Neue Gütersloher Zeitung Nr. 142 Druck und Verlag: Schmäling& Ohlbrock, Sütersloh. Donnerstag, den 28. November 1907 Verantwortlicher Redakteur: Johannes vogt in Gütersloh. 18. Jahrgang Die heutige Rummer umsaßt 8 Seiten. Diehseuchengesetz. Dem Reichstage ist die Novelle zum Gesetz betreffend die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen, wie solche vom Bundesrat beschlossen worden ist, zugegangen. Die Novelle findet das Gesetz unter Bezücksichtigung des heutigen Standes der Veterinärwissenschaft zeitgemäß und erweitert es auf eine in letzter Zeit in den Vordergrund des wirtschaftlichen Interesses getretene Reihe von Seuchen, an deren Bekämpfung bei dem Erlasse des Gesetzes noch nicht gedacht werden konnte. Dies sind, abgesehen von den Geflügelkrankheiten, die Seuchen der Schweine(Rotlauf, Schweineseuche, Schweinepest) und die Tuberkvlose des Rindviehe. Die Liste der der Anzeigepflicht unterliegenden Viehseuchen wird durch Aufnahme des Rauschbrandes, der Wild= und Rinderseuche, der Schweineseuche und Schweinepest, des Rotlaufes der Schweine, der Geflügelcholera und Hühnerpest, sowie namentlich der gefährlichen Formen der Rindertuberkulose ergänzt, andererseits der Kreis der zur Anzeige verpflichteten Personen erweitert, zugleich aber die Erfüllung der Anzeigepflicht dadurch erleichtert, daß die Landesregierungen statt der Polizeibehörde auch eine andere den Viehbesitzern usw. bequemere Anzeigestelle sollen bestimmen können. Ferner gibt die Novelle der Veterinärpolizei präventive Befugnisse, um gegen das nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte stets von irgendwoher zu erwartende Auflauchen einer bestimmt noch gar nicht nachweisbaren Seuchengefahr gerüstet zu sein. Wesentliche Ergänzungen erfahren die Bestimmungen betreffend die Entschädlgung für getötete und nach polizeilicher Impfung eingegangene Tiere im Hinblick auf die in Aussicht genommene Erweiterung der polizeilichen Tötungs= und Impsungsbefugnisse, die sich allerdings, soweit irgend möglich, eng an die geltenden bewährten Grundsätze in bezug auf die Grundlagen und die Bemessung der Entschädtgung, die Versagungsgründe und die zu Gunsten des Landesrechts erforderlichen Vorbehalte anschließen. Politische Tebersicht. Reich. Das Befinden des Kaisers betreffend hat das offiziöse Telegraphen=Bureau an zuständiger Stelle Erkundigungen eingezogen und folge den Bescheid erhalten: Seine Majestät haben Ende Oktober und Anfang November an Husten und Schnupfen(Katarrh der oberen Luftwege mit leichter Temperatursteigerung) gelitten und mußten deshalb einige Tage das Bett hüten. Da sich Seine Majestät danach angegriffen fühlten und die letzten Reste bes Hustens in Berlin nicht schwinden wollten, ließen sich Seine Mojestät bestimmen, im Anschluß an die Reise nach Windser einen Erholungsaufenthalt an der durch mildes Klima ausgezeichneten Südwestküfte Englands zu nehmen. Der Katbrrh ist jetzt beseitigt und die allgemeine Erholung macht die besten Fortschritte. Sie wurden etwas aufgehalten durch eine leichte Verstauchung des linken Knies, welche bei einer Jagd in Windsor entstanden war. Aber auch diese ist nahezu völlig geheilt. Die von einigen Zeitungen gebrachten Nachrichten über ein Kehlkopf= oder Ohrenleiden entbehren jeder Begründung. Durch eine Kabinettsorder vom 27. d. Mis. wurde der General der Infanterie Graf Bitzium von Eckstädt, Kommandeur des 19.(2. Königlich Sächfischen) Armeekorps von seiner Stellung enthoben und auf den Vorschlag des Königs von Sachsen General v. Kirchbach, bisher Generalleutnan! und Kommandeur der 3. Division zum Kommandlerenden General des 19.(2. Sächsischen) Armeekorps ernannt Der Großherzog Friedrich II. von Baden eröffnete vorgestern den badischen Landtag mit einer Thronrede, in der er zunächst des Ablebens seines Vaters in Ehrfurcht und Dankbarkeit gedenkt. Es ist mir, heißt es in der Thronrede weiter, Herzensbedürfnis, auch vor den versamchelten Vertretern meines Volkes dem innigstempfundenen Dank für die aufrichtige Teilnahme Ausdruck zu geben, die aus allen Schichten der Bevölkerung und welt über die Grenzen unserer badischen Heimat hinaus mir und meinem Hause bei diesem schmerztichen Anlaß in ergreifender Weise dargebracht worden ist. Im Siane und Geiste d#s verewigten=Großherzogs will ich feststehen zu Kaiser und Reich und treu der Verfassung die Regierung führen. Es wird steis meine Ausgabe sein, in den bewährten Bahnen maßhaltenden Fortschritte die Wohlfahrt des Landes auf allen Gebieten der staatlichen Tätigkeit, des geistigen und wirtschaftlichen Lebene zu fördern. Von Ihnen, edle Herren und liebe Freunde, erwarte ich mit Zuversicht, daß Sie mir in meinem Bestreben alle Zeit eine feste Stütze sein werden. Heute beginnt im Reichstage die Statsberalung, die vom Staatssekretär Freiherrn v. Stengel mit einem längeren Finanzexpose eingeleitet wird. Ob der Reichskanzler schon heute das Wort ergreifen wird, ist noch zweiselhaft. Jedenfalls wird er im Laufe der Etatsberatung das Wort nehmen, um Erklärungen über die auswärtige Politik abzugeben. Unter dem Titel„Deutsche Vereinigung“ hat sich eine Neugründung vollzogen, die sich über das ganze Reich erstreckt und von Bonn aus geleite: wird. Den Ursprung dieser Vereinigung sucht man in den katholischen Kreisen der Rheinprovinz, von denen auch die nationalkatholische Wahlbewegung ihren Ausgang nahm. In dem sitzt verbreiteten Aufruf der Vereinigung lesen wir u. a.: Die„Deutsche Vereinigung" bezweckt die in politischen und wirtschaftlichen Fragen übereinstimmenden deutschen Katholiken mit den gleichgesinnten Staatsbürgern anderen christlichen Bekenntnisses zur kraftvollen Förderung der vaterländischen Interessen zusammenzuschließen. Zweck der Vereinigung im besonderen ist: 1. Die Sicherung und Stärkung der polltischen und wirtschaftlichen Machtstellung des Deutschen Reiches. 2. Die Pflege des christlichen und deutschen Charakters unseres Staats= und Volksleben, der Schutz aller Bekenntnisse und die Sicherung ihrer vollen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung, der Ausgleich der konsessionellen Gegensätze auf politischem, wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Gebiete und die Förderung gegenseitiger Achtung der religiösen Ueberzeugung. 8. Die Erhaltung eines lebensund leistungsfähigen Mittelstandes, insbesondere auch des Bauern= und Handwerkerstandes, unter Berücksichtigung der Interessen der übrigen Berufsstäube und der fortschreitenden Entwickelung unserer Zeit. 4. Die Bekämpfung der Sozialdemokratie und die Fortführung einer So.ialpolitik, welche die Betriebe in Landwirtschaft, Handel und Gewerbe unabhängig und leistungsfähig zu erhalten und gleichmäßig die berechtigten Bestrebungen der Arbeitgeber wie der Arbeiter zu schützen sucht. Dem Reichstage ging nachstehender Entwurs, eines Gesetzes betr. Aenderung des§ 63 des Handelsgesetzbuches zu:„Der§ 63 des H.=G.=B. wird durch die nachstehende Vorschrift ersetzt: Wird der Handlungsgehilse durch unverschuldetes Unglück an der Leistung der Dienste verhindert, so behält er seinen Anspruch auf Gehalt und Unterhalt, jedoch nicht über die Dauer von sichs Wochen hinaus. Eine Vereinbarung, durch welche von dieser Vorschrift zum Nachteil des Handlungsgehilfen abgewichen wird, ist nichtig. Der Handlungsgehilfe muß sich den Betrag anrichnen lassen, der ihm für die Zeit, für welche er einen Anspruch auf Gehalt und Unterhalt behält, von einer auf Grund gesetzlicher Verpflichtung bestehenden Kranken= oder Unfallkasse. In dem Entwurf über Maßnahmen zur Stärkung dee Deutschtums in den Provinzen Westpreußen und Posen (sog. Ostmarkenvorlage) wird das Recht zur Enteignung dem Staate durch königliche Verordnung für bestimmte örtlich begrenzte Gebiete verliehen. In der Verordnung ist die Zeit festzusetzen, innerhalb deren von dem Enteignungsrecht Gebrauch zu machen ist. Ueber die Begrenzung des Gebiets, für das die Verleihung des Enteignungsrecht beantragt werden soll, beschließt die Anfiedlungskommission. Dieser Beschluß ist einem Beirat zur Begutachtung vorzulegen, der für jede der beiden Provinzen je aus sünf Vertrauensmännnern gebildet wird. Der Staatsregierung wird ein Fonds von 50 Millionen Mark zur Versügung gestellt, um größere Güter mit der Bestimmung zu erwerben, sie im ganzen als Rentengüter gegen vollständige Schadloshaltung des Staates zu veräußern. Der Im§ 1 des Gesetzes betreffend die Beförderung deutscher Anfiedlungen vom 26. April 1886 der Staatsregierung zur Verfügung gestellte Fonds wird um 300 Millionen Mark erhöht. Der Finanzminister, wird ermächtigt, für diese Summen Staatsschuldverschreibungen auszugeben. Die fünfte Generalsynode der evangelischen Landeskirche wird im Dezember oder im Januar in Berlin zu einer außerordentlichen Tagung zusammentreten, um über die Entwürfe a) eines Pfarrbesoldungsgesetzes, b) einer Ruhegehaltsordnung für evangelische Geistlich=, ci eines Kirchengesetzes, beir. die Fürsorge für die Witwen und Waisen der Geistlichen zu beraten und Beschluß zu fassen. Die Beschimpfung des Nationaldenkmals in Memel als„Schandsäule von Memel“ ist der Sozialdemokratie leuer zu stehen gekommen: sie hat bei den Stodtverordnetenwahlen ihre sämtlichen Sitze verloren. Und andere Quittungen werden ihr sicher nicht erspart bleiben. Die Konservativen stimmten diesmal mit den Liberalen; sie wollten, daß mit den Sozialdemokraten im Rathause gründlich abgerechnet werde. Nach den nunmehr vorllegenden amtlichen Ausweisen wurden auf den preußisch=hessischen Eisenbahnen be einer Betriebslänge von 35765,58 Kilometer(+ 487,26 Kllometer) im Oktober er. eine Mehreinnahme von 8178000 Mk. erzielt. Es wurden vereinnahmt: aus dem Personenund Gepäckverkehr 44700000 Mk(+ 8867000 Mk. gegen den Oktober 1906), aus dem Güterverlehr 120224000 Mark(+ 4243000 Mk.), aus sonftigen Quellen 10511 000 Maik(+ 568000 Mk.), insgesamt 175845000 Mark (+ 8178000 Mk.) oder 4977 Mk.(+ 170 Mk.) pro Kilometer. Seit Beginn des Rechnungsjahres wurden vereinnahmt aus dem Personen= und Gepäckverkehr 342774000 Mark(+-8 490000 Ml.), aus dem Güterverkehr 758 158 000 Mark(+ 46 886 000 Mk.), aus sonstigen Quellen 68786 000 Mark(+ 6887000 Mk.), zusammen somil 1169 718000 Mark(+ 61768000 Mk.) oder 38303 Mk.(X 1293 Mark) pro Kllometer. Frankreich. Im Ministerrat bezeichnete Minister Pichon die allgemeine Lage in den marokkanischen Häfen als befriedigend. Die Autorität des Sultans Abdul Asis nehme überall zu. Die Verhandlungen mit den Mächten über die international zu lösenden Fragen nehmen einen befriedigenden Verlauf. Ueber die politische Lage in Portugal wird aus Lissavon gemeldet, daß der Kronprinz Louis Philipp dem König Carlos Vorstellungen über seine tycannische Politik gemacht habe. Daraushin sei der Prinz nach Schloß Vicosa, das einsam gelegen und 120 Meilen von Lissabon eniserr“, verbannt worden. Es herrsche ungeheure Aufregung im Reiche. Ein in Paris lebender früherer vortugiesischer Minister erklärte einem Mitarbeiter des„Gil blas“, die Lage in Portugal sei kritisch; das Land befinde sich tatsächlich im Aufruhr. Die revolutionäre Stimmung dehne sich auf alle Klassen der Bevölkerung aus. Von amtlicher portugiefischer Seite wird allerdings diesen Nachrichten widersprochen und in Abrede gestellt, daß zwischen dem König und dem Krosprinzen Meinungsverschiedenheiten bestehen. Auch sollen die pessimistischen Gerüchte, die über Heer und Marine, über Attentate 2c. verbreitet werden, jeder Grundlage entbehren. Rutzland. Die am Dienstag stattgefundene Sitzung der Duma wurde um 2 Uhr eröffnet. Die Abgeordneten waren alle anwesend, die Plätze des Publikums überfüllt. Auf der Tagesordnung stand die Verhandlungen über die Ergebenheitsadresse an den Zaren. Pljebako=Moskau verliest den von den Oktebristen ausgearbeiteten Text und verleidigt die Adresse, zu welcher Abgeordnete aller Parteien sich äußerten. Die Adresse wurde schließlich einstimmig angenommen. Die Duma schloß mit Hochrufen auf den Kaiser gegen 12½ Uhr nachts. Die Adresse lautet:„Eurer Majestät hat es gefallen, die Abgeordneten der dritten Duma zusammenzuberufen, sie willkommen zu heißen und Gottes Segen auf ihre bevorstehende gesetzgeberische Arbeit herabzuflihen. Wir halten uns für verpflichtet, Eurer Majestät unsere Ergebenheitsgefühle und unsere Dankbarkeit für die Rußland verlichene Volksvertretung, die durch die Grundgesetze befestigt ist, auszudrücken. Wir werden alle unsere Kräfte, alle unsere Erfahrung und Kenntnisse anwenden, um die durch das Manifest vom 30. Oktober dank Eurer Majestät Willen erneuerte Staatsordnung zu befestigen, um das Vaterland zu beruhigen, die gesetzliche Ordnung zu befestigen, die Volksaufklärung zu entwickeln, den allgemeinen Wehlstand zu heben, die Größe und die Macht des unteilbaren Rußlands zu kräftigen und damit das Vertrauen des Monarchen und der Volkes zu rechtfertigen“ Deutscher Reichstag. Berlin, 26. Novbr. Im Reichstage begründeten heute die Abg. Molkenbuhr(Soz.) und Graf Kanitz (k.) die Interpellationen betr. die hohen Kohlenpreise. Molkenbuhr forderte die Expropiation des Kohlenkartells und dis preußischen Bergfiskus durch das Reich, Graf Kanitz ein Kohlen=Ausfuhrverbot. Der preußische Handelsminister Dr. Delbrück bestritt, daß die Kohlenpreissteigerung auf Profitwut des Kopitals zurückzuführen sei; sie sei vielmehr eine Folge der gesteigerten Produktionskosten und der dauernd steigenden Nachfrage infolge der wachsenden Bevölkerung, des Eisenbahnbaues, die Benutzung der Elektrizität im Dienste von Verkehr und Beleuchtung usw. Wenn die Produktion an Kohlen dem Bedarf nicht ganz gefolgt sei, so sei dies eine Folge der gering gewordenen durchschnittlichen Förder=Leistung der Arbeiter, des Mangels an geeigneten Arbeitskräften und verschiebener anderer Grünke. Ein Kohlen=Ausfuhrverbot unsererseits könnte leicht andere Länder zu unserem Schaden zu gleichen Maßnahmen reizen. Ueber die Frage der Kohlentarise auf den Eisenbahnen wirde sich demnächst der Landeseisenbahnrat schlüssig machen. Der Minister wies schließlich energisch die Behauptung Pähst, daß sich der preußische Bergsiokus nur von fiekalischen ten leiten lasse und die Arbeiter in ihren politischen Rechten, beschränke. Abg. Giesderts(Zir.) griff das Kohlensundikat und den Stahlwerksverband, die ihre Machl zum Schaden der Arheiter mißbrauchten, scharf an. Abg. Kämpf(srs. Beg.) erklärte sich gigen Exportverbote, aber ebenso gegen niedrige Ausnahmetarise für die Ausfuhr und verlangte, daß die fiekalischen Zechen die Kohlen billiger abgäben ale das Syndikat. Abg. Dr. Stresemann (nat. lib.) befürwortete unter anderm im Interesse der auf die Kohleneinfuhr angewiesenen sächsischen Industrie Weiterführung des Rumpfkanals bis zur Elbe. Abg. Dr. Höffel(Rpt.) wandte sich gegen die bestehenden niedrigen Kohlenaussuhrpreise, ebenso Abg. Gotheim (frs. Vgg.), der zugleich Ermäßigung der Kohleneinfuhrtarife sorderte. Abg. Behrens(christ. soz.) sprach im Sinne Giesberts. Schließlich wurde die Besprechung vertagt. Berlin, 27. Nov. Heute nahm der Reichstag die Vorlage heir. Errichtung von Stiftungen aus dem Nachlaß des Malere Prof. Gustav Müller in dritter Lesung an. Der Gesetzentwurf über den VersicherungsVertrag wurde in erster Lesung beraten. Von den Abgg. Weltsteiß(Zir.), Dr. Shlhze(n1.), Dr. Wagner (kons.) und Abg. Schultz=Bromberg(Rp.) wurde die Vorlage als ein sozialer Fortschritt begrüßt. Abgg. Kämpf (urs. Vt.) und Siädthagen(Sel.) haben einigs besondere Wäsische, ersterer wegen Neuregilung duch der Versicherungs bldihgungen für die Feuerversicherung, letzterer auf Siteichung der Bestimmütg toegen des Selbstmordes. An der Debatte beteiligten sich noch Abgg. v. Damm(wirtsch. Vp.), Bau#-rs. Vp.) und Dr. Ricklin(Els.=Lihr.), worau die Votlage an eine Kommission verwiesen wurde. Bei der nun folgenden Bergtung des Gesetzintwurfs über die Sicherung: der Bauhandwerker erklärte Staatssekretär Nieberding, es handle sich hier um eine juristisch wie wittschaftlich gleich schwere Materie. Um Härten bei der Anwendung des Gesetzes zu vermelden, seien drei Kautelen vorgesihen: erstens wird die Eniftgeldung darüber den Landesregierungen übertragen, zweitens soll sie nur auf Neubauten beschränkt bleiben und endlich sollen di.jenigen dem Gesetze nicht unterliegen, die ein Viertel der Baukosten deponteren können. Angesichts solcher Kautelen werde das Haus dem Gesetz wohl zustimmen. Abg. Junck(nil.) begrüßte es, daß der neue Entwurf sich jeden Eingriffe in die auf den Bau vorher eingetragenen Hypotheken enthält. Abg. Mayer=Kaufbeuren(Zir.) stimmte namens seiner Freunde dem Grundgedanken des Gesetzes zu, doch zeige der Entwurf noch viele Mängel. Abg. Pauli=Potsdam(kons.): Eine unbedingte Sicherung der Bauforderungen könne auch durch dieses Gesetz nicht geschaffen werden. Ebenso wie der Vorredner verlange auch er Streichung des§ 4, nach dem der Bauforderungsvermerk unterbleibt, wenn der Unternehmer ein Viertel der Baukosten deponiert. An der Debatte beteiligten sich noch die Abgg. v. Dirksen(Rp.), Kämpf(sts. Vp.), Bömelburg(Soz.), Dove(srs. Vp.), Herzog(Zir.), Werner(Resp.), Sayda(Pole), worauf die Vorlage an eine besondere Kommission verwiesen wurde. Lokales und Provinzielles. I„“ Süteroloh, 28. Nov.(Goldene Hochzelt.)] Am heutigen Tage degehen in stiller Zurückgezogenheit die Eheleute Wilh. Mensendiek, Bahnhofstraße hierselbst, das der goldenen Höchzeit. Der Posaunenchor des Jünglingsvereins brachte dim Jubelpaare, dem wir hiermit unsern herzlichsten Glückwunsch aussprechen, gestern abend ein Ständchen. !:! Gütersloh, 28. Nov.[Spar und Leihbank.] Der Bericht und die Bilanz über das 15. Geschäftsjahr, sind den Mitgliedern der Spar= und Leibank in diesen Tagen zugestellt worden. Es geht daraus hervor, daß das Institut sich andauernder Beliebtheit erfreut und alle Stände unter seinen Mitgliedern vertreten sind. Die Zahl der Mitglieder betrug am Schluß des Geschäftsjahres(80, Juni) 567 mit 701 Geschäftsanteilen, neu eingetreten sind im Berichtsjahr 59. Die Jahresrechnung schließt in Einnahme und Ausgabe mit 5188 271,86 Mk. Im Reservefonös hat die Bank 25764,41 Mk., im Hilfs=Reservefonds 87 822,12 Mk. bei einem Reingewinn von 14 458,46 Mk. Hiervon sollen verteilt werden 6% Dividende= 3999,93 Ml., 2891,70 Mark für den Reservefonds und 7566,88 Mark für den Hilfsreservefonds. Die vorstehenden Zahlen reden deutlicher als Worte es vermögen und wir geben erneut der Freude über das Vorhandensein dieses so gut fundierten Instituts Ausdruck. S8 Gütersloh. 28. Nov.[Von der Eisenbahn.) Vom 1. Dezember ab findet auf hiefiger Station eine direkte Personen=Gepäckabfertigung nach Bad Münster am Stein über Hamm=Schwerte=Haan=Koblenz=Bingerbrück oder Dortmund=Dutsburg=Köln=Bingerbrück, sowie nach Lehrte über Hannover, nach Rheine über Rheda=Telgte=Münster oder Hamm=Münster statt. Die ausliegenden Fahrten nach Barmen(Hauptbahnhof) oder übrigen Barmer Bahnhöse, sowie die nach Elberfeld erlangen Gültigkeit über HammSchwerte oder Hamm=Dortmund=Wetter, wobei der kürzeste Weg der Berechnung zu Grunde gelegt ist. (0) Gütersloh, 28. Nov.[Besitzwechsel.) Die an der Ecke Berliner= und Mauerstraße 399 llegende Besitzung des Händlers Herm. Westerhellweg ging durch Kauf in den Besitz des Tischlers H. Birkholz jun. über. Der Su rcs unt Wiedenbrück, 27. Nov.[Abgelehnt.] In einer ammlung des landwirtschaftlichen Lokalvereins für die Klrchspiele Wiedenbrück, St. Vit und Langenberg wurde die vom landw. Kreisverein gestellte Anfrage, ob der landw. Lokalverein bereit sei, seine Tierschauen fortfallen zu lassen, wenn der landw. Kreisverein alljährlich in den verschiedenen Tellen des Kreises eine Tierschau veranstalte, ablehnend beantwortet. Herford, 27. Nov.(Arbeiis=Invaliden.] Auf Anordnung der Landes=Versicherungs=Anstalt Münster wurden die sämtlichen 120 Personen, welche im hiesigen Stadtbezirk Invaliden=Rente beziehen, durch einen höheren Medizi baes ce eie e cescheiche. einer eingehenden körperlichen Unterlsichung un. Vernehmin der Hers. Zigs nech sell des Efgebnigk 1o gewesen sein, daß bei 22 Persagen die Gätziehung dür Reuse in Aussicht genommen ist, weil eine völlige oder wesentliche Besserung ihrer Gesundheit und damit ihrer Arbeitsfähigkeit festgestellt werden konnte. Münster, 27. Nov.[In dem Ermittelungsverfahren] betreffind den räuberischen Ueberfall auf den Kaufmann Karl Cohn von hier auf der Eisenbahnfahrt von Hamm nach Mänster am Freitag, den 15. ds. Mis., ist bezüglich der Täterschaft noch nichts ermittelt. Od von einem Ueberfall überhaupt die Rede sein kann, darf man nach einer amtlichen Darstellung mindestens bezweifeln. Vielleicht stellt sich„schließlich noch heraus, daß die ganze Angelegenheit ersunden ist. Aus der amtlichen Erklärung der Eisenbahndirektion ist der Passus bemerkenswert, daß Herr Cohn,— was er selbst zugibi,— selbst die Notdremse gezogen hat und trotzdem beim Halten des Zuges, also fast unmittelbar darauf am Boden liegend, gefunden wurde; auch hat er sich nach seiner eigenen Angabe im Moment des Ziehens der Notbremse allein im Abteil befunden. Dieser Umstand ist allerdings noch nicht aufgeklärt. Dortmund, 27. Nov.[Die verschobene Hinrichtung.] In Sachen des wegen Ermordung des Betriebsführers Hahnke zum Tode verurteilten Bergmanne Adam Kurschuß, dessen Hinrichtung bekanntlich auf Beschwerdt seines Verteidigers, des Rechtsanwalts Frachmann, im letzten Augenblicke verschoben worden war, fand heute im hiesigen Landgericht unter dem Vorsitze des Oberlandgerichtsrat Uffeln aus Hamm ein Termin statt. Es wurden, nach der Rh.=W. Zig. das in der Hauptverhandlung gegen Kurschuß tätige Richterkollegium und die beiden ärztlichen Sachverständigen vernommen. Diese Vernehmung sollte Klarheit schaffen über die strittige Frage, ob die vernommenen Herren heute noch einmätig der Ueberzeugung sind, daß Kurschuß seine Tat mit voller Ueberlegung ausgeführt hat. Ueber das Ergebnis des Termins ist Bestimmtes nicht bekanni, doch erscheint die Wiederaufnahme des Verfahrens wahrscheinlich. Vielfache Beschwerden aus unserem Leserkreise wegen verspäteter Zustellung der Zeitung drängen uns zu der wiederholten Bitte an unsere Inserenten, ihre Inserate doch schon am Abend vor dem Erscheinungstage der Zeitung aufzugeben, allerspätestens aber am Tage der Ausgabe bis vormittags 9 Uhr. Nac, dieser Zeit eingehende Inserate können für die Folge keine Berücksichtigung mehr finden. Die Werden, 26. Nov.(Ein aufregender Vorgang) ereignete sich gestern abend 8 Uhr in dem Eisengeschäft in Werden. Ein junger fremder Mann wünschte einen Revolver und Patronen zu kaufen. Als er eine Waffe ausgesucht hatte, lud er diese und schoß sich eine Kugel in den Kopf. Der Frmde war auf der Stelle tot. Hatlingen(Ruht), 27. Nov.[Hohe Eutschädlgsung.] Ver etwa drei Jahren saß der Kaufmann H. Weyland von hier in einem Elsenbahnzug, der bei seiner Einfahrt in den Herbeder Bahnhof auf eine Lokemotive stieß. Weyland wurde durch den Zusammenstoß, durch den nur eine ganz geringe Sachbeschädtgung verursacht wurde, so bestürzt, daß er aus dem Zuge sprang und einen Nervenschlag erlitt, durch den er an der vollen Ausübung seiner bisherigen Tätigkeit zum Teil behindert wird. Nachdem das Landgericht den Klageanspruch Weylands dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt hatte, hat die Eisenbahnverwaltung ihm eine einmalige Entschädigung von 100000 Maik gewährt, die dieser Tage zur Auszahlung gekommen ist. Duioburg=Meiderich, 27. Nov.(Ein blutiges Drama.] Heute vormittag 11 Uhr drang der in Duisburg wohnhafte, von seiner Frau seit 5 Wochen getrennt lebende Maurer Franz Markloff in die Wohnung seiner Ehefrau bei einem Agenten in der Salmstraße 4 hierselbst ein und feuerte nach kurzem Wortwechsel auf sie einen Revolverschuß ab, der in die Lunge eindrang. Auch der hinzuellende Hauswirt Arz erhlelt einen Schuß in die Schulter, worauf sich der Wüterich durch zwei Schüsse, die Herz und Lunge durchbohrten, tötete. Der Selbstmörder wurde zur Leichenhalle, ale tödlich verletzte Ehefrau zum St. Elisabethhospital gebracht. Man vermutet hier, wie der Rheinisch=Westsälischen Zeitung geschrieben wird, daß es sich um Gelddifferenzen handelte, denn die Frau besitzt ein Sparkassenbuch über eine erhebliche Geldsumme, und der Mann erschlen mit der Forderung, ihm 500 Mark zu übergeben. Die Frau, die nach der Verwundung noch vernommen werden konnte, gab an, daß sie im Begriffe gestanden habe, sich von ihrem Manne gerichtlich scheiden zu lassen. Sie zeigte keine Teilnahme an dem Tode ihres Mannes, wohl aber ein lebhaftes Interesse für seine Hinterlassenschaft. Sie bat, daß man die Duisburger Wohnung ihres Mannes doch sogleich verschließen solle. Ueber den Verbleib ihres Sparkassenbuches verweigert sie jede Auskunft. Ihr Leumund ist kein besonders guter. für Haus= und Landwirtschaft. Eine Stube warm zu machen, ist leichter als sie warm zu halten. Da sel denn betont, was eigentlich ein sechsmal so billig zu erwärmen ist, als# soick aichber Peiche, ie ain hach geschlossin blelben müsse, menn auch eder wissen sollte, daß reine Lust sechsmal so schnell, alse echsmal so billig zu erwärmen ist, als verdordene##und daß e se ee seihe winterlicher Züg hindurch, der alle schlechte Lust hinaussegiund dann wird man sehen, wie angenehm sich die Lufwieder erwärmt. Wer viel im Haushalt selbst tätig ist und dessen Haut manchmal raschen Temperaturschwankungen ausgesetzt ist, der wird bei der eintretenben kalten Witterung leicht aufgesprungene Hände bekommen, die nicht nur schmerzhaft, sondern auch beim Arbeiten sehr hinderlich sind. Um das Aufspringen der Haut zu verhäten, sollte man morgens und abends die Hände mit Honigwasser einreiben. Dies kann man billig und einsach herstellen, wenn man 1 Eßlösfel Honig in ½/ Liter Wasser auflöst und dieser Lösung 1 Eßlöffel Glyzerin zufügt. Man filiriert das Wasser durch Läschpapier in kleine Flaschen, und hebt diese verschlossen guf.— Esist zu bemitken, daß man guf tut, nur die Häisite des Henigwossere, beim Gebruch zu bereiten, da es frisch am wirksämsten ist. Vermischtes. * Mittelwalde, 26. Nov. In dem benachbarten Rotwasser brannte die Besitzung des Häuslers Laufer vollständig nieder. Die Bewohner lagen beim Ausbruch des Feuers im tiefsten Schlafe, wurden jedoch durch das laute Bellen des Haushundes geweckt. Der Hund kam in den Flammen um. Bei dem Versuche, eine Kuh aus dem Stalle zu reiten, verbrannte der Besitzer. Die verkohlte Leiche wurde unter den Trümmern gesunden. *[Fernphotographie Berlin—Parts. Zvischen Berlin und Paris haben nach der Elektrotechnischen Zeitschrift mit gutem Erfolge Versuche zur elektrischen Uebertragung von Photographsen nach dem Verfahren des Prof. Korn stattgesunden. Benutzt wurde eine die beiden Städte unmittelbar verbindende Fernsprechdoppelleitung aus fünf Millimeter starkem Bronzedraht. Die Lintenlänge beträgt rund 1200 Kilometer. *[Konservenvergiftung.] In Hanau wurden die beiden 14 und 16 Jahre alten Söhne des Eisenbahnschaffners im Bette toi aufgesunden. Man glaubt, daß der Tod beider durch den Genuß verdorbener Konserven herbeigeführt worden ist. Die Sektion der Leichen ist angeordnet worden. * Stettin, 27. Nov. In der letzten Nacht fand in der Unterstabt zwischen deutschen Kahnknechten und englischen Matrosen eine blutige Schlägerei statt. Wie die Stettiner Abendpost meldet, wurde ein englischer Matrose durch Messerstiche so schwer verletzt, daß er alsbald starb, Auch einige andere Raufbolde erlitten durch Mesterfliche leichte Verletzungen. Sechs deutsche Teilnehmer an der Rauferei wurden verhaftet. * Oslerode(Harz), 26. Nov. Der 16 Jahre alte, einzige Sohn des Mühlenbesitzers Wächter in Osterode geriet beim Schmieren ins Räderwerk der Mühle und wurde auf der Stelle getötet. Die bedauernswerten Eltern verloren bereits einen andern Sohn an Diphtheritis und eine erwachsene Tochter durch Ertrinken. * New=York, 27. Okt. Die amerikanische Krisis hat liefgreifende Wirkung gehabt. Das Journal of Commerce veröffentlicht das Resultat einer Enquete, wonach seit vier Wochen mindestens 178000 Arheiterentlassungen stattgesunden haben, darunter in der Eisenindustrie 40 800, in der Textilindusteie 15000, in der Elektrizitätsindustrie 19 500, im Bergbau 27000 und bei den Eisenbahnen 40000. Schlatztviehpreise nach Jebendgewicht ans Grund amtlicher Marktberichte zusammengestellt und nach eigenen telegraphischen Berichten bearbeitet von der Zentralstelle für Biehverwertung der Preuzischen Landwirtsschaftskammern Berlin W., Köthener Straße 39. Essen Dortmund Köln Hannov. am 25./11. 25./11. 25./11. 25./11. Ochsen. vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, höchstens 6 J. alt tunge, fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete mäßig genährte junge und gut genäherte ältere gering genährte jeden Alters Bullen. vollfleischige, ausgemästete bis zu 5 J. vollfleischige jüngere..... mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere gering genährte jüngere und ältere Kalben und Rühe. vollfleischige, ausgemästete Kalben höchsten Schlachtwerten vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes, bis zu 7 J. ältere ausgemästete Rühe u. wenig gut entwickelte jüngere Kühe u. Kalben mäßig genährte Kühe und Kalben Kälber. Doppellender seinste Mast=(Vollmilchmast) u. beste Sauakälver mittlere Mastkälber u. gute Saugkälber geringere Saugkälber und diteres, gering genährtes Jungvieh(Fresser) Schafe. Mastlämmer u. jüngere Masthammel ältere Masthammel müßtg genährte Hammel u. Schafe Schweine. vollfleischige der seineren Rassen und deren Kreuzungen bis zu 1¼ Jahren Herin entwickelte sowie Sauen.. Vorstehende Preise verstehen sich bei Schweinen mit 20% Tara. * Barcelona, 27. Nev. Ueber den Unfall dee Expreßzunes=Volanela=Barcelona, den wir in vor. emeldet hatten, wird noch berichtet: Der ganze Zug usnahme der Lokomotive, des Gepäckwagens und des wagene ist„zwischen den Stationen Hespitalet und ile beim Elsturz dir Brücke in den Fluß gestürzt. urste Hilfe traf aus Barcelona ein. In dem Zuge in sich 70 bis 90 Personen, von denen nach Mitteilungen eines Arztes vom Roten Kreuz nur zwei unversehrt sind. Ueber zwanzig Personen sind bei dem Unfall getötet worden. Nach amtlicher Mittellung sind bis jetzt aus dem Rindicanes 16, Leichen geborgen; man befürchtet, daß sich noch mehr, Toie unter den Trümmern befinden. Die Zahl der Verletzten deträgt 40. mit Die befal Iumor und Witz. *[Ein vernünftiger Kerl.) Exzellenz(bei der Rekrutenbesichtigung das zaghafte Antworten eines Mannes tadelnd, zum nächsten, der ohne Scheu und deutlich antworts!):„So ist's recht, Sie sind mie noth ein vernänftiger Kerl! Wo sind, Sie ber 25##—.„Aue Exzellenz!“ Exzellenz:„Was sind Sie!“—„Ein vernünftiger Kerl, Euer Exzellenz!“ Evangelischer Hottesdienst. Freitag, den 29. November. Alte Kirche 10 Uhr: Pastor Kley. Sonnabend, den 30. November. Alte Kirche 10 Uhr: Beichte. Pastor Seinn= *[ W a h r e s G e s c h i c h t c h e n.] S e. E x z e l l e n z d e r kommandterende Herr General geitet an einem Manövertage die Infanterie=Marschkolonne ecttäng und ruft dem Hauptmannn E. ein soviales„Guten Morgen“! zu. Füsilier Kowalski, in der Meinung, dieser Gruß gelie der Truppe, antwortet mmit lauter Stimme:„Guten Mokgen, Euer Freellenz“. Lächelnd reitet der hohe Herr weiter und erboft herrscht der Hauptmann seine Kompagnie an:„Wir war dieser Ochse?“„Seinz Exzelling der kammandierende Herr General!“ schallt es prompt zurück. *[Die verkannte Mutter.] Feau Geheimrat Z., die Mutter eines jungen Offiziers, besucht eines schönen Tages ihren Söhn in dessen„Wohnung in der Kaserne nachdem sie siche Tags zuvor brieflich angemeldet hat. Da die Dame eine noch jugendliche Erscheinung und sihr elegant gekleidet ist, empfängt sie der Bursche mit folgenden Worten: „Anmelden will ich Sie ganz gerne, Freilein, aber daß der Herr Leitnannt Sie annehmen wird, gloob ich nich; wir erwarten heite nämlich unsere Mutter“. Für unsere Leser! Humer ist die richtige Würze unseres Alltagslebens. Wer aber hat es besser verstanden, Huwoe und Freude in das stille und schlichte Leben des Alltags zu tragen, als unser populärster VolksDie Beerdigung des Mitgliedes Schuhmachermeisters Arnold Potthoff Berlinerstr. 172 findet am Sonnabend, den 30. ds. Mts., morgens 8 Uhr, vom Trauerhause aus statt. Um rege Beteiligung wird ersucht. Der Vorstand. Sekanntmachung. Am 2. Dezember ds. Is. findet in, Deutschen Reiche eine allgemeine Viehzählung statt. Gleichzeitig wird die Zahl der in der Zeit vom 1. Dezember 1906 bis einschließlich 30. November 1907 vorgenommenen, von der amtlichen Schlachtviehund Fleischbeschaubefreiten Schlachtungen, ermittelt werden. Die Austeilung der Zählkarten erfolgt Meine gebrannten Kassees sollten wegen ihrer besonderen Qualität in keinem Haushalte fehlen. Stetig„wachsender Umsatz! Kräftige Mischungen. Ernst Hoffschildt Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute morgen 8 Uhr unsern beben Vater, Schwiegervater, Grossvater, Onkel und Schwager, den Schuhmachermeister Arnold Potthoff nach längerem, mit grosser Geduld ertragenem Leiden, gestärkt durch den Empfang der hl. Sterbesakramente, im vollendeten 67. Lebensjahre zu sich zu nehmen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Potthoff. Gütersloh, den 27. November 1907. Die Beerdigung vom Trauerhause Berl Die Beerdigung findet statt am Sonnabend morgen 8 Uhr Perlinerstrasse 172. Bekanntmachung. Mit dem 1. April ds. Is. ist die hakteriologische Untersuchungsanstalt bei der Königlichen Regierung in Münster in ein Medizinaluntersuchungsamt umgewandelt worden. Um die Entnahme und Einsendung von Untersuchungsmaterial an dieses Amt zu erleichtern, sind Versandgefäße in allen Apotheken des Regierungsbezirks niedergelegt, deren Besitzer sich in dankenswerter Weise bereit gelegt, deren Besitzer sich in dankenswerter Weise bereit erklärt haben, diese unentgeltlich zu lagern und auf Verlangen an Medizinalbeamte und praktische Aerzte abzugeben. durch die hiesigen Vonzewbeumten am 29. und 30. November, die Wiedereinsammlung am 4. Dezember. Indem ich die hiesigen Einwohner hierauf, hinweise, ersuche ich für die ordnungsmäßige und sorgfältige Ausfüllung der Zählkarten Sorge zu tragen. Gütersloh, den 18. Novembur 1907. Bürgermeister. Mangelsdorf. Bekanntmachung. chuhmacher, Sattler, Schmiede, Schneider, Schreiber und sonstige zum freiwilligen Dienst=Eintritt geeignete Leute können am 1. Oksoher 1908 als Drejjährig=Freiwillige beim unterzeichneten Regiment eingestellt werden. Umgehende Meldung erwünscht. Soimar 1. E. Canz= u. AnstandsUnterricht. Zu dem Kursus im Saale des Hern A. Gehle, Bahnhosstraße, nehme noch Anmeldungen entgegen. Nächste Unterrichtsstunden Sonnabend, den 30. November und Dienstag, den 3. Dezember, abends von 8—10 Uhr. Hochachtend G. Lammers. Indem ich die Herren Aerzte ersuche, sich derselben in möglichst ausgibiger Weise zur, Feststellung von Diphtherie, Typhus, Tuberkulose, übertragbarer Genickstarre und Ruhr zu bedienen, mache ich auf die den einzelnen Versandgefäßen beigefügte Anweisung zur Entnahme und Versendung des in Frage kommenden Untersuchungsmaterials sowie auf die sorgfältige Ausfüllung des Begleitscheines aufmerksam. Entnahmegefäße für Untersüchungsmaterial von anderen als den oben genannten 5 übertragbaren Krankheiten sind bei dem Königlichen Medizinaluntersuchungsamt in Münster, Südstraße 48, direkt einzufordern. Minden, den 5. November 1907. Der Regierungs-Präsident. gez. v. Wehr. Raucht Eckstein=Zigaretten! Nr. 5 Dieserühmlichst bekannte Zigarettenmarke wird auch nach Einführung der Zigarettensteuer in derselben vorzüglichen Qualität u. Handarbeit hergestellt. Preis: 10 Stück 25 Pig. Der enorme Konsum befähigt die Fabrik, die Zigarrenhandlungen stets mit frischer Ware zu versorgen. Man verlange ausdrücklich: Eckstein’s Nr. 5 prüfe genau, daß jede Zigarette die volle Firma M. Eckstein& Söhne" nebst Schutzmarke trägt. (Arbeiterzahl über 1100). Vertreter: B. Henneböhle, Gütersloh. Rübenschneidemaschinen in 5 verschiedenen Sorten, halte stets auf Lager. Verkauf zu ausserst billigen Preisen. Bei Barzahlung 5 Proz. Rabatt. 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Gütersloh Aktiengesellschaft mit dem Sitze in Gitersloh eingetragen, daß die Prokurg des Adolf Eberwein in Bielefeld erloschen ist. Gütersloh, den 27. November 1907. Königl. Amtsgericht. Habe noch einige Zenter Aepfel billig abzugeben. Aug. Heidland. Neue ausgesuchte schöne weichkochende Hülsenfrüchte, Erbsen, Linsen, Bohnen empfiehlt Ernst Hoffschildt. Wer sein Grundstück, Geschäfts= oder Privathaus, Villa, Hotel, Restaurant, Ritterg., Landwirtsch., Mühle, Ziegelei, Baupl. 2c. bald vorteilhaft verkaufen will, Verbindung mit ca. 200 Bankgeschäften, wer Hypoth. oder Teilh. sucht, sende Adr. sofort a. d. Exp. dieses Blattes unter O. M. 30. Generalvertr. in nächsten Tagen anwesend. Besuch kostenl. K. Agent, strengste Diskretion. Cognae Scherer In allen Preislagen. Hervorragende deutsche Marke. Preise auf den Ellketten. Scherer&ap Co Langen(Franaf. a M.) Alleinverkauf: Clemens Müller, Gütersloh, Berlinerstrasse. 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Fernsprecher Nr. 32 Die Neue Gütersloher Zeitung erscheint wöchentlich dreimal: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend abend. Der Abonnements=Preis beträgt pro Quartal: 1,20 M. einschließlich Botenlohn; durch die Post bezogen und durch den Briefträger frei ins Haus bestellt 1.44 Mark. ustrierte Neue Lesehalle. Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 Pfennig, für auswärtige 15 Pfennig; Reklamen 30 Pfennig.— Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmter Stelle des Inseratenteils übernehmen wir keine Gewähr.— Redaktion und Expedition: Schulstraße Nr. 733, Nr. 142 Schmäling&am; Ohibrock, Sütersloß. Donnerstag, den 28. November 1907 Johannes vogt in Gütereloh. 18. Jahrgang Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Bestellungen auf die Neue Gütersloher Zeitung mit der achtseitigen reich illustrierten Wochen=Gratisbeilag Neus Lesehalle werden jederzeit entgegengenommen vo allen Postanstalten, Landbriefträgern, unsern Zeitungsboten und der Expedition Schulstraße 788. Preußischer Landtag. Der preußische Landtag ist am Dienstag vom Ministerpräsidenten Fürsten Bülow im Auftrage des Kaisers und Königs im Weißen Saale des Berliner Schlosses in der üblichen Weise mit einer Thronrede eröffnet worden. Die Thronrede konstatiert zunächst die Verschlechterung der Finanzlage des Staales. Im lausenden Rechnungsjahre ist, namentlich infolge der starken Steigerung der Ausgaben bei der Eisenbahnverwaltung ein Fehlbetrag zu erwarten. Trotzdem soll die in diesem Jahre begonnene Aufbesserung der Beamtengehälter durchgeführt, das Wohnungsgeldzuschußwesen neu geregelt, die Gehälter der Volksschullehrer erhöht und die wirtschaftliche Lage der evangelischen und katholischen Geistlichen aufgebessert werden. Das alles zusammen erfordere eine jährliche Mehrausgabe von 100 Millionen Mark. Vorschläge zur Beschaffung der ersorderlichen Deckungsmittel sollen gemacht, gleichzeitig auf anderen Gebieten aber möglichst gespart werden. Zur Beschaffung von Betriebsmitteln usw. der Eisenbahnen soll der Anleiheweg beschritten werden. Angekündigt werden Vorlagen betr. Schutz von Mineral= quellen, anderweite Verteilung der Polizetkosten zwischen Staat und Gemeinden in Gemeinden mit königl. Polizeiverwaltung und endlich die neue Ostmarkenvorlage. Der hierauf bezügliche Passus in der Thronrede lautet:„Wie die Entwickelung der Verhältnisse in den östlichen Provinzen der Monarchte zeigt, sind die gesetzlichen Besugnisse der Regierung nicht ausreichend, um die deutsche Bevölkerung in diesen Landesteilen wirksam zu schützen und zu stärken. Die Regierung ist deshalb gezwungen, eine Erweiterung ihrer Vollmachten in Anspruch zu nehmen und wird die entsprechenden, berelts in Ihrer vorigen Tagung angekündigten Gesetzesvorschläge alsbald Ihrer Beschlußsassung unterbreiten. Sie ist überzeugt, daß sie in dieser so ernsten nationalen Froge die tatkräftige Mitwirkung beider Häuser des Landtags finden wird“— Nach dem mit einem Kaiserhoch Ihr Schicksal. Roman von H. Friedrich. (18. Fortsetzung.)—(Nachdruck verboten.) Trotz aller Unruhe, in der die Gräfin sich befand, ließ sie die Gedanken zu jener Stunde zurückschweisen: Gabriele war zur Gruft gewandert, um neue Kränze hinauszutragen, — sie selbst überlegte, wie ihre Zukunft sich gestalten, wie sie sich am besten aus der Affäre ziehen konnte. Da wurde ihr ein Besucher gemeldet, der sich durchaus nicht abweisen lassen wollte. Blumenhagen nannte er sich. Sie kannte den Namen nicht und doch hatte er einen vertrauten Klang für sie, so als hätte sie ihn bereits nennen hören. Der erste Blick auf den Besucher brachte sie auf die richtige Spur. Ein Vetter ihres Gatten, dem dieser einstmals geholfen hatte, seine Schulden zu bezahlen und drüben ein neues Leben zu beginnen, war es. Mit winigen, doch beredten Worten hatte er ihr sein Beileid ausgesprochen und bedauert, daß er nicht früher gekommen sei, denn er hätte das Unglück verhüten können. Die Gräfin horchte hoch auf und fragte erstaunt:„Wieso?“ Und da erfuhr sie dinn, daß Blumenhagen so großes Glück gehabt, daß er reich, sehr reich geworden und extra nach Europa gekommen sei, Veiter Domst bei Heller und Pfennig seine Schuld zpräckzuzahlen. Und nun war es zu spät dazu, und das Geld konnte die so notwendige Hife nicht mehr bringen! Die Gräfin, in deren erfinderischen Kopf die Gedanken sich jegten, setzte ihre liebenswärdigste Miene auf und brachte den fremden Vetter dahin, ihr die ganze, durchaus nicht geringe Summe auszuzahlen, angeblich, um für Gabriele und Ludwig sorgen zu können. Sie wußte es Blumenhagen se überzeugend hinzustellen, daß dieser selne Absicht, die Summe dem Sohne des Verstorbenen zu übergeben, follen ließ, und das Geschäft, wie die Gräfin es nannte, mit ihr abmachte. Auch, daß er Gabtiele sein Beileid ausdrücken wollte, vereitelte sie, indem sle ihm vorsteltte, daß das junge Mädchen ganz und gar trostlos sei und vor jeder Berührung der io schmerzhaften Wunde zurückschricke. So geschoben nd diriglert fand Blumenhagen sich, schneller als er begriff, geschlossenen Eröffnungsakt hielten beide Häuser des Landlages Sitzungen ab. Abgeerdurtenhaus. Berlin, 26. Nov. Der Präsident der letzten Session von Kröcher eröffnete die Sitzung mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser und König und machte einige geschäftliche Mitteilungen. Darauf unterbreitete Fürst Bülow dem Hause die Ostmarkenvorlage mit einer etwa einstündigen Rede. Schon vor fünf Jahren habe er dem Hause die Grundzüge der von ihm für nötig erachteten Ostmarken= politik dargelegt und er sei heute mehr denn je überzeugter Anhänger dieser Politik. Seidem habe die Regierung unter verständnisvoller Mitwirkung dieses Hauses diese Politik verfolgt. Der Anfiedlungskommission ist es möglich gewesen, ihre Besiedlungstätigkeit zu beschleunigen; in den letzten 6 Jahren sind mehr als 9000 Familien angesiedelt worden, doppelt soviel, wie in all' den Jahren vorher. Die Ansiedlungskommission hat bis 1906 826000 Heklar angekauft und davon 235000 Hektar besiedelt. Die Seelenzahl der Anfiedler beträgt jetzt über 100000 Köpfe und sie vermehr! sich jedes Jahr um durchschnittlich 1200 Köpfe. Die der Anfiedlungstätigkeit entgegenstehenden Schwierigkeiten erfordern aber wettere gesetzgeberische Maßnahmen. Unter Vermeidung aller Polemik legt Redner eingehend unter Anführung umfassenden statistischen und anderen Materials die zwingenden Gründe für die vorgeschlagenen Maßnahmen dar. Er sei gewiß, daß, wenn die Regierung von ihrer Ostmarkenpolitik abgehen wollte, sie auf den Widerstand des größten Teiles der Nation stoßen würde, denn es handle sich darum, ob unsere Ostprovinzen deutsch oder polnisch sein sollen. In 11 Jahren, bis 1906, sind im Osten ca. 100000 Hektar Grundstücke mehr aus deutschen Händen in polnische übergegangen als umgekehrt. Die Grund= und Bodenpreise sind durch Spekulationen gewaltig gesteigert worden. Wenn es so fortgeht, wird der deutsche Grundbesitz in verschwindender Minderheit sein. Die Tätigkeit der Anfiedlungskommissionen muß fortgesetzt werden. Dazu bedarf sie zusammenhängender Ländereien, denn nur auf solchen läßt sich eine Anfiedlung deutscher Bauern durchführen. Ohne Eateignung kommen wir ja nicht zum Ziel. Von einer Ausrottung kann keine Rede sein. Eine solche wäre unmöglich; sie würde 3 ½ Milliarden kosten. Es werde vom Gesetz nur als von einer Verleidigungswaffe Gebrauch gemacht werden. Wir wollen keine Verdrängung des Polentums, sondern eine Verdrängung des Deutschtume verhindern. Die Regierung ist von der Notwendigkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen im Interesse der Selbsterhaltung des Deutschtums überzeugt. Mit der Einstellung der Anwieder draußen und wußte nur das eine, daß die schöne, verführerische Frau weit energischer war, als er selber. Hätte er sie beobachten dürfen, mit welchem Frohlocken sie nach seinem Fortgange die Scheine zählte, die er ihr gegeben, — hätte er die Gedanken hinter der glatten Stirn und in ihrem Herzen lesen können, das in diesem Augenblick nichts anderis empfand, als die befriedigende Schadenfreude darüber, auf Kosten der ihr unsympathischen, ja, gerabezu verhaßten Kinder ihres Gatten, sich bereichert zu haben, er würde eingesehen haben, welch' großen Fehler er beging, als er sich ihr anvertraut hatte. Aber wie hätte er voraussetzen können, daß die Gräfin nicht daran dachte, Gabriele oder Ludwig von dem Gelde Nachricht zu geben, zumal sie in so liebevollen, von Teilnahme förmlich überfließenden Worten von Gabrieles Schmerz gesprochen hatte? Noch jetzt in der Erinnerung mußte die Gräfin lachen darüber, wie sie ihn überlistet hatte. Aber damit dachte sie auch wieder an Gabriele und daß dieselbe noch im Hause war und daß sie alle Vorsicht gebrauchen mußte, sich vor ihr keine Blöße zu geben. Mit aller Genauigkeit ordnete sie ihre Schleppe; dann klingelte sie und übergab dem eintretenden Diener zur sofortigen Besorgung den Brief an Blumhagen. Gabriele war unterdessen nach der Bodenkammer hinaufgestlegen, nachdim sie sich über dieselbe informiert hatte. Wider ihren Willen begleitete sie dabei unablässig nur der eine Gebanke: Wie kommt die Gräfin zu all dem Gelde? War es wahr, daß sie es für einen andern aufbewahrte? Es klang gar zu unwahrscheinlich. Wer war dieser Verwandte? Und dann: der Luxus im Hause, die Tollette, die Dienerschaft! Sie schüttelte den Kopf. Sie verstand, sie faßte es nicht. Endlich hatte sie die bezeichnete Bodenkammer erreicht. Nach allem, was sie hier bisher erlebt und gesehen hatte, verwunderte es sie nicht, daß man ihre Koffer und die paar Stücke aus ihres Vaters Haus hier oben in der Rumpelkammer untergebracht, wo niemand sie suchte und sah. Als sie aber dann hinter einer Kiste plötzlich ihres Vaters Orlgemälde verstaubt und voller Spinnweben stehen siedlungspolitik würde die vollständige Polonisierung Posens und Ostpreußens und der angrenzenden Gebiete eingeleitet. Der preußische Staat würde taub sein für die Lehren der Geschichte, wollte er den Lockungen des Poleniums Gehör geben. Wenn es gelungen sein wird, unsere nationale Position im Osten sicherzustellen, dann wird es auch möglich sein, manche den Polen jetzt unbequeme Maßnahmen zu beseitigen. Mit dieser Vorlage soll ganze Arbeit gemacht werden. Fürst Bülow schließt mit einem Appell an das Haus, die Regierung bei ihren Bestrebungen zu unterstätzen. In der Ostmarkenpolttik gebe es kein„Zurück“, nur ein „Vorwärts".(Lebhafter Beifall rechts und bei den Nationalliberalen, Zischen und Psuirufe bei den Polen und links.) Hiernach vertagt sich das Haus auf Freitag. Verrenhaus. Berlin, 27. Nov. Das Herrenhaus, dem zur Zeit 315 Mitglieder angehören, wählte gestern sein bisheriges Präsidium wieder, nämlich den Fürst zu Innund Knyphausen zum Präsidenten, Freiherrn v. Manteufsel und Oderbürgermeister Becker zu Vizepräsidenten, und nahm dann die Wahl der Schriftführer vor. Danach vertagte sich das Haus.— Zu Beginn der heutigen Sitzung ehrt das Haus das Andenken der verstorbenen Mitglieder durch Erhebung von den Plätzen. Gingegangen ist ein Gesetzentwurf betr. die Erweiterung des Landespolizeibezirkes Berlin und des Polizeibezirks Potsdam. Da außer der geschäftlichen Mitteilung weitere Gegenstände nicht auf der Tagesordnung standen, vertagte sich das Haus auf undestimmte Zeit. Lokales und Provinzielles. 8 Güterslon, 28. Nov.[„Ein Streifzug durch die neueste Liederdichtung“] war das Thema benannt, welches Herr Gymnasialdirektor Dr. Bruns gestern abend im evangelischen Bürgerverein vor einer von dem Vereinsvorsitzenden begrüßten Zuhörerschaft beiderlei Geschlechts behandelte. In seiner Einleitung wies der Redner darauf hin, wie in der modernen Dichtkunst die diesseitige Lebensauffassung besonders stark hervortrete und eine wie wenig sinnige Dichtung oder Kunst die Dichterlinge und Schriftstellerei unserem Volke ost zu bieten hätten, Dichtungen, die von einer höheren Auffassung nichts verrleten und gar bald vergessen würden. Ein Volk, das sich solche fade und seichte Dichtung und Kunst gefallen lasse, verdiene sie auch. Dem gegenüber stellte der Vortragende die Dichtkunst und speziell die Liederdichtung, die in Form und Inhalt gleich gut sei und herzerfreuend und wohltuend wirke und sich darum auch dauernd erhalte. Damit kam der Redner nun zu sah, da machte sich alles Weh der letzten Monate in einem erlösenden Tränenstrom Lust und haltlos brach sie zusammen. ** „Herr Stallmeister!“ Ludwig von Domst trat an das offene Fenster seiner Wohnung. „Gnädiges Fräulein wünschen?“ fragte er zurück, hinabschauend, wo Alinde Schönberg im Reitanzuge stand, ungeduldig mit der Gerte gegen ihren Reitrock schlagend. Ludwig kannte diese Bewegung, wie auch das vervöse Zucken der dunklen Augen zur Genüge. Er wußte, daß ein Gewitter, bei dem heftigen Temperament dis Mädchens nichts Seltenes, im Anzuge war. Die Ungeduld sprach aus ihrem Blick, aus jeder ihrer Bewegungen. Und seine Ruhe reizie sie nur noch mehr. „Was ich will? Herabkommen sollen Sie!“ rief sie laut „Wie meinen Sie? Ich habe gnädiges Fräulein nicht recht verstanden!“ gab er ihr zurück und beobachtete die Wirkung seiner Worte. „Wozu wären Sie hier und äßen meines Vaters Broi, wenn Sie mir nicht zur Verfügung stehen wollten?" ließ dieselbe denn auch nicht auf sich warten.„Ich will ausreiten! Ein bißchen flink, Herr Stallmeister, ich kann nicht warten!“ Ludwig verschwand vom Fenster und stand wenige Sekunden später vor dem schönen Mädchen, das er nur ein wenig überragte. „Sie wollen ausreiten, gnädiges Fräulein,“ sagte er, „aber ich erhebe Einspruch—“ „Sie?“ rief sie geringschätzig und sah ihn spöttisch an. „Was erdreisten Ste sich? Haben Sie es in den Monaten Ihres Hierseine denn noch nicht gelernt, daß ich immer meinen Willen durchzusetzen verstehe?“ „O, ja,“ erwiderte Ludwig,„gesehen habe ich das wohl, aber soviel ich mich erinnere, hatten Sie nur Nachteil davon. Mit dem Durchsetzenwollen ist's noch lange nicht getan; das Können allein kommt in Frage bei dem heutigen Wetter. Nachdim der dreitägige Regen den Boden ausgeweicht hat, seinem eigentlichen Vortragsthema, und der Streifzug, den er jetzt durch die umfangreiche und neuere Liederdichtung antrat, dürfte die Zuhörerschaft in ihrer Gesamtheit aufs höchste befriedigt haben; waren es doch der Proben beste mit, die da zu Gehör gebracht wurden und aus denen die Stimmung in allen Lebenslagen heraustönte: Ernst, Freude, Glück, Trübsal, Humor und religlöses Gefühl. Es bestätigte der Streifzug vollauf die Schlußworte des Redners: Wie lieblich und hold ist doch das deutsche Lied, und wie stolz können wir sein auf die deutsche Dichtung. Lauter Beifall lohnte den Vortragenden, dem durch den Vorsitzenden Herrn Sieminardirektor Ebers noch der besondere Dank namens des Vorstandes ausgesprochen wurde. 27. Nov.[Deutsche KriegerFechtanstalt.] Vor uns liegt der Geschäftsbericht der deutschen Krieger=Fechtanstalt für das Jahr 1906. Derselbe konstatiert wieder an Hand von Zahlen befriedigende Erfolge und spendet herzlichen Dank allen Fechlern und Fechterinnen, die zu dem erfreulichen Ergebnis belgetragen haben, für welches auch das kleinste Scherflein von Wert gewesen ist. Der Reingewinn der Fechtanstalt hat von Jahr zu Jahr zugenommen und betrug im Jahre 1906 150 140,72 Mk. (einschl. 37964,64 Mk. für Erlös aus dem Verkaufe der Sammel=Postkarten des Deutschen Kriegerbundes). Unter den Städten, die den Betrag von 100—500 Mark aufgebracht und an die Deutsche Krieger=Fechtanstalt abgeliefert haben, stehl in dem Bericht auch Gütersloh mit dem Oberfechtmeister Herrn Kohlmeyer. Infolge des zu verzeichnenden Fortschrittes spricht der Bericht die Hoffnung aus, daß die Erbauung des 5. Kriegerwaisenhauses bald verwirklicht werden könne, allerdings erst, wenn die Kronprinz= und Kronprinzessin=Stiftung das dazu erforderliche bedeutende Kapltal aufzuwenden vermögen. Möge die segensreiche Tätigkeit im Fechtwesen sich auch welterhin entfalten! § Gütersloh, 28. Nov.[Pacht= und Mietverträge.) Alle im laufenden Jahre in Geltung gewesenen Pacht= und Mietverträge über unbewegliche Sachen, sofern der verabredete, nach der Dauer eines Jahres zu berechnende Pachizins(Mietzins) mihr als 300 Mk. beträgt, sind spätestens bis zum Ablaufe des Januar 1908 mittelst des vorgeschriebenen Pacht= und Mietsverzeichnisses bei den Steuerämtern oder Stempelverteilern durch die Verpächter und Vermieter zur Versteuerung zu bringen. Ihv. Friedrichsdorf, 27. Nov.[Versammlung. Sonntag nachmittag fand hierselbst im Saale des Wirts Th. Bernhörster eine Versammlung des landwirtschaftlichen Vereins Avenwedde=Friedrichsdorf statt. Die Versammlung, welche zahlreich besucht war, wurde vom Vorsitzenden des Vereins, Herrn Vorsteher Meier Bettenworth, mit einer trifflichen Ansprache eröffnet, worin er allen für die zahlreiche Teilnahme dankte. Besonders dankte er auch im Namen des Vereins Herrn Dr. Schulze=Außel, der zu diese: Versammlung eigens von Münster herübergekommen war, für sein Erscheinen und erteilte ihm das Wort zu seinem Vortrage. Herr Dr. Schulze=Außel sprach dann in einer längeren Rede über Kraftsuttermittel und Anwendung künstlicher Dünger. Er sagte, alles wäre so hoch im Preise, deshalb müsse der Landwirt dahin streben, von Acker und Viehzucht soviel wie möglich zu profilieren. Man solle nie Kraftfutter oder künstlichen Dünger kaufen, die nicht chemisch untersucht wären. Bei Kraftfutter würde, wenn zu alt, das Feit leicht ranzig und enthielte dann Giststoffe, besonders Baumwollensaatmehl und Leinmehl. Kunstdünger müsse man untersuchen lassen, weil zu viel Versälschung damit begangen würde. Man solle keinen Roggen an Haustiere wie Pferde, Rindvieh und Schweine verfüttern. Bei Schweinen würden 20 Prozent Roggenmehl im Mager. nicht verdaut. Man solle auch nicht eine Sorte Kraftsuttermittel, sondern verschiedene füttern. Kleie wäre als Zugabe zu empfehlen. Auch empfahl Redner Blutmehl und Fischmehl, wenn es frisch wäre. Zur Düngung empfahl er an erster Stelle den Stalldünger, worin alle Nährstoffe für das Leben der Pflanzen enthalten wären. Auch empfahl er den Peru=Guano, der eigentlich nicht zu den künstlichen Düngerarten gerechnet werden könnte, weil er meistens tierische Abfälle enthielte. Als Stickstoffdünger empfahl er an erster Stelle Chilisalpeter, als Phosphorsäure das Thomasschlackenmehl, dies müsse aber zitronensäurelöslich sein. Als Kalidünger solle man Kainit oder Kaltsalz verwenden, besonders für Wiesen und Weiden, weil den Wiesen durch die Heuernte viel Kali dem Boden entzogen würde. Fast alle Böden in hiesiger Gegend wären kalkarm. Leichtem Sandboden solle man Kalkmergel und schwerem Boden gebrannten Kalk geben. Auch Gründüngung wäre sehr zu empfehlen. Früher hälte man gemeint, mit Grün= und wäre es ein Frevel, einen Ritt zu wagen, wie Sie ihn lieben!“ Alinde lachte laut und hart auf. „Das heißt, Sie fürchten sich, mein Herr Ritter ohne Furcht und Tadel!“ spöttelte sie.„Sie bangen um Ihr bißchen Leben! Gleschviel, wir reiten! Vorwärts, Herr Stallmeister, lassen Ste die Pferde satteln! Es ist bereits zuviel Zeit mit dem Hin und Her vergangen!“ Ludwig verbeugte sich, ohne noch ein Wort zu entgegnen. „Ich reite Phylox!“ fügte Alinde hinzu. „Das ist mein Pferd, gnädiges Fräulein!“ betonte er. „Nein, es ist meines Vaters Pferd!“ entgegnete sie ihm keck.„Sie vergessen schon wieder, daß Sie hier nicht Graf sind!“ „Wozu diese Erinnerung?“ sagte er ernst.„Glauben Sie wirklich, daß es mir gelingen würde, in Ihrem Hause auch nur auf Sekunden zu vergessen, daß ich nichts weiter als ein bezahlter Diener? Solange ich hier bin, hat man es mich täglich, stündlich fühlen lassen, und nicht am wenigsten Sie selbst. Also haben Sie keine Angst. Wenn ich mich sälschlich ausdrückte, so geschah es durch die leicht biKunstdägger allein auszukom nen, aber man wäre wieder davon abgekommen, da Stalldünger besonders die Tätigkeit der Bodenbakterten anrege. Saatgetreid= und Sautkartoffeln solle man oft wechseln, dadurch würde man bessere Ernten erzielen. Redner schloß seinen Vortrag mit den Worten: Prüfet alles und behaltet das Beste. Lauter Beifall lohnte den Redner für dea hochinteressanten und lehrreichen, mit Humor gewürzten Vortrag. Herr Meier Bettenworth dankte Herrn Dr. Schulze=Außel im Namen des Vereins für die allen so schön verständlichen Ausführungen und, da keine Diskussion erfolgte, schloß er die Versammlung. Münster, 27. Nov.(E inkommen eines„Wasserdoktors“.] Ganz in der Nähe von hier, im Dorfe Wolbck, haust ein einfacher Landmann namens Josef Garthaus, der als„Wasserdoktor“— er erkennt die Krankheiten aus dem Urin— einen unglaublichn Ruf hat. Wegen des riesigen Andranges„ordiniert“ der bäuerliche Aeskulap nur an drei Tagen in der Woche. Er will eben auch seine Ruhe haben. Dieser Tage stand der Wunderdoktor vor Gericht wegen Steuerhinterziehung. Ec soll sein Einkommen aus seiner Tätigkeit als Hellkundiger in der Steuerdeklaration verschwiegen haben. Die VeranlagungsKommission hat dieses Einkommen aus der Heilproxis auf — soge und schreibe— 14000 Mk. jährlich eingeschätzt. Das Gericht kam in seiner Entscheldung zu einer Verurtellung und legle dim Wunderdoktor als Strafe den sechssachen Betrag der hinterzogenen Steuer auf, 1816 Mk. Zu seinen Gunsten nahm das Gericht indessen an, daß das Jahr 1906 für ihn nicht besonders erträglich gewesen sei, da Garthaus längere Zeit krank gewesen war. Immerhin schätzte das Gericht sein Einkommen aus der Heilpraxis auch für dieses Unglücksjahr auf 9000 Mark ein. Und dieser Bauer„praktiziert“ vor den Toren der Stadt Münster, die über 60 Aerzte und den Anfang einer medizinischen Fakultät aufzuweisen hat! Unser Staunen wird noch größer, wenn wir hören, daß der Obolus, den die Patienten dem Wunderdoktor für eine Konsultation nebst Medikament zu entrichten pflegen, nach dem Herkommen nur 50 Pfg. beträgt. Wie viele tausende von Patienten oder deren Abgesandte müssen da im Laufe des Jahres die Pilgerfahri nach Wolbeck anfreten!(Rh.=W. Z.) Espe, 27. Nov.[Ein ungetreuer Briefträger] stand vor der Strafkammer zu Münster in der Person des P. zu Espe. In wenigen Monaten des Jahres 1907 führte P. mehrere Unterschlagungen im Amte aus bis zur Höhe von 100 Mark im Einzelfalle und zugleich ließ er sich Urkundenfälschungen zu schulden kommen. Wegen Unterschlagung im Amte wurde er in Anbetracht, daß er die veruntreuten Gelder zurückgezahlt hat, also eln direkter Schaden nicht mehr besteht, kostenfällig zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Recklinghausen, 26. Nov.[Vom Schnellzug getötet.] Ein schreckliches Unglück ereignete sich auf der Eisenbahnstrecke bei Block Grullbad. Der um 7 Uhr 48 Minuten vom Hauptbahnhof abfahrende Schnellzug überfuhr in der Nähe des Blocks einen 30 bis 40 Jahre alten Mann. Der Ueberfahrene wurde etwa 40 Meter weit mitgeschleift und entsetzlich verstämmelt. Die Persönlichkeit des Mannes konnte noch nicht festgestellt werden. Cobleuz, 26. Nov.[Schrecklicher Selbstmord.] Die Frau eines hiesigen Geschäftsmannes, infolge mißlicher Geschäftsverhältnisse aus dem seelischen Gleichgewicht gebracht, hatte bereits vor einiger Zeit den Versuch gemacht, sich zu vergiften. Gestern abend begoß sie sich in der Küche mit Petroleum, zündete sich an und fand in den Flammen den Tod. * Braunschweig, 26. Nov. In der Norddeutschen Zuckerraffinerie in Frellstedt geriet der Arbeiter K. in das Getriebe der Zentrifuge und wurde auf der Stell: getötet. Er wurde weit fortgeschleudert und schrecklich verstümmelt. * Viersen, 27. Nov.[Ein seltenes Paar) beabsichtigt in Süchteln den Bund fürs Leben einzugehen. Der Bräutigam, der Herbergswirt Peter Wirtz, ist im Alter von 84 Jahren. Vor einem Jahre starb seine Frau, mit der er vor etwa 60 Jahren die grüne, später die silberne und goldene Hochzeit feierte. Seine jetzige Braut hat 66 Lenze hinter sich, das junge Pear zählt also zusammen 510 Jahre. * Berlin, 24. Nov. Vor der vierten Strafkammer des Landsgerichts I hatte sich gestern der vielfach vorbestrafte Vorarbeiter Häußner zu verantworten, weil er sich erboten hatte, militärische Geheimnisse an das französische Nachrichtenbureau zu verraten. Der Angeklagte hatte es vergreifliche Gewohnheit, das mir zur Verfügung Gestellte als mein zeitweiliges Eigentum zu betrachten. Phylax ist kein Damenpferd.“ „Mir gleich, ich will ihn reiten!“ beharrte die Schöne. „Mit meiner Erlaubnis gewiß nicht!“ entgegnete Ludwig und maß das schöne Gesicht mit dem spöttisch gespitzten Mund mit ernstem Blick. „Die brauche ich auch nicht, mein Herr Stallmeister, denn Vater hat es mir zugesagt!“ gab sie ihm scharf zurück. „Ich bin die lammfromme Irene sagt bis zum Ueberdruß!“ „So nehmen Ste Solly, sie ist jung und feurig, aber gutartig, Phylox aber—“ „Sparen Sie sich die Worte, Herr Stallmelster," unterbrach sle ihn,„ich reite heute Phylax und dabei bleibt's!“ „Ich lehne jedoch jede Verantwortung ab bei solch kindischem Spiel und Eigensinn!“ versetzte er.„Gedulden Si sich eine Weile, gnädiges Fräulein! Es wird Mühe kosten dem Pferde den Damensattel aufzulegen!“ „Nur hurtig, Herr Stallmeister,— ich brenne darauf, hinauszukommen!“ rief Altnde und folgte Ludwig bis an die Stalltür, wo sie stehen blieb und ihm zuschaute, wie er mit kundiger Hand die Pferde zäumte, eine Arbeit, die er keinem Reitkacht überließ. Jeu(Fortsetzung folgt.) standen, sich in Klel eine Stelle als Jagenleur zu verschaffea und hatte durch diese Stellung Kenntnis über die Details der Küstenbefestigung, die Lage der Mienen usw. und wollte dem französischen Nachrichtenbureau eine wertvolle Generalstabskarte liefern. Bevor Häußner aber nach Paris reisen konnte, um in endgültige Verhandlung mit dem Spienagebureau zu treten, wurde er auf dem Bahnhof verhaftet. Das Gericht verurtellte ihn zu 1½ Jahren Gefängnis, drei Jahren Ehrverlast und Stellung unter Polizeiaufsicht. *[Die Stenographie im Gerichtssaal.] Nach dem englischen Gesetz über das Recht der Berufun in Strafsällen hat vom 18. Aprll u. J. an eine stenographische Aufnahme aller Gerichtsverhandlungen zu erfolgen, bei denen eine Berusung an eine höhere Stelle mözlich ist. Der Richter Sir Artur Jelf weist nun darauf hin, daß nfolge dieser Bestimmung in ganzes Herr von Stenographen ersorderlich werden wird. Die Bezahlung dieser Stenographen erfolgt aus einem Fonds, den das Parlament zur Versügung stellt. Vorläufiz weiß man tatsächlich noch nicht, wie man den Bedarf an Stenographen decken soll, und die Stenographen werden hohe Löhne fordern und erhalten können. Es ist interessant zu hören, daß Damen von der Anstellung als Gerichtsstenographen ausgeschlossen sein werden. Dies geschieht mit Rücksicht auf die vielen Gerichtsfälle, in denen die Frauen aufgefordert werden, den Gerichtssaal zu verlassen. *[ R u s s i s c h e T e r r o r i s t e n i n B e r l i n.] I m A n schluß an die kürzlich vorgenommene Untersuchung des Falles Mirski, in dem ein doppelter Koffer eine Rolle spielte, hatte die Berliner Polizei Nachricht davon erhalten, daß in Berlin auf dem Gesundbrunnen in der Pankstraße russische Terroristen verkehrten. Ihre Beobachtungen ergaben, daß in dem Hause Pankstcaße 32c, dessen Besitzer der sozialdemokratische Agitator und Stadtverordnete Restaurateur Emil Kerfia ist, außerordentlich viel Russen ein= und ausgehen. Die Polizei entdeckte im Erdgeschoß des Hinterhauses ein geoßes Geheimlager der russischen Sozialrevolutionäre. Zwei unbewohnte Zimmer, deren Tür direkt auf den Flur mündete und durch ein Vorlegeschloß verschlossen war, waren vollgestopft mit terroristischer Literatur und Flugschriften. Besonders auffallend waren aber zwei schwere Kisten, deren Inhalt aus schweren Parabellum=Pistolen nebst Ersatzteilen“ 8000 Spitzhohlgeschossen und einem elektrischen Moto: bestand, der dazu dienen sollte, elektrische Fernzünder zur Sprengung von Häusern und Brücken in Bewegung zu setzen. Außerdem fand man hemdenähnliche Tragbänder vor, in die Taschen eingenäht waren, deren Inhalt aus revolutionären russischen Schriften bestand, die aber auch zum Waffenschmuggel benutzt werden konnten. Das ganze Lager füllte zwei Möbelwagen. Die Patronen sind vom 30. September datiert und stammen ebenso wie die Pistolen wahrscheinlich aus Karlsruhe. Nähere Daten über die Besitzer dieses Lagers, die Herr Kerfig nicht kennen will, dürfte erst die weitere Untersuchung ergeben. Durch diese ist bieher nur festgestellt, daß in dem Hause des Kerfin ein Russe namens Freitag sich eingemietet hatte, der auch schon unter anderen Namen von sich reden gemacht hat. Verhaftungen sind in dieser Angelegenheit noch nicht erfolgt. * Mechelen, 27. Nov. In dem benachbarten Dorfe Waelhem hielt kürzlich eines Abends vor der Dorfschenke, die gerade gegenüber der dortigen Kirche gelegen ist, ein hochelegantes Automobil an. Der Wirt eilte mit den beiden anwesenden Gästen sofort hinaus, um zu sehen, was für ein hoher Besuch zu so später Stunde eingetroffen wäre, und da erfuhr er durch den Chauffeur, daß dem Automobil etwas passiert sein müsse. Es war nicht mehr von der Stelle zu bringen, und alle Versuche, die der Chauffeur in dieser Hinsicht unter lauten Ausrusen des Aergers noch fortwährend machte, blieben total erfolglos. Das dauerte so lange, bis der Wirt und die beiden Gäste es müde wurden, den vergeblichen Bemühungen des Automobillenkers noch länger zuzusehen und sich daher zur Ruhe begaben. Als der Wirt am anderen Morgen erwachte, sah er zunächst nach dem Automobil. Dieses war indessen verschwunden, und dem Chauffeur war es also jedenfalls gelungen, den Schaden zu reparieren. Sehr bald sollte er jedoch erfahren, daß mit dem Automobil auch noch andere Dinge aus dem Dorse verschwunden waren. Während er nämlich noch immer aus dem Fenster schaute, kam der Küster aus der gegenüber liegenden Kirche gestürzt und erzählte in großer Aufregung, daß in der Nacht der Altar völlig ausgepländert und alle Gegenstände von irgendwelchem Werte gestohlen worden seien. Eine Frau, die spät in der Nacht an der Kirche vorbeigekommen war, berichtete späler, daß sie zwei Männer gesehen hätte, die mit einem schweren Pakei hinier der Kirche hervorgekommen, dann in das Automobil gestiegen und schleunigst davon gefahren seien. Bis jetzt ist es den Behöcden noch nicht gelungen, den Urhebern dieses mittelst Automobil ausgeführten Kirchendiebstahls auf die Spur zu kommen. Kaum glaublich klingt es fast, wie es noch jemanden geben kann, der sich Cognac, Rum, Likhre, Punschextrakte usw. noch nicht selbst bereitet und sich die ungeahnt großen Vorteile noch nicht zu Rutze zu machen versteht. Man mache nur einmal im Selbstinteresse einen aufklärenden Versuch mit den berühmten„Original=ReichelEssenzen— natürlich Destillate und Extrakte— und wird zunächst ganz überrascht sein, wie es möglich ist, sich ohne die geringste Schwierigkeit in wenigen Minuten die feinsten Liköre herzustellen, die mit den teuersten Weltmarken jeden Vergleich aushalten und ein Hochgenuß für alle Kenner und Feinschmecker sind. Man weiß dann sicher, was man trinkt, und spart das Doppelte bis Dreisache, oft sogar bis um das Zehnfache. Ein Mißlingen ist hierbei günzlich ausgeschlossen, vielmehe jeder einzte Besuch ein Meisterstück. 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