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Wohnungnarkt u. private Familienanzeigen d Goldusennig. Reklame teil 40 Goldpfennig. Bei Wiederholung Rabatt. der bei gerichtlicher Beitreibung in Wegfall kommt.— Annahme schluß für Inserate nachmittags 3 Uhr. Nr. 250. Mittwoch, den 24. Oktober 1928. 5. Jahrgang Es ist ein langer Weg zum Einheitsstaat. Der bayrische Partikularismus steht noch in voller Blüte.- Die Reichsregierung hat die Führung übernommen. Reichsreform und Einheitsstaat Die Frage der Reichsreform ist trotz aller Sabotageversuche aus Süddeutschland auf dem Marsch über die Vertreter der„Eigenstaatlichkeit“ in Bayern und in Preußen fühlen sich durch die Aktivität, die sich neuerdings sowohl in der Reichsregierung wie in der Preußenregierung auszuwirken beginnt, erheblich in ihren konservativen„Belangen“ bedroht. Der Arbeitsau#stuß der„Länderkonferenz“ hat am Montag seine Arbeit wieder ausgenommen und es steht zu hoffen, daß unter Führung des preußischen Ministerialdirektors Dr. Brecht. des preußischen Sachbearbeiters des Reichsreformausschusses, die esten praktischen Ziele der Einheitsbewegung zu verzeichnen sind. Die einzelnen Vorschläge der verschiedenen Länder und Organisationen sind allerdings von einander noch sehr verschieden. Herr Dr. Luther will in seinem„Erneuerungsbund“ zwar Preußen die Reichsverwaltung nehmen, die süddeutschen Staaten aber bis auf weiteres bestehen lassen. Der praußische Finanzminister Dr. Hopker=Aschoff. der bis vor kurzem die Auffassung des geschäftigen Dr. Luther vertreten hat. scheint neuerdings die ungeheure Gefahr einer neuen Mainlinie und die Gefährlichkeit eines derartigen Zwischenzustandes erkannt zu haben. Auch der Reichsjustizminister Dr. Koch=Weser lehnt diese„Zwischenlösung" ab und hat sich auf folgende vier Programmpunkte festgelegt: Die süddeutschen Länder haben sich den Weisungen des Reiches zu unterwersen. Der Verwaltungsunterbau der Länder ist gleichmäßig durch das Reich zu gestalten. Die Zusammenarbeit zwischen Landes= und Reichsbehörden ist durch ein einheitliches Gremium durchzuführen. Die parlamentarische Versassung in den Zwergstaaten ist durch eine Art Reichskommunalverfassung zu ersetzen. Der preußische Ministerialdirektor Dr. Brecht, der Mann, der zweifellos am tiefsten in die Materie eingedrungen ist, hat in einer Denkschrift etwa folgende Grundsätze formliert: Die Gebiete der deutschen Länder werden„Reichsländer“ nach Maßgabe der folgenden Vorschriften: Bis auf weiteres sind, die jetzigen Landesgrenzen, in Preußen die jetzigen Grenzen der preußischen Provinzen maßgebend. Die Gesetzgebung steht den neuen Ländern in folgendem Umfang zu: Für die preußischen Länder kann an die Stelle des bisherigen Landtags der Provinziallandtag oder ein preußischer Zentrallandtag treten.— Der Aufbau der inneren Verwaltung der neuen Länder kann durch Reichsgesetz geregelt werden. In bestimmten Ländern ist die Verwaltung vom Reich zu übernehmen. Die Justizverwaltung wird in allen neuen Ländern Reichsverwaltung. Weitere Verwaltungszweige können durch Reichsgesetz auf die Reichsverwaltung übernommen werden. Für jedes Land wird als oberster Vertreter der Reichsbehörden ein„Reichsoberpräsident" oder ein„Landespräsident" bestellt. Auch Ministerialdirektor Dr. Brecht erstrebt also die Zusammenfassung der Verwaltung im Reich und in den Ländern durch eine schrittweise Uebernahme der Verwaltungsfunktionen durch das Reich, und zwar gleichzeitig in Preußen und in den Ländern, denen gewisse Funktionen im selben Maßstabe genommen werden sollen. Es wird sich zeigen, ob die Länderkonferenz imstande ist, die Aufgabe der Reichsreform zu lösen. Sollten die Widerstände, vor allem der süddeutschen Länder, so groß sein, daß die Reichskonferenz der Regierungsvertreter versagt, dann muß der Reichstag oder eine von der deutschen Linken angekurbeste Volksbewegung unter Umständen über unwillige Parlamente und Ministerien hinweg den Einheitsstaat zur Durchführung bringen. Eine Entschließung der Reichsregierung. Die Frage der Reichsreform. Berlin, 23. Oktober. In der heutigen Sitzung des Ausschusses für Verfassungsund Verwaltungsreform gab Reichskanzler Müller eine Entschließung der Reichsregierung bekannt, welche in der vorhergegangenen Kabinettssitzung einstimmig beschlossen worden war. Die Entschließung hat folgenden Wortlaut: Auf Grund der gestrigen Verhandlungen des Ausschusses erklärt die Reichsregierung: I. Die Reichsreform muß getragen sein von der Erkenntnis der Notwendigkeit einer starken Reichsgewalt, der Bedeutung der vielgestaltigen Eigenarten des deutschen Volkslebene und des Ersordernisses sparsamster Finanzgebarung der öffentlichen Haushalte. I. Eine territoriale Neugliederung ist ersor derlich und darf sich nicht beschränken auf solche Gebiete, die Infolgt Gemengelage einzelner Gebietsteile eine besonders erschwerte und kostspielige Verwaltung haben. 3. Es ist erforderlich, als Glieder des Reichs leistungssähige Länder bestehen zu lassen. Hierfür ist zu prüfen, wie die Verwaltung der Länder zu gestalten ist(Wahl der Landtage, Amtszeit der Landesregierungen, Landesspitze). Ferner soll geklärt werden, wie die Organisation des Unterbaues in den Ländern nach einheitlichen Reichsgrundsätzen(Reichsrahmengesetzen) eingerichtet werden kann. 4. Die Beseitigung des Dualismus zwischen Reich und Preußen erscheint im Rahmen der Endlösung erforderlich. Deshalb ist zu klären, wie in diesem Falle das Verhältnis des Reiches zu den übrigen Ländern und die Zusammensetzung des Reichsrats gestaltet werden soll. 5. Die Verwaltungsbezirke des Reichs und die Ländergrenzen sind nach Möglichkeit einander anzupassen. 6. Die Einrichtung der Auftragsverwaltung ist in dem Sinne auszuarbeiten, daß die Reichsregierung die Länderregierungen mit der Ausführung von Angelegenheiten der Reichsverwaltung beauftragen kann, so daß die Verwaltung alsdann nach näherer Anweisung der Reichoregierung geführt wird und für die Ausführung die Verantwortung nicht gegenüber dem Landtag, sondern gegenüber dem Reichstag besteht. 7. Es ist zu prüfen, inwieweit den Ländern zur Erledigung im Wege der Eigenverwaltung Aufgaben übertragen werden können, die nicht als Lebensfragen der Nation vom Reiche oder im Auftrage des Reiches zu erledigen sind. Auf vielen Gehieten wird sich das Reich mit einer Oberschicht von Gesetzen und Anordnungen begnügen und die nähere Durchführung den Ländern unter selbständiger Verantwortung überlassen können. 8. Die Reichsregierung empfiehlt dem Ausschuß, zur Bearbeitung dieser Fragen zwei Unterausschüsse einzusetzen, von denen der erste Vorschläge für die neue Abgrenzung der Länder und Reichsverwaltungsbezirke und deren zweiter Vorschläge für die Zustandigkeit der Länder und deren Organisationen zu machen hat. Dabei bleibt eine gemeinsame Tagung der beiden Ausschüsse vorbehalten. Partikularisten sind stark verschnupst Berlin, 23. Oktober. Der bayerische Ministerpräsident Dr. Held ist der Auffassung. daß die Entschließung der Reichsregierung eine neue Situation geschaffen habe, zu der die Delegationen der Länder erst Stellung nehmen müßten. Wie verlautet, betrachtet der bayerische Ministerpräsident die in der Entschließung niedergelegten Richtlinien nicht als eine brauchbare Grundlage für die Weiterführung einer gedeihlichen Arbeit des Ausschusses. Die Entschließung hat in Kreisen der bayerischen Delegation einige Ueberraschung hervorgerufen, zumal sie einstimmig gefaßt ist, also auch die Zustimmung des Reichspostministers Schatzel gefunden hat, der der Bayerischen Volkspartei angehört. Gestern abend hat die letzte bayerische Delegationsbesprecktung stattgefunden. An ihr hat auch Reichspostmiwister Schätzel teilgenommen; er ist aber zu dieser Zeit über die Entschließung noch nicht unterrichtet gewesen. Das ist an sich natürlich; denn die Entschließung ist erst in der Kabinettssitzung gefaßt worden, die heute vormittag um 9 Uhr begann. Wie von bayerischer Seite betont wird, ist eine Fühluungnahme zwischen dem Reichspostminister und dem bayerischen Ministerpräsidenten nicht mehr möglich gewesen. Auf bayerischer Seite werden besonders die Teile der Entschließung als ungeeignet angesehen. die eine stärkere Betonung der Reichsbefugnisse gegenüber den Aufgaben der Länderregierungen anstreben. Im übrigen wird in Konferenzkreisen darauf hingewiesen. daß bereits gestern von Ländervertretern mehrfach der Winsch geäußert worden ist, daß doch auch die Reichsregierung ihre Meinung bekanntgeben möchte. Das ist nun in den Richtlinien geschehen, die das Kabinett heute beschlossen und die der Reichskanzer Müller im Laufe der heutigen Vormittagsdehatte der Konferenz vorgetragen hat. Es ist anzinehmen, daß nun heute nachmittag die Ländervertretungen zunächst für sich ihre Auffassung klären und dann untereinander Fühlung nehmen werden, um ihre Ansichten auszutauschen. Solange die Sozialdemokraten in der Reichsregierung sitzen, ist zu erwarten, daß von dieser Stelle die energischsten Vorstöße gegen den unbelehrbaren Partikularismus der bayerischen Staatsführung unternommen werden. Parker Silbert und das Reparationsproblem. Verhandlungen in den beteiligten Ländern.- Viele Interessen müssen auf eine Formel gebracht werden.- England und Frankreich sind sich einig. (Eigener Drahtbericht.) SPD. Paris, 23. Oktober. Ueber die Verhandlungen mit Poincare, Churchil! und Parker Gilbert in Paris weiß heute Pertinax im„Echo de Paris“ ergänzend zu berichten, daß der Revisionsplan Parker Gilberts tatsächlich die volle Zustimmung Frankreichs und Englands gefunden habe und auch die Italiens und Belgiens zu finden sicher sei. London und Paris seien sich auch schon über die ihren Vertretern in der Sachverständigen=Kommission zu gebenden Instruktionen völlig einig geworden. Anders aber sei es mit der Frage der praktischen Durchführung der Revision des Dawesplanes. Churchill habe zwar schon den amerikanischen Bankier Morgan darüber auszuhorchen versucht, wie weit sich die Kommerzialisierung der deutschen Schuld ermöglichen lasse. Seine Besprechungen seien jedoch vollkommen erfolglos gewesen. Blgien und die Reparationen. Brüssel, 23. Oktober. Ministerpräsident Jaspar gab heute Parker Gilbert zu Ehren ein Frühstück, an dem der Finanzminister, der Minister des Auswärtigen und der Kabinettschef des Außenministeriums teilnahmen. Parker Gilbert gab den Regierungsmitgliedern Kenntnis von seinen Unterredungen in London und Paris. Die belgischen Minister teilten ihm mit, ihre Regierung sei fest entschlossen, die im Dawesplan Belgien zugestandene Lage aufrechtzuerhalten, falls ein Sachverständigenausschuß zur Revision des Planes ernanstt werden sollte. Belgien könne nicht auf die im Dawesplan vorgesehenen Jahreszahlungen sowie auf die Forderung der Rückzahlung der Markbeträge durch Deutschland verzichten, die es selbst zu zahlen gezwungen worden sei. Auch Italien will eine Einigung. Rom, 23. Oktober. Wie Popolo d'Italia von maßgebender Seite erfährt, hat der Revarationsagent Parker Gilbert vor seinen kürzlichen Besprechungen über die Reparationsfrage Mussolini schriftlich mitgeteilt, daß er aus materiellen Gründen zu seinem Bedauern nicht nach Rom kommen könne und ihm seine Pläne dargelegt, sowie Mussolini über die Verhandlungen unterrichtet, die er zur Erreichung einer allseitigen Einigung anzubahnen bebsichtige Parker Gilbert hatte ecklärt, daß er die Mitarbeit Italiens lebhaft wünsche. Nach den ersten Besprechungen zwichen Poincare, Churchill und Parker Gilbert richtete Churchill toch von Paris aus eine Kundgebung an Mussolini, worin er hn über seine Unterredungen unterrichtete und ihn um Mitteilung seiner Auffassung bat. Mussolini ernannte den Minister Pirelle zum Vertreter Italiens in dem Sachverständigen=Ausschuß zur Lösung der Reparationsfrage. Pirelli wird die offiziellen Richtlinien Italiens darzulegen haben. Italien wird weiterhin in der zweckdienlichsten Weise daran mitarbeiten, daß, wie Mussolini in seiner Rede im Senat am 5. Juni erklärte, im Interesse der europäischen und der Weltwirtschaft das letzte Wort über dieses ernste Problem gesprochen wird Sozialdemokratischer vorstoß gegen das Zechenkapital. Ein Enteignungsantrag gegen„Unser Fritz“. Wie wir in letzter Stunde erfahren, hat die Fraktion der Sozialdemokraten im Preußischen Landtag an das Staatsministerium das Ersuchen gerichtet, in der Stillegungsangelegenheit „unser Fritz“ von der Bestimmung der§§ 65 und 156 des Allgemeinen Preußischen Verggesetzes Gebrauch zu machen und die Enteignung dieser Zeche durchzuführen. Diese Enteignung soll gleichzeitig mit der Uebernahme der Beteiligungsziffern an Kohle und Koks im Quotensystem des rheinisch=westfälischen Kohlensyndikats verbunden sein. Dieser Antrag ergibt sich als ganz selbstverständliche Abwehr gegen den Quotenschacher der Konzerne und der damit verbundenen Stillegungskampagne, die wie ein Alpdruck über dem Gebiet der Industriegemeinden droht. Es entspricht durchaus den sozialdemokratischen Forderungen, daß die Verfügungsgewalt einiger Wirtschaftskommandeure über den Produktions= mittelapparat eingeschränkt und unter die Kontrolle des allgemeinen Wohls gestellt wird. Der Dreußische Staatsrat tagt. Der Preußische Staatsrat nahm am Dienstag in einer kurzen Eröfffnungssitzung zunächst Kenntnis von dem Beschluß des Ministers des Innern über die Verstaatlichung der Polizeiverwaltung in Castrop=Rauxel, sowie von dem Runderlaß über die Bestimmungen hinsichtlich der Festsetzung des Besoldungsdienstalters der Polizeivollzugsbeamten. Bei der Beratung der Verordnung, die die Zuständigkeit bei Einstellung und Beförderung der Polizeibeamten der Besoldungsgruppen 7 B bis 11 regelt, forderten die Kommunisten Mitwirkung der Beamtenvertretungen bei der Einstellung und Beförderung. Im übrigen wurden Einwendungen auch gegen diese Verordnung nicht erhoben. Darauf vertagte sich der Staatsrat auf Mittwoch. Der Kampf um die Todesstrafe. Frau Müller=Otfried will weiter kopfen lassen Im Strafrechtsausschuß des Deutschen Reichstages platzen die Meinungen der Befürworter und Gegner der Todesstrafe hart aufeinander. Die Vertreter der bürgerlichen Parteien. bis tief in die Reihen des Liberalismus hinein, kämpfen mit einer Energie, die wahrlich einer edleren Sache würdig wäre, für die Beibehaltung des Köpfens. Getreu den Forderungen der Sozialdemokratie trat der Abgeordnete Genosse Landsberg mit einer sehr ausführlichen Begründung für die Abschaffung der Todesstrafe ein. Er verwies darauf, daß selbst die deutsche Revolution im Jahre 1918 nicht mit dem Blut des Schaffottes befleckt worden ist. Die bekannte Verfechterin der Todesstrafe, Frau MüllerOtfried(Deutschnational), polemisierte gegen die Forderun. gen der Sozialdemokratie und fühlte sich insbesondere durch den Vorwurf getroffen, daß die Anhänger der Todesstrafe Barbaren seien. Ihre primitive Gesinnung brachte sie dadurch zum Ausdruck, daß sie sich in schärfster Form gegen eine Beseitigung der Todesstrafe gegenübe, Frauen wandte. Genosse Diitmann entgegnete, er habe für eine solche Frau nur ein kräftiges Pfui übrig. Dafür erhielt er einen Ordnungsmf. Dittmann wie auch Frau Pfülf(Soz.) traten für unterschiedliche Behandlung von Mann und Frau ein. Im Laufe der Aussprache erklärte der preußische Ministerialdirigent Schäfer, daß Preußen durch das Rundschreiben des Reichsjustizministers mit Rücksicht auf die Ausschußberatungen, die Vollstreckung von Todesurteilen auszusetzen, nicht zu einer grundsätzlichen Stellungnahme veranlaßt worden sei. Ein Erlaß an die Justizbehörde sei nicht ergangen. Der Reichsjustizminister hat auch keine Antwort verlangt. Im Fall Reinke hat der Landtagsausschuß nicht die Unschuld der Verurteilten festgestellt, sondern nur den Judizienbeweis für ungenügend gehalten und darum die Be#nadigung empfohlen. Nachdem noch Dr. Jörissen(Wirtschaftspartei) für die Todesstrafe wenigstens bei Kapitalverbrechen gesprochen hatte, wurde die Weiterberatung vertagt. Die Justizminister wollen miteinander verhandeln. Berlin, 23. Oktober. (Privatmeldung.) Vom 25. bis 27. d. M. werden Besprechungen zwischen dem Reichsjustizministerium und den Justizverwaltungen der Länder abgehalten werden. Am 25. d. M. wird über die Grundfragen des Strafprozesses und der Jugendgerichte gesprochen werden, später über die Vereinheitlichung und Umgestaltung des juristischen Vorbildungswesens. Die Kohlenkrise als internationales Problem. Tagung des Wirtschaftskomitees des Bölkerbundes. Gens, 23. Oktober. Das Wirtschaftskomitee des Bölkerbundes, in dem Deutschland durch Staatssekretär Trendelenburg vertreten ist, hat in seiner heute ausgenommenen 26. Tagung mit der Beratung der internationalen Kohlenkrise begonnen. Den Beratungen liegen neben verschiedenem anderen Material die Berichte verschiedener Komiteemitglieder über die Lage des Kohlenmarktes in ihren eigenen Ländern zugrunde. Die heutige Aussprache hat noch zu keinem konkreten Ergebnis geführt und wird am Mittwoch fortgesetzt. Es steht noch nicht fest, ob in der gegenwärtigen Tagung ein entscheidender Entschluß über die Einleitung der vom ständigen beratenden Wirtschaftsausschuß unter Zustimmung von Völkerbundsrat und Bölkerbundsversammlung vorgeschlagenen Untersuchungen gesaßt werden kann. Die Internationale der Bergarbeitergewerkschaften hat schon längst den Ruf nach einer internationalen Lösung der Kohlenkrise erhoben. Die Unternehmer haben sich bis zur letzten Stunde gegen einen solchen Vorschlag gesträubt. Jetzt beweisen die Verhandlungen vor dem Wirtschaftskomitee des Völkerbundes, daß auch in diesem Falle wieder einmal die Arbeiterorganisationen den Unternehmerverbänden an Weitblick voraus waren. die Schupo verlangt republikanischen Wind. Die Polizeibeamten gegen den militärischen Drill. Der Vorstand des Preußischen Beamtenbundes hat einstimmig beschlossen, bei Ministerpräsidenten Braun wegen der „Ueberspitzung und Uebertreibung des Autoritätsprinzips in der Schutzpolizei“ vorstellig zu werden, die„zweifellos durch eine starke militärische Einstellung eines großen Teils der Polizeioffiziere Preußens hervorgerufen“ sei. Der Preußische Beamtenbund regt an, dem Landtag eine Novelle zum Polizeibeamtengesetz vorzulegen, durch die die jetzt geltenden Bestimmungen über fristlose Entlassung, Entlassung wegen Ungeeignetheit und Uebertragung der Disziplinarstrafgewalt auf die Offiziere geändert werden. Den äußeren Anlaß zu diesem Schritt haben einige Vorkommnisse der letzten Zeit an Polizeischulen gegeben, die in jeder Beziehung an die Ausschreitungen der Rekruten=Drills im kaiserlichen Deutschland erinnert haben. Es muß Aufgabe des preußischen Innenministers, Genossen Grzesinskl, sein, hier mit eisernem Besen auszukehren. Es wird höchste Zeit, daß zwischen Polizeibeamten unteren Grades und denen der„höheren“ Ordnung, also den Offizieren, endlich einmal die republikanische Homogenität hergestellt wird. Wie schon so oft: Unten ist alles gut, oben aber sitzen die Verderber Um die Einheit der Beamtengewerkschaften. Schwierigkeiten bei den Einigungsverhandlungen. Zwischen den Spitzengewerkschaften der deutschen Beamtenschaft, dem Deutschen Beamtenbund und dem freigewerkschaftlichen Allgemeinen Deutschen Beamtenbund haben, wie die „Vossische Zeitung" erfährt, erneut Verhandlungen über einen Zusammenschluß stattgefunden. Eine Einigung ist bisher nicht erzielt worden. Die Hauptschwierigkeit besteht wohl vorläufig. ebenso wie vor zwei Jahren, in der Behandlung der gemischten Gewerkschaften, denen außer Beamten auch Arbeiter und Angestellte angehören. Es ist sehr zweifelhaft, ob es unter diesen Umständen möglich sein wird, eine Einigung zwischen den beiden Spitzengewerkschaften zu erzielen. Im Interesse der Stoßkraft zur Durchführung der wirtschaftlichen Forderungen ver einzelnen Beamtenkategorten, ware ein erfolgreicher Abschluß dieser Verhandlungen unbedingt erwünscht.— Porzellan... Das englisch=französische Flottenabkommen im Spiegel der Kritik. Kommentare der Pariser Presse. Paris, 23. Oktober. Nachdem London und Paris die Dokumente über ihr gemeinsames Marineabkommen veröffentlicht haben, muß man feststellen, daß zumindest die französische Veröffentlichung keine Klarheit gebracht hat. Die Kommentare in der Pariser Presse, die die Veröffentlichung begleiten, beschränken sich in der Hauptsache auf die erneute Behauptung, welch loyalen Akt das Marineabkommen darstelle. Der„Quotidien“ erklärt, daß das Abkommen mit England Frankreich nur Schwierigkeiten gebracht habe und ihm noch weiter zu bringen drohe. England habe seinen Widerstand gegen die französischen Landrüstungen aufgegeben, aber es habe dies in solch bedingter Form und mit solch ausgesprochener Unliebenswürdigkeit getan, daß dieses Zugeständnis gleich Null sei. Der Erfolg der neuen Meisterleistung der Geheimdiplomatie sei also für Frankreich ein offener Konflikt mit Amerika über die Flottenabrüstung und ein drohender Konflikt mit England über die Landrüstungen. Die Haltung Amerikas. Das Weiße Haus und die Farbbücher über das Flottenkompromiß. Washington, 23. Oktober. Zu den in London und Paris erfolgten Veröffentlichungen über das Flottenkompromiß wurde im Weißen Haus erklärt, man könne jetzt abschließend sagen, daß diese englischfranzösische Verständigung die Frage der allgemeinen Abrüstung nicht gefördert habe. Feststellbar sei lediglich eine gewisse Aenderung gegenüber der früheren Haltung Englands und Frankreichs, eine Aenderung, mit der die Vereinigten Staaten sich nicht einverstanden erklären könnten, und die auch nach hier vorliegenden Berichten in Italien und Japan keine volle Billigung gefunden habe. Es stehe demnach fest, daß zwei Staaten sich auf einer Basis geeinigt haben, die von drei anderen Staaten abgelehnt werde. Unter diesen Umständen sei es wenig wahrscheinlich, daß eine allgemeine Seeabrüstungskonferenz vor 1931 zusammentreten werde. Nach der Veröffentlichung des Geheimvertrages. Die Uhrmacher(Chamberlain und Briand):„Wir haben also die Uhr zurückgestellt.“ Europa:„Um Gottes willen! Wie weit?“ Die Uhrmacher:„Bis 1914!“ Die Sozialdemokrat'e ist der„Felsen Petri“... Eine bürgerliche Stimme über die Stärke der SPD. In der„Welt am Montag“ nimmt der bürgerliche Journalist und Pazifist Helmuth von Gerlach zu dem Ausgang des Volksbegehrens und der Rolle der Sozialdemokratie Stellung. H. v. Gerlach, der wie er selbst zugibt, mit der sozialdemokratischen Taktik nicht einverstanden war, kommt zu derart interessanter Erkenntnis, daß wir uns verpflichtet fühlen, einige Stichproben aus seinem Artikel zu veröffentlichen: „Heute, nach dem Mißerfolg des Volksbegehrens, steht die Sozialdemokratie stärker da als je zuvor. Das unumwunden auszusprechen, empfinde gerade ich als Bedürfnis, der ich in diesem Falle mich ihrer Taktik nicht anzuschließen vermochte. Es gibt ja nichts Dümmeres in der Politik, als Tatsachen ignorieren zu wollen. Der Kabinettsbeschluß vom 10. August, der den Panzerbau passieren ließ, schien ein fast tödlicher Schlag für die Sozialdemokratie, die sich scheinbar mit ihrem ganzen Wahlkampf durch ihre Minister desavouiert sah. Empörung erfüllte die Massen. Alle, alle protestierten, die gemäßigten Rheinländer unter des sehr gemäßigten Sollmanns Führung nicht minder als die ultraradikalen Sachsen. Die Kommunisten, immer auf der Lauer nach Agitationsstoff, suchten sofort die Gelegenheit zu nützen. Sie kamen mit einem Volksbegehren, dessen antimilitaristischer Inhalt den sozialdemokratischen Massen sympathisch sein mußte. Gerade bei diesem Anlaß, wo die Sozialdemokratie sachlich in der schlechteren Position war, hat sich erwiesen, daß die KPD. nur eine Seifenblase, die SPD. aber Granit ist.“ In entscheidender Stunde hat die SPD. ihre kaum von dem kleinsten Riß durchbrochene Geschlossenheit bekundet. Die KPD. aber ist in derselben Stunde, die für sie günstiger schien als je eine zuvor, als ein Haufen unzufriedener Elemente ohne inneres Band enthüllt worden. Der Unterschied zwischen SPD. und KPD. ist eben der, das hat sich jetzt mit unwiderlegbarer Deutlichkeit ergeben: die einen haben ihre Leute in der Hand, die anderen nicht. Mit anderen Worten: Die Sozialdemokratie ist eine Partei, die sich mit voller Sicherheit auf ihren Bestand nicht bloß an eingeschriebenen Mitgliedern, sondern auch an Wählern verlassen kann. Die Kommunistische Partei verfügt über einen festen Kern von Offizieren und Unteroffizieren, aber die Millionen ihrer Wähler sind nur Treibsand. Die SPD. ist eine richtige Armee, die KPD. nur eine Cadre=Armee, deren Cadres bei der Mobilmachung unausgefüllt bleiben. Natürlich ist mit dem negativen Ausgang des Volksbegehrens die Panzeraffäre noch lange nicht erledigt. Der Sozialdemokratie stehen im kommenden Winter die schwersten Kämpfe bevor, bis über die Rate 2 entschieden, bis der Wehretat verabschiedet ist. Aber jetzt, nach der vernichtenden Niederlage der KPD., nach der unerhört glänzend abgelegten Feuerprobe auf ihre Disziplin, geht die SPD. diesen Kämpfen mit Gewißheit entgegen, daß ihr Knochengerüst unerschütterlich solide ist. Ob man den Parteigehorsam als höchste Tugend einschätze oder nicht, ob man den Ausgang des Volksbegehrens aus innen= und außenpolitischen Gründen begrüße oder beklage— die Tatsache ist erhärtet worden, daß die Sozialdemokratie nicht bloß die stärkste, sondern auch die festest gefügte aller deutschen Parteien ist. Alle anderen Parteien sind mehr oder weniger ein 2. Sie ist eine benannte Zahl, und zwar die höchstellige. Sie ist der„Felsen Petri“ in der Deutschen Republik.“ * Unseren Funktionären werden diese ehrlichen Feststellungen eines Gegners der sozialdemokratischen Taktik ein neuer unsporn sein, um die Werbewoche für die Partei zu einem unumstößlichen Erfolge zu führen. Die Sozialdemokratie ist nicht nur der„eisen Petri“ der Deutschen Republik, sondern der rocher de bronce, der eherne Felsen aller Hoffnungen, welche die Arbeiterklasse in ihrem Aufstieg beflügeln. Rätselraten um Hugenberg. Mit wieviel Stimmenmehrheit wurde Hugenberg gewählt? Obgleich die deutschnationale Parteileitung um die Wahl Hugenbergs zum Parteivorsitzenden ein Mäntelchen geradezu mystischer Geheimniskrämerei gebreitet hatte, veröffentlichte der „Jung=Deutsche" das Ergebnis derselben und behauptete, daß die Wahl nur mit einer knappen Mehrheit mit fünf Stimmen erfolgt sei. Im Berliner„Lokalanzeiger“ schreibt die„zuständige Seite“ der Deutschnationalen Volkspartei zu dieser Veröffentlichung folgendes: „In einem Linksblatt wird berichtet, daß die Wahl Hugenbergs nur mit fünf Stimmen Mehrheit erfolgt sei. Diese abl ist unrichtig. Es ist ausgeschlossen, daß der Urheber dieser Nachricht Kenntnis von der richtigen Zahl besitzt. Die Auszähler, fünf Herren, sind ehrenwörtlich gebunden, die Zahl nicht bekanntzugeben.“ Ja, ja, die berühmten„ehrenwörtlichen“ Bindungen der Deutschnationalen! Der Teufel selbst muß sich im Irrgang deutschnationaler„Ehrenwörtlichkeiten“ verlaufen. Wie groß war nun die„Mehrheit"? Die Verlautbarung zeigt, daß die„zuständige Seite“ der Deutschnationalen Volks partei schon längst das Wort begriffen hat: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste! Die Landbundausschreitungen vor Beginn des Kyritzer Landfriedensbruchprozesses. Kyritz(an der Jäglitz), 23. Oktober. Hier begann heute der Prozeß gegen 59 Landwirte, die wegen Landfriedensbruchs, Beleidigung und Aufruhr anläßlich einer politischen Demonstration am 12. März gegen das Finanzamt Kyritz angeklagt sind, bei der eine große Anzahl Fensterscheiben des Finanzamtes zertrümmert, sowie das Hoheitszeichen abgerissen wurde, und es zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen war. Da die Räume des Amtsgerichts nicht aus reichten, muß das erweiterte Schöffengericht aus Pritzwalk unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors de Lorenzi in dem großen Tanzsaal eines Hotels tagen. Vor dem Richter stehen wieder einmal die kleinen Sünder. jene Verführten, die den großagrarischen Auftraggebern und Subsidienschindern die Kastanien aus dem Feuer holen mußten Die wahren Strippenzieher dieser Rebellionen gegen die Staatsgewalt sitzen, wie immer, wohlgeborgen im Hintergrund und lassen die Verfühhrten für sich büßen. die Spd. marschiert! Zu Hunderttausenden marschierten die Sozialdemokraten am vergangenen Sonntag durch die Straßen Berlins, um im Lustgarten für den Sozialismus zu demonstrieren. Im ganzen Reiche verliefen die Gedenkseiern zur 50jährigen Wiederkehr des Sozialistengesetzes glänzend. Es zeigt sich überall: Die Sozialdemokratie ist auf dem Vormarsch! Dienst Auch heute be mit dem Seele zu dessen Erörter Anzahl Zeugene frühere Mitschülmaner und eine Gladbeck, lauter klagten, der viel freundlichen Läch Mädchen bemerkt Pflegeschwester, H Ermordete beson! fühlt hatte. Rechtsanm Gericht, zuerst di schlagenen Zeugen Vorsitzend Dr. Meyer, sind Leiche mit Herrn kommen? Könner Ihres Gesprächs mitteilen? Zeuge: Jar Lutter nach der I er mir, daß er? treffenden Morge ort gerufen hätte. rascht gewesen un nicht glauben wo Vorsitzend verwundert gefrag Zeuge: Ja überraschten Ausr „Ich mußte ihm d Der Vorsitz mals vernehmen klären. Als zweiter: Zeuge: Ich am Tatort und s# Fahrrad an die direkt zur Leiche Meter davon entf entgegen und hind Vorsitzenden demo ist.) Staatsan Blutlache in Ber Zeuge: Nei Studienrat#A# Leistungen des A stellen können. zu sein, nämlich kreis und ein ger Leuten in diesem den ich damals i hinwies, war ebe stärkte Freiheitsse 1925 zurück. Pfarrer N druck gehabt hat, klagte am 13. 2. sein Verhältnis schreibt wörtlich: ganz eins zu wer. Studienr veranlagten nicht Menschen. Irgen ten ebensowenig Helmut Daube a Studienr als Sprachlehrer Beobachtungsmög ter fiel mir dann auf. Vors.: Wa bitte näher. Zeuge(an aus einer gewiss Vors.: Wie und Daube? Zeuge: Si sonderes oder ga gefallen. Der Vorsitzen ches von Krimin dem Zeugen unte Ueber Daub. kann ic sehen noch gehi des: Hutzmann Schülerorchester er sich dann ab zu lernen, habbes wegen.(!? Zeuge: Ei wesen ist, habe i schaftlich. und et males VerhältniStaatsan Kleiböhmer habe ihm sei diese W Angeklagten una Zeuge: Je nere, sagte Rett Erziehung des# ziehung seiner B Verteidi anormaler Verar Zeuge: N Verteidi tokoll und mit maßung, Hußmai gekommen? Hab getan oder ha Ihnen in den M Zeuge: Ge aber nicht sagen, Angeklag zu der Zeit, als Daube noch Herrn Hardik, de deshalb ins Sa Chorgesang brau mut Daube kam Zeit trat ich wi Studiestart lich kennen gele von mir fernhie ausgelegt. Im würdig und hö Kritik. zan keine volle Bilest, daß zwei Staae von drei anderen Umständen sei es Seeabrüstungskonseimvertrages. jand):„Wir haben weit?“ weniger ein 2. 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Auch heute beschäftigte sich das Gericht mit dem Seelenleben des Angeklagten, zu dessen Erörterung eine besonders große Anzahl Zeugen erschienen sind, Lehrer und frühere Mitschüler, Ober= und Unterprimaner und eine Reihe junger Mädchen aus Gladbeck, lauter alte Bekannte des Angeklagten, der viele von ihnen mit einem freundlichen Lächeln begrüßt. Unter den Mädchen bemerkt man Ilse Kleiböhmer, die Pflegeschwester, Hußmanns, zu der sich der Ermordete besonders stark hingezogen gefühlt hatte. Rechtsanwalt Ruschen bittet das Gericht, zuerst die gestern von ihm vorgeschlagenen Zeugen zu vernehmen. Vorsitzender: Herr Amtsgerichtsrat Dr. Meyer, sind Sie bei der Obduktion der Leiche mit Herrn Dr. Lutter zusammengekommen? Können Sie uns über den Inhalt Ihres Gesprächs mit Dr. Lutter Näheres mitteilen? Zeuge: Jawohl, ich traf Herrn Dr. Lutter nach der Obduktion, und da erzählte er mir, daß er den Hußmann an dem betreffenden Morgen telephonisch an den Tatort gerufen hätte. Hußmann sei sehr überrascht gewesen und hätte seinen Worten gar nicht glauben wollen. Vorsitzender: Der Angeklagte behauptet, mehrmals verwundert gefragt zu haben:„Was, Helmut Daube?“ Zeuge: Ja, Dr. Lutter hat mir auch von mehreren überraschten Ausrufen Hußmanns erzählt, er sagte dann noch: „Ich mußte ihm diese Mitteilung ein paar Mal wiederholen“. Der Vorsitzende erklärt darauf, Herrn Dr. Lutter nochmals vernehmen zu wollen, um diesen Widerspruch endlich zu klären. Als zweiter Zeuge bekundet der Chauffeur Jüngling: Zeuge: Ich befar am Tato Fahrrad direkt zur Leiche gehen wollte. Als er noch etwa 1 bis 1½ Meter davon entfernt war, trat ihm ein Beamter der Polizei entgegen und hinderte ihn am Weitergehen.(Auf Wunsch des Vorsitzenden demonstriert der Zeuge, wie Hutmann gegangen st.) Staatsanwalt: Ist der Angeklagte dabei mit der Blutlache in Berührung gekommen? Zeuge: Nein, das war nicht gut möglich. Studienrat Rodeck: Einen merklichen Rückgang in den Leistungen des Angeklagten habe ich erst in Unterprima feststellen können. Zwei Gründe schienen mir dafür maßgebend zu sein, nämlich die Betätigung des Angeklagten im Bibelkreis und ein gewisses Freiheitsbedürfnis, das sich bei jungen Leuten in diesem Alter einzustellen pflegt. Rektor Kleiböhmer, den ich damals in einer Unterredung auf die beiden Punkte hinwies, war ebenfalls meiner Ansicht und führte dieses verstärkte Freiheitssehnen auf den Besuch der Mutter Hußmanns 1925 zurück. Pfarrer Noa. der von Hußmann stets den besten Eindruck gehabt hat, überreicht einen Brief, den ihm der Angeklagte am 13. 2. 26 geschrieben hat. Hußmann schildert darin sein Verhältnis zum Bibelkreis und zu Helmut Daube, er schreibt wörtlich:„.... Helmut Daube und ich streben danach. ganz eins zu werden in treuer Gesellschaft Jefu". Studienrat Dr. Hüls bezeichnet Hußmann als gut veranlagten nicht sehr fleißigen, aber sehr höflichen jungen Menschen. Irgendetwas Besonderes ist ihm an dem Angeklagten ebensowenig wie an dessen Freundschaftsverhältnis zu Helmut Daube aufgefallen. Studienrat Dr. Böller: Ich habe Hußmann nur als Sprachlehrer in Deutsch und Englisch unterrichtet, meine Beobachtungsmöglichkeit war daher ziemlich beschränkt. Später fiel mir dann ein etwas schmusiger, semininer Zug bei ihm auf. Als zweiter Jeuge berundet der Chauffeur Jüngling: Zeuge: Ich befand mich an dem Morgen gegen 7 Uhr am Tatort und sah Karl Hußmann ankommen; er stellte sein Fahrrad an die Mauer, und dann sah ich deutlich, wie er Der Angeklagte Hutmann(+) beim Lokaltermin an der Mord stelle in Gladbeck. Weise in Entschuldigungen überbot, hat mich das rein gefühlsmäßig ein wenig abgestoßen. Als ich später von Kollegen hörte, das sei so seine Art und hinge mit seiner Erziehung zusammen, habe ich mir nichts mehr dabei gedacht. Studienrat Rogowski, der sich ebenfalls im Bibelkreis betätigt hat, lernte Hußmann und Daube auf einer Ferienfahrt an die Nordsee näher kennen. Er hat bei dem Angeklagten eine natürliche Anlage zur Weichheit und ein gewisses Anlehnungsbedürfnis an andere Menschen beobachtet. Vorsitzender: Wie war denn sein Verhältnis zu seinen Mitschülern? Zeuge: Er suchte einen Kreis um sich zu bilden, den er beherrschen konnte, ich habe daraus auf einen Minderwertigkeitskomplex bei ihm geschlossen. Er wollte sich anscheinend selbst beweisen, daß er eine gewisse Rolle spiele. Diese Weichheit kam vor allem in seinen Stimmungen zum Ausdruck; mal war er sehr niedergeschlagen, mal schwärmerisch und dann wieder eigensinnig. so daß ich ihm damals auf der Ferienfahrt gedroht habe, ich würde ihn nach Hause schicken. Angeklagter: Wir Gladbecker waren von dem Leben im Bibelkreislager alle sehr enttäuscht, Daube und ich auch. Es gab den ganzen Tag nichts als Andachten und Arbeitsgemeinschaften, dann wieder Andachten und Interessengemeinschaften, und zum Schluß wieder eine Andacht. Auch Daube ist später nur wegen dieser Fahrt aus dem Bibelkreis ausgetreten. Bademeister Weidkämper gibt an, Hußmann habe einige Tage vor dem Mord mit heftigem Nasenbluten die Badeanstalt verlassen. Zeuge: Ich fragte ihn noch, ob er beim Wasserball eins „ausgewischt"bekommen hätte, worauf er antwortete„nein, Weidkämper, das ist wieder die alte Geschichte.“ Vorsitzender: Haben Sie bemerkt, ob Hußmann einen Mantel anhatte? Zeuge: Das weiß ich nicht mehr, es ist aber möglich. Sachverständiger Dr. Marx: Ich habe tatsächlich aus der Beschaffenheit des Blutes des Angeklagten die Möglichkeit starken Blutens festgestellt. Ich halte es für wahrscheinlich, daß er häufig starkes Nasenbluten gehabt hat. Nach einer Pause kommt es bei der nochmaligen Vernehmung Dr. Lutters und seiner Gegenüberstellung mit Dr. Meyer zu einem höchst dramatischen Auftritt, da Dr. Lutter seine Selbstbeherrschung verliert. Zeuge: Ich habe hier die reine Wahrheit gesagt und habe meinen Aussagen nichts hinzuzufügen. Es ist furchtbar, was ich auszustehen habe, Tag und Nacht rufen Unbekannte telephonisch bei mir an. Ich muß das Gericht drin gend um Schutz bitten. Außerdem beantrage ja, nochmals zu vernehmen, damit dieser Widerspruch endlich ge Porsitzender: Das dürste wohl kaum Zweck haben. denn Dr. Meyer behauptet ja auch, daß Sie ihm von mehreren überraschten Ausrusen Hußmanns erzählt hätten Zeug=: Daß Hutmann bei der Nachricht von der mordung des Helmuth Daube bestürzt war, ist doch selbstver ständlich, aber er war es nicht in dem Maße, wie es jetzt hier dargestellt wird. Sensationelle Enthüllung. Staatsanwalt Rosenbaum: Vorgestern wurde die Oberstaatsanwaltschaft telephonisch aus Groß=Reken davon benachrichtigt, daß dort ein Onkel des Schlächtermeisters Ossen dorf aus Gladbeck, der bekanntlich kurz nach dem Mord nach Hinterlassen eines Zettels mit den Worten„Der verfluchte Schuldiener" Selbstmord verübt hat, bekundet habe, sein Neffe, der Schlächtermeister, habe etwa 14 Tage nach der Ta zu ihm gesagt. er sei in der Mordnacht kurz vor der Ermordung aus der Straße zu Hußmann und Daube gestoßen Hutmann sei ein gerissener Junge und werde sich schon herauslügen. Das Gericht beschließt die sofortige Vorladung weiterer Darauf wird nochmals Frau Rektor Daube über das Verhältnis Hußmanns zu ihrem Sohn Helmut vernommen. Zeugin: Kurz vor dem Abitur bemerkte ich bei meinem Sohn eine starke Ablehnung gegen Heußmann, er erklärte mir verschiedentlich, er hätte sich in Karl getäuscht Karl wolle sich immer hervortun und aufspielen. Schon im Wegachen begriffen kommt sie dann noch einmal zurück und erklärt zögernd, noch etwas sagen zu wollen. Pflaumenkuchen und Schlagsahne oder Kleinstadt=Idyll. Zeugin: Ich habe in der Zeitung gelesen, daß Karl Hußmann gesagt hat, mein Sohn habe viel„herumpoussiert". ich möchte nur bemerken,(sehr erregt), daß mich bei Karl Hußmann durchaus nichts von einer Abneigung gegen junge Mädchen zu bemerken war. Eines Tages kam eine Nachbarin zu mir und fragte ganz aufgeregt:„Haben Sie schon gehört, was Karl Hutmann angestellt hat? Ich verneinte und daram erzählte sie mir, daß Karl Hußmann in Abwesenheit seiner Eltern ein junges Mädchen namens Minna zum Kaffee eingeladen hat. Er hat dann Pflammenkuchen und Schlagsahne holen lassen und hat das Mädchen, das übrigens sehr hübsch ist damit bewirtet. Diese Aussage der Mutter des Ermordeten, durch die übrigens Hutmann erheblich entlastet wird. (denn wo ist da etwas von anormaler Veranlagung?), mutet anscheinend selbst das Gericht etwas seltsam an. Ilse Kleiböhmer bestätigt sodann die früheren Aussagen Hutzmanns. Zeugin: Ich weiß, daß ihm der Tod Helmut Daubes sehr nahegegangen ist, er konnte das nur nicht so zeigen. Helmut Daube habe ich in der Tanzstuunde kennen gelernt, es hat sich dann zwischen uns ein rein freundschaftliches Verhältnis entwickel, das ich aver arus teligiöser Gründen kurze Zeit darauf wieder gelöst habe Zum Schleiß der Verhandlung werden noch einige junge Mädchen aus Gladbeck verhört, die ungefähr im selben Sinne aussagen. Damit wird die Verhandlung auf 9 Uhr morgen früh vertagt. in Köln. verbrecherjagd mitten durch das Getriebe einer Großstadt. Vors.: Was verstehen Sie darunter? Erklären Sie das bitte näher. Zeuge(anscheinend„guter Psychologe"): Ich schloß das aus einer gewissen, sehr höflichen Art zu entschuldigen Vors.: Wie war denn das Verhältnis zwischen Hußmann und Daube? Zeuge: Sie waren anscheinend gute Freunde, etwas Besonderes oder gar Verdächtiges ist mir bei ihnen nicht aufgefallen. Der Vorsitzende verliest darauf ein früheres Protokoll, welches von Kriminalkommissar Lissigkeit ausgenommen und von dem Zeugen unterschrieben worden ist. „.. Ueber irgendwelche Beziehungen zwischen ihm und Daube kann ich nichts sagen, da ich davon weder etwas gesehen noch gehört habe. Aufgefallen ist mir lediglich folgendes: Hußmann bat mich eines Tages, er möchte sich gern am Schülerorchester beteiligen und den Kontrabaß spielen. Da er sich dann aber keine besondere Mühe gab, wirklich spielen zu lernen, habe ich angenommen, er käme nur Helmut Daubeg wegen.(!?)“ Zeuge: Einen Anhalt dafür, daß es tatsächlich so gewesen ist, habe ich nicht. Der Ton im Orchester war kameradchaftlich, und etwas anderes als ein kameradschaftliches normales Verhältnis habe ich nie bemerkt. Staatsanwalt: Sie haben früher angegeben, Rektor Kleiböhmer habe Ihnen in einer Unterredung bestätigt, auch ihm sei diese Weichlichkeit und Süßlichkeit im Benehmen des Angeklagten unangenehm aufgefallen. Zeuge: Ja, das stimmt auch; wenn ich mich recht erinnere, sagte Rektor Kleiböhmer damals auch, er habe mit der Erziehung des Beklagten mehr Mühe gehabt als mit der Erziehung seiner Brüder. Verteidiger: Sie haben aber niemals den Eindruck anormaler Veranlagung gehabt? Zeuge: Nein. niemals. Verteidiger: Wie war es mit diesem früheren Protokoll und mit Ihrer darin zum Ausdruck gebrachten Mutmaßung, Hußmann sei nur Daubes wegen ins Schülerorchester gekommen? Haben Sie diese Aeußerung aus sich selbst beraus getan oder hat vielleicht Kriminalkommissar Lissigkeit sie Ihnen in den Mund gelegt? Zeuge: Genau weiß ich das heute nicht mehr; ich möchte aber nicht sagen, daß Lissigkeit das getan hat. Angeklagter: Das ist gar nicht möglich, denn zu der Zeit, als ich in das Orchester eintrat, war Helmut Daube noch gar nicht Mitglied. Fragen Sie bitte Herrn Hardik, der muß das bestätigen können. Ich wollte nur deshalb ins Schülerorchester, weil ich dann nicht mehr zum Chorgesang brauchte, der mir furchtbar langweilig war. Helmut Daube kam erst viel später ins Orchester und nach kurzer Zeit trat ich wieder aus. Studiestart Marré: Ich habe Hußmann nur oberfläch lich kennen gelernt, da er sich anfangs anscheinend absichtlich von mir fernhielt; ich habe ihm das aber durchaus nicht übel ausgelegt. Im allgemeinen war er ungewöhnlich liebenswürdig und höflich. Als er sich einmal in etwas füßlicher Köln, 22. Oktober. Die„Köln. Zto“ berichtet zu der Jagd nach den Raubmordern Heidger u. a.:„Um 10 Uhr abend versuchten in der Riehlerstraße zwei jüngere Leute ein Motorrad zu stehlen. Ein Polizeibeamter glaubte, in ihnen die beiden Gebrüder Heidger zu erkennen und nahm ihre Verfolgung auf. Die Verbrecher begannen sofort zu schießen, konnten aber das Motorrad zur Flucht nicht benutzen, da es abgeschlossen war. Der Beamte feuerte gleichfalls und lief den Fliehenden nach. In der Blumenthalstraße kam es zu einer erneuten Schießerei, an der sich ein junger Mann beteiligte. Der junge Mann wurde durch zwei Schüsse in den Unterleib und Oberschenkel erheblich verletzt. Flucht und Verfolgung zogen sich darauf durch die Riehlerstraße. Hier stießen die Verbrecher auf einen dort haltenden Straßenbahnwagen der Linie 12, schwangen sich hinauf und zwangen mit vorgehaltenem Revolver Fahrer, Schaffner und Fahrgäste, den Wagen zu verlassen. Sie löschten sämtliche Lichter in dem Wagen aus und easten dem Zoologischen Garten zu. Das alles hatte sich in wenigen Minuten abgespielt. Vier Minuten, nachdem es benachrichtigt worden war, war das Ueberfallkommando zur Stelle, das den Wagen anhielt, aber die Banditen ergaben sich noch nicht. Sie verließen im schnellen Lauf den Wagen und eilten feuernd den Anlagen zu. Die ganze Anlage wurde umzingelt und von anderen Beamten die Straßen, soweit es möglich war, von Straßengängern geräumt. Das Feuergefecht nahm jetzt an Heftigkeit zu. Der jüngere der beiden Banditen wurde durch zwei Schüsse niedergestreckt. Bei dem weiteren Kugelwechsel wurde auch noch ein Polizeibeamter verletzt. Der ältere Verbrecher flüchtete in einen Garten der von einer hohen Backsteinmauer umgeben ist. Er hat sich dort verbarrikadiert. Das Kampffeld bietet den Anblick eines Schlachtfe'des. Hinter den Bäumen haben sich die Beamten mit=Pistolen in der Hand postiert. Sogar in den Bäumen sitzen Kriminalbeamte und halten Ausschau. Um 12 Uhr nachts wurde das Gelände von fünf Polizeichunden durchsucht. Ein Automobil hat seinen Scheinwerfer auf die Gebäude gerichtet. Die Kriminalbeamten glaubten im Licht der Scheinwerfer in einer Fensternische die Gestalt des Räubers zu errennen und gaben im ganzen etwa 20 Schüsse darauf ab. Nach Mitteilung der Polizei war Heidger um 2 Uhr nachts noch nicht festgenommen worden. Bis um diese Zeit waren drei Polizeibeamte verletzt. Die Opser der Verbrecherjagd. Köln. 23. Oktober. Der beim Kampf mit den Verbrechern verletzte Landjäger Schmitz ist außer Lebensgefahr. Auch bei dem in der vergangenen Nacht schwer verletzten Oberwachtmeister Stommel besteht keine Lebensgefahr mehr Dagegen ist der Zustand des Gärtners Willi Peters. der einen Bauchschuß erhalten hat, noch immer bedenklich. Im Laufe des heutigen Nachmittags verfolgte die Polizei eine neue Spur. Es war mr gemeldet worden, daß auf dem Rhein ein Nachen abhanden gekommen sei. Später trieb der Nachen ans Ufer. Ob der Mörder mit diesm Nachen entkommen ist, konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Noch keine Spur von Johann Heidger. Der Häuser= und Garteakomplex, in dem sich der Raubmörder John Heidger geflüchtet hatte, wird noch immer durchsucht, doch hat man keine Spur von ihm gefunden. Bei der Verfolgung wurden vier Personen durch die Schüsse der Verbrecher verwundet, der Gärtner Peters aus Köln erhielt einen Oberschenkel= und einen Bauchschuß und schwebt in Lebensgefahr. Bei den anderen Verwundeten handelt es sich um Polizeibeamte, von denen einer durch einen Blasen= und Darmschuß schwer, die anderen leichter verletzt wurden Eine blutige Tragödie in Berlin. Mord und Selbstmord. Berlin, 23. Oktober. Der Schneidermeister Artur Plötz. seine beiden Kinder im Alter von 12 und 5 Jahren und eine Frau Anna Haase, mit der Plötz zusammenlebte, wurden heute nachmittag in ihrer Wohnung am Florweg tot aufgefunden. Während der Körper des Plötz keinerlei Zeichen äußerer Verletzungen aufwies, waren der Haase und den beiden Kindern die Pulsadern durchschnitten. Eo liegt aller Wahrscheinlichkeit nach Mord und Selbstmord durch Leuchtgasvergiftung vor. Der Gasschlauch war von der Rüche in das Zimmer geleitet. Wie Frau Tühmann ermordet wurde. Geständnie der Magdeburger Mörder. Magdeburg, 23. Oktober. Die Pressestelle des Polizeipräsidiums meldet zu der Mordsache Lühmann, daß die gestern festgenommenen Personen heute früh ein volles Geständnis abgelegt haben. Täter sind demnach der 25jährige Willi Spohr, der 19jährige Kurt Haberland und der 36 Jahre alte Wilhelm Hauschmann. Die Tat hat sich in folgender Weise abgespielt: Am vergangenen Sonnabend trafen Spohr und Haberland gegen 7.30 Uhr abends vor dem Hause Königsborner Straße 15 ein. Sie stiegen durch das hintere offene Fenster in die Schlafstuhe und versteckten sich. Als nach einer halben Stunde Frau Lühmann das Zimmer betrat. schlug ihr Haberland ein Tuch um den Kopf. Er und Spohr fesselten und knebelten die Frau und deckten sie mit Tüchern und Betten zu. Dann raubten sie, was mitzunehmen war. An Geld wurden mehrere hundert Mark mitgenommen. Mitten In der Arbeit wurden sie durch Klopfen an der Ladentür gestört und ergriffen die Flucht. Das Bargeld wurde am nächsten Tage auf einer Kneiptour verpraßt. Die Tat war schon zweimal versucht worden, doch mißglückten diese Versuche 4 Elnen unaufhaltsamen Aufstieg des Konsumvereins seit Bestehen beweisen nachfolgende Zahlen: 5428 Gesamtumsatz rund 98 Millionen RM., davon 1927/28 über 11 Millionen RM. Rückvergütung rund 3½ Millionen RM., davon 1927/28 über ½ Million RMI. Eigene Mittel über 1 Million RM.— Spareinlagen der Mitglieder 2 Millionen RN.(50 Prozent Aufwertung) Jubiläumsstiftung 35000 Reichsmark für die Erholung von Kindern unserer Mitglieder In Verbindung mit unserer Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Konsumvereine, kurz GEG betreiben wir 43 Fabriken für die Herstellung wichtiger Konsumaüter, die unseren Mitgliedern ohne Zwischenhander zu billigsten Preisen und besten Qualltäten vermittelt werden GEG=Tabakfabriken in Hamburg portorico Krün......... Pid.Pak 1.13 Hamburger Feinschnitt Hamburger Krüll...... Holländer Holländer. Feinschnitt...... NcLerdOrf, garant. rein Uebersee Negerdorl, sein und grob..... NeLerdOrI, garant. rein Uebersee NeLerdOrf, garant. rein Uebersee Blau Shag. Feinschnitt...... Blau Shag. Feinschnitt...... Armalna Zigarettentabak...... 50 gr. Schachtel 0.60 Armallld Zigarettentabak........ 50 gr. Pak 0.50 Goldsnag Zigarettentabek....... 50 gr. Pak 0.40 Zigareitenpapter mit Goldm....... Pak 0.22 Zigareitenbapier ohne Goldm....... Pak 0.15 Kautabak Rolle 0.15 ½ Pfd.-Pak. 1.00 100 gr. Pak. 0.60 ½ Pfd.-Pak. 1.00 50 gr. Pak. 0.30 ½ Pfd.-Pak. 0.63 100 gr. Pak 0.30 100 gr. Pak. 0.60 100 gr. Pak. 0.40 100 gr. Pak. 0.60 50 gr. Pak 0.30 GEG=Zigarrenfabrik Hockenheim Baden Zigarren Nr. 50............ Zigarren Nr. 49 Zigarren„Fabelhaft“........ Zigarren„Brasil“......... Zigarren„Unser Schlager“ Nr. 115 Zigarren„Bellona“......... Zigarren„Unser Schlager“ Nr. 112 Zigarren„Konsumo“..... Zigarren„Laprcsa“......... Zigarillos Zigaretten„Gastalde“........ Zigaretten„Zeronth“........ Zigaretten„Kisn“.......... Zigaretten„Phantis“........ Zigaretten„Arbeitersportier“.. Zigaretten„Gundra“........ Stück 0.25 Stück 0.20 Stuck 0.20 stuck 0.20 Stück 0.15 Stück 0.15 Stück 0.12 stuck 0.10 stück 0.10 Stück 0.01 stuck 0.06 Stück 0.05 Stuck 0.05 stuck 0.04 stuck 0.04 Stück 0.03 Auf alle Waren S Proz. Rückvergütung am Jahresschluf Voraussichtliche Rückvergütungssumme im laufenden Geschäftsen über drelvlertel Milllon RP. Wollen Sie an diesen Ersparnissen tellnehmen, dann werden Sie sofort Mitglied. Der Eintritt steht jeder volljährigen Person gegen Entrichtung eines Eintrittsgeldes von 50 Pfennig in jeder unserer 104 Vertriebsstellen frel. Der Vorstand. Zweites Bla die Stillegu volkswohl Der Ausschuß fi Freußischen Landt ag mit der Stillegung der Zech Auf der Tagesordnung die sozialdemokratische L mgelegten Rede der G twa aus: Die Stillegung der en Bevölkerung von W keien— auf den Nägel Arbeiterstadt. Durch die heitslosigkeit einer große Ebrigen Gemeindebürger Die Erregung der wir durchaus, und Zechenstillegungen in en Preußischen Landtag. zung aufgehalten word vier stillgelegt worden Khein I“ in Westhofen dortmund,„Deimelsberg und jetzt sollen auch no rreits die Presse mitget selegt w kray stillgelegt werden. 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Ich fragt sei, und er erwider nen waren nicht dabe r am gleichen Tag r e mir, als handeltee e, hier sind fünfzig das Geld auf mein ntenlos. Es war Mit wesend. Ich prüfte d chtig. Ich kann nati genblick, wie instinkti scheine ein mysteciös echtes Geld bekomme. nächsten Morgen ka kamen ins Gesprach war ich ein un abte zu merken, daß schen uns ein Unterso Aber ich sagte m Mann ist so alt. u k ein Einkommen von elleicht auf zweihunde szig erhöht werden von Leuten mit gewiß dreist von mi doch ich saate wied stweder * chtiger veiden 0.25 0.20 0.20 0.20 0.15 0.15 0.12 0.10 0.10 0.07 0.06 0.05 0.05 0.04 0.04 0.03 eines and. Zweites Blatt. Mittwoch, den 24. Oktober 1928. „Anser Fritz“ muß enteignet werden! die Stillegung der Zeche„Unser Fritz“ in Wanne=Eickel vor dem Landtagsausschuß.— Genosse Otter=Bochum erhebt die Forderung auf Sozialisierung der Kuhrzechen. volkswohl gegen Profitgier! ag Der Ausschuß für Handel und Gewerbe des reußischen Landtags befaßte sich am gestrigen Diensmit der Stillegung der Zeche„Unser Fritz“ in Wanne=Eickel. uf der Tagesordnung stand nur dieser einzige Punkt. Für sozialdemokratische Landtagsfraktion sprach in einer groß gelegten Rede der Genosse Otter(Bochum). Er führte wa aus: Die Stillegung der Zeche„Unser Fritz“ brennt der gesameen Bevölkerung von Wanne=Eickel ohne Unterschied der Wanne=Ei Parien— auf den Nägeln. Die Stadt Wanne=Eickel ist eine Arbeiterstadt. Durch die Stillegung droht die Gefahr der Arbeitslosigkeit einer großen Anzahl Arbeiter, wodurch auch die Ubrigen Gemeindebürger sich in ihrer Existenz bedroht fühlen. Die Erregung der dortigen Bevölkerung verstehen wir durchaus, und wir haben das tiefste Mitgefühl mit ihr. Zechenstillegungen im Ruhrrevier beschäftigen fortwährend Jreußischen Landtag, ohne daß bisher auch nur eine Stillung aufgehalten worden ist. Seit Mai 1928 sind im Ruhrier stillgelegt worden die Zechen„Roland“ in Oberhausen, khein I“ in Westhofen,„Hagenbeck“ in Essen,„Holstein“ in ortmund,„Deimelsberg“ in Steele,„Preußen II“ in Lünen, setzt sollen auch noch die Zechen„Unser Fritz" und, wie eits die Presse mitgeteilt hat, die Zeche„Centrum 4/6“ in stillgelegt werden. sray Die Zahl der Ruhrbergarbeiter wird immer kleiner, die Zahl de..“.... ugust Zahl der Arbeitslosen immer größer. 552384 Bergarbeitern, dem höchsten Stand im Jahre ist die Zahl bis auf 373 660 oder um 178724 im Monat 1928 zurückgegangen. So hat sich die„Nationalisierung“ im Ruhrbergbau in bezug auf den Belegschaftsabbau ausgewirkt. Zahl der Angelegten im Ruhrbergbau ist aber nicht die der unterirdisch tätigen Bergarbeiter. In den Nebeneben, Kokereien, chemischen Fabriken und Ziegeleien sind r 22000 Mann beschäftigt. Aver auch eine ansehnliche Zahl technischen und kaufmännischen Angestellten werden zu den ngelegten“ gezählt. Im Jahre 1913, dem Friedensjahr, betrug die Belegschaft Ruhrreviers 426 033 Mann, während sie im Monat August bis auf 373 600 gesunken ist. Davon waren aber noch in den Nebenbetrieben beschäftigt, und außerdem komnoch 16190 technische und 7001 kaufmännische Beamte in et: 705 tbe Ziehen wir die Zahl der im August 1928 in den Nebenetrieben beschäftigten Arbeiter und die der Beamten von der ahl der Angelegten ab, In den Nebenbetrieben beschäftigt Technische Beamte Kaufmännische Beamte 22 705 16 190 7.061 Summa 45 956 ging die Zahl der unterirdisch tatigenBergarbeiter bis auf 704 im Monat August herunter. Wir haben somit in dem onat August im Ruhrrevier nur noch 327704 unterirdisch selegte Bergarbeiter gehabt. Unter den 327 704 unterirdisch Angelegten befinden sich aber eine ganze Anzahl Bergarbeiter, die infolge erlittener Unfälle im Bergbau, dauernder Einatmung des Kohlen= und Steinstaubes oder sonstiger Krankheiten längere Zeit krankfeiern müssen. Im ersten halben Jahre 1928 haben im Ruhrbergbau 38 335 Bergarbeiter einen Unfall erlitten, der sie zwang, drei Tage und mehr krank zu feiern. Unter diesen 38335 Unfallverletzten besanden sich nicht weniger als 12.088, die über vier Wochen krankfeiern mußten. Zu diesen krankfeiernden Unfallverletzten kommen die übrigen mit Krankheit befallenen Vergarbeiter noch hinzu. Durchschnittlich feiern von den in der Ruhrknappschaft Versicherten über 6 Prozent. Das ist die Frucht der„Nationalisierung“ und des Antreibesystemo! Die Kohlenforderung an der Ruhr war in den letzten Monaten im Durchschnitt genau so hoch, wie in dem Friedensjahr 1913. Die Bergarbeiter und die übrige Bevölkerung sind infolge dieser unhaltbaren und für den Staat und die Gemeinden höchst gefährlichen Entwicklung in eine Erregung hineingeraten, deren Folgen zur Zeit noch nicht abzusehen sind. Die Herren, die diese Entwicklung nur vom grünen Tisch von Berlin aus betrachten, kennen entweder die Stimmung der Kohlengräber und der übrigen Bevölkerung im Ruhrrevier nicht, oder sie lassen sich von dem Gedanken leiten:„Nachuns die Sintflut!“ Das Ruhrrevier und dessen Bevölkenung bringen für Staat und Reich die meisten Steuern auf. rung gierung den Anspruch auf Schutz vor der Unternehmerwillkür und dem Terror, die sich in den nicht notwendigen Zechenstillegungen offenbart. Dieser Zustand schreit geradezu nach Aenderung und Abgem Ge bezeichn Gewissen und ohne Uebertreibung mit dem Worte Nichts chnen. Obwohl manche gesetzliche Bestimmung der Regierung zum Eingreifen eine Handhabe geboten hat, ist von der Regierung dagegen nichts unternommen worden. Wenn es so wäre, wie man manchmal zu hören bekommt, daß die jetzigen Bestimmungen zum Eingreifen nicht ausreichen, warum bringt die Regierung dem Landtag nicht eine Vorlage ein, damit ihr das, was nach ihrer Meinung noch notwendig ist, durch Gesetz gegeben wird? Unmöglich kann der jetzige Zustand von der Bevölkerung länger ertragen werden. Es muß unbedingt eine Aendenung eintreten. Wir haben seit längerer Zeit beobachten können, wie einige Konzerne im Ruhrrevier mit dem Schicksal der Volkes wie mit einem Spielball gespielt haben. Sie haben mit den ihnen vom Staate zur Bewirtschaftung verliehenen Naturschätzen Schindluder getrieben und waren nur auf ihren Profit bedacht. Ein großes Durcheinander und Gegeneinander in der Kohlengewinnung und Kohlenbewirtschaftung herrscht im Unternehmerlager im Ruhrrevier seit längerer Zeit, wodurch die Bergleute und die übrige Bevölkerung schweren Schaden erlitten haben. Dieses Durcheinander tritt so kraß in Erscheinung, daß man nicht lange damit warten darf, um die ihnen zur vernünftigen Bewirtschaftung verliehenen Grubenfelder abzunehmen und sie dem Staate zurückzugeben. Es muß die Enteignung und die Sozialisierung des gesamten Bergbaues sehr schnell in Angriff genommen werden. Nur dadurch kann die bedrohte Bevölkerung geschützt werden. Bei der Zeche„Unser Fritz“ muß der Anfang werden, sie muß mit der ihr zustehenden Beteiligungs. ziffer beim Kohlensyndikat dem Mannesmannkonzern enteignet werden, damit die Bergarbeiter dort am arbeiten bleiben, ihre Familien ernähren, die Gewerbetreibenden ihre Existenz behalten und somit das Kommunalleben der Stadt Wanne=Eickel vor dem Ruin bewahrt bleibt. Der Mannesmannkonzern will die Zeche„Unser Fritz“ stilllegen, nicht etwa, weil die dort gewonnen Kohlen keinen Absatz finden, sondern um die Beteiligungsziffer auf andere Schächte zu übertragen. und dadurch noch rößeren Profit für den Konzern zu erzielen. Es darf für uns nicht maßgebend sein, ob der Konzern auf anderen Schächten noch höheren Gewinn für sich erzielt, sondern wir haben für das Allgemeinwohl zu sorgen und die Menschen vor dem Untergang zu bewahren. Die Nachfrage nach„Unser=Fritz“=Kohle war und ist so stark, daß bei weirem nicht genügend Kohlen gefördert werden können. Von anderen Zechen wurden Kohlen als Kohlen der Zeche „Unser Fritz" versandt. Die Gerechtsame der Jeche„Unser Fritz" umfaßt fünf Geviertfelder— zirka 5 Millionen Quadratmeter. Der Schacht 1 wurde im Jahre 1875 in Förderung genommen, der Schacht 2 im Jahre 1884. Das Grubenfeld markscheidet nördlich mit dem der Zeche„Graf Bismarck", östlich mit„Julia“(Harpener Bergbau), füdlich mit„Shamrock“(Hibernia) und„Pluto“ (Ver. Stahlwerke) und westlich mit„Consolidation“(Mannes mannkonzern). Der Schacht 3 nahm am 1. April 1903 die Kohlenfördenung auf. Im Jahre 1910 wurde der Schacht## in Förderung genommen und erst 1926 der Schacht 5. Die Vor= und Ausrichtungsarbeiten sind sehr gut ausgebaut. Die Preußische Staatsregierung muiß von der Bestimmung des§ 65 des Allgemeinen Berggesetzes für die Preußischen Staaten Gebrauch machen, da an der Aufrechterhaltung des Betriebes und Weiterbeschäftigung der Arbeiter und Angestellten ein öffentliches Interesse besteht. Es darf nicht länger geduldet werden, daß der Muter, dem der Staat die Grubenfelder zur Gewinnung der Bodenschätze verliehen hat, sie schrankenlos der privaten Spekulation ausliefert. Der§ 65 des Allgemeinen Berggesetzes für die Preußischen Staaten vom Jahre 1865 hat folgenden Wortlaut: § 65. 1. Der Bergwerksbesitzer ist vervflichtet, das Bergwerk zu betreiben, wenn der Unterlassung oder Einstellung des Betriebes nach der Entscheidung des Oberbergamts überwiegende Gründe des öffentlichen Interesses entgegenstehen. 2. Das Oberbergamt hat in diesem Falle die Befugnis, den Eigentümer, nach Vernehmung desselben, zur Inbetriebsetzung des Bergwerks oder zur Fortsetzung des unterbrochenen Betriebes binnen einer Frist von sechs Monaten aufzufordern und für den Fall der Nichtbefolgung dieser Aufforderung die Entziehung des Bergwerkseigentums nach gabe des sechsten Titels anzudrohen. Der sechste Titel, auf den hier Bezug genommen lautet: Sechster Titel. S 156. Wird amtlich festgestellt, daß ein Bergwerkseigentümer die abwird, nach Vorschrift des§ 65 an ihn erlassene Aufforderung zur Inbetriebsetzung des Bergwerks oder zur Fortsetzung des unterRoman von Arnold Bennett. Aus dem Englischen übersetzt von Carl Ehrenstein Printed in Germany. Herr Craig benahm sich während meines Aufenthalts sehr undlich, und auch Fräulein Teresa, die Schwester von FräuTeresa brachte uns im Auto am Montagmorgen nach Lonzurück. Und das bedauerte ich; nicht daß ich etwas gegen ulein Teresa habe, im Gegenteil, sie ist ein ganz hübsches liebenswürdiges Mädchen— aber, aber sie ist nicht ihre wester. Gerade ehe wir nach London abfuhren, stellte Herr aig einen kleinen, aber schweren Lederkoffer unter den Rückdes Autos. Ich fragte ihn bloß aus müßiger Neugier, was ein sei, und er erwiderte:„Geld, mein Junge.“ Die beiden men waren nicht dabei. Ich lachte, weil ich dachte, er scherze. r am gleichen Tag rief er mich in sein Pcivatzimmer und e mir, als handelte es sich um nichts Besonderes:„Feathere, hier sind fünfzig Pfund in neuen Silberstücken. Zahlen das Geld auf mein Konto ein.“„Ja, Herr“, sagte ich gekenlos. Es war Mittagszeit und fast alle Beamten waren wesend. Ich prüfte das Geld gewohnheitsmäßig, doch nur ichtig. Ich kann natürlich ein falsches Geldstück in einem genblick, wie instinktiv, von einem richtigen unterscheiden. scheine ein mysteriöses Gefühl dafür zu haben, wenn ich lechtes Geld bekomme. Doch dieses Geld war durchaus echt nächsten Morgen kam Fräulein Juana in die Bank, und kamen ins Gespräch. Sie gefiel mir immer besser. Und tweder war ich ein unerträglich eingebildeter Narr oder ich subte zu merken, daß ich ihr auch gefiel. Ich wußte, daß ischen uns ein Unterschied von mehr als dreißig Jahren be nd. Aber ich sagte mir:„Pah! was sind dreißig Jahre!? Mann ist so alt, wie er sich fühlt.“ Ich wußte, daß ich k ein Einkommen von zweihundert Pfund jährlich hatte, das elleicht auf zweihundertfünfundzwanzig oder zweihundertzig erhöht werden konnte: aber ich sagte mir, daß Taude von Leuten mit noch weniger glücklich heirateten. Es t gewiß dreist von mir, nach der Hand dieses Engels zu stredoch ich saate wieder zu mir, daß Dreistigkeit immer Erhat. Wie dem auch sei, ich war tief und wahnsinnig verliebt, ich, ein fünfzig und etliche Jahre alter Bankbeamter. Zwei Stunden nachdem Fräulein Juana gekommen war, rief mich Herr Craig wieder in sein Zimmer und sagte mir wieder mit ganz gewöhnlicher Stimme:„Featherstone, hier sind weitere fünfzig Pfund in Silber. Zahlen Sie sie auf mein Konto ein.“ Wie zuvor lag das Geld aufgestapelt auf seinem Tisch.„Ja. Herr,“ sagte ich. Ich fand es sehr sonderbar, doch meine Gedanken waren zu sehr mit Fräulein Juana beschäftigt, und er war doch ihr Vater, so sagte ich nichts weiter. Wieder waren fast alle Beamten abwesend. als ich die Bestätigung ausschrieb und das Geld in die Kasse legte. Den ganzen Tag dachte ich nur an Fräulein Juana. Ich bin jetzt völlig überzeugt, daß sie an diesem Komplott, in das mich Herr Craig verwickelte, nicht beteiligt war. Am Ende den Woche hatte Herr Craig über zweihundert Pfund in neuen Silberstücken auf sein Privatkonto eingezahlt. und diese Einzahlungen hörten nicht auf. Vierzehn Tage später wurde ich wieder zum Wochenende ins Craigsche Landhaus eingeladen. Ich kann mein Liebeswerben um Fräulein Juana nicht beschreiben. Ich finde, daß mein Bericht schon zu lang wird. Aber jedenfalls könnte ich es auch gar nicht beschreiben. Es war das kostbarste, das allein wertvolle Stück meines Lebens. Die einzige Beeinträchtigung meines zaghaften Glücks war Herrn Craigs Haltung mir gegenüber. Er benahm sich schmeichlerisch, was absolut zu diesem sonst so schweigsamen, selbstherrlichen Mann nicht paßte. Die Einzahlungen der neuen Silberstücke gingen fort. In einem Unternehmen so groß wie unsere Filiale in Kilburne wurde das Silber natürlich wieder ausgegeben, ohne daß besondere Notiz davon genommen worden ware. Eines Tages machte ich Fräulein Juana einen Heiratsantrag. Es war für mich ein schrecklicher Augenblick. Bis zur Stunde weiß ich nicht, wieso ich es wagen konnte. Zu meiner unbeschreiblichen freudigen Verwunderung sagte Fräulein Juana:„Ihr Antrag ehrt mich, Herr Featherstone. Ich bin ein armes Mädchen. Mein Vater ist nicht reich. Ich liebe Sie nicht, aber ich habe Sie gern und achte Sie. Ich gebe Ihnen meine Hand.“ Später sagte ich Herrn Craig:„Herr Eraig, ich habe Ihre Tochter ersucht, meine Frau zu werden, und sie hat eingewilligt. Geben Sie auch Ihre Einwilligung?“ Er gab mir zur An wort:„Mein lieber Featherstone, Sie werden mir verzeihen, aber ich kenne Ihr Gehalt. Haben Sie noch andere Einkünfte?“ Ich verneinte. Die Unterredung wurde sonderbar verworren. Ich sehe jetzt, daß er mich vollkommen geschickt und verschlagen behandelte. Es lief schließlich darauf hinaus, daß er mir sagte: „Unterstützen Sie mich bei einem Plan, der seiner Vollendung entgegengeht, und ich zahle Ihnen dann zwanzigtausend Pfund. Aber Sie müßten sich zur streggsten Geheimhaltung verpflichten.“ Ich erwiderte:„Verstößt Ihr Vorhaben irgendwie gegen die Gesetze?“ Er sagte:„Offen gestanden, ja. Aber, Featherstone, Sie lieben meine Tochter, und mit meinem Vorhaben ist kein Schwerverbrechen, kein Unrecht und keine Schmach verknüpft.“ Ich muß gestehen, daß das Angebot von zwanzigtausend Pfund mich im ersten Augenblick blendete, besonders da ich sofort einsah, daß von seiner Annahme mein Lebensglück abhing Man könnte fragen, welches Recht ein etliche fünfzig Jahre alter Mann hat, von Lebensglück zu sprechen— ein Mensch, der wahrscheinlich nur noch zehn Jahre zu leben hat... Doch möge man mir zu erwidern gestatten, daß es jedem Menschen, wie alt er auch immer sein mag und selbst wenn er im Sterben liegt, unmöglich ist, daran nicht zu glauben, daß er noch ein unbegrenzt langes Leben vor sich habe. Ueberdies war ich schwer verliebt. Ich liebte mit jener heftigen und zurückgehaltenen Leiden. schaft, zu der nur ein Mann in mittleren Jahren, der zum erstenmal liebt, fähig ist. Kein junger Mensch mit der raschen Glut der Jugend, die unaufhörlich von Objekt zu Objekt flattert, könnte meine Gefühle würdigen. Aber wie dem auch sein mag— und ich habe zu dieser feierlichen Stunde nicht den Wunsch, mich zu entschuldigen—. mein Verhalten ließ Herrn Craig sicher der Meinung sein, daß ich keinen Einwand dagegen habe, sein Helfershelfer zu werden. Sein Gesicht strahlte vor Freude. Eine Last schien von ihm genommen zu sein. Er sagte:„Schwören Sie, daß Sie nichts davon verraten werden, was ich Ihnen jetzt mitteilen will.“ Ich entgegnete:„Aber angenommen, ich weiß nicht—“ Er unterbrach mich verdrießlich:„Ach was, unterlassen Sie alle Einwände. Jedenfalls, und das ist wichtig, ich nehme an, Sie werden schon verstehen, den Mund zu halten, nicht?“ So. nicht ohne Gewissensbisse, schwor ich ihm Verschwiegenheit. Er erzählte mir dann, daß er seit vielen Jahren Silber gemünzt habe— daß sein Ziel gewesen sei, Silber im Werte von hunderttausend Piund zu pragen und daß er jetzt vor dem Ende seiner langen Arbeit stehe. (Fortsetzung folgt.) un mbes emumpue ——— 4 9 * K. brochenen Betriebes nicht befolgt hat, so kann das Oberbergamt die Einleitung des Versahrens wegen Enteist esg sethentun dburch einen Be. Würde die Preußische Staatsregierung von diesen berggesetzlichen Bestimmungen Gebrauch machen, so bestände die Aussicht, daß die Zeche„Unser Fritz“ nicht zum Erliegen käme. Die Bergarbeiter und die Angestellten würden nicht arbeitslos und der Stadt Wanne=Eickel würde geholfen. Der Kampf gegen die Stillegung der Zeche„Unser Fritz“ ist zugleich ein Kampf der Arbeiter und Angestellten um das Recht auf Arbeit. Artikel 153 Absatz 3 der Reichsverfassung sagt wörtlich: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich Dienst sein für das Gemeine Beste.“ Derselbe Artikel 153 der Deutschen Reichsverfassung sagt im Absatz 2:„Eine Enteignung kann nur zum Wohle der Allgemeinheit und auf gesetzlicher Grundlage . Bgrmenchers und auf Fesehicher Grüfoluge vorgenommen werden. Sie erfolgt gegen angemessene Entschädigung. soweit nicht ein Reichsgesetz etwas anderes bestimmt. Die Arbeiter und Angestellten haben ein Anrecht auf Arbeit, sie haben aber auch in der Reichsverfassung das verbriefte Recht, die Enteignung zu fordern, wenn durch kapitalistische Spekulation und Konzernegoiomus das Allgemeinwohl gefährdet ist. Wir haben das Sozialisierungsgesen vom 23. März 1919(Reichsgesetzblatt Jahrgang 1919 Seite 341), wonach die Arbeitskraft unter besonderem Schutz des Reiches steht und die Enteignung vorgenommen werden kann. Der§ 1 des Sozialisierungsgesetzes lautet: S 1. Jeder Deutsche hat unbeschadet seiner persönlichen Freiheit die sittliche Pflicht, seine geistigen und körperlichen Kräfte so zu betätigen, wie es das Wohl der Gesamtheit erfordert. Die Arbeitskraft als höchstes wirtschaftliches Gut steht unter dem besonderen Schutz des Reiches. Jedem Deutschen soll die Möglichkeit gegeben werden, durch wirtschaftliche Arbeit seinen Unterhalt zu erwerben. Soweit ihm Arbeitsgelegenheit nicht nachgewiesen werden kann, wird für seinen notwendigen Unterhalt gesorgt. S 2. Das Reich ist befugt, im Wege der Gesetzgebung gegen angemessene Entschädigung 1. für eine Vergesellschaftung geeignete wirtschaftliche Unternehmungen, insbesondere solche zur Gewinnung von Bodenschätzen und zur Ausnutzung von Naturkräften. in Gemeinwirtschaft zu überführen, 2. im Falle dringenden Bedürfnisses die Herstellung und Verteilung wirtschaftlicher Güter gemeinwirtschaftlich zu regeln. Auf Grund des Sozialisierungsgesetzes ist die Enteignung gegen eine angemessene Entschädigung dadurch gegeben. müssen Staat und Reich eingreifen und die Zeche„Unser Fritz“ enteignen. Unmöglich können Staat und Reich länger dieses kapitalistische Trauerspiel ansehen, ohne einzugreifen. Da er, Angestellten und die übrige rieben.... die Konzernpolitik die Arbeiter,— W. Bevölkerung in die Verzweiflung getrieben hat, so ist es eine Pflicht der Regierungen im Staat und Reich, einzugreifen, um die Bevölkerung vor den Auswüchsen kapitalistischer Machtpolitik zu schützen! Stadt Herne. Um die 10 Pfg.=Jahlgrenze. Kürzlich wurde bekanntlich auf der Straßenbahn Herne— Recklinghausen in Verbindung mit einer neuen Teilstreckeneinteilung auch ein neuer Tarissatz eingeführt, wobei bedauerlicherweise der Fahrpreis für 1 Teilstrecke von 10 Pig. auf 15 Pfg. erhöht wurde. Um aber wenigstens in etwa diese Neuerung als gerechtfertigt erscheinen zu lassen, verbilligte man die weiten Strecken bedeutend, was ohne Zweifel allgemeinen Anklang gefunden hat, und dieserhalb sah das Publikum einfach über die Tatsache der evenso bedeutenden Erhöhung der Anfangzahlgrenzen hinweg, auch schon deshalb, weil in der offiziellen, von der Verwaltung herstammenden Begründung nur von einer Verbilligung die Rede war. Recht eigenartig muß daher der einzige Satz, der diese Erhöhung kurz abtut, erscheinen. Eine Erhöhung sei notwendig, weil einzelne Teilstrecken(bei der Reduzierung von 9 auf 6) nun auch länger geworden. Dieses trifft aber nur für eine Teilstrecke zu, nämlich die Erhöhung von 15 Pfg. auf 20 Pfg. für 2 Teilstrecken. An und für sich kann man auch weiterhin für 20 Pfg. zumindest genau so weit fahren wie bisher.— aber für die sehr viel benutzte Zwischenstrecke für 15 Pfg. gilt jetzt nach Aufhebung dieser Zwischenteilstrecke in gleichem Maße der Fahrpreis von 20 Pfg. Mögen nun auch die Gründe für das Beibehalten der 20 Pfg.=Teilstrecke als beachtenswert erklärt werden, denn da eine Verminderung der Teilstrecken unbedingt erforderlich war, hätte es zu einer all zu großen Spanne von 2 Teilstrecken(15 Pfg.) zu 3 Teilstrecken(30 Pfg.) gegeben, weil auch die letzte Teilstrecke kaum eine Verbilligung zum früheren Satz für 3 Teilstrecken zu 20 Pfg. erleiden konnte (anders läge die Sache zwar, wenn man sich auf den Kompromiß von 25 Pfg. eingelassen hätte). Auch sollte für die neue Teilstreckeneinteilung und dem daraus sich ergebenden Tarif Rücksichtnahme auf den allgemein eingeführten Durchgangstarif der meisten Straßenbahngesellschaften des rheinisch=westfälischen Industriegebiets geübt werden, was an und für sich auch recht überzeugend klinat. Doch räumen wir selbst ein, daß die Gründe für die 20 Pfg.=Teilstrecke immerhin sich hören lassen könnten, auf keinen Fall trifft die obige Rechtfertigung für die Erhöhung der 10 Pfg=Teilstrecke zu, da es für diese in wohl und ohne weiteres verständlicher Weise keine Rücksichtnahme auf den Durchgangstarif gibt, ferner weder in Herne noch Recklinghausen diese Zahlgrenze überhaupt nicht erweitert worden ist, und schließlich die Befürchtung einer„durchgreifenden Fahrpreisherabsetzung“ nicht im geringsten einen wahren Hintergrund besitzt, und gerade bei Nahfahrten wirkt sich eine Fahrpreiserhöhung(seien es auch nur 5 Pfg.!) prozentual am stärksten aus Wir haben es wohl kaum noch nötig, zu betonen, daß eine Tariserhöhung, gleichgültig in welchem Unternehmen, sich stets einseitig gegen die werktätige Masse richtet(Beispiel: Siehe Reichsbahntariserhöhung vom 7. Oktober!). Auch daß der Arbeiter, wohne er am Kanal. in Baukau oder im Hafenviertel. nun von der Straßenbahntariserhöhung wieder der Leidtragende ist, auch das ist nicht nötig. gesagt zu werden. Bei einem Unternehmen, das sich in dem Besitze zweier Städte befindet, deren Einwohnergros die Werktätigen mit Überwältigender Mehrheit stellen, sollten derartige Beschlüsse überhaupt unmöglich sein. Aber man sehe sich nur die Veitreter im Verwaltungsausschuß näher an: Zwei Oderbürgermeister(Herne und Recklinghausen), zwei Mitglieder der Magistrate beider Gemeinwesen und schließlich zwei Stadtverordnete in Recklinghausen, ein Mittelständler und nur in Herne ein Sozialdemokrat, und dies auch nur seit den Wahlen vom 20. Mai. Früher war die Arbeiterschaft überhaupt nicht vertreten, und den Vertretern der anderen Stände ganz dem Verwaltungsausschuß und der bekannten Politik der„Vestischen Kleinbahnen“ preisgegeben, wie diese Zeit uns auch dafür den Beweis liefert. Heute ist es noch nicht anders geworden, wie kann denn unser Vertreter sich überhaupt durchsetzen? Die Schlußfolgerungen hieraus zu ziehen, bleibt jedem Leser der„Herner Volkszeitung“ überlassen. Unser Glückwunsch! In Verbindung mit der Ehrung der Parteiveteranen anläßlich der Feier zur Erinnerung an das Sozialistengesetz kann unser alter Genosse Bernhard Reichardt, aus der Ortsgruppe Altenhöfen, Bergstraße 86, heute das seltene Fest der silbernen Hochzeit begehen. Er, wie auch seine Lebensgefährtin, hatten schon in ihren jungen Jahren begriffen daß es im Kampfe nicht auf irgendwelche Deklamationen unkommt, sondern auf praktisches Handeln. In seiner Tätigkeit für die Arbeiterbewegung hat unser Jubilar oft die Hetze zu spüren bekommen, die gegen die Sozialdemokratie betrieben wurde. Nie aber hat er gewankt, stets hat er unermüdlich und tapfer für die Ausbreitung unserer Ideen gewirkt. Trotz seines hohen Alters versieht er heute noch die Funktion als zweiter Vorsitzender der Ortsgruppe unserer Partei, wie auch das Amt des Knappschaftsältesten. Unser braver Genosse hat die Absicht, sich auch weiter energisch an der politischen Aufklärungsarbeit zu beteiligen. Gerade in der Werbewoche bedeutet ein solcher Entschluß einen Antrieb für jüngere Mitstreiter. Durch das Vorbild wird stets am besten den Forderungen und Zielen der Sozialdemokratie gedient. Mit dem Parteivorstand und allen Gliedern der Arbeiterbewegung, die den tapferen Sozialisten heute ehren werden, wünschen auch wir dem Jubelpaar weitere Rüstigkeit und einen freudigen Lebensaben d. Eigenproduktion der Arbeitergenossenschaft. Tabak, Zigarren und Zigaretten sind in unserer hastenden, auf flottes Tempo eingestellten Zeit für die Männerwelt ein anregendes Genußmittel geworden. Der Konsumverein„WohlGenußmittel geworden. fahrt“ Bochum weist in seinem heutigen Inserat auf die Tabakfabriken der Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Konsumvereine hin. Die Mitglieder werden erfreut sein, zu hören, daß in den Zigarren= und Tabakfabriken der GEG in Hamburg, Burgsteinfurt. Frankenberg, Hockenheim, Oestringen. Unterlind. Altluhsheim und in der Zigarettenfabrik in Altona, sowie der Kautabakfabrik in Nordhausen von zirka 1500 Facharbeitern wirklich gute Tabakfabrikate zu verhältnismäßig billigem Preise hergestellt werden. Die Einrichtung dieser modernen Betriebe ist natürlich dem neuesten Stande der Technik angepaßt; auch werden die Rohmaterialien von ersten Fachleuten ausgesucht. Daher kommt es, daß GEG=Tabak=Fabrikate in allen Fällen von bester Qualität sind. Offener Sonntag. Am kommenden Sonntag sind die Geschäfte in der Zeit von 13 bis 18 Uhr(1 bis 6 Uhr) geöffnet. Das erste Deutsche Arbeitersänger=Bundesfest im Lichtbild. Dem Volkschor Herne ist es gelungen, im letzten Augenblick eine Reihe von 140 Lichtbildern zu erhalten, die heute nachmittag 4 Uhr bei dem Kaffeetrinken der Frauengruppe des Volkschors vorgeführt werden. Allen denen, die mit in Hannover waren, werden diese Bilder erneut die frohen Stunden vor Augen führen, denen, die leider nicht mitkonnten, werden sie Zeugnis ablegen von dem großen, kulturellen Streben in der Arbeiter=Sängerbewegung. Keine Sängerin, kein Sänger lasse diese Gelegenheit fahren, sich davon zu überzeugen, daß sie nicht allein dastehen in ihrem Streben, sondern daß Tausende und Abertausende Sangesschwestern und Sangesbrüder draußen im Lande von dem gleichen Willen beseelt sind, die Arbeiterschaft kulturell weiterzubilden. Darum heute nachmittag: Auf zum Volkshaus, wo neben dem Lichtbildervortrag auch für genügend andere Unterhaltung gesorgt ist. Der Preis der Kaffeekarte beträgt 80 Pf. Freunde und Bekannte sind freundlichst eingeladen. Ein Brand im Stadtteil Sodingen. Die Polizei med Am Montag, gegen 16.50 Uhr, brach im Hause Ringstraße: im Stadtteil Sodingen, Feuer aus. Das einstöckige Wohnke des Invaliden Heinrich Sch. brannte bis auf die mauern nieder. Personen sind nicht zu Schaden gekomme das gesamte Mobilar der im Hause wohnenden 3 Famisskonnte ebenfalls gesichert werden. Der Brand entstand mutlich im Bodenraum; die Entstehungsursache ist noch bekannt. Wetterbericht vom 23. Oktober 1928.(Nachdruck verbote Ein Teiltief ist vom Mittelmeer nordwärts nach der südlich Ostsee gezogen; auch von Großbritannien dringt ein Tein über die Nordsee nach Westdeutschland vor. Heute früh dau in Deutschland das meist trübe Wetter vielfach mit Regfällen fort. Die Morgentemperaturen lagen zwischen 8 und Grad. Der Kahle Asten meldet mäßigen Südwestwind, Neu und 5 Grad Wärme. Aussichten bis Donnerstag: Forigese veränderlich, zeitweise Regen und mild. Stadt Bochum. Schwerer Straßenbahnzusammensto in der Innenstadt. Volkshochschule. Heute abend 7.45 Uhr spricht Oberschullehrer Gorbahn über„Neue deutsche Literatur“. Von dem Naturalismus Gerhart Hauptmanns ausgehend, wird er zunächst die Neuromantik(R. Huch u. a.) behandeln. Unter den Dichtern der neuesten Zeit werden auch die Arbeiterdichter gebührend zu Worte kommen. Einige Teilnehmer können noch zugelassen werden. Für Sozial= und Kleinrentner. Die Ausgabe der Gutscheine für Kartoffeln, die in der nächsten Woche zur Verteilung gelangen, findet wie folgt statt: Grüne Ausweiskarte Nr. 26001 bis 26999 und 32001 bis 32899 am Samstag, dem 20. d. M., auf Zimmer 6, 27001 bis 29434 für die Buchstaben A bis M. am Dienstag, dem 23. d. M., auf Zimmer 6. Am Mittwoch, dem 24. d. M., für die Buchstaben L bis 3 auf Zimmer 66. Nr. 331001 bis 331999 am Montag, dem 22. d. M., auf Zimmer 5. Nr. 30001 bis 30453 und 33001 bis 31444 am Donnerstag, dem 25. d. M., auf Zimmer 4. Der Zeitpunkt der Ausgabe der Kartoffeln wird bei der Entgegennahme der Gutscheine bekanntgegeben. Die sonstigen Antragsteller holen ihre Scheine an einem der vorgenannten Tage ab. Städtische Konzertveranstaltungen. Aus Anlaß der 100. Wiederkehr des Todestages(11. November) Franz Schuberis wird das erste städtische Vormietekonzert, das heute abend 8 Uhr in der Schauburg stattfindet, nur Werke von Schubert bringen. Das Grevesmühl=Quartett, eine der besten QuartettVereinigungen des Westens, wird das Quartett in demoll mit den Variationen über das bekannte Lied„Der Tod und das Mädchen“, spielen. Adelheid La Roche wird die 3 MignonLieder: Nähe des Geliebten, Abendstern. Der Jüngling an der Quelle. An die Sonne und Gauymed singen. Den Abschluß des Programms bildet das Streichquartett op. 161 G=dur. Ein Ereignis! Saba und Belachini jr. geben Samstag und Sonntag im Volkshaus Herne ein zweitägiges Sensations=Gastsviel. Diesmal handelt es sich um den echten Belachini jr. mit seiner bekannten Partnerin Saba. Die junge Dame wurde, wie man uns mitteilt, wiederholt von Aerzten untersucht, und alle sind zu der Ansicht gekommen, daß sie ein„Rätsel des 20. Jahrhunderts“ ist. Ein Professor sagte:„Radiogedächtnis“. Der Kartenverkauf findet an der Saalkasse von 3 bis 7 Uhr nachmittags zu ermäßigten Preisen statt. Auf der Alleestraße, in der Nähe der Christuskirche, en nete sich in der vergangenen Nacht gegen 12 Uhr ein schw. Unfall. Ein von Gelsenkirchen kommender Motorwagen Linie 1 fuhr mit erheblicher Geschwindigkeit auf einen in Weiche haltenden Anhängewagen der Linie 4 auf. Der an Kuppelung des Anhängers tätige Schaffner wurde von auffahrenden Motorwagen so unglücklich erfaßt, daß er schw Beinbrüche und noch andere schwere Verletzungen davontn Beide Straßenbahnwagen hatten durch den Zusammenstoß hebliche Beschädigungen aufzuweisen. Die Fahrgäste kamen mit dem Schrecken davon. Der dauernswerte Verunglückte wurde sofort ins Krankenha## überführt. Die Schuldfrage ist noch ungeklärt. Diebstahl von Lohngeldern. In der Nacht zum Dienst wurden auf der Zeche Konstantin der Große, Schacht 6=7, Bochum Lohngelder in Höhe von 29340 Mark gestohlen. 2 polizeilichen Feststellungen haben ergeben, daß der Geldschr### mit einem Nachschlüssel geöffnet und von den darin befindlich Lohngeldern in Höhe von 30000 Mark die angegebene Summ entwendet worden ist. Zwei Säcke mit zirka 660 Mark Hau geld wurden zurückgelassen. Nach der Ausführung des Diel stahls zu urteilen, können nur Personen als Tater in Fra# kommen, die mit den örtlichen Vethältnissen genau vertia sind. 10 Prozent des wiederherbeigeschafften Geldes sindu der Zechenverwaltung als Belohnung ausgesetzt. Sachdienl Angaben, die auf Wunsch streng vertraulich behandelt werde nehmen die Kriminal=Direktion in Bochum. Hattinger Stia 59=61, Zimmer 36, und die örtlichen Kriminalwachen entgege Diebstahl. Am Samstag wurde auf dem Neubau hiesigen Krankenhauses eine größere Menge Zinkblech wendet. Es ist mit einem Fuhrwerk abgefahren worden.„ sonen. die sachdienliche Angaben machen können. werden beten, bei der Kriminal=Inspektion 1, Hattinger Straße 5961 Zimmer 70, vorzusprechen. Brückensperre. Die Polizei teilt mit: Zwecks Erneuern des Treppenaufganges wird die Fußgängerüberführung un den Bahnhof Bochum=Riemke im Zuge der Straße„Auf Dahlacker“ für die Zeit vom 23. Oktober bis zum 3. Novem## 1928 einschließlich für jeden Verkehr gesperrt. Die Umleitn## des Verkehrs erfolgt durch die Herzog= und Hofsteder Stra# Verkehrsunfälle. Am Montag ist auf der Bongardstra stmagen angefahre ein Lehrling von einem Personenkraftwagen angefahren m leicht verletzt worden.— Weiter ist am Montag ein Kind### der Hofsteder Straße von einem Motorradfahrer angefahn worden. Es hat nur leichte Hautabschücfungen davongetrag Die Schuldfrage ist in beiden Fällen noch nicht geklärt. 25 Meter abgestürzt. Ein tragischer Anglücksfall ereign sich vor einigen Tagen kurz nach 2 Uhr mittags auf der 3 Ver. Präsident. Der Wäschearbeiter Franz Döring. wohr## Hamme, hatte eben seine Mittagschicht begonnen und war der Wäsche beschäftigt. Es ist anzunehmen, daß er aus Bühne beim Hantieren das Gleichgewicht verloren hat dann 25 Meter tief in den Bahnhof der Zeche abstürzte erschmetterten Gliedmaßen wurde er in den Gleisen der Zeo sahn aufgefunden und verschied schon wenige Sekunden dan Döring hat erst vor einigen Monaten geheiratet. Vereins-Anzeiger Autnahmen werden bei Vorausbezahlung mit 40 Pfg. und bei rieilung mit 80 Pfa. pro Petit=Zeile berechnet. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer Kriegerhinterbliebenen, Ortsgruppe Herne. Die Beerdigung unseres Kameraden Paul Chymara fi## am Mittwoch, dem 24. Oktober 1928, nachm. 15 Uhr(3 U vom Trauerhause Augustastraße 21, aus statt. Um recht i# reiche Beteiligung wird dringend ersucht. Der Vorstand Verantwortlich für Politik: Karl Garbe: für Lokales., werkschaftliches und Provinzteil: Josef Burgdorf: Feuilleton und Sport: Wilhelm Kalweit; für den ratenteil: Hermann Gierig; sämtlich in Bochum Auch bei der Arbei darfst Du In der Werbeue für die Sozlaldemokratist Partel und Presse nicht achl beiselte siehen! Unermüch müßt bi werben Heute abend 8 Uhr I. städt. Vormicte-Konzert in der Schauburt 2 Ein ges Trotz alledem li Herne, obwohl Polize rorgingen, den Mut tische Partei nicht sin Der Glaube an di als Not, Elend, Unsere Genossen schlo teiorganisatio gesetz verbot jede vol 1898 dieser§ 8 des 2 einige unserer tapfer Gründung des S## Diese Gründung de Vereins von He res 1898. 18 Mit bei. Einer dieser ta Verein gründen hal jährige Tätigkeit in ist unser wackerer I Schriftführer des ne geworden, den Verei Das damalige Verei meldung auch die 2 nicht geschehen, man mittelt. Unser Genos mitglieder erhielten damals auch der An von 15 Mark, die unsere Genossen d gen Gefi Die Polizei hatte ni verwaltung Konstan teilung von diesem machen. Das führte Maßregelung. nd Tri und Tritt verfolgt,i gekündigt, so daß er tätig gewesen ist. I zu diesem tapfern G Parteibewegung so heurem Opfermut u tei gestanden hat, n ein leuchtendes Beis lungen und polizei! Brockmeyer ließ die Entwicklung kommer wieder ein, bis man dung schritt. Doch wollen wir zeit nicht unerwähn wie arbeitersein! die sogar diese brut Brockmeyer noch bel waltigen Erhöhung Unwillen darüber k lizeibeamten auf di lizei und Gendarm Bochum herangezog der Marienstraße k dieses kurze Stück d an Mann stand un Die Menge wurde einanderzugehen, w Darauf erteilte Po schaft den Befehl, zus Die Herner Stadtbbürgermeister Schä Polizeikommissars sonderen Dank. meister Schäfer, oblag, von der Re 3. Klasse, und Roten Adlero Außerdem bekar 100 Mark und al Nach allen diesen Oberbürgermeister nicht so angenehme Bürgertum der Fa Und noch ein sich abgespielt hat, gefühllos die dam ratenen Arbeiter b bekannten. Unsere serer ältesten Par Jahre die sozialder später das„Volks! ihres Mannes in stützung an die Ar daß Sozialdeme Sie möge sich von solche Besolche Behandlung Mensch keine Wor derart gewirkt, da behörde für eine Auch heute noch is daß diese alte Kä wenn nicht führer lümmern würden. Dieses vereint die Arbeiterschaft kratische Partei ne waltigen Aufschwi 1903 unser damal Herne 2756 Stim Kandidat nur 215 Das war ein ge wenn man bedenk beschäftigte und 8 wurde denn auch Prittes Blatt Mittwoch, den 24. Oktober 1928 " D i e P o l i z e i m e l d Hause Ringstraße“ s einstöchige Wohnhar bis auf die zu Schaden gekomme wohnenden: r Brand entstand## gsursache ist noch ni# (Nachdruck verboten gärts nach der südlichlen dringt ein Teilih vor. Heute früh dau# er vielfach mit Reas agen zwischen 8 und en Südwestwind. Netdonnerstag: Fortgesel chum. zusammenstoß stadt. der Christuskirche, sen 12 Uhr ein schwerender Motorwagen### sigkeit auf einen in inie 4 auf. Der an sairner wurde von u h erfaßt, daß er schweVerletzungen davonte## den Zusammenstoß hrecken davon. Der u fort ins Krankenha## ungeklärt. er Nacht zum Dienste Große, Schacht 6=7.1 10 Mark gestohlen.# zen, daß der Geldschrat n den darin befindlich die angegebene Sum t zirka 660 Mark Ha## Ausführung des Diel ten als Täter in Frailtnissen genau vertrat safften Geldes sind## ausgesetzt. Sachdienl gulich behandelt werder schum. Hattinger riminalwachen entgege auf dem Neubau ein Menge Zinkblech en bgefahren worden. hen können. werden Hattinger Straße 594 mit: Zwecks Erneuern# jängerüberführung in e der Straße„Auf ia er bis zum 3. Novembgesperrt. Die Umleitue = und Hofsteder Strag auf der Bongardstra ftwagen angefahren in m Montag ein Kind### storradfahrer angefahn jürfungen davongetrage noch nicht geklärt. zer Anglücksfall ereigne hr mittags auf der### Franz Döring, wohnhe t begonnen und war nehmen, daß er auf u ewicht verloren hat i der Zeche abstürzte.# in den Gleisen der wenige Sekunden dara geheiratet. zeiger 10 Pfa. und bei Rechnun## Zeile berechnet. Kriegsteilnehmer un sgruppe Herne. en Paul Chymara nachm. 15 Uhr(3 Unn us statt. Um recht 9t. Der Vorstand arbe; für Lokales sosef Burgdorf ilweit; für den sämtlich in Bochum r Arbei In der Werbewec Sozlaldemokratisch Presse nicht achli lehen! Unermüch mülst Ei werben hauburt Herner Parteibewegung. Ein geschichtlicher Rückblick. Von Fritz Hölkeskamp. (Schluß.) Trotz alledem ließen damals unsere Parteigenossen in Herne, obwohl Polizei und Behörde in dieser gemeinsten Weise vorgingen, den Mut in der Kleinarbeit für die Sozialdemokratische Partei nicht sinken. Der Glaube an die Zukunft des Sozialismus war stärker als Not, Elend, Maßregelung, Verachtung und Kerker. Unsere Genossen schlossen sich in Herne zu einer losen Partetorganisation zusammen, denn das damalige Vereinsgesetz verbot jede politische Vereinsbildung. Erst, als im Jahre 1898 dieser§ 8 des Vereinsgesetzes fiel, da schritten nachträglich einige unserer tapfersten Genossen zu der Gründung des Sozialdemokratischen Vereins von Herne und Umgegend. Diese Gründung des ersten„Sozialdemokratischen Vereins von Herne“ erfolgte im Mai des Jahres 1898. 18 Mitglieder traten dem neugegründeten Verein bei. Einer dieser tapferen Genossen, der damals diesen ersten Verein gründen half, kann heute auf eine mehr als dreißigjährige Tätigkeit innerhalb unserer Partei zurückblicken. Es ist unser wackerer Jubilar Julius Benz. Ihm war als Schriftführer des neugegründeten Vereins die Aufgabe zuteil geworden, den Verein bei der zuständigen Polizei anzumelden. Das damalige Vereinsgesetz schrieb nun vor, daß bei der Anmeldung auch die Mitgliederliste einzureichen sei. Das war nicht geschehen, man hatte nur die Namen des Vorstandes übermittelt. Unser Genosse Benz und die beiden übrigen Vorstandsmitglieder erhielten von dem Polizeikommissar Brockmeyer, der damals auch der Amtsanwalt von Herne war, eine Geldstrafe von 15 Mark, die unsere Genossen dann bei Wasser und Brot in den dunstigen Gesängnismanern absitzen mußten. Die Polizei hatte nun nichts eiligeres zu tun, als der Zechenverwaltung Konstantin, wo unser Genosse Benz arbeitete, Mitteilung von diesem„gemeingefährlichen Sozialdemokruten“ zu machen. Das führte nun kurz nach seiner Haftentlassung zur Maßregelung. Seitdem wurde unser Jubilar auf Schritt und Tritt verfolgt, ihm wurde auf einer Zeche nach der andern gekündigt, so daß er auf weit mehr als 30 Arbeitsstellen tatig gewesen ist. Wir Jungen in der Parteibewegung wollen zu diesem tapfern Genossen, mit dem die Geschichte der Herner Parteibewegung so eng verflochten ist, und der mit solch ungeheurem Opfermut und zäher Ausdauet in dem Dienst der Partei gestanden hat, mit Achtung emporblicken und uns an ihm ein leuchtendes Beispiel nehmen.— Doch die vielen Maßregelungen und polizeilichen Drangsalierungen eines Kommissars Brockmeyer ließ dieses zarte Vereinspflänzchen nicht recht zur Entwicklung kommen. Der„Sozialdemokratische Verein“ schlief wieder ein, bis man dann im Juni 1904 wieder zur Neugründung schritt. Doch wollen wir ein wichtiges Ereignis in dieser Zwischenzeit nicht unerwähnt lassen, das so recht kennzeichnet, wie arbeiterseindlich zu jener Zeit die Herner Stadtbehörde war, die sogar diese brutale Gewaltanwendung des Polizeikommissars Brockmeyer noch belohnte. Im Jahre 1899 war wegen der gewaltigen Erhöhung der Knappschaftsbeiträge für die Schlepper auf den hiesigen Zechen ein sogenannter„Schlepperstreik“ ausgebrochen. Viele Bergleute hatten sich eines Nachmittags auf der Bahnhofstraße angesammelt, um demonstrativ ihren Unwillen darüber kundzutun. Brockmeyer hatte alle seine Polizeibeamten auf die Beine gebracht und zur Verstärkung Polizei und Gendarmerie aus dem Landkceise Dortmund und Bochum herangezogen. Die Polizei, aus dem Steinweg und der Marienstraße kommend, trieb die streikenden Arbeiter auf dieses kurze Stück der Bahnhofstraße so in die Enge, daß Mann an Mann stand und keiner sich zu rühren in der Lage war. Die Menge wurde nun von der Polizei aufgefordert, auseinanderzugehen, was natürlich vollständig unmöglich war. Darauf erteilte Polizeikommissar Brockmeyer der Schutzmannschaft den Befehl, zu schießen. 8 Tote gab es und 22 Verletzte. Die Herner Stadtbehörde, an der Spitze der frühere Oberbürgermeister Schäfer, zollte dem tatkräftigen Vorgehen des Polizeikommissars Brockmeyer und seiner Schutzmannschaft besonderen Dank. Zur Belohnung dafür wurde Oberbürgermeister Schäfer, dem damals die Polizeigewalt von Herne oblag, von der Regierung mit dem Roten Adlerorden 3. Klasse. und Polizeikommissar Brockmeyer mit dem Roten Adlerorden 4. Klasse ausgezeichnet. Außerdem bekam Brockmeyer noch für sein Totschießen 100 Mark und jeder beteiligte Polizeibeamte 75 Mark als Belohnung ausgehändigt. Nach allen diesen Erinnerungen ist es verständlich, wenn der Oberbürgermeister Schäfer bei der Herner Arbeiterschaft in nicht so angenehmer Erinnerung steht, wie das beim Herner Bürgertum der Fall ist.— Und noch ein Fall sei hier erwähnt, der auch um jene Zeit sich abgespielt hat, und welcher recht deutlich zeigt, wie roh und gefühllos die damalige Herner Stadtbehörde die in Not geratenen Arbeiter behandelte, die sich zur Sozialdemokratie offen bekannten. Unsere alte Genossin Frau Batzkuß, eine unserer ältesten Parteigenossinnen, die damals als Botin viele Jahre die sozialdemokratische Zeitung„Volksstimme“ und dann später das„Volksblatt“ trug. geriet durch den plötzlichen Tod ihres Mannes in große Not. Sie wandte sich um eine Unterstützung an die Armenverwaltung. Dort wurde ihr mitgeteilt, daß Sozialdemokraten von der Stadt keine öffentlichen Mittel erhielten. Sie möge sich von der„Volksstimme“ unterstützen lassen. Eine solche Behandlung von einer Stadtbehörde, für die man als Mensch keine Worte findet, hat auf das Innere dieser Frau derart gewirkt, daß sie seit jener Zeit nie wieder die Stadtbehörde für eine Unterstützung in Anspruch genommen hat. Auch heute noch ist sie nicht zu diesem Schritt zu bewegen, so daß diese alte Kämpferin in ihren Tagen verhungern müßte, wenn nicht führende Parteigenossen sich um die Jubilarin lümmern würden. Dieses vereinte Vorgehen von Behörde und Polizei brachte die Arbeiterschaft erst recht zur Vernunft. Die Sozialdemokratische Partei nahm darum in den nächsten Jahren einen gewaltigen Aufschwung, so daß bei der Reichstagswahl im Juni 1903 unser damaliger Reichstagskandidat Otto Hue hier in Herne 2756 Stimmen erhielt, während der nationalliberale Kandidat nur 2156 Stimmen bekam. Das war ein gewaltiger Erfolg für die Sozialdemokratische Partei in Herne, wenn man bedenkt, daß damals Herne ungefähr 8459 Beegbaubeschäftigte und 800 Fabrikarbeiter hatte. Am 26. Juni 1903 wurde denn auch zum ersten Male der Wahlkreis Bochum=Herne von der Sozialdemokratie erobert. Otto Hue zog in den Reichstag ein. Dieses gewaltige Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen hatte dann zur Folge, daß man damals für unseren Wahlkreis in Bochum eine eigene Parteidruckerei schuf, für deren Zustandekommen sich unsere Parteigenossen in Herne große Verdienste erworben hatten. Der Druck des„Volksblattes“ erfolgte vordem in der Druckerei der„Arbeiter=Zeitung in Dortmund. Unter den Herner Parteigenossen war es damals der auf Mont=Cenis beschäftigte(jetzt Bezirksleiter des Bergarbeiterverbandes) Genosse Edmund Graf, der geistige Führer der Partei= und Gewerkschaftsbewegung jener Zeit, auf dessen Namen heute noch die Verlagsfirma des„Volksblattes“ lautet, dem das großte Verdienst in dieser Beziehung zukommt. Der nächste Erfolg der Wahl war, daß im darauffolgenden Jahre, nämlich im Juni 1904, wie schon erwähnt, der alte„Sozialdemokratische Verein für Heene und Umgegend“ wieder neu auflebte. Vorsitzender wurde der Schneider Genosse Fritz Göbel. Es meldeten sich damals zur Eintragung in die Partei ungefähr 30 Mitglieder. Von den noch lebenden Gründern sind zu erwähnen: Jul. Benz. Wilh. Dörr, Leonhard Schlotthane, Georg Gampert. Fritz Wöhrmann, Ludwia Harbott und der jetzige Distriktsleiter Heinrich Crämer. Alle diese Genossen können in diesen Tagen auf eine 25jährige Parteiarbeit zurückblicken. Bei der Anmeldung des Vereins durch den Schriftführer Fritz Wöhrmann kam es zwischen ihm und dem Polizeikommissar Brockmeyer zu einer Auseinandersetzung. Bvockmeyer verlangte von ihm für die Beglaubigung der eingereichten Statuten eine Stempelgebühr. Unser Genosse Wöhrmann wies ihn darauf hin, daß er hierfür nach dem Gesetz keine Stempelgebühr mehr erheben dürfte. Brockmeyer wurde infolge dieser Aeußerung wild, holte schleunigst den Gummischlauch und bedrohte damit unsern Genossen Wöhrmann. Wohl oder übel mußte er die Gebühr bezahlen und erhielt nachträglich oas Geld auf eine Beschwerde an die Regierung hin wieder zurück. Solche Zasammenstöße hatten zu jener Zeit unsere führenden Parteigenossen sehr oft mit Brockmeyer. Auch der damalige Bürgermeister Schäfer hat unseren Parteigenossen oft eine Behandlung zuteil werden lassen, die gleichfalls gebührend gebrandmarkt werden muß. Ein Beispiel: Der Arbeiter=Gesangverein feierte im Jahre 1904 sein 10 jähriges Bestehen. Ein Festzug war zu Ehren des Tages geplant. Unser alter Genosse Schlotthane wurde mit noch zwei Mitgliedern des Vereins beim Bürgermeister Schäfer vorstellig, um die Genehmigung des Festzuges zu erlangen. Bürgermeister Schäfer erklärte:„Die Erlaubnis für einen öffentlichen Aufzug geben wir nicht, denn wenn ihr Sozialdemokraten in der Mehrheit seid, duldet ihr auch nicht, daß die Kriegervereine einen Umzug machten; aber, Gott sei Dank, so weit kommt es nicht.“ Nun, der November 1918 hat ihn eines anderen belehrt.— In demselben Jahre trat dann zum ersten Male der„Sozialdemokratische Verein mit einer eigenen Kandidatenliste fur die Stadtverordnetenwahl an die Oeffentlichkeit. Auf unsere Liste fielen etwas mehr als 200 Stimmen. Die politische Bewegung hielt nun gleichen Schritt in den nächsten Jahren, so daß im Jahre 1906 der„Sozialdemokratische Verein" ungefähr 180 Mitglieder zählte. Die gründliche Werbe= und Aufklärungsarbeit unserer Genossen brachte bei der Stadtverordnetenwahl in demselben Jahre unserer Partei den doppelten Stimmenzuwachs. In der Zwischenzeit hatten sich nun auch in den anderen Orten„Sozialdemokratische Vereine“ gebildet. Man ging nun daran, alle Vereine in unserem Wahlkreis zu einem Wahlkreisverein zusammenzuschließen. So entstand im Jahre 1906 der „Wahlkreisverein der Sozialdemokratischen Vereine von Bochum, Gelsenkirchen, Hattingen, Witten und Herne". Es war nun ein geschlossener Parteikörper geschaffen. Dem unermüdlichen Werben und der steten Kleinarbeit unserer Genossen ist es nur zu verdanken, daß wir bei der nächsten Reichstagswahl im folgenden Jahre fast die Hälfte der wahlberechtigten Stimmen erhielten. Von 7618 Wahlberechtigten in Herne erhielt im Jahre 1907 in der Stichwahl Otto Hue 3158 Stimmen, während Haarmann, der national„Egmont“. Ein Vortrag von Prosessor Dr. E. Vertram. Wiederum hatte sich die große Bochumer Goethe=Gemeinde im Parkhaussaal eingefunden, um diesmal dem Vortrage von Professor Dr. Ernst Bertram(Köln) über Goethes „Pgmonr- zu lauschen. Aus dem von dem Vortragenden Gesagten sprach eine tiefe Liebe zu dem Werk des Dichters und eine große Ehrfurcht vor allem von Goethe Gestalteten. Viel zu viel wird an dem Kunstwerk von sich dazu berufen Fühlenden herumgedeutelt und seziert, so daß nur zu oft der Sinn des Kunstwerks vollkommen verloren geht. Unser Vorrecht, das Vorrecht des Geistes sollte es sein, das Große, das von großen Geistern Geschaffene, immer wieder von neuem zu bewundern und der Bewunderung Ausdruck zu geben. Der alternde Goethe sagte selbst bei einer Gelegenheit:„Ich hasse die Leute, die nichts mehr bewundern können.“ Leider gibt es gerade in unseren Tagen nur wenige Köpfe, die trotz ihrer Jahre ein beschwingtes, noch bewundern könnendes perz aufzuweisen haben. Dieser Mangel an Ehrfurcht, diese Verkalktheit der Gedanken sind es, die das Bewunderungswürdige in den Staub zerren Den mit der Seele Schürfenden, das Kunstwerk in sich Aufnehmenden, überkommt eine Traurigkeit, wenn er entdeckte, daß auch das große Werk, das von einem Genius Geschaffene, Mängel aufzuweisen hat, aber auch diese Mängel sind lebenswahr. Bei Goethes„Egmont“ finden wir ebenfalls diese Mängel. Der„Egmont“ ist kein einheitliches Drama wie etwa die„Iphigenie“ oder der„Tasso“, und Goethe faßt sein Urteil über den„Egmont“ in die Worte zusammen:„Er steht da, wie er werden konnte, nicht, wie er sein sollte.“ Den begonnenen„Egmont“ vollendete der Dichter erst nach zwölf Jahren in Rom. Das Werk, das er, kaum vom„WertherFieber“ genesen, als junger, innerlich aufgewühlter Mensch niederzuschreiben begann, die Dichtung, die man den Rest klassizistischer Pathetik nennen kann, hat Goethe in Rom bedenkend und erwägend vollendet. So sind die dem Werk anhaftenden Mängel verständlich, in dem die Spuren der Mühsal sichtbar sich verfolgen lassen, aber es siegt der Hauch echten Lebens und die Ergriffenheit vor dem Schicksal des Menschen Egmont. Das dramatische Gedicht„Egmont“ ist in seiner Form, in seiner Sprache die letzte Shakespeare=Dichtung Goethes. Viel Persönliches des Dichters ist in„Egriont“ enthallen und das Dämonische, das Goethe nach seinem eigenen Ausspruch auf seinem Lebensweg begleitete, verlieh auch dem„Egmont“ seinen Geist. Der Vortragende hat recht, nur zu recht, wenn er sagt, daß auch heute noch auf der Erde viele Albas ihre unselige Herrschaft ausüben und daß in vielen Millionen gepeinigten Seelen die Sehnsucht nach einem Retter aufsteigt. Darum lieben Unzählige gerade den„Egmont“ als das Freiheitsdrama, jedoch anders als den„Tell“, denn der„Egmont“ ist nicht die Tragödie eines sich befreienden Volkes, sondern die Ballade eines Einzelwesens, dessen Wesen das Schichsal ist. Handlung, bühliberale Kandidat. 2747 Stimmen auf sich vereinigte. So zog Otto Hue zum zweiten Male für 5 Jahre in den Reichstag ein. Im Jahre 1908 fiel nun auch der Paragraph des Vereinsgesetzes, welcher die Frauen politisch entrechtete. Auch unter den Frauen hatte damals schon eine lose Parteiorganisation bestanden, die im Geheimen Parteiarbeit leistete. Unter diesen ersten Kämpferinnen in der Frauenbewegung unserer Partei sind zu nennen die Genossinnen Huek, Batzkuß, Seidel, Wenzel, Reimöller, Völkel und Benz. Jetzt konnten sich all die Frauen, als ihnen das Recht der politischen Betätigung von Gesetzeswegen eingeräumt war. tatkräftiger in den Dienst der Partei stellen. Vor allen Dingen nahmen sie den Männern, denen durch die lange Arbeitszeit wenig freie Zeit zur Verfügung stand, in der Agitation manche Kleinarbeit ab. Sie übernahmen vielfach den Vertrieb der Flugblätter vor den Zechen und Fabriken. Und es steht fest, daß die Frauenversammlungen der Partei zu jener Zeit besser besucht waren, als die Männerversammlungen. Unsere Partei nahm damals durch den Eintritt der Frauen in unsere Bewegung einen gewaltigen Aufschwung. Im Jahre 1909 betrug die Zahl unserer Mitglieder in Herne 427, darunter 180 weibliche. Diese Zahl stieg dann in den nächsten Jahren zusehends, so daß wir im Jahre 1910 356 männliche und 180 weibliche und im Jahre 1911 347 männliche und 220 weibliche Mitglieder zählten. Bei Ausbruch des Krieges im Jahre 1914 war die Gesamtmitgliedschaft auf 800 angewachsen. Viele Jahre waren als Vorsitzende der Frauenabteilung unermüdlich und in zäher Ausdauer tätig die Genossinnen Huek und Seidel und kurz vor dem Kriege auch die Genossin Ostermann(jetzt Wesendonk). Ihnen vor allen Dingen ist es zu verdanken, daß die Frauengruppe einen derartigen Aufschwung genommen hat Der starke Aufschwung der Mitgliedschaft machte es im Jahre 1908 unbedingt notwendig, einen Aktions=Auschuß zu bilden, der sich aus Vertretein der Partei, der Gewerkschaften und Spoctvereine zusammensetzte. Der AktionsAusschuß verwaltete den örtlichen Pressefonds, der gebildet wurde von einem Teil der Ueberschüsse der Vereinsveranstaltungen dieser angeschlossenen Körperschaften. Zunächst beabsichtigte man durch die Gründung des Aktions=Ausschusses einen Fonds zu schaffen, um damit die Ausgaben für einen sogenannten„Parteisekretär“ oder Filialleiter bestreiten zu können. Man war zu diesem Schritt gezwungen, da durch die Schikanierungen der Polizei und die vielen Maßregelungen auf den Zechen ein ehrenamtliches Arbeiten für unsere Parteigenossen unmöglich geworden war. Der Vorsitzende des Aktions=Ausschusses bekam einen Teil seines Gehaltes aus dem Pressefonds und hatte dafür auch die gesamte Arbeit der Partei zu leisten. Dieses Amt des Vorsitzenden wurde damals dem verstorbenen Genossen Heinrich Benoler übertragen, der zugleich auch Angestellter der Bauhandwerker war, und der dieses Amt bis zum 1. April 1913 bekleidete. Nach ihm wurde der Genosse Karl Hölkeskamp zum Filialleiter gewählt, der dann die Geschäfte der Partei viele Jahre leitete. Hier sei nebenbei erwähnt, daß mit der Gründung des Aktions=Ausschusses man damals weitere Pläne verfolgte. Man wollte in Herne eine eigene Zeitung und ein eigenes Versammlungslokal schaffen. Das ist denn auch nach dem Kriege unter der zielbewußten Führung unseres Genossen Karl Hölkeskamp erreicht worden. Während der erste Ueberschuß der Partei im Jahre 1908 28 bis 30 Mark betrug, verfügt heute die Sozialdemokratische Partei von Herne über Vermögensliegenschaften im Werte von 300bis 350000 Mark. Unter der Führung des Genossen Bendler setzte dann eine rege Agitation für die Sozialdemokratische Partei ein. Das wirkte sich vor allen Dingen aus bei der Stadtverordnetenwahl im Rovember 1910. In der 3. Abteilung fehlten uns in der Stichwahl nur 56 Stimmen, dann wären unsere drei Kandidaten: Diedrich Hue k. Wilhelm Dörr und Wilh. Breitenbach in das Stadtparlament eingezogen. Und bei der Stadtverordnetenwahl im Jahre 1916 sahen sich die anderen Parteien auf Grund unserer Stärke veranlaßt, uns Konzessionen zu machen. So zog zum ersten Male ein sozialdemokratischer Kandidat der Genosse Karl Hölkeskamp, in das Herner Stadtparlament ein. Gegen damals haben sich heute die Verhältnisse in Herne gewaltig verändert. Ein Dutzend sozialdemokratischer Vertreter sitzen jetzt im Stadtparlament. An leitender Stelle in der Verwaltung sitzt ebenfalls ein Sozialdemokrat. Wir können stolz sein auf die stattliche Zahl unseter Jubilarinnen und Jubilare. Ihre Ehrung ist unsere Pflicht! nenwirksame Handlungen weist das Stück nur wenige auf.. Das Gewissen des„Egmont“ ist hier die Handlung. Man sieht immer nur, wie er ist, niemals was er tut. Die geistige Musik im„Egmont“ spinnt hier ein Lebensgedicht. Den Rahmen bildet der Kampf des hartgeschichteten niederländischen Volkes mit dem fremden, im einzelnen und im ganzen so grundverschiedenen, südlichen, spanischen Wesen. Goethe selbst wollte, das dieses Drama in Musik ausklingen sollte und es ist kein Zufall, sondern das Schicksal des Kunstwerkes, daß Beethoven Goethes„Egmont“ vollendete, denn das Letzte, das Unsagbare ist immer Klang und Ton.— Diese Vortragsstunde war eine Feierstunde, die allen Hörern unvergeßlich bleiben wird. E. 3. „Igmont.“ Die Besetzung ist für die Goethewoche die gleiche geblieben, die wir in der ersten Aufführung kennen lernten. Lohkamp ist kein Egmont, und wenn er die Rolle noch so oft spielt, wird er keiner werden. Die Qualitäten des Schauspielers werden sich besser nach anderer Seite entwickeln lassen. Mit Bruder Martin machte er an unserer Bühne einen vielversprechenden Anfang. Nennen wir aus der letzten Aufführung die besten Leistungen, so sind es wieder der Oranien Heilingers. der Alba Meineckes und der Vansen Heusers. Margarete Telemann verstand sich wohl befriedigend in der Rolle der Margarethe v. Parma. Gut war auch wieder das Klärchen der Charlotte Noak. Die Massenszenen nahmen wieder durch ihre Gliederung und Belebung gefangen. Die verwirrenden Nebelwolken in der Szene, wo Klärchen ihre Mitbürger für die Befreiung Egmonts aufruft, mögen sich bald verziehen. Die Bühnenbilder und deren architektonische Aufstellung erfuhren gegenüber der ersten Aufführung keine Veränderung. Das gut besetzte Haus spendete reichen Beifall. Wp. 1630 Westdeutsche Rundschau. Skandal im Dortmunder Stadtparlament. Als erster Punkt stand am Montag auf der langen TagesDortmund ordnung der Dortmunder Stadtverordnetenversammlung die Beanstandung der Wahl des kommunistischen Stadtverordneten Göbel durch den Magistrat. Wie der Referent der Stadtverordnetenversammlung berichtete, war Göbel an dem Tage seiner Wahl, am 20. Mai 1928, noch keine 6 Monate in Dortmund wohnhaft gewesen, so daß er nach den Bestimmungen der Städteordnung nicht hätte gewählt werden können. Die Kommunisten brachten dagegen vor, daß Göbel sich bereits seit April 1927 in Dortmund ständig aufhalte, allerdings die polizeiliche Anmeldung erst später vorgenommen habe. Als Göbel zu seiner Reichtfertigung selbst das Wort nehmen wollte, wurde ihm dieses vom Vorsitzenden verweigert, da die rechtliche Lage nicht klar sei, ob Gröbel überhaupt noch das Recht habe als Stadtverordneter im Sitzungssaal anwesend zu sein. Da Göbel trotzdem von seinem Platz aus das Wort ergriff und trotz des Verbots des Versammlungsleiters seine Rede zu Ende führte, wurde Göbel aufgefordert, den Saal zu verlassen Als dieser sich weigerte, unterbrach der Vorsitzende für 10 Minuten die Sitzung, um im Stadtverordnetenvorstand über den Fall zu beraten. Nach Ablauf dieser Zeit verkündete er der Versammlung, an der auch wieder der ausgewiesene Kommunist teilnahm, daß der Vorstand beschlossen habe, um die Entfernung des Ausgeschlossenen durch Polizeigewalt zu verhindern und den Kommunisten damit keine weitere Agitationsmöglichkeit zu geben, die Stadtverordnetenversammlung zu vertagen. Bei der nächsten Sitzung soll dann auf alle Fälle verhindert werden, daß der ausgewiesene Kommunist den Sitzungssaal betreten kann. vom Schlachtfeld der Arbeit. Auf der Schachtanlage 2/5 der Vereinigten Stahlwerke in Hamborn geriet der Grubenschlosser Heinrich Schwenger aus Hamborn beim Versetzen einer Lokomotive zwischen diese und der Wettertür. Er erlitt so schwere Quetschungen am ganzen Körper, daß der Todauf der Stelle eintrat. Der Verunglückte war verheiratet und hinterläßt Frau und Kind. Chlorodont bhich efäichten Schabieg 1513 Aus den Vereinen Aus dem D=Zug gesprungen. Am Montag, gegen 23 Uhr, Gro" stürzte sich bei Gronenbaum eine Frau aus dem Fenster eines Wagens des D=Zuges Berlin—Köln. Die Frau, die einen doppelten Schädelbruch und andere Verletzungen erlitt, war auf der Stelle tot und wurde von dem D=Zug zum Hauptbahnhof Düsseldorf gebracht. Der D=Zug erlitt eine Verspätung von etwa 40 Minuten. Opfer des Verkehrs. Auf der Straßenbahnlinie Meiderich bis Hamborn ereignete sich ein schwerer Unfall. Das 2½jährige Töchterchen des Bergmanns Vlasak aus Walsum lief in der Nähe der elterlichen Wohnung unmittelbar vor einen aus der Richtung Duisburg kommenden Straßenbahnwagen. Der Führer konnte wegen der kurzen Entfernung nicht mehr den Wagen zum Halten bringen, so daß das Kind überfahren und auf der Stelle getötet wurde. Turnen, Sviel und Sport Arbeit für das Bundesfest. Der Hauptausschuß für das 2. Bundesfest des ArbeiterTurn= und Sportbundes tagte am 20. und 21. Oktober 1928 in Nürberg und beschloß endgültig, daß das Fest vom 18. bis 21. Juli 1929 stattfindet. Die Sitzung stimmte den Vorschlägen für das Programm und der ausgearbeiteten Zeitfolge zu, die der Technische Zentralausschuß in einer besonderen Sitzung zu Nürnberg festgelegt hatte. Danach soll am 14. Juli der Tag der Kinder sein. Der 18. Juli wird allgemein als Reisetag gerechnet. Am Freitag, dem 19. Juli finEröffnung des Festes im Rathaussaal und det die offizielle der Beginn des Wetturnens, der Wetrkämpfe und die Wettegt spiele statt. Für Sonnabend sind Kreisproben, Hauptproben -eübune der Massenfreiübungen, die Vorführungen der Gäste und eine große Jugendkundgebung vorgesehen. Der Sonntagvormittag gehört dem Festzug, der in zwei Zügen von Ost und West der Stadt Nürnberg zum Stadion geht. Nach Eintreffen der Züge geben die Spielleute des Bundes ein Massenkonzert, an dem sich voraussichtlich 10.000 Spielleute beteiligen Daran schließen sich an die Massenfreiübungen, die von 20000 Männern und 10000 Frauen ausgeführt werden. Dem folgen die Schlußspiele, Sondervorführungen und ein eigens für das Bundesfest geschriebenes Festspiel. Die Bundesschule wird in besonderen Veranstaltungen Einblick in ihre Arbeit gewähren. Der Propagandaausschuß berichtete über die geplante großzügige Werbung, bei der nichts unversucht bleiben wird, um die Bevölkerung Nürnbergs, sowie die gesamte Bundesmitgliedschaft für die Teilnahme am Fest zu gewinnen. Die Berichte der anderen Ausschüsse zeigten gutes Arbeiten und lassen auf glatte Abwicklung der sich ergebenden Arbeiten schließen Die Techniker der Zentral=Kommission tagten am 20. Oktober 1928 in Nürnberg und besprachen die Grundlage der gemeinsamen Verbandsarbeit. Für die Herbeiführung einheitlicher Methoden und Uebungsbetriebe soll Ende Januar an der Bundesschule in Leipzig ein Lehrgang für die Techniker der angeschlossenen Verbände stattfinden, bei Llast, Du schon Sparmarhon Bundessert Nürnbard## der an die Zentral=Kommission ein Antrag um Uebernahme der Kosten gestellt wird Uebereinstimmung wurde erzielt über die aktive Mitwirkung der Verbände der Zentral=Kommission an dem 2. Bundesfest des Arbeiter=Turn= und Sportbundes in Nürnberg. Der Reichs=Arbeiter=Sport=Tag für das Jahr 1929 wurde eingehend besprochen und allgemeine Teilnahme der gesamten Arbeitersportler an diesen Veranstaltungen mit Rücksicht auf das Bundesfest als unbedingt notwendig erachtet. zähliges Ersch vollzähliges Erscheinen erwartet. SPD. Ortsgruppe Altenhöfen. Am Freitag, dem 26. d. M abends 8 Uhr, findet im Lokale Brinkmann eine Vorstandssitzung statt, zu der alle Vorstandsmitglieder punktlich erscheinen müssen. Kulturkartell Eppendorf. Samstag, den 27. Oktober, abends * Lokale Bitter in—— Aniturtarieu-Tppeheeff. Sambiep, ai 2.. P.=..-, 8 Uhr, im Lokale Bitter in Eppendorf: Veranstaltung des Kulturkartells. Um vollzähliges Erscheinen der Genossen wird gebeten. Referent und Vortrag werden im Laufe dieser Woche bekanntgegeben. Jug eran, altungen. SAI. Wattenscheid. Heute, Nattwoch, abend 8 Uhr: Sprecher Westenfess. chorprobe in der Westenfelder Turnhalle. SAJ. Wanne=Eickel. Gruppe 1. Heute, Mittwoch, abend 7 Uhr:Heimstunde in der Friesenschule.— Sonntag, den 28. Oktober. nachmittags 3 Uhr: Monatsversammlung in der Melanchthonschule. Die Vorstandssitzung findet um dieselbe Zeit Wegen der wichtigen Tagesordnung muß ein erscheinen. Die Vorstandsmitglieder werden dortselbst statt. jedes Mitglied erso Weestenemteg gebeten, pünktlich und vollzählig zu erscheinen, weil wir mit der Vorstandssitzung pünktlich beginnen. SAJ. Langendreer. Mittwoch, den 24. Oktober: Heimabend. Wir gehen Sonntag nach Stockum, um an einer Feier mitzuwirken, müssen darum noch einiges durchproben. Donnerstag abend 8 Uhr: Sprechchorprobe. „Rote Falken" Langendreer. Freitag abend 7 bis 9 Uhr Im Jugendheim. Wir unterhalten uns über Friedrich Ebert und proben Fahrtenlieder. Arbeitsgemeinschaft Witten, Heven, Langendreer. Donnerstag den 25. Oktober, abends 8 Uhr: Sprechchorprobe. Sprechchorkleidung mitbringen. Nur eine kurze Zeit trennt uns noch vom 4. November. Spannt darum alle Kräfte an und lasse keiner Gleichgültigkeit und Interessenlosigkeit aufkommen. Unsere erste Veranpar: orde „Rote Falken" Linden=Dahlhausen. Unse staltung findet Mittwoch, den 24. Oktober statt, und Horde Dahlhausen in der Freiligrathschule in Linden Linden im Gemeindehaus in Linden, Horde Lewaker beim Genossen Fritz Beker, Lewaker Straße. Alle drei Veranstaltungen sind von 6 bis 7.30 Uhr. SAJ. Linden=Dahlhausen. Mittwoch, den 24. Oktober, 7.30 Uhr: Gruppenabend in der Freiligrathschule in Linden. SAJ. Herne=Sodingen. Mittwoch, den 24. Oktober, findet die Fortsetzung unseres letzten Diskutierabends statt.— Freitag, den 26. Oktober, neymen wir an der Vorstellung des Kölner Hänneschen=Theaters teil, die im Borgmannschen Saale stattfindet. Der Eintrittspreis für Jugendliche beträgt 20 Pf., es ist also die Möglichkeit gegeben, an dieser Vorstellung teilzunehmen. Rotoe Falken“ Herne=Sodingen. Unser Bastelabend, der Jug ja heute abend um 5.30 Uhr im muß Umstände halber ausfallen. ugendheim stattfinden sollte, Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold. Kreis Bochum. Am kommenden Sonntag, dem 28. Oktober, findet für sämtliche Ortsgruppen des Kreises das Schießen auf dem Schießstand des Wirtes Düppe In der Wanne von morgens 10 bis nachmittags 5 Uhr statt. Sämtliche Bezirke marschieren mit sämtlichen Spielleuten geschlossen so zeitig ab, daß sie um 10 Uhr zur Stelle sind. Dortselbst findet für die Spielleute eine Kreisprobe statt. Diejenigen Kameraden, die durch die Werbearbeit der Partei am Ausmarsch behindert sind. müssen sich nachmittags auf dem Schießstand einfinden. Es ist Pflichtveranstaltung und ich erwarte deshalb, daß sämtDer Kreisführer. eine Pflichtveranstaltung und ich er liche Kameraden sich dort einfinden. Die so viel gefrasten grauen Strickjacken und Westen für Herren zu 1.95 Mk. sind wieder in großen Mengen eingetröffen. Dieselben in reiner Wolle 2.95 und 3.50 Mk. Alle diese Jacken sind sehr billig und wurden im vergangenen Jahre stürmisch gekauft. Kinder-Westen, reine Wolle, alle Größen 2.50 Mk. Damen- und Herren-Pullover und-Westen 3.90 und 4.90 Mk. ich bin billig! HEINRICM SCHUREN, HERNE, Aeltestes Geschäft am Platze. Städt. Konzert-Veranstaltungen Herne Vormiete: 1. Konzert. Mittwoch, 24. Okt. 1928, abends 8 Uhr, in der Schaubung Kammermusik Ausführende Vortragsfolge Adelheid La Roche, Gesang Grevesmühl- Quartett Willy Mehrmann, Klavier. Franz Schubert. Streich-Quarteit d-moll Lieder mit Klavierbegleitung Streich-Quartett C-dur. 1633 Blüthner-Konzert-Flügel aus der Niederlage H. van Bremen, Dortmund, Hansastraße 1. Eintrittskarten zum Preise von 2.— RM., 1.30 R M., 1.- RM. und 0.50 RM. sind in den Vorverkaufsstellen Buchhandlungen Schulte-Kortnack, Ewert. Neustr.; Sander. Bahnhofstraße: Herner Volkszeitung und Zigarrenhaus Köhler. Bahnhofstr, zu haben. Schülerkarten zum Preise von 0.50 RM. sind nur im Rathaus, Zimmer Nr. 37, erhältlich. Der Blindenverein Herne (Ortsgruppe des Westt. Blindenvereine) erbittet für nachstehende blinde Handwerker AufträgStrick- und Häkelarbeiten: Maria Makowiak, Nordstraße 34. Klavierstimmen. Reparaturen, Polieren(eigene Werkstatt) Mahistedt. Bahnhofstraße 15 a. Teleion 50 058. Bürsten und Besen: Müller. Wischerstr. 4(Hinterhaus) Bürsten. Besen. Stuhlflechten: Henkelmann, Schloßstraße Stuhlflechten: Lau. Ludwigstraße 48. Kuhnhenne, Riemker Straße 84 Blumen u. Kränze: Wienholt, Steinweg 4, Telef. 51 294 Stuhlflechten: Orldner. Herne-Sodingen, Nordstr. 67. Korbmacher, Korbreparaturen, Stuhlllechten: Gerke Herne-Börnig. Baarestraße 51. Klaviersnieler: Schwan, Herne-Börnig, Freiheitstr. 16 Bestellungen für sämtliche Handwerker nimmt auch der I. Vorsitzende des Herner Blindenvereins, Wienholt, Steinweg 4(Ruf 51294) entgegen. Billige Gänseredern neue, reelle Ware. Schlachtrupf mit Daunen. Pfund RM. 2.00 u. 3.00, Hialbdaunen 5.00, teinste 601. Daunen 14 Pfund zum Oberbett) 675. Gerissene Federn 3.30, bessere 4.75, 5.60, 7.50 Daunen 9.00. Ab 25.00 RM. portofrei! Rücknahme bei Nichtgetallen. Muster und Preisliste frei! 1002 W. Baröwnick, Gänsemästere Neu-Trebbin 204(Oderbr.) Windjackenstofte lietert billig C Fr. Spies. Herne (Nerner Sückehaus bartenetr. 24, Te 1496 Inserate naben etets Ertolg! 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Filiale Altenhöfen. 95• FHERNE ab llachini (Die Geheimnisvolle) und ir 1632(Siehe Lokales) Vorverkaut: Zigarrengsschäft Holting. Bahnhofstraße Zerkleinertes Brennholz wird bei billigster Berechnung trei Haus abgegeben.— Bestellungen in Zimmer 22 des Rat520 hauses(Wirtschaftsstelle). Städtisches Wohlfahrtsamt Abteilung Fürsorge Sonntag, den 28. Oktober sind die Geschäfte von 13/18 Uhr(1 6 Uhr) geöffnet Ich arbeitete in hielt ich es nimmer mer 1883 losgegange mit ihren Sorgen allein zu lassen. D Sprung ins Dunkle reiten könnte, kam n die große, weite W lernen. Hinaus! I undzwanzigjähriger, einen schmalen, kur sch so zuverlässig un der Kasseler Sozia Mensch namens Hei Freundschaft bis z nir eine Blechbüchs war, anvertraute, un gesetzes Ausgewiesen Lehre, da war ich Geheimorgani Den streng verbote „Sozialdemokrat", de und dann in Londo zu Haus an die Ab tragen von Dorf zu Mehr als einm Sonntagabend heim uns hergehetzt woi sprechungen nahm Grillenberger in Ke vor den Augen der konnte. Die Mitte Reichstagsabgeordne Berlin mitbrachte, meiner Berufskolle weil ich als junge wenig mit Berufs Anforderungen zu g ich zu dem festen holt war mir bere wesen. Einmal wa worden, und zwar Wolfhager= und de reichischen Hof. De die Tür öffnete sich älterer Schutzmann mitfeiern? Wir fe Ich löse die Versan Natürlich ließen w doch alle die Tasche Instruktionsschriftch tungen, Haussuchu klagter verhalten widrig dumm gewe und um Hilfe gesch er Meldung erstat von uns dem Anst er wohl auf Befr polizeilichen Besuck war mit mir dari nicht verbrannt w staunlicher Behend kam sie aus den einiger Zeit die meiner Kamerade gefunden hatte, un fängnis verurteilt. obwohl er mich gleichen Kneipe. Ueber die Art vielleicht einige 2 wie schwer der S. listengesetz gemacht nung damals dazi beiten. Ich habe wenn auch mir bruche des Reiches Nieda mit die Ar erer Organisatiol der Henschelschen arbeiter Heinrich Wilhelm Pfannku des rein organis hatte fünf Mann nuten mobil mach wiederum fünf an auf diese Weise werden mußte. auf die Beine zu eine Flugschrift Kleinigkeit. sie 9 zu bringen.: Da Beginn der Arbe der Polizei in? der unüberlegte 449 1 1. ken Mundgeruch e färbten Jahnbelag zeinen ag. dem 26. d. M. n eine Vorstands. pünktlich erscheinen 77. Oktober, abends nstaltung des Kuler Genossen wird Laufe dieser Woche gen. end 8 Uhr: SprechMittwoch. abend Sonntag. den 28. sammlung in der et um dieselbe Zeit sordnung muß ein mitglieder werden i, weil wir mit der 4. Oktober: Heimum an einer Feier durchproben. Dontbend 7 bis 9 Uhr Friedrich Ebert und sendreer. Donnersschorprobe. Sprecheit trennt uns noch räfte an und lasse eit aufkommen. Insere erste Veranstatt, und zwar: in Linden, Horde irde Lewaker beim drei Veranstaltunden 24. Oktober, thschule in Linden. 24. Oktober, findet nds statt.— Freider Vorstellung des orgmannschen Saale iche beträgt 20 Pf. Vorstellung teilzuer Bastelabend, der m stattfinden sollte, ag. dem 28. Oktober es das Schießen auf r Wanne von morntliche Bezirke maren so zeitig ab, daß indet für die Spielameraden, die durch sch behindert sind. d einfinden. Es ist deshalb, daß sämtDer Kreisführer. Mk. sind wieder einer Wolle 2.95 und wurden im ten, reine Wolle, und-Westen 3.90 REN, HERNE, 1556 Vor sitzenden, dem 4 chert und Frau 9 traße 86 heutigen Tage 5 ndenden Hochzeit ückwünschel# lle Altenhöfen. (Die Geheimnisvolle) und hini Jr. Amt. Lokales) ätt Holting. Bahnhofstraße ertes nholz lligster Berechnung gegeben.— Bestelummer 22 des Rattschaftsstelle). Vohlfahrtsamt ng Fürsorge geöffnet UUnkerhaltungsbeilage Erscheink täglich Unter dem Sozialistengesetz. Von Ph. Scheidemann. Mit Genehmigung des Verlages Karl Reißner in Dresden drucken wir einige Kapitel aus den Memoiren Philipp Scheidemanns ab, die vom 22. Oktober ab im Buchhandel erhältlich sind. I. Ich arbeitete in der Lehrdruckerei bis Januar 1884, dann hielt ich es nimmer aus. Am liebsten ware ich schon im Sommer 1883 losgegangen, aber ich scheute mich doch, meine Mutter mit ihren Sorgen und meiner kaum zehnjährigen Schwester allein zu lassen. Der Gedanke, daß mein Fortgehen, mein Sprung ins Dunkle der Mutter herzzerreißenden Kummer bereiten könnte, kam mir zunächst überhaupt nicht. Ich sah nur die große, weite Welt offen vor mir und wollte sie kennenlernen. Hinaus! Ich sah mit 18 Jahren aus wie ein Dreiundzwanzigjähriger, denn ich war 1,79 Meter lang und trug einen schmalen, kurzgeschnittenen Backenbart. Jedenfalls sah sch so zuverlässig und vertrauenerweckend aus, daß der Leiter der Kasseler Sozialdemokratischen Partei, ein prachtvoller Mensch namens Heinrich Huhn, mit dem mich später innige Freundschaft bis zu seinem 1924 erfolgten Tode verbunden hat. nir eine Blechbüchse, die mit einem schmalen Schlitz versehen war, anvertraute, um Gelder für die auf Grund des Sozialistengesetzes Ausgewiesenen zu sammeln. Ich war kaum aus der Lehre, da war ich auch schon im vertrautesten Zirkel der Geheimorganilation. und zwar mit Leib und Seele. Den streng verbotenen und von der Polizei eifrig gesuchten „Sozialdemokrat“, der unter dem Sozialistengesetz erst in Zürich und dann in London gedruckt wurde, verbreitete ich von Haus zu Haus an die Abnehmer. Andere Flugschriften half ich austragen von Dorf zu Dorf. Mehr als einmal kam ich mit zerrissenen Hosen am Sonntagabend heim, wenn auf den Dörfern die Hunde hinter ans hergehetzt worden waren. An den vertraulichsten Besprechungen nahm ich teil. Glücklich war ich, als mir einmal Grillenberger in Kassel überliefert wurde, damit ich ihn sicher vor den Augen der Polizei an die vereinbarte Stätte bringen konnte. Die Mitteilungen, die Wilhelm Pfannkuch, damals Reichstagsabgeordneter für den 6. Berliner Wahlkreis, aus Berlin mitbrachte, verschlang ich förmlich. Aus den Kreisen meiner Berufskollegen wurden mir häufig Vorwürfe gemacht, weil ich als junger Mensch mich zu sehr mit Politik und zu wenig mit Berufsfragen befaßte. Ich suchte deshalb beiden Anforderungen zu genügen, belastete mich aber nunmehr so, daß ich zu dem festen Entschhuß kam, Kassel zu verlassen. Wiederholt war mir bereits die Polizei auf den Fersen gewesen. Einmal waren wir bei einer Zusammenkunft überrascht worden, und zwar in einem Lokal, das sich an der Ecke der Wolfhager= und der Holländischen Straße befand, dem Oesterreichischen Hof. Der ausgestellte Posten hatte nicht aufgepaßt, die Tür öffnete sich und herein trat ein uns allen bekannter älterer Schutzmann.„Was geht hier vor?“—„Wollen Sie mitfeiern? Wir feiern Geburtstag!“—„Das glaube ich nicht! Ich löse die Versammlung auf. Entfernen Sie sich sofort!“— Natürlich ließen wir uns das nicht zweimal sagen, hatten wir doch alle die Taschen voll der neuesten„Winke“. Das war ein Instruktionsschriftchen mit Lehren, wie man sich bei Verhaftungen: Haussuchungen und Gerichtsverhandlungen als Angeklagter verhalten sollte. Wäre der Schutzmann nicht polizeiwidrig dumm gewesen, so hätte er uns alle für verhaftet erklärt und um Hilfe geschrien. Wahrscheinlich hat man ihn, nachdem er Meldung erstattet hatte, auch gerüffelt. Da er die meisten von uns dem Ansehen oder dem Namen nach kannte, so wird er wohl auf Befragen einige genannt haben. Ich war auf polizeilichen Besuch gefaßt und instruierte meine Mutter. Sie war mit mir darin einverstanden, daß die wertvollen„Winke“. nicht verbrannt werden dürften, sie nähte sie deshalb mit erstaunlicher Behendigkeit in alle ihre Unterkleider. Natürlich kam sie aus den größten Aengsten nicht heraus, bis ich nach einiger Zeit die kostbare Ware weitergeben konnte. Zwei meiner Kameraden, bei denen man die verbotenen Schriften gefunden hatte, wurden jeder zu meyreren Monaten Gefängnis verurteilt. Der Schutzmann hatte mich nicht denunziert, obwohl er mich gut kannte, wir verkehrten nämlich in der gleichen Kneipe. Ueber die Art unserer geheimen Organisation interessieren vielleicht einige Angaben, weil daraus ersehen werden kann, wie schwer der Sozialdemokratie das Leben unter dem Sozialistengesetz gemacht worden ist, wieviel Opfermut und Begeistenung damals dazu gehört hat, im Dienste der Partei zu arbeiten. Ich habe an jene Zeiten besonders dann denken müssen, wenn auch mir in den erregten Tagen nach dem Zusammenbruche des Reiches grüne Jungen in Beolin zubrüllten:„Nieda! Nieda mit die Arbeitavaräta! Nieda! Nieda!". Die Seele unerer Organisation in Kassel war lange Zeit hindurch der in der Henschelschen Lokomotivfabrik beschäftigt gewesene Metallarbeiter Heinrich Huhn. Er stand in innigster Verbindung mit Wilhelm Pfannkurch, der aber aus guten Gründen außerhalb des rein organisatorischen Betriebes gelassen wurde. Huhn hatte fünf Mann an der Hand, die er innerhalb weniger Minuten mobil machen konnte. Von diesen fünf Mann hatte jeder wiederum fünf andere Männer zur Benachrichtigung usw. usw. auf diese Weise war es möglich, öhne daß eine Liste geführt werden mußte, innerhalb kürzester Zeit viele hundert Mann auf die Beine zu bringen. Hatten wir in aller Vertraulichkeit eine Flugschrift zur Verbreitung fertig, dann war es eine Kleinigkeit, sie ohne große Vorbereitung sofort zur Verteilung zu bringen.: Das mußte natürlich abends oder morgens vor Beginn der Arbeit geschehen. Nur ein einziges Mal ist Huhn der Polizei in die Hände geliefert worden, und zwar infolge der unüberlegten Aussage eines jungen Arbeiters, der sein Zeugnis hätte verweigern müssen, wenn er gewissenhaft seine „Winke“ gelesen hätte. Beide mußten wegen Verbreitung verbotener Schriften je zwei Monate Gefängnis absitzen. Schlimmer war, daß beide dadurch um ihre Arbeit kamen. Ein Hauptvergnügen war uns die Irreführung der Polizei und Gendarmerie. Mitunter waren die Landesgrenzen gegen die Schweiz und später gegen England nahezu hermetisch abgeschlossen, um die Einschmuggelung des „Sozialdemokrat“ auf jeden Fall zu verhüten. Wenn dann trotzdem die fällige Nummer im ganzen Reiche pünktlich verbreitet worden war, haben die Berliner Bonzen natürlich gewütet. Sie sind niemals hinter das Rätsel gekommen, wie es möglich sein sollte, Zehntausende von Zeitungen über die Grenze zu bringen, obwohl jedes Grenzloch abgesperrt war. Dabei war die Geschichte so furchtbar einfach. Der„Sozialdemokrat" wurde vielsach gar nicht im Auslande, sondern im Inlande gedruckt. Als Druckfirma wurden selbstverständlich die ausländischen Druckereien genannt. In diesen Fällen besorgte die Deutsche Reichspost die Paketversendungen durch das Reich mit sicherer Pünktlichkeit. 50 Jahre! Vor 50 Jahren— ein Donnerschlag—! Vor 50 Jahren— ein schwarzer Tag. Gehetzt, getreten, verraten—: Das Häuflein Sozialdemokraten! Der„Eiserne Kanzler“ saß zu Gericht. Zersetzt war das Recht— ihn störte das nicht, Wohin seine Stiefel traten Das Freiwild Sozialdemokraten! Vor 50 Jahren— sie hielten stand, Die Fahne wehte in blutender Hand! Das sind der Märtyrer Saaten: Millionen Sozialdemokraten! Kurt Kaiser Blüth. Selbsthilfe unter Genossen. Von Minna Wiese. Es war noch vor dem Jahre 1890, zu der Zeit, als Hamburg noch Eigenstaat und dem Reichsgesetz noch nicht unterworfen war. Jeder Hamburger Hauswirt war damals berechtigt, die Mieter in seinem Hause an die Luft zu setzen. Er konnte das Betreten der Wohnung verbieten, wenn die Miete nicht rechtzeitig bezahlt war, ohne daß der Mieter auch nur seine Kleidung, die er nicht gerade auf dem Leibe hatte, hätte mitnehmen dürfen. Im Jahre 1889 wimmelte es in Hamburg infolge des Bauhandwerker=Streiks von Dänen. Dänische Unternehmer machten sich seßhaft und bauten ganze Straßen. Maurer, Zimmerer, Schreiner, Handlanger usw. brachten sie aus Dänemark mit, die das Durchsetzen des Streiks außerordentlich erschwerten und den Hamburger Arbeitern das Bvot nahmen. Die Forderung nach 60 Pf. Stundenlohn klang damals zwar nach viel Geld, man mußte aber bedenken, daß vor Pfingsten die Arbeit selten begann und im Winter überhaupt nicht gearbeitet wurde. Wenn nun im Sommer die Schulden vom vergangenen Winter gedeckt werden mußten, woher sollte dann für den kommenden Winter etwas für den Lebensunterhalt übrig bleiben? Aber es nutzte nichts,daß wir die dänischen Streikbrecher verachteten. Wenn wir uns helsen wollten, mußten die Leute aufgeklärt werden. Die Dänen standen unseren Ausführungen auch verständlich gegenüber und viele reisten wieder ab. Eine ganze Anzahl Neubauten standen fertig zum Verkauf, sie waren jedoch noch nicht vermietet, und deshalb fand sich für sie kein Käufer. Die Häuser mußten erst trockengewohnt worden sein. Aus diesem Grunde wurden sie meist an Arbeiter vermietet, die sich allerdings oft in den noch feuchten Wohnräumen das Rheuma holten. Aber darum kümmerten sich die besseren Herrschaften nicht; sie hatten Geld und es nicht nötig, ihre Gesundheit der feuchten Luft einer Neuwohnung auszusetzen. Dafür waren arme Leute da. Der Arbeitsmangel und der geringe Verdienst machte auch manchen armen Menschen so mürbe, daß er gern mit seiner Familte eine Wohnung trockenwohnte, um das Geld für die Miete zu sparen. Unterstützung gab es damals von keiner Seite, und wer die Armenunterstützung in Anspruch nahm, ging auf zwei Jahre des Wahlrechts verlustig. Das wollte natürlich keiner der Organisierten. Das Schlimmste war, daß ein armer Teufel, der ein Vierteljahr in einer feuchten Wohnung gewohnt hatte, auf die Straße gesetzt wurde, wenn er nicht imstande war, zu zahlen. Die Schar der Genossen, die sich damals schon in Brüderlichkeit übte. überlegte hinter verschlossenen Türen in langen Beratungen, wie hier geholfen werden konnte. So ging das nicht weiter. Uhlenhorft und Barmbeck, wo am meisten gebaut worden war, woren unsere Hauptreviere. Ein Genosse, den wir Tedche nannten, hatte eine kleine Gaststibe gepachtet. Hier hatten wir hinter dem Flur in einer kleinen Butze 30 Paar Gummischuhe. Kam jemand, der ausgesetzt werden sollte, zu uns und klagte uns sein Leid. so ging ein Genosse und mietete eine andere Wohnung, die ja damals nicht im vorcus bezahlt werden mußte, für den Bedrängten. Die anderen Genossen sahen sich seine bisherige Wohnung an; jeder merkte sich den Platz eines Möbels, welches er tragen konnte, damit sich der Umzug schnell und geräuschlos vollzog und der Hauswirt keinen Wind von der„Flucht" bekam. In der gepachteten Gaststube stand dann zur Orientierung auf einer Tafel: Lotterielos 9. 30. 23. Die Eingeweihten wußten aber, daß es 9.30 Uhr am dreiundzwanzigsten heißen sollte. An diesem Tage holte sich einer nach dem andern die Gummischuhe aus dem Verschlag, und unauffällig trafen alle wieder in der zu verlassenden Wohnung zusammen. Männer und Frauen verschwanden eiligst mit dem vorher ausgesuchten Stück Möbel, denn nur bis 10 Uhr abends durfte man solche Lasten über die Straße tragen. So wurde vielen geholfen. Ein Fall ist mir besonders in Erinnerung: Genosse Müller hatte einen kleinen Brotladen. Er gab jedoch zu viel auf Kredit ab, und so kam wenig Geld ein, so daß er nicht wußte, woher die Ladenmiete zahlen. Er hatte Wohnung und Laden von dem reichen Dänen Hansen gemietet. Dieser und der Däne Bockolsen hatten während des Streiks das ganze Häuserviertel gebaut und waren deshalb unsere„besonderen Fraunde". Die beiden Dänen aber waren Feinde aus Brotneid, und darauf bauten wir unseren Plan. Bei Bockolsen wurde in der Terasse ein Parterrezimmer gemietet, um hier für ein paar Tage Sachen unterzustellen. Dieses Zimmer stieß mit dem Schlafzimmer des Genossen Müller zusammen, dessen Fenster ebenfalls nach der Terrasse lag. So wurden dann in den Abendstunden die Möbel durch das Fenster in Bockolsens Haus g. bracht, denn von hier aus hinderte uns niemand daran, dieselben fortzubringen. Wie gut wir den Hauswirt Hansen hinters Licht führten, bewies uns, daß seine Frau um ½9 Uhr in den Laden schaute und voll Schadenfreude erzählte:„Bei Bockolsen zieht jemand aus. Ich habe hinten eine Laterne aufgestellt, damit die Leute besser sehen können. Das gönne ich dem reichen Protz, daß er wieder eine Wohnung leer stehen hat.“ Die Hauswirtin kam uns recht ungelegen. Wir hatten mur noch einige Kasten im Laden zu leeren und nicht mehr viel Zeit. Deshalb meinte Genossin Müller:„So, so, na mi geiht dat wiks an; ick bin möd und mot den Laden sluten.“ Auf diese Aufforderung hin ging Frau Hansen, sah dem Umzug zu und war immer der Meinung, bei ihrem Nachbar rücke jemand aus. Wir hätten gern am anderen Morgen ihr Gesicht sehen mögen.... Bei einem ähnlichen Umzug überraschten einmal zwei Konstabler die Genossen, als sie aus einer verlassenen Wohnung das letzte Stück auf den Karren setzten und fortfuhren. Doch sie waren gemütlich und lachten nur, als einer unserer Genossen spielte:„Muß i denn, muß i denn zum Städtle hinaus", und meinten:„Die verflixten Sozis, nn hew wi doch ock mol wat seihn vom Utrückeschacht.“ Hoffentlich gibt es heute, wo unsere Partei Millionen zählt, auch noch so viel Hilfsbereitschaft und Brüderlichkeit wie früher. Jedenfalls möchte ich allen zurusen:„Laßt uns sein ein einig Volk von Brüdern!" Humor und Satire. Sie kennt ihn. Mann:„Aber meine Liebe, du verkennst mich. Lügen ist nicht einer meiner Fehler.“ Frau:„Allendings nicht, aber immerhin ein Hauptgrund deiner Erfolge.“ * Argumente. Erster Freund:„Wenn ihr zu Hause streitet, nimmt dann auch deine Frau daran teil?“ Zweiter Freund:„Sie nimmt nicht nur teil, ihr gehört das Ganze!“ * Bissig. Arthur(empört):„Ich weiß, was ich sage, ich rede bei vollem Verstande.“ Mizzy:„ach, wirklich? Das ist aber eine große Ueberraschung für mich!“ * Schwiegermama kommt. Gattin(zum Mann):„Hör mal, Ernst, Mama schreibt, sie will morgen bei uns zu Besuch eintreffen.“ Gatte:„Schon gut, mein Lieb! Hör mal. Fritzchen, du hast doch vor einigen Tagen ein Luftgewehr, eine Trommel und eine Trompete haben wollen?“ Fritzchen(eifrig):„Ja, Papi, ja!“ Gatte:„Also, mein Junge, heute abend bringe ich dir die Sachen mit!“ * Aus dem„Illustrierten Blatt“, Frankfurt a. M Haben Sie Brüder? Drei, zwei leben, der dritte ist verheiratet. * Romanblüte. Tag und Nacht dachte er an sie. Er versuchte, sie zu vergessen, aber er konnte sich die blauen Augen nicht aus dem Kopf schlagen. Meier kommt nach Rom. Wie er mit seiner Frau auf dem Bahnhof steht, sagt er: Siehst du, Emma, hierhin führen also alle Wege. Nun Fritzchen, warum habe ich dich vorhin wohl einen kleinen Dummkopf genannt?— Weil ich noch nicht so groß bin wie Sie, Herr Lehrer! * In der Religionsstunde hebt die kleine Rest plötzlich den Finger: Sie, Fräulein, ich wollte nur mal fragen: was macht denn eigentlich der Bruder vom lieben Gott?— Aber Kind, wio kommst du darauuf, daß der liebe Gott einen Bruder haben soll?— Wir mußten doch gestern den Spruch lernen: Wer Gott liedet und hasset seinen Bruder... ATE * * — 7 * 5 : FPINAN A EHIRTT —*— Hohlberg Erzählungen von der Ruhr. von Franz Plerenkämper, herausgegeben von Harru Dierenkämper. Nun ging ein unruhiges Gemurmel durch die wohl 800 Mann starke Belegschaft.„Kameraden", rief laut eine helle Stimme, alle richteten den Blick nach dem Sprecher, der auf einem beladenen Kohlenwagen stand,„morgen Nomdag 4 Uhr es hier im Bökenbusch“— seine Hand zeigte auf ein kleines Wäldchen—„nä Belegschaftsversammlung. Alle meit erscheinen!“— „Dat es Hinkelmann van dä Luseplatte, dä ok in Linden inne Versammlung geküert het“, sagte ein junger Schlepper. Die Gruben lagen still, zuerst kam es allen wie ein neues Erlebnis vor. das man staunend aufnahm; keiner war davon ausgeschlossen, Bürger, Bauern, nicht mal die Polizei. Die öffentliche Meinung sympathisierte stark mit den Berglauten. Man wußte, daß trotz manchen früheren Einbußen die Aktionäre schon seit Jahren so viel Geld verdient hatten, daß sie den Bergleuten längst höhere Löhne hätten bewilligen können. Unterstützungskomitees entstanden, alle gerade nicht zechenfreundlichen Zeitungen veröffentlichten Aufrufe zur Unterstützung. Die wenigen Bergleute, die Streikbrecher wurden, sah man verächtlich an. Mit einem Schlage hatten die sonst nur bemitleideten Bergleute sich die Anerkennung der„sich Wehrenden“ erlangt. Von dem Buchenwäldchen aus, das an der Westseite der Talbucht als Rest des ausgedehnten Waldes übriggeblieben war, sah man auf die drunten im Tal liegenden Zechenanlagen, auf die die Sonne herniederglühte. Auf den mit Teerpappe bedeckten Schuppen bahnten sich kleine Rinsel schwarzglänzenden Teers ihren Lauf durch den trockenen Kohlenstaub und bickelten dann wie Schweißtropfen zur Erde nieder. Feiertagsstille lag über dem Werk— aus den Abdampfrohren der Maschinen ringelten kleine weiße Dampfwöllchen hervor, und nur der Schachtpumpe tiefverhaltenes Schnarchen verriet, daß das Werk nur schlief. Um 4 Uhr nachmittags sollte die Belegschaftsversammlung beginnen, doch lange vorher wurde es im Wäldchen schon lebendig. Stundenweit, bis tief hinein aus den südlichen Ruhrbergen, kamen sie heran, angetan mit dem blauen Sackkittel, die hohe schwarze Seidenmütze mit weißen Pergamentknöpfchen besetzt, in der Hand die wehrhafte Wispelte mit dem ledernen Handriemen.— So gingen sie zur Musterung, so zum Tanz. so auf die Brautschau, so zur Streikversammlung. Sie schwebten alle in der Vorstellung eines großen Erlebnisses, in das sie ganz ohne ihr Zutun hineingeraten waren, aber doch war keiner ganz frei von dem drückenden Gefühl des unsicheren, des vielleicht schlimmen Ausgangs ihres Beginnens. Das ließ auch keine rechte, freudige Stimmung aufkommen, tiefer Ernst lag auf allen Gemütern. Die Lebensregeln, in denen sich ihr stilles Dasein bisher von Generation zu Generation ausgewirkt hatte, ersaßten solch ein Vorkommnis nicht. In ihnen stand voran als erstes: Arbeit! Wer tüchtig arbeitete, der erfüllte den wahren Lebensberuf, wer tüchtig arbeitete, der konnte gar nicht von der rechten Lebensbahn abirren. Aber nun hatten sie die Arbeit hingeworfen, sie gingen leer los in den Tag, es war manchem, als ob er ganz aus dem Gleise gekommen sei. Von ihrer Hände Arbeit mußten sie leben; wenn sie nicht schafften, ging alles zugrunde; so war es immer gewesen. Und nun sollte das auf einmal nicht mehr gelten— nein, das konnte nicht sein! Aber hatten sie nicht bislang getreu diese traditionellen Lebensregeln erfüllt— und waren dabei immer ärmer, immer geknechteter geworden? Nein, verdammt nicht, so konnt's nicht weiter gehen! Das kam auch in den Unterhaltungen, die zwanglos in kleinen Gruppen, als ob sie Bergamt abgehalten hätten, zum Ausdruck Feste Entschlossenheit bei allen; die Feigen, die Bangbuksen, mußten zurückhalten. Gespannt war man allgemein darauf, wie sich Dierk Müsens wahre Gesinnung entpuppen würde, denn jetzt hieß es Farbe bekennen. Wenn er als Delegierter gewählt wurde, dann würde sich ja zeigen, ob er ein würdiger Verfechter der Interessen seiner Kameraden war, oder ov er sich von den Beamten hatte bestechen lassen... Es mochten wohl über 1000 Knappen versammelt sein, der übergrößte Teil der Belegschaft, dazu einzelne Kameraden der umliegenden Gruben. Für die meisten war diese Versammlung die erste in ihrem Leben; einer Streikversammlung hatte bisher keiner beigewohnt, deshalb war die Spannung groß, denn man hatte schon gehört und gelesen, daß Streitversammlungen oft einen tumultuarischen Verlauf nahmen. Drei Ortspolizisten und ein Gendarm erschienen, hielten sich indes im Hintergrund, als ob ihre Anwesenheit überflüssig sei. Zwei von den Polizisten waren in ihrer Jugend bis zu ihrer Militärzeit selbst Bergleute gewesen, in ihnen regte sich noch ein wenig alter Knappengeist.— Nun war es Zeit, daß die Versammlung ihren Anfang nahm, aber wer würde die Sache in die Hand nehmen, wer würde die Rede halten? Keiner war dazu autorisiert... Auf einmal klingelte eine Schelle, alles horchte— „Glück auf Kameraden!“ „Glück auf!“ antwortete die Menge wie aus einem Munde. Es war Hinkelmann, der da sprach; er hatte nicht erst herumgefragt, er faßte rasch zum Steuer und lenkte das Schiff! „Ueber den Zweck dieser Versammlung brauchen wir uns wohl nicht erst auseinanderzusetzen,“ fuhr er fort. „Wir haben einmütig die Arbeit niedergelegt, einmütig wollen wir zusammenstehen und unseren gerechten Forderungen Gehör verschaffen. Ich denke, daß wir die gleichen Forderungen stellen wie die Kameraden der übrigen Zechen, die bereits Versammlungen abgehalten haben. Die Hauptforderungen lauten: Vor allem 8stündige Schicht, inklusive Ein= und Ausfahrt, sodann 20 Prozent Lohnerhöhung. Was nun die besonderen Forderungen, Wünsche und Beschwerden angeht, so wollen wir diese hier anschließend besprechen, und ich frage die Versammlung: „Wer wünscht zur Besprechung dieser Forderungen das Wort?“ Als ob man sich darüber abgesprochen hätte, riefen wohl ein Dutzend Stimmen:„Dierk Müsen. Dierk Müsen!“ Dierk hielt sich im Hintergrund, dennoch hatte er für den Fall, daß er zu Worte kommen würde, sich vorbereitet und einige Gedankengänge aneinandergereiht. Er bahnte sich seinen Weg durch den Kreis der Kameraden, der sich um Hinkelmann gebildet hatte, nahm dann auf dem Stumpf einer abgesägten Buche Platz und stand so hoch, daß er alle übersehen konnte. Die Hand deutungsvoll auf die ihnen zu Füßen im Talgrunde liegenden Zechenanlagen gerichtet, begann er mit gehobener Stimme: „Dor! unten ruckt und muckt sich nichts mehr, die Räder stehen still! Die lebendige Antriebskraft, unser Sinn und die Schicklichkeit unserer Hände fehlt dem toten Mechanismus! Welch ein ungeheures Werk der Arbeit, wieviel Schweißtropfen (Nachdruck verboten.) und wieviel Menschenleben vom ersten Spatenstich bis zum Sümpfen der letzten Sohle! Das ist unsere Arbeit, unser Werk!" „Und wofür schaffen wir?“ „Für uns, für die Allgemeinheit?"„Nein, wir schaffen und schufften um geringen Lohn und schlechte Behandlung für einen kleinen Kreis von Geldleuten, deren Arbeitsfklaven wir sind. Was braucht man das näher auseinanderzusetzen, der dümmste Tölpel muß das begreifen können! Das kann nimmermehr so weitergehen, wir wollen höheren Anteil vom Ertrage unserer Arbeit, wir wollen eine menschenwürdige Behandlung!“ Und dann kam er auf die einzelnen Mißstände zu sprechen und man merkte ihm die steigende innere Erregung an. Was er in alle den Jahren an Demütigungen und Kränkungen hatte über sich ergehen lassen müssen, all der niedergedrückte Groll kam nun zur Entladung. Seine Stimme zitterte, er durchlebte in diesen Momenten die einzelnen Vorkommnisse noch einmal wieder, jede vernarbte Wunde seines Empfindens schmerzte und verlieh ihm Wort und Ausdruck. Seine Worte zündeten in der Masse, was er empfand, das empfanden auch sie, hier sprach einer der Ihren, der's selbst erlebt hatte, der selbst Schlägel und Keilhau geführt, der sprach aus, was sie alle auf dem Herzen hatten. Man wählte Delegierte durch Zuruf. Dierk Müsen, Hinkelmann und drei andere. Jemand schlug vor, die Delegierten möchten sogleich die Forderungen dem Obersteiger vortragen, die Versammlung könne solange vertagt werden, um dann die Antwort gleich in Empfang zu nehmen. Während die Versammlung auf eine Viertelstunde vertagt wurde, begab sich die Delegation nach dem am Rande des Wäldchens gelegenen Wohnhause des Obersteigers Trieberg, den sie dort anzutreffen hofften. Es war ein im Schweizerstil erbautes Häuschen inmitten eines wohlgepflegten Gartens, von den Kronen der hohen Buchen zum Teil noch überschattet. Sie trafen den Obersteiger in der Gartenlaube, wo er mit schriftlichen Arbeiten beschäftigt war. Er war von kleiner untersetzter Gestalt, nur durch die ihm innewohnende Energie eine Persönlichkeit. Er trug ein etwas käffig=schnauziges Wesen zur Schau,— kein Wunder, das stete Schwingen der Arbeitspeitsche hatte bei ihm ihre Merkmale hinterlassen. Dierk ging als Sprecher vorauf, grüßte bergmännisch, brachte kurz und bündig die Forderungen und Wünsche der Kameraden vor und schloß:„Dat sind usse Forderungen“. Als der Obersteiger das Wort Forderungen hörte, fuhr er blitzig auf und rief spöttisch lachend:„Forderungen? Ha ha! Get nicks, garnicks. Könnt dä annern mä säggen! Wie söllt ink bi, Forderungen!"(Fortsetzung folgt.) Etwas von der Zitrone. Die meisten Leute wissen von der Zitrone kaum etwas andres, als daß sie gelb sei, manchmal grün, und daß Italien ihre Heimat sei. Die Zitrone ist die bevorzugte Frucht der Kulturen Siziliens sängs der Küsten. Der Baum liefert zwei Haupternten: die Winterernte, von Januar bis April, die die gelben Früchte liefert. und die Sommerernte, Juni. Juli, August, die die grünen Zitronen, die sogenannten„Verdelli“, bringt. Der kontinuierliche Wechsel zwischen Blüten und Früchten wird erzeugt durch künstliche Bewässerung in bestimmten Monaten der regenlosen Sommerzeit. Abgesehen von der Verschiedenheit der Erntezeit, gibt es verschiedene Zitronenarten, wie es verschiedene Sorten Aepfel gibt. Die besten werden dem Versand in Kisten zugewiesen, die andern finden Verwendung in der Industrie der Essenzen. Das Oel, das die Schale enthält, wird gewonnen und in ungeahnten Mengen exportiert unter der Bezeichnung„Zitronenessenz“.“ Wie bei uns jeder Bauer seinen Most macht, so erzeugt hier ein jeder seine Essenz und bringt sie in die Stadt zum Verkauf Außer diesen Verwertungsmöglichkeiten hat aber die Zitrone noch manche Bestimmung, die sonst unbekannt ist. Zieht es uns nicht das Gesicht in tausend Falten, wenn wir nur daran denken, daß man die Zitrone essen sollte wie den Apfe!? In Sizilien machen es alle und haben gelernt, die Zitrone mit dem Messer so zu schälen, daß recht viel der weißen Schale belassen wird. Dann werden querdurch Scheiben geschnitten, mit Salz bestreut, da das Salz die ätzende Wirkung stark vermindert. So genossen tut die Zitrone dem Magen einen besonderen Dienst. Unter dem Einfluß des sizilianischen Klimas leidet der ganze Verdauungsapparat, wenn man nicht immer darauf bedacht in, desinfizierende Mittel anzuwenden. Zu diesen gehört in hervorragendem Maße die Zitrone. In derselben Weise vorbereitet, mit Oel und Essig zu Salat vermischt, gibt die Zitrone ein delikates Zwischengericht. Auf jedem Tische werden Zittenen zum Essen serviert, in jedes Trinkwasser wird Zitrone gepreßt, mit ihr reinigt man die Gläser, kurz: überall und immer Zitrone. Doch der Sizilianer begnügt sich nicht mit diesen Verwendungen. Er schreibt der Zitrone auch Heilkräfte zu, was teilweise sicher Berechtigung hat. Auf frische Wunden von Unfällen oder Messerstichen wird eine halbe Zitrone aufgepreßt; das mag wohl nicht ein schmerzloses Heilmittel sein, aber es bewährt sich. Weit ausgedehnt ist die Verwendung der Essenz Wo irgend Schmerzen auftreten, ohne sichtbare, äußere Zeichen einer bestimmten Krankheit, da wird Zitronenessenz eingerieben. Bei rheumatischen Schmerzen soll der Erfolg auffallend sein, ebenso bei Keuchhusten. Schließlich wird die Essenz auch geschätzt als Feind der— Läuse und ihrer Verwandten. So spielt die Zitrone in ihrer Heimat eine ganz hervorragende Rolle. Der Konsum an Zitronen ist kaum an irgend einem andern Orte so groß wie in Sizilien. Das ist nicht etwa selbstverständlich; die Orange zum Beispiel hat diesen Vorzug nicht. Auf sie paßt das Wort:„Der Prophet gilt nichts im eignen Vaterland.“ Die Steppenheren. Mit dem Namen Steppenhexen bezeichnen die Botaniker verschiedene Pflanzenarten, die sich in den Steppen in ganz anderer Weise fortpflanzen als die meisten Pflanzen. Die typische Vertreterin ist Plantago cretia. Bei dieser Art löst sich nicht die Frucht oder der Same, um z. B. durch den Wind fortgetragen zu werden, sondern die ganze Pflanze begibt sich auf die Wanderschaft. Nachdem nämlich ihre Wurzel abgesault ist, rollt sie sich zu einem kugeligen Gebilde zusammen, das dann vom Winde über die Steppen getrieben wird und dabei seinen Samen allmählich fallen läßt. Aehnlich verhält sich die wahre Jerichorose in den Steppen und Wüsten Asiens, die südafrikanische Amaryllidazee Brunswigia, deren Fruchtstände ein Spiel der Winde werden, ebenso wie die kugeligen Fruchtstände der Graminee Spinifer auf ostindischen Dünen. kos. Schutz den Antilopen. Seit Jahren bemüht man sich, in den Staaten Oregon und Nevada die Gabelhornantilopen zu schützen. In Oregon verbietet zwar ein Gesetz das Töten der Antilopen, aber auf den großen Wüstenstrecken wird es kaum beachtet. In Nevada ist die Jagdaussicht ebenfalls sehr mangelhaft, und fortwährend werden kleine Antilopentrupps ausgerieben. Nun gibt es im nördlichen Nevada die Last Chance Ranche, ein 156 Hektar großes Gebiet mit offenem Wasser, wo die Antilopen im Frühjahr von weitem herkommen, um ihre Jungen zu setzen und dort aufzuziehen. Wohl 2000 Stück, vielleicht zwei Drittel aller im nördlichen Nevada lebenden Antilopen, kommen jährlich dorthin. Nunmehr ist es dem Audubon=Verband gelungen, die Last Chance Ranche als Antilopenresewat zunächst auf 5 Jahre zu pachten. Man hofft, das Gebiet erwerben zu können und dadurch die Mehrzahl der in Oregon und Nevada lebenden Antilopen zu retten. kos. Nur die Eisenbahn wird langsamer! Wir leben im allgemeinen unter dem Eindruck, daß unsere Verkehrsmittel von Jahr zu Jahr schneller und schneller werden. Für das Gebiet des Automobils, des Flugzeugs und selbst der Schiffahrt trifft das auch bis zu einem gewissen Grade zu. Es trifft aber seltsamerweise nicht zu für das Gebiet der Eisenbahn. Die Eisenbahn zeigt, wie die statistischen Feststellungen zeigen, wie der Präsident der Reichsbahndirektion München, von Völker, in der amtlichen Zeitschrift„Die Reichsbahn" feststellt, eine Verringerung der Geschwindigkeit gegenüber ihren Vorkriegsleistungen. Die schnellsten Züge fuhren früher in Amerika. Damals war der Zug von Gamden nach Atlantic City der schnellste. Er erreichte eine durchschnittliche Stundengeschwindigkeit von 107 Klm. Heute ist die fahrplanmäßige Geschwindigkeit ziemlich erheblich herabgemindert und beträgt nur noch 99.3 Klm. in der Stunde. Infolgedessen halten die amerikanischen Eisenbahnen auch nicht mehr den Geschwindigkeitsrekord. Dieser ist, wenigstens für die kurzen Strecken, auf England übergegangen. Hier verkehrt zwischen London, Paddingtion und Swindon auf einer 425 Klm. langen Strecke der Great Western Railway, ein Schnellzug, der eine fahrplanmäßige Geschwindigkeit von 99,5 Klm. in der Stunde erreicht, also selbst auf kurzen Strecken ist die Geschwindigkeit der Eisenbahnzüge heute unter der 100 Klm. Grenze gesunken. Auf den langen Strecken besaß ebenfalls Amerika früher den schnellsten Zug der Erde. Er verkehrte zwischen Neuyork und Chikago. Die 1575 Klm. lange Strecke legte er in 18 Stunden zurück, so daß seine Reisegeschwindigkeit 87,5 Klm. betrug. Auch dieser Zug ist erheblich langsamer geworden und braucht heute 20 Stunden für die Strecke, so daß seine Geschwindigkeit auf 78,7 Klm. vermindert ist. Alle übrigen amerikanischen Expreßzüge erreichen bei weitem nicht diese Schnelligkeit. Sie beträgt durchschnittlich 55—65 Klm. und überschreitet nur selten die 70 Klm. Grenze. Die amerikanischen Züge sind somit keineswegs mehr die schnellsten der Welt. Durch die Verringerung ihrer Geschwindigkeit sind ihnen die europäischen Züge nicht nur nahe gekommen, sondern haben sie z. T. überholt. Selbst die deutschen Züge können die Konkurrenz mit amerikanischen fast aufnehmen, wobei man allerdings beobachten muß, daß ihre Strecken nich: so lang sind, wei die Entfernungen in Amerika. Der schnellste deutsche Zug ist der D=Zug Berlin—München. Er erreicht auf der Strecke Berlin—Halle, die 161 Alm. beträgt, eine Stundengeschwindigkeit von 85,8 Klm., wobei allerdings beachtet wer den muß, daß diese Strecke ohne jeden Aufenthalt durchfahren wird. An zweiter Stelle steht der D=Zug Berlin—Leipzig, der die 164 Klm. lange Strecke mit einer Stundengeschwindigkei von 84.4 Klm. zurücklegt. Früher war der Zug Berlin—Hamburg der schnellste. Er steht heute noch an dritter Stelle mit 83.5 Klm. Stundengeschwindigkeit. Sobald die Züge größere Steigerungen zu überwinden haben, verlangsamt sich naturge mäß ihre Schnelligkeit und der obengenannte F=D=Zug Berlin München, der zwischen Berlin und Halle mit 85,8 Klm. Geschwindigkeit fährt, hat auf der ganzen Strecke nur eine Durch schnittsgeschwindigkeit von 72,2 Klm. Die Ursachen der Verminderung der Schnelligkeit des ame rikanischen Zuges liegen vor allem in der gesteigerten Verkehrssicherheit. Früher waren in Amerika Verkehrsunfälle eine fast alltägliche Erscheinung. Inzwischen hat aber auch der amerikanische Sinn sich in dieser Beziehung sehr verändert. Der Amerikaner, der früher solche Dinge nicht sehr übel nahm, ver langt heute ebenfalls eine größere Verkehrssicherheit, als der frühere Betrieb der amerikanischen Bahnen sie garantierte. Erst durch die Steigerung der Betriebssicherheit und die Verbesserungen der diesbezüglichen technischen Einrichtungen wird die Schnelligkeit der Eisenbahn sich wieder heben lassen. Die deutsche Eisenbahn ist zurzeit bestrebt, die Verkehrssicherheit ständig zu erhöhen und ist deshalb neuerdings beim Bau von Personenwagen dazu übergegangen, diese nach Möglichkeit aus Stahl herzustellen. Es hat sich nämlich bei den letzten Eisenbahnunfällen ergeben, daß Stahlwagen den hölzernen Wagen gegenüber stark überlegen waren. Besonders bei Zusammenstößen oder ähnlichen Unfällen wurden die Holzwagen fast steis völlig zerstört, während die Stahlwagen sich viel besser bewährten. Deshalb werden die D=Zug=Wagen künftig aus Stahl hergestellt. Das Gerippe besteht völlig aus Stahl, ebenso das Dach aus Stahlblech. Nur die Auskleidung wird noch in Holz vorgenommen. Man hofft. auf diese Weise die Splitterwirkung der Hölzer, die sich als besonders schädlich bei Unglücks fällen erwiesen, auf ein Mindestmaß herabzudrücken. So werden allmählich die hölzernen Wagen völlig aus dem Verkehr gezogen und durch sichere Stahlwagen ersetzt. S:* □ □ — Jahrgang 1928 Filmzauber Als eine Filmgesellschaft durch Mecklenburg zog. sah der Regisseur ein einsames Häuschen unterhalb des Staubeckens in einiger Entfernung vom Dorf. Er sagte zu einem Einheimischen, der davor stand „Dies ist, was wir suchen! Es kann kosten. was es will. Wenn Sie einverstanden sind. öffnen wir das Becken. Dann wird dieses Häuschen bis an den First in einer Wasserwüste stehen. Boote sind nicht in der Nähe und kein Mensch wird also ohne Gefahr des Ertrinkens an des Häuschen ran können. Das drehen wir und haben die Sensation. Haben Sie etwas dagegen?“ „Nein,“ sagte der Mann.„ich habe nichts dagegen. Als das Häuschen bis an den Hals im Wasser stand und alles gedreht war, versammelte der Regisseur seine Mannen, drückte dem begeisterten Dörfler die Hand und sprach: „Sie sollen selbstverständlich eine größere Entschädigung bekommen. Wir wollen zur Post gehen. Da liegt nämlich Geld für uns. Mann!“ Der Mann schüttelte den Kopf. „Ich brauche keine Entschädigung. Mir gehört's Häusl nicht.“ „Großer Gott!!! Und wo ist die Post?“ Da deutete der Mann auf den wasserumspülten Hausgiebel: „Da drin— im Wasser, Herr!" Erbantiner Schirme tragen sich sehr beschwerlich, Here Rufinke schiebt ihn jetzt vor sich her. Karnssell und Bürgermeister. In Sch... in Sachsen sollte Schießen sein. Nun wollte es das Unglück, daß tags zuvor das Gemeindeoberhaupt seinen Geist ausgehaucht hatte. Infolge Trauerfeier wurde das Schießen abgesagt... Ein fünfjähriger Knirvs strolcht auf der Schießwiese herum und bleibt vor dem Wagen stehen. auf dem die Requisiten eines Karussells verstaut sind. „Na, Junge, was willst du denn hier?" fragte der Besitzer des Wagens. J# will Karussell fahren.“ „Du kannst nicht fahren. Weißt du denn nicht, daß der Bürgermeister gestorden ist?" Spricht der Knirps:„Nu wenn schon! Kann denn do nich damal a anderer's Karussell drehen?" „Nein, so eine Antenne wollen wir nicht. geuug Spinngewebe in den Ecken.“ „Bei Bergmann wucherte der Adel. Industriefürsten betrügen mit Kriegsanleihe. politische Banditenstückchen auf. Nun sehe ich wirklich nicht ein, weshalb wir Mä sellschaftsfähig sein sollen.“ O E ###### ES. EMRTSRRR5 ee n.-Au-du hgge sSogrSOEEE„ S ESSpaEgE # S. Pser 3•• . a nHSH SGSEEEER EgeEE- GSESES E GSE5-JagES-PS-ZDESVGUSE LGb GEUrer — K E S S SEEE E S.# 1 Eeine Tour Stinnes junior Nechechrmssr „Weshalb so traurig. Freund?“—„Oh, ich habe viel verloren.“ —„So, ist deine Frau gestorben?“—„O nein, viel mehr"— So, hast du Bergmann oder Stinnes Geld gepumpt?“—„Rich necht.“—„7?“—„Ich hab' das Vertrauen zu Thälmann verloren!“ .. zie! Hapzie! Hap... „Hapzie!“ machte es einmal.„Ah, der Herbst ist da“, bemerkte ich.„Hapzie“ folgte es einhundertunddreizehnmal in flottem Tempo hintereinander. Meine Kase wuchs ins Groteske und versperrte mir die Aussicht. Die Braut kam und wollte mir einen Kuß geben, sie kam aber nicht mehr heran. Da machte sie mir Vorwürse.„Wer weiß, wo Du Dich gestern herumgetrieben hast!" Das sagen alle Bräute in allen olchen Fällen.„Hapzie“ antwortete ich ruhig und bescheiden. Darauf riet sie zu einem heißen Fußbad. Ich nahm es, der Schnupfen verstärkte sich.„Ja“, agte Herr Zybulski.„da hilft nur ein Rasenbad mit Benzinlösung". Darauf hatte mein Schnupfen nur ioch gewartet, äußerst wohl fühlte der sich in Benzin. Ein Zirkusdirektor bot mir ein Engagement als Mann mit zwei Köpfen an, denn meine Nase wuchs unaufhörlich.„Hapzie“, sagte ich dankend und lehnte ab. Edith kam, besah mich mitleidig und riet zu Sessestelmeimnpmberertion, die wribhe won 8n dreiundsechzig Grad erhitzt in die Nase stecken. Sie ielen aber immer wieder heraus. Da wollte ich zum Arzt gehen, mein Weg führte mich beim„Grünen Kakadu“ vorbei, Pichtigall und Prumbel saßen dort und warteten auf den dritten Mann. Ueber einen rand mit vieren aus der hohlen Hinterhand vergaß ich den Schnupsen. Der ärgerte sich und zog eine Asenlänge weiter zu Prumbel.„Hapzie“ machte der, k# habe ich ihm mitleidig ein heißes Nasenbad mi: Benzin empfohlen. *„Denken Sie sich nur, Frau von Bauchwitz, der Sohn der Exzellenz von Brühzahn ist in die Stadt gezogen und muß dort von seiner eigenen Hände Arbeit leben!“ —„Unglaublich, man sollte gar nicht meinen, wieviel Elend es in der Großstadt gibt!“ %S"DUETZGGPPSGTEN B 9•—„W 9 0 C GgUchrterauEEEEEE Der Alte mit der Melone, das war eine große Kanone; der schob sich gesund in Dollar und Pfund. ##er der Junge ist auch nicht ohne: der geht der Sache noch mehr auf den Grund. Er hatte— das ist doch zu loben— die Kriegsanleihe geschoben. Er nimmt sie in Kauf und wertet sie auf. indem er sie hin und her geschoben. Doch die Sache nahm keinen guten Verlauf. Die Reichsbank sagte: Mein Lieber, Sie sind zwar ein seines Kaliber, doch für Ihre Tricks. da geben wir nix. Sie sind ja ein ausgewachsener Schieber!— Das war für Hugo das Ende des Glücks. Man steckte ihn hinter Gitter. Das war natürlich sehr bitter. Da ist Hugo gehuppt Bin ich denn korrupt? Warum sitz' ich nun hier, ich armer Ritter? Ich habe doch ganz reell beschuppt! Doch Hugo war ja ein feiner, nicht einer wie unsereiner. Drum entließ man ihn schon gegen eine Million Mein Gott, er war ja doch kein gemeiner Verkrecher. Er zahlt doch gerne Kaution. Wo ist denn nun Hugo geblieben? Er wird doch nicht weiter schieben? Und nimmt was in Kauf? Und wertet was auf? Vielleicht ist Hugo bald irgenduund denkt: Die Million geht auf Unle##en drauf! „Hier haben Sie 5 Mark, das weitere wird sich später finden.“„Nichts zu machen. Herr! Sie haben mir das Kreuz auch nicht ratenweise überfahren.“ Nicht jede rauhe Schale Fischer, die tagelang auf hoher See ihre Boote rudern, sind immer wortkarg. Eines Nachts rudern zwei Fischer ihr Boot heim. Da macht einer den anderen aufmerksam:„Siehst du nichts vben?" Rich einer guten Viertelstunde gibt der andere Antwort: . wbimt wat.“ Als wieder etliche Minuten vergangen sind. sagt der erstere:„Ick gläuw, dat ist een Leiche."„So.“ sagte der andere und ruderte weiter. Nach einer Weile läßt der eine birgt einen edlen Kern. wieder verlauten:„Wult wie sie fischen?“ Eine gute Viertelstunde später meinte der Angesprochene„Wenn du gläuwst.“ Nach einer ebenso langen Ueberlegung wird die Leiche endlich in das Boot geholt. Kurz vor dem Ziel bemerkt der Fischer, daß sich die Leiche bewegt.„Du. Heini, ich gläuw, die Leiche lewt noch.“ Eine Weile später ertönts von vorne:„Gläuwst du, denn wull wi sie wedder rinsmieten" Lardwehrmass Sachzeltraile „Rein, Madame, mit Ihrem Wachthund will ich nichts mehr zu tun haben, der beißt mich ja dauernd selbst in die Beine.“ „Haben Sie nicht eine ganz ausgefallene Idee für einen neuen Anzug, Herr Schneidermeiter!“—„och Herr Baron, bezahlen Sie mol in dar!“ „Stell dich schnell vor mich, Schatz, damit und der schreckliche Löwe nicht zu gleicher Zeit ausfrißzt!“ In der Schule paukt man die Begriffe„wörtlich" und„bildlich“.—„Wenn ich, paßt mal auf.“ sagt der Lehrer,„wenn ich von einem Gegenstand, einer Stadt, einer Behörde, einer Organisation usw. sage,„ie zerfällt in mehrere Teile“. ist das wörtlich oder bildlich zu verstehen?— Moritz?“— Moritzchen überlegt. „Sagen Se mer erst. Herr Lehrer, meinen Se de Deutschnationale Partei oder nicht?“