Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und gesetzt. Feiertage. Abonnementspreis srei ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage d dem 8seitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pfg. pro Monat, durch die Post bezogen für 3 Monate 1.50 Mi. verbunden Lokak-Anzeiger für Rotationsdruck und Verlag, so verantwortlich: Viktor Sch sowie für die Inscrate anzer, Dortmund. mit dem Dortmund u. Hörde Inserate die S gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Pig Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 PigBeilagen nach Uebereinkunft. Bei zwan Klage 0 Lwesser Beitreibung der Insertlonsgebühren durch inkursverfahren wird der Radatt hinfällig. und der täglichen Uuterhaltungsbeilage UIT“ sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann, Dortmund. Nr. 20. Dortmund, Dienstag, den 25. Januar 1910. 27. Jahrg., Erstes Blatt. 5. Parteitag des südwestdeutschen Verbandes der freisinnigen partei, S. u. H. Wiesbaden, 23. Januar. Unter zahlreicher Beteiligung von Delegierten aus der Pfalz, dem Großherzogtum Hessen, Rheinhessen, Hessen=Nassau und vom Rhein trat hier der 5. Parteitag des süddeutschen Verbandes der freisinnigen Volkspartei zusammen, um vor allem zur Frage der Fusion der drei linksliberalen Parteien Stellung zu nehmen. Der von Direktor Thorwart(Frankfurt a. M.) erstattete Geschäftsbericht gedenkt u. a. der Verdienste des verstorbenen Justizrats Berger um die Partei. Weiter wird der Hinzutritt des neugegründeten Kreuznacher Vereins erwähnt. Justizrat Geiger(Frankfurt a. M.) schlug sodann vor, die Neuwahlen des Parteiausschusses mit Rücksicht auf die vollkommen neu gestalteten Verhältnisse nicht vorzunehmen, sondern den Ausschuß zu beauftragen, die Ueberleitung in die neuen Verhältnisse selbst vorzunehmen. Alsdann wurde in die Besprechung des Hauptthemas eingetreten:„Einigung der Liberalen und das neue Parteiprogramm“, worüber Rechtsanwalt Dr. Heilbrunn(Frankfurt a. M.) referierte. Er führte aus: Der südwestdeutsche Parteitag ist einberufen worden, um zu der Frage der Fusion Stellung zu nehmen. Inzwischen hat der Zentralausschuß in Berlin getagt und sich mit der Fusion einverstanden erklärt. Trotzdem glauben wir, daß unsere heutige Tagung nicht überflüssig ist, denn es erscheint angebracht, mit den Parteifreunden im Lande Fühlung zu nehmen, damit sie ihrerseits über den Gang der Verhandlungen unterrichtet werden. In der Geschichte des deutschen Liberalismus ist der bisherige Zeitpunkt der wichtigste und bedeutungsvollste. Die Frage der Fusion beschäftigt uns in Süddeutschland schon seit Jahren und wir Süddeutschen können nur sagen, es ist für uns ein Gefühl der Befreiung, daß wir endlich dahin gelangt sind, wohin unser Gefühl schon längst gedrängt hat. Die parlamentarischen Verhandlungen der letzten 2 bis 3 Jahre haben ja mancherlei Angriffspunkte gegen den Liberalismus geboten, so u. a. die Blockpolitik. Aber nach den Erfahrungen die wir gemacht haben, können wir uns ruhig gestehen, daß wir keine Neue über das Geschebene zu empfinden brauchen. Der Liberalismus konnte nicht gut anders handeln, als er gehandelt hat. Die Blockpolitik war nicht das Ideal einer liberalen Politik, aber doch der Versuch, den Interessen des Liberalismus einigermaßen entgegenzukommen. Die Blockpolitik war trotz alledem aber auch ein gewisses Eingeständnis der Schwäche des Liberalismus. Darum taucht von selbst die Frage auf, ob nicht ein notwendiges Erfordernis jeder vernunftgemäßen liberalen Parteileitung es ist, wenigstens dieser Schwäche entgegenzutreten und den Versuch zu machen, die zersplitterten Kräfte im liberalen Lager zusammenzuschweißen zu einem Ganzen. Und wir können heute sagen, daß dieser Versuch allseitig gelungen ist. Unsere Partei ist die Verkörperung der Weltanschauung des deutschen Liberalismus. Wenn es gelungen ist, das deutsche Bürgertum auf liberaler Grundlage zu einigen und als große Partei zu organisieren, dann darf es nicht ausbleiben, daß diese Partei einmal die Machtstellung einnehmen muß, die ihr Kraft der ihr innewohnenden Machtelemente zukommt. Wir müssen den Versuch machen, alles zu einigen, was hinter uns steht und versuchen, den Einfluß auf Regierung und Gesetzgebung zu gewinnen, der dem deutschen Bürgertum rechtens ist. Das ist die prinzivielle Stellung zur Frage der Einigung aus dem Gesichtspunkte allgemeiner Erwägungen heraus. Nun sind es aber noch persönliche Interessen und Parteifragen neben und aus der historischen Entwicklung heraus, welche bei der Einigung mitsprechen. Redner gab in großen Zügen eine Uebersicht über die Entwicklung des heutigen Liberalismus, um zu zeigen, welche Erfahrungen aus der Vergangenheit man sich zu eigen machen müsse. Redner fuhr fort: Das Verdienst der Blockpolitik ist es gewesen, daß sie die Voraussetzung für den Zusammenschluß der drei Parteien gegeben hat. Redner geht dann auf die Hauptpunkte des Parteiprogramms nach den Beratungen des Zentralausschusses ein, welches sich als ein Mindest= und Einigungsprogramm darstelle, also ein Kompromik=Programm. Das Programm schließe sich im großen und ganzen dem bewährten Eisenacher Programm an, mit Berücksichtigung der sozialen Fragen der Gegenwart und aller Fragen, welche die Politik der letzten Jahre in den Vordergrund gestellt hat. Für Arbeiter=, landwirtschaftliche und gewerbliche Fragen sollen besondere Programme aufgestellt werden. Was den Namen der neuen Partei anlange, so müsse er ein kurzer und prägnanter sein, möge er nun Fortschrittspartei oder Volkspartei lauten. Die Zukunft des Liberalismus in Deutschland ist bedingt durch die Vereinheitlichung der Parteien. Unser ganzes kulturelles Leben in Deutschland, der Fortschritt Deutschlands wird durch ein Bürgertum auf dem Boden unserer liberalen Weltanschauung repräsentiert. Die individuelle Freiheit kann nur durch eine große starke Partei erkämpft werden, sie kann nur erkämpft werden durch die neue einheitliche Partei, die der Redner als die Zukunftspartei Deutschlands begrüßt.(Lebhafter Beifall). Reichstagsabgeordneter Kopsch überbrachte sodann der Versammlung die Grüße der Porteileitung. In der Debatte sprach sich Dr. Locser(Heidelberg) mit Begeisterung für die Fusion aus und trat weiter für die Erweiterung der politischen Rechte der Frauen ein. Er halten den gegenwärtigen Zeitpunkt nach der Reichsfinanzreform als den denkbar günstigsten für eine Fusion. Justizrat Geiger(Frankfurt a. M.) will die Fusion nicht mit der Begeisterung des Vorredners ansse hen, kommt aber doch zu dem gleichen Schluß. Es seien allerdings eine ganze Anzahl Bedenken vorhanden, aber die Lage zwinge zu dem Zusammenschluß. Bürgermeister Alberti(Rüdesheim) warnte vor allzugroßem Optimismus. Es sei fraglich, ob man mit dem Zusammenschluß das erreiche, was man erwarte. Mit ihm würden viele nur mit großen Zweifeln in die neue Vereinigung eintreten. Justizrat Gallus(Darmstadt) führt die Einigkeit der Liberalen in Hessen vor Augen, wodurch es diesen ermöglicht wurde, in den letzten Jahren positive Erfolge auf politischem Gebiete zu erzielen. Direktor Dörr(Frankfurt) mahnt ebenfalls, über die Zersplitterung hinaus zur Einigung zu kommen, damit der Liberalismus wieder zu der Bedeutung gelange, die ihm gebühre. Dr. Mainzer(Frankfurt) verweist als Beispiel auf die Einigkeit der Liberalen in Baden und verlangt, daß mit aller Energie darauf hingearbeitet werde, daß Süddeutschland, die Hochburg des Liberalismus, auch wieder eine entsprechende Vertretung im Parlament habe. Professor Kühn(Wiesbaden) mahnt, die Zeit bis zu den nächsten Wahlen zur Arbeitzu benutzen. Reichstagsabgeordneter Kopsch zieht in seinem Schlußwort eine Bilanz des Gesagten. Er vergleicht die drei Strömungen, die hier zu Worte gekommen, die ablehnende, die begeisterte und die kühl abwägende mit den Fluten des Rheins, des Mains und der Nahe. Wie diese ineinanderfließen, müßten auch die Parteien zusammenkommen, wenn es auch anfangs noch manches Nebeneinander geben werde, so werde schließlich doch ein einiges großes Ganze daraus werden. Freilich werde die schwere Arbeit erst nach der Fusion kommen. Es wurde hierauf folgende Resolution einstimmig angenommen: Der Parteitag für Süddeutschland tritt dem Beschluß des Zentralausschusses in allen Punkten bei und empfiehlt dem auf den 7. März einberufenen Parteitag die Annahme der Fusion auf Grund des vorgelegten Programms und Organisationsstatuts. Der sportsfreundliche Kronprinz. Der deutsche Kronprinz hat das Protektorat über die internationale Ausstellung für Sport und Spiel in Frankfurt übernommen. Herr von Toebell verzi Wie der„Lokal=Anz.“(erfahren haben will, hat Herr von Loebell. der nach dem Kanzlerwechsel zum Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg ernannt wurde, sich durch seinen ungünstigen Gesundheitszustand genötigt gesehen, auf die Uebernahme dieses Amtes zu verzichten. Aommandantenwechsel in Berlin. Wie verlautet, wird zu Kaisers Geburtstag die Kommandantur in Berlin, die jetzt General von Boehn inne hat, durch General von Plüskow besetzt werden. Zum Kommandanten von Potsdam dürfte Oberst Freiherr von Willisen, der Kommandeur des 1. Garderegiments, ernannt werden, an dellen Stelle Oberstleutnant v. Friedberg treten soll. Albert von Ruville. Der Hallenser Universitätsprofessor Dr. Albert von Ruville, der vor etwa Jahresfrist in aller Stille zum Katholizismus übertrat, hat soeben in einem Buche„Zurück zur heiligen Kirche— Erlebnisse und Bekenntnisse eines Konvertiken“ ein Bekenntuis abgelegt, das weit über die Grenzen unseres Vaterlandes Aufsehen erregt. Etwa 15000 Exemplare wurden in nicht weniger als 10 Tagen von seinem Buche abgesetzt. Albert von Ruvilles wurde am 3. Juli als Sohn eines preußischen Offiziers geboren und trat selbst nach Ablegung des Abiturienteneramens in die Armee als Offizier ein, der er 13 Jahre angehörte. Im Jahre 1888 nahm Ruville seinen Abschied, um sich ganz den Geschichtsstudien zu widmen. Nach der Promotion in Berlin 1892 habiliProf. Dr. Alber!V. Roville tierte er sich in Halle mit einer Arbeit über den Regensburger Reichstag von 1653. Seine große dreibändige Biographie über William Pitt verschaffte ihm namentlich in England und Amerika einen bedeutenden Ruf als tiefgründigeren Historiker und brachte ihm die Ernennung zum Professor ein. Gegen die Schiffahrtsabgaben. Die Generalversammlung des Bundes für Industriellen nahm eine Resolution gegen die Schiffahrtsabgaben an. vom Fürsten Bülow. Die Stadt Neapel hat den Fürsten Bülow zur Teilnahme an die Gedächtnisfeier für den deutschen Naturforscher Dohrn, den Gründer der Zoologischen Station, eingeladen. Jürst Bülolv sagte in seiner Erwiderung, die Ehrung Dohrns, sek ein neuer Beweis iener Freundschaft der beiden verbündeten Völker, die eines der Hauptziele seiner Politik gewesen sei. Sparfystem in Hessen. Die bessische Regierung erklärte sich bereit, über den nationalliberalen Antrag auf. Vereinfachung der Staatsbehörden in nähere Beratung einzutreten und hat sich zu dem Antrage auf einjährige statt zweijährige Staatsbudgets zustimmend geäußert. Oesterreich=Ungarn. Budapest, 24. Jan. Die heutige Sitzung des Abgeordnetenhauses in welcher das Kabinett KnuenHedervary sein Programm entwickeln wollte, nahn. Der Kunst geweiht. Roman von Lothar Frey. 27 Wenige Tage später, als sie morgens mit ihren Kindern von einem Spaziergange durch den Park ins Schloß zurückkehren wollte, hielt die alte Postkutsche, die täglich ihren Weg durch das Tal nahm, in kurzer Entfernung vor der Schloßrampe, und aus ihr stieg eine schlanke, bürgerlich gekleidete Frauengestalt, die mit einer Reisekasche in der Hand stehen blieb, zu den Fenstern des Schlosses suchend hinaufblickte, dann vor den großen Hunden zurückwich und sich in die Straße zu retten suchte, aber wieder stehen blieb, als sie die Stimme der Schloßherrin hörte, welche die Hunde anrief. „Marguerita!“ vernahm diese ihren Namen von einer ihr wohlbekannten Frauenstimme, während die Fremde ann sie zueilte.„Ich bin es ja, Stella, kennst Du mich nicht mehr?“ Marquerita ließ die Händchen der Kinder los und blickte auf die Frau mit einem Ausdruck traurigen Befremdens. Diese so einfach, fast dürftig gekleidete junge Frau mit dem schmalen, leidenden Gesicht ihre Schwester. Und dennoch war sie es, die der Schwester nicht ohne Verlegenheit die Hand hinstreckte, dann die dunklen, jetzt 9, schattig umrandeten Augen niederschlagend, vor ihr stand. „Stella, Du bist mir herzlich willkommen!" empfing die Schloßherrin sie, ihre Hand drückend.„Aber Du siehst nicht gut aus!“ Stella schüttelte beschämt den Kopf. „Du warst krank?" „Ich war es!“ „Komm, ich stütze Dich!“ ein, ao bin ja wieder ganz bei Kräften!“ Und was erinnert Dich an mich, Stella, die Du so lange nichts hast von Dir hören lassen?“ Margueeita fragte unbewußt im Tone des Vorwurfs. Sie führte die Schwester in die Gartenpartie des Hofes, rief dem dartner zu, er solle den Reisesack ihrer Jungfer übereringen, und lud Stella auf eine Bank zum Sitzen ein. ##clehst Du es vor, gleich mit mir ins Haus zu treten? Du bist natürlich unser Gast?“ fragte sie. „Nein, nein, ich will ja nur mit Dir plaudern!" Stella legte die Hände im Schoß zusammen und blickte vor sich hin.„Du siehst mir wohl an, daß es mir schlecht ergeht?“ Margnerita schwieg. Sie sah das allerdings. „Um es kurz zu sagen: mein Mann ist heimlich nach Australien gereist, nachdem er alles, das ganze große Vermögen durchgebracht, und hat mich sitzen lassen, mit Schulden beladen, die ich jetzt bezahlen soll.. Man hat mir schon alles abgenommen bis auf das letzte, und da komme ich.. verzeihe mir.. zu Dir, der Schwester, die ich in so großem Wohlstand weiß! Ich habe ja nur Dich! O, es ist schrecklich, so jung noch, betrogen um das ganze Leben zu sein!“ „Und Du hast auch Dein Heim verlassen?“ „Ich hatte keins mehr. Was Du in meiner Hand sahst, ist alles, was ich noch besitze. Zur Bühne kann ich kaum noch zurück, denn für meine Kunst haben meine elenden Glieder ihre Geschmeidigkeit verloren!“ Sie holle tief Atem. „Dein Mann darf mich auch nicht sehen in diesem Zustande!“ rief sie seufzend, auf ihre Kleider blickend. „Es ist ein Jammer mit dieser Welt!“ „Und dennoch mußt Du unser Gast sein!" Marguerita suchte ihre Hand, Stella aber hielt die ihrige zurück und schüttelte das Haupt.„Das kann und will ich nicht! Ich würde mich vor ihm schämen müssen!“ „Er hat heute morgen einen Freund in die Stadt begleitet und kehrt erst morgen mittag zurück.“ „Das beruhigt mich! So nehmeich vielleicht ein Nachtquartier an bei Dir. Es braucht ja niemand zu wissen, wer ich bin!“ „Und dann?“ „Du wirst mir eine Reiseunterstützung geben; ich will nach Triest und von da mit einigen, die auch kein Glück gehabt, nach Aegypten, nach Kairo, wo ich als gewöhnliche Tänzerin für das Ballett engagiert bin. Was blieb mir anderes? Für dort bin ich vielleicht noch gut genug!“ „Aber Stella, könnte ich nicht hier irgendwie für Dich sorgen?“ Stella lehnte ab. Sie sei mit ihrem Schicksal zerfallen und werde hier nicht gut tun, auch das Glück ihrer Schwester nicht ohne Neid mit ansehen können. Marguerita trat in ihr Zimmer und reichte ihr, zurückkehrend, eine kleine Brieftasche. „Dreihundert Gulden! Alles, was ich an Barem besitze! Betrachte es wie ein Taschengeld!“ Stella dankte kaum. Sie schöpfte ermutigt Atem, warf sich in eine Causeuse und sann nervös vor sich hin, als wolle sie einen Entschluß fassen. Als sie wieder aufschaute, blitzte es unheimlich in ihren dunklen Augen. Die Wände, die Decke schien sie zu drücken; ihr Blick war so zerfahren. Das Frühstück, das ihr die Schwester in ihrem Zimmer auftragen ließ, berührte sie kaum; sie hatte ersichtlich keine Ruhe. „Man sagte mir unterwegs, es komme der andere Postwagen noch heute hier vorüber?“ fragte sie in höchster Nervosität.„Ermüßtebald hier sein!“ „Warum fragst Du?“ „Weil.. weil ich wieder fort will! Ich sagte es Dir ja!“ Marguerita schaute sie vorwurfsvoll, unzufrieden an. „In allem Ernst, Stella, dies verstehe ich nicht! Soll ich Dich bitten?“ „Nein, das würde umsonst sein! Ich danke Dir für Deine Hilfe; laß es damit genug sein!“ Sie warf noch einen häßlichen Blick auf all den Reichtum der Zimmerausstattung. Auch sie hatte eine glänzend eingerichtete Wohnung besessen, und alles war in wenigen Jahren dahin.. nicht ohne ihre eigene Schuld, die sie der Schwester allerdings nicht bekannte. Sie schämte sich, sie war nur hier, um sich die bitterste Qual der Reue zu bereiten; ihr Herz krampfte sich schmerzend zusammen. „Du wirst Deinem Mann natürlich nicht sagen, daß ich hier gewesen, wirst selbst viel zu stolz dazu sein.“ „Ich bedaure nur, daß er nicht hier ist. Er würde schon dafür sorgen, Dich festzuhalten!“ Ein bitteres Lächeln war Stellas Antwort. „Ein letztes Mal!“ rief Margnerita.„Ich beschwöre Dich, sei vernünftig!“ Ihre Geduld bestand die höchste Probe. Stella stieß ein Lachen aus, preßte dann aber die Hand auf die Brust und holte mit Anstrengung Atem. „Wär' ich vernünftig gewesen, Du sähest mich nicht hier!“ brachte sie mit Anstrengung heraus. Marguerita wandte ihr den Rücken sievermochte es nicht, die Schwester anzublicken. „So ist Dir nicht zu helfen!" Margneritas Langmut war zu Ende; sie fühlte sich tief verletzt. Stella schaute mit wilden Augen, von einer unerträglichen Angst getrieben, umher nach Hut, Paletot und Reisesack. „Sagtest Du nicht in einer halben Stunde?" keuchte sie mit Anstrengung, als ertrage sie nicht mehr die Luft im Zimmer. Mit fliegenden Händen hatte sie schon den Hut aufgesetzt. Dann, als die Schwester sich wieder zu ihr wandte, treckte sie abwehrend die Hand gegen sie aus. „Du brauchst mich nicht zu begleiten! Höchstens bis zur Treppe! Des Anstandes halber!“ Marguerita erschrak vor dem Aublick der Schwester, deren Antlitz leichenblaß, auf deren Wangen zwei hektische Röschen sich zeigten, während ihre Augen Fieberglut strahlten. Da schmetterten draußen vor dem Schloß die lustigen Klänge eines Posthorns durch das Tal. „Lebe wohl!“ An allen Gliedern geschüttelt, mit tastender Hand suchte Stella den Reisesack.„Leb...“ Das Wort erstickte. Marquerita streckte die Arme nach ihr aus, um sie gewaltsam festzuhalten. Da aber, während Stella sich beugte und den Reisesack hebend sich wieder aufrichtete, sah die Schwester mit Entsetzen, wie sich ihre Lippen mit Blut bedeckten. „Stella, um Gotteswillen!“ schrie sie auf. Sie sprang zu ihr, legte die Hand um die bereits Wankende, deren Augenlider hoch gerötet, und Stella brach in ihren Armen zusammen. Auch Margueritas Glieder versagten ihren Dienst. Sie sah eine Blutwelle zwischen den halbgeöffneten Lippen der Schwester hervordringen. Schwerer ward die Last in ihren Armen, und von eisigem Schauer durchrieselt, schleppte sie die Unglückliche zum Sessel. Starr blickten ihr zwei weitgeöffnete, gläserne Augen entgegen. Stella hatte lautlos in ihren Armen ihr trauriges Dasein geendet. Sie hatte absichtlich nicht bekannt, daß der Tod schon seine Hand nach ihr ausgestreckt, und lieber auf der Landstraße zusammenbrechen wollen. als der fürstlichen Schwester zur Last fallen. — Endel=. 175.18 mfolge der Haltung der Unabhängigkeitspartei eiten derartigen stürmischen Verlauf, daß die Sitzung eitweilig unterbrochen werden mußte. In den Cobirs zirkulierte das Gerücht, daß, falls die Oppositionspartei eine Debatte auch weiterhin unmöglich machen sollte, Graf Khuen Hedervary das Haus mitseis königlichen Handschreibens noch heute vertagen rde. Budapest, 24. Jan. Blättermeldungen zufolge ist der Polizei eine anonyme Zuschrift zugegangen, delche besagt, daß der Vergiftungsvecsuch an den Generalstabsoffizieren in Wiendas Werk von Budapester Anarchisten sein soll. Tatsächlich soll die Polizei nach dieser Richtung Recherchen eingeleitet haben. die deutsche Industrie im Zusammenhange mit anbeehindernn ren Behinderung, darunter nicht zuletzt die VerSpanien. Granada. 23. Januar. Im Hofe des hiefigen Ga sängnisses von Iqualle explodierte eine Dynamitbombe. die anscheinend von dem Verwandten eines Gesangenen gelegt worden war. Ein Gefangnener wurde getötet. mehrere schwer verletzt. Hauptversammlung des Bundes der Industriellen S. u. H. Berlin, 23. Januar. Unter überaus zahlreicher Beteiligung von Vertretern aller größeren deutschen industriellen Verbänden und von Groß=Industriellen aller Kategosien und aus allen Teilen des Reiches trat heute hier der Bund der Industriellen im„Russishen Hof" zu seiner 14. ordentlichen Generalversammwung zusammen. Den Vorsitz des Bundes führte der langjährige Präsident des Bundes Geheimer Kommerzienrat Hermann Wirth(Berlin). Der von dem Generalsekretär des Bundes Landtagsabgeordneten Wendtlandt vorgelegte Geschäftsbericht führt einleitend aus, daß das abgelaufene Geschäftsjahr für den Bund erfreuliche Gefolge gebracht hat. Der Bund hat sich besonders während der letzten Jahre mehr und mehr zu einer Organisation der Industriellen Lundes=, Orts= und Fachverbänden entwickelt und rückt damit der Verwirklichung seines von allem Anfang an verfolgten Planes, ein„Verband der Verbände" zu werden, eine über ganz Deutschland organisierte Interessenvertretung zu schaffen, um einen großen Schritt näher. Die Folge dieser Entwicklung ist der weitere Zusammenschluß von Industriellen zu Fach= und Landesverbänden im Rahmen des Bundes der Industriellen. Das bedeutendste Ergebnis auf diesem Gebiete war die im März erfolgte Gründung des Verbandes Thüringischer Industrieller in Weimar. Die Ausdehnung des Bundes kann als eine zanz außerordentlich große bezeichnet werden. Eine Umfrage bezüglich der beschäftigten Arbeiter hat ergeben, daß in den dem Bunde zugebörigen Fabriken rund 1250000 Arbeiter Beschäftigung finden. Zur Zeit gehören dem Bunde 182 Vereine an, davon 102 direkt und 80 indirekt. Der Geschäftsbericht geht dann auf die Tätigkeit des Bundes auf dem Gebiete der Wirtschaftspolitik ein. Im Vordergrunde des Interesses standen während der abgelaufenen Berichtsperivde der neue französische und der neue amerikanische Zolltarif. Die„Bundesstelle zur Vorbereitung von Handelsverträgen“ hat im September eine Umfrage bei den Mitgliedern über die Wirknug der BayneBill veranstaltet. Wegen des französischen Zolltarifs sind eine Reihe von Eingaben an das Reichsamt des Innern gelangt mit der eindringlichen Forderung, daß auch auf diplomatischem Wege die Interessen Deutschlands nach Kräften gewahrt würden. Frankreich hat auf dem PayneTarif die einzig richtige Antwort durch Intr##ttreten seines Maximaltarifs gegeben. Hätte Deutschland in Gemeinschaft mit den übrigen europäischen Staaten das gleiche getan, so stände es besser um die wirtschaftliche Lage und Zukunft der alten Welt. Jetzt wird es darauf ankommen, den amerlkanischen Minimaltarif der deutschen Ausfuhr zu sichern und die großen Erschwerungen, die durch die Einführung der Herkunftsbezeichnungen für Ausfahewesen nach den Vereinigten Staaten geschaffen worden sind, zu überwinden. Die neuere französische Schutzzollpolitik ist für die deutsche Industrie in gleicher Weise eine unerfreuliche Erschwerung. Sie pürde ein noch gefährlicheres Gesicht annehmen, wenn etra in Engand bei den Wahlen die konservative Mehrheit siegen sollte; denn dies bedeutet den Anfang auch einer englischen Schutzzollpolitik, die zwar England nicht zuletzt selbst schädigen würde, aber doch allerlei Schwierigkeiten für unsere Aussuhrindustrie mit sich bringen würde. Alle diese Zeichen am wirtschaftspolitischen Himmel deuten auf das schon vor Jahrzehnten vom Bunde der Industriellen nachdrücklich befürwortete engere Zusammengehen der mittleren europäischen Staaten, aber auch auf die Notwendigkeit der deutschen Industrie neue innere Erschwerungen zu ersparen und hier nach außen durch Exportförderung Luft zu schaffen. Die besondere Aufmerksamkeit des Bundes ist daher der Gründung leutsch=ausländischer Vereine zugewandt gewisen. Mit besonderem Interesse hat der Bund sich an der Vorbereitung der Neuwahlen zur zweiten sächsischen Kammer auf Grund des neuen Wahlgesetzes beteiligt und seite lebhafte Aufmerksamkeit der Gestaltung des preußischen Wahlrechts zugewendet. Auf dem Gebiete des Verkehrs= und Versicherungswesens hat er sich nach wie vor entschieden gegen Schiffahrtsabgo##en, sowie ferner gegen die neue Fernsprechgebührenordnung ausgespruchen. Die wünschenswerte Entlastung der Industrie gilt auch mit Rücksicht auf unsere Konkurrenzfähigkeit im In= und Auslande für den Ausbau unserer sozialpolitischen Einrichtungen. Der Bund verlangt als obersten Grundsatz die Erhaltung der Arbeitsmöglichkeit für Unternehmer und Angestellte in gleicher Weise. Hierzu ist auch die ausgleichende Tätigkeit des Vereins deutscher Arbeitgeberverbände zu rechnen. Von diesem Gesichtspunkte aus har sich der Bund auch nachdrücklich gegen die unzweckmäßigen und unorganischen Verteuerungen der neuen ReichsVersicherungsordnung, sowie gegen das Arbeitskimnergesetz gewandt. Zu erwarten ist, daß die Tendenlen der letzten Gewerbeordnungsnovelle, die durch die Kommission des Reichstages über die Absichten ser Regierung hinaus in Verkennung der tatsächlihen Verhältnisse verschärft worden sind, in der Falung der vorigen Session nicht wieder in Erscheinung treten werden. Es muß endlich einmal die Einicht allenthalben in Deutschland durchdringen, daß ie Industrie nicht nur dafür da ist, Lasten zu tragen, ondern in erster Linie Werte zu schaffen, Arbeitsgelegenheit zu bieten und Land und Leute zu ernähten. Unsere sozialpolitischen Einrichtungen stehen als länzendes Muster vor dem Auslande da. Es ist etzt abzuwarten, inwieweit uns das Ausland dahin olgt, damit das Verhältnis der Produktionslasten vieder gebührend ausgeglichen wird. Andernfalls wird zul teuerung der Lebensmittel durch die hohen Schutzzölle und die jüngste Besteuerung von allgemeinen Konsumartikeln in Folge der mit Gewalt zustande gebrachten„Reichsfinanzreform“ in ihrer glücklichen Entwicklung aufgehalten und vom Auslande mehr und mehr zutückgedrängt werden. Der Bund der Industriellen ist mit anderen Verbänden entschieden für den Ausbau der Erbschaftssteuer eingetreten. Der Sturm der Entrüstung über das Verhalten der agrarischen Mehrheit bei den letzten politischen Kämpfen hat das deutsche Bürgertum auf die Schanzen gerufen und die Begründung des Hansabundes herbeigeführt. Parallel mit diesem erfreulichen Erwachen des Solidaritätsgefühls aller gewerblichen Stände einschließlich der Angestellten, entstand in jenen Tagen der Deutsche Bauerbund, dessen Begründung ebenso wie die des Hansabundes die schweren Feher historisch festlegt, die seitens des Bundes der Landwirte im vorigen Jahre begangen worden sind. Es ist zu hoffen, daß der künftige Reichstag mehr industrielle und gewerbliche Vertreter aufzuneisen haben wird, als bisher und es ist ferner zu hoffen, daß die erfreuliche Erweiterung der Kreise des Bundes ihm neue bedeutende Mittel zur Abwehr schädlicher Angriffe auf den gesunden Körper der deutschen Volkswirtschaft zugeführt haben und zuführen werden. Der„Tremonia“ zur widerung. Aus maßgebenden freisinnigen Kreisen wird uns geschrieben: Die„Stemonia“ kann den Schmerz, sechs ihrer Getreuesten bei wer letzten Stadtverordnetenwahl, auf der Strecke gelassen zu haben, nicht überwinden. Schon wochenlang schimpft sie in allen Tonarten, ihre letzte Wochenplauderei vom 22. d. M. übertrifft aber alles vorhergegangene noch bei weitem an Schmähungen und perfiden Angrif,en gegen die liberale Fraktion des Stadtverocdnetenkoltegiums, insbesondere gegen die freisinnigen Mitglieder. Man hat in der letzten Sitzung an Stelle des ausgeschiedenen Herrn Lensina den Stadtverordneten Heinemann in die städtische Schuldeputation gewählt; darob wahre Wutanfälle der„Tremonia“; es sei„geradezu ein Schlag ins Gesicht der gesamten katholischen Bürzerschaft, daß man H. in die Schuldeputation gewählt hat". Die„Tremonia“ behauptet ferner, die freisinnigen Stadtväter verlangten, daß weniger Religion gelihrt werden solle, nennt die Wahl eines Nichtkatholiken einen„Wolloruch", erklärt, vier sei der Beweis erbracht, daß die Worte des Abg. Schmieding und der„Dortm. Ztg.“ nur„Ternden“ seien, hier sei ferner der Beweis geliefert, daß man mit den Katholiken nicht in Frieden leben wolle usw. Sie spricht von„Jturalen Vergewaltigungen“, fordert Magistrat und Regierung auf, diesem„Wortbruch“ nicht zuzustimmen, nennt Herrn Uhlmann einen„getauften Katholiken" usw. Wie liegt die Sache denn nun eigentlich? Unter dem 10. Februar 1908(nicht November 1908 laut Tremonia) legte der Magistrat dem Kollegium ahn neues Statut vor, über das die Stadtverordneten am 16. März verhandelten. Bekanntlich lag dem Kompromiß bei Schaffung des Volksschulgesetzes, der Gedanke zu Grunde, die Deputation nicht konfessionell zu gestalten, sie nicht rein mechanisch unter genau zahlenmäßiger Gleichstellung der Konfessionen zusammenzusetzen, sondern für die zu Wählenden nur den Gesichtspunkt der Sachkenntnis und des Interesses für Schulangelegenheiten maßgebend sein zu lassen. Dieser Standpunkt ist richtig, ist doch die Schule keine kirchliche, sondern eine staatliche Einrichtung, an deren Psiege jeder Staatsbürger ohne Unterschied des Bekenntnisses interessiert ist. Dieser Gedanke kommt im Statut dadurch zum Ausdruck, daß nur bei Paragr. 4 Abs. 4 und 5 und Paragr. 6, wo es sich um die Zuwahl der Geistlichen und um die Zusammensetzung der rein konfessionellen Schulkommissionen handelt, von konfessionellen Gesichtspunkten die Rede ist. Diesen Gedanken gab in der Sitzung am 16. März 1908 der Wortführer der Liberalen, Herr Justizrat Gottschalk deutlichen Ausdruck, indem er des weiteren ausführte, daß— wie es den Tatsachen entspricht — die Regierung mit einer konfessionellen Zusammensetzung der Schuldeputation nicht einverstanden sei. Von diesem Standpunkte aus beanspruchte die liberale Fraktion von den als Stadtverordneten zu wählenden 6 Herren 4 für sich und bewälligte dem Zentrum 2 Sitze, entsprechend der damaligen Zusammensetzung(39 Lib. und 18 Ztr.). Einzig und allein diese sachlichen Erwägungen waren für die liberale Fraktion maßgebend, als sie nun, da das Zentrum nicht mehr ein Fünftel des Kollegiums repräentiert, als Ersatz für Lensing einen Liberalen wählte. Anfangs wollte man sogar dem Zentrum noch weiter entgegenkommen, indem man ihm den katholtschen Liberalen Uhlmann vorschlug, jedoch legte man anscheinend von Zentrums Seite keinen Wert auf dessen Wahl, da das Zentrum für Herrn II. nicht eintrat. Was nun die Behauptung angebt, die freisinnigen Stadtväter verlangten, daß weniger Religion gelehrt werde, so trifft dieses nicht zu. Die Herren übten rein sachliche Kritik an den Leistungen der Volksschule, genau wie die Redner des Zentrums, und Herr Heinemann zeigte die Wege zu einer Besserung der Verhältnisse, indem er eine allmähliche Herabsetzung der übermäßig hohen Klassenfrequenz verlangte und auf Bevorzugung der technischen Fächer gegenüber den wissenschaftlichen hinwies. nahm Bezug auf einen Erlaß des verstorbenen Kultusministers Holle, in welchem es heißt: zu 5)„was den Religionsunterricht betrifft, so ist unter Beachtung der aufgestellten Lehrpläne dahin zu wirken. daß ein Ueeberhäufung mit Unterrihtsstoff vermieden wird, um nicht die religiösssittlichen Einwirkung auf die Kinder zu beeinträchtigen. Geistloses Einlernen soll nicht platzgreifen. Bei der gedächtnismäßigen Aneignung der keligionsstoffe ist ein Uebermaß zu vermeiden.“ Genau dasselbe hat H. verlangt, als er von einer „Einschränkung der religiösen Memorierstofse“ sprach, er befindet sich demnach mit dieser Forderung in guter Gesellschaft. Daß diese Forderung im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen ausführbar ist, zeigt das Beispiel anderer preußischer Städte, wo man den Religionsunterricht in den Unterklassen auf je 2, in den Mittel= und Oberklassen auf je 3 bezw. 4 Stunden zu Gunsten einer Vermehrung der wissenschaftlichen Fächer beschränkt hat. Dortmund dagegen hat nach dem neuen Unterin den richtsplan 1908 Unterklassen je 3 in den weiß, daß die heutigen Leistungen der Volksschule durchaus nicht mehr den gesteigerten Ansprüchen genügen, die man an die Schulentlassenen stellt, wird sich dieser Forderung anschließen. Zum Schluß noch ein Wort von Diesterweg, der gewiß auch noch als Pädagoge wird gelten dürfen, der Tremonia in's Stammbuch:„Die Schule sei keine Dienerin irgend eines besonderen Bekenntnisses, sondern uur die Pflanzstätte der Erziehung der Jugend für den Zweck eines vernünftigen wohlgeordneten, sittlichen Staates. Lokales und Provinzielles. Dortmund, 25. Januar. — Steuererhebung. Wir verweisen auf die Bekanntmachung des Magistrats in der vorliegenden Nummer, betreffend die Zahlung der Steuern für das letzte Vierteljahr des Steuerjahres 1909. Zum ersten Male werden die neugeschaffenen Einrichtungen der Hauptsteuerkasse an der Berswordtstraße, die neben vielen anderen Vorteilen eine schnellere Abfertigung der Steuerzahler ermöglichen, in Wirksamkeit treten. Neu ist auch die Einrichtung, daß neben den ständigen Nebenhebestellen Nordstraße 13 und Rheinischestraße 58 und den Hebeterminen in Körne im Osten und im äußern Westen und zwar in der Wirtschaft des Spar= und Bauvereins am Borsigplatz bezw. in der Wirtschaft von A. Dreinhöfer, Rheinischestraße 146, am 12. 14., 15,, 16., 26. und 28. Februar sowie am 1. März jedesmal nachmittags von 2—5 Uhr besondere Steuerempfangstage abgehalten werden. Trotzdem möchten wir dem Publikum empfehlen, mit dem Steuerzahlen nicht bis zum äußersten Termine zu warten, weil in diesem Falle auch bei all diesen Einrichtungen ein Drängeln an den Schaltern unvermeidlich ist. Ferner möchten wir darauf aufmerksam machen, daß die Steuern auch auf Postscheckkonto(Postscheckamt Köln Nr. 4645) eingezahlt werden können. In diesem Falle muß auf der Zahlkarte der Name und die Wohnung sowie die Steuernummer deutlich angegeben und eine Gebühr von 5 Pfg. mit eingesandt werden. Sonstige Kosten entstehen hierbei nicht. Die Quittung der Post genügt.. — Der Verschönerungsverein beabsichtigt die Wandelhallen am Stadttheater längs der Eisenmarktstraße nach Norden zu verlängern. Das Bauamt ist diesem Plane noch nicht näher getreten. — Die Straßenbahn hat seit einigen Tagen auf der Strecke Dortmund—Hörde von früh" bis abends 10 Uhrd en Fünfminutenbetrieb eingerichtet— bisher Vierminutenbetrieb—, dafür hat aber jetzt auch jeder Motorwagen einen Anhängewagen, so daß jetzt mit jedem Zuge die doppelte Anzahl von Fahrgästen befördert werden kann. —“ Die Bewohner des südlichen Stadtteils, namentlich der Gegend zwischen Märkische und Hohestraße, in der bekanntlich in letzter Zeit mehrfache Einbruchsdiebstähle verübt und Damenbelästigungen vorgekommen sind, haben eine gemeinsame Eingabe an die Polizeiverwaltung gerichtet, in der sie um vermehrten polizeilichen Schutz bitten. —“ Der Verein Dortmund des Bundes deutscher Militäranwärter beging am Samstag, den 22. d. M. seine diesjährige Kaisersgeburtstagsfeier in den Sälen des Kölnischen Hofes. Der sehr zahlreiche Besuch zeigte, welch' patriotischer Geist und guter kameradschaftlicher Sinn im Verein herrscht. Nachdem der Vorsitzende, Herr Oberbergamtssekretär Koch, die Festrede gehalten, das Kaiserhoch, in welches die Versammlung begeistert einistmmte, ausgebracht, auch Frl. Girke einen Prolog gesprochen, erfreute die vor kurzem gegründete Gesangsabteilung des Vereins und die durch einige Vereinsmitglieder unterstützte Hubert'sche Kapelle die Anwesenden durch schöne und gediegene Vokal= und Instrumentalvorträge. Ein von Mitgliedern des Vereins und ihren Damen aufgeführter Schwank sowie mehrere recht gelungene komische Vorträge erhöhten die fröhliche Stimmung der Festteilnehmer noch besonders; nicht unwesentlich trugen dazu freilich die vorzügliche Küche und Keller des Kölnischen Hofes bei. Den Schluß der Feier bildete der übliche Festball. — Leichenfund. Gestern nachmittag wurde in einem Wassergraben an der Burgholzstraße die Leiche eines neugeborenen Mädchens aufgefunden. Man vermutet, daß das Kind bei der Geburt gelebt hat. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Kindesmord. —' Gewerbliche Anlagen. Der Konsum= und Sparverein Dortmund=Hamm, G. m. b. H. wird im Frühjahr an der unteren Baumstraße eine große Bäckerei, ein großes Lagerhaus, ein Fleisch= und Kolonial= waren= und ein Verwaltungsgebäude errichten. —“ Vom„Dortmundischen Magazin“ ist soeben Nr. 14 erschienen: Es hat folgenden Inhalt: Westfälische Dichter des 17. Jahrhunderts. Von Dr. Paul Kalkum. IV. Wann hat Shakespeare seine sogenannten„reifen" Lustspiele verfaßt? von F. Lütgenau.— Taniel Friedrich Eduard Wilsing, von Willy Fentsch. IV.— Aus Zeitschriften und Zeitungen(Bibliographie).— Anzeigen.— Stiftungen.— Naturwissenschaftlicher Verein.— Dortmunder Konzertbericht.— Neuanschaffungen der Wilhelm=Auguste=Viktoria=Bücherei. Geschenke. Nachrichten.— Vereinsanzeigen. —* Polizei=Bericht!. In der Nacht zum Montag bezw. im Laufe des Sonntags wurden 11 Personen festgenommen und zwar 5 wegen Obdachlosigkeit, 2 wegen Diebstahls und je 1 wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, Trunkenheit und Haftbefehls. —“ Zum Rektor an der Volksschule in Asseln wurde der Mädchenmittelschullehrer Darenbera berufen. —“ Der neue Komet ist auch in unserer Gegend nachmittags in der 6. Stunde beobachtet worden. Er befand sich rechts vom Abendstern. — Viel gesündigt wird den Verkäuferinnen gegenüber. Wie bei einer Besichtigung der Ladengeschäfte jetzt festgestellt wurde, fehlte die vorgeschriebene Sitzgelegenheit in vielen Geschäften völlig. Natürlich wollte man sich da d'urch allerlei Ausreden an der Bestrafung vorbeidrücken. Aber die Behörde hat die Ausreden nicht gelten lassen, sondern Geldstrafen verhängt. Hoffentlich bewirkt die Bestrafung auch Besserung. — Verein Rheinland. Die karnevalistischen Sitzungen des Vereins Rheinland erfreuen sich steigender Beliebtheit, da man dort in vollster Gemütlichkeit mit Weib und Kind sich dem Vergnügen hingeben kann. Wie die 23 Jahre vorher, so. steht auch der jetzige Präsident Jean Wirt darauf, die Narren und Närrinnen, die gern seinem Rufe solgen und sich seinem Szen ter beugen, vortrefflich zu unterhalten bezw. unterhalten zu lassen. Dazu stellen sich ihm stets eine Reihder erprobtesten Karnevalisten freudig zur Verfügung In der Sitzung voriger Woche war der große Saal des Gewerbevereins von Anfang an fast bis auf den letzten Platz besetzt. Aus der Bütt' wurden die schönsten und ulkigsten Reden vom Stapel gelassen, auf daBühne produzierten sich ausgezeichnete Komiker und auch Gäste aus anderen Karnevalsgesellschaften trugen ihr redlich Teil zur Unterhaltung bei, sodaß am Schlusse der programmäßigen Darbietungen Herr Dieckmann in seinem gereimten Protokoll eine treffliche Schilderung der vielen Genüsse des Abends zu geben vermochte. Nicht vergessen sei, daß wiederum famose Lieder der anerkannt tüchtigen Hausdichter die Stimmung wesentlich hoben, sofern im Verein Rheinland das überhaupt noch nötig und möglich ist. Ein Tanz, bei dem die Damen mit Blumen erfreut und dekoriert wurden, beschloß den fidelen Abend.— Die heute Dienstag abendachteinhalb Uhr beginnende Sitzung, die aus Anlaß des kaiserlichen Geburtstages zu einer Festsitzung gestaltet wird, dürfte ganz besondere Freuden versprechen. Zentimetern. Aluch d * Stadttheater. Am Mittwoch gelangt, wie uns aus dem Theaterbureau mitgeteilt wird, als Vorfeier Wildenbruch's nachgelassener zu Kaisers Geburtstag Wildenbruche„—. Schauspiel„Der deutsche König" zur Erstaufführung, Als eine Gedenkfeier für den hingegangenen Dichter ——*—„ Kör" ging das Werk im November im Königl. Schauspielhaus in Berlin vor einem glänzenden Publikum, in Anwesenheit des Kaiserpaares und zahlreicher Mitglieder der Hofgesellschaft zum ersten Mal in Szene und errang einen vollen Erfolg. Zum Stoff hat sich der Dichter den Aufstleg Heinrich des Voglers gewählt. dieses machtvollen und klugen Herrschers, der der eigentliche Begründer des deutschen Reiches ist. Woh hat Wildenbruch die Geschichte zu seinen Zwecken ei wenig verschoben, aber das ist Dichterrecht. Dafür um saßt dies Werk, das den Hörer von der ersten bis zur letzten Szene in Spannung hält, auch alle Vorzüge des Dramatikers Wildenbruch. Sein heißes BühnenTemperament pulsiert mit wahrhafter Jugendfrische in den wechselvollen Vorgängen und alles, was uns an Wildenbruch so unendlich wert ist, was uns war, und wohl anmutet in seinen Dichtungen, klingt in diesem Werke an, das als letztes Wort des heimgegangenen Dichters über alle Bühnen gehen und überall der pietätvollsten Aufnahme sicher sein wird.— In den Hauptrollen ist das Schauspiel bei uns besetzt mit dem Damen Hrubesch, Hennig, Habermeyer, Proß, sowie den Herren Gerdes, Mayr, Binder, Fischer, Engelke, Kauf mann, Matthias, Klug, Förster, Kaul, Schubert, und Bobrowsky. Die Inszenterung liegt in den Händen des Oberregisseurs Karl Habermener.— Am Donnerstag geht Shakespeares„Sommernachtstraum“, als Festvorstellung zu Kaisers Geburtstag neu einstudiert in Szene. Der große Erfolg, den die Aufführung dieses prächtigen Lustspieles vor zwei Jahren bei uns errang, läßt wohl das lebhafteste Interesse für die Neueinstudierung voraussetzen. Hörde, 25. Jan. Ein plötzlicher Tod hat den i 71. Lebensjahre stehenden langjährigen Stadtverordnetenvorsteher Geh. Sanitätsrat Dr. Broelemann dahingerafft. Man fand den noch sehr rüstigen Herrn Montag Morgen tot im Bett. Bochum, 24. Jan. Auf Schacht 3—4 der „Holland“ ist gestern ein Brand ausgebrochen. Es entstand durch die Unachtsamkeit des Schichtmeistets, der eine Zündschnur in einen alten Bau warf, der ein Dynamitlager beherbergte. Der Bau fing Feuer, welches schnell um sich griff. Bei der Bergung der Tynamitvorräte explodierte eine Dynamitpatrone, ohne jedoch Schaden anzurichten. Die Belegschaft der Reviere 4u nd 7 mußte gestern wegen der starken Rauchentwicklung feiern. Die Versuche, den Brand zu lokalisieren, blieben bisher erfolglos. Die Bemühungen wurden fortgesetzt Essen, 24. Jan. Im Anschluß an die gestrige Wahlrechtskundgebung kam es an der Segerothstraße zu einem Zusammenstoß zwischen Polizei und Publikum. Nachdem von johlenden halbwüchsigen Burschen einige Steine gegegen die Poltzeimannschaften geschleudert worden waren, ritten berittene Schutzleute in die Menge hinein und zogen blank. Eine Person geriet unter die Hufe der Pferde, mehrere andere wurden durch Säbelhiebe verletzt. Etwa 15 Personen wurden verhaftet. Nach dem Polizeibericht hätten die Demonstranten gestern beabsichtigt, die Kaiserparade der Kriegervereine zu stören. Lediglich der besonnenen Zurückhaltung der Polizei sei es zu danken, daß es zu ernsteren Ereignissen nicht gekommen ist. Ein Mann kam durch ein Schutzmannspferd zu Fall, ohne erheblich verletzt zu werden. Ruhrort, 24. Jan. Im Kaiserhafen brannte heute früh gegen 6 Uhr das Lager der Firma Zietzschmann vollständig nieder. Der Brand ist dadurch entstanden, daß gegen die polizeilichen Vorschriften, größere Menge Karbid dort lagerten, die sich selbs entzündeten. Der durch das Feuer entstandene Schaden beträgt 100000 Mk. Köln, 24. Jan. Während die Kölner Pegelhöhe seit gestern um 30 Zentimeter, auf 6.40 Meter zurückgegangen ist, setzte heute Morgen ein Schneesturm ein, der eine weitere Steigerung des ohnehin hohen Wasserstandes und die Gefahr weitere Ueberschwemmung befürchten läßt.— Im Vrrort Deutz sind große Dampfpumpen aufgestellt, um einer Hochwasserkatastrophe zu begegnen. Laut amtlicher Meldung zeigt der Oberrhein noch ein Steigen von Denket an die Zukunft Eurer Kinder! Schulkinder benötigen viel Energie und daher eine kräftige Nahrung. Ein Butterbrot zum Frühstück genügt nicht. Quaker Oats dagegen gibt Ihnen die erforderliche Kraft. Versuchet das auf jedem Paket aufgedruckte Rezept: „Für den Frühstückstisch“. Quaker Oats Bonn, 25. Jan. Weem Gelage des Korps bei ist keitens der Staat rende eine gerichtliche 1 Koblenz, 24. Jan. eter. Das Wasser fäll Mosel ist überschwen Erlahnstein aus den U Archtbares Schneegestöbe In Betrieb Andel=Zelti Kunst und — Berlin, 25. Jan. ###n üblichen Methode 1 Kind muß einen N spmet 1910 A genannt. #una wird dann später un die Kometen den #en, der zuerst ihre B is vorläufige Bahnbestin uich wird das Gestirn ligkeit noch bedeuten ie doppelte Lichtstärke lätigt sich also die An bummler zu einer S wird. Seine Bewe gerichtet, sodaß er ba faustreten wird. Dern Hamburg. 25. Jan herrscht ein heftiger S. ere See steht vor der Schiffe am Auslaufen it gestern Vormittag r. r Schneesturm hält mit enbahnzüge treffen mit mburg selbst hat der hgelassen, wenn auch d sen Stärke weht wie a nverkehr war währen ört. Cerbere, 24. Jan in de Codina in der ##en großen Umfang an. den Gemeinderat a a en worden. Wenn sic t ein schwerer Konfli sppen und Gendarmer gen. „Die schwarze H oßwardein erhielten i en Erpresserbriefe von Hand", Filiale Gr die geforderten stets ang es der Polizei ei er erpreßten Summe nun kam es an den Großwardeiner schu dritten Bürgerschulk den, daß sie sich dur hichten zu ihrer Gr ist die E Wer ge muß vor richten. schmecker seit 20 J Einen tüchtigen Pestenschneit suchen Rose& Cie., Westenhellweg aunse sauveres A Ankörn Ste Porzeugfabrik Eile Nohnul ueöst Ver. Mpril zu einem Szepw. unterhaleine Reihe Verfügung große Saal bis auf den en die schönsen, auf der iker und auch trugen ihr am Schlusse Dieckmann in Schilderung mochte. Nicht er der anerng wesentlich zerhaupt noch dem die Dawurden, benstag abendaus Anlaß festsitzung gen versprechen. angt, wie uns als Vorfeier nachgelassener rstaufführung. zenen Dichter I. SchauspielPublikum, in icher Mitgliein Szene und hat sich der lers gewählt. , d e r d e r e i 's ist. Woh Zwecken ei t. Dafür um ser ersten bis alle Vorzüge ißes Bühnenugendfrische in was uns an ins warm und nat in diesem jangenen Dichill der pietätIn den Hauptmit dem Daoß, sowie den Engelke, Kauf Schubert, und a den Händen Im Donnerstag “ a l s F e s t v o r diert in Szene. eses prächtigen ang. läßt wohl studierung vorod hat den i Stadtverordneelemann dahinen Herrn Mon1—4 der gebrochen. Es Schichtmeistets, Bau warf, der Zau fing Feuer, er Bergung der zuamitpat rone. Belegschaft der gen der starken che, den Brand glos. Die Be2 ikunft ! ergie und daher Jutterbrot zum Oats dagegen ift. Versuchet uckte Rezept: kstisch“. hats sie gestrige Wahlrothstraße zu eiund Publikum. Burschen einige geschleudert wore in die Menge geriet unter die irden durch Sävurden verhaftet. emonstranten geer Kriegervereine Zurückhaltung der ernsteren Ereign kam durch ein eblich verletzt zu erhafen brannte r Firma Zietschist dadurch entVorschriften, grödie sich selbs entstandene Schazentimetern. Aluch dort trat gestern Schneefanl " Gaun 25. Jan. Wegen der Ausschreitungen nach Lom Gelage des Korps am 4. Dezember in RüngsL= zu zeitens der Staatsanwaltschaft gegen 56 Stu rende eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet worLoblenz, 24. Jan. Die Rheinhöhe beträgt 6,11 PEPEPE Mosel ist überschwemmt. Die Lahn ist bei Nierlahnstein aus den Ufern getreten. Es herrschi rchtbares Schneegestöber. Die Moseltalbahn hat Betrieb Andel=Zeltingen wieder ausgenommen. Runst und Wissenschaft. Berlin, 25. Jan. Nach der unter den Astrono##n ütbichen Mechode wird der neue Komet— seZnd muß einen Namen haben— einstweiten shmet 1910 A genannt. Seine endgültige Bezeichzung wird dann später erfolgen. Gewöhnlich fühdie Kometen den Namen desjenigen AstronoI., der zuerst ihre Bahnelemente berechnet. Ei ## vorläufige Bahnbestimmung liegt bereits vor. Da#uch wird das Gestirn im Laufe des Monats an Uligkeit noch bedeutend gewinnen und schließlich pe opselte Aichsäcke eeigen vie gegenwictg, 6 ätigt sich also die Annahme, daß der fremde Welbummler zu einer Sehenswürdigkeit ersten Ranwird. Seine Bewegung ist zunächst nach Norgerichtet, sodaß er bald aus der Abenddämmerung kaustreten wird. Vermischtes. Hamburg, 25. Jan. Im ganzen Bezirk der Nordherrscht ein heftiger Schneesturm, Windstärke 8. Eine vere See steht vor der Elbmündung und verhindert Schiffe am Auslaufen; jede Fernsicht ist genommen. it gestern Vormittag ruht der gesamte Schiffsverkehr. Schneesturm hält mit ungeschwächter Kraft an. Die enbahnzüge treffen mit großen Verspätungen ein. In mburg selbst hat der Schneesturm gestern noch nicht gelassen, wenn auch der Sturm nicht mehr mit derden Stärke weht wie am Tage vorher. Der Straßenhnverkehr war während des ganzen Tages ernstlich kört. Cerbere, 24. Januar. Der Generalstreik in St. in de Codina in der Nähe von Barcelona nimmt en großen Umfang an. Der Gouverneur der Provinz den Gemeinderat abgesetzt und arretieren lassen. andere städtische Beamte sind ihrer Posten entben worden. Wenn sich die Stimmung nicht beruhigt ein schwerer Konflikt bevor. Verstärkungen von uppen und Gendarmerie sind nach dem Platze abgengen. „Die schwarze Hand“ in Großwardein. In oßwardein erhielten in jüngster Zeit zahlreiche Peren Erpresserbriefe von der„Vereinigung der schwerHand“. Filiale Großwardein". Aengstliche zahdie geforderten stets sehr kleinen Beträge. Gestern ang es der Polizei einen Knaben bei der Behebung er erpreßten Summe von 60 Kronen zu erwischen, nun kam es an den Tag, daß die gefürchtete Bande Großwardeiner schwarzen Hand aus 13 Schülern dritten Bürgerschulklasse bestand. Die Buben geden, daß sie sich durch die Lektüre von Nick=Carterhichten zu ihrer Gründung angeregt wurden. Letzte Telearamme. Die Gewerbeordnungsnovelle. Berlin, 25. Jan. In der kommenden Gewerbeordnungsnovelle, die dem Reichstag im Februar zugehen wird, soll das Lohnbuch zu einem Abrechnungsbuch umgestaltet werden. Daneben wird das Lohnzahlungsbuch für jugendliche Arbeiterinnen aufgehoben. Weiterhin unterstellt die Novelle auch die jugendlichen Arbeiterinnen dem Fortbildungsschulzwang. Ferner wird vorgeschlagen, daß durch Beschluß des Bundesrats auch Bestimmungen über das Verhalten der Arbeiter im Betriebe erlassen werden können. Schließlich werden die Befugnisse der Abgrenzung der täglichen Arbeitszeit, die bisher lediglich dem Bundesrat zustand, auch den zuständigen Polizeibehörden auf dem Wege der Einzelverfügung überlassen. Für die geheime Wahl. Kiel, 24. Jan. Der Verband schleswig holsteini scher Bürgervereine hat den Kieler„Neuesten Nachrichten" zufolge beschlossen, sofort nach Bekanntwerden der preußischen Wahlrechtsvorlage einen außerordentlichen Verbandstag nach Altona einzuberufen und für die geheime Stimmabgabe einzutreten, die die geheime Wahl für die städtischen Wahlen nur zu erreichen ist, wenn das Landtagswahlrecht die geheime Stimmabgabe enthält. Die englischen Parlamentswahlen. London, 24. Jan. Nach den bisher vorliegenden Wahlergebnissen sind gewählt: 221 Unionisten, 204 Liberale, 33 Mitglieder der Arbeiterpartei und 69 Nationalisten. Die Unionksten gewannen 101, die Liberalen 17 und die Arbeiterpartei 2 Sitze. Schatzkanzler Lloyd George ist in Carmovos mit 3183 Stimmen wiedergewählt worden. Der unionistische Gegenkandidat Vinzent erhielt 2105 Stimmen. Im Jahre 1906 betrug die Majorität für Lloyd George 1224 Stimmen. Vom widerspenstigen Prinzen. Belgrad, 24. Jan. Prinz Geora, dessen zeitweilige Dienstunfähigkeit ärztlich festgestellt wurde, erklärte gestern abend dem Könige, daß er dem Beschluß der Regierung wegen seiner Versetzung nach Gornji Milanowac nachkommen werde. Türkisch=bulgarischer Grenzzwischenfall. Saloniki, 24. Jan. Bei dem Blockhaus Pagviiords beschossen sich gestern türkische und bulgarische Grenzposten mehrere Stunden lang. Auf türkischer Seite wurden zwei Mann gerotet und drei Mann verwundet. Lurzeit herrscht Ruhe. Blutige Kämpfe zwischen persischen Sekten Petersburg. 24. Jan. Wie aus Neubuchara vom 23. Januar gemeldet wird, finden in Buchara schon zwei Tage hindurch blutige Zusammenstöße zwischen Sunniten und Schiiten statt. Auf beiden Seiten wurden Personen getötet. Einige persische Läden wurden geplündert. Die Urheber der Unruhen, sunnitische Studenten, ziehen hausenweise durch die Straßen und haben es auf die Perser und schiitische Beamte abgesehen. Sunniten strömen aus der Umgebung nach Buchara und fordern die Absetzung des Statthalters. Auf Bitte der bucharischen Regierung wurde eine russische Truppenabteilung nach Neu=Buchara entsandt. Nach den letzten Nachrichten aus Neu=Buchara hörte das Morden dort gestern abend auf. Die Zahl der Getöteten beträgt etwa 100. Zum Schutze der russischen Institute, Banken und Transportkontors in Alt=Buchara sind russische Schildwachen aufgestellt. Neues von der Prinzessin Luise. Paris, 24. Jan. Der Advokat der Prinzessin „u.1e hon Koburg, Visontal, droht nach einer Meldung im„Matin“ mit der Aufrollung eines Familienskandals, wenn Philipp von Koburg auf seiner Halbmillionen=Forderung beharre. Der Inhalt der Papiere, die 1905 infolge des Ausgleichs unter den Auspizien des Kaisers Franz Josef in Wien verbrannt worden sind, könne jeden Augenblick der Oeffentlichkeit übergeben werden. Das Hochwasser in Frankreich. Paris, 24. Jan. Seit Sonntag abend schneit und reqnet es abwechselnd. Der heutige Wasserstand ist seit 1876 nicht mehr erreicht worden. Ein weiteres Steigen der Seine ist angekündigt, da die Nebenflüsse Marne, Yonne und Grand Marie noch steigen. Mehrere Seinebrücken innerhalb Paris stehen beinahe ganz unter Wasser und die Ingenieure befürchten, daß nicht alle dem Druck des Wassers widerstehen werden. Infolgedessen wird das Passieren mehrerer dieser Brücken heute untersagt werden. In der Vorstadt Auteuil drohen mehrere Wohnhäuser einzustürzen. Viele Einwohner mußten bei Nachbarn Zuflucht suchen. Der Bahnhof St. Michel steht etwa 18 Zentimeter unter Wasser. Der Pariser Gemeinderat hat eine Unterstützung von 25000 Frank bewilligt für die infolge der Ueberschwemmungen arbeitslos gewordenen Hafenarbeiter, Badehausangestellten, Verlader usw. Der Generalrat wird ebenfalls eine Unterstützung gewähren. In Aix Les Bains ist die Seine aus ihren Ufern getreten und viele Villen sind von Wasser umgeben. In Allemont sind zwei Wohnhäuser eingestürzt, sechs drohen noch einzustürzen. Soldaten beteiligen sich an den Rettungsarbeiten. Im Departement Aube ist der Eisenbahnverkehr größtenteils unterbunden. Die Rhone, Loire, Marne, Aube und Maas steigen immer noch. Zahlreiche Fabriken mußten den Betrieb einstellen, die Verproviantierung erfolgte mittels Booten unter großer Gefahr, da die Strömung eine sehr reißende ist. Paris, 24. Jan. Ganz Chalons fur Saone steyt unter Wasser. Zwei Personen sind bei den Rettungsarbeiten ertrunken. Viele Leute haben sich auf die Dächer der Häuser geflüchtet und rufen verzweifelt um Hilfe. Dampfboote zur Hilfeleistung sind ausgesandt. Paris, 25. Jan. Der Bewohner der Seinequartiere von Paris hat sich eine große Panik bemächtigt. Der Fluß steigt unausgesetzt. Gestern war er bis zu der bisher unerreichten Höhe von 25 Fuß gestiegen und heute dürfte die Seine infolge der andauernd niedergehenden Schnee= und Regenmassen weiter anschwellen. Die Bewohner flüchten aus ihren Häusern. Die Fluten reichen auf grosen Strecken bis ins zweite Stockwerk. Auf zahlreichen Brücken mußte der Verkehr eingestellt werden, da sie einzustürzen drohen. Die Untergrundbahn am Quai d’Orsay und auf der ganzen Strecke bis zum Bahnhofe Austerlitz drang gestern Abend Wasser ein, sodaß der Verkehr eingestellt werden mußte. Auch der Tunnel der Orleansbahn steht unter Wasser. Eine unangenehme Folge des Hochwassers ist der Mangel an Trinkwasser, der sich seit gestern fühlbar macht. Die Wasserwerke sind geschlossen, da die Fluten in die Maschinenräume eindrangen. Die städtischen Wasserreservoire enthalten nur noch geringe Vorräte. Die Behörden haben Anordnungen getroffen, um die drohende Wassernot nach Möglichkeit zu mildern. Die Reinigung der Straßen durch Wasser wurde eingestellt. Die Hydranten sind geschlossen worden. Der Magistrat hat einen Aufruf an die Bevölkerung erlassen, mit dem Wasser sparsam umzugehen. Wahrscheinlich kann die Kammer einstweilen keine Sitzungen abhalten, da die Kellerräume des Palais Bourvon, in dem sich die Kammer bejindet, überschwemmt und die Maschinen und Beleuchtungsanlagen unbrauchbar geworden sind. Hochwasser- und Sturmkatastrophe. London, 25. Jan. Heftige Stürme wüteten gestern an der englischen Küste, bei einer Temperatur, die sich unter dem Gefrierpunkt hielt. Der Eisenbahnverkehr hatte mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Ein großes Segelschiff strandete an der irischen Küste und ging unter. Die Mannschaft sprang über Bord und erreichte in einem kleinen Bout das Land. Der Dampfer„Trovethoc“, der Brarry am Sonnabend mit der Bestimmung nach Buen#s Aires verlassen hatte, stieß mit dem beutschen Dampier „Frascati“i der ihm Hilfe bringen wollte, zusammen. Beide Dampfer wurden schwer beschädigt. An der schottischen Küste wurde gestern Nachmittag ein großes Wrak gesichtet. Man befürchtet, daß ein großes Schiff im Sturm untergegangen ist. Biaritz, 25. Jan. In der Bay von Biscaha brach gestern nach schönstem Wetter plötzlich ein be#tiger Sturm aus. Das Befinden der Zarin. Petersburg. 25. Jan. Die französischen Blättermeldung, wonach die Zarin sich in gesegneten Umständen befinde, ist durchaus falsch. Ihr Allgemeinbefinden hat sich etwas gebessert, ist jedoch noch unbefriedigend. Petersburg im Ausnahmezustand. Petersburg, 25. Jan. Der Zustand des„auberordentlichen Schutzes“ ist für Petersburg um sechs Monate verlängert worden. Im Elite=Theater, Westenhellweg 82a, wird stets ein durchweg neues und da auf Familien= besuch gerechnet wird, dezentes Programm vorgeführt. Außerdem werden höchst belehrende und interessante Experimente mit flüssiger Luft ausgeführt Der Besuch ist sehr zu empfehlen. Im Olympia=Theater gelangt heute Dienstag abends 8 Uhr„Die Dollarprinzessin“. Operette von Leo Fall zur Aufführung, welche am vergangenen Sonntag bei total ausverkauftem Hause einen unbeschreiblichen Erfolg errungen hatte. Morgen =„=:- Uhr„Die Dollam“ Mittwoch abends 8 „Die Dollarprinzessin“. Im„Slucher“,„Münsterstraße 77, findet Mittwoch wieder karnevalistischer, humoristischer FamilienAbend. verbunden mit Tanz=Reunion, bei freiem En tree statt. Die Musik wird vom Münchener Musikund Gesangs=Ensemble„Goldklang“ ausgeführt. Donnerstag ist die 5. karnevalistische Fremdensitzung der „Nördlichen Karnevalsgesellschaft“. Die verehrl. Hausfrauen werden gebeten, sich bei ihren Sinkäufen stets auf das„Dortmunder Jageblatt“ zu beziehen. Verloren ist die Gesundheit leichter als wiedergewonnen. Wer gesund werden und bleiben will, der muß vor allem seine Lebensweise danach einrichten.— Durchaus unschädlich, dabei wohlschmeckend und außerordentlich billig ist der seit 20 Jahren bewährte Kathreiners Malzkaffe. Vorsicht vor Nachahmungen! Kathreiners Malzkaffee ist nur in echt geschlossenen Paketen mit Bild des Pfarrer Kneipp.:::::::::::::::: Entzückende Pariser OrisinalBekanntmachung. Einen tüchtigen suchen Rose& Cie., Westenhellweg. tast, an seuderes Arbeiten nkörner ptefens, Nölle& Cie., .. G. m. b. H. Brückenban, Stoppenberg bei Essen. schtiger, jängeter Gesenkmacher Pprzeugfabert Eilenach. ohnung Vori Sri. und Zubehst Zum sofortigen Eintritt suche ich eine tüchtige. eveng. zweile Arbeiterin für mein Putzgeschäft. Offerten mit Angabe der Gehaltsansprüche bei freier Station u. Jahresstellg. F W. Zimmermann Bergneustadt, Kölnerstr. 117 Abgeschlossene per sofort oder später zu vermieten. Näh. Blumenstr= 40. I, links Abgelchl. Etage, 4 Zim. Speisek. u. sonst. Zubehör, elektr. Licht u. Kochgas, an kl. Familie p. 1. April zu verm Weißenburger Str. 33. Schön möbl. Zimmer mit Frühstück, an bessern Herrn sosort oder später zu vermieten. Hohestr. 13, 1. Hochherrchaftliche I. Etage, 7 Räume mit allem Zubehör, der Neuzeit entsprechend eingerichtet, zum 1. April zu verm. Beurhausstraße 58. 3.Etage, 4 Zimmer. Küche mit allem Zubehör, zum 1. April zu vermiet. Wittekindstr. 14, pt. I. Etage, 4 Zimmer u. Küche# 1. April zu vermieten. Hamburger Straße 54a. 3. Etage, Arndtstr. 6. 6 Zim., Badezim. Speisek, Ver. Erker, 1 Man. z. 1. April ev. früh. zu verm Näheres Hamburgerst. 79. für Straße, Gesellschaft und Ball werden zu soich niedrigen Preisen abgegeben, daß diese auch nicht annähernd der Kostbarkeit dleser Toiletten entsprechen! Fortsetzung des grossen InsenturAusverkauts zu staunend billigen Preisen. Diese Woche haben neu ausgelegt: Riesen= Kloiderstoffen schwarze. posten in Rleiderstonen, u. farb. Sachen für Konfirmanden u. Kommunikanten weit unter Preis Vierteljahr— erinnert. Dortmund, Beteustr. 9. 28—9— Wäsche zum Glanzbügeln wird angenommen. Heroldstr. 12, II. Etg. Bosten karierte Kleiderstoffe, zum Teil An Zahlung der Steuern für das IV. Januar bis März d. I.— wird hierdurch Ständige Zahlstellen befinden sich: a) Berswordtstr. 2(Hauptsteuerkasse) vont 8. 19 b) Nordstr. 13(Nebenkasse ztags und 3—5 Uhr nach Rheinschestraße 58(Rebenkass) Sonnabend Nachmittage. Ferner können die Steuern gezahlt werden am 8. und 15. Februar in der Wirtschaft Woltes in Körne, szwie am 12., 14, 15., 16., 26. und 28. Tebru r und am 1. März in Dreinhöfer, Rheinischestraße Nr 14 und J. Korlmann. Wambeler= straße Nr. 4, jedesmal des Nachmittags von 2—5 Uhr. Die im nördlichen bezw im westlichen Stadtteile wohnenden Steuerzahler werden gebeten, ihre Steuern möglichst bei den obenbezeichneten Nebenkassen ihres Stadtteils einzuzahlen. Die Vollziehungsbeamten sind zur Annahme von Geldbeträgen nur bei der Ausführung von Pfändungen und Versteigerungen ermächtigt. Wir bitten, die Zahlung möglichst bald vorzunehmen da sonst die Steueriaher unter dem starken Andrang bei den Kassen zu leiden haben und Zeit verlieren. reine Wolle pro Meter 1.25, 95 u. 79 Pfg. Uusere Auswahl in Kleiderstoffen ist sehenswert und für jede sparsame Hausfrau unbedingt zu empfehlen. Neu eingetroffen: Einige 190 Ceupons prachtvolle Neuheiten für Knaben-Anzüge 3 rlesig billig! Dortmund, den 24. Januar 1910. Der Magistrat. Eichhoff. Reste! Reste! von Weiß= und Baumwolldaren, Kleiderstoffen, Biber, Schürzenstoffe, Hondtuchgebild, Samt= u. Manchester, Buckskins für Herren=unzüge Alles enorm billig. Kein Laden, daher so billige Preise. esiteiger Gebr. Bär nur 1. Etage Dortmund, Brückstr. 7 Friedhof=Ecke(im Mittelpunkt der Stadt). Zeitungs-Ausschnitte liefert im Original über jedes Gebiet für Gelehrte, Künstler, Schriftsteller, Fachzeitschriften, Finanziers. Grossindustrielle, Behörden etc. etc. das bestorgani—— sierteste Bureau sofort nach Erscheinen—— Klose& Seidel, skre für Zeitungs-Ausschatte. Berlin NO 43, Georgenkirchplatz 21. Prospekte und Zeitungsliste gratis! Erste Referenzen: Kisten 1 C. Racker. der Art, Reinsten bi2 größten Sorten, fertig owie zuge chnitten, Verschlußkisten, Trockenrahmen Flaschenkasten, Holzwolle, MassenArtikel in Holz m. gmpfiehl;, allerbilligs Grosse Destsche Danpfischerei-Gesellschaft „Kordsee“ Gerberstraße 1-4. Bheinlischestraße 11. grüne Heringe heute eintreitend 28 5 Pfund 45 Pfg. Unser bekannt großer Inventur-Ausverkau bietet ganz bedeutende Preis-Vorteile! Nleu-Auslage hervorragend billiger Gelegenheits-Postel in allen Abteilungen. Huslage großer Posten Weiß-, Leinen-, Raumwollwaren, bewährte Fabrikate. Enorm billiges Angebot in Damen-Wäsche nur solide gute Qualitäten. Damen-Hemden Schulterschluß mit gestickter Passe oder Shawlpasse mit Feston Damen-Hemden Border: u. SchulterVorder= u. Schulterschluß, 4 verschiedene Fassons Damen-Hemden Schulterschluß mit echter Madeira=Passe oder viereckigem Ausschnitt mit breitem Feston Damen-Hemden Vorder= u. Schulterschluß, in vielen eleganten Macharten Damen-Beinkleider Eroise, arsge: bogt oder Hemdentuch mit breitem Feston=Volant Damen-Beinkleider Eroß, eeraubt Hemdentuch auch Kniefasson mit Feston Damen-Beinkleider Eroß,“ ober Heudenkuch, mit Einsatz und Feston vei Croise, mit Damen-Nachtjacken weiß Festonzacke Damen-Nachtjacken er geraubt Croise, mit Umlegekragen. Fältchen und Lochseston pr. gerauht Damen-Nachtjacken Croise, mit Umlegekragen und breitem Feston in verschiedenen Macharten Ein großer Pestposten angestaubte Damenwäsche weit unter regulären Preisen. Zett-Wäsche Kissenbezüge zuch Fäiligem Bäsche. 46 g. Kissenbezüge gets:--l-Zuventattr. 76 gl. Kissenhozüing brima Hemdentuch mit Kissenbezuge Rosenzacke ausfestoniert 08 Inventurpreis 90 Pf. Paradokissen Ia. Louisianatuch mit Parädenisson eleg. Durchbrüchen und Rosenzacke Jnventurpreis Ueberschlag-Bettücher Creas, Gr. 150/225 Ctm. m. Hohlsaum Inv=Pr. Weisse Bettbezüge Größe 130/200 Ctm. gutes Hemdentuch mit Rosenzacke, ausfestoniert,„. Inventurpteis Mehrere Hundert weit unt. Preis auf Extratischen ausgel. Englisch-Tüll, Kreuz-Tüll, Everlasting, Kombination und Erbs-Tüll in modernster Ausführung. per Fenster, 2 Shawls Serie II serie III Serie 10 1.85 3.95 6.75 8.50 Große Posten Kleiderstoffe fabelhaft billig! Posten 1: Hauskleiderstoffe in schöner Ausmusterung, solide Qualitäten, sowie Blusen=Popelines in modernen Streisen Inventurpreis Meter Pf. Posten 2: Kostümstoffe zibelincartig. in Diagonal, eleganten Streifen und englischen Mustern Reinw. Cheviots in all. Farben, sowie Blusenflauelle darnnter vorzügl. reinwollene Oalitäten: Inventürpreis Meter Pf. Posten 3: Kostünstoffe, 110 Ctm. br. vorz. Qual. Schwere reinwoll. Cheviots in all. Farben, sowie Elegante reinwoll. Blusenflanelle Inventurpreis Meter Hervorragende Leistung. Cachemire-Direktoire schwere glanzreiche Ware in schwarz marine, braun, grün u. seinen Modefarben.. Inventurpreis Meter Mehrere Tausend Meter Stöffe Cheviot, Satintuch, Crepe=Mohair, Kammgarnstoffe usw. nur gute reinwollene Qualitäten Serie 1 Serie 2 Serie 3 Serie 4 Pf. Mk. 1.35 m 1.75 m. 2.45 Auslage von über 3000 Schürzen ganz bedeutend unter Preis. Serie 1: Damen=Mieder= u. Reform=Träger=Schürzen aus guten Siamosenstoffen in hübschen Macharten Einheitspreis Serie 2: Damen=Luisen, Mieder=, Resorntund Träger=Schürzen aus besten Siamosen= und Satinstoffen in modernsten Ausführungen Einheitspreis Serie 3: Damen=Kimono-, Luisen-, Mieder-, Empire=, Resorm= und TrägerSchürzen aus ganz vorzügl. Siamosenund Satinstoffen, mit elegantesten Garnierungen.... Einheitspreis Damen-Zier-Schürzen weiß u. farb, a. hübschen Ajourund Satinstoffen Serie 1 38 Setie 2 65, Stück 90 Pf. Stück 00 Pf. Diese Schürzen haben größtent. das Dopp. gekostet Ein groß. Posten Mädchenschürzen aus besten Siamosenstoffen, hochmoderne Muster in sehr hübschen Macharten, für das Alter v. 4—13 Jahren..... Einheitspreis Knaben-Schürzen Satin= und Köpzerfofte darunter originelle Neuheiten Serie 1 Serie 2 Serie 3 48 Pf. 66 Pf. 95 Pf. Meyer& Günther 725 6 Dortmund Steinplatz. Telephon 325 # Gastspiel Wiener Operetten-Ensemble. Heute Dienstag. abends 8 Uhr Die Dollarprinzessin Opcrette in 3 Akten von Leo Fall. Morgen Mittwoch: Dollerprinzessin. Verein Rheinland wan Gewerbeverein. Diese Doche nicht Donnerstag sondern Dienstag * den 2s. Januar, abends 8½ Uhr Grosse Festsitzung mit Kaisersgeburtstags-Feier. 91 Der kleine Rat: Jean Wirtz, Prälident. HHEEEEGEHPMETEETGEEE Stadttheater Dienstag, den 25. Januar 1910 B. 31. 7½—10 Opernpreise Zum 1 Male: Werther Lyrisch. Oper in 3 Aufzügen von J. Massenet. Mittwoch, den 26. Januar 1910, C 307½—10¼ Schauspielpr. Zum 1. Male: Der deutsche König. Schauspiel, 5 Aufzügen von E. von Wildenbruch Lehrer-Gesang-Verein Dortmund Haupt-Versammlung Donnerslag, d. 27. Jan., abends 7 Uhr im„Schwarzen Raben“. anschließend 8½ Uhr: Kalsers-Geburtstags-Feler (Pfefferpothast-Essen) Passiv-Mitglieder frdl. eingeladen. Tischkarten(1.50) im Schwarzen Raben. 148 Zum Blücher“ 77 Münsterstrasse 77. Mittwoch, den 26. cr.: karnev.-humor. Familien-Abend 7267 verbunden mit Tanz-Rennion bei freiem Entree. Täglich abends Künstler-Konzert Donnerstag, den 27. Junuar 1910: Grosse 7257 Kaiser-Feier Elite-Theater Westenhellweg 82 a. Dortmunds vornehmstes Kino-Theater. Von Sonnadend, 22., bis einschl. Dienstag. 25. Januar. Neues unterhaltendes und dezentes Programm. Außer dem Programm: 189 Experimente mit Hüssiger Luft. Die Kalkfabrikation. Belehrend und höchst interessant! Täglich grosse Elite-Konzerte. Henning 1000 Kisten Sprottbückinge per Kiste SS Pig. Neu eröffnete Filiale! R. Bülle& Co. Färberel und Chem. Reinigung. Höchste Leistungsfähigkeit! Gauz vorzügliche Ausführung! Schnellste Lieferung! Hörde, Chausseestrasse Nr. 55, — neben Hörder Hof.— 145 Neu eröffnete Filiale! Schirme in reicher Auswahl sehr preiswert. Reparaturen und Neubeziehen billig und exakt. Diekmann Wißstr. 21. Fernruf 990. Geld-Dariehen kenräc.: zahlung, gerichtl. nachgewiesen reell, Selbstgeber Diesner Berlin 81. Belle=Alliancestr. 67. Rückporte. 6845 EEAAITT Lieferung sämtl. Drucksachen schnell und billig die Buchdruckerei dieser Zeitung. Süße Pflaumen p. Pfd. 17 Pf., große Linsen p. Pfd. 10#. Rüböl, hell, p. Ltr. 55 Pf., Butteröl, feinstes v. Ltr. 73 P# Sardinen Faß 1.28 Mk., Bratheringe, gr. Dose 2.30 M. Heringe p. Dtd. 39 Pf., Haferflocken p. Pfd. 20 P. ImporthausF. Weus 73 Westenhellweg 73. Ioserate für DulsburH Frdenüishl.2. Echo vom Niederrhein, Dulsburg. Zellenpreis 15 Pig. Wohnungs- und Stellenanzeigen!# Diensta 25. Janu Zweites Auf Die herrschende Orthod dem stets weiter verbre Wissenschaft und vor d 40. Der Namen Rau stand ihm daß man Funden. Ein Bl man ha sonst niemank keiselbst in Ohum Fürst Bernha guerita melden, bewande, bleich Ihrem Tisch. Sch Fin uumwunde gelten:„Mein L mit denen nverbesserlich; goren, und mein eine Lebensweise wandte mich an nionen retten so verschmäht. Ohn geraten, die mei gen, sogar geste weil sie wußten, schlag belegt ist, mich ein Ekel r Nlacht umher. In zu machen, und gein. Niemandn und die mag ihr Sleinen armen 2 per gemacht, bit großen Hoffnung gu ersüllen verm die Flucht vor gor mir selbst. „Trauria #mick. In d laute F in hochelegas 3000 Preis. Trätoffen preis drntrnsten Spreis der-, gerlosenarniespreis ürzen Serie 2 Stack 65. s Dopp. gekostet fürzen ne Muster Alter v. heitspreis schönen„Siamoser, 1= und Köperstoffen heiten Serie 3 95 Pf. Kun lephon 325. 6 Konzerte. Ing stbückinge Linsen p. Pfd. 10## feinstes v. Ltr. 73 P. se, gr. Dose 2.30 M. cken p. Pfd. 20 P. ENen veg 73. Jauen rrhes wes 1aelc n, Dulsburg Stellenanzeigen 10 FP Dienstag, m 25. Januar 1910. Zweites Blatt. Dortmunder Tageblatt. Nr. 20. 27. Jahrgang. Aufruf! Die herrschende Orthodorie fühlt, daß ihre Macht dem stets weiter verbreiteten Wissen, vor der Macht Wissenschaft und vor dem Bedürfnis nach Freiheit in der Religion dahin schwindet. Deutlich zeigt dies die wachsende Gleichgültigkeit und Abneigung gegen die Kirche und die starke Austrittsbewegung. Aber statt zu begreisen, daß Bekenntniszwang und bürokratische Bevormundung den Grund dieser Erscheinung bilden, statt also der Freiheit Raum zu geben, glaubt das herrschende Kirchentum das Heil zu finden in verschärfter Anwendung dieser Mittel. Die Macht, die noch in seinen Händen liegt, wird verstärkt angewendet gegen alles, was liberal erscheint. Das Irrlehregesetz, dessen Ausdehnung auf die neuen preußischen Provinzen und andere Bundesstaaten befürchtet werden muß, soll der Orthodorie ein neues Mittel des Zwanges bieten. Eine starke liberale Bewegung muß die bedrohten Gemeinden und Geistlichen schützen. Der Deutsche Protestautenverein ist von seiner Begründung an durch Wort und Schrift in Versammlungen und in Gemeindekörperschaften eingetreten für protestantische Freiheit und Frömmigkeit, für die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung und der Verkündung ihrer Ergebnisse auf der Universität, von der Kanzel, und im Unterrichte der Schule, sowie für ein unabhängiges Gemeindeleben. Insentur-Ausverkauf Kleiderstoffe AusserSewöhnlich früher Mk. 5,50 Diagonal 130 cm breit, für Jackenkleider.. jetst MK. 2.50 früher Mk. 4.00 Homespun 110 cm breit........ ieuzt Mk. 1.90 : f r ü h e r M k. 4 7 5 Diagonal nopos............. jetst Mk. 1.95 früher Mk. 3.50 Mk. 2.25 früher Mk. 4.50 bis 6.00 Mk. 2.25 Damentuche neue Farben...... jetzt früher Mk. 4.25 bis 6.76 Sommerstund Ia Qualitäten "" jetat Mk. 2.25 früher Mk. 2.50 Panama moderne Farben ZVbeilne parter Kostümstoff Blusenstone............. Jeis Mk. 1.50 ****** jetzt "" j e t z t früher Mk. 6.50 Mk. 3.50 Ein Posten Velvets früher Mk. 1.75, 2.75, 3.75 4,50 u. gerippt, alle neue Farben jetzt Mik. 1.00 1.50 1. 75 2.00 Schwarze Stoffe für Konflirmanden u. Kommunikanten 95 pr. 1.25 1.50 2.25 u. 4.50 Preise. Wasch-Unterröcke Serie I1 Serie III neue Ausmusterung" Mk. bess! 2.75 3.25 3.75 506 Damen-Waschblusen neue Modelle für Sommer 1910 " besonders preiswert.— Bielefelder Reste Taschentücher 6on 7 25 reinleinen" 46 cm gross U.SU 50 cm gross Madeira-Taschentücher 65 pe. handgestickt mit einer Ecke ******* Damen-Strümpfe Herren-Socken Kinder-Strümpfe Ein Posten schwarz, lederfarbig und bunt 20 Prozent im Preise ermässigt. Halbfertige Roben in Ponge, Batist, Chiffon, für die Hälfte des Preises. * AlotaAAANNnnnnnnnttttttn Kunst geweiht. Roman von Lothar Frey 26 Den Namen Gumberto vernehmend, horchte er auf. Nan stand ihm Rede; der Wirt selbst kam, ihm zu erzahlen, daß man den Sänger tot in seinem Zimmer gekunden. Ein Blatt Papier habe vor ihm auf dem Tisch belegen, man habe es Fräulein Marquerita überbracht, Pasonst niemand im Hause Italienisch verstehe, und diese selselbst in Ohnmacht gesallen, als sie es gelesen. Fürst Bernhard behielt seine Ruhe, ließ sich bei Marblietitg melden, und diese empfing ihn, noch im Hausseidande, bleich und verstört. Das Blatt Papier lag auf sstemn Tisch. Schweigend deutete sie auf dasselbe. Es war Emmmmpundenes, offenes Bekenntnis eines Verzweip#ien:„Mein Leben ist die Schulden, die Reue nicht mit denen ich es bezahlen soll. Mein Leichtsinn ist nverbesserlich; ich habe die letzte Macht über ihn verund meine Stimme ist nur noch zu retten, durch „Lebensweise, die ich nicht würde führen können. Ich mele mich an einen Engel, der mich vor den DäW#ien herten sollte, in deren Gewalt ich bin, und ward ###0 Syne Halt mehr, in die Hände von Lumpen enten, die meinen Leichtsinn ausbeuteten, mich rupfhai### dar gestern abend wagten, mich auszuschließen, n siewußten, daß sogar meine Gage schon mit Benich ai a# ist, daß ich kontraktbrüchig geworden, weil ###.*##kel vor meiner Kunst erfaßte, irrte ich diese acht umher. In derselben reifte mein Vorsatz, ein Ende ui. michen, und das wird in wenigen Minuten geschehen Nlemand weiß, wer sie ist, die ich liebe, nur eine, „. ie mag ihr sagen, daß ich ohne Groll von ihr scheide. Tarmen Vater, dem ich als Knabe schon viel Kumrovon##et vile ich um Verzeihung dafür, daß ich die Höffnungen, die er dennoch auf mich gesetzt, nicht sie Tu#ten vermochte. Für mich gibt es nur eines noch: ür min#### dor meiner Schande, meinen Gläubigern, or mir selbst. Guido Gumberto.“ ##Kkafiria!“ Der Fürst legte das Papier auf den Tisch 80 7 Dem Augenblick vernahm Margnerita eine m hochers Frauenstimme, und herein trat die Schwester Velegantem Straßenanzuge, mit großen, erstaunten Augen, hochgerötetem Gesicht, hinter ihr trat Meinhard durch die Tür. „um Gotteswillen, was ist denn das hier im Hause!" rief sie aus.„Alles im Durcheinander! Die Dienerschaft kümmert sich um niemand. Krankenträger begegneten uns auf der Treppe mit einer verdeckten Bahre.. Ah!“ Sie gewahrte den Fürsten, erkannte ihn wieder und machte überrascht eine Verneigung. „Meine Schwester!" stellte Marquerita sie vor.„Sie ist gestern erst eingetroffen. Seine Durchlaucht Fürst.: „O, wie ungeheuer interessant!" Stella warf ihr einen ironischen Blick zu.„Mein Verlobter!" stellte sie Alfred Meinhard vor.„Wir kommen Dir guten Tag und gleich Adieu zu sagen,“ fuhr sie in ihrer ungenierten Weise fort. „Wir reisen nämlich heute abend noch, um uns trauen zu lassen. Alfred will es so!.. Aber Du stehst so verlegen, so verstimmt aus!.. Stören wir etwa?“ Marguerita fühlte sich verletzt durch diese Frage. Sie trat zum Tisch und reichte ihr das Blatt, während der Fürst, der zurückgetreten war, das junge Paar musterte. Ungeduldig schaute Stella auf das Papier.„Darf ich es lesen?“ fragte sie.„Ah, von Guido Gumberto! Alfred sagte mir schon von ihm!“ Sie überflog die Zeilen. „Schade um den schönen Sänger!“ Ziemlich gleichgültig gab sie das Papier zurück.„Aber wir wollen nicht länger stören. Wir haben noch so viel zu besorgen. Wir sehen uns ja wieder. Du kannst Dir denken, wie voll ich meinen Kopf habe. Leb' also wohl! Mag es Dir gut ergehen!" Sie umarmte die Schwester, verneigte sich vor dem Fürsten und zog Alfred mit sich hinaus. „Ich fürchte, sie begeht einen großen Leichtsinn!" seufzte Marguerita. „Sie wissen, daß mich alles interessiert, was Sie und Ihre nächsten Angehörigen betrifft. Marguerita!“ Er trat zu ihr und ergriff ihre Hand.„Ich weiß sogar, daß Sie dieses Haus verlassen wollen. Wohin gedenken Sie, die Sie so ganz auf sich selbst angewiesen sind...“ Sie erzählte ihm von ihrer Freundin, und er billigte ihre Absicht. „Ich habe ein ernstes Wort mit Ihnen zu sprechen,“ fuhr er fort.„Sie sind keine Künstlerin in des Wortes gewöhnlicher Bedeutung. Vor diesem da,“ er deutete auf den Tisch,„hat Sie der Takt, die Vorsicht Ihres Herzens, von der ich nicht so ganz überzeugt war, gehütet, ich lernte Sie erst ganz kennen, als ich Sie in einer so ernsten Lage ihm gegenüber sah!“ Er preßte anerkennend ihre Hand. „Ist Ihnen Ihr Beruf nun ein so hoher und befriedigender, trotz bitterer Erfahrung, daß Sie ihn nicht aufgeben wollen? Sonst würde ich Ihnen einen anderen Vorschlag machen! Sie sind Waise, trotz jener Frau, um derentwillen ich mich heute zum Polizeiamt begab. Ihr Gemüt soll nicht verletzt werden durch die Nachricht von dem, zu welchem sie, einst eine beliebte Künstlerin, in ihrem allmählichem Versinken fähig geworden. Sie sind Waise, denn sie wird ihre Schuld büßen müssen, verlangen Sie nicht zu hören, welche!" Er nahm auch ihre andere Hand, während sie schweigend, mit gesenktem Haupte dastand, doch fühlte er, wie diese bebte.„Auch ich, Marguerita, bin keiner unserer heutigen, landläufigen jungen Männer fürstlichen Geschlechts. Ich habe während der Wintermonate, welche ich, der gesellschaftlichen Unruhe ausweichend, in meinem Schlosse in Steiermark verbracht, mich so wohlgefühlt auf der Jagd, im engsten Anschluß an die Natur, im Genuß unserer großen Familienbibliothek und der Kunstsammlung, die ich meinem Vater verdanke, daß ich Sehnsucht dahin zurückempfinde. Wollen Sie nun diese kleine Hand,“ er führte sie an seine Lippen,„für immer, für das ganze Leben mir überlassen, wollen Sie meine schöne Schloßherrin werden? Ichglaube, ich bin überzeugt, wir könnten glücklich sein, denn auch Ihre schöne Kunst zu üben sollen Sie Gelegenheit haben angesichts eines Kreises von lieben Menschen, die in unseren Bergen diese Kunst zu würdigen verstehen.. Sagen Sie ja, Marguerita! Ich bin unabhängig und verlange, nachdem ich die Welt genugsam kennen gelernt, nun nach einem glücklichen Heim. Sie schweigen?“ Er richtete ihr Antlitz zu sich auf und sah es bleich, tiefbewegt, sah ihre dunklen Augen sich feuchten, ihre Lippen erbeben, die keines Wortes fähig. Und dann begehrte er keine Antwort mehr. Er umschlang sie und bedeckte ihre Stirn und Mund mit Küssen. Fünf Jahre waren seitdem verflossen. In den steierischen Bergen erschallte, als eben die Sonne sich über die steilen Gipfel senkte, in dem weiten Tal, in dessen Mitte sich das romantische Schloß des Fürsten Vernhard erhob, das Halali, und das rief eine junge Frauengestalt, die an jeder Hand ein blühendes Kind führte, auf den unteren Söller.. Marquerita, frischer und schöner als je in schwarzem Seidengewand, ein Flortuch um den Scheitel, das sie vor dem schon scharsen Abendwind schützte. Die Kinder jubelten, sie selbst schwenkte ein Taschen= tuch hinunter zum Eingang des Tales, in welchem die Piqueure mit den Hunden, hinter ihr der Jägertrupperschien, den der Fürst zu einer großen Jagd eingeladen. Bald darauf füllte sich das Schloß mit den kräftigen, markigen Männergestalten des steierischen Adels, das Diner harrte ihrer unten in dem großen, mit silbernen Humpen auf breiten Borden ausgestatteten, altertümlichen Speisesaal, wo die Schloßherrin sie zu einem lustigen und glänzenden Gelage erwartete, zu einer Gelegenheit, welche die Großgrundbesitzer der ganzen Umgegend freudig benutzten, um der schönen Fürstin ihre Huldigung darzubringen. Sie waren beide glücklich, der Fürst, ein Bild mannlicher Kraft, und sie, das schönste Weib in Steiermark, wie man sie zu neunen gewohnt, hing an ihm mit zärtlicher Sorgfalt, die er ihr zu verdanken bemüht war. Kein Leid hatte bisher dieses Glück getrübt. Der Fürst hatte stets abgelehnt, seiner Gattin von ihrer Mutter zu sprechen, wenn sie aufangs ihn wiederholt darum gebeten, dann hatte er ihr mitgeteilt, daß sie wegen Mangels an Beweisen einer früher aus Not begangenen schlimmen Veruntreunng aus ihrer Haft entlassen und in ihre Heimat, nach Italien, verwiesen worden, wo er, der Fürst, ihr jährlich eine bestimmte Summe durch das Konsulat auszahlen ließ. So, vor Not geschützt, sei die früher so Leidenschaftliche unter der Umgebung guter Menschen allmählich ergeben und still geworden und verweile, oft in reuevollem Nachdenken am Grabe des ung ücklichen Gatten, dem sie wohl bald nachfolgen würde. Auch von ihrer Schwester hatte Marquerita niemals etwas vernommen, obgleich dieselbe ihr damals ihre Vermählung angezeigt. Aber das lag ja in Stellas Weise, und Marguerita glaubte, dieses Schweigen dahin deuion zu können, daß es ihr mohlergehe. 175 Seiner Arbeit wird aber eine schätfere Richtung auf die Stärkung und Entwicklung des Gemeindelebens gegeben werden müssen. In diesem liegt die eigentliche Kraft des Protestantismus, der keine bürokratische Beherrschung der Kirche durch Behörden erträgt, sondern des lebendigen Zusammenwirkens aller Angehörigen der Kirche in freier sebstbewußter Tätigkeit in Gemeinden und Synoden bedarf. Die große Mehrzahl der Gemeinden ist in derselben Teilnahmslosigkeit geblieben, in welcher die alte Konsistorialherrschaft sie gehalten hatte. Weder Kirchenregiment noch Geistlichkeit haben sich bem#h, die Snnodalverfassung, welche die Kirche auf lebendigen Gemeinden aufbauen will, zur Wirklichkeit werden zu lassen. Die Gemeinden können jetzt nur wenig leisten und noch weniger die Synoden. Hier muß und will der Protestantenverein einsetzen. Unter seiner Einwirkung hat sich in manchen Gebieten, so in der Pfalz, in Rheinland=Westfalen und in Berlin ein stares Gemeindeleben entwickelt und nicht bloß in kirchenpolitischer, sondern auch in religiöser Beziehung die besten Früchte getragen. Die Möglichkeit, ohne Unterstützung, ja gegen den Willen des Kirchenregiments lebendige Gemeinde zu schaffen, ist erwiesen. In Berlin haben die liberal geleiteten Gemeinden schon sast die Oberhand gewonnen. Zu einem Erfolge für die Gesamthett der Kirche bedarf es aber einer weiteren Ausbreitung dieser Entwicklung. Der Protestantenverein wird daran zunächst seine Hauptkraft setzen. Er wird dafür durch die politische und seine eigne Presse(Protestantenblatt, Protestantische Flugblätter, Kirchlich=Liberal), durch Flugblätter und durch Vorträge geeigneter Redner, da wo sich Anknüpfungen finden, eintreten, damit schon bei den nächsten in drei Jahren bestehenden allgemeinen Kirchenwahlen eine statke freiheitliche Bewegung in möglichst vielen Gemeinden den Sieg der freiheitlichen Richtung bewirkt. Er wird damit sofort beginnen. In welchem Umfange er diese Tätigkeit ausüben kann, das hängt davon ab, welche Mittel ihm zu den ihm bereits zur Verfügung stehenden eigenen zufließen, welchen Anklang und welche persönliche Unterstützung er findet. Wir fordern alle diejenigen, welche den freien Protestantismus wirksam fördern wollen. auf ihn zu unterstützen durch Beitritt als Mitglieder zu einem Zweigvereine(in Berlin dem Berliner Unionsvereine) oder direkt zum Hauptverein, durch Zuwendung von außerordentlichen Beiträgen, durch Erbieten perkönlicher Mitwirkung, durch Haltung unserer Zeitschriften und wie sonst dem großen Zwecke gedient werden mag. Zuschriften bitten wir an das Büro des Vereins, Steglitzerstraße 68, Geldsendungen an den Schatzmeister Herrn Kaufmann August Weidling, W. 57, Potsdamerstraße 82a, zu richten. Berlin, im Januar 1910. Der vorstand des Deutschen Orotestantenvereins. Preußisches Berlin, 24. Januar. Das Abgeordnetenhaus genehmigte in einmaliger Beratung die Verordnung betreffend die Bekämpfung der Kinderlähmung in den Bezirken Arnsberg, Köln und Düsseldorf und trat darauf in die Beratung der verschiedenen Vorlagen über Stadterweiterungen ein und zwar von Essen, Köln, Nativbor, Kiel, Flensburg, Harburg und Frankfurt a. M. Es wurde eine Generaldiskussion über alle diese Vorlagen zusammen vorgenommen. Abg. Frhr. v. Zedlitz(freikons.) trat für die Erwägung ein, ob sich nicht andere Wege als die der Eingemeindung finden ließen, um den Bedürfnissen von Stadt= und Landgemeinden nach engerer Verbindung zu entsprechen, und verwies auf den Zweckverband GroßBerlin. Abg. Dr. Schroeder=Kassel(nat.=lib.) erklärte, die Frage könne nicht allgemein, sondern müsse im einzelnen Falle entschieden werden. Vom kaufmännischen Standpunkte aus sei die Eingemeindung für die Städte nur ein schlechtes Geschäft, für die Landgemeinden aber eine Lebensfrage. Unterstaatssekretär Holtz erklärte, bei der demnächst zu erwartenden gesetzlichen Aenderung werde es zunächst darauf ankommen, Zweckverbände von Stadt zu Stadt zu bilden und solche auch den westlichen Provinzen zugänglich zu machen, die bekanntlich der Voraussetzung noch entbehrten. Ob die Vorlage noch in dieser Session Lomme, vermöge er nicht zu sagen. Zunächst würden die Verhandlungen der Gemeindekommission abzuwarten sein. Die Entwürfe gingen sodann an die Kommission, In der darauffolgenden Beratung des Landwirtschaftsetats erklärte auf Anfrage des Abg. Wallenborn(Ztr.) der Landwirtschaftsminister v. Arnim, daß auf dem Ge biet des Veterinärschutzes Zugeständnisse nicht gemacht werden könnten, daß überhaupt der Veterinärschutz nicht zum Gegenstand von Handelsvertragsverhandlungen werden dürfe. Er sei überzeugt, daß die Reichsregierung auf demselben Standpunkt stehe. Abg. Dr. Crüger=Hagen(freis. Vp.) tadelt, daß sich der Großgrundbesitz nicht nur passiv, sondern auch aktiv gegen die innere Kolonisation ablehnend verhalte. Es fehlt eine richtige Organisation des Arbeitsnachweises auf dem Lande. Die Fideikommisse sind volkswirtschaft lich schädlich, auch das ländliche Fortbildungsschulwesen leidet unter ihnen. Wir bekämpfen den Großgrundbesitz, weil er ein Bollwerk gegen alle Kulturaufgaben ist.(Beifall links.) Abg. Ecker(nat.=lib.): Die Landwirtschaft braucht bei den großen Schwankungen äußer dem Zollschutz noch einen besonderen Schutz. Im Interesse der Land wirtschaft müssen alle parteipolitischen Bestrebungen möglichst von ihr ferngehalten werden. In diesem Sinne werden wir stets arbeiten.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. v. Kessel(kons.): Der Großgrundbesitz hat die Führerrolle auf dem Gebiete landwirtschaftlichen Fort schritts. Besser geht es der Landwirtschaft ja, aber glänzend noch nicht, zumal den Bauern geht es immer noch schlecht.(Beifall rechts.) Abg. Fleuster(Zentr.): Der Landwirtschaft geht es noch lange nicht gut. Beweis dafür ist, daß sich in der Landwirtschaft noch keine Aktiengesellschaften gebildet baben. Marienkirche in Hohensalza in Gefahr. An der katholischen Marienkirche in Hohensalza, die im vergangenen Jahre durch Bodensekungen teilweise eingestürzt, haben sich von neuen Erdsenkungen gezeigt. Die Kirche scheint nunmehr vollständig verloren zu sein. Der erste Einsturz an der serühmten Marienkirche erfolgte am 9. April 1909 Dabei wurde die Nordwand während des Karfreitagslottesdienstes infolge einer Erdsenkung zerstört. Die Marienkirche ist im romanischen Stile erbaut und im 13. Jahrhundert erstanden. Abg. Dr. Schröder=Kassel(nat.=lib.): Wir sind für unsere Landwirtschaft stets mit Wärme eingetreten. Wir in der Fraktion sind überzeugte Anhänger der jetzigen Schutzzollpolitik. Unsere kleinen Meinungsverschiedenheiten erklären sich daraus, daß wir auch eine paritätische Behandlung der Industrie fordern. Der Redner tritt für innere Kolonisation und Arbeiteransiedelung in großem Maßstabe ein. Abg. Humann(Zentr.): Fur Sportzwecke wird zuviel Geld ausgegeben, das besser für die Fleischbeschau verwandt würde. Das Haus vertagt sich auf Dienstag 11 Uhr: Fortsetzung und Gestütsetat. Schluß 45 Uhr. Ein Offiziersboykott und seine Folgen. S. u. H. Mülhausen, i. Eis. 23. Januar. Vor einigen Wochen wurde bekanntlich von dem hiesigen rangältesten Offizier, dem General von Deimling, den Offizieren der Besuch des Zentralhotels verboten. Das Verbot war die Folge jenes vielbesprochenen Zwischenfalles, wobei auf Wunsch eines in der Schweiz heimatsberechtigten Kaufmannes Wegelin, die Hauskapelle die mit lebhaftem Beifall aufgenommene Marsellaise gespielt hatte, während die darauffolgende deutsche Nationalhymne mit Zischen und Schlußrufen unterbrochen wurde. Das Verbot des Generals Deimling hat nun insofern eine Verschärfung erfahren, als jetzt auch den Militärmusikern ausdrücklich untersagt worden ist, an künstlerischen und gesellschaftlichen Veranstaltungen in den Fäumlichkeiten des Zentralhotels mitzuwirken. Dieses erneute Verbot hat hier peinliches Aufsehen erregt. wird darauf hingewiesen, daß den Militärmusikern sogar gestattet ist, in den Ortschaften der benachbarten Schweiz zu spielen, wo die Gefahr von Anrempelungen und Beleidigungen doch eine unendlich größere sei. Zudem habe grade das Spiel der Militärkapellen dazu beigetragen, das Verhältnis zwischen Militär= und Zivilbevölkerung sehr freundschaftlich zu gestalten und auf dem nationil heißumstrittenen Boden des Elsaß sei ein solches Moment nicht zu unterschätzen. Allgemein ist man der Anschauung, daß auch der Boykott über das Zentralhutel eine verhältnismäßig zu strenge Abndung jenes Vorsalles gewesen sei, zumal der Besitzec für diesen doch nicht verantwortlich gemacht werden könne Einige Heißsporne verlangen sogar, daß sich die Besitzer der übrigen Hotels sich zu einer Gegenaktion vereinigen sollen. Man schlägt nichts mehr und nichts weniger vor, als sich durch Anschlag den Besuch von Offizieren so lange zu verbitten, bis der Toykott über das Zentralhotel aufgehoben sei. amburg, 24. Jan. Ein gewaltiger Nordweststurm herrscht auf der Nordsce. Aus Helgoland wird berichtet, daß der Postdampfer wegen des Schneesturmes nicht auslaufen kann. Sämtliche andere Dampfer kehren auf die Reede von Cuxhaven zurück. In Hamburg herrscht seit mittag ein heftiger Schneesturm. Im Straßenbahnverkehr sind bereits große Stockungen zu verzeichnen. Hannover, 24. Jan. Vom Zuge überfahren wurden bei Wunstorf am Samstag zwei Strecken= arbeiter. Der eine wurde sofort getötet, während der andere noch lebend in das Krankenhaus in Hannover gebracht wurde, wo er aber bald nach der Einlieferung starb. Berlin, 25. Jau. In dem Dorfe Hohenbrüchen wurde der Heizer Emil Leonhardt aus Berlin im Straßengraben ermordet aufgefunden. Der Verdacht lenkt sich auf seinen Arbeitskollegen, den Heizer Ferdinand Augustin aus Berlin, der verhaftet wurde. Rathenow, 24. Jau. Ein Großfeuer wütcte heute in dem ausgedehnten Matthesschen Verblendsteinwerk. Der Brand verbreitete sich mit rasender Geschwindigkeit auf das ganze Werk. Sämtliche Feuerwehren der umliegenden Ortschaften beteiligten sich an den Löscharbeiten. Zwei Feuerwehrleute wurden durch einen umsturzenden großen Schornstein getroffen und schwer verletzt. Das ganze Werk ist zerstört und der Betrieb mußte eingesteut werden. Der Schaden beträgt über eine Million Mark. Dresden, 24. Jan. Drei Chauffeure der hiesigen Zig##rettenfabrik A.=G. von Jusmatzi unternahmen gestern in drei Automobilen einen Ausflug nach Prohlis bei Dresden. Als sie nachts in scharfem Tempo durch den Lockwitzer Grund fuhren, rannte eines der Automobile gegen einen Baum., wobei der Führer seinen Tod fand. Dresden, 24. Jan. Gestern spielte sich in einer Villa in der Stiefelallee ein blutiges Familien: drama ab. Der 24jährige jungverheiratete Hotelier Willi Godert, der Geschäftsleiter des königlichen Bel vedere, war mit seiner jungen Frau in Streit geraten, und diese hatte Zuflucht bei ihrem Schwager in der Stiefelallee gesucht. Dorthin folgte ihr der Mann, und dort gab es zum zweiten Male eine erregte Szene, in deren Verlauf sich der junge Mann vor den Augen seiner Frau erschoß. Dessau, 24. Jan. Gestern sind in Barby beim Schlittschuhlaufen drei Knaben durch die dünne Eisdecke eines Sumpfes durchgebrochen und trotz sofortiger Hilfeleistung ertrunken. Lauenburg, 24. Jan. Der Hamburg=Berliner D=Zug überfuhr vorgestern mittag 1 Uhr bei Müssen den zehnjahrigen Knaben Emil Nörnberg. Der Junge war sofort tot. Er hat freiwillig seinem Leben ein Ende gnmucht. Als der Knabe bei seiner Rückkehr aus der Schule erfuhr, daß seine Mutter wegen Diebstahls im Amtsgerichtsgefängnis in Schwarz= beck untergebracht sei, rannte er in voller Verzweiflung dem Zuge entgegen und stürzte sich auf das Geleis. Sonneberg, 24. Jan. Beim nächtlichen Rodeln sind drei Personen verunglückt. Der Landwirt Büttner starb kurz darauf an dem erlittenen Beckenbruch, zwei junge Mädchen erlitten eine Gehirnerschütterung und komplizierte Beinbrüche. Allenstein, 24. Jan. Bei einer Ballfestlichkeit, die der Erste Staatsanwalt Nonnenberg im Zivilkasino gab, brach er, wie die„Allensteiner Zeitung“ meldet, nach einem von ihm ausgebrachten Trinkspruch zusammen und starb im Festsaale. Posen, 24. Jan. Auf dem Bahnhof Plastowo der Strecke Grätz=Kosten wurde am Samstag abend auf den Briefträger Hartmann gesmossen, der 400 Mark bei sich hatte. Zwei Schüsse trafen ihn in die rechte Seite und verwundeten ihn ziemlich schwer. Auf sein Hilfegeschrei entfloh der Attentäter. Beuthen, 24. Jan. Die Ermittelungen der Polizei ergaben, daß der vor acht Tagen gemeldete Ueberfall auf die Kariolvost bei Stahlhammer fingiert wurde. Der Postillion, ein junger Bursche, hat eingestanden, er habe aus Furcht vor den vielen Ueberfällen, da er die Tour allein fahren müsse, die falschen Angaben über die angebliche Tat gemacht. Innsbruck, 24. Jan. Infolge der Schneeverwehungen ist der Güterverkehr auf der Bahnstrecke Pfronten=Rentten eingestellt worden. Am Brenner ist ein Personen= und ein Güterzug eingeweht. Die an der Nordkette gelegene Schutzhütte der Innsbrucker Alpinen Gesellschaft„Bergbrüder“, ist durch einen furchtbare Lawine fortgerissen worden. Aus dem Achental, das bisher vom Verkehr abgeschlossen war, sind heute wieder Nachrichten eingetroffen. Heftige Schneestürme und Lawinen haben dort arg gehaust und Telegraphenleitungen auf ganze Strecken zerstört. Rom, 25. Jan. Die italienische Regierung veröffentlicht soeben den offiziellen Bericht über die Opfer des Erdbebens von Messina am 28. Dezember 1908. In der Stadt Messina hat die Katastrophe 77 283 Menschenleben gesordert. 27523 Leichen wurden unter den Trümmern hervorgezogen und bestattet. 325 Personen starben an den Verletzungen, die sie während der Katastrophe erlitten hatten. 32 477 Personen werden als vermißt bezeichnet, ihre Körper ruhen unter den Trümmern oder sind von den Fluten des Seebebens, das dem Erdbeben folgte, weggespült worden. Im ganzen hat die Katastrophe 96871 Opfer gefordert. Paris, 23. Januar. Die Ueberschwemmungen nehmen einen immer bedrohlicheren Charakter an. Um Mitternacht wurde ein weiteres Steigen der Marne um einen Meter gemeldet. Die Uferbeiohner wurden aufgefordert, ihre Wohnungen zu räumen. Der Luftschiffpark in Boval steht infolgedessen unter Wasser. Die Pioniere haben die Seile des Ballons„Colonel Renard“ verlängert, damit der Ballon nicht das Wasser berührt, Um 11 Uhr nachts drang das Wasser in das Palaism Quid=Orsay ein. Es steht 15 Zentimeter hoch über den dortigen Bahnhof. Man befürchtet das das Wasser in den nächsten Stunden die Fenster der unteren Etage des Bahnhofs erreichen wird. Das gesamte Mobiliar wurde angesichts der drohenden Gefahr in die oberen Etagen des Bahnhofsgebäudes geschafft. Eine Abnahme des Wassers wird nur von der Saone gemeldet, doch steht auch das Wasser in den an diesem Fluß gelegenen Ortschaften sehr hoch; die Afer gleichen Seen. In Charleroi wurde ein Wohnhaus überschwemmt und mußte geräumt werden. In Moretsch erfolgte ein großer Erdrutsch, 3000 Kubikmeter Erdreich von einem Berge auf die Chaussee. Ein zweiter Erdrutsch, der 100000 Kubikmeter umsaßt, sand in der Nähe von Bellagarde statt. Es dürfte 10 Tage dauern, bis die riesigen Erdmassen wieder entfernt sind. Die Eisenbahnlinie Paris= Lion Meiterrannee ist in der Nähe von Leroy unterbrochen. Die Eisenbahnlinie unter der Seine wurde zerstört. Man befürchtet für heute eine gänzige lung des Dienstes.. London, 23. Januar. Ein Newyorker gramm berichtet über die Eisenbahnkatastrophe Cadanian Pacific=Bahn folgendes: Die Unsalnsehr abgelegen und die vorliegenden Nachrichtg sehr spärlich. Der Zua bestand aus 7 Waggons un te etwa 200 Passagiere mit sich, als er aus Sädbun fuhr. Er rafte mit einer Geschwindigkeit von 65 meter in der Stunde. über die Brücke des fang Flusses, als plötzlich ein Wagen entgleiste, wahrsc, infolge einer losgelösten Schiene. Ein Persone 2. und der Speisewagen 1.. Klasse, sämtlich voller ziere, brachen durch das Geländer und stürzten Eisfläche des gefrorenen Flusses. Das Eis brag und viele Passagiere stürzten ins Wasser. Die Insassen, die den Sturz überlebt hatten, versuch wahnsinniger Angst sich durch Türen und Fenster### ten. Die von den Ueberlebenden geschilderten e der Verzweiflung spotten jeder Beschreibung. Die unter Wasser befindliche Hälfte des einen Wagen riet in Brand. Man versuchte das Feuer durch zu löschen. aber vergebens. Ein Kellner des# wagens namens Reynolds verbrachte heldenmütig tungstaten. Als der Speisewagen sich mit Wasser verhinderte er eine Panik, indem er den Insassen sich an den Gepäcknetzen festzuhalten. Er kletterte auf das Dach und zog mehrere Personen durch die tilatoren heraus. Obgleich die Reisenden ihm fen, sich doch selbst in Sicherheit zu bringen nicht von seinem Plaetz, sondern schlug ein Lo das Dach des Wagens durch das mehrere Person rettet wurden. bis das völlige Versinken des W seine, Bemühungen unmöglich machte. Viele St vergingen, ehe Hilfe zur Stelle war. Unterdessen die Geretteten, deren Glieder zu Eis gefroren u furchtbare Qualen. Viele Leichen sind bis zur kenntlichkeit verstümmelt. Man vermutet, daß nat Tote im Wasser liegen. Taucher sind dabei, den zu heben. wwid und Verkehr. — Dortmunder Städtische Viel Zu dem gestrigen Schlachtviehmarkt waren aufgetrie 1002 Stück Großvieh, 1779 Schweine, 492 K0 21 Schafe. Bezahlt für 100 Pfund Schlachtgewicht: sen a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtw## höchstens 7 Jahre alt 73—75 Mk. d) junge fleisc nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 68—72 c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere 62Mk. d) gering genährte jeden Alters 54—61 Bullen a) vollfleischige ausgemästete Bullen zu 7 Jahren 66—68 Mk. b) vollfleischige jü Bullen 60—65 Mk. c) mäßig genährte jüngere und genährte ältere 56—59 Mk. d) gering genährte 00Mk. Rinder u. Kühe a) vollfleischige ausgemästete höchsten Schlachtwertes 70—72 Mk. d) vollfleisch ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu Jahren 66—69 Mk. c) ältere ausgemästet Kühe wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Rinder 58Mk. d) mäßiggenährte Kühe und Rinder 48—57 Kälber a) feinste Mast=(Voll=Mast) und Sangkälber 54—56 Mk. b) mittlere Mast= und Saugkälber 48—53 Mk. e) geringe Saugkälber ältere gering genährte(Fresser) 42—47 Mk. Sche a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 70—75 b) ältere Masthammel 00—00 Mk. c) mäßig gend Hammel und Schafe(Merzschafe) 00—00 Mk. Schu a) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzug im Alter bis zu 1¼ Jahren 71 Mk., b) fleist 66—70 Mk. c) gering entwickelte, sowie Sauen Eber 60—65 Mk. Tendenz: langsam. Unverkauft ben 119 Stück Großvieh. Handelsnachrichten. Hamburg, 24. Jan.. Die gesamte Versichern summe für Inventar und Waren in dem großen stöckigen Speicher, der am Sonnabend Nacht vollstänl niederbrannte, beträgt 1313500 Mark. Berlin, 24. Jan. Dem Lokalanzeiger wird Dasseidork berichtbet, doh für die morzige Haute sammlung des Stahlwerksverbandes bestimmte Anti## aus Preiserhöhungen bisher nicht vorliegen. Es ist a# wahrscheinlich, daß die Versammlung eine Preiscr## ung für Halbzeug um 5 Mark beschließt, dagegen Formeisenpreis vorläufig unverändert läßt. Charleroi. 24. Jan. Die hiesigen Hochösen höhten die Preise für Thomasroheisen um 2 Frat auf 77 ibs 78 Francs, für Gießereieisen um 1 auf 72 Francs. Sokia. 24. Jan. Die mit dem Wiener Bauke# ein abgeschlossene bulgarische Anleihe über 100 Millich Francs ist an der Londoner Börse zugelassen worh Frankfurter Abendbörse. Kredit Dresdener Bank Bank für industrielle Unternehmen Lombarden Norddeutscher Lloyd Harpener Luxemburger Kleyer Scheideanstalt Bulgaren Diskonto Nationalbank Staatsbahn Ohio Gelsenkirchen Phönix Aluminium Rütgerswerke Tendenz: fest. 211,70 164,30 76,50 23.50 141,60 212.20 219,60 375,00 682.50 101.50 197,00 130,10 161,30 116,90 212.50 75 266,00 126.50 = Unentbehrlich für jederma Sechste, gänzlich neubearbeitete “ u n d v e r m e h r t e A u f l a g e T EESE ONESEE 20 Halbiederbände zu je 10 Mark oder 20 Prachtbände zu je 12 Mark KE Großes Lager in Harmoniums — moderner Stilarten Franz Reinelt, Dortmund, Balkenstr. 14-“ —*• * = 22.— a. S8. S 8 3 *8 P NPEAPOUDN SNERDCDOSAEL —-"—- 7„-*** COUOO ! F SCU"0 OO00SS —. = 83 10 a. T· 8 8 " 8* Ua• S 3 221* = 2 40. □ 10 2. G1 G7 S 2 2.— ——— S En * 1 * 2 * 2 1 SS 2 S.—7 — □• ** 2 9 r 2. — SSg Bü: Rn Boon — S„---.-n.ü" 3 □ — S 2 S S• S. 6 B. TBRSIRSURT eBeren S 0 * 9 B 5 5 ——— —* T R 8g. *—* 9 —+ F.S 5ae —••— J S G. Gn SnsPrSagüss ——: 89—— S* 0"—* * Da ae— 6— —.2— S• 6 * 5.—— S92 +—* 3—. 5 5 S##— * G 8 32 **— „ F*„ •— 2—•— - 6•nG —*•— .* S 9. 22— m 2.— F 5 1• S.#69 * 0—— # 9 S S 2 G7 — 0 * 8 S(Eg Ss 11.4 FAISE STsa # G 3: S S S5S Ebn # 8 7 15 "— B59TAE S N *"*" 9—* 55 2.*— S.# 2— 4— AEE-nE * STS 14,4 „Es trifft sich gut,“ dachte er,„daß Lieschen die Katastrophe miterlebt, sie hat ja dieselbe Angewohnheit ihr Geld in die Tasche zu stecken.“ Laut wiederholte er mit harmloser Leichtigkeit:„Geht's mit dem Wechseln, Jenny?“ „O ja; ich denke, es wird sich machen lassen,“ erwiderte aber die Frau Gerichtsrat ebenso harmlos, „Warte nur einen Augenblick.“ Und sie trat ans Kleiderspind, griff in ihre Manteltasche und kam mit ihrem silbernen Geldtäschchen wieder zum Vorschein! Ihr Mann starrte es an, daß ihm fast die Augen zum Kopfe hinauswuchsen. Während seine Frau mit zierlichen Fingern Geld= und Silberstücke im Betrage von 100 Mark hervorsuchte, fühlte er sein Herz dermaßen stürmisch pochen, daß es ihm war, als müßten die beiden Schwechern diesen angstvoll starken Schlag hören können. Ta seine Frau ihren Geldbeutel noch besaß, so hatte er, ein Jurist, ein wohlbestallter Gerichtsrat, ja seine Taschendiebgeschicklichkeit an einer anderen erprobt! Diese vernichtende Erkenntnis nahm ihm den Atem und zog ihm fast einen Herzschlag zu. Nicht minder erregt aber hatte die junge Schwägerin Jennys schönes, wohlgefülltes Portemonnaie angestarrt. Ein schwerer Seufzer entrang sich ihrer Brust.„Ach, mein Himmel, Jenny," stieß sie hervor, während sich ihren Augen gros: Tränen entrangen,„der Anblick Teines Geldtäschchens ruft in mir einen bitteren Verlust ins Gedächtnis zurück. Denke Dir, gestern Abend hat ein nichtswürdiger Schurke mir meine Geldbörse gestohlen!“ „Gestohlen?“ schrie Jenny auf.„Gestohlen?" wiederholte ihr Gatte mechanisch und fast lautlos, denn die Bezeichnung„nichtswürdiger Schurke,“ schmerzte ihn so wahnsinnig, wie ein aufgepreßtes Brandmal. Daß ihm der Irrtum hatte possieren können, war ihm freilich nur zu klar, denn seine Frau und seine Schwägerin sahen sich nach Gestalt, Haltung und Kleidung tatsächlich zum Verwechseln ähnlich. „Ja, denkt euch, gestohlen! Gestern, als mir Vater. eben das Monatsgeld aufgezählt hatte und ich die Lieferanten bezahlen wollte,“ klagte die junge Tame.„Ueber 400 Mark in barem Gelde und dazu das wertvolle Täschchen, das er uns beiden gleichmäßig schenkte! Ich weiß aus seinem Ausgabenbuch, daß jedes 40 Mark gekostet hat Ich kann euch sagen, ich laufe umher wie verzweifelt. Wie in aller Welt soll ich den Verlust ersetzen, wovon den langen Monat hindurch unsern Haushalt bestreiten? Taß ich dem Vater das nicht sagen darf, wißt Ihr.“ „Aber wie in aller Welt war das möglich?“ erkundigte sich Jenny teilnehmend. „Wenn ich davon eine Ahnung hätte!“ klagte Lieschen händeringend.„Ich habe nicht das mindeste gemerkt, ich weiß weiter nichts, als daß mein Geld und meine Börse weg waren, als ich beim ersten Kaufmann bezahlen wollte!“ Nunmehr hatte der Gerichtsrat sich von seinem Schrecken erholt und fühlte festen Boden unter den Füßen Wenn die Geschichte auch anders ansgeschlagen war, wie er es sich gedacht hatte— die beabsichtigte Lektion gab sie doch an, und die wohlvorbereitete Strafpredigt konnte er endlich anbringen. Das tat er denn auch so eindringlich, und die geschehene Beraubung unterstützte die Wirkung seiner Worte so großartig, daß beide Schwestern ganz zerknischt versprachen, und sich ernstlich vornahmen, nie, niemals wieder ihre Geldtäschchen der Paletottasche anzuvertrauen! Nachdem der Gerichtsrat der Schwägerin großmütig einen Hundertmarkschein geborgt hatte, damit sie die nötigen Zahlungen leisten und Einkäufe machen knöne, ging sie ein wenig gefaßt nach Hause. Am andern Tage überbrachte ein Dienstmann der jungen Tame die schmerzlich vermißte Geldtasche mit unverkürztem Inhalt, aber ohne das leiseste Erkennungszeichen des Auftraggebers. Daraufhin fand der geliehene Hundertmarkschein seinen Weg ins Haus des Gerichtsrates zurück. Taschendiebkunststücke verübte der Gerichtsrat aber nie wieder, auch nicht zum Zwecke der unwidersprechlichsten Anschauungslektion! Fenster geradeüber. Noveletts von Th. Randal. Den 1. Oktober. In diesen Tagen sind wir vom Lande heimgekehrt. Ich sitze am Fenster meines Zimmers und schaue wehmütigen Blickes in die verregneten Straßen. Ach, wie ich den geliebten Landsitz entbehre mit seiner freien Natur, seiner herrlichen Luft, den großen Weihern und der reichen Begetation! Nun ist man gezwungen, die gräßlichen roten Häusermauern geradeüber mit ihren vielen mehr oder minder sauberen Fenstern zu betrachten, die einen wie anmaßende Augen anstarren, bis man fast hypnotisiert ist von dem Glanz der Scheiben.— Brrr wie versteinert und gelangweilt ich bin— wenn doch erst wieder Sommer wäre!— Den 7. Oktober. Nun beginnt Papa wieder mit der alten Geschichte. Ach, daß dieser Vetter Walter solch ein reicher Herr sein muß und daß er mich durchaus haben will! Er schreibt ja sehr nett, aber das ist doch nicht alles.— Seit meinem siebenten Jahr habe ich den gnädigen Herrn nicht gesehen, doch erinnere ich mich seiner als einer langen, hageren Bohnenstange mit ein paar brennend schwarzen, tiefen Augen.— Nun ist er— leider— ein reicher Großkaufmann in Batavia und wird Ende November hier erwartet. Es ist wirklich hart von Papa, so starr an unserer abscheulichen Kinderverlobung festzuhalten, doch ich werde Härte gegen Härte setzen und mich keineswegs zwingen lassen. Es ist jedenfalls schade um mich. Den 10. Oktober. Währenddem wir auf dem Lande waren, muß in das Haus gegenüber eine neue Familie eingezogen sein, denn an den Fenstern der zweiten Etage habe ich ganz neue Gesichter entdeckt und speziell ein neues. Es war gestern nachmittags. Ich saß wie gewöhnlich am Fenster und philosophierte, als mein Blick plötzlich von einer Gestalt drüben am linken Fenster gefesselt wurde. Ein seines, bleiches Frauenantlitz, von kohlschwarzen Haaren umrahmt. Hinter ihr stand ein Mann, hoch und stattlich, mit einem so schönem, männlichen Gesicht, daß man es nie mehr vergessen kann, wenn man es einmal gesehen. Einen Moment trafen sich unsere Blicke und ich fühlte, daß ich blutrot wurde, dann sprach er einige Worte mit der Tame und zog sich zurück. Natürlich sind sie Mann und Frau, denn ich sah auch ein kleines Kind am Fenster, also müßte man ja das„Gucken“ eigentlich bleiben lassen, aber sein Gesicht hat mich so gefesselt, daß ich nachts davon träumte.—— Den 12. Oktober. Große Schlacht mit meinem Vater! Ich habe ihm geradeheraus gesagt, daß ich meinen vergoldeten„BataviaVetter“ niemals heiraten werde. Er behauptet mit Bestimmtheit, daß ich einen anderen lieben müsse, da ich mich so hartnäckig widersetze; und so ganz unrecht hatte er auch nicht, denn ich bin verliebt— über beide Ohren verliebt in das Gesicht am Fenster geradeüber. Ich sah ihn auch gestern, den Herrlichen, er stand halb verborgen hinter der Golrine— und sn#e berützer. Ich weiß nicht, wie er heißt und wer er ist. Doch mein Märchenprinz ist er unter allen Umständen, das steht fest.—— Den 14. Oktober. Nun weiß ich, wie er heißt. Monsieur Legrand, ein herrlicher Name! Ich erfuhr es durch unsere Aufwärterin, die in dem Hause wäscht, in dem mein Held wohnt. Die Frau— seine Frau natürlich— gibt französische und englische Stunden, und nun habe ich eine Idee: Ich werde bei ihr Stunden nehmen. Mein Französisch ist äußerst mangelhaft und muß ein wenig aufgefrischt werden. Das ist ja eine glänzende Gelegenheit für mich, meinen Helden in der Nähe zu sehen. Wenn nur Papa seine Zustimmung gibt. (Schluß folgt.) er eierstunden Blätter für Unterhaltung und Belehrung. Nach langen Kämpfen Den Erinerungen eines Detektios nacherzählt von H. Rockwood. 14 „Ganz unzweifelhaft.“ „Warum verhafteten Sie sie dann nicht sogleich?“ „Ich habe genügende Gründe, dieses zu unterlassen.“ „Wollen Sie ihr Gelegenheit geben, einen zweiten und vielleicht erfolgreicheren Versuch zu machen?“ „Nein, Fräulein Brandon, ich werde Sie zu schützen suchen, und deshalb habe ich Sie eben gewarnt.“ „Raten Sie mir, hier zu bleiben?“ „Ich habe kein Recht, Ihnen zu raten. Ich weiß nicht, warum Sie von Frau Chase geflohen sind, ob vor mir oder vor Ihrem Elternhaus oder vor Ihrem Bräutigam. Das alles ist für mich ein Geheimnis, deshalb kann ich Ihnen nicht helfen, bis ich dieses Geheimnis ergründet habe. Das wird aber geschehen, und die Feindschaft des schönen, jungen Mädchens, welches gestern abend diesen verzweifelten Mordversuch machte, wird den Weg dazu weisen.“ Gertrud schauderte und ihre Furcht stieg. Sie fühlte unwillkürlich, daß dieser berühmte Detektiv das Geheimnis ergründen werde, und wenn ihm das gelang, so mußten alle die schrecklichen Folgen, welche sie abzuwenden suchten beschleunigt werden. „Warum haben Sie ein solches Interesse um meine Angelegenheiten?“ „Ich habe genügende Gründe dafür.“ „Hat Howard Sie beauftragt, mein Geheimnis auszuspionieren?“. Forster blickte ihr scharf in die Augen. Für den Augenblick schien er ihre Gedanken zu lesen, dann sagte er im einem Tone des Vorwurfs: „Sie beurteilen Herrn Howard falsch, wenn Sie ihn im Verdacht haben, etwas Unehrenhaftes zu beabsichtigen, und ich glaube, auch er beurteilt Sie in anderer Beziehung falsch. Es ist sonderbar, daß je mehr zwei junge Leute lieben, sie desto mehr zu Mißtrauen geneigt sind, wenn sie getrennt sind. Ein Funke wird jeden Augenblick zu einer Flamme angefacht.“ Gertrud wandte sich ab. Sie vermochte kaum, einen schweren, angstvollen Seufzer zurückzuhalten. „O, wenn ich nur ihm die Wahrheit sagen könnte, so wäre alles gut oder wenigstens würde er nicht länger mich für gleichgültig halten. Aber ich darf nicht," murmelte sie Sie lehnte ihre heiße Stirn an die kalte Backsteinmauer des Hauses. „Von wem sprechen Sie?“ fragte Forster in freundlicherem Ton. „Von Howard. Zu nicmand sonst habe ich Vertrauen.“ „Warum fürchten Sie sich, ihm etwas anzuvertrauen?“ „Weil ich nicht kann, das ist der einzige Grund, den ich Ihnen angeben kann. Wenn er mir für kurze Zeit vertrauen wollte, so würde ich wahrscheinlich imstande sein, ihm nach einiger Zeit alles zu erklären. Aber ich möchte lieber sterben, als ihm jetzt mein Geheimnis mitteilen.“ „Ich bedauere Sie aufrichtig, Fräulein Brandon, aber ich kann Ihnen nicht helsen, bevor ich nicht meine eigenen Bemühungen über die Quellen Ihrer Sorgen befriedigt habe Tann will ich Ihnen helfen, die Last zu beseitigen, wenn es in meiner Macht liegt. Es ist schwer, daß Sie für die Sünde Ihres Vaters zu leiden haben.“ Der Detektiv sagte dies in bedeutsamen Tone, während seine Blicke Gertrads Miene beobachteten. Sie fuhr heftig zusammen. Ihre Wangen erbleichten als ob sie ohnmächtig würde. Es war augenscheinlich, daß er den wunden Punkt getroffen hatte, und ehe er antworten konnte, wandte er sich rasch aub und ging die Straße hinab. Einen Augenblick starrte Gertrud ihm nach. war ihr, als ob der scharfjinnige Detektiv ihr ganzes Geheimnis durchschaut hatte, daß er bereits alles wisse, was sie so sehr ihm zu verheimlichen wünschte. Mechanisch öffnete sie die Türe und trat ein. Als sie die Treppe hinaufstieg, hörte sie, wie die Tür unten wieder geöffnet wurde und jemand mit leichten Schritten ihr nachfolgte. Sie schaute sich um und stand wieder vor ihrer schönen Feindin Clarissa Howard. Die beiden Mädchen standen auf dem Treppenvorplatz und starrten einander an. Dann ergriff Gertrud den Arm der anderen und rief: „Wer sind Sie, und warum hassen Sie mich so?“ Clarissa trat mit einem Angstruf zurück. „Was meinen Sie damit?“ rief sie mit zitternder Stimme. „Daß Sie gestern abend einen feigen Mordversuch auf mein Leben machten.“ „Ich— ich war wahnsinnig,“ sagte Clarissa, ohne sich zu bemühen, zu leugnen „Warum wollten Sie mich töten? Ich habe Ihnen nie etwas getan und weiß nicht einmal, wer Sie sind?“ „Turch Sie aber wird mein Glück zerstört.“ „Wieso?“ fragte Gertrud. „Ich werde es Ihnen nicht sagen, denn Sie sind nicht zu tadeln. Ich bereue meine unsinnige Tat von gestern abend und werde nie wieder einen so schrecklichen Versuch machen.". Clarissa sprach mit solchem Ernst, daß Gertruds Befürchtungen dadurch zerstreut wurden, und in dem Tone und dem Wesen des seltsamen Mädchens lag W SET 14.2 etwas so mitleiderregendes, daß Gertruds Zorn dadurch entwaffnet wurde. „Sie sehen nicht aus, als ob Sie absichtlich ein Verbrechen begehen würden,“ sagte Gertrud, indem sie Clarissas weiche Hände in die ihrigen nahm und ihr ernst ins Gesicht schaute. „Gewiß nicht. Ab! Ihre Hand ist verwundet!“ Zum ersten Mal bemerkte Clarissa den Leinwandstreisen, der um Gertruds Handgelenk gebunden und durch den Aermel fast verborgen war. „Ja, ich hatte den Arm erhoben, um den Fenstervorhang vorzuziehen, als Sie nach mir schossen. Sie zielten schlecht.“ Tränen strömten aus den schönen Augen Clarissas und zärtlich erhob sie den verwundeten Arm an ihre Lippen. „Ich bin sehr unglücklich darüber. Sie werden sich jetzt wahrscheinlich vor mir fürchten und doch würde ich so gerne hören, daß Sie mir verziehen haben.“ „Ich verzeihe Ihnen freiwillig und aufrichtig.“ „Sie werden mich nicht verhaften lassen wegen meines Verbrechens?“ „Kein.“ Ich danke Ihnen, o, ich danke Ihnen.“ Wieder küßte das seltsame Mädchen den verwundeten Arm, dann wandte sie sich ab, um in das Zimmer von Klotilde Grey einzutreten. In diesem Augenblicke wurde die Haustür unten rasch geöffnet und schwere Schritte kamen die Treppe hinauf. Clarissa, welche die Treppe hinabblickte, ergriff Gertrud am Arm und drängte sie heftig nach Frau O'Briens Türe. „Gehen Sie, gehen Sie,“ sagte sie flüsternd.„Fort von XVII. Der Detektiv an der Arbeit. Nachdem Forster Gertrud verlassen hatte, ging er sogleich nach der Fremontstraße in ein elegantes Haus, stieg die mit Teppichen belegten Treppen hinauf und hielt im zweiten Stock vor einer großen dunklen Türe. Ohne zu zögern, zog er an dem seidenen Klingelzug. Einen Augenblick darauf wurde die Türe geöffnet, und eine untersetzte, schlau aussehende Persönlichkeit mit nachlässiger Haltung und sehr langen Armen stand auf der Schwelle und warf einen raschen Blick nach oben durch ihre grauen Augenbrauen. „Sind Sie Herr Gresham?“ fragte Forster, indem er seine klaren Augen mit kaltem, forschenden Blick auf das seltsame Gesicht des anderen richtete. „Ja, mein Herr, ich habe die Ehre,“ erwiderte Gresham mit etwas rauher, heiserer Stimme. „Haben Sie einige Minuten Zeit?“ „Ja, mein Herr, was steht zu Tiensten?“ „Ich wünsche eine Privatbesprechung mit Ihnen, das wäre für jetzt alles.“ „Ich stehe zur Verfügung, mein Herr, bitte treten Sie ein.“ Forster wurde durch ein langes elegant eingerichtetes Zimmer geführt, dessen Bestimmung der Eingeweihte leicht erkennen konnte. In dem anstoßenden Zimmer trafen sich die sozialen Sprecher eines gewissen Klubs, von dem jedes Mitglied verpflichtet war, einen jährlichen Beitrag von 100 Tollar zu zahlen, ob er seinen Mitteln entsprach oder nicht. Gresham öfsnete noch eine Tür und ging voran in ein kleineres Zimmer, das einen schönen Schreibtisch und Stühle enthielt. „Bitte, nehmen Sie Platz mein Herr. Sie werden die Gute haben, Ihre Ritteilungen so genau und hestimmt zu fassen, da ich auch noch andere Geschäfte habe, welche meinc Aufmerksamkeit sehr bald in Anspruch * P SSPLSPSSBMMSSgESSSGEEEDSLSSEFBESSSS PS G GSSFEEEFESSSOSSSSNBZSELSESSSGSAE ARBAAASAAA KäS — —* —— S 22 — * 18 a OSI S— EüE =S. 8 * —— ** GETSS ## SERS S G-E Sgg Sm S S SSEEE — — 6n 5 8• S8 S 1•— S Se T TL G EEü" 0 S 5 —— □ 8— „ 8 20 — B SCTnES — F ·OUPSE S EEU= S= • UERGT K —— * =OEoEInE é EERGGSEUNTEIEDEE nehmen werden,“ sagte Herr Gresham, indem er sich in einen bequemen Lehnstuhl niederließ und mit nervöser Hast einen Fleck von seinem Rockärmel abrieb. Forster verwandte kein Auge von dem Gesicht des Mannes. Ter forschende, durchdringende Blick des Detektivs steigerte Greshams Nervosität. „Ich möchte einige Fragen stellen über ein gewisses Mitglied des Klubs," bemerkte Foster ruhig. „Ah! Ich hoffe, Ihre Fragen betreffen nur solche Sachen, über die ich zu sprechen ermächtigt bin,“ bemerkte Gresham. „Ich weiß nicht, wie weit Sie berechtigt sind. Aber ich versichere Ihnen, ich werde nicht verlangen, mir irgend etwas mitzuteilen, was Sie nicht wissen. Eine weitete Beschränkung meiner Fragen beabsichtige ich jedoch nicht. Toch zur Sache! Sylvester Brandon, der Aldermann, ist ein Mitglied Ihres Klubs, glaube ich.“ „Ja, mein Herr, der Klub rechnet es sich zur Ehre.“ „Wie lange ist er schon Mitglied?“ „Etwa acht Jahre.“ „Auf wessen Empfehlung wurde er zum Mtiglied gewählt?“ „Ich hatte die Ehre.“ „Er ist also von früher her mit Ihnen bekannt?“ „Jo, mein Herr.“ „Wie lange schon dauert Ihre Bekanntschaft mit Brandon?“ „Wir waren Studiengenissen auf derselben Rechtsschule und in derselben Klasse. Das ist jetzt volle 25 Jahre her.“ „Sie haben beide in dieser Stadt sich zu gleicher Zeit niedergelassen nicht wahr?“ „Ja, ja. Ich wundere mich, woher Sie wissen, daß wir nicht in Boston geboren sind. Entschuldigen Sie, aber wenn Ihr Kreuzverhör noch lange dauert, so werde ich nach ihrem Namen und Ihrem Zwecke fragen. Wenn Sie nicht das Aussehen eines gebildeten Herrn hätten, so hätte ich mich wahrlich nicht so weit eingelassen.“ Foster zögerte. Es wäre ihm lieber gewesen, seinen Namen noch zu verschweigen, aber er konnte keine Entschuldigung dafür ersinnen. „Ich bin ein Detektiv, und mein Name ist Foster,“ sagte er. Ein rascher Blick von Gresham folgte, während er noch einen andern, vorgeblichen Flecken von seinem Aermel abbürstete. „Nar Foster, der Detektiv, nicht wahr? Ich fühle mich sehr geehrt, mein Herr. Aber ich verstehe nicht, welchen Zweck Sie bei Ihren Kreuzfragen über Brandon verfolgen.“ „Das glaube ich wohl, doch müssen Sie sich mit meiner Versicherung begnügen, daß ich nicht die Absicht habe, Sie oder ihn eines Verbrechens zu beschuldigen. Sie brauchen also nicht wegen irgend eines Jugendfehlers in Besorgnis zu geraten.“ Der Detektiv lächelte, und Gresham begleitete diesen Witz mit einem trockenen heiseren Lachen. „Ich danke Ihnen für Ihre gütige Zusicherung, perr Foster,“ sagte er. „Sie haben meine letzte Frage nicht beantwortet.“ „Toch habe ich nicht die Absicht, die Antwort zu verweigern. Brandon und ich haben uns in dieser Stadt und sogar in derselben Straße zu gleicher Zeit als Advokaten niedergelassen, als Konkurrenten, doch standen wir nicht auuf unfreundlichem Fuße.“ „Wie lange ist das her?“ „21 Jahre, wenn ich mich recht erinnere. „War einer von Ihnen zu jener Zeit verheiratet?“ „Nein, mein Herr, Brandon heiratete erst zwei oder drei Jahre später.“ (Fortsetzung folgt.) Eine gestohlene Geldtasche. „Man sollte es doch gar nicht für möglich halten, daß eine kluge, gebildete Frau dermaßen dumm und gedankenlos handeln könnte.“ sagte kopfschüttelnd der neugebackene Gerichtsrat Adelung zu seiner reizenden, jungen Frau, die sich zu Einkäufen in die Stadt bebegeben wollte, wie gewöhnlich aber ihr glitzerndes Geldtäschchen in die Paletottasche gesteckt hatte, daß es von außen schon zu sehen war.„Kind, Kind, wie oft habe ich Tich auf diese Torheit schon aufmerksam gemacht! Tu hast aber nicht eher Ruhe, als bis ein Langfinger Dir die Bö.s: samt dem Gelde entführt pat“ „Ach, Närrchen,“ scherzte ihm die junge Gattin seine Besorgnis hinweg,„wie kann sich bloß ein gelehrter, scharfsinniger Jurist solche Hirngespinste austüfteln! Ich möchte doch den Langfinger sehen, der sich an meiner Manteltasche zu schaffen machen könnte, ohne daß ich es merkte und seine böse Absicht vereitelte. Ist ja einfach unmöglich. Sei Du nur unbesorgt, ich werde schon von selber gut aufpassen. Du weißt, wie stolz ich auf mein reizendes silbernes Geldtäschchen bin.“ Tamit küßte sie ihn und ging davon. Mißvergnügt blieb der Gerichtsrat bei seinen Akten sitzen. Ihre Versicherung, daß sie schon von selber gut aufpassen werde, hatte ihn durchaus nicht beruhigt. Er war fest überzeugt, daß sie eines Tages jammernd nach Hause kommen werde ohne Silbertäschchen und Goldfüchse, denn sie ließ sich's außerdem nicht ausreden, ihr ganzes monatliches Wirtschaftsgeld mit sich herumzutragen, wo sie ging und stand. Ihm wurde heiß bei der Idee. „So reich bin ich doch noch nicht,“ sagte er laut vor sich hin,„daß ich ihr das ganze Wirtschaftsgeld mehrmals in einem Monit geben könnte, wenn sie es durch Unbedachtsamkeit eingebüßt hat. Fast möchte ich ihr wünschen, daß sie eine empfindliche Lektion erhielte, indem ihr einer die geliebte silberne Geldbörse wegstibitzte, wenn nur gerade kein Geld darin wäre. Eher gewöhnt sie sich's doch nicht ab, sie in die Manteltasche zu stecken. Wenn es ihr aber nun heute begegnete! Soeben hat sie ihr ganzes Monatsgeld bekommen und hineingetan!“ Der Gedanke quält ihn so, daß er sich zu keiner Arbeit mehr sammeln konnte.„Ich tue, am besten, ihr nachzugehen und sie somt ihren Schätzen in meine Hut zu nehmen,“ sagte er sich.„Kehrt sie im Dämmerlicht auf unserer einsamen Landstraße allen zurück, so ist die Gefahr doppelt groß.“ Das junge Ehepaar wohnte nämlich weit draußen vor der Großstadt.— Der schnelle Entschluß wurde ebenso schnell ausgeführt; wie mit Siebenmeilenstiefeln eilte Adelung die wenig belebte Vorstadtstraße entlang. Die Straßen, die sein Frauchen zu den beabsichtigten Einkäufen aufsuchen mußte, waren ihm wohlbekunnt und er durchschritt sie ebenso hastig, dabei rufmerksam nach rechts und links spähend, ob er die Geliebte seines Herzens nicht irgendwo entdeckte. Und siehe da, das Glück begünstigte ihn. Vor einem Schaufenster sah er sie stehen und eifrig die ausgestellten Hüte studierend. Schon war er im Begriff, sie mit lautem Zuruf zu begrüßen, als ein plötzlicher Einfall ihn daran hinderte. Er hatte ihr eine Lektion im Bestohlenwerden gewünscht— wie, wenn er selber sie ihr erteilte, falls es noch nicht zu spät dazu war? Der Eindruck auf ihr unerfahrenes junges Herz wäre ja doch derselbe, so oder so. Und sich zu dem schlauen Einfall beglückwünschend, schritt er sogleich zur Ausführung. Indem er vorsichtig die Straße hinauf= und hinabblickte, schlich er lautlos an die Gattin heran, die * 14.3 ganz in das Studium der Auslagen versenkt war, und überzeugte sich mit einem schnellen Blick davon, daß das blinkende Täschchen an der gefährlichen Stelle steckte. Es grinste ihn förmlich herausfordernd an. Mit einem so geschickten Griff, als gehöre er selber zur Zunft der Taschendiebe, entführte er ihr das kostbare Schmuckstück mit dem reichen Inhalt und entfernte sich so unhörbar, wie er gekommen war. Sie hatte von dem ganzen Vorgang nichts bemerkt, beschaute vielmehr andachtsvoll weiter, was das verführerische Schaufenster in sich barg. Er war auf die gegenüberliegende Seite der Straße gegangen und überlegte, was er tun solle.„Nach Hause gehen,“ entschied er. nach kurzem Besinnen.„Wie es scheint, hat sie ihre Einkäufe noch nicht besorgt, und da„sitzt die Lektion um so liefer, wenn sie ihren Verlust erst im Laden bemerkt.“ Tamit machte er sich aus dem Staube und schritt wieder seiner Wohnung zu. Das silberne Geldtäschchen enthielt, wie er sogleich feststellte, nicht nur das ganze Monatsgeld, sondern noch beträchtlich mehr, und er wunderte sich, wie sie soviel hatte sparen können. Es dauerte nicht allzulange, bis auch die junge Frau sich einstellte. Sie begrüßte ihn unbefangen, sah weder verwirrt noch erschrocken aus, und er sagte sich mit einem gewissen Mißfallen:„Im Leben hätte ich ihr nicht zugetraut, daß sie sich so verstellen könnte!“ Um sie zum Aussprechen zu bewegen, sagte er: „Du hast wohl doch keine Einkäufe besorgt?“ „O doch, freilich," versetzte sie.„Wie kommst Du darauf?“ „Du scheinst ja keine Pakete bei Dir zu haben.“ „Die lasse ich mir herschicken,“ erklärte sie. Ihre Verschlossenheit enttäuschte ihn nicht wenig. Er hätte ihr doch am liebsten gleich die wohiverdiente Standpauke gehalten. Er selber aber durfte freilich nicht davon anfangen, sonst hätte er sich ja verraten. Sie speisten zu Abend und gingen zur Ruhe ohne daß das unvermeidliche Bekenntnis erfolgt wäre. Es war ihm verständlich, daß ihr das sehr schwer fallen mochte, da er sie ja doch so häufig vorm Bestohlenwerden gewarnt hatte. Indes konnte sie es unmöglich länger als bis zum Morgen hinausschieben, denn wovon sollte sie kochen?“ Er hatte sich jedoch verrechnet; auch am Morgen kam sie nicht mit ihrem Geständnis und den davon unzertrennlichen Tränen zum Vorschein. Er ging nach zärtlichem Abschied in sein Amt. ohne daß sie sich ausgesprochen hätten. Wer hätte soviel Halsstarrigkeit bei ihr geahnt? Der selbe Zustand blieb nach seiner Rückkehr. Das häusliche Räderwerk verrichtete seine Funktionen so ordnungsgemäß, als wäre der jugendlichen Hausfrau nicht der harte Schlag versetzt worden, dessen ihr Mann sich schuldig wußte, als trüge er nicht ihr gesamtes Wirtschaftsgeld im silbernen Geldtäschchen wohlgeborgen in seiner eigenen Brusttasche! Und noch immer keine Gelegenheit, seine Strafpredigt anzubringen! In seinen Augen war das ein so unhaltbarer Zustand, daß er beschloß, ihm seinerseits ein Ende zu machen. Und es gelang ihm, einen höchst eigentümlichen Vorwand zu ersinnen. Mit scheinbar unbefangener Niene trat er in das Wohnzimmer und fragte 1.och in der offenen Tür:„Kannst Du mir einen Hundertmarkschein wechseln, Jenny? Ich muß morgen früh klein Geld haben.“ Indem er dabei ins Zimmer trat, entdeckte er, daß seine Frau soeben Besuch bekommen hatte. Ihre Schwester trat dem Schwager entgegen und begrüßte ihn mit gewohnter Herzlichkeit. Der Hundertmarkschein in seiner Hand erinnerte ihn jedoch an sein Vorhaben, See