ortmunder Tageblat Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und gesetzl. Feiertage. Abonnementspreis frei ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbelage und dem 8seitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Vsg. pro Monat, durch die Post bezogen für 8 Monate 1.50 hk. Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inserate verantwortlicht Viktor Schanzer Dortmund, Lokal-Anzeiger für und der täglichen Unterhaltungsbeilage mit dem Dortmund u. Hörde sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage. Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— zerniprech=Anschluß Nr. 3299. Inserate die 8 gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 23 Reklamen die 4 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 60 Psg. Beilagen nach Uebereinkunst. Bei zwangsweiser Beitreidung der Insertionsgebühren durch Klage oder Konkursverfahren wird der Radatt hinfällig. Für Aufnahme von Inseraten an bestimmt vorgeschriebenen Tagen übernehmen wir keine Garantie. Für die Fedaktion verantwortlich: Max Sonnemann. Dortmund. Nr. 3. Dortmund, Mittwoch, den 5. Januar 1910. 27. Jahrg. Erstes Blatt. Die preußische Der bekannte Wahlrechtstheoretiker Prof. Siegfried, Königsberg, wird demnächst in dem„Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft“. einen Aufsatz über das künftige preußische Wahlrecht, wie er es sich denkt, veröffentlichen. Der Liebenswürdigkeit des Verfassers und des Verlages (Duncker und Humblot, Leipzig) verdankt das Hamb. Fremdenblatt es, daß es schon jetzt Auszüge aus dieser Schritt bringen kann. „Das jetzige preußische Wahlsystem“, so beginnk Siegfried,„ist in allen seinen Teilen in weiten Kreisen verhaßt: die Oeffentlichkeit der Wahlhandlung, die Wahl der Abgeordneten durch Wahlmänner, die Einteilung der Wähler je nach ihrer Steuerleistung in drei Klassen(Abteilungen), wobei die Wähler einer jeden Klasse ein ganz verschieden starkes Wahlrecht auszuüben haben. Einige wenige Wähler der ersten Abteilung haben ebensoviel Wahlrecht wie 5—10 mal soviel Wähler der zweiten Abteilung und wie die ungeheure Masse der übrigen Wähler, die geringere oder gar keine Steuern entrichten und über 80 Prozent der gesamten Wählerschaft ausmachen. Die verschiedene Wahlkraft der Wähler der drei Abteilungen kommt bei der Wahl eben dadurch zum Ausdruck, daß die sehr wenigen Wähler der ersten Abteilung eines Urwahlbezirks(d. h. eines Bezirks von 750—1749 Seelen), die das erste Drittel der Steuern aufbringen, den dritten Teil der auf diesen Bezirk entfallenden Wahlmänner zu wählen haben, die Nächstreicheren, die mit ihrer Steuerleistung in das zweite Steuerdrittel fallen, ebenfalls zur Wahl eines Drittels der Wahlmänner berechtigt sind und das letzte Drittel der Wahlmänner des Bezirks von den Wählern, die noch weniger oder gar keine Steuern entrichten, gewählt wird— und hierauf erst haben die Wahlmänner, die unter sich sämtlich gleiche Rechte haben, die auf den betreffenden Wahlkreis entfallenden Abgeordneten zu wählen. Das Dreiklassenwahlsystem ist sonach untrennbar mit dem indirekten Wahlverfahren verbunden; wird letzteres beseitigt, so ist es unmöglich, die Einschachtelung der Wähler in die verschieenen Steuerdrittel beizubehalten; denn wie soll das gemacht werden, die von Urwahlbezirk zu Urwahlbezirk mit der allerverschiedensten Wahlkraft ausgestatteten Wähler in einer gemeinsamen Wahl, deren Resultate nach einer einzigen Zentralstelle des Wahlkreises zu melden sind, wählen zu lassen? In einem Urwahlbezirk hat der einzige Wähler der ersten Abteilung vielleicht 330wal soviel und die Wähler der zweiten Abteilung 20mal soviel Wahlkraft wie die 300 Drittklasser desselben Wahlbezirks; und von Urwahlbezirk zu Urwahlbezirk schwankt die Wahlkraft der Wähler er=ster und zweiter Klasse im Vergleich zu den Wählern der dritten Klasse in der mannigfaltigsten Weise. Tritt man diesem Gedanken näher, so muß man sogleich über die staunenswerte Unvernünftigkeit eines solchen Vorschlages stutzig werden, und dabei sind in betreff der praktischen Ausführbarkeit dieses Vorschlages die größten Zweifel erlaubt. Kommt noch dazu, daß der Gegensatz zwischen dem Modus der Einteilung der drei Klassen, wie er früher üblich war, nämlich der Durchdrittelung durch die ganze Stadt, und dem seit 1893 üblichen Modus, nach dem für jeden Urwahlbezirk besonders gedrittelt wurde, so daß die zwischen den einzelnen Abteilungen bestehenden Steuergrenzen von Urwahlbezirk zu Urwahlbezirk in der wunderbarsten Weise variierten, auf keine Weise überbrückt werden kann, so daß schon dieser Umstand sehr dafür spricht, überhaupt das ganze Dreiklassenwahlrecht fallen zu lassen.“ „Die Hauptschwäche des Dreiklassenwahlsystems“, so betont Siegfried mit vollem Recht, und er berührt hier einen Punkt, der bei den Kritikern sonst oft nicht genügend beachtet wird,„ist ihre unlösbare Verbindung mit dem indirekten Wahlverfahren. Sobald man vom indirekten zum direkten Wahlverfahren übergeht, ist es mit dem Dritteln der Steuern und mit der Einschachtelung der Wähler in die verschiedenen Steuerdrittel, zu dem Zweck, um ihnen ein äußerst verschiedenes Wahlrecht beizulegen, ein für allemal vorbei. Aber zum mindesten ebenso unbeliebt wie die Ausstattung der Wähler mit verschiedenem Wahlrecht, ist es, daß man ihnen nicht erlauben will, direkt den Mann ihres Vertrauens, den sie ins Abgeordnetenhaus senden wollen, zu bezeichnen, daß man ihnen vielmehr einen Vormund setzt, ohne den sie nichts machen können. Tatsächlich hat sich ja die Sache dahin verschoben, daß die Wahlmänner nur zu bloßen Maschinen ihrer Auftraggeber herabgesunken sind, die die gebundene Marschroute erhalten haben, für bestimmte Abgeordnete zu wählen.“ Siegfried lehnt dann das als Ersatz für das Dreiklassen=System gedachte Pluralsystem ab. Er akzeptiert es nur insofern, als, wie er sagt,„wir sonst nicht mit der preußischen Wahlreform von der Stelle kommen. Darüber kann, glaube ich, kein Urteilsfähiger im Zweifel sein, daß, wenn die Regierung in den Uebergang zum direkten Wahlverfahren einwilligt, also auf das Dritteln der Steuern und die Bildung der drei Wählerabteilungen Verzicht leistet, sie das nur unter der Bedingung kut, daß den bevorzugteren Wählern zusatzstimmen eingeräumt werden,— und dabei ist noch sehr zu befürchten, daß diese Zusatzstimmen unter ganz besonderer Berücksichtigung konservativer und agrarischer Vorzüge sehr reichlich verliehen werden— jedenfalls reichlicher als in Belgien und in Sachsen, wo man für einzelne Wähler bereits bei vierfachem Stimmrecht angelangt ist. Wird aber durch diese stark agrarisch verliehenenzusatzstimmen, die Mehrheit der Wähler künftlich in eine Minderheit verwandelt, so wird es diesen Minderheiten unmöglich gemacht, sich irgendwie Geltung zu verschaffen, wenn nach wie vor in jedem einzelnen Wahlkreise die Mehrheit darüber entscheiden soll, wer als gewählt zu gelten hat.“ Sehr gut sind die Ausführungen Siegfrieds gegen das Argemunt„Land und Leute“ sollten als Vertretungsmaßstab für das Wahlrecht dienen:„Die meilenweiten Forsten, die großen masurischen Seen, die Lüneburger und Tuchler Heide, die äußerst gering bevölkerten Nehrungsgebiete, die großen Güter, die ihre Landwirtschaft nur noch mühsam mit russischen Arbeitern aufrecht erhalten— alle diese sollten doch Beweis genug sein, daß die Landfläche, wenn überhaupt nur eine sehr geringe Berücksichtigung bei der Vertretung zum Abgeordnetenhause beanspruchen darf. Wo geringe Steuerkraft ist, da ist auch in der Regel wenig Bildung und wenig Kultur. Das Stichwort„Land und Leute“ bedeutet nur so viel, daß die Agrarier und ostelbischen Konservativen in allererster Reihe bei der.Vertretung zum Abgeordnetenhause berücksicht sein wollen. Wollte man in einer Städteordnung vor allem den hochverschuldeten Hausbesitzern das Recht zusprechen, die Stadtverordneten zu wählen, so würde man das allgemein als einen Abderitenstreich ansehen; bei der Besetzung der Landtagsmandate will man aber allen Ernstes die Fläche mit in Rücksicht ziehen, ohne zu bedenken, zu welchen unsinnigen Konsequenzen das führen muß. Bei der hohen Verschuldung der Güter und ländlichen Grundstücke überhaupt kann man annehmen, daß sich mindestens zwei Drittel des von ihm repräsentierten Wertes in Form von Hypotheken und Pfandbriefen in den Händen der Stadtbewohner befinden; das Betriebskapital, über das die Gutsbesitzer und Bauern tatsächlich verfügen, steht oft in gar keinem Verhältnis zu der Gesamtfläche ihrer Besitzungen.“ Siegfried empfiehlt schließlich in eingehender Weise das Proportionalwahl=System, in dem Sinne, daß die Provinzen als Wahleinheit geschaffen werden und jeder Wähler nur einen Kandidaten wählt, der aber auf der Gesamtliste seiner Partei stehen muß, ein Vorschlag, zu dem auch Prof Laband in einem Aufsatz über die Wahlcesorm in der Deutschen Juristenzeitung gelangt. Sienfried will damit erreichen, daß die lokalen Wünsche und Kandidaturen mehr Berücksichtigung finden, als dies bei einer reinen Listenwahl der Fall sein würde. Siegfried nährt sich hier dem Vorschlag des Viererausschusses der Freisinnigen, der bekanntlich auch die Vertretung der Minderheiten vorgesehen wissen will Seine Idee ist interessant und geistreich begründet Gewiß läßt sich auch manches darüber sagen, doch da kaum zu erwarten ist, daß die Regierung sich auf sein großzügiges Programm einlassen wird, so erübrigt es sich für heute, auf seine detaillierten Ausführungen einzugehen. Jedenfalls aber empfichlt sich sein Aussatz nach Erscheinen dringend zum Studium der wichtigsten Gegenwartsfrage. Der Kunst geweiht. Roman von Lothar Frey. 2 „Dieser zweite Schuß war für mich bestimmt,"knirschte der Unglückliche.„Aber ich vermochte es nicht, ich dachte an meine Kinder.“ Er schlug die Hände vor das Antlitz. Der Fürst setzte sich neben ihn und legte ihm die Hand auf die Schulter. „Niemand hört uns hier! Sprechen Sie offen wie zu einem Freunde, der ich Ihnen ja bin!" überredete er teilnahmsvoll. „Ich habe einen Menschen getötet, meinen Nebenbuhler! Mein Weib ist vor einigen Wochen heimlich zur Bühne zurückgegangen. Sie hat ihre Kinder verlassen, und ich.. Die Waffe, ich beschwöre Sie!" bat er mit heiserer Stimme, nach dieser um sich blickend. „Sie erhalten sie nicht wieder! Machen Sie keinen Versuch, denn ich bin der Stärkere. Sprechen Sie weiter!“ Antonio schüttelte zusammensinkend den Kopf. „Ichlsagte alles!“ „Ist er tot, dieser.. „Ich weiß es nicht!“ächzte der Verzweifelte.„Ichfloh hierher.. „Hatte Ihre Tat einen Zeugen?“ Er schüttelte den Kopf. „So reden wir vernünftig! Nach Rom dürfen Sie nicht zurück!“ „Meine Kinder!“ stöhnte der Aerniste. „Für die werde ich sorgen!" Der Fürst überlegte. „Sie ern nern sich des Vorschlags, den ich Ihnen machte. Nehmer. an. Ich aber darf von dem Vorgefallenen, das vielleicht nicht so schlimm ist, in meiner ländlichen Zurückzezogenheit nichts erfahren haben. Gehen Sie nach Deutschland, wo Ihre Kunst Anerkennung und Lohn finden wirn, ich kann Ihnen den Weg dahin bahnen. Es ist ein glückliches Zusammentreffen.“ Er zog ein unterstempeltes Papier hervor und las es flüchttg. „Diesen Paß hatte ich für meinen italienischen Diener und Begleiter verlangt; er sollte in einem wichtigen Auftrag nach Deutschland reisen. Das ist aber inzwischen unnötig geworden. Nehmen Sie! Schiffen Sie sich unter diesem Namen, das Siqnalement wird leidlich pasSRERS-TIRTRA TSEEZESTm sen, in Livorno ein. Ich schreibe Ihnen noch heute abend Empfehlungen für Berlin, die werden Ihnen von Nutzen sein; aber Ihren Namen dürfen Sie dort nicht führen für den Fall.. Ihrer Kinder wirdsich meine Frau annehmen, bis sie Ihnen folgen können.. Fesselt Sie sonst etwas an Ihre Heimat, an Rom?“ „Nichts! Nur die Kinder. Man wird mich verfolgen! Aber.. ich muß fort und danke Ihnen!“ Er suchte des Fürsten Hand und preßte diese heftig in seine eiskalte „Niemand also darf Sie hierbei mir sehen! Sie fahren in einer Stunde mit dem Vetturin, der jeden Abend von hier abgeht, unter diesem Paß! Nehmen Sie!“ Er drückte ihm das Papier in die Hand.„Für das Reisegeld, das Ihnen hier fehlen wird, sorge ich. In einer Viertelstunde bin ich zurück. Ihr Ehrenwort, daß ich Sie hier an dieser Stelle finde.“ Autonio hielt noch immer die Hand des Fürsten; er preßte sie dankbar, zitternd, ohne zu ihm aufzublicken, und dieser ging, tief ergriffen von dem Schicksal des Bedauernswerten, von dem er hoffte, er werde nach dem, was er ihm Tröstendes gesagt, zu einiger Ruhe kommen. Eine halbe Stunde später trennte sich Antonio mit vollkommener Resignation von seinem edlen Gönner, der ihm nochmals versicherte, er werde alles tun, was notwendig, und ihn im Frühjahr in Berlin aufsuchen. „Man wird es mir vielleicht übel anrechnen, was ich soeben tat; ich handelte wie immer nach plötzlicher Eingebung,“ sprach der Fürst, ins Haus tretend.„Aber es ist geschehen, und ich will's verantworten!“ „ Den„italienischen Professor“ nannten die Bewohner der großen Friedrichstraße in der Nähe des Halleschen Torés den um bestimmte Tagesstunden stets einsam die Straße wandelnden Herrn. Man hielt ihn für einen Sprachlehrer, der in einem der Häuser nahe dem Platz mit einer italienischen Haushälterin und zwei Töchtern wohnte, welch letztere sehr schön zu werden versprachen und von den Nachbaren ihrer Eigenart wegen gern beobachtet wurden. Die Kinder waren, als der Professor das Haus bezog, fünf und sechs Jahre alt; durch ihre großen, lebhaften, schwarzen Augen, das üppige, schwarze Haar, den von der Sonne des Südens dunkel angehauchten Teint und eine fremdartige Anmut fielen sie natürlich den Bewohnern des Belle=Allianceplatzes und der Hasenhaide auf, die von den Italienern nur die Apfelsinen= und Pommeranzenhändler kannten. Orsini hieß der Vater dieser beiden lieblichen Erscheinungen, einer von dem Könige durch den Titel Professor ausgezeichneter Edelsteinschnitzer, den der kunstliebende Monarch hierher berufen haben sollte, wie auch schon dessen Landsmann Agnoletti, der in der Lithoglyptik Ausgezeichnetes geleistet und sich in derselben einen bedeutenden Namen erworben. Ueber Orsinis Vorleben wußte man nichts, als daß er von seiner Frau getrennt lebe. Er verkehrte sogar sehr wenig mit seinen Landsleuten, ein in sich abgeschlossener Charakter, der des Lebens heitere Seite nicht suchte und sich nur der Arbeit widmete. Daß er in seiner Heimat glücklich gewesen und ihn besondere Umstände veranlaßt, diese aufzugeben, vermutete man nur aus seinem menschenscheuen, jedoch keineswegs abstoßenden Wesen, das hier jede Anknüpfung vermied. Einen Briefwechsel mit der Heimat führte er nicht. Auf des Lebens Sonnenseite mußte er wohl nie gestanden haben. Seine regelmäßigen, echt römischen Züge waren schon scharf geworden, seine tiefliegenden dunklen Augen verrieten die Gewohnheit peinlich exakter Arbeit. Sein Haar entfärbte sich früh, über seiner Stirn lagen wagerechte Falten; er trug das Gesicht stets rasiert, in seiner Kleidung war er von Einfachheit und Ordnungsliebe. Seine Wohnung war mit der größten Sorgfalt, doch ohne jeden Luxus eingerichtet; sein Wohnzimmer war sein Empfangszimmer, denn er machte keine Besuche und liebte auch solche nicht bei sich. Seine Kinder hatten jedes ein Stübchen nach dem Hofe zu und die Haushälterin ein solches im Dachstock über der Wohnung. Professor Orsini hatte seit seinem Herzug in guten Verhältnissen gelebt; er war gesucht als Künstler, am Hofe gut angeschrieben. Seine Arbeiten galten als Meisterwerke. Er sprach das Deutsche auch nach langem Verweilen in Berlin noch immer sehr gebrochen. Seine Kinder wurden unter der Obhut seiner alten Landsmännin erzogen; er selbst sah sie nur abends, wenn er aus der Sparagnapischen Konditorei Unter den Linden kam, in welcher er die ttalientschen Zeitungen gelesen. Deutsches Bundesrat und mecklenburgische Verfassung Der Bundesrat tritt am 6. Januar zusammen, um„wie die Kieler Neuesten Nachr. melden, zu den Verfassungsantrag der mecklenburgischen Regierung Stellung zu nehmen. Die Hochzeit des Großherzogs von Sachsen Weimar in Meiningen. Gestern Vormittag fand die Trauung des Großherzogs Ernst von Sachsen=Weimar=Eisenach mit der Prinzessin Karola Feodora von Sachsen=Meiningen. statt. Die Unterzeichnung der Ehepakte ging um Uhr in Gegenwart des Herzogs von Meiningen und der Eltern der Braut vor sich; um heinviertel Uhr erfolgte die standesamtliche Eheschließung, der sich dann unter Glockengeläute die kirchliche Trauung in der Schloßkirche anschloß. Der Großherzog hat aus Anlaß seiner Vermählung eine Amnestie erlassen. Preußen natürlich nicht Zum Weihnachtsfeste haben neun deutche Bundesfürsten Begnadigungen ausgesprochen. Kaiser Wilheim befindet sich, wie die Presse heroorhebt, nicht unter diesen neun. Die Folgen der Finanzreform. Seit Jahren werden im Reichshaushaltsetat jährlich 4 Millionen Mark zur Unterstützung gemeinnützige: Baugenostenschaften ausgeworfen. In den Etat für 1910 sind nur noch 2 Millionen eingesetzt worden. Recht hat er. Auf dem konservativen Parteitage hatte Herr Bredereck im Namen der Pankower behauptet, die Kon servativen hätten sich durch ihre Lossage vom Block die deutsche Jugend verscherzt. Darauf erklärt jetzt Herr von Jagwitz, konservativei Reichstagskandidat a. D., das sei nicht wahr, Verlieren könne man nur, was man habe. Die Konservativen aber hätten die Jugend gar nicht gehabt. Das ist richtig. Jugend und Idealismus, das ist identisch. Welcher Idealist kann aber zur Liebesgabenpartei gehen? Wenn es der konservativen Partei trotzdem nicht an einem gewissen Nachwuchs fehlt, so liegt das nur an dem Reserveoffiziertum. Das ist die Rekrutenschule für die Heydebrand u. Gen. Immer dieselbe Geschichte. Durch die Presse läuft wieder einmal ein charakteristischer Bericht über eine Militärmißhandlung: „Das Kriegsgericht der 1. Gardekavalltriebrigadt verhandelte gegen den Unteroffizier Schäser von der 3. Eskadron des Regiments Gardes du Corps. Das Material zur Antlage lieferte eine Verhandlung vor den Oberkriegsgericht wider den Garde du Corps Stahlberg, der damals bekundete von Schifer geschlagen worden zu sein. Es wurde eine Untersuchung eingeleitet, die zur Anklageerbebung wider Schäfer wegen Soldatenmißhandlung führte. Der Angeklagte vermag sich auf nichts mehr zu erinnern Der Reservist Prinz belun det, von Schäfer im„Scher:“ mit einem Rohrstäbchen geschlagen worden zu sein, legte aber der Sache keinerlei Bedentung bei. Anders bekunden die Zeugen Tro= sie gut erzogen wurden, war bei der Persönlichkeit der alten, unwissenden Melitta, einer Trasteverinerin, nicht anzunehmen, und sie wurden es in der Tat nicht. Ihre Schicksale bestätigten dies, als sie heranwuchsen und sich ihre Neigungen entwickelten, und zwar beiderseitig in der Richtung der Kunst. Stella, die jüngere, erlangte auf Zureden eines italienischen Tänzers am Opernhause die Erlaubnis, in das Ballett einzutreten; Marguerita, die ältere, folgte dem Rat eines Landsmannes ihres Vaters, Rafaelo Gumberto, der seit Jahren in Berlin diamatischen Gesangsunterricht erteilte. Orsini willigte in beides; er sah in dem Zuge der Kinder ein Vermächtnis der Mutter, die nach dreijähriger Ehe ihn und die Kleinen verlassen, von der er niemals wieder gehört. Ob zum Glück der Kinder, das sagte er sich nicht. Er selbst hatte in Deutschland aber das nicht gefunden, was er erhofft. Beide mußten sich also einem Berufe widmen, in welchem sie frühzeitig ihr eigen Brot finden konnten. Schwer war der Beruf, den beide gewählt, aber nur Außerordentliches sagte ihnen zu. Das Blut, das heiße. südliche Blut der Mutter und dann der Spiegel, beide trieben sie zu Exzentrischem. Die Sehnsucht, bemerkt zu werden, nicht in den gewöhnlichen, langweiligen Bahnen der anderen zu wandern, reizte ihre Kinderphantasie, und niemand war da, der diese gezügelt hätte. Keine Angehörigen redeten ihnen Vernunft, zeigten ihnen die Schattenseiten dessen, was ihnen so schön und begehrenswert erschien; sie standen ja allein mit dem Vater und der alten, ihnen verhaßten Melitta, unverstanden von denen, mit welchen sie allenfalls in Berührung kamen, unverstanden in Sprache und Sitten, ohne natürliche Harmonie und Aufschluß mit dem deutschen Wesen, das sie nie erlernt hatten. Und Melitta, ein Weib aus den unteren Volksklassen das in der Jugend als Modell in Künstlerkreisen verkehrt, mit zunehmendem Alter eine Abneigung gegen alles gefaßt, was war, was sie selbst einst gewesen, nume lich schön, die täglich sah, wie vorteilhaft sich die beiden Mädchen entwickelten, die endlich auch schon oft bereut, daß sie durch Nahrungssorgen sich hatte verleiten lassen, mit nach diesem kalten Lande zu ziehen, sie tar, was ihre gallige Stimmung ihr eingab. 175,18 it. Stahlberg und Rhode. Währeno die beiden ernen erklären, mit dem Rohrstock geschlagen worden zu sein, da sie beim Stallo##nst nicht schnell genug waren,, behauptel Rhode, mit dem Rohnslock, mit dem Säbel und mit drm Deckgurl über den Rücken geschlagen worden zu sein. Das Kriegsgericht verurteilte den Unteroffizier wegen Soldatenmitzhandlung in Ausübung des Dienst s. Mißbrauchs einer Waffe zu nur zwölf Tagen Mittelarrest. In der Begründung des Urteils wurde hervorgehoben, daß Schäfer keinem Soldaten Verletzungen(!) beigebracht hätte, daß er sich sonst gegenüber Untergebenen korrekt benommen habe, und daß er in irgendeiner Weise gereizt worden sei. Rührend, wie die Herren Kriegsrichter immer alle möglichen Milderungsgründe sinden. sobald es sich um exzedierende Vorgesetzte handelt! Sobald aber irgend ein Untergebener in der Verzweiflung oder im Trunk sitz elnmal einem Vorgesetzten gegenüber vergeht, dann treten die barbarischen Bestimmungen des Militärstrasgesetzbuches in voller Härte in Kraft. Und da wundert man sich daß die Soldatenmißhandlungen nicht abreißen. Rückreise v. d. Goltz=Paschas. har mit seinen Vortragen und seiner reisen Gesangskunst an den vorangegangenen Robert Schumann= und Robert Franz=Abenden das rein künstlerische mit dem Instruktivem vorteilhaft zu verbinden gewußt. Es ist daher der Hugo Wolf=Abend aufs angelegentlichste zu empfehlen. Karten a 3 Mk. sind bei Franz Reinelt, Pianoforte=Magazin, Balkenstr. 14—16 zu haben. — Städtische Schreibstube in Dortmund. Iu der städtischen Schreibstube für Stellenlose Brüderweg 38 tburden im Dez. 1909 ungefertigt: 31343 Adressen, 1799 Seiten Abschriften, 4361 Seiten Vervielfältigungen. Es wurden 9 Schreiber 478 Stunden in der Schreibstube bei einem Stundenlohn von durchschnittlich 35 Pfg beschäftigt. Außerdem wurden 28 Schreiber 4333 Stunden außerhalb der Schreibstube bei Geschäftsleuten usw. beschäftigt, was einer Gesamtleistung von rund 620 Tagen entspricht. Geschäfts= und Privatleute, die Schreibarbeiten zu vergeben haben und denen geeignete Kräfte nicht zur Verfügung stehen, werden gebeten, sich der Schreibstube, die bekanntlich stellenlosen Schreibern und Kaufleuten vorübergehende Beschäftigung gewährt, zu bedienen. General u. d. Gotz wird am 19. Januar von Konstantinopel die Rückreise nach Deutschland antreten. Ausland. Griechenland. Konstantinopel, 4. Jan. Nach einer Meldung des Wali des Archipels kam es auf der Insel Rhodes zwischen den Einwohnern zweier Griechendörfer wegen eines Terfains zu einem blutigen Kampf, in dem vier Bewohner der Ortschaft gefallen sind Türkei. Konstantinovel, 4. Jan. Die Hinrichtungen werden fortgesetzt. In Essin wurden vor drei Tagen ein Armenier und 11 Moslems die das Ausnahmegericht zu Dschebelibereket zum Tode verurteilt hatte, auf dem Marktplatze gehängt. Ein Armenier namens Karakin beteuerte unter dem Galgen seine Unschuld und rief, als ihm der Henker den Strik um den Hals legte, in der Verzweiflung:„Hoch die Freiheit, Gerechtigkeit! Hoch die Armee!“. Unter den gehängten Moslems befanden sich mehrere Notable und der Mufti der Stadt Bagtsche. In Ma) dasch wurde der Nabob von Gökßu, Bairamvalu Ali, als Reaktionär gehängt. Man erwartet, daß der neue Großvesier der ganz unkontrollierten Schreckensherrschaft der Kriegsgerichte in den Probinzen ein Ende zu machen wird. Lokales und Provinzielles. Dortmund, 5. Januar. — DerMansardendieb, der am Montag in der Dudenstraße verhaftet wurde, hatte noch drei gleichaltrige Komplicen, mit denen er gemeinschaftlich seit Monaten wahre Raubzüge im Süden unserer Stadt unternahm. Die drei Helfershelfer, von denen einer hinter Schloß und Riegel gebracht wurde, sind ebenfalls Söhne höchst achtbarer Familien. Im Sommerabort eines Gartenrestaurants hatten die Burschen ihren Lagerplatz, wohin sie die Beute brachten. Hier fanden sich Dietriche, Nachschlüssel, Feilen, Schraubenzieher, Hämmer, Meißel, Zangen, Stech= und Brecheisen, ferner mehrere geladene Revolver, Browningpistolen, Munition und sonstige Dinge, mit denen nun einmal eine richtige Räuberbande ausgestattet sein muß. Außerdem lagerten von Diebstählen herrührende Fleisch= und Wurstwaren, sowie eingemachte Früchte im Schlupfwinkel des vierblätterigen Kleeblattes. Das erbeutete Bargeld vernaschten die Jungen in Konditoreien, oder verjubelten es in Bierhalen. Einem hiesigen Konditor entführten sie ein Adreßbuch, aus dem sie sich ihre Raubzüge informierten. Hielt sie irgend ein Mißtrauischer an, so fragten sie einfach nach einer Familie, deren Namen sie sich notiert hatten, und konnten so unbehelligt ihre Wege ziehen. Mit Vorliebe suchten sie, Häuser auf, in denen reiche Leute wohnten, Sie gingen also äußerst raffiniert zu Werke. Der am Montag Verhastete hattee kurz vorher einen Mansardendiebstahl ausgeführt. — Wirtschaftsverkauf. Die unbeschränkte Schenkwirtschaft der Witwe Antonie Otto, Huckarderstraße 186 ist für rund 53000 Mark an den Oekonomen Herrn H. Kohlpoth verkauft worden. „—“ Konservatoriums=Nachrichten. In den vollständig neu renovierten Räumen des Konservatoriums der Musik Holtschneider=Hüttner hat der Unterricht im neuen Jahr begonnen. Außer in allen musikalischen Hauptfächern beginnen auch neue Unterrichtskerse in der ih thmischen Gymnastik, Theorie, Deklamation, Chorschule. Anmeldungen nimmt das Sekretariat täglich von 9—12 und 2—7 Uhr entgegen. Die Direktion ist jederzeit zu sprechen. —“ Einbruchsdiebstahl. In der Nacht zum Dienstag wurde ein größerer Diebstahl und zwar bei dem Ingenieur Froning in der Kaiser WilhelmAllee verübt. Hier wurden Silbersachen und ramentlich auch Gewehre im Werte von 4000 Mark gestohlen. Die Diebe, die sich anscheinend einschließen ließen, sind noch nicht gefaßt. —' Musiksalon Reinelt. Wir machen auf den Sonntag, 9. Januar, nachmittags 5 Uhr im Musiksalon von Franz Reinelt, Balkenstr. 14—16, stattfindenden Hugo Wolf=Abend des Konzertsängers und Gesanglehrers Otto Süße=Wilsing aufmerksam. Das Programm enthält auserlesene Genüsse. Herr Süße —' Hauptarbeitsnachweis Dortmund (Vereinigte Arbeitsnachweise der Stadt Dortmund und der Handwerkskammer Dortmund.) Abteilung für ungelernte Arbeiter(Städtischer Arbeitsnachweis.) In Monat Dez. 1909 meldeten sich 1071 Stellenlose, 540 offene Stellen wurden angemeldet und 382 Stellen wurden besetzt.(Abtellung für Handwerksgesellen und Lehrlinge Arbeitsnachweis der Handwerkskammer Dortmund.) Im Monat Dez. 1909 meldeten sich 1438 Stellenlose 416 offene Stellen wurden angemeldet und 329 Stellen wurden besetzt. Abteilung für Hotel= und Restaurations= personal.(Städtischer Arbeitsnachweis). Im Monat Dez. 1909 meldeten sich 474 Stellensuchende, 332 offene Stellen wurden angemeldet und 332 Stellen wurden besetzt. Abteilung für weibliche Personen.(Städt. Arbeitsnachweis). Im Monat Dez. 1909 meldeten sich 206 Stellenlose, 183 offene Stellen wurden angemeldet und 130 Stellen wurden besetzt. Mengede, 3. Jan. Der hiesige Bürgerverein hielt gestern Nachmittag im Saale des Herrn H. Kafssack eine recht gut besuchte Versammlung ab, die von dem Vorsitzenden Herrn Dietrich SchulteBanaloh mit einem herzlichen Neujahrsgruß eröffnet wurde. Nachdem Herr Schulte den Jahresbericht erstattet hatte, aus dem hervorging, daß der Verein im ersten Jahre seines Bestehens schon recht ##frig an der Arbeit zur Verbesserung der Verhältnisse in der Gemeinde gewesen ist, wurde die Vorstandswahl vorgenommen. Es wurden wieder bezw. neugewählt die Herren: Dietrich Schulte als Vorsitzender, Bohne(neu) als Stellvertreter, Josef Herrmann als 1. Schriftführer, L. Stein 2. Schriftführer, Franz Schmidt als Kassierer, H. Abenhardt, stellv. Kassierer, d. Schlenkert, Fr. Niemann, S. Rosenthai, H. Kainörster, W. Hövener, und F. W. Schulte als Beisitzer sowohl von Vorstandswegen als auch aus der Mitte der Versammlung wurden nun Anträge gestellt, die darauf hinausliefen, die Straßenbeleuchtung wesentlich zu verbessern, Gelegenheit zur Vernichtung der Notdurft zu geben und die Sicherheit aus den Straßen zu erhöhen. Die Anträge gelangten zur Annahme, ebenso wie der Antrag, beim Landrat Beschwerde darüber zu führen, daß dem Amtsbaumeister von der Amtsversammlung erlaubt worden ist, sich und seine Beamten dem gemeinnützigen Bauverein zur Verfügung zu stellen. Eine ganze Reihe neuet Mitglieder meldete sich an. Zum Schlusse erteilte der Vorsitzende Herrn Redakteur M. Sonncmann aus Dortmund das Wort zu einem Vortrage, für den der Redner sich die Reformbedürftigkeit der westfälischen Landgemeindeoronung als Thema gewählt hatte. Herr Sonnemann wies einleitend darauf hin, daß der Zusammenschluß der Bürger zu Bürgervereinen geboten sei, weil der einzelne rger einflußlos auf die Gemeindeverhältnisse bleibe, und daß jeder Bürger die Pflicht habe, in dem Bürgervereine zu seinem Teile an der gedeihlichen Fortentwicklung seines Gemeinwesens mitzuarbeiten. Zu seinem Thema übergehend, schilderte Redner die Steinsche Verwaltungsreform in Preußen sowie die Entstehung, Bedeutung und Weiterentwicklung der preußischen Städteordnung, um dann zu der Städteordnung und schließlich Landgemeindeordnung für die Provinz Westfalen vom 19. März, 1856 über ugehen. Die Landgemeinderordnung sei zwar eine solche mit einer formell abgeschlossenen Gemeindegesetzgebung aber zum Teil kümmerlichen Selbstverwaltung. Von den Mängeln der Landgemeindeordnung hob Redner vor allem zwei hervör, um sie dann des näheren unter die Lupe zu nehmen: die Berufung des Amtmannes durch den Oberpräsidenten und die Tagung der Amts= und Gemeindeverordneten unter Ausschluß der Oeffeutlichkeit. Er forderte für die Landgemeinden das gleiche Recht wie für die Städte, da nicht wohl behauptet werden könne, daß nur in der Stadt die Intelligenz zu Hause sei, insbesondere die Wählbarkeit des Amtmannes auf eine bestimmte Zeit durch die Amtsversammlung, weil ja das Amt auch die Kosten zu zahlen habe, und die Oeffentlichkeit der Sitzungen in Amt und Gemeinde. Werde diesen berechtigten Forderungen Rechnung getragen, so werde vielleicht auch die Zusammensetzung des Provinziallandtages eine andere. Zur Reform der veralteten und morschen Landgemeindeordnung für die Provinz Westfalen werde sich der Provinziallandtag nur dann entschließen, wenn von allen Seiten dagegen Sturm gelaufen werde. An diesem Sturmlauf sollten sich neben den Gemeindevertretungen auch die Bürgervereine beteiligen, welch letzteren hier ein dankbares Tätigkeitsfeld sich biete. Redner schloß unter lautem Beifall der Versammlung mit der Hoffnung, daß der Bürgerverein Mengede, der unter Beiseitesetzung der politischen und religiösen Streitfragen sich nur den praktischen Fragen der Selbstverwaltung und der Gemeinde Mengede widme, bald alle Bürger umsasse und eine recht segensreiche Tätigkeit für die GemeinErfolgreiche Behandlung der Lungentuberkulose. Die Lungentuberkulose wird bekanntlich durch die Tuberkelbazillen vernrsacht Zur Ent altung dieser Bazillen gebört vor allem eine gewisse Disvosition der Be allenen. Die Bazillen müssen einen günstigen Nährboden finden, sonst können ste sich nicht ent vickeln und es kann auch keine Ansteckung erfolgen. Sobald man ono den Gesamtorganismus eine: tuberkulösen Patienten so zu verändern vermag, daß die vorhandenen Tuberkelbaullen niet mehr gedeihen können. keinen Lebensboden mehr vorfinden, so muß damit die Heilung des Erankten Hand in Hand gehen. Diesem längst erstrebten Ziel sind wir jetzt nahegekommen. Die medizinische Klinik der Universität Genua, wo an Tuberkulösen ausgedehnte Versuche mit dem in letzter Zeit so viel besprochenen, von Herrn Dr. Fehrlin in Schaffhausen entdeckten Histosan gemacht wurden. veröffentlicht einen Bericht über die mit diesem Mittel gewachten IIRTTTSE Erfahrungen und schreibt u. a.:„Die prompte und außerordentliche Wirsamkeit des Histosans beruht auf einer gründlichen Sanierung des Blutes und der Gewebesätte, wodurch der erkrankte Organismus schnell in einen Zustand versetzt wird, in welchem dann die Natur eingreiten und die völlige Genesung herbeiführen kann.“ Und aus einem andern Ort des Südens, wo sich so viele Lungenkranke hinflüchten, aus dem berühmten Winterkurort Catania kommt eine Nachri ht, welche die in Genua enthaltenen Resultate nicht nur bestätigt, sondern noch weit glänzender charakterisiert. Das Institut für pathologische Anatomie der Königlichen Universität Catania hat nämlich einen Bericht über die mit dem Histosan gemachten Erfahrungen mit den Worten geschlossen:„Naa alledem gereicht es uns zum Bergnügen. Ihnen anfrichtig zu gratulieren, daß es Ihnen gelungen ist, ein olches Heilmittel herzustellen, welches mit leichter Auwendbarkeit eine sichere und dauernde Wirkung vereinigt, Histosan dars mit rubigem Gewissen, nach Ursache wie Wirkung. de entsalten moge.— Der Vorsitzende sprach dem Redner den Dank des Vereins für die interessanten Ausführungen, denen die Versammlung mit ungeteilter Aufmerksamkeit gefolgt sei, aus und schloß sodann die Versammlung, die gezeigt hat, daß der Bürgerverein nicht gegen, sondern mit der Gemeindevertretung auf eine gedeihliche Entwicklung der Gemeinde Mengede bedacht ist. Hagen, 3. Jan. In einem hiesigen Geschäft in der Böhmerstraße stürzte am Silvesterabend eine 80 Jahre alte Frau die Treppe ab und zog sich einen Schödelbruch zu, an dessen Folgen sie im Marienhespital verstarb. Duisburg. 4. Januar. In der Gaßstraße ist ein einjähriges Kind an schwarzen Pocken gestorben. Alle Schutzmaßregeln sind getroffen. Tüsseldorf, 3. Jan. Den Verwaltungsbehörden des deutschen Werkmeisterverbandes, die am 1. Jan hier tagten, lag ein Antrag des Verbandsvorsitzenden Barthel=Kottbus auf Entlassung des Verbandssyndikus Reichstagsabgeordneten Dr.. Potthoff vor. Der Aufsichtsrat stimmte in seiner Mehrheit dafür, bei dem Zentralvorstande ergab sich Stimmengleichheit. Daraus legte Dr. Potthoff sein Amt als Syndikus nieder. In erster Linie soll die politische Tätigkeit des bisherigen Verbandssyndikus für das Vorgehen gegen ihn bestimmend gewesen sein. Krefeld, 3. Jan. In der Gottschalkschen Weizenmühle wurde ein verheirateter Arbeiter, der sich mit Putzwolle an den maschinellen Einrichtungen zu schaffen gemacht hatte, zu Tode geschleift. Er hinterläßt Frau und 3 Kinder. Büderich, 3. Jan. Durch eine grausige Bluttat wurde in unserer Gemeinde leider das neue Jahr eingeleitet. Gelegentlich eines Streites, den sein Hauswirt in der Silvesternacht hatte, wurde der hieran unbeteiligte Arbeiter Poggel durch einen Stich in die Halsgegend auf der Stelle getötet. Dem Hauswirt des Erstochenen waren bei dem Streit durch Steinwürfe einige Fensterscheiben eingewoorfen worden. Als Poggel, welcher bereits im Bett lag, sich infolge dieses Vorganges wieder notbevürstig anzog und auf die Straße trat, erhielt er sofört den tödlichen Stich. Der Tat verdächtig wurden zwei unverheiratete Korbmacher gefänglich eingezogen. Trier, 4. Januar. Ein von Pettingen in Luxemburg kommender Frühpersonenzug fuhr bei der Einfahrt in den Bahnhof von Esch auf einen Güterzug auf. Ein Maschinist und eine ältere Frau wurden schwer verletzt und 5 Güterzüge stark beschädigt. Aus dem Gerichtssaal. Schöffengericht Dortmund. Dortmund, 4. Januar. Wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz hatte sich der Butterhändler Peter Halfmann aus Dortmund vor dem Schöffengericht zu verantworten Der Angeklagte verkaufte am 22. September v. I auf dem Lütgendortmunder Wochenmarkte Butter, die mit nicht weniger als 22 Prozent Wasser durchsetzt war, was nach einer Entnahme von Proben festgestellt wurde. Halfmann, der wegen ähnlicher Vergehen schon häufig vorbestraft ist, wurde zu 2 Monaten Gefängnis und 600 Mark Geldstrafe verurteilt. Ferner wurde noch beschlossen, das Urteil auf Kosten des Angeklagten in drei hiesigen Zeitungen zu veröffentlichen. Gewerkvereinsteil, Bochum, 4. Januar. Einen wichtigen Beschluß hat eine Versrauensmännerver ammlung des Alten Bergarbeiterverbandes gefaßt. Um die Kampffähigkeit der Organisation zu erhöhen, wurde der Vorstand ermächtigt, in Zulunft einen Sonderbeitrag in Höhe von monatlich bis zu 50 Pfg. zu erheben. Man will auch mit den anderen Bergarbeiterorganisationen in Verbindung treten damit sie dem Vorgehen des alten Verbandes folgen London: 3. Januar. In Northumberland legten infolge Streitigkeiten mit den Bergwerksbesitzern wegen des Achtstundentages 10000 Bergarbeiter die Arbeit nieder. In Durham werden 1000 Bergarbeiter heute die Arbeit einstellen. Paris, 4. Januar. Daily Mail meldet aus Niwyork: Der Sekretäc des amerikanischen Minenarbeiterklubs stellte gestern fest, daß in 80 Jahren mehr als 300 000 Arbeiter getötet und über 100 000 in Kohlenbergwerken verletzt worden sind. Im Jahre 1907 allein verloren über 8000 Menschen ihr Leben. Dieses sind in Kohlengruben 5 pro Mill der gesamten bergmännischen Bevölkerung. Vermischtes. Berlin, 4. Jan. Der 24 Jahre alte Bauarbeiter Hermann Schröder wurde heute früh nach einem Einbruch, den er in der Belle=Alliancestraße verübt hatte, von einem Kriminalbeamten in der Notwehr erschossen. Nauen, 4. Jan. Der aus Bayern stammende Bürstenmacher Max Jakob schoß seiner Geliebten, der 17jährigen Elisabeth Grabow auf offener Straße zwei Kugeln in den Kopf. Darauf tötete er sich durch einen Schuß in die Schläse. Das Besinden des verletzten Mädchens läßt Hoffnung auf Wiede cherstelluig zu, Beuthen, 4. Jan. zu dem Eisenbahnrauh bei Beuthen wird gemeldet, daß in Krakau vor einigen Tagen ein Rangierer verhaftet worden ist, der früher auf dem Bahnhof Schoppinitz angestellt war, und zwar unter dem Verdachte, am 11. Tez. den Raub an der Amerikanerin im Eilzuge Breslau=Kattowitz verübt zu haben. Er hatte in Krakau Juwelen veräußern wollen, die scheinbar aus Schmuckstücken ausgebrochen waren und deren rechtmäßiger Erwerb nicht nachgewiesen werden konnte. Letzte Telearamme. Die Regierung gegen den Erlaß der elsaß=lothringischen Bischöse. Metz, 5. Jan. Auf das in der Straßburger Korrespondenz veröffentlichte Schreiben des Staatssekretäcs Zorn von Bulach an die Bischöfe von Straßburg und Metz bringt heute die„Lothringer Volksstimme“ selgendes Antwoitschreiben des Metzer Bischofs: „Eurer Ercellen; erwidere ich auf das gefl. Schreiben vom 1. v. Mis. ergebenst, daß ich die vorletzte Nummer des„Schulsreund“ an die Pfarrer m iner Diözese gesande habe mit dem Ersuchen, von derselben Kenntnis zu nehmen und dieselben alsdanm den Lehrern zuzustellen. Ich erachte es als ein Recht bezw. eine Pflicht meines oberhirttichen Amtes, die katholischen Lehrer meiner Diözese auf die religiösen Folgen des Eintritts in den Allgemeinen Deutshen Lehrerverein anzmerisam zu machen. Eine Erteilung von Verhaltungsmaßregeln an die Lehrer lag mir dabei selbstverständlich fern und noch mehr ein Eingriff in staattiche Befugnisse. Wenn Eure Excellen; es für angeze'gt halten, das dortseitige Schreiben zu veröffentlichen, so bin ich genötigt, auch diese Antwort der Oefsentlichkeit zu übergeben. gez. Willibrod, Bischof von Metz. Antwort des Bischofs Benzler. Strakburg. i. E., 5. Januar, Staatslekreict Zorn v. Bulach veröffentlicht in der amtlichen Korrespondenz ein Schreiben an die Bischöfe von Metz und Straßburg, in dem er in sehr verbindlicher Form, aber energisch gegen den Erlaß der Bischöse Steilung nimmt, der die reichsländischen Lehrer von dem Anschluß an den Allgemeinen Deutschen Lehrerverein abhalten sollte. Die Haltung der Bischöfe wird als ein Eingriff in die Staatshoheitsrechte bezeichnet, der entschieden zuückgewiesen werden musse. Wöhrend die liberal: Presse das Vorrehen der Regierung begrüßt, richten die Zentrumsblätter gegen den Staatssekretär zum Teil sehr heftige Angrifse. Eine Köpenickiade in Hessen. Mainz, 4. Jan. In dem zum Kreise Groß=Gerau gehörigen, etwa 1000 Seelen zählenden ländischen Orte Gelnsheim wurde am Silvestertage ein Streich verübt, der lebhaft an den Bluff des Hauptmanns von Köpenick erinnert. Gegen 6 Uhr abends erschien ein etwa 25 Jahre alter Mann im Hause des Gemeindeeinnehmers Friehl und erklärte, in der Oberrech= nungskammer zu Darmstadt sei ein anonymer Brief mit der Anzeige eingelaufen, daß in der Geinsheimer Gemeindekasse Unregilmä igk ien vorge ommen jeten So leid es ihm tue, er müsse eine Revision der Kasse vornehmen. Zwei andere Herren, Beamte der Oberrechnungskammer, seien mit dem Automobil bereits unterwegs und würden in kurzer Zeit eintreffen. Verblüfft holte der Gemeindevorsteher die Bücher und den Barbestand herbei und zählte das Geld auf. Der Herr„Revisor“ prüfte und ließ weitere Belege herbeiholen, um endlich zu erklären:„Na, beruhigen Sie sich Herr Einnehmer, es ist alles in bester Ordnung. Ich will nur einmal bei Schulzes(einer Wirtschaft in der Nähe des Friehlschen Hauses) nachtragen, die Herren müssen jetzt da sein. W nn Sie unterzeichnet haben, ist diese leidige Affäre aus der Welt geschafft.“ Sprach's und ging, während der Einnehmer noch zitternd über die Schlechtigkeit der anonymen Anzeige nachdachte und auf die Rückkehr des „Herrn Revisors“ mit seiner Begleitung wartete. Aber er mußte lange warten, und immer noch kamen keine Beamten. Endlich schöpfte er Verdacht, und als er sein Geld nachzählte, fehlten 500 Mark. Der Gemeindeeinnehmer war mit seiner Vertraue isseeligkeit einem Betrüger zum Opfer gefallen. Der Schwindler hatte, wie auch spätere Feststellungen ergaben, die Oppenheimer Fähre über den Rhein benutzt, und war verschwunden. Der geprellte Einnehmer, der nicht einmal eine Legitimation von dem angebliLchen Revisor verlangt hatte, wird den Schaden decken müssen. Der Nachlaß König Leopolds. Brüssel, 5. Jan. Die Testamentsvollstrecker des verstorbenen Königs haben mit den Rechtsbeiständen der Prinzessinnen Luise. Stephanie und Klemen ine eine neue Beratung abgehalten. Es verlautet, daß die Aktien der jüngst gegründeten Gesellschaften in Koburg und Brüssel den Erben zur Verfügung gestellt werden. — Der Hirtenbrief des Erzbischofs Merzier von Mechein, der sich mit der kirchlichen Trauung des verstorbesten Königs Leopold beschäftigt, hat einen heftigen Miungskrieg hervorgerufen. Man verlangt einstimmig, daß das Ministerium Aufklärungen gebe und klipp u d kar sage, wann und wie die Trauung staltgefunden habe und wer sie vollzogen habe. als das beste, wirksamste und geeignetste Mittel gegen die Lungentuberkulose bezeichnet werden.“ Zablreiche andere Untersuchungen in Krankenhäusern und Sanatorien des In= und Auslandes haben ebenfalls ergeben, daß das Histosan geradezu überraschende Resultate in Bezug auf Entsieberung, Aufhebung der katarrhalischen Erscheinungen Kräftigung und Belebung des Organismus und Erhöhung des Körpergewich es bewickt. In den Sanatorien von Davos, Arosa, Leysin, auf dem St. Gotthard=Sanatorium, ferner in Bozen, Meran, Abbazia und in vielen Heilstätten des deutschen Reiches ist das Histosan in täglicher Verwendung, ebenso in Kinderspitälern und Krankenhäusern. Die wohltuende Wirkung des Otstosans macht sich sehr bald geltend. Besonders merkwürdig ist, wie gut es gegen die Hustenanfälle wirkt. Die Verabreichung von Cadein und ähnlichen Narcoticis wird vollständig überflüssig. Deswegen wird es von vielen Aerzten auch bei gewöhnlichen, nicht tuberkulösen Erkrankungen der Atmungs organs jetzt allen anderen Mitteln vorgezogen. Es liegen hierüber ausführliche medizinische Berigte vor. So berichtet z. B. die Eisenbahnheilstätte Melsingen bei Cassel, daß das Hustosan bei nicht tuberkulösen, bronchitischen Erkrankungen sehr gunstia wirke und zwar sowohl auf die subjektiven Beschwerden als auf den Krankheitsprozeß selbst, und bei Reuchhusten, Katarrh. Heiserkeit gibt es entschieden kein Mittel, daß auch nur annähernd so zuverlässig wirkt wie das Histosan. Natürlich sind jetzt schon sogenannte Ersatzprodukte ausgetaucht und es sei deshalb hier Jedermann gewarnt, sich solche Mittel unter irgendwelchem Namen empfehlen zu lassen. Es gibt keinen Ersatz für Histolan. Das Histosan ist kein Gebeimmittel, sondern ein Eiweißverbindung des Guasacols, welche in allen Kulturstaaten gesetzlich geschützt ist, während die sogenannten Ersatzprodukte keinen Patentschutz genießen, weil sie nur wertlose Nachahmungen des Histosans sind. Es wird heigestellt in der Histosan=Fabrlk in Singen am Hohentwiel. Ein direkter Verkauf des Histosans an das Privatpublikum findet seitens der Fabrit nicht statt; es wird von derselben nur an Großhändler und Apotheken verkauft. Wo das Histosan nicht in Apotheken erhältlich ist, bestelle man es bei der Stadtapotheke in Singen a19. Eine Flasche kostet vortofrei Mk. 3.20. „ Todessturz des Aviatikers Delagrange. Paris, 4. Januar. Der Avlatiker Delagrange ist bei seinem Fluge, den er auf dem neuen Aerodrom Croix d’Hirs bei Pau ausführte, herabstürzt und war sofort tot. Der Todessturz ereignete sich heute nachmittag im 2 Uhr 30 Minuten. Der Aviatiker stieg mit seinem Aeroplan, der ein Blertoteindecker ist, bei einem Winde von acht Sekundenmetern glücklich auf= Während der dritten Runde brach ganz plötzlich der linke Flügel des leroplans. Der Apparat neigte sich zur Seite und stürzte mit großer Schelligkeit herab, den Aviatiker unter ich begrabend. Der Schädel des Lustschiffers wurde vollständig zertrümmert, die Brust zerquetsch, beide Beine gebrochen. Delagrange war sofort tot. Eer stand erst m 35. Lebensjahre und war einer der ersten, die sich nit der Technik der Flugmaschinen befaßten. Von Heburt Franzose, war Delagrange ein sehr befähigter Bildhauer, der sich auf Ausstellungen Medaillen zu erringen bußte. Seine ersten Flugversuche führte er mit Zweideckern aus, ging aber später zu dem System der Eindecker iber. Er war der erste, der Flüge mit Passagieren internahm In der letzten Zeit trat weniger hervor. Standesamts-Nachrichten. Dortmund 1. Vom 4. Januar. Geburten. Ein Sohn: Arbeiter Klosowskl, Okenstraße 16. Schlosser Krafft, Union=Vorstadt, Markt 15. Schmied Eisenberg, Oswaldstraße 1. Postaltistent Becker, Staussenstraße 55. Bergchüler Emde, Münst ertraße 108. Arbeiter Godzinsll, Harkortstraße 9. Houer Klusendick, Alter Mühlenweg 8la. Schlosser Piaseckl, Resselstraße 75. 1 Tochter: Arbeiter Urenz. Oswaldstraße 4. Uh macher Heusener, Hubertsgasse 7. Sandformer Na Baumstraße 10. Eisenbahn=Bauaslistent Krabbe. He kenstraße 4. Aufgebote: Raufmann Ferdinand Heinze und Elisabeth Oeburg. Kaufmann Ignaz Schilling und Anna Stephan. Techniker Heinrich Troeß und Luise Lans. Buchhalter Wilhelm Heckmann und Amalie Gaus. Maurer Eduard Rück und Maria Burd. Ehesschlleßungen: Erdarbeiter Hugo Brune und Maria Spiels, Schneider August Kochanneck und Pauline Steinker. Sterbetälle: Joseph Klinke, Dessauerstraße 23, 1 Monat. Dortmund 2. Vom 4. Januar. Geburten. Ein Sohn: Küfer Löwenberg, Märkischestraße 38. Bergmann Meier, Steigerstraße 29. Arbeiter Jancwski. Bleichmärschstraße 47. Schachthauer Kaiser, Klaustalerstraße 44. Bohrer Wiegand. Enschederstraße 2. Tischler Fehl, Alsenstraße 49. Eine Trchter: Arbeiter Lennweit, Oesterholzstraße 12. Nieter Lien, Zinkstraße 9. Bergmann Marciniak, Dürenerstraße 45. Aufgebote: Bergarbeiter Anton Wiesnewsll und Anna Soboczinski. Burcaubeamter Karl Gries und Martha Grobe. Eheschliebungen: Komiker Heinrich Marzi und Christine Redecker. Sterbefälle: Portier Heinrich Kipp, Heroldstraße 62, 31 Jahre. Putzer Stanislaus Dplawerski, Huckarderstraße 80, 30 Jahre. Schmied Wilhelm Grobe, Eving, 28 Jahre. Kausmann Albert Dahlhaus, Burgholzstraße 30, 33 Jahre. Brauer Friedrich Ruperecht, Märkischestraße 140, 41 Jahre. Heinrich Kratzl, Klaustalerstraße 44, 4 Mon. Wtme Albertine Stricker, Jägerstraße 28, 87 Jahre. Wilhelm Paetz, Mallinkrodtstraße 19, 5 Mon. aß. HaEingesandt. Die Direktion unseres Stadttheaters ist, das sei hier anerkannt, bemüht gewesen, den aus den Kreisen der Theaterbesucher an sie herantretenden Wünschen möglichst Rechnung zu tragen. Das gibt mir den Mut, ebenfalls mit einem Wunsche zu kommen und die Direktion höflichst zu ersuchen, die Halevysche. Oper„Die Jüdin“ in das Repertoire der diesjährigen Saison sreundlichst aufzunehmen. Da ich einmal beim Wünschen bin, will ich das weitere Ersuchen an die Direktion richten, die Rolle des Eleazar mit Herrn Schirmer zu besetzen, der, wie mir erinnerlich ist, sich für gelegentliche Gastspiele bereit hält und von der Direktion wohl auch für solche in Aussicht genommen ist. Der Eleazar würde durch Herrn Schirmer eine ausgezeichnete Be setzung erfahren. Ein eifriger Theaterbesucher. Berichtigung. Aus der Villa Shatterhand in RadebeulDresden geht uns„eingeschrieben“ folgendes vom 24. Dezember 1909 datiertes Schreiben ohne Unterschrift zu: „Sehr geehrter Herr Redakteur! „Ich höre, daß Sie den„Räuberartikel" aus dem„Bund“ des Rudolf Lebius gebracht haben. Dieser Mann ist Mitarbeiter der wohlbekannten Bruhnschen„Wahrheit"; das sagt Alles. Weshalb er schon seit Jahren in diesem Tone gegen mich schreibt, gehört nicht in die Zeitung, sondern vor den Strafrichter. Ich erkläre, daß diese RäuberhauptmannE eschichte vollständig erfunden ir. Ich habe sofort Strafantrag gestellt und bitte, das Exgebnis abzuwarten. Ich ersuche Sie, diese meine Erklärung laus Paragraph 11 in ihrer nächsten Nummer aufzunchmen und mir ein Exemplar dieser Nummer als Beleg zu senden. Hierfür lege ich 10 Pig. Porto bei, Hochachtungsvoll“ Ss Olymvia=Theater. Nur noch vier Abende gelangt die mit ,o großem Beifall au genommene Operette„Der kapfere Soldat“ zur Aufführung und raten wir allen unsern Lesern, die sich einen vergnügten Abend bereiten wollen ins Olympia=Theater zu gehen und sich die Operette„Der tapfere Soldat“ anzusehen. Um vielseitigen Wünschen zu entsprechen gelangt Sonntag, 9. Januar die grandiöse Operette„Die Förster=Christ!“ zur Aufführung. Das Wiener Operetten=Ensemble hat seinen guten Rut in allen Teilen gerechtfertigt, denn derartig hervotragende Operettenkräfte haben bis heute In Dortmunds Minern noch nicht geweilt. Infolge der ganz enormen Unkosten sind die Eintrittspreise eine Kleinigkeit erhöht jedoch verstehen sich dieselben inkl. Garderobe und Steuer und verweisen wir auf die heutige Wonat: Im„Blücher“, Münsterstraße 77, findet heute Familienabend des Musik= und Gesangsensembles „Goldklang“ aus München statt. Die Leistungen der neuengagierte Kapelle sind ganz vorzüglich; prima Salonmusik wechselt mit ernsten humoristischen Quartett= und Solo=Vorträgen ab. Der Eintritt ist frei. Möbeltransport Spedition= Lagerung. Lukaszewski c Richter wahlsche Besitzugg). Telephon 1809. Fr. Jackel jr. Beurhausstr. 25. 7141 Installationsbnreau; Ausführung von: Elektrischen Licht- und Kraftanlagen, Telephon- u. Schwachstrom-Anlagen. Gas- u. Waster-Installationen, Beleuchtunsskörper, Reparaturen etc. Zeichnungen und Kostenanschläge bereitwilligst ehne Verbindlichkeit. Ia. Referenzen, Grüne Rabattmarken: nimmt in Zahlung Jacohi's Schuhisarenhause " D o r t m u n d, K u c k e l k e 3„ 4 „ Ecke Schwanenwall. 6653 Dortmunder Gewerbe- Koch- u. Haushaltungsschule Ostrandweg 15. Deutsch, Litteratur, Französlsch, Englisch, 2 eichnen. Handarbeit, Kunststickerel und Wäschezuschneiden, Wäschenähen, Kleidernähen und Zuschnelden, Kochen, Backen, Bügeln. Tertialkurse ab 22. April, 15 Sept, 8. Jan. Auswärtige Schülerinnen erhalten Schülerfahrkarten. Anfragen a. Prospekte bei der Vorsteherin Alwine Neugebohrn. Nähere Auskunft erteilen auch: Frau E. Wiskott, Märkische Strasse 11, Frau Lieferung franko. Wagen ohne Firma— Das größte und älteste in Dortmund bestehende streug reelle christliche Möbel=Kredit=Haus von Nasthoff& Co. liefert sämtliche Möbel, Betten, Helr 2c. Auf Abzahlung! mindestens 15—20 Proz. billiger wie die Konkurrenz Anrichten 35, 38, 49, 52, 59 Mk. Anzahl. v. 6 Mk. an Bettstellen m. Matr., 49 u. 54 Mk.,„„ 8„„ Federdetten 20, 24, 27, 30, 35, 40 Mk.„„ 5„„ Kommoden 38, 42, 45 Mk.„„ 6„„ Vertikows 48, 56, 65, 68 Ml.„„ 7„„ Spiegel u. Trumeaus v. 2—60 Mk.„„ 1„„ Herde 35, 38, 58, 74 Mk.„„ 6„„ Glasschränke 35, 38, 40, 42 Ml.„„ 6„„ Büffets von 48, 52, 54 Mk.„„7„„ Divans unter Bjähr. Garant. 65 Mk.„„ 10„„ Kleiderschränke 40, 45, 52, 65, 75 Mk.„„ 6„„ Sosatische, Ausziehtische, Küchentische, Anzahlung von 2 Mk. an. Ferner: 1 billige Küche 70 Mk., Anzahlung 10 Mk. 1 billiges Schlafzimmer 72„„ 10„ 1 bessere Küche... 150„„ 20„ 1 esseres Schlafzimmer 190„„ 25„ Große Auswahl in kompl. Schlastimmern bis 1000 Mark. Masthoff a Co. Dortmund, 1. Kampstrasse 46 Lagerränme, 1. Kampstr. 44 1. Etage Nühe Weberstrasse. am UKA er Adar gomie naßerordentlich Siiie! Verdingung. Für den Neubau einer Volksschule in Dortmund=Körne sollen die Tischlerarbeiten vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen können während der Dienststunden im Baubüreau Stadthaus, Berswordstr. 2, Zimmer 144 ein gesehen, auch soweit der Vorrat reicht gegen postfreie Zahlung von 0.75 Mk von dort bezogen werden, Verschlossene, entsprechend gekennzeichnete Angebote sind posttrei bis Mittwoch den 19. Januar 1910, vormittags 11 Uhr an die unterzeichnete Diens stelle einzureichen. Die Eröffnung geschieht um dieselbe Zeit im Geschäftszimmer Nr. 246 in Gegenwart der etwa erschienenen Bieter. Zuschlagsfrist 6 Wochen. Dortmund, den 4. Januar 1910. Städtlsches Hochbauamt. Bekanntmachung Der Maurer Josef Buick ist infolge seiner Selbständigmachung gemäß§ 25 des Ortsstatuts beir= das Bewerbegericht in Dortmund seines Amtes als Beisitzer des hiesigen Gewerbegerichts durch den Bezirksausschuß in Arnsberg enthoben. Anstelle des p. Buick ist in Gemäß eit des§ 21 des vorgedachten Ortsstatuts der Bauhilfsarbeiter Karl Kräft getreten. Dottmund, den 27. Dezember 1909. Der Magistrat. Dr. Schmieding Bekanntmachung. Der Fuhrmann Heinrich Knaup ist infolge seiner Selbständigmachung gemäß§ 25 des Ortsstastuts betr. das Gewerbegericht in Dortmund seines Amtes als Beisitzer des hiesigen Gewerbegerichtes durch den Bezirks=Aus schuß in Arnsberg enthoben An Selle des v. Knaup ist in Gemäßheit des§ 21 des vorgedachten Ortsstatuts der Zimmerer Andreas Ringleb getreten Dortmund, den 27. Dezember 1909. Der Magistrat: Dr. Schmieding. Bekanntmachung Meisterkurse für die Provinz Westfalen. Am 10. Januar 1910 beginnt je ein neuer achtwöchlger Meisterkursus für Schneider, Schuhmacher, Bauschlosser und Kunstschmiede, Bau= und Möbelschreiner, ferner für Dekorationsmaler, Holz- und Marmormaler im Handwerkskammergebäude in Dortmund, Kaiserstraße Nr. 78. Aufgenommen werden Schneider= und Schuhmachermeister, Schlosser, bezw. Kunstschmiede= und Schreinermeister, ferner Malermeister, sowie in erster Linie solche Gesellen, die sich in Kürze selbständig machen wollen und die Gesellenprüfung abgelegt haben. Gesellen, welche diese Prüfung noch nicht abgelegt haben, aber an einem Meisterkursus teilzunehmen beabsichtigen bezw. sich hierzu melden, lun daher gut, sich sofort zur Ablegung dieser Prüfung zu melden. Anmeldungen zu obenerwähnten Meisterkursen sind bis spätestens 10. Dezember 1909 unter Beifügung eines selbstgeschriebenen Lebenslaufes, eines amtlichen Führungezeugnisses und der Ausweise über die Lehrlings=, Gesellen=, Militär= und evtl. Meisterverhältnisse an den mitunterzeichneten Leiter der Kurse einzureichen. Das Unterrichtsgeld beträgt 20 Mk. für den Kursus. In der Regel erhalten die Teilnehmer reichliche Beihülfen zum Lebensunterhalte. Geschäftszimmer des Leiters: Durtmund, Schwanevwall 41. Die westfältschen Handwerskammern sind zu weiterer Anskunfterteilung gern bereit. Die nächstfolgenden Kurse in den vier erstgenannten Handwerkszweigen werden voraussichtlich am 6. Juni 1910 beginnen. Dortmund, den 6. November 1909. Das Kuratorium der Heisterkurse: Der Leiter: Dr. Schmieding, Oberbürgermeister, Regling, Direkton### Gebeimer Regierungsrat. Massen-Auflagen. Sämtliche Drucksachen wie Rechnungen, Postkarten, Briefbogen, Quittungen, Prospekte, Eintrittskarten, Visitenkarten, Festlieder, erc. liefert in sauberster Ausführung und billigster Preisstellung die Buchdruckerei= „Dortmunder Tageblatt“ Dortmund, Frinzenstr. 9-II. Telephen 3299 I S— II Im SaisonAusverkauf Dortmund, Betenstr. 9. 20—33½% Preisermässigung auf die gesamte Konfektion. sober Ark, Räinsen b2 Kleran jowie zugechnitten, Verschluskisten, TrockenJunger Geschästsmann such ein Darlehn von 600.600 Mk. gegen vierteljährliche Rückzahlung von 100 Mark nebst Zinsen. Angebote unter M. N. 45421 an die Geschst. d Zig. Flit 8-10000 Flk. kann sich tächtiger Kaufmanan einem seit 10 Jahren be. stehenden Geschäfte beteiligen Fachkenntnisse nicht erforderlich Summe kann sichergestellt werden Off. u. H. M an die Exped. d. Blattes. 9319 lunger tächt. Geschäftsmann sicht 7251 150.200 Mk. von Selbstgebern zu leihen. Zürückgabe 3 Monate, gegen 20fache Sicherheit n. 10 Prozent. Offerten unter H. W. 200 an die Exped. d. Ztg. erbeten. Billige-Wohnungen 4 Zimmer 20 Mark, 2 Zimmer 18 Mark zu vermieten. Sunderweg 64. von 2 and 3 Mehrere tüchtige Dreher gesucht. Stahlwerk Oekina Akt.=Ges.. Düsseldorf=Lierenfeld Durchaus erfahrenes Mädchen #esucht. Kinderloser Haushalt 2 Personen. Frau W. H. Sasserath, Rheyt, Dahlenerstraße 259. Ich suche zum baldigen Ein teitt ein ein braves ordentliche evangelisches Mädchen das in aller Hausarbeit, Wa den und Bügeln erfahren ist als Zweitmädchen in größeres herrschaftliches Haus, Lohn 99 Taler. Frau Fritz Dilthey, Rheidt, Hohenzollernstraße Eine abgeschl. Etage von 8 Zimmern u. Küche u. 1 Mansardenz. zum I. April zu vermieten. Weiherstr. 34, 1. Stage. Herrsch. Etagen, 7 Räume und Zubehör, per 1. April oder früher zu vern 11. Abgeschlossene Parterre-Wohnung, bestehend a. Küche und 3 Zim iebst Zubeh., eventl. m. Mans. zum 1. April zu vermieten. Humboldstr. 37. 1. E Etage od. 5 Zimmer, an ruh. Leute um 1. April zu verm elmstraße 46 1. Et 1. Stage, Zimmer, Küche, Man arde, lektr. Licht, Koch= und Leucht1s etc. per 1. April zu verm Markgrafenstraße 2. PIANOS und Flägel in altbewährter Güte BACH-PIANOLA-PIANOS d h. IBACH Pianos mit eingebautem Klavierspielapparat, Pianolas mit Themodist und Metrostyle, sowie Harmoniums. empfiehlt in reicher Auswaln zu bequemen Bedingungen Rud. IBACH Sohn Kais. u. Königl. Hof-Flüget- und Pianinofabrik. gegr. 1794. Harmen. Neuerwex 40 Bei Kauf, Miete, Umtausch Re paratur oder Stimmung wende man sich an die mehr als hundertjährige Erfahrung des durch vier Generationen bestehenden Hauses BACH Allein-Vertroter: Wilh. Hohrath, Dortmund, Burgssall 21 auf dem Berge 27. Schöne, ruhige Parterre-Wohnung von 5 Räumen zum 1. Februar oder später zu vermieten. Abgeschl. 2. Stage, 4 Zimmer, Küche. Vodenz. u Zubeh., per 1. April od. spät. zu vermieten. Dresdenerstraße 20, part. 2. und 3. Etage, je 4 Räume mit Zudehör, per I. Apill zu vermieten. Saaenkraße 25. pert. aller Länder erwirkt u. verwertet vorteilhaft Pafentdmean Conrad Köchling. Dortmund, Steinplatz 1, Hagen i. W. Kerlstraße 34, Ecke Elberfelderstraße. Mitglied des deutschen Schuzverbandes für geistig. Eigentum, Feinste Referenzen. Anskunft und Broschfre kasten#r Abgeschl. 3. Stage von 5 Zimmer, Vorratsr Badez Verande, elektr. Licht, Koch=und Leuchtgas, z. vermieten. Dresdenerst 39, p. 1. 4 Zimmer u. Küche z. 1. Apri, zu vermieten. Hamburger Straße 54a. Unser grosser TY bieter ganz enorme Damen-Konfektion Preis-Verieile von in nur guter gediegener Konfektion kommen wegen der vorgerückten Saison unglaublich billig zum Verkauf! Die Preise sind für viele Artikel bis weit unter die Hälrte herabgesetzt! Damen-Paletots englischer Art Schwarze Frauen-Paletots Damen-Jacken-Kleider Serie I Serie II Serie III Früherer Preis bis 10.00 ∆ Mk. Früherer Preis bis 16.00 1300 Mk. Serie I Serie II Früherer Preis bis 25.00 7256 Serle III 1150 Früherer Preis bis 22.00 1850 Mk. Früherer Preis bis 30.00 *70 Mk. Früherer Preis bis 40.00 Serie II Serie III Früherer Preis bis 24.00 244.20 Mk. Früherer Preis bis 45.00 0 Mk. Früherer Preis bis 60.00 vin Posten Damen-Delour-Blusen.•— in soliden Qualitäten hübsch gearbeitet Da# pg. I.### Ein Posten Flousseline-Blusen Serie r 3. 10 Serie u 5. 75 „ früher bis früher bis reine Wolle, gans auf Futter 10.00 15.00 min Posten Weisse Wollbatist-Blusen ganz auf Futter Stück 2.50 Meyer& Günther S Dortmund Steinplatz. Telephon 3255. Konservatorium der Musik (staatlich konz. Anstalt) Dortmund, Kölnischestrasse 9. Ausbildungs- und Vorschule für alle Fächer der Musik und die dazugehörigen wissenschaftlichen Fächer. Kurse in der Rhytmischen Gymnastik nach Balcroze. Aufnahme neuer Schüler täglich. Prospekte gratis durch das Sekretariat. Auswärtige Schüler erhalten Fahrtermässigung. Die Direktion 1a C. Holtschneider— G. Hüttner. Von der Reise zurück! Martha Mark 8 Zahn-Aerztin Nordsternhaus am Markt 6-8 Sprechstunden: 9-1, 3-6 Uhr Gastspiel Wiener Operetten- Ensembles. Heute Mittwoch, abends 8 Uhr: Zum 5. Male Der grösste Operetten- Schlager! Grete Meyer als Gast. Der tapfere Soldat! Operette in 3 Akten von Oskar Strauß. Preise der Plätze: Galerie 55 Pf., Saal 1.25 Saal 90 Pf. 2. Rang 1.55 Mk., 2. Parkett 1.80 Mk., 1. Parkett u. 1. Rang 2.15 Mk., Sperrsitz 3 25 Mk., Seitenlogen 3.25 Mk., Mittellogen 3.80 Mk. Voranzeige! Sonntag, den 9. Januar, abends 8 Uhr, Montag. den 10. Jan., abends 8 Uhr, und Dienstag, den 11. Jan., abends 8 Uhr. Die arend'öse Operette! Die Förster-Christ!! Stadttheater Mittwoch, den 5. Jan. 1910. C. 25. 7½—10. Schauspielpreise Die berühmte Frau. Lustspiel von Schönthan und Kadelburg. Donnerstag, d. 6. Januar 1910. A. 26. 7½—10¼. Opernpr. Nanon, die Wirtin v. goldenen Lamm. Operrette in 3 Aufzügen von Richard Genée, Verein Rheinland, Geiverbeverein Donnerstag, den 6. Januar, 3½ Uhr abends: Gala-Eröffnungs-Sitzung große Acberreasch ungen für die Damen, Maskenpolonaisen, Kotillonturen 2c. 2c. Karten nur an der Kasse. Fremde haben Zutritt. Damenkarten 0.70 Marr einschließlich Liederouch und Dauerkarten für alle Festlichkeiten Mk. 5.00 an der Kasse.— Der kleine Rat. Jean Wirtz Präsident. Kronenburg. Phllharmon. Orchester. — 1392/5 Jeden Sonntag und Mittwoch nachmittags 3½ Uhr: Hüttner-Konzerte. Jeden Freitag abends 8 Uhr Symphonie-Konzert. Zum Blücher“ 77 Münsterstrasse 77. Heute Mittwoch Familien Abend des Musik= und GesangEnsembles 7367 „Goldklang“. Hervorragende Leistungen in Gesang und Musik. Entree frei. Die durch den Umzug meines Geschäftes von Westenhellweg 11 nach Hansastr. 80 angeschmutzte Waren werden von heute, Mittwoch ab zu enorm billigen Preisen verkauft. J. Biergans Hcht. on Dortmund, Hansastrasse 60. Die offizielle Eröffnung findet Ende dieser Woche statt Fr. Sutor Bier-Großhandlung Dortmund, Fernsprecher 1774. empfiehlt ihre hellen und dunklen fl. Biere sowie Original-Bitterbier aus der Brauerei Thier& Co., in ½ Flaschen zu 18 Pig, pro Flaiche. 7247 1 1 Krüge zu 30 Pig. pro I. Kleine Fäßchen für Vereine und Gesellschaften 30 Pf. proI w. Pumpe fr. Haus. Diederverkäufer erhalten Rabatt. fl. Rhenser Mineralwasser.— fl. Himbeersaft. Tägl. Eislieferung im Abonnement. Täglich: grosse Elite-Konzerte Henning! Freise! Fredenbaum. Mittwoch, den 5., und Donnerstag, d. 6. Janner (Heil. 3 Könige) Grosses Konzert unter Leitung des Königlichen Musikdirigenten a. D. Herrn 801 Alex Hubert. Anfang 3½ Uhr Ein'rit 25 Pf. Windheuserkarten mit 15 Pf. Nachzahlung gülti g. Thalia-Theater Brückstrasse 45. Etadlissement ersten Ranges für Kinomatographische Aufführungen. Tonbilder lebender und singender Bilder von ersten deutschen und ausländischen Jeden Plittsboch u. Samstag Programmwechsel. Billiges Entree. Mass-Anzüge 4 Herren- Anzüge, Paletots, Hosen nach Mass liefert elegant, schnell, billig 6117 H. Liebreich, Rheinischeste. 90. Lager in Rrbeitshemden, Hosen, Joppen etc. Trauringe massiv goldene, von Mark 5 an, sowie Dawen- d HerrenFacon-Ringe in großer Auswahl empfehlen Dortmuc4. Westenhellweg 26. Spezialkaufhaus u. Bandagenfabrik Dortmund. O. Gruss. Gestenhelseg II. Sämtliche chirurg. und hypien. Gummitsaren. Bruchband für Erwachsene m. Gummipelotte" Mk. 3.50 Irrigator mi“ Mutterrohr und Schlauch von Mk. 1.00 an Krücke, doppelt, für jede Größe.. Mk 8.50 Leibbinden. 12—, 10.—, 8.—, 6.—, 2.50 Mutterspritzen.. 12.—, 10.—. 8.—, 6.— 4.50 2.50 Unterlage, doppelseitig Gumml. 1 Mtr. 2.50 Unterlage,„„ Reste, für Kinder 0.00 Zimmerklosets, Krankenstühle, Krankenwagen, Künstliche Beine, Fuss- und Beinmaschinen, Rückenapparate und Geradehalter. Lieferant der Ortskrankenkasse, Eisenbahnkrankenkassen, Innungskrankenkassen, Fabrikkrankenkaffen. Rechtsschatzstelle für Frauen des Vereins Frauenbildung—Frauenerwerb Markt 16, neues Sparkassengebäude Eingang Balkenstraße. unentgeltliche Auskunft in allen Angelegenheiten erteilen Damen an unbemittelte Frauen und Mädchen. 5972 Sprechstunden: Dounerstags von 4—6 Uhr nachmittags. Verlobungsringe mmpfiehlt in jeder Größe und Prei ge Friedr. Strunck. Westenhellwex 19. Telel. 2558. 5732 Geld-Dariehen krrädn zahlung, gerichtl. nachgewiese reell, Selbstgeber Diesner Berlin 81. Belle=Alliancestr. 67. Rückporto. 6845 5—6000 Mark sofort oder später hinter 30 000 Sparkasse gesucht. Angebote u. D. 36066 an die Geschäftstelle dieser Ztg. Carnevals-Gesellschalt „Fredenbaum“ Mittwoch, den 5. Januar: abends 8½ Uhr: Grosse Prunk-Sitzung mit Damen unter Mitwirkung hervorragender Büttenredner, u. a. des Herrn gorissen-Koln. Bütten-Reden, Verträge, Lieder und Bal Eintritt: Herren 60 Pf., Damen 40 Pf., Vorzugskarten mit 20 Pl. Preis-Ermässigung. Dauerkarten für sämtliche Veranstaltungen Herren 5 Mk., Damen 3 Mk. Vorzugskarten und Dauerkarten sind in den dürch Plakate kenntlich gemachten besseren Geschälten erhäl, lich. Liederbücher und Mützen werden an der Kasse gratis ausgegeben. 7490 Der Elferrat. Toni Schmitz. Präsident. Getragene u. neue Herren u. Damenkleider kaufen Sie stets guf und billig Heiligegartenstr. 7 u. Bornstr. 35, Althandlung. 8978 Bitte 7 und 35 zu beachten Mittwoch, den 5. Januar 1910. Zweites Blatt. Ein Todesurteil. Auf den entietzlichen Fall der jüngst in Glaß vor dem Schwurgericht enthüllt worden ist, wo eine Kindesmörberin unter den beschämendsten Umständen zum Tode verurteilt wurde, kommt die„Frankf. Ztg.“ nochmals zu sprechen. Sie rekapituliert zunächst den Sachverhatt, wie er unsern Lefern in bekannt ist, wie das unglückliche Mädchen mit ihrem Kinde von den Behörden von Ort iu Ort gehetzt, bis sie, völlig zur Verzweiflung getriebetz. das Verbrechen beging. Es heißt da: Da sie(die schuldige Dienstmagd Anna Werner) nicht wußte, wohin mit dem Kinde, so fuhr sie von Ort zu Ort, wurde aber überall abgewiesen. Sie diente damals in Oberhannsdorf, das Kind war in Niederhannsdorf. Um für die Pflege des Kindes sorgen zu können, ging sie einige Wochen hindurch jeden Abend von Oberhannsdorf nach Niederhannsdorf, übernachtete dort, und kehrte am frühen Morgen an ihre Dienststelle zurück. Als das Kind in Niedethannsdorf bei einer Frau Hoffmann in Pflege war, verlangte die Ortsbehörde seine Wegschaffung'. Es wurde dann zu einer Frau Watschind in Glatz gebracht, der die Werner von ihrem kargen Lohn erst 10, dann 12 Mark zahlen mußte. Am 1. April 1908 erhielt die Werner die Nachricht daß ihr Kind auch in Glatz nicht b.eiben dürfe. Die Art von Verfügungen sind eine Folge des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz; die Gemeinden fürchteten, Unterstützungsgelder für das Kind zahlen zu müssen, und veranlaßten deshalb seine Fortschofsung. Die Glatzer Polkzei ging so weit, zu verlangen; daß das Kind binnen 24 Stunka weggebracht werde: Alle Bemühungen der Werner, die Zurücknahme der Aufforderung zu erwirken, blieben erfolglos. Sie wollte dann versuchen, das Kind bei einem Arbeiter in Wölfelsgrund unterzubringen, und auf dem Wege dahin, kam ihr nun in ihrer Verzweiflung der Gedanse, das Kind zu löten, und wie sie sagte, auch sich selbst das Leben zu nehmen. Am 5. April v. J. nahm sie das aus Glatz ausgewiesene Kind aus der Händen der letzten Pflegerin in Empfang, und am gleichen Tage führte sie ihre Absicht, es zu töten aus.„Ich war in Verzweitlung, ich war besinnungslos,“ sagte sie in der Schwurgerichtsverhandlung zur Erklärung ihres Tuns. Der Verteidiger forderte deshalb die Geschworsenen auf, die Angeklagte wenigstens nicht wegen Mor des, sondern nur wegen Totschlags zu verurteilen. da die Tat doch offenbar im Affelt, ohne ruhige Ueberlegung begangen worden sei. Der Spruch der Juby aber lautete auf schuldig des Mordes. Die Geschworenen haben, wie es heißt für die Verurteilte ein Gnadengesuch eingereicht, und man darf wohl ohne weiteres annehmen, daß das Todesurteil in diesem Falle nicht vollstreckt werden wird. „Aber kann“, so fährt das zitierte Organ fort, das öffentliche Rechtsbewußtsein ein Genüge daran finden, daß die Todesstrafe hier nach dem üblichen Schema in lebensläugliches Zuchthaus umgewandelt wird? Soll auf die Weise ein junges Menschenleben— und mag es noch so armselig sein,— statt plötzlich durch den Henker langsam in der zerreibenden Knechtschaft des Zuchthauses vernichtet werden? Die Mitschuld der Gesellschaft an den Fehltritten ihrer Glieder tritt in diesem Falle jedem klar vor Augen; wenn so das Kind einer mittellosen Mutter von Orl zu Ort vertrieben wird und niemand sich seiner annimmt, so kann man sich nicht wundern, wenn auf diesem Boden Verbrechen wachsen.“ Sozialdemokratischer Parteitag für Preußen. S. u. H. Berlin, 3. Januar. Unter Beteiligung von über 200 Vertreker und Vertreterinnen der sozialdemokratischen Organisationen aus allen Teilen der Monarchie, begannen heute vormittag 9 Uhr im Gewerkschaftshause am Engel=Ufer die Verhandlungen des sozialdemokratischen Parteitages für Preußen, des sogenannten„Preußentages“, der von der Parteileitung 1904 installiert wurde, um die Nr. 3. 27. Die Geschichte des Briefträgers. Berhiner 869. Lutomobl.-Briefpose Das Neujahrsfest, der Tag, der besonders an unser Postpersonal besondere Anforderungen stellt, ist nunmehr vorüber, und unsere wackeren Briefträger seufzen erleichtert auf. Ds ist nicht leicht, die Millionen von Glückwunschkarten und Briefen so exakt zu befördern, als es die Post immer wieder um die Jahrcswende tut. Für unsere Leser dürfte es daher nicht ohne Interesse sein, etwas über die Geschichte des Briefträgers, die ja auch gleichzeitig eine schichte der Post ist, zu erfahren. Unser beistehendes Tableau gibt eine Zusammenstellung der hauptsächlichsten Typen und bemerken wir dazu folgendes: Den Briefträger in seiner heutigen Gestalt kennen wir kaum ein Menschenalter, eigentlich erst, seitdem der Generalpostmeister Stephan dem Postverkehr sein eigentliches Gepräge gegeben hat. Ueber den Postverkehr des Altertums finden wir in der klassischen Litteratur eine Schilderung des persischen Postwesens unter Cyrus und Darius. Autentische, auf die Post bezügliche Darstellungen sind uns aber erst aus der Blütczeit des römischen Kaiserreiches bekannt, als der „Curusus publicus“ ein wohlorganisiertes staatliches Institut war. Mit der Auflösung des römischen Weltreiches verschwand auch der„Cursus publicus" und lange dauerte es, ehe wir wieder von einer Posteinrichtung hören. Erst als im Mittelalter in Deutschland Handel und Wandel zu blühen begann, finden wir einen Urahn unseres jetzigen Postboten Damals(im 15. Jahrhundert) hielten sich die Klöster und Universitäten, die Städteverwaltungen usw. ständige Boten, welche zu Fuß und per Wagen eine Art Postverkehr zwischen den verschiedenen Städten aufrecht erhielten. Unter Kaiser Maximilian I. erhielt das Postwesen eine epochemachende Organisation durch den Grafen von Thurn und Taxis; letzterer rief auch 1505 die erste regelmäßige Postverbindung zwischen Brüssel und Wien ins Leben. Den Nachkommen des Grafen wurde die erbliche Würde als Reichs=General=Oberpostmeister verliehen, damit war auch die ausschließliche Postbeförderung verbunden. Infolge der Langsamkeit der alleinigen Beförderungsmittel, der Postwagen, hielt sich das Postwesen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts in ziemlich bescheidenen Grenzen, erst der Eisenbahn war es beschieden, hierin Wandel zu schaffen. 1940 entstanden auch die ersten Briefmarken, die dazu beitrugen, den Dienst des Briefträgers wesentlich zu vereinfachen. Seit der im Jahre 1874 erfolgten Gründung des Weltpostvereins durch Stephan wurde das Postwesen in allen Kulturstaaten geregelk. Und wohin wir immer blicken, da treffen wir den Briefträger, freilich in einer wechselvollen Gestalt, wie die drei unteren Bilder unsers Tableaus zeigen. In den sandigen Gebieten des französischen Departements geht der Briefträger auf Stelzen; der chinesische mit dem Sonnenschirm bewaffnete Landbriefträger ist allerdings nicht so hoch giestellt als sein französischer Kollege. Auch ein modernes Gefährt der deutschen Reichspost, eine Berliner Automobil=Briefpost, ist zum Schlusse noch dargestellt. Wahlrechtsfrage in Preußen in Fluß zu bringen. Der zweite Preußentag fand 1907 statt. An ihn schlossen isch unmittelbar die großen Wahlrechtsdemonstrationen der preußischen Sozialdemokratie an. Auch der heutige dritte preußische Landesparteitag hat in erster Linie die Wahlrechtsfrage zum Gegenstande und ist deshalb nicht nur von Delegierten, sondern auch von Zuhörern stark besucht. Der Saal ist mit Blattpflanzen und roten Fahnen reich geschmückt, der Vorstandstisch wird rechts und links flankiert von den Büsten Lasalles und Marx. Unter den Delegierten befinden sich die hervorragendsten Führer der preußischen Sozialdemokratie, darunter zahlreiche sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete und die kleine preußische Landtagsfraktion. Vom Parteivorstande sind u. a. erschienen Singer, Ebert, Müller, Gerisch, Adolf Hoffmann usw. Nach einigen Gesangvorträgen des Gesangvereins„Typographia“ eröffnet der Vorsitzende des Lokal=Komitees Eugen Ernst den Parteitag mit folgenden Ausführungen: Werte Genossen! Im Auftrage der preußischen und im Namen der Berliner Parteigenossen heiße ich Sie herzlich willkommen und wünsche den Verhandlungen besten Verlauf. Bedeutungsvolle Aufgaben sind er die wir zu lösen haben. Ueberall ertönt der Ruf nach Freiheit und Brot. Ein Sehnen nach Licht und Luft geht durch die Reilsen der Arbeiter auch in Preußen. Die Arbeiter wollen nicht mehr rechtlos dahinleben, sie wollen mitbestimmen über ihr Schicksal. Da sollen wir nun beschließen, weiche Wege einzuschlagen sind, um in der Befreiung der Menschheit einen Schritt weiterzukommen. In der Zeit der Jagd nach dem Mamon ist es allein die Arbeiterklasse, die für die politischen Ideale eintritt. Ueberall sehen wir ein Ducken vor dem Erfolg, ein übermütiges Gebahren des Junkers und ein Pochen des Bourgois auf seine Macht. Da haben wir die Pflicht, in den Herzen der Arbeiter Trotz und Zorn zu erwecken über ihre Lage, sie aufzurütteln und ihnen klar zu machen, daß es ein Verbrechen an der Menschheit wäre, wenn diese Zuständs ewig bestehen blieben. Wäre die Arbeiterschaft sich ihrer Macht bewußt, keine Macht der Welt wäre im Stande, ihr entgegenzutreten. In erster Linie gilt der Kampf dem verrotteten System in Preußen, der Demokratisierung dieses fibstersten deutschen Bundesstaates.(Beisall.). Wohl werden Onfer fallen, aber der Abschluß dieses Kampfes wird im Sinne des Heine'schen Ausspruches gehalten sein:„Wer das Losungswort der Zukunft für sich hat, dem vermögen die Schächer der Gegenwart sehr wenig!“ Und dieses Losungswort heißt: „Her mit dem gleichen, allgemeinen und direkten Wahlrecht!“(Stürmischer Beiallf.) Es werden dann Singer und Parteisekretär Rudolpf(Frankfurt a. M.) zu Vorsitzenden mit gleichen Rechten gewählt. Singer der einen sehr leidenden Eindruck macht, übernimmt die Leitung mit begrüßenden Worten. Er führt aus: Das Ziel der Sozialdemokratie wird nicht erreicht werden, wenn nich: die ganze Kraft der Partei sich darauf richtet, Nicht uu die Sozialdemokratie Preußens und Deutschlands, son dern die der ganzen Welt hat ihre Augen auf unten Verhandlungen gerichtet. Wir treten in die Beratungen ein mit dem Schwur, nicht zu ruhen und nicht zu rasten, bis das Ziel erreicht ist, von dem aus die Befreiung des preußischen Proletariats vor sich gegen kann. Nieder mit der Reaktion das soll das Losungswort sein, das unsere Verhandlungen leitet.(Großer Beifall).— Es werden hierauf sechs Schriftührer und die Mandatsprüfungskommission gewählt und hierauf der Geschäftsbericht entgegengenommen. Der von Eugen Ernst erstattete Geschäftsbericht geht zunächst ausführlich auf die Wahlagitation ein und konstatiert, daß zum ersten Mal seit 1843 am 12. Januar 1908 in Preußen für eine politische Forderung Bürgerblut geflossen sei. Zur Ehre der sozialdemokratischen Frauen wird hervorgehoben, daß sie sich an al den Wahlrechtskämpfen zahlreich und mutvoll beteiligten. Der Bericht erwähnt weiter, daß anfangs Mi 10) in einer Sitzung des Parteivorstandes und des geschättführenden Ausschusses Preußens die Frage beraten wurde, ob es angebracht sei, an das 60jährige Bestehen des Dreiklassen-Wahlrechts durch irgend eine Aktion größeren Stils zu erinnern. Es wurde beschlossen, hiervon Abstand zu nehmen und zwar waren folgende Gründe matzgebend: Abgesehen von den allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnissen, die sicher nicht zu einem Kamrfe ermunterten, hätten die Versammlungen usw. am 29. Mai, also in den Pfingsttagen stattfinden müsten, eine Zeit, die wirklich nicht dazu geeignet ist. Ihrer Zusammensetzung nach gliederl sich die Parteierganisatien in Preußen zurzeit in 22 Bezirksverbände. Die Zahl der Ortsvereine beträgt 1454. Die gesamte Mitgliederzahl in der Parteiorganisation betrug Ende Juni 1908: 293 464, Ende Juni 1909: 322 347, davon sind 285 755 männliche und 36 617 weibliche Mitglieder. Bei der Reichstagswahl im Jahre 1907 wurden in Preuken 1.816 959 sozialdemokratische Stimmen abgegeben. Auf 100 soizaldemokratische Wähler entfallen 17.7 Mitglieder der Parteiorganisation. An erster Stelle steht der Bezirk Schieswig=Holstein mit 32,5 Prozent; ihm folgen Hannover mit 24,4, Groß=Beriln mit 21,2 und das östliche Westsalen mit 20,2 Prozent. An letzter Stelle steht Oerschlesien mit 6,1 Prozent. Ende Juni 1909 hatte die Partei in 94 Städten 455 Gemeinde= vertreter, in 510 Landgemeinden gab es 1179 sozialdemokratische Vertreter. Das Ausbleiben eines Schnapsboykotts für Preußen wird damit erklärt, daß diese Frage vor das Jorum des deutschen Parteitages gehöre. Der Bericht schließt:„Zum ersten Male gibt die Vertretung einer geschlossenen Organisation der preußischen Sozialdemokratie Bericht. Große Kämpfe hat die Partei hinter sich, aber weit größere, ernstere stehen uns bevor. In Preußen ist der Kla sengegensatz und damit der Klassenkampf schärfer zugespitzt als sonst in Deutschland. In Preußen hat Einsluß die brutalste industrielle Scharfmacherelique, und hauptsächlich die oftelbischen Junker, tiese Verkörperung der verbohrtesten Reaktion. Preußen is aber auch das alte Eldorade für Burcaufraten und Soldaten. Dazu kommt eine langjährige Freundschoft mit Rußland, die abfärbend auf unsere ganze Regierung gewirkt hat... Das Bürgertum ist iebedienerisch gegen jede Uniform und kriecht Der Kunst geweiht. Roman von Lothar Frey. 1 (Nachdruck nicht gestattet.) Einer der beliebtesten unter den eingeborenen Künstlern in Rom war seiner Zeit Antonio Ferarri, ein Bildhauer, der sich bereits einen Namen gemacht. Er trieb zugleich und mit Vorliebe eine andere Kunst, die bereits von den Egyptern geübt wurde, in Griechenland ihre höchste Ausbildung fand und von den Byzantinern nach Italien gebracht wurde: die Glyptik, die Steinschneidekunst. Antonio Ferarri war in dieser gerade gesucht von den kleineren italienischen Höfen und ward von ihnen glänzend honoriert, ein Umstand, der ihn bewog, den Meißel zu vernachlässigen, zumal er in Rom selbst große Gönner unter der kunstliebenden einheimischen und freiden Aristokratie hatte. Er war ein nicht gerade schöner Mann, aber man sah gern in seine frischen Züge, seine lebhaften, von Heiterkeit leuchtenden Augen. Sein Haar war dunkel und voll, sein Bart gekräuselt, seine Gestalt schlank und geschmeidig, er erschien jedem wie ein glücklicher Mensch, und das war er, bis ihn das Los traf, das er sich selbst bereitet. In dem benachbarten schönen Albano lebte ein deutscher Fürst mit seiner noch jungen, kränklichen Gattin in einer der herrlichsten Villen jedes Jahr, wenn ihn der Winter aus Deutschland vertrieb. Er war einer der fleißigsten Sammler von Kunstschätzen und ein gründlicher Kenner, hielt sich jede Woche einige Tage in Rom auf, zog den Verkehr mit Künstlern jedem andern vor und lernte dadurch Ferarri kennen. Er lud ihn für einige Wochen in seine Villa ein und Antonio folgte dieser Einladung. Der Fürst hatte es gern, wenn sich sein Landhaus von Gästen belebte; dasselbe war also jedes Jahr, wenn er wiederkam, ein bevorzugter Sammelplatz für die Fremden geworden, die gleich ihm in dem Städtchen lebten, wenn die durch das Albanergebirge streifenden römischen Künstler bei ihm vorsprachen, und seine Gattin mit ihrem Kunstsinn war diesen eine freundliche Wirtin. Antonio Ferarri freute sich besonders ihrer Gunst als heiterer Gesellschafter, der freilich, wie alle leicht erregbaren Temperamente, auch seine Stunden, ja Tage hatte, in welchen er an Schwermut litt, seinen Stab nahm und, ohne jemand etwas zu sagen, in die Berge schritt, um erst zurückzukehren, wenn ihn die Ermüdung dazu drängte. Der Fürst seinerseits bedurfte eines Sachverständigen für seine Einkäufe, und Ferarri war ihm stets ein zuverlässiger Ratgeber. Zum dritten Male hatte er die Villa wieder bezogen. Antonio durfte ihm nicht fehlen, und länger, als es sonst seine Gewohnheit, war er diesmal des hohen Herrn gern gesehener Gast, denn in unmittelbarer Nähe des fürstlichen Retiro war ein kleines, echt lauschig unter Magnolien, Johannisbrotbaum und Jasmin liegendes Häuschen, von einer älteren Dame und ihrer Tochter bewohnt, welch letztere die Fürstin, eine so wohlwollende Frau, namentlich bald ihrer Aufmerksamkeit würdigte, in ihr Haus zu ziehen und an dieses zu fesseln suchte. Die Witwe Pisani war eine sehr lebhafte Natur, ihre Tochter schien ihr Temperament geerbt zu haben, auch ihre Schönheit, von der die Züge der ersteren noch Spuren zeigten. Ludmillas leicht von der Sonne getöntes Antlitz hatte den echten Typus einer Römerin, es war edel geschnitten wie eine Kamee, ihre dunklen Augen, ihre frischen roten Lippen lachten gerne, ihre Gestalt war schlank, doch mit ziemlich ausgesprochener Büste, ihre Unterhaltung war leidenschaftlich, ihre Stimme ein voller, umfangreicher Mezzosopran. Sie war nämlich als Sängerin schon vor einem Jahre an einem römischen Theater aufgetreten und hatte jetzt die Ruhe und Frische im Albanergebirge aufgesucht, um sich während ihres Urlaubes zu erholen. Man hörte, wenn sie in ihrer Cascine, dem kleinen Häuschen, bei offenem Fenster sang, ihre Stimme durch das ganze Tal schallen, und Antonio Ferarri fesselte das täglich an diese Stelle auf seinen Spaziergängen, bis die Fürstin sie in ihr Haus gezogen uno er in diesem jeden Abend ihrem Gesange lauschen durfte. Er vergaß darüber seine Rückkehr nach Rom, wo seine Werkstatt verödet stand, denn Ludmilla hatte es ihm angetan mit ihrer Stimme und ihren wunderbaren, dunklen Augen. Die Fürstin neckte ihn zuweilen wegen seiner Schwärmerei: Ludmilla, sagte sie, sei ein verführerisches Geschöpf. sie begreife nicht, daß er sie in Rom noch nicht auf der Bühne gesehen, wo sie als Schönheit zahlreiche Verehrer habe. Besser aber, meinte sie, sei es für ihn, sich nicht ganz fangen zu lassen, denn bei allem Interesse, das Ludmilla ihr einflöße, erscheine es ihr, als sei sie etwas leichten Herzens, was er als Italiener doch besser zu beurteilen wüßte. Nicht gleichgültig sah sie deshalb, wie Ludmilla bald auch für ihn eine gewisse Vorliebe zeigte, wie sie beide, ohne Begleitung der Mutter, die Gebirgspromenaden aufsuchten, und sie erschrak, als er ihr bekannte, sie seien beide einig in ihrem Herzen, Ludmilla werde die Bühne nicht wieder betreten und die Seinige werden. „Mein Segen wird ihn nicht schützen vor Unglück, wenn er dieses haben soll in seiner Ehe!“ sagte sie, als er sie verlassen.„Die Sache ist übereilt! Er ist ein Gefühlsmensch, bald übermäßig heiter, bald melancholisch wie ein Papagei, und sie ist das Gegenteil; sie betrachtet sich alles nur, wie es außen ist, und wenn sie von der Bühne scheiden will, so wird sie's bald bereuen, denn wer an derselben soviel Erfolg hatte, wie sie ihn haben soll, der läßt nicht ernstlich von ihr. Wie ich sie renne, wird ihr die Ehe langweilig werden und der gute Antonio in seinen melancholischen Stunden ebenfalls. Ludmillas Urlaub ging inzwischen zu Ende, sie verabschiedete sich von dem fürstlichen Paar. Auch er ging nach Rom zurück, und seltener wurden seine Besuche, aber er erschien glücklich. * Vier Jahre hindurch kehrte der Fürst mit seiner Gattin regelmäßig nach Albano zurück, ehe Eis und Schnee ihn von seinen Gütern vertrieben. Antonio Ferarri besuchte sie hier wie ehedem, aber der heitere Mensch war er schon im dritten Jahre nicht mehr. Er hatte den Meißel ganz aufgegeben und sich nur seiner Steinschneidekunst gewidmet,'er sprach nicht mehr von seiner Frau, die sich im vierten Jahre garnicht mehr in Albano sehen ließ, nur von seinen zwei Kindern, an denen er mit Zärtlichkeit hing. Der Fürst brachte seiner Gattin sogar aus Rom die Mitteilung, diese Ehe sollte die denkbar unglücklichste sein. Er entschloß sich also, ihn demnächst in Rom aufzusuchen. Er fand ihn auch in einer Verfassung, in welcher er ihn kaum wiedererkannte, gab sich aber nicht die Miene, als falle ihm dies auf. „Ferarri, ich komme in einer besonderen Mission,“ sagte er befangen.„Mein königlicher Herr wünscht einen tüchtigen Mann Ihrer Kunst nach Berlin zu ziehen. Würden Sie bereit sein, dieses anzunehmen?“ Antonio hörte kaum in seiner Zerfahrenheit, der Fürst wiederholte seine Frage, und da erst übte sie eine jähe Wirkung auf ihn aus. Er schien den Gedanken willig zu erfassen, dann aber schüttelte er finster das Haupt. „Ich begreife, daß es Sie einen Entschluß kostet, Ihr Vaterland zu verlassen, aber Sie haben ja Zeit, zu überlegen.“ Der Fürst sprach von anderem. Antonio suchte sich von seiner Stimmung loszumachen, aber diese war stärker als seine moralische Kraft, und der Fürst schied von ihm mit der Ueberzeugung, daß die Gerüchte über seine unglückliche Ehe nicht übertrieben. Er hatte nicht einmal den Mut gehabt nach des Künstlers Gattin zu fragen. Wochen verstrichen. In der fürstlichen Villa gingen so manche junge und ältere Künstler aus und ein. Von Antonio sprach keiner, man schien sich schweigend das Wort gegeben zu haben, seiner nicht zu erwähnen und tat, als vermisse man ihn nicht. Da, eines Abends, begegnete der Fürst, damals ein Mann von vierzig Jahren, von der Promenade zurückkehrend, im Park seiner Villa einem Menschen, der mit verzerrtem, vom Hut beschattetem Gesicht starr vor sich hinblickend auf einer Holzbank saß und sein Kommen nicht hörte. Mit großem Schrecken erkannte er seinen jungen Künstler, wie er, ein offenbar Verzweiselter, dasaß. Er rief seinen Nanien. und Antonio blickte zusammenfahrend auf, ein Bier##rbarmens, denn das Haar hing ihm feucht und mirr um die Schläse, seine Kleidung war mit dem Staub der Landstraße bedeckt. „Um Gotteswillen, was ist Ihnen?“ riefer, zu ihm tretend. Antonio suchte nach Worten, seine Augen schlossen sich, seine Lippen zuckten krampfhaft. Er fuhr mit der Hand in die Brusttasche und zog ein Doppekvistol here vor. Der Fürst fiel ihm in den Arm und en die Waffe. vor jedem Tiet... So steht die Partek in Preuken in allen kkren Kämpfen allein, aber sie ist umso stärker, weil sie nirgends Rücksichten zu nehmen, hat, und weil ihre Standarte der Sammelpunkt aller ehrlicher Kämpser für des Volkes Wohl, für des Volkes Freiheit bleiben wird.“ Der Kaffenbericht der preußischen Organisation schließt in Einnahmi und Ausgabe mit 26223 Mark ad. Die Hauptausgabe. 14 200 Mark, bezog lich auf Wahlzuschüffe an die einzelnen Kreise. Ueber den Geschäftsbericht entspinnt sich eine kurze Diskussion. wird sodann in die Tagesordnung eingetreren and über den Antiag der Wahlvereine Frankfurt a. M. und Magdeburg:„Die Berichte zum Preußentag sollen künftig früher wie seither erscheinen, damit bei Stellungnahme zum Preußentag diese Berichte als Grundlage dienen können,“ verhandelt.— Wittig=Frankkurt begründet den Antrag.— Klueß(Magdeburg) führt das verspätete Erscheinen des Berichts auf einen Mangel in der Organisation zurück und wünscht, daß im preußischen Landesvorstand die Geschäfte im Haustamte übertragen werden sollen, weil die drei preußischen Genossen die jetzt die Leitung haben, infolge Ueberlastung es an der nötigen Initiative fehlen lassen. Der Redner behandelt zugleich einen Antrag Magdeburg, der wünscht, daß der Bildungsausschuß Vorträge über die preußische Verwaltung und Verfassung einrichtet.— Scholich(Breslau) empfiehlt ebenfalls die Bildung eines preußis den Parteivorstandes. Die Bedenken, daß diese mit dem großen Partcivorstande Differenzen haben köngte, seien unbegründet. Der Berichterstatter Eugen Ernst macht im Schlußwort darauf ausmerksam, daß ein besonderer preußischer Parteivorstand auch Ertrabeiträge nötig machen würde. Der Antrag FrankfurtMagdeburg wird kann angenommen und im übrigen der Geschäftsbericht für eriedigt erklärt. Den Bericht der sozialdemolratischen Landtagsfrakzon, der in einem Heft von über 100 Seiten gedruckt vorliegt, erstattete der Abgeordnete Hugo Heimann. Der Bericht geht eingehend die Verhandlungen des preukischen Abgeoronetenhauses nach Anträgen und Ctatsabschnitten durch und schließt mit dem Hinweis, daß die Wahlen der letzten Monate, gleich viel in welchen Landesteilen, unter welchen Wahlgesetzen und zu welchen Körperschaften sie stattgefunden haben, einhellig ein riesiges Anschuellen der sozialdemokratischen Stimmen zeigen.“ Es wird zu den wichtigsten Aufgaben der Sczialdemoktatic gehören, diese größtmöglichste Stoßkraft, über bie sir verfügt, auf das Fundament der Junkerlerr haft, das Dreiklassenwahlrecht zu lenken. Die kleine soztaldemokratische Fraktion, die in dem Junkerparlament Preußens gewissermaßen als Vorposten sitzt, wird bemüht sein, wie im Vorjahre die vvlksfeindlichen Pläuc und Maßnahmen, die dort früher im Halbdunkel veraten und beschlossen wurden, in das grelle Licht des Tages zu rücken. Sie wird zu ihrem Teile dazu beizutragen haben, die Position der Gegner, so weit nur möglich ist, zu schwächen und zu untergraben.“ In seinen Ausführungen kommt der Berichterstatter auch auf den vor kurzem gegründeten„Bund der Festbesoldeten“ zu sprechen und erklärt: In der Versammtung hielt ein freisinniger Volskschullehrer das Referat, das in einer so widerwärtigen, geradezu ekelerregenden Weise in Hurrapatriotismus ausllang, daß man ruhig glauben könnte, die Regierung und die Partei werden wciter die Peitsche über diesen Bund schwingen können. Uns soll diese elende Kriecherei nicht beirren, wir werden im Interesse der Lehrer das mit Nachdruck verlangen, was dieser Kateogrie gebührt. Der Redner schließt dann; in der letzten Zeit hat eine Neugruppierung der bürgerlichen Parteien stattgesunden. Die Verhandlungen im Abgeordnetenhause haben vielfach noch unter dem Zeichen des alten Blocs gestanden. Daß die Errichtung des neuen blau=schwarzen Schnapsblockes weniger schädliche Beschlüsse zeitigen könnte, ist vollständig ausgeschlossen. Die Liberalen werden nach wie vor als Vertreter des Großkapitals den„Arbeiter=Interessen sich widersetzen. Das Zentrum wird als wiederaufgenommene Regierungspartei vielleicht eine wohlmeinende Rede, aber keine Taten für die Arbciter haben und die Freisinnigen sind so wie so eine hoffnungslose 1?) Minorität. Ginge es nach den freissinnigen Traktionsgrößen, dann würden sie sich noch viel willfähriger(?) erweisen, um sich mit den maßgebenden Parteien wieder anzubiedern. Die kleine Verschiebung im Parlament nicht, sondern nur die Wähler draußen können ein: Umwälzung bringen. Als vor drei Jahren die polizeilich nicht angemeldete Versammlung unter freiem Himmel stattsand, und die Menge dem Schloßherrn zujubelte, da er#ch'en der Schloßherr am Fenster und hielt eine Ansprache, in der er auch Verse aus dem„Prinzen vom Homburg“ zitierte. Die Freude über die Hottentottenwahlen ist schneller verrauscht, als man damals dachte. Richts ist geblieben als aschgraues Eleno. Die Sozialdemokratie aber, die für immer niedergeritten sein sollte, kann heute frohen Mutes da fortfahren, wo damals der Schloßherr aufhörte zu zitieren„Die Kunst nun lernten wir ihn zu besiegen und sind voll Lust sie fürder auch zu üben!“ Möchte für diese Kunst der Parteitag eine neue Etappe sein. (Langanhaltender Beisall.) Darauf wurde in eine Diskussion eingetreten. Quark(Franksurt a. M.) dankt der Landtagsfraktion für ihre Haltung. Die Rlichstagsfraktion könnte sich in manchen B.='bungen an der Landtagskraktion ein Beispiel nehmen. Noher(Breslau) lenkt die Ausmerksamkeit des Parteitages uus die Verhältnisse der Eisenbahnarbeiter in Breslau. Breslau ist eine Art russischer Vorort und wenn es in Rußland nicht vormärts geht, so liegl das vielleicht daran, daß es zu nahe an Breslau liegt.(Heiterkeit.) Wir sind in Breslau wirklich slicht au Rosen gebettet. Solange die Vorkswacht besteht, sind 12 Jahre Gesängnis und 40000 Mark Geldstrafe gegen sie verhängt worden. Die Fraktion möge sich der Eisenbahnarbeiter annehmen, damit sie ihre staatsbürgerlichen Rechte ausüben dürften. Bartel(Köln) bittet die Fraktion, das Koalitionsrecht besser wahrzunehmen. In vielen Ortschaften gehen die Polkzeibehörden biutal über—gesetzlichen Bestimmungen hinweg. Bei einem Mäs'täslergang von 30 Kölner Genosssen waren 50 Schutzleute aufgeboten. Beim encharistischen Kongreß dagegen war der Verkehr stundenlang gesperrt.: Runge(Bochum) dankt der Fraktion für ihre Hallung bei der Radbod=Interpellation namens der Delegation des rheinisch=westfälischen Industriegebietes. Dodurs lei die Wahlbewegung im Ruhrgebiet erheblich vorwärts gekommen. Es wird dadurch möglich sein, auch vom Ruhrrevier aus Vertreter in den Landtag zu entsenden. Das Experiment am lebenden Herzen. In der königlichen Medizinischen Gesellschaft in London wurde ein Experiment vor einiger Zeit vorgeführt, das in wissenschaftlicher Beziehung großes Aussehen und Interesse erregte. Einer Aerzteversammlung wurde ein Hund vorgeführt, dessen Körper in den von einer elektrischen Vatterie erzeugten Strom eingeschaltet war. Mit der Stromleitung war ferner ein empfindlicher Galvanometer in Verbindung, durch dessen Vermittlung auf einer gespannten LcenPostmeister Fasching, der Korrespondent der Zentralkommission zur Erhaltung Kunst= und historischer Denkmäler hatte kürzlich am Kiesbergwalde, zwischen Sankt Leonhardt am Forst und Melk in Niederösterreich ein bisher unbekanntes Hünengrab aus der Steinzeit aufgefunden. Die wissenschaftliche Untersuchung der Grabstätte förderte den Beweis, daß man es mit einer Grabanlage prähistorischer zeit zu tun hat. 4—5 mächtige Steinblöcke flankieren die Begräbnisstelle und ein Riesenblock deckt dieselbe. Aehnliche Gräber kommen am häufigsten in den nordischen Ländern und auch in Frankreich, ja selbst in wandtasel die Herzschläge des Hundes registrierk wurden. Das Experiment gelang vorzüglich und beweist, wie groß der Schritt ist, den die Forschung dem Grenzgebiete zwischen körperlichem und Seelischem, auf dem zur Zeit noch große Dunkelheit lastet, vorwärts getan hat; denn wie interessant muß es sein, wenn sich dann später die Damen ihre Herzeusschläge samt den Geheimnissen elektrisch registrieren lassen können. Ob da viel Gutes herauskommt? Spanien vor, und stammen alle aus der Steinzeit Das Wort„Hünen“, das oft irrtümlicherweise mit Hunnen in zweiklang gebracht wird, hat mit diesen nichts zu tun, sondern stammt aus der altgermani schen Vorzeit. Seit dem 13. Jahrhundert wurde der Ausdruck Hünen gleichbedeutend mit Riesen, denen in Norddeutschland die großen Steingrabstätten zugegeschrieben werden. Vielfach werden bei diesen uralten Grabstätten noch Ueberreste von Leichenbrande Skelette oder Urnen, Waffen, Schmuckgegenstände usw gefunden. mu ie sechs Wochen, der Arbeiter Ernst Schiniz zu fünz Monaten Gesängnis. Er kann oas Stehlen nicht lasten der Schneidergeselle Franz Lesniak aus Bövinahausen, der sich ohne festen Wohnsitz mn der Gegend von Kastrop umhertreibt. Kürzlich wurde er wegen schweren Diebstahls, in fortgesetzter Handlung begangen, zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, heute sollte er sich abermals wegen Diebstahls im Rücksalle verantworten. Eine Bestrafung konnte indessen wegen dieses Diebstahls nicht eintreten, da angenommen werden mußte, daß die vorliegende Straftat bereits durch die letzthin eingetretene Verurteilung ihre Erledigung gefunden hatte. Lesniak wurde demgemäß freigesprochen. Zu den gewerbsmäßigen Hühnerdieben gehönt 9.: Arbeiter Wilhelm Grote von Hamm, der im November im Besitze von zwei Hühnern betroffen wurde, über deren rechtmäßigen Erwerb er sich nicht ausweisen konnte. Der Mann behauntete allerdings vor der Strafkammer, daß er die Hühner von einem Unbekann en fur den Betrag von 80 Pfg. gekauft habe. Das Ger'cht konnte dem Angeklagten dieren Einwand nicht glauben; er wurde, da Diebstahl im Rückfalle vorlag, zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Am Abend des 31. Juli v. Is. kam es bei Gelegenkeit einer Hochzeitsfeier, welche in einem Wirtschaftslokale in Höchsten stattand, zu einer unangenehmen Störung. Der Bergmann Friedrich Götter, der an der Feier teilnahm, stellten dem Bällergesellen E Felderhof zur Rede, weil dieser am Vormi tage des Hochzeitstages zwei Kinder geschlagen habe. Felderhoff ersuchte den Götter, mit vor die Türe zu kommen, dort werde er ihm die Antwori geben. Hier gerieten beide heftig aneinander, Felderhoff wurde geschlagen, getreten und erhielt auh einen Messerstich in den rechten Oberschenkel. Arg zekschunden verließ F. den Kampfplatz. Götter soll ihm den M sserstich versetzt haben; er hatte sich heute deshalb wegen gefährlicher Körperverletzung zu verantworten. Die Beweisaufnahme ergab nicht die Feststeitung, daß der Angeklagte den Stich ausgeführt hatte. G. wurde freigesprochen. „Er war zu fau zum Arbeiten, wir mußten bal) verhungern!". Mit diesen shweren Anschuldigung trat die Frau des Handiangers Richard Langer von Kastroz vor den Gericktshof, um Zeugnis gegen ihren Mann abzulegen. Langer, der nach den Angaben seiner Frau kein Freund de: Arbeit ist, hatte eine militärische Uebung gemacht und arbeitete eine Zeit lan nicht. Da Langer für seine Famitie Lebensmittel schaffen muhte, stahl er einer Witwe 50 Prund Kartoffeln und vier Würste aus dem Keller, dem Bergmann Diek holte er ein Schaf von der Weide und schlachtete es. Langer war in beiden Fällen geständig, er will die Diebstähle aus Not„ hangen haben Im ersten Falle nahm das Gericht nur Mundraub an und erkannte aufvier Wochen Haft, für den anderen Fall setzte es gegen L. eine Gefängnisstrafe von vier Monaten fest. „Schmerzloses Zahnziehen unter größter Garantie“, Diese Worte hatte der in Kastrop wohnende Zahni###niker Engelbert Pahl unter seinem Namen auf einem an der Wohnung an brachten Schilde stehen. Durch diese Anpreifung soll er diem zahnkranken Publikum eine besonders günstige, den wahren Tatsachen nich entsprechende Ofserte emacht und somit gegen die Paragraphen 4 bezw. 22 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb verstoßen haben. Anf eine ersolgte Anzeige erhob die St alsanwalt#att genen Pah Anklage. Vor der Strafkammer erkärte der Angeschuldinte daß man im Allgemeinen allerdings nicht ganz schmerzles schadhafte Zähne beseitigen könne, aber man könne die Schmerzlotigkeit durch Anwendung von bestimmten Milteln erheblich heiabmindern. Herr Zahnarzt Vietmezer, der als Gutachter geladen war, äußerte sich auf Befragen dahin. daß dus Pubitrum unter schmerz oses Zahnziehen nur eine losale Betäubung verstehe, die ein Jahnarzt auch nur nach Prüfung des Gesundheitszustandes des Patienten mit stärkeren oder schwächeren Mitteln hervorrufe, eine völlig schmerzlose Beseitigung eines Zahnes könne allerdings nur durch die Narto#e g schehen, im übrigen werde eine derartige Anpreilung, wie sie hier vorliege, unter Jahnärzte als unfalr angesehen. Das Gericht hielt ein Vergehen gegen Paragr. 4 des Gesctzer betr. den unlauteren Wettbewetb für vorliegend. Die Unrichtigklit seiner An aben seien dem Angeilagten nicht unbekannt gewesen, denn er mußte wissen, daß Zahnärzte und Zahn echniker nich in de: Lage sind, völlig schmerzlos Zähne ziehrn zu sonnen, sondern daß dieses nur möglich ist unter Zuh lienamme der Narkose. Die Strafe wurde nach Lage der Sache auf 30 Mark bemessen. Aus dem Gerichtssaal. Schwurgericht Dortmund. Dortmund, 4. Januar. Für die erste diesjährige Schwurgerichtsperi de. di: am 10. Januar v. J. unter dem Vorsitze des Herrn Landgerichtsdireklors Goldstein beginnen wird, sind solgende Sachen angesetzt worden. Es wird verhandelt: am Montag. den 10. Januar gegen den Arbeiter Eberhard Gracwe aus Westbüderich wegen Verbrechens gegen Paragr. 176 Absatz 1; ferner gegen den Arbeiter Johmnn Nikulla aus Dortmund wegen Strahenraubs; am Dienstag. den 11 Januar gegen 1. den Arbeiter Andreas Jendreyczak. 2. den Arbeiter Rudolf Dignat, 3. den Arbeiter Johann Jendreyczak und 4. den Arbeiter Josef Jendreyczak, sämtlich aus Dortmund, wegen Straßenraubs: am Mittwoch, den 12. Januar gegen den Architekten Otto Steinmann aus Dortmund wegen schwerer Urkundenfälschung: am Donnerstag, den 13. Januar gegen den Bergmann Albert Kapala aus Dortmund wegen Verbrechens gegen Paragr. 177: ferner gegen den Invaliden Diedrich Tillmann aus Fröndenberg wegen Verbrechens argen Paragr. 176, Absatz 2; am Freitag, den 14. Januar gegen den Bergmann Josef Jenke aus Wassercourk wegen wissentlichen Meineides: am Samstag, den 15. Januar gegen den Bergmann Stanislaus Zagdowitz aus Sodingen wegen wüsentlichen Meineides; ferner gegen den Maurer Gotr#### Müller aus Dortmund wegen Verbrechens gegen Paragraph 176. Abson 1: am Montag den 17. Januar gegen die Dienstmags Marianne Kormalska aus Sodingen wegen Kindesmord; am Dienstag den 18. Januar gegen den Fabrikarbeiter Konrad Meier und den Bergmann Okto Scuidt aus Eving wegen Verbrochens und Vergehens gegen die Paragraphen 223. 223a und 226 des Strafgesetbuches, ferner wegen Vergehens gegen die Paragraphen 4 und 8 der Oberptäsidialverordnung vom 28. Juni 1901: am Mittwock, den 19. Januar gegen den Auktionator Paul Schlichting aus Werl wegen Körperverletzung mit Todeserfolg; am Donnerstag. den 20. Januar gegen die Bergleute Josef und Johann Jankowiak aus Wiescherhofer wegen Körperverletzung mit Todeserfolg, ferner wegen gefährlicher Körperverletzung und Anstiftung dazu: am Freitag, den 21. Januar gegen den Arbeiter Richard Hoffmann, ohne festen Wohnitz, den Arbeiter John Schulz aus Dortmund und den Arbeiter B. Böcker, ohne festen Wohnsitz, wegen gefährlicher Körververletzung, Straßenraub und Sachbeschädigung und endlich am Samstag, den 22. Januar gegen den Ackeiknecht Johann Rehmann aus Scheidingen megen vorsätzlicher Brandstistung. Strafkammer Dortmund. Dortmund, 4. Jannar. Am 5. September vor. Is. kam es auf der Schulstraße in Hörde zu einer schlimmen Rauferei, die in einer Wirtschaft ihren Anfang nahm. Dabei erhielten der Buchhalter Wilhelm Meuler sowie die Kaufleute Stöcker, Hesse und Nuhrberg mehr oder minder erhebliche Verletzungen. Am schlimmsten war Meuler mitgenommen worden, der in das Krankenhaus Bethanken aufgenommen werden mußte; er hatte mehrere Messerstiche erhalten, die bis auf die Knochenhaut gingen. Da die Angrisle auf die Verletzten vornehmlich unter dem Schutze der Dunkelhekt stattfanden; iu konnten allEinzelheiten der Vorgänge heute nicht festgestellt werden, insbesondere ergab Re Bewelsaufnahme nichts, wer dem Meuler die Messerstiche belgehracht hatse. Die in der Sach: Angeklagten kamen dasser auch mit„eknem blauen Auge“ bavon und zwar wurden verurteilt die Arbeiter Konstantin Neller und Lu#chläger Aerschinke Hämorrhoidalleiden sind sehr lästig und vielfach mit großen Schmerzen verbunden und können schließlich sehr gefährlich werden. Nach vielen Gutachtn ist Sanitätsrat Dr. Wegener's Thee ein hervorragendes Mittel bei diesen Leiden, um Linderung und Heilung zu bringen. Es ist wichtig, daß die Ursache der Hämorrhoiden beseitigt wird und dies ist speztell die Aufgabe dieses Thees. Preis Mk. 1,50, in allen Apotheken zu haben, wenn nicht, wende man sich an die Ferromangingesellschaft, Frankfurt a. M., Kronprinzenstraße 55. Am Fredenbaum hielt am Sonntag abend Prinz Karneval seinen Einzug. Ueber den Verlauf der Sitzungen an dieser Stelle etwas zu berichten hieße Bier nach Dortmund bringen, zu bemerken ist nur, das der Besuch ein enormer, die Stimmung eine äußerst humorvoll. war, Reden und Lieder comme il faut waren, und unter des Tanzlehrers Fritz Glöckners Leitung gar munter das Tanzbein geschwungen wurde.— Heute(Mittwoch) nachmittag konzertiert die Giesenkirchensche Kapelle. Von abends 8 Uhr an findet die 2. karnevalistische Sitzung mit Damen statt, zu der diesmal wieder einer der heivorragendsten Kölner Büttenredner zugesagt hat; außer dem Kölner werden noch andere Büttenredner reden. Das Programm ist sehr abwechselungsreich ausgestellt und ist ein Besuch der Sitzung sehr zu empfehlen. Straßenbahnverbindung bis Schluß der Veranstaltung. Verein Rkeinland. Pünktlich, wie seit 24 Jahren, erscheint auch jetzt wieder der Verein auf dem Plan. Am Tonnerstag, den 6. er., abends achteinhal: Uhr, beginnt er im großen Saale des Gewerbevere#ns die diesjährige Saison. Wie stets, so wird der Verein auch in diesem Jahre vom Besten das Beste bringen, Die alte Garde steht treu zur Fahne und sind auch inwrichg gene Lücklte berrangerogen un den Kamol n iesgram und Muckertum mit Erfolg aufnehmen zu können. Die Eröffnungssitzung soll gleich den alten guten Ruf des Vereins bestätigen und jedem Besucher gerecht werden. Der Vorstand teilt uns noch mit, Jas die an jedem Donnerstag stattfindenden Sitzungen pünik— z e h r b e g i n n e n, d a m i t d a s t a z l s t i g e kommt. Das. Bureau der um achteinhalb Völlchen zu seinen Rechte kommt. Das Bureau der Vereine befindet sich jeden Sonntag von 11—1 Uhr im Gemerbenerein perd. Restaurant. 4 Plötzlich kam ihr der Gedanke, daß mit Heljas Tode eine große Leere für sie entstehen würde. Zehn Jahre lang hatten sich ihre Gedanken unablässig mit dieser Frau beschäftigt... und nun war sie vielleicht tot! Gunnel wurde immer unruhiger. Sie hielt Ausschau nach irgend einem Kinde, das sie nach Heljas Behausung senden konnte. Aber es war keines zu erblicken. Schließlich vermochte sie es nicht länger auszuhalten. Sie knüpfte ihr Kopftuch um und begab sich auf die Landstraße. Langsam schritt sie dem Häuschen am Walde zu— ein Weg, den ihr Fuß seit zehn Jahren nicht mehr betreten hatte. Vor dem Hause angelangt, blieb sie lauschend stehen. Kein Laut. Ein wenig unsicher öffnete sie die Tür. Drinnen auf dem Boden lag eine Frauengestalt, das Gesicht von grauer, leichenhafter Blässe überzogen. Von der blühenden Helja, die ihr dereinst ihren Nils gestohlen, war keine Spur mehr vorhanden. Bei Gunnels Eintritt wandte sie mühsam den Kopf. „2— Gunnel,“ klang es erschreckt von ihren Lippen. „Ja— ja— ich,“ stotterte Gunnel.„Warum liegst Du am Boden?“ „Ich kann mich nicht rühren— mich hat der Schlag getrofsen," flüsterte Helja. „Ah!“— Gunnel almete tief auf. „Kommst Du, um mich zu morden?" tönte es an ihr Ohr. „Ist Dir bange davor?“ fragte Gunnel verächtlich, begann jedoch, der Unglücklachen empor und ins Bett zu helfen. „Tank für Deine Hilfe, Gunnel!“ sagte Helja, sobald sie auf ihrem Lager ruhte.„Das hätte ich nicht von Dir gedacht— ich wußte, daß Du einen tötlichen Haß gegen mich hegst— nun aber, nun wir uns einmal im Leben getroffen haben, will ich Dirs sagen: Du hast, weiß Gott, keine Ursache, mich zu hassen. Daß ich Nils bekommen habe, habe ich teuer bezahlen müssen— er trank und war dann wie unsinnig und schlug mich— und die Kinder waren krank und elend und starben alle— und arm sind wir auch gewesen. Und nun liege ich hier allein und verlassen und warte auf den Tod. Nein, Gunnel, Du hast keinen Grund, mich zu hassen, die ich Dich fast zehn Jahre lang beneidet habe, denn Dir ist das bessere Los geworden....“ Gunnel schwieg. Die arme Helja sah so totelend, so bejammernswert aus, es war kaum noch der Mühe wert, sie zu hassen. Gunnel strich sich mit der Hand über die Stirn. Einen solchen Eindruck, wie sie ihn nun erhalten, hatte sie nie erwartet. In Haß und Rache war sie gerommen — und nun war das alles wie fortgeflogen. Warum sollte sie Helja noch hassen? Die Schwergeprüfte, Unglückliche, die fast zehn Jahre hindurch vollauf Grund gehabt hatte, sie zu beneiden. Tort lag Helja nun und weinte bitterlich. Und ehe sie es wußte, hatte Gunnel Tränien in den Augen. Sie erhob sich und sagte in milderem Tone, als ihn irgend jemand seit Jahren von ihr gehört hatte: „Ich will jetzt gehen, Helja, um Dir ein wenig warme Suppe zu holen, das wird Dir gut tun.“ Und sie flog mehr, als sie ging, den Weg hinab. Zuntes Allerlei Ssss e Eine indische St. ruwarte Der mächtigste und reichste Vasall von Britisch=Indien, der Nizam von Heiderabad, der schon große Fortschritte in der Europäisierung seiner Person und seines Landes gemacht hat, will es jetzt anderen Fürsten auch darin gleichtun, daß er sich als Mäcen der Wissenschaft zeigt. Er hat auf seinen Besitzungen eine wohlausgestattete Sternwarte errichtet. Der Anlaß dazu ist ihm von außen her gekommen, indem ihm von einem jüngst verstorbenen indischen Nabob, namens Zaffer Jung Bahadure, der sich die Ehre eines Mitgliedes der Englischen Astronomischen Gesellschaft erworben hatte, zwei große Fernrohre zum Geschenk gemacht worden waren. Immerhin hat Seine Hoheit der Nizam gezeigt, daß er es mit der Unterstützung der Wissenschaft selbst ernst nimmt. Er hat einen tüchtigen Astronomen als Leiter der Sternwarte angestellt, von diesem den Entwurf eines Arbeitsprogramms eingefordert und das Observatorium noch überdies mit Instrumenten reichlich versehen. Unter diesen finden sich nicht nur rein astronomische Apparate, sondern auch meteorologische, dazu eine sehr vollständige photographische Ausrüstung. Neben der Sternwarte ist socar eine ausgedehnte Verkstatt mit den modernsten Werkzeugen und Vorrichtungen für Arbeiten in holz und Metall angelegt worden. Unter diesen Umständen ist zu hoffen, daß die neue Anstalt ein tüchtiges Mitglied in der Reihe der Sternwarten werden wird, deren Zahl außerhalb Europas und Nordamerikas nur sehr gering ist. Die Verbreitung der Religionen Die gesamte Einwohnerzahl wird auf rund 1974 Millionen Menschen geschätzt. Nachfolgend geben wir eine Statistik, die einen ungefähren Ueberblick darüber gibt, wie sich die einzelnen Retigionen auf die Gesamtheit der Menschen verteilen: Bei den heidnischen Religionen Afrikas und Asiens sind genaue Ermittelungen der Bevölkerungsziffer und des Betenntnisses bis jetzt nicht möglich gewesen. Lustige Ecke Auf der Jagd. Zwei Minister, die sich bei einem ornehmen Herrn auf der Jagd befanden, nannten sich dährend der Treibend„Herr Kollege.“ Ein Treiberjunge, ür gewöhnlich Gänsehirt, hieit obige Bezeichnung für ie allein gebräuchliche##ni- outzer dem einen Minister u:„Herr Kollege, jetz. ung##pem, et koumen zwee Hasen eiprungen. Entrüstung eine: Dleber.„Der Mensch, bei em ich heu!“ Nach: hab' einbreche wollen, muß ein recht schlechter Kerl sein. Die ganze Nacht hat er nicht geschlafen. Wahrscheinlich hat ihn sein böses Gewissen nicht in Ruhe gen##en, und so hal' ich dem elenden Menschen gar nichts stehlen können.“ Eine Wäscherin schaut im Vorbeigehen zu einem Waschhausfenster hinein und rust ihrer ganz allein dort bestanden Fraundin zu:„Aber. Frau Nachbarin, tut Ihnen denn's Maul nicht wey, wenn Sie so den ganzen Tag nichts reden können?“ = S E** □ t 5 a S 2.• a*--—.-n*(ZO . e r n 5—** D„□ #a TTPST 5 Blätter für Unterhaltung Versöhnt. Novelle von C. Borges. unden ung und Belehrung.— (Nachdruck verboten.) Als der schnell herbeigeholte Arzt die Unglückliche untersuchte, lag sie noch mit geschlossenen Augen, dann wandte er sich an die Umstehenden. „Sie ist nicht tot, aber ein Jeder muß sich aus dem Gemach entfernen. Niemand kann hier helfen; nur die Wirtin soll hier bleiben,“ entschied er. Fabio wollte bleiben, doch der Arzt blieb unbeweglich, er wußte, daß er im Krankenzimmer nichts nützen konnte. „Gehen Sie lieber und wechseln Sie Ihre durchnäßte Kleidung“, mahnte er,„sonst werden wir Sie auch noch zu pflegen haben,“ und Fabio gehorchte widerstrebend. Marquis Castelli war der Letzte, der das Krankenzimmer verließ. Er hatte noch lange sinnend am Lager gestanden, und ein unverkeinbares Erstaunen malte sich in seinen Zügen. „Sonderbur!— ich habe diese Aehnlichkeit nie bemerkt," flüsterte er endlich und verließ das Gemach. „Welche Nachricht soll ich Signora Lennor bringen?“ fragte Leonardy Dalison, ehe er den Heimweg antrat. „Sie wird leben;— sie braucht sich nicht zu ängstigen,“ versetzte der Arzt kurz. Der Marquis ging sogleich zu Fabio, der erregt in seinem Zimmer auf und ab ging. „Wie steht's um Ilona?“ rief er dem Eintretenden entgegen. Der Marquis taumelte zurück. „Ilona heißt sie, sagst Du, Ilona? Bist Du ganz sicher?“ „Ja! Ilona Lennox.“ Der Marquis lächelte. „Ich muß mich doch wohl geirrt haben,“ fuhr er ruhiger fort,„aber die Aehnlichkeit hat mich erregt. Und dennoch sieht sie ganz aus, wie ihr Bild, welches ich noch über meinem Arbeitstisch hängen habe.— Aber der Name „Lennox“ ist mir fremd; er hat nie zu unserer Familie gehört.“ „Es ist auch nicht ihr richtiger Name; sie hat ihn nur angenommen,“ berichtete Fabio. Sie heißt„Rinaldi“, wenigstens trug ihre Mutter diesen Namen.“ „Rinaldi sagst Du?“ rief der Marquis und wurde totenbleich,„also habe ich mich doch nicht geirrt!“ Plötzlich blieb er vor Fabio stehen: „Erzähle mir Alles, was Du von ihr weißt, von ihrer Vergangenheit, meine ich, vielleicht wird mir jetzt ein dunkles Geheimnis enthüllt.“ Fabio gehorchte. In klaren, kurzen Worten schilderte er die Vergangenheit des Kindes, das traurige Ende der Mutter und die liebevolle Aufnahme, die die verlassene Waise bei Signora Lennox gefunden hatte. Als er geendet, entrang sich ein schwerer Seufzer dem Herzen des Marquis, er hielt beide Hände vor sein bleiches Antlitz und stöhnte: „So wahr Gott lebt, Ilona ist mein eigenes Kind!“ Einen Augenblick herrschte tiefes Schweigen, dann sprang Fabio von seinem Sitze. „Ihr Kind?“ rief er ungläubig.„Ihr eigenes Kind.“ „Es mag Dir sonderbar erscheinen, Fabio, aber dennoch ist es so.— Ich war noch ein Jüngling, kaum in deinem Alter, als ich heimlich eine Ehe einging.— Sie war so schön und engelsgut, meine geliebte Nelly; doch durfte ich meinem Vater, der ein strenger, harter Mann war, kein Wort von unserem Bündnis sagen.— Ein kurzes Jahr lebten wir glücklich wie im Paradiese; der Himmel hatte selbst unser Glück vermehrt und uns ein Töchterchen, die kleine Ilona, geschenkt. Doch ach! das Glück war nicht standhaft. Mein strenger Vater bestand darauf, mich einer Expedition Afrikareisender anzuschließen. Ich will mich kurz fassen, denn die Gerinnerung an jene traurige Zeit überwältigt mich.— Ich ahnte, daß ich mein trautes Heim lange verlassen mußte, versah meine weinende Nelly mit reichlichen Mitteln, kaufte ihr das einsame Landgut unweit Neapel, und nahm von ihr und dem Kinde mit blutendem Herzen Abschied.— Wir waren übereingekommen, den Namen„Rinaldt“ zu führen, denn da ich wohl wußte, daß mein Vater mich enterben würde, wenn er von meiner frühen Verbindung hörte, weigerte sich Nelly standhaft meinen rechten Namen vor der Einwilligung meines Vaters zu führen.—— Als ich nach sechs Jahren, die ich größtenteils krank oder in Gefangenschaft zugebracht hatte, in meine Heimat zurückkehrte, erwartete mich nur Leid und Elend.— Nelly war tot— von dem Kinde keine Spur— Niemand im Dorfe konnte mir über den Verbleib meiner kleinen Ilona Auskunft geben, denn auch die Warterin war verzogen, ohne eine Spur zu hinterlassen. Inzwischen war auch mein strenger Vater gestorben, und gebrochen an Leib und Seele verfiel ich in ein hitziges Fieber.— Monate lang schwebte ich zwischen Tod und Leben, und nur der treuen Pflege meines Freundes, des Grafen Barry, verdanke ich meine Erhaltung. Bald nach meiner Genesung starb auch er, eine kleine mutterlose Waise, die kaum zweijährige Lucilia, hinterlassend. Ich habe mich treulich des Kindes angenommen, sie hält mich bis heute noch für ihren Onkel, und sie soll es auch nicht anders erfahren, obgleich keine Bande des Blutes uns verbinden."— Fabio hatte in größter Spannung den Worten des alten Herrn gelauscht. „Ist Ilona wirklich ihr rechtmäßiges Kind?“ fragte er endlich. „Ich zweifle keinen Augenblick daran; wiewohl bis jetzt die große Aehnlichkeit mit Ihrer Mutter und Deine 28 Schilderung ihrer frühsten Kindheit die einzigen Beweise sind.“ „Mir war eine gewisse Aehnlichkeit gleich aufgefallen,“ gab Fabio zu,„doch wußte ich gar nicht, wo ich dieselben gesehen hatte; jetzt erinnere ich mich, sie gleicht dem Portrait ihrer Mutter.“ Dann faßte er die Hand des alten Herrn und bat:„Vor wenigen Wochen waren Sie nicht mit meiner Wahl einverstanden, jetzt, da Sie aklein über Ilonas Hand zu bestimmen haben, bitte ich Sie noch einmal, mir ihr Lebensglück anzuvertrauen; machen Sie uns beide nicht unglücklich!“ „Du hast das größte Recht an sie," versetzte der alte Herr gerührt.„Hättest Du sie nicht gerettet, so hätte sie längst in den kalten Fluten ihr Grab gefunden. Sie gehört Dir, wenn ihr Leben erhalten bleibt.“ Jetzt trat der Doktor ein. „Besser wie ich erwartete. Sie ist eingeschlafen und wird voraussichtlich mehrere Stunden ruhen; nur sorgen Sie, daß ihr Schlaf nicht gestört wird,“ erwiderte der Arzt heiter. Ich will sogkeich nach Signora Lennox gehen,“ schlug der Marquis vor.„Bleibe Du hier, Fabio, und sorge für die größte Ruhe bis zu meiner Rückkehr," und in freudiger Erregung verließ er das Haus. Fabio war allein. Seine Stirn zog sich in drohende Falten, als er der Gefahr gedachte, der Ilona noch im letzten Augenblick entgangen war. „Wer kann sie so hassen, um sie in den Tod zu treiben,“ murmelte er, und seine Hand ballte sich krampfhaft zusammen. Plötzlich hielt er in seinen Wanderungen inne: „Lucilia!“ flüsterten seine bebenden Lippen;—„sollte es möglich sein? sie haßte das unschuldige Kind.“ Es ließ ihn nicht länger Ruhe, er mußte Lucilia aufsuchen und fand sie im Garten. „Was hast Du getan, Lucili.? Was hast Du getan?“ wiederholte er finster Eucilia erschrak. „Ich verstehe Dich nicht,“ hauchte sie endlich.„Sprich deutlicher.“ „Oh, Luci! Wie konntest Du nur Deine Seele mit einer solch schweren Schuld belasten! Du hättest uns bald alle unglücklich gemacht! Du merktest, wie sehr Lysander Rocco das arme Kind mit seiner Liebe belästigte, und die Eifersucht trieb Dich zur Verzweiflung!— Warum hast Du Dich nicht an ihm, warum an dem unschuldigen Kinde gerächt?“ „Sprich deutlicher, wenn ich Dich verstehen soll!— Hat wirklich Lysander das blasse Mädchen geliebt?“ versetzte Lucilia erwartungsvoll. „Er scheint, sie belästigt zu haben.— Lucie, Du wußtest nicht, daß Du das rechtmäßige Kind Deines Onkels, der von Deiner Kindheit an Dein Wohltäter war, mit Deinem Haß verfolgtest! Ilona ist sein eigenes, lang verlorenes Kind!“ Lucilia wurde leichenblaß; ihre Augen glühten unheimlich; das heiße italienische Blut siedete in ihren Adern. „Sein Kind?“ zischte sie,„sein rechtmäßiges, legitimes Kind— und ich bin nicht länger die reiche Erbin? Oh! wenn ich das früher geahnt hätte, so könnten Deine Vermutungen vielleicht begründet sein, Fabio Ascoli, aber jetzt hast Du Dich geirrt. Ich habe Deiner Geliebten nicht nach dem Leben getrachtet; suche nicht in mir die Schhildige!“ Fabio durfte nicht zweifeln, ihre Worte trugen deutlich den Stempel der Wahrheit. „Ich bitte Dich um Verzeihung, ich habe Dir Unrecht getan,“ bat er demütig,„aber ich war selbst meiner Sinne kann mächtig, als ich gedachte, wie groß die Feindschaft sein müsse, die sich zu einer so niederen Handlung hinreißen ließ. Weißt Du gar nicht, wer sie gehaßt hat?“ „Deine Worte klingen mir fast rätselhaft, Fabio.“ Ich höre jetzt zum ersten Male, daß Ilona mir mein Erbe entrissen und nun fragt Du mich nach ihrem Mörder? — Es ist für heute genug!“ damit verließ sie ihn. „Alles verloren— Alles dahin!“ stöhnte sie, als sie in ihrem Zimmer allein war.„Ich bin eine Törin gewesen, wie konnte ich nur so fest glauben, die reiche Erbin meines Onkels zu sein! Ha! wenn meine Hand nach ihrem Leben getrachtet hätte, sie wäre sicherlich nicht dem Tode entgangen!—— Und nun Lysander! ich liebte ihn so heiß und innig; wir würden glücklich geworden sein, wenn Ilona nicht zwischen uns getreten wäre. Ich habe jetzt doppelte Ursache zum Haß; sie hat mich beraubt und— — mir Lysanders Herz entwendet.“ Nur mit Mühe suchte sie ihre Erregung zu bemeistern; sie wußte nicht, wie schnell die Stunden vergangen waren, endlich glitt ein triumphierendes Lächeln über ihr entstelltes Antlitz. „Ich will's tun!“ flüsterte sie endlich entschieden.„Er hat mich ja doch schon zur Verbrecherin gestempelt! und soll sie glücklich leben, wenn sie mich in's Verderben stößt?“ Mit zitternden Fingern nahm sie einen kleinen spitzen Dolch aus einem verschlossenen Schrein; er war eisig kalt in ihrer glühenden Hand, doch sie achtete nicht darauf, dann schlich sie leise nach seinem Krankenzimmer. Ilona war allein; ein erquickender Schlummer hielt noch ihre Augen geschlossen, und unwillkürlich bebte Lucilia mit dem Dolche in der Hand einen Schritt zurück. „Es muß sein,“ hauchten ihre blassen Lippen und im selben Augenblick stieß sie das totbringende Eisen der Unglücklichen ins Herz. Ein Schrei entrang sich der Brust der Kranken; ängstlich schauten die großen blauen Augen auf die Mörderin, dann schloß sie dieselben und matt sank das Haupt in die schneeigen Kissen zurück.. „Du hast mir alles geraubt, Liebe und Reichtum, — dafür nehme ich Dir Dein Leben,“ rief ihr Lucilia ins Ohr und verließ eilig das Gemach. Zitternd trat sie vor den Spiegel— nein— das Kainszeichen war noch nicht auf ihre Stirn gedrückt, nur eine tiefe Blässe lagerte auf ihrem Antlitz. Sie schauderte. Sie hatte den Dolch vergessen und ihn neben ihrem Opfer liegen lassen, sollte sie zurück gehen und ihn holen? „Nein! Nein!“ rief sie leidenschaftlich,„man wird doch wissen, daß ich es getan habe. Ich muß fort— fort von hier.“ Schnell nahm sie ihren Hut, durchzählte ihr reichliches Geld und stürzte aus dem Hause. „Ist Signor Rocco hier?“ fragte sie den Kammerdiener, den sie an der Terasse traf. „Nein, er ist schon seit mehreren Stunden fort und wird jedenfalls in Palermo sein, denn er wollte nicht mehr hierher zurückkehren, lautete die Antwort des Dieners. Lucilia eilte weiter „Warum ist er so plötzlich, ohne Abschiedswort gegangen,“ dachte sie.„Ich muß zu ihm, will ihm meine Schuld bekennen, er muß mich retten!“ Bald hatte sie den Bahnhof erreicht, pfeilschnell durchsauste das Dampfroß die Gegenden und ehe der Abend dunkelte stand die unglückliche Lucilia allein auf dem menschenerfüllten Bahnhof in Palermo. 6. Kapitel. Stundenlang hatte Falio in ungeduldiger Erwartung verbracht, spannend auf jede Bewegung im Krankenzimmer gelauscht, endlich ertrug er die peinliche Stille nicht länger, leise öffnete er die Tür und schlich an Ilonas Lager. (Fortsetzung folgt.) Ale S S. 5* — 2—— 2— * —— —— * 1. 5 - W— 1—— □ Ur — —• n e„.+ S Su 2 00 S— ".— o"— .. S-•8° HOEHOEES TSBEgEM E 55E Zun U6n BaiEz 6n0 BEn Gunels Leid. (Nachdruck verboten.) Aus dem Schwedischen von E. Vilmar. Schmuck und sauber lag das kleine Käthnerhaus inmitten von Baumgrün und Blütenhag. Es war rotbemalt, die Fenster weißgestrichen, und die gelbstreifigen Gardinen nahmen sich sehr hübsch aus als Umrahmungen einer Fuchsie und eines Myrtenbaumes. Aus einem jener Fenster spähte ein Gesicht in den jungen, herrlichen Maimorgen hinaus. Es war Gunnel, die Schwester des Käthners, die diesem seit zwanzig Jahren die Wirtschaft führte. Wer Gunnel von Jugend an gekannt hat, fand, daß sie zwar keine Schönheit gewesen, jedoch ganz gut ausgesehen habe. Das war aber schwer zu glauben, denn Gunnel hatte überaus scharfe, unangenehme Züge; es lag etwas Böses, Stechendes in ihren Augen, und ihre fest zusammengekniffenen Lippen schienen gewaltsam irgend ein Geheimnis verschließen zu wollen, Die Landstraße lag still und verlassen im hellen Morgensonnenschein, da die Arbeiter, die in den hier und da verstreuten Häuschen wohnten, schon bald nach Sonnenaufgang zu ihrer Tagesarbeit auf den Herrenhof gewandert waren. Ein Stück abseits von der Landstraße, dicht am Waldesrand lag ein anderes Käthnerhaus,— das Ziel von Gunnels Blicken. Seit zeyn Jahren hatte sie jeden Morgen dorthin geschaut und den Rauch betrachtet, der sich aus jenem Schornstein emporringelte. Dieser Rauch war für sie das Symbol dessen, was sie am bittersten auf Erden haßte, und doch konnte sie nicht mehr so wie früher, es war still in ihr geworden. Der Haß lebte zwar noch ungeschwächt fort, aber er machte sich nicht mehr in seiner alten Stärke geltend, er war abgestumpft im Lause der Jahre. Damals— im Anfange— o, wie wild war er da gewesen! Wie unablässig hatte sie da gegrübelt und Plan auf Plan ersonnen, wie sie sich rächen wollte! Nache — Rache— das war ihr Gedanke bei Tag und Nacht. Doch wie?— Sie hatte an Mordbrennerei gedacht, sie war eine Zeitlang mit dem Gedanken umgegangen, die Haustüre der Verhaßten zu vergiften, irgend ein schauerliches Gerücht über sie zu verbreiten. Doch alles blieb unausgeführt. Das Menschliche in Gunnel siegte über ihre bösen Pläne. Aber ihr großer Haß hatte ihr eigenes Dasein verbittert, ihr jede Lebensfreude vergällt. Das kleine, stille Heim im Käthnerhause, wo sie und ihr arbeitsamer, auspruchsloser Bruder ihr etwas Auskommen hatten, und wo sie ganz nach Gefallen leben und regieren konnte, war für sie ein Gefängnis, eine Folterkammer gewesen. Der Haß war ihr gleichsam in Fleisch und Blut übergegangen, und es hatte Zeiten gegeben, wo sie gefürchtet, den Verstand zu verlieren. Gunnel rieb sich die Augen. Merkwürdig! Um diese Zeit pflegte stets eine blaue Rauchsäule aus der Nachbarn Schornstein aufzusteigen. War es doch Heijas Kafteezeit. Doch heute rührte und regte sich dort nichts? War Helja fort? Doch nein, vor einigen Tagen hatte sie gehört, daß sie kränkelte. Späterhin ging Gunnei aufs Feld, um das Kartoffelland umzugraben. Doch immer wieder schweifte ihr Blick von ihrer Arbeit zu Heljas Behausung hinüber. Wie armselig sah es dort aus. Keine Gardinen vor den Fenstern, keine Blumen, und ein Fensterladen hing ganz schief in den Angeln. Und noch immer kein Rauch zu sehen! Gunnels Bruder kehrte heim und verzehrte wort#arg wie gewöhnlich sein Mittagsmahl. Heljas Name war seit vielen Jahren nicht über der Geschwister Lippen gekommen. Gunnel konnte ihrem Bruder daher nicht sagen, daß es ihr ganz absonderlich vorkam, daß Heljas Schorstein nicht rauchte. Wie, wenn dort irgend etwas geschehen wäre! Wenn ihr steter Wunsch, daß„jenes Weib dort“ irgend etwas Böses treffen möchte, in Erfüllung gegangen war! Der Bruder ging, und Gunnel kehrte zu ihrer Arbeit zurück, aber sie war nervös und unruhig. Das Haus am Waldesrand stand dort, wie ein lebendiges Gedenkzeichen an eines Mannes Falschheit, an eines anderen Weibes Triumph und ihre eigene Niederlage. Während Gunnel eifrig weiter grub, stand ihr alles wieder in greifbarer Deutlichkeit vor Augen, durchlebte sie es aufs neue. Sie sah Nils wieder auf jenem Dache dort sitzen und neue Dachsparren draufnageln. Das ganze Haus wurde repariert und instand gesetzt, und jeden Tag war Gunnel dort und sah, wie weit die Arbeit gediehen war, denn in wenigen Monden gedachte sie als Hausfrau dort einzuziehen. Sie brannte vor Liebe zu Nils und war stolz darauf, ihn gewonnen zu haben. Er hatte als Diener auf dem Herrenhofe gedient und war sehr stattlich und urfidel. Und nun sollte er den besten Käthnerhof bekommen. Sie wußte wohl, daß er sie nicht so liebte, wie sie ihn. Er galt in der dortigen Gegend für einen Schürzenfreund und schäkerte mit allen jungen Mädchen, die ihm in den Weg kamen. Aber Gunel besaß eine Anziehungskraft, deren die anderen Dorf= und Dienstmädel ermangelten. Gunnel hatte 219 Kronen 50 Oere auf der Sparkasse. Das gah den Ausschlag. Sie verlobten sich miteinander und das Haus wurde instand gesetzt. Doch was ist wohl beständig auf dieser Welt? Noch ehe Nils mit Gunnel zum Altar getreten war, kreuzte Helja, die neue Kammerjungfer vom Herrenhose, seinen Pfad. Sie war jung, hübsch und lustig, und Nils gab ihren rosigen Wangen den Vorzug vor Gunnels neunundzwanzig Lenzen und ihren 219 Kronen 50 Oeren. Welche Schande und Erniedrigung für Gunne!! Für eine stolze Seele wie die ihre war es nahezu unmöglich, es zu überleben. Sie dachte auch an den Tod, allein ihr fehlte der Mut. So kam sein Hochzeitstag. Sie sah, wie die Brautleute aus der Kirche kamen und Nils seine Helja ritterlich aus dem Wagen hob. Und dann sah sie die Beiden Arm in Arm zwischen den blühenden Fliederbüschen ihres Gartens lustwandeln. Seitdem hatte sie das Leben ihrer Nachbars eute unausgesetzt verfolgt. Sie sah, wie ihr Kind zur Tause getragen wurde, und sie sah den kleinen Leichenzug, als die Dipiheritis im Dorfe hereschte und das Kind Heljas hinweggerafft hatte. Sie sah Rils trunken und raumelnd aus der Stadt heimkehren. So beobachtete sie ihr Leben von ferne, Tag für Tag, doch nichts vermochte ihren Haß zu mildern. Sie harrte darauf, ja sie wünschte aus tiefster Seele, daß irgend ein großes Unheil ihre Nachbarn treffen möge. Daß die Kinder starben und Nils sich dem Trunke ergab, das waren in ihren Augen nur Kleinigkeiten, die auch andere Frauen als Helja durchzumachen hatten. Vor einem Jahre war der letzte Leichenzug durch jene Tür gekommen. Nils war es, den man fortgetragen. Doch selbst das vermochte Gunnels Haß nicht zu tilgen. Er war zur fixen Idee bei ihr geworden, und sie hielt immer noch an der Hoffnung fest, sich eines Tages an der Frau, die ihr Glück gestohlen, gerächt zu sehen. Heute aber hatte sich Gunnels ein ganz eigenes Gefühl bemächtigt. Wenn Helja nun in der Nacht gestorben war! Wenn sie dorthin gegangen war, wo leine Rache und kein Haß sie mehr erreichen konnten?! Gunnel gönnte es ihr nicht, still und friedlich zu sterben und allem enthoben zu sein