Dortmunder Tageblatt Erscheint mit Ausnahme der Sonn= und gesetzl. Feiertage. Abonnementspreis #rel ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage und dem Bseitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Big. pro Monat, durch die Post bezogen für 3 Monate 1.50 Mk. Rotationsdruck und Verlag, sowie für die #rantwortlich: Biktor Schanzer, Dortmund. verbunden Lokal-Anzeiger für mit dem Dortmund u. Hörde und der täglichen Unterhaltungsbeilage U##“ sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 PfgBeilagen nach Uebereinkunft. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sot nemann, Dortmund. Nr. 21. Dortmund, Mittwoch, den 26. Januar 1910. 27. Jahrg. Erstes Blatt. Die Zurückhaltung des Reichskanzlers. Der Reichskanzler von Bethmann Hollweg hat in Freitag im preußischen Abgeordnetenhaus den Vorwürfen über sein Fernbleiben bei den parlamentarischen Verhandlungen für alle Zukunft die Spitze abbrechen zu können geglaubt durch die Erklärung, daß er so oft erscheinen werde, wie es dieVerantwortung des ihm obliegenden Amtes erfordere, die Politik der Regierung persönlich vor dem Landtage zu vertreten, und daß er jedesmal so viel sagen werde, wie er zur Rechtfertigung dieser Politik für notwendig halte. Der Reichskanzler ist gewiß selbst nicht überzeugt davon, daß er mit diesen Worten für alle Zukunft Erörterungen über seine Schweigsamkeit und seine Zurückhaltung gegenüber dem Partament vorbeugen könnte. Er scheint auch die Bestimmung der Verfassung nicht berücksichtigt zu haben:„Jede Kammer kann die Gegenwart des Ministers verlangen.“ Herr von Bethmann Hollweg kann sich übrigens nicht beklagen, daß er anders behandelt wird wie seine Vorgänger. Denn die Klagen über allzu große Zurückhaltung des Reichskanzlers sind fast so alt wie das Deutsche Reich selbst, und mit Ausnahme vielleicht des Fürsten Bülow hat jeder Kanzler mehr als einmal die Frage hören müssen:„Haven wir noch einen Reichskanzler?“ Schon in den siebziger Jahren ist im Reichstag wie im preuvischen Landtag lebhaft Klage geführt worden, daß Fürst Bismarck auch wichtigen parlamentarischen Verhandlungen fernblieb. Fürst Bismarck liebte es, auch während der parlametarischen Verhandlungen vor dem Lärm und der Unruhe der Reichshauptstadt oft wochenlang Schutz zu suchen in der Ruhe von Varzin oder Friedrichsruh. Graf Capribi befand sich in ähnlicher Lage wie heute Reichskanzler v. Betmann Hollweg. Ihm war die auswärtige Politik recht wenig vertraut. Er war sogar noch schlimmer datan als Herr v. Bethmann Hollweg, weil ihm als Militär auch die Fragen der inneren Politik vielfach nicht geläufig waren. Darum war es begreiflich, daß Graf Caprivi im Parlament nur sprach, wenn er durchaus reden mußte; sonst aber den sachkundigen Ressortministern und Staatssekretären die Vertretung von Forderungen der Regierung im Parlament überließ. Auf Caprivi folgte Fürst Hohenlohe, ein längst verbrauchter Greis, für den die Würde des Reichskanzlers nur eine schwere Bürde war. Niemals ist die Frage:„Haben wir noch einen Reichskanzler?“ mit mehr Recht gestellt worden als in den Jahren, da„Onkel Chlodwig" nach eigener Angabe seine Hauptaufgabe darin erblickte, Schlimmeres zu verhüten. Fürst Bülon war wie kein anderer Reichskanzler bestrebt, gute Beziehun gen zum Parlament zu unterhalten. Um so auffälliger tritt jetzt die Schweigsamkeit und Zurückhaltung seines Nachfolgers hervor. Es wäre verfrüht, über Hrrn von Bethmann Hollweg heute schon ein absällendes Urteil fällen zu wollen. Wie er sich bewähren wird, hängt nicht allein von ihm selb, sondern auch zu einem großen Teil von dem Kaiser und von der Gestaltung des persönlichen Verkehrs zwischen dem Kaiser und seinem ersten Ratgeber ab. Fürst Bülow war der erste Kanzler, der es wirklich verstanden hät, einen starken Einfluß auf den Kaiser auszuüben, so daß einige Jahre das Wort Bismarcks verblaßte: der Kaiser wird sein eigener Kanzler sein. Er ist überhaupt aus der großen Zahl von Ministern und Staatssekretären der letzten Zwanzig Jahre, vielleicht mit Ausnahme des Admirals Hollmann, der einzige gewesen, der dem Kaiser rein menschlich nahegetreten ist. Wenn auch Miquel eine Zeitlang als „Mann des Kaisers" dessen ganz besonderen Vertrauens sich rühmen durfte, herrschte doch im Verkehr des Kaisers mit ihm ein anderer Ton als bei den Besuchen, die der Kaiser lange Zeit hindurch fast alltäglich bei der Rückkehr vom Spaziergang im Tiergarten seinem Puzfreunde Bernhard abstattete. Der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg befindet sich in einer ähnlichen Lage wie Graf Posadowsky. Beide Männer verfügen über ein reihes Wissen und über eine durch große Arbeitsfreudigkeit noch verstärkte hohe Arbeitskraft. Aber beiden fehlt die glatte Beredsamkeit und verbindliche Art der Menschenbehandlung, in der Fürst Bülow im jahrelangen diplomatischen Verkehr eine fast unerreichbare Meisterschaft erlangt hatte. Große und kleine Propheten stellen dem Reichskanzler von Bethmann Hollweg ein baldiges Scheiden aus dem Amte in Aussicht. Es wäre müßig, sich an solchen undankbaren Prophezeiungen zu beteiligen. Der Reichskanzler wird Sorge tragen müssen, daß er dem Schicksal des Ministers Holle entgeht, dessen ernste Natur dem Uebermaß an Arbeit und Enttäuschungen nicht gewachsen war. Herr von Bethmann Hollwez wird sich kaum mit ähnlicher Leichtigkeit wie einst der gute„Onkel Chlodewig" darüber hinweasetzen, daß sorgsam vorbereitete und nach eingehendem Studium gewissenhaft getroffene Entscheidungen jäh über den Haufen geworfen werden. Unter Bcrücksichtigung des schwierigen Verkehrs zwischen Kaiser und Kanzler muß die Schweigsamkeit und Zurückhaltung des Reichskanzlers gegenüber dem Parlament milde beurteilt werden. Deutsches Reich. Mit welcher Sachunkenntnis auch große klerikale Zeitungen geleitet werden, beweist die Kölnische Volkszeitung. Sie bespöttelt die Meinungsverschiedenheiten, die in den linksliberalen ParDie Kinder des Sträflings. Roman von A. Sinowka. 2 Julius ist des Russischen nicht weniger mächtig als des Deutschen und Dora hat sich durch den Verkehr ebenfalls die Kenntnis der Sprache angeeignet, aber was jene Leute dort in ihrem heimischen Dialekt reden, vermögen sie doch nicht zu verstehen. Jetzt geht die Tür auf und eine Dame tritt ein, eine höchst auffällige Erscheinung, nach der sich sofort aller Blicke wenden. Sie ist groß, schlank und jung, höchstens vier bis fünfundzwanzig Jahre. „Auf dem schwarzen Kraushaar sitzt eine kokette Fuchsmutze, und ein prachtvoller Fuchspelz mir Samtüberz's hüllt die geschmeidigen Glieder ein. Julius und Dora glauben nicht, daß sie zu ihren Mitpassagieren gehört, denn sie vermögen sich ihrer nicht zu entsinnen, als sie jetzt aber den dichten, grünen Schleier, den sie um Kopf und Gesicht gewendet hat, zurückschlägt, da nilen sie ganz bestimmt, daß sie sie noch nie geseden haben. Züge, gleich diesen, vergißt man nie. Sie sind fein und scharf gezeichnet; in der Art, wie die breiken Nasenflügel sich zitternd blähen, liegt etwas lei„Lnschaftliches, das im Verein mit den flimmernden, samtschwarzen Augen und dem vollen, mohnblumenkoten Mund fast unheimlich wirkt. Die Gesichtsfarbe int blaß, aber von jener perlmutterweißen Blässe, die nichts Krankhaftes hat. Bei ihrem Eintritt läßt die Dame ihren Blick prüim Raume umherschweifen, es hat den Anschein, Ar ob sie auf den Tisch zugehen will, an dem der Stacb seiner betrunkenen Gesellschaft sitzt, als sie zufällig Dora und Julius gewahrt, blitzt etwas in Augen auf, für die Dauer einiger Sekunden steht tegend, dann tritt sie entschlossen auf die Geschwi2. 2##rste ich Sie um eine Gefälligkeit bitten, mein verr?“ wendet sie sich nach höflichem Gruß an Julius. —Dieser ist zuerst so überrascht, daß er kein Wort zu ##dern vermag, doch sie läßt ihm keine Zeit, sich von teinlem Staunen zu erholen, sondern nimmt ohne wei*s au“ dem Stuhl neben ihm Platz und sagt. sich zu teien hinsichtlich der Namengebung für die zu gründende neue Partei bestehen, und fährt dann fort: Es ist ungemein bezeichnend für die linksliberalen Träumer, daß sie sich nicht einmal über ihren Namen einig werden können. Wie erst, wenn die Programmpunkte zur Beratung kommen! Bald wird's von der versuchten Einigung heißen:„Es wär' so schön gewesen, es hat nicht sollen sein 4. In der Redaktion der Köln. Volkszta, scheint man, statt Zeitungen zu lesen, sich eines gesunden Schlafes zu erfreuen, sonst müßte man dort wissen, daß die Programmfrage Schwierigkeiten unter den beteiligten Parteien am allerwenigsten hervorgerufen hat, diese vielmehr als so gut wie erledigt angesehen werden kannn. Zum Fall Auracher erinnert, so wird den Leipz. N. Nachr. aus München berichtet, der parteilose„Rosenheimer Anzeiger“ daran, daß der frühere Kapuzinerpater sicher darauf gerechnet habe, Erzbischof von München zu werden, und daß ihn die Enttäuschung zum Abfall getrieben habe. Und die bauernbündlerische„Neue Badische Landesztg.“ muß auch ein Scheitlein zum Holzstoß beitragen, und läßt sich mitteilen, daß Auracher schon als Student keine Neigung für das Zölibat bekundet habe. Die Zentrumspresse trauert noch verhüllten Hauptes oder ist mit der Ableugnung der Vorwürfe beschäftigt, daß sie die öffentliche Meinung im Fall Auracher irregeführt habe. Wissentlich hat sie's wahrscheinlich nicht getan. Sie ist eher, ie so oft schon, mißbraucht worden von Leuten, denen sie zu Diensten sein muß. Antrag auf Abänderung der Gewerbeordnung Dem Reichstage sind bekanntlich Anträge auf Abänderung, des Paragraphen 100g der Gewerbeordnung zugegangen, wonach eine Innung ihre Mitglieder in der Festsetzung der Preise ihrer Waren und Leistungen nicht beschränken darf. In einer Rundfrage, die die Deutsche Fleischer=Zeitung unter den Fleischern=Ober= meistern veranstaltete, sprachen sich die meisten für die Aufhebung des Paragraphen 1000 aus. Doch äußerte sich eine starke Minorität gegen jede Beschränkung der Konkurrenz. Ausmerzung der bürgerlichen Admirale? Eine Zuschrift an die„Tägl. Rundschau“ sucht in Abrede zu stellen, daß die Ernennnung des Vizeadmirals von Holtzendorff zum Chef der Hochseeflotte unter Uebergehung von drei dienstälteren bürgerlichen Vordermännern lediglich aus Gründen des Dienstes erfolgt sei. Eine solche Erklärung war vorauszusehen; sie wird wahrscheinlich auch im Reichstage abgegeben werden. Die nötigen Gründe findet man ja immer. Aber die Zuschrift an die„Tägl. Rundschau“ kann nicht in Abrede stellen, daß die übergangenen bürgerlichen Vizeadmirale— der eine von ihnen, Herr Zeye, ist bereits am 11. Dezember gestorben— iich durch die Bevorzugung von v. Holtzendorffs genötigt gesehen haben, ihren Abschied einzureichen. Auch das kann nicht bestritten werden, daß jetzt die sechs rangältesten Flaggoffiziere dem Adel angehören. Beschönigend wird zwar darauf hingewiesen, daß drei von ihnen den Adel erst in den höheren und höchsten Dienststellen erhalten haben. Das ist aber alles andere als ein Gegenbeweis; dadurch wird ja nur bestätigt, daß in neuerer Zeit Bürgerliche die höchsten Stellen in der Flotte nia mehr bekleiden dürfen, und daß man die Admirale# auf deren Arbeit man nicht verzichten will oder kann. dann lieber„in den Adelsstand erhebt“. Ausland. Frankreich. Paris, 25. Jan. Die Kammer bewilligte zur Linderung der Hochwassersnot zwei Millionen Frcs, Schweiz. Bern, 25. Jan. Der Oesterreicher Ilnick der im Jahre 1904 einen Revolverschuß auf den russischen Gesandten v. Sadowski in Bern abgefeuerk hat, ist aus der Irrenanstalt in Krakau entkommen. Man besürchtet, daß Ilnicki neue Attentate begehen könnte. England. London, 25. Jan. Der Unionist Chamber= lain ist mit 12644 Stimmen wiedergelählt norden. Der Stand der Wahlen bis heute Nachnlittag 1 Uhr war folgender: 236 Unionisten, 205 Liberale, 35 Mitglieder der Arbeiterpartei, 70 Natioaalisten. Die Unionisten dewinnen 110 Sitze. Italien. San Remo, 26. Jan. Eine Flutwelle hat in der gestrigen Nacht einen großen Teil des Ufergeländes von Santo Stefano und Riva in Ligurien zerstört. Der Verkehr ist zum Teil unterbrochen, da die Eisenbahndämme bedroht sind. Die Bevölkerung verläßt die Häuser, die von den wütenden Wassern bedroht sind. Mehrere Häuser sind bereits eingestürzt. Bisher sind keine Opfer an Menschenleben zu beklagen, doch ist die Situation kritisch. Es ist erinnerlich, daß im vergangenen Jahre das Meer in dem Bezirke mehrere Häuser fortriß. Daraufhin errichtete die Regierung Teiche, die aber jetzt von der Flut hinweggerissen worden sind. Auch an der spanischen und portugiesischen Küste herrscht ein furchtbarer Sturm. Bei Bilbao ist der Tampfer „Guipuzoco“ gestrandet. Von einem Fischerdampser ertranken bei Leigneitio 4 Mann. In eer Gegend, von Valencia richtete der Sturm grone Verheerungen an. In Barcelona herrscht bei 9 Grad unter Null heftiger Schneefall. Amerika. Newyork, 25. Jan. Wie verlautet, beabsichtigt die amerikanische Regierung, eine besonde#e Kommission zur Besprechung der Zolltariffrage nach Berlin zu entsenden. Diese Absicht soll der deutscher Regierung bereits am Sonnabend mitgeteilt worden sein. Man nimmt an, daß es ihre Aufgabe ist, den Präsidenten in bestimmter Weise darüber zu informieren, ob eine ungebührliche Differenzierung Amerikas in Deutschland tatsächlich bestcht oder nicht. ihm hinbeugend, mit flüsternder Stimme:„Sie sind ein Kavalier, mein Herr, wie ich sehe, und werden einer Dame nicht einen Wunsch abschlagen, den zu erfüllen Sie nichts kostet, als ein paar Worte. Es handelt sich einfach darum, daß Sie von dem Postmeister dort einen Schlitten nacht Konowa für mich mieten. Auf den Preis komm es nicht an, bieten Sie ihm fünfhundert Rubel und mehr, wenn es nötig ist. Hier haben Sie meine Börse.“ Damit drückt sie ihm dieselbe in die Hand. Die weiche einschmeichelnde Stimme und mehr noch der beschwörende Blick der dunklen Augen üben eine bezaubernde Wirkung auf den jungen Menschen, der bisher noch nicht viel mit Damen in Berührung gekommen ist. Dennoch zögert er, weniger aus Widerstreben, der schönen Fremden zu willfahren, als aus völliger Fassungslosigkeit, mit der Antwort. Doch, da legt sich die kleine Frauenhand auf seinen Arm und drückt ihn leicht.. durch den dicken Pelzhandschuh glaubt er die Blutwärme zu fühlen.„Eilen Sie, eilen Sie, Ihr Zug geht sonst ab!“ flüsterte der rote Mund.„Sagen Sie nicht, daß der Schlitten für mich ist, die Leute wissens, denn sie sehen Sie mit mirssprechen, sagen Sienur, Sie brauchten einen Schlitten bis Konowa .. weiter nichts.“ Taumelnd fast steht Julius auf und schreitet auf den Postmeister zu.„Wollen Sie mir einen Schlitten bis Konowa vermieten?" spricht er mechanisch. Der Mann blinzelt ihn schlau aus seinen geröteten Augen an.„Warum sollte ich Euch..“ mit besonderer Betonung auf dem„Euch“..„nicht einen Schlitten vermieten?“ fragt er und lacht, und seine Zechkumpane lachen mit.„Aber ein Schlitten ist teuer um diese Jahreszeit, Väterchen.. viel Schnee, viel Schnee und die Kutscher hab' ich im Winter alle abgeschafft, bis auf zwei.. die brauch ich für kürzere Fahrten. Unter vierhundert Rubel könnt Ihr keinen Schlitten bis Konowa haben, Väterchen. Tut mir selbst leid, aber es geht nicht anders.. geht wirklich nicht anders.“ „Da sind die vierhundert Rubel,“ sagt Julius und sucht das Geld aus der Börse hervor. Der Postmeister murmelt etwas, das wie ein Dank oder Segenswunsch klingt.„In fünfzehn Minuten wird der Schlitten bereit stehen.“ versicherte er eifrig und steckt die Scheine ein. Dann streckt er die Hand gegen Julius aus.„Natschai!“ Julius weiß, daß„Natschai" Teegeld heißt und ein Wort ist, das im Zarenreich dieselbe Rolle spielt wie im Orient„Backschisch“. Er zögert daher nicht, das Verlangen des Postmeisters zu erfüllen und gibt auch jedem seiner Gefährten, die ebenfalls ihr„Natschai“ murmeln. ein paar Kopeken. Kaum, daß er an seinen Tisch zurückgekehrt ist, so wird auch schon zur Abfahrt gerufen. Er weiß aus Erfahrung, daß er dessen ungeachtet nicht zu eilen brauchte und gern möchte er auch noch ein paar Worte wenigstens mit der interessanten Fremden sprechen, aber Dora läßt ihm keine Zeit dazu. Die kleine Person hat während der ganzen Reise noch nicht ein gleich despotisches Benehmen gezeigt wie eben jetzt.„Willst Du, daß der Zug ohne uns abfährt?“ herrschte sie den Bruder an und ergreift dann seinen Arm, um nach dem Ausgang zu mit ihm zu gehen. „Tausend, tausend Dank, mein Herr," spricht die schöne Dame, ihm zum Abschied die Hand reichend.„Ich bleibe für diesen Dienst ewig Ihr Schuldner.“ Sie ist dem Geschwisterpaar bis vor das Stationsgebäude gefolgt und sieht mit seltsamem Lächeln zu, wie es in seinem Abteil verschwindet. „Warum hattest Du es nur so eilig?“ fragte Julius unwirsch die Schwester, die quer vor dem Fenster steht und angelegentlich hinaussieht. Dora gibt jedoch keine Antwort, sondern tritt uneduldig von einem Fuß auf den andern, erst als der ua sich endlich langsam in Bewegung zu setzen beginnt, dreht sie ihr Gesicht wieder dem Bruder zu, um sich dann mit einem Seufzer der Erleichterung auf ihren Sitz zu werfen. „Gott sei Lob und Dank!“ „Nanu?“ macht er verblüfft. „Aber Julius. merkst Du denn nicht.. Gott, was sind die Männer bloß dumm! Begreifst Du denn nicht, daß Du einer Nihilistin, wahrscheinlich einer Verschwörerin von der ganz gefährlichen Sorte, zur Flucht verholfen hast! Das war doch sonnenklar! Aber wenn es sich um eine hübsche Dame handelt, die Euch verliebte Augen macht, dann habt Ihr Männer gleich den Kopf verloren,“ fügt die Kleine altklug hinzu. Julius ist nun doch etwas betroffen. Jedenfalls legt der Schwester nüchterne Auffassung sich wie Mehltau auf die Hochflut seines Empfindens.„Aber wenn sie wirklich eine verfolgte Nihilistin gewesen ist, wie darf sie sich dann so öffentlich hier zeigen, und was hat es für einen Zweck, daß ich den Schlitten für sie besorgen mußte, anstatt, daß sie es selbst tat?“ wendet er kleinlaut ein. Dora zuckt die Achseln.„So recht begreifen tue ich das alles auch nicht, aber ich meine, sie hat die Leute bestochen und darum halten sie sie nicht auf. Hörtest Du nicht, wie der Postmeister zu Dir sagte, warum sollte ich Euch denn nicht einen Schlitten vermieten, Väterchen? Er wußte es selbstverständlich ganz genau, daß der Schlitten für die Dame bestimmt war, aber ihr selbst traute er sich aus Furcht vor der Polizei nicht, einen zu geben, während er sich, wenn Die ihn mietetest und bezahltest, immer noch damit herausreden konnte, daß er geglaubt hätte, er wäre für Dich.“ „Wie klug Du bist!“ meint Julius bewundernd. „Ach, gar nicht klug! Nur Du, mein Lieber, bist taub und blind in dieser Sache, weil sie Dich mit ihren schwarzen Koglenaugen behext hat. Habe ich eine Angst ausgestanden, daß die Polizei doch noch dazwischen käme und uns alle drei verhaftete! Ich dankte Gott, als der Zug endlich abging.“ Julius ist so niedergedrückt wegen seiner Kurzsichtigkeit, daß er sich gegen Doras Behauptung, er hätte sich in die schöne Fremdeverliebt, garnicht einmal zu verteidigen wagt. Fatal, daß das erste Abenteuer, welches er in seinem jungen Dasein erlebt hat, so kläglich verlaufen muß! Er ist geradezu wütend, daß er sich von der Freundin so am Narrenseil hat führen lassen. Wenn er sich ihre schmeichelnde Stimme, den berückenden Blick ihrer Augen, ihren Händedruck ins Gedächtnis zurückruft, so muß er sich sagen, daß das elles darauf angelegt war, th. zu betören. Hätte ste ihm zugeraunt:„Ich werde verfolgt, retten Sie mich!" dann, ja donn wäre es natürlich etwas ganz anderes gewesen, dann hätte er sich um ihretwillen ohne Zögern in die größten Gefahren gestürzt, aber sich so, gleichsam mit verbundenen Augen=fangen zu lassen.. kläglich. einfach kläglich! 176.18 Der Cremonia zur Antwort wird uns von einem Parteisreund geschrieben: Die Zentrumspartei kann anscheinend immer noch nicht wegen der großen Niederlage, die sie bei den Im Dezember getätigten Stadtverordnelenwahlen erlit ten, zur Ruhe kommen. Fasi in jeder Nummer gefällt sich die„Tremonia“ in den heftigsten Ausfällen ge gen die liberalen bezw. freisinnigen Stadtverordneten. Ein ganz besonderer Zielpunkt ihrer Anwürfe ist der jüdische Stadtverordnete Heinemann. Dieser scheint es mit der Tremonia namentlich verdorben zu haben. In ihrer Wochenplauderei vom vergangenen Samstag macht sie ihrem Aerger in den heftigsten Aurfällen gegen Herrn Heinemann Luft, indem sie es als einen Schlag ins Gesicht der gesamten katholischen Bürgerschaft be zeichnet, daß Herr Heinemannn anstelle des ehemali gen Stadtverordneten Herrn Lensing in die Schuldeputation gewählt wurde. Der Jude Heinemann hat den Katholiken Lensing abgelöst. Schrecklich!! Unerhört!! In geschmackvoller Weise fügt die Tremonia noch hinzu:„Die Christen zanken sich und der Jude macht die Musik dazu.“(Meyerbeer's Hugenotten.) Sehr bezeichnend ist es, wenn der Schreiber der genannten Wochenplauderei es für nötig hält, besonders zu be tonen, daß er kein Antisemit sei. Seine Schreibweise hat aber, das wird man doch wohl nicht bestreiten wollen, eine frappante Aehnlichkeit mit Antisemitismus. Dieselbe Tremonia hat es auch für gut befunden, in einer früheren Wochenplauderei darauf hinzuweisen, daß eine Anzahl jüdischer Wähler bei den Stadtverordne tenwahlen im Sinne der liberalen Wählerschaft tätig gewesen sei. Was bezweckt man denn eigentlich damit, wenn bei jeder Gelegenheit auf das Wort„iuldisch“ aufmerksam gemacht wird?— Glaubt denn die Tremonia wirklich, daß dieser Hinweis nicht ver standen wird?— Die Zentrumspartei kann doch wahrhaftig nicht gut verlangen und verlangt es auch sicher nicht, daß sich die Judenschaft in ihre Dienste stellt. Der Jude ist, wenn er sich schon mal um Politik belümmert, liberal(freisinnig oder nationalliberal), er kann auch wegen der politischen Verhältnisse im Allgemeinen und wegen seiner Sonderstellung oder Ausnahmestellung, in der er sich nun mal leider befindet, gar nichts anderes sein. Keinessalls kann und darf ein Jude konservativ öder ultramontan sein, denn von beiden Parteien hat er gar nichts oder sicher nicht viel Gutes zu erwarten. Sind es nicht vorzugsweise katholische Blätter, die jahraus, jahrein liberale vder freisinnige Blätter, wenn sie mal Artikel gebracht haben, die dem Zentrum nicht passen, kurzerhand Judenblätter nennen?— Dabei ist wohl darauf zu achten, daß derartige Artikel in den seltensten Fäl len von Juden geschrieben sind. Tut aber nichts, der Jude wird verbrannt. Ich bitte die verehrlichen Leser um Entschuldigung, wenn ich einen kleinen Abstecher gemacht habe, und will mich nun beeilen, zu der Angelegenheit Heinemann zurua zu kehren. Herr Heinemann hat, als über Schulangelegenheiten im Stadtparlament verhandelt wurde, auf Grund seiner Beobachtungen, die er in der Fortbildungsschule gemacht, ausgeführt, daß die Leistungen ekner großen Anzahl Schüler sowohl im Deutschen als auch im Rechnen als recht mangelhaft zu bezeichnen seien; Herr Schulrat Dornheckter mußte das auch zugeben. Herr Heinemann führte dann weiter aus. daß die Schuld wohl mit= daran liegen möge, daß die einzelnen Klassen in den Volksschulen überfüllt seien und gab der Erwägung anheim, ob nicht der religiöse Memorierstoff etwas eingeschränkt werden könnte. Herr Heinemann hat aber in keiner Weise auf irgendwelche Religionsgemeinschaft Andeutungen gemacht, er sprach ganz allgemein, also weder von dem evangelischen, noch dem katholischen, noch dem jüdischen Religionsunterricht. Es ist, damit man die Sache richtig versteht, nötig, das ganz besonders zu betonen. Das ist also das ganze Verbrechen, dessen sich der Stadtverordnete und Jude Heinemann schuldig gemacht hat. Das Urteil darf er getrost jedem unbefangen denkenden Bürger überlassen, ich glaube nicht, daß es zu seinen Ungunsten ausfallen wird. Was die Nationalliberalen mit dem Zentrum im Jahre 1904 vereinbart haben, ist nicht meine Sache, hier zu untersuchen, es ist auch nicht Sache der freisinnigen Mitglieder des Stadtparlamentes. Darüber mögen sich jene beiden Parteien selbst auseinandersetzen. Zum Ueberfluß möchte ich zum Schlusse noch ausdrücklich betonen, daß Herr Heinemann s. Z. nicht deshalb in das Stadtverordneten=Kollegium gewählt ist, weil er Jude ist, sondern er wurde, weil er das Vertrauen der freisinnigen Volkspartei besaß, der Wählerschaft präsentiert und von dieser akzeptiert. Das mag sich auch die Tremonia merken. Dortmunder Stadttbeater. &a Dortmund, 25. Januar. „Werther“. Lyrische Oper in 3 Aufzügen von Massenet. Einer der liebenswürdigsten unter den französischen Komponisten ist Jules Massenet. Wagt sich sein Talent auch nicht an Welterlösungen und Seokenprobleme, so bleibt es doch nicht an der Oberfläche haften. Seine Tonsprache ist geistreich und zugleich gemütvoll und drückt eine feine und stille Zufriedenheit aus. Während seine Jugendlverke zumeist biblische Stoffe behandeln— zu diesen Werken zählen die Oratorien„Eva“ „Die Jungfrau" und„Maria Magdalena“— so errang sich Massenet seine größten Lorbecren auf dem Gebiete der Oper. Und hier ist es vor allem neben seinen„Manon“ der„Werther“, der seinen Namen weltberühmt machte. Die Erstaufführung dieses Werkes fand im Jahre 1892 in Wien statt. Das Liktetto haben Eduard Blan, Paul Milliet und Georg Hartmann frei nach dem Goethe'schen„Werther“ gestaltet und recht geschickt verfaßt; die Musik, ein echter Massenet mit all' den oben erwähnten Vorzügen seines Talentes, zeigt uns den Meister auf der Höhe seines Schafsens. Schillernd und glänzend ist seine Tonsprache, und von eigenem Reize sind seine Klagen. Ueber der gestrigen Aufführung des„Werther“ waltete ein günstiger Stern. Die Titelrolle stellte Herr Wildbrunn dar, der schauspielerisch und gesanglich gut disponiert war. Alle dynamischen Effekte wohl berechnend, groß in der Auffassung und von tiefer Leimschaft beseelt, holte er aus der Rolle heraus, as sie nur gibt; einige kleine Intonationsschwankungen Anfang des ersten Aufzuges fielen kaum ins Geicht.— Uneingeschränktes Lob kann man Frau WildLokales und Dortmund, 26. Januar. —“ Die städtischen Bureaus und Kassen sind aus Anlaß der Feier des Geburtstages des Kaisers und Königs am Tonnerstag den 27. d. M. von Mittags 12 Uhr ab geschlossen. —“ Provinzial=Landtag. Mit Schluß des diesjährigen Kalenderjahres Guft die Wahlperivde der Abgeordneten zum Westfälischen Provinzeillandinge ab. Aus dem Stadtkreise Dortmund gehören dem Provinziallandtage an: Oberbürgermeister Gey. Reg.= Rat Dr. Schmieding, Königl. Bergrat Stadtrat Kleine, Stadtverordnetenvorsteher Geh. Justizrat Tewaag und Geh. Justizrat Haarmann. Nach der Provinzialordnung vom 1. August 1886 ist zum ProvinzialLandtag für jeden Kreis mit weniger als 35000 Einwohnern 1 Abgeordneter zu wählen. Kreise mit 35000 und mehr Einwohnern haben 2, solche mit einer Einwohnerzahl von 70000 3 Abgeordnete zu wählen, während für jede fernere Vollzahl von 50000 Einwohnern ein weiterer Abgeordneter hinzutritt. Da bei der diesjährigen Wahl die Einwohnerzahl der Volkszählung von 1905 maßgebend ist, würde für Dortmund ein weiterer Abgeordneter hinzukommen. Die Wahl der Abgeordneten erfolgt in gemeinschaftlicher Sitzung des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung. — Der westfälische Provinziallehrertag findet am 29. und 30. März in Tortmund statt. Der westfälische Provinziallehrerverein zählt 4239 Mitglieder. —“ Schulübernahme. Die vor einigen Jahren vom Kaufmännischen Verbande weiblicher Angestellten gegründete mittlere Mädchen=Handelsschule soll, wie die Rh.=Westf. Ztg. meldet, vom 1. April d. Is. ab von der Stadt übernommen und mit den übrigen städtischen kaufmännischen Anstalten ver bunden werden. —* Prüfung für den einjährig=freiwilligen Dienst. Diejenigen gestellungspflichtigen jungen Leute, welche die willenschaftliche Befähigung zum einjährigfreiwilligen Dienst durch eine Prüfung bei der Prüf ungskommission in Minden nachweisen wollen, habep ihr Gesuch um Zulassung zur Prüfung bis zum 1. Febr. d. J. bei der genannten Prüfungskommission einzureichen. Dabei ist anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen der Meldende geprüft werden will, sowie ob, wie oft und wo er sich einer Prüfung vor einer Prüfungskommistion unterzogen hat. Dem Antrage ist ferner eine Photographie beizufügen, auf deren Rückseite von der Polizeibehörde unter Angabe des Geburtsdatums bescheinigen zu lassen ist, daß sie den sich Meldenden tatsächlich darstellt. —* Die Wilhelm=Auguste Viktoria=Bücherei bleibt am Donnerstag, den 27. Januar(Kaisers Geburtstag), den ganzen Tag geschlossen.— Die Lesehalle in der Rheinischen Straße wird um 7 Uhr abends geschlossen.— Die Wilhelm=Auguste Viktoria=Bücherei hat im Kalenderjahr 1909 aus ihren Beständen 129 861 Bände verliehen, darunter an auswärtige Bibliotheken 81 Bände. Von auswärtigen Bibliotheken wurden für hiesige Entleiher 762 Bände besorgt, sodaß eine Gesamtausleihziffer von 130 623 Bänden erreicht wurde. Es waren 7391 Mahnkarten und 659 Botengänge zur Rückgabe der Bücher nötig. 2223 Vormerkungen gingen ein.— Der Lesesaal wurde von 79726 Personen besucht, die Lesehalle in der Rheinischen Straße von 26 592 Personen besucht.— In der Patentschriftensammlung waren 31 080 Eingänge und 11 562 Löschungen zu verzeichnen. Von 308 Benutzern wurden 8312 Patentschriften eingesehen. —* Von Gewerkvereinsseite wird uns geschrieben: Der vor etlicher Zeit hier gegründete Gewerkverein der Bauhandwerker(H.=D.) hat sich recht gut entwickelt. Daran haben die anderen Organisationen keine Freude. Ihrem Aerger geben sie in recht verwerflicher Weise Ausdruck. So hat man vor einigen Tagen dem Vorsitzenden des Gewerkvereins an der Handwerkerschule das Handwerkszeug z. T. zerschlagen, z. T. gestohlen. Der Vorfall ist zur Anzeige gebracht, Ein gerichtliches Nachspiel wird folgen. —“ Straßenraub. Auf dem Ostwall wurde gestern Abend ein frecher Straßenraub verübt. Ein Unbekannter entriß einer Dame das Handtäschchen, in dem sich indeß nur ein geringer Geldbetrag befand. Der Täter entkam in der Dunkelheit. — Schuß auf einen Zug. Auf der Strecke Lütgendortmund=Dortmund wurde in der Nähe der Zeche brunn als„Lotte“ spenden: Ihre Klagen gingen durch Mark und Bein und ihre Freude war ein hochgesteigertes, alles mit sich fortreißendes Jubeln. Auf ihre vorzüglichen gesanglichen Leistungen näher einzugehen, erübrigt sich bei der allgemeinen Wertschätzung der Künstlerin.— Herr Werhard gab den„Albert“ anfangs ein wenig zu kalt und mit etwas zu rauher Tongebung, im Verlaufe des Abends jedoch wuchs seine Leistung auf ein höheres künstlerisches Niveau.— Die kleineren Rollen des„Amtmann“ und der„Sophie“. waren bei Herrn Bark und Frl. Herberger in bewährten Händen.— Die Aufführung leitete Herr Direktor Hormann mit Umsicht; der musikalische Leiter, Herr Kapellmeister Wolfram waltete mit grotem Geschick seines Amtes und fachte das Orchester zu großer Leistungsfähigkeit an.— Die Ausstattung der Oper ließ nichts zu wünschen übrig. Alles in allem bot der gestrige Abend einen hohen künstlerischen Genuß, allen Musikfreunden ist der Besuch des„Werther“ zu empfehlen. Max Regerfest, 7. 8 und 9. Mai 1910 in Dortmund. Zum Zwecke der Popularisierung der Werkt des Komponisten Max Reger, soll in den Tagen vom 7. bis 9. Mai in Dortmund ein großes Musikfest stattfinden. Max Reger, der dielumstrittene Tondichter ist am 19. März 1873 zu Brand in Bayern geboren, er studierte Orgel bei seinem Vater, der als Lehrer nach Weiden versetzt, ihn dem Organisten Lindner daselbst als Schüler übergab. Reger absolvierte in seiner Vaterstadt die Präparandenschule, studierte dann bei Riemann in Sondershausen, später in Wiesbaden, wo er auch als Lehrer am Konservatorium wirkte, Kontrapunkt, Formenlehre und Komposition. Bald wurde die Welt auf seine Kom„Germania“ auf einen Personenzug ein Schuß abgegeben. Die Kugel zertrümmerte die Fensterscheibe eines Wagenabteils. Verletzt wurde niemand. —“ Ein Henkelmann=Dieb. Ein stellenloser Schlosser wurde dabei erwischt, wie er von dem Speisewagen des Eisen= und Stahlwerks Hösch ein dampfendes Eßgeschirr entwendete. Schon seit geraumer Zeit hatte der junge Mann sich so billiges Mittagessen verschafft. — Blutige Schlägerei. In einer hiesigen Polenfamilie in der Rheinischen Straße entstand gestern aus geringfügiger Ursache eine Schlägerei. Mehrere Personen wurden erheblich verletzt. Einer der Beteilitten, der Bergmann Kazemazcek flüchtete auf die Straße, wo er, aus zahlreichen Wunden blutend, ohnmächtig aufgefunden wurde. Der Mann wurde ins Krankenhaus gebracht und schwebt in Lebensgefahr. —“ Das Warenhaus Theovor Althoff hat neuerdings Verhandlungen mit den städtischen Behörden wegen Vergrößerung des Geschäftshauses nach dem Wickedeplatz zu angeknüpft. Die auf der Insel zwischen Schwarzebrüderstraße und dem Wickedeplatz stehenden Gebäude sollen abgebrochen und auf dem Terrain unter Einbeziehung der Schwarzenbrüderstraße und Verbreiterung des Zuganges zum Markt vom Wickedeplatz aus der Erweiterungsbau errichtet werden. Die Stadt soll, falls sie das Projekt genehmigt, eine ansehnliche Entschädigung erhalten. —* Polizei=Bericht. In der Nacht zum Dienstag bezw. im Laufe des Montags wurden 11 Personen festgenommen und zwar: 4 wegen Diebstahls, 2 wegen Obdachlosigkeit, und je 1 wegen Trunkenheit, Umhertreibens, Haftbefehls, steckbrieflicher Verfolgung und Ueberweisung an die Landespolizeibehörde. — Stadttheater. Wir machen nochmals auf die morgige Aufführung des Shakespegre'schen„Sommernachtstraum“ aufmerksam. Die ersten Kräfte des Schauspiels sind in den wichtigsten Rallen beschästigt und vor allem sind die Partien der Rüpel durch die Herren Klug, Schubert, Matthias, Binder, Laumen und Thalheim auf das glücklichste besetzt, so daß die unverwüstlichen Handwerker=Szenen zur vollsten komischen Wirkung kommen werden. Das liebliche Elfenkönigspaar liegt in den Händen des Frl. Hrubesch und Frl. Leonie, der lustige Puck ist als eine prächtige Leistung des Frl. Habermeyer bekannt und die Liebespaare sind vertreten durch die Damen Frl. Proß und Frl. Artot, sowie der Herren Gerdes und Kaufmann. Die weiteren Rollen spielen Frl. Hennig, Herr Fischer, Herr Kaul. Die singenden Elfen haben Frl. Troll und Frl. Herberger inne und die Ballettmeisterin Frl. Urban arrangiert die entzückenden Elfenreigen, die von ihr, Frl. Verina und dem Corps de Ballett getanzt werden. Herr Kapellmeister Weißleder führt die musikalische Leitung und Herr Oberregisseur Habermever leitet die Inszenierung. —“ Naturwissenschaftlicher Verein(Dortmund.) Der letzte Vereinsabend brachte einen Vortrag des Herrn Chemikers von der Heyde über das Höhlengebiet bei Brünn in Mähren. Wie in Westfalen, so ist auch das Höhlengebiet an einen Kalkzug des Davon gebunden. Das Kalkterrain stellt ein von Schluchten und Tälern durchsurchtes Plateau dar, dessen Gewässer häusig am Fuße senkrechter Felswände oder auf dem Grunde trichterförmiger Erdsenkungen verschwinden dder auch im Flußbette versinken. Die zahlreichen Höhlen sind nichts anderes als die Rinnsale der versickerten Gewässer, die durch Auswaschungen und teilweises Zusammenbrechen der Hohlräume erweitert wurden. Die zerstörenden Kräfte treten auch neubildend durch Ablagerung von Geröllen, Höhlenlehm, Kalksinter und Tropfsteinbildungen auf. Von hohem wissenschaftlichem Interesse find die zahllosen Reste von diluvialen Säugetieren und prähistorischen Funden, die im Höhlenlehm konserviert wurden. An der Hand zahlreicher Abbildungen schilderte Redner mehrere besonders schöne Höhlen. Auch gab er eine Schilderung des an landschaftlichen Schönheiten so reichen Gebirges. Dem Naturwissenschaftlichen Museum wurden geschenkt von Herrn Obergärtner Wiebke Eier von Brautente und Schlan, ein Stamm mit Jungen Weidenbohrer, von Herrnn Oberbergamtsmarkscheider Fremdling Versteinerungen aus dem Kemmendge von Holzen(Braunschweig) und Kunstbildungen vom Gottesackerplateau im Algäu, von Herrn Fabrikant Schmitz ein Auerhahn, von Herrn Landmesser Heimsoth ein sossiler Zahn und von Herrn von der Heyde verschiedene Höhlenbilder. Hörde, 25. Jan. Die in Brücherhof gelegene Wirtschaft des Herrn Bracht ging durch Kauf in den Besitz des Bergmanns P. Nomieski aus Langendreer über. Der Kaufpreis beträgt 19600 Mk Hörde, 25. Jan. Die städtischen Kollegien widmen dem unerwartet aus dem Leben geschiedenen Stadtveroroneren=Vorsteher Geh. Sanitätsrat Di. Broesemann einen warmen Nachruf. Der Verschiedene hörte seit 1874 dem Stadtverordnetenkollegium, die ten 17 Jahre als Vorsitzender an und hat in dieser Zeit der Stadt große Dienste geleistet. Seinem treffenden Urteil unterwarf man sich gerne. Als Armenarzt war er ein Helfer der Armen in jeder Beziehung. Sein Andenken wird in Ehren gehalten, sein Name in städtischen Geschichte ehrenvoll genannt werden. Werne, 24. Jan. Hier verunglückte der 35 Jahre alte Bergmann Valentin Ries aus der Blücherstr Er stürzte in der Dunkelheit die Treppe hinab und blieb unten mit einer tödlichen Schädelverletzung liegen.— Der Milchfahrer August Adam von hier wurde in Bochum von der Straßenbahn totgefahren. Hagen, 26. Jan. Der Kreiswahlausschuß der Frei sinnigen Volkspartei sprach sich für die Verschmelzung der drei linksliberalen Parteien aus, gab aber dem lebhaften Wunsche Ausdruck, daß für die Gesamtpartei die Bezeichnung„Fortschrittspartei“ oder„Volkspartei“ gewählt werden möge. Zu den Stadtverordnetenwahlen nahm der Kreiswahlausschuß mit Bedauern Kenntnis davon, daß der Kreiswahlausschuß der nationalliberalen Partei Veranlassung genommen hat, das Wahlabkommen der Nationalliberalen mit dem Zentrum und den Christlichsozialen bei den letzten Stadtverordnetenwahlen ausdrücklich zu billigen. Das Verz halten der Nationalliberalen werde den ungünstigsten Einfluß ausüben auf die Gestaltung der politischen Verhältnisse im Kreise Hagen=Schwelm im Sinne der liberalen Bewegung. Trotzdem richte man an alle Parteifreunde der Provniz Westfalen das dringende Ersuchen, keine Verärgerungspolitik zu treiben. Dann wurde beschlossen, den Vertrauens= und Wahlmännern Fabrikanten August Bilstein aus Altenvoerde als Kandidaten für die Landtagsersatzwahl vorzuschlagen. Der Ausschuß wird sich wegen dieses Kandidaten mit der nationalliberalen Partei in Verbindung setzen. Essen, 24. Jan. Auf der letzten Generalversammlung der Rheinischen Zone des Deutschen Gastwirteverbandes war ein Antrag gestellt worden, die Wirte möchten ihre Lokale allen Parteien zu Versammlungszwecken hergeben. Für diesen Antrag hatte auch ein Wirt aus Mülheim=Ruhr gesprochen. Diesem Wirte, bei dem in früheren Jahren ein Teil des in Mülheim garnisonierenden Infanterie=Regiments Nr. 159 die Kaisers Geburtstagfeier beging, wurde daraufhin von der Militärverwaltung mitgeteilt, daß die Feier in diesem Jahre nicht bei ihm stattfinden werde. Da in dieser Absage eine Maßregelung des Wirtes erblickt wird, beschloß die Rheinische und Westfälische Zone des Deutschen Gastwirteverbandes und der Verband RheinischWestfälischer Brauereien eine gemeinschaftliche Einabe an den Kriegsminister zu richten, zwecks Milderung der militärischen Maßregeln gegen solche Wirte, die ihre Räume allen Parteien zur Verfügung stellen. Elberfeld, 25. Jan. Die Stadtverordnetenver sammlung beschloß, unter den in ganz Deutschland ansässigen Architekten einen Wettbewerb auszuschreiben, zur Erlangung von Entwürfen für den Bau eines Geschäftsgebäudes im Anschluß an das alte Rathaus. Das alte Rathaus, welches auch jetzt schon zu Geschäftszwecken umgebaut wird. Die Form des Gebäudes soll so gehalten werden, daß der Haupteindruck des Gebäudes nicht beeinträchtigt wird. An Preisen wurden 8000 Mark ausgesetzt, und zwar für den 1. Preis 3000 Mk., für den zweiten 2000 Mark, und für drei Preise je 1000 Mark. Paderborn, 25. Jan. Wegen der Genickstarre sind beim hiesigen Infanterieregiment Nr. 158 die Parade und die Festlichkeiten der Kompagnien am Geburtstage des Kaisers aufgehoben. Heute nachmittag wurde auch ein Soldat der 7. Kompagnie, der an Genickstarre erkrankt ist, ins Lazarett gebracht. Damit ist bereits in drei Kompagnien die Krankheit ausgebrochen. Den Soldaten ist es strenastens verboten, das Kasernement Köln, 25. Jan. Infolge der häufinen Anschlä e gegen Eisenbahnzüge im Ruhrgebiet hat der Eisen ahnminister angeordnet, daß abgerichtete Polizeihunde zur Aufspürung jener ruchlosen Burschen ein gestellt werden sollen. Köln, 25. Jan. Ueber den geplanten Aufsticg des Lenkballons Clouth werden Gerüchte verbreitet, daß der Ballon gestern in der Zeppelin=Halle gefüllt worden sei und heute oder in den nöchsten Tagen Flugversuche unternehmen werde. Diese Angaben sind unzutreffend. Die Firma Clouth hat infolge der Mitteilungen vom meteorologischen Observatorium in Aachen, daß für die nächsten Tage noch Windboen zu erwarten sind, vorläufig von der Fül lung des Ballons Abstand nehmen müssen. Köln, 25. Jan. Rechtsanwalt Dr. Troil, der Verteidiger des am Sonnabend vom hiesigen Schwurpositionen aufmerksam, er erhielt einen Ruf als Lehter an die Kgl. Akademie in München, später als Universitätsmusikdirektor nach Leipzig, wo er vom König von Sachsen den Professorentitel erhielt. Die philologische Fakultät in Jena ernannte ihn zum Doktor, momentan wirkt er als Professor für Komposition am Kgl. Konservatorium in Leipzig. Das eine steht fest, Reger gilt in allen musikalischen Kreisen als starke und große Persönlichkeit, die tonangebenden deutschen und ausländischen KouKährung. ph ein Verke zur Auführung, ob Publikum oder Presse Gefallen an den Schöpfungen findet oder nicht. So haben auch für das Regerfest in Tortmund große und namhafte Persönlichkeiten die Anregung gegeben, Männer wie Professor Marteau, Generalmusikdirektor Dr. Philipp Wolfram, Prof. Dr. Max Klinger sind mit dem ganzen Plan an Herrn Oberbürgermeister Geheimrat Dr. Schmieding herangetreten, der in großzügiger Weise sofort der Idee seine Unterstützung lieh. Die Herren betonten, daß sie Dortmuno deshalb für die richtige Stadt hielten, weil gerade hier die Musik besondere Pflege findet, Tortmund besäße 2 tüchtige Chorvereine und ein anerkannt gutes Orchester. Das wären die Hauptbedingungen für ein Regerfest, es soll in mustergültiger Art Regersche Musik geboten werden und daß dieses am 7., 8. und 9. Mai geschieht, dafür bürgen unsere oben erwähnten 3 Musikinstitute. Das Komitee hat sich bereits unter dem Vorsitz unseres Herrn Oberbürgermeisters Herrn Geheimen Regierungsrat Dr. Schmieding konstituiert, viele klingende Namen gehören demselben an, so daß zu erwarten ist, daß an den ersten Maitagen eine große Anzahl hervorragender Vertreter von Wissenschaft und Kunst ihre Schritte nach Dortmund lenken um dort einen ihrer besten mit ehren zu helfen, den hervorragendsten deutschen Toudichter„Max Reger“, Hals-, Brüst- und Lungenleidende die andere Mittel und Methoden zur radikalen Beseitigung ihrer Leiden erfolglos versucht haben, werden in ihrem eigenen Interesse gebeten, sich einmal eine kostenfreie Probe des echten arabischen oder Utu-Balsams(des naturreinen Saftes eines an den Küsten des Roten Meeres wachsenden Balsambaumes) von uns kommen zu lassen. Der Utu-Balsam gilt Im ganzen Orient schon seit alters her als das denkbar beste Mittel gegen chron. Erkrankungen der Atmungsorgane, und die mit ihm in zahlreichen Fällen von hervorragenden Aerzten angestellten Versuche waren fast durchweg von geradezu überraschenden Erfolgen begleitet. Jeder Probe legen wir eine aus der Feder eines praktischen Arztesstammendehochinteressante Broschüre ebenfalls durchaus kostenlos bei. Der Besitz dieser Probe und Broschüre kann für manch, noch zum rettenden Engel werden! Morgenländische Drogen-Import-Gesellschaft Jaffa(Palästina). men an die GENERAL-VERTRETER: BROCKHAUS& Co. Berlin- Grunewald. richt zum Tode verne? E aus Winterborn hat ion beim Reicsgerich Trier, 25. Jan. Inst lieb der Zug Hermeskei Achnee stecken. Die Locoy Strecke bald wieder Die französische A Berlin, 25. Jan. 4 ler Königlichen Akadem ellung von Werk kunst des 18. Jahr es Kaisers und der hriuzessin, des kambon. der Herren us Reichskanzlers v. ind vieler anderer namhe Berlin, 25. 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Theme Fezzigun, Papeng Albertstr. 10, 1 öm Oly och Abend8 perette„Die gorgen Tom Die lustige Opernk sicklich, daß „Die lust kangt die F Aufführu end für Frl gise und unr: er gontag, 31. kr Operetten traum. richt zum Tode verusk#ilten Müllers Withelm aus Winterborn hat gegen das Todesurteil Reion beim Reichogericht angemeldet. Trier, 25. Jan. Insolge von Schneeverwehungen sieb der Zug Hermeskeil—Trier bei Tchillingen im hnee stecken. Die Lokomotive entgleiste, doch wurde Strecke bald wieder frei. Letzte Telearamme. Die französische Ausstellung in Berlin. Herlin, 25. Jan. Heute mittag 12 Uhr wurde in er Königlichen Akademie der Künste die hellung von Werken der französischen unst des 18. Jahrhunderts Kaisers und der Kaiserin, srinzessin, des ambon, der Herren Reichskanzlers v. Ausischen in Gegenwart der Kronfranzösischen Botschafters des französischen Komitees, Bethmann Hollweg Reichslungers v. Orrhmann r..==□ nd vieler anderer namhafter Persönlichkeiten eröffnet. Berlin, 25. Jan. Der Kaiser sprach sich nläßlich der Eröffnung der französischen Aus#lung den Delegierten der französischen Akademie er schönen Künste gegenüber sehr anerkennend über De reiche Beschickung der Ausstellung aus und gab Einer Bewunderung für die französische Kunst und ins. #esondere für die wundervollen Werke, die zur Ausellung gelangen, Ausdruck. Er zog sämtliche Mitlieder der Akademie, besonders Herrn Bonnart, sowie se Aussteller, u. a. die Herren Dreyfus und Rothschild längere Gespräche. Der Monarch ließ als Andenken m die Eröffnung der französischen Ausstellung einem eil der Mitglieder seine Büste, dem andern eine in ronze gehaltene Souvenirplatte mit seinem Bilde und Datum des heutigen Tages überreichen. Auch die aiserin sprach sich in begeisterter Weise über die lusstellung aus. Der Sohn des Staatssekretärs von Schön überreichte Herrn Bonnart, dem Vizepräsidenten Pariser alabemie des Beaux Arts den Roten Adler= den erster Klasse mit Stern. Auch einzelne andere ersönlichkeiten wurden mit hohen Auszeichnungen dacht. Der Kaiser überreichte dem französischen sotschafter eine Bronzemedaille mit einem Bildnis. Auf den goldbronzenen Sockel trägt in französischer Sprache die Inschrift:„Der laiser dem franzosischen Botschafter, errn Jules Cambon, am 25. Januar 1910.“ Wahlrechtskundgebungen in den Reichslanden. Srraßburg i. E., 25. Jan. Sämtliche ParNlen des Reichslandes beabsichtigen bei der Eröffung des Landesausschusses durch eine Massendemonation größten Stils die Regierung auf die Wahl#htswünsche des Volkes aufmerksam zu machen. Die Spende des Großherzogs. Weimar, 25. Jan. Der Großherzog hat die irm überreichte Landesspende in Höhe von 132 000 M. aus eigenen Mitteln auf 200 000 M. erhöht. das großherzogliche Paar wird sich am 26. d. Mts. nach erlin begeben, um an den Feierlichkeiten anläßlich es Kaisergeburtstags teilzunehmen Die Entschädigung für Casablanca. Paris, 25. Jan. Wie aus Tanger gemeldet bid, hat die Entschädigungskommitlien on Casablanca ihre Arbeiten beendet und die besamtziffer der zu zahlenden Entschädigungen auf 069642 Frank festgesetzt, die Hälfte der beanspruchten Schadenersatzsummen. Von dieser Summe erhalten 08 Franzosen 1 877,000 Frank, 306 Spanier 2 538000, 36 Deutsche 1297000 und 102 Engländer 1748000 Frank. Die Gesamtzahl der Reklamationen #trug 3506. Todesurteile in Barcelona. Barcelona, 25. Jan. Gestern standen 29 An#klagte wegen der Unruhen in der Julisoche vor dem Kriegsgericht. Zwölf wurden lum Tode, vier zu lebenslänglichem Gefängnis und die übrigen zu längeren Gefängnisstrafen verP#rteilt. Das Urteil bedarf noch der Bestätigung des Feneralkapitäns. Der Revolutionär Petrow hingerichtet. Petersberg, 25. Jan. Petrow alias Woß###essensli, der Mörder des Obersten Karpow, ist gsein früh hingerichtet worden. Kämpfe in Nicaragua. Neuyork, 25. Jan. Aus Bluefields wird gewver, daß zwischen den Armeen von Estrade und (nr# hei Acoyapa eine Schlacht begonnen hat. Schlachtlinie ist 15 Meilen lang. Feuyork, 26. Jan. General Estrade hat den Kandenten von Nicaragua, Madriz, in einstündigem nimpfe böllig, geschlagen. Die Verluste auf den Seiten sind sehr groß. Bern, 25. Jan. In einem Gasthause an der ergstraße über den großen St. Bernhard wurde der ksitzer und Wirt in seinem Bett von einer Staubbine getötet. Die Lawine hatte die Fenster einund den Schlafenden durch Luftdruck und shneestaub erdrückt. Standesamts=Nachrichten. Dortmund 1. Vom 25. Januar. eburten. Ein Sohn: Bergmann Tieman,n, Prfurstenstr. 35. Zigarrenhändler Loot, RheinischeAbe 51. Bahnarbeiter Wiemers, Leibnitzstr. 26. schmann Guth, Staufenstr. 67. Eine Tochter: Arbeiter Suchalski, Treibstr. 55. scherungsinspektor Pabst, Dresdenerstr. 9 StraEbahnschaffner Hoppe, Wilhelmstr. 17. Bergmann lster, Lessingstr. 59. Aufgebote: Bergmann G. Thielmann und AgLemanik. Eisenwerkarb. L. Kurowski und Jone Urbanski. Kaufmann Ph. Voos und Else schemstein. Eisenwekkarb. Wawrzyniak und HeleMechalak. Sterbefälle: Ehefrau Emilie Weitkamp, Blustraße 16, 38 M. Therese Brozio, Sunderweg M. W. Themesfeld, Lotzingstr. 26 9 J. Emilie ermann, Papengarten 44, 3 J. Mar tha KaesAlbertstr. 10, 11 J. 1. om Olhmpia=Theater gelangt heute MittAbend 8 Uhr zum letzten Male die grandiöse Peiett.„Die Dollarprinzessin“ zur Aufführung. Echen Tonnerstag 8 Uhr auf vielseitigen Wunsch Fie lustige Witwe“ mit Grete Meyer vom Frankatet Overnhause als Gast und bemerken wir ausPutich, daß dies die letzte Aufführung der Oper#. Sie lustige Witwe“ ist. Am Freitag, 28. Jan. Prat die brillante Operette„Ein Walzertraum“ usuhrung. Sonnabend, 29. Jan. ist Ehrenfür Frl. Grete Meyer vom Frankfurter OpernI!“ und gelangt zur Aufführung„Ein Walzerkont=„Senntag, 30. Jan.„Ein Walzertrauw“, Kccg, 31. Jan. große Abschiedsvorstellung des WieErrsterettenensembles, letzte Aufjührung„Ein Vergangene Nacht verschied plötzlich und unerwartet unser allgemein verehrter Stadtverordneten-Vorsteher Herr Geheimer Sanitätsrat Dr. Broelemann im Alter von 70 Jahren. Seit dem Jahre 1874 hat der Entschlafene ohne Unterbrechung dem Stadtverordneten-Kollegium als Mitglied angehört und während dieser langen Zeit an der Entwicklung unserer Stadt den regsten Anteil genommen. 17 Jahre hat er als Vorsitzender die Stadtverordneten-Versammlungen mit großem Geschick geleitet und sich an allen städtischen Angelegenheiten mit größtem Interesse und nie ermüdendem Eifer beteiligt und mit weitausschauendem Blick für das Wohl der Stadt gewirkt. Als langjähriger Armenarzf ist er den Aermsten in unserer städtischen Bevölkerung helfend und lindernd nahe getreten und hat durch seine ärztliche Kunst und seine milde Anteilnahme die Tränen manches Hoffnungslosen zu stillen vermocht. In vielen städtischen Kommissionen und Deputationen wird sein oft erprobtes Urteil und sein praktischer Sinn hinfort schmerzlich vermißt werden. Wie er stets als aufrichtiger, treuer Patriot und echter biederer Westfale nur der natiönalen Sache diente, so galt sein Wirken als Stadtverordneter unbeeinflußt von irgendwelchen Parteirücksichten nur dem Wohle seiner Stadt. Sein hohes Ansehen in der gesamten Bürgerschaft sichert ihm ein treues Andenken, sein Name wird den städtischen Vertretungen und in der Geschichte unserer Stadt unvergessen bleiben. Hörde, den 24. Januar 1910. Der Magistrat. Evers, Bürgermeister Die Stadtverordneten-Versammlung. Froning, stellv. Vorsteher. Harmoniums in allen Stil- und Holzarten von Mk. 75.— an Kauf= Miete= Umtausch Wilh. Hohrath Söhne m. b. H. Fernspr. 845 Dortmund Fernspr. 845 Auf dem Berge 27 und Burgwall 21. Anerkannt gute u. sollde Bedienung. e VorTesbisrertttete Grüne Rabattmarken nim mt in Zahlung ampsiehlt in jeder Größe und Friedr. 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Kassenbericht, 3. Wahl der Rechnungsprüter. 4. Unwahl des Vorstan des. 5 Verschönerungen für 1910 Dortmund, 25. Januar 1910. 150 Der Vor end. PIANOS und Flügel in altbewährter Güte BACH-PIANOLA-PIANOS d h. IBACH Pianos mit eingebautem Klavierspielapparat, Pianolas mit Themodist und Metrostyle, sowie Harmoniums, empfichlt in reicher Auswahl zu bequemen Bedingungen Rud. IBACH Sohn Kais. u. Königl. Hof-Flügel- und Pianinofabrik, gegr. 1794. Barmen, Neuerweg 40 Bei Kauf, Miete, Umtausch. Re paratur oder Stimmung wende man sich an die mehr als hundertjährige. Erfahrung des durch vier Generationen bestehenden Hauses BACH Allein-Vertreter: Wilb. Hohrath, Dortmund, Burgssall 21 U auf dem Berge 27. Trauringe massiv goldene, von Mark 5 an, sowie Damen- I. Facon-Ringe In großer Auswahl empfehlen Bäumer& Co. Dortmund. Westenbellweg 26. Stores Bettdecken zu Fabrikpreisen Gebr. 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Der„Verband Deutscher Elektrotechniker“ hat gegen die Fassung einzelner, auf die elektrische Beleuchtung bezüglicher Bestimmungen des Musters zu einer neuen Polizei=Verordnung über die bauliche Anlage usw. von Theatern, öffentlichen Versammlungsräumen und Zirkusanlagen von 1909(Runderlaß vom 6. April d. J.— 3. B. 7, 75.D=B. M. d ö A. 2 e. 1146 M. d. I.) Bedenken erhoben Um Mißverständnisse vorzuheugen, stellen wir als den Sinn der beanstandeten Bestimmungen folgendes fest: 1. Ju Ziffer 2 Satz 3 der Paragraphen 36 und 116. Die Bestimmung hat nicht das Dreileiterlystem für die ganze Anlage ausschließen, sondern nur fordern wollen daß die einzelnen Zweige der Beleuchtungsanlage an welche Lampen angeschlossen sind, von den Verteilungstafeln ab im Zweileitersystem ausgeführt werden sollen. 2. Ziffer 3 Satz 1 der Paragraphen 36 und 116. hat nur die Notbeleuchtung näher regeln, die Einrichtung und Anordnung der allgemeinen Beleuchtung aber dem Unternehmer überlassen wollen. Doppelte Beleuchtung für alle zu beleuchtenden Räume wird also durch die Bestimmung nicht verlangt. Da in Sackgassen Notampen dadurch gefährlich werden, daß sie das den Ausgängen zustrebende Publikum irreführen, so wird in solchen Fällen von der durch Paragraph 126 gegegebenen Dispensmöglichkeit Gebrauch zu machen sein. 3. Zu Ziffer 3 Abf. 2 Satz 2 der Paragraphen 36 und 116. Der hier gegebenen Vorschrift gruppenweise Anordnung der Notlampen usw. wird schon genügt wenn 2 Lampengruppen und für jede der beiden Gruppen eine besondete Akkumulatorenbatterie vorhanden sind. Mit der weiteren Forderung, daß jede Lam e grupfe mit ihrer Akkumulatorenbatterie durch unverzweichte Hin= und Rückleitungen verbunden sein müsse, hat nur die wechselseitige Verbindung von verschiedenen Lamvengruppen hinter ihrer Abzweigung aus der Haupt leitung ausgeschlossen werden sollen. 5. Jiffer 3. Absatz 2 Satz 4 der Paragraphen 36 und 116. Der Begriff des„Panzerrohres ist kein ganz feststehender. Jedenfalls haben nach den Absichten des Musters alle, die Leitungen gegen mechanische Beschädigung schützenden Metall= oder mettallisch überzogenen Rohre, und dahei auch Schlitzrohre zugelasten werden sollen. 5. Ziffer 2, Absatz 2 Satz 4 der Paragraphen 36 und 116. Unbedingte Sicherheit bietende Apparate für die Prüfung elektrischer Kraftquellen auf ihre jeweilige Leistungsfähigkeit gibt es zur Zeit noch nicht. Die Bestimmung hat selbstverständlich nur die jeweilig vorhandenen Prüfungsapparate im Auge. 6. Zu Ziffer 4 der Paragraphen 36 und 116. Nach der Absicht der Verordnung sollen auf elektrische Anlagen in Theatern und Zirkusanlagen die Vor schriften des„Verbandes Deutscher Elektrotechniker“ nur soweit anwendbar sein, als sie nicht durch die Bestimmungen der Paragraphen 36 und 116 der Verordnung ersetzt sind. 7. Ju Paragraph 36 Ziffer 5, Paragraph 67 Ziffer 5. Paragraph, 71 d und Paragraph 116 Ziffer 5. Drahtschutznetze haben nur für die Glocken der groken Bogen= und Kugellampen gefordert werden sollen. Für die Glocken sogenannter Sparlampen mit eingeschlossenem Lichtbogen, elektrischer Dauerbrandlampen, sowie von Glühlampen sollte dieser Forderung nicht gelten. 8. Zu Paragraph 71d Satz 1. Die Bestimmung über die elektrischen Vogenlampen sollte sich nicht auf Sparbogensampen beziehen. Eure Tit. ersuchen wir, die Polizeibehörden anzuweisen, bei der Anwendung der Theaterbauordnung in diesem Sinne zu verfahren. Abdrucke dieses Erlasses zur Verteilung an die Landräte die Polizeiverwaltungen in Städten mit mehr als 10000 Einwohnern sowie an die Kreisbauinspektionen sind beigefügt. Für die Land räte sind 3—4 Abdrucke bestimmt, damit sie— soweit dies nach den örtlichen Verhältnissen nötig ist,— einige Abdrucke bei den ihnen nachgeordneten Polizeibehörden zur Kenntnisnahme in Umlauf setzen. Berlin, den 10. Dezember 1909. Der Minister der öffentl. Arbeiten. Der Minister d. Junern. Im Auftrage.. In Vertretung. gez. Hinckeldeyn. gez. Holtz. Vorstehender Runderlaß wird hiermit zur Kei nnisnahme der Interessenten gebracht. Dortmund. den 24. Januar 1910. Bau=Polizei=Verwaltung Dr. Schmieding Geheimer Regierungsrat. Spezialkauthaus u. Bandagenfabrik Dortmund, O. Gruss. Gestenkellbeg II. Sämtliche chirurg. und hygien. Gummitlaren. Bruchband für Erwachsene m. Gummipelotte" Mk. 3.50 irrigator mi“ Mutterrohr und Schlauch von Mk. 1.00 an Krücke, doppelt, für jede Größe Mk 3.50 Leibbinden„ 12—. 10.—, 8.—. 6.—, 2.50 Mutterspritzen... 12.—, 10.—. 8.—, 6.— 4.50 2.50 Unterlage, doppelseitig Gummi. 1 Mtr. 2.50 Unterlage.„„ Reste, für Kinder 0.60 Zimmerklosets, Krankenstühle, Krankenwagen, Künstliche Beine, Fuss- und Beinmaschinen = Rückenapparate und Geradehalter. Lieferant der Ortskrankenkasse, Eisenbahnkrankenkassen, Innungskrankenkassen, Fabrikkrankenkassen. Mass-Anzüge Herren- Auzüge, Faletots, Rasen nach Mass liefert elegant, schnell, billig 6117 H. 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Zum letzten Male:„Ein Galzertraum“. Kronenburg- Dortmun Montag, d. 31. Januar 1910, abends 8 Uhr: 10 Soliften Konzert des Philharmonischen Orchesters Dirigent: Georg Hüttner.— Solisten: Elisabeth Schenk Karl Pecsi Weimar (Gesang) (Violine) (Lehrer am Konservatorium Holtschneider-Hüttner.) Ibach-Fluger von W. Hohrath Söhne, hior. Programm: Ouvertüre(Suite) für Flöten und Streichorchester v. J. S. Bach. Lieder für Alt von Brahms, Reger und H. Wolf.(Am Klavier: Herr W. Eickemeyer.) Konzert für Violine D-dur von J. Brahms. Tondichtung„Don Juan“ v. Richard Strauß. Eintrittskarten: à 3.— Mk. sind im Verkehrsbureau, Markt 2a, und an der Abendkasse zu haben, auch werden 4 Freitags-Abonnementskarten in Zahlung genommen. Telephon 1809. Fr. Jackel jr. Beurhausstr. 25. 7141 Installationsbnreau; Ausführung von: Elektrischen Licht- und Kraftanlagen, Telephon- u. Schwachstrom-Anlagen, Gas- u. 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Orchester. 1392/5 Fredenbaum. Heute Mittwoch: Grosses Konzert Am Donnerstag, den 21. d. Mts., dem Geburtstage Seiner Majestät des Kaisers und Königs, sind die Bureaus und Kassen von mittags 12 Uhr ab geschlossen Dortmund, den 2s. Januar 1910 Der Magistrat. Jeden Sonntag und Mittwoch nachmittags 3½ Uhr: Hüttner-Konzerte. Jeden Freitag avends 8 Uhr Symphonie-Konzert. Jusess nter Leitung des Kgl. Musitdirigenten a. D. Aler Huvert. Ansang 3½ Uhr. Einrit 25 Pf. Windheuserkarten mit 15 Pf. Nachzahlung gültig. Bekanntmachung. an aondame 4.omrie 2. Jas Oi mssent Westenbeftes 107. Städtische Kinderbewahr= und anstalt Missundestraße 5. Wie bisher, werden Kinder von etwa 4 Jahren ab zur Verpflegung und Beaussichtigung aufgenommen. Anmeldungen nimmt die Vorsteherin Fräulein Kröning, bei welcher auch die Aufnahmebedingungen eingesehen werden können, entgegen. Die Verwaltung des Armenwesens. Rechtsschatzstelle für Fraren des Vereins Frauerbildung—Fraumerwerb Markt 16, neues Sparkassengebände. Eingang Balkenstraße. unentgeltliche Auskunft in allen Angelegenheiten erteilen Damen an unbemittelte Frauen und Mädchen. 5279 Sprechstunden: Donnerstags von 4—6 Uhr nachmittags. Thalia-Theater Brückstrasse 45. Stadlissement ersten Ranges für Kinomatographische Aufführungen. Tonbilder lebender und singender Bilder von ersten deutschen und ausländischen und Sängerinnen Jeden Plittssoch u. Samstag Programmwechsel Billiges Entree. TEE neuester Ernte- eigener Einfuhr erprobter Qualltäten lose und in Paketen. Gute bis hochseine Mischungen 1.60, 2.—, 2.50, 8.—, 3.50, 4.— u. 5.— Mk. das I' d. Ceylon-Tee 1.60, 2.20 u. 2.40 Mk. das Pfund. Kalser’s Kaffes-Geschält G. m. b. H. Europas grösster Kaffee-Rösterei-Betrieb. = Ueber 1000 Fillalen. Filialen in: Dortmund Münsterstraße 21, Rheinischestra## Westenhellweg 60. Aplerbeck. Markt 8, Herne. Bahnhofstraße 58. Hörde. Chausseestraße 43—45, ütgendortmund. Wilhelmstraße 30, Schwerte. Brückstraße 1. 15 Unna. Bahnhofstraße 7. Niederlagen bei Herren: Carl Luicke. Nachf. Inliaber Oi Schmitts. Holzwickede: P. A. Lange Söhne, SteinheuAnton Schlitte, Wanne, Bahnhofstraße 137. 4. Hauptver Bundes der er Bund der Indu horsitz des Geheimen Kor er 14. ordentlichen Gen lach der Eröffnung ge er die Versammlung im Innern begrüßte, on der Industrie gegen sung vorgebrachten Bed er Hauptsache als berec Hierauf erstattete Pendtlandt den be ericht, an den sich ei in deren Verlauf wurde lläne der deutschen Sch bissenschaftliche Fächer hhrenden Ausschuß ul sie sich in scharfer We usspricht, wurde einsti Tann referierte emann über Indr der Redner ging von um Industriestaate au ieser Entwicklung die n der Ueberzahl seien ine kolossale Ueberleg nammengehörigkeit 1 sehmern gewahrt hat. ustrie versuchen, die ibrigen erwerbenden vieder herzustellen. Zi sund geschaffen worde sie Turchsetzung des senüber allen Erwerl bung steht unter? zir aber vom Hansab eden Preis verlangen bieder neue Märkte ins starke Nerven a en- und Kolonialpol lls mächtiger Faktor seutsche Pioniere in ug auf unsere Ausl Das diplomatische Ke nur aus Adligen zuso ige ist nicht genügen iete der Sozialpoliti igkeit obwalten. Hö ine Wirtschaftspolit das stolze Wort des Von diesem Tage ab perer Wirtschaftsgeschi wo der große et. Ter Präside hat Rießer erklärt, der Gelegenheit frag r haben den Bur hrogen Teutschen Rei en getragenen Staa nau nicht heute ode ein politischer Ver Pahlen, die von den ind, unsere Ziele, d surchzusetzen versuch pandel, Industrie un as Ziel zu erreicher sen, dann wird der: Die Kinde Gleich ein nich der Eisenb Kein Baum, monotone W Wiee Wigen der Ze ##d Eis hate büsterste Szen pem Bilde ein Nur der ins die gleitende rwirft, In einem en zwei jun hochgezo gene, frierend gen, entsprin Pnahezu ül Scheuren Ein gen sie an die ### ren sie dur „Jnlius, siert an un gibt iger Däche ## sind wahrscheinl gr dann gibt vohn mar gendenS m. Sibirie Inen aufe scht auf d undene Mitlms en 26. Januar 1910. 9 Nr. 21. e 27. Jahrgang. Zweites Blatt. . Hauptversammlung des Bundes der Industriellen. S. u. I. Berlin, 24. Jannar. Der Bund der Industriellen trat hier unter dem arsitz des Geheimen Kommerzienrats Wirth zu sei14 ordentlichen Generalversammlung zusammen. ach der Eröffnung gab Regierungsrat Wietseldt, die Versammlung im Namen des Staatssekretärs Innern begrüßte, die Erklärung ab, daß die zu der Industrie gegen Nie Reichsversicherungsordung vorgebrachten Bedenken von der Regierung in er Hauptsache als berechtigt anerkannt worden sind. Hierauf erstattete Landtagsabgeordneter Dr. hendtlandt den bereits mitgeteilten Geschäftsericht, an den sich eine längere Debatte knüpfte n deren Verlauf wurde eine Resolution, in die Lehrsäne der deutschen Schulen im Auslande technischissenschaftliche Fächer aufzunehmen, dem geschäftsihrenden Ausschuß überwiesen. Eine Resolution, je sich in scharfer Weise gegen Schiffahrtsabgaben usspricht, wurde einstimmig angenommen. Tann referierte Reichstagsabgeordneter Stremann über Industrie und Hausabund. er Redner ging von der Entwicklung Deutschlands m Industriestaate aus, in dessen Parlament trotz jieser Entwicklung die agrarischen Interessenvertreter n der Ueberzahl seien. Die Landwirtschaft besitzt ine kolossale Ueberlegenheit darin, daß sie sich die suammengehörigkeit von Arbeitgebern und Arbeitehmern gewahrt hat. Demgegenüber muß die Inustrie versuchen, die Interessengemeinschaft mit den brigen erwerbenden Ständen des deutschen Volkes sieder herzustellen. Zu diesem Zwecke ist der Hansaund geschaffen worden. Der Hansabund verlangt ie Turchsetzung des Betriebs der Gerechtigkeit geenüber allen Erwerbsständen. Unsere ganze Geetzgebung steht unter dem Einfluß agrarischer Interssen. Es wäre ein verhängnisvoller Fehler, wenn vir aber vom Hansabunde eine Industriepolitik um eden Preis verlangen wollten. Wie werden immer ieder neue Märkte gewinnen, aber nur, wenn wir ns starke Nerven angewöhnen inbezug auf Floten= und Kolonialpolitik, wenn das Deutsche Reich Is mächtiger Faktor hinter denen steht, die als eutsche Pioniere in die Welt hinausgehen. Jubezug auf unsere Auslandvertretung fehlt noch viel. as diplomatische Korps setzt sich gegenwärtig fast ur aus Adligen zusammen, für Handelssachverstänige ist nicht genügend Geld da. Auch aus dem Geiete der Sozialpolitik muß das Prinzip dec Gerechgkeit obwalten. Höher als eine Sozialpolitik steht ine Wirtschaftspolitik, die für gute Löhne sorgt. as stolze Wort des Präsidenten des Hansabundes Von diesem Tage ab beginnt eine neue Perrode unerer Wirtschaftsgeschichte“ wird seine Erfüllung finn, wo der große Moment ein großes Geschieht indet. Der Präsident des Hansabundes Geheimat Rießer erklärt, man dürfe nicht gleich bei jeer Gelegenheit fragen, wo bleibt der Hausaband? Lir haben den Bund gegründet, um aus unserem roßen Deutschen Reich einen von modernen Gedanen getragenen Staat zu machen und das erreich: san nicht heute oder morgen. Der Hausabund ist ein politischer Verein, aber wir werden bei den sahlen, die von den politischen Parteien zu machen ind, unsere Ziele, die in Richtlinien festgelegt sind, urchzusetzen versuchen. Wenn alle Vertreter von dandel, Industrie und Gewerbe fest entschlossen sind, as Ziel zu erreichen, die Gleichgültigkeit zu bekümsen, dann wird der Tag des Sieges gekommen sein. An dritter Stelle sprach Fabrikbesitzer Arno Luholdt(Gera) über die Reichsversicherungsordnung Der Redner kritisierte eingehend die einzelnen Bestimmungen des Entwurfs und legte dann eine Er klärung vor, die die seine Bedenken gegen verschiedene Bestimmungen des Entwurfes zusammenfaßte. Diese Erklärung wurde schließlich angenommen und die Tagung geschlossen. Die Kinder des Sträflings. Roman von A. Sinowka. 1 (Nachdruck nicht gestattet.) einer langen, schwarzen Schlange bewegt sh der Eisenbahnzug durch die schneebedeckte Landschaft. #tein Baum, kein noch so kleiner Gegenstand, der das glogotone Weiß der weiten, winterlichen Gefilde durcheiicht. Wie ein uferloses Meer, dessen sturmgepeitschte sen der Zauberspruch eines Gewaltigen zu Schnee And Eis haterstarren lassen, sieht das hügelige Land els. Nicht einmal der Vollmond, der sonst auch die easterste Szenerie in märchenhaftes Licht taucht, vermag E Lilde einen Hauch von Leben und Glanz zu leihen. für der ins Riesenhafte vergrößerte Schatten, welchen gleitende Wagenkette ae das weiße Leichentuch der gur wirft, bringt Abwechselung hinein. einem engen Wagenabteil der untersten Klasse Pndei junge Menschenkinder, eng aneinandergedrückt, #### 99chgezogenen Schultern, wie ein Paar verschüch55 stierende Vicol. Der Frost, der sie innerlie st uahgzir zugt aber nicht der Kälte, denn das nahem überheizt, sondern dem Grauen vor scheuren Einsamkeit rings um sie her. Und di diese gewöhnt sein, denn seit Tage rierende Vögel. Der Frost, der sie innerlich schütt entspringt aber nicht der Kälte, denn das Abteil der undoch sollnn n Tagen schon n sie burch die endlose Schneewüste. us, steh doch, sieh!" ruft das Mädchenplötzlich wie auffahrend.„Da ist etwas Dunkles..dort!“ aibt sich auch der junge Mensch einen Ruck, beide 50, Fenster und spähen eifrig auf eine Anzahl nieFacher, die von fern aus dem Schnee aufragen. g nnd Blockhäuser,“ erklärte der Julius Geheißene. eescheinlich die Station. In zehn Minuten sind wir dann gibt's Abendbrot, Dora.“ s dasierte aber doch noch länger, denn die Eisennacht hier eine mächtige Kurve um das Dörschen n den Schi########an verhältnismäßig nah, seitwärts Schienen liegen sah. Außerdem fahren die Züge ucen zumal zur Winterszeit, auch sehr langsam. geistern wird die Zeit jetzt, da die Station vor . betaucht ist, aber nicht mehr lang. Die Ausb#ndene uus bevorstehende Abendessen und die damit verlbwechselung regt sie angenehm auf, vielleicht Berlin, 25. Jannar. Am Ministertische v. Arnim, Thiel. Präßdent v. Kröcher eröffnet die Sitzung um 12.15 Uhr. Er sucht um Urlaub nach für die Zeit vom 28. Januar bis Ende April. Ein Widerspruch erfolgt nicht. Die zweite Lesung des Etats wird bein. Landwirtschaftsetat fortgesetzt. Abg. Westermann(nat.=lib.): Man würde sich in großem Irrtume befinden, wenn man glaubt, daß wir für eine laxe Handhabung der veterinären Bestimmungen an der Grenze zu haben sein würden.(Zustimmung bei den Nationalliberalen.) Wir meinen aber ebenso, daß die Viehseuchen auch im Inlande engerischer bekämpft werden müßten und begrüßen deshalb die Einstellung von 50000 Mark zur Bekämpfung der Maul= und Klauenseuche. Die Landwirtschaftskammern sollten dabei mitwirken. Abg. Dr. Hahn(B. d. L.) stellt fest, daß die Ausführungen des Abg. Crüger vom Montag über die Auffassung des Abg. Frhrn. v. Wangenheim in Fragen der inneren Kolonisation unzutreffend gewesen seien. Das soziale Moment habe Abg. Frhr. v. Wangenheim nicht außer acht gelassen, aber er habe völlig recht gehabt, wenn er den Schutz der nationalen Arbeit in den Vordergrund gestellt habe. Abg. Dr. Heisig(Ztr.) beklgat, daß die Vorschriften betreffend Beschästigung von Ausländern es den kleinen Leuten nicht mehr möglich machten, diese zu beschäftigen, insofern sie sie nicht selbst dauernd beschäftigen könnten. Den Wünschen auf Ausdehnung des Zusammenlegungsgesetzes für Bauland stehen vielfach große Bedenken entgegen. Da man nicht nur den gegenwärtigen Wert, sondern auch den zukünftigen berücksichtigen muß, so erscheint eine solche Dauer des Umlageverfahrens, welche bei rein ländlichen Verhältnissen als eine kurze bezeichnet wird, nämlich eine Dauer von sieben bis zehn Jahren, bei Bauland schon viel zu lange. Zum Schluß fragt Redner den Landwirtschaftsminister, welche Schritte die Regierung zu tun gedenke, um eine gesetzliche Regelung des Tarwertes herbeizuführen. Abg. Wamhoff(nat.=lib.) polemisiert gegen den Abg. Dr. Hahn und dessen sowie seiner Parteigenossen Agitation gegen die Nationalliberalen, insbesondere gegen den Avg. Schwabach und den Redner selber. Dr. Hahn sei ja selbst früher Kandidat der nationalliberalen Partei gewesen. Wie er denn da für eine Partei habe eintreten können, die er für so schlecht und verderblich halte. Landwirtschaftsminister v. Arnim: Auf die Anfrage des Abg. Dr. Heisig betreffend das Taxwesen habe ich zu erwidern, daß eine Reform des Taxwesens sowohl für die städtischen, als auch für die ländlichen Verhältnisse in Vorbereitung ist. Es sind kommissarische Beratungen über die Materie im Gange. Ist die Sache so weit gediehen, dann wird dem Hause eine entsprechende Vorlage unterbreitet werden. Abg. Hahn(kons.): Für den neuen Zolltarif trat der Bund der Landwirte übereinstimmend mit allen wirtschaftlichen Vereinigungen ein. Die Nationalliberalen entwickelten sich immer mehr nach links und wurden aus Liberalen— Demokraten und zwangen die besten Elemente, wie den Freih. Heyl und den Grafen Oriola, aus der Partei auszuscheiden.(Stürmischer Widerspruch bei den Nationalliberalen.) Wie unartige Kinder machten sie bei der Finanzreform nicht mit. Die deutschen Bauern schenken mir Vertrauen, nicht Wamhoff, weil sie wissen daß sie dann in den Wurstkessel kommen.(Stürmische Heiterkeit, lebhafter Beifall rechts.) Abg. Leinert(Soz.): Wir verlangen vollständige Koalitionsfreiheit für die ländlichen Arbeiter, deren Löbne durchaus unzureichend sind. Die Landflucht des Arbeiters ist zurückzufuhren auf unwürdige Behandlung und schlechte Wohnungsverhältnisse. Abg. Crüger(freis. Vp.): Die Hebung der Bildung auf dem Lande ist das einzige Mittel der Agitation, Dr. Hahns Boden abzugraben. Die Konservativen stellten sich immer als Hüter der verfassungsmäßigen Rechte hin. Sie haben sich aber wie Kanalrebellen gegenüber dem großen Kulturwerk verhalten. Die Konservativen verstehen unter Parität nur die Förderung der eigenen Interessen. (Beifall links.) Abg. Meyer=Rottmannsdorf(freikons.): Die linken Parteien betonen stets die Interessengegensätze zwischen dem Groß= und dem Kleingrundbesitz. An den Getreidepreisen sind aber beide Teile interessiert. Gegenüber dem Vorwurf, daß wir die ausländischen Arbeiter den deutschen vorziehen, erkläre ich, daß wir jene heranziehen müssen, weil wir deutsche nicht bekommen. Abg. Friedberg(nat.=lib.): Der Abg. Schwabach hat vollkommen Recht mit der Behauptung, daß der kleine Landwirt in den landwirtschaftlichen Vertretungen zu kurz kommt. Wir vertreten den Schutz der Landwirtschaft gegen ausländische Konkurrenz, billigen aber nicht das Uebermaß der Agitation des Abg. Hahn. Von unserer Seite erfolgte keine Provokation, welche die Tonart des Abg. Hahn rechtfertigen könnte. Abg. Hahn(kons.): Meine Rede war teilweise die Antwort auf die Agitation der Nationalliberalen, des Bauernbundes und des Hansabundes in den letzten Monaten gegen die Konservativen. Die Nationalliberalen werden ihre Handlungsweise bei der Reichsfinanzreform noch bereuen. Hierauf wird die Besprechung über den Titel Ministergehalt geschlossen. Abg. Friedberg(nat.=lib.) bedauert, daß ihm der Schluß der Aussprache die Gelegenheit nahm, dem Abg. Hahn zu antworten. Nach persönlichen Bemerkungen verschiedener an der Aussprache beteiligt gewesener Abgeordneten wird der Titel Ministergehalt bewilligt. Weiterberatung Freitag 11 Uhr, außerdem Gestütshaushalt. Berlin, 25. Januar. Am Bundesratstisch Staatssekretär Dernburg. Vizepräsident Spuhn eröffnet die Sitzung um 1,15 Uhr. Das Haus ist nur schwach besetzt. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Weiterberatung des Nachtragshaushalts für Südwestafrika. Abg. Semler(nat.=lib.) berichtet über die Verhandlungen im Ausschuß und geht sodann auf den Teil der Verhandlungen ein, der sich mit der Diamantenpolitik des Staatssekretärs beschästigt hat. Abg. Erzberger(Ztr.) erkannte an, daß der Staatssekretär des Reichskolonialamtes hinsichtlich der Diamantengewinnung und Verwertung eine geschickte Hand gehabt habe. Seine Partei sei daher im großen und ganzen mit der Politit der Regierung einverstanden, wenn auch weitere Konzessidnen nicht mehr erteilt werden dürften.— Eine heitere Episode war es, als Abg. Erzberger von einem Herrn von Dernburg sprach und der Staatssekretär mit beiden Händen abwinkte. Staatssekretär Dernburg erklärte sodann, auf die sübwestafrikanischen Beschwerden nicht eingehen zu wollen. Maßgebend bei der Diamantenpolitik seien die Gedenten gewesen: Monopolismus, Schafsung von Verkaufsmöglichkeiten und damit Hochhaltung der Preise, womit auch der fiskalische Nutzen steigt. Kaufmännischer Geist, wie Abg. Erzberger ihn fordere, lasse sich nur in der Freiheit finden, der dürfe nicht in spanische Stiefel eingeschnürt werden. Die Diamantenfrage als Sensation sollte endlich von der Tagesordnung verschwinden. Freilich, die Damen sind da nicht ganz unschuldig. Seit Jahren habe ich kaum eine andere Unterhaltung mit Damen zu pflegen Gelegenheit gehabt.(Heiterkeit.) Der Staatssekretur verbreitete sich sodann in ausführlicher Weise über die finanzielle Seite der Diamantenpolitik und berührte Verkehrsfragen. Ulba. Arning(ntl.): Zu diesen Angriffen bemeike ich nur, daß die Art gerade, wie diese Leute vorgegangen sind, es jedem anständigen Manne unmöglich machen, für sie einzutreten. Der Redner eröriert die Fragen der Zölle, der Regie und der Sperre im zustimmenden Sinnne desgl. die Bahnfrage. Abg. Frhr. v. Richthosen(kons.): Wir wollen gern die Kommissionsfrage noch cinmal eingehend prü sen, wenn uns neues Material geliefert wird. In der Diamantenfrage biligen wir die Haitung des Herrn Staatssekretärs.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Arendt(Rp.) beantragt Zurückverwessung der Materie, die den neuen Vertrag mit der Ko lonialgesellschaft betrifft an die Kommission. Abg. Ledebour(Soz.) erklärt, daß seine Partei Herrn Dernburg kein Vertrauesnvotum ausstellen könne, da seine Politik kapitalistisch sei. Der Redner wiederbolt im übrigen seine Ausführungen aus der Kommission. Staatssekretär Deruburg erklärt noch, er werde den Vertrag mit der Kolonialgesellschaft der Budgetkommission vorlegen. Abg. Arendt(Nr.) zieht hierauf seinen Antrag auf Rückverweisung zurück. Hierauf vertagt sich das Haus. Morgen 1 Uhr: Weiterberatung. Schluß gegen 6 Uhr. Ein Schulstreik in der Eifel. S. u. II. Trier, 22. Jannar. Ein Schulstreik aus eigenartigen Ursachen beschäftigte die hiesige Straskammer als Berufsinstanz. In dem kleinen Oertchen Schlausenbach in der Eifel hatten zwölf Einwohner im letzten Frühjahr hintereinander nicht weniger als 7 Strafmandate erhalten, weil sie ihre Kinder vom Schulbesuch ferngehalten hatten. Da die Betroffenen Einspruch erhoben hatten, gelangte die Angelegenheit vor dem Schöffengericht in Prüm zur Verhandlung, in der folgender Sachverhalt festgestellt wurde: Im Frühjahr 1909 verfügte die Regierung die Umschulung der Kinder von Schlausenbach nach Auw, da die Schlausenbachers Lehrerstelle nicht besetzt werden konnte. Die Schulräter erklärten aber, die Regierung habe kein Recht zu einer solchen Umschulung, und weigerten sich ihre Kinder nach Aulv in die Schule zu sehicker zumal der Weg nach Antv von den Kindern nicht ohne Schädigung der Gesundheit zurückgelegt werden könne. Das Schössengericht nahm zunächst eine Besichtigung des Weges von Schlausenbach nach Auw vor und konstatierte,d aß dieser Weg bei sch'ochtem Wetter sich direkt in eine Pfütze umwandele. Ohne Gesundheitsschidigung sei es den Kindern nicht möglich, den Weg, zu dem man eine Stunde Zeit benötige, mehrmals in der Woche zurückzulegen. Der Einwand der Schulväter, die Regierung sei nicht berechtigt gewesen, die Umschulung vorzunehmen, wurde für nicht stichhaltig erklärt, trotzdem aber angesichts der Ortsverhältnisse auf Freispreihung erkannt. Ausschlaggebend war dabei auch ein Sachverständigen=Gutachten, eines praktischen Arztes. der erklärte, ein Drittel der Kinder sei nicht im Stande, den Schulweg auch nur einmal zu machen. das zweite Drittel könnte wohl den Hinweg, nicht aber den Rückweg zurücklegen; nur dem letzten Drittel könne man zumuten, den Wen zwei= bis dreimal in der Woche zu machen. An alle Kinder die Anforderung zu stellen, täglich zweimal den„Weg zu machen, würde eine schwere Gesundheitsschädigung bedeuten. Gegen dieses Urteil hatte die Regierung Berufung eingelegt, in der noch einige weitere Sachverständige gehört wurden. Medizinalrat Dr. Schlecht erklärte, daß der Schulweg von den Kindern ohne Gefahr für ihre Gesundheit zurückgelegt werden könne, sofern sie nur den richtigen Schlaf hätten und nicht unterernährt seien. Kreisarzt Dr. Altendorf hielt die. Zurücklegung des Weges ebenfalls für gefahrlos, allerdings nur bei gutem Wetter. Der Gerichtshof verurteilte die Schulväter zu je 1 Mk. Geldstrafe. In dem Urteil wurde ausgesprochen, daß sie sich nicht allgemein. sondern von Fall zu Fall bei besonderen schwierigen Witterungsverhältnissen hätten weigern dürfen, die Kinder zur Schule zu schicken. Aus demt Strafkammer Dortmuns Dortmund, 25. Jannar. Einen harten Schädel hat der Erdarbeiter Johann Biganski von Husen, von seinem Kollegen dem W . e r t e t e . SP. M. gibt's auf der Station auch irgend etwas Amüsantes, Merkwürdiges zu sehen, genug. die Oede und Trostlosigkeit der Natur, die Einsamkeit in der großen Schneewüste haben momentan ihre Schrecken für sie verloren. Sie fühlen sich sogar recht behaglich. Sie sind ja noch so jung. er kaum zweiundzwanzig, sie siebzehn! Jetzt ertönt ein langgezogener, schriller Pfiff, der Zug mäßigt seine Fahrgeschwindigkeit und wenige Minuten später hält er vor dem kleinen Bahnhofsgebäude, vor dem ein paar Buriaten und zwei Poven in langen Gewändern und hohen Hüten stehen. Die meisten Passagiere, besonders die in den höheren Wagenklassen, bleiben in ihren warmen Abteils, nur einige Minenarbeiter steigen außer dem Geschwisterpaar aus. Dieses sucht sich ein Plätzchen, abseits von den übrigen Leuten, dann unterhandelt Julius mit der Frau, die in dem niedrigen, ranchigen Restaurationsraum hinter dem dampfenden Samovar sitzt, wegen des Abendbrots und bestellt nach langem Hin= und Herreden Tee, saures Roggenbrot und einen fetten Pfannkuchen. Die Geschwister haben sich für die Dauer der ganzen Reise äußerste Sparsamkeit zur Pflicht gemacht.. mehr als nötig.. und daher ist die Auswahl der Speisen eine Sache, die wohl überlegt sein will. Nachdem der Auswärter, ein junger Bursche in hohen Schaftstiefeln und rotem Wollhemd, ihnen das Essen gebracht hat, verzehren sie es mit gesundem Appetit und in bester Laune. Trotzdem genau derselbe Vorgang sich allabendlich wiederholt, hat er noch nichts von seinem Reiz für sie verloren. Sie würden ja auch gern mit den reichen vornehmen Reisenden zusammen im Speisewagen essen; aber da das sehr teuer ist, verzichten sie leichten Herzens darauf. Verwöhnt sind sie ja wahrlich nicht, der Julius und die Dora Berger, die Kinder des deutschen Musikers und der Petersburger Konservatoriumsschülerin, die jener kennen gelernt, als er die Stelle eines Klavierlehrers in einer gräflichen russischen Familie bekleidet hatte. Als er sie dann als sein Weib nach seiner Heimat mitbrachte und mit Klavierunterricht das Brot für die Seinen verdiente, da war es oft knapp zugegangen in dem kleinen Haushalt, so knapp, daß es die junge Frau bald bitter bereute, dem Manne ihrer Wahl gefolgt zu sein. Sie vernachlässigte Wirtschaft, Gatten und Kinder, lag Romane lesend und Süßigkeiten naschend auf dem Sofa und klagte fortwährend über das öde, entbehrungsvolle Dasein, zu dem sie verdammt war. Und eines Tages, da war sie verschwunden, wie böse Zungen behaupteten, in Gesellschaft eines russischen Taschenspielers. Der verlassene Gatte überlebte diesen Schlag nicht lange, er hatte immer schon gekränkelt und starb wenige Monate nach dem Verlust der zärtlich geliebten Ungetreuen, kaum dreißigjährig an der Schwindsucht, seine beiden Kinder mittellos in der Welt zurücklassend. Den kleinen Julius nahmen fürs erste entfernte Verwandte in Rußland zu sich, und die einjährige Dora brachte man in einem Waisenhause für Mädchen mittlerer Stände unter, wo sie bis zu ihrem Schulaustritt blieb. Dann verschaffte man ihr eine Stelle als Stütze bei einer Förstersfamilie auf dem Lande. Das einförmige Dasein daselbst behagte dem phantasievollen, lebensdurstigen Geschöpf aberschlecht sie verzehrte sich in der Sehnsucht, andere Verhältnisse, fremde Länder und Menschen kennen zu lernen, und als ihr Bruder, der zur Zeit in einem Petersburger Geschäft als Kommis tätig war, ihr schrieb, daß an seinen Prinzipal seitens des sibirischen Bergwerksbesitzers Niegowo der Auftrag ergangen sei, ihm eine Kinderbonne deutscher Abstammung zu besorgen, bat sie ihren Vormund inständigst, die Stelle annehmen zu dürfen. Dieser, der sich nie viel um seine Mündel bekümmert hatte, willigte ohne weiteres ein und Dora trat, nachdem sie ihren Kontrakt mit ihrem bisherigen Brotherrn gelöst hatte, unverzüglich die Reise nach dem fernen Osten an. In Petersburg vernahm sie zu ihrer unendlichen Freude, daß der Bruder sie zu begleiten beabsichtige. Der junge Mensch, in dessen Adern nicht minder als in denen seines Schwesterleins etwas von dem unruhigen Blut seiner Mutter lebendig war, hatte sich infolge der sibirischen Beziehungen seines Prinzipals in letzter Zeit so viel mit jenem Lande beschäftigt, daß ihm das leidenschaftliche Verlangen packte, dem Beispiel Doras zu folgen. Eine Stellung hatte er zwar nicht sicher, aber doch die Hoffnung eine zu finden, denn auf die Anfrage bei Sseinen Nikolowitsch Niegowo, ob derselbe einen kaufmännisch ausgebildeten jungen Mann brauchen könne, war die Antwort eingelaufen, daß er sich zwar zu nichts verpflichten könne, daß es für einen tüchtigen Menschen aber immer bei ihm zu tun gäbe. Das genügte Julius vollkommen. Ihm erschien Sibirien als ein wahres Goldland, dessen Arbeiter Johann Valek mit einer Bierflasche an den Kopf geschlagen wurde. Obschon der Schlag ein ziemlich heftiger war, erlitt Biganski doch nur eite unbedeutende Verletzung und zwar Dank seines harte Schädels. Balek wurde heute zu 2 Monaten Gesäng= nis verurteilt. Schätze nur darauf warteten, gehoben zu werden. Unternehmungslustigen und intelligenten Leuten mug#e das leicht gelingen und er, er besaß ja beide Eigenschaften. Zumal einem Deutschen, der er nicht nur dem Namen, sondern auch der Erziehung nach war, hatte er doch nach dem Tode jenes Verwandten, der sich seiner angenommen, den größten Teil seiner Lehrzeit in Deutschland durchgemacht, konnte es in jenem, seiner Meinung nach nur von Barbaren bewohnten Lande nicht fehlen. Nacdem er es bei seinem Prinzipal durchgesetzt hatte, daß er ihn sofort aus seinen Verpflichtungen entließ, dampfte er mit Dora geradewegs nach Sibirien ab. Die Kleine hatte dorther ein ziemlich reichliches Reisegeld angewiesen erhalten und Julius besaß auch so viel Ersparnisse, um behaglich reisen zu können, dessen ungeachtet, beschlossen die beiden Kinder, die letzte Wagenklasse zu benutzen und sich überhaupt möglichst einzuschränken, um nicht von allen Mitteln entblößt in der Ferne anzulangen. Man konnte schließlich nie wissen. wie die Dinge laufen würden und wenn einen etwas Unerwartetes zustieß, so war es doch fürchterlich, ohne Geld im fremden Lande dazusitzen. So viel Ueberlegung hatten die Geschwister trotz ihrer Leichtherzigkeit und Abenteuerlust doch, um sich das zu sagen. Im übrigen hatten sie ihren Entschluß noch keinen Augenblick lang bereut. Wenn der Abend nahte, und sie so mutterseelenallein in ihrem Abteil saßen, dann legte das große Schweigen in der Natur sich ihnen wohl schwer aufs Herz und sie rückten enger zusammen und faßten eines des andern Hand, wie um sich zu vergewissern, daß sie sich gegenseitig hatten, aber kam dann nur der geringfügigste Zwischenfall, so war ihre heitere Stimmung sofort wieder hergestellt. Im großen und ganzen schien es ihnen doch tröstlich, so in die weite Welt hineinzufahren, einer Zukunft entgegen, die sie ein verschlossenes Märchenbuch mit lauter bunten Bildern deuchte. Das letzte Stück Pfannkuchen ist jetzt verzehrt, aber da es bis zur Abfahrt noch gut fünfzehn Minuten dauert, bleiben die Geschwister noch in dem Stationsgebäude und beschauen sich das bunte Treiben hier. An einem der Tische sitzt eine ganze betrunkene Gesellschaft, der Starost, der Postmeister des Oertchens, und ein paar Bauern, die ihre dicken, roten Köpfe zusammenstecken und sich über irgend eine ergötzliche Geschichte unterhalten. Der Erdarbeiter Johann Orient aus Husen, der den Bergmann Koski mit einem geschlossenen Taschenmesser aus den Kopf geschlagen hatte, erhielt eine Gefängnisstrafe von drei Wochen, dieselbe wurde durch erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erachtet. Die Not macht oft erfinderisch. Die Zechenverwaltungen halten es in der Regel so, daß außerhalb der Zeit an einzelne Mitglieder der Belegschaft nur dann Vorschüsse gezahlt werden, wenn ein dringendes Bedürfnis vorliegt. Der Schlepper Johann Charnowski aus Altenderne=Oberbecker schaffte sich fälschlich dadurch einen Notstand, daß er auf dem Standesamte den Tod seiner Tochter anmeldete und aus Grund der vom Standesbeamten ausgestellten Bescheinigung von der Kasse der Zeche einen Vorschuß ausbezahlt erhielt. Charnowski wurde heute von der Strafkammer zu 2 Wochen Gesängnis verurteilt. Einen sonderbaren Entschuldigungsgrund hatte der Lumpensammler Friedrich Boiz von Brambauer, für einen Diebstahl, den er am 20. März dort beging. Als der Briefbote Tewes sein Rad für einige Minuten an ein Haus gestellt hatte, kam der Lumpensammler Bolz des Weges, schwang sich auf das Rad und fuhr davon. Tewes erhielt sein Eigentum aber nach einiger Zeit wieder, da Bolz beobachtet worden war. Vor der Strafkammer behauptete der häufig wegen Diebstahls vorbestrafte Angeklagte, daß er eilig zum Amte beordert worden sei und um keine Zeit zu verlieren habe er sich auf das Rad geschwungen, um zum Amte zu fahren. Auf den Trick des alten Gauners ging das Gericht indessen nicht ein und erkannte vielmehr auf ein Jahr Gefängnis. Einen Anzug im Werte von 60 Mark stahl am 22. August der Arbeiter Josef Gorny aus Dortmund. den er schleunigst versetzte. Zu diesem Zwecke bedurfte er eine Bescheinigung, die Gorny fälschlich auf den Namen des Schneidermeisters Johann Krüger dahin ausstellte, daß der Anzug gekauft unod bezahlt sei. Die Strafkammer verurteilte den Dieb unter Annahme mitdernder Amstände zu 2 Monaten und 10 Tagen Gesängnis. Ein frecher Einbruchsdiebstahl wurde in der Nacht zum 7. Dezember v. I. bei dem Uhrmacher Hermann Ebel in Oespel verübt. Die Täter hatten die zum Laden führende Tür gewaltsam aufgesprengt und sast den ganzen Bestand an Uhren, Ketten, Ringen, Broschen usw. geräubert. Am folgenden Tage wurden die Polizeiposten am Steinplatz in Dortmund benachrichtigt, daß drei Leute in einer Wirtschaft sich bemühten, an die Gäste Uhren und Goldwaren abzusetzen. Die Burschen, es waren die Arbeiter Emil Redtwitz, Josef Stork und Fritz Diebing von Oespel, wurden verhaftet und bei der Untersuchung stellte sich heraus, daß sie das bei Ebel gestohlene Diebesgut in den Taschen trugen. Die drei Burschen hatten sich heute vor der Strafkammer zu verantworten. Sie bestreiten, den Diebstahl und behaupten alle, die Uhren und Ringe in einem Packet an den Dorstfelder Ringösen, wo sie übernachtet hätten, gefunden zu haben. Das Gericht mußte aber nach Lage der Sache die Angeklagten für überführt erachten, Redewitz, der bereits wegen Eigentumsvergehen vorbestraft ist, erhielt 2 Jahre 6 Monate Zuchthaus, die beiden übrigen kamen je mit 1 Jahr 6 Monate Gefängnis davon. Allen wurden die Ehrenrechte aus die Dauer von 5 Jahren aberkannt. Handel und Verkehr. Patent=Listen. Zusammenstellung der vom Patentbüro Conrad Köchling, Dortmund, Steinplatz 1., erwirkten mit Eiuschluß der in den Verbreitungsbezirk der Zeitung entfallenden Schutzrechte der letzten Woche. A. Patentanmeldungen. Vorrichtung zur Entlastung des Gestänges für Schachtbohrer. Karl Jellinhaus, Kamen i. W.— Krankenfahrstuhl. Franz Rust, Rheinischestr.— Stehleiter, deren Holmenpaare einzeln verlängert und eingestellt werden können. Wilhelm Klostermann, Annen i. W. B. Patenterteilungen: 218 77:. Verfahren zur chemischen Reinigung mittels Benzin, Benzol oder dergl. unter Anwendung eines sauerstoffreien Schutzgases. Fa. Ferd. Lüttgen Ww. Bärendorf bei Bochum.— 218°710. Vorlage an Koksöfen zum Absaugen der wilden Gase. Gewerkschaft Torstfeld, Dorstfeld.— 218 78 Selbsttätige Feststellvorrichtung für Rolläden mit doppeltem Feststellhebel und selbsttätiger Auslösung durch den Aufzuggurt. Karl Breuer, Dortmund, Kaiser Wilhelm Allee 60. C. Gebrauchsmusteranmeldungen. Notizenordner. Levi Mathias, Dorrmund, Westenhellweg 30=31.— Bufferhülse für Waggons. u. Konrad, Tortmund.— Brot= und Gemüsepresser. Ernst Kielmannsegge. Dörtmund, 2. Kampstr. 6. — Gardinenhalter. Wilhelm Hillenkamp, Verghofen bei Hörde.— Aus zwei doppelarmigen Hebeln in Verbindung mit einer Winde bestehende Hebevorrichdung für Automobile, Julius Kahn, Torrmund, Ardeystraße 75.— Dichtung für feuer= und rauchsichere Türen oder dergl. Louis Heymer, Dortmund, Münsterstr. 88.— Metallkörper für Rechenapparate mit senkrechten Reihen als Rechenmittel. Friedr. Berghaus, Tortmund, Leierweg 13.— Vorrichtung zum Aushängen von Kontrollmarken an Tafeln u. dergl. Louis Heymer, Tortmund, Münsterstr. 88. — Doppelkopf=Sicherheits=Hutnadel. Uoo Weiße u. Arthur Cussel, Tortmund, Saarbrückerstraße 21.— Sicherung gegen das Herausfallen von Haarnideln, Haarpseilen, Haarkämmen, und dergl., Paul Schneider, Gladbeck i. W.— Tüte mit Verschlußstreifen. Levi Hecht, Datteln i. W.— Rotterende Flaschenreinigungsmaschine, bei welcher die Flaschen und ihre Träger drurch die Bodenbürsten auf die Innenbürsten geschoben werden. Holstei u. Kappert, Maschinenfabrik„Phönix“, G. m. b. H. Tortmund, *** Frankfurter Abendbörse. Hochwasser in Paris. Zeichen-Erklärung = Eüberschwemmte Stadtteile — Eisenbahnen — Untergrundbahnen — HochbahnenB — Sahmimbas# anelle Montmartre seldlenn. Belleville Ama-Brücke Effelturm Gerna. Masstab Kilometer Uberschwemmungsgebiec von Paris Immer gefahrdrohender steigt die Seine, immer trostloser lauten die Nachrichten aus Paris und wie es scheint. ist die Hochwassergefahr für die Weltstadt noch nicht einmal auf ihren Höhepunkt angelangt. Zu den bisher eingetretenen Kalamitäten der Katastrophe gesellt sich jetzt noch der Manzel an Trinkwasser; auch leidet besonders die Bevölkerung der völlig unter Wasser stehenden Vororte sehr unter Verpflegungsschwierigkeiten. Am meisten gelitten haben die tiefer gelegenen Stadtteile am linken Seineuser; dort sind auch bereits mehrere Menschenleben zu beklagen. Der Pariser Untergrundbahnverkehr ruht fast gänzlich; das Wasser hat auch hier enormen Schaden angerichtet. Unser beistehendes Tableau zeigt einige Bilder aus dem überschwemmten Paris, während die Karte eine genaue Uebersicht über die Ausdehnung des Hochwassers ermöglicht. Paris, 25. Jan. Die Kellerräume des deutschen Botschaftspalais stehen unter Wasser. Die Anlagen des elektrischen Lichtes und der Heizung sind unbenutzbar geworden. Alle Akten wurden vorsichtshalber in die oberen Stockwerke transportiert. Der nach der Seine zu gelegene Botschaftsgarten ist überflutet. Das Personal der Botschaft blieb die ganze Nacht über auf dem Posten. Anläßlich der Kaisergeburtstagsfeier sollte in der Botschaft ein großer Empfang stattfinden, der nunmehr in Frage gestellt ist. Paris. 25. Jan. Heute mittag wurde der Verkehr auf der Untergrundbahnlinie, die durch das Zentrum der Stadt geht und die Börse sowie das Opernhaus berührt, eingestell!. Paris, 25. Jan. Die Seine ist heute nacht andauernd gestiegen. In zehn Pariser Stadtbezirken sind bereits die Kellerräume überschwemmt. Gewaltige Wassermassen, die am Bahnhof der Orleansbahn am Kai d'Orsay eingedrungen sind, sprengten heute nacht gegen 1 Uhr das Pflaster und breiteten sich in den benachbarten Straßen aus. Paris, 25. Jan. Infolge der Ueberschwemmungen sind 2657 telephonische Verbindungen in Paris seit heute vormittag 10 Uhr unterbrochen. Ebenso sind zahlreiche Verbindungen mit der Provinz gezört. Der Pont o'Alma und der Pont des Arts und der Kai de Billy sind gesperrt. Vor dem Ministerium des Aeußeren senkte sich das Erdreich. Der Verkehr auf der Nordbahn in der Nähe von Paris ist teilweise durch Dammrutschungen unterbrochen. Verschiedene Nachbargemeinden von Paris, namentlich Nanterre, Puteaux, Buresmes sind teilweise überschwemmt und die Häuser geräumt worden. Paris, 20. Jan. In Turn an der Marne sind acht Häuser eingestürzt, andere drohen einzustürzen, ebenfalls befürchtet man in Chalons fur Marne den Einsturz von acht, in Juvegny den von 15 Häusern. In der letztgenannten Ortschaft werden überhaupt nur ganz wenige Häuser stehen bleiben. In Javisy sind ebenfalls viele Häuser eingestürzt. Der Verkehr und die Verproviantierung der Einwohner erfolgt in unzähligen Ortschaften mittels Booten. In Razebrouk herrschen ernste Befürchtungen. Die Straßen stehen unter Wasser. Die Ortschaft Pacy ist vom Verkehr völlig abgeschnitten. Die Lys ist um 80 Zentimeter gestiegen. Paris, 20. Jan. Infolge des gewaltigen Wasserdrucks sind mehrfach die Kanäle geborsten. Vor dem Ministerium des Acußern hat sich ein förmlicher See gebildet. Im Innern des Quai d’Orsay steigt das Wasser rapide. In der Nue Poitiers kam unter dem Druck des Hochwassers das Trottoir ins Weichen. In der Untergrundbahn wird mit wahrer Erbitterung gearbeitet. Starke Verhaue sind errichtet worden und auf diese Weise ist es gelungen, wenigstens ein weiteres Anwachsen des unterirdischen Stromes zu verhindern. In der Rue Blanche steht das Wasser 80 Zentimeter hoch. Dort wurden 200 Personen im Booten gerettet. In zahlreichen an der Seine gelegenen Häusern wurden die Bewohner mit Hilfe von Booten in Sicherheit gebracht. Am Quai Javel ich das Wasser in 20 Häuser eingedrungen, ebenso in die der Militärverwaltung gehörigen Häuser der Porte bas Meudon. Ungefähr 2000 Personen, die in den Vororten wohnten, haben ihre Häuser verlassen und sind gestern in Paris eingetroffen. Die Ueberschwemmung hat sich auch auf dem Quaide Valmy ausgedehnt, wo 60 Personen mit Booten gerettet werden mußten. Tüsseldorf, 25. Jan. In Anbetracht der Erhöhung der Halbzeugpreise findet in der ersten Februarhälfte eine Mitgliederversammlung des Walz drahtverbandes statt, in der neben Erstattung des Marktberichtes und Beratung interner Angelegen heiten auch die Preisfestsetzung für das zweite Quar: tal erfolgen soll. Es wird mit einer Erhöhung des gegenwärtig 127.50 Mark notierenden Grubenpreises um 5 Mark zu rechnen sein. Dortmund, 25. Jan. Die nächste Mitgliederversammlung der Grobblechkonvention ist auf Donnerstag, den 3. März einberufen worden. Da sich dic Marktlage günstig entwickelt hat, so rechnet man in Mitgliederkreisen mit einer weiteren Preiserhöhung für das zweite Quartal. Dortmund. 25. Jan. Die Bergbauaktiengesellschaft„Concordia“ legte auf vielen Schächten wegen Mangels an Absatz Feierschichten ein. Leipzig, 25. Jan. Zwischen dem Bleichertschen Braunkohlenwerk Wyhra und der Gewerkschaft Wilhelmsschacht in Graudorf schweben Verhandlungen wegen Vereinigung beider Werk. Köln, 25. Jan. Nach dem Betriebstericht der Gewerkschaft„Concordia“ über das letzte Quartal 1909 ergab sich bei einer Förderung von 6262 To. Rohspat ein Betriebsverlust von 33089 Mk. Ferner wurden verbucht für Zinsen, ausgeloste Schuldverschreibungen und neue Anlagen 30572 Mk. Danach beläuft sich der Gesamtzuschuß für das letzte Vierteljahr 1909 auf 63661 Mk. Aunst und Wissenschaft. Altenburg, 25. Jan. Der Herzog hat dem Hofrat Reichards, dem Direktor des Stadttheaters die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. *** Nietzsches philologischer Nachlaß erscheint demnächst im Verlag von Alfred Kröner in Leipzig unter dem Titel„Philologica“, Gedrucktes und Ungedrucktes von Friedrich Nietzsche. Das Ganze ist auf drei Bände berechnet; der erste Band wird im Februar ausgegeben. Vermischtes. Posen, 25. Jan. In der Boguslawicer Mordaffäre ist eine neue Verhaftung in Gnesen erfolgt. Dort wurde ein obdachloser Mann namens Hartmann in Haft genommen. Die Vernehmung hat ergeben, daß er ein russischer Ueberläufer ist, der sich von seiner Truppe entfernt hatte. Die Beschreibung des Mörders paßt auf ihn ziemlich genau. (Vergl. auch die heutige Lokalnotiz.) Dresden. 26. Jan. Der 20jährige Dienstknecht Heinze, der dieser Tage wegen eines Einbruchsdiebtabls, in Okerwitz bei Dresden verhaftet wurde, ingestanden, am 20. November v. Is. den 15jährigen Lehrlina wirich auf der Landstraße überfallen, ihm 60 Mark abgenommen und dann mit einem Stein erschlagen zu haben. Wegen des Nordes sind bereits mehrere Personen unschuldig in ntersuchungshaft gewesen. 97 19 Boizenburg a. d. Elbe, 25. Jan. Der Bitterfeld ausgestiegene Ballon„Dax 3“ versuc hier infolge des Schneesturmes zu landen. Der schlug mit großer Gewalt auf und Leutnant v. Tar. geriet mit dem Kopfe zwischen Korh Erde und wurde schwer verletzt. Magdeburg, 25. Jan. Dem Vernehmen nach wondie Familienangehörigen des ehemaligen Einjährigg Baumgarten, der von der Anklage des Mordes an Fahnenjunker Zenner freigesprochen wurde, Antrag aus seine Entmündigung stellen. Kiel, 25. Jan. Seit gestern mittag sind ganz Schleswig=Hotstein gewaltige Schneemass## niedergegangen. Der Eisenbahn= und der sonsia Verkehr erleidet große Störungen und Teil völlige Unterbrechung. Der Schneefall und sin sche Metter dauern an. Kuxhaven, 26. Jan. Der surchtbare Schnesturm hat etwas nachgelassen. Ein großer dampfer ist bei Frashost gestrandet. Er 1 dirett in der Brandung, seine Lage ist sehr gefährn Flensburg, 25. Jan. Infolge von Schne# verwehungen ist seit gestern abend der Beiich auf den Kleinbahnen in der Umgebung von Fleusbu eingestellt worden. Auch der gestern abend 11 un fäuig gewesene Zug ist nicht eingetroffen. Auf Hauptbahnstrecken wird der Verkehr nur mit stund langen Verspätungen aufrechterhalten. Die Dam schiffahrt ist vollständig eingestellt. Das Wasser flutet die Hafenniederung und spült bis an die Gelän der Schiffsbrücke heran. Kopenhagen, 25. Jan. Seit gestern ab herrscht in ganz Dänemark und Süd=Schweden orkauartiger Schneesturm, der große Vei kehrsstörungen hervorgerufen hat. ZahlreiEisenbahnverbindungen, namentlich in Jütland,## Fünen und Seeland erlitten Verzögerungen### sind ganz unterbrochen. Zahlreiche Telephon= un Telegraphenverbindungen sind gestört. Der St dauert fort. Rom, 25. Jan. Ein großer Teil Italiens von Unwettern heimgesucht. Vergangene Na# und heute vormittag gingen in Rom wolken bruchartige Regengüsse nieder. Im von Neapel richtete das Unwetter unter den Fischa## booten großen Schaden an. Der Kai Via Caracciol wurde durch Wellen beschädigt. Auch in der Umgegen von Genua wurde durch Unwetter großer Schad angerichtet. London, 25. Jan. Heftige Stürme wütein gestern an der englischen Küste, bei einer Temperatu# die sich unter dem Gefrierpunkt hielt. Der Eisenbah verkehr hatte mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen Ein großes Segelschiff strandete an der irischen Kl und ging unter. Die Mannschaft sprang über Bon und erreichte in einem kleinen Boot das Land. T### Dampfer„Trovethoc“, der Brarry am Samstag mit der Bestimmung nach Buenos Aires verlassen hatt stieß mit dem deutschen Dampfer„Frascati“, du ihm Hilfe bringen wollte, zusammen. Beide Dampfer wurden schwer beschädigt. An der schottischen Küste wurde gestern nachmittag ein großes Wrack au sichtet. London, 20. Jan. Infolge des heftigen Sturmes im Kanal ist der Passagierdampfer verkehr zwischen Dover und Calais gänzlich eingestellt Dr. Wegener's Blutreinigungsthee reinigt und verbessert den Blutzustand, befördert die Ve dauung und beseitigt Verstopfung und Hartleibigkeit; be steht aus edlen Kräutern und ist sehr angenehm zu trinker Preis Mk. 1.50, in den Apotheken erhältlich, wo wende man sich an die Ferromanganingesellschaft, Frau furt a. M., Kronprinzenstraße 55. Eine wichtige Frage für Damen ist die Sorge m ihre äußere Erscheinung. Welche Vertreterin des wei lichen Geschlechtes wäre nicht noch so jung, daß sie nit „gut aussehen“ möchte!— Es ist das eine begreiflich man kann sogar sagen, eine schätzbare Eitelkeit. Wer abglaubt, durch künstliche Hilfsmittel ein schönes Ausseha erzielen zu können, der irrt. Das sicherste Schönheu mittel ist die Gesundheit. Und dazu verhilft nur die san in den Zeiten des grauen Altertums viel angewen Körperpflege und eine vernünftige Lebensweise. Luft, gutes Wasser, leichte Kost und reizlose Getränke si# dabei wertvolle Verbündete. Während bei der Kost## reichste Auswahl sich bietet, ist sie bei den Getränken eim beschränkter. Da stellt sich nun als willkommener Frem Kathreiners Malzkaffee ein. Dieses gesunde Get### können die Damen unbedenklich trinken; wegen seiner! züglichen Eigenschaften, zu denen auch ein außergewöhn billiger Preis gehört, hat Kathreiners Malzkaffee seiJahren bei Millionen Aufnahme gefunden. und Mutter kann die Einführung dieses vorzug# Getränkes im eigenen Haushalt nur empfohlen werd# Besonders günstige Gelegenheit bietet sich den geehrten Damen beim Einkauf von Wichtig für Damen enheit bietet sic auf von reien und Festons. Ich versende an Private Madlopolamstickerei auf Doppelstoff Meter 10 Pf., für Beinkleider auf Nachtjacken Meter 15 u, 20 PI, Rockstickerei Meter 30 und 40 Pf., bunte Stickereien Meter 15 u. 20 Pf., Wäschebändchen große Auswahl, 10 Meter 20 Pf., Hemdeny (Handarbeit) Stück. Mk. 1.10. 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S 22. 51 S.E* E — 1 W-*— * 9— „%g gg ag g= PDSMEG eon“ 6—* Cia-— .=„„G."0•*•.— "* S•SS- WUW" S m #Toas.n. m S. — 5•*"——— *—*—.— G• T—1—9•2 82 rade als ich gehen wollte, trat Monsieur Legrand ins Zimmer. Seine dunkeln Augen leuchteten auf, und flüchtig lächelnd verbeugte er sich vor mir. „Meine erste Schülerin,“ stellte sie mich heiter vor,„habe ich nicht Glück?“ „Ja, durchaus," erwiderte er mit Nachdruck. Ich wurde glühend rot, wechselte ein paar Worte mit ihm, verabschiedete mich dann und eilte, wie gesagt die Treppen hinunter und nach Hause. Wie soll das enden? Es ist ja eine große Sünde, den Mann einer anderen Frau zu lieben.——— Den 18. Oktober. Ich erhielt einen Brief vom Vetter Walter. Er schreibt entzückend, so leicht und weltmännisch— aber ich will ihn doch nicht haben. Er teilt mir unter anderem mit, daß er am 1. November bei uns eintreffen werde und sich dann eine kleine Privatunterhaltung mit mir erbitten wolle. Ich danke schön!— Sein Brief schließt: „Ich dürfte dich ja eigentlich meine kleine Braut nennen, denn wie du dich wohl erinnerst, hast du mir im Alter von sieben Jahren versprochen, mir ewig treu zu bleiben. Doch nun bist du erwachsen, und Weib ist Weib— veränderlich wie die Farben in einem funkelnden Diamanten. Selten nur hat man gehört, daß ein Mädchen an einer Kinderliebe festgehalten hätte. Ich tue es— aber— ja, Pardon— ich bin ja auch ein Mann. Auf Wiedersehen also, ma belle cousine Hu, wie eingebildet diese Männer sind.——— Den 19. Oktober. Madame Legrand ist so schrecklich gut, daß ich sie nicht hassen kann, so gern ich es auch möchte, weil ihr die Liebe meines Helden gehört. Wie es zugegangen, weiß ich selbst kaum, doch sie besitzt mein volles Vertrauen. Ich habe ihr von dem greulichen Vetter Walter erzählt, von seiner eigensinnigen Werbung und der Begeisterung meiner Eltern für diese Partie. Mit ihrem feinen Lächeln hat sie mein Klagelied mit angehört und endlich gefragt, ob ich einen andern liebte. Ich wurde rot wie ein gekochter Hummer. „Also steht ein anderer dazwischen?" wiederholte sie freundlich die Frage. „Nein,“ antwortete ich rasch und schlug die Augen nieder. Tann verließen wir diesen Gegenstand und gingen zu den unregelmäßigen französischen Verben über. Zum Schluß der Stunde kam Monsieur Legrand herein, um uns zu begrüßen. Er hielt den süßen kleinen Buben an der Hand und sah strahlend glücklich aus. Mein armes, armes Herz, welche Qualen mußt du erdulden.——— Warum bin ich geboren? Den 25. Oktober. Hier war gestern großer Familienrat. Papa hatte einen Brief von dem„Bataviamann“ bekommen, der sich zurzeit in Berlin aufhält und sich nun formell die Erlaubnis meiner Eltern erbittet, um mich werben zu dürfen. Der Familien= rat bestand aus den Großeltern, den Eltern, Bruder Robert und seiner Frau Cäcilie. „Natürlich wirst du ihn nehmen!“ lautete der einstimmige Ruf aller. Ich kam mir vor wie eine Heldin in einem modernen französischen Sensationsroman. Bleich, doch ruhig erwiderte ich: „Ich gebe keine entscheidende Antwort, ehe ich wenigstens Walters Bild gesehen habe. Ich weiß ja nicht einmal, wie er jetzt aussieht— vielleicht ist er dick und häßlich geworden.“ „Als Walter fortging, war er ein schöner Bursche," versetzte mein Vater.„Doch ich will ihm schreiben und ihn um eine Photographie bitten.“ Damit wurde der Familienrat geschlossen, und ich ging hinüber zu Madame Legrand. Als sie meine traurige Miene sah, fragte sie freundlich, was mir fehle. Unfähig, meine Tränen zurückhalten, brach ich in fassungsloses Schluchzen aus und erzählte ihr alles. Mitten in dieser Szene trat Monsicur Legrand ein. Ich hätte in die Erde sinken mögen beim Anblick seines Gesichts und des Lächelns um die roten Lippen. Mein verweintes Gesicht mochte wohl auch lächerlich genug wirken. Er fragte freundlich nach meinem Befinden und behielt meine Hand lange in der seinen. Als ich ging, begleitete er mich in den Korridor, ergriff nochmals meine Hand und drückte einen warmen, leidenschaftlichen Kuß darauf. Ich zitterte vor Angst, daß seine Frau herauskommen und es sehen könnte— denn es wäre gräßlich gewesen. Ach, ich bin nun so glücklich und doch so tief traurig! Ich weiß jetzt, daß ich ihm nicht gleichgültig bin— weiß aber auch, daß er ein gebundener Mann ist und ich bald— eine arme gebundene Frau sein werde. Den 29. Oktober. Ich glaube, Madame Legrand wittert Unheil, denn sie hat mir sagen lassen, daß sie krank sei und die Stunden bis auf weiteres einstellen müsse. Ihn habe ich einige Male am Fenster gesehen— und er hat mir einen Gruß herübergesandt, so warm und strahlend, daß er nicht mißzuverstehen ist. Die arme Madame Legrand— es tut mir ordentlich wehe um sie— es muß entsetzlich sein, die Liebe eines solchen Mannes zu verlieren.— Doch ihr Kummer wird bald vorüber sein, denn in zwei Tagen kommt das verhaßte„BataviaGoldkalb“, und dann bin ich gebunden an Händen und Füßen. Ich schauderte.——— Den 1. November, 12 Uhr nachts. Es summt in meinem armen Hirn, ich glaube immer noch, ich träume, und doch bin ich wach, ganz wach.—— Ich bin verlobt mit Walter Korner und bin— glücklich. Unbegreiflich, aber wahr! Heute früh kommt Mama mit feierlichen Mienen zu mir herein. „Liebe kleine Lizzy,“ sagte sie gütig,„Walter konnte dir keine Photographie schicken, ist dafür aber in eigener Person gekommen, um sich dir vorzustellen. Eins kann ich dir jedoch bereits sagen, er ist weder dick noch häßlich!“ „Das ist mir rasend gleichgiltig,“ erwiderte ich finster. „Und wenn er selbst schielte und buckelig wäre, würde ich ihn dennoch nehmen, denn ich bin eurer ewigen Quengeleien müde.“ „Aber, Lizzy,“ ermahnte die Mutter,„er kann dich ja hören!“ „Wer?“ Ich wurde eine Schattierung blasser. „Walter, Kind! Er wartet ja im blauen Salon auf dich.“ „So,“ rief ich voll Kummer aus.„Solche Eile hat er, meine Antwort zu erhalten? Nun wohl, er soll sie haben!“ Mit hochgetragenem Kopf schritt ich an Mama vorüber und öffnete die Salontür. Einen Augenblick blieb ich wie festgewurzelt stehen und starrte auf den Mann vor mir, dann wandte ich mich und stürzte zur Tür; doch gerade, als ich verschwinden wollte, ergriff eine feste Hand meinen Arm, und eine tiefe männliche Stimme flüsterte meinen Namen. Mit zornfunkelnden Augen sah ich ihn an. „Wie können Sie es wagen, solch' ein Spiel mit mir zu treiben, Monsieur Legrand?“ rief ich. Er zog mich mit sich an das Fenster und antwortete mit seiner wohlklingenden Stimme: „Lizzy, sieh mich einmal recht an, erkennst du wirklich deinen alten Freund und Vetter nicht?“ Er zwang mich, ihn anzusehen, und vor seinen glühenden Blicken zerbrach mein Stolz, und ich sank an seine Brust. Toch plötzlich riß ich mich von ihm los und flüsterte mit bebenden Lippen: „Aber deine Frau und— dein Sohn?“ „Hahaha!“ lachte er lustig.„Du kleines, liebes Kind! Madame Cassy Legrand“ ist nicht meine Frau, sondern die meines Kompagnons, der im Frühling gestorben ist. Ich hatte versprochen, sie mit mir nach Norden zu nehmen und hier alles für sie zu ordnen. Absichtlich mietete ich die Wohnung hier geradeüber, um dich beobachten und den Zustand deines Herzens bezüglich des Vetters Walter prüfen zu können. — Es waren nicht gerade schmeichelhafte Tinge, die ich zu hören bekam,“ fügte er lächelnd hinzu.„Toch ich tröstete mich damit, daß es der Mann vom Fenster vis=avis war, der Vetter Walters Platz in deinem Herzen gestohlen hatte, und so war ich's ja zufrieden!“ „Aber die Briefe aus Berlin!“ fragte ich kritisch. „Kind, und er lächelte, seinen strahlenden Blick in den meinen senkend,„ich habe ja auch dort meine Verbindungen und ließ meine Korrespondenz von dort aus befördern, um dich und die deinen hinters Licht zu führen.“ „Tu hast also spioniert!“ begann ich streng, wurde aber durch einen heißen Kuß mitten auf den Mund von meinem prächtigen, liebenswürdigen„Batavia=Vetter" unterbrochen.— Ja, nun bedarf ich deiner eigentlich nicht mehr, mein liebes Tagebuch und darum Schluß. ur. **—• S Su- 3— S SSin —— 0 8 55 F#u 9 22—* aUn „ n WW — 6*— E——— **„— SSössäe S## 0-*C S O* 2 63.— — Nach langen Kämpfen Den Erinerungen eines Detektios nacherzählt von H. Rockwood. 15 „Hatte denn der Alvermann damals nicht ein bischen wild gelebt?“ „Ich verstehe Sie nicht!“ „Also deutlicher! Hat Ihr Freund zu jener Zeit gespielt und getrunken?“ O nein, mein Herr— das heißt nicht in demoralisierendem Sinne.“ „Welchen Grad von dieser Art von Ausgelassenheit betrachten Sie als demoralisierend, Herr Gresham?“ „Sie mißverstehen mich. Ich wollte nur sagen, daß Brandon ein Gentlemau war und sich niemals eine Blöße gab. Und heutzutage beobachtet er strenge Enthaltsamkeit.“ „Haben seine klein:. Ausschweifungen ihn niemals in Verlegenheit irgend welcher Art gebracht?“ Gresham bog seine kleine, dünne Figur nach vorwärts und starrte argwöhnisch Forster an. „Entschuldigen Sie, Herr Foster, aber ich kann das langjährige Vertrauen wo d'e persönliche Freundschaft nicht rerletzen,“ rief er ganz entschieden. „Diese Fragen hab i einen ganz berechtigten Zweck, und ich muß darauf bestehen, daß Sie sie beantworten,“ sagte Foster fest. „Das muf ich entschieden ablehnen und bitte um Entschuldigung— natürlich.“ „Ich denke, Sie werden sich das noch überlegen, wenn ich an eine oder zwei Tatsachen erinnere, mit denen ich bekannt gew rden bin. „Nun, mein Herr?“ „Es gibt in dieser Stadt eine Behörde, in der Sie die verantwortliche Stellung eines Sekretärs und Schatzmeisters bekleiden. Das letzte Vierteljahr bereits war etwas unbefriedigend, uno heute habe ich durch einige Nachforschungen einiges erfahren, was einen Verdacht, daß nicht ganz unanfechlbare Geschäfte mitunterlaufen sind, rechtfertigen bürfte. Ich bin nicht beaustragt, diese Sache zu erforschen, aber wenn Sie mir die Auskunft nicht geben, die ich brauche, so werde ich mich zu weiteren Schritten veranlaßt fühlen.“ Gresham hustete und suchte dadurch krampfhafterweise seinem bleichen Gesicht etwas Farbe zu geben. Es war augenscheinlich, daß die Trohungen des Detektivs mit weiteren Nachsorsthungen ihn aufs äußerste erschreckten. Es dau###e mehrere Minuten, bis sein Hustenanfall sich soweit beruhigte, daß er sprechen konnte. „Ich— ich verstehe Sie nicht!“ rief er heiser.. „Gleichviel. Ich werde dann also mit der Aufklärung Ihrer Transaktion beginnen.“ Forster erhob sich, als ob er die Unterredung abbrechen wollte Gresham sprang auf. „Warten Sie einen Augenblick, ich möchte nicht, daß Sie einen Verdacht gegen mich verbreiten. Es ist schwer, dem Publikum den Glauben an die Unschuld eines Mannes beizubringen, selbst wenn eine solche Beschuldigung falsch ist.“ sagte er. „Nun was?“ „Ahem! Wenn Sie bei Ihren Nachforschungen über Brandon nicht den Zwe“ verfolgen, ihm Schwierigkeiten zu machen, so will ich Ihnen antworten.“ „Also, sprechen Sie.“ „Die fragten, ob Brandon nicht durch sein wildes Leben in der Jugend in Schwierigkeiten geraten sei.“ „Das wai meine Frage.“ „Die Wahrheit zu sagen, er ist mehrmals in Schulden geraten und war zu Zeiten ziemlich in Verlegenheit.“ „War das vor oder nach seiner Heirat?“ „Es war vorher.“ „Ist ei dabei nicht auch in die Klemme geraten?“ „Nur einmal, glaube ich.“ „Wie war diese Geschichte?“ „Ich— bin nicht besugt, diese Sache aufzudecken, mein Herr.“ „Was war es für ein Verbrechen, daß er damals ohne Zweifel im Affekt begangen hat?“ Die letztere Frage sprach Forster lauter und bog sich dabei vorwärts, soduß er Gresham scharf im Auge behielt. Dieser wich etwas zurück und begann wieder zu husten. 2 „Ich— ich— das— das kann ich Ihnen nicht sagen. Entschuldigen Sie mich,“ stotterte er. Seine niedrige, faltige Stirn bedeckte sich mit Schweißtropfen. Der Detektiv läche., denn die heftige Antwort des Advokaten war eigentlich ein Zugeständnis, daß Brandon in seiner Vergangenheit ein Verbrechen begangen hatte. Tas war die Hauptsache, welche Forster zu wissen verlangte. Teshalb bedrängte er Gresham in dieser Richtung nicht weiter mit Fragen, um ihn nicht noch vorsichtiger zu machen, und fragte nur: „Ist nicht Aldermann Brandon heute morgen bei Ihnen gewesen?“ „Ja, mein Herr,“ erwiderte Gresham mit einem flüchtigen Blick. „Hatte er nicht einen besonderen Zweck dabei?“ „Ja, wern Herr.“ „Ist er in Not und verlangte er Hilfe von Ihnen?". „Wie kommt es, daß Sie von Brandons Angelegenheiten soviel wissen?“ „Ich habe ihn einige Tage lang beobachtet und habe auch noch andere Quellen.“ R 1— S o 1• „Sie sagten doch, Sie hätten nicht die Absicht, ihn eines Verbrechens zu überführen?“ „Tas ist auch nicht meine Absicht.“ „Was ist dann der Zweck Ihrer Fragen?“ „Ich stelle Sie im Interesse einer anderen Person.“ Zeicher??“ „Das ist mein Geheimnis.“ „Ahem! Entschuldigen Sie. Natürlich möchte ich das Geheimnis meines Freundes nicht verraten.“ „Natürlich nicht! Aber ich glaube nicht, daß er Ihnen etwas anvertraut hat, daß Sie nicht zuvor schon wußten.“ „Eh— Sie werden doch nicht glauben—“ „Ja, ich glaube, daß die Umstände Ihnen bekannt waren, und das er deshalb bei Ihnen Hilfe suchte. Ist das nicht richtig?“ Gresham stand auf; sein Gesicht zeigte starke Aufregung. „Sie fragen zuviel, mein Herr, und ich fühle mich nicht berechtigt, unser Gespräch fortzusetzen.“ „Sehr gut, ich will Sie nicht länger belästigen. Ich habe nur noch eine Frage. Ist Jerome Munro auch ein alter Freund von Ihnen?“ XVIII. Früh am Abend d: Tages, an welchem die in den zwei#ider drei letzten Kapiteln beschriebenen Ereignisse stattfanden, verließ Howard seine Wohnung und ging langsam durch die Straßen. Seitdem er von Gertrud Brandon verbannt worden war, war er unfähig seine Aufmerksamkeit auf irgend eine Beschäftigung zu richten. Es war ihm, als ob er in der glücklichen Erwartung seines Hochzeitstages eingeschlafen sei und nun zu spät erwacht sei für die Erfüllung seiner Hoffnungen. Gertrud hatte ihm aber Vertrauen verweigert, aus das er berechtigten Anspruch zu haben glaubte. Er hatte ihr gesagt, sie müsse das Geheimnis aufdecken, das sich so plötzlich erhoben hatte oder sich für immer von ihm trennen, und dennoch weigerte sie sich, seinem Verlangen zu entsprechen. Er bedauerte jetzt bitterlich, so scharfe Ausdrücke gebraucht zu haben, aber er wußte, daß es nicht leicht war, diese zornigen Worte zurückzunehmen, nachdem sie ihren Eindrua auf das empfindsame Gemüt Gertruds gemacht hatten. Noch vor einer Woche würde er eine Trennung für unmöglich gehalten haben. Tamals hatte er noch keine Ahnung von dem schweren Kummer, der ihn jetzt bedrückte, seit er, wie gewöhnlich, an jenem denkwürdigen Abend sie Lesuchen wollte und ihm der Zutritt verweigert worden war. Jetzt lag ein Abgrund zwischen ihnen. Zielles ging er weiter und weiter, ohne auf die Richtung und die Entfernung zu achten. Er dachte daran, vierleicht Forster zu begegnen, von dem er die Lösung dieses wichtigen Rätsels erwartete. Das war seine einziee Hoffnung. Nach einer Stunde befand er sich an der Ecke einer gewissen, engen und übelriechenden Straße, welche für eine der gefährlichsten der Stadt galt. Er war im Begriff, umzukehren, als ein Wagen vorüberfuhr, der in diese Straße einbog. In demselben Augenblick rannte ein Mar an ihm vorüber, der den Wagen zu verfolgen schien. Howard stand im Schatten eines hohen Eckhauses, der ihn verbarg. Aber der Mann, der an ihm vorüberrannte, kam gerade an einer Laterne vorüber, sodaß Howard sein Gesicht erkennen konnte. „Das ist wieder Forster,“ sagte er,„und er verfolgt diesen Wagen, wenn ich mich nicht gänzlich irrte.“ Ohne an Gefahrin denken ging der junge Mann rasch die enge Straße hinab. Kaum war er an einem Tutzend Häuser vorübergekommen, als er den Wagen wieder erblickte, der vor einem niedrigen hölzernen Hause angehalten hatte. Der Detektiv war nirgends zu sehen. Howard stellte sich an der Ecke dieses Hauses auf, und in demselben Augenblick sprang ein Mann aus dem Wagen. Der Fremde hatte sein Gesicht verhüllt, und obgleich das Licht einer Straßenlaterne fast direkt auf ihn fiel, konnte Howard ihn nicht erkennen. Aber einen Augenblick darauf wurde seine Aufmerskamekit auf eine andere Persen gelenkt, welche mit Hilfe des Fremden aus dem Wagen ausstieg. Nur einen einzigen Blick warf er auf das schöne Gesicht dieser Person, dann sprang er vorwärts mit einem leisen Ruf des Erstaunens. Das Gesicht, das e: unter dem hellen Gaslicht erkannte, war das seiner Schwester Clarissa Howard. Er vermochte sich kaum zurückzuhalten, hervorzutreten und sie anzureden. Tann aber siel ihm ein, daß er dadurch vielleicht die Absichten Forsters stören würde, welcher, wie er Grund zu glauben hatte, gleichfalls in der Nähe verborgen sein mußte. Deshalb schwieg er und beobachtete gespannt Clarissa und ihren Begleiter. Das Pierd wurde durch ein Gewicht zum Halten gezwungen, und dann gingen die beiden nach der Türe des hölzernen Hauses. Sie wurden sogleich eingelassen. Ho.rard beobachtete und erwartete jeden Augenblick das Erscheinen Forsters. Endlich öffnete sich die Türe, durch welche Clarissa und ihr Begleiter eingetreten waren, und der letztere trat hastig heraus, stieg in den Wagen un fuhr rasch die Straße hinab. Kaum war der Wagen verschwunden, als eine großgewachsene Gestalt von der entgegengesetzten Seite der Straße herkam, und ihr: Schritte gleichfalls auf das erwähnte, hölzerne Gebäube richtete. Ehe sie die Türe erreicht hatte trat Howaro aus seinem Schatten heraus und sagte leise: „Welcher Schurkenstreich ist jetzt im Gange, Mr. Forster?“ Erstaunt sah ihn Forster an. „Wo kommen Sie so plötzlich her?“ fragte er. „Ich war verborgen zwischen jenen Gebäuden dort.“ „Und Sie beobachteten den Wagen, der soeben von hier abfuhr?“ 1 „Haven Sie die Injassen erkannt?“ „Das Mädchen war meine Schwester Clarisso.“ „Und ihr Begleiter?“ „Diesen hube ich n it erkannt.“ „Tann haben Sie auch nicht mehr gesehen als ich.“ „Sie haben also den Mann nicht erkannt?“ „Nein,“ erwiderte Firster. „Warum sind Sie nachgefolgt?“ „Weil ich sah, wie sie von dem Hause abfuhren, in dem Ihre Schwester Aufenthalt genommen hatte.“ „Haben Sie eine Id e. wer ihr Begleiter sein könnte?“ „Ich habe einen Verdacht.“ „Wollen Sie ihn mir mitteilen? Ich bin sehr in Angst, denn Clarissa war immer meine Lieblingsschwester.“ „Ich glaube ihr Begleiter war Philipp Roß, der ungetreue Ehemann.“ „Ah! aber sie kann ihm nicht vergeben haben, daß er sie so schändlich verlassen hat.“ „Das hat sie doch getan, meiner Meinung nach.“ „Und ihm wieder ih. Vertrauen geschenkt?“ „Ja, neun Frauen von zehn würden dasselbe tun, wenn sie wirklich den Mann liebten.“ „Warum glauben Sie, daß er Clarissa hierher gebracht hat?“ „Ich kann war nur eine Absicht denken.“ Im Novellete von Klara Düsterhoff. Frau Jeremias kam aus einem langen, friedlichen Schlafe zu sich, schlug die Augen auf und blickte ganz verwirrt um sich. Sie konnte sich nicht so schnell orientieren. Nur daß sie in einer ungewohnten Umgebung war, bemerkte sie; wie und wann sie dahin gelangt war, war ihr schleierhaft. Sie richtete sich im Bette auf und starrte auf das hübsche, sonnendurchleuchtete Zimmer, in welchem sie, umgeben von ihren eigenen vertrauten Möbeln, so ungewohnt fest geschlasen hatte, und auf die alten, knorrigen Bäume, deren Zweige fast in ihr Zimmer hineinnickten— für die geborene Berlinerin, die kaum je das Weichbild ihrer Stadt überschritten hatte, eine ganz ungewohnte Erscheinung. Und da auf einmal ging ihr die Erinnerung auf. Sie befand sich im Altweiberspittel, hatte die erste Nacht an dem Orte verbracht, der von nun an die Heimat ihres Alters sein sollte, von dem niemand sie verdrängen konnte! Und sie hatte geschlafen, zum ersten Male ruhig und fest geschlafen! Das Glücksgefühl bei dieser Doppelvorstellung von einer endlich gefundenen Zufluchtsstätte und dem wiedergeschenkten Schlafe war ihr so überwältigend groß, daß sie die Hände vors Gesicht schlug und in ein heißes, tautes Tankgebet ausbrach. Kaum hatte sich Frau Jeremias angekleidet, als es draußen leise an die Tür pochte. Ganz erstaunt, wer so früh bei ihr vorsprechen könne, noch dazu hier, wo niemand sie kannte, öffnete die neue Insassin des Altweiber= spittels ihre Tür. Eine kleine, zusammengetrocknete Person stand draußen. „In'n Morgen auch, Frau Jeremias! Ich bin hier Ihre nächste Nachbar'n, un ich woln man bloß mal nachsehen, ob Ihn'n auch nichts zugestoßen is;'s is nämlich schon sehr spät, un Sie ließen doch auch garnichts von sich hör'n.“. Wahrhaftig! Ein verwunderter Blick auf ihre alte Schwarz= wälderin beiehrte die jüngste Bewohnerin des Hospitals, das der Volksmund„Altweiberspittel" taufte, daß sie bis gegen Mittag geschlasen hatte! Bis gegen Mittag— sie, die sonst vor sechs auf den Beinen gewesen war, um die verschiedenen Herren zu bedienen, die bei ihr gewohnt hatten! O, wie sauer ihr das in der letzten Zeit geworden war, wie oft sie darunter beinahe zusammengebrochen wäre! Es war ein wirklicher Segen, daß sie sich nun nicht mehr so abzuquälen brauchte. „Sehr freundlich von Ihnen, Frau—,“ sie zögerte. Den Namen ihrer aufmerksamen Nachbarin wußte sie nicht. „Frau Smitt,“ ergänzte diese.„Mein Mann ließ nich Ruhe, bis ich nachsah, ob Se noch lebten.“ „Ihr Mann? Gitt's denn in diesem Frauenhospital auch Männer?“ erkundigte sich Frau Jeremias nicht wenig erstannt. „O ja, is gibt hier welch., aber nich ville. Man nimmt hier auch olle Ehepaare uff. Natierlich haben die denn'n doppelt so großet Quartier,“ erklärte der Gast. „Ach was? Das ist mir aber eigentlich recht lieb,“ meinte Frau Jeremias.„Da kann man doch wohl mal einen oder den andern der alten Herren um eine kleine Handreichung bitten, die man nicht gut allein machen kann? Ich hätte z. B. sehr gern ein paar Haken und Nägel in die Wand geschlagen, was mir allein immer nicht glücken will.“ „Ih ja freilich. Das dhut Ihn'n mein Oller schon sehr gern. So'ne Pusselei macht ihm Spaß,“ erwiderte Frau Smitt, drehte sich um und schlürfte über den breiten, hellen Korridor nach der Nebenstube. Frau Iremias räumte schnell in ihrem reizenden Stübchen auf und setzte es instand, einen männlichen Besucher zu empfangen. Der stellte sich denn auch bald, mit einer kleinen Werkzeugliste bewaffnet, ein— das treue Ebeubild seiner Frau, gleich dieser zusammengetrocknet und verschrumpft wie eine Backpflaume, von grauer, verwitterter Gesichtsfarbe und mit pfifsig glitzernden Aeuglein, nur daß bei ehm noch ein stoppliger, grauer Bart hinzutam, der sein faltiges Gesicht rundum einrahmte. „Ju'n Morgen auch, Frau Nachbar'n,“ sagte er mit listigem Augenzwinkern und einem neugierigen Blick über Frau Jeremias hübsche Einrichtung.„Jlücklich ins Leben zurückjefunden?“ „Sehr freundlich von Ihnen, daß Sie sich nach meinem Befinden erlndigen ließen,“ sagte die Angeredete, deren Benehmen und Ausdrucksweise verriet, daß sie ihr Lebtag mit gebildeten Leuten verkehrt hatte. „I nu, man hat doch am Ende auch'n menschliches Rühr'n, wenn man sich vorstellt, so'ne neue Nachbar'n könnte sich jleich zu Tode jepichelt haben,“ meinte er wieder mit seinem verständnisvoll listigem Augenzwinkern. „Gepichelt?“ wiederholte Frau Jeremias gedehnt und blickte ihn ganz empört an.„Wenn Sie solche Befürchtung hatten, dann sind Sie allerdings auf falscher Fährte gewesen. Ueber meine Lippen kommt kein geistiges Getränk.“ „Na, ja, das kennt man schon,“ meinte aber Herr Smitt, sie verschmitzt angrienend.„So sagen se nämlich alle, un dabei geht der Soff bei ihn'n nich' aus un' se komm'n aus 'n Rausch nich raus.“ „Herr Nachbar, solche Anspielungen verbitte ich mir denn aber doch ganz entschieden,“ sagte Frau Jeremias ruhig und bestimmt, fest entschlossen, sich diesen unverschämten Kauz ganz energisch vom Leibe zu halten. „Na, woso denn?“ fragte aber dieser mit unerschütterlichem Gleichmut.„Wer hat denn von Ihn'n gered't?. Wem das Kleid nich' paßt, der braucht's sich doch nich anzuzieh'n! Ich sage doch bloß, die Tamen hier ins Spittel, die machen's so. Na, un' nu sollt' ich Ihn'n doch was inklopp'n? Denn man her damit!“ In kühler Zurückhaltung gab Frau Jeremias ihm ihre Wünsche an, und er schlug die Nägel ein. Tabei machte er fortgesetzt Witze, die seine danebenstehende Frau mit Wohlgefallen belachte, ohne doch etwas dazu zu sagen, die aber in Frau Iremias kein dankbares Publikum fanden. Als sie eine große eingerahmte Photographie an der Wand über ihrem Nähtisch anbringen lassen wollte, fragte er, das Bild aufmerksam betrachtend: „Wer is denn die scheene olle Dame?“ „Das ist meine Mutter," erwiderte Frau Jeremias, halb versöhnt durch die schmeichelhaften Beinamen, die ihr wunderlicher Nachbar der treuren Verstorbenen beilegte. „Ihre Mutter? Ja— aber die darf doch nich' so bajatellmäßig hier in die Ecke geschubst werd'n,“ meinte er mißbilligend.„De Mutter is doch dat Haupt vons Ganze, de Krone von de Familie—. de Mutter jehört übers Sofa!“ Und ohne ihre Einwilligung abzuwarten, trug er das mütterliche Porträt nach dem von ihm für richtig befundenen Platze, entfernte das daselbst bereits aufgehängte Bild und vertauschte es mit dem von ihm erwählten, wogegen er das erstere über den Nähtisch hängte, obgleich es dafür ebensoviel zu gron, wie das Bild der Mutter für den ihm zugewiesenen Fleck zu klein war. „So,“ meinte er befriedigt,„nu hat det'ne andere Art. Seine Mutter kann der Mensch nie genug Ehre andun.“ Frau Jeremias dachte zwar: bis du die Tür hinter dir geschlossen hast, mag's ja bleiben. Sie ließ ihm aber vorläufig den Willen. Sein offenbares Beugen unter die mütterliche Autorität milderte ihr Urteil über seine absonderliche Art und Weise immerhin bedeutend, und sie entließ die neuen Nachbarsleute mit ehrlichem Tanke. Irgend welche Vergütung wollten diese unter keinen Umständen von ihr annehmen. (Schluß folgt.) Das Fenster Novelett von Th. Randal. (Schluß.) Den 17. Oktober. Ich war da.—— Oh, das ganze ist wie ein märchenhaftes Abenteuer: ich war da, und ich sprach mit— ihm! Sobald ich nach heißem Bemühen meines Vaters Erlaubnis erhalten hatte, machte ich sehr sorgfältig Toilette und ging hinüber. Mit pochendem Herzen klingelte ich, und ein Mädchen mit einem entzückenden Kind auf dem Arm öffnete mir. Ich fragte nach Madame Legrand und wurde sofort in ein schönes Zimmer geführt, in dem die junge Frau am Nähtisch saß und klöppelte. Bei meinem Anblick erhob sie sich und ein Licheln huschte uber ihr eesicht. Ich brächte mein Anliegen vor, und sie bat mich, am nächsten Tage um 11 Uhr zur ersten Stunde zu kommen. 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