Gütersloher Zeitung. Nebst Beilage„Illustriertes Sonntagsblatt“. H große historische Schiefheit, wenn die Wirksamkeit des Fürsten nach seinem Rücktritt vom Kanzleramt Bedenken erweckt, so mag man die ganze Ausführung des Denkmals vertagen. Eine Windthorst=Gedächtnisfeier veranstalteten die Centrumsfraktionen des Reichstags und des Landtags am 17. Januar als an dem Geburtstage des verewigten unvergeßlichen Centrumsführers. Wie bei dem Windthorst=Geburtstagsdiners, so waren auch jetzt die Mitglieder der Centrumsfraktionen im großen Saale des Kaiserhofes versammelt zu einem Gedädtnismahle, an dem, wie früher, so auch jetzt noch die Mitglieder der polnischen Partei, einige Elsaß=Lothringer und eine Anzahl katholischer Honorationen aus Berlin teilnahmen. Das„Militärverordnungsblatt“ und der„Staatsanzeiger“ veröffentlichen Bestimmungen über die Uniform der nach Preußen kommandierten württembergischen, söwie der nach Württemberg kommandierten preußischen Offiziere. Dieselben tragen die Unisorm und alle Abzeichen desjenigen Truppenteils, welchem sie zugeteilt sind. Die Generale und Generalstabsoffiziere tragen gleichfalls die preußische Unisorm, die Adjutanten des Königs behalten das Recht, eine besondere Uniform zu tragen. Eine entsprechende Anordnung des Kaisers betrifft die preußischen nach Württemberg kommandierten Offiziere. Die Bestimmungen sind entnommen einer Ordere, welche der König am 1. Dez. v. J. dem Kriegsminister zugehen ließ. Der„Staatsanzeiger“ teilt auch diese Ordre mit; dieselbe beruht auf der mündlichen Vereinbarung mit dem Könige von Preußen und enthält neben dem bereits Angeführten noch den Wunsch des Königs, daß die Rangliste des württembergischen Armeekorps vereinigt erscheine mit der preußischen. Der König von Württemberg behält sich vor, Offiziere zu dauernde Dienstleistung zum Militärkabinet des Königs von Preußen zu kommandieren. Der Eingang der Ordre besagt, der König sei von dem Wunsche geleitet, die Beförderungsverhältnisse der württembergischen Offiziere mit denen der preußischen in Uebereinstimmung zu bringen und zu erhalten. Er habe beschlossen, die Beförderungen nur unter dem Gesichtspunkte eintreten zu lassen, um die Schwierigkeiten zu vermeiden, welche bisher zum Nachtell der Württemberger bei der Kommandierung nach Preußen geltend gemacht wurden. Der„Staatsanzeiger“ fügt hinzu, weitere Abmachungen hätten nicht stattgefunden, wesentlich ausgedehntere Kommandierungen nach Preußen und umgekehrt seien nicht in Aussicht genommen. Auf Antrag Hammachers setzte die Budgetkommisson die Beschlußfassung über die Forderung für das Nationaldenkmal aus und lehnte einstimmig die Forderung für ein neu zu errichtendes Unterstaatssekretariat im Reichspostamt ab. Auf die Anfrage, ob eine Vorlegung des Börsengesetzes beabsichtigt sei, erwiderte Staatssekretär v. Posadowsky, die Regierung hätte sich über die legislatrische Folgen der Börsen=Enquete noch nicht schlüssig gemacht. Bei der Einkommensteuerveranlagung für 1893/94 ergiebt sich in Betreff der physischen Personen, welche zu einem Einkommen von mehr als 3000 Mark veranlagt worden sind, folgendes Bild: Es betrug in Mark für diese 319317 resp. 316 889 Zensiten 1893/94 1892/93 Gesamteinkommen...... 2756576014 2793345342 Davon aus Kapitalvermögen 887472474 891 721201 Grundvermögen....... 745566201 755361284 Handel, Gewerbe u. Bergbau 959653680 982804091 Gewinnbringd. Beschäftigung 614969746 593941967 In diesen Zahlen bekundet sich ein Rückgang des RentenEinkommens gegenüber einem absoluten Steigen des Arbeits=Einkommens. Für Dienstalterszulage an Volksschul lehrer sind in den neuen Etat etwa 360000 M. mehr wie in den vorjährigen eingestellt worden. Für die Wiederherstellung des abgebrannten Seminars in Neuzelle werden als 1. Rate 150000 M., für das auf den Staat übernommene Schullehrerseminar in Ratzeburg als 1. Rate 500000 M. gefordert. Koloniales. Die evangelische Missions=Gesellschaft für Deutsch=Ostafrika hat eienn schweren Verlust erfahren. Von Dar=es=Salaam bringt ein Telegrammn die Nachricht, daß der Missionar Göttmann gestorben ist. Derselbe war am 29. Mai 1892 in Berlin abgeordnet worden und hatte auf der Station Kisserawe in Usaramo neben Missionar Greiner gearbeitet. Er war zur Gründung und Leitung einer neuen Station in Usaramo, die in diesem Jahre angelegt werden sollte, bestimmt. Das„D. Kolonialbl.“ veröffentlicht eine Verordnung des Gouverneurs von Deutsch=Ostafrika über die Erhebung einer Erbschaftssteuer und die Regelung von Nachlassen Farbiger. Bei jedem Erbsall hat der Bezirksamtmann von Amtswegen in summarischer Weise die Höhe des Nachlasses festzustellen und, wenn derselbe auf Erben der ersten Klasse übergeht, zwei v. H. von dem Werte des Nachlasses nach Abzug der Schulden, in allen übrigen Fällen fünf v. H. als Erbschaftssteuer zu erheben. Erhebt der Erbe gegen die Festsetzung der Höhe des Nachlasses Widerspruch, so ist eine genaue Ermittelung anzustellen.— Die Zolleinnahmen in Deutsch=Ostafrika betrugen nach demselben Blatte, Im Oktober 105 495 M.; davon entfielen auf Bagamoyo 35 283 M. und auf Kllwa 27085 M.— Nach telegraphischer Mittellung aus dem deutschen Schutzgebiete von Togo ist die TelegraphenVerbindung zwischen Lome und Quitta fertiggestellt und am 9. Januar d. J. eröffnet worden. Die Eröffnung der Linie von da bis Klein=Popo steht in nächster Zeit zu erwarten. Aus Ort und Süterslo#h, 20. Jan.[Baterländischer rauenverein.] Gestern nachmittag 3 Uhr fand im aale des Vereinshauses hier eine Generalversammlung des hiesigen Zweig=Vereins des vaterländischen Frauenvereins statt, welche zahlreich besucht war. Herr Bürgermeister Mangelsdorf als Vorsitzender des Vereins eröffnete die Versammlung, hielt einen längeren ausführlichen Vortrag, aus welchem wir folgendes entnehmen: Der Verein verfolge, wie bekanni, Zwecke der barmherzigen Liebe an Armen und Bedrängten. In Friedenszeiten gelte es besonders, Notstände zu lindern und dieselbe abzuhelfen; sollten Epidemien oder sonstige Unglücksfälle eintreten, so„würde der Verein seine Dienste zur Versügung stellen. Ramentlich habe der Verein bisher seine Thätigkeit strophulösen Kindern zugewandt, indem dieselben in heilkräftige Bäder gesandt seien, und würde dies auch ferner thun. Die Hauptthätigkeit würde der Verein erst entfalten, wenn, was Gott noch lange verhüten wolle, ein Krieg ausbrechen sollte. Es gelie dann, die Organisation anzuwenden und alle versügbaren Kräfte in den Dienst dieser Sache zu stellen. Die Verwaltung des hiesigen Krankenhauses habe sich bereit erklätt, in solchen Fällen 20 Betten zur Versügung zu stellen. Redner machte dann noch interessante Mitteilungen über die Verhandlungen der im vorigen Jahre stattgesundenen Hauptversammlung der, Roten=Kreuz=Vereins“ in Berlin und stellte allen denen, welche sich dafür interessierten, einen gedruckten Bericht zur Versügung. Am Schluß wurde dann an Stelle der bisherigen Vorstands=Damen, von welchen die eine von hier verzogen, die andere inzwischen verstorben ist, die bisherigen Stellvertrer Frl. J. Puwelle und Frl. H. v. Recklinghausen als Vorstandsmitglieder, und als deren Stellvertreter Frau Dr. Stohlmann und Frau August Niemöller gewählt. Damit schloß der Vorsitzende die Versammlung. + Sütersloy. 20. Januar.[Monatsversammlung.] Die am Donnerstag Abend abgehaltene erste diesjährige Monatsversammlung des Vereins für Geflügelzucht und Tierschutz war sehr gut besucht. Zunächst wurden verschiedene Eingänge zur Kenninis gebracht. Dann erstatteten die in der letzten Versammlung zu Kassenrevisoren ernannten Herren Bericht über die vorgenommene Revision, dieselben hatten die Kasse stimmend gefunden und wurde dem Kassierer Entlastung erteilt. Darnach erfolgte die Aufnahme neuer Mitglieder. Bei der Besprechung über einen in nächster Zeu zu veranstaltenden Vortrag, wurde der Vorschlag des Vorstandes, Herrn Konrektor Dr. Blanke aus Herford um Uebernahme des nächsten Vortrages zu ersuchen, angenommen. Der Vorstand will Herrn Dr. Blanke um Angabe einiger Themas bitten, wonach die nächste Versammlung die Auswahl treffen wird. Der Vorsitzende richtete an die Versammlung die Bitte, daß jeder in seinem Kreise sorgen möge, daß die Vorträge gut besucht würden. Als letzter Gegenstand erfolgte die Verlosung eines Harzer Rollers. Der Vorsitzende dankte für das zahlreiche Erscheinen und sprach die Hoffnung aus, daß der Besuch im neuen Jahre immer reger werden möge; auch konnte derselbe die angenehme Mitteilung machen, daß Herr Heinrich Brinkmann das ihm angebotene Ehrenamt eines Preisrichters für die deutsche nationale Geflügel=Ausstellung zu Leipzig(vom 9. bis 12. Februar d. Is.), welches er zuerst abgelehnt, nun doch angenommen habe. Gütersloh, 20. Jan.[Landwirtschaft licher Lokal=Verein.] Am Donnerstag abend hielt der Landwirtschaftl. Lokal=Verein eine Versammlung ab zu welcher sich die Mitglieder recht zahlreich eingefunden hatten. In der vorigen Versammlung stand ein Antrag des Verbandes für Hebung der Schweinezucht in MindenRavensberg, welcher von unserm Verein einen Zuschuß von M. 50 zur Einrichtung von Masistationen sich erbat. Eine Anfrage des Vorsitzenden unseres Vereins an den betreff. Verband inwieweit ein Zuschuß besondere Berücksichtigung bei Ankauf von Zucht= und Mutterschweinen für uns einträte ward dahin von Gutsbesitzer Nolte=Brock= hagen beantwortet, daß wir Zucht= und Mutterschweine käuflich erwerben könnten. Hierin erblickt der Verein vor der Hand kein Entgegenkommen, trotzdem wird der Antrag nochmals auf der Tagesordnung erscheinen. Hingegen wurde unsern Eberstationshaltern Prange und Ramsorth wie dem neu hinzutretenden Osthushenrich=Avenwedde, eine Beihilfe in Aussicht gestellt. Eine Besichtigungs=Kommission wurde aus 5 Herren Witthoff, Tegelmann, Merklinghaus, Maas und Barkey gewählt und werden diese Herren die ausgeworfene Summe von Mk. 50 je nach Leistung zur Verteilung bringen. Von den Eingesessenen der Bauerschaft Blankenhagen wurde der Wunsch ausgesprochen, daß in ihrem Bezirke eine Eberstation sehle, und wäre die Einrichtung einer solchen sehr erwünscht. Ein großer Teil der anwesenden Herren beteiligt sich auch lebhaft an dieser letzteren Beschlußfassung, wir wünschen den SchweineZüchtern viel Glück für ihre Bestrebungen Wenn wir auch nicht hoffen wollen, daß unseren Züchtern dadurch auch andere Interessen genommen werden. Herr Wix= Nordborn glebt einen Auszug aus der Broschüre des Oekonomierat Schenkberg, welcher den Zuhörern interessante Mitteilungen über die landwirtschaftlichen Betriebe entrollte. Er bezeichnete den Bauern in China als einen besonders genügsamen und praktischen Wirtschafter recht hervorhebend, daß die Boden= und klimatischen Verhältnisse derselben um Vieles günstiger seien wie hier, so bringe er es ims Verhältnis doch weiter wie die Landwirte in unserer deutschen Heimat. Es wurde sodann der Versammlung mitgeteilt, daß in der vorigen Sitzung allgemein beschlossen sei, ein Winter=Vergnügen abzuhalten. Das Fest wird am 1. Februar bei Zurmühlen geseiert werden. Der Herr Direktor der Landwirtschaftsschule Stromberg wird einen Vortrag über Obstbau und Obstvertoertung halten, sich zugleich beziehend auf die ausgestellte Obstdörre unseres Mitglieds Welpmann wie auch die von diesem Herrn vorgelegte Ausstellung von gedörrtem Obst und Gemüse. Darauf findet ein Festessen statt, wie wir hören kommen auch andere Vorträge und Aufführungen u Stande, eine gut geschulte Kapelle wird zur Untersaltung dienen. Zuletzt wurden noch einig., Herren in den Verein aufgenommen, so daß derselbe jetzt ca. 130 Mitglieder zählt. (“) Sütersley, 20. Jan.[Pulverzug.] Am Donnerstag Abend passierte die hiesige Station ein Pulverzug und hielt im hiesigen Bahnhof kurze Zeit. Der Zug bestand aus 33B Pulverwagen, hingen und dazwischen befanden sich sen, wovon stets 11 aneinandersich dann einige leere Kolliwagen und je 1 Personenwagen, in letzteren befanden ich die aus Soldaten bestehenden Wachtmannschaften. In den Pulverwagen befanden sich weiße Fähnchen, wodurch der Zug ein interessantes Aussehen erhielt. Der Bestimmungsort für den Transport war Spandau. §“ Sütersloh, 20. Jan.[Anmeldung.] Die militärpflichtigen jungen Leute sowie auch deren Eltern, Vormünder u. s. w. machen wir darauf aufmerksam, daß die Anmeldung der im Jahre 1874 geborenen Militärpflichtigen wie auch derjenigen der früheren Jahrgänge, welche noch nicht definitiv ausgemustert sind, bis zum 1. Fedruar d. J. geschehen muß, und zwar bei der Polizeibehörde desjenigen Stadt= oder Amtsbezirks, in welchem der Militärpflichtige seinen jetzigen Woynsitz hat. Die nicht in dem Bezirk des jetzigen Aufenthalts geborenen Personen haben einen Geburtsschein vorzulegen. Da mit dem 1. Oktober 1874 das Zivilstandsgesetz in Kraft getreten ist, haben diejenigen, welche nach dem 30. September 1874 gevoren sind, den Geburtsschein nicht meor von dem Pfarramt, sondern von dem Standesanit ihres Geburtsbezirks ausstellen zu lassen. 0 Sütersloh, 20. Jan.[Thermometer= und Barometerstand] von der vergangenen Woche. Mittlere Gütersloy, 20. Jan.[Ostern.] Das Osterfest fällt diesmal auf den 25. März, was sich erst wieder in den nächsten Jahrhunderten zutragen wird, im Jahre 1951, 2035, 2046, 2103, 2114, 2125, 2198 u. s. w. Das Osterfest kann allerfrühestens am 22. März gefeiert werden, was geschieht, wenn der Vollmond am 21. März eintritt und dieser Tag ein Samstag ist. Solches geschal in den Jahren 1693, 1716, 1818 und wird 1970, 2076 und 2144 sich wiederholen. ** Süitersloh, 20. Jan.[Die Tage werden wieder länger.] Selbst diesenigen, die in unserer schnelllebigen Zeit auf die Ausnutzung der Minuten nicht so großen Wert zu legen brauchen, werden die größere Länge des Tages bereits bemerkt haben. Die Differenz von Weihnachten bis heute betrug bereits 46 Minuten: die Sonne geht jetzt um 8 Uhr 1 Minute auf und um 4 Uhr 22 Minuten unter, der Tag ist also bereits 8 Stunden 21 Minuten lang, während er um die Weihnachtszeit nur eine Länge von 7 Stunden 35 Minuten hatte. Noch 14 Tage und wir haben wieder die böseste Zeit des Dunkels überwunden. * Herzebroi, 19. Januar.[Dlebstahl.] Am Sonntag abend wurden dem Herrn Handeismann Rollmann 950 Mk. gestohlen. Ein hier seit 5 Wochen auf Besuch weilender, aus Amerika herübergekommener Anverwandte des Herrn R. hatte eine guse Gelegenheit benutzt, sich die Brieftasche des Herrn R. mit Inhalt aus der verschlossenen Kommode anzueignen und damit spurlos zu verschwinden. Einen neben der Briestasche liegenden Beutel mit 1000 Mk. Gold hatte der Dieb glücklicherweise nicht bemerkt. Alle Nachforschungen sind bisher erfolglos geblieben. Der Dieb wird wohl gleich seine Reise über das große Wasser angetreten haben. * Herford, 18. Jan.[B und der Landwirte.] Auf Einladung eines Komitees hatten sich Mitwoch Nachmittag etwa 500 Landwirte im Saal des Hersorder Vereinshauses versammelt. Die Versammlung wählte durch Akklamation den Vorsitzenden des einberusenden Komitees Herrn Oekonom Nordmeier=Enger zu ihrem Vorsitzenden. Derselbe erteilte Herrn Rittergutsbesitzer Dr. Roesicke=Görsdorf das Wort. Herr Dr. Roesicke führte in anderthalbstündiger Rede den Zuhörern den Zweck und die Ziele des Bundes vor, u. a. äußerte er folgendes: Dem Bund der Landwirte sei es zuzuschreiben, daß man die Landwirtschaft besser würdige, als noch vor wenig Jahren, daß sie in den Mittelpunkt der politischen Diskussion gerückt sei, daß 166 Reichstagsabgeordnete gegen den rumänischen Handelsvertrag gestimmt hätten, während zwei Jahre früher sich nur 44 Gegner des österreichischen Handelsvertrages gesunden hälten. Der Bund treibe keine Parteipolitik sondern richte seine Agitation auf einen bestimmten Punkt. Die landwirtschaftlichen Vereine hätten eine andere Aufgabe als der Bund, ihr Ziel und Zweck gehe auf die Technik der Landwirtschaft, Politik dürsten sie nicht treiben; der Bund der Landwirte dagegen wolle die Wahlen beeinflussen in dem Sinne, daß der wichtigste Stand, der den Kern des Volkes in sich schließt, eine kräftige Interessentenvertretung in den Parlamenten erhalte. Das sei nur möglich durch den Zusammenschluß aller Landwirte. Von einer Zentralstelle aus mußten die Korps geleitet werden, und die deutschen Armeekorps von Molike zu vereinigten Schlagen geleitet wurden. Der Bund wolle die Vereine nicht verdrängen sondern ihnen ein Rückgrat geben. Er erkenne auch die Thätigkeit des Westsälischen Bauernvereins voll an, man sei in den leitenden Kreisen nicht der Ansicht, daß der Bauernverein in den B. d. L. aufgehen solle. Aber wenn der Landwirtschaft die wirtschaftliche Grundlage verloren gehe, für die politisch gekämpft werden müsse, dann nütze ihr alle Technik nichts und sei ein intensiver Betrieb überhaupt unmöglich. Nach dem Vortrage fand eine Diskussion stalt, in welcher sich teils für, teils gegen den Bund ausgesprochen wurde. Schließlich wurden per Akklamation vorläufig ein Kreisvorsteher, Amts= und Ortsvorsteher ernannt. Kreisvorsteher wird Herr Nordmeier. Listen zum Einzeichnen sollen in Umlauf gesetzt werden. Die Jahres beiträge betragen 50 Pf. bis 3 M., je nach dem Umfange des Grundbesitzes. * H e r f o r d, 1 7. J a n.[ E i n e M i t r a i l l e u s e n kuge!] 23 Jahre im Körper eines Menschen Der Architekt Haute aus Lage in Lippe wurde im Gesecht bei Peltre im Feldzuge 1870—71 schwer an der rechten Hüste verwundet und die Kugel blieb sitzen. Der Genannte unterzog sich mehrfachen Operationen, die alle resultatlos verliefen, bis es am 7. Januar den geschickten Händen des hiesigen Arztes Dr. Pape gelang, das Projektil in der Darmgegend zu finden und zu entfernen. Das Befinden des Patienten ist den Umständen nach ein recht gutes. * Minden, 17. Jan.[Waisenkinder.] Gestern kamen hierselbst 19 Kinder aus Hamburg an, welche in der Cholerazeit ihre Eltern verloren haben, em nunmehr in bäuerlichen Familien des Amtes Hartum bei Minden untergebracht zu werden. Die Kinder stehen im Alter von 2 bis 12 Jahren. * Bechum, 18. Januar.[Betriebsstörung.] Gestern abend fuhr auf hiesiger Siation die zum Wassernehmen abgehängte Maschine des Güterzugs 654 dem von Hamm aus hier durchfahrenden Güterzug 643 in die Flanke, so daß eine kurze Betriebsstörung eintrat und sowohl die nächsten Personen= als auch Güterzüge mit Verspätung abfahren mußten. Die Maschine sowohl als auch drei Güterwagen wurden beschädigt und letztere aus dem Geleise gehoben. Die von Gütersloh nach hier beorderten Werkstattarbeiter hatten gegen 2 Uhr ihre Arbeiten bereits beendet. Von den Beamten ist glücklicherweise niemand verletzt worden; wie es heißt, soll unrichtige Weichenstellung die Schuld des Unglücks sein. Leugerich. 18. Jan.[Hohe Holzpreise.] Bei einem Holzverkause auf dem Kolonate Stapenhorf. hierselbst wurden vier Eichen verkauft, die einen Gesamtpreis von 2250 M. erzielt haben. Portmund, 16. Jan.[Bei dem evangelischsozialen Kursus] hielt Pfarrer Lic. Weber aus M. Gladbach einen Vortrag über„Die Berggesetzgebung, ein Zeichen der landesväterlichen Fürsorge der preußischen Könige für die Arbeiter". Er führte aus, daß die ganze Berggesetzgebung von Wohlwollen und Fürsorge für die Arbeiter durchdrungen sei und daß es schnöder Undank wäre, wenn die Bergleute dies verkennen wollten und dem Herrscherhause nicht die Treue wahrten. Knappschaftsdirektor Gerstein aus Bochum sprach über die Grundbestimmungen des Knappschaftswesens. Der sehr umfangreiche Vortrag umfaßte das ganze Gebiet des Knappschaftswesens, im besonderen aber den Allgemeinen Knappschaftsverein in Bochum, dem jetzt rund 147000 ständige Mitglieder angehören. Es wurden auch befonders einige Punkte beleuchtet, die den Angriffen der Mitglieder ausgesetzt sind. Die Bestimmung der Gewerbeordnung, wonach der Lohn nicht den Minderjährigen, sondern deren Eltern und Vormünder ausgezahlt werden kann, gab zu eine längeren Debatte Anlaß. Als wünschenswert wurde eine solche Maßregel bezeichnet, doch wurden auch die Schwierigkeiten der Ausführung nicht verkannt. Ramentlich sei es für das Werk nicht leicht, sich mit den Eltern derjenigen jungen Meuschen in Verbindung zu setzen, die zu hunderten aus Preußen, Schlesten, Posen hierhergekommen sind. Auch Regierungspräsident Winzer erklärte, er habe die Bestimmung erst mit Freuden begrüßt, aber nach und nach große Schwierigkeiten zerkannt. Jedenfalle könne ein Kreis oder Regierungsbezirk nicht allein vorgehen; eine solche Einrichtung müsse für mehrere Provinzen, wenn nicht für die ganze Monarchie getroffen werden. Oberbürgermeister Schmieding glaubt, die Sache ließe sich regeln durch Ausschüsse, die auf den Werken zu errichten seien und denen auch Arbeiter angehörten. Berghauptmann Täglichsbeck teilt mit, daß am 15. k. M. sich auch der Ausschuß des Berggewerbegerichts mit der Angelegenheit befassen werden. Vserlohn, 17. Januar.[Jubiläum.] Sein diamantenes Dienstjubilkum als Angestellter der Firma J. H. Schmidt Söhne feierte gestern der Fabrikinspektor F. W. Gräwe hierselbst. Der Jubilar erfreut sich noch großer körperlicher und geistiger Frische. Locholt, 17. Jun.[Plötzlicher Tod.] Bon einem herben Geschick wurde der Fabrikarbeiter H. hierselbst betroffen. Als derselbe heute nachmittag 3 Uhr seine Wohnung betrat, fand er seine Frau tot in der Küche liegend, die vier unmündigen Kinder weinend umherstehend. Ein Herzschlag hatte dem Leben der thätigen Frau, die noch am Vormittag per Schiebkarre Wäsche zur Bleiche beförderte, ein Ende gemacht. reis von 40 Pfg. sowie die Reichhaltigkeit und Deutlich'e#t des druckes machen das kleine Büchlein zu einem der##eliebtesten Kursbücher und empfehlen wir dasseelbe allen Neisuden#uf# Angelegentlichste, zumal trotz der Winterzeit auf vielen St#ecken wesentliche Veränderungen in den Fahrplänen eingetreten sind Der„Häusliche Ratgeber““, Wochenschrift für die deutschen Hausfrauen, mit den Gratisbeilagen„Mode und Handarbeit" und der illustrierten Kinderzeitung„Für unsere Kleinen“, in mehr als 75000 Exemplaren über ganz Deutschland verbreitet, bietet auch in der soeben erschienenen Nummer 3 außerordentlich viel Interessantes und Belehrendes und wird, wie die vorhergehenden Nummern in allen Kreisen der Damenwelt auf dem Lande wie in der Stadt allgemeinen Beisall finden. Von keinem andern derartigen Blatte wird für einen so billigen Preis(10 Pf. für die Nummer) so viel Gutes und praktisch Verwendbares geboten, und wir wollen hoffen, daß auch in den folgenden Nummern die Güte der Artikel nicht unter der Menge leidet. Den geehrten Leserinnen, die dieses bekannte und allenthalben gut eingeführte Frauenblatt noch nicht kennen, möchten wir raten, sich eine Probenummer von dem Verleger des Blattes, Herrn Nobert Schneeweiß in Breslau, gratis und franko kommen zu lassen. Litterarisches. Das erste Heft des Portemonnaie=Fahrplanbuches für 1394 ist soeben bei Schmorl&a# von Seefeld Nachf. in Hannover erschienen in der altbewährten Ausstattung. Der äußerst billige Vermischtes. —[Das Nationaldenkmal für den Fürsten Bismarck.] Der geschäftsführende Ausschuß des Zeutralkomitees zur Errichtung eines Nationaldenkmals für den Fürsten Bismarck trat am Freitag Vormittag im Reichstagsgebäude in Berlin unter Vorsitz des Landesdirektors v. Levetzow zu einer Sitzung zusammen. Es wurde der Kassenbericht vorgelegt, der ergiebt, daß am 31. Dezember 1893: 1 256700 Mk. in 3 pooz. Reichsanleihe und 8503 Mk. bar zur Verfügung standen. Aus der Mitte des Ausschusses wurde ein Subkomitee ernannt, mit dem Auftrage, die Platzfrage eingehend zu studieren und einer für den Monat April in Aussicht genommenen Sitzung des Zentralkomitees bestimmte Vorschläge zu machen. —[Eine Gefechtsübung auf dem Else) hielt dieser Tage das brandenburgische Jägerbataillon Nr. 3 bei Lübbenau ab. Sämtliche Beteiligte, Offiziere wie Mannschaften, hatten Schlittschuhe unter den Füßen und glitten pseilgeschwind dahin. Fesselnd anzusehen war, wie sie im Walde die Vorposten abzuschneiden und gefangen zu nehmen suchten. Daß hierbei kleine Unsälle durch Ausgleiten und Hinfallen auf das Eis eintraten, läßt sich denken. Ein Solbat fiel auf sein Seitengewehr, wobei dieses zerbrach, und ein Oberjäger stürzte mit dem Gesicht auf unebenes Eis, wodurch er sich einige Verletzungen zufügte. —[Ein Riese] bedient gegenwärtig im Bromberger „Gesellschaftshause“ als Kellner. Es ist ein Jüngling von 18 Jahren und 2 m 25 cm Länge, er hat also, in das alte Militärmaß übersetzt, neunundzwanzig Zoll! Geebbin, so heißt er, ist im Allgemeinen regelmäßig gebaut; nur geht er, von der Last des Körpers gedrückt, etwas nach vorn übergebeugt. Zur Kennzeichnung der Größe des Kellners führt die„K. A. Zig.“ zwei Vergleiche an. Der größte Offizier des deutschen Heeies, v. Plüskow, mißt 2,5 m, der größte deutsche Soldat, der Rheinländer Pritschau, Flügelmann der Potsdamer Leibkompagnie 2,06 m. 25. 26. Markte. Paderborn, Viehmarkt. Hersord, Viehmarkt. Paul Eichhorn, Gütersloh, Rökerstraße 300, Tokayer für Kranke in ½/1, ½ und ¼/4 Liter, Rotweine von 70 Pfg. bis 2,50 M. pr. Flasche, Johannisbeerwein, Stachelbeerwein, Apselwein. 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Freitag, den 20. Januar. Alte Kirche: Morgen2 10 Uhr: Pastor Siebold. Sonnabend, den 27. Januar. Morgens 10 Uhr: Beichte in der neuen Kirche: Pastor Siebold. Katholisch Gottesdienst. Senntag, den 21. Jannar. (Septuagestma.) Fest der hl. Familie Jesus Maria Joseph. Morgens 6 Uhr: Frühmesse. Morgens 9 Uhr: Hochamt mit Previgt Nachmittags 5 Uhr: Christenlehre und Jesus Maria Josephs Bruderschaft. Samstag, den 27. Januar. Morgens ½9 Uhr: Hochamt. Te Deum, Oratio proimperatore und allgemeines Kirchengebet aus Anlaß des Geburtstages unseres Landesvaters. Statt besonderer Anzeige. Heute morgen 4 Uhr entschlief nach langem Leiden, in Alter von 83 Jahren, das Fräulein Linchen Garty. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde. Gütersloh, den 20. Januar 1894. Die Beerdigung findet am Dienstag Nachmittag 6½ Uhr vom hiesigen Krankenhause aus statt. Man versuche den bereits gut eingeführten COGNAC aus der Cognac=Brennerei von Sg. Scherer a. Co., Jangen(Hessen). 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Antwerpener Ausstellung 1894. Sollen die deutschen Industriellen und Exporteure die Antwerpener Ausstellung von 1894 beschicken? Ein Vergleich der mutmaßlichen Vorteile zwischen Chicago und Antwerpen. Die vorjährige Weltausstellung in Chicogo hat den deutschen Ausstellern viel Ruhm eingebracht. Die bei Weitem größte Zahl von Anerkennungen in Form von Medaillen rc. sind in Chicago den Deutschen zugefallen. Der deutschen Leistungsfähigkeit ist das denkbar beste Zeugnis daselbst ausgestellt worden.— Und doch ist der großte Teil der deutschen Aussteller mit ihrem materiellen Ersolge dieser Ausstellung nicht zufrieden. Wie konnte dies aber auch anders sein? Jeder Aussteller, der nach Chicago ging, wußte, daß nur für die jwenigsten Industriezweige Nordawerika überhaupt noch als Absatzgebiet gelten kann, denn die chinesische Mauer, welche dieses so konsumfähige große Land mit einem Mac Kinley=Zolliarif um sich errichtet hat, verbielet oder erschwert jede Einfuhr von Belang. Das wissen die Industrie=Centren, deren Hauptabsatzgebiet vormals Nordamerika war, zu ihrem Schmerze ganz genau. Wer aber von den deutschen Ausstellern in Chicago gehofft hat, daß der angekündigte(Wilson=) Tarif, welcher den Mac Kinley=Tarif ersetzen soll, nenneuswerte Erleich erungen für den deutschen Exporteur bringen würde, hat sich seit dem Bekanntwerden desselben gewiß arg enttäuscht. Auch dieser jetzt in Washington zur Beratung vorliegende Wilson=Tarif wird die Einführung von Waren nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika nicht wesentlich erleichtern, da die Zollsätze desselben immer noch enorm hoch sind. Der Erfolg der deutschen Aussteller in Chicago war also und konnte auch gar nichts Anderes als ein rein platonischer sein. Damit ist aber der deutschen Industrie nicht gedient. Eine Ausstellung wird doch gewiß hauptsächlich in der Erwartung beschickt, daß aus derselben dauernde Geschäftsverbindungen mit bisher noch unbekannten Abnehmern angeknüpft werden. Dieses Resultat thatsächlich herbeizuführen, ist die Antwerpener Weltausstellung in diesem Jahrc sehr wohl geeignet, und zwar aus verschiedenen Gründen. Belgien hat am 6. Dezember 1891 mit dem deutschen Reich einen Handelsvertrag abgeschlossen, welcher bis zum 31. Dezember 1903 in Kraft bleibt. Dieser Tarif ist für die Ausfuhr deutscher Fabrikate nach Belgien sehr vorteilhaft, da die angesetzten Zölle im Vergleiche mit denjenigen, welche Nordamerika erhebt, als außerordentlich niedrige bezeichnet werden müssen. Die belgischen Zölle varieren in der Hauptsache zwischen 5 bis 10 Proz. ad valorem. Dahingegen hat Frankreich durch seinen am 1. Februar 1892 in Kraft getretenen wesentlich erhöhten Zolltarif der Ausfuhr belgischer Fabrikate nach Frankreich ein fast unüberwindliches Hindernis in den Weg gelegt. Die Folge davon ist, daß man in Belgien zur Zeit wenig geneigt ist, französische Fabrikate zu beziehen. Wie groß aber der Absatz Frankreichs in Belgien war, beweist die Thatsache, daß Frankreich in Belgien im Jahre 1891 für rund 327 Millionen Franks Ware einführte, ohne den Transitverkehr, der in der Hauptsache wohl nach Südamerika ging. Rechnet man diesen durch Belgien gegangenen französischen Transitverkehr hinzu, so belief sich Frankreichs Gesamtausfuhr nach Belgien im Jahre 1891 auf rund 600 Millionen Franks. Dagegen betrug der deutsche Export nach Belgien in demselben Jahre nur 151 Millionen Mark, also kaum ein Drittel des französischen. Zahlen beweisen. Klarer kann nicht gezeigt werden, wo der deutsche Industrielle suchen muß, seinen Absatz zu vergrößern. Freilich, Anstrengungen muß er deswegen machen. Der ausländische Kunde kommt nicht selbst, er will aufgesucht sein; und so lange er nicht erfährt, daß er von einer anderen Bezugsquelle ebensogut und vielleicht weit besser und billiger seinen Bedars decken kann, kauft er von seiner alten Bezugsquelle, selbst wenn er höhere Preise für gleichwertige Waren bezahlen muß. Die Antwerpener Ausstellung von 1894 wird sicher von jedem Belgier besucht werden, da ist der Platz für den deutschen Fabrikanten, seine Adreßkarte abzugeben, und den Besuchern den Beweis zu liefern, daß er dem sranzösischen Konkurrenten in nichts nachsteht. Antwerpen liegt aber weiter so günstig, daß auch ganz Holland die Ausstellung besuchen wird. Wer aber wollte in Abrede stellen, daß Holland ein ebenso wichtiges Absatzgebiet für deutsche Fabrikate sei wie Belgien? Holland mit seinen Kolonien kann vier Mal so viel deutsche Waren konsumieren, als jetzt eingeführt werden. Die Antwerpener Ausstellung giebt also gleichzeitig die Möglichkeit, den holländischen Markt besser zu bearbeiten. Dann kommt noch dazu, daß Antwerpen der Haupthafen für Verschiffungen nach ganz Südamerika ist. Die großen Importhäuser Südamerikas werden sicher ihre Repräsentanten und Einkäufer wie alle Jahre auch heuer nach Europa schicken, und werden dieselben die Gelegenheit, auf der Antwespener Ausstellung neue Verbindungen anzuknüpfen, im eigensten Interesse benutzen. Die Absatzfähigkeit in Südamerika wird aber vielseitig noch sehr unterschätzt, da eben auch hier Frankreich und England den Hauptanteil an der Ausfuhr haben. Während Nordamerika in sehr kurzer Zeit nicht nur nichts mehr importieren wird(seine eigene Industrie verbunden mit dem jetzt schon auch in den Vereinigten Staaten von Nordamerika fühlbaren Ueberfluß an Arbeitskräften muß sich in wenig Jahren zu einem schwer fühlbaren Konkurrenten für Europas Industrien herausbilden), ist ganz Südamerika noch auf lange Zeit hinaus unfähig, seinen eigenen Bedarf herzustellen, vielmehr darauf angewiesen, denselben von außen zu decken. Wenn Deutschland von diesem Bedarf Südamerikas nicht einen guten Teil an sich zieht, so sind gewiß nicht die Verhältnisse daran schuld, vielleicht aber der mangelnde Unternehmungsgeist Derjenigen, die sich über zurückgehenden Geschäftsumsatz beklagen. Antwerpen ist kein Chicago. Antwerpen liegt an der Ausgangspforte von Deutschland, Antwerpen ist vom entserntesten Orte Deutschland in 24 Stunden zu erreichen. Man kann die Antwerpener Ausstellung besuchen und doch in dem mit der Bahn in ¾ Stunden zu erreichenden Brüssel wohnen, man wird in Antwerpen und Brüssel keine amerikanischen Preise finden, die Ausstellungsspesen sind viel, sehr viel geringer als in Chicago, und selbst der junge, kleine, aber vorwärtsstrebende Fabrikant kann es wagen, nach Antwerpen zu gehen, um seine Leistungsfähigkeit zu zeigen. Also, warum nicht ausstellen? Weil man ausstellungsmüde ist! wird man sagen. Richtiger aber ist jedem Einsichtsvollen ohne Zweifel, wenn man sagt: Der deutsche Fabrikant hat keine Zeit, müde, auch nicht ausstellungsmüde zu sein. Er muß rastlos und ohne Erlahmung der Energie immer und immer wieder neue Absatzgebiete aufsuchen, und dies um so mehr, als unbestreitbar die Konsumtionskraft im eigenen Vaterlande in den letzten Jahren sehr abgenommen hat. Ein wesentliches Mittel, neue Verbindungen, neue Absatzgebiete zu erringen, wird aber sicher die Antwerpener Wellausstellung in diesem Jahre sein. Wer sich für diese Ausstellung interessiert, wende sich an das deutsche Central=Komitee für die Antwerpener Weltausstellung von 1894 in Berlin, dessen geschäftsführender Delegierter Herr C. Romen in CharlottenburgBerlin jede gewünschte Auskunft erteilen und Anmeldungen entgegennehmen wird. Junius. Aus den Kammern. Reichstag. Sitzung vom 17. Januar. Der Reichstag erledigke heute zunüchst Wahlprüfungen gemäß den Anträgen der Kommission. Eine längere Debatte rief die Wahl des Abgeordneten Kaufmann, Lotze=Pirna(deutsche Reformpartei) hervor, welche schließlich unter Ablehnung des Antrags Rickert auf Zurückverweisung an die Kommission für gültig erklärt wird. Sodann kam der Centrumsantrag, wonach für Konsunivereine der Warenverkauf an Nichtmitglieder mit einer Geldstrase bis zu 150 Mk. bestraft werden soll, zur Beratung. Abg. Wattendorff=Lüdinghausen(C.) verbreitet sich über die schädliche Wirkung der Konsumvereine des Offiziers= und Beamtenvereins. Die kleinen Gewerbetreibenden und Handwerker gerieten in Abhängigkeit von den Vereinen, welche die Preise drücken. Das Verbot der betreffenden Vereine wäre ein zu radikales Mittel. Dir vorgeschlagene Maßregel wäre ausreichend. Abg. Dr. Clemm=Speyer(natl.) erklärt sich gegen den Antrag, dessen Annahme viele Konsumvereine zur Auflösung zwingen würde. Die Verkäufer könnten unmöglich kontrollieren, ob jeder Käufer ein Bereinsmitglied sei. Die Konsumvereine wirkten segensreich für die ganze Volksklassen, gewöhnten die Leute ans Barzahlen und Sparen. Redner beantragt Kommissionsberatung. Abg. Dr. Kropatscheck(kons.) anerkennt die Wichtigkeit der Konsumvereine, wünscht jedoch keine Bevorzugung derselben vor anderen Genossenschaften. Die beantragte Bestrafung sei nur eine Konsequenz des bereits bestehenden Verbotes der Verkauss an Nichtmitglieder. Abg. Schneider(freis. Volksp.) bestreitet, daß die Konsumvereine besondere Privilegien besitzen. Manche derselben zahlten sehr hohe Steuern. Der Antrag benachteilige die Konsumvereine im Vergleich zu anderen Geschäften. Die Einführung der Barzahlung durch Konsumvereine sei ein sozialer Fortschritt im Kleinverkehr gewesen. Abg. Frhr. v. Stumm(Reichsp.) stimmie dem Antrag zu, da die Konsumvereine anderen Geschäften schwere Konkurrenz machten. Abg. Colbus(Elsässer) befürwortet die Gleichstellung der Konsumvereine mit den sonstigen Geschäften bezüglich der Besteuerung und sonstiger gesetzlicher Stellung. Redner stimmt dem Antrag zu. Abg. Czarlinsk:(Pole) schließt sich dem Vorredner an. Abg. Bock(Soz.) erklärt den Antrag für unberechtigt und undurchführbar. Die Konsumvereine hätten absolut keinen Anteil daran, daß der kleine Handwerkerstand zu Grunde gehe. Abg. Klemm=Dresden(Antisemit) glaubt, daß die gegenwärtige Ausdehnung der Form der Konsumvereine eine Gefahr für unser ganzes Wirtschaftsleben sei, indem die kleineren und mittleren Geschäfte geschädigt würden. Den Offiziers= und Beamtenvereinen, welche zugleich Aktiengesellschaften seien, fehle jede Berechtigung. Ebenso unberechtigt sei, daß die Lieferungen für die Marine betreffend Leinenzeug und andere Stoffe ohne vorherige Verdingung dem Offiziersverein zugewiesen find. Redner stimmte dem Antrag zu. Abg. Osann(natl.) erklärt, in der jetzigen Formulierung errege der Antrag große Bedenken. Der Grundgedanke sei jedoch richtig. Redner empfiehlt Kommissionsberatung. Abg. v. Podbielski=Westpriegnitz(kons.) verteidigt den Offizier(verein, welcher kein Konsumverein, sondern nur eine Aktiengesellschaft sei und die übrigen Geschäfte nicht wesentlich schädige. Der Vorwurf betreffend die Leinenlieferung sei unbegründet. Der Offiziersverein habe vor zwei Jahren Leinen bestellt, um der notleidenden schlesischen Hausindustrie aufzuhelsen und dasselbe dem Staate angeboten. Man dürse keine weiteren Beschränkungen des Vereins einführen. Abg. Dr. Hammacher(natl.) erachtet die Konsumvereine als für unsere Wirtschaftliche Entwickelung ungünstig. Redner empfiehlt die Ueberweisung des Antrages an eine Kommission. Nach einem Schlußwort des Abg. Fuchs(C.) wird die Kommissionsberatung abgelehnt. Sitzung vom 18. Januar. Erste Beratung des Weinsteuergesetzes. Staatssekrektär Graf Posadowsky hält es für sehr begreiflich, wenn die Weinfrage, die mit dem Volks= und Kulturieben Süd= und Westdeutschlands in engster Beziehung stehe, dort eine andere Beurteilung erfahre, als im Norden und Osten des Reiches. Die verbündeten Regierungen hielten indes die Weinsteuer für eine rationelle Steuer: sie sei eine Ergänzung unseres Steuersystems und dazu eine Luxussteuer(Widerspruch) soweit es sich um eine Reichssteuer handle. Die Vorlage sei bemüht, die Besteuerung möglichst weit von dem Prozudenten, von dem Winzer zu legen. Darin, daß das Gesetz auch den ausländischen Wein der Steuer unterwerfe, liege jedenfalls ein Schutz des inländischen Weinbaues. Den Schaumwein, wie wohl vorgeschlagen, allein zu besteuern, im Grunse blos deshalb, weil er Schaum habe, sei durchaus irrationell. In der Besteuerung des Kunstweins seien alle Interessenten einig; aber es sei leider schwer festzustellen, wo die Grenze zwischen Kunst= und Naturwein liege. Daß die Steuer einen großen Rückgang des Konsums mit sich bringen werde, fürchte er nicht. Er wünsche und hoffe also, daß der Entwurf von dem Reichstage freundlich aufgenommen werde. Abg. Schmidt=Elberfeld(sr. Volksp.) Man wolle die wohlhabenden Klassen treffen, aber dazu bedürfe es nicht eines Gesetzes mit so vielen Kontrollmaßregeln: man könne zur Reichseinkommen= und zur Erbschaftssteuer und zur Beseitigung der„Liebesgabe“ schreiten. Der Ertrag der Steuer würde ein sehr geringer sein. Er bitte, die Vorlage einfach, ohne Kommissionsberatung, abzuweisen. Abg. Dr. Bürklin(natl.) Der Vergleich von Bier und Branntwein mit Wein hinsichtlich der Besteuerung hinke noch mehr, als sonst Vergleiche zu hinken pflegten. Als Volksgetränk werde der Wein nur in Süddeutschland konsumiert. Die Grenze von 50 Mk. für die Besteuerung des Weins sei viel zu tief gegriffen. Für 50 Mark pro Hektoliter gebe es noch lange keinen Qualitäts= oder Luxuswein. Daher würden aber gerade die minder bemittelten Kreise getroffen und zwar entgegen den Absichten der verbündeten Regierungen, daß die Lasten nicht auf die schwächeren Schultern abgewälzt werden sollten. Abg. v. d. Gröben=Arnsteln(kons.). Er freue sich, daß hier das Interesse der Winzer so energisch vertreten werde, und er hofte, daß diese warme Fürsorge für die agrarischen Interessen anhalte, wenn es sich nicht um Weinbauern, sondern um Getreidebauern handle. Zweifellos befänden sich auch unsere Winzer in einer keineswegs beneidenswerten Lage. Daran sei aber zum größten Tell der Handelsvertrag mit Italien schuld. Der deutsche Weinbau würde durch den vorliegenden Gesetzentwurf noch weiter geschädigt werden. Seine Freunde auf der rechten Seiten wünschen die Besteuerung des Weines in sich; nur über die Form derselben seien sie zweifelhaft. Abg. Braubach(Centr.) Die Besteuerung des Weingenusses sei durchaus gerecht. In ihrer jetzigen Gestalt sei die Vorlage aber für seine Partei unannehmbar, Einer Kommissionsberatung wolle sie aber nicht widersprechen. Staatssekretär Graf Posadowsky erwidert die Lage der Winzer werde durch die Weinsteuer nicht verschlechtert; 55 Proz. der Winzer habe gar kein Interesse an der Stelle, weil sie unter der Steuergrenze von 50 M. produzierten. In dem überwiegenden Telle Deutschlands sei die Weinsteuer eine Luxussteuer. Abg. Dietz(Soz.) erklärt, die Sozialdemokraten würden gegen das Gesetz stimmen, weil sie grundsätzlich kein Mittel für die beschlossene Militärvorlage bewilligten, weil dadurch zahlreiche Existenzen brotlos werden würden. Herrenhaus. Sitzung vom 17. Januar. Das Herrenhaus erledigte heute geschäftliche Angelegenheiten. Landwirtschaftsminister v. Heyden erklärte, die Regierung sei bereit, die Interpellation des Freiherrn v. Manteuffel, betreffend die Landwirtschaft, in der nächsten Herrenhaussitzung zu beantworten. Sitzung vom 18. Januar. Der Antrag Adickes, betreffend die Stadterweiterungen und Zonenteilungen, wird ohne Debatte angenommen. Es folgt die Interpellation des Frhrn. v. Manteuffel, ob die Staatsregierung außer den angekündigten Maßnahmen fernere Schritte zur Beseitigung des stetig wachsenden Notstandes der Landwirtschaft zu thun gedenke. Redner bemerkt, der allgemeine Notstand sei seit Juni 1893 noch erschreckender gestiegen. Landwirtschaftsminister v. Heyden erklärt, die Hauptursache der Notlage der Landwirtschaft sei die Verschuldung. Ohne Inanspruchnahme der Landwirte selbst ließe sich eine Aenderung des Erbrechts nicht durchführen. Die Regierung habe darum einen Gesetzentwurf, betr. die Einrichtung obligatorischer Landwirtschaftskammern eingebracht. Herr v. Klinckowström erklärt namens der ostpreußischen Landwirte, daß sie die Aufhebung des Identitätsnachweises nimmermehr als Kompensation für die Zustimmung zum deutsch=russischen Handelsvertrage ansehen können. Herr Graf Mirbach sieht allein in der Lösung der Währungsfrage eine Kompensation für den russischen Handelsvertrag. Er begrüßt auss freudigste die Erklärung des Herrn Ministers bezüglich der Währungsfrage. Wenn die Enquete positive Ergebnisse bringe. so würden die Konservativen mit Freuden für den Handelsvertrag stimmen. Freiherr v. Schorlemer=Alst verlangt die Aushebung der Staffeltarife und Sie, rheit gegen Wiedereinführung derselben. Die Lage der Landwirtschaft sei nicht so ganz verzweifelt. Sie habe schon schlimmere Zeiten durchgemacht. Herr Oberbürgermeister Bräsike=Bromberg spricht sich für Aufhebung des Identitätsnachweises für Getreide aus. Abgeordnetenhaus. Sitzung vom 18. Januar. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Wahl der Präsidenten und Schriftführer. Auf Antrag des Abg. v. Benda werden von Köller zum Präsidenten und Freiherr von Heereman zum ersten Vizepräsidenten wiedergewählt und der Abg. Dr. Graf zum zweiten Vizepräsidenten gesoählt. Die Gewählten nehmen die Wahl an. Zu Schriftführern werden ebenfalls durch Aklamation gewählt: Die Abgg. Bode, Dr. Hartmann, Vobelius, Weyerbusch, Jerusalem, Im Wale Oltzen und Wortzevski. Zu Quästoren ernennt der Präsident die Abgeordneten Martens und Dr. Sattler. Damit ist das Haus konstituiert. Finanzminister Dr. Miquel bringt den Etat für 1894/95 ein. Der Etat schließt mit einem Fehlbetrage von 70 Millionen 200000 Mk. Also um 12 Millionen 400,000 Mark mehr als im Vorjahre. Derselbe wird durch eine Anleihe zu decken sein. Der Beitrag Preußens zu den Reichsausgaben ist um 47 058915 Mk. höher als im Vorjahre. Der Grund dieser unerfreulichen Erscheinung liege in der Einwirkung der Reichsfinanzen auf den preußischen Etat. Eine planmäßige Finanzverwaltung der Einzelstaaten sei bei den stark schwankenden Ueberweisungen in Anforderungen des Reiches gar nicht möglich. Ein klares, sicheres Verhältnis der preußischen Finanzen zu den Reichsfinanzen müsse unbedingt erstrebt werden. Die Grundlagen unserer Finanzen seien zwar durchaus gesunde, ja im Vergleich mit anderen Staaten geradezu glänzende, aber diese gesunden Grundlagen müssen auch erhalten werden. Die Regierung habe an sich berechtigte Anforderungen der Ressortminister in[Höhe von etwa 120 Millionen Mark mit Rücksicht auf die Finanzlage zurückstellen müssen, das Haus möge daher auch seinerseits einen Teil seiner Wünsche zurückstellen. Landwirtschaftsminister von Heyden bringt den Gesetzentwurf betr. die obligatorische Einrichtung von Landwirtschaftskammern ein. Die Staatsregierung sei zu der Ueberzeugung gekommen, daß sie zur Besserung der Landwirtschaft eingreifen müsse. Dazu solle die korporative Organisation der Landwirtschaft dienen. Die Hauptaufgabe der Landwirtschaftskammern sei die Beseitigung der stetig wachsenden Ueberschuldung. Diese rühre hauptsächlich aus Restkaufgeldern und Erbteilungen her. Wolle man einen leistungsfähigen Grundbesitzerstand erhalten, so könne man nicht alle Erben zu gleichen Teilen am Nachlasse des Erblassers beteiligen, und hier müsse die Gesetzgebung mit der Sitte in Einklang gebracht werden. Ferner sei der Uebergang von Hypotheken= zum Rentensystem zu erstrehen. Es sei beabsichtigt, in jeder Provinz eine Landwirtschaftskammer zu schaffen, aber auch die Möglichkeit gegeben, in einer Provinz mehrere zu schaffen. Der Gesetzentwurf sehe ein indirektes Wahlsystem vor. Wenn auch die Regierung leicht glauben könne, mit der Vorlage der augenblicklichen Notlage der Landwirtschaft abzuhelfen, so habe sie doch gemeint, da eingreifen zu sollen, wo sie den Sitz des Uebels erkenne. Er bitte um wohlwollende Aufnahme der Vorlage. Vermischtes. —[Erschossen.] An einem Schießstande des 70. Infanterie=Regiments in Saarbrücken wurde ein als Zeiger sunglrender Soldat erschossen. Seinen Tod hat er nach dem Ergebnis der militärgerichtlichen Untersuchung selbst verschuldet; er trat, als die Scheibe bereits schußfertig stand, hinter der Deckung hervor, um noch etwas nachzusehen, und wurde alsbald von der Kugel eines Schießenden in den Kopf getroffen. —[Die überseeische Auswanderung] war im Jahre 1893 erheblich geringer als im Vorjahre. Es wanderten aus Deutschland über deutsche Häfen, Antwerpen und Amsterdam 83 812 Personen aus gegen 112 208 im Jahre 1892. Davon gingen über Bremen 39852(im Vorjahre 59 907), über Hamburg 30 510(28 072), über andere deutsche Häfen 0(2214), über Antwerpen 11 532 (17 554), über Rotterdam 1738(3553) und über Amsterdam 180(918) Personen. Neben den 70 362 deutschen schen Auswanderern wurden über deutsche Häfen noch 97910 Angehörige fremder Staaten besördert; davon gingen über Bremen 69 548 und über Hamburg 28 362 Persouen. Hamburger Kaffee, Fabrikat, kräftig u. schön schmeckend, vers. zu 60 Pf. u. 80 Pf. das Pfund in Postkollis von 9 Pfd. an zollfrei. Ferd. Rahmstorff, Ottensen bei Hamburg. W a r n u n g. Der grosse Erfolg, den unsere MSE werthissen Nachahmungen gegeben. Man kaufe daher unsere Stets scharfen H-Stollen (Kronentritt unmöglich) nur von uns direct, od. nurmn solchen Eisenhandlungen, in denen unser Plakst(Rother Husar im Hufeisen), ansgehängt ist.###- Preislisten und Zeugnisse grat. u. franco. Leonhardt& Co. Berlin, Schlübauerdamm 8. 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J. auf dem hiesigen Magistratsbureau zur Eintragung in die RekrutierungsStammrolle zu melden. Die nicht in Stadt Gütersloh geborenen Militärpflichtigen des Jahres 1874 event. auch der früheren Jahre haben ein Geburts=Attest mitzubringen. Für die nach dem 30. September 1874 geborenen Personen werden die Geburtsscheine nicht von den Pfarrämtern, sondern von den Standesämtern ausgestellt. Die Eltern, Vormünder, Lehr= resp. Brodherren haben darauf zu halten, daß der vorstehenden Aufforderung nachgekommen wird, und werden diejenigen, welche die Meldung zu der angegebenen Zeit unterlassen, mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder mit einer Hast bis zu 3 Tagen bestraft. Gütersloh, den 9. Januar 1894. Der Bürgermeister. Mangelsdorf. Bekanntmachung. Unter Bezugnahme auf die§§ 25 und 27 der Deutschen WehrOrdnung vom 22. November 1888 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß alle Militärpflichtigen, welche sich im hiesigen Verwaltungsbezirke aushalten, sich in der Zeit vom 15. Jannar bis 1. Februar d. T. in der Amtsstube des Unterzeichneten behufs Eintragung ihrer Namen in die Stammrolle zu melden haben. Hierhin gehören: a) Männliche Personen, welche im Jahre 1874 im hiesigen Bezirke geboren sind; b) Militärpflichtige Personen, welche im Jahre 1874 in anderen Bezirken geboren sind, hier aber ihren Aufenthalt haben; c) Militärpflichtige, welche aus anderen Bezirken zugezogen sind, aber noch keine endgüttige Entscheidung über ihre Dienstpflicht erhalten haben. Die unter b und c gedachten müssen bei der Anmeldung ein Geburtszeugnis vorlegen, wobei bemerkt wird, daß die Geburtszeugnisse der nach dem 30. September 1874 geborenen Militärpflichtigen nicht von den Pfarrämtern, sondern von den Standesämtern ausgestellt werden. Sind die Militärpflichtigen am Orte ihres Domizils zeitig abwesend, so haben ihre Eltern, Vormünder, Lehr=, Brod= oder Fabrikherren die Verpflichtung, sie bis zum obigen Termine gehörig anzumelden. Militärpflichtige, welche die vorgeschriebene Anmeldung unterlassen, werden mit Geldstrafe bis zu 30 Mark belegt, welche im Falle des Unvermögens in entsprechende Gefängnisstrafe umgewandelt wird. Gütersloh, den 10. Januar 1894. Der Amtmann. Paasch. Bekanntmachung. An Stelle des verstorbenen Fleischbeschauers Friedrich Wilhelm Voßpeter zu Sundern ist für die westliche Hälfte der Bauerschaft Sundern ein anderweiter Fleischbeschauer anzustellen. Bewerber um dieses Amt wollen ihre bezüglichen Gesuche bis zum 28. Januarer. schriftlich bei mir einreichen. Gütersloh, den 18. Januar 1894. Der Amtmann. Paasch. Amt Reckenberg. Bekanntmachung. Unter Bezugnahme auf§ 25 der deutschen Wehrordnung vom 22. November 1888 wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß sämtliche Militärpflichtigen(also alle im Jahre 1874 sowie die in früheren Jahren geborenen männlichen Personen, über deren Militärpflicht noch nicht endgültig entschieden ist:), welche a) im diesseitigen Bezirke ihren Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt haben, b) im diesseitigen Bezirke geboren sind, einen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt innerhalb des Reichsgebiets aber nicht haben, sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar k. Is. zur Aufnahme in die Rekrutierungsstammrolle auf dem Amtsbureau anzumelden haben. Bei der Anmeldung haben diejenigen Militärpflichtigen, welche nicht im diesseitigen Bezirke geboren sind, ein Geburtszeugnis, die bereits im 2. oder 3. Militäcpflichtjahre sich befindenden Militärpflichtigen den im 1. Militärpflichtjahre erhaltenen Losungsschein vorzulegen. Wiedenbrück, den 27. Dezember 1893. Der Amtmann. Murenhuff.