Nr. 149 schmling& Shilbrock, Istersieh. Sonnabend, den 14. Dezember 1907 Verantwortlicher Redakteur: Johannes vogt in Sütersloh. 18. Jahrgang Erstes Blatt. Meeienrüchblich. Kaiser Wilhelm hat Englands Gestade, die ihn so gastfreundlich aufgenommen, nach mehrwöchigem Aufenthalt wieder verlossen. Von Higheliffe, wo der Kaiser zur Stärkung seiner Gesundheit still und zurückgezogen lebte, ist er am Montag nach London gereist, um vor seiner Heimkehr noch einige Tage in der englischen Königsfomilie zu verleben. Am Mittwoch abend trat Kaiser Wilhelm denn seine Rückreise an, die ihn zunächst zum Besuch der Königin Wilhelmina nach Holland führte. Der Abschied von England, von dem Königshause sowohl wie von dem Volke, war von allergrößter gegenseitiger Herzlichkeit; und die gewohnheitsmäßigen Stöcenfriede und Hitzer sind mit ihren neuerlichen Versuchen, abermals Mißtrauen zwischen Deutschland und England zu säen, von amtlichen und außeramtlichen Stillen hüben wie drüben energisch zurechtgewiesen und zum Schweigen gebracht worden. Gekriselt hat es auch in dieser Woche wieder— zwar nicht im Reichstage, sondern im Flottenverein. Generalmojor Keim, der Geschäftsführer des deutschen Flottenvereins, der wegen seiner politischen Betätigung bei den letzten Reichstagswahlen sich in gewissen Kreisen sehr mißliebig gemacht hatte, ist zum Vorsitzenden des Flottenvereins wiedergewählt worden, und daraufhin hat Prinz Rupprecht von Boyern das Protektorat des Flottenvereins niedergelegt. Das Vorgehen des Flottenvereins hat vielerorts starkes Mißfallen erregt; man war ja durch die Erklärung des Prinzen Rupprecht, daß er ausscheiden müßte, wenn die Wiederwahl Reimes erfolge, auf die Konsiquenzen dieses Schrittes vorbereitet. Daß man so wenig Rücksicht auf die Gefühle einflußreicher Gönner nimmt, wird der Werbefähigkeit des Flottenvereins, zum mindestens in Süddeutschland, starken Abbruch tun. Der Reichstag hat das Arbeitspensum, das ihm vor Weihnachten aufgegeben worden war, mit knopper Not so ziemlich erledigt und sich bis nach Neujahr vertagt. Das Vereinsgesetz, dessen Beratung drei Tage in Anspruch nahm, wurde am Mittwoch glücklich an die Kommission gebracht. Schon jetzt steht fest, daß der§ 7, der die deutsche Sprache zur ausschließlichen Versammnlungssprache machen will, in der von der Regierung vorgeschlagenen Fassung nicht angenommen werden wird. Nichtsdestoweniger dürfte der Entwurf mit Hilfe der Blockparteien schließlich durchgebracht werden. Außer dem Vereinsgesetz wurden noch die Börsengesetznovelle und der Wechselprotest in erster Lesung beraten. Die Butgetkommission ist mit dem Flettengesetz beschäftigt. Die Berechtigung des Entwurfs wird von der Mehrheit durchaus anerkannt und die einzelnen Punkte werden in zustimmendem Sinne erörtert. Ueber das Majestätsbeleidigungsgesetz ist in der zweiten Lesung bei der Kommission eine Einigung erzielt worden. Die Mehrheitsparteien haben auf die für die Regierungen unannehmbaren Abänderungen verzichtet, und so wird doch noch endlich ein brauchbares Gesetz zustandekommen. Im preußischen Abgeordnetenhause, das nur ein paar Sitzungen in dieser Woche hatte und sich dann gleichsolls bis nach Neujahr vertagte, wurde die Interpellation wegen der Beamtenbesoldungen, die am Mittwoch zur Biralung stand, vom Minister Frhrn. v. Rheinbaben beantwortet. Diese Vorlage für die Beamtenbesoldungen wird nach der Erklärung des Ministers sehr umfassend sein. Sie sieht Erhöhung der Wohnungsgeldzuschüsse und der Gehälter für die noch nicht berücksichtigten Unterbeamten, sowie für die mittleren und einen großen Teil höherer Beamten vor, und auch die Gehälter der Geistlichen und Lehrer sollen aufgebessert werden. In Finanzkreisen hat der Rücktritt des Reichsbankpräsidenten Dr. Koch begreifliches Aufsehen erregt. Zum Nachfolger ist vom Bundesrate der Präsident der Seehandlung, Havenstein, vorgeschlagen worden, und als dessen Nachfolger wieder werden der bisherige stellvertretende Reichsbankdirektor von Glasenapp und der Präsident der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse Heiligenstadt genannt. Den letzteren würde man jedoch auf seinem jetzigen Posten als Präsidenten der„Preußenkasse“ nur ungern missen. Das uns besreundete Königreich Schweden hat einen schweren Verlust erlitten, den auch Deutschland tief und innig beklagt: König Oskar, einer der edeisten Fürsten die je gelebt, ist in die Ewigkeit abberusen worden. Der große Herischer war schon mehre Wochen so schwer leldend, daß der bisherige Kronprinz einige Tage vor dem Tode seines Vaters die Regentschaft übernehmen mußte. Das deutsche Reich verliert in König Oskar einen unwandelber treuen Freund; die Sympathle und Verehrung, die er auch seitens unseres Kaisers genoß, ist in der Verleihung der Würde eines Goß=Admirals der deutschen Flotte zum Ausdruck gekommen. An der Beisetzungsfeier, die kurz vor Weihnachten stattfinden soll, wird auch eine Abordnung der deutschen Marine teilnehmen. Der Wiederausbau der spanischen Flotte, die im Kriege mit den Vereinigten Staaten zerstört wurde, soll nunmehr zur Wirklichkeit werden. Die Vertreter sämtlicher Parteien im spanischen Parlament haben den betreffenden Anträgen des Ministerpräsidenten ihre Zustimmung in begelsterten Worten gegeben. Es besteht in Madrid gegenwärtig volle Uebereinstimmung in den maßgebenden Kreisen darüber, kein Opfer zu scheuen, um selbst mit Gewalt die Selbständigkeit Marokkos aufrecht zu erhalten und die Festsetzung einer fremden Macht an der Nordküste des Scherifenreiches zu verhindern. Zu diesem Zwick besonders will man die Flotte bauen. Die Stillungnahme Spaniens dörfte nicht ohne Einfluß auf das Verhalten Frankreichs bleiben. In der britischen Oranjefluß=Kolonie, dem früheren Oranje=Freistat der Buren, haben, wie früher bereits in der Transval=Kolonie, nunmehr die durch die Einführung der von England gewährten neuen Verfassung bedingten Wahlen stattgesunden. Das Ergebnis ist dasselbe wie seinerzeit in der Transvaal=Kolonie gewesen: die Vertreter der Buren haben durchweg den Sieg davongetragen. Von den 38 Abgeordneten der Zweiten Kammer sind 80 Buren. Entsprechend diesem Ergebnis der Wahlen ist denn auch das Ministerium dieser Kolonie ebenso wie das der Schwesternkolonie aus Burenführern gebildet worden. Nur in den Oberhäusern dieser beiden Kolonien, deren Zusammensetzung nicht durch Wahl erfolgt, besitzt England genügende Vertretung. Trotzdem gibt man sich in England keinerlei Besorgnissen für die Zukunft hin. Sind doch die Vorteile, die diesen Gebieten unter englischer Herrschaft bereits erwachsen sind und noch zu erwarten stehen, so groß, und ist doch der Burenbevölkerung eine so große Bewegungsfreiheit belassen, daß wohl kaum ein neuer Losreißungsversuch unternommen werden wird. Politische Tebersicht. Deuischos Peich. Der Kaiser ist auf seiner Rückreise Freitag vorwittag 10½ Uhr in Amsterdam eingetroffen. Hier begrüßte er die Königin sehr herzlich. Nach der Vorstellung der Militär= und Zivilbehörden schritten die Mojestäten die Froni der Ehrenkompanie ab. Fast zur selben Zeit war auch die Königin=Mutter der Niederlande in Amsterdam eingetroffen und von der Königin sowie von den Prinzen der Niederlande empfangen worden. Um 12½ Uhr fand im Palais Familien=Frühstückstafel statt. Danach begab sich der Kaiser mit den Fürstlichkeiten nach der Gemäldesammlung Six und nach dem Reichsmuseum, wo 150 Schüler der Kaiser Wilhelm=Schule sie mit Gesang begrüßten. Später statteten die Majestäten dem städtischen Waisenhaus einen Besuch ab, wo sie von dem Präsidium der öffentlichen Armenpflege und Vertretern der Gemeindebehörden empfangen wurden. Im offenen Wagen kehrten die Majestäten dann ins Palais zurück, aus dem ganzen Wege von der Bevölkerung aufs lebhafteste begrüßt. Nach dem Besuche des Museums legte der Kaiser einen Kranz am Grabe des Admirals de Nuyier in der Nieume Kerk nieder. Von 5 Uhr ab empfing der Kaiser deutsche Deputationen Prinz Heinrich wird in Vertretung Kaiser Wilhelme an den Leichenfeierlichkeiten für den verstorbenen König von Schweden teilnehmen, die am 19. Dezember stattfinden. Fürst Edzard zu Inn= und Knyphausen, Präsident des preußischen Herrenhauses, feiert am 14. Dezember seinen 80. Geburtstag auf Lütetsburg bei Hage in Ostfriesland. Zur Austritiserklärung des Prinzen Rupprecht von Bayern aus dem Deutschen Flottenverein wird eine Erklärung des Präsidenten des Deutschen Flottenvereins, Otto Fürst zu Salm, veröffentlicht, die wir in ihrem Wortlaut nachstehend wiedergeben:„Anfragen und Preßtreibereten anläßlich der Niederlegung des Protektorates Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Rupprecht von Boyern über den Bayerischen Landesverband des Deutschen Flotten=Vereins veravlassen mich zu folgender Erklärung:„Es liegt für das Präsidium kein Grund zu irgend einer Aeußeung in dieser Angelegenheit vor, da es in derselben streng sotzungsgemäß gehandelt und nur pflichtmäßig seine Unabhängigkeit gewahrt hat.“— Wie aus aus München gemeldet wird, hat in einer Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des bayrischen Landesvereine dis deutschen Flottenvereins, welche von fast sämtlichen Mitgliedern besucht war, der Gesamtoorstand und der geschästsführende Ausschlußbeschlossen, aus denselben Gründen, wie Prinz Rupprecht, sein Amt niederzulegen, unter einstimmiger Annahme einer Erklärung, welche sich gegen die Wahl des Generals Kiim windet. Der Konservative Delegiertentag, der letzter Tage in Berlin unter Vorsitz des Abg. Normann versammelt war, wurde durch einen Vortrag des Frhrn. v. Manteuffel über die allgemeine politische Lage eingelettet. Er sagte u. a.: Ganz unerwartet sei der Aussall des Abgeordneten Paasche gegen den Kriegsminister v. Einem erfolgt. Fürst Bülow habe es aber verstanden, durch Besprechung mit den Führern die Einigkeit von den Blockparleten wiederherzustellen. Cs sei jedoch auf das dringenste dem Fürsten zu raten, von solchen Mitteln in Zukunft abzusehen; denn ein Minister, der sich des Vertrauens unseres Kaisers erfreue, dürfe seine Stellung von dem Parlament nicht abhängig machen, es müsse die Hoffnung ausgesprochen werden, daß sich ein solcher Vorgang nicht wiederholen werde. Abg. v. Normann erklärte, für eine Ausdehnung der Reichserbschaftsstruer und für eine Einführung direkter Reichssteuern werde die Fraktion unter keinen Umständen zu haben sein. Im übrigen mahnte der Redner zum Abwarten. Die politische Lage sei heute ungemein schwierig, aber die parlamentarischen Vertreter würden sich ihr gewachsen zeigen. In der Budgetkommission des Reichstages wurde bei der Beratung des Marinertats ein Antrag des Z.ntrums, alle Schiffeversatzbauten und Grundreparaturen ausschließlich zu Lasten des ordentlichen Etats zu nehmen und nur die Schiffsneubauten in den außerordentlichen Stat einzustellen, mit Ausnahme von den Sozialdemokraten mit Rücksicht auf die jetzige Finanzlage von sämtlichen Parteien abgelehnt. Schatzsekretär Freiherr v. Stengel erklärte, der Zentrumsantrag sei sehr sympathisch, aber man müsse dann auch die Konsequenzen ziehen und sich stark machen für die Schaffung von 3 bis 400 Millionen eigener Einnahmen des Reiches. Staatssekretär v. Tüpitz erwiderte auf Preßangriffe, unsere Schiffe seien denen anderer Marinen vollkommen gleichwertig. Unsere Panzerung sei im allgemeinen viel besser als die der Engländer. Die Reichstagskommission für die Bestrafung der Majestätsbeleidigung erzielte am Donnerstag in der zweiten Lesung eine Einigung mit der Regierung. Das Verlangen der Oiffentlichkeit der Beleidigung als Voraussetzung für die Strafbarkeit, daß die Regierung für unannehmbar erklärt hatte, wurde fallen gelassen; man einigte sich auf folgende Fassung:„Die Beleidigung ist nur dann auf Grund der§§ 95, 97, 99, 101 strasbar, wenn sie in der Absicht der Ehrverletzung, böswillig und mit Ueberlegung begangen wird“. Ein Antrag der das Ersordernis der Genehmigung durch die Landesjustizbehörde in das Gesetz hinein bringen wollte, wurde abgelehnt, nachdem Staatssekretär Dr. Nieberding erklärt hatte, daß bei Aufnahmen einer solchen Bestimmung in das Gesetz die verbündeten Regierungen kein Interesse mehr an dem Gesetz hätten. Das Strafminimum bei mildernden Umständen wurde auf Antrag Brunstermann(Rp.) von bisher 2 Monaten auf eine Woche herabgesetzt. Eine weitere Aenderung gegenüber dem bisherigen Gesetz wurde dahin vorgenommen, daß die Aberkennung der aus öffentlichen Wahlen hervorgegangenen Ehrenämter bei Bestrafung wegen Majestätsbeleidigung nicht mehr erfolgen soll. Im übrigen bleibt es bei der Bestimmung der Vorlage, wenach die allgemeinen Vorschriften dis Strafgesetzbuches über die Beleidigung Geltung haben soll, wenn die Majestätsbeleidigungsparagraphen keine Aenderung finden. Die konservative Partei hat zur zweiten Lesung des Reichsamis des Innern eine Resolution beantragt, den Reichskanzler zu ersuchen, die seit dem 1. Oktober 1907 eingezogenen Taler, soweit noch keine Neuprägung stattgesunden hat, wieder im Verkehr zu setzen. In der Kommission des Abgeordnetenhauses für die Ostmarkenvorlage gab die Regierung eine Erklärung ab, nach der sie auf das allgemeine Enteignungsrecht für die beiden Provinzen verzichtet, vielmehr damit einverstanden ist, daß die Enteignung auf gewisse Bezirke in Westpreußen und Posen beschränkt wird. Dann soll der Beirat wegfallen; eine Verstärkung des Laienelements in der Ansiedlungskommission werde aber dennoch vorgenommen. Außerdem soll die Verstärkung der Fonds von 400 auf 275 Millionen reduziert werden. Ueber die Bezirke, auf die das Enteignungsrecht beschränkt werden soll, besteht eine volle Klarheit bis jetzt nicht. Die Summe von 275 Millionen verteilt sich folgendermoßen: 200 Millionen dienen zur Auffüllung der Kasse, aber mit der Maßgabe, daß 75 Millionen zur Regulierung bäuerlicher Güter verwandt werden. 50 Millionen sollen zur Bildung von Rintengütern dienen, 25 Millionen zum Ankauf von Domänen und Forsten. Ein dieser Erklärung entsprechender gemeinsamer Antrag der Konservativen, Freikonservativen, und Nationalliberalen gelangte zur Vertellung. Dem Reschslage ist der Gesetzentwurf betr. die Neue Gütersloher Zeitung Fersprecher nr. 32 Wöchentliche Gratisbeilage: Illustrierte Neue Lesehalle. Fernsprecher ne 532 lustrierte Neue Lesehalle. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 Pfennig, für auswärtige 15 Pfennig; Reklamen 30 Pfennig.— Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmter Stelle des Inseratenteils übernehmen wir keine Gewähr.— Redaktion und Expedition: Schulstraße Nr. 733. Die Neue Gütersloher Zeitung erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend abend. Der Abonnements=Preis beträgt pro Quartal: 1,20 M. einschließlich Botenlohn; durch die Post bezogen und durch den Briefträger frei ins Haus bestellt 1,44 Mark. Haflung des Tierhalters wieder zugegangen. Er gibt dem§ 888 des Bürgerlichen Gesetzbuchee folgende Fassung:„Die Ersatzpflicht tritt nicht ein, wenn der Schaden durch ein Haustier verursacht wird, das dem Berufe der Erwerdstättgkeit oder dem Unterhalte des Tierhalters zu dienen bistimmt ist, und entweder der Tierhalter bei der Beaussichtigung des Tieres die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachtet oder der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgsalt entstanden sein würde.“ Oesterreich-Ungarn. Ein Erlaß des Kriegsministers verurtellt neuerlich auf das Entschiedenste die Mißhandlungen und herabwürdigenden Beschimpfungen die unnachsichtlich eine strenge Ahndung und das Einschreiten gegen die Truppenkommandanten androhen. Das ungarische Abgeordnetenhaus hat das Ermächtigungsgesetz zur Durchführung des österreich=ungarnischen Ausgleiches mit großer Mehrheit angenommen. Der keoatische Landtag ist nach seiner Eröffnung am Donnerstag wieder anfgelöst warden. Die ungarische Regierung hat diese Maßregel angewandt, da eine Bewilligung des Budgets der autonomen Ausgaben Kroatiens seitens ds kroatischen Landtages nicht zu erwarten war, infolge der liefen in Kroatten herrschenden Erbitterung wegen der Ernennung eines allen Parteien mißliebigen Vanus, noch mehr aber wegen der Unterbindung der Redefreiheit der kroatischen Abgeordneten im ungarischen Abgeordnetenhause. Man fürchtet daß die erbitterte Stimmung sich(xplesio äußern werde. Versten. Meldunzen aus Teheran zufolge nehmen die kriegerischen Unruhen an der G.enze an Umsang zu. Bei in Schtras enstandenen Uoruhen wurde der englische Direkter der dortigen Bank von einer Volksmenge angegiiffen, konnte aber die Flucht ergreisen. Dagegen wurde der englische Konsul durch einen Schuß nicht unerheblich verletzt. Lokales und Provinzielles. Gütersloh, 14. Dez.[Obst= und Gartenbauverein.] In der auf gestern anberaumten Generalversammlung fand zunächst die Neuwahl des Vorstandes statt. Zum Vorsitzenden wurde Herr Otto Bartels und zu dessen Stellvertreter der bisherige zweite Vorsitzende, Herr Wilhelm Stopel, gewählt. Zum Schriftführer wählte man Herrn Hauptlehrer Schätzlein, welcher ebenfalle dieses Amt schon längere Zeit mit besonderer Hingabe und Geschick verwaltet hat, wieder. Zum Kassierer wurde Herr Otto Ruhenstroth und zu Beisitzern die Herren Sanitätorat Dr. Stohlmann und Lehrer Koke gewählt. Die zuletzt genannten beiden Herren gehörten dem Vorstande schon früher an und haben stets Interesse und Sachkenntnis für die Vereinsangelegenheiten bekundet. Die Herren, welche anwesend waren, erklärten sich zur Annahme der Amter bereit. Dann wurden aus der Mitte der Versammlung noch fünf Herren gewählt, welche mit dem Vorstande demnächst die in Aussicht gestellten neuen Vereinssatzungen durchberaten und vorbereiten sollen. Schließlich fand noch die Aufnahme sechs neuer Mitglieder statt und wurde für die nächste Versammlung die nähere Besprechung wegen Abänderung der Satzungen in Aussicht genommen. Iv. Sütersloh, 14. Dez.[Londw. Lokalverein. Wie in früheren Jahren, so beabsichtigt der Landwirtschl. Lokal=Verein auch in diesem Jahre wieder einen Fertbildungsschul=Unterricht an junge Leute der Landgemeinde erteilen zu lassen. Da bis jetzt die Zahl der angemeldeten Schüler jedoch ein: so geringe war, wurde in der letzten Sitzung beschlossen, falls sich nicht bis„Montag abend noch einige Schüler bei einem der Vorstandsmitglieder melden würden, das Vorhaben fallen zu lassen. Es wäre recht bedauerlich, wenn diese so wertvolle Einrichtung nicht wieder zustandekäme. Die Kosten, welche für den Einzelnen der Teilnehmer entstehen, sind im Verhältnis so gering, daß sie kaum ins Gewicht fallen, dagegen ist der Nutzen, der sich für die Schüler aus dem Unterricht ergibt, so bedeutsam, daß darüber kaum noch ein Wort zu verlieren ist. Hoffentlich zeigen die Erwachsenen Einsicht genug, die jungen Lente zur Teilnahme am Unterricht zu bewegen, der, wie erwähnt, nur bei genügender Beteiligung zustande kommen kann. * Aäterglob, 14. Dez.(Versammlung.] Im Saale der„Erholung“ fand gestern nachmittag eine General=Versammlung des Virbanden der Rindvtehzuchtvereinigungen Westfalens statt. Eröffnet wurde die von ca. 100 Personen besuchte Versammlung vom Vorsitzenden Heren Frhra. von Dalwigk=Münster. Herr Regierungsassessor Federrich überbrachte die Wünsche des Herrn Regierungsp äsidenten, der leider am Erscheinen verhindert war und sich darum entschuldigen ließ. Nach Bekanntgabe der Eingänge gab Herr Zuchtdirektor Manitius Kenninis von der vorgenommenen Aenderung der Satzung behufs Anerkennung bei der Deutschen Landwirtschafts=Gesellschaft, womit die Versammlung ihr Einverständnis erklärte. Es folgte nun die Erstattung des Jahresberichts durch den Vositzenden und darauf ein Bericht des Herrn Direktors Manitius über „Westsalen auf der Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts=Gesellschaft in Düsseldorf, wobet der Referent ermahnte, in der erfolgreichen Züchtung fortzufahren und nicht auszuruhen auf den errungenen Lorbeeren. Dann nahm das Wort Herr Landeszuchtdirektor Medizinalrat Dr. Pusch aus Dresden zu einem Vortrage über Stallhygiene. Der Redner sprach sehr eingehend über Stalleinrichtungen und über die Pflege des Vlehes, indem er besonders auf Durchläftung und Größe der Stallungen verwies und der Mlichbehandlung, der Düngerbehandlung wie auch der Zuchtrichtung besonderer Aufmerksamkeit schenkte. Der Vortrag, an den sich eine Diskussion schloß, wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Als nächster Redner sprach Herr Generalsekretär Gerlach aus Münster über die Bekämpfung der Tuberkulose, und den Schlußvortrag endlich hielt unter größter Aufmerksamkeit der Zuhörer in rich fesselnder und sehr lehrreicher Form Herr Prosessor Dr. Bömer=Münster über die Futtervermehrung durch zweckmäßige Gewinnung. Unter Hinweis auf die verschiedenen Arten der Heugewinnung schilderte der Redner deren Nährwerte, vor, während und nach der Ernte und ging dann zu einer Besprechung über die Erzeugung der Rüben und Knollengewächse über. Wie den anderen, so wurde auch diesem Redner vom Vorsitzenden der Dank der Versammlung ausgesprochen und letztere dann gegen 6½ Uhr geschlossen. Avenwedde, 18. Dez.(Unglück sfälle.] Gestern verunglückte der Sohn der Witwe Stöttwig dadurch, daß er von einer Leiter stürzte und sich Schulter und Bein so schwer verletzte, daß er in das Krankenhaus zu Gätersloh gebracht werden mußte. Es ist jedoch Aussicht vorhanden, daß er vollständig genesen wird.— Auch der Sohn des Pächters Krevel erlitt einen scheren Unfall, indem er durch die Bodenluke auf die Tenne stürzte, wadurch er sich jedoch, trotz der außerordintlichen Höhe des Bodens, außer geringen Verletzungen am Kopfe nur den Bruch des Oberschenkeihaises zuzog. Wäre er nicht mit einer Lage Stroh, die in' Rutschen gekommen war, hinuntergefallen, so hätte es ihm, wie der Glocke geschrieben wird, unbedingt das Leden kosten müssen. Winn auch die Bruchstelle recht kritisch ist, so darf der Verletzte doch hoffen, daß er den Unfall ohne dauernde Folgen überstehen wird. Auch er liegt im Eiisabeih=Hospital zu Gütersloh Essen, 18. Dez.(Folgen der Putzsucht.) Die 17jährige Lehrköchin Johanna Neumann von hier ist aus Putzsucht zur Verbrecherin geworden. Um sich schöne Kleider kaufen zu können, entlockte sie einer Freundin 20 Mk. sowie ein Sparkassenbuch über 30 Mk., indem sie ihrer Freundin vorschwindelte, sie kenne einen Trick, womit sie beim Spielen mit jedem 20 Mark=Stück 5 Mk. gewinnen müss. Die N. hob die 30 Mark bei der Sparkasse ab. indem ste mit einem falschen Namen gutttierte. Wegen Betrugs in zwei Fällen, sowie wegen Uckundenfälschung erhielt die Angeklagte in der heutigen Strafkammersitzung 14 Tage Gesängnis. Für unsere Leser! Humer ist die richtige Würze unseres Alltagslebens. Wer aber hat es besser verstanden, Humor und Freude in das stille und schlichte Leben des Alltags zu tragen, als unser populärster Volksschriftsteller Fritz Reuter! Aus jeder Zeile seiner Werke strahlt uns der urwüchsige Humor, der große Reichtum seines Herzens entgegen, in stillen Stunden erheitert und erfrischt er das Gemüt. 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Katholischer Gottesdienst. Sonntag, den 15. Dezember. Morgens 6 Uhr: hl. Messe. Morgens ½8 Uhr: hl. Messe mit Predigt. Morgens 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags 3 Uhr: Christenlehre mit Andacht. NB. Mittwoch, Freitag u. Samstag sind Quatemberfasttage. TSSSE Die glückliche Geburt eines prächtigen Mädchens zeigen ergebenst an Willy Ruhenstroth u. Frau Martha geb. Möller. Gütersloh, den 13. Dezbr. 1907. er Statt besonderer Knzeige. Es hat Gott dem Herrn gefallen, heute mittag 12½ Uhr mein innigstgeliebtes Söhnchen, unsern lieben Bruder August nach längerem Leiden im zarten Alter von 9 Monaten wieder zu sich in sein Himmelreich zu nehmen. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme tiefbetrübt an Fritz Reckmann und Kinder. Gütersloh, den 14. Dez. 1907. Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag 2½ Uhr vom Trauerhause, Marienfelderstraße Nr. 642, aus statt. Zur Weihnachtsbäckerei hält sämtliche Artikel in feinsten Qualitäten bestens empfohlen F. L. Ibrügger. 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Fersprecher ne 32 Die Neue Gütersloher Zeitung erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend abend. Der Abonnements=Preis beträgt pro Quartal: 1,20 M. einschließlich Botenlohn; durch die Post bezogen und durch den Briefträger frei ins Haus bestellt 1,44 Mark. ustrierte Neue Lesehalle. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 Pfennig, für auswärtige 15 Pfennig; Reklamen 30 Pfennig.— Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmter Stelle des Inseratenteils übernehmen wir keine Gewähr.— Redaktion und Expedition: Schulstraße Nr. 733. Nr. 149 Druck und Verlag: Schmäling& Ohlbrock, 8 tersloh. Sonnabend, den 14. Dezember 1907 Verantwortlicher Redakteur: Johannes vogt in Gütersloh. 8. Jahrgang Zweites Blatt. An den letzten 10 Wochentagen vor dem Weihnachtsfeste ist es gesetziich gestattet. die Verkaufszeit bis 10 Uhr abends aus zudehnen. An den nüchsten 2 Sonntagen ist die Verkaufszeit für Gütersloh auf 8 bis 10 Uhr vormittags und 12 bis 8 Uhr abends festgesetzt. Deutscher Reichstag. Berlin, 12. Dez. Der Reichstag begann heute die erste Beratung der Novelle zum Börsengesetz. Der preußische Handelsminister Delbrück begründete die Vorlage damit, daß das Börsengesetz von 1896 die darauf gesetzten Erwartungen nicht erfüllt und vielfach nachteilige Folgen gehabt habe. Der damals geschaffene Begriff des Termingeschäfts habe sich nicht bewährt und ebenso wenig das Börsenregister, durch das Treu und Glauben erschüttert worden seien. Die Vorlage sei keine politische. Alle Parteten könnten auf den Boden derselben treten. Abg. Semler(nil.) legte eingehend die Nachteile dar, die das 1896er Gesetz gezeitigt. Der Landwirtschaft habe es nicht zenugt und der kleine Bankler, namentlich in der Provinz, n erdrückt worden. Früher habe man eine Börse und kein Börsengesetz gehabt. Jetzt habe man ein Börsengesetz aber keine Börse. Die Abschaffung des Börsenregisters sei eine befreiende Tat. Abg. Bitter(Zir.) erklärt, daß seine Partei nicht gewillt sei, den Riegel, den das 96er Gesetz dem Börsenspiel vorgischoben habe, zurückzuschieben, wenn sich auch über das Register vielleicht reden lasse. Abg. Graf Kaniz(kons.) ergriff hierauf das Wort, um auszuführen, daß der gegenwärtige Augendlick zu einer Börsengesetzreform nicht geeignet sei. Redner wurde aber bald von einem Unwohlsein befallen und mußte aus dem Saale geleitet werden. Er erholte sich allmählich wieder, das Unwohlsein erwies sich als eine Folge von Ueberarbeitung. Abg. Kaempf(srs. Vp.) sprach sich im Sinne des Abg. Semler aus. Er führte die Verschärfung der Geldmarkts= verhältnisse zum Teil mit auf das 96er Gesetz zurück. Abg. Dr. Arendt(Rp.) erklärte, daß seine Freund eine Aufhedung oder auch nur Erleichterung des Getreidetermirgeschästs keinesfalls zustimmen. Gegen die Vorlage äeußert er mancherlei Bedenken. Den Grund für die Kalomität auf dem Geldmarkte sieht er in der Freizügigkeit des Goldes. Abg. Mommsen(freis. Vag.) sah in der Vorlage das Mindeste, was zur Behebung der vielbeklagten Schäden im Börsenverkehr gesordert werden müsse. Weiterberatung morgen. Berlin, 18. Dez. Der Reichstag führte heute die eiste Beratung der Novell= zum Börsengesetz zu Ende und überwies die Verlage an eine besondere Kommission zur Beratung. Abg. Singer(Soz.) forderte Freigabe des Terminhandels in Getreide und Mühlenfabrikate, Abg. v. Sasz#aworski(Pole) Aufrechterhaltung des Terminhandelsverbots. Abg. Dr. Hahn(Bd. d. Landw.) bestreitet, daß das 1896er Börsengesetz die behaupteten nachteiligen Folgen gehabt habe. Eine Wiederherstellung des Terminhandels in Bergwerksund Fabrikantellen wiederriet Redner entschieden. Er führte weiterhin verschiedene Beispiele der Verleitung zum Börsenspiel an und erklärte schließlich, mit seinen Freunden in der Kommission an einer Verbesserung der Vorlagen mitarbetten zu wollen. Abg. Dove(freis. Vg.) vertrat den entgegengesetzten Standpunkt und wünschte Beseitigung noch weiterer dem Börsenverkehr gesetzter Schranken. Abg. Böhme (wirtsch. Vg.) und Zimmermann(Reformp.) sprachen gegen eine Abschwächung der bestehenden Beschränkungen. Dann wurde noch die Vorlage betreffend Erleichterung des Wechselprotestes in erster Lesung beraten. Fast alle Parteien äußerten sich sympathisch zu der Vorlage, die darauf an eine Kommission verwiesen wurde. Dann vertagte sich der Reichstag bis zum 8. Januar. Lohales und * Sütersloh, 14. Bez.[Vom Tage.] Nur nech einige Tage sind is bis zum lieben Weihnachtsfeste, das wohl jedermann gern bei Frost und Schnee seiert. Aber noch si ht es garnicht danach aus, als sollte das rechte Weihnachtswetter sich bald einstellen: an die Fensterscheiben, die man um diese Zeit am liebsten mit Elsblumen geschmückt siehl, trommelt unaufhörlich Tag und Nacht der Regen und der Sturm heult dazu die possende Melodie in allen Tonarten. Wo bleibt da die wahre Feststimmung, wo die Erfüllung des Wunsches der Geschäftsleute, die nach dem Gehörten bis dahin noch wenig Ursache gehabt haben, von einem Weihnachtsgeschäft zu reden? Möchte doch bald an Stelle der jetzigen Witterung, die auch in gesundheitlicher Beziehung keine guten Folgen ausweist, eine zeitgemäßere treten, eine solche, welche die Weihnachtsnähe auch nach außen verspüren läßt. de. Eütersloh, 14. Dezember.[Arbeiterschutz.] Von den beteiligten preußischen Ressortiainistern sind unterm 17. Juli d. Is. neue Grundzüge für Polizelverordnungen, betreffend die Arbeiterfürsorge auf Bauten, erlassen worden, die den Wünschen der in Betracht kommenden Kreise in weitgihindem Moße Rechnung tragen und namentlich über die Anlage und Einrichtung der Baubuden und deren Erwärmung in der kälteren Jahreszeit, die Schaffung von Gelegenheiten zum Wärmen von Speisen und Gelränken, sowie auch über die Anlage und Beschaffenheit der Bedürfnisanstalten wesentlich schärfere Bestimmungen enthalten als die bieher maßgenbenden„Grundzüge“ vom 7. Juli 1899. Die Provinzialbehörden sollen Sorge tragen, daß beim Erlasse neuer und der Abänderung bestehender, weniger ausführlicher Arbeiterschutzverordnungen die neuen Grundzüge nach Möglichkeit Verwertung finden. Isselhorst, 14. Dez.[Nach der diesjährigen Personenstandsaufnahme stellt sich die Einwohnerzahl in den nachbenannten Gemeinden wie folgt: Isselhorft 1412, Holtkamp 212, Hollen 868, Niehorst 459 und Ebbesloh 140. Herford, 13. Dez.[Verunglückt.] Ein bei Gebr. Wittland beschäftigter Zimmermann aus der Nähe von Magdeburg stürzte gestern nachmittag von dem Anbau der Schule Mindenerstraße das nicht abgedeckte Treppenhaus hinunter, durchschlug die eineinhalbzöllige Kellerverschalung und blieb bewußtlos im Keller liegen. Als man ihn aufrichtete, ergoß sich ein starker Blutstrom aus dem Munde und am Hinterkopfe zeigte sich eine klaffende Wunde. Die sogleich telephonisch herbeigerufenen Aerzte konstatierten Gehirnerschütterung und innere Verletzungen und ordneten seine Ueberführung ins Krankenhaus an. Münster, 13. Dez.[Im Zuge erschossen] hat sich in der vergangenen Nacht der Gerichtsvollzieher H. aus Gelsenkirchen. Er verübte die Tat auf dem Abort eines Träume. (Nachdruck verboten.) Ich träumte als Kind einn vom Glück Und sah die Blumen, die goldene Sonne, Ich sah sie mit staunendem Blick Und fühlte im Herzen Entzücken und Wonne. Da wünschte ich ein König zu sein— Wett wollte ich ziehen über Land und Meere, Bis dann all die Blumen, ach, mein, Die Welt und die Wonne mir Eigen wäre. Ich träumte als Jüngling vom Glück— Im Nachbarsgarten blühten die Rosen. Da stand ich mit sinnendem Blick—— Und um mich her ein Küssen und Kosen— Es war mir ins Herz ein Sehnen gefallen. Woher es kommen, ich wußt es kaum, Da schaute ich dich, du Schönste, von Allen—— Still ward mein Sehnen— Ich ging im Traum. Dann träumte als Mann ich vom Glück— Ich stand im Lebenskampfe, dem heißen, Da mahnte ein drängend Geschick: Nicht still gestanden!— Schmiede das Eisen Es ist das Leben ein rastloses Ringen. Höher, stets höher heißt das Gebot, Was heut' du kannst, darfst nicht morgen vollbringen Eile nur, eile!— Rasch kommt der Tod. Run träumte als Greis ich vom Glück, Bin müde geworden, die Kraft ging zu Ende, Ich schaue in die Ferne zurück— Und falte zum innigen Beten die Hände. Schon schweben ums Haupt mir des Todes Schatten, Leis doch ins Herz sich mir Sehnsucht schleicht; Die Sehnsucht nach friedlichen Himmelsmatten, Ob dort wohl das wahre Glück sich mir zeigt. Adolf Dreßler jun. Ihr Schicksal. Reman von H. Friedrich. (25. Fortsetzung.)—(Nachdruck verboten.) Zu dem Kranken zurückkehrend, über dessen fahles Gesicht ein Ausdruck der Qual und Angst ausgebreitet lag, fand sie die Baronin bereits bei dimselben anwesend und unter langsam rinnenden Tränen aufmerksom auf des Sohnes Erklärungen lauschend, welche dieser nur mühsam hervorstleß. Wohl wissend, daß er niemals Widerspruch vertragen hatte und in dem gegenwärtigem Zustande noch winiger zugänglich sein würde für ein abmahnendes Wort als sonst schon, sagte sie nur: „Du mußt wissen, was du tust, mein Sohn! Aber host du dir auch überlegt, wie die Welt diesen Schritt Sidoni's auslegen wird? Bedenke, daß du ihn nicht mehr zur Seite stehen, sie nicht mehr wirst schützen können!“ Baron Edgar senkte leicht den Kopf. Sidi aber rief: „Laß sie reden, die giftigen Zungen, es ist ja nur der Neid, der aus ihnen sprechen wird! Ich frage nichts danach und werde stark genug sein, mich dagegen zu verteidigen!“ „Aber Horst?“ warf die Baronin doch noch einmal ein, der es zu widersinnig dünkte, an der Schwelle des Grabes noch einen solcher Schritt zu tun. Konnte Sidi nicht ebensogut ein Kapital geschenkt erhalten? Das Majorat mußte sie als Edgar's Witwe ja doch an Horst abtreten. Wenn dieser es begehrte, hatte sie Ueberlingen zu verlassen und ihre Zinsen anderweitig zu verzehren. Welchen Vorteil konnte es da also für Sidi bedeuten, daß die Zeremonie am Sterbebette vorgenommen wurde? Als läse er in ihrer Seele, sprach Edgar: „Horst wird dadurch nicht verkürzt, aber sie“ er deutete auf Stdi,„sie soll unabhängig sein von anderer Wohltaten—“ „Ueberlege es dir wohl, mein Sohn!“ versetzte die Baronin sanft.„Ich gönne Sidi alles Gute, sie war kair ja seit Jahren wie eine Tochter, aber was du lun willst, ist zwecklos und nur dazu angetan, um unsern Namen in aller Leute Mund zu bringen!“ „Laß mich, Mutter!“ wehrte er ihr jedoch.„Dir mag's zwicklos erscheinen, Sidi aber— sie hat mich geliebt, trotz allem— und sie soll meinen Namen tragen,— ich will's so!“ Jedes weitere Wort schien überflüssig, der Kranke war entschlossen und von seinem Vorhaven nicht abzubringen. Zudem ward auch der Geistliche gemeldet. Derselbe hatte den Baron getaust und konfirmiert und mar bereit, die Trauung vorzunehmen, nachdem die zivile Eheschließung vorhergegangen sein würde. Die Vorbereitungen, die Fragen, die der Kranke beantworten sollte, regten ihn derart auf, daß er in Schweiß gebadet in seinem Stuhle lag, nur den Augenblick ersehnend, da alles vorüder sein würde. Seit Gabriele ihn mit solch harten Worten zurückgewiesen hatte und aus diesem Hause geflohen war, war er still und stiller geworden. Des Mädchens offen zur Schau getragener Abscheu ver ihm und seiner Liebe ließ ihn Einkehr halten in sich selbst. Gabriele hatte das Bessere in ihm zum Leben erwickt. Seine Liebe zu ihr war das edeiste Gefühl, das ihn je beseelt hatte. Hätte Gabriele seine Liebe erwidern können, er wäre ein ganz anderer geworden. Nun war es aus mit allem und darum mochte denn auch Sidi ihren Willen haben,— das letzte gute Werk, das er stiften konnte, ehe er aus dem Leven schied, und das er darum stiften wollte. Während im Schlosse die einfache und doch so ergreifende Feier stattfand, durch die ein bereits schwindendes Menschenleben noch ein anderes an sich kettele, jagte im schärfsten Trabe der Rittmeister Horst von Ueberlingen auf der Landstraße daher, der Heimat zu. Es waren all.s andere denn frohe Gedanken, die ihn dabel beseelten. Tiotzdem er mit dem Bruder niemals sonderlich harmoniert hatte, hatte es ihn doch schwer getroffen, daß nach den litzten Nachrichten, die er erhalten, alle Hoffnung für denselven ausgeschlossen schien. Für ihn machte es zwar keinen Unterschied, ob Eogar lebte oder nicht, denn er würde sein geliebtes Regiment doch nie verlassen—— Horst von Ueberlingen seuszte. Vor seinem gelstigen Auge erstand eine jugendliche Mäochengestalt im Trauerkleide, die an dim schweren Joch ihr vom Schicksal ausgebürdeter Pflichten klaglos trug. Zweimal hatte er sie nur gesehen bei seiner Mutter auf Schloß Ueberlingen, aber sich j desmal unglücklich gefühlt, daß er nicht imstande war, sie hiawegzunehmen von doct und zur Herrin eines eigenen Heims Schlafwagens des um 2“ hier eintreffenden Zuges KölnHamburg zwischen den Stationen Sinsen und Haltern. Die Leiche wurde zur Beichenhalle des Central=Friedhofs gebracht. Essen, 13. Dez.[Unschuldig verurte###t. Das Schwungericht sprach im Wiedereufnahmeverfähren den Mauerer Di gelmann und den Agenten Dröger, die im Februar 1905 wigen Straßenraubes zu 2 Jahren Gefängnis, bezw. 5 Jahren Zuchthaus verurteilt worden waren, srei. Beide hatten bereits einen Teil der Strafe verdüßt. Köln, 18 Dez.(Vergistung.) Ein jung### Mädchen, das in Nippes bei seiner Schwester weilte, erkrankte am Sonntag plötzlich unter Vergiflungserscheinungen und ist jetzt gestorden, ohne daß bislang die Urfache ermittelt worden wäre. zu machen. Gabriele war ja nie und nimmer zum Dienen geschaffen, mochte sie sich auch noch so sehr Gewalt antun. Nun log das Schloß vor ihm im Abendsonnenschein, der die Ferster vergoldete und dem alten Gemäuer ein festliches Gepräge verlieh. Und drinnen kämpfte eine Menschenseele den letzten schweren Kompf, der den Schneidenden sich losreißen heißt von allen Schätzen der Erde, von allem, was ihm li b und wert war. st zügelte sein Pferd. Das Herz schlug ihm gewaltig. Sollie er jetzt doch diejenige wiedersehen, die er so heiß liebte, der er sich aber noch nicht zu nähern gewagt, weil er ihr ja bislang noch keinen Ersatz zu bieten vermochte für das, was sie aufgegeben und verloren hatte. Mit Edgar's Tode änderte sich das mit einem Schloge. Aber wohin verirrten sich seine Gedanken? Wie unwillig darüber drückte er dem Pferde die Sporen in die Wichen, so daß es im gestrickten Galopp dohinflog und er in wenigen Augendlicken die Freitrepp; erreicht halte. (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. Berlin, 18. Dez. In, Rixderf ereignete sich gestern abend ein schwerer Unglücksfall. Vor dem großen Schaufenster eines Spielwarengeschäfts, das durch Aushang bekannt gemacht hatte, daß es um 6 Uhr im Schaufenster eine Kaspirlethte#erverstellung veranstalten würde, hatte sich eine große Kinderschar angesammels. Durch den immer stärker werdinden Andrang zerbarst schließlich die Fensterscheibe und zersplitterte nach allen Seiten. Zahlreiche Kinder wurden in die Spittter hineingestoßen und 24 derselben mehr oder winiger schwer verletzt, einige von ihnen mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Die Hauptschuld trifft die Erwachsenen, die von hinten die Kinder gegen die Scheibe drückten, wodurch sie schließlich eingedrückt wurde. * Böse Felgen einer Schülerverbindung. Wegen Zugehörigkeit zu einer Schülerverdindung sind vom Gymnasium und Realgymnasium in Rendsburg sieben Primaner bezw. Sekundauer entlassen worden; zwei haben sich vereits vor dem Urteil abgemeldet. Unter den Entlassenen waren drei Ab'turtenten und sechs auswärtige Schüler. * Glogau, 14. Dez. Das dem Grafen Hardenberg, Oberleutnant im Breslauer Leib=Kürassier=Regimeni, gehörige Schloß Netikau im hiesigen Kreise nehst Park und Jaod ist nach der Schlefischen Zeitung vom 1. April 1908 ab an den kommandierenden General des 7. Armeekorps, Frhrn. v. Bissing, auf einen Zeitraum von sieden Jahren veipichtet worden. * Würzburg, 12. Dez. Die Inhaber eines kleineren Bankgeschäftes, Lippert u. Stein, stellten sich heute wegen Depotunterschlagungen dem Staatsanwalt und wurden sofort verhaftet. Der Kaufmann Bernhard Badmann hat sich wegen Verluste bei diesem Bankgeschäft gestern erhängt. *[Eine Stickerin ohne Hände.] Im Versor gungshause zu Sulzberg bei Oberstaufen befindet sich schon seit Jahrer eine Stickerin ohne Hände. Sie heißt Agatha Gieselbrecht und steht im 52. Lebensjahre. Das mit vortrefflichem Humer ausgestettete händelose Mädchen kann sehr gut nähen und sticken, verfertigt bübsche Teppich= und schreibt sehr schba; auch„selbst essen“ kann es. Unlängst erhielt es auf einer Ausstellung in Hohenems für eine wohlgelungene Teppicharbeit einen Preis von 20 Kronen als Auszeichnung. Standesamts-Nachrichten für die Zeit vom 7 bis einschl. 18. Dezember 1907. Stadt Güters! Eheschließungen: Kaufmann August Gustan Oberbrakensiek zu Laar mit Anna Marie Sophie Husemann von hier. Sterbefälle: Invalidenrentenempfänger Heinrich Gustav Dietrich Schiermeyer 32 Jahre alt. Amt Güterslod. Geburten: Söhne: Schaffner Wilhelm Morre zu Nordhorn. Töchter: Maurergeselle Heinrich Banze zu Pavenstädt. Kutscher Heinrich Oblau zu Pavenstädt. Hilfsdremser Wilhelm Teißmann zu Nordhorn. Tischler Hermann Wulfhorft zu Pavenstädt: Sterbefälle: Walter Gießelmann zu Pavenstädt, 4 Monate 26 Tage alt. Klempner Wilhelm Korte zu Pavenstädt, 40 Jahre 11 Monate alt. Ehefrau Johanne Bökenhans geb. Hark zu Sundern, 51 Jahre 2 Monate alt. Märkte. 17. Dezember. Gütersloh, Lübbecke: Biebmarkt. 18.„ Bünde: Kram= und Viehmarkt. Stadthagen, Osnabrück: Viehmarkt. 19.„ Lippstadt: Kram= und Biehmarkt. Lengerich(Bhf.), Bückeburg: Viehmarkt. 90.„ Deldrück, Herford, Hamm: Kram= und Viehmarkt. Kenner trinken Kronen=Korn oder König'schen Alten Korn. Mehrerehundert schöne Weihnachtsbäume stehen zur gefl. Ansicht bei Ang. Heidland. Neue Reihe. Festgeschenken Gute abgelagerte Cigarren in allen Preislagen u. Packungen empfiehlt zu äußersten Preisen F. L. Ibrügger. Große Auswahl. Christbaumlichte Sicarin, Parafin, Ceresin und Renaissance in allen Farben und Größen. Wachsstöcke in allen Größen. Christbaumschmuck in hübscher Auswahl. Christbaum=Behang in Marzivan, Chokolade, Fondanks und Schaum. Früchte. Nüsse in allen Sorten. Ehristhaum=Bisquit, Spekulatien, echte Nachener PrinzeßPrinten. W. Küster. 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Moltke begründete die Vorlage mit Rücksichten der Gerechtigkeit. Abg. Cassel (freis. Vp.) und Münsterburg(freis. Vag.) bekämpften die Vorlage vom Berli#ter Standpunkte. Abg. SchröderCissel(nl.) verlangte eine bewetskräftigere Begründung. Abg. v. Treskow(kons.) König(Zir.) und Rewoldt (freik.) spcachen sich im allgemeinen zustimmend aus. Auf der Tagesordnung standen ferner die Interpellationen der Konservativen und Freikonservativen, bitriffend Maßregeln gegen Rechtsverletzungen und Kontraktbuch durch ausländische industrielle und Landarbeiter. Die Inlespellatienen wurden von dem Abg. v. Pappenheim (kons.) und v. Woyna(frk.) begründet. Abg. v. Pappenheim begründet seine Interpellation mit einem Hinweis auf die Häusung der Rohheitsdelikte ausländischer Arbeiter und verlangt eine genaue Kontrolle dieser Leute, die man mit besonderen Auswelspopieren versehen müsse. Ausländer ohne solche Papiere müßten rücksichtsles abgeschoben werden. Auch gegen Kontroktbruch ausländischer Landarbeiter fordert der Redner gesetzliche Maßnahmen. Abg. v. Woyne, fordert strafrechtliche Verfolgung der Verleitung zum Kontraktbruch. Es sei falsch, zu glauben, die Arbeiter würden wegen schlechter Behandlung und schlichter Wohn! gelegenheit kontraktbrüchige Leute, bei dem Arbeitermanger könne sich kein Arbeitergeber eine solche Behandlung det Brbeiter leisten. Landwirtschaftsminister v. Arnim erkenn die Wichtigkeit der Frage an. Die Regierung sei aber nud in der Lage, sich mit den nach Praußen zurückwandernden ländwirtschaftlichen Auslandsarbeitern zu befassen. Die industriellen Arbeiter ständen unter der Gewerbeordnung, also unter der Reichsgesetzgebung. Der Minister gedenkt die vom Abgeordneten v. Pappenheim erwähnten be, sonderen Legitimationspopiere für ausländische Arbeiter einzufähren. Bei Antritt einer neuen Tätigkeit würde der Arbeiter sich ein neues Legitimationspapier ausstellen lassen müssen, und das werde nicht erleilt werden, wenn er seine verige Stellung widerrechtlich verlassen habe. Bereits am 1. Februar 1908 soll an der Ostgrenze mit diesem LegiUmationszwang, dem auch die ausländischen industriellen Arbeiter unterwerfen sein sollen, begonnen werden. Erst müsse man den Erfolg dieser Maßnahme abwarten, ehe man andere sordere. Abg. Dippe(nl.) erwartet von dieser Maßnahme eine gute Wirkung. Abg. Geldschmidt (sreis V.) und Herold(Zir.) forderten Koalitionsrecht für die Landarbeiter. Litzterer will auch einen Schutz der Auslandsarbeiter dahin, daß bei Kontraktbrüchen zunächst senau geprüft würde, ob der Arbeiter nicht zum Verlassen es Arbeitsverhältnisses triftige Gründe gehabt habe. Sei das der Fall, so dürfe man ihn nicht ausweisen. Abg. Nehbel(kons.) forder! Bestrafung des Kontraktdruches der Landarbeiter, da dies Massenausbeutung einer Nollage sei und schließlich zum Ruin der Landwirtschaft führe. Abg. Hirsch=Essen(oll.) betont die Notwendigkeit ausländischer Arbeiter für Landwirtschaft und Industrie. Deshald dürften keine Maßregeln getroffen werden, die den Zuzug solcher Arbeiter unterbinden. Hierauf wird die Besprechung geschlossen. Nächste Sitzung 8. Januar 1908 Lokales und Provinzielles. * Güteroloh, 14. Dez.[Zwei„metallische“ Sonntage.] Die beiden letzten Sonntage ver Weihnachten werden im Volke der„filberne“ und der„goldene“ Sonntag genannt. Der„silberne“ Sonntag ist nach althergebrachter Sitte dersenig: Tag, an dim das Weihnachisgeschäft auf seine Höhe kommt. Da beginnen die Massenwanderungen, und alle Geschästsleute hoffen, recht viel davon zu profileren. Erwelst sich diese Hoffgung aber als trügerisch, was des österen, namentlich bei schlichtem Wetter, vorkommt, dann ist der letzte Hoffgungsanker der„litzte“ Sonntag vor dem Weihnachtsfeste, der„goldene Sonntag“. 95 Dieser bedeutet für die Geschästswelt gewissermaßen ein Fest vor dem Feste; denn es ist eine bekannte Tatsache, daß sehr viele Leute zu Weihnachten den Einkauf ihrer Geschenke gerade bis zum Feste verschieben. Sorgsame Hausfrauen zögern mit dem Einkaufe aus verschiedenen Gründen: vielleicht erhält man das Gewünschte im letzten Augenblick doch noch etwas billiger, man trennt sich noch so schwer von dem ersparten Gelde. Und dann ist es endlich für viele ein stolzes und glückliches Gefühl, ein unendliches Vergnügen, etwas Schönes kausen zu können; man zögert daher und wartet mözlichst lange, weil man weiß, daß die Freude an dem gewünschten Gegenstande leider nur allzuhäufig mit seinem Besitze aufhört. Daher die ungeheure Völkerwanderung an dem letzten Sonntage vor Weihnochten, dim„goldenen“, der die Zeit gewährt, daß man richtig und gründlich Umschau halten kann, damit man nicht doch zuguterlitzt etwas für teures Geld einkauft, was einem schließlich nicht gefällt. Viel= Hoffnungen werden feierlich zuschanden, wenn der launische Wettergott kein freundliches Gesicht macht und den Regen, wie es gerade am Sonntage schon öfters vorgekommen ist, wie„seine Bindsäden“ herabrieseln läßt. Wir wünschen aber allen Geschästsleuten unseres Octes, daß ihnen erst ein„silberner“ und dann noch ein wirklich „geldener“ Sonntag beschieden sein möge. 0 Sütersloh, 14. Dezbr.[Spar= und Leihbank.] Zu der am Donnerstag nachmittag 6 Uhr im Gasthof zur Krone abgehaltenen General=Versammlung der Spar= und Leihbank hatten sich leider nur 29 Mitglieder eingefunden und darf dieser schwache Besuch wohl mit der bischäftigungsreichen Weihnachlszeit entschuldigt werden. Nach Ernennung des Protokollführers und der Stimmzähler gab der Vorsitzende, Herr Hermann Saligmann, zu Punkt 1 der Togesordnung einen eingehenden Bericht über den Verlauf des letzten Geschäftsjahres, verlas den Revisionsbericht des gerichtsseitig bestellten Nwisors Herrn H. Husemann, berichtete über die Tätigkeit des Aufsichtsrats, dir Revisoren und des Vorstandes und beantragte sodann, die dem Mitgliede zugestellte Jahresrechnung richtig zu sprechen. Diesen Antrag nahm die Versammlung einstimmig an und erteilte dem Vorstande und Aufsichtsrat Entlastung. Hierauf wurde einem Antrage des Aufsichtsrates und Vorstandes entsprechend die Gewinnverteilung wie folgt beschlossen: 6 Prozent Dividende mit Mk. 3999,98, zum Reservesonde Mk. 2891,70 und zum Hülssreservesonds Mk. 7566,83. Nach der alsdann erfolgten Wederwahl der ausscheidenden Aussichtsratsmitglieder Herren H. Manecke, Fr. Roggenkamp und Herm. Zumwinkel wurde außerhalb der Tagesordnung bei Besprechung des Checkverkehrs beschlossen, daß die Checks forten vom Tage des Eingangs dem Konto abgeschrieben werden sollen. s Süterslok. 14. Dez.(Von der Eisenbahn.] Zur Bewältigung des aus Anlaß des Weihnachtsfestes zu erwartenden starken Personenverkehrs werden von den Eisenbahndirektionen vom 21. d. Mis. an Vorzüge eingelegt, die den fahrplanmäßigen Hauptzügen in kurzen Abständen vorausfahren und in Bezug auf Fahrkarten genau wie die litzteren behandelt werden. Die Reisenden werden dringend ersucht, möglichst die Vorzüge zu benutzen, und darauf aufmerksam gemacht, daß diese Züge die Anschlüsse auf den Abzweigstationen sicherer erreichen als die nachfolgenden X)Sütersloh, 14. Dez.[Schorlacherkrankungen machen in den Nachbarorten von sich reden und auch hier in Gütersloh sind bereits vereinzelte Fälle dieser gefürchteten Kinderkrankhelt zu verzeichnen. Von welch bösen Folgen diese Krankheit begleitet sein kann, wenn ihr nicht rechtzeitig die nötige Beachtung geschenkt wird, dürfte bekannt sein. Nicht selten nun werden Nesselfieber und Scharlach miteinander verwechselt, was aus einer der Westsällschen Zeitung von ärztlicher Seite zugehenden Mitteilung hervorgeht, die wir im Interesse der Allgemeinheit hier wiedergeben: Die in letzter Zeit bei Kindern und auch Erwachsenen häufiz vorkommenden Fälle eines akuten mit Fieber vervundenen Hautausschlages haben, sowelt es den Ausschlag betriffl, entschieden den Charakter des Scharlachausschlages. Man wird deshalb gut tun, die Krankheitsfälle als leichte Scharlachfälle anzusehen, zumal da das epldemische Auftreien von Scharlach in Bielefeld und Umgegend diese Annahme in höchstem Grade wahrscheinlich macht. Nsselfieber tritt niemals epidemisch auf, und kann auch bei der höchst charakteristischen Beschaffenheit des Nisselausschlages kaum mit Scharlachfieber verwechselt werden. Eine Verwechselung des Scharlachs mit Nesselausschlag könnte doch in sanitärer Bezlebung recht bedenklich wirken. Rheda, 12. Dez.(Treibsagdergebnisse.) Bei der gestern vom Fürsten veranstalteten Trelbsagd in der Privaljagd Sudseld und Bosseld wurden von 5 Jäzern 61 Hasen, 35 Fasanenhähne und 8 Kaninchen geschossen.— Vorige Woche Mittwoch wurden nach der Glocke in der angepachteten Gräflichen Jagd in St. Vit von 4 Jägern 50 Hasen, 28 Fasanenhähnchen und 18 Kaninchen, und am Donnerstag wurden in der Privatjagd Hambusch und Klei von 8 Jägern 95 Hasen, 15 Fasanen und 16 Kaninchen zur Stricke gebracht. (Kreis Herford), 12. Dez.[Unglücksfall bei der Dreschmaschine.) Am Dienstag nachmittag wurde auf dem Hofe des Landwicts Lübke hier mittels der Dreschmaschine gedroschen. Die annähernd 80 Jahre alte Ehefrau Läbke war vor dem Hause bei den Pferden, welche am Göpel waren, beschäftigt. Als die Pferde plötzlich stehen blieben und man nach der Ursache sorschte, lag die alte Frau schwerverletzt auf der Eede; der rechte Arm saß festgeklemmt im Triebwerk des Göpels. Die Verletzungen waren derart, daß krotz herbeigeholter Hilfe der Tod nach wenigen Stunden eintrat. Yämpten, 14. Dez.[Den Erstickungslod) erlitt ein 15 Monate altes Kind der Familie L. von hier. Dem Kinde war ein Stück einer Apfelsine in die Luftröhre geraten, und alle Hilfeversuche erwiesen sich als fruchtlos. Köln, 12. Dez.[Opfer der Straßenbahn.] Heute nachmittag wurde auf der Nachenerstraße am Rudolphplatz ein etwa achljähriger Junge vo., einem Wagen der Straßenbahn überfahren, und so schwer verletzt, daß der Tod sosort eintrat. Der Junge war, als er von einem Kastansenverkäufer verfolgt wurde, vor den Wagen gelaufen. 18. Dez.[Einen gelungenen Gauner= streich] vollführte hier eine Frauensperson. Sie kam in ein hiesiges Geschäft, kauste für etwa 200 Mk. Ware ein und bat den Inhaber, die Sachen durch ein Mädchen in die„angeblich:“ Wohnung zu schicken, wo es gleich das Geld in Empfang nehmen könne. Unterwegs erklärte die Käuferin ihrer Begleiterin, sie habe den Regenschirm im Geschäft stehen lassen und ersuchte das ahnungslose Mädchen, den Schirm zu holen. Sie selbst verdustete und der Kaufmann hatte dos Nachsehen. Haunouer, 14. Dez.(175000 Mark Schadenersatz.] Daß ein Menschenleben unter Umständen teuer bezahlt werden muß, zeigt hier folgender Fall. Am 7. August d. J. kam der Reisende Weiß bei der Explosion eines Lokomotivkessels in der Halle das hiesigen Bahnhofs zu Tode. Die Witwe des Verstorbeness erhielt von einer Magdeburger Versicherungsgesellschaft, bei der Weiß für Reiseunsall auf der Eisenbahn mit 25000 Mark versichert war, am nächsten Tage die Summe ausbezahlt, strengte aber weiter gegen den Eisenbahnfiskus eine Schadenersatzklage von 175000 Mark an mit der Begründung, daß ihr verstorbener Mann ein Jahreseinkommen von 10000 Mk. gehabt habe und bis zum 60. Lebensjahre mindestens arbeitssähg gewesen wäre. Wie mitgeteilt wird, soll Aussicht vorhanden sein, daß Frau W. den vollen Betrag erhält, da der Eisenbahnfiskus bei Todesfällen, die die Bahn verschuldet hat, stets entgegenkommend ist. Altena, 14. Dezbr.[Zum Wiederaufbau der Burg Altena) sind an Spenden bisher rund 200 000 Mark eingegangen; Beiträge von erheblicher Höhe sind in letzter Zeit nicht mehr zu verzeichnen. Es fehlen noch annähernd 400 000 Mark. Der Ausschuß gedenkt nun zunächst, die noch erhaltenen Teile der alten Burg zu renovieren und in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen; die Rekonstruierung der übrigen Burgbauten wird dann später je nach dem Einlauf der nötigen Mittel ausgeführt werden. Um im Frühjahr 1908 rechtzeitig mit den nötigen Arbeiten beginnen zu können, hat der Ausschuß beim zuständigen Ministerium bereits Schritte getan, um die Burg einem zu gründenden Burgverein zu übereignen. Es wurde zunächst ein Arbeitsausschuß gewählt. für Haus= und Landwirtschaft. Pefferminzöl als Heilmittel. Gegen Verbrennung oder Verbrühung ist Piefferminzöl eines der besten Mittel. Auf die verlitzte Stelle gelegt oder gesteichen, bringt es rasch Erleichterung und baldige Heilung, ohne Narben zu hinterlassen. Man sollte deshalb dieses Oel, das billig ist, immer vorrätig halten. Bis zu dessen Anwendung kann man den verdrannten Teil unter Wasser halten. Man kann das Pfefferminzöl auch zur Hälfte mit Glyzerin vermischen, und so läßt es sich auch mit Vorteil bei erfrorenen Gliedern benützen. Winterarbeiten. Gewöhnlich häusen sich alle Arbeiten bei der Frühjahrsbestellung auf eine kurze Zeitpanne zusammen, während jtz', nachdem die Felder in rauher Furche llegen, mancher Landwirt recht froh ist, wenn er, zumal für seine Gespanne, eine zweckmäßige Beschäftigung hat. Soweit die Grundstücke, vor allem die Wiesen und Viehwelden, betreibar sind, ist jtzt geeignete Zeit zum Agsstreuen des Thomasmehls. Auch den Herbstsaaten und un 15 — Kleefeldern kann 2s jetzt noch recht gut als Kopfdüngung gegeben und auch auf die für Frühjahrssaaten bestimmten Felder schon jetzt gestreut werden. Vermischtes. * Cuxhaven, 18. Dez. 20 Offiziere sowie 475 Unteroffiziere und Mannschaften sind heute vormittag mit dem Dampfer„Prinzessin" als Schlußrücktransport aus Südwestafeika hier eingetroffen. *(Zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt] wurde auf Geund eines an den Kaiser gerichteten Bittgesuches der Geschworenen die 20jährige unverehelichte Kasimira Chmielewez aus Hohensalza, die im Juni vom Schwurgericht in Bcomberg wegen Kindesmerdes zum Tode verurteilt worden war. Sie hatte das dreijährige Kind ihrer Kousine, das bei ihren Eltern in Pflege sich besand, eines Tages nach schweren Mißhandlungen zur Erde geworsen und das hilflose Wesen dann mit den mit Holzpantoffeln dekleideten Füßen totgetreten. Als Motio zu der grausigen Tat gab sie an, daß sie der Pflege des Kindes gern enthoben sein wollte. Das Gnadengesuch wurde von den Geschworenen besücwortet, weil die Angeklagte geistig ouf einer sehr niedrigen Stufe steht. * Heinrichswalde, 18. Dez. Gestern vormittag entgleiste ein Zug der Riederunger Kleinbahn, als er die Brücke bei Wolfsberg passierte. Die Lokomotive sprang aus dem Geleise und stürzte in den Wolfsberger Kanal. Dem Lokomotivführer gelang es, rechtzeitig abzuspeingen. Der Heizer stürzte mit der Lokomotive in den Kanal, wurde edoch nicht getötet. Ein Hüfszug ging von Neukirch ab. Passagiere wurden nicht verletzt. Die Ursache der Entgleisung ist noch nicht bekannt. *[Eine resulute Bäuerin.] Ein wegen einer Forderung verklagter masurtscher Bauer erschten vor dem Amtsgericht in Rhein(Ostpreußen) im Beistande seiner Ehefrau. Letztere führte denn auch in ausgiebigster Weise vor dem Richter das Wert. Sie nahm die Interessen ihres Mannes in solch energischer Weise wahr, daß der Richter ihr wiederholt das Wort entziehen und mit Entfernung aus dem Sitzungssaal drehen mußte. Jedoch vergeblich. Als nun der Richter den Diener beauftragte, die rentiente Frau aus dem Zimmer zu führen, faßte sie ihren Ehegemahl kurzerhand am Kragen und nahm ihn mit hinaus mit den Worten:„Wo ich hingehe, gehst Du auch!“ Der Kläger ersteilt auf diese Weise ein Versäumnisurtei gegen den Beklagten. * Bordeaux, 18 Dez. Die hiesigen Gas= und Elektrizitätsarbeiter sind gestern in den Ausstand getreten. * Metz, 18. Dezember. In bem benachbarten Vorry wurden gestern früh die 80jährige Frau Donet und ihr Sohn ermordet im Keller aufgesunden. Es liegt Raudmord vor. Als Täter wurde gestern im hiesigen Kolosseumtheater der Knecht Thouveninaus Ancy verhaftet. Er ist geständig, die 80jährige Frau und deren Sohn ermordet und beraubt zu haben. T. war früher als Knecht bei der Familie Dolet in Stellung. Bei Ausübung der Tat fi#len ihm etwe 800 Mark in die Hände. * London, 1d. Dezember. Mit größtem Eiser wird in Farnborough gegenwärtig an der Herstellung des neuen englischen Kriegsluftschiffes gearbeitet, das den verunglückten „Nulli=Stcundus“ ersetzen soll. Besondere Sorgfalt wird der Form des Propellers zugewandt, dessen günstigste Ausgestaltung man durch Experimente zu finden sucht. Noch interessanter aber ist ein System der Depeschenvermittlung durch drahtlose Telegraphie, das man bei dem neuen Luftschlff einzuführen beabsichtigt. Die Gondel des Lustschiffes wird mit einem großen Drahtnetz ausgerüstet, das wie ein Spingennetz aussieht und als Empfänger dienen soll, und innerhalb der Gondel werden alle Instrumente zur Aufgabe und Aufnahme von drahllosen Telegrammen angebracht. Bei Versuchen mit den Milttärballons wurde auf diese Weise eine Verständigung bis zu einer Höhe von mehreren hundert Juß erzielt. * Rom, 18. Dez. Gestern morgen stleg hier der mit den Russen Professor Halbig, Graf Bobrinsky und Tscherkeff bimannte Ballon„Zidee“ auf. Bei Arezze trug ein heitiger Wind den Ballon über das Adriatische Meer. Drei Fischerbarken versuchten auf die Noisignale des Bollone hin, der neun Meilen von dir Küste entfernt war, sich ihm zu nähern. Trotz der großen Geschwindigkeit des Bollons infolge des heftigen Windes erreichten sie ihn, retteten die drei Lustschiffer und den Ballon und kamen in vorgerückter Nachtstunde in Pesare an. Wothzen=Spielplan des Zielefelder Stadt=Theaters. Sonntag, 15. Dezember: Ehrliche Arbeit. Volksstück mit Gesang in 5 Akten von H. Wilken. Anfang 7 Uhr. Montag, 16. Dezember: Ein Winterwärchen. Schauspiel in 5 Aufjügen von William Shakesspeare. Alnfang 8 Uhr. Diensag, 17. Dezember: Prüderchen. Ein Kadettendrama in 3 Akten von Robert Overweg. Anfang 7½ Uhr. Mittwoch, 18. Dezember: Viel Türm um nichts. Lustspiel in 4 Akten von Willlam Shakesspeare. Anfang 7½ Uhr. Donnerstag, 19. Dezember: Wie Kkein=Else das Chrislkind suchen ging. Dramatisches Weihnachtsmärchen mit Gesang und Tanz n o Bildern von Th. Lehmann=Haupt. Anfang 7½ Uhr. königl. Preuss. Staatsmedalle Seidenhaus Michels& Cie. BEFLIN SW. 19, Leipziger Strasse 48-44 Deutschlands grösstes Seidengeschäft Seidenskaffe K 11 sen und Ne in seiner Krefelder Fabrik und versendet Proben von diesen und anderen erstklassigen Fabrikaten: Glatte Meter 1.—bis 850M. Gemusterte Meter 1.50 bls 15.-M. sowie Katalog von Beidenen Blusen, Japone, Morgenröcken umgehend und franko. Schuhwaren: den ller Art sind eine praktische Gabe für Weihnachtstisch. Die größte Auswahl zu äußersten preisen bei prima Qualitäten bietet Schuhwarenhaus Arnold potthoff, Berlinerstraße 172, gegenüber der alten Kirche. Umtausch nach dem Feste bereitwilligst. A empfiehlt Brennapparate mit guten la. Stiften Kerb= und Flachschnittmesser. Wandsprüche und Gegenstände f. Holzbrand. Malkasten mit Oel= und Wasserfarben, Mal= und Skizzenbücher. Hiite Mützen, U-, Shipse und sonstige Herren=Artikel in sehr großer Auswahl zu billigen Preisen bei H. 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Antrag des Magistrats auf Annahme einer Schenkung des verstorbenen Herrn Heinrich Müller. 2. Ermächtigung des Vorsitzenden zur Annahme eines Rechtsanwalts in der zu erhebenden Klage vor dem Bezirksausschuß in Sachen der Verkoppelungskosten. 3. Vorlage des Rechnungsabschlusses der städtischen Sparkasse für 1906 und Antrag des Magistrats auf Erteilung der Decharge an den Rechnungslegex und Verwendung der Hälfte des Reingewinns und der Zinsen des Reservefonds für kommunale Zwecke. 4.Vorlage der Rechnung des Wasserwerksfür 1906 und Antrag des Magistrats auf Erteilung der Entlastung an den Rechnungsleger. 5. Antrag des Magistrats auf Bewilligung der Kosten für die Aufnahme der Gebäudebeschreibungen zur bevorstehenden Gebäudesteuer=Revision. 6. Vorlage der Uebersichten von dem Stande der Stadtkasse am Schlusse des Monats September, Oktober und November 1907. Zu dieser Sitzung ladet ergebenst ein Gütersloh, den 12. Dez. 1907. August Niemöller. Fr. 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