt. Seine Schwester aber argwöhnte beständig, daß sie von ihm oder Frau Manchester Zwang gegen sie beabsichtigt werde, und deshalb war es besser, da sie nichts exfuhr von seiner Mitwirkung zum Schutze Claxissas. „Wobin wollen Sie mich führen, Herr Forster?“ fragte Clarissa. „Wohin wünschen Sie?“ „Ich habe keinen Wunsch. Ich möchte nur an einem Ort sein, wo Sie mir schnell zu Hilfe kommen können, wenn neue Gefahren sich zeigen.“ „Sie mißtrauen mir also nicht mehr?“ „Mißträuen?! Ich würde mein Leben Ihren Händen anvertrauen. Sie sind der tapferste, ehrenhafteste Mann, den ich je sah.“ Clarissa sprach mit greßem Ernst und wieder fühlte sich Foster gerührt von ihren Worten. „Ich danke Ihnen,“ sagte er,„ein solches Lob ron Ihren Lippen ist für mich die höchste Belohnung.“ Wieder trat Schweigen ein, dann sagte Foster: „Ich wohne jetzt be. einer Familie. Meine Wirtin ist eine mütterliche, freundliche Tame und wird Ihnen Obdach, wenigstens für einige Tage geben. Während dieser Zeit können wir andere Anstalten treffen Soll ich Sie dort hinführen?“ „Ja, wenn Sie wollen, ich fühle mich jetzt ganz sicher in ihrer, Näbe.“ sagte sie. XXIII. Der Rat des Detektivs. Howard begab sich sogleich nach seiner Wohnung bei Frau Harrendon, nachdem er sich überzeugt hatte, daß Foster und Clarissa vor ihren Feinden gesichert waren.(Fortsetzung folgt.) — e3 9 BS55SSSSS: S SSuEBSSE S.Eg. *——* —.—* — 8a.—„ VeEEET S Sn 8 EE——„ *-S 5— * E 8 835 Von Clara Düsterhoff. (Schluß.) Und nun waren schon zwei Jahre vergangen seitdem der Kapellmeister den neuen„Stern“ entdeckt hatte. Johanna hatte es in ihren Studien bereits so erfreulich weit gebracht, daß ihr Lehrmeister es wagen konnte, sie dem Fürsten, der Hofgesellschaft und den Musikenthusiasten in einem Konzert vorzuführen. Johanna war bereit dazu, denn sie sagte sich, daß doch einmal der Anfang gemacht werden müsse. Das prachtvolle Kostüm, das auf großherzogliche Kosten nach Angabe des Kapellmeisters für sie verfertigt wurde, gefiel ihr außerordentlich und sich darin zu sehen, verursachte ihr eine fast kindliche Freude, die von ihrer Schwägerin geteilt wurde. Auch der Klempner mußte zugeben, daß er seine Frau so hinreißend schön noch nie gesehen habe. Beide Geschwister wohnten dann auch mitten unter den Vornehmen und Reichen der Stadt dem Konzert bei. Der Ruf von der Schönheit und Begabung der zukünftigen Primadonna hatte sich bereits weit verbreitet und jedermann brannte vor Begierde sie zu hören und kennen zu lernen. Mit nicht geringem Stolz und doch mit geheimem Mißvergnügen vernahm der biedere Handwerker im Konzertsaal die Aeußerungen gespannter Eiwartung, die seine Nachbarn sich zuraunten. Daß diese lockeren Lebemänner sich herausnahmen, die Schönheiten seiner Frau, wie sie sie durch das Gerücht kannten, in ähnlichem Tone zu besprechen, wie sie sonst die Schönheiten eines kostspieligen Pferdes besprachen, flößte ihm Ingrimm und Widerwillen ein, und daß seine Johanna sich deren unlauteren Blicken aussetzen mußte empfand er als eine unverdiente Demütigung. Seine Betrachtungen wurden unterbrochen durch die Erscheinung der Sängerin, die am Arme des Kapellmeisters in den Saal trat. Ein stürmischer Applaus begrüßte sie. Es war unverkennbar, daß die Fama den Ruf ihrer wundersamen Schönheit nicht übertrieben, sondern noch lange nicht erreicht hatte. Der Klempners scharfes Auge fing die verzehrenden Blicke auf, mit denen seine flotten, sieggewöhnten Nachbarn die züchtigen Reize der neuen Primadonna verschlangen und willkürlich ballten sich seine Fäuste, während ihre weißbehandschuhten Hände wilden Beifall klatschten. Mit einer tiefen Verbeugung dankte die Sängerin für den freundlichen Empfang. Ihre zartgerundeten Wangen röteten sich höher und wieder gewann sie durch diese sittsame Röte noch an Liebreiz. Halb befangen, halb mit dem Ausdruck kindlicher Befriedigung schweiften ihre Blicke über die begeisterte Menge. Mit berechtigtem Stolz führte der Kapellmeister seine begabte Schülerin an den Flügel. Er selbst nahm Platz daran und begleitete ihren Gesang so verständnisvoll, so diskret, so bescheiden zurücktretend, wie es in solchem Grade nur der fertig bringt, dem mehr daran liegt, der Sängerin, die er begleitet, zu einem Triumph zu verhelfen, als sich selber zur Geltung zu bringen. Und dieser Triumph wurde ihr denn auch voll und ganz. Wie ein leichter Kahn über sanft schaukelnde Wellen, so glitten die reinen Glockentöne der neuen Primadonne über die zarten Tonwellen hin, die der Virtuos dem köstlichen Instrument entlockte. Der Beifallssturm, der sich nach ihrem ersten Liede erhob, schien nicht enden zu wollen und einer der freudigsten Beifallsspender war der Großherzog selber, der sich weit über die Brüstung seiner Loge hinausdrängte, um nichts von der holden Erscheinung zu verlieren und dem der Triumph über diese glückliche Eroberung aus den Augen lachte. Dieser rasende Beifall steigerte sich noch bei jedem weiteren Liede, das der neu aufgegangene Stern vortrug. Als das Konzert fast sein Ende erreicht hatte, wurde ein Lakai aus der großherzoglichen Loge in das Wartezimmer der Sängerin geschickt, dieselbe zu Seiner Hoheit zu entbieten. Ehe sie ihr letztes Stück zum Besten gab, leistete sie dem ehrenvollen Befehl Folge und trat am Arm des Kapellmeisters in die Loge des Fürsten, der sich huldvoll mit der zukünftigen Primadonna unterhielt. Mit einem Gefühl aus Stolz und qualvoller Eifersucht gemischt, sah der Klempner diesen überwältigenden Erfolg seiner jungen Frau innt an So sehr es ihm einerseits schmeichelte, so sehr empörte es ihn andererseits, daß sich dieselbe wie ein Wundertier dem Fürsten präsentieren mußte. Gegen den Kapellmeister der sie da mit so vollendeter Höflichkeit, mit so ausgesuchter Zartheit am Arm führte, als wäre das sein eigenstes Recht, empfand er geradezu einen brennenden Haß. Hatte er doch ohnhin schon mancherlei gegen ihn auf dem Kerbholz. 19.3 Wie würde er ihn gehaßt haben, hätte er nach Schluß des Konzerts einen Blick in das Zimmer seiner Frau werfen können. Ta lag der geschniegelte und gebügelte Hofmann vor der gefcierten Heldin des Abends und flehte mit heißen, zitternden Tönen:„Stoßen Sie mich nicht von sich, Johanna! Ueben Sie Barmherzigkeit und erheben Sie mich auf den Gipfel des Glückes! Johanna, ich liebe Sie bis zum Wahnsinn, ich liebe Sie, wie nur je ein Mann das Weib seines Herzens geliebt hat, ich liebe Sie mit meiner ersten und einzigen Liebe! Lassen Sie sich diese Liebe gefallen, erlauben Sie, daß ich Ihnen meine Person und mein ganzes Leben zu Füßr lege, werden Sie mein! Ich weiß, Sie lieben Ihren jetzigen Gatten nicht, Sie können ihn nicht lieben, oder der Regenbogen wäre im Stande, den Straßenkoth zu lieben! Lassen Sie sich von ihm scheiden, werden Sie meine Gattin!“ „Unverschämter, was fällt Ihnen ein?“ rief im Tone ehrlichster Verletztheit die jugendliche Schönheit, der es erst jetzt gelang, den entfesselten Bergstrom seiner leidenschaftlichen Erklärungen zu durchbrechen.„Wie kommen Sie dazu, mir Empfindungen unterzuschieben, von denen mein innerstes Herz nichts weiß? Stehen Sie sogleich auf! Ich liebe Sie nicht nur nicht, ich verachte Sie, daß Sie die Wehrlosigkeit einer unbeschützten Frau so mißbrauchen! Wäre mein Mann hier! Erfahren Sie denn hiermit, daß ihm meine ganze und wirkliche Liebe gehört, und daß er in leiner Beziehung dem Vergleich mit dem Straßenkot verdient, den Sie auf ihn anzuwenden belieben! Wenn solche Abscheulichkeiten mir schon beim Eintritt in meine neue Laufbahn geboten werden, dann allerdings wünschte ich tausendmal, ich wäre nie auf Ihre Vorschläge eingegangen!“ Zornglühend stand sie da, und beschämt, mit gesenktem Haupt, wie ein abgekanzelter Schulbube, stand der siegesgewisse Weltmann vor ihr. Da ging die Tür auf und herein traten der ehrliche Klempner und seine Schwester um die gefeierte Sängerin abzuholen. Sie konnten es nicht über sich gewinnen, sie nach so berauschenden Erfolgen allein nach Hause zurückfahren zu lassen; gleich jetzt wollten sie ihr Glück wünschen, ihre vollen Herzen gegen sie ausschütten. Hatte doch niemand in der Welt ein näheres Recht auf sie. Mit einem Ausruf des Entzückens stürzte die Sängerin auf ihren Mann zu mit heißer Zärtlichkeit hing sie sich an seinen Hals.„Mein Mann, mein lieber Mann, wie schön, daß du kommst! Und du, Marie!“ Es ist mir über alle Erwartung gut gegangen,— fandet Ihr nicht auch?“ Und so lebhaft sprechend, schob sie ihren Arm in den ihres Mannes, ergriff die Schwägerin bei der Hand und führte Beide die Treppe hinab zu dem ihrer harrenden Wagen, ohne den verdutzt dreinschauenden Kapellmeister auch nur noch eines Blickes zu würdigen. Beruhigt und dankbar, daß er sie wieder hatte, wieder für sich ganz allein, preßte der junge Gatte die Hand seines Weibes in der seinen. Die Unterhaltung im Wagen überließen beide Gatten der Schwester, die ui wurde, über alles zu plaudern, was ihr an dem Abend aufgefallen war. Sie selber konnten nicht sprechen, ihre Gemüter waren zu tief bewegt, und was sie mit einander zu reden hatten, konnte keine Zeugen vertragen, wenn sie ihnen auch so nahe standen wie Marie. Daß mit dem Kapellmeister nicht alles in Ordnung gewesen war, das hatte das argwöhnisch scharfe Auge des Mannes wohl erfaßt daß aber sein Weib rein und schuldlos war, nicht minder. Sobald sie allein waren, zog er sie an sich, und ohne daß er ein Wort gefragt hatte, lehnte sie ihren zarten Kopf an seine breite Brust und brach in Tränen aus. Er ließ sie ausweinen und fuhr nur liebkosend mit seiner von der Arbeit rauhen Hand über ihr weiches, braunes Haar. Als sie sich genug gefaßt hatte, um sprechen zu können, sagte er mild:„Er hat dich beleidigt, mein Hannchen, ich habe es wohl bemerkt.“ „Nicht nur mich beleidigt, sondern auch dich," versetzte sie entrüstet, denn der ärgerliche Auftritt trat mit geradezu greifbarer Deutlichkeit wieder vor ihr geistiges Auge. Beschwichtigend lehnte er ihren Kopf wieder an seine Brust. „Sprich dich aus, Kind, was hat er begangen?“ „Er verlangte, ich solle mich von dir scheiden lassen und seine Frau werden; dich könne ich ja nicht lieben und er liebe mich bis zum Wahnsinn.“ „Der Schändliche!“ fuhr der Mann auf, und jetzt war es an der Frau, ihn zu beschwichtigen.„Rege duch nicht auf, Männchen, er ist es nicht wert! Und ich habe ihm gut heimgeleuchtet. Aber daß ich ihm je wieder unter die Augen treten soll, ist mir mehr als schrecklich.“ „Ist das unumgänglich nötig, Johanna?“ fragte er in ge33 —