Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und gesetzl. Feiertage. Abonnementspreis trel ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage und dem Kleitigen„Illustriertem Sonntagsdlatt 55 Pig. dre Monat, durch die Post bezogen für 3 Monate 1.50 Ml. Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inscrate : gnslich; Biktor Schanzer. Dortmund. verbunden Lokal-Anzeiger für mit dem Dortmund u. Hörde und der täglichen Unterhaltungsbeilage W sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 PfaReklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 PsgBeilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Ravatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Mar Sounemann, Dortmund. Nr. 23. Dortmund, Freitag, den 28. Januar 1910. 27. Jahrg. Erstes Blatt. Dr. Ceon Arons über die letzten Landtagswahlen. Die preußische Statistik über die Ergebnisse der letzten Landtagswahlen gibt Dr. Leo Arons Veranlassung, sich in den„Sozialistischen Monatsheften“ sehr skeptisch über die„gewaltige Demonstration“ auszusprechen, die die Sozialdemokratie mit der Beteiligung an diesen Wahlen vorgeführt haben soll. Er weist nach, daß, während bei der Reichetagswahl 1907 über 1800000 sozialdemokratische Stimmen in Preußen abgegeben wurden, bei der Landtagswahl 1908 noch nicht ganz 600000 Mann sozialdemokratisch wählten, also nur etwa 33 Prozent der Reichstagswähler. Er zählt eine ganze Menge von Wahlkreisen auf, die bei der Reichstagswahl tausende von sozialdemokratischen Stimmen hatten, bei der Landtagswahl aber nur vereinzelte. Mit Recht sagt Arons, daß die Tatsache in erster Linie gegen die öffentliche Wahl spricht. Aber er fährt fort: „Von allen Seiten hieß es auf dem preußischen Parteitage von 1907: wenn die Massen in Preußen etwas erreichen wollten, dann müßten sie Opfer bringen, dann müßten sie auch ihre Haut zu Markt tragen. Daß die Sozialdemokratie bei geheimer Wahl auf preußischem Gebiete mehr als eindreiviertel Millionen Wähler auf die Beine bringt, das hatten schon die Reichstagswahlen von 1907 gelehrt; jetzt galt es für die Massen, unter voller Erkenntnis der Möglichkeit von Opfern in öfsentlicher Abstimmung zu zeigen, daß sie sich zur Sozialdemokratie bekennen, daß sie deren Wahlrechtskampf mitfechten wollten, koste es was es wolle. Daß es selbst unter dem Dreiklassenwahisystem möglich ist, Gewaltiges zu leisten, wenn nur die nöeige Begeisterung vorhanden ist, haben die Polen bewiesen, die in 29 Kreisen eine Wahlbeteiligung von mehr als 70 Prozent erzwangen, bis hinauf zu 87 Prozent im Kreise Witkowo, während die allerbesten sozialdemokratischen Kreise unter 70 Prozent Wahlbeteiligung blieben. Dabei herrschen in jener Gegend die Konservativen; Witkowo wihlt zum Landtag gemeinsam mit Gnesen, wo die Wahlbeteiligung 87 Prozent betrug. Gewählt wurde der konservative Landrat Dr. Dyonysius von 165 Wahlmännern gegen 122 polnische. Auch hier ist olso die offene Stimmabgabe für den einzelnen Polen keineswegs ungefährlich. Trotzdem brachten die Polen bei der Landtgaswahl einen Prozentsatz ihrer Reichstagswähler auf, der sogar den der Beeliner Sozialdemokraten noch übertrifft.“ Arons faßt sich dahin zusammen, daß die Beteiligung der Sozialdemokratie an den Landtagswihen— abgesehen von Berlin und verschiedenen wenigen anderen Bezirken— keineswegs die Gestalt einer„gewaltigen Demonstration“ angenommen habe:„In der überwältigenden Zahl der Bezirke haben die Massen versagt. Versagen sie aber schon gegenüber den Opfern, die die Beteiligung an der öfcentlichen Stimmabgabe für die Sozialdemoklatie im Gefolge haben konnten, so darf man um so weniger erwarten, daß sie die Opfer auf sich nehmen wollen, die Straßendemonstrationen in Preußen vermutlich, der Massenstreik sicher mit sich bringen.“ Deutsches Reich. Zur Reichstagsersatzwahl in Eisenach wird von nationalliberaler Seite geschrieben: Die Wahlbewegung ist gegenwärlig auf dem Höhepunkt angelangt. In zahlreichen Versammlungen bemühen sich Nationalliberale, Antisemiten und Sozialdemokraten, Stimmung für ihre Partei und ihren Kandidaten zu machen. Sie schicken zu diesem Zwecke ihre glänzendsten Redner ins Treffen. Mit Ernst und Eifer betreiben auch die vereinigten Liberalen die Vorbereitungen zur Wahl. Von nationalliberalen Rednern, die zugunsten der Kandidatur des Justizrats Dr. Appelius sprechen und schon gesprochen haben, seien nur erwähnt die Abgeordneten Dr. Weber, Dr. Hieber, Dr. Bassermann, Dr. Heinze und Wamhoff. Die Freisinnigen nehmen es ernst mit der Unterstützung der nationalliberalen Kandidatur. Am Sonntag Abend sprach vor einer über 1000 Köpfe starken Versammlung im „Fürstenhof“ Reichstagsabgeordneter Naumann. Nationalliberale„innere Feinde“. Die nationalliberale Fraktion des Abgeordnetenhauses hat folgende Interpellation eingebracht: „Ist der königlichen Staatsregierung bekannt, daß in oer Provinz Posen gegen Beamte wegen ihres Eintretens für die nationalliberale Partei amtliche Maßregeln ergriffen worden sind? Billiat sie diese Maßnahmen? Die Interpellation soll einen Fall im Auge haben, bei dem ein Beamter, der im nationalliberalen Sinne agitatorisch tätig war, vom Regierungspräsidenten gemaßregelt sein soll. Die nationalliberale Partei hat in der Angelegenheit Material gesammelt, hält mit den Einzelheiten aber noch zurück. In der Presse auch in der nationalliberalen, ist von einer solchen Maßregelunng mit der angegebenen Begründung nicht bekannt geworden. Nun werden auch shon die Nationalliberalen als„innere Feinde“ behandelt. Mehr können sie nicht verlangen. Aus der Statistik des Lehrerstandes. Seit dem Jahre 1891 werden in Preußen in fünkjährigen Zwischenräumen statistische Angahen über die persönlichen Verhältnisse der Lehrer und Lehrerinnen gesammelt. Nach dem Stande der letzten Erhebung zählte Preußen 82 226 vollbeschäftigte Lehrer und 17461 Lehrerinnen. Fast ein Drittel der Lehrer rekrutiert sich aus den Kreisen der Landwirtschaft, nämlich 32,9 Prozent; auf Industrie und Bauwesen entfallen 26,9 Prozent, auf Handel und Verkehr 12,9 Prozent. An Lehrerinnen stellt den größten Prozentsatz die Beamtenwelt, nämlich 32,9 Prozent, die Landwirtschaft steht mit 13,6 Prozent an letzter Stelle. Nahezu die Hälfte aller Lehrerinnen(31,7 Prozent) amtiert innerhalb des Kreises, in welchem sie geboren sind, von den Lehrern aber nur 17,6 Prozent. Nicht in Preußen geboren sind 2,4 Prozent der männlichen und 3.5 Prozent der weiblichen Lehrkräfte. Verheiratete Lehrerinnen gibt es nach der letzten Erhebung in ganz Preußen nur 18. Von den Lehrern sind 67,0 Prozent verheira tet, 30,7 Prozent ledig und 2,3 Prozent verheiratet gewesen. Zur Mannesmann=Affäre. Die Handelskammer für das Großherzogtum Sachsen hat in Sachen der Mannesmann'schen Bergwerks gerechtsame in Marokko die nachstehende Resolution gefaßt:„Die Handelskammer für das Großherzogtum Sachsen hält sich aus Anlaß der jüngsten Reichstagsverhandlungen über die Mannesmannschen Mineukonzessionen in Marokko ohne zu der Rechtsfrage Stellung nehmen zu wollen, für verpflichtet, die große volkswirtschaftliche Bedeutung hervorzuheben, die den von dem Mannesmann'schen Konzern erworbenem Bergwerksgerechtschaften zukommt und darauf hinzuweisen, daß eine stärkere Beschränkung der Ansprüche dieses Konzerns eine schwere Schädigung der deutschen Volks wirtschaft bedeuten würde. Insofern, als die großen Vorteile, die sich aus der Erschließung der Erzlagerstätten in Marokko durch ein deutsches Syndikat ergeben würden, wie die Erleichterung des Bezuges von brauchbaren Eisen= und Kupfererzen und die Erteilung belangreicher Aufträge auf Maschinen und Gecäte für den Bergwerksbetrieb, zum größten Teile inderen Ländern zufallen würden.“ Bapern und die Schiffahrtsabgaben. Die Münchener Abteilung des Bayerischen Kanalvereins nahm in ihrer Hauptversammlung Stellung zum gegenwärtigen Stand der Krage von Schiffahrtsabgaben auf natürlichen Wasserstraßen. An das Referat des Kommerzienrats Lechner schloß sich eine lebhafte Diskussion, die sich bis gegen Mitternacht ausdehnte, und an der unter anderen Rednern auch Prinz Ludwig, die Prosessoren Lotz, und Brentano, v. Mayr und Günther, sowie Landtagsabgeordnete und Regierungsvertreter teilnahmen. Schließlich wurde folgende Kompromißresdlutdon einstimmig angenommen: „Die Versammlung erblickt in der baldigen Erledigung des vorliegenden Gesetzentwurfes betreffend die Erhebung von Schiffahrtsabgaben unter der Voraussetzung seiner Ergänzung durch Bestimmungen, welche ernste Bedenken zu beseitigen geeignet sind, eine kräftige Förderung der Interessen der bayerischen Binnenschiffahrt, da von ihr die Kanalisierung des Mains bei Aschaffenburg abhängt. Der Ausbau die ser Strecke ist aber als der Anfang aller weiteren Kanalbauten in Bayern und als die unerläßliche Voraussetzung für die Ausführung der größerra Projekte zu betrachten. Die Versammlung erwartet von den durch die Schiffahrtsabgaben aufzubringenden Mitteln, für deren sachgemäße Verwendung die im Entwurf vorgesehenen Zweckverbände Gewähr leisten, eine wesentliche Förderung der hayerischen Kanalprojekte, deren baldige Durchführung für die weitere wirtschaftliche Entwicklung unseres engeren Vaterlandes eine dringende Notwendigkeit ist.“ Die Berl. Volksztg. bemerkt dazu: „Der künftige König von Bayern ist somit dem Standpunkte der Regierung beigetreten, die unter dem Drucke der in Bayern herrschenden Zentrumspartei im Gegensatz zu den Regierungen Sachseas, Badens und Hessens die auf die Einführung von Schiffahrtsabgaben gerichteten Bestrebungen Preufens im Bundesrate unterstützt. Der Zentrumspartei liegt jetzt vor allem daran, sich im Hinblick aus dievon ihr vertretenen konfessionellen Sonderinteressen bei Preußen lieb Kind zu machen; sie tut däher alles, was sie dem„großen Bruder Preußen“ nur an den Augen absehen kann. So kommt es, daß sich die bayerische Zentrumspartei sogar für die Einführung der Schiffahrtsabgaben erklärt hat, obwohl dadurch auch die Verkehrsinteressen Bayerns auf dis Empfindlichste beeinträchtigt werden. Für die polirischen Verhältnisse in Bayern ist es bezeichnend genug, daß selbst der Prinz Ludwig es nicht wagt, gegen die Zentrumstyrannei auszumucken. Dernburg und die Rolonialgesellschaft. Ueber den Charakter der Bedenken, die gegen den neuen, vom Staatssekretär Ternburg vorläufig zurückgezogenen Vertrag mit der Kolon###lgesellschaft für Südwestafrika im Reichstage geltend gemacht worden sind, hört der Lok.=Anz., daß es sich vornehmlich darum handeln dürfte, die Kolmalgesellschaft zu höheren Abgaben an den Fiskus zu verpflichten. Preußisches Gerichtskostengesetz Aus parlamentarischen Kreisen schreibt man der Liberalen Korrespondenz: Der dem preußischen Abgeordnetenhause vorliegende Entwurf über die Abänderung des preußischen Gerichtslostengesetzes verfolgt, wie es gewöhrlich bei Abänderung von Kostengesetzen der Fall ist, wesentlich #iskalische Zwecke. Unter Zugrundelegung einer Statistik der Einnahmen pro 1904 wird auf eine Mehreinnahme von ungefähr 3 Millionen auch zu rechnen sein. Die Erhöhung bezieht sich auf eine Steigerung der Hauptgebühren um 10 Prozent, wobei die Mindestgebühr vor 0,20 auf 0,50 Mark erhöht wird. Dazu tritt im Anschluß an die am 1. April 1910 in Kraft tie##nde Novelle zur Zivil=Prozeß=Ordnung und zum D.utschen Gerichtskostengesetz die Einrichtung der Pauschalierung von den wesentlich in Schreibgebühren und Postporto bestehenden Auslagen. Das Pauschquantum wird gebildet durch Festsetzung von 10 Prozent der einzelnen Gebühren für jeden Akt mit dem Mindestsatz von K.50 Mark und dem Höchstbetrage von 20 Mark. Neben diesen zur Deckung der nicht zu ersehenden baren Auslagen dienenden Pauschsätze werden nur in gewisDie Kinder des Sträflings. Roman von A. Sinowka. 6 „Ach so.. sagt die Hausfrau,„Sie haben noch keine Zimmer angewiesen bekommen! Gregor, führe unsere neuen Hausgenossen.“ „Dann wirst Du aber doch wohl so freundlich sein müssen, Mama, mir die betreffenden Räume näher zu bezeichnen,“ entgegnete der Sohn mit leiser Ironie. Es ist so ziemlich das erste, was er an diesem Abend spricht. Frau Valeska zuckt nachlässig die runden Schultern. „Mein Gott, wir haben doch genug Fremdenzimmer! Nimm welche Du willst, Gregor.“ „Aber sie werden vermutlich alle noch ungeheizt sein.“ So bringe Dora Petrowna in das Zimmer, welches Nikolai Lawalski bewohnte. Es sind erst zehn Tage her, daß er fort ist und da ich Iwan vergessen habe zu sagen, daß dort nicht mehr geheizt zu werden braucht, § wird er wohl damit fortgefahren haben. Julius Betrowitsch aber mag für diese Nacht ins Wirtshaus 9inübergehen. Morgen soll ein Zimmer für ihn geheizt werden.“ Als Gregor mit den Geschwistern eben den Speisesaal verlassen will, ruft seine Mutter ihm nach:„GreLor, nimm doch ein Paar Gläser Wein und einen Teller voll gezuckerter Nüsse für Julius Petrowitsch und Dora Peirowna mit. Sie haben ja kein Dessert bekommen.“ Das Zimmer, in welches der Haussohn Dora führt, liegt im Oberstock und sieht zwar nicht elegant, aber und behaglich aus, nur macht es völlig den Einbrück, als ob es eben erst von seinem Bewohner verlassen ware. Ein paar Schubladen stehen offen, auf dem Schreibtisch liegt ein halb beschriebenes Stück Papier und Gigarrenasche ist auf dem Fußboden verstreut. Wenn Sie etwas wünschen, so brauchen Sie nur Maen, hier steht die Klingel,“ sagt Gregor.„Gute Nacht, Dora Petrowna.“ " Damit verläßt er sie, ohne ein weiteres Wort zu sprec en, ohne ihr die Hand zu reichen. unangenehmer, unfreundlicher Mensch!“ denkt Dann betrachtet sie sich das Bett, welches ungeund deutliche Spuren der Benutzung zeigt. echiischen Mädchen, welches sowohl vom Waisenheim, wie von dem ländlichen Forsthaus, ihrem letzten Aufenthaltsort her, an peinliche Sauberkeit und Ordnung gewöhnt ist, läuft eine Gänsehaut über den Rücken bei dem Gedanken, daß sie darin schlafen soll. Nach kurzem Kampf mit ihrem Ekel greift sie zur Klingel und fragt das eintretende Mädchen, ob sie nicht reine Bettbezüge bekommen kann. „Warum nicht?“ meinte diese.„Die Haushälterin ist ja noch auf.“ Tatsächlich erscheint sie nach einer Weile mit einem Arm voll frischer Wäsche. Während sie die Betten bezieht und Dora ihre inzwischen heraufgeschafften Koffer auszupacken beginnt, plaudert die Magd unaufhörlich und zwar, was Dora unbeschreiblich peinlich ist, von den Angelegenheiten ihrer Herrschaft. Sie erfährt, was sie im übrigen schon selbst wahrgenommen hat, daß Sseinen Nikolowitsch in seine Frau unsäglich verliebt, gegen alle außer ihr aber brutal und jähzornig ist, daß das Ehepaar zehn Kinder hat und zu den reichsten Leuten in Ostsibirien gehört. Ein Sohn besucht die Polytechnische Schule in Irkutsk, zwei Knaben sind in Nertschinsk in Pension und von den beiden nicht anwesenden Töchtern befindet sich die ältere. Lidia, zum Besuch bei einer Freundin, während die zweite, Gala, an einen Kaufmann in Nertschinsk verheiratet ist.„Fräulein Lidia sollte eigentlich schon gestern zurückkehren,“ sagte die Magd Stanislawa. „Und wer ist der Nikolai Lawalski, dem dies Zimmer gehörte?“ erkundigte sich Dora. Das Mädchen sieht sie verstohlen an und lacht dann laut heraus.„Nikolai Lawalski war Privatsekretär bei Ssemen Nikolowitsch,“ entgegnete sie immer noch chernd. Dora begreift absolut nicht, was Stanislawas Heiterkeit herausfordert, aber sie ahnt doch, daß es mit diesem Privatsekretär eine besondere Bewandtuis haben muß. Trotzdem ihre Neugierde erregt ist, wagt sie nicht weitere Fragen zu tun, um die Magd nicht zu Indiskretionen zu veranlassen. Als sie wieder allein ist, macht sie sich daran, ihre bescheidenen Habseligkeiten in die Schränke und Komoden einzuräumen. Zuletzt legt sie ihre Schreibmaterialien in den Schreibtisch. „Dieser ist zufällig ähnlich eingerichtet, wie der ihres früheren Prinzipals, des Försters, und besitzt gleich jenem ein geheimes Fach. Der Försterzeigte ihr einmal wie man es öffnen könnte, und unwillkürlichprobiert Dora auch hier den Mechanismus. Esist genau der nämliche; mit einem leisen knipsenden Geräusch springt das Fach heraus und Dora sieht zu ihrer Ueberraschung, daß es nichtleer ist. Ein Päckchen Briefe, ein breites goldenes Armband und eine Photographie liegen darin. Das Mädchen nimmt dieselbe gedankenlos in die Hand, aber fast wäre sie thr wieder entfallen, denn...“ „Großer Gott, was ist das?“ Träumt sie oder äfft sie ein toller Spuk? Diese regelmäßigen, scharfgeschnittenen Züge, die schmalen Wangen, die übergroßen Augen mit dem geheimnisvollen Blick kennt sie ja.. vor wenigen Tagen erst ist sie ihnen begegnet und damnals hat sie sich gesagt, daß sie sie nie vergessen wird. Kein Zweifel, das Original des Bildes ist die schöne Fremde, für die Julius den Schlitten für 400 Rubel mieten mußte! Wie aber kommt das Porträt hierher? Dora besitzt eine glühende Phantasie und viel Kombinationsgabe und mit Hilfe dieser beiden Eigenschaften hat sie sich in wenigen Minuten eine Geschichte gedichtei, über deren Wahrheit sie kaum einen Zweifel hegt. Das Bild, sagt sie sich, stellt sicher Lidia Niegowo, die älteste Tochter des Hauses, dar, diese Lidia, von deren Schönheit schon die eigene Mutter schwärmte und diese selbe Lidia war die Geliebte von Nikolat Lawalski, dem Privatsekretär des Herrn Niegowo. Denn ihm gehörte das Zimmer. Wahrscheinlich hat der unglückliche junge Mann das Haus verlassen müssen, weil der Vater sinter die Liebschaft kam. Was in aller Welt hat der Liebende das Bild seiner Angebetenen hier zurückgelassen, das Bild und die Briefe und das Armband? Nun, wenn er das Original besitzt, so hat das Porträt am Ende keinen großen Wert für ihn, denn sicher, auch davon fühlt Dora sich überzeugt, ist die schöne Lidia doch mit ihrem Schatz vor dem Zorn des Vaters geflohen. Wozu anders kann der Schlitten bestimmt gewesen sein, als um den beiden zur Flucht zu verhelfen. Entsetzlich, daß Julius ihr eigener Bruder, dem sich die Pforten dieses Hauses gastlich geöffnet, zum Mitschuldigen bei der Ausführung jeues Unternehmens geworden ist. Dora fühlt sich selbst bald als Verbrecherin und doch vermag sie ein Gefühl wohligen Gruselns, sich in eine derartig romantische Geschichte verwickelt zu seheu, nicht zu unterdrücken. Hastig, mit zitternder Hand, legt sie das Bild wieder an seinen Platz zurück und verschließt das geheime Fach. Ob sie Julius ihre Entdeckung verraten soll? Nein, um keinen Preis, niemand soll darum wissen, niemand als sie allein. Wenn die Flucht dann zur Kenntnis der Eltern gelangt, so braucht sie nicht zu fürchten, daß diee von ihrer Mitwissenschaft um die Sache erfahren. Jnlius könnte sich am Ende verraten, und wenn auch nicht, so ist es doch immer besser, wenn nur sie allein das Geheimnis kennt. Dem Kinde kommt es vor, als ob sie plötzlich eine ganz andere, wichtigere Person geworden sei.. fast.. eine Heldin, eine Märtyrerin. Deun die Last eines Geheimnisses zu tragen, ist doch am Ende keine Kleinigkeit. Diese Erwähnung hindert sie jedoch nicht, ihre kandierten Nüsse mit Behagen zu verspeisen. Bequem in ihr Bett ausgestreckt liegt sie da, speist Süßigkeiten und trinkt von dem schweren Wein dazu, bis dieser seine Wirkung übt und sie in tiefen Schlaf versinkt. Am nächsten Morgen wird Dora durch ein Klopfen an ihrer Tür geweckt. Auf ihr„Herein" tritt Stauislawa ein und fragt, ob sie ihr nicht den Kaffee bringen solle. Sie wäre schon ein paarmal an der Türe gewesen, aber da das Fräulein offenbar noch im tiefsten Schlafe gelegen, habe sie sie nicht stören wollen. „Es ist wohl schon sehr spät?“ erkundigte sich Dora ängstlich. „So um elf herum,“ meint das Mädchen. Dora ist heftig erschrocken. Was wird nun Frau Niegowo sagen, daß sie gleich am ersten Tage nach ihrer Ankunft bis in den Mittag hinein geschlafen hat? Eilig macht sie Toilette und geht, nachdem sie das ihr gebrachte Frühstück verzehrt hat, nach unten, wo sie aer keine Menschenseele findet. Das Haus ist wie ausgestorben, nur von draußen hört sie Blankas und Alexandras jauchzende Stimmchen erklingen und wie sie aus Feuster tritt, steht sie die kleinen Mädchen sich im Garten mit Schneebällen wersen. 176,18 en Fällen Schreibgebühren zu dem von 0,10 auf 0.20 Nark pro Seite zu erhöhenden Satze und Auslagen ür Telegraphen= und Fernsprechgebühren berechnet. Die lnrechnung soll aber auch dann stattfinden, wenn Ausagen gar nicht entstanden sind. Des weiteren werden für einzelne richterliche Handungen besondere Erhöhungen in Aussicht genommen, und es steht auch eine Mehreinnahme durch Erhöhung der Annahme des Wertes bei nicht vermögensrechtlichen Angelegenheiten auf 3000 Mark, ausnahmsweise niepriger bis 300 Mark und höher bis 60000 Mark, zu erwarten. Wenn auch nicht unerhebliche Herabsetzungen vorgeschlagen werden, so werden doch alle bezeichneneten Zuschläge beträchtliche Mehrkosten verursachen. Wenn man die einzelnen Erhöhungen besonders prüft, so wird man deren Berechtigung unter Anerkennung der Aenderung der Geldverhältnisse, der aulgemeinen Finanzlage und der wachsenden Ausgaben der Justizverwaltung, darunter auch der Schreiblöhne, nicht verkennen können. Auch muß berücksichtigt werden, daß die wesentlich im Privatinteresse vorgenommenen Handlungen der freiwilligen Gerichtsbarkeit, die hauptsächlich in Betracht kommen, zum größten Teil von begüterten Klassen vorgenommen werden. Bei der Häufung der Erhöhungen durch prozentuale Zuschläge, durch die Pauschgebühr und die Erhöhung des Satzes oder auch des Wertes des Gegenstandes kann aber eine Mehrausgabe für den einzelnen Akt eintreten, die nicht gebilligt werden könne. Eine sorgfältige Nachprüfung der Einzelbestimmungen des Entwurfs im Hinblick auf die Gesamtwirkung ist deshalb sehr am Platze. Rückhaltlos ist anzuerkennen, daß der Entwurf in geschiater Weise mannigfache Zweifelfragen löst und praktisch gemachte Erfahrungen zu annehmbaren Abänderungen verwertet. Dagegen hätten in sprachlicher Beziehung einzelne Unebenheiten vermieden werden können. Ohne auf die einzelnen Bestimmungen näher einzugehen, kann man das Urteil dahin zusammenfassen, daß nach Beschneidung allzu fiskalischer Auswüchse der Entwurf eine geeignete Grundlage für eine Abänderung des bestehendes Gesetzes bietet. Ausland. Griechenland. Athen, 27. Jan. Der König nahm die Abdankung des Kabinetts Mavromichalis an. Der L“ ersbund wünscht, daß das Parlament kurze Zeit weiter tagt und die neue Regierung, die parlamentarische Genehmigung des Budgets und einiger dringlichen Gesetze sowie die Einberufung der Nationalvetsammlung zu erlangen versucht, eventuell werde er revolutl när und versassungswidrig vorgehen. Zur Teilnahme an der neuen Regierung ist Veniselos bisher nicht bereit Türkei. Konstantinopel, 27. Jan. Der Brudec des Zustizministers Nedschmeddin siel heute Nacht einem Mordanschlag zum Opfer. Das Attentat galt jedenfalls aber dem Justizminister selbst, denn der Bruder war erst wenige Stunden vocher aus Brussa angelangt. Amerika. Newyork, 27. Jan. Die Vereinbarungen des Handelsabkommens zwischen Amerika und Deutschland mit gegenseitiger Gewährung des Miuimaltarifs sind dem Abschlusse nahe. Amerika läßr die Forderung der Zulassung des Schlachtviehs fallen Die Fleischinspektion ist überhaupt nicht beanstandet. Raisergeburtstagsfeier am Fredenbaum. Dortmund, 27. Januar. Zur Feier des Geburtstages Kaiser Wil Ams II. fand wie in früheren Jahren ein Festessen statt, an dem sich etwa 1000 Personen beteiligten. Eingeleitet wurde die Feier durch Musikstücke, die das Philharmonische Orchester unter Leitung des Herrn Musikdirektors Hüttner exakt vorttug, Sodann bestieg der Dortmunder evangelische Männergesangverein das Podium, um unter der strafsen Führung des Herrn C. Weider das für Männercher, Orhester und Orgel komponierte„Für Kaiser und Reich“ von Krembser zu singen. An der Orgel saß Herr Musikdirektor Holtschneider. Gewaltig brausten die Töne durch den Saal und ergriffen die Festteilnehmer, die mit lautestem Beifall für die herrliche Gabe quittierten. Abwechselnd mit dem Philharmonischen Orchester, von dem Herr Müller durch Posaunensoli erfreute, war der Evangelische Männergesangverein durch Vortrag von Vaterlands=, Volks- und Trinkliederi erfolgreich bestrebt, die patriotische Stimmung zu erhöhen. Die Festrede hielt Herr Oberbürgermeister Geheimrat Dr. Schmieding. Er führte folgendes aus: „Wenn wir heute in Deutschland und mit uns im Auslande überall da, wo Reichsdeutsche zusammenwobnen, den Geburtstag des Reichsoberhauptes festlich begehen, so ist in unseren Gedanken das Staatskörperliche untrennbar von der Person. Ja, das Vaterländische, die Zusammenfassung der Deutschen in einem Reiche bildet das einiggefügte Fundament für das heutige Fest. Zwar wurde auch zur Zeit des Partikularismus der Geburtstag des Landesherrn in den Einzelstaaten gefeiert; aber erst nach Verwirklichung des Traumes der Deutschen von der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches, erst nachdem die Kaiserkrone wieder das Haupt eines deutschen Fürsten ziert, it des Kaisers Geburtstag ein alljährlich wiederkehrender nationaler Festtag geworden, an welchem ein Jeder sich hingeben will der Freude am Deutschen Reiche. Folgend dem historischen Vorgange des früheren deutschen Kaisertums, ein Gegengewicht gegen die deutsche Uneinigkeit, verkörpert sich der Staatsgedanke des Deutschen Reiches, Dank den Schöpfern desselben, in einer monarchischen Spitze, in der Person des Deutschen Kai ers. Mag auch manchen deutschen Mann, insonderheit diejenigen, welche noch die Zeit vor 18770 mit der traurigen Zerrissenheit der deutschen Stämme erlebt und in ihrem Teile mitgearbeitet haben an der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches, mag auch diese manchmal die Sorge drücken, ob das nachfolgende Geschlecht den Anforderungen an die Erhaltung der Machtstellung des Deutschen Reiches gewachlen sei, so sehen wir doch, daß bisher in allen kritischen Lagen einer Gefahr von außen das deutsche Volk nicht versagt hat. Im Hinblick auf den Repräsentanten der Machtfülle Deutschlands in der Person unseres erhabenen Kaisers und Königs wird der monarchische vaterländische Sinn der Deutschen, das vertrauen wir, diese Sorge zerstreuen. In der Hoffnung, daß dies in alle Zukunft so sein möge, bitte ich Sie, meine Herren, dem Gefühle der Dankbarkeit und Verehrung für Seine Majestät den Kaiser Ausdruck zu geben, indem Sie in den Ruf einstimmen: Seine Majestät, unser allergnädigster Kaiser, König und Herr Wilhelm 2. lebe hoch! Laut und Freudig simmten die Festteilnehmer in das Hoch auf den Kaiser ein, um im Anschluß daran stehend die Kaiserhymne zu singen. An den Kaiser wurde folgendes Glückwunschtelegramm abgesandt: „An Seine Majestät den deutschen Kaiser, Berlin. Ew. Majestät bringen die zum Festmahle versammelten tausend Bürger der Stadt Tortmund mit der Versicherung der Treue und Anhäng= lichkeit an den König und sein Haus in Ehrerbietung die herzlichsten Glückwünsche dar. Im Auftrage Schmieding, Oberbürgermeister. Der neue Wirt des Fredenbaums Herr Windheuser hat durch die in jeder Beziehung treffliche Bewirtung seiner Festgäste bewiesen, daß er auch den größten Anforderungen gewachsen ist. Dies hier zum Ausdruck zu bringen, halten wir für unsere Pflicht. Lokales und Dortmund, 28. Januar. —' DieProvinzialsteuern erfahren für 1910 keine Erhöhung, wiewohl der Ausgabebedarf nicht unwesentlich gestiegen ist. Die neu veranlagte Gebäudesteuer wird noch nicht mit berücksichtigt, sondern soll erst vom 1. Januar 1911 ab zu den Provinzialabgaben mit herangezogen werden. — Berichtigung. Der Zentral=Vorstand der Demokratischen Vereinigung, gezeichnet Dr. Elaser, sendet uns folgende Berichtigung:„1. Die Angaben des „Demokrat“ über bestimmte Reichstagskandidaturen der Demokratischen Vereinigung sind bis auf die Meldung von der Kandidatur des Herrn v. Gerlach in Marburg reine Phantasieprodukte.— 2. Dasselbe gilt von der angegebenen Anzahl der„seit dem Beginn der Kanpagne, die der Zentral=Vorstand der Demokratischen Vereinigung gegen den„Demokraten“ führt", ausgeschiedenen Mitglieder. Seit jener Zeit d. h. seit dem 15. Oktoebr 1909 haben ausweislich unserer sehr sorgfältig geführten Listen, nicht 1009, sondern 19 Mitglieder ihren Austritt erklärt.“— Wir registrieren diese Berichtigung gern, weil wir daraus ersehen, daß die Demokratische Vereinigung nicht so kindisch ist, als es nach den Mitteilungen des„Demokrat“ den Anschein hatte. —' Wochenmarktverlegung. Der auf Mittwoch, den 2. Februar angesetzte Hauptwochenmarkt wird wegen des auf diesen Tag fallenden katholischen Feiertages„Mariä Lichtmeß“ auf Dienstag, den 1. Februar verlegt. Der Wochenmarkt auf dem Platze vor der Börse am Viehmarkt am 1. Februar fällt gänzlich aus. — Je nach Lage der Sache. Im Gegensatz zu der kürzlich mitgeteilten Entscheidung des Landgerichts Köln, wonach eine Brauerei mit ihrer Klage gegen einen Wirt, der den Preisausschlag von 4 Mark nicht zahlen wollte, abgewiesen worden ist. steht ein anderes Urteil desselben Landgerichts, das vor wenigen Tagen ergangen ist. In dem Bierlieferungsvertrag einer hiesigen Großbrauerei und einer Kölner Automatengesellschaft war ein fester Preis für das gelieferte Bier abgemacht unter dem Vorbehalt, daß bei eintretender Preiserhöhung der höhere Preis zu zahlen sei, falls nicht das Lieferungsverhältnis mit einmonatlicher Frist gekündigt worden sei. Eine Kündigung erfolgte seitens der Automatengesellschaft nicht, doch wurde die Berechtigung der Preiserhohung bestritten. In dem darauf angestrengten Prozeß entschied das Landgericht Köln zu Gunsten der Brauerei dahin, daß die Automatengesellschaft den Preisaufschlag zu zahlen yabe. —' Brände. Gestern Nacht gegen 3 Uhr erfolgte die Alarmierunnng durch den Feuermelder Kaiserstr 194, und zwar handelte es sich hier um den Brand des Laboratoriums aus der Zinkhütte. Die Berufswehr, welche 2 Stunden am Brandherd zu tun hatte, arbeitete mit vier Schlauchleitungen.— Mittwoch Abend gegen sochseinhalb Uhr entstand infolge Explosion einer Petroleumlampe in der Schreinerei von Arendes, Baumstraße 9, Feuer, welches durch die Feuerwehr gelöscht werden mußte.— Gestern Morgen entstand auf nicht aufgeklärte Weise im Hause Stahlwerkstraße 90 ein Stubenbrand, dem Bekleidungsstücke und Fenstergardinen zum Opfer gefallen sind. Auch hier wurde die Hülfe der Berusswehr in Anspruch genommen. —“ Unfng. An den öffentlichen Feuermeldern We stenhellweg 66, Wilhelmstraße 29, Bornstraße 202 und Körnerhellweg 30 wurden aus Unsug die Scheiben zertrümmert. Die Täter wurden leider in allen Fällen nicht ermittelt, — Die Kaisersgeburtstagsseter in der festlich geschmückten„Walhalla" nahm bei großartigem Besuch einen vortrefflichen Verlauf. Das Programm der beiden gegenwärtig dort pastierenden Kapellen, deren künstlerische Leistungen wir schon wiederholt anerkennend gewürdigt haben, war der Feier entsprechend auf einen patriotischen Ton abgestimmt worden. Die Posse, die das Freisesche Ensemble zum Schluß gab, trug einen militärischen Charakter. Herr Paul Thiele, der sich um das Blühen und Gedeihen der„Walhalla“ unbestritten große Verdienste erworben hat, hielt eine Ansprache, in der er mit herzlichen Worten des hohen Geburtstagskindes gedachte. In das am Schluß ausgebrachte Hoch auf den Kaiser, stimmten alle Gäste stürmisch ein, um dann mit Begeisterung„Heil dir im Sieverkranz“ zu singen. Kurz es war eine patriotische Feier aus die der Veranstalter mit stolzer Genugmung zurückblicken kann. — Der Stiklub Sauerland beabsichtigt, falls die genügende Zahl von Teilnehmern gesichert ist am 13. Februar 1910 anläßlich seines Wintersestes einen Sonderzug 3. Klasse von Essen nach Winterberg fahren zu lassen. An diesen Sonderzug, der 6,36 Uhr vormittags von Essen(H.=B.) abgeht und 10,19 Uhr in Winterberg eintrifft, haben die Teilnehmer von Dortmund in Langendreer Anschluß, indem man mit dem Zuge 6,36 Uhr ab Dortmund in Langendreer 6.53 Uhr eintrifft, von wo genannnter Sonderzug 7,02 Uhr abfährt. Teilnehmer erhalten im Bureau des Verkehrs=Vereins, Markt 2a, gegen Entrichtung des Fuhrpreises einen Gutschein von Langendreer, Sch.ve####e oder Witten nach Winterberg, gegen dessen Rückgabe vom 11. Fehruar ab, ebenfalls im Bureau des Verkohrsvereins, die Fahrkarte in Empfang genommen werden kann. Eine Erstattung des Betrages findet nur dann statt, wenn infolge ungenügender Beteiligung der Conderzug nicht verkehrt. Die Verlegung des Zuges auf einen späteren Sonntag bleibt vorbehalten, falls das Winterfest verschoben werden muß, was in der Tagespresse bekannt gegeben wird. Vom 3. Februac, mittags 12 Uhr an werden Gutscheine nicht mehr ausgegeben;; es wird daher empfohlen, sich rechtzeitig eine Fahrkarte zu sichern. — 7. Veteranenreise nach Fraukreich. Die 7. Veteranenreise nach Paris—Orleans—Sedan zum Besuche der Schlachtfelder vom Feldzug 1870=71 findet vom 19. Mai bis 3. Juni d. Is, statt und sind Kameraden und Kampfgenossen zur Beteiligung an derselben herzlichst eingeladen. Besucht werden außer einem sechstägigen Aufenthalt in Paris und Umgebung folgende Schlachtfelder: Artenay, Poupry, Lumeau, Villepion, Loigny, Beauvilliers, Chateau=Goury, Ormes, Coulmiers, Beaugency, Cravant, Beaumont, Villechaumont, Bellevue, Donchery, Bazeilles, Lamoncelle. La Marfee. Die Reise geht dann weiter über Luremburg nach Belgien, wo das Schlachtfeld von Waterloo(Belle=Alliance) vom 18. Juni 1815 besichtigt werden wird. Im Anschluß daran wird die Ausstellung in Brüssel—Ostende und Brügge besucht werden. Nähere Auskunft darüber, sowie genaue Prospekte sind gegen Einsendung einer 10 Pfg.=Marke zu zu beziehen durch die Zentralstelle für Veteranenreisen nach Frankreich, München, Dachauerstraße 4(vom 1. April ab Nr. 11). —“ Vom neuen Kometen. Die rapide Fortbewegung des Gestirns ist, so schreibt ein Mitarbeiter der Frkst. Itg., nach Nordosten gerichtet und beträgt täglich etwa vier Grad, so dlaß die Entfernung von dem Planeten Venus in kurzer Zeit eine beträchtliche sein wird. Damit wächst die Dauer der Sichtbarkeit, vielleicht wird auch eine bessere Wahrnehmung möglich werden; der Komet entfernt sich nämlich mehr und mehr von dem Dunstkreis des Horizonts, und außerdem tritt der Mond von Tag zu Tag stärker nach Osten zurück. Vorläufig muß man allerdings bei den plötzlich eingetretenen tiesen Barometerständen mit einer möglicherweise längeren Unsichtbarkeit des Objektes rechnen. Der Komet erschien am 23. Januar noch genau so lichtschwach wie am 22., und es ist wenig Hoffnung vorhanden, daß er viel heller werden wird. da er nach zwiefacher astronomischer Meldung sich bereits von der Sonne entfernt, sein Perihel also absolviert hat. Er steht gegenwärtig im Sternbild des Wassermannes, einer sehr sternenarmen Gegend, und tritt in einigen Tagen in den Pegasus ein; die scheinbare Bewegung am Himmel wird allmählich retardiert, ie mehr er sich von der Sonne entfernt. Interessant ist es, daß diese Bahn sich spitzwinklig mit derjenigen des Kometen Borelly vom Juni 1903 schneidet, der vom Wassermann ausging. Unser Komet scheint im Steinbock entdeckt zu sein. Er schneidet ferner noch die Bahn des Schaerschen Kometen von 1905 aber erst später. Die rasche Vorwärtsbewegung hat sich auch dadurch dokumentiert, daß er am 23. bereits bis 6 Uhr 30 Minuten gut sichtbar war, während dies am Abend vorher nur bis 6 Uhr 15 Minuten der Fall war. Sollte der Worsell=Junessche Komet sich noch eine Zeitlang sichtbar erhalten, so ist seine Tendenz nach dem polaren Kreis sehr günstig für die weitere Beobachtung, zumal in nächster Woche der Mond nicht mehr wesentlich im Wege sein wird. —' Polizei=Bericht. In der Nacht zum Tonnerstag bezw. im Laufe des Mittwochs wurden 12 Personen festgenommen und zwar: 8 wegen Obdachlosigkeit, 2 wegen Diebstahls, und je 1 wegen Unfug und steckbrieflicher Verfolgung. Lünen, 27. Januar. Die Deutsche Nationalbank hat in unserem Orte in dem Hause Langestraße 1 eine Filiale errichtet, um ihren hiesigen unden den Verkehr mit der Bank möglichst bequem zu machen. Die Bank wickelt alle bankmäßigen Geschäfte ab, worauf die Leser des Tortm. Tagebl. hierdurch aufmerksam gemacht seien. Bochum, 27. Januar. Die Knappschaftsberufsgenossenschaft beschloß 8 um die Rettung der 6 Bergleute auf der Zeche Holland besonders verdiente Peronen ein Ehrengeschenk aus dem zur Prämtierung ür außergewöhnliche Fälle vorhandene Fonds zu iberweisen. Seitens der Zechenverwaltung von Holland wurde den todesmutigen Rettern evenfalts ein Geldgeschenk gemacht. Wattenscheid, R7. Fan. Heute Morgen gingen beim Bergrat Reiman in Wattenscheid, direct von Berlin kommend, Ordensauszeichnungen für die Rerter ein, die diesen vor der Gesamtbelegschaft mittags um leinhalb Uhr in feierlichster Weise überreicht wurden. Vier der Retter erhielten die Rettungsmedaille am Bande, einer das Kreuz zum Allgemeinen Ehrenzeichen und die übrigen vier das Allgemeine Ehrenzeichen. Gelsenkirchen, 27. Jan. Nachdem gestern Abend die geretteten 6 Bergleute zu einer kleinen Feier vereint gewesen waren, versammelten sich heute die Beamten= und Arbeiter=Belegschaft der Hollandschächte auf der Hauptschachtanlage zu einer allgemeinen Belegschaftsfeier zu Ehren derjenigen Männer, die mit Todesverachtung und Tatkraft energisch an der Rettungsarbeit tätig gewesen sind und die verloren geglaubten sechs Knappen dem Leben und ihren Familien wiedergegeben haben. Die Feier fand im Vorraum der Waschkaue statt. In einer Nische war ein Podium angebracht, darüber als stimmungsvolle Umrahmung der Kaiserbüste ein Arrargement von Immergrün und Fahnen.— Nachdem die Retter sich au fdem Podium aufgestellt und die Beamten und Arbeiter der Zeche im Halbkreis Aufstellung genommen hatten, ergrifk der in Bergmannsuniform erschienene Bergrat Reimann das Wort zu einer Ansprache. Er bezeichnere es als EnFügung Gottes, daß der Rettungsarbeit ein glücklicheAusgang folgen konnte, wies weiter auf das tatkräf. tige Eingreifen der Rettungsmannschaften, insbesonderauch des Generaldirektors der Zeche Holland, Berg, assessors Düttinng, sowie des Direktors Herrn Bergassessor Schulze=Burloh, der beiden Hülfsarbeiter des Kgl. Bergreviers, und der beiden Kal. Einfahrer mit Worten wärmsten Dankes hin und schloß, indem er den Rettern die Ordensauszeichnungen überreichte mit einem Glückauf auf den obersten Bergherrn. Generaldirektor Bergassessor Dütting, erwiderte mit einen Dankeswort und einem markigen Glückauf auf die Retter, das lebhaften Widerhall fand. Mit dem Gesang des Bergmannsliedes„Glückauf. der Steiger kommt“, klang die schöne Feier aus. Winterberg, 26. Jan. Auf den Höhen der sauerländischen Berge liegt hoher Schnee und das Thermomcter zeigt 3 Grad. Alles in der Natur i weiß geschmückt und die Luft ist rein und frisch Das wird gar viele unserer Leser aus ihrer beruftschen Tätigkeit herauslocken um oben auf den freie Bergen beim Skisport oder Rodelvergnügen Herz und Nerven zu erfrischen und das Alltagseinerlei für kurze Zeit vergessen zu lassen. Am verflossenen Sonntag waren es viele hunderte, die heim Stilaus oder auf der Rodelbahn in Winterbeig mir lachenden Augen und frischen roten Waugen dem körverlich so wohltuenden Sport oblagen, und in den onst so stillen Gasthöfen und Sportartikelverleihee. chäften herrscht reges, frisches Leben und Treiben. sen Abendstunden saßen ein großer Teil der Sportreunde im Sporthotel„Winterberger Hof“ in anangeregter Stimmung bei musikalischer Unterhaltung durch die gleiche Freude am Wintersprort zusammen. Auf in die frische, herrliche Winternatur der Berge um Winterberg, welche infolge ihrer höchsten Lagen des Sauerlandes das schönste Wintervanorama zeigen und dadurch vor anberen in der Niederung liegenden Nebenplitzen entschieden den Vorrang hat. Düsseldorf, 27. Jan. Der Wirt Paul Hermes in Neuß hatte in seiner Wirtschaft einen Spielautomaten zur Erlangung von Zigarren aufgestellt. Das Neußer Schöffengericht wie auch die hiesige Strafkammer hatten den Wirt und den Automatenfabrikanten Peter Esser in Neuß von der Anklage der Veranstaltung von Glücksspielen kreigesprochen, da zum Gewinnne eine besondere Geschicklichkeit erforderlich sei. Dieses Erkenntnis war vom hiesigen Oberlandesgerichte aufgehoben worden mit der Begründung, daß zwar in der Benutzung des Spielautomaten eine besondere Geschicklichkeit erworben werden könne, daß aber im allgemeinen mehr mit gellbten Spielern gerechnet werden könne. Die Strafkammer gelangte diesmal gleichfalls zu der Ueberzeugung, daß der Zufall beim Gewinne eine wesentliche Rolle spiele und verurteilte beide Angeklagte zu se 3 Mark Geldstrafe. Köln, 27. Jan. In Salchendorf(Stegerland kam es nach einer Tanzfestlichkeit zu einer großen Schlägerei, an der sich über 40 junge Leute beteiligten. Mehrere Personen wurden schwer verletzt, ein 17jähriger Bursche blieb als Leiche auf dem Platze. Erst der Gendarmerie gelang es, die Kämpfenden zu zerstreuen und einige Anführer zu verhaften. Vermischtes. Berlin: 27. Jan. Heute vormitsag gegen 11 Uhr sprang die geisteskranke Frau Rückert aus dem Fenster ihrer im vierten Stockwerk des Hauses Brüsselerstraße 31 liegenden Wohnunng und erlitt lebensgefährliche Verletzungen; sie wurde in huffnungslosem Zustande nach dem Krankenhause gebracht. Unterdessen erhängte sich der Ehemann am Fensterkreuz. Die Feuerwehr schnitt ihn ab, doch war er bereits tot. Budavest. 27. Jan. In der Ortschaft Ribia in Kroatien gerieten auf dem Wochenmarkt die Bauern Iwan Sela und Johann Elina in Streit, dem Sela dadurch ein Ende machte, daß er seinen Gegner durch einen Revolverschuß tot niederstreckte, worauf der Sohn des Eromrdeten Elina herabstürzte und den Mörder seines Vaters auf der Stelle erdrosselte. Budavest, 27. Jan. In der Nähe des Eceder moores, bei der Stadt Szatmar, sah der Bauer Janos Varga, als er bends vom Feide heimkehrte, aus der Erde ein Licht aufsteigen. Er wollte die Flamme erhaschen, und setzte sich schließlich auf sein Pferd, um das Irrlicht zu erreichen. Pwötzlich wich der Boden unter den Füßen des Pferdes, und Roß und Reiter versanken im Moor. Leute, die auf die Hilferufed es Untergehenden herbeieilten, konnten nur den Hut des Unglücklichen erhaschen. Bu davest. 27. Jan. Aus Antivari wird berichtet, daß ein Zauberkünstler, der sich dort als Nadelschlucker produzierte, von mißtrauischen Zuschauern in die Enge getrieben, wirklich den Versuch mach te, eine Stricknadel hinunterzuwürgen und infolge dieser Produktion auf der Stelle starb. Wien, 28. Jan. Gestern starb plötzlich der Bruder der Frau Hofrichter, der ein umfangreiches Material zur Entlastung Hofrichters beizubringen versuch hatte, infolge eines Schlagansalles. Man will bier nicht recht an einen natürlichen Tod glauben, nimm vielmehr an, daß Selbstmord vorliegt. Es verlautet, das der Bruder der Frau Hofrichter nicht mehr von der Unschuld Hofrichters überzeugt gewesen sei. Der Geburtstag des Raisers. Berlin, 27. Januar. Die Feier des Geburtstages des Kaisers im niglichen Schloß wurde auch in diesem Jahre durch das große Wecken eingeleitet, das die Spielleute 2. Garde=Infanterie-Brigade und die Hoboisten de 2. Garde=Regiments ausführten. Um 8 Uhr morgen setzten die Trommler auf dem inneren Schloßhofe m dem großen Wirbel ein an den sich ein Vers deNiederländischen Dankgebetes schloß. Der Kaiser schien schon während des Aufmarsches der Spiellen an dem großen Fenster über Portal 1 nach dem hinaus. Gleichzeitig blies das Trompeterkorps des Garde=Ulanen=Regimenntsn von der beschneiten Gales der=Schloßkuppel herab den Choral„Nun danket al“ Gott in die vier Windrichtungen. Die Reveille ser; sich im Schlenderschritt in Marsch, Trommler und Pie fer rührten das Spiel und die Kapelle ließ das# „Freut euch des Lebenz“ ertönen. So ging es dem Schloßplatz hinaus. ter seines Arbeitszimme mit Hochrufen, Hut= un grüßt. Wie das könig o waren auch die össe häude mit Fahnen und G lustige beobachteten die und zur Cour Geladenen treffenden Fürstlichkeiten verstärkte die Schuljugen garten und auf dem Sch werst die Glückwünsche zegen und empfing dam und Herren des engere tiers und im Pfeilersac und zum heutigen Tag und Prinzessinnen des kö Um 8.45 Uhr empfing d v. Bethmannnn Hollwe sammelten sich die Bot der hier akkreditierten Shohen Adels, der Reie S#underrats die Genero er des Schwarzen Ak die Präsidenten der dre sichkekt. Die Stäbe der Estrich, der Domchor herr erhöre mich in hof. Der Kaiser führte er König von Sachser Pürttemberg die Kron sie Fürstlichkeiten nahm neindegesang und Lith in. Oberhofprediger T Kaiser selbstgewählte A st meine Freude, daß neine Zuversicht setze sige alle deine Tugend“ domchor mit Posaunen ang„Gatt ist gewalti erländische Dankgebet In den festlich gesch rte der Reichstag her es Kaisers. Den einz ident Dr. Spahn auf agte u. a.:„An den lotte ragt stolz die de Crutz, dem Reiche zum ind fest steht das der nsere Sicherheit ruhen lber unser Kaiser hat Treue und des Weltfriadurch geworden wie ses, Mehrer nicht an ins nicht gelüster, aber und Stetigkeit sein Die Front der Mensch Sicht im Sinne der 1 Vser, politischer und so Wandel, in Wissenschaf ##erem Glücke. Kaisers pas der Kaiser dem! Rede schloß mit einem ufgenommenen Hoch! er Tafel blieben die #er Stimmung länger keichstagsgebäude seir esttages leuchten ließ rchitektonischen Forme eit hervortraten. Aus Anlaß des werden zahlreiche Beförderungen und so eben. U. a. wurden rden dem Reichskan, irner den Wilhelms=O Unna vom Rath, geb. Orden erster Klasse m hn Trott zu Solz, d Reischach, der Kronen Feorg von Schönaicherrn Zorn von Bulac em Kabinettssekretär Kreuz und Stern der Brille mit meinen reinsten. Wilhelm Spezialltät: Anfert Hauptgeschäft: Westenhellweg 9#. eferant der Augen schaftskasse, Orts 9 werden m Annone oder V Teilhal wendet Annt Ru K Will mit se vortret Bureau on ur and und u ten 8 als eine ein glücklicher das tatkräfinsbesondere lland, Bergors Herrn Hülfsarbeiter gl. Einfahrer schloß, indem überreichte, herrn. Genete mit einem auf die Retdem Gesang iger kommt“ zn der id das Therr Natur is i und frisch, ihrer beruftiuf den freie gen Herz und seinerlei für verflossenen e heim Stirberg mit lagen dem körund in den tikelverleihee. Treiben. il der SportHof“ in anUnterhaltung prort zusamnternatur der e ihrer höchönste Winterweren in der schieden den Paul Hermkes Spielautomallt. 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Der Kaiser erschien am Fen##r seines Arbeitszimmers und wurde vom Publikum i Hochrufen, Hut= und Tücherschwenken herzlich beitzt. Wie das königliche Schloß sich beslaggt zeigte, #a waren auch die össentlichen und viele private Gehäude mit Fahnen und Guirlanden geziert. Viele Schaulustige beobachteten die Anfahrt der zum Gottesdienst —à zur Cour Geladenen und der zur Gratulation eintreffenden Fürstlichkeiten. Nach Schluß der Schulfeiern zrkte die Schuljugend die Ansammlungen im Lustgarten und auf dem Schloßplatze.— Der Kaiser nahm merst die Glückwünsche der kaiserlichen Familie ent„, und empfing dannn die Gratulation der Damen ind Herren des engeren Hofes und des Hauptquariiers und im Pfeilersaal die hier ständig anwesenden und zum heutigen Tage hier eingetroffenen Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses und der Gäste. Um 8.45 Uhr empfing der Katser den Reichskanzler Dr. 2. Bethmannnn Hollweg. In der Schloßkapelle verkammelten lich die Botschafter und die anderen Chefs der hier akkreditierten Missionen, die Mitglieder des hohen Adels, der Reichskanzler, die Mitglieder des Bundesrats, die Generalität und Admiralität, die Riter des Schwarzen Adlerordens, die Staatsminister, Aie Präsidenten der drei Parlamente und die Hofgeistsichkekt. Die Stäbe der Zeremonienmeister klopfen den Estrich, der Domchor intonierte den Psalm 20„Der herr erhöre mich in der Not“. Dann erschien der Der Kaiser führte die Großherzogin von Baden, der König von Sachsen die Kaiserin, der König von Württemberg die Kronprinzessin. Das Kaiserpaar und ie Fürstlichkeiten nahmen vor dem Altare Platz. Geeindegesang und Lithurgie leiteten den Gottesdienst in. Oberhofprediger Dryander predigte über das vom Kaiser selbstgewählte Wort des Psalmisten„Aber das t meine Freude, daß ich mich zu Gott halte und eine Zuversicht setze auf den Herrn, daß ich verkündige alle deine Tugend“. Den Gottesdienst schloß, vom domchor mit Posaunenbegleitung vorgetragen, der Geang„Gott ist gewaltig, viel gestaltig“, dem das nieverländische Dankgebet folgte. In den festlich geschmückten Erfrischungsräumen feierte der Reichstag heute nachmittag den Geburtstag des Kaisers. Den einzigen Toast brachte der Vizepräident Dr. Spahn auf das Geburtstagskind aus. Er agte u. a.:„An den Masten einer starken Kriegsllotte ragt stolz die deutsche Flagge, dem Feinde zum Trutz, dem Reiche zum Schutz. Hoch und her, mächtig und fest steht das deutsche Haus. Unser Friede und nsere Sicherheit ruhen allerdings auf unserem Degen. lber unser Kaiser hat lich erwiesen als der deutschen Treue und des Weltfriedens mächtiger Hort; er ist uns adurch geworden wie Schirmer so Mehrer des Reies, Mehrer nicht an Land und Leuten, nach denen ns nicht gelüstet, aber Mehrer an Wohlfahrt des Voles und Stetigkeit seiner Entwicklung. Deutschland an die Front der Menschheit, das ist des Kaisers Ziel; dicht im Sinne der Ueberschätzung, vornan in religiser, politischer und sozialer Beziehung, in Handel und Wandel, in Wissenschaft und Künsten, aufwärts zu unerem Glücke. Kaisers Geubrtstag zeigt uns alljährlich, pas der Kaiser dem Reiche, was er uns ist.“— Die Rede schloß mit einem von der Versammlung beifällig ufgenommenen Hoch! auf den Kaiser. Nach Aufhebung er Tafel blieben die Reichstagsmitglieder in fröhlich#er Stimmung längere Zeit beisammen, während das Reichstagsgebäude seine Kerzen zur Feser des großen Festtages leuchten ließ, unter deren Schein die edlen rchitektonischen Formen des Gebäudes in ihrer Schöneit hervortraten. Aus Anlaß des heutigen Geburtskages des Kaiers werden zahlreiche Ordens= und Titelverleihungen, Beförderungen und sonstige Gnadenbeweise bekannt geeben. U. a. wurden verliehen, der Schwarze Adler= rden dem Reichskanzler Dr. v. Bethmann Hollweg, erner den Wilhelms=Ordender Prinzelfin Heinrich, Frau Inna vom Rath, geb. Jung(Berlin), der Rote Adler= Orden erster Klasse mit Eichenlaub dem Staatsminister vn Trott zu Solz, dem Oberstallmeister Freiherrn v. keischach, der Kronenorden erster Klasse dem Prinzen seorg von Schönaich=Carolath, dem Staatssekretär Freierrn Zorn von Bulach, der Kronenorden zweiter Klasse em Kabinettssekretär der Kaiserin von Behr=Pinnow, kreuz und Stern der Komthure des Hausordens von Hohenzollern, dem Chef des Militärkabinetts General der Infanterie Freiherrn von Lyncker, das Kreuz der Ritter des Hausordens von Hohenzollern Marinemaler Professor Saltzmann, Marinemaler Hans Bohrdt, Geschichtsmaler Professor Röchling. Der Charakter als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Excellenz wurde verliehen dem Professor A. von Werner, dem Generaldirektor der königlichen Museen Dr. Wilhelm Bode. Der Kaiser hat aus besonderem Allerhöchsten Vertrauen zu Mitgliedern des Herrenhauses auf Lebenszeit berufen: Professor Adolf Wagner, Bankdirektor Arthur v. Gwinner, Dr. Krupp von Bobleund Halbach, General der Kavallerie z. D. Freiherrn v. Bissing(Rettkau). Von hohen Auszeichnungen in der Generalität seien genannnnt: Die Verleihung des Schwarzen Adlerordens an General v. Deines, das Großkomthurkreuz des Hausordens von Hohenzollern an den Kommandanten des Hauptquartiers General= oberst von Plessen, des Großkreuzes des Roten Adlerordens an die Kommandierenden Generale v. Löwenfeld und von Mackensen. Auch für die Admiralität sind eine Reihe von Auszeichnungen und Beförderungen zu verzeichnen.— Der Chef des Zivilkabinetts von Valentini erhielt den Roten Adlerorden 2. Klasse mit Stern und Eichenlaub. Letzte Telearamme. Das Erbe König Leopolds. Brüssel, 28. Jan. Dem Blatte„Soir“ zufolge ist die Regierung entschlossen, bezüglich der belgischen und französischen Gründungen des verstorbenen Königs dieselbe Haltung einzunehmen, die sie bezüglich der Niederfüllbach'schen Gründungen einzunehmen beschlossen hat, nämlich die Gültigkeit dieser Gründungen gegen die Erbinnen zu verteidigen. Dieser Beschluß soll einstimmig vom Ministerrat getroffen worden sein und der König soll denselben gebilligt haben. Ausschreitungen im englischen Streitgebiete. London, 28. Jan. Der Streik in den englischen Kohlenbergwerken bei West=Hartlepool erreichte gestern seinen Höhepunkt. Die Streikenden versuchten das Haus des Direktors zu zerstören. Es kam zu einem förmlichen Kampf mit der Polizei. Das Verwaltungsgebäude der Zeche ist durch Feuer zerstört worden. Offenbar liegt Brandstiftung vor. Durch einen Erdrutsch getötet. Paris, 28. Jan. In Villars bei St. Etienne wurden drei Arbeiter durch einen Erdrutsch verschüttet. Zwei Mann wurden sofort getötet, der dritte schwer verletzt. Rom, 28. Jan. Bei Campobasso in den Abruzzen entgleiche infolge eines Erdrutsches ein Eisenbahnzug. Zwei Wagen stürzten den Eisenbahndamm hinab. Drei Personen wurden getötet, zehn leicht verletzt. Zur Hochwasserkatastrophe in Paris. Paris, 27. Jan. Im Keller des deutschen Botschaftspalais steigt das Wasser stetig. Ein Flügel des Ministeriums des Aeußern mußte heute nachmittag geräumt werden, da die Mauern infolge des Hochwassers bedenkliche Risse aufweisen. Auch in den von der Seine entfernteren Straßen machen sich die Folgen des Hochwassers mehr und mehr geltend. Im Quai de Louver sind bereits gegenüber dem Louvermuseum Senkungen eingetreten, sodaß dessen Gebäude vom Verkehr abgesperrt werden mußten. Paris, 27. Jan. Nunmehr ist nahezu die ganze Freitreppe der deutschen Botschaft überschwemmt. Höfe und Stallungen stehen unter Wasser, das auch die Bureaus des oberen Stockwerks zu füllen beginnnt. Die Bewohner des Erdgeschosses der Ruc de Lille wurden mit Barken fortgeschafft; alle Häuser in dem ganzen zwischen Invaltden= und Orsaybahnhof belegenen Viertel sind äußerst gefährdet. In die Keller des Elysee=Palastes dringt schon das Wasser. Der Papiervorrat der Zeitungen reicht nur für wenige Tage, man macht sich darauf gefaßt, auf buntem Papier zu drucken. Soeben trifft die Nachricht ein, daß die Stützen des Invalidenbahnhofes zu wanken beginnen. Man befürchtet den Einsturz dieses Bahnhofes. Minister Pichon konnte das Ministerium des Aeußern nur mittels Barke erreichen. Paris, 28. Jan. Der Stand des Hochwassers in Paris war gestern Abend 9 Uhr 40 Min. folgen der: Das angenehme Frostwetter lockte gestern nachmittag Hunderttausende zu beiden Seiten des Seineusers, doch nur wenigen, mit besonderen Passagier= scheinen Versehenen war es gestattet, die Barken zu benutzen, um die Rue de Lille und die benachbarten Straßen zu passieren. Der deutsche Botschafter hat in einem Pariser Hotel Wohnung genommen. Er und das Botschaftspersonal gelangten durch die Gartenpforte an der Seineseite aus dem Palais. Paris, 28. Jan. Die Nachrichten, die gestern im Bautenministerium eingetroffen sind, lassen die Hoffnung zu, daß die Krisis vorüber ist. Die Marne ist bei St. Maur stationär. Seit gestern Abend beträgt die Wasserhöhe 7,90 Meter. Das Wasser der Seire ist seit gestern Abend nicht mehr gestiegen. gegen 33 Millimeter Steigung am Morgen. Am Pant Royal verzeichnet der Pegel 9,30 Meter. Andererseits ist ein neuerlicher Witterungswechsel eingetreten. Das Barometer fällt rapide. Von den britischen Inseln wird das Erscheinen eines neuen barometrischen Minimums gemeldet. Man befürchtet infolgedessen für die albernächste Zeit wieder heftige Regergüsse oder Schneefälle. Bereits in den ersten Morgenstunden setzte der Regen ein. Die Behörden sind bemüht, in erster Linie die elyseeischen Felder zu schützen. Genjetruppen sind damit beschäftigt, Mauern aufzuführen, um das Wasser zurückzudämmen. Man hofft auf diese Weise das Fallen des Flusses abwarten zu können, ohne daß die elyseeischen Felder weiter überschwemmt werden. Ein Ingenieur der Metropolitanbahn teilte mit, daß die Gegend des St. Lazaro=Bahnhofes augenblicklich der am meisten gefährdetste Punkt von Paris ist. Infolge des Bruches eines Abflußkanals trat das Wasser auf die Gleise. Die Invaliden=Esplanade und der St. Michelplatz stehen unter Wasser. Die Loire ist im Steigen begriffen. An der Mittelmeerküste herrscht neuerdings Sturmwetter. Aus allen Teilen der Welt laufen Sympathiekundgebungen und Spenden für die Opfer der Katastrophe ein. Der Papst ließ durch den Nuntius 3000 0Francs überreichen. Die Zahl der Obdachlosen beträgt 38.000, die Zahl der Telephonstörungen 7000. Der König von Belgien stiftete 10,000 Francs für die Opfer der Katastrophe. Standesamts=Nachrichten. Dortmund 2. Vom 27. Jannar. Geburten. Ein Sohn: Bergmann Smielowski, Langestraße 66. Bergmann Braun, Rheinischestraße 216. Schlosser Nordmeier, Lessingstraße 17. Aufgebote: Bautechniker F. Meyer und Martha Reinert. Bergmann Invalide L. Gronemeyer und Ww. Gatske Bos. Bergmann F. Meidenstein und Ottilie Grenigloh. Sterbefälle: Ehefrau Anna Simon, Staufsenstraße 69, 26 Jahre. Otto Supenkamp, Langestraße 74, 11 Jahre. Emilie Keitel, Hamburgerstraße 70a, 2 Jahre. Ehefrau Elisabeth Benning, Schmiedestraße 8, 54 Jahre. Ehefrau Martha Pape, Kielstraße 76, 24 Jahre. Dortmund 1. Vom 27. Jannar. Geburten. Ein Sohn: Reisender Dohmann, Schleswigerstraße 32. Bäckermeister Bette, Dürenerraße 31. Anstreicher Schmitt, Kaiserstraße 109. Vorzeichner Zacha, Lortzingstraße 36. Eine Tochter: Bergmann Schlieker, Ravensbergerstraße 10. Schlo'ser Risse, Flensburgerstraße 18. Drogist Fromme, Bornstraße 107. Aufgebote: Eisenwerkarbeiter A. Kaufhold u. Anna Trittel. Eheschließungen: Adjustagearbeiter H. Wyludda und Witwe Henriette Lobodda. Sterbefälle: Bergmann P. Gruchala, Münsterstraße 144, 60 Jahre. Olympia=Theater. Heute Freitag, abends 8 Uhr unwiderruflich letzte Aufführung:„Die lustige Witwe“. Morgen Sonnabend abends 8 Uhr gelangt endlich Franz Lehairs neuester und größter OperettenSchlager„Das Fürstenkind“ zur Aufführung. Diese Operette war wegen Erkrankung eines Mitgliedes vom Spielplan abgesetzt worden. Die Operette„Das Fürstenkind“ hat in Wien am Johann Strauß=Theater bereits über 100 Aufführungen erlebt mit täglich stei gerndem Erfolge. Das Wiener Operetten=Ensemble kann diese grandiöse Operette nur an drei Tagen, also morgen, Sonnabend, Sonntag, und Montag, 31. Januar zur Aufführung bringen, da das Gastspiel am 31. Januar beendet ist. Bekanntmachung. Der„Verband Deutscher Eleitrotechniter“ hat des egen die Falsung einzelner, auf die eletttiiche Bel tung bezüglicher Bestimmungen der Musters zu einer neuen Polizei=Verordnung über die bauliche Anlac: Theatern, öffentlichen Versammlungsräumen und Zirkusanlagen von 1909(Runderlaß vom 6. Auril d. S.— 3. B. 7, 75.D=B. M. d ö A. 2 e. 1140 M. d. I.) Bedenken erhoben Um Mißverständnisse vorzubeugen, stellen wir als den Sinn der beanstandeten Bestimmungen folgendes felt: 1. Ju Zisker 2 Satz 3 der Paragraphen 33 und 116. . Die Bestimmung hat nicht das Dreileiterlystem für die ganze Anlage ausschließen, sondern nur fordern wollen daß die einzelnen Zweige der Beleuchtungsanlage an welche Lampen angeschlossen sind, von den Verteilungstafeln ab im Zweileitersystem ausgeführt werden sollen. 2. Ziffer 3 Satz 1 der Paragraphen 36 und 116. hat nur die Notbeleuchtung näher regeln, die Einrichtung und Anordnung der allgemeinen Beleuchtung aber dem Unternehmer überlassen wollen. Doppelte Beleuchtung für alle zu beleuchtenden Räume wird also durch die Bestimmung nicht verlangt. Da in Sackgassen Notkampen dadurch gefährlich werden, daß sie das den Ausgängen zustrebende Publikum irreführen, so wird in lolchen Fällen von der durch Paragraph 126 gegegebenen Dispensmöglichkeit Gebrauch zu machen sein. 3. Zu Jiffer 3 Abs 2 Satz 2 der Paragraphen 36 und 116. Der hier gegebenen Vorschrift gruppenweise Anordnung der Notlampen usw. wird schon genügt wenn 2 Lampengruppen und für jede der beiden Gruppen eine besondere Akkumulatorenbatterie vorhanden sind. Mit der weiteren Forderung, daß jede Lam e grupfe mit ihrer Akkumulatorenbatterie durch unverzweichte Hin= und Rückleitungen verbunden sein müsse, hat nur die wechselseitige Verbindung von verschiedenen Lampengruppen hinter ihrer Abzweigung aus der Hauptleitung ausgeschlossen werden sollen. 5. Zisker 3, Absatz 2 Satz 4 der Paragraphen 36 und 116. Der Begriff des„Panzerrohres ist kein ganz festkehender. Jedenfalls haben nach den Absichten des Musters alle, die Leitungen gegen mechanische Beschädlgung schützenden Metall= oder mettallisch überzogenen Rohre, und dabef auch Schlitzrohre zugelassen werden sollen. „ 5. Ziffer 2, Absatz 2 Satz 4 der Paragraphen 36 und 116. Unbedingte Sicherheit bietende Apparate für die Prüfung elektrischer Kraftquellen auf ihre jeweilige Leistungsfähigkeit gibt es zur Zeit noch nicht. Die Bestimmung hat selbstverständlich nur die jeweilig vorhandenen Prüfungsapparate im Auge. 6. Zu Ziffer 4 der Paragraphen 36 und 116. —. Nach der Absicht der Verordnung sollen auf elektrische Anlagen in Theatern und Zirkusanlagen die Vorschriften des„Verbandes Deutscher Elektrotechniker“ nur soweit anwendbar sein, als sie nicht durch die Bestimmungen der Paragraphen 36 und 116 der Verordnung ersetzt sind. 7. Ju Paragraph 36 Jiffer 5, Paragraph 67 Ziffer 5 Paragraph 71 d und Paragraph 116 Ziffer 5. Drahtschutznetze haben nur für die Glocken der aroken Bogen= und Kugellampen gefordert werden sollen. Für die Glocken sogenannter Sparlampen mit eingeschlossenem Lichtbogen, elektrischer Dauerbrandlampen sowie von Glühlampen sollte dieser Forderung nicht gelten. 8. Zu Paragraph 71d Satz 1. Die Bestimmung über die elektrischen Bogenlampen sollte sich nicht auf Sparbogensampen beziehen. Eure Tit. ersuchen wir, die Polizeibehörden anzuweisen, bei der Anwendung der Theaterbauordnung in diesem Sinne zu verfahren. Abdrucke dieses Erlasses zur Verteilung an die Landräte die Polizeiverwaltungen In Städten mit mehr als 10000 Einwohnern sowie an die Kreisbauinspektionen sind beigefügt. Für die Landräte sind 3—4 Abdrucke bestimmt, damit sie— soweit dies nach den örtlichen Verhältnissen nötig ist,— einige Abdrucke bei den ihnen nachgeordneten Polizct= behörden zur Kenntnisnahme in Umlauf setzen. Berlin, den 10. Dezember 1909. Der Minister der öffentl. Arbeiten. Der Minister d. Innern ** Im Austrage. In Vertretung. gez. Hinckeldeyn. gez. Holtz. Vorstehender Runderlaß wird hiermit zur Kenntnisnahme der Interessenten gebracht. Dortmuno. den 24. Januar 1910. Bau=Polizei=Verwaltung Dr. Schmieding Gebeimer Regierungsrat. Rechtsscbatzstelle für Fragen Vereins Frauenbildung—Fraumerwerb Markt 16. neues Sparkassengebäude. Eingang Balkenstraße. unentgeltliche Auskunft in allen Angelegenheiten erteilen Damen an unbemittelte Frauen und Mädchen. 5279 Sprechstunden: Donnerstags von 4—6 Uhr nachmitta Wer kurz= oder weitsichtig ist und wem bei seiner Tätigkeit die Augen rasch ermüden, muß sich rechtzeitig eine richtig passende Brille(Pincenez) mit meinen reinsten, prima Krystaltzläsern beschaffen. Wilhelm Macss, graudt Spezialltät: Anfertigung nach ärztlicher Vorschrift. Hauptgeschäst: Filiale: 56999 Vestenhellweg 96. Brückstrasse 4. Hotel; Röm. Kaiser Sitserant der Augenkliniken zu Dortmund, der Knappchaftskasse, Ortskrankenkasse, Fabrikkrankenkassen. 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Die im nördlichen bezw im westlichen Stadtteile wohnenden Steuerzahler werden gebeten, ihre Steuern möglichst bei den obenbezeichneten Nebenkassen ihres Stadtteils einzuzahlen. Die Vollziehungsbeamten sind zur Annahme von Geldbeträgen nur bei der Ausführung von Pfändungen und Versteigerungen ermächtigt. Wir bitten, die Zahlung möglichst bald vorzunehmen da sonst die Steueriaher unter dem ftarken Andrang bei den Kassen zu leiden haben und Zeit verlieren. Dortmund, den 24. Januar 1910. Der Magistrat. Eichhoff. 100 Stück Delikatess-Kümmelkäse Postcolli) für Mk. 3.30 fronko 50 Stück„Bauernhandkäse füür Mk. 400 franco liefert das Késeversandhaus von Herm. Schoning Kniestedt b. Salzaitteri H. Ein properes Tüchtige, an sauberes Arbeiten gewöhnte Ankörner suchen Stefens, Nölle& Cie., G. m. b. H. Eisenhoch= und Brückenbau, Stoppenberg bei Essen. Tücht. Sandiormer sofort gesucht. e rtein Pe en Dr. Lenge=Spies Aktien-Gesellichaft. Zum 15. 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Richard Strauß. Eintrittskarten: à 3.— Mk. sind im Verkehrsbureau, Markt 2a, und an der Abendkasse zu haben, auch werden 4 Freitags-Abonnementskarten in Zahlung genommen. Weiterer Preis-Abschlag! Eho-schllessungen rechtsgilt, in Eogland Prospekt„E 56“ frei, verschloss. 50 Pf Brock& Co. London, R.C., Queenstr 90/91 Kalk-Eier 85 Pf und 70 Pf. Impert-Eier 75 Pf. und 80 Pf. Allerfeinste Teinkeier ganz schwere Ware, stets billigste Tagespreise. Spezial-Geschäft Gustar Reusse bek. Verkaufsstellen. 171 Bekanntmachung. 10, 12, 13, 14, 27, 30, 31, 34, Von dem Kaiserlichen Patentamt zu Berlin herausgegebenen 89 Klassen der Pateutschriften werden in der Wilbelm=Augusta=Viktoria=Bücherei an jedem Mittwoch und Donnerstag Nachmittag von 3—6 Uhr folgende Klassen unentgeltlich ausgelegt: Klasse: 1, 3, 4, 5, 7, 8, 17, 18, 19, 20, 24, 26, 36. 37, 38, 39, 40, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 49. 50, 51, 53, 57, 58, 59, 60, 63, 64, 68, 70, 74, 75, 80, 81, 82, 84, 85 und 89. Durch die Auslegung der Patentschriften wird jedem Gelegenheit gegeben, sich über den Inhalt der vorbe nannten Patente zu unterrichten. Die neuerscheinenden Vatentschriften werden den Auslagestellen vom Kaiserl'chen Patentamt in Berlin in einwöchentlichen Zwischenräumen iberwiesen und dem Publikum alsbald nach ihrem Er scheinen zugänglich gemacht. Außerdem wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß die vom Kaiserlichen Patentamt herausgegebene amtliche Liste der Patentschriften auf Wunsch unentgeltlich verab folgt wird. Seit Uebernahme der Patentschriften in die Verwal tung der Wilhelm=Augusta=Viktoria-Bücherei(etwa 1. April 1908) gelangen stets sämtliche Klassen der Patentschriften zur Auflage. Dortmund, den 21. Januar 1910. Magistrat. Bekanntmachung. Städtische Kinderbewahr= und anstalt Missundestraße 5. Wie bisher, werden Kinder von etwa 4 Jahren ab zur Verpflegung und Beaussichtigung aufgenommen. An meldungen nimmt die Vorsteherin Fräulein Kröning, bei welcher auch die Aufnahmebedingungen eingesehen verden können, entgegen. Die Verwaltung des Armenwesens. Deutsche Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien. DORTMUND Wissstr. 14-16 DORTMUND Kapital und Reserven ca. Mk. 36000000. Neu errichtet: Geschäftstelle in Lünen Langestrasse 1. GELDEINLAGEN auf Depositen-Konto verzinsen wir zurzeit bei täglicher Kündigung mit 3½ " vierteljähriger„„ 3¾% " halbjähriger„„ 4% 159 % Diskontlerung von Wechseln und Eröffnung von Krediten unter günstigen Bedingungen. An- u. Verkauf von Wertpapieren. Für Kuxe besondere Abtellung mit ständiger Vertretung an den Börsen zu Essen-Ruhr und Düsselderf. Stahlkammer. Adolf Schustermann Zeitungsnachrichten-Bureau Berlin SO. 16, Spreepalast Größtes Nachrichten-Bureau mit Abteilungen für Bibliographie, Politik, Kunst, Wissenschaft, Handel und Industie. 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M. folge anlagung der Gemei tet: Die eingereichten lageverteilung in den das Rechnungsjahr 1 in vielen Gemeinden erlichen Mehrbedarf I kommensteuer aufzubi Mehrbedarf, der auf sens der Armenpfleg entstanden ist. Wir daß Aufwendungen sondern vorzugsweise decken sind, daß als der Regel ein Vier Trittel auch den Rebei nehmen wir fern vorzuheben, daß eine 200 Proz. nicht unt für die Heranziehun und daß eine AnreRealsteuerpflichtigen Kanalisationsgebühr bestimmungsmäßig Teil des Gemeindeste In der Jugend schw Asthma, Ohne jegliche V Morgens kreischende ein. Ich versuchte, di zubringen, jedoch vei diesem Uebel auch no steigerte, und Aam ie großen Schweiß, de Der Husten war so bewußtlos zu Bode mir unter solchen Um beiten. Nicht einm Tag und Nacht sitzen ringsten Bewegung und würde ich dame mir ein Ende gem gemäß muß ich sag darstellte. Durch ich ein Mittel, und selbe brachte mir w Heilung konnte kei ungefähr zwei Jahr ca. 70 Mark. Ni pfohlen undentschlos zu lassen. Schon mir gegeben wurde kommen, und siehe Ich habe alles en Die K „Wenn guä o „Ich bitte Dame sie un Wir wollten ei haben, daß die und dader Ges uns wandten, ster Ordnung.“ erledigt, legtd lonque zurück selnd ist mir leiden. habt, di rer Gre mit ihn Empfir ist nän sie zu 2 heit ers rade ni über wenn men Wälr Gele ter was ihne ten 3 viel min Ers ßer Freitag, den 28. Januar 1910. Zweites Blatt. Nr. 25. 27. Jahrgang. Verhältnis von Personal= steuern und Realsteuern. Im Hinblick auf die überall bevorstehenden Steuerumlagebeschlüsse für 1910 hat der Minister des annern. laut Mitteilung der„Kölnischen Zeitung", unterm 6. d. M. folgenden Erlaß über die Steuerveranlagung der Gemeinden an die Behörden gerichtet: Die eingereichten Nachweisungen über die Amlageverteilung in den Stadt= und Landgemeinden für das Rechnungsjahr 1909 haben erkennen lassen, daß in vielen Gemeinden das Bestreben bestcht, den steuerlichen Mehrbedarf lediglich durch Zuschläge zur Cincommensteuer aufzubringen, und zwar namentlich den mehrhedarf. der auf dem Gebiete des Volksschulwesens der Armenpflege und allgemeinen Verwaltung entstanden ist. Wir weisen daher erneut darauf hin, daß Aufwendungen dieser Art nicht ausschließlich, sondern vorzugsweise durch die Einkommensteuer zu decken sind, daß also ein angemessener Teil— in der Regel ein Viertel, in Industriegemeinden ein Trittel auch den Realsteuern aufzuerlegen ist. Hierbei nehmen wir ferner Veranlassung, wiede holr bervorzuheben, daß eine Belastung der Realsteuern mit 200 Proz. nicht unter allen Umständen die Grenze für die Heranziehung dieser Steuerart zu bilden hat, und daß eine Anrechnung anderweitiger Lasten der Realsteuerpflichtigen(zum Beispiel Anliegerbeiträge, Kanalisationsgebühren, Spanndienost usw.) auf den bestimmungsmäßig durch Realsteuern zu deckenden Teil des Gemeindesteuerbedarfs grundsätzlich nicht zulässig erscheint. Da seitens der Kommnnalaussichtsund Beschlußbehörden anscheinend nicht in allen Fällen eine genügende Prüfung der Notwendigkeit und Zulässigkeit der zu Ungunsten der Einkommensteuer vorgenommenen Verschiebungen des Belastungsverhältnisses zwischen Einkommensteuer und Renlstcuer stattgefunden hat, ersuchen wir, in Zukunft die Umwagebeschlüsse der Gemeinden einer streigen Prü fung zu unterwerfen und überall, wo eine erhebliche Erhöhung der Einkommensteuerzuschläge und Realsteuerprozente in Frage steht, genau zu prüfen, ob nicht zunächst in anderer Weise, sei es durch Einführung neuer oder Erhöhung bestehender indirekter Steuern, oder durch Gebühren und Beiträge, endlich auch, wo dies noch nicht geschehen sein sollte, durch Einführung besonderer Grund=, Gebäude= und Gewerbesteuern Abhilfe geschaffen werden kann. Jedenfalls muß einem etwaigen Bestreben, die Einkommensteuer ungünstiger als bisher zu beherdeln, ohne daß wesentliche Aenderungen in den Verhältnissen der betreffenden Gemeinden eingetueten wären, schon mit Rücksicht auf die stärkere Anspannung dieser Steuerart für den Staat mit Nachdruck entgegengetreten werden. Die Reste der Gewerbeordnungsnovelle. Aus Berlin wird der Sozialpolitischen Rundschau geschrieben: S. R. Von der ebenso umfangreichen wie buntscheckigen Gewerbeordnungsnovelle mit der der Reichstag im Jahre 1906 sich eingehend beschäftigt hat, sollen ausgewählte Abschnitte dem Reichstag in allernächster Zeit zu erneuter Prüfung zugehen. Das Schicksal jenes Gesetzentwurfs ist im allgemeinen bekannt. Da die Erledigung desselben im Rahmen der parlamentarischen Session auf Schwierigkeiten stieß, wurde ein Teilstück der Novelle vorweggenommen, damit die durch die Internalionalen Verpflichtungen an einem bestimmten Termin gebundenen Vorschriften rechtzeitig Gesetzeskraft erhielten. Die Kommissionsberatung der anderen Abschnitte war teils nicht zum Abschluß gekommen, teils auf Schwierigkeiten dadurch gestoßen, daß prinzivielle Meinungsverschiedenheiten zwischen der Kommissionsmehrheit und den Regierungsvertretern entstanden waren. Man hat sich daher bekanntlich entschlossen, dem Reichstage in der neuen Session nur diejenigen Stücke des Gesetzes vorzulegen die spruchreif geworden sind und die Aussicht auf Verständigung bieten. Dem Reichstag wird demnach ein abgeschlossener Entwurf zu einem Hausarbeitsgesetz zugehen, unter Berücksichtigung der von der Reichstagskommission gesaßten Beschlüsse, ohne freilich letzteren durchweg beizupflichten. Die Regierung hat sich damit einverstanden erklärt, daß, wie die Kommission wollte, die gesetzgeberischen Maßnahmen sich auf alle Gelverbezweigen erstrecken, in denen mit dem Betriebe Gefahren für Leben und Gesundheit verknüpft sind. während anfänglich beabsichtigt war, der Reglementierung nur bestimmte besonders gefahrvolle Gewerbezweige zu unterwerfen. Den Kommissionswünschen, daß auch für die Hausarbeit die Statuierung eines hygienischen Maximalarbeitstages angebahnt und die Sonntagsarbeit verboten werden sollte, hat die Regierung nicht beipflichten können. Sie beruft sich darauf, daß die Gesetzgebung gegen eine übermäßige Dauer der Arbeitszeit bereits insoweit eingeschritten sei, als die Beschäftigung noch nicht oder noch schulpflichtiger Kinder geregelt worden ist. Ferner wird für Verfügungen der gedachten Beziehung eine Handhabe durch die Bestimmung geboten, daß auf die Gesundheit und die Sittlichkeit der männlichen Hausarbeiter unter 18 Jahren und der Hausarbeiterinnen diejenigen besonderen Rücksichten zu nehmen sind, die durch das Alter und das Geschlecht dieser Arbeiter geboten sind. Im Hausarbeitsgesetzentwurt ist zur Durchführungn dieser allgemeinen Hinweise noch speziell vorgesehen, daß die Beschäftigung von eigenen und von fremden Kindern, für welche bereits in dem Kinderarbeitsgesetz von 1903 Bestimmungen enthalten sind über jene Anordnungen hinaus strenger reglementiert auch ganz verboten werden kann. Für andere Hausarbeiter unter 16 Jahren kann Beginn und Ende der zulässigen täglichen Arbeitszeil sowie die Dauer und Lage der Pausen vorgeschrieben werden; auch ist es zusä#ig, die Beschäftigung an Sonn= und Festtagen zu verbieten. In Wirklichkeit wird also den Forderungen der Kommission Rechnung getragen, ohne daß generelle Verbote erlassen werden, deren Kontrolle gerade bei der Junsarbeit mit außerordentlichen Schwierigkeiten verknd:: keäre. Den Beschlüssen der Kommission über die Einrichtung von Lohnämtern und die Einführung der Rechtsverbindlichkeit von Tarisverträgen haben die Regierungen, wie bekannt, ihre Zustimmung von Anfang an verweigert. Bei dieser Haltungn ist es auch geblieben, die Regierungen erklären den bezüglichen Beschlüssen, sich nicht anschließen zu könnnen. Kinderreien. Frau Schulze steht den stattlichen Kreis ihrer guten Freundinnen und getreuen Nachbarinnen zum Kaffee um sich versammelt und unterhält sich mit ihnen auss angeregteste über die bösen Abwesenden und sonstige interessante Dinge. Sie ahnt nicht, daß sie— wie sagt man doch?— am eigenen Busen die Schlange nährt,— unbildlich gesprochen: daß an ihrem reichbesetzten Tische eine Verräterin weilt. Während die Unterhaltung noch tebhaft weina Bronchialkatarrh, Lungenbluten, Chronisch Leidende — insbesondere alle an— Erkrankte wollen sich die Zeit nehmen, endstehende Urteile zu prüfen. Es ist dies nur ein verschwindend kleiner Teil der fortgesetzt eingehenden. Sie werden ohn: jeden Kommentar veröffentlicht, weil man die Ueberzeugung hat, daß das leidende Publikum sehr wohl im Stande ist, sich selbst eine Meinung zu bilden. Die Urteile sind außer stilistischen Abänderungen und Kürzungen, letztere wegen Raum=Mangel vorgenommen, wortgetreu. Originaldanksriefe deren Unterschriften behördlich beglausigt sind, liegen zur Einsicht aus und wird dringend gebeten, hiervon umfangreichen Gebrauch zu machen. Behördlicherseits ist dies bereits ges behen. Abwei hungen, von der Wahrheit, gleichviel ob sie in diesen einleitenden Worten oder in den nachfolgenden Urteilen gefunden würden, zögen streuge Strafen nach sich.— Um den Laien die Möglichkeit in die Hand zu geben, nicht erst den Ausbruh der Krankheit abzuwarten, sondern bei Auftreten auh nur eines einzigen Symptomes sich rehtzeitig nat Hilfe umzüsehen, folgen hier einige der am häufigsten vorkommenden Husten, vielfach zum Erbrechen reizend.— Auswarf zähen Schleimes.— Stehen aus Brust und Rücken.— Druk in den Schulterblättern.— Nachtschweiße.— un der Negel kalte Hände und Fäße.— Ate nnot.— Das Atmen ist später von hörbarem pfeisenden und schnurrenden Geräusch begleitet.— Blutfnucken.— Oft heftiger unrezelmäßiger Herzschlag, verbunden mit starkem Angstgefühl.— Mangelhafter Schlaf.— Schlechie Verdauung 2c. 2c. Zur Kur=Einleitung ist nötig die genaue Angabe des Leidens. Alters und Art der Beschäftigung Symptome: In der Jugend schwer leidend. Asthma, Bronchialkatarrh. Ohne jegliche Vorahnung stellten sich bei mir eines Morgens kreischende und pfeifende Töne in der Luftröhre ein. Ich versuchte, dieselben durch Räuspern wieder wegzubringen, jedoch vergebens. Gleichzeitig gesellte sich zu diesem Uebel auch noch Atemnot, die sich von Tag zu Tag steigerte, undim ich bei der geringsten Anstrengung in großen Schweiß, der stets sehr böse Folgen hinterließ. Der Husten war so arg, daß er mich nicht selten fast bewußtlos zu Boden warf. Selbstverständlich war es mir unter solchen Umständen auch nicht mehr möglich zu arbeiten. Nicht einmal liegen konnte ich, sondern mußte Tag und Nacht sitzend zubringen. Bei jeder, auch nur geringsten Bewegung steigerte sich bei mir die Atemnot und würde ich damals nur froh gewesen sein, wenn mit mir ein Ende gemacht worden wäre. Der Wahrheit gemäß muß ich sagen, daß ich ein jammervolles Bild darstellte. Durch vieles Suchen in den Zeitungen fand ich ein Mittel, und zwar ein sog. Asthmapulver. Dasselbe brachte mir wenigstens etwas Hilfe, doch von einer Heilung konnte keine Rede sein. Ich gebrauchte es ungefähr zwei Jahre und belief sich der Preis dafür auf ca. 70 Mark. Nun wurde mir Ihre Kur empfohlen und entschloß ich mich auch, dieselbe nicht unprobiert zu lassen. Schon durch die ersten Verordnungen, die mir gegeben wurden, hatte ich Hoffnung und Mut bekommen, und siehe die letztere Kur war auch die beste. Ich habe alles energisch und kleißig durchgeführt, und Kur-Institut„Spiro spero“, Dresden-Niederlössnitz, Hohestrasse Nr. 239 A. kann mit Recht sagen, daß ich nach Gott Ihnen meine lebenssrohen Tage, die ich jetzt wieder genieße, zu danken habe. Mit aller Hochachtung Franz Xaver Wagner, Haunstetten(Bayern). Die Echtheit vorstehender Unterschrift bestätigt Haunstetten,(Bayern).(L. S.) E. Hüber, Bürgermstr. Lungenkatarrh. Es war im Jahre 1903, wo ich zuerst einen schrecklichen Husten bekam, ich versuchte iedes Mittel. welches man mir sagte, auch habe ich mehrmals den Arzt aufgesuht, welcher etwas verschrieb, doch der Husten vers ing nicht mehr, er verlor sich ein bischen, doch ganz verging er nicht. Doch im September des Jahres 1905 wurde mein Leiden immer schlimmer, ich hatte große merzen in der Brust und im Rücken, m ine Schiitte die ich machte, wurden langsam, weil mir die List knapp wurde, auch schwollen mir später Hände und Füße an. Daraufhin ging ich wieder zum Arzt, welchem ich mein Leiden vorstellte, welcher erst eine Urinuntersuchung vornahm, und dann mich untersuchte, worauf er mir Schröpfköpfe setzte und mich wirder nach Hause schiate. Den ersten Augenblick war es mir ja leichte:, aber nachher war mein Leiden soviel ichlimmer die Schmerzen wurden immer größer. Da wurde ich in der Zeitung aus Ihr Inserat aufmerksam, worauf ich mich an Sie wandte. Nach 14tägiger Kur war ich schon wieder gonz lustig und freute mich meines bens. Ich besolgte Ihren Rat weiter, und heute bin ich wieder vollkommen hergestellt. Ich bin Ihnen ewig Dank schuldig und werde Ihr Kur=Institut allen ähnlich Leidenden empfehlen. Robert Kuhn, Müller, Frauendorf b. Stettin Herrenwieserstr. 49, I. Die eigenhändige Unterschrift des v. Kuhn wird hierdurch amtlich bescheinigt. Frauendorf. Der Gemeindevorsteher Halbmek. Lungenleiden. Seit meiner frühesten Jugend litt ich an einer Krankheit, welche sich von Jahr zu Jahr verschiimmrte Alle Aerzte, die mich bebandelten, konnten neir nicht helfen. Ich bin jetzt 19 Jahre alt, vor einem Jahre trat die Krankheit wieder sehr schlimm auf Der Arzt konst#irte en Lungenl iden. Er behandelte mich zwar doch trat nur eine kurze Zeit Besserung ein. Da kraf es der Zufall, daß ich auf Ihr wertes Institut aufmerksam wurde. Ich kann Ihnen nur mitteilen, daß ich durch Ihre Kur vollständig gesund geworden bin. Im Mannesalter von robuster Gesundheit. und alle Arbeiten mit Leichtigkeit errichter kann. Sage Ihnen nur meinen aufrichtigsten Dank. Achtungsvoll Minna Beilschmidt 95 in Baut bei Withelmshaven, Ha enstr. 2. Obige Unterschrift beglaubigt Der Gemeindevorsteher Brust. Magenleiden. Durch Erkrankung an Influene. bekam ich chronisches Magenleiden, meine Gesichtsfarbe wurde gelb und konnte ich nichts mehr essen. Die Kräfte wurden ganz alle. und glaubte ich an dem schrecklichen Uebel eingehen zu müssen. Ich habe mich mit demselben ziemlich ein halbes Jahr geplagt, bis ich endlich durch die„Chemnitzer Allgemeine Zeitung“ auf Ihr Kur-Institut aufmerksam wurde. So habe ich mich an Ihr Nur=Instilut gewandt. und schon 8 Tage nach Gebrauc Ihrer Kur, alles genau nach Ihrer Vorschrift durchführend, fühlte ich bedeutende Besserung. Der Appetit kum wieder. die Gesichtsfarbe wurde wieder norm. rei und schon nach 8tägigem Kurgebrauch nahm sch an Körpergewicht 5 Pfund zu. Ich war in kurzer Zeit wieder genesen und erfreue mich heute der besten Gesundheit. Ich kann darum nicht unterlassen, Ihnen für Ihre Hilfe meinen besten Dam auszusprechen und werde mich bemühen,, Ihre Kur weiteren Patienten zu emnfehlen. Hochachtungsvoll Clemens Spindler, Gutsbef. Cunnersdorf b. Hainichen. Beglaub. Bimberg, Gem.=Lorst. K S-n FRT Wu re. rScS#t Die Kinder des Sträflings. Roman von A. Sinowka. 5 „Wenn gnädige Frau keinen Anstoß daran nehmeno“ „Ich bitte Sie, Dora Petrowna..“ unterbricht die Dame sie ungeduldig.„Was geht mich das alles an! Wir wollten eine deutsche Erzieherin, weil wir gefunden heben, daß die Deutschen zuverlässig und pflichttreu sind, und dader Geschäftsfreund meines Mannes, an den wir uus wandten, Sie geschickt hat, so ist ja alles in schönster Ordnung.“ Und als wäre die Angelegenheit damit erledigt, legt die Dame sich in die Kissen ihrer Chaiselongue zurück und betrachtet Dora und Julius abwechselnd. „Sie sind hübsch,“ sagte sie zu den Geschwistern.„Das I. mir angenehm, denn ich mag häßliche Leute nicht leiden. Wir haben ein paar russische Gonvernauten gehabt, die hatten förmliche Kalmückengesichter.. ein wahker Greuel für mich. Ich hielt es denn auch nicht lange mit ihnen aus, der Anblick beleidigte mein ästhetisches Empfinden. Freilich, ganz so hübsch wie Tamara, das ist nämlich meine älteste Tochter, sind Sie nicht," meint sie zu Dora gewandt.„Tamara ist aber auch eine Schönheit ersten Ranges; Gala, meine zweite, dagegen ist gerade nur hübsch zu nennen.“ Frau Niegowo hätte sich wahrscheinlich noch länger über die körperlichen Vorzüge ihrer Kinder verbreitet, wenn nicht jetzt eben ihr Gatte aus dem Bureau gekommen ware und ungeduldig zu speisen verlangt hätte. Wahrend man in den Speisesaal ging, nahm seine Frau Gelegenheit, ihm die neuen Ankömmlinge vorzustellen. „Schon gut, schon gut,“ sagte er.„Wir sprechen späker darüber. Für den jungen Mann wird sich schon etwas finden, ich habe die Deutschen gern. Man braucht ihneu nicht auf die Finger zu sehen, wie den verdammten Kerls, meinen lieben Landsleuten, und das erspart viel Zeit“ Dabei nickt er Julius wohlwollend zu. Zum nindesten ist es so gemeint, denn man kann sich den Er#g#es Wohlwollens schwer mit Herrn Niegowos escheinung im Zusammenhang denken. Er ist ein groder breitschulteriger Mann mit stark ergrautem Haar und Vollbart und einem finstern Ausdruck in dem kühn und energisch geschnittenen Gesicht. Man wird bei seinem Anblick unwillkürlich an eine bösartige und tückische Bestie erinnert, die man sich in acht nehmen muß, nicht zu reizen. Seit die Geschwister ihn gesehen, will es ihnen nicht mehr so unglaubhaft erscheinen, daß er ein Verschickter gewesen ist. Es sitzen eine große Menge Personen um den langen Speisetisch: unverheiratete Beamte, ein altes Fräulein, welches die Stellung einer Haushälterin inne hat, eine ältliche Kinderfrau mit den beiden jüngsten zwei und drei Jahre zählenden Sprößlingen der Familie, der älteste Sohn des Hauses und die bereits genannten Glieder derselben. Der erwachsene Sohn, Gregor, hat im Vergleich zu seinem Vater etwas Sanftes, Stilles, auch ist er bedeutend kleiner als dieser. Seine fein gezeichneten Züge und melancholischen dunklen Augen würden ihn zweifellos das Anrecht auf das Beiwort „hübsch“ erworben haben, wenn er in seinen Bewegungen nicht so linkisch gewesen wäre. Er wie sein Vater trugen samtne Pluderhosen, hohe Stiefel und kurze Jacken aus dunklem Wollstoff, über gelblich seidenen Hemden, nur unterscheidet sich der Anzug des jüngeren durch eine fast weibische Zierlichkeit von dem des älteren Mannes. Um den Hals hat er ein rotes Seidentuch geschlungen, auch ist sein Hemd mit bunten seidenen Borten bestickt. Geredet wird bei Tisch wenig. Dagegen sprechen alle dem aus Kumyßsuppe, Kotelettes, gekochten Fischen und kleinen, mit gedörrtem Obst gefüllten Kuchen bestehenden Essen fleißig zu und trinken dazu Unmengen von Tee, den die Haushälterin aus einem riesigen Samovar einschenkt. „Ist sie nicht hübsch?“ fragt die Hausfrau, auf Dora zeigend, einmal ihren Gatten. Er nickt.„Aber schlecht angezogen,“ erwidert er lakonisch. Die ungenierten Blicke, mit denen jetzt das Ehepaar das junge Mädchen mustert, treiben diesem das Blut in die Wangen. Doch wird sie noch viel verlegener, als Frau Niegowo darauf zu ihr sagt:„Ich hoffe, Sie besitzen eine anständige Garderobe, Dora Petrowna. Denn darauf halten wir, wir sind die erste Familie in der Gegend und können es nicht dulden, daß die Erzieherin * unserer Kinder schlechter als eine Magd gekleidet ist. Ich hoffe, daß dies nur Ihre Reisekleidung ist."... Dora treten fast die Tränen in die Augen bei diesen unzarten Worten, und sie blickt sich scheu um, um zu erspähen, was die anwesenden Beamten dazu für Gesichter machen. Doch die scheinen kaum die Rede der Hausfrau vernommen zu haben, sie essen und trinken und sehen so stumpfsinnig wie möglich dabei aus. Am meisten tragen noch die beiden jüngsten Knaben, Efim und Leonty, zu der Tischunterhaltung bei. Sie sind ebenso hübsch, wie die meisten übrigen Familienmitglieder, doch so ungezogen, wie Dora meint, noch nie Kinder gesehen zu haben. Ihre Wärterin gibt ihnen von den sämtlichen, sehr schweren Speisen zu essen, aber sie verlangen immer mehr, rühren es dann doch oftmals nicht an, fahren mit den Fingern in den Teller und erheben ein mörderisches Geschrei, wenn man es ihnen verbietet. „Sie verwöhnen die Kinder unerhört, Warwara Murawjew,“ sagt Frau Niegowo streng zu der Wärterin. „Sie verstehen es eben absolut nicht, Kinder zu erziehen, es ist eine wahre Schande, wie Sie sich von ihnen auf der Nase spielen lassen. Efim," ruft die Dame,„wenn Du nicht gleich aufhörst, zu brüllen, so bekommst Du Prügel, hörst Du es?“ Die einzige Wirkung dieser Drohung ist jedoch, daß der kleine Krauskopf ein noch weit ärgeres Geheul anstimmt. Als die Kinderfrau ihm den Mund zuzuhalten versucht, entspinnt sich ein Kampf zwischen beiden, der damit endet, daß Efim sich den gefüllten Teller auf sein weißes, gesticktes Kleidchen wirft. „Um Gottes willen!“ stöhnt Frau Niegowo, sich die Ohren zuhaltend.„Das ist nicht zu ertragen. Mein Kopf, mein Kopf!“ „Valeska, meine Teure, mein Herzchen..“ bittet ihr Gatte, und es ist erstaunlich, welche weichen, zärtlichen Töne der rauhe Mann mit einem Male findet, „rege Dich doch nur nicht auf. Du weißt boch, wie zart Du bist. Ich werde die Bengel durchhauen und damit gut.“ Frau Valeska blickt den Gemahl schmachtend an. „Ach nein, Ssemen, nicht hauen, wir wollen ihnen etwas Süßes geben, dann sind sie auch still. Wara," ruft sie zu der Kinderfrau herüber,„legen Sie Efim und Leonty eine Hand voll verzuckerter Zirbelnüsse auf den Teller.“ Diese Anordnung aber weckt den Widerspruch von Blanka und Alexandra. Sie, die bisher still daresessen haben, als ob sie kein Wässerchen trüben könnten, fangen plötzlich an zu heulen und wollen es durchaus nicht gestatten, daß die Brüderchenfrüher als die anderen vom Dessert erhalten. „So geben Sie ihnen auch Zirbelnüsse,“ schreit Here Niegowo der Wärterin zu.„Geben Sie ihnen soviel sie wollen, damit Valeska Antrowna endlich Ruhe hat.“ „Sehen Sie, Dora Petrowna, was für einen lieben Mann ich habe?“ wendet sich Frau Niegowo an Dora, indem sie dem Gatten zärtlich mit der Hand über den Rockärmel fährt.„Er ist immer so ritterlich und so besorgt um mich, und wir sind doch schon vierundzwanzig Jahre verheiratet. Aber wir lieben uns wie am ersten Tage, nicht wahr, Ssemnen?“ Herr Niegowo murmelt irgend etwas, das eine Zustimmung bedeuten soll, und küßt seiner Gattin galant die Hand. Die kleine Szeue ehelicher Eintracht wird aber leider durch das Geschrei der Kinder unterbrochen, die alle vier behaupten, daß sie bei der Verteiluno der Zirbelnüsse zu kurz gekommen wären. „Raus mit ihnen.. bringen Sie sie zu Bett," brüllt der glückliche Vater. Und so werden die Kinder denn sämtlich mit seiner Hilfe hinausgeschafft. Noch eine ganze Weile hört man von weitem ihr Geschrei. Dora ist es angesichts dieser kleinen Probe der im Niegowoschen Hause herrschenden Erziehungsmethoden etwas bänglich zu mute geworden. Wie soll sie nur gegenüber den Kleinen ihre Autorität bewahren, wenn die Eltern selbst so inkonsequent gegen sie sind?“ Nach Tisch entfernen sich die Beamten und nur das Ehepaar mit seinem Sohn bleibt bei Julius und Dora zurück. Als jetzt das Dessert, die bewußten kandierten Zirbelnüsse und dunkler cachetischer Wein, aufgetragen wird, meint Frau Niegowo zu den Geschwistern:„Wenn Sie müde sind, brauchen Sie nicht hier sitzen zu bleiben. Gehen Sie dann nur auf Ihre Zimmer.“ 176,18 Die beiden erklären dann natürlich, daß sie gern von der erhaltenen Erlaubnis Gebrauch machen wollten, da sie aber keine Ahnung haben, wo ihre Zimmer liegen, bleiben sie abwartend hinter ihren Stühlen steren. tersprudelt, entfernt sich Frau Meier auf ein Vlertelstündchen,„einer dringenden Angelegenheit wegen“, wie sie sagt, in Wirklichkeit, um mit der Todfeindin der Frau Schulze gemeinsame Sache zu machen und ihr in einem unfreundlichen Unternehmen gegen Frau Schulze zu helfen. Tann kehrt sie zu eben dieser Frau Schulze zurück, trinkt von ihrem Kussee, ißt von ihrem Kuchen und ist entzückt und eitel Lube. Nicht wahr, das ist niederträchtig, zemein und unverzeihlich! In Dresden soll jüngst— die„Konservative Korrespondenz" enthüllt es— etwas Aeh tliches passiert sein. Dort gab vor einigen Tagen der Minister des Innern, Graf Vitzum, eine Seitee, der die königliche Familie die Ehre ihrer Anwesenheit schenkte. Zu den Gästen gehörten der nationalliberale Landtagspräsident Dr. Vogel und der Vorsitzende der nationalliberalen Fraktion Landgerichtsdirektor Heiner. Beide Herren sind zugleich Mitglieder der Dresdener Stadtverordnetenversammlung. Währeno der Tafel wurden sie, da gleichzeitig in der Stadtverordnetenversammluig Neuwahl des Vorstandes stattfand, abberufen, um an der Stichwahl für eines der Vorstandsmitglieder teilzunehmen. Dabei geschah das Unglaublich:: obwohl sie eben noch die gleiche Luft wie die Lönigliche Familie geatmet hatten, gingen sie bin und stimmten für den Umsturzkandidaten und gegen den konservativen Vertreter der Staatserhaltung. Hierauf begaben sie sich, als sei nichts Schlimmes geschehen, zur Soiree des Ministers an die Seite der königlichen Familie zurück. Die„Konservative Korresp.“ ist über solches Tun natürlich entsetzt; sie gibt ihrer Meldung die beklommene Ueberschrift:„Immer weiter auf der schiefen Bahn!“ Man kann der„Konservativen Korrespondenz“. die Betrübnis über die Niederlage ihrer Partei in der Dresdener Stadtverordnetenversamml:g nachfühlen; schade nur, daß ihre Klage über die schlimmen Zeitläufte nirgendwo Eindruck machen wird. Nicht einmal bei den Konservativen selbst. Denn diese sind gar nicht solche politische Kinder, daß sie die Politik als eine Beschäftigung ansähen, die man aus der Kaffeekränzchen=Perspektive zu betrachten habe. Frau Meier ist gewiß eine ordinäre Person, aber die Herren Dr. Vogel und Hettner tonnten nicht aufhören, ernsthafte Politiker zu bleiben, weil ihnen Seine Majestät die Gnade einer Anrede gewährt hatte. Vermischtes. Bambera, 27. Jan. Der Seminarist Mül ler, der sich, wie berichtet im Schnellzuge Nürnberg München durch einen Revolverschuß lebensgefährlich verletzte, gab im Krankenhause an, der Direktor wäre Schuld an seiner und seiner beiden Kameraden Flucht. Amerikanische Wunderkinder. Man schreibt der Frankf. Ztg. aus Newyork: Bosten ist ist die amerikanische„Stadt der reinen Vernunft" Die Humoristen lassen den Bostoner immer in affektiert gewählter Rede sprechen, wobei sie ihm statt der kurzen und kernigen angeksächsischen Ausdrücke jene vier= und fünfsilbigen, aus dem lateinischen stammenden Haupt= und Zeitwörter in den Mund legen, die den Schrecken jedes amerikanischen Schulkindes bilden. Boston ist auch— man könnte fast sagen natürlich— die Stadt der Wunderkinder. Ueber die Immatrikulation des 11jährigen William Sidis an der Havard=Universität habe ich schon vor einigen Monaten berichtet. Dieier Tage hat nun der gelehrte Knabe vor einem Fach=Publikum einen Vortrag über ein sehr schwieriges mathematisches Thema gehalten, der allgemeines Erstaunen erregte. Der Vater dees Jungen, ein priktischer Arzt aus Russisch=Polen, will ihn übrigens nicht als Wunderkind gelten lassen. Was William leiste, gehe nicht über die Fähigkeiten des normalen Kindes, meint Sidis Senior, man habe nur nötig, für jede junge Menschenpflanze von der Wiege ab ein rationelles Erziehungsprogramm aufzustellen, und die Welt werde voll solcher Wunderkinder sein. Norbeit Weiner, ein anderer Harvard=Student, ist erst 14 Jahre alt, hat aber schon den Grad eines„Bachekor of Arts“ vom Tuft=College erhalten. Weitere Wunderkinder in Boston sind Lina und Adolf Berle, die 15 besw. 14 Jahre alten Kinder eines Geistlichen. Erstere stu diert in Radclisse, letzterer im Harbard=College. Jung=Berle schreibt die besten Artikel im HarvardDie Marmorfelder in Deutsch=Südwestafrika. Die Marmorfelder" Unosti in Deutsch-Südwest: Afrika Masstad 9. S*** Hiometer chen-Frulärung and Harmorfelder Eisenbahnen farmengrenzen KONGANA-WE. 5·T Nuhasane #-ech#### Sukenntid: Die älteste der deutschen Kolonien, die cuch wohl bereits die meisten Zubußen gesordert hat, Südwestafrika, scheint jetzt volkswirtschaftlich immer mehr zu erstarken. Nachdem Geologen unmittelbar nach Niederwerfung des letzten Aufstandes en Erzr.ichtum des Landes festgestellt, nachdem große Tiamantenfunde gemacht wurden, die dem Staate lereits einige Millionen einbrachten, kommt nunmehr die Kunde von einem kaum minder wertvollen Kunde. Der Reichstagsabgeordnete Dr. Goller, der selbst Fachmann ist, überraschte am Mittwoch damit, daß er im Reichstage eine Anzahl wundervoller Marmerplatten in allen Farbennuancen auslegte, die er silbst aus Südwestafrika mitgebracht hat. Daß Marmot in den Kolonien vorhanden ist, war allerdi igs schon bekannt, doch kann man sich von der ungeheuten Ausdehnung der Marmorfelder nur ein Bild machen, wenn man bedenkt, daß in Südwest diele Milliarden Kubikmeter gefundenen Marmors zum Abbau zur Verfügung stehen. Besonders ias Gewicht fällt bei der Erschließung der Felder die unmittelbare Nähe der Staatsbahn und der Otuvibahn, die beide die Marmorfelder durchschneiden. Die beistehende Karte gibt eine Uebersicht der Felder, die an Umfang und Reichhaltigkeit von keinem anderen der Welt erreicht werden. Das Bochwasser in Paris. #uns inmme Buhl u#e. TEF uI n F1 ∆ □ □ se Die Uberschwemmung in Paris 0 Dse gefährdete Almabrücke O Der Oberschwemmte Orsav Bahrho ODer Bärenzwinger im Toolog.Gart — Der Vororr St. Pière u. Mas Eine Strassenszene aus d. Umdebon Die furchtbare Hochwasserkatastrophe in der französischen Hauptstadt und dessen unmittelbarer Umgebung veranlaßt uns heute wieder eine Serie Bilder aus der überschwemmten Stadt zu bringen. Die Alma-Brücke über die Seine, knapp am Eifelturm, ist dem Einsturz nahe. Ein weiteres Bild führt uns in dem Gare d’Orsay, wo die Eisenbahnzüge einek Meter tief im Wasser stehen. die Bären im Zoologischen Garten, die lange Zeit kalte Bäder nhmen mußten, und sich dabei aber sehr wohl befanden, sind nun„aufs Trockene“ gebracht worden,= ohne irgend welchen gesundheitlichen Schaden zu erleiden. die beiden letzten Ansichten zeigen uns das überschwemmte St. Piere bei Paris, sowie eine Straßenszene in einem Vorort. W Lampoon, der Monats schrift des College.— Letzten Sonntag tauchte auch hier in Newyork ein Wunderkind auf, John Fugarino, ein nean Jahre alter Italienerknabe, den der Pfarrer„Unserer lieben Frau von Loretto“ eine Predigt iher„Christi Sendung“ halten ließ. GS Handel und Verkebr. Frankfur t a. M., 27. Jan. Nach der Frangt Ztg. läßt die Berliner Getreidefirma Treysus am nächsten Tienstag wieder etwa 7 Nillionen Gon in Doppelkronen von Hamburg aus nach Aroentinien abgehen. Das Gold wird wieder der Reichs, bank entnommen. Frankfurter Abendbörse. Kredit 210,80 Tiskonto 19,50 Dresdener Bank 16.1.3s Staatsbahn 132,50 Lombarden Baltimore Ohio 115,75 „ Paketfahrt 133.90 Gelsenkirchener 216 80 Harpener 210 50 Phönix 221,30 Luxemburger 218,20 Kleyer 379.00 Schuckert 136,40 Siemens u. Halske 339,90 Rüttgerswerke 188,50 Bulgar. Tabak 101,55 — Tendenz: Etwas schwächer. *** Hannover, 27. Jan. Der Aufsichtsrat der Lindener Eisen= und Stahlwerke schlägt die Verteilung einer Tividende von 10 Proz. ki. V. 12 Proz.) vor, Prag, 27. Jan. Der größte Teil des österreicht. schen Tafelglasfabriken kündigt eine wesentliche Preisermäßigung an, wegen Ansammlung der Vorrätc und wegen Mangels an Export. Newyork, 27. Jan. Durch den Zusammenbruch der United States Banking ompany erleiden amerikanische Firmen in Mexiko schwere Verluste. Die Bank ist stark engagiert an der Mexican National Packing Co., für welche der Präsident Ham mittels nicht der Kontrolle des Direktyriums unterliegenden Tratten auf Londo ter Kredite beschaffte. Literatur. Der Verlagshandlung Ferdinand. Schöningh in Paderborn ist es gelungen, von der Dichtung Goliath des Dreizehnlindendichters F. W. Weber eine billige Volksausgabe zu veranstalten; das Erscheinen einer solchen kann nur mit Freude begrüßt werden, denn Goliath, ein evisches Idyll aus dem norwegischen Volksleben von hohem dichterischem Reiz, ist ein Werk von schlichter Größe und reiner Frömmigkeit, ein Lied der Liebestreue und pflichtgetreuer Entsagung, das auf jeden Leser einen mächtigen Reiz auszuüben imstande ist. Der Preis des gebundenen Eremplares wird nur 1.25 Mark betragen(bisher 4 Mark). der auf allen Pacheten. 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Rückporte. 6485 ehe mit Abonnements auf die Gartenlaube dem Beiblatt„Die Welt der Frau“ zum Preise von wöchentlich 25 Pfg. werden von allen Buchhandlungen jederzeit entgegengenommen. In Heft 1 beginnt der neue spannende Roman„Ein löniglicher Kaufmann“ von Ida Boh=Ed. „ 2„ n 2 S.* Sn 80 Nun, eine solche Mißhandlung konnte das kleine Wesen sich nicht gefallen lassen, es kreischte, als ob es am Spieße stecke. Fräulein von Schmidt war geneigt, dies unzarte Zufassen auch ihrerseits übelzunehmen. Als sie aber den Ausdruck hilfloser Eingeschüchtertheit aus dem guten Gesichte ihres Gegenüber wahrnahm, gewann sie ihre frohe Laune zurück. „Können es nicht am Ende die Zähne sein? erkundigte er sich unter einer plötzlichen Inspiration. Das Fräulein und die Amme wechselten einen Blick ungeheuren Befremdens miteinander, sagten aber nichts. Oskar sah ein, daß er der Untersuchung ein Ende machen müsse. „Machen Sie sich keine Sorge, Fräulein von Schmidt,“ sagte er,„dem Kinde fehlt nichts Besonderes. Es ist nur die Folge des Luftwechsels.“ „Und was sollen wir tun, Herr Doktor?“ „Ja, ja!“ Er zerbrach sich den Kopf, um endlich die schwerwiegende Verordnung zu erteilen:„Geben Sie ihr viel heiße Milch zu trinken und lassen Sir es recht viel schlafen. Viel Schlaf und viel Milch wird es bald wieder herstellen.“ „Ja, aber was für Medizin?“ beharrte das junge Mädchen, dem eine Krankheit ohne Medizin garnicht genug gewürdigt schien. „Kurellasches Brustpulver eingeben und den Leib mit heißem Oel einreiben," verordnete er, indem er sich lebhaft an seine eigene Kindheit erinnerte. Dann aber fiel ihm wieder aufs Herz, ob er damit auch nicht Schaden anrichten könne und er entschied:„Nun, doch noch nicht gleich. Ich werde mich wieder nach dem kleinen Patienten umsehen,“ fügte er ein wenig zu munter und entgegenkommend für einen Jünger Aeskulaps hinzu. „Tanke Ihnen,“ sagte seine liebliche Mädchenknospe.„Morgen abend erwarte ich Gott sei dank auch meine Schwester zurück. „So? Nun, beunruhigen Sie sich nicht über die Kleine. Sie ist nicht in Gefahr. Sollte etwas Schlimmeres eintreten, so werden Sie doch sogleich schicken?“ Oskar Bendel ging nicht direkt nach Hause. Er machte einen weiten Umweg und marschierte angsterregend schnell; denn er bemühte sich, durch scharfes Ausschreiten und viel Nachdenken sein erwachendes Gewissen zum Schweigen zu bringen. Zwar war ihm seine List über Erwarten gelungen. Er hatte die zarte, duftende Wunderblume, die ihm unter all den Klatschrosen und anspruchsvollen Zierblumen dieses modischen Rendezvous=Platzes der besitzenden Welt aufgeblüht war, persönlich kennen gelernt, hatte mit ihr gesprochen, sie in ihrem häuslichen Leben und Treiben beobachtet und sie nun erst recht lieb gewonnen. Aber diese Errungenschaft war teuer erkauft. Er sah voraus, daß diese Freudenquelle ihm noch schneller versiegen müsse, als sie aufgesprungen war. Die törichte Lüge, durch die er sich diese schöne Stunde verschafft, unbesonnen und leichtsinnig, wie sie sich ihm auf die Zunge gedrängt hatte, konnte nichts anderes als Scham und Sorge und wer weiß was sonst noch in ihrem Gefolge haben. Gesetzt, dem Baby fehlte etwas Ernstes, was sollte daraus werden? Ob er nicht am besten täte, den ganzen rerzwickten Fall einfach seinem Vater zu gestehen? Aber nein, das wäre doch toreilig gehandelt. Bis jetzt war des Kindes Zustand doch völlig harmlos. Es litt doch eigentlich bloß an der übertriebenen Aengstlichkeit seiner Wärterinnen. Würde es sich verschlimmern, so sollten sie ja nach ihm schicken. Tann war noch immer Zeit zu der unangenehmen Beichte. Denn daß sein Vater ein Muster von Gewissenhaftigkeit, in dem Punkte keinen Spaß verstände, konnte er sich selbst sagen. Jetzt aber fiel ihm die Medizin ein, die er versprochen hatte Er wendete seine Schritte heimwärts. Sein Vater war noch nicht zurückgekommen. Er stahl sich wie ein Dieb in sein Sprechzimmer und seinen Arzneischrank, spülte ein Fläschchen aus und füllte es aus einer großen Kruke mit der Aufschrift:„Destilliertes Wasser," Tann tat er Zucker hinein und schüttelte den Inhalt gut um. Darauf schrieb er eine Signatur mit genauer Anweisung, befestigte sie an der Flasche und brachte dann diese höchst eigenhändig nach Nr. 17. Tabei aber kam er sich nicht anders vor wie ein Giftmischer, der seinem Opfer den tötlichen Trank brächte. Die Amme öffnete auf sein Klingeln. „Wie geht es dem Kinde?“ fragte er in unheimlicher Erwartung. „Es schläft,“ war die Antwort.„Wir haben ihm heiße Milch eingegeben; es hat sie aber sehr schwer genommen, danach ist's eingeschlafen.“ Er händigte ihr die unschuldige Flasche ein, die ihn in seinen eigenen Augen zu einem Giftmischer stempelte und unternahm wieder einen ähnlichen Spaziermarsch auf der Flucht vor seinem aufgestachelten Gewissen wie vorher schon. Allein die Flucht rettete ihn nicht vor sich selber. Mochte er es anstellen, wie er wollte, es war ihm nicht möglich, die Sache auf die leichte Achsel zu nehmen. Die Vision von dem Giftmischer ließ nicht von ihm ab. Als er müde war zum Zusammensinken, schleppte er sich nach Hause und schloß sich in sein Zimmer ein, Speise und Trank verschmähend, um nur ja nicht seinem Vater unter die Augen treten zu müssen. Welch' ein Glück, mußte er immer wieder denken, daß seine gute Mutter gerade bettlägerig war und ihn jetzt nicht mit ihren Fragen quälen konnte! Er streckte sich auf sein Bett und versuchte zu schlafen; aber es gelang ihm niht. Ja, er konnte selbst in der Nacht keinen Schlaf finden, seine fieberhafte Erregung steigerte sich vielmehr von Stunde zu Stunde. Endlich konnte er es nicht mehr länger ertragen, er weckte seinen Vater und bat ihn um ein Schlafmittel. Als er das genommen hatte, verfiel er in einen tiefen, traumlosen Schlaf. Es war Mittag, als er erwachte. Vor dem Einschlafen hatte er den Entschluß gefaßt, gleich am nächsten Morgen seinem Vater alles zu beichten. Tazu hatte er nun freilich zu lange geschlafen; denn sein Vater war längst unterwegs. Indessen hatte die lange Ruhe ihm gut getan und seine Lebensgeister erfrischt. Ohne auch nur eine Tasse Kaffee zu sich genommen zu haben, trat er seinen nur zu wohlbekannten Weg nach der unvermeidlichen Nr. 17 an. Koste es was es wolle, er mußte wissen, wie es dem Opfer seines Leichtsinns erging. Das Haus stand auf der anderen Seite der Straße, und ehe er diese überschritt, zögerte er einen Moment. Gerade da aber öffnete sich die Haustür und in ihr erschien die Nemesis in Gestalt von Fräulein von Schmidt in Begleitung seines Vaters, der sich soeben abschiednehmend verbeugte. „Ta ist der andere Doktor,“ sagte das junge Mädchen, den scharfen Blick auf ihren Anbeter geheftet. „Wo?“ fragte der alte Herr, Straße auf, Straße ab sehend. Mit dreien seiner Riesenschritten stand Oskar vor den beiden. „Ah, guten Tag, Fräulein von Schmidt! Wie befinden Sie sich! Ich hoffe, Ihrer kleinen Nichte geht es besser? Wie ich sehe, ist ja mein Vater bei ihr gewesen. Nun, ich empfehle mich, Adien!“ Tabei schob er seinen Arm durch den seines Vaters und zerrte den alten Herrn mit sich fort, der zu überrascht war, um ein Wort hervorbringen zu können. Erst als sie das Haus ein gutes Stück hinter sich hatten, kam der Doktor zu Worte und sagte, indem er stehen blieb:„Du willst mir doch nicht etwa weismachen, du seiest imstande gewesen, das zu tun?“ „Vater, sei mir nicht böse,“ flehte der junge Mann in demütiger Haltung und Geberde. „Junge— nicht böse?! Das konnte dir passieren, einem angehenden Rechtsgelehrten? Weißt du nicht, daß das ein strafbares Verbrechen ist?“ So ernstlich böse wie in diesem Augenblick hatte Oskar seinen Vater nicht mehr gesehen, seitdem er seinen letzten Dummenjungenstreich verübt hatte, der freilich lange nicht so schlimm gewesen war, wie dieser. „Ja, ja., Vater ich weiß alles“, sagte er ganz gebrochen. „Aber ich überlegte es nicht, als ich's einfädelte. Ich tat es unter dem Impuls des Augenblicks. Komm herein, tue mir den Gefallen, komm herein.“ Sie gingen ins Haus und in des Doktors Studierzimmer Tort sprach sich Oskar alles vom Herzen herunter.„Es tut mir schrecklich leid, Vater, und ich habe entsetzlich darunter gelitten,“ schloß er seine Beichte. Dafür sprach ja nun freilich sein bleiches verstörtes Aussehen nur allzu deutlich und der Zustand, in welchem der Doktor den Sohn in der Nacht gesehen hatte, erst recht. So erteilte er ihm denn noch einen geharnischten Verweis, dann aber seine Absolution. „Sie holten mich heute früh,“ erklärte er.„Zum Glück fehlt dem Kinde nichts Ernstliches. Ich sah deine Mixtur,“ fügte er mit einem lustigen Augenzwickern hinzu.„Sie roch und schmeckte verdächtig nach Zuaerwbasser.“ „Reines Zuckerwasser, ich kann es beschwören,“ versicherte Oskar, der unter des Vaters humoristischer Ausdrucksweise wieder aufzuleben begann.„Sieh doch, ich nahm es aus dieser Kruke und den Zucker von meinem Kaffeebrett.“ „Nun, das ist immerhin eine ungefährliche Mischung,“ verversetzte der Vater.„Jetzt tu mir aber den einzigen Gefallen und sage mir, wie du dazu gekommen bist!“(Schluß folgt.) Feierstunden Nach langen Kämpfen Den Erinerungen eines Detektios nacherzählt von H. Rockwood. „Das vermute ich. Sie wußten auch nicht, daß sie mit einem jungen Manne in dieser Stadt verlobt ist, mit dem Kassierer einer Bank in der Staatenstraße.“ „Nein, das wußte ich nicht.“ „Und doch ist das der Fall. In einem Monat soll die Hochzeit sein, wenn alles gut geht.“ „Was hat dies mit meinem Fall zu tun?“ „Sie sehen daraus, wie unmöglich die Aufklärungen sind, die Philipp Roß Ihnen gegeben hat.“ Clarissa schwieg. Ihr wachsendes Zutrauen zu Forster verlieh seinen Angaben stärkere Ueberzeugungskraft. Nach kurzem Schweigen fuhr Forster fort: „Varum hat Philipp Reß Sie hierhergebracht?“ „Weil er wünschte, daß ich in Verborgenheit bleibe, bis er die Ansprüche des Aldermanns befriedigt hat.“ „Warum hat er Sie nicht an einen besseren Ort gebracht?“ „Nur aus Rücksicht auf die Kosten.“ „Er hätte auch eine billigere und zugleich anständigere Wohnung finden können. Sie kennen den Ruf dieses Stadtteils nicht, sonst würden Sie sich keinen Augenblick ohne siarken Schutz hierher gewagt haben.“ Clarissa schauderte und blickte den Schurken an, der noch immer auf der einen Seite des Zimmers stand. Es war ein Bursche von brutalem Aussehen, und sie mußte unnilltürlich zugestehen, daß sie diesem gefährlich aussehenden Fremden nicht länger vertrauen konnte. „Wenn ich doch wüßte, was ich doch tun soll. Soll ich Philipp morgen, wenn er mich besucht, sagen, ich wolle an einen anderen Ort gebracht werden?“ „Nein, Sie dürfen hier nicht bleiben, bis Roß zurückkommt. Ich zweifle, ob er überhaupt die Absicht hat zu kommen. Wenn Sie hierbleiben, so werden Sie nicht lebendig herauskommen. Der Schurke, der Sie hierhergebracht hat, weiß, was das für ein Ort ist, und wünscht, sich Ihrer zu entledigen. Das ist die einzige Wahrheit, und wären Sie nicht von Liebe geblendet, so würden Sie nicht zum zweiten Male von Roß betrogen worden sein. Ich bin hierhergekommen, um Ihr Leben zu retten, und Sie müssen mir das nicht schwerer machen, als es nötig ist. Es wird schon spät, und es ist notwendig, keine Zeit zu verlieren.“ Der Detektiv sprach mit Entschiedenheit, doch Clarissa zögerte. Sie konnte sich nicht dazu entschließen, die Versicherungen von Philipp Roß für Lüge zu halten, und doch hatte sie jetzt großes Zutrauen zu Forster und nach seinen Warnungen, welche durch das fragwürdige Aussehen dieses Hauses unterstützt wurden, fürchtete sie sich, länger in demselben zu bleiben „Was soll ich tun?“ rief sie in quälender Unschlüssigkeit. „Es gibt nur einen Weg für Sie. Kommen Sie mit mir. Ich bin ein Wächter der öffentlichen Ordnung, wohl betannt in dieser Stadt. Ich werde Sie in Sicherheit, bringen, und wenn Philipp Roß ehrliche Absichten hat, so wird er dennoch kommen. Ich werde ihn nicht belästigen, bis ich Grund habe, zu glauben, daß er ein Verbrechen beabsichtigt. Clarissa, ich möchte Sic vor menschlichen Ungeheuern schützen. Sie sind schön und unschuloig, uno ich kann nicht beständig dabeistehen und sehen, wie Sie dem Verbrechen zum Opfer fallen. Kommen Sie!“ Forster war nicht gewohnt, um Gehorsam zu bitten, aber in seinen Worten lag mehr Bitte, als Befehl. Und darum waren Sie um so wirksamer. „Ich will Ihnen vertrauen,“ sagte Clarissa einfach. Im nächsten Augenblicke nar sie bereit, zu gehen. Als der Detektiv sie zur Türe führte, wandte er sich zu dem schweigenden Schurken und sagte: „Ich werde mir erlauben, Sie in dieses Zimmer einzuschließen, um gegen Verrat gesichert zu sein. Sie werden sehr leicht herauskommen. Wenn Sie mich verhaften lassen wollen, so steht es Ihnen frei.“ Ehe der Mensch antworten konnte, hatte Forster ihn eingeschlossen. Tann führte er seine schöne Last den langen Korridor entlang bis zur Haustüre. Als er öffnen wollte, wurde sie rasch von draußen geöffnet, und ein Mann, der eben über die Schwelle treten wollte, stand vor ihnen. XX. Brandons Verzweilung. Wir wollen jetzt zu Gertrud Brandon zurückkehren, deren Schicksal so seltsam verwickelt ist mit dem der schönen Clarissa. Die letztere hatte Gertrud nach dem Eingang von Frau O'Briens Wohnung gedrängt mit dem hastig gesprochenen Befehl:„Gehen Sie, gehen Sie, fort von hier!“ Aber ehe Gertrud gehorchen konnte, hatte der Mann, der die Treppe hinaufstieg, den Treppenabsatz erreicht und war stehen geblieben. Sie warf einen einzigen Blick zurück und sah eine vermummte Gestalt. An demselben Augenblick erfolgte ein Ausruf des Erstaunens mit Schrecken vermischt von Seiten des eben Gekommenen. Aber es war so dunkel, daß sie den Fremden nicht erkennen konnte. Sie zögerte keinen Augenblick, dem Trängen des seltsamen Mädchens zu folgen. Nachdem sie in Frau O'Briens Zimmer eingetreten O X S FsSTT war und die Türe geschlossen hatte, hörte Gertrud, wie Clarissa mit dem Unbekannten leise, aber lebhaft sprach. Sie konnte kein Wort verstehen, und obgleich sie in hohem Grade neugierig war, machte sie doch keinen Versuch, zu horchen. Clarissa und der Fremde traten bald darauf in das Zimmer von Klotilde Grey ein. Nur eine einfache Scheidewand trennte dieses Zimmer von Frau O'Briens, und Gertrud konnte noch immer ihre Stimmen in ernster Unterhaltung vernehmen. Nach einer halben Srunde ging der Mann fort und früh am Abend— eine oder zwei Stunden später— hörte Gertrud wieder dieselbe Stimme auf der Ttepe im Gespräch mit Clarissa. Bald darauf gingen sie die Treppe mit einander hinab und kehrten nicht zurück. Das war eine Unterhaltung von Clarissa mit ihrem treulosen Mann Philipp Roß, doch Gertrud war das unbelannt. „Eine Stunde, nachdem sie gegangen waren, wurde an Frau O'Briens Türe geklopft und Gertrud sah mit Erstaunen, daß ihr Vater gekommen sei. Brandon schien zehn Jahre älter geworden zu sein, seit Gertrud ihn zum letzten Male gesehen hatte. Seine Gesichtsfarbe war fahl, seine Augen eingesunken, sein Gesicht faltig und durch ängstliche Gedanken zusammengezogen. „Ich mus: Dich allein sprachen, Gertrud,“ sagte er, nachdem sie sich begrüßt hatten. Frau O'Brien folgte bereitwillig dem Wink und ließ Vater und Tochter allein. „Ich bin gekommen, sobald ich Teinen Brief erhalten habe,“ sagte der Aldermann. „Es war doch richtig, daß ich Frau Chase verließ, Papa?“ fragte Gertrud. „Es wäre, besser gewesen, wenn Tu dort geblieben wärest?“ „Warum?“ „Weil Tu dort eine gute, respektable Wohnung hattest und ebenso sicher warst, als hier. Tie, denen Du entfliehen wolltest, haben Dich bereits gesunden.“ „Wen meinst Du?“ „Zuerst Jerome Munro.“ „Weiß er, daß ich hier bin?“ „Hast Du mit ihm gesprochen?“ „Ja, vor kaum einer Stunde. Und nachdem er Dich vorgestern besucht hatte, kam er sogleich zu mir.“ „Er sagte mir, daß er das beabsichtige, aber ich hielt es nur für eine leere Trohung.“ „Er macht niemals leere Trohungen, mein Kind, wie ich zu meinem Scuden erfahren habe.“ „Was hat er denn Dir zu sagen?“ „Taß die Umstände ihn nötigen, die Zeit, die er mir bewilligt hatte, um seine Forderungen zu überlegen, abzukürzen. Ursprünglich gab er mir vierzehn Tagz, diese hat er nun auf eine Woche abgekürzt und drei Tage davon sind bereits verflossen.“ „oan Du irgend eiwas getan, um seiner Aussage gegen Tich entgegen zu treren, falls er Dich zum Aenßersten treibt?“ „Rtein.“ „eicher bist Du noch nicht müßig gewesen?“ „#eein, ich war eifrig tätig, meine Amtspflichten haben mich, sehr in Anspruch genommen, und jeden freien Augenblick habe ich angewendet, um Verteidigungsmittel herbeizuschaffen.“ Gertind schwieg, ih: Valer beobachtete eifrig ihre miene, endlich sagte sie fest: „Wenn es Dir nich: gelingt, so bleibt nur eins " Turer „Was ist das?“ Sbree „Munro zu sagen, er möge tun was er will.“ „Oh Himmel, das wirst Du nicht wünschen, mein Kind!“ rief Brandon bestürzt. „Es ist nichts anderes zu n Gertrud sprach jetzt ruhig. Es war klar ersichtlich, daß ihre Erlebnisse der letzten drei Tage sie mit neuem Mut, beinahe mit Verwegenheit erfüllt hatten. Sie hatte schwer gekämpft, sie hatte das schreckliche Geheimnis ihres Vaters tapfer verteidigt, selbst auf die Gefahr hin, daß sie ihn, den sie mehr liebte, wie ihr Leben, deshalb aufgeben müsse: bei alledem wäre sie standhaft geblieben. Es handelte sich um ein Opfer, um ihren Vater vor einem schlimmeren Schicksal zu retten, aber sie war fest entschlossen dem Perlangen von Jerome Munro nicht nachzugeben. Sie hätte geglaubt, ihre eigene Seele mit einem Verbrechen zu beflecken, wenn sie ihm nachgegeben hätte, und deshalb konnte sie es niemals tun. „Kannst Du es zulassen, daß mich ein so schrecklicher Schlag trifft, während Tu doch die Macht hast ihn abeuwenden?" rief der Aldermann. Es war fast rührend zu sehen, wie der stolze Weltmann seine Tochter um Schutz anflehte. Die tiefen Linien, welche die Sorgen auf seinem Gesicht eingegraben hatten, traten mehr als gewöhnlich hervor. Seine Wangen waren sehr vleich, und seine Lippen zuckten in einer Aufregung, die er nicht bewältigen konnte. Gertrud stand auf, nährend eine leise Röte ihre Wangen färbte.“ „Vater, hast Du kein Erbarmen für mich?“ fragte sie streng. „Lh ja, Du weißt, ich würde alles für Dich tun, mein Kind.“ „O nein, im Gegenteil! Du bist nicht bereit, die Strafe für Deine Torheit auf mich abzulenken. Ich würde lieber das ertragen, was Dich bedroht, als das, was mir bevorsteht. Ich bedaure Tich und, wie ich schon sagte, ich würde mein Leben hingeben, um Dich zu retten, aber das Opfer, das Du verlangst, ist mehr, als ich vollbringen kann.“ Vieder trat Schweigen ein, dann sagte der Aldermann wieder: „Hast Du alle Folgen Teiner Weigerung überlegt?“ „O ja, ich habe alles überlegt.“ „Ter Schimpf wird noch schwerer auf Dich fallen, als auf mich“ „Das weiß ich.“ „In gewissem Sinne leistest Tu der Konspiration gegen mich Vorschub.“ „Tu bist ungerecht Vater.“ „Und Tu bint mitleidlos gegen mich, Gertrud.“ Brandon sprach in titterem Tone. Die Schrecken seiner Lage hatten ihn blind gemacht für alles übrige. In seiner Bedrängnis war er nicht imstande, die Tiefe seines Elends zu beurteilen, welches das Opfer für seine Tochter zur Folge hatte. Er hielt es für eine vergleichsweise einfache Suche, ihren Verlobten aufzugeben und Munro zu heiraten. Das war alles, was sein Feind verlangte. Aber das war eine direkte Folge seiner Torheit gewesen, ohne die Macht, welche Munro jetzt besaß, um die Erfüllung des Versprechens zu erzwingen. Brandon war ein selbstsüchtiger Mensch, aber nicht mehr als viele andere, weiche ein höheres Amt als er erreicht hatten. Vielleicht ist eine hervorragende Stelle nicht in allen Fällen eine Garantie für moralische Vollkommenheit Fortsetzung folgt.) — 8 Tn UWPD — G•— 9 4—— E S E T S. S"••— 8 - 5 9— * S S„GRE *B-aEnn 5• 583 S• 3• 8—•** # 1 S 2 BE **#* ——-—*———"——*• 9„ T. SEnT•1 n ——.—— " 80•—•*.— KUP 808 I. 20 Ein improvisierter Kinderarzt. Von Klara Tüsterhoff. Es war ein drückend heißer Tag zu Anfang August. In einem eleganten Nordseebadeort spazierten die Badegäste in möglichst kostbaren Toiletten am Strande auf und nieder oder lagerten hier und da in und neben den Strandkörben, lachend und plaudernd nach Herzenslust. Die Kurkapelle spielte dazu eine leichte heitere Weise nach der andern, und alles schien sich vortrefflich zu amüsieren. Nur ein junger Mann ging recht gelangweilt, die brennende Zigarre im Munde, durch di. bunten Reihen und machte innerlich allerhand sarkastische Bemerkungen. So behaglich er auch mit vollen Zügen die würzige Seeluft einatmete, so wenig zu Hause fühlte er sich in diesem lauten, anspruchsvollen Badetreiben, das gegen die trauliche Stille seines hoch unterm Tache gelegenen Studierstühchens in einer westdeutschen Universitätsstadt einen so scharfen Kontrast bildete. Und doch sollte er eigentlich in dem eleganten Badcort zu Hause sein. Sein Vater nämlich bekleidete daselbst das Amt eines Badearztes. Indessen hatte der sich erst vor zwei Jahren dort niedergelassen, weil er für seine leidende Frau an diesem vorzüglich für sie passenden Orte Genesung zu finden hoffte. Ostar Bendel, sein einziger Sohn, befand sich nur während der Universitätsferien zum Besuch im Elternhauss, und da geschah es ihm, daß er sich von diesem ungewohnten Treiben mehr abgestoßen als, angezogen fühlte. Am liebsten wäre er sofort vor all der Schminte, Eleganz und Lustigkeit zu seinen lieben Büchern in seiner Musenstadt zurückgeflüchtet. Gerade aber, wie er sich so recht geürgert umsah, ob en denn unter all den geputzten Damen in flatternden Spitzen und knisternder Seide nicht eine Erscheinung gebe, die ihm zum Herzen spräche, fiel sein Blick auf eine Gruppe, einen Herrn mit zwei Damen, die aufs vorteilhafteste von den übrigen abstach. Namentlich die jüngere der Damen, ein zartes, blondes, blanaugiges Müdchen in einem schlichten, hellblauen Wollenkleide, zog durch ihre bescheidene, mädchenhafte Haltung sein Auge auf sich. Der Herr und die Dame, in deren Gesellschaft sich dies liebliche Mädchen befand, waren unverkennbar ein verheirateies Paar, auch hatten sie zum Ueberfluß eine Amme mit einem zierlichen Säugling in ihrem Gefolge. Ohne sich zu besinnen, machte Oskar Bendel Kehrt und folgte der ihm so wohltuenden Gruppe, indem er bei sich überlegte, daß er es doch mit der Abreise garnicht so eilig haben brauche, er sei doch am Ende auch erholungsbedürftig, und sein Vater halte doch so große Stücke auf die Heilkraft Sceluft, und was dergleichen Zusprüche einer plötzlichen Sinnesänderung mehr waren, die durch dies bißchen leichten, hellblauen Wollenstoff auf den schlanken Gliedern eines liebreizenden Mädchens heivorgebracht worden war. Nachdem die ruhigen, unauffälligen Spaziergänger vor ihm einige Male die Strandpcomenade auf und ab geschritten waren, schlugen sie den Weg nach der Straße ein, in der auch Dr. Bendel wohnte, und verschwanden da in dem Hause Nr. 17. Wie oft der in Liebe entbrannte Student an diesem und dem folgenden Tage dieser Nr. 17 Fensterpromenade machte, war nicht zu zählen. Zu seinem Verdruß aber eroberte er dadurch auch nicht einen Blick aus den holden Augen seines Idols, noch auch sah er sie ein zweites Mal das Haus verlassen, sodaß er in einer Stunde besonderer Entmutigung schon wieder anfing, mit sich zu Rate zu gehen, ob er nicht doch am besten täte, dies„verzweifelt langweilige Nest“ ungesäumt zu verlassen. Tazwischen aber schwebte ihm dann wieder verlockend der Gedanke vor, die Dame seines Herzens könne in irgend eine schreckliche Gefahr geraten, und sein starker Arm sei berufen, sie daraus zu retten. Aus diesem Hangen und Bangen in schwebender Pein riß ihn am Morgen des dritten Tages ein höchst unerwartetes Ereignis. Sein Vater war mit seiner Sprechstunde fertig und hatte soeben seine Tagestour angetreten, als es auf dem Korridor heftig klingelte. Oskar Bendel befand sich zufällig auf dem Gange, da er im Begriff stand, seinen Hut vom Riegel zu nehmen, um auch seine Tagestour anzutreten, nämlich die von den unerbittlichen Fenstern von Nr. 17. Er öffnete daher die Tür und sah sich zu seinem größten Erstaunen der Amme gegenüber, die er vorgestern im Gefolge seines mädchenhaften Engels oder vielmehr ihrer Begleiter auf der Strandpromenade gesehen hatte. „Ach, der Herr Doktor möchte doch so freundlich sein, 17,3 nach Nr. 17 zu kommen, aber so bald wie möglich, unser Baby ist krank.“ Nun, wie dem jungen Manne, einem eifrigen Studenten der Rechte, der tollkühne Einfall kam, das hätte er nachher selbst auf der Folter nicht mehr anzugeben vermocht. Tatsache ist, daß er ohne Besinnen dem Mädchen die Antwort gab:„Mein Vater ist schon fort. Aber wenn es nicht gerade er selber sein muß, so werde ich kommen.“ Tamit folgte er der Amme in solcher Hast, daß er schließlich eher vor Nr. 17 anlangte als sie, uno noch auf sie zu warten hatte. Sie führte ihn ins Haus und in ein nettes Zimmer, wo sie ihn einen Augenblick zu warten bat, bis sie Fräulein von Schmidt gerufen habe. Also Fräulein von Schmidt! Ja, sie war es selbst, die bescheidene Mädchenknospe, die gleich nachher ins Zimmer trat und sichtbar erschrank, als sie den jungen Mann erblickte, der ihr in den letzten Tagen als ein häufiger Passant der ziemich stillen Straße aufgefallen war. „Das Kind meiner Schwester ist leidend, Herr Toktor,“ sagte sic mit einer Stimme, die ganz ihrem liebenswürdigen Aeußern entsprach..„Da sie mit ihrem Manne auf ein paar Tage verreist ist, so ist mir die Sache ängstlich.“ Ter moderne Acskulap, der die Abwesenheit der Mutter nicht wenig beunruhigte, erwiderte mit einer Verbeugung voll getragener Würde. Trotzdem fühlte er sich, wie wenn ihm das Herz in die Kehle stiege, als er sich nun im anstoßenden Gemach mit ihr über ein schmuckes Korbbettchen neigte, in dem sich in schneeigem Linnen und schwellenden####n der leidende Liebling wälzte, mit hochrotem Gesicht, mit tränenüberströmten Augen und einer nichts weniger als melodischen Stimme, die sich fast überschlug vor gellendem Kreischen, als das fremde Gesicht eines Mannes mit vollentwickeltem Schnurrbart(Oskars Stolz) sich so angelegentlich über das Bettchen beugte. Konnte es für den jungen Doktor„aus eigenem Recht“, eine fürchterlichere Lage geben als diese? Noch nie in seinem ganzen zweiundzwanzigjährigen Leben hatte Oskar Bendel ein Baby so genau und so nahebei angesehen, wie in diesem Augenblick. Von Babys verstand er so gut wie gar nichts, konnte auch nach dieser Erfahrung mit einem von ihnen kaum große Lust haben, mehr von ihnen kennen zu lernen, da dies ungeratene Exemplar es so arg trieb, mit seinen wütend geballten Fäustchen an dem achtungsgebietenden Schnurrbart seines neuen Bekannten zu zerren, so weit seine Füße ihn getragen hätten. Indessen hielt er mannhaft stand bei dem schmerzenden Angriff, der den beiden Zuschauerinnen ein Lächeln abnötigte, die kleine, energisch zupackende Faust brachte ihn sogar auf einen glücklichen Einfall. Bisher hatte er sich darauf beschränkt, den mutmaßlichen kleinen Patienten anzustarren, ohne daß ihm ein klarer Gedanke über die zu treffenden Maßnahmen dabei gelommen wäre. Jetzt bemächtigte er sich der widerspenstigen Faust und untersuchte des Kindes Puls, obgleich er vor Erregung keinen Pulsschlag fühlen konnte. Tahinein vertiefte er sich denn so ernsthaft, daß er förmlich zusammenschreckte als Fräulein v. Schmids liebe Stimme endlich das Schweigen unterbrach: „Nun, Herr Doktor, wie steht's mit ihm?“ So direkt befragt, konnt. er nicht mehr gut zögern. Ein unzusammenhängendes„Ja, Hm!“ eröffnete die Reihe seiner weisen Aussprüche. „Wie alt ist der Junge?“ „Das Mädchen!“ Fräulein v. Schmidt legte soviel Nachdruck auf das lächelnd gesprochene Wort, daß beinahe auch der falsche Aeskulav gelächelt hätte, obgleich ihm gar nicht lächerlich zumute war.„Etwas über vier Monate.“ „O,“ sagte er und zog di. Brauen hoch, als wenn das ein besonders fatales Alter wäre. Dann erkundigte er sich bei der Amme:„Ist der Schlaf gut?“ „Sie hat die ganze Nacht über gebrüllt,“ gab die mit offener Bitterkeit zur Antwort. „O, wirklich?“ Und nun? Jetzt war er zu Ende mit seiner Weisheit. Was mochte bloß sein Vater unter solchen Umständen fragen? Da kam ihm wieder ein leuchtender Gedanke.„Könnten Sie sie nicht bewegen, die Zunge herauszustrecken?“ wendete er sich an die Amme. Die nahm das Kind in die Arme und brachte es durch Spielen und Vormachen schließlich faktisch dazu, das gewünschte Glied ein wenig hervorzustrecken. Ohne Umstände ergriff Oskar die winzige Zunge zwischen Daumen und Zeigefinger und zog sie soweit heraus, wie es für sein Vorhaben nötig erschien. —