Neue Gütersloher Zeitung. Abennementspreis: Vierteljährlich 1 Mark 50 Pfg. inklusive Botenlohn und Postbestellgeld. Nebst Gratis=Beilage„Illustriertes Unterhaltungsblatt“ Erscheint drei mal wöchentlich, und zwar am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend Abend Expedition in Gütersloh, Berlinerstraße 319. die 1spaltige Garmondzeile oder deren Raum 10 Pfg., bei 4maliger Wiederholung 25% Rabatt. Reklamen 25 PfgNr. 18. Druck und Verlag: Schmäling& Oplsreck in Gütersloh. Sonntag, 18. Mai 1890. Verantwortlicher Redakteur: J. Oberg in Gütersloh. 1. Jahrg. Sozialdemokratischer Arbeiterschut. Die sozialdemokratische Fraktion hat im Reichstag einen Arbeiterschutzantrag eingebracht, der ganz unausführbare Dinge verlangt und so recht auf dem Wege zum sozialistischen Zukunftsstaate liegt. Der radikale Charakter des Entwurfs giebt sich namentlich in drei Forderungen kund. Zuerst das Verlangen nach einem 10stündigen Marimal= arbeitstage, der bis zum 1. Januar 1898 auf 8 Stunden herabgemindert werden soll. Acht Stunden soll dann durchgängig das Höchste sein, was der gewerbliche Arbeiter täglich zu leisten hat, oder— um in der Weise sozialistischer Blätter zu sprechen— der Arbeiter soll mindestens zwei Drittel des Tages vor Ausbeutung geschützt werden. Noch geringere Arbeitszeit zu verlangen, steht ihm natürlich frei. Die Thorheit, eine solche Forderung zu stellen, welche die Gradunterschiede in der Schwere der verschiedenen Arbeiten ganz unberücksichtigt läßt und dem gewerblichen Arbeiter viel mehr freie Zeit sichern soll, als sie die meisten Kopfarbeiter genießen, ist in den letzten Wochen bei Gelegenheit der Agitation für die verunglückte Maifeier zur Genüge erörtert worden. Das Schwergewicht des Entwurfs liegt aber in der Organisation besonderer Arbeitsbehörden. Diese bestehen in einem Reichsarbeitsamt, dessen Organisation künftiger gesetzlicher Regelung vorbehalten ist, in einzelnen Arbeitsämtern für jeden Bezirk von nicht unter 200000 und nicht über 400000 Einwohnern, in je einer Arbeitskammer für jeden dieser Bezirke und in Arbeits=Schiedsgerichten. Die Arbeitskammern sollen aus 24 bis 36 Mitgliedern bestehen, welche zu gleichen Teilen von den Unternehmern aus ihrer Mitte und von den Arbeitern aus deren Mitte unter Gleichberechtigung der Geschlechter zu wählen sind. Im Reiche würden also ungefähr 150 Arbeitsämter mit ebensoviel Arbeitskammern, die zusammen 4500 Mitglieder zählten, zu errichten sein. Wenn diese Behörden alles ausführen sollen, was ihnen der Entwurf zuweist, so würde selbst eine Verdoppelung der Kräfte nicht ausreichen. Man denke, was das Arbeitsamt(ein Arbeitsrat mit zwei Gehilfen) zu thun hat: Entscheidungen über Gesuche um Zulassung von Sontagsarbeit und Frauennachtarbeit und um Veränderungen der Arbeitsschichten, mindestens einmalige Besichtigung sämtlicher Betriebe ihres Bezirks im Jahre, Vermittelung des Arbeitsnachweises, Abfassung von Jahresberichten 2c. Die Arbeitskammern haben die Entscheidungen über die für alle Betriebe obligatorischen Arbeitsordnungen und dürfen Untersuchungen anstellen über nichts weniger als folgende Kleinigkeiten: Wirkung von Handels= und Schiffahrtsverträgen, Zöllen, Steuern, Abgaben, Lohnhöhe, Lebensmittel= und Mietpreise, Konkurrenzverhältnisse, Fortbildungsschulen und gewerbliche Anstalten, Modell= und Mustersammlungen, Wohnungszustände, Gesundheits= und Sterblichkeitsverhältnisse der arbeitenden Bevölkerung. Sie haben ferner Beschwerden über Mißstände im gewerblichen Leben zur Kenntnis der Behörden zu bringen, Gutachten über Maßregeln und Gesetzentwürfe abzugeben, welche das wirtschaftliche Leben ihres Bezirks berühren. Endlich sind sie Berufungsinstanz wider die Urteile der Schiedsgerichte. Es giebt kaum eine staatliche Verwaltungsstelle, welche mit solcher Machtfülle ausgestattet wäre, als die erträumten Arbeiterbehörden. Fast noch bezeichnender sind die drakonischen Strafen, welche gegen Unternehmer, die gegen den Entwurf verstoßen, festgesetzt sind, und ganz besonders die Vorschriften über das Koalitionsrecht. Zunächst wollen die Antragsteller im § 152 der Gewerbeordnung, welcher die Aufhebung der Koalitionsverbote ausspricht, den zweiten Absatz streichen, der den Rücktritt von Koalitionen frei stellt. Der§ 153 bedroht jetzt diejenigen mit Strafe, welche andere zur Teilnahme an Koalitionen zu zwingen oder am Rücktritt von solchen zu hindern versuchen. Künftig dagegen soll jeder Zwang zur Teilnahme an Streiks straflos, der Zwang zur Nichtteilnahme aber strafbar sein! Außerdem sollen alle Fachvereine, Gewerkschaften, Unterstützungskassen 2c. den Gesetzen über das Vereins=, Versammlungs= und Versicherungsrecht entzogen werden. Hier wird unverhüllt für die sozialdemokratischen Bestrebungen, für Streiks, für Formierung der Arbeiterbataillone 2c. ein Ausnahmerecht beansprucht, worin alle bürgerlichen Parteien übereinstimmend eine Verhöhnung des Reichstags erblicken nüssen. Die zielbewußten Sozialdemokraten wissen auch genau, daß solche übertriebenen Ansprüche im Rahmen der bestehenden Gesellschaftsordnung mausführbar sind, und im wesentlichen sollen die Forderungen dazu dienen, den Schein zu erwecken, daß von diesem Staate nichts ordentliches zu erwarten sei. Politische Nebersichzt. Unser Kaiser verließ am 13. d. Mts. nach Beendigung der Jagden auf der Besitzung des Grafen Hochberg Wirschkowitz wieder und fuhr über Gnesen und Bromberg zunächst nach Dirschau, wo gleichzeitig von Potsdam kommend die Kaiserin eintraf. Alsdann wurde die gemeinsame Weiterreise nach Königsberg fortgesetzt, wo die Ankunft am Mittwoch vormittag unter überaus enthusiastischem und herzlichem Empfange seitens der Bevölkerung und der Spitzen der Zivil= und Militärbehörden erfolgte. Der Ober=Bürgermeister Selke hielt an der Ehrenpforte, welche zur Stadt führte, eine herzliche Begrüßungsrede an die Majestäten, worauf der Kaiser mit herzlichem Dank erwiderte, er sei ja mit Kaiser Wilhelm I. auch schon in Königsberg gewesen und wisse aus Dessen Munde, wie teuer Ihm die Stadt stets gewesen sei. Sein Großvater habe ihm oft ge sagt, welch eine Wirkung die Zeit und die Erlebnisse hier im Jahre 1813 auf ihn geübt hätten. In dieser Zeit hätten sich Seine Anschauungen und Grundsätze gebildet, die auch für Seine späteren Entschließungen von Einfluß gewesen seien.„Seien Sie versichert,“ fuhr Se. Majestät fort,„daß auch Ich in den Bahnen meines Großvaters wandeln werde, und daß die Stadt Königsberg in Meinem Herzen stels einen besonderen Platz einnehmen wird.“ Um 6 Uhr fand im Schloß ein Diner zu 360 Gedecken statt, bei welchem der Kaiser auf das Wohl und Gedeihen der Provinz Ostpreußen trank, der er u. a. folgende ehrende Worte widmete: „Es war schon längst die Absicht der Kaiserin und die Meinige, hierher zu kommen, um die Provinz zu begrüßen. Ich freue mich deshalb um so mehr, daß Ich jetzt die Gelegenheit habe, Sie hier zu sehen; seien Sie Mir Alle herzlich willkommen in diesen Räumen, die schon Manches von Unserer Geschichte gesehen haben und davon erzählen können. Für Uns Könige von Preußen ist diese Provinz von ganz besonderer Wichtigkeit und es zieht Uns ganz besonders hierher nach der alten Stadt Königsberg; ist doch hier die Wiege des Königtums Preußen, stammt doch die Erhebung und die Wiedererstartung des niedergeworfenen Vaterlandes von hier, sind doch hier die Tugenden aushaltender Treue, der Hoffnung auf bessere Zeiten, des Festhaltens in der Liebe zu dem angestammten Königshause köstlich erblüht. Ich für meine Person hänge ganz besonders an der Provinz, denn viele ihrer Söhne sah Ich; in meinem militärischen Leben habe Ich sie in den verschiedensten Kommandover hältnissen unter Mir gehabt, tüchtigere Soldaten habe Ich selten gesehen, tüchtigere Männer auch in höheren Stellungen nicht gefunden. Die Provinz ist nach Meiner Ueberzeugung die Säule des Vaterlandes, eine Quelle für die Entwickelung des Königreichs Preußen.“ Nach Aufhebung der Tafel fand bei der Kaiserin Damenempfang statt, zu dem etwa 300 Einladungen an Stadt und Provinz ergangen waren. Gleichzeitig empfing der Kaiser eine Deputation der Studenten, welche von der Universität aus nach dem Schlosse einen prächtigen Fackelzug veranstaltet hatten. Während dieser Vorgänge im Schlosse schwamm die Des Bruders Lachen. Erzählung von Clara von Sydow. 15 Sie wagte nicht, hinauszusehen, als fürchte sie, daß sie vor Glück angewurzelt in der Stube stehen bleiben würde, schloß vielmehr einen Augenblick lang entzückt die Augen und drückte die kleinen Hände fest vor die erregte Brust. Dann fuhr sie zitternd in eine Jacke und band das Shäwlchen um den Kopf, welches noch vom Spaziergange her über der Stuhllehne hing, stand noch einmal stockend vor der Schwelle still und eilte endlich mit kleinen ängstlichen Schritten, als wäre jedes Auftreten ihrer Füße ein Verräter, durch die Küche in den Garten. Hier wunderte sie sich, daß der, den sie meinte, nicht schon ihrer harrend an der Hinterthüre stand, und schüchtern fragend rief sie seinen Namen in die klare Mondnacht hinein. Da vog er um die Hausecke! Aber, nein... Und es überlief sie ein ungeheurer Schrecken. Sie konnte nicht vor= und nicht rückwärts, und vor lauter Angst und Verworrenheit fragte sie kläglich:„Aber Martin, wo kommst Du denn her?“ „Ja, Gunde, ich bins!—— Warum soll es heute Arnold sein?— Gestern war er's doch auch nicht!“ antwortete eine durch plötzlichen Zorn und Schmerz halb erstickte Stimme. Gundchen sah den Freund erstaunt an: Gestern? Sie wußte kaum noch, was gestern gewesen war. „Gunde, wir wollen an den Hafen gehn! hier aus diesem Garten heraus! Es könnte jemand anders kommen!“ fuhr Martin fort und aus der Barschheit seiner kurzen Sätze klang diesmal deutlich die Leidenschaft einer unterdrückten Zärtlichkeit. „Ich weiß nicht— ich war schon so viel fort heut —— Nein, Martin, ich muß wieder hinein!“ stammelte das Mädchen. „Fort? wo bist Du denn gewesen?“ fragte Martin und trat ihr einen Schritt näher. Er war straff und energisch gegen sie vorgegangen, zitterte jetzt aber an allen Gliedern. „Ich— o, ich ging am Nachmittag spazieren mit den Mädchen!“ erwiderte Gundchen fast atemlos.„Ach, Martin, frag' mich doch nicht so aus!“ „Warum soll ich Dich nicht ausfragen? Gehn wir uns vielleicht auf einmal nichts mehr an?“ „O, nein, guter Martin, jetzt gehn wir uns erst recht was an!“ Da stockte Martins Herz, denn es hatte sie recht verstanden; aber seine Verzweiflung betäubte die innerste Stimme, und mit Bewußtsein verstand er sie falsch. „Ja, darum komm, Gunde. Ich hab' Dir viel zu sagen!“ raunte er heiser und legte seine Hand, wie besitzergreifend, auf ihre Schulter. „Nein, Martin, ich kann doch nicht! Seit ich ihn mit den Mädchen auf dem Wege traf, bin ich dann...“ „Gunde, was?“ „....... bin ich dann schon so lange mit— Arnold gegangen, Martin!“ hauchte es flehend an sein Ohr. Wie ein flüssiges Feuer waren die zarten Worte über Martins Seele dahingejagt.„Adelgunde, Du sollst ihn nicht lieben!“ stöhnte er und sah ihr mit brennenden Augen gleichsam durch das blasse Antlitz hindurch bis auf den Grund ihres jungen verängstigten Herzens. Heiße Thränen rannen ihr über die kühlen Wangen. „Ich weiß nicht, aber ich kann doch nicht anders, Martin!“ rief sie.„Und... und...“ „Ja; und er liebt Dich auch! Wahrhaftig! eine schöne Liebe das!— Hast Du so schnell Alma Schröder vergessen?“ Ingrimmig höhnisch, wie der leibhaftige Versucher, stand der alte Freund ihrer Kindheit jetzt auf einmal vor dem Mädchen;— und doch: o, lieber Gotr, er sah so elend dabei aus! so angstvoll, bleich und verzweifelt! Sie zuckte zusammen und sah ihm wie gebannt in das ausdrucksvolle Gesicht, das ein bläulicher Mondenschimmer ins Gespenstische übersetzte. Einen Augenblick überrieselte es sie eiskalt; dann aber atmete sie ganz plötzlich wieder froh auf und sagte mit süßer Innigkeit:„Ja, seit heute Abend hab' ich garnicht mehr an Alma gedocht!“ „Hat er Dir denn.... Gunde, seid Ihr Braut und Bräutigam?“ „Ja; was denn sonst?“ fragte sie mit andächtig sich faltenden Händen und einem schüchternen Erröten.„Aber sag's nicht, guter Martin! Es soll noch kein Mensch wissen bis er den Steuermann gemacht hat.— Ach, Martin!“ — Und auf einmal schien sie, völlig in ihrem eigenen Geschick aufgehend, ganz vergessen zu haben, was es denn war, das den finsteren Freund diesen Abend zu ihr geführt hatte. Dieser war einen Schritt zur Seite getreten; und stand jetzt im Schatten einer vorspringenden Hausecke, die Arme verschränkt und den verzehrenden Blick starr auf sie gerichtet. „Du sollst ihn nicht lieber haben, als mich!“ stähnte er beschwörend.„Gunde, hast Du ihn lieber?“ Von unwillkürlichem Mitleid getrieben, war Adelgundchen Martin ein wenig gefolgt, konnte seine Züge im Schatten des Gemäuers aber nicht mehr so deutlich erkennen wie zu vor; und das gab ihr die Kraft, zu antworten. „Ach, frag' nicht so viel!— Jaz o, ja doch natürlich lieber, als Dich!“ sagte sie halb bewußtlos. Sie sebst war noch im vollen Lichte stehen geblieben; und so strahlte jetzt ihr Gesicht vom feinen Silberglanze des Mondscheins übergossen, wie in einer stillen Verklärung. (Fortsetzung folgt.) Stadt in einem glänzenden Lichtmeere. Die Illumination war eine allgemeine und trug einen Charakter der Einmütigkeit, aus dem sich das allseitige Bestreben erkennen ließ, der Freude über die Anwesenheit der hohen Gäste auch nach dieser Richtung hin besonderen Ausdruck zu verleihen. Am Himmelfahrtstage besuchte das Kaiserpaar das Luisenhaus und wohnte dann dem Gottesdienste in der Kirche in Inditten, der ältesten des Samlandes, bei. Abends war Zapfenstreich. Der Schloßturm strahlte in rotem und in grünem bengalischen Feuer, und Raketen stiegen. Nach Beendigung des Zapfenstreiches erschien die Kaiserin an der Seite Ihres Gemahls bei dem Abmarsch der Musikkorps am Fenster, vom stürmischen Jubel der Menge im Schloßhofe begrüßt. Am Freitag in aller Frühe leitete der Kaiser eine Festungsübung beim Fort Quednau, das er angreifen und selbst durch schweres Geschütz verteidigen ließ. Darauf Hafenbesichtigung in Pillau. Nach dem Besuch der Landund Seeforts fuhr der Kaiser in die See hinaus, wo 4 Torpedoboote ständig liegen. Ein hier vor Anker liegender russischer Torpedojäger salutierte Se. Majestät bei der Vorbeifahrt. Der„Reichsanzeiger“ veröffentlicht das Gesetz betreffend die Aufhebung des Gesetzes über die Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirchenämtern vom 4. Mai 1874 (Reichsgesetzblatt von 1874, S. 43, 44), vom 6. Mai 1890. In Abgeordnetenkreisen hält man die Ernennung des bisherigen Vizepräsidenten des Reichsbankdirektoriums, Dr. Koch, zum Nachfolger des Herrn v. Dechend für nahe bevorstehend. Die in der neuen Militärvorlage vorgesehenen Dienstprämien für Unteroffiziere sollen in folgender Weise zur Verteilung gelangen: Während die mit dem Zivilversorgungsschein ausscheidenden Unteroffiziere bisher eine Beihilfe von 165 M. erhielten, gewährt die Vorlage vom 5. Dienstjahre ab eine für jedes Jahr steigende, bei der Entlassung zu zahlende Prämie, und zwar nach Ablauf des 5. Dienstjahres 50 M., nach dem 6. Dienstjahr 100 M., nach dem 7. Dienstjahr 200 M., nach dem 8. Dienstjahr 350 M., nach dem 9. Dienstjahr 550 M., nach dem 10. Dienstjahr 800 M., nach dem 11. Dienstjahr 900 M. und nach dem 12. Dienstjahr 1000 M. Hiermit sollen namentlich den Unteroffizieren, welche nach 9 Dienstjahren zur Gendarmerie, Schutzmannschaft u. s. w. übertreten oder nach 12 Dienstjahren eine Anstellung im Zivildienst erhalten, Beihilfen gewährt werden, welche entweder zur ersten Einrichtung vollständig genügen oder für etwaige Krankheiten und Unglücksfälle einen nicht geringen Notpfennig abgeben. Nachdem in voriger Woche Kilwa von Wißmann in Verbindung mit den deutschen Kriegsschiffen erobert und besetzt wurde, meldet nunmehr eine Depesche aus Sansibar vom 13. Mai: Nach einem Bombardement durch die deutschen Kriegsschiffe ist der berüchtigte Sklavenplatz Lindi am 10. d. Mts. von den Truppen des Reichskommissars Major Wißmann genommen und besetzt worden. Zu einer Biersperre gegen alle Berliner Brauereien werden jetzt von sozialistischer Seite durch einen Aufruf im „Berliner Volksblatt“ die Sozialisten aufgefordert. Man möge in Berlin 14 Tage lang nur Weißbier trinken, und, soweit dasselbe nicht mehr zur Verfügung stehe, Selterwasser. Die Brauereien in Berlin haben sich nämlich den übertriebenen Anforderungen der Brauergesellen nicht fügen wollen, welche sich, wie der Aufruf besagt,„voll und ganz auf den Boden der Arbeiterbewegung stellen wollen": Es liegt also hier der ungewöhnliche Fall vor, daß die gesamte Arbeiterschaft aufgefordert wird, sich in einen Streit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern lediglich eines einzelnen Berufszweiges einzumischen. Bezeichnend heißt es in dem Aufruf:„Siegen wir, dann hat das Kapital erkannt, daß unsere Macht in diesem Falle größer ist, als die seinige, und man wird sich hüten, uns auf solche Art nochmals entgegen zu treten. Gesterreich-Ungarn. Polnische Blätter melden einen bevorstehenden Slavenkongreß. Thatsächlich haben die panslawistischen Komitees in Petersburg, Odessa und Kiew Fühlung über diese Frage mit den österreichischen Slavenführern genommen. Falls der Plan gelingt, dürfte der Kongreß während des Sommers in Kiew stattfinden. Hauptzweck sind die Erklärung der russischen Sprache als einziger interslavischen Sprache, sowie die literarisch=politische Organisierung. — Zu den großen Manövern, welche im September d. J. an der schleswigschen Küste stattfinden werden, sendet Oesterreich die beiden mächtigsten Schiffe seiner Flotte „Kronprinz Erzherzog Rudolf" und„Kronprinzessin Erzherzogin Stephanie“. Frankreich. Die französische Regierung hat das Haushaltsgesetz umgearbeitet und die Ausgaben um 306 Millionen vermindert, darunter das Heereserfordernis um 11¼ jedoch das ordentliche blos um eine halbe Million, da der Zivilkriegsminister Freycinet stärkere Herabsetzungen für unmöglich erklärt.— Anläßlich der Ernennung Miribels zum Generalstabschef der Armee sei daran erinnert, daß der französische„Walbersee“ bei dem großen Empfang, den er nach Uebernahme der 6. Korps in Nancy abhielt, den Vätern der Stadt die trostreiche Versicherung gab, er werde sein möglichstes thun, damit ihr Departement kein Grenzbezirk bleibe. Auf Besehl von Konstans wird im Ministerium des Innern ein vollständiges Verzeichnis aller in Frankreich lebenden ausländischen Arbeiter angefertigt. Die Ausweisung eines Teiles derselben erfolgt unmittelbar nach Schluß der Kammertagung. Im Lause einer Unterredung mit dem londoner Berichterstatter des„Manchester Guardian“ drückte Stanley seine Teilnahine für die deutsche Afrikapolitik aus. Er meinte, auf seinen Rat seien die Deutschen nach Afrika gegangen. Wißmann werde Erfolg haben, ec verdiene auch, erfolgreich zu sein. Stanley wünscht, die englische Regierung möge die britisch=ostafrikanische Gesellschaft ebenso unterstützen, wie die deutsche Regierung ihre Landsleute in Afrika unterstütze. Er habe namens Englands mit allen eingeborenen Häuptlingen bis zu den Grenzen des Kongogebiets Verträge geschlossen und die englische Regierung werde für diese Verträge eintreten. Stanley verlangt, die englische Regierung solle eine Verbindung zwischen Mombasa dem Viktoria Nyanza und dem Albertsee mittels Eisenbahnen und auf den Seen einen Dampferdienst herstellen. Der Kurator des Dorpater Lehrbezirks nführung des Russischen als Unterrichtssprache überall angeordnet, auch dort, wo russisch jetzt nur für einelne Lehrgegenstände obligatorisch ist.— In Sewastopol st ein Jahre lang fortgesetzter Diebstahl von Bomben aus dem Artillerie=Magazin entdeckt worden. Ein Ingenieur, welcher noch vor zehn Jahren ein einfacher Arbeiter war, hat vor kurzem eine große Fabrik angelegt, und er lebte auf großem Fuße. Das war der Polizei verdächtig und dieselbe drang in die Fabrik ein, wo sie eine Menge Bomben, welche in den Regierungswerkstätten hergestellt waren, vorfand. Die Verhaftung des Ingenieurs führte zu der Entdeckung einer ganzen Bande Artilleristen und anderer Personen, welche an dem Diebstahl beteiligt gewesen sind. Der Brand eines wahrscheinlich ausgeplünderten Magazine und die Ermordung eines Artilleristen werden dieser Bande zur Last gelegt. Rätselhaft ist nur, in welcher Weise die Bomben verwertet worden sind. Deutschzer Reichstag. Sitzung vom 13. Mai. In fortgesetzter Beratung über die Forderungen für Ostafrika schildert Major Liebert seine Wahrnehmungen in Ostafrika bezüglich des Grundes und Bodens, der Vegetation und der zu erhoffenden Ausbeutung, verbreitet sich über die Schutztruppe, die Stationen, die Bauten, die Handelsstraßen und die Missionen; er betont die Wichtigkeit der Anstellung Emin Paschas und glaubt überzeugt zu sein, daß die deutsch=ostafrikanischen Beitzungen Deutschland großen Nutzen bringen würden. v. Bennigsen kommt zu einer Auseinandersetzung mit den Ausführungen Bambergers, bestreitet, daß auch nur entfernt Chauvinismus und Abenteuerlust zur Kolonialpolitik geführt hätten, und meint, daß man bezüglich der zu erhoffenden Erfolge nicht zu mäßige Ansprüche zu stellen brauche. Auch die Kolonien würden Deutschland noch große Erfolge einbringen. Barth rechtfertigt nochmals die ablehnende Haltung seiner Partei gegen die Kolonialpolitik, indem er namentlich hervorhebt, daß auch die ethischen und humanitären Zwecke, wie Abstellung der Sklaverei und Ausbreitung des Christentums, wegen der großen Ausbreitung des Islams in Afrika nicht erreicht werden können. v. Kardorff verliest Aeußerungen des Abg. Liebknecht, um zu beweisen, daß derselbe die Regierung zum Kriege gegen Rußland aufgefordert habe. Prinz Radziwill erklärt das Einverständnis der Polen mit der Kolonialpolitik. Windthorst meint, daß die Schutztruppe auch den Missionaren einen wirksamen Schutz gewähren werde; der Opfermut der Missionare in Afrika sei in höchstem Grade anzuerkennen. Vollmar hält die ganze Phrase vom Christentum und von der Sklavenbefreiung lediglich für eine schöne Fabel; das Christentum werde die Sklaverei in Afrika ebenso wenig beseitigen, wie es das in Europa gethau habe. Nach einigen weiteren Bemerkungen Windthorsts schließt die Erörterung. Die Vorlage geht an die Budgetkommission. Sitzung vom 1 4. Mai. Bei Beginn der erste Beratung der Militärvorlage skizziert der Kriegsminister die Vorlage und empfiehlt die Annahme derselben. Feldmarschall Graf Moltke tritt in längerer, häufig von Beifall unterbrochenen Rede für die Vorlage ein. Richter ist gegen die Vorlage. Der Kriegsminister tritt den einzelnen Ausführungen des Vorredners entgegen. Windthorst beantragt Verweisung der Vorlage an eine Sonderkommission von 28 Mitgliedern und erklärt sich gegen eine Reorganisation der Reichsbehörden. Der Kriegsminister erklärt, daß bezüglich der Heeresorganisation ein Gesetzentwurf in Vorbereitung wäre. Bezüglich der Dienstzeit könnten die Regierungen zur Zeit keine Zugeständnisse machen. Beratung wird der Antrag auf Abnahme eines Gesetzes für die Entschädigung für die am Milzbrand gefallenen Tiere angenommen mit einer Resolution, wonach die Ausdehnung des Gesetzes für das nächste Jahr auf die Rheinprovinz in Aussicht zu nehmen sei. Aus dem Abgeordnetenhaus. Sitzung vom 13. Mai. Das Haus genehmigt die Gesetzentwürfe, betreffend die Errichtung eines Amtsgerichts in der Stadt Velbert und den vom Herrenhause in abgeänderter Fassung zurückgelangten Gesetzentwurf betreffend die erleicherte Abveräußerung kleiner Grundstücke. In zweiter Beratung wird auch der Gesetzentwurf, enthaltend Bestimmungen über das Notariat und die gerichtliche oder notarielle Beglaubigung von Handzeichen, welcher an die Kommission zurückverwiesen war, durchweg nach den neuen Kommissionsbeschlüssen angenommen. Sitzung vom 14. Mai. Der Gesetzentwurf betreffend Abänderung einiger Bestimmungen wegen der Wahl von Stadtverordneten wird in dritter Lesung genehmigt. Der Antrag Lassen und Johannsen betreffend die Wiederaufnahme früherer Angehörigen des Herzogtums Schleswig in den preußischen Unterthanenverbaud wird nach einer Begründung Lassens und einer Widerlegung durch den Minister des Inneren Herrfurth abgelehnt. In zweiter und dritter — Lokales und # S##rston. 15. Mai. sv. Schell F.] Gestern in früher Morgenstunde ist der frühere Bürgermeister unserer Stadt, Herr v. Schell, nach schwerem Leiden im 72. Lebensjahre gestorben. Vor länger als 16 Jahren legte er wegen Krankheit sein Amt als Bürgermeister, welches er zwölf Jahre lang, von 1862 bis 1874, mit großer Treue verwaltet hat und welchem eine fast gleich lange Thätigkeit als Bürgermeister der Stadt Unna vorherging, nieder. Sein leidender Zustand verhinderte ihn nicht, das Wohl der Stadt nach Kräften fördern zu helfen; er war Jahre lang Mitglied der Stadtverordneten=Versammlung und deren Vorsitzender und hatte dabei vielfach Gelegenheit, seine gediegenen Kenntnisse und reichen Lebenserfahrungen zu verwerten; erst vor zwei Jahren schied er, durch zunehmende Kränklichkeit gezwungen, freiwillig aus dem Stadtverordneten=Kollegium aus. Dem Verwaltungsrat der Barthschen Stiftung und dem Kuratorium des Gymuasiums hat er bis zu seinem Tode als Mitglied in treuer Mitarbeit angehört. Das hiesige Alumnat ist auf Auregung des Heimgegangenen vor 15 Jahren gegründet und vor 4 Jahren erweitert worden. Er war diesem so segensreich wirkenden Institute im eigentlichen Sinne des Wortes ein Vater und hat ihm alle Zeit mit viel Liebe und einem immer warmen Herzen vorgestanden. Eine umfassende Thätigkeit entwickelte der Verstorbene im Jahre 1870/71, als es sich um die Unterbringung und Verpflegung kranker Krieger in hiesiger Stadt handelte. In seiner Eigenschaft als Delegierter des Vereins=Lazarets erhielt er nach Beendigung des Feldzuges in Auerkennung der von ihm geleisteten Dienste den Kronenorden 4. Klasse mit dem Johanniterkreuz. Der Heimgegangene, schon dem König Friedrich Wilhelm III. als Offizier im 16. Infanterie=Regimente dienend, ist immer als ein königstreuer, konservativer Mann erfunden worden. Für seine in langer, fast 40jähriger Dienstzeit dem Staate geleisteten guten und treuen Dienste verlieh ihm der König im Jahre 1877 den Roten Adler= orden 4. Klasse. Als Christ ist er in seinem langen, schweren Leiden viel geprüft, geläutert und bewährt befunden. Er hatte Lust, abzuscheiden und bei Christo zu sein und ist als reife Frucht eingegangen zu seines Herrn Freude, nach welchem sein Herz sich lange gesehnt. Er ruhe in Frieden! Seine Mitbürger werden ihm ein dankbares Andenken bewahren. Gütersloh. 14. Mai.[Städtisches.] In heutiger Sitzung der Stadtverordneten=Versammlung wurde noch einmal der Antrag des Magistrats wegen Anstellung eines Kontroleurs der Sparkasse beraten und beschlossen, daß die Anstellung auf Lebenszeit und mit Pensionsberechtigung erfolgen soll. Der frühere Beschluß, wonach das Gehalt der Stelle nur für ein Jahr bewilligt ist, wurde aufgehoben; gleichzeitig wurde eine Kommission gewählt, welche sich mit dem Magistrat hinsichts der von diesem zu thätigende Wahl des Kontroleurs in Verbindung setzen und der Stadtverordneten=Versammlung darüber berichten soll. Zu dieser Kommission wurden die Herrn F. Bartels, W. Puwelle und H. Wolff gewählt.— Endlich wurde eine Wahl für die Einquartierungs=Deputation vorgenommen; dieselbe fiel auf die Herren Lükemann, Ibrügger und Vogt. — Von den Monats=Abschlüssen der von Herrn Oester verwalteten Kassen nahm die Versammlung Kenntnis. —: Gütersloh. 10. Mai.[Ausflug der Feuerwehr.] Gestern unternahm unsere freiwillige Freuerwehr in Gemeinschaft mit mehreren Mitgliedern des Gesangvereins„Buchfinken“ und des„Landwehr=Gesangvereins“ einen Ausflug nach den Portabergen, welcher während des ganzen Tages von dem schönsten Wetter begünstigt war. Nachdem die Wehr in Uniform sich früh morgens gegen ½5 Uhr fast vollzählig vor dem Spritzenhause versammelt hatte, gings mit klingendem Spiel durch die Berliner= und Kirchstraße zum Bahnhofe, woselbst sich die übrigen Teilnehmer anschlossen. In Bad Oeynhausen wurde die Fahrt unterbrochen und unter Vorantritt der Musik den schönen Kuranlagen ein Besuch abgestattet. Es erhöhte die FesttagsStimmung wesentlich, als die Kurkapelle zur Eröffnung der Saison den Choral:„Wachei auf, ruft uns die Stimme“ anstimmte. Nach Beendigung des Morgenkonzerts verließ man den Kurgarten, um mit dem bald darauf einlaufenden Personenzuge nach Porta weiterzudampfen. Von hier marschierten Wehr und Freunde derselben mit Musik direkt über die Weserbrücke nach dem so herrlich an dem Fuße des Wittekindberges liegenden Restaurant Nottmeier. Nach kurzer Rast und körperlicher Erquickung wurde die Höhe des Wittekindberges erklommen. Bei den schönsten Aussichtspunkten, z. B. Denkmalsplatz, Silberblick, Aussichtsturm, WittekindsKapelle, wurde kurze Rast gemacht, um sich ganz in die Betrachtung der herrlichen Gottesnatur zu versenken. Hier erfreuten auch die Sänger Herz und Gemüt durch die in exaktester Weise zum Vortrag gebrachten Lieder ernsten und heiteren Charakters. Auch die Wirtschaft„zur Glocke“ wurde aufgesucht, in welcher nach der voraufgegangenen körperlichen Anstrengung das Dargebotene vortrefflich mundete. Von hier gings bergab durch den frischen grünen Wald zurück zum Restaurant Nottmeier, in welchem das gemeinsame Mittagessen eingenommen wurde. Dem Wirt soll der Dank aller Teilnehmer für die reichliche, gute und schmackhafte Mahlzeit nicht vorenthalten werden. Nachdem die Kapelle gespielt und der Gesangverein mehrere Lieder vorgetragen, gings auf die andere Seite der Weser nach dem Jakobsberge, dessen Kuppe von den meisten erstiegen wurde. Auch hier entzückte und fesselte die herrliche Aussicht ins Weserthal und verlockte zu längerem Ausenthalt und weiten Spaziergangen. Erst am späten Nachmittage fand sich die gesamte Wehr in dem am Fuß des Jakobsberges belegenen Garten von Steinert wieder zusammen. Die Feuerwehr= Kapelle unter der bewährten Leitung ihres Dirigenten trug zur Verschönerung des Festes und zur Freude der mit ihrer Anerkennung nicht kargenden Gäste aus den Nachbarorten mehrere Konzertstücke vor. Ebenso erfreuen die Herren Sänger, darunter ein neuer„Männer=Quartett=Verein“ mit ihren von gutem Geschmack und feinem Verständnis zeugenden Liedern das lauschende Publikum. Endlich nahte die Zeit des Aufbruchs; unter fröhlichen Marschklängen gings in geordnetem Zuge zum Bahnhofe, wo bald nach 8 Uhr die Rückfahrt nach unserm lieben Gütersloh erfolgte. Nach 10 Uhr traf die Wehr hier wieder ein und wurde von einem zahlreichen Publikum empfangen. Der Zug ging durch die Kirchstraße zum Rathausplatz, wo unser Herr Bürgermeister in kurzer Ansprache der frohverlebten schönen Stunden des Tages Erwähnung that und mit Recht hervorhob, daß alles in schönster Ordnung und Einigkeit verlaufen sei; er schloß mit einem dreimaligen Hoch auf unsern Kaiser Wilhelm II., worauf zum Schluß alle Anwesende unter Musikbegleitung„Heil dir im Siegerkranz“ sangen. Jedem, der diesen Ausflug mitgemacht hat, wird er noch lange in der Erinzierung bleiben, denn man hörte nur einstimmig Freude über das Gesehene und Erlebte. Güterslob. 16. Mai.[Ausflug.] Die Vereinigung der jungen Kaufleute am hiesigen Platze unternahm am vorigen Sonntage einen Ausflug in das schöne Wesergebirge. Von Porta aus, bis wo die Bahn benutzt war, erfolgte der Aufstieg zum Jakohsberge. Durch terassenförmige Anlagen ging der Weg bis zu den Steinbrüchen, welche einer eingehenden Besichtigung unterzogen wurden. Ein schmaler Gebirgspfad führte sodann weiter bis zur Kuppe und dem sich darauf befindenden Aussichtsturme. Hier wurde einen Augenblick Rast gemacht, um die Gegend zu besehen; ein herrlicher Anblick bot sich dem Auge dar. Zu den Füßen die Weser, welche sich, einem Silberfaden gleich, durch Wiese und Feld hindurchschlängelt. Ein schnaubendes Dampfroß saust herau, den Gebirgskamm durchschneidend, eilt es seinem Bestimmungsorte zu. Gegenüber erhebt sich der Wittekindsberg; auf seinem Gipfel, an Stelle des demnächst sich dort erhebenden Kaiser Wilhelm=Denkmals, flattert lustig eine schwarz=weiß=rote Fahne im Morgenwinde. Rechts sieht man verschiedene Städte, darunter Minden und Bückeburg. Links am Berge Hausbergen. Hingerissen von der Gewalt dieses erhabenen Anblicks, welcher noch durch den Glanz der eben durchbrechenden Morgensonne vermehrt wurde, tönte plötzlich das Lied:„Wie bist Du doch so schön, o du weite Gotteswelt", zum Himmel empor. Nachdem dasselbe verhallt war, wurde die Wanderung von Berg zu Berg fortgesetzt; an den schönsten Punkten wurde Aus schau über die Gegend gehalten. Wie friedlich, abgeschlossen vom Getriebe der Welt, lagen die einzelnen Bauernhöfe in der Ebene zerstreut. Manchmal tönte auch ein Glöcklein vom Turme eines nahen Dorfes herüber. Gegen 11 Uhr war der sog. Hexentanzplatz erreicht, woselbst sich im Waldes schatten gelagert und ein frugales Frühstück eingenommen wurde. Dann ging es unter Gesang weiter über KleinBremen, den Papenbrink den Ludener Klippen zu. Von dem dort neu erbauten Aussichtsturme bietet sich dem Auge eine fast unbegrenzte Fernsicht. Von hier aus kann man über 20 Ortschaften, sowie den Lauf der Weser übersehen. Von dort wurde der Abstieg unternommen. Unten am Fuße der Klippen liegt Steinbergen, ein reizend gelegener Ort, der Zielpunkt aller Ausflüge in dortiger Gegend. Von hier werden dann die kleineren Partien in die Berge unternommen. Ungefähr 10 Minuten von dort liegt das Jagdschloß Arensburg, welches seiner Altertümer wegen viel besucht wird. Nach einigen Stunden Rast und Labung wurde der Rückweg über Bad Eilsen nach Bückeburg angetreten; von dort erfolgte die Rückkehr nach hier per Bahn. * Gütersloh. 15. Mai.(Einbruch.] Mit unglaublicher Frechheit ist in der vergangenen Nacht ein Ein bruchsdiebstahl in zwei Häusern hiesiger Stadt verübt wor den. Beim Kaufmann Flöttmann in der Kökerstraße sind die Diebe von der Straße her durch gewaltsame Eindrückung der in der Hausthür defindlichen großen Scheibe in den Laden gedrungen, und haben hier aus einer nicht verschlossenen Geldtrecke 30 bis 40 Mark gestohlen, außerdem 12 Portemonnaies im Werte von 2 M. 50 Pf. das Stück, ferner einen grau= und einen grünseidenen Geldbeutel. Als die Diebe sich daran machten, mit einem Meißel eine verschlossene Geldtrecke zu erbrechen, wurden sie durch das Er wachen der Bewohner gestört und verließen das Haus unter Zurücklassung der Meißel.— In derselben Nacht sind die Diebe beim Wirt Wilhelm Lütgert hier eingestiegen, und zwar haben sie sich durch die Luftscheibe das Feuster zum Comptoir geöffnet. Ein verschlossenes Palt haben sie mit Gewalt erbrochen und ein Portemonnaie mit etwa 3 M., außerdem Briefmarken mitgenommen, auch einen fast neuen Regenmantel. Zur Feststellung der Person dieser frechen Einbrecher sind die umfassendsten Recherchen angestellt; möge man bald der Verbrecher habhaft werden. Sütersloh. 16. Mai.[Einbruch.] In der Nacht zum 15. d. M. ist in die Bauhütte auf dem Bauplatz der Zigarrenfabrik von Gerlach& Kraus eingebrochen; ebenso ist eine dort stehende, mit Geräten angefüllte Kiste erbrochen, auch das Hängeschloß entwendet worden. An dem Inhalt der Kiste fehlt nichts 16. Mai.[Schulpfad.] Nach dem ergiebigen Regen in der letzten Zeit sind die scharfkantigen Steine im alten Schulpfade weiter aus der Erde gewachsen zum Verdruß der fußleidenden Passanten. Eine junge Dame soll auf dieser neuen Anlage sogar einen künstlerisch gebauten Absatz eingebüßt haben, ein Kleinod, daß, wenn es ein stiller Verehrer gefunden, gewiß an der Uhrkette tragen würde. Allerdings war der Dame größter Kummer, daß sie nun hinkend, anstatt mit Grazie heimkehren mußte. Im Interesse aller erlauben wir uns den Vorschlag zu machen: Die Anwohner des verkehrreichen Pfades lassen im Einverständnis mit der Stadt eine aus Cement, Wasser und Sand bestehende Mischung über das Pflaster gießen, wie das vielfach in großen Städten geschieht, und wodurch eine Decke hergestellt wird, von der man in Wahrheit sagen kann: Probatum est. §“ Gütereloh. 17. Mai.(Straßeupflasterung. Seit einigen Tagen ist nun mit dem Aufnehmen und Pflastern der Königstraße der Anfang gemacht, doch fördert sich diese Arbeit anscheinend merklich langsam. Ob diese Verschleppung an den Fehlen tüchtiger Kräfte liegt oder ob es an dem richtigen Antriebe fehlt, sei dahingestellt, hoffen wir aber, daß es damit nicht geht wie im vor. J. bei der Kökerstraße, die fast ¼ Jahr für den öffentlichen Fahrverkehr gesperrt war. Straßen, die wie die König= und Kökerstraße für den Verkehr so unentbehrlich sind, müssen mindestens innerhalb 14 Tagen neugepflastert werden und dürfen nicht länger dem öffentlichen Verkehr entzogen werden. Hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bei, eine Erleichterung und Beschleunigung in diesem Falle herbeizuführen; gleichzeitig möge hier die Anfrage Platz finden, ob während der Sperre der Königstraße die Benutzung der kleinen Kirchstraße nach beiden Richtungen gestattet ist. Gütersloh, 16. Mai.[Pfingstsonderzug. Der diesjährige Pfingstsonderzug nach Berlin ist auf den 23. Mai gelegt und fährt aus von: Hamm 3.39 morgens Beckum=Ennigerloh 4.13, Güteroloh 5.1, Bielefeld 5.38, Herford 6.04, Detmold 5.0, Osnabrück 5.3, Melle 5.39, Bünde 6.04, Löhne 6.27, Minden 7.09; etwa 5 Uhr 20 Minuten nachmittags trifft der Zug in Berlin ein. Die gelösten Fahrscheine für Hin= und Rückfahrt haben 7tägige Gültigkeitsdauer. Der Preio für dieselben für die 11. und III. Wagenklasse ist ermäßigt, und zwar mie## 26 resp. 17.30 M., Beckum Enniger Gütersloh 23 resp. 15.40 M M., Herford 21.20 resp. 15.20 M., Osnabrück 23 resp. 14.70 M., Bünd 20.50 resp. 13.70 Freigewicht wird auß Rückfahrt kann mit sonenzuge erfolgen, Berlin— also muß spätestens an Minuten nachts al Gütere. haben sich als sehr. Unwetter mit sich gebracht. Schleswig=Holstein direk nach Italien hinabläuf Hagelschlag, die man gefunden. In Rom italienische Schützenfest nicht benutzt werden Ersatz=Aushebung 11. Juni in Wiedenbe here besagt die amtlich nächsten Nummer bri20. Mai, Gütersloh Kram, Schatewammer= und Viehmarkt. Lette Kram= und Viehmarkt. Delbrück Kram und Viehmarkt. Lübdecke Kram= und Viehmarkt. Bieleseld Kram= und Viehmarkt. 21. Mai, Osnabrück Viehmarkt. Warendorf Vieh= und Pferdr markt. 22. Mai, Lippstadt Kram= und Viehmarkt. Kirchliche Nachrichten. Evangelischer Gottesdienst. Sonntag, den 18. Mai. Neue Kirche: Morgens ½10 Uhr: Pastor Greve. Nachmittags 3 Uhr: Kinderlehre: Pastor Siebold. Alte Kirche: Morgens ½10 Uhr: Past. Meinshausen. Katholischer Gottesdienst. Senntag, den 18. Mai. Sechster Sonntag nach Ostern. Patrozinium des heiligen Pfarr= und Kirchenpatrons Pankratius. Morgens 5 Uhr: Frühmesse und 6 Uhr zweite hl. Messe und 7½ Uhr Feierliches Levitenamt mit Segen und Predigt. Nachmittags 3 Uhr: Feierliche Vesper. Sonnabend, den 24. Mai. Vigil des hohen Pfingstfestes: Fastund Abstinenztag, an welchem jeglicher Genuß von Fleischspeisen verboten ist. Morgens 6 Uhr: Weihe des Tauf= und Pfingstwassers, Litanei, Hochamt der Pfingst=Vigil. Ein Bäckergeselle gesucht. Wo? sagt die Expedition dieses Blattes. Einige Fuder Du n g # F hat abzugeben H. W. Lütgert. Eine Loppe und 1 Paar Manchetten gefunden von H. Rüschkamp, bei Kolon Feuerborn in Kattenstroth. Fertige Joppen, Hosen und Westen, sowie Knaben-Anzüge empfiehlt in grösster Auswahl zu den billigsten Preistu H Manecke Hund, Teckel, schwarz mit weißer Brust, abhanden gekommen. Vor Ankauf wird gewarnt. Abzugeben gegen Belohnung Sahnhofstraße 482. Ein Dienstmädchen sowie ein Laufbursche von 14 bis 16 Jahren nach Bielefeld gesucht. Auskunft erteilt Wilh. Frieke, Maler, Bahnhofstraße. Bekauntmachun Die Kommunalsteuer=Hebeliste der Stadt Gütersloh für das Rechnungsjahr 1890—91 liegt vom 21. dss. Mts. ab 14 Tage lang im hiesigen Magistrats=Bureau zur Einsicht der beteiligten Einwohner offen. Gütersloh, den 17. Mai 1890. : D e r M a g i s t r a t. Manzelsdorf. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß das Bureau des unterzeichneten Katasteramtes jeden Freitag in der Woche von morgens 8—12 Uhr und nachmittags von 2—6 Uhr(und an solchen Tagen, an denen der Katasterkontroleur in seinem Amtslokal anwesend,) dem Publikun geöffnet ist. Im Falle, daß auf den Freitag ein Feiertag fällt, ist an dem darauf folgenden Werktage das Bureau geöffnet. Die Grund= und Gebäudeeigentümer des Kreises Wiedenbrück können daher am genannten Tage Anträge auf Vermessungen zum Zwecke der Teilung von Grundstücken behus Auflassung, sowie Anträge auf Berichtigung von Irrtümern im Grund= und Gebäudesteuerkataster stellen. Im letzteren Falle sind seitens des Grund= oder Gebäudeeigentümers der neueste Staats=Steuerzettel und die sich auf den Irrtum beziehenden gerichtlichen Dokumente vorzulegen. Anträge auf Vermessungen in Grenzstreitigkeiten werden nur dann aufgenommen, wenn die an der Streitsache beteiligten Grundeigentümer im Amtslokal zugegen und sämtliche Interessenten mit der Ausführung der Vermessung einverstanden sind. Königliches Katasteramt. Gierlichs. Lekanntmachung. Etwaige Anträge wegen Beurlaubung von Soldaten nach zwei jähriger Dienstzeit sind bis zum 1. Juni er. beim Gemeindevorsteher Bockschatz in Sundern einzureichen. Nur ganz dringende Fälle können berücksichtigt werden, weniger dringliche werden ohne weiteres zurückgewiesen. Die bezüglichen Anträge müssen enthalten: Der Betreffenden Namen und Vornamen, Geburtstag, Monat und Jahr, Geburtsort, Wohnort, Truppenteil, bei welchem die Dienstzeit abgeleistet wird, Namen, Alter und Wohnort der Familienglieder, sowie Angabe, womit sich dieselben, wenn sie nicht mehr schulpflichtig sind, event. beschäftigen, Gründe der Beurlaubung. Gütersloh, den 8. Mai 1890. Der Amtmann. Paasch. 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Die Anstellung erfolgt auf Lebenszeit mit Pensionsberechtigung. Das Einkommen beträgt 1500 Mark Fixum und außerdem 4% Tantieme vom Reingewinn mit etwa noch 1000 Mark zusammen alss ca. 2500 Mark jährlich. Die zu stellende Kaution beträgt 6000 Mark. Der Gewählte ist verpflichtet, der westfälischen Witwen= und Waisen=Versorgungs=Anstalt beizutreten. Bewerbungen unter Beifügung eines Lebenslaufes sind bis zum 28. d. Mts. an uns einzureichen. Gütersloh, den 16. Mai 1890. Der Magistrat. Mangelsdorf. Am Sonntag, den 18. d. Mts., feiert der Verein „Freundschaf bei Wirt Sagemöller, gen. Michelswirt, in Avenwedde sein 8. Stiftungsfest, verbunden mit BALL. Freunde geselligen Vergnügens werden hierzu eingeladen. Anfang nachmittags 5 Uhr. Entree für Herren 1 Mark, für Damen 25 Pfg. Der Vorstand. Prima Emmenthaler-, Schweizer-Käse. M. Polkläsener. Produkten= u. kettvieh=Preise. Gütersloh. 20. April 1890. Weizen pr. 100 Pfd. 9,60—9,80 M. Roggen hief.„„„ 9,10—9,30„ „ fremd.„„„ 9,80—9,50 Gerste„„„ 7,80—7,40 Haser„„„ 0,00—9,20„ Bohnen„„„ 8,00—8,90 Mais„„„ 0,10—0,30„ Buchweizen„„„ 8,00—8,50„ Schrot=Preise, rein gehalten. Roggenschrot pr. 100 Pfd. Ml. 9,60 Gerstenschrot„„„„ 7,70 Maisschrot„„„ 0.40 Buchweizenschr.„„„ 8.40 Rausutterschrot„„„ 8,90 Grand.„„ 6,60 Kleie„„„ 5.— Vieh und Produkte Kälber la. spr. 100 Psd. 83—33 M. Schweine la. lebend Gew. 46—48„ do. Schlachtg#ewicht 54—50„ Rindvieh Ia. 54—58„ Butter Ia. Faß 100 Pfd. 78—83„ Kartoffeln pr. 10. Psd. 6,—2,80 M. Heu„„„ 2,00—2,20„ Stroh„„„ 2,30—2,50„ Petroleum pr. 100 Pfd. mit 20% Tara 12