Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und gesetzl. Feiertage. Abonnementspreis ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage And dem 8seitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pig. ro Monat, durch die Post bezogen für 3 Monate 1.50 Ml. Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inscrate ## berantwortlich: Viktor Schanzer, Dortmund. verbunden Lokal-Anzeiger für und der täglichen Unterhaltungsbeilage mit dem Dortmund u. Hörde sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Inserate die S gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 PfgBeilagen nach Uebereinkunst. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Rabatt binfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann, Dortmund. Dortmund, Freitag, den 14. Januar 1910. 27. Jahrg. stehrheitsbildungen für die Wahlreform. Die Wahlrechtsgegner suchen es so darzustellen, ob für eine Wahlreform im breußischen Abirdnetenhause eine Mehrheit nicht vorhanden sei. s ist eine durchaus irreführende Auffassung. Freiist für die Einführung des Reichstagswahlrechts e Mehrheit im Abgeordnetenhause nicht vorhann. Dafür sind nur Zentrum, Polen, Freisinnige Sozialdemokraten, die zusammen über 162 von 443 andaten verfügen. Leider sind ja auch die Natiolliberalen, deren 64 Mandate für die Bildung einer ehrheit zugunsten des Reichstagswahlrechts aussichen würden, gegen die Uebertragung des Reichshlrechts auf Preußen. Sie erklären sich zwar für e geheime und direkte Wahl, wollen aber den Klasncharakter des Wahlrechts aufrechterhalten, und nur e gegenwärtige Klasseneinteilung auf anderer rundlage durch ein Pluralwahlrecht ersetzen. Schon aus diesen Darlegungen ergibt sich, daß Preußischen Abgeordnetenhause eine Mehrheit ür die Einführung der geheimen und direkn Wahl vorhanden ist. Selbst unter den Freinservativen gibt es Gegner der indirekten Wahl ud der öffentlichen Stimmabgabe. Die indirekte zahl wird sogar von einzelnen Mitgliedern der utsch=konservativen Fraktion als höchst überflüssig gesehen. Der Wahlmann, der als Vertrauensmann imerhin eine gewisse Daseinsberechtigung im Zeitler der Postkutsche hatte„als die Durchführung des ahlgeschäftes weit schwieriger war als heute bei iserem hochentwickelten Eisenbahn=, Telegrapheni Telephonverkehr, ist heute eine höchst überflüse Persönlichkeit. Auch nicht ein einziger triftjr Grund kann angeführt werden, weshalb die Urihler nicht sofort den Abgeordneten, wie bei den ichstagswahlen, wählen dürfen. Die indirekte aht wird ja wohl auch wirklich beseitigt und durch e direkte Wahl ersetzt werden. Als am 6. Januar 08 im Abgeordnetenhause über den frecsinnigen ahlrechtsantrag abgestimmt wurde, erfolgie die Abhnung des Antrages auf Einführung der direkten sahl nur durch eine Zufallsmehrheit. Da der Prädent im Zweifel war, ob die Mehrheit des Hauses ch für oder gegen die direkte Wahl entschied. mußte u Hammelsprung stattfinden, bei dem sich 165 Mitlieder für die direkte Wahl und 168 für die Beibeltung der indirekten Wahl aussprachen. Wenn heuim Abzeordnetenhause dieselbe Entscheidung vornommen würde, wäre sicherlich die Mehrheit der bggeordnelen für die direkte Wahl. Wie für die direkte Wahl ist aber auch für die ssentliche Wahl eine Mehrheit im Dreiklassenrlament da, obgleich dort die Deutschkonservativen Der Kunst Roman von Lolhar Frey. 13 Sie senkte verlegen, fast beschämt ihre Lider, und die beiden Männer hinaus waren, sank sie in den sel, faltete die Hände unter dem Kinn und starrte mit pochendem Herzen auf die Tür. So leicht hatte sie sich diesen Sieg nicht gedacht nach #.#4 Bedenken, mit denen sie bisher zu kämpfen gesot. Doch wieder beschlich sie ein Mißtrauen in diesem n der Mann hatte keinen angenehmen Eindruck sie gemacht.. Aber der Vater hatte ihr ja schon iym erzählt, ihn nicht besser geschildert, als er ihr schienen!.. Und Guido?.. Nein, nein! Sie lächelte. #esurchtete ihn nicht mehr! Sie sah ihn nur gern, wie alle Fegenton gern sahen! Guido war keine Gefahr für sie! „Dieser geleitete inzwischen den Impresario zu seinem ter und schritt dann allein das Trottoir der Friechstraße hinab. Der Kontrakt wird morgen schon abgeschlossen,“ rief sreudig vor sich hin. Bachmann macht ein gutes Geast, denn Marguerita wird überall Aufsehen erregen, #o weltunerfahren, wie sie ist.. Die Romani, die ihre eri verloren und einstweilen in der Garderobe zur ist, wird trefflich zu ihrer Gesellschaftsdame geWier sein; ste ist eine brauchbare Person und soll ihr P., derer Seite empfohlen werden. Bachmann, ich *s dem alten Fuchs an, ist entzückt von ihr und wird eine gute Gage bieten. Malfettis Offerte, zu Lleihabe ich für meine Person endgültig abgeschlagen, 5 glanzender Versprechungen. Ich singe nur noch an * Abenden! Bachmann habe ich mich nur auf zwei dnate verpflichtet; länger wird auch der Zauber, den sirqucrita mit ihrer Jugend und Schönheit auf mich nicht währen, und wenn das Leben sie erst in seine # genommen hat, wird sie auch einsehen, was sie selben als schönes Weib schuldig ist. Ihre jüngere swester hat das auch schon begriffen, denn sie soll, * man jemt erst hört, mit einem blutjungen Ver„,##r nach Amerika gegangen sein unter dem Vor#p port ein glänzendes Engagement anzutreten. Die Melitta, die mich hier ja schon als Knabe kannte, kam liich zu mir, mich um das Reisegeld in die Heimat mit 151 und die Freikonservativen mit 59 Mandaten fast die Hälfte aller Mandate innehaben. Am 24. April wurde im Abgeordnetenhause über eine Petition von Handwerkerverbänden verhandelt, die mit Rücksicht auf den Terrorismus der Sozialdemokratie den Ersatz der öffentlichen durch die geheime Stimmabgabe bei den preußischen Landtagswahlen verlangte. Die Petitionskommission des Abgeordnetenhauses wollte diese Petition der Regierung nur als Material überweisen, d. h. für den großen Papierkorb der Regierung bestimmen. Das Plenum des Abgeordnetenhauses beschloß jedoch am 24. April die Ueberweisung zur Berücksichtigung. Damit hat sich das Ahgeordnetenhaus gegen die öffentliche Stimmabgabe für die Einführung der geheimen Abstimmung ausgesprochen. Und nachdem dieser Tage in Zentrumsblättern die Erklärung abgegeben worden ist, daß für oas Zentrum nur eine Reform annehmbar ist, die die öffentliche Wahl einführt, ist heute die Lage in bezug auf die Oeffentlichkeit der Stimmabgabe jedenfalls ebenso wie damals. Nicht der mindeste Grund ist ersichtlich, weshalb nicht wenigstens diese beiden Reformen gewissermaßen als Abschlagszahlung, sofort vorgenommen werden sollten. Es unterliegt auch keinem Zweisel, daß, wenn Fürst Bülow heute noch das Staatsruder führte, er ernstlich den Versuch machen würde, wenigstens in dieser Richtung wirkliche Reformen durchzuführen. Wenn die heutige Regierung selbst in diesen Punkten an überlebten Einrichtuigen festhalten will, sollte sie den Mut haben, zu bekennen, daß sie selbst das Einvernis für die Durchführung von Reformen ist, und sich nicht verstecken hinter dem nichtigen Einwand, daß sie infolge der Mehrheitsverhältnisse im Abgeordnetenhause außerstande sei, Reformen des Wahlrechts durchzuführen, die diesen Titel wirklich verdienen. Deutsches Reich. Zur Lage der pensionierten Beamten. Vom„Verband pensionierter deutscher Reichsund Staatsbeamten“ wird geschrieben: Es ist nicht zu bestreiten, daß die pensionierten Reichs= und Staatsbeamten unter der allgemeinen Teuerung aller Lebensbedürfnisse viel mehr zu leiden haben, als die aktiven Beamten und dar eine Erhöhung der unzureichenden Pensionen, besonders auch für die älteren Pensionäre, die di mißlichsten Anstellungs= und Besoldungsverhältnisse mit Geduld ertragen mußten, dringend nötig ist. Nicht nur, daß schon bisher durch Steuern und Zölle die Preise für alle Lebensbedürfnisse bedeutend gesteigert waren, so werden durch Erhöhung der direkten Steuern und durch Einführung neuer indirekter Steuern die ohnebin schon unzalänglichen Ruhegehälter noch mehr entwertet. Da festgestellt ist, daß in verschiedenen Bundesstaaten höhere Pensionen bewilligt werden, als in zu bitten, ich gab ihr ein halbes Versprechen, sie mußte aber sagen, sie erhalte das Geld von der Gesandtschaft. So blieb ich durch sie auf dem Laufenden und habe jetzt den sentimentalen Fürsten, der selbst gegen ein Engagement Margneritas bei Malfetti war, ein Schnippchen geschlagen. Morgen muß der Abschluß geschehen, wenn ich meinen Vertrag mit Bachmann unterzeichnen soll.“ Guido saß am Mittag in bester Laune an der table d’hote des„Hotel de Hambourg“, in welchem die ersten Kräfte der Italienischen Oper wohnten oder zu speisen pflegten. *** Am nächsten Mittag kehrte Marguerita in gehobener Stimmung und mit beschleunigtem Herzschlag von dem entscheidenden Gang zurück. Noch im Hut und ohne sich Zeit zu nehmen, die Handschuhe anzulegen, warf sie sich in den Sessel und zog ein Papier hervor. Die wenigen Zeilen desselben lauteten etwa: daß Marquerita Orsini mit vorausgesetzter Einwilligung ihres Vaters für die Dauer der an dem und dem Tage beginnenden Kunstreise der Bachmannschen Operngesellschaft als zweite Sängerin gegen eine Monatsgage von 250 Talern engagiert sei und sich allen Bestimmungen ihres Direktors hinsichtlich des Rollenfaches usw. unterwerfe, welches der auszufertigende Kontrakt enthalten werde. Die Zeilen flossen vor ihren Augen durcheinander; sie hafteten schließlich an der Unterschrift: Ernst Bachmann. Sie war also in die Genossenschaft der Künstler eingereiht, sie sollte mit einer Anzahl erster und bedeutender derselben die Welt durchziehen und nicht allein, denn Guido, als er ihr bei Bachmann begegnet und ihr seine Glückwünsche gesagt, hatte ihr versprochen, ihr eine hochachtbare ältere Dame, die erst seit einigen Tagen hier sei, als Begleiterin und Gesellschafterin zu senden, eine Landsmännin, deren bisherige Herrin, eine Sängerin, sich verheiratet und mit der sie sich vortrefflich verständigen werde. Bachmann, so versicherte er, habe den Vormittag schon mit Ungeduld gewartet, sie sich verpflichten zu können; alles lasse das Beste erhoffen. Sie sprang auf, um den Vater zu suchen, der wieder in seiner dunklen Stube saß und teilte ihm mit, was geschehen. Der Alte hörte es schweigend an. Preußen und im Reich, so hat sich der Verband pensionierter deutscher Reichs= und Staatsbeamten (E. V.) zu Hannover(Vorsitzender Prof. Frantz, Hannover, Kestnerstraße 46) die Aufgabe gestellt, mit allen gesetzlichen. Mitteln dahin zu wirken, daß die Pensionsgesetze vom Jahre 1907 abgeändert werden, und zwar hauptsächlich so, daß die neuen Gesetze für sämtliche Pensionäre rückwirkende Kraft erhalten. Es soll auch dahin gewirkt werden, daß den ehemaligen Privat=Eisenbahnbeamten sowie den Unfallpensionären eine Erhöhung ihrer Pention zu teil wird. Generalkonsul für Schanghai. Sämtliche deutschen Firmen von Schanghai haben eine eingehend begründete Petition an den Reichstag gerichtet, bei dem hiesigen Generalkonsulat den Posten eines etatsmäßigen Konsuls zu schaffen, dem dauernd die Geschäfte eines Richters übertragen werden sollen. Das sei, so wird in der Petition ausgeführt, im Interesse einer ihren Aufgaben gewachsenen deutschen Rechtspflege unbedingt notwendig. denn hierauf baue sich der Kredit des deutschen Handels in ganz Ostasien auf. Die überseeische Auswanderung. Die jetzt vorliegenden Zahlen über die Entwicklung der deutschen überseeischen Auswanderung im Jahre 1909 lassen erkennen, daß der im Jahre 1908 angetretene bedeutende Rückgang inzwischen zum Stillstand gekommen ist, denn das vergangene Jahr übertrifft mit rund 25000 Auswanderern das Jahr 1908 um etwa 5000. Ueber die Rückwanderung liegen statistische Zahlen noch nicht vor. Deutsch=Amerikanischer Zollkonflikt? Washingtoner Meldungen zufolge sind die Zollverhandlungen mit Deutschland ins Stocken geraten, weil Deutschland sich nicht geneigt gezeigt hat, das Verbot der Einfuhr von Schlachtbieh zu lindern. Ein Zollkrieg ist in das Bereich der Möglichkeit gezogen. Zur Bischofsfehde in den Reschslanden. Die Akten des Konsliktes zwischen der reichsländischen Regierung und den Bischöfen sind auf Ersuchen der Reichsregierung nach Berlin geschickt worden. Der Vermutung, der Vatikan billige das Vorgehen der Bischöfe wird einer Meldung aus Rom zufolge, aus der nächsten Umgebung des Staatssekretärs, entschieden widersprochen. Der Vatikan will nach wie vor von irgend einer Reibung oder gar von einem Kulturkampf nichts wissen. Die Vorgänge in den Reichslanden seien geeignet, die Bemühungen des Vatikans um die Pflege eines herzlichen Verhältnisses zu Deutschland zu gefährden. v. Pedewils über die Reichsfinanzreform. Der bayrische Ministerpräsident von Podcwils hielt am Donnerstag in der Kammer eine mehr als zweistündige Rede, in der er eine erschöpsende Mitteil„Armer Papa! So werde ich Dich denn verlassen müssen!" rief sie, vor ihm niederknieend und seine Hände erfassend.„Aber bleibt mir denn anderes? Dir darf ich nicht länger zur Last fallen, denn Du bist müde! Was Du für mich tatest, war ja stets darauf berechnet, daß ich hinaus müßte in die Welt, in die Du jetzt mir nicht folgen kannst. Die Unruhe der Reise darf ich Dir nicht zumuten; aber diese ist ja nur auf ein Jahr festgesetzt, dann sehe ich Dich wieder!" Sie drückte seine Hand an ihre Lippen, er aber nahm den Schirm von seinen Augen und blickte sie glücklich an, indem er ihr die Hand auf den Scheitel legte. „Meinen Segen, Du liebes, gutes Kind! Möge es Dir glücken auf Deinen Wegen!.. Aber nicht hier werden wir uns wiedersehen; ich darf meine kleine Pension auch in der Heimat verzehren und dort, wo man meine Kunst besser schätzt als hier, werde ich mein Augenlicht ganz wieder gewinnen in der schönen Sonne der Heimat, und auch wieder tätig sein können. Ich reise mit Melitta, denn was soll ich hier allein unter fremden Menschen, mit denen ich mich ja nie ganz verständigen lernte. Das Schicksal führt uns jetzt alle drei weit, weit voneinander, aber ich habe die tröstende Ahnung, es wird uns wieder vereinen in unserer schönen Heimat, die ich einst verlassen mußte!“ Damit schloß er lächelnd. Er küßte sie auf die Stirn und Marguerita erhob sich mit wunderbar beruhigtem Gemüt. Sie suchte Melitta und fand sie in der Küche. Auch sie schien seit langem wieder in besserer Stimmung; sie hörte mit Teilnahme zu, dann faltete sie die runzeligen Hände und rief:„Es ist Gottes Wille, daß wir alle aus diesem undankbaren Lande erlöst werden, das uns darben läßt; er sei gelobt!“ Am Nachmittag am Fenster stehend und über die Nachbarschaft hinblickend, an die sie seit ihrer Kindheit gewöhnt, jetzt mit dem Gefühl, daß sie dieselbe für= immer verlassen sollte, sah sie erschreckend die offene Equipage des Fürsten vor das Haus fahren, ihn derselben entsteigen und auf das Haus zutreten. Er, der so regelmäßig alle fünf, sechs Tage kam, um sich nach dem Befinden seines„alten Freundes“ zu erkundigen! Sie sah ihn stets gern, mit seinem zarten, ritterlichen Benehmen, heute fuhr sie zusammen, als sei sie sich etwas Böses bewußt. Aber sich ins Zimmer kehung des sachlichen und parteipolitischen Entwicklungsganges der Finanzreförm gab. Als die Reform mit der Erbansallsteuer undurchführbar wurde, war die Reichsregierung neuerdings gezwungen, aus andere Weise das Werk zu vollenden, denn von einer Reichstagsauflösung war im Bundesrate keine Rede unn sie hätte auch die Reform nur noch weiter verzögert. Man mußte also mit den neuen Parteien zusammenarbeiten. Das Gesamtergebnis der Reichssiaanzreform ist trotz aller Mängel immerhin befriedigend. Ausland. Rutzland. Petersburg, 13. Jan. Eine umfassende Revision der Militärressorts durch Senator Garin steht bevor, wobei ihm vom Kriegsminister die größten Vollmachten erteilt sind, etwaige Schuldige, welcher Rangklasse sie auch immer angehören, zur Verantwortung zu ziehen. Portugal. Lissabon, 13. Jan. Die Verhaftungen in Sachen des republikanischen Komplotts dauern fort Bisher wurden 50 Personen festgenommen. Auch in Oporto kom man einem Zweige der Verschwörung auf die Spur, die für die allernächste Zeit die Ausführung des geplanten Attentats gegen den König vorgesehen hatte. Schon vor einigen Wochen waren den Ministerten mehrere anonyme Zuschriften zugegangen, wonach das Leben des Könias verwirkt sei, infolgedessen besondere Vorsichtsmaßregeln getrofsen und der Palast in weitem Umkreise von Kri minalisten umstellt wurde. Es bestätigt sich, dar mehrere Personen erschossen wurden die des Nachts in das Schloß einzudringen versuchten. Der König und seine Umgebung befinden sich in begreiflicher Aufrgung. Der junge Monarch äußerte mehrsach Rücktrittsgedanken. Türkei. Konstantinopel, 13. Jan. Auf Grund des neuen strengen Vagabundengesetzes werden jetzt alle in flagranti ertappten Taschendiebe auf der Polizei mit 20 bis 30 Stockhieben gezüchtigt und dann ohne weiteren Prozeß für immer nach den Wüsten Arabiens transportiert. Konstantinopel, 13. Jan. In Maccedonien macht die Bekämpfung des Räuberwesens langsime Fortschritte. In Monastir ist es den Gendarmen gestern gelungen, einen der kühnsten Räuberhauptleute, den moslemischen Albanesen Abdul Yonus nebst den wichtigsten Mitgliedern seiner Bande gesangen zu nehmen. Dagegen hat sich die offizielle Smyrnaer Nachricht von einer Umzingelung des berühmtesten anatolischen Räubers Mehmet Tschakirdschi als Schwindel entpuppt. Um Mehmet in contumar#am schwer zu strafen, griff man zum grausamen Mittel der Einkerkerung aller seiner Verwandten, und man K rend, die Hand auf die Brust legend, um sich zu seinem Empfang zu sammeln, lächelte sie über sich. Fürst Bernhard trat mit seinem gewohnten, liebenswürdigen Lächeln ein und benutzte die ihm schon gewährte Erlaubnis, ihre Hand an seine Lippen zu drücken. „Sie sehen heute so, wie soll ich sagen, so unternehmend aus!“ meinte er, ihre Hand noch in der seinen haltend, um in ihre dunklen, sinnigen Augen zu blicken. „Ist etwas geschehen, das Sie so erregt?“ Auch Marguerita lächelte, unbefangener als sonst „Es ist geschehen, Durchlaucht!“ bestätigte sie mit einigem zur Schau getragenen Selbstbewußtsein.„Ich habe einen wichtigen Schritt getan, der ja unvermeidlich in unseren Verhältnissen war!“ Sie trat zu dem Schreibtisch und reichte ihm Bachmanns Papier. Der Fürst starrte es an; sie sah der jähen Farbenwechsel auf seinem Antlitz. „Und der Papa hat dies genehmigt?“ fragte er mit bewegter Stimme. „Er gab mir seine Zustimmung!“ Auch sie wurde durch sein Benehmen verwirrt. Er gedenkt ja ebenfalls nach Rom, in unsere Heimat, zurückzukehren, wenn ich fort bin!“ „Und nichts hat er mir davon gesprochen! Nichts auch hörte ich aus Ihrem Munde über..“ Er[Zs###fte tief verstimmt den Kopf und legte das Papier von sich..Ei: hielten mich des Vertrauens nicht für würdig!“ Unwille drückte sich in seinen Mienen aus, wlhlend er vor sich hinblickte. „Es geschah alles so schnell, so überstürzend," beteuerte Marguerita.„Dieser Mann war gestern bei mir, er hatte von mir gehört und prüfte hier im Zimmer meine Stimme. Heute sang ich abermals vor ihm und einigen andern und die Folge davon war unmittelbar dieses".. Sie deutete auf das Papier. „Ich begreife es!“ Der Fürst neigte das Haupt in derselben Stimmung.„Aber Sie handelten unrecht, wenigstens übereilt! Gestatten Sie mir, Ihnen zu sagen .. Doch besser ist Schweigen angesichts des Gescheheuen. Man hat Sie überrumpelt! Für dies sind Sie zu gut, Fräulein Marguerita! Sie durften nur in einer ersten, Ihrer würdigen Stellung vor die Welt treten! Wer hat Ihnen diesen Mann zugeführt?“ fragte er aufschauend, mißtrauisch. 175,18 1 sroht sogar, wenn der unbezwingliche Rauber den Behörden nicht den Gefallen tut, sich freiwillig ins Besängnis und unter den Galgen zu begeben, einige einer Angehörigen statt seiner zu hängen. Der neue türkische Großwesir Hakki Bal. Nach langwierigen Verhandlungen hat der bisherige türkische Botschafter in Rom, Hakki Bei, den Posten eines Großvesirs angenommen; von den übrigen Mitgliedern des neuen Kabinetts ist der bekannteste wohl der neue Kriegsminister Mahmud Schewket Pascha, der bekannte Generalissim is. Das neue Kabinett hat neben der Kreta= und der Lynchstage noch eine neue schwere Aufgabe, den tunesischen Grenzkonflikt„zu lösen, und wird bald zu beweisen Lokales und Provinzielles. Dortmunder Stadttbeater. haben, ob seine Lebensdauer die des vorigen Kabinetts übertreffen wird. Da es durchaus als ein Komiteeministerium zu bezeichnen ist, so scheint auch der Friede zwischen Hakki Bei und dem jungtürkischen Komitee wiederhergestellt zu sein. Zu bemerken ist noch, daß Hakki Bei ein großer Freund Italiens ist, und daß, wenn nicht alle Anzeichen trügen, in den Beziehungen der Türkei zu Oesterreich und auch Deutschland aus diesem Grunde sehr bald eine Erkaltung eintreten dürfte. Dortmund, 14. Januar. — Verein der Freisinnigen Volkspartei.— In der gestrigen Versammlung sprach Herr Redakteur M. Sonnemann in etwa 1stündigem Vortrage über die Verschmelzung der drei linkliberalen Parreien und die von dem Viererausschuß vorgelegten Entwürfe für ein Einjgungsprogramm, das Organisationsstatut und die Uebergangsbestimmunzen. Redner würdigte die erfolgreiche schnelle Arbeit des Viererausschusses, erklärte die Entwürje für acceptabel, äußerte jedoch noch verschiedene Wünsche auf eine Erweiterung des Programms 2c. An den Vortrug knüpfte sich eine lebhafte Diskussion, in der verschiedentlich zum Ausdruck gebracht wurde, daß man das Einigungswerk nicht durch Anträge, die unbedenklich für später zurückgestellt werden könnten, gefährden moge. Schließlich wurde eine eingebrachte Resolution, die den Ausführungen des Referenten entsprach, angenommen.— Sodann wurde die trotz der auten Beziehungen zwischen Nationalliberalen und Freisinnigen in Dortmund den Freisinnigen gegenüber gewissermassen feindselige Haltung der Dortm. Ztg. recht abfällig kritisiert und hervorgehoben, daß eine solche Haltung nur zu geeignet sci, das gute Verhältnis zwischen den Liberalen Dortmunds zu trüben. Mit einer kurzen Diskussion über die Forderungen der liberalen Frauen wurde die anregend verlaufene Sitzung um die mitternächtige Stunde geschlossen. — Wie hast Du Dir verändert! Die„Tremonia plädiert dafür, daß der städtische Reinoldushof künftig auch den Sozialdemokraten zur Abhaltung von Festlichkeiten und Versammlungen zur Verfügung gestellt werde. Wir haben natürlich nicht das Geringste gegen die Erfüllung dieses Wunsches durch die städtischen Körperschaften einzuwenden, aber wir könneu nicht umhin, darauf hinzuweisen, daß das Jentrum und mit thm die„Tremonia“ früher nichts von einer Ueberlassung städtischer Lokale an die Sozialdemokratie wissen wollte. —* Freisinniges Archiv für Westfalen, Rheinland und die angrenzenden Gebiete. Die freifinnige Geschäftsstelle zu Hagen i. W.(Kaiserstraße 17) beabsichtigt, ein Archiv anzulegen, in welchem auf die Parteibewegung und die politische Geschichte im Westen unseres Vaterlandes bezügliche Drucksachen, Broschüren, Bücher, Zeitungen, Flugblätter ulw. gesammelt und geordnet w##rden solter Parteifreunde, Vereine usw. werden dringend gebeten um Förderung dieses Planes durch Einsendung ron Material. Das Archiv soll der All gemeinheit dienstbar gemacht werden. —* Die Armenpflege hal der Stadt Dortmund im Jahre 1969 weit mehr gekostet, als veranschlagt worden war. Es sind deshalb etwa 60000 Mark nachzubeltilligen. —* Der Reinoldushof soll nach seiner Renovierung für 3500 Mark jährlichen Mietspreis auf sechs Jahre an den Wirt Ociriich Droop verpachtet werden. Vor Kurzem sorach man vom Magistratstische die sichere Eiwartung aus, daß nach dem Umbau ein wefentlich höherer Mietszins als###eher erzielt werden würde. Es scheint aber, daß man mit einem geringeren sich zufrieden geben will. — Tötlicher Unsell. Auf der dritten Sohle der Zeche Kaiserstuhi 2 kam heute vormittag der 17 Jahre alte Bergmann Gustav Rteilig beim Oeffnen einer Wettertür zwischen diese und den Türrahmen. Er erlitt einen Schädelbruch. en dessen Folgen er starb. —* Besitzwechsel. Das Wohn= und Geschäftshaus Vorsigstraße 57 des Händlers August Schulze hat der Kaufmann Ernst Riepenhagen von hier für 38 500 Mark gekauft. —* Für Jäger. Die diesjährige Jagd auf Hasen erreicht mit dem morgigen Tage ihr Ende. Sonntag, den 16. Januar. ist dereits der erste Schontag. —* Ein Dynamitsund. Gestern Nachmittag wurden ain Eisenserk Union unter der Unionstraßen=Unterführung des Bahnhoses Dortmund in der Richtung Mengede=Wanne eine Anzahl Dynamitpatronen gesunden und durch die Polizei später beseitigt. Wie die Patronen dorthin gelant sind, steht bisher nicht fest. — Stadtheater. Infolge der Ertrankung des Frl. Gersy, welche ungefähr 14 Tage andauern kann, wird Frau Therese Kosserg vom Stadttheater in Aachen aushilfsweise am Freitag, den 14. Januar die„Frau Hasemann“ in„Hasemanns Töchter“ und am Sonntag, den 16. Januar nachmittags die„Paula Hartwig“ in dem Lustspiel„Die berühmte Frau" spielen. Für Sonnabend ist eine Wiederholung der komischen Oper„Der Liebestrank“ von Donizetti angesetzt, vorher wird das Ballet„Die Puppensee“ in Szene gehen. —' Philharmonisches Streich=Quartett. Sonntag, den 16. Jan. findet die 1. Kammermusik=Matinee statt im Musiksalon Reinelt, Balkenstr 14—16, vormittags 1leinhalb Uhr. Diese erste populäre KammermusikMatinee wird Genüsse vornehmer Art bringen und ist der Besuch sehr zu empfehlen. Kaiten sind bei der Firma Reinelt im Voraus zu haben, sowie morgens an der Kasse.(Siehe Inserat). — Frauenbildung=Frauerwerb. Wir wollen nicht unterlassen, nochmals empfehlend auf den Vortrag der Bundesvorsitzenden, Frau Maria Stritt, empfehlend hinzuweisen. Er findet leute Freitag Abend 8 Uhr im großen Saale des Schwarzen Raben statt. Eintrittsgeld wird nicht erhoben. —“ Einwohnerzahl. In der Zeit vom 1. Juli bis 1. September 1909 hat die Bevölkerung der Stadt Dortmund 158 Personen, sie betrug Ende September v. J. 204 627, Personen. —“ Von der Lippe. Mit Rücksicht auf den Umstand, daß das Lippetal einst eine der wichtigsten Römerstraßen zwischen dem Niederthein und der Weser gebildet hat, hat die Staatsregierung Veranlassung genommen, die mit dem Bau des ippekanals Datteln=Hamm beauftragten Organe anzuweisen. Sorge dafür zu tragen, daß etwaige beim Graben des Kanalbetts zu Tage tretenden aus der Römerzeit stammende Gegenstände vor Beschädigung und Vernichtung bewahrt werden. Derartige Funde sollen sofort g boigen und dem Provinzi lmu###um in Mün ster zugeführt werden. —“ Kronenburg. Dem heute Abend 8 Uhr stattfindenden Symphonie=Konzert des Phitharmonischen Orchesters(Dirigent Georg Hüttner) liegt folgendes Programm zu Grunde: Konzert für Violine(Solist Carl Pecsi, Lehrer des Konservatoriums Holt schneider=Hüttner), Symphonie„Ländliche Hochzeit“ und Ouverture„Im Frühling“, sämtlich von Karl Goldmark. Der 2. Teil enthält Ouverture zu„König Manfred“ von Reinecke, Serenade für Blasinstrumente von Richard Strauß sowie die Duvecture z. O. „Die lustigen Weiber von Windsor“ von Nicolai. ** Polizeibericht. In der Nacht zum Donnerstag =le. Dortmund, 13. Jannar. „Hans Heiling“. Romantische Oper von Heinrich Marschner. Eine Hans Heiling=Aufführung ist ein Ereignis, weil es immer seltener wird. Ging doch noch bis vor ca. 20 Jahren die Scheu davor ziemlich weit, weil Sängerinnen von einiger Bedeutung keineu Kontrakt unterschrieben, der Marschner nicht ausdrücklich ausschloß.„Er hätte es mit ihnen verdorben, weil er infolge seiner Instrumentierung die menschliche Stimme an die Wand orücke.“ Und dabei stand der Weber gegenüber 10 Jahre jüngere Komponist noch vor Wagner. Marschner war seiner Entwicklung nach der dritte der Meiste: der sogen. komischen Oper. Es wollte ihm erst gar nicht glücken. Erst als Weber in Dresden die Bedeutung seines seinen Geschmackes und seiner, gerade im Vermeiden aller überladener Instrumentierung glänzenden Ausdrucksfähigkeit erkannte, begann ihm das lück zu lächeln. Daraushin wars auch möglich, den„Hans Heiling“ an die Berliner Hofoper herauszubringen„wo Eduard Devrient als Opernsänger tätig war. Devrient, der den Text verfaßt, und ihm dem Musikdirektor Marschner von der Dresdeuer Oper zunächst anonym zugesandt hat, sang den Hans Heiling damals selbst und erwirkte dem Opus— nur mäßigen Erfolg. Da war es wieder Sachsen, das dem Schüler des Zittauer Prafekten Schneider die Stange hielt: in Leipzig wurde dann die Aufführung zum Triumph. Von da an gings aufwärts, die reizvolle Frische und die eigentümliche Schönheit, die den bisher in Weberschen Bahnen wandelnden Meister, auch des Chorgesanges und der Opernarie, selbständig machte, siegten in willkommener Fortsetzung. Das Werk siegte auch heute, trotz seiner„Altmodischheit", wie die schnelle Fertigkeit mit dem Worte sie abtut. Es stegte, weil die Pabezw. im Laufe des Mittwochs wurden 15 Personen sestgenommen und zwar: je 4 wegen Diebstahls und Obdachlosigkeit, ie 2 megen Trunkenheit und Fürsorgeerziehung und je 1 wegen Umhertreibens, Kuppelei und Ueberweisung an die Landespolizeibehörde.— Im Ko losseum an der Münsterstraße stahl am Mittwoch Abend zwischen 10 und 11 Uhr der vorbestrafte, stellenlose Kleioner Adolf Zinn dem hier zugereisten Arbeiter G. Koch aus Braunschweig 1100 Mark und wurde damit flüchtig. Ein wahrscheinlicher Gehilfe des Zinn wurde wegen Verdachts der Beihilfe festgenommen. Allem Anchein nach hat ders erst 19 Jahre alte Bestohlene das Geld auch nicht ehrlich erworben. Schwerte, 13. Januar. Die sogen.„Rieler Beschlüsse“ wurden bekanntlich von den hiesigen Kriegervereinen s. Zt. nicht angenommen. Die Vereine traten aus dem Kriegerbund aus und bildeten eine Sondervereinigung. Es scheint jedoch, als gehe die Einigkeit in dieser Gruppe zu Bruche. Der Garde= und der Kavallerieverein nahmen bereits vor einiger Zeit die Beschlüsse an, jetzt ist auch der Verein ehem. 16er gefolgt. Die Ursache der Nachgiebigkeit wird zum Teil darin gesucht werden können, daß die Ve. der„Vereinigung“ von der Spalierbildung beim Kaiserbesuch ausgeschlossen waren. Barmen. 12. Jan. Eine sZwere Gasexplosion ereignete sich heute morgen in der zweiten Etage eines Hauses in der Bredderstraße. In einer nicht mehr in Gebrauch befindlichen Gasleitung des Hauses entstand, aus bisher unbekannten Gründen, eine Explosion, die große Verheerungen anrichiete. Sämtliche Decken wurden heruntergerissen, alle Fenster zertrümmert und Türen ausgehoben. Die Bewohner des Hauses blieben unverletzt. Dagegen fand man in der dritten Etage, wohin das Gas gedrungen war, einen 50jährigen Bandwirker namens Verghausen tot vor. Seine Tochter lag besinnungslos am Boden, sie konnte aber wieder ins Le ben zurückgerufen werden. Elberfeld, 12. Jan. Gestern abend fuhr kurz hinter der Station Dirke ein aus der Richtung von Barmen kommender Ellteizug, der das auf Halt stehende Einfahrtssignal nicht gesehen hatte, einem zweiten Güterzug in die Flanke. Füns Wagen wurden schwer beschädigt. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Um 10 Uhr abends war die Strecke wieder frei. Elberfeld, 13. Jon. Die freisinnigen Wahlvereine des Wuppertales beschiossen, ihre Vertreter zu der Berliner Einigungeneisammlung der drei linksliberalen Parteien zu beauftzagen, für die Bezeichnung„Fortschrittspartei“ dei neuen Portei einzutreten und nicht „Deutsche freisinnige Volkspattei“ zu wählen. In dem Namen Fortschrittspartei liegc das ganze Programm des Freisinns. Düsseldorf. 13. Januar. In dreister Weise haben hier zwei Frauen, heute nachmittag ein Kind ausgesetzt. Die beiden Frauen erschienen bei einer Bewohnerin der Zitaden ustraße und fragten, ob sie ein Kind in Pfiege geben könnten. Als die Inhaberin der Wohnung das Kind auf den Arm nahm, rissen die beiden Frauen die Tür auf und stürmten davon. In der Tür rief die eine der Frauen noch der verdutzt dastehenden Zimmerinhabein zu: Gott sei Dank, daß wir es quitt sind. Sie schlug zu und beide verschwanden. Alle Nachforschungen waren vergeblich. Das Kind wurde im städtischen Pflegehaus untergebracht. dem Gerichtssaal. Schwurgericht Dortmund. Dortmund, 18. Januar. Der am 17. April 1881 im Kreise Rawitsch geborene und noch nicht vorbestrafte Bergmann Albert Kapola von Dortmund hatte sich wegen Notzucht zu verantwor ten. Am 25. Jui: v. J. fuhr der Mann nach Unna und ging von dort nach Bilmerich, um seine Kusine, eine junge Versmannswitwe, zu besuchen. Gegen 3 Uhr kam er bei dieser an, und in der Freude des Wiedersehens trank er in deren Wohnung nicht weniger denn 20 Flaschen Bier. Als er dieses Quantum hinter die Binde gegossen hatte trat er den Heimweg an und beging das ihm zur Last gelegte Verbrechen. Die Herren Geschworenen sprachen den Angeklagten schuldig im Sinne der Anklage und billigten ihm die mildernden Umstände zu. Der Gerichtshof' erkannte auf 1 Jahr 3 Monate Gefängnis. Drei Monate der erlittenen Untersuchungshaft wurden vem Angeklagten als verbüßt angerechnet. rallele zwischen Orchester und Bühne sehr glücklich hergestellt war. Den Hans Heiling sang der Berliner Gast. Nicht mit dem Eindrucke, den sein Holländer erweckte. Ihm liegt zweisellos das auch in Marschners Oper vorwaltende Element des Mystischen, des dämonisch Lustigen. Das wird bei ihm sogar zur vollendeten Kunst u. ersahte auch heute wieder mit grauenvoller Spannung, die aber doch ihren Ausgungspunkt nicht im rein Dramatischen, sondern mehr im Vorausgeahnten sieht. Organisch sank Herrn Baptist Hoffmanns Leistung keinen Augenblick, es war auch schauspielerisch mehr eine bloße Routine und darum freuten wir uns mit dem Künstler des Lorbeers, der ihm in Kränzen mit reichlichem Radius ward. Wir hoffen, den Gast wiederzusehen, in Dortmund. Fräulein Schwarz gestaltete die Anna zur ansprechenden Rolle. Der Dualismus, der die Braut zwischen dämonischer Gewalt und wahrem Herzenszug schwanken läßt, kam mit seinen Steichen zu. Geltung Stimmlich war volle Meisterung der Situation gegenüber dem Orchesteranfluten zu erkennen. Größer war die im übrigen lichtvolle Anna doch als Senta. Bemerkenswert in seinem Mashalten war Frl. Kluge als Gertrud, schwungvoil als Liebhaber und wegen der sehr sympathischen Legati Herr Theurer. Frau Wildbrunn vertrat die Konigin der Erdgeister sehr vornehm und echt mütterlich. Herr Engelke war ein amüsanter Meister vom Amboß und werr Laumen erweckte schon durch das Lachen des spießbürgerlichen Schneiders Niklas, stets anhaltend das Echo seiner Gemeinde. Die Reate hatte dem romantischen Charakter des Werkes volle Würdi gung zuteil werden lassen, auch der Repetitor in der Schulung der Chöre. Herr Kapellmeister Carl Wolfram nahm mit dem Orchester und dieses seine Aufgabe erfreulich genau. Die Dort nu ider werden mit Genugtuung bei den Eindrücken der Aufführung verweilen. Strafkammer Dortmuns. X Dortmund, 18. Januar. Wegen Urkundensälschung hatten sich die Eheleute Wagenbauer Johann Ahlers von Dortmund vor der Strafkammer zu verantworten. Die Anklage legt ihnen zur Last, in den Jahren 1908=09 sechs Wechsel mit dem Namen Johann Schlolßmacher als Akzeptant fälschlich versehen zu haben. Diese sechs Fälle mußten aber nach der Vernehmung des Zeugen Schloßzmacher ausscheiden, da dieser erklärte, daß er den Angeklagten die Erlaubnis erteilt habe, seinen Namen als Akzeptant unter die Wechsel zu setzen. In einem zweiten Falle sollen die Angeklagten zwei Wechsel, der eine über 750 Mark, der andere über 1000 Mark zum Nachteil der Witwe Schulze=Klotingen ausgestellt haben. Die Be weisaufnahme ergab hier, daß die Witwe, wie sie selbs angiebt, dem Angeklagten zwei Blankoakzepte gab, die sie mit 300 und 500 Mark ausfüllen sollten; statt dessen hätten sie die oben angegebene größere Summa eingesetzt. Die Angeklagten behaupten dagegen, das Frau Witwe Schulze=Klotingen beide Wechsel selbst bis auf die Adresse ausgefüllt habe. Schaden ist übrigenaus der ganzen Assäre niemanden erwachsen. Schließlich wurde die Verhandiung bis Samstag vertagt. Im Interesse der öffenttlichen Sicherheit verhängte die Strafkammec über den Musiker Breier von Dortmund eine emrfinoliche Strafe. Es war auf dem Königswall, wo infolge des Dirnen= und Zuhältertums die öffentliche Sicherheit eine Zeit lang in hohem Maße gefährdet wurde, als ein junger Mann von einer Frauensperson angerempelt wurde. Es soll die Frau de Breier gewesen sein. Ais sich der Angesprochene jede Belästigung verbat. lauchte plötzlich Breier auf und schlug ohne jeden Grund mit einem Hampelmann auf der Mann ein, der eine Verletzung am Kopfe davontrug Bei der Abwehr des Angciffs zog Breier auf Geheiß seiner Frau einn Revolver und gab auf einen ihnen geegnüberst henden jungen Mann einen Schuß ab, dem die Kugel an der Schläfe vorbeisauste. Dann ergrift das Ehepaar dic Flucht lurde aber von der Polizei verfolgt, in der Lindenstraße gestellt und zwecknäherer Feststellung der Personalien zur Wache gebracht. Mit Rücksicht auf den groben Verstoß gegen die öffentliche Sicherheit und in Anbetracht des Benehmens des Angeklagten, das einem Zuhälter gleich komme, verhängte das Gericht über Breier eine Gesängnisstrase von 1 Jahr 6 Monaten und ordnete die sofortigVerhaftung an. Eine Diebesgesellschaft die aus jungen Burschen bestand, legte die Kriminaipolizei kürzlich das Handwerk. Es sind der Dreher Wuchelm Aßmann, der Schlosser Wilhelm Luka, d. Arbeiter Joses Osterwind, der Schlosser Wilhelm Sträter, der Arbeiter Heinrich Heiermeier und der Schlosser R. Schäffer von Dortmund, die heute wegen einer großen Anzahl Diebstähle vor der Strafkammer standen. Neben den jungen Burschen saß die Ehefrau Johann Luka wegen Hehlerei auf der Anklagebank. Die Angeklagten brachen überall dort ein, ivo die Gelegenheit günstig war. Selbst der Kreiskasse statteten sie einen Besuch ab. Barmittel sielen ihnen indessen nicht in die Hände. Als der Kriminaibeamte Heck bei Frau Luko eine Haussuchung abhielt, wurd: ein ganzes Lager zusammengestohlener Sachen gefunden und beschlagnahmt. Trau Luka tat recht unschuldig, sie wollte von nichts wissen und behauptete, ihr Sohn sei nicht in Dortmund, er wohne in einer anderen Stadt. Heir Heck fand den jungen Burschen im Keller versteckt, wo er ihm einen scharf geladenen Revolver abnahm. Aßmann und Heiermann sind arbeitsscheue Burschen, die ihren Eltern bisher wenig Freude gemacht haben. Das Gericht fällte folgendes Urteil: Aßmann erhielt 1 Jahr 3 Monate Gefängnis, Luka 3 Jahr: Huchilane und 5 Jahre Ehrverlust, Osterwind Zeinhalb Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust, Sträter 1 Jahr 9 Monate Gesängnis, Heiermeier 9 Monate Gesängnis. Schilfer C Monate Gefängnis, Frau Luka wurde freigesprochen. konnte, habe T Die gesamten ist gelegt. annover, 1. ung wurde heut ammer das Urt igten Geldschr Diebstahls bez tworten hatten em Jahre 1907 auf das freie t. In einem Kirchengemein n, wobei ihne Mark und in die Hände r wurden noch n. Die Verbre alles in frechst e Käsehändler urde wegen H 6 Monaten und n Ehrverlust v dolf Bostel hls in eine Fällen 2 Jah Ehrverlust, d n wurde wege 14 Jahren Kasan, 13. sen Gerichte n eß wegen der Garrin aufged idanturverwal nte und Offizi ngnis verurte die Lieferanter kommission ei ste Provision ages der über in auf solche m der Angeklag #l beschlagnah er in Sicherh noch gegen 6 er nicht mehr schung eingele Letzte Schöffengericht Dortmund. Dortmund, 13. Jannar. Das Schöffenglrich! verhandelte gestern Mittag in einer Privatflogesache des Verginvaliden Wächter, die dieser gegen den Vergarbeiter Oberhaus angestrengt hatte. Veranlassung zur Erhebung der Klage hatte eine Versammlung der Anarcho=Sozialisten gegeben, bie im Oktober beim Wirt Meier=Ebert in der Bleichmärschstraße stattsand. Oberhaus trat am Schlusse der Versammlung als Redner auf. wobei er seinen Ausschluß aus dem alten Bergarbeiterverbande als einen Racheakt von Wächter und Barteis hinstellte, denen er s. 3. im Punkte Kassenangelegenheiten scharf auf die Finger gesehen habe. Oberhaus behauptcle in jener Versammlung, daß Wächter bei einer unvermutet vorgenommenen Revision als Verwalter der Kasse nicht alles in Ordnung gehabt habe; monatelang seien keine Eintragungen gemacht. und Wächter habe auch keinen Bestand vorzeigen können, den er allerdings für Sterbegeld verwandt haven wollte. Dem Knappschaftsältesten Wienek habe Wächter 480 Mark Gemaßregelten= Unterstützung gezohlt, während dieser nur einen Teil der Summe zu beanspruchen gehabt hätte. Ferner behauptete Oberhaus. wenn er die Bücher mehrere Jahre zurückprüfen kürde, dann kämen noch mehr unangenehme Dinge ans Tageslicht. Zur Ehrenrettung Wächters führte Oberhaus in jener Versammlung an, daß bei einer späteren Revisson die Abrechnung gestimmt habe. In der gestrigen Verhandlung bestätigte der damalige Mitrevisor Bergmann Weigert die Angaben des Beklagten; es lam sogar noch mehr heraus. Ein Zeuge behauptete nämlich, daß Wächter einem Bergmann sagte:„Du brauchst aber öffentlich nichts davon zu sagen, daß wir Wienke 480 Mark gezahlt haben.“ Das Gericht kam zur völtigen Freisprechung des Beklagten Oberhaus, der den Wahrheitsbeweis erbracht habe und dem im übrigen der Schutz des Paragraphen 193(Wahrung berechtigter Interessen) zugebilligt sei. Bezüglich der Behauptungen, wo dieser Schutz nicht zugebilligt #erlin, 13. J ag den Reich erlin. 13. J ag im königli gswinisters, de Is des Militär remerhav die„Prov.=Zt en, um al syd mit der m II.“, der vo ezeit des Schi jete Fahrt i Ankunft sind ssen. Kaiser Wi Paris, 13. ssel gemeld gegnung 3 s dem Prä in diplomatis# btet werde. E Amen werden Weltausstellun Wenn Sie Malzkaffee einkaufen, dann achten Sie darauf, daß man Ihnen nur den echten Kathreiners Malzkaffee gibt und keine der vielen Nachahmungen oder gar lose ausgewogenen Malzkaffee, der oft weiter nichts wie gebrannte Gerste ist. Kathreiners Malzkaffee, dessen Verbreitung von Jahr zu Jahr zunimmt, wird von keinem anderen Malzkaffee an Güte und Wohlgeschmack erreicht. Er kommt nie lose ausgewogen zum Derkauf, sondern nur in geschlossenen Daketen mit Bild des Ofarrer Uneipp. Schriftl. Nebenercuerd d. Adress.=Arb. b 1000 Adr. 8 Mk.#d. Adr=Verl. F. Schild Altona Elbe. 7031 Dortmunds einziges Spezialhaus Gebr. Westenhellweg 37 Enge Stets vorrätig Teppiche mit kleinen Druckfehlern. welche wir bedeutend unter Prets verkaufen Nur neueste Hluster hrungen für Berlin, 13. freichte der Vi en Prinzen alt in Deutst nzen ein Or nnem kostbare men das Bru ssorm mit den zu Namenszu sin Heinr nzen ein sinn Leuchttn auf einer 1 örvern soll. die im Sock det werden. ge. Der deut erlin, 13. mission des sischen H für Delbr Höhe der vortugiesische besunden u gewähr schland schlei prierenden uf bis zum Pa erlin. 1 se. ging sch und die Königl Vertreterin üinseitigen Ruhrkohle rnehmer mi hmen? Berlin, 1 seilte hei en Ermorde wegen Die Verlust der naten Gesä Zur i dieser 2 #elschullehr geplante llt haben. Die Witwe, wie sie selbs ankoakzepte gab, die en sollten; statt desie größere Summe upten dagegen, das ide Wechsel selbst bis Schaden ist übrigens erwachsen. SchließSamstag vertagt. 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In einem Falle hatten sie den Geldschrank Kirchengemeinde im benachbarten Seelze eren, wobei ihnen Wertpapiere im Betrage von Mark und ferner Obligationen von 25000 in die Hände fielen. Bei einem der drei Vereer wurden noch 20000 Mark in Wertpapieren geen. Die Verbrecher versuchten bei der Verhandalles in frechster Weise abzuleugnen. Der 39= e Käschändler Oskar Siebert, gebürtig aus DanBurde wegen Hehlerei in zwei Fällen zu 2 Jah6 Monaten und einer Woche Gefängnes, sowie 3 en Ehrverlust verurteilt, der 30 Jahre alte BufeAdolf Bostel erzielt wegen versuchten schweren ahls in einem Falle und wegen Hehlerei in Fällen 2 Jahre 6 Monate Gesängnis und 3 Ehrverlust, der 31jährige Filograph Aug. LauIn wurde wegen schweren Diebstahls in 6 Fäli 14 Jahren Zuchthaus verurteilt. Kasan, 13. Jan. Gestern wurde vor dem gen Gerichte nach 7tägiger Verhandluig in dem leß wegen der durch die Revision des SenaGarrin aufgedeckten Korruption in der Kasaner ndanturverwaltung das Urteil gefällt. Zehn nte und Offiziere wurden zu 13einhalb Jahren nanis verurteilt. Wie festgestellt wurde, zahl die Lieferanten den Mitgliedern der Uebernahkommission eine je nach Rang und Einfluß festte Provision von ein Achtel bis 1 Prozent des ages der übernommenen Waren. Einzelne eren auf solche Weise bis 200000 Rubel. Bei in der Angeklagten wurde eine Summe von 80 000 el beschlagnahmt. Den anderen gelang es, ihre der in Sicherheit zu bringen. Wie er heißt, ist noch gegen 62 Beamte, von denen viele schon er nicht mehr im aktiven Dienste sind die Unsichung eingeleitet worden. Letzte Telearamme. Vom Kaiser. erlin, 13. Jan. Der Kaiser besuchte heute vorag den Reichskanzler. #erlin, 13. Jan. Der Kaiser nahm heute vor ag im königlichen Schlosse die Vorträge des egsministers, des Chefs des Generalstabes und des s des Militärkabinetts entgegen. Bremerhaven, 13. Jan. Der Kaiser wird, die„Prov.=Ztg.“ erfährt, in nächster Zeit nach hier nen, um als Gast des Norddeutschen syd mit dem Schnelldampfer„Kaiser Wilm II.“, der von Neuyork hier eintraf, während der pzeit des Schiffes eine auf ein bis zwei Tage bedete Fahrt in See zu machen. Ueber den Tag Ankunft sind noch keine bestimmten Dispositionen bssen. Kaiser Wilhelm und Präsident Fallières. aris, 13. Jan. Dem„Matin“ wird aus lssel gemeldet, daß sich dort das Gerücht von einer gegnung zwischen dem Kaiser Wilhelm dem Präsidenten Fallières erhalte in diplomatischen Kreisen als durchaus möglich bebtet werde. Es heißt, daß in Brüssel Schritte unteramen werden sollen, um einen Besuch des Präsidenten Weltausstellung in Brüssel herbeizuführen. hrungen für den chinesischen Prinzen Tsai=Hsuen. erlin, 13. Jan. Im Auftrage des Kaisers reichte der Vizeadmiral Coerper, der bei dem chinen Prinzen Tsai=Hsuen während dessen Aufalt in Deutschland den Ehrendienst versieht, dem zen ein Oelbild des Kaisers. Dieses zeigt inem kostbaren, mit der Kaiserkrone versehenen Goldien das Brustbild des Kaisers in Gardedukorpssorm mit dem Adlerhelm und trägt den eigenhänu Namenszug.— Ferner ließ auch die Prinsin Heinrich von Preußen dem chinesischen zen ein sinniges Geschenk in Gestalt eines silberLeuchtturms überreichen. Der Leuchtturm auf einer Unterlage von Alabaster, die das Meer rpern soll. Der Leuchtturm kann durch einen Druck die im Sockel befindliche elektrische Batterie entet werden. Vom Turme weht die deutsche Kriegsge. Der deutsch=portugiesische Handelsvertrag. derlin, 13. Jan. In der heutigen Sitzung der mission des Reichstages für den deutsch=portulischen Handelsvertrag erklärte Staatsür Delbrück: Unsere Interessen liegen weniger * Höhe der Zollsätze, als in der Meistbegünstigung. vortugiesische Regierung habe sich in einer Zwangsbesunden und hätte schlechterdings keine anderen itze gewähren können. Ein Zollkrieg würde cland schlechter stellen als die in Portugal mit ihm krierenden Länder. Die Abstimmung wurde uf bis zum nächsten Donnerstag verschoben. Parlamentarische Nachrichten. erlin, 13. Jan. Dem Abgeordnetene. ging volgende Interpellation Dr. 9 und Genossen zu: Welche Stellung gedie Königliche Staatsregierung insbesondere auch vertreterin des skaatlichen Bergbaues gegenüber inleitigen Organisation des Arbeitsnachweises, wie Ruhrkohlenrevier seitens der privaten BergwerksFnehmer nut Zwangscharakter eingerichtet m. einmen? Todesurteil. Frlin, 13. Jan. Das Schwurgericht verFitte heute den Friseur Hans Jünemann Ermorderung der Verkäuferin Alice Rakowski begen Diebstahls in zwei Fällen zum Tode, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und zu neun laten Gesängnis. Zur Frage des Mittelschulwesens. erlin, 13. Jan. Der Kultusminister emFußartillerie für Borkum. Borkum, 13. Jan. Nach soeben eingetroffener Verfügung des Kriegsministers werden drei Batterien Fußartillerie des Regiments„von Hindersin“ zum 1. April nach der Insel verlegt. Die Schiffahrtsabgaben in der sächsischen Kammer. Dresden, 13. Jan. In der Haushaltserörterung der Ersten Kammer wies der bekannte Rechtslehrer Professor Wach auf die Haltung der Bundesstaaten in der Frage der Schiffahrtsaogaven und darauf hin, daß der Ton der Regierungen der einzelnen Bundesstaaten geradezu bedenklich geworden sei. Es sei an der Zeit, diesen etwas herabzustimmen und eine Annäherung anzustreben, während man sich jetzt immer mehr voneinander entferne. In der Sache selbst erklärte er, daß die Haltung von Sachsen, Baden und Hessen von dem Bewußtsein getragen werde, für die Wohlfahrt des Reiches und für die in der Reichsverfassung begründeten Rechte einzutreten, und daß sie deshalb durchaus patriotisch sei. Das Vorgehen des preußischen Geheimrats Peter bezeichnet Professor Wach als durchaus der Reichsverfassung zuwiderlaufend. Man könne allerdings die Verfassung ändern. Wer dies aber versuche, müsse sich ernstlich fragen, ob dies für die Annäherung der Bundesstaaten wirklich notwendig und für das Staatswesen nützlich sei. Eine sensationelle Wendung in der Hofrichteraffäre? Wien, 13. Jan. In die Affäre des wegen der Zyankalibriefe verdächtigen Oberleutnants Hofrichter scheint eine sensationelle Wendung zu kommen. Die Wiener Behörden seien auf eine neue Spur, die von Hofrichter gänzlich abgehe, geführt worden. Angeblich soll ein junger Mann die Behörden verständigt haben, daß er im November vorigen Jahres einem Oberleutnant, der aber nicht Hofrichter war, eine größere Menge Zyankali verkauft habe. Wien, 14. Jan. Den sehr spärlichen Mittellungen, die aus dem Wiener Garnisongericht über den Fall Hofrichter kommen, ist zu entnehmen, daß die Untersuchung gegen den verhafteten Oberl.utnant Hofrichter ausschließlich auf die Feststellung konzentriert ist, auf welche Weise sich Hofrichter in den Besitz des Giftes gesetzt hat. Gegenwärtig b chlstigt sich die Militärbehörde mit eingehenden Erhebungen, die in einer schlesischen Stadt geführt werden. In dem betreffenden Provinzort wurde ein Drogist ermittelt, der an Hofrichter wiederholt Sendungen gerichtet hat. Auf diese Spur wurde die Miliärbeyörve durch Nachforschungen der österreichischen Post geführt. Die Verbindung zwischen Hofrichter und dem Drogisten dauerte einige Jahre. Er hat an Hofrichter sowol," nach Mostar wie nach Wien seine Sendungen geschickt. Eine Revision des Giftkastens des betreffenden Drogisten hat ergeben, daß das Eiftbuch mangelhaft geführt war. Jeder Verkäufer von Giften ist bekanntlich zur genauen Führung eines Giftbuches verrflichtet, in dem über die Abgänge von Vorräten bis ins Einzelne Rechnung gelegt wird. Der Drogist konnte der Behörde gegenüber über ein großes Quantum von Zyankali, das in seinem Lager fehlte und in das Giftbuch nicht als rerkauft eingetragen war, keine Aufklätung geben. Auch in Naab hat die Militärbehörde bei einem Photographen eine Untersuchung angestellt, die mit der Assäre Hofrichter im Zusammenhang steht. Der Eisenhändler Pfeil, der sich bei der Polizei unter der Angabe gemeldet hatte, daß am 5. November bei ihm eir Ossizier Zyankalt verlangt, aber nicht erhalten habe und der behauptet, daß dieser Offizier unbedingt nicht Hofrichter gewesen sei, wurde gestern intervicht. Er erklärte, daß jener Offizier auch einen Apparat zur Verschließung von Oblatenkapseln zu kausen gesucht habe. Pfeil sagte, oaß er einen solchen Apparat nicht führe, ihn aber in einigen Tagen beschaffen könne. Der Offizier erklärte aber, daß er nicht warten könne=und ungehend nach Wien reisen müsse. Neuer Flugrekord. Neunork. 13. Jan. Der amerikanische Flieger Courties vollführte einen Flug mit einem Mitfahrer von 88 Kilometern in einer Stunde. 30000 Personen bereiteten beiden Fliegern brausende Ovationen. Gemaßregelte Offiziere. Maorid. 13. Jan. Infolge der Kundgebungen, die eine Gruppe von Offizieren gestern, abend vor dem Hause einer militärischen Zeitung gegen deren Kritik an den Auszeichnungen für die Teilnahme an den Kämpfen in Marokko veranstaltete, erließ die Regierung folgende Maßregelungen: Der Generalkapitän von Madrid ist seines Amtes enthoben. Alle Korpskommandeure sind, soweit die ihnen unterstellten Offiziere an den Kundgebungen teilgenommen haben, zur Disposition gestellt. Mehrere Offiziere, die die Demonstranten anführten, sind mir Festungshaft bestraft. Die übrigen Demonstranten wird dieselbe Strafe treffen, sobald ihre Persönlichkeit festgestellt ist. Streik im englischen Kohlenrevier. London, 13. Jan.„Daily Mail“ meldet: Die Situation in den Kohlenbergwerken von Nord= und Ostengland verschärft sich. Gestern haben sich die Delegierten von Gruben der Grafschaft Durham von zirka 50 000 Beschäftigten vereinigt und beschlossen, alle Arbeiter zur sofortigen Einstellung der Arbeit aufzufordern. Verhandlungen der Delegierten von North=Cumberland und New=Castle haben stattgefunden. Sie sind ohne Beschluß geblieben. Literatur. Oberammergauer Passioncspiele 1910. Die Gemeinde Oberammergau hat die gesamte Herstellung, den Verlag und Vertrieb der Phetographien von den diesjährigen Passionsspielen der Firma F. Bruckmann A.=G. in München übertragen. An diese Firma sind auch alle Anfragen und Gesuche wegen der Reproduktion der Bilder in illustrierten Zeitschriften usw. zu richten. Es werden etwa 100 Aufnahmen in verschiedenen Formaten hergestellt, darunter die Hauptdarsteller in charakteristischen Momenten des Spiels, bedeutungsvolle Gruppen und die großen Hauptszenen. ** Die„Sezialistischen Monatshefte“ haben soeben dus 1. Heft ihres 16. Jahrganges ersheinen lassen. Aus seinem: Inhalt heben wir hervor: Dr. Josef Bloch: Zur preußischen Wahlrechtsreform.— K. Leuthner: Der Hausknechtsparagraph der Sozialdemokratie.— Mar Schivpel: Ein Rundblick über die amerikanische Kolonisationspolitik am Stillen Ozean.— Dr. Mar Maurenbrecher: Propheten und Praktiker. — Otto Lang: Schuld und Strafe.— Hendrik Spiekmann: Die Gewerkschaftsbewegung und die internationalen Sozialistenkongreise— Hugo Poetzsch: Die gesetzliche Regelung des Arbeitsnachweises.— Dr. Ernst Groeg: Die Kunst Mar Regers.— Haus Winand: Die Hochzeit.— Dr. Georges Chatterton=Aie B ertwicklung des Bidungswesens in Rußland.— Wirtschaft von R. Wisseli.— Gewerkschaftbewegung von H. Stühmer.— Frauenbewegung von G. Zepler.— Psychologie von Dr. O. Lipmaur— Sozialwissenschaften von Dr, K. Schmidt.— Dichtkunst von M. Hochdorf— Kolonisation von G. Hlidebrano.— Als künstlerische Beigabe enthält das Heft ein Porträt Mar Regers nach der Süste Theodor von Gosen Standesamts-Nacbrichten. Dortmund 2. Vom 12. Januar. Geburten. Ein Sohn: Metzgerm. Risse, Claustalerstr. 33. Schuhmacher Teske, Borsigstr. 41. Schlosser Hünnes, am Zehnthof 7. Schlosser Hölscher, Thomasstr. 14. Eine Tochter: Briefträger Gödde, Kielstr. 55. Kutscher Ksiastiewitz, Mönchengang 9. Kettenschmied Maus, Burgweg 47. Arbeiter Fihalkowski, Novertstraße 19. Hauer Kulwitzki, Fkurstr. 4a. Bureaudiener Krieger, Kaiserstr. 75. Aufgebote: Zuschläger St. Suchonsk. u. Juliana Bielasz. Schmied H. Sommerfeld und Maria Lindenblatt. Schlosser H. Grün und Maria Wienhold. Maurer A. Kerschek und Bernhardine Benning. Sterbefälle: Arbeiter L. Lichanowskt, Robertstraße 27a, 25 J. Katharina Olmer, Bornstr. 126, 21 J. Ehefrau Maria Mohr, Kaiserstr. 110, 65 8. 1 Im Olympia=Theater gelangt heute Freitag abends 8 Uhr, zum 2. Male die mit so großem Beifall aufgenommene Operette„Die Dollarprinzeslin“ zur Aufführung. Morgen Sonnabend zum 3. Male „Die Dollarocinzessin Massen-Auflagen. Sämtliche Drucksachen wie Rechnungen, Postkarten, Brietbogen, Quittungen, Prospekte, Eintrittskarten, Visitenkarten, Festlieder, ec. liefert in sauberster Ausführung und billigster Preisstellung die = Buchdruckerei= „Dortmunder Tageblatt“ Dortmund, Prinzenstr. 9-II. Teiephon 3299 II II Tilly Cabpbley-Hinken — Kronenburg- Dortmund Montag, den 17. Januar 1910, abends 8 Uhr: III. Solisten-Konzert des Philharmonischen Orchesters. Dirigent: Georg Hüttner.— Solisten: Würzburg (Gesang) Professor Carl Priedberg Gieris) lbach-Flügel aus der Niederlage W. Hohrath Söhne, hler Programm: P. Scheinflug: Ouvertüre zu einem Drama von Shakespeare. Fr. Mayerhoßf:„Die Nonne“, dramatische Szene für Sopran(unter Leitung des Komponisten). J. S. 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Itäbkemdoche. — Jun dauberdte u#. eolle Bachionung Bekanntmachung Das Königin Augusta Garde=Grenadier=Regiment Kr. 4 wird am 3. Mai 1910 sein 50jähriges Bestehen tern. Alle ehemaligen Angehörigen und Kriegsteilnehmer es Regiments, die an der Feier teilzunehmen wünschen, verden gebeten, hiervon dem Regiment Kenntnis zu geben, unter Angabe des Vor= und Zunamen, Stand, Wohnort, Straße und Hausnummer, Tag des Eintritts in das Regiment, Kompagnienummer. Dienstgrad, Feldzüge. Sammelmeldungen durch Kriegervereine pp sind erwünscht. Aus dem Rheinland werden Sonderzüge zu ermäßigten Preisen von Coblenz und Cöln aus zusammengestellt. an die anzuschließen sich empftehlt. Die Aufforderungen, enthaltend Programm und Kowerden den sich Meldenden später zugehen. gez. von Oetinger Oberst und Regiments=Kommandeur. Stadttheater Freitag, 14. Januer 1910. Aufgehobenes Abonnement. Jahreskarten gültig. 7½—10. Volkstüml. Preise. Wegen Erkrankung des Fräul. Gersy Gastspiel der Frau Therese Kossegg vom Stadttheater in Aachen. Hasemann’s Töchter. Volksstück von L'Arronge. Sonnabend, 15. Januar 1910 C. 28. 7½—10 Opernpreise. Die Puppenfee. Ballett in 1 Aufzug von Hassreiter und Gaul. Der Liebestrank. Komische Oper v. Donizetti SOUHAS Kronenburg. Philharmon. Orchester. Dirigent: Geora Hüttner. Freitag, den 14. Januar 1910 16. Somphonie-Konzert (Karl Goldmark=Abend.) Violinenkonzert A-moll. Solist: Carl Pécsi. Symphonie„Ländliche Hochzeit“ Anf. 8 Uhr. Entree 1,00 Mk. Abonnements an der Kasse. HOUJOI ee EE Direkt. S. Natannsen Tel. 540 Heute Freitag, den 14. Jan.: Unwiderruflich vorletztes Gastspiel von Otto Reutter mit den gesamten übrigen Welt Attraktionen. Samstag den, 13. Januar: Unwiderruflich letztes Auftreten von Otto Reutter. Daalliz aller Neuerscheinungen SES 30 Mark und mehr verdient jeder täglich. der den Verkauf eines teilweise noch nicht im Handel gewesenen Artikels an Private übernimmt. 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Zur Durchführung dieses neuen Verfahrens findet die Umlegung und Einziehung der Beiträge für das Jahr 1909 in den Monaten Januar und Februar dieses Jahres und für das Jahr 1910 voraussichtlich im Herbst dieses Jahres statt. Dortmund, den 8. Januar 1910. Der Landrat als Vorsitzender des Sektions Vorstandes Dortmund-Land der Westfälischen=LandwirtschaftlichenBerufsgenossenschaft. In Vertretung: Dr. Peters. werden billig! In meinen Geschäften ünden Sie stets die billigsten Tages***" p r e i s e!** Heutiger Billigstpreis: 68 u per Oubenl. Gustar Reusse Bekanntmachung Die Anmeldungen der mit Beginn des Schuljahres 1910 in die Volksschule aufzunehmenden schulpflichtigen Kinder werden Dienstag, den 18., Mittwoe. den 19. und Donnerstag, den 20. Jann: 1910, nachmittags 2—4 Uhr in den einzelne Schulgebäuden von dem Leiter der betreffenden Schule entgegengenommen. Die Anmeldung der evangelischen und katholischen Kinder hat in dem der elterlichen Wohnung am nächsten liegenden für Volksschüler der betreffenden Konfession bestimmten Schulhause, der altkatholischen und israelitischen Kinder in die altkatholischen bezw. israelitischen Schule zu erfolgen. Schulpflichtig werden diejenigen Kinder, welche in der Zeit vom 1. Oktober 1903 bis 30. Sep. tember 1904 geboren sind. Bei der Anmeldung ist das Hausstandsbuch oder eine Geburtsbescheinigung, der Impfschein und bei auswärts geborenen Kinder außerdem der Taufschein vorzulegen. Die Zurückstellung von andauernd kranken und schwachsinnigen Kindern und von solchen, die in der körperlichen oder geistigen Entwickelung zurückgeblieben sind, ist bei der Anmeldung auf Grund eines ärzilichen Attestes zu beantragen. Der Tag der Aufnahme der Lernaufänger wird noch besonders bekanntgegeben. Dortmund, den 10. Januar 1910. 96 Stadtschuldeputation. Dr. Glum. Rechtsschutzstelle für Frauen des Vereins Frauenbildung—Frauenerwerb Markt 16. neues Sparkassengebäude. Eingang Balkenstraße. unenigeltliche Auskunft in allen Angelegenheiten erteilen Damen an unbemittelte Frauen und Mädchen. 5972 Sprechstunden: Donnerstags von 4—6 Uhr nachmittags. Oessentliche Bekannlmachung. Elnkommensteuer-Veranlagung für das Steuerjahr 1910 umfassend den Zeitraum nom 1. April 1910 bis zum 31. März 1911.) Auf Grund des§ 25 des Einkommensteuergesetzes woird hiermit jeder der bereits mit einem Einkommen von mehr als 3000 Mk. veranlagte Steuerpflichtige im Stadtkreise Dortmund aufgefordert, die Steuererklärung über sein Jahreseinkommen nach dem vorgeschriebenen Formular in der Zeit vom 4. Januar bis einschließlich 20. Januar 1910 dem Unterzeichneten schriftlich oder zu Protokoll unter der Verstcherung abzugeben, daß die Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht sind. Die oben bezeichneten Steuerpflichtlgen sind zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet, auch wenn ihnen eine besondere Aufforderung oder ein Formular nicht zugegan gen ist. Die Einsendung schriftlicher Erklärungen durch die Post ist zulässig, geschieht aber auf Gefahr des Abseuders und deshalb zweckmäßig mittels Einschreibebriefes. Mündliche Erklärungen werden von dem Unterzeichneten in seinem Amtszimmer, Olpe 8, II. Obergeschoß, vormittags zwischen 11 und 12½ Uhr zu Protokoll enigegen genommen. Wer die Frist zur Abgabe der ihm obliegenden Steuererklärung versäumt, hat gemäß§ 31 Absatz 1 des Einkommensteuergeseßes neben der im Veranlagungs= und Rechtsmittelverfahren endgültig festgestellten Steuer einen Zuschlog von 5 Prozent zu berselben zu entrichten. Wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaber oder wissentliche Verschweigung von Einkommen in der Steuererklärung sind im§ 72 des Einkommensteuergesetzes mit Strafe bedroht. Gemäß§ 71 des Einkommensteuergesetzes wird von Mitgliedern einer in Preußen, Sachsen oder Hessen steuerpflichtigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung derjenige Teil der auf sie veranlagten Einkommensteuer nicht erhoben, welcher auf Gewinnanteile der Gesellschaft mit beschränkter Haftung entfällt. Diese Vorschrift ftndet aber nur auf solche Steuerpflichtige Anwendung, welche eine Steuererklärung abgegeben und in dieser den von ihnen empfangenen Geschäftsgewinn besonders bezeichnet 5 Daher müssen alle Steuerpflichtigen, welche eine Berücksichtigung gemäß§ 71 a. a. O. erwarten, mögen sie bereits im Vorjahr nach einem Einkommen von mehr als 3000 Mk. veranlagt gewesen sein oder nicht, binnen der oben bezeichneten Frist eine die nähere Bezeichnung des empfangenen Geschäftsgewinnes aus der Gesellschaft mit beschränkter Haftung enthaltende Steuererklärung einreichen. Der Vorsitzende der Einkommensteuer=VeranlagungsKommissien des Stadtkreises Dortwund. Dr. Boldt. Inserate für Dulsburg (210000 Kinwohner) und den Niederrheia veröffentlicht man im weitverbreiteten Ecbo vom Niederrhein, Dulsburg. Zeilenpreis 1S Pig. Wohnungs- und Stellenanzeigen 10 Plf. chung zinn des Schuljahres nenden schulpflichtigen 18., Mittwol. den 20. Jann e in den einzelne betreffenden Schule hen und katholischen Lohnung am nächsten treffenden Konfession zlischen und israelitii bezw. tsraelitischen enigen Kinder, welche 03 bis 30. Hausstandsbuch oder fschein und bei ausTaufschein vorzulegen. dauernd kranken und solchen, die in der kelung zurückgeblieben Grund eines ärzilichen ernaufänger wird noch nar 1910. 96 pulation. Im. ulmachung. das Steuerjahr 1910 April 1910 bis zum 11.) Einkommensteuergesetzes einem Einkommen von teuerpflichtige im StadtSteuererklärung über rgeschriebenen Formular einschließlich 20. Januar lich oder zu Protokoll daß die Angaben nach macht sind. lichtigen sind zur Abgabe auch wenn ihnen eine ormular nicht zugegan Erklärungen durch die uf Gefahr des Abseuders Einschreibebriefes. n von dem Unterzeichneten II. Obergeschoß, vorIhr zu Protokoll entgeihm obliegenden Steuer31 Absatz 1 des EinIm Veranlagungs- und estgestellten Steuer einen lhen zu entrichten. vollständige Angaber oder inkommen in der Steuerkommensteuergesetzes mit nsteuergesetzes wird von Sachsen oder Hessen steueränkter Haftung derjenige kommensteuer nicht erhoder Gesellschaft mit beise Vorschrift ftndet aber Inwendung, welche eine in dieser den von ihnen sonders bezeichnet h ben. gen, welche eine BerückO. erwarten, mögen sie Einkommen von mehr en sein oder nicht, binnen die nähere Bezeichnung ines aus der Gesellschaft ende Steuererklärung einnensteuer=Veranlagungsreises Dortwund. bt. 8 (210000 Kinwohner) und den Niederrheic veröffentlicht man im weitverbreiteten vein, Dulsburg und Stellenanzeigen 10 P. Freitag, den 14. Januar 1910. Dortmunder Tageblatt. Nr. 11. 27. Jahrgang. Zweites Blatt. Staatliche Hoheit und kirchliche Oberhoheit. Mau screibt der Frist. Itg.:„Die beiden Schreiben de: Bischöf: von Metz und Straßburg an den Staatssekretär von Elsatz=Lochringen lassen in dankenswerter Weise das ultramontane System, soweit es sich auf oas Verhältnis von Ksrche und Staat bezieht, klar erkennen. Der Staat, vertreten durch den Staatssekretär, hatte den Vischösen erklären lassen, daß er nicht dulden könne, daß seine Lehrer Verhaltungsmaßregeln durch die Kirche erhielten. Darauf erwiderte die Kirche, vertreten durch die beiden Bischöfe: sie hätte die Verhaltungsmaßregeln den Lehrern nicht in ihrer Eigenschaft als Lehrer, sondern in ihrer Eigenschaft als Katholiken erteilt, und sie halte es für ihr Recht, in dieser Weise vorzugehen.„Dem Bischof“, so fchreibt der Bischof von Straßburg,„als dem ordentlichen Träger der kirchlichen Hirten= und Lehrgewalt, obliegt die Pflicht und sieht das Recht zu, seine Diözesanen auf die Verpflichtungen des christlichen Sittengesetzes hinzuweizen, die sich aus den Verhältnissen des Lebens für sie ergeben können. Durch den Umstand, daß diese Diözesanangehörigen als Beamte oder Lehrer einer staatlichen Behörde unterstelit sind, kann das bezügliche Verhältnis nicht geschwächt werden, indem sie inbezug auf Glaubens= und Gewvissensfragen zur kirchlichen Hirtenund Lehrgewalt stehen.“ In diesem Satze verkündet die ultramontanisierte katholische Kirche des zwanzigsten Jahrhunderts die mittelatterliche Lehre von der „indirekten“ Gewalt der Kirche über den Staat. Niemals greift die Kircho„Frekt“ in staatliche Verhältnisse ein, niemals erteilt sie den Beamten des Staates und seinen Bürgern„direkte“ Befehle, sondern stets geschieht dies Eingreisen auf dem„indirekten“ Wege über„Religion“ und„christliches Sittengesetz“, und ihre Befehle gelangen auf demselben Wege an die Staatsbeamten und Bürger. So inbirekt der Weg, so direkt ist die Pflicht des Gehorsams gegen die Kirche. Was hier die Bischöfe von Metz und Straßburg den Lehrern gegenüber getan haben, können sie jederzeit auch jeder anderen Beamten=Kategorie gegenüber tun. Sie erteilen ihre Weisungen nicht den Beamten, sondern den Katholiken. Da aber Beamter und Katholik im selben Individuum vereinigt ist so unterwirft die Kirche den katholischen Beamten ihren Befehlen und der Staat hat das Nachsehen, d. h. der Staat hat den Anordnungen der Kirche sich zu fügen. Man darf gespannt sein, ob die reichsländische Reglerung sich diese Lehre von der Unterordnung der Beamten unter die Kirche gefallen läßt. Frühere Vorgänge(es sei erinnert an den Schulerlaß des Trierer Bischofs im Jahre 1904) lassen keine allzu große Hoffnung auf Festigkeit des Staates entstesen.„ Posener Lustmorde vor dem Schwurgericht. S. u. H. Lissa, 12. Januar. Iu Beginn des heutigen zweiten Verhandlungstages wird zunächst di: Oeffentlichkeit wieder hergestellt. Angeklagte folgt den Verhandlungen wieder mit großer Gelassenheit, die angesichts der gegen ihn erhobenen schweren Anschuldigungen geradezu frappierend wirkt. Der Verteidiger stellt hierauf eine Reihe von neuem Belbeisanträgen. Unter anderem soll noch ein fünfter Mord verhandelt werden, der"= um die fragliche Zeit in der Nähe des Dorfes Gr. Friedrichsthal=Tabor ereignete und an dem der Angeklagte nicht beteiligt gewesen zu sein scheint. Alsprünglich ist er aber auch hier in den Verdacht der Täterschaft geraten. Der Verteidiger will damit beweisen, daß durch die falsche Verdächtigung in dem einen Falle auch die Beweiskraft in den anderen vier Fällen abgeschwächt sei. War der Angeklagte nicht der Täter in der Falle Gr. Friedrichsthal=Tarbor, so habe man auch in den anderen Fällen zu untersuchen, ob die Beweismittel ausreichend seien, oder ob der Angeklagte nicht einen Doppelgänger hatte der ev. für die zur Anklage stehenden Fälle in Betracht komme. Daz 1on ein zweiter Lustmörder in der Gegend tälig war, scheine durch den Taborer Fali festgestellt. Der Verleidiger beantragt die Ladung von elf neuen Zeugen sowie die des Kriminalkommissars Vonberg(Beilin), der bekunden soll, daß der Angeklagte ihm gegenüber in dem Taborer Falle der ihn garni## anging, unwahre Angaben gemacht habe. Es sei anzughmen, daß der Angeklagte auch der ihn garnichts anging. undbahre Angaben gemacht gemacht habe, die ihn belasteten. Der Gerichtshof beschließt nach kurzer Beralung, trotz Widerspruchs des Staatsanwalts, den Antrügen der Verteidigung stattzugeben. Die V Lanvlung wendet sich dann den Morden an dei Witwe Smentek und der Arheiterfrau Sepold zu, die am 23. bezw. 22. Juni ernerdet aufe gefunden wurden. Die Leichen waren in der für Lustmorde Halakteiistischen Weise verstümmelt. Der Angeklagte behauptet, daß er zur Zeit der Tat sich nicht an den Mordstellen besunden habe. Der Vorsitzende hält ihm aber vor, däß er von mehreren Personen dort gesehen worden ses. Aus an dem Morde der 65jährigen Michalina Piasecka wül der Angeklagte vollständig unschuldig sein. Er hatte damals vorübergehend eine Stelle als Olsträichter auf der Chaussee und verschtsänd heimlich, als sich ein Gendarm bei ihm nach Gebr. Alsbe Dortmund, Brückstrasse 26. Gardinen Tüll-Vorhänge nur aparte Neuheiten in äußerst soliden Qualitäten 0 Fenster Fenster Fenster Mt. **** 250 650 Mi. Spachtel- und Band-Vorhänge in allerneuesten Ausführungen. Fenster Fenster Fenster **** 850 Mt. 19950 652 enorme Auswahl in deutschen und französischen Erzeugnissen. Band-Stores 3 mit Bolant 9.50, 6.75 50 Nr. Zug-Roleaux 8 Mk. Brise-Bises Engl. Tüll. 45 Erhstüll, mit Volant 78 58 **** Kompl. Bett: Bettstelle, Matratze mit Keil, Oberbett Unterbett, Kissen aus se. HDan lidem Stoff mit guten 53•900 Federn gefüllt zusammen 6/# Mi. Kompl. Bett: Pf. Pf. Sollde Holzbettstelle, Ia. 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RupfFedern dee Pfund 25 Mk. Graue Gänsefedern per Pfund Weisse Halbdaunen per Psund 60 Mk. 30 Mt. Weisse Daunen per Psund 90 Der Kunst geweiht. Roman von Lothar Frey. 12 Er kam dann sogarmit dem Vorschlag, sie solle sich für zweite Partien an dieser Gesellschaft engagieren lassen. Bachmann sei vor einigen Tagen von Paris hier eingetroffen. Erselbst sei nicht abgeneigt, sich an dieser Tournee zu beteiligen, und bereit, mit diesem Impresario, der ja die Gräfin Rosst, die berühmte Sonntag durch Amerika geführt, auch Adelina Patti in die Kunstwelt eingeführt, ihrelwegen zu sprechen. Doch sie war erschrokken über diesen Gedanken, erschrocken namentlich durch die Vorstellung, mit Guido durch die Welt ziehen zu sollen.“ „Aber was beginnen, wenn der Vater ganz arbeitsunfähig ward und dann auf die Hilfe seiner Kinder angewiesen war? Die Not drängte sie zu einem Entschluß, und sie fand ihn nicht. Sie fühlte, daß zwei um sie warben, aver doch nur um ihre Jugend.. Guido und der Fürst, der erstere in seiner stürmischen, der andere in seiner vornehmen Galanterie, und das hielt sie täglich in einer Gemütsbange, die sie zusammenfahren ließ, wenn sie die Schelle im Korridor hörte. Der Vater saß im oinslen Zimmer, und Melitta war so viel außerhalb, ohne zu fragen, ob sie entbehrlich. So verstrichen ihr die Tage, während welcher ihr die Aufregung nicht einmal die Ruhefür ihre Uebungen ließ und die kleine Kasse, über welche sie für den Haushalt noch verfügte, immer mehr zusammenschmolz. Und da mußte es noch geschehen, daß Melitta die Nachricht brachte, sie werde von der Gesandtschaft eine Reiseunterstützung erhalten, um heimzugehen, diese aber reiche nicht aus, sie müsse also den Professor bitten, sein Wort zu halten. Er habe ihr damals, als sie eingewilligt, ihn nach Deutschland zu begleiten, das Versprechen gegeben, für ihre Rückreise zu sorgen, falls sie das Heimweh bekomme, und das dulde sie nicht mehr hier. In dieser Stimmung empfing Marguerita zwei Briefe durch die Post. Das kleine Kuvert mit tialienischer Adresse war an sie, das große mitglöniglichem Siegel an ihren Zaler,, Sie öffnete dieses züerst und ihre Brust hob sich. Professor Orsini wurde darin amtlich benachrichtigt, baß sein vor längerer Zeit beim Hausministerium eingereichtes Gesuch bewilligt sei und ihm eine Pension von 300 Talern aus der königlichen Schatulle gewährt werde. Es war wenig, aber damals waren solche Gnadenbezeichnungen nur dürftig. Marquerita dankte Gott und dem König für diese Hilfe und öffnete das kleine Billett. Guido schrieb, Bachmann wolle sie sehen; er werde ihn um eine bestimmte Stunde zu ihr führen und rate, dieses Glück nicht von sich zu weisen. Hocherregt sank sie auf einen Sessel, sprang aber wieder auf, um zum Vater zu eilen, der die Botschaft schweigend, doch zufrieden hinnahm. Dann kehrte sie wieder in das Wohnzimmer zurück. Sie wollte erst ruhig werden, ehe sie dem Vater auch von diesem zu erwartenden Besuche sprach. Hatte sie Guido Unrecht getan mit ihrem Mißtrauen und handelte er wirklich ohne eigennützige Absicht? Die Frage lag ihr schwer auf dem unruhigen Herzen. Und wenn nun auch er sich an dieser Operngesellschaft beteiligte? Gleichviel! Sie wollte den Impresario empfangen. Für den Vater war gesorgt, wenn auch nur kümmerlich. Mochten Guidos Absichten sein, welche sie wollten, gelang es ihr, durch ihre Stimme die Gunst dieses Mannes zu erreichen und vermochte sie seinen Erwartungen zu entsprechen, sie atmete hoch und mit Selbstvertrauen auf. Geschehen mußte etwas mit ihr jetzt, ihre Ausbildung hatte dem Vater Geld und Sorgen gekostet; sie fühlte sich selbständig genug, in die Welt hinauszutreten. Der Vater sollte mit Melitta heimkehren; auch er hatte so ofr von der Sehnsucht gesprochen, die ihn in seinem Alter hier fortziehe. Dort in der Heimat war er am Besten untergebracht und eine Trennung war ja unvermeidlich. In sieberhafter Stimmung sah sie der entscheidenden Stunde entgegen. Sie hatte den Mut, zu hoffen, und sprach am Mittag davon, als der alte, müde Mann ihr mit seinem Augenschirm gegenübersaß. „Bachmann?“ sagte dieser aufhorchend.„Ioch sah ihn vor vielen Jahren in Mailand, wo wir flüchtig bekannt wurden. Es ist ein waghalsiger Mensch, von Haus aus ein deutsch=ungarischer Jnde, aber in der Kunstwelt von großer Bedeutung. Findest Du Gnade vor ihm, ich gebe Dir meinen Segen dazu. Meine kleine Pension überhebt Dich der Sorge um mich. Habe nur Mut! Der Fürst war neulich schon so freundlich, mir die Mittel für Deine vollständige Ausbildung an einem großen Konservatorium anzubieten, aber es mag so besser sein.“ Er erhob sich, küßte die Tochter auf die Stirn und suchte sein Zimmer auf.„Sollte der Mann sich meiner erinnern, so rufe mich!“ sprach er noch in der Tür zurück.„Ich kann ja doch nichts dazu tun! Nur wenn er die Ueberzeugung hat, aus Dir Geld schlagen zu können, wird er Dich annehmen!“ Die Nachricht in Betreff des Fürsten hatte Marguerita eigentümlich berührt. Ihm vielleicht so großen Dank schuldig werden, bei ihm in einer solchen Verpflichtung stehen.. Zweifellos war ihr es jetzt, daß er auch die Summe für ihren Unterricht an Gumberto hatte zahlen lassen, und das beschämte sie. Keiner ihrer Gedanken wagte sich soweit, daß er ihr nicht in Ehren näher treten wolle, und daß er anders wollen könne, dafür erschien er ihr zu ehrenhaft... In großer Aufregung verbrachte sie die zwei folgenden Stunden am Piano, ihre Stimme mit Vorsicht übend, sich das Herz frei machend von ihrer Furcht vor dieser Prüfung. Sie hatte Melitta, die einen vergilbten italienischen Ritterroman lesend, in der Küche saß, instruiert, und als jetzt endlich heftigsdie Schelle bewegt wurde, war ihr das wie ein Schlag. Erglühend und dann erbleichend empfing sie die beiden Männer, Guido, der ihr ermutigend lächelnd die Hand küßte, den gefürchteten kleinen Mann mit einer Art von Katzengesicht ihr vorstellend, der sie mit Ueberraschung anschaute und den besten Eindruck von ihrer Persönlichkeit zu nehmen schien. „Man hat nicht übertrieben, liebes Fräulein!“ sagte er, sie noch immer anstaunend, die in der einfachsten Kleidung vor ihm stand und den gewiegten Impresario dadurch überzeugte, daß sie ihn nicht habe durch ihr Aeußeres bestechen wollen.„Meine Zeit ist sehr beansprucht; unser gemeinsamer Freund Gumberto führte mich fast gewaltsamhierhier, aber ich danke ihm jetzt dafür. Wenn es Ihnen recht ist, machen wir gleich eine Probe!“ Er nahm ihre Hand, führte sie an das Piano, und während Guido ihr vorauseilte, um sich an das Instrument zu setzen, stellte er sich ans Fenster, zog sein rotbaumwollenes Taschentuch hervor und vergrub mit Geräusch seine Nase da hinein. Bachmann war nämlich einer der größten Schnupfer, und wenn er weiße Wäsche trug, war dieselbe stets mit Schnupftabak bestreut. Guido schaute sitzend über seine Schulter zurück, Marguerita stumm fragend. Sie wies auf das vor ihr aufgeschlagene Blatt. „Ahl.. Um stets heiter und lustig zu leben!.. Alse vorwärts!“ Er schlug an und Marguerita, die sich plötzlich ebenso beherzt fühlte wie bei ihrem öffentlichen Debut, erhob die Stimme, so glockenhell und rein, sie lang mit einer solchen Wärme, daß der Impresario sein heutuch vergaß und mit sichtbarer Befriedigung lauschte. Sie sang noch eine italienische Arie in ihrer Muttersprache. „Mein Kompliment! Ich erkenne die Schule meines alten Freundes Gumberto, den ich schon als Sänger kennen lernte! Allerdings gibt mir dieses Pröbchen den vorteilhaftesten Begriff von Ihrer Stimme, aber es hat mir auch einzelne Schwächen verraten. Doch die sind zu überwinden. Neben meiner Primadonna werden Sie freilich einen schweren Stand haben, denn sie singt alles über den Haufen!“ sagte Bachmann in seiner gewohnten, derben, oft zunischen Weise.„Ich meine, sie wird es Ihnen doppelt schwer machen, in ihren Nebenpartien zur Geltung zu kommen, aber bei Ihrer Persönlichkeit .. Ich habe augenblicklich keine Zeit mehr, komme morgen wieder, oder besser noch: kommen Sie morgen um zehn Uhr in meinen Probesaal, Will mir inzwischen legen, wieviel mir Ihre Stimme wert ist! Sind Sie nicht unbescheiden in Ihrer Forderung, so betrachten Sie sich meinetwegen schon als engagiert, denn eine Erscheinung wie die Ihre.. und dann der Vorzug, daß Sie Deutsch und Italienisch singen.. Aber eines schicke ich voraus als Bedingung, wenn wir einig werden: in vierzehn Tagen müssen Sie reisefertig sein, die Gesellschaft sammelt sich in Hamburg, wo die Kunstreise beginnt.. Für heute meinen Dank!“ Er reichte ihr mit Gönnermiene die Hand und suchte seinen Hut. Guidos Augen leuchteten, als er ihr Lebewohl sagte, eine Miene versicherte ihr, die Sache sei so gut wie abgeschlossen.„ 175,18 waigen Beobachtungen erkundigte. Es kommt dabei 1 Sprache, daß er einmal ein junges Mädchen auf er Chaussee verfolgt habe, das sich durch eiliges Davongufen rettete und sofort ihrem Vater erzählte, der Nensch habe nahls heinlich ein Sittlichkeitsverbrechen an hr begehen wollen. Der Angeklagte stellt die Sache dar, als wenn er geglaubt hätte, das Mädchen habe inen Seibstmordversuch in einem nahe gelegenen Teiche nternehmen wollen und er habe die Absicht gehabt, e daran zu verhindern. Ein Messer oder gar ein dollchmesser will der Angeklagte nicht besessen haben. Der Zeuge Tischlermeister Koziol hat den Angeklagten, lessen Neffe er ist, aus verwandtschaftlichen Gründen leschäftigt. Der Angeklagte war ein unverträglicher Mensch, dem er mehrsach gedroht habe, ihn fortzujazen, namentlich, als er milte, daß er unsittliche Beiehungen zu einem Lehrling hatte. Dieser, der jetzige Tischlergeselle Urbauski, ein robuster junger Mensch, beundet, daß er von dem Angeklagten seinerzeit gewissernaßen vergewaltigt worden sei. Der Zeuge erklärt, Kosol sei eines morgens zu ihm gekommen und habe ihn berwältigt, desgleichen einmat im Walde. Er habe sich sicht getraut, etwas zui sagen. da Koziol sein Vorgeetzter war und ihn auperdem bedrohte. Es werden ann die Mitgesellen des Angeklagten vernommen, die n der Werkstatt und in der Schlafkammer die unsittichen Beziehungen zu Urbanski beobachteten und hieruuf die Verhandlungen auf morgen vertagt. Deutscher Reichstag. Berlin, 13. Januar, Am Bundesratstische Staatssekretär Krätte. Vizepräsident Spahn eröffnet die Sitzung um 1,16 Uhr. Die Besprechung der Anfragen über die Maßregelung von Beamten in Kattowitz wird fortgesetzt. Abg. Schrader(freis. Vg.): Die Maßnahmen gegen die Polen haben das Gegenteil von dem bewirkt, was erreicht werden sollte. Die Polen sind wirtschaftlich und politisch stärker geworden, weil sie zu dem Bewußtsein gekommen sind, daß sie ihre Kräfte sammeln müßten. Der Staatssekretär hat gestern gesagt, die Beamten seien verpflichtet, im Interesse des Staates nach dem Willen ihrer Vorgesetzten zu handeln. Die Beamten brauchen aber nur das zu tun, wozu das Gesetz verpflichtet.(Sehr richtig links.) Die Regierung darf den Beamten nur das zumuten und sie nur zu dem verpflichten, wozu sie nach dem Gesetz verpflichtet sind. Selbst Bismarck verlangte nur von den verhältnismäßig wenigen polnischen Beamten, daß sie die Gedanken der Regierung nur insowett zu vertreten hätten, als sie unrichtig gegen die Regierung Ausgesagtes richtig stellen sollten. Auch die Wahlprüfungskommission hat stets in diesem Sinne entschieden. Politische Belehrungen seitens der Vorgesetzten sind ungesetzlich. Hat jemand in Kattowitz unreell gehandelt, so waren es die Vorgesetzten, nicht die gemaßregelten Beamten. Wo ist der Reichskanzler? Fürst Bismarck kam stets hierher, wenn es sich um wichtige Fragen handelte. Herr v. Bethmann Hollweg bleibt weg und schweigt. Er hat uns überhaupt wenig zu sagen; um so mehr wir ihm. Wenn Sie(zum Bundesratstisch) den Beamten keine freie Ausübung des Wahlrechts gestatten, so schließen Sie sie doch lieber ganz vom Wahlrecht aus. Das Unrecht gegen die Beamtenschaft ist ein Unrecht gegen die Verfassung. Wir werden jetzt um so mehr darauf dringen, daß unsere Anträge auf Einführung des geheimen Wahlrechts Gesetz werden. Abg. Südekum(Soz.): Auf die klatschenden Schläge des Vorredners erwidert kein Bundesratsmitglied; Herr.., nun sagen wir, Major v. Bethmann Hollweg schweigt(Heiterkeit). Die Regierung hat mit ihrem Vorgehen in Kattowitz den Polen wohl nur den Gefallen tun wollen, die Aufmerksamkeit der polnischen Wähler von dem Verhalten der Polensfraktion bei der Reichsfinanzreform ab= und auf einen andern Gegenstand zu lenken.(Heiterkeit.) Reden, wie die des nationalliberalen Abgeordneten Heinze, sind Wasser auf die Mühle derer, die in Rußland, Ungarn, Galizien die Deutschen als staatsgefährliche Rasse bekämpfen und unterdrücken. Der Versuch der beiden Staatssekrtäre Delbrück und Krätke, die Beamtenmaßregelungen lediglich mit opportunistischen Gründen, mit dem Interesse des Dienstes zu motivieren, reizt zur Nachahmung. Mit opportunistischen Gründen kann man auch motivieren, daß die beiden Staatssekretäre in ein besseres Klima befördert werden, natürlich im Interesse des Dienstes.(Heiterkeit.) Die öffentliche Abstimmung ist nicht der Prüfstein für den Charakter, sondern der Zwang zur gemeinsten Heuchelei. Die Antwort der Regierung. Staatssekretär Delbrück: Der Abgeordnete Schrader hat aus meinen gestrigen Ausführungen Folgerungen gezogen, die ich selbst nicht gezogen habe. Ich habe gestern festgestellt, daß es mit den Pflichten eines Beamten unvereinbar sei, großpolnische Bestrebungen zu unterstützen. Es ist den Beamten nicht aufgegeben worden, für irgendeinen Kandidaten zu stimmen. (Gelächter im Zentrum, bei den Polen und Sozialdemokraten.) Mit dem Interesse des Dienstes ist es unvereinbar, wenn ein Beamter an einer Stelle zu wirken genötigt ist, wo er im Gegensatz zu den nationalen Aufsassungen eines großen Teiles der Bevölkerung steht. Der Abgeordnete Schrader hat insofern recht, als es in keinem Gesetz eine fest umschriebene Definition des Beamtenbegriffes gibt. ber um so eingehender haben sich die namhaftesten Staatsrechtslehrer damit besaßt. Die Mehrzahl steht auf dem Standpunkte, daß der Beamte durch Ueberkahme des Amtes in ein öffentlich rechtliches Dienstverhältnis, oder wie es Laband nennt, in ein Dienstind Gewaltverhältnis zum Staate tritt und sich demitsprechend, da der Staat ja nicht selbst sprechen kann, den zur Vertretung des Staates berufenen Organen unterordnen muß. Fragt man nun, wo die Grenzen dieses Verhältnisses liegen, so ergibt sich, daß sie, soweit sie gesetzlich festgelegt sind, abgeleitet werden müssen aus den Aufgaben des Beamten und seinen Beziehungen zum Staat. Wenn man diese Deduktionen vornimmt, so kommt man dahin, daß die Grenze nicht gezogen wird durch die bloße Pflicht der Arbeitsleistung. Nun hat sich der Abgeordnete Schrader auf einen Erlaß aus der Zeit des Fürsten Bismarck bezogen. Darin hat man sich darauf beschränkt, zu fordern, daß die Beamten(Abg. Schrader: Die politischen Beamten!) sich in der Unterstützung der Politik der Regierung gewissen Anordnungen zu fügen haben. Wenn wir jetzt weiter gegangen sind, ist das sicher nicht leichten Herzens geschehen. Der Kattowitzer Fall ist als ein Akt der nationalen Notwehr zu betrachten.(Gelächter links und im Zentrum.) Darüber hinaus habe ich irgendwelche Grundsätze über die Rechte und Pflichten der Beamten bei den Wahlen nicht geäußert.(Beifall rechts.) Abg. Kolbe(Rpt.): Den Beamten hat es vollkommen greigestanden, irgendwie katholische Kandidaten zu vählen. Von diesen volnischen Kandidaten wußte aber jedes Kind, daß sie Anhänger Sokols und Straz waren. Die besonderen Verhältnisse der Ostmark machen es bedauerlich, daß deutsche Männer in unabhängiger Stellung sich durch ihre Vorgesetzten über ihre nationale Pflicht erst belehren lassen mußten und das Vertrauen der Behörden täuschten.(Gelächter im Zentrum.) Sie waren daher nicht geeignet, an diesem Platze weiter zu wirken und mußten versetzt werden. Wer die Oftmarkenverhältnisse kennt, billigt das Vorgehen der Regierung. (Beifall rechts.) Abg. v. Dziembowski(Pole): Es ist festzustellen, daß die Antwort des Staatssekretärs über die Beamtenmaßregelung nicht befriedigend ausgefallen ist. Die Mehrheit des Reichstages verdammt diese Maßregelung durch die Regierung. Gewiß soll die Regierung eine feste Hand haben, aber auch gegen die Hakatisten. Der Zustand Polens war bei der Tetlung des Königreichs nicht so schlecht, daß die Polen der preußischen Verwaltung besonders dankbar sein müßten, besonders nicht nach den letzten Erfahrungen. Die Polen verteidigen sich lediglich gegen die Bestrebungen des Ostmarkenvereins und dessen Einfluß auf die Regierungspolitik. Wir führen gezwungen den Kampf in der Hoffnung eines ernstlichen, ehrenhaften und ehrenvollen Friedens.(Beifall bei den Polen.) Abg. Lattmann(wirtsch. Vg.): Die politische Betätigung der Beamten ist zweifellos durch das Interesse des Staates beschränkt. Bei derartigen großpolnischen Bestrebungen habe die Regierung das Recht, einzugreisen. (Beifall.) Abg. Doormann(freis. Vp.): In dem Kattowitzer Falle einzugreifen, war völlig unnötig, da dadurch doch nichts an der Sachlage geändert wurde. Wir sind nicht hakatistisch gesinnt, sind aber auch keine Schleppenträger der Polen.(Beifall.) Die Agitation Korfantys und seiner Freunde kann zu nichts Gutem führen.(Beifall.) Damit ist die Besprechung der Interpellationen erledigt. Die Justizgesetze. Am Bundesratstische erscheinen der Staatssekretär Dr. Lisco und der preußische Justizminister Dr. Beseler. Es folgt die erste Beratung der Entwürse a) eines Gesetzes über Aenderungen des Gerichtsverfassungsgesetzes, b) einer Strafprozeßordnung, c) eines zu beiden Gesetzen gehörenden Einführungsgesetzes. Staatssekretär des Reichsjustizamts Dr. Lisco erläutert die Grundzüge der Vorlagen im Sinne der gedruckten Begründung. Er gibt einen historischen Rückblick, und hebt in seiner Besprechung die Heranziehung des Laienelements zur Strafkammer hervor. Es liege keine Veranlassung vor, das Laienelement von der Strafkammer weiter fern zu halten. Gerade die bisherige Fernhaltung der Laien von der Strafkammer ist vielleicht einer der wesentlichsten Gründe für das Mißtrauen, das hier und da gegen die Rechtsprechung vorhanden ist, ein Mißtrauen, das in der Regel absolut unbegründet ist, dem aber jeder Grund entzogen werden wird, wenn die Laien Einsluß auf die Rechtsprechung bei der Strafkammer haben. Das Vertrauen zur Strafkammer wird dann wachsen. Der Staatssekretär legt im einzelnen die Besetzung der einzelnen Gerichtshöfe dar und erörtert die Gewährung von Tagegeldern an Schöffen. Unsere Bevölkerung ist schon jetzt überreichlich mit öffentlichen Aemtern belastet. Durch die Heranziehung des Laienelements zur Strafkammer erster Instanz wird noch eine erhebliche Mehrbelastung der Bevölkerung eintreten. Durch die Gewährung von Tagegeldern und Reisekosten an Schöffen wird der Kreis der Personen erweitert, die zu diesen Aemtern herangezogen werden können, und das ist für die Rechtspflege von Bedeutung. Der Staatssekretär erläutert dann weiter den Gang des Vorverfahrens. Er weist darauf hin, daß die Entlassung aus der Untersuchungshaft erleichtert werden und das Zeugenverweigerungsrecht weiter ausgevehnt werden soll. Ueber die Festlegung der hierfür zu ziehenden Grenzen werde man sich in der Kommission verständigen können. Ein besonderer Gesetzentwurf sei für die Behandlung der Jugendlichen vorgesehen, da die Versuche mit den Jugendgerichten sich gut bewährt hätten. Die Rede schließt mit dem Hinweis darauf, daß diese Gesetzentwürfe ja schon seit Monaten der öffentlichen Kritik unterstehen. Sie haben im ganzen viel Anerkennung gefunden, es sind aber an Einzelheiten erhebliche Ausstellungen gemacht und Wünsche dazu geäußert worden. Inwieweit diesen Rechnung getragen werden kann, wird sich ja in den Kommissionsverhandlungen ergeben. Mit mir ist aber wohl auch das hohe Haus der Ansicht, daß diese Session des Reichstages keinen bessern Abschluß finden kann, als wenn diese wichtigen, uns schon so lange beschäftigenden Fragen endlich gelöst werden.(Lebhafter Beifall.) Freitag 1 Uhr: Justizgesetze.(Fortsetzung.)— Schluß 52 Uhr. Der Krakauer Advokatenmord vor dem Schwurgericht. S. u. H. Kralau, 12. Januar. Unter gtoßem Ankrange des Publikums begann heute dir Pozeß gegen Crau Janina Borowska, die unter der Anflage steht, den Advokaten Dr. Wladimir Lewicki ermordet zu haben. Die Angeklagte hatte am 4. Juni v. J. morgens 4 Uhr aus der Wohnung des Advokaten die hiesige Rettungsgesellschaft angerufen, und mitgeteilt, daß Lewicki einen Selbstmordversuch unternommen habe. Der diensthabende Arzt begab sich sofort in die Wolnung und fand den Advokaten in einem Kabinet, daß durch das Bürozimmer von dem Schlafzimmer getrennt ist. in bloßen: Hemd zwischem dem Klavier und der Wand liegend vor. Das Gesicht war blutüberströmt, auf der Stirn oberhalb des rechten Auges besand sich eine Schutzwunde. Die Borowska erzählte dem Arzte, daß Lewicki einen Selbstmordversuch verübt habe. Da sie der Meinung war, daß er sich nur eine leichte Hautwunde beigebracht habe, habe sie nicht sofort an die Rettungsgesellschaft telephoniert. Dr. Lewicki wurde ins Krankenhaus geschafft, wo er bald in Agonie verfiel, und ohne das Bewußtsein wiedererlagt zu haben, verstarb. Bei der Obduttion wurde festgestelllt, daß der Schuß aus größerer Entfernung abgegeben worden sein mußte. Die Anklage steht auf dem Standpunkte, daß ein Eifersuchtsdram vorliegt. Dr. Lewicki, der seit läng:cer Zeit Beziehungen zu der Borowska unterhielt, hatte am Abend vor der Tat mit ihr ein Tingel=Tangel besucht, dann aber eine andere Frau nach Hause begleitet. Kennen gelernt hat er die Borowska in einem sensationellen Prozeß, indem sie als russische Spionin verdächtigt worden war. und bei dem er sie verteidigte. Dr. Lewicki war zunächst ein cifriger Anhänger der sozialdemotratischen Partei und schloß sich dann der volninischen Volkspartei und endlich der christlich=sozialen Partei an. Die Angeklagte mant den Eindruck einer etwas hysterischen Person. Die Untersuchung ihres Geisteszustandes hat ergeben, da# sie für ihre Tat verantwortlich zu machen ist. Der Mord im Bäckerladen. S. u. H. Berlin, 12. Januar. In der forigeseizten Teweisaufnahme wird auch die zweite Geliebte des Jünemann die Tochter keiner Wirtin Stragies vernommen. Sie erklärt, daß Jünemann sich ihr gegenüber als Rennstallbejitzer vorgestellt habe. Als sie entdeckte, daß Jünemann noch ein Verhältnis mit der Rakowski unterhielt habe sie ihm freigestellt, zwischen iht und dieser zu wählen. Jünemann habe erwidert er werde die Rakowski mit Geld abfinden. Gerichtsarzt Dr. Strauch ist seinerzeit zu der Leiche des Mädchens gerufen worden. Die Tote sag in einer großen Blutlache, dicht daneben, das blutbefleckte Messer. Bei der Obduktion der Leiche fand man im Gesicht eine dicke Beule. Die Brust wies eine große Stichwunde auf. Hut und Handschuhe lagen neben dem Mädchen. Als Todesursache sei Verblutung infolge des Stichs in die Lunge anzusehen. Eine kleine Schnittwunde am rechten Arm der Leiche deutete daraus hin, daß das Mädchen eine Abwehrbewegung gemai habc. Es werden dann mehrere Zeuginnen der Ermordeten vernommen. Eine Jeugin Ahlsfeld erklärt, daß die Nakowski oft ganz verschiedener Stimmung war, manchmal lustig und aufgelegt, manchmal auch wieder seh: mißgestimmt. Einmal habe sie der Zeugin erzählt. sie wolle mit Jünemann in den Tod gehen, dieser habe dazu schon sein Zimmer mit Blumen ausgeschmückt. Ein Fräulein Ehrhardt hat gemeinsam mit der Rakowskt Selbstmordideen gehabt, oa auch ihr das Leben zur Last geworden sei. Sie und die Rakywski hätten sich mit Morphium vergiften wollen, der Drogist habe ihnen aber nur ein Beruhigungspuloer gegeben. Eine Zeuzin Scheffler bekundet, daß die Rakcwski sehr lebenslustig gewesen sei und noch wenige Tage vor ihrem Tode die Absicht gehabt habe. einem Feste beizewohnen, das die Firma„Nordstern“. veranstaltete. Weitere Zeuginnen wissen ebenfalls davon, daß die Rakalski mitunter Selbstmordideen gehabt habe, vermutlih, weil sie sich in anderen Umständen befand. Vermischtes. Berlin, 13. Jan. Als die Leiche des Lokomotivführers Lucht, der bekanntlich seine Frau zu erschießen versuchte und sich dann selbst erschoß, heute beerdigt werden sollte, scheuten plötzlich in Plötzensee die Pferde des Leichenwagens und gingen durch. Der Leichenwagen wurde zertrümmert, der Sarg zerbrach und die Leiche wurde ein Stück fortgeschleudert. Einer Abteilung vom Luftschifferbataillon gelang es, die Pferde anzuhalten. Berlin, 13. Jan. In der vergangenen Nacht hat sich auf der Velten=Kremmener Chaussee ein schwerer Automobilunfall zugetragen. Der Chauffeur Reinhardt kam mit dem Privatautomobil eines Herrn Kersting aus Gransee von Oranienburg und fuhr in der Dunkelheit gegen einen beladenen Ofenwagen. Das Automobil wurde zertrümmert. Der Chauffeur flog im Bogen auf die Erde und erlitt einen Schädelbruch. Er starb auf dem Transport zum Krankenhause. Berlin, 13. Jan. In einem Hotel in der Königgrätzerstraße wurde heute vormittag der 28jährige Ingenieur Paul Berg aus Hannover und die Studentin der Medizin Felice Kuaufs vergistet in einem Zimmer aufgefunden. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß beide Morphium genommen hatten. Felice Knauff wurde nach dem Krankenhause gebracht. An ihrem Wiederauskommen wird gezweifelt. Berg hat keinen größeren Schaden genommen. Er ist Morphinist und hüllt sich über das Motiv der Tat in Schweigen. Da erst festgestellt werden muß, ob er der Knauff das Gift mit ihrem Einverständnis gereicht hat, wird Berg bis auf weiteres in Haft behalten. Hamburg, 13. Jan. Heute nacht gegen 11 Uhr fand ein Wächter der Wach= und Schließgesellschaft in dem Hause Foolstraße 7 die Pfandleiherin Luise Merkli, mit eingeschlagenem Schädel und durchgeschnittener Kehle vor ihrem offenen Geldschrank in einer Blutlache liegend, ermordet vor. Der unbekannte Täter hatte alle wertvollen Goldsachen geraubt. Das Rasiermesser, mit dem die Tat geschehen, wurde gefunden. In der Hand der Ermordeten fanden sich Haare von einem unbekannten Menschen. Der Bluttat scheint also ein Kampf vorausgegangen zu sein. Auf die Ergreifung des Täters ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Hamburg, 13. Jan. Die hier ermordete Pfandleiherin Luise Merkli war ledig und 53 Jahre alt. Der Mörder scheint zu den berüchtigten Kunden der Merkli zu zählen, von denen sie häufig Goldsachen zweifelhaften Ursprungs einhandelte. Jedenfalls muß er häufig mit ihr zusammen gewesen sein, da der sonst wachsame Hund der Frau nicht anschlug. Die Tat geschah abends zwischen 8 und 11 Uhr, die Ladentür stand offen. Der Mörder erschlug die Frau in einem Zimmer neben dem Laden mit einem Hammer, dessen Stiel abbrach, dann mit einer Kohlenschaufel und schnitt ihr den Hals ab. Nach der Tat reinigte er sich vom Blut und raubte nur wirkliche Werkgegenstände aus dem offenen Geldschrank, etwa 70 goldene Uhren, gegen 100 goldene Ringe, Armbänder, Nadeln und über 1000 Mark bar. Das Rasiermesser trägt das Fabrikwort Fram zwischen zwei Sternen und die Firma Wilhelm Weber=Hamburg. Bisher hat man von dem Mörder keine Spur. Königsbera i. Pr., 13. Jan. Der wegen Mordes vom Schwurgericht Königsberg zum Tode verurteilte 27jährige russische Untertan, Arbeiter Sigismund Turba, ist heute im Hofe des hiesigen Gerichtsgefängnisses durch den Scharfrichter Schwietz=Breslau enthauptet worden. Er hatte im März vorigen Jahres den verheirateten 49jährigen Gutsinspektor Damrath in Spilzings bei Waldau aus Eisersucht durch zwei Revolverschüsse niedergestreckt. London, 13. Jan. Nach einer Meldung aus Harshfield(Oregon) ist der der Southern Pacific=Railway gehörende Dampfer„Czarina“ gestern abend bei schwerem Seegang in Coosbay auf den Hafendamm auf gelausen. 30 Mann der Besatzung sollen ertrunken sein. Nach einer Lloyds. meldung aus San Franzisko ist der Dampfer wieder flott und liegt jetzt im Neuyork, 13. Jan. Die Frau des im Staatsgefängnis von Atlanta seine 15 Jahre Kerkerstrafe verbüßenden früheren Eiskönigs Morse hat ihre absicht, ein Landhaus in der Nähe des Gefängnisses zu kaufen, aufgegeben. Die Frau hat ein Bureau in Wallsreet in demselben Hause errichtet, welches ihr Mann erbauen ließ, als er sich auf der Höhe seiner glänzenden Position besand. Erst der Aublick ihres Gatten in der Sträflingskleidung hat sie zu der Aenderung ihrer aldsicht veranlaßt. Sie will die Schwierigkeiten ihres Mannes regeln, um schließlich reichen. 2 Ostende, 12. Januar. Die geseiertesten National= helden der Ilamländer sind bekanntlich Pieter de Coninck und Jan Breydel, die im Jahre 1302 sich zur Abschüttlung des französischen Jochs an die Spitze ihrer Landesgenossen stellten. P.“ n der Schöne von Frankreich sandte damals den Grasen von Axtoir an der Spitze der„schönsten Armee, die jemals ein französischer König ins Feld gestellt hatte“, nach Flendern, um die Rebellen zu züchtigen, aber die Flamländer, in der Zahl von 30000 Mann, traten dem 60000 Mann starken französischen Heer: mui'g entgegen und schlugen die Franzosen fürchterlich aufs Haupt. Nicht weniger als 75 Prinzen, Herzöge und Grafen sowie 4000 Ritter und außerdem ca 20000 französische Reiter und Fußgänger mußten am 2. Juli 1302 aus dem Schlachtfelde von Groeningen, in der sogen. goldenen Sporenschlacht ihr Leben lassen, und der Tag, an dem diese Heldentat unter Führung von Pieter de Coninck und Jan Breydel vollbrocht wurve, wird noch immer von den Flamländern jeves Jahr festlich bege##en. Mit besonderer Genugtuung mußte es denn auch die letzteren erfüllen, daß die beiden neuen Turbinendampser, die jetzt für den Personenverkehr zwischen Ostende und Doper in Tienst gestellt wurden, nach einen flämischen Nationalhelden benannt wurden. Die Genugtuung hierüber ist um so lebhafter, als der„Pieter de Coninck“ und der„Jan Breydel“ Anspruch darauf erheben, die schnell; sten und am luzuriösesten eingerichteten Passagierdam= pfer der Welt zu sein. Beide werden nämlich eine Geschwindigkeit von 24 Knoten entsalten und mithin diejenige des Torpedobootes„Prinzessin Elisabeth“, die bis dahin das schnellste Schiff der Linie Ostende—Dover war, noch um eineinhalb Knoten übertreffen. In nicht mehr als 2 Stunden wird man auf ihnen die Ueberfahrt nach England die sich auf diesen schwimmenden Palästen selbst im Winter zu einer wirklichen Vergnügungsfahrt gestalten wird, zurücklegen können, und wie die belgische Eisenbahnverwaltung mit der Einstellung dieser prächtigen Schifse in die Verkehrslinie zwischen England und dem Kontinente dem reisenden Publikum einen großen Dienst erwiesen hat, so hat sie sich durch die Benennung verielben, bei der, wie man vermuten zu dürfen glaubt, der mit den Klamländern stark innpathisierende König Aivert auch ein Wort mitgesprochen haben wird, in nicht geringem Maße den Anspruch auf eine dankbare Anikennung von Seiten der gesamten flämischen Bevölkelung Belgiens erworben. London, 12. Jan. Die 27jährige Tochter eine: alten Newyorker Knickerbocker Familie soll mit einem 21jährigen Chauffeur durchgegangen sein. Die junge Dame hatte den Ankauf des Automobils sehr, energisch betrieben, das von ihrem Vater nie benutzt wurde und nur Gelegenheit zu Liebeleien mit. dem Chauffeur schaffen sollte. Dieser war früher Verkäufer in einem Modewarengischäft und war der Dame wohl schon damals bekannt. *** Ein Polizeihund auf falscher Fährte. Aus Halle a. S. wird gemeldet: Vor einigen Tagen ist be# einem Schmiedemeister in Salzmünde eingebrochen worden, wobei viele Schmuckgegenstände und Kleider gestohlen wurden. Au. Veranassung des Ortsvorstehers wurde aus Halle ein Polizeikund an den Tatort gebracht. Dieser nahm sofort die Spur auf. Das Tier lief in die Wohnung eines Untergebenen des Amtsrates von Zimmermann, Wo er zer dem Bett eines Sohnes Halt machte. Eine peinliche volizetliche Untersuchung wurde eingeleitet, die aber zu keinem Ergebnis führte. Der Vater des jungen Mannes war der Verzweiflung nahe, daß gegen seinen Sohn der schwere Verdacht einen Einbruchsdiebstahl verüht zu haben, vorlag. Nur durch Zufall wurde am nächsten Tage der wirkliche Schuldige, ein alter Gewohnheitsrerbrecher festgenommen. Der Vorfall beweist, daß man den Polizeihunden nicht blindlings trauen dari und daß es leicht möglich ist, das man grundlos in den Verdacht kommen kann, ein schweres Verbrechen veruor zu haben. *** Die Stimme in Watte packen. Eine reizende Episode, die gefeierte Koloratursängerin Frieda Hempel betreffend, meldet die Meckl. Ztg: Der Kaiser wohnte vor kurzem einer Vorstellung in der Königl. Oper in Berlin bei, in der Frieda Hempel mitwirkte. Ganz begeistert von ihrem hinreißenden Gesange befahl der Kaiser sie in seine Loge und sprach der beglückten Sängerin in den schmeichelhaftesten Worten seine Anerkennung aus, gleichzeitig scherzend drohend:„Aber Urlaub gibt's nicht mehr.“ Frieda Hempel sehr erschrocken, erlaubte sich zu bemerken, daß sie für Paris noch einen Gastspielantrag zu absolvieren habe. Der Kaiser sagte gut gelaunt:„Na, nach Paris dürfen Sie noch, aber die Stimme hübsch in Watte packen.“ Angebotu Hachtrase werden am schnellsten beirte „digt mit Hilfe der Zeitungs9 Annonce. Wer etwas kaufen 9 oder verkaufen, wer Kapital. Teilhaber, Personal etc. sucht.„ wendet sich mit Vortell an die " Annoncen-Expedition 0 Rudolf Mosse KöLN a. Rh. Hohestrasse 94. WIlI jemand in der Annones mit seinem Namen nicht hervortreten, dann nimmt unser 0 Bureau dies einlaufenden Offerken unter Chiffre entgegen 0 " and liefert sie eneröffnet0 und unter strengster Diskretion seinem Auftraggeber aus. Vorteile: Streng sachliche Beratung über geeignete Blätter, zweck mässige Abfassung und auffällige Ausstattung der Anzeige, Er sparnis an Kosten, Zeit und Arbeit. Couverts mit Fiumenausdruck in jeder Preislage liefert die Buchdruckerei dieser Zeitung. 5 7 3 8 RSSDEE 19 S 8.25 (9 BOFSS! 8— S•— 2.— S# 2. 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Und dennoch brachte Seebaldshausen es fertig, diesen Wernichke zu hassen. Er hätte ihn zermalmen können, wenn er das ungestraft gedurft hätte. Sein Haß datierte seit einem Tiner bei dem Rittergutsbesitzer von Purschweiler Alt=Marieen her. Eng liiert mit dem Fürstenhaus.. Schaustet=Rettlingen. Kurz— man war dort fast ebenso unter sich, wie im Kasino. Gerhard Seebaldshausen hatte ein Tutzend langstengliche La France in der Hand, und das Monocle im linken Auge. So tanzelte er auf die Hausfrau, während seine Blicke voller ngeduld des Hauses Sonnenschein, die blonde Ilse, suchten. Ar findet sie auch in eifriger Unterhaltung mit—— dem Gefreiten Wernicke, der statt des schäbigen Kommisses einen Fuack von tadellosem Schnitt trägt. Urlaub hat der Kerl natürlich. Aber wie kommt er in diese Gesellschaft? Tas sollte er bald genug erfahren, Wernickes Vater und Purschweiler senior waren treue Jugendfremide. Purschweiler hatte sogar vor sechs Jahren dem verzweiseelten Wernicke den Rat gegeben, seinen Filius von dem Gymnasium herunterzunehmen, denn der Bengel lernte nicht. Aus Prinzip nicht. Er war in der Jugend viel krank gewesen und in einem Alter in die Sexta gekommen, in dem andere Normaljungen bereits die Untertertia überwunden haben. Natürlich haperte es nun an allen Enden. Es war ein unglückseliges Verhältnis zwischen ihm und seinen Konpennälern. Dem machte seine Widerspenstigkeit endlich ein Ende. Der Vater ströstete sich denn schließlich in dem Gedanken, daß der Junge mit seinem eingedrückten Brustkasten und den schmalen Schultern niemals Soldat zu werden brauchte. Aber es kam natürlich anders. Er sollte dereinst seines Vaters Güter übernehmen und bekam zu diesem Zwecke eine praktische Ausbildung. Tabei wurden die Schultern zusehends breiter und die Brust wölbte sich. Im letzten Jahre nahmen sie ihn. Tagegen half Wernickes senior Geld und Ansehen nicht das geringste. Und nun stand er hier wie jeder andere vollendtte Gentleman, trank nach dem Tiner seinen Mokka, rauchte und redete und lachte mit den schönsten Mädchen des Regierungsbezirks so ungeniert, als wenn sie der Nebenmann Kufeke gewesen wäre. Nach dem Kaffee bat die Hausfrau den kleinen Seebaldshausen an das Klavier— aus reiner Selbstlosigkeit, denn sie wußte, wie brennend gern er seine musikalische Unbegabtheit hören ließ. Die anderen ertrugen es mit stiller Resignation. Nur Fritz Wernicke konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Dieses Lächeln legte den Grundstein zu Leutnants Seebaldhausens starrem Haß. Ilse Purschweiler bat ihn um das Mignonlied. Er warf sich in die Brust= und spielte aus Versehen das kecke Geishalied. Als er an die Stelle kam:„Wer einen Leutnant will frei'n, muß ein Goldfischchen sein“ lachten sie alle. Der Mißgriff war aber auch zu urkomisch. Für heute hatte Gerhard Seebaldshausen genug von der Musik. Aber die Gäste wollten sich für die ausgestandene Qual schadlos halten, darum mußte Fritz Wernicke gleich darauf den leeren Platz auf dem Klaviersessel einnehmen. Nun bekam Ilse Purschweiler doch noch ihr Lieblingslied zu hören. Das war freilich eine andere Musik, als die soeben genossene. Voll und rein perlten die Töne von den Zitronen und Goldorangen unter seinen Fingern hervor, und am Schluß erhoben sich zwei helle, jauchzende Stimmen zu dem sehnsüchtigen Wunsch: „Tahin, dahin, möcht' ich mit dir, o mein Geliebter, zieh'n.“ Seebaldshausen wurde beinahe ohnmächtig. Er entschuldigte sich mit plötzlichem Unwohlsein und fuhr nach Hause. Und ihm war wirklich sehr elend; denn alles, was gut, weich und treu in ihm war, besaß seit fünf Jahren Ilse von Purschweiler. Nun kam einer, den er bisher für einen Menschen untergeordneten Ranges angesehen hatte und stellte sich als Rivale vor. Manöverzeit!! Gott sei Tank, daß es so weit war. Seebaldshausen fühlte, daß er das Zeug zu einem Mörder in sich habe. Seine Liebe zu Ilse von Purschweiler hielt mit dem wachsenden Haß gegen Wernicke gleichen Schritt. Er wußte genau, daß Wernicke wöchentlich zweimal in Alt=Marieen weilte, trotzdem er die Besuche gänzlich aufgegeben hatte. Wozu gab es Kameraden. Die berichten alles haarklein. Er konnte diesen Kerl nicht mehr sehen. Tausendmal wollte er seinen Hauptmann bitten:„Tun Sie ihn in eine Batterie!“ aber er schämte sich zu sehr. Es kam nur bei dem innerlichen Kampf ein Brief an seine Schwester heraus mit folgendem Inhalt: „Sei so gut und fahre umgehend nach Alt=Marieen. Als beste Freundin von Ilse wirst Du ja wohl keiner speziellen Einladung für diesen Einzelfall bedürfen. Tu weißt, wie wir, die Ilse und ich miteinander stehen, d. h. das weißt Du noch nicht, denn ich selbst tappe seit einiger Zeit im Tunkeln. Es ist nämlich jemand da, der sie mir nehmen will. Der Gefreite Fritz Wernicke aus meiner Batterie. Gegen diesen sollst und wirst du sie mir schützen. Bezaubere meinetwegen den Kerl, nur wende ihn von ihr ab.“ (Schluß folgt.) Für's Haus Hobelspäne. Man verarbeite aus einem halben Pfund Butter, 4 Eiern, 300 Gramm feinem Mehl, 300 Gramm Zucker und einer abgeriebenen Zitronenschale einen Teig, den man auf einem mit Butter Lestrichenen Blech recht dünn ausbreitet und in Mittelhitze ca. eine Viertelstunde hellbraun backen läßt. Sobald man den Kuchen aus dem Ofen zieht, schneide man ihn in zweifingerbreite, etwa handlange Streifen und rolle jeden dieser Streifen schnell über einen hölzernen Stabt brücke ihn ein wenig an und ziehe den Stab wieder heraus. Nach Belieben kann man diese Hobelspäne noch mit Zucker bestreuen. Rindfle schschnitten a la Louis XIV. Man spickt ein Stück Rindfleisch, am besten von der Lende mit recht vielen Speckstreifen, bringt es in einen Topf, gießt ein Glas Rotwein, zwei Tassen kräftige Auflösung von Fleischextrakt, sowie ein wenig Essig darüber, fügt Pfeffer, Salz, Zwiebeln und Wurzelwerk bei und läßt es langsam weich dünsten. Nachdem das Fleisch erkaltet ist, wird es in nicht zu dünne Scheiben geschnitten, die man in Eiweiß und dann in einer Mischung von geriebenem Weißbrot, gehackter Petersilie, Zwiebeln und Champignons wendet. Diese Scheiben werden in Butter rasch hübsch braun gebraten und mit Kartoffelsalat auf den Tisch gebracht. Geheizter Kalbsbug. Der Kalbsbug— auch ein anderes, beliebiges Stück Kalbfleisch kann vermendet werden— wird gewaschen, mit etwas Salz und Pfeffer eingerieben und in irdenes Geschirr gelegt. Tann gibt man einige in Scheiben geschnittene Zwiebeln, gelbe Rübe, Lorbeerblatt, Nelken, Pfefferkörner, Zitrone und ein Sträußchen Estragon und mit Wasser vermischten Weinessig darüber, bedeckt und beschwert das Fleisch mit einem Brettchen und wendet es täglich um. In einigen Tagen ist es zu gebrauchen. Tann wird das Fleisch gebraten, von der Beize die Hälfte daran gegossen, mit Butter beträufelt und mit einigen Löffeln sauern Rahm vermischt. Zwiebelsuppe auf französische Art. Kleine weiße Zwiebeln werden geschält, in messerrückendünne Ringe geschnitten, leicht in feinem Mehl geschwungen, in Schmalz schön goldgelb gebacken und mit gebähten Semmelschnitten in die Suppenschüssel gelegt. Beim Anrichten wird die sehr kräftige Fleischbrühe kochendheiß über die Zwiebelringchen und Schnitten gegossen und mit Schnittlauch und Muskatnuß gewürzt. X -□ 90 Blätter für Unterhaltung und Belehrung Nach langen Kämpfen Den Erinerungen eines Detektios nacherzählt von H. Rockwood. Aber die wilde und eigenwillige Natur von Clarissa Howard duldete nicht die geringste Beschränkung. Die natürliche Folge war, dof sie ihren Weg suchte. Sie trat in eine Schuhfabrik in Lynn ein und wählte eine Wohnung in der Nähe von Helenes Hause. Sie erklärte, sie wolle künftig von Schwester und Bruder unabhängig sein Sie arbeitete in der Schuhfabrik sechs Monate lang, dann verschwand sie plötzlich aus der Stadt zum großen Schrecken Heienes und Howards. Die nächste Nachricht, die Howard von dem schönen und irregeleiteten Mädchen erhielt, war ein kurzes Schreiben aus New=York, in welchem sie sagte, sie habe eine Stelle in einem großen Hotel der Stadt angenommen. Helene und ihr Bruder waren daher in großer Sorge um Clarissa und jetzt war die Befürchtung aufs höchste gestiegen infolge der letzten schrecklichen Nachrichten, die sic erhalten hatten.. Es war kein Wunder, daß Frau Manchester tief betrübt war, und natürlich erwartete sie zuerst von ihrem Bruder Rettung für das unglückliche Mädchen. Das ist die Erklärung für das Telegramm und für Howards Bestürzung und Abreise nach Empfang desselben. Howard und Frau Manchester fanden kaum Zeit, wenige Worte zu wechseln und dann stieg Howard wieder in einen Wagen und fuhr nach Boston zurück. Als er den Zug verließ, um nach Hause zu gehen, sah er zwei bekannte Gestallen, welche sich durch die Menge drängten, und augenscheinlich einen Pferdebahnwagen zu erreichen suchten, der ehen abgehen wollte. Täuschten ihn seine Augen? Er erkannte in der einen, vorangehenden, seine verlorene Schwester Clarissa. Die folgende Person erkannte er zweifellos. Es war Nat Foster, der Tetektiv. VI. Ein seltsames Mädchen. Das Gedränge war so groß, und das Mädchen, das er für seine Schwester hielt, so entfernt, daß Howard sie nicht einholen konnte, ehe sie die Pferdebahn erreichte. Obgleich er wußte, daß sein Versuch vergebens sei, eilte er doch vorwärts. Beinahe hatte er Foster erreicht, als der Pferdebahnwagen abfuhr und das Mädchen entführte, das er für seine Schwester hielt. Er blieb stehen und fragte den Detektiv: „Luven Sie versucht, dieses Mädchen zu überholen, Foster?“ Der Angeredete blickte erstaunt den jungen Mann an. Welches Mädchen meinen Sie?“ fragte er ruhig. „Tasselbe, welches eben den Pferdebahnwagen bestiegen hat.“ „Nein, ich wollte sie nicht einholen,“ sagte Foster lächelnd. „Als den Wagen?“ „Richtig, aber es gelang mir nicht.“ Ter Detektiv sprach in so seltsamer Weise, daß Howard vermutete, er wolle etwas verheimlichen. „Sie wollen mich täuschen. Sie haben wirklich versucht, die junge Tame zu sprechen.“ „Tas leugne ich nicht, mein Freund, aber was ich einholen wollte, war der Wagen, obgleich ich gerne auch die Tame darin gesprochen hätte.“ „Warum wünschten Sie das?“ „Um sie vor enier Gefahr zu warnen.“ *„Tann wissen Sie also, wer sie ist?“ „Im Gegenteil, ich habe sie heute zum ersten Male gesehen und kenne ihren Namen nicht.“ „Was ist das für eine Gefahr?“ „Ein junger Mann folgt ihr schon seit einer Stunde auf dem Fuße nach.“ „Ah! Tann sind Sie also nur dem Antrieb gefolgt, die Unschuld zu schützen, wo Sie sie finden.“ „So ist's! Ich habe eben nichts Besonderes zu tun, und in solchem Fall vectieft sich ein Detektiv leicht in die Angelgenheiten anderer.“ „Ich wünschte, Sie hätten die Dame eingeholt.“ „Sie interessieren sich also für sie?“ „Ja, wenn sie dieselbe ist, für die ich sie halte.“ „Bitte, erklären Sie sich deutlicher.“ Howard erfüllte dies Verlangen. Die beiden gingen langsam die Straße entlang und bestiegen einen Wagen, der in derselben Richtung ging, wie derjenige, den Forster vergebens einzuholen versucht hatte. „Sie haben also Sorgen verschiedener Art,“„bemerkte der Detektiv, nachdem Howard seine Erzählung beendet hatte. „Ja, und ich bitte Sie, mir zu helfen.“ „Tas soll mit Vergnügen geschehen.“ „Ich glaube nicht, daß Sie mir helfen können, das Geheimnis von Gertrud Brandons plötzlichem Verschwinden aufzuklären. Aber Sie können meine Schwester fniden und beschützen uno mir Nachricht geben. Sie würden mich von großer Sorge befreien.“ Der Detektir schwieg einen Augenblick, dann sagte er: „Ich werde dafür sorgen, daß Ihrer Schwester kein Schaden geschieht, und baß der Schuldige, der sie verlassen hat, sein Unrecht wieder gut macht. Aber sie sollen mich nicht darauf beschranken. Ich habe eine Vermutung inbezug auf Brandon, welche, wie ich glaube, das Rätsel aufklären wird. Und da ich gegenwärtig Zeit habe, möchte ich Ihnen gern in allem helsen.“*— • — 8 58 —• Un*** S —# ——— „ 8 G D 8" 1—— SEEESESOE □-—— . 5s • 51 S S 6 S 85L Eun GBT S SEETS RGLEg 2 5 S5S6MEE *#PODET BSaWES Sn 8.25 ESEEREDBSEES G —„„ B„ 5 -—ÖpSTE KEIA 3 95 5.2 Howard ergriff die Hand des Detektivs und drückte sie kräftig. „Ich danke Ihnen, Herr Foster, Ihre Worte geben mir neue Hoffnung. Die Wahrheit zu sagen, die Umstände erschienen mir heute sehr dunkel.“ „Ist etwas vorgefallen, seit ich Sie zum letztenmal sah, als Sie nach Lynn fuhren?“ fragte Foster. Howard teilte ihm darauf die Begegnung mit dem Fremden mit. Aus die Frage des Detektivs gab er eine genaue Beschreitung des Mannes, der sich Jerome Munro nannte. „Tas genügt, um ans Werk zu gehen. Wenn ich nichts ermitteln kann, so sollen Sie nichts verlieren,“ bemerkte Forster, als die beiden ausstiegen und sich trennten. 6 Ter Detektiv winkte einem vorüberfahrenden Omnidus, welcher in derselben Richtung ging, wie der Pferdebahnwagen, den er soeben verlassen hatte. Er fuhr vorüber an dem langsamer fahrenden Pferdebahnwagen und erreicht bald die Endstaiton an der W.= Straße. Als er dort ausstieg, erblickte er die Tame die er suchte, auf der anderen Seite der Straße. Sie ging langsam und schien ein Haus zu suchen, dessen Nummer sie nicht genau wußte. Ohne einen Augenblick zu zögern, überschritt der Aetektiv die Straße. Tabei gewayrte er einen groß gewachsenen, sonderbar gekleideten jungen Mann, der langsam der Tame nachfolgte.„Der junge Taugenichts verfolgt sie noch immer,; sagte Forster zu sich selbst. Er ging an dem großen blonden Fremoen vorüber und holte die Dame ein. Als er ihr Gesicht say. konnte er einen Ausruf des Erstaunens nicht unterdrücken. Sie hatte große, braune Augen, welche durch langgebogene Augenwimpern gemildert und verschönert wurden. Aber nicht die Augen allein waren bemerkenswert. Sowohl ihre Züge, als ihre Gesichtsfarbe waren von ungewöhnlicher Schönheit. Forster hatte niemals ein weibliches Wesen von solcher Vollkommenheit gesehen. „Sie suchen etwas, meine Dame, vielleicht kann ich Ihnen helfen,“ sagte der Detektiv, indem er den Hut lüftete. Sie warf einen forschenden Blick auf seine scharfen, aber augenehmen Züge. „Ich suche die Wohnung eines Aldermanns,“ sagte das junge Mädchen mit leiser, wohlklingender Stimme. „Die Wohnung eines Aldermannes,“ sagte er sehr sehr verwundert. „Ja, mein Herr.“ „Die ist sein Name?“ „Das weiß ich nicht“ Der Detektiv lächelte. „Wissen Sie vielleicht die Straße, in welcher der Aidermann wohnt.“ fragte er. „Dies ist die Straße, glaube ich. Es ist ein großes impssantes Haus mit einer Marmortreppe.“ „Hier gibt es ivele Häuser, auf welche diese Beschreibung passen würoe. Es wird schwer sein, das Haus zu finden, wenn Sie nicht den Namen des Aldermannes kennen, den Sie suchten.“ „Ich suche nicht den Aidermann, sondern einen anderen Herrn, den ich deit zu finden hoffe.“ „Wie heißt dieser Herr?“ Das Mädchen musterte halb argwönisch Forsters Gesicht. „Wer sind Sie, mein Herr? Bin ich verpflichtet, alle ihre Fragen zu beantworten?“ rief sie. „Natürlich nicht, meine Tame. Ich wollte Ihnen nur helfen. Außerdem ist es gefährlich für Sie, allein in den Straßen umherzugehen. Sie haben einen Feind, der Ihnen in diesem Augenblicke folgt.“ Erschreckt warf sie einen hastigen Blick nach rückwärts. „Wer ist mein Feind?“ fragte sie. „Einer von jenen menschlichen Vampyren, welche jede große Stadt unsicher machen.“ „Warum kümmern Sie sich darum, was aus mir wird?“ „Weil Sie so rein und schön aussehen.“ „Wie soll ich wissen, daß Sie besser sind, als der, der mich verfolgt, wie Sie sagen?“ „Weil ich nicht verstohlen Ihren Schritten folgte, und weil ich Ihnen beweisen kann, daß ich ein Verteidiger der Unschuld bin, daß es mein Beruf ist, diejenigen zu strafen, die Sie schädigen wollen.“ Der Detektiv zeigte ihr seine Marke, aber zu seinem Erstaunen trat das Mädchen zurück, wie von einer Nattur gestochen. „Sie sind ein Polizist?“ „Nein, ein Detektiv,“ verbesserte er. „Sie wollen mich verhaft „Turchaus nicht. Warum sollte ich Sie verhaften wollen?“ „Weil ich allein in den Straßen umherwandere, und Sie mich für eine verdächtige Persönlichkeit halten. Ich kann Ihnen nicht trauen. Lassen Sie mich meinen Weg allein verfolgen. Ich will nicht, daß Sie mich beobachten. Das junge Mädchen sprach mit scharfem Tone und mit einer gebieterischen Handbewegung. Ehe der Detektiv ihre Absicht erraten konnte, eilte sie über die Straße hinüber, wo eben ein Omnibus vor einem großen Gebäude hielt. Sie stieg ein und zum Bedauern Forsters entschwand sie ihm rasch. VII. Das Geheimnis verdunkelt sich. Gerirud Brandon war in tiefes Erstaunen versetzt durch Munros Worte, wie wir am Ende des 4. Kapitels gesehen haben. Aber kein Zieifel an die Treue ihres Verlobten kam ihr in den Sinn. Ein Wädchen, das selbst treu ist, wird auch dem Gegenstand ihrer Zuneigung vertrauen, selbst unter solchen Umständen, welche em Herzen eines Mannes Zweifel erregen würden. Gertrud war eine schöne Vertreterin ihres Geschlechts. Sie besaß alle die zarten, weiblichen Eigenschaften, welche so sehr bewundert werden. Teshalb war der Verdacht, der durch die Worte ihres Feindes erregt wurde, nicht von Tauer. Sie schwieg einen Augenblick, dann sagte sie: „Das verstehe ich nicht, mein Herr. Wenn Herr Howard sein Versprechen nicht erfüllen will, so kann dies nur die Folge davon sein, baz er die Veranlassung meiner Weigerung, ihn zu sprechen, mißversteht. Er ist vielleicht von Jemanden getäuscht worden— vielleicht von Ihnen. Ich glaube, Sie würden nicht zogern, von Täuschungen Gebrauch zu machen, wenn Sie sie für vorteilhaft hielten.“ Auf dem dunklen Gesicht Munros stieg eine zornige Röte auf. Er blickte das furchtlose Mädchen drohend an: „Sie mißtrauen mir, wie ich sehe, und wollen erwarten, daß ich eine hohe Meinung von einem Mann habe, der seinen Vorteil so verfolgt, wie Sie. Aber ich wage nicht, Ihnen zu trotzen, meines Vaters wegen.“ Sie sprach ruhig. Es war klar, daß sie ihren Mut zusammengenommen hatte, um diesem Manne entgegenzutreten, in dessen Händen das Leben ihres Vaters lag. Munro ging einige Male im Zimmer auf und ab, um seinen Zorn zu beherrschen. Frau Chase beobachtete diese ihr neue Szene mit scharfer Neugier, aber Ticks kleine Augen funkelten vor Entrüstung. Er verstand die Situation nicht, er wußte nur, daß der Fremde das schöne Mädchen verfolgte, für das er eine starke, knabenhafte Vorliebe gefaßt hatte. Munro richtete sein bleiches, entschlossenes Gesicht auf Gertrud. (Fortsetzung folgt.) 5 man vom Barometer wissen muß. Erst ziemlich spät ist entdeckt worden, daß die Luft etwas Körperliches sei. Und doch scheint es, als ob eine nur einigermaßen aufmerksame Beobachtung dies längst hätte zeigen müssen! Bewegt man die Hand rasch durch die Luft, so fühlt man einen Widerstand und es läßt sich ein Geräusch vernehmen; es muß also irgend ein Stoff vorhanden sein, der durchfurcht wird. Bewundert man das Blau des Himmels, so muß man doch erkennen, daß ein Etwas da sein müsse, wodurch solche Brechung des Sonnenlichtes bewirkt werden kann. Jetzt allerdings wissen wir sehr gut, daß die Luft etwas Körperliches ist und der Physiker hat gelernt, den Lustwiderstand, welcher ungefähr mit dem Quadrat der Geschwindigkeit des bewegten Körpers zunimmt, gebührend in Rechnung zu stellen. Die atmosphärische Luft ist für uns jetzt auch wägbar. Sie hat eine gewisse Schwere(griechisch baras) und die Apparate, welche dazu dienen, ihr Gewicht festzustellen, nennt man„Barometer“. Will man ein zuverlässiges Barometer haben und zugleich eins, an welchem die Erscheinungen des Luftdrucks deutlich auseinandergesetzt werden können, so muß man das alte, aber noch durch keine neuere Konstruktion übertroffene„Gefäßbarometer“ wählen. Es besteht im wesentlichen aus einer senkrecht angebrachten, ctwa 90 Zentimeter langen Glasröhre, welche unten wieder nach oben umbiegt und dann in einem kurzen Schenkel endigt. Die lange Röhre hat einen geringen Querschnitt und ist oben zugeschmolzen, während umgekehrt der kurze Schenkel verhältnismäßig breit und oben offen ist. In der langen Röhre steht— ziemlich bis oben hin— eine Quecksilbersäule, über der sich ein luftleerer Raum befindet. Im kurzen, breiten Schenkel steht ebenfalls Queckselber, dessen Spiegel aber bedeutend tiefer liegt und auf welchem der natürliche Luftdruck lastet. Eine Skala dient zum Ablesen des Quecksilberstandes in der langen Röhre. Begibt man sich ans Meer, so wird man beobachten, daß die dünne Quecksilbersäule durchschnittlich— man muß von den stets wechselnden Veränderungen absehen— 760 Millimeter hoch steht. Der Luftdruck auf dem offenen Schenkel hält also einer Quecksilbersäule von 760 Millimeter das Gleichgewicht. Jetzt bekommt man schon einen deutlichen Eindruck, daß die Luft eine verhältnismäßig schwere Masse darstellt. Sie wiegt nämlich soviel als ob die Erdkugel von einer 760 Millimeter dicken Quecksilberschicht umgeben wäre! Da nun eine Quecksilbersäule von dieser Höhe und dem Querschnitt eines Quadratzentimeters das stattliche Gewicht von 1.03 Kilogramm hat, so beträgt auch der durchschnittliche Luftdruck auf den Quadratzentimeter am Meer 1,03 Kilogramm. Man bezeichnet diese Truckstärke als„eine Atmosphäre“. Könnte man einen Tampfzylinder ganz leer machen, so würde die äußere Luft mit der Kraft„einer Atmosphäre“ auf den Kolben drücken. Beträgt die Fläche des Kolbens auch nur 100 Quadratzeintimeter, so berechnet sich der Truck auf 103 Kilogramm. Spricht der Techniker von Tampf, welcher 2, 3 usw.„Atmosphären Spannung“ habe, so drückt er damit aus, daß der Tampf auf den Quadratzentimeter einen Druck von zweimal, dreimal usw. 1.03 Kilogramm ausübt. Das Barometer ist nun unstreitig ein sehr populärer Apparat: gilt er doch als der sichere Wetterprophet, der und verraten soll, ob die Landpartie, die wir für morgen im Auge haben, zu Wasser werden wird. Man hat das Barometer darum auch „Wetterglas“ genannt. Nun freilich: diese alten Perometer, die wie lange Holzlatten aussehen, hat man heute nicht mehr gern im Zimmer: eleganter und solbst im Salon wohl angebracht sind die sogenannten„Aneroid=Barometer.“ Es sind hübsche runde Apparate, weche ener Wanduhr nicht unähn ich sehen und immer ein gefälliges Aeußere haben, besonders wenn die MRetallteile recht blank geputzt sind. Der Körper dieser Barometer besteht aus einer annähernd luftleeren Kapsel, deren Deckel sich mehr oder weniger zusammendrückt, je nachdem der äußere Luftdruck wechselt. Die Bewegungen des Deckels werden durch Hebei auf einen drehbaren Zeiger übertragen, der auf einer kreisförmigen Skala spielt. Auch hier gilt der Satz, der ziemlich überall in der Technik seine Bedeutung hat: je einfacher, desto besser! Und darum ist das alte, freilich etwas ungestalte Gefäßbarometer das viel sicherer wirkende, und für jede ernstliche wissenschaftliche Untersuchung wird man kaum Aneroide verwenden. Als überall bekannte Wetterregel gilt nun: Steigt das Barometer, so wird das Wetter schön, und umgekehrt. Die Skalen sind darum auch— außer mit den Teilstrichen— mit entsprechenden Aufschriften versehen. Dieser Satz ist im allgemeinen richtig wie sich leicht zeigen läßt. Steigt nämlich das Barometer 8 bei uns, so wird dadurch gezeigt, daß die Luft schwerer wird. An irgendwelchen anderen Stellen wird sie aber wahrscheinlich leichter werden. Nach dem gewöhnlichen Gesetz der Schwere folgt dann, daß bei uns, die wir hohen Barometerstand haben, die Luft in einer auffallenden Bewegung— von oben nach unten — begriffen sein wird. Nun enthält die Luft immer Wasserdampf, der zu Regen wird, sobald er sich verdichtet. Diese Verdichtung wird durch Abkühlung bewirkt. Bewegen sich aber die Lust= und Feuchtigkeitsmassen abwärts, so kommen sie in wärmere Regionen: die Gefahr, sich durch Abkühlung zu Regen zu verdichten, wird also geringer. Außerdem kann die Schwere der Luft auch darauf hinweisen, daß sie ziemlich trocken ist. Trockene Luft ist nämlich schwerer wie feuchte, denn Wasserdampf wiegt weniger als Luft. Schneidet man also aus der Atmosphäre ein Volumen Luft heraus und ersetzt dieses durch Wasserdampf, so muß der Luftdruck geringer werden. So läßt der hohe Barometerstand darauf schließen, daß überhaupt wenig Wasser in der Luft schwebt und daß dieses wiederum wenig Neigung besitzt, sich zu Regen zu verdichten. Die aufgestellte Regel läßt sich besser und genauer so ausdrücken: Steigt das Barometer langsam mehrere Tage hindurch, so ist anhaltend trockenes Wetter zu erwarten; fällt es langsam, so wird wahrscheinlich das Wetter längere Zeit schlecht sein. Steigt das Barometer aber an einem Tag rasch, so ist doch nur auf Sonnenblicke zu rechnen: plötzliches Fallen kündet Wind und Regenwetter an. Die wissenschaftliche Meteorologie erkennt diese Sätze auch an, nur gibt sich der Fachmann mit ihnen allein nicht zufrieden. Er sagt: sie gelten, wenn andere Erscheinungen mit dafür sprechen. Er beoachtet ferner noch: Wind, Wolken, Tau, Nebel, Luft, Luftfeuchtigkeit und studiert vor allem aus Wetterkarten die über die Länder fortschreitenden barometrischen Zustände. Falb hat für seine Prognosen den Mondphasen noch eine besondere Rolle zugewiesen. Wenn man auf einem Berge barometrische Messungen ausführt, so ist klar, daß eine weniger hahe Luftschicht überlagert, und daß— unter sonst gleichen Verhältnissen— das Barometer tiefer stehen muß, als auf dem Meeresspiegel. So kam man denn auf den Gedanken, das Barometer zur Höhenmessung zu benutzen. Freilich werden diese Resultate nicht ganz sicher sein und Fehler von 2—3 prom. müssen in Kauf genommen werden. Man muß dabei nicht den zufälligen Barometerstand für die Rechnung verwerten, der in irgend einen Augenblick herrscht, wenn man gerade eben messen will, sondern man muß— etwa aus den Beobachtungen eines ganzen Jahres— den mittleren durchschnittlichen Barometerstand für den betreffenden Ort feststellen. An der Meeresoberfläche beträgt die Höhe, wie wir schon sagten, 760 Millimeter. Man hat dann Tabellen aufgestellt, welche für jeden Barometerstand die zugehörige Höhe angeben, die ermittelt werden soll. Wir können hier eine solche ausführliche Tabelle zwar nicht wiedergeben, wollen aber einige Taten herausgreifen. Ein Barometerstand von 760 Millimeter deutet auf eine Höhe von 0 Meter, ein Varometerstand von 690 Millimeter deutet auf eine Höhe von 770 Meter. Bei jedem Millimeter, um welchen die Säule fällt, steigt die Höhe also durchschnittlich um 11 Meter. Bei größerer Höhe sinkt dann der Barometerstand rascher, und bei einem Stande von 640 Millimeter haben wir schon eine Höhe von 1370 Meter erreicht, sodaß jetzt auf jeden Mitlimeter Barometerfall eine Höhenzunahme von durchschnittlich 12 Meter kommt. Krieg im Frieden. Manörergeschichten von K. Lubowski. Es gibt Menschen, deren Nasen uns nicht gefallen, die uns ärgern, ohne daß sie irgend etwas gegen uns unternehmen. Turch ihre bloße Gegenwart, durch ihr Sprechen und Lächeln. Der Leutnant Seebaldshausen war eben auch ein Halbgott, trotzdem ihn die Tamen des Regiments in den Himmel hoben. Das ist, vom Standpunkt des Gerechten aus, unnatürlich und unmenschlich. Von dem des Fehlenden menschlich natürlich. „Zum Tonnerwetter, Herr Leutnant Seebaldshausen, was haben Sie eigentlich in einer Tour an dem Gefreiten Wernicke herumzumäkeln,“ schrie ihn eines Tages mein Hauptmann wütend an.„Schon wieder ist er zum Nachexerzieren notiert. In der letzten Woche nicht weniger als sechsmal, verteilen WO