Gütersloher Zeitung. Nebst Beilage„Illustriertes Sonntagsblatt“. Bierteljährlich 1 Mark mit Botenlohn, durch die Post bezogen 1 Mark 25 Pfg. Erscheint drei mal wöchentlich und zwar am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend Abend. Geschäftsstelle in Güteroloh, Kökerstraße 314/15. Anzeigenprete: die 1spaltige Grundschriftzeile oder deren Raum 10 Pfg., k#i 4maliger Wiederholung 25 v. H. Ermäßigung. Anpreisungen 25 Pf. Nr. 101. Druck und Verlag: Andw. Flöttmann in Gütersloh. Freitag, den 24. August 1894. Für die Schriftleitung verantwortlich: Fr. Flöttmann in Gütersloh. 11. Jahrg. Saatenstand und Ernteaussichten in Preußen. Im Gegensatze zu den Juliberichten, in welchen eine nicht unwesentliche Besserung im Stande der Saaten festgestellt werden konnte, lauten die Berichte für den Monat August weniger erfreulich. Zwar wird aus den Provinzen Ost= und Westpreußen, Pommern, Posen und Schlesien, mit Ausnahme des Landkreises Elbing im Regierungsbezirke Danzig und einiger Bezirke im Regierungsbezirke Liegnitz gemeldet, daß bei beständigem Wetter die Erntearbeiten ungestört ihren Fortgang nehmen und fast alle Halmfrüchte bis auf einen kleinen Bruchtell gut geborgen werden konnten; dagegen kommen aus den übrigen Provinzen Klagen, daß durch ununterbrochene Regengüsse und häufige Gewitter das Einbringen des zum größten Teile in Stiegen stehenden Getreides unmöglich gemacht werde, daß dasselbe teilweise sogar auf dem Halme auszuwachsen beginne. Während einzelne Landstriche der erstgenannten Provinzen seit Juni keine nennenswerten Niederschläge hatten, haben die westlichen Provinzen seit geraumer Zeit Tag für Tag Regen. Dagegen waren die häufigsten Niederschläge in den westlichen Provinzen für alle Futtergewächse von großem Nutzen; daher im Osten in einzelnen Bezirken Futtermangel, im Westen vielfach Futterüberfluß. Wie im Juliberichte, so werden auch diesmal Hagelschäden nur vereinzelt gemeldet. Größeren Schaden hat der Hagel nur in einzelnen Bezirken der Regierungsbezirke Potsdam, Magdeburg und Wiesbaden angerichtet. Der Ausfall der Weizenernte beweist, wie berechtigt die von Monat zu Monat wiederkehrenden Klagen über den Stand dieser Frucht waren. Auch die Roggenernte bleibt hinter den Erwartungen zurück, welche man nach dem im Allgemeinen üppigen Stande dieser Frucht in den Vormonaten zu hegen berechtigt war. Der Ertrag von Stroh wird zwar meistens als ein überaus reicher bezeichnet, dagegen bleibt der Körnerertrag infolge der regnerischen und kalten Witterung während der Blüte, teils auch wegen des durch Frost verursachten Schadens hinter dem des Vorjahres um ein Bedeutendes zurück, in einzelnen Bezirken bis zu 5%. Weniger schädigend hat das Wetter auf die Sommerung eingewirkt. In denöstlichen Provinzen ist die Gerste gut eingebracht worden, in den westlichen aber vielsach verregnet und als Brauware entweder gar nicht zu verwerten oder sehr minderwertig geworden. Am wenigsten zuträglich ist die Witterung den Kartoffeln gewesen. Ein reicher Ertrag wird bei dieser Frucht kaum noch erwartet. Haben in den östlichen Provinzen die Kartoffeln wegen der dort herrschenden Trockenheit schlecht angesetzt und sind klein geblieben, so sangen dieselben in den westlichen Bezirken infolge des anhaltenden Regens an zu faulen. Insonderheit zelgt sich bei den Frühkarloffeln und den besseren Sorten Knollenfäule, doch auch die späten Kartoffeln beginnen unter der Ungunst des Wetters zu kranken. Politische Uebersicht. Deutsches Reich. Se. Majestät der Kaiser kehrte Dienstag nachmittag um 4 Uhr von Kummersdorf, wo er größeren Schießversuchen beigewohnt hatte, nach dem Neuen Palais zurück.— Mittwoch früh unternahmen der Kaiser und die Kaiserin einen längeren Spazierrilt. Zurückgekehrt hörte der Kaiser den Vortrag des Wirklichen Geheimen Rats Dr. v. Lucanus und des Ministers des königlichen Hauses von Wedel. Der Kaiser hat dem Vernehmen nach den Prof. Anton von Werner mit der Ausführung eines großen Bildes betraut, welches das neunzigste Geburtstagsfest des Grafen Molike zum Gegenstande haben soll. Nach der Rückkehr des Künstlers hat der Kaiser einen Besuch in der Werkstatt des Herrn von Werner in Aussicht gestells. Man hat daher neuerdings die Innenräume des Akademiegebäubes wieder einmal aufgefrischt. Bei der Parade am Sonnabend hat sich auch der Hauptmann Morgen beim Kaiser gemeldet. Der Kaiser erkundigte sich bei diesem Anlaß mit hohem Interesse eingehend nach den jetzigen Zuständen in Kamerun und verlieh seiner Freude darüber Ausdruck, daß dort jetzt wieder Ruhe und Ordnung hergestellt sei. Der längere Vortrag, welchen der Reichskanzler dem Kaiser am letzten Sonnabend gehalten hat, soll von besonderer Wichtigkeit gewesen sein. Es heißt, der Vortrag habe namentlich von den etwaigen Konsequenzen des japanisch=chinesischen Krieges für Deutschland und dessen Stellung zu Rußland, England und Frankreich in der koreanischen Frage gehandelt. Die jüngsten Mitteilungen einiger Blätter über den Inhalt eines zu erwartenden Lehrerbesoldungsgesetzes wurden bekanntlich vom„Reichsanzeiger“, als der Sachlage nicht entsprechend bezeichnet. Diese Erklärung hat darin ihren Grund, daß man über die Vorarbeiten zu der geplanten Gesetzesvorlage im Kultusministerium noch nicht hinausgekommen ist. Man schreibt der„Voss. Z.“ dazu:„Die Angelegenheit bietet insofern erhebliche Schioierigkeiten, als die Lehrerbesoldungsfrage von der bestehenden, auf den Vorschriften des Allgemeinen Landrechts und einer veralteten Provinzialgesetzgebung beruhenden Ordnung der Schutunterhaltungspflicht losgelöst werden soll. Anfangs lag es in der Absicht, ein Schuldotationsgesetz zu erlassen, wie es der Kultusminister Dr. Bosse in der Sitzung des Abgeordnelenhauses vom 23. Februar 1898 in Aussicht gestellt hatte. Diese Absicht hat man inzwischen aufgegeben, sodaß der Kultusminister in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 2. März d. J. die Erklärung abgab, daß er den Gedanken eines Schuldotationsgesetzes allerdings schon näher getreten sei, daß er aber zuvor ein Lehrerdotationsgesetz einbringen will, um der lästigen Verwaltung des Dispositionsfonds ledig zu werden. Die Verwaltung des Dispositionsfonds ist allerdings lästig, da die staatlichen Unterstützungen und Zuschüsse nicht schon deshalb in Wegfall gekommen sind, weil die Gemeinden auf Grund des Volksschullastengesetzes Zuschüsse erhalten, vielmehr nach wie vor eingehend geprüst wird, ob die Verhältnisse der einzelnen Gemeinden nicht trotzdem noch die Gewährung von Zuschüssen aus dem staatlichen Dispositionsfonds notwendig erscheinen lassen.“ Auch die deutschen Turner machen erfreulicherweise entschieden Front gegen das Bestreben der Sozialdemokratie, in ihre Reihen einzudringen. In einer Ende Juli in Breslau abgehaltenen Sitzung des Ausschusses der Deutschen Turnerschaft ist unter anderem über die Aufgabe der Deutschen Turnerschaft gegenüber der Agitation der„Freien Turner" d. h. des sozialdemokratischen Arbeiterturnbundes, beraten worden. Der Geschäftsführer Dr. Götz führte aus, daß die„Freien Turner“ absichtlich darauf hingingen, die bisherige Entwickelung des deutschen Turnvereinsleben dadurch zu stören, daß sie parteipolitische Tendenzen in die Vereine hineintragen. In den Turnvereinen dürfe aber Parteipolitik nicht geduldet werden; diejenigen die das Turnen zur Magd einer Partei machen wollen, gehörten nicht in die Reihen der deutschen Turner. Die Hauptsteuerämter haben, wie man dem „Hann. Courier" berichtet, auf Anordnung des Finanz= ministers den Auftrag erhalten, feststellen zu lassen und zu berichten, wie viel Mietswohnungen auf dem platten Lande wie in den Städten schätzungweise vorhanden sind und für welche Wohnungen Mietsbeträge bis zu 300 Mark einerseits und über 300 Mark andererseits gezahlt werden. Ob Herr Miquel eine Mielssteuer plani? Frankreich. Wie das französische Landvolk die Freisprechung der Anarchisten durch die Geschworenen aufgenommen hat, darüber schreibt ein Berichterstatter der „Neuen Zürch. Zig.“ folgendes:„Am Sonntag wurden alle Angeklagten mit Ausnahme der Diebe Ortiz und Spießgesellen freigesprochen. Am Montag ging ich in einer ländlichen Ortschaft der Touraine am Gemeindehause vorbei, als das Gedränge der durch den Wochenmarkt herbeigeführten Bauern am stärksten war. Zu ebener Erde ist eine Halle für die Geflügel=, Eier=, Gemüsehändler eingeSein Ideal. Von H. Fahrenkrug. „Sag' einmal, Arthur“ lenkte Frau Aldenrat jetzt mit Ersolg ab,„hast Du Dich unterwegs sehr mit diesem Neumanns angefreundet?“ „Sehr! Die sorgten rührend für mich, ebenso gut wie die alte Hübner und wußten immer, wann gegessen und getrunken werden mußte.“ „Nun, dann hilft es nicht, dann muß man diese Alte, die mit Vorliebe Fremdwörter gebraucht, und sie stets an den falschen Ort bringt, mit in den Kauf nehmen.“ „Thut sie das, mir fiel es nicht auf! Der Sohn ist ein prächtiger Mensch und weiß in seinem Fache Bescheid — großes Etablissement— war früher einige Zeit bei einem Kollegen von mir in Pension.“ „Ja, ich weiß, die Mutler sagte: die Herren Professors wären alle zerstreut— Du mußt sie auf der Reise in vieler Absicht wohl bestärkt haben—: ihr Sohn sei bei einem in Pension gewesen und habe dort weder Aufsicht noch„Ansicht“ gehabt.“ „Und?“ „Na, das Wort paßte doch in keiner Weise.“ „Den Sinn konniest Du sa verstehen und das andere ist doch ganz nebensächlich. Wenn sich die Gebildeten ihr fernhalten, wird ihre Ausdrucksweise natürlich dieselbe bleiben, und sie wird schon aus Verlegenheit nicht die rechten Worte finden können. Sie ist entschieden eine hochachtbare Frau und der Sohn gefällt mir außerordentlich gut; ich möchte nicht gern auf seine Gesellschaft verzichten.“ „El, sieh! Dort über der Säulenhalle ist ja auch die in der Chronik verzeichnete Inschrift: „Heic te laetitia invitat post balnen sanume“ Würden Sie dieselbe übersetzen, mein lieber Neumann?“ „Ach, Herr Professor,“ erwiderte der Nähertretende lachend,„mein Latein ist so mäßig, daß ich nur knapp den Sinn dieser Worte verstehe.“ „Ja, sehen Sie, mein Lieber: Ein Professor Huschke aus Rostock verfaßte dies und die Uebersetzung wurde angegeben mit:„Dich, Gesunden, ladet hier nach dem Bade die Freude ein!“ Hofrat Winkler aber hat sich gewunbert, daß keine deutsche Inschrift gewählt worden und meint, es müsse heißen:„Teitt, Genesender, ein, hier lacht Dir die Freude entgegen!“ „Schließen wir uns seiner Ansicht an, Herr Prosessor, das Bier ist gut, da wird uns die Freude daran aus den Augen lachen!“ „Sie jugendlicher Verführer Sie!“ erwiderte er, ihn bei den Schuttern sassend.„Was meinst Du, Amalie, folgen wir ihm?“ Die Schwester nickte. Sie war so dankbar für diesen heitern Gesellschafter ihres Bruders, daß sie seiner Mutter liebenswürdiger entgegen kam. Bald war eine fröhliche Tafelrunde beisammen und der Prosessor harmlos heiter wie ein Kind. Frau von der Horst sah ein, daß sie mit Neumanns rechnen müsse, wenn sie nicht ssoliert dastehen wollte. Der alte Herr von Eiche sand, der Prosessor bilde eine angenehme Erweiterung des kleinen Kreises und diesem wurde Willibald ein unentbehrlicher Gesellschafter; da dieser aber vom ersten Tage an immer auf Ruths Wegen anzutreffen war, so bot das Auffinden der einzelnen Mitglieder, trotz der ausgedehnten Anlagen und Waldwege, wenig Schwierigkeiten. Ganz vollzählig fuhren sie zum Kirchenkonzert. Es war nur gut, daß sie reichlich früh kamen, denn sonst würde es seine Schwierigkeit gehabt haben, nicht den Anfang desselben zu versäumen, da den Projessor erst die Umgebung, der sogenannte englische Garten— auch eine Schöpsung des hochseligen Friedrich Franz 1.— mit seinen schattigen Wegen und künstlichen Teichen Imponierte, dann aber auch der Bau der Kirche, für den auch Neumann ein lebhaftes Interesse zeigt. Er hörte, daß im Jahre 1186 ein Kloster an dieser Stelle erbaut worden sei, das 1291 zum Teil verbrannte; daß dann Um= und Neubauten vorgenommen wurden und dadurch das herrliche Getteshaus hergestellt sei, das allgemein für das schönste in Mecklenburg gehalten wird. „Ist das nicht zu viel gesagt?“ „Wenn wir nach den augenblicklichen Eindrücken urtellen wollen, gnädige Frau, so könnten Sie recht haben, denn der Anblick der vielen Gerüste beeinträchtigt die Schönheit ganz außerordentlich; sie sind aber doch notwendig, um die vielen Reparaturen vornehmen zu können. Der Schweriner Dom soll nun zwar einige Fuß höher sein, die innere und äußere Schönheit der Doberoner Rieche aber den Vorzug behaupten durch die Kühnheit ihrer schlanken vierundzwanzig Pfeiler und eine Menge anderer Merkwürdigkeiten.“ „Da Sie gerade vom Schweriner Dom sprechen, möchte ich die Damen an einen Fürsten erinnern, der dort begraben liegt und dessen Bildnis sich in dieser Kirche befindet,“ sagte Herr von Eiche. „Sie interessieren sich also auch für mecklenburgische Geschichte?“ meinte der Prosessor erfreut. „Nur oberflächlich! Aber für den Herzog Johann Albrecht, den Gottesfürchtigen und Gelehrten, habe ich mich schon früher begeistert. Er hat viel für das Land gethan und konnte mit Recht sagen, daß er seinen Söhnen zwar keine großen Schätze hinterlasse, wohl aber drei wertvolle Güter: das reine Gotteswort, einen guten Namen und ein kuttiviertes Land.“ „Er war es, der in Mecklenburg im Jahre 1552 die Reformation einführte,“ sagte der Professor,„der die Klöster Doberan und Dargun einzog, und die Kirchengüter zur desseren Detierung der im Jahre 1419 gegründeten richtet, und dort stand mitten in einer Gruppe von Landleuten der mit bekannte Maire und sprach laut, heftig gestikulierend. Man hörte ihm ausmerksam, aber mit ungläubigen, spöttischen Mienen zu und hielt ihm das Wilson'sche Blatt, die in Tours erscheinende„Dépéche", entgegen, welche den Spruch der Pariser Geschworenen als eine der Regierung zugesügte Schlappe deutete. Nachher ließ ich mir von dem Gemeindevorsteher, der sein Amt schon seit den letzten Jahren des Kaiserreichs inne hatte, erklären, er habe sich heiser reden müssen, um seinen Mitdürgern angesichts der aus Paris eingetroffenen Meldung eine richtigere Auffassung der Lage beizubringen. Sie wollten ihm nicht glauben, daß für die öffentliche Sicherheit in ausreichendem Maße gesorgt sei in einem Lande, wo die Mißachlung des Lebens und des Sigenkums anderer ungestraft gepredigt werden darf, wie dies durch Jean Grave und Sébastien Faure geübt worden ist. Ja, ältere Männer, die vor einem Vierteljahrhundert mit ihrem Maire dem Kaiserreich getrotzt hatten, gaben ihm zu verstehen, eine Republick, welche die Ihrigen nicht besser gegen die Gefahr, jeden Augenblick das Opfer eines Attentats zu werden, zu schützen vermöge, dürse nicht länger auf Unterstützung und Gehorsam rechnen. England. Die Verwaltung der englischen Kolonien in Afrika war am Montag in beiden Häusern des Parlaments Gegenstand längerer Erörterungen. Die für das britische Zentralafrika geforderten Nachtragskredite sind zur Deckung der Ausgaben für die Operationen gegen den Sklavenhandel und die ihn betreibenden Araber notwendig. Die Reorganisation der Verwaltung von Uganda beschäftigt jetzt die Regierung. Lord Kimberley erklärte im Oberhause darüber Folgendes: Es werde ein monatlicher Transportdienst von der Küste nach Uganga organisiert, bald sollten Dampfer und Schaluppen für den Dienst auf dem Nyanza abgesandt werden. Angesichts der Ungewißheit über die Position der Ostasrikanischen Gesellschaft sei es gegenwärtig schwer, bedeutendere Straßenbauten vorzunehmen. Die von der Gesellschaft gestellten Forderungen schienen unannehmbar. die englische Regierung beabsichtige gegenwärtig nicht, Colville aus Uganda abzuberufen, da seine Dienste sich vorzüglich bewährten, es sei aber in Aussicht genommen, ev. einen Zivilkommissar einzusetzen. Es bestehe die Absicht, die Sudanesen=Streitmacht auf 1200 Mann zu erhöhen. Die Regierung habe bisher alle Forderungen Colvilles betreffs des Kriegsmalerials entsprochen. Vom chinestsch-japanischen Kriegsschauplatz. Der halbamtliche Draht weiß einen Sieg der Chinesen über die japanischen Truppen zu vermelden. Wie nämlich der„Times“ aus Schanghai unterm 21. gemeldet wird, haben die Chinesen am Freilag die Japaner bei Ping=jang angegriffen, sie zurückgeworfen und ihnen große Verluste zugefügt. Am Sonnabend griffen die Chinesen die Japaner wieder an und vertrieben sie aus Tschungho; auch hierbei erlitten die Japaner große Verluste. Die chinesische Flotte ist im Besitze des Golfes von Petschili. Zwei deutsche Missionare der katholischen Mission in Siningtschu(Schantung) wurden von Räubern gefangen genommen. Diese fordern eine Lösegeld für die Gesangenen. Die Polizei hat die Räuber noch nicht fassen können. Ping=jang liegt etwa unter dem 39. Breiten=, dem 126. Längengrade östlich von Greenwich. In einem Telegramm der„Times“ aus Schanghai war bereits unterm 20. August angekündigt worden, daß Nachrichten von einer großen Schlacht in Korea in diesen Tagen zu erwarten ständen, da der chinesische General Lin Ming Universität Rostock und zur Errichtung guter Schulen verwandte."“ „Arthur,“ mahnte Frau Aldenrat, welche die Ungeduld von Frau von der Horst und Valeska bemerkte,„wir versäumen den Anfang des Konzertes.“ „O, diese Weiber!“ stöhnte der Professor;„folgen Sie meinem Beispiel, meine Herren, und bleiben Sie Junggesellen.“ „Was sollle dann wohl aus uns werden, Onkel Arthur?“ „Na, liebes Kind, Du bist ja zu Deinem Glück schon versorgt. Also ich muß wirklich mit hinein? Lieber bliebe ich hier im Freien.“ Wie staunte er aber, als er das herrliche Gotteshaus betrat, durch dessen westliches Fenster die Abendsonne voll hereinflutete und das prächtige Schnitzwerk— welches die Bewunderung aller Kenner hervorruft— mit goldigem Glanze beleuchtete. Rötliche Lichter huschten über die meisterhaft gearbeitete Kanzel und die erst leise beginnenden, dann sanst anschwellenden Töne der Orgel vervollständigten den zur Andacht zwingenden Eindruck. Allmählich schwächte sich dieser bei manchen ab und Frau Aldenrat gelang es nur mit Mühe, den Professor auf seinen Sitz zu fesseln; ihn interessierte der Sarkophag. „Welch ein Glanz! Diese Größe, trotzdem bei der Bearbeitung viel verloren ging! Mecklenburgischer Granit, hm, hm!" flüsterte er in Zwischenräumen. „Hätte er nur nicht gerade einen Eckplatz!" seufzie die in ihrer Aufmerksamkeit gestörte Frau. Zu ihrem Glück kam noch ein Nachzügler und froh darüber rückte sie so auffällig zur Seite, daß dieser es gewahrte und sich dankbar neben dem Professor niederließ. „Wie ist das Sterben doch so schwer!“ tönte es in liesergreisendem Alt vom Orgelchor. Ruth wischte verstohlen eine Thräue aus dem Auge, sie halte ihre ganze Umgebung vergessen und lauschte mit Ohr und Herzen dem Gebotenen. Tschuan an der Spitze von 50 000 wohl bewaffneten und disziplinierten Truppen gegen die sapanische Stellung marschiere. Wenn in den letzten Tagen mehrsach die Entschlossenheit gerühmt wurde, mit der die japanische Flotte die chinesischen Kriegshäsen Wei=hai=wei und Port Arthur rekognoszirt haben sollte, die an der Straße von Petschili liegen, so wird in dem„Times"=Telegramme aus Schanghai betont, daß die chinesische Flotte sich im Besitze des westlich von der erwähnten Straße gelegenen Golfes von Petschili befindet. Wie die japanische Gesandschaft dem„H. T. B.“ mitteilt, hat das Marinegericht in Schanghai im Falle des Schiffes„Kow Sching", das bekanntlich von den Japanern in den Grund gebohrt wurde, zu Gunsten der Japaner entschieden. Die Handlungsweise des Kapitäns des japanischen Schiffes„Naniwa“, das den„Kow Sching“ angriff, müsse als gerechtfertigt anerkannt werden. Der britische Admiral Fremantle hat der britischen Regierung empfohlen, keine Ansprüche bezüglich des„Kow Sching“ oder des darauf zu Grunde gegangenen englischen Eigenlums zu erheben. Cholera. Danzig, 21. Aug. Cholera ist bakteriologisch festgestellt worden bei den zwei Quarantänepflichten aus Althof bei Danzig, bei dem Diener eines Quarantänepflichtigen aus Weichselmünde, ferner bei einer Frau aus Troyl bei Danzig und bei einem Matrosen aus Käsemark. Johannisburg, 20. Aug. In der in unserem Kreise belegenen Ortschaft Niedzwedzen sind bis zum 18. d. M. überhaupt 67 Erkrankungen und 21 Todesfälle an Cholera vorgekommen. Breslau, 20. Aug. In dem russischen Grenzorte Bendzin ist die Cholera stark ausgebrochen; die Todesfälle sind äußerst zahlreich. Um einer Verbreitung der Seuche auf preußischem Gebiet vorzubeugen, wurde die Grenze gestern abend mit Hilfe der alarmierten Gendarmerie völlig gesperrt.— Die choleraverdächtigen Erkrankungen der durchmarschierenden Truppen versetzten die Bevölkerung in große Aufregung. Köln a. Rh. Außer von Köln wurden in den letzten Tagen noch aus verschiedenen Städten am Niederrhein Wasserproben an das hygienische Institut in Bonn abgesandt, nachdem dort die Untersuchung der Entleerungen eines kranken Maurers aus Emmerich wiederum asiatische Cholera ergeben. Lüttich, 20. August. Seit gestern erfolgten hier wieder drei Erkrankungen an Cholera in drei verschiedenen Straßen sowie ein Todesfall. Aus Souverain=Wandre werden zwei Todesfälle an Cholera gemeldet, aus Veisen 4 Erkrankungen. Amsterdam, 21. August. Hier sind zwei neue Cholera=Todesfälle und eine Erkrankung zu verzeichnen. Im ganzen erkrankten hier bisher 36 und starden 15 Personen an der Cholera. In Maastricht kamen zwei neue Erkrankungen vor, in Haarlem eine. Aus Ort und Provinz. *8* Gütersloh, 23. August.[Konservative Partei=Versammlung.] In der nächsten Sonntag stattfindenden konservativen Partei=Versammlung hat, wie wir hören, Herr Oberlehrer Prenzel aus Mörs den Hauptvortrag übernommen und wird über das Thema reden:„Andere Verhältnisse, veränderte Aufgaben, das alte Ziel". Herr Oberlehrer Prenzel, welcher früher Oberlehrer am Bieleselder Gymnasium war, ist uns Güterslohern bekannt; er hat schon einige Male hier Vorträge gehalten. „Welch rührender, lieblicher Ausdruck," dachte Herbert und Willibald Neumann atmele erleichtert auf, als er sah, wie seine Augen von ihr zu Valeska glitten. Sie war sehr schön in ihrer Ruhe, in der auch sie den Tönen zu lauschen schien. Wie sehr erstaunt würde Herr von Eiche gewesen sein, hätte er geahnt, daß sie kurz vor der Fahrt von dem nächsten stattfindenden Balle erfahren hatte und nun überlegte, welcher Anzug der für sie vorteilhafteste sein würde. Während dann die Herren die Kirche und den Ort besichtigten und auf dem Tempelberge aßen, lag Frau von der Horst auf ihrer, nahe an die offene Balkonthür gerückten Chaiselongue und ließ sich nach einigen Zögern von Valeska die Erlaubnis abschmeicheln, eine Toilette nach eigenem Geschmack, ohne Rücksicht auf den Kostenpunkt bestellen zu dürfen. „Und wie ist es mit Dir, Ruth?“ fragte die Großmutter.„Hast Du elwas Passendes?“ „Ich habe ein hübsches Batistkleid von Tanzstundenball, mit reicher Stickerei!“ erwiderte sie wichtig,„wenn Mama das wäscht—“ „Waschen läßt!“ „Ja, waschen läßt und es dann wieder so hübsch plättet— das thut Mama immer selber, die Mädchen machen es nicht so akkurat genug— so kann ich das prächtig tragen.“ Ein hörbarer Seuszer könte vom Ruhebett her; galt nicht Ruths Anspruchslosigkeit, denn ihr Anzug war ganz vergessen, und das Bild ihrer verstorbenen Mutter wurde lebendig.„Ob sie auch wohl selber gebügelt hatte? — Der Heer bewahre Valeska vor einem ähnlichen Lose!“ dachte die Großmutter. Mochte das Kleid kosten, was es wolle; wenn der Zweck erreicht und sie Herberts Braut wurde, so war es mit keiner Summe zu teuer bezahlt. (Fortsetzung folgt.) 88 Güterslob. 23. Aug.[Witterung.] Alle Hoffnungen auf bessere günstige Witterung erfüllen sich bisher leider nicht. Auch der heutige Vormittag berechtigte zu den besten Hoffnungen, gegen mittag stellte sich jedoch das nübe regnerische Wetter wieder ein. Aehnliche Wetterzustände wie dieser regenreiche Sommer brachte der Sommer des Jahres 1891, in welchem ebenfalls wie im heurigen die Monate Juni, Juli und August meist trübe, regnerisch und kühl waren, der September dagegen holte an sonnigen und warmen Tagen reichlich nach, was der Sommer vermissen ließ. Vielleicht gewährt solche Wettergunst auch der kommende September. „“ Güterslob. 23. August.[Gülersloher Spar= und Leihbank.] Der Abschluß des zweiten Geschäftsjahres der Spar= und Leihbank liegt jetzt vor und zeigt ein recht befriedigendes Resultat. Der Umschlag betrug: Die Zahl der Genossen betrug am Jahresschlusse 182, die der gezeichneten Anteile 185. Der Bestand an Wechseln belief sich auf 79 154 M. 31 Pfg., derjenige an Staatspapieren auf 6178 M. 50 Pfg., der KassaBestand ergab 4527 M. 06 Pig. Die Gesamtsumme der Spareinlagen, wofür seiner Zeit von der ersten Generalversammlung zunächst eine Grenze bis zu 100 000 M. festgesetzt war, ist auf 85 516 M. 09 Pfg. pr. 30. Juni 1894 gestiegen, sodaß diese Frage in der nächsten Generalversammlung zur Erörterung kommen wird. An Dividende vom 1. Geschästsjahre waren 195 M. 52 Psg. noch nicht abgehoben. Die Bilanz, welche demnächst einem jeden Genossen gedruckt zugestellt wird, ergiebt nach Abzug aller Geschäfts= und Verwaltungs=Unkosten einen Reingewinn von 1054 M. 21 Pfg., wovon 4% Dividende (M. 619 81 Pfg.) zu verteilen und verbleibende 434 M. 40 Pfg. dem Reservefonds zuzuschreiben vorgeschlagen wird; der Reservefonds wird sich demnach auf 1079 M. 60 Pfg. stellen. Verluste sind im letzten Geschäftsjahre nicht zu verzeichnen gewesen. §* Gütersloh, 22. Aug.(Verhaftet] und in das hiesige Gerichtsgesängnis eingeliefert wurde heute der Zigarrenmacher Aug. Krüger aus Pavenstädt. Derselbe steht im Verdachte, an einem Kinde unzüchtige Handlungen vorgenommen zu haben. )( Güter=loh. 23. Aug.[Milzbrand.] Seitens der Verwaltung der Provinz Westfalen ist ein Reglement zu dem Gesetz über die Entschädigung der an Milzbrand gefallenen Tiere herausgegeben. Da dasselbe für die Landwirtschaft betreibenden Leser von Interesse ist, bringen wir den Wortlaut des Reglements an anderer Stelle zum Abdruck. ** Gütersloh, 23. August.[Entscheidung.] Eine für Schweinezüchter wichtige Entscheidung hat der Ressortminister nach Anhörung der technischen Deputation für das Veterinärwesen und der wissenschaftlichen Deputation für das Medizinalwesen getroffen und sämtliche Polizeibehörden der Monarchie davon in Kenntnis setzen lassen, daß das Fleisch von Schweinen, die wegen Schweineseuche oder Schweinepest notgeschlachtet wurden, für den Menschen nicht gesundheitsschädlich sei. Dasselbe muß aber unter Deklaration und ein gargekochtem Zustande verkauft werden, wenn es nicht in den verseuchten Gehöften selbst verzehrt wird. Die erkrankten Eingeweide nebst ihren Anhängseln sind durch Vergraben oder Verbrennung zu beseitigen. Vom Konsum auszuschließen, aber zur technischen Verwertung(also z. B.„zur Fabrikation von Wagenselt, Seise 2c.“) zuzulassen sind die Kadaver derjenigen Schweine, bei denen sich Folgeveränderungen wie Gelbsucht oder Bauchsellenentzündung ausgebildet haben. ** Gütereloy, 23. Aug.[Militärisches. Die in diesem Jahre ausgehobenen Rekruten mögen auf eine Bestimmung aufmerksam gemacht sein, welche für Manchen von besonderer Wichtigkeit sein dürste. Ein Retrut, welcher sich in gerichtlicher Untersuchung oder im Anklagezustand befindet, kann nicht eher eingestellt werden, als bis die Strafsache einschließlich der Strafvollstreckung erledigt ist. Rekruten, welche es unterlassen, von einer gegen sie erhobenen Anklage der Militärbehöcde Anzeige zu machen, werden behufs Verbüßung ihrer Strafe wieder entlassen, ganz abgesehen davon, wie lange sie schon dienen. Im nächsten Jahre werden sie bann erneut ausgehoben und eingestellt, ohne daß ihnen die vorhergegangene Dienstzeit angerechnet wird. Es liegt somit im Interesse eines jeden Rekruten, gegen welchen eine gerichtliche Untersuchung schwebt, sofort seiner Kontrolstelle davon Anzeige zu erstatten. ** Gütereloh. 23. August.[Falsche Zinskoupons.] Es ist gegenwärtig eine große Zahl gesälschter Zinsscheine der 3 proz. Reichsanleihe von 1892 über 15 M., fällig am 1. April 1894, im Umlause. Derartige Falsisikate sind in Breslau, Bremen, Hamburg und Düsseldorf verausgabt und als gefälscht erkannt worden. Die angehaltenen gesälschten Zinsscheine tragen entweder die Nummer 195 910, 195000 und lauten auf Lit. A, Reihe III Nr. 1, während sie auf Lit. C, Reihe I Nr. 5 lauten müßten. Die Fälschungen sind, abgesehen von dem weniger exakt als bei den echten Koupons ausgeführten Drucke, noch daran zu erkennen, daß bei ihnen der Trockenstempel größer ausgefallen ist, als bei den echten und daß das Wasserzeichen gänzlich fehlt. Bei der Annahme dieser Sorte Zinskoupons ist deshalb Vorsicht geboten, am besten ist es, da jetzt so viele Falsisikate von solchen Ziusscheinen im Umlauf sind, wenn das Publikum die Annahme dieser Koupons im Verkehr verweigert und Personen, welche dieselben in Zahlung geben wollen, an die Reichsbank verweist. * Herpen, 21. Aug.[Landwirtschaftliches.] Die schönen Ernteaussichten sind augenblicklich in der größten Gefahr, vernichtet zu werden. Der Roggen ist wohl meist noch ziemlich gut unter Dach gebracht, aber wieviel Weizen, Hafer und Bohnen stehen noch in Hausen oder sind noch ungemähl! Weizen und Hafer sind vielsach bereits ausgewachsen. Noch schlimmer wird es den Kartoffeln ergehen, die im Wasser liegen und täglich mehr verderben. Möchle doch endlich die Sonne scheinen und die Ernte noch zum leidlichen Abschluß bringen. * Spenge, 22. Aug.[Mißhandlung.] In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag geschah hier ein schreckliches Verbrechen. Der Handarbeiter Franz Lolte wurde von seinem Schwiegersohne und einem anderen Familienangehörigen derart mißhandelt, daß er an den erhaltenen Verletzungen bald darauf verschied. Der Kö#per des Erschlagenen war von den erhaltenen Hieben blau und schwarz, auch soll das Genick gebrochen worden sein. Die Unmenschen wurden gestern nachmittag geschlossen durch das Dorf transporliert und in das Gesängnis gebracht. Wie bei den meisten derartigen grenzenlosen rohen Verbrechen, so hat auch hier der Trinkerteusel seine Hand dabei gehabt, denn die That geschah beim Nachhausegehen aus dem Wirtshause und zwar auf offener Straße. * Geynhausen, 21. August.[Die Tagesordnung] für die General=Versammlung des evangelischen Lehrerbundes, welche, wie bereits früher mitgeleilt wurde, im Herbste dieses Jahres in Oeynhausen stattfindet, ist nunmehr endgüttig festgestellt. Sie entspricht in ihrer Reichhaltigkeit vollauf den Erwarlungen, mit denen wir ihr entgegen sahen und wird hoffentlich nicht versehlen, eine ersreuliche Anziehungskraft auszuüben. Vorweg können wir auch schon in Aussicht stellen, daß für ein gutes Unterkommen der Gäste, insonderheit für Freiquartiere in Bürgersamtlien und Gasthofsquartiere zu ermäßigten Preisen in ausreichender Weise gesorgt sein wird. Wir bitten schon jetzt die Mitglieder des evangelischen Lehrerbundes und sonstigen Schulfreunde, sich aus die Teilnahme an der Generalversammlung einrichten zu wollen. Die Tagesordnung ist folgende: Am Montag, den 1. Oktober, Nachmittags 4 Uhr: Eröffnungsgottesdienst. Festpredigt von Pastor Michaelis in Bielefeld; 5½ Uhr Vortrag von Inspektor Flicker in Holzwickede über:„Der Jugend Lust und die Lüste der Jugend“. 8 Uhr geselliges Beisammensein. Am Dienstag, den 2. Oktober, morgens 8 Uhr: Delegierten=Versammlung. 10—1 Uhr Andacht, Begrüßungen, Jahresbericht des Bundesvorsitzenden und Hauptvortrag.(Thema und Redner noch unbestimmt). Von 1—2 Uhr Frühstückspause; von 2—4 Uhr Vortrag von Präparandenlehrer Bohnenkamp in Schildesche über „Die Stellung des Lehrers in seiner Schulgemeinde". (An die beiden letztgenannten Vorträge schließt sich eine Besprechung.) Verhandlung über Bundesangelegenheiten und Schlußwort von Kreisschulinspektor Kindermann in Minden.— 4½ Uhr Festmahl. Abends 8 Uhr Familienabend. An demselben werden drei Ansprachen gehalten über die Themen:„Kinder sind 1) eine Gabe vom Himmel(Rektor Müller=Bielefeld), 2) eine Aufgabe für den Himmel(Lehrer Wellenbrink=Halle) und 3) Wegweiser zum Himmel(Lehrer Kaul=Gadderbaum)." Der Gottesdienst, sowie das gesellige Beisammensein und der Familien= abend werden durch musikalische Vorträge belebt und verschönt werden.— Am Mittwoch, den 3. Oktober, findet bei genügender Teilnahme und günstiger Witterung ein gemeinsamer Ausflug nach Bückeburg, Harl, Bad Eilsen, Arensburg, Ludener=Klippen, Rinteln statt. Die Rückfahrt Rinteln=Rehme wird wahrscheinlich auf einem Dampfer erfolgen.(N. W. V.=Zig.) * Minden. 21. August.[Eine eigenartige, seltene Uebung] wurde heute morgen von dem 13. Ulanen=Regiment ausgeführt. Dasselbe berührte auf seinem Marsche von Hannover nach Oldenburg, resp. Osnabrück, Minden und veranstaltete bei dieser Gelegenheit einen Flußübergang ohne Brücke. Bei Neesen versammelte sich das ganze Regiment. Während die 10. Pioniere nun mit kräftigem Arm die hoch angeschwollene Weser, die bekanntlich sich zwischen Porta und Minden durch ein besonders starke Strömung selbst bei niedtigem Wasserstand auszeichnet, durchruderten, in ihren Pontons je 3—5 Ulanen führend, mußten die Pferde schwimmen, gehalten und geleitei von den in den Kähnen sitzenden Mannschaften. Berichterstatter hat dem Uebergange von 3 Schwadronen mit größtem Interesse zugeschaut und keinen Unglücksfall bei dem schwierigen Unternehmen bemerkt. Alles„klappte.“ Interessant war aber auch das zusammenlegbare Ponion, das die Ulanen mitgebracht hatten und auch benutzten. Dasselbe ist aus wasserdichtem Segeltuch und einem Gerippe aus Holz gebildet. Letzteres kann zusammengeklappt werden. Das Boot ist infolge seines geringen Gewichtes leicht zu transportieren und zu lenken. Da auch Insanterie an der Uebungsstelle sich einstellte, so schien an die Uebung eine Felddienstübung sich anschließen zu sollen. * Von der Weser, 21. Aug.[Hochwasser.] Durchhdas fast ununterbrochene Regenwetter ist die Weser wieder stark im Steigen. Das dickgelbe Wasser steht fast in Uferhöhe, sodaß, wenn der Regen noch länger anhält, die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, daß der Strom austritt und dadurch auf den anliegenden Wiesen und Feldern Schaden anrichtet. Ueberhaupt steht gegenwärtig die noch ausstehende Ernte in großer Gefahr. * Münster, 21. Aug.(Ein Flächtling.] Der Kassierer des hiesigen Gewerkvereins der Tischler, der Schreinergeselle Post, ist mit 1400 M. flüchtig. * Münster, 21. August.[Der Kommandeur der 25. Insanteriebrigade,] Generalmajor von Schrötter, ist heute gestorben. * Linnstadt, 21, Aug.[Schauerhafte Geschichten] werden aus unserm sonst so ruhigen und freundlichen Städtchen gemeldet: Innerhalb 8 Tagen hat es nicht weniger als 5 Brände gegeben; an den Bürgermeister und andere Personen sind Drohbriefe geschrieben worden, laut welchen man mit Breunen und Sengen nicht aushören werde, bis die halbe Stadt in Asche läge. Drei Brände haben ein großes Schadenfeuer verursacht, so beim Ratsherrn Siegfried. Ferner sind auf den Kanaldämmen 100 Obstbäume abgehauen, 9 Pferden auf der Weide die Schweife abgeschnitten, einem Fabrikanten die Treibriemen an zwei Maschinen durchschnitten, große Spiegelscheiben eingeschlagen worden und noch manche andere Schandthat geschehen. 6 Geheimpolizisten sind in Lippstadt anwesend, haben aber noch nichts entdeckt. In der Stadt herrscht große Aufregung. * Portmund, 21. Aug.[Es ist nicht so sein gesponnen 2c.] Am Abend des 7. Januar 1893 explodierte auf dem Bahnhof Castrop, als eben der BerlinKölner Schnellzug durchfuhr, eine Anzahl Dynamitpatconen die ein 1,70 Meter langes Stück der einen Schiene des Fahrgeleises herausrissen. Der Zug brauste über die Stelle infolge seiner großen Fahrgeschwindigkeit hinweg, doch hatten die Wagen sämtlich so großen Schaden gelitten, daß sie ausrangiert werden mußten. Personen waren nicht verunglückt. Die Sache machte um so größeres Aufsehen, als an jenem Tage auf mehreren Zechen der Streit ausbrach. Der Thäter war trotz der umfangreichsten Nachforschungen nicht zu ermitteln. Erst jetzt hat man den vermeintlichen Thäter gesaßt, und zwar in der Person eines Bergmanns aus Steiermark von der neben dem Bahnhof liegenden Zeche„Viktor“. Er hat im Rausch seine Geheimnisse ausgeplandert. * Hagen, 21. Aug.[Eines schnöden Vertrauensbruches] hat sich hierselbst der in einer hiesigen Fabrik beschäftigte Werkmeister Hafener schuldig gemacht. Der Mann, dem sein Chef und die Arbeiter das größte Vertrauen enlgegenbrachten, war Kassierer und Leiter einer Privatkasse, die sehr merkwürdig eingerichtet war. H. nahm die Spareinlagen der Fabrikarbeiter in Empfang, quittierte über diese Einlagen und lieferte das Geld an das Kontor der Fabrik zur Aufbewahrung ab; da seit 15 Jahren keine Revision stattgesunden hat, war es ihm leicht genug, immer nur einen Teil abzuliefern, den größten Teil aber in die Tasche zu stecken. So hat er elwa 14000 Mk. veruntreut und arme Arbeiter und Arbeiterinnen um ihre gesamten, seit mehr als einem Jahrzehnt groschenweise zusammengebrachten Gelder gebracht. Die gerichtliche Untersuchung ist im Gange. * Aus Westfalen, 22. Aug.[Zur Warnung.] Die immerwährenden Warnungen der Presse vor der mißbräuchlichen Benutzung des Petroleums zum Feueranzünden und der Wiederanfachung der Glut fruchten leider nichts. In den letzten acht Tagen sind allein in Westsalen und Rheinland vier Frauen jämmerlich verbrannt, eine in Lüdenscheid, eine in Aachen, eine in Duisburg und eine in Laer bei Bochum. Alle vier hatten aus der Kanne Petroleum auf die erlöschenden Kohlen des Heerdfeuers gegossen, wobei die Flamme in die Kanne schlug, sodaß dieselbe explodierte. Man muß ab und zu solche Fälle anführen in der Hoffnung, daß wenigstens die eine oder andere dieselbe beherzigt; bei hundert und tausend anderen wird's natürlich— beim Alten bleiben. * Essen, 21. August.[Eine fachgenossenschaftliche Organisation] der christlichen Bergarbeiter des Ruhr=Kohlenreviers beabsichtigt eine Delegiertenkonferenz in die Wege zu leiten, die am 26. d. M. hier in Essen stattfindel. Gesetz betressend Entschädigung für an Milzbrand gefallene Tiere. Zu dem Gesetze vom 22. Apest 1892, beiressend Entschädigung für an Milzbrand gefallene Dere, ist seitens der Provinzialverwallung der Provinz Westialen ein Meemem erlassen, das wir nachfolgend zur Kenntnis unserer Leser bringen. Reglemen! zur Ausführung des Gesetzes vom 22. April 1892, betreffend die Entschädigung für an Milzbrand gefallene Tiere. Zur Ausführung des Gesetzes, betreffend die Entschädigung für an Milzbrand gefallene Tiere vom 22. April 1892 wird für die Provinz Westfalen das nachstehende Reglement erlassen. § 1. Für an Milzbrand oder Rauschbrand gefallen Pferde und Rindviehstücke, oder für gelödtete Tiere dieser Gattungen, welche sich bei der tierärztlichen Obduktion als en Ver. Kaßscherune=Brhafter erweiten. wiro von dem Provinzialverband eine Entschädigung nach solgenden Grundsätzen gewährt: § 2. Die Entschädigung beträgt: 1. bei Pferden dreiviertel, 2, beim Rindvieh vierfünftel des burch Schätzung festgestellten gemeinen Wertes ohne Rücksicht auf den Minderwerth, welchen das Tier dadurch erleidet, daß es mit der Seuche behaftet ist. Auf die zu leistende Entschädigung wird die aus Privatverträgen zahlbare Versicherungssumme angerechnet und zwar bei Pferden dreiviertel, bei Rindvieh zu vierfünftel § 3. Zur Bestreitung der Entschädigung, sowie der Kosten der Erhebung und Verwaltung der Beiträge und der Schätzung sollen vorläufig die in Gemäßheit der Bestimmungen in den§§ 15ff. des Ges. vom 12. März 1881(Preußische Gesetzsammlung S. 128) zu Entschädigungen für wegen Rotzkrankheit oder Lungenseuche getödtete Pferde bezw. Rinder zur Erhebung kommenden Abgaben mit verwendet werden mit der Maßgabe, daß die von den Pferdebesitzern erhobenen Beiträge nur zur Entschädigung für Pferde, die von Rindviehbesitzern erhobenen Beiträge nur zur Entschädigung für Rindvieh verausgabt werden dürfen. Mit der nämlichen Maßgabe können auch die Zinsen der aus den vorbezeichneten Abgaben angesammelten Fonds verwendet werden. Auch kann innerhalb des Verbandes, nach Maßgabe des vorhandenen Pferde= und Rindviehbestandes, von den sämtlichen Pferde= und Rindviehbesitzern nach Bedürsnis eine besondere Abgabe erhoben, ersorderlichen Falles auch die mehrmalige Erhebung der Abgabe in einem und demselben Jahre angeordnet werden. § 4. Die Ausschreibung etwaiger Abgaben erfolgt auf den Beschluß des Provinzial=Ausschusses. Ihre Erhebung regelt sich nach den für die Erhebung der Abgaben zu Entschädigungen für Rotzkrankheit bezw. Lungenseuche geltenden Vorschriften. § 5. Die Schätzung des gemeinen Wertes der Tiere erfolgt durch eine Kommission, welche aus einem beamteten oder einem approbirten privaten Tierarzt und zwei Schiedsmännern gebildet wird. Bezüglich der Zusammensetzung, Berufung, Verpflichtung und Thätigkeit dieser Kommission finden die Bestimmungen in§§ 18, 19, 20, 21 des Gesetzes vom 12. März 1881(G.=S S. 128) mit der Maßgabe Anwendung, daß der Absatz 3 des§ 21 durch folgende Bestimmung ersetzt wird: Die Sachverständigen haben sich gutachtlich darüber zu erklären, ob durch den Gesammtbefund ein Fall von Milzbrand oder Rauschbrand bei dem gesallenen oder getödteten Tiere festgestellt ist, sowie, ob Umstände vorliegen, welche gemäß Art. 1 Ziffer 2 des Gesetzes vom 22. April 1892 eine Entschädigung ausschließen. (Schluß folgt.) —[Der älteste preußische Volksschullehrer] ist der in Seifershau in Schlesien wohnende, im 94. Lebensjahre stehende emeritirte Kantor Gottlieb Schäser. Derselbe ist nach 62jähriger Amtsthätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Im Jahre 1822 hat der Kantor als Seminarist das Seminar in Bunzlau verlassen und sosort seine Lehrthätigkeit begonnen. Aus seiner Jugendzeit, namentlich aus den„Franzosenjahren“ 1806 bis 1815, weiß der alte Herr noch selbsterlebte Episoden mit großer Lebendigkeit zu schildern. Die preußischen Volksschullehrer dürsen stolz sein auf ihren Nestor. —[St. Helena,] wo der Well=Eroberer Napoleon als Verbaunter starb, soll jetzt klimatischer Kurort werden. Seit Eröffnung des Suez=Kanals hat die dortige Bevölkerung immer mehr unter der Verringerung des SchiffjahrtsVerkehrs gelitten und befindet sich in einer sehr ungünstigen wirtschaftlichen Lage. Alle Bedingungen für einen klimatischen Kurort aber sollen gegeben sein, auch für geeignete Einrichtungen für die Annehmlichkeit des Aufenthaltes gesorgt werden. Den Iusulanern würde durch einen blühenden Badeverkehr neuer wirtschaftlicher Aufschwung gesichert sein. —(Richtige Diagnose.] Patient:„Nun sagen Ste mir aufrichtig, Herr Professor, wie steht es mit meiner Lunge?“— Arzt:„Etwas angegriffen, das ist nicht zu leugnen; aber so lange Sie leben, reicht sie.“ 1200 deutsche Professoren und Aerzte haben Apotheier A. Flügge's Myrrhen-Crême gepratt, sich in 1½ jährigen eingehenden Versuchen von dessen Wiksamkelt überzeugt und dader selbigen warm empfohlen. Derselbe## unter No. 63592 in Deutschland patentirt und hat sich als ein überaus rasch, echer wirkendes und dabel absolut unschädliches cosmetisches Mittel = Zur Hautpflege= vorzügtich und besser als Daselln, Giycetine, Vor=, Carhol=, Zink= 2c. Salden bewährt. Flügge& Co. in Frautfurt a. M. versenden die Broschüre mit den arntlichen Zeugnissen grasis und franko. Apotbeker A. Fillggt's MorrdenErime 1n in Tuden à Dik. 1.— und zu 30 Pig. in den Apotheken erhältlich. Die Verpackung muß die Paleslaanmer 81592 tragen. Unter den wennigen auf der Antwervener Wettausstellung vertretenen deutschen Firmen, welche infolge ihrer Zugehörigkeit zu der internationalen Jury außer reisbewerb traten, befindet sich auch die Firma Kathreiner's Malzlaftee=Fabriten München. Diese hohe Auszeichnung zeigt aufs neue, welche achtungsvolle Stellung in der Handelswelt die genaunte Firma sich verschaffen hat. Wurde doch auch deren Vertreier Herrn Dr. M. Goetze die hohe Ehre zu Tell, zu einer kürzlich abgehaltenen Soiree im königlichen Palais in Brüssel eine Einladung zu erbalten und von Sr. Majestät dem König Leopold in eine Unterhaltung gezogen zu werden. Bekanntmachungen. Kirchliche Nachrichten. Evangelischer Gottesdienst. Freitag, den 24. August. Alte Kirche: Morgens 10 Uhr: Pastor Greve. Sonnabend, den 25. August. Morgens 10 Uhr: Beichte in der neuen Klrche. Pastor Greve. Katholischer Gottesdienst. Freitag, den 24. August (St. Bartholomaeus Ap.) Morgens 6¾ Uhr: Hochamt für die ganze Pfarrgemeinde, besonders für die Wohlthäter der Kirche und des Krankenhauses. empfehle Thomasmehl und Kainit. I. F. Zumwinkel. Erhaben den leidenden Mitmenschen mit Erfolg Hülfe bringen zu können. Es thut dieses vor allen anderen derartigen Produkten der Bonner von 2. G. Maaß auf das Sicherste und Billigste. Allen an Heiserkeit, Kratzen im Halse, Catarrhen und Verschleimungen der Lustwege, Keuchhusten 2c. Leidenden, sowie bei dem Husten bei Masern, Röteln und Scharlach, kann daher der Gebrauch des Bonner Kraftzucker warm empfohlen werden als ein einfaches Hausmittel, welches marktschreiender Anpreisungen nicht bedarf, sondern sich durch seine unübertroffene Güte allseitiger Beliebtheit erfreut. Da Nachahmungen exsstieren, wolle das Publikum beim Einkauf auf den Namen des Erfinders J. G. Maaß in Bonn gefl. achten. Derselbe ist in mit Gebrauchs=Anweisung eingehüllten Tafeln à 30 und 15 Pfg., sowie in Pag. 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September er., vormittags um 9 Uhr anfangend, ist Schautermin angesetzt und steht es den Räumungspflichtigen frei, in diesem Termin persönlich anwesend zu sein oder sich durch Bevollmächtigte vertreten zu lassen. Güterslob, den 20. August 189a. Der Bürgermeister. Mangelsdorf. Für Bau= und Möbeltischlereien. Die Bau=, Fenster= und Thüren=Arbeiten zu einem Einfamilienhause in Herdecke a. d. Ruhr, welches am 1. Aptil bezogen werden soll, sind in(Submission zu vergeben durch Bekanntmachung. Durch vorteilhaften, großartigen Masseneinkauf auf der Landwirtschafts-Ausstellung in Berlin bin ich in der Lage Häckselmaschinen in verschiedenen Sorten und Größen äußerst billig liefern zu können Gleichzeitig empfehle billigst: Göpel, Rübenschneicker, Jauchepumpen und sönstige landwirtschaftliche Maschinen und Geräte. Neuenkirchen∆ Stroon bei Gütersloh. H. StI0OD. Architeht Mucke in Hagen in Westfalen. sind in der Buchdruckerei re###te Damen! 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Oktober einen ordentlichen Knecht, derselbe muß auch verslehen mit Pferden umzugehen. J. G. Dickel. Die Ziehung der Großen Verlosung zu Baden-Baden, deren Gewinnplan der heutigen Nummer dieser Zeitung anliegt, findet am 1b. u. 14. September d. T. statt. Es wird ersucht Bestellungen aus Lose à 1 Mark, 11 Lose für 10 Mark, 28 Lose für 25 Mark, möglichst sogleich an das Haupt=Debit von F. A. Schrader, Hannover, Grosse Packhofstr. 29, g1: langen zu lassen.