Dortmunder Tageb Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und gesetzt. Abonnementspreis # 7.8 Caus. mit der täglichen Unterhaltungsbeilage e: Lu.i ven„Ilustriertem Sonntagsblatt 55 Pig. bre Ronat duch die Post bezogen süe 3 Monate 1.50 Ml. Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inserate verantwortlich: Biktor Schanzer, Dormund. Erstes Blatt. verbunden Lokal-Anzeiger für und der täglichen Unterhaltungsbeilage mit dem Dortmund u. Hörde sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Dortmund, Samstag, den 29. Januar 1910. Bauernfreundlichkeit des Ein hübsches Licht auf die Bauernfreundlichkeit des Großgrundbesitzes wirft die Ablehnung der Verfassungsreform durch die mecklenburgischen Ritter. Zwei Wünsche, so schreibt die Korrespondenz des Deutschen Bauernbundes im Anschluß an einen Artikel, des Freiherrn von Mirbach, sind es, die die Regierungen von Schwerin und Strelitz veranlaßten, eine Verfassungsreform in die Wege zu leiten: 1. Das Domanium die Bauerndörfer mit ihren Erbpachtstellen in den Beätz und die Verwaltung des Staates übergehen zu lassen, um gleichzeitig eine ordnungsgemäße Trennung zwischen landesherrlichem und fiskalischem Vermögen einzuführen. 2. Die Aenderung des Wahlrechts zum Landtage in der Weise, daß im Landtage nicht allein Ritterschaft, und Landschaft vertreten sind, sondern daselbst auch aus allgemeinen Wahlen hervorgehende Volksvertrter Sitz und Stimme haben. Nicht um den ersten Punkt, sondern um den zweiten, die Wahlfähigkeit und Zahl der Volksvertreter aus allgemeinen Wahlen dreht sich der Streit zwischen Regierung und Ritterschaft; und zwar will die Ritterschaft vor allem für das Domanium, also für die Bauerndörfer mit ihren Erbpachtstellen eine ständische, d. h. ritterschaftliche Vertretung, auf die die bäuerlichen Erbpächter keinen wahlmäßigen Einfluß haben, eingeführt haben, während die Regierung für diese Gebiete eine Volksvertretung im eigentlichen Sinne des Wortes wünscht, eine Volksvertretung, die aus den allgemeinen Wahlen der bäuerlichen Erbpächter hervorgeht. Die Ritterschaft will ihr politisches Herrschaftsgebiet erweitern, die Regierung will die Bauerndörser politisch selbständig machen und die Bauern selbst ihren Vertreter in den Landtag hineinwählen lassen. Eine solche Reform, der mecklenburgischen Verfassung, die darauf hinzielt, auch den Bauern die Möglichkeit zu geben, ihren, wenn auch nur sehr bescheidenen(Dreiklassenwahlsystem und öffentliche Wahl) Einfluß auf die Landesgesetzgebung durch die Wahl von eigenen Landtagsabgeordneten geltend zu machen,— eine solche Reform nennt Frhr. von Mirbach demokratisch, soll heißen: eine Reform, die der politisch ungebildeten Volksmasse zur Alleinherrschaft verhilft. Davon kann aber gar nicht die Rede sein..: Wenn die von der Regierung geforderte Wahlrechtsreform demokratisch sein soll, so ist unter demokratisch voiksfreundlich, in diesem Falle bauernfreundlich zu verstehen. Und deshalb. weil das Wahlrecht in diesem Sinne demokratisch umgestaltet werden soll, deshalb verwirft Frhr. oon Mirbach die Regierungsvorlage? Natürlich deshalb, weil die Wahlrechtsreform bauernsreundlich ist, verwirft sie der Ritter, genau so wie in Preußen der Junker jede Wahlreform bekämpft, die auch den Bauern zugute käme. In den WerbeversammUUngen des Bundes der Landwirte, die jetzt wieder massenhaft abgehalten werden, hört man davon natürlich nichts; da sind alle die hochmögenden feudalen Herren nichts als schlichte deutsche Bauern, und der Bauernbund ist der Störenfried, der die alte Einigkeit mutwillig untergräbt. Nur wennn es ernst wird, wie jetzt in Mecklenburg, zeiden diese Herren ihr wahres Gesicht, da verteidigen sie mit zäher Entschlossenheit ihre, von den Bauern gänzlich unbeeinflußte Alleinherrschaft und wollen sich von Volksvertretern, die von den bäuerlichen Erbpächtern gewählt sind, und das volle Vertrauen dieser bäuerlichen Wähler genießen, in ihre Landtagsverhandlungen nichts dreinreden lassen. Treue Gefolgschaft leisten und mit seiner Masse die wirkungsvolle Folie für alle Aktionen der Herren bieten, das darf der Bauer. Aber selbständig als freier Mann seinen Volksvertreter wählen,— nein Bauer, das ist ganz etwas anderes! Deutsches Reich. Die neue Wahlrechtsvorlage. Die Vorarbeiten für die neue preußische Wahlrechtsvorlage sind so weit gediehen, daß die Einbringung der Vorlage im Landtage Ende nächster Woche erwartet wird. Die Budgetkommission des Reichstages vertagte die Neuordnung der Gehälter für die Kolonialbeamten bis zum nächsten Jahre. Das Befinden des Reichstagspräsidenten. Die Hoffnung, daß der Präsident des Reichstages Graf zu Stolberg=Wernigerode nach dem Geburtstage des Kaisers die Leitung der Präsidialgeschäfte wieder übernehmen werde, hat sich nicht bestätigt. Okwohl Graf Stolberg auf dem Wege der Besserung sich befindet, muß er doch auf Wunsch der behandelnden Aerzte das Bett hüten und wird wohl noch einige Zeit an den Sitzungen des Reichstages nicht teilnehmen. Drahtlose Telegraphie nach den Rolonien. Die Versuche mit der drahtlosen Telegraphie e" kichen Teutschland und den Kolonien haben ein a“ustiges Resultat gehabt. Es sollen der####e Stationen entichtet werden, in der Südsee, Deutsch=Ostafrika, Teutsch=Südwestafrika und'n Kamernn. Rontrolle der Reichsfinanzen. Wie die Neue politische Korrespon##### hört, ist dem Bundesrate der Entwurf eines Gesetzes über die Kontrrlle des Reichshaushalts, zug gangen. Dieser Entwurf will nicht, wie in früheren Jahren, die in Preufen geltenden Vorschriften ausnahmslos auf das Reich übertragen, sondern zugleich Vereinfachungen auf dem Gebiete der Rechnungsprüfung bringen, wie sie von vielen Seiten, so auch im Reichstag in letzter Zeit empfohlen worden sind. Sein Ziel ist. die Verwaltung und besondere den Rechnungshof von Arbeiten, die ohne Schädigung des Prüfungszwecks unterbleiben können, zu befreien und damit auch eine Verringerung des für diese Arbeiten erforderlichen Personals zu ermöglichen. Asien Tokio, 28. Jan. Der Minister des Aeußern führte gestern in einer Rede der Deputiertenkammer aus, die Beziehungen Japans zum Auslande ließen nichts zu wünschen übrig. Was Rußland angeht, so sei eher eine Besserung der BezieInserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Psg. Reklamen die 4 gespalteue Petitzeile oder deren Raum 60 Pfg. Beilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt dinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Mar Sonnemann. Dortmund. 27. Jahrg. hungen und eine Festigung der Freundschaft zwischen Rußland und Japan zu konstatieren. Der Vorschlag Amerikas betreffend die mandschurische Bahn sei abgelehnt worden, da er den Verträgen widerspreche und unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Interessen Japans in der Mandschurei schädigen würde. Die schwebenden Differenzen mit China seien glücklich beigelegt. In Uebereinstimmung mit der Politik der offenen Tür hätte Japan beschlossen, zur Erschließung der Mandschuret beizutragen und den Handel im Innern zu erweitern. Regerfest in Dortmund. Für das Regerfest, dus am 7., 8. und 9. Mai in Tortmund stattfindet, hat den ersten Vorsitz Herr Oberbürgermeister Geheimer Regierungsrat Dr. Schmieding übernommen. Zewiter Vorsitzender ist Herr Bürgermeister Dr. Eichhoff. Dem Komitee sind beigetreten: Die Herren Kapellmeister Andreae, Zürich.— Justizrat Dr. R. Anschütz, Leipzig.— Bankdirektor Augusti, Dr. Georg Balster, und Landgerichtspräsident Barckhausen, Dortmund.— Professor W. v. Beckerath, Hamburg,— Professor Hugoo Becker, Berlin.— Universitätsprofessor Dr. L. Beer, Leipzig. Dr. med. Beuckelmann, Dortmund. Geheimrat Professor Dr. Biedermann, Jena.— Kapellmeister R. Bingnell, Altena.— Kaiserl. Bankdirektor Blanckmeister, TDortmund.— Kommerzienrat Hugo Bock, Berlin.— Rentier Heinrich Boemcke, und Dr. jur. Oskar Brand, Braureibesitzer, Tortmund.— Professor Jul. Buths, Tüsseldorf.— Kaufmann Buckow, Lehrer Bülle, Kommerzienrat W. Brügmnan, Kgl. Baurat Claren, Kommerzienrat Stadtrat Cremer, und Buchdruckereibesitzer Louis und Wilhelm Crüwell, Tortmund.— Se. Exzellenz Wirklicher Geh. Rat Professor Dr. v. Czerny, Heidelberg.— Oberbürgermeister Cuno, Hagen.— Rechtsanwalt Eick, Hamm. — Bürgermeister Dr. Eichhoff, Dortmund.— Professor Bram Eldering, Köln.— Geheimrat Professor Dr. Eucken, Jena.— Bürgermeister Evers, Hörde. — Sanitätsrat Dr. Fabry und Erster Staatsanwalt Friedheim, Tortmund.— Lehrer Friedhoff, Witten. — Se. Exzellenz Generalleutnant und Landwehrinspekteur von Gersdorf, Gerichtsassessor Giehk u. Kaufmann Isidor Goldschmidt, Tortmund.— Oberbür: germeister Graff, Bochum.— Oberlandsgerichtsrat Graul, Hamm.— Geh. Justizrat Haarmann, Tortmund.— Dr. Hegar, mann, mund. leger.— Landrat von der Heyden=Rynsch, Dortmund. — Oberbürgermeister Geheimrat Holle, Essen.— Theaterdirektor Hofmann, Musikdirektor Carl Holtschneider, Direktor Robert Hoesch, Frau Konsul Hoesch und Königl. Musikdirektor Georg Hüttner.— Max Ibach Barmen.— Professor Jul. Janssen, Dortmund, Musikdirektor.— Generalmusikdirektor Willem Kes, Tablenz.— Geh. Hofrat Professor Dr. Max Klinger, Leipzig.— Max und Moritz Klönne, Dortmund. — Bürgermeister Koch, Unna.— Rechtsanwalt Kohn, Tortmund, Konzertmeister Kötscher, Basel.— Gustav Krüger, Buchdruckereibesitzer und Kgl. Baurat Stadtbaurat Kullrich, Tortmund.— Professor James Kwast, Berlin.— Frau Frida Kwast Hadapp, Berlin, (großherzogl. hess. Kammervirtuosin).— Herrn Brauereidirektor Lackmann, Tortmund.— Dr. Lange, Hörde.— Direktor de Lange, Amsterdam.— BuchErch. Justizrar Haarmann, Torrd.— Dr. Hegar, Zürich.— Redakteur Henen, Essen.— Kaufmann Otto zur Hellen, Dortd.— Henri Hinrichsen, Leipzig, Musikalienverdruckereibesitzer Lensing und Berghauptmann Liebrecht, Dortmund.— Kapellmeister Löwe, Wien.— Oberbürgermeister Machens, Gelsenkirchen.— Professor Henry Marteau, Berlin.— Stadtrat Gustav Maiweg und Regierungs= und Baurat, Generaldirektor Mathies, Dortmund.— Oberbürgermeister Matthaei, Hamm.— Brauereidirektor Dr. Mauritz und Braureibesitzer Dr. Meininghaus, Dortmund.— Kapellmeister W. Mengelberg, Frankfurt a. M.— Stadtrat Metzmacher, Tortmund.— Universitätsprofessor Dr. Albert Mendelssohn=Bartholdy, Würzburg.— Kommerzienrat Generaldirektor Müser, Tortmuno, — Geheimer Medizinakrat Prof. Dr. Neißer, Breslau.— Justizrat Niemeyer, Essen=Ruhr.— Professor Artur Nikisch, Leipzig.— Landgerichtsrat Dr. Ophüls, Düsseldorf.— Geheimer Baurat Othegraven, Dortmund.— Schriftsteller Dr. Walter Paetow, Berlin.— Geh. Oberpostrat, Oberpostdirektor Paschen, Tortmund.— Schriftsteller Dr. Pfohl, Hamburg.— Dr. Pottgießer, Justiziat Porr und Eymnasialdirektor Dr. Preising, Dortmund.— Regierungsrat Freiherr von Quadt, Arnsberg.— Brauereidirektor Justizrat Raude, Tortmund.—— Musikdirektor Reichert, Direktor der Dresdener Volkssingakademie Teplitz.— Chefredakteur Karl Richter, Buchdruckereibesitzer Wilhelm Ruhsus und Archivdirektor Professor Dr. Rübel, Dortmund.— Frau Henriette Schelle, Königl. rumänische Hofpianistin, Köln.— Herren Oberbürgermeister Geh. Regierungsrat Dr r. Schmieding und Landgerichtsrat a. D. Schmieding, Tortmund.— Redakteur Schneider, Essen.— Kaufmann E. W. Schulte und Kommerzienrat Schweckendieck, Tortmund.— Geh. Kriegsrat Dr. Siemon, Münster i. W. Kommerzienrat Generaldirektor Springorum, Dortmund.— Professor Straube, Leipzig Professor Dr. Stahl, Jena.— Generalmusikdirektor Fritz Steinbach, Köln.— Universitätsmusikdirektor Fritz Stein, Professor in Jena.— Kaufmann Louis Sternau, Tortmund.— Geheimrat Prof. Dr. Stintzing, Jena..— Professor Stratenberg und Kaufmann Stöber, Tortmund.— Frau Seraphine Tausig. Dresden.— Herren Geh. Justizrat Tewaag, und Bergwerksdirektor Bergrat Tillmann. Dortmund — Dr. Valentin, Stockholm.— Se. Exzellenz Wirkl. Geh. Rat Prof. Dr. A. Wach, Leipzig— Hofkonzertmeister Karl Wendling, Stuttgart.— Stadrrat Kaufmann Gustav Wiskott, Tortmund.— General= musitdrektor Professor Dr. Ph. Wolfrum,i Heidelberg.— Oberlandesgerichtsrat Paxmann, Hamm. Lokales und Dortmund, 29. Januar. —* Hundertjahrseier. Im Jahre 1913 soll die einhundertjährige Zugehörigkeit der Stadt Dortmund zur Krone Preußens feierlichst begangen werden Das Datum der Feier steht nicht genau fest, voraussichtlich findet sie Ende des Jahres statt. — Der Landwirtschaftliche Kreisverein Dortmund hält Samstag, den 5. Februar nachmittags dreieinhalb Uhr im„Schwarzen Raben“ seine Generalversammlung ab. Zunächst wird in dieser Herr Rechtsanwalt Dr. Reinecke aus Münster über„Enteignungs= verfahren“ sprechen. Dann erfolgt Abnahme der Jahresrechnung, Beschlußfassung über die Feier des Jahresfestes für 1910, Gewährung einer Beihülfe von 300 Mark für Schreibhülfe an Dr. Müller, Verwendung der von der Landwirtschaftskammer zur Errichtung und Neubesetzung von Eberstationen überwiesenen Beihülfe von 100 Mark, Verwendung der zur Förderung landWochenplauderei. ms. Dortmund. 29. Januar Die heute zu Ende gehende Woche hat uns Mancherlei Erfreuliches beschieden, sodaß mir kaum Gelekenheit geboten ist, die kritische Sonde anzulegen. Vor allem zeichnet sich diese Woche dadurch aus, daß sie uns wirklich und wahrhaftig den Winter gebracht hat. Schon wiederholt haben wir embryonale Ansätze winerlicher Herrschaft zu verzeichnen gehabt, aber noch jedesmal ist die frohe Hoffnung auf den endlichen Eintug des Winters zu längerem Aufenthalt im Keime eestickt worden; ist der Winter in des Wortes verbegenster Bedeutung zu Wasser geworden. Und schor nachte man sich hie und da mit dem Gedanken veranl, daß es in diesem Jahre keinen eigentlichen WinEr geben werde. Nun aber ist mit einem Male der Eonter da. Ein Zweifel an seiner Widerstandsfähigenn kann nicht aufkommen, denn nach einigem Schwanen hat er sich energievoll in die Brust geworfen und “ als ein kerniger Patron gezeigt, der nicht schwächih zurückweicht, sondern auf seinem Platze allen AnKeisten trotzt und Stand hält. Unser Schifflein treibt “. mit vollen Segeln in den Wintersport hinein. soher haben wir Ersatz für diesen in den karnevaischen Vergnügungen suchen müssen und auch woll eaUden. Dem Prinzen Karneval ist es sehr zu stat: gekommen, daß der Winter seine Herrschaft noch # angetreten hatte. Mit mehr oder minder großer gclastenheit gaben sich all die kleinen und großen Närrinnen dem Fasching hin und neigten Rei#en vor seiner Tollität. Aber alles findet “.. So auch das lustige Völkchen, das am Karseine helle Freude hat. Gegen die Veranstaltunie# denen Prinz Karneval das Szepter schwingt, la# die evangelische Geistlichkeit zu Felde. Der 3. Lung des„Korrespondenz=Blattes des Evangelischen Preßverbandes für die Provinz Westfalen und für das Fürstentum Lippe“ bringt in seiner ersten Nummer, die dieser Tage erschien, einen geharnischten Artikel gegen das Faschingstreiben. Etwas post festum wird einleitend gesagt, daß wir„wieder in die Zeit der Karnevalsfeste, die von Jahr zu Jahr größeren Umfang annehmen und sich an einzelnen katholischen Orten, besonders am Rhein zu einem höchst anstößigen, polizeiwidrigen Unfug ausgewachsen haben“, gehen. Dann läßt sich genannte Korrespondenz zu folgendem historischen Privatissimum herab: „Aus den heidnischen Luperkalien in das christliche Volksleben herübergenommen, trat der Karneval zuerst in Italien auf und verbreitete sich von dort aus über den Occident. In Deutschland fand er an den altheidnischen Darstellungen der Götterumzüge, besonders am Umherführen des Schiffswagens einen weiteren Anknüpfungspunkt. Der Name Karneval wird verschieden gedeutet, die einen leiten ihn ab von carni valedicere d. k. den Fleischspeisen den Abschied geben, andere bringen ihn in Verbindung mit currus navalis. eben mit dem genannten Schiffswagen. Die Reformation hat mit dem im Mittelalter immer ausgelassener und zügelloser werdenden Karnevaltreiben gründlich aufgeräumt. Aber nach drei Jahrhunderten am Anfang des vorigen Jahrhunderts wurden diese ausgelassenen Spiele und Feste auch wieder in Deutschland in erster Linie bei der katholischen Bevölkerung eingeführt zum großen Schaden der öffentlichen Sittlichkeit. Es ist das traurige Verdienst der katholischen Franzosen gewesen, dieses Gemisch von frivolem Spott und von schalen Narreteidingen aus Italien nach Deutschland übergeführt zu haben.“ Ich will gar nicht bestreiten, daß das Karnevaltreiben gerade am Rhein mit der Zeit recht bedenkliche Auswüchse gezeitigt hat und daß gerade im erzbischöflichen Köln die Unsittlichkeit auch in den sog. besseren und besten Kreisen Orgien feiert, aber trotzdem heißt es doch das Kind mit dem Bade ausschütten, wenn die Kapuzinerpredigt gegen den Karneval folgendermahen schließt: „Man braucht kein Feind edler Geselligkeit und fröhlicher Lustbarkeit zu sein und wird doch diesem leichtfertigen, undeutschen und unevangelischen Treiben die berechtigte Absage erteilen müssen, weil die Einbuße an sittlichen Werten zum Schaden unseres Volkslebens besonders hier im Westen überaus groß ist. Darum sollten die Evangelischen doch fernbleiben von solchem Treiben und dadurch einen lauten energischen Protest gegen diese Art von Vergnügen und Geselligkeit ablegen.“ Nicht ohne Grund meine ich, daß diese Mahnung des zelotischen Eiferers gegen das karnevalistische Treiben auf taube Ohren stoßen wird. Die Faschingszeit ist, wie für die Katholiken so auch für die Evangelischen eine Zeit ausgelassener Freude, die sich keiner gern stören läßt, auch nicht durch die besorgte Geistlichkeit. Beim Ordensfest sowohl wie bei dem Ordensregen am Geburtstage des Kaisers ist die hiesige Gegend recht stiefmütterlich behandelt worden. Der sehnsüchtige Wunsch manches Einen, daß ein Vogel von Berlin geflogen kommen möchte, ist nicht in Erfüllung gegangen. Manch Knopfloch ist leer geblieben. Den Ordenssüchtigen möchte ich den guten Rat geben, sich an dem karnevalistischen Treiben recht sehr aktiv zu beteiligen, dann wird es an Orden nicht sehlen, Orden, die weit prächtiger, größer und auffälliger sind, als die, welche in Berlin so ungleich ausgestreut werden. Für eine gute Büttenrede, für ein schön zu singendes Karnevalslied und für sonstige verdienstvolke Leistungen verleiht Prinz Karneval mit freigebiger Hand seinen Hausorden. Doch ich rede hier nur vom Vergnügen und sollte mich lieber um ein seeliges Enda bekümmern. Aber lustig gelebt und fröhlich gestorben, ist dem Teufel die Rechnung verdorben. Und ich will dem Teufel die Rechnung gründlich verderben, wenn er es bei dem demnächstigen Weltuntergang wagen sollte, seine Krallen nach mir auszustrecken. Wennn es auch im Faust heißt, daß das Völkchen nicht den Teufel merkt, auch wenn er es beim Kragen hat, so kann ich dem doch nicht zustimmen. Ich weiß gar wohl, daß mich der und jener schon zum Teufel gewünscht hat und daß es dem Teufel eine diebische Freude bereitet, solch sromme Wünsche zu erfüllen. Aber dazu gehöre auch ich. Ich lasse den Teufel nicht soweit an mich herankommen, daß er mich beim Kragen nehmen könnte. Außerdem sind noch würdigere Objekte für den Gottseibeiuns vorhanden. Es ist Zeit, daß ich mich um ein seliges Ende bekümmere, sagte ich. Nicht etwa, weil ich von wegen hohen Alters nun endlich abkommen kann, oder weil ich bereits den Todeskeim in mir fühle, nein. weil der Halley'sche Komet im Mai uns mit seinem Schweif so um die Ohren hauen wird, daß uns Hören und Sehen ver= und der Atem ausgeht, Nun hat man in der letzten Zeit alljährlich die Behauptung aufgestellt, daß der Weltuntergang ganz sicher bevorstehe. Aber der Weltuntergang hat noch immer auf sich warten lassen. So wird es auch wohl in diesem Jahre der Fall sein. Man macht uns der Mund wässrig, daß wir aus dem Jammertal des Lebens befreit würden. Nachher aber finden wir, daß wir den Ausgang aus diesem Jammertale nicht gefunden haben. Statt sich auf ein seliges Ende vorzubereiten, ist es zweckmäßiger, Vorsorge zu treffen, daß das Leben in diekem Jammertale sich erträglich gestultet. So wollen wir denn erst auf unser Wohlergehen hier auf Erden bedacht sein. Haben wir dem Grundsatze„Tue Recht und scheue Niemand“ Rechnung getragen, dann wird en auch an einem seligen Ende nicht fehlen. 9405 11 wirtschaftlicher Verbesserungen überwiesenen Staatsbeihülfe von 142 Mark, die Wahl eines zweiten Schriftführers. — Der Basar, welcher bald nach Ostern zum Besten des evangelischen Krankenhauses stattfindet, ist in Vorbereitung. Eine Anzahl evangelischer Frauen und Jungfrauen ist bereits fleißig an der Arbeit, um die Lotterie mit würdigen Verlojungsgegenständen zu versehen. Auch an die Kaiserin hat sich Herr Staotrat Maiweg, der Vorsitzende der Lotteriekommission, mit der Bitte um ein Geschenk gewandt. Sobald die Lose abgestempelt sind, sollen sie den Mitbürgern zur Verfügung gestellt werden. — Das Konservatorium der M sik(Holtschneider=Hüttner) veranstaltet morgen Sonntag, den 30. Januar vormittags 11einhalb Uhr in der Aula der Oberrealschule, Hoherwall, eine öffentliche Vorspielstunde. Es spielen Schüler der Mittelklasse und es gelangen zu Gehör Vorträge für Klavier, Cello und Gesang. Die Vortragenden gehören den Unterrichtsklassen von Frl Tellering, Frau Dr. Hoffmann und denen der Herren Meißner, Hegewald, Girschner und Weydert an. Der Eintritt ist frei, Programm kostet 10 Pfg. — Der Dortmunder Museums=Verein hält gen Sonntag, 30. Januar, vormittags 11einhalb Uhr eine Generalversammlung im Festsaale des alten Rathauses ab. Die Tagesordnung lautet: Bericht über die Vereinstätigkeit im verslossenen Jahre, Kassenbericht, Vorschläge für die diesjährige Vereinstätigkeit im verflossenen Jahre, Kassenbericht, Vorschläge für die diesjährige Vereinstätigkeit, Wahl von 2 Rechnungsprüsern für 1910. Nach der Versammlung wird Herr Baurat Kullrich die Freistuhl und FemlindenFrage erörtern. Zum Schluß werden die letztjährigen Fonds aus dem Römerlager zu Oberraden von Herrn Direktor Baum erläutert. — Stadttheater. Am Montag beginnt die Königl. Hofschauspielerin Fräulein Rottmann vom Hoftheater in München ein auf drei Abende berechnetes Gastspiel. Ihre erste Rolle wird die„Judith“ in Hebbels gleichnamiger Tragödie sein. Nachdem wir bereits Hebbels größtes Werk, seine„Nibelungen=Trilo= gie“, auf unserer Bühne gesehen haben, wird es gewiß großes Interesse erregen, nun auch sein Erstlingsdrama kennen zu lernen. Die„Judith“ ist in jeder Beziehung das jugendlichste aller seiner Werke, wärmer, gehobener, schwungvoller und doch nicht minder reif, als seine unmittelbar folgenden Dramen. Den Stoff fand Hebbel bekanntlich in den apokryphischen Buhern der Bibel. Dort ist„Judith“, die Tochter Meraris, ein schönes und gottbegeistertes Weib, ungewöhnlich und groß in all ihrem Tun. Eine heilige Verzweiflung über Volk und Aelteste, die sich dem vorstürmenden Feldhauptmann des Nebucadnezar, Holofernes, ergeben wollen, legt ihr den für ein frommes Weib unerhörten Entschluß in das Herz, den Holofernes zu töten und so ihr Volk zu retten. Um diesen Stoff unserem modernen Empfinden näher zu bringen, zerklüftete ihn der Dichter und rüstete seiner Heldin eine komplizierte Motivierung und einen tragischen Zwiespalt, von welchem das Original nichts weiß.— Das Drama zählt zu den gewaltigsten und packendsten Schöpfungen Der dramatischen Literatur, deshalb sei der Besuch desselben auf das Wärmste empfohlen. Das Werk ist mit den ersten Kräften unseres Schauspiels in den Hauptrollen besetzt, die Regic liegt in den Händen des Herr Oberregisseurs Habermeyer.— Als zweite Gastrolle spielt Fräulein Rottmann am Mittwoch die„Bersabe“ in Wildenbruchs„Die Rabensteinerin“. — Polizei=Bericht. In der Nacht zum Freitag bezw. im Laufe des Tonnerstags wurden 6 Personen festgenommen und zwar: 3 wegen Diebstahls, 2 wegen Obdachlosigkeit und 1 wegen Trunkenheit.— Im hiesigen Kriminalbureau befindet sich ein Fahrrad N8r. 142 204, Marke„Gritzner“, welches vermutlich aus einem Diebstahle herrührt. Der Eigentümer des Rades ist nicht bekannt und wolle sich dieser evtl. bei der Kriminal=Polizei, Olpe Nr. 1, Hofgebäude melden. Wunderkinder mit Riesengagen. Die 8jährige Schauspielerin de Wunderkinder mit Riesengagen Ospie rin Gerhe Rolandson. Der Die beiden hier porträtierten Wunderkinder stammen aus dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten. Certie Rolandson. eine achtjährige Schauspielerin erweckt in Amerika durch ihre frühreife Kunst großes Aufsehen. Zu diesem außergewöhnlichen Talent bezieht die kleine Künstlerin ein Gehalt von 1800 Mark pro Woche. Eine zweite Kuriosität künstlerischer Begabung finden wir in dem dreizehnjährigen Chorsänger des Domes von Torento in Kanado, Wilfred Marrison, der eine hervorragende schöne Stimme hat, und kürzlich bei einem großen Sonntagskonzert in Newyork solches Aufsehen durch seine Sopranstimme erregte, daß er sofort von einem Impresario engagiert wurde, der mit ihm eine Turnee durch Europa veranstalten will. Der Junge erhält ein Wochenhonorar von 2000 Mark. Eving, 28. Jan. In der Nähe der Westfalenburg wurden etwa 900 Meter Telegraphen= und Telephonleitungsdraht in der letzten Nacht abgeschnitten und gestohlen. Brackel, 28. Jan. Beim Landwirt Meßling sind Diebe in den Hühnerstall eingedrungen und haben 12 Hühner gestohlen.— Der Bergmann Gustav Thiekötter ist auf der Zeche„Scharnhost“ an seiner Arbeitsstelle tot ausgefunden worden. Die Todesursache ist unbekannt, jedenfalls ist er aber abgestürzt.— Nach Unterschlagung von Postkassengeldern wurde der Postschaffner Dreischer von hier flüchtig. Der Flüchtling ist 27 Jahre alt. Soest, 27. Jan. Es ist auf dem Gelände der Staatsbahn hier mit dem Bau eines 4 Meter langen Schuppens begonnen worden, der zur Aufstellung eines hier aufgestellten Motor=Triebwagens dienen soll. Dieser Wagen soll zwischen Soest—Sassendorf—Lippstadt und Soest—Ostönnen—Werl verkehren. Der Betrieb wird mit dem 1. März schon aufgenommen. In Aussicht genommen ist ferner, daß der Motorwagen den Anschluß an den Nachschnellzug Tortmund—Unna—Hamm in Unna herstellen soll. Soest, 28. Jan. Bei der Station Elffen blieb gestern Morgen der erste von Soest nach Brilon fahrende ePrsonenzug der Westfälischen Landeseisenbahn im Schnee stecken. Nach halbstündigem Arbeiten des u Zgpersonals gelang es, den u Zg wieder flott zu machen. Hagen, 28. Jan. Gestern Abend gegen 11 Uhr wurde ein Musketier vom hiesigen Bezirkskommando von einem in voller Fahrt befindlichen Rodelschlitten überrannt. Der Soldat blieb bewußtlos liegen. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er heute Morgen starb.— Ein Arbeiter wurde in der Parkstraße von einem Rodelschlitten angefahren und niedergerissen. Der Arzt stellte Gehirnerschütterung fest. Bochum, 27. Jan. Unter dem Verdacht, in den Jahren 1909 und 1910 dem Poslf'skus Bronzedraht im Gesamtgewicht von 160 Kgr. und mehreren Zechen größere Mengen Kupfer= und Messingteile gestohlen bezw. unrechtmäßig erworben zu haben, hat die Kriminalpolizei sechs Personen vorhaftet. Bochum, 28. Jan. Heute Nachmittag brachte in einem hiesigen Hospitz ein italienischer Arbeiter eine in seinen Mund gesteckte Dynamitpatrone zur SSa S Berliner Brief. h. Berlin, 29. Januar. ** Einen so herrlichen Klang der Name Virchow in der ganzen Welt genießt und dies nicht nur in Fachtreisen, eines um so geringeren Rufes erfreut sich das nach ihm benannnte große städtische Krankenhaus. In äußerlicher Hinsicht gilt es ja als Musteranstalt, die Einrichtungen sind die besten, die man sich denken kann, die Anlage des Krankenhauses ist eine ganz wunderbare, aber doch ist die Anstalt schon mehrfach der Schauplatz unliebsamer Vorkommnisse gewesen, die kein erfreuliches Licht auf die Verwaltung geworfen haben. In Sonderheit handelte es sich um die Verpflegung, die in derartigen umfangreichen Instituten zwar schwietig ist, aber doch nimmermehr zu Mißtönen führen darf, denn bei Kranken ist auch die Ernährung ein sehr wichtiger Heilfaktor. Schon mehrere Male sind Fälle von Fleischvergiftungen zu verzeichnen gewesen, zuletzt die Erkrankung von ca. 300 Angestellten infolge Genusses schlechten Schabefleisches, und seit diefer Zeit bezeichnet noch heute der Volksmund mit Schabefleisch belegte Brödchen gemeiniglich als„Virchowbrödchen“. Auch hört man vielfach Klagen über das Quantum der gereichten Portionen, ein Punkt, in dem man wahrlich nicht knausern dürfte und auf dieses Moment ist a auch der jüngste Zwischenfall zurückzuführen, wo mehrere Hilfsschwestern, die Hunger verspürten, für Patienten bestimmten Gänsebraten verzehrten. Die Strenge, mit der die Verwaltung gegen die Schuldigen verfuhr und die ein junges Menschenleben vernichtete, hat in der Bevölkerung den lebhaftesten Unwillen hervorgerusen, und nicht mit Unrecht. Es kommt nicht immer darauf an, daß das„Prinzip“ gerettet wird, sondern es müssen auch zuweilen allgemein menschliche Gesichtspunkte Platz greifen. Bemerkenswert ist es auch, daß die ärztlichen Direktoren es weit von sich gewiesen haben, das Vorgehen des Verwaltungsdirektors zu billigen, und gerade in diesem Falke hat es sich wieder einmal gezeigt, wie verfehlt es ist, wenn alles vom grünen Tische aus, nach bureaukratischer Schablone gehandhabt wird. Der Beruf der Krankenschwestern ist ein überaus schwerer, er nimmt seine Angehörigen weit mehr in Anspruch als jeder andere, und darum muß alles getan werden, ihnen das Leben nach den schweren Stunden der Arbeit so angenehm wie möglich zu machen. Die städtische Verwaltung hat großen Wert darauf gelegt, eine städtische Schwesternschaft zu bekommen, um nicht auf private Verbände angewiesen zu sein, derartige Vorkommnisse sind aber schwerlich geeignet, die Freude für Niesen Beruf zu wecken und den notwendigen Nachwuchs heranzubilden; war es doch beinahe so weit, daß der größte Teil der Schwesternschaft wegen der ihr zuteil werdenden Behandlung die Entlassung nehmen wollte. Hört man aber die Ergüsder Magistratsoffiziösen, so ist natürlich bei uns alles beim Besten. Dem Kaiser ist in dieser Woche anläßlich seines Geburtstages ein eigenartiges Geschenk, wenn man so sa„„ In der Kunstakademte gen darf, dargebracht worden. In der Kunstakad ist eine französische Ausstellung eröffnet worden, zu welcher nicht nur deutsche Besitzer französischer Kunsterzeugnisse die ihnen gehörenden Werke zur Schaustellung hergeliehen haben, sondern auch der französische Staat selber und mit ihm eine Reihe jenseits der Vogesen wohnender Mäzene. Es liegt auf der Hand, daß dieser Ausstellung nicht bloß ein künstlerischer Charakter zu Grunde liegt, sondern daß da die Politik mit hineinspielt, da ja auch der Kaiser selbst und die offiziellen Vertreter des französischen Staates teilnahmen. Auch erschien der Kaiser seit Jahren wieder zum ersten Mal in der französischen Botschaft, um einer aus dem erwähnten Anlaß stattfindenden Soiree beizuwohnen und auf hervorragende Franzosen den ganzen Zauber seiner Persönlichkeit wirken zu lassen. Ist doch gerade auf solche Weise einem freundschaftlichen Verstehen beider Nationen auf das Wirksamste vorzuarbeiten. Gesellschaftliche Hochsaison ist jetzt auch bei Hofe, Die genannten großen Couren für Militär und Zivil haben stattgefunden, bei denen die neu einzuführenden Herren und Damen vorgestellt werden. Früher war der Berliner Hof überaus exklusiv und unter dem alten Kaiser wurde an der Tradition in keiner Weise gerüttelt. Unter Wilhelm 2. ist das anders geworden„Der moderne empfindende Monarch ist nicht so engherzig, auch weitere Kreise besonders der Hochfinanz haben Eingang gefunden, Namentlich im Auslande, speziell in Amerika drängt man sich danach in Berlin vorgestellt zu werden, und den Ausländern gegenüber ist man hier ziemlich entgegenkommend, gar manche Familie findet Zutritt, der es nicht möglich gewesen wäre, wenn es eine deutsche wäre.“ Diese Voorliebe für alles ausländische hat man bekanntlich auch an anderen maßgebenden hohen Stellen, was nicht gerade der Würde des Deutschtums entspricht. Bei diesen Defiliercouven welche für das Kaiserpaar keine leichte Arbeit darstellen, ist die Toilette für die Damen genau vorgeschrieben, niemals darf die sogen. Courschleppe fehlen, die zu handhaben eines sorgfältigen Studiums bedarf, und ebenso ist eine tiese Decolletage Vorschrift, die auf der Bühne zweifellos das Mißfallen der gestrengen Polizei hervorrufen würde. In den Räumen des Schlosses hat aber die Polkzei glücklicherweise nichts zu sagen. Von den Bühnen ist auch in dieser Woche eine hervorragende Taj zu berichten. Erfolg hatte das Deutsche Theater mit einem französischen Stücke„Der gute König Dagobert“, einem überaus gewagtem Stoff, dem aber, trotzdem bis zur äußersten Grenze des Erlaubten gegangen wird, eine gewisse Decents nichts abzusprechen ist, wenn man bedenkt. daß eine Brautnacht auf offener Bühne zur Darstellung kommt. So etwas bringen natürlich nur die graziösen Franzosen fertig, während bei einem deutschen Autor die Sache sicherlich plump und abstoßend ausgefallen wäre.— Weniger Glück hatte Herr Reinhardt dagegen in seinen Kammerspielen mit dem„Natürlichen Vater“ von Herbert Eulenburg, welches eine kühle Ablehnung fand, und zwar mit Recht, sodaß auf das Stück hier nicht näher eingegangen zu werden braucht.— Ein Tendenzstück brachte das Schiller=Theater heraus in Gestalt Entzündung. Der Kopf des Mannes wurde vollständig auseinandergerissen. Bochum, 25. Jan. Morgen, Sonntag, nachmittags 4 Uhr findet im Apollo=Theater die letzte Nachmittagsvorstellung zu kleinen Preisen mit dem Menschenaffen Consul und dem ungekürzten reichhaltigen Spezialitätenprogramm statt. Die auswärtigen Theaterbesucher, denen es bisher an der Gelegenheit fehlte, die glänzenden Leistungen von dem Afsen zu bewundern, sollten diese letzte Vorstellung dazu benutzen, das Versäumte nachzuholen. Auch bietet der übrige Teil des Programms soviel Interessantes und Unterhaltendes, daß es sich lohnt, das Apollo=Theater zu besuchen und dort einige angenehme und vergnügte Stunden zu vollbringen.— Abends 8 Uhr findet die übliche Sonntagsabendvorstellung zu gewöhnlichen Preisen statt. Bochum, 27. Jan. Der vor etwa 16 Jahren von den Gebrüder Breiski in Bochum begründete Polenverband für Deutschland, der die heutige Organisation der im Westen der Monarchie angesiedelten Polen als sein Volk betrachten darf, ist mit der Posener„Straz“, uno zwar auf der Grundlage derselben, nach langen Verhandlungen endgiltig vereinigt worden. Da auch die der„Oswiata“(Aufklärung) zugehörenden Vereine sich der„Straz“ anschließen wollen, steht zu erwarten, daß die Straz=Organisation schon in allernächster Zeit auf die Provinzen Westfalen und Rheinprovinz ausgedehnt werden wird.— Damit nahmen die polnischen Vereine im Westen organisatorischen Anschluß an das„polnische Gemeinwesen“ im Osten der Monarchie. Wanne. 27. Jan. Die Freisinnige Partei hatte für gestern eine öffentliche Versammlung einberufen, die von dem Vorsitzenden des Lokalkomitees, Herrn Hirsch, eröffnet und geleitet wurde. Herr Tischendorfer hielt einen Vortrag über„Volksrechte und Bolkslasten“, in dem er zunächst die Vorgänge in dem Kampfe um die jüngste Reichsfinanzreform und die Stellung der Parteien zu derselben einer eingehenden Kritik unterzog. Redner forderte schließlich die Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen und eine Aenderung der Wahlkreise zu Gunsten der stark bevölkerten In dustriebezirke. Redner meinte, daß sich die Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen nicht auf einmal durchführen lasse, man müsse sich daher zufrieden geben, wenn man schrittweise zu dem erstrebten I „Pfarrer von St. Georgen“ welches den Kampf der liberalen Geistlichkeit gegenüber der Orthodocie zum Gegenstand hat. Das Stück, welches von einem Leipziger Rechtsanwalt herrührt, fand beim Publikum des genannten Theaters, welches sich zu einem großen Teite aus dem freisinnigen Kleinbürgertum Berlins zulammensetzt, eine beifällige Aufnahme. Dortmunder Stadttheater. ms. Dortmund. 28. Januar. „Ein Schauspiel in 3 Aufzügen von W. Shakespeare. Nach zweijähriger Pause wurde das Dortmunder Theaterpublikum wieder einmal in Shakespeares Traumwelt geführt. Die wundervolle Musik Mendelssohns, dieser wunderbare Elsenreigen von Tönen, der nur von den hellen Tönen pomphafter Festlichkeit unterbrochen wird, wirkte in der Wiedergabe durch das unter Führung des Herrn Kapellmeisters Weißleder stehende Orchester vorzüglich. Das Publikum applaudierte dankbar. Die Rollen waren zum großen Teil neu besetzt. Noch in guter Erinnerung waren Herr Kaul als Egens, Herr Kaufmann als Lysander, Herr Klug als Zettel und Frl. Habermeyer als Puck. Taß Frl. Habermeyer dem neckischen Puck nichts schuldig blieb. versteht sich von selbst; sie war munter und lebendig wie immer, spaßhaft und gelenk. Herr spielte seinen Zettel wiederum mit unwiderstehlicher feiner Komik und errang gleichwie die übrigen Rupel reichen Beifall. Don diesen, die von den HerThalren Binder, Laumen, Schubert, Matthias und heim dargestellt wurden, erregte namentlich Herr Schubert allgemeine Heiterkeit. Der Herzog lag bei Herrn Fischer in besten Händen, wie auch Frl. Hennig als Amazonenkönigin eine höheitsvolle Erscheinung war. Neben Herrn Kaufmann tat sich Herr Gerdes als Liebhaber der Hermia hervor, die in Frl. Artot eine Darstellerin gefunden hatte, *„„ 4ge Krat““ welche die verliebte und eifersüchtige Kratzbürste mit allen Finessen auf die Bühne stellte. Die dem Demet rius nachlaufende Helena wurde von Frl. Proß war als en verKöngerung der Titania. Die singenden Elfen waren Frl. Troll und Frl. Herberger anvertraut worden. die ihre volle Schuldigkeit taten. Die herrlichen Tänze und und Elfenreigen waren von der Balletmeisterin Frl. Urban sehr sorgfältig einstudiert worden und wurden dementsprechend von Frl. Urban, Frl. Berina und dem Corps de Ballet ausgeführt und durch lebhaften Beifall ausgezeichnet. Die Inszenierung durch Herrn Oberregisseur Karl Ver in S Ziele komme. des Redners aus. Elberfeld, 28. Jan. Die Stadtverordnetenpersammlung gab ihre Zustimmung zu einem zwischen Stadt und Hermann Schöndorf zu Düsseldorf für einin der Bildung begriffene Kaiserstraßen=Baugesellschaft m. b. H., abgeschlossenen Kaufvertrag, wonach dem Erst, genannten unter der gesamtschuldnerischen Bürnschaft der Leonhard Tietz=Aktiengesellschaft zu Köln das Grundstück an der Kaiserstraße von Ecke Neumarkt bis zur Grünstraße zum Preise von 1 300000 Mark käuflich überlassen und das an die Neumarktecke anstoßende bebaute Grundstück der Stadtbücherei zum Preise von 500 000 Mark für fünf Jahre fest an die Hand gegeben wird.— sozialdemokratische Antrag auf Einführung der Wertzuwachssteuer und Aufhebung der Bier= und Lustbarkeitssteuer wurde abgelehnt. Düsseldorf, 28. Jan. In mehreren Fällen sinz hier Kinder an der Genickstarre erkrankt. Sie fanden Aufnahme im Krankenhause. Solingen, 28. Jan. Der Rodelsport, der in der letzten Tagen mehr als ein Dutzend schwerer Unglückz. fälle verursachte, hat heute Mittag ein Menschenleben gefordert. Der Klempnermeister Kremer, der auf der Rodelbahn in der Klingelstraße von einem Schlitten überfahren wurde, starb kurz darauf infolge Gehirnerschütterung. Solingen, 28. Jan. Beim Rodeisport wurde der Sohn des Metzgermeisters Ebel schwer verletzt, Ferner erlitt ein junges Mädchen einen Armbruch, und eine Frau eine schwere Schädelverletzung, soday letztere in Lebensgefahr schwebt. Auch auf der Berg. straße und auf dem Böckerhoff erlitten mehrere Perrere Personen Knochenbrüche. Heute Abend hat die Polizei auf verschiedenen Rodelbahnen, die in der Stadt angelegt wurden, Asche streuen lassen.(ReinWestf. Ztg.) Köln, 21. Jan. Falsche Fünfmarkstücke mit zuter Prägung sind in hiesigen Geschäften in großen Mengen verausgabt worden. Die aus minderwertigem Metall hergestellten Falschstücke fühlen sich fett und weichkantig an; sie sind klanglos und können mit einem Taschenmesser angeschnitten werden Andernach, 28. Jan. Wie bereits gemeldet, wülete in den letzten Tagen ein heftiger Schneestürm in der Eifel. Gewaltige Schneemassen machten die Verkehrswege unpassierbar. An vielen Stellen hat der Wind den Schnee so hoch zusammengeweht, daß nur noch die Kronen der Bäume herausschauen. Die Züge der Linie Prüm=Gerolstein, Andernach=Gerolstein und DaunGillenfeld erleiden mehrstündige Verspätungen. Sämtliche Bäche führen Hochwasser. Die Arbeiten an dem Eisenbahn=Neubau der Strecke Daun=Wittlich wurden eingestellt. Auch auf dem Hochwald sind gewaltige Schneemassen niedergegangen. Letzte Telearamme. Vertagung des ungarischen Abgeordnetenhauses. Budapest, 28. Jan. Im ubgeordnetenhause, wo heute die Debatte über die Vorstellung des neuen Kabinetts fortgesetzt wurde, verzichteten die meisten der noch vorgemerkten 19 Redner auf das Wort, so daß zur allgemeinen Ueberraschung schon heute zur Abstimmung über den Mißtrauensantrag Jusths und den Antrag Kossuth auf Errichtung einer selbständigen ungarischen Bank kam. Beide Anträge wurden mit großer Mehrheit angenommen und somit dem Kabinett Khuen Hedervary ein Mißtrauensvotum erteilt. Daraufhin übergab der Ministerpräsident Khuen Hedervary dem Präsidenten ein königliches Handschreiben, welches sofort zur Verlesung gelangte. Gemäß diesem Handschreiben wird das Abgeordnetenhaus bis zum 24. März vertagt. Das Handschreiben rief einen großen Sturm der Entrüstung bei der Mehrheit hervor. Es wurde ein Antrag angenommen, worin gegen de ungesetzliche Vertagung protestiert wird. Gleichzeitig Habermeyer gab zu Ausstellungen keinen Anlaß, verdient vielmehr ungeteilte Anerkennung. Spielplan von Sonntag, den 30. Januar bis Sonn#ag den 6. Februar 1910. Sonntag. den 30. Januar 1910. Nachmittags=Vorstellung zu ermäßigten Preisen. Agsang drei Uhr. „Die Fledermaus". Operette mit Ballett ir drei Aufzügen von Johann Strauß. Abends siebeneinhalb Uhr. Opernpceise. Zum 2 Male.„Hans Heiling“. Nomantische Oper in drei Aufzügen nebst einem Vorspiel con Heinich Marschner. Montag, den 31. Januar 1910. Anfang siebeneinhalb Uhr. Opernpreise. Serie A. Nr. 32, grüne Karten. Erstes Gastspiel der Königlich bayrischen Hofschauspielerin Fräulein Josefine Rottmann vom Hoftheater in München. Zum ersten Male.„Judith“. Trauerspiel in fünf Aufzügen von Friedrich Hebbel. Judith— Fräulein Josefine Notimann als Gast. Dienstag, den 1. Februar 1910. Anfang siebeneinhalb Uhr. Volksvorstellung bei aufgehobenem Abonnement. Jahreskarten gültig. Ermähigte Preise.„Mignon“. Oper mit Ballett in 3 Aufzügen von Ambroise Thomas. Mittwoch, den 2. Februar 1910. Anfang siebeneinhalb Uhr. Opernpreise. Serie C, Nr. 35, rote Karten. Zweites Gastspiel der Königlich bayrischen Hofschauspielerin Fräulein Josefine Rottmann vom Königlichen Hoftheater in München.„Die Rabensteinerin". Schauspiel in vier Aufzügen von Ernst von Wildenbruch. Bersabe— Fräulein Josefine Rottmann als Gast. Donnerstag, den 3. Februar 1911,. Anfang siebenbeneinhalb Uhr. Opernpreise. Serie A. Nr. 35, grüne Karten.„Samson und Dalila“. Große Oper mit Ballett in drei Aufzügen von Camille SaintSaens. Freitag, den 4. Februar 1910. Anfang siebeneinhalb Uhr. Overnpreise. Serie B. Nr. 35, braune Karten. 3. und letzten Gastspiel der Königl. bayr, Hofschauspielerin Fräulein Josefine Rottmann vom Hoftheater in München. Zum 2. Male.„Judith“. Trauerspiel in fünf Aufzügen von Friedrich Hebbel. Judith— Fräulein Josefine Rottmann als Gast. Sonnabend, den 5. Februar 1910. Anfang siebenein halb Uhr. Opernpreise. Serie C. Nr. 34, rote Karten.„Ein Sommernachtstraum". Lustspiel in 8 Aufzügen von W. Shakespeare. Musik von lix Mendelssohn=Bartholdy. Sonntag, den 6. Februar 1910. Nachmittags=Vorstellung zu volkstümlichen Preisen. Anfang 3 Uhr. „Gespenster“. Ein Familiendrama in drei Aufzu gen von Henrik Ibsen. Abends 7 Uhr. Opernpreise.„Die Meistersinge“ von Nürnberg“, in S Aufzügen von Rich. Wagner= Lird der Regierung die 2 Eisder, die Verausgapung bei Handelzgertrgeigerte Abgeoednetenhaus erkliär solcher Vertrage, nar brung einer Verfassung enina in Verordnungsn bier Brichiushantag pur Enommen, Dafür stimmt V de Wolsparte, dagen sungspartei. Alsdann roßer Erregung audapest, 8. Jan. buen Hederpaxy b uns m Piganr) g a e u morgen vom Kaise werden und diesem übe erstatten.— Budapest. 28. Jan. m. Graf Khuen Hederr sion des Kabinetts der derernannt werden. Von dem Hoch Paris, 28. Jan. Die S #rflossenen Nacht noch ve zeuerdings wieder unaufsh sie bereits unter Wasser ommen. Das Wasser hat hamps Elysées überstiee Lalast, in dem der Präsid sen längs der Seine gel er Verkehr nur mittels B Paris, 28. Jan. Beim ser Kaimauer am rechten lexanders III. und der Lasser strömt in die Che eil überschwemmt ist. Institute de France sind a Die Concorde-Brücke dar bisscheinen passiert werde Trocadero stürzten vier m Soldaten aus einer Barke Paris, 28. Jan. In d Rotre Dame ist das Der Kreuzgang von Notr as eine Bodensenkung. Paris, 28. Jan. 10 423 Verkehr abgeschnitten. entrale droht das Eindri# käumlichkeiten, wo sich au Die direkten telegraphisch eich, England, Holland, Städten Frankreichs sind Paris, 25. Jan. Stadtteilen von Pari äusern Risse aufzeigen u Lenn nicht bald ein Fa ehen ernste Katastrophen aus Charenton gem unde getötet werden, di Menschen gefährdeter elchem sich über 400 K ast geräumt werden. d ranken wurden auf an Paris, 25. Jan. Kinisterrat beschäftigte hwemmung und mit d# hmit der Verkehr mög werden kann. Der eit und die Ausdauer? #ufen fortgesetzt Sympe mt Fallieres erhielt ein Abgeordnetenhaus fe on kurzer Dauer war ordnete erschienen war ammergebäude gelangen purnalisten. Die Wal London. 28. Jan. pigende Wahlresul! #iberale, 40 Arbeiterpar nionisten gewannen 1 nderen sind unveränder London, 29. J4 #lgende Wahlergebniss Aiberale, 42 Mitglieder spuialisten. Die Unioni und die Arbeiterp# 15 Millionen Rom, 29. Jan. Zumme von 15 Millio siterwohnungen ausge Im Elitenesten und vorn das neue P rmes in Paris, stergarten und r Die kleine Geig presken„Aufreg F“, ferner treffli seute sich gleich suches, mit G elegante Dam nzufinden pfleg Bekan Dnuar Rordt S T T ordnetenvert zwischen der sorf für ein ich dem Erstürnschaft der das Grundis zur Grünsch überlassen saute Grund00 Mark für ird.— der Wertind LustbarFällen sind . 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Zum lische Oper in con Heintich ang sie beneinNr. 32, grüne glich bayrischen Kottmann vom Male.„0 jen von FrieJosefine Nottfang siebeneinaufgehobenem Ermähigte lett in 3 Auffang siebenein, N r. 3 3, r o t e glich bayrischen Rottmann vom „Die Rabenigen von Ernst äulein Josefine Anfang sieben sie A. Nr. 33, *“. Große Oper Lamille Saimang siebeneinNr. 33, braune Königl. bayr, Rottmann vom Male. gen von FrieJosefine RottAr Regierung die Verwaltung der öffentlichen bird der Zerausgabung der Summen für die ge P### imen Angelegenheiten und die Weiterführun P Tandelsvertragsverhandlungen verboten. Da von#-Närt schon jetzt, daß es die Gültig auch die Verlaut L“ ug einer Verfassung für Bosnien und die Herze karung: Vergrhnungswege nicht anerkennen werde # Hoichlußantrag wurde mit großer Mehrheit an Pieser ar““ Hafür stimmte die Unabhängigkeitsparte .5 die Volksvartei, dagegen ein graßer Teil der Vehsangspartei. Alsdann wurde die Sitzung unte P#F: 5a pest, 8. Jan. Ministerpräsident Gra hnen Hedervary begibt sich wegen der Abstim Luung im Abgeordnetenhause heute abend nach Wien, # wargen vom Kaiser in Audienz empfangen werden und diesem über die neue Situation Bericht erstatten. E. 9—— Budapest. 28. Jan. In politischen Kreisen glaubt Graf Khuen Hedervary werde formell die ####ion des Kabinetts dem Kaiser überreichen, jedoch Oerernannt bürden. Von dem Hochwasser in Paris. Paris, 28. Jan. Die Situation hat sich im Laufe der herflossenen Nacht noch verschlimmert. Die Seine steig ### dings wieder unaufhörlich und überflutet nunme ie bereits unter Wasser stehenden Stadtviertel vol sommen. Das Wasser hat bereits die Kaimanern an de hamps Elysées überstiegen und bedroht den Balgst, in dem der Präsident der Republik wohnt. I en längs der Seine gelegenen großen Avenuen kai er Verkehr nur mittels Booten aufrechterhalten werder Paris, 28. Jan. Beim Morgengrauen gab ein Te I., Kaimauer am rechten Seineuser zwischen der Brüc Aleranders III. und der Concorde-Brücke nach. De Wasser strömt in die Champs Elysées, von denen ei Teil überschwemmt ist. Wegen Ueberschwemmung de Austitute de France sind alle Akademiesitzungen abgesag Die Concorde=Brücke darf nur mit besonderen Erlaul bisscheinen passiert werden. Am Kai Debilly bei Trocadero stürzten vier mit dem Depeschendienst betraut Soldaten aus einer Barke ins Wasser und ertranken. Paris, 28. Jan. In der Umgebung der Bastille und Rotre Dame ist das Hochwasser im Steigen begriffen. Der Kreuzgang von Notre Dame zeigte 11 Uhr vormit ags eine Bodensenkung. Paris, 28. Jan. 10 423 Telephonabonnenten sind vom Verkehr abgeschnitten. In der Pariser Telegraphenkentrale droht das Eindringen des Wassers in die Kellersäumlichkeiten, wo sich auch die Kabelleitungen befinden. Die direkten telegraphischen Verbindungen mit Oestereich, England, Holland, Dänemark und zahlreichen Städten Frankreichs sind unterbrochen. Paris, 28. Jan. Große Gefahr besteht in vieStadtteilen von Paris, da eine große Anzahl von äusern Risse aufzeigen und bereits zu sinken beginnen. Benn nicht bald ein Fallen des Hochwassers eintritt, ehen ernste Katastrophen bevor. Neue Schrecknisse weraus Charenton gemeldet. Dort mußten mehrere unde getötet werden, die tollwütig geworden sind und se Menschen gefährdeten. Das Spital Boucicot, in elchem sich über 400 Kranke befinden, mußte schleukast geräumt werden. da es einzustürzen droht. Die sranken wurden auf andere Spitäler verteilt. Paris, 28. Jan. Der heute zusammengetretene Kinisterrat beschäftigte sich mit der Lage der Ueberhwemmung und mit dien zu treffenden Maßregeln, mmit der Verkehr möglichst rasch wieder ausgenomwerden kann. Der Ministerrat lobte die Tapferit und die Ausdauer der Rettungsmannschaften. Es ufen fortgesetzt Sympathie=Telegramme ein. Präsint Fallieres erhielt ein solches vom Präsidenten Taft. Abgeordnetenhaus fand eine Sitzung statt, die nur zu kurzer Dauer war und zu der nur wenige Abordnete erschienen waren, die mittels Boote in das ammergebäude gelangen konnten, ebenso erging es den purnalisten. 9 Die Wahlen in England. London, 28. Jan. Bis nachmittags 4 Uhr lagen elgende Wahlresultate vor: 263 Unionisten, 262 iberale, 40 Arbeiterparteiler, 75 Nationalisten. Die Fnionisten gewannen 124. Die Gewinnziffern der nderen sind unverändert. London, 29. Jan. Um 7 Uhr abends waren Algende Wahlergebnisse bekannt: 264 Unionisten, 262 berale, 42 Mitglieder der Arbeiterpartei und 76 Na ialisten. Die Unionisten gewannen 125, die Liberalen und die Arbeiterpartei einen Sitz. 15 Millionen für Arbeiterwohnungen. Rom. 29. Jan. Die Stadt Neapel hat eine simme von 15 Millionen Lire für den Bau von Ar siterwohnungen ausgeworfen. Im Elite=Theater. Westenhellweg 82a, dem besten und vornehmsten Kinematographen=Theater biedas neue Programm eine Besteigung des Eifel rnes in Paris, interessante Naturaufnahmen aus dem ergarten und von der Kornergratbahn, die Dramen ie Leme Geigenspielerin“ und„Liebeslist“, die Hu bresten„Aufregung vermeiden“ und„Meier im Du# ferner treffliche Tonbilder. Das Elite=Theater er Fite sich gleich von seiner Eröffnung an eines guten Flüches, mit Genugtuung kann es registrieren, daß elegante Damenwelt in den Nachmittagsstunden sich zufinden pflegt. ie Meistersinget Rich. WagnekZehlung der Steuern für das IV. Vierteljahr Prnar bis Marz d. J.— wird hierdurch erinnert. Ständige Zahlstellen befinden sich: sorostr. 13(Nebenkasse Ztags und 8—5 Uhr nach Pheinischestraße 58(Nebenkasse)) mitags mit Jusmnahgelder #( e r v e n t a s s e)) S o n n a b e n d N a c h m i t t a g e. ##einer können die Steuer gezahlt werden am 8. und 15. . 15. 16 Wirtschaft Volts in Körne, szwie am 12. #er ge=:2 26. und 28. Tebru r und am 1. März in DreinE: heinischestraße Nr. 1, und J. Kortmann, Wambeler#oe Nr. 4, jedesmal des Nachmittags von 2—5 Uhr. den 2: im nordlichen bezw im westlichen Stadtteile woh3 Steuerzahler werden gebeten, ihre Steuern möglicht dlen, eenbezeichneten Nebenkassen ihres Stadtteils einzub#gen Vollziehungsbeamten sind zur Annahme von Geld grunge erms#rung von Pfändungen und Versonn uu: D'e Zahlung möglichst bald vorzunehmen Rang die Steuersaher unter dem ftarken AnP#lieren.*“ Kassen zu leiden haben und Zeit Dortmund, den 24. Januar 1910. Magistrat. c Deutsche Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien. DORTMUND Wissstr. 14-16 DORTMUND Kapital und Reserven ca. Mk. 36000000. * 17* Neu errichtet: Geschäftstelle in Lünen Langestrasse 1. GELDEINLAGEN 159 auf Depositen-Konto verzinsen wir zurzeit bei täglicher Kündigung mit 3½% vierteljähriger„„ 3¾% „ halbjähriger„„ 4% Diskontierung von Wechseln und Eröffnung von Krediten unter günstigen Bedingungen. An- a. 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Löwen=Apotheke, Münsterstr. 9 Ein internationaler Wettstreit der größten Sensationen aller Veltteile beginnt am Dienstag, den 1, Februar Im Olympia-Theater Dortmund Beachten Sie die nächsten Anzeigen des Olympia-Theaters. TIE WEEEEE IST UNERREICHT IN WOHLGESCHMACK. GOLDENE MEDAILLE BERLIN 1909 aller Länder erwirkt u. verwertet vorteilhaft Patentdnean Köchling. Dortmund, Steinplatz 1, Hagen s. W straße, 34, Ecke Elderfelderstraße. Mitglied des deutschen Schutzverbandes für geistig. Eigentum Seinste Reserenzen. Auskunst 4 and Broschürs foßenfrai Bekanntmachung. Der„Verband Deutscher Elektrotechniker“ hat gegen die Fassung einzelner, auf die elektrische Beleuchtung bezüglicher Bestimmungen des Musters zu einer neuen Polizei=Verordnung über die bauliche Anlage usw. von Theatern, öffentlichen Versammlungsräumen und Zirkusanlagen von 1909(Runderlaß vom 6. April d. I.— 3. B. 7, 75.2=B. M. d ö A. 2 e. 1146 M. d. I.) Bedenken erhoben Um Mißverständnisse vorzubeugen, stellen wir als den Sinn der beanstandeten Bestimmungen folgendes est: 1. Zu Ziffer 2 Satz 3 der Paragraphen 36 und 16. Die Bestimmung hat nicht das Dreileitersystem für je ganze Anlage ausschließen. sondern nur fordern wollen aß die einzelnen Zweige der Beleuchtungsanlage an velche Lampen angeschlossen sind, von den Verteiungstafeln ab im Zweilettersystem ausgeführt werden ollen. 2. Jiffer 3 Satz 1 der Paragraphen 36 und 116. at nur die Notbeleuchtung näher regeln, die Einriching und Anordnung der allgemeinen Beleuchtung aber iin Unternehmer überlassen wollen. Doppeste Beleuchung für alle zu beleuchtenden Räume wird also durch ie Bestimmung nicht verlangt. Da in Sackgassen Notimpen dadurch gefährlich werden, daß sie das den Ausängen zustrebende Publikum irreführen, so wird in olchen Fällen von der durch Paragraph 126 gegegebenen Dispensmöglichkeit Gebrauch zu machen sein. 3. Zu Ziffer 3 Abl 2 Satz 2 der Paragraphen 36 ind 116. Der hier gegebenen Vorschrift gruppenweise Anording der Notsampen usw. wird schon genügt wenn 2 ampengruppen und für jede der beiden Gruppen eine esondere Akkumulatorenbatterie vorhanden sind. Mit der weiteren Forderung, daß jede Lam e grupe ilt ihrer Akkumulatorenbatterie durch unverzweichte in= und Rückleitungen verbunden sein müsse, hat nur die wechselseitige Verbindung von verschiedenen Lamdengruppen hinter ihrer Abzweigung aus der Hauptleitung ausgeschlossen werden sollen. 5. Jisker 3. Absatz 2 Satz 4 der Paragraphen 36 und 116. Der Begriff des„Panzerrohres ist kein ganz festtehender. Jedenfalls haben nach den Absichten des Musters alle, die Leitungen gegen mechanische Beschädiung schützenden Metall= oder mettallisch überzogenen kohre, und dahei auch Schlitzrohre zugelassen werden sollen. 5. Ziffer 2, Absatz 2 Satz 4 der Paragraphen 36 und 116. Unbedingte Sicherheit bietende Apparate für die Prüfung elektrischer Kraftquellen auf ihre jeweilige Leitungsfähigkeit gibt es zur Zeit noch nicht. Die Bestimmung hat selbstverständlich nur die jeweilig vorhandenen Prüfungsapparate im Auge. 6. Zu Ziffer 4 der Paragraphen 36 und 116. Nach der Absicht der Verordnung sollen auf elektrische Anlagen in Theatern und Zirkusanlagen die Vorhriften des„Verbandes Deutscher Elektrotechniker“ nur oweit anwendbar sein, als sie nicht durch die Bestimmungen der Paragraphen 36 und 116 der Verordnung ersetzt sind.„„ 7. Ju Paragraph 36 Jiffer 5, Paragraph 67 Ziffer 5. Paragraph 71 d und Paragraph 116 Zifser 5. Drahtschutznetze haben nur für die Glocken der groen Bogen= und Kugellampen gefordert werden sollen. Für die Glocken sogenannter Sparlampen mit eingeschlossenem Lichtbogen, elektrischer Dauerhrandlampen, sowie von Glühlampen sollte dieser Forderung nicht gelten. 8. Zu Paragraph 71d Satz 1. Die Bestimmung über die elektrischen Bogenlampen sollte sich nicht auf Sparhogensampen beziehen. Eure Tit. ersuchen wir, die Polizeibehörden anzuweisen, bei der Anwendung der Theaterbauordnung in diesem Sinne zu verfahren. Abdrucke dieses Erlasses zur Verteilung an die Landräte die Polizeiverwaltungen In Städten mit mehr als 10000 Einwohnern sowie an die Kreisbauinspektionen sind beigefügt. Für die Landräte sind 3—4 Abdrucke bestimmt, damit sie— soweit dies nach den örtlichen Verhältnissen nötig ist,— eini ge Abdrucke bei den ihnen nachgeordneten Polizct behörden zur Kenntnisnahme in Umlauf setzen. Berlin, den 10. Dezember 1909. Der Minister der öffentl. Arbeiten. Der Minister d. Innern Im Austrage. In Vertretung. gez. Hinckeldeyn. 6ez. Vorstehender Runderlaß wird hiermit zur Kenntnisnahme der Interessenten gebracht. Dortmund. den 24. Januar 1910. Bau=Polizei=Verwaltung Dr. Schmieding Geheimer Regierungsrat. Kochlehriräulein für 1. 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Die zweite Lesung des Militärhaushalts wird fortgesetzt. Abg. v. Byern(kons.): Wir wünschen nicht nur eine Erhöhung der Mannschaftslöhne, sondern auch, daß eine jährliche freie Urlaubsfahrt bewilligt wird. Die zweijährige Dienstzeit für die Kavallerie ist nicht denkbar. Die Kriegervereine dulden keine Sozial demokraten in ihrer Mitte, wie die Gewerkschaften keine Richtsozialdemokraten dulden.(Sehr richtig! rechts.) Verschwendung von Munition billigen wir ebenfalls nicht. Daß es vorgekommen ist, halten wir nicht für erwiesen. Ein Regierungs=Kommissax erklärt: Die Herresverwaltung würde die Waffenbeschafsung gern an Privatfabriken vergeben, auch die Lieferung von Säbeln. Sparsamkeitsrücksichten nötigten sie jedoch, sich zunächst an die eigenen Fabriken zu wenden. Abg. Mugdan(freis. Vp.) ermahnte zur weiteren Sparsamkeit im Militäretat, der noch zu viel überflüssige Positionen enthalte. Wie sich der höhere Ansatz für die Generalspferde erkläre? Ob bei diesen denn die Freßlust um so viel größer sei?(Heiterkeit.) Unsere Armec soll mit dem Volke, dem Volke in Wafsen, in Fühlung bleiben.(Bravos.) Abg. Liebermann v. Sonnenberg(wirtsch. Vg.) trat für die adligen Regimenter ein und polemisierte gegen die Nationalliberalen. Kriegsminister v. Heeringen: Ein Vergeuden von Munition findet nicht statt; ich hatte sogar schon daran gedacht, gerade dafür mit Mehrforderungen zu kommen, woran mich nur die Finanzlage hinderte. Verabschiedungen erfolgen jetzt nicht zahlreicher als früher. Nach langen Dienstjahren hat schließlich jeder einen Fehler. Hat er noch Aussichten, so zwingt er alles mit Energie hinunter. Weiß er, daß er nicht mehr vorwärts kommt, dann läßt die Energie nach. Das Tragen der Uniform nach der Verabschiedung wird erbeten und vom obersten Kriegsherrn als Gnade gewährt. Auf diese Gnade kann der Offizier nicht einseitig verzichten. Niemand darf verzichten, ehe nicht seine Wäsche absolut rein ist. Ein Duellunfug besteht nicht. Binnen Jahresfrist sind unter den 20000 aktiven Offizieren und den inaktiven neun Duellfälle vorgekommen. Der kaiserliche Erlaß von 1897 wird das Duell hoffentlich noch mehr einschränken. Was die Adelsfrage betrifft, so dürfen Sie nicht den Wert der Tradition unterschätzen. Es gibt Regimenter mit Offizieren, deren Väter, Großväter, ja Urgroßväter schon in demselben Regiment standen. In dieser Tradition vom Urgroßvater her liegt auch eine Stärke des Offizierkoras! Aber eine Bevorzugung des Adels findet nicht statt! Auch nicht im Generalstabe. Strafgarnisonen gibt es nicht, auch nicht an der Grenze. Gegen den eventuellen Luxus unter Einjährigen würde ich Abhilfe schaffen. Die Abschaffung des Einjährigensystems würde uns jährlich 24 Millionen Mark kosten. Der Mangel an Militärärzten liegt daran, daß diese die Privatpraxis nicht in erwünschtem Maße ausüben können. Den Vorwurf des Abg. Korsanty(Pole) wegen zu harter Bestrafung von Mannschaften weist der Kriegsminister zurück, der auch die Vermehrung von Unteroffizieren und die Abhaltung von zwei Kontrollversammlungen für nötig erklärt. Nach weiteren Reden der Abgg. Werner(Reformp.), Lehmann(b. k. F.), Erzberger(Ztr.) und Noske(Soz.) wird das Gehalt des Kriegsministers bewilligt. Samstag 11 Uhr: Fortsetzung. Schluß nach 7 Uhr. Berlin, 28. Januar. Am Ministertische: v. Arnim. Vizepräsident Dr. Porsch eröffnet die Sitzung um 11,15 Uhr mit der Mitteilung, daß das Präsidium gestern dem Kaiser die Glückwünsche zum Geburtstage ausgesprochen hat. Die zweite Lesung des wird fortgesetzt. Landwirtschaftsetats Si4 Die sechs geretteren Bergleute von der Zeche„Holland im Hospital Beim zrapitel Generalkommissionen fordert Abg. Dr. Schroeder=Kassel(nat.=lib.), daß die Spezialkommissionssekretäre nach ihrem Besoldungsdienstalter in die neuen Stellen einrücken sollen. Ministerialdirektor Wesener erwidert, daß über eine Reihe solcher Fragen, die mit der neuen Besoldungsordnung im Zusammenhang stehen, Erwägungen säumen müßte. Beim Kapitel Lehranstalten verlangt Abg. MüllerBerlin(freis. Vp.) größere Mittel für die landwirtschaftlichen Hochschulen, sowie Gleichstellung der Dozenten mit den Dozenten der Universitäten. Weiter sordert er Förderung der Geflügelzucht und strengste Durchführung der Anzeigepflicht bei Seuchen. Abg. v. Pappenheim(kons.) betont die Schwierigkeit dieser Anzeige bei Seuchen. Er beantragt den Titel der außerordentlichen Ausgaben für Neu= und Umbauten beim Pomologischen Institut in Preskau an die Budgetkommission zurückzuverweisen, da die Verlegung des Instituts vielleicht vorzuziehen sei. Landwirtschaftsminister v. Arnim: Es hat sich herausgestellt, daß die Verlegung des Preskauer Instituts teurer sein würde, wie die vorgesehenen Umund Neubauten. Nach einer Reihe weiterer persönlicher Wünsche werden eine Anzahl Kapitel aus dem Landwirtschaftsetat erledigt. 4* Beim Kapitek„" Förderung der Viehzucht beantragen die Abgg. Schulze=Pelkum(kons.), v. Gertzen (freik.), Dr. Friedberg(nat.=lib.) und Graf Heuckel von Donnersmarck die Regierung zu ersuchen, die in dem Dispositionsfonds enthaltene Summe von 231000 M. für Staatspreise bei Rennen vom nächsten Jahre ab angemessen zu erhöhen. Abg. Schulze=Pelkum(kons.): Die Folge unseres Beschlusses, den extraordinären Fonds von 300000 M. in das Ordinarium zu nehmen, ist nunmehr gewesen. Diese 300000 M. sind einfach aus dem Haushaltsplan verschwunden. Ich bedaure lebhaft, daß es dem Landwirtschaftsminister nicht gelungen ist, die Streichung zu verhindern. Die Mehreinnahme von 342000 M. aus der Totalisatorabgabe ist zurückzuführen auf die Eröffnung der Grunewaldrennbahn und ferner darauf, daß im vorigen Jahren auch auf anderen Rennbahnen bedeutend mehr Renntage abgehalten worden sind als gewöhnlich. Die Erhöhung kommt auch nicht allen Rennvereinen zugute, sondern nur denjenigen, die einen Vereinstotalisator haben. Außerdem ist es die Frage, ob diese Einnahmen aus dem Totalisator dauernd sein werden. Der Steuersatz von 16¼ Prozent ist viel zu hoch. Wenn wir nicht ausreichende Preise haben, so gehen die Wettenden nach dem Auslande. Von der„Sportwelt“ wird allein die Summe, die aus dem rheinisch=westfälischen Industriebezirk jährlich auf den Pariser Rennen angelegt wird, auf 60 Millionen beziffert.(Hört, hört links. Zuruf des Abg. Borgmann: Aber nicht von den Arbeitern!) Herr Borgmann, im Zukunftsstaat wird es auch Rennen geben. Sie selbst werden ja als Leichtiokei da nicht antreten können (Heiterkeit), aber vielleicht kommen Sie als Buchmacher an.(Unruhe links.) Abg. Graf Heuckel v. Donnersmarck(Zentr.) stimmt dem Antrage des Vorredners zu. Abg. Dr. Müller=Berlin: Wir haben die Mittel für eine zweckmäßige Hebung der Pferdezucht immer bewilligt, aber wie wir immer Gegner des Totalisators gewelen sind, sind wir es auch heute noch. Adg. v. Oertzen(freit.) bat um die Annahme des Antrages Schulze=Pelkua. Ein Regierungskommissar erwidert, daß bei der gegenwärtigen Finanzlage eine solche Erhöhung ausgeschlossen sei. Darauf wird der Antrag dem Haushaltsausschuß Überwiesen. Die Weiterberatung erfolgt Samstag vormittag 11 Uhr. Gewerkvereinsteil. Die Arbeitskammern. Der umgearbeitete Entwurf eines Arbeitskammergesetzes soll binnen kurzem dem Reichstag zugehen. Ueber den ersten Entwurf liegt bekanntlich ein umfangreiches Kommissionsgutachten vor, sodaß es widersinnig gewesen wäre, wenn die Regierung an der Stellungnahme der Parteien zu den Arbeitskammern achtlos vorübergegangen wären. Andererseits ist es begreiflich, daß die Regierung vorläufig an ihrem WWiderspruch gegen diejenigen Kommissionsbeschlüsse festhält, die sie bereits in der Kommission als unannehmbar bezeichnet hatte. Die Entscheidung wird erst im Reichstage erfolgen; es muß zunächst als zweifelhaft gelten, ob die Ablehnung der parlamentarischen Mehrheitsbeschlüsse von der Regierung auch dann aufrecht erhalten wird, wenn dadurch das Scheitern des ganzen Gesetzentwurfes bedingt sein würde. Ueber den wesentlichen Inhalt des neuen Entwurfs erfährt die Sozialpolitische Rundschau folgendes: Den Wünschen der Reichstagskommission ist insofern entgegengekommen worden, als ausdrücklich bestimmt wird, daß die Arbeitskammern Umfragen über die gewerblichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der in ihnen vertretenen Gewerbszweige selbständig in ihrem Bezirk veranstalten können,, daß ferner ihnen zur Pflicht gemacht wird, auf Anrufen der Beteiligten beim Abschluß von Tarifverträgen mitzuwirken und die Einrichtung von paritätischen Arbeitsnachweisen zu fördern. Der neue Entwurf schließt die Betriebsbeamten, Techniker und Werkmeister im Hinblick auf die Schwierigkeit ihrer Stellung in den zukünftigen Arbeitskammern von der Geltung des Gesetzes aus, was gleichfalls mit dem Gutachten der Kommission im Einklang steht. Nicht für zweckmäßig hingegen wird der Beschluß erachtet, die Befugnis zur Errichtung von Arbeitskammern von der Landeszentralbehörde auf den Bundesrat zu übertragen, da die einzelstaatlichen Organe den Verhältnissen, welche bei der Einrichtung von Arbeitskammern in Betracht kommen, näherstehen, und daher rascher eingreifen können. Dem Beschlusse der Kommission, die Berechtigung zur Teilnahme an den Wahlen für die Arbeitskammer vom 25. Lebensjahr auf das 21. herabzusetzen soll nicht nachgegeben werden, unter Hinweis darauf, daß auch die Bestimmungen über die Gewerbegerichte diese Altersgrenze beobachten. Die im ersten Entwurf vorgenommene Erweiterung des Personenkreises, der in die Arbeitskammern wählbar ist, wird. wie das bereits in der Kommission geschehen ist, seitens der Regierungen auch jetzt abgelehnt. Die Kommission hatte die Wählbarkeit auf solche Personen zugestanden, die wenigstens drei Jahre hindurch den Gewerbezweigen, für welche die Arbeitskammern errichtet sind, als Arbeitgeber oder Arbeitnehmer angehört haben, falls sie mindestens ein Jahr im Kammerbezirk wohnen. Durch diese Bestimmung sollt: den Beamten der Verbände von Arbeitnehmern, aber auch von Arbeitgebern die Möglichkeit geboten werden, in den Arbeitskammern sich zu betätigen. In der Kommission haben die Delegierten der Regierung diese Ausdehnung des Rahmens der Wählbarreit auf die Arbeitssekretäre mit großem Redeaufwande bekämpft. Die Kommission ist trotzdem von ihrer Meinung nicht abgegangen und der Reichstag wird zweifellos versuchen, die im neuen Gesetzentwurf nicht enthaltene Bestimmung zur Geltung zu bringen. Endlich sei erwähnt, daß die Regierungen die in der Kommission geäußerten Bedenken bezüglich der Oeffentlichkeit der Sitzungen der Arbeitskammern sich zu eigen gemacht haben. Vermischtes. Die Fabel vom störrischen Mammut. Daß den englischen Liberalen trotz ihrer Niederlage der Humor noch nicht ausgegangen ist, beweist eine Rede von Sir Frederick Pollock, der als freihändlerscher Kandidat für die Universitäten in Glasgow und Aberdeen auftritt. Wenn sein Witz nuch etwas parteilich einseitig war, wie es nicht anders zu erwarten ist, so war doch die Verkleidung der politischen Situation in das Gewand einer Fabel recht amüsant und komisch. Er verglich das Obethaus dem Mammut, das nicht in die Arche gehen wollte. Als Noah sich unter den Tieren umsah,“ sagte Sir Frrderick,„sah er ein Mammut, ein Kamel und einen— Büffel, die zusammen grasten und er sagte zu ihnen:„Ihr seid recht hübsche Viecher, kommt mie in die Arche hinein.“ Das Mammut aber antwortete:„Nein, den Schwindel kenne ich. Du willst meine Weide wegnehmen, meine Stoßzähne stehlen, und die Hörner des Büffels und den Höcker des Kamels willst Du aufessen, Nein, nein, gehe weg.“„Schön“, sagte Noah,„wenn Du nicht mit kommen willst, so werden Dir weder Weide, noch Hörner, noch Buckel übrig bleiben.“„Gehe in Deine verruttete, seeuntüchtige Arche rein,“ sagte das Mammut,„Tu bis ja gar kein Seemann, und Dein Sem ist ein Verräter, der von dem König von Babylon bezahlt wird— — ich weiß, das ist wahr, weil ich's auf einem Halfpenny=Ziegelstein(eine Anspielung auf die konservativen u. schutzöllnerischen Halspennyblätter. D. Red.) gelesen habe—, Dein Japhet ist eine Landratte, die keine Ahnung vom Seefahren hat, und Ham ist ein bösartiger, schwarzer Sozialist, der Home Rule für Aethiopien fordert!"„Na, nützlich bist Du gerade nicht,“ meinte Noah,„aber Du bist ein so stattlichen Tier, daß mir die Nachwelt leid tun würde, wenn Du ihr verloren gehen solltest. Siehst Du nicht, wie das Wasser steigt?“„Ja, das sehe ich,“ erwiderte das Mammut,„aber Wasser ist etwas sehr Schönes, und ich will mich von meinem kleinen Weideplatz nicht trennen.“ Noah sagte:„Aber eine Die Kinder des Sträflings. Roman von A. Sinowka. 7 Der Anblick weckt die Jugendlust ihrer siebzehn Jahre, sie holt sich rasch von oben Jacket und Mütze und tritt zu den Kleinen hinaus. Die sind zuerst etwas scheu, als sie ihre Erzieherin sehen, Dora aber weiß ihre Bekangenheit zu überwinden und nicht lange dauerts, da sind die drei im muntersten Spielen. Es dürfte schwer sein, zu entscheiden, wer übermütiger ist, die junge Gonne oder die beiden kleinen Mädchen. „Gregor!“ ruft Blanka plötzlich, und aufblickend gewahrt Dora den Genannten, der eben hinter einer Koniferengruppe auftaucht. Bevor er aber noch entdeckt hat, von wo der Ruf kommt, fliegt ihm ein Schneeball, von Alexandras Hand geschickt geschleudert, in den Nacken, und dem Wurfgeschoß folgt die kleine Missetäterin, die auf den Bruder zustürzt und sich ihm jubelnd an den Hals hängt. „Rackerchen!“ schilt der junge Mann lachend, indem er sich den Schnee aus den Kleidern schüttelt. Dann heot er das Schwesterchen hoch in seinen Armen empor und dreht sich mit ihm im Kreise herum. Dora traut ihren Augen kaum. Ist das derselbe Mensch, der gestern abend so steif und trübselig dasaß? Jetzt erst bemerkt Gregor die Anwesenheit der neuen Hausgenossin. Er setzt über und über rot werdend, wie auf der Tat ertappter Verbrecher, die Kleine zur und greift, mit der Dora wohlbekannten linkischen Geberde an die Mütze.„Verzeihen Sie, Dora Petrowna, sernen.— sicht,“ stammelt er und will sich rasch entdas leiden seine Schwestern nicht. Sie hängen ! 9an ihn und versichern, daß Dora gar nicht so.. so Leutzlich ware, wie er sicher glaubte. Ihretwegen könnte 7:pis dableiben und mit ihnen spielen, denn Dora Melte auch.. sehr gern sogar. „Nicht wahr, Dora Petrowna?“ fragt Alexandra. Liebling," erwidert die Angeredete leise. ## nun wird das Spiel mit neuem Eifer aufgeallen#en. Gregor will sich zwar nicht daran beteiligen, #n teine Schestern lassen seine Weigerung nicht gelInn der Souveränität verwöhnter Kinder stellen sie ihn an seinen Platz, geben ihm einen Schneeball in die Hand und kommandieren, wohin er zu werfen hat. Bald überwinden Dora und er ihre gegenseitige Scheu und geben sich dem harmlosen Vergnügen mit voller Unbefangenheit hin. Als die große Uhr auf dem Mittelturm des Hauses jedoch zwölfeinviertel Uhr schlägt, erklärt er, jetzt aufhören zu müssen. Um halb eins würde gegessen und er müßte sich dazu noch umkleiden. Hastig gegen Dora die Mütze lüftend, eilt er davon. „Ist er nicht nett, unser großer Bruder?“ fragt Blanka, während sie mit Dora und Alexandra ebenfalls dem Hause zuschreitet. Da Dora nickt, fährt die Kleine fort:„Er wollte zuerst nur vor Ihnen davonlaufen, weil er dachte, daß Sie ebenfalls so scheußlich wären, wie Elsa Borowna, unsere frühere Gouvernante. Die spielte nie mit uns und warso unfreundlich und mürrisch. Gregor mochte sie gar nicht leiden.“ „Elsa Borowna hatte sich nämlich in ihn verliebt,“ fügt Alexandra wichtig hinzu,„und das war Gregor lästig. Sie lief ihm immerfort nach und wollte ihm ihre Gedichte vorlesen.. sie machte nämlich Gedichte.. aber spielen wollte sie nie. Und so häßlich war sie, Mama sagte immer, sie hätte ein Kalmückengesicht. Und wenn sie Gregor dann Augen machte.. das war zu komisch.“ „Das bildet Ihr Euch sicher nur alles ein,“ meint Dora, der diese Vertraulichkeiten ihrer Pfleglinge entsetzlich sind, verlegen. Elsa Borowna hat sich ganz sicher nicht in Euren Bruder verliebt, sondern...“ „Aber gewiß hat sie es,“ fällt Blanka eifrig ein, „Mama sagt es auch. Mama hat einmal sogar ein Gedicht von ihr im Garten liegend gefunden und das Gedicht handelte von ihrer Liebe zu Gregor. Da hat Mama ihr aber eine fürchterliche Szene gemacht und ihr gedroht, daß sie sie aus dem Hause jagen würde, sofern sie nicht aufhörte, Gregor nachzustellen. Na, das hat denn auch geholfen," versichert das Kind mit Genugtnung,„denn seitdem bekümmerte sie sich nicht mehr um unsern Bruder.“ „Dora ist das Herz gesunken bei diesem Geschwätz und sie nimmt sich vor, in Zukunft nicht mehr mit Gregor zu spielen und überhaupt recht zurückhaltend gegen ihn zu sein. Sie würde ja vor Scham in die Erde sinken, wenn man ihr auch Vorhaltungen machen würde, wie Elsa Borowna sie hat über sich ergehen lassen müssen. Im Wohnzimmer findet sie die Hausfrau, die inzwischen aufgestanden ist. Valeska Antrowna liegt stets bis zwölf Uhr im Bett und lagert sich während der kurzen Zwischenzeit bis zum Essen auf der Chaiselongue.. angeblich um ihrer zarten Gesundheit willen, von der soviel im Hause die Rede ist. Worin diese zarte Gesundheit sich zeigt, ist Dora freilich noch nicht klar geworden und sie findet auch späterhin keine Gelegenheit, es zu ergründen. Valeska Antrowna mustert das junge Mädchen mit entschieden mißliebigen Blicken.„Sagen Sie, liebes Kind,“ fragt sie,„haben Sie denn gar nichts besseres anzuziehen? Ich bemerkte Ihnen schon gestern, daß ich streng darauf halte, die Erzieherin meiner Kinder gut gekieidet zu sehen.“ Das Kleid, welches Dora trägt, ist das letzte Weihnachtsgeschenk der Förstersfamilie und einfach genug, aber trotzdem gehört es zu ihrem besten. Sie hat es auch nur angezogen mit Rücksicht auf die gestrigen Ermahnungen ihrer Prinzipalin, und nun genügt es nicht einmal deren Ansprüchen. Was soll daraus nur werden? „Gnädige Frau verzeihen,“ spricht sie leise,„aber ich besitze nur sehr einfache Sachen und es fehlt mir an Geld, mir bessere zu kaufen.“ „So, so!“ Die Dame blickt nachdenkend vor sich hin. „Nun, dann will ich Ihnen etwas sagen, ich habe ganze Kasten voll Stoffe, von denen werde ich Ihnen ein paar geben und Tatiana,“ Frau Niegowos Kammerfrau, „mag Ihnen Kleider daraus zuschneiden, die Stanislawa auf der Maschine zusammennähen kann. Tatiana versteht ein wenig von Schneiderei.“ „Ach, schneidern kann ich selbst,“ meint Dora schnell, „das mußten wir im Waisenhause gründlich erlernen.“ „Um so besser. Dann können Sie die Kleider mit Stanislawas Hilfe allein anfertigen. Tatiana hat ohnehin wenig überflüssige Zeit.“ Da die Herren noch nicht zum Essen erschienen sind, begibt Frau Niegowo sich sogleich mit Dora in eine Kammer, in der eine Anzahl mächtige Truhen stehen, um die Stoffe auszuwählen. Dora gehen die Augen über beim Anblick der Pracht, welche sich in den Truhen findet. Da gibt es chinesische Seide in allen erdenklichen Farben und Mustern, weiche, weiße und rote Wolle, feine Baumwollengewebe, Spitzen und Besätze in Menge. Frau Valeska erweist sich von einer, wie das bescheiden gewöhnte junge Mädchen meint, geradezu fürstlichen Freigebigkeit. Ein hellblauer, ein ungebleichter und ein zartgrüner Seidenstoff, dazu buntgeblümte Seidenreste mit mehreren Blusen und ein ausrangierter, aber noch tadelloser weißer Kaschmirmorgenrock, sowie mehrere Stücke gestickter russischer Borten sieht sie vor sich aufgehäuft, aber Valeska Antrowna scheint es immer noch nicht genug zu sein, sie wählt und wählt unter den kostbaren Vorräten und fügt noch mehrere dunkle Wollstoffe dazu. „Nun sorgen Sie aber auch, daß die Kleider nicht wieder so simpel gemacht sind, wie das, was Sie da tragen,“ ermahnt die Damne das Mädchen.„Wenn wir ausfahren und Besuch bekommen, können die Leute Sie ja sonst gar nicht für ein Fräulein halten und wir müßten uns schämen, weil alle denken würden, wir besolden Sie so schlecht, daß Sie sich nicht einmal anständig zu kleiden vermögen.“ Doras Freude über die erhaltenen Geschenke ist greuzenlos. Sie besitzt keineswegs einen puritanischen Geschmack und hat im stillen oft über den Zwang geseufzt, demzufolge sie sich im Waisenhause, wie auch später in der Försterfamilie ihre Garderobe nach so nonnenhaften Zuschnitt anfertigen mußte. O, Frau Niegowo braucht nicht zu fürchten, daß sie diese herrlichen Stoffe zu allzu „simplen“ Kleidern verarbeiten wird. In ihrer überquellenden Dankbarkeit überhört sie die wenig zartfühlenden Reden, mit denen die Dame ihre Geschenke begleitet, und küßt der gütigen Geberin beide Hände. „Heute abend will ich gleich anfangen, die Kleider zuzuschneiden,“ versichert sie mitstrahlenden Augen.„Ich werde meine Pflichten auch ganz gewiß nicht verabsäumen wegen der Arbeit und nur nähen, nachdem die Kinder schlafen gegangen sind.“ „Warum?“ fragt Frau Valeska phlegmatisch.„Die Nacht ist zum Schlafen, nähen können Sie am Tage soviel wie Sie wollen. Sie werden es doch bald satt bekommen, die Kinder fortwährend um sich zu haben. Das kann ja auch kein Mensch aushalten.“ 176.18 Stunde länger, und Teine Weide wird ganz über chwemmt sein.“„Oh!“ sagte das Mammut,„nun ab' ich Dich aber! Das ist eine kühle und wohliberlente rohifale Lüge“— Und so ersort das iberlegte radikale Lüge.“— Und so ersorf das Rammut, und darum gibt es heute keine Mammuts nehr. Ter Büffel und das Kamel zingen in die Arche, und als diese ehen oben auf dem Ararat testsaß sagten sie:„Das ist eine nette Art von Seefahrerei, nun haben sie dlas Schiff auf den Gruno perannt! Na, das nächste Mal fahren wir mit einm nderen Kapitän,“ und das war der ganze Tank. den Noah von den beiden empfing. Freienwalde, 29. Jan. Hier wurde ein Handwerksbursche verhaftet, der große Aehnlichkeit mit dem Raubmörder Sternickel hat und unter dem Verdacht, Sternickel zu sein, schon mehrfach festgenommen, aber immer wieder freigelassen wurde. Er konnte sich als ein gewisser Hartmann ausweisen. Sonneberg i. Thür., 28. Jan. Der Umbau der Feste Koburg, der von Bodo Ebhardt ausgeführt wird, kostet 9 Millionen Mark. Eine Lotterie soll die Baukosten aufbringen. Die Erregung der Koburger Bevölkerung gegen die Burgverschandelung soll eine sehr große sein. Halberstadt. 28. Jan. Hier uvergoß sich in einem Anfall geistiger Umnachtung die Frau eines Schriftsetzers mit Petroleum und zündete sich dann an. Die Frau erlitt lebensgefährliche Brandwunden. Graz, 28. Jan. Der 40jährige Grundbesitzer Brdanow in Oberstmon spaltete in einem Anfall von Wahnsinn seinem zweijährigen Töchterchen und dreiährigen Söhnchen mit einem Hammer den Kopf und streckte seine herbeieilende Schwester nieder. Erst nach längerem Kampfe geJang es. den Wahnsinnigen zu überwältigen. London, 29. Jan. Im Osten Londons entstand im dritten Stockwerk eines Hauses in einer Wohnung Feuer, in der sich fünf Kinder von acht Monaten bis zwölf Jahren allein befanden. Die Feuerwehr fand die Kinder in Flammen stehend und furchtbar verletzt vor. Drei starben auf dem Transport zum Krankenhaus, die anderen beiden bald nach ihrer Ankunft. Handel und Verkehr. Berlin, 28. Jan. Die Bagdadbahnbaugesellschaft hat mit dem Deutschen Stahlwerksverbande die Lieserung von Schienen und Eisenschwellen für die schon im Bau befindliche Teilstrecke von 840 Kilometer Länge abgeschlossen. Der Auftrag beläuft sich auf eine Summe von rund 15 Millionen Mark. Hamburg, 28. Jan. Der Aussichtsrat der Vereinsbank in Hamburg beantragt die Dividende für die 30 Millionen Mark alter Aktien bis 9 Prozent im Vorjahr 9einhalb Prozent und für die 6 Millionen Mark neuer Aktien mit 4einhalb Prozent. Frankfurt a. M., 28. Jan Die umlausenden Gerüchte über angebliche Meinungsverschiedenheiten, die sich in Kreisen der Zinkindustrie bemerkbar machen und gefährdete deutsche Botschafter=Valais in Paris. Die Hochwassergefahr in Paris scheint jetzt am Hözepunkte gelangt zu sein. Die Seine ist um 9 Meter hoch gestiegen und hat alles von dem Wasser Erreichbare überschwemmt. Auch das Palais der deutschen Botschaft, das sich in unmittelbarer Nähe des Flusses befindet, ist jetzt durch das eindringende Wasser bedroht, sodaß der deutsche Botschafter Fürst Radolin mit Familie nach dem Hotel Campelle übersiedeln murte. Die Fortführung der Botschaftsgeschuft: kann nur unter den größten Schwierigkeiten aufrecht erhalten werden. Das Wasser kam vom Quai d’Orsay, drang in den Botschaftsgarten, der vollständig überschwemmt wurde, sodaß jetzt das ganze Palais vom Wasser eingeschlossen ist. Der Verkehr wird mit Kähnen aufrecht erhalten. Die Geburtstagsseier des Kaisers fand bei Kerzenbeleuchtung statt, es war nicht mehr möglich, sie abzusagen. den Bestand des Syndikats angeblich gefährden sollen, erklärt sich vielleicht, wie die Frankst. Ztg. aus Fachkreisen hört, aus dem Wunsche Einzelner, sich allerdings in der Minderheit befindlichen Werke, anläßlich der in den nächsten Monaten beginnendem Verhandgen wegen einer mehrjährigen Ernzuerung des mit Ende dieses Jahres ablaufenden Verbandes höhere Beteiligungsquoten durchzusetzen. Frankfurter Abendbörse. Humoristisches. Aus der„Berl. Illustr. Ztg.“ In einer engbesetzten Elektrischen sitzt der fünfjährige Kurt auf den Knien seines Vaters. Eine junge Tame sieht sich nach einem Platz um, da ruft der galante Kurt:„Papa, ich kann ja auch stehen, laß doch die Tame auf meinem Platz sitzen!“ *** Frau:„Es ist ja schrecklich mit Dir! Die ganze Nacht hast Du aus dem Schlafe gesprochen.“— Mann:„Ja weißt Du, wenn ich nicht in der Nacht spreche— bei Tage läßt Du mich doch nie zu Worte kommen.“ *** Scherzfrage. In welcher Tonart sind die Table d’hote=Glocken der Gasthöfe gestimmt?— Antwort: in Eß=Dur. *** „Na, hat's Euch denn geschmeckt, Leute, was Ihr Euch gekocht habt?“—„Zu Befehl, Herr General!“ „Wart Ihr denn auch mit den Rationen zufrieden? letzte Angebot der Winter-Saison! Wir verkaufen: 75 Englische Stoff-Paletots." zu Mk. 5.50 38 Englische Stoff-Paletots„" zu Mk. 7.75 46 Englische Stoff-Paletots.. zu Mk. 9.50 66 Englische Stoff-Paletots.. zu Mk. 12.25 27 Schwarze Tuch-Paletots" zu Mk. 10.00 36 Schwarze Tuch-Paletots." zu Mk. 15.00 44 Schwarze Tuch-Paletots" zu Mk. 25.00 69 Woll-Blousen..... zu Mk. 4.50 65 Woll- und Tüll-Blousen„" zu Mk. 7.50 35 Seiden-Blousen..... zu Mk. 12.50 16 Jaquett-Costume..." zu Mk. 15.00 16 Elegante Abendmäntel"" zu Mk. 25.00 24 Elegante Abendmäntel." zu Mk. 35.00 16 Modell-Abendmäntel... zu Mk. 45.00 37 Winter-Kindermäntel... zu Mk. 6.00 26 Samt-Kindermäntel..„ zu Mk. 9.00 9 Samt-Jacquettes..„" zu Mk. 16.00 7 Samt-Jaquettes" zu Mk. 25.00 15 Samt-Jaquettes„.„" zu Mk. 36.00 26 Samt-Jaquettes...." zu Mk. 57.00 25 Costümröcke...." zu Mk. 7.50 36 Costümröcke...." zu Mk. 10.75 10 garnierte Taillenkleider„" zu Mk. 25.00 19 Jaquettes-Costumes.." zu Mk. 24.00 Wert dieser Sachen teils das dreifache und vierfache. Dortmund 41 Westenhellweg 41 — Ecke Weberstrasse.— Oder hat einer ein großes Stück Fleisch gekriegt, un einer ein kleines?“—„Ein großes hat gar keinegekriegt, Herr General!“ *"* Strolch:„Brauchen Sie vielleicht ein Modell2— Maler:„Ich könnte wohl eins brauchen, haben###. schon mal gesessen?“—„Ja, aber nur einmal wegen Hausfriedensbruch.“ Aus dem„Ulk“. Bonner Korpsgebet. O Herr! Hilf uns in unsrer Not! Wir haben noch nie gebeten— Denn unser Rektor, dieser Schlot, Hat uns auf die Zeh'n getreten Hilf schnell! Er wütet fürchterlich! Wir wollen es dir auch lohnen! Wenn du was brauchst, dann melde dich, Wir haben Konnerionen. *** Die alte Sau! Ein schweinisches, aber rührendes Gedicht. Jüngst war'n in einem Schweinestall Versammelt alle Ferkel, Veranlassung: ein Trauerfall; Das Vaterschwein hielt Cercle. Voll Rührung sprach der Eber:„Schaut, Dort liegt die teure Mutter; Sie hat im Leben nichts versaut Und grunzte nie ums Futter. Sie fraß die Futtergerste'rein, Die eosingefärbte, Dann legte sich das alte Schwein Befriedigt hin und sterbte. Es starb vor Glück die brave Frau, Weil sie der Ruhm besonnte, Daß sie als ausgewachl'ne Sau Doch nie erröten konnte!" Rob. Steidl. Briefkasten. K. F. Nur der Buchmacher, nicht aber auch der Wettende wird bestraft. Alma P. Sie können von dem Dienstmädchen einen Monatslohn als Strafe verlangen, wenn dies vor der Zeit den Dienst verlassen hat. Maria Br. Oelgemälde reinigt man auf folgende Weise: ein achtel Liter Branntwein, ein Eilveiß und drei Gramm pulverisierten Kandiszucker rührt und quirlt man gut durcheinander und bestreicht mittels eines feinen Schwammes mit dieser Flüssigkeit das Gemälde, das vorher mittels eines andern Schwammes mit krischem Wasser gereinigt worden ist. Dieses Verfahren kann ohne Nachteil für die Bilder oftmals angewendet werden: es verhindert das Abspringen der Farbe. Im Thalia=Theater, Brückstraße, wird, wie immer ein mit Fleiß und Geschick sorgfältig zusammengestelltes Programm geboten. Erwähnt seien daraus das Drama„Der Kinderarzt“, das Tonbild„Mädel klein“, das Humoristische„Prinz Liliput auf Freiersfüßen“;, eine weitere Reihe der verschiedenartigsten Bilder wird die Besucher aufs Beste unterhalten.(Annett Kellermann, die schwimmende Venus, Sommernachtstraum, der Furchtsame, Pieske treibt Ahnenkultur usw.] Im„Blücher“, Münsterstraße 77 findet morgen Sonntag, nachmittags viereinhalb Uhr ein großes karnevalist,sch=humoristisches Konzert mit Gesang und humoristischen Vorträgen statt. Küche und Keller werden dabei das Beste vom Besten bieten. Der Kinematograph im Zentral=Automaten am Steinplatz bringt wiederum erstklassige Neuheiten. Da ist das Drama„Der gute Chef“, von Morlhorn, die Humoreske„Der kostbare Schuh des Landstreichers und wie die vortrefflichen Bilder alle heißen mögen, die vor dem Auge des Beschauers vorüberziehen. Der Besuch ist sehr zu empfehlen. Im Olympia=Theater ist heute Sonnabend große Gala=Premiere und gelangt zum 1. Male die vom Johann Strauß=Theater in Wien mit beispiellosem Erfolge ausgeführte Operette„Das Fürstenkind“ zur Aufführung. Dieser neueste und größte Operetten=Schlager von Franz Lehar hat bereits in Wien über 100 Aufführungen erlebt. Morgen Sonntag sind wie üblich 2 große Vorstellungen und zwar nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr gelangt in beiden Vorstellungen F. Lehars größter Operettenschlager„Das Fürstenkind" zur Aufführung. Montag, 31. Jan. große Abschiedsvorstellung des Wiener Operetten=Ensemble zum letzten Male„Das Fürstenkind". Donnerstag, 1. Februar: Großer internationaler Wettstreit der größten Sensationen aller Weltteile. Dortmund, Ostenhellseg 41. Credi Mäbel Kleider-, Spiegel-, Bücher- u. Küchenschränke, Schreib-, Zug- u. Salontische, Vertikovs Büfetts, Sofas, Divans, Chaiselongues, Trumeaux, Uhren, Teppiche, Spiegel Anzahlun- v. 3 Mk. an. Herrea-Buzüge, Paletste DamenKostüme, Jacketts, Röcke Blusen, Pelzkragen Anzahlung von 3 Mk. an. erhält jeder Kunde, welcher diese Annonce mitbringt, sofort von der Anzahlung vergütet. Bitte die Annonce erst nach Kauf vorzuzeigen. .* zelnd fuhr er in seinem Selbstgespräch fort:„Das muß mir doch der Neid lassen, daß ich noch ein sehr ansehnlicher, ein interessanter, ja ein schöner Mann bin, dessen Liebenswürdigkeit dies unverwöhnte Naturkind ganz unmöglich widerstehen kann. Nur die Zeit abwarten, nur nicht voreilig handelm! Sie ist eine Perle, um die sich's lohnt, Geduld anzuwenden. Mein muß sie werden!“ Ja, er war im innersten Herzen getroffen worden, der eingefleischte Junggeselle, der Weiberverächter, wie er sich selbst und wie alle Welt ihn nannte. Dem unbeabsichtigten Zauber dieses reinen Wesens, ihrer berückenden, ihr selbst unbekannten Schönheit, ihrer ungekünstelten Anmut, ihrer sich immer herrlicher entfaltenden Stimme konnte er nicht widerstehen. Erst ein Jahr war sie seine Schülerin, aber tausendmal war er im Begriff gewesen, sich ihr zu Füßen zu werfen, ihr seine rasende Leidenschaft zu gestehen, und nur die keusche Zurückhaltung, die schlichte Würde dieses echten Weibes hatte ihn davor bewahrt. Er war sich doch nicht sicher, ob sie bereits„Feuer gefangen“ habe, und ob er nicht Gefahr lause, sich vor ihr lächerlich zu machen. Und die Lächerlichkeit fürchtete er vor allem. So ließ er sich fernerhin von der Vernunft leiten und schob das Geständnis seiner Liebe auf eine günstige Gelegenheit hinaus, die sich ihm früher oder später doch einmal bieten müsse.(Schluß folgt.) Ein improvisier er Kinderarzt. Von Klara Düsterhoff. (Schluß.) „Was soll ich da sagen, Vater? Ich war ein Blödsinniger, damit ist alles gesagt. Das einzige Mittel, mich aus der ganzen Patsche zu ziehen, ist, daß ich sogleich abreise. Tann braucht kein Mensch etwas davon zu erfahren— vor allen Dingen nicht Fräulein von Schmidt.“ Der Arzt heftete einen schnellen Blick ausdämmernden Verses auf seinen Sohn. Bedächtig sagte er dann:„Ich kann dir bu nicht widersprechen. Reise sobald wie möglich und komme nicht eher wieder, als bis diese Leute abgereist sind.“ So wurde denn entschieden, daß Oskar nach dem Mittagessen den Ort verlassen sollte. Er rührte sich auch nicht eher aus dem Hause, als bis der Wagen vor der Tür stand, der ihn und sein Gepäck nach dem Bahnhof bringen sollte. Nach einem etwas gedrückten Abschied fuhr er davon. Er war noch nicht weitgekommen, als er Fräulein dd. Schmidt in gleicher Richtung mit ihm die Straße entlang gegen sah. Nun, Oskar Bendel war ein Mann von raschen Entschlüssen. In einem Augenblick war er aus dem Wagen gesprungen, rief dem Kutscher zu:„Fahren Sie nach dem Bahnhof und warten Sie auf mich!" und schritt auf den Gegenstand seiner Anbetung los. Sein plötzliches Abspringen von dem fahrenden Wagen hatte des Fräuleins Aufmerksamkeit erregt, ehe es ihn selbst erkannte. Als die junge Tame ihn auf sich zukommen sah, blieb sie erwartungsvoll stehen. „Ich bin im Begriff, abzureisen,“ redete er sie an,„und da ich das Vergnügen habe, Sie hier noch einmal zu sehen, wollte ich doch die Gelegenheit nicht vorbeigehen lassen, Ihnen Lebewohl zu sagen.“ Oskar Bendel war nun von Anbeginn ein Gegenstand des Interesses für die junge Dame gewesen.„Ein ungewöhnlich interessanter Mann,“ hatte schon auf jener Strandpromenade ihre Schwester von ihm gesagt und als sie ihn infolge dieser Worte mit den Blicken suchte, hatte sie seinen Blick auf sich ruhend gefunden, aber so ehrfurchtsvoll bewundernd, wie eine Königin von ihren Hofleuten angesehen wird. Als sie ihn, hinter der Gardine sitzend, so auffällig häufig an ihrem Hause hatte vorbeigehen sehen, war ihr sein„interessantes" Bild dadurch noch vertrauter geworden. Am Krankenbett ihrer angebeteten Nichte hatte sie ihn außerordentlich„apart“ gefunden, aber darum nicht weniger interessant. Und als er beim Zusammentreffen vor ihrer Haustür seinen Vater so ohne Umstände untergefaßt und weggeführt hatte, da war ihr das auch sehr„temperamentvoll“ und„interessant“ erschienen. Kurz, seine Ankündigung, daß er abreise, erregte ein Bedauern in ihr, das sich in Blick und Ton ausprägte, als sie ihm antwortete: „O, gerade jetzt!? Uebrigens bin ich auch auf dem Wege nach dem Bahnhofe.“ O!“ „Meine Schwester kommt erst spät am Abend. Auch ist ja ihr Baby fast ganz wieder hergestellt. Jetzt will ich aber meinen Bruder abholen.“ „So? Nun, Sie werden ja recht froh sein, Ihre Frau Schwester nach all der Angst wieder hier zu haben,“ meinte er, ihrer Begleitung froh. „Gott sei Tank, ja!“ „Was Sie sagen. Nun wird er aber doch dafür auch lange hier bleiben?“ „Er ist lange von Europa fort gewesen.“ „Sind Sie selbst schon viel gereist?“ fragte er, um sie zum Reden anzuregen, weil ihm der Klang ihrer weichen Stimme soviel Vergnügen machte. „Ich? O, ja! Ich kenne sogar Indien ziemlich genau. Ich bin auf Ceylon geboren, mein Bruder auch. Wenn mich nicht alles täuscht, kennen Sie Leopold auch.“ „Leopold? Hergott, sind Sie die Schwester von Leopold von Schmidt?“ „Die bin ich. Und Sie sind Leopolds Schulfreund, von dem er uns immer soviel Gutes erzählt hat. Ich habe Sie schon nach einer Photographie in seinem Album halb und halb erkannt. Als ich aber erfuhr, Sie seien Arzt, glaubte ich, Sie seien nur ein Verwandter von dem Oskar Bendel, den mein Bruder so liebte, weil er uns doch schrieb, der habe Jura studiert.“ Die Eigenschaft, kurze, schnelle Entschlüsse zu fassen, legte dem jungen Manne ein Geständnis in den Mund, an welches er vorher nicht gedacht hatte. Sie waren auf dem Bahnhof angelangt, der außer ihnen keine Fremden aufwies. „Iräulein von Schmidt,“ sägte Oskar sehr ernst,„ich bin's nicht wert, daß Sie so freundlich zu mir reden, denn ich habe Sie betrogen. Ich bin der nicht, für den ich mich ausgab. Ich bin tatsächlich Student der Rechte und kein Arzt. Ich hasse und verachte mich selbst darum; allein damit kann ich es nicht ungesehen machen. Ich reise eben jetzt fort, weil ich meine Schande nicht ertragen kann; aber es freut mich doch daß ich Ihnen erst habe mein Herz ausschütten können.“ „Müssen Sie denn gehen?“ fragte sie leise mit gesenkten Blicken.„Leopold wird so traurig sein, Sie verfehlt zu haben!“ „Ich würde auch meinen alten Leopold gern wiedersehen,“ sagte er bedauernd. „Tann bleiben Sie doch! Es weiß ja niemand von der Geschichte," stellte sie ihm vor. „Wenn Sie mir dazu raten, bleibe ich.“ sagte er schüchtern und doch tief entzückt.„Wollen Sie mich denn aber nicht ein wenig ausschelten?“ „Könnten wir das nicht noch etwas aufschieben?“ fragte sie neckisch.„Sehen Sie, da fährt gerade der Zug ein!“ Im nächsten Augenblick sprang Leopold auf den Bahnsteig, sonnengebräunt wie eine geröstete Kaffeebohne. „Tu hier, Oskar? Und meine liebste Anna? Wie geht es Euch denn allen? Wo ist Cäcilie und wo ihr ehrenwerter Herr Gemahl? Und vor allen Dingen wo ist das Baby?“ Annas Lippen träuselten sich zu einem leisen Lachen, indem sie mit einem schelmischen Seitenblick auf Oskar berichtete: „Baby ist krank und befindet sich in ärztlicher Behandlung. Es geht ihm aber schon wieder besser.“ Tann erst beantwortete sie seine übrigen Fragen. Die beiden Männer horchten wie bezaubert auf ihr kindlich munteres Plaudern. Ein Gepäckträger, der Leopolds Koffer heranrollte, brach den Zauber mit seinem rauhen:„Troschte gefällig?“ „Gönne mir die Freude, dich und dein Schwesterchen nach Hause zu fahren,“ bat Oskar und alle begaben sich nach seinem Wagen. „Nanu? Auch eben angereist gekommen?" erkundigte sich Leopold, indem er auf Oskars Gepäck wies. „Ich war eben im Begriff, abzureisen.“ „Tann laß doch den Kremp.l gleich auf dem Bahnhofe.“ „Ich brauche nun nicht mehr zu reisen.“ „Was soll ich mir dabei denken?" fragte Leopold nach diesen rätselhaften Worten. Als er jedoch Anna erröten und sich abwenden, Oskar verlegen an seinem Gepäck schieben sah, machte er ein mächtig verschmitztes Gesicht und glaubte, alles zu verstehen, obgleich er doch mit seiner dreisten Annahme noch weiter nichts wie ein Prophet war. Es dauerte aber nicht lange, da wußte er aus Oskars eigenem Munde den ganzen Zusammenhang der Dinge und dies offene Bekenntnis knüpfte den Freundschaftsbund zwischen den jungen Männern nur noch fester. Und nach gar nicht langer Zeit umschlang ein noch schöneres und innigeres Band den„improvisierten Kinderarzt“ und seine „zarte blaue Wunderblume“, Anna von Schmidt. 44 90 "—— 85 Sö S 8 33 85 95 55 95 — 2: —= B 8 Blätter für Unterhaltung und Belehrung Nach langen Kämpsen Den Erinerungen eines Detektios nacherzählt von H. Röckwood. Gertrud erkannte die Mängel ihres Vaters mit dem schmerzlichen Gefüh. der Enttäuschung. Noch vor wenigen Wochen wäre sie bereit gewesen, ihren Vater für einen der edelsten und hingebendsten Männer der Welt zu erklären. Seine Lebensgewohnheiten waren tadellos, und seine Ehrenhaftigkeit als Mensch und Advokat wurde von allen auerkannt, mit denen er in Beziehungen stand. Er liebte seine schöne Tochter in ruhiger, würdiger Wei:, obgleich er dies nicht absichtlich zeigte. Hiernach hatte sich Gertrud ihre Meinung über den Charakter und die Tugenden ihres Vaters gebildet. Teshalb war die Enthüllung seiner Jugendtorheiten eine starke Enttäuschung für sie, obgleich sie die daraus entstehenden Sorgen und Gefahren bedauerte und gern bereit war, seine Sorgen zu teilen. Jetzt aber ging eine Veränderung in ihren Gefühlen vor infolge der Se#bstsucht, in der ihr Väter das größte Opfer, das ein Mädchen bringen kann, von ihr verlangte. Nicht nur sollte sie ihre teuersten Hoffnungen aufgeben, sondern auch ein Schicksal, ein lebenslanges Elend auf sich nehmen. Mehrere Minuten lung ging Brandon im Zimmer auf und ab. Gertrud stand bei der Türe. Ihre Züge drückten tiefe Angst und Seelenqual aus, aber ihre Lippen waren festgeschlossen und ihre Niene zeigte, daß sie einen festen Entschluß gefaßt hatte. „Vater, hast Du Gresham gesprochen?“ fragte sie. „Ja, ich habe ihn gesprochen,“ erwiderte er. „Konnte er Dir nich hel#en?“ „Ich glaube doch, dar er es könnte.“ „Also wollte er es nicht.“ „Nein.“ „Glaubst Tu, daß er die Aussage Munros bekämpfen würde, im Falle es zu einer Gerichtsverhandlung kommt?“ „Ich fürchte, daß——— „Ist sonst niemand cazu imstande?“ „Keine Seele. Wenn ich nicht etwa jemand mit Geldopfern veranlassen kann, mit falschem Zeugnis meinem Eide beizutreten“ „Zu einem so unehrenhaften, verbrecherischen Mittel, wie dieses, wirst Du nicht greifen.“ „Ich würde zu allem greifen, wenn ich mich dadurch retten kann.“ „Oh, Vater!“ „Meine Verzweiflung, erschreckt Tich, aber noch anderer Schrecken und noch Schlimmeres, als die Aufstellung eines falschen zeugen werden Dir in nächster Zeit bevorstehen.“ „Was willst Du damit sagen?“ „Taß ich mich dem orohenden Schimpf niemals unterwerfen werde.“ „Du wirst doch nicht Dein eigenes———“ Er ließ seine Hano schwer auf den Arm seiner Tochter fallen und unterbrach sie mit heiserer Stimme: „Ja, ich werde mir das Leben nehmen, wenn es bis zum Aueßersten kommt.“ Ohne eine Antwort darauf abzuwarten, öffnete er die Türe und verließ rasch das Haus. XXI Am Morgen nach dieser Unterredung mit ihrem Vater fühlte sich Gertrud noch mehr erregt und von Furcht gedrückt, alls je zuvor. Eine Tatsache war ihr schon kiar geworden, es war keine Aussicht und keine Hoffnung mehr vorhanden, daß ihr Vater aus dieser schrecklichen Schwierigkeit sich befreien könne. Sie war überzeugt, daß Munro keine Schonung kennen werde. Er war ein gewissenloser Mensch, der nicht zögern würde, wenn er seine Absicht nicht erreichte, seine Macht bis zum Aeußersten anzuwenden, um sich zu rächen. Gertrud schrak zurück vor dem Gedanken an das, was kommen werde, und litt noch mehr unter der gezwungenen Trennung von Howard. „Wenn er nur alles wüßte, und mich nicht tadeln würde, würde ich das übrige alles ertragen.“ Mehrmals war sie entschlossen, ihm zu schreiben, er solle zu ihr kommen. Sie sagte sich, daß sie selbst die Schuld an seinem Mißtrauen trage, weil sie seinen Versuch, ihr Hilfe und Trost zu bringen, nicht so bereitwillig ausgenommen, wie sie wollte. Er hatte Grund, ihr Vertrauen zu bezweifeln, nachdem sie sich geweigert hatte, ihn zu sprechen, ohne ihm ein Wort der Aufklärung dafür zu geben. Alles das und noch mehr ging durch ihren Sinn, doch konnte sie nicht zu einem Entschlusse kommen, was sie tun sollte. Während sie noch mit Zweifeln kämpfte, vernahm sie ein Klopsen an Frau OBriens Türe. Die junge Frau öffnete und ließ einen Mann in ihr einfaches kleines Wohnzimmer ein. „Hier ist ein Herr, der Sie sprechen will, Fräulein Gertrud“, sagte sie. Als Gertrud den Fremden erblickte, wich sie erbleichend zurück. Alle ihre Befürchtungen erfüllten sich, Jerome Munro hatte ihren Aufenthalt entdeckt und war gekommen, um sie aufs neu zu verfolgen. Ohne seinen Gruß zu erwidern, wandte sie sich an Frau O'Brien, welche eben das Zimmer verlassen wollte.“ „Dieser Herr ist kein Freund von mir, und ich e le * 2 P —•" 0 0** SS — z-ousbesans K 2•——"— Sonns Si 5—•0i — 9 „."- SnE SSLOSESSES 1—.— — —— S—„„ PTBEBneup S#5#3 — 8 79 — ——— Sle See 18.2 wünsche nicht; ihn zu sprechen. Bitte, führen Sie ihn hinaus.“ Die Frau fuhr erstaunt zusammen, unfähig, dieses Gebot ihrer früheren Herrin zu begreifen. „Es kann kann nicht sein, daß Sie beabsichtigen, jenem Herrn die Türe zu weisen,“ rief sie. „Nein, das ist nicht ihre Absicht, Madame, das kann ich Ihnen versichern'. Ich werde Ihnen sehr verbunden sein, wenn Sie uns allein lassen,“ sagte Munro ehe Gertrud anworten konnte. Frau O'Brien zögerte, denn sie las zornige Entrüstung auf Gertruds Miene und begann einzusehen, daß Sie einen Irrtum begangen hatte, als sie einen Herrn einließ, ohne Gertrud zuvor zu fragen. Ehe Gertrud ihren Auftrag wiederholen konnte, näherte ihr sich ihr Feind und sagte in leisem Tone: „Was ich Ihnen zu sagen habe ist von größter Wichtigkeit, und es wird besser für Sie sein, wenn Sie mich anhören.“ Nach kurzer Ueberlegung entschloß sich Gertrud dazu. Vielleicht konnte sie ihn dazu bringen, seine bösen Absichten aufzugeben. Jedenfalls mußte sie verversuchen, denn das war alles, was sie tun konnte, um ihren unglücklichen Vater zu helfen. „Ich werde Sie anhören,“ erklärte sie, indem sie sich ruhig an ein Fenster setzte und Frau O'Bcien ein Zeichen gab, sie allein zu lassen. „Ich bin gekommen, um Ihnen mitzuteilen, daß ich Ihren Herrn Vater gesprochen habe, und neue Bedingungen mit ihm vereinbarte," begann der Schurke, indem er Gertruds Miene scharf beobachtete. „Das weiß ich,“ erwiderte sie ruhig. „Ah, Sie haben ih. also gesprochen?“ „Ja.“ „Wann war er zu Ihnen gekommen?“ „Gestern abend.“ „Hat er Ihnen Mitteilung gemacht von dem veränderten Termin, den ich ihm gestellt habe?“ „a““ „Hat er Ihnen vor vier Tagen gesagt, daß er glaubt, bereit zu sein, seine Verteidigung erfolgreich zu führen?“ „Nein.“ „Was hat er Ihnen gesagt?“ „Er habe keine Mittel zum Widerstand gegen Sie“ „Tann erwartet er allo die Strafe für seine Jugendtorheit und seine Verbrechen, die er in der Vergangenheit begraben glaubte.“ „o“ „Sie wissen so gut, wie er, worin diese Strafe bestehen wird?“ „Ich glaube so.“ „Natürlich werden Sie das alles nicht zulassen.“ „Ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, um meinen Vater zu beschützen.“ „Gut, so haben Sie sich also endlich entschlossen, der Vernunft Gehör zu geben. Es könnte Sie wohl ein schlimmeres Schicksal treffen, als das, die Frau von Jerome Munro zu werden. Ich bin beträchtlich älter als Sie, das ist wahr, aber ein solcher Altersunterschied kommt häufig vor.“ „Ich glaube, Sie haben meine Antwort mißverstanden, Herr Munro,“ unterbrach ihn Gertrud. „Mißverstanden?“ wiederholte er. „Ja, mein Herr.“ „Nun, was meinen Sie damit?“ „Ich sagte, ich werde meinem Vater helfen, soweit ich dazu imstande bin, aber ich sagte nicht, daß ich Ihre Bedingungen annehmen werde.“ „Ich verstehe Sie nicht.“ „Ich werde deutlicher sprechen. Mein Tasein mit dem Ihrigen zu verketten durch das Possenspiel einer Heirat ist unmöglich, daran ist nicht zu denken. Es ist nutzlos, wenn Sie darauf bestehen wollen, denn das kann niemals sein.“ Munro hatte sich niedergesetzt; sobald Frau O'Brien das Zimmer verlassen hatte, jetzt aber sprang er auf mit einem halbausgesprochenen Fluch. Die Antwort Gertruds war zu deutlich, um mißverstanden zu werden und der Ton, in dem sie gesprochen hatte, war sehr entschlossen. „Sie wollen also die Bedingungen, die ich gestellt hatte, nicht annehmen?“ fragte er. „Entschieden nicht.“ „Tann sind Sie alss bereit, die schreckliche Strafe anzusehen, die Ihren Vater treffen wird?“ „O nein, ich bin bereit, Sie um Gnade für ihn zu bitten.“ „Und Sic glauben, daß ich Ihren Bitten Gehör schenken werde?“ „Warum nicht? Was kann die Schande meines Vaters Ihnen nützen?“ „Das wird meine Rache sein für den Bruch seines Versprechens, zu dem Sie ihm nötig sind.“ Gertrud faltete die Hände. „Würde nicht der ganze Reichtum meines Vaters bis zum letzten Pfennig Sie besänftigen?“ fragte sie. „Nein, das glauben Sie selbst nicht.“ Gertrud schwieg, sie sah, daß Bitten nutzlos waren, dennoch war sie fest entschlossen, ihm nicht nachzugeben, ihr Innerstes widersetzte sich dem. „Nachdem Sie nunmehr meine Entschlossenheit auf die Probe gestellt haben, frage ich Sie, ob Sie noch immer auf Ihrem Entschluß beharren?“ fuhr er fort. „Ja, ich bin noch immer fest entschlossen.“ „Werden Sie auch nicht nachgeben, wenn ich Ihnen sage, daß Sie nur noch bis heute Abend Zeit haben, Ihren Entschluß zu ändern?“ „Nein, Sie mögen den Termin auf eine Stunde abkürzen, das macht keinen Unterschied.“ „Tann sind Sie eine herzlose Tochter.“ „Nennen Sie mich, wie Sie wollen. Sicherlich können Sie nicht wünschen, eine so grauenhaft herzlose Frau zu bekommen, wie ich es bin.“ Munro wandte sich auf den Absätzen um. Er war zornig und betrübt zugleich, um zu sprechen. „Wollen Sie jetzt gehen?“ fragte Gertrud, indem sic zugleich aufstand. „Ja, wenn Sie mir nichts mehr zu sagen haben.“ „Ich habe nichts mehr zu sagen.“ „Tann bereiten Sie sich vor auf die Folgen.“ „Wollen Sie mir sagen, was Sie zu tun beabsichtigen?“ „Wollen Sie das wissen?“ „Ich werde einen Polizeioffizier aufsuchen und mir einen Verhaftsbefehl auf den Namen des Aldermanns Brandon verschaffen.“ „aun?“ „Innerhalb drei Tagen.“ „Sehr gut!" Tun Sie, was Sie wollen?“ Die Türe öffnete sich und schloß sich, und Munro ging seiner Wege voll Zorn und Rachsucht. Gertrud sank schweigend und zitternd auf einen Stuhl nieder, sie war fest und mutig gewesen, so lange der Feind ihr gegenüberstand. Jetzt aber verließ sie alle Kraft, und wieder brach sie in Tränen aus. Es war ihr, als hätte sie das Schicksal ihres Vaters besiegelt, denn hatte er nicht erklärt, daß er sich eher das Leben nähme, als den Schimpf ertrage, der ihn bedrohe?:(Fortsetzung folgt.) 8 S a S 3 2 —□ ∆ ** K 9— 0* En SESOE —* B B1a—#•* S# 5 9 5— □ *——* □ e* E E— 0 E—— ERB SSSCLHSS"EDEEuESSSSEES K E3: ———" G*# Z** BgrasSEETSATSNE P EME —"——— S SP3ErME *— 6—. —— a 22 15 B— U E——.—„U F □ E— SETEREEESAE — S•• E 2 8 I K Die zukünftige Von Clara Düsterhoff. Ein elegant gekleideter perr schritt eilig durch eine ärmliche Straße der Hau t= und Residenzstadt N. Auf einmal hielt er in seinem hastigen Gange inne, blieb stehen, kehrte um und legte eine kurze Strecke langsam noch einmal zurück. Dann kehrte er wieder um, wiederholte das gleiche Manöver mehrmals und blieb endlich wie gebannt vor einem halbgeöffneten Kellerfenster stehen, aus dem ein äußerst wohllautender Gesang herauftönte. Es war ein Wiegenlied, das da gedämpft von einer weichen, glockenhelle Stimme gefungen wurde. Jetzt verstummte der Gesang: das Kind mochte eingeschlafen sein. Kurz entschlossen stieg der vornehme Herr die Kellertreppe hinab und trat in den Verkaufsraum eines Klempnergeschäfts. Es befand sich niemand darin und er musterte die ausgelegten Gegenstände, um etwas Kaufenswertes zu entdecken. Aus dem Nebenzimmer trat ein junges, schönes Wesen herein und fragte nach seinem Begehren. Mit einem verbindlichen Gruße sagte er lächelnd:„Lassen Sie mich nicht erst Komödie spielen, sagen Sie mir lieber gleich, ob Sie die Dame sind, die hier soeben ein Wiegenlied gesungen hat.“ „Ein Wiegenlied?“ erwiderte sie erstaunt, aber mit natürlichem Anstand.„Ja, ein Wiegenlied habe ich gesungen. Warum fragen Sie danach?“ „Wissen Sie auch, daß Sie eine ganz unvergleichliche Stimme haben?“ fragte er dagegen mit unverkennbar echtem Enthusiasmus. Sie errötete und dies feine, jungfräuliche Erröten hob ihre Schönheit unbeschreiblich.„Etwas Aehnliches hat mir mein Lehrer in der Schule schon gesagt," erklärte sie bescheiden. „Jedenfalls reicht sie aus, um mein Kind in Schlaf zu singen.“ „Ihr Kind? Sie sind bereits verheiratet?“ rief er im Tone lebhafter Enttäuschung. Denn nach einer Frau und Mutter sah sie in der Tat nicht aus. Sie lächelte, ein glückliches, liebliches Lächeln, das ihre schönen Züge wie mit Sonnenglanz übergoß.„Verheiratet und Mutter eines Prachtjungen,“ sagte sie leuchtenden Auges. Er schwieg und sah nachdenklich vor sich nieder.„Und wenn auch,“ sprach er dann entschlossen,„kann ich nicht Ihren Gatten sprechen?“ „Mein Mann ist leider krank und liegt im Bette,“ erwiderte sie plötzlich ernst werdend. „Ist er so krank, daß ich ihn nicht dennoch sprechen kann?“ drängte er. „Er hat Gelenkrheumatismus. Indessen will ich ihn selbst fragen.“ Damit verschwand sie im Nebenzimmer, kehrte aber gleich darauf zu dem Fremden zurück.„Mein Mann meint, er habe gerade keine Schmerzen, Sie möchten nur kommen.“ Tamit öffnete sie die Tür zum Wohnzimmer, das zwar ärmlich, aber tadellos sauber war. In einem blütenweißen Bett lag der rosige Säugling, in einem ebensolchen der kranke Mann.„Was wünschen Sie, mein Herr?“ fragte er. „Ich komme um Ihnen einen Vorschlag zu machen,“ sagte der Fremde.„Im Vorbeigehen habe ich den Gesang Ihrer jungen Frau gehört. Er hat mich wahrhaft bezaubert und ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß wenn sie ausgebildet würde, wir an ihr eine unübertreffliche Primadonna für unsere Oper hätten.“ Der bleiche, abgemagerte Mann lachte auf, die junge Frau stimmte herzlich belustigt in sein Lachen ein.„Das wäre mir etwas!“ rief er.„Sie treiben einen schlechten Scherz mit uns.“ „Nichts weniger als das,“ entgegnete der Besucher.„Ich bin Kapellmeister bei der Oper und habe also einen Anteil an der Sache. Ich versichere Ihnen, daß diese Dame eine Million in ihrer Kehle stecken hat, sie muß nur herausgeholt werden.“ „Dazu aber würde Geld gehören, viel Geld, und ich habe keins,“ gab der Mann gepreßtn Tones zurück.„Ich bin ein armer Handwerker und liege jetzt über ein Vierteljahr krank. Das hat uns natürlich wer weiß wie weit zurückgebracht. Außerdem könnte meine Frau weder im Geschäft, noch in der Wirtschaft und am allerwenigsten bei unserem kleinen Otto entbehrt werden.“ „O, wenn's weiter nichts ist!“ rief hoffnungsfreudig der Kapellmeister.„Ich habe nur nötig, es unserem gnädigen Herrn Großherzog zu sagen; der ist ein warmer Musikfreund und hat sich schon oft darüber beklagt, daß es uns an einer rechtschaffenen Primadonna mangelt. Kann ich ihm mitteilen, daß ich dafür eine Dame gefunden habe, wie man sie sich nicht vollkommener denken kann und daß es nur einiger Mittel aus seiner Schatulle 18.3 bedarf, um sie ausbilden za lassen, so ist er unbedenklich dazu bereit und in kurzer Zeit sind Sie alle Ihre Sorgen los.“ Der Kranke sah seine Frau an, deren wenig geschonte Hand über seine Stirn glitt. Ihre Wangen zeigten höheres Rot als gewöhnlich, sonst gab sie durch nichts zu erkennen, welchen Eindruck der Vorschlag des Fremden auf sie machte. „Schlagen Sie ein und Ihr Glück ist gemacht!" rief dieser.„Denken Sie, welch' eine andere Erziehung Sie Ihrem Kinde geben können, wenn Sie sich auf Ihren Vorteil verstehen.“ Diese Erwägung schien dem Manne einzuleuchten.„Was meinst du, Frau?“ erkundigt. er sich. „Ich glaube, daß der Herr es gut mit uns meint, und daß er nicht unrecht tat,“ antwortete sie schlicht.„Sollte mir der liebe Gott wirklich eine besondere Stimme verlichen haben, daß wir dadurch aus unserer jetzigen Bedrängnis herauskommen und den Lebensweg unseres Otto glätten könnten, so ist's ja nicht mehr als billig, daß wir uns dies Geschenk zunutze machen.“ „Also, du willigst ein?“ fragte er, noch immer schwankend. „Ich meine, wir sind es uns und unserem Kinde schuldig,“ war ihre Antwort „Ueberlegen Sie nur, wieviel schneller Sie gesund werden könnten, wenn Sie sich alle Pflege und die besten Aerzte leisten könnten!“ warf der Gast noch in die Bagschale. „Nun gut, dann tun Sie, was Sie dabei tun können,“ sagte matt der Kranke, und mit einem herzlichen Händedruck verabschiedete sich der Kapellmeister.„Welche Freude das für unsern Herrn sein wird!“ sagte er noch. *** Der Großherzog, ein äußerst kunstsinniger Herr, war über die Aussicht, unter seinen eigenen Untertanen eine neue, außerordentlich begabte Primadonno für sein Lieblingskind, die Oper, zu gewinnen, so entzückt, daß er sich noch freigebiger bewies, als sonst in solchen Fällen. Der Klempner erhielt aus großherzoglichen Mitteln monatlich zweihundert Mark ausgezahlt, und seine Frau nahm nun Tag für Tag gleichfalls auf großherzogliche Kosten bei ihrem Gönner und Entdecker, dem Kapellmeister Gesangs= und dramatischen Unterricht. So sahen sich die armen Leute instand gesetzt, ihre Schulden zu bezahlen und zur Heilung des Mannes die bedeutendsten Aerzte heranzuziehen. Tatsächlich machte seine Genesung jetzt schnelle Fortschritte und binnen kurzem sah er sich seinem Geschäfte zurückgegeben. Seine unverhei atete Schw ster war zu ihnen ins Haus gezogen und hatte die Pflichten der zukünftigen Primadonna in Wirtschaft und Geschäft übernommen. Auch der kleine Otto gewöhnte sich schnell an sie und gedieh unter ihrer Pflege. vortrefflich, und wenn die junge Mutter das auch einerseits mit einer Beimischung von Eifersucht beobachtete, so war es ihr doch andererseits eine große Beruhigung. So hatte denn der Klempner keine Ursache, sich über die Veränderung zu beklagen, welche die glänzenden Aussichten seiner Frau in seinen Hausstand hervorriefen. Der Kapellmeister drang zwar in ihn, sein Geschäft zu verkaufen, denn er könne doch schon jetzt entschieden von dem leben, was er durch seine Frau erhalte, und werde es in wenigen Jahren erst recht können. Diese Zumutung aber wies der Mann, der seine Arbeit liebte, mit Entrüstung zurück.„Was denken Sie,— mich von meiner Frau ernähren zu lassen und selbst Tagedieb spielen? Nimmermehr!“ Der Kapellmeister lüchelte in sich hinein.„Das wirst du bald genug lernen und sehr anziehend finden," dachte er. Und dann sah er sich den Mann an, dem die zukünftige Primadonna gehörte. Freilich, er war ein Mann der Arbeit, ein schlichter Handwerker mit schwieligen Fäusten, einem ehrlichen, aber gewöhnlichen Gesicht und einer wenig seinen Außenseite. Nur gegen seine Frau war er rücksichtsvoll und entgegenkommend, allerdings auf eine Weise, die dem verwöhnten Hofmann unerträglich bärenhaft erschien.„Er ist doch ein recht vierschrötiger, ungehobelter Geselle,“ sagte er sich;„ohne äußeren Reize, ohne Bildung und Lebensart. Daß die arme Johanna auch gerade an den gekettet sein muß! Es ist genau, als wenn Rind und Gazelle in denselben Pflug gespannt würden. Und doch, welch' ein Glück für mich! Wenn sie ein anderes Chegespons besäße, wer weiß, ob meine Chancen so günstig ständen. So muß sich ihr ja der Vergleich aufdrängen zwischen ihrem Manne und mir.“ Wohlgefällig stellte er sich vor den Spiegel und strich behutsam die gefärbten Haarüberreste über seine Glatze hin. Schmun53 925