Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und gesetzt. Feiertage. Abonnementspreis srei ins Haus, mit der läglichen Unterhaltungsbeilage und dem 8seitigen„Illustriertem Sonntagsdlatt 55 Pfg. pro Monat, durch die Post bezogen für 3 Monate 1.50 Mi. Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inscrate verantwortlich: Viktor Schanzer. Dortmund. verbunden Lokal-Anzeiger für mit dem Dortmund u. Körde K— 1 und der täglichen Unterhaltungsbeilage K## sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— Fernsprech=Anschluß Nr. 3299. Inserate die S gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 25 Psa Reklamen die 4 gespalteue Petitzeile oder deren Raum 60 Pfg. Beilagen nach Uebereinkunst. Bei zwangswelser Beltreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt dinfällig Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann, Dortmund. Nr. 10. Dortmund, Donnerstag, den 13. Januar 1910. 27. Jahrg. Erstes Blatt. Landrat und Die sonst so gründliche Kritik des Entwurfs der Reichs=Versicherungs=Ordnung hat doch einen Punkt übersehen. Wir meinen die Stellung des Landrats in der zukünftigen Organisation der sozialen Versicherung. An: das zu verstehen, müssen wir an die jetzt im Gange befindlichen Bestrebungen nach einer Reform der inneren Verwaltung Preußens anknüpfen. Man weiß, das im Sommer dieses Jahres eine Kommisiion eingesetzt worden ist, welche Vorschläge zu einer Vereinsachung der inneren Verwaitung Preußens ausarbeiten soll. Die Einsetzung dieser Kommission ist im ersten Augenblicke mit großer Freude aufgenommen worden. ist man doch längst darin einig, daß in dem Verwaltungsapparate eine Vereinsachung notwendig ist. Aber bald machte sich eine zunehmende Ernüchterung gegenüber der Tätiglkeit der Kommission und den Zieleln der Verwaltungsreform bemerkbar. Mißtrauen gegendie Verwaltungsreferm müßte man schon deshalb hegen, weil sich unter ihren eifrigsten Vorkämpfern gerade Männer befanden, von denen man nicht erwarten kouule, daß sie eine wirklich modern gerichtete Verwaltungsresorm fördern würden. Mehr und mehr begriff man, wohin die Reise mit der Verwaltungsreform gehen sollte. Wenn die öffentliche Meinung das nicht gleich bekannte, so erklärt es sich dataus, daf, diese Vorkämpfer der Verwaltungsresorm sich in geschickter Weise mit einer Anzahl Schlagworten dravierten die einfacheren Gemütern sehr einleuchtend, ja dir ekt modern vorkamen. Das Hauptschlagwort dieser Leute war: Dezentralisation der Verwaltung. Dazu kamen noch einige Loamittel ähnlicher Art, wie Entlastung der Zentralstellen, Neuverteilung der Geschäfte, Vereinfachung der Staffelung der Behörden, Beschleunigung und Klarheit der Verwaltung, Beschränkung des Instanzenzuges, Bruch mit dem alten Schematismus. Mit der Zeit erkannte man aber, daß hinter diesen modern klingenden Schlagworten eitel Reaktion steckte. Man sah, daß mit der Reform der inneren Verwaltung nichts anderes erstrebt wurde, als eine weitere sehr erhebliche Verstärkung der Macht des Landrates. Der Entwurf der Reichs=Versicherungsordnung wird aber in verwaltungstechnischer Hinsicht auch die Folge haben, daß die Macht des Landrates eine neue Verstärkung erfährt. Nach dem Entwurse sollen die Versicherungämster entweder als selbständige Behörden organisiert oder an vorhandene Behörden angegliedert werden. Do; die Angliederung an das Landratsamt erfolgen soll. ergibt sich deutlich aus verschiedenen Aeu ßerungen der Begrünzung zu dem Entwurfe. Es heißt da ausdrücklich: Ansehen sowie Leistungsfähigkeit des Versicherungsamtes werden durch die Verbindung mit einer in der Anschauung der Bevölkerung als eingewurzelten Verwaltungsbehörde und durch die Benutzung ihrer Organe und Verbendungen von vornherein besestigt. Der Landrat trirt damit also der Vorsitzende des Versicherungsamtes. Viel gespart wird dadurch natürlich nicht: denn erstens bekäme der Landrat in dieser Eigenschaft eine Remuncration und zweitens müßte er dann einen Aslesior für die Stellvertretung beim Versicherungsamte bekommen. Es gehört aber nicht viel Kombination dazu, um herauszufinden, daß die Verstärkung dec Macht des Landrates, die in dieser Organisation läge, dem Versicherungsamte den letzten Rest von Sympathien bei einem großen Teile des Reichstages nehmen müßte. Wie wenig eine große Mehrheit im Lande für eine Verstärkung der Macht des Landrats ist, geht daraus hervor, daß die Begeisterung, mit welcher seinerzeit die Ankündigung einer Verwaltungsreform aufgenommen worden ist, sich jetzt direkt ins Gegenteil verkehrt hat. Deutsches Reich. Nationalliberale gegen das Pluralwahlrecht. Das durch die naticvalliberale Fraktion des bessischen Landtages zustandegnommene Pluralwahlrecht sindet nunmehr aüch bei den Nationaltiberalen der Landgemeinden ia Hessen entscheidene Gegner. In dem bedeutenden Ort: Finihen bei Mainz sand eine Versammlung der Mitglieder des„Liberalen Vereins“ statt, in der die Haltung der nationalliberalen Fraktion des Landtages, mit deren Hilfe das Pluralwahlrecht zustande kam, scharf veiurteilt und der Wahlkreisvorstand und das Sekretariat arsotfordert wurde, alles aufwubieten um diese Verschlechterung des Wahlgesetzes wieder zu beseitigen. Mittelschullehrer an höheren Lehranstalten. Vor einiger Zeit hatten wir aus den Kreisen der höheren Lehrer ein: Zuschrift erhallen, wonach der neue preußische Kultusminister Herr von Trott in seinem ersten größeren Erlaß die unteren und mittleiren Klassen der höheren Lehranstalten den Mittelschullehrern geöffnet habe. Von unterrichteter Seite wird uns dazu mitgeteilt, daß ein solcher Erlaß des Kultusmiaisters nicht ergangen ist. Es besteht aber noch aus dem Jahre 1863 ein: Verordnung, wonach an den yöheren Lehranstalten bis zur Hälfte die Lehrer an den unteren und mittleren Klasser Mittelschutlehrer, also Lehrer mit seminaristischer Vorbildung sein können. Eine Reihe von Städten hat nun mit Rücksicht aus ihre schlechten Finanzen von diese: Verordnung Gebrauch gemacht und mehr als früher Mittelschullehrei an höheren Lehranstalten angestellt. Die ganze Ang.legenheit unterliegt, wie verlautet, im Jusammenhang mit der Perwaltungsreform noch einer Prüsung im Kultusministerium. Bayerische Rammer. In der Kammer begann gestern die mehrfach angekündigte Debatte über die Reichsfinanzreform bei dem Etat des Ministers des Aeußern. Der Zentrumsredner Speck verteidigte die Reichsfinanzreform, würdigte die Vorschläge der bayerischen Regierung und erklärte, daß diese bei der Erbanfallsteuer, bei der Elektrizitätssteuer, der Weinsteuer und des Branntweinmonopols Niederlagen erlitten habe. Die Reformarbeiten des alten Reichsblocks unterzog er einer sehr herben Kritik. Ihm antwortete der liberale Abg. Casselmann, der erklärte, daß eine Rethe von Steuern der Reichsfinanzreform ganz schlampig fertiggestellt worden seien. Bei der Ableynung der Erbanfallsteuer seien eigennützige Gründe maßgebend gewesen. Sozialdemokratischer Gemeindevorsteher. Der erste sozialdemokratische Gemeindevorsteher des Herzogtums Coburg ist im Dorfe Hassenberg gewählt worden. Die Dotierung afrikanischen Die Windhuker Nachrichten veröffentlichen eine Zuschrift des Gouverneurs von Schuckmann über die Ueberweisung des Gouvernements an die Gemeinden, aus der wir das wichtigste nachstehend wiedergeben. Es wird zunächst betont, daß weder das Kolonialamt noch das Gouvernement befugt seien, ohne Zustimmung der gesetzgebenden Körperschaft, also des Reichstages im Einvernehmen mit dem Bundesrat fiskalische Werte zu verschenken, und daß sie, wenn sie es doch täten, sich regreßpflichtig machen würden. Das Gouvernement sei bereit, in Berlin einen Antrag auf schenkungsweise Ausstattung der Gemeinden zu stellen, wenn dies von den Gemeinden gewünscht wird, bezweifle aber, daß dieser Weg mit Rücksicht auf die dadurch unabwendbare Verzögerung der Entscheidung der praktischste sei, auch sei zweifelhaft, ob der Reichstag im Sinne der Gemeinden entscheiden werde. Das Gouvernement habe alles getan, um eine Verletzung fiskalischen Eigentums die Gemeinden reichlich dem Zweck entsprechend auszustatten. Weideland werde die Gemeinden, die im Regierungsgebict liegen, in ausreichendem Maße gegen eine bluße Anerkennungsgebühr von wenigen Mark im Jahr gegeben. Ferner erhalten die Gemeinden auf Regierungsland alles Land im Weichbild, daß die Regierung sich nicht notwendig für ihre Zwecke reservicren muß, zum Verkauf in Erbpacht bei Anfall des halben Kaufpreises. Die Regierung würde überdies von dem für ihre Zwecke reservierten Lande nichts verkaufen, so daß der Gemeinde die Käufer kommen müßten. Auch die Ueberweisung bestehender Anlagen ließe sich ohne erhebliche Belastung der jungen Gemeinden abwickeln, falls sie auf Uebertragung des Eigentums verzichten, Schulgebäude und dergleichen könnten der Gemeinde gegen eine jährliche Anerkennungssumme unter der Verpflichtung der Instandhaltung überlassen werden. Will die Gemeinde Anlagen, wie Wasserleitungen, zum Eigentum erwerben, so muß sie den gemeinen Wert entrichten, sonst müßte der Reichstag vorher gehört werden. Die Entrichtung des Kaufpreises kann aber auch hier durch mäßige Verzinsung und langfristige Amortisation erfolgen, so daß eine Belastung der jungen Gemeinde nicht vorliegt, da solche werbenden Anlagen sich schon durch ihre eigenen Einnahmen reichlich verzinsen könnten. Die Ausgaben für Polizei trage das Gouvernement noch ganz allein, die Schullasten zu vier Fünftel durch Stellung der Lehrkräfte, Der einzige Nachteil für die Gemeniden liege also darin, daß sie das Land usw. nicht als Eigentum erhalten, doch trete eine Schädigung der Gemeinden nicht ein. Nun hat der Reichstag das Wort! Hoffentlich tut er das Nötige, damit die Gemeinden so ausgestattet werden, daß sie dabei bestehen können und ihre Unzufriedenheit, die schon recht heftige Formen angenommen hat, aufhört. Ausland. Rutzland. Petersburg, 12. Jan. Der Justizminister erwirkte vom Zaren die Begnadigung der wegen Teilnahme an der Ermordung Hertzensteins vom finischen Gericht zu sechs Jahren Zwangsarbeit Verurteilten Jußkewitsch, Kraßlowski und Polownew. Ihr Mitschuldigec Laritschkin, der vor dem Gericht für die drei Dortmunder Stadttbeater. ms. Dortmund, 12. Januar. „Die Gespenster“. Drama in 3 Akten von H. Ibsen. „Die Gespenster“ haben Ibsen zuerst in irciteren Kreisen Deutschlands bekannt gemacht. Um die„Verecbungstheorie“ ist damals ein grimmiger Streit entbrannt, wiewrhl die Vererbung mit dem Hauptmotiv des Stückes gar nichts zu tun hat. Die Heldin in den„Gespenstern“ ist Frau Alving, jene stacke Seele, die aber doch im entscheidenden Moment nicht den Mut hat, ihr eigenes Leben zu seben und deshalb an ihrem Liebsten gestraft wird. Ir. Besprechung von Aufführungen Ibsenscher Diamen ist an dieser Stelle wied:rholt darauf hingewiesen worden, daß Ibsen als das wichtigste aller Probleme, das der Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Weib mit konsequenter Hartnäckigkeit behandelt hat.„Ist die Familie die Basis der Gesellschaft, so bilde: die Ehe die Basis der Famili.“. sagt Ibsen. In seinen Dramen zeigt er vor allem, wie die Ehe nicht beschossen sein soll. Dabei hat ihm die Absicht fern gelegen, irgend eine moderne Idee zu fördern, wie er selbst einma. offenbarte:„Alles, was ich gedichtet habe, wrar ohne bewußte Tendenz. Ich bin mehr Diarter und weniger Spezialphilosoph, als man im allgemeinen anuimint. Meine Aufgabe war die Menschenschilderung". Daß man irrtümlich hinter seinen Werken Tendenzen s#itterte, beweist auh sein eifriges Protestieren gegen die Identifizierung seiner Person mit dem Ibsen, wie man ihn sich allgemein vorstellte. Er war kein Prophet; er kam zu diesem Ruf durch seinen Bilck des inneren Selbstbeobachtens. In langer Kette, mannigsach variiert und abgestuft und doch alle einander ähnlich ziehen sich die innerlich verlogenen Ehen durch Ibsens gesamtes dramatisches Schaffen. Entweder ist es die Katastrophe der Gel#ehe, der Fir beiwohnen, oder die Katastrophe einer jeelisch ungenügend fundierten, weil unter Verkennung der Leiderseitigen Charaktere abgeschlossenen Ehe. Zur letzKategorie gehören„Nira“,„Die Gespenster“ und „Die Frau vom Meere“, und zwar aufs engste zusammen. Helene Alnings trostloses Schicksal als Gattin und Mutter— sie ist von Tanten und Verwandten als tunges Mädchen einst an einen Wüstling verkauft worden und führt nun ein Leben votier Schande und Gram ein Dasein neben einem verhabten Gätten, dessen Sünde sich bis aus sein Kind vererbt— gibt die Antwort auf die Frage, was aus Nora geworden wäre, wenn sie bei ihrem Gatten im„Puppenheim“ ausgeharrt hätte. Ia den„Gespenstern“ tritt das Motiv überaus stark hervor, das Ibsen mit alier Leidenschaft als tiefste Quelle aller Korruption blosgelegt hat: das Motio der Lüge. Es ist Dr. Paul Legband durchaus beizutreten, wenn dieser in einem Artikel„An Heurik Ibsens Bahre“ ausführt:„Die Lüge ist die Quinlessenz der öffentlichen Moral. Das auszusprechen, immer wieder auszusprechen und mit alter wünschenswerten Deutlichkeit an lebendigen Exempeln zu erweizen, dazu gehörte ein Mut und eine sittliche Ueberzeugung von seltene: Stärke. Umsymihr, als diese Verlogenheit nicht als das Merkmal einiger besonders schlecht veranlagter Individuen, sondern als das deutlichste Erkennungszeichn der ganzen Gesellschaft hingestellt wurde. Die negativen Tendenzer von Ihsens Kritik, dieses kühne Herunterreißen aller schon getragenen Marken und Laroen traten hier mit fast beleidigender Deutlichkeit zu Tage. Wenn es in der Vorrede zu Schillers Räubern 1781 hieß, daß das Laster in seiner nackten Abscheulichkeit enthüllt und in kosossaler Größe vor oas Auge der Menschheit gestellt sei, in der Absicht, das Laster zu stürzen und Religion, Moral und bürgerliche Gesellschaft an ihren Feinden zu rächen, und wenn Schiller drei Jahre späte: sich äußert, die Gerichtsbarkeit der Bühne fange an, wo das Gebiet der weltlichen Gesetz: sich endigt, so haben wir in Ibsens Dramen ein Analogon ein modernes freilich, das in der Technik einfacher, im Stoff durchaus nicht heroisch, ganz ohne Pathos und ohne die starke moralisierende Dosis denselben Zielen nachstrebt.“ „Gespenst“ nenn: Ibsen alies das, was nichts mit der Wahrheit gemein hat, vielmehr sein Dasein der Lüge. dem Verbrechen, der Sünde verdankt, was sich nicht im Connenlicht der Freude bewegen darf, vielmehr verdammt ist, ein Schattendasein zu führen und als unberechtigt zum Leben, als Nachtgestalt, als Gespenst ausgerottet zu werden. Im Norwegischen heißt das Stück„Gengangere“: die Toten, welche wiederkommen: natürlich in Gestalt anderer Personen, mit denselben Eigenschaften behaftet. Hier ist der Sohn eines im Laster verkommenen Vaters, indem er die gleichen ündigen Veranlagungen zeigt, das Gespenst seines. Vaters. Trotz ihrer moralischen Qualitäk bieten„die Gespenster“ nichts Erfreuliches. Die erbarmungslose Hervorzerrung des entsetzlichsten Familienjammers und ehelicher Geheimnisse verhängnisvollster, sa scheußlichster Art berührt überaus verdüsternd ebenso wie der Mangel an aller poetischen Gerechtsgkeit. Da ist eine unglücklichFrau, die an einen Wüstling gekettet, ihr Leben in seelischer Nacht verseufzen muß; da ist ein mit aller Liebe und Fürsorge vor der moralischen Ansteckung durch das Gift des Familiensammers gehütetes Kind, ein talentvoller Maler, der vor dem alttestamentlichen Fluche, daß die Sünden der Väter an den Kindern heimgesucht werden sollen, unschuldig zugrunde geht; da ist ein Schurke von einem heuchlerischen Augendiener, der eine Brandstiftung verübt und einen wackeren Geistlichen, seinen Wohltäter, zu dem Glauben bringt, dieser sei der Urheber des Brandes; da ist ein junges Mädchen, die natürliche Tochter des verstorbenen Wüstlings, eine lebendige Verlörperung der Theorie von der Erbsünde, eine Person, di: uns einen Abgrund moralischer Abscheulichkeit zeigt und wahrhaft empörend wirkt. Das sind Personen und Verhätnisse, die unser ganzes moralisches Empfinden gröblich beleidigen müssen. Aber bei alledem kann die hihe Meisterschaft, von der die Behandlung des Dialogs und die Erfindung der einzelnen Motive zeugt, nicht in Abrede gestellt werden. Ein scharfer Verstant, eine hohe menschliche Auffassung sprechen aus den„Gespenstern“, wie sehr es dem Werke auch an dichterischer Erhebung mangelt, die knappe und schlagende Sprache, die Schärfe der Charakterzeichnung, die Kunst in der Vererbung der Fabel dokumentieren den großen Dichter. Die Aufführung unter Leitung des Herrn Oberregisseurs Karl Latermener am heutigen Abend gestaltete sich Dank der guten Besetzung der Rollen zu einer glanzvollen. Leider vermochte ein Teil des mäßig besetzten Hauses den furchtbaren Ernst des erschütternden Dramas nicht zu erfassen und störte durch unangebrachtes Lachen. Al: Frau Alving gastierte Frl. Gabrieli, die schon am Montag in der„Braut von Messina" als Fürstin debüliert hatte. Ich fasse mein Urteil über die beiden Gastspiele kurz dahin zusammen, daß ein Engagement Frl. Gabrielt's unserer Bühne zum Vorteil gereichen wird. Die Künstlerin unterstrich als Isabella am Montag das Hoheitsvolle und Gebieterische und ließ die v.ülterlichen Gefühle mehr oder minder zurücktreten. Dank einer klaren, deutlichen Aussprache, einem feinen Verständnts für den Sinn des Gesprochenen kamen die Schillerschen Verse zu voller Wirkung. Allerdings sx inen die Stimmittel nicht den Anforderungen zu genügen, die an Heroinen gestellt werden. Im Akfekt verjagl: die Stimme etwas. Doch fällt das nicht ins G=wicht, da Frl. Gabrieli nicht für das Fach der Heroin= und Heldenmutter in Aussicht genommen ist. Wie als Isabella so verriert die Künstlerin als Frau Alving ein sorgfältiges Studium der Rolle, in der sie aufging, und zeichnete sich durch ungekünsteltes natütliches Spiel aus. Sie imponierte sowohl durch die äußerste Ruhc, mit der sie das Versteinerte in Frau Alving veranschaulichte, als auch durch die Stärke, mit der sie die kurzen leidenschaftlichen Ausbrüche dieses heroischen Charakters wirksam gestaltete. Kurz sie gab ein scharf umrisienes Seelengemälde, demgegenüher auch der Abgestumrfteste nicht gleichgültig Cle.ben konnte. Der ihr gewordene reiche Beifall war wohl verdient. Oswald Alving wurde durch Herrn Gerdes verkörpert, dei damit eine schwierige Aufgabe zu lösen hatte. Herr Gerdes hat schon recht respektable Proben seiner Kunst gegeben, aber ich meine, daß die Rolle des Oswald zu seinen besten gehört. Schon vom ersten Moment seines Auftretens an begann er auf die furchtbare Kalastrophe vorzubereiten. Sein Oswald, dem die geistige Vernichtung droht, erschien zunächst gedrückt und niedergeschlagen, ließ dann immer schärfer die Anzeichen seines Leidens hervortreten und ging Schritt für Schiitt dem Verfall entgegen, über dem allen die marternde Seelenangst vor dem Gräßlichen, das seiner harrt, kagernd. Sein ganzes realistisches Spiel, das von großem Fleiß zeugte, packte und überwältigte. Allerdings kann man geteilter Ansicht darüber sein, daß Herr Gerdes hie und da einen Leutnantston anschlug. Auch ihm gebührte der gespendete Beifall in vollem Maße. Den scheinheiligen Spitzbuben, den Tischler Engstrand, zeichnete Herr Binde: überaus treffend und wirksam. Er machte es durchaus veiständlich, daß sich der Pastor Manders, das groß: Kind, von dem verschlagenen Handwerker düpieren ließ. Ebenfalls recht plastisch aab Herr Fischer den Pastor, indem er der bedachtiamen Einsalt eine feine Zeichnung verlieh. Daß Frl. Habermeyer, dem wohlerzogenen koketten Kammerkätzchen Regine nichts schuldig blieb, überraschte mich nicht. Die charakteristischen Spitzen und Schärsen dieser Rolle kamen zur voller Geltung. So vereinigte sich alles, um dem erschütternsten Drama der modernen Literatur, in dem Ibsen zeigt, was aus einer Familie wird, in der eine Frau ihr ganzes Leben daran setzt, sich der Lüge, auf der ihr Hauestand beruht, unterzuordnen und sie nach Außen hin zu verbergen, zu einem vollen Erfolgs zu verhelfen# erstgenannten schier belastende Aussagen machte, wird dagegen nicht begnabigt. Belgien. Brüssel, 12. Jan. Am Montag fand im Justizpalast eine von den Anwälten der Prinzessin Luise einberusene Versammlung der Vertreter der Gläubiger der Prinzessin statt. Es handelte sich darum, gewisse Abmachungen zu treffen, um den Gläubigern eine Abschlagszahlung geben zu können, die von dem einstweilen zur Verfügung stehenden Vermögensbetrag von achtzehn Millionen geleistet wird. Die Verhandlungen haben ergeben, daß die Schulden der Prinzessin nicht den behaupteten Betrag von sechs Millionen erreichen und daß die Ansprüche der Gläubiger in Bälde befriedigt werden können. Nach der Meldung mehrerer Blätter soll, soviel sich bis jetzt übersehen läßt, der Betrag von sechzig Millionen Frank unter die drei Töchter Leopolds II. zu gleichen Teilen verteilt werden können. Die umfangreichen Sammlut sind noch in der Oberrealschule untergebracht. Der gesteigerte Besuch durchschnittlich 40 Personen, macht der Vereinsabende, die Verlegung des Vereinslokals notwendig. Die Versammlungen finden künftig in der Turnhalle statt. Der Vereinsbeitrag wurde auf 4,50 Mark festgesetzt. Dafür wird den Mitgliedern das„Dortmundische Magazin" als Vereinszeitschrift unentgeltlich geliefert. — Der nächste Vortrag über das Höhlengebiet bei Brünn in Mähren findet am 18. Januar statt. Lokales und Provinzielles. Dortmund, 13. Januar. —* Der Winter hat sich doch noch ringestellt. Mit heftigem Schneefall vollzog sich gestern Nachmittag sein Einzug, der durch Donnergrollen bereits 24 Stunden vorher angekündigt worden war. Zum Leidwesen unserer Jugend hat der in ansehnlicher Menge gehaltene Schnee nicht Stand gehalten Wir wollen hoffen, daß noch weitere Schneefälle nachfolgen und reichliche Gelegenheit zum Schlittenfahren geben wird. —* Eine Auskunftsstelle für Frauenberuse, in der junge Mädchen, die eine Tätigkeit ergreifen wollen, Auskunft über alle Fragen der Ausbildung und Aussichten in einem Berufungszweig erteilt wird, tritt mit dem 15. Jan. hier ins Leben. Bei der sich immer weiter ausbreitenden Erwerbstätigkeit der heutigen Frauen ist es mehr wie nötig zu erfahren, welche Ansprüche ein Beruf an die geistigen und körperlichen Fähigkeiten eines jungen Mädchens stellt und wie die Aussichten für ein Fortkommen in einem Berufe sind. Aus diesem Grunde haben Frauen und Fürsorgevereine sowie die Organisationen der Lehrerinnen und Handlungsgehilfinnen diese Auskunftsstelle auf interkonfessioneller Basis geschaffen, in der jungen Mädchen und deren Eltern kostenlos Auskunft über alles für einen Beruf Wissenswerte erteilt wird. Die Sprechstunden sind Wochentags von 11 bis 3 Uhr Schwanenwall 5. Siehe Inserat in der heutigen Nummer. —“„Gefahren und Schutz der Gesundheit" heißt das Thema des am Donnerstag, den 13. d. M. Seinviertel Uhr abends im Speisesaale des Stahlwerks Hoesch von der freistudentischen Ortsgruppe Dortmund veranstalteten Vortrages über das Herr Dr. med. Kleefisch, Anstaltsarzt aus Essen, sprechen wird. Es sollen einleitende Bemerkungen sein über die Krankheit als biologische Erscheinung, d. h. als eine den Menschen im Naturzusammenhang treffende Schädigung. Weiter werden berührt die Gebitte Cntstehen, Wachsen und Vergehen des menschlichen Organismus, innere und äußere Feinde, Entartung und Parasiten, einige wichtige übertragbare Krankheiten, Schutz der Gesundheit in Reinlichkeit, Körperpflege, Wohnung, öffentliche Anlige und gesellschaftliche Sitte. Der Schluß wird die Bedeutung der Hygiene für Gesellschaft und Nachkommenschaft dartun. Der Besuch dieses lehrreichen Vortrages ist sehr zu empfehlen, der Eintrittspreis beträgt wie bei allen diesen Vorträgen nur 10 Pfg. — Vortragskursus der Wilhelm=AugusteViktoria=Büche cei. Herr Bibliothekar Zimmer wird morgen Freitag Abend halb 9 Uhr in seinen Vorträgen übe: das Werden und Wesen der Sprache fortfahren. Tei Vortrag findet im alten Hiltrophaus, in der jetzigen gewerblichen Fortbildungsschule, Prinzenstr. 10 statt. Er wird über das Thema sprechen: Unsere Schriftsprache.— Eintrittskarten zu 40 Pfg. sind an der Avendkasse zu haben, Abonnementskarten für die noch ausstehenden 6 Vorträge sind zu Mk 2,— in der Garderobe der WilhelmAuguste Viktoria=Bücherei und in den Buchhandlungen zu haben. —* Die Wilhelm=Auguste Viktoria=Bücherei bleibt am Samslag, den 15. Januar, den ganzen Tag für den Verkehr des Publikums geschlossen. —' Polizei=Bericht. In der Nacht zum Mittwoch bezw. im Laufe des Dienstag wurden 13 Personen festgenommen und zwar 5 wegen Obdachlosigkeit, 2 wegen Diebstahls und je 1 wegen Unterschlagung, Bettelns, Unzucht, Trunkenheit, steckbrieflicher Verfchlung und Ueberwelsung an die Landespolizeibehörde.— Seit einigen Tigen befinden sich auf dem hiesigen Kriminalbureau 3 neue aus Rohguß hergestellte Messingbüchsen, welche offenbar gestohlen worden sind. Das Gesamtgewicht der Büchsen beträgt 260 Pfund. Jode Büchse ist 28 gentimeter lang, Zeinhalb Zentimeter dick und hat einen Durchmesser von 20 Zentimeter. An einer der Büchsen ist ein Zettel mit der Ausschrift Barop M. S. angebracht. Etwa Bestohlene wollen sich auf dem hiesigen Kriminalbureau, Lipe Nr. 1, Hofgebäude, melden. —“ Kronenburg. Während die in die erste Hälfte der laufenden Konzertsagon gefallenen beiden großen Konzerte der Philharmonischen Orchesters bedeutende, in den hiesigen Konzertsälen bisher noch unbekannte Künstler einführten werden für das am Montag, den 17. d. M. stattfindende 3. Solistenkonzert einige bekannte Namen genannt, die in den Programmen vieler großer Konzertinstitute des öfkeren zu finden sind: Frau Tilly Cahnbley=Hinken, Würzburg(Gesang) und Professor Carl Friedberg, Köln(Klavier). Erstere hat durch ihre musikalischen Darbietungen sich hier einen so großen Freundeskreis geschaffen, daß eine besondere Betonung ihrer fünstlerischen Eigenschaften sich erübrigt. Prefessor Friedbergs pbesievolles Spiel hat hier im letzten Winter die Höter gradezu mit sich fortgerissen; in diesem Konzert wird ihm das Es=dur=Konzert von Bach Gelegenheit zur vollen Entfaltung seines beseutenden Kenntnis geben. —“ Naturwissenschaftlicher Verein. In der Zahresversammlung wurde der bisherige Vorstand, bestehend aus den Herren Professor Weinert, Töchterhullehrer Franke, Oberbergamtsmarkscheider Fremdsing, Baukommissar Klingner, und Zahnarzt Dr. Katz piedergewählt. Die Vereinstätigkeit war äußerst res ds wurden 15 grösere Vorträige mit Demonrationen gehalten, an 4 nahmen auch Damen teil. ür kleinere Mitteilungen und Vorführungen waren Vereinsabende bestimmt. Außerdem fanden 7 Besichtigungen und Exkusionen statt. Die Mitgliederahl ist von 55 auf 81 gestiegen. Zahlreiche und pertvolle Schenkungen, auch von Nichtmitgliedern berugten das Interesse für das Naturwissenschaftliche Ruseum, das aus Mangel an geeigneten Räumen si eider noch nicht der Oeffentlichkeit zugänglich ist. Eving, 12. Jan. Das bekannte Gut Haus Dellwig bei Eving, etwa 182 creußische Morgen groß und den Erben Schürmann in Münster gehörend, hat zum Preise von rund 400000 Mark das Eisen= und Stahlwerk Hösch hier käuflich erworben und ist für diese Firma bereits grundbuchamtlich aufgelassen worden. Hombruch, 12. Jan. Die Anlagen auf dem hiesigen Schacht„Gotthelf“ sind sertiggestellt. Die elektrische Schwebeseilbahn ist evenfalls fertig. Die Transportwagen sind angebracht. Die Kohlenförderung von Gotthelf nach Giesbert zum Verladeplatz wird jetzt durch die Schwebebahn vollführt. Die Schleppbahn soll zur Holzbeförderung benutzt werden. Sobald auf dem betreffenden Schach. die Förderung aufgenommen wird. sollen noch ca. 300 Bergleute mehr angenommen werden. Unna, 12. Jan. Eine fette Dividende erhalten die Gläubiger der in Konkurs geratenen Elektrizitätsgesellschaft„Westfalen“. Nach Abzug der bevorrechtigten Forderungen verbreib eine„Masse“ von 179,13 Mark der gewöhnliche Jorderungen im Gesamtbetrage von 40 262,05 Mark gegenüberstehen. Es erhalten also die Gläubiger etwas mehr als einhalb Prozent. Bochum, 13. Jan. Heute Donnerstag ist Otto Reutter infolge dringender Familien=Veihältnisse am Auftreten verhindert, es gelangt daher das glänzende Elite=Programm in seiner früheren Zusammensetzung zur Aufführung. Morgen Freitag tritt Otto Reutter zum vorletzten Male in Bochum auf, am Samstag, den 15. d. M. verabschiedet sich Otio Reutter und mit ihm das gesamte Neujahrsprogramm. Da die Kartennachfrage begreiflicherweise eine sehr rege ist, dürfte sich eine Vorausbestellung bei den bekannten Vorverkaufsstellen als äußerst praktisch empfehlen. Schwurgericht Dortmund. Dortmund, 12. Januar. Vor dem Schwurgericht stand heute der am 1. November 1874 im Kreise Worbis geborene Arhitekt Otto Steinmann von Dortmund wegen schwerer öffentlicher Urkundenfälschung. Die Sache sollte zunächst vor der Strafkammer verhandelt werden, die sich nach erfolgter Prüfung für unzuständig erklärte und die Angelegenheit vor das Schrurgericht verwies. Der Angeklagte ist bereits wegen Urkundensönchung mit 14 Tagen Gefängnis vorbestraft. Steinmanz soll in den Jahren 1906 bis 1907 in rechtswidriger Absicht mehrere Lagepläne von unbebauten Grundstucken als von dem vereideten Landmesser Renwanz hergestellt fälschlich angefertigt und und von den Plänen zum Zwecke der Täuschung Gebrauch gemacht zu haben. In den Jahren 1908 und 1907 trat der Bauunternehmer Röttger mit Steinmann in Verbindung zwecs Anfertigung von Plänen für die Grundstücke Schillerstraße 1, 3. 5 und Schützenstraß: 97. Die Pläne waren so vorzubereilen, daß die Konzession der Baubehörde erfolgen konnte. In der seitens der Siadt Dortmund erlassenen Verordnung heißt es„auf Ersordern muß die Zeichnung von einem vereidigten oder verantwartlichen Baubeamten unterzeichnet sein“. Unter den der Baubehörde eingereichten Zeichnungen der genannten Grundstücke stand jedesmal der Name des vereideten Lanomessers Renwanz. Tatsächlich hatte dieser aber die Pläne nicht angefertigt, oder nur in einem Falle eine Vermeisung vorgenommen. Die Behörde nimmt an, oer Name des Herrn Renwanz fälschlich und in der Absicht unter die Zeichnungen gesetzt wurde, um die Behörde einerseits zu täuschen und andererseits die Vermessungslosten zu sparen. Der Angeklagte behauptete, er habe tuner Sache keine Ahnung gehabt, seine jungen Kant##tten die Zeichnungen eingereicht, ohne sein Wissen sei der Name Renwanz unter die Zeichnungen gekommen, er habe angeordnet. daß in allen Fällen, wo es sich um Kopien handelte, gez. Renwanz geschrieben werden sollte. Demgegenüber steht aber fest, daß in vielen Fällen keine Originale von Herrn Renwanz rorhanden waren, sodah auch keine Kopien angefertigt werden konnten; daß man sich anscheinend in der Nachahmung des Namenszuges des Herrn Nenwanz übte, ging aus dem Zeugnis eines früheren Angestellten hervor, der behauptete, man habe in der Herstellunn des Namenszuges des Herrn Neuwanz durch längere Uebung eine Ziemliche Fertigkeit gehabt. Die Geschworenen verneinten alle ihnen vorgelegten Schuldfragen. Der Angeklagte war somit freizusprechen. Die Anklage vertrat Herr Staalsanwält Kneller, während die Verteidigung Herr Rechtsanwalt Schücking führte. Gewerbegericht vortmund. &a Dortmund, 11. Januar. In der gestrigen Nachmittagsitzung führte Herr Landrichter Ploeger den Vorsitz. Es wurde über folgende Streitfälle verhandelt: Die Arbeiterin Wilhelmine Schweiß klagte gegen die Firma Huchtemeyer u. Co. auf Zahlung von 25,00 Mk. Restlohn. Klägerin hat insgesamt Leinhalb Tage bei der Beklagten gearbeitet und erhielt für diese Zeit nach Abzug von 2,62 Mark Krankenkassen 2c. Beiträgen 1,01 Mk. Lohn ausgezahlt. Beklagte führte aus: Klägerin habe sehr lässig gcarbeitet, andere Arbeiterinnen verdienten bei gleichen Akkordsätzen 2,00 Mk. bis 2,50 Mk. pro Tag. Der Klägerin wurden im Vergleichswege noch 5,88 Mk. zugesprochen. Gegen die Firma Wilhelm Böhme klagte der Schlosser Heinrich Deuter auf Zahlung von 15 Mark Restlohn. Beklagte behauptete, Kläger habe nicht bei ihr, sondern vielmehr bei dem Monteur Schlaab, der von ihr die Ausführung von Arbeiten als selbständiger Unternehmer übernommen habe, in Arder beit gestanden. Nach dem vorgelegten, zwischen der Firma Böhme und dem Monteur abgeschlossenen Ar eitsvertrage hielt das Gericht die Firma Böhm für den Arbeitgeber des Klägers und erkannte, da useum, das aus Mangel an geeigneten Räumen sonst gegen die Klageforderung Einwendungen nicht der noch nicht der Oeffentlichkeit zugänglich ist. erhoben wurden, nach dem Klageantrage. Wegen rechtswidriger Entlassung klagte die Arbeiterin Frau Anna Starke gegen den Hotelier Heinr. Beckman auf Zahlung einer Lohnentschädigung von 30 33 Mark. Nach den eigenen Angaben der Klägerin stand fest, daß ihr Austritt beim Beklagten unter Einhaltung der erfolgten Kündigungsfrist erfolgt ist. Nach Belehrung zog Klägerin ihre Klage zurück. Auf Zahlung einer Lohnforderung von 46,25 Mk. klagte der Malergehilfe Karl Freiberg gegen den Malermeister Heinrich Funke. Beklagter war zum Termine nicht erschienen. Dem Antrage des Klägers auf Erlaß eines Versäumnisurteils wurde gegen den Beklagten wurde stattgegeben. Der Schneider Ignatz Osanowski klagte wider den Schneidermeister Hubert Kerstges auf Zahlung von 37,00 Mark Restlohn. Beklagter bestritt dem Kläger irgend welchen Lohn schuldig geblieben zu sein; er berief sich zum Beweise für seine Behauptungen auf seine Geschäftsbücher und die bei den Lohnverrechnungen mit dem Kläger von ihm— Beklagten gemachten Notizen. Die Vernehmung eines Zeugen ergab auch, daß Kläger bei der Schlußabrechnung mit keiner Silbe erwähnt hat, daß er noch weitere Ansprüche an den Beklagten habe. Die Klage wurde abgewiesen. Von dem Flugapparatenbauer Grote will der Mechaniker Josef Wichterich grundlos ohne Kündigung entlassen worden sein und klagte dieserhalb auf Zahlung einer Lohnentschädigung von 50 Mark. Beklagter will den Kläger mit Recht entlassen haben, da dieser trotz mehrfacher Ermahnungen in einem Werkstattraum geraucht habe, in dem Benzin aufbewahrt werde. Durch die Zeugenvernehmung wurde die Behauptung des Beklagten bestätigt. Das Gericht hielt unter diesen Umständen einen sofortigen Entlassungsgrund für vorliegend und die elageforderung für unbegründet. Kläger nahm darauf seine Klage zurück. Der Kontrolleur Ernst Heeß klagte gegen die Allgemeine Wach= und Schließgesellschaft m. b. H. auf Zahlung einer Lohnentschädigung von 24,50 Mk. wegen rechtswidriger Entlassung u. auf Rückzahlung der gestellten Kaution im Betrage von 50 Mark. Die Beklagte beantragte Abweisung der Klage und im Wege der Widerklage Verurteilung des Klagers zur Zahlung von 124,80 Mark, da dieser das Arbeitsverhältnis rechtswidrig gelöst habe. Kläger erhielt an einem Tage eine Depesche aus seiner Heimat, daß seine Schwiegermutter gestorben und er zur Regelung des Begräbnisses und sonstiger Angelegenheiten ufort kommen müsse. Mit dieser Depesche begab sich Kläger zur Beklagten um Urlaub zu erbitten, Dieser wurde ihm nicht sofort gewährt, es wurde ihm vielmehr bedeutet, daß er vielleicht am nächstfolgenden Tage fahren könne. Am nächsten Morgen erhielt Kläger einen Brief, worin er nochmals gebeten wurde, sofort zu kommen, da seine Anwesenheit und Hilfe notwendig sei. Daraufhin fuhr Kläger nach seiner Heimat und ließ dieses der Beklagten durch seine Frau mitteilen. Als Kläger sich nach 4 Tagen zum Dienstantritt wieder bei der Beklagten meldete, erfolgte seine Entlassung mit der Mottvierung, daß er unbefugt den Dienst versäumt und nach dem Vertrage den Anspruch auf Weiterbeschäftigung und Rückzahlung seiner Kaution verloren habe. Das Gericht war nicht einen Augenblick im Zweifel darüber, daß Kläger ein Recht darauf hatte, unter den obwaltenden Umständen einige Tage vom Dienst fernzubleiben. Der Klage wurde in vollem Umfange stattgegeben, während die Beklagte mit ihrer vollständig unsubstantierten Widerklage abgewiesen. Berlin, 11. Jan. In dem Privatbeleidigungsprozeß des Professors Dr. Ruhland wider den Professor Dr. Biermer=Gießen der gestern und heute vor der 9. Strafkammer des Landgerichts Berlin 1 in der Berufungsinstanz verhandelt wurde, kam es heute Abend auf Anregung des Vorsitzenden Landgerichtsdirektors Neufeld zu einem Vergleich, Professor Bierner erklärt nach dem Gutachten des Wirkl. Geh. Rats Exzellenz Professor Dr. Adolf Wagner nehme er seine Behauptung, daß Prosessor Ruhland ein politisches und wissenschaftliches Chamäleon sei. daß er als Wissenschaftler nicht ernst genommen werden könne, daß er charakterlos sei, daß er seine Ansichten zu Gunsten seiner persönlichen Vorteile ändere, nehme er zurück und bedauere ganz besonders die scharfen beleidigenden Ausdrücke. Er sei bereit, die Kosten des Prozesses zu übernehmen. Prosessor Dr. Ruhland erklärte, daß er auch seinerseits die Behauptung zurücknehme, Professor Dr. Biermer sei als Wissenschaftlicher nicht anzunehmen. Der Gerichtshof erkannte sodann auf Einstellung des Verfahrens. Der Mord im Bäckerladen. S. u. H. Berlin, 11. Jannar. Unter großem Andrange des Publikums begann heute vor dem Schwurgericht des Landgerichts 1 die Verhandlung gegen den Friseur Hans Jünemann, der unter der Anklage stehl, am 19. Oktober v. J. die Verkäuferin Alice Rakowski ermordet zu haben. Außerdem lautet die Anklage noch auf Diebstahl, Betrug und schweren Raub. Jünimann unterhielt bekanntlich mit der Rakolski ein Verhe nis, das nicht ohne Folgen blieb. Die Anklage nimmt an, daß er das Mädchen tötete, um sich seiner zu entleldigen, zumal es ihm pekuntär sehr schlecht ging und er noch Beziehungen zu der Tochter seiner Wirtin angelnüpft hatte. Der Angeklagte behauptet dagegen, daß er mit seiner Braut die Absicht gehabt habe, gemeinkam aus dem Leben zu scheiden.. Er habe das Mädchen mit deren Einwilligung erstochen. aber dann nicht mehr den Mut gehabt. Hand an sich selbst zu legen. Jünemann ist ein 21jähriger schmächtiger Bursche mit nicht agenden Zügen. Sein Auftreten ist gewandt und sicher. Er zeigt keine Spur von irgendwelcher Besangenheit oder Reue. Zur Personalfeststellung gibt ir an, daß er ein uneheliches Kind sei und nach der Entlassung aus der Schule das Friseurgeschäft erlernt habe. Er hatte dann verschiedene Stellungen in Berlin und Süddeutschland inne, während deren er sich viel mit Philosophie beschäftigt habe. U. a. habe er sich mit Schopenhauer, Kant und Nitzsche, sowie mit Darwin und Haeckel beschäftigt. In Berlin habe er für einen Herrn Schröter Borsenartikel aus dem Französtschen und Englischen übersetzt und für jeden Artikel 20 Mark bekommen. Auf die Frage, wo sich dieser mystertöse Gerr Schröder jetzt befindet, anstrbelet der Angeklagt: in Paris. Auf weiteres Befragen schildert Jünemann seine Beizehungen zu der Nakowski die er im Jahre 1906 kennen lernte. Als er Frühjahr 1907 aus Bremen zuückkehrte nohm er das Verhältnis zu Uhr wieder auf. Die Rakrlbski sei von siht wechselnden Summggen beherrscht gewesen, mancu#l himmelboch jauchzens manchmal zu Tode beirübt. Verschiedentlich habe i# ihm gege nüber Seibstmerdgedanken geäußert. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten dann vor, daß er noch Beizehungen zi. einem zweiten Mädchen unterhalten habe, Der Angeklagte eiht das zu, und behauptet, daß das zweite Mädchen di Tochler seiner Wirtin Stradies in ihrem Temperament von der Nakowski durchaus verschieden war. Die Ratowol: habe das Leben schwer genommen, die Stradies dagegen war immer lustig und guter Dinge. Von beiden Mädchen hat der Angeklagte wenn er sich außer Steliung befand, Geldbeträge bekommen. Er habe gehosst, von einem Buchmacher eine größere Summe zu bekommen. um seine Schulden bezahlen zu können, habe sich aber darin getäuscht. Die Tat selbst schildert der Angeklagte so, daß die Nakowski ihn bei dem Besuche In dem Bäckerladen selbst aufgefordert habe, sie zu töten und ihr dann im Tode nachzufolglen. Er habe das Messer an die Stelle angesetzt, die sie ihm bezeichnete, zugestoßen und dann den Körper langsam zur Erde gleiten lassen. Darauf habe er beschlossen, sich zu erschießen und die Tagestasse mitgenommen, um sich von dem Erlös einen Revolver zu kaufen. Er habe ein Automobil genommen, und sel bis zum Prager Platz gefahren. von wo er sich zu Fuß nach Hause begab. Dort hatder Angeklagte bekanntlich seiner Wirtin 55 Mark gegeben, und ihr zur Erklärung für seine blutigen Kleider erzählt, daß er einen Zusammenstoß zwischen einem Automobil und einer Elektrischen erlebt habe. Später ist er dann weggegangen und uill planlos umhergeirrt sein. Auf dem Spandauer Bock aß er noch ein Kotelett, brannte aber dem Kellner mit der Zeche durch. Bald darauf wurde er in der Nähe der Rennbahn Grunewald erkannt und verhaftet. Im Augenb.ick seiner Verhaftung machte er einen Seibstmordversuch wobei er sich aber nur eine geringfügige Verwundung im Gesicht beibrachte. Domit ist die Vernehmung des Angeklagten beendigt. Letzte Telearamme. Die Arbeiten des Reichstags. Berlin. 12. Jan. Der Seniorenkonvent des Reichstags beschäftigte sich heute mit dem Programm für die Erledigung der Geschäfte bis Ostern. Insbesondere wurde die rechtzeitige Fertigstellung des Etats einer Besprechung unterzogen. Man will den Versuch mit der Kontingentierung der Etatsberatung machen. Bis Ostern hat man bei sechs sitzungsfreien Tagen für die Etatsberatung 87 Sitzungstage zur Verfügung, davon 2 für die dritte Lesung. Für die erste Lesung der Justizgesetze und die noch nicht verhandelten Interpellationen bleiben daher noch acht Tage und weitere fünf Tage für unvorhergesehene Sachen zur Verfügung. Die zweite Lesung des Etats soll Mitte nächster Woche beginnen. Parlamentarische Nachrichten. Berlin. 12. Jan. Da das am 1. April d. Is. in Kraft tretende Gesetz über eine Aenderung der Zivilprozeßordnung usw. durch Ausdehnung der Zustellungen von Amts wegen auf zahlreiche Fälle, die bisher zu den Obliegenheiten der Gerichtsvollzieher als Beauftragte der Parteien gehörten, eine große Zahl von Gerichtsvollzieherstellen entbehrlich macht, so sieht der soeben bekannt gewordene Justizetat die Zuweisung von Gerichtsvollzieherbezirken mit zu geringem Geschäftsumfange an benachbarte Amtsgerichte vor. Das sei für 230 Bezirke angängig gewesen. Die dadurch entstehenden Reisekosten der Gerichtsvollzieher fallen nicht den beauftragten Parteien zur Last, sondern werden durch Pauschvergütungen aus der Staatskasse bestritten. Standesamts-Nachrichten. Dortmund 1. Vom 12. Januar. einer Sitzung de en 17., Dienstag be 910, abends 6 Uhr, T 1. Kenntnisnahn früher schweo### ers Nils August A I 2. Desal des fr Igen Zuschneiders 2. Mahl des B es Magistrats bean altserhöhungen um 4. Wahl eines 9 ums bis Ende 1912 Eduged Sopp, des 5. Wahl eines uf die Daute von erpflichtung zur B. Bezirks.(Der kaufmann Wilhelm hnt). 6. Vornahme vo dtische Texutation Nacistratsvorlager 7. Auslosung ei deiums zu Ende 19 8. Beschlußfassu: sember und Dezemi enwäahlen. I 9. Antrag des vorauslichtlichen Me ewaisenratslasse 1 ehmigen. „ 10. Antrag des Entwurf vorliegend Erhehung eines Bei en Eltern oder Vo kaltung und Eroän ehmigen. 11. Erste Lesur asiums für 1910. abe im Ordinariu Unarium mit 150 177 Mark und be G Die Deckung des Defizits im preußischen Etat. Berlin, 18. Jan. Zur Deckung des Fehlbetrages aus dem Etatsjahre 1908, der rund 202 Millionen beträgt, soll der Fnianzminister nach einem dem Abgeordnetenhause zugegangenen Gesetzentwurf eine Anleihe durch Veräußerung eines entsprechenden Betrages von Staatsschuldverschreibungen oder Schatzanweisungen aufzunehmen, ermächtigt werden. Verheerendes Großfeuer. Jassy, 13. Jan. Im Odobesti=Weingebiet brach gestern ein verheerender Brand aus, der ungeheuren Schaden anrichtete. Zahlreiche Häuser und Weinkellereien wurden vernichtet. Auf dem Brandplar erschienen auch zahlreiche auswärtigen Feuerwehren Kurz darauf brach in Fokschani in einer großen Trikotfabrik ein Feuer aus. Da die Löschmannschaften von Fokschani, die sich in Odobesti befanden, noch nicht von dort zurückgekehrt waren, so äscherte das Feuer die ganze Fabrik mit Nebengebäuden, Waren und Rohmaterial ein. Der durch die Brandkatastrophen in Odobesti und Fokschani angerichtete Schaden wird auf 5 Millionen Francs beziffert. Exhumierung der Leiche der Braut Hofrichters. Wien, 13. Jan. Aus Groß=Leitmeritz wird gemeldet: Auf dem hiesigen katholischen Friedhoje wurde der Leichnam der vor fünf Jahren verstorbenen Braut Hofrichters, Johonna Amlacher, im Beisein einer Gerichtskommission, exhumiert. Die ziemlich verweste Leiche wurde mehrmals photographiert, die Eingeweide herausgenommen, um zur gerichtsärztlichen Untersuchung nach Wien gesandt zu werden. Geburten: Ein Sohn: Lackierer Sasse, Rittershausstraße 27. Briefträger Fresen, Friedrichstr. 6a. Klempner Giel, Dessauerstr. 9. Eine Tochter: Kaufmann Becker, Poststr. 18. Bergmann Urbanczak, Marten, Monteur Roßner, Rheinischestraße 76. Bureauvorsteher Eickhoff, Winelstraß. kelstraße 27. Aufgebote: Stellmacher Hans Dethloff und Elisabeth Fleer. Monteur H. Marquardt und Maria Schräder. Eisenbahn=Betriebs=Ingenieur R. Teltscher und Hedwig Stein. Eheschließungen: Bergarb. St. Stas und Lydia Szostek. Bergarb. A. Duziak und Ursula Kowalski. Sterbefälle: Kasimir Walczak, Nachenerstr. 6, 3 M. Luise Lesniszak, Huckarderstr. 134, 1 M. Witwe Luise Kampermann, Südwall 33, 77 J. Krtharina Pieser, Schützenstr. 130, 1 J. Anna KemGastspiel W Heute Die Do Op. in 3 Akten v. Frank Freitag, 14. Januar Sonzabend 19. Jann Sonntag 16. Januar Sonntag. Die 11 Operrette in 3 v. Franl Donne rgemüt Ball-St Herren u 257 äglich enni Mili Sflichti Früher poren nicht perder Stimmiinum jauchzens edentlich hab: it Der Vorvor, daß er noch unterhalten habe, hauptet, daß das irtin Stradies in ski durchaus verLeben schwer geimmer lustig und at der Angeklagte Geldbeträge beBuchmacher eine e Schulden bezahetäuscht. Die Tat die Nakowski ihn elbst aufgefordert nachzufolglen. Er st, die sie ihm berper langsam zur beschlossen, fich zu imen, um sich von Er habe ein Aufoer Platz gefahren. ab. Dort hatder 5 Mark gegeben, n Kleider erzählt, einem Automobil päter ist er dann egeirrt sein. Auf Kotelett, brannte ch. Bald darauf runewald erkannt erhaftung machte ich aber nur eine beibrachte. Doen beendigt. nme. tags. drenkonvent ute mit dem Prohäfte bis Ostern. fertigstellung des Man will den ierung der tern hat man bei Etatsberatung 2 für die dritte tizgesetze und die en bleiben daher je für unvorherie zweite Lesung ginnen. hten. April d. Is. in ung der Zivil lusdehnung der egen auf zahl. bliegenheiten der beauftragte der I von Gerichtssieht der soeben Zuweisung von ingem Geschäftserichte vor. Das n. Die dadurch vollzieher fallen r Last, sondern der Staatskasse ußischen Etat. ng des Fehlbetrand 202 Millionen nach einem dem besetzentwurf eine ntsprechenden Beigen oder Schatzigt werden. uer. =Weingebiet brach ,) d e r u n g e h e u r e n iuser und Weinem Brandplatz ersen Feuerwehren einer großen TriLöschmannschaften i befanden, noch i, so äscherte das gebäuden, Waren ie Brandkatastro= gerichtete Schaden ziffert. ut Hofrichters eitmeritz wird ge n F r i e d h o j e w u r d e erstorbenen Braut Beisein einer Geziemlich verweste hiert, die Eingegjerichtsarztlichen zu werden. chten. Januar. kierer Sasse, Ritesen, Friedrichstr. ker, Poststr. 18. konteur Roßner, er Eickhoff, Winins Dethloff und quardt und MaIngenieur R. Teltb. St. Stas und k und Ursula Kolczak, Aachenerstr. derstr. 134, 1 M. II 33, 77 J. KrI. Anna KemEinladung einer Sitzung der Stadtverordneten auf Montag, en 17., Dienstag den 18. und Mittwoch den 19. Januar P10, abends 6 Uhr, im Stadtverordneten=Sitzungssaal. Tagesordnung: 1. Kenntnisnahme von der erfolgten Einbürgerung — früher schwedischen Staatsangehörigen, Zuschneieers Nils August Andersson. I 2. Desal des früher österreichischen StaatsangehöIgen Zuschneiders Josef Stampfer. * Wahl des Ausschusses zur Prüfung der seitens Magistrats beantragten neuen Beamtenstellen, Gealtserhöhungen usw..... a. Wahl eines Mitgliedes des Sparlassen=Kuratort= us bis End: 1912 als Ersatz für den Maurermeister duard Hopp, dee sein Amt niedergelegt hat. 5. Wahl eines Schiedsmanns für den 12. Bezirk bf die Daute von drei Jahren unter Auferlegung der erpflichtung zur Veitretung des Schiedsmanns des B. Bezirks.(Der am 6. Dezember 1909 gewählte aufmann Wilhelm Tormann hat wegen Aiters abgeVornahme von Ergänzungs= und Ersatzwahlen für Adtische Texutationen und Kommisionen gemäß der Nacistratsvorlage vom 7. Januar 1910, J. Nr. 7, 18, 7. Auslosung eines Mitgliedes des Leihhaus=Kuradeiums zu Ende 1909. * 8. Beschlußfassung über die Gültigkeit der im Nohember und Dezember 1909 getätigten Stadtverordne9. Antrag des Magistrats— 3. 2640—, den vorauslichtlichen Mehrbedarf der Armen= und Gemeinewaisenratskasse für 1909 mit 87800 Mark zu 10. Antrag des Magistrats— 10. 4437—, den im Entwurf vorliegenden Gemeindebeschluß betreffend die Erhehung eines Beitrages von den Schülern bezw. deen Eltern oder Vormundern zu den Kosten der Unteraltung und Ergänzung der Schülerbibliothefen zu ge11. Erste Lesung des Haushaltsplanes des Gymgsiums für 1910. abschließend in Einnahme und Ausabe im Ordinarium mit 269950 Mark, im ErtraorAinatium mit 1500 Mark, beim Pensionsfonds mit #177 Mark und beim Legatenfonds mit 656,48 Mark. 12. Erste Lesung des Haushaltsplanes des Realgymnasiums für 1910 abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 304 155 Mark und beim Overbeck'schen Legatenfonds mi 176,50 Mark. 13. Erste Lesung des Haushaltsplanes der Oberrealschule für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 226 200 Mark. 14. Erste Lesung des Haushaltsplanes der Realschule für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 155600 Mark. 15. Erste Lesung des Haushaltsplanes der höheren Mädchenschule für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Codinarium mit 200040 Mark. 16. Eiste Lesung des Haushaltsplanes der städtischen Mädchenmittelschule für 1910 abschließend in Einnahme und Ausgabe mit 54 600 Mark. 17. Erste Lesung des Haushaltsplanes des Luisenhospitals für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 304100 Mark, im Ertcaordinarium mit 553530 Mark. 18. Eiste Lesung des Haushaltsplanes des Dudenstiftes für 1910. abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 128 850 Mark, im Extraordinarium mit 8500 Mark. 19 Erste Lesung der Haushaltsplanes der höheren Handelsschule für 1910, abschließend in Einnnahme und Ausgabe mit 22510 Mark. 20. Erste Lesung des Haushaltsplanes der wahlfreien kaufmännischen Fortbildungsschule für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe mit 11 590 Mark. 21. Erste Lejung des Haushaltsplanes der obligatorischen kaufmännischen Fortibldungsschule für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe mit 28306 Mark. 22. Erste Lesung des Haushaltspianes der Handwerkerschule für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe mit 167 275 Mark. 23 Erste Lesung des Haushaltsplanes der gewerblichen Fortbildungsschule für 1010, abschließend in Einnahm: und Ausgabe mit 103280 Mark. 24. Eiste Lesung des Haushaltsplanes der Veerdigungskasse für 1310, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 196700 Mark im Ertraordinarium mit 1°775 Mark. 25. Erste Lesung des Haushaltsplanes der Volksschulen für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 3158500 Mark, im Extraordinarium mit 253938 Mark und beim Legatensonds mit 120 Mark 26. Erste Lesung des Haushaktsvlanes des stäbtischen Wasserwerks für 1910. abschließend in Einnahme und Ausgab: im Ordinoc#um mit 1970 400 Mark, inExtraordinarum mi: 500000 Mark. 27. Erste Lesung des Haushaltsplanes des städtischen Elektrizitätswerkes für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 2652440 Mark und zugleich Antrag oes Magistrats, zu geneymigen, daß der der Stadt verbleibende Fehlbetrag in Höhe von 146 241,11 Mark aus dem vorhandenen Erneuerungs= bezm. Erweiterungssonds des Elektrizitätswerkes gedeckt werden darf. 28. Erste Lesung des Haushaltsplanes der Straßenbahn für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 1931800 Mark, und im Extraordinarium mit 408 500 Mark. 29. Erste Lesung de: Haushaltsplanes des städtischen Viehhofes für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Cidinarium mit 273.800 Mark und ferner des städtischen Schlachthofes, für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 415 800 Mark. im Ertraordinarium mit 19 500 Mark. 30. Erste Lesung des Faushaltsplanes des Stadttheaters für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 165300 Mark. 31. Erste Lesung des Haushaltspianes, der Witwenund Waisenkasse der Beamten der Stadt Dortmund nebst der ehemaligen Gymnasial= und Realgymnasial= Lehrer=Witwen= und Waisenkasse für 1910, abschl. in Einnahme und Ausgabe mit 63450 Mark. 32. Erst: Lesung des Haushaltsplanes für die Armen= und Gemeindewaisenratskasse für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 988500 Mark, im Extraordinarium mit 800 Mark. 33. Erste Lesung des Ha-# altsplanes über den Kanalisations= und Nieselfelderbetrieb für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium mit 885000 Mark, im Extraordinarium mit 453000 Mk. 34 Eiste Lesung des Heushaltsplanes des technischen Lehrerinnenseminars für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe mit 30160 Mark. 35. Ciste Lesung des Haushaltsplanes des Archivs, der Bibliotheken und Lesehallen für 1910, abschließend in Einnahme und Ausgabe im Ordknarium mit 60910 Mark, im Extrnordis#arium mit 17000 Mark. 36. Antrag des Mugistrais— 4b, 4111—, a) die Versetzung des Kriegerdenkmnals für 1866, des sogenamten Lüwendenkmals, vom Königswall nach dem Hohenwall und bi die Verlegung des Freistuhles und das Verpflanzen des Sprößlungs der Femlinde auf eine nach dem verliegenden Entwurse am Königswall zu errichtende bostionartige Platisorm zu genehmigen. 37. Geheime Sitzung(8 Sachen). Dortmund, 10. Januar 1910. Der Stadtverordnetenvorsteher: Tewaag. „Rheinland“ hat am verganzenen karnevalistische Saison eröffnet und Der Verein Donnerstag seine gleich mit seiner ersten nätrischen Sitzung im Gewerbe verein den unumstößlichen Beweis erbracht, daß rheinische Karneralslust und Karnevalsstimmung bei ihm ein: feste Heimstätte hat. Der feierliche Einzug des Prinzen Karneval mi: großem Gefolge, sein siegreichee Kampf gegen den ihm seine Herrschaft streitig ma Lenden Griesgram war eine prächtige Einleitung der diesjährigen Veranstaltungen, die der Verein Rheinland bietet. Was an Originalen und originellen Büttenreden nur zu Tage gefördett werden kann, das ist im Verein Rheinland zu finden, der übrigens über eine Schar unübertrefflicher Vereinsdichter und demgemäß an jedem Abend über ein beachienswertes Liederbuch verfügt, dessen Inhalt von anderen Karnevalzgesellschaften gern übernommen wird. Wie in der ersten Sitzung. so wird auc, in der heute Donnerstag stattfindenden das nätrischt Volk, das seine Schritte zum Gewerbeverein lenkt, im Verein Rheinland ganz vergnüg: liche Stunden verleben, sich köstlich amüsteren und voll auf seine Kosten kommen. Dafür sorgt der tüchtige Präsident Jean Wirtz und sein getreuer Elferrat, daß echle Karneral=stimmung sich rerbreitet und ungetrübte Lust und Freude in seiner: Reiche herrscht. Olympia-Theater. Die mit so gronem Beifall aufgenommene Operette„Die Förster Christl“ gelangt nur noch bis heute Mittwoch abends 8 Uhr zur Aufführung. Morgen Donnerstag 8 Uhr„Die Dollorprinzessin“, Operette in 3 Akten von Leo Fall mit Grete Meyer vom Frankfurter Opernhaus als Gast. Man verlange ausdrücklich Kp; afssefists Gastspiel Wiener Operetten-Ensemble. Heute Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin! Op. in 3 Akten vou Leo Fall mit Grete Meyer v. Frankfurter Opernhaus als Gast Freitag, 14. Januar: Die Dollarprinzessin. Sonzabend 15. Januar: Die Dollarprinzessin. Sonutag 16. Januar: nachm. 4 Uhr: Die Dollarprinzessin. Sonntag. 16. Januar, abends 8 Uhr: Die lustige Witwe Operrette in 3 Akten von F. Lehar u. Grete Meyer v. Frankfurter Opernhaus als Gast. empfichlt Donnerstag, den 20. Januar 1910: Irgemütlicher Münchener Hausball Ball-Streich-Orchester. Herren und Damenkarten nur im Contor. 1257 Die Geschäftsleitung: Paul Thiele. Importhaus F. Wens, 73 Destenbellseg 73 Billige Linsen Pfd. 11 Pf. Rübor Pfd. 55 Pf. Haferflocken." Pfd. 21 Pf. Candis, weiß.. Pfd. 27 Pf. Edamer Käse, weich Pfd. 59 Pf. 0 Kanarienhähne und 50 Weibchen abzugeben. Füsseldorkerstr. 28. part Helle Rosinen. Sultaninen Pfd. 39 Pf Corinthen, rein" Pfd. 28 Pf. westf. Mettwurst Pfd. 69 Pf. westf. Plockwurst Pfd. 95 Pf. Tilsiter Käse, volliett Pfd. 74 Pf. Verein Frauenbildung.-Frauener werb Freitag, den 14. Januar, abinds 8 Uhr, im grossen Saale des„Schwarzen Raben“: Vortrag der Bundesvorsitzenden Frau Marte Stritt aus Dresden Thema: „Die moderne Frau“. Eintritt frei! Eintritt frei! Gäste, sowohl Herren wie Damen, willkommen. Anschliessend geselliges Zusammensein mit gemeinschaftl. Abendessen. 40 Stadttheater Donnerstag, den 13. Jan. 1910 A. 28. 7½—101. Opernpreise. Letztes Gastspiel des Königl. Preuss. Hofopernsängers Herrn. Baptist Hoftmann v. d. Kgl. Hofoper in Berlin. Naus Reiling Rom. Oper v. Marschner. Hans Heiling— Herr Baptist Hoffmann. Freitag. 14. Januar 1910. Aufgehobenes Abonnement. Jahreskarten gültig. 7½—10. Volkstüml. Preise. Hasemann’s Töchter. Volksstück von L'Arronge. Auskunftsstelle für Frauenberute Jungen Mädchen die einen Beruf ergreifen wollen, wird kostenos Rit und Auskunft über Anforderungen und Aussichten der einzelnen Berufe, sowie über die vorhandenen Aus ildungsmöglichkeiten orteilt.„„„„„„*** Sprechstund in jeden Wochentag von 11—3 Uhr im Büro Schwanenwal 5 part grosse Elite-Konzerte enning„ Freise. Militär=Aushebung. ##e im Landkreise Dortmund sich aufhaltenden Militärfflichtigen des deutschen Reiches, welche im Jahre 1890 und Uner, namentlich in den Jahren 1889, 1888, 1887° etc. geen sind und ihrer Dienstpflicht im stehenden Heere noch haben, auch noch nicht gänzlich davon befreit sind ven hiermit aufgefordert, sich in der Zeit vom .. 15. Januar bis 1. Februar 1910 den betreffenden Ortsbehörden behufs Anfnahme in die E##erhurungs=Stammrolle persönlich oder attestirter Krankheit durch ihre Eltern, Vormünder, Verwandten oder OienstWeiu 1 unter Vorzeigung ihres Geburts=Attestes E.u des fruheren empfangenen Losungs= und Gemellungsscheines anzumelden. Reklamationen gegen die Einstellung sind ebendavorzubringen. welche die rechtzeitige Meldung unterass weden mit Geldbuße bis zu 30 Mark oder verhältuitsger Haftstrafe belegt. Sie verlieren außerdem die Berechti#### an der Losung Teil zu nehmen und den etwaigen „ 4###ionsalünden erwachsenen Anspruch auf Zurückstellung Milsss-s###s vom Millitärdienste und können vorweg zum Militärdienste herangezogen werden. Dortmund, den 15. Dezember 1909. Der Landrat: Rynsch. Gugenarzt Dr. Brons, 77 Schwanenwall 29. Bekanntmachung. Am Freitag, den 14. 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Jahrgang. digten Tischlergesellen Valentin Koziol, einen 62 Jahre alten Menschen, der bereits Strafen von 6 und 15 Jahren Zuchthaus wegen äußerst schwerer Sittlichkeitsverbrechen an 2 jungen Mädchen bezw. älteren Frauen hinter sich hat. Als im Sommer v. J. die Lustmorde in Süd=Posen weit über die Provinz“hinaus Aufsehen erregten, siel der Verdacht der Täterschaft bald auf den Angeklagten, der an den verschiedenen Mordstellen oder in ihrer Umgebung zur Zeit der Tat gesehen worden war. Es handelt sich bei den zur Anklage stehenden Fällen zunächst um einen Lustmord an einem etwa 16 jährigen jungen Menschen, dessen Persönlichkeit noch nicht feststeht und um drei Lustmorde an Frauen im Alter von 55 bis 67 Jahren. zur Illustration der Oertlichkeiten, die für die einzelnen Mordtaten in Betracht kommen, ist im Gerichtssaale eine große Tafel aufgestellt. Zur Bewachung des Gerichtsgebäudes ist eine Abteilung des hiesigen Infanteric=Regiments herangezogen worden. Bei der Vernehmung des Angeklagten stellt sich heraus, daß seine Frau ihn verlassen hat, weil er sich kurz nach der Heirat als pervers erwies. Auf die Frage, ob er sich schuldig bekenne, erwiderte der Angeklagte, daß er von den ihm zur Last gelegten Taten nichts wisse. Für den weiteren Verlauf der Verhandlungen wird die Oeffentlichkeit ausgeschlossen, doch wird den Vertretern der Presse die Anwesenheit im Grichtssaale gestattet. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit werden dann die Sittlichkeitsverbrechen, wegen deren der Angeklagte bereits bestraft ist, erörtert. Einen bemitleidenswerten Eindruck macht die als Zeugin erschienene Frau Breuer, eines der Opfer des Angeklagten, die sich jetzt im 73. Lebensjahre befindet. Sie erzählt, daß sie infolge des Attentats 3 Tage und 2 Nächte blutend und hilflos im 8— S„ G2 2 Unser grosser edr. 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Roman von Lotha 11 Als die acht Tage herum, erwartete der Disponent Iu vergeblich morgens im Kontor. Er sandte in das Zimer des Ausbleibenden; in diesem stand das Bett unperührt. Seinem Chef konnte er keine Mitteilung machen, da dieser gestern mittag nach einem Wortwechsel sit dem Sohn verreist war und erst heute zurück erwarset wurde. Mit Erbleichen empfing der alte Meinhard die Nachsicht, als er die Fabrik wieder betrat, und mit zitternper Hand öffnete er ein„An meinen Vater,“ adressierKivert, das er auf Alfreds Tisch fand. Mit kaltem Herzen sagte der Sohn in wenigen Zeilen ihm Lebewohl. Er möge ihn nicht suchen; er ziehe es voi, seinen eigenen Weg zu gehen, und zwar übers Meer, m eine Welt, in der man keine engherzigen Vorurteile senne. Dan er sich erlaubt, hierzu die Mittel mit sich nehmen, möge er ihm, als seinen Erben, verzeihen. Erhabe bescheiden nur einen Wechsel von tausend Talern zuterschrieben. „Eine Bagatelle in seinen Händen!“ rief der Fabrikperr aufatmend.„Er wird damit keine acht Tage ausseichen und sich dann wieder einfinden!" * * Stella kehrte an dem Abend, an welchem Alfred Meingard heimlich das Haus verließ, aus dem ViktoriaCheater zurück. Ermüdet von einem großen Ballabile, n dem sie mitgewirkt hatte, betrat sie die Sandsteinslufen des Hauses, in dem sie wohnte, und stieß unten in Zir auf einen jungen Mann, der sie vertraulich beSie erkannte ihren Freund, jedoch unmutig, so spät jestört zu werden, und fragte, was er wolle. ..„ Nur Sie sehen, um Ihnen Lebewohl zu sagen!“ Alred sprach das in recht traurigem Ton und suchte verjeblich ihre Hand. n#ch reise morgen fort von hier! Habe mich mit meisem Vater überworfen!.. Es ist ja noch früh, nur für nnige Minuten werden Sie mich bei sich dulden; wir ehen uns nielleicht nie wieder!“ Stella ging das zu Herzen, er war ein so guter Junge. Schweigend schritt sie die drei Treppen hinan ihm voraus und warf in ihrem Zimmer das Päckchen unmutig auf den Tisch. „Ich reise auch!“ Sie nahm ihr Hütchen ab und glättete sich das Haar. „Sie, Stella? Und wohin?“ „Ja, das erraten Sie nicht! Den Töter mit seinen faulen Anträgen habe ich gejagt, dafür von einem anderen Agenten ein Engagement nach Newyork erhalten. Ich muß aber erst auf das Reisegeld warten.“ „Nach Amerika! Dahin will ich ja eben auch!“ „Sie?“ Stella sah ihn fast erschrocken an.„Das trifft sich ja wunderbar!“ „Reisen wir zusammen, Stella? Für das Reisegeld sorge ich!“ Alfreds Gesicht strahlte. Sie jedoch machte eine ernste, überlegene Miene und schüttelte den Kopf.„Nein, das geht nicht! Wenn die Leute das erführen!“ Sie ließ sich auf einen Stuhl nieder und faltete die Hände im Schoß.„Mir hat bisher, Gott sei Dank, noch niemand etwas nachsagen können!" „Niemand erfährt ja, wohin ich in Geschäften gehe!“ Ich muß es schon geheim halten!" beruhigte er sie. „Das ließe sich eherhören! Wir träfen uns dann also nur zufällig... Ich brauche auch nicht erst vierzehn Tage ohne Engagement zu sein. Meine Freundinnen lachen schon über meine Dummheit, daß ich von dem Opernhaus abgegangen!“ „Famos!" Alfred wollte sich über sie beugen und den Arm um sie legen. Sie wehrte ihn heftig ab und wies ihn zu einem Stuhl, blickte dann umher auf ihre Sachen, als berechne sie, wieviel Zeit sie zum Einpacken brauche, und überlegte wieder. „Uebermorgen werde ich reisen können; ich habe natitrlich noch so manches zu besorgen!“ sprach sie halb für sich, dann gähnte sie, als habe sie heute keine Lust mehr, darüber zu sprechen. „Wir sind also einig! Heute abend habe ich ein Rendez=vous mit einigen Freunden, und morgen komme ich, um das Weitere zu besprechen. Am Sonnabend geht das Schift, ich habe mich schon erkundigt!“ st F Stella überließ ihm ermüdet die Hand, er preßte einen Kuß auf dieselbe. „Es ist gleich zehn Uhr!“ mahnte sie, und er vertand dies und ging, als sie nichts mehr von seiner reude über den schönen Reiseplan hören wollte. Stella erhob sich, streckte die Arme aus und gähnte wieder.„Nach ein paar Tagen schwimme ich also auf dem großen Ozean!“ Sie starrte in die Lampe auf dem Tisch.„Gott sei Dank, daß ich in die Welt hinaus komme. .. Und wenn es selbst die Leute erfahren, daß wir zusammen reisen, was kümmert das mich. Wir können uns ja zufällig auf dem Schiff getroffen haben, und vielleicht komme ich niemals wieder hierher. Drüben soll das Gold auf der Straße liegen. Ich las neulich von einer Kollegin, die man in San Franzisko mit Goldbarren überhäuft, wie das dort Mode sein soll. Da ist doch Stil drin!.. Was wird Marquerita sagen, von der alles so still geworden. Vielleicht begegne ich ihr einmal drüben, wenn sie so viel Mut hat, wie ich.. Das soll ungeheuer interessant sein, so eine Seereise, und wenn das Wetter gut ist und..“ Sie trat ans Fenster.„Der Himmel ist ganz sternenhell.. Wie schön sich das trifft. Ganz umsonst die Reise bis nach Amerika!.. Mir hat doch immer schon geträumt, daß ich noch zu so etwas kommen werde.“ Einstweilen beschloß sie, zu Bett zu gehen, ohne am Morgen sich im Schlafe durch die widerwärtigen Proben stören zu lassen. Am nächsten Tage erschien sie bei dem Vater, um ihn und die Schwester durch die Mitteilung zu überraschen und ihnen Lebewohl zu sagen. Der erstere vergoß Tränen aus seinen wehen Augen und gab ihr seinen Segen auf den Weg. Marquerita schloß sie gerührt in ihre Arme, billigend, was sie tat, als sie die glänzenden Umstände gehört, unter denen die Schwester engagiert worden war, und mit leichtem Herzen entfernte sich diese. An einem der nächsten Morgen saß Stella im Damenabteil des Zuges, allein, denn Alfred Meinhard war schon mit einem Nachtzuge vorausgereist, um sie in Hamburg zu erwarten. Daß Stella Berlin verlassen, um ein vorteilhaftes Engagement in Newyork anzunehmen, wurde in Theaterkreisen schnell bekannt, daß dies aber in Gemeinschaft mit dem gleichzeitig verschwundenen jungen Meinhard geschehen, erriet niemand. Nur Marguerita erfuhr davon, als ihr ein Bündel von Kleidungsstücken aus der Schwester Wohnung gebracht wurde, die sie dieser aufbewahren sollte. Absichtslos fand sie in Stellas Hauskleid ein Telegramm aus Hamburg des Inhalts:„Mit Sehnsucht erwartet in Streits Hotel. Alfred.“ Mit Tränen„in den Augen ließ sie das Telegramm zu Boden fallen. Der arme Vater sollte nichts davon erfahren. Vielleicht saher sie niemals wieder, und so sollte er denn nur mit Liebe ihrer gedenken, wenn auch ie selbst ihr diesen Leichtsinn nicht zu verzeihen imstande war. Sie war allein jetzt. Die alte Melitta war oft außerhalb des Hauses. In ihrem wachsenden Heimweh ging sie täglich, wie sie selbst eingestanden, zur Gesandtschaft, um sich das Reisegeld in ihre Heimat zu erbitten, da sie krank vor Sehnsucht sei und nicht hier sterben wollte. Unheimlich war Marguerita oft dieses Alleinsein. Der Vater war an jenem Tage in guter Stimmung von dem jungen Fürsten zurückgekehrt. Dann hatte sie unter den Papieren des alten schwachstunigen Mannes ein Billett des alten Gumberto gefunden, in welchem dieser ihm die Quittung über das noch schuldig gebliebene Unterrichtshonorar, eine ganz beträchtliche Summe, gesandt. Woher hatte aber der Vater in seiner Bedräugnis das Geld genommen? Hatte er dem Fürsten seine Lage bekannt? Auch die Miene dieses jungen Mannes, als er wieder seinen Besuch gemacht, seine Worte waren ihr unverständlich gewesen. Er hatte ihr, von der Oper sprechend, gesagt, Guido Gumbertos Gastspielvertrag gehe zu Ende, er habe eine Verlängerung desselben abgelehnt. Und dabei hatte er sie so seltsam angeblickt, daß sie sich wieder eines leichten Errötens hatte schömen müssen, denn er hatte Guidos Namen so verächtlich betont. Dieser hatte ihr von einer Kunstreise durch ganz Europa gesprochen, zu der ihn der bekannte Impresarie Bachmann eingeladen, der zu diesem Zweck eben die nötigen Opernkräfte suchte. 175,19 Walde gelegen habe. Noch heute sind die Narben an den Händen und Armen infolge der Steinschläge des Angeklagten sichtbar. Hierauf werden die dem Angeklagten neuerdings zur Last gelegten vier Mordtaten erörtert, inbezug auf die ein sehr mühseliger Indizienbeweis zu führen ist, sodaß die Staatsanwaltschaft über 200 Zeugen aufgeboten hat. Der Vorsitzende überreicht den Geschworenen, den 15 Sachverständigen und den Vertretern der Presse Situationspläne, zunächst in Bezug auf den Mord an dem jungen Menschen, der im Walde bei Schwarzwald tot aufgefunden wurde und offenbar anormal veranlagt war. Der Angeklagte sieht sich diesen Plan durch eine Brille an, die er mit einem Bindfaden an seinem Kopfe besestigt hat. Hierbei wird zugleich der widernatürliche Verkehr erörtert, den der Ange klagte mit dem früheren Tischlerlehrling Urbanski unterhalten haben soll. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten vor, daß er in den Kreisen seiner Mitarbeiter den Namen„Fürst Eulenburg“ führte. Koziol behauptet, daß dies nicht der Fall sei, man habe ihm nur sein Eulengesicht vorgeworsen. Auf weiteres Befragen gibt der Angeklagte aber, schließlich zu, sich einmal an dem Lehrling widernatürlich vergangen zu haben. Es wird weiter festgestellt, daß der Angeklagte sich auch vielfach mit Frauen und Mädchen zu schaffen machte. Der Vorsitzende erörterte dann die Einzewheiten der Ermordung des unbekannten Jünglings, die sich der Wiedergabe entziehen. Der Angeklagte sucht hierfür einen alibibeweis zu führen. Er will am Mordtage den katholischen Gottesdienst besucht haben. Auf die Frage, weshalb er plötzlich von der Arbeit weggeblieben sei, erklärte der Angeklagte, weil der Meister ihn verhindert habe, den Gottesdienst an Sonntagen zu besuchen, wie er das gewohnt gewesen sei. Der Sachverständige Professor Heidenreich bespricht dann den Zustand der beiden Kinder, die der Angeklagte im Jahre 1880 überfiel und vergewaltigte und die der Sachverständige seinerzeit behandelt hat. Die Verhandlungen wenden sich dann den Vorgängen im Lissaer Walde zu, wo die 67jährige Witwe Smentek ermordet wurde. Auch für diesen Fall versucht der Angeklagte einen Alibibeweis zu führen. Die Verhandlungen werden hierauf auf morgen vertagt. Preußischer Herrenhaus. Berlin, 12. Januar. Am Ministertisch: v. Bethmann Hollweg, v. Moltke, v. Arnim. Ministerpräsident Frhr. v. Manteuffel eröffnet die Sitzung um 12 Uhr. Ministerpräsident v. Bethmann Hollweg führte sich sodann mit folgender Ansprache ein: Seit dem Abschluß Ihrer letzten Session ist in der Führung der preußischen Geschäfte die Aenderung eingetreten, daß Se. Majestät der König mich zu den lemtern berusen hat, in denen Se. Durchlaucht der Fürst v. Bülow neun Jahre hindurch Reich und Staat gedient hat. Ich bitte Sie, meine Herren, versichert zu sein, daß ich nichts unterlassen werde, um die engen eziehungen fortzuführen, die zwischen diesem Hause und dem Präsidenten des Königlichen Staatsministeriums stets bestanden haben. Ich bitte Sie, mir in diesen Beziehungen Ihre Unterstützung nicht fehlen zu lassen.(Lebhafter Beifall.) Präsident Frhr. v. Manteuffel teilte mit, daß der Stadt Bochum das Präsentationsrecht zum Herrenhaus verliehen sei. Hierauf werden die Veränderungen im Mitgliederbestande des Herrenhauses verlesen. Verstorben sind 17 Mitglieder, zu deren Gedächtnis sich die Anwesenden von den Plätzen erhoben.— Vereidigt werden die neu eingetretenen Mitglieder: Graf WolffMetternich, Graf Adam Zoltowski, Graf EulenburgPrassen und Graf Ludolf Alvensleben. Staatsminister Frhr. v. Thielmann wird in die Staatsschuldenkommission gewählt. Es folgte die Beratung über die geschäftliche Behandlung der dem Herrenhause zugegangenen Vorlagen, zunächst des Gesetzentwurfs über die Vermeldung von Doppelbesteuerungen bei Heranziehung zu direkten Kommunalsteuern in verschiedenen Bundesstaaten des Deutschen Reiches. Minister v. Moltke begründet die Vorlage. Der Entwurf ist bestimmt, eine Lücke auszufüllen. Nach dem Reichsstaatsrecht ist eine Doppelbesteuerung durch die verschiedenen Bundesstaaten nur insoweit ausgeschlossen, als es sich um direkte Staatssteuern handelt. Gegen eine Doppelbesteuerung durch direkte Kommunalsteuern ist in den verschiedenen Bundesstaaten und in der Landgesetzgebung bis heute noch kein Schutz gegeben. Der vorliegende Gesetzentwurf will zur Vermeidung von Doppelbesteuerung bei den direkten Kommunalsteuern in Preußen und einem anderen Bundesstaat den Minister des Innern und den Finanzminister ermächtigen, Vereinbarungen zu treffen und Anordnungen zu erlassen, durch welche die Steuerpflicht unter Wahrung des Grundsatzes der Gerechtigkeit, abweichend von den„ in Preußen geltenden Vorschriften geregelt wird. Der Entmurf geht an die Finanzkommission. Es folgt die Beratung über die geschäftliche Behandlung des Gesetzentwurfes, betreffend die Verpflichtung zum Besuche ländlicher Fortbildungsschulen in der Provinz Schlesien. Landwirtschaftsminister v. Arnim begründet den Gesetzentwurf. Entgegen einem Vorschlage des Generalfeldmarschalls Grafen Häseler auf Ueberweisung des Entwurfs an die Unterrichtskommission wird der Entwurf nach dem Vorschlage des Grafen Landsberg der Agrarkommission überwiesen. Die Novelle zum Gesetz über das Staatsschuldbuch geht an die Finanzkommission. Präsident Frhr. v. Manteuffel erbittet und erhält die Ermächtigung, dem Kaiser im Namen des Hauses zum Geburtstage zu gratulieren. Nächste Sitzung unbestimmt. Schluß gegen 3 Uhr. Deutscher Reichstag. Berlin, 12. Januar. Am Bundesratstische: die Staatssekretäre v. Delbrück, Krätte und Wermuth. Vizepräsident Dr. Spahn eröffnet die Sitzung um 1,15 Uhr. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Anfrage der Abgg. Horn=Neisse(Zentrum) und Brandys (Pole) über die Beamtenmaßregelung in Kattowitz. Die Interpellation Horn(Zentr.) hat folgenden Wortlaut:„Ist dem Reichskanzler bekannt, daß Reichsbeamte wegen Ausübung des kommunalen Wahlrechts von Kattowitz an einen anderen Ort versetzt worden sind? Was gedenkt der Reichskanzler zu tun, um solchen Beschränkungen in der Ausübung der bürgerlichen Rechte entgegenzutreten?“ Die Interpellation Brandys(Pole) lautet:„Ist dem Reichskanzler bekannt, daß Reichsbeamte wegen Ausübung ihres Wablrechts gemaßregelt worden sind! Was hat ein normaler Menschenmagen in 70 Jahren zu verdauen? FX Has hat ein normaler Menschenmagen m 70 Jahren zu verdauen! Vor kurzem ging eine Notiz durch die Blätter daß ein englischer Stotistiker sich das Vergnügen gemacht habe, auszurechnen, was ein Mann von mittlerer Größe und mittelrem Appetit aber bei gutem Magen in 70 Lebensjahren alles in sich aufnehmen kann. Es kamen dabei ganz respektable Summen zustande. Wir haben um unseren Lesern diese trockenen Zahlen zu veranschaulichen, zu eine: bildlichen Darstellung gegriffen. Der Fleischkonsum beläuft sich auf insgesamt 18000 Kilogr. und zwar 102 Schw eine, 68 Schafe, 68 Kälber, 170 Rinder und 240 Cäuse, Enten. Hühner und Rebhühner. Was Brot anbelangt. Kuchen, Semmeln und anderes, so hat der kleine Mensch. den wir in den richtigen Proportionen auf dem Kopfe des Ochsen darstellen, davon nicht weniger als 25 000 Kilogramm zu veczehren. Der Gemüserorrat. also Kartofseln, Erbsen, Bohnen, Rüben aller Art, dazu auch Obst, müßte 40 000 Kilogr. umfassen. Von Eiern werden 400 Dutzend verzehrt. Dazu gebraucht der kleine Mann zum Herunterspülen im Durchschnitt 500 Heitoliter Stoff. Und wenn man nun fragt, wie teuer sich diese Magenfrage für den Normalmenschen stellt, in ergivt sich die respektable Summe von 35 000 Mark, also ein anständiges Kapital, das zinsenlos lich in Wohlgefallen auflöst. gedenkt der Reichskanzler zu tun, um Vorgängen, wie sie sich jüngst aus Anlaß der Stabtverordnetenwahlen in Kattowitz ereignet haben, vorzubengen!“ Staatssekretär Delbrück erklärt sich zur sofortigen Beantwortung der Interpellation bereit. Zur Begründung der Interpellation Horn erhält das Wort Abg. Graf Oppersdorf(Ztr.): Die Stadtverordnetenwahlen in Kattowitz führten im vorigen Jahre zur Maßregelung von Reichsbeamten. Politische Beamte dürfen keine politische Agitation treiben, gegen diesen Standpunkt ist nichts einzuwenden. Postbeamte sind aber keine politischen Beamten, und ferner sind die Kommunalwahlen in Kattowitz keine politischen Wahlen, daher war das Eingreifen des Staatssekretärs unzulässig. Es handelt sich hier um tadellos königstreue Beamte, die bei den betreffenden Wahlen seitens ihrer Vorgesetzten heftigen Druck auszuhalten hatten. Es waren zweifellos mittelbare Reichsbeamte, aber bisher hat man doch stets unterschieden zwischen politischen und kommunalen Wahlen. In dieser Beziehung steht der Reichskanzler und der Staatssekretär ganz auf dem Boden der Interpellanten. Diese überraschende Mitteilung muß ich Ihnen machen. In Baden, Dortmund und Essen haben sich Postbeamte für das Abkommen zwischen Nationalliberalen und Sozialdemokraten ausgesprochen. Hier sind keinem Beamten wegen Ausübung des Kommunalwahlrechts irgendwelche Unbequemlichkeiten gemacht worden. Der Staatssekretär scheint aber anderer Ansicht zu sein, wo es sich um die Wahlen in Kattowitz handelt. Hier hat er in einem hektographierten Schreiben das Verhalten der Beamten bei den Wahlen gerügt und für die Zukunft größere Pflichterfüllung verlangt.(Große Bewegung.) In den Kattowitzer Versetzungen sehen wir Repressalien gegen eine mißliebige politische Stellungnahme(lebhafte Zustimmung im Zentrum), eine Umgehung des geordneten Prozeßverfahrens. Das Zentrum kämpfte bei den Kattowitzer Wahlen um die konfessionelle Schule, die die liberale Mehrheit abgelehnt hatte. So berührten sich hier Kommunalpolitik und Religion.(Hört, hört! im Zentrum.) Die polnische Frage wurde vielfach milder beurteilt, nachdem selbst Graf Mirbach erst wieder einmal gesagt hat, nur durch ein versöhnliches Zusammenarbeiten mit den Polen könne die Ostmarkenpolitik Erfolg haben. Dann hielt man in Kattowitz den berühmt gewordenen Deutschentag ab, zu dem man in kränkender Weise die Lehrerschaft nicht einlud, und führte dort ein Theaterstück auf, das den Lehrerstand schwer bloßstellte. Das also sind doch mindestens mildernde Umstände für die gemaßregelten Beamten. Jedenfalls verlangen wir volle Aufklärung, weshalb Nachsicht und Härte hier so auffallend ungleich verteilt wurden. Wir verlangen, daß der den Beamten zugefügte Schaden wieder gut gemacht wird.(Lebhafter Beifall im Zentrum und bei den Polen.) Abg. Korfanty(Pole) begründet die Interpellation seiner Fraktion. Staatssekretär Dr. Delbrück: Beide Interpellationen fragen, was geschehen soll, damit derartigen Vorgängen, wie sie sich jüngst aus Anlaß der Stadtverordnetenwahlen in Kattowitz ereignet haben, vorzubeugen ist. Der Tatbestand ist folgender: Vor der Wahl hatten Zentrum und Polen einen Kompromiß geschlossen, nach welchem drei Zentrumsmänner und zwei Polen gewählt werden sollten. Es war Stichwahl nötig geworden. Eine große Anzahl Beamten hat für die beiden polnischen Kandidaten gestimmt. Bei der Stichwahl gaben 14 Postbeamte und ein Beamter der Reichsbank ihre Stimme für die Polen ab. Ferner hatte sich an der Agitation für die Polen ein Postbeamter, der aber noch nicht wahlberechtigt war, beteiligt. Diese Beamten wurden dann versetzt. Die Beamten waren vorher von ihren Vorgesetzten auf ihre Pflicht mündlich aufmerksam gemacht worden.(Lärm und Zurufe.) Es war mit der Pflicht dieser Beamten unvereinbar, daß sie im Interesse der großpolnischen Bewegung mitarbeiteten.(Lärm und Zurufe.) Diese Versetzungen waren keine Strafversetzungen, sondern geschahen im Interesse des Dienstes. (Zurufe bei dem Zentrum und den Polen.) Ich kann verlangen, daß man mich ruhig anhört.(Sehr richtig! rechts.) Die Beamten wurden versetzt nach Orten, in denen sie nicht Gefahr laufen, mit der Disziplin in Konflikt zu kommen.(Lärm und Zurufe bei dem Zentrum und den Polen.) Die Kommunalbeamten sind auch Landesbeamte, die dem preußischen Könige Treue und Gehorsam geschworen haben. Schon aus diesen formellen Gründen mußten sie mit den Reichsbeamten gleich behandelt werden. Den Beamten steht grundsätzlich die Ausübung aller staatsbürgerlichen Rechte in gleicher Weise zu.(Ahal links.) Die polnischen Bestrebungen sind aber mit der Stellung des Staates unvereinbar. (Widerspruch und Beifall.) Inwieweit der Beamte auf seine Beamtenpflicht bei Ausübung der staatsbürgerlichen Rechte Rücksicht nehmen muß, das schreiben allein Takt= und Pflichtgefühl vor. Jedenfalls ist es mit der Stellung eines Beamten unvereinbar, sich Bestrebungen anzuschließen, die in ihrem letzten Ziele gegen den Bestand des Staates gerichtet sind.(Beifall rechts und (inks, Lärm bei den Polen und im Zentrum.) Bei dem schweren Standpunft, den Preußzen zurzeit in den Otte marken hat, handelt es sich darum, diese Landesteile, die durch die harte Arbeit vieler Menschenalter kulturell entwickelte Glieder eines deutschen Bundesstaates geworden sind, nicht der polnisch=slawischen Kultur anheimfallen zu lassen und damit auch ihrer schließlichen Lösung vom preußischen Staate entgegenzuwirken.(Beifall links und rechts.) Wer diesen Boden verläßt, der verläßt den Boden der Verfassung.(Andauernde Unruhe und Widerspruch; Lärm und Pfeifen im Zentrum und bei den Polen; wiederholtes Bravo rechts und links.) Auf Antrag der Abgg. Horn=Neiße(Ztr.) und v. Czarlinski(Pole) tritt Besprechung der Anfrage ein. Abg. Gröber(Ztr.): Der Staatssekretär hat zur Begründung seines Standpunkts nur gesagt, daß die betreffenden Kandidaten großpolnischen Bestrebungen huldigten. Aver gerade das haben die betreffenden Kandidaten ausdrücklich verneint. Der Staatssekretär muß uns noch genauer sagen, inwiefern das dienstliche Interesse beeinträchtigt erscheint, wenn ein Beamter bei Kommunalwahlen so oder so wählt? Ein solcher auf die Beamten ausgeübter Terrorismus ist von den schlimmsten Wirkungen. Die politischen Konstellationen ändern sich; soll der Beamte sich diesem Wechsel jedesmal anpassen? Das jetzige Verhalten erinnert an die schlimmsten Zeiten in den 50er und 60er Jahren und später an die Zeit Puttkamers. Abg. Dr. Heinze(nat.=lib.): Die günstige Stimmung für das Polentum wurde von ihnen selbst durch das Bestreben der Wiederaufrichtung des polnischen Reiches beseitigt.(Huhu! bei den Polen.) Die Polen fühlen sich in erster Linie als Polen.(Sehr richtig! bei den Polen.) Die polnischen Kreise nähren möglichst diese Gefühle und säen Haß; die polnische Presse bezeichnet die Erlangung der polnischen Unabhängigkeit als das Ziel der polnischen Bewegung. Angesichts dieser Agitation ist es die Pflicht eines jeden Deutschen, für die Erhaltung des Deutschtums in Schlesien zu sorgen. Der innere Kern der polnischen Bewegung ist national und wird immer radikaler. Jeder Beamte in Oberschlesien muß unbedingt dagegen einschreiten. Wer nicht national zuverlässig ist, muß entfernt werden, gleichgültig auf welche Weise diese Gesinnung der Regierung zur Kenntnis kommt.(Sehr richtig! rechts.) Das Zentrum durfte auf seine Liste nicht Polen setzen.(Oho! beim Zentrum.) Die polnische Frage berührt das ganze Deutsche Reich, und die Regierung muß hier jederzeit energisch durchgreifen, unbekümmert um das Verhalten des Zentrums; dabei werden wir die Regierung stets unterstützen.(Beifall rechts und bei den Nationalliberalen, Zischen bei den Polen und im Zentrum.) Abg. Henning(Kons.): In Fragen der staatserhaltenden und vaterländischen Pflichten stehen wir immer auf seiten der Regierung, so auch hier.(Bravo rechts.) Die Regierung befindet sich in der Abwehr. Wir wollen keine Feindschaft mit den Polen, wollen aber auch Deutschland nicht polonisieren lassen. Die Behörden müssen das Recht behalten, ihre Beamten zu versetzen. Eine Strafversetzung ist darin nicht zu erblicken. Hier handelt es sich darum, die Autorität zu wahren.(Beifall rechts.) Staatssekretär Krätke:„An einem Grenzort, wie Kattowitz dürfen Beamte keine Bestrebungen unterstützen, die direkt gegen die Regierung gerichtet sind. Wir sind nur gegen solche vorgegangen, die großpolnisch wählten und das, weil wir dazu verpflichtet sind. Zweifellos sind den kommunalen Körperschaften wichtige staatliche Interessen anvertraut. Daher müssen ihre Mitglieder von deutsch=nationalem Sinne durchdrungen sein. Das trifft zweisellos auf die Verhältnisse in Kattowitz zu. Die Fälle in Freiburg, Düsseldorf usw., wo Beamte für Sozialdemokraten gestimmt haben sollen, sind nicht zu meiner Kenntnis gekommen.(Lachen links.) Wir sind auch nicht mit Härte in Kattolvitz vorgegangen. Die Beamten, die sich dort kompromittierten, sollten einfach solchen Wirkungen nicht mehr ausgesetzt werden und kamen an Orte, die das Dienstintcresse gebot. Die Angriffe Korsantys waren in der Form, wie zu erwarten, stark übertrieben. Die Orte, wohin die Beamten kamen, haben auch katholische Kirchen, so daß niemand in seiner Religionsübung gehindert wurde. Ich protestiere ganz entschieden dagegen, daß wir die Versetzung als Strafe angesehen hätten. Das trifft nicht zu, daß wir das religiöse Bedürfnis verkürzen wollten. Eine solche Behauptung, ohne Beweis vorzubringen, entspricht nicht der Stellung eines Abgeordneten.(Sehr richtig.) Die Regierung wird ihren Standpunkt beibehalten.(Bravo rechts und bei den Nationalliberalen, Zischen im Zentrum und bei den Polen.) Staatssekretär Delbrück: Kein Recht ist unbegrenzt. Somit hat auch das staatsbürgerliche Recht der Beamten seine Grenzen. Der in den Staatsdienst freiwillig eintretende Beamte kennt diese Beschränkung, da sie im besonderen Beamtengesetz enthalten ist. Dafür genießt der Beamte ideelle und materielle Vorteile, außerdem Ehre und eine gesicherte Stellung. Seine Haltung muß mit den Interessen des Staates übereinstimmen. Sonst muß der Beamte die Konsequenzen daraus ziehen. In diesem Falle müssen die Herren im Interesse des Dienstes ersetzt werden.(Lachen links, Beifall rechts.) Die Pole wollen das alte Band ihres Königreiches zu uns nicht nur lockern, sondern dar eine Teil der Volen will die Wied Königreiches und der andere Teil stellt dies der Zukun anheim. Die beiden Kattowitzer Stadtverordnet# kandidaten waren Vertreter des Sokols resp. des Stra also der Körperschaften, die diese Ziele verfolgen. den Städten ein weites Selbstverwaltungsrecht ei# geräumt worden ist, hat der Staat die Pflicht, dafür sorgen, daß hier auch gewisse Grenzen beachtet werd An den guten Beamteneigenschaften der versetzte Herren ist nicht zu zweiseln, sie mußetn nur von ihre bisherigen Posten versetzt werden. Die Polen,#### heute angeblich wie Helden behandelt werden, unne schlagen immer 130 Jahre polnischer Geschichte, die unter der preußischen Herrschaft verlebt haben.(Sey richtig.) Oberschlesien ist ein, aber ein rein deutsches Land seit Jahrhunderten und hier ist die polnisch Bewegung erst in den achtziger Jahren geschaffe worden. Westpreußen und Posen sind aber heute wohlhabendes, gebildetes Land, das Wohlstand un Bildung dem preußischen Staate verdankt. Jetzt klage, die Poien diesen Staat an, das beweist nicht, daß seine polnisch sprechenden Untertanen vernachlässigt ha Preußen kann sich die Frucht seiner langen Arbeit nich rauben lassen, es ist sein gutes Recht, sie zu verteidigen gegen polnischen Egoismus und darin wird es sein Ehre setzen.(Lebhafter Beifall.) Der Vizepräsident schlägt hierauf Vertagung vu Zur Geschäftsordnung erhebt der Abg. Milll Meiningen(freis. Vg.) Einspruch gegen die Aufstellung und ungehörige Rednerordnung, die seine Partei in die zweite Garnitur weise. Abg. Bassermann(nat.=lib.) hält diese Praxis ebe falls für bedenklich. Nach weiterer Erörterung erklärt Vizepräsiden Dr. Spahn: Die Rednerliste ist im Einverständnis mi den Abgeordneten festgestellt, die sich zum Wort gemeldet haben. Das Präsidium wird sich nach Künschen des Hauses richten. Donnerstag 1 Uhr: Fortsetzung der Tagesordnung Schluß 7 Uhr. Vermischtes. Berlin, 12. Jan. Ein Mordversuch un Selbstmord infolge Eisersucht war in der letzte Nacht das Ende eines Liedesverhältnisses, das eis 39jähriger, aus Pern gebürtiger Dr. Alfrede Neuhaus mit der 17jährigen Näherin Margarete Kruß aus der Jakobikirchstraße 4 bis 5 unterhielt. Um 1 Uh nachts begleitete das Mädchen Neuhaus in seine Woh nung. Dort griff der Mann zum Revolver und scho auf das Mädchen, das ihm den Rücken zugewandt hatten eine Kugel, die es am Kopfe streifte, dann tötete er sich durch einen Schuß in die rechte Schläfe. Das Mäd#en wurde ins Krankenhaus übergeführt. Die Verletzung## sind nur leicht. Bremen, 12. Jan. An dem Lloyddampse„Prinz Friedrich Wilhelm“ wurde auf Ueberfahrt nach Neuyork durch das schwere Wetter de Hauptruder gevrochen. Der Dampfer su nach einer drahtlosen Meldung des Kapitäns, nur der Hilfssteuermaschine weiter. Eine Gefahr für de Schiff besteht nicht. Gleiwitz, 12. Januar. Beim Jahrmarkis rummelfeste stürzte gestern nachmittag in hiesigen Konzerthause ein Teil der Galerie in den Saal hinunter. Ein Eisenbahnbeamter wurh von einem herabstürzenden Balken so schwer getroffen daß er an einem doppelten Schädelbruch bald dara## starb. Pleschen, 12. Jan. Gestern abend wurden Jedlec die Brüder Zdunek und die Ehefra des einen Zdunek wegen des Verdachtes, den Mor in der Familie Wassilewski in Bognslawi# begangen zu haben, verhaftet. Die Zduneks haben die Schwestern der Ermordeten zu ihren Frauen. Be der Haussuchung wurden Kleidungsstücke vorgesunden die nach Aussagen der Zeugen dem Ermordete gehören. Die Verhafteten wurden in das hiesse Gefängnis gebracht. Boston, 12. Jan. Die kürzlich mit einem Hotels angenellten verschwundene 17jährige Million#n de Janor aus Philadelphia wurde gestern obe## und mittellos in einer übelberüchtigten Straße## Chilago entdeckt. Das Mädchen, eine amerikat Schönheit, hatte, wie gemeldet, in einem einsamen Hot in Philadelphia mit einem 50jährigen Hotelangestellt Cochenita ein Liebesverhältnis angeknüpst und ihn zu gemeinsamen Flucht veranlaßt. Die Liebe ist aber an scheinend nicht sehr groß gewesen und das Mädch scheint aus dem Liebestaumel erwacht zu sein. Ein Zukunftsbild von Edison. Newyork wird uns berichtet: Edison ist unter### Propheten gegangen und hat sich daruber geäuf wie es nach seiner Meinung in 200 Jahren au der Welt aussehen werde. Die Menschea werd sich dann in noch viel ausgedehnterem Maße, es ihnen bisher gelungen ist, aller Kräfte der E und der Luft bemächtigt haben und Wunder Technik vollbringen. Der Lebensunte halt wird billig sein, daß ein giewöhnlicher Arbeiter sich den Luxus wird leisten können, den sich heute der Besitzer eines jährlichen Einkommens von 800.00 Mark gestatten kann. Edison glaubt nicht nur an wundervollen Hilfskräfte, die das Radium darbi#t### wird, sondern auch an die Verwertung von Vultan zum Nutzen der Menschheit. Bisher haben wir, meint er, nur im Dunkeln getastet und stecken in manches Erreichten noch in den Anfängen.„ unwissend sind wir! Wir wissen nicht, was Schloe# ist; auch kennen wir nicht die Natur der Wärm des Lichts und der Elektrizität, obwohl wir un ihrer ein wenig bedienen. Wir sind wie junge Hude, die gerade aus der Hütte herausgekrochen sie und einen Blick auf ihre Umgebung werfen wird noch einer ungeheuren Entwicklung unseres 6 hirns bedürsen, um uns zu einer wirklichen Hö des Fortschritts emporzubringen.“ Auch über Eis zelheiten dieser paradiesischen zukunft, von der i### in unserem barbarischen und halbwitven Zustam noch so weit entfernt sind, weiß Edison Erstaum ches zu erzählen. So wird es z. B. den Ohren Frauen süß klingen, daß die Stoffe der Zuku# so billig sein werden, daß jede Dame den Wech der Mode sofort mitmachen kann. Aus Holzb## wird künstliche Seide gemacht, die besser ist als natürliche und schöner leuchtet. In 50 Jahren sc wird der Seidenwurm so überflüssig sein, wie indische Indigo aus unseren Laboratorien erset wird. —. 3* S S u7 *"*. Aape T * en 8 FSasSTS S S—. 8. B 20 *“•.„„ B•— S.— 0 22 S. Ce—— S 9 9•* # 2 ** S#####s * 00 32 G TS2 S SESSE PEnn GExSgg S.SSM 3 5 BEße. **—— 1— ame 5—**— **%. 2.— ** ***—. E**: . 51 S 20" S•TN S.*•* 2. EE:G* 3 o* E*— G Es Sons STETEE • 8 # S S-A — K 9 " G 2 a—. E7 0 D: *— □—* n S1 z 2 S• 98n BEn2n *. 2.* „OTTT. GSEn ——————— se 6 e n 21„„ 0 g. 23—= 60 1— SSMSSEE1 75 22: —*9— 72 * □ * G. J e(3 S 5½ ..- 75# 5—— SS“ 2 S □ S—. 4 PaEn * 2.**— 2 * 00——.— 3 40 62. 7 8. 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Natürlich muß er eine Kur gebrauchen, und selbstverständlich darf sich Klärchen nicht von ihm trennen!—— Hans Holleben ist sehr erstaunt, als seine Frau ihn beim Mittagessen mit freundlichem Lächeln begrüßt und ihm alles mögliche erzählt. Er ist mißtrauisch und er fürchtet sich vor dem Augenblick, da die Kinder sich entfernt haben werden. Denn sicher plant Trude dann noch einen Ueberfall auf ihn wegen des Automobils. Ihre jetzige Liebenswürdigkeit ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Und er darf doch nicht nachgeben, es wäre geradezu sündhaft. Für eine Laune eine solche Summe. Er kennt Trudes Veränderlichklit, ihre Sucht, jede Mode mitzumachen. In ein paar Monaten würde das Automobil ein überwundener Standpunkt sein, gerade wie das elegante Fahrrad, das er ihr im ersten Jahr ihrer Ehe angeschafft hatte. Daß ihn eine Ausgabe von zehntausend Mark nicht ruinieren würde, das weiß er wohl, aber es gilt, dem Leichtsinn seiner Frau in Geldsachen einen Riegel vorzuschieben. Hans Holleben verschanzt sich, nachdem Mademoiselle Edith und Hertha geholt hat, hinter seine Zeitung und tut als bemerkte er gar nicht, das Trude äußerst unterhaltungsbedürftig zu sein scheint. Er fürchtet ja nichts mehr, als Streit mit seiner Frau, die er trotz ihrer Schwäche so innig liebt. Toch die Zeitung schützt ihn nicht vor einem Ueberfall. Von hinten schlingt Trude die Arme um seinen Hals und dreht seinen Kopf gewaltsam zu sich herum.„Hans, lieber guter Hans, bist du mir noch sehr böse?“ „Böse, kleine Frau? Ich bin niemals böse, sondern nur betrübt, wenn du nian ein iehst, daß ich für dich mit verständig sein muß. Das Automobil—“ „Ach Gott, ich will ja gar kein Automobil mehr, ich will ganz was anderes!“ Hans erschrickt nicht wenig. Am Ende ist sie nun auf eine Jacht im Mittelmeer versessen. „Ich will ja nur Geld, Hans, nur lumpige zweitausend Mark!“ Hans springt auf und ruft heftig:„Geld? So hast du mir doch wieder nicht alles gesagt— und ich hatte dich doch so himmelhoch gebeten, mir ni. wieder etwas—“ „Ach dummer Hans, das ist's ja nicht. Hör' nur einmal zu, ohne daß du schimpfst.“ Und nun sprudelt Frau Trude alles heraus, ihre Begegnung mit der Jugendfreundin und das ganze Elend der armen Frau und des gelähmten Kindes, und sie schließt mit den Worten: „Ich will auch gar nichts mehr haben, Hans, ich will sogar auf die Sommerreise verzichten, wenn du mir das Geld für meine Freundin gibst. Mir fehlt ja nichts und unsere Kinder sind auch gesund, gottlob! Wir können ganz gut hier bleiben, aber der arme Junge muß gehen lernen.“ Hans lächelt und meint:„Dummerchen! Immer von einem Extrem ins andere! Um deine Sommerreise sollst du nicht kommen, und schaden wird unsern Mädels die Luftveränderung sicher nicht, wenn sie auch nicht krank sind. Aber deshalb können wir deiner Freundin doch helfen, das ist einfach Menschenpflicht. Und wenn die gute Lehre für mein kleines Frauchen von nachhaltigem Erfolg ist, dann kann ich ja die zweitausend Mark gar nicht besser anwenden." Trude bekommt einen sehr roten Kopf.„Tu hast ganz recht mit deinem Spott, Hans. Ich bin wirklich sehr unverständig und sehr leichtsinnig gewesen. Aber glaub mir, das ist nun vorbeiund du sollst dich nicht mehr über mich zu beklagen haben. Ich möchte mich nicht noch einmal so sehämen, wie heut auf dem Heimweg vom Park. Der Gräfin Flemming hab ich schon geschrieben, daß ich nicht auf das Automobil reflektiere. Ich dürfte mir eine so große Ausgabe nicht erlauben. Ja, das hab' ich ihr geschrieben, das war zur Strafe für mich.“ Hans Holleben zieht seine Frau an sich und küßt sie herzlich und Trude fühlt sich so glücklich, wie kaum einmal in ihrem Leben. Und ganz im tiefsten Innern gesteht sie sich, daß ein TöffTöff=Kostüm entschieden nicht vorteilhaft für sie gewesen wäre. Diese Erwägung ist geeignet, auch den letzten Verdruß über den vereitelten Wunsch gründlich zu verbannen. Wenn man häßlich ist, dann ist's ja schließlich ganz praktisch, solch scheußliche Käppchen zu tragen und einen plumpen Mantel, aber für ein hübsches Gesicht und für eine gute Figur ists doch eigentlich schade——— Hof und Garten Ratschläge für das Aushängen von Nistkästen 1. Da die Nißkästen vielen Vögeln während des Winters als Unterschlupf und Wohnung dienen, empfiehlt es sich, dieselben schon imk Monat November aufzuhängen. Legt man von Zeit zu Zeit Sämereien hinein, so dienen sie während der Hungerperiode als höchst willkommene Futterkästen. 2. Beim Aufhängen beachte man, daß der Kasten sich fest an die Aeste oder den Baumstamm anschmiegt. Die Rückenleiste ist daher oben und unten mit Löchlein zum Befestigen mit Nägeln oder Traht zu versehen. Bewegliche Kästen werden verschmäht. 3. Man gebe dem Kasten eine leichte Neigung nach vorn, wenigstens darf er nicht rückwärts geneigt sein. 4. Man richte das Flugloch nach der Gegenseite, woher der rauhe Wind kommt. Beste Richtung ist Südosten. 5. Ter Platz sei weder zu hell, zu dunkel, noch zu auffallend. Dornen ocec weitmaschiger Draht schützen vor den Katzen. 6. Baumgruppen werden einzelstehenden Bäumen vorgezogen. Für die meisten Vogelarten genügt ein Nistkasten auf dem Baum. Für Stare kann man mehrere Kästen auf einem Baume anbringen. 7. Die Höhe kann 3 bis 6 Meter betragen. 8. Alte Nistkästen werden bevorzugt; daher sorge man dort, wo schon genistet wurde, für dauernde Nistgelegenheit. 9. Ta die Nistkästen sowohl der größten Kälte als Hitze ausgesetzt sind, können Sprünge, Spalten und Risse entstehen, welche den nistenden Vögeln unangenehm sind. Am besten hilft man sich, indem man diese Oeffnungen mit Faßunschlitt, Talg oder Wachs zustreicht. Für's Haus Pfeffernuffe Man nehme auf 1 Pfind Mehl ebensoviel Zucker, 12 Eidotter, 3 geriebene Maskatnüsse und etwas Zimt. Den Zucker verrühre man gut mit den Eidottern, mische dann die übrigen Zutaten hinzu, forme kleine Bällchen aus dem Teig und lasse diese im mäßiger Wärme langsam gar backen. Pfeffernüsse auf andere Art. Von einem halben Pfund Mehl, einem halben Pfund Zucker, zwei Eiern, vier Gramm Zimt, 1—2 gestoßenen Nelken und der Hälfte einer abgeriebenen Zitronenschale mache man einen Teig, den man ca. 1 Zentimeter dick ausrollt und dann mit einem großen Likorgläschen rund aussticht. Diese ausgestochenen Teigscheiben lege man auf eine mit Wachs bestrichene Kuchenplatte, lasse sie dort ca. 1—2 Tage ruhig liegen, wende sie dann um und backe sie langsam so lange. bis sie durch und durch trocken uno knusperig sind. Marschalltörtchen. Hierzu benötigt man einen guten Blätterteig, den man bis zur Dicke eines Löffelstiels ausrollt und mit einem Wasser= oder Weinglas in runde Blätter zersticht. Jedes dieser Teichblätter bestreiche man dann mit einer Mischung aus Eiweißschaum, Zucker und geriebenen Mandeln und backe es bei mäßiger Hitze gar und schön gelb. Zu der Mischung nehme man auf je vier Eiweiß ein Pfund feinen Zucker und ca. 200 Gramm abgezogene und geriebene Mandeln. Die Törtchen werden bald nach ihrer Fertigstellung, allse frisch, gegessen. KGS Vec ∆ 535 0• CDE Feierstunden Blätter für Unterhaltung und Belehrung. Nach langen Kämpfen Den Erinerungen eines Detektivs nacherzählt von H. Rockwood. 4 Er hatte versprochen, ihr und ihrem Vater 14 Tage Zeit zu kassen, um die Bedingungen, die er gestellt hette zu überlegen. Deshalb ließ sein vorzeitiges Erscheinen auf schlimme Nachrichten schließen. Gertrud nahm ihre Geisteskräfte zusammen, um dem Fremden mit einem Anschein von Sorglosigkeit entgegenzutreten. Obgleich ihre Wangen bleich waren, zeigte dich ihre Miene einen entschlossenen Ausdruck, als sich die Türe öffnete, um ihren Feind einzulassen. Zuerst kam Frau Chase mit Dick herein; Munro folgte ihnen, und als seine kohlschwarzen Augen auf das schöne Gesicht, die graziöse Gestalt des jungen Mädchens fielen, erglänzte gieriger Triumph in denselben. Er sah nicht übel aus. Sein Gesicht zeigte keine Spuren von Ausschweifungen, aber ein Menschenkenner würde ihn für einen Schurken der weniger heftigen, aber um so schlaueren Art gehalten haben. „Ich hoffe, Sie werden meine anscheinende Behaarlichkeit entschuldigen, Fräulein Brandon," begann Munro mit einschmeichelnder Stimme. Gertrud sah ihm mit einer anscheinenden Zuversicht entgegen, die ihr in Wirklichkeit fehlte. „Wenn Sie meinen Vater zu sprechen wünschten, so sehe ich nicht ein, warum Sie sich hier eindrängen, da Sie doch wissen, daß er nicht hier ist“, begann sie. „Wcil ich mit Ihnen ebenso gut verhandeln kann.“ „Dann fahren Sie fort.“ „Sie kennen den Gegenstand meiner Besprechung mit Ihrem Herrn Vater vorgestern abend?“ „Ja, mein Herr, einigermaßen.“ „Ich habe versprochen, Ihnen zwei Wochen Zeit zu lassen, um die Wahl, die ich Ihnen gestellt habe, zu überlegen.“ „Sie haben also Ihr Versprechen gebrochen, uns so lange ungestört zu lassen.“ „Dafür habe ich einen guten Grund. Ich habe eine Entdeckung gemacht, es ist etwas, was Herr Brandon bei unserer Besprechung verschwieg.“ „Was ist das?“ „Sie sind mit einem jungen Manne verlobt, den Sie in einem Monat zu heiraten beabsichtigen.“ Gertruds bleiche Wangen röteten sich. „Dar mein Vater von meiner Verlobung Ihnen nichts gesagt?“ rief sie. „Nein.“ „Das hätte er tun sollen, denn sie ist ein unüberwindliches Hindernis für die Erfüllung Ihrer Pläne so weit sie mich betreffen.“ Munro lächelte. „Turchaus nicht, ich habe einen stärkeren Anspruch wie Sie wissen,“ erwiderte er. „Sie können mich nicht durch ein Versprechen binden, daß Sie meinem Vater entrissen haben, ohne mein Wissen und meine Einwilligung.“ „O doch, das kann ich, und Sie wissen; wie? Aber ich bin nicht gekommen, um darüber zu sprechen; sondern über die Entdeckung, die ich gemacht habe. Ihr Verehrer, Elmer Howard, hat heute morgen mit einem Frühzug Boston verlassen. Ich fuhr in demselben Zug und weiß, wohin er ging. Ich weiß, daß er nicht daran denkt, seine Verlobung mit Ihnen weiter gelten zu lassen. Ihre gestrige Weigerung, ihn zu empfangen; hat ihm den Grund geliefert, den er wünscht, denn wenn Sie auch heute frei waren, so könnte er Sie doch nicht zu seiner Frau machen.“ V. Wir wollen jetzt zu Howard zurückkehren; den wir so plötzlich verlassen haben. Der Fremde, welcher Howard beim Einsteigen gestreift hotte, war Munro gewesen, aber für Howard war er ganz fremd, obgleich er Howard zu kennen schien. Munro machte sich von dem jungen Manne, der seinen Arm gestreift hatte, los und sagte: „Ich weiß mehr von Brandon, als Sie, wie es scheint.“ Tabei ließ er sich gleichgiltig auf einen leeren Sitz nieder. Howard nahm neben ihm Platz, von heftiger Neugierde getrieben. „Vielleicht können Sie mir sagen, wohin sie so plötzlich geflohen sind?“ fragte er. „Das ist wohl möglich!“ „Sie sagten, sie seien nicht in der Richtung nach Lyun gegangen?“ „Ich sagte, sie hätten einen anderen Zug bestiegen.“ „Wer sind Sie?“ „Mein Name ist Munro!“ „Sind Sie bekannt mit Aldermann Brandon?“ „Ich kenne ihn seit Jahren, wir sind große Freunde.“ „Sie scheinen auch etwas von meinen Beziehungen zu Brandon zu wissen?“ „Tarüber bin ich ziemlich gut unterrichtet denke ich.“ „Wissen Sie, wohin sie diesen Morgen gegangen sind?“ „Ich glaube, ich könnte sie finden.“ „Tann wissen Sie ohne Zweifel auch die Ursache dieser gemeimnisvollen Flucht?“ „Das kann ich wohl sagen.“ In heftiger Ungeduld ersaßte Howard nochmals den Arm des Fremden. Sie batten leise gesprochen, bis jetzt hatte niemand das ausgeregte Wesen Howards bemerkt. 2 935 4.2 „Sehen Sie, mein Herr, wenn Sie irgend etwas darüber wissen, so ersuche ich Sie, sich darüber auszusprechen. Ich glaube, daß hier ein verstecktes Spiel genieben wird, dem Sie nicht fremd sind,“ rief der junge Mann, indem er den dreisten schwarzen Augen des Anderen mit durchdringendem Blick begegnete. „Es steht Ihnen frei, zu vermuten, was Sie wünschen, Herr Howard, aler sie werden nichts dabei gewinnen, wenn Sie mich zum Sprechen zwingen wollen, wenn Sie vernünitig sind, werden Sie viel mehr erreichen.“ „Munro sprach sehr kühl. Er war nicht einmal dreist in seinem Wesen oder Ton. In seinen Bemerkungen lag ein Schein von Aufrichtigkeit, welcher Howards Neugierde noch viel mehr reizte. Bei dem aufgeregten Zustand seiner Nerven war Howard leichtgläubiger, als unter gewöhnlichen Umständen. „Entschuldigen Sie, wenn ich in befehlendem Ton sprach, aber wenn Sie soviel wissen, als Sie glauben, so müssen Sie verstehen, daß dieses unerklärliche Geheimnis mich in höchste Aufregung versetzt,“ sagte Howard in ruhigem Tone. „Ich begreife die Situation und Sie haben meine ganze Sympathie.“ „Wollen Sie mir also mitteilen, was Sie von dem eigentümlichen Manöver Brandons und seiner Tochter wissen.“ „Ja, wenn Sie geduldig sein wollen.“ „Tann fahren Sie fort.“ „Reine Erklärung könnte Ihnen peinlich sein.“ „Die Spannung, in der ich mich befinde, ist noch peinlicher.“ „Ich glaube nicht, so bleibt Ihnen doch die Hoffnung.“ „Was meinen Sie damit?“ „Sie hoffen auf eine Aussöhnung mit Fräulein Brandon?“ „Ich sehe keinen Grund ein, warum diese nicht erfolgen soll.“ „Dann muß ich Ihnen sagen, daß dies niemals sein kann.“ Howard erbleichte, obgleich er dem Fremden nicht glaubte. Auch eine unbestätigte Aussage bei so vieler geheimnisvoller Ungewißheit genügte, um neue Befürchtungen zu erwecken. „Sie sprechen in Rätseln, mein Herr!“ rief der junge Mann, indem er seine Aufregung bekämpfte. „Sie bezweifeln meine Aussage?“ „Ganz gewiß, weil sie so vollkommen unwahrscheinlich ist.“ „Und doch ist alles wahr, was ich zage. Sie können niemals Gertrud Brandon zu Ihrer Frau machen. Sie ist einem anderen versprochen und schon seit längerer Zeit. Sie hut nicht den Mut, Ihnen entgegenzutreten, um Ihnen die Wahrheit zu sagen. Sie wird Ihnen auch niemals eine Besprechung gewähren oder auch nur brieflich Aufklärung geben. Aber in zwei Monaten wird sie den Mann ihrer Wahl heiraten..“ Howards Hand fiel schwer auf die Schulter des Fremden. „Halt!“ rief er mit leiser, gepreßter Stimme. „Sie haben mich selbst gebeten, zu sprechen..“ „Ich habe Sie nicht darum gebeten, ihren Charakter herabzusetzen. Ich weiß, daß Sie treu wie Stahl ist, daß weder Himmes noch Erke sie zwingen kann, anders zu sein.“ Ungeachtet seines Verdachtes wollte er keinen Augenblick eine Ritteilung anhören; welche die Treue seiner Verlobten in Zweifel zog. „Natürlich wollen Sie mir nicht glauben, das habe ich erwartet, aber die Zeit wird es lehren. Ich habe Ihnen bewiesen, daß ich etwas weiß, und Sie werden bald glauben, daß ich alles weiß.“ Munro sprach nachlässig und blickte zum Fenster hinaus. Howard beschloß, den Fremden nicht weiter zu befragen. Er hatte den starken Verdacht, daß böse Pläne im Gange waren, über deren Art und Zweck er nicht die geringste Vermutung hatte. Die unerklärliche Weigerung Gertruds; ihn zu empfangen; ihre Flucht am darauffolgenden Morgen genügten, um ernste Befürchtungen hervorzurufen. Nach kurzer Zeit hielt der Zug an. Munro erhob sich und sagte in seiner unerträglichen Weise: „Tas nächste Mal, wo ich Sie sehe, werden Sie eingestehen müssen, daß ich Sie heute auf die unangenehme Wahrheit vorbereitet habe.“ Howard gab keine Antwort, und Munro verschwand in der Menge der aussteigenden Passagiere. Im nächsten Augenblick trat eine zierliche, elegant gekleidete Tame neben Howard und berührte seinen Arm. Rasch blickte er sich um. „Helene!“ rief er erbleichend,„sage mir, was vorgefallen ist?“ Die Dame war wirtlich Helene Manchester; Howards Schwester. Sie sah sehr bleich und bekümmert aus und um ihre Augen lagen dunkle Ringe. „Ich wußte, daß Di kommen würdest, Helmer,“ sagte sie mit einem raschen Blick. „Ich kam, sobald ich konnte, Helene, ich wurde durch einen unangenehmen Zwischenfall zurückgehalten, den ich Dir später erzählen werde. Aber zunächst erzähle mir, was Clarissa macht Tas Telegramm besagte, Du hättest Neuigkeiten von ihr.“ „Ja, und seit ich Dir telegraphierte, ist noch eine neue erstaunliche Nachricht eingetroffen. Du mußt mit dem nächsten Zuge nach Boston zurück.“ „Hurua?“ wiederholte der junge Mann. „Ja, sie ist irgendwo in der Stadt und allein. Ich glaube, ihr Verstand hat etwas gelitten.“ „Sprich rasch. Der nächste Zug geht in zehn Minnten zurück.“ „Ich habe Dir vor zwei Tagen geschrieben, daß ich einen Brief aus New=York von ihrer Hand habe; in welchem sie sagte, daß sie einen Mann namens Philipp Roß geheiratet hat. Natürlich war ihre Heirat wieder die Folge eines ebenso raschen wie plötzlichen Einfalls, wie ihre Flucht von Hausé. Roß ist ein Schurke und hat sie verlassen. Sie verfolgt ihn allein und schutzlos. Sie glaubt, er sei in Boston und ist dahin gegangen. Du mußt sie finden und vor dem Schicksal erretten; das sie allein und hilflos erwartet, wenn nicht jemand sie bald findet und in Schutz nimmt. Ter junge Mann hirte die hastige Mitteilung seiner Schwester an, ohne sie zu unterbrechen. Auch während der seltsamen Ereignisse dieses Morgens befand er sich doch in großer Sorge um seine schöne und unbewachte Schwester Clarissa. Die letztere war ein eigentümliches, eigenwilliges Mädchen. Sie besaß ein: fast wundervolle Schönheit und von ihrer Kindheit auf war sie unter Aufsicht ihrer Eltern. Als sie 15 Jahre alt war, starben beide Eltern plötzlich. Helene war die älteste, schon verheiratet und in vortrefflichen Verhältnissen. Deshalb war es natürlich, daß Clarissa bei ihrer Schwester eine Heimat finden sollte; wenigstens so lange, als Howard in Boston war. (Fortsetzung folgt.) „„ Frau Trudes Töff=Töff Stizze von B. Rittweger. „Tu bist häßlich, Artur, engherzig im höchsten Grad. Hätt' ich das früher geahnt—“ „Wärst du bei deiner Mama geblieben, Trude! Tas wolltest du doch sagen?“ „Allerdings, das wollt' ich sagen. Es ist ja empörend! Nicht den kleinsten Wunsch erfüllst du mir—“ „Na, liebes Kind, ein Automobil ist doch wahrlich schon ein ziemlich großer. Wenn das so weiter geht, verlangst du nächstens eine Villa in Ostende!" „Wie du übertreibst! Als wenn ich unbescheiden wäre! Aber das hübsche kleine Töff=Töff— und so billig, ein Gelegenheitskauf. Nur zehntausend Mark. Es ist ja rein geschenkt, Hans. Nicht wahr, du tust's? Sieh, die Gräfin, die—“ „Ach, laß mich mit deiner Gräfin in Frieden!“ „Aber Hans, ich meine, du müßtest froh sein, daß ich solchen Verkehr habe und müßtest alles tun, ihn mir zu erhalten. Es ist so freundlich von der Gräfin, daß sie mir das Automobil zuerst anbietet. Und für einen solchen Lumpenpreis!“ „Zehntausend Mark sind für mich kein Lumpenpreis, Trude, das merk' dir. Wir haben in diesen ersten sechs Jahren unserer Ehe viel mehr gebraucht, als wir gedurft hätten. Die Französin für die Kinder hast du mir auch so abgedrungen. Wir haben schon zu viel Bedienung ohne diese teure Person. Ich kann's nicht durchsetzen. Wir müssen doch auch an die Zukunft unserer Kinder denken.“ „So, indem wir sie wie die Wilden aufwachsen lassen, unsere Stellung in der Gesellschaft aufgeben, knausern, wo es nicht am Platze ist— das nenn' ich für die Kinder sorgen! Und überhaupt, wenn ich auf alles verzichten soll, was zum Leben gehört, dann— ja wahrhaftig, dann hätt' ich besser getan, bei Mama zu bleiben.“ „Ob deine Mama dir ein Automobil gekauft hätte, ist mir mindestens zweifelhaft.“ „Du bist abscheulich, Hans. Nun wirfst du mir auch noch vor, daß Mama keine Millionärin ist! Du hast doch gewußt, daß du kein reiches Mädchen heiratest und hast mir so oft versichert, du liebtest mich. Aber nun seh' ich, jetzt liebst du mich nicht mehr. Die Kinder gehen dir über alles. An ihre Zukunft denkst du. Ich bin dir einerlei!“ „Nun ist's aber genug, Trude. Es ist besser, ich lasse dich allein, damit du dich auf Dich selbst besinnst.“ Hans Holleben drückt die Tür etwas heftiger zu, als unbedingt nötig gewesen wäre. Es ist aber auch zu toll! Trude wird immer anspruchsvoller. Wo das nur noch hinaus soll? Im Grunde ist sie ein so herzensgutes Frauchen, aber ihre Neigung, von allem haben zu wollen, wird sicher noch das Glück der Ehe zerstören. Frau Trude bricht in heftiges Schluchzen aus. Gott, wer ihr das früher gesagt hätte! Zu der Zeit, als Hans ihr jeden Wunsch von den Augen absah, im ersten Jahre ihrer Ehe, als es keinen Willen für ihn gab, als ihren! Jetzt— die Kinder, immer die Kinder! Sie hat doch ihre zwei süßen kleinen Mädels auch lieb, sehr lieb sogar, aber Hans tut gerade, als dürfe man sich auch gar nichts mehr gönnen der Kinder wegen! Er ist so knauserig geworden. Immer spricht er vom sparen. Aber sie wird sich das nicht mehr gefallen lassen, sie wird trotzen und schmollen, bis sie ihr Töff=Töff hat, das ihr die Gräfin Flemming zu einem solchen Spottpreis ablassen will. Sie wird kein Wort mit Hans sprechen, keine Silbe, bis er nachgibt, dann wird sie ihn wieder lieb haben, ganz furchtbar lieb und dann wird sie sich auch ganz lange nichts wieder wünschen. Tann will sie sparen! Die Sommertoiletten sind ja zum Glück bereits angeschafft und bezahlt. Ta hat Hans auch schon förmlich eine Szene gemacht. Trude tupft mit dem Spitzentüchlein die Tränen von den Wangen, dann begibt sie sich in ihr Ankleidezimmer, schellt der Jungfer und macht sich fertig zum Spaziergang mit den Kindern und der Französin. Aber Frau Trude kann heute das Geplauder der lebhaften kleinen Mädchen gar nicht ertragen. Nach kurzer Zeit schon gibt sie der Mademoiselle Anweisung, mit Edith und Hertha einige Besorgungen in der Stadt zu machen. Sie will ihren Morgenspaziergang lieber allein beenden und dabei Pläne schmieden, wie sie diesen starrsinnigen Hans zur Vernunft bringen kann. Er muß das Auto kaufen, er muß! Sie ist jetzt ordentlich froh, daß er im vorigen Jahr nicht nachgegeben hat, als sie so leidenschaftlich nach einer Equipage verlangte. Ein Automobil ist viel zeitgemäßer— ein wirklich reizender Sport. Und so viel billiger, als Equipage, besonders, wenn man es so gut wie geschenkt bekommt!—!: Ganz in den Gedanken an das heißersehnte Fahrzeug versunken, achtet Frau Trude gar nicht auf ihre Umgebung. Sie ist in den stillsten Teil des Parkes geraten, den sie sonst gern vermeidet. Denn sie liebt es, unter Menschen zu sein. Sie kommt an einer Bank vorüber, auf der eine junge, schlicht gekleidete Frau sitzt. Neben der Bank steht ein kleiner Stuhlwagen mit einem blassen Jungen von vielleicht fünf Jahren. Achtlos streifen Frau Trudes Augen die Gruppe, dann aber stutzt sie, die junge Frau ist aufgesprungen und steht mit frohem Lächeln vor ihr.„Trude Menzel— Du— aber diese Freude!“ „Klärchen Mannsfeld— wie kommst du hierher? Ich habe ja keine Ahnung— bist du schon lange hier?“ „Seit einem Jahre, s.it meines Mannes Tod—“ „uch, du bist Witwe! Und ich wußte nicht mal daß du geheiratet hast.“ „Ja, ich war fünf Jahre verheiratet. Und du? Natürlich bist du auch nicht mehr Trude Menzel?“ „Bewahre. Ich bin seit sechs Jahren verheiratet. Mein Mann war hier an der Regierung. Ein weitläufiger Vetter, Hans Holleben. Vielleicht erinnerst du dich.“ „Freilich, du schwärmtest ja schon in der Selekta für ihn. Und du bist ja sehr glücklich, natürlich.“ „Gott ja, glücklich. Was man so nennt. Zu wünschen bleibt eben immer. Gerade heute— aber erst erzähl' mir von dir, Klärchen. Man kommt oft so ganz auseinander. Und du bist nun schon Witwe, armes Klärchen. Wie mir das leid tut! Und das ist dein Kind. War der Kleine kürzlich krank? Er sieht so blaß aus.“ „Er ist immer krank, Trude.“ Die junge Frau spricht gedämpft und wendet sich dann zu dem Jungen:„Gib'mal der Tame ein Händchen.“ Der Kleine folgt dem Gebot. Seine Mutter fährt in ihrem Bericht fort:„Er ist gelähmt, seit seinem zweiten Jahr. Ach, es ist furchtbar schwer. Und gar, wenn man so mittellos— mein armer Mann starb ja viel zu früh, um für uns sorgen zu können. Er war Künstler, bei der Hofkapelle in Altenburg angestellt. Wir hatten uns so sehr lieb, wir vertrauten unserm Stern. Mein Vater war aber gestorben. Mutter lebte schon lange nicht mehr. Ich hätte unter Fremden sein müssen; das wollte aber Kurt nicht. Ich hatte ein ganz kleines Vermögen, davon nahm ich zur Aussteuer das notwendigste. Unser Stern blieb uns nicht treu, mein armer Mann erkrankte und starb nach langem Leiden. Ich zog hierher, weil ich glaubte, in einer größeren Stadt eher etwas verdienen zu können. Ich habe ein Zimmer vermietet und male für Geschäfte. Einige Klavierstunden für Anfänger kann ich auch geben. Ich habe nur zu wenig Zeit, da mein armes Kind mir viel in Anspruch nimmt. E muß doch bisweilen an die Luft.“ Frau Trude streichelt den Kleinen zärtlich:„Und kann denn nichts geschehen für ihn?“ „Toch, aber solche Kuren sind furchtbar teuer. Wäre mein Mann am Leben geblieben, dann hätten wirs ermöglicht; so geht es nicht. Ich habe schon einen berühmten Orthopäden konsultiert. Aber die Kur nimmt mindestens ein Jahr in Anspruch. Unter tausend Mark ist das nicht zu machen. Wenn ich das kleine Kapital, über das ich noch verfüge, verbrauche, dann bleibt mir nicht mal ein Notpfennig. Ich muß meinen Liebling ohne Hilfe lassen. Ganz gesund kann er ja überhaupt nicht werden. Aber vielleicht käme er doch so weit, daß er mit einer Stütze das Gehen lernte. Man hat jetzt so künstliche Maschinen für derartige Leiden!“ „Armes Klärchen! Wer dir helfen könnte! Das hübsche Kind! Was es für schöne große Augen hat!“ Frau Trude denkt mit einem seltsamen Gefühl an ihre zwei gesundheitsstrotzenden Mädchen. Sie hat es immer so selbstverständlich gefunden, daß Edith und Hertha gesund sind. Eine Blutwelle steigt ihr ins Antlitz. Sie schämt sich. Aufspringend sagt sie:„Ich muß mich auf den Heimweg machen, Klärchen. Bitte, gib mir deine Adresse, ja? Ich möchte dich recht bald mal aufsuchen.“ „Mittelstraße 28. Aber meine Wohnung ist sehr bescheiden — drei Treppen hoch!“ „Tut nichts, Klärchen, ich komme doch!“ Nach herzlichem Abschied geht Frau Trude. Ihre ganze Verstimmung ist verflogen vor der bitteren Selbsterkenntnis,