Politische Rebersicht. Deutschland. Der Kaiser wird sich, wie die „Post“ meldet, nach den Kaisermanövern von Stuttgart aus unmittelbar nach Oesterreich=Ungarn zum Manöver und zur Jagd begeben, dann über Wien nach Berlin zurückreisen, hier einen Tag verweilen und dann direkt nach Gotenburg zur Jagd abreisen. Von da begiebt sich der Kaiser auf dem kürzesten Wege nach Rominten, wo er bis in die zweite Woche des Oktober zu verbleiben gedenkt. Das Staatsministerium trat Samstag vormittag um 11 Uhr in der Wohnung des Herrn Reichskanzlers zu einer Sitzung zusammen. Der„Reichsanzeiger“ vom Montag abend teilt mit: „Zur wirksamen gesundheitspolizeilichen Ueberwachung des Schiffsverkehrs auf der Elbe und dem Rhein sowie auf den mit diesen Strömen in Verbindung stehenden Wasserstraßen habe ich auf Grund des Artikels 4 der Reichsverfassung 1. einen Reichskommissar für die Gesundheitspflege im Stromgebiet der Elbe in der Person des Königl. preußischen Ober=Regierungs=Rat Frhru. von Richthofen mit dem Amtssitz in Berlin, 2. einen Reichskommissar für die Gesundheitspflege in den innerhalb des Königreichs Preußen und des Großherzogtums Hessen belegenen Teilen des Rheinstromgebiets in der Person des Königlich preußischen Landrats Gescher mit dem Amtssitz in Koblenz bestellt. Die Reichskommissare sind angewiesen, unverweilt mit den Behörden der durch ihre Amtsthätigkeit berührten Bezirke in Verbindung zu treten. Ueber die Regelung des Dienstes und die Sitze der Kontrollstationen werden die Reichskommissare das Erforderliche bekannt machen. Berlin, den 28. August 1893. Der Reichskanzler. von Caprivi. Den Kaisermanövern in Elsaß=Lothringen wird der Militär=Attachee bei der französischen Botschaft in Berlin, Major Meunier, nicht beiwohnen, während alle anderen Militärattachees der Einladung Folge leisten. Jetzt ist den Pariser Blättern eine offiziöse Mitteilung zugegangen, welche besagt, die französische Regierung werde ihren Berliner Militärattachee von den Manövern in Elsaß=Lothringen deshalb fernhalten weil die deutsche Regierung diese Manöver mit dem Jahrestage der Schlacht von Sedau habe zusammenfallen lassen! Dieses Zusammentreffen dürfte wohl nur ein zufälliges sein. Die Börsensteuer hat in den letzten Jahren regelmäßig weniger erbracht, als der Vorschlag im Etat betrug. Im Jahre 1892/93 belief sich das Minus sogar auf nahezu 8 Millionen. Im Etat für 1893/94 ist die Börsensteuer niedriger normiert als im Jahre 1892/98, und zwar um mehr als 1½ Millionen. Trotzdem scheint es, als wenn Die verborgene Hand. Kriminal=Roman aus der neuesten Zeit von E. von der Have. 791(Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.) Der Angeredete hatte sich erhoben. Er war an des Kaufherrn Sessel herangetreten. Mit einem Blick überflog er den Check. „Gewiß“, sagte er,„und ich danke Ihnen für Ihr Entgegenkommen, Herr Volkhelm. Dasselbe zeigt mir, daß ich den rechten Weg wählte, die peinliche Affaire aus der Welt zu schaffen.“ Er zögerte minutenlang; des Großhandelsherrn Blick haftete starr aufTihm. Was wollten Sie noch mehr sagen, Herr——“ Er stockte; offenbar hatte er den Namen des Fremden vergessen. Aber da lag die Karte desselben neben ihm auf dem Schreibtisch, die der Diener ihm gebracht hatte; er griff danach und ehe der andere noch antworten konnte, vollendete er: „Herr Sandory?“ Dieser schien leicht verwirrt; es mußte ihm die Antwort recht peinlich werden. „Herr Voikheim“, raffte er sich endlich mit deutlich markierter Ueberwindung auf,„darf ich mir noch ein offenes Wort erlauben?“ Der Kaufherr antwortete nicht; aber er erhob sich langsam und in der Bewegung, mit welcher er das that, lag die Aufforderung an den andern, zu sprechen. „Es ist mir sehr peinlich“, hob dieser zögernd an, „und die Sache hat auch mit meiner Mission nichts zu thun. Indes Ihr liebenswürdig rasches Entgegenkommen läßt es mir undankbar erscheinen, wenn ich Sie im Unklaren lassen wollte, was man in der Gesellschaft spricht.“ Der Großhandelsherr hatte hoch aufgerichtet dagestanden. Seine Gestalt wankte auch noch nicht im geringsten, aber eine Rechtelstützte sich schwer auf die Karte des Schreibtisches. „Was man in der Gesellschaft spricht?“ wiederholte er. auch im laufenden Jahre der Etatsansatz nicht erreicht würde. Denn das erste Drittel dieses Jahres hat noch um 120 000 Mark weniger als der gleiche Zeitraum des Vorjahres erbracht. Wenn die beiden anderen Drittel nicht bedeutende Aenderungen in den Einnahmen aus der Börsensteuer bringen, so würde auch das laufende Jahr bei der Börsensteuer mit einem Minus und zwar noch immer in der Höhe von fünf bis sechs Millionen abschließen. Die preußischen Schulbehörden sind ermächtigt worden, auch am 2. September dieses Jahres den Schulunterricht an den öffentlichen Volksschulen aus Anlaß des Sedantages ausfallen zu lassen und die Abhaltung einer besonderen Schulfeter an diesem Tage zu veranlassen. Wo eine derartige Schulfeier stattfindet, hat sie an Stelle des gewöhnlichen Schulunterrichts zu treten. Am Sonntag kamen die Anhänger des Fürsten Bismarck von Frankfurt, Bockenheim und Hanau, Herren und Damen in der ungefähren Stärke von etwa 1000 Mann mittelst Extrazug, um Seine Durchlaucht in Kissingen zu begrüßen. Sie zogen mit eigener Musik zur Oberen Saline und stellten sich im Hof auf. Als der Fürst erschien, wurde er mit brausendem Jubel begrüßt. Justizrat Humser hielt die Ansprache. Nicht Neugierde, sondern Verehrung sei die Ursache, weshalb die vielen Leute aus Frankfurt und Umgebung gekommen. Darauf entgegnete Fürst Bismarck u. a.: Meine Herren aus Frankfurt, ich danke Ihnen von Herzen, daß Sie gekommen sind, um mich zu begrüßen, und bitte nur um Nachsicht, weil ich in meinem Verkehr mit Ihnen etwas behindert bin durch einen Besuch alter Gäste, die sich bei mir über Nacht eingestellt haben, nämlich rheumatische Schmerzen. Ich wünsche, daß niemand von Ihnen sie kennen lernt. Ich habe sie zuerst in Petersburg erfahren, Dank dem dortigen Klima und den Aerzten. (Große Heiterkeit, Prof. Schweninger lacht mit.) Manche Kämpfe habe ich überstanden und so hoffe ich auch mit diesen(russischen) Feinden noch fertig zu werden. In Ihrem Besuche sehe ich ein Zeugnis, daß Sie mit mir nicht böse sind, weil es so gekommen ist. Deshalb danke ich Ihnen nochmal herzlich. Ich habe mich allerdings jetzt und als Minister auch an andere Behandlung gewöhnt, namentlich seitens derjenigen Zeitungen, welche bei der Herstellung des Reiches nicht beteiligt waren und die mir zugestellt werden, ohne daß ich sie bestellt habe.(Große Heiterkelt.) In diesen Zeitungen stellt man mich neuerdings als einen Partikularisten hin, weil ich es als einen Mangel ansehe, daß die Landtage sich nicht um die Politik ihrer Minister im Bundesrate kümmern. Das ist eine komische Anklage, daß ich Partikularist bin. Ich handle ja gerade im nationalen „Ja, Herr Volkheim“, antwortete der andere,„so sagte ich. Wenn Sie es jedoch vorziehen, daß ich mich entfernen soll, so befehlen Sie es. Um keinen Preis möchte ich Ihnen aufdringlich erscheinen. Nur Teilnahme mit dem Vaterherzen löste mir die Zunge!“ Herrn Volkheim's Blick ward starr. Was war das? Wie auf ein Gespenst stierte er auf den Sprecher. Sollte trotz aller angewandten Vorsicht, trotz der Verbaunung des leiblichen Sohnes doch etwas hinausgedrungen sein über die vier Wände dieses Hauses, was— sein Stolz forderte es — keine Seele nur ahnen durfte? Sein Stolz! War noch eine Regung von Schwäche in ihm, der Gedanke schlug dieselbe in die Flucht. „Sprechen Sie, ich weiß nicht, wovon Sie reden“, sagte er mit gezwungen harter Stimme,„aber ich fordere jetzt von Ihnen rückhaltlosen Aufschluß!“ Der Ungar sah zum zweitenmal in dieser Stunde eine beabsichtigte Wirkung seiner Worte verfehlt, aber die Ueberraschung beeinträchtigte seine gewohnte Sicherheit nicht. „Herr Volkheim“, entgegnete er,„ich bin nur ein aus Gnaden Aufgenommener für Ihre Kreise,— ich kenne Ihre Anschauungen und weiß, daß Sie alles, was außerhalb derselben steht, mit Mißachtung betrachten. Wenn ich deshalb in diesem Fall reden soll, so muß ich betonen, daß nicht etwa Sensationslust, wie Sie solche einem Nichtgleichberechtigten zuschieben könnten, mich veranlaßt, Ihnen eine Warheit zu enthällen, welche sonst vielleicht für immer Ihrem Auge verschlossen bliebe. Ihr Herr Sohn, Herr Volkheim, war mein intimster Freund. Wir hingen aneinander fast wie Brüder und es verging kein Tag, an welchem wir nicht beisamen waren. Mag er leichtsinnig gewesen sein,— wer von uns war das nicht in jüngeren Jahren?— er besaß eine nicht gewöhnliche Idealität und diese gleiche Eigenschaft — denn ich bin Künstler, mein Herr,— zog uns mächtig an und verschmolz unser Leben zur innigsten Gemeinschaft. Ich habe Ihren Haus kennen gelernt. Er ist der edelsten Gedanken und Ziele fähig; leicht empfänglich, wie er zu dem Zwecke sein muß, ist er allerdings auch allen äußern Einflüssen leichter zugänglich, und er fiel in Versuchungen, Interesse, wenn ich in den Landtagen, die sich früher wirklich um nationale Politik gekümmert haben, das Interesse dafür wieder beleben will. Die Reichsgesetzgebung greift so in das Leben der Einzelstaaten ein, daß diese wohl sich rühren dürfen. Wir haben kein Gesetz über Ministerverantwortlichkeit. Der Bundesrat verhandelt hinter geschlossenen Thüren. Die Landtage sind die einzige Instanz, welche die Minister zur Rede stellen können über das, wie sie sich bei nicht ganz durchsichtigen Abstimmungen verhalten und wenn sie Dummes gemacht haben.(Großer Beifall.) Ich will ein Ineinanderwirken aller Faktoren im deutschen Volksinteresse, sonst gehen wir rückwärts und das kann beim Wechsel der europäischen Lage eine betrübte Sache werden. Ich wollte einen Bund von 25 Regierungen. Ich ängstige mich vor einem Kanzler, der sonst niemanden fragt als sich und seinen Adjutanten. Des Kanzlers Hauptbedeutung soll die als preußischer Minister sein und als solcher soll er sich mehr in Fühlung halten mit den Ministern der Einzelstaaten. Ich habe gehofft, die Reichspost werde die Korrespondenz unter ihnen besser vermitteln, als es der Fall ist. (Große Heiterkeit, Beifall.) Der Fürst schließt mit einem Hoch auf„seine langjährige Heimat“ Frankfurt, wo er ein Herrenleben geführt habe. Frankreich. Der Sohn des Königs von Kambodscha, Dnouchaer, wurde Samstag vormittag in Paris verhaftet und zum Bahnhof gebracht. Dnouchaer soll von zwei Polizelagenten über Marseille nach Algier geschafft und auf Beschluß der Regierung dort interniert werden. Dnouchaer weigerte sich, Paris zu verlassen. Aus San Sebastian wird gemeldet: Sonntag abend verlangte die Volksmenge, welche sich auf dem Marktplatze bewegte, von der Musikkapelle die baskische Hymne, rufend: „Es leben die Fueros! Nieder Sagasta!“ Als sich die Kapelle weigerte, die Hymne zu spielen, erfolgte ein heftiger Tumult. Die Menge warf Steine nach dem Civilgouverneur, welcher sich gerade zu Sagasta begeben wollte. Die Truppen feuerten hierauf, 4 Personen wurden getötet und 20 verwundet, auch 5 Polizeibeamte und einige Soldaten sind verwundet. Von den Bergleuten in Wales befindet sich, nachdem mehrere tausend Streikende die Arbeit wieder aufgenommen haben, nunmehr nur noch die Hälfte im Ausstand. Amerika. Die Zahl der Arbeitslosen ist in verschiedenen Teilen der Ver. Staaten recht groß und sie fangen nun auch an, die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich zu lenken. Der Mayor von Chicago hat die Zahl der Arbeitslosen in jener Stadt auf 200 000 geschätzt und auf die Gefahren hingewiesen, welche dadurch entstehen können, denen er erlag. Aber das stört den Idealismus nicht. Die Welt, die reale, ist da, ihrem größten Gegensatz, dem Ideal, zu dienen.... So habe ich Ihren Hans lieben gelernt, und wie Messerstiche trifft es mich deshalb ins Herz, wie man über ihn spricht. Man glaubt nicht an seine Entfernung in dem Sinne, wie ich vorhin solche andeutete. Man legt derselben vielmehr die grauenhafteste Drohung zu Grunde.“ Der Kaufherr war auf seinen Sessel zurückgesunken; er fühlte seine Kräfte ermatten und um keinen Preis wollte er dem andern sich verraten. „Drücken Sie sich klar aus. Was spricht man?“ tönte es von seinen Lippen, indes seine Augen dem Ungar abgewandt waren. So sah er nicht den diabolischen Ausdruck, der dessen Gesicht überflog. „Es fällt mir schwer, Herr Volkheim, Ihnen die Antwort zu geben“, sagte er mit gemessener Langsamkeit.„Man bringt die Katastrophe in Ihrem Hause mit seiner Abreise in Verbindung!“ Der Kaufherr blickte nicht auf. Er verharrte unbewegt in seiner Stellung. Und der andere fuhr fort: „Man weiß wohl selbst nicht, was man glauben soll, aber die Gerüchte, so unzusammenhängend sie auch sind, durchschwirren die Luft. Das bestimmteste ist wohl das, daß der junge Herr Volkheim um des plötzlichen Todes seiner Mutter willen hat fort müssen!“ Mit einem Sprunge stand der Großhandelsherr auf seinen beiden Füßen. Seine Stirnadern waren dick angeschwollen. „Wer sagte das?“ stieß er aus. „Ich sagte es bereits, die Welt!“ gab der Ungar mit Uebergewicht zur Antwort.„Es ist ja zweifellos, daß sie, wie so oft, etwas spricht, ohne es vertreten zu können, aber woher ein Gerücht stammt, wer will es erforschen?“ Der Kaufherr mußte selbst in der maßlosen Bestürzung, in der er sich befand, die Richtigkeit dieser These zugeben. So sollten denn alle Opfer umsonst gebracht sein! Man verurtellte den Abwesenden vielleicht härter als den Auwesenden! Aber er mußte sich aufraffen. Einer, der Zutritt daß man ihnen nicht Arbeit verschafft. In Milwaukee ziehen täglich Hunderte von Arbeitslosen durch die Straßen und verlangen Beschäftigung. In New=York haben die unbeschäftigten Arbeiter verschiedene Versammlungen abgehalten, auf denen Anarchisten Brandreden gehalten haben sollen. Der Polizei=Superintendent Bynes soll seinen Untergebenen anbefohlen haben, dergleichen zu verhindern. In Buffalo haben einige arbeitslose Polen, denen die Nahrung des Armenhauses nicht behagte, die Verkäufer auf einem Marktplatze ausgeplündert. Nach einem Konflikt mit der Polizei wurden die Führer der Ruhestörer verhaftet. Der „New=York=Herald“ hat dieser Tage Staatshülfe für die Arbeitslosen verlangt, aber die übrigen Blätter sprachen sich zum Teil mit großer Heftigkeit dagegen aus. Das Leichenbegängnis des Herzogs von Koburg. Montag früh fand in Gotha bei herrlichem Wetter die Ueberführung der Leiche weiland Herzogs Ernst II. statt. Nachdem sich bereits um 4½ Uhr früh die zum Leichenkondukt Befohlenen und Geladenen bei Schloß Reinhardsbrunn versammelt hatten, wurde der mit rotem Sammet bekleidete und mit dem Federhelm, mit Küraß und Schwert geschmückte Sarg durch 12 höhere Forstbeamte auf den Trauerwagen gehoben. Um 5 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung, welchem Gendarmen zu Pferde und zu Fuß, eine Sektion Infanterie und ein Musikkorps voranschritten; ein Fourier eröffnete sodann die dem Sarge unmittelbar vorangehende Begleitung aus der persönlichen Umgebung des verstorbenen Herzogs, welche aus der Leibdienerschaft desselben, den Beamten des Hofamtes, den Forstmeistern, den Herren vom Dienste, der Geistlichkeit und der Adjutantur bestand. Dann folgten unter Vortritt des Hofmarschalls vier Forstbeamte, welche die Orden trugen. Die 6 Pferde des Leichenwagens wurden von 6 Postillionen geführt, neben denen 6 Schloßgardisten und 12 höhere Forstbeamte einherschritten. Unmittelbar hinter dem Sarge schritt der Staatsminister Strenge an der Spitze des Staatsministeriums und der demselben unterstellten Staatsbeamten; hieran schlossen sich die Mitglieder des Landtags, ferner die Garnisonältesten von Gotha mit den Reserve= und LandwehrOffizieren, sodann Stadtrat und Stadtverordnete von Gotha, Deputationen der Städte Waltershausen, Ohrdruf und Zella, sonstige speziell Geladene und schließlich sehr zahlreiche Vertreter von Vereinen aus den Thüringer Landen. In der Straße bildete der Gothaer Kriegerbund Spalier und schloß sich alsdann dem Zuge an, welcher sich unter Glockengeläute in allen Ortschaften über den Herzogsweg nach Bahnhof Schnepfenthal bewegte. Daselbst wurde bei seinem Eintreffen um 5¾ Uhr der Sarg unter Gesang in den Galawaggon gehoben. Um 6 Uhr setzte sich der Zug nach Koburg in Bewegung. Kurz nach 11 Uhr traf der Zug mit der Leiche dort ein. Die Militärmusik blies einen Choral und die Tambours rührten die Trommeln. Sämtliche Kirchenglocken läuteten. Um 11¼ Uhr setzte sich der imposante Leichenkondukt in Bewegung. Es folgten aufeinander: die in der Trauerparade stehenden Truppen, Hofbeamte, die Geistlichkeit, die Adjutantur, der Hofmarschall, die Ordensträger und zwei Stallmeister. Sodann folgte der sechsspännige Leichenwagen, geleitet von Hofbeamten, den 12 Oberförstern und sechs Schloßgardisten. Hinter dem Wagen wurde das Leibpferd des Herzogs Ernst geführt. Es folgte der Zug der Allerhöchsten und Höchsten Leidtragenden und der anwesenden fürstlichen Personen. An der Spitze schritten Herzog Alfred, zur Rechten der Kaiser, zur Linken der König von Sachsen, dahinter zu je dreien der Herzog von Connaught, Erbprinz Alfred und der Prinz von Wales, Prinz Wilhelm von zu diesen Gesellschaftskreisen hatte, stand ihm ja gegenüber. Demgemäß mußte er handeln. „Es ist selbstverständlich Lug!“ stieß er aus.„Die Welt ist immer nur zu gern bereit, ihre müssige Zeit mit falschem Gerede auszufüllen. An dem allen ist nicht ein wahres Wort!“ Er stockte, tiefatmend. „Habe ich Ihre Erlaubnis, dem Gerücht entgegenzutreten?“ sagte Janos Sandory mit der ihm eigenen, einschmeichelnden Stimme. Der Kaufherr nickte. „Gewiß“, sagte er,„Sie verbinden mich damit zu Dank. Sie nannten meinen Sohn Ihren Freund. Sie für denselben, was Sie vermögen, denn die Welt weiß nichts und was sie spricht, kann nur Lug und Trug sein. — Ich denke, wir sind zu Ende, oder haben Sie mir noch etwas zu sagen, Herr Sandory?“ Der Ungar verneigte sich stumm und der Kaufherr, dies für eine Verneinung nehmend, nickte dem Besucher wie entlassend zu und drückte auf den Glockenzug. Der alte Johann erschten ungewöhnlich schnell. Noch eine Verbeugung und der Ungar schritt an dem Graukopf vorüber und zur Thür hinaus. Seine Schritte dämpfte der dicke Teppich, der überall im Korridor lag. Doch jetzt schloß sich die Hausthür dumpf hinter ihm, und mit bleierner Schwere sank der Kaufherr auf den Sessel vor dem Schreibtisch nieder, das Gesicht in beide Hände vergrabend. „Gott mein Gott“, ströhnte er,„habe ich das Opfer umsonst gebracht,— umsonst das unsagbare Opfer?...“ An einem oberen Fenster, hinter den Vorhängen verborgen, stand wie zuvor eine Frauengestalt; ihr Antlitz war bleich, wie das einer Leiche, und ihre Hände, welche sie in die Gardinen verkrampft hatte, hielten sie thatsächlich an diesen einzig aufrecht. „Er geht!“, stieß sie in keuchenden Lauten aus.„Er geht,— stolz wie ein Sieger! Was hat er ausgeführt? Was ist da im Werke, was ich nicht annen.... Es Baden, Prinz Philipp von Koburg und der Großherzog von Baden. Daran schlossen sich die Minister, die Gesandten, der kommandierende General des 11. Armeekorps, das Gefolge, die Staats= und Ministerial=Räte, die Mitglieder des Landtages, Deputationen der Regimenter, Offiziere, Dezutationen der Städte und Vereine. Eine Kompagnie Inanterie schloß den Kondukt. Der Koburger Krieger=Verband zildete in den Straßen Spalier. Der Zug bewegte sich unter Glockengeläut durch die Straßen nach der Morizkirche. In dieser hatten sich inzwischen versammelt: Die Frau Herzogin=Witwe, die Herzogin Marie, die Prinzessinnen sowie die geladenen Damen. Auf den Emporen waren die Schüler der höheren Lehranstalten anwesend. Am Portal der Kirche wurde der Sarg durch den Generalsuperintendenten Dr. Müller in Empfang genommen und darauf von den Oberförstern vor dem Altare aufgestellt. Sodann nahm die Trauerversammlung Aufstellung. Während ihres Eintritts sang der Kirchenchor die von weiland Herzog Ernst komzonierte Kantate„Aller Seelen". Bei der Beisetzungselerlichkeit hielt der Generalsuperintendent die Gedächtnisrede. Bei der Einsegnung der Leiche erschollen von den Arkaden des Schloßplatzes die Ehrensalven der Truppen, während auf der Festung 21 Kanonenschüsse abgefeuert wurden. Lokales und Provinzieles. Gütersloh. 29. Aug.[Tierschaufest.] Wenn wie am heutigen Tage so auch zum morgigen Tierschaufest die Sonne ihre freundlichen Strahlen herniedersendet, dann darf Rheda auf eine kleine Völkerwanderung nach dort gefaßt sein. Nicht allein in Kreisen der ländlichen Bevölkerung erwartet man mit Ungeduld das Nahen der Festesstunden, sondern auch im Weichbilde der Stadt scheint man dem Feste recht sympathisch gegenüber zu stehen. Welchen Verlauf das Fest nehmen soll, ist bereits zur Genüge bekannt und wie wir hören, sind die umfassendsten Vorkehrungen für dieses nur alle zwei Jahre wiederkehrende Fest, welches diesmal zugleich ein Jubelfest des landwirtschaftlichen Kreisvereins Wiedenbrück bedeutet, bereits getroffen und sicherlich wird auch die Stadt Rheda nicht unterlassen, den Fremden gleich beim Eintritt in die Stadt den nötigen Festeindruck u verschaffen. Vermutlich wird der größte Teil der dieseits wohnenden Festbesucher zur Fahrt die Eisenbahn benutzen, weshalb es angebracht erscheint, die Abfahrtszeiten nach bezw. von Rheda nachstehend bekannt zu geben: Abfahrt ab Gütersloh: 60, 8%, 1121 morgens, 2¾, 4“ nachmittags, 7¾, 1081 abends. Abfahrt ab Rheda: 820 morgens, 1214 mittags, 3%, 588 nachmittags, 8½, 10“1 abends, 1“, 5% nachts. §. Gütersloh, 29. August.(Einquartierung.] Von Lippstadt kommend traf heute mittag kurz vor 12 Uhr die 9. Batterie des Artillerie=Regiments Nr. 22 hier ein. Nach Bekanntgabe des Tagesbefehls auf dem Rathausplatze, woselbst auch die Geschütze untergebracht, bezogen die Mannschaften ihre Quartiere. Morgen früh 8 Uhr erfolgt der Weitermarsch nach Halle. * S ü t e r s l o h. 2 8. A u g.[ T u r n e r i s c h e s.] B e i dem gestrigen Bergfeste an der Porta hat für den hiesigen Turn=Verein Herr A. Schulze einen Preis errungen und was bei der großen Konkurrenz besonders ins Gewicht fällt, steht der Sieger als zweiter an der Spitze. In Kreisen hiesiger Turner hat dieses Ereignis große Freude hervorgerufen, möge es auch ein Ansporn sein für alle übrigen Turner und beitragen zur Förderung und gedeihlichen Entwickelung der guten Sache in unserer Stadt.„Gut Heil“ dem Sieger und dem Verein. *s Gütersloh, 29. August.[Preisfliegen.] Der hiesige Brieftaubenverein„Pfeil“ veranstaltete am Sonntag, muß, es muß mir gelingen, den alten Schleicher aus diesem Hause zu entfernen. Ich wüßte jetzt alles, alles, wenn er nicht meinen Weg kreuzie.... Himmel, die Glocke gey..... Wenn das mir gälte?....“ Sie eilte aufhorchend bis zur Mitte des Zimmers, aber keinen Laut hörte sie. Was war da unten verhandelt worden zwischen dem Kaufherrn und seinem Besucher? Und jetzt— wenn der alte Johann dem Läuten seines Gebieters Folge leistete und dem Großhandelsherrn ihre lange Unterredung mit dem Fremden, bevor derselbe zu ihm gelangt war, verriet? Da— fast hätte sie aufgeschrieen vor Schreck; ein leises Klopfen von draußen an der Thür erscholl. Resolut wandte sie sich dem Tische zu, neben welchem sie stand und auf welchem die kostbarsten Bücher lagen. „Herein!“ rang es sich aus ihrer Kehle hervor. Des alten Johann's Gesicht erschien in der Thüröffnung; es war aschgrau. „Madame“, meldete er,„der gnädige Herr wünscht Sie zu sprechen!“ Er trat dabei devot zur Seite, um sie vorüber schreiten zu lassen. Alles in ihr zitterte, doch ihr Aeußeres war unbewegt, kalt. Sich verraten, war gleichbedeutend mit sich vernichten. So raffte sie mit fast übermenschlicher Anstreugung all ihre Kraft zusammen, ihre Fassung zu behaupten, wenn auch das, was ihrer harren mochte, wie ein grauenhaftes Gespenst ihr vor der Seele stand. Und so schritt sie an dem Graukopf vorüber, stieg sie, Stufe um Stufe, ihm voran die Treppe ins Erdgeschoß hinab. Vor der Thür zu dem Arbeitszimmer des Großhandelsherrn zauderte sie minutenlang, aber dann klopfte sie mit Entschlossenheit. Der alte Johann, der ihr gefolgt war, öffnete ihr die Thür, und hell fiel der Schein des Tages auf sie, während sie, so gezwungen, die Schwelle überschritt und dem gefürchteten nächsten Moment entgegentrat, gefürchtet, weil sie nicht wußte, was seine Bestimmung war, — weil sie nicht wußte, was ihrer wartete. (Fortsetzung folgt.) den 27. ds. Mis. ein Preisfliegen für junge Tauben ab Dortiaund. Laut Telegramm wurden die Taaiben 7 Uhr 30 Minuten in Freiheit gesetzt. Beteiligt ware.: 11 Mitlieder mit 91 Tauben um 12 Vereinspreise. Die erste sreistaube kam 8 Uhr 37 Minuten 33 Sekunden im heimatlichen Schlage an, die zwölfte 8 Uhr 46 Minuten 1 Sekunde, sodaß binnen 9 Minuten sämtliche Preise verteilt waren. Preise erhielten folgende Herren: Wetzmüller 1. und 2., Wiedeking 3. und 4., Fricke 5. und 8., Baumann 6., Witte 7., Henke 9., Kosfeld 10., Henze 11. und 12.— Für das diesjährige Wettfliegen für alte Tauben ab Metz sind dem Vereine 1 silberne und 1 broncene Staats=Medaille verliehen. * Gütersloh, 29. August.[Leichtsinn.] Wie jetzt vielfach erzählt wird, hat der vor acht Tagen verstorbene Arbeiter Thumel auf unerhört leichtfinnige Weise seinen Tod gefunden. Verschiedene Personen hatten dem Thumel ein bestimmtes Quantum Schnaps zugesagt, wenn er mit einem als bösartig bekannten Kettenhunde persönliche Bekanntschaft machen würde. Wie nicht anders zu erwarten, ging Th. darauf ein, der Hund aber verstand den Spaß alsch, indem er seinem Angreifer eine Backe zerfleischte und auch einen kräftigen Biß in die Zunge des Th. machte. Die übergroßen Schmerzen werden nun wohl die Mundklemmung verursacht haben; eine weitere Folge des Hundebisses war Blutvergiftung, die den baldigen Tod mit herbeiführte. Wie wir hören, wird diese Angelegenheit noch das Gericht beschäftigen und voraussichtlich für diejenigen, welche auf so leichtsinnige Weise ein Menschenleben zu Tode brachten, ein unangenehmes Ende finden. * Gütersloh. 28. Aug.[Verhaftet.] Vorgestern nachmittag wurde eine Frauensperson zur polizeilichen Haft gebracht, weil sie im Verdacht stand, ihr heimlich geborenes. Kind beseitigt zu haben. Der Verdachtsgründe waren mehrere, sodaß der Richter die gerichtliche Haft aussprach. 28. Aug.[Die gestrige Kirmes) hatte außer der üblichen Schlägerei, wobei sich ein Soldat gegen eine Uebermacht in sehr geschickter Weise mit der blanken Waffe verteidigte, einen traurigen Unfall im Gefolge. Auf der Brackweder Chaussee fuhren 2 Fuhrwerke in einander, die Deichsel des einen Fuhrwerks drang dem Pferde des andern Fuhrwerks derartig in die Brust, daß dieselbe abbrach. Ein starker Bluterguß machte dem Leben des Pferdes alsbald ein Ende. Der Lenker des verendeten Pferdes soll richtig gefahren sein, während der andere nicht gehörig ausgewichen. Herford, 25. Aug.[Viehmarkt.] Der heutige Monatsmarkt, der stets am letzten Freitag im Monat stattfindet, war namentlich mit Borstenvieh recht zahlreich beschickt, während Kühe und Pferde weniger in Zahl vorhanden waren. Die Preise für Schweine waren gegen die beiden letzten Märkte hierorts dieses Mal sehr zurückgegangen; achtwöchentliche Tiere waren schon für 15 Mark in guter Qualität zu haben; ausgewachsene Schweine waren schon für 80 bis 90 Mk. käuflich. Der Preis für Ackerpferde differierte von 90—500 Mk., Rindvleh dagegen stand für 120, 100 und 90 Mark pro 100 kg. zur Abgabe bereit. Trotz solch mäßiger Preise war der Verkauf äußerst matt, so daß gar viele Züchter mit ihrer Habe wieder abfahren mußten. u. Hausberge, 27. Aug.[Unglück.] Der Kolon Nagel in Wennebeck hatte am Freitag das Unglück, in das Getriebe einer Dreschmaschine zu kommen. Ein Bein mußte ihm über dem Knie amputiert werden. Minden. 28. Aug.[Bergfest.] Das gestern auf dem Wittekindsberge abgehaltene zweite Bergfest des MindenRavensberger Turngaues hat unter zahlreicher Beteiligung einen allseits befriedigenden Abschluß gefunden. In musterhafter Weise und mit großer Geschicklichkeit wurden die turnerischen Uebungen ausgeführt und wurde besondere Aufmerksamkeit dem Wetturnen zugewendet, an dem sich zwischen 50 und 60 Turner beteiligten. Die Uebungen hatten stattgefunden im Stabspringen, Hangeln, Weitspringen, Steinstoßen und Stemmen. Nachbenannte Turner konnten preisgekrönt das Fest verlassen: 1. Preis Schönfelder=Hagen mit 45½ Punkte, 2. A. Schulze=Gütersloh 48 1/, 3. Löhr=Bielefeld 48 ¼4, 4. Aldehoff=Bielefeld 48, 5. LaueMinden 42 3/4, 6. Moll=Hagen 41 1/2, 7. Baldewein=Bielefeld 41 1/4, 8. Sondermann=Minden 41, 9. Hauß=Minden 40¾, 10. Wirth=Bielefeld 40¼, 11. Schrader=Hagen 40, zwei 12. Sieger, Bartsch=Bielefeld und Seliger=Hagen mit je 39 Punkten, zwei 14. Sieger Krause=Minden und IburgMinden je 87¼, 10. Harring=Bielefeld 30 ¾4, zwei 17. Sieger Grobe=Minden und Scheidt=Hagen je 36½, 19. Kotzenberg=Bünde 36 ¼4, 20. Genesius=Minden 34 3/4, 21. Klimmer=Minden 34 1/, 22. Borchert=Minden 34¼, zwei 23. Sieger Ihlenburg=Minden und Steinbrück=Bünde je 34, zwei 25. Sieger Kuhfuß=Herford und Knauth=Gadderbaum je 33½ Punkte. Im Hotel Kaiserhof fand das in jeder Hinsicht schön verlaufene Fest durch einen Festball sein Ende. Padervorn, 27. Aug.[Wegen arger Tierquälerei] begangen an einem Jagdhunde, erhlelt ein Schäfer aus dem Nachbardorf Marienloh eine zwar sehr harte, aber gerechte Strafe. Derselbe hatte einen dem Garnison=Inspektor Miethner in Neuhaus gehörigen teuren Jagdhund in wirklich grauenhafter Weise verstümmelt, so daß er bald darauf verendete. Erst infolge einer öffentlich ausgeschriebenen Belohnung gelang es dem Besitzer des Hundes, den Thäter zu entdecken, welcher in der letzten hiesigen Strafkammersitzung seine Unthat zwar leugnete, durch die Beweisaufnahme aber überführt wurde, infolgedessen er„wegen Sachbeschäbigung“ zu vier Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Man steht hieraus, daß unsere Strafgesetzgebung genug Handhaben bietet, derartige Rohheiten und Grausamkeiten, zumal wenn sie an fremden Tieren verübt werden, strenge zu ahnden, falls die Anzeige nur in der richtigen Weise erfolgt. Vorturund, 28. Aug.[Die Privatwohlthätigkeit] für die Hinterbliebenen der auf Kaiserstuhl verunglückten Bergleute regt sich allerorten. Außer den zahlreichen Veranstaltungen von Konzerten, deren voller Ertrag zu dem gedachten Zwecke verwendet werden soll, wird auch in Privatkreisen manche Mark gesammelt und den Bedürftigen überreicht. 26. Aug.[Eine entsetzliche Blutthat] vollführte am Samstag der Arbeiter Ernst Schmidt in seiner Wohnung. Die kinderlosen Eheleute Schmidt lebten in fortgesetztem Unfrieden, wozu die Frau den Anlaß gegeben zu haben scheint, denn dieselbe war dem Trunke sehr ergeben. Kam der Mann von der Arbeit nach Hause, dann fand er gewöhnlich statt des erhofften Essens seine Frau in betrunkenem Zustande vor. In der abgelaufenen Woche war dieses nicht weniger als fünfmal der Fall, so daß es kaum auffallen kann, daß der Mann endlich die Geduld verlor. Am Samstag war das Maß voll; als der Mann, von der Arbeit heimkehrend, seine Frau wieder vollständig betrunken antraf, ergriff er ein Stuhlbein und streckte das arme Geschöpf mit einem wuchtigen Schlage auf den Kopf tot zu Boden. Der Mörder wurde alsbald verhaftet, während die Leiche in die Totenhalle des Ostenthorfriedhofes untergebracht wurde. 28. Aug.[Wie ein Dieb durch eine kleine Annonce zur Ehrlichkeit bekehrt wird, zeigt folgender Vorfall. Vor einigen Tagen brachten dortige Blätter die Anzeige, daß aus einem Gartenhause ein Gummischlauch gestohlen sei, mit der Bemerkung, daß die polizeiliche Anzeige unterbleiben würde, falls der Schlauch zurückgeliefert werde. Nun teilt der Bestohlene mit, daß der Dieb den Schlauch wieder zur Stelle gebracht habe. Vergevorbeck, 27. Aug.[Leichenfund.] In der Borbecker Marck unweit der Zeche Emscher fanden Spazierganger heute morgen die Leiche eines Erhängten. Der Körper hing an einem dünnen Zweige so niedrig, daß die Finder anfangs glaubten, einen in hockender Stellung befindlichen lebenden Menschen vor sich zu haben und ihm einen Morgengruß boten. Der Tote war anständig gekleidet und etwa 56 Jahre alt geworden. In einer Tasche fand man einen Zettel mit der Inschrift: Hier ruht W. Tiemann, geb. 1876, gest. 1892. Ueber die Herkunft des Unglücklichen konnte man bis jetzt nichts in Erfahrung bringen. Bemerkenswert ist, daß vor etwa Jahresfrist an derselben Stelle ebenfalls ein Mann seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht hat. Köln, 28. Aug.[Feuer.] Von einem verheerenden Brande wurde in der Nacht zum Samstag das Hotelrestaurant„Im Salamander“ heimgesucht. Das Feuer entstand durch Explodieren einer Petroleumlampe infolge von Zugwind im Zimmer. Da das Zimmer sofort in hellen Flammen stand und diese sich rapid den andern Wohnräumen mitteilten und auch das Treppenhaus Feuer sing und sich ein dichter Qualm im ganzen Hause verbreitete, flüchteten die geängstigten Bewohner auf den Speicher. Ein auf dem Zwischenstock logierendes Ehepaar von auswärts rettete sich in ein Zimmer des ersten Stockwerks. Beide Leute standen hülferufend und händeringend am Fenster, als die Feuerwehr in ihrer ganzen Stärke erschten. Sofort wurden, da den Leuten durch das Haus keine Rettung zu bringen war, Sprungtücher ausgebreitet und Mann und Frau sprangen herunter. Die letztere blieb unversehrt; ersterer verletzte sich unbedeutend an einer Schulter. Als die Wehr in verschiedenen Abteilungen dabei war, die Geängstigten vom Speicher bezw. Dache aus zu retten, zeigte sich plötzlich ein Dienstmädchen an einem Fenster des dritten Stockwerkes, aus welchem auch starker Rauch hevordrang. Die Feuerwehr rief ihr zu, sie möchte sich einen Augenblick gedulden und schon waren sie beschäftigt, von der Turmleiter aus sich mit Seilen nach dem Fenster herunter zu lassen, als das Mädchen in seiner Angst, ermutigt durch die Zurufe von Civilisten von der Straße, trotz der Warnung der Feuerwehr sich anschickte, herunterzuspringen. Unten hatte man ihr Vorhaben bemerkt, und breitete sofort ein Sprungtuch aus, um die Bedauernswerte aufzufangen. Sie sprang herunter und wurde zwar aufgefangen, schlug aber durch die Wucht des Sprunges mit dem Kopf auf die Trottoirkante und erlitt außerdem eine Rückgratverletzung. Ein Arzt ordnete ihre Ueberführung nach dem Krankenhause an Während ein Teil der Feuerwehr die Löschungsarbeiten ausführte, ein anderer die Leute vom Dache über die Turmleiter rettete, drangen mehrere Leute der Berufswehr durch das brennende und qualmerfüllte Treppenhaus in die Zimmer, um nachzusehen, ob niemand mehr gefährdet war. Sie fanden in einem Zimmer der dritten Etage noch ein Dienstmädchen, welches durch den dichten Qualm bewußtios zusammengebrochen war. Sie retteten das Mädchen glücklich, und nach angestellten Wiederbelebungsversuchen kam es wieder Haus= und Landwirtschaftliches. Vertilgung von Wespen und Hornissen. Zur Vertilgung von Wespen und Hornissen, welche bekanntlich nicht selten an dem reifenden Obst beträchtlichen Schaden anrichten, wird folgendes bewährtes Mittel empfohlen: Man fülle gut gereinigte Medizingläser bis zur Hälfte mit einem Gemisch aus Syrup und Honig, das mit Wasser verdünnt worden, doch so, daß die Mischung noch einen süßen Geschmack behält. Diese Gläser werden an den Bäumen frei aufgehängt. In wenigen Tagen sind sie dann mit ertrunkenen Wespen und Hornissen gefüllt. Sollten sich nicht schon in der ersten Stunde Wespen 2c. gefangen haben, so ist zu wenig Honig in der Mischung und man muß dann noch etwas von demselben mit kochendem Wasser gemischt, nachgießen. Für den Saatenstand in Deutschland Mitte August sind nach der Zusammenstellung des Kaiserlichen Statistischen Amts, die für die einzelnen Staaten und Landesteile im Reichsanzeiger veröffentlicht wird, die Noten folgende: Nr. 1 bedeutet sehr gut, 2 gut, 3 mittel, 4 gering, 5 sehr gering; die Zwischenstufen sind durch Dezimalen bezeichnet. Winter=Weizen 2,8(gegen 2,9 im Juli), Sommer=Weizen 3,2(gegen 3.4), Winter=Roggen 2,6(gegen 2,7), Sommer=Roggen 2,9(gegen 3,0), Gerste 3,1(gegen 3.1), Hafer 3,9(gegen 3,6), Kartoffelv 2,5(gegen 2,7). Klee und Luzerne 3,8(gegen 4,2), Wiesen 3,2(gegen 3,9). Also auch im ganzen Reich, wie in Preußen, ist fast durchzehend eine Besserung der Ernteaussichten festzustellen, die dem Ende Juli gefallenen Regen gut geschrieben werden muß. Vom Wohlgeschmack der Eier. Wie das Ei in seiner Größe nach den verschiedenen Arten der Hühner wechselt, so auch im Geschmack. Dieser hängt jedoch nicht nur von der Art der Hühner, sondern auch von deren Nahrung ab. Hühner, die von würzigen, kräftigen Stoffen leben, legen auch schmackhaftere Eier als solche, die wässerige Nahrung genießen; darum sind auch die Eier von Landhühnern im allgemeinen schmackhafter als von Gänsen und Enten. Bei den Landhühnern sind wieder die Eier derjenigen Hühner besser und würziger, welche freien Lauf auf Matten 2c. haben, wo sie zarte Blättchen und Insekten verzehren, wodurch der Dotter hochgelb und von feinem Aroma wird. Es ist doch klar, daß Hühner, die nur Kleie, Kartoffeln 2c. genießen, dem Ei keinen aromatischen Geschmack beibringen können. Eingesperrte Hühner sollten daher immer mit Grünem gefüttert werden, sonst bleibt der Dotter nur blaßgelb, ohne Aroma. Schmackhafter sind im allgemeinen wieder die kleinen Eier. Den ersten Rang hierin behaupten die Eier des Perlhuhns, das auch ein ausgezeichnetes Fleisch besitzt. Ihres Wohlgeschmackes wegen werden auch das Pfauen= und das Fasanenei gerühmt, wenn diese Tiere in natürlichen Verhältnissen leben. Nachteilig auf den Wert des Eies wirkt der Genuß von vielem rohen Fleisch und verdorbenen Speisen. Hingegen das Legen und den Wert des Eies befördernd ist ein wenig Salz und selbst etwas Pfeffer, dem Futter beigegeben. Aus Gesagtem geht hervor, daß der Mensch es in seiner Macht hat, das Legen nicht nur zu befördern, sondern auch den Wert der Eier zu vermehren. Vermischtes. * Berlin, 28. August.[Die Einweihung] der Emmaus=Kirche auf dem Lausitzer Platz hat am Sonntag vormittag in Gegenwart der Kaiserlichen Majestäten in feierlicher Weise stattgefunden. *[Cholera.] Die Untersuchung bei dem in Homberg am Rhein am 25. d. Mts. gestorbenen Schiffsheizer Philipsen hat der„Rh.= und R.=Ztg.“ zufolge asiatische Cholera als Todesursache ergeben.— In der Gemeinde Stiepel bei Hattingen ist ein Bergmann unter choleraverdächtigen Erscheinungen gestorben. Die Untersuchung hat ergeben, daß derselbe infolge von Brechdurchfall gestorben ist.— Aus Düsseldorf wird unterm 25. d. M. berichtet: Nachdem bereits am Mittwoch auf dem Rotterdamer Schiff„Maria“ im Neußer Hafen ein Todesfall unter Anzeichen von Cholera erfolgt ist, wurden, wie die Düsseldorfer Zeitung meldet, gestern und heute drei weitere Todesfälle konstatiert. Die Fälle sind aus Belgien und Holland eingeschleppt worden. Die Behörden trafen umfassende Vorsichtsmaßregeln, ließen die Besatzung der Schiffe isolieren, verfügten eine teilweise Hafensperre und verboten die Abhaltung der Neußer Schützenbälle.— Zum Stande der Cholera in Berlin wird berichtet, daß bis Samstag mittag in Behandlung waren 3 Fälle von wirklicher Cholera, 10 zur Beobachtung. Nachmittags wurde noch ein Arbeiter vom Reichstags als choleraverdächtig eingeliefert bei dem jedoch nur Ru.,'onstatiert wurde. Die Emilie Schüsselberg ist gestorben. Weiter wird noch mitgeteilt, daß unter choleraverdächtigen Erscheinungen am Sonntag der Arbeiter Gröbel vom Neubau des Betriebsamtes am Potsdamer Außenbahnhofe in Berlin durch das 77. Polizei=Revier in das Moabiter Krankenhaus eingeliefert wurde. Obgleich das Vorhandensein der asiatischen Cholera durch die bakteriologische Untersuchung noch nicht festgestellt ist, so hat doch die städtische Desinfektionsanstalt eine gründliche Reinigung der Baubude und des Abortes vorgenommen.— Zu den Berliner Cholerafällen schreibt der„Reichsanzeiger“ vom Montag abend: Die Berliner Fälle legen nach Art der Beschäftigung und Lebensgewohnheiten der Erkrankten die Annahme nahe, daß im Zusammenhang mit den schon im Anfang des Monats August bei drei Personen polnischer Nationalität vorgekommenen Erkrankungen stellenweise eine Infektion der schiffbaren Gewässer in Berlin stattgefunden hat. Nach jeder Richtung hin sind weitgehende Schutzmaßregeln ergriffen worden, namentlich sind die Flun=Badeanstalten geschlossen und hat eine gründliche Durchsuchung aller zur Zeit in Berlin liegenden Schiffe stattgefunden. *(Geschlossen.] Sämtliche Flußbadeanstalten in Berlin, die städtischen sowohl wie die privaten, sind mit Rücksicht auf die etwaige Choleragefahr, Samstag geschlossen worden. * In Niederbreisig(am Rhein) wollte der seit einem halben Jahrhundert bestehende Junggesellen=Verein zur Kirmeßfeier seinen hergebrachten Umzug mit Musik veranstalten. Hierbei wurde verboten, die dicke Trommel zu schlagen. Warum? Weil ein dortiger Villenbesitzer unwohl sei. Die Vereinsmitglieder waren hierüber umsomehr ungehalten, als sie schon mit Rücksicht auf diesen Villenbewohner das Anschießen der Kirmeß unterlassen hatten. So erschallte trotz des polizeilichen Verbotes das Bum=Bum der dicken Trommel und als der Polizeidiener eingriff und nach längerem Ringen den Trommelschläger als Siegestrophäe davontrug, wurde das Kalbfell mit einem Kochlöffel verarheitet. Nunmehr wurde ein Gendarm requiriert und so kam endlich die dicke Trommel zur Ruhe. Die unglaublich lächerliche Geschichte empörte aber die Bewohner, die nicht einsehen konnten, daß das Unwohlsein eines Villenbesitzers Veranlassung zu diesem polizeilichen Einschreiten sein durfte. Es wurde telegraphisch Beschwerde an höherer Stelle geführt und nun die dicke Trommel wieder freigegeben. *[Aluminium=Hufeisen.] Der Hor=Roßarzt a. D. H. Fabricius zu Weimar hat die Herstellung solcher u seiner besonderen Aufgabe gemacht. Bereits 1892 zeigte verselbe auf der Ausstellung der Deutschen LandwirtschaftsGesellschaft zu Bremen u. a. derartige von einem Lastpferde getragene Eisen, die sich nicht mehr abgenutzt hatten, wie die gleichzeitig getragenen schmiedeeisernen. Gelegentlich der diesjährigen Ausstellung in München teilte derselbe mit, daß die ausgelegten beiden aus einer Aluminium=KupferLegierung bestehenden Eisen vier Wochen lang von einem Reitpferd getragen worden sind. Um dieselben noch widerstandsfähiger zu machen, sollen weitere Versuche zunächst mit einer Titan=Legierung gemacht werden; eine solche mit Siliium hat sich nicht bewährt. Die Aluminium=KupferLegierung wiegt nur 35, wenn das Gewicht des Schmiedeeisens= 100 gesetzt wird.— Da das Aluminium sich nur bei einem ganz bestimmten Wärmegrade mit dem Hammer bearbeiten läßt, so ist das Abrichten derartiger Eisen schwieriger wie bei schmiedeeisernen.— Wenn nicht noch der eine oder andere begünstigende Umstand hinzutritt, so dürfte die Bedeutung des Aluminiums für den Hufbeschlag keine besonders hervorragende werden; vorläufig wird sich dieselbe wohl auf Renn= und Luxuspferde beschränken; das erwähnte schwierige Anrichten verhindert vielleicht die Einführung in das Heer. *[Den Nachtwächter bestohlen.] Tief geknickt erschien in Braunschweig am 23. August ein städtischer Nachtwächter auf der Herzoglichen Polizeidirektion und meldete, daß er in seinem Revier eingeschlafen sei und daß man ihm während des Schlafes seinen Säbel gestohlen habe. *[Bei der Hitze und dem Durst] der vorigen Woche kamen die absonderlichsten Wirtshauswetten zu Tage. In der Mittagsstunde sah man in der Kaiserstraße, der belebtesten Straße in Nürnberg, einen Herrn herumspazieren, der zu seiner Zivilkleidung einen Soldatenhelm aufgesetzt hatte. Dieser gewann seine Wette, nicht aber ein zweiter Herr, der gewettet hatte, am hellichten Tage mit einem über die Kleidung gezogenen Hemde durch die Kaiserstraße zu gehen, ohne von der Schutzmannschaft angehalten zu werden. Er kam nur bis zum kurzen Abstand; da war der Auflauf schon so groß, daß die Polizei sich des Hemdenmannes annehmen mußte. *[Erschossen.] Während der Messe in der Kirche Sainte=Anne(Frankreich) gab eine sechzigjährige Dame vier Revolverschüsse auf einen Notar ab. Derselbe stürzte sofort tot nieder. Die Mörderin verweigert jede Aufklärung. Als Grund der Mordthat wird angenommen, daß der Notar, welcher sich allgemeiner Achtung erfreute, sich geweigert habe, der Mörderin Geld auszuhändigen, das dieselbe als ihr Eigentum beanspruchte. *[Ein furchtbares Unwetter ist in voriger Woche über einen großen Teil Oberschlesiens niedergegangen; Neustadt, Kosel und Oberglogau wurden besonders betroffen. Sturm, Blitz und Hagel richteten gewaltigen Schaden an. Alle auf den Straßen befindlichen Fuhrwerke wurden beschädigt, Pferde gingen durch, Dächer wurden abgedeckt, Getreide auf Feldern und tausende von Fensterscheiben zerschlagen. * Grünbera, 20. Aug.[Brand.] Die große Tuchfabrik von Janke u. Co. ist mit Spinnerei und Weberei in der vergangenen Nacht vollständig niedergebrannt. Der Schaden wird auf über eine Million Mark geschätzt. 600 Arbeiter sind dadurch brotlos. * Der Spionage verdächtig verhaftet wurden auf der englischen Dampflustyacht„Insekt," die sich seit Freitag in Kiel befindet, zwei Franzosen. Photographische Apparate id Platten von Helgoland, Cuxhaven und dem Nordostseetanal wurden beschlagnahmt. * In Staucha bei Riesa trafen dieser Tage nach einander 8 Wagen mit etwa 25 bis 30 Zigeunern ein, welche verschiet nen Familien anzugehören schienen. Es entspann sich zwischen ihnen ein blutiger Kampf. Nachdem sie sich längere Zeit hindurch heftig gestritten und durch ihren Lärm eine Menge Zuschauer herbeigelockt hatten, gingen sie zu Thätlichkeiten über. Die Weiber warfen ihre kleinen Kinder auf die Straße und fuhren mit Töpfen und Beilen auf einander los, und wären letztere ihnen nicht durch mutige Zuschauer entrissen worden, so hätte es Mord und Totschlag gegeben. Die Männer schlugen sich mit Knütteln, und als sich einer der Angegriffenen flüchtete, wurden ihm 4 Revolverschüsse nachgesandt. Man schleppte ihn, mehrfach verwundet, auf einen Wagen und fuhr mit ihm davon. Er soll ein Pferd heimlich verkauft, sich mit dem Gelde davon gemacht haben und hier von dem Eigentümer eingeholt worden sein. Bei dem Weibsvolk schten, wie aus den Schimpfereien zu schließen war, Eifersucht mit im Spiele zu sein. * Petersburg, 28. August.(Cholera.] Nach dem im„Reg.=Anzeiger" veröffentlichten Cholera=Bulletin sind in Moskau vom 7.—10. August erkrankt 119 Personen, gestorben 67; in Kasan vom 25.—81. Juli erkrankt 230, gestorben 88; in Grodno vom 1.—7. August erkrankt 114, gestorben 34; in Kalisch vom 5.—7. August erkrankt 14; in Kiew in derselben Zeit erkrankt 678, gestorben 227; in Moskau in derselben Zeit erkrankt 110, gestorben 40; in Orel in derselben Zeit erkrankt 820, gestorben 825 und in Tula vom 1.—7. August erkrankt 653, gestorben 189. Bekanntmachung. Von beachtenswerter Seite ist darauf hingewiesen worden, daß die auf den Straßen u. s. w. feilgehaltenen Mineralwässer, wie Selterser, Soda=Wasser u. a. m., an die Abnehmer stets eiskalt verabfolgt werden und daß der Genuß so kalten Wassers, welcher schon in normalen Zeiten leicht ernste Verdauungsstörungen von längerer Dauer nach sich ziehe, gegenwärtig beim Drohen der Cholera die Neigung zu ähnlichen Erkrankungen befördere. Die Verkäufer von Mineral= wässern im Ausschank werden daher angewiesen, das Getränk fernerhin gleichviel ob Cholera droht oder nicht, nur in einem der Trinkwasser=Temperatur entsprechenden Wärmegrade von etwa 10° Cels. abzugeben, Gleichzeitig wird das Publikum vor dem Genuß eiskalter Getränke überhaupt, insbesondere aber der Mineralwässer gewarnt. Minden, 17. Mai 1893. Der Regierungs-Präsident. I. V.: v. Lupke. Vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch in Erinnerung gebracht. Minden, 10. August 1893. Der Regierungs-Präsident. Wirklicher Geheimer Ober= Regierungsrat. von Pilgrim. Junger Kaufmann sucht per bald oder später freundlich möbl. Zimmer, wenn möglich mit voller Pension. Gefl. Offerten nimmt die Exp. d. Bl. unter M. A. entgegen. Eine gut erhaltene Guitarre mit Schule ist billig zu verkaufen. Von wein, sagt die Geschäftsstelle d Big. Ein gut erhaltener Füllofen zu kaufen gesucht. Von wem, sagt die Geschäftsstelle d. Zig. Ein Bäckergeselle gesucht zum 1. Oktober. Wilhelm Dopheide. Nr. 76 der„Neuen Gütersloher Zeitung“ wird zurückgekauft. Die Erpedition. Zur Einmachezeit empfehle: Ia. Wein- u. Bieressig, Essig-Essenz, Ia. Einmachczucker, Feinsten Zimmt, Weissen u. schwarzen Pfeffer, Spanischen Pfeffer, Cayene Pfeffer, Cardamomen, Senfsamen.— Neiken, Ingver, sowie alle anderen Gewürze, Fliess- u. PergamentPapier. Drogerie W. Wolff, Nachf. (Inhaber: Inl. Schneider) Gütersloh. Am 1. und 3. Mittwoch des Monats bin ich im Hotel Barkey anwesend. B. Elverjeld. Wirkungen des Alters- und Invaliditäts-Versicherungs-Gesetzes. Vom 1. August 1891 bis 1. Juli 1898 stellen sich im Kreise Wiedenbrück die Wirkungen des Gesetzes folgendermaßen: Die vom 1. August 1891 bis 1. Juli 1893 bewilligten Rentenbeträge, welche alljährlich durch die Post an die einzelnen Empfänger ausgezahlt werden, ergeben zusammen 16210,79 mk. Wiedenbrück, den 18. August 1893. Der Landrat. Osterrath. Gras-Verkauf: Der anstehende zweite Grasschnitt von den Wiesen des Herrn Rittergutsbesitzers Cosam zu Mentzeisfelde wird verkauft: 1. Freitag, den 8. September auf den östlichen Wiesen an der Mastholter=Lippstädter Chaussee. Versammlung bei der Brücke am Walde. 2. Samstag, den 9. September auf den westlich von der Wiedenbrück=Lippstädter Chaussee belegenen Wiesen. Anfang beim Wiesenhause daselbst morgens präcise 10 Uhr. Meutzelsfelde, im August 1893. Vorhoff. Patent-Antimerulion gegen den Hausschwamm amtlich erprobt. Geruchlos u. giftfrei, für Wohn-, Eis- u. 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